Nr. 133. nbonnemcntS'Redlnauns«!!: Abonnements> Preis pränumeranba z NerteljShrl. Z.M 2W„ mona». 1,10 3XL. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit illustrierter Sonntogä« Betlage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. LI. Jahrg. vlchklot eingetragen sind. Freiherr v. Mirbach hatte noch ein andres per- sönliches Conto, auf dem er auch Geschäfte in Wohlthätigkeitssachen inachte, Geldbeträge, die hier gar keine Rolle spielen. Daß diese 350 000 Mark in verschiedenen Betrügen zwischen dem 11. und 16. Oktober auf dieses Conto eingezahlt sind, ist wahr, das habe ich gesehen. Ob es nun diese 350 000 Mark sind, beruht auf dem Zeugnis bczw. der Mitteilung des Herrn Korwege und des Herrn Tanzen, der mir davon Nachricht gaben. Es soll so geschehen sein, daß auf Anweisung des Herrn Romeick oder Tanzen diese Zahlungen geleistet sind. Es wird also der Kassierer Trautmann und der Kassierer Sommerfeld, der jetzt in Hannover ist, darüber näheren Bescheid geben können. Das sind diese 350 000 M. Es liegt dann eine Quittung vor von Freiherrn v. Mirbach über 25 000 M., die er auf dieses Conto erhoben hat, am 3. November 1900, und über die Restsumme von 327 353,30 M., die er erhoben hatte ain 28. Dezember 1900. Es ist das die Restsumme. Mt Zinsen usammen machen beide Beträge 350 000 M. aus. lieber die letzte ahlung von 5000 M. habe ich nichts ermittelt, ich kann darüber keine Auskunst geben. Es ist ja so, daß diese 5000 M. nach der buchmäßigen Eintragung gezahlt sind von der Jmmobilien-Verkehrs- bank. In Wirklichkeit hat die Jmmobilien-Verkehrsbank nicht die Gelder gegeben, sie hat auch dieses Geld von der Pomniernbank. Wenn das also wahr ist, was ich hier ausgeführt habe, so wäre es richtig, daß die Angeklagten das Geld der Bank benutzt hätten, um damit Wohlthätigkeit in so großem Matzstabe zu üben. Vorsitzender: Herr Schultz, wollen Sie eine Erklärung abgeben? Angeklagter Schulz: Nein, ich behalte mir aber eine Erklärung eventuell vor. Verteidiger Rechtsanwalt Werthauer: Darf ich stagen, Herr Geheimrat. haben Sie, bevor Sie diese Ausgaben machten, mit irgend jemand darüber Rücksprache genommen? Zeuge Geheimrat Budde: Ich habe dem Herrn Staatsanwalt aufgeschrieben, was ich wußte, als er mich stagte. Ich habe mit niemand darüber gesprochen, als mit meiner Frau und dem Rechts- anwalt Hirsekorn, sonst mit niemand. Verteidiger Rechtsanwalt Werthauer: Sind Sie der Ansicht, daß diese Aufwendungen möglicherweise im Interesse der Bank gemacht sind? Zeuge Geheimrat Budde: Mir ist kein Institut bekannt, welches sich annähernd in der Lage befand, Hunderttausende für Wohlthätigkeit auszugeben. Ich kann nur aus der Höhe der Summe und aus dem Erreichten folgern, daß, wie gesagt, der Angeklagte etwas andres habe erreichen wollen wie Wohlthätigkeit, und that» sächlich auch erreicht hat. Verteidiger Rechtsanwalt Werthauer: Ist Ihnen nicht bekannt, daß auch andre Institute für Wohlthätigkeit gleich hohe Summen gegeben haben, z. B. die Deutsche Bank dem Sultan gegenüber, und daß man, wen» nachher eine Beförderung kam, keineswegs dabei meinte, jene Ausgaben seien gethan worden, um eine Beförderung zu erzielen, sondern z. B. um die Interessen der Orientbahnen zu fördern? Zeuge Geheimrat Budde: Was die Sache mit dem Sultan anbetrifft, so bin ich selbst in Konstantinopel gewesen und habe über die Zustände mancherlei gehört. Man nennt das Bakfchisch, und man weiß, wozu man daS giebt. Verteidiger Justizrat S e l l 0: Ich möchte mir eine Frage erlauben: Zu diesem Punkte der Anklage ist der Prokurist Horwege als Zeuge genannt; waren Herrn Horwege die Thatsachen, die er Ihnen mitgeteilt hat, im vorigen Jahre schon bekannt? Zeuge Geheimrat Budde: Darüber wird er selbst Auskunft gebeii können. Staatsanwalt: Herr Schultz hatte verlangt, daß ihm die Quittungen über die 500 000 M. vorgelegt werden sollen. Gr be- stritt, sie ausgestellt zu haben. Nach den Quittungen ist recherchiert worden. Auf den Anweisungen befand sich jederzeit der Vermerk: Quittung bei den Akten. Der Herr Gcheimrat hat die Ermittelungen vorgenommen, und es ist selbstverständlich, daß er fie hier unter dem Eid vorttägt. schon, daß ich eS ungern dazu fühle, wenn ich ge- und alles zu sagen, was ich weiß. Vorsitzender: Herr Schultz, erkennen Sie die Unterschrift deS Freiherrn von Mirbach an? Angeklagter Schultz: Ja. Vorsitzender: Herr Romeick, einige Quittungen scheinen Sie ausgestellt zu haben, erkennen Sie auch die Unterschrift an? Angeklagter Romeick: Ja. Zeuge Geheimrat Budde: Um noch einmal auf die vorher an mich gerichtete Frage zurückzukommen: Ich bin gestagt worden, ob ich mit jemand über das gesprochen habe, was ich in dieser Sache ausgesagt habe. Ich habe den Namen meiner Frau genannt, den Namen des Rechtsanwalts Hirsekorn und des Herrn Staatsanwalts. Zeugen gewesen sind allerdings meine Beamten. Sonst ist mir nicht erinnerlich, daß ich i n d e r l e tz t e n Z e i t mit jemand über diese Sache gesprochen habe, seit etwa acht Tagen also. Verteidiger Rechtsanwalt Werthauer: Mich interessiert nur, ob Sie etwa mit Börsen- oder Ministeralverstetew gesprochen hätten. Zeuge Geheimrat Budde: Jetzt, nein. Verteidiger Rechtsanwalt Werthauer: Ich möchte wiffen, ob Sie mit irgend jemand aus dem Ministerium darüber Rücksprache genommen haben, daß der Name v. Mirbach hier ge- nannt wird? Zeuge Geheimrat Budde: Bin ich verpflichtet, darüber Aus- kunft zu geben? Vorsitzender: Ich halte die Frage an und für sich nicht von Belang für die Sache. Die Antwort ist gegeben, und über die Glaubwürdigkeit besteht ja kein Zweifel. Verteidiger Rechtsanwalt Werthauer: Das hat mit der Glaubwürdigkeit nichts zu thun, sondern mit der Gruppierung der einzelnen Parteien, ob Hof oder Börse; deshalb habe ich ein Interesse daran. Vorsitzender: Die Frage wäre also, ob Sie irgend eine Parteistellung von dem Ministerium aus ermittelt hätten? Verteidiger Rechtsauwalt Werthauer: Das ist eine Schlußfolgerung, ob Parteistellung. Es kommt mir nur darauf an, ob die Nennung des Namens von Mirbach vorher besprochen worden ist. nicht mit der Frau des Herrn Geheimrats oder seinen Ange- stellten, sondern mit andren Personen. Zeuge Geheimrat Budde: Ich will volle Auskunft geben und nichts verschweigen. Ich habe— vor einem Jahre mag es gc- Wesen sti»— über diese Thatsache mit Herrn v.Podbielski gesprochen, weil ich die Absicht hatte, an Freiherrn v. Mirbach herumzutreten und ihn zu bitten, ob er das Geld zurückerstatten könne oder ivolle. Ich hörte von Sr. Excellenz damals, daß das Geld nicht mehr vor- handen sei und habe mich darüber aus den Büchern informiert und aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, ob uns ein richterlicher Anspruch zustehe, und habe mich überzeugt, daß ein solcher Anspruch nicht vorhanden sei. Unter diesen Umständen habe ich darauf verzichtet, dieses Ansinnen zu stellen. Das ist alles, was wir besprochen haben. * Es ist unverständlich grausam, Männer auf die Anklagebank zu bringen, Ivelche wahrhaft vorbildlich christliche Wohlthätigkeit übten. Die Romeick und Schultz haben niemals geprahlt nnt guten Werken. Je mehr sie thaten, um so bescheidener verbargen sie ihre That. Noch jetzt duldet ihr feinst entwickeltes Schamgefühl nicht, die reichlich vollbrachte Tugend offen zu bekennen. Sie verweigern in sinniger Scheu die Auskunft, wie sie die Auskunft vor Jahresfrist ver- weigerten, da der Staatsanwalt sie beftagte, welche Redatteure es seien, denen Geldspenden gegeben, deren Namen jedoch hinter Ansang?» buchstaben oder geheimnisvollen Zeichen verschleiert wurden! So viel Edelsinn durfte nicht geringer belohnt werden als durch außerordentliche Ehrung, durch die offizielle Erhebung der Pommern- bank zur.Hofbank Ihrer Majestät der Kaiserin". Wenn diese Ehrung dem Geschäft zu gute kam, so war es gerechter Lohn der im Kirchenbaudienst sttll verrichteten Frömmigkeit. Und nur eine rätselhafte Fügung kann es sein, daß zahlreiche kleine Existenzen, die der bielbewährten, durch den Ober- Hofmeister der Kaiserin selbst feierlich beglaubigten Bank ihr Geld anverstauten, ihren Besitz verloren haben. ES wird ihnen ein hinreichender Trost sein, daß ihr Geld zu stammen Werken Verwendung fand, und ihr Trost wird bollkommen sein, wenn sie sich erinnern, daß Freiherr v. Mirbach bei dem Bau seiner Kirchen stets das Princip festhält, daß nur unorganisierte Arbeiter die heilige Arbeit verrichten dürfen. Es ist ein seltsames Geschick, das die Frommen im Lande er- eilt, da sie sich in engste Beziehungen zur Finanz begeben. Freiherr v. Mirbach hat einst das Wort von den»socialdemo» kratischen Rhinozerossen" gesprochen, welche.die Arbeiter verführen". Nun ist ihm, dem Frömmsten der Frommen, der täglich brünstige Gebete entsendet, das Schwere geschehen, daß er die S a n d e n und die Ehrbaren von„Anhalt und Wagner" noch als Ehrenmänner rettet, als sie schon das Strafgericht ereilte, daß er der „Verführung" durch die Romeick und Schultz verfiel. Erfüllt vom Sehnen nach zahllosen Kirchen in Berlin und im ganzen Reiche, auf daß das Seelenheil der verführten Arbeiter gerettet werde, blendete und verführte ihn„Satans Tücke", vor der er im Januar 1901 auf der Generalversammlung des Evangelischen KirchenbauvereinS in stommein Erschauern die Andächtigen warnte. Doch gewiß werden nun durch diese Erfahrungen die Frommen geläutert. Sie werden sicherlich nicht ihre Verfehlungen pharisäisch mitzkennen wollen, sondern sie werden erkennen, daß das Christen- tum der Finanz und der kirchlichen Prunkbauten nicht das Christenttim der Bedürfnislosigkeit nnd Armut ist, das der Stifter ihrer Religion lehrte. Und der erste Att ihrer Erkenntnis wird sein, daß sie die Summen, die Bedürfttgen unter der Gloriole der„Hofbank" entwendet wurden, zurücker st atten. Juristisch, so hat Geheimrat Budde festgestellt, ist ein Zwang zur Zurückerstattung nicht gegeben, aber niemand wird zweifeln, daß Graf Mirbach, schon aus Be- sorgnis um seine hohe Protettorin, eilen wird, die moralische Pflicht zu erfüllen. DaS Christentum des Herrn v. Mirbach wird nicht annehmen, daß ihm das recht ist, was dem türkischen Sultan im Verkehr mit der Deutschen Bank billig ist.«- poUtifchc Qebcrficbt. Berlin, den 8. Juni. Der Reichstag setzte am Mittwoch die Debatte über die Thalerftage mit un- geschwächtem Eifer fort. Behauptung stand dabei gegen Be- hauptung. Die einen fanden, daß das Dreimarkstück den Wünschen der Volksseele und den Bedürfnissen des Geld- Verkehrs am besten entspräche, die andern wieder priesen daS Fünfmarkstück. Unsre Fraktion beteiligte sich an diesen Er- örterungen nicht, die dadurch nicht den Reiz gewannen, daß Herr Dr. Arendt eine kleine Währungsrede vom Stapel gehen ließ. Uebrigens hatten die Thalergegner keinen Erfolg. Es blieb bei dem Kommissionsbeschluß, der die Neu-Ausprägung von Dreimarkstücken als Forderung in das Gesetz mit auf- nimmt. Und es wird wohl auch in der dritten Lesung dabei bleiben, trotz der fürchterlichen ObsstuMonsdrohung der Frei- sinnigen Volkspartei und trotz der Bitten des Schatzsekre- tärs, sich auf eine wohlfeile Resolutton zu beschränken. Auch über die Ausprägung des neuen Fünfzigpfennigstücks blieben die Kommissionsbeschlüsse bestehen; eine Resolution der Frei- sinnigen, die in letzter Stunde mit andern Vorschlägen kamen, wurde abgelehnt. Alach der Erledigung des Münzgesetzes Nmrde mit der zweiten Beratung des Gesetzentwurfes über die Kaufmanns- geeichte begonnen. Die Gegnerschaft gegen diese neuen Berufs- geeichte ist sehr ins Hintertreffen geraten, nur Herr Dr. Scmler, der nationalliberale Advokat der hanseatischen Großkaufmann- schaft, bekannte noch Farbe und machte kein Hehl daraus, daß ihm diese Erleichterung des Klagerechts für die Handlungs- gehilfen außerordentlich verhaßt ist. Er behauptete, daß die notwendige Rücksicht auf die Prinzipale bei der Vorlage ganz außer acht geblieben sei, und verstieg sich zu der Hyperbel, daß bei der Konkurrcnzklausel die Arbeitgeber der schwächere Teil wären. Genosse Singer faßte Herrn Seniler scharf an und stellte fest, daß hinter all den Einwänden, unter denen die angebliche Furcht vor einer Schmälerung der Staatshoheit eine große Rolle spielt, nur die Absicht stecke, die Kaufmanns- gerichte mit einer billigen und schnellen Rechtsprechung für den Handlungsgehilfen überhaupt zu hintertreiben. Es liegt eine gewisse Komik darin, daß der mit Ach und Krach jüngst wieder in den Reichstag gewählte Führer der National- liberalen, Herr Bassermann, den socialpolitischen Anstrich, den er sich zeitweise zu geben wußte, mit Vorliebe gerade aus diesem Topf geholt hat, daß gerade er besonders eifrig für die Errichtung von Kaufnrannsgerichten eingetreten ist. Diese Erinnerung veranlaßte denn auch ein andres Mit- glied der nationalliberalen Partei zu versichern, daß Herr Semler mit seiner Gegnerschaft gegen die Kaufniannsgerichte in der Fraktion allein stehe. Wir hatten beantragt, die Wohlthat der Kaufmanns- gerichte obligatorisch zu machen, und Genosse L i p i n s k i trat mit guten Gründen für diese Forderung ein. Wir blieben aber damit allein, nur die Antisemiten schlössen sich uns mit Rücksicht auf die Haltung ihres Handlungs- gehilfen-Verbandes an, wobei ihr Fraktionsredner mitteilte, daß sie selber nicht den Mut gefunden hätten, das Obligatorium zu beantragen, weil die Regierung dann das ganze Gesetz für unannehmbar zu erklären gedroht hätte. Unser Antrag, gegen den sich alle übrigen Parteien aus- sprachen, wurde abgelehnt und§ 1 in der Kommissionsfassung angenommen. Dasselbe geschah auch mit Z 2, in dem die Kommission trotz des Widerspruchs der Regierung bereits Orten von 20(XXI Einwohnern das Recht auf Errichtung eines Kausmannsgerichtes zugesprochen hat. Donnerstag geht die Beratung weiter. Außerdem steht das Roblausgesetz zur dritten Lesung.— DaS Kontraktbruch-Gesetz. In einer nicht eben bedeutenden Sitzung beschäftigte sich das preußische Abgeordnetenhaus am Mittwoch mit dem neuen Ausnahmegesetz gegen die ländlichen Arbeiter und das Gesinde, durch das man den Koirtraktbruch erschweren will. Es herrscht kein Gefühl in dem Dreiklassen-Parlament dafür, welch ein empörender Angriff auf alle moderne Rechtsauffassung dieser Entwurf darstellt, in dem der Geist der Leibeigenschaft lebendig ist. Die Verteidiger der Vorlage betrugen sich, einschließlich des Landwirtschaftsministers v. Podbielski, wie Gutsbesitzer, die auf einer Kreisversammlung des Bundes der Landwirte beisammcnsitzen und ihre Klagen über die Leutenot austauschen: die ganze Welt besteht nur um der Gutsbesitzer willen. Die andre Menschheit ist dazu da, für die Herren die notwendige Arbeit zu leisten, und folgen sie nicht willig, so hat der Staat eben Gewalt zu ge- brauchen. Diese feudale Klassenanschanung hat den Entwurf ge- boren, aus ihr heraus erllärte man nmd heraus, ohne sich auf Rechtsfragen einzulassen, man brauche solches Gesetz, also müsse es gegeben werden. Die Redner der beiden fteisinnigen Parteien, W o l f f- Lissa und Goldschmidt, erklärten sich gegen den Entwurf. Für die Nc- gierung redete Herr v. Podbielski nicht als Minister, sondern als Schweinezüchter. Es darf nicht vorkommen, daß ein Land- Wirt von seinen Arbeitern im Stich gelassen wird, also muß ein- geschritten werden. Herr v. Podbielski brachte diesen sehr einfachen Gedanken, der ein paar Jahrhunderte hinter der Zeit zurückbleibt, in einer schwierigen Bildersprache zur Welt.„Das Haus hat sich zu einem Antrag verdichtet, auf diesem Wege den Kontraktbruch be- treffend Maßregeln zu treffen."„Oft sind die momentan vorliegenden Verhältnisse, wenn ich es so bezeichnen darf, stärker als das An- standsgefiihl des Mannes."„Das Gesetz geht nicht so weit, es geht viel enger als der Antrag des Hauses" usw. Der Vernunft des Gesetzes entspricht eben die Vernunft der deutschen Sprache aus Podbielskis Zuchtanstalt. Herr Schönstedt hatte die juristische Seite der Vorlage zu bewältigen. Er versuchte sich an der unmöglichen Aufgabe, die wiederholt bekundete Auffassung der früheren Minister, daß eine derartige Vorlage nicht durch die Landesgesetzgebung, sondern nur von Reichswegeu versucht werden darf, hinweg zu disputieren. Aber es charakterisiert doch die Art der heutigen Gesetzmacherei, daß der Justizminister gestehen mußte, die Vorlage sei in einzelnen Be- stimmungen formell unmöglich und müsse in der Kommission ab- geändert werden. ES ist bekannt, daß die Regierung zu ihrem früher verneinten Vorgehen durch die vorher erteilte Zustimmung des Centrums verleitet worden ist. Die öffentliche Kritik an dieser arbeiter- feindlichsten„Socialpolitik" scheint aber nicht ohne Eindruck geblieben zu sein. Heute bemühte sick wenigstens Herr Herold vergessen zu machen, daß er selbst erst vor wenigen Monaten ein Gesetz dieses Inhalts gefordert hatte, wie schon früher der Centrums- führer Fritzen. Heute meinte Herr Herold, es sei nur seine Absicht gewesen, diejenigen Arbeitgeber zu bestrafen, die direkt Arbeiter zum Kontraktbruch verleiten; dagegen sollte nicht allgemein die Annahme von krontraktbrüchigen Arbeitern verboten sein. Auch sonst hatte Herold plötzlich schwerwiegende Bedenken. Würde das Centrum seine jetzige Auffassung zur Geltung bringen, so wären wenigstens die un- geheuerlichsten Verrufsbestimmungen des Entwurfs gemildert. Aber man darf deshalb sich nicht optimistischen Hoffnungen hin- geben. Selbst wenn das ganze Centrum vollzählig anwesend sein und geschlossen gegen den Regierungsentwurf stimmen sollte, so ist die Annahme des Gesetzes immer noch sehr wahr- scheinlich, da die Nationalliberalen„wohlwollende Prüfung" zugesagt haben. Außerdem aber ist das Centrnm keineswegs zuverlässig. Vielleicht besteht die Gefahr, daß in der Kommission schließlich ein Gesetz zu stände kommt, das zwar einige Schein- Milderungen enthält, seine Bösartigkeit aber bewahrt. Es ist nötig, in eindringlicher Agitation die Landbevölkerung auf das ihnen drohende Ausnahmegesetz hinzuweisen und auch im Reichstage wird gegen die Antastung der staatsbürgerlichen Grundrechte durch den preußischen Partiknlarisinus vorgegangen werden. Die nächste Sitzung ist erst Freitag: Kleinere Vorlagen.— Kanadas Zollkampf gegen Deutschland. Wenn die deutsche Regierung darauf gerechnet hat, durch ihr passives Verhalten gegen die Kampszollmaßnahmen Kanadas dessen führende Politiker versöhnlicher zu stimmen, so hat sie sich gründlich getäuscht. Obgleich Deutschland auf die besonderen Zollzuschläge, die Kanada von der aus Deutschland eingehenden Wareneinfuhr erhebt, bisher nicht mit ähnlichen Gcgcnmaßregeln geantwortet hat, sondern auf kanadische Erzeugnisse nur seinen allgemeinen Tarif anwendet, fühlt sich die kanadische Regierung durchaus nicht zu irgend welcher Nachgiebigkeit veranlaßt; im Gegenteil, der Rück- zug der deutschen Regierung bestimmt sie dazu, auch andren Nationen mit ähnlichen Zollzuschlägen zu drohen, falls sie sich einfallen lassen sollten, Deuffchlands Beispiel zu folgen und Kanada ungünstiger zu stellen als andre Länder. In dem Hause der Gemeinen brachte der kanadische Finanz- minister, wie telegraphisch aus Ottawa gemeldet wird, am Dienstag das Budget ein und erklärte hierbei, in der Hoffnung, daß die Fiskalpolitik Chamberlains schließlich durchdringen werde. werde Kanada die Vorzugstarife für englische Waren auch fernerhin aufrechterhalten. Der Minister kündigte sodann wichtige Tarif- Veränderungen an, fügte aber hinzu, daß eine allgemeine Revision des Tarifs gegenwärtig nicht beabsichtigt sei. Er teilte mit, die Regierung werde die Zollpolitik gegenüber deutschen Waren und die Politik der Vorzugstarife"fortsetzen. Da aber diese letzteren für die Wollindustrie Kanadas nachteilig wären, so würden die Vorzugszölle aus wollene Kleider und leichte Wollstoffe von 23>/z auf 30 Proz. erhöht werden, während der Gcucraltaris auf 33 Proz. festgesetzt bleiben solle. Um zu verhindern, daß die Nationen, welche erhöhte Zölle gegenüber Kanada an- wenden, Waren auf den kanadischen Markt werfen, werde vorgeschlagen, auf die gewöhnlichen Zölle einen Zuschlag zu legen, der dem Unterschiede zlvischen dem niedrigsten Preise und dem an- gemessenen Handelswerte entspricht. Dieser Zuschlag dürfe aber nicht 50 Proz. des gewöhnlichen Zolles übersteigen. Der Minister wies darauf hin, daß durch die Anwendung des Zuschlagzolles auf deutsche Waren die Einfuhr aus Deutschland in 10 Monaten des Steuerjahres um 38 Proz. gegenüber dem Vorjahr abgenommen habe. Im vergangenen Jahre habe Deutschland 174 Millionen Pfund Zucker nach Kanada gesandt; seit Erhebung des Zuschlagzolles sei dieser Handel fast ganz nach den englischen Antillen abgelenkt worden.— Dcutfcbes Reich. ReichStagS-Dispositionen. Der Senioren-Konvent des Reichstages hat am Mitt- woch unter dem Vorsitz des Präsidenten über die Geschäftslage beraten. Der Präsident berichtete darüber, unter welcher Voraussetzung die Regierung in die Vertagung des Reichstages willigen werde. Vor der Vertagung müßten jedenfalls das Reblaus- und das Münzgesetz sowie daS Gesetz betreffend die Kaufmannsgerichte und die Gesetze betreffend die Aftikabahncn erledigt werden. Ebenso müßte der Nachtragsetat für Südwestafrika, falls der- selbe, was jedoch unwahrscheinlich ist, noch in de» nächsten Tagen eingebracht wird, verabschiedet werden. Die Aufarbeitung dieser Vorlagen, denen sich vielleicht noch einige Wahlprllfungen und PetitionSbcrichte anschließen, wird der- mutlich Ende nächster Woche beendet sein. Dann würde der Reichstag bis Mitte November vertagt werden. Aus dem Material der laufenden Session bleiben dann zur Beratung im Herbst übrig: die Scrbis-, Reichsstempel-, Totalisator-, Börsen- und ReichSgerichtS-Entlastungs- Gesetze, die sich zur Zeit im Stadium der Kommissionsberatung befinden. Außerdem bleibt die Beratung der vielen socialpolittschen Resolntionen und zahlreicher PetitionSberichte usw. vorbehalten, so daß der Reichstag außer den zu erwartenden Regierungsvorlagen im Herbst ein reiches Arbeitsmaterial vorfinden wird.— Weitere zwanzig Millionen für Südwestaftika soll der neue dem- nächst dem Reichstag zugehende Nachtragsetat fordern. Wahr- scheinlich wird es aber noch mehr werden. Bisher sind schon 10 Millionen bewilligt worden. Vergeudetes Blut— verschwendetes Gut!— Ist der starke Mann gefunden? Die„Frankfurter Oderzcitung" erfährt aus zuverlässiger Quelle, der Landesdirektor der Provinz Brandenburg, Freiherr v. Manteuffel, sei zum Nachfolger des Ministers des Innern ausersehen. Frhr. v. Hammersteiu werde zum Herbst zurücktreten. Herr v. Manteuffel hat sich für dieses Amt empfohlen, indem er im Herrenhause fiir die Beseitigung des Wahlrechts, für ein Socialistengesetz und indirekt für den Staatsstteich eingetreten ist. Seine„starke" Rede war gegen die„Schwäche" des Grafen Bülow gerichtet. Es wird ein schönes Wiedersehen geben, wenn nun der starke Manteuffel unter dem Vorsitz des schwachen Bülow regieren wird. Aber dem Herrn v. Manteuffel wird es schwer werden, den Hammer- stein noch zu überbieten, der doch auch schon alles that, um dem Kröcherschen Ideal des starken Mannes gerecht zu werden. Und was kann schließlich an reaktionärer Verwüstung Preußens noch mehr geleistet werden? Wir vermuten, daß auch Herr v. Manteuffel eine Enttäuschung werden wird. Mit dem Gesetz der geschichtlichen Not- wendigkeit wird selbst der stärkste preußische Junker am Ende nicht ferttg. Dagegen wird er wertvolle Agitationsdienste denen leisten, die berufen sind, das ganze preußische Elend zu übertvinden.— Das Abgeordnetenhaus will sich vom 25. Juni bis Oktober per- tagen. Die Kanalkommission wird während der Ferien nicht arbeiten. Man will noch das polnische Ansiedelungsgesetz fertig machen, da- gegen das Lotteriegesetz aufschieben.— Freisinnige Abgeordnete für die Konfessionsschule. Nicht nur der freisinnige Abg. Ernst hat sich direkt und unverblümt für den liberal- konservattven'Schulautrag ausgesprochen. Die„National-Zeiwng" konnte sich noch auf einen andren Freisinnigen berufen, der sich aber bisher nicht genannt hat. Wie man uns mitteilt, ist dieser geheimnisvolle fteisinnige Ver- bündete der Klerilalisierung der Schule der Abgeordnete lfteis. Vg.) für Danzig-Stadt, der Kommerzienrat M ü n st e r b e r g, Lieutenant der Landwehr a. D.. seinerseits jüdischer Konfession. Offenbar wünscht der Mann auch besondere Judenschulen. Herr Barth muß eine Freude an„seinen" Parteigenossen haben. Warum die Maiestät beleidigt wird! Am 1. Mai d. I. betrat Paul K u m m das Berliner Asyl in der Fröbelstraße, wo er sich in seinem angetrunkenen Zustande derart benahm, daß er von den Auf- sehern hinausgewiesen wurde.„Sie wollen mich nicht hier be- halten?" rief der Angeklagte.„Ich werde mir bald ein Unterkommen besorgen." Und ohne weiteres erging er sich in Schmähungen gegen den Kaiser. Er verlangte auch die Herbei- holung eines Schutzmannes, daß er seine Redensarten wiederholen könne. Innerhalb kurzer Zeit war sein Wunsch erfüllt, er befand sich hinter Schloß und Riegel. Vor der Strafkammer des Land- gerichts I Berlin gab der vielfach vorbestrafte Angeklagte seine Straf- that zu. Als der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von acht Monaten beantragte, rief der Angeklagte sofort:„Die Strafe nehme ich an!" Der Gerichtshof erkannte demgemäß. Bei den Landtagswahlrn im Herzogtum Koburg-Gotha, die am Dienstag vorgenommen wurden, haben unsre Parteigenossen ihre bisherige Stellung nicht behaupten können. Im gothaischen Special- landtage hatten sie bisher 9 von 20 Mandaten inne; diesmal ge- wannen sie im ersten Wahlgange nur sechs, während sie in einem Kreise in Stichwahl stehen. Im koburgischen SpeciaUandtage hatten sie bisher nur eins von 11 Mandaten und haben dieses jetzt ver« loren. lieber die Ursachen deS Mandatsverlustes ist noch nichts näheres bekannt.— Schnlrcaktion in Württemberg. Aus Stuttgart wird vom 8. Juni telegraphiert: Die„Kanimer der Standesherren" nahm heute entgegen einem Beschlüsse der Kammer der Abgeordneten vom 3. Februar v. I., nach welchem die Bezirksschulaufsicht in der Regel als Hauptamt ausgeübt wird und als Bezirksschulaufseher im Hauptantt Schulmänner oder Geistliche angestellt werden, mit 13 gegen 11 Stimmen einen Antrag des Fürsten Quadt an, welcher die Bezirköschulanssicht im Hauptamt zuläßt, als Bezirlsschulaufseher aber ausschließlich Geistliche beider Konfessionen angestellt wissen will. M i n i st e r p r ä s i d e n t v. Breitling zog hierauf die Bolksschul- Novelle zurück und gab im Namen der gesamten Regierung folgende Erklärung ab:„Die königliche Staatsregierung ist überzeugt, daß der durch die Rücksicht auf die gedeihliche Entwicklung der Volksschule gebotene Regicrungsentlvurf berechtigten kirchlichen Interessen in keiner Weise zu nahe tritt, und erachtet sich für verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß eine in der Kammer der Standesherren er- folgte Ablehnung des Entwurfs über dessen unmittelbaren Bereich hinaus die vorhandenen Gegensätze auf dem Gebiete des Verhältnisses von Staat und Kirche zur Schule in ernstem Maße verschärfen und die aus einen Ausgleich dieser Gegensätze gerichtete Politik der Regierung erschweren müßte." Nach Zurückziehung des Gesetzentwurfs betreffend die Volksschule brachte Erbprinz v. Löwen- stein-Werthcim-Roseuberg einen Jnitiativ-Gesetzentwurf ein, aus dem der Artikel 4 des bisherigen Gesetzentwurfs, an welchem dieser ge- scheitert ist, ausgeschieden ist. Der Initiativ- Gesetzentwurf wird inorgen in der Kammer der Standesherren zur Verhandlung kommen.— Vadische Eisenbahuftagen. In der Sitzung der badischen Ersten Kammer am Mittwoch erklärte Staatsminister v. Brauer bei Be» ratung des Eisenbahnbetriebs-Budgets, er bedauere, daß der Zeitpunkt für die Schaffung von Rcichs-Eiseubahnen verpaßt sei. Bade» denke nicht daran, mit Preußen in eine Eisen- bahn-Gemeiufchaft zu treten, wie das Hessen gethan habe. Eine Betriebsmittel-Gemeinschaft sei geboten, und in dieser Be- ziehung habe in Frankfurt eine vertrauliche Besprechung statt- gefunden. Auch die Personentarisfrage sei besprochen worden; hier lägen die Schwierigkeiten bei Baden, welches ungern das Kilometer- Heft aufheben wolle und die Einführung der vierten Wagenklasse zurückweise.—_ Militärjustiz. Daß eine Abänderung des Militär-Strafgesetzbuches bezüglich Verhängung der Strafen gegen Untergebene dringend notwendig er- scheint, ergab eine vor dem Kriegsgericht der 8. Division in Halle stattgehabte Verhandlung, in der sogar der Vertreter der Anklage anerkennen mutzte, gezwungen zu sein, ganz exorbttante Strafen zu beantragen. Es handelte sich wieder um einen sogenannten Anfrnhrprozeß, der zur Folge hatte, daß zwei bisher unbescholtene Menschen auf Jahre der Freiheit entzogen wurden. Es wird uns darüber aus Halle berichtet: Angeklagt wegen „Meuterei", Achtungsverletzung und Beharrens im Ungehorsam waren die Musketiere Friedrich Wilhelm Wahle und Hermann Rückriegel vom Jnfanterie-Regiinent Nr. 93 in Dessau. Beide Angeklagte sind von Beruf Arbeiter, stammen aus der Harzgegend, dienen seit Ottober 1902, sind bisher unbestraft, haben sich bei dem Militär gut geführt und machen einen durchaus harmlosen Eindruck. Dem Angeklagten Rückriegel scheint die Sache besonders nahe zu gehen; er schaut sehr bleich und angegriffen drein und nimmt sich die Sache jedenfalls sehr zu Herzen, da er bereits verheiratet und Vater einer Tochter ist. Einen unheimlichen Eindruck«nachte es, als die beiden Angeklagten in der üblichen Weise wie militärische„Verbrecher" von der Kaserne nach dem Kriegsgericht und von dort wieder durch die Straßen zurückgeführt wurden. Auf Passanten, die den trmirigen Zug erblickten, mußte der Transport den Eindruck machen, als habe «nan es in den Angeklagten mit Verbrechern schlimmster Sorte zu thun. Und welch unbedeutender Vorgang lag doch der Sache zu Grunde? Am 3. April— dem ersten Osterfeiertage— waren die beiden Landsleute gelegentlich ihres Urlaubs in ihrem Heiinatsort Balleir- stcdt mit Freunden und Bekannten zusammengewesen und hatten etwas viel getrunken. Als sie abends gegen IG/z Uhr voin „Gasthof zum Erbprinzen" auf die Straße kaiuen, ging der von seiner Braut und seiner Cousine begleitete Sergeant Gustav Schneider vom Bezirkskoinmando Altona dort vorbei, worauf eine Civilperson die Worte fallen ließ:„Na, der hat gleich zwei. Das müssen auch die Richtigen sein." Weil der Sergeant aunahin, die beiden Musketiere' hätten die Aeußernng gethan, stellte er dieselben zur Rede. Er erhielt zunächst keine Antwort und hätte die Soldaten, denen er anmerkte, daß sie stark angetrunken waren, auch laufen lassen, wenn nicht der ebenfalls stark betrunkene Zimmer- mann Ziegler dazwischen gekommen wäre und gerufen hätte: „Lassen Sie meine Landsleute gehen". Als Ziegler dann mit seinem Stock auf den Sergeanten los schlug und die beiden Soldaten von letzterem aufgefordert wurden, ihm Beistand zu leisten, zogen sie blank und schlugen unwillkürlich mit dem Seitengewehr auf den Vorgesetzten los, der drei blutende, aber nicht gefährliche Ver- letzuilgen erhielt. Der Vorgang hatte sich in einigen Minuten ab- gespielt, und erst nach der That kam den beiden unglücklichen Soldaten zum Bewußtsein, was sie gethan hatten. Sie räumten ein, sich gegen den Vorgesetzten vergangen zu haben, bestritten das erschwerende Moment der Zusammenrottung und erklärten nicht zu wissen, wie sie zu der That gekonimen wären. Der Anklagevertreter erachtete aber Aufruhr für erwiesen und schloß sein Plaidoyer mit den Worten: Nach Lage der Sache fühle ich mich gezwungen, gegen die bisher unbestraften Angeklagten Z u ch t h a u s st r a f e n zu be- antragen, und zivar gegen Wahle fünf Jahre drei Monate und gegen Rückriegel fünf Jahre; außerdem sei gegen beide Angeklagten auf Entfernung ans dein Heere zu erkennen. Das Gericht konnte sich von der Zusammenrottung nicht überzeugen, nahm aber thät- lichen Angriff gegen einen Vorgesetzten als erwiesen an und ver- urteilte W. zu vier Jahren und zwei Tagen und R. zu vier Jahren Gefängnis. Hueland. Mannrsmut... aber nicht in Denffchland. Wir berichteten eingehend über die Kämpfe der fortschrittlichen studierenden Jugend der Petersburger Bergakademie mit dein despotischen Regime des Direttors Konowalow— eines echten„Pädagogen" im Geiste der herrschenden Knute. Sechs Pro» fessoren der genannten Anstalt haben aus Solidarität mit den Studenten ihre Demission eingereicht. Jetzt hat eine Gruppe Peters- burger höherer Lehrer, 47 an der Zahl, in einer Resolutton ihre völlige Solidarität mit der kämpfenden Studentenschast und ihr Mißtrauensvotum denjenigen Professoren ausgesprochen, die dem Direttor in seinen brutalen Maßregeln(33„Rädelsführer" der studentischen Obstniktion sind von der Akademie verjagt und aus Petersburg ausgewiesen worden!) beistanden. Die Resolution, bei deren schneidendem und kühnem Wortlaut den meisten deutschen Professoren wahrscheinlich ihr mutiges Herz in die unteren Klcidungsparticn herunterrutschen würde, charakterisiert erst in scharfen Worten das Betragen der Direktion der Bergakademie sowie der höheren Frauenkurse(wo im Namen der Hörerinnen ohne ihr Borwissen eine Huldigungsadresse an den Zaren aus Anlaß deS Krieges geschickt worden war, was einen Proteststurm der Studentinnen hervorgerufen hat, in dessen Gefolge 300 Mädchen für immer von den Frauenkursen aus- geschlossen wurden) und schließt dann: „Auf diese Weise(durch die Zustimmung zu den obigen Maß- regeln) zeigte die Mehrheit der Professoren der höheren Unterrichts» anstalten, daß sie als Führer und Lehrer der Jugend nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe st ehen, sie bewiesen ihre völlige Unfähigkeit, an der Spitze ihrer Schüler auf dem Pfade der öffent- lichen Pflicht voranzumarschieren und gegen jene Tendenzen an- zukämpfen, die der höheren Schule polizeiliche Funktionen auf- oktroyieren möchten. Indem sie vielmehr diesen Tendenzen Gehorsam leisteten, haben diese Professoren Demoralisation in die Reihen der studierenden Jugend getragen und damit endgültig das hohe Ansehen degradiert, das mit dem Beruf des Professors früher verbunden wurde.. In dem Falle Arons sind solche Resolutionen von deutschen Professoren nicht verfaßt worden I— Oesterreich-Ungarn. Di« Delegationen sind am Mittwoch geschlossen worden. Frankreich. Gcneralrats-Stichwahlcn im Seine-Drpartcmcnt. Paris, 6. Juni.(Eig. Ber.) Die neun Geueralrats- Stichwahlen ergaben folgendes Resultat: vier Radikale, drei Socialisten, darunter ein neugewählter revolutionärer Socialist, und zwei Nationalisten. Die letzteren verlieren zwei Sitze, je einen zu Gunsten der Radikalen und der Socialisten. Die Radikalen ver- lieren zwei Sitze an die Socialisten. Die Socialisten gewinnen so- mit drei Sitze. In den Stichwahl-Ergebnissen erschöpfen sich die Mandatsverschiebungen, da im ersten Wahlgang lauter Bisherige ge- wählt wurden. Ihre zwei behaupteten Sitze verdanken übrigens die Nationalisten dem Verrat der Radikalen. Die betreffenden Sitze wären in der Stichwahl sicher den Socialisten zugefallen, wenn die Radikalen für sie gestimmt hätten. Einer der beiden Nationalisten gab sich für einen Linksradikalen aus. Resultat der beiden Wahlgänge: neun Radikale, ftinf Socialisten, sieben Nattonalisten und Melinisten, oder— nach der amtlichen Einteilung— elf Radikale, fünf Socialisten und fünf Rechtsparteiler sdie Parteizugehörigkeit einzelner bürgerlicher Erwählter ist ja schwankend). Der neue Generalrat, 80 Pariser GemeinderatS-Mitglieder und 21 Vertreter der Bannmeile, hat danach diese Zusammensetzung: 29 Socialisten, 29(oder 31) Radikale und 43(oder 41) Rechts» parteiler. Die Linksmehrheit des Gemeinderates ist im Generalrat durch die Bannmeile-Wahlen verstärkt worden.— Loricnt, 7. Juni. Der englische Oberst Gordon, welcher in Belle-Jsle verhaftet worden war, weil er in eine Spionage- angelcgcnheit verwickelt sein sollte, wurde auf Anordnung der Re- gierung vorläufig auf freien Fuß gesetzt.— Spanien. Justiz. Wir berichteten vor einiger Zeit, daß unser Genosse Manuel Vigil von dem Provinzial- Gerichtshofe zu O vied o wegen Verspottung der katholischen Religion zu der furchtbaren Strafe von 3 Jahren, 6 Monaren und 21 Tagen Zuchthaus, 200 Pesetas Geldstrafe und in die Kosten verurteilt wurde. Gegen dieses an die Inquisition des Mittelalters erinnernde Urteil legte Vigil Berustmg ein. Dieselbe ist jedoch vom obersten Gerichtshofe verworfen und das Urteil somit rechtskräftig geworden. Dieses drakonische Urteil wegen einer sonst in Spanien durchaus erlaubten Krittk der Religion hat einen Entrüstungssturin nicht nur im socialistischen Lager, sondern auch bei allen Ivahrhaft fortschrittlich gesinnten Leuten hervorgerufen. Sie alle protestieren energisch gegen dieses Urteil. Sicherlich wird dasselbe dazu bei- tragen, in dem klassenbewußten Proletariat die Uebcrzeugung zu be- festigen, daß die herrschenden, von der bürgerlichen Gesellschaft ge- schaffcnen Gesetze die schreiendsten Ungerechttgkeiten in sich schließen.—_ Der Krieg in Ostasien. Von Port Arthur nichts Neues, oder wenigstens nichts Be- bentsames! Ueber die Einschließung Port Arthurs von der Landseite läßt sich das„Berliner Tageblatt" melden: Außer der zweiten Armee unter General Baron Oku(erste, dritte, vierte Division) sind sicher noch die fünfte und elfte japanische Diviston auf der Kwantung-Halbinsel. Sie werden meist als dritte Armee bezeichnet. Daß der russische General Fock, wenn auch unter größeren Opfern, als von russischer Seite zugegeben, mit der 4. russischen Division nach Port Arthur zurückgelangt ist, ver- dankt er dem Umstände, daß seine Umfassung doch nicht soweit ge- lungen war, als hier angenommen wurde. Auch wurde Ssanschilipu nördlich Kintschau mit dem gleichnamigen Ort südlich Kiutschau be- züglich der Gefechte vor der Schlacht am 20. Mai verwechselt. Jetzt stehen die 5. und 11. Division nordöstlich von Port Adam zur Deckung der Bewegung Okus auf Port Arthur. Letzterer ist jederzeit in der Lage, die aus der Kwantung-Halbinsel be- siudlichen japanischen süns Divisionen gegen die von Knro- patkin zu einem Entsatz Port Arthurs heranzuführenden Kräfte zu vereinige» und doch die Belagerung von Port Arthur aufrecht zu erhalten, da weitere Belagerungstruppen mit starker, schwerer Belagerungsartillerie schon bei Dalny gelandet sind und nun zunächst Wohl verschanzt vor Port Arthur in Stellung gebracht werden, so daß sie jeden Ausbruch des russischen Verteidigers verhindern können. Tokio, 8. Juni.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Vier Kanonenboote unternahmen am Montag um Mitternacht eine genaue Rekognoszierung bei Port Arthur zwecks Untersuchung der Einfahrt: sie waren einer scharfen Beschießung ausgesetzt, wobei Kanonenboot Nr. 4 achtmal getroffen wurde und einige Havarie er- litt. Ein Matrose wurde getötet, zwei wurden verwundet. Verluste russischer Schiffe. Nach der„Voff. Zeitung" berichtet Admiral Togo, daß das russische Panzer-Kanonenboot„Gremiastschy" und das Kanonenboot „Gaidamak" am 4. Juni außerhalb des Hafens von Port Arthur auf Minen stießen und in die Luft gesprengt wurden. Kein japanisches Schlachtschiff untergegangen. Tokio, 8. Juni. Amtliche Mitteilung. Die über einen an- geblichen Untergang des Schlachtschiffes„Shikishima" verbreiteten Gerüchte entbehren jeglicher Begründung. „Auch in Japan—" Die Interessen des Landes sollte der Redakteur des „Heimin Shimbun", eines socialistischen Blattes, durch die Ver- öffentlichung eines Artikels, der sich auf den Krieg bezog, verletzt haben. Er wurde deswegen vom Gerichtshof zu Tokio zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und seine Zeitung würbe unterdrückt. Jetzt ist eS dem betreffenden Genossen gelungen, vor der zweiten Instanz ein weniger hartes Urteil zu erlangen; seine Strafe wurde hier auf zwei Monate herabgesetzt und was das wichtigste, das Erschcinungsverbot seiner Zeitung wurde aufgehoben. Immerhin scheint man in Japan nicht ganz so„modern" zu sein, wie in Preußen-Deutschland.— Sozialea. DaS genossenschaftliche Arbeitsverhältnis. Der Genossenschaststag desCentralverbandes deutscher Konsumvereine, der nächsten Sonntag in Hamburg zusammen- tritt, wird sich u. a. auch mit dem kollektiven Arbeits- vertrag in Bezug auf die in Konsumvereinen be- chäftiaten Personen beschäftigen. Außer einem(schon früher kizzierten) Vertragsentwurf für die Bäckerei-Arbeiter liegt nunmehr auch ein solcher für die Markthelfer, Kutscher, Arbeite- rinnen zc. vor. Er ist vom Vorstand des Verbandes deutscher Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter ausgearbeitet und von diesem schon mit dem Vorstand des Centralverbandes der Konsumvereine beraten ivorden. Bei dieser Beratung wurde aber keine Einigung erzielt und des- halb den einzelnen Konsumvereinen eine Erörterung darüber em- pfohlen. In Hamburg wird man gesondert über diesen Entwurf verhandeln, der von größerer Bedeutung als der für die Bäcker ist, weil jeder, auch der kleinste Konsumverein beteiligtes Personal be- schäftigt. Dieser Umstand dürfte auch eine Einigung schwieriger machen. Die wesentlichsten Bestimmungen des Entwurfs sind: DaS Personal ist in drei verschiedene Klassen: 1. Hausdiener, Markt- Helfer, Lagerarbeiter: 2. Kutscher, Geschirrführer; 3. Arbeiterinnen, geteilt. Die L o h n st a f f e l ist entsprechend den Verhältnissen in den einzelnen Orten und Bezirken in fünf Gruppen gegliedert. Demnach wird unter Festsetzung von Anfangs- und Höchstlohn unter- schieden: I. II. in. IV. V. Mark Mark Mark Mark Mark Hausdiener Markt- Helfer. Lagcrarb. 25—33 23—31 21—29 19—27 17—25 Kutscher, Geschirr- führer.... 23-36 26-34 24-32 22-30 20-28 Arbeiterinnen.. 14—20 13—19 12—18 11—17 10-16 Für Lagermeister und Vorarbeiter unterliegt der Lohn freier Vereinbarung, er muß aber mindestens 15 Proz. höher sein, als der der Arbeiter. Die Zulagen erfolgen beim männlichen Personal um 1 M., beim weiblichen um 50 Pf. halbjährlich. Ueberarbeit soll nur in dringenden Fällen geleistet und mit 40 bis 60 Pf. pro Stunde be- zahlt werden. Für Sonntags- und Nachtarbeit soll es 50 Proz. Zuschlag geben. Die Vereine sollen ferner die Versicherungsbeiträge zahlen und im ersten Jahre sechs, im zweiten neun und später zwölf Tage Ferien gewähren. In Bezug ans den ß 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches soll die„verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit", für die der Löhn weiterzuzahlen ist, auf fünf Tage, nach sechs Wochen Beschäftigung auf zwölf Tage bemessen sein. Die Bestimmung des Handelsrechts, wonach in Krankheitsfällen der Lohn Handelsangestellten bis zu 6 Wochen weiterzuzahlen ist, soll auch auf das hier in Frage kommende Personal Anwendung finden. Bei Bedarf von Personal wird in jedem Falle die Benutzung des Verbands-Arbeitsnachweises verlangt, die Kündigung will man auf 14 Tage festsetzen. Streitigkeiten zwischen Verwaltung und Personal sollen durch ein aus fünf Personen bestehendes Schiedsgericht, dessen Spruch sich die Parteien zu unterwerfen haben, erledigt werden. Den Vorsitzenden hätte das Gelverkschaftskartell in einer nicht an der Sache interessierten Person zu stellen.— Der Verttag soll drei Jahre gelten, und wenn er nicht gekündigt wird, auf dieselbe Zeit weiter bestehen. In die Gruppe 1 fallen Berlin und Umgegend, Bremen, Bremerhaven, Elberfeld-Barmen, Hambnrg-Altona, Harburg und Kiel. Dam» kommen auf Gruppe II: 25, III: 25, IV 97, V: 33 Orte. Nach den bis jetzt in den einzelnen Vereinen über diesen Eni- Wurf gepflogenen Erörterungen zu urteilen, wird es ausgiebige De- batten darüber auf dem Genossenschaststag geben. Saarabien vor Gericht. (Privat-Depeschen des„Vorwärts".*) St. Johann, 8. Juni 1904. Fünfter Verhandlungstag. Mittwoch. V o r m i t t a g s s i tz u n g. Beginn der Verhandlungen um 9 Uhr. Aufgerufen werden 31 Zeugen, fünf sind erschienen auf Ladung Heines. Hilger giebt vor Eintritt in die Zeugenvernehmung an: Die Teilnahme der Bergarbeiter in Sachsen und Bayern an der Grubcutontrolle sei nicht anders geregelt wie im Saargebiet. Die gestern angegebenen Löhne verstünden sich ohne Exttavergüttmg. Der Nebenkläger und seine Anwalte teilen dann mit, sie be- hielten sich vor, auf die von Heine auf heute geladenen Entlastungs- zeugen mit Gegenzeugen zu antworten. Aufgerufen wird dann Zeuge Bergarbeiter Geib, der sehr ängst'ich aussagt: 1893 sei er genötigt worden, seine Unterschrift unter dem Centriiins- Wahlaufruf zurückzuziehen, da er seine Maßregelung fürchtete. Er und sein verstorbener Kamerad Schuhmacher hätten diese Erklärung in einer nationalliberalen Versammlung abgegeben. Der Polizei- diener in Illingen hat Unterschriften für die Militärvorlage ge- sammelt. Zeuge ist für die Militärvorlage gewesen und hat deshalb dem Polizeidiener die Unterschrift gegeben. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob er etwa von der EcntmmSpartci terrorisiert sei, giebt Geib eine verneinende Antwort. Frau Eisel bekundet, der verstorbene Bergarbeiter Schuhmacher sei weinend zu Lehnen in die Druckerei gekommen und habe ge- beten:„Sie müssen mich aus dem Centtumsauftuf streichen, sonst verliere ich mein Brot. Ich bin ja Centrumsmaim, muß aber doch meinen Namen zurückziehen." Zeugin bleibt im scharfen Kreuz- verhör bestimmt bei ihrer Aussage; sie macht überhaupt einen sehr glaubwürdigen Eindruck. Den Antrag des Staatsanwalts, den anwesenden Redafteur Lehnen zu vernehmen, lehnt das Gericht ab. Die Zeugen Hauptlehrer Konrad und Kaustnann Nauert wissen nichts Bestimmtes zu sagen. Dagegen hat der Lehrer Quint den bestimmten Eindruck gehabt, daß die Bergleute sich vor den im Wahllokal aufgestellten Beamten fürchteten. In Püttlingen, wo der Zeuge wohnt, ist die große Mehrheit der Einwohner katholisch. Zeuge Spcichcr-Weißgerbcr, Steinhauer aus Püttlingen, be- kündet vor der Wahl 1898, die Bergleute seien so kontrolliert worden, daß sie nicht unbeobachtet wählen konnten. Wenigstens sei dies von den Aengstlichen zu konstatieren. Die Leute schreckten vor den Steigern zurück. Die fürchten ihre Maßregelung. Um sich freie Wahl zu verschaffen, kämen die Arbeiter wenn möglich in Scharen zur Wahl, da sie dann unkontrolliert die Zettel vertauschen können. CentrumSwähler sind von der Grube gemaßregclt worden, wie sie annehmen. Zeuge nennt auf Verlangen mehrere Rainen. Bergarbeiter Veit ist nach seiner Meinung wegen seiner polittschen Gesinnung in eine oberirdische Strafabteilung versetzt worden, in die sogenannte„Rotte". Steiger Bach sagte, das käme wegen des Haltens der„Neun- kirchener Zeitung"(Centrum). Bergarbeiter Konrad sagt auch aus, unbeliebte Arbeiter kämen in die„Rotte", er sei auch wegen des Lesens der Eentrnmszciwng in die„Rotte" gekommen, wo er 3 Mark pro Schicht bekam, während er unterirdisch ungefähr 4,60 Mark verdient hätte. Hilger sagt, Zeuge sei krank gewesen, deshalb sank sein Monats- lohn. Die„Rotte" sei keine Strafabteilung, es kommen Arbeiter hinein, die wir dort brauchen. Beit und Konrad bekunden übereinstimmend. sie hätten die Versetzung in die„Rotte" als eine Schande empiunden. Heine wies darauf hin, daß es auch beim Militär sogenannte „Strafwachen" gäbe, obwohl das Wachestehen keine Schande sei. Hilger glaubt als Offizier diese Bemerkung zurückweisen zu sollen. Heine entgegnet, er habe ja ausdrücklich gesagt. Wachestehcn beim Militär sei keine Schande, trotzdem nännten die Mann- schaften gewisse Wachen„Strafwachen". Der Staatsanwalt sagt, die Bergverwaltting nehme jedenfalls nicht an, die„Rotte" sei eine Sttafanstalt. Heine erwidert: Die Arbeiter nehmen dies aber an, und das ist für uns entscheidend. Darauf bemerkt der Staatsanwalt, gegen die Logik könne er nicht ankämpfen. Dem Zeugen Bergarbeiter Gläser hat Steiger Bach gesagt, vor der Reichstagswahl 1898: Morgen müssen Sie Ihr Glaubens- bckcnntnis ablegen. Sie wissen, wir haben die„Rotte", die Grube „König" und noch was andres. Zeuge hat darauf erwidert, er habe „immer gut gewählt". Die„Rotte" wird voit den Arbeitern als Strafabteilung an- gesehen. Der Staatsanwalt fragt den Zeugen, ob er„gut gewählt" ver- stehe im Centrumssinne, und ob er es„auf sein Gcivisscu" nehmen könne als Katholik, nationalliberal zu wählen. Heine protestiert gegen diese Frage entschieden, da sie auf ein Gebiet übergreife, das mit der Beweisaustmhme nichts zu thun habe. Der Gerichtshof lehnt die Frage des Staatsanwalts ab. Grubenwächter Allers wird gefragt, ob Bergrat Krümmer ihn wegen der Centrumswählerei der Bergleute verhört habe. Zeuge verweigert die Aussage unter Berufung auf seinen Diensteid. Heine beantragt Gerichtsbeschluß, da es doch auch dem Rufe der Bergbehörde schade, wenn nicht alles aufgedeckt würde. Hilger erwidert erregt, Heines Ansichten tangierten den Ruf der Bergbehörde nicht. Heine besteht aber auf dem Gerichtsbeschluß. Das Gericht beschließt, Grubrnwächter Allcrs dürfe sein Zeugnis verweigern. Heine konstatiert darauf: die Bergverwaltting betrachte die Wahl- gcschästc und Wahlgcspräche der Beamten als „amtliche Handlung". Zeuge Buchdrucker Bock erzählt auch über Wahlkontrollen und Einschüchterungen der Bergleute, weiß aber nicht bestimmt sich auf Namen und Lokalitäten zu entsinnen. Pfarrer Royer hat bei der Hauptwahl und bei der Stichwahl 1898 die Lokale besichtigt. Die Arbeiter hätten nach seiner Ansicht nicht unbeobachtet den einmal erhaltenen nationalliberalen Zettel umtauschen können. Das Centrum hatte in Sulzbach eine Wahl- Versammlung einberufen, zu der die Bergleute in Scharen kamen, als sie aber Zcchenbeamte vor der Saalthür stehen sahen, kehrten viele Arbeiter wieder um, jedenfalls doch nur aus Furcht vor Maß- rcgelung. Von einem Bergmann wurde mir gesagt, der jetzige Bergrat Schäfer habe Bergleute gefragt, wohin sie gehen, und als er zur Autwort erhielt:„In die Centrumsversammlung," da habe Schäfer gerufen:„Schämt Ihr Euch nicht, in solche Gesellschaft zu gehen?" Royer kann auf Befragen sich des Namens seines Ge- währsmannes nicht entsinnen. Da meldet sich Angeklagter Krämer als derjenige, zu dem Berg« rat Schäfer dicsAeußerung that und Kränier, der Katholik ist, hat sie dem Pfarrer Royer mitgeteilt. Zeuge Roycr bekundet auf Vorhalt des Nebenklägers und des Staatsanwalts, der Konttollapparat habe zweifellos die Wirkung der Einschüchterung auf die Arbeiter gehabt, wie ihm viele erzählten. Namen zu nennen weigert sich der Pfarrer mit Rücksicht auf sein Amt als Seelsorger. Pfarrer Diedier aus Altenkessel erzählt: In seinem Ort hätten die nationalliberalen Vertrauensleute, darunter viele Zechenbeamte. die Ilcbcrwachung so systematisch organisiert gehabt, daß der Reichstag 1893 den ganzen Wahlakt für ungültig erklärte. Mehrmals während des Wahltages seien die Stimmzettel der Nationalliberalen in Form und Faltung geändert worden, so daß stets die Wahlkontrolleure wußten, wie der Wähler stimmte. Auf Verlangen Rechtsanwalt Heines zeigt der Pfarrer eine Anzahl der damals gebrauchten nationalliberalen Stimmzettel. Eine Sorte ist wie ein„FidibnS" gefaltet, die andre hat eine breitere Ouerfaltung. So gefaltet haben die Leute die Zettel in die Hand erhalten und nur die weniger Aengst- lichen haben sie trotz der Ueberwachung vertauscht. Pfarrer R o y e r sagt weiter aus: am Wahltisch hätten nattonalliberale Beamte zc. gesessen, einer hätte eine Liste geführt, sowie ein Wähler gewählt, hätte der Listeuführer hinter dem Namen entweder einen Strich oder ein Kreuz gemacht. Das sei schon morgens geschehen, also nicht etwa, um zu kontrollieren, wer noch nicht wählte, erklärt Zeuge auf Vorhalt des Rechtsanwalts Lanser. Zeuge hat den Eindruck gehabt, daß mit Hilfe der eigenarttgen Zettel- faltung der Listeuführer wußte, wie die Leute wählten und diese Beobachtung sei in die Liste eingetragen. Hilger und seine Anwalte kündigen zu diesem Falle Gegenzeugen an und bestreiten eine unzulässige Kontrolle. Lehrer König aus Altenkessel bekundet: Auch er hat die eigen- tümliche Zettelfaltung beobachtet, aber er sah auch, daß jedesmal, wenn die Zettclverteiler die Zettel anders falteten, dem Beamten, der die Liste führte, ein Muster dieser Faltung überreicht wurde, so daß derselbe stets genau von jeder Veränderung der Faltung unterrichtet war.(Allgemeine Bewegung.) Eiil Obersteiger gab dem Listenführcr stets Zeichen durch Winke, deren Bedeutung der Zeuge aber nicht verstand. Alle diese Manipulationen wirkten einschüchternd auf die Wähler. Rechtsanwalt Lanser stellt fest, daß trotz der behaupteten Wahlbecinflussung das Centrum dort niehr Stimmen wie der Nattonalliberale erhielt. Das beweise, daß die Wahl nicht so kontrolliert wurde, wie die Zeugen angaben. Bürgermeister Offcrmann aus Wiebelskirchen hat mit den Ver« ttauensleuten der Nationalliberalen die Wählerliste durchgesehen (Wahl 1898) und alle Wähler angezeichnet, die mutmaßlich Centrum gewählt haben. Die so bezeichnete Liste hat er dann der Berg- inspektion, Bergrat Dr. Dietrich, zugesandt, weil Dietrich Vorstand der nationalliberalen Partei war. Heine: Herr Bürgermeister, warum sandten Sie die Liste denn direkt an die Grubenverwaltung und nicht an den Leiter der national- liberalen Partei persönlich? Verfolgten Sie besondere Zwecke, als Sie der Bergwerksdirektion die Namen der eventuellen Centrunis- Wähler angaben? Offermnnn bestreitet entschieden, mit der Listenübersendung eine Maßregelung der Arbeiter bezweckt oder gefordert zuhaben; er habe sogar auf die Couverts geschrieben:„Persönlich abzugeben". Verbandsrevisor Klos, jetzt in Trier, früher Verwalter der Gemeindekasse in Wiebelskirchen, sagt auS: Sein Schwager, ein Bergarbeiter, sei 1898 in die„Rotte" gekommen, nach der Reichstagswahl, angeblich wegen Förderung unreiner Kohle. Der Bestraste nahm aber an, wegen der Wahl. Da sein Schwager jedoch thatsächlich nationalliberal wählte, wandte sich Klos an den national- liberalen Vertrauensmann Arzt Dr. Schneider und teilte dem den Sachverhalt mit. Schneider schrieb darauf einen Brief an den Steiger des Besttasten. Der Steiger verwendete sich beim Ober- steigcr und gleich darauf kam der Schwager des Zeugen aus der „Rotte", während andre Sünder noch wochenlang darin blieben. Rechtsanwalt Heine: Wissen Sie, ob Bürgermeister Offer« mann die Wählerliste an die Bcrgwcrks-Verwaliung sandte, um ihr die Centrumswähler bekannt zu machen? Zeuge Klos: Am Tage nach der Wahl kam der Bürgermeister auf die Gemeindekasse und sagte:„Sie wissen doch auch, was die Bergleute für ein Chor sind. Notieren Sie in der Wähler- liste, welche Leute mutmaßlich Centrum wählten, die Liste wird an die Bcrgwerksdirektio» geschickt, damit sie die Leute mal zurechtsetzt, daß sie sich in Zukunft bessern." Rechtsanwalt Heine: Schön war Ihre That nicht. Der Vorsitzende rügt, daß Heine dem Zeugen eine moralische Vorlesung hält. Heine(fortfahrend): Aber damals waren sie noch jung, heute würden Sie solches nicht wieder machen? Zeuge bejaht. Auf Befragen sagt Klos noch ausdrücklich, der Bürgermeister habe mit Bezug auf die Wahl gesagt: Wes Brot ich esse, des Lied ich singe. Heine konstatiert dann aus dem Vergleich zwischen dem Protokoll der Wahlprüfungskommission des Reichstages und seinem Beweisantrag, der gedruckt vorliegt, daß Rechtsanwalt Lanser ihm fälschlich die Abschreibung der Reichstagswahl- Akten unterstellte. Das sei illoyal und geeignet, die Verteidigung in den Augen des Gerichtshofes und des Publikums zu diskreditieren. Heine hat seine Beweisschrist ohne Benutzung der Reichstagsakten verfaßt. Rechtsanwalt Lanser verwahrt sich gegen den Vorwurf, illoyal zu handeln, und liest den betreffenden Satz aus den Druck' schriften vor. Einen persönlichen Vorwurf habe er überhaupt nicht machen wollen. Heine repliziert, wenn er nicht zufällig die ReichStags-Protokolle zur Hand hätte, könnte er die falsche Citierung nicht nachweisen. Die Unterstellung wäre dann auf ihm hängen geblieben, die Citie- rung sei thatsächlich falsch und sei geeignet, ihn persönlich zu treffen. Der Vorsitzende bittet keine weiteren persönlichen Diskussionen zu pflegen, ein persönlicher Vorwurf sei nicht beabsichtigt gewesen. Zeuge Bergarbeiter Schneider sagt aus: Obersteiger Schmidt habe ihn 18SS aufgefordert, in der Wirtschaft des Speicher-Weitzgeber Spitzeldienste zu thun. Schneider weigerte sich dessen. Schmidt habe dann den Bergmann Blum aus Püttlingen mit der Spitzelei beauftragt. Blum ist später zum Zeugen gekommen und hat ihm steudestrahlend erzählt, er(Blum) habe zur Deckung seiner Ausgaben 20 M. er- halten, von lvem, ist nicht gesagt worden. Hilger fragt den Zeugen, ob er nicht wüßte, daß die 20 Mark vielleicht aus der Unterstützungskasse der Zeche gekommen? Zeuge weiß es nicht. Heine bemerkt dazu, jedenfalls habe Blum zu Schneider gesagt. die 20 M. seien ausgezahlt worden für das Spionieren in der Wirtschaft. Hilger und seine Anwalte nennen Gegenzeugen, deren Ladung dem Nebenkläger für Freitag aufgegeben wird. Der Prozeß wird also diese Woche wohl noch nicht zu Ende gehen. Die Sitzung wird bis 4>/z Uhr vertagt. In der Nachmittags- Sitzung tritt u. a. auf als Zeuge Gendarm Wallicek und bekundet: Ihm sei vom Schlafhausmeister Bremer gesagt worden: Wir müssen machen, daß wir den Bierhändler Drechsler herauskriegen.(Dieser ver- kauft nämlich Flaschenbier an die Bergleute.) Wenn er Schmidtsches Bier verkaufte, dann könnte er soviel verkaufen wie er wollte. Bierhändler Drechsler beklagt sich über Bremer und teilt auf Befragen Heines mit, er führe kein Schmidtsches Bier. Der Bergrat Wiggert, der Vorgesetzte Bremers, fei der Schwiegersohn von dem Besitzer der Brauerei Schmidt. Gendarm Wallicek bekundet auf Vorhalt Heines: Ihm sei von der Bergwerksverwaltung die Wohnung gekündigt, wie er annehmen müsse, wegen seiner politischen Gesinnung, er sei guter Katholik und gelte als„schwarz"; er hat seiner Zeit eine Unterhaltung mit dem Gendarm Häusing gehabt, die schließlich in einen politischen Disput aus- artete. Horcher haben dabei gesessen, und acht oder zehn Tage später wurde Zeuge zum Oberwachtmeister gerufen, der sagte: „Was haben Sie denn gemacht? Wenn das wahr ist, dann werden Sie versetzt." Der Oberwachtmeister legte mir einen Brief von dem fiskalischen Materialverwalter der Grube„Heinitz" vor, der die fragliche Unterhaltung völlig entstellt wiedergab. Ich wurde als„echt schwarz und ultramontan" hingestellt. Der Materialverwalter sagte mir auf Befragen, er sei zweimal wegen der Sache zur Grube gerufen worden. Dort habe das Schriftstück fertig gelegen, er habe nur unterschreiben brauchen; auf diesem Schriftstück habe aber auch noch eine besondere Anmerkung des Bergrats Wiggert gestanden.; Mit Erlaubnis des Vorsitzenden zieht der Gendarm das Dokument aus der Tasche und liest unter atemloser Spannung des Auditoriums folgendes vor:«Wallicek soll sich im Wahlkampfe keineswegs un- parteiisch benommen haben. Er war in Centrums-Versammlungen gleich bereit, einen nicht genügend schwarz gefärbten Katholiken hin- aus zu werfen. Auch soll er bei Verkündung des Wahlresultats(Sieg des Centrums. Der Berichterstatter) große Freude gezeigt haben. Ich halte die Versetzung eines solchen Beamten für angezeigt, wie ich ihm auch die Wohmmg gekündigt habe, die ich für meine Bergleute dringend brauche." Unterzeichnet Wiggert, Bergrat. Zeuge führt dann weiter in sichtlicher Erregung aus. in der betreffenden Versammlung sei nicht das geringste vorgekommen. Zeuge hat dann gegen Bergrat Wiggert beim Staatsanwalt Strafantrag wegen verleumderischer Be- leidigung gestellt, ist aber zurückgewiesen und auf den Weg der Privatklage verwiesen worden, weil«kein öffentliches Jntereffe" vorliege. Zeuge ist aber seither wegen Armut nicht in der Lage gewesen, die Privatklage anzustrengen, versichert aber, die Sache weiter verfolgen zu wollen. Diese Aussagen machen einen außer ordentlichen Eindruck. Hilger und seine Anwälte schweigen, erklären später, Bergrat Wiggert und Landrat v. L a u e r als Gegenzeugen ge- laden zu wissen. Der Gerichtshof lehnt die Ladung ab. Der Staatsanwalt erklärt, der Strafantrag WallicekS gegen Wiggert sei abgelehnt, weil die Gendarmeriebrigade ihm nicht bei- getreten sei. Der Gendarm sagt darauf, ihm sei von der Brigade keinerlei Mitteilung zrigegangen. Weiterer Bericht über diese hochbedeutsame Sitzung morgen wegen vorgerückter Zeit. Donnerstag ist Ruhetag. Die Berhand- lungen werden in dieser Woche kaum zu Ende gehen. £liis Induftrie und Handel Hotelbetricbs- Gesellschaft(Central- Hotel). Berlin. Der Aufsichtsrat hielt gestern eine Sitzung ab. um über den vor einigen Tagen unter VoOöhalt der Zustimmung der Generalversammlung abgeschlossenen Kaufvertrag Beschlutz zu fasten. Durch den Vertrag erwirbt die Gesellschaft die Grundstücke Hotel Bristol. Unter den Linden st— 6, sowie sämtliche Aktien von Conrad Uhls Hotel Bristol Aktiengesellschaft im Nominalbetrage von 1 Million Mfirk. Der Ge- samtkaufpreis stellt sich auf 11 840 000 M. und verteilt sich wie folgt: Für die Grundstücke Unter den Linden 5— 6 beträgt der Kaufpreis 10 040 000 M., welcher in Höhe von 6 000 000 M. durch Ueber- nahme von Hypotheken belegt wird. Für sämtliche Aktien der Conrad Uhls Hotel Bristol Aktiengesellschaft im Nominalbetrage von 1 Million Mark werden 800 000 M. gewährt und di« auf dem Grundstück Behrenstratze 67, welches Eigentum der Aktiengesellschaft ist, eingetragene Hypothek von 1 Million Mark wird übernommen Es sind also im ganzen 4 840 000 M. bar zu zahlen. Der Aufsichtsrat beschloß, der auf den 11. Juni einberufenen Generalversammlung die Annahme des Vertrages zu empfehlen. Für 14 297 400 Mark Aktien der Großen Berliner Strasien bahn sind gestern zum Handel und zur Notierung an hiesiger Börse zugelassen worden. Das Aktienkapital der Gesellschaft beträgt nun mehr 100 082 400 M. Die neuen Aktien wurden von der Ä:esdner Bank zum Kurse von 103 Proz. übernommen und zum gleichen Preise den alten Aktionären zum Bezüge angeboten. Tie Zeche„Bickcfeld Tiefbau", die bekanntlich an die GeWerk- schaft Gras Bismarck übergegangen ist, soll am 1. Juli voll ständig stillgelegt werden. Die Veranlassung besteht nach der kuriosen Angabe der Verwaltung darin, daß beim Bekanntwerden der Verkaufsverhandlungen fast die Hälfte der 850 auf„Bickcfeld Tiefbau" beschäftigten Arbeiter abkehrte und es der neuen Leitung nicht möglich war, mit dem verbliebenen Arbeiterstamm den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Grund ist.wirklich köstlich. Die englische Cunard-Linie, die vor kurzem einen heftigen Konkurrenzkampf gegen die Hamburg-Amerika-Linie, den Nord- deutschen Lloyd und einige englische Schiffahrtslinien unternommen hat, scheint sich eine bittere Suppe eingebrockt zu haben, denn alle diese Linien wollen jetzt vereint gegen sie vorgehen. Aus London wird nämlich telegraphisch gemeldet: Die der Nordatlantischen Kon- ferenz angehörenden britischer? und amerikanischen Dampfschiffahrts gesellschaften haben gestern in einer Zusammenkunft beschlossen� sich den Matznahmen der kontinentalen Linien in dem Tarifkriege an zuschlietzen, welcher den kontinentalen Gesellschaften von der Cunard Linie aufgedrungen worden ist. Jnfolgedessei? ermäßigen die britischen und amerikanischen Konferenzlinien ihre Fahrpreise dritter Klasse auf 60 M., während die American Line sogar auf 40 M. heruntergeht. Auch den Kampfmatzrcgeln in Skandinavien schließen sich die Konferenzlinien durch eine weitere Herabsetzung der Preise an. Tie Petrolenmpreise des amerikanischen Marktes sind seit kurzem im Rückgang begriffen: eine Bewegung, die bereits auch den Ham- burger und Antwerpener Markt zu Preisherabsetzungen veranlatzte In Anbetracht der monopolistischen Stellung der Rockefellerschen Standard Oil Company auf dem amerikanischen Markt und der Thatsache, daß die amerikanische Produktion nachläßt, ist nicht daran zu zweifeln, daß hinter dieser Rückwirkung Rockefeller selbst steht und das Ziel dahin geht, die neuentstandene rumänische und öfter- reichische Konkurrenz zurückzudrängen. Für die deutschen Kon- sumenten ist dieser Konkurrenzkampf höchst vorteilhaft; sie werden voraussichtlich in nächster Zeit ihren Bedarf in Petroleum etwa billiger kaufen können. Leider nur erscheint es als nicht aus- geschlossen, daß sich nach einigen Unterbietungen schließlich die großen Petroleum-Gesellschaften zu einem Kartell vereinigen und daß dann der Konsument um so stärker geschröpft werden. Die russische Geschäftslage hat sich in letzter Zeit wesentlich verschlechtert, da die Banken— auch die Staatsbank— ihre Kreditgewährung mehr und mehr einschränken. Die russische Presse be- streitet dies zwar und sucht aus einigen in letzter Zeit erfolgten nebensächlichen Betriebsvergrötzerungen und Aktien-Emissionen zu beweisen, daß Rußlands Wirtschaftsleben durch den Krieg in Ost' asien nur wenig beeinflußt wird; aber die fast aus allen Gegenden Rußlands besonders aus Polen, herüberbringenden Nachrichten über steigende Geschäftsstockung beweisen das Gegenteils Auch der Peters burger Korrespondent der«Franks. Zeitring" berichtet, daß sich eine zunehmende Verteuerung oeS Geldes und große Zurückhaltung seitens der Geldgeber bemerkbar macht. Im Inneren wird allent- halben über Einschränkung der Kredite. Abnahme der Umsätze und drohende Insolvenzen geklagt. So hieß es z. B. erst vor'wenigen Tagen in Meldungen aus Warschau, die Zurückhaltung der Banken erreiche den höchsten Grad, so daß für die große Mehrzahl der Händler und Fabrikanten, namentlich der kleineren, überhaupt kein Kredit mehr zu erlangen sei. Die Handelsumsätze seien daher äußerst beschränkt und es häufe sich die Zahl der Insolvenzen. Aehnlich ist die Signatur auch an andren Orten. Daß aber nicht bloß die privaten Banken ihre Operationen ein- schränken, sondenr auch— und zwar im Gegensatz zu den anfäng- liehen hochtönenden Versicherungen— die Staatsbank, das beweisen deutlich die Bankausweise. Sie zeigen, daß seit Beginn des Krieges eine ganz erhebliche Einschränkung der Aktivgeschäfte eingetreten ist. So z. B. ist die Wechselanlage von 262,7 Millionen Rubel am 1. Februar auf 216,4 Millionen Rubel zum 16. Mai zurückgegangen, die«On csll-Darlehen" ermäßigten sich von 90,6 auf 79,1 Millionen, die Warenvorschüsse von 52,6 auf 37,6 Millionen, die industriellen Darlehen von 41,9 auf 39,3 Millionen. Gleichzeitig hat die Bank ihren Effektenbesitz von 56,2 auf 41,4 Millionen herabgemindert. Im ganzen haben sich die Darlehen in den letzten dreieinhalb Monaten um rund 70 Millionen Rubel verringert. Dabei ist zu beachten, daß die Depositen, mit Ausnahme natürlich des Cm? tos der Staats- rentei, keineswegs eine Abnahme erkennen lassen, sondern in dieser Zeit noch um 5 bis 6 Millionen gestiegen sind. Nun läßt sich zwar gewöhnlich um die jetzige Jahreszeit eine Abnahme der Aktivgeschäfte konstatieren; sie erreichte aber z. B. im Vorjahre in der Zeit vom 1. Februar bis 1. Mai erheblich weniger als jetzt(nur 49 Millionen) und war überdies durch«ine gleichzeitige Abnahme der privaten Depositen bedingt, die jetzt nicht vorliegt. Es ist danach nicht daran zu zweifeln, daß die Staatsbank, um den Abhebungen der Staats- rentei für die Kriegsbedürfnisse ohne allzu rasche Ausdehnung des Notenumlaufs genügen zu können, sich genötigt sieht, die Kredit- gewährung systematisch einzuschränken. Ernte-Aussichten in Rumänien. Wie Ungarn, über dessen schlechten Saatenstand wir vor einigen Tagen berichteten, steht auch Rumänien vor einer schlechten Getreide-Ernte. Der Herbst des ver- gangenen Jahres brachte, wie der.Vossischen Zeitung" aus Bukarest itnd auf einen schnee' vor geschrieben wird, nur geringe..., losen Winter folgte ein regenloser und kalter Frühling, worauf einigen Tagen plötzlich sommerliche Hitze eintrat. Der Boden ist durch imd durch ausgedörrt, und in einem großen Teil des Landes erscheint die Weizen ernte so gut wie verlorem Bloß in den Gebirgsgegenden, sowie in einigen Teilen der Moldau lind der kleinen Walachei, wo es reichliche Niederschläge gab, ist die Lage eine halbwegs günstige. Die in der Ebene gelegenen Distrikte aber, von Braila bis Teleorman werden eine sehr schlechte Ernte haben, und selbst wenn jetzt Regengüsse kommen, so können sie dem Weizen weit eher schaden als nützen. Ueber den italienischen Zuckrrtrust wird uns in Ergänzung unsres Berichts in Nr. 131 des«Vorwärts" aus Rom geschrieben: Im Laufe der letzten zwei Monate ist der Preis des raffinierten Zuckers in Italien(Detailverkauf) von 1.30 Lire pro Kilo auf 1,45 gestiegen und der Preisausschlag dauert fort, sodaß man im Laufe eines weiteren Monats auf 1,60 Lire kommen dürste. So steht eS schon heute um den Konsumenten, Ivo der Zuckertrust erst seit drei Tagen perfekt geworden ist._ Zwanzig Firmen sind ihm beigetreten und sein Attienkapital beträgt zunächst 80 Millionen Lire. Wie wird der uns die Zuckerschale im Laufe der nächsten Jahre hoch hängen I Dieser Trust ist nämlich Herr des Marktes, wie in keinem andren Lande. Er umfaßt zwar heute nur zwei Drittel der Fabrika??ten, aber mehr als vier Fünftel der nationalen Produktton, und er ist außerdem in der glücklichen Lage mit der internationalen Produktion gar nicht rechnen zu müsse». Beträgt doch der Einfuhrzoll für raffinierten Zucker in Italien 99 Lire für den Doppel-Cent?ier, für Rohzucker 88 Lire. während die Fabrikationstaxe für inlä?idischen Zucker bei raffiniertem 70,15 Lire, bei Rohzucker 67,20 Lire bettägt. Die Differenz bettägt also im ersten Falle 28,35 Lire, im zweiten 20,90 Lire pro Metercei?tner zu Gunsten der«natto??alen Produktion". Dieser Vorsprung, der schlechterdings jede, auch die kapitalkräftigste Konkurrenz ausschließt, ivird nun von dein Trust benutzt, um den Konsumenten das Messer an die Kehle zu setzen. Die Losung ist, die inländische Produklion, die sich seit dem Jahre 1897 mrgefähr verhrindertfacht hat, zu verini??der?l und die Preise zu erhöhen: wttd dadurch ein hochlvichtiger Bestandteil der Volksnahrring den großen Massen unerschwinglich teuer, so spricht das natürlich nicht gegen den Trust, der sich auch mit geringerem Umsatz begnügt, wenn nur der Reinverdienst steigt. § 326 unsres Strafgesetzbuches, der die durch unehrliche Kunst- griffe herbeigeführte Steigeru??g der Lebensmittel mit Gefänglris bis zu fünf Jahren bedroht, kommt hier natürlich nicht in Betracht. Es geht ja höchst ehrlich dabei zu und außer der großen Masse, die ja dazu da ist, wird niemand begaunert. Versammlungen. Die Sektion der Putzer des Ccntralverbandes der Maurer (Zweigverein Berlin) hielt am 5. Juni in den Arminhallen eine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand:„Welche Folgen hat bis jetzt die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit gezeitigt?" Dazu bemerkte der Vorsitzende H. Neumann: Die Folgen seien nicht, wie sie sein sollten. Statt des von den Erfolgen der Organisation zu erwartenden regen Vereinslebens mache sich in dieser Zeit der augenblicklichen guten Konjunktur eine Jnteressen- losigkeit unter den Kollegen breit,!oie sie für einen langorganisierteu Beruf unnröglich sein sollte. Nicht nur, daß die Versammlungen und Bezirkssitzungen schwach besucht seien, auch auf den Bauten zeigte?? viele Kollegen eine schädliche Gleichgültigkeit. Es werde viel zu oft unterlassen, neu hi??zukommende Kollegen zu fragen, ob ihre Papiere in Ordnu?ig seien. Das dürfe nicht so weiter gehet». Gerade die gute Konjunktur müsse ausgenutzt werden, um zu organisieren, damit mau in der schlechten Zeit die Kollegen zu- sanrnien habe und gewappnet dastehe. Wenn man die Zeit ungenützt vorübergehen lasse, könne das schlimme Folgen haben. So sei jeder der Anwesenden verpflichtet, dieser Jnteressenlosigkeit unter den Kollegen entgegen: zu wirken. Redner besprach im Anschluß hieran noch einige interne Vereinsangelegenheiten.— In der folgenden Debatte sttmmten die meisten Redner ihm zu.— Mit Bezug auf eine Ende dieser Woche stattfindende Sitzung sämtlicher Vorstände des ZliKiigvereins Berlin, wo eine Regelung der Verhältnisse von Zahlstellen in Frage steht, wurde von verschiedenen Seiten betont, daß die Putzer unbedingt an der Selbständigkeit ihrer Sektton inner- halb des Ztveigvereins festhalten müßten.— Die Versammlung beschloß gemäß eiriem Antrage der Obmänner die Aufhebung des Beschlusses der letzten Versammlung, wonach das Stiftungsfest am Montag, den I. August, in der„Neuen Welt" stattfinden sollte. Es wurde beschlossen, das Fest am 27. August, einem Sonnabend, im Berliner Prater abzuhalten.— Die Geschäftsberichte pro 1903 können die Mitglieder aus den Bezirkslokalen abholen. Deutscher Kürschnerverband(Zahlstelle Berlin). Am 4. Juni tagte die Sektionsversam???lung der Militärmützenarbciter. Durch Aussprache der Kollegen wird festgestellt, daß einige Fabrikanten ver- srlche??, unter Tarif arbeiten zu lassen, und ist es vor allem die Firma Freyer, HeinerLdorfersttaße, welche weniger bezahlt alS sie durch Unter- schrist zugestanden hat. Es wird beschlossen, deswegen in Berlin ?lnd Umgegend Werkstattfitzungen für die Branche unter Hinzuzieh?mg der Ortsverwalwng abzuhalten, um ein klares Bild zu erhalten, wie die Situatton al?genblicklich ist. Beschlossen wurde, Werfftattkasfierung einzuführen zur Erleichteru??g der Ortskassenführung. Auch versprechen sich die Versammelten einen guten Zusammenhalt der Kollegen davon. Aufgenommen wurde ein Kollege. Kollege Richter ersucht,?lm ei??en regen Verkehr mit den Potsdamer Kollegen zu unterhalten, sich rege an der Tour nach dorthin zu beteiligen, welche am 12. d. Mts. stattfindet._ Letzte f�aebnehten und Depefeben. Schiedsspruch in Sachen de? Brauerstreiks. Hamburg, 8. Juni.(28. T. B.) Der Schiedsspr??ch des EinigungS- amtes in dem Brauerstreik ist heute veröffentlicht worden. In de?nselben wird bemerkt, daß für die Arbeiter kein genügender Grund vorgelegen habe, in den Ausstand zu reten. Der von den Arbeitgebern angebotene Tarif enthalte gegen früher mehrfache Verbesseru??gen. Es könne den Arbeit- geberi? nicht zugemutet werden, sän?tl?che ausständigen Arbetter sofort wieder einzustellen. Die Arbeitgeber versprechen jedoch, die Arbeiter nach??nd nach ohne Matzregelungen nach Bedarf lvieder einzustellen. Die Parteien müssen sich b?s zum 13. d. M. erkläre??, ob sie sich dem Schiedsspruch unterwerfen wollen. Bon festen der Brauereien ist dieses bereits heute geschehen._ Fabrikbrand. Saalfeld, 8. Juni.(B. H.) Ein großer Brand brach heute nacht in der Tuchfabrik von Fischer u. Seige aus. Das Gebäude wurde vollständig eingeäschert. Der Betrieb beschäftigt ca. 700 Personen. London, 8. Juni.(B. H.) Wie berichtet wird, ist der Korrespondent des„Daily Telegraph", Etzel, aus Befehl eines Man- darinen getötet worden. Konstantinopcl, 8. Juni.(B. H.) Im Lazarett von Bafora ist die Cholera ausgebrochen. Bisher wurden 25 Cholerafälle konstatiert. Ovideo, 8. Juni.(W. T. B.) In einer hiesigen Kohlengrube and eine Explosion schlagender Wetter statt mfolge der Unvorsichttg- keit eines Arbeiters, der in einer Galerie geraucht hatte. Bis mittags waren 25 Tote und zahlreiche Verwundete geborgen. Die Retttingsarbeiten?verden fortgesetzt. Tanger, 8. Juni.(Meldung deS Reuterschen Bureaus.) Nach einer hier aus privater Ouelle eingettoffenen Nachricht hat der Sultan angeordnet, daß sämtliche von den? Banditen Raisusi ge« telltei? Bedi??gungen erfüllt würde??, damit die Freilassung deS Amerikaners Perd?caris und dessen Stiefsohnes beschleunigt werde. Montevideo, 8. Juni.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Nach einer amtlichen Meld?lng haben die Regierungstruppen einen Sieg über eine Abteilung Auffländischer, von denen viele gefocklen find, davongetragen. 4000 Pferde wurden erbeutet. Rio de Janeiro. 8. Juni.(W. T. B.) Ein Gesetzenttrmrf be- treffend die Reorganisatton der Marine ist heute in der Kammer der Abgeordneten eingebracht worden. Der Entwurf sieht den A?l- kauf von 28 Schiffen vor, darunter drei Schlachtschiffe und drei Panzertteuzer. Beim Bau der Schiffe sollen englische Werften bevor« i ugt werden. Der Entwurf dürfte die Zustimmung der Regierung inden._ Weitere Truppenaufgebote der Engländer gegen Tibet. Simla, 8. Ju??i.(B. H.) Die nach Tibet abgegangene englische Verstärkungsexpeditton umfaßt 4 Eingeborenen-Reg?menter in einer Stärke von 2800 Mann, 400 königliche Schützen, 250 Genieschützer?, 250 Mann Gebirgsarttllerie. 100 Mann eingeborene Artillerie mit insgesamt 12 Geschützen und einer Anzahl Maxim-Kanonen. Petersburg, 8. Juni.(W. T. B.) Der„Russischen Telegraphen- Agentur wird auS Mulden von heute gerneldet: Nach hier eingetroffenen Nachrichten beschießt ei?? aus neun Schiffen bestehendes japanisches Geschwader seit gestern die Kiiste zwischen Ssemutschen und Kastscho??. Washington, 8. Jurri.(Meldung des„Reuterschen Bureaus.") Nach einem hier eingegairgenen Telegrarnm s???d amerikanische Marinesoldaten in Marocco gelandet worden._ Verantw. Redattkur.: Pa«l Büttner. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer S-Co.. Berlin SW. Hierzu2Beilagenu.UnteMltunssdlatt Nr. 133. 21. 1. Itilajf Ks Jotuitls" Ittlinn üolblilatt Dounerstag, 9. Ihm 1904. Reichstag. 98. Sitzung. Mitttv och, den 8. Juni 1904, nachmittags 1 Uhr. Am BundesratStische: Freiherr v. Stengel. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der zweiten Beratung der Novelle zum Mnnzgesev. Abg. Osel(£.): Man kann über dies Gesetz und seine Berawng Ivohl das Motto setzen: Biel Lärm um nichts. Bedeutung hat die Vorlage überhaupt nur dadurch bekommen, daß man die Erhaltung des Thalers als gewöhnliche Scheidemünze in der Kommission bc- schlossen hat. Der preustische Thalcr ist auch in Süddcutschland sehr gerne gesehen, er erfreut sich thatsächlich in weiten Kreisen des Volkes grostcr Beliebtheit. Die Fünfmarkstücke aber sind sehr un- prakttsch. sie ruinieren wegen ihrer Grötze sehr bald die Geldbeutel. (Sehr richtig I) Bayrischer Bevollmächtigter Ritter v. Burckhardt: Der bayrischen Regierung ist nichts davoir bekannt, daß ein Bedürfnis nach dem Thaler besteht, im Gegenteil, die Thaler sind überall in die öffent- lichen Kassen zurückgeflossen. Der Thaler verstößt gegen das Prindp des Münzgesetzes, und die bayrische Regierung wird lieber auf das kleine Fünfzigpfennigstück verzichten, als daß sie jetzt einer solchen Maßnahme zustimmt. Ich bm in der Lage, für die bayrische Regierung erklären zu können— und verschiedene andre Bundesstaaten iverden wohl ebenso beschließen—, daß wir dem Gesetz in der von der Kommission beschlossenen Fassung die Zustimmung v e r- sagen würden. Wird dagegen der Wunsch auf Ausprägung von Thalern in der Form einer Resolutton angenommen, so sind wir bereit, Erhebungen nach dieser Richtung zu veranstalten. Abg. Dr. Pachnickc s» g« TSetter-Prognose für Donnerstag, den 9. Juni 1904. Nachts etwas wärmer, am Tage ein wenig kühler, vielfach wolkig leichten Negensällen und mäßigen westlichen Winden. 7 7 10 18 mit Kur den Inhalt der Inserat« übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. ■Mroamp iimwii Zheatcr. Donnerstag, den 9. Juni. Ansang T/, Uhr: Opernhaus. Der Waffenschmied. Neues Opern-Xheater. Die schöne Helena. Deutsches. Die Weber. Berliner. Der jüngste Lieutenant. Lessing. Zapsenstteich. Belle-Zllliance. Kam'rad Lehmann. Anfang 8 Uhr. Westen. Maria Theresia. Schiller O. sWallner« Theater.) Ein unbeschriebenes Blatt. Schiller IV.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Das Heiratsnest. Neues. Einen Jux will er sich machen. Kleines. Nachtasyl. Residenz. Die 300 Tage. Central. Madame Bonward. Carl Weih. DaS Geheimnis der alten Mamsell. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. ReichshaUen. Stetttner sänger. Passage-Theatcr. Specialitäten. Urania. Tanbenstrafte 48/49« Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Juvalidenstrahe S7/K!!. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sieh machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: lladalo uns wob». esntrAl-Tksster. 8 Uhr: Madame Bonivard. Schwank in 3 Allen v. Biffon u. Mars. I o s e s i n e D o r a als Gast. Freitag, Sonnabend: llspsgono. Sonntag: vor Raub der Sabinerinnen. Kleine� Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl, Ansang 8 Uhr. Morgen: Xaclitasj l. Schiller-Tlieater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Ein anbeschriebenes Blatt. Lustspiel in 3 Ausz. v. E. v. Wolzogen. Freitagabend 8 Uhr: l>aa11iie. Sonnabendabend 8 Uhr: Ein unbeschriebenes Blatt. Schlller-Theatcr\-. (Friedrich-Wilhclmstädtisches Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Ha» Ile1rat«ae«t. Freitagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Sonnabendabend 8 Uhr: Pension Schüller. Im Garten täglich gr. Militär-Konzert 0wwwww9w9 Ä Hasenheide 10 Neue Welt. 108/114. Arnold Scholz. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Uie ismei Hilgen. Sternwarte SSS; VIII. Fachausstellung >dtt dkiltjHcn Ulempkü-ZmiiiiigeiiZ umfasselld Mtiatl-Iudnstne. Dauer bis einschließlich 14. Juni. Z Heute Donnerstag:§ E!ite*TagS „ L Resses •• Xassen-ienerwerk•• deS Pyrotechiiikers Herrn A. Bock. 1�*» Ganz neue sensationelle Ueberraschungen. Grotzes MMtär-Konzert. Spedalitäten-Vorstellnng. Das Sensations- Programm. Die Ausstellungshallen sind von 9 Uhr vormittags ab geöffnet. Entree 75 Pfennig. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Entree 50 Pf. 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Abends 8 Uhr: Das dreiakttge SenfattonS-Volksstück Gr. Extratanz. Tanzlehrer Hoppe. Ansang 4'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. rer nfilkz7'9 Täglich: Goldene Herzen. Pantom.: Im Nachtasyl. Harris, Krastjonglenr. Tho Jarrey.— Ulpls.— LangOo. Ball, Konzert, SpecialTtät. Ansang 4 Uhr. Elntr.30Ps.Num.$1.50 Pf. II eich Phallen it N-uI Piefke'bei Bater Philipp. wW-IMMw Der Leichenfund in Charlotienburg. Oer phänemenale Riesenknabe: Der lange Josef, 16 Jahre alt, 217 cm gross. Silnr-Mu Am Königsthor. Am Frieilrichshain. Täglich: Theater- um Volksbelustigungen. Im Saale: Sü A Ii Ii. Zum Schlust: Kerimer Konftittignensen. Große GcsangSposse in 2 Bildern. Enlrec 30 Ps. LMwstr. IN/112. 1 il g 1 1 0 1: im Karten oder Saal: ftorsts norddeutsche Kumorlsten und Quartett«Sänger. Auf.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Koos haben Gültigkeit. freie Volksbühne MM" Ordner-Sitzung: So,T,aw, den abends 8'/. Uhr im Gewerkschaftshause. Das Erscheinen aller Ordner ist nötig. Die alten Mitglieds-Karten sind nach gjyO© Sohluss der Vorstellungen in den Zahlstellen abzugeben mit der Erklärung bez. der weiteren Mitgliedschaft. MM" Cieneral' Versammlung: Donnerstag, den 30. Jnni 1904, in den Industrie- Festsalen, Benthstrasse. Die Tagesordnung wird noch bekannt gemacht. Sonntag, den 13. Janl, nachm. 3'/, Uhr: 16. Abteilung im Metropol-Thentcr: Die Schmetterlingsschlacht. 229/3 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Specialititen-Tiieater, ffo?' Bl BKA Landsberger Allee 76/79. Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! im herrliche» Garten od. gr.Saal: Das konkurrenzlose Juni-Programm, ca. 36 krstKlasSge Numluer» mit stürmischem Beisall, u. a. Neu sür Berlin i»arco et Tatgana. Jackson- Troupe, Akrobaten, 5 Pers. Die Orig.-Eeirotts, Burleske exccntric. Die Berliner Lieblinge Orig.! Ulla Roseiii, Tanz-Soubrette, Orig.: Frilz Grand, Humorist. Walter Oarton, das Phänomen usw. Ab 11. er.: Die berühmte Walson- Troupe, Jkarischc Spiele, 5 Personen. Kassecküche. Volksbelustigungen. Sonnlag, stlontag. k/Iilwocii LzN und Sonnabend bis 2 vbr: ÖOll. Max KKem's Sammer-Theater Hnscnhcide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Gr. Konzert, Theater- u. Speciaiitäten-Voisteüung Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden MittwoWDie beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Die Kaffeekiiche ist iöglich von 2 Uhr ab geöffnet.__ 2 hochelegante Kegelbahnen, Witrselbudcn, Konditorei, Blumenstmid zc. In den Stilen: Satl. �KZISSCACZ. Koiibnser Thor— Siat. der Hochbahn. Täglich im Garten: Hohmaruis Norddeutsche Sänger. Sonnlag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. _ Wochentags haben Vorzugs karten, auch die zu den Theater- abende!! ausgegebenen, Gültigkeit. —Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere GM« iffrttol Bestellungen it. Mast, tadell. NuSs.| Werkstatt im Hause. JiürzöeFp, tolijistr.ll WKU Direkt am Alexanderplatz. I Konzert-Garten SW., Kreuzbergstr. 18. Jeden Freitag: Harburger Sänger. Jeden Sonntag: Frei-Moiszert und Hall. (RHEINWEIN empfehlen>mr für ihre Mitglieder die Anschaffung folgender Schristen zu Vorzugspreisen: Dr. Fritz Brubpacher;„Kindersegen und— lein Ende?" 30 Ps. Rud. Krafft;„Opfer der Kaserne." ö0 Pf. Paul Kampttnte>er:„Wandlungen in Theorie tmi 10 Näherei «»Irl!»«o., München. VeAagSverzeichms umsonst u. frei. cheorie i demokratie." 7ö Pf. 54082" Näheres durch den Perlag von HM"TTeues Programm. Masen u. Fordes, arnerik. Excentrics Clement Linn, Zauberkünstler. Lydia Dobranow, Feuertänzerin. Professor Maboul, kom. Jongleur. Perzinas dressierte Allen. Gebrüder Schwarz, Parodisten. Will Mora, Keckkünstler. Heloise Titeomb, Sängerin. Die 4 Milans, Kraftnummer. Neiss-Familie, akrobatischer Akt. „Carnevalsgeister", Ballett. Liebenno Photographien vom Kriegsschauplatz. Erklärung. In den beiden ersten'Auflagen meines Buches„Aus dem Zuchl- hause" findet sich folgende Stelle: „Dafür, daß recht viel falscher Klatsch in die Presse fam, sorgte Herr N o rm an n-S ch um a n n, der sich aus dem Korridor umher- trieb, Zeugen zu beeinflussen snchie und hier wie anderswo Politik aus eigne Faust machte,— ich betone besonders: zu meinen Gunsten." Diese Behauptung ist, soweit sie sich aus Herrn Normann-Schumann bezieht, irrtümlich. Ich war zu diesem Irrtum durch eine mir von ver- trauenswerter Seite zugegangene Mitteilung veranlaht worden, habe mich aber überzeugt, dast Herr Nor- mann-anil während meines Prozesses in Hannover gar nicht an- wesend gewesen ist; ich habe deshalb bereits vor Monaten die angeführte Stelle in der dritten Auflage meines Buches entsprechend berichtigt. Dans l.enss, Arbkiw tri dchnim Ar Dchm«! Unterstützt die streikenden Bückerei-Arbeiter in ihren: schweren Kampfe zur Erringung menschenwürdiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Kauft nur Brot und andre Backwaren aus den Bäckereien, in welchen unsre bescheidenen Forderungen erfüllt werden. Mv dovt sind die Torderrnigeti bewilligt, wo die mit dem Stempel des Verbandes der Säeker, Mitgliedschaft Berlin, und der Unfersehrift: Kurl Hetzschold, Rchnthulkrjiriißt 11-12 versehenen?lahate aushängen. Wir bitten das geehrte Publikum, streng auf obiges zu achten, da Von Vielen Bäckermeistern versucht wird, durch Aushängen von nachgeahmten und gefälschten?lahaten die Bevölkerung zu täuschen und irrezuführen. Wir appellieren an das Rechtsgefühl des Brot konsumierenden Publikums, diese Versuche der Täuschung, die von den Bäckermeistern unternommen werden, zu Nichte zu machen. Wir hoffen, dass nns die Sevölhemng auch femer wie bisher in unserm berechtigten Kampfe unterstützen wird! Wir machen das verehrte Publikum darauf aufmerksam, daß eine ganze Reihe Bäckermeister und Händler die Forderungen entweder zurück- ziehen oder durchbrechen. Wir haben daher diesen Leuten unsre Plakate entzogen. Viele Meister nehmen, durch die Innungen scharf gemacht, unsre Mahnte ans den Venstem und machen den Kunden gegenüber allerhand Ausreden. Bäckermeister, die ihre Bewilligungen zurückgezogen haben oder denen die Plakate von uns entzogen sind: Sloahlt. JB. Nastkt, Emdenerstr. 50. Th. Neumann, Oldenburgerstr. 10, P. Warzynack, Lchrtcrstr. 31. G. Nmijocf, Ouitzoivftr. 190. Hugo Berg, Oldcnburgerstr. 23. Wtlh. Knetsch, Luberferstr. 24. Bodenstein, Wilhclmshavcncrstr. 12. Wtlh. Godt, Emdenerstr. 54. Wilh. Ballin. Stromftr. 55. H.Schmelzer, Wtlhelmshavenerstt.39. Rtid. Giesmann, Oldenburgerstr. 8, G. Klimpke, Ointzowstr. 125. Dsteu: E. Weber, BreSlauerstr. 11. Karl Opalte, Frankfurter'Allee 80. August Hoffinann, Petersburger- slraße 38. Sedlatscheck, Blumenstr. 84. Franke, Koppenstr. 20. Lartsch, Landsberger'Allee 37. Brückner, Ebertyslr, 52. R. Hest, Koppenstr. 70. W. Ninsch, Waldstr. 7. H. Ltedke, Stephanstr. 51. Georg Hein, Jagowstr. 20. Karl Schwarz. Havclbergcrstr. 24. Franz Bnnch, Lubeckerstr. 52. Franz Metcke, Bandelsw. 27. Rod. Pracger, Bandelstr. 30, Adolf NeisewiN. Wiclesstr. 27, Ferd. Pfrlsfer, Perlebergerstr. 44. Sern?. Koller, Brcdowstr. 43. ngo Hildebrandt, Birkenstt-. Wilh. Schulz. Godkowskvstr. 10. j0 Hildebrandt, Birkenstt'. 19. I. Auster, Waldenscrsir. 41. Jericho, Büschingstr. 17. Knüpfer, Weberstratze 1/2. W. Schlick, Gr. Franksurierstr. 38. P. Genbmann, Watzmannftr. 20. G. Drescher, Lebuserstr. 2, Hetnr. Buschner, Weberfftr. 52. P. Kretschmer, Gr. Franksmlcrst. 74. A. Ladah», Weberstr. 30. H. Wendland, Grüner Weg 88. Krawezewski, Weberstr. 47. Giehse, Landsberger Allee 8. Karl Heide, Slndreasstr. 51. Günther. Grüner Weg 27. W. Ernst. Löwestr. 18. Engel- Hausburgstr. 12. Mehl, Hausburgstr. 5. Klose, Weidenweg 74. Hossmaun, Gubenerstt. Sl. Meinhard, Pintschstr. 13. K. Haak, Gr. Franlsurterstr. 110. Gelyof, Eotheniusstr. IS. Lieseberg, Elbingerstt. IS. I. Grosch- Mehnerstr. 11. Wodke, Barnimstt. 42. Wernicke, Tilsiterstt-. 23. Klanfing. Ebelingstt. 10. Dztutnan, Höchstestt. 11. Dztniuan, Barnimstt. 35. Papke, Frankfurter Allee 40. 1' lemuiing, Kniprodestr. 9. armstädl, Gubenerstr. 42. Südosten. I. Ktiizel, Wratigelstr. 25. E. Töpfer. Muskauerstr. 11. E. Hampel, Eisenbahnstr. 13. F. Hanpt. Eisenbahnstr. 3. E. Kaiser, Mnskanerstt. 54. E. Krzanowsky, Lanfitzer Platz 13. R. Claus, Waldemarstt. 7ö. F. Werner, Pücklerstt. 23. P. Gabler, Muskauerstr. 13. K. Gillard. Manteuffeistr. 19. C. vossmann, Manteuffeistr. 11. A. Stresow, Wrangelstt. 12(5. A. Wohler, Wrangelstt. 9. C. Laudahu, Koprückerstt. 172. R. Heide, Görlitzer User 2. E. Hiibner, Eisenbahnstr. 31. G. Nagel, Pücklerstr. 8. Fiedler, Schlesischestt. 23. Barduhn, Naunynstt. 40. „ Markthalle Pncklerstratze, 3 Stände: Nr. 201, 205, 206. Lerche. Waldemarstt. 62. C. Schulz. Muskauerstr. 34. ,,„ Kottbuser User 59. Nicolas, Wienerstr. 66. Ziorden. W. Senst. Schwedterstr. 2l. Ichliephake, Hussitenstr. 64. linkrodt, Allerstt. 70. Wittftock, Uscdomstt. 12a. Ernst Tchrnttke. Linicnstr. 199. Hofrichter, Strelitzerstt. 15. WiPPich, Lortzingstt. 6. G. Wittenhagen, Schartihorststr. 35. N. Schulz, Lottumstt. 13a. Wöhlcrt, Franseckistr. 7. Andreas Mufiol, Alt-Moabit 42. M. Paalt, Zwinglistt. 22. Ferd. Dürre, Tnrmstr. 62. Franz Weinrich, Bensselstt. 87. Georg Holländer. WilSnackerstt. 37. Hirschberg, Zinzendorsstr. 8. Fr.Köckerib,W!!helniShavenerstr.33c. Adolf Kläde», Bredowstt. 12. Th. Gufig. Oldenburgerstt. 12. Hubert Manz. Beusselftt. 7. Kummcran, Alt-Moabit 87. Schink, Kttchstt. 14. Dchönbrodt, GotzkowZkhstt. 23. P. Kaschel, GrcifSwalderstt. 29. Beetz, Heinersdorserstt. 27. Springer, Wattstt. 10. Lewin, Neue Königstt. 5. , Woldenbcrgerstt. 22. Winsstt. 11. Winkler, Dunckerstt. 23. Verweigert die Herausgabe untres Plakats. Schmidt, Stolpischestt. 4. «adkc.„ 64. Lud. Hinzpeter, Gartenstt. IlX). Künzl, Fehrbcllinerstt. 35. Neumann, Ackerftt. 133. HVestsn. E. Breitkopf, Möckernstt. III. Niemitz, Kochstt. 38. Rühlow, ,. 48 Berger, Schützenstt. 64. Lehmann, Teitowerftr. 38. Benz... 40. Lucascewski, Möckern stt. 110. Walter, Körnerstt. 11. A. Rohrlock. Kttchbachstt. 5. Krak. Glediiichstt. 29. Specht, Putlkamerstr. 20. Süden. Böhme. Schleiermacherstt. 11. Jaenicke, Ritterstt. 40 n. Breitestt. 20. H. Geier, Hollmannstt. 7. Karl Wagner, Schenkendorsstt. 4. Kühn. Chamissoplab 6. Albert Koch, Skaliberstt. 19. G. Kindermann, Drcsdencrstt. 131. Gusta» Wenzel. Kottbuserstr. 21. I. Rutnick, Rcichenbergerstt. 185. Rummler,„ 71. Nkax Schönefeld, Drcsdenerstt. 54. E. Elias.. 00. Otto Bethke, Drbsdenerstt. 64. M. Barlhan. Wasserlhorstt. 12. Otto Bodewig,„ 71. A. Weiner, Wasserthorstr. 49. W. Struck., 38. H. Liesegang, Prmzenstt. 75. Sauer,, 38. G. Kretschmer, 29. H. Trappe, Nitcrstt. 15. Boley, Hasenhcidc 69. A. Helbing, ZeNghosstt. 8. Joh. Wendicke. Brand enburgstt. 6. W. Rex. Pnnzcnstt. 112. Schmidt, Prinzenstt. 10. P. Przybyla, Hagelsbcrgerstt. 29. Otto, Sebaftianstt. 82. Fr. Groneman».'Alte Jakobstt, 120a. Bohl, Markgrasenstr. 3. Dehmelt, Bärwaldstt. 47. Michcli. Nosttzsttatze 49. Nenbarth, Urbanstt. 1. Bockisch. Nostizstt. 9. Adolf Schulz, Gräsestt. 19. A. Röhl, Kottbuser User 62a. 91. Becker. Brandcnburgstt. 21. Knhrt, Fidicinsttatzc 6. Toebelt, Willibald AlexiSsttatze 17 Billing. Urbanstt. 104. Centriun. E. Thede, Anguftstr. 22. Fr. Hoest, Brüderstr. 36. wtahlendorf, Grenadierstt. 34. Karl Boglcr, Anguftstr. 54. Otto Trumpf. Gipsstr. 17. M. Grnneberg. Bmgsttatze 14. Bernhard Danner. Kaiserstt. 18. Gustav Schenrel. Kaiserstt. 46. Schöppe, Grnnerftr. 27. Löfsler. Steinstt. 22. A. Zinke. Linicnstt. 120. Wohlgezogen. Linienstt. 4. Schumann, Linienstt. 11. Pauneberg. Keibelstt. 5. Frigge, Linienstt. 87. Miske, Prinzenstt. 99. Schünebcrg. Karl Krnschc, Sedanstt. 61. Meterwald, Slpostel Paulusstr. 15. Schotter. Bahnstt. 17. Webe, Barbarossastr. 78. Reizig, Grunewaldftt. 47. Pomnicrenke, Winierfeldtstt. 20. Bruno Rudolf, Gleditschstt. 3. Madcl. Winterfeldsstt. 5—6. E. Hanke, Franken stt. 2. O. Schubert, Goltzstt. 13a. K. Schöppe, Gruncwaldstt. 114. M. Böhling. Ebersstr. 42. H. Wermke, Ebersstr. 14. G. Bub. Helmstt. 2. N. Schwemmlei», Bahnstt. 47. G. Glaubitz. Coburgerstr. 7. Fischer. Haüptstt. 102/t03. M. Gebhard, Sicgfriedstt. 10. Pospich, Hohen sriedbergstr. 15. Fach. Brunhildstr. 9. I. Lehmann, Sedanstt. 6. P. Kindermann, Sedanstt. 30. L. Johannes, Sedanstt. 32. itig soll festgestellt werden, welche Firmen vertreten und wie viel ollegen anwesend sind. Es ist Ehrenpflicht jedes organisierten Stukkateurs, an dieser Besprechung in seinem Bezirk teilzunehmen! Dieselben finden statt: 1. Dunckcrstr. 83, Kollege RöSner. 2. Stephanstr. 30, Kollege Koppe. 3. Bülowstr. 59, Kollege Hanke. 4. Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Kollege Fuchs. 6. Rixdorf. Prinz Handjerystr. 66/67, Kollege Jöckel. 6. Manteuffelstr. 101, Kollege Scheck. 7. Wilmersdorf, Branden- burgischestraße 106, Kollege W. Schulz. 8. Gerichtstr. 33, Kollege Bleibaum. 9. Steglitz, Schloßstr. 118, Kollege Gladigow. 10. Peters- burgerstraße 81, Kollege Radtke. 11. Potsdam, Luisenstraße, Vicwria- garten. Kollege Krebs. 12. Weißensee, Sedanstt. 33o. Kollege Jänicke Die Ortsverwaltung der Filiale Berlin des CentralvervandeS. Achtung, Metalldrucker! Der Betrieb von Kirchner ist gesperrt! Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltniig Berlin. Achtung, Buchbinder; Unsre Kollegen in Dänemark find noch immer ausgesperrt. Die Fabrikanten versuchen nun, da sich bis jetzt Streikbrecher nicht gefunden haben, ihre Arbeiten in Deutschland herstellen zu lassen. In Leipzig ist bereits die Streikarbeit„Psa linebog"(Gesangbücher) von nnsern Kollegen zurückgewiesen worden. Es steht zu ertvarten, das; auch nach Berlin Strcikarbeit gesandt wird. Wir machen deshalb die Kollegenschaft Berlins darauf aufmerksam und ersuchen sie, jede derartige Arbeit strikte zurückzuweisen, eventuell sofortige Mitteilung an uns gelangen zu lassen. Unter st ützt unsre kämpfenden Brüder in Dänemark moralisch und finanziell! Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Buchbinder-Berbandes. Oeutfchco Reich. Ei» allgemeiner Zimmcrerstreik ist, wie uns telegraphisch aus D a n z i g gemeldet wird, dort gestern ausgebrochen. Zuzug streng fernhalten. Wegen Kränkung Arbeitswilliger ist in Schweinfurt eine Frau vom Gericht verurteilt worden. Bei dem jüngst beendeten Maurerstteik soll sie auf der Straße, als sie sah, wie ein Trupp Arbeitswilliger von Schutzleuten und Unternehmern zur Arbeitsstätte geleitet wurde, geäußert haben:„Pfui, welche Schande!" Das trug ihr eine Anklage wegen Verrufserklärung ein. Vor Gericht erklärte sie, daß sie den erwähnten Ausruf gemacht habe, weil es ihr als unehrenhast für Arbeiter vorkomme, wenn sie sich von Schutzleuten und Arbeitgebern wie kleine Kinder zur Arbeit und zurück führen lassen. Sie erhielt 8 Tage Gefängnis. Der Streik hat außerdem noch zu verschiedenen andren Prozessen wegen Verletzung des§ 153 der Gewerbe-Ordnung geführt. Drei Maurer, Wenzel, Heim und Hempel, wurden dieser Tage wie schwere Jungen geschlossen dein Richter zur Aburteilung vorgeführt. Ihr Verbrechen bestand darin, daß sie sich eines Nachmittags Arbeits- willigen auf dem Trottoir in den Weg gestellt und sie durch die Zumutung, die Arbeit einzustellen, belästigt haben sollten. Die zahlreichen arbeitswilligen Zeugen konnten kein einziges beleidigendes Wort anführen; trotzdem wurden die drei Angeklagten zu je 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Huslanck. Zum Streik der New Dorker Frachtvrrlader wird uns ans New Dork unter dem 28. vorigen Monats geschrieben: Seit Beginn der Woche besteht eine Unterbrechung des Frachtverkehrs der Schiffslinien des Long Island Sundes(zwischen New Dork und den New England- Staaten) sowie der New Dork-, Newhaveu- und Hartford-Eisenbahn, welche mit einer dieser Linien verbunden ist. Die Ursache war eine sozusagen zufällige. Die Schiffsverlader(Longshoremen) an den New Dorker Werften einer der Schiffslinien forderten nämlich die Eni- lassung eines Vormannes, was von der Verwaltung verweigert wurde. Darauf griffen jene zum Streik. Die andren Geiell- schaften sprangen ihrer Kollegin durch Uebernahme von deren Gütern und Passagieren bei. Dies hatte zur Folge, daß auch die Werstarbeiter dieser Gesellschaften sowie die Schjffsleute und Clerks(Bureau-Angestellte) in den Ausstand traten. Als Bedingung für die Wiederaufnahme der Arbeit wurden nun von den ver- fchiedencn Arbeiterorganisationen eine Reihe Forderungen bezüglich der Löhne und sonstiger Arbeitsbedingungen gestellt, während die erwähnte ursprüngliche Forderung gänzlich in den Hintergrund trat. Hätte sich auch die Organisatton der Fuhrleute an der Bewegung beteiligt, so wäre vielleicht Aussicht gewesen(falls die„Civi'c Federation mit ihrem Arbitrationsschwindcl ans dem Spiele blieb), daß die Arbeiter wenigstens einen Teil-Sieg errangen. Da es aber in New Dork soivohl wie in den am Sund gelegenen Städten von Arbeitslosen„wimmelt", so dürfte der Ausstand kaum einen günsttgen Ausgang nehmen. In Colorado(Vereinigte Staaten von Amerika), wo seit einiger Zeit die in den dortigen umfangreichen Gold- und Silbergruben beschäftigten Bergarbeiter streiken, ist auf einer kleineu Eisenbahn- station eine Dynamitexplosion erfolgt. Bisher sind die Thäter noch völlig unbekannt z die Untersuchung wird erst eingeleitet; doch bereits hat die amerikanische Unternehmerpresfe herausgefunden, daß dieses Attentat nur von streikenden Bergarbeitern ausgeführt sein kann, und die Telegraphenbnreaus sind eifrig bemüht, diese Entdeckung in die Welt hinauszuschicken. So wird ans New Dork gemeldet: „Ein furchtbares Verbrechen wurde im Zusammenhange mit den Arbeiterausständen, die im Staate Colorado schon längere Zeit be- stehen, gegen eine Anzahl nicht Gelverkschaften augehöriger Arbeiter begangen. Die Eisenbahnstation Jndcpendence an der Cripple- crcek-Bahn wurde mit einer Anzahl dort wartender nicht organisierter Arbeiter, die in der Findley- Goldmine be- fchäftigt waren, in die Luft gesprengt, wie bestimmt be- hauptet wird, von Gewerkschaftsmitgliedern. Die nicht organisierten Arbeiter hatten sich auf der Statton versammelt, um nach Hause zu fahre», als eine 300 Pftmd Dynamit enthaltende Mine unter der Station explodierte. Die Biine war, wie festgestellt wurde, durch einen llOO�Fuß langen Draht mit einer sog. Delmonico-Wkine ver- bunden, an welcher, wie man annimmt, ein bisher un- bekannt gebliebenes Mitglied des Arbeiterverbandes durch einen elekttischen Knopf die Mine unter der Statton zur Entladung brachte. Die Explosion sprengte die ganze Station in die Lust. Die Lust war dicht mit Bruchstücken von allen möglichen Gegenständen und abgerissenen Körperteilen erfüllt. 15 Personen wurden auf der Stelle getötet, eine Anzahl andrer tödlich verwundet. Es wurde sofort eine Compagnie Miliz auf den Schauplatz des Verbrechens entsandt, wo sie bei einer Ab- suchung abgerissene Schädel, Arme und andre Körperteile in einem Umkreise von 50 Fuß überall verstreut fand." Ferner wird aus Victor(Colorado) telegraphiert: Als heute nachmittag der Sekretär der Bereinigung der Bcrglvcrksbesitzcr in einer Versammlung eine Rede hielt, die den Dynainitanschlag auf dein Bahnhofe Jndcpendence zum Gegenstand hatte, kam es zu Streitigkeiten, in deren Verlauf eine Person erschossen wurde. Sechs andre erlitten Verletzungen. Miliz ging sodann gegen die Ver- fammlungshalle vor, von der aus der Union angehörende Arbeiter auf die Truppen feuerten. Sieben Bergarbeiter wurden erschossen. Die Gesamtzahl der bisher im Cripplccrcckbezirk umgekommenen Personen wird auf 21 geschützt. 100 unionistische Bergfabeiter sind abends verhaftet worden. Der Ausstand der römischen Maurer ist, wie uns aus Rom vorn 8. Juni berichtet wird, beigelegt. Mit einem teilweisen Siege der Streikenden hat er nach sechstägiger Dauer sein Ende gefunden. Die Mehrzahl der Unternehmer hat nie Erhöhung der Tarife be- willigt, und zw«'': steigen die ausgeurnten Maurer von einem Minimallohn von 3,20 auf 3,45, die Gerüstarbeiter in demselben Maße, die Erdarbeiter von 2,20 auf 3,20 usw. Die Tarife gelten für den zehnstündigen Arbeitstag und haben für ein Jahr Gültig- keit. Für Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern wird eine gemischte Kommission eingesetzt. Diese hat auch am 6. Juni 1905 die neuen Minimaltarife vorzulegen, über deren An- nehmbarkeit dann die beiden Kontrahenten. Bauarbeiter und Unter- nehmer befinden werden. Da ein gut Teil der Streikenden viel mehr verdient als der neue Minimaltarif festsetzt, wollten sie zunächst nichts von der An- nähme dieser Bedingungen wissen. Der Sekretär der Bauarbeiter- Gewerkschaft machte'der Versammlung aber klar, daß die Maurer, so lange sie nur eine schwache lokale Organisation haben wie heute, für einen größeren Kampf nicht gewappnet seien. Es sei Pflicht der besser bezahlten, auch an die schlechter bezahlten Kollegen zu denken. Die römischen Bauarbeiter möchten zmiächst ein Jahr tüchtig an ihrer Organisation arbeiten, dann könnte man wieder ein Wörtlein mit den Unternehmern reden. Die Ausständigen ließen sich von diesen vernünftigen Worten bestimmen, die Arbeit wieder aufzn- nehmen. Bereits wird auf fast allen Bauten gearbeitet, nur einige kleine Firmen, die die neuen Minimaltarife nicht bewilligten, sind gesperrt. berliner partei-�gekgendeiten. Erster Wahlkreis. Am Dienstag, den 11. Juni, abends 8'/., Uhr, hält der Wahlverein bei Dräsel, Neue Friedrichstt. 35, eine Mit- glieder-Versannulung ab, in welcher der Genosse Scheid emann einen Vortrag über den„inneren Feind" halten wird. Der Vorstand. Charlottcnburg. Auf zur Wahl im zweiten Bezirk! Wer im Juli 1903, zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten, in einer der folgenden Straßen gewohnt hat: AbstimmungsSezirk A: Bismarckstr. 51—61, Danckelmann- straße 44— 51s, Horstweg, Jägerstraße, Kaiser Friedrichstr. 1—30, Knobelsdorffstt. 1—15 und 44—61, Königsweg, Luisenplatz 5— 6, Nehringstr. 7—25, Oraugenstratze, Potsdainerstr. 31—47, Scharrenstraße 10—29, Schloßstr. 14—69, Sophie Charlottenplatz, Slall- straße, Straßen 12o, 12(1, 14s und 14o, Wallftr. 39—58. Wahllokal: Turnhalle der Ober-Realschule, Schloßstr. 27. Abstimmuugsbezirk B: Danckelmannstr. 10—17, Knobelsdorff- straße 16—43, Potsdamerstr. 23—30, Sophie Charlottenstr. 34 bis 56 und 68— 88, Straße 27a, Straße 33. Wahllokal: Turnhalle der Gemcindeschule, Sophie Charlotten- straße 69-70. Abftimnumgsbezirk C.: Amtsgerichtsplatz 1 und 2, Bismarckstraße 62—71 und 72a, Friedbergstraße, Holtzendorfftraße, Kaiser Friedrichstr. 31—54, Kanfftr. 63—100, Köuigsweg, Leonhardstratze, Pcslalozzistr. 44—63, Röunestraße, Schillerstr. 53—72, Sophie Char- lottenstr. 57—67, Stuttgarterplatz 13—23, Suarezstraße, Windscheid- straße. Witzleben. Wahllokal: Restaurant„Zum Landsknecht", Ecke Fricdbergstr. 1 und Lconhardstr. 22 hat die Pflicht, auch wenn er jetzt nicht mehr dort wohnt, morgen ini Laufe des Tages, in seinem oben angegebenen Wahllokal zu er- scheinen und seine Sttmme für unfern Kandidaten Panl Liebe abzugeben. Auch wer jetzt in größerer Entfernung wohnt, scheue den Weg nickt; wer bis 8 Uhr abends im Wahllokal ist, wird zur Stimmabgabe zugelassen. Arbeiter I Parteigenossen! Thut Eure Pflicht! Unser Sieg mutz ein übcrwälttgender sein. Britz. Die Wahlvereins- Versammlung findet Freitagabend S'/a Uhr bei G. Weniger, Werderstr. 27, statt. Vortrag von Dr. Max Schütte über:„Die Menschenarten". Tegel, Hermsdorf, Waidmannslust, Dalldorf nnd Borsigwalde. Sonntag früh 8 Uhr findet eine Flugblattverbreitung statt zur Agitatton für den„Vorwärts". Treffpunkt in den bekannten Lokalen. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, zu er- scheinen. WaidmannSlust. Heute, Donnerstag, ist Diskutierabend bei Schmidt an der Chaussee. Geuosse Maspfuhl referiert im Vortrags- Cyklus über das Parteiprogramm. lokales. Jugendliche Märtyrer. Von einem Schlossermeister erhalten wir folgende Zuschrift: „Die Tragödie eines Lehrlings", so lautete im lokalen Teil dieses Blattes in der Nr. 131 eine inhaltsschwere Ueberschrist. Man gestatte hierzu einige Bemerkungen:„Der Lehrling soll durch die Mißhandlungen seines Lehrherrn, des Bauschlossermeisters Fritz Rosenburg, in den Tod getrieben worden sein.... Die Behörde wird sich noch mit der Angelegenheit Beschäftigen", so lautete der Schlußpassus der Notiz. Gewiß, diese wird sich mit dem Fall beschäftigen, aber der Hauptbelastungszeuge, der in Frage käme, der Lehrling, ist tot und damit wohl auch die ganze Angelegenheit. Vielleicht bekommt der noble Herr eine Geldsttafe von 20 M. wegen Uebertretung des Züchtigungsrechts, doch andre Lehr- linge werden weiter schlecht behandelt werden, weil er ja nach seiner eignen Aenßerung ein heftiges Naturell besitzen soll. Den Eltern, die den Jungen mit vieler Mühe großgezogen haben, deren ganze Hoffnung er jedenfalls war, ist durch einen brutalen Menschen ihr Kind aus dem Leben gejagt!— Ein Sprüchwort sagt:„Lehrjahre sind keine Herrenjahre!" Wenn ich dieses Wort hörte, so sagte ich:«Ja, aber sie sollen auch keine Knechtsjahre sein!"— Der betreffende Lehrling erlernte das Schlosserhandwerk, das auch ich einst erlernte. Aus eigner Praxis weiß ich daher, wie die Behandlung der Lehrlinge auf diesem Gebiete ist. Deswegen kann jedoch ruhig angenommen werden, daß auch in a n d r e n Zweigen der Industrie die Behandlung des jugendlichen Arbeiters viel zu wünscheil übrig laßt. Wollte man die Behandlung des Lehrlings, wie ich sie keimen lernte, in einen knappen Satz bringen, so müßte es heißen:«Die Behandlung des Lehrlings steht unter der des Tieres!" Zuerst die Ausbeutuilg, die vornehmlich beim Kleinmeister an- zutreffen ist. Zehn Stunden Arbeit ist Maximum für einen jugend- lichen Arbeiter; häufig wird jedoch diese Zeit überschritten nnd auf 13 Stunden und auch noch höher hinauf geschraubt. Die Gcwerbe-Jnspektoren scheinen die kleinen Betriebe nicht genügend zu kontrollieren, sonst wäre ein derarttges Ueberschreiten der Arbeits- zeit nicht möglich. Ganz abgesehen von der Sonntagsarbeit muß der junge Mann in vielen Fällen häusliche Verrichtungen jeder Art besorgen; Äinderwarten, Holzhacken, Sliefelputzen, Gäugclaufen, Sarrenschieben usw. gehört zu den läglichen Bescväftiginigcn des Lehrlings. DaS wäre nun nock nicht das schlimmste, das Schlimme besteht in dem schweren Beruf und der übermäßigen Ausbeutung. Der Lehrling ist der erste und der letzte auf der Arbeitsstätte, und das will für den jugendlichen Körper in einer verpesteten Luft immerhin etwas besagen. Neben der stattlichen wöchentlichen Entschädigung' von 3—6 M. erhält aber nun der Lehrling noch mehr; wöchentlich vielfach noch P r ü g e l und gemeine Beschimpfungen. Ich habe eS erlebt, daß der Meister bei der geringsten Gelegenheit mit dem ersten besten Stück Eisen auf den Lehrling einschlug, als ob er einen gemeinen Zuchthäusler vor sich hätte. Solche oftmals fast alltäglich sich wiederholenden Roheitsatte müssen den Lehr- ling schließlich in den Tod treiben. Schmeichelworte wie:„Ich schlage Dir den Schädel ein. Du Aas!— Ich drehe Dir das Genick um, Du Sau!— Du Rindsvieh" usw. machen einem Schlosserlehrling allein das Leben noch nicht zuwider) aber in Verbindung mit schivercn Thätlichkeiten können sie schließlich dem unerfahrenen jungen Mann das Leben verleiden. Klagt der Lehrling zu Hanse seiner Mutter, die vielleicht Witwe ist, sein Leid, dann beißt es gewöhnlich:„Du mußt aushaltcu, die paar Jahre iverden auch schon hingehen." Es herrscht nämlich im Volle die tradittonelle Meinung, daß der Lehrling auf einer Stelle auslernen muß, wenn auch der Meister noch so brutal ist. Diese Meinung scheint auch bei' der bedauernswerten Familie N. vorgchcrrscht zu haben, sie haben sich mit ein Paar nichtssagenden RedcfloSkeln des Meisters begnügt, der jedenfalls bei dieser Gelegenheit noch den Biedermaier herausgesteckt hat. Aber ebenso wie der Meister verpflichtet ist, den Lehrling au- ständig zu behandeln, so hat dieS auck der Geselle zu thun. Sehr oft wird aber auch von diesen gesündigt, weil sie ebenfalls eine schlechte Behandlung durchzumachen gehabt haben; weil sie genau so brutal, wie hier geschildert, behandelt worden sind, glauben viele, an den Lehrlingen ebenfalls brutal handeln zu müssen. Wenigstens sollten die erwachsenen socialde in akratischen Arbeiter den Lehrling freundlich und anständig behandeln, ihm sein oft so hartes LoS nach Möglichkeit zu erleichtern suchen, ihn, wenn es sein muß, mit dem Eintreten der ganzen Persönlichkeit vor Mißhandlungen zu schützen suchen. Der so erzogene junge Mann wird später ebenso handeln, und das ist notwendig, damit Gerechtigkeit, Humanität, wahre Menschlichkeit dem Menschen zu eigen wird. Prügel in der Schule, Prügel m der Lehre. Prügel beim Militär! Ist da zu erwarten, daß selb st bewußte Menschen heranwachsen? Die Schnellöahn Berlin- Hamburg, lieber die Schnellbahn Berlin-Hamburg nach den beiden Entwürfen von Siemens u. Halste und der Allgemeinen Elektticitäts-Gesellschast enthält der neue Be- richt der Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen ungemein interessante Angaben. Ter Entwurf von Siemens sieht, um die ersten Kosten möglichst niedrig zu halten, zunächst nur einen ein- geleisigen Ausbau vor. Die Einführung der Schnellbahnzüge in die Städte soll im Ansang auf den bisherigen Bahnen erfolgen. Dieser Entwurf erfordert einen Aufwand von 70 Millionen Mark, fein vollständiger Ausbau mit zwei Geleisen 105 Millionen Mark. Bei einem Geleise ist eine zweistündige Zugfolge mit Kreuzung in Wittenberge vorgesehen. Die Anlagen werden jedoch gleich für einen zweigeleisigen Ausbau mit Einführung in die Stadt eingerichtet. Die Fahrzeit beträgt hier mit Aufenthalt in Wittenberge 1 Stunde 55 Minuten. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft will sofort zwei Geleise und Einführung in die Städte bauen und zunächst bei 160 Kilometer Geschwindigkeit 1 Stunde 47 Minuten, später bei 200 Kilometer 1 Stunde 25 Minuten Fahrzeit brauchen. Das An- lagekapital beträgt im ersten Falle 125, im zweiten 140 Millionen Mark. Als Fahrpreis ist bei beiden Entwürfen 15 M. mit einem Zuschlag von 5 M. für Luxusabteile angenommen. Es soll nur eine Klasse eingerichtet werden, die etwa der jetzigen 2. Klasse entspricht. Die Schnellbahnzüge sollen nicht nur aus einzelnen Motortvagen bestehen, sondern mit zwei bis vier Anhängewagen fahren. Die Züge werden als D-Züge eingerichtet. Jeder Zug erhält eine Küche, der Motorwagen von Siemens außerdem einen geräumigen Spetsc- räum. Beide Entwürfe enthalten eine sehr vorsichtige Berechnung der Rentabilität. Es wird ausgeführt, daß die Normalentwicklung des jetzigen Verkehrs schon 650 000 Reisende im Jahre bringen würde. Der erste Entwurf von Siemens läßt aber schon bei 520 000 Reisenden ein Erträgnis erwarten. 850 000 Reisende würden die Herstellung des zweiten Geleises lohnend machen. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft weist nach, daß eine Million Reisende schon die Anlage eigner Stadtstreckcn und Bahnhöfe bei zwei Geleisen bezahlt machen. Mit 1 200 000 Reisenden im Jahre lohnt sich die Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit von 160 auf 200 Kilometer. Der in der Angelegenheit des Straßenhandels eingesetzte AuS- schuß beriet am Dienstag über die bekannte Vorlage des Polizei- Präsidenten. Vom Magifttat wurde von einer Generaldebatte ab- geraten, da vor zwei Jahren bereits die Frage des Straßenhandels erschöpfend behandelt worden sei, doch beschloß die Deputation auf einen von socialdemolratischer Seite gestellten Antrag, von einer Generaldebatte nicht abzusehen. Ein focialdemokratisches Mitglied der Deputatton setzte dann auseinander, daß die in Frage stehende Vorlage nicht im Interesse des Straßenhandels sondern auf Be- treiben der dem Sttaßenhandcl feindlichen Hausbesitzer dem Magisttat unterbreitet worden ist. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Handels sei unleugbar; allein in Obst seien Werte in Höhe von 6 Millionen Marl im letzten Jahr umgesetzt worden; es sei anzunehmen, daß diese Waren zum großen Teil wertlos geworden wären, wenn sie in der Markthalle länger gelagert hätten. Zum Schluß seiner Darlegungen stellte der socialdeinokratische Redner den Antrag, die Verhandlung auszusetzen und den Magistrat um Herbeischaffung von Material zu ersuchen, welches die wirtschaftliche Bedeutung des Sttatzenhandels darlege. In längeren Ausführungen sprachen bürgerliche Mitglieder der Deputation mit einer Ausnahme gegen die socialdemokr'atischen Darlegungen. Bemerkt sei aber, daß ein bürgerlicher Stadtverordneter sich dahin äußerte, heute wären die Straßenhändler fast vogelfrei; in den Augen der Polizei scheine der Straßenhandel etwa dem Diebstahl gleichzustehen. Vom Magistrat wurde noch auseinandergesetzt, daß er die vorige Vorlage abgelehnt habe, weil er der Meinung gewesen sei, daß eine Einschränkung des Straßeiihandels nicht im Verlehrsinteresse, sondern ans Wirtschaft- lichen Gründen angesttebt werden müsse. Zu der jetzigen Vorlage habe der Magistrat noch nicht Stellung genommen, viel- mehr werde er die Stellung der Stadtverordneten-Versammlung abwarten. Schließlich wurde ein Vertagungsantrag angenommen. Wahrscheinlich wird die nächste Verhandlung der Deputatton erst nach den Ferien erfolgen._ Der Sang des Eisenbahn-Patrioten. PatriottsmuS und monarchischcs Gefühl zeitgemäßer Richtung beeinflussen nicht allein an sich stark die Qualität des Intellekts, son- dern äußern sich auch in der Dichtkunst mit erschütternder Tragik. Als Prinz Heinrich von Preußen in diesen Tagen von der Trauerfeier in Ludwigslust zurückfuhr, platzte ein Dampftohr ander Lokomotive, so daß Führer und Heizer des Zuges schlimm verbrüht wurden. Die Verletzten wurden in den Schlafwagen des Prinzen gebracht, und dieser reickite ihnen, was wohl selbstverständlich ist, auch die erste Stärkung. Soweit schön und gut. Nun aber will das Unglück, daß eine Zeiffchrift für Eisenbahnbeamte,„Das„Flügelrad" von dem beklagenswerten Betriebsunfall erfährt, und der erste Gedanke des Blattes ist, dein Prinzen seine Hilfeleistung durch folgendes Gedicht entgelten zu lassen: Der Zug braust hin in voller Fahrt, Das Dampfroß stürmt voran Und geht'S die altgewohnte Spur Grad ivie im Zaubcrbann! Der Führer hat die Steuerung Heut doppelt fest erfaßt; In seinem Zug verweilet ja Ein hoher, edler Gast! Mit scharfem Aug', mit sicherm Blick Lugt aus die Strecke er, Und auch mit höchster Pünktlichkeit Rückt man dem Ziele näh'r! Der Heizer, seiner Pflicht bewußt. Hat auch kein leichtes Spiel-- Doch, was ist das? ein greller Knall? Geplatzt ist ein Venttl! Die beiden sehn's, der Dampf verbrüht Gleich Hände und Gesicht,, Doch ihre Geistesgegenwart Verlieren sie noch nicht I Und als der Zug hält, wer beherrscht Die Situation? Wer hebt die Schwerverletzten nun In seinen Wagen schon? Prinz Heinrich ist's I ein edler Held AuS königlichem Blut, Der selber schon dem Tod getrotzt Mit deutschem Mannesmut! Und wünscht er auch nicht lauten Dank, Der Herzenstelegraph Sagt's jedem Eisenbahner heut: Prinz Heinrich! das war brav! Wer will eS einem Prinzen verdenken, wenn er hinfort sich di» Folgen einer Samariterthat überlegt und. durch dies Gedicht zurück- geschreckt, bei einem ähnlichen Unglücksfall lieber passiv bleibt? Die städttsche Schnellbahn Nord- Süd. Das vom Stadtbaurat Krause ausgearbeitete und von der städtischen Verkehrsdcputation angenommene Projekt für den Bau einer städtischen Unterpflasterbahn «Süd- Nord- Berlin" stellt sich bedeutend billiger als das vor zwei Jahren von der Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen aufgestellte, Für dieses waren die Kosten auf rund 02' /t Millionen Mark veranschagt. Das Prosekt fand zur Zeit viel Anerkennung, nur gegen verschiedene Detmls wurden Bedenken laut, besonders von Schöneberg aus wurde opponiert. Nach dem alten Plan sollte die Bahn in Schöneberg an der Einmündung der Eiscnachersttaße in die Hauptstraße beginnen und an der Seestraßen- Ecke Reinickendorferstraße auf dem Platze II am Kaiser und Kaiserin Friedrich-Ärankenhause enden. Nach dem neuen Plane des Stadt» Imnats Krause beginnt die Bahn auf Berliner Gebiet am Kreuz- berge, vorfolgt die Belle- Alliancestrahe und führt, ohne große Kurven in fast gerader Linie in der Richtung der Friedrichstratze, Chausseestraße bis zur Ecke der Diüller- und Seestraße. Eine Weiterführung der Bahn ist natürlich in Aussicht genommen. Sie würde nicht nur im Interesse von Berlin, sondern auch in noch weit höherem Maße im Interesse der betreffenden Vororte liegen; die Länge der Bahn ist nach dem vorliegende» neuen Plan auf 8.64 Kilo- meter bemessen. Das ältere Projekt sah eine Länge von 11,2 Kilo- meter vor, mit Krümmungen von 30, 60 und 100 Meter, die bei den, neuen fortfallen. Bei diesem sind nur Kurven von 126 Meter Radius und mehr vorgesehen. Man hofft, innerhalb vier Jahren die Bahn fertigstellen zu können, wobei im ersten Jahre mir Vorarbeiten, der Bau eines Kraftwerkes ec. ausgeführt werden sollen. Der Bau der Unterpflasterbahn vom Charlottenburger„Knie" bis zum Wilhclmsplatz ivird sich, wie wir hören, um etwa vier Wochen verzögern, da sich der Verlegung der Gas- und Wasser- leitungsrohre Schwierigkeiten in den Weg stellten. Während die Kanalarbeiten nahezu beendet sind, konnte mit der Verlegung der genannten Leitungen erst jetzt begonnen lverdcn. Es steht indes zu erwarten, daß diese Arbeiten, anstatt Mitte Juni, gegen Mitte Juli vollendet sein werden, so daß dann der Bau des Untervflaster- bahn-Tunnels sofort in Angriff genommen werden kann. Die Aktien- gesellschaft Siemens u. Halsle hofft mit den Bauarbeiten binnen Jahresfrist fertig zu sein. Vertraglich ist die Bauperiode auf anderthalb Jahre, von der Inangriffnahme der Arbeiten an gerechnet, festgesetzt. Ein altes politisches Versammlungslokal, der Saal von Martens in der Friedrichsrratze, verschwindet jetzt von der Bildfläche, um einem neuen Lusffpieltheater Platz zu machen. Das alte Lokal hat manchen Sturm erlebt. Die verschiedensten Parteien haben in ihm, oft die Nacht hindurch,„getagt". Dazwischen gab es wieder Tanzvergnügen. Hier fanden Anarchisten wie Konservative. Socialdemokraten wie Christlichsociale ein Asyl. Zu den stürmischsten Versammlungen, die hier abgehalten wurden, gehörte eine christlichsociale. in der Stöcker über seine Reichstagskandidatur im Kreise Neustcttin berichtete. Es war zur schönen Jahreszeit und ein heißer Abend. Stöcker wurde mit Pfeifen und Radau begrübt, den eine Schar von Gästen des Wirtshauses veranstaltete, das dem damaligen Gastwirt Bodeck ge- hörte. Unter Führung Bodecks. der einer kleinen antisemitischen Gruppe vorstand und später geisteskrank gestorben ist, schwenkte der Trupp in jene Versammlung ab. Was sich dann dort abspielte, ist allen Teilnehmern noch in frischer Erinnerung, wenn auch schon Jahre darüber verfloffen sind. Schließlich stand fast die ganze ehren- werte Versammlung auf Tischen und Stühlen und vollführte eine heidenmäßige Katzenmusik. Polizei war nicht zu erreichen. Stöcker mutzte von seinen Gesinnungsgenossen durch eine Seitenthür aus dem Saale gezogen werden.— Vorübergehend schlug dann die Heils- armec ihre Bußbänke in dem Lokale auf. Oft predigte hier auch Herr v. Egidy seine„ernsten Gedanken". Tann wieder war der Saal„Evangeliums-Halle". die den Namen„Sarepta" führte. Jetzt wird das bunte Spiel der wechselnden Erscheinungen wohl ein andres Aussehen bekommen, vorausgesetzt, datz nicht auch das Lustspiel- theater vorzeitig den Weg alles Irdischen wandelt. Mit dem Abbruch des alte» Abgeordnetenhauses in der Leipzigerstratze ist jetzt begonnen worden. Zunächst werden die Hintergebäude abgerissen, in denen sich der geschichtlich denkwürdige Sitzungssaal befindet, in welchem die Karrikatur auf eine Bolls- Vertretung dem Ansehen der preußischen Monarchie unheilbaren Schaden zugefügt hat. Das alte Abgeordnetenhaus ist im Jahre 1850 durch eine Erweiterung des Palastes des StaatskanzlcrS Fürsten Hardenberg, Leipzigerstratze 75, entstanden und wurde provisorisch für die Sitzungen der zweiten Kammer bestimmt. Ein bereits im Jahre 1850 notwendig gewordener und beantragter Neu- oder Um- bau wurde bis zum Fahre 1867 verschoben, nachdem sich im Jahre zuvor durch Einverleibung der neuen Landesteile die Zahl der Ab- geordneten bedeutend vermehrt hatte. Der Sitzungssaal wurde durch Bauinspektor Blankenstein verlängert, auch wurde durch Hinzukauf des Nachbargrundstücks ein neuer Anbau errichtet. Vom Jahre 1863 bis 1870 tagte in dem Saale das Zollparlament, und auch der Reichstag hielt dort bis zum Juni 1871 seine Sitzungen ab. Durch einen Spazierstock verraten wurden zwei Fledderer, die in der Nacht zum Sonnabend einen Streifzug gemacht hatten. Ein Kriminalbeamter sah bei einem Rundgang durch die Herbergen zwei Männer sich mit einem Wcichselstock beschästigen. Sie gaben sich alle Mühe, mit Sandpapier ans dem Griff etwas herauszureiben. Neugierig sah der Beamte näher zu und fand nun, daß der Stock einen schiveren Silberbeschlag hatte. Ans seine Frage, wie sie zu dem wertvollen Stock gekommen seien, antworteten sie zunächst, sie hätten ihn geschenkt bekommen, nach einem längeren Verhör aber gaben sie zu, ihn einem Herrn, der ihn im Tiergarten achtlos neben sich gelegt hatte, weggenommen zu haben. In der Mitte der Griff- fläche ist der Namenszug A. H. eingegraben. Diesen wollten die Fledderer mit dem Sandpapier auswilchen. Sie räumten außerdem ein, daß sie in derselben Nacht in der Gneisenan- oder Forkstraße einem Manne, der auf einer Bank eingeschlafen war, eine silberne Uhr mit einer sogenannten Kollierkette abknöpften. Beide Fleddereien find der Kriminalpolizei noch nicht angezeigt. Sie kennt daher auch die Eigentümer der den Langfingern abgenommenen Sachen noch nicht. Vom Absturz gerettet hat in vorletzter Nacht die Feuerwehr den Briefträger R. vom Postamt 17, der in einem Anfall von Geistes- störung aus dem fünften Stock des Hauses F r u ch t st r a ß e 37 auf die Straße herabzuspringen versuchte. Die Wehr breitete sofort ein Sprungtuch aus, während gleichzeitig verschiedene Wehrmänner die Treppen emporeilten und den Kranken durch gütliches Zureden von dem gefährlichen Vorhaben abzubringen suchten. Dieses gelang auch. Er mutzte aber wegen seines besorgniserregenden Zustandes zunächst nach der Rettungswache und später auf Anordnung des Arztes nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden. R.. der verheiratet ist, ist ein zuverlässiger, überall geschätzter Beamter. Eine Explosion, bei welcher eine Person schwere Brandwunden im Gesicht und an den Händen davontrug und die in ihren Wirkungen äußerst gefährlich loerden konnte, setzte gestern die Be- wohner des Hauses Urbanstraße 107 in große Bestürzung. Hier befinden sich im Keller des Ouergebäudes die Lagerräume der Groß- Handlung für Lacke und Farben von E. PeterS. Als»UN gestern Herr P. damit beschäftigt war, dort Lack zu kochen, sprudelte die Flüssigkeit über den Rand deS Keffels und fing Feuer. Im nächsten Augenblick erfolgte eine starke Detonation. Die Fenster des Raumes wurden auf den zweiten Hof geschleudert und Thüren zersplittert. Peters konnte mir mit genauer Not den Ausgang gewinnen, doch hatte er bereits so schwere Brandwunden im Gesicht und an den Händen erlitten, datz ihn die herbeigerufene Feuerwehr nach An- legung von Notverbänden in das Krankenhaus am Urban schaffen mutzte. Bei der Ablöschung deS Feuers mittels einer Dampfspritze mußte mit größter Vorsicht vorgegangen werden, toeil grotze Posten explosiver Flüssigkeiten(Benzni, Terpentin ec.) im Keller lagerten und noch weitere Explosionen befürchtet wurden. Thatsächlich wurden auch wiederholt noch schwächere Detonationen beobachtet, doch gelang es dem umsichttgen Vorgehen der Feuerwehr, größere Gefahr ab- zuwenden und die Flammen innerhalb einer Stunde zu ersticken. Vermißt wird seit dem ersten Pfingsttage der Schneiderlehrling Paul Brcitzke, der an diesem Tage mittags die Wohnung seines Meisters verließ und nicht wieder zurückgekehrt ist. Der Ver- fchwundcne ist 17 Jahre alt, hat blaue Augen, blondes Haar und fällt auf durch weit auseinandersteheude Vorderzähne und eine etlvas dicke Nase. Wer über den Verschwundenen Auskunft geben kann. wird gebeten, dem Bruder des Vermißten, Ernst Breitzke, bei Sachse, Dreysestr. 11, vorn 4 Treppen, Auskunft zu geben. Das Kiudrrasyl, welches der Deutsche Verein für Kinderasyle in der Martin L u t h e r st r. 55 geschaffen hat. blickt am 11. Juni aus eine zweijährige Wirksamkeit zurück. E» hat in dieser kürzen Zeit gegen 200 Kinder aufgenommen, von denen zartem Alter, viele nur wenige Tage alt waren. Ein Teil der Kleinen wurde den Müttern zurückgegeben, nachdem die Veranlassung zur Aufnahme— Krankheit oder Arbeitslosigkeit der Mütter— be- hoben war; andre fanden Aufnahme in wohlthätigen Stiftungen oder wurden von kinderlosen Leuten adoptiert; der Rest kam in Autzenpflege. Denen, die sich für die Bestrebungen des Vereins interessieren, wird ein Besuch des Asyls gern gestattet. Das Automobil. Bei einem Zusammenstotz mit einem Automobil ist gestern vormittag der 34 Jahre alte Magistratsbeamte Georg Gahde aus der Schliemaunstr. 37 verunglückt. Er ftlhr auf seinem Rade die Prenzlauer Chaussee hinunter nach dem Rathause zu. Als er anr Prenzlauer Thor einem Bierwagen, der in die Lothringer- stratze einfuhr, ausweichen wollte, wurde er von einem Automobil, das zur Stadt hinausfuhr, umgestoßen und erlitt drei schwere, stark blutende Stimwunden. Die Insassen des Fahrzeuges, das sofort anhielt, waren zwei Aerzte aus einer Prödinzstadt. Während der eine bei dem Automobil blieb, nahm sich der andre des Verunglückten an und brachte ihn mit einem Schutzmann in einer Droschke nach der Unfallstation in der Keibelstraße, wo er auch beim Verbinden half. Von der Station wurde der Verwundete nach seiner Wohnung gebracht. Fcucrbericht. In der vergangenen Nacht wurde die Wehr nach der Schönhauser Allee 161» gerufen, weil hier bald nach Mitternacht ein Posten Holz auf dem Hofe in Flammen stand. Allerlei Gerumpel und aller Hausrat war vorher in der Wörtherstraße 10 in einem Keller in Brand geraten, der aber leicht unterdrückt werden konnte. Auch ein zweiter Kellerbrand, der abends in der Memelerstraße 56 auskam, konnte vom siebenten Löschzuge noch im Keime erstickt werden. Nach der Ecke der Trift- und Torfstraße wurde die Wehr gerufen, weil dort ein Haufen Stroh Feuer gefangen hatte und lichterloh brannte. Die übrigen Alarmiernngen, die in den letzten 24 Stunden noch aus der Prenzlauer Allee 44, aus der Feldzeug- meisterstraße 4 und noch aus einigen andren Orten einliefen, waren, abgesehen von dem gefährlichen Kellerbrande in der Urbanstraße 107, über den wir an andrer Stelle ausftihrlich berichten, durchweg auf ganz unbedeutende Feuer zurückzuführen, die ein sonderliches Ein greifen der Wehr nicht erforderten. die meisten ins polnischen Apotheker die Lieferung für das Gefängnis entzog«» worden sei und die Behörde die Errichtung einer neuen Apotheke genehmigt habe. Daran war die Aufforderung an die Leser geknüpft ivorden, nicht bei„Fremden" zu kaufen, sondern ihre eignen Leute zu unterstützen. Das Landgericht Graudenz hat in dieser Notiz die Aufforderung zum Boykott gegen die deutschen Geschäftsleute. Handwerker und Aerzte erblickt und Herrn Ziolkowski wegen groben Unfugs zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt. Grober Unfug liege deshalb vor, weil die deutschen Einwohner der dortigen Gegend durch die Notiz beunruhigt würden und der feierliche, eindringliche Ton des Artikels geeignet sei, die bestehende Spannung zwischen Polen und Deutschen zu verschärfen, so daß einmal Ruhestörungen ausbrechen könnten.— Die Revision des Angeklagten wies auf den Widerspruch hin, der darin liege, daß nach dem Urteile eine Ruhestörung die unmittelbare Folge, andrer- seits aber„nur gelgentlich einmal" die Folge des Artikels sein könne.— In der Verhandlung vor dem Reichsgerichte beantragte der Reichsanwalt die Aufhebung des Urteils und Freisprechung des Angeklagten. Eine innere Beunruhigung genüge nicht zur An- Wendung des Paragraphen vom groben Unfug. Es müsse unmittelbar die nahe Besorgnis erregt werden, daß die öffentliche Ordnung gestört werden könne. Im vorliegenden Falle fehle aber diese unmittelbare Wirkung des Preßerzeugnisses.— Das Reichsgericht hob das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei. Die gelegentlich deS Internationalen Fraucnkongrcsses statt findende Ausstellung der Vereinigung: Die Kunst im Leben d e s K i n d e s ist im Abbrecht Dürerhaus, Kronenstr. 18 �zwischen Friedrich- und Charlotienstraße) von heute ab für jeden zugänglich. Am Sonnabend, den 11. Juni, mittags 11 Vz Uhr, wird Herr Dr. Max Osborn, einer der Mitbegründer der Vereinigung, Er- läuterungen zu den ausgestellten Gegenständen geben. Der Allgemeine deutsche Hilfsvcrein Fürsorge ersucht uns, folgende Mitteilung zu veröffentlichen: Die Ferienkolonie des All- gemeinen deutschen Hilfsvereins Fürsorge zu Berlin, Wasserthor- straße 37 s, hat im Hirschberger Thale im Riesengebirge noch einige P f l e g e st e l l e n für Knaben und Mädchen zu besetzen und macht darauf aufmerksam, daß die Anmeldungen möglichst umgehend er- folgen müssen. Ter Verein bringt die ihm anvertrauten Kinder nicht in Maffenquartieren unter, sondern in Einzelpflegestellen bei Förstern, Lehrern, Predigern und in sonsttgen ehrenwerten Familien, sodaß die Pfleglinge gewissermaßen Familienangehörige sind und sich in steter Aufficht und Fürsorge befinden. Auf Wunsch erhalten sie auch Nachhilfeunterrickit. Mündliche Auskunft wird wochentäglich von 3 bis 5 Uhr und /onntäglich von 11 bis 2 Uhr in der Geichasts- stelle, Wasserthorstra�e 37 s, erteilt. Mus den Nachbarorten, Zu der Familientra�ödie in Rixdorf wird uns im Gegensatz zu dem gestrigen Bericht mitgeteilt, daß an einem inttmen Verhältnis des Posthilfsbriesträgers Bork mit der Frau P. gar kein Zweifel besteht und ebenfalls Beweismaterial genug dafür vorhanden ist, datz Bork seine Frau mißhandelt und seine Familie materiell ver- nachlässigt hat. Zu der VerzweiflungSthat sei die Frau gedrängt worden, als sie dieMohnung bei der Rückkehr aus dem Krankenhause leer gefunden und völlig mittellos dagestanden habe. Uusren herrschenden„Sittengesetzcn" ist wieder ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen. Die 21jährige Bertha Jacob hat sich in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend in ihrer Wohnung in Charlottenburg, Goethestr. 47, das Leben genomincn, weil sie sich und ihr neun Monate altes Kind nicht ernähren konnte. Sie lvar von den Eltern ihres Fehltrittes wegen verstoßen, von ihrem Ver- führer ihrem Schicksal überlassen worden. Trotz größter Mühe gelang es ihr nicht, irgend eine Anstellung zu erhalten, und in der Verzweiflung fand sie keinen andren Ausweg, als ihrem Leben durch Cyankali ein Ende zu machen. Gerichts-Zeitung, Strafe für eine nichtswürdige Gewissenlosigkeit. Als frevelhaftes Spiel mit der menschlichen Gesundheit bezeichnete der Staatsanwalt die Handlungsweise des Schlächtermeisters Julius T i e d t aus Lichtenberg, welcher gestern unter der Anklage des Vergehens gegen das Nahrungsmittel-Gesetz und das Fleischschau-Gesetz vor der dritten Strafkammer deS Landgerichts II stand. Tiedt stand schon seit einiger Zeit bei der Polizei in dem Verdacht, unter Umgehung der amtlichen Fleischschau das Fleisch kranker Tiere in den Verkehr zu bringen. Dieser Verdacht wurde besonders rege, als sich der Angeklagte anläßlich einer Untersuchung durch den Tierarzt Dr. Mank scbr auffällig benahm. Eine nochmalige sorgfältige Kontrolle ergab, daß es dem Angeklagten gelungen war, unter gesundem Fleisch solches einer durch und durch tuberkulösen Kuh zu verbergen. Letztere war am 22. Januar geschlachtet worden, ohne daß die vorgeschriebene amtliche Lcbendkontrolle vorgenommen war. Eine sofort durch den Tier- arzt vorgenommene Untersuchung ergab, daß das Fleisch der Kuh höchst geiundheitsgefährlich war. Das Tier hatte an akuter Bronchial- tuberkulöse gelitten und sich außerdem noch in einem vollständig gelb- und wassersüchtigen Zustande besimden. Das Fleisch wurde beschlagnahmt und vorläufig in einem Schlachthause in der Bahnhof- siraße zu Runimelsburg aufbewahrt. Als ain nächsten Morgen das Fleisch von einem Amtsdiener abgeholt werden sollte, machte man die überraschende Entdeckung, daß während der Nacht das kranke Fleisch aus dem verschlossenen Schlachthause verschwunden war. Bor Gericht bestritt der Angeklagte, sich irgend einer strafbaren Handlung schuldig gemacht zu haben. Der Staatsanlvalt beantragte eine Woche Gefängnis und 20 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof ging aber über diesen Antrag hinaus und erkannte auf einen Monat Gefängnis und 20 M. Geldstrafe und verfügte die Veröffentlichung des Urteils aus Kosten des Angeklagten. Der Gerichtshof erachtete die Handlungs- weise des Angeklagten für eine durchaus frivole und leichtfertige. Derarttge Fälle seien leider� sehr schwer und sehr selten zu entdecken; werde aber ein solcher Schlächtermeister, der seine reellen Berufsgenossen schwer in Mißkredit zu bringen ge- eignet sei, einmal abgefaßt, so müsse er die volle Strenge des Ge- sctzes fühlen. So erlebt man auch einmal als ganz besonderen Fall. daß ein biederer Handwerksmeister, der durch sein schändliches Treiben die Gesundheit von Hunderten Menschen gefährdet, an- nähernd so hoch bestraft wird wie ein ehrenhafter Ar- beiter, der in der Wahrung mir zu berechtigter Interessen einen ausländischen Streikbrecher etlva einen Lumpen genannt hat. Zur Beurteilung der bürgerlichen Justiz ist auch dieser Fall beachtenswert. Der in« Kampfe gegen die Arbeiterschaft müde gerittene grobe Unfugsparagraph versagt auch im Staatsanwaltskampf gegen das Polen tum. Der Redakteur des„Dzienuik Grudziadz'ki", Julian Ziolkowski in Graudenz, hatte in der am 30. Ok- tober vor. IS. erschienenen Nummer 26 seines Blattes den Inhalt eines ihm zugegangenen Briefes veröffentlicht, wonach in Ä. dem» Vermilckres. Aufspürung eines Mörders durch einen Hund. AuS Braunschweia wird vom Mittwoch berichtet: In der vergangenen Nacht wurde auf dem Gute Hagenhof bei Königslutter der Fuhrknccht Duwe unter dem Verdacht berhaftct, die elfjährige Tochter der Arbeiterwitwe Bebenroth ermordet zu haben. Die Ermittelung des Mörders ist mit Hilfe eines Polizeihundes erfolgt. Der Hund wurde zunächst in den Raum geführt, in welchem die Blutthat verübt wurde. Dann brachte man ihn zu dem versammelten Gutspersonal. DaS Tier stürzte sich sofort auf den Knecht Duwe und biß sich in seiner Kleidimg fest. Um noch eine Probe zu machen, mußte Duwe sich umziehen, aber auch diesmal fand der Hund ihn heraus. Dnws leugnete anfangs die That; Mittwochvormittag aber hat er sie ein» gestanden. Wolkcnbruch. Bei einem Gewitter bei Le Maus in Frankreich ging ein wolkenbruchartiger Regen hernieder, verbunden mit einem Wirbclsturm. In der Gemeinde Mamers stürzten infolge des Hoch- waffers des Flusses Dives mehrere Häuser ein, ferner explodierte ein Gasometer. Die Zahl der Getöteten übersteigt 20. Infolge schwerer Gewitter sind in Spanien die meisten Draht- linien unterbrochen. Dienstagabend beschädigte ein neuer Wirbel» stürm in Madrid viele Gebäude. Bei Oviedo forderte in der Kohlen» grübe Eabonana vorgestern ein Schlagwetter zahlreiche Opfer, bisher wurden 25 Leichen geborgen. Ein furchtbares Familiendrama hat sich in Hamburg ereignet. Der Kunstmaler und Photograph Busecke war unter dem Verdacht der Falschmünzerei von einem Kriminalbeamten aus der Wohnung geholt worden. Noch bevor er vor den Untersuchungsrichter geführt lvnrde, gelang es ihm, auf dem Klosett durch Chankali sich zu ver« giften. Busecke lebte seit sechs Jahren in glücklicher Ehe mit seiner Frau; er hatte einen fünfjährigen Sohn und eine Tochter von vier- zehn Monaten; außerdem lebte bei ihm seine 53jährige Mutter. Im Laufe des nachmittags erhielt der Bruder der Frau B. ein Tele- gramm von dieser, in dem er ersucht wurde, sofort zu ihr zu kommen. Um 6Vg Uhr fand er aber die Wohnung verschlossen vor. In der Meinung, das Telegramm sei von seiner auswärts lebenden Schwester, telegraphierte er dorthin, erhielt aber die Nachricht, daß man nicht wisse, was die Anftage bedeute. Angsterfüllt eilte er nun wieder nach dem Graswcg. Dort war inzwischen die Wohnung von Bewohnern geöffnet und die ganze Familie tot aufgefunden worden. Der Tod ist wahrscheinlich auch durch Vergiftung herbeigeführt worden. Ans dem Tische lagen zwei Briefe; der eine, vom Unter» suchungsrichter mit der Nachricht vom Tode des ManneS, war noch nicht geöffnet, den andern hatte Frau Busecke an ihre Eltern ge- schrieben und ihnen den Selbstmord mit der Bitte um Verzeihung angezeigt, sowie daß ihr Mann unschuldig sei. Eine kleine Vergeßlichkeit. Ein sehr merkwürdiger Unglücksfall ereignete sich in Oueenstown. Dort ging nämlich ein der Regierung gehörender Dampfer, der Tender„Thistle", während der Fahrt durch den Hafen plötzlich unter. Das Schiff hatte auf der Werft gelegen und war ausgebessert worden, aber man hatte vergessen, zwei grotze Löcher, die man geöffnet hatte, zu schließen. 600 Arbeiter wurden auf dem Dampfer über den Hafen gefahren, als man plötzlich be- merkte, datz das Schiff anfing zu sinken. Der Kapitän steuerte schnell auf ein andres Schiff los, das im Hafen lag, und so gelang es. ins 500 Mann zu retten. Vom Dampfer selbst war schon nach drei Minuten nichts mehr zu sehen. Brlefhaften der Redaktion. �furCftikcher Ceü. Sie juris, ifche Sprechstunde findet iäalich niitAilsnahm« des Sonnabend» von 7lli bis!>'/■. Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Übe. 3t. BS., Luisenstr. Sic können die bctt. Nummer in unsrer Expedition heraussuchen und erhalten. Eine nochmalige Beantwortung derselben Frage müssen wir ablehnen.— M. St. 88. Ja, aber die Klage ist umständlich. — C. S. 30. Ihrer Tochter ist aus Verlangen angemessene Zeit zum Aufsuchen eines andern Arbeitsverhältnisses zu gewähren.(§ 630 B. G.-B.). Was angemessene Zeit ist, hat im Streitfälle der Richter zu ent- scheiden.— E. O. I. 134. Der Wirt geht wegen seiner Mets» sordcrimg vor. Ob das aus Ihren Fall zutrifft, ist ohne Kenntnis des Wortlauts des ergangenen Urteils nicht zu beantworten. — B. D. 13. Mangels dahin gemachter Wrede sind Sie keineswegs be. rechtigt, von Ihrem Schlafburschen oder von Ihrem Mieter zurückgelassene, einbchaltene Sachen als Ihr Eigentum zu betrachten. Sie müssen entweder Ihre Forderung einklagen und dann pfänden und versteigern lassen oder »ach vorangegangener form- und jristgcrcchter Androhung(ohne Klage) die Sachen öffentlich versteigern lassen oder die Sachen serner ausbeivahren.— B. B. I. Soweit ersichtlich, steht Ihnen voller Schadensersatzanspruch gegen die Straßenbahn und gegen den Kutscher persönlich zu. Sie müssen, wenn gütliche Einigung sehlschlägt, klagen.— O. R. Nein. — R. R., Hayna«. Ein Widersprach hätte keine Aussicht aus Erfolg. Sie müßten den§ 2 Ihres Statuts dem Gesetz entsprechend andern.— C. N. Ä. Der Inhaber eines GeschästSIokals ist für den Schaden ver- antwortlich, den er durch sahrlässige Einrichtungen angerichtet hat. Diese Frage scheint grundsätzlich in Ihrem Prozeß mich das Gericht zu bejahen. Sie müssen aber beweisen, daß Ihre Behaupiungen zutreffen, insbesondre, daß der Teppich, über den Sie siele», nicht der im Lokaltermin vorgelegte, sondern ein andrer ist. Beweismittel sind Zeuge» und Eid. Die Sachlage müssen Sie Ihrem Anwalt eingehend darlegen.— Z. Ja. «Weizen, gut D.-Etr. mittel „ gering «Roggen, gut mittel gering jGerstc, gut „ mittel gering iHaser, gut „ mittel . gering Richtstroh Heu Erbsen «pcisebohnen Linsen * ab Bah». Marktpreise von Berlin am 7. Juni 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. 17.40 17,86 17,32 13,05 13,0! 12,97 14.20 12,90 11,60 15,00 14,10 13,20 4,00 7,20 40,00 50,00 60,00 17,38 17,34 17,30 13,03 12,99 12,95 16,00 11,70 10,40 14,20 13,30 12,40 3,50 4.60 28,00 25.00 25,00 g Kartoffeln, neue D.-Etr. Rindfleisch, Keule 1 ke do. Bauch, Schweinefleisch, Kalbfleisch Hammelfleisch Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse t frei Wagen und ab Bahn., 7.00 1,80 1,40 1.60 1,80 1.80 2,60 3,60 2,00 2.80 3,00 2,40 2.00 3,00 , 1,40 per Schock 16,00 60 Stück l kg 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,40 1,40 1,40 1,20 1,00 1,00 1,40 0,80 3,00 Gentral'Verband der Töpfer. Filiale Serlin. Freitag, den 10. Juni, abends 6'/? Uhr: -Versammlung im großen Saale des Getverkschastshauses, Engel-Ufer 18. TageS-Ordnung: 1. Beschlußsafsuna über vorliegende Anträge. 2. Vortrag des ReichstagZ-Abgeordneten Genossen über:„Wie habe« sich die Arbeiter zu wehren gegen die Angriffe ans ihre Rechte". 3. Diskussion. 4. Gewerkschaftliches. 195/18 _ Zahlreiches und hünktliches Erscheinen erwartet voi> Torstand. Achtung! Achtung! Altgesellen! Gesellen-Ausschüsse! Donnerstag, den 9. Juni, abends 8'/s Uhr: SilZkunx im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, Saal 7. Tages-Ordnung: Besprechung und Wahl der Mitglieder und deren Stell- Vertreter zur Handwerkskammer. Alle zum Bezirk Berlin gehörende Vertreter der Vororte(ReglerungS» Lezirk Potsdam) find dazu eingeladen. Die erhaltenen Stimmzettel sind mitzubringen. 299/14 Der Ausschuß der Berliner GewerkschastS-Kommisfion. Bildhauer! Heute abend 81/, Uhr im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, (Saal I) spricht 21/3 Frau Hr. Lilly Brann über Was ist Vaterlandsliebe? Gäste, auch Damen willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet vor Torstand. Rote Hh Lotterie. Ziehung schon 15., 16., 17. Juni.— 6023 Gewinne tW.r. 170*000 Mark. Haoptgewinne i. W. t. Mark 50,000, 20,000, 15,000, 10,000... Orlglnallose lk 8 Mk. Porto und Liste 30 Pf. Oscar Bräuer 6 Co. Nachf.,f aii. Baokgeiohfift, BERLIN W., Trledrlekstrsase 181. Filialen: NW,, Wllaneckerstr. 63.— 0., Indreeeetr. 46t.— 80. Oreniemt 177. (IMIU*> Wer-Stoff~ hat. Fertige Anzug 203«., feinste Zuthaten, 2 Anpr., für guten Sitz bekam gold. Med.Qndn'JzxLnevJ, Prenrlsuee- strseee 23, IL(nahe Alexanderpl.) Gegr. 1832. 112/20 (Ifllen Freunden und Bekannten zur gefl. Nachricht, daß ich ITUldenoiv- Btrass« 1» ein Restaurant IT* 57902* Emil Irmert. 8 teppdecken Gelegenheitskauf. buntfarbig, �85 alle Farben � � Silisei, p.Ä.n 6. ob Normal- fl Q Schlafdecken 2,00,0,00 Speeial- Haus B6£in Oranienstrasse 158. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt.— FI. 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Rege Beteiligung erwartet 116/8 Die Ortsverwaltung. JubiläumseAusstellung des Papier• Vereins Berlin und Provinz Brandenburg 1904 vom 2. bis 15. Juni im Änsstellangs-Gebäude T/giJeiA'n Berlin S. 14, Ms IU4N K7Z1ZU 494� Dresdener- Strasse 34—85. Geöffnet: 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. [8/5*] Eintrittspreis 50 Pf. Banksaakung. Für die rege Beteiligung und zahl- reichen Kranzspenden bei der Beerdi. gung meines lieben Mannes und guten Vaters, des Schlossers Friedrich Keilhack sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie der Firma Bolle u. Jordan, den andern Firmen, wo mein Mann thättg war, und den Genossen des 3. Wahlkreises meinen herzlichsten Dank. 1825b Hartha Keilhack nebst Kindern. Dr. Simmel, � Speciniarzt für[8/3* Bant» nnd flarnlelden. 10— 2, 5— 7. isonntags 10— 12 2—4. Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und itzranenleiden, Seydelstr. O. Wochentags»/.l«-'/,3,'/.«-'/i». 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