Nr. 126. flbonnementS'Bedingunaen: sreonnemenlä• Preis pränumerando; Bierteljährl. 330 SRI., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen w die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 21. Ichrl?. CHdltlDt Ligll» auBtr mootasi. Sevlinev VolkSblclkk. Sie Tnfertions-Gebüljr beträgt für die sechSgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschastNche Vereins- und VersammIungS-Anzeigen 23 Psg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr voronttag» geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sbalalötlbolirat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SQL 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Mint IV. Nr. 1983. Mittwoch, de» 1. Juni 1904. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Dienstboten- Gefahr. Als Dogma gilt der bürgerlichen Welt die Anschauung, daß die Familie in jeder Hinsicht ein Stück höherer Sittlichkeit �verbürgt. Das heißt die gut bürgerliche Familie; mit der proletarischen, socialdemokratisch emanzipierten steht es in sittlicher Hinsicht nur so so. Nichts Besseres kann der proletarische Familienvater daher thun als daß er seine heranwachsenden Töchter als Dienstmädchen dem Schirm einer bürgerlichen Hausfrau unterstellt. Hier ist das junge Wesen geborgen und vor schlechtem Umgang geschützt, hier wächst es unter steter Aufsicht heran und wird in Zucht und Ehren seinem Schöpfer danken, daß es nicht wie die Fabrikmädel der sitt- lichcn Verlotterung anheimgefallen ist, hier bewahrt es am sichersten sein höchstes Gut. die Jungfräulichkeit. An diesem Dogma ist zwar von socialdemokratischen Agitatoren pietätlos gerüttelt worden, aber dieser Menschensorte ist ja nichts heilig. Doch haben Gott sei Dank die wüsten Hetzreden keine andre Wirkung gehabt als die, daß sie den Glauben an die Kernfestigkeit der bürgerlichen Faniilie stärkten; welcher Waisenrat würde heute z. B. seine jungen weiblichen Schützlinge nicht als Dienstmädchen unterbringen, welcher Pastor der armen Witwe nicht raten, doch ja zum sittlichen Heil ihrer Tochter sich für diese rechtzeitig um eine christliche Herrschaft zu bemühen? Da muß es nun geschehen, daß die statistische Arbeit eines von socialdemokratischer Anschauung wahrscheinlich sehr weit entfernten Mannes den frommen Glauben kaltblütig zerstört. In der„Zeitschrift für Socialwissenschaft" jenes Professors Julius Wolf, für den Herr v. Stumm seiner Zeit als einen wissenschaftlichen Socialistenvertilger so plumpe Reklame machte, veröffent- licht ein Herr Dr. Ottomar Spann, der sich als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter der Centrale für private Fürsorge in Frankfurt a. M. bezeichnet, eine„Untersuchung über die geschlechtlich- sittlichen Ver- Hältnisse im Dienstboten- und Arbeiterinnenstande, gemessen an der Erscheinung der unehelichen Geburten". Es lassen sich ja gewiß sehr gewichtige Gründe gegen die land- läusige Ansicht anführen, daß die ledige Mutter das Sinnbild sitt- lichcr Minderwertigkeit sei; aber gerade in bürgerlichen Kreisen gilt eine solche Mutter ja nun einmal als bemakelt »der doch wenigstens als degradiertes Opfer ihrer sittlichen Leicht- fertigkeit. Herr Dr. Spann untersucht nun, ob unter Dienstmädchen oder unter Fabrikarbeiterinnen mehr uneheliche Geburten vor- kommen. Zunächst zieht er die Berliner Statistik des Jahres 1806 heran, aus der sich ergiebt, daß die unehelichen Geburten sich auf die Mütter derart verteilen, daß auf Dienstmädchen, Köchinnen:c. 35,8 Proz. entfallen, auf Arbeiterinnen ohne nähere Bezeichnung des Gewerbes 25,8 Proz., auf Näherinnen, Wäscherinnen 23,8 Proz. und der Rest auf Verkäuferinnen, Kellnerinnen, HauS- töchter zc. Aehnlich sind die Verhältnisse in Wien, wo die Dienst- boten-Kinder zu der Gesamtmasse der unehelich Lebend- geborenen 34,1 Proz. stellen; in F r a n k s u r t a. M. steigt dieser Anteil gar auf 44 Proz., also fast auf die Hälfte aller un- ehelichen Lebendgeburten. Der Verfasser untersucht weiter den Charakter deS Geschlechts- Verkehrs, dem die unehelichen Kinder entspringen, und kommt auch dabei zu einem für die Dienstmädchen keineswegs günstigen Resultat. Während in Oesterreich von den unehelichen Kindern der Fabrik- arbeiterinnen te. 28,5 Proz. nachträglich legitimiert wurden, traf nur 11,6 Proz. der Dienstboten-Kinder dies glückliche Los, ja in Wien sinkt die Ziffer gar auf 5.1 Proz. Die Ursachen für so krasse und allenthalben auftretende Ver- Hältnisse, so meint Herr Dr. Spann, können auf keinen Fall in äußeren Umständen liegen, sondern müssen vielmehr rein immanente sein, d. h. in den principicllen, mit dem Berufe als solchem gegebenen Lebensbedingungen der Klasse liegen. Es kann nur die durch den Dienstbotenberuf selbst bewirkte starke Gefährdung der Mädchen sein, welche den großen Umfang wie die sociale und damit auch ethische Minderwertigkeit ihrer Unehelichkeit erklären kann. Auf diese Ursachen geht der Lerfaffer nun näher ein. Er sagt zunächst, daß Fabrikarbeiterinnen und Dienstmädchen an Bildung, Lebenserfahrung und sittlichem Querschnitt des socialen Milieus, in dem beide erzogen werden, sehr von einander differieren. Die Dienstmädchen rekrutieren sich fast durchweg aus dem ländlichen Tagelöhner- und dem bäuerlichen Stande, d. h. aus solchen Kreisen, in welchen der voreheliche Geschlechtsumgang ent- weder direkte Sitte oder wenigstens nicht anstößiger, allgemeiner Brauch ist; aus eben diesem Grunde führt ferner der außereheliche Geschlechtsumgang, auch wenn er nicht mit ernstlicher Eheabsicht be- gönnen würde, nach Herrn Dr. Spanns Ansicht viel häufiger zur Ehe als innerhalb der Stadtbevölkerung. Das junge, unerfahrene Land- mädchen bringt nun alle diese Anschauungen in die Stadt mit und muß dort naturgemäß mit ihnen scheitern; denn die Stadt hat nicht nur einen andern socialen, sondern auch einen andern sittlichen Querschnitt als das Land. So steht das Dienstmädchen den Ein- flüssen ihrer neuen Umgebung relativ wehrlos gegenüber. Wenn wir dann, so fährt Herr Dr. Spann fort, auf die mit der Benifsthättgkeit selbst gegebenen Einflüsse unser Augenmerk richten, so zeigt sich, daß die eingangs erwähnte Meinung von den wohl- thättgen und erzieherischen Wirkungen des Familienlebens, deren die Dienstmädchen teilhaftig werden sollen und die den scheinbaren Hauptvorzug ihres Berufes bilden, von den Thatsachen durchaus Lügen g e st r a f t wird. Denn es ist das gerade Gegenteil davon der Fall. Das Dienstmädchen verliert in frühem Alter seine eigne Familie und wird auch deren Einflußsphäre gänzlich entrückt. Die fremde Familie aber, in die es durch seine Berufsthättgkeit verpflanzt wird, kann ihm seine eigne in erziehlicher Rücksicht nicht ersetzen, schon weil sie heutzutage in der Stadt meist durch eine äußere sociale Kluft von ihr st a r k getrennt ist. Pattiarchalische Verhältnisse bilden sich nur selten heraus, vielmehr hat das reine Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, von Herrschenden und Dienenden die Oberhand. Die Gefährdung der Mädchen durch die„Söhne" ist vermutlich auch nicht unbedeutend. So kommt es, daß die neue Familie die Mädchen im allgemeinen nicht nur nicht erzieht, sondern sie sich vielmehr ent- fremdet, sie nach außen weist; daß keine Einpflanzung in eine neue Familie vorliegt, sondern nur eine Ausstoßung aus der eignen. Dazu kommt die unbegrenzt lange Arbeitszeit. Das ewige ins Haus und in den„Dienst" Gebannt- und Gekettet-Sein macht sich in gewichtiger Weise dahin geltend, daß es von den Mädchen subjektiv als ein Mangel anHeiratsgelegenheit empfunden wird. Den Mangel an Quantität suchen sie instinktiv durch größere Intensität wettzumachen. Und thatsächlich bedeutet der fast gänzliche Mangel an freier Zeit ein geringes in Berührung-Kommen mit der Außenwelt, das oft zur Folge haben wird, daß sich bei den Mädchen eine förmliche Angst entwickelt, ihre Jugendzeit inmitten all' der rauschenden, neuen Lustbarkeit nicht zu versäumen, keinen günsttgen Augenblick, der ihnen ein Stück Leben zeigt, ungenützt entfliehen zu lassen. So bildet sich ihre viel beklagte„Vergnügungssucht" heraus, die sich bei dem karg bemessenen„Ausgang" und bei sonsttgen Gelegenheiten bethättgen wird, und die ihnen bei ihren erwähnten agrarischen Sittlichkeitsvorstellungen viel eher verhängnisvoll werden muß, als zum Beispiel den in der städtischen Sphäre erwachsenen Arbeiterinnen. So wirken also die beiden Bedingungen: unmittelbare Berufs- thättgkeit und sexual-ethische Anschauungen zusammen. Sie lösen einander gegenseittg aus. In jeder Hinsicht günstiger stehen die bezüglichen Ver- Hältnisse bei der Fabrikarbeiterin. Sie ist dem Dienst- mädchen an ernster Lebenserfahrung und Bildung weit überlegen; sie stammt aus einem socialen Milieu, in dessen Sitten- kodcx der außereheliche Geschlechtsumgang jedenfalls viel strenger unter dem Gesichtspunkte seiner Folgeerscheinungen und der wirtschaftlichen Möglichkeit, diese zu tragen, bettachtet wird, als dies in den agrarischen Schichten, in denen das Dienstmädchen aufwächst, der Fall ist; sie wird trotz ihrer frühen wirtschaftlichen Selbständigkeit nicht ihrer Familie entfremdet, sondern bleibt stets in ihrer unmittelbaren Einflußsphäre; sie ist mit dem Leben und den besonderen socialen Verhältnissen jener Gesell- schaftsklasse, in welcher sie das am meisten gefährdete Alter zubringt, von Kindesbeinen an vertraut, wird also nicht mit unzutreffenden Anschauungen in Verhältniffe und Umgebungen, die ihr fremd sind, verpflanzt; sie ist endlich mit den Männern als ihren Arbeits- genossen fortwährend in Berührung, und hat es leichter, den Becher ihrer bürgerlichen Freiheit weniger heiß und hastig zu schlürfen; sie steht überhaupt dem Leben viel e r n st e r und selbständiger gegenüber als das Dienstmädchen, dessen Existenz und Nahrung wenigstens zur gegebenen Zeit ihres Dienstes stets gesichert ist. Wie immer, so resümiert der Verfasser, man übrigens über die Ursachen der verschiedenen Gestaltungen der Unehelichkeitserscheinung bei den Dienstmädchen und Arbeiterinnen denken mag, die unmittelbaren Ergebnisse der stattstischen Untersuchung bleiben als ä u ß e r st u n g ü n st i g e für die Dicnstbotenklasse unanfechtbar aufrecht: daß der uneheliche Um- gang der Dienstboten weit seltener zur Legitimation und Ehe- schließung führt, also in höherem Maße ephemer ist als der der industriellen Arbeiterinnen; daß die ihm entstammenden Kinder bedeutend schlechter gestellt sind als die unehelichen Kinder der industtiellen Arbeiterinnen; daß daher die Unehelichkeit der Dienst- boten social viel schädlicher und damit auch ethisch minderwertiger ist als die der industtiellen Arbeiterinnen, ja aller größeren Berufs- gruppen überhaupt. Dieses Ergebnis ist u. a. insbesondere für die private Fürsorge von unmittelbarer Bedeutung. Es kann dem Verfasser mit Fug gesagt werden, daß auch die Fabrik heute weit entfernt davon ist, für die Arbeiterinnen als Pflanzstätte besonderer Sittlichkeit zu gelten; aber darauf kommt es hier bei der Zerstörung eines gefährlichen Aberglaubens nicht an. Herr Dr. Spann hat durch seine Arbeit von neuem dem uralten Erfahrungssatz Geltung verschafft, daß in der höheren Freiheit auch die höhere Sittlichkeit liegt; ein Erfahrungssatz, der allerdings allen Dunkelmännern ein Greuel ist. Und darum wird seine Hoffnung, daß die zumeist pfäffisch angehauchte private Für- sorge aus dem Ergebnis seiner Arbeit die erforderliche Lehre ziehen wird, auch sobald nicht in Erfüllung gehen. <1 politische ClcbcrCicbt. Berlin, den 31. Mai. Liberaler Landsturm. Durch die nattonalliberalen Blätter, in nationalliberalen Ver- sammlungen weht mit wachsender Stärke das, was man einen „Frühlingssturm eines liberalen Gedankens" zu nennen Pflegt. Solch ein FrühlingSsturm Pflegt allemal einzusetzen, wenn es gilt, die heiligsten Güter der liberalen Weltanschauung kostenlos zu ver- teidigen, namentlich aber dann, wenn die Heuchelei des Libe- ralismus allzu unvorsichtig bloßgestellt wird. Der liberal-konservative Schulantrag, auf den sich die konser- vative, freikonservative und nationalliberale Partei deS preußischen Abgeordnetenhauses— anfangs sogar unter Zusttmmung der Frei- sinnigen— geeinigt haben, hat in den Kreisen der nationalliberalen „Massen" die Erinnerung hervorgerufen, daß man sich doch liberal nenne und also verpflichtet sei, einen gewissen Schein zu wahren. Der nationalliberal-Ionservattve Schulanttag ist im wesentlichen die Wiederaufnahme jenes„christlichen" Schulgesetzes von 1892, gegen das auch jener liberale Frühlingssturm wehte, und zwar so lange und so heftig, bis die Vorlage vom Kaiser zurückgezogen wurde. Jetzt nun haben dieselben Nationalliberalen ihrerseits ein christ- liches Schulgesetz beanttagt und zwar in der folgenden Form: In Ausführung des Artikels 24 der Verfassung, wonach bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen die konfessionellen Verhälwisse möglich st zu berücksichtigen sind, werden nachstehende Grundsätze festgelegt: a) in der Regel sollen die Schüler einer Schule derselben Kon- fcssion angehören und von Lehrern ihrer Konfession unterrichtet werden, b) Ausnahmen sind nur aus besonderen Gründe», insbesondere aus nattonalen Rücksichten oder da, wo dies der histori- scheu Entwicklung entspricht, zulässig. Lehrer, welche zur Erteilung des Religionsunterrichtes für konfessionelle Minoritäten an Schulen andrer Konfession angestellt sind, dürfen voll beschäftigt werden. 0) erreicht die Zahl der schulpflichtigen Kinder einer konfessionellen Minderheit eine angemessene Höhe, so hat diese Minderheit den Anspruch auf Einrichtung einer Schule ihrer Konfession, cl) es sind zur Verwaltung der Schulangelegenheiten neben den ordentlichen Gemeindebehörden in den Städten Schul- deputationen und auf dem Lande Schulvorstände einzurichten, bei denen der Kirche, der Gemeinde und den Lehrern eine angemessene Vertretung zu gewähren ist. Daß jetzt wieder die Liberalen im Lande gegen Festlegung der Konfessionalität der Volksschule Sturm laufen, ist nur eine alte und leere Gewohnheit. Thatsächlich wünscht die Bourgeoisie die konfessionelle Spaltung des Volkes, und die liberalen Abgeordneten haben nur gethan, was die liberalen Unternehmer im Grunde ihres Herzens fordern. Wäh- rend der„Frühlingssturm des liberalen Gedankens", der sich diesmal gegen die eigne Partei richtet, auf die polittsche Wirklichkeit keinen sonderlichen Einfluß haben wird, ist um so beachtlicher die Thatsache, daß der Liberalismus die Zeit für gekommen hält, um offen in der Konfessionsschule das Bändigungsmittel des Proletariats anzu- erkennen. Das ist ein neuer Beweis für die vollständige Auflösung deS bürgerlichen Liberalismus in Deutschland. Das protestanttsche Preußen soll katholischer werden als irgend ein katholischer Staat. In Preußen ist nur einmal ernsthaft die Weltlichkeit der Schule gefordert worden: 1848. Die Gegenrevolution hat auch diesen Liberalismus schnell beseitigt. Seitdem hat man niemals ernsthaft den Versuch gemacht, die Schule von der Kirche zu befreien. Eine rechtliche Regelung der Schule ist bisher seit mehr als einem halben Jahrhundert versprochen, aber unerfüllt geblieben. Das heuttge Preußen ist ja immer noch das unferttge, willkürliche, rechtlose Provisorium geblieben, wie es der Staatsstreich hastig zusammen- stümperte. Auf dem Verwaltungswege wurde dann die Volksschule namentlich in neuerer Zeit immer mehr konfessioualisiert. Wir haben keine weltliche Schule, keine Simultanschule, in der die Konfessionen nebeneinander unterrichtet werden, aber auch bisher nicht die reine Konfessionsschule. Die heuttge Volksschule ist viel- mehr, was ihre Stellung zur Kirche betrifft, ein unklares Mittelding zwischen paritätischer und konfessioneller Schule. Diesen Schwebezustand wollte die lex Zedlitz von 1892, will das jetzige liberal-konservative Schulkompromiß zu Gunsten der reinen Konfessionsschule beseittgen. Jede Volksschule soll„in der Regel" nur Kinder einer Konfession unterrichten. Die Liberalen, die grundsätzlich für konfessionslose Schulen ein- tteten müßten, begnügen sich jetzt nicht mehr mit der konfessionell gemischten Schule, sie tteten für die konfessionell gesonderten Schulen ein oder— worauf es hinausläuft und hinauslaufen soll— für die Katholisierung der Volksschule. So weit die liberale Entrüstung gegen den liberalen Verrat ernsthaft sein sollte, so verstehen diese Ideologen des Liberalismus eben nicht, daß ihre Partei nichts ist wie ein höchst nüchternes und gemeines Geschäft der Jndusttiekapitalisten. Geistige Freiheit wollen auch diese Hintermänner und Unter- nehmer der liberalen Partei, aber nur für die Ihrigen. Die höheren Schulen, die Universitäten sollen natürlich konfessionslos, zum mindesten paritättsch sein. Die Sprößlinge der Bourgeoisie sollen nicht mit dem unrentablen theologisch-dogmatischen Gedächtnis- kram belastet werden. Dagegen sollen die Söhne und Töchter des Volkes konfessionell gespalten werden, bannt sie mittels des Miß- brauchs der Religion gefügige Werkzeuge ihrer Ausbeuter werden. Es wiederholt sich in der Schulftage die gleiche Erscheinung wie auf dem Gebiet der Organisation. Während die Arbeitgeber ohne Unterschied der Konfession beieinandersitzen, werden die Arbeiter künstlich in konfessionelle Organisationen zu trennen versucht. Auch die Konfessionsschule soll nur ei» Mittel der Spaltung und Entnervung des Proletariats sein, darum sind die liberalen Unter- nehmer durchaus für die Konfessionsschule, und die liberalen Intellektuellen mögen sich die Finger krumm schreiben und die Lippen wund reden, ihre„Ideale" scheitern an dem realen Interesse der Kapitalisten, die doch das ganze Geschäft, das sich nattonal- liberale Partei nennt, mit ihrem Gelde bezahlen und möglich machen. Schließlich ist der Verrat der liberalen Abgeordneten auch gar nichts Neues. So oft in den letzten Jahren im preußischen Land- tage Schulfragen erörtert wurden, haben die liberalen Redner sich zwar lebhaft gegen die Konfessionalität der höheren Schulen und der Universitäten gewandt, aber immer ausdrücklich hinzugefügt, daß sie an dem religiös-konfessionellen Charatter der Volksschule nicht rütteln wollen. Nicht nur die Religion, auch die konfessionelle Ab- sperrung muß eben dem Volke erhalten bleiben. Das liberale Unternehmertilm hält es bei allem Aufgebot liberaler Weltanschauung und evangelischen Gewissens doch mit Thiers, dem Staatsmann der liberalen Bonrgeoisie Frankreichs, der da sagte:„Gegen den socialistischen Schullehrer wird uns der katholische Pfarrer ein Schutz sein." Gegen den Schullehrer und den S ch ii l e r I Die weltliche Schule macht das Proletariat geistig frei von der Äirche— das kann kein Liberaler dulden. Aber selbst die paritätisch- christliche Schule ist für das liberale Unternehmertum vom Uebel, weil sie geeignet ist, den konfessionellen Gegensatz und auch die konfessionelle Orthodoxie im Proletariat abzustumpfen. So ist die Spekulation der liberalen Unternehmer auf die Konfessionsschule durchaus ernst gemeint und keineswegs eine un- überlegte Uebereilung ihrer Abgeordneten. Giebt es in der national- liberalen Partei noch Elemente, denen der Liberalismus, das freie Denken, die freie Wissenschaft, Ernst ist, so werden sie ihre Sache von den liberalen Kapitalspolisikern trennen müssen. Mit dem liberalen Landsturm ist gar nichts gethan.— Die politische Situation in Dänemark. Kopenhagen, 28. Mai.(Eig. Ber.) Wer gesehen hat, welche freudige Erregung, welcher Jubel in weiten Kreisen des dänischen Volkes herrschte, als vor nunmehr fast drei Jahren das liberale Ministerium als Frucht eines dreißigjährigen Kampfes ans Nuder kam, der wird auch die Enttäuschung verstehen, die diejenigen empfinden, die in der Demokratie die Grundbedingung für die Wohlfahrt des Volkes erblicken und nun erleben müssen, wie dieses Ministerium im großen wie im kleinen, in dem, was es vollbringt, und in dem, was es unterläßt, die Grundsätze der eignen Partei verleugnet und ganz in den Wegen seiner konservativen Vorgänger wandelt. Ein großer Teil der Linkenpartei, vielleicht der größte,' macht allerdings diese Schwen- kung nach rechts mit. Die liberalen Bauern sind im allgemeinen damit zufrieden, daß nun einer der Ihren, ein einfacher Landmann im Ministerium sitzt und ihre Interessen wahrnimmt. Die politische und geistige Kultur der dänischen Bauern, die an sich höher einzuschätzen ist als die des Bauernstandes in irgend einem andern Lande, reichte offenbar nicht so weit, um sie die Schmach empfinden zu lassen, die z. B. in der Einbringung des Prügelgesetzes und dem damit vollführten Versuch zur Ueberrunipelung des Folkethings liegt. War doch der Landwirtschaftsminister selbst zur Förderung diescSjSntwurfes bereit! Ebenso ist das Interesse der Bauern an dem Schicksal der Gerichtsreform und der beim Ministerwechscl so feierlich versprochenen Reform des Gemcindewahlrechts nicht be- sonders groß. Eine stärkere Erregung hat bei der Landbevölkerung die Durchführung der neuen>steuergesetze hervorgerufen, deren Ungerechtigkeit nur allzu deutlich hervortritt; die Großgrundbesitzern Steuerherabsetzungen von 700 Kronen und darüber gebracht haben, lvclche durch Steuererhöhungen der Minderbemittelten, namentlich der Häusler und Kleinbauern ausgeglichen werden. Zur Zeit finden an vielen Orten des Landes Wähler- Versammlungen statt. In Ringsted, dem Wohnort des Land- toirtschaftsministers Ole Hansen, an der Bahnstrecke Kopenhagen- Korsör gelegen, hatte kürzlich der liberale Folkethingsmann Zahle seine Wähler zusammenberufen. In der von gegen 500 Personen besuchten Versammlung war auch unser Parteigenosse Folkethings- mann Klausen anwesend, der nach Zahles Referat das Wort nahm und lebhaste Znstimmnng fand. Es zeigte sich, daß die Ver- sammlnng Iveit mehr mit der Polisik der Socialdcmokratic, als mit der Haltung der Liberalen einverstanden Ivar. Uebrigens hatte Zahle sich im Gegensatz zu seinem Verhalten im Folkething bei seine» Wählerversammlungen im Ringstedkreise recht radikal gebärdet. Auch„Politiken", das hier in Kopenhagen erscheinende hervorragendste Organ der Linken, das in den ersten Jahren nach dem Regierungswechsel die Sünden des neuen Ministeriums zu verschleiern suchte, nimmt in letzter Zeit wiederum eine niehr radikale Haltung an. Nun haben dieser Tage zwei Minister, A l b e r t i und Ole Hansen, in Zusammenkünften von Landleuten sich direkt gegen die mit ihnen Unzufriedenen in der Linkenpartei gewandt. Der Justizminister richtete seine Angriffe gegen die- jenigen, die„innerhalb der Linken Grund zu einer separaten Politik legen wollen", forderte die Landbewohner auf, sich mit Widerwillen von diesen„Verrätern" abzuwenden, und sprach schließ- lich die Hoffnung aus, die Linke möge„geläutert und gercinigl aus dieser Prüfung hervorgehen".— Hierzu bemerkt„Politiken" sehr treffend:„Seitdem die Linke nach 1860 eine einheitliche Partei ge- worden ist, haben immer jene Linkenmänner, die die Partei verraten wollte», diejenigen, ivelche innerhalb der Partei die Politik der Partei vertraten, S e p a r a t i st e n genannt und ihnen sobald es sich machen ließ Namen angehängr wie Kopenhagcner oder Europäer oder Nationalliberale, oder was sie sonst erfinden konnten, wenn eS nur in den Ohren der Landbewohner recht höllisch klang.... Separatisten ist ein historisches Wort; es bedeutet: Nun rennen wir davon." Der Landwirtschaftsminister wandte sich gegen diejenigen Redner seiner Partei, die da meinen, sie müßten die Regierung vor den Wählern entschuldigen; er verurteilte die„jainmernde und klagende Politik" und forderte zu mehr„Männlichkeit" in der Politik aus, soll heißen Männlichkeit gegen die radikale Strömung in der Partei. Es ist klar, daß, wenn noch eine hinreichende Anzahl von politischen Charakter» in der Linkeupartei vorhanden ist, eine Spaltung unvermeidlich wird. Ein großer Teil der wirklich demo- kratisch gesinnten Liberalen wird es allerdings unter diesen Um- ständen vorziehen, sich der Socialdemokratie anzuschließen, die in allen ihren Handlungen bewiesen hat, daß für sie allein das Interesse des Volkes und die Grundsätze der Demokratie maßgebend sind. Nach allem, was ich von leitenden Genossen und Folkethings- mäluierir erfahren habe, sieht man in den Kreisen uusrer Partei- genossen die gegenwärtige Situation als außergewöhnlich günstig für dir Socialoeinokratie an. Die Niederlage, die die Demokratie und Socialdemokratie bei den Kopenhagencr Kommunalwahlen in diesem Frühjahr erlitten hat, ist von sehr geringer Bedeutung. Hier waren die vielen durch die antisocialistische Agitation bethörten Klein- biirger Kopenhagens ansschlaggebend. Sie werden früh genug er- kenneit, lvie wenig ihre Interessen von jenen gefördert werden, denen sie diesmal ihre Stimmen gaben. Die dänische Socialdemokratie steht jetzt vor der großen Ausgabe, die Landbevölkerung zu gewinnen, hauptsächlich die Häusler und Landarbeiter, und die Politik der Liberalen und ihre Regierung sorgt dajiir, daß ihr diese Ausgabe erleichtert werde. Veutfckes Reich. WeltausstelliingS- Adressen für Wilhelm II. Nach der„Wiener Neuen Freien Presse" soll in Saint Logis ein„Goldenes Buch" aus- liegen, in das sich alle jene iir Amerika lebenden Deutschen einschreiben sollen, die dem deutschen Kaiser, dem das Buch nach der Aus- stellung überreicht werden soll, ihre Sympathie zum Ausdruck bringen wollen. Dieses inerkwürdige Plebiscit für die Person eines ausländischen Monarchen soll offenbar nach der Absicht der Unternehnler den heutigen reichsdeutschcn Byzantinismus als Weltausstclluugs-Gcgen- stand verkörpern. Man sollte vermittelt, daß die amerikanischen Republikaner dieser neuen Gepflogenheit keinen Geschmack abgewinnen werden. Auch hört man nicht, daß die andern Nationen für ihre Oberhäupter ähnliche Adressensammlungen in Saint Louis ausgelegt haben.— Bon Dr. Mngdan. Nachdem die eignen Parteigenossen in Breslau den Abgeordneten Dr. Mngdan in die Schranken gewiesen haben, erfährt der Freisinns- mann auch den Tadel seiner ärztlichen Kollegen. I» der unter der Redaktion von Dr. Karl Gumpertz in Berlin erscheinenden Zeitschrift „Deutsche Medizinische Presse" wird daS letzte Auftreten Dr. Mugdans also beurteilt: „Am 13. Mai wurde im Reichstage eine Interpellation der socialdemokratischen Fraktion besprochen, welche sich mit der Reform des Strafvollzuges beschäftigte. Die Interpellation fnßte auf den bekannten Enthüllungen der„Zeit am Montag" und wünschte die Disciplinargeivalt der Strafanstalts- Direktoren eingeschränkt zu sehen, um Vollstreckung von gesundheitsgefährdenden Arrest- strafen, zumal an Kranken und seelisch Zlveifelbasten hintenzuhalten. Gegen die von Dr. Gradnauer in objektiver Weise begründete Jnterpellatioti wendete sich in sehr scharfer Form unser geschätzter Kollege Mugdan, der damit schloß, daß keinerlei Uebergriffe erwiesen seien und daß die socialdemokratische Presse gegen die verdienten Kollegen Baer und Pfleger in uuverantwortlicher Weise gehetzt habe.... Wir köinicu die moralische Entrüstung des Herrn Mngdan nicht verstehen. Wer jemals geistig Zweifelhafte im Strafvollzüge gesehen hat, weiß, wie oft diese Kranke» schweren Disciplinarstrafcn unterworfen wurden, ehe man sie auf ihren Gei st es zustand beobachtete. ... Immerhin konnte ein mit der Schwierigkeit dieser Fragen Vertrauter durch die Enthüllungen der„Zeit am Montag" nicht überrascht werden und hatte keine Veranlassung, an ihrer Wahrheit zu zweifeln. Herr Geheinrrat Baer ist— wie der„Vorwärts" vom 18. Mai erklärt— niemals angegriffen worden; er ist unsres Erachtens über jeden Angriff erhaben.— Wie konnte Herr Mugdan übrigens sagen, ein Brief des Grosse beweise seine Zurechnungsfähigkeit? Es ist nicht oft leicht, jemand nur auf einen von ihm herrührenden Brief hin für geistig krank zu erklären; aus einem einzelnen Brief die geistige Gesundheit des Schreibers zu folgern, wird keinem Psychiater einsallen, der stets dessen eingedenk ist. daß Wahnideen gelegentlich dissimuliert werden. Andererseits ist jemand, der der Sinmlation überführt wird, oder sie eingesteht, deswegen noch lange nicht geistes- gesund." Bei der Gelegenheit sei zur Vervollständigung des Bildes frei- sinnigen Heldenmuts noch an einen älteren Vorgang erinnert. Dr. Mugdan ersehnte schon 1898 ein ReichstagS-Mandat. Er war frei- sinniger Kandidat in Potsdam-Spandau- Osthavelland. Damals erschien er vor den Wählern in der Löwenhaut des Radikalismus und er mühte sich sehr, mit der Socialdemokratie des Kreises sich auf freundlichen Fuß zu stellen. Damals wendete sich Dr. Mugdan scharf gegen rechts, gegen seine jetzigen konser- vativen Gesinnungs- und Charaktergenossen, und er erkannte schrankenlos die Verdien st e derSocialdemokratie um das Zustandekommen und den fortschreitenden Ausbau der Social- reform an. ja er gab auf Anfrage in der Wählerversammlung d i e feierliche Erklärung ab, daß er es für ganz s e l b st- verständlich halte und daß er dafür eintreten wolle, daß die freisnmigcn Wähler im Falle einer Stichwahl einzig für den Socialdemokraten stimmen müßten. Dadurch erreichte Herr Dr. Mugdan, daß die Socialdemokratie in der Agitation die Freisinnige Volkspartei thunlichst schonte; im Stillen mochte er sich mit der Hoffnung geschmeichelt haben, durch seine Taktik den«ocialdemokraten aus der Stichwahl zu verdrängen und dann mit socialdemokratischer Hilfe zu siegen. Es kam aber anders. Der Freisinn brachte nur 4900 Stimmen auf, während unser Kandidat mit etwa 19 599 Stimmen in Stichwahl mit dem„schlichten Mann" Pauli gelangte, der etwa 12 999 Stimmen erhielt. Nun erinnerten einige unsrer Parteigenossen Herrn Dr. Mugdan an sein Wort. Wohl oder übel sah er sich dann zu einer öffentlichen Erklärung genötigt, die ein wahrhaftes Angstprodukt darstellte und die spätere„Entwicklung" des Herrn schon vorahnen ließ. Er erklärte, seinen Wählern für die Stichwahl„nicht die Wahl des konservativen Kandidaten e m p f e h l e n zu können". Der Kreis ging denn auch wirklich dank dieser traurigen Freisinns- Haltung an die Reaktion verloren, lind seitdem hat sich dieser Freisinn a la Mugdan tüchtig fortentwickelt. 1993 spekulierte Dr. Mugdan in Görlitz eifrig auf die Stichwahlhilfe der National- liberalen und Konservativen; diese ward ihm zu teil und zum Dank — Dr. Mugdan ist ein dankbares Gemüt— entfesselt er durch wüstes Poltern gegen die Socialdemokratie die reaktionären Beifalls- stürme. Er ist ein Mann, nehmt alles nur in allem... Die Mantcuffeleien gegen die Socialdcmokratic, die von der VorwärtS-Bnchhandlung in einer Agitationsbroschüre herausgegeben worden sind, werden von der„Konservativen Korrespondenz" in einem Leitartikel„gewürdigt", von dem nicht ersichtlich ist, was er eigcnt- lich für einen Sinn haben soll. Weil in der Broschüre einleitend die wachsende Macht des preußischen Junkertums geschildert wird, darum sollen wir aus Furcht, aus„Bangigkeit" die Reden der Staatsstreichlcr verbreiten. Wir schlagen der„Konservativen Korrespondenz" vor, einmal socialdemokratische Reden ungefälscht zu verbreiten; wir werden dann sicher nicht behaupten, daß sie das ans Furcht gethan habe. Vielmehr werden wir dann den konservativen Mut be- wundernd anerkennen. Die„Konservative Korrespondenz" aber sieht in der Broschüre auch einen neuen Beweis, warum die Socialdemokratie uicht mit geistigen Waffen— nicht einmal mit den geistigen Waffen der geborenen Ge- setzgeber— bekämpft werden kann. Die Broschüre behaupte: die Herrenhausdcbatte habe nichts zu Tage gefördert„als öde Verleumdungen, tausendfach widerlegte Flugblattmärchen und der- gleichen wunderbare Ränbergeschichien, wie sie sich die alten Weiber auf den entlegendsten Gutshöfen gruselnd erzählen mögen." Die arme verkannte Socialdemokratie muß freilich viel leiden. Aber sie liefert auch hier ivicdcr den besten Beweis dafür, daß ihr— die alle Unbcguemlichkeiten kurzweg als„Verleumdungen", „Märchen" und„Räubergeschichten" abthut— mit geistigen Waffen nicht beizukommen ist. Hier erkennt man die nicht geistigen Waffen, mit denen die „Konservative Korrespondenz" ihrerseits der Socialdemokratie bei�u- kommen sucht. Sie behauptet, die Broschüre thue die Mantcuffeleien „kurzweg"— also ohne Beweis— als Verleumdungen, Märchen und Räubergeschichten ab, sie unterschlägt aber die Thalsache. daß an ein paar Dutzend Fällen unwiderleglich beiviesen worden ist.idaß verleumdet, gefälscht, gefehlt worden ist— von aller Unwissenheit abgesehen. Wir vermuten, daß auch diese konservativen nichtgeistigen Waffen, diese Vergewaltigungen der Wahrheit nichts gegen uns aus- richten werden._ Redakteur und Landwirt. Ueber zwei Gerichtsurteile schreibt man ans Halle unterm 39. Mai: Der Redakteur Genosse Robert Fette vom„Volksblatt" war einer Mystifikation zum Opfer gefallen, indem er in gutem Glauben nach den Angaben eines Arbeiters Mucke einen Artikel ver- öffentlicht hatte, nach dem der Polizeisergeant Lungershausen den Mucke ohne Veranlassung schwer mißhandelt haben sollte. Als Redakteur Fette heute vor der Strafkammer stand, mußte der Zeuge Mucke zugeben, den Angeklagten nach allen Regeln der Knnst be- logen zu haben. Auch Staatsanlvalt Schlütter nahm an, daß der Angeklagte in gutem Glauben gehandelt habe, beantragte aber vier Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf sechs Wochen Ge- unguis. Billiger davon kam der Landtvirt Karl H o f f m a n n aus Wanzleben, der gelegentlich einer Unterhaltung in einer Gast- Wirtschaft am 24. Dezember v. I. gesagt hatte:„Uusre Unteroffiziere sind O..... knechte, die die Soldaten striezen, die bürgerlichen Offiziere sind ebenso, nur Lilse macht eine Ausnahme; inner den adeligen Offizieren giebt es aber noch anständige Menschen." Hoffmann, der auf Grund eines vom Kriegsmiuister gestellten Strafantrages ebenfalls wegen öffentlicher Beleidigung angeklagt war, wurde von der Strafkammer zu 159 Mark Geldstrafe ver- urteilt.— Eine polnische Protcstkvndgrdung gegen den Ansicdlungsgesetz- entwurf fand am Sonntag in Pose n statt. Die von über lausend Personen besuchte Volksversammlung war von den polnischen Ab- geordneten und den Vertretern der polnische» Bourgeoisie und de» Adels einberufen. Die Versammlung selbst war auch aus der Pro» vinz besucht— sogar aus Westpreutzen und Oberschlesien waren Teil- nehmer anwesend. Von den polnischen Parlamentariern waren die Herren Brejski, Dr. Anton Chlapowski, Dr. Alfr. Chlapowski. Dr. Dziembowski, Dr. Krzyminski, Kulerski, Dr. Mizerski, Dr. Niegolewski, Dr. Starzynski, Prälat Stychel und das Herrenhaus- Mitglied Koscielski anwesend. Nach den Referaten, die vom Abg. Chrzanowski und den Herren Jackowski und Rzcpecki gehalten wurden— fand nachstehende Resolution einstimmige Annahme: „Wir am 29. Mai 1994 in Posen versammelten Pole« erklären: In Erwägung, daß die Ansiedelungsgesetz- Novelle der preußischen Regierung die Polen von der freien Ansiedelung auf dem Lande ausschließt und damit die Verfassung verletzt, nach der alle Bürger vor dem Gesetz gleich sind; in fernerer Erwägung, daß das geplante Gesetz— indem es die Polen an der Begründung eines eignen Heims hindert— den höchsten menschlichen Gefühlen, die der Liebe und der Anhänglich- keit an die Muttererde entsprießen, Gewalt anthut; in weiterer Erwägung, daß das geplante Gesetz dazu dienen soll, die polnische Nation— welche gleich der deutschen Nation das natürliche und geschichtliche Recht zur nationalen und kulturellen Entwicklung hat— im Königreich Preußen zu unter- drücken; in schließlicher Erwägung, daß das geplante Gesetz sich als Gewaltakt der Stärkeren darstellt, der allen christlichen Grund- sätzen und den Errungenschaften der Civilisation Hohn spricht— protestieren wir feierlich im Namen des Rechts, im Namen deS Grundsatzes der Freiheit, der christlichen Gerechtigkeit und der Civilisation gegen den er- wähnten Gcsetzesentwurf und erklären öffentlich, daß wir zur Ver- teidiaung unsres nationalen Daseins und der höchsten Güter der Menschheit alle unsre Kräfte anspannen werden und wir vertrauen darauf, daß wir die neue schwere Prüfung mit Gottes Hilfe ungebeugt und ungebrochen bestehen werden." Die Liberalen und die Bolksrechte. In einer Polemik des Wormser Lederblattes des Freiherrn Hehl zu Herrnsheim mit der „Frankfurter Zeitung" entschuldigt das liberale Organ die Stellung der Liberalen gegen die hessische Wahlreform damit, daß es überall und seit jeher liberale Gepflogenheit sei, das Volk zu entrechten. Zum Behufe dieser Beweisführung veröffentlicht das liberale Blatt eine Tabelle liberaler Sünden, die ein boshafter Feind des Liberalismus nicht glücklicher zusammenstellen könnte. „Ist dem Blatte(der„Frankfurter Zeitung") bekannt oder nicht bekannt, 1. daß der Frankfurter demokratisch-freisinnige Kompromiß-Land- tagskandidat Funck am 23. März d. I. im preußischen Ab- geordnetenhause für den bekannten freisinnig- nationalliberalen Antrag aus der Grundlage weiterer Festlegung des Dreiklassen-Wahlsystcnis gestimmt hat? 2. daß die N a t i o n a l l i b e r a l e n in Preußen für Ver- besscrung(die in Wirklichkeit noch eine Verschlechterung ist. Red. des„Vorw."> des Landtags-Wahlrechtes, jedoch auf der Basis der Erhaltung des Dreiklasscn-Wahlsystems ein- treten? 3. daß die Nationalliberalen Sachsens sich für das Pluralsystem ausgesprochen haben? 4. daß die Liberalen in Bayern die Einführung des direkten Wahlrechts ohne Zubilligung ausreichender Gegenkautelen ab- gelehnt haben? 5. daß das Centrum in Belgien, dessen hessische Spielart in Sachsen der Wahlrechtsfrage mit der„Frankfurter Zeitung" in eine Kerbe haut, das direkte Wahlrecht in revolutionärer Bewegung abgelehnt hat und am Pluralsystem festhält? 6. daß der hessische nattonalliberale Parteitag in Frankftirt a. M. am 22. November v. I. es abgelehnt hat, sich vorderhand auf das direkte Wahlrecht festzulegen, bevor sich der Central- verband der uationalliberalen Partei Deutschlands darüber schlüssig gemacht habe, welche Gesichtspunkte und Kautelen ftir ein neues Wahlgesetz in den verschiedenen Einzellandtagen festzustellen seien? 7. daß das direkte Wahlrecht einen Programmpunkt der national- liberalen Partei Deutschlands wohl in Bezug auf den Reichs- tag, nicht aber auf die Parlamente der Einzelstaaten bildet? Man könnte diese Liste noch beliebig erweitern. Daß der Liberalismus die„Freiheit" nur ftir die Bürgerlichen will, ist klar; nur wird das nicht immer so offen von liberaler Seite zugegeben.— „Radiknl-nntionnlc"— Ncaktion. Wir haben schon einmal Ge« legenheit gehabt, das Organ des„radikalpolnischen" Herrn Korfanty in Kattowitz bei einer liebedienerischen Denunziation an den „moskowittschen" Zaren festzunageln, als es nämlich in eingehendster Weise die Route der aus Westrußland fliehenden jüdischen Soldaten angab und diese dabei noch ob ihrer„Feigheit" verhöhnte. Jetzt bringt der Kattowitzcr„Gornoslazak" einen neuen Beweis, daß sein „demokratisches" Nationalpolenttun in seinem Wesen nichts als eine in äußerst verwässerte nationale Phrase gehüllte Reaktion ist. Indem Herr Korfanty in seinem Blatte die ganze Polittk der polnischen Reichstags- und Landtagsfraktton in Bausch und Bogen in Schutz nimmt, begründet er speciell in folgender Weise das skandalöse Verhalten der polnischen Abgeordneten bei der bekannten Interpellation unsrer Fraktion in Sachen der Russenausweisungen: „Wir bitten die Leser, sich zu erinnern, wie sich die Sache mit diesen Ausländern verhielt. Ilm wen handelte es sich� dabei? Es handelte sich fast ausschließlich um Herrchen, die so wohl- klingende Namen tragen, wie Mandelstamm, Silberfarb, Gampo- mades, Leckfett uslv. Wir Polen haben mit diesen Herren nichts gemein, im Gegenteil, diese Jüdlein stammen fast alle aus Littauen und Ruthenien, dort aber, auf polnischem Boden zeichnen sie sich dadurch aus, daß sie als Apostel der moskowittschen Kultur (will sagen: des Socialismus! D. Red.) fungieren und zur Russifizierung uusrer Länder beitragen. Zur Verteidigung solcher Leute aufzutreten hat die polnische Fraktion keine Pflicht, übrigens war das Betragen dieser Jüdlein in Berlin nachher ein so skandalöses, daß niemand mehr sie mit ruhigem Gewissen in Schutz nehmen konnte. Allerdings hat die polnische Fraktion mehrmals und viel früher als die Socialdcmokraten die Ausländer in Schutz ge- nommmen(wo das und woniit? D. Red.), als es sich um daSpolnische Volk handelte, russifizierie Jüdlein hingegen kann sie nicht in Schutz nehmen. Zum Schluß können wir nur unsre Befriedigung darüber ausdrücken, daß die polnische Fraktion an der social- demokratischen Aktion zum Schutze dieser Jüdlein nicht teilgenommen hat, wir müssen offen heraus sagen, daß die polnische Fraktton sehr weise gehandelt hat, denn die Socialdemokratc» haben diesen ganzen Feldzug verloren und eine schmähliche Niederlage erlitten. die sogar Herr Bebel nicht abzuwenden vermocht hat. Das ganze von ihnen beigebrachte Material hat sich als falsch erwiesen, und hätte die Regierung nur etwas geschickter und klüger manövriert, so wäre die Niederlage der Socialdemokraten eine noch größere geworden." Ans diesem Erguß ist jedenfalls eins ersichtlich, daß nämlich die polnischen Nationalisten die Vorgänge der deutschen anSwärttgen und inneren Politik genau durch die Brille derselben Herren Bülow. Hammerstein und Richthofen betrachten, die der„wohlklingenden" Maxime folgen:„Wir haben zu befehlen, Ihr(Polen) zu gehorchen". daß somit eigentlich die Leiter unsrer offiziellen Hasen- und Kauiuchcnpolitik die Bedientenseelen ihrer nationalpolnischen Wider- sacher richtig eingeschätzt haben. Besonders pikant ist aber diese Seelenharmonie zwischen Bülow-Hammerstein und dem jüngsten Sproß des Nationalpolentums gerade in d i e s e m Fall, in Bezug auf die„Jüdlein", d. h. die russischen Revolutionäre, in deren martervollem Kampfe doch die vom„Moskowitcn" unter- drückten Polen jedenfalls die einzige Gewähr erblicken können, daß sie früher oder später erttäglichere Zustände, politische Freiheiten im Zarenreiche bekommest. Wenn nun das„Radikalpolentum" die „Silberfarb und Mandclstamm" abschüttelt, um in die Arme der Herre» Bülow und Hammerstein zu fliegen, so harmoniert das aller- di«gs wundervoll mit den stolzen Hinweisen des Herrn Skarzynski im preußischen Abgeordnetenhaus auf die„Unterthanen- treue", mit der die Polen des russischen Landesteiles„in der jetzigen schweren Prüfung der russischen Regierung bestehen", ebenso wie mit den unaufhörlichen Warnungen der gesamten galizischen und Posener„nationalen" Presse vor jedem Gedanken an eine Ausnutzung des russisch- japanischen Krieges zu irgendwelchen nationalpolnischen„Träumereien". Und jedenfalls, wenn schon das „radikale" Nationalpolentum so aussieht,_ dann muß man sich sagen: Neo locus ubi Troja fuit,— nichts ist geblieben, Ivo einst Troja stand. Nichts— außer der Reaktion und der antisemitischen Verwilderung.— Unteroffiziere im Schutz vor der Ocffentlichkeit. Vor dem Glogauer Kriegsgericht standen zwei Unteroffiziere des Königs- grenadier-Regiments in Liegnitz angeklagt wegen Mißhandlung Untergebener. Der eine wurde wegen Mißbrauchs der Dienst- gewalt in zwei Fällen zu sechs Monaten und drei Wochen Gefängnis und Degradation verurteilt— es müssen also zwei harte„Fälle" gewesen sein. Der andre erhielt wegen vorschriftswidriger Be- Handlung acht Tage Mittelarrest. Nicht nur die Verhandlung wurde geheim geführt, sondern auch bei der Urteilsbegründung blieb die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.— Viel ist von dem„öffentlichen" Militärgerichtsverfahren nicht übrig geblieben!— Feuerbestattung. Wie aus Stuttgart verlautet, wird von der württenlbcrgischen Regierung in nächster Zeit ein Erlaß zur Veröffentlichung gebracht, welcher das Gesetz betreffend das Be- gräbniswesen in Württemberg ändert. Es soll der Absatz aufgehoben werden, der der Einführung der fakultativen Feuerbestattung bisher im Wege stand.—_ Südwestafrika. Offiziös wird gemeldet:„Die Heliographenstation Okowakuat- jiwi wurde am 28. früh von einer Hererobande angegriffen. Gegner zurückgeschlagen, verlor vier Tote. Verfolgung durch stärkere Patrouille."—_ Berichtigung. In dem gestrigen Leitartikel muß es in der ersten Spalte, 7. Absatz, 2. Zeile heißen„der politischen(statt: unpolitischen) Notwendigkeit".— HusUnd. Oesterreich-Ungarn. Die Militärvorlagc. Budapest, 31. Mai. Die österreichische Delegation begann die Beratungen des Heeres-Extraordinariums. Franz H o f in a n n begründete den ablehnenden Standpunkt der Deutschen Volkspartci gegen die enormen, überraschenden Heeres- forderiingen mit der schlechten Finanzlage der Monarchie und der einzelnen Länder. E b e n h o ch(katholisches Centrum) betonte die Notwendigkeit, im Frieden die Wehrfähigkeit der Monarchie derart zu gestalten, daß sie im Ernstfall gegen alle Eventualitäten gerüstet sei; es dürfe deshalb kein Widerspruch zwischen den HcereSforderungen und der politischen Lage bestehen. Im Vollgefühle seiner Verantwortlichkeit als Volks- Vertreter nehme er die Heeresfordcrungen an und er habe die Ueber- zeugung, daß die schweren Heereslasten von der Bevölkerung leichter getragen würden, als die Folgen eines eventuellen unglücklichen Krieges. Der Jnngczeche Stransky bemerkte, er vennöge die Not- wendigkeit der Fyrderungen nicht zu verstehen, da Europa von Frieden triefe und niemand Oesterreich-Ungarn angreifen werde, . wenn dieses nicht dazu herausfordere. Oesterreich solle die Groß- mannssucht aufgeben und sich auf den Schutz seines Bestandes be- schränken. Dazu reiche die jetzige Wehrmacht aus. Noch schärfer als die Forderungen für das Heer müsse er die Art verurteilen, wie sie eingebracht wurden und gedeckt werden sollten. Denn die Verausgabung von 15 Millionen für Hanbitzen, ehe das Parlament eine solche Vorlage angenommen habe, sei gesetzwidrig. D u l e m b a erklärte, die Polen würden ihrer lleberlieferung getreu dem Staate alle Mittel zur Erhaltung und Ausgestaltung der Wehrkraft gewähren und daher für die Forderungen stimmen. Frankreich. Die Verbrecher im Generalstab. Auch das letzte Stadium der furchtbaren Drehs us-Tragödie bringt unerhört schmähliche Gemeinheiten der Generalstabskreise an den Tag. Durch immer neue Fälschungen wird versucht, die alten Fälschungen zu verdecken und das ruchlose Werk gegen einen Un- schuldigen fortzusetzen, um so— die„Ehre" des Generalstabes zu retten. Doch auch diese neuesten Fälschungsversuche sind durch einen glücklichen Zufall gestört worden. Am Montag ist der Bcrwaltungs- offizier D'Auttichc, der im Nachrichten-Bureau des Kriegsmini st eriums angestellt ist, ans Anordnung des höchsten Gerichtshofes verhaftet worden. Ueber die Vorgänge, die zu dieser sensattonellen Verhaftung führten, � berichtet die „Humanits": Der Rat am Kassationshof A t h a l i n war beauftragt worden, die Angelegenheit der falschen Zeugenaussage Czcrnuschis vor dem Kriegsgericht in R e n n e s an das Licht zu ziehen. Da Athalin davon überzeugt war, daß man Spuren der Bestechung Czernuschis in den Büchern des Ministerinms finden würde, besuchte er das betreffende Bureau und sah hier zu seinem Erstaunen, daß D'Autriche damit beschäftigt war, in einem Register Radierungen und sonstige Acndernngen vorzunehmen. Auf die Frage Athalins'antwortete DÄutriche sehr verlegen, daß er in der Revision des Dreyfus- Prozesses vor dem Kassationshof als Zeuge erscheinen müsse und deshalb seine Bücher mit seinen Aussagen in Einklang bringen wolle! In dem Register ist da, wo D'Autriche die Radierungen be- gönnen hatte, zu lesen:„Als Reisekosten 625 Fr., übergeben 5000 Fr., Austerlitz übergeben 20 000 Fr." Die Daten dieser Ein- tragungen fallen mit den Daten des Prozesses in Renn es im August 1899 zusammen. Athalin fragte nun, wo die Schriftstücke seien, für die so bedeutende Summen gezahlt wurden; D'Autriche wollte sich an nichts mehr erinnern. Athalin fragte dann weiter, ob diese 25 000 Fr. nicht als Preis für die falsche Zeugenaussage Czernuschis in Rennes gezahlt worden seien. D'Autriche antwortete, er könne über die Verwendung dieser Summen keine Auskunft geben. Es wurde nun eine Unter- suchung vorgenommen und der Brief des Hauptmanns Franeois vor- gefunden, der ebenfalls bis vor kurzem dem Nachrichtenburean des Kriegsministeriums angehört hatte. Dieser Brief war die Antwort auf ein Schreiben DÄutriches, worin Fran?ois zur Vorsicht gemahnt wird, da der Kassationshof die Sache Czernuschis sehr genau unter- suchen wolle. Die Antwort Franyois lautete, daß er, um sicher zu gehen, alles ableugnen werde.— Schweden. Im Dienste des Zaren. Der verantwortliche Herausgeber des Wochenblattes„Beckens Nyheter". Buchdrucker Björkegren. ist am 24. Mai vom Rathausgericht zu Stockholm zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, und zwar wegen Beleidigung des Zaren sowie hoher russischer Staatsbeamter durch einen Artikel seines Blattes.„Beckens Nyheter" ist eine von ausgewiesenen finnischen Journalisten in Stockholm gegründete Zeitung. Daß Schweden in der bekannten Meldung des Pariser Blattes„Matin" unter den Ländern genannt wird, die sich der neuen „heiligen Allianz" angeschlossen haben, und somit scheinbar bereit ist, auch in dieser Weise Bütteldienste gegen russische Freiheits- kämpfer zu leisten, hat beim schwedischen Volke eine gewisse Erregung hervorgerufen. Am Donnerstag brachte nun das Stockholmer Blatt„Dagan" eine augenscheinlich vom Ministerium l des Aeußern herrührende Erklärung, die die Meldung des„Matin" im allgemeinen bestätigte, jedoch mit der Einschränkung, daß es sich lediglich um eine Regulierung bereits bestehender Bestimmungen gegen die A n a r ch i st e n handle, die nun nach der Initiative der russischen Regierung möglichst dieselbe Fornr in den verschiedenen Ländern erhalten sollen. Es wird weiter beteuert, daß diese Abmachungen nur gegen„Pro- pagandisten der That", nicht gegen die sogenannten theoretischen Anarchisten und noch weniger gegen politische Flüchtlinge im allgemeinen gerichtet sind. Wozu Schweden, das doch bisher nichts mit sogenannten anarchistischen Verbrechen zu thun hatte, der- artige Abniachungen treffen mußte, ist unverständlich. Rttstland. Wieder ein Hungerstreik im Gefängnis. Warschau, 27. Mai.(Gig. Bcr.) In dem Warschauer Gefängnis Pawiak, das jetzt mit„Politischen" überfüllt ist— darunter zahlreiche Studenten, die am 4. Mai bei dem demonstra- tiven Begräbnis des Genossen Birenzweig verhaftet worden sind— kam es zum Hungerstreik, an dem 100 Eingekerkerte teilgenommen haben. Zu dem äußersten Abwehrmittel sind die Politischen durch allerlei Chikane der Gefüngnisverwaltung gedrängt worden, die den Ausenthalt im Kerker geradezu unerträglich machten. Die„Streikenden" erklärten zum 17. Mai den Beginn des allgemeinen Hungerstreiks, wobei sie der Verwaltung folgende Forderungen ein- reichten: 1. Sofortige Haftentlassung des kranken Sch. Dresdener (der schwer lungenkrank ist und Blut spuckt), 2. Gewährung eines viertelstündigen Spaziergangs täglich an die in der Untersuchungshast befindlichen, 3. Verbesserung der Gefängniskost, 4. Einführung der Beleuchtung in den Zellen aus Staatskosten. 5. Gewährung von Be- suchen seitens der Angehörigen einmal die Woche und der freien Ans- spräche mit ihnen ohne das Gitter dazwischen, 6. der Empfang von Besuchen der Angehörigen darf nicht im Wege der Disciplinarsttafe verboten werden, 7. Erlaubnis an alle Eingekerkerten, frei Cigarctten rauchen zu dürfen, 8. Mitteilung der endgültigen Urteilssprüche an diejenigen„Politischen", die schon lange in der Untersuchungshaft sitzen, sowie an die am 4. Mai verhasteten Studenten. Endlich 9. sofortige Haftentlassung des 14jährigen Jungen Czarno- brody. Der Hungerstreik der 100 Genossen dauerte drei Tage, vom 17. bis 20. Mai, und wurde beendet, nachdem die Verwaltung teil- weise Zugeständnisse gemacht hatte.— Asien. Reorganisatton der chinesischen Armee? London. Sir Robert Hart, der Generalgouvenieur der chinesischen Zölle, soll den Vorschlag einer Reorganisatton in China beabsichtigen. Nach seiner Meinung wäre es möglich, durch dirette und indirekte Steuern in China einen jährlichen Bettag von 400 Millionen Taels zu erzielen. Hierdurch wäre es möglich, daß China 4 Armeen von je 50 000 Mann, sowie eine Flotte, bestehend aus 3 Geschwadern von je 10 Kreuzern i. Klasse, 10 Kreuzern II. Klasse, 10 Torpedobootszcrstörern und 50 Torpedos mit einer Gesamtbeinaunung von 10 500 Mann zur Verfügung hätte, um seine vollständige Unabhängigkeit zu erzielen und zu erhalten. Die vorläufigen Kosten, einschließlich derjenigen für Militär- schulen, Festungsbauten, beziffert Sir Robert Hart auf 862 Millionen Tanger, 31. Mai.(Bureau Laffan). Der englische und der amerikanische Gesandte benachrichtigten den Sultan von Marokko in energisch gehaltenen Noten, daß ihre Regierungen außer stände seien, die Forderungen des Räubers Raisuli zu bewilligen: Falls der Sultan nicht die Freilassung der Gefangenen bewirke, würden England und Amerika die Sache selbst in die Hand nehmen.— Amerika. St. Louis, 31. Mai. Die deutsche Abteilung der Weltausstellung wurde gestern durch den deutschen Reichskommissar Lewald in An- Wesenheit des hiesigen deutschen Konsuls Dr. Rieloff sowie zahlreicher Ehrengäste in feierlicher Weise formell eröffnet.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die Russen räumen die Halbinsel Liautung und ziehen sich nach Port Arthur zurück. Die Flucht aus Dalny. Tokio, 31. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Russen räumte» Dalny Hals über Kopf, nachdem fie versucht hatten, die Stadt zu zerstören. Die japanischen Patrouillen be- richten, daß mehr als 100 Gebäude, Kasernements, Depots-, Eisenbahn- und Tclcgraphcn-Burcaus beschädigt seien; 200 Eisen- bahnwagen wurde»»»beschädigt vorgefunden. Die Russen zer- störten den großen Ouai und sperrten die Einfahrt zum Hafen- bassin mit versenkten Danipfern. Die Anlegebrücken haben nicht gelitten. Man glaubt, daß die Armee des Generals Oku Dalny un- verzüglich besetzen wird. Abenteuerlich klingt die Nachricht, daß General Kuropatkin, auf direkten Befehl des Zaren, die Stellung bei Mulden preisgeben und mit 80 000 bis 100 000 Mann zur Eutsetzung von Port Arthur südwärts ziehen wolle. Das hieße den Japanern den Weg in die Mandschurei fteigeben, und zudem würde es äußerst zweifelhaft sein, ob es der russische» Armee gelingen würde, bei Port Arthur vor- zudringen, nachdem die Japaner Kintschou beherrschen. Die Japaner rechnen ihrerseits damit, Port Arthur durch einen konzentrierte» Land- und See-Angriff in nächster Zeit zu erstürmen. Korrespondenten englischer Blätter rechnen bereits mit einem bestimmten Datum. Als ob es sich um eine Theatervorstellung handelt, telegraphiert der Korrespondent des«Daily Telegraph"— wie das„Bureau Laffan" uns übermittelt — daß der Sturmangriff auf Port Arthur zum 15. Juni erwartet werde. Die Zeitungskorrespondenten werden am 10. Juni von Tokio nach der Kwantung-Halbinsel abreisen, um der Einnahme der Festung zusehen zu können, die zum 20. Juni erwartet wird. Rekognoszierung von Port Arthur. Tokio, 31. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Gestern früh sandte Admiral Togo vier Kanonenboote, zwei Torpedoboots- Zerstörer und zwei Torpedoboote nach Port Arthur, die dort unter dem heftigen Feuer der Strandbatterien eine sorgfältige Rekognos- zierung vornahmen. Sie stellten fest, daß die Russen auf einem der beiden neuen Forts am Liautischan-Vorgebirge eine neue Schein- Werferstation eingerichtet haben. Das Kanonenboot Nr. 3 wurde von einem feindlichen Geschoß getroffen, wobei ein Unteroffizier ge- tötet, drei Mann verwundet und ein Geschütz beschädigt wurde; die übrigen Kanonenboote blieben unbeschädigt. partei-I�ackricbten. Paris, 29. Mai.(Eig. Ber.) Die dritte P l e n a r- Versammlung des C e n t r a l r a t e s der P- S. de F. (revolutionäre Socialisten), die alle drei Monate stattfindet, war von 24 Departements-Födcrationen beschickt, die sich durch Delegierte oder durch Ersatzmänner vertreten ließen. Von'der 15gliedrigen Erekntivkommission(engerer Vorstand) waren 10 Mitglieder an- wesend. Dem Sekretariatsbericht ist zu entnehmen, daß im letzten Vierteljahr drei neue Föderationen der Partei beigetreten sind: die von Saone-et-Loire, von Creuse und der Insel Martinique. Insbesondere wertvoll ist der Beitritt der zuerst genannten Föderation, die zu den stärkeren und rein proletarischen(Berg- und Metall- arbeiter) Organisationen gehört. Sie zählt über 25 Ortsgruppen mit insgesamt etwa 1000 Mitgliedern. Ihr Kammerabgeordneter Bouveri, Matte von Montceau-les-Mines, ein Bergarbeiter, saß von Anfang an in der revolutionär-socialistischen Fraktion. Im ganzen hat jetzt die Partei die Zahl von 46 Departements-Föderationen erreicht. Ueber die Gemeindewahk-Ergcbnisse liegen noch keine vollständigen Angaben vor. Eine summarische Zusammen- stellnng des Sekretariats schätzt die Zahl der von der Partei be- herrschten Genwinderäte auf etwa 80 und die Zahl der kommunalen Parteivertreter auf 1200. Ferner beschloß der Centtalrat, von den einzelnen Föderationen eingehende Berichte über die Wahlergebnisse einzufordern, um eine genaue Zusammenstellung zu ermöglichen sowie ein klares Urteil über die Ursachen der Verluste namentlich der Gemeinderäte von Lille, Montluyon und Bonrges zu Gunsten der reaktionären Parteien. Im Zusammenhang mit dem schlimmen Ausgang der Gemeinde« Wahlen für die Partei entspann sich eine eingehende Debatte über die Mittel und Wege, den Einfluß der Partei auf die Arbeitersibait zu stärken. So wie bisher kann es nicht weiter gehen— dicies Empfinden beherrscht nach den Gemeindewahlen weite Kreise der P. S. de F. In der Plenarversammlung wurde nun die Anregung gemacht, ans eine Annäherung mit den revolutionären Ge- w e r k sch a f t l e r n hinzuarbeiten. Schließlich wurde ans den An- trag von V a i l l a n t und G u e s d e beschlossen, ans die TagcS- ordnung des nächsten Parteitages folgenden Punkt zu setzen:„Das Verhältnis zwischen der politischen und der gewerkschaftlichen Organi- satton des Proletariats. Der nächste Parteitag wird gemäß dem Beschluß dei» Centralrates in Lille am 9., 10. und 11. August stattfinden. polireUiches, Gerichtliches uCw. Wichtiges vom Vcreinsgesetz. Das Kammergericht hat eine Entscheidung gefällt, die besonders ftir die Leiter von Versammlungen Bedeutung hat. Der Glas- arbeiter Rentsch hatte im Auftrage des Verbandsvorstandes des Glasarbeiterverbnndes die Neubesetzung des Postens eines Zahlstelle». Vorstehers in Welzow zu veranlassen. Er kam dort mit einer Anzahl Verbandsmitglieder zusammen und leitete die Verhandlungen mit einer Besprechung der Angelegenheit ein. In der Diskussion wurde auch zur Agitation für den Verband aufgefordert und dabei bemerkt. daß durch die Stärkung der Organisation die Arbeiterbewegung gekräftigt und in den Stand gesetzt werde, das zu erzwingen was matt den Arbeiten! bisher verweigere.—— R. wurde in zweiter Instanz wegen Uebertretung der§§ 1 und 12 des Vereins- gesetzes zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er eine Versanun- lung, die der Erörterung öffentlicher Angelegenheiten dienen sollte. veranstaltet und geleitet habe, ohne daß die Versammlung polizeilich genieldet gewesen sei. Das Landgericht erklärte die Zusammenkunft für eine Versammlung und meinte, die Angelegenheiten, die erörtert werden sollten, seien öffentliche Angelegenheiten iin Sinne des§ 1 des Vereinsgesetzes und nicht solche, die ausschließlich das Privat- interesse der gerade anwesenden Mitglieder bildeten. Im Gegensatz dazu berührten sie das Interesse des ganzen Verbandes der Glas- arbeiter Deutschlands. Das Kammergericht als Rcvisionsinstanz hob dies Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt: Wenn das Landgericht allein in dem Umstände, daß die Wahl eines neuen Zahlstcllenvorstehers stattfinden sollte, eine öffentliche Angelegen- hcit erblickt, so könne der Auffassung nicht beigetreten werden. Die Wahl des Vorstehers einer Zahlstelle sei nicht eine öffentliche An- gelegenheit. Ausschlaggebend sei, daß hieran nur die Mitglieder der Zahlstelle interessiert seien.— Nun seien aber in der Versammlung noch Redner aufgetreten, die sich über die Notwendigkeit der Orga- nisation der Arbeiter ausgelassen hätten. Man habe auch begonnen, die sociale Frage aufzurollen. Darin könnte eine Erörterung öffent- sicher Angelegenheiten gesehen werden. Es käme deshalb darauf an, ob der Angeklagte bei Veranstaltung und Leitung der Versanimlung wußte, daß die zur Wahl eines Zahlstellen-Vorstehers bestimmte Versammlung diese Wendung nehmen würde. In diesen! Falle wäre er als V e r a n st a l t e r verantwortlich zu inachen für die unter- lassene Anzeige. Aber selbst wenn die Erörterung öffentlicher An- gelcgenheiten nicht von vornherein bezweckt war, sondern sich im Laufe der Verhandlung ergab, so hätte Angeklagter, da die Versammlung nicht angemeldet war, längere Ausführungen dieser Art als Leiter nicht dulden dürfen. Auch in diesem Falle könnten, wenn er es duldete, die§§ 1 und 12 des preußifchen Vercinsgesetzes gegen ihn an- gewendet werden. Zur Nachprüfung in dieser Richtung und entsprechender nnderweiter Entscheidung sniiisse die Sache in die Vorinstanz zurück- verwiesen werden._ GcwcrhlchaftUchca. Berlin un& Orngcgcnck. Die Rache der„Großen Berliner". Bekanntlich mußten die Werlstättenarbeiter der Großen Berliner Straßenbahn, die wegen der herrschenden Bettiebsmißständc die Arbeit niedergelegt hatten, vor einigen Tagen ihren Streik erfolglos beenden. Diesen Umstand nützt jetzt die Große Berliner zn einer kleinlichen Rache aus. Bisher ist nämlich noch keiner der bis zuletzt streikenden Arbeiter von ihr wieder eingestellt worden. Wenn es die Arbeiterschaft in ihren Lohnkäinpfen auch schon gewöhnt ist, daß die Unternehmer nach einem verlorenen Streik ihr Mütchen an einzelnen der Ausständigen kühlen, so ist die end- gültige Entlassung Hunderter von alten Arbeitern, die durchaus be- rechtigt, wenn auch erfolglos, von ihrem Koalitionsrecht Gebrauch machten, in Berlin unmerhin eine Seltenheit gewesen. Doch nicht genug damit. Die Große Bvrliner hat auch durch die an den Kühncmänner-Verband abgegebenen schwarzen Listen den Streikenden jede anderweitige Beschäftigung in ihreni Berufe un- inöglich gemacht. Eine ganze Anzahl von Ausständigen hatte bereits in andern Fabriken Arbeit gefunden. Als diese Leute nun mit ihrem Handschein nach dem Arbeitsnachweise der Metallindustriellen kamen, um sich den Antritt der neuen Arbeit daselbst bestätigen zu lafsen, wurde ihnen auf Grund der schwarzen Listen die Bestätigung verweigert. Sie sind, um den fachtechnischen Ausdruck der Kühnemänner zu gebrauchen. ans dem Arbeitsnachweis gesperrt. Ans wie lange, ist ihnen nicht gesagt worden. Nur soviel wissen sie, daß sie auf unbestimmte Zeit in keiner dem Metallindustriellen-Verbande angehörenden Fabrik wieder Arbeit bekommen. So handelt die„Große Berliner", die sich der Oeffentlichkeit gegenüber stets in deni Heiligenschein der Humanität präsentiert. So dokumentiert sich ihr„Wohlwollen für die Arbeiter". Die Verhandlungen der Bäcker vor dem Einigungsamt unterlagen der Beurteilung einer gestern nachmittag abgehaltenen sehr zahlreich besuchten Mitgliederversammlung des Bäckerverbandes. Schneider gab ein Bild von dem Gang der Verhandlungen und führte weiter ans: Wenn der Vorschlag des Einigungsamtes auch nicht alle Forderungen anerkenne, so briiige er doch die hanptsächttchsten Forderungen zur Geltung, und die Vertreter des Verbandes hätten sich deshalb veranlaßt gesehen, dem Vorschlage zuzustimmen. Mit der Annahme des vorgeschlagenen Tarifvertrages werde der gegen- wärtige Kriegszustand beseitigt, es wurde ein festes Ver- hältnis geschaffen zwischen den Meistern, die den Vertrag anerkennen und den bei ihnen arbeitenden Gesellen. Mit Rücksicht ans diese Umstände empfehle die Verbandsleitimg die An- nähme der Vorschläge des EinigimgSaintes. Voraussichtlich werde auch ein Teil der Meister diese Vorschläge ohne weiteres annehmen, andre würden ihnen folgen, und so werde der Tarifvertrag nach und nach allgemein zur Geltung kommen.— Gegen diejenigen Meister, welche ihr Wort brechen und die Bewilligung zurückziehen, werde auch in Zukunft mit aller Schärfe vorgegangen werden und die Konsumenten würden sicherlich die Bestrebungen der Bäckerei- Arbeiter in dieser Hinsicht unterstützen, wie sie es seither gethmr haben. Den Meistern, Ivelche ihr Wort halten und das, was sie be- willigt haben, rückhaltlos gewähren, müssen die Gesellen dadurch ihre Anerkennung bezeugen, dast sie bestrebt sind, die beste Arbeit zu liefern und in jeder Hinsicht die Pflichten eines gewissenhaften Arbeiters zu erfüllen. H c tz s ch o l d. der gleichfalls die Annahme der Einigungs- bedingungen empfahl, bemerkte unter anderm, im Berbandsburean seien bereits eine Anzahl Zuschriften von Meisten, eingelaufen, welche erklären, daß sie den Tarifvorschlag des Einigungsanitcs an- erkennen. Ohne erhebliche Diskussion erklärte sich die Versammlung fast einstinunig für die Annahme der Vorschläge des Einigungsamtes; es soll aber dahin gewirkt werden, dast der Ablauf des Vertrages nicht auf den 1. Oktober, wie das Einigungsamt vorschlägt, sondern auf den 1. Juni festgesetzt wird. Verbotene Flugblattverbreitung. Dein Genossen H e tz sch o ld ist gestern ein schleuniger Gerichtsbeschluß zugestellt worden, welcher die weitere Verbreitung des am Sonntag in ganz Berlin verteilten Flugblattes zum Bäckerstreik verbietet. Der Gerichtsbeschluß ist herbeigeführt durch den Antrag eines Bäckermeisters, dessen Betrieb als ein solcher, in dem unappetitliche Mißstände bestehen, gekenn- zeichnet worden ist. Der Gerichtsbeschluß ist insofern gegenstands- los, als die Flugblattverbreitung am Sonntag bereits' vollendet worden ist. Deutfcbes Reich. Soldaten als Arbeitswillige. In Posen sind die Maler, wie bereits gemeldet, seit den, 14. Mai ausgesperrt, weil sie sich weigerten einen Revers zu unterschreiben, durch den sie sich ver- pflichten sollten, weitere zwei Jahre zu den Bedingungen des alten Tarifs zu arbeiten und den, Centralverband der Maler nicht anzugehören. Die Arbeitswilligen aus der Provinz, auf die man gerechnet hatte, blieben aus, und nun fand sich die Militär- Verwaltung als Retter in derjNot bereit, den Unternehmern Soldaten zur Verfügung zu stellen. Das paßt den Unternehmern: wenn sich die Arbeiter gegen die Anschläge auf ihr Koalitionsrecht wehren, sorgt die Militärverwaltung für Ersatz. Damit wäre der Zweck der seligen Zuchthausvorlage auch erreicht. Ob die Arbeiter von ihrem gesetzlichen Recht, sich zu organisieren Gebrauch machen dürfen, würde dann noch lediglich von dem guten Willen der Arbeitgeber und der Militärbehörde abhängen. Eine Beschwerde gegen die Verwendung von Soldaten ist bereits bei dem kommandierenden General Herrn v. Stülpnagel in Posen ein- gereicht worden; ob aber die Soldaten daraufhin zurückgezogen worden sind, davon sind, wir zur Zeit noch nicht unterrichtet. Der Zuzug nach Posen ist streng fernzuhalten und bitten wir, daß auch die Provinzblätter hiervon Notiz nehmen. Steinsetzer, Rammer! In Dortmund sind die Steinsetzer und Rammer in den Streik getreten wegen Nichtanerkennung des aufgestellten Lohntarifes. Zuzug ist fernzuhalten. In E s s e n a.Ruhr wurde nach einem Streik von halbtägiger Dauer der aufgestellte Tarif von mehreren Firmen anerkannt. Die G e r a e r Steinsetzer- meister haben den Steinsetzern, die für den bisherigen Lohnsatz nicht weiter arbeiten wollen, anheimgestellt, das Arbeitsverhältnis zu lösen, da sie sich auf nichts einließen. Zuzug ist fernzuhalten. In A n g e r m ü n d e ist ohne Kampf nachstehender Lohntarif zwischen dem Verbände der Steinsetzer und dem dortigen Steinsetzermeister vereinbart worden: Stundenlohn für Steinsetzer 60 Pf., für Rammer 45 Pf., Ucberstunden 5 Pf. Aufschlag, Verkürzung der Arbeitszeit von 11 auf IV Stunden. Infolgedessen sahen sich auch die P r c n z l a u e r Jnnungsmeister gezwungen, den seit zwei Jahren vergeblich geforderten Stundenlohn von 60 Pf. für Steinsetzer und ebenso die Ivstündige Arbeitszeit einzuführen. Holzarbeiterstreit in Erfurt. Der Ausstand der Tischler bei der Firma Neumann u. Grüning in Erfurt, der im ganzen neun Tage dauerte, hat mit einem vollen Erfolge der Tischler Erfurts geendet. Der Schutzverband der Holzindustriellen hatte sich der bedrängten Firma angenommen und so kam es, daß bei den stattgehabten Ver- Handlungen mit diesem ein Minimallohn für alle Gehilfen gefordert wurde. Am Sonnabendabend wurden die Verhandlungen beendet und das Resultat war eine Lohnerhöhung von 2 bis 3 Pf. pro Stunde. Arbeiter mit einem Stundenlohn bis 34 Pf. erhalten vom 1. Juli ab 1 Pf. Zulage pro Stunde. Arbeiter mit 35 Pf. und mehr vom gleichen Zeitpunkt ab 2 Pf. mehr. Diese tariflichen Be- stimmungen haben Gültigkeil bis zum 1. Juli 1gv6. Am Montag nahmen sämtliche Leute die Arbeit wieder auf. Nur ein Mann wurde Streikbrecher. Achtung, Schuhmacher! Die Firma Haase u. Ruß kündigte am 21. Mai drei Mitgliederndes Vereins deutscher Schuhmacher— an- geblich wegen schlechten Geschäftsganges. Die Ardeiter beschlossen hierauf den Fabrikanten zu ersuchen, er möge die Arbeitszeit so ver- kürzen, daß die Gekündigten weiter arbeiten können. Die Antwort des Fabrikanten war die Maßregelung der gesamten Ortsverwaltung. Sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen erklärten sich solidarisch und reichten am 28. Mai die Kündianng ein. Aus dem Gebühren des Herrn Ruß ist zu schließen, daß ihn nicht der schlechte Geschäftsgang zu den Kündigungen nötigte, sondern ihm einzig darum zu thun ist, die Organisation zu zerstören und die Arbeitslöhne herabzudriicken. Wir richten deshalb an alle Kollegen die Bitte, den Zuzug nach Rowawes streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Rowawes. Streik der Schmiedegehilfen Leipzigs. Die in der Hufbeschlag- und Wagenbranche thätigen Schmiede Leipzigs sind am Sonnabend in den Streik eingetreten, nachdem in einer Versammlung 114 von 128 abgegebenen Stimmen sich für den Ausstand entschieden hatten. Die seit einer Reihe von Jahren wiederholt gestellten, aber von der Innung ignorierten Forderungen lauten: 1. Die Arbeitszeit beträgt täglich I'.st Stunden. 2. Der Mindestlohn beträgt: Für Ausgelernte bis ein Jahr nach vollendeter Lehrzeit 35 Pf., für alle übrigen Ge- sellen beträgt der Mindestlohn 40 Pf. pro Stunde. Wer schon mit 40 Pf. und höher entlohnt wird, erhält 10 Proz. Lohnzuschlag. 3. Ueberstunden dürfen nur im äußersten Notfalle gemacht werden und sind mit 30 Proz. Lohnzuschlag zu entschädigen. 4. Die Lohn- zahlung nmß Sonnabend abends 6 Uhr beendet fein. 5. An- erkennung des Gesellen-Arbeitsnachweises. Die Seeleute Stettins sind in einen allgemeinen Streik eingetreten. Sie verlange» eine Erhöhung der Monatsheuer von 2 M. und eine präzisere Regelung des allgemeinen Arbeitsverhält- nisses, sowie daß ihnen morgens vor Beginn der Arbeit warmer Kaffee verabfolgt wird. Weiter verlangen sie eine gemeinsame Ver- waltungs- oder Kontrollkommission für das Heuerbureau des Vereins Stettiner Reeder. Sie hatten ihre Wünsche in Form eines Tarif- entwurfes den Reedern unterbreitet und wiederholt mündliche Unter- Handlungen beantragt, die aber brüsk vom Reedertum abgelehnt wurden. Susl»nck. Die ausgesperrten Wiener Bauarbeiter beschloffen Montagabend, so lange an ihrem Vorgehen festzuhalten, bis die Forderungen voll- ständig bewilligt seien, ferner, daß alle jungen Bauarbeiter sofort Wien verlassen sollten. Vorgestem abend verließen denn auch 4750 Bauarbeiter die Stadt Wien. Auch gestern reisten viele ab. Wien, 31. Mai. sB. H.) Die nachmittags abgehaltene Massen- Versammlung der Bauarbeiter nahm einen ruhigen Verlauf. Die Arbeiter beschlossen, nicht früher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis die Meister einen Minimallohn von vier Kronen bewilligen. Bauarbeitcrstreik in Salzburg. Alls Salzburg wird gemeldet, die dortigen Bauarbeiter hätten bei mehreren Unternehmern behufs Erzielung höherer Löhne die Arbeit eingestellt und beschlossen, auch in allen übrigen Betrieben einen teilweisen Ausstand bis zur voll- ständigen Erlangung ihrer Forderungen durchzuführen. Versammlungen. Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter. Eine am Sonn- tag abgehaltene Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin be- schloß, dem Vcrbandstnge folgende Anträge einzureichen: Das Ver- bandsorgan,„Der Proletarier", tvelches jetzt alle 14 Tage erscheint und vom Verbandsvorsitzenden redigiert wird, soll allwöchentlich erscheinen und ein besonderer Redakteur angestellt werden.— Der Vorsitzende des 8. Gaues(Provinz Brandenburg) soll besoldet werden.— Die Streikunterstützung, die jetzt vom 3. Tage des Streiks an gezahlt wird, soll vom ersten Tage an bewilligt werden.— Die Markenfelder im Mitgliedsbuche sollen fortlaufend numeriert werden.— Zur Arbeitslosen-Unterstützung, die auf der Tagesordnung des Ver- bandstaaeS steht, wurde zwar kein Antrag angenommen, aber dem zu tvählenden Delegierte» empfohlen, dafür einzutreten, daß die Unterstützungssätze nicht niedriger bemessen werden, wie die Sätze, welche die Zahlstelle Berlin ihren arbeitslosen Mitgliedern gewährt. — Ein von einein Mitgliede gestellter Antrag: Die für die Verbands- benmten ans der Verbandskasse gezahlten Beiträge zur Unterstützungs- Vereinigung zu streichen, wurde abgelehnt.— Als Delegierter zuin Verbandstage wurde Bruhns und als dessen Ersatzmann Funk ge- wählt.— Ferner beschloß die Versammlung, das Mitglied Fritz Quer wegen Streikbruchs aus dem Verbände auszuschließen. Eine seitens des Centralverbaudcs der Handels-, Transport- und BerkehrSarbeitcr einberufene Versammlung der Hilfsarbeiter von der Allge in einen Elektricitäts-Ges ellschaft tagte ant Sonntag, den 29. Mai im Kolberger Salon. A. Werner referierte über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse derselben mit be- sonderer Bcrücksichtigimg der Mißstände in der Filiale Schlegelstraße. Demnach waren die Löhne bis vor kurzem nicht geregelt. In den verschiedenen Abteilungen der Filialen Brunnen- und Ackerstraße betrugen die Anfangslöhne 25, 26, 27 und 30 Pf. die Stunde. Dieser Lohn erhöhte sich nach und nach so, daß nach 5jähriger Thätigkeit 35 bis 3T/2 Pf. erreicht wurden. Die Erhöhung des Lohnes wurde nicht allgemein durchgeführt, sondern hing für die einzelnen vielfach von der Gunst des Meisters ab. Diese Löhne, welche nicht zur Erhaltung eines Ledigen, viel weniger »och für eine Familie ausreichten, mußten durch Leistung von Ueberstunden erhöht werden. Erst in neuerer Zeit, nachdem sich die Hilfsarbeiter organisiert haben, ist durch das Vorgehen der Orga- nisation eine Regelung des Lohnes auf folgender Basis herbeigeführt worden. DerAnsangslohn beträgt 32>/2Pf., nach halbjähriger Thätigkeit 35 Pf. und nach 2 Jahren 40 Pf. pro Stunde. Für Abteilungs- führer 45 und 47 ist Pf. pro Stunde. Dies bedeutet eine Lohn- anfbefferung bis zu 20 Proz. Die Arbeitszeit soll 10 Stunden be- tragen und die Leistung der Ueberstunden nach Möglichkeit vermieden werden. Am tranrigsten jedoch seien die Verhältnisse in der Filiale Schlegelstraße. Dort erhalten die Hilfsarbeiter 25 bis 30 Pf. pro Stunde. Dieser Lohn wird auch für Nachtarbeit bezahlt. Das Ueberstundenmachen ist dort an der Tagesordnung. Besonders wird Klage darüber geführt, daß die Matier- und Abbrennräume zu niedrig und vollständig ungenügend ventiliert sind, so daß die Gesundheit der in diesen Räumen beschäftigten Personen durch das Einatmen der giftigen Dämpfe zu leiden hat. Auch sei der Verkehr einzelner Meister mit den Arbeiterinnen in sittlicher Beziehung zu verurteilen. Es habe vor einiger Zeit eine Betriebsbesprechung stattgefunden und seien kurz darauf drei Arbeiter, welche den Mut hatten, diese Mißstände dort zur Sprache zu bringen und dafür eintraten, daß zwecks Abhilfe der Mißstände eine Kommission bei dem Betriebsleiter Herrn Dr. Berliner vorstellig werde, entlassen Ivorden. Eine Kommission, welche nun bei Herrn Dr. Berliner um Wiedereinstellung der so Entlassenen vorstellig wurde, ist von diesem Herrn barsch zurückgewiesen worden. Schließlich billigte Herr Dr. Berliner zu, daß ein Kollege mit ihm verhandeln möge. Dies hatte weiter keinen Erfolg, als daß dieser Kollege dann ebenfalls sowie der Vertrauensmann gemäß- regelt wurden. Die bestehenden Mißstände als auch das rigorose Vorgehen des Herrn Dr. Berliner seien nur auf die schlechte Organi- sation der Arbeiter und Arbeiterinnen zurückzuführeu. Besser werde es erst werden, wenn alle in dieser Filiale beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Ausnahme ihren Berufsorganisationen bei- getreten sind. Nach einer regen Diskussion fand folgende Resolution einstimmige Annahme: Die Versammelten nehmen mit Bedauern Kenntnis von den vorhandenen Mißständen in der Filiale Schlegelstraße und sprechen ihre Entrüstung darüber aus, daß fünf Arbeiter, welche den Mut hatte», diese zwecks Abstellung zur Sprache zu bringen, gemaßregelt wurden. Das Verhalten des Herrn Dr. Berliner der Kommission gegenüber verurteilen die Versammelten aufs allerentschiedenste und sprechen das Verlangen ans, daß dieser Herr in Zukunft, genau so wie das in den andren Filialen geschieht, Beschwerden seitens etwa gewählter Koinmissionen entgegen zu nehmen und zu erledigen hat. Die Kistenmacher hielten am Montag in den Andreassälen eine außerordentliche Generalversammlung ab, nm eine Statutenänderung vorzunehmen. Bekanntlich befassen sich die als Lokalvercin organi- sterten Kistenmacher schon seit längerer Zeit mit der Frage des Ucbertritts in den Holzarbeiier-Verband. Die Mehrheit der Vereins- Mitglieder ist zwar für den Uebertritt. Da aber das jetzige Vereinsstatut vorschreibt, daß eine Auflösung des Vereins nur mit einer Vierfünftel- Majorität beschlossen werden kann, diese 'edoch bisher nicht zu erreichen war, so war sich eine frühere Ver- ammlung darüber schlüssig geworden, den fraglichen Passus des Statuts vor der demnächst stattfindenden Urabstimmung entsprechend abzuändern. Nach längerer Debatte, in der die Verschmelzung des Vereins mit dem Holzarbeiter-Verbande auch diesmal wiederholt befürwortet wurde, erhielt der§ 16 des Statuts folgende Fassung: „Der Verein kann aufgelöst werden, sobald die Mitglieder in einer Urabstimmung mit Zweidrittel« Majorität solches beschließen." Die Zweidrittel-Majorität wurde deswegen der einfachen Majorität gegenüber als notwendig erachtet, nm so der etwaigen Neugründung eines neuen Lokalvereins und damit einer Zersplitterung der Kisten- macher vorzubeugen. Die frühere Vierfünftel-Majorität wurde dagegen allgemein als undemokratisch bezeichnet, weil bei einer Beschluß- 'assung nach diesem Modus eine zu große Mehrheit dem Willen einer geringen Minderheit unterworfen war. Nachdem die Statuten- änderüng somit perfekt geworden ist, soll die Urabstimmung über die Verschmelzung mit dem Holzarbeiter-Verband in der Zeit vom 1. bis 15. Juli vorgenommen werden. Zur Verstärkung der Agitationskommission, die gleichzeitig die Funktionen einer Lohnkommission auszuüben hat, wurden alsdann Wolter und Handtuch gewählt; auch wurde einem in Not ge- ratenen Mitgliede eine Unterstützung von 50 M. bewilligt. Letzte JNfacbncbten und Depefeben. Essen a. Ruhr, 31. Mai.(B. H.) In Wanne wurde eine ocialdemokratische Versammlung aufgelöst, weil der Referent Kretschmar in seinem Vortrag über das Reichstags-Wahlrecht die angebliche Aeußerung des Kaisers citierte: Was? den Kerls auch noch Diäten? Trier, 3t. Mai.(W. T. B.) In dem vor dem hiesigen Land- gerichl unter dem Vorsitze des Präsidenten Hilgers verhandelten Zrozesse des Grafen Hoensbroech gegen den Kaplan Dasbach, welcher letztere eine Belohnung von 2000 Gulden ausgesetzt hatte für den Nachweis, daß die Jesuiten den Grundsatz lehren, der Zweck heilige die Mittel, beschloß der Gerichtshof, die UrteilSsällung auf acht Tage zu verschieben. Fraukfurt a. M., 3t. Mai./z Uhr abends begann japanstche Infanterie von Kuandiansian aus einen Front- und Flankenangriff auf unfre Kosaken, welche eine Stellung bei Schaogo 15 Werst nordwestlich von Kuandiansian besetzt hatten. Unter dem Schutze der Dunkelheit eröffneten bie Japaner ein anhaltendes, unregelmäßiges Feuer. Vom Beginn des Gefechtes ab bemerkte man elektrische Signalzeichen. Die Kosaken zogen sich zu Fuß bis zum Tschaulinpaß. 2 Werst ivestlich von Schaogo und später nach Ainiamin 16 Werft westlich vom Tschaulinpaß zurück. Das Gewehrfeuer nahm am 28. Mai früh ztvei Uhr sein Ende. Em Ende des Tschanlinpasses hörten die Japaner mit der Verfolgung auf. Am Morgen des 28. Mai erschienen die ersten Kolonnen der japanischen Llbteilung bei Ainiamin; sie gingen später auf die Höhen im Westen von Ainiamin zurück. Um 10 Uhr vormittags stellten sich die Japaner in Schlachtordnung auf, zivei Bataillone mit einein dritten in Reserve; uin 11 Uhr vormittags traf eine Batterie auf der Stellung ein und eröffnete eiir Schrapnellfeuer. Während des Marsches durch das Flußthal litt die japanische Infanterie, die in dichte» Massen vorrückte, sehr unter dem Feuer der Kosaken. Um 11 Uhr 20 Minuten gingen die Kosaken, die beinerkt hatten, daß die Japaner ihren rechten lügel auf der Seite von Tajangkou umgingen. in guter rdnung nach Saimantsi zurück. Das Feuer der Nachhut örte um zwei Uhr nachmittags auf. Der Verlust der Rußen ettug zwei Offiziere und sieben Kosaken. Am 30. Mai rückten die Japaner in der Richtung auf Saimantsi vor, und wurden dabei von Kosaken überwacht. Zur Zeit des Wganges des Telegramms waren die Japaner noch nicht eingetroffen. Am 29. Mai war die Stadt Sajan noch nicht von den Japanern besetzt. Auf dem Ufer bei Niutschwang, Kaitschou undHsiun-jüe-tschöng herrschtRuhe. Am 30. Mai gegen Mittag begann unfre Kavallerie bei der Eisenbahnstation Wanfankou ein Gewehrfeuer mit einer japanischen Abteilung, welche in einer Stärke von 3 Coinpagnien, 8 Eskadrons und 4 Mittailleuscn vorrückte. Während des Gefechtes machten unfre berittene Sotnien einen glänzenden Angriff auf eine japanische Eskadron auf der linken Flanke der feindlichen Schlachtordnung und sprengten die- selbe fast vollständig auseinander. Dann stürzten sie sich auf die Infanterie, mußten aber unter den, Feuer der Mitrailleusen zurück- gehen. Dem Marsch der japanischen Infanterie, welche unsre rechte Flanke umgehen wollte, wurde durch das Feuer unsrer Batterie Ein- halt gethaii, welches dem Feinde beträchtliche Verluste beibrachte. Unsre Verluste find noch nicht festgestellt; nach den bisherigen Er- Mittelungen sind ein Offizier und 21 Mann verwundet und 25 Pferde verloren. Tschifu, 31. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Ein heute abend hier angekommener Chinese berichtete, die Japaner hätten Dalny am 29. Mai, ohne auf Widerstand zu stoßen, besetzt. Tokio, 31. Mai.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Russen haben eines ihrer Kanonenboote, das sie während des Kampfes um Nanschan von Talienwan aus gegen die linke Flanke der Japaner benutzten, zerstört. Der Name des Schiffes ist unbekannt, man nimmt an. daß es der Bobr gewesen sein dürfte. Tschifu, 31. Mai.(W. T. 23.) Heute sind fünfhundert chinesische Flüchtlinge von Dalny und Talienwan hier eingetroffen. Es scheint, daß die Russen Talienwan am 26. Mai verlassen und sich nach Port Arthur begeben haben, nachdem sie zuvor jeden für die Japaner verwendbaren Gegenstand durch Feuer vernichtet hatten. Darauf sollen Räuber von der Stadt Besitz genommen haben. Nach den Berichten derselben Flüchtlinge haben die Russen Dalny ebenfalls am 26. Mai geräumt, zuvor aber die Eisenbahngebäude, 3 Handelsschiffe, Baggerfahrzeuge und kleine Hafendampfer zerstört. Nach einigen Angaben sollen die Russen das Kanonenboot„Bobr" und drei Torpedoboote zerstört haben, andre besagen, daß diese Schiffe nach Port Arthur zurückgekehrt und auch die Docks und Molen in Dalny nicht zerstört sind. ES wird ge- meldet, daß die Räuber von den Bewohnern Tributzahlungen verlangen. Am 28. Mai habe die Stadt noch gebrannt. Eine Dschunke sei durch die Briganten versenkt worden und dabei fünfzig Chinesen umgekonimen. Tokio, 3t. Mai.(W. T. 29.) General Oku meldet, daß eine japanische Abteilung Dalny am 30. d. M. besetzt hat. Ueber hundert Geschäftshäuser, wie die Kasernen, wie auch das Telegraphenamt und der Bahnhof wurden unbeschädigt angetroffen. Ueber 200 Eisen- bahnwagen sind noch verwendbar, hingegen sind alle Eisenbahnbrücken in der Nachbarschaft zerstört. Die Docks und Molen sind alle un- beschädigt, bis auf den großen Pier, der versenkt worden ist. Auch sind am Ausgange des Docks kleine Danipfboote versenkt worden. Rio de Janeiro, 3t. Mai.(Meldung der„Agence HavaS".) Die Utttwort Perus auf die Rote Rio Brancos vom 16. d. Mts. ist gestern nacht in Petropolis eingegangen. Sie protestiert gegen das Verbot des Transitverkehrs in Waffen über den Amazonenstrom. Gerüchtweise verlautet, die Antwort bezeichne das Vorgehen der brasilianischen Regierung als im Widerspruch stehend mit dem öffentlichen Recht. Permitw. Redakteur: Panl Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer L:Co.,BerlinLlV. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsblatt Nr. 126. 21. Jahrgang. t ßeilajt des Jirmitts" Scrlim WsM Mittwoch, t. Jim 1904. Eine Tragödie der Armut. Ausgiebigen Stoff zu einem Drama bot eine Verhandluilg, welche gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Aus der Untersuchungshaft wurde der 23 jährige Handlunas- gehilfe Karl Markgraf vorgeführt, ein junger Mensch, dessen Aeußeres schweres seelisches und körperliches Leiden verriet. Er war beschuldigt, seine Braut, die 19 jährige unverehelichte Margarete Mittelstädt auf ihren ausdrücklichen Wunsch getötet zuhaben. ES war eine sehr trübe Geschichte, die der Angeklagte über seinen bisherigen Lebenswandel offenbarte. Er ist der Sohn eines unbemittelten Lehrers aus Königsberg i. Pr. Für den Kauf- inannsstand bestimmt, wurde er in seinem Heimatsorte in die Lehre gebracht. Nach beendeter Lehrzeit erhielt er Stellung in Leipzig die aber nicht von langer Dauer war. Er wurde seiner Angabe nach entlasten, weil er Schulden gemacht hatte. Der An- geklagte wandte sich nach Berlin. Aber auch hier wollte es ihm nicht gelingen, Stellung zu erhalten, er mußte sich schließlich freuen, vorübergehend eine Stellung als Zuträger in einem Aschingerschen Ausschank zu finden. Während der Weihnachtszeit verdiente er einen geringen Lohn als Paketträger bei der Post. Im Frühjahr 1902 wurde der Angeklagte von längerer Krankheit befallen, er mußte bis Mitte Mai im Augusta-Hospital zubringen. Bald nach seiner Eni- lassung lernte er Margarete Mittelstädt, die Tochter eines Gold- arbeiters in der Wörtherstraße, kennen. Das junge Mädchen, welches bei den Eltern wohnte, arbeitete in einem Putzgeschäft, wo es monatlich 30 bis 40 M. verdiente. Es entstand zwischen den jungen Leuten ein Liebesverhältnis, welches von beiden Seiten ernst gen, eint war, obgleich der Angeklagte kein Hehl daraus machte, daß seine Verhältnisse vorläufig den Gedanken an eine Heirat kaum aufkommen ließen. Das junge Mädchen unterstützte ihren Bräutigam nach Kräfte», wenn er in Not war, und das war fast immer der Fall. Im Herbst vorigen Jahres offenbarte sie ihren Eltern das Verhältnis und führte ihren Bräutigam bei ihnen ein. Der Ange- klagte fand freundliche Aufnahme und man hatte gegen das Ver- hältnis nichts einzuwende», obgleich ihnen vorgehalten wurde, daß sie schwer zu kämpfen haben würden. Von jetzt ab wurde der Verkehr zwischen den Liebesleuten ein vertrauterer und im Februar dieses Jahres mußte die Mittelstädt ihrem Bräutigam mitteilen, daß sie in aiidrenUmständen sci. Bald darauf vertraute sie sich auch ihren Eltern au. Die Mutter jammerte, der Vater tobte, und zumal, wenn er unter dem Einflüsse des reichlich genossenen Alkohols stand, hatte das Mädchen viel zu leiden. Einmal rief er ihr zu:„Mach', daß Du zum Hause hinauskommst!" und zum Bräutigam gewendet, setzte er hinzu: „Auch Sie können gehen und sie gleich mitnehmen! Derartige Auftritte Iviederholten sich häufig. Die Braut hatte häufig Anfälle von Schwermut, und wiederholt redete sie auf den Angeklagten ein, daß sie zusammen in den Tod gehen wollten. Wie dieser behauptet, habe er ihr stets geantwortet:„Nein, das ist zu dumm." Seit den, 1. Febniar hatte der Angeklagte Stellung bei dem Buchhändler Dochow am Kurfürstendam», gefunden, konnte dort aber nur 7 M. wöchentlich verdienen. Am 21. Februar begann die Braut wieder auf einem Spaziergange den Angeklagten zu bestürmen, mit ihm zusammen in den Tod zu gehen. Schließlich gab er mit den Worten:„Na, meinet- wegen" seine Zustimmung. Es wurde ein Plan verabredet, der auch zur Ausführung gelangte. Als der Angeklagte an. Morgen des folgenden Tages seine in der Weißenburgerstraße belegene Wohnung jverließ, erwartete ihn seine Braut vor der Thür. Zur Ausftihruna ihres Vorhabens mußten sie sich zunächst etlvas Geld verschaffen. Fräulein Mittelstädt ging zunächst zu ihrer Arbeitgeberin und ließ sich 6 M. Vorschuß geben. Der Angeklagte war nur im Befitze von 10 Pf. Dann fuhren beide mit der Bahn nach Rummelsburg, wo der Angeklagte Hefte und Journale abliefern und zugleich etwas Geld einziehen wollte. Er bekam dort 7 M. Dann über- gab er die Mappe mit den übrigen Heften bei einem Schank- Wirt in Verwahrung und traf wieder mit seiner Braut zu- summen. Sie erfrischte» sich durch Speise und Trank und besprachen dabei, auf welche Weise sie gemeinsam in den Tod gehen wollten. Beim Anblick des RummclSburger Sees schlug die Braut Ertränken vor, hiermit war der Angeklagte aber nicht einverstanden. Endlich kamen sie überein, mit der Hochbahn nach Berlin zurückzufahren, um sich eine Schußwaffe zu besorgen. In der Prinzenstraße kaufte der Angeklagte bei einem Trödler einen alten Revolver für den Preis von 4 M. Dann kaufte er in einem Waffengeschäst dazu gehörige Patronen und nun gingen sie beide nach dem Görlitzer Bahnhofe. um in dortiger Gegend ein geeignetes Hotel auszusuchen. Nach längerem Suchen entschieden sie sich für den Gasthof zur Stadt Franksiirt in der Breslanerstraße. Sie genossen hier ein einfaches Abendbrot und ließen sich dann ein Zimmer anweisen, wofür sie 3 Mark zahlten. Ihre gemeinsame Kasse war hiermit ziemlich erschöpft. Jus Fremdenbuch trug der Angeklagte sich als Kaufmann Markgraf aus Königsberg i. Pr. ein. Gegen 10 Uhr legte das Paar sich schlafen, nachdem sie vorher einige Abschiedsbriefe geschrieben. Als sie am andern Morgen erwachten, sollte der letzte verhängnisvolle Schritt gethan werden. Die Braut sagte zu den, Angeklagten:„Jetzt will ich sterben, schieße auf mich!" Dabei drückte sie ihm den Revolver, der schon abends vorher ge- laden worden war. in die Hand. Der Angeklagte will sie kniend gebeten haben, doch von dem Vorhaben Abstand zu nehmen, aber sie sei fest geblieben. Dann habe sie ihre Unterkleider anfS Bett, sich selbst darauf gelegt, ihren Körper der Wand zugedreht und gerufen: So, nun schieße mich in die linke Schläfe!" Erhöbe die Waffe direkt gegen ihren Kopf gehalten und dann abgedrückt. Seine Braut habe keinen Laut von sich gegeben. Er habe dann noch einen zweiten Schuß gegen ihre Brust abgegeben. Dann habe er sich auf das nahe stehende Sofa gesetzt und sich eine Kugel in die Brust gejagt. Er sei sofort besinnungslos geworden und erst im Krankenhaufe wieder zu sich gekommen. Leider sei die Verletzung nicht tödlich gewesen.— Als die Polizei in das verschlossene Zimmer drang, fand sie den Angeklagten auf dem Boden liegend, ein Kopf- listen gegen die blutende Wunde drückend. Hiervon will dem An- geklagten nichts niehr erinnerlich sein.— Um daS Maß des Un« glücks für die Mittelstädtfche Familie voll zu machen, nahm deren Oberhaupt sich am 2. Mai das Leben. Der Staatsanwalt glaubte in diesem Falle Moral predigen zu müsten; er nannte den ganzen traurigen Vorgang, der der Anklage zu Grunde lag, eine Tragödie desLeichtsinns. Der Leicht- sinn des Angeklagten, ohne eigne Existenzmittel das Schicksal eines jungen Mädchen? an sein eignes zu ketten und ihr gegenüber nicht die gebotenen Schranken zu respettieren, war der Ausgangspunkt zu den, Unglück, das beide betroffen. Sie hatten beide keine Ausficht, eine Ehe zu begründen, durch ihren Leichtfinn Rencontre hat DienStagmorgen zwischen Schutzleuten und vier j Reserve-Ossiziere» aus Berlin, die sich zur Zeit in Hannover auf- 1 hielten, zugetragen. Die Herren Baron v, Bodenhausen. v, Becher, Bergwerksdirektor Heye und ein Herr R h e i n g e l d, ein Offizier außer Dienst, kamen gegen 3 Uhr morgens in sehr angeregter Stimmung aus einen, Weinrestaurant auf die Straße. Die Unterhaltung war etwas allzu laut und ein Schutzmann gebot den Herren Ruhe, Das gefiel der Gesellschaft nicht. Es kam zu Thätlichkeiten gegen den Beamten, in deren Verlauf dieser den Säbel zog und dem Baron v, Bodenhausen einen Hieb über den Kopf versetzte. Die Prügelei wurde erst durch das Einschreiten mehrerer andrer Beamten beendet, Baron v. Boden- hausen wurde in eine Klinik geschafft. Hier wurde bei ihm ein kon, plicierter Schädelbruch und eine schwere Arm- Verletzung festgestellt. Die Begleiter des Barons mußten zur Polizeiwache wandern, wo die Feststellung ihrer Namen er- folgte, Sie sind inzwischen von ihrem Abenteuer nach Berlin zurück- gekehrt. Dieser Vorgang ruft die Erinnerung an eine ähnliche Affaire wach, die sich vor einer Reihe von Jahren ebenfalls in Hannover zugettagen hat. Etliche Offiziere hatten in einen, Konflikt mit Civilisten zum Säbel gegriffen und dadurch das Publikum gereizt. Die vier Nachtwächter, welche dann die Offiziere festnahmen, mußten zu ihrem Erstaunen eine Anklage über sich ergehen lassen und wurden am 10, Dezember 1891 zu Gefängnisstrafen von sechs Wochen bis zehn Monaten verurteilt, Ferien für Arbeiter. Der zuerst wohl von socialdemokrattschen Druckereien eingeführte Brauch, allen im Betriebe beschäftigten An- gestellten und Arbeitern unter Fortzahlung des Lohnes Sommer« f e r i e n zu gewähren, findet in bürgerlichen Geschäften nur wenig Nachahmung. Neuerdings ist die V e r e i n s b r a u e r e i in Rix» d o r f dem guten Beispiele gefolgt, indem sie den drei Jahre bei ihr thätigen Brauern und Hilfsarbeitern für diesen Sommer einen drei- tägigen Urlaub gewährt und ihnen für diese drei Tage sogar den Lohn für sechs Tage mit der nicht von der Hand zu weisenden Be- gründung auszahlt, daß der Arbeiter an freien Tagen mehr Geld gebrauche als an den Tagen, wo er an den Betrieb gefesselt ist. Tödlich verunglückt ist Dienstag gegen Mittag beim Anbringen eines Hängegerüstes an der Vorderftont des Hauses Erkstr. 12 zu Rixdorf der Dachdecker Franz B e n d r i ch. Er stand auf dem Dache genannten Hauses, verlor das Gleichgewicht und stürzte auf die Straße hinab, im Fallen mit dem Kopf auf ein Balkongitter und dann auf das Bürgersteigpflaster aufschlagend. Der Schädel des Unglück- lichen war derart zertrümmert, daß das Gehirn herausquoll. Der Tod trat bereits nach wenigen Mnuten ein. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach der Leichenhalle geschafft, B, ist Familien- vater, Unternehmer des Gerüstbaues ist der Dachdeckcrmeister Schade Hierselbst, Irgend welche Sicherheitsvorkehrungen waren nicht ge- troffen. Wegen des Totschlages au dem Italiener Eurico Baldi wurden die Gebrüder Gustav und Johann Trczinski— so schreiben sie sich— aus Reinickendorf gestern dem Untersuchungsrichter zugeführt. Nach ihrer Darstellung vor der hiesigen Kriminalpolizei hing der ver» hängnisvolle Streit mit einer Schlägerei zusammen, die vor vier- zehn Tagen in einen, Tanzlokal in der Waldstraße zu Reinickendorf zwischen Italienern und Polen stattfand. Dort erschien Baldi am Sonntag mit der Frau seines früheren Schlafwirtes, Der neue Streit entstand nun daraus, daß die Brüder Trczinski Bemerkungen über die Italiener machten, die vor vierzehn Tagen von den Polen Prügel bekommen hatten. Als später Baldi an de», Hause Wald» straße 66, in dem der ältere Trczinski wohnt, vorbei kam, rief ihm dieser zu, er solle machen, daß er wegkomme. Die Antwort, die der Italiener darauf vor sich hin brummte, verstanden die Polen nicht. Der ältere Trczinski hörte aber etwas knacken und glaubte, daß Baldi sein Messer zurecht mache. Daher ließ er sich von seiner Frau einen Säbel geben, den er als ftüherer Gemeindediener von Tegel noch besaß. Als er mit diesen, zurückkam, hatte sein jüngerer Bruder Baldi schon am Boden liegen und kniete auf ihm. Der jüngere Trczinski will gar nicht gestochen haben. Dem widerspricht aber, daß sein Messer und seine Kleidungsstücke mit Blut befleckt und bespritzt waren. Mit Zaunlatten schlugen die Polen solange auf den Italiener ein, bis sie in Stücke gingen. Der ältere Trczinski ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. Am Sonnabend berichteten wir nach einer Lokalkorrespondenz von einer Schwindlerin Namens Gottschalk aus der Steinstraße, die Mitglieder für eine Kraukenkasse werbe und die ergatterten Einttitts- gelber für sich behalte. Die Kassiererin der Offenbacher Frauenkasse, Frau G o t t s ch a l k, Putbuserstr. 38, ersucht uns, bekannt zu geben. daß sie mit dieser Person keine Gemeinschaft habe und nicht mit ihr verwechselt werden möchte. Es scheint nach allem, daß die am Sonnabend erwähnte Schwindlerin mit dem ehrlichen Namen der Frau Gottschalk einen empörenden Mißbrauch treibt. Straßensperniiig. Die Stralsunderstraße von Brunnen- bis Ruppinerstraße wird behufs Asphaltierung vom 6. d. M, ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Biilowstraße (nördlicher Dann,,) von Potsdamer bis Frobenstraße behufs Asphal» tierung vom 2. d. M. ab. „Saisonarbeiter". Mit dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit erscheinen auch die„Fledderer" wieder. Gestern allein wurden vier festgenommen. Der 18 Jahre alte Arbcitsbursche Franz Alwin und der 21jährige Arbeiter Joseph Halski wurden auf dem Forckenbeck- platz und in der Culmftraße von Kriminalbeamten erwischt, als sie eben Leuten, die betrunken in einer Thürnische eingeschlafen waren, Uhr und Portemonnaie weggenommen hatten. Ein 27 Jahre alter Arbeiter Jevrin wurde von dem Gefledderten selbst, der gerade noch zur rechten Zeit erwachte, auf dem Arkonaplatz unschädlich gemacht, ebenso der Arbeiter Gustav Spiecker, der einen an der Heiligen Kreuzkirche eingeschlafcnen Arbeiter um die Geldbörse erleichtert hatte. Die Kriminalpolizei erhält zahllose Anzeigen über Flcddereien, aber die Thäter nachträglich zu ermitteln ist sehr schwer. Bei einem Einbruchsversuche abgefaßt wurde ein Schweizer Arthur Kalvites, der in der Köpnickerstraßc eine Klingelfahrt machte. Eine Frau Schmidt aus de», Hause Nr. 30. die ihn bei einem Nachbarn klingeln hörte und wußte, daß die Leute nicht zu Hause waren, beobachtete heimlich sein Treiben, Als sie sah, daß er nnt einen, Dietrich zu öffnen versuchte, verständigte sie Hausgenossen und ging dann auf den Flur hinaus. Jetzt ergriff der Einbrecher die Flucht, lief aber den herbeigerufenen Leuten in die Arme und wurde von ihnen der Polizei übergeben. Der Ertappte nannte sich Arbeiter Karl Koch, wurde aber durch den Erkennungsdienst bald festgestellt als Kalvites. der wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle gesucht wurde und sich noch im Besitze von gestohlenen Sachen befand. Ein entsetzliches Brandunglück hat sich gestern nachmittag in Tegel ereignet. Die im Hause Berlinerstr, 94 wohnende Frau Gvtzmann goß auf einen brennenden Spirituskocher Spiritus, Die Flasche explodierte und die herausschlagenden Flammen erfaßten die Kleider der Frau, welche lichterloh brennend die Treppe hinunterlief. Auf ihr Hilfegeschrei eilten Leute hinzu, welche die Flammen er- stickten. Dennoch hat die Unglückliche furchtbare Brandwunden am ganzen Körper davongetragen, so daß sie schwerttank daniederliegt. I» seinem Bett erschoß sich der 41 Jahre alte Mathematiker Herbert R u d o I f i, der von seiner Frau getrennt in der Hannoverschenstraße wohnte. Der Mann stammt ans Petersburg und kam vor sieben Jahren, als er sich von seiner in Eisenach lebenden Frau trennte, nach Berlin. Hier schrieb er für Zeitschriften mathematische Aufsätze, In Bremen besaß er ein großes Grundstück. Am Sonntagnachmittag kam Frau Rudolfi von Eiscnach hierher, um ihren neunjährigen Sohn zu einer Operation nach der königlichen Klinik zu bringen. Bei dieser Gelegenheit besuchte sie auch ihren Mann, den sie seit sieben Jahren nicht gesehen hatte. Er war zu- nächst aufgeregt, beruhigte sich aber bald und aß n,it ihr aus seinem Limmer zu Abend, Nach einer Stunde ging die Frau wieder weg Und suchte ihr Zimmer auf, das sie in der Luisenstt. 46 gemietet hat, um in der Nähe ihres kranken Sohnes zu sein. Am Montag» vormittag um 10 llhr wollte die Wirtin Rudolfi Kaffee bringen, fand ihn aber entseelt in seinen, Bette liegen. Er hatte sich durch einen Revolverschuß ins Herz getötet. Eine Aufzeichnung über den Beweggrund hat er nicht hinterlassen. Die Leiche wurde beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Zu dem Borgange im Lokale des Gastwirts Polsfutz erklärt uns dieser, daß der gestrige Bericht insoweit irrtümlich sei, als er den betrunkenen Gast nur zur Thür hinausgedrängt habe, die Stufen sei der Mann durch sein eignes Verschulden hinabgefallen. Der Sternenhimmel im Juni. Höher und höher steigt im Inn die Sonne, unsrer nördlichen Halbkugel Wänne und Licht bringend Am 21. Juni hat sie den höchsten Stand erreicht, in Berlin 61 Grad über dem Horizont; von diesem Tage an, dem Wende- und Still- standspunkte der Sonne, Solstitium, zählen wir den Sonnner. Die Tagesdauer an diesem längsten Tage beträgt 16>/z Stunden, genauer 16 Stunden 33 Minuten, von 3 Uhr 55 Minuten morgens bis 8 Uhr 28 Minuten abends ist die Sonne über dem Horizont. Am Abendhimmel glänzen sieben helle Sterne erster Größe; um 16 Uhr abends ist fast genau im Süden, etwa 60 Grad hoch, der rötliche Arcturus sichtbar, südwestlich von ihm S p i c a, und südöstlich hat sich der feuerrote Antares, der hellste Stern des Skorpion, über den Horizont erhoben. Am Osthimmel steht die Wega etwa 50 Grad hoch, und be- deutend tiefer Atair, der hellste Stern des Adler. Am Westhinunel glänzt R e g u l u s, und tief im Norden Capella. Zur Orientierung geht man vom großen Bären oder Wagen aus, dessen hellste Sterne, Sterne zweiter Größe, ein wenig nord- westlich stehen, die Deichsel weist nach Südosten, der vorderste Deichselstern steht fast im Zenith. Die Verbindungslinie der Hinter- räder führt verlängert zu dem Polarstern. Derselbe ist dritter Größe—, und die Fortsetzung dieser Linie nach Südosten geht nahe am Regulus vorbei. Am Osthimmel zieht sich die Milchstraße von Süden nach Norden entlang in einem nach Westen offenen Bogen. Die Wega steht West- lich von der Milchstraße, der Atair an ihrem Ostrande. Weiter nördlich steht in der Milchstraße, direkt an ihrer Gabelung, ein Heller Stern zweiter Größe, D e n e b. der hellste Stern des Schwans; tief im Norden, zum Teil ebeufalls in der Milchstraße, ist das Sternbild Cassiopeya zu sehen, kenntlich an den 5 W-förmip angeordneten hellen Sternen zweiter und dritter Größe. Die geschilderte Stellung der Sterne ist am 15. Juni schon um 9 Uhr, am letzten um 3 Uhr abends vorhanden; doch ist es dann noch zu hell, um sie zu sehen. Planeten sind ini Juni am Abendhimmel nicht sichtbar; nur „Saturn" erscheint nach Mitternacht und bleibt bis zur Morgen- dännnerung, in der auch„Jupiter" noch für einige Zeit auftaucht. Der Mond, der jetzt in der Abnahme begriffen ist, erreicht das letzte Viertel am 6. Juni. Neumond ist am 12., erstes Viertel am 20. und Vollmond am 27. Juni. Der Berliner Zoologische Garten hat seit einiger Zeit unter den zahlreichen Wildschweinformen auch ein starkes männliches Warzen- s ch w e i n, eine hochherzige Schenkung des Herrn Oberlieutenant Dominik von der Schutztruppe in Kamerun, der schon so häufig in uneigennützigster Weise wertvolle Verteter unsrer kolonialen Fauna dem Garten zugewendet hat. Die Warzenschweine, welche nur in Afrika leben, fallen dem Beschauer sofort durch ihre groteske Häßlichkeit auf. Die pergamentartig-nackte Haut trägt nur auf der Rückenmitte einen Kamm spannenlanger, hängender Borsten, und der lange breite Kopf ist durch absonderliche Warzen geradezu verunstaltet. Die bei alten Ebern außerordentlich langen uud abstehenden Hauer erhöhen noch den unheimlichen Eindruck, den das Tier niacht, und die harten Warzen unter den Augen sind offenbar als Schutzvorrichtungen des Sehorgans bei den Kämpfen der Schweine untereinander aufzufassen. Ms den j�acbbarorten. Rummelsburg. Am Mittwochabend findet an, Ort eine Flug- Klattverbreitung statt. Treffpunkt in den bekannten Partei- lokalen. Der Vertrauensmann. Nieder-Schöneweide. Am Donnerstagabend 8>/, Uhr findet bei Spichale, Berlinerstr. 17a eine Versammlung des Wahlvereins statt. Gäste haben Zutritt. AuS der Schöneberger Stadtverordneten- Versammlung. Es handelte sich in der Sitzung am Montag wieder einmal um die sonst ziemlich gleichgültige Wahl von Beisitzern und Stellvertretern zu der am 14. Juni stattfindenden Stadtverordneten-Ersatzwahl im neunten Bezirk. Genosse Kü t er bemängelte den unrichtigen Stand- Punkt in der Festsetzung der Wahlzeit, gegen die unsrerseits schon seit Jahren, freilich stets ohne Erfolg' vorgegangen wird. Den „freisinnigen" Herren von der Mehrheit ist augenscheinlich die Ver- längerung bis 7 Uhr schon viel zu viel. An der Hand des jüngst gegebenen Beispiels zeigte unser Redner, daß der Magistrat ganz gut selbständig sein konnte, als es sich um die angeregte anderweitc Gestaltung der Wahlzeit(bis 8 Uhr nämlich) handelte— in der zweiten Abteilung! Daß es bei der be- schränkten Zeit so manchem Wähler unmöglich sei, sein Recht aus- zuüben, ohne einen Verlust an Arbeitslohn zu haben, scheint den Herren der zweiten Abteilung, die sich meist aus Personen mit festem Gehalt zusammensetzen, nicht einzuleuchten. Daß nun gar bei der Konstituierung solcher Wahlvorstände der dritten Abteilung auch ein- mal Personen aus der Arbeiterschaft hinzugezogen werden sollten, wie dies in unsren Nachbargemcinden Berlin. Charlottenburg. Rix- darf usw. schon längst als etwas Selbstverständliches gehandhabt wird � in Rixdorf finden die Gewerbegerichtswahlen sogar Sonn- tags statt—, dürfte unsrer„freisinnigen" Stadtverwaltung wohl nie zuzumuten sein. Oberbürgenncistcr Wilde hatte denn auch eine billige inhaltlose Ausrede... Hoffentlich werden unsre Parteigenossen am 14. Juni den Herren zeigen, daß es ihnen nicht darauf ankommt, einige Stünde» zur Erfüllung ihrer Pflicht zu opfern. Nach dieser Debatte, die beinahe anfing,„politisch" zn werden, wandte sich die Versammlung der Frage der Errichtung einer Feuerwache in der Spehererstraße zn, für die ein Automobil- Löschzug beschafft werden soll. Branddirektor Flötcr wurde eigens beordert, um die etivaigen Bedenken gegen eine solche Neuerung zu zerstreue». Unsrerseits gab Genosse H o f f m a n n die Zustimmung zur Einführung dieser niodenieu Fahrzeuge zu erkennen. Die Magistratsvorlagc wurde denn auch beinahe einstiinmig genehmigt. Mit der Errichtung einer Bedürftnsanstalt auf dem sogenannten Jnselviertel dürfte es vorläufig nichts werden, da das dazu geplante Gelände an der Siegfriedbrücke wegen„Erwägungen über ander- weite Gestaltung der Gcleisanlagen am Schönebcrger Bahnhof" vom Fiskus nicht verkauft wird.— In den Ausschuß über die Magistrats- Vorlage betreffend Annahme eines Angebots der Berlinischen Boden- gesellschast wurde unsrerseits Genosse'O b st gewählt. In Wilmersdorf hat die Gemeindevertretung am Montag den Stadtrat Alfted PeterS aus Posen auf 12 Jahre zum besoldeten Schöffen gewählt. Für eine Studienreise nach Frankreich wurden einem Oberlehrer der höheren Mädchenschule 400 M. bewilligt. Sodann wurde beschlossen, daß die Regulierung der Mehlitzstraße nur dann erfolgen soll, wenn die Adjazenten die Kosten übernehmen. Eine neue Lehrerstelle wurde der jetzt von 289 Schülern besuchten katholischen Gemeindeschule zum 1. Oktober bewilligt. Ferner wurde der Ankauf eines Schulgrundstücks an der Württembergischen Straße beschlossen. Dank der Obstruktion der Regierung ist an die Stadt- w e r d u n g von Wilmersdorf vorab durchaus nicht zu denken. Der Landrat will in seiner Allmacht den fetten Happen nicht preisgeben; nicht allein, daß er die letzte Petition um Stadttverdung als Luft behandeln durfte, ivurde ihm auch noch der Triumph zu teil, daß die Regierung sein eben, nur in Preußen mögliches Ver- halten in einer der Gemeinde zugegangenen Abrüffelung durchaus billigte. Aber mehr noch. Bei dem Ausscheiden von Rixdorf und Schöneberg aus dem Kreise war es die Regierung, die die Entschädigungsforderungen aufstellte und so eine Basis für die Verhandlungen gab. In der Wilmersdorfer Angelegenheit hat der Regierungspräsident die Gemeinde aber wissen lassen, daß „mangels zwingender Gründe" die Entlassung aus dem Kreis- verbände nur genehmigt werden könne, wenn die G e ni e i n d e An- erbietungen über die Entschädigungssumme usw. mache; für den Landrat liege kein Anlaß vor, mit Forderungen hervorzutreten. Dieselbe Autlvort hat der K r e i s a u s s ch u ß der Gemeinde gegeben, der in einem Schreiben vom 17. Mai überdies noch hinzugefügt hat. daß zur Zeit, wo sich die aus dem Bau des Tcltotv-Kauals ergebende Belastung des Kreises angeblich in keiner Weise bestimmen läßt, überhaupt eine Grundlage für zahlenmäßige Vereinbarungen nicht vorhanden sei uud es deshalb abgelehnt werden müsse, in der an- geregten Frage sich auf Verhandlungen einzulassen. So zappelt die Gemeinde Wilmersdorf mit ihrem Stadtwerdungs- plan in der Lust und mag warten, bis nach laugen Jahren die letzte Rechnung vom Bau des Teltow-Kanals revidiert, genehmigt und beglichen ist. Zu der Zeit wird die Einwohnerzahl des Dorfes mit forschem Schritt dem zweiten Hunderttausend zustreben. Eine seit längerer Zeit bestehende Kommission von Gemeindeverordneten soll jetzt den Strick abzuschneiden versuchen, mit dem Wilmersdorf ge- fesselt ist. Friedrichöfelde. Nach einer Wartezeit von acht Wochen sind die neugewählten Gemeindevcrtreter, darunter auch unsre beiden Ge- nossen, in ihr Amt eingeführt worden. Auf der Tagesordnung, die im Gegensatz zu früher ziemlich reichhaltig war,' standen einige wichttge Sachen. Der Vertrag mit dem Konsortium für die nord- östliche Vorortbahn wurde aufgehoben. Hierbei beantragte Genosse Pinseler, in künftigen Fällen von solchem Konsorttum eine Kaution zu verlangen und sich nicht wie in diesem Falle auf circa vier Jahre zu binden.— Bei der Beschlußfassung über Ankauf eines Grundstücks für eine Kläranlage teilte der Vorsteher mit, daß trotz erfolgter Ausschreibung nur zwei Grundstücke in Frage kommen; er empfiehlt das Westfalsche Angebot, in welchem 12 Morgen, der Morgen zu 9000 M., offeriert werden. Gemeindevertreter Schoch sowie Genosse Pinseler erklärten, nicht genügend infonniert zu sein, um kurzer Hand einen solch weit tragenden Beschluß fassen zu können; Pinseler beantragte, in künf- tigen Fällen einige Tage vor der Sitzung den Vertretern Jnforma- tionen über derartig wichtige Materien zukommen zu lassen. Dieses wurde denn auch vom Gemeindevorsteher zugesagt. Nach längerer Diskussion wurde das Westfal'sche Land, welches an den Riesel graben stößt, zu kaufen beschlossen. Bei der Vergebung der B e- leuchtungsan lagen für die Turnhallen hatte die Firma Bieberstein 1100 M. gefordert, die Elektricitätsgesellschaft 1400 M Die Firma Bieberstein erhielt den Auftrag.? Jetzt nach Fertigstellung fordert die Firma 124 M. nach, da sie sich beim Kostenanschlag an- geblich geirrt habe. Die Mehrforderung wurde glatt abgewiesen.— Ein Nachtrag zur Polizeiverordnung betr. die Marktordnung auf dem Magerviehhof wurde genehmigt. Denmach finden die Pferdemärkte im Sommer von 8—6 Uhr(bisher 4 Uhr), im Winter von 8—5 Uhr(bisher bis 3 Uhr) statt. Wegen der Errichtung eines Gebäudes für die allgemeine Fleischbeschau hatte der Gemeinde Vorsteher eine neue Zeichnung anfertigen lassen, welche vom Maurer meister Müller eingehend erläutert wurde. Nach dieser Zeichnung soll das Gebäude zwei Stockwerke haben und zwar im unteren C schoß Desinfektionsräume, Baderaum für den Wärter, Sterilisierungs- apparate für minderwertiges Fleisch, Verkaufsraum(Freibank), Sprengwagen-Gelaß, ferner auf dem HofeeineZelle für Frauen undzwei Zellen für männliche Gefangene, im oberen Stockwerke zwei Beamten Wohnungen, sowie Räume ftir das Fleischbeschauamt. Zur eingehenderen Beratung wurde die Sache einer Kommission überwiesen.— Genosse Pinseler stellte noch die Anfrage, ob und welche Schritte seitens des Vorstehers gethan sind, damit verhütet wird, daß Fortbildungs schüler wegen Armut be st rast werden, und warum die in Gärtnereien beschäftigten jungen Leute am Fortbildung� Schulunterricht nicht teil nehmen. Der Gemeindevorsteher will erst in der nächsten Sitzung Auskunft geben. Hoffentlich zu unsrer Zu- friedenheit! Bei der 5!eusormation der Kommissionen wurden Genosse Borsdorf in die Kommission für Wegebau und Genosse Pinseler in die Annenkommission gewählt. In Johannisthal ist zwischen dem Gemeindevorsteher und der Gemeindevertretung ein Konflikt ausgebrochen, über dessen Einzel heften man uns schreibt: Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung wiederum mit der Unterbringung des Ge- meindeburcaus. Der Vorsteher schlug vor, seine an das Gemeinde- bureau grenzende Wohnung hinzuzunehmcn und die gesamten Räume auf mehrere Jahre zu mieten. Der Mietspreis beträgt bei einer Kontraktdauer von drei Jahren 1000 M., hierzu käme dann noch die Mietsentschädigung von 600 M. an den Gemeindevorsteher, so daß die Gemeinde jährlich 1600 M. an Miete zu zahlen hätte. Diesen Vorschlag des Gemeindevorstehers lehnte die Vertretung jedoch ab und beschloß nnt 8 gegen 3 Stimmen(Vertreter Dr. Riech und Oftwald und der Gemeindevorsteher) die Unterbringung des Gemeindebureaus und des Kanalisationsbureaus im Lehrer- Wohngebäude, da hier genügend Räume zur Verfügung stehen und die jährlichen Mietskosten sich um 600 M. geringer stellen. Diesen Beschluß b e a n st a n d e t e der Gemeindevorsteher, weil er seiner Meinung nach das Gemeinde-Jnteresse verletzt. Die Vertretung wird sich infolgedessen nochmals mit der Sache beschäftigen müssen, doch ist es ausgeschlossen, daß die Gemeindevertretung ihren Beschluß ändert. Wer zahlt die Biirgerstcigkosten in Lichtenberg? Das Ober- Verwaltnugsgericht hatte bekanntlich entschieden, daß mangels einer Observanz, die die Anlieger verpflichten könnte, in Lichtenberg bei Berlin die Kosten der Herstellung und Erhalttmg der Bürgersteige von der Gemeinde zu tragen seien. Run haben aber jahrzehnte- lang in Lichtenberg, einem Gemeindebeschlusse folgend, die Anlieger vor ihren bebauten Grundstücken Bürgersteige her- stellen lassen. Diese sind gewillt, die aufgewandten Kosten von der Gemeinde erstattet zu verlangen. Ein Hausbesitzer Hauschild hat den Anfang gemacht und im Verwaltungs- streitverfahren geklagt. Er gewann in allen Instanzen. Das Ober- Verwaltungsgericht entschied in dieser Erstattungssache endgülttg am 30. Mai zu Gunsten des Klägers, indem es die Erstattungspflicht der Gemeinde aussprach. Das kann ja nett werden, wenn alle andern Anlieger in gleicher Lage den? Beispiel H.s folgen. Bei der Uebirng in Döbcritz, die Sonnabend vor dem Kaiser stattfand, ist auch der Stabstrompeter des Leib-Garde-Husarcn- Regiments, Musikdirigent W. Hanne, von einem leichten Schlaganfall getroffen worden, der sich gestern in schärferer Form wiederholte, so daß der Znstand des Dirigenten Besorgnisse erweckt. Versammlungen. Tie Rollkutscher und Bodenardeiter Berlins, Sektion der Orts- Verwaltung I des Centralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeitcr, hielten am 29. Mai im„Englischen Garten", Alexanderstraße, eine gutbesuchte Versammlung ab. Nach einem beifällig aufgenommenen Referat des Kall. UtheS über:„Die Organisations-Be- strebungen der Arbeiter im Mittelalter und jetzt", wurden die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei den cinzelircn Speditionsfirmen lebhaft besprochen. Tic Mißstände sind geradezu ungeheuerlich und spotten jeder Beschreibung. Es Ivurde konstatiert, daß eine Arbeitszeit von früh 5 Uhr bis nachts 11-— 12 Uhr gang und gäbe ist. Die Löhne stehen in gar keinem Verhältnis zu dieser langen Arbeitszeit. In vielen Betrieben erhalten die Kutscher Anfangslöhne von 13 bis 19,50 M. die Woche. Das Transportcomptoir Anhalterbahn zahle den verheirateten Kutschern 79 M. monatlichen Lohn. Neben der schlechten Entlohnung und der langen Arbeitszeit herrsche bei ver- schiedcnen Firmen noch ein ungeheuerliches Antreibesystem. Buch- Halter uud Bodenmeister werden den Kutschern aus den Touren nach- geschickt, um dieselben zu beobachten, damit sie nicht zu lange früh- stücken. Geregelte Eßpausen existieren für die Kutscher in keinem Betriebe. Die Touren der Kutscher sind gerade gegen Abend sehr ausgedehnt. Oft müssen dieselben bei den Firmen auf die Abholung der Güter noch lange warten, wodurch viel Zeit verloren geht. Wohl oder übel müssen die Kutscher ihre Tour schassen. Es sei daher erklärlich, daß die Pferde öfter zu einer schnelleren Gangart an- getrieben werden müssen. Sieht das ein Schutzmann, so setze es Strafmandate, welche bis auf 30 und 40 M. lauten. Die Bestimmungen Wer die Sonntagsruhe werden in den meisten Betrieben nicht beachtet. Besonders wurden die Mißstände bei der Speditionsfirma Leiukauf kritisiert. Der Unternehmer habe vor einigen Tagen eine neue Arbeitsordnung für die Kutscher erlassen, in welcher sich ein Paragraph befindet, durch den den Arbeitern zu- gemutet wird sich gegenseitig zu denunzieren. Wer nämlich eine Uebertretung der Arbeitsordnung meldet erhält 1 Mark. Als sich einige Kutscher weigerten, diese Arbeitsordnung zu unterschreiben, ließ man sie später einzeln ins Comptoir rufen. Der Expedient Hennig habe nun die Unterschrift dadurch erzwungen, daß er in der einen Hand die Entlassungspapiere des Befreffenden bereit hielt. Ein Kollege habe aber die Zumutung mit Entrüstung zurückgewiesen und lieber seine Papiere genommen als sich zum Verräter seiner Mitarbeiter stempeln zu lassen. Eindringlich wurde von allen Rednern auf den Ausbau derOrganisation hingewiesen: dies sei umsomehr nötig als die Unternehmer durch die Errichtung ihres Arbeitsnachweises genau dieselben Praktiken verfolgen wollen, wie die Kühnemänner. Es wurde noch ferner darauf hingewiesen, daß es Aufgabe der Kutscher sein müsse, danach zu trachten, daß in allen Betrieben einheitliche Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die durch tarifliche Vereinbarungen mit dem Verbände fest zn legen seien, wie dies bereits bei der größten Speditionsfirma Bartz u. Co. geschehen ist. Beschlossen wurde, daß in allen Betrieben Ver- trauensmänner zu ernennen seien, damit eine einheitliche Bewegung zur Erreichung des genannten Zweckes in die Wege geleitet werden könne. Es wurde sodann noch lebhaft Klage darüber geführt, daß die Konsumvereine Berlins sowie auch die Filiale der Groß- Einkaufs- Genossenschast die gewerkschaftlichen Interessen der Arbeiter nicht genügend berücksichtigen. Hierzu wurde folgende Resolution an- genommen: Die heute im Englischen Garten tagende gut besuchte Versamm- lung der Rollkutscher und Bodenarbeiter ersucht die Verwaltung des Verbandes dafür zu wirken, daß die Groß-Einkaufsgenossenschaft und die Konsumvereine ihre Waren nur von solchen Spediteuren und Fuhrherrn expedieren lassen, welche mit ihren Kutschern und Arbeitern den gewerkschaftlichen Tarif vereinbart haben. Verein der Buchdrucker uud Dchriftgieher ftir Rixdorf-Briy. Sonntag, den 5. Juni, nachmittags 2 Uhr: Versammlung in der Vereins. brauerci, Hermannstraßc. Um 3 Uhr: Vortrag, wozu die Frauen und An- gehörigen der Mitglieder hierdurch eingeladen sind. Lands», annschaft der Schleswig-Holsteiner. Mittwoch, 1. Juni, abends 81/., Uhr: Versammlung in G. Feuersteins Festsälen, Alte Jakob- straße 75. Ausnahme neuer Mitglieder. Abrechnung. GeschästlicheS. Ausgabe der Karten für die Dampserpartie am 19. Juni nach Nedlitz. Verschiedenes. Landsleute find willkommen. Vermischtes. Der übliche Absturz. Aus Wien wird berichtet: Der bekannte Wiener Hochtourist Thomas Maifchberger, welcher am Sonntag die Ersteigung des Dachsteins über die äußerst schwierige Südwand unternahm, wird seitdem vermißt. Man befürchtet einen Unfall. Lrlefkaften der Redahtion. 91. R. 35. Im Orientalischen Seminar, Am Zeughause 1, erteilt Prof. Lange Leuten mit entsprechender Allgemeinbildung Unterricht in der japanischen Sprache. Juriktikcber Cell. Tic juristische Sprechstunde finde« täglich mitAnsuahuic de» Souuabeud» vo» 7-/z bis»v, Uhr abends statt. GeöNu-t: 7 Itbr. H. Ivo. 1. Es ist zweckmäßig, dem Antrag ein ärztliches Attest beizufügen. Das Gesuch ist an die LandcsversicherungSanstalt zu richten. 2. Nein, nur die Hälfte.— H. W., Berlin. Sie müssen die Anfragen vollständig wiederholen. Ihr Brief ist sonst nicht ganz verständlich.— 20. In der Regel ist noch eine besondere Erlaubnis, die nur gegen eine neue Standgebühr ertellt wird, ersorderlich.— B. L. 5V. In beiden Fällen entscheidet das pflichtgcmäßige Ermessen der Polizei oder Staats« anwaltschast. Anträge können Sie an beide Behörden stellen. — 9l. H. 5. Ihr Erbrecht richtet sich nach dem vor 1900 gültigen märkischen Erbrecht. Danach hätte Ihre Mutter das Recht gehabt, entweder auf den Nachlaß Ihres Vaters zu verzichten: in diesem Fall siele der Nachlaß allein den Kindern zu. Oder sie konnte ihr Vermögen mit dem des Verstorbenen zusammenwersen und von der so gebildeten Masse die Hälfte nehmen, die zweite Hälfte siel den Kindern zu.'Aus den Akten, vctt. Auseinander- setzuna, muß sich ergeben, welche Art Erbrecht Ihre Mutter gewählt hat; je nach dieser Wahl siele Ihnen'/. des Vaternachlasscs oder>/, des Gesamt- Vermögens zu. Was Ihre Mutter im Einverständnis des Vaters sür sich erwarb, gehört nicht zunr väterlichen Nachlaß. Zu der Annahme, daß stras- rechtlich versolgbarer Betrug oder gar Meineid vorliege, liegt nicht der mindeste Anhalt vor. Glauben Sie, daß Ihnen nach diesen Darlegungen noch Rechte zustehe», so können Sie gerichtliche Nachlaßregulicrung beantragen oder klagen. Uebersteigt das Klagc-Objckt 300 M., so ist die Bestellung eines Anwalts ersorderlich. Zu einem Erbprozcß gegen Ihre nächsten Verwandten ist, vom Kostenpunkt abgesehen, nicht zu raten. — R. H. 31. Sic könne« aus Rücknahme der Maschinen, Rückgabe der ge- leisteten Beträge und Schadensersatz klagen.— Eduard 82. Sic sind zur Alimentcnzahlung auch dann verpflichtet, wenn die Mutter des Kindes mit Ihnen verlobt war und es ablehnt, Sie zu heiraten. Der Rücktritt von der Verlobung berechtigt Sie keineswegs zu den weitgehenden Ansprüchen, deren Sie Erwähnung thun. Ihnen steht. sallS Ihre Braut ohne gerecht- fertigten, wichtigen Grund von dem Verlöbnis zurückgetreten ist, nur das Rocht ans Erstattung der in Erwartung der Heirat gemachten Auswendungtn zu. Außerdem sind die aus Anlaß der Verlobung gemachten Geschenke und die Vetlöbniszeichen(Ringe, Photographien u. dergl.) von beiden Teilen zurückzugeben. So weit sich aus Ihren schriftlichen Darlegungen die Sachlage übersehen läßt, steht Ihnen ein'Anspruch aus Erstattung von'Aufwendungen nicht zu. 'Weizen, gut D.-Ctt. mittel gering. 'Roggen, gut inittel, gering. fGcrsle, gut mittel gering tHaser, gut inittel gering Richtstroh tcu rbsen Speisebohnen, Linsen * ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 30. Mai 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. 17,70 17,6« 17,62 12,80 12,78 12,7« 14,20 12,90 11,70 15,00 14,10 13,20 40,00 »50,00 60,00 17,68 17,64 17.60 12,79 12,77 12,75 13,00 11,80 10,60 14,20 13,30 12,40 28,00 25,00 25,00 Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 Kg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 Kaper Schock f frei Wagen und ab Bahn. 7.00 1,80 1.40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,40 2,00 2,30 3,00 2,40 2,00 3,00 1,40 16,00 5.00 1,20 >.ta 1.00 1,20 1,20 2,00 2,40 1,40 1,40 1,20 1,20 1,00 1,40 0,80 3,00 WitteruugSiibersicht vom 31. Mai 1S«4. i»orgc»S 8»Ihr. slattonen Swinemde. 771 NO Hamburg 768! OSO Berlin 769 ÄO Frankf.a.M. 764 NO icii>76«!O 767 i NNO .= c s« �-C Wettet 2 wolkcnl 3 wolkcnl 2wolkenl 3 wolkcnl awolkenl 1 wolkcnl ö s: --Ä s!! £ u> m a ti 15 15 18 15 15 Slattonen a « a S S §2 S5 S)~ taparanda eterSburg Cork Abcrdccn Paris Z S 761 N 7«9Still 765 OSO 761>WSW Wettet 2 heiter —gedeckt 2 wölken! 3bedcckt iäs; --r. » l! §1? 10 5 12 18 tvratnj.t Münchc Wien,-----,| Wottcr-Brognose für Mittwoch, de» 1. Juni 1004. Wärmer, vielfach heiter, bei mätzigen südöstlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. 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Riepekohl gießt ein Referat über die Krise in der Hand- schuhindustrie Europas und die EntWickelung der Handschuhfabrikation in Amerika. Die deutsche Handschuhindustrie hat in gewissen Perioden immer einen schlechten Geschäftsgang aufzuweisen. Es kommen dafür in Betracht die Jahre 1874, 1886, 1839, 1890, 1893, 1896 und die Zeit von 1900 bis 1903. Die Krisen kehren regelmäßig und heftiger in ihrer Wirkung wieder. Der deutsche Verband kann dies beobachten an den zur Unterstützung arbeitsloser Mitglieder ausbezahlten Summen. Die Arbeitslosenunterstützung betrug in den Jahren 1892 bis 1894 durchschnittlich 27 000 M.. 1896 31 000 M. Vom Oktober 1900 bis Ende 1903 wurden 138 000 M., also durchschnittlich 46 000 M. an Arbeitslose verabfolgt. Dabei muß beachtet werden, daß sich an den Ausgabeziffern der dem Verbände angeschlossenen Krankenkasse während der letzten Krise eine ungeheure Steigenmg nachweisen läßt. Zweifellos handelt es sich hier in vielen Fällen um eine Inanspruchnahme der höheren Krankenunterstützung statt des Arbeitslosengeldes seitens solcher Mitglieder, die entweder ganz ohne Arbeit waren, oder nur bei geringem Verdienst beschäftigt wurden. Es kommt somit in der Arbeitslosenunterstützung allein die Arbeitslosigkeit in ihrem vollen Umfang noch nicht zum Ausdruck. Zurückzuführen ist die ungünstige Lage der Handschuhindustrie in der Hauptsache auf das Nachlassen des deuffchen Exports nach den Vereinigten Staaten. Die Handschuhindustrie des Kontinents ist auf den Export nach Amerik' zugeschnitten, der aber seit 1896 einen Rückgang aufweist. Am meisten leidet Oesterreich, wo 1897 die Aussuhr mit 600 763 Dollar, 1902 aber nur noch mit 64 287 Dollar bewertet wurde: Deutschland hat fiir denselben Zeitraum einen Exportaussall von rund 740000 Dollar. Die Ursache dieses Rückganges sucht Redner darin, daß Amerika an- gefangen habe zu versuchen, seinen Bedarf an Handschuhen selbst herzustellen und in der �Verbreitung, welche der aus Seide oder Baumwolle gewirkte Handschuh in Amerika gefunden hat. Mit der Eigenfabrikatton Amerikas steht es gegenwärtig so, daß der Bedarf an ledernen Männerhandschuhen durch sie vollständig gedeckt wird, während der feinere Damenhandschuh, welcher früher ausnahmslos vom Konttnent belogen wurde, jetzt von Jahr zu Jahr in immer größeren Ouantttaten hergestellt wird. Amerika hatte im Jahre 1870 nur 221 Lederhandschuh-Fabrikanten, im Jahre 1900 dagegen 397. Die Zahl der Arbeiter und Arbeiterinnen stieg in derselben Zeit von 7000 auf 24 000, der Produkttonswert von 3 Millionen auf 62 Millionen Mark. Andrerseits hat auch Deuffchlands Ausfuhr gewirkter Handschuhe nach Amerika eine enorme Steigerung erfahren. Sie bewertete sich 1900 auf 11 002 000 M., 1903 dagegen auf 17 ö02 000 M. Dabei ist zu beachten, daß Amerika gewirtte Handschuhe auch aus Frankreich, England und der Schweiz bezieht. Während von 1900 bis 1903 der Wert eingeführter Zwirnhandschuhe um zehn Millionen stieg, ist dieser in derselben Zeit für Lederhandschuhe um sechseinhalb Millionen gesunken. Ein Zurückdrängen der deutschen Handschuhindustrie vom amerikanischen Markt ist somit klar zu erkennen und könne es durch eine Verschärfung der Zollbestimmungen seitens der Unionstaaten zn einer Katastrophe kommen. Neue Ausfuhrländer seien nicht vor- handen, der einzige Lichtstrahl ist, daß sich die deutsche Fabrikatton noch mehr als bisher des deuffchen Marktes bemächtigt, der heute zum großen Teil dem Ausland überlassen sei. Wie die Dinge liegen, ist zu erwarten, daß unter den Fabrikanten ein Konkurrenzkampf entbrennen wird, der mit der Beengung de? Absatzgebietes an Heftigkeit zunehmen müsse. Die Fabrikanten werden nattirlich versuchen, sich schadlos zu halten und die Kosten auf den Arbeiter abzuwälzen. Es könne daher den Handschuhmachern aller Länder nur zn- gerufen werden, Organisationen zu gründen, die bestehenden aus- zubauen und zu festtgen. Den Angriffen auf den Lohn werde man dort am besten widerstehen können, wo eine gutgeschulte organisierte Kollegenschast vorhanden ist. Redner wendet sich dann der LehrlingSstage zu. Die deuffche Organisation sei schon seit ihrem Bestehen darauf bedacht, die Zahl der Lehrlinge aus ein vernünfttges Maß zu beschränken; gegenlvärtig kommen auf zehn Gehilsen ein Lehrling. Da sich in der Handschuh- Industrie ein ständiges Ueberangebot von Arbeitern bemerkbar macht, sei es Pflicht der Organisation, der LehrlingSstage besondere Auf- merksamkeit zu schenken. Troch hält nach dem ausführlichen Referat eine längere Dis- kusfion für Zeitverschwendung und spricht den Wunsch aus, man möge die Kollegenorganisation in Amerika auffordern, der inter- nattonalen Vereinigung beizutreten. Er für seine Person würde selbst die Nüttel bewilligen zu einer Reise nach Anterika, um dort die Verhältnisse zu studieren und die Kollegen zum Anschluß zu bewegen. In der weiteren Diskussion wird darauf verwiesen, daß in Gloversville 600 Kollegen nun schon seit Anfang dieses Jahres aus- gesperrt sind, weil sie sich weigerten, mit unorganisierten Leuten zusammen zu arbeiten. Es wird der Wunsch ausgesprochen, der Kongreß möge eine Sympathie-Erklärung für die Gloversviller an- nehmen. Anderseits wurde betont, daß man auch verlangen solle, der dortige Verein möge seinen Beschluß, 400 M. Eintrittsgeld zu erheben, rückgängig machen. Troch teilt zur LehrlingSstage mit, in Brüssel dürfe nicht ein- mal der Gehilfe seinen Sohn in die Lehre nehmen. Er fordert, daß der Kongreß sich energisch gegen jedes Anlernen ausspreche. V e r h a e r t sagt, die schlechte Lage der Gehilfen während der Krise werde mithelfen, die Lehrlingszahl zu beschränken: in Frank- reich beschäftige sich die Organisatton ebenfalls mit dieser An- gelegenheit. Sehr ungünstig stünde es nur in Grenoble, wo die Kollegen keine Organisatton haben. A n d e r s s o n: In Schweden habe die Organisation erreicht, daß die Lehrlinge gut bezahlt werden. Im letzten Lehrjahre erhalten die jungen Leute fast den Lohn eines Gehilfen. So sollte man überall vorgehen. Für Dänemark kann Zilmer feststellen, daß nur sechs Lehr- linge vorhanden find; neue werden nickt mehr angenommen. G i l e k erwidert Änderst on. eS klinge recht hübsch, eine hohe Bezahlung der Lehrlinge zu fordern. Durchsetzen könne man diese Forderungen aber nur. wenn man die Macht dazu besitze. In einzelnen Ländern seien aber die Gehilfen so schwach organisiert. daß sie nicht einmal auf die Festsetzung de« eignen Lohnes einwirken können. W a S n e r: Ein sehr wirksames Mittel sei, die Lage der Hand- schuhmacher öffentlich zu schildern, wie sie ist. Dieses traurige Bild werde die Eltern abhalten, ihre Kinder diesem Berufe zu übergeben. Es wird dann zum Referat Riepekohl eine Rcsolutton an- genommen, welche eS allen Kollegen zur Pflicht macht, starke und leistungsfähige Central-Organisationen zu schaffen, die im stände sind: »1. den Berufsgenosten in jeder Bedrängnis zur Seite zu stehen und insbesondre auch die Arbeitslosen des Berufs zu unterstützen; 2. starke Widerstandsfonds anzusammeln, um aus eigner Kraft allen Bestrebungen auf Herabsetzung und Bedrückung der wirtschaftlichen Lage ganz energisch entgegentreten zu können." Ferner wird einstimmig beschlosten: «Der fünfte internattonale Kongreß der Handschuhmacher wünscht den streikenden Kollegen in Gloversville besten Erfolg. Er hofft, daß dieser Kampf zum völligen Zusammenschluß aller Kollegen in Amerika führt und gießt der Erwartung Ausdruck, die amerikanische Organisatton bald als Mitglied der Internationalen Vereinigung begrüßen zu können.» Ks Lomärls" Der Kongreß protestiert aber energisch dagegen, daß die Orga- nisation in Amerika selbst organisierten Handschuhmachern durch Forderung eines Eintrittsgeldes von 100 Dollar den Zutritt un- möglich macht und ersucht um schleunigste Aufhebung dieserMaßregel. Der Kongreß sendet ferner auch den englischen und italienischen Kollegen brüderliche Grüße mit dem Ausdruck des Bedauerns darüber, daß diese Kollegen nicht vertreten waren. Der Kongreß hofft auch die Organisationen dieser Länder bald in dem Internationalen Bruderbunde als Mitglieder zu sehen." Zur Lehrlingsfrage werden drei Resoluttonen angenommen, die sich für eine energische Bekämpfung der Lehrlingszüchterei aussprechen und bessere Bezahlung der Lehrlinge fordern. Damit sind die Arbeiten des Kongresses beendet. Es entspinnt sich noch eine längere Debatte darüber, in welcher Form das Protokoll über die Kongreßverhandlungen veröffentlicht werden soll. Man einigt sich schließlich, dieses als Broschüre heraus- zugeben. Nach den üblichen Schlußreden wird der Kongreß von Wasner abends>/z9 Uhr mit einem Hoch auf die internattonale Arbeiter- bewegung geschloffen. *» � Im Bericht vom 23. Mai muß es bei Marchalk heißen: Die Vergütigung, welche er erhalten, betrage 20—30 Frank monatlich, während fem Vorgänger 45 Frank pro Woche erhalten habe. Im Bericht in Nr. 122 muß es in der 5. Zeile von unten heißen: Daß drei Viertel der Kollegen Grenobles schon ein- oder mehr- mals einer Organisatton angehörten. 15. Zlerbnndstag der deutschen Gelverkvereiue Girsch-Duncker). Hannover, den 30. Mai 1904. Siebenter Bcrhandlungstag sSchluß). Die Beratung der Anträge zum „Verbandsstatut", Ausbreitungs- und Ortsverbände, wurde fortgesetzt. Zu Z 51„Abwehr von Angriffen" wurde beschlossen, daß„besonders energisch zu den tmwahren und verleumderischen Aussagen seitens der socialdemokrattschen Gewerkschaften über unsre Organisation" Stellung genommen wird. Ferner sollen die Ortsverbände berechtigt sein, sich mit Mietervereinen oder andren, die die Verbesserung der Wohnungen anstreben, in Verbindung zu setzen bezw. sich ihnen anzuschließen. Ebenso wurde der Antrag angenommen, daß der Centtal- rat das Gesundheitsamt aufmerksam macht, die Arbciterwohnungen an bestimmten geitabschnitteit zu kontrollieren. Betteffs der„ A u s b r e i t u n g s v e r b ä n d e" wurde folgende Resolution Ziegler-Jordan angenommen:„Zur Durchführung einer energischen Agitation können sich für größere zusammen- hängende Bezirke Ausbreitungsverbände bilden und zwar für folgende Bezirke: Rheinland- Westfalen, Süddeutschland, Mitteldeutschland, Schlesien mit Posen, Brandenburg mit den östlicken Bezirken. Diese Verbände erhalten, tvenn sie 4000 Mitglieder zählen, eine jährliche Beihilfe von 1000 M. Sollten sich für solche Bezirke, die sich m die obengenannten Bezirke nicht einfügen lassen, Ausbreitungsverbände bilden, so erhalten dieselben eine Beihilse nach dem Verhältnis der Mitgliederzahl. Das gleiche Verhältnis tritt ein, wenn die oben- genannten großen Verbände nicht die Mttgliederzahl von 4000 erreichen. Die Beihilfe wird nur dann gewährt, wenn die Mitglieder der Verbände einen vierteljährlichen Bcittag von mindestens 5 Pf. zahlen.(Antrag Ziegler.) Der Centralrat hat das Recht, Aus- breittmgsverbände auszulösen, sobald deren Thätigkeit für das An- sehen der Gewcrkvereine schädigend wirkt.(Antrag Jordan.)" Die Abhaltung von Bezirkstagen wurde der Eni- scheidung der Ortsvcrbände überlasten und daher ein Entschluß des VerbandStageS abgelehnt. Bezüglich der Ortsverbands- und Verbands-Schiedsgerichte wurde eine längere Entschließung. die Hahn- Burg(Fabrikarbeiter) begründete, und in der die Be- fugntste und der Bereich dieser Schiedsgerichte festgelegt ist, an- genommen. Ueber„Verschiedene Anträge" referierte S a n d n e r- Potsdam(Fabrikarbeiter). Zunächst handelt es sich um die Wahl des Ortes für den nächstenVerbandStag in drei Jahren. Anträge lagen vor von Berlin(neues Verbandshaus), Dresden, Gleiwitz, Kiel, Stolp und Stettin. Gewählt wurde Kiel. Ein weiterer An- trag bezüglich des Verhaltens der Gewerkvereins- Mitglieder beiReichstagswahlen wurde vom Verbands- redafteur G o l d s ch m i d t betont, daß die fteien Gewerkschaften fast alle ihre Führer im Reichstage haben. Wenn auch die Gewerk- vereine nicht selbst Mitglieder als Kandidaten durchbringen könnten, so müßten doch, gleichviel welcher politischen Richtung die Kandidaten— mit Ausnahme der Socialdemottatie— angehören, die Gewerkvereins- Mitglieder als Kandidaten unterstützt werden. Der Verbandstag billigte diese Anschauungen. Nachdem die GehaltSfrage der Verbandsbeamten erledigt war, kam noch ein Antrag des Generalrats der Frauen zur Abstimmung, durch den um leihlveise Ueberlastung von 2000 M. zur Errichtung einer Krankenzuschuß- lasse ersucht wurde. Aus statutarischen Gründen mutzte der An- trag, der viel Sympathie fand, abgelehnt werden. Ein Antrag, gegen die Lehrlingszüchterei an zuständiger Stelle zu wirken, ivurde dem Centralrat zu weiterer Veranlassung überwiesen. Angenommen wurde dagegen ohne große Debatte folgende Resolutton:„Der 15. Verbandstag der Deutschen Gewerkvereine erhebt energischen Protest gegen die Ein- bringung der Gesetzesvorlage betreffend den Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter in Preußen. Der Verbandstag billigt den Kontraltbruch nicht, er verurteilt aber den Versuch, einen civilrechtlichen Vorgang unter das Straftecht zu stellen. Ein solches Gesetz stellt die Arbeitgeber und Arbeiter der Landwirffchaft außerhalb des modernen Rechts und verewigt für die Arbeiter das an ihnen bisher schon verübte schwere Unrecht. Der Verbandstag fordert von der Gesetzgebung das freie Koalitionsrecht für die Landarbeiter. Die rechtliche Gleichstellung der Landarbeiter mit den gelverblichen Arbeitern wird mit eins der besten Mittel sein, der Landflucht entgegenzuwirken." Der Verbandstag wählte darauf den Verbandsredakteur Goldschmidt, den Verbandskassierer Klein und den Verbands- kontroleur Petersdorf einstimmig wieder. Darauf wurde der Verbandstag in üblicher Weise vom Vorsitzenden Klavon geschlossen. Genckts-Teitung. Tie städtische Waisenverwaltung auf der Anklagebank. Eine private Beleidigungsklage, die aus einer An- zeige wegen vermuteter Mißhandlung eines Waisen- lindes entstanden war, wurde am Montag vor dem Schöffengericht in Moabit zu Ende geführt. Die Sache ivar nach einem ersten Termin vertagt lvorden, weil eine Ivichtige Zeugin wegen Krankheit fehlte; wir haben am 21. April über jene Verhandlung berichtet. Klägerin war Frau Schuster, Willibald Alexissttatze 11, der ein Knabe Herbert Schlegel von der städtischen Waiscnverwaltung in Pflege gegeben worden war. Verklagt war Frau Jahn, die aus Grund eines im Hause umlaufenden Gerüchtes dem Waisenrat mitgeteilt hatte, daß Frau Sch. dieses Kind übermäßig schlage. Das Urteil aber richtete sich gegen die Waisenverwaltung bezw. gegen ihre verantwortlichen Organe. Ob Frau Sch. wirklich das 5ffnd übermäßig geschlagen, ob sie es mißhandelt hatte, konnte auch diesmal nicht aufgeklärt Iverden. MM. Wttw-ch. 1. M 1904. Wieder wurde, wie int ersten Termin, von Nachbarinnen bekundet, daß sie zwar keine Mißhandlung gesehen, aber das Kind oft und lange schreien gehört und Mißhandlung angenommen hätten. Wieder wurde von der Klägerin erklärt, daß sie mehrfach das Kind wegen übergroßer Nnreinlichkcit geschlagen, aber es nicht mißhandelt habe. Wieder wurde von dem Waisenratsvorsitzenden Bildhauer Meinhardt, der ihr als Zeuge beistand, die Versicherung abgegeben, daß er die wiederholten Anzeigen, die in der Zeit vom November 1902 bis zum Januar 1904 von vier verschiedenen Seiten eingegangen waren. jedesmal gründlich geprüft, daß aber weder er, noch der hinzugezogene Arzt Mißhandlung habe feststellen können. Dem gegenüber stand diesmal die Aussage jener erkrankten, inzwischen protokollarisch ver- nommenen Zeugin, einer Frau Thielecke, die nach eignen Be- obachtungen eine genaue Schilderung davon gegeben hatte, w i e Frau Sch. geschlagen habe. Der untersuchende Herr Meinhardt hatte den Weg zu dieser Zeugin nicht finden können, obwohl eine der Beschwerdeführerinnen, wie er vor Gericht auf ihre Vorhaltungen einräumte, ihm deutlich Fingerzeige gegeben hatte. Herrn M.s Untersuchungsmethode wurde übrigens noch mehrfach beleuchtet. Es wurde festgestellt, daß er Personen, die Nachteiliges über Frau Schuster sagten, hart angelassen hatte: Das gehe sie nichts an, sie sollten sich nur vorsehen, daß sie sich nicht strafbar machten. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Fleffchmann, hielt für erwiesen, daß das Kind„mehr geschlagen worden sei, als nötig war und als es vertragen konnte". Auch sei die Angeklagte schon deshalb frei- zusprechen, weil sie das Recht und sogar die Pflicht gehabt habe, ver- meintliche Mißhandlungen anzuzeigen. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Frau Jahn habe die Anzeige nicht wider besseres Wissen, nicht leichtfertig und nicht in beleidigender Form erstattet. Mißhandlung habe von ihr angenommen werden können, und die Zeugin Thielecke habe ja auch ziemlich bestimmte Aussagen hierüber gemacht. Ter Angeklagten stehe 8 l03 zur Seite, sie habe ein berechttgtes Interesse gehabt, sich des Kindes anzunehmen. Die Waisenvcrlvaltung allein könne nicht alles beobachten, ohne die Hilfe andrer werde ihr vieles verborgen bleiben. Frau Jahn habe sich sogar ein Verdienst erworben. Diese Beleidigungsklage interessiert uns auS mehreren Gründen: einmal Ivegen der Feststellungen darüber, wie ein.Waisenrats- Vorsitzender diejenigen behandelt hat, die sich eines Waisenkindes annahmen; sodann wegen der„ein berechtigtes Interesse" kon- statierenden Begründung, die das Gericht dem freisprechenden Urteil gegeben hat; endlich wegen des Anteils, den wir selber an dieser Angelegenheit gehabt haben. Wir haben schon am 21. April mit- geteilt, daß Frau I., als Meinhardt alle Beschwerden abgewiesen hatte, sich an den„Vorwärts" gewandt hat, daß wir ihre Beschwerde nach eingehender Prüfung durch Vermittelung des socialdemokrati- scheu Stadtverordneten Dr. Bernstein an die Waisenverwaltung weitergaben, und daß donnerst auf Antrag des Waisenhaus- Direktors Neubauer das Kind von Frau Sch. weggenommen und ins Waisenlazarett gebracht wurde. Als Herr M. vor Gericht gefragt wurde, aus wessen Veranlassung denn das Kind schließlich doch weg- genommen worden sei, erwiderte er zunächst:„Auf meine Ver- anlassung." Als aber der Verteidiger fragte, ob nicht auf Herrn Neubaners Veranlassung, korrigierte sich Herr M.:„Mit auf meine Veranlassung." Verurteilt wurde in diesem Prozeß, so sagten wir. die Waisen Verwaltung. Verurteilt wurde sie durch die Fest- stellung, daß ein stark skrophulöses. überhaupt sehr krankes Kind (wie Herr M. sagte), bei dem sogar Verdacht auf Nasenlupus be- stand, in Fa m i l i c n p f l e g e belassen wurde; daß eS hier belasten wurde, obwohl man wußte, daß es wegen einer anscheinend krank- haften Unreinlichkeit(der Knabe machte noch im 7. Jahr unter sich, selbst auf der Straße und in der Schule) m i t P r ü g e l n b e- handelt wurde, und obwohl viermal Anzeigen über Mißhandlung einliefen. Einer der beiden Schöffen, selber seit 25 Jahren in der Waisenpflcge thätig, sagte Herrn M.:„Wenn drei, vier solcher An- zeigen kommen, nehme ick doch das Kind wcgl" Herr M. that das nicht. Er drohte den Beschwerdeführerinnen mit Polizei und Gericht, er half der Frau Schuster klagen— und brachte dabei die Waisen- Verwaltung auf die Anklagebank. Eue der frauenbenvegung. Rixborf. Verein gewerblich thättger Frauen und Mädchen von Rixdorf und Untgegend. Am 8. Juni, abends S'/a Uhr, findet im Lokale Thiel, Bergstt. 151, die Versammlung des Vereins statt. Dr. Elise Berwig wird in derselben einen Vortrag über„Frauen- krankheiten" halten. Frauen als Gäste haben Zutritt. Um zahl- reiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. eingegangene Vrucklckriften. Bon der„Neuen Zeit"(Switgart, Dich' Verlag) ist soeben das 35. Heft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Eine Bergpredigt.— Der heilige Franz von Assisi. Ein Revisionist des mittelalterlichen Kommunismus. Von Karl Kautsch.— Die Kartelle In Theorie und Praxis. Von Heinrich Eunow.(Fortsetzung.)— Der farteitag der amerikanischen Sorialdemokratic. Von Ernst Untermann, hicago.— Liitcrarische Rundschau: H. Lindemann, Arbesterpolitik und Wirtschastspslege in der deutschen Städteverwaltung. Zwei Bände. Band I: Arbeiterpoliftk. Band II: Wirtschastspslege. Von Paul Hirsch. Morris Rosenscld,„Lieder des Ghetto". Von Julie Zadel.— Notizen: Lassallc und Vahlteich. Von F. Mehring. Der erste internationale Kongreß sür SchulgesundheitSpflcge. Von Heinrich Schulz. Die„Neue Zeit" erscheint' wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Poftanstaltcn und Kolporicure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Prodenummern stehen jederzeit zur Vcrsügung. Bon den„Dokumenten des Socialiömiis". herausgegeben von Ed. Bernstein(Stuttgart, Dictz' Verlag), ist soeben das 5. Hest des IV. Bandes erschienen. Ans dem Inhalt des Scstcs heben wir hervor: I. Kritische Bibliographie des Socialismus.— II. Aus der Geschichte des Socialismus. sankt Max. Aus einem nachgelassenen Werk von Marx» Engels über Max Stirner. Bericht der Kommission zur Wanderung des Agrarprogramms der Arbeiterpartei in Holland.— III. Urkunden des Socialismus. Wahlflugblätter vom Reichstags- Wahlkanchs 1903. 1. Ein Centrumsflugblatt gegen die Socialdemottatie. 2. Ein socialdemottatischcs Flugblatt gegen die Centtumspartei. Socialistische Manisestc zum russisch- japanischen Krieg. 2. Ein Manifest der Polnischen Socialistischen Partei.— TV. Der Socialismus in den Zeitschristen. Die„Dokumente des Socialismus" erscheinen monatlich einmal und sind durch alle Buchhandlungen, Posianstaltcn und Kolporteure zum Preise von 2,25 M. pro Quartal zu beziehen. Das einzelne Hest kostet 75 Pf. In der ZcitungspreiSlistc der Postanstalten sind die„Dokumente" unter Nr. 2206 eingetragen, jedoch ist bei der Post nur Ouartals-Abonncmeni zulässig. Von der„Gleichheit". Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dich' Verlag), ist uns soeben die Nr. 12 des 14. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Klafsenlage und Körperentwicklung.— Die Arbeiterfrau daheim. Von Hulda Maurenbrecher.— Heimarbeit in der Straßenbahn. Bon Frida Wuifl-Berlin.— Aus der Bewegung.— Im Reiche des Weberclends. Von Hedwig Kiesel.— Feuilleton: Wie ich eine landwirtschastliche Zeiiung redigierte. Von Marl Twain.— Notizenteil: Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Gcwerkschastliche Arbeiterinnenorganisation.— Socialistische Frauenbewegung im Ausland.— Frauenbewegung. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen bettägt der AbonnementsprciS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Der„Wahre Jakob" hat soeben die 12. Nummer seweS 21. Jahr- ganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Wie daS Äohlensyndikat im Ruhrrevier um das Gemein- ivohl bemüht ist" und.Doppelwirlimg", senier die Jllufttalioncn„Stumm geht um!",„In Port Arthur",„Wanderrast",„Wer beim langen Möller schwerer wiegt",„Eisenbahner",„Entwürfe zu neuen Staaiswavpen sür Bauern und Preußen",«Ach so l",„Oesterreich" und„Die Wirkung einer Bepelschen Rede ans den Reichskanzler". Der textliche Teil bringt die Gc- BldBft„Der Blocksberg',„JunkerParadieS",„Die Gewerkschaften",„Kainps- lieo für Südwestäfrika",„Ernste Zeiten",„Manteuffclei",„Gclahrtheit", „Frühlingssonne",„Heiliger Frühling",„Im Lande der Schnorrer", „Bülows schönste Rede" und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die Humoreske„Das Chaisekastl"(Erlebnis eines braven Grenzausfehers). Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Psennig, Die„Sodalistischen Monatshefte'(Administration: Berlin SVT 19 Bcuthstratzc 2) haben soeben das I u n i- H e s t ihres 10. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Ed. Bernstein: Vom Wert des Parlamentarismus.— Adolj v. Elm: Unter- nchmerterrorismus und Wwehrtaltik der Arbeiter.— Georg Schmidt: Die Maifeier. Ein Wort zum internationalen Kongreß.— Wilhelm Kolb: lieber Verkehrspolitik.— Dr. Arthur Schulz: Agnes Miegel.— Wally Kepler: Probleme des Frauenlebens.— Edmund Fischer: Freiheit, Demo- Iratie, Disciplin.— WUHelm Düwell: Ucber die Lage der Bergarbeiter im Ruhrrcvier.— Wirtschast von Max Schippet.— Politik von Richard Calwcr. — Socialpolitik von Paul Kampffmeyer.— Sociale Kommunalpolitik von Dr. Hugo Lindemann.— Socialistischc Bewegung von Hugo Poetzsch.— Gewerkschaftsbewegung von Emst Deinhardt.— Genossenschastsbewegung von Gertrud David.— Geistige Bewegung von Ernst Roth.— Frauen- bewegung von Henriette Fürth.— Gefchichtswissenschasten von Paul Kampfs- meyer.— Bildende Kunst von Anna Plehn.— Buchbesprechungen. Der Preis des Heftes beträgt 50 Pf.; vierteljährlich 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und durch jede Post- anstatt. Ferner direkt durch den Verlag der„Socialistischen Monatshefte", Beuthstr. 2. Berlin SW.(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Couvert). Probeheste stehen ans Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung Die deutsche Reichsverfassung. Vorträge von Eugen v. Jagemann. Heidelberg, Karl Winters Universitätsbuchhandlung. 1901. I»,-. Max Salomon. Tuberkulose als Volkskrankheit, ihre Be- kämpsung durch Verhütungsmaßnahmen. Preis 1 M. Verlag S. Karger, Berlin, Karlstr. 15. Deutschland und Rom. Ein historischer Rückblick von Richard Gras Du Moulin-Eckart, ordentl. Professor der Geschichte an der Igt. Technischen Hochschule zu München. 215 Seiten gr. 8°. Preis gehestet 3 M. München, I. F. Lehmanns Verlag. Eduard Bock. Das Staatsrecht des Deutschen Reiches. 3. Aufl. 2 Bände. Preis des Werkes ungebunden 12,50 M.; in elegantem solidem Ledereinband 11 M. Stuttgart 1903. Druck von Glaser u. Sulz. Arbeitersekretariat Breslau. Jahresbericht nebst Bericht der Ausstchtskommission und Stand der Brcslauer Gewerkschaften 1903. 55 Seiten. Selbstverlag des Arbeitersekrctariats Breslau. ssrift Wüst, Die Ilmwertung aller Werte. Preis 3 M. Berlin 1901. I. Harrwitz Aachs., Friedrich str. 10. Rechenschafts-Bericht des Verbandes deutscher Buchdrucker(Gau Rheinland-Westsalen) pro 1903. 87 Seiten. Essen 1901. 87 Seiten. Essen 1901. Ewald Müller, Rheinischeste. 8. Berwaltungs Bericht der Orts-Krankenkaffe der Gastwirte und ver- wandten Gewerbe zu Berlin für das Jahr 1903. 10 Seiten. Berlin 1901. Paul Singer u. Co., Vcrlagsanstalt. Weydes Neues deutsches RcchtschreibwSrterbuch. Mit Recht- schreibregeln, kurzen Wort- und Sacherklärungen, Verdeutschungen der Fremdwörter und sprachlichen Winken aller Art. Auf Grund der neuen gemeindeutschen Rechtschreibung nach der Einhettsschreibung des Buchdmcker- Duden bearbeitet. Zweite, verbesserte Auslage. Mit etwa 50 000 Stich- Wörtern. Preis in Leinwand gebunden 1 M. 50 Pf.— 1 X 80 h. Verlag von G. Freitag in Leipzig und F. Tempsky in Wien. A. Schowalter, Allgemeines Wahlrecht und bayrische Wahlresorm. 55 Seiten. Verlag Eugen Crusius. Kaiserslautem. Siebenter Bericht des Hamburger Gewerkschastskartells und vierter Bericht des Arbeitersekretariats Hamburg. Geschäftsjahr 1903. 210 Seiten. Selbstverlag des Hamburger Gewerkschastskartells. H. von Kretschmann, Kriegsbriese. Herausgegeben von Lily Braun, geb. von Kretschmann. IV. Ausl. 351 Seiten. Stuttgart 1901. Verlag von Greiner u. Pfeifer. Geschäfts< Bericht der Westafrikanischen Pslanzungs-Gesellschast „Viktoria" Berlin und Victoria(Kamerun) für 1903. 10 Seiten. Dr. Berus. Kandidatur des Herzogs Karl August von Sachsen- Weimar für den ungarischen Königsthron.(1789). Preis 50 Ps. Weimar 1901. Verlag Herrmann Grosse. JahreS-Bericht der Arbeiter-Bildungsschule— Berlin über ihre Thätigkeft vom 1. April 1903 bis 31. Mär, 1901. Berlin 1901. Schullokal: Engel-User 15, Gewerkschastshaus. Dr. Paul Meinhordt. Kann Deutschland Weltpolittk treiben? 3. Auslage. Preis 10 Pf. Hermann Grosse, Verlags-Buchhandlung Weimar. Gegenüber dem Schillerhause. HanS Buschmann, Der Kaufmann und die englische Arbeitszeit. Preis 1 M. Berlin 1901. C. Regenhardt, Kursürstenstr. 37. Sechster Jahresbericht der Deutschen Orient-Gesellschast zu Berlin. 29 Seiten. Berlin 1901. Fortschritt, socialer. Heft 12/13: Pappritz, Anna: Errichtung von Wöchnerinnenhcimen und SäuglingSasylen, eine sociale Notwendigkett, emr nationale Pflicht.— Hest 15/10: Reeves, W. P.: Das polittsche Wahlrecht der Frauen in Australien. Deutsch von R. Grazer. Herausgegeben von L. Katscher.— Jedes Doppelheft 30 Pf. Leipzig. Felix Dietrich. .Avtlruv Henlhard. Tu es Petrus. L'Histoire et Ja legende. 331 Seiten. Paris, Librairie illustree. J. Tallandier, Editeur. 8, Eue Saint-Joseph. The Christ Jfyth. By Elizabeth E. Evans. Preis 25 cents. The Truth Seeker Company, 28 Lafayette Place, New-York. Die Rheinische Misstou und der Herero-Ausslsand. Preis 20 Pf. Bannen, Missionshaus. 1901. Hillgers illustrierte Volksbücher. Band 1. Allgemeine Welt- geschichte von Hans Blumenthal, Er. phil. Hermann Hillgers Verlag. Berlin— Eisenach— Leipzig. Preis 30 Pf. Der Städtebau. Monatsschrift für die künstlerische Ausgestaltung der Städte nach ihren wirtschaftlichen und socialen Gmndsätzen. Heft 0, 1. Jahr- gang. Verlag von Emst Wasmuth, Berlin, Markgrasenstr. 35. Preis des Jahrgangs 20 M. Religionsgeschichtliche Bolksbücher für die deutsche christliche Gegenwart. Herausgegeben unter Mitwirkung namhafter akademischer und praktischer Fachleute von lio. theol. Fr. Michael Schiele- Marburg. 1. Hest: Die Quellen des Lebens Jesu von Professor E. Paul Wemle- Basel(92 Seiten). Gebauer-Schwetschke, Halle o. S. Preis 10 Ps. Hilgers illustriertes Frauen« Jahrbüch. Kalender, Merk- und Nach- schlagebuch. Preis: drosch. 1 M., geb. 1,50. Verlag Hermann Hillger, Berlin W. 9, Königgrätzerstr. 7. Bub oder Mädel. Unerhörte Naturwahrheiten. Von Joe Beat. Wien. 1901.(Selbstverlag.) Vierter Jahresbericht des Arbeiter» Sekretariats Bremen. Nebst Belichten über Stand, Leistungen und wirtschaftliche Kämpfe der Gewerkschaften, das Gcwerkschaftskartell und das Gewerbegericht. 127 Seiten. Selbstverlag Arbeiter-Sekretariat Bremen. Philipp Witkop. Die Organisafton der Arbeiterbildung. Eine Kriftk und Verknüpfung sämtlicher Arbeiterbildungsbestrebungen. Preis 2,50 M. Verlagsbuchhandlung Franz Siemenroth, Berlin W. 57, Dennewitzstr. 2. Weiche, Rechtschreibe- Wörterbuch. Gleichzeitig ein Rechtschreib-, Fremd- und Sachwörterbuch. 2. Auslage. 50 000 Stichwörter. Preis 1,50 M. Verlag von G. Freytag, Leipzig, Brüderstr. 23. Proletarische Bergpredigt. Von I. Karmeluk. 12 Seiten. Zürich, Kommissions-Verlag der Grütli-Buch Handlung. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknin gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheatcr. Mitt w o ch, den 1. Juni. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang 7 Uhr. Neues Opern- Theater. Madame Sherry. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Der jüngste Lieutenant. Lessing. Ein pietätloser Mensch. Das Fest des St. Matern. Die Lore. Westen. Opern- Vorstellung des Sternschen Konservatoriums. Belle-Allianee. Kam'rad Lehmann. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Pauline. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Das Heiratsnest. Neues. Einen Jux will er sich mache». Kleines. Fräulein Julie. Residenz. Die 300 Tage. Trianon. Geschlossen. Eentral. Die bezähmte Wider- svensttge. Carl Weist. Die Zauberin am Stein. Gebr. Herrnfeld. Gastspiel der Tegeruseer. Der Prozcßhansl. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Säuger. Passage-Dheater. Specialitälen. Urania. Danbenstraste 48/49. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Jnvalidenstraste S7/6Ü. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr._ Central-Theater. Abends 8 Uhr zu ermäßigten Preisen: Kezähmtk Miderspknstigt. Lustspiel in 1 Aufz. v. Shakespeare. Käthchen: Paula Klär a. Ä. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag und Sonnabend: staub itsr Labmerinnsn mitJosesineDora und Emil Richard als Gäste. Neues Theater. Schiffbauerdamm 1a— 5. Einen Jux will er sich machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Pelleas und Melisande_ Belle-Alliance-Theater. Im Theater: Täglich abends 7'/, Uhr: Kamerad Lehmann mit Guido Thielscher in der Titelrolle. Nachmittags im seenhaft illuminierten Sommcrgarten: Grosses Max Schmidt-Konzert. Um 8 Uhr: Grosse Specialltäten-Vorstellung. Miss Alex mit ihrer Automobil- Schleifensahrt.— Enthüllungen der Schein- Ringkämpfe. Seniationcll I Metropo) Theater Der grösste Erlolg dieses Jabres: Gr. dramatisch- satirische Kevuo in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. Unter den Linden H. Nachtasyl. Ansang 8 Uhr. Morgen: Nachtasyl. Scltiller Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Panllne. Berliner Komödie in drei Akten von Georg Hirschseid. Donnerstagäbend 8 Uhr: l,n>»I»acivaKiihBii/,KS--/,S,'/,«-'/, 8. Orts- Kraktkenka. für das s' 16bib Igsiöiiml-lZmösbe. Sonntag, den 5, Juni, vorm. 9'l, Uhr, im Gewerkschaftshauss Engel-llfer 13. Saal 7: Außerordentliche kenersl-VersAmmlullg der Delegierten. Tages-Ordnung: 1. Umänderung des Wortlautes im Z 13 Absatz 4: Wegsall der Worte: „nach dem Tage". 2. Wahl eines Kassenbeamten. 3. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht Per Vorstand. I. A.: Karl Nickisch, Vorsitzender, Berlin N. 37, Chormerstr. 84. Heue freie Volksbühne. Sonntag, den 5. Juni: mit Musik nach Abfahrt morgens'/.jO Uhr. Teilnehmerkarten für Mitglieder und Gäste a 1,10 Mark sind an allen Zahlstellen des Vereins sowie bei dem Kassierer zu haben. Per Vorstand. 150/7 I. A.: Heinrich Neft, Kassierer, Voteranenstr. 6. Neu! Neu! Billigste Dampfer- Extrafahilen von der Bichael-Briicke jeden Montag, Dienstag, Mittwoch, Donners- tag, Freitag für 0,30 M. hin und zurück. Abfahrt nachm. 2 Uhr. Jeden. Sonntag einfache Fahrt 0,50 M., vorm. i> Uhr, nachm. 8 Uhr nach Woltersdorfer Schiense mit Musik.— Billige Dampser für Vereine und Gesellschaften.[5375L*] II. Tisiuer. Dampfer für Vereine u. Gestüfchasttll empfiehlt Robert Kieck. 5351L» er, Caprivistrasse Xo« 4» Herr Säekermeister Krause, iSk Blumen=Strasse 51a, bittet uns, zu erklären, daff er gern bereit ist, den vor dem Einigungsamt vorgeschlagenen Tarif rückhaltlos anzuerkennen und daff er die Forde» rungen der Bäckergesellen vollauf billigt und diese Forderungen in seinem Betriebe auch schon vor dem Streik vollständig durchgeführt sind. -�9/3___ i£ic Streikleitung. Achtung, Bäckerstreik! lüitp, Akdeiln mi> dchOm Zhi f/mfmnl Unterstützt die streikenden Bäckerei-Arbeiter in ihrem schweren Kampfe zur Erringung menschenwürdiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Kauft nur Brot und andre Backwaren aus den Bäckereien, in welchen unsre bescheidenen Forderungen erfüllt werden. Zfttr dort sind die Forderungen bewilligt, wo die mit dem Stempel des Verbandes der Säcker, JRitgliedschaJt Serlin, und der Untersehrift: Karl Hetzschold, Kofcnflsfllttfltnit 11-12 versehenen Plakate aushängen. Wir bitten das geehrte Publikum, streng auf obiges zu achten, da von vielen Bäckermeistern versucht wird, durch Aushängen von naeh- geahmten und gefälschten Plakaten die Bevölkerung zu täuschen und irrezuführen. Wir appellieren an das Rechtsgefühl des Brot konsumierenden Publikums, diese Versuche der Täuschung, die von den Bäckermeistern unternommen werden, zu nichte zu machen.- Wir hoffen, dass uns die Bevölkerung aneh ferner wie bisher in nnserrn berechtigten Kampfe unterstützen wird! Wir machen das verehrte Publikum darauf aufmerksam, daß eine ganze Reihe Bäckermeister und Händler die Forderungen entweder zurück- ziehen oder durchbrechen. Wir haben daher diesen Leuten unsre Plakate entzogen. Viele Meister nehmen, durch die Znnnngen scharf gemacht, imsre Plakate aus den 7enstem und machen den Kunden gegenüber allerhand Ausreden. Bäckermeister, die ihre Bewilligungen zurückgezogen haben oder denen die Plakate von uns entzogen find: MST Achtung! Kausfrauen, Arbeiter von Moabit! Nachstehende Bäckermeister haben auf hektographiertem Bogen in voriger Woche bei der Streikleitung ihre Bewilligung zurückgezogen: H. Linke, Emdenerstr. 44. B. Rattki, Emdenerstr. 50. Dh. Neumann, Oldenburgerstr. 19. Karl Petkert, Oldenburgerstr. 14. G. Naujock, Ouitzowstr. 190. Hugo Berg, Oldenburgerstr. 23. Wtlh. Knetsch, Lübeckerstr. 24. Bodenstein, Wilhelmshavenersw. 12. iwilh. Gabt, Emdenerstr. 54. Wilh. Ballin, Stromslr. 55. H.Schmelzer,WilheImshavenerstr.39. Rnb. Giesmaun, Oldenburgerstr. 8. W. Sander, Berlichingenstr. 1. G. Klimpke, Ouitzowstr. 125. W. Rinsch, Waldstr. 7. H. Liedke, Stephanstr. 51. Aug. Stermsdorf, Hutlenstr. 41. Franz Rechenberg, Hutlenstr. 4. Georg Hei», Jagowstr. 20. Karl Schwarz, Havelbergerstr. 24. Paul Schmidt, Erasmusstr. 12. Franz Bauch, Lübeckerstr. 52. Franz Metcke, vandelstr. 27. Rod. Praeger, Baudelslr. 36. Adolf Reisewill. Wielesstr. 27. Ferd. Pfeiffer, Perlebergerstr. 44/ f erm. Koller, Bredowstr. 43. ugo Hildebraudt, Birkenstr. 19. Wilh. Schulz, Gotzkowskysir. 10. I. Auster, Baldenserstr. 41. Andreas Mufiol. Alt-Moabit 42. M. PaaN, Zwinglistr. 22. Ferd. Dürre, Turmstr. 62. Franz Weinrich, Beusselstr. 87. Georg Holländer, Wilsnnckerstr. 37. B. LnckowSki, Wittstockerstr. 25. Hirschberg. Zinzendorsstr. 8. Fr.Kockeri«,Wiihclmshavencrftr.33e, Adolf Kläden, Bredowstr. 12. Th. Gusig, Oldenburgerstr. 12. I. Sieg, Beusselstr. 59. Hubert Mauz, Beusselstr. 1. Ein protzigerer Schlag ins Gesicht der konsumierenden Bevölkerung ist undenkbar. Hausfrauen! Arbeiter! Bürger! Gebt die Antwort! Borila. E. Weber, Breslauerstr. 11. Böhme, Schleiermachersw. 11. Jaenicke, Ritterstr. 40 u. Brcitestr. 20. tiarl Lpalke. Frankfurter Allee 80. H. Geier, Hollmannstr. 7. August Hossmann, Petersburger- straffe 38. W. Senft, Schwedterstr. 21. Karl Wagner. Schenkcndorfstr. 4. Sedlatscheck, Blumenstr. 64. E. Dhede, Auguststr. 22. Fr. Hocsft, Brüderstr. 36. «. Brcitkopf, Möckernstr. 111. Kühn, Chamissoplatz 6. Heinrich Schmelzer, Wilhelms- havenerstr. 39. Lewi», Neue Königstr. 5. Woldenbcrgcrstr. 22. Winsstr. 11- Schltephake, Hussitenstr. 64. P. Przybyla, Hagclsbergerstr. 29. Barduhn, Naunynstr. 40. Unkrodt, Ackerstr. 70. Ckarlottoitlmre. Peter Eichhorn, Bcrlinerstr. 50. Hermann Witte, Joachimsthaler- straffe 39/40. R. Birkholz. Otto Grundmann, Rosinenslr. 10. Sebald Bänisch, Kaiser Friedrich- straffe 59. Johann Spiübart, Pestalozzislr. 76. Paul Lehmann, Pestalozzistr. 69. H. Schmidt, Knobelsdorffstr. 8. Adolf Daniel, Schloffstr. 20. Hermann Otto. Spiclhagenstr. 14. Max Bartsch, Holtzendorffslr. 18. F. Walther, Pestalozzistr. 12. G. Kühne, Wcimarerstr. 14. W. Sorries, Christstr. 15. Frist Modersohn, Danckelmannst. 12. Albert Heinrich, Bismarckstr. 43. Wilhelm Schlosser, Sophie Char- lottcnstr. 99. Wilhelm Dremns. Orangenstr. 4. B. Lück, Spandauerstr. 20. Joseph Schierse, Kaiser Friedrich- straffe 47. B. Mack, Potsdamerftr. 10s. Hrm. Haubold, Stuttgarter-Platz 21. E. Eichhorn, Schillerstr. 114. I. Witt, Potsdamerftr. 43. C. Loffe, Wilmersdorserstr. 156. I. Josat, Rosinenslr. I2o. O. Rcimann, Schloffstr. 35. G. Manske, Potsdamerftr. 14. P. Dähnc, Sophie Charlotten- straffe 15a. W. Spiest, Wilmersdorserstr. 66». W. Gnstke, Wilmersdorserstr. 117. E. Haase, Florastr. 10. C. Uhlmann, Kaiser Friedrichstr. 9. E. Klose. Schlüterstr. 12. O.«lock. Wilmersdorserstr. 133. O. Geiftlcr, Wilmcrsdoiscrstr. 158. W. Ruckwied, Sophie Ehariotten- straffe 89. C. Wolsf. Friedrich Karlstr. 12. G. Randzio. Wallstr. 24. I. Donner, Christstr. 33. Joh. Lieble, Pestalozzistr. 82. Wilh. Porath. Svrccstr. 46. Panline Rastky, Scharrenstr. 8. H. Stief, Wilmersdorserstr. 127. Otto Bachutann» Englischestr. 29. 8ol»«HOl»OI-{{. Karl Keusche. Sedanstr. 61. HVllmoosdoiT. Max Esser. Uhlandstr. 140. Klcktonkoi-H:. Nagel, Wilhelmstr. 75. Friedrlchsberg. Bruno Krctschmer. Gürtelstr. 27. Müller, Mührenstr. 32. 299/4 I-asse sieb daher niemand täuschen! Die Streikleitung. Eltl p» Frottientoff 3.60j mit Kappe 4 Bademäntel bunt Frottierstoff 4 Mk., mit Kappe 4.75 Frottier-Handtücher wei» 40, 70, 90 Pt Frottier-Handtücher tunt 37, mit Spruch 35 pr. Grösse ca. cm 130/1W 130 200 160200 Badefaken weiss Frottierstoff 2.50 3 Mk. 3.75 Mk- Badelaken bunt Frottierstoff 2.90 3.60 4.70«k. Badelaken halbleinen 3 Mk., reinlein. m. Inschrift 4.50 blk. Schwimm-T rikotSMädch. 1.90,2. 1 0)Damen2.30,2.50 für Knaben für Herren Schwimm-Trikots 90Pf.. 1.05, 1.20Mk. 1.40, 1.70 Bade-Kappen 12, 22, 43, 65 Pf. Bade-Pantoffel 60, 95 Pf-,»»» schar 23 pr. Frottier-Handschuhe stück 10, 18 Pf- Ein Posten Reise-Kostüme 9.75, 1 8.75, 38«... Gummi-Paletots 15.75, 13.50 Staub-Paletots grau, mod. 14.25 Blusen, Bolero- u. Paletot-FaQons Länge ca. cm 55 65 Garderoben-Coupe-Koffer 2760, 3725 Länge ca. cm 50 65 60 Handkoffer Äh�ssUd"e,nfa"uns 2.50, 2.65, 3.25 Länge ca. cm 55 60 65 Faltenkoffer �™,torM«ng!ÄuÄ 5.90, 6.75, 7.25 Koffertaschen Länge ca. cm 48 54 60 21, 23, 26 Mk. nge aus starkem Rindleder 1«� /-»-FFöki aus Pflanzenfaser- Platten \JlUUUo~PvU 1 1 Cf mitvernickeltem Stahlcarre Länge ca. cm 55 mitvernickeltem Stahlcarre 60_ 65 70 ....."""17.75 19™ 2 1.75 2450 2J. Garantie Länge ca. cm 36 39 Rindleder-Handtaschen ing�Form 6«k. 6.75 u Toilette-Artikel, schw. 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Dnickknöpf. in Mantel zu verwand. lOlKk. Reisedecken 5S|pei«itig"?mu.'tert 10, 15, 20, 25 Mk. Damen-Velour- Echarpes 2.25, 3.10, 4.75Mk. seidenweich 6.25, 9,75, 1 2.25Mk. Herren-Reisehemden gestreift Trioot,,»_ Tricot, Maco oder Beige u,— m. Umlegekragen 1.clO, m. abknöpf b. Umlegekrag. 4. lO Mk. geetr. Baumwollflanell 0__ feiner Lawn- Q— c m. abknöpfb. Kragen 4.25, tennis Stoff 5.50, 5,75 Mk. Die neuen Preislisten über Bade- und Reise-Artikel, sowie über optische, photographische Artikel und Mal- Utensilien werden portofrei versandt HPvv57 5 Antypinpn /Ii Cr i/l f%ii& dl U dll« W*si V als IS Buchstaben zählen tinpn/-if Xi aM V Strasse 6 Anzeigen i den AnnahmeslelUn für Berlin bist Uhr, für die Vororte bisl2Ubr, i der Hauptexpedition Lindzn- st rosse 69 bis S Uhr angenommen. Gelegenheitskäufe: Paletots, An« züge, Hosen, Kessel, Betten, Teppiche, Schirms spottbillig. Lücke, Oranien« strasse 131. 16356* chste verden jM irlin M Verkäufe. 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