Kr. iso. Hboni»em«ntS'Bcdlngnngei»: Abonnements> Preis pränumerando: Biertcljährl. 3.30 Mb. monafL 1,10 Wt, wSchenttich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags» »Ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Belp' 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Pofl-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, sür daS übrige Ausland 8 Mark pro Monat. A. Jahrg. VIe TnIcrti«nS'GebIll)r dekigt sür die sechSgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Pfg., sür politische und gcwerlschastliche Vereins- und BersammIiingS-Anzeigen 25 Psg. „Kleine linzeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben Werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geösjnet. vlcheiiit lüglich Ailler Moati«. Devlinev Volksbl�kk. Telegramm-Mresse: „SMiaUemekrat Berlin". Zentralorgati der roztaldemokrattfcben Parte» Deutfchlanda. Redaktton: Svll. 68, Ltndcnstrassc 69. Kernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 31, Mai 1904. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Hbonnementt-einlaäung. Mit dem 1. jfuni IQOT eröffnen wir ein neues Abonnement auf den„Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Qnterlsaltungsblatt und der Sonntagsbeilage„Die Neue Welt". Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure sowie unsre Expedition, Cindenstrasse 69, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 JVIarh 10 Pfennig frei Ins Daus. 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Im Auslände kann der„Vorwärts" gleichfalls bei der Post besteht werden; der flbonnementspreis beträgt vierteljährlich in Belgien 5 pr. 1 Cts.; Dänemark 3 Kr. 86 Oere; Rolland 3 pl.; Italien 5 Cire 61 Cts.; Luxemburg 1 Mk. 12 Pf.; Portugal 1155 Reis; Rumänien 6 Lei; Schweden 3 Kr. 87 Oere; in der Schweiz 5 pr.; in England, prankreich, Spanien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und andren zum Weltpostverein gehörenden Ländern 9 Mark. Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der „Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deuticklands und seiner Kolonien, in Oestreick-Ungarn und Luxemburg, im Ausland 3 Mark pränumerando. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Die Arbeiterpolitik in Australien. DaS w Brisbane(Queensland) erscheinende offizielle Organ der australischen Arbeiterpartei schrieb am 23. April, als gerade im Repräsentantenhause die Beschlüsse gegen die Regierung Deakins gefaßt worden waren, die dann zu dem Arbeiterministerium Watson führten, den folgenden Artikel über Die BundeskrisiS und die Arbeiterpolitik. .Die der Bundesregierung wegen ihres Versuchs, die S t a a t s- angestellten von den Vorteilen der Industrie- S ch i e d s- gerichte auszuschließen, bevorstehende Niederlage eröffnet die bedeutsame Frage: WaS hat die Arbeiterpartei zu thun, wenn Deakm zurücktritt? Soll sie dem OueenSländer Beispiele folgen und ein Kompromiß bilden? Oder soll sie ein reines Arbeiterkabinett bilden und versuchen, die Geschäfte des Landes fortzuführen? Oder soll sie alle Verantwortlichkeit ablehnen und die Sache gehen lassen, wie sie will? Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß kein Kompromiß zu stände kommt, an dem ein Arbeiterminister teilnimmt. Nur die außerordentlichen Umstände in Queensland rechtfertigen, was hier geschehen ist. Aehnlich zwingende Bedingungen des öffent- lichen Interesses liegen im Bunde(in der Regierung der Vereinigten Staaten Australiens) nicht vor. In Queensland wurden wir durch die Thatsachen in das Kompromiß hinein getrieben. Das Festhalten der bestehenden Regierung an der Macht, worin sie bestärkt wurde durch die offen zu Tage getretene Unfähigkeit des Parlaments, ein andres Ministerium zu unterstützen, gestattete kein lange! Besinnen. Um daS Land vor der Schreckensherrschaft der Philp-Jananias zu schützen, war die Arbeiterpartei gezwungen, ihre Politik der Jsoliening zu verlassen und mit andren Fraktionen des Hauses zusammen eine Regierung zu bilden. Welches die Wirkung dieser Aktion auf die Arbeiterbewegung in Queensland sein wird, bleibt abzuwarten. Die Gefahren, denen sie uns aussetzte, sind einleuchtend genug. Wir machten seiner Zeit darauf aufmerksam, aber die Niederwerfung Philps und seines bösen Genius, JananiaS, war eine ausreichende Rechtfertigung, daS Risiko zu übernehmen. Immer ist in dem Kompromiß die Gefahr, daß unter der un- merklichen Wirkung der unpolitischen Notwendigkeit, unterstützt durch die erschlaffenden Einflüsse der offiziellen Stellung, die Partei, ohne es zu wissen, ihre Reinheit(ihren bisherigen Charakter) verliert und zu einer rein ministeriellen Partei wird. Auf Parteiführer, die in solche Situationen gebracht werden, darf man sich nicht verlassen. Es giebt Männer in den Reihen der Arbeiterpartei Queenslands, die einer Abschwächung des Programms nicht abgeneigt sind, alle Grundsätze aufzugeben, um sich die Verbindung mit den Morganiten zu erhalten. Wenn es nach diesen ginge, die Arbeiterpartei würde bald nicht mehr zu unterscheiden sein von den alten Liberalen. Wie die Dinge liegen, wissen diejenigen, deren Blick nicht nur a« der Oberfläche der politischen Dinge haften bleibt, sehr wohl, daß die Grundlage einer unverfälschten Arbeiterbewegung in der Organisation außerhalb des Parlaments liegt und nicht bei den Führern und Repräsentanten innerhalb desselben. Wir könnten wohl Führer nennen, die treu und unbeugsam sind, auch solche, welche nicht bewußt vom graben Weg abweichen würden, aber das alles zugegeben, kein ernster Betrachter unsrer parlamentarischen Verhältnisse kann die Augen vor der Thatsache verschließen, daß ein Kompromiß nicht die Nahrung ist, bei dem eine entschlossene und unabhängige Arbeiterpartei gedeihen kann. Unter gewissen Umständen hat es vielleicht einen medizinischen Wert, aber weder Menschen noch Parteien können von Medizin leben. ..» Wir sehen in der Lage des Bundes keine Notwendigkeit für die Arbeiterpartei, im Falle des Rücktritts der Regierung sich einem Kompromiß zur Bildung eines neuen Ministeriums anzuschließen. Die Arbeiterpartei hat ihre eignen selbständigen Ziele und Auf- gaben; diese können nur durch eine Arbeiterregierung erfüllt Iverden. Politische Freiheit haben wir im Bunde. Die zukünftige Gesetz- gebung muß mehr und mehr auf ökonomische Fragen gerichtet sein. Nur eine Regierung, die von dem Glanben an den Soeialismus erfüllt ist, kann von jetzt an dauernd den Interessen der Arbeiter des australischen Bundes dienen. Kompromisse schwächen das Klassen- bewußtsein ab, das den Lebensatem der Arbeitersache bildet. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde die Lebensfähigkeit einer Regierung aus Arbeitern der Propaganda der Arbeitersache sehr förderlich sein und die Arbeitersache selbst, abgesehen von den politischen Konsequenzen, erheblich fördern. Höchstens, wenn Watson die Regierung übernehmen könnte mit einer Majorität von Arbeiterministern, und mit freier Hand gegen- über dem Parteiprogranim, anders könnte die Frage eines Kompromisses nicht erwogen werden. Es würde für die Partei besser sein, sich gegen ein angemessenes Abkommen und Konzessionen zur Unterstützung einer liberalen Regierung zu verpflichten, als eine Regierung aus ihren eignen Reihen zu bilden." GS wird dann dargelegt, welche Personen zu einer solchen Regierung geeignet wären. Daun heißt es weiter: „Ein Appell an das Land wäre nutzlos, da nicht zu erwarten ist, daß dadurch die Positionen der Parteien erheblich geändert würden. Allerlei Parteibündnisse scheinen unvermeidlich. Wir haben bisher stets gefleht, die Arbeiterpartei möchte nicht dabei sein. Parteien sind Werkzeuge politischer Handlungen. Die Arbeiter- Partei in Australien ist ein Werkzeug, das seit zwanzig Jahren in der Schmiede ist. Seine Zukunft zu gefährden eines kleinen Augenblicksvorteils wegen wäre eine selbstmörderische Thorheit. Die Arbeit, die so lange gewartet hat, kann auch noch ein wenig länger warten, bis das Wachstum der öffentlichen Meinung die ganze Gewalt in ihre Hände giebt; inzwischen suche sie zu erlangen was sie kann unter ehrenhafter Devise und durch rastlosen Kampf." *» » Dieser Artikel ist ein wichtiges Dokument der internationalen Arbeiterbewegung. Unmittelbar nachdem er geschrieben, wurde das reine Arbeitermini st eriu in geschichtliche Wirklichkeit. Es wurde kein Kompromiß geschlossen, man erachtete aber auch den Zeitpunkt für nicht zu früh, die ganze Macht zu übernehmen— und so ist in Australien das Thatsache geworden, was die Reaktionäre aller Länder als das Ende aller Kultur schaudernd ausmalen: Die „Diktatur des Proletariats". Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß der australische Arbeiter nicht vollständig identisch mit der europäischen Social- demokratie ist. Aber der vorstehende Artikel zeigt auch andrerseits, daß es sich bei der australischen Arbeiterpartei nicht etwa um jene unpolitischen und verwaschenen Bildungen handelt, wie sie in Eng- land herrschen. Man kann gar nicht schärfer die Klassenanschauung präcisieren, als das in dem Artikel geschah, der an dem Borabend der Schaffung eines reinen Arbeiterministeriums geschrieben ist. In bedeutsamer Weise motiviert der Artikel, warum die Ar- beiterbewegung Australiens an einer Kompromißregierung nicht teil- nehmen kann: Die Demokratie sei in Australien durchgeführt, damit entfalle— so ist offenbar der Gedankengang— das letzte gemein- same Interesse, das das Proletariat vorübergehend an die Seite eines demokratischen Bürgertums führen könne. Jetzt handele es sich im Wesentlichen um wirtschaftliche �Fragen, um socialistische Probleme. Hier abergebe es keine Gemeinsamkeit mitdenLibernlenmehr. Hier müsse reine Klassenpolitik getrieben werden. Der Verfasser des Artikels meint deshalb, die Unterstützung eines liberalen Ministeriums sei jeder Kompromiß-Regierung vorzuziehen. Entweder die ganze Macht— oder gar nichts I Ob aber die Zeit reif sei, die ganze Macht zu übernehmen, das ist für den Verfasser des Artikels noch fraglich. Am Abend des Tages, da dieser Auffatz erschien, wurde Watson daS Kabinett angeboten, das er sodann mit der durch das Pro- gramm verpflichteten Zustimmung der Arbeiterpartei annahm. Man zweifelte nicht im mindesten daran, daß das Proletariat regierungs- fähig sei. Was dieses merkwürdige Experiment für die internationale Socialdemokratie bedeutet und was es ni cht bedeuten kann, haben wir des öfteren dargelegt und brauchen es bei dieser Gelegenheit nicht zu wiederholen. Bedeutsam aber ist, daß dieses Arbeiter- Ministerium eine Regierung des klaren proletarischen Klassen- bewußtseins ist, das auf socialistische Ziele hinsteuert, wie vorsichtig und langsam eS auch vorgehen mag. Die frühere Regierung der Vereinigten Staaten Australiens ist ge- scheitert, weil sie den Staats arbeitern nicht das Recht der Schieds-- gerichte zugestehen mochte, jetzt ist die Staatsgewalt selbst in den Händen der Arbeiterpartei. Wie weit ist doch das Preußen der Budde und Hammerstein, der Mirbach und Manteuffel„in der Welt voran!"— politische QebeiTwbt. Berlin, den 80. Mai. Wohin sie wollen! Der famose„Reichsbote" plaudert weiter aus den Geheimnissen der konservativen Wahlrechtsfeindschaft.„Rechts oder links?" stellt er die Frage, und links ist nicht etwa allein die Socialdemokratie.„Links" sind für den„Reichsboten" die Freisinnigen und selbst dir Nationalliberalen, die sich der vollständigen V e r- m u ck e r u n g des Schulwesens widersetzen.„Der Aberglaube der liberalen Aufklärung ist unser Unglück", erklärt der„Reichsbote". aber er glaubt sich trösten zu dürfen, indem er ausruft:„Alle unsre Verhältnisse weisen heut nach rechts." Und in diesem Zusammenhange fällt er zurück in sein tägliches Gebet: Unsei schlechtes Wahlrecht nimm uns heute! Er sagt: „Alle verständigen Mensche» sagen sich, daß das destehend» Reichstags-Wahlsystem das Reich zu Grunde richten wird, weil eS den Reichstag immer mehr in die Hände der Socialdemokratie und des Ultramontanismus ausliefert. Aber die Furcht vor dem noch immer herrschenden Aberglauben an die liberale Theorie hindert die meisten, öffentlich auszusprechen, was sie unter vier Augen als ihre Ueberzetigung bekennen. Man kritisiert alles, auch das Heiligste. nur das ReichstagS-Wahlsystem soll man nicht kritisieren, es sei denn, daß man eine noch immer demokratischere Gestalt desselben fordert, wie es durch das Klosettgesetz geschehen ist I Wie könnten da ernsthafte, politisch denkende Männer sich aus die Seite der freisinnigen Partei stellen, die bereits dicht neben der Socialdemokratie steht und in den Zollverhandlungen Hand in Hand mit ihr gegangen ist. Alles Iv e i st heute nach rechts; die wirtschaftlichen» die socialen, die politischen, du Kirchen-, Schul- nnd BildmigSverhältnisse, wie die nationalen Wehrmachtverhältnisse zu Wasser und zu Lande erfordern eine Be- Handlung im konservativen Geiste, nnd darum muß es das Streben aller ernsthaften Männer sein, eine starke national- konservative P ar t ei k 0 a li t i 0 n herzustellen, wozu i» dem Schulantrag ein erfreulicher Anfang vorliegt." ES zeigt sich, wohinaus die Wahlrechtsfeindschaft der ftomme» Reaktion strebt. Das jetzige Wahlrecht richtet das Reich zu Grunde. e r st dann wird das Reich gesichert, wenn außer der Socialdem» kratie auch da« Centrum und der Liberalismus durch Wahlrechts- änderung und Staatsstreich an die Kette der politische» Einflußlosigkeit gelegt werden! Zumeist schwatzen die Wahlrechtsfeinde von der„socialdemo- kratischen Gefahr". Der„Reichsbote" verrät, was ihr ganzes Ziel ist: es soll die Socialdemokratie gemeuchelt werden, damii Centrum und Liberalismus, �soweit sie überhaupt noch zu diilder sind, zur dauernden Minorität herab gedrückt werden, damit auf allen Lebensgebieten die konservativ« Reaktion triumphiert. Wäre es wahr, daß„alle unsre Verhältnisse nach rechts weisen". so bedürfte der Konservatismus nicht des Wahlrechts- Umstürze» Da aber das Gegenteil wahr i st, da die gesamte Wirtschaft» liche und politische Entivicklung den Uniergang deS konservativen Regimes unvermeidlich herbeiführt, darum apelliert das gottes- fürchtige Scharfmachertum an die gottlose Gewaltthätigkeit, an den Totschlag des Rechts und der Kultur.—- Centrum und Kontraktbrnch-Gesetz. Die„Kölnische Volkszeitung" giebt zustimmend einen Artikel der klerikalen„Westdeutschen Arbeiterzeitung" wieder, der sich scharf gegen das preußische Kontrattbruch-Gesetz wendet. Ist es, fragt das genannte Blatt, nicht eine Ungeheuerlichkeit, zu dem rechtsbeschränkenden Gesetze der Gesinde-Orduung ein Ausnahmegesetz gegen die ländlichen Arbeiter und Dienstboten zu erlassen? Das neue Gesetz wird die Wirkung haben. daß ein Landarbeiter oder Dienstbote, der aus irgend einem Grunde seinen Dienst vor Ablauf der KündigmigSfrist verläßt, gewissermaßen geächtet wird. Niemand darf ihn in Arbeit nehmen, niemand darf ihm Arbeit vermitteln; indem man ihm das Fortkommen als Lohnarbeiter unmöglich macht, sucht man ihn an den Kontraft zu fesseln, den er vielleicht aus Unkenntnis oder gutem Glauben eingegangen hat und der vielleicht von seinem Arbeitgeber in einer Weise gehandhabt wird, daß sich da» Rechtsgefühl deS Arbeiters dagegen aufbäumt. Nimmt man nun noch hinzu, daß die �Landarbeiter kein KoalitionS recht haben, Streiks und Verabredungen zu Streiks bis zu anderthalb Jahren Gefängnis in Preußen bestraft werden können, dann möchte man auf den Gedanken kommen, ein Stück der alten Leib» eigenschaft sollte wieder erstehen. Das Kontraktbruch-Gesetz ist unter den heutigen Umständen für die Landarbeiter das, was da» Zuchthausgesetz für die Jndustrie-Arbeiter war. Die„Westdeutsche Arbeiterzeitung" giebt sich der zuversichtlichen Erwartung hin, daß im Landtage jedes Kontraktbruch-Gesetz so lange abgelehnt werde, bis ein klares, den heutigen Zeit» und Rechts- Verhältnissen entsprechendes einheitliches Recht für die Dienstboten und Landarbeiter geschaffen sei.„Wir können uns", bemerkt die „Kölnische Bolkszeitung" dazu,„dieser Erwartung nur anschließen. Ein Gesetz, wie das dem preußischen Landtage vorliegende, würde zwar die konsequente Ausgestaltung der bestehenden Bestimmungen sein, aber diese Bestimmimgen selbst sind unvereinbar mit dem Geist« der gesamten socialpolitischen Gesetzgebung der letzten Jahrzehnte." Diese Centrums-Kritik an der beabsichtigten Wiedereinführung der Leibeigenschaft in allen Ehren— nur schade, daß die Centrum»- Partei im preußischen Abgeordnetenhause weder nach der„Kölnischen Balközeiwng" noch nach der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" fragt. Das preußische Dreiklassen- Wahl- Centmm unterscheidet sich in agrarischer Arbeiterfcindschaft ganz und gar nicht von den Konser- vativen. So beruht denn auch die jetzige infame Vorlage auf wieder- holten Mehrheitsbeschlüssen des Abgeordnetenhauses, an denen gerade das Centrum mitgewirkt hat. Als am 4. Juni 1902 die Junker über das Kontraktbruch-Gesetz interpellierten, erklärte sich der Centrumsredner Fritzen im Namen seiner Fraktion ausdrücklich für Bestimmungen, wie sie der jetzige Entwurf vorschlägt. Zwar wolle das Centrum keine höhere Bestrafung für kontraktbrüchige Arbeiter, dagegen würde es sich dazu verstehen, „daß gegen Agenten und Arbeitgeber, welche in doloser Weise die Arbeiter zum Kontraktbruche verleiten, oder welche solche Arbeiter, wissend, daß sie im Kontraktbruche stehen, dennoch in doloser Weise zur Arbeit annehmen und darin behalten, daß gegen solche Arbeitgeber mit Strafen vorgegangen werden könnte... Bis zu diesei» Punkte werden allerdings»icinc politischen Freunde und ich mitgehen". Die Bestimmungen, mit denen sich der Centrumsredner für seine Partei einverstanden erklärte, bilden den jetzigen Entwurf. Das Centrum hat also direkt die Kontraktbruch-Vorlage durch seine schon vorher erteilte Billigung veranlaßt. Das kann auch dem rhei- nischen Centrumsblatt unniöglich unbekannt sein. Das Centrum treibt also wieder das alte Doppelspiel: eine radikale, demokratisch gefärbte Preßkritik und erzreaktionäre Handlungen. Mit den schönen Frei- heits- und Gerechtigkeitsworten wird aber nicht die Thatsache aus der Welt geschafft, daß das Centrum in erster Linie die Ver- antwortung für die ganze herrschende Reaktion trägt. Oder wird etwa das Centrum, wozu es die Macht hätte, die nichtswürdige von ihm selbst als Leibeigenschafts-Gesetz anerkannte Vorlage zu Falle bringen?— Der Borschlag der allgemeinen Militärpflicht in England. London, 28. Mai. sEig. Ver.) Die„königliche Kom- Mission", die die Organisation der Miliz und Freiwilligen zu untersuchen hatte, ist in ihrer Mehrheit zur Ueberzeugung gelangt, daß die Sicherheit Englands die Einführmig der allgemeinen Militärpflicht nach kontinental europäischem Muster verlangt. Die Mehrheit der Kommission erklärt:„Nach dem Znsammenbruch der alten Wehrniethoden haben die Staaten des europäischen Festlandes folgende Grundsätze angenommen: erstens, daß die ganze männliche Bevölkerung, soweit sie körperlich tüchtig ist, im Gebrauch der Waffen ausgebildet werden soll; zweitens, daß die Ausbildung während einer Periode ununterbrochenen Dienstes unter der Fahne geschehen soll, und drittens, daß die In- struktoren speciell dazu erzogen und hochgebildet sein müssen. Wir sind überzeugt, daß dies der einzige Weg ist, eine numerisch starke und militärisch tüchtige Armee zu schaffen, wie wir sie zur Abwehr einer Invasion nötig haben." Die Mehrheit der Kommission erklärt weiter, daß ein Jahr genüge, um eine gute militärische Ausbildung zu erhalten, die durch nachträgliche Uebungen während einiger Wochen im Jahre vervollständigt werden könne. England brauche SSO(ZOO Soldaten zur Verteidigung der Heimat; eine solche Armee wäre schon einige Jahre nach der Durchführung der Kommissionsvorschläge verfügbar. Der Bericht hat selbstredend großes Aufsehen erregt; die Mehrheit der Blätter verhalten sich skeptisch oder ablehnend. Mindestens wird es einer langjährigen Agitation bedürfen, ehe die englische Demokratie die allgemeine Wehrpflicht acceptiert.— Deutfches Reich. Handelsvertrags-Berhandlmigen mit Oesterreich-Ungarn. Nachdem kürzlich zwischen Oesterreich und Ungarn die Ver- ständiguug über ihren neuen Zolltarif erfolgt ist, sind heute vor- mittag die österreichisch-ungarischen Delegierten zur Vorberatung des neuen Bertragstarifs hier in Berlin eingetroffen und hat heute nach- mittag bereits die erste Sitzung unter Vorsitz des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes Freiherrn von Richthofen stattgefunden, an der auch der österreichisch-ungarische Botschafter v. Szöghsny-Marich teilnahm. Vorläufig handelt es sich um die bloße Fühlungnahme der beiderseitigen Unterhändler und die Feststellung der hauptsächlichsten Forderungen jeder der beiden Parteien. Ist dieses Ziel erreicht, so sollen die Verhandlungen auf einige Wochen unterbrochen und dann mit der eigentlichen Lesung begonnen werden. Bis endlich eine Einigung erfolgt, wird jedenfalls noch viel Zeit verstreichen. Diese Auffassung scheint auch in der deutschen Regierung die vorherrschende zu sein, denn einerseits mahnt die offiziöse Presse, doch nicht durch allerlei Glossen über die Aussichtslosigkeit der Verhandlungen die fremden Unterhändler noch anspruchs- voller zu machen, als sie ohnehin schon sind, und andrerseits wird in halbversteckter, aber doch deutlicher Form an die fremden Delegierten die Drohung gerichtet, daß wenn an ihrer Unnachgiebigkeit des Zustandekommen eines neuen Vertragstarif- entwurfs scheitern sollte, die deutsche Regierung den neuen deuffchen Zolltarif Kardorffscher Hebammenkunst �schließlich doch in Kraft setzen werde. Nachdem schon in ihrem letzen Wochenrückblick die«Norddeutsche Allgemeine Zeitung" über die Stärkung der Position der fremden Unterhändler durch die linksstehende deutsche Presse beweglich ge« klagt hat, schreibt in ihrem gestrigen, aus Berlin bezogenen offiziösen Leitartikel die Münchener„Allgemeine Zeitung": „Während die Beauftragten der deutschen Regierung, mit denen sie verhandeln, ihre Forderungen stellen, können sie(die fremden Unterhändler) beständig von Zeit zu Zeit in deutschen Zeitungen lesen, diese Forderungen seien viel zu hoch und könnten und würden niemals zugestanden werden. Und zum Ueberfluß wird ihnen noch weiter gesagt: die Folge des Nichtzustandekommens des Handels- Vertrages werde sein, daß der Kaiser den Kanzler entlassen werde. Nun sind doch die fremden Unterhändler klug genug. um ganz genau zu tvissen, daß ihre Unnachgiebigkeit das Gewicht derartiger, von Hause aus vielleicht gar nicht so bedeutungsvoller Preßstimmen erheblich verstärken muß. Da- gegen wird man von Ausländern nicht erwarten können, daß sie über das Maß dieser Wirkung ein vollkommen zutreffendes Urteil haben. Sie werden vielmehr, da doch jeder Mensch bis zu einem gewissen Grade geneigt ist, was ihm wünschenswert erscheint, auch für wahrscheinlich zu halten, das ihnen günstige Schwergewicht der deutschen Opposition überschätzen und sich dem Glauben hingeben, ihre Hartnäckigkeit könne vielleicht doch den deutschen Reichskanzler schließlich für seine Stellung fürchten lassen und seinerseits zur Nach- giebigkeit zwingen. Insofern sind die erwähnten deuffchen Preß- stimmen allerdings„Anwalte des Auslandes", denn sie ermuntern die ftemden Unterhändler direkt zur Harwäckigkeit gegenüber den Forderrmgen unsrer eignen Regierung." Zugleich aber wird nach der andren Seite hin erklärt, daß es völlig verkehrt sei, anzunehmen, die deutsche Regierung werde, wenn keine neuen Handelsverträge zu stände kämen, die alten zu erneuern resp. zu verlängern suchen:„Die Regierung wird jede erdenkliche Mühe aufwenden, mn die Kündigung der alten Handelsverträge vor dem sicheren Abschluß neuer auf der Grundlage des neuen Zolltarifs zu vermeiden, aber die Kündigung wird doch eintreten müffen, wenn die Unnachgiebigkeit der fremden Regierungen einen andern Weg zur Wahrung der deutschen Interessen gemäß dem neuen Zolltarif nicht gestattet." Wie koinisch nehmen sich dieser ängstlichen Ermahnung gegen- über die großen Tiraden aus, mit deneu Graf Bülow die denkwürdige Dezembernacht des Jahres 1902 einleitete, in der„das große Vater- ländische Werk des Zolltarifs" zum Abschluß gelangte.— Die Rordlandsfahrt-Mitteilung unsrer vorigen Nummer wird von der„Staatsbürger-Zeitung" als irrtümlich erklärt. Wir hatten auf Grund andrer Blätter berichtet, daß die Abgg. Krösell und v. Damm von der Wirtschaftlichen Vereinigung des Reichstages für die Freifahrt ausgelost worden seien. Nach der„Staatsbürger- Zeitung" jedoch hat Abg. Liebermann v. Sonnenberg die der Wirt- schastlichen Vereinigung zugestellte Karte dem Reichstags-Bureau zurückgegeben.— Militär-Schlägerei. Wie die„Danziger Zeitung" meldet, hat am Sonnabendabend gegen 8 Uhr eine erbitterte Schlägerei zwischen Mannschaften des Trainbataillons und der in Langfuhr garniso- nierenden Leibhusarenbrigade stattgefunden. Eine größere Anzahl Personen, meistens Husaren, wurden verletzt, fünf so schwer, daß sie ins Garnisonlazarett übergeführt werden mußten. Ein Polizist, welcher einzuschreiten versuchte, wurde durch einen Säbelhieb über den Arm verletzt. Die Ruhe war erst nach längerer Zeit wieder hergestellt. Die Ausschreitung wird nun jedenfalls noch bedauerliche Folgen für die Beteiligten haben.— Nenstrelitz, 30. Mai. Der Großherzog Friedrich Wilhelm ist heute nacht 12'/2 Uhr verschieden. Der Äroßherzog, der an einem Blasenleiden litt, war schon viele Monate bettlägerig. Gestern nachmittag verschlimmerte sich plötzlich sein Zustand und es trat ein rapider Kräfteverfall ein.— Heute vormittag 11 Uhr fand die Vereidigung der Truppen auf den neuen Landesherrn statt.— Südwcstafrika. lieber die jetzige Gliederung der deuffchen Streitkräfte wird amtlich mitgeteilt: Hauptabteilung in Okahandja unter Führung des Oberst Leutwein: Major v. Mühlenfels: 9. Compagnie Oberlieutenant Steinhausen, 10. Comp. Hauptmann Wilhelmi, 11. Comp. Haupt- mann Gansser. Major v. d. Heyde: 5. Comp. Hauptmann Puder, 7. Comp. Hauptmann Brentano. Artillerie- Abteilung: Hauptmann v. Hehdebreck: 4. Batterie Oberlieutenant v. Müller, 6. Batterie Hauptmann Stahl, 6. Batterie Hauptmann Rembe. Witbois: Lieutenant Müller v. Berneck. Maschinen- gewehr-Abteilung: Hauptmann Dürr. Funkentelegraphen-Abteilung: Oberlieutenant Häring. Nordabteilung: Oberlieutenant v. Zülow, später Oberlieutenant Volkmann, 8. Comp. Lieutenant Frhr. v. Reibnitz, Halbbatterie Ober» lieutenant v. Madai, 2 Maschinengewehre, Oberlieutenant zur See Wossidlo. Abteilung Major v. Estorff: 1. Comp. Hauptmann Graf zu SolmS-Wildenfels, 2. Comp. Oberlieutenant Ritter, 4. Comp. Ober- lieutenant Epp, 6. Comp. Hauptmann v. Wangenheim, 4 Maschinen- gewehre Oberlieutenant Graf v. Saurma-Jeltsch; Arttllerie-Abteilung Hauptmann v. Oertzen, 2. Batterie Lieutenant Frhr. v. Hirschberg, 3. Batterie Oberlieutenant Baußus. Bastards: Oberlieutenant Böttlin. Ost-Abteilung(in O t j i h a e n e n a in Quarantäne): Führer Major v. Glase napp: Comp. Hauptmann Fischel, Comp. Haupt- mann Lieber, Maschinenkanonen-Abteilung, ein Teil des Transportes Winkler. Detachiert sind: 13. Comp. Oberlieutenant v. Winkler(Rest des Transportes Winkler) sichert die Gegend Gobabis-Epukiro, Comp. Hauptmann Häring in Outjo sichert die Etappenstraße Karibik- Ouffo, Comp. Schering in Otjosasu sichert die Etappenstraße Okahandja-Onjatu, Comp. Hauptmann v. Kopph befindet sich im Süden des Schutzbezirkes, Hauptmann Franke mit der Besatzung von Omaruru und der 12. Comp., Oberlieutenant Frhr. v. Welck, säubert die Gegend von Omaruru. Im Süden. lieber die Lage und Aussichten im Bondelzwart- gebiete wird den„Berliner N. N." eine wenig günstige Schilderung aus Warmbad vom 24. März gesandt. Zusammen- fassend wird darin berichtet: „Was nun die jetzige allgemeine Lage im Süden des Schutz- gebietes anbettifst, so kann man diese nicht als rosig schildern. Die Hottentotten, welche am Oranje standen, haben allerdings schwere Tage hinter sich, die- jenigen in den Kharrasbergen aber, die sich keineswegs für besiegt halten, sind siecher denn je. Die Farmer sitzen viel- fach noch in der Nähe von Keetinanshoop, weil sie nicht wagen, auf ihre Plätze zurückzukehren. Es herrscht eben allgemein der Glaube, daß die Hottentotten in den Kharrasbergen bei günstiger Gelegenheit wieder aufständisch werden und dann Mord und Totschlag schwerster Art an der Tages- ordnung sein wird. Den Bedingungen des Friedensvertrages ist seitens der Bondels nur teilweise Genüge geleistet. Von etwa 500 bis 600 Gewehren, die schätzungsweise in ihrem Besitze sein dürften, sind etwa 250 abgegeben worden. Die Bondels sagen jetzt selbst, daß sie nur die Gewehre abgegeben hätten, zu denen die Munition ausgegangen war. Die Verhandlungen mit der Kapkolonie betteffend Auslieferung der Mörder der Station Uhabis ziehen sich sehr in die Länge, so daß noch nicht einer von ihnen in unsren Händen ist."— Hiidland. Politik der Vertagung. Paris, 28. Mai.(Eig. Ber.) Die letzte Woche bot ein eigen- arttges Schauspiel. Sie galt den Vorbereitungen zur„großen" Debatte über den Konflikt mit dem Vatikan. Die Stellung der Antiklerikalen schien nun auf den ersten Blick von selbst gegeben: sie hätten danach streben sollen, den Konflikt zu verschärfen, den halben Entschluß der Regierung, die Abberufung des Botschafters unter Aufrechterhaltung der Botschaft am Vattkan, zum Ausgangspunkt eines wirklichen und definittven Bruches mit der römischen Kurie und der Staatskirche zu gestalten. In Wirklichkeit aber war die große Masse der mini- steriellen Antiklerikalen einzig darum besorgt, es ja nur bei jenem halben Regierungsenffchluß bewenden zu lassen. Und die ftirchterlichsten Anstrengungen, nicht von der Stelle zu rücken und rücken zu lassen, wurden von den mini st erteilen Socio- l i st e n mit I a u r ö s und B r i a n d an der Spitze gemacht I Der Grund ihres Verhaltens ist ihre unausrottbare über- triebene Furcht vor jedem Schatten einer Gefahr für das Kabinett Combes. Wenn der rechtsstehende Flügel des Blocs die Taktik des Stillstehens forderte, so blieb er seinem grundsätzlichen Standpunkt der Ablehnung der Trennung zwischen Kirche und Staat tteu. Die Socialisten des Blocs aber opferten wieder einmal das Interesse einer grundsätzlichen Forderung ihrer ministerialistischen Voreinge- nommenheit und Aengstlichkeit. So schrieb I a u r ö s vor der Debatte:„Am folgenden Tage nach der Abberufung des Botschafters die republikanische Mehrheit zerrütten und die Regierung erschüttern, hieße dem Papsttum eine Revanche verschaffen. Das wäre ein Verbrechen und eine Tollheit, zu denen wir uns nicht hergeben werden. Wir werden den auf- richffgen Nnklugheiien wie den tückischen Manövern widerstehen. Wir werden jeden Anttag, welcher er auch immer sei, jede Tages- ordnung, welche sie auch immer sei, ablehnen, die sich nicht darauf beschränken wird, zu bestäffgen. daß die gesamte republikanische Partei die Abberufung des Boffchasters billigt... Im übrigen hofft er auf die„Logik der Thatsachen". die zum„Strebensziel der republikanischen Partei führt". Ein opttmistischer Fatalismus, der so oft, zuletzt in der Dreyfus-Krise mit ihren„unvermeidlichen" antimilitaristischen Ergebniffen, Lügen gestraft wurde. Zu den„aufrichffg Unklugen", die ohne jeden anffministeriellen Hintergedanken die Gunst der Situation auszunutzen trachteten, gehört vor allem der unberbefferliche bürgerliche Demokrat alter Schule, C l e m e n c e a u, der die ganze Woche hindurch Regierung und Mehrheit zu überreden suchte, das Eisen zu schmieden, so lange es heiß ist. Auf die Erfahrung gestützt, bemerkte er Jaures gegen- über:„Inzwischen wird die Stunde vorübergegangen sein. Vergebens wird dann Jaures sagen:„Jetzt ist der von mir gewählte Augenblick da, wo die gouvernementale Tapferkeit sich ftei entfalten kann." Er wird bald erkennen, daß die Disciplin des Stillstehens die schlimmste Vorbereiwng zu kühnen Initiativen ist. Die öffentliche Meinung, die heute lebhaft aufgeregt ist durch die uns vom Vatikan zugefügte Beleidigung, wird durch neue Ereignisse nach verschiedenen Richtungen abgelenkt werden. Und wir werden wieder einmal das Schicksalswort vernehmen:«Z u spät!"... Die Kammerdebatte hat selbstverständlich im Smne von Jaurss, nicht im Sinne von Clemenceau geendet. Wie in der Presse, so tragen auch in der Kammer die ministeriellen Socialisten den ersten Preis des Bremsens davon. Ihr Redner, Briand, hat so schön die Schwierigkeiten der Trennung zwischen Kirche und Staat, die Nutzlosigkeit jeder sofortigen trennungsseindlichen Kund- gebung, die Heilsamkeit der ebenso halben wie erzwungenen Regierungsgestc dargethan, daß dem Ministerpräsidenten nichts mehr in dieser Richtung zu sagen übrig blieb, daß R i b o t selbst, der Führer der klerikalfreundlichen Republikaner, in Briands Rede eine Neu-Auflage des glorreichen bourgeoisen Opportunismus mit berech- tigter Ironie gouneren durste.„Wir verlangen von der Regierung nicht", sagte Briand", sich zu Gunsten der Trennung auszusprechen; aber wir fordern, daß sie sich nicht dagegen ausspricht". Nun, dieser fürchterlichen„Forderung" konnte Combes leicht und gern nach- kommen. Ja, er konnte gefahrlos ein übriges thun— die Entscheidung über das Konkordat den beiden Kammern, die gegen die Trennung sind, anheimstellen und der Ansehung der Beratting des Kammerentwurfes, betteffend die Trennung zwischen Kirche und Staat, auf den Beginn des Jahres 1905 seine Zustimmung geben. Andrerseits aber betonte er, daß, so lange das Konkordat zu Recht bestehe, auch die diplomatischen Beziehungen mit dem Vatikan aus- recht erhalten werden müßten. Das heißt, auch bei der nächsten Budgetberatung werden die Kredite für die Vatikan-Botschaft nicht gesttichen werden dürfen, sondern höchstens nur das Gehalt des Botschafters. In diesem letzteren Sinne hatten dann auch schon vor der Debatte die ministeriell-socialistischen Abgeordneten Pressenss und Breton den alljährlichen Antrag auf Stteichung der Boffchaftskredite ge- mildert. Der Konflikt bleibt also nach wie vor der Debatte auf dem alten Fleck, eben deshalb aber wird er der Versandmig einen Schritt näher gebracht, insofern nicht der Vatikan für neuen Zündstoff sorgt. Selbst der absonderliche Umstand, daß der päpstliche NunttuS, Lorenzelli, in Paris verbleibt, ist von den Ministeriellen ruhig hingenommen worden, ebenso wie die Regierung unter dem Still- schweigen ihrer Getreuen die beleidigenden Aeußerungen Lorcnzellis über die Abberufung des französischen Botschafters ruhig heruntergeschluckt hat. Die logische Krönung der ausweichenden Debatte war die Ver- einigung der„gesamten republikanischen Pattei"— einschließlich der M e l i n i st e n I— auf der ausweichenden Resolution der Bloc-Gruppen, die einzig die Abberufung des Botschafters billigt. Die Resolution wurde mit 427 gegen bloß 95 Stimmen votiert. Hingegen vereinigte der vom revoluttonär-socialistischen Abgeordneten Allard trefflich begründete Resolutionsantrag auf sofortige Kündi- gung des Konkordats bloß 146 gegen 385 Sttmmen, unter den letzteren die nnnisteriell-socialistischen Sttmmen, d. h. etwa hundert Sttmmen weniger als ein ähnlicher Anttag im Vorjahre. lieber die Haltung des ministeriell-socialistischen Redners Briand schreibt Clemenceau mit ebenso beißender wie berechtigter Ironie:„Ich hätte niemals geglaubt, daß ein ehemaliger Organi- sator des Generalstreiks, ein revoluttonärer Socialist so viel Weisheit in seiner Brust bergen lönnte. Ich weiß nicht, was die Vergesellschaft- lichung des Eigentums sein wird; wenn sie aber den tausendsten Teil der Schwierigkeiten darbietet, die Herr Briand entstehen sieht, wenn man ibm von der Abschaffung der französischen Botschafl am Vattkan spricht, so kann Herr Aynard(der melinistische Lyon«: Bankier) ruhig schlafen: Herr Briand wird ihn nicht aufwecken..." Allseitige Angst der maßgebenden Faktoren war die Signatur der Debatte und ist die Signatur des Konflitts. Der Vattkan fürchtet die Trennung, und die Regierung nebst dem Bloc fürchtet sie noch mehr. Die ministeriellen Socialisten wünschen die Trennung, aber noch mehr fürchten sie die Spaltung des in der Frage ge- spaltenen Blocs und Ministeriums. Dazu die Furcht der treuen Ministeriellen vor den Muß-Ministeriellen. Die notwendige Folge einer Situation, wo die Kämpfenden einander fürchten, ist die Ver- meidung einer Kraftprobe, die Politik der Vertagung, verhüllt durch zornige Geberden und donnernde Drohungen.— Frankreich. Tsdesmarsch. Paris, 30. Mai. Bei dem gestrigen Wettmarsch über 45 Kilometer, der vom„ M a t i n" mit Ermächttgung und Unter« stutzuug der MilitärSchiirde veranstaltet worden war und an dem 2000 Soldaten teilnahmen, sind zahlreiche Unfälle infolge von Sonnenstich und Ueberanstrengung vorgekommen. Ein Korporal starb abends in einem Krankenhause. Das Befinden einer Anzahl von Teilnehmern wird als beunruhigend bezeichnet. Verschiedene Blätter greifen den Kriegsminister in schärffter Weise an, weil er die Erlaubnis zum Wettmarsch, der lediglich zu Reklame- zwecken vom„Mattn" veranstaltet sei, erteilt habe. Deputiertenkammer. Oberst R o u s s e t, liberaler Republikaner,"legt Verwahrung ein gegen den gestrigen Wettmarsch von Soldaten, der den Tod von vier Soldaten zur Folge gehabt habe. Er bedauert diesen Marsch, der nur Reklamezwecken gedient habe.(Beifall rechts und in der Mitte.) Kriegsministcr Andrs erwidert, wenn dieser Marsch unheilvolle Folgen gehabt habe, beklage er sie und bedaure, zu diesem Marsche seine Zustimmung gegeben zu haben. Fünfundzwanzig Teilnehmer hätten Aufnahme i n Krankenhäusern gefunden; von diesen sei einer gestorben und sechs seien ernstlich frank. Von 42 Teilnehmern habe man keine Nachricht. Der Minister schließt mit der Erklärung, er werde keinen derartigen Wettmarsch mehr erlauben.(Allgemeine Bewegung.) Die Kammer nahm mit 304 gegen 270 Sttmmen die einfache Tages- ordnung an, mit der sich der Kriegsminister einverstanden erklärt hatte.—_ Der Umschwung im Pariser Gemeinderat. Der Gemeinderat hat das Ergebnis der letzten Wahlen besiegelt, indem er mit 44 gegen 31 Stimmen den Ministeriellen Desplas zum Präsidenten wählte. Die 31 gegen ihn abgegebenen Sttmmen vereinigten sich auf den nattonalistischen siüheren Präsidenten Deville.— Belgien. Die Wahle«. Die Wahlen für die ausscheidende Hälfte der Mitglieder des Senats und der Repräsentantenkammer haben am Sonntag stattgefunden. Soweit bisher Nachrichten vorliegen, ist der Erfolg, besonders bei den Kammer wählen, auf der Seite der Liberalen, die nach langem Rückgang sich eines Aufschwunges erfteuen. Nach einer Herold- Meldung aus Brüssel haben die Liberalen neun Sitze gewonnen und keinen verloren. Die Klerikalen verlieren sieben Sitze und gewinnen zwei. Die Socialisten verlieren sünf Sitze und gewinnen einen. Die Kammer wird sich voraussichtlich zusammensetzen aus 91 Klerikalen, 43 Liberalen, 30 Socialisten und zwei Christlich-Demokraten. Die klerikale Mehrheit geht damit«w fünf Mandate zurück. Genauere Ziffern smd noch abzuwarten. Von den Brüsseler Senatswahlen erfährt das„Berl. Tageblatt": Gewählt sind vier Katholiken, die zwei Sitze verlieren, vier Liberale, die einen Sitz verlieren, zwei Socialistcu, die zwei Sitze gewinne», und ein Jndependenter.— Italien. Der Konflikts-Papst. Aus Rom wird vom 29. Mai gemeldet: Es wird versichert, daß der Papst am 2. Juni aus Anlas; seines Geburtstages alle Kardinäle in Audienz empfangen wird. Er wird eine Ansprache halten über den Streit mit Frankreich. Es wird versichert, dag der Papst nicht geneigt ist, sich von seinen: Staatssekretär Merry bei Val zu trennen. Es verlautet ferner, dag N u g l a n d mit dem Vatikan in einen Konflikt geraten ist. Der Papst hatte größere Freiheiten für die griechisch-katholischen Bischöfe in Rußland verlangt. Darauf war eine verneinende Antwort er- folgt. Der Zar scheine überhaupt dem Vatikan wenig gewogen zu sein und zwar aus Anlaß des Verhaltens der katholischen Missionare in Japan. Türkei. Fremde Offiziere in der türkischen Armee. Aus Saloniki wird vom 29. Mai berichtet: Gestern leisteten 25 fremde Offiziere, italienische, österreichische, englische, französische und russische, dem Sultan den Treueid. Nicht vereidigt wurden 6 Oberste der Groß- «rächte, darunter der deutsche O b e r st V o n A l t e n, die die Uniformen ihrer Länder beibehalten.— Asien. Hongkong, 28. Mai. Die chinesischen Kanonenboote, welche auf Veranlassung des Vicekönigs in Canton nach Macao geschickt waren, um die Auslieferung eines dorthin vor den chinesischen Gerichts- behörden Geflüchteten zu verlangen, haben jetzt wieder Macao verlassen. Die portugisischen Behörden haben die Maßregeln, wodurch einem Landungsversuche der Chinesen begegnet werden sollte, eingestellt. Die Untersuchung gegen den Flüchtling nimmt ihren Fortgang.— Aus Tibet. Nach einem Telegramm der„Daily Mail" aus Chumbi wurde am 26. d. M. ein Angriff auf ein dem britischen Lager bei Gyangtse nahe liegendes, von den Tibetanern befestigtes Dorf gemacht, bei welchem Lieutenant Garstin und drei SepoyS fielen, drei Offiziere und neun Mann verwundet wurden. Das Dorf wurde nach elfstündigem Kampfe genommen; die Tibetaner hatten schwere Verluste, 37 Mann wurden gefangen genommen.— Afrika. Unficherhett in Marokko. Der maurische Räuber Raisuli, der den Amerikaner Perdicaris und den Engländer Varleh bei Tanger entführt hat. hat an die Vereinigten Staaten sehr weitgehende Be- dingungen für deren Freigabe gestellt, welche als unannehmbar er- klärt wurden. Das aus den Schiffen„Atlanta",„Marietta" und „Castine" bestehende südatlantische Geschwader der Vereinigten Staaten hat Besehl erhalten, von Teneriffa nach Tanger zu gehen und sich den: dort liegenden Kreuzer„Brooklyn" anzuschließen; das europäische Geschwader, aus den Schiffen„Olympia",„Baltimore" und„Cleveland" bestehend, ist angewiesen, von den Azoren nach Tanger zu gehen. Aus Tanger wird vom 39. Mai gemeldet: Der große Kreuzer „Brooklyn" ist heute hier eingetroffen, die andren Schiffe des ameri- kanischen Geschwaders werden nachfolgen. Wie versichert wird, ver- schlimmert sich die Lage des von dem Räuber Raisuli gefangen genommenen Amerikaners Perdicaris. Der Krieg in Ostasien. lieber das weitere Vorrücken der Japaner liegen heute keine Meldungen vor. Dagegen fließen reichlich die Schilderungen über die furchtbare Schlacht bei Kintschou. Die Russen wissen sich aus ihren Niederlagen zu helfen. Sie haben ein ganz einfaches Mittel gefunden. Als die Japaner den Ualu überschritten, maß man dem in Petersburg „keine strategische Bedeutung" bei. Auch jetzt klingen die rusfisch-offiziösen Telegramme, die auch von den deutschen„Sonderberichterstattern" getreulich übermittelt werden, als ob die Russen sich absichtlich von den Japanern haben zurückwerfen lassen. Also wird der große Sieg der Japaner russifiziert: Petersburg, 39. Mai. Der„Russischen Telegraphen-Agentur" wird aus Mulden von heute gemeldet: Infolge der Unmöglichkeit, die Stellungen im Süden von Kintschou ohne Unterstützung durch die Flotte zu behaupten, hatte die dortige Stellung nur demonstrative Bedeutung. Sie war mit Geschützen, die im Jahre 1999 den Chinesen abgenommen worden waren, bewaffnet und nur mit ge- ringem Schießvorrat versehen. Die Besetzung dieser Stellung durch die Japaner, die unter großen Verlusten der letzteren erfolgte, ändert die Lage nicht. Den Wert dieser russischen Botschaft ermißt man, wenn man einen Blick auf die Karte wirft, die zeigt, daß Kintschou die ganze Halbinsel beherrscht. Ueber die Schlacht bei Kintschou geben die folgenden Telegramme noch nähere Einzelheiten: Tokio, 23. Mai.(Meldung des �„Reuterschen Bureaus".) Das japanische Geschwader, welches cm dem Angriff auf Kintschou tcilnahnr, lief am Mittwoch in die Bucht von Kintschou eür. Stürmisch« See verhinderte aber das Geschwader, sofort einzugreifen. Als das Wetter sich gebeffert hatte, näherte sich das Geschlvader am Donners- tag früh der Küste und beschoß die russischm Batterien, während die Torpedobootsflotttlle ihr Feuer auf die Eisenbahn bei dem Schoo- Flusse richteten und Lotungen vornahm. Der Ansturm der Japaner auf Nanschmr war einer der wildesten und blutigsten in der modernen Kriegsgeschichte. Während des ersten Sturmes wurde jeder Offizier, jeder Mann weggeschossen, ehe er die erste russische Linie erreichte. Bei dem letzten Versuche, der durch das Feuer der Artillerie unter- stützt wurde, gelang es, die russische Linie zu durchbrechen. Ein großes Glück war es für die Japaner, daß die Minendrähte auf- gefunden wurden; wären die Minen explodiert, so hätten die Japaner ungeheure Verluste erlitten und die Ruffen hätten ihre Stellungen halten können. Um 11 Uhr vornnttags waren die Haupt- batterien der Russen zum Schweigen gebracht und zwei russische Feld- batterien zogen sich nach Hankwangling zurück, von wo sie die Japaner bis zum Anbruch der Nacht beschossen. Japanische Infanterie ging bis auf Gewehrschußwette vor, als sie auf einen Drahtzaun traf. Als sie eine Oeffnung gefunden hatten, ungefähr 299 Meter von der russischen Linie entfernt, gingen die Japaner zum Sturmangriff vor, tvurdcn aber zurückgeworfen. Die japanische Artillerie eröffnete ihr Feuer wieder und gegen Abend nahm eine japanische Abteilung einen Teil der Verschanznngen; die übrigen japanischen Truppen gingen. von diesem Erfolge ermutigt, vor und waren bald daraus im Besitze des Hügels. Tokio, 29. Mai. General Oku berichtet: Die Kriegsbeute belief sich auf 68 Kanonen und 19 Maschinenkanonen, außer vielem andrem Kriegsmaterial. Unsre Verluste betragen ungefähr 3599 Mann, während der Feind über 599 Tote auf dem Schlachtfelde ließ. London, 39. Mai. Dem„Daily Telegraph" wird aus Tokio der Bericht des Generals Oku über die letzten Kämpfe auf der Liautung- Halbinsel in folgender ausführlicher Fassung gemeldet: Wir beendeten, berichtet der General, unsre Vorbereitungen zum Angriff am 25. Mai und begannen um Mitternacht desselben Tages unser Vorgehen. Das Wetter war sttirmisch und es herrschte ttefe Dunkelheit. Trotzdem unternahm ein Teil unsrer Streitmacht den Angriff auf Kintschou, das bald eingenommen wurde. Unser Angriff ans Nanschan sollte um 4 Uhr 49 Minuten früh beginnen; infolge des herrschenden Nebels fing indessen keines der Geschütze, die dem Befehl des Generals Utschijama unterftcmden. zu feuern an; erst von 6 Uhr morgens an erhielten wir die Unter- ftützung von vier unsrer Kriegsschiffe von der Kintschoubucht aus. Der Feind erwiderte das Feuer mit sämtlichen Geschützen und ein heftiger Kampf entspann sich. Nach drei Stunden ließ das Feuer der russischen Infanterie nach und darauf rückte unsre Infanterie vor. Auf der Höhe von Dalny lag ein Dampfer, auf den die Russen Ge- schütze gebracht hatten, und diese begannen nun auf unsre dritte Division zu feuern. Um 19 Uhr vormittags machte der Feind einen Versuch, bei Luangdutnbnai aus fünf dichtbesetzten Booten Truppen zu landen, als diese jedoch unsre Mannschaften vorrücken sahen, zogen sie sich zurück. Bei Tadungfangduschen und im Süden von Hankau hatten die Russen vier Geschütze aufgestellt, welche aus einer Entfernung von 7999 Metern bis um 7 Uhr abends auf unsre dritte Division schössen und unser Feuer unwirksam machten. Unsre Geschütze thaten ihr äußerstes, aber die russisch« Jnfmrterie verteidigte sich hartnäckig und es konnte bis 5 Uhr abends keine Bresche für einen Vorstoß unsrer Infanterie gelegt werden. Während des weiteren Kampfes drang unsre dritte Division so weit vor, daß sie vom Feinde ganz umzingelt wurde. Die Russen verstärkten daher ihre Infanterie zu unsrer Linken und zwei ihrer Batterien bei Nankwaling beteiligten sich an dem Gegenangriffe, der sich gegen unsre dritte Division richtete. Der Schießvorrat unsrer Batterien bei Nankwmrling beteiligten sich an dem Gegenangriffe, der zurückgezogen worden. So entschlossen wir uns zu einer letzten großen Ansttengung mtt gesammelter Macht. Unsre Batterien gaben schärferes Feuer und die Infanterie der ersten Division ging mit unglaublicher Tapferkeit zum Angriff vor. aber sie erlitt unter dem heißen Feuer des Feindes schwere Verluste und wurde aufgehalten, ehe sie die vorderste Stellmrg gewinnen konnte. Glücklicherweise begannen unsre Schiffe wieder auf die linke Flanke des Feindes zu feuern, unterstützt durch unser viertes Artillerie-Regiment. Unsre 4. Division griff nun mit gewaltiger Anstrengung den russischen linken Flügel an und gewann die Höhen unter mächtigem Ausbruch der Begeisterung; darauf nahmen die Truppen der ersten und dritten Division, die über die Leichen ihrer Kameraden fort- stürmten, die russischen Laufgräben und die Forts in einem Kampfe von Mann gegen Mann, der mit Schwert, Pistole und Bajonett aus- gefochten wurde, und vertrieben den Feind in wirrer Flucht von seinen letzten Verteidigungslinien. Ein Teil unsrer Truppen verfolgte den Feind und unsre Geschütze sandten ihm ihr Feuer nach. Unsre Truppen feierten das Ende des stolzen Tagewerks mit jubelnden Rufen, dann schliefen sie auf dem Schlachtfelde. Wir machten eine Anzahl Offiziere und Mannschaften zu Gefangenen; ferner fielen in unsre Hände eine Lokomotive, drei Scheinwerfer, ein Dynamo, 59 Minen, zahlreiche Gewehre, viel Schießvorrat und andres Kriegsmaterial. Das japanisch« Pulver. Washington, 28. Mai. Amtliche telegraphische Berichte aus Japan heben die furchtbare Gewalt des japanischen Pulvers hervor, dessen Bereitung Geheimnis sei. Die Explosion der mit diesem Pulver gefüllten Geschosse setzte die amerikanischen Attaches in Staunen. Die schwersten, panzerdurchschlagenden Geschosse, obwohl sie nur eine kleine Ladung des Pulvers enthalten, zerplatzten in zahl- lose spitze Stücke, die mit solcher Gewalt in die Luft geschleudert werden, daß sie alles, was ihnen Widerstand leistet, zertrümmern. 15. ZterbMdstllg der deutschen Gmerdvereine Girsch-Duncker). Hannover, den 23. Mai 1994. Fünfter Berhandlungstag. Die heutige Vormittags-Sitzung setzte die Specialdebatte über „Verbandsagitatton" fort. Die einzelnen Anträge, die in großer Zahl vorliegen, wurden Punkt für Punkt erledigt und abgestimmt. Eine längere Debatte zeittgte nur der Antrag Augsburg: für Süddeutschland einen Agitationsbeamten mit dem Sitze in Augsburg anzustellen. Der Referent beantragte Ablehnung, während Redatteur Goldschmidt den Antrag auf Grund persönlicher Erkundigungen an Ort und Stelle befürwortete. Schumacher- Düsseldorf bat, um niemand zu bevorzugen, alles abzulehnen. In nameittlicher Abstimmung wurde der Antrag mit 35 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Ebenso auch der Anttag, den Ausbreitungs- bezw. Ortsvereinen eine bestimmte jährliche Summe zu überlveisen. Diese Unterstützungssätze sollen vielmehr von Fall zu Fall vom Centtalrat festgesetzt werden. Be- tteffs der Diäten an Agitattonsredner usw. soll es bleiben wie bisher. Die beantragten höheren Diäten wurden ab- gelehnt. Die Anträge, die sich mit der Aufforderung an den Ceniralrat, sich mehr als seither mit der Herausgabe von socialpolittschen Broschüren und Flugblättern beschäftigen, wurden sämtlich angenommen. Ebemo beschloß der Verbands- tag, das Verbandstags-Protokoll in gekürzter Form möglichst weit zu verbreiten. Der Anttag auf Herausgabe eines eignen GewerkvereinS-Notizkalender fand dadurch Erledigung, daß Verbandskassierer Klein die Erklärung abgab, der Centralrat werde versuchen, das bestehende Adressenverzeichnis zu einen: Nottzkalender auszugestalten. Der Antrag rheinischer Ortsverbände, in Berlin eine Rednerschule zu gründen, in der alljährlich 19—29 jüngere Mitglieder aus allen Gewerkvereinen in einem zehnwöchentlichen Kursus volkswirtschaftliche Fragen gelehrt werden, rief eine lebhafte Debatte hervor. Die Kosten der Schule soll der Centralrat, die Kosten des Aufenthaltes der Schüler in Berlin und den Ersatz des Lohnausfalles die Kasse des Gewerkvereins ttagen, dem die Schüler angehören. Redakteur Goldschmidt empfahl d:esen Antrag, während andre Delegierte Bedenken hatten und die Ansicht verttaten, wer etwas werden wolle, werde es auch so. Er habe genügend Gelegenheit in den Diskutierklubs der Ortsverbände. Auf Antrag Buch- Siegen wurde der Anttag dem Centralrat zur Erwägung überwiesen. Weiter wurde beschlossen, den Centralrat mit der Herausgabe einer„Geschichte der deutschen Gewerkvereine" zu beauftragen. Dieses Werk soll den Mitgliedern käuflich zugänglrch gemacht werden. Die Anträge des Centtalrates bezüglich der„Auskunft- st eilen und Arbeitersekretariate" wurden abgelehnt. Es waren dafür die gleichen Gründe maßgebend, die in der General- debatte erörtert wurden. Durch einen Antrag des OrtSvereinS der Maschinenbauer und Metallarbeiter Düren i. Rhld., in Zu- kunst den Mtgliedern auch an den Unfall- Schiedsgerichten Rechtsschutz zu gewähren, sodaß es möglich sei. sich von einem Rechtsanwalt vertreten zu lassen, ergab sich die Gelegenheit, auf die Unkennttns einer großen Zahl von Arbeitern in der Versicherungsgesetzgebung hinzuweisen. Ein Rechtsanwalt sei das „unglücklichste Objekt", das man für die Schiedsgerichte finden könne. Ueberdies habe ein Rechtsanwalt nicht das Recht gegen Entgelt jemand vor dem Schiedsgericht zu vertteten. Angenommen ivurde auch ein Anttag der Maschinenbauer und Metallarbeiter Berlin Vin, der dem Centtalrat den Auftrag er- teilt, mit aller Energie die Gründung von Gewerk- vereinen solcher Berufe zu betteiben, die im Verbände deuffcher Gewerkvereine noch nicht vertreten sind, z. B. der städtischen Arbeiter, Hafenarbeiter, Papierarbeiter, Gärtner, Hausdiener, Musiker, Köche, Photographen, Verkehrsarbeiter, Brauer, Fleischer, Kellner, Glasarbeiter, Barbiere, Hutmacher, Korbmacher, Buch- binder und viele andre Gewerbe, zu versuchen. Ein st im m ig angenommen wurde ferner ein Anttag rheinischer Ortsverbände: Der Verbandstag wolle beschließen:„Die Pflege der Arbeiterinnen- und Frauen-Organisatton, auf Grundlage des Gewerkvereins deutscher Frauen, ist die hervorragendste Pflicht jedes Gewerkvereinlers und Socialpolitikers. Alle Kräfte müssen zu diesem Zweck angespannt werden, alle Berufsvereine haben gleiches Interesse an der Förderung der Arbeiterinnen-Organisation. Das rechtfertigt Ausnahmematzregeln im vollsten Umfange, welche geeignet sind, die heute noch schwache Bewegung zu stärken. Der Centralrat wird weiterhin aufgefordett, den Frauen-Gewerkverein nach Maßgabe der vorhandenen Mittel und Kräfte energisch zu unterstützen." Ohne Debatte wurde der Antrag des Ortsvereins der Maschinen- bauer Hannover angenommen:„Der Vcrbandstag möge das Bureau beauftragen, die Wahlen der Vertreter zum Rei ch s-V erst ch er un g s amt ftühzeitig einzuleiten, damit eine Ueberrumpelung von feiten der Gewerk- schaften in Zukunft vermieden wird." Endlich lag dem Berbandstage noch folgende Resolutton vor, die der Referent zum Punkt:„Berbandsagitation", Ziegler- Düsseldorf, eingebracht hatte:„Der 15. ordentliche Verbandstag erklärt: In Anbetracht des enormen Wachsens der Arbeitgeber- Organisationen, die sich in den letzten Monaten centralisiert und auf polittschem und wirtschaftlichem Gebiete den Kampf gegen die organisierte Arbeiterschaft aufgenommen haben, und in fernerer Erwägung, daß die mit großen Schritten vorwärtseilende freie Gewerkschaftsbewegung in ebenso dringender Weise eine Stärkung der deutschen Gewerkvereine erheischt, ersucht der Verbandstag die einzelnen Berufs-Gewerkvereine, in verschärfter Weise in die Agitation einzutreten und mit allen Mitteln eine vermehrte Anteilnahme am öffentlichen Leben herbeizuführen. Zu diesem Zwecke sollen die einzelnen Gewerk- vereine bei jeder passenden Gelegenheit die Mtglieder auf die Not- wendigkeit der Zahlung höherer Beittäge hinweisen und auf ihren Generalversammlungen eine solche Erhöhung herbeizuführen suchen, vor allen Dingen un: Geldmittel zur Durchführung einer größeren Agitation und für wirtschaftliche Kämpfe zur Hand zu haben. Ferner muß Wert darauf gelegt werden, jüngere Mitglieder zu gewinnen, und darauf, sie als Agitatoren auszubilden und unabhängig zu stellen, um den Gewerkvereinen alle intelligenten und schaffens- freudigen Kräfte zu erhalten. Ein wesentliches Mittel zur Erziehung und Aufklärung der Mitglieder ist die Presse. Darum sollen die Gewerkvereine großen Wert legen auf den Ausbau ihrer Fachblätter, die nach Raum und Inhalt zu erweitern sind, wie auch besonders die kleinen Gewerkvereine zur Schaffung solcher Blätter übergehen sollen. Ferner werden die Generalräte und Mtglieder der einzelnen Gewerkvereine ersucht, begründete oder fortgeführte Gewerkvereine, (lokale oder provinzielle) Blätter in jeder möglichen Weise zu unter- stützen." Da Meinungsverschiedenheiten in der Pressefrage auftauchten, wurde die Beschlußfassung bis nach der Mittagspause vertagt. Ei» Protest des Berbandstages. Dem Verbandstage wurde darauf noch folgende Resolutton unterbreitet:„Der 15. ordentliche Verbandstag der Deutschen Gewerk- vereine zu Hannover nimmt mit lebhaftem Bedauern Kenntnis da- von, daß die Berliner„Volks-Zeitung" den Beschluß des Verbands- tages statt„Arbeits kammern"„Arbeiter kümmern" zu verlangen, dahin auslegte, als ob nunmehr eine Aenderung der bis- herigen bewährten Grundsätze der Deutschen Gewerkvereine eintteten lvürde. Der Verbandstag erklärt, nach wie vor an den bisherigen Grundsätzen festzuhalten und auf dem neuttalen Boden, den die Deutschen Gewerkvereine einnehmen, weiter zu arbeiten. Der Verbandstag weiß sich nach Beurteilung der Gewerkvereins- Grundsätze in Uebereinstimmung mit dem Verbandsanwalt Dr. Max Hirsch und dem Verbands-Redakteur Karl Goldschmidt." Diese Resolution, die von 29 Delegierten eingebracht ist, ivurde zur Debatte gestellt. Redakteur Goldschmidt führte aus: Er habe sich gefreut, als diese Resolutton ihm zur Begutachtung vorgelegt worden sei. Er erkläre aber ausdrücklich, daß ihr jede persönliche Spitze gegen die genannte Zeitung fernliege. Anch ihm persönlich liege jeder Vorwurf fern. Es sei�das Recht der Presse, Kritik zu üben. I» dem Arttkel aber hebe der Verfasser, den er unter den jetzt nicht mehr anwesenden Gästen des Berbandstages suchen zu sollen glaube, hervor, daß die Leitung eine schwere Niederlage er- litten habe. Der Arttkel habe dadurch verwirrend auf eine Reihe von socialdemokrattschen und bürgerlichen Zeitungen gewirkt. Z i e g l e r- Düsseldorf versteht nicht, warum man bei jedem Angriff mit einer Antwort bei der Hand sein muß. Schließlich könnte man Montagnachmittag gegen 159 Zeitungen Stellung nehmen. Jeden- falls müßten die einzelnen Teile der Resolntton gettennt werden. Er könne nicht für ein solches Vetrauensvotum stimmen, zumal bereits eine andre derartige Resolution vorläge. Winter- Berlin(Schuhmacher) schließt sich den Ausfiihrungen Zieglers an. Wir haben dann die Behauptung aufgestellt, daß man den Stand- puntt der Gewerkvereine verlasse. Das seien Herr Goldschmidt und Herr Tröger gewesen. Nur Goldschmidt sei an der ganzen Sache schuld. Dietrich-Rixdorf(Tischler) bedauert es tief, daß über- Haupt solche Resoluttonen unter den Delegierten herumgereicht werden. Die Tischler hätten keinen Grund, die Abstimmung für Arbeiterkammern zu bedauern, die jetzt durch eine solche Resolution beschönigt werden sollte. Nicht nur die„Volks-Zeitung", auch andre Zeitungen, so das „Berliner Tabeblatt" hätten, wenn auch in andrer Form das Gleiche gesagt. Er beantrage, den Antrag niederzustimmen. Da mittlerweile die Zeit zur Mttagspause herangerückt war. die Anttagsteller sich auch nochmals in Rücksicht auf die vorliegende Vertrauensresolutton besprechen wollten, sofwurdejdie Beschlußfassung vertagt. Sofort bei Beginn der Nachmittagssitzung erklärte dann der Borsitzende C l a v o n. daß empfohlen würde, die Resolution zurück zu ziehen und dafür folgende zur Annahme vorgelegt werde, durch die sich die erste erledige. Diese Resolutton, die ein» stimmige Annahme fand, lautet: Resolution. Der 15. ordentliche Verbandstag der Deutschen Gewerkvereine zu Hannover spricht dem Herrn Anwalt, dem Verbandsredatteur Gold- schmidt und den Berbandsbeamten Rudolf Klein und Wilhelm Petersdorff Dank und Anerkennung aus für die in den letzten drei Jahren geleistete rege und pflichttreue Thättgkeit.— Entgegen den wiederholten und ebenso oft widerlegten Be- haupttmgen der Gegner unsrer Organisatton, daß die Deutschen Gewerkvereine einer politischen Partei dienen, erklärt der Verbands- tag von neuen:: Die Deutschen Gewerkvereine sind Partei- und kirchenpolitisch neutral und ihre Neuttalität wird dadurch nicht berührt, daß führende Mitglieder der Organisation parlamentarische Mandate bekleiden, weil diese polittsche Bethättgung außerhallb der Organisatton jedem freien Manne verstattet sein muß. Ueber das Bcrbandsorgan referierte sodann der Verbandsredakteur Karl Goldschmidt. Er erklärte von vornherein, daß die Presse des Verbandes nicht mehr ausreiche. Der Stoff häufe sich mitunter derartig an. daß Arttkel acht Wochen gesetzt blieben, bis sie zum Abdruck kämen. Er lege daher dem Verbandstag das ihm bekannte Projekt einer eignen Tageszeitung auf breiter liberaler Grundlage vor, das er seiner Zeit den Mtgliedern der Gewerkvereine vorgelegt hatte. Er bat, wenn man denn schon die Tageszeitung nicht wolle, den.Gewerkverein" wenigstens dreimal wöchentlich erscheinen zu lassen. Die lebhaste Debatte, die sich an das auSflihrliche Referat knüpfte, zeigte, welches Interesse die? in den Gewerkvereinen bereits besprochene Thema findet. Bei der Abstimmung wurde alles die Tageszeitung Betreffende abgelehnt, bis auf den Antrag Oldenburg, der verlangte: Der Verbandstag wolle beschließen: Der Centtalrat ist verpflichtet, späte st ens bis zun: 1. Oktober 1994 eine täglich erscheinende nationale Zeitung herauszugeben. Diese ist so ein- zurichten, daß der vierteljährliche Abonnementspreis inkl. Bestellgeld 2 M. nicht übersteigt.— Der Anttag wurde dem Centralrat über- wiesen, der beabsichttgt, die Frage durch Urabstimmung aller Gewerk- Vereinsmitglieder zu erledige:« Das Gleiche war der Fall mit einem Antrag Schweidnitz, der verlangte, der Zeitung den Namen„Deutsch«Arbeiter- Zeitung"(Organ des Wer- bandes der Deutschen Gewerkvereine) zu geben. Die Errichtung einer eignen Druckerei wurde dem Centtalrat zur weiteren Berücksichttgung dringend empfohlen. Der Centralrat soll sich wegen Aufbringung der notwendigen Kosten mit den Generalräten ins Einvernehmen setzen. Sechster Verhandlungstag. Es wurde zunächst die von Z i e g l e r- Düsseldorf zur B e r- bandsagitation eingebrachte Resoluttou angenommen. nachdem die Worte:„und in fernerer Erwägung, daß die mit großen Schritten vorwärts eilende freie Gewerkschaftsbewegung" gestrichen waren, Am Sonntag war die TagungSzeit nur fiir die Zeit von Va9 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags angesetzt. Ueber die Anträge zum Vcrvandsstatut referierte Punkt fiir Punkt B a l d t- Berlin. Der größte Teil der meist abgelehnten Anträge betraf interne Fragen. Eine kurze Debatte forderte der Antrag Stettin:„Die Delegierten des Verbandstages und Vertreter der einzelnen Gewerkvereine verpflichten sich, in ihren Gewcrkvereinen dahin zu wirken, daß in Zukunft an den Orten, wo Frauen- Gewerkvereine bestehen, andre Gewerkvereine keine weiblichen Mtglieder weder in die Gewerk- voreine, noch Kranken- und Begräbniskasfe aufnehmen dürfen, sondern dieselben den Ortsvereinen der Frauen und Mädchen überweisen." Die Fabrik- und Handarbeiter gaben bekannt, daß sie einen der- artigen Beschluß schon lange gefaßt hätten. Der Antrag wurde a n g e n o nr m e n. Ferner beauftragte der Berbandstag die Ortsverbände, dafür Sorge zu tragen, daß Vertrauenspersonen geschaffen werden, die dafür zu sorgen haben, daß hinzuziehende Mitglieder der der- schiedenen Gewerkvereine die Mitgliedschaft nicht verlieren.— Der Antrag, die Verbandstage nur alle fünf Jahre statt alle drei Jahre abzuhalten, Ivurde einstin, mig abgelehnt. Das Bewilligungs- recht der Bureansitzung wurde von öv auf 2lX) M. erhöht. Einige Delegierte. die abreisen müssen, verabschiedeten sich. Darunter Sommer- Berlin sKaufleute), der glaubt, daß eS fiir seinen Verein schwere Kämpfe kosten wird, un, ihn nach der Er- höhung der Verbandsbeiträge beim Verband zu erhalten. Einige Delegierte halten die Beschlüsse für sehr glücklich.— Darauf wurde die Beratung(letzte Sitzung) auf Montag S Uhr vertagt. Partei-[V achri ebten. Socialdemokratische Gcmcindcvcrtreter-Konferenz. In Karlsruhe fand am Sonntag eine Konferenz socialdemokra- tischer Mitglieder der Gemeindevertretungen statt. Die Konferenz war besucht von 130 Gemeindevertretern; dazu kamen als Gäste einige Stadträte und socialdemokratische Bürgermeister. In ganz Baden sind in 62 Orten socialdemokratische Vertreter in der Ge- meindederwaltung und zwar sind gewählt von der l. Wähler- klaffe 18, von der IL Klaffe 90 und von der Hl., der sogenannten mmdeftbesteuerten Klaffe 776 Vertreter. Außerdem stellt die Social- demokratie 28 Gemeinde- und Stadträte und 8 Landbürgermeister. Von den 62 Orten sind auf der Konferenz 40 vertreten. Die Konferenz wurde eingeleitet mit einem Vortrag des Ge- Nossen Stadtrat Dreesbach- Mannheim über die Hauptaufgaben der focialdemokratischen Vertreter in den Gcmeinde-Körperschaften. Redner besprach zunächst die badische Gemeinde-Ordnung mit ihren Ergänzungsgesetzen; viele Bestimmungen seien äußerst reaktionär und durchaus veraltet. Stadtverordnete bezw. Bürgerausschuß, wie diese Körperschaft in den Landgemeinden heißt, sind nahezu rechtlos; sie haben keine Initiative, nur ein Bewilligungsrecht, das noch mit gewissen Kautelen umgeben ist. Das Schwergewicht liegt im Stadt- bezw. Gemeinderat. Es müsfe verlangt werden, daß das Verhältnis umgedreht werde. Selbstverständlich sei allgemeine, gleiche und direkte Wahl fiir alle Gemeindewahlen zu verlangen. Die Stadträte müssen besoldet werden, der ehrenamtliche Charakter giebt den Bürger- meistern zu großes Uebergewicht.— Im weiteren vertrat Redner unsere durch das socialdemokratische Gemeindeprogramm festgelegten Forderungen. Diese Programme sind in der Hauprsache die gleichen, es brauch, also auf den Teil nicht weiter eingegangen zu werden. Die Diskussion war sehr lebhaft; manche Frage von Bedeutung wurde aufgerollt, im allgemeinen aber kam zum Ausdruck, daß man sich die Konferenz etwas anders gedacht hatte. Das Thema war zu allgemein. In Zukunft sollen mehr Spezialftagen behandelt werden, z. B. Gcmeindegesetzgebung, Steuer« und Schulftagen, Forst- und Jagdwesen, Allmend- und Bürgernutzen k. Zum Schluß nahm die Konferenz eine Reihe Anträge an, deren wichtigste hier folgen 1. Es ist eine Centralstelle zu errichten, in der socialdemokratische Anträge aus den Gemeindeverwaltungen zc. gesammelt werden; 2. die socialdemokrattschen Gemeindevertreter sind der» pflichtet, in den Gemeindeverwaltungen Petttionen an den Landtag um Abänderung der Gemeinde-Ordnung zu veranlassen; 3. die socialdemokrattschen Gemeindevertreter sollen dahin wirken, daß in allen Gemeinden auch Frauen als gleichberechtigte Faktoren zur Ge- ineindeverwalwng, vorerst zu der Armen- und Schulverwaltung herangezogen werden, und 4. die socialdemokrattsche Landtags- frattion wird beauftragt, im Landtage eine umfassende Schulreform im Sinne der unentgeltkichen, staatlich erhaltenen Einheitsschule zu beantragen._ Hefttge Meinungsverschiedenheiten in der svcialistischen Fraktion des italienischen Parlaments entbrannten im Anschluß an die Frage der Beteiligung socialistischer Abgeordneter an der Untersuchung über die Verhältnisse in der italienischen Marine. Bekanntlich war Genosse Rofri in die Kommisston gewählt worden, hatte aber auf Grund von An- griffen, die darauf im„Avanti" erschienen waren, die Entscheidung der Frattion anheimgegeben.— Während Fern und einige andre die Meinung vertraten, die Socialdemokraten hätten in dieser Unter- suchungskommisfion nichts zu suchen, war die Mehrheit gegenteiliger Anficht; und schließlich wurde nach einer ebenso langen wie leb- haften Diskussion mit 16 gegen 3 Stimmen Rofri beauftragt, die Vertretung der socialisttschen Fraktton in der UntersuchungSkommisfion weiter zu übernehmen.--________ Hub Induftrie und HandeL HotelbrtriebS-Aktiengesellschaft» Berlin. Nach dem Geschäftsbericht ist das am 31. März abgelaufene letzte Geschäftsjahr recht erfolgreich gewesen, so daß die Gesellschaft 18 Vroz. Dividende verteilen kann. Zu dem diesmaligen höheren Erträgnis hat hauptsächlich der Betrieb des Central-Hotels und des Wintergartens beigetragen, jedoch haben auch andre Betriebe sich weiter günsttg entwickett. Der Reingewinn stellt sich aus 722 708 M. gegen 467 679 M. im Borjahre. Es wird vorgeschlagen, nach Ueberwelsung von 6 Proz.--- 32 933 M.(im Vorjahre 19 238 M.) an den gesetzlichen Reservefonds 18 Proz. Dividende gleich 640 000 M.(in, Vorjahre 12 Proz.) zu verteilen. Die Cigarettenfabrik von Georg A. Jasmatzi u. Co. in Dresden hat bislang aus dem von ihr unternommenen scharfen Konkurrenz- kämpf keinen Vorteil gezogen. Der Verlust für daS Geschäftsjahr 1903 erreicht nach Abschreibungen im Gesamtbettage von 116 779 M. die Höhe von 227 603 M., der nach Abzug des GewinnvorttageS von 1902 von 46 017 M. und des dem Reservefonds entnommenen Be- träges von 2421 M. einen Berlustvorttag auf neue Rechnung von 179 164 M. ergiebt. Rußlands Getreide-Smt« i« Jahre 1S03. Wie in viele» andren Dingen hintt Rußland auch mit feiner Statistik hinter den westeuropäischen Rattonen nach. Erst jetzt wird daS Emte-ErgebniS Rußlands im letzten Jahre bekannt. Nach Angaben des centtal- stattstischen Komitees waren im Jahre 1903 in den 72 Gouvernements 81710 793 Dessjättnen besät, und zwar mit Wintergekeide 32 692 018 Dessjättnen und mit Sommergetteide 49 018 776 Dessjättnen. Gegen das Jahr 1902 hat sich die Aussaatfläche um 2 083 000 Dessjättnen oder 2,6 Prozent vergrößert. Die gesamte Getreide-Ernte ergab 3 937 732 600 Pud, davon 43,6 Proz. Wintergekeide und 66,4 Proz. Sommergetreide. Trotz der Vergrößerung der Aussaatfläche ist demnach der Ernte-Erttag gegen 1902 um 170 646 000 Pud oder 4,2 Proz. zurückgeblieben. Im Vergleich zum Durchschnitt des Jahrfünfts 1898 bis 1902 hat aber der Ernte-Ertrag von 1903 ein Mehr von 428 807 000 Pud oder 12,2 Proz. ergeben. Die beste Ernte der Hauptgetteide-Arten: Roggen. Weizen. Hafer und Gerste entfällt auf die Steppengebiete mit Ausnahme von Veravtv. Redatteurt Paus Mttntr, Bellm. Inseratenteil verantw. Sommerweizen, der in den Weichselgouvernements den höchsten Erttag gab. Die schlechteste Ernte hatten das europäische Rußland und der nördliche Kaukasus. Der Qualität nach war die Enite von 1903 etwas schlechter als die von 1902. Soziales. Nerzte und Krankenkassen. Die den Leipziger Disttittsärzten angedrohte soforttge Kündigung ihrer Verträge aus Grund des§ 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist nur eine Drohung gewesen, die von dem die Verhandlung führenden Regierungsrat Hartmann ausgegangen ist. Es ist den Distriklsärzten mitgeteilt worden, daß die Aufsichtsbehörde zu dieser Maßregel erst greifen werde, wenn die Regierung ihre Zustimmung gebe. Die Erklärung, daß sie zur Behandlung auch außerhalb ihres Distritts wohnender Kranken bereit find(welche das Festhalten an den Verttägen in sich schließt) ist nur von 6g Disttittsärzten unter- schrieben worden. Die in der Generalversammlung der Ortskasse einstimmig beschlossene Protestresolution lautet: Die am 27. Mai 1904 tagende Generalversammlung der Orts- Krankenkasse für Leipzig und Umgegend protestiert entschieden gegen die Verordnung der Kreishauptmannschaft vom 7. Mai 1904 und erblickt darin dre nahezu völlige Aufhebung des Selbstverwaltungs- rechts der Kasse. Die Versammlung konstattert: 1. daß die Verwaltung und Generalversammlung mit Erfolg besttebt war, allen Ansprüchen in Bezug auf ausreichende ärztliche Hilfeleistung zu genügen, in Ansehung der Verordnung der Auf- sichtsbehörde vom 28. März, wonach die von der Kasse vorgesehene und späterhin eingeführte Regelung der ärztlichen Hilfeleistung als für die Mitglieder bindend anzusehen sei; 2. daß die Mitglieder mit dieser Regelung(Einführung des Disttittsarztsystems und der Beratungsanstalten) völlig einverstanden waren(Beweis: auch die von 70 000 Mitgliedern unterzeichnete Petition für Beibehaltung des Disttittsarztsystems) und daß für wirklich begründete Beschwerden über den ärztlichen Dienst sofort von der Kafsenverwaltung geeignete Abhilfe geschafft würde: 3. daß nur die einzelnen, zum Teil von den Aerzten konstruierten Beschwerden, sowie die weiteren Einflüsse der Aerzte für die Ent- scheidungen der Auffichtsbehörde vom 7. Mai maßgebend gewesen fein können und bedauert, daß somit nicht die gesetzlichen Gründe, fondern in der Haupffache die egoistischen Ansprüche der Aerzte für die Entschließungen der Behörde bestimmend waren; 4. daß die Wiedereinführung der fteien Arztbehandlung für die Familienangehörigen bei der schwankenden Stellungnahmeder Auf- sichtsbehörde nur unter völliger Preisgabe des Selbstverwaltungs- rechts der Kasse und damit der Auslieferung der Kasse an die Aerzte möglich ist und bedauert, daß deshalb von der Ein- führung der Arztbehandlung der Familien- Angehörigen Ab- stand genommen werden muß, um so mehr, als sonst die finanzielle Belastung der Kasse nur durch abermalige Beittagserhöhung aus- geglichen werden kann. Schließlich erttärt die Versammlung, daß die letztere Maßnahme der Behörde jeden weiteren Ausbau der socialen Fürsorge ver- hindere und sie beaustragt den Borstand, gegen die Entscheidungen der Behörde die weiteren oberen Instanzen anzurufen und die ge- eigneten Maßnahmen zu tteffen. GetverKsebaMches. Berlin unA dmgegenck. Die Lohndewegung der Steinbildhancr kann nunmehr als völlig abgeschlossen betrachtet werden. Nachdem die Lohnkommission, dem Auftrage der am Freitag abgehaltenen Versammlung entsprechend, bei der Firma Kühnle vorstell, g geworden war, hat auch diese, als einzige, welche die geforderte Lohnerhöhung noch nicht zahlte, diese Forderung bewilligt. Deutfchcs Reich. Der Kampf der Hamburger Kohlcnarbeiter gegen die Spar- und Unterstützungskassen der Kohlenimporteure, die nach dem Ausstand der Hafenarbeiter in den Jahren 1396 und 1897 ins Leben gerufen wurden, um die Arbeitgeber gegen den„Kontraktbruch der Arbeiter" zu schützen, ist jetzt in das Stadium eines Ausstandes eingetteten. Die Arbeitgeber hatten den Kohlenarbeitern anheim- gestellt, die erfolgten Kündigungen bis zum 10. Mai zurückzunehmen. Da dies nicht geschehen ist, ist das Arbeitsverhältnis gestern ab- gelaufen. Nur wenige Arbeiter sind in ihrem Arbeitsverhältnis geblieben. Achtung, Dachdecker! Die Firma Schulz u. Sohn, Hamburg. läßt durch einen ihrer Werkmeister Dachdcckergesellen nach Hamburg holen. Dieser Werkmeister, Herr Ernst Krome, verschweigt natürlich, daß die Werkstatt bereits seit Weihnachten gesperrt ist; auch wenn die Frage an denselben gerichtet wird, ob Differenzen mit dem Verband bestehen, verneint er dieselbe. So hat der Herr zwei Verbands- kollegen von Bremen geholt, dieselben haben aber nicht angefangen, nachdem sie den wahren Sachverhalt erfahren hatten. In Braun- schweig hatte derselbe mehr Glück. Es sind zwei Mann mttgekommen, die auch angefangen haben! Darum Vorsicht! Auskunst erteilt E. Färber, Diederichsttaße 19-, II., Hamburg. Um Abdruck werden arbeiterfteundliche Blätter gebeten. Tarifbewegung in der Nürnberger Metallindustrie. Am Sonntag- vormittag fand in Nürnberg eme zahlreich besuchte Versammlung aller in den Spiel- und Mctallwaren-Fabriken beschäftigten Flaschner, Mechaniker. Metalldrücker, Polierer. Werkzeugschlosser und Arbeite- rinnen statt, in der beschlossen wurde, den dortigen Unternehmern die Forderung auf Abschluß eines Tarifverttages zu unterbreiten. Der Tarif, der am 30. Mai den Unternehmern vorgelegt wird, soll zunächst auf drei Jahre gelten und folgende Hauptforderungen ent- halten: Die Arbeitszeit bettägt 64 Stunden pro Woche. Der Mnimal- lohn für eben erst Ausgelernte, mit Ausnahme der Werkzeugschlosser, bettägt 36 Pf., für Volljährige 43 Pf., für Hilfsarbeiter 30 Pf., für Arbeiterinnen, die beim Löten, Vernickeln oder an Kraftmaschinen beschäftigt sind, 26 Pf. pro Stunde. Den Accordacbeitern wird der Stundenlohn garanttert, die bestehenden Accordsätze sind um 10 Proz. zu erhöhen. Die Kürzung der Accordsätze darf erst dann eintreten, wenn in der Woche auf die Stunde durchschnittlich mehr als 65 Pf. kommen. Ueberstunden sind zu vermeiden, wenn sie aber absolut notwendig sind, so werden für die beiden ersten Stunden je 26, für die weiteren je 30 Proz. Zuschlag gezahlt. Diese Sätze gelten auch für Accordarbeiter unter Zugrundelegung des Stundenlohnes. Bei schlechtem Geschäftsgang ist die Arbeitszeit zu verkürzen, anstatt daß Entlassungen vorgenommen werden. Zur Schlichtung von Stteitig- teiten aus diesem Tarif wird ew Tarifamt gebildet, das aus je 6 Arbeitgebern und Arbeitnehmern und einem unparteiischen Bor» sitzenden besteht. RuoinnA. Zur Banarieiter-AuSsperrung in Wien. Die Wiener Bauunter- nehmer haben ihrer Drohung die That folgen lassen. Am Sonn- abend sind von ihnen ungefähr 30000 Bauarbeiter ausgesperrt worden. Zur Beilegung der Aussperrung der Bauarbeiter fand Sonntagvormittag im Handelsministerium unter dem Borsitz des HandelsminifterS Baron Call eine Einigungsverhandlung statt, an welcher Vertteter der Baumeisterschaft und Gehilfenschaft teilnahmen. Man einigte sich auf einem Borschlag, der den morgen zusammen- tretenden Versammlungen der beiden Parteien unterbreitet werden öll. Nach dem Vorschlag soll für die laufende Bausaison der Mimmallohn für die Maurer auf 3,80 Kronen festgesetzt werden. während für die übrigen Arbeiterkategorien der bisherige Minimal- lohn bestehen bleibt. Für 1906 soll ein Minimallohn von 4 Kronen bewilligt werdein__ � Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerlagsanitgIt Steinhauer- Aussperrung in Schweden. Der Berliner Korrespondent des Stockholmer Blattes„Dagens Nyheter" schreibt seiner Zeittmg, daß der seit Anfang Mai dauernde Kampf in der Pflasterstein- Industrie von Bohuslän mit einer Niederlage für die Arbeiter enden müsse, so habe ihm ein deutscher Steinimporteur erklärt. Es sei eine Thatsache, daß die allermeisten schwedischen Ex- porteure und deutschen Importeure ohne ein Oere Gewinnst auf Pflastersteine arbeiteten, und nur in der Hoffnung auf bessere Zeiten und um ihre Arbeiter nicht entlassen zu müssen, den Betrieb aufrecht erhielten.— Diese bei gewerkschaftlichen Kämpfen stets wieder- kehrende Unternehmer-Redensart steht im Widerspruch zu der That- fache, daß die schwedischen Stcinexporteure sich sämtlich zu ziemlich hohen Einkommensteuerstufen eingeschätzt haben, also jedenfalls auch dementsprechend a» ihren Unternehmen profitieren müssen. Die Steinhauereibesitzer von Bohuslän haben die Behörden um be- sonderen Polizeischutz für Verladung der Pflastersteine ersucht; man verlangt, daß ein Schiff mit Polizisten bemannt werde, das überall, wo es nötig erscheint, schnell zur Stelle sein kann. Der Streik der Verlader der New Jork-Newhavcner Eisenbahn hat dadurch eine weitere Ausdehnung gewonnen, daß die Heizer der Bahn sich ebenfalls weigern, die Arbeit fortzusetzen, wodurch der Verkehr zwischen New Jersey und New Jork vollständig unterbrochen ist. Ebenso ist der Verkehr zwischen New Uork und den Plätzen New Englands eingestellt. Dagegen lehnen die Newhavener Vor- lader ab, dem Streik beizutreten. Trotzdem der Präsident der Vor- laderdereinigung der Newhaven Eisenbahn die Aufforderung zu einem allgemeinen Ausstand im Anschluß an den Ausstand der New Docker Verlader erlassen hat, haben die dortigen Vereinigungen gegen den Ausstand gestimmt._ Versammlungen. Die Kommunalwahl im 32. und 40. Bezirk. Gestern, am Vor- abend des Wahltages, hatten unsre Genossen für jeden der beiden Bezirke eine Versammlung einberufen, um noch in letzter Stunde ein Wort über die Bedeutung dieser Wahlen an die Wähler zu richten. Beide Versanimlungen waren sehr stark besucht. Die Versamnilung für den 32. Bezirk fand bei Dase in der Brunnenstraße statt. Genosse Zubeil, der das Referat erstattete, kennzeichnete in scharfer Weise die liberale Mißwirtschaft im Stadt- regiment und gab der Erwartung Ausdruck, daß Genosse Leid mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt werde. Die Versammlung für den 40. Bezirk tagte in der Norddeutschen Brauerei. Hier referierte unser Kandidat Genosse Arons, der die socialpolittschen Aufgaben der Stadtverwaltung klarlegte. Dem Vor- ttage folgte eine rege Diskussion, in der als erster Redner Genosse Ledebour die Rückgrattosigkeit des Freisinns kennzeichnete. Im gleichen Sinne sprachen noch einige Parteigenossen, dann schloß der Vorsitzende die Versammlung, die Anwesenden ersuchend, daß sie den Wahltag zu einem Siegestage für unsre Partei gestalte». fettste JVacbricbten und Depefcben. Pirmasens, 30. Mai.(B. H.) Vergangene Rächt ist hier die Gerberei des Reichstags-Abgeordneten Leinenweber vollständig nieder- gebrannt. Der Schaden ist bedeutend. . I Hamburg, 30. Mai.(B. H.) Eine schwere Schiffskollifton erfolgte bei Norderney zwischen dem deutschen Dampfer„Barzin" und dem englischen Dampfer„Comrie Castle", welch letzterer sehr stark be- schädigt und in den hiesigen Hafen gebracht wurde. Dem„Varzin" wurde der Bug aufgerissen. Nenschenverwste sind bei dem Unfall nicht zu beklagen._ Zur Lage der Bauarieiter-AuSsperrnng in Wien. Wien, 30. Mai.(W. T. B.) Von den Bauarbeitern wurden heute nachmittag neun Versammlungen abgehalten. In fünf der- selben wurden die Vereinbarungen, welche in der gesttigen Konferenz. unter dem Vorsitz des Handelsministers Baron Call beschlossen wurden, unter der Voraussetzung angenommen, daß diesen Vorschlägen auch die Meisterversammlung zustimme. In diesem Falle würde die Arbeit am 1. Juni wieder aufgenommen werden. Sämtliche Ver- sammlungen stimmten dem Antrage zu, daß die Arbeiterschaft so lange von ihrem Verhalten nicht abgehen solle, bis ein allgemeiner Minimaltarif von vier Kronen bewilligt sei. In der Plenarversammlung der Genoffenschaft der Bau- und Steinmctzmeister teilte der Vorsitzende das Ergebnis der vorbereiten- den Verhandlungen mit, in welchen man sich dahin geeinigt habe, die Aussperrung der Bauarbeiter so lange aufrecht zu erhalten, bis die- selben die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen würden. Erst dann seien über die höheren Löhne Verhandlungen einzuletten. Budapest, 30. Mai./a Uhr in der Tonne, Rordbahnstr. 11, und bei Franke, Eichbornstr. 17. Zusammenkunst. Schönrberg. Heute Dienstagabend findet im Restaurant Wilhelmshof. Ebersstr. 80. eine öffentliche Kommunal« wähler-Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht: .Die kommunalen Aufgaben Schönebergs". Referenten: Stadt- verordnete Küter und Obst. Außerdem: Aufstellung eines Kandidaten für die Stadtverordneten-Ersatzwahl im 9. Bezirk. RowaweS. Mittwochabend'/zO Uhr findet bei Otto Hiemke, Wallstraße. eine Sitzung des Wahlverein« statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Genosten Paul Hirsch-Char- lottenburg. 3. Wahl eines Kassierers. 4. Ergänzungswahl zur Lokallommisfion. 5. Abrechnung von der Maifeier. 6. Kominunale Angelegenheiten. 7. Verschiedenes. Lokales. Ein letztes Wort zu den heutigen Stadtverordneten-Ersatzwahlen. Dem Ausfall der Stadtverordneten-Ersatzwahlen, die heute im 3 2. Bezirk und im 40. Bezirk stattfinden, wird nicht bloß in der daran beteiligten Wählerschaft mit Spannung entgegengesehen. In der That haben diese Wahlen eine Bedeutung, die weit über die beiden Bezirke hinausreicht. Man sage unS nicht, es seien doch nur ein paar lumtzig« Ersatzwahlen, noch dazu Ersatzwahlen in Bezirken, die nicht erst dem Freisinn abgenommen werden sollen, sondern bereits der Socialdemokratie gehören und beide ihr auch diesmal sicher seien. Nicht darauf allein kommt es an, daß beide Bezirke uns erhalten bleiben, sondern darauf, daß diese Wahlen durch die Stimmenzahl, mit der unsre Kandidaten gewählt werden, sich zu einer erneuten» machwollen Kundgebung des werkthätigcn, arbeitenden Volkes gegen die besitzende und herrschende Gesellschaft gestalten. Unsre Gegner erwarten allerdings das Gegenteil. Sie lauem darauf, daß sie aus dem Wahlergebnis, aus einer etwaigen Ver- Minderung der socialdcmokrattschcn Stimmen, die bei den er- schwerenden Umständen solcher Ersatzwahlen einem ehrlichen Be- urteiler nicht auffällig erscheinen würde, stch in der üblichen Weise einen„Rückgang der Socialdemokratie" konstruieren können. Sie freuen sich, daß durch die veralteten, für diese Ersatzwahlen noch zu Grunde gelegten Wählerlisten vom vorigen Jahr, seit deren Auf- stellung zwei große Umzüge stattgefunden haben, besonders der Socialdemokratie die Wahlagitation erschwert wird, weil besonders aus der Arbeiterklasse viele Wähler inzwischen verzogen sind. Führer des Freisinns schämen sich nicht, in öffentlicher Versammlung ihre Befriedigung darüber zu äußern. Möge die socialdemokratische Wählerschaft, eingedenk der Bedeutung dieser Wahlen, die Hoffnung der Gegner vereiteln I Im 3 2. Bezirk ist der bisherige Vertreter, unser Genoste Redakteur Karl Leid, zur Wiederwahl aufgestellt, nachdem die Richter, die ihn wegen„Majestätsbeleidigung" verurteilten, ihm zugleich sein Stadtverordneten-Mandat aberkannt haben. Daß ein Ehrenamt, das durch das Volk vergeben wird, durch Richter genommen werden kann, das ist auch eine von den Wunderlichketten der Rechts- anschauungen unsrer Zeit. Doch der Urteilsspruch der Richter kann nicht hindern, daß das dem Verurteilten aberkannte Ehrenamt ihm durch das Volk sofort von neuem übertragen wird. Das wird heute geschehen! Bis zuletzt hat nichts darüber verlautet, ob noch von andrer Seite ein Kandidat aufgestellt ist. Aber selbst wenn unsre Gegner uns diesen Bezirk ohne Kampf lassen wollen, so darf doch keiner unsrer Freunde und Parteigenossen, kein socialdemokratischer Wähler— auch keiner, der inzwischen aus dem Bezirk verzogen ist— es für überflüssig halten, seine Pflicht zu thun. Jeder muß von seinem Wahlrecht, das auch die inzwischen verzogenen Wähler noch haben, Gebrauch machen und Leid wählen, damit die herrschende Gesellschaft sieht, daß Bolksurteil über Richtcrurteil geht. Die Wahl im 4 0. B e z i r k ist nach einer andren Seite hin von Bedeutung, und sie hat in den letzten Tagen noch an Bedeutung ge Wonnen, nachdem dem socialdemokratischen Kandidaten, unserm Ge Nossen Dr. Leo Arons, von unsren vereinigten Gegnern als„ge meinsamer bürgerlicher Kandidat" ein Vertreter krassester Interessen Politik entgegengestellt worden ist, der Maurermeister und Hans- besitzervereins-Vorsitzende Lentz. Als„Mann der praktischen Arbeit" wird er den Wählern angepriesen. Wir kennen diese „Männer der praktischen Arbeit", in der Stadtverordneten- Ver- sammlung sitzen viele von der Sorte, mehr als zuviel. Hausbesitzer und Unternehmer, das sind diejenigen beiden Interessengruppen, an denen die sociale Rückständigkeit der Stadtverordneten-Versammlung ihren festesten Halt hat. Hausbesitzer und Unternehmer ist Herr Lentzl Man sieht, es handelt sich bei dieser unscheinbaren Ersatzwahl um den schroffsten Gegensatz, der zwischen dem arbeitenden Volk und seinen geschworenen Feinden besteht. Es ist bezeichnend, daß für Herrn Lentz in der freisinnigen Wählerversammlung, die ihn auf- stellte, der freisinnige Stadtverordnete f�niow warb; derselbe, der in der StadWcrordneten-VersammluKg, u.J den von der Gemeinde beschäftigten Arbeitern eine Vergünstigung erwirkt werden sollte, auf die„Verpflichtung gegen die Privattndustrie" hinwies und einen ab- schwächenden Vorschlag unterstützte, weil er fürchtete, daß die Arbeiter privater Unternehmer mit einer gleichen Forderung kommen würden; derselbe Rosenow, der jetzt im Vergolderstreik in seiner Fabrikanten- Vereinigung mit allem Eifer darauf hingewirkt hat, daß die Fabrikanten sich ablehnend verhielten. Auch so ein freisinniger „Mmm der Arbeit"— in Wirklichkeit: ein Mann gegen die Arbeit! Doch genug der Worte! Heute gilt es die That, und die ist Sache der Wähler. Mögen unsre Genossen, auch die inzwischen verzogenen, Mann für Mann ihrer Wahlpflicht genügen. Gewählt wird im 3 2. Bezirk Karl Leid und im 4 0. Bezirk Leo Arons. Auf zur Wahl, zum Siege der Socialdemokratie! Schade drum! Die Scharfmacher haben bekanntlich lebhaft Entrüstung markiert als bekannt geworden war. daß das Amtsgericht zu Rixdorf der Socialdemolratie wegen der Vorgänge bei der dort im November vorigen Jahres abgehaltenen Wahl der Landtags- Abgeordneten keinen Trimnph bereiten wollte. Unsre Partei- genössischen Wahlmänner Habensich damals das hohe Verdienst erworben, daß sie die NichlSwürdigkcit des Dreiklassenwahl-Systems besonders eklatant dem öffentlichen Gelächter preisgaben, indem sie sich streng auf den Boden des Gesetzes stellten und alle Absurditäten, die von diesem unangreifbaren Boden aus an dem Wechselbalg von einem Wahlsystem zu enthüllen waren, konsequent enthüllten. Ob dieser dankenswerten That schrien etliche Scharfmacher den Staatsanwalt an, der es denn auch mit dem groben Unfugparagraphen gegen unsre Parteigenossen versuchte. Das Schöffengericht lehnte aber die Einleitung des Hauptverfahrens ab— sehr zum Leidwesen unsrer Parteigenosten, die gehofft hatten, die Unfittstchkeit des elendesten aller Wahlsysteme endlich auch einmal vor Gericht demonstrieren zu können. Der Staatsanwalt ließ die Hoffnung unsrer Wahlmänner aber nicht ganz zu Schanden werden und ging noch an die Berufungsinstanz; aber auch die Strafkammer hat jetzt in folgenden« Bescheid den Antrag auf Einleitung des Hauptverfahrens zurückgewiesen: In der Strafsache gegen Geisen-Kersting und Genossen wird die Beschlverde der königlichen Staatsanwaltschaft gegen den die Er. Öffnung des Hauptverfahrens wegen Verübung groben Unfugs ab' lehuenoen Beschluß des königlichen Amtsgerichts Rixdorf vom 17. März 1904 auf Kosten der Staatskasse zurückgewiesen aus den Gründen dieses Beschlusses, welche das Beschwerdegericht sich zu eigen gemacht hat. Diese Gründe werden auch nicht durch die Ausführungen der Beschwerdeführerin vom 13. April 1904 erschüttert. Zunächst kann nicht anerkannt werden, daß die Wahlmänner, auf deren Kreis die in Frage kommenden Belästigungen nach den angestellten Ermittelungeil beschränkt geblieben sind, em Publikum im Sinne des 8 360" des Reichs-Straf-Gesetzbuches feien Mag ihre Zahl immerhin eine größere gewesen sein, so war sie doch keine uncrineßbare, wie zum Beispiel diejenige der Mannschaftei« und Offiziere eines größeren Truppenteils(vergl. in dieser Husticht Entsch. d. R.-G. Bd. 16. S. 98 f.), auch standen sie mit Rücksicht auf daS ihnen übertragene Amt, dessen Ausübung sie zusammen- geführt hatte, in gewissen Beziehungen zu einander. Sie können deshalb nur als em individuell bearenzter Personenkreis angesehen und nicht dem Begriffe„Publikum� im Sinne des§ 360" vit. unterstellt werden.' Sind nun die Wahlmänner als Publikum nicht anzusprechen, so spielt allerdings der abgegrenzte Raum, in dem sie sich be- funden haben(wennschon er andernfalls ein Hindernis stir die VerÜbung groben Unfugs nicht gewesen wäre, vergl. Entscheidung des R.-G. Band 13 Seite 366) insofern eine Rolle, als et nach den angestellten Ermittelungen verhindert hat, daß die Be- lästignngcn über den Kreis jener hinaus unmittelbare Wirkungen geäußert hat. Später mittelbare Wirkungen auf daS Publikum, welche der Amtsanwalt nach seiner Beschwerde- schrift vom 21. März 1904 sichtlich mit berücksichtigt wissen will, können aber für den Begriff des groben Unfugs nicht in Frage kommen.(Vergl, Entsch. d. R.-G. Bd. 19 S. 297, Bd. 31 S. 193 ff., Bd. 32 S. 101.) ES thut unS ja leid, daß den Scharfmachern die Erfüllung ihres tölpelhaften Verlangens erspart blieb und wir um einen schönen Triumph kamen. Aber man sieht, daß wenigstens der Staatsanwaltschaft kein Vorwurf zu mache» ist. Die Parade-Ferien sollen, wie es scheint, allgemach zu einer festen Einrichtung unsrer Schulen Iverden. Heute wird auf den« Tempelhofer Felde die übliche Frühjahrs-Parade abgehalten, und wieder fällt in den Schulen, in den höheren wie in den Ge- meindeschulen, der Unterricht aus. Der ganze Unterschied gegen die Parade-Ferien vom vorigen Herbst ist der, daß diesmal nicht erst am Tage der Parade den in der Schule eintreffenden Kindern voni Ausfall des Unterrichtes Mitteilung gemacht wird und auch nicht durch die Organe der Polizei, sondern bereits am Tage vorher und durch die Organe der Schule selber. Die Erörterungen, die im Herbst in der Stadtverord- neten- Versammlung über jene Paradeferien gepflogen wurden, haben wenig Eindruck gemacht. Das war aber bei der schwächlichen, geradezu demütigen Haltung, die der Magistrat und die freisinnige Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung zu dieser Angelegenheit einnahmen, auch nicht anders zu erwarten. Oberbürgermeister Kirschner begriff gar nicht, was an der Sache denn so schlimmes sei. Er erntete für seine Rede den Beifall auch des einzigen„Bürgerparteilers", der damals«roch in der Versammlung war, des Herrn Pretzel. Der brave Pretzel hielt an jenem Tage seine bekannte Hurrarede— es wpr, wenn wir nicht irren, die letzte Rede, die er vor seinem Ausscheiden aus der Versammlung noch halten konnte. Kläglicher noch benahmen sich die Freisinnigen. Die„Neue Linke" unter Führung des famosen Rosenow hatte eine Resolutton beantragt, die eine Mißbilligung dieser Paradeferien und ihrer Be- gleitumstände enthielt. Aber die tapferen Männer zogen ihren Antrag, noch ehe er verhandelt wurde, wieder zurück. Die socialdemo- kratische Fraktion nahm ihn wieder auf, doch außer ihr unterstützte ihn fast niemand, und er winde abgelehnt. Dafür Ivurde vann ein Antrag von der„Alten Linken" eingebracht und von der„Neuen Liirkeir" mitunterstützt, der dem Magistrat empfahl, bei den zuständigen Staatsbehörden„vorstellig" zu werden. Dieser Anttag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Die unterrichtlichen und erziehlichen Bedenken, die gegen die Paradeferien, auch gegen rechtzeitig bekanntgemachte, sprechen, werden an zustäiidiger Stelle offenbar nicht geteilt. Aber vielleicht ist eine Wiederabschaffung dieser die Schule und die Jugend nicht förberndeii Einrichtung zu erwarten, wenn sich zeigt, daß der aller- größte Teil der Schuhugend keinen Gebrauch von ihr macht. Wir empfehlen allen Eltern, ihre Kinder heute nicht in die Parade st raßengehen zu lassen. Es ist durchaus überflüssig, daß sie dort die Reihen der Gaffer noch vermehren. Wie uns in später Abendstunde noch mitgeteilt wird, fällt auch in den Vororten der Schulunterricht der Parade wegen aus. „Zum 25 jährigen Gedenktage der ersten elektrischen Bahn, 31. Mai 1879—1904", betitelt sich eine von der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske herausgegebene Festschrift, welche in Wort und Bild die Entstehung und Entivicklung des elektrischen Bahnbetriebes zur Darstellung bringt. Auf dem ersten Bilde sehen wir die kleine, elektrische Lokomotive, welche Werner v. Siemens ailf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1879 im Betriebe vorführte; auf den drei Anhängewägelche» haben neben dem genialen Erfinder Angehörige und Freunde der Familie v. Siemens, im ganzen 18 Per- soi«en Platz genommen. Die erste Rundfahrt fand am 31. Mai, also heute vor 25 Jahreir, statt und dieser Tag ist daher als der Geburtstag des elektrischen Bahnbetriebes anzu- sehen; ehe er sich Bahi�brach, verging fteilich noch lange Zeit. Werner V.Siemens bewarb sich zwar alsbald um die Erlaubnis, in der Friedrichstratze zu Berlin eine elektrische Hochbahn anlegen zu dürfen; der Plan scheiterte aber, besonders an dem Ein- spruche der Hausbesitzer. Auch andre Vorschläge wurden ab- gelehnt; man verlvies die Firma Siemens u. Halske auf„passendere Oertlichkeiten" in der Umgegend von Berlin. Und so war es der Gemeinde Groß-Lichterfelde beschieden, am 16. Mai 1831 die er sie dem öffentlichen Verkehr dienende elektrische Bahn dem Betriebe übergeben zu können. Die 26 Personen fassenden Wagen dieser Bahn fuhren bereits mit einer Geschwindigkeit bis zu 40 Kilometer pro Stunde, trotzdem der Arbeits- ström nur eine Spannung von 180 Volt aufwies. Es folgte in demselben Jahre die erste elektrische Bahn mit oberirdischer Stromzuführung, welche Siemens auf der P a r i s e r Weltausstellung vorführte, und im folgenden Jahre wurde eine Straßenbahn in gleicher Weise von Charlottenburg nach dem Spandauer Bock eröffnet. Die Festschrift schildert dann noch in anschaulicher Weise die elektrischen Fahrversuche auf der Wannseebaha, der Wiener Staatsbahn und, mit Drehstrom-Betrieb, im Charlotten- burger Werk der Finna, sowie auf der VcrsuchSbahn bei Lichtcrfelde- Zehlcndorf, auf welcher den Fahrzeugen Drehstrom von 10 000 Volt Spannung, inmittelbar zugeführt wurde. Die hier erprobten Ein- richtungen bildeten dann die Grundlage ftir die Schnellfahr- Versuche der Studiengesellschaft auf der Militärbahiistrecke. Er- wähnen wollen wir noch, daß die„erste elektrische Lokomotive der Welt" von der Firma Siemens u. Halske dem„Museum der Meister- werke" zu München überwiesen worden ist. Am heutigen Jubiläumstage werden sich die Chefs und Oberbeamten der Firma zu einem internen Festmahl vereinigen. Die von der Berordnung gegen den Straßenhandel bedrohten Händler und Händlerinnen haben an die Berliner Bevölkerung ein Flugblatt gerichtet, worin die Bedrängten die Oesientlichkeit auffordern, ihre Interessen wahrnehmen zu helfen. ES heißt in dem Aufruf: „Seit Jahren ftihrt man einen Vernichttrngskampf gegen uns, gegen unsre Existenz. In der Hauptstadt des Reiches, vessen Ver- soffung den Satz enthält:„Kein Deutscher darf in der Aus- Übung des Gelverbebetriebes beschränkt werden", darf der Polizeipräsident zu einer Abordnung Stroßenhändler, die ihn bitten, von geplanten Verschärfungen abzusehen, sagen:„Was meinen Sie, wie das aussieht(! I). wenn die Weiber so in der Leipzigerstraße stehen"(man denke: ein preußischer Polizei- Präsident als ästhetischer Kuustrichter); in dem Rechtsstaat, dessen Bürger nach dem Gesetz alle gleich sind und ebenfalls nach dem Gesetz volle Gewerbefreiheit haben, darf ein Staatsanwalt gegen eineXHändlerin eine recht hohe Strafe beantragen,„damit das G e- s i n d e l von der Straße wegkommt I" Mit der Tagesordnung:„Der Todesstoß gegen den Straßen- Handel und seine Abwehr" werden Mittwochabend 8lL Uhr drei Volksversammlungen in folgenden Lokalen abgehalten: Germania- Prachtsäle, Chansseestraße 103, Referent: Alfted Opitz; Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10, Referent: Anton Zimmer; Gewerkfchaftshaus, Engel-Ufer 15, Referent: Arthur Moritz. In gemischter Deputation, zu der vom Magistrat fünf Mitglieder gewählt sind und von der Stadtverordneten-Versammlung noch zehn Mitglieder zu wählen sind, soll über die Errichtung eines Denkmals für Rudolf Virchow beraten werden. Der Stadtverordneten-Versammlung ist eine Vorlage über die besonderen Entwürfe zu einem Verwahrungshaus nebst Pflegerhaus bei der dritten Irrenanstalt in Buch sowie über mehrere besondere Entwürfe zu Gebäuden beim Rudolf Virchow-Krankenhause zu- gegangen. Diese 11 Gebäude sind mit 1 926 000 M. veranschlagt. Eine Gemeinde-Toppelschule beabsichtigt der Magistrat in Moabit auf städtischem Gelände zwischen Perleberger- und Ouitzow- straße zu errichten und gleichzeitig den angrenzenden Hof der 5. Real- schule um etwa 220 Quadratmeter zu vergrößern. Fünfnhr-GeschäftSschlnß. An den Berliner VerkagSbuchhandel hatte der Vorstand der Ortsgruppe Berlin der Allgemeinen Ver- einigung deutscher BuchhandlungSgehilfen schon im vergangenen Jahre das Gesuch gerichtet, während der Sommermonate um 5 Uhr das Ge« schSst zu schkießen� Em großer Teil des Berliner Verlags hat dieser Anregung Folge geleistet. Ueberhaupt bürgert sich der Fünfuhr- Geschäftsschluß immer mehr im Berliner Verlagsbuchhandel ein Nach den Angaben des Berliner Buchhändler-Adreßbuchcs schließen während der Sommermonate etwa 220 Firmen um ö Uhr. Die Gehilfen haben deshalb auch in diesem Jahre wieder das Gesuch an den Berliner Verlag gerichtet, im Sommer wenigstens Sonn- abends um 5 Uhr zu schließen, wenn das nicht während der ganzen Woche geschehen kann. Patriotismus und Frömmigkeit kamen am Sonntag auf ihre Rechnung. Im Tiergarten wurde ein Hohenzollern-Denkmal eut- hüllt, das so und so dielte. Es stellt den Großen Kurfürsten als Kurprinzen dar und ist von Professor Jannusch hergestellt. In der Glogauerstraße wurde ein Gotteshaus eingeweiht, die M a r t h a- k i r ch e. Bei der Denkmalsenthüllung waren der Kaiser und die Kaiserin zugegen, bei der Kircheneinweihung der Kronprinz. Alt und empfindlich wird die Kirche und immer schwerer wird «S, ihr Achtung zu zollen. Damals, als sie noch den Mut hatte, in Esels- und Narrenfesten sich und ihre heiligen Bräuche zu der- spotten, damals war ihr Arm mächtig, war sie trotz etlicher Schön- heitsfehler im innersten Ken« gesund. Jetzt aber erheben die Frommen ein Gegreine selbst ob der harmlosesten Anlehnung Welt- licher Poesie an die geistliche und geben damit zu erkennen, wie schwach und nervös ihre Mutter geworden ist. Hat da unser Freund Mucius S c ä v o l a, wie wir Sonntag mitteilten, ein Bäcker- Boykottlied gedichtet, das mit den Worten«Stille Nacht, hilfreiche Nacht" beginnt. Das ist nach der Entdeckung des katholischen Kapitalistenblattes„Germania" eine empörende Verunglimpfung des christlichen Gefühls, und der Dichter muß es erleben, daß seine urgermanische Reckengestalt orientalischer Herkunft geziehen wird. Es thut uns leid um die„Germania", daß sie ihre Kirche noch für empfindsamer hält, als sie es thatsächlich sein mag. Möge sie sich doch ein Beispiel an der Socialdemokratie nehmen, die nicht zuletzt von christlich-katholischer Seite mit wirklich empörenden Verunglimpfungen beworfen wird und dabei doch so fröhlich gedeiht, als ob diese Liebesgaben ihrer Feinde zu ihrem täglichen Brot gehörten I Die Artisten gegen die Muckerei. Gegen die neuen Angriffe der Synode auf das Variete und das Artistentum wollen die Ver- treter der Artistcnschaft wiederum gemeinsam Protest erheben. Es soll ein Ausschuß, bestehend aus Vertretern des Internationalen Direktorenverbandes der Internationalen Artistengenossenschaft und der Internationalen Artistenloge, beim Minister des Innern um eine Audienz nachsuchen, um gegen die öffentliche Verunglimpfung des ganzen Artistenstandes, die Bezeichnung der Varietes als„Brut- stätten des Lasters" und gegen die besondere polizeiliche Ueberwachung der Spccialitätentheater, für das von einer der Synode nahestehenden Seite Geldmittel zur Verfügung gestellt werden, Verwahrung ein- zulegen. Es soll bei dieser Gelegenheit auch auf die Uebelstände und Mißgriffe der Varietecensur hingewiesen werden. Eine demnächst stattfindende allgemeine Artistenversammlung wird über die geplante Deputation endgültig Beschlutz fassen. Auf der Eisendahn gerädert. Das Opfer eines Irrtums wurde Sonntagabend das 23 Jahre alte Dienstmädchen Minna Jacob aus Friedland, das in der Berlinerstraße 33 zu Nieder-Schöncweide in Stellung war. Das Mädchen hatte mit seinem Verlobten, einem 24 Jahre alten Schiffer Ferdinand Lehmann aus Nieder-Schöne- weide, einen Ausflug gemacht und fuhr mit ihm von der Station Stralau-Rummelsburg nach Baumschulenweg zu. Kurz vor dieser Haltestelle, hinter Treptow, blieb der Zug auf der Strecke liegen, um das Einfahrtszeichen abzuwarten. Minna Jacob aber glaubte, daß die Haltestelle bereits erreicht sei, stieg aus und wurde im nächsten Augenblick von einem andren Zuge, der aus der entgegengesetzten Richtung nach Berlin fuhr, überfahren. Die Räder trennten der Unglücklichen ein Bein vollständig ab. Ter Zug nahm sie auf und brachte sie nach dem Schlesischen Bahnhof, wohin unterdessen durch den Fernsprecher ein Bahnarzt gerufen wurde. Dieser konnte aber nur noch feststellen, daß die Verunglückte unterwegs schon ihren Ver- letzungen erlegen war. Die Leiche wurde von der Bahnhofspolizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Tragödie einer Ehe. Eine unglückliche Ehe hat nach kurzer Dauer auf tragische Weise ihr Ende gefunden, und der Mann, der dieses Ende gewaltsam herbeiführte, hat seine beiden kleinen Söhne. von denen er sich nicht trennen konnte, init sich in den Tod genommen. Wie schon berichtet, verschwand der Lazerverwalter Karl Leipner aus der Willibald Alexisstratze 40 am Dienstag voriger Woche aus seiner Wohnung. Er wollte angeblich mit seinen beiden Söhnen Karl und Walter, die noch im zarten Alter von eineinhalb und drei Jachren standen, einen Spaziergang unternehmen. Man sah ihn zuletzt noch mit den beiden Knaben in der Gneisenaustraße, seitdem aber fehlte von den Vermißten jede Spur. Am Freitag erhielt die Gattin Leipners von diesem aus Westend eine Karte, auf der er ihr mitteilte, daß er sich mit den Kindern das Leben nehmen wolle. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib der Verschwundenen waren ver- geblich, bis man gestern die Leiche des Mannes bei Schloß Ruhwald aus der Spree zog. Die Kinder wurden nicht entdeckt, aber es steht außer Zweifel, daß auch sie in der Spree ihr frühes Grab gefunden haben. Leipner hatte nämlich einen Drahtgurt um den Leib, an den er offenbar die Knaben angebunden hatte, als er in die Spree sprang. Im Todeskampf dürften sich die. kleinen Opfer losgerissen haben, dann aber gleichfalls ertrunken sein. Das Motiv zu dieser schrecklichen That liegt in der unglücklichen Ehe Leipners. Seit ge- raumer Zeit vertrugen sich die Eheleute nicht mehr, und nachdem sie sich oft gezankt hatten, sprachen sie seit nahezu einem Vierteljahr überhaupt nicht mehr miteinander. Leipner konnte diesen Zustand nicht länger ertragen und beendete ihn daher auf die geschilderte Art. Ter Unglückliche war seit zehn Jahren in einer Fabrik in Moabit beschäftigt und ein sehr fleißiger und nüchterner Arbeiter; seine Frau steuerte durch Aufwarte-Arbeiten zur Bestreitung des kleinen Haushaltes bei. Straßensperrungen. Die Neue Königstraße vom Alexanderplatz bis zur Alten Schützenstraße wird wegen Reparatur des städtischen Gasrohres auf vierzehn Tage für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Jungfernbrücke wegen Erneuerung der Holzkonstruktion. Im Streit erstochen wurde in der vergangenen Nacht der 33 Fahre alte italienische Arbeiter Enrikoldi, der in der Antonius- straße 35 zu Grabow wohnt und hier zu Besuch war. Er geriet nachts um 12V, Uhr in der Waldstraße zu Reinickendorf mit zwei Gebrüdern Czhrzinski aus Reinickendorf in einen Wortwechsel, der bald in Thätlichkeiten ausartete, erhielt einen Dolchstich in die linke Schulter, der die Lunge verletzte, und mehrere Stiche in den Unter- leib und starb nach kurzer Zeit. Seine Leiche wurde nach dem Reinickendorfer Schauhause gebracht. Die beiden Thäter wurden verhaftet. Der eine war Amtsdiener, wurde aber aus dem Dienst entlassen und ist jetzt Arbeiter,' der andre ist Arbcitsbursche. Die Kunde von einem Totschlag verbreitete sich gestern in den Abendstunden im Osten Berlins; der Sachverhalt ist kurz folgender: Zu dem Gastwirt Polsfuß, Markus- und Kleine Markusstraßen-Ecke kam gestern abend ein Gast im angetrunkenen Zustand und fing mit einigen andern Gästen Streit an, welcher schließlich in Thät- lichkeiten ausartete. Nun soll nach Aussage verschiedener Augenzeugen der Wirt den Betrunkenen die Lokal- treppe heruntergeworfen haben, daß letzterer eine Schädel- Verletzung erlitt und ihm Blut aus Mund und Ohren herausquoll; nach dem von Passanten bewerkstelligten Transport zur nächsten Unfallstation, wo der Verletzte nicht behandelt werden konnte, erfolgte dessen Ueberftihrung nach dem Kraukenhause am Friedrichshain, wo er, nach Konstatierung der Aerzte, an Gehirnerschütterung verschied. Vermißte Mädchen. Zu dem Verschwinden der 15 Jahre alten Handelsschülerin Martha Keller aus der Luckenwalderstr. 11. die nach einer Mitteilung des Polizeipräsidiums, entführt oder verschleppt worden zu ein scheint, wird noch berichtet, daß die Vermißte eine Schule am Tempelhofer Ufer besuchte. Auf dem Wege dorthin lernte sie einen Herrn kennen, der ihr später zum Geburtstage mit einem Glückwunsch� enlen Blumenstrauß samdte.— Vom Tanzboden verschwunden ist die 15 Jahre alte Emilie Kürbis aus der Rykestr. 14. Sie besuchte am zweiten Pfingstfeiertage die„Wichsdose", ein Tanz- lokal in der Prenzlauer Allee, ging von dort um 91/, Uhr abends mit einem jungen Burschen weg und kam nicht mehr nach Hause. Das körperlich stark entwickelte Mädchen wird wahrscheinlich zu schlechten Zwecken verborgen gehalten. Einen Auflauf verursachte am Sonntagnnttag gegen 1 Uhr ein ehemaliger Bäcker St. aus der Stcinmetzstraße in Rixdorf vor dem Laden des Bäckenneisters Max Lehmann, Falkstr. 21. Der nicht ganz Nüchterne suchte lärmend und schimpfend in den Laden des Bäckermeisters einzudringen, um das Plakat, welches anzeigt, daß der Bnckerineistcr die Forderungen bewilligt, zu entfernen; er erklärte, es sei alles Schwindel, Lehmann habe nicht bewilligt. Der durch diesen Auflauf sich geschädigt fühlende Bäckermeister erklärt vielmehr. daß er sofort die Gesellenforderungen b e w i I l i g t habe(was auf unsre Anftage von der Organisation bestätigt wurde), sogar heute vor dem Einigungsamte des Gewerbegerichts für die Beilegung der Lohnstreitigkeiteir mitgewirkt habe. Ju dem großen Betrugsprozcß gegen Professor Meyer und dessen Ehefrau ist nunmehr Termin zur Hauptverhandlung zum 4. Juli und folgende Tage anberaumt worden. Wie viele Tage der Prozeß, der seines Umfanges wegen im kleinen Schwurgerichtssaale statt- finden soll, in Anspruch nehmen wird, ist noch nicht abzusehen. Es sind gegen 150 Zeugen zu vernehmen, von denen gegen 100 von der Anklagebehörde, die übrigen vom Verteidiger, Rechtsanwalt Hugo Coro, geladen sind. Feuerbericht. Nur wenig Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten beiden Tagen zu verzeichnen. In der Nacht zum Montag wurde sie nach der Grunewaldstr. 130 gerufen, weil hier in einer Parterre- Wohnung Gardinen und Decken Feuer gefangen hatten. In der Dunckerstr. 12 war vorher auf dem Dache ein Brand entstanden, der indes leicht unterdrückt werden konnte. Nachmittags hatte der 17. Löschzug in der Oranienstr. 141 zu thun. Hier war auf dem dritten Hofe im linken Seitenflügel in einem abgeschlagenen Räume der Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung von Otto ElSner, in dem unter anderm ein gefülltes Faß mit Petroleum und ein andres mit Terpentin lagerten, auf nicht ermittelte Weise Feuer aus- gekommen, das im Nu das Petroleuinfaß erfaßt hatte. Man ver- suchte zuerst vor Eintreffen der Wehr, die Flammen durch Aufwerfen von Sand zu ersticken. Dies gelang aber nicht und so schloß man den Raum ab, um ein schnelles Umsichgreifen zu verhindern. Die Wehr konnte dann die Gefahr in kurzer Zeit beseittgen. Das Petroleumfaß ist ausgebrannt. Die übrigen ganz vereinzelt ein- gelaufenen Alarmierungen, die dann noch jnach der Tresckowstr. 9, Ouitzowstr. 91 und noch nach einigen andern Orten erfolgten, be- trafen durchweg Brände, die teils vor Ankunft des ersten Löschzuges bereit? von Hausbewohnern beseitigt waren, teils die Wehr nur ganz kurze Zeit beschäftigten. Tins den]Sachbarorten. Nebcr das Vorkommen zahlreicher Hitzschläge bei der Hebung und der Parade der 2. Garde-Jnfanterie-Brigade vor dem Kaiser in Döberitz waren am Sonnabendnachmittag in Spandau beunruhigende Gerüchte verbreitet. Mehrere Mannschaften sollen auf der Stelle am Sonnenstich gestorben sein. Thatsache ist, daß viele Soldaten infolge von Erschöpfung bei der großen Hitze umgefallen und liegen ge- blieben sind. Sie wurden alsbald ins Lazarett gebracht und ärztlich behandelt. Ob Todesfälle vorgekonunen sind, ist nicht be- kannt geworden. Ein HauSeinsturz verursachte Sonntag in Luckenwalde zroße Aufregung. Das in der Treuenbrietzenerstraße belegene drei- töckige Wohngebäude zeigte plötzlich infolge Senkung der Funda- mente große klaffende Riste. Bald darauf stürzte der ganze Giebel mit der Front ein. Die Hausbewohner konnten sich nur mit Mühe und Not retten. Die Feuerwehr löschte und rettete einen Teil des Mobiliars. Das HauS ist erst vor drei Jahren erbaut und daneben wird jetzt ein Neubau aufgeführt, wobei die Ausschachtungsarbeiten wohl nicht mit der nöttgen Vorficht ausgeführt worden sind. Ein schwerer Raubansall ist in der Nacht zum Sonntag in Friedenau verübt worden. Dort befindet sich in der Ring- straße 31/32 die Wohnung des Oberlieutenants Sellier, der mit feiner Familie augenblicklich verreist ist. In dessen Abwesenheit be- wohnt die Räume Oberlieutenant Bauch. Am Sonnabend gegen V.10 llhr war Oberlieutenant Bauch ausgegangen, und das Dienst- mädchen schickte sich an, schlafen zu gehen. In dem Augenblick, als es das Zimmer betrat, wurde ihm von den Einbrechern das Oberbett über den Kopf geworfen, dann fesselte man ihm die Hände und steckte ihm noch einen Knebel in den Mund. Die Räuber drohten dem Mädchen dann mit einem Revolver und wollten von ihm wissen, wo das Silberzeug und andre Gold- oder Wertsachen aufbewahrt sind. Als die Räuber— das Mädchen giebt deren Zahl, nach den Stimmen zu schließen, auf drei an— trotz eifrigen Suchens nichts fanden, verließen sie das Zimmer. Als einzige Beute nahmen sie die goldene llhr des Mädchens mit. Etwa anderthalb Stunden später kam Ober- lieutenant Bauch nach Hause, vernahm das Wimmern des Mädchens und befreite es aus den Fesseln. Eine sofort vorgenommene Ab- üchung des Hauses hatte kein Ergebnis. Bei dieser Gelegenheit wird hekannt, daß am 25. d. Mts. auf Oberlieutenant Bauch, der den Garten inspizierte, drei Schüsse abgefeuert worden sind. Ob schon damals ein Raub auf das Haus geplant war, wird sich kaum fest- stellen lassen. Ein entsetzlicher Tod. In der Jauche ertrunken ist gestern in Dahlem der 22jährige Rohrleger Max Friedemann aus Leipzig, der kürzlich seiner Militärpflicht bei der Marine genügt hatte. Die Ab- gangsstoffe der Gutshrennerei sowie der Stallungen der Domäne werden in einen Teich hinter dem Gutshofe abgeleitet. Dort zimmerten sich gestern mehrere junge Leute, darunter Friedemann, aus Brettern ein Floß. Friedemann bestieg es und ruderte in den Teich hinaus, um allerlei Kunststücke vorzuführen. Plötzlich barst das Floß, und der Ruderer versank in den trüben Wassern, die hier ca. 4 Meter tief sind. Sofort sprang der 18jährige Sohn des Klenipnermeisters Nachtigall in den Teich, um F. zu retten. Es gelang ihm auch, ihn zu ergreifen und mit ihm ein paar Schwimm- töße dem Ufer zu zu machen. Indessen hatte er nicht die Kraft, )as Rettungswerk völlig zu beenden, mußte vielmehr, um nicht elbst zu ertrinken, den ihn umklammernden Rohrleger loslassen. Dieser sank in die Tiefe und ertrank, während Nachttgall jun. sich mit Mühe an das Land rettete. Hu9 der fraucnbewe�ung. In Oberreichenbach im sächsischen Boigtlande starb die Genossin Luise Teumer, Verttauetisperson der dortigen Genossinnen, im Alter von 27 Jahren. Der«Gleichheit" wird über die Verstorbene geschrieben: Genossin Teumer war ein Proletarierkind— in OebeSfelde in der Altmark geboren—, das im 12. Lebensjahre den Vater, wenige Jahre darauf die Mutter verlor. Früh lernte sie den Ernst, die Schttzere des Existenzkampfes kennen, den sie später als eines Pro- letariers Weib in treuer Gemeinschaft mit dem Gatten trug. In ihrer Jugend war sie sehr religiös erzogen worden, doch einmal hinausgestoßen in das feindliche Leben erkannte sie bald, daß mit Dulden, Beten und Hoffen auf das Himmelreich den Armen nicht geholfen ist, daß sie lernen und kämpfen müssen, um sich auf Erden ein knlturwürdiges Dasein zu schaffen. Immer inniger schloß sie sich der modernen Arbeiterbewegung an. Die Pflichten und Opfer ihrer Ueberzeugung nahm sie freudig auf sich. Im vorigen Jahre gehörte sie zu den Lohnsklaven, welche 14 Tage ausgesperrt wurden, weil sie gewagt hatten, einen Tag frei zu sein und die Maifeier zu begehen. Als Vertrauensperson der Genossinnen ließ Luise Teumer sich angelegen sein, Aufklärung unter die Proletarieriiuien zu tragen, sie zu bewußten An- hängerinnen der gewerkschaftlichen Organisation und der Socsick- demokratie zu schulen. Stets war sie auf Posten, wenn es galt, Kleinarbeit im Dienste der modernen Arbeiterbewegung za leisten, wie Flugblätter verbreiten usw. Das Austtagen des Organs desZHolzarbeiter-Verbandes und das Einkassieren der Beittäge der weiblichen Mitglieder des socialdemokrattschen Vereins hat sie sich nicht nehmen lassen, so lange sie fortkonnte, obgleich ihr das Gehen und Steigen oft recht schwer fiel. Sie starb in der festen lieber- zeugung von dem unaufhaltsamen Siege der Arbeitersache. Bei allen, die ihr edles Streben, ihr schlichtes, treues Wirken gekannt haben, wird sie unvergessen hleiben. Ehre ihrem Andenken I Der Verband der schweizerischen Arbeiterinnenvereine hat be- schlössen, seinen Vorort von Zürich nach Winterthur zu verlegen in der Hoffnung, die Bewegung unter den Schweizer Proletarierinnen dadurch besser vorwärts zu bringen; denn an vielen Orten der Schweiz können noch neue Arbeiterinnenvereine gegründet, an andern die bereits bestehenden bedeutend gestärkt und ausgebaut werden. Der neu gewählte Centtalvorstand setzt sich aus folgenden Ge- nossinnen zusammen« Präsidenttn Witwe Dunkel,� Vicepräfidentin Frau Kaufmann, korrespondierende Sekretärin Fräulein A. Jsler. protokollierende Settetärin Frau Kobelt, Kassiererin Frau Zinner. Vermifcktes. Das Unwetter in Süddeutschland. Ueber die Gewitter, der« Kunden mit Wolkenbrüchen und Hagelschlag, welche in dem badischen Oberlande niedergegangen sind, laufen erst jetzt ausführliche Mel- düngen ein, welche den angerichteten Schaden als überaus groß bezeichnen. Im K o n st a n z e r Kreise, in den Bezirken Meßkirch und Stockach sowie in der Gegend von Sigmaringen hat das Unwetter am ärgsten gewütet. In dem Thale Zizenhausen-Hoppeten- zell ging ein furchtbarer Wolkenbruch nieder. In Zizenhausen stieg das Wasser so schnell, daß Böllerschüsse abgefeuett werden mußten, um Hilfe herbeizurufen. Zwei Wohnhäuser stürzten ein. In S t o ck a ch wurde ein ganzer Stadtteil unter Wasser gesetzt. Von den Wassermassen wurden vier Brücken fortgerissen. Die Be« lvohner konnten sich nur mit Mühe retten. In M e ß k i r ch wurden die Sttaßen durch die Flut teilweise einen Meter tief aufgerissen. An vielen Stellen stand das Vieh bis an den Hals im Wasser. Eine Anzahl Schweine und Schafe ertranken. Mehrere Häuser find dem Einsturz nahe. In L e i b e r t i n g e n ist durch Hagelschlag die ganze Ernte vernichtet. Mehrere Fabrikbetriebe haben die Arbeit eingestellt. Verschiedene Häuser mußten geräumt werden. Unfälle auf der Breslauer Radrennbahn haben sich am Sonntag ereignet. Bei dem Stundenrennen um den Preis von Breslau lief ein Kellner unvorsichttgerweise mit Biergläsern über die Bahn, ob- wohl der Motor, hinter dem Robl fuhr, heranbrauste. Der Kellner wurde überfahren, erlitt äußere Verletzungen und eine so schwere Gehirnerschütterung, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Motor stürzte um, sein Führer Brettschneider verstauchte sich einen Arm und verletzte sich am Nasenbein. Auch Robl kam zu Fall und trug eine Sehnenzerrung am Fuß davon. Da die Bahn an der Unfallstelle mit Splittern der zerbrochenen Biergläser überschüttet war, mußte das Rennen abgeläutet werden. lieber größere Brände gehen uns folgende Meldungen zu: In Beuthen O.-S. brach Sonntag früh gegen 5 Uhr in der G a ft w i r t s« A u s st e l l u n g, die gerade an diesem Tage ge- schloffen werden sollte, Feuer aus, wodurch ein Teil der Ausstellung vollständig vernichtet wurde. Man vermutet Brandstiftung; der Schaden ist bedeutend. Ju Petersburg enfftand in der Nacht zum Sonntag in einem mit verpfändeten Möbeln, Gemälden, Pelzen und sonstigen Wertgegenständen gefüllten Flügel eines privaten Lombardgeschäfts Großfeuer; der angerichtete Schaden wird auf l'/z Millionen Rubel geschätzt. Aus Jersey City, der New Jork gegenüber am Hudson liegenden Fabrik- und Handelsstadt, wird gekabelt: Auf dem hiesigen Güterbahnhof der Delaware- und Lackawannabahn brach gestern eine große Feuersbrunst aus, durch die eine 800 Fuß lange Mole, auf der eme große Menge Waren aufgestapelt waren, sowie mehrere Segelboote und Schleppdampfer sowie sechs andre Güter- bezw. Kohlenmolen vernichtet wurden; der Schaden wird auf eine Million Dollar geschätzt. Der Bahnhof der Delaware- bahn und die Landungsanlagen der Hamburg-Amerika-Linie er- schienen eine Zeitlang von den Flamme» bedroht und wurden von der Feuerwehr geschützt.— Ein weiteres Telegramm aus New Dork, 30. Mai, lautet: Der Vicepräsident der Delaware- und Lackawanna- bahn Loomis schätzt den durch den Brand angerichteten Schaden auf fünf Millionen Dollar. In diesen sind einbegriffen die Herstellungs- kosten für die Mole und der Wert der Waren, die auf derselben auf« gestapelt waren, sowie der Betriebsverlust der Eisenbahn. Den Mörder des Dienstmädchens in Köln hat die Polizei jetzt erwischt. De? Mordes an der Margarete Kurth verdächtig war der Tagelöhner Kauertz, ein bekannter Mansardendieb. Er ist in Mainz verhaftet worden und wird unter sicherer Begleitung nach Köln ge- bracht. Der Mörder ist geständig, die That vollführt zu haben, als er, bei einem Mansardendiebstahl bettoffen, fürchtete, durch das Mädchen verraten zu werden. Er schlug es kurzerhand nieder, begab sich dann rheinaufwätts, wo ihn Sonntag in Mainz das Schicksal ereilte. Der Mörder ist 26 Jahre alt, mehrfach wegen Diebstahls bestraft. Er befindet sich erst seit kurzer Zeit wieder auf freiem Fuße. Bon einem ttagischen Geschick ist die Familie des Genossen May in Solingen bettoffen worden. Genosse May verbüßt zur Zeit im Gefängnis zu Elberfeld eine gegen ihn als Redatteur der Solinger „Arbeiterstimme" erkannte Sttase von 2 Monaten. Am Sonnabend hatte er wieder als Angeklagter vor der E l b e r f e l d e r Straf- kammer zu erscheinen und wurde wegen Beleidigung eines Schutzmannes zu 10 Mark Geldsttafe verurteilt. Seine Frau' war von Solingen nach Elberfeld gekommen, um ihren Mann bei der Vorführung aus dem Gefängnis sehen und sprechen zu können. Die Kinder hatte sie für diese Zeit in fremde Obbut gegeben. Während nun gegen unfern Genossen verhandelt wurde, wurde in Solingen sein dreijährige» Söhnchen von einem Metzgerwagen überfahren und auf der Stelle getötet. Als Genosse May die Trauerbotschaft erhielt, wurde er sofort aus der Haft beurlaubt, so daß er fast zu gleicher Zeit wie seine Frau an der Bahre seines Lieblings eintteffen konnte. Das fünfzigjährige Jubiläum der Semmeringbahn ist am Sonntag feierlich begangen worden. Ein Attentat? In einem Postamt zu O d e s s a gab ein un- bekannter Mann, dem Anscheine nach ein Ausländer, ein an eine Berliner Bank adressiertes versiegeltes Wertpaket auf. Als er sich entfernt hatte und der Beamte die Sendung abstempelte, erfolgte eine pistolenschutzarttge Explosion, die den Beamten an der Hand verletzte._ Marktpreise von Berlin am 28. Mai 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. "Weizen, gut D.-Ctt. 17.75 17,72 , mittel„ 17,69 17,66 gering. 17,63 17,60 »Roggen, gut. 12,80 12,79 mittel. 12,78 12,77 gering. 12,76 12.75 fGerste, gut. 14,20 13,00 mittel, 12,90 11,80 Eier gering. 11,70 10,60 Karpfen fHaser, gut. 15,00 14,20 Aale „ mittel. 14,10 13,30 Zander . gering. 13.20 12,40 Hechte Richtstroh. 4,00 3,50«attche teu. 7,20 4,80«chleie rbscil. 40,00 28,00«leic Speiscbobnen. 50,00 25,00 Krebse Linsen 60,00 25,00 * ab Bahn, f frei Wagen und ab Bahn Kartoffeln, neue D.-Ctt. Rindfleisch, Keule 1 kg do Bauch. Schwemefleisch, Kalbfleisch. tammeisleisch utter 60 Stück 1 kk per Schock 7.00 l.80 1.40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,40 2,00 2,80 3,00 2,40 2,00 3,00 1,40 16,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,40 1,40 0,80 1,20 1,20 1,00 1,40 0,80 3,00 ßHefkaften der Redahtfon. P. H. 87. Der Dollar hat 4 W. 25 Pt an Wert und gilt außer in Sioroamerila u. a. auch in chinesischen Handelsplätzen. ?imltiscker Cell. »..�5i«r!»i,ch. SPr«chstnud« fil.dct täglich mit Ausnahme de» Sonnabends »VB?>/, bis O'/j Uhr abends statt,(gcrissnct- 7 Uhr. Ofee®. 1. Nein. 2. Zum Jnvalidcngeld ist die Halste, zur Kranken- lasse zwei Dnttel vom Arbeiter zu zahlen. Rückzahlung sindct nicht statt. — L. K. 100. Nur rechtlich begründete Einreden sind beachtlich. Solche scheinen nach Ihrer Darstellung nicht vorzuliegen. Die Miete können Sie depomeren und hätten schon längst Schadensersatztlage erheben können.— «£.$. x. In der Regel: ja.— Flugblattverteiler. 1. Eine Sie be- trefsende. bestinimte unter Klorlegung des Sachverhalts gestellte Frage lägt ijich im Brieslasten beantworten, nicht aber eine allgemeine Frage, die Dar- legung der Grundsätze und Ausnahmen des Rcichs-Presigesctzes des Restes des preußischen Prcßgesctzes und eines Teils der Gewcrbe-Ordnung und de? PostgesetzeS erheischt. 2. DaS Strafgesetzbuch Ist in jeder öffentlichen Lesehalle, sicher in der Alexandrinenstrasic 26. einzusehen.— R. O. Nein. — Herzfelde 100. Solauge nicht eine schwer durchsührbare Klage des Ehemanns gegen daS Kind seiner Frau aus Unchelichkeitserklärung durch- gesetzt ist, gilt das Kind als eheliches. Daher hastet der wirkliche Vater nicht sür Alimente.— C. Breitcnbach. Wenn das Dienstmädchen Ohr- scigen erhielt und Hunger leidet, so hat es nach der prcussischcn Gesinde- Ordnung von 1810 nur dann das Recht, den Dienst ohne Einhaltung einer KündigungSsrist zu verlassen, wenn dahin gerichtete Vereinbarungen beim Vertragsabschlutz getroffen sind, oder wenn das Gesinde durch die Miß- Handlung in Gefahr des Lebens oder der Gesundheit versetzt worden, oder von der Herrschaft mit ausschweifender und ungewöhnlicher Härte behandelt ist, oder wenn ihm selbst die notdürftige Kost verweigert ist. Laust es aus dem Dienst, so kann es bestraft und zurückgeholt werden. Läuft es noch- mals fort, so ist eine Zurücksührung unzulässig.. Der Rat, trotz alledem den Dienst zu verlassen, soll erst durch das neue Kontraktbruch-Gcsctz mit Strafe bedroht werden.— M. X., Dresdenerstraste. Nein. — Zl. 500. Strafanzeigen sind an die Staatsanwaltschaft zu richten.— «ltternngöstberstcht vom 80. Mai 1904, morgen« 8 119«. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M München Wien LS -S = I ܧ s Wetter «s- u 770 NO 769 ONO 768 765 765 764 Zwolkenl Zwolkenl 4wolkcnl 2 halb bd. 2bedeckt 4hedeckt Stationen ä E e= §& 81 V Havaranda Petersburg Corl Aberdeen Paris 772NO 766NO 769OSO 762NO Wetter heiter bedeckt 2 Nebel 2woIIenI eist 7 17 6 16 Wetter-Prognose für Dienstag, den 81. Mai 1004. Nachts kühl, am Tage wärmer, trocken und vorwiegend heiter ziemlich frischen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. bei Mir den Inhalt der Inserate iiberuimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantivortung. Ubeater. Dienstag, den 31. Mai. Anfang 7'/, Uhr: Opernhaus. Die weiße Dame. Neues Opern- Xheater. Die schöne Helena. Deutsches. Faust. Berliner. Der jüngste Lieutenant. Lessing. Zapseiistreich. Westen. Die Stumme von Pvrtici Belle-Alliance. Kam'rad Lehmann. Ansang 8 Uhr. Slchiller O.(Wallner- Theater.) Pauline. Echiller Sl.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Pension Schöller. Neues. Kabale und Liebe. Kleines. Nachtasyl. Reside«,. Die 300 Tage. Xrianon. Das elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Eentral. Ein toller Einsall. «arl Weis?. Am Altar. Gebr. Herrnfeld. Gastspiel der Tegernseer. Der ProzeßhanSI. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter-Vlarten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage-Xheater. Specialitäten. Urania. Xaube»stras?e 48/49. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. J»valide»stras?c 57/08. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bi» 11 Uhr. Cstttral-TKeaisv. Abends 8 Uhr zu ermäßigten Preisen: Ein toller Einfall. » Mittwoch und Donnerstag: So- zähmte Widerspenstige.(Paula Klär a. G.) Freitag und Sonnabend: Rauh der Sahinerinnen mit JosesineDora und Hoffchauspieler Emil Richard als Gäste. Htm Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Ansang 8 Uhr. Morgen: Linen tu» will er«ich machen. Rksibtliz Thkdtkl Heute und folgende Tage: Abends 3 Uhr: Die 300 Tage. Schwant in 3 Akten von Paul Gevault und Robert Charveh. Deutsch von Alfred Halm. Hetropol-Theater Der grösste Erfolij dieses Jahres: Gr. dramatisch-satirische Bevue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. _ Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. 7'/« Uhr: Gartenkonzert. 8 Uhp: Die TIal- 8pcciuIiIAten und Kobert 8teldl mit seiner JabilUutiiH-Revae. » Uhr: liiebesgötter mit GUtlerzai; nnd Scnsations-Apotheoae: „Im Tempel der Gliickseligkelt". Belle-Älliance-Tlieater. (Jean Kren und Alsred Schönseid.) Im Xheater: Xägltch abendS 7'/, Uhr: Kam'rad Lehmann mit Guido Thielscher in der Titelrolle. Von 6 Uhr an im seenhast illuminierten Sommergartcn: Grosses Idax Schmidt-Konzert und der italienischen Kapelle„iircari" (in Original-Nationaltracht). Miss Alex mit ihrer„Original-Auto- mobil-Schleiscnsahrt im Freien." Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl. Ansang 8 Uhr. MpTgsn: FrAnlciu Jolle, H cliiller- Theater. Schiller-Theater O, (Wallner-Theatcr). Dienstagabend 8 Uhr: Panline. Berliner Komödie in drei Akten von Georg Hirschseld. Mittwochabend 8 Uhr: Daaline. Donnerstagabend 8 Uhr: I.nmpaclvagahnndng. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Bnsel Rügen. Sternwarte Sd,SS: Schiller-Theater III. (Friedrich-WilhclnistädtischeS Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Deaslei» Schüller. Mittwochabend 8 Uhr: Das Heiratsnest. Donnerstagabend 8 Uhr: Die Wildente. Im Garten täglich gr. Militär-Konzert ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Die vielbewunderten zusammengewachsenen Schwestern Rosa und Josefa: t! einzig dastehend in der Welt t I Der phänomenale Rissenknabe: Oer lange Joseph. 16 Jahre alt, 217 cm hoch. Aga, die schwebende Jungfrau. Trianon-Thealer. Georgenstraße, zwischen Friedrich- und Uiiivcrsitäisstraße. DM- Abends 8 Uhr:"USW Das elfte Gebot. Hieraus: Dev Dieb. r. r. Dastsplel der Tegernseer. Täglich abends 8 Uhr: der?rozesshansl. Oberbayr. Volksstück in vier Auszügen von L. Ganghofer und H. Neuert mit Zithervorträgen, Schuhplattler- _ und Raustanz(Rankler)._ Carl Weiss-Theater. BOrgertiches Schauspielhaus. Große Franksurlcrstr. 132. Abschieds-Benefiz für Willy Brackmann. Am Altar. Schauspiel in 5 Akten. »M- Ansang 8 Uhr. Morgen: Die Zauberin am Stein. Im Sommergarten: Specialitäten, Theater und Konzert. Ans. Sst, Uhr. Morgen zum erstenmal in Berlin: Auto-Atlas. Derselbe hebt ein Auto- mobil mit seinen Zähnen._ I Mit Ms. Direktion: Robert Dill. Brnnnenstrasse 16. Täglich: X Theater und Specialitäten. X Ansang: Wochentags 6 Uhr, Sonn. tags 5 Uhr. Entree 30 Pf. Kaffeelüche von 3 Uhr ab geöffnet. Donnerstag, Sonnabend u. Sonntag: Groster Ball. Bei schlechtem Wetter: Borstellung im Zaal. Bernhard Rose-Tlieater Gesundbrunnen. Badstr. 58, Täglich: Das phänomenale Eräffnungsprogr. Paul Coraclini! Loro=Quartett Phänomenale Musikphantasten. Außerdem: Die Tochter Des Heitnpkehrten. MT* Ansang 4>/, Uhr. Entree 30, numerierter Platz 50 Pf. Saale:&V' Ballo Fröbels Älleriei-Tlieater ff. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Xäglich: Grosses Garten- Konzert. Thkotrr und Spemlitiite«. Im Festsaal: Grosser Tanz. Ansang l'/j Uhr. Entrce 30 Pf. Bei ungünstigem Wetter im Saal. DM- Ehrenkarten und BonS haben Gültigkeit. Xömgstsät-Rssino Holzmarktstr. 72, Ecke Alcxanderstraße. Täglich im herrlichen Naturgarten: N e u I Caspar! Leopard. Austreten v. Carl Stephan, die sesche Nanon, Hermann Hempel, Geschw. Ledercr, C. u. E. Bernhardy, Rose Brandt. Dr. Fausts Geistererscheinungen. Zum Schluß; Im HochM'ald. Liederspiel in 1 Akt. Ans. Wochent. 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. ?SWsge-7kester. �nf. nachm. 5, abends 8 Uhr. John Siems Karten- und MUnzenmanipulator. 14 erstklassige Nummern. rer nAII«e7,9 Täglich: Goldene Herzen. Pantom.: Im Nachtasyl. Harris, Krastjonglcur. The Jarrey.— ülpts.— Langte. Ball, Konzert, Specialität. Ansang 4 Uhr. Eintr. 30Ps. Num. PI. 50 Ps. Lüttowstr. T tt g 1 1 c h im Garten oder Baal: Vorsts Korddeutsche Kumoristen und QuartetteSänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sons baden Gültigkeit. SckizrUii Am Königsthor. Am Friedrichshain. Täglich: Thealer- und Volksbelnstigunge». Im Saale: D 41 1- l-. Zum Schluß: Ein falsches Lokal. Große Gesangsposse mit Tanz. Enlree 30 Ps. Sanssouci. Kottbuser Thor— Stet, der Hochbahn. Xäglich im Garten: tTokkmsnlis Norddeutsche Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Xanz. Wochentags haben Vor- zugsiarren, auch die zu den Theater- abendcn ausgegebenen, Gültigkeit. Ostbahn-Park. Am KUstrinerplatz. Riidersdorferst. 71. Hermann Imbs. Xäglich: Gr. Konzert, Theater und Kpeeialitäten- Norstellung. Tarfoiaria Spanische Sängerin I Ulldjdud und Tänzerin. De Yi-y's Phantasmagorien. Hansi Reichsberg Gebrüder Schwerz Parodisten. Kiners Moulin Equilibrist. Scene. De Wohry Pariser Sängerin. Die Blumenkönigin Tanzdivortissem. Die Wotperts Akrobaten. Robinson Baker-Trio Springer. 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DaS Geschästsguthaben der Genossen hat sich nicht vermehrt und nicht vermindert, die Hastsumme cbensalls nicht. 1647b „DUbelfabrik Ostend" Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. 11. Herup, II. Brcltbarth, Geschäftssührer. Kassierer._ K ranz- u. Blumenbinderei von H. Kckert, ♦ 98. Kottbuser Damm 98. Partei- Speditionen: Berlin zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder- straße 30, v. Part.-— Dritter Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts Part.— Vierter Wahlkreis O.: Robert Ä e n g e 1 S, Gr. Krankftirterftr. 133, Hof Part.— HO.i Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden).— Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden.— Wedding und Oranienbnrger Vorstadt: Emil Stoltzenburg, Wiesenstr. 41/42.— Bosen- tbaler Vorstadt, Gcsundbrnnnen. Reinickendorf(Ost und West). Wilheimsrnh und ScliUnholz: Hermann Raschle, Rügenerstr. 24, vorn pari, links.— SchUnhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Alt- Glienicke: W. PrieS, Rudowerstr. 68.— Oharlottenbnrg: Gustav Schar nberg, Sesenheimerstr. 1, Ecke Goethestraße, vorn f.— Deutsch-Wilmersdorf: W. Nickel, Berlinerstr. 130, Part.— Kriedrichsberg- Krledrichsfelde- Wllhelmsberg- Hohenschbnhaasen: Otto Seilet, O. 112, Kronprinzenstraße 50, I.— Grünau: E. Pfeil, Königstraße 1.— Rlxdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystraße 7, im Laden.— hichtineberg: Wilhelm B ä u m l e r, Martin Lutherstr. 51, im Laden.— Ober» Schttne- weide: Otto Münz er, Ohmstraße la, 2 Treppen.— Vieder» 8chUneweide: BonakowSky, Berlinerstr. 8.— Johannisthal: Paul Mann, Bismarckstr. 7.— Adlershof: Paul Schmidt, Bismarckstratze 7 II.— Ktfnigs- Wusterhausen: H. D i e tz e, Schuhmacher.— Rttpenick: Friedrich W o i ck, Grünstr. 29.— Friedenau-Steglitz: H. B e r n s e e, Schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. M o h r, Düppelstr. 8, und Fr. S ch e 1 1 h a s e, Ahornstr. 15 a.— Baumschulen- weg: Stock, Ernststr. 2,11.— Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn III l.— Seu-Weissensee: W. R e S I e, Gäblerstr. 46, pari. — Rnmnielsburg: Forgbert, Prinz Albertstr. 5 a.— Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waidmannslust: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartslr. 43.— Pankow.: K Kümmert, Florastr. 43. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben Auch werden Jtlserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. WM- Bitte ausschneiden.-MW Hftur 1 S iede Uhr � opa gehens(ohne Bruch), kleine Reparaturen billiger. Grosse Auswahl in Uhren u. Goldwaren zu billigsten Preisen. Goldene Oamen-Remontoir, 10 Steine, v. 18,—, Goldene Herren-Doppel- kapsel-Remontoir v. 60,—, Silberne Remontoir v. 9,—, Regulateure, Freischwinger, Wecker- u. Wanduhren. Goldene Herren- u. Damen-Ketten, Ringe, Schmucksachen in modernsten Facons für joden Geschmack. Für jede bei mir gekaufte Uhr leiste 3 Jahre Garantie. 38971.* �hcr. Chausseestr. 34. H.& P. 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Dies zeigt tiesbetrübt an Der trauernde Gatte Karl?lnne, Große Franksurterstr. 130. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 31. Mai, von der Leichenhalle deS Krankenhauses im Friedrichshain aus nach dem katho- ltschen Kirchhos in Weißensee statt. IVideG-Anzeige. Sonnabendabend verschied mein lieber Mann, Sohn, Bruder und Onkel, der Buchbinder Georg Gottings im 38. Lebensjahre. 16456 Um stilles Beileid bitten Die tietbetrilbten Hinterbliebenen. Berlin, den 30. Mai 1904, Walserihorstr. 32. Die Beerdigung findet am Mttt- woch, den 1. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Simeons- Kirchhofes, Britz, Mariendorfer Weg. aus statt. Am 28. Mai verstarb unser Kollege, der Schriftsetzer Vielor llesedner im 61. Lebensjahre an der Schwindsucht. 1665b Wir werden den Verstorbenen stets in gutem Andenken behalten! Das Personal der Bucbdrockerei Ii. S. Hermann. Beerdigung: Dienstag, 31. Mai, abends'/,7 Uhr. aus dem Rix- dorser Gemeindesriedhos, Marien- dorser Danksagung. Für die vielen Beweise der Freund- schast und die Kranzspenden sagen insbesondere dem Verbände der Bauarbeiter, der Krankenkasse der Tischler usw. hiermit unsren ties- gefühlten Dank. 1664b Wwe. Dannenberg nebst Kindern. Kranz- und Klumenbindtrei von RoM Meyer,. nur Mariannen-Straße 3. VereinS-Kränze, Palmen, u. Blumen- Arrangements, BougnetS, Guirlanden usw. werden sein u. preiSivert geliefert Restanrations-Grnndstnck mit Tanzsaal im großen Industrie- Orte der Nieder-Lausitz sofort um« ständehalber zu verkaufen. Jahres- Umsatz ca. 550 hl Lagerbier, 400 hl Branntwein und Liqueure. Ersorder- lichcS Anzahl.. Kapital 20—25 Mille. Gefl. Off. erbeten u. J. P. 6793 an Rudolf Masse. Berlin 8W. filllDllOtt sestsitzcndc. kaufe ich «llUtzoHDll) oder tausche gegen Legehühner, Bruteier zc. ein. 8/1 Geflügelzucht Berlin SD., narlannenstr. 84. Kran;- und Klumeubinderei von Ii. A. Trothe, Wrangelftr. 11, Markthalle IX, Stand 251/252, Eisenbahnstraffe. 46142 ßudftandlung Vorwärts Berlin SM. 68, tindenftr.«;. Soeben ist erschienen: Zubllfemotoi. sszIbNoirc-SIdliM » Zeltbilder ms den Klassenstaat;; H. Hest: Der WiuiftsßM der Junker Manteuffeleien gegen die Sozialdemokratie im Preußischen Herrenhaus am lt. und 13. Mai 1901 Mit Einleitung u. Anmerkungen von Kurt Eisner Preis 20 Pf. Port« 3 Pf. ES ist durchaus wünschenswert, daß die Reden dieserFührer des konservativen Junkertums in den weiteste» Lolkskreisen be> kannt werden. Aus Furcht vor der Sozialdemokratie schmieden diese„Edelsten der Nation' ihre finster» Pläne, die aus die Per- nichtung der wenigen Freiheiten hinausgehen, datm sich das deutsche Polt noch rühmen kann. Im Borwort und in den An- nierkungen sagt der Verfasser die Meinung unsrer Partei zu den Ausführungen der konser. vativen Redner. Wisdorrei'IcSuior erhalten Rabatt. Achtung! Achtung! Mverein der Tischler Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Kenntnis» das? die ßsairlts-Vmaminlungen im Ä�KklldU stattfinden? mithin finden morgen, Mittivoch, den 1. Juni, die Bezirksversammlungen statt. Es ist unbedingt nötig, dast jedes Fachvereins-Mit- glied die Versammlungen besucht._[186/18]_ Per Vorstand. Achwng: Moabit.- Mittivoch, den 1. Inni 1904, abends 8V«!lhr, im großen Saale der Kronen-Kranerei, Alt-Moabit 47-49:" ¥olks=Versammlimg der Frauen und Männer von Tages- Ordnung: t. Der Wortbruch der Moabiter Bäckermeister und die Zustände in den dortigen Bäckereien. Referenten: Allmann-Hmmburg, Ceutralvorsitzender des Deutschen Bäckerverbandes, und Netrscholck-Berlin. 2. Freie Aussprache. 299/1 Um zahlreichen Besuch, namentlich der verehrten Hausfrauen, bittet _ Der Einbernfer: Karl Hctznchold, Rosenthalerstr. 11/12. Zinsfreie Teiizahiung.; Vorteilhaft. Sparsystem. Mit zinsfr. Teilzahl, von monatl. 20 M. an verk. in einer der aussichtsreichsten Villen- u. Landhaus-Kolonien des westl. Vorortverkehrs baureife Wald- u. Landparzellen nahe Bahnhof. 6/11* K. liiider, Kesselstr. 8. Von der Reise zurück Dr. Eugen Haagen. Sauhandwerker, SauhilfsarbeHer! 5« Tarifvertrag d« Ktnkkateurr Kertins besagt, daß sämtliches Material auf Rechnung des Arbeitgebers in den Bauten bis in die Etage, wo die Arbeit Verrichtet wird, hinzuschaffen ist. Wir ersuchen alle Arbeitsbrüder der Baubranche, wo sich noch Stukkateure Sachen, Wasser oder Gips, selbst heran- tragen, dieselben auf ihr tarifbrüchiges Verhalten aufmerksam zu machen. Nicht auf eine Bezahlung für das eigne Heranschaffen des Materials kommt es an, sondern es sollen die dazu berufenen Bauhilfsarbeiter diese Arbeit verrichten. Wie den Maurern, Putzern, Töpfern usw. ihr Material bis an den Arbeitsplatz geschafft wird, so wollen auch wir den Bauhilfsarbeitern Arbeitsgelegenheit verschaffen. Etwaige Meldungen ersuchen wir zu richten an den Eentralverbünd der Stnbbotenre Aentschlands.(Filiale Bern»».) 173,12« SL 37. Strastbnrgerstr. 17 III. Del. Amt III 1447. Albkltkrvkrtrklkr-Dkmll Sellin. Donnerstag, den 2. Juni, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Uscr 15: WM- Versammlung, TageS. Ordnung: 1. lieber die THStigkeit der unteren Verwaltungsbehörde. Berichterstatter Kollege A. Stumpe. 2. Bericht der Kommission in Sachen der geplanten AuZkunstS stelle im EchicdSqcricht. 3. E; dislussion. 4. Verschiedenes. ggr* Gäste haben Zutritt. Erscheinen ersucht 53/7 I— Um pünktliches und zahlreiches Per Voi-Gtimtl. I. 81.: F. Pl«»ch«l, Vorsitzender. f HD Zahlstelle Berlin. Bureau: SO., Engel-Ufer 15.— Fernsprecher: TV, 3578. Mittwoch, den 1. Juni 1904, abends 8v, Uhr: r- Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Mittwoch, den 1. Juni 1904, abends SVa Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: Wtry ersammlungr.'VI TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Or. Magnus Hirschfeld:„Aus dem NeschlechtS- leben". 2. Diskusston. 3. Verbands-Zlngelegenheiten. Da der Vortrag ein sehr belehrender ist, so liegt es im Interesse der Kollegen, die Versammlung pünktlich und zahlreich zu besuchen. 177/10 Ple Ortaverwaltnng- Arbeiter- Radfabrerbund„Solidarität". Oau 9, Bezirk Berlin. Mittwoch, 1. Juni, abends 81/, Uhr, bei Wilke, Brunnenstr. 188: Bezirks-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Thätigkeitsbericht. 2. Bericht vom Bundestag. 3. Verschiedenes. 12/11 Bundeskarte oder Abzeichen legitimiert. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. : Beulrkutonr nach Bernan— Abfahrt srüh 6'/, Uhr in Weihensee, Cafö Rettig. SM- Tonntag, den». Juni er Bieaentkal— iLanke." Arbeiter-Railfahrer-Verein„Vorwärts" Berlin. Die nächste BereinSvcrsammlung findet der Bezirks- Versammlung wegen am DonnerStag, den 2. Juni statt. Die Mitglieder werden ersucht, in der Bezirk«- sowie Bereinsversamm« lung vollzählig zu erscheinen.— Gäste sind in unsrer am Donnerstagabend 9 Uhr im VereinSlokal W a l d st r. 8 stattsindenden Versammlung willkommen. 1638b Per Vorstand. Achtung! ftiesenleger. Ächtung I Mittwoch, den 1. Juni, abeuds 8>/z Uhr, im Gewerkschaftshanse (Saal 8): Mitglieder-Uersammlitttg der Sektion der Zliesenleger des Lentrai'Verbsndes der Zllsurer. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 143/20 Per Sektion*- Vorstand. Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 1. Juni er-, abendS 8'l, Uhr, im Perlebergerstraste 26: „Artus- Hof", Mitglieder Uerjammlnng. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen F. Berkel über:»Betrachtungen deS Weltalls". 2. Diskusfion. 3. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiche» Erscheinen, speciell der Moabiter Kollegen, erwartet 129/11 Der Vorstand. Dr. Simmel, Speeialarzi für Bant, und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntag« 10—12. 2— 1 Prinzen- Str. 41, [1/3* Dr. Schünetnann Speclaiarzt für Haut-, Harn- nnd " ranenleiden, Sexdelstr. 9 Südosten I 6" v Behrend, Mautcnffelftr. 05. Tagesordnung: 1. Verbands« und Werkstatt-Angelegenheiten. 2. Ver- schiedenes. Süden I bei Pokerstein, Wassertharstr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht de» Obmannes und der Vertrauensleute. 2. VerbandS-Angelegenheiten. 3. Verschiedene». fliesten und Süd-Westen:'"»'�'..�5-7�' Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Werkstatt-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. üsten n. Rordosten: bei»ann, Straustbergerstr. 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Obleute. 2.IWerkstatt-AngeIegcnheiteu. 3. VerbandS-Angelegenheiten. 4. Verschiedene«. Mitgliedsbuch und Kart« legitimiert. Rosentbaier und Schönbauser Vorstadt: bei Wernau, Tchwcdterstr. 23/24. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt-Kontrollkommission. 2. Ver» bands-Angelegenheiten. 3. Werkstatt-Angelegenheiten. 4. Verschiedene». Wedding und Gesundbrunnen: Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. 2. Verband«, und Werkstatt.Slngelegcnheiten. 3. Verschiedenes. Wohnung de» Obmannes Petersen, Antonstr. 33, Portal I, 1 Trepp«. MOabft: bei Jocksch, Turmftr. 84. TaaeSordnung: 1. Bericht der Vertrauensmänner. 2. Verband»- und Werkstatt-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Branche der ioddl�abri Wifchlcr bei Pieke, Ackerstraste 123. Tagesordnung: I. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens- ieute. 3. verschiedenes. Stock- und Celluldd-Meiter bei Bareins, Brückenstraße 7. Bildcrrahmcnmachcr bei AngiiNtln, Lindenstr. 39. Der wichtigen Tagesordnung wegen muß jede Werkstatt vertreten sein. Der Obmann. bei I,ntterl>llsse, Friedrich Karlstraß« Nr. 11. Kontrollkommission. 2. Werkstatt'An. gelegenheiten. 3. VerbandS-Angelegenheiten und Verschiedene». aehtang! GnlCtZCfs achfang! Bezirk Friedrichsberg TaaeSordnung: 1. Bericht der Kontr Ponnorstae, den S. Jnnl, abends prftelse 81/, Ihr, imCiewerkschaftshanse, Engel-Uscr 15, großer Saal: SMT Versammlung."WW Endgültige gsassung über den>eiven. 3. VeHchtevene«. In Anbei Pflicht eines en. in Kein einziger darf fehlen. Vereins! Klubs! Fabriken! (MV- J» der Woche.-M«) Dampfer für 25 Marl f 25— 75 Perso scheinen 84/10 eSordnung: mg der Diskussion über den neuen Tarif. über denselben. 3. Verschiedenes. rächt der wichtigen Tagesordnung ist es dringende jeden Kollegen, will er späteren Telbstvorwnrfe« b"' M.....- entgehen, ta dieser Bersammlung bestimmt und pünktlich zu er- " st Ple Kommission. 35 | 45 nach Schillers„SprecschlosN1 ' Spielplätze. M ■■ onen 75-140 140-225 FriedrichShaaeu am Kegelbahn. Boote. Kasseelochen: 1 Ltr. Wochentag«'/,4»—>/.8.'/e*-'/»8''/« Lü. 40 Ps.,«/„ Berliner Lockbier t5 Ps. � 151�* Pnnl Bnttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärts Verantw. Redakteur: Soeialdemoltratiseher Verein im S. Serliner jleichstags-Wahlkreise. Dienstag, den 31. Mai 1901, abends SVs Uhr« Versammlung im Alten Schntzenhanse, l-inienstrasse 5. Tagesordnung: 1. Berkündigung der Resultate der Stadtverordnetenwahr. 2. Freisinnige Heldenthaten im Roten Hause. Referent: Stadt- verordneter Genosse Or. Weyl. 3. Diskussion. 4. Ausschluß von Mitgliedern. 5. Partei- und Veremsmitteilungen. 235/9- Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Vorstand. Dienstag, den 31. jVIal, abends 9 Clbr; Jür den 32. Kommunal- Wahlbezirk: bei Pasc, Brunnenstr. 154. Jür den 40. Kommunal- Wahlbezirk: im Weddingpark, Müllerstr. 178. Tages-Ordnung: Verkündung des Cdahlresultats. 219/15 Zu zahlreichem Besuch ladet ein �_ Das so ciald emokratische Wahlkomiteo» BÄeker! Dienstag, den 31. Mai, nachmittags 3 Uhr. bei Keller, Koppenstr. 29: Iftttglieder-Versanunlnng. Tages-Ordnung: 1. Die Verhandlungen vor dem Einignngsamt» 2. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen aller Mitglieder wird ersucht. Der Vorstand des Verbandes der Bäcker. _ Mitgliedschaft Berlin. r VerivaUnngsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—6. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Mittwoch» den 1» Juni, abends 8'/, Uhr, im Ocwerkschafts- hanse, Engel-Ufer 15(Saal l): Nnlaininliiug der MelMMer Örtlins. Tages-Ordnung: X. Der Ttreik der Metalldrückcr bei der _______________________ fllff_________ 2. Bericht der Schlichtungskommission über den Tarif der Drücker. 3. Diskussion. Die Wichtigkeit der Tagesordnung bedingt zahlreiches Erscheinen der Kollegen. Mittwoch, den 1. Juni er., abends 8'/, Uhr. im Presdener Parten, Tresdenerstr. 45: Versammlung der Sold- u. Silberarbeiter und oenuandten 8em|sgenossen. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Dr. Hax Schütte über:»Die Urgeschichte der Menschheit". 2. Diskussion. 3. VerbandSangeleqenhcitcn. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. rma Kirchner. 0�* BtlletS a 25 Pf. zur Vlll. Fachausstellung des Verbandes der Klempner- Innungen in bn„Venen Welt", Hasenhcide, find im Bureau, Engel-Ufer 15, zu haben. 115/20 Ple Prtsversvaltnna-. �Vilinersclork. Mittwoch, de« h Juni, abeuds 8'/, Uhr, in Salomous Bolksgarte», Berlinerstr. 4«: Oeffentlicke Versammlung» Tagesordnung: Die Slückständigkest unsrcS Vereins- und Versammiungs- wesenS. Resercntin: Frau M a rt h a T i c h. Pcfi 203/5 U zahlreichem Besuch ladet Männer uno Frauen ein Fra die Bertrauensperson. I'Fvis«»iv wi««g«Fli«I»F«PdA! DM- Fach dvvndetvn» l in�nxc"MG sind die Preise auf: Teppiche, Gardinen, Sortieren etc. bis zu 3 3 /o herabgesetzt. J>ede Hansfran benütee diese günstige Gelegenheit! Tepplchhaiijs B. Adler sV Co. Königstr. 20-21, an der JOdenstrasse, WWW, im altbekannten Lokal beim Rathaus. "Max KHem's Sommer-Theater" Hasenhelde 18—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich; 6r. Konzert, Theater- u. Specialitaten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. WWW- Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditoret, Blumenstand ic. In den Sttlon: Orosser Ball. Bnchdrnckerei u. VerkagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 125. 21. Jahrgang. 2. KeilM Ks Awiirts" Knlimr NxllisM Mewtag, K. Uai 1904. Die Biicker vor dem Einigungsamt. Am Montag trat das Einigungsamt des Gewerbegerichts zu- sammen, um einen Vergleich zwischen den Meistern und Gesellen anzubahnen. Dem Einigungsamt gehörten an: als Vorsitzender Gewerbegerichts-Direltor v. Schulz, als Beisitzer seitens der Arbeitgeber Fabrikant Lucht und Ingenieur Bernhard, seitens der Arbeitnehmer Buchdrucker M a s s i n i und Ärbeitersekretär K ö r st e n.— Die Bäckermeister waren durch die in der Ver- sammlung am 25. Mai gewählte Kommission, die Gesellen durch den Verbandsvorsitzenden Allmann sowie mehrere leitende Per- sonen der Berliner Mitgliedschaft und die Altgesellen der beiden Innungen vertreten. Die Verhandlungen begannen damit, daß der Gesellenvertreter Barth die bekannten Forderungen begründete. Er betoute, dah seine Kollegen an der Hauptforderung: Beseitigung von Kost und Logis im Hause des Meisters, unter allen Umständen festhalten, auch von den geforderten, jetzt errungenen Minimallöhnen von 21—25 M. könne nichts abgelassen werden. Dagegen seien die Arbeitnehmer bereit, die vierzehntägige Kündigung fallen zu lassen, auch an der Bedingung, daß der Lohn am Sonnabend gezahlt werden soll, werde nicht unbedingt festgehalten. Von dem, was durch den Streik er- rungen wurde, könne natürlich in den Hauptpunkten nichts abgelassen werden; wenn die Meister zum Frieden geneigt seien, werde sich hier eine Verständigung wohl erzielen lassen. Seitens der Meister sprachen die Herren Fischer, Kohler, D a n n e k e und Obernieister L i e b i n g aus Reinickeudorf. Hin- sichtlich der einzelnen Punkte der Gesellenforderungen waren die Vertreter der Meister geteilter Meinung. Sie stimniten nur darin nberein, daß sie erwartet hatten, die Gesellen würden von ihren Forderungen mehr ablassen wie die Kündigung und Lohnzahlung am Sonnabend. Ferner waren sie darin einer Meinung, daß die Ab- schaffung von Kost und Logis nicht allgemein durchgeführt werden solle. Einige wollten nur die verheirateten Gesellen außer dem Hause essen und schlafen lassen, andre traten dafür ein, daß diese An- gelegenheit in jedem Falle der Vereinbarung zwischen Meistern und Gesellen überlassen bleibe, und daß wenigstens die Gesellen Kost und Logis vom Meister erhalten, welche es wünschen. Gegen die gänzliche Abschaffung wurde geltend gemacht, daß die Bäckergesellen in den Vororten gar keine Gelegenheit hätten, sich selbst Kost und Logis zu beschaffen.— Fun, Teil erklärten sich die Mcistcrvertreter auch mit den geforderten Minimallöhnen einverstanden, einige von ihnen wollten jedoch, daß für junge Gesellen und schwache Arbeitskräfte noch geringere Löhne wie die geforderten Minimalsätze gezahlt werden dürfen. Ferner wurde gefordert, daß als Gegenleistung für den Minimallohn eine Minimalgrenze der Arbeitsleistung gefordert werden müsse, die für Brotbäckereien auf drei Sack Mehl pro Mann festgesetzt werden könne.— Am meisten hatte Obermeister Liebing an den Forderungen auszusetzen. Er meinte, wenn nicht mehr abgelassen werde, brauche man hier nicht weiter zu verhandeln. Die Verhältnisse in Berlin seien maß- gebend für ganz Deutschland. Da der.Germania"-Verband ftir Beibehaltimg von Kost und Logis sei, so könne in Berlin kein Vertrag zu stände kommen, welcher Kost und Logis beseitigt.„Wenn an dieser Forderung festgehalten werde, dann gäbe es keine Einigung."— Auf die Ausführungen der Meister antworteten Schneider und A l l m a n n. Sie betonten, daß die Beseitigung von Kost und Logis eine principielle Forderung sei, die man nicht fallen laffe. Wenn die Meister behaupten, in den Vororten fänden die Bäcker- gesellen keine Schlafftellen, so sei doch zu bedenken, daß die Arbeiter andrer Berufe in denselben Orten doch auch Schlafstellen finden. Das werde audj den Bäckern möglich sein. Das Kost- und Logiswesen in der bisherigen Form habe die Folge, daß ein Bäckergeselle in der Regel nicht heiraten kann. Die größte Mehrzahl der Arbeit- uehmer in, Bäckergewerbe seien daher junge Leute, die natürlich bei weitem nicht so leistungsfähig und zuverlässig seien wie ältere, verheiratete Gesellen. Die Forderung eines Minimallohnes von 21 M. für sieben Arbeitsnächte sei so gering, daß davon nichts abgelassen werden könne, man würde ja sonst unter den amtlich festgesetzten ortsüblichen Tagelohn ungelernter Arbeiter hinuntergehen müssen. Wenn hier ein Vertrag zu stände komme, dann werde jedenfalls auch eine Schlichtungs- Kommission eingesetzt werden. Dieser könne es überlassen bleiben, das zu regeln, was hier nicht bis in alle Einzelheiten geregelt werden könne, unter andern, die Festsetzung der Mindest- Arbeitsleistung, sowie der Fälle, wo Ueberstunden bezahlt werden müssen. Die Vertreter der Gesellen seien auch der Meinung, daß dem Lohn eine entsprechende Leistung gegenüberstehen müsse und daß Ueberstunden nicht bezahlt werden brauchen, wenn sie— wie von den Mekstervertretern angeführt worden sei— durch die Nachlässigkeit der Gesellen notwendig würden. Nachdem beide Parteien ihre Ansichten dargelegt hatten, zog sich da-Z Einigungsamt zur Beratung zurück.— Nach Wiedereröffnung derSitzuug legte das Einig,», gSanit den Parteien folgende Vergleichsvorschläge vor: 1. Als M i n i m a l l o h n für die Woche werden gezahlt: in Betrieben mit 1 und 2 Gesellen 21 M., in Betrieben mit 3 bis 7 Gesellen 23 M., in Betrieben mit 8 und mehr Gesellen 25 M.— Dem Arbeitgeber ist gestattet, dem von ihm Ausgekernten im ersten Jahre nach vollendeter Lehrzeit einen geringeren Wochenlohn zu gewähren, aber nicht unter 18 M.— K o st und Wohnung dürfen vom Arbeitgeber als Teil des Arbeits- verdien st es nicht mehr gewährt werden. Ausnahmsweise ist es bis zum 1. Oktober dieses Jahres in dcn;enigen Betrieben, welche nachträglich diesem Tarifvertrage beitreten, gestattet, Kost und Wohnung im Hause des Meisters bei- zubehalten, falls die wirtschaftlichen Verhältnisse solches zweckmäßig erscheinen lassen. Die Entscheidung darüber hat in, Streitfalle die Schlichtungskommission zu treffen.— Soweit bereits höhereLöhne, als hier festgesetzt, von einzelnen Meistern gezahlt werden, bleiben diese bestehen. 2. Gesetzlich zulässige Ueberstunden, welche durch Mehr- arbeit entstehen, werden den Gesellen mit 60 Pf. für jede Stunde vergütet. Darunter sind die über 84 Stunden pro Woche geleisteten Ueberstunden mit einbegriffen. 3. Die Lohnzahlung hat wöchentlich spätestens am Sonntag- vormittag während der Arbeitszeit zu erfolgen. 4. An den drei hohen Festen(Ostern, Pfingsten und Weihnachten) ist jedem Gesellen eine Frei nacht ohneLohn abzugzu gewähren. 5. Es soll ein paritätischer Arbeitsnachweis errichtet werden. Die Einrichtung desselben liegt der Schlichtungskommission ob. 6. Es wird eine Schliibtungs-Kom Mission gebildet aus 10 Arbeitgebern und 10 Arbeitnehmern unter dem Vorsitz eines Unparteiischen. Diese Kommission hat außer den unter 1 und 5 aufgeführtenlObliegenheiten sämtliche Differenzen, welche aus diesen, Tarifvertrage entstehen, und eventuell zu Streiks und Aussperrungen führen können, zu begleichen. Wenn die Parteien sich bei dem Beschluß der Schlichtungskommission nicht beruhigen, haben sie innerhalb acht Tagen nach Kenntnis des Be- schlusses das Einigungsamt anzurufen. Die Entscheidung des Einigungsamtes ist endgültig.— Die Schlichtungs- kommission hat endlich die Pflicht, bei Kündigung dieses Vertrages einen neuen Vertrag zu entwerfen und den' Parteien vorzulegen. Wem, die Parteien den Vertrag nicht billigen, ist das Einigungsamt anzurufen, damit es einen neuen Vertrag festsetzt. 7. Vorstehender Vertrag gilt bis zun, 1. Oktober 1906 und läuft immer ein Jahr weiter, wem, er nicht drei Monate vor Ablauf von einer der Parteien gekündigt wird. 8. Für den Fall, daß zwischen den Innungen und dem Ver- bände der Bäcker und Bernfsgenossen Deutschlands ein Tarifverirag abgeschlossen wird, welcher günstigere Bedingungen für beide Parteien enthält, soll dieser Vertrag an Stelle des heute geschlossenen treten und dann der vorstehende Vertrag kraftlos werden. Der Vorsitzende v. Schulz forderte die Parteien zur Aeußeruug über den Vergleichsvorschlag auf. Darauf erklärte A l l m a n n: Obwohl der Vorschlag manches von den Forderungen der Gesellen abgestrichen habe, werde er, so schwer es ihm sei, für die n n- veränderte Annahme desselben bei seinen Anftrag- geben, eintreten. Obern, eister Liebing erklärte sich im Namen mehrerer seiner Kollegen nicht mit dem Vorschlag einverstan den, weil den Gesellen zn viel zugestanden werde. Er halte die Vorschläge betreffs Kost und Logis, Ueberstunden und Minimallohn für zu weit gehend und ersucht um eine Bedenkzeit von 14 Tagen, damit sich die Innungen zn dem Vorschlage äußern können. Vorsitzender v. Schulz bemerkt dem Redner: Mit den Innungen habe es das Einigungsamt nicht zn thun, sondern mit den etwa 100 Meistern, welche in der Versammlung am 25. Mai die hier anwesenden Vertreter beauftragte, in, Namen der Ver- sammlungSteilnehmer zu verhandeln. Wem, die hier anwesenden Vertreter der Meister sich nicht sogleich zu dem Vorschlage erklären wollen, dam, könne es sich nur darum handeln, ihre Auftraggeber, nämlich die Versammlungsteilnehmer, über ihre Stellung zu dem Vorschlage zu befragen. Den Innungen sei es ja unbenommen, entweder dem Vertrage beizutreten, oder daS Einigungsamt zu einer besonderen Verhandlung einzuberufen. Wieder gingen die Ansichten der Meistervertreter über den Vergleichsvorschlag und den Kreis der zu befragenden Interessenten auseinander. Hierüber entstand eine Diskussion, in deren Verlauf einige Berliner Meister erklärten, daß sie bereit seien, den Vorschlag des Einignngsamtes anzunehmen, und sie bedauern, daß die anwesenden Meister aus den Vororten die Einigung hemmen und nicht ebenfalls die dargebotene Hand zum Frieden annehmen. Die Berliner Meister haben ein Bedürsiiis, endlich Frieden zu schließen. Zuletzt kam man dahin überein, daß die Teilnehmer der Meister- Versammlung vom 25. Mai an, nächsten Mittwoch wieder zu einer Versammlung eingeladen werden, um zu den Vergleichsvorschlägen Stellung zu nehmen, und daß de», Einigungsamt am Donnerstag mitgeteilt wird, ob die Vorschläge angenommen werden oder nicht. Aefftung, Säckerstr eik! Sirp, Arbtiier unii titfunkts Ihr Hmfrm»! Unterstützt die streikenden Bnckerei-Arbeiter in ihrem schweren Kampfe zur Erringung menschenwürdiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Kauft nur Brot und andre Backwaren aus den Bäckereien, in welchen unsre bescheidenen Forderungen erfüllt werden. Zftir dort sind die 7orderungen bewilligt, wo die mit dem Stempel des Verbandes der Säcker, Mitgliedschaft Berlin, und der Unterschrift: Kart KeUchold. MenAlerlirch 11-12 versehenen?lahate aushängen. Wir bitten das geehrte Publikum, streng auf obiges zu achten, da von vielen Bäckermeistern versucht wird, durch Aushängen von nach-' geahmten und gefälschten Plakaten die Bevölkerung zu täuschen und irrezuführen. Wir appellieren an das Rechtsgefühl des Brot konsumierenden Publikums, diese Versuche der Täuschung, die von den Bäckermeistern unternommen werden, zu Nichte zu machen. Vir hoffen, dass uns die Bevölkerung auch ferner wie bisher in unserm berechtigten Kampfe unterstützen wird! Wir machen das verehrte Publikum darauf aufmerksam, daß eine ganze Reihe Bäckermeister und Händler die Forderungen entweder zurück- ziehen oder durchbrechen. Wir haben daher diesen Leuten unsre Plakate entzogen. Viele Meister nehmen, durch die Innungen scharf gemacht, unsre?lahate aus den Venstern und machen den Kunden gegenüber allerhand Ausreden. Bäckermeister, die ihre Bewilligungen zurückgezogen haben oder denen die Plakate von uns entzogen sind: Achtung! Ilsusfrsusn, Ardsttsr von Moabit! Nachstehende Bäckermeister haben auf hektographiertem Bogen in voriger Woche bei der Streikleitung ihre Bewilligung zurückgezogen: H. Linke. Emdenerfw. 44. B. Roliki, Emdenerftr. 50. Th. Stcuman», Oldenburgcrftr. 13. Franz Nechenberg, Huttenstr. 4. Eeorg Hei», Jagowsw. 20. Karl Peikert, Oldenburgersw. 14. G. Naujock, Ouitzowsw. 190. Hugo Berg. Oldenburgcrstr. 23. iivilh. Knetsch. Lübeckerstr. 24. Bodenstein, Wilhelmshavenersw. 12. Wilh. Godt, Emdcnerstr. 54. Wilh. Balli«, Stromstr. 55. H.Schiuelzer.Wilhclmshavenerstr.Zg. Rud. Giesmann, Oldenburgersw. 8. W. Sander, Berlichingenstr. 1. G. Klimpte, Ouitzowsw. 125. W. Rinsch. Waldslr. 7. Ein protzigerer Schlag ins H. Liedke, Stcphanstr. 51. Aug. Stermsdorf, Huttensw. 41. Karl Schwarz, Havelbergerfw. 24. P»nl Schmidt, Erasmus str. 12. Franz Bauch, Lübeckersw. 52. Franz Aketcke, Bandelftr. 27. Rod. Praegcr, Bandelsw. 36. Adolf Reisewitz, Wiclessw. 27. Herl». Blume, Emdenersw. 17. Ferd. Pfeiffer, Pcrlcbcrgersw. 44. Serm. Koller, Brcdowfw. 43. ugo Hildebrandt, Birkensw. 19. WUH. Schulz, GotzkowSlysw. 10. Gesicht der konsumierenden Bevölkerung ist undenkbar. I. Auster, Waldenscrstr. 41. Andreas Musiol, Alt-Moabit 42. M. Paatz, Zwinglistr. 22. Ferd. Dürre, Turmsw. 62. Franz Weinrich, Beusselstr. 87. Georg Holländer, WilSnackerfw. 37. B. Lnckowski, Witlstockerslr. 25. Hirschbera. Zlnzendorssw. 8. Fr.Köckerttz,Wi!heIlnshavenersw.33o. Adolf K laden, Bredowsw. 12. Th. Gnsig, Oldenburgersw. 12. I. Sieg, Beusselsw. 59. Hubert Manz, Beusselsw. 1. Hausfrauen! Arbeiter! Bürger! Gebt die Antwort! Berlin. E. Weber, Breslaucrstr. 11. Böhme, Schleicrmacherfw. 11. Jaruicke, Rittersw. 40 und Breite- swaße 2V. Karl Opalke, Frankfurter Allee 80. H. Geier, Hollmannsw. 7. August Hoffmann, Petersburger- swaße 38. W. Teilst, Schwedterftr. 21. Karl Wagner, Schenkendorssw. 4. Sedlatscheck. Blumensw. 64. E. Dhede, Auguslsw. 22. Sc. Hoefft. Brüdersw. 36. . Breitkopf, Möckernfw. III. Kühn, Chamlssoplatz 6. Heinrich Schmelzer, Wilhelms- havenerftr. 39. Lewin, Neue König fw. 5. . Woldcnbergerstr. 22. Winsstr. 11. Schliephake, Hussitensw. 64. P. Przybhla, Hagelsbergerstr. 29. Bardnhn, Naunynstr. 40. Uukrobt, Ackersw. 70. Charlottenbiirg. Peter Eichhorn, Berlinersir. 50. Hermann Witte, JoachlmSlhaler- straße 39/40. R. Birkhol». Otto Grundmann, Rosinensw. 10. Sebald Bänisch, Kaiser Friedrich- siratze 59. Johann Spihbart, Pesialozzisw. 76. Paul Lehmann, Pesialozzisw. 69. H. Schmidt, Knobeisdorsssw. 8. Adolf Daniel. Schlotzsw. 20. Hermann Otto, Spicihagenstr. 14. Max Bartsch, Holtzendorsssw. 18. F. Wnlther, Pesialozzisw. 12. G. Kühne, Wcimarerstr. 14. W. SorricS, Christsw. 15. Friii Modersohn, Dnnckelmannst. 12. Albert Heinrich, Bismariksw. 43. Wilhelm Schloffer, Sophie Char- lotienfw. 99. Wilhelm Dremus, Orangensw. 4. B. Liick, Spandauersw. 20. Joseph Schierke, Kaiser Friedrich- siratze 47. B. Mack» PotZdamersw. 10 a. Hm. Hanbold, Stuttgarter-Platz 21. E. Eichhorn, Schillcrsw. 114. I. Witt, Potsdamcrstr. 43. E. Krause, Schlütersw. 17. C. Loffe, Wllmersdorserstr. 156. I. Josat, Nosmensw. 12o. O. Reimann, Schlotzsw. 35. G. Manske, Potsdamerfw. 14. P. Dahlie, Sophie Charlotten- stratze 15a. W. Spiest, Wllmersdorserstr. 66». W. Gnstke, WilmerSdorfersw. 117. E. Haase, Florasw. 10. E. Nhlmnnn, Kaiser Friedrichsw. 9. E. Klose. Schlütersw. 12. O. Block, WilmerSdorfersw. 133. O. Geistler, WilmerSdorfersw. 158. W. Rncklvied, Sophie Charlotten- stratze 89. E. Wolfs. Friedrich Karlsw. IL. G. Ranvzto, Wallslr. 24. I. Donner, Christgr. 33. Joh. Licbke, Pestalozzisw. 82. Panl Bley, Knobelsdorssstr. 42. Wilh. Porath, Spreestr. 46. Pauline Rastkh, Scharrenstr. 8. S. Stief, WilmerSdorfersw. 127. tto Bachmann, Englischesw. 29. SeltNneverx. Karl Krusche, Scdansw. 61. �VlluieriMlort. Max Esser, UHIandsw. 140. r-levtenberD:. Nagel, Wilhelmsw. 75. Frledrlchsberg:. Bruno Kretschmer, Gürtclsw. 27. Pankow. Müller. Mühlenstr. 32. 800/19 AI K-ass* Sick» dabei* niemand tauseben! lUj DM, iMflMil! finnft mit imtl, w öic mit nnfttm Zlkilislkl W>MW. Die Streikleltunq. Herren-AnniOoffe, Keste, empfiehlt spottbillii, 5S18L» Trtaoiüfj Feril. Sc!io!z, Rei»icke»dorf-West, Elchborn3tr.64. �3/ WndKrot /4 lVa-tware _:« StckVlvPf) 50 Wibrechts Bäckereien: SSrangelstr. 135, Krautstrafte 19, Falckeustciustr. 28, Lausifterstr. 2. Markthalle Pürklerstr., Stand 222/23. Markthalle Andreasftr., Stand lö/18. Centrale: Boxhagenerstr. 13. Im Verlage von O. Birk& Co., München, erschien soeben: W AMV�MLUKr!>vsnckluoeea in tler Ideorie u. � �ic Ortsverwoltang. Im SlrbeitSmarkt durch desonderen Druck hervorgehoben» Anzeigen koste» 40 Pf. pro Zeil». AnsIHndisch« Stahtfederfabrik sucht tüchtige nüchterne Arbeiter zu engagieren. 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Ecke Victoriapark, Bai» lSttlhr, Elehterkelde, Man» tcuffelsttaste. _ Die Streikleitung. Alkituna! Ftistenuttgelder Berlins. Die Sperre über die Goldleisten- sabriken von F. VPehner, Berlin 8., Stallschrciberstt. 58. und 3nllns Büller. Berlin O., Barnimstr. 43, ist Hiermit ausgehoben, da die An- gelcgcnheiten dort zu Gunsten der Arbeiter geregelt find. 226/7 Tie Qrtsverwaltung der Filiale Berlin deS BerdandeS der»ergolder. Vsrgolüsr und Bernjsgenossen! Der Streik bei den Ring- Fabrikanten und deren Zwischen- metster dauert unverändert fort. Zuzug streng serniuhaltev! Die Ortsverwaltuug.• I. A.: Emil Oehlert Lanaeftr. 88 IL