Dr. 182. BbonnementS'Bcdingungen: Abonnements. Preis pränumerando! »ierteljährl. S£0 3X1., monaü. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Siunaner 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in bis Poft-Zeitungz» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat Tl. Jahrg. CrWjtint täglich auStr Montag,. Verliner VolksblÄtt. vi« snlertionz-Sedllhs beträgt für die sechSgespaltenc Kolonel» zeilc oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung«. Anzeigen 26 Pfg. „Klctnc Hnielgcn", das erste fettgedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weitere «ort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokrat» fchen Partei Deutfchlands. Redahtion: SRI. 68, Lindenatraeac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 8. Juni 1904. 6xpedttion: SRI. 68, Lindcnetraeae 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Gesinde-Elend. Die Tragödie eines.KontraktvruchS". Am Mittwoch beginnt im preußischen Abgeordnetenhaus die Beratung der Kontraktbruchs-Vorlage, die die durch die Bewerbe-Ordnung des Reiches unter Strafe gestellte Verrufserklärung für Prcllßen gesetzlich erzwingen will. In der ganzen Welt dürste kein zweites Beispiel zu finden sein, daß der Teil eines Staatswesens durch Strafen Handlungen zu erpressen sucht, die der Staat als ganzes durch Strafen zu verhindert! bemüht ist. Preußen aber unternimmt mit dem Kontraktbruch- Gesetz einen solchen ungeheuerlichen Anschlag gegen das Reich. Am 6. Sep- tember 1898, bei der Paradetafel in Oeynhausen, kündigte Wilhelm II. die Zuchthausvorlage mit den Worten an, daß„jeder, er möge sein, wer er will, oder heißen, wie er will, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindern versucht, oder gar zu einem Streik anreizt, mit Zuchthaus bestrast werden soll". Die preußische Kontraktbruch-Vorlage verfolgt die Abficht, deutsche Arbeiter, die willig find, ihre Arbeit zu voll- führen, daran zu hindern— und zwar tnit der denkbar größten Gewalt: mit ider Gewalt des Gesetzes. Wäre jene Ankündigung des Kaisers Gesetz geworden, so würden die preußischen Minister, welche daS Kontraktbruch-Gesetz zu verantworten haben, jetzt auf Grund der Zuchthausvorlage des Reiches zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Denn diese Vor- läge hindert alle diejenigen, ihre Arbeit zu vollführen, die aus irgend einem Grunde die Arbeit bei einem Gutsbesitzer nicht fortsetzen wollen. Ja mehr noch: die Arbeitgeber werden bei Strafe ge- zwungen, diese„kontraktbrüchigen" Arbeiter zu hindern, ihre Arbeit zu vollführen. Da nun die Kontraste, wie wir neulich zeigten, in der Regel so abgefaßt find, daß die Arbeitgeber durch den Vertrag selbst berechtigt werden, ihn nach Willkür abzukürzen oder abzuändern, so fällt die ganze Schwere dieses Gesetzes allein auf die Landarbeiter und das Gesinde. Die Gesinde- Ordnung ist ohnehin die Schande Deutschlands. Sie macht die ländlichen Dienstboten zu Leibeigenen, zu willen- und wehrlosen Geschöpfen ihrer Herren. Das Kontraktbruchgesetz soll verhindern, daß jemals einer dieser Sklaven die Fesseln bricht. Die Acht wird über ihn ausgesprochen, niemand darf ihn be- Herbergen, ihm Brot geben; er hat nur zu wählen zwischen Knecht- schaft und Hunger. Aber, so antworten die Hehler der ostelbischen Barbarei, auf dem Lande herrschen eben noch patriarchalische Zustände. Es ist nur der Uebermut, die Faulheit, die Liederlichkeit des Gesindes, die es veranlaßt, die Kontrakte zu brechen, die ihre väterlich sorgenden Wohlthäter mit ihnen geschlossen. Gerade in der letzten Zeit häufen sich die Fälle, da aus dem Dunkel des ländlichen Gesinde- Elends erschreckende Sittenbilder an die Oeffentlichkeit gelangen. Wir erfahren, warum und unter welchen Umständen dieses„Gesinde" kontraktbrüchig wird. Alle diese Fälle beweisen die Notwendigkeit, daß endlich ein Reichsgesetz zu stände kommt, welches die ländlichen Arbeiter und Dienstboten von der Willkür ihrer„Herrschaft" besteit. Gegenüber der preußischen VerrufserklärungS-Vorlage muß der Reichstag endlich ein Schutzgesetz für die Landsklavcn durchsetzen. Warum wird das Gesinde kontraktbrüchig? Nachstehender Fall mag wiederum einen Einblick in den ostelbischen Patriarchalismus gewähren. Wir geben ihn wieder, so schlicht und nackt, wie er uns aus Ostpreußen berichtet wird: DaS 17jährige Dienstmädchen Berta LooSmann vermietete sich vom 17. Juli 1902 ab bei dem Rittergutsbesitzer und Amts- Vorsteher Gubba in Götzhöfcn bei Memcl. Nach der Be- hauptung des Mädchens und deren Mutter, einer Witwe. war das Dienstverhälttns zum 1. Juli 1903 gekündigt. Am 20. Mai 1903 erkrankte jedoch daS Mädchen. Der Hausarzt des Be- sitzers verschrieb dem Mädchen eine Medizin und verordnete Bett- ruhe. Nach einigen Tagen sollte es dann zu ihm nach Memel kommen. Der Besitzer und dessen Frau behaupteten aber, das Mädchen wäre nicht krank, es sei nur faul. Als das Mädchen dann nach wiederholten Versuchen, die Arbeit zu verrichten, zusammen- brach und zum Arzt zu gehen verlangte, geriet der Besitzer in Wut. Er schimpfte und schleifte das Mädchen an den Haaren durch einen langen Gang bis an das Bett. Er stieß es dort mit Gewalt hinein, so daß das Mädchen mit dem Kopfe heftig aufstteß. Das Mädchen weinte und sagte, er solle es doch nicht wie einen Hund behandeln, sie sei doch krank. Darauf schlug der Besitzer das Mädchen mehrcremal in daS Gesicht und nahm deren sämtliche Sachen in seine Verwahrung. Später kam dann die Wirttn und nahm dem Mädchen, wahrscheinlich auf Geheiß des Be- sitzers, das Deckbett fort. Da» Mädchen befand sich in großer Auf« regung. Und weil eS sich vor weiteren Mißhandlungen fürchtete, verließ es morgens früh um 3 Uhr, nur notdürftig bekleidet, den Dienst und ging zu seiner etwa eine halbe Meile entfernt wohnenden Mutter. Der hier sofort in Anspruch genommene Arzt Dr. Siemoneit aus Memel stellte am 2S. Mai ein Attest auS, wonach das Mädchen unter hefttgen Fiebererscheinungen an starkem Darmkatarrh und typhösem Leiden erkranst war. Dieser Zustand besserte sich zwar etwaS. Da die Mutter aber nicht im stände war, die mit größeren Geldopscrn verknüpfte Hilfe der Aerzte weiter in Anspruch zu nehmen, verschlimmerte sich daS Leiden dermaßen, daß das Mädchen das Bett nicht mehr verlassen konnte. Es liegt zur Zeit noch ohne ärztliche Hilfe, am ganzen Körper geschwollen danieder. Am 27. Juli 1903 erhielt daS Mädchen vom stellverttetenden AnttSvorsteher eine Verfügung, worin es aufgefordert wurde, den widerrechtlich verlassenen Dienst binnen drei Tagen wieder anzutreten. „Auch selbst wenn Sie stank sein sollten." heißt es in dem Sstaf- befehl,„müssen Sie das Dienstverhältnis wieder aufnehmen, da Ihnen Herr Gubba ärztliche Behandlung in angemcsseiter Weise zu teil werden lassen wird". Im Weigerungsfalle wird eine Sstafe von 10 M. oder drei Tagen Haft angedroht und zwangsweise Rückführung in den Dienst angekündigt. Die Mutter des Mädchens erhob gegen diese Verfügung Beschwerde bei dem Landrat, worauf dann am 27. November(man achte auf die Daten) als Beweis der Krankheit ein ärztliches Attest vom Landrat eingefordert wurde. Und am 15. Februar 1904, also nach beinahe sieben Monaten seit der Verfügung des Amtsvorstehers, entschied der Landrat, daß die Entscheidung des Amtsvorstehers aufgehoben und daß das Mädchen nicht verpflichtet werden könne, den Dienst fort- zusetzen. Nun mußte aber die Mutter des kranken Mädchens bei dem Amtsgericht in Memel den voin Besitzer einbehaltenen Lohn im Be- trage von 16,80 M. und die Herausgabe der Kleider und Papiere einklagen. Durch einen Rechtsanwalt stellte der Besitzer eine Gegen- fordernng auf Entschädigung und rechnete hierfür den rückständigen Lohn auf. Auch verweigerte er die Herausgabe der Kleider. Erst im dritten Termin, am 11. Jannar 1904, als Dr. Siemoneit noch als Sachverständiger vernommen worden war und erklärt hatte, daß das Leiden des Mädchens dem Anschein nach in einer Darm- krankheit oder in gasstischem Fieber bestanden habe, wurde der Besitzer zur Zahlung des Lohnes und zur Herausgabe der Kleider verurteilt. Die arme Witwe wollte doch nun aber gern ihre Tochter gesund haben. ES fehlten die Geldmittel. Jeder Besuch des Arztes aus der Stadt kostete 5 M. Sie forderte daher die Unkosten zurück, die der Gutsbesitzer laut Z 617 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und laut Gesinde- Ordnung für Kur und Verpflegung für die Dauer von sechs Wochen zu zahlen verpflichtet war. Um diescrhalb gegen den Besitzer klagen zu können, stellte die Frau bei dcm Memeler Amtsgericht den Anstag auf Bewilligung des Armenrechts. Das Gericht lehnte dieses Gesuch ab mit dieser Begründung: „Wir weisen hierdurch Ihren Antrag auf Bewilligung des Armenrechts in Ihrer Klage gegen den Rittergutsbesitzer Gubba zurück, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung aussichtslos er- scheint. Nach ihrem Vortrage hat die Klägerin wegen Darm- katarrhS, einer Krankheit, die sie sich offenbar weder durch den Dienst, noch bei Gelegenheit des Dienstes zugezogen hat, den Dienst verlassen. Unter diesen Umständen ist der Verstagte zur Erstattung der Pflegekosten und der Kosten der ärztlichen Be- haitdlung nicht verpflichtet." Das Mädchen liegt jetzt schwer leidend in der ärmlichen Hütte ihrer Mutter. Es haben übrigens nach diesem Opfer noch zwei weitere Dienst« mädchen den Dienst bei diesem Besitzer wegen schlechter Behandlung und Krankheit verlassen. DaS 16 jährige Dienstmädchen Dora JoneikiS ging im August 1903 gesund in den Dienst bei Gubba. Im April d. I. mußte es wegen hochgradiger Nervenschwäche und Blutarmut den Dienst verlassen und kehrte zu ihren Eltern zurück. Auch gegen dieses Mädchen ist Strafantrag ge- stellt und Zur ückführung in den Dien st beantragt. DaS Verfahren schwebt zur Zeit. Zum Schluß noch den Speisezettel aus diesem Dienstverhältnis. Um 5 Uhr geht es an die Arbeit. Um 9 Uhr giebt es Früh- stück: einen Topf ungesüßten Kaffee und ein Stück trockenes Brot. Mittags entweder Kartoffelflinsen mit Beetensuppe, oder dicken Reis mit Kaneel, oder Kartoffelsuppe. Sonnabends giebt es Linsen. Fleisch giebt es nur Sonntags und sehr wenig. Zur Vesper Brot und Kaffee, abends verdünnte Milchsuppe und Brot. Nur Sonntags wird das Brot mit etwas Schmalz, nicht mit Butter besttichen. Daß bei dieser Nahrung und schwerer Arbeit junge im Wachsen begriffene Mädchen nicht gedeihen können, ist wohl kein Wunder. '.' ES ist in diesem wie in den andern Fällen äußerst charasteristtsch, daß die Dienstmädchen, wenn sie die schlechte Behandlung nicht mehr ertragen können, nur bei Nacht und Nebel aus dem Hause zu fliehen wagen; so sehr fühlen sie sich unter dem Joch der Gesinde-Ordnung als eine der Herrschast gehörige Sache, nicht als freie Menschen. Ferner ist der Mut zu bewundern, mst dem die Arbeitgeber selbst dann die Rückkehr in den Dienst verlangen, wenn sie die Schuldigen sind. In vielen Fällen mögen sie nnt dieser„Energie" Erfolg haben. Hier war es wohl das Verdienst der schweren Krankheit, daß dem Ver- langen nicht entsprochen werden konnte. Wie mühselig aber ist für das arme Gesinde der Kampf ums Recht. In diesem Falle ist der Landrat ja schließlich auf die Seite des Mädchen? getreten, aber der Versuch, den erlittenen Schaden einigermaßen ersetzt zu erhalten, ist von vornherein gescheitert; der Mutter des Mädchens ist es unmöglich gemacht worden, im Armenrecht zu klagen. DaS ist die furchtbare Rechtlosigkeit von Menschen schon unter den heuttgen Verhältnissen. Und nun denke man sich die Kontrakt- bruch-Vorlage Gesetz geworden. Dann würde dieses„kontraktbrüchige" Mädchen nirgends mehr einen Dienst finden. Gewiß, wenn es ein Arbeitgeber dennoch wagte, das anne Wesen zu beschäftigen, so würde er höchst wahrscheinlich nicht besttast werden, weil auch das „ostelbischestc" Gericht entscheiden müßte, daß das Mädchen zu Recht den Dienst verlassen, also gar keinen Kontraktbruch begangen hat. Wer aber wird sich den Umständen und Unsicherheiten eines Prozesses erst aussetzen? Dann verzichtet man lieber gleich darauf, ein Mädchen, das den Dienst nicht„ordnungsmäßig" verlassen hat, zu beschäftigen. So muß das Kontrastbruchgesetz in den Landarbeitern und dem Gesinde noch mehr das Bewußtsein stärken, daß sie völlig rechtlos sind. Die weitere Folge freilich muß dann sein, daß die Elemente, die noch einigermaßen kräftig sind, sich der ostelbischen Hörigkeit durch die Landflucht entziehen. Die preußische Re- gierling wird dann— wie in der Polengesetzgebung— den not« wendigen Mißerfolg der einen reaktionären Maßregel durch eine weitere noch schlimmere wctt zu machen suchen. Wie auf die polnischen Ansiedelungsgesetze der verfassungsbrllchige Entwurf des Ansiedelungsverbots für die Polen folgte, so wird das Kontraktbrnchgesetz durch einen Eingriff in die Freizügig- keit übersteigert werden. Von der jetzigen Vorlage zu der An- tastung eines weiteren Grundrechts ist nur ein Schritt,— ein Schritt, der von der Logik des reaktionären Wahnsinns gefordert wird. Es liegt in der Macht deS Centrums, ob es diesen Weg des Schreckens, der zu einer Katastrophe führen muß, verlegen wird. poUtifche ücb er ficht. Berlin, den 7. Juni. Der Reichstag beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung nach d'en Pfingstferien vornehmlich mit den Gesetzen zur Bekämpfung der Reblaus. Im allgemeinen stimmte das Haus den Be- schlüssen der Kommission zu. Nur über den§ 6, der die Entschädigungspflicht gegenüber den durch die Ausführung des Gesetzes geschädigten Weinbergsbesitzern festsetzt, gab es eine lebhaftere Diskussion. Die Regierungsvorlage hatte die Be- stimmung darüber, wenn Entschädigung zu gewähren sei und wer die Kosten tragen solle, den Einzelstaaten überlassen; die Kommission hatte eine allgemeine Entschädigungspflicht der Einzelstaaten gegenüber den durch Vernichtung von Anpflanzungen geschädigten Weinbergs- und Rebschulenbesitzern festgesetzt. Noch darüber hinausgehend verlangten das Cen- trum und ein Teil der Freisinnigen Volkspartei Schadensersatz auch für die durch Erlaß eines Veräußerungsverbots betroffenen Händler und Winzer. Namens unsrer Partei trat Genosse Schulze- Cossebaude für die Regierungs- vorläge ein; er hob hervor, daß an eine Bekämpfung und Be- seitigung der Reblausgefahr nur dann zu denken sei, wenn den Weinbergsbesitzern selbst nicht durch die Gewährung vollen Schadensersatzes jedes Interesse an diesen Bestrebungen ge- nommcn werde. Ihm schlössen sich Graf Posadowsky für die Regierung und der freisinnige Abgeordnete S a r- t 0 r i u s an. Gegenüber diesen rein sachlichen Ausführungen versuchte der bündlerische Abgeordnete Vogt- Hall eine Debatte über die Handelsverträge heraufzuführen. Unter dem lebhaften Beifall der Rechten und des Centrums ver- sicherte er, daß mangelnder Schutzzoll für die Weinbauer schlimmer sei als die Reblausgefahr. Man wird ihm das um so eher glauben können, als der Schaden, der durch die Reb- laus entsteht, nach den Beschlüssen der Mehrheit ja von der Allgemeinheit getragen werden muß. Ein neues demagogisches Mätzchen versuchte der Cen- trumsabgeordnete Gröber. Genosse Schulze hatte mit Recht hervorgehoben, daß das Interesse des deutschen Volkes, den Weinbau wieder gesund zu machen, dem Reichstage höher stehen müsse als das Interesse der Weinbergsbesitzer, die ent- schädigt sein wollten. Das versuchte der Centrumsredner dahin umzudeuten, daß unsre Fraktion an dem Wohle der armen und kleinen Winzer keinen Anteil nehme. Die Ge- nossen Schulze und Dreesbach widersvrachen sofort diesem Verdrehungsversuch, aber Herr Gröber blieb bei seiner unwahren Darstellung. Annahme fanden schließlich gegen unsre Stimmen auch hier die Kommissionsbeschlüsse. Die Gesamtabstimmung wurde bis zur dritten Lesung hinausgeschoben. In der letzten Stunde begann der Reichstag die zweite Lesung der Novelle zum Münzgesetz, die bekannt- lich Ausprägung neuer Fünfzigpfennigstücke in dickerer, aber kleinerer Form vorsieht. Die Debatte drehte sich aber Mehrum den von der Kommission eingefügten Beschluß, neue Drei- Markstücke auszuprägen. Schatzsekretär Freiherr v. Stengel warnte vor dieser Durchbrechung des Dezimalsystems. Ihm schloß sich der freisinnige Abgeordnete B l e l l an, während der Reichsparteiler Dr. Arendt und der Konservative Kern für die„liebgewordene Gewohnheit des Thalcrs" ein- traten. Die Debatte soll am Mittwoch fortgesetzt werden. Außerdem steht die zweite Lesung deö Gesetzentwurfs über die Bildung von Kaufmannsgerichten auf der Tages- ordnung._ Preußisches Abgeordnetenhaus. DaS Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung nach den Pfingstferien, ani Dienstag, mit Initiativanträgen und Petttionen. Ein freisinniger Antrag auf Er- höhung des Wohnungsgeldzuschusses fürBe am t e ging an die Budgetkommission, nachdem im Laufe der Debatte der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben die bekannte Melodie von der Fürsorge der Regierung firr„ihre" Beamten angestimnit hatte. Daß die Regierung dem Antrag ganz oder teilweise zustimmen wird, ist höchst unwahrscheinlich; im besten Falle wird sie einzelnen Kategorien von Unterbeantten ein paar Pfennige bewilligen; sie betrachtet den Wohnungsgeld- zuschuß als Teil des Gehalts, und die Gehaltsaufbesserung gilt für sie als abgeschlossen� Die Beamten mögen sich also keinen Hoffnungen hingeben. Gleichsalls einer Kommission überwiesen wurde nach kurzer Debatte, während welcher die Regierung durch Abwesenheit glänzte, der Antrag F a l t i n(C.) auf Gleichstellung der Land- und Amtsgerichts-Sekretäre mit den gleichartigen Beamten bei der Verwaltung sowie ein Antrag Gras S t r a ch w i tz(C.) auf Gewährung von freier Fahrt an be urlaubte Soldaten. Am Mittwoch steht das Kontraktbruchgesetz gegen ländliche Arbeiter in erster Lesung zur Bc ratung._ Die Ballin-Fahrt. Wir haben das Verhalten der bürgerlichen Reichstags- Ab- geordneten, die von der Hamburg-Amerika-Linie das Geschenk einer Nordlandreise annahmen und jetzt auf dem„Meteor" gen Norden fahren, als durchaus unziemlich kritisiert. Die bürgerliche Presse hat sich bisher gehütet, unsrer Kritik entgegenzutreten, sie mochte empfinden, daß sich vor der Oeffentlichkcit in dieser Angelegenheit Staat nicht machen läßt. Jetzt jedoch glauben die„Berliner Politischen Nachrichten" eine Verteidigung der„Meteor"- Gäste unternehmen zu sollen. Die Verteidigten aber werden sagen Herr, schütze mich vor meinen Freunden! Die„Berliner Politischen Nachrichten" leisten den ergötzlichen Scherz, die Annahme der Freifahrt zur überwütig großen patriotischen That zu erhöhen. Wenn die locialdemokratische Fraktion taktvoll die Ballingabe zurückwies, so setzt das Schwein- burg-Organ die Gegenlosung: Es sei gut, „daß Elemente fern bleiben, die für alles, was geeignet ist, das Ansehen des Reiches und der nationalen Gedanken zu stärken, nur Haß, Spott und Verachtung haben." So weiß man denn, wodurch der vielberühmte„nationale Gedanke" gestärkt wird. Laß Dich vom Großkapital bewirten und Übernimm dafür die Verpflichtung, seine Bestrebungen zu fördern— so stärkst Du den„nasionnlen Gedanken." Für diesen„nationalen Gedanken" haben die socialdemokratischen„Elemente" allerdings nur Spott und Verachtung. Es gewährt reizvollen Einblick in den moralischen Zustand der Schweinburg-Leute vom„nationalen Gedanken", wenn man weiter verfolgt, wie die„Berliner Politischen Nachrichten" die nationale That der Meerfreifahrt verherrlichen: „Den Gedanken, auch den minder wohlhabenden Kreisen des deutschen Volkes die See zu erschließen, ihnen den Weg zu weisen zu dem Verständnis überseeischer, welt- politischer Fragen, hat der deutsche Kaiser beifällig begrüßt und den Bau des Fahrzeuges wie den An- tritt der ersten Fahrt mit lebhaftem Interesse begleitet. Zweifellos hätte auch der Gedanke, Mitglieder des deutschen Reichstages an der ersten Fahrt teilnehmen zu lassen und so dem aus privater Initiative entstandenen Unternehmen den nationalen Charakter und Wert, die ihm gebühren, in den Augen des deutschen Volkes zu verleihen, zweifellos hätte auch dieser Gedanke, wäre er ausgesprochen worden, die volle Sympathie des Kaisers gefunden. In diesem Bewußt- sein haben die Reichstags-Abgeordneten die Einladung der Gesellschaft angenommen: sie wollen zum Ausdruck bringe», daß sie in der Liebe und Begeisterung für das Meer, seine idealen Schönheiten und seine materielle, politische wie wirtschaftliche Be- deutung sich eins wissen mit dem deutschen Kaiser, daß sie ge» sonnen sind, an sich zu erproben und in weite Kreise des deutschen Volkes zu tragen die Wahrheit des Wortes, das bei der Taufe des „Meteor" gesprochen wurde: Im Spiegel der Welt den Wert des Vaterlandes zu erkennen. Erfahrungsgemäß bekämpft der„Vorwärts" als Centralorgan der socialdemokratischen Partei jede Maßnahme, jeden Fortschritt, die sich auf der Grundlage der bestehenden Staats- und Gesellschajts- ordnung aufbauen. Am allermeisten aber sind ihm verhaßt die- jenigen Einrichtungen und Neuschöpfungen, die geeignet sind, die Grundpfeiler des modernen Staates, Heer und Marine, zu stärken. Auch der stir Vergnügungs- und Erholungs- fahrten bestimmte„Meteor" wird an seinem Teile zur Erhöhung der deutschen Seemacht und Seegeltung beitragen, und das ist auch für den„Vorwärts" der Kernpunkt der Sache. Im Gegensatz zu der verleumderischen Unterstellung des socialdemokratischen Blattes wird man daher sagen müssen,� daß die 21 Reichstags- Abgeordneten, indem sie an der Probefahrt des„Meteor" teil- nehmen, sich an der Förderung einer A u f g a b e be- teiligen, die mit den nationalen Pflichten eines Ver- treters des deutschen Volkes durchaus im Einklang st e h t." Selbst der Monarch ist nicht gesichert, daß die Monarchisten ihn anrufen, um eine Handlungsweise zu beschönigen, die allem politischen Anstand widerspricht. Man scheut sich selbst nicht, den Monarchen die heitere Auffassung zu unterstellen, als könne Ver- ständnis für„Weltpolitik" dadurch geweckt und gefördert werden, daß Reichstags-Abgeordnete eine Vergnügungsfahrt in die Fjorde von Norwegen unternehmen. Andrerseits leistet Schweinburg den 24 Reichstags-Abgeordneten den interessanten Schutz, daß er ihnen zumutet, ihr Verständnis für Heer und Marine und ihre Förderung dieser Staatseinrichtungen sei abhängig von der Gastlichkeit einer großkapitalistischen Schiffahrts- gesellschast. Selbst nach socialdemokratischer Schätzung werden die 24 Abgeordneten zu marine- und weltpolitischer Begeisterung auch ohne Freifahrkarten befähigt sein. Oder wist'en die„Berliner Politischen Nachrichten" es besser?— Deutfched Reich. Die„Freie deutsche Presse" hat gestern in der Schulfrage den ihr sonst so besonders verhaßten Genossen Ouarck gegen den „Vorwärts" auszuspielen gesucht. Wir hatten darauf erwidert, daß sie die Angriffe, die Ouarck gerade gegen den Abg. K o p s ch gerichtet hat, unterschlagen habe. Das Blatt des Herrn Müller-Sagan nennt diese Behauptung eine Lüge. Wir freuen uns, endlich einmal eine Gelegenheit zu haben, fest- stellen zu können, daß sich die„Freie deutsche Presse" diesmal eines minder groben Schwindels befleißigt. Das ist hoffentlich ein Anfang zur Besserung. Die„Freie deutsche Presse" hat zwar in der polemischen Auslassung gegen den„Vorwärts" den Genossen Ouarck angeführt, ohne seinen Angriff gegen den Freisinnigen Kopsch zu erwähnen. Dagegen hat dieselbe Nummer des Blattes an einer andern Stelle, die uns entgangen war, den Angriff Quarcks angedeutet.— Aus Königsberg telegraphiert das„Wolfffche Bureau":„Als gestern abend italienische Maurer, die als Ersatz für ausständige hiesige Maurer von auswärts herangezogen waren, mit einem Wagen von der Baustelle auf dem Sackheim zum Thor hinaus- transportiert wurden, entstand ein Krawall, wobei die Italiener und die Schutzmannschaft mit Faustschlägen angegriffen wurden und mit Ziegelsteinen auf sie geworfen wurde. Dre Schutzmann- sch aft machte von der blanken Waffe Gebrauch und nahm eine An- zahl von Verhaftungen vor. Auf dem Sackheim und in den Nebenstraßen rotteten sich dann Tausende von lärmenden Menschen zusammen. Erst gegen 10 Uhr wurde die Ruhe wieder hergestellt." Also, wie es scheint, wieder eine dieser traurigen Scenen. die unter der heusigen Justiz oft zu schweren Anklagen geführt haben. die aber verursacht sind allein durch die schmachvolle Baterlands- keindschast der Unternehmer, welche Ausländer als Löhne- drücker herbei„transporsieren". wie das Telegramm bezeichnend sagt. In einer Privatdepesche unter„Gewerkschaftliches" wird diese Wolfffche Sensationsnachricht bereits als übertrieben hingestellt.— Die ordnungSfeindlichr„Konservative Korrespondenz". AuS Königsberg wird uns geschrieben: Wegen Beleidigung durch die Presse hatte sich am Sonnabend vor der Königsberger Strafkammer der Chefredatteur Krauß von der konservativen„Ost preußischen Zeitung" zu ver- antworten. Die Anklage war erfolgt wegen einer Notiz über Vorgänge bei der Gerichtsverhandlung im Kurpftlscherprozeß wider Schröter in Tilsit. Die aus der„Konservativen Korrespondenz" enttrpmmene Nottz hatte die Spitzmarke:„Eine ulkige Gerichts- sitzung". In ihr wurde krittsiert, daß bei der Gerichtsverhandlung von dem Ernst der Sache wenig zu spüren sei. Sachverständige, Staatsanwalt, Präsident und Publikum scheinen in der Heitersien Stimmung zusein: derAggeklagte war die Zielscheibe zahlreicher Witze ec. Strafantrag war für die einzelnen sich beleidigt fühlenden Gerichts- Herren von deren vorgesetzter Behörde gestellt worden. Der Angeklagte beteuerte, es habe ihm jede Absicht zu beleidigen ferngelegen. Die Notiz habe er ohne Bedenken der„Konservativen Korrespondenz", dem staatserhaltenden Organ, entnommen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hob die Schwere der Be- leidigung hervor. Aus der Form und der Ueberschrift der Notiz gehe' die Absicht zu beleidigen hervor. Nur daß der Angeklagte bereits 20 Jahre Redakteur und trotzdem unbestraft sei, halte ihn davon ab, Gefängnisstrafe zu beantragen. Er halte aber 100 M. Geldstrafe für angemessen. Nach längerer Beratung des Gerichtshofes wird folgendes Urteil verkündet: Der Angeklagte habe sich zweifellos einer schweren Beleidigung schuldig gemacht. Es besteht zwar ein gewisses Recht der Presse, gewisse Vorgänge im öffentlichen Leben zu besprechen. Es muß aber hierbei eine Grenze beobachtet werden. Bei Ab- Messung der Strafe sei die Schwere der Beleidigung zu beachten. Auch der Schutz des§ 193 konnte dem Angeklagten nicht zugebilligt werden. Andrerseits sei zu berücksichtigen, daß' der Angeklagte so lange Redakteur an leitenden Stellen gewesen und noch unbesttaft sei. Daher sei nicht auf Gefängnisstrafe erkannt. Die z u b e m e s s e n d e Geldstrafe mutzte aber eine erhebliche sein. Es wird daher für Recht erkannt: der Angeklagte wird zu einer Geldsttafe von-- 50 Mark oder 6 Tagen efängnis verurteilt.— Die Salomos von Trier. In dem Prozesse des Grafen Hoens- broech gegen den Kaplan Dasbach, welcher letztere eine Belohnung von 2000 Gulden ausgesetzt hatte für den Nachweis, daß d i e Jesuiten den Grundsatz lehren, der Zweck heilige die Mittel, wurde die Klage abgewiesen, weil keine öffentliche Aus- lobung, sondern eine Wette vorliege, die nicht cinklagbar ist. Das Gericht ließ dahingestellt, ob der Kläger den Nachweis geführt habe.— Sächsische Staatsrettung. In Dresden- Neustadt fehlte der socialdemokratischen Partei seit vielen Jahren ein geeignetes Ver- sammlungslokal. Der größte Teil der Dresdener Garnison flankiert diesen Teil der Stadt und das Militärverbot sowie andre Maß- nahmen haben oft die Wirte eingeschüchtert, was freilich nicht ge- bindert hat, daß dieser Stadtteil der socialdemokratischste der ganzen Stadt geworden ist. Da es aber unfern Genossen gelungen war, dennoch das größere Lokal zum Ballhaus zu gewinnen, spielt sich jetzt dieser in seiner Art wohl neue Fall sächsischer Staatsrettung ab. Die Besucher der am letzten Sonnabend arrangierten Volks- versantmlung fanden die T h ü r e n zum Saale des Etablissements versiegelt, ein zahlreich aufgestelltes Schiltzmannsaufgebot belehrte sie, daß der Saal gerichtlich gesperrt sei und daher die Versammlung nicht stattfinden könne. Herr Everth, der Besitzer und zu- gleich Inhaber eines großen Petroleumgeschäfts, hatte in letzter Stunde diese gerichtliche Verfügung gegen seinen Pächter erlangt: „Dem Anttaggegner(Puhlmann) wird bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 1500 M.»der bei Strafe der Haft bis zu sechs Monaten untersagt, die Abhaltung der für den 4. Juni 1904, abends 9 Uhr, in Aussicht genommenen, sowie jeder weiteren socialdemokratischen Versammlung»der einer andern social- demokratischen Kundgebung in den Räumlichkeiten des zu Dresden-N., Bautznerstt. 35, gelegenen Etablissements Ballhaus zu dulden: der Antragsteller i Everth) wird ermächtigt, den Gerichtsvollzieher des unterzeichneten Gerichts zu beauftragen, auf die Zeit vom 4. Juni 1904, abends 7 Uhr, bis zum 5. Juni 1904, früh 7 Uhr, sämtliche oder einige, vom Antragsteller zu bezeichnende Räumlich- leiten des Etablissements Ballhaus abzuschließen und zu ver- siegeln." Teils erbittert, teils mit sarkastischem Lächeln, das anzeigt, daß man in Sachsen alles für möglich hält, fügten sich, wie die„Sächs. Arb.-Ztg." erzählt, die in Massen herbeigeströmten Arbeiter in die Situation. Zahlreiche Gendarmen, ein Lieutenant und zwei Inspektoren au der Spitze, waren zur Stelle, um auf jeden Fall die Autorität der Gesetze, die Unverletzbarkeit des Gerichtsvollzieher- tegels, zu schützen. Grund zum Einschreiten gab aber niemand. Ueber die rechtliche Dauerhaftigkeit der Gerichtsverfügung läßt sich nur urteilen auf Grund der Kenntnis des Pachtvertrages zwischen dem Besitzer und dem Pächter des Etablissements. Aber die politischen Sitten des gemütlichen Sachsenlandes kennzeichnet der Fall wieder einmal vortrefflich. So wird dort der Staat ge- rettet und— die Socialdemokratie gefördert.— handeln, aber die Anwesenheit der Konsuln habe ohne Zweffel ein« nützliche Wirkung gehabt; die Konsuln hätten die Weisung erhalten, in Müsch zu bleiben, bis sie sich versichert hätten, daß keine Möglich- keit für neue auftührerische Bewegungen und keine Notwendigkeit für neue militärische Maßregeln vorhanden sei. Ruhland. Verfolgungen in Finnland. Wie in der letzten Nummer von „Fria Ord" mitgeteilt wird, ist der Socialist D r o ck i l a, der auch in Skandinavien sehr bekannt ist, und aus verschiedenen Kongressen die finnländische Arbeiterschaft repräsentierte, in Kotka verhaftet und bis auf weiteres nach Viborg transportiert worden.— Südwestafrika. Gouverneur L e u t w e i n meldet aus Okahandja: Am 31. Mai iind bei Outjo im Patrouillengefecht zwei Hereros gefallen und mehrere verwundet. Die Heliographenstationen Etaneno und Okowakuatjiivi werden durch Hererobanden bei Otjikango und Otjipaue bedroht; beide Posten sind durch die Compagnie Welck verstärkt und die Wasserstellen daselbst verschanzt worden. Am 1. Juni stand die Kolonne Estorff 25 Kilometer nordwestlich Okamatangara. Samuel soll bei Okahitua am Omuramba-ua-Matako mit ge- ammelter Macht sitzen: Osire wurde von ihm wegen Wassermangels zerlassen. Hauptabteilung wurde am 5. Juni bei Otjosasu ge- ammelt. Kolonne Zülow war am 25. Mai in NaidauS.— HuelancL Frankreich. Paris, 7. Juni. Der verhaftete Hauptmann D'Autriche wurde gestern in Gegenwart des Generalprokurators ll'/z Stunden lang verhört. Man glaubt, daß Sachverständige ernannt werden, um die Bücher zu prüfen und erwartet für heute das Verhör des Haupt- manns Fran?ois.— Spanien. Madrid, 6. Juni. Deputiertenkammer. Villanueva , stricht über Marokko und erklärt, die letzte Rede des Minister- Präsidenten Maura über diesen Gegenstand sei nicht beftiedigend, er glaube, daß Spanien bei den eingeleiteten Verhandlungen eine Nebenrolle gespielt habe. Frankreich und England hätten die Rechte Spaniens nur auf die Plätze Melilla. Ceuta und Chafarinas anerkannt und Spanien von jedem andren Orte ausgeschlossen. Die panische Regierung habe die Pflicht, die Ehre der Nation zur An- erkennung zu bringen.— Italien. Ueber den Umfang der Spitzbübereien des ehemaligen Ministers N a s i kann man sich schwer einen Begriff machen; die Justtzbehörde mußte sechs große Zimmer mieten, um alle die corpora delicti unterzubringen. Von Trapani, dem Wohnort Nasis, sind 30 Kisten angelangt, welche die zusammengestohlenen Gegenstände enthalten: eine große Anzahl Kisten enthält wertvolle Kunst- objekte.— England. London, S. Juni. Unterhaus. Im Verlaufe der Sitzung erklärte der Unterstaatsseiretär des Aeuhern Percy auf eine An- (rage betreffend die Unruhen in Annenien, die türkische Re- zierung habe den Vorschlag des englischen Botschafters in Kon- tantinopel angenommen, nach welchem die Konsuln Englands, Frankreichs und Rußlands als Vermittler handeln sollen; der eng- tische und der französische Konsul seien seit Mitte Mai in Misch gewesen, wo sie die Ankunft des russischen Konsuls erwarteten, der sich in Tiflis verspätet habe. Es sei schwierig für die Konsuln. mit den Banden, die zerstteut und desorganisiert seien, zu unter- Partei-I�acdrickten. Die Parteigenossen von Schwarzburg- Rudolstadt hielten am 5. Juni in Meuselbach unter zahlreicher Beteiligung ihre Landes- Versammlung ab. Aus dem Kassenbericht ist zu erwähnen, daß seit August vorigen Jahres 1262,96 M. eingenommen und 754 M. aus- gegeben wurden. Es wurde beschlossen, bis auf weiteres jährlich 50 M. als festen Beitrag an die Hauptkasse zu zahlen. Die Berichte der Verwaltung und der Landtags-Fraktton wurden zustimmend auf- genommen._ Demokratie und Socialdemokratie in Norwegen. Der Anschluß der bisher demokratischen Arbeiterorganisationen Norwegens an die socialdemokratische Arbeiterpartei vollzieht sich in immer rascherer Folge, obgleich die letzte Landesversammlung der demokratischen Arbeiter den Anschluß abgelehnt hat. Nun hat Ende der vorigen Woche die Repräsentantschaft der„Kristiania demokratischen Arbeiterorganisarionen" einstimmig beschlossen, den durch sie vertretenen Organisationen den Eintritt in die Norwegische Arbeiterpartei zu empfehlen, und sie aufgefordert, so schnell wie möglich Beschlüsse hierüber zu fassen. — Wie stark die Sympathien der bisher liberal-demokrattschen Arbeiter für die socialdemokrattsche Partei jetzt sind, beweist unter cmderm auch ein Artikel in dem bedeutendsten Organ ihres Ver- bandes, in„Oestländingen", worin es heißt: „Eins der allerwichtigsten Ziele, das die Arbeiter niemals aus dem Auge verlieren sollten, ist dies: eine einige, große und starke Arbeiterpartei, der alle Vereinigungen des Landes angeschlossen sind. Dieses Ziel müssen wir erreichen und für dieses Ziel müssen wir arbeiten. Die„Arbeiterpartei" ist schon jetzt die unvergleichlich größte und mächtigste Arbeiterorganisation im Lande; sie hat die meisten Entlvicklungsmöglichkeiten und alle Freunde der Arbeiter- bewegung müssen jedesmal, wenn eine Vereinigung sich der Arbester- Partei anschließt, aufs höchste erfreut sein." Totenliste der Partei. Aus O p o r t o wird der Tod des Ge- nassen Viterlo de Campos, einer der markantesten Persönlich- leiten der socialistischen Partei Portugals, gemeldet. Er war ein Mann von hervorragender Bildung und ein unermüdlicher Ver- teidiger der socialistischen Ideen. Bom ostastatischen Kriegsschauplatz. Eine größere Anzahl Telegramme berichten über„Explosionen" Kanonendonner bei Port Arthur. Thaffächlich scheint ein Angriff auf Port Arthur stattgesunden zu haben. Aus T s ch i f u wird vom 7. Juni gemeldet: In vergangener Nacht machten die Japaner augenscheinlich einen entschlossenen Versuch, gegen Port Arthur von der Landseite her vor- zugehen. Eiuc Dschunke, welche einen Punkt drei Meilen südlich von Dalny verließ, hörte eine Kanonade nordwärts von Port Arthur von 7 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags, nach welcher Zeit das Schiff außer Hörweite kam. Es scheint, daß die Japaner gestern einen Angriff zu Land und zu Wasser auf Port Arihur geplant haben. Als die Russen dies bemerkten, schickten sie ein Geschwader aus, um eine Schlacht zu liefern und zu verhindern, daß die japanischen Schiffe mit den Landstreitkräften zusammenwirkten. Eine Seeschlacht? Ob in den Gewässern von Port Arthur thatsächlich eine See- schlacht stattgefunden, steht noch dahin. In Petersburg war das Gerücht verbreitet, der Generalstab habe die Meldung von einem schweren Kampfe zwischen der russischen und japanischen Flotte in den Gewässern von Port Arthur erhallen. Ein japanisches Panzer- schiff und mehrere japanische Torpedoboote wurden zerstört. Tschifu, 7. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Man glaubt hier, daß eine Seeschlacht gestern abend im Golf von Peffchili stattgefunden hat. Dampfer berichten, daß sie ein heftiges Feuer gehört haben: ähnliche Berichte kommen auch aus andren Quellen. Die Bewohner der Hügel um Tschifu hörten eine Kanonade und sahen von der See her heftiges Aufflammen. In Talienwan erhält sich das unbestätigte Gerücht, daß das Schlachtschiff„Jaschima" auf eine Mine aufgelaufen und gesunken sei. Tschifu, 7. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Aus Töngtschau wird berichtet, daß in Port Arthur in der letzten Nacht geschossen sei: das Feuer habe um 1lil2 Uhr angefangen und mehrere Stunden gedauert. Eine Dschunke, die in der letzten Nacht von Dalny angekommen sei. melde, daß den ganzen Tag in der Nähe von Port Arthur stark geschossen wäre. Gestern wäre alles ruhig gewesen. In Dalny werde das Gerücht von dem Sinken eines japanischen Schiffes bei Talienwan in Abrede gestellt. Ferner wird gekabelt, daß mehrere Schannützel auf der Halb» insel Liautung stattgefunden hätten, die für die Japaner günstig ver- laufen seien. ♦ ♦ * Ein Kriegskorrespondent umgekommen. Niuffchwang, 7. Juni. Als der Kriegskorrespondent des Londoner „Daily Telegraph" Etzel und der Korrespondent der„Daily Mail" B r i n d l e, die in der letzten Zeit sich mit der Beobachtung der Bewegung der Räuberbanden beschäftigt hatten und in einer Dfchunke von hier weggefahren waren, sich aus der Höhe� von Schwantaitze bei Jnkou befanden, wurde nach ihnen von chinesischen Truppen ge- schössen. Etzel wurde getötet, Brindle kam, wie man glaubt, unver- sehn davon._ Soziales. Das Verbot der Nachtarbeit der Bäcker in Norwegen. Wie seiner Zeit mitgeteilt wurde, hat die Landesorganisation der norwegischen Bäckermeister im vorigen Jahre in einer Eingabe an die Regierung die Abänderung des geltenden Bäckergesctzes und des darin enthaltenen Verbotes der Nachtarbeit verlangt. Gegen dieses Verlangen reichten 200 meist kleinere Bäckermeister einen Protest ein; sie befürchteten, daß eine Wiederzulasjung der Nachtarbeit die Konkurrenzfähigkeit der Kleinbetriebe den Großbetrieben gegenüber beeinträchtigen würde, abgesehen davon, daß die Klcinmeister. die selbst mitarbeiten müssen, auch ein sehr naheliegendes persönliches Interesse am Verbot der Nachtarbeit haben. Es wurden außerdem noch 251 Resolutionen in verschiedenen Teilen des Landes gegen das Verlangen der Meifterorganisation gefaßt und ferner reichte eine Deputation des Norwegischen Bäckerverbandes beim Storthing einen Protest dagegen ein, der im Socialtomitee des Storthings von dem demokratischen Abgeordneten Kastberg lebhaft unterstützt wurde. Nun hat der am Donnerstag eröffnete achte Verbandstag des Norwegischen Bäckerverbandes ebenfalls eine Eingabe an die Re- gierung gerichtet, in der sie ersucht wird, die Forderungen der Meisterorganisation nicht zu einer Regierungsvorlage zu machen. da in keiner Hinsicht irgendwelche Veränderung des geltenden Bäcker- gesetzes, weder im Interesse der Bäckercibetriebe, noch in dem des Publikums, erforderlich ist. Nachdem darauf hingewiesen wurde, wie die Aufrechterhaltung des Verbotes der Nachtarbeit gerade mit Rücksicht auf die Konkurrenzfähigkeit der Kleinmeister wünschenswert ist, heißt es weiter in der Eingabe: „Die Annahme der von der Meisterorganisation eingereichten Vorschläge würde ferner dazu führen, daß die Kontrolle über mögliche Uebertretungen geschwächt, vollständige Nachtarbeit nach und nach wieder eingeführt wird und unser Familienleben ver- w ü st e t und uns die Möglichkeit verschlossen wird, die wir seit dem Jahre 1895 gehabt haben, an der Entwicklung teilzunehmen und uns Auf- klärung und Bildung zu verschaffen." Das Schriftstück wurde von sämtlichen Delegierten unter- zeichnet. GewerKfeKaftUcKes. Berlin und Clmgcgend. Die gegenwärtige Situation im Bäckergewerde wurde gestern in einer bei Keller abgehaltenen gut besuchten Ver- samnrlung der Bäckergesellen besprochen. Hetzschold beleuchtete in seinem Referat das skrupellose Verhalten des Bohkott-Abwehr- ausschusses, wie es sich in dessen Einwirkung auf die Meister, ihr Wort den Gesellen gegenüber zu brechen, bemerkbar macht und auch in den Jnnungsflugblättern zum Ausdruck kommt. Im Verbands- bureau liegen ca. 30 Briefe von Meistern, die erklären, sie hätten die Bewilligungen keineswegs zurückgezogen. Wenn trotzdem Schreiben mit gegenteiligen Versicherungen an die Verbandsleitung gelangt seien, so müßten die Unterschriften derselben entweder von neidischen Konkurrenten oder von dem Boykott-Abwehr- Ausschuß nahestehender Seite gefälscht sein. Wie von der Jnnungsleitung mit allen Mitteln der Einschüchte- rung auf die Meister eingewirkt worden ist, zeigt auch der Vorfall im Moabiter Sladtviertel. Dort hatten bekanntlich sämtliche Meister bis auf zwei die Bewilligung wieder zurück- gezogen. Nachdem aber die dorsige Arbeitcrbevölkcrung ihre Meinung über diesen Wortbruch in einer großen Versammlung kundgegeben hatte und den Boykott mit erneuter Schärfe wirken ließ, da kamen die Meister wieder nach dem Verbandsbureau getrabt und ver- sicherten hoch und heilig, sie würden nun ihr Wort nicht wieder brechen. Bis gestern haben denn auch reichlich Zweidrittel der Moabiter Meister die bekannten Beivilligungsplakate erneut erhalten. Aehnlich ist es in Lichtenberg und Rummelsburg gegangen, wo die Meister, nachdem sie sich ebenfalls von den Jnnungsgrößen zum Wortbruch hatten verleiten lassen, schleunigst wieder um Zustellung der Plakate baten mit der Versicherung, jetzt die Forderungen der Gesellen endgülsig anerkennen zu wollen. Humoristisch wirkte auch die Verlesung eines Jnnungs- Flugblattes mit der Ueberschrist: Ein Mahnwort zu ernster Stunde. In demselben wird versucht, die von den Gesellen bekannt gegebenen Schweinereien in einzelnen namhaft gemachten Bäckereien abzu- leugnen. Der Obermeister Vogler erbietet sich sogar, feierlichst zu beeidigen, daß die empörenden Unreinlichkeiten in den Betrieben jetzt nicht mehr bestehen. Daß sie aber bis vor kurzem thatsächlich be- standen haben, wird er jedoch schwerlich in Abrede stellen können.— Am Mimtag haben die Innungen in allerdings nur sehr schwach be- suchten Versammlungen erneut beschlossen, ihrem bisherigen Stand- punkte getreu jede Verhandlung vor dem Einigungsamt abzulehnen. Hinter den Innungen steht als scharfmacherisch-treibende Kraft der Arbeitgeber-Verband. Nicht allein Herr Nasse, der Generalsekretär der Abteilung II des Kühnemänner-Verbandes, treibt zum äußersten Widerstande an, auch der Tischler-Obermeister R a h a r d t bethätigt sich als zweifelhafter Helfershelfer.� Hat er doch der Bäckerinnung empfohlen, alle Meister möchten doch auf etwa acht Tage ihre Läden zumachenl Unter stürmischer Heiterkeit schallte es bei dieser Mitteilung aus der Versammlung: „Ach wenn sie's doch thun möchten I" Denjenigen Meistern, die mit dem Gesellenvcrbande einen Tarif vor dem Einigungsamte abgeschlossen haben, haben sich nun bereits eine Anzahl andrer Meister angeschlossen, und in den nächsten Tagen wird die Gesellenkommission auch in den übrigen bewilligten Bäckereien vorstellig werden, um deren Inhaber zur unterschriftlichen Anerkennung des Tarifs zu bewegen. Auch mit der Köpenicker Innung ist jetzt ein Tarifvertrag abgeschlossen worden. Redner einpfahl, im ferneren Verlaufe des Kampfes ebenso Ruhe und Be- sonnenheit walten zu lassen wie bisher, dann werde es auch gelingen, den unheilvollen Einfluß der Innungen lahmzulegen.— Es wurde sodann die aus zehn Personen bestehende Tarif- Schlichtungskommission gewählt. Der Streik der Rammer nimmt auch weiterhin einen günstigen Verlauf. Es haben am Montag und gestern schon wieder sechs Firmen bewilligt, mit andren schweben Verhandlungen. Unter den Meistern, die schon in den letzten Tagen bewilligt haben, befinden sich auch der zweite Vorsitzende der Berliner Steinsetzerinnung, Stein- setzmeister Schlinck sowie Hofsteinsetzmeister G. Schuffelhauer und eine ganze Anzahl weiterer Jnnungsmeister. Auch in der Steglitzer Steiiy etzerinnung ist man nicht grundsätzlich abgeneigt, die Forderungen der Rammer zu bewilligen. Die Innung möchte nur nicht die erste sein. Wir ftihren das an. um den Behörden, deren Halbing für die Dauer und den Verlauf des Streiks von wesentlichem Einfluß ist, zu zeigen, daß die Rannner nichts Unmögliches fordern und von cinem'Nichtbewilligen können nicht die Rede sein kann, sondern daß eS sich nur darum handelt, daß man nicht bewilligen will. Steinsetzer waren bis gestern abend ca. 200 entlassen bezw. aus- gesperrt. Die fremden Arbeitskräfte sind fast alle abgereist. Der infolge der Aussperrung von den Steinsetzern improvisierte Zwangs- Arbeitsnachweis funktioniert bereits vorzüglich; die bewilligten Firmen haben durch denselben die entlassenen bezw. ausgesperrten Steinsetzer sich wieder zuschicken lassen. Achtung, Kürschner! Die Firma Joka u. Co.. Knrstratze. sucht Kürschner nach Hamburg zu S. Wachtel, wo sämtliche Kollegen und Kolleginnen seit drei Wochen sich im Abwehrsteik befinden, als Arbeitswillige anzuwerben. Wir machen die Kollegen darauf auf- merksam, daß, so lange die Sperre über genannte Firma nicht auf- gehoben ist, solche Engagements kurzer Hand abzuweisen sind, damit die Hamburger Kollegen und Kolleginnen ihren gerechten Kampf durchzuflihren vermögen. Centralverband deutscher Kürschner, Zahlstelle Berlin. Veutkebes Reick). Zum Lohnkauipf im Konigsberger Baugewerbe. In Königsberg ist es Montagabend, wie uns telegraphisch von dort gemeldet wird, zu einem Straßentuinult gekommen. Die importierten italienischen Maurer wurden von einer Menschenmenge angegriffen, sind jedoch ohne Schaden davongekommen, nur emige hiesige Arbeitswillige erhielten bei dem Tumult einen Denkzettel. Die Schutzleute gingen mit blanker Waffe vor, acht Verhaftungen wurden vorgenommen. Streikende Maurer sind an der Schlägerei nicht beteiligt gewesen. Die anders lautenden Angaben bürgerlicher Blätter beruhen auf Phantasien. Streik der Maurer in Jüterbog. Nach einer resultatlosen Ver- Handlung mit den Arbeitgebern legten gestern die Maurer in Jüterbog die Arbeit meder. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 35 auf 40 Pf. pro Stunde. Die Streiks in Rathenow, Senftenberg-Räschen, Forst i. L., F i n st e r w a I d e und Schneidemühl dauern unverändert weiter. Zurücktommandiert. In G n e s e n streiken seit einiger Zeit die Maurer. Da an einem Neubau Soldaten als Arbeitswillige beschäfttgt wurden, richtete der Vorstand des christlichen Bau- Handwerkcr-Vereins folgendes Schreiben an das Generalkommando: „Durch persönliche Feststellung ist es dem Vorstande des bezeichneten Verbandes bekannt geivorden, daß Mannschaften des 49. Infanterie- Regiments zu Gnesen auf dem Neu- bau des Gastwirts Gawell Hierselbst im Gnesener Stadt- walde am Mittwoch, den 4., und Donnerstag, den 5. Mai d. I., zur Ausführung gewerblicher Arbeiten beschäftigt worden sind. Als solche waren drei Mann als Maurer, ein Mann als Tischler, zwei Mann als Maler und zwei Mann als Bauhilfsarbeiter thättg. Dem Vor- stand ist bekannt, daß zur Ausführung von Notstandsarbeiten in vorkommenden Fällen Mannschaften herangezogen werden dürfen, aber unverständlich ist es, daß zu den angeführten Ar- beiten Militär hergegeben wird. Außerdem bemerken wir, daß in Gnesen genügend Handwerksgesellen des betreffenden Berufes ohne Arbeit sind. Besonders sind ungelernte Arbeiter in genügender Zähl arbeitslos. Die Arbeiterschaft von Gnesen ersieht in der Handlung der betreffenden Regiementsverwaltung eine Schädigung ihrer wirtschaftlichen Interessen unversucht um schleunige Abstellung der angeführten Zustände. Sollte dieses nicht geschehen, so würde der unterzeichnete Vorstand sich genötigt sehen, sich an Se. Excellenz den Herrn Kriegsminister, eventuell an den hohen Reichstag wenden zu müssen. Hochachtlmgsvoll Der Vorstand des Centralverbandes christlicher Bauhandwerker und Bauhilfsarbeiter Deutschlands sVerwaltungsstelle Gnesen.) I. A.: Fritz Bürger." Hierauf ist von dem Generalkommando des 2. Armeecorps in Stettin unterm 28. Mai der folgende Bescheid eingelaufen: „Stettin, 28. Mai 1904. An Herrn Fritz Bürger, Gnesen, Nollaustr. 28. Auf Ihr im Auftrage des Centralverbandes christ- licher Bauhandwerker Deutschlands hierher gerichtetes Gesuch vom 5. d. M. wird Ihnen nach Prüfung desselben mitgeteilt, daß das Generalkommando die Gestellung von Militärpersonen zur Aushilfe bei Arbeitsei n st ellun gen auf An- crag von Privatpersonen untersagt hat. Der kommandierende General v. Langenbeck." An alle Lagerhalter, welche in den Konsumvereinen Nordwest- Deutschlands beschäfttgt sind, erläßt die Agitationskommission des Lagerhalter-Verbandes zu Hamburg eine Aufforderung zum Besuch der am Montag, den 13. Juni, vormittags 10 Uhr, in Tütges Etablissement. Hamburg, Valentinskamp 40— 42 stattfindenden Konferenz. Zur Verhandlung kommen: 1. Bericht der Agitations- kommission. 2. Vortrag des Genossen Fr. Laufkötter-Hamburg über: Die Organisation der Güterverteilung, eine Forderung moderner Volkswirtschaft. 3. Vortrag des Verbandssekretärs G. Döhnel aus Leipzig über: Die Konsumgenossenschaft als Arbeitgeber. 4. Die geplante Versicherungskasse für die Angestellten der Konsumvereine. Referent: Kollege Zornig, Hamburg. 5. Eine eventuelle Tarif- Vereinbarung der Lagerhalter mit den Konsumgenossenschaften. 6 Be- richt der Kollegen über das Arbeitsverhältnis in ihren Vereinen. Achtung Schuhmacher und Arbeiter von Nowawes und Umgegend. Wie wir schon kürzlich berichteten, haben sämtliche Ar- beiter und Arbeiterinnen der Firma Haase u. Ruß die Kündigung eingereicht. Den Anlaß hierzu gab die Absicht der Firma, die Arbeitslöhne herabzusetzen und vor allem die unbequeme Organisation zu zerstören. Wir richten daher an alle Kollegen und Arbeiter andrer Berufe die Bitte, keine Arbeit bei der Firma Haase u. Ruß anzunehmen, um uns den aufgedrungenen Kampf nicht zu erschweren. Die Ortsverwaltung der Zahlstelle Nowawes. Rusland. Der Streik der Offiziere der Marseiller Handelsmarine, der erst kürzlich für beendet erklärt wurde, ist von neuem ausgebrochen. Die Ursache ist auch diesmal wieder der zwischen den Offizieren und den Schiffsarbeitcrn bestehende Zwist. Es wird telegraphisch aus Marseille gemeldet: Infolge der auf Veranlassung der Dockarbeiter erfolgten Eni- lassung von zwei Werkmeistern der Schiffahrtgesellschaft Axel Busck haben die Offiziere der Handelsmarine dem Präfekten mitgeteilt, sie würden Mittwoch in den Ausstand treten, falls die beiden Werk- meister nicht wieder in ihre bisherigen Stellungen eingesetzt würden. Ein neuer Streik der Weber ist in Armentisres aus- gebrochen. Die Schuld tragen allein die Unternehmer, die sich im Herbst vorigen Jahres mit den Arbeitern geeinigt hatten, die aber jetzt die Vertragsbedingungen nicht einhalten. Im Vertrage war unter anderm festgesetzt, daß die gemischte Kommission, bestehend aus Unternehmern und Arbeitern, im April 1904 zusammen zu treten habe, um einen neuen Tarif auszuarbeiten, der sich durch die neue Phase des Gesetzes Millerand- Colliard nötig macht. Jetzt ver- lveigern die Unternehmer ihre Thätigkeit in der Kommission. )Zus der frauenbewegung. Wöchneriuucnschutz. Nach§ 137 Absatz 5 der Gewerbe-Ordnung dürfe» Wöchnerinnen während vier Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt nicht und während der folgenden zwei Wochen nur dann beschäftigt werden, wenn das Zeugnis eines approbierten Arztes dies für zulässig er- klärt. Wie es mit der Durchführung dieser Schutzbesttmmung in der Praxis bestellt ist, geht aus einigen Mitteilungen der Gewerbe- inspektoren hervor, die. so dürftig sie auch sind, doch immer- hin die einschlägigen Verhältnisse beleuchten. Von Verstößen gegen das Gesetz wislen einige Beamten zu berichten. Der Gewerbe- Inspektor für die Provinz Westpreußen teilt einen Fall mit, wo eine Arbeiterin in einer Cigaretteusabrik bereits einige Tage nach ihrer Niederkunft beschäftigt wurde. Der Unternehmer wurde freigesprochen, weil nickt nachzuweisen war, daß er von der Kürze der zwischen der Niederkunft und dem Beginn der Arbeit verflossenen Zeit unterrichtet war. und auch das Berufungsgericht kam aus diesem Grunde zur Freisprechung. In einer Berliner Druckerei wurde eine Anlegerin schon 14 Tage nach ihrer Niederkunft eingestellt, weil sie nach ärztlichem Attest so weit hergestellt war, um ihrer gewohnten Beschäftigung wieder nachgehen zu können. Leider wird darüber, ob dieser Fall zur gerichtlichen Anzeige gelangt ist, nichts mitgeteilt. Gleichfalls freigesprochen wurde ein Cigarrenfabrikant im Bezirk Bromberg, der eine Frau ftmf Wochen nach ihrer Niederkunst in Beschäftigung genommen hatte. Die Arbeiterin hatte vor der Entbindung nicht bei ihm gearbeitet und das Gericht stellte sich aus den Standpuntt, daß dem Arbeitgeber nicht die Ver- pflichtung zugemutet werden könne, jede aiiznstellende Arbeiterin zu befragen, ob sie in den letzten 6 Wochen niedergekommen sei. Im Gegensatz dazu wurde ein Arbeitgeber in Liegnitz, der eine Arbeiterin früher als vier Wochen nach ihrer Niederkunst beschäftigt hatte, gerichtlich bestrast. Wie hoch die Strafe bemessen wurde, darüber schweigt der Bericht. Im allgemeinen wird man wohl nicht fehl gehen in der An- nähme, daß unsre Gerichte den Arbeitgebern, die die Wöchnerinnen- schutzbesttmmungen übertreten, keine zu harten Strafen auferlegen. Auf der andern Seite ist allerdings nicht zu verkennen, daß es auch Arbeiterinnen giebt, die durch die wirtschaftliche Not getrieben ohne Rücksicht auf die für Mutier und Kind daraus erwachsenden Gefahren schon wenige Wochen, ja bisweilen sogar wenige Tage nach der Entbindung wieder ihrem Berufe nachgehen. In Köln zum Beispiel meldete sich eine Arbeiterin bereits nach Ablauf von vier Tagen wieder zur Arbeit. Eingehendere Betrachtungen über den Wöchnerinnenschutz stellt nur der Gewerbe-Jnspektor für den Regierungsbezirk Merseburg an. Er hat weder Uebertretungen der Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung, noch wesentliche Mißstände ermittelt, giebt aber zu, daß die Kontrolle der Vorschriften schwer durchführbar ist, da die Wöchnerinnen gern nach ihrer Niederkunst ihre Arbeitsstelle wechseln, teils, soweit es sich um Unverheiratete handelt, aus Schamgefühl, teils um auch ohne ärztliches Attest schneller wieder zu Verdienst zu kommen. Die zuweilen gehörte Behauptung, daß die eine eigne Fabrik-Krankenkasse besitzenden Arbeitgeber schwangere Arbeiterinnen vor ihrer Niederkunst zu entlassen Pflegen, um sie nicht ans ihrer Kasse unterstützen zu müssen, hat sich nach Mitteilung des Gewerbe- Inspektors nicht als begründet nachweisen lassen, es sollen im Gegenteil viele Fabrik-Krankenkassen schon jetzt den Wöchnerinnen bis zu sechs Wochen nach der Niederkunft Unterstützung getvähren. Damit ist allerdings schon die von demselben Beamten erwähnte Gepflogenheit in Einklang zu bringen, daß an Arbeiterinnen in Fabriken mit eigner Krankenkasse vor der Annahme zur Arbeit die peinliche Frage gerichtet wird, ob fie schwanger sind. Diese Frage wird gestellt, um die Kasse nicht durch Aufnahme von Personen zu belasten, die der Niederkunft entgegen- sehen. Daß die Arbeiterinnen selbst, wie der Beamte berichtet, stets bestrebt sind, die Arbeit so lange wie möglich vor der Niederkunft fortzusetzen und so bald wie möglich nachher wieder aufzunehmen, wirft etn trauriges Licht auf unsre wirtschaftlichen Verhältnisse. ?iim Vergnügen arbeitet keine Frau in diesen: Zustande; nur die itterste Not, die Furcht vor dem Verhungern, kann fie dazu ver- anlassen. Um hier Wandel zu schaffen, ist einmal Aufklärung über die Gefahren, die für Leben und Gesundheit der Schwangeren und des Nach- Wuchses aus so übertriebener Arbeit entstehen, dringend erforderlich, sodann aber auch die Ausgestaltung der Wvchnerinnenschutz- bestimmungen zu wirklichen Schutzbestimmungen. Voraussetzung für die Durchführung dieser beiden Forderungen wird allerdings eine Erweiterung der Rechte der Arbeiterklasse sein. Man gewähre den männlichen und weiblichen Arbeitern aller Kategorien ein wirkliches Koalittonsrecht, das sie in den Stand setzt, neben Lohnerhöhungen sich solche Arbeitsbedingungen zu erkämpfen, wie sie einer fort- geschrittenen Kultur würdig sind l Saarabien vor Gericht. (Privat-Depescheu des„Vorwärts".*) St. Johann, 6. Juni 1904. Dritter Verhandln itgstag. Montag. Nachmittags-Sitzung. Nachdem das Gericht beschlossen hat, noch einige Zeugen zu laden, ftagt Verteidiger Heine den Steiger Giesentann, ob es wahr sei, daß er einen Bergmann Lang aus Neunkirchen mit einem Stock mißhandelt habe. Giesemann verweigert die Antwort unter' Berufung auf seinen Diensteid. Steiger Huber kann sich nicht erinnern, daß dem Zeugen Heinz die Einttagung in das Fahrbnch verweigert worden ist. Heinz bleibt dabei, daß der Obersteiger Ries im Beisein Hubers ihm die Einttagung verboten habe. Hilger will nochmals feststellen, daß die Eintragung nur ver- weigert wurde, weil eine Bezugnahme aus die Löhne vorlag. Pfarrer Schmitz-Weinmetsweiler wird vom Vorsitzenden auf- merksam gemacht, daß es nicht zn empfehlen sei, allgemeines aus- zusagen und bei speciellen Nachfragen Namennennung unter Berufung auf die Seelsorge zu verweigern. Der Zeuge verweigert infolge- dessen die Antwort, ob ihm Leute geklagt haben, daß sie zum Ein- tritt in den nationalliberalen Verein gezwungen würden, weil ihm dies bei Ausübung der Seelsorge bekannt geworden sei. Ueber die Lebensverhältniffe der Saarbergleute sagt der Zeuge, daß ein großer Teil in sehr schlechten Verhältnissen lebe, in sehr ungesunden Wohnungen, die teilweise nur zwei bis drei räumige feuchte Kellerwohnungen seien. Er habe in seiner Gemeinde manche Tuberkulösen, die in solchen unter dem Niveau der Straße liegenden Wohnungen Hausen. Neu- lich sei bei einer Kindtaufe eine Ziege vom Stall direkt in die Woh- nung gekommen. (Ueber den Schluß der Nachmittags-Sitzung ist bereits gestern berichtet worden.) * Vierter Verhandlungstag. Dienstag. Vormittagssitzung. St. Johann, 7. Juni. Vor Einttitt in die weitere Beweisaufnahme beanttagt Heine weitere Zeugenladung, darutiter die Ladung eines Beamten, dem von Hilger verboten worden sei, an einer Versammlung und einer Petition für die Verbesserung des Beamtenpensions-Gesetzes teil- zunehmen. Der Staatsanwalt erklärt, die Vernehmung sei überflüssig, da ein staatlich anerkanntes KoalitionSrccht nicht existiere. Heine erwidert, selbstverständlich gebe es ein staatlich anerkanntes Koalitionsrecht. Aber hier handle es sich um das Bersammlungs- und Petitionsrecht der Beamten. Sodann bekunden sechs auf Veranlassung des Nebenklägers geladene Bergleute, daß sie bei Löhnen von 3,50 bis 5 Mark und darüber in 10 bis 30 Jahren sich Eigentum im Wert von 3000 bis 20 000 Mark erworben haben. Viehzucht zu Verkaufs- zwecken, auch Grundstücksspekulation hat in einigen Fällen wesentlich mitgeholfen. Fleisch gebe es durchschnittlich zwei bis dreimal in der Woche. Das Verhältnis zwischen Beantten und Arbeitern sei gut. Von Kartoffeln, Brot und Kaffee brauche, von Ausnahmefällen ab» gesehen, kein Bergniann leben. Hilfssteiger Pitz aus Sulzbach ist geladen, um zu bekunden, daß der Zeuge Bergmann Engel ihm gesagt habe, er befinde sich so in der Gewalt des Angeklagten Krämer und seiner socialdemokratischen Freunde, daß er sich nicht bcfteien könne. Zeuge bekundet, Engel habe auf seine Aufforderung, sich von den Socialdemokraten zu trennen, erklärt, er könne sich doch nicht mehr reinwaschen. Auf die Vorhaltungen der Rechtsbeistände des Nebenklägers, welche die Aeußerung in ihrem Sinne interpretieren, antwortet der Zeuge: Ja, so war es! Auf die � sinngemäß entgegengesetzten Vorhaltungen des Zeugen Engel und des Verteidigers antwortet er dasselbe. Das wiederholt sich fünf- bis sechsmal, so daß der Eindruck allgemein ist: von einer Erschütterung des Engelschen Zeugnisses kann keine Rede sein. Die Anwalte des Nebenklägers beantragen Verlesung der Landtags- Rede des Centrums- Abgeordneten Marx sowie von Zeitungsarttkeln aus der Dasbach-Presse. Hilger bestreitet die Richtigkeit der Zahlen im Flugblatt nicht, fühlt sich aber durch die Schlußfolgerungen schwer beleidigt. Er erklärt, daß kein Socialdemokrat in Staatsbetrieben geduldet, keine socialistische oder Dasbach-Presse in den Schlafhäusern gestattet sei, und redet dann in bekannter Unternehmermanier über eine Stunde von den saarabischen Wohlfahrts-Einrichtungen, zu denen er auch die Waschanlagen für die Bergleute rechnet. Seinen Lohnstatistiken hält Heine eine Anzahl Lohnzettel ent- gegen mit Löhnen für Häuer von 67 bis 93 M. pro Monat. Nachmittags-Sitzung. Nachdem der Gerichtsbeschluß verkündet ist, daß die von Heine beanttagte Zeugenladung abgelehnt, erklärt Heine, daß er schon selb st geladen hat, so daß das Gericht nur zu befinden hat, ob das Beweisthema zur Sache gehört. Heine geht dann an der Hand der Berichte der Knappschafts- Berufsgenossenschast, der Kommission für Stein- und Kohlenfall, näher aus die Nnfallzahlcn ein und weist nach, daß der Ober-Bergamtsbezirk Bonn, von Ober» Schlesien abgesehen, an der Spitze der verschiedenen Reviere steht. *) Dieser Teil der Privat-Telegramme über die gestrige Nach- mittagS-Sitzung ist verspätet in unsre Hände gelangt und konnte daher nicht mehr in der gestrigen Nummer aufgenommen werden. Hilger sucht an einem AuSzuge aus dem amtlichen Material nachzuweisen, daß Bonn auch nicht an zweiter Stelle steht. Heine weist darauf hin, daß man einen zutreffenden Ueberblick nur bekomme, wenn man einen längeren Zeitraum berücksichtige und nicht nur ein Jahr. Von 1892— 18SS kamen durch Stein- nnd Kohlenfall zu Tode Bergleute: in Sachsen pro 1990 durchschnittlich 9,61, Ruhrgebiet 1,94, Saargebiet 1,47, Oberschlesien 1,57. 1992 kamen pro 19 999 Berg- leute Unfälle überhaupt vor: im Ruhrgebiet 146, Bonn 162, Ober- schleiien 192; also wird das Saargebiet nur noch von Oberschlesien übertroffen, wo aber ein sehr starker Arbeiterwechsel herrscht, während im Saargebiet die Arbeiterschaft sehr stabil ist. DaS ist günstig für die Unfallverhütung, trotzdem steht das Saargebiet mit an der Spitze. Hilger führt das auf schlechtes Gebirge und schlechte Uebung der Arbeiter im Verbauen zurück; es würde aber besser. Heine sagt, solche Unfallziffern seien doch gewiß nicht empfehlend für die Staatsgruben. Es entwickelt sich eine längere technische Debatte über die Unfall- ziffern. Das Ergebnis ist eine verschiedene Auffassung über den Wert relativer und absoluter Zahlen. Hilger sagt noch, seine Bergleute brauchten keine„Belehrung von draußen". Er brauche keine„auswärtigen Intelligenzen". Plötzlich beantragt der Staatsanwalt, den anwesenden Adg. Hue zu vernehmen, ob alle Beamten und Borstandsmitglirdrr des Berg- arbeiter-Verbandes Socialdemokraten sind. Hilger sei deshalb gegen den Verband. Heine bemerkt: Es bestreite niemand, daß die Verbandsleiter Socialisten seien. Aber auch diese hätten Koalitionsrechte. Im Jahre 1991 sei z. B. er(Heine) nebst Hue, Vollmar und andre Genossen auf einer Bergarbeiter-Konferenz in Oberbayern gesessen neben einem königlichen Bergbeamten, der sich nicht scheute vor uns. Finanzminister Riedel hat vor einigen Tagen im bayrischen Landtage noch ausdrücklich den fiskalischen Bergleuten das Vereinsrecht garantiert. Auch dort käme der Verband in Frage. Im Saargebiet wird er also verboten von Herrn Hilger. Hilger: Ich bin andrer Ansicht wie jener bayrische Bergbeamte. Auch ich bin für das Brreinsrccht. Aber es wird von den Social- demokraten mißbraucht. Das Gericht ruft dann Hue auf, der bekundet: Gewiß seien die Verbaudsbeamten Socialdemokraten; ob alle Vorstandsmitglieder, wisse er nicht genau. Der Staatsanwalt fragt Hue: Ob nicht Bebel in Dresden sagte, wer nicht pariere,„fliege"? Es müffe der XerroriSmuS der Socialdemokraten festgestellt werden. Heine protestiert; der Gerichtssaal fei weder der Ort für politische Agitation, noch gehöre die Frage zur Sache. Der Staatsanwalt besteht auf seiner Frage und fragt zugleich Hue, ob er über die Verfasserschaft der inkriminierten Flugblätter etwas wisse. Hue verweigert die Aussage, da er der Anficht ist, sich vielleicht strafbar zu machen. Der Gerichtshof zieht fich zurück und beschließt, Hue brauche auf die Bebel betreffende Frage nicht zu antworten. Sie gehöre nicht zur Sache. Hue nimmt wieder am Tisch Platz. Es kommt nun zu Wort der Sachverständige Bergrat Kayser. Ueber Lohnftagen wird er morgen speciell aussagen, da genauere Ziffern beigebracht werben sollen. Die starke Zunahme der Unfälle führt Kayser zurück auf die Anmeldung auch der kleinsten Unfälle. DaS Saargebiet stehe nicht an der Spitze. In ganz Deutschland kamen im Jahre 1992 auf 1999 Bergleute 112,76 Unfälle vor, im Saargebiet 194. Heine: Entscheidend sind doch die entschädigten Unfälle, das find keine geringfügigen. Da kamen in der Sektion Bonn pro 1999 vor: 1886 erst 5,6, aber 1992 waren es über 14. Der Sachverständige giebt ferner die absoluten Unfallzahlen vom Ruhr- und Saargebiet an. Heine entgegnet: Selbstverständlich kämen im Ruhrgebiet absolut mehr Unfälle vor, weil dort die Arbeiterzahl doppelt so stark ist; die von nnr angegebenen Relativziffern sind also richtig. Der Sachverständige äußert sich dann über die Krankenziffern. Im Flugblatt würden für das Saargebiet über 69 pro 199 Er- krankungen angegeben, fiir ganz Preußen 49. In die letztere Zahl feien aber die vom Vorjahr überkommenen Fälle nicht einbezogen. Wenn von Grube Dudweiler, Friedrichsthal und Heinitz 67 bis 87 Krankheitsfälle pro 199 angeführt, so müsse bemerkt werden, daß es auch Arbeiter gebe, die gen: einen Krankenschein nehmen. Heine stellt fest, daß die Ziffern aus der ministeriellen.Zeit» schrift" und dem Saarbrückener Knappschaftsbericht entnommen seien. Heine legt die Quellen vor und giebt genau Seite und Tabelle an. Auch wenn man so rechne wie Sachverständiger, käme für das Saargebiet noch eine enorm hohe Krankenziffer heraus. Krämer, Angeklagter, giebt auf Befragen an, die vielen Unfälle und Erkrankungen kämen seiner Ansicht nach von den schlechten Arbeitsverhältnissen; diese sollten eben durch die Organisation der Arbeiter gebessert werden. Hilger fragt, ob Krämer glaube, die Organisation könne dies leisten. Krämer antwortet: Aber ganz gewiß, wie die Erfahrung lehrt. Der Sachverständige äußert fich über die Lebensverhältnisse der Bergleute. Sie wohnten vielfach schlecht, aber weil fie zu wenig Wert auf anständige Wohnung legten. Die Bürgerschaft gebe mehr für Miete aus. Viele Frauen feien unwirtschaftlich, für Putz würde zu viel Geld ausgegeben. Heine berechnet, daß die Arbeiter unverhältnismäßig viel stir Mete ausgeben müssen und fich darum einschränken. Die Miete betrage bei 129 M. Verdienst bis 13 M. pro Monat. Jedenfalls gäben die Leute mehr für Wohnung aus, wenn sie besser bezahlt würden. Die Ausgabe für„Putz" falle nicht so ins Gewicht, wie vorhin ausgeführt wurde. Sachverständiger und Hilger sagen, die Eigentümer unter den Bergleuten hätten auch Aftermieter. Die Miete sei nicht relativ hoch. Manchmal hockten die Familien in einem Zimmer, obwohl sie mehrere hätten. Heine erwidert, eS sei aber doch zeugeneidlich festgestellt, daß elf Personen auf zwei Zimmer wohnten; solche Verhältnisse seien gewiß nicht gute. Der Sachverständige wird entlasten, da allseitig auf sein Zeugnis weiter verzichtet wird. Der Staatsanwalt will von Heine die Zusage haben: die Wahl- beeinflussuugen jc. seien nicht.amtlich" auf Hilgers Anweisung zurückzuführen. Heine sagt, das habe er ja schon am Freitag konstatiert, sei auch in den Flugblättern nicht behauptet, das„mache man anders". Als der Staatsanwalt fragt, ob auch keine Beeinflussungen seitens der Steiger sc. behauptet würden, erklärt Heine kategorisch: Keineswegs gebe ich zu, daß die betreffenden Beamten nicht ihr Amt Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw. mißbrauchten; übrigens ist das auch schon bewiesen. Heine wendet sich an Hilger: Wollen Sie uns nicht sagen, ob Sie nicht auch die Wahl des Centrumsmannes und das Halten der Centrums-Zeiwngen allgemein verbieten? Haben Sie nicht auch dem von dem Centrums- Abgeordneten Brust geleiteten„christlichen Gewerkverein" die Gegner- schaft angekündigt? Ueber den Bergarbeiter-Verband kennen wir ja nun Ihre Meinung zur Genüge. Hilger: Ich verbiete keine katholischen Zeitungen, aber die „Dasbach-Presse".(Heiterkeit im Zuhörerraum.) Ueber meine Stellung zum Brustschen Gewerkverein kann i ch nur mit Erlaubnis des Mnisters aussagen, wenn das Gericht die Frage zuläßt. Das Gericht beschließt auf Antrag Heines, über die Frage- stellung betr. Brust noch zu beraten. Heine stellt darauf aus dem Knappschaftsstawt fest, daß dem Zeugen Lehmann, der gestern aussagte, ihm sei vom Obersteiger der Krankenschein verweigert, unrecht geschehen sei. Der Krankenschein müsse ausgestellt werden. Hilger meint, der Obersteiger habe gewiß nicht den Eindruck gehabt, Lehmann sei krank. Heine repliziert, die Diagnose gehe den Obersteiger nichts an, die sei nur Sache des Arztes; also scheine der Obersteiger den„Arzt" zu spielen. Nunmehr wird in der Zeugenvernehmung fortgefahren. Bergarbeiter Gebhardt, Schlafhauseinlieger, ist auf die„Straf- stube" 28 verlegt worden, weil er keine nationaUiberalen Wahlzettel verteilen wollte. Bergarbeiter Müller dagegen stellt der„Strafftube" das denkbar beste Zeugnis aus; es hätten fich Leute extra dorthin gemeldet, weil sie„lustig und gesund" sei. Bergarbeiter Peter bekundet, Nr. 23 sei als„Strafftube" be- zeichnet worden, wo alle unbeliebten und ultramontanen Arbeiter hinverlegt würden. Im Kreuzverhör bleiben die Zeugen bei ihrer Aussage. Auf weitere Zeugen zu dieser Angelegenheit wird verzichtet. Der Gerichtspräsident verkündet, der Gerichtshof würde bis morgen über die Frage Heines an Hilger, ob er auch den Brustschen Gewerkverein bekämpfe, beschließen. Die Verhandlungen werden auf Mittwoch ftüh 9 Uhr vertagt. Hus Industrie und f)andcl. Die Einschränkungen im amerikanischen Eisenbahnbetriebe nehmen, wie uns von unserm New Uorker Korrespondenten unter dem 28. vor. Mts. gemeldet wird, immer größere Dimensionen an und es wird als sicher betrachtet, daß bis zum Beginn der eigentlichen „stillen Zeit" für den Frachtverkehr, d. h. nach Mitte Juni, rund 75 999 Arbeiter aller Art„abgelegt" sein werden, ungefähr 7 Proz. der insgesamt 1 159 999 Arbeiter, die im Eisenbahndienst beschäftigt sind. Damit wäre ungefähr der„Rekord" des Krach- ahres 1893 erreicht. Die Entlastungen, die Mitte April ihren An- äng genommen haben, verteilen sich auf die einzelnen Systeme folgendermaßen: Pennsylvania System 13 999, Vanderbilt System 12 999, Chicago Linien 29 999, Gould Linien 7599, Harriman Linien 8999, Northwestern Linien 19 999, Southem Railway 3999, andre Linien 2999. Von den Verwaltungen aller dieser Gesell- schaften ist Order an die Unterverwaltungen ergangen, alle Personen aus dem Frachtdienst zu entlassen, welche nicht absolut nötig sind. Die Verminderung des Frachtverkehrs wird zum Teil dem „Die-up" auf den großen Binnenseen zugeschrieben, aber zum weitaus größten Teil der unzureichenden Ausfuhr des hiesigen Pro- duktionsüberflusses nach dem Ausland. Die Loge der Dinge ist in mancher Hinsicht derjenigen gleich, wie sie vor der Krisis von 1893 war, und es ist nach der Ansicht alter Eisenbahnbeamten keine Aus- ficht, daß während des Sommers eine Wendung zum Besseren ein- tritt.— Unter den zwecks Verminderung der Betriebskosten an- geordneten Maßregeln sind auch solche, durch welche der Personenverkehr getroffen wird, wozu besonders die Verringerung der An- zahl der Streckenarbeiter gehört. So heißt es in dem Bericht eines Arbeiters an der Erie-Bahn(zum Pennsylvania System gehörend), daß die Anzahl dieser Arbeiter, die sonst per Sektion ein Dutzend betrug, auf 2 bis 3 reduziert worden sei. Diese Arbeiter haben nachzusehen, ob die Geleise in Ordnung und nicht irgendwelche Hindernisse(durch Regen abgewaschene Erde, Felsstücke usw.) im Wege sind sowie die Brücken und Wegübergänge sich in gutem Zu- stände befinden. Die Verminderung der Zahl dieser Arbeiter, be- sonders in solch hohem Maße, bedeutet also eine Vermehrung der Gefahr von Entgleisungen und sonstigen Unfällen.— Die Pennsylv. Co. hat eine vor zwei Jahren mit fünf Millionen Dollar Kosten gebaute Nebenlinie, durch welch« die Hauptlinie Pittsburg-Chicago in Zeiten starken Kohlen- und sonstigen Fracht- transports entlastet wurde, gänzlich außer Betrieb gesetzt.— Von den 5999 in den Reparatur-Werkstätten zu Altoona(Pennsylvanien) entlassenen Arbeitern dieser Gesellschaft sollen 3999 ausländische nach Europa zurückgekehrt sein, da sie überzeugt waren, daß in diesem Jahre keine Beschäftigung mehr für sie zu finden sein werde, da auch in den übrigen Industriezweigen Produktionseinschränkungen stattgefunden haben. Der Außenhandel Chinas erholt sich von dem Schlag, den ihn in 1999 der Boxerkrieg und seine Folgen versetzt haben, nur sehr langsam. Nach den jüngst veröffentlichten Zusammenstellungen der englisch-chinesischen See-Zollamts-Verwaltung belief sich der Gesamt- wert des auswärtigen Handels Chinas im letzten Jahr auf 541 991 699 Haikwan-Taels gegen 529 545 489 Taels(1 Haikwan» Tael— 2,68 M.) im Jahre 1992. In Anbetracht der vorjährigen reichlichen Ernte Chinas kein günstiges Ergebnis. Die Ausfuhr ist stehen geblieben: sie stellte sich im letzten Jahre auf 214,35. im Jahre 1992 auf 214,18 Mllionen Haikwan-Taels. Zugenommen hat nur die Einfuhr, sie ist auf 326,74 Mllionen Haikwan-Taels, um 4 Proz. gestiegen, aber diese Zunahme ist zu zwei Dritteln durch die vermehrte Einfuhr vonOpium verursacht. Verlammlungen. Protestversammlung der Arbeiter der Englischen Gasanstalten Berlins und Umgegend. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Arbeiter der Englischen Gasanstalten fand am Montag, den 6. d. M.. im„Meßpalast" statt. Die Versammlung befaßte sich hauptsächlich mit den Zuständen im Gaswerke Oberspree. Das Gaswerk Oberspree, bekanntlich eine Tochtergesellschaft der I- C. G. A. in Berlin, versorgt die Vororte Ober- Schöneweide. Friedrichsfelde. Karlshorst. Adlershof usw. mit Gas. Die Arbeiter des Gaswerkes Oberspree hatten sich seit circa einem Jahre dem Verbände der in Gemeindebetrieben beschäftigten Arbeiter angeschlossen. Die Organisation, welche in den übrigen Betrieben der Englischen Gasanstalten anerkannt und auch eine Reihe von Vorteilen für die Arbeiter erzielt hat. scheint nun dem Dirigenten des Gaswerkes Oberspree, dem Herrn Inspektor Prinz, ein Don, im Auge zu sein. Der Reserent. Kollege D, t t m e r, war in der Lage. so zahlreiches Material über Mißstände in diesem Betriebe ans Tageslicht zu fördern, daß die Arbeiterfreuiwlichkeit dieses Herrn in einem sonderbaren Lichte erschien. Aus der langen Reihe sei nur angeführt, daß Kollegen, die nur irgendwelche Thätiakeit stir die Organisation entfalteten, bald so gestellt wurden, dag ihnen nichts weiter übrig blieb, als sich ander» wärts Arbeit zu suchen. Entlassungen wegen der geringsten Kleinigkeiten sino an der Tagesordnung. Hand in Hand damit geht eine Arbeitsüberlastung, besonders der Betriebsarbeiter,>vie sie nicht schliinmer sein kann. Hierzu kommt noch, daß die Löhne trotz der : Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. VerlagSanstalt erhöhten Leistungen der Betriebsarbeiter bedeutend niedriger find als in Berlin. Bezeichnend für die Arbeiterfreundlichkeit dieses Herrn ist, daß eine seiner ersten Verfügungen die war, den Lohn der Arbeiter, der damals 3,59 M. pro Tag betrug, auf 3 M. herabzusetzen. Einem Kollegen, den, wegen einer kleinen Nachlässigkeit ein voller Tagelohn abgezogen wurde, erklärte er einfach:„Wenn die Direktion Ihnen gleich den Tag bewilligt, ich bezahle ihn doch nicht." Laut Verfügung der Direktion wird bei militärischen Hebungen der halbe Wochenlohn weitergezahlt. Herr Prinz entzog dem Kollegen Temlitz diese Unterstützung, während andre dieselbe bezogen. Neuerdings giebt er sich redliche Mühe, neu eintretende Arbeiter der Organisation fernzuhalten. Während nun auf der einen Seite die Anspannung der Arbeitskrast die ärgste ist, lassen andrerseits die hygienischen Einrichtungen alles zu wünschen übrig, Bade- und Speiseräume sind völlig unzureichend und befinden sich in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottet. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Die heute am 6. Juni 1994 im Meßpalast, Alexandrinen- straße 119 zahlreich versammelten Arbeiter der I. C. G. A. pro- testieren ganz energisch gegen das inhumane Vorgehen des Herrn Prinz. Sie sind der Meinung, daß die Arbeiter in Ober-Schöneweide zur Zeit überanstrengt werden und daß es nicht im Interesse der Direktion liegen kann, wenn einzelne untere Vorgesetzte in einer Weise selbstherrlich vorgehen gegen die Arbeiter, wie das in letzter Zeit in Ober-Schöneweide aeschiebt. Die Englischen Gasarbeiter sämtlicher Betriebe sprechen den Kollegen von Ober-Schöneweide ihre vollste Sympathie aus und erwarten von der Direktion eine baldige Beseitigung der diversen Mißstände. Sie appellieren an die Gemeindevertretungen der betreffenden Orte, welche Gas von den englischen Anstalten beziehen und er- warten, daß auch fie ihren Einfluß geltend machen, damit den Arbeitern, welche doch Bürger und Steuerzahler sind, Gerechtigkeit widerfährt und man ihren berechtigten Wünschen mehr als bisher entgegenkomint. Die Versammlung ersucht das Ortsbureau, diese Resolution an die Direktion des Gaswerks Oberspree, ferner an Herrn Prinz. sowie an die Gemeindevertreter der betreffenden Orte zu senden. Einer scharfen Kritik wurde auch das Strafwesen unterzogen, welches sich vielfach in Händen von Unterbeamten befindet, die in keiner Weise die nötige Objektivität besitzen, um gerecht zu urteilen. Die Entlassung des Kollegen Wiesender warf ein eigentümliches Licht auf diese Zustände. Mit Entrüstung nahm die Versammlung von einem Ausspruch des Magazin-Verwalters Peplinski Kenntnis. Der Herr gab einem Arbeiter, der sich weigerte, ihn bei seinen Bureau- arbeiten zu helfen, weil er nach der anstrengenden Arbeit des Tages zu erschöpft war, den guten Rat,„arbeiten Sie, bis Sie umfallen". Mit einem Mahnruf zur Organisation schloß die Versammlung. Erklärung: Bezugnehmend auf den Versammlungsbericht der Glaserorganisatton in Nr. 96 des„Vorwärts" erklärt Unter« zeichneter, daß es mir ferngelegen hat, die Organisation der Glaser» gehilfen zu schädigen. Wenn meine Aeußerungen bei den ftaglichen Verhandlungen zu Mißverständnissen geführt haben, so bedauere ich das aufs lebhafteste. Karl Scholz, Glasermeister, Wrangelstr. 119. Letzte JVaebnebten und Depefeben. Neuer Truppentransport nach Südwestaftika. Hamburg, 7. Juni./, Uhr abends statt. Geöffnet:? Nhr. Zl. B. Die Mutter kann an das Vormundschastsgericht(Amtsgericht) den Antrag richten, den Vormund zur Anstrengung der Alimentenklage an- zuhalten. Sie kann aber auch für die verflossene Zeit aus eignem Rechte aus Zahlung(Erstattung) klagen.— Kirchenalistritt und Reichs. Zwecks iiluswittes aus der Kirche richten Sie an das Amtsgericht Ihres Wohnorts (also in Berlin Grunerstrage) die Mitteilung, dag Sie aus der Landeskirche austreten wollen. Innerhalb vier bis sechs Wochen nach Eingang der Mit- teilung bei Gericht finden Sie sich— ohne Ladung erhalten zu haben— aus dem Amtsgericht ein und geben dort Ihren Austritt zu Protokoll. Der Austritt belvirkt an Kosten: 3 M. iilccordlohn für das Gericht, Schreib- gebühren und'Auslagen etwa 50 Ps. bis 1 M. und, salls Sie Ausfertigung Ihres Austrittes haben wollen, abermals 3 M. Der Austritt gilt nur für den Austretende», nicht für seinen Gatten oder Kinder. Diese müssen (Kinder nach zurückgelegtem 14. Lebensjahre) denselben Weg gehen.— — 9)1. H. 38. Solche Vorschrift einer Fabrikordnung ist zulässig.— H. M. 133. Dem vor 1900 gebornen außerehelichem Kinde stand im Gebiet des Landrechts das sogenannte gesetzliche Erbrecht zu, d. h. es erbte mit, wenn weder ein Testament errichtet war noch eheliche Kinder hinter« lassen ivaren. Seit 1900 erbt auch das vor 1900 gcbornc außereheliche Kind selbst nicht mehr in diesem beschränkten Umfang mit. — G. 13. Eine zweite Heirat ist dann strasbar, ivcnn die erste Ehe weder durch Tod noch durch Todeserklärung des andren Gatten, noch durch gericht- liches Urteil getrennt ist. Die Straslhat nennt man Bigamie. Eine Ver- lobung eines Gatten mit einem andern als dem von ihm Geheirateten ist rechtlich wirkungslos, aber nicht strasbar. Jntinicn Verkehr mit einem andern als dem standesamtlich angetrauten Gatten nennt man Ehebruch. Ehebruch ist dann strafbar, wenn wegen des Ehebruchs die Ehe geschieden und von dem strasloseu Gatten Strasantrag gestellt ist.— Sphinx. Bc- austragen Sie einen Rechtskonsulenten, so haben Sie außer den Kosten Ihres Anwalts dessen Kosten zu wagen. DaS Gericht legt in der Regel der unterliegenden Partei die Konsulentenkosten nicht aus. So steht es auch in Ihrem Falle.— W. W. 1. u. 2. Ja. — Seite 9. Nein: die Kündigung einer Wohnung, eines möblierte» Zimmers, einer Schlasstelle usw. ist, falls der Mietszins nach Monaten bemessen ist(also sowohl bei halbmonatlich wie bei monatlich zu zahlender Miete) bis am 1ö. zum Ersten(nicht umgekehrt) auszusprechen. Ist die Miete aus Wochen bemessen, so ist spätestens am ersten Werktag der Woche zum Wochenschluß zu kündigen. Ist eine andre Kündigungssrist vereinbart, so gilt diese.— T. 19. Sie müssen von neuem um eine Konzession einkommen. — E. B. 98. Die Witwe soll sich zunächst vom Vormundschastsgericht einen Auseinandersetzungsschein geben lassen. Ferner bedarf sie ihren Ge» burtsschein und die Sterbe-Urkunde des Mannes. Der Bräutigam muß das mit Rechtswast versehene Urteil, seine Militärpapiere und seine Geburts« Urkunde zwecks Trauung haben. Will der Geschiedene etwa, weil die Ehe wegen Ehebruchs gewennt ist, zwecks Umgehung des Eheverbots die Ehe ohne Dispens im Auslande schließen, so läuft die ihm dort Angetraute und deren spätere Kinder Gefahr, daß diese Ehe in Deutschland nicht als gültig erachtet wird. — Gart Spandau. Sie haben nach Ihrer Darlegung bis spätestens am 1. Januar 190S zu zahlen.— R. G. A. 199. Nein. Die Beteiligung eines Stadtverordneten an einer Submission ist kein Grund zur Ansechtung seiner Wahl. Der Vorfall selbst kann von den andren Stadtvätern nach Maßgabe der dortigen Geschästsordnung zur Sprache gebracht werden. — F. N. 1874. Die Denaturicrung des Spiritus zwecks Steuerbefreiung ist vorgeschrieben. Welches Mittel der Denaturicrung Sie wählen wollen, haben Sie zu bestimmen.— B. S. 17. In Erbschastsaugelegenheiten läßt sich nicht eine Erbschaftssragc, losgelöst von der Gcsamlregulierimg, beurteilen. Um Ihnen mitteile» zu können, welche Rechte dem Einzelnen zustehen, müssen Sie angeben: Wann hat der Vater die Ehe geschlossen? Wo(in der Ätark Brandenburg)? Fand Erbschaststcilung vor seiner zweiten Heirat statt? Liegt ein Testament vor? Wann ist der Vater verstorben? Hat ge- richtlichc Erbrcgulierung stattgesunden? Befinden sich unter den Erben Minderjährige? Für den Inhalt der Inserate iiberiiimint die Redaktion dem Pudlikiiin gegenüber keinerlei Aerantworttnig. Hkeater. von Sa- dcr der Mittwoch, den 8. Juni. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Der Barbier Sevilla. ReueS Opern-Theater. Baccaccio. Deutsches. Monna Vanna. Berliner. Der jüngste Lieutenant. Sessiug. Zapfenstreich. Belle-Alliauee. Kam rad Lehmann. Ansang 8 Uhr. Weste». Im bunten Rock. Schiller O.(Wallner- Theater.) Pauline. Schiller Zs.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Das Heiratsnest. Neues. Einen Jux will er sich machen. Kleines. Märtyrer. LiebeSIräume. Don Carlos- Parodie. Sere- nissimuS-ZwischensPicle. Refidenz. Die 300 Tage. Gentral. Der Raub der binerinnen. Earl Weiß. Das Geheimnis alten Mamsell. Gebr. Herrnfeld. Gastspiel Tegernseer. Der Musterhof. Metrvpol. Ein tolles Jahr. Winter-Garte». Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stetttner Sänger. Pafiage-Theater. Specialitäten. Urania. Dniibenstraße 48/49. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Jnvalidenstraße 57/6«. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr.__ Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sieh machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Einen lux will er»ich machen.__ Ceniral-Theater. Mittwoch 8 Uhr: Gastspiel I o s e s i n e D o r a und Emil Richard, kgl. Hosschauspieler: ver ktaud Uer Sabinerinnen. Schwank in 4 tzlufz. von Schönthan. Donnerstag: lsailame Bonivard. Freitag, Sonnabend: Papageno ROknz-Wiitn Heute und folgende Tage: Abends 8 Uhr: Die ZW Tag Schwank in 3 Akten von Paul Geiz und Robert Charvcy. Deutsch von Alfred Halm. e. cvault Kleines Theater. Unter den Linde» 44. KUärtyrer. Liebesträume. Don Carlos-Parodie. Serenissimus-Zwischenspiele. Anfang 8 Uhr. Morgen: KachtasyL_ Metropol-Theater Der irösste Erlolg dieses Jahres: Qr. dramatisch-satirische Kevue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Fröbels Ällerlei-Thealer fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Orosser Sondcr-Abend. Konzert, Theater u. Specialitäten. Elternlos. Volksstück in 3 Akten von Koch. .Extrataaai. Tanzlehrer Hoppe. Ansang i'l, Uhr. Eintritt 30 Ps. Scliiller-Tlieater. 8chlller-Thcater M. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Na« Hvlratsnest. «cblller-l'Iieatvr O. (Wallner-Thcater). Mittwochabend 8 Uhr: Paulinc. Berliner Komödie in drei Akten von Georg Hirschseid. Donnerstagabend 3 Uhr: Pin unbeschriebenes Blatt. Freitagabend 8 Uhr: i�aalla«. Donnerstagabend 8 Uhr: Das Helratsnest. Freitagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Im Garten täglich gr. Militär-Konzert. Zehdenick. Zu dem am 26, b. A stattfindenden Provinzial-Sänaer-yest ersucht unterzeichnetes Komitee blC(Ulf �TCtQUQttiei" tierenben Sangesbrüber, m spätestens m 19.&. ms. beim Sangesbruder ljerm. LpHUgör, Schlensenjlmße 15a, zu melden. Rege Inanspruchnahme erwünscht. I. A.: Dastav Klammer, Damhastraste 19. Ztzahrverbindung: Abfahrt Stettiner Bahnhos vorm. 5 Uhr SO Min., 10 Uhr SO Mm., nachm. 3 Uhr 36 Min., 6 Uhr, 10 Uhr 20 Min.[16/6* " Max Kliem's Sommer- Theater" Hasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. läglieh; Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommcrfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Dag. BV Die Kaffecküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand ec. In den Stilen: Grosser Ball. imuuiu1 Hasenheide 108/114. Arnold Scholz. Kene Welt Jede» Mittwoch: ! � Grosses Kinder-Treuden-Test r*!! ' verbünd, mit Bonbonregeu, Fackelpolonaise u. Gratiöverlosung.!! 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Täglleli: Theater- und cii Volksbelustigungen. Im Saale: H.4U,Q. Zum Schluß: Serliner Konfehtionensen. Große Gesangsposse in 2 Bildeni. Entree 30 Ps. Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Witar-Loppkt-Zteert. Eintritt 1 M., ab 6 Uhr abends 59 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. _ In der Arena: Ranbtler- Schule. Vorstellungen: tägl.'/,6 u. 7Uhr. Eintritt 30 Pf., Kinder d. Hälfte. f. ir. Heute abend 8 Uhr: IbseMeds- Vorstellung der Tegernseer: v An Wsterhüs. Bahr. Volksstück mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern von R. Manz. Von morgen, den 9. ab bis An sang'August bleibt das Theater ge schlössen._ Carl Weiss-Theater. Große Franlsurterstr. 132. Das Geheimnis der alten Mamsell. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Im Garte»: Erstes großes Kinder Freudenfest. Theater u. Specialitäten. U. a.: Auto-Atlas hebt ein 16 Centtier schweres Automobil mit den Zähnen. Ansang ö'l, Uhr._ Passap-Theater. Auf. Sonntag 3, Wochentags 5 Uhr, Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. 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Harris, Krastjonglenr. The Jarrey.— Ulpts.— langbe. Ball, Konzert, Speciahtät. Ansang 4 Uhr. Eintr.30Ps.Num. PI. SOPf. Jßützowsir. 111/112. T ö g 1 1 c h im Karten oder 8aal: Vorsts Korddeutsche Kumoristen und Quartett»Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sons baden Gültigkeit. Programm. Mason u. Fordes, amerik. Excentrics Clement Lion, Zauberkünstler. Lydia Dobranow, Feuertäuzerin. Professor Maboul, kom. Jongleur. Perzinas dressierte Affen. Gebrüder Schwarz, Pprodisten. Will Mora, Keckkünstler. Heloise Titcomb, sängenn Die 4 Milans, Kraftnummer. Neiss-Familie, akrobatischer Akt. Castor Watt, Verwandlungskünstler. ..Carnevalsgeister", Ballett. Biograph. Relchshallen er Sänger. N e u I Piefke bei Bater Philipp. �is5en3iee;Lctalx iass�rconafahrräder *ie besten ztullifl'stensind« Neue elegante Halbrenner 57, 60, 65, 68 M. mit einjähriger Garantie; mit Freilauf 2,90 M. mehr. Lauf decken 3,00, 3,50, 4,50. Luftschläuche 1,75, 2,50. Pedale 0,90. Ketten 1,00. Acetylen- laternen 1,00. 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Juni, ver- starb nach langem Leiden unser Mitglied Emil Kuba. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet vom Krankenhause am Urban aus heute Mittwoch, abends 6 Uhr, aus dem St. Gcorgen-Kirchhos in Neu-Weißensee, Röhlkesttaße, statt. Abfahrt vom Krankenhause 4-,. Uhr. 141/14 Der Vorstand. Am 3. Juni, nachmittags 5 Uhr, verschied nach langen, schweren Leiden im Krankenhause am Urban unser guter Zimmerherr, der Tischler Emil Kuba im 44. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten seine Wirtsleute Hanl Havemann und Frau. Die Beerdigung findet am Mitt- wochnachmittag 41/, Uhr vom Krankenhause am Urban auS statt. Die Beerdigung aus dem Fried- hose in Neu-Weißensee um 6 Uhr. Ich ersuche die werten Kollegen und Freunde, sich an der Beerdi- gung ihres teueren Kollegen recht zahlreich zu beteiligen. 1820b Centrai-Kranken- u. Sterbekasse der deutsehen Wagenbauer, Berlin III. Am Sonntag, den 5. Juni, ver- starb unser langjähriges Mitglied Ubreedt Keidel am Gehirnschlag. Ehre seinem Andenken> Die Beerdigung findet Mtttvoch, den 8. Juni, nachmittags 5 Uhr, vom städtischen Krankenhause in Moabit aus nach dem Dankes- Kirchhos(Reinickendorf, Blanke- straße) statt. 1811b Um zahlreiche BeteUigung bittet _ Die Ortsverwaltung. Centraiverband der Handels-, Transport- u. Verkehrsarteiter Deutschlands. Hierdurch den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege luguZt Gronau verstorben ist, Die Beerdigmig findet heute Mttwoch, den 8. Juni, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des HeiligenKreuz-Kirchhoses, Marien- dorf, Kirchhosstraße. aus statt. 68/7 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Berlin I. jWnstliehe Zähne, plo�,"° Karl«oerlnger, Dentist, N.,eichendorttstr.21,srüherBrunnenftr. mmi-Sj- Olga Jaooton,.SÄ n. Moabit, Emdenerotr. SS. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Mittwoch, den 8. Juni, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer Nr. 15: Versammlung der Einsetzer.. Tagesordnung: Wollen die Einsetzer tarifliche Vereinbarungen? Jeder Einset-er ist verpflichtet zu erscheinen. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. 85/13* Die Ortsverwaltnng. Friedrichsfelde. Donnerstag, de» i». Juni liUtt, abends 8'l2 Uhr. bei Haberland, Wilhelmstr. 38: DezirKs-Uersammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wesha über„Kranlenlassen-Versichcrung-. 2. Diskussion. 3. Wahlen. 4. VerbandS-Mgelcgenhciten. Es Ist Pflicht, In dieser Versaininliing zn erscheinen. Gäste, Mitglieder der Fricdrichsfeldcr Ortstasse, willkommen. Dr. Simmel, Specialarzt für[8/3* Haut- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12 2—4. Dr. Schünemann Sp«ialarzt für Haut-, Harn- und Jsranenleide», Seydelstr. 9. Wochentags-/.ES--,,».-,.«-',,8. S tephdecken kaust man am preiswertesten nur direkt in der Fabrik, 72 Wall» ftraste72, wo auch alt« Steppdeiken aufgearbeitet werden. S. Etrohmandel, Berlin 14. Illustrierter Preiskatalog gratis. Achtung! Achtung! Donnerstag, den 9. Juni 1904, abends SVa Uhr: Uolks- Uersammlnug für die Fraueu und Männer von Schöneberg im Obstschen Lokale, Meiningerstr. 8. Tages-Ordnung: 1. Der Wortbruch der Schöneberger Bäckermeister und welches Interesse hat die konsumierende Bevölke- rung daran? Referent: ßfilZSCllOltl, Leiter des CentralverbandeS der Bäcker (Filiale Berlin).. 2. Freie Aussprache. Namentlich die verehrten Hausfrauen sind zu dieser Versammlung herzlich eingeladen. Der Vorstand des Verbandes der Väcker und Kerufs- genossen Deutschlands iMitgliedschast Derlin). Bureau: RosenthalerHof, Rosenthalerstr. II/IS. Telephon Amt III, 2438. Eillale Berlin. Sonntag, den 12. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: Mitglieder-Uersammlnng TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Streilsonds. 2. Urabstimmung zur Arbeitslosen- Unterstützung. 3. Verbandsangelegenheiten. AM- Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. 54/14__ Der Vorstand._ Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 18, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3308. Donnerstag, den 9. Juni er., abends 7 Uhr, im Get»erkschaftSb«ms«,> Engel-Ufer 15, großer Saal: Versammlung der Former und Giesserei-Arbeiter. Tages-Ordnung: 1.„Die Lohn- und Zlrbeitsverhältnisfe der Former und Giesterei- Arbeiter Teutschlands*. Referent: Kollege Hermann Zernickc.— 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegcnheiten. Kollegen! In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 118/7 Die Drtsverwaltnng. t» WillH« Bureau; Berlin C. 54, Dragonerstr. 15, Hos Part. Telephon Aint III, Str. 5028. Freitag, den 10. d. M» abends 8-/, Uhr, bei Barl Patt» Dragonerstr. 13: Delegierten-Wersammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Kartell-Angelegenheiten. 220/11» Das Erscheinen sämtlicher Delegierten ist dringend erforderlich. Der Ausschuß. Charlottenburg, Watlstr. 1. F. Kunstmann, 52402* Ohren U. Goldwaren. Grosse AnswabUn modernen Zimmer-Uhren. Reparaturen sorgtältig, schnell, billigst. Bäckerstreik! Mcitn«9 Woiitos Ihr ipsfrimra! Unterstützt die streikenden Bäckerei-Arbeiter in ihrem schweren Kampfe zur Erringung menschenwürdiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Kaust nur Brot und andre Backwaren aus den Bäckereien, in welchen unsre bescheidenen Forderungen erfüllt werden. Mr dort sind die Forderungen bewilligt, wo die mit dem Stemnel des Verbandes der Bäcker, BUtgliedschaft Berlin, und der Untersekrift: Kart Hichschotb. Kchnthlllerllrcht 11-12 versehenen Plakate aushängen. Wir bitten das geehrte Publikum, streng auf obiges zu achten, da von vielen Bäckermeistern versucht wird, durch Aushängen von naek» geahmten und gejälschten SHakaten die Bevölkerung zu täuschen und irrezuführen. Wir appellieren an das Rechtsgefühl des Brot konsumierenden Publikums,< diese Versuche der Täuschung, die von den Bäckermeistern Unternommenwerden, zu nichte zu machen. Vir hoffen, dass nns die Bevölkerung aneh ferner wie bisher in nnserrn berechtigten Kampfe unterstützen wird! Wir machen das verehrte Publikum darauf aufmerksam, daß eme ganze Reihe Bäckermeister und Händler die Forderungen entweder zurück- ziehen oder durchbrechen. Wir haben daher diesen Leuten unsre Plakate. entzogen. Viele Meister nehmen, durch die Innungen scharf gemacht, unsre?takate ans den Tenstem und machen den Kunden gegen« über allerhand Ausreden. Bäckermeister, die ihre Bewilligungen zurückgezogen haben oder denen die Plakate von nns entzogen stnd: Hoablt. B. Ratzkl, Emdencrstr. 50. Th. Neumann, Oldenburgerstr. 12. P. Warzynack, Lchrterstr. 31. G. Raufock, Ouitzowstr. 190. Hugo Berg, Oldenburgerstr. 23. Wllh. Knetsch, Lübeckerftr. 24. Bodenstcin, Wilhelmshavenerstt. 12. Wllh. Godt, Emdenerstr. 54. Wilh. Ballin, Stromstr. 55. H.Sch»ielz«r,WiIhelmshavcncrstr.3S. Rnd. Giesmann, Oldenburgerstr. 8. G. Klimpke, Ouitzowstr. 125. Osten t E. Weber, Breslauerstr. 11. Karl Opalke. Frankfurter Allee 80. Angust Hoffmann, Petersburger- strotze 38. Tedlatscheck, Blumenstr. 64. Franke, Koppenstr. 20. Larisch, Landsberger Allee 37. Bruckner, Ebcrtystr. 52. R. Heft. Koppenstr. 70. Jericho, Büschingstr. 17. Knüpfer. Wcberstratze 1/2. W. Schlick, Gr. Franksurtcrstr. 38. P. Gentzmann, Watzmannstt. 20. G. Drescher, Lebuserstr. 2. Heinr. Bnschner, Wcberstr. 52. P. Kretschmer, Gr. Jranksurterst. 74. A. Ladahn, Wcberstr. 30. H. Wendland, Grüner Reg 88. Krawezcwski, Weberstr. 47. Gichsc, Landsberger Allee 8. Karl Heide. Andrcasstr. 51. Günther. Grüner Weg 27. W. Ernst, Löwestr. 18. Engel. Hausburgstt. 12. Mehl, Hausburgftr. 5. Klose, Weidenweg 74. Hoffmann, Gubcnerstr. 61. Meinhard, Pinffchstr. 13. K. Haak, Gr. Frankfurterstr. Gclhos, Eothemusstr. 16. Lieseberg, Elbingerstr. 13. I. Grosch. Mehncrstr. 11. Wodke, Äarnimstr. 42. Werniike. Alsiterstr. 23. Klanfing, Ebelingstr. 10. Dzininan, Höchstestr. 11. Dzininan, Barnimstr. 35. Papke, Franffurter Allee 40. 110. W. Rinsch, Waldstr. 7. H. Liedke, Stephanstr. 51. Georg Hein, Jagowstr. 20. Karl Schwarz, Havelbergerstr. 24. Franz Bauch, Lubeckerstr. 52. Franz Metcte, Bandelstr. 27. Rob. Praeger, Bandelstr. 36. Adolf Reisewih, Wiclcsstr. 27. Ferd. Pfeiffer, Pcrlebergerstr. 44. Herm. Koller, Bredowstr. 43. Hugo Hildebrandt. Birkenstr. 12. Wilh. Schulz, Gotzkowskystt. 10. I. Auster, Waldenserstr. 41. «flflesten. I. Ktnzel, Wrangelstr. 25. C. Töpfer, MuSkauerstr. 11. E, Hampel, Eisenbahnstr. 13. F. Haupt, Eisenbahnstr. 3. E. Kaiser. MuSkauerstr. 54. C. KrzanowSky, Lausitzer Platz IS. R. Clans, Waldcmarstr. 76. F. Werner. Pücklerstr. 23. P. Gabler. MuSkauerstr. 13. F. Gillard. Manteuffelstr. 19. C. Hoffmann. Manteuffelstr. 11. A. Stresow, Wrangelstr. 126. A. Wohler, Wrangelstr. 9. C. Laudahn. Köpnickerstr. 172. R. Heide, Görlitzer User 2. E. Hübner. Eisenbahnstr. 31. G. Nagel. Pücklerstr. 8. Fiedler, Schlesischestr. 23. Bardnhn, Naunynstr. 40. „ Markthalle Pücklersiratze, 3 Stände: Nr. 204, 205, 206. Lerche, Waldcmarstr. 62. C. Schulz, MuSkauerstr. 34. „„ Kottbuser User 59. Nicolas, Wienerstr. 66. STorden, W. Senft. Schwedterstr. 21. Schliephake, Husfitenstr. 64. Unkrodt. Ackerstr. 70. Wittstock. Usedomstr. 12s._ Ernst Schruttke, Linienstr. 192. Hofrichter, Strelitzsrstr. 15. Wippich, Lortzmgstr. 6. G. Wittenhageu. Scharnhorststr. 35. N. Schulz, Lottumstr. 13a. Wöhlcrt» Franseckistt. 7. Andreas Mufiol, Alt-Moabit 42. M. Paah, Zwinglistt. 22. Ferd. Dürre, Turmstr. 62. Franz Weinrich, Bcusselstr. 87. Georg Holländer, Wilsnackerstt. 37. Hirschberg, Zinzendorsstr. 8. Fr.Kölkcriü,Wilhelmshavcnersk.33c!. Adolf Kläden, Bredowstr. 12. Dh. Gusig, Oldenburgerstr. 12. Hubert Manz, Bcusselstt. 7. Kummcran, Alt-Moabit 87. Schink. Kirchstr. 14. Schönbrodt, Gotzkowskystr. 23. P. Kaschel, KreisSwalderftr. 29. Beetz, Heinersdorserstr. 27. Springer, Wattstr. 10. Lewin, Neue Königstr. 5. , Woldenbergerstt. 22. Winsstr. 11. Winkler, Dunckerstr. 23. Verweigarl die Herausgabe unsres Plakats. Marquardt, Lynarstr. 1. Schmidt, Stolpischestr. 4. Badke,. 64. Lud. Hinzpeter. Gartenstr. 100. Künzl, Fehrbcllinerstr. 35. Reumann, Ackerstr. 133. Westen. E. Breitkopf, Mö-kernstt. III. Niemitz, Kochstr. 38. Rühlow,, 48 Berger, Schützenstr. 64. Lehmann, Teltowerstr. 38. Benz.. 40. Lucascewskt, Möckernstr. 110. Walter. Körnerstr. 11. A. Rohrlock. Kirchbachstr. 5. Krak. Gleditschstr. 29. Specht, Puttkamerstr. 20. Sflden. Böhme, Schleiermacherstr. 11. Jaenicke, Rttterstr. 40 u. Breitestr. 20. H. Geier, Hollmannstr. 7. Karl Wagner, Schenkendorsstr. 4. Kühn, Chamiffoplatz 6. Albert Koch. Skalitzerstr. 19. G. Kindermann, Dresdenerstt. 131. Gustav Wenzel, Kottbuserstr. 21. I. Rutnlck, Reichenbergerstt. 185. Rummler,, 71. Mar Schönefeld, DreSdenerstr. 54. E. Elias.. 90. Otto Bethke,. 64. Nk. Barthan, Wasserthorstr. 12. Otto Bödewig,„ 71. A. Weiner, Wasserthorstr. 49. W. Struck,. 38. S. Liesegang, Prinzenstr. 75. auer,» 38. G. Kretschmer,, 29. H. Trappe, Riterstr. 15. Boley, Hasenheide 69. A. Helbing, Zeughosstr. 8. Joh. Wendtcke, Brandenburgstt. 6. W. Rex, Prinzenstr. 112. Schmidt, Prinzenstr. 10. P. Przybhla. HagelSbergerstr. 29. Otto, Sebastianstr. 82. Fr. Gronemann, Alte Jakobstr. 120s. Bohl, Markgrasenstr. 3. Dehmelt, Bärwaldstr. 47. Micheli. Nostizstratze 49. Ncubarth, Urbanstr. 1. Bockisch. Nostizstr. 9. Adolf Schulz, Gräsestr. 19. A. Roül. Kottbuser User 62a. A. Becker, Brandenburgstt. 21. Kuhrt, Fidicinstratze 6. Doebelt, Willibald Alexisstratz« 17 Billing. Urbanstr. 104. Centrnm. E. Thede, Auguststt. 22. Fr. Hoest. Brüderstt. 36. Mahlendorf, Grenadierstt. 34. Karl Bogler, Auguststt. 54. Otto Trumpf, Gipsstt. 17. M. Gruneberg, Burgsttatze 14. Bernhard Danner, Kaiserstt. 18. Gustav Scheurel, Kaiserstt. 46. Schöppc, Grunerstr. 27. Löfsler, Steinstt. 22. A. Zinke. Lmienstt. 120. Wohlgezogen, Lmienstt. 4. Schumann, Linienstt. 11. Panneberg, Keibelstr. 5. Sohtfneberg. Karl Krusche, Sedanstt. 61. Meterwald. Apostel PauluSstt. 15. Schalter, Bahnstt. 17. Wetze, Barbaroffastt. 78. Reizig, Grunewaldstt. 47. Pommerenke, Winlerseldtstt. 20. Bruno Rudolf, Gleditschstt. 3. Madel. Winterseldtftt. 5-6. E. Hanke, Frankenstt. 2. O. Schubert, Goltzftr. 13a. K. Schöppe, Grunewaldstt. 114. M. Böhling, EberSstt. 42. H. Wermke, Ebersstt. 14. G. Bub. Helmstt. 2. N. Schwemmlein, Bahnstt. 47. G. Glaubitz, Coburgcrstt. 7. Fischer. Hauptstt. 102/103. M. Gebhard, Siegsricdstr. 10. Pospich, Hohensriedbergstt. 16. Fach, Brunhildstr. 9. I. Lehmann, Sedanstt. 6. P. Kindermann, Sedanstt. 30. L. Johannes, Sedanstt. 32. Vhnrlvttenhnrg. Peter Eichhorn, Berlinerstr. 50. Hermann Witte, JoachimSthaler- sttatze 39/40. R. Birkholz. Bleibtreustt. 41. Otto Grundmanu, Rosinenstr. 10. Sebald Bänisch, Kaiser Friedrich- sttatze 59. Johann Spitzbart, Pcstalozzistt. 76. Paul Lehmann, Pestalozzistr. 69. H. Schmidt, Knobelsdorssslr. 8. Adolf Daniel. Schlotzstr. 20. Hermann Otto, Spiclhagenstt. 14. Max Bartsch, Holtzendorffstt. 18. F. Walther. Pcstalozzistt. 12. G. ikühne, Weimarerstt. 14. W. Sorries, Christstt. 15. Fritz Moderfohn, Danckelmannst. 12. Albert Heinrich, Bismarckstr. 43. Wilhelm Schloffer, Sophie Char- lottenstr. 99. Wilhelm Tremus. Orangenstt. 4. B. Lück, Spandauerstr. 20. Joseph Schierse, Kaiser Friedrich- sttatze 47. B. Mack, Potsdamerstt. 10 a. arm. Haubold, Stuttgarter-Platz 21. . Eichhorn, Schillerstt. 114. I. Witt, Potsdamerstt. 43. C. Lasse, Wilmersdorserstr. 156. I. Josat, Rosinenstr. 12o. O. Reimann, Schlotzstt. 35. G. Manske, Potsdamerstt. 14. P. Dähne, Sophie Charlotten- sttatze 15s. W. Spiest, Wilmersdorserstr. 66a. W. Gnftke, Wilmersdorserstt. 117. <£. Haase, Florastt. 10. C. Ilhlmann, Kaiser Friedrichstr. E. Klose, Schlüterstt. 12. O» Block, Wilmersdorserstt. 183. O. Geistler, Wilmersdorserstt. 1587 W. Rnckwied, Sophie Charlotten» sttatze 89. C. Wolfs, Friedrich Karlstt. 12. G. Randzio, Wallstr. 24. f. Donner, Christstt. 33. oh. Liebke, Pestalozzistt. 82. aultne Ratzky, Scharrenstt. 8. H. Stief, WUmersdorserstt. 127. Otto Bochmann, Englischestr. 29. K. Krause, Krummestt. 42. I. Lux. Pestalozzistt. 98. Wilde, Rückertstt. 3. Blxdorf. Lehmann, Richardstt. 31/32. Grttnan. A. Enen» Köpnickersttatze. TVeissensee. tütiug, Parkstt. 97. chnetder. Lothrtngerftr. 5. C. Brand, Sedanstt. 52. C. Feldmann, Sedanstt. 28. Rothkegel, Lchderstt. 119. Reinickendorf,. A. Schmidt, Residenz ftt. 48. Uchtenherg. Nagel, Wilhelmstt. 75. Friedrlchsberg. Bruno Kretschmer, Gürtelstr. 27. Friedrich, Wartenbergftt. 2. Rnmnselshnrg. W. Joachim. A. Herls Ww. R. Scholz. P. Seidel. W. Lauge. Pnnkorr. Müller, Mühlenstr. 32. Osterhagen. Breitestr. 15. Harlendorf. Westfahl, Chausseesttatze. Die in der gestrigen Nummer veröffentlichten Bäckermeister, beginnend mit Jos. Wagener. Siegfriedstr. 4 bis Bäckermeister Hettchen, Hauptstr. 8S, sämtlich Schöneberg» sind durch einen Irrtum in die Liste gelangt und stellen wir dieses hiermit richtig. Die StreikleitunA. Sinsen, Kleiderröcke, Unterröcke, hervorragentl schön und billig. Cht' 1 Sl dt sliy; cikrvn�-.M�/ i R 0 in 7ri/iberspree. Station Nicder-Schönewride. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Swger Sc Co., Berlin bw. Hr. 182. 21.|«l)tD(W(. 2. Mk$t Städtische Unterpflasterbahn. Die städtische Verkehrsdeputation hat unter Vorsitz des Ober- bürgermeisters gestern einen für das Verkehrswesen Berlins bedeut- samen Beschlust gefaht. Seit mehreren Jahren beschäftigt die Depu- tation der Plan einer Nord-Süd-Unterpflaster-Schnellbahn. Mit der Priisting und Vorberatung der Traciernng der Linie, der Rentabilitätsberechnung, Feststellung der Wagenfolge, der Fahr- preise sowie der Fahrtdauer war eine Subkommission beaustragt worden. Nach eingehenden Beratungen hat die Kommission gestern der Deputation Bericht erstattet und beantragt, den Gemeindebehörden den Bau der Nord-Südlinie(Seestrahe— Kreuzberg) zu empfehlen. Die Fahrzeit auf der ganzen Linie soll 18 Minuten betragen, wobei 14 Stationen vorgesehen sind. Für je fünf Stationen ist der Fahrpreis in der III. Klasse auf 10 Pf., für die ganze Strecke auf 20 Pf. angesetzt. Die II. Wagen- klasse kostet 16 und 30 Pf. Die Länge der Bahn beträgt 8,34 Kilometer. Die Fahr- geschwindigkeit pro Stunde durchschnittlich 26 Kilometer. Die Kosten der aus Anleihen zu bestreitenden Bahnanlage find auf 60 Millionen Mark veranschlagt. Bei sehr vorsichtiger Schätzung ist neben den Betriebskosten, Rücklagen, Erneuerungsfonds Kapital- Verzinsung und Amortisation gesichert, und ein wenn auch nicht groster Ueberschust zu erwarten. In der sehr eingehenden Besprechung der Verkehrsdeputation fanden das Projekt und die demselben zu Grunde liegenden Pläne und Berechnungen allseitige Zustimmung. Das Resultat der alle Einzelheiten umfassenden Beratung war der einstimmige Be- schlutz der Deputation, den Gemeindebehörden den Bau der Unterpflaster- bahn Nord-Süd zur baldigsten Ausführung zu empfehlen. Anfang September— nach den Ferien— wird voraussichtlich eine entsprechende Magistratsvorlage die Stadtverordneten-Versamnilung beschäftigen und auch dort anstandslos genehmigt werden. Alsdann wird die st a a t l i ch e K o n z e s s i o n, die allem An- schein nach keinem Hindernis begegnen wird, sowie die Bewilligung der Anleihe nachgesucht werden, so dast im nächsten Frühjahr mit dem Bau der Strecke begonnen werden kann. Neben diesem hochwichtigen Gegenstand beschäftigte sich die Deputation damit, ob öffentliche Lösch- und Ladestellen der Stadt auf der Teilstrecke des Teltowkanals auf(der Strecke Britz— Oberspree angelegt werden sollen. Die Deputation beschlotz, von der Anlegung öffentlicher Anlegestellen abzusehen, dagegen die eventuelle Anlegung privater Lösch- und Ladestellen auf Kosten der Unternehmer zu befürworten. Ein Antrag auf Anbringung von Reklameschildern ans den Wagen der Linie Behrenstratze— Treptow wurde abgelehnt. Wegen Verlegung mehrerer Strastenbahn-Haltestellen, die in ihrer jetzigen Anlage eine. Gefährdung der Sicherheit für das Publikum befürchten lassen, soll eine Vorstellung an den Polizeipräsidenten gerichtet werden. Die Verleihung eines danemden Rechts auf eine Tunnelanlage von einen, Grundstück in der Rungestraste nach dem Brandenburger Ufer und auf eine Ausladestelle dortselbst wurde von der Deputation nicht befürwortet. Der Einbau eines Doppelgeleises auf dem neuen UeberführungS- bauwerk des Bahnhofs Gesundbrunnen(Swinemünder Brücke) wurde von der Deputation auf Anfrage empfohlen. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung muhten wegen vorgerückter Zeit vertagt werden, sollen jedoch in einer demnächst stattfindenden Sitzung noch in diesem Monat— vor den Ferien— erledigt werden._ Wer ist der Thäter? Eine nächtliche Gerichtssitzung wurde im Anschluß an einen Lokaltermin in der Nacht zum Dienstag in der Kaserne des Garde- Füfilier-Regiments in der Chausseestrahe abgehalten. Wie wir bereits mitteilten, hatte das Ltriegsgericht der 1. Garde-Jnfanterie- Division darüber zu verhandeln, ob ein bisher unbescholtener Mann, der Füsilier Nahm, in drei Instanzen wegen Diebstahls unschuldig verurteilt worden sei oder nicht. Nach der erfolgten Verurteilung des Nahm sandte der Füsilier Kuropka anonyme Briefe an den Kaiser und 5tronprinzen, in welchen er sich als den Thäter bezeichnete. Kuropka wurde verhaftet, legte ein Geständnis ab und gab eine ge- naue Schilderung darüber, wie er den Diebstahl ausgeführt habe. Später widerrief er das Geständnis. Er befand sich seit April in Untersuchungshaft. In der Verhandlung am vergangenen Freitag hatte derBestohlene, der frühere FüsilierPieckeichagen, wie auch schon in den früheren Terminen gegen Nahm, behauptet, dast er diesen in dev Nacht, in welcher der Diebstahl erfolgte, durch die Stube schleichen und nach seinem Bett habe gehen sehen. Um festzustellen, ob die Angaben Pieckenhagens bezüglich der gemachten Beobachtungen zu- treffend seien, wurde der Termin vertagt und es fand in der Nacht zum Dienstag um 2 Uhr ein Lokaltermin in der Mannschaftsstube 23 der Garde-Füsilier-Kaserne statt. Zu dem Termin waren sämtliche Zeugen geladen. Es wurde zunächst festgestellt, daß das Lichtverhältnis in der Mannschaftsstube un- gefähr dasselbe war, wie in der Nacht, in welcher der Diebstahl stattfand. Die Zeugen Picckenhage» und Diehl mußten sich in die früher von ihnen innegehabten Betten legen. Nahm, Kuropka und einige andre Zeugen entkleideten sich, und nun mußten abwechselnd die Genannten sowie die Mannschaften der Stube diejenige Stellung einnehmen, in welcher Nahm angeblich von Pieckenhagen als der Nachtwandler erkannt worden war. Es wurde hierbei mit peinlicher Genauigkeit vorgegangen. Wiederholentlich erkannte der Zeuge Pieckenhagen die Personen, einmal aber den Nahm nicht. Auch ein zweites Mal erschien ihm Kuropka fremd. Rahm mutzte nun auf den Schemel steigen und sich in sein Bett schwingen, ein zweiter Ver- such wurde gemacht, von dem Schemel Nahms in das Bett des Kuropka zu steigen. Der Zeug« Diehl stellte hierbei fest, daß die Beine in diesem Falle etwas länger sichtbar waren, als in dem vorhergegangenen. Auf Grund dieser Beobachtungen glaubte er annehmen zu können, daß die von ihm beobachtete Person in das Bett des Nahm gestiegen sei. Er hielt auch seine früher gemachte Behauptung aufrecht, daß die Fersen der von ihm gesehenen Füße ihm zugewandt waren. Die betreffende Person hätte demnach, wenn sie in Kuropkas Bett hätte steigen wollen, sich umwenden müssen. Der Lokaltermin dauerte bis V.3 Uhr, und es wurde sodann in die nächtliche Gerichtsverhandlung eingetreten. Diese wurde in dem Gerichtszimmer der Kaserne. wohin sich der Gerichtshof und sämtliche Zeugen begaben, abgehalten. Als erster Zeuge wurde Hauptmann v. Witz leben. Chef der 8. Compagnie, vernommen. Kuropka war nach dem 12. Sep- tember, an welchem Tage der Diebstahl verübt wurde, Bursche beim Zeugen. Er hatte aus der Handschrist der ihm vorgelegten Briefe an den Kaiser und Kronprinzen als Absender Kuropka erkannt, den er sowieso schon im Verdacht hatte, daß er den Diebstahl verübt habe. Zeuge hatte einen Brief vorgefunden, in dem sich jemand. vermutlich der Bruder des Angeklagten, für eine Geldsendung bedankte. In einem zweiten Briefe bat dieselbe Person um eine des.Fswiick" weitere Geldsendung. Hierdurch schon mißtrauisch geworden, kon- trollierte er das Ausgabebuch und fand, daß Kuropka in einem Monat angeblich fünfzehn Liter Petroleum gekauft haben wollte. Es sei aber gänzlich ausgeschlossen, daß er soviel verbrauchen konnte. Kuropka. vom Verhandlungsführer, Kriegsgerichtsrat Dr. M e t s ch k e, befragt, gab zu, an einen Freund einmal 6 M. und einmal 3 M. geschickt zu haben. Dieses Geld hätte er sich er- spart aus dem Menage- und Burschengeld.— Es folgte nunmehr die Vernehmung des Sachverständigen. Stabsarzt Dr. Nikolai, welcher die.Augen des Zeugen Piecken- Hägen untersucht und die Sehschärfe für normal befunden hat. Be- züglich des vorhergegangenen Lokaltermins hielt der Sachverständige die Beleuchtungsverhältnisse für ungefähr die gleichen, wie sie in der Nacht zum 12. September herrschten. Er kam in seinen längeren wissenschaftlichen Ausführungen zu dem Schlutz, daß für Piecken- Hagen in beiden Nächten die gleichen Beobachtungsfähigkeiten vor- Händen gewesen sein dürsten.— Es werden danach nochmals Kuropka und der Zeuge Diehl vernommen.— Der Verteidiger, Justizrat Winterfeld, beantragte, den Vorbeschluß des Gerichtshofes betreffend die Nichtbeeidigung Pieckenhagens auf- zuHeben und diesen, für den Angeklagten wichtigsten Zeugen, zu vereidigen. Dieser Antrag wurde nach längerer Beratung ab- gelehnt.— Es folgten nunmehr die Plaidoyers, bei welchen der Ver- treter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Dr. U l l m a n n, die Ver- setzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes und drei Monate Gefängnis beantragte, während der Verteidiger, Justizrat Winterfeld, für Freisprechung plädierte. Nach längerer Be- ratung erkannte der Gerichtshof auf Schuldig des einfachen Dieb- stahlS, begangen zum Nachteile eines Kameraden, und verurteilte Kuropka nach dem Antrage des Vertreters der Anklage. Als strafverschärfend wurde angesehen vor allen Dingen die frivole Zurücknahme des Geständnisses und das fortgesetzte Leugnen des Angeklagten, der dadurch seine lange Untersuchungshaft selbst ver- schuldet habe. Aus diesem Grunde sei auch von einer Anrechnung der Untersuchungshaft abgesehen worden.— Der Angeklagte erklärte, sich bei diesem Urteil nicht beruhigen zu wollen und legte sofort Berufung ein._ 8. Generalversammlung der Hutarbeiter. Dresden, den 6. Juni. Er st er SitzungStag. Im Saale des Volkshauses tagt zur Zeit die Generalversammlung der Hutarbeitcr, die auf eine sechstägige Dauer berechnet ist. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, dast der Verband gegenwärtig ca. 4000 Mitglieder zählt gegen 2600 zur Zeit der letzten General- Versammlung vor drei Jahren. Die Einnahmen betrugen in der Berichtsperiode 164 644 Mark, denen eine Gesamtausgabe von 48 660 Mark gegenüberstanden, so dast ein Kaffenbestand von 118 377 Mark verblieben ist. Der Verband erstreckt sich auf 42 Filialen, aus denen 39 Delegierte erschienen sind. Vom Vorstande ist Etzold und M a t s ch k e- Altenburg erschienen. Die österreichischen Kollegen lassen sich durch Protraschky-Wien vertreten. Viit den: Verbände direkt verbunden ist eine Kranken- und Invaliden- Zuschustkasse, ebenso eine Franen-Sterbekasse. Nach dem mündlichen Geschäftsbericht des Verbandsvorsitzenden ist es zu austergewöhnlich grohen Kämpfen mit dem Unternehmertum nicht gekommen. In der Regel war es inöglich, entstandene Lohn- und Arbeitsdifferenzen ohne große Schwierigkeiten zur Zustiedenheit der Beteiligten zu erledigen. Daher auch der niedrige Kassenaufwand für Streiks und Maßregelnngen. In der dem Referat folgenden Generaldiskussion werden die Erfolge der Arbeitsnachweise des längeren besprochen. Die Meinung ist darüber, ob paritätische Arbeitsnachweise anzustreben oder die jetzigen selbständigen besser beizubehalten seien, sehr geteilt. Ein großer Teil der Delegierten ist mit den selbständigen Nachweisen nicht zustieden, weil ihre Wirksamkeit viel zu wünschen übrig läßt. Als ein großer Mangel wird es bezeichnet, dast selbst dort, wo sonst die Kollegennachweise gut funktionierten, die Kollegen diese übergehen und einfach bei den Unternehmern auf gut Glück um Arbeit anfragen. Das treffe besonders auf die Saison- arbeiter zu. Ferner äußerte man den Wunsch, daß wieder einige Agitations- touren unternommen werden. Man dürfe diese nicht bloß danach beurteilen, ob sie in jedem Falle neue Mitglieder bringen, sie seien auch geeignet, auf eine geregeltere Geschästsfiihrung in den einzelnen Filialen hinzuwirken. Ebenso sei eS nötig, das Interesse der Mitglieder für die Organisation zu vertiefen. In den meisten Filialen fehle es noch an dem richtigen Geschick, die Agitation erfolgreich und von dauerndem Nutzen zu be- treiben. Auch müsse mehr für die Agitation unter den Frauen gethan werden. Die weiblichen Kollegen würden zu den bedenklichsten Konkurrenten und könnten den Lohn erheblich herab- drücken, wenn ihnen der Gedanke des Gewerkschaftszieles nicht klar gemacht würde. Es sei festgestellt, daß an einzelnen Orten Kolleginnen 20 bis 26 M. Wochenlohn haben und männliche Kollegen mit 13 M. Wochenlohn daneben stünden. Einen größeren Teil der Debatte füllte die Erörterung des Falles Borgmann- Berlin aus. Dieser ist Verbandsmitglied und schuldet dem Verband noch 10000 M. Eine Resolution be- austragt den Vorstand, zur Eintreibung dieses Geldes Schritte zu unternehmen und wird dem B. starke Mißbilligung ausgesprochen. Verbandstag der Schuhmacher. Gestem, am zweiten Verhandlungstage, erstattete Markus- Kassel den Bericht der Mandatsprüfungskommission, aus dem hervorgeht, dast 65 Delegierte anwesend sind. Ferner sind vertreten der Hauptvorstand durch Simon, Reust und Kölke, der AuS- schust durch Haupt- Magdeburg, die Redaktion des„Schuhmacher- Fachblatt" durch Bock- Gotha. Der größte Teil der Sitzung wurde durch die am Schlust des ersten Verhandlungstages begonnene Diskussion_ über interne Vereinsangelegenheiten in Anspruch genommen. Dieser Punkt der Verhandlungen wurde schließlich durch Annahme einer Resolution als erledigt erklärt.— Hierauf trat man in die Debatte über den Vorstandsbericht und den noch nicht erledigten Teil des Ausschuß- berichtS ein. Soweit die Geschäftsführung des Vorstandes kritisiert wurde, handelte eS sich um Wünsche und Beschwerden neben- sächlicher Art. Ein süddeutscher Delegierter wünschte_ unter Hinweis auf die Aussperrung in PirmafenS, dast mit der Taktik gebrochen werde, welche bei Streiks und Aussperrungen die Abreise der Arbeiter vom Streikort verlangt. Diese Taktik habe zur Folge, dast in der Nachbarschaft des Streikortes ein starker Zuzug von Arbeitern stattfinde, wodurch ein ungünstiger Einflutz auf den Arbeitsmarkt in den vom Zuzug betroffenen Orten ausgeübt werde. Bei Gelegenheit der Aussperrung in Pirmasens habe sich dieser Uebelstand in verschiedenen süddeutschen Städten bemerkbar gemacht.— Im Laufe der Debatte ging ein Antrag ein, welcher verlangt, dast der erste Vorsitzende Simon wegen seiner ausgedehnten gewerk- schaftlichen Thätigkeit keine Kandidatur für die politische Partei an- nehmen dürfe.(Simon ist seit Jahren focialdemokratischer Reichstags-Kandidat im Wahlkreise Sangerhausen.) Der Antrag fand keine Unterstützung und kam deshalb gar nicht zur Debatte. berliner partei-)ZngelegenKeiten. Dritter Wahlkreis. Sonntag: Ausflug des Wahlvereins. Näheres am Sonnabend im„Vorwärts". Der Vorstand. Mitwoch, 8. Juni 1904. Charlottenburg. Uebermorgen, Freitag, findet die Wahl im zweiten Bezirk statt. Arbeiter I Parteigenossen! Bietet alles auf, unfern Kandidaten Paul Liebe mit überwältigender Mehrheit ins Stadtparlament zu senden, zeigt den bürgerlichen Ver- tretern der Vorrechte und Privilegien, dast das Volk seine Interessen erkannt hat, dast in diesem vom arbeitenden Volke bewohnten Bezirke die Partei des Volkes, die Socialdemokratie, eine un- erschütterliche Festung besitzt. Deshalb muß jeder Wahlberechtigte an den Wahltisch tteten und seine Stimme für unfern Kandidaten abgeben. Auch alle diejenigen, welche im Juli 1903, zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten, im zweiten Bezirk gewohnt haben, seitdem aber fortgezogen sind, dürfen am Freitag den Weg nicht scheuen, um ihre Stimme abzugeben und den Bezirk als eine Hochburg der Partei zu zeigen. Der Bezirk umfaßt folgende Straßen: Abstimmungsbezirk A: Bismarckstraste 61—61, Danckelmanu- straste 44— 51a, Horstweg, Jägerstratze, Kaiser Friedrichstr. 1—30, Knobelsdorffstr. 1—16 und 44—61, Königsweg, Luisenplatz 6—6, Nehringstr. 7—26, Orangenstraste, Potödamerstr. 31—47, Scharren- stratze 10—29, Schloststr. 14—69, Sophie Charlottenplatz, Stallstratze, Straßen 12o, 12ck, 14a und 14o, Wallstr. 39—58. Wahllokal: Turnhalle der Ober-Realschule. Schloßstr. 27. Abstimmungsbezirk v: Danckelmannstr. 10—17, Knobelsdorff- straste 16—43, Potsdamerstr. 23—30, Sophie Charlottenstr. 34—66 und 68—38, Straste 27a, Sttatze 33. Wahllokal: Turnhalle der Gemeindeschule, Sophie Charlotten- straße 6S-70. AbftimmiingSbezirk C.: Amtsgsrichtsplatz 1 und 2, Bismarck- straste 62—71 und 72a, Friedbergstraße, Holtzendorffttaße, Kaiser Friedrichstr. 31—64, Kantstt. 68—100, Königsweg, Leonhardstraße. Pestalozzistr. 44—63, Rönnestratze, Schillerstr. 63—72, Sophie Charlottenstr. 57—67, Stuttgarterplatz 13—23, Suarezsttatze, Windscheid- straße. Witzleben. Wahllokal: Restaurant„Zum Landsknecht", Ecke Friedbrrgstr. 1 und Leonhardstr. 22. Heute abend findet im Volkshause, Rosinenstt. 3, eine öffentliche Volksversammlung statt, in welcher der Kandidat Paul Liebe eine Ansprache halten wird. Außerdem wird der Reichstagsabgeordnete Genosse Dr. S ü d e k u m in einem Vortrag die Aufgaben der Gemeinden auf socialpoliti- fchem Gebiet erläutern und ihre schmähliche Vernachlässigung durch die Bourgeoisie geitzeln. Parteigenossen I Sorgt dafür, dast die Versammlung zahlreich besucht wird, und dast die Wahl am Freitag einen neuen Triumph für die Partei bildet. Pankow- Nieder-Schönhmisen. In der nächsten Mitglieder-Ver- sammlung des Wahlvereins am Dienstag, den 14. d. M., bei Mierke referiert Genosse Benno Ma atz-Berlin über:„Unser Partei- Programm". Der Verein hat das Programm in den Mitglieds- büchern mitabdrucken lassen. Wilhelmsruh. Die Diskutterabende des Wahlvereins werden jetzt jeden Diensiag nach dem Ersten des Monats, abends 8Va Uhr bei Wilmarodt abgehalten. Lichtenberg. Heute(Mittwoch) finden die Z a h l a b e n d e des Vereins statt. Die Herrenhaus- Reden werden hier kostenlos ver- abfolgt. Der Vorstand. Treptow. Heute Mittwoch, abends Va 9 Uhr: Bezirks-Versammlung bei Schmidt, Kiefholzstr. 22. Vorttag des Stadtverordneten Emil Voigt._ Lokales. Berliner Kurs und Münchener Kursbuch. DaS ReichS-KurSbuch wird von allen Reise-Onkeln als Wunderwerk gepriesen und seine Vorzüge muß daher auch derjenige gelten lassen, der nicht alle Tage auf der Eisenbahn liegt und aus diesem Grunde ziemlich ratlos dasteht, wenn er nach den geheimnis- vollen Zeichen und Ziffern des an die tausend Seiten starken Bandes sich seinen Reiseplan nach Buxtehude oder Berchtesgaden zurecht- legen soll. Auch ein andrer Umstand behagt nicht jedem, nämlich der Preis des Buches, der auf z w e i M a r k bemessen und daher eigentlich nicht billig zu nennen ist. Kurz und gut, das amtliche Reichs-Kursbuch ist für den Mann der Reisewissenschast ein Vade- mecum ohnegleichen, dem Laien hingegen ein Buch mit sieben Siegeln, die zu lösen der teuere Preis von zwei Mark nicht gerade ermutigt. Entschieden praktischer als das Kursbureau des Reichs-Postamts, dem die Redaktion des ReichS-KursbuchS unterstellt ist, faßt die Generaldirektion der bayrischen StaatSbahnen ihre Auf- gäbe auf. Auch sie giebt ein Eisenbahn-Kursbuch heraus, das eben- falls von ganz ansehnlichem Umfange, wenn auch lange nicht so dick ist wie sein gröherer Bruder aus Berlin und dabei den sehr schätz- baren Vorzug hat, nur fünfzig Reichspfennige zu kosten. Und wenn man die Juni- Ausgabe dieses Fünfzigpfennig- Buches durchblättert, so ist man angenehm überrascht von einer über hundert Seiten starken Beigabe, die sich in dem Buche angeheftet findet und gar nichts kostet. Es ist dies das Bayrische Verkehrs- buch, eine wunderhübsch ausgestattete Austnunterung zum Reisen. Das„Bayrische VerkehrSbuch", ein im Selbstverläge des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs in Bayern herausgegebenes Buch. giebt in möglichster Kürze eine anregend geschriebene Schilderung des rechtsrheinischen Bayerns und verbreitet sich eingehend über das Hauptreisegebiet Bayerns, das bayrische Gebirge von Berchtesgaden bis zum Bodensee. Durch genaue und zuverlässige Angaben über Unterkunsts- und Verpflegungs- Verhältnisse in München und im Hochlande, über Ausflüge. Gebirgs- touren, Sportverhältnisse. Sehenswürdigkeiten, besondere örtliche Veranstaltungen aller Art u. a. bietet eS vor allem dem Besucher Münchens und der bayerischen Berge sowie allen denen die mit Beginn der kommenden Sommerferien Bayern als Reiseziel wählen, einen wertvollen Reisebehelf. Gute Karten und Pläne erhöhen seine Brauchbarkeit und zahlreiche Jllustrattonen von Künstlerhand ver- leihen ihm bei sorgfälttgster Ausstattung ein geschmackvolles, gediegenes Aussehen. Die Einleitung enthält beachtenswerte Winke für den Reisenden und insbesondere eine übersichtliche Zusammen- ftellung der fiir den Reiseverkehr nach Bayern wichtigen Fahrpreise mit besonderer Berücksichtigung der Fahrpreise für die von Nord- deutschland und Sachsen ausgehenden Ferien-Sonderzüge, so daß im Zusammenhange mit den Angaben über Unterkunsts- und Ber- pflegungSverhältnisse die Ausstellung eines Voranschlags der Reise- kosten erleichtert wird. Alle diese schönen Dinge sind nach offizieller Darstellung in dem„Bayrischen Verkehrsbuch" enthalten, das dem amtlichen Kurs« buch der bayrischen Staatsbahnen, wie gesagt, ganz umsonst bei« gefügt wird. Es mag ja stimmen, daß ffn diesem und jenem Stück das süddeutsche Verkehrswesen hinter dem preußischen zurücksteht. Aber in Sache» des Kursbuches kann das amtliche Berlin vom amtlichen München lernen, vorausgesetzt, datz eS lernen darf. Denn wer da glaubt, dast das Lernen in Verkehrsangelegenheiten in der borussischen Hauptstadt so einfach ist, der erwägt die vsrkehrs- htndernden Umstände nicht, die hierorts die erste Rove spielen. Abgesehen davon, daß hier die vornehmste Aufgabe eines Post- oder Eisenbahnministers Socialistentötung, Socialistentötung und nochmals Socialistentötnng ist, muß auch bedacht werden, daß nach der Ans- fassung des maßgebenden Junkertums das Reisen beim kleinen Mann und vor allen Dingen beim Arbeiter eine Anmaßung und Standesüberhebung ist, das eingeschränkt aber nicht auch noch durch billige Kursbücher gefördert werden sollte. Aber wenn auch diese patriarchalischen Bedenken schließlich vor dem Zeitgeist kapitulieren sollten und von Amts wegen nach Miinchener Muster ein Fünfzigpfennigs-Kursbuch herausgegeben würde, so stellte sich der Ikachahmung des hübsch mit Landkarten versehenen Verkchrsbuches, der erwähnten Gratisbeigabe, ein Hindernis entgegen, das auch der abenteuerlichste Optimist für unüberwindlich halten wird. Denn der Umschlag dieses Buches ist nach den Grundsätzen der secessionistischen Rinnsteinkunst illustriert, und durch Berühren eines solchen Buches darf ein preußischer Beamter, der seines Amts- eides eingedenk ist, sich ebenso wenig besudeln, wie etwa durch das Lesen des s-s-s„Vorwärts" oder des fft„Simplicissimus". Zur Pflege der Jugendspiele will die städtische Schulverwaltung in den bevorstehenden S o m m e r f e r i e n den Gemeindeschul- lindern wieder die winzige Zahl von Schulhöfen freigeben, die sie für ausreichend hält. Um die Kosten für die Beanssichtigimg der spielenden Kinder durch bezahlte Lehrer und Lehrerinnen, für Beschaffung und Unterhaltung der Spielgcräte usw. zu decken, ist in den Etat für 1904 dieselbe geringe Summe eingestellt worden, wie in den Etat für 1903. In den Erläuterungen des diesjährigen Etats liest man hierüber den wunderlichen Satz:„Wir können den Versuch als geglückt ansehen und wollen daher auf dem betretenen Wege weitergehen; eine Erhöhung des Etatsansatzes wird nicht bc- absichtigt." Man will„aus dem betretenen Wege weitergehen," aber— mehr Geld will man nicht dafür ausgeben. Das ist der „Fortschritt", wie ihn die freisinnige Berliner Kominunalverlvaltung meint. Solange die Schule ihre Pflicht, den Kindern ausreichende Spielgelegenheit zu bieten, nicht erkennt, wird private Bethätigung Ersatz schaffen müssen. Der Arbeiter-Turnverein„Fichte" thut das bereits seit einigen Jahren und hat damit bisher recht schöne Erfolge erzielt. Er veranstaltet im Sommer an den Sonntagen auf mehreren Spielplätzen in und um Berlin Jugendspiele, an denen jedes beliebige Kind teilnehmen darf, sofern es sich unter die Spielenden mischen und sich der Spielordnung unterwerfen ivill. Der Verein„Fichte" wird auch in diesem Jahre wieder seiner frei- willig übernommenen Pflicht nachkommen. Er will wieder die nun bald zu einer ständigen Einrichtung gewordenen Spiele veranstalten und wird diesmal, wie wir hören, am 26. Juni mit ihnen be- ginnen. Wir haben der Schulverwaltung wiederholt empfohlen, sich den Betrieb der„Fichte"-Jugendspiele einmal anzusehen und die auf den Schulhöfen zu veranstaltenden Spiele nach diesem Muster einzurichten. Bisher ist das nicht geschehen. Will die Schulverwaltung das nicht, oder kann sie es nicht? Fehlt es ihr an den geeigneten Personen zur Leitung der Spiele? Dem Turnverein„Fichte", stellt sich eine große Zahl von Mitgliedern beiderlei Geschlechts für diesen Zweck zur Verfügung. Sollte die Lehrerschaft der Schule gegenüber nicht dasselbe können? Man möchte fast auf den Gedanken kommen, daß sich unter den Lehrern und Lehrerinnen nur sehr wenige befinden, die die Befähigung und die Neigung haben, auch außerhalb der Schule sich den Kindern zu widmen. Irren wir nicht, so rechnen sich die Lehrer zu den—„Erziehern". Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 9. Juni d. I., nachmittags 6 Uhr. Zwei Naturalisationsgesuche. Berichterstattung über die Vorlage betreffend -den Verkauf einer Baumaske an der'Großgörschenstraße.— Vor- lagen betreffend: die unentgeltliche Abtretung des zum Bau des Teltowkanals erforderlichen städtischen Geländes in der Ge- markung Treptow, die erfolgte Bauabnahme der beiden Fachwerks- Pavillons auf dem Grundstücke des Krankenhauses Friedrichshain,— die in der Zeit vom 1. Oktober 1903 bis 31. März 1904 der Stadt- gemeinde gemachten Zuwendungen— und die Anbringung zweier Bronzetafeln im Treppenhause des Rathauses,— sieben Baurechnungen,— Berichterstattung, betreffend die Wahl eines bürger- lichen Mitgliedes der Ersatzkommission VI, eines stellvertretenden bürgerlichen Mitgliedes der Ersatzkommission V und eines Bürger- deputierten für die Deputation zur Verwaltung des Gesinde- belohnnngs- und Unterstützungsfonds.— Acht Unterstützungssachen. — Vorlagen betreffend die Gewährung eines Gnadenmonats,— die Neuwahl von Taxatoren für die Pferdeaushebungs-Kommissionen 6 und 11,— die Ausschlagung einer Erbschaft,— die Wiederwahl eines Ratsmaurermeisters— und die Neuwahl eines Ratszimmer- Meisters. Der Stadtverordneten-Ausschuß zur Vorberatnng der Magistrats- Vorlage über den Verkauf des städtischen Gasgrundstücks iS p o r t p a r k> in Friedenau hat gestern unter dem Vorsitz� des Stadttu Dinse und im Beisein des Stadtrats Namslau beschlossen, die Magistratsvorlage abzulehnen und wird der Stadtverordneten-Versammluug vorschlagen, dem Magistrat die öffentliche Ausschreibung des Grundstücks zu empfehlen.— Zu derselben Zeit tagte der Stadtverordneten-Ansschuß zur Vorberatung der Magistratsvorlage über den Erlaß einer Polizeiverordnung wegen Regelung des Straßenhandels in Berlin unter dem Vorsitz des Stadtv. Wallach. Nach einer lebhaften General- diskussion, an der sich auch der Magistratsvertreter Stadtrat Fischbeck beteiligte, wurde die Sitzung vertagt. Das Inkognito des Freiherrn. Bei einem Fräulein in der Paulstraße mietete vor einigen Tagen ein schneidiger Herr ein möbliertes Zimmer. Er nannte sich Kaufniann Paltin und erzählte, daß er unmittelbar aus Afrika komme, um mit großen Exporthäusern persönlich in Verbindung zu treten. Da sein ganzes Auftreten lvohl mit einer solchen Mission im Einklang stand, so hatte die Ver- nneterin nicht das geringste Mißtrauen. Um so mehr staunte sie, als am vierten Tage mittags ein Kriminalbeamter bei ihr erschien, um ihr mitzuteilen, daß ihr Mieter, der vornüttags ausgegangen war, nicht wiederkommen werde, und seine gesamte Habe beschlag- „ahmte. Die Kriminalpolizei hatte erfahren, daß sich hinter dem Kausinann aus Afrika der Rittmeister Freiherr v. Hahn ver- steckte, der wegen Urkundenfälschung und Fahnenflucht seit fünfviertel Jahren von München aus steckbrieflich verfolgt wurde. Man wußte, daß der Freiherren seinem Zimmer stets ein paar ge- lndene Revolver auf dem Tische liegen hatte, um sich einer etwaigen Verhaftung durcki Selbstmord zu entziehen. Da man ihn aber lebend haben wollte, so wartete ein Kriminalbeamter vom 4. Revier, bis er vorgestern vormittags ausging. Auf der Straße sprach er ihn dann an und fragte ihn bescheiden nach seinem Namen.„Ich heiße Paltin," antwortete der Geftagte anscheinend mit der größten Unbefangenheit. Als ihn aber jetzt der Beamte darauf ausinerksam machte, daß es strafbar sei, sich einen falschen Namen beizulegen, gab er die Rolle des Kaufmanns Paltin auf.„Ich dachte es mir schon," sprach er gefaßt, gab selbst an, daß er der Rittmeister Frhr. v. Hahn sei und ging willig mit dem Beamten nach der Revierwache. Die Revolver hatte er in seinem Zimmer liegen lassen. Der Verhastete wurde von der Revierwache zunächst nach dem Polizeipräsidium und von dort nach München gebracht, wo er seiner Aburteilung entgegensieht. Die heutige Generalversammlung der Milchceutrale erledigte die bereits mitgeteilte Tagesordnung durch nahezu unveränderte An- nähme der Anträge desVorstandes. Am Schluß wurde von den Vertretern zweier in Liquidation getretener Untergenossen- schaften der vom Gesetz vorgesehene schriftliche Widerspruch gegen sämtliche hellt gefaßten Beschlüsse überreicht, um die Grundlage für die bevorstehende Anfechtungsklage zu schaffen. Eine offene Oppo- sition machte sich während der Verhandlung nicht geltend, was sich ohne weiteres aus dein Umstände erklärt, daß die opponierenden -Elemente zumeist schon seit dem 1. Oktober vorigen Jahres aus der Milchcentrale ausgeschieden sind, während die bäuerlichen Mitglieder der Milchcentrale es vorziehen, ihre Opposition, statt durch Reden in der Generalversammlung, durch nachträgliche Auflösung fthrer eigenen Untergenossenschasten Ausdruck zu geben. Auf der Wannseebahn ist gestern nachmittag nach 3 Uhr, wie verspätet bekannt wird, ein Zug mit einer Rangiermaschine zu- s a m m e n g e st o ß e n. Der Zug fuhr vom hiesigen Bahnhof aus und der Unfall geschah bald darauf. Der letzte Wagen sprang dabei aus dem Geleste, wobei ein weiblicher Fahrgast, eine Frau aus Groß-Lichterfclde, eine leichte Quetschwunde erlitt. Die Betriebs- störuilg war in kurzer Zeit wieder beseitigt. Zum Leichenfund in Charlottenburg wird mitgeteilt, daß es auch bis heute nicht gelungen ist, die Person der Getöteten festzu- stellen oder die noch fehlenden Gliedmaßen und die Kleidungsstücke auf- zufinden. Die in der Jungfernheide gefundenen Knochenreste wurden gestern in der Leichenhalle auf Westend unter Teilnahme einer Ge- richtskommission noch einmal genau untersucht. Es ergab sich, daß es ohne Zweifel Menschenknochen und höchstwahrscheinlich Arm- und Beinknochen von der Getöteten sind. Daß sie zum Teil schon vorher verbrannt gewesen sind, wurde ebenfalls festgestellt. Es hat sich aber noch kein Anhaltspunkt für die Ermittelung, wo das geschehen sein könnte, finden lassen. Mitteilungen über vermißte Personen, deren Verschwinden mit dem Leichenfunde in Verbindung gebracht wird, gehen noch fortwährend ei», nicht nur aus Berlin und den Vororten, sondern auch aus vielen Provinzstädten. Bei diesen handelt eS sich gewöhnlich um Frauen oder Mädchen, die nach Berlin über- siedelten, bald schreiben wollten, dann aber nichts von sich hören ließen. Sie sind aber durchweg da, wohin sie fahren wollten, und nur noch nicht zum Schreiben gekommen. Der Fall aus Köthen kommt auch nicht weiter in Betracht, ebensowenig das Verschwinden eines Fräuleins aus Spandau. Durch einen Hufschlag getötet wurde der 40 Jahre alte Kutscher Wilhelm Kahlberg aus der Sttomstr. 31, der seit fünf Jahren in der Moabiter Abteilung der Patzenhofer Brauerei beschäftigt war. Ende voriger Woche wusch er einem Pferde im Stall die Hufe. Da das Tier nicht auf die Seite gehen wollte, um ihn vorbeizulassen, so gab er ihm einen Schlag mit der Hand. Jetzt schlug es mit beiden Hinterfüßen aus und traf ihn so wuchtig gegen den Unterleib, daß er einige Schritte zurückflog. Der Verunglückte wurde von seinen Arbeitsgenossen nach der Unfallstatton in der Flensburgerstraße ge- bracht, wo er nach zwei Tagen an einer Darmzerreißung und Bauchquetschung starb. Er hinterläßt seine Frau, die im Kranken- hause liegt, mit vier Kindern im Alter von 12 Jahren bis herab zu drei Monaten. Wegen Betruges festgenommen wurde von der Kriminalpolizei der Reisende Reinhold Wille. Derselbe mietete in verfchiedenen Stadtteilen unter falschem Namen— wie Albert Neumann und Emil Barth— Geschäftsräume. Dorthin ließ er sich dann von ver- schiedenen Firmen Flaschenkästen in größerer Anzahl, in einen« Fall auch 1000 kleine Weißbicrflaschen schicken. Sobald sich dann die Kutscher, die diese Ware gebracht hatten und wegen der Bezahlung verttöstet waren, entfernt hatten, verkaufte Wille die Ware und verschwand. Da angenommen wird, daß Wille noch mehr derarttge Betrügereien verübt hat, werden diejenigen Personen, die durch ihn etwa in ähnlicher Weise geschädigt sind oder weitere sachdienliche Mitteilungen zu machen vermögen, ersucht, der Kriminalpolizei zu 5109 IV. 26. 04. Nachricht zukommen zu lassen. Unsinnig schnelles Fahren eines Kraftwagens richtete gestern schweres Unheil an. Der 27 Jahre alte Tierarzt Franz Hertel, der erst vor kurzem auf dem Central-Viehhof angestellt wurde, wollte init seiner Braut in der Alsenstraße den Fahrdamm überfchreiten. In diesem Augenblick kam aus derselben Richtung ein Automobil dahergerast, ohne ein Warnungszeichen zu geben. Die Dame sah es im letzten Augenblick und wollte ihren Bräutigam zurückreißen, indein sie selbst auf die Promenade zurücksprang. Ihr Rettungs- versuch scheiterte, das Fahrzeug ritz ihr förmlick, den Bräutigam aus der Hand, rannte ihn um und ging über ihn hinweg. Während der Ueberfahrene bewußtlos liegen blieb, sauste das Automobil nach dem Lehrter Bahnhof zu weiter. Es entkam zwar, aber einem Droschkenkuffcher, der ihm nachjagte, gelang es doch, sich seine Nuinmer iL 81 zu merken. Hertel wurde von seiner Braut und hilfsbereiten Leuten mit einer Droschke nach der Charite gebracht. Er hat sich eine schwere Kopfverletzung mit einer Gehirnerschütterung und einen außerordentlich schtveren Bruch des linken Beines zugezogen. Der Verunglückte wird wahr- schKnlich Zeit seines Lebens ein Krüppel bleiben, da es kaum möglich sein wird, das zerinalinte Bein zu erhalten. Die Er- mittellingen zur Feststellung und Festnahme des leichtsinnigen Fahrers sind eingeleitet. Straßensperrung. Die Keithstraße von Wichmannstraß? bis Lützow-Ufer wird behufs llmvflasteruiig vom 8. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Großer Brand eines Kohlenlagers. Ein großer Kohlenstapel der Firnia I.' F. Leyke sen., welcher 180 Waggonladungen init ca. fünf Millionen Stück Preßkohlen innfaßt, brannte von Dienstag früh ll'/z Uhr an den ganzen Tag hindurch in der Badstr. 61s. auf dem fiskalischen Gelände. Dem durch Selbstentzündung an mehreren Stellen zugleich entstandenen Feuer war seitens der Feuerwehr, die mit mehreren Dampfspritzen angerückt war, nur sehr schwer bei- zukommen. Den ganzen Tag über mutzte mit mehrerei« Schlauch- leitungeu Wasfer gegeben werden, um die immer wieder anfachenden Flammen zu erstickei«. Gleichzeittg mußte man die Kohlen aus- einaiiderreißen, um nach dem eigentlichen Brandherde, der im Innern des mächtigen Stapels lag, zu gelangen. Erst als man dann eine vollständige Umschichtung des Lagers vorgenommen hatte, konnte die vollstäneige Ablöschung erfolgen.— Ein zweiter Preßkohlenbrand beschäftigte die Wehr Dienstag früh in der Bernauerstr. 51/65 lange Zeit. Ueberhaupt vergeht jetzt kein Tag, an dein nicht die Wehr derartige Brände abzulöschen hat. Um eine Selbstentzündung— dadurch entstehen die meisten— der Preßkohlen möglichst zu ver- hindern, sind die Stapel so aufzuschichten, daß kleiiie Luftkanäle entstehen, die Luftzutritt gewähren. Das Polizeipräsidium hat wiederholt auf diesen Punkt hingewiesen. Zu dem Selbstmorde des Schlächtermeisters Tödter teilt uns dessen Frau niit, daß ihr Manu am Donnerstag voriger Woche mit einem Dienstmädchen abgereist sei und sie zu ihrer eignen Sicherheit die alte Wohnung habe räumen lassen. Im Berliner Zoologischen Garten wurde vor Moi«atsfrist ganz unerwartet von einen« weiße nMongoz- Mali ein Junges geboren, das den, im selben Käfig befindlichen W e i tz k o p f- M a k i zum Vater hat. Dieser Sprößling, schon durch seine Abstannnung von zwei verschiedene» Halbaffen-Arten und noch dazu von einer albinotischen M«itter interessant, ist jetzt über das hilfloseste Stadium hinaus und fängt an, sich mit der Welt bekannt zu machen. Gewöhnlich hängt er wie ein kleiner dlinkler Muff quer vor dem weißen Bauch seiner Mutter, der lange Schwanz steht wie ein Fragezeichen an der einen Seite empor, während das neugierige braune Köpfchen auf der andren Seite hervorschaut. Gegenwärtig macht das kleine Ding die ersten Ver- luche, die Mutter zu verlassen und selbständig umherzuklettern. Die Familie ist unweit den andren Malis, von denen der Garten ins- gesamt acht Arten besitzt, in den« alten Tierhause am Konzertplatz gegenüber den« Bärenzlvinger untergebracht. Huq den Nachbarorten. Aus der Schönebcrgcr Stadtvcrordneten-Bersammlung. Die An- frage einiger Stadtverordneten brachte wieder einmal die nm« bei- nahe zum Ladenhüter gewordene Angelegenheit betreffend As- phalfierung der Sedanstraße auf die Tagesordnung der letzten Sitzung. Trotzdem der Magistrat über die Verschleppung dieser Frage bittere Wahrheiten zu hören bekam««nd Stadtv. Anwendung in der Behandlung gewisser Stadtteile interpelliert«. hüllte sich der Magistrat in Schweigen. Er scheint jetzt selbst keine Hoffnung auf gütliche Einigung mehr zu haben. denn wenn z. B. in dem einen Falle die Genehmigung zur Auslastung von den Nach- erben des Grundstücks Sedanstr. 38 erforderlich ist,„dieselben aber nicht aufzufinden find", so können sich die Bewohner trösten. vielleicht setzt sich die Kommune dieserhalb mit einem Detektivinstitut in Verbindung. Die Angelegenheit betreffend stenographische Auf- nähme der Stadtverordnete««-Verhandlungen, die bereits am 16. März d. I. d«lrch Zustimmung erledigt schien. wurde nochinals eine«» Ausschuß überwiesen. Das Experiment scheint den Stadtvätern zu kostspielig zu sein. Mit der Berlinischen Bodengesellschast hat die Stadtgemeinde einen Vertrag abgeschlossen, der so recht erkennen läßt, wie die Ge- sellschaft es verstanden hat, wertvolle Teile des Stadtgebietes bei Zeiten an sich zu brii«gen. Durch das jetzt getroffene Abkommen wird die Regulierung und Herstellung neuer Straßenzüge in der Gegend der Grunewaldstraße energisch in Angriff genommen werden. Neu-Weißensec. Die Wahl des Geineindevorstehers verlief pro- graminmäßig. Von 25 abgegebenen Stiminen entfielen 18 auf den bisherigen Vorsteher Feldtmann, während 7 weiße Zettel als ungültig abgegeben wurden. Seine schwere Krankheit verhinderte den Gemeinde- Vorsteher, an der Wahl teilzunehmen und die fofortige Ann ah nie des Amtes zu erklären. Nach§ 83 der Landgemeinde-Ordnung braucht nunmehr die Erklärung erst nach 8 Tagen zi« erfolgen. Zu dem Rixdorfer Doppel-Kindesiuord und Selbstmord teilt der Posthilfsbote Bork mit, daß seine Frau schon vor drei Jahren sich vergifte» wollte. Einen« hinzugerufenei« Arzt gelang es dmnals, die Frau an« Leben zu erhalten. Hedwig Bork lväre schon als junges Mädchen nervös gewesen und habe durch fortgesetzte Eifersuchts- scenen den Streit in der Ehe herbeigeführt. Die Frau habe «nehrfach gedroht, ihn töten zu wollen, und ihn thätlich mit eine« Schere«md andren Jnstruinenten angegriffen. Durch ver- schiedene Krai«kheitsfälle in der Familie sei er in Schulden geraten, so daß er seiner Frau, uin seine Gläubiger zu beftiedigen, nicht inehr genügend Wirtschaftsgeld hätte geben können. Die Frau hätte desivegen schon seit März nicht gekocht und der Pofthilfsbote sei infolgedessen gezwungen geloejen, anßcr dem Hause zu spesten In dieser Zeit habe er die Tiichlerfrau P. kennen gelernt und mit ihr freundschaftlich verkehrt. Den« Tischler wäre erzählt worden. daß er sBork) nttt der P. ein Liebesverhältnis unterhalte, und diese Verleumdung hätte dazu geführt, daß das Ehepaar sich trennte Die P. teilte ihm dies auf einer Postkarte mit, seine Frau habe das Schriftstück gefunden ui«d an der Untreue ihres Mannes nicht meh« gezlveifelt. Alle diese Umstände hätten derartig auf die krankhast veranlagte Frau eingewirkt, daß sie zur Ausführung der bedauer» lichen That schritt. Üebrigens soll die Mutter der Bork im fünfte» Jahre ihrer Ehe sich ebenfalls das Leben genoinmen haben. Gerickts-Leitung. Ein gemeingefährlicher„Kinderfreund" scheiitt der Homöopath Paul H ü b n e r zu sein, der gestern dem Schöffengericht II aus den Geftmgnis zu Plötzensec vorgeführt wurde. Der Angeklagte ist er» vielfach vorbestrafter Mensch, der auch schon wegen Verbrechens gege» keimendes Leben eine zweijährige Zuchthausstrafe erlitten und neuer- dings zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt lvurdc. In dem Zehlen- dorfer Gemeindcpark vergnügten sich am 18. Noveinber v. I. mehrer, Kinder beim Spiel. Plötzlich trat der Angeklagte an mehrere Schul- «nädchen, die auf einer Bank saßen, heran und richtete an ein« 12jährige Schülerin eine höchst unanständige Aufforderung, wofm er ihr 5 Pf. versprach. Als zwei Herren, denen das Benehmen des Angeklagten aufgefallen war. sich näherten, ergriff der letztere di« Flucht, es gelang jedoch, ihn einzuholen und ihn festzunehmen. Dqs Schöffengericht verurteilte den Unhold wegen Beleidigung des Mädchens zu 3 Monaten Gefängnis. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neue«« Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben da« N. Hcst des 22. Jahrganges erschienen. Aus den« Inhalt des Heftes heben wi> hervor: Socialdeuiolratischc Wandlungen.— Tie Kartelle in Theorie und Praxis. Von Heinrich Cunoiv.(Schluß.)— Tie Tiesbau-Berufsgenossen- schast und der Arbeiterschutz. Bon 6). Hemke.— Der Arbeitsvertrag au) korporativer Grundlage ii« Dänemark. Ein Beitrag zur Geschichte de« „milderen" Formen des KlasscnkampseS. Von Erik Brunte.— Der.neu» Weg zur Volksbildung". I. Don einein Arbeiter(II. Flüchtig). II. Vor einem Lehrer(Otto Marko).— Littcrarischc Rundschau: dlociern Socialism Von K. K. Im dunkelsten Wien. Von Hugo Heller.— Notizen: Hebe« Radium und die radwaktivcn Körper. Von Hr. O. L. Frachtsätze unk Konkurrenzfähigkeit. Bon P. M. Gremve. Die„Neue Zeit" erscheint«vöchenttich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolportcure zum Preise von 3,25 M. pr, Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quarta abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Vermischtes. Fabrikbrand in Chemnitz. In« Monticrungssaal der P r e st o n- Fahrradwerke Aktiengesellschaft entstand gestern abend aus bisher nicht ermittelte Weise Feuer, durch welches fast das ganz» Lager fertiger Fahrradteile vernichtet lvnrde. Da auch die Maschinen Feller- und Wasserschaden erlitten haben, muß der Betrieb des Werkes, das etwa 100 Räder täglich herstellt, auf voraussichtlich h bis 14 Tage ruhen. Schiffsunglück auf dem Rhein. Dienstagvorinittag wurde ei« Kahn, ü« welchem sich ein Lotse«ind 3 Zollbeamte befände«» bei Düsseldorf vo>n Schlepptau eines Anhängeschiffes«imgelvorfen, wobei der 60 Jahre alte Lotse und ein Zollbeainter ertranken; zwei Zollbeamte wurden gerettet. Marktpreise von Berlin am 6. Juni 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. �Weizen, gut D.-Ctt mitlcl �. gering. »Roggen, gut mittel gering. fGerste, gut, mittel gering fHaser, gut ,«niliel „ gering Richtstroh "ich rbsen, Speiscbohnen. Linien » ab Bahn. 17.60 17,52 17,44 13,10 13,01 12,98 14,20 12,90 11,60 15,00 14,10 13,20 4,20 7,10 40,00 50,00 60,00 17,56 17,48 17,40 13,07 13,01 13,95 13,00 11,70 10,40 14,20 13,30 12,40 3,66 4,80 28,00 25,00 25,00 Kartofsetn, neue D,-Ctr, Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Borsch« Schleie Bleie krebse 60 Stück 1 kg per Schock 7,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2.00 2,80 3,00 2,40 2,00 3,00 1.40 16,00 5,0C 1,26 1,1« 1,06 1,26 1,26 2,06 2,46 1,46 1,46 1,20 1,00 1,00 1,40 0,80 3,00 i frei Wagen und ab Bah». WltterungSiibersicht vom 7. Jnni IS04,«orgen» Swinembe Hamburg Berlin W-,----- roi«kf,a,M,j762! SW München M Wien bolb bd. 763! NW 4 bedeckt 761! NW 2 bedeckt stwolkenl j765,'SW 3 bedeckt 761 j NNW 5 Heitel' Haparanda Petersburg llork iwerdeen Paris 739N 749 NNW 772 ONO 763 NNO 4 wölken! l.bedeckt Ibedeckt 2 heiter 10 17 M a fu ch(Soc,) den Herrn Oberbürgerineister über die zweierlei« nördlichen Winden, Wetter-Prognose für Mittwoch, den 8. Juni 1904. Trockeii�und vielfach heiter, nachts kühl, um Mittag warm bei mäßigen Berliner Wellerbureau, Derantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,