Nr. 129. Hbonnemcnts-Bedingimgeii: Abonnements■ Preis pränumerando i Bierteijährl. 8,30 SRI., monatl. 1,10 SRI., WSchsntlich 28 Pfg. frei ins Haus. Emseine Nummer S Pfg. EomitagS« mumner mit illustrierter Sonntags- BeUage.Die Reue Welt- 10 Pfg. Post- WonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. 21* Jahrg. Die Tnfertions* Gebflip beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlfchaftliche Vereins- und Berfammlungs-Anzeigen 2S Pfg. „kleine ZZnzieigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 6 Ahr nachmittags in der Ezpeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet cilchefnl tigtldi außer Hlootagt, Verltner VolkSblÄkk. Zrelegramm-Adreffe: „SozIaldcuMkrat BerfHi". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: kW. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Von der Lebenshaltung des Proletariats. Die Berichte der Gewerbe-Jnspektoren sind Plaidoyers auf mildernde Umstände für den kapitalistischen Staat und das Unter nehmertum, gehalten vor dem Richterstuhle der Arbeiterklasse. Wie ein geschickter Verteidiger sich in seiner Rede sorgsam vor handgreif- lichen Unwahrheiten hüten wird, so kann man auch als selbst- verständlich von vornherein annehmen, daß alles wahr ist. was an That fachen in den Berichten der Gewerbe-Jnspektoren steht; aber nicht alles, was wahr ist, steht darin, und oftmals sind, wie das ja auch in andern Verteidigungen vorkommt, durch geschickte Gruppierung und Ver Wendung des Thatjachenmaterials unberechtigte Effekte erzielt worden. So fällt in dem uns vorliegenden.Jahresbericht der königlich preußischen Regierungs- und Gewerberäte und Bergbehörden für 1903"(Berlin 1904. R. v. Deckers Verlag), aus dem wir schon eine Reihe von Mitteilungen gebracht haben, vor allem ein gewisser optimistischer Zug auf; unausgesprochen scheint die Absicht ge waltet zu haben, das Ende der wirtschaftlichen Depressionzu „konstatieren"', unter der in den letzten Jahren die deutsche Arbeiter- schast so außerordentlich schwer gelitten hat. Nun geht zwar aus den Berichten, wie ja auch aus den Angaben des„Reichs-Arbeits- blatts" und der Zeitschrift„Der Arbeitsmarkt" bereits bekannt war. hervor, daß sich im Jahre 1993 die Arbeitsgelegen heit etwas vermehrt hat und daß die Arbeitszeit- Ver- kürzungen für beschäftigte Arbeiter ein wenig seltener geworden sind; aber daraus ohne weiteres auf eine Beendigung der Krise zu schließen, geht schon um deswillen nicht an, weil das Verhältnis der Zahl der Mehrbeschäftigten zur Zahl der noch immer arbeitslos bleibenden nicht bekannt ist und bei dem Mangel an geeigneten statistischen Unterlagen auch nicht bekannt werden kann. Aber es kommt auch noch etwas andres in Betracht. Für das Wohlergehen der Arbeiterschaft, welche die größte Konsumentenschar ist und demnach für den Geschäftsgang in vielen Jndustriebranchen und der Urproduktion ausschlaggebend sein kann, genügt es offenbar nicht, daß sie— abgesehen von der iminer vorhandenen„Reserve- Armee"— überhaupt Beschäftigung findet, sondern daß ihr der erworbene Lohn ein menschenwürdiges Dasein gestattet. Gerade hier haperte es aber im Jahre 1903 fast in allen Teilen der preußischen Monarchie. Einige Beispiele:„Die Löhne sind an vielen Stellen bis zu 10 Proz. verringert'(Westpreußen);„Aenderungen?t 93 M. ein. Das Schöffengericht verurteilte ihn ebenfalls in dieser Höhe. 1. weil in seinem Lokal in neun verschiedenen Fällen öffentliche Tanzl??stbarkeite?? ohne polizeiliche Erla??bnis stattgeft?nden hätten, 2. lveil er Gäste über die Polizeistunde hinaus ge- d??ldet hätte, nämlich gine Versam?nlung des socialdemo« kratischen Wahlvereii?s. Die sogenannten öffei?tlichen L?tst- barkeiten waren Vereins- Vergnügen des Wahl- Vcrenrs und von Fachvereine??. Staatsanwaltschaft«nd Schöffengericht gingen davon aus, daß der 163 Mitglieder zählende Wahlverein mit Rücksicht auf diese Mitgliederzahl und die leichte?? Beding?ingen des Eintritts, der Mitgliedschaft und des Austritts nicht als geschlosse??e Gesellschaft angesehen werden kön??e.— Auf seine Berufu??g wurde jedoch der Angeklagte freigesproche??. Das La??dgericht erklärte den Wahlverein für eine geschlossene Gesellschaft und fiihrte aus, dah seine Veranstaltungen, da die Zahl der ein- geführten Gäste nur eine beschränkte war, auch als geschlossene gelten mützten. Somit habe man zur Veranstaltung der Tanz- lustbarkeiten einer polizeilichen Erlaubnis nicht bedurft.— Und auch die Versamn?l??ng des Wahlvereins, die in einem besonderen Räume stattgefunden habe, sei als die einer geschlossenen Gesellschaft anzusehen, weshalb Angeklagter ihre Beendigung beim Eintritt der Polizeistunde nicht habe verlangen brauchen. Der Strafsenat des Kammergerichts, vor dem An- geklagter durch Rechtsanwalt Dr. Rubens vertreten war, verwarf die gegen das Urteil von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision mit folgender Begründung: Hinsichtlich der T a n z v e r g n ü g u n g e n des socialdemokratischen Wahlvereins sc. versage das Rechtsmittel schon deshalb, weil der Wirt gar nicht der „Veranstalter" gewesen sei, während die in»Betracht kommende Regier??ngsverord????ng von 1892(Tanzverordnung) den Wirt nur mit Strafe bedroht für den Fall, dah er ohne polizeiliche Erlaubnis eine öffentliche Tai?zl??stbarkeit„veranstaltet". Das Dulden sei kein Vera??stalten. Und im Falle der Ver- sammlung des socialde???okratischen Wahlvereins kö????e auch die Bestimmung des Strafgesetzbuchs über das Dulden von Gästen über die Polizei st??nde hinaus keine Ai?lvend??ng finden, de??n wenn Angeklagter einen Raum seines Lokals einer geschlossenen Gesellschaft zur Verfügung stellte, da???? habe er als Wirt auf je??en Raum kein Recht gehabt und habe den Versa???melten die Polizei st un de gar??icht ge- bieten können. Die Freisprechung sei deshalb berechtigt. — Ii? der Frage der Anwendung der Polizeistnnde auf Ber- sammlunge» hat das Schöffengericht in Düsseldorf ein be- achtenslvertes Urteil gefällt. Die Genossen Wallbrecht, Etz- k u ch e n und Schweizer waren durch Strafbefehle in je 15 M. Geldstrafe gei?om???ei? lvorden, weil?inter ihrer Leitung eine öffent- liche Bersan?ml?>ng bis 1 Uhr nachts gedauert hatte, obwohl der überlvachende Beamte un? 11 Uhr????ter Hinweis a??f die Polizei- stunde Feierabend geboten hatte. Auf den Einspruch der Bestraften hob das Schöffe??gericht die Strafbefehle auf??nd erkannte auf Frei- sprech????g mit der Begründung, daß auf Versammlungen, in denen nach Eintritt der Polizeistunde keine Getränke mehr verabreicht werden, die Pol?zeiverord??u??g über die Polizeistunde nicht anwendbar sei. Das Versammlungsrecht enthalte keine Beftii??mung darüber, wann Versaminl?i??gen beendigt werden müssen. Hus Induftnc und Handel. Die Gencralversamu? lung der Deutschen Genossenschaftsbank. Wie vorauszusehen war. ist es in der gestern abgehaltenen Ge- ??eralversammlui?g der Aktionäre der Genossenschaftsba??k noch??icht zu dem Beschlutz des Ueberganges der Genossenschaftsbank an die Dresdner Bank gekommen, da von den 39 Millioiren Mark Aktienkapital nur 7,8 Millio??en durch etwa 49 Aktionäre vertreten waren: ein Zeichen hochgradiger Indolenz, das deutlich beweist, was aus dem Institut gelvorden ist, dessen Gründung enist von den freisinnigen Wirtschaftspolitikern als der Beginn einer neuen Wirtschaftsära gefeiert wurde. Da nach dem Statut die Vertretung von mindestens der Hälfte des Aktienkapitals erforderlich ist, mutzte eine ne?le Generalversammlung angesetzt werde??, die zum 24. Ju??i einberufen iverden soll. Nach dem Statut der Gesellschaft kann diese, ganz gleich, wie hoch das in ihr vertretene Aktienkapital sein wird, endgültig über den Vereinigungsvertrag beschliehen. Als Vorsitzender der Versammlung fungierte Dr. H. C r ü g e r, der bekannte Genossenschaftsanwalt und Mittelstandsretter, der be- kanntlich an der F??sion noch insofern extra interessiert ist, als ihm dann, wen?? die Angliederung der Genossenschaftsbank an die Dresdner Bank erfolgt, bei der letzteren ein fetter Aufsichts- ratsposten zugedacht ist. Herr Crüger verlas zunächst eine lange Erklärung über die Gründe, welche die bisherige Verwaltt?ng zu der A??nahme des Slngebots der Dresdner Bank bestimmt haben. In dem mit allerlei schönen Rede??sarten ausstaffierten Schriftstück heitzt es u. a.: „Haben die Mittelbanken in dem Wettbewerb mit den Groß- banke?? überha?lpt und nicht zu?n letzten durch die Börsengesetzgebu??g von Jahr zu Jahr???ehr zu kämpfen, so mutz die Deutsche Genossenschaftsbank i?ffolge der von ihr vor zwei Jahren geloählten Beschränkung auf die Kreditvernnttlung und das Börsen- Kon??nissio??sgeschäft und bei Verzichtleistung auf die Teilnahme a?? Fi??a??zierungs-?ind Unternehmergeschäften voraussichtlich nur mit Erträgnissen rechnen, welche gegenüber dem Risiko, das mit dem Bankgeschäft unvermeidlich verbunden ist, als bescheiden bezeichnet werden müssen. Die Verwalt????g der Deutschen Genossenschaftsbank glaubte daher ein Anerbieten nicht von der Hand weisen zu sollen, bei welchem ihre Aktien einen Preis erzielen, der die Wert- bemessung der Attiva und Reserven übersteigt, und außerdem eine Jahresverzinsung von 4 Proz. i?? sich schlietzt, und das ihnen dafür Aktien in Tausch giebt, die eine höhere Verzinsung in Aussicht stellten. Die Ueberftihkhng des Geschäfts der Deutschen Genossenschaftsbank in das der Dresdner Bank gewährt ferner ????sren Geschäftsfreunden Aussicht auf geschäftliche Vorteile, die eine Mittelbank zu bieten nicht in der Lage ist. Die Deutsche Genossen- schaftsbank hat sich seit Beginn ihres Bestehens als die Trägerin socialer Aufgaben betrachtet, die sie über den Rahmen eines aus- schlietzlichen Ba??kgeschästes erhob. Sie hat an der Ausgestaltung des Genossenschaftswesens mitgewirkt und durch ihren Kredit das Bedürfnis der Genossenschast nach Bankkredit zu befriedigen gesuöht. Unter voller Würdigung dieses Umstandes hat die Dresdner Bank verttaglich Zusagen gemacht, la??t welchen sie diese Aufgaben in gleicher Werse weiter fördern und in der Verfolgung dieser Ziele den Mitgliedern der bisherigen Verwaltung der Deutschen Genossenschaftsbank einen maßgebenden Eiirflutz einräumen wird." Die der Verlesung folgende Debatte bot im ganzen wenig Beachtenswertes. Nur die Reden des Vertreters der Genossenschaft in Eberswalde, des Herrn Grotzmann, und des Leiters des Frankfurter Zweiggeschäfts der Genossenschaftsbank, des Direktors T h o r w a r t, haben einigen Anspruch auf Beachtung. Herr Groß- mann charakterisierte ironisch die eigenartige Zwitterstellung des Herrn Dr. Crüger als Schützers des MttelstandeS und AuffichtsratS- Mitgliedes einer Riesenbank. Er bezeichnete die Fusion als die Gründung eines.BankttustS" und äußerte dann, zu Dr. Crüger gewendet:«Und an der Spitze dieser Bewegung, die uns in den Trust überleiten soll, steht Dr. Crüger, der- selbe, der vor einiger Zeit die Konsumvereine aus den Ge- nossenschaften drängte. weil fie den Mittelstand schädigten." Ferner erklärte er, daß die Bilanz für 1992/93 bewiesen habe, daß die voraufgegangene Bilanz„unrichtig" gewesen sei, und doch habe Herr Genossenschaftsanwalt Dr. Crüger sie einfach mit seinem Namen gedeckt. Ihn? antwortete als Vertreter des Vorstandes Direktor Thorwart, der allerlei schwere Angriffe gegen die Genossenschaften erhob. Die Genossenschaften, erklärte er, hätten kein Interesse für die Bank ge- zeigt, sie hätten es an Treue und Solidaritätsgefühl fehlen lassen. Heute seien nur noch 39 Proz. der Aktien in Händen der Genossen« schaften, ehemals 199 Proz. So sei de??n heute scharf zwischen dew J?tteressen der Aktionäre und denen der Genossenschaften zu scheiden. An Bemühungen seitens der Verwaltt?ngen. die Genossenschaften zu Aktionären der Ba??k zu machen, habe es nicht gefehlt, aber sie seien ohne Erfolg geblieben. Hinzu komme noch, daß die Genossenschaften schon längst Geschäfte mit den Großbanken machten und nicht die Deutsche Genossenschaftsbank bevorz??gten. An diese eri??nere sich eine Genossenschast nur dann, wenn es ihr schlecht geht l?nd ihr ander- tveittg ein genügender Kredit nicht mehr eingerä??mt würde usw. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank beschloß in seiner he??ttgen Sitzung, der auf den 25. Juni er. einberufenen außerordentlichen Generalversammlung zur Verstärkung der Betriebsmittel die Er- liöh??i?g des Grundkapitals??m nominell 29 999 999 M. in Vorschlag zu bringen. Die??e??en Aktie??, die mit Dividendenberechtig??ng vo?n 1. Januar 1995 ab ausgestattet werden, solle?? durch Vermittelung eines Konsortiums den alten Akttonären zum K??rse von 186 Proz. angeboten werden. Das Konsortt??m erhält 2 Proz. Gara??tte- kommission, so daß nach Abzug der Stempel- und der sonstigen Kosten der Deutschen Bank 189 Proz. verbleiben. Ferner lvurde be- schlösse??, im Zusa?i????enhang mit dieser Kapitalerhöhung die Ta??tie???e für A??fsichtsrat und Direktton dadurch zu ermäßigen, daß sie vom 1. Ja????ar 1995 ab erst nach Abzug von 5Va Proz. anstatt wie bis- her??ach 5 Proz. Dividende begii???t. Deutschlands industrielle E??twicklung in amerikanischer Beleuchtung. Das Bullelm der Amerikanischen Handelskammer(American Chamber of Commerce) enthält einen hoch interessante?? Beucht des a???eri- kanischen Genera lko??s??ls in Berlin, Herrn F. Mason Über den industriellen Fortschritt Deutschlands tvährend der letzten A?lfschwungs- Periode u??d die Grüi?d??ng amerikanischer Fabriken in Deutschland. Herr Maso?? ist ein guter Kenner deutscher Wirtschastsverhältnisse. Das belveisen seine A??sführu??ge?? aufs??e??e. Nachdem er die maschi??elle Verbesser????g der deutschen Werke, teils d??rch Ei??führnng amerikanischer Maschine??, während der Jahre 1893/1999??nd die Fortschritte des ei??hei???ische?? deutschen Maschinen- baues geschildert hat, berichtet er iveiter: Das ist aber noch nicht alles! Ms ein Teil der allgemeinen i??d??stuelle?? Entwicklung?nacht sich immer bedeutsamer ein Faktor geltend, der in den Vereinigten Staaten in seiner Tragweite i?ccii viel zu wenig gewürdigt ivird, nä???lich die Produkttonskraft industrieller A?rlagen, welche in Deutschland dl?rch Slmerikaner ;i?s Lebe?? gerufen, mit amerikanischen Maschinen ausgestattet lvorden sn?d und von Alnerikanern unter Beobachtung ameri- lanischer Methoden geleitet tverden. Wahrscheinlich beherbergt kein europäisches Land so viele Ableger der amerikanischen Jildustrie wie Dellischland, das solchen Transplantattonen thatsächlich dieselbe?? Privilegien gewährt, ihnen dieselben Verpflichtungen arlferlegt wie den eiilheil??iichel? Firnren und Gesellschaften. Socialpolitische Gesetze, Pottzeibestirnlnungei? in betreff solider rrnd feuersicherer Fabrikatioirs- räume und a??dre gesetzgeberische Matznahmen machen die Leitung solcher Unternehn??..lgel? hier schwieriger rrnd umständlicher als in den Vereinigten Staate??, aber die Amerikaner wissen all' diesen Verpflichtlmgen völlig Rechmnig zu ttagen, und da sie unter de??- selben Bedingungen arbeiten wie die inländische Konkurrenz, so haben sie für den eilropäischen Handel vor ihren Rivalen in den Ver- einigten Staate?? eiiren gcwichttgen Vorteil vorarrs. Dieser Vorteil ?lmschl?etzt verschiedene Fattoren: die Ersparung der Ocea??fracht und der Einfuhrzölle, billigere Slrbeitskräfte und el?dlich die Möglichkeit. als an Ort und Stelle befindlich, sich um Kol?trakte mit de?? Gemeinde?? und der Regierilug zu bemühen, bei denen ausländische Offerten keine Berücksichtigung finden würden. Da sie ferner dicht bei ihre??? Markte sind, so köili?en sie diesen studiere?? und ihre Erzeugnisse genau auf den Geschmack und die besonderen Ansprüche der Kon» sllmenten einrichten, ein Moment, welches von den amerikanischen Behörden??icht genügend beachtet wird. So befi??den sich derzeit unter andern innerhalb Grotz-Berlins ein Ableger der großen Maschine??schraubenwerke zu Hamilton, Ohio, drei grotze Elektricitätsetablissements, die in enger Verbindung?nit ähnlichen Werken i?? den Vereinigten Staaten stehen, und eine Fabrik, die eine direkte Tochtergesellschaft ei??er Brooklyner Fabrik ist und vielleicht als die Hauptprod??zenttn kleiner Motore und Papier» insulatore in ganz De?itschlai?d angesprochen werden darf. Eine amerikanische Streichholzfabri.k in Baden beherrscht diesen ganzen Industriezweig in Süd- und Westdeutschland. Die„buxker p?-ismatic glass" und amerikanische Scheinwerfer Iverden hier durch Filialwerke amerikanischer Etablisseinents hergestellt, und eine aineri- kanische Fabrik in Hannover liefert pneumatische Bremsen für das ganze preußische Eiienbahnsystem. Eine wichtige Kombination stellt das jüngst geschlossene Uebereinkommen zwischen der„American General Electric Company", der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft und der Union dar, dank dessen die Cnrtis?ind Riedler- Stumpf- Patente nunmehr in geineinsamem Besitz sind und gemeinsam ver- lvertet werden. Die Gesellschaften haben ihre„Einflußsphären" gegen- einander abgegrenzt, und ihr Arbeitsfeld wird, soweit die Patente in Bettacht kommen, ganz Europa und Amerika sein. Dies sind nur einige Beispiele für amerikanische Fabriken und Koinbinattoneir in Europa. Schantung-Eisenbahngesellschaft. Die am Mittwoch abgehaltene Generalversanrmlung erhielt dadurch einen besonderen festlichen Charakter, daß gleichzeitig mit der hiesigen Tagung in Schantung die Eröffnung der Gesamtlinie von Tsingtau bis nach Tsinanfu statt- fand. Zur Feier des Tages hatte die Verwaltung der.Gesellschaft eine Denkschrift über die Ausführung des Bahnunternehmens herstelle?? lassen. Aus dieser geht hervor, daß im Jahre 1992 die Zahl der be- förderten Personen sich auf 221 999, im letzten Jahre aber bereits auf 363 499 belief. Die Betriebseinnahmei? ergaben für 1991 bei einer durchschnittlichen Jahresbettiebslänge von 65 Kilometer: 39 999 Dollar. 1992 bei 179 Kilometer: III 999 Dollar, 1993 bei 253 Kilometer: 212 299 Dollar. In der Anfangsperiode ist es der Schantung- Eisenbahn schwer geworden, die Güterttansporte auf die Bahn zu ziehen. Durch eine erhebliche Ermäßigung der Gütertarife wurde in- dessen der Güterverkehr belebt, so daß von 5599 Tonnen in 1991 im fotgenden Jahre 21 999 Tonnen und im Jahre 1993 rund 44 999 Tonnen zur Beförderung kamen. Die Steigerung des Güterverkehrs spricht sich noch deutlicher in den Einnahmen aus, welche in den folgenden Ziffern wiedergegeben sind: 1991 16 299, 1992 92 399, 1993 296 599 Dollar. In den ersten Monaten des Jahres 1994 hat sich der Güterverkehr weiter gehoben, so daß er jetzt die Einnahmen ans dem Personenverkehr übersteigt. Neue russische Anleihe. Die„Franks. Ztg." berichtete vorgestern. daß eine neue russische Anleihe auf dem deutschen Markt in Sicht sei. Die Herren Geheimrat Ernst b. Mendelssohn-Bartholdy(in Firma Mendelssohn u. Co.) und Gehcimrat Oppenheim(in Firma Rob. Warschauer u. Co.) seien vom russischen Finanzminister zu einer Besprechung geladen worden. Darauf erklärt heute das„Wolffsche Telegr.-Bureau":„Die in heutig«? Zeitungen enthaltene Mitteilung, daß Chefs hiesiger Bankfirmen zu einer Besprechung mit dem russischen Finanzminister wegen Ausgabe einer neuen Anleihe eingeladen worden seien, ent- behrt. wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, jeder thatsächlichen Unterlage. Weder ist leine solche Einladung ergangen, noch finden irgendwelche Verhandlungen mit den in den Zeitungen genannten Bankfirmen wegen einer russischen Anleihe statt." Mag sein, daß die Herren Mendelssohn und Oppenheim noch nicht„geladen" sind; aber lange wird trotzdem die neue russische Anleihe nicht auf sich warten lassen. Rußland braucht neue Moneten. Der amerikanische Stahl- und Eisenmarkt flaut nach der kurzen Geschäftsbelebung im April jetzt wieder von Woche zu Woche ab. Wie der„Frankfurter Zeitung" aus New Jork geschrieben wird, laufen erneut ans den verschiedensten Gegenden der Union Berichte ein. daß der Mar» sehr flau liegt. In einzelnen Branchen sind zivar die Werke noch ziemlich beschäftigt; doch kommen neue Aufttäge sehr spärlich herein. Man befürchtet, daß dem Eisenmarkt ein sehr ruhiger Sonuner bevorsteht. Die Käufer sind schwer zu betvegen, ihre reservierte Haltung aufzugeben, sie sind der Ansicht, dah sie leinerler Schwierigkeiten haben werden, das erforderliche Material prompt geliefert zu erhalten. Einige der Roheisen-Produzenten im Süden haben, trotz- dem sie mit ihren Preisen zurückgegangen sind, keine Aufträge er- halten. Von den Hochofenwcrken im Norden halten noch einige an ihren Preisen fest, während andre ebenfalls eine Reduktion eintreten liehen. Der Umsatz in schweren Eisen- und Stahlprofilen ist noch immer sehr gering. Kleine Umsätze wurden in Stahlschienen gemacht, während der Umsatz in Konstruktions-Eisen zurückgegangen ist. Für Platten wird vielfach auf einen Rückgang der Preise gerechnet. Das Geschäft in Trahtprodukten ist ebenfalls schwächer. Das gleiche gilt von Blechwalzwerken, wogegen die Weißblech- und Röhrenwalzwerke sehr stark beschäftigt sind. Bestätigt wird diese Situationsschilderung durch die aus New Jork einlaufende telegraphische Meldung, dah in der vergangenen Woche 28 Hochöfen in den Vereinigten Staaten aufs Neue ausgelöscht worden sind. Auch die Eisenbahnen schreiten, da sich der Frachtverkehr noch immer vermindert, erneut zur Entlassung von Arbeitern und Beamten. Die Pennsylvania-Bahn hat auf ihren westlich von Pittburg gelegenen Linien nochmals 1100 Angestellte entlassen. Saarabien vor Gericht. (Privat-Depeschen des„Vorwärts".) St. Johann, 3. Juni. Der Prozeß Krämer begann Freitagmorgen 9 Uhr. Vorsitzender ist Landgerichtsrat Heidemann, Staatsanwalt Freytag, Verteidiger Rechtsanwalt Heine-Berlin. Bergwerks-Direktor Hilger tritt als Nebenkläger auf mit Rechtsanwalt Trier-Zweibrücken und Lanser- St. Johann. Die Zahl der Zeugen beträgt über 100, Entlastungs- zeugen 7ö. Angeklagter Krämer giebt an, der Zweck seiner Aktion sei die Werbung für den Bergarbeiter-Verband und die Bekämpfung der Arbeiterentrechtung. Er will das System bekämpfen, nicht Personen. Krämer war 18 Jahre lang fiskalischer Bergmann und bisher un- bestraft. Er wurde gematzregelt, weil er eine Bergarbeiter-Ver- sammlung besucht hatte. Darauf hat er die Flugblätter heraus- gegeben, die auf Antrag des BergfiskuS konfisziert wurden. Das Gericht hat 30 Entlastungszeugen abgelehnt. Rechtsanwalt Heine beantragt deren Ladung, da die Anklage sich gegen die Flugblätter als Ganzes richtet. Das System im Saar- gebiet soll aufgedeckt werden. Der Staatsanwalt widerspricht. Das Gericht behält sich eine spätere Beschlußfassung vor. Es kommt zu einem Rcncontre zwischen Heine und dem Staatsanwalt. Letzterer behauptet, das Centrum habe im Landtage die Nieder- läge im Lehnen-Prozeß verwischen wollen. Heine erwidert, der Grrichtssaal sei kein Platz für politische Reden. Wenn der Ankläger Aufklärung wolle, dann dürfe er keine Einschränkung der Beweis- aufnähme wollen. Hilger giebt die Maßregelung der Bergleute zu. Sie hätten eine socialdemokratische Versammlung besucht. Das würde nicht geduldet. Der Bergarbeiterverband sei socialdemokratisch. Es ständen Socialdemokraten an seiner Spitze. Heine fragt Hilger, ob der Bergfiskus nationalliberal sei, weil Hilger nationalliberaler Führer ist. Hilger giebt keine Antwort. Die Zeugenvernehmung beginnt mit Bekundungen über Wahlbeeinflussungen bei den Reichs- tagswahlen. Bergleute, andre Arbeiter und Pfarrer erklären, es sei den fiskalischen Arbeitern freie Wahl unmöglich gemacht. Stimmzettelverteilung sei nur den National- liberalen gestattet. Nur nationalliberale Zeitungen seien in den Werkshäusern gestattet. Hilger gesteht ein, das Lesen ihm nicht passender Lektüre den Arbeitern untersagt zn haben. R.-A. Heine meint darauf, hiermit sei eigentlich schon bewiesen, was Krämer behaupte. Hilger habe weitere Zeugen über- flüssig gemacht.(Heiterkeit im Zuhörerraum.) Der Vorsitzende droht mit Räumung. Werksbeamte als Zeugen bestreiten die Wahlbeeinflussung, sie sei „nicht amtlich". Arbeiterzeugen bekunden, daß die Bergleute zur Wahl in Trupps geführt. Die Annahme andrer als nationalliberaler Zettel sei verboten. Das Lesen von Centrums- und Arbeiterblättern sei verboten. Hilger sagt, das Verbot bestehe seit 1893, weil das Centrum aufwiegle. Buchdrucker Artmann bekundet, die Bergleute seien in Kolonnen zur Wahl gebracht. Sie hätten wählen müssen wie die Vorgesetzten. Die Verhandlung wird um 1 Uhr unterbrochen und bis S Uhr vertagt. Der Prozeß wird mehrere Tage dauem. GerieKts-Leitung. Wer ist der Thäter? Eine sensationelle Verhandlung, welche einen verhängnisvollen Justizirrtum aufdecken sollte, hat am gestrigen Freitag vor dem Kriegsgericht der I. Garde-Jnfanterie-Division statt- gefunden. Es handelte sich darum festzustellen, ob ein bisher un- vescholtener Mann durch drei Instanzen hindurch unschuldig verurterlt ist oder nicht. Der Thatbestand ist folgender: Am 29. Oktober 1903 wurde der Füsilier Ferdinand Nahm von der 8. Compagnie des Garde- Füsilier- Regiments wegen einfachen Diebstahls, begangen zum Nachteil eines Kameraden, von dem Kriegsgericht der I. Garde- Infanterie- Division zu vier Wochen strengem Arrest und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verur- teilt. Zt. sollte dem ebenfalls auf der Stube 23 liegenden Füsilier Piekenhagen in der Nacht vom 20. zum 21. September 1903 das unter dem Kopfkissen liegende Portemonnaie mit 9 M. Inhalt gestohlen haben. Der Bestohlene sowie mehrere Zeugen bekundeten damals einwandsfrei, daß nur Nahm der Dieb gewesen sein könne. Der bestohlene Piekenhagen sagte aus, daß er in jener Nacht gegen i Uhr durch ein leises Geräusch aufgeweckt worden sei. Da habe ein Mann im Hemde vor ihm gestanden, der dann um mehrere Betten der Korporalschaftsstube herumgelaufen sei, und schließlich auf einen Schemel, der vor dem Bett des Füsilier Nahm gestanden, gestiegen wäre und sich dann in das Bett des Nahm gelegt habe. Er habe deutlich erkannt, daß N. dieser Mann gewesen. Dieser Bekundung schloß sich auch der Gefteite Diehl an. Piekenhagen behauptete dann weiter, daher alsbald aufgesprungen und den merkwürdigen Nachtbesucher bis zu dessen Bett verfolgt habe. Er wäre an das Lager des Nahm herangetreten, habe ihn am Arm gefaßt und gefragt, ob er denn wach gewesen sei. Dies habe der Befragte verneint. Vielmehr wäre ■Rahm aufgesprungen und zum Unteroffizier Freise gelaufen um dem- selben seinerseits mitzuteilen, daß er von P. geweckt und in so an- züglicher Weise gefragt worden wäre. Der Vorgesetzte habe beiden bedeutet, sich ins Bett zu legen und zu schlafen. Als am nächsten Morgen die Füsiliere ihr Bett machten, vermißte Piekenhagen sein Portemonnaie mit 9M. Inhalt; der leere Geldbehälter wurde später zwischen den Betten zweier andrer Füsiliere gefunden. Der Verdacht der Thäterschast fiel auf den Füsilier Nahm, der Bursche beim Lieutenant von Falk war. Der Angeklagte leugnete hartnäckig und behauptete, daß ein Racheakt des P. vorliege, der ihm nicht wohl gesinnt ist. Da aber alle Zeugen sich über den Angeklagten ungünstig aus- sprachen und er nicht einen einzigen Entlastungszeugen beibringen konnte, so gewann das Kriegsgericht die volle Ueberzeugung von seiner Schuld. Ja es hob sogar in seinem Urteil als strafschärfend das hartnäckige Leugnen hervor. Der Verurteilte legte gegen diesen Spruch Berufung bei dem Ober-Kriegsgericht des Gar'decorps ein. Aber die Hauptverhandlung dieser Instanz kam genau zu demselben Ergebnis wie das Kriegsgericht. Am 21. November 1903 wurde das Urteil rechtskräftig. Nun stellte Nahm den Antrag wegen Wiederaufnahme des Ver- fahrens beim Reichs-Militärgericht. Der erste Senat dieser höchsten Militärgerichts-Behörde beschloß jedoch den Antrag als unbegründet zu verwerfen. Die Feststellung des Diebstahls sei durch die Aus- sagen der Zeugen Diehl und Piekenhagen erwiesen. Der letztere habe in dem Gang und der Haltung des vor ihm im Hemde stehenden Mannes deutlich den Nahm erkannt. So mußte sich der Verurteilte in sein Schicksal fügen. Er verbüßte die vier Wochen strengen Arrest und wurde, da er in der zweiten Klasse des Soldatenstandes versetzt worden war, in die Disciplinarabteilung des Garde-Corps nach Spandau überführt. Am Anfang April diesen Jahres erhielten der Kaiser und der Kronprinz anonyme Briefe, die sich mit der Affaire Nahm beschäftigten. Die Schreiben wareir vom 8. April des Jahres datiert und ohne Unterschrift. In dem Briefe an den Kaiser heißt es:„Ich will Ew. Majestät mitteilen, daß Nahm unschuldig ist, ich bin zur Reserve entlassen, diente in derselben Compagnie des Garde-Füsilier- Regiments, und wußte, daß Piekenhagen viel Geld hat. Ich habe mich in jener Nacht an sein Bett geschlichen und habe das Geld gestohlen." Dann folgt in diesem Briefe die ausführliche Beschreibung, wie der sich selbst denunzierende Dieb die That verübt hat. Zum Schluß heißt es:„Ich versichere Ew. Majestät, daß Nahm das Geld nicht genommen hat. Ich bin jetzt beim Civil und werde arbeiten, bis ich dem Bestohlenen das Geld wieder zurückerstatten kann." Der Brief an den Krön- Prinzen lautet ähnlich; es wird darin zum Schluß die Bitte aus- gesprochen, der Kronprinz möge wegen Nahm mit dem Kaiser sprechen. Seinen Namen wollte der Briefschreiber nicht nennen, da er dann selbst unglücklich werden würde. Das Militärkabinett sandte diese beiden Schreiben an das Garde-Füsilier-Regiment, und der Hauptmann der 8. Compagnie, Herr v. Witzleben, ermittelte den Briefschreiber alsbald. Es war sein eigner Bursche, der Füsilier Vincenz Kuropka. Derselbe wurde sofort verhaftet, leugnete jedoch hartnäckig. Erst am 21. April ließ sich der Inhaftierte dem die Untersuchung führenden Kriegsgerichtsrat Dr. Ullmann vorführen und legte vor demselben folgendes Geständnis ab: Nahm sei unschuldig, er habe den Diebstahl begangen. Die That habe sein Gewissen schwer bedrückt. Er sei Katholik und habe sein Vergehen einem Geistlichen gebeichtet. Der Pfarrer habe ihm aber keine Absolution erteilt und ihm geraten, durch ein offenes Geständnis seinem Vorgesetzten gegenüber sein Gewissen zu erleichtern. Da sei er, um sich selbst zu schützen und dem Kameraden Nahm zu helfen, auf die Idee gekommen, an den Kaiser und Kronprinzen zu schreiben. Später hat Kuropka dieses Geständnis zurückgenommen. Die jetzige Verhandlung gestaltete sich wiederum sensationell genug. Sie richtete sich gegen Kuropka, der ebenfalls wegen einfachen Diebstahls, begangen an einem Kameraden, angeklagt war. Kuropka erklärte, dah er nicht der Thäter sei; er habe in der fraglichen Nacht geschlafen. Bezüglich der an den Kaiser und Kronprinzen ge- schriebenen Briefe, zu deren Verfasser er sich bekennt, behauptet er, dah er dem Nahm befreundet gewesen. Dieser habe ihm leid gethan, er habe geglaubt, ihm aus der Verlegenheit zu helfen und habe des- halb die Briefe geschrieben.— Verhandlungsführer: Sie schildern in diesen Briefen den Diebstahl so genau, als ob Sie selbst dabei, zum mindesten aber wach gewesen wären, während Sie behaupten, geschlafen zu haben.— Angeklagter: Pieckenhagen hat am andern Morgen alles erzählt, daher wußte ich es.— Verhandlungsführer: Sie haben ja ein Geständnis abgelegt und widerrufen dasselbe. Nach dem Geständnis hätte Ihnen Piecken- Hagen früher erzählt, dah er damals viel Geld bei sich habe. Sie gestanden zu, in jener Nacht aufgestanden zu sein und das Porte- monnaie genommen zu haben. Als Pieckenhagen wach wurde, wären Sie auf einen Schemel und von da ins Bett gestiegen. Das leere Portemonnaie hätten Sie zwischen die Betten zweier Füsiliere ge- warfen und das Geld verausgabt.— Angeklagter: Ich habe das Geständnis abgelegt, weil ich befürchtete, dah ich mit diesen Briefen eine Majestätsbeleidigung begangen hätte; ich habe in diesen Briefen die beiden hohen Herren belogen. Und da dachte ich, es wäre besser, wenn ich ein derartiges Geständnis ablegte. Hätte ich den Diebstahl begangen, so hätte ich nicht gegen Nahm Zeugnis abgelegt.— Verhandlungsführer: Als Nahm in das Unter- suchungsgefängnis abgeführt wurde, sind Sie an denselben heran- getreten und haben ihm gesagt:„Ich kann Dir nicht helfen. Du brauchst mich nicht als Zeugen anzugeben."— Angeklagter: Nahm hat zu mir gesagt:„Wer weih, ob wir uns wiedersehen, ich bin schwer verdächtigt." Da habe ich gesagt:„Ich kann Dir nicht helfen." Hierauf wird der Zeuge Nahm vernommen. Er hat seine Strafe verbüßt und ist auf Verfügung des kommandierenden Generals des Gardecorps aus der Disciplinarabteilung wieder in seine Com- pagnie zurückversetzt worden. Zeuge beteuert wiederum, dah er un- schuldig sei. Ob Kuropka der Thäter gewesen ist, weih ich nicht; mit Pieckenhagen aber bin ich zu jen?c Zeit verfeindet gewesen. Später, als ich meine Strafe verbüßte, fiel es mir ein, wie sonderbar sich Kuropka mir gegenüber benommen, als ich in Untersuchungsarrest abgeführt wurde. Es fiel mir auch ein, daß den Kameraden Beming und Thomas, deren Betten neben demjenigen des K. stehen, gleichfalls Geld gestohlen worden ist. Pieckenhagen muh in jener Nacht mich mit Kuropka verwechselt haben. Unsre Betten standen in einer Linie; er konnte sich täuschen, von welchem Schemel der Thäter wieder ins Bett stieg. Nun wird der Hauptzeuge Pieckenhagen ver- nommen. Derselbe bleibt nach wie vor trotz aller Vorhaltungen des Verhandlungsführers dabei, daß nur Nahm der Dieb gewesen sein könne. Als er um 4 Uhr morgens erwacht sei, habe vor seinem Bett ein Mann im Hemde gestanden, das Gesicht hätte er nicht sehen können, nur die Figur, denn er lag im unteren Bette. Dann sei derselbe nach dem Ofen zu weggelaufen, nach der Ecke, wo Kuropka schlief. Dort kniete der Dieb nieder, und nun hätte der Zeuge ge- sehen, dah es Nahm war. Schliehlich sei der Thäter vom Schemel vor dem Bett des Nahm in das Bett desselben gestiegen, doch ver- möge er das Letztere nicht mit Sicherheit anzugeben. Nahm sei auch gleich wach gewesen, als der Zeuge ihn geweckt. Zeuge ist dem Nahm nicht feindlich gesinnt gewesen, er hat ihm vielmehr öfter Geld gegeben. Auch Kuropka behauptet, dah er Nahm öfter mit Geld aus- geholfen habe.— Der frühere Gefreite, jetzige Techniker Diehl schränkt seine diesmalige Aussage gegen Nahm bedeutend ein; er könne nur sagen, dah er jemand im Hemde habe durch die Stube eilen sehen, der dann in ein Bett gesprungen. Sehr erschüttert werden die Aussagen des Pieckenhagen durch diejenigen des Füsiliers Kiehl. Dieser sagt aus. dah in jener Nacht Pieckenhagen auch an sein Bett getteten sei und ihn gefragt habe, ob auch er wach gewesen, was er natürlich verneinte. Zeuge will damit beweisen, daß Piecken- Hagen in jener Nacht bezüglich der Thäterschast des Nahm nicht so sicher gewesen sei. Trotz aller Vorhaltungen des Verhandlungsleiters bleiben beide Zeugen dabei, die Wahrheit gesagt zu haben.— Füsilier Thomas sagt aus, dah am nächsten Morgen, als die Spinde revidiert werden sollten, Kuropka ihm drei und dem Gefreiten Bemig'4 M. gegeben habe, mit der Bitte. eS> aufzubewahren. Kuropka erklärt dies damit, dah er viel Geld habe,-wer bestraft worden wäre, wenn er so viel Geld im Brustbeutel getragen hätte. Das Geld habe er von Hause geschickt erhalten. Feldwebel Römenapf stellt aus dem Postbuch fest, daß Kuropka zuletzt am 29. Juli 1903 von seinen Eltern Geld erhalten habe und zwar b M. Hierauf fand auf Gerichtsbeschlutz ein Lokaltermin in der betreffenden Stube der Gardc-Füsilier-Kaserne in der Chausseestrahe statt, der jSooch ein positives Ergebnis nicht hatte. Es wurden sodann die Zeugen vereidigt, mit Ausnahme des Hauptzeugen Piecken- Hägen, von dem das Gericht annahm, dah derselbe objektiv die Un- Wahrheit gesagt. Auch Nahm wurde auf Grund des Absatz III des § 199 Reichs-Militär- Strafgesetzbuches nicht vereidigt. Das Gericht beschlieht sodann, demnächst nachts 2 Uhr unter Anwesen- heit des Angeklagten und aller Zeugen einen zweiten Lokaltermin abzuhalten. Es soll ermittelt werden, ob bei der zu dieser Zeit herrschenden Dunkelheit die Zeugen überhaupt etwas sehen konnten. Ein Arzt soll sodann den Haupt- zeugen Pieckenhagen auf sein Sehvermögen untersuchen. Letzte Nachrichten und Dcpcfchen. Lotterie-Jnteressengemeinschafts-Konferenz. Eisenach, 3. Juni.(W. T. B.) Heute vormittag trat eine Kon- ferenz von Verttetern der mitteldeutschen Bundesstaaten zusammen. Vertreten waren Sachsen-Meiningen, Sachsen-Koburg-Gotha, Schwarz- burg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Weimar, Anhalt, Lippe-Detmold. Schaumburg-Lippc und das Großherzogtum Hessen. Von einigen Staaten waren die Minister anwesend. Die Beratungen betrafen die schwebenden Verhaudlikugeii mit Preußen wegen Her stellung einer Lotterie-Jteressengemeinschaft. Unter den Beteiligten wurde eine vollständige Uebereinsttmmung erzielt._ München, 3. Juni. Die„Korrespondenz Hoffmann" meldet: Das im„Bayrischen Courier" gebrachte Gerücht, dah ein sehr hoher Offizier aus dem Unterstützungsfonds für Offiziere eme Unterstützung von 30 000 M. erhalten habe, ist nach jeder Richtung unwahr und völlig unbegründet. Weder dieser noch ein ähnlich hoher Betrag wurde je an einen höheren Offizier aus diesem Fonds gewährt. Ge- suche Um Bewilligungen aus dem Fonds werden statutengemätz kam- missionell gewürdigt und der Bescheid darauf erfolgt ohne jede Ein- fluhnahme des Kriegsministeriums. Zur Lage der Bauarbeiter-Aussperrung. Wien, 3. Juni.(W. T. B.) In einer heute abgehaltenen, von etwa 10 000 Bauarbeitern besuchten Versammlung, in welcher über die Aussperrungsangelegenheiten beraten wurde, wurde ein- stimmig beschlossen, die Arbeit am nächsten Montag unter folgenden Bedingungen wieder aufzunehmen: Sofortige Erhöhung des Minimallohnes von 3,60 Kronen auf 3,80 Kronen, Erhöhung des Minimallohnes vom 1. August ab auf 4 Kronen und Einsetzung einer paritätischen Tarifkommission. Lohnbewegung der Müller in Effeg. Esseg(Ungarn), 3. Juni.(B. H.) Die Dampfmühle Union so- wie die übrigen hiesigen Mühlen mußten den Betrieb einstellen, weil die Mllllergehilfen eine 40prozentige Lohnerhöhung fordern, was von den Direktionen abgelehnt wurde. Französische Deputiertenkammer. Paris, 3. Juni.(W. T. B.) Hubbard(rad. Soc.) bringt einen Antrag ein, der die Regierung auffordert, Mahnahmen zu er- greifen, die es den Parlamentsmitgliedern ermöglichen, an der auf Grund einer Resolution des amerikanischen Kongresses erfolgten Ein- ladung zu einer interparlamentarischen Konferenz über die intcr- nationale Schiedsgerichtsfrag«, teilzunehmen. Hubbard fordert die Dringlichkeit und die Verweisung des Antrages an die Budget- kommission. Das Haus beschlieht demgemäß. G r o s j e a n(Nationalist) führt Beschwerde darüber, daß in mehreren Volksschulen Lehrbücher eingeführt seien, die kollektivistische und heeresfeindliche Grundsätze enthalten. Unterrichtsministcr C h a u m i e bestreitet, dah das von Grosjean bezeichnete Buch an die Schüler verteilt worden sei. Jeden Versuch einer Aufforderung zur Gesetzlosigkeit und Nichterfüllung der militärischen Pflichten weise er, der Minister, entschieden zurück. Er habe volles Vertrauen zu den Lehrern und bitte übrigens, einzelnen Fehlgriffen oder Ver- irrungen keine übertriebene Bedeutung beizulegen.(Beifall.) Die Kammer nimmt darauf mit 4SI gegen 70 Stimmen eine Tages- ordnung an, in der die Erklärungen der Regierung gebilligt werden. Generalstreik in ArmentidreS. Paris, 3. Juni.(B. H.) Die socialistischen Syndikate von Armentiöres hielten gestern Versammlungen ab. in denen beschlossen wurde, in einen Generalstreik zu treten. Zusammenstoß mit den„gelben" Gewerkschaftlern. Marseille, 3. Juni.(W. T. B.) Zwischen Dockarbeitern, welche dem internationalen Syndikat angehören, und solchen des französischen Syndikats kam es, als erstere die letzteren an der Löschung der Ladung eines Schiffes verhindern wollten hier heute zu Zusammenstößen. Hierbei wurden zehn Personen verletzt, davon zwei schwer. Hafenarbeiter-Ausstand. Cherbourg» 3. Juni. Die Hafenarbeiter sind in den Ausstand getreten: sie verlangen eine Lohnerhöhung. Revolutionare Kundgebungen russischer Arbeiter und Studenten. Warschau, 3. Juni.(B. H.) In Riga fanden seitens der Studenten und Arbeiter revolutionäre Strahendemonstrationen statt. Die einschreitende Polizei und Kosaken wurden mit Revolver- schüssen empfangen; 5 Demonstranten und S Polizisten wurden getötet, S Polizisten und 18 Demonstranten schwer, zahlreiche andre leichter verwundet. 27 Kundgeber wurden verhaftet. Salonicki, 3. Juni.(B. H.) Der deutsche Generalmajor v. Alten übernahm die Leitung der hier errichteten Gendarmerieschule. B-m russisch° japanischen Kriegsschauplatz. Tokio, 3. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Gesamtverluste der Japaner in den Kämpfen um Nanschan betragen 31 Offiziere und 713 Mann tot. 100 Offiziere und 3460 Mann ver- wundet. Riutschwang, 3. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus'.) Alle Bemühungen, mit dem Südende der Halbinsel Liautung in Ver- bindung zu treten, sind ergebnislos verlaufen, da die Japaner alle Verkehrsmittel beherrschen und keine Nachrichten als ihre anttlichcn Bekanntmachungen durchlassen.— In den Mühlen in Charbin wird Tag und Nacht an der Vermahlung von Weizen aus der Mandschurei gearbeitet. Tschifu, 3. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Aus Riutschwang hier eingetroffene Dampfer berichten, daß sie letzte Nacht in der Nähe von Port Arthur schießen hörten; doch habe man nur zwei japanische Kreuzer gesichtet. Verantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.VerIag: VorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin 5 W, Hierzu 2 Beilagen. Nr. 129. 21. Iahrgaug. 1. StilM des Amörls" Kttlim WsM Sonnabend, L Inn! 1904. Ein grausiger Leichenfund. Auf einen Mord läßt eine weibliche Leiche schließen, die gestern früh am Verbindungskanal in Charlottenburg aufgefunden wurde. Von der Leiche waren der Kopf und die Beine abgetrennt. Uns wird darüber gemeldet: Gegen 8 Uhr früh sahen Arbeiter in dem Kanal, der die Spree mit dem Spandancr Schiffahrtskanal verbindet, an der Straße XU. etwa 1 Meter von der Plötzenseer Brücke entfernt, in der Nähe der Zufluchtsstätte„Sichar" und gegenüber der Maschinenbau-Anstalt von Gebauer den Rumpf einer weiblichen Leiche treiben, der halb in einem Sacke stak. Auf ihre Anzeige bei dem zuständigen zweiten Charlottenburger Polizeirevier begaben sich Kriminaliiispektor Krause und die Kriminalkommissare Mielenz und Knop sofort nach dem Fundort, um diesen und seine Um- gebung mit mehreren Beamten genauer zu untersuchen. Die Besichrigling der Leiche, die ganz nackt war, ergab, daß der Kopf abgeschnitten ist und die Arme und Beine aus den Kugelgelenken herausgeschält sind. Der Leib ist nicht, wie es erst hieß, aufgeschlitzt. sondern im wesentlichen unversehrt. Die nächste Aufgabe ist nun, die Persönlichkeit der Toten festzustellen. Dazu fehlt aber noch so gut wie jeder Anhalt. Das Einzige, was man etwa als ein Kenn- zeichen an der Leiche selbst bezeichnen kann, ist eine erbsengroße Warze auf dem rechten Schulterblatt, etwa in der Mitte der Rücken- scite. Einen kleinen Fingerzeig giebt ferner das Zeichen des Sackes, in dem sich der Rumpf befand:„D. A. Z. H 106. X. 263.* Das ist alles. Die Absuchung des Kanals, der beiden Ufer und des Laubengeländes nach der Jungfcrnheide zu förderte wohl noch einen Arm zu Tage, der etwa 100 Meter aufwärts vom Fundorte des Rumpfes trieb, aber nichts mehr, das zur Feststellung der Persönlichkeit der Toten dienen könnte. Dieser Arm gehört jedoch, wie nachträglich bekannt wurde, zu der Leiche eines männlichen Selbsttnörders, die vor einigen Tagen im Spandauer Schiffahrtskänal gefunden wurde. Daß ein Verbrechen vorliegt, ist sehr wahrscheinlich, aber der Fundort der Leiche ist jedenfalls nicht der Thatort. Die Leiche wird mit dem Kopf und den Beinen und Annen in dem Sack in den Spandauer Schiffahrtskanal oder die Spree geworfen worden sein. Vielleicht hat eine Dampferschraube den Verschluß des Sackes gelöst, so daß einzelne Teile herausfallen konnten. Der Sack mit dem Rumpfe, der möglicherweise auch eine Zeitlang unter einem Kahn gehangen hat, ist nach längerem oder kürzeren! Treiben im Verbindungskanal an einer mit Schilf stark bewachsenen Stelle stecken geblieben. Der Sack stammt, wie die weiteren Ermittelungen bereits ergaben, aus der Dessaner Zuckerfabrik, deren Berliner Generalvertreter die Gebrüder Barschall in der Elsasserstratze 42 sind. Die Kriminalpolizei nimmt jede Mitteilung. die zur Aufklärung der dunklen Angelegenheit dienen kann, zur Prüfung entgegen. Die Ermittelungen leitet der Charlottenburger Polizeipräsident Steifensand, der ebenfalls heute morgen die Leiche und den Fundort sofort besichttgte. Hand in Hand mit der Char- lottenburger arbeitet die Berliner Kriminalpolizei, Ivo der Re- giernngsassessor Dr. Lindenau mit den Kriminalkommissaren Pentzig lmd Nasse, der Kommission für besondere Vorkommnisse, und dem Amtsgerichtsrat Zeckwer im Laufe des Vonnittags am Fundort er- schien. Der Rump's hat noch nicht lange im Wasser gelegen, wahr- scheinlich einen oder zwei Tage. Er wurde nach dem Charlotten- burger Schauhause gebracht. Die mutmaßlich Ermordete hat blondes Haar gehabt; wenigstens besitzen Haare, die noch am Halse. Ivo der Kopf abgeschnitten wurde, sich befinden, diese Farbe. Ihr Alter wird auf 20 bis 30 Jahre geschätzt. Das Polizeipräsidiiun sichert für die Aufklärung in der geheimnis- vollen Angelegenheit eines Belohnung von tausend Mark zu. Die Obduktion des Rumpfes findet heute, Sonnabend- mittag, statt. Die Gliedmaßen sind vom Rumpfe durchweg kunst- gerecht abgettennt. Der Schnitt am rechten Oberschenkel ist glatt. Die Kugelhöhle des rechten Schenkels ist mit einem scharfen Messer ein wenig eingeschnitten, die Sehnen sind glatt durchschnitten. Am linken Schenkel ist das Messer einigemale ausgeglitten, so daß der Schnitt zackig geworden ist, ohne jedoch den Knochen zu beschädigen. Die Arme sind beide kunstgerecht, ohne Verletzung der Knochen herausgeschnitten. Der Kopf ist ziemlich am Haarrande abgetrennt. An der rechten Seite ist ein Stück Fleisch aus dem Genick mit herausgeschnitten. Die Getötete muß nach der Beschaffenheit des Rumpfes mittelgroß gewesen sein. Sie ist nach ärztlicher Fest- stelluiig Mutter gewesen. Die Brüste sind nicht besonders stark entwickelt. Auf dem Brust- bcin befindet sich eine Handtellergroße blutunterlaufene Stelle, die wahrscheinlich von einem Schlage mit einem stumpfen Werkzeug herrührt. Die That ist wahrscheinlich nicht auf freiem Felde ausgeführt. Die Entkleidung der Toten und die Auslösung der Gliedmaßen er- forderten so viel Zeit, daß es für den Verbrecher zu gefährlich gewesen wäre. Die Berliner Kriminalpolizei hat i den Rumpf photographiert. Die Charlottenburger Kriminalpolizei und die Gendarmerie der benachbarten Ortschaften veranstalteten gestern den ganzen Nachmittag in der engeren und weiteren Umgebung des Fundortes große Streifen, ohne zu einem greifbaren Ergebnis zu kommen. Wichtig ist. zu ermitteln, wer zuletzt den Sack gehabt hat. In der Signatur sind die vermeintlichen Zeichen II und X jetzt fest- gestellt als B und K. Die Generalvertretung der Deffauer Zucker- fabrik versucht festzustellen, wohin sie den Sack zuletzt geliefert hat. Vielleicht kann ein Material- und Kolonialwarenhändler, der seinen Zucker von dieser Fabrik bezieht, noch eher auf die Spur führen. Huö der Frauenbewegung. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklosse hielt am Montag Herr Dr. Paul Chri st eller einen äußerst lehr- reichen Vortrag über Frauenkrankheiten. An den mit regem Interesse gefolgten Ausführungen schloß sich eine Diskussion. Tie nächste Vereinsversammlung findet am 13. Juni statt und hat Herr Ströbel das Referat übernommen. Nen-Wcißcnsee. In der Generalversammlung am 30. Mai hielt Frau Dr. H o f m a n n einen Vortrag über Äonsumgenoffen- schasten. In eingehender Weis« schilderte Rcdnerin Anfang und Ausbreiwng der Genossenschaften, durch mehrere Beispiele be- weisend, welche Vorteile sich für den Haushalt ergeben, wenn sich die Frau der Konsumgenosienschaft als Mitglied anschließt. Durch Beifall dankte die Versammlung Frau Dr. Hofmann für den inter- esianten Vortrag. Hierauf gab die Kassiererin den Kassenbericht: die Revisorinnen bestätigten die Richtigkeit desselben, wodurch die Kassiererin entlastet wurde. Der Gesamtvorstand ist wiedergewählt: als Vorsitzende Frau Hammermann, Kassiererin Frau Demmig, Schriftführerin Frau M«inecke I, Beisitzerinnen Frau Drohne, Frau Borleben: neugewählt als Revisorinnen: Frau Rostin. Frau Mcinecke II. Nächste Versammlung am 13. Juni. In derselben spricht Herr Schriftsteller Bäge über die Darwinsche Theorie. Am 10. Juli veranstaltet der Verein ein Sommerfest. Näheres in der Versammlung. KSpernck. Montag, den 6. Juni, abends 8V, Uhr, hält der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein für Köpenick und Umgegend im Lokal von Helling. Schönerlinderstraße, eine Generalversammlung ab, in welcher nach einem Vortrage des Genosien Jobannes Rein über Arbeiterwohnung auch Vorstandswahlen vorgenommen werden.._., Internationale Frauenstimmrechts-Konferenz.~ � Als Vorläufer des internationalen Frauenkongresies, der am 12. Juni hier beginnt, findet jetzt hier eine international«. Frauen- stimmvechts-Konfercnz statt, die die Gründung eines Weltbundes für Frauenstinimrechi zum Zwecke hat. Die auf zwei Tage be- rechnete Konferenz begann am 3. Juni. Delegierte sind anwesend von England, Holland, Norwegen, Schweden, den Vereinigten Staaten, Neuseeland, Dänemark, der Schweiz. Oesterreich-Ungarn, Deutschland. Ehrenvorsitzende ist die 84 Jahre alte Amerikanerin Susan B. A n t h o n i. Die eigentliche Leiterin der Verhandlungen ist Frau Carrie Clepmen Cat, Vertreterin des Staates Wyoming, dem ersten Staate, der den Frauen das Stimmrecht ge- währte. Zu Beginn der Verhandlungen beantragte die Holländerin Dr. Aletta Jacobs den Ausschluß der Presse. Der Antrag wurde mit lebhaftem Widerspruch aufgenommen und gegen 6 Stimmen ab gelehnt. Nach verschiedenen Begrüßungsansprachen wurde das Pro- gramm des Weltbundes für Frauenstimmrecht zur Verhandlung ge- stellt. Es lautet: Der Weltbund für Frauenftimmrecht bekennt sich bei seiner Konstituierung auf der 2. Internationalen Frauenstimmrechts Konferenz am 3. und 4. Juni 1904 in Berlin zu folgenden Grund sätzen: 1. Männer und Frauen sind gleich und frei als selbständige Glieder der menschlichen Gesellschaft geboren. Sie sind gleich begabt mit Verstand und Fähigkeiten und gleich befugt zur Ausübung der bürgerlichen Rechte. 2. Die natürlichen Beziehungen zwischen den Geschlechtern sind die der Gegenseitigkeit und des gemeinsamen Strebens und die Unterdrückung der Freiheit und des Rechtes des einen Geschlechtes schädigt unvermeidlich das andre und bringt da- durch der ganzen Menschheit Nachteil. 3. In allen Ländern sind diejenigen Gesetze, Gebräuche und Sitten, welche dahin zielen, der Frau eine abhängige Stellung zu geben, ihre Erziehung einzuengen die Entwicklung ihrer natürlichen Gaben zu hemmen und ihre Persönlichkeit zu unterdrücken, auf falsche Voraussetzungen gegründet und haben in der modernen Gesellschaft ein gekünsteltes und un- gerechtes Verhältnis zwischen den Geschlechtern geschaffen. 4. Selbstbestimmung im Hause und im Staate ist das unveräußerliche Recht jedes normalen erwachsenen Menschen. Infolgedessen ist weder die einzelne Frau dem einzelnen Mann, noch die Gesamtheit der Frauen der Gesamtheit der Männer, welche die Gesetzgebung be- herrschen, Gehorsam schuldig. 6. Die Herabwürdigung der Frauen zu unselbständigen Gliedern der Gesellschaft ohne Anspruch auf das Recht der Selbstbestimmung ist eine social gesetzliche und ökonomische Ungerechtigkeit und hat dazu beigetragen, die wirtschaftlichen Not stände zu verschärfen. 6. Jede Regierung, welche den weiblichen Bürgern Steuern und Gesetze auflegt, ohne ihnen das Recht der Mitbestimmung einzuräumen, das die männlichen Bürger besitzen, übt eine Tyrannei aus. welche mit Gerechtigkeit unvereinbar ist. 7. Das Stimmrecht ist das einzige Mittel zur Wahrung der persön- lichen Rechte, wie sie durch die amerikanische Unabhängigkeits- erklärung als unantastbar festgestellt und von allen modernen Ver- fassungen anerkannt worden sind. Darum müssen in Ländern mit konstitutioneller Regierungsform den Frauen alle Rechte und Privilegien der Wähler gewährt werden. 3. Die sich schnell ent- wickelnde geistige Bildung der Frau, wie die moderne Erziehung sie vermittelt, die gesteigerte Wohlhabenheit der Frau, bedingt durch die neuen Gesetze über den Erwerb, die zunehmende Bedeutung der Frau auf wirtschaftlichem Gebiete, hervorgerufen durch die ver- änderte Produktionsweise, die wachsende Beteiligung der Frauen aller civilisierten Völker an gemeinnütziger, socialer und politischer Thätigkeit erfordert, daß der Anspruch der Frau auf politische Gleich- bcrechtigung einer gewissenhaften Prüfung unterzogen wird. GewerklckaftUdxs. Berlin und Qmgcgcnd. Dem Tarifverträge der Bäcker, der unter Zustimmung von 80 Meistern vor dem Einigungsamt abgeschlossen ist, sind außer diesen 80 bereits eine Anzahl andrer Meister beigetreten. Diese einsichtigeren Elemente unter den Bäckermeistern bekundeten dadurch, daß es eitel Humbug ist, wenn seitens der Scharfmacher auch jetzt noch behauptet wird, die Forderungen der Gesellen seien unerfüllbar. Erst gestern abend wieder sind fast alle diejenigen Rummelsburger Meister, welche auf Betreiben der Scharfmacher die Forderungen zurückgezogen hatten, dem Vertrage beigetreten. Die Zurück- ziehung der Forderungen durch die Rummelsburger Meister ist übrigens, wie seitens der Betreffenden erklärt wird, nur durch eine Täuschung zu stände gekommen. Einer, der in Rummelsburg die Jnnungsbestrebungen vertritt, hat ein Cirkular in Umlauf gesetzt. Darauf stand am Kopf, mit Tinte geschrieben, der Satz: .Ich Endesunterschricbener erkläre hictzmit, daß ich das Plakat der Streikkommission zurückschicke.* Dann folgt, mit Bleistift geschrieben und augenscheinlich erst nach Vollziehung der Unterschriften hinzugefügt. der Satz: »und ihre gegebene Unterschrift zurückziehe, da die Forderungen nicht aufrechtzuerhalten sind." In dem ersten Satz ist vom Zurückziehen der Forderungen keine Rede, sondern nur vom Zurückschicken des Plakates. Damit glaubten die Unterzeichner sich deshalb einverstanden erklären zu können, weil der Macher dieser Angelegenheit ihnen erklärte, es handele sich darum, daß sich die Meister nicht durch Aushängen des Plakates gegenseitig die Kundschaft abjagen. Einer der Unterzeichneten hat der Streikkommission gegenüber erklärt, daß der zweite Satz des Cirkulars, der die Zurückziehung der Forderungen ausspricht, erst hinzugefügt ist, nachdem er seine Unterschnst gegeben hatte. Als nun die Unterzeichner die Wirkung ihrer Zurückziehung sahen. unterzeichneten sie schleunigst aufs neue den Tarifvertrag. Nur der Macher des Rummelsburger Rummels ist als Einziger bei der Zurückziehung geblieben.— Dieser und ähnliche Mißerfolge halten den Boykottabwehr-Ausschuß jedoch nicht ab. seine Machinationen fortzusetzen, die aber fast immer mit dem gleichen negativen Er- folge enden. Die Bevölkerung von Rummelsburg erklärte sich in einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung für die Unterstützung der Forderungen der Bäckergesellen. Wenn auch die Resolution, welche dies ausdrückt, nicht zur Abstimmung kommen konnte, weil die Veilsammlung beim Eintritt der Polizeistunde durch den Ueber- wachenden aufgelöst wurde, so ließ doch die Haltung der Ver- sammlung erkennen, daß sie ihre Sympathie in vollem Maße den Bäckergesellen zu teil werden läßt. Zum Streit der Rammer. In der gestrigen Versammlung der Streikenden teilte die Lohnkommission mit, daß sie vom Obermeister der Berliner Innung tclegravhisch zu einer Verhandlung eingeladen sei. Selbstverständlich ist die Kommission bereit, der Einladung Folge zu leisten, um die Hand zur Herbeiführung eines ehrenvollen Friedens zu bieten. An dem Ausstand selbst hat sich nur wenig geändert. Die Arbeit ruht in Berlin fast vollständig, auch haben sich gestern noch eine Anzahl Rammer aus den Bororten den Streikenden angeschlossen und ebenfalls die Arbeit eingestellt. Es wird jetzt vor allem von dem Verhalten der Innungen abhängen, ob der Streik bald beendigt wird, oder ob er noch größere Aus- dehnung annimmt, denn schon jetzt werden auch eine Anzahl Steinsetzer durch.den Ausstand in Mitleidenschaft gezogen. Teils mußten sie wegen Mangel an Rammern aussetzen, teils stellten sie aus Gründen der Solidantät selbst die Arbeit ein, weil einzelne Meister die Hilfs- arbeiter zu veranlassen suchten, die Arbeiten der Rammer aus- zuführen. Mit Rücksicht auf die gegenwärttge Gesamtlage im Berliner Steinsetzergewerbe werden die organisierten Steinsetzer am Sonntag in Wilkes Lokal eine allgemeine Versammlung abhalten, um zu dem Streik der Rammer Stellung zu nehmen. Die Einsetzer(Holzarbeiter-Verband) haben in ihrer Ver- sammlung am Donnerstag den zwischen ihrer Kommission und den Meistern vereinbarten neuen Tarif abgelehnt. In der lebhaften Aussprache wurde außer der zweijährigen Vertragsdaucr besonders bemängelt, daß in dem Tarif die Preise von zu vielen Arbeiten der freien Vereinbarung überlassen sind. Die Mehrheit der Versamm- lung war daher der Ansicht, es sei besser, ohne Tarif, als mit einem derartigen mangelhaften Tarif zu arbeiten. Steinsetzer Berlins und Umgegend! Die Berliner Steinsetzer- nreister suchen den Streik der Rannner dadurch illusorisch zu machen, daß dieselben die kleineren Arbeiten nach Möglichkeit ferttg stellen lassen und sämtliche dadurch überzählig werdenden Leute entlassen. Das kann zwar den Streik etivas in die Länge ziehen, aber nicht wirkungslos machen, wenn sonst die übrigen Kategorien, speciell die Steinsetzer, der Innung nicht in die Hände arbeiten. Letzteres würde dadurch geschehen, wenn die Steinsetzer da, wo sich arbeitswillige Rammer finden, die Arbeit niederlegen würden. Das darf unter keinen Umständen geschehen, weil damit die Steinsetzermeister gegen- über den Behörden das beste Auskunstsmittel in die Hände bekämen, die Arbeiten gänzlich ruhen zu lasfen. Mit der Arbeitseinstellung der Steinsetzer ist der Sache der Rammer nicht gedient— und den Steinsetzern selbft geschadet. Wo sich Arbeitswillige finden, muß in andrer Weise auf dieselben eingewirkt werden. Veutfebes Reich. Zimmererstreik in Bremen. Nachdem alle Einigungsversuche an dem ablehnenden Verhalten der Unternehmer gescheitert waren, be- schlössen am Mittwoch in einer Versammlung die Zimmergesellen init 438 gegen 17 Stimmen in den Ausstand zu treten. Zuzug fern- halten. Maurerstteik in Gnoien(Mecklenburg). Am 23. Mai beschloß in Gnoien eine gut besuchte Maurerversammlung, die den Unterirehmern bereits im Frühjahr d. I. eingereichte Forderung eines Stunden- lohnes von 32 Pf. nochmals den Meistern vorzulegen. Eine Unter- Handlung mit der gewählten Lohnkommission wurde darauf von den Arbeitgebern abgelehnt mit der Vegründung, nur mit dem Gesellen- ausschüß unterhandeln zu wollen. Eine solche Unterhandlung fand mich statt, führte aber zu keinem Resultat. Darauf haben die Maurer am Montag die Arbeit nicht wieder aufgenommen. Es sind in den Streik getteten 6S Maurer, davon sind 69 organisiert: elf arbeiten zu neuen Bedingungen. Der Zuzug nach hier ist fern- zuhalten. Mühlenarbeiterstreik in Hameln(Hannover). In Hameln find 100 Arbeiter der Wesermühlen in den Streik getteten. Zuzug fern- halten. Rusland. Der Bauarbeiter- Streik in Wien ist, wie schon gestern tele- graphisch gemeldet wurde, beendet. Nach einer vorgestern statt- gehabten vertraulichen Besprechung des Obmannes der Baumeister- genossenschaft mit den Delegierten der Bauarbeiter fand gestern eine Vollversammlung der Baumeister unter Zuziehung von Delegietten der Bauarbeiter statt zur Beilegung der bestehenden Differenzen. Die Delegierten erklärten, eine Einigung sei nur erzielbar, wenn vorläufig ein Minimallohn von 3 Kronen 80 Heller bewilligt werde mit der Zusicherung, daß der Minimallohn von 4 Kronen baldigst Geltting erlange. Mit allen gegen vier Stimmen wurde folgender Antrag angenommen: Montag wird die Arbeit wieder aufgenommen. Es wird ein Minimallohn von 3 Kronen 80 Heller bewilligt, welcher am 1. August auf 4 Kronen erhöht wird. Eine paritättsche, aus Baumeistern und Gehilfen bestehende Tarifschutz-Kommission hat für die Einhaltung des Tarifs zu sorgen, weitere Vereinbarungen vor- zubereiten und alle Zwistigkeiten schiedsgerichtlich zu regeln. Hier- mit ist die Aussperrung und der Ausstand beendet. Allgemeiner Streik in Arad(Nugarn). Wie telegraphisch aus Arad gemeldet tvird, haben dort säiirtliche industriellen Arbeiter sich mit den seit einigen Tagen ausständigen Bauarbeitern solidarisch erklärt und sind in den Ausstand getreten. In einer Waggonfabrik haben allein mehrere tausend Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Sechzig Tischlergesellen wurden wegen„Aufreizung* verhaftet. Die Aussperrung in der Amsterdamer Diamantindustrie. Dem Amsterdamer Diamantarbeiter-Verband hat die nun bereits über vier Monate währende Aussperrung, wie in der letzten Nummer des Verbandsorgans mitgeteilt wird, bis jetzt 400 000 Gulden gekostet. Es wird darüber geklagt, daß die holländischen Gewerkschaften, mit einzelnen Ausnahmen, sehr wenig zur Unter- stützung der Ausgesperrten beitragen, während die belgischen für die Antwerpener Diamantarbeiter schon an 80 000 Frank gespendet haben. In Antwerpen arbeiten gegenwärtig ungefähr 1700 Diamantarbeiter zu den Bedingungen ihres Verbandes. Das social- demokratische Kammermitglied Terwagne hat einen neuen Einigungs- versuch gemacht und den Parteien Vorschläge unterbreitet, über die in den nächsten Tagen entschieden werden soll. Zur Stteikbewegung in Frankreich. In Lille beschlossen die in Fachvereinen organisierte» Arbeiter in einer vorgestern abend ab- gehaltenen Versammlung den allgenreinen Ausstand, weil die Arbeit- geber es ablehnen, die bestehenden Streitfragen einem gemischten Ausschuß zu unterbreiten. Ferner sind in Arnrentiöres die Weber in den Ausstand getreten. Zur Auftechterhaltung der Orb- nung sollen fünf Compagmen Infanterie eintreffen. Serlmer Partei- /Zngelegenkeiten. Zur Lokal-Liste. Arbeiter i Parteigenoffen! Gewerkschaften! Bereine! Achtet bei dem morgende» Besuch nach außerhalb genau auf die Lokal-Liste, verkehrt nur in Lokalen, welche in der Liste vom 17. April, sowie in den Nachwögen verzeichnet stehe», denn nur deren Wirte gebe» ihre Lokalitäten der Arbeiterschaft zu Bersammlunge»>c. her. Auf mehrfach an uns gerichtete Anftagen hin teilen wir mit, daß die Neue und Alte Fischerhütte sowie Beelitzhof als gesperrt zu bettachten sind. Rahnsdorfer Mühle. Da der Inhaber des Lokals„Paradies- garten" jetzt durch Unterschrist erklärt hat, daß das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen ,c. zur Verfügung steht, so sind jetzt sämtliche Lokale in R a h n s d o r f e r M ll h l e als frei zu betrachten._ Die Lokalkommission. Achtung, 5. Wahlkreis. Sonntag, 6. Juni, gemeinsame Besichtigung der Ausstellung für Arbeitcrwohlfahrt, Charlottenburg, Fraunhoferstr. 11/12(an,„Knie"). Die Mitglieder der 4. und 6. Abteilung(nebst Frauen und größeren Kindern) versammeln sich vor dem Ausstellungsgebäude um l/,2 Uhr präcise, die Mitglieder der 6. und 7. Abteilung um Vz3 Uhr. Die erste Führung nebst Erklärung usw. beginnt um slt2 Uhr. Verbindungen: Elektrische vom Stettiner Bahnhof (Linie Licht werfen, sein Leben gelassen hat." Beraubung eines Geldbriefes. Bei Oeffnung eines mit 4400 M. deklarierten Geldbriefes, der von der Chemischen Produktenfabrik Pommerensdorf an die Firma Schcrpin u. Butz in Wolgast adressiert war, wurden wertlose Papierschnitzel vorgefunden. Eine von dem benachrichtigten Postamt vorgenommene Wägung des Briefes ergab das genaue, ursprünglich deklarierte Gewicht. Wie die„Post" mit« teilt, ist die That von einein jungen Manne der Aufgeberfirma ver-� übt worden, der schon seit mehreren Jahren dort beschäftigt war. Er hat auf dem Wege zur Post den ihm zur Besorgung übergcbenen Brief geöffnet, ein eigens zu diesem Zwecke nntgenonunenes Couvert mit den Papierschnitzeln angefüllt uud das letztere an Stelle des' Wertbriefes am Postschalter abgegeben. Weit ist indessen der un- getreue Angestellte mit seinem Raube nicht gekommen: denn er. ivurde schon am nächsten Tage nach seiner Flucht in Berlin ermittelt und festgenommen. In seinem Besitz wurde die entwendete Summe noch voll vorgefunden. Im Verfolgung swahnsinn hat sich gestern, Freitagmorgen, der 29 Jahre alte Pantoffelmacher Albert Black aus der Liegnitzer- sttaße 6 das Leben genommen. Der Mann litt seit einem Jahre häufig an der Wahnvorstellung, daß Räuber im Walde ihn ver- folgten, um ihn totzuschlagen. Das versetzte ihn auch gestern morgen von 2 bis 5 Uhr wieder in die größte Unruhe. Dann legte er sich schlafen. Während un: 7 Uhr seine Frau einen Sohn zur Schule brachte, erhängte er sich an der Thürklinke. Bei der Rückkehr der Frau, die die Wohimng durch die Polizei öffnen lassen mußte, war er tot._ Das Apollo- Theater bringt in seinem Programm für diesen Monat einige hübsche Neuheiten. Der Humorist Herr Martin Kettner hat seine„Pfandleihe" neu hergerichtet und führt in zumeist drolligen Pointen die neuesten Tagesereignisse ans Rampenlicht. Nicht minder vortrefflich giebt sich dieser Künstler als Kopist von Berühmtheiten, die er als Theaterdiencr Putzke glossiert. Kunstradfahrer und Schlangemnensch in einer Person ist Herr Alexander: in beiden Fächern führt er schier unglaubliche Kunststücke aus. Weiter macht eine amerikanische Sängerin und Tänzerin, Lili Tiso, dadurch von sich rede», daß sie einen neuen Tanz, den Schuhtanz zum besten giebt. Er hat das Gute an sich, daß er nicht ganz so entsetzlich ist wie der so sehr berühmte Cake-walk. Eine in mehr als einer Hin- ficht kühne Trapezkünstlerin ist Miß Carola, die sich auf schwingendem Trapez eine Entkleidungsscene leistet. Erwähnt seien ferner noch die Recktunier Burton und Mayn und der ehrwürdige Kosmograph, der natürlich diesmal den russisch-japanischen Kriegsschauplatz ab- gegrast hat. Orgelkonzert. Frl. Klara le Prstte, Frl. Teresina Glaeser, die Violinisten Sager und Merlin, Herr Paul Schnyder und der Grell- Verein unter Leitung von Herrn Hans Pisoke wirken mit beim Orgelvortrag des Musikdirektors Otto Diene! in der Marienkirche am Montag, den 6. Juni, abends 7'/« Uhr. Der Eintritt ist frei. Huö den JSachbarortcn. Treptow-Baumschulenweg. Gegen die Gülttgkeit der Wahl unsres Parteigenossen G r a m e n z als Gemeindevcrttcter ist von drei Mit- gliedern des Grundbesitzervereins beim Kreisausschuß die Klage ein- gereicht worden. Die Gründe sind aber so fadenscheinig, daß selbst die Gemeindeverttewng sie nicht ftir stichhaltig hielt. Die Gelder zur Klage sollten gemeinsam die sieben Vcreinchen— in erster Linie der Grundbesitzervcrein—, welche die Mischmaschkandidatur unter- stützt hatten, bewilligen. In der letzten Gnindbesitzer-Versammlung kam e» infolgedessen zu ernsten Differenzen. Es wurde das Borgehen des Vorstandes, der schon 25 M. vor- geschossen hat, stark getadelt und jede weitere Beteiligung am Protest, weil kein Erfolg zu erwarten sei, in einer Resolution ab- gelehnt. Auf Grund dieses Beschlusses haben 19 Mitglieder, darunter der Vorstand, ihren Austritt aus dem Verein erklärt; sie beab- sichtigen, einen neuen Verein zu gründeu. Die treibende Kraft dieser neuen Vereinsgrllndung ist der Berliner Volksschullehrer Hermann P ö s ch e, der bei den Gemeindewahlen immer an- nähernd 50 hektographierte Forensenstimmen abgegeben hat. Der Herr ist überhaupt in der Abfassung von Eingaben flott und munter. Gegen den hiesigen H i l f s p r e d i g e r, der' am Ort ziemlich beliebt ist, hat er eine Beschwerde an das Oberkonsistorium eingereicht, weil der Prediger ihm und noch einigen andern nicht orthodox genug ist. Wie erinnerlich, wurden dem Herrn auch vor zwei Jahren seine „religiösen Gefühle verletzt" weil der Wahlvorstand die Gemeinde- vertreter-Stichwahl auf den Osterheiligenabend ansetzte. Auch da- mals lief er zum Ober-Kirchenkonsisterium und die Wahl wurde auf höherer Anordnung auf einen andren Tag verlegt. Aus Lichtenderg wird uns geschrieben: Herr Bankdirektor Plonz erflärte rund heraus in der G e m e i u d e v e r t r e t u n g, daß die Mehrheit nicht gewillt sei, in den nächsten Jahren ein Kranken- haus zu erbauen, und das, obwohl Gemcindevorstand und Bau» kommission den Ankauf des Atzpodinschen Gntshofes als Bauplatz vor- schlugen. Gemeindevorstand und Gemeindevertretung fügten sich, nachdem der besoldete Schöffe Ungewitter noch der Gnmdbefttzer-Mehrheit seine Reverenz gemacht hatte, dem Machtgebote des Herrn Plonz. Gegen die sechs Stimmen der Socialdemokraten und einiger andrer Unmteressierter wurde Vertagung der Angelegenheit beschlossen. Jetzt soll der Kreis und die Regierung um Beihilfe angegangen werden; ferner will man Rummelsburg und Friedrichsfelde zum Zweckverbande auffordern, obgleich Rummelsburg ein Krankenhaus hat, und endlich sollen noch weitere Verhandlungen mit Terrainspekulanten gepflogen worden. Inzwischen wird man sich wohl über die Frage einigen, wer den fetten Happen schlucken darf. Von Interesse war die in der Sitzung gemachte Angabe eines Wissenden, wonach das von Herrn Plonz angebotene Terrain von diesem Herrn vor etwa 18 Jahren für acht Mark die Ouadratrute erstanden worden ist, wogegen er es heute der Gemeinde für den billigen Preis von 180 Mark ver- kaufen will, und auch das nur aus lauter Interesse an dem Krankenhausbau. Zum Bau des Elektricitätswerks soll von der Landes- Versicherungsanstalt Brandenburg eine Anleihe in Höhe von SlKXXK) Mark aufgenommen werden. Bei der Wahl eines Schöffen wurde Ingenieur S t e r n st e i n mit 19 Stimmen wiedergewählt; Gen. Grauer erhielt 6 Stimmen. Ferner wurde noch der Gemeindevertretung mitgeteilt, dah in der Frage der Stadtwerdung alles beim Alten ist. Dann kam noch die angenehme Mitteilung, daß infolge des vom Oberverwaltungs- aericht gefällten Urteils in Sachen der Regulierung der Bürger- steige von den infolge ihres Besitzes besonders am Wohlergehen der Gemeinde interessierten Hansagrariern bis jetzt„erst" Ersatz- anspräche in Höhe von 25 000 M. angemeldet worden sind.- Zur Frage deö Ferensenwahlrechts m den Gemeinden erhalten wir aus Lichtenberg folgenden Beitrag: Der Schmiedemeister Trepptau besaß in Lichtenberg als Forense, als auswärts wohnender Besitzer eines Lichtenbergcr Grundstücks gemäß§ 45 der Land- gemeinde-Ordnung, das Gemeindewahlrecht und stand auch in der Wählerliste. Im April 1902 zog er nach Lichtenberg. In die im Januar 1903 offengelegte Wählerliste war er nicht aufgenommen worden, weil er zu der Zeit noch nicht ein Jahr den Wohnsitz in Lichtenberg hatte. Für ihn verlangte Bankdirektor Plonz die Aufnahme in die Wählerliste für 1903 mit der Begründung, daß T. doch nicht das Wahlrecht, das er als Forense besaß, durch seinen Zuzug nach Lichtenberg verlieren könne. Die Gemeinde- Vertretung lehnte aber den Antrag ab. T. habe durch seinen Zuzug die Forensaleigenschaft verloren und damit das Wahlrecht des Forensen. Als Gemeindeglicd sei er aber bei Offenlegung der Wählerliste für 1903 noch nicht wahlberechtigt gewesen, weil er zu der Zeit noch kein Jahr in Lichtenberg wohnte.— Die nunmehr gegen die Gemeindevertretung erhobene Klage hatte Erfolg. Der Kreisausschuß erkannte dahin, daß T. in die Wählerliste für 1903 auf- zunehmen sei, und der Bezirksausschuß bestätigte diese Entscheidung, indem er der Auffassung des Klägers beitrat und betonte, daß T. durch seinen Zuzug doch in noch nähere Beziehung zur Gemeinde gekommen sei, als die des Forensen war. Somit könne es nicht im Sinne der Landgemeinde-Ordnnng liegen, einen bisher auswärts wohnenden Besitzer eines im Gemcindebezirk belegenen Grundstücks des bisher als Forense genossenen Wahlrechts deshalb für verlustig zu erklären, weil er nun nicht nur Grundbesitzer im Ort. sondern auch noch Einwohner sei. Die einjährige Wartezeit der neuen Ge- meindemitglieder falle in solchen Fällen weg.— Die Geneinde- vertretung legte hiergegen Revision ein und machte geltend, die Ent- scheidung des Bezirksausschusses widerspreche dem Gesetz.— Das Ober-Berwaltungsgericht verwarf jedoch die Revision als unbegründet und bestätigte die Vorentscheidung. Wie der Eisenbahnfiskus„Verkehrspolitik" treibt. Man schreibt uns aus Spandau: Unsre Stadt, welche von der„liebevollen" Bethättgung Buddescher Verkehrspolitik förmlich erdrückt wird, hat einen neuen eklatanten Beweis davon erhalten, toie der Buddekurs verkehrsfördernd wirkt. Seit Jahren bereits war es ein Wunsch der städtischen Körperschaften, die Straßenverbindung Spandaus bis zum Spandauer Bock hin erweitert zu sehen. Die bürgerlichen Stadt- Väter ließen es dem Stadtsäckel etwas kosten, indem sie eine bedeutende Summe der Straßenbahn- Gesellschaft(Allgemeine Elektrische Gesellschaft) als Kostenbeitrag fiir den Fall anboten, daß die bezüglichen Arbeiten sofort in Angriff genommen werden. Dazu kamen noch die erheblichen Kosten für den Ankauf des nötigen Ge- ländes, welche die Stadt vertragsgemäß ohnehin zu tragen hatte. Wegen des Ankaufs eines Geländestrcifens von der Eisen- bahn stand die Stadt bereits längere Zeit in Unter- Handlung, es war auch bereits das nötige Terrain abgemessen. die Eisenbahn- Verwaltimg hatte einen bestimmten Kaufpreis gesordert, und die städtischen Körperschaften hatten den Ankauf des benötigten Geländes zu den von der Eisen- bahn gestellten Bedingungen bereits genehmigt— es bedurste also nur noch der formellen Besitzübertragung. Dieser Tage teilte nun die Eisenbahnverwaltung urplötzlich zu allseitiger Ueberraschung dem Magistrat mit, daß sie von dem Verkauf des Geländes zurücktrete. Zu diesem von der Eisenbahnverwaltung dem besagten Straßenbahnprojekt in den Weg gelegten Haupt- Hindernis gesellte sich noch ein zweites, nämlich ein Einspruch der Domänenverwaltung Ruhleben gegen die Verlegung der Straßenbahngeleise auf Ruhlebener Gebiet!— Damit ist die Ver- wirklichung des ganzen Projekts vielleicht für Jahre hinaus ver- hindert worden, und da die Hochlegung des Staatsbahnkörpers ebensalls noch Jahre lang auf sich warten lassen wird— so können die Spandauer sich noch lange in Geduld fügen. Es müßte denn gerade irgend einem Prinzen oder sonst einflußreichen Manne in den Sinn kommen, die Verkehrsfeindlichkeit des Eisenbahnfiskus gegenüber der Stadt Spandau persönlich kennen zu lernen— ähnlich wie das in P o t s d a m beim Ausladen des kronprinzlichen Bootes der Fall war— dann würde Herr Budde schnell bei der Hand sein, etwas andre Saiten aufzusetzen. So aber gefällt er sich noch darin, im Verein mit seinem Kollegen d. Podbielski, dem Landwirtschastsminister, der Stadt Spandau einen Ausbau ihrer Verkehrswege zu verwehren! Preußen in der Welt voran!— Schmargendorf. Seit dem Jahre 1394 schweben bereits Ver- Handlungen mit dem Eisenbahnfiskus wegen Abtretung des fiskalischen Geländes an der Friedrichsruher- und Paulsbornerstraße an die Gemeinde. Vor zehn Jahren schon hat Schmargendorf einen Vertrag mit dem Fiskus pereinbart, der aber nicht die Genehmigung des Ministers fand. Am 2. Juni ist die hiesige Gemeindevertretung in ihrer Sitzung neuerdings einem vorgelegten Vertrag beigetreten und so dürfte das fragliche Terrain bald in den Besitz der Gemeinde übergehen.___ Leider wurde auf Antrag des Gemeindevorstehers Hohmann diese Sache mit der Regulierung der gesamten wenig bebauten Friedrichsruherstraße verquickt. Die Pflasterungs- kosten usw. für die Straße würden 96 500 M. erfordern, wovon nur 45 000 Mark durch bereits hinterlegte An- lieger- Beiträge gedeckt sind, während als weitere Geldquelle eine in Aussicht stehende Umsatzsteuer von 46 500 Mark genannt wurde, so daß aus dem Gemeindesäckel 5000 Mark zugesteuert werden müßten. Thatsächlich beschloß die Vertretung in Rücksicht ans die guten Steuerzahler Neu-Schmargendorss im Sinne des Antragstellers und verfügte somit gleichzeitig über die Ver- Wendung einer noch gar nicht vorhandenen Einnahme. Während man hier eine horrende Summe für die Regulierung einer fast gänzlich unbebauten Straße bewilligte, liegt im alten Dorf die Ruhlaerstratze in einer geradezu wüsten Beschaffenheit da. Diese Straße kann ohne Lebensgefahr nicht überschritten werden. Es wird Zeit, daß durch Bereitstellung von Mitteln seitens der Ge- meinde diesem skandalösen Zustande ein Ende gemacht wird.— Zum Bansachver st findigen im Nebenamt wurde der könig- liche Regiernngsbaumeister Schulz ans Berlin gewählt; als Ent- schädigung erhält der Herr die Hälfte der zu erhebenden Bau- gebühren mit einer garantierten Mindesteinnahme von 1200 M., auch soll ihm ein Zimmer im Rathaus eingeräunit werden. Der Herr Generalpächtcr. Ein artiges Stücklein wird aus Schmargendorf berichtet. Ein Herr Meier, der H a u s e i g e n- tümer in Wilmersdorf ist, verpachtet seit mehreren Jahren ein etwa drei Morgen großes Stück Land in Schmargendorf und erhebt jährlich die Pachtsumme. Da im letzten Jahre auf diesem Pachtland mehrere Lauben erstanden sind und dieses einigen Herren in der Gemeinde nicht paßte, weil dadurch der„vornehme Charakter" der Gegend gestört werde, wurde von maßgebender Seite Beschwerde bei den Besitzern des Terrains erhoben. Nun hat sich herausgestellt, daß die Besitzer einen Herrn Meier gar nicht kennen und mit ihm auch keinen Pachtvertrag abgeschlossen haben. Den Unterpächtern ist aufgegeben, das Land zu räumen; es ist ihnen nur noch gestattet worden, ihre Früchte abzuernten. Was mit dem„Herrn General- Pächter" geschehen soll, ist noch nicht bekannt. Dammriitschungen. Schwierigkeiten sind beim Bau der Eisen- bahnstrecke Wildpark— Caputh durch Dammrutschungen entstanden. Anl Petzin ist der erst kürzlich mit großer Mühe aufgeschüttete Eisen- bahndamm in einer Länge von'25 Metern mit 12 Lowrys Sand verschwunden. Ein Bremser vermochte sich nur niit knapper Not vor dem Versinken zu retten. Große Mengen Erde sind notwendig, um den Schaden anszubessern. Schon zum viertenmal ist dort der Petzin zugeschüttet. Der sumpfige Boden giebt immer von neuem bei großer Belastung nach. Die Bahn geht von dieser Stelle aus nach dem nahen Wendorf, dem geplanten Caputher Bahnhof. Nowawes. In der am Mittwoch abgehaltenen Gemeinde- vertreter-Sitzung stand als wichtigster Punkt auf der Tagesordnung: Unterstützung der hiesigen Privatschule durch die Gemeinde. Diese Schule, welche seit 20 Jahren besteht, hat dieselben Ziele wie die Volksschule; die bisherige Leiterin verzieht nächstens nach Schlesien; ihre eventuelle Nachfolgerin will nur dann die Schule übenrehmen, wenn ihr von der Gemeinde die Garantie einer jähr- lichen Einnahme von 4200 M. geboten wird, da von Neuendorf ge- plant ist, eine Vorschule für die höheren Lehranstalten in Potsdam zu gründen, wodurch sich vielleicht die Schlllerzahl der Privatschule verringern würde. Besucht wird die Schule von 141 Kindern, von denen 107 in Nowawes wohnen. Der Gemeindevorsteher schlägt nainens der Schulkommission vor. diese Garantie zn leisten bis zu einem eventuellen Zuschuß von 1000 M. zährlich, und zwar auf die Dauer von drei Jahren, mit der Motivierung, daß die Gemeinde, wenn die Schule einginge, in große Verlegenheit käme, da sie dann neue Lehrkräfte anstellen müßte und auch nicht über die nötigen Räumlichkeiten verfügt.— Genosse Gruhl erwidert, daß dieser An- trag geradezu ungeheuerlich sei angesichts der Mißstände, unter denen die Gemeinde durch die genannte Anstalt schon zu leiden gehabt hätte; sei es doch wiederholt vorgekommen, daß wir unsre Volksschüler nicht unterbringen konnten, sondern fliegende Klassen einräumen mußten, da die Privatschule in unfern Schulräumen tagte; und jetzt sollen wir diese Schule noch subventionieren. Aber auch die Volksschul- lehrer stellen sich in den Dienst der Privatschule, da sie in ihrer freien Zeit dort unterrichten. Der Gemeindedorsteher führte hierzu aus, daß, da die Schule für gewisse Kreise ein Bedürfnis sei, die Gemeinde auch voraussichtlich gar nicht in die Lage kommen werde, einen Zuschuß leisten zu müssen; die ganze Sache sei nur ein Proviiorium bis zur Fertigstellung des neuen Volksschulhauses, das in drei Jahren gebaut sein würde. — Hierauf erklärte Genosse Hoffmaiin, daß ivir schon aus pädagogischen Gründen den Antrag ablehnen müßten, da in der Schule nur nachmittags unterrichtet würde, während von den Lehrern gefordert werde, daß der Nachmittagsunterricht möglichst einzuschränken sei. Durch die Privatschule würde in die Herzen der Kinder das Gefühl der Ueberhebung gesät. Nachdem noch einige bürgerliche Vertreter erklärt hatten, daß allerdings die Privatschule schon viel Unannehmlichkeiten in der Gemeinde hervorgerufen habe, jetzt jedoch die Verhältnisse so lägen, daß sie für die Vorlage stimmen müßten, erfolgte deren Annahme mit allen gegen die Stimmen der Social- demokraten._ ßneffeaften der Redaktion. Bülow. Mittlere Linie, richtiger: politische Linie llcinkalibriger Mittel« Mäßigkeit. Nicht zu verwechseln mit der klassischen aurga molliocritas des Horaz, der goldenen Mittelstraße.— P. 4. 1. Nein. 2. und 3. Ja. — Telegraph. Fragen Sie bei jeder der drei Behörden an. Privat- institute solcher Art sind wertlos für Sie.— Portier upd A. F. 1. Wenden Sic sich an Herrn«imanowski, Engcl-User 15, Zimmer 37.— O. M. 50. Ohne Kenntnis des Inhalts nicht zu beantworten. Ersahren Sie durch das Postamt Ihres Bezirks.— M. V. Lottumstrastc. Unbekannt. — F. T. Machen Sie eine kurze Eingabe an das Direktorat der Militär- Werkstätten zu Spandau. Ersuchen Sie um Information über Kosten und sonstige Einzelheiten.— O. Sl. 50. Wenden«ie sich mündlich oder besser schristlich an die G e s lh ä s t s st e l l e der Firma.— R. H. Das ersahren Sie am besten durch die Redaktion der„Flamme", Berlin C., Brcitestr. 5. — Sch. Nt. Wenden Sie sich an die Buchhandlung Vorwärts.— Streit, 100. Sie sind das Opfer eines Spaßvogels unter ihren Kollegen geworden.— A. E. Es handelte sich bei der Nachfrage bestimmt nicht um irgend eine Person— auch um die Ihre nicht— sondern um Feststellung der Adresse eines Instituts am Orte. — A. 25. Die Sache läßt sich an dieser Stelle nicht genügend behandeln. Lassen Sie sich von Herrn Mücke, Berlin, Fürbringerstr. 21 IV, der aus dem Gebiete sehr sachkundig ist, eine einschlägige Broschüre cmpsehlen.— Volks- wohl.(Portier.) Nicht zu empsehlen. Gute Auskunst durch Herrn Schu- mann, GewerkschaftShaus. Engel-Uscr 15, Verband der Handels- und Trans- Port-Arbetter.— F. X. 1. Sicher. 2. Nein. 3. Ja.— Verbum. 1. Wochenblatt. 2. Beuthstr. 8.— M.•öl. 23. Uns nicht sicher bekannt. Fragen Sie aber bei der Direktion beS Zoologischen Gartens deswegen an. — 100 K. Dircksenstr. 33 I.— Coftarica. Centralamerikamsche Republik, Hauptstadt San Jose.— �imktticker Cell. Tie jnriftifchc Sprechstunde findet täglich mit Zlusnahme des Sonnabends von?-/, bis»>/, Uhr abends statt. G-Ssfnet:»»Hr. L. H. 7, I. B. 21. Nein.— 170. In der Regel: ja; es kommt daraus an, ob etwa durch die srühere Uebung oder durch besondere Abrede oder durch den Ihnen zugegangenen Brief zum Ausdruck gelangt ist, daß sür den Fall Nichtzahlens bis zu einem bestimmten Termin die Spielsocietät aiisgchoben sein sollte.— H. S. 100. 1. Ja, da Sie nicht die preußische Staatszugehörigkeit erworben haben. 2. Ihre Frau wird durch Heirat mit Ihnen bayrische Staatsangehörige. Sie können beide überdies" Preußen werden. 3. Zwei Zeugen sind ersorderlich. Die Gebühren sür die kirchliche Ccremonie sind an verschiedenen Orten verschieden hoch; wie hoch, erfahren Sie beim Pastor und beim Küster.— O. R. Nein. — 50. 1. 6 bis 29 M. werden sür angemessen erachtet. 2. Ja. 1 bis 4 M. sür jeden Hebammenbesuch erachtet das Gericht als angemessen.— S. H. 50. Der Weg zur Beilegung des eignen Namens an das von der Frau in die Ehe gebrachte Kind ist verschieden, je nachdem, ob es sich da um ein vom Ehemann vor der Ehe mit seiner späteren Frau erzeugtes Kind oder ob es sich um ein Kind handelt, das außerehelich von einenr andern als dein jetzigen Ehemann von der Ehefrau empfangen ist. Endlich ist auch der Weg der Adoption wiederum hiervon verschieden. Wiederholen Sie Ihre Frage unter Ergänzung nach den angedeuteten Richtungen hin. — L. St. Die Trunkenheit allein ist nicht strafbar. Ob Sie in diesem Zustande etwas Strafbares begangen haben und ob gegen Sie ein- geschritten ist, können wir Ihnen nicht sagen. Ebensowenig läßt sich sagen, ob eventuell Verjährung vorliegt, weil die Verjährungsfrist von der Art der Strasthat abhängt. Wenn Sie Ihre Wohnungen stets angemeldet haben und Ihnen seit 1391 nichts in der Angelegenheit zugestellt ist, so sind Sie höchstwahrscheinlich nicht, um strafrechtlich gegen Sie vorzugehen, sondern um Sie aus der Polizeiwache ausschlafen zu lassen oder um Sie vor Un- glück zu bewahren, sistiert.— Arthur B. Erkundigen Sie sich bei der Gcsellschast oder wiederholen Sie Ihre Ansragc unter genauer Darlegung, wie das rechtskräftige Urteil die Sachlage ausgcsaßt hat und welches Ihre Beziehungen zu der Gcsellschast sind.— O. W. 27. Gie haben recht. — Otto Richter. Nach dem Gesetz nicht, wohl aber nach der Praxis des� Obcr-Verwaltungsgerichts.— Hans Haberlandt. Der Revers ist gültig und Sic sind zum vollen Schadensersatz verpsllchtct, wenn Sie volljährig sind. Sie müssen also dem Pscrddarleiher den vollen Wert des Pserdes er- setzen, Ihrem Bruder gegenüber steht Ihnen ein Schadensersatzanspruch nicht zu.— E. D. 1000. Klagen Sie auf Herausgabe des Buches und des Pfandscheines und prolongieren Sie den letzteren beim Psandinhaber. — E. W. 100. 1. In der Regel ja. 2. Der Hauswirt.— W. Höllen. Sic können Strasantrag bei der Staatsanwaltschaft stellen, können auch im Wege der Privatklage vorgehen. Ob eme Verurteilung erfolgt, hängt wesentlich von dem Gutachten der Schreibsachvcrständigen ab. Ohne ein solches Gutachten wäre eine Sklage zwecklos. Wenden Sie sich an einen gerichtlichen Schreibsachvcrständigen.— O. 100. Ja. — öl. B.. Ruinmelsbnrg. Zwischen 6 und 12 M. sür die Entbindung und 1 bis 4 M. sür den Besuch werden sür angemessen erachtet.— E. öl. 1000. 1. Nein. 2. Miliz. 3. Nein.- F. öl., Koppenstr.. I. öl. Nein.— 03, öl. Schulden. 1. Ja. 2. Die Höhe der Kosten hängt von der Höhe des Objekts ab. 3. Die unentbehrlichen Sachen sind. unpsändbar. 4. Die Verjährungsfrist richtet sich danach, aus ivelchcrn Grunde die Forderung entstanden ist, z. B. Darlehen?.Kauf? Miete? Lohnforderung?— G. P., Rixdorf. Sie sind in vollem Umfange schaderis« eriatzpslichtig.— St. K. 100. Leider wäre der Anspruch, soweit Ihre Dar- stcllung ersehen läßt, verjährt: Unfallsansprüche verjähren innerhalb zwei Jahren. Die Verjährung wird durch einen an die Berussgenosfenschast gerichteten Antrag aus Zahlung der Rente unterbrochen.— Erb- schlctchcr. Der Witwe sällt'/,, den Kindern des Nachlasses zu. — F. V. Der durch einen Unfall Verunglückte hat schleunigst an!zcn Vor- stand der Bcrussgcnossenschast, der der Betrieb angehört, zii schreiben, daß er einen Unfall erlitten habe und Rente beanspruche.— D. 44. Uns nicht bekannt.— R. H. 20. Sie sind zur Zahlung verpflichtet, können aber unter Darlegung der Verhältnisse Niederschlagung oder Nachlaß beider Steucrdeputation beantragen.— P. öl. 1. Gar nicht: Sie können lediglich aus Zahlung klagen.— G. R. 7. 1. Sic sind zur Zahlung verpflichtet. 2. Dem Vater, wenn nicht auf Anrufen der Mutter vom Gericht ihr die Erziehung übertragen wird.— Johannes H. Die Innung kann wie jeder Konkurrent gegen einen nur scheinbaren Ausverkauf oder gegen einen solchen mit Nachschubwarcn u. dgl. aus Grund des Gesetzes über den milauteren Wettbewerb klagen. Liegen solche oder ähnliche Voraussetzungen nicht vor, so wird die Klage abgewiesen. A. öl. Der Vater hat nachzuzählen.— I. St. 8. Sie könnten de» von Ihnen gewünschten Erjolg nur durch direkte oder durch die Gewerkschaft vermittelte Rücksprache mit dem Gcwerbe-Jnspektor erreichen.— E. Gg., G. B. 100. Ja.— 200 Spurt Dinscl. In einer Angelegenheit, die wir nicht kennen, können wir einen Rat nicht erteilen. Schstdern Sie Ihren Fall und stellen Sie die Fragen, die Sie beantwortet haben möchten.— Frau Sch. 100. Nein: die Rechnung der Frau ist auch die des Ehemannes. Sollten die Ihnen gehörigen Sachen gepfändet werden, so müßten Sic aus Freigabe klagen.— H. G. Eine Beschwerde bei der Behörde wird kaum Erfolg haben, es sei denn, daß eine Gesundheitsgesährdung vorliegt. Gegen die Zusuhr von Rauch kann Ihr Wirt(oder Sie gegen Wirt und-Nachbar)* a* verabfolgen außergewöhnlichen«pl vl9v beliebten R wir noch unsre Rabattmarken. Wegen unsrer Erweiterungsbauten sind wir gezwungen, unsre grossen Warenvorräte schleunigst zu verkleinern, um bei der demnächstigen Neueröffnung mit nur neuen Waren zu beginnen. Wir veranstalten deshalb von heute nachmittag; 5 Uhr ab einen Ränmmigs- Verkauf zu fabelhalt billigen Preisen und bieten damit eine selten wiederkehrende Gelegenheit zu wirklich billigen Einkäufen. Waschstoffe und Kleiderstoffe. Ein Posten AQ waschechter Organdys, �h.18 Zo pf Ein Posten J U waschechter Organdys, �pr.13™« Ein Posten A A waschechter Organdys,- Ein Posten|r gewebter Bulgarenstoffe, BiuSren 10- Ein Posten AP waschechter Zephyrs..... 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Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Bprwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt.Paul Singer& Co.. Berlin SW. St. 129. A. IchWg. Z. Atllllkt Pommernbank und Preffeklnb. Im Pommernbank-Prozeß wurde in den letzten beiden Ver- Handlungstagen der alte Faden weiter gesponnen. Eine ganze Reihe von Beweisanträgen der Angeklagten wurden durch die Bücher- revisoren Kruse und Huschte durch längere Gutachten erledigt. Im Laufe der Verhandlung kam auch das Verhältnis des An- geklagten R o m e i ck zum Presseklub nochmals zu eingehender Erörterung, die sich wie folgt gestaltete: Vors.: Wir kommen jetzt zu der Forderung, die im borigen Jahre so viel Staub aufgewirbelt hat: die Forderung an den P r e s s e k l n b. Auch von dieser Forderung sagen Sie(Romeick), als Sie das Geld gaben, waren Sie überzeugt, daß es wieder zurückgezahlt wird.— Angeklagter R o m e i ck: Jawohl l Außerdem habe ich die Zahlung erst geleistet im Einverständnis mit der Jmmobilien-Vcrkehrsbank und die Jmmobilien-Verkehrsbank hatte sich bereit erklärt, die Forderung zu zahlen. Es sind 2ä 000 M. gezahlt worden.— Vors.: Es soll be- schlössen worden sein, daß dieser Betrag zurückgezahlt werden soll.— Angekl. R o me i ck: Trotz der größten Aufregung hat man ihn doch noch nicht zurückzahlen können. Auch diese Forderung ist von uns nur für die Jmmobilien-Verkehrsbank verauslagt, mit deren Einverständnis sie geleistet worden ist. Ich bin seiner Zeit von Herrn Direktor Wenzel und Herrn G oldberger angegangen worden, die mich aufsuchten und mich anregten, etwas für den Presseklnb zu thun. Herrn Goldberger kannte ich von Königsberg her. Es ist nun nicht etwa so gewesen, wie man allgemein angenommen, daß ich, nachdem ich 15 000 M. zugesichert hatte, ich auf sein Ersuchen ohne weiteres noch ein bißchen mehr gegeben habe. Es wurde mir in liebens- würdiger Weise nahegelegt, die 25 000 M. zu zahlen. Herr Gold- berger hat im vorigen Sommer Gelegenheit genommen, sich zu entrüsten über die Quelle, aus der das Geld geflossen ist. Jeden- falls hat er damals nicht gesagt: non olet! Inzwischen ist, wie ich glaube, durch die Verhandlungen der Beweis geführt worden, daß die Pommernbank trotz alledem besser ist wie ihr Ruf.— Vors.: Als was ist die Geldsumme gegeben worden? — Angekl. R.: Meine Akten find nicht aufzufinden gewesen; ich muß die Angabe der Anklage als richtig annehmen, daß es als zinsfreies Darlehn gegeben worden ist.— Beisitzer Landgerichtsrat P a u ck s ch: Ich verstehe bloß nicht, wieso die Immobilien- Verkehrsbank zur Uebernahme der Forderung sich ver- pflichtete, die, wie Sie sagen, im Interesse der Pommern- banr war.— Angekl. R.: Es war schließlich doch auch im Interesse der Jmmobilien-Verkehrsbank, denn wenn es der Pommernbank gut ging, ging es auch der Jmmobilien-Verkehrsbank gut. Je schöner die Geschäfte der Pommernbank gingen, um so besser ging es auch der Jmmobilien-Verkehrsbank.— Beisitzer P.: Was haben denn die 25 000 M. an den Presseklub für einen Einfluß auf die Entwicklung der Pommernbank gehabt?— Angeklagter Schultz: Darf ich darauf die Antwort geben? Im vorigen Jahre habe ich es nicht gesagt, aber nachdem Herr Goldberger in den Zeitungen den Entrüsteten gespielt hat, nehme ich leinen Anstand, die Sache zu schildern. Wir waren seiner Zeit bei der Staatsbehörde mit dem Pfandbrief-Prospekt abgewiesen worden und da wurde uns ein Wink mit dem Zauichfahl gegeben: Kinder, seid Ihr dumm I Ihr müßt eine größere Bank haben, die an der Berliner Börse bekannt ist. Das kostet bloß Geld. Wir sind nun den, Winke niit dem Zaunpfahl gefolgt. Wir gingen die Breslauer Diskonto-Bank an und der Scherz hat unsrer Bank, obgleich� die Hypotheken dieselben waren wie 1897, über 500 000 M. gekostet; und die Sache war eingeführt. Vorher hatte schon der Vermittler, Herr Generalkonsul Goldberger, uns nahe gelegt, ivir möchten, nach erreichter Einführung der Pfandbriefe, für seinen Bruder, den Geh. Kommerzienrat, auch etwas thun. Ich möchte ihm Gefälligkeiten erweisen, außerdem für den Verein der Industriellen auch etwas thun. Das habe ich zugesagt. Der Generalkonsul kam zu mir und bat mich, ich möchte der Kasse des Vereins der Berliner Industriellen 10 000 M. zahlen. Er kam mit einem Brief von seinem Bruder, worin sein Bruder ihm schrieb: er möchte dafiir sorgen, daß ich den Brief in derselben Weise, wie er ihn entworfen, absende. Obgleich mir der Verein unbekannr war, habe ich 10 000 M. mit dem vorgeschriebenen Brief gesandt.— Dann kam die zweite Geschichte mit dem Presseklub. Da kam der Generalkonsul wieder und sagte: Mein Bruder ist Ihnen gefällig gewesen, Sie müssen ihm wieder gefällig sein. Diesmal hat Romeick später die Verhandlungen geführt. Ich hatte gesagt, daß ich schon einmal obige 10 000 M., privatim 10 000 M., gegeben habe und nun- mehr kein persönliches Interesse an der Sache mehr hätte. Im übrigen hatte ich keine Ahnung, daß der Herr für die Industrie des Deutschen Reiches so kräftig eingetreten wäre. Infolge dessen sagte ich: 25 000 M. bezahle ich nicht mehr, die kann die Jmmobilien-VerkehrS- bank übernehmen. Das hat Direktor Behnsen zugesagt, daraufhin sind später die 25 Mille an den Presseklub von der Immobilien- Verkehrsbank bezahlt worden. Die Briefe vom Generalkonsul Gold- berger und dem Geh. Kommerzienrat ai, seinen Bruder müssen in einem vorliegenden Aktenstück vorhanden sein; sie werden bestätigen, daß ich jene 10 000 M. gezahlt habe. Vors.: Haben Sie die 25 000 M. für den Presseklub ä fonds perdu bezahlt, oder glaubten Sie eS zurück zu erhalten?— Angell. R o m e i ck: Ich glaubte es zurück zu bekommen. Ich war in diesem Falle nur der Ueberbringer für Rechnung der Jmmobilien-Verkehrs- bank.— Staatsanw. Beeck: In der Quittung ist gesagt: zins- freies Darlehn. Ist denn mit Zinsen quittiert worden?— Angekl. Schultz: Selbstverständlich. Herr Staatsanwalt, denn wir hatten das Geld verauslagt und es konnte uns nicht zugemutet werden, daß wir auch noch die Zinsen bezahlen.— Zeuge Direktor Budde: Wir haben gegen den Presseklub anerkannt, daß wir ein Recht zur Zurückfordernng nicht haben» daß eine Verpflichtung zur Rückzahlung nach dem Schuldscheine und den Urkunden nicht bestand. Das haben wir anerkennen müssen, dagegen hat nun der Presseklub eine Sammlung veranstaltet, um die Summe ohne Zinsen zurückzubezahlen, und er wird das thun.— Angekl. Romeick: Die Behauptung des Zeugen widerspricht der Quittung.— Zeuge Budde: Ich habe das Papier nicht bei mir. aber aus meinen Büchern geht hervor, daß wir kein Recht zur Rück- fordenmg haben.— Angell. R o m e i ck: Der Herr Staatsanwalt ist andrer Ansicht, er spricht von zinsfreiem Darlehn.— Staatsanwalt Beeck: Wie soll ich es denn sonst bezeichnen? Es ist nach Belieben zurückzuzahlen. Ich bitte den anwesenden Direktor Wenzel zu vernehmen. Präs.(zum Zeugen Wenzel): Sie haben seiner Zeit als Schatz- meifter des Presieklubs ein Darlehn von Schnitz und Romeick er- halten. Wollen Sie sich einmal darüber äußern? Zeuge Direktor Wenzel: Der Presseklub wurde seiner Zeit gegründet zu dem Zwecke, einen gesellschaftlichen Mttelpunkr zu bilden, einerseits für Journalisten und Schriftsteller, anrderseits für Buchhändler, Künstler, Leute der Finanz, Staatsbeamte, Abgeordnete. kurz, ich möchte sagen, für Vertreter aller derjenigen Richtungen, die im öffentlichen Leben eine Rolle spielen. Angeregt war die Sache von einzelnen Mitgliedern des Vereins Berliner Preffe und das Statut wurde damals bearbeitet unter dem Vorsitz des Kanunergerichtsrats Wichert. ES wurde ein Lokal gemietet, einige von den Herren erklärten sich bereit, pränumerando Beiträge zu bezahlen. Es wurde dann ern Etat aufgestellt, ein Lokal gemietet, welches umgebaut werden mußte, und später stellte sich noch heraus, daß die Kosten wesentlich höher waren als der Anschlag. Infolgedessen mußten zur Deckung dieser Beträge ge- eignete Schrille gethan werden. Ich war damals gemeinschaftlich mit Herrn Goldberger Schatzmeister. Wir wurden eriucht, zu ver- Ks.Fmiirls" suchen, daß unter der Form eines DarlehnS unter den Mitgliedern ein Betrag aufgebracht werden könnte, der diesen Betrag deckte. Es hatten sich einzelne Herren, zum Teil aus dem Vorstand, bereit er- klärt, die Summe zu zahlen, und Herr Goldberger schlug mir vor, uns in erster Reihe an Herrn Romeick zu wenden, von dem er wußte, daß er sehr wohlhabend sei und event. geneigt sein würde, einen Teil der Kosten herzugeben. Ich selbst habe Herrn Romeick ftüher einmal bei Gelegenheit eines Pressefestes gesehen, sonst war er mir nicht bekannt. Ich wußte nur, daß er der Direktor der Pommern- bank war und daß diese Bank, soweit ich wußte, ein gutes Ansehen genoß, auch war mir Herr Romeick als ein durchaus angesehener Mann bekannt. Wir sind darauf hingegangen, und da Herr Gold- berger Herrn Romeick näher kannte, führte er im allgemeinen die Verhandlungen, legte ihm den Zweck unsres Besuches dar und fragte ihn, ob er geneigt wäre, einen Teil des Betrages oder den Betrag selbst herzugeben. Nach einigem Ueberlegen erklärte sich Herr Romcick dazu bereit. Außer dem Betrag, der augenblicklich zu decken notwendig war, handelte es sich auch noch um eine Ausgabe, an die wir vorläufig nicht gedacht hatten, um unfern Etat nicht zu über- lasten. Wir brauchten einen Personen- Aufzug zum Klublokal, der vorläufig zurückgestellt werden sollte. Aber Herr Goldberger fing damit an, ob Herr Romeick nicht bereit sei, ganz oder teilweise die Kosten des Aufzuges zu decken. Herr Romeick er- widerte, wenn Herr Schultz dazu bereit wäre, wäre er es auch. Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß wir ein solches Darlehn nur in einer Form annehmen könnten, die für den Presseklub nicht bindend sei bezüglich der Rückzahlung, weil wir die Entwicklung des Klubs nicht übersehen könnten. Ich sagte, wir könnten den Bewag nur annehmen unter der Bedingung, daß er zinsfrei sei und ein Termin für die Rückzahlung nicht festgesetzt würde. Damit erklärte sich Herr Romeick einverstanden, eboyo wie ich einverstanden gewesen bin. Herr Romeick hat dann die Zahlung geleistet und das Geld ist von mir an den Presseklub abgeführt worden. Ich will aber noch das eine bemerken: Herr Romeick sprach den Wunsch aus, er wünsche nicht, daß von der Sache weitere Mitteilungen gemacht würden oder daß sein Name in der Oeffentlichkeit genannt' würde. Ich machte Herrn Sudermann, dem damaligen Vorsitzenden, telephonisch Mit- teilung von dem Besuch und er hat, wie ich weiß, später ein be- sonderes Dankschreiben geschrieben. Ich selbst bin nur kurze Zeit Schatzmeister gewesen. Ich habe dieses Geschäft besorgt und kurze Zeit später mein Amt niedergelegt.— Beisitzer Laudgerichtsrat P a u k s ch: WaS wird nun mit der Rückzahlung werden? Zeuge W.: Der Presseklub befindet fich in der Liquidation. Die Gelder werden von den Mitgliedern eingezogen und man denkt, das Geld zurückzahlen zu können.— Beisitzer Landgerichtsrat P a u k s ch: Glauben Sie denn, daß aus der Liquidallon etwas von den 25 000 M- zur Rückzahlung kommen wird?— Zeuge W.: Ein großer Teil der Herren hatte sich verpflichtet, Beträge zur Deckung zu geben, ich kann mir aber ein Urteil darüber nicht er- lauben, ob die Zeichnungen dafür an den Liquidationsausschus; ge- kommen find.— Beisitzer P.: Es ist doch nun schon ein Jahr darüber vergangen.— Z e u g e W.: Es war seiner Zeit die Rede davon, das Geld zurückzuzahlen, bevor die Sache zur Sprache kam, aber man hat davon Abstand genommen, weil man glaubte, das würde einen schlechten Eindruck machen.— Vors.: Kann Herr Romeick das Geld als ein Geschenk an den Presseklub betrachtet haben?— Zeuge W.: Nein, das glaube ich nicht, denn er legte Wert darauf, daß der Dankesbrief des Herrn Sudermann hervorhob, daß es ein.Darlehn" war. Herr Romeick hat gesagt:„Ich muß aber dringend bitten, de» Charakter eines Darlehns besonders hervorzuheben." Anders haben wir auch die Sache nicht aufgefaßt. — Angekl. R o m e i ck: Es sind ja sechs Jahre her, aber vielleicht entsinnt sich der Zeuge noch des folgenden Details: Der Zeuge sagte vorhin: Herr Goldberger hätte mich aufgesucht, weil er mich gekannt hätte. Entsinnt sich der Zeuge, daß ich die Zusage gemacht habe immer nur unter der Voraussetzung des Einverständnisses des Herrn Schultz und daß die Quittung für Schultz u. Romeick ausgestellt würde?— Zeuge W.: Ich habe bereits erwähnt, daß wir bei den Verhandlungen ausdrücklich von einer weiteren Summe sprachen und Herr Romeick sagte: ich werde mal mit Schultz sprechen, daß er sich beteiligt.— Angekl. R o m e i ck: Die Fahrstuhlgeschichte ist damals von Herrn Geh. Rat Goldberger angeregt worden und da sagte ich, ich könnte mich noch nicht entschließen, ich müsse erst Herrir Schultz sprechen.— Zeuge W.: Jawohl, ich glaube das bestättgen zu können. Hiermit wurde dieser Punkt verlassen und die Verhandlung wandte sich der weiteren Erledigung der Anklage zu. Die nächste Sitzung findet Montag 9 Uhr statt. Versammlungen. Centralverband der Maurer. Der Zweigverein Berlin veranstaltete am Donnerstag sechs Mitgliederversammlungen, die in erster Linie dem Zweck dienten, die Mitglieder an die Pflichten zu erinnern, welche sie als organisierte Arbeiter haben. Die Versammlungen waren alle sehr stark besucht, zum Teil sogar überfüllt. In dem Versammlungslokal bei Fiebig in der Ackerstratze fanden mehrere hundert Mitglieder, weil der überfüllte Saal polizeilich abgesperrt war, keinen Einlaß mehr.— Wie die Ausfiihrungen der Referenten zeigten, ist unter den Zweig- Vereinsmitgliedern eine gewisse Gleichgültigkeit eingerissen hinsichtlich der Anforderungen, welche die Organisatton an sie stellt. Nicht als ob die Zahl der Mitglieder geringer geworden wäre, aber die praknsche Bethätigung der Solidarität läßt zu wünschen übrig. Besonders wird beklagt, daß ein Teil der Mitglieder durch ungewöhnlich hohe Arbeitsleistungen ihre Kollegen zu überbieten suchen, um einen höheren als den Vertrags- mäßigen Stundenlohn von 70 Pf. zu erhalten. Eine kürzlich vor- genommene Bautenkontrolle hat ergeben, daß 8116 Maurer 70 Pf., 295 Maurer 72'/z Pf., 383 Maurer 75 Pf., 7-t Maurer 80 Pf. Stundenlohn erhalten. Die nach der Arbeitsleistung abgestuften Klassenlöhne, welche durch den Tarifvertrag beseittgt und durch ein- heitliche Löhne ersetzt werden sollten, sind also dank der mangelnden Einsicht eines Teils der Kollegen wieder an der Tagesordnung. Die ungewöhnlich gesteigerte Arbeitsleistung der höher entlohnten Maurer— sie wird mit einem fachtechnischen Ausdruck als„Schinderei" be« zeichnet— hat aber auch zur Folge, daß die mit dem Vertrags- mäßigen Lohn von 70 Pf. bezahlten Maurer die im Vertrage fest- gesetzte Arbeitsleistung weit zu überschreiten genöttgt sind. DaS er- fordert eine Anspannung der Kräfte, welche die Gesundheit der Arbeiter in kurzer Zeit ruinieren mutz. Ferner wird darüber geklagt, daß ein Teil der Mitglieder nachlässig geworden ist hinsichtlich der Mißstände, die auf vielen Bauten bestehen, und die im Interesse der Allgemeinheit beseittgt werden müßten. So wurden bei der Kontrolle 109 Bauten gefunden, auf denen die Baubuden nicht in Ordnung waren, und auf 134 Bauten entsprachen die Aborte nicht den berechttgten Anforderungen. Weiter winde gerügt, daß die Ernennung eines Baudeputierten, der die Kollegen seiner Arbeitsstelle zu vertreten und ihre Verbindung mit der Organisation auftecht zu erhalten hat, in vielen Fällen unterlassen wird. Bei der Kontrolle fanden sich nur auf 391 Arbeitsstellen Baudeputterte, während sie auf 721 Bauten gänzlich fehlten. Die Ernennung von Baudeputierten wurde den Mitgliedern ganz besonders zur Pflicht gemacht. Die Mittel, durch welche die Verbandsleitung den genannten Uebelständen zu steuern und einen festeren Zusammenhalt der Mitglieder zu erzielen gedenkt, find in der nachstehenden Resolution angegeben, welche von allen Versammlungen angenommen wurde. Sonuabend, 4. Juni 1904. „Die Versammlung verpflichtet sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dafür Sorge zu tragen, daß der alte Schlendrian unsrer Kollegen aufhört und an Stelle dessen die Agitation ein- zusetzen hat, daß das Band der hier in Berlin wohnenden Kollegen und den Kollegen von außerhalb, welche hier in Arbeit stehen, ein festeres wird. Als Aufgaben, die vom Zweigvereins-Vorstand sowie allen hier anwesenden Kollegen sofort in Angriff zu nehmen sind, erachtet die Versammlung: 1. in allen Vierteln resp. Zahlstellen systematisch Versamm- lungen abzuhalten, an welchen die am Ort beschäftigten Kollegen teilzunehmen haben. Um eine bessere Konttolle hierüber zu haben, erhält jeder Versammlungsbesucher einen Versamnilungsstempel in seinem Mitgliedsbuch. 2. Ferner erachtet es die Versammlung für äußerst wichtig, das jetzt so tief im argen liegende Baudeputierten- System auszubauen, und verpflichtet sich, in größerem Maße wie bisher dafür Sorge zu tragen, daß auf jedem Bau ein Deputierter gewählt wird. Im Anschluß hieran hält es die Verbandsleitung für sehr wesentlich, die ftüher stattgefundenen Baudeputierten-Versammlungen wieder einzuberufen. Die Versammelten verpflichten sich, dafür zu wirken, daß jeder Bau in dieser Deputiertenversammlung vertreten ist. Auf allen Bauten ist dafür Sorge zu tragen, daß das über- menschliche Arbeiten aufhört, die auf den Bauten bestehenden Miß- stände beseitigt werden, und, falls die Kollegen allein hierzu nicht im stände sind, die Verbandsleitung davon benachrichtigt wird. Da noch ein größerer Teil unsrer Kollegen interesselos umher- irren, muß ein jeder Kollege nach Kräften besttebt sein, die uns noch fernstehenden Kollegen für die Organisation, für den Verband zu gewinnen."_ Die Kommunalwahl im neunten Bezirk war das Thema einer Versammlung, die ani Dienstag im„Wilhelmshof" in Schöne- b e r g stattfand. Stadtverordneter Genosse O b st ging in großen Zügen auf die Aufgaben der Kommunen ein, wie sie sind und wie sie sein sollen. Besonders in den Schulverhältnissen am Orte ist noch ein gutes Stück Arbeit zur Verbesserung derselben zu thun übrig. Wenn auch zugegeben werden muß, daß ein Aufschwung in der Ausgestaltung ünsres Schulwesens nicht zu verkennen ist, so liegen die Dinge trotzdem noch so, daß für die Mehrheit der heranwachsenden Jugend nur verhältnismäßig wenig gethan wird. Dies beweist der große Unterschied in der Zuwendung von städtischen Mitteln für höhere und Gemeindeschüler. Redner ging noch ein auf die verschiedenen Gebiete in der kommunalen Verwaltung, er berührte das Wesen der Schulkantine, die Fortbildungsschulen, die Kranken- pflege, die gerade bei uns noch sehr im Argen fliegt; die Angelegenheit der VoUs-Badeanstalt scheint die Mehrheit der Körpersckaft nicht mehr zu alterieren, denn man hört von dem ganzen Projekt kein Wort mehr.— Genosse Küter ging noch des näheren auf gewisse Zustände in der Behandlung von uns gestellter Anträge ein; eine Verstärkung unsrer Fraktion durch die Neuwahl im neunten Bezirk sei für uns eine Ehrenpflicht, umsomehr, als der- selbe zur Zeit der größte am Orte ist, er besitzt über 2000 Wahl- berechtigte. Es muß bestimmt erwartet werden, daß Dienstag, den 14. Juni, der Kandidat der Arbeiterpartei als Sieger au? der Wahl hervorgeht. Darauf wurde der allbekrnmte Parteigenosse Maurer Gustav Däumig, welcher schon in der Zeit des Socialistengesetzes als VerttauenSmann fungierte, einstimmig als Kandidat normiert.— Genosse Wollermann gab noch einige Erläuterungen zu der Wahlhandlung und teilte mit, daß am 13. Juni ReichstagS-Ab- geordneter Südekum einen Vorttag über:„Kommunale Aufgaben" halten wird, zu welchem hoffentlich der Besuch ein besserer fein wird. Lichtenberg. Am Dienstag fand im„Schwarzen Adler" eine zahlreich besuchte öffentliche Versammlung statt, in der Reichstags- Abgeordneter Max Schippe! über die verschiedenen Matznahmen der Behörden bei Streiks und Lohnbewegungen referierte. Redner unterzog in einem cineinhalbstündigen Vortrage die Zustände auf k*m Gebiete des Koalitionsrcchts einer eingehenden Kritik. Namentlich scharf geitzelte Genosse Schippe! das Verbot zur Koalierung der Landarbeiter, Seeleute und des Gesindes und schilderte dann die Matzregeln gegen Arbeiter, die von ihrem Koalitions rechte Gebrauch machen, dabei einen Vergleich ziehend mit dem Verhalten der Be- Hörden gegenüber den Aerzten. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine sachlichen Ausführungen.— Zum Schluß sprach der Vertreter der Bäckergehilfen, Genosse Schneider, der Arbeiterschaft Lichtenbergs, namentlich den Frauen, für die that- kräftige Unterstützung in dem zum Siege geführten Kampfe seinen Dank aus. Leider haben eine Anzahl Bäckermeister, so auch in Fricdrichsberg, die Bewilligungen zurückgezogen. Es ist nun Pflicht eines jeden Genossen, Arbeiters und Bürgers, nur in den Bäckereien ihren Bedarf zu decken, welche die als gerecht anerkannten Forde- rungen der Gehilfen bewilligt haben. Diese Bäckereien sind durch die vom Bäckerverband erlassenen Plakate und durch deren Aushängen in den Schaufenstern erkenntlich. Eine Brninsversairnnlung des Wohlvercins Johannisthal n»d Rudow fand am 28. Mai bei Palm in Rudow statt. Genosse Toost sprach über Religion für Arm und Reich. In der Diskussion sprachen Brunzel, welcher die Ausdrucksweise, Religion ist Privat- fache, des Referenten krittsierte, sowie Beiersdorf und Döring. welche im Sinne des Referenten sprachen. Unter Vereinsangelegen- heiten ivurde von Brunzel gewünscht und vom Verein beschlossen, den Bericht an den„Vorwärts" zu senden, da von Rudow niemals bisher Bericht erstattet wurde. Zugleich wurde be- schloffen, an Vereine, Radfahrer, Ausflügler, die Bitte zu richten, soweit es möglich ist, die beiden Parteilokale Franz Reime, Benda- strotze, und August Palm, Köpenickersttatze, zu berücksichtigen, denn es ist schwer, in einem Bauernort, wenn uns keine Unterstützung zu teil wird, die Lokale für die Arbeiterschaft frei zu halten. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 6. Juni, vonn. 8'/, Uhr, in der Schul-Aula, Kleine Franksurterftr. 6: Versammlung.„Freireligiöse Vorlesung." Um 108/. Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Professor Dr. Albert G ehrte:„Der Sinn des LebcnS". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. In der humanistischen Gemeinde, Niederwallstt. 12, In der Aula der Friedrich- Werderschen Ober- Realschule, hält am Sonntagvormittag 10'/, Uhr Herr Dr. Nudols Pcnzig einen Vortrag über:„Konsessionellc oder humane Erziehung?" Damen und Herren haben freien Zutritt. Slllgemeine Kranken- und Stcrbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 9. Sonntag, den 5. Juni, vor- mittags 9 Uhr, in der Kronen-Braucrei, Alt-Moabit 47— 49: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Bericht der Delegierten von der General- Versammlung und Neuwahl der Ortsverwaltung. Filiale 10. Sonntag, den 5. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Faber, Stephanstt. 11: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht der Delegierten von der Generalversammlung und Vorstandswahl. Eingegangene VnicKfdmfte». »Kommunale Praxis". Zeitschrift für Kommunalpolitik und Gemeinde- SocialiSmuS. Herausgeber Dr. Albert Sudekum, Berlin W. 15. AuS dem Inhalt der soeben erschienenen Juni-Nummcr des vierten Jahrganges heben wir hervor: Einen Slrtttel über die Umsatzsteuer� Pläne in Sachsen von Emil Ritzsche-DrcSden. Eine Abhandlung über:„Dir Armenlast in den deutschen Großstädten verglichen mit ihrer Steuerkraft". — Neben einem reichen Notizenteil über alle Gebiete des GemcindelebenS hat die„Kommunale Praxis" einen juristischen Sprechsaal cinaenchtet, in dem alle Rechtssragen, die das Gemeindeleben betreffen, regelmäßig kostenlos beantwortet werden. Die„Kommunale Praxis" erscheint am 1. und 15. jeden Monats, kostet vierteljährlich 1,50 M. Das Abonnement ist allen denjenigen zu cmpsehlcn, die sich sur die wichtigen Fragen des Gcmeindclebcns interessieren. Probenummem werden gratis und sranco vom Verlag, Berlin W. 15, versendet. Wür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Berantmortnng. UKeater. Sonnabend, den 4. Inn i> Zlnfang 7'/, Uhr: Opernhaus. Tannhäuser und der Sängerkrieg aus Wartburg. Neues OPern-Theater. Die Geisha, oder: Eine japanische Theehaus geschichte. Deutsches. Nora. Berliner. Der jüngste Lieutenant. Lessing. Zapsenslrcich. Westen. Im bunten Rock. Belle-Alliance. Kam'rad Lehmann. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Ein unbeschriebenes Blatt. Schiller X.(Friedrich.Wilhelmstädt.) Das Heirmsnest. Neues. Kabale und Liebe. Nachtasyl. Dt» 300 Tage. Geschlossen. Der Raub der Sabine Scliiller- Theater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Lin unbeschriebenes Blatt. Sonntagnachmittag 3 U h r: Heimat. Sonntagabend 8 U h r: Ein unbescbriebenes Blatt. Montagabend 8 Uhr: Der Compagnon._ Schiller-Theater BT. (Friedrich-Wilhelmstädtisch es Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Da« Helratsaest. Sonntagnachmittag 3 U h r: Die Diinber. Sonntagabend 8 Uhr: Der Compagn�n. Montagabend 8 Uhr: Hau« Rosenhasen. Im Garten täglich gr. MilitSr-Konzert. Die Zauberin am der Kleines. Residenz. Trianon. Central. rinnen. Carl Weift. Stein. Slebr. Herrnfeld. Gastspiel Tegernseer. Der Musterhos. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage-Theater. Specialitäten. Urania. Daubenstraftc 48/4S. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Im Hörsaal: Dr. B. Donath: .Radium". Jnvalideustrafte 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 1l Uhr. Wim Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Rabale und Liebe. Ansang 8 Uhr. Morgen: Einen Jux will er sich machen. Central-Theater. Heute Ansang 8 Uhr: Gastspiel I o s e s i n e Dora und Emil Richard, tgl. Hosschauspieler. Oer Raub der Sabinerinnen. Schwank in 4 Ausz. von Schönthan. Sonntag: Gastspiel Josetine Dora als Madame Bonivard. Vorher: Er. fielle-Alliance-Tlieater. Im Theater: Täglich abends 7'/. Uhr: Kamerad Lehmann mit Guide Thielscher in der Titelrolle. Nachmittags im seenhast illuminierten Sommergarten: Grosses Max Schmidt-Konzert. Um 8 Uhr: Grosse Specialitäten Verstellung. Miss Alex mit ihrer Automobil- Schleisensahrt.— Enthüllungen der Schein- Ringkämpfe. Sensationell! Rtfidenj-Thelltkr Heute und folgende Tage: Abends 8 Uhr: vie 300 Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gevault und Robert Charvey. Deutsch von Alfred Halm. IletropolTbeater Der grösste Erlolg dieses Jahres: Gr. dramatisch-satirische Revue in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hoüaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Ipollo-Theater. 8 Uhr: Debüt der neuen Juni- Specialltüten. Lili Tiso, amenk. Sängerin. X"r. Alexander, Kunstradsahrer. X M'ss Carola, Trapez. X Bourton u. Hayo, Reckturner.X Martin Kettner, Humoriff. X Messters Kosmograph, aktuelle Bilder vom Kriegsschauplatz. »-/, Uhr: IdtStZVSKOttV»'. Carl Weiss-Theater. Große Franklurterstr. 132. Die Zauberin am Stein. Volksdrama in 4 Akten v. I. Nissel. Btf AnsangSUHr.-*« Morgen nachmittag 3 Uhr, Parkett 60 Pf.: Die zärtlichen Verwandten. Abends: Die Zauberin am Stein. Im Sommergarten: Sommer- nachtssest. Specialitäten. Konzert. Auto Atlas hebt ein 16 Centner schweres Automobil mit seinen Zähnen. Ansang 5'/, Uhr._ Kleines Theater. Unter den Linden 44. NscMsszfl. Ansang 8 Uhr. Sonntag: Liebesträume. Don Carlos-Parodie. Serenissimus-Zwischenspiele, Vorher: Mttrtyrer. Neue freie Volksbühue. Sonntag, den 5. Juni: mit Miisil; nach Abfahrt morgens ,/38 Uhr. Ankunft'/sll Uhr.— Spiele im Walde"mit Prcisvertellnng an Herren, Damen und Kinder, Rundfahrt auf dem Zenthcner 8ee.— Preiskegeln. Tanz etc. etc. Rückfahrt abends 9 Uhr. Teilnehmerkarten für Mitglieder und Gäste a 1,10 Mark sind nur noch bei dem Kassierer zu haben. Der Vorstand. 150/8_ L A.: Heinrich Heft, Kassierer, Veteranenstr. 6. * Utax Kliem's Sommer-Theater* Hasenhclde 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich; Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung, Jeden Montag: Sommcrfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Dag. DM- Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand:c. _ In den Stilen: Orosser Ball. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Insel Rügen. Im Hörsaal; Dr. B. 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Theatervorstellung. Austreten sämtl. Specialitäten, u. a.: M Coraii. x Loro-IJuartett. Renello Beines Troupe u. v. a. m. UM- Ansang i'l, Uhr. Entree 30, numerierter Platz 50 Direktion: Rodert Dill. Rrunnenstrasse 16. Erster großer Premieren-Abend. Um Ehr' und Liebe. Volksstück. Der Onkel aus Ostpreußen. Schwank. Dazu die erstklassigen Specialitäten. Anfang 6 Uhr. Während u, nach der Vorstelfimg: Bs». ?s88sge-7bester. Auf. Bomitag 3, Wochentags 5 Uhr, Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Fredi Charwenka in ihrem Repertoir. 14 erstklassige Nummern. Speeialitäten-Theater, jJiRZ Landsberger Allee 76/79. 69 w w Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! im herrlichen Garten od. gr. Saal: Das konkurrenzlose Juni-Programm, ca. 36 erstklassige Nummern mit stürmischem Beifall, u. a. Neu sür Berlin: Marco et Tatgana. Jackson- Troupe, Akrobaten, 5 Pers. Mstr. Brown m. seinen Wunderhunden. The Drig.. Beirotts. Burleske erccninc. Die Berliner Lieblinge Orig.: Mita Roselli, Tanz-Soubrette, Orig.: Fritz Brand, Humorist Walter Darton, das Phänomen usw. Kasseeknche. Volksbelustigungen. Sonntag, Montag. Mittwoch voll und Sonnabend bis 2(Ihr: DnH- thfijarer r ■ KasfJsiWAIIeeV-S Täglich: Goldene Herzen. Pantom.: Im Nachtasyl. Harris, Krastjongleur. The Jarrey.— Ulpts.— Langee. Ball, Konzert, Specialität. Ansang 4 Uhr. Eintr. 30 Ps. Rum. PI. 60Ps. �WM"1>seues Programm. Meson u. Fordes, amerik. Excentrics Clement Lion, Zauberkünstler. Lydia Dobranow, Feuertänzerin. Professor Maboul, kom. Jongleur. Perzinas dressierte Affen. Gebrüder Schwarz, Parodisten. Will Mora, Reckkünstler. Heloise Titcomb, Sängerin Die 4 Milans, Kraftnummer. Neiss-Familie, akrobatischer Akt. Castor Watt, Verwandlungskünstler. „Carnevalsgeister", Ballett. Biograph.__ JEötzowstr. 111/112. Täglich im Garten oder «aal: Vorsts Korddeutsche Kumoristen und QuartettsSänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Bons baden liültigkelt. Ostbahn-Park. Am KQstrinerplatz. Rydersdorferst.71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und SpeeiaUtäten- Norstellnng. Central-Kranken- u. Zterhe hasse der Tischler und andrer gewerblicher Arbeiter. (E. H. Nr. 3, Hamburg.) Ulllälc Berlin A. Montag, den 6. Juni 1904, abends S'/j Uhr, im Lokal von Wollschläger, Adalbertstraffe 21: Tagesordnung: I.Kassenbericht vom 1. Quartal 1904. 2. Festsetzung der Gehälter. 3. Wahl der Gesamt-Ortsverwaltung. 4. Wahl der Lokale für Zahlstellen. 5. Verschiedenes und Kafsenangelegenheiten. Um rege Beteiligung ersucht 181/4 Die Drtsverwaltung. DWr- Am 13. Juni findet ein Ver- gnugen in der„Neuen Welt" zum Besten der ausgesteuerten Milglieder statt. Billels a 20 Pfennige sind zu haben in der Versammlung und in den Zahlstellen.— Die Sprech- stunden am 6. und 13. Juni werden nicht abgehalten. tkSRvI»« es Müs. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Täglich im Garten: liokkmanns Norddentscbe Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. � Wochentags haben Vor- zugslarten, auch die zu den Theater- abenden ausgegebenen, Gültigkeit. Q ossmanns Konzert-diarten, SW., Kreuzbergstr. 48. Jeden Sonntag: Frei-Konzert und Ballo Montag: Elchlcrs<|nartcttsängcr. Mittwoch: TUlltär-Konzert. Sitnr-Mi Am Känigsthar. Am Friedrichshain. Täglich: Theater- und eii Volksbelustigungen. Im Saale: BALL. Zum Schluff: Ein falsches Lokal. Große Gesangsposse mit Tanz Entree 30 Ps. Kinderwagen neul hochelegant! unrerwüstlich und beispiellos billig, weil direkt y. der ältesten, größten sächsischen Kinderwagenfabrik J. Tretbar, grimm» 134 MeinKatalogDeinRat- geber. Sage beim Katalogverlangen, ob gegen Bar mit 10% Kabau, od. bequeme Teilzahl, gewünscht. ßfSTv s»« APENTÄ' Grosse Jreiliurger Dotnban-Merie. Ziehung« v Juli 1004. Haupttr.: lOO OOO. 40 OOO, »o OOO. 10 OOO usw. 53441-» Orig.-Lose 3.80 iSTä J. Raehor, korXut, Mainz. BrodsGeselTsebanshaus am Dämeriftsee. Inhaber: Zl. 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Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit des Punkt 3 ersucht die Verwaltung alle Kollegen von Weiffensee, zu erscheinen. Montag, den«. Juni, abends 8'/, Uhr, i» Rixdorf, Stein meftstrafte: Versammlung."WW Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau tt. Kiesel über:„Friedrich Schiller, ein deutscher Dichter�. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Zahlstelle Südost und der Arbeitsnachweis Südost u. Rixdorf befinden sich vom 15. Juni ab bei T«chah»ch, Naunynstr. 6. NB. Kollegen! Sonntag, den 31. Juli, findet eine Dump Ter- Partie nach Müggelheim statt. Agitiere ein jeder sür rege Be« teiligung._ 146/13_ Der Vorstand. Nerlmnd der Fabrik-, Fand-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. 15ahl«telle Berlin. Achtung! Gunnm-Arbeiter u.-Arbeiterinnen! Sonntag, S. Juni, mittags IS Uhr. im Gewerkschaftshans, Engel-User 15, Saal IV(großer Saal): 6rossc öf f cntl. VcrfanimUmg. Tages-Ordnung: 1..Die gesundheitsschädliche Arbeit der Gummi-Fabrikation'. Referent: Genosse Ehemiker Wollheim. 2. Können wir unter den jetzigen Verhältnissen an eine friedliche Ausbesserung unsrer Lohn- und Arbeitsbedingungen denken? Zieserent: Kollege C. Bruns. 3. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen l Erscheint alle in dieser Versammlung, in der gleichzeitig der ausgearbeitete Lohntarif zur eventuellen Abstimmung gebracht werden soll. 64/6__ Der Einbernfer: Conrad Bruns, Antonstr. 24. Zahlstellen Sieglitz und Gross- Lichterfelde. Sonntag, den 5. Juni, vormittags 9 Uhr.: Autzerordentl.Mitglieder-Versammluttg im Birkenwnldchen(Stegliü). Tagesordnung: Resultat der Verhandlungen mit den Meistern. Kautischler Kerlms und der andern Vororte sind hierzu dringend eingeladen. 85/1 r Deut; Zwoigvcrein Berlin. Sektion der Gips- und Cementbranche. Gruppe: Rabitzspanner. Die ordentliche Mitglieder-Versammlung am Sonntag, den 5. Juni 1904 findet der Bezirkssitzungen wegen nicht statt. 144/1 Der Verstand. Landes-Ausstellungs- Park. Täglich: Doppel- Konzert. Dejeuners von Ä,50 Bark an bis 2 Uhr nachmittags. 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Kauft nur Brot und andre Backwaren aus den Bäckereien, in welchen unsre bescheidenen Forderungen erfüllt werden. Zftir dort sind die Forderungen bewilligt, wo die mit dem Stempel des Verbandes der Sächer, jditgliedschajt Serlin, und der Unterschrift: Karl Ketzschold. KchiWerstrO 11-12 versehenen?lahate aushängen. Wir bitten das geehrte Publikum, streng auf obiges zu achten, da Von vielen Bäckermeistern versucht wird, durch Aushängen von nach- geahmten und gefälschten SHahaten die Bevölkerung zu täuschen und irrezuführen. Wir appellieren an das Rechtsgefühl des Brot konsumierenden Publikums, diese Versuche der Täuschung, die von den Bäckermeistern unternommen werden, zu nichte zu machen. Mr hoffen, dass uns die Sevölherung auch femer wie bisher in unserm berechtigten Kampfe unterstutzen wird! Wir machen das verehrte Publikum darauf aufmerksam, daß eine ganze Reihe Bäckermeister und Händler die Forderungen entweder zurück- ziehen oder durchbrechen. Wir haben daher diesen Leuten unsre Plakate entzogen. Viele Meister nehmen, durch die Innungen scharf gemacht, unsre?lahate aus den Fenstern und machen den Kunden gegenüber allerhand Ausreden. Bäckermeister, die ihre Bewilligungen zurückgezogen haben oder denen die Plakate von uns entzogen sind: WoaMt. B. Rakki, Emdenerstr. 50. Th. Nenmann. Oldenburgerstr. 19. Karl Pcikert. Oldenburgerstr. 14. G. Stanjock, Ouitzowstr. 190. Hugo Berg, Oldenburgerstr. 23. Wilh. Gnetsch, Lübcckerstr. 24. Bodcnstcin, Wilhelmshavenerstr. 12. SSilh. Godt, Emdenerstr. 54. Wilh. Ballin, Stromstr. 55. H.Tchniclzer,WilheImshavcnerstr.39. R»d. Giesmann. Oldenburgerstr. 8. tli. Klinipke, Ouitzowstr. 125. W. Rinsch, Baldstr. 7.1 »vrUa. rcchtigt, bei Bezahlung 10°/„ in Abzug zu bringen. OllieertoMl—S.1, Wo? ist der schönste Ort für Landpartie» und Aus- flüge per Dampfer, Kremser und zu Fust durch den Grunewald zu erreichen? Auf der Insel Pichelö Werder, Wirtshaus zum rrennck. 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Mts., abends 9'/, Uhr entschlief nach langem, schwerem j Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater. Schwieger- und Grofi- 1 vater, der Werksührer 174Kb I Gustav Bauer Bilumenstrafie 34a im 66. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten vis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet ani Sonntag, den 5. Juni, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Georgenkirchhojes, Landsberger Allee, aus statt. 'Allen Bekannten und Freunden zur Nachricht, daß meine Frau Bertim Plew geb. Scbmidt am 2. Juni gestorben ist und am 5. Juni nachmittags 5 Uhr von der Halle des Zionslirchhoss in Nicderschönhausen beerdigt wird. 1743b ViV. Plew. Deutseher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern hiermit zm Nachricht, daß unser Kollege, der Buchbinder Carl Conrad am 2. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet morgen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 24/1 Die Ortsverwaltung. r-Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere UMNrtlUl Bestellungen n. Maß, tadell. Auss. I Werkstatt im Hanse. HuMg. NeueKöiiigstr. tll �■B Direkt am Alexanderplatz. I WURM'S HafurAroma Limonade IN PASTA ••'• zu Cikrone.VÄHl#»* „lin ZucKer üciüjlidi jvdW. teüläitlijth m.den Colonial waren-,Orogen*-erc.HandlunQejt>b Glasweise a 10*9» in den Restaurahonen. Adresse nor für Wiederverkäufer; Apotheker A. Wurm. SO. Mkbaelklrcbstr. 20. Amt 4 Telephon 2745. NESTLEKr unuoerrronsn oeisa [Bpeehdupehfall Dlapphoe Darmkataprh | Vorrätig in Apotheken, Progeelen, Colonialwr K Neu! Billigste Neu! k Dampfer- ExlratahrtenMiLli. von der nichsel-Brttcbe jeden Tag, außer Sonnabend, vormittags S Uhr. Einfache Fahtt 30 Pf. Nachm. 2 Uhr hin und zurück 30 Pf. Jeden Sonntagvormittag 9 Uhr und Nachmittag 2 Uhr nach Wolters- dorfer Schleuse mit Mufik. Einfache Fahrt 50 Pf. ........."[5375L*] R. Tlsmer. Teleph. Amt VII. 2841. 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Bau«ortslg, Zimmer- mannstraße. Ecke VicloAapark, Bau Sttthr, I-lchterfelde, Man- teuffelstraße. Di« StteiNeitung. Vercmtw. Redakteur: Paul Buttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.