Kr. 134. RtwnnenuntS'lkdlnauDieii: HionnementS> Preis pränumerando! LierteljShrl. 8£0 m., Mona«. 1,10 Ml.. wSÄm«ich 28 Pfg. frei ins Hau«. Einzelne Nummer K Pfg. EonntagS- mimmer mit illustrierter EonntagS« Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 21. Jahrg. Wchelnt Ogllt auBcr montifi». Devltnev VolkSblAtk. Die Infertlons�GebOdr bekigt für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum 10 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammIlmgS.Anzeigrn 25 Pfg. „Kleine Hnreigen", das erste(fett- godrulkte) Wort 10 Psg., sedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags gehssnet. Delegramm- Adresse: littOWll»!»MI»". Zentralorgan der fozialdemokratt leben Partei Deutschlands. Redahtion: 831. 68» Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 831. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Vaillants Milizrede. Paris, 8. Juni.(Eig. Ber.) Die deutschen Bourgeoisparteien lieben es, aus Unwissenheit oder wider besseres Wissen der deutschen Socialdemokratie die sran- zösischen Socialisten als patriotische Musterknaben(im bürgerlichen Sinne I) vorzuhalten. Umgekehrt sucht die französische Bourgeoisie die einheimischen Socialisten durch den Hinweis auf die.echt patrio- tische Gesinnung der deutschen Socialdemokratie" wahldemagogisch zu bekämpfen. Die beiderseitigen bourgeoisen Tricks heben von selbst einander auf. Ihre gemeinsame Grundlage aber, die trotz alledem ihnen eine gewisse Wirkung auf die in bürgerlichen An- schauungen befangenen Schichten sichert, ist die bornierte Vor- stellung, daß daS nationale Interesse unbedingt mit dem Interesse der herrschenden Klaffen zusammenfalle und daß folglich jenseits der bourgeoisen Auffassung des Patriotismus die „Vaterlandslosigkeit" beginne. Glücklicherweise wird mit der internationalen Entwicklung des proletarischen Klassenkampfes die Haltlosigkeit jener Vorstellung immer offenkundiger, indem die klaffengegensätzliche Differenzierung der natio- nalen Idee in allen modernen Ländern in die Erscheinung tritt. Dem wesensgleichen, obwohl gegen einander gerichteten, mili- t a r i st i s ch e n Patriotismus der Bourgeoisie aller Länder steht gegenüber die identische und harmonisch zusainmenwirkende antimilita- ristische Auffassung des nationalen Interesses, in welcher sich das klaffen- bewußte internationale Proletariat zusammenfindet. Und eS ist bezeich- nend, daß beide Seiten dieses Gegensatzes am schärfsten ausgebildet sind gerade in Frankreich und Deutschland, in Ländern, die historisch seit einem Menschenalter durch den schroffsten Widerstreit getrennt sind. Wenn die französische Bourgeoisie mit der deutschen in militaristisch- chauvinistischer Gesinnung wetteifert, so fühlen sich die socialistischen Proletarier Frankreichs eins mit ihren deutschen Klassengenossen in der Verurteilung und der Bekämpfung des Militarismus und des Chauvinismus namens der proletarischen Auffassung des nationalen JntereffeS. Nichts gleicht so sehr der Rede eines französischen Chauvinisten wie die Rede eines seiner deutschen Gesinnungsgenossen. Ebenso istdieinder Kammersitzung vom S.Juni gehaltene Mlizrede desGenossen Edouard Vaillant von demselben Geiste durchdrungen, wie die Milizreden des Genossen Bebel und andrer socialdemokratischen Abgeordneten im deutschen Reichstage. Sagen wir gleich: Die Aufnahme, die BaillantS Milizrede in der Kammer gefunden hat, ssicht— zur Ehre der stanzösischen bürgerlichen Parteien— höchst vorteilhaft ab von der Aufnahme, die den gleichen socialdemokratischen Reden im deutschen Reichstage zu teil wird.... Die ftanzösischen socialistischen Deputierten, und speciell Vaillant, haben bereits wiederholt für die Einführung der Volks- miliz gesprochen. Die neueste Milizrede VaillantS ist aber die inhalt- vollste und beweiskräftigste. Sie bildet, wie JaurdS zutreffend schreibt,„die unmittelbarste und wichttgste BeweiSansttengung, die je auf unsrer Tribüne gemacht worden ist zu gunsten einer wahrhast volkstümlichen Organisation der Armee". Im Laufe der schwebenden Debatte über die KommisfionS- vorläge betreffs der zweijährigen Dienstzett begründete Vaillant einen Antrag auf Einführung der BolkSmiliz, der von der revoluttonär- socialistischen Fraktion in der Form eines Gegen- entwurfes eingebracht worden war. Der grundlegende erste Arttkel diese» Entwurfes lautet: „Das stehende Heer ist abgeschafft.— Die Abschaffung wird geschehen auf dem Wege der sofort in Angriff zu nehmenden und binnen drei Jahren zu vollendenden Umgestaltung des stehenden HeereS in eine Volksmiliz nach dem Muster der schweizerischen Armee.— Diese Umgestaltung ist so zu vollziehen, daß die der- zeittge Defenfivkrast in nichts und in keinem Augenblick abgeschwächt wird: vielmehr ist ste durch die Einführung der Miliz ehebaldigst zu steigern und auf die höchste Stufe zu bringen durch die Or- ganisation und Ausnutzung der gesamten Kräfte der Nation." Vaillant beginnt mit der Erklärung, daß er sich keinen Illusionen hingebe über die unmittelbaren Aussichten des Milizantrages. Es wäre aber gewiß, daß„die ftanzösische Kammer, mag sie es wollen oder nicht, auf einem Wege sich bewegt, der sie unvermeidlich, wie mehrere Redner das anerkannt haben, zur Annahme der Miliz führt. Für heute würde Rebner sich schon zuftieden geben, dazu durch die Darlegung der Notwendigkeit der Miliz etwa» beitragen zu können. Im folgenden der wefenttichste Inhalt der Vaillantfchen Rede nach dem stenographischen Bericht: Der Einführung der Miliz steht zur Zeit entgegen in Frankreich wie in andren Ländem einzig ein innerpolittscher Grund, die konservative Klassenpolitik der Besitzenden. Wie die alte Berufsarmee, bildet auch das modeme stehende Heer eine bewaffnete Macht im Dienste der herrschenden Klaffen. Der Uebergang vom Berufsheer zum Heer der allgemeinen Wehrpflicht bedeutet noch keineswegs die bewaffnete Nation. Das moderne stehende Heer setzt sich zusammen aus Bürgern, die bloß die Nation vertreten. Erst die Miliz wird die bewaffnete Nation zur Wirklichkeit machen. Auch die französische Armee, deren Offiziercorps, im Gegensatz zu den deutschen Zuständen, immer mehr und mehr fich verbürger- licht, wird bis heute in den Dienst ber Bourgeoisie gestellt. Unter dem zweiten Kaiserreich forderten die Führer der oppositionellen Bourgeoisie. JuleS Ferrh und JuleS Simon, die Ab- fchaffung des damaligen Berufsheeres und deffen Ersetzung durch die Miliz nach schweizerischem Muster, obwohl die schweizerische Miliz bis 1874 nichts als eine Rationalgarde war und zu ihrem gegenwärtigen Zustand sich io verhielt wie ein Keim zu einem organisierten Wesen. Am 23. Dezember 18S7 begründete Jules Simon in der gesetzgebenden Versammlung einen Mlizantrag mit den Worten: „Gerade um keine Armee zu haben in dem Sinne, den man an dieses Wort knüpft, d. h. keine Armee mit militärischem Geist, gerade deswegen verlangen wir ohne Umschweife die Abschaffung der stehenden Armee und die Bewaffnung der gesamten Nation, damit diese unbesiegbar im Innern und unfähig wird, den Krieg draußen zu führen. Wozu brauchen wir eine Armee? Für einen dieser zwei Zwecke: entweder um den Krieg außerhalb unsrer Grenzen zu tragen oder aber um den Willen der Regierung gegen den Willen der Nation durchzusetzen. Ich kann jedoch wohl annehmen, daß Ihr keine Prätorianer braucht, die Ihr an der Spitze aller Ge- setze erklärt, von Gnaden des nationalen Willens zu regieren. Braucht Ihr nun eine Jnvasionsarmee, währenddem Ihr ohne Unterlaß den Frieden anrufet und Eure friedensfreundliche Gesinnung verkündet? Weder Prätorianer noch Jnvasionssoldaten. Was werden also Eure Soldaten sein? Bürger, die ihren Herd verteidigen. Dies ist gerade die Armee, die wir Euch geben." So sprach Jules Simon im Namen des demokratischen Ideals der republikanischen Bourgeoisie von dazumal. Nachdem aber dieser Teil der Bourgeoisie sich der politischen Herrschaft bemächtigt hatte, suchte sie einerseits ihre Klassenherrschaft zu befestigen gegen die reaktionären Mächte, andrerseits aber und noch energischer die be- stehende Gesellschaftsordnung zu erhalten gegen die proletarischen und socialistischen Forderungen. Sie giebt nun nebst andren Punkten des alten demokratischen Programms auch die Milizforderung preis: das stehende Heer, das die Kraft des Proletariats gegen das Proletariat in ihren Dienst stellt, wird zur Grundbedingung ihrer Herrschaft. Der socialistische Milizantrag ist daher zur Zeit aussichtslos. Die bürgerlichen Parteien werden das stehende Heer aufrechterhalten, so lange es ein brauchbares Werkzeug ihrer Herrschast bilden wird. Das wird aber nicht immer der Fall sein.„Der demokratische und noch mehr der socialistische Geist dringt in die Masse. Die Söhne der Proletarier, die im Soldatenrock Eure kapitalistische Polizei- Armee bilden, werden eines Tages unter der zweijährigen oder der unvermeidlich noch weiter verkürzten Dienstzeit, vom socialistischen Geiste beseelt, Euch jeden Polizeidienst gegen das Proletariat ver- weigern." Die fortschreitende Verkürzung der Dienstzeit ist unvermeidlich. Die Einführung der gleichen zweijährigen Dienstzeit für alle birgt schon in sich den Keim zu einer weiteren Verkürzung. Denn für die Bourgeoisie, die bisher, kraft der Bildungs- und sonsttgen vom alten Militärgesetz von 1889 anerkannten Privilegien, nur ein Jahr unter der Fahne diente, bedeutet die neue Vorlage eine Mehrbelastung. Sie wird daher selbst für eine weitere Verkürzung eintreten. Und die gleiche Forderung wird in der Volksmasse immer mehr Anklang finden, in dem Maße, wie sie erkennen wird, daß die zwei- jährige Dienstzeit unter dem Vorwand der Landesverteidigung in Wirklichkeit im Interesse der Herrschenden ihr auferlegt wird, und daß die Miliz am besten die Landesverteidigung sichert. In einem Lande des allgemeinen Wahlrechts ist es unmöglich, den Forderungen der Masse zu trotzen. Und das allgemeine Wahlrecht wird desto gebieterischer auf die weitere Verkürzung der Dienstzeit dringen, je offenkundiger die Unerttäglichkeit Eures Anspruches wird, mit der militärischen Entwicklung eines Nachbarlandes(Deuffchlands) Schritt halten zu wollen, dessen Geburtsziffer in stetem Wachsen begriffen ist, während die ftanzösische Geburtsziffer immer abnimmt. „Die Verkürzung der Dienstzeit ist die historische Entwicklungs- form, die uns rasch zur Miliz führt." Unser Milizanttag ist keine specifisch socialistische Forderung. Seinem Wesen nach gleicht er dem Anttage auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Die Volks- bewafftmng ist die notwendige Folge des allgemeinen Wahlrechts und der Entwicklung einer Demoftatte. In der Geschichte aller Völker war die Miliz die militärische Einrichtung der Demoftatte, mit deren Sieg aufkommend, mit deren Niederlage ver- schwindend. ES ist wahr, auch die Miliz kann an und für sich der Klassenherrschaft dienen, ebenso wie daS allgemeine Wahlrecht. Aber wie der Sttmmzettel mit der potittschen Erziehung des Volkes dem Willen des Volkes und der Arbeiterklasse immer mehr Geltung verschafft, so ist es in noch höherem Maße von der Miliz zu erwarten, die jedem Bürger ein Gewehr in die Hand giebt. Wenn die schweizerische Miliz dem Kapitalismus Polizeidienste leiste, so des- halb, weil dort, wie überall, der kapitalisttsche Einfluß noch immer vorherrscht und weil die Miliz selbst nicht hinreichend demoftatisiert ist. Unser Milizantrag verlangt daher vor allem die Wahl der Offiziere. Auf diese Weise könnten wir in Frankreich bereits dem Zustand nahe kommen, wo der polizeiliche Mißbrauch der Milsz aufhören würde. Die polittsche Eenftalisation Frankeichs fördert zudem wesentlich die Entwicklung im Sinne der Demokratie. Weiter führt Vaillant den Nachweis für die wirtschaftliche Rot- wendigkeit der Miliz. DaS Wettrüsten seit 1870 drückt besonders schwer auf Frankreich. DaS Bestreben, mit der deutschen Truppen- stärke stand zu halten, ist an dem relativen wirtschaftlichen Stillstand Frankreich» schuld. Im ftanzösischen Budget giebt es 3'/s Milliarden fast sämtlich unprodukttve Ausgaben, während kaum 800 Millionen für die produktiven, wirtschaftlichen und Kulturausgaben übrig bleiben. Ein wirtschaftlich zurückgehendes Land kann aber niemals militärisch siegen. Die sogenannte Slbrüstung bietet da keinen Ausweg. Denn von einer einseitigen Abrüstung FranfteichS kann nicht die Rede sein.„Wir haben vielmal gesagt und Herr Jaurss hat das dieser Tage wiederholt, daß die Abrüstung nur unter der Bedingung derGegen- seitigkeit und Gleichzeitigkeit möglich wäre, als das Ergebnis einer internationalen Abmachung." Einen Ausweg bietet sicher und rasch die Einführung der Miliz, die jede EroberungSpolittk unmöglich und die Landesverteidigung jedem Angriff gewachsen macht, ohne das Land wirtschaftlich zu überbürden. An der Hand eineS eingehenden Zahlenmaterials über die Stärke und die Kosten der schweizerischen Miliz, entnommen dem Buch des ftanzösischen Arttllerie-Hauptmanns Moch:„Die Armee einer Demokratie", gelangte Vaillant zu diesem Schluß: in Frankreich würde eine der schweizerischen ähnliche Miliz- organisation einen Bestand an Kampftruppen in der Höhe von 3 474 948 Mann und einen Bestand an Hilfsdiensttruppen in Höhe von 2 847 300 Mann liefern, zusammen eine Armee von 6 322 248 Mann. Die bestehende französische Armee zählt aber im ganzen nur drei Millionen Soldaten, davon im Kriegsfalle nur eine-Million Kampf- truppen, einschließlich der drei jüngsten Altersklassen der Landwehr sReservisten). Die Verdreifachnng der Zahl der Kampftruppen durch die Miliz würde dabei einen Kostenaufwand von höchstens 330 Millionen Frank jährlich erfordern, daS heißt ungefähr die Hälfte der gegenwärtigen Jahresausgabe für die Armee der Metropole. Sodann verbreitete sich Vaillant über die militärtechnische Seite der Milizorganisation, über mancherlei Vervollkommnungen der schweizerischen Organisation in Anpassung an die ftanzösischen Ver- Hältnisse und besonders über die vorbereitende militärische Erziehung der Schuljugend. Er schloß die Rede unter dem lebhaften Beifall der äußersten Linken mit einem Appell nicht nur an alle Socialisten, sondern auch an die auf- richtigen bürgerlichen Demokraten:„Alle diejenigen, die als Socialisten begreifen, daß der Fortschritt der Demokratie ein Mittel und ein Werkzeug des Socialismus und der Befreiung des Proletariats ist; alle diejenigen, die als aufrichtige Demokraten in der demokratischen Gesetzgebung nicht stillstehen bleiben wollen und die begreifen, daß man bis ans Ende gehen muß, welches auch die Folgen fein mögen— sie alle mögen sich auf unfren Gegenenttvurf zählen, um so zu erklären, daß sie. Anhänger der Miliz, freilich nicht im stände sind, sie heute zu verwirklichen, aber mindestens sich verpflichten, alles zu thun, um sie so rasch als möglich herbeizuführen.... Die militärische Verfassung eines Landes ist sozusagen die unmittelbare Wiederspiegelung seiner bürgerlichen Verfassung und kann mitunter den Fortschritt der letzteren beschleunigen. Deshalb beantrage ich. selbst ohne Aussicht auf Erfolg, die Volks- miliz, die zur Wirkung hätte, dem Militarismus und der Angriffs- Politik ein Ende zu setzen und dem Volke zugleich mit dem iuter- nattonalen Frieden seine ganze demoftatische Macht zu geben. Die Einführung der Miliz würde den Fortschritt der französischen Demo- kratie tvirksamer fördern als jede andre Reform. Daher müssen sich neben den Socialisten auch die auftichtigen Demokraten in diesem Votum zählen." In der Abstimmung erzielte der Milizantrag 62 gegen 603 Stimmen. Dafür sttmmten 47 Socialisten beider Fraktionen und 15 Linksradikale. Unter den Milizgegnern findet man neben Millerand auch Gabriel Deville. Der ministeriell-socialifttsche Ab- geordnete Baron hat sich in der Gesellschaft von 5 Linksradikalen der Abstimmung enthalten.— politifcbe CUberficbt. Berlin, den 9, Juni. Nicht erledigt. DaS Geheimnis der Hofbank der Kaiserin. Als Gehelmrat Budde am Mittwoch im Pommerubank-Prozeß die Verschleuderung der Bankgelder für Kirchenbau enthüllte, schien es. als solle wirklich einige Klarheit geschaffen werden. In der ersten Bestürzung stellten auch die Angeklagten und die Verteidigung nähere Darlegungen in Aussicht. Die Vernehmung deS Geheimrats Budde endete mit der Erklärung des Justizrats Dr. S e l l 0: „Wir sind auf das neu hier Vorgebrachte nicht vorbereitet und behalten uns vor, darauf zurückzukommen und entsprechende Anträge zu stellen." Man mußte danach erwarten, daß die Angeklagten und ihre Verteidiger nach gründlicher Vorbereitung in der DonnerStagssitzung ihre Erklärungen abgeben und ihre EntlastungSanträge stellen würden. DaS erstaunlichste Ergebnisjdieser Vorbereitung zeigt der heutige Prozeßbericht. Soweit der Bericht die H 0 f b a n k angelegenheit behandelt, be« sagt er dies: Demnächst gab Justtzrat Dr. S e l l 0 namens der Angeklägten folgende Erklärung ab: Auf den Check von 350 000 M. hat der Oberhofmcister Ihrer Msajestät der Kaiserin Freiherr v. Mirbach für Wohlthätigkeits- und ähnliche Zwecke überhaupt nur 25 000 M. abgehoben und zwar auf die Versicherung der Angeklagten Schultz und Romeick hin, daß das Geld nicht aus der Bank, sondern aus ihren Mitteln flösse. lieber die diSftete Beiwendung deS Restes der obigen 350 000 M. wird nach wie vor von den Angeklagten das Princip der Diskretion respektiert. Freiherr v. Mirbach hat privat oder persönlich weder von den Angeklagten, noch von den ihnen nahe- stehenden Banken irgend einen Pfennig erhalten. Angekl. Schultz: Der Staatsrat a. D. Budde hat gestern gegen mich den Vorwurf erhoben, daß ich mich in das Vertrauen des Freiherrn v. Mirbach eingeschlichen habe. Ich muß es als tief be- dauerlich erklären, daß der Staatsrat a. D. Budde dies gesagt hat, ohne sich über die Sachlage zu orientieren. Hätte er den kurzen Weg nach Potsdam nicht gescheut, so würde er von der Hinfälligkeit seiner Behauptung aufgeklärt worden sein und erfahre» haben, daß ich nach wie vor das volle Vertrauen Sr. Excellenz genieße, daß ich mich dieses Berttaucns stets würdig gezeigt habe. Ich glaube, auch Au- spruch auf dieses Vertrauen zu haben. Geheimrat Budde: Ich habe auf die vorgettagene Erklärung zu erklären, daß es mir überhaupt nicht eingefallen ist, irgend eine Andeutung im Sinne deS letzten Satzes der Verwahrung zu machen. Ich würde mich vor mir selber schämen, wenn mir auch nur der Ge- danke gekommen wäre, daß auch nur ein Pfennig von Sr. Exzellenz für andre als für Wohlthätigkeitszwecke verwendet worden wäre. Ich halte es für ganz selbstverständlich, daß ein Mann in solcher Stellung nicht einen Pfennig anders als für solche Zwecke verwendet. Ich bin nicht in der Läge, sagen zu können, ob der Angeklagte ges täuscht hat oder nicht, ich habe nur gesagt: tvenn das wahr ist, was wir mitgeteilt worden von meinen Beamten, so würde Srv Kxzellenz Freiherr v. Mirbach das Geld nicht angenommen haben, wenn er gewußt hätte, wie die Vermögenslage des Angeklagten und die Lage der Bank selbst in Wirklichkeit war. Das ist meine Ueber- zeugung und die habe ich ausgesprochen. Ob und wie die Sache sicl verhält, darüber bin ich selbst nicht in der Lage Auskunft zu geben, aber unter meinem Eide mußte ich das mitteile», was ich von meinen Beamten erfahren habe. Justizrat Dr. Sello: Der letzte Satz der Verwahrung be- zieht sich lediglich darauf, was französische und belgische Zeitungen aus den Worden thatsächlich schon herausgelesen haben. Geheimrat Budde: Dem bin ich schon gestern selbst entgegen- getreten. Nicht von mir ist eine Frage aufgestellt gewesen, die eine gewisse Parallele mit Verhältnissen in Konstantinopel zog und ich habe sofort erklärt, daß eine solche Parallele für unsre Verhältnisse absolut unzulässig ist. Justizrat Dr. Sello: Die Angeklagten erklären nochmals mit der allergrößten Bestimmtheit, daß Freiherr v. Mirbach für Wohlthätigkeitszwecke nicht SSV 000 M., sondern nur 25 000 M. erhalten hat. Angekl. Schultz: Was nieine private Vermögenslage be- trifft, so hatte ich damals etiva l1/« Millionen Mark im Vermögen. Vors.: Für uns ist der Punkt damit erledigt. Justizrat Dr. Sello: Für die Verteidigung ebenfalls. Anstatt der Anträge, die Justizrat Dr. Sello am Mittwoch in Aussicht stellte, erklärte er ani Donnerstag die Angelegenheit für die Verteidigung als„erledigt". Die Verteidigung hat— und man versteht ihr Verhalten zu würdigen— kein Interesse an der weiteren Verfolgung des„Zwischenfalles". Noch unverständlicher ist das Verfahren des Vor- sitzenden des Gerichtshofes, welcher der Verteidigung in der Losung voranging: Für uns ist dieser Punkt erledigt. AuS dem Prozeßbericht vom Mitttvoch war zu ersehen, daß Geheimrat Budde seine Zeugenaussage zum großen Teile auf Mitteilungen von seinen Beamten, welche die Bücher revidiert haben, gestützt hat. Er betonte wiederholt:„Wenn das wahr ist, was mir berichtet wird..." Was konnte dringender sein, als die Vernehmung der �betreffenden Beamten? Im Prozeß- bericht vom Mittwoch war weiter zu lesen, daß zu diesem Punkt der Anklage der Prokurist Horwege als Zeuge genannt worden sei. Aber dieser Zeuge ist, nach der vorliegenden Berichtsfortsetzung, nicht zur Aussage gelangt. Und doch erklärt der Vorsitzende diesen Punkt für erledigt! Für die deutsche Oeffentlichkeit ist dieser„Punkt" ganz und gar nicht erledigt! Wenn der Vorsitzende des Gerichts aus irrtümlicher Auffassung von der Bedeutung dieser Angelegenheit für die Beurteilung der Schuld der Angeklagten, wenn die Verteidigung aus Ivohlverstandenem Interesse ihren Klienten die Beziehungen zum Freiherrn v. Mirbach für erledigt zu erklären wünschen, so hat die Oeffentlichkeit das entgegengesetzte Interesse. Wenn nicht d i e ungeheuerlichsten Mutmaßungen Platz greifen sollen, muß volle Aufklärung geschaffen werden. Gerade der hastige Ver- such, den Fall in schuellsterkErledigung beiseite zu schaffen, vermehrt den Verdacht. DaS wenige, das die Angeklagten vorgebracht haben, kann mir den übelsten Eindruck erwecken. Zum Teil stehen die Erklärungen des Angeklagten Schultz im unverständlichen Widerspruch zu den eid- lichen Aussagen dess Geheimrats Budde. Zum Teil bedeuten sie eine vorsichtig eingeklzjdete und doch nur allzu deutliche Drohung Legen den Wissenden des Hosbank-GeheimnisseS, gegen Freiherrn v. Mirbach. Frhr. v. Mirbach soll nach der Erklärung des Angeklagten Schultz nur 25 000 W. erhalten haben. Geheimrat Budde hat aber aus- gesagt, daß die Summe von 350 000 M. ans das Conto des Frhrn. v. Mirbach bei der Pommernbank eingezeichnet und im Kassabnch unter Conto K sKirchenbau) eingetragen sind, daß andrerseits Quittnnge» des Freiherrn nicht nur über 25 000 M, sondern über die Summe von 350000 M. vorliegen. Gehcimrat Budde nannte zu diesem Teil seiner Aussage zwei Kassierer, die darüber noch näheren Bescheid wissen. Doch diese Kassierer werden nicht ver- hört und der unlösliche Widerspruch zwischen der eidlichen Aussage des Gehcimrats Budde und des Angeklagten bleibt bestehen. Wäre es aber auch wahr, daß Freiherr v. Mirbach nur 25 000 M. enipfangen habe, so bleibt nur übrig, daß andre Persönlichkeiten die großen Geldsummen erhalten haben, zu deren„diskreter Verwendung" Herr Dr. Sello im Auftrage seiner Schützlinge den„Respekt" vor dem„Princip der Diskretion" ver- kündigt. Schließlich haben die Angeklagten über die weiteren Spenden, die Geheimrat Budde vorführte, nämlich über die erste Anweisung über 150 000 M., die zweite über 102 000 M. und die dritte Zahlung von 50 000 M. keinerlei Auskunft gegeben. Nicht um 25 000 M. geht die„erledigte" Angelegenheit, vielmehr um 085 798 M., welche aus der Jmmobilien-Verkehrsbank entnommen worden sind, welche die beiden Angeklagten eingestandenermaßen an sich genommen und zu Geldspenden benutzt haben—„zur Förderung der Banken" I Die Angeklagten versuchen nun ihre unwahren Ausflüchte durch Riick sichten der Diskretion zu entschuldigen. Es erscheint zunächst unmöglich, daß Frhr. v. Mirbach oder andre hochgestellte Persönlichkeiten, die auf die Verleihung der„Hofbank"- Auszeichnung Einfluß gehabt haben »nögen, die unverschämte Zumutung annehmen können, daß aus sie Rücksicht genomme» werden müsse. Schultz scheute selbst nicht vor Einschüchterung und Drohung zurück:„Ich glaube, auch Anspruch auf dieses Vertrauen(des Freiherrn v. Mrbach) zu haben!" Die Oeffentlichkeit glaubt daher nicht, daß für den Oberhof- meister der Kaiserin„der Punkt erledigt" ist. Sollte aber der Angeklagte Schultz darin die Wahrheit gesagt haben, daß nicht Freiherr v. Mrbach allein, sondern auch andre fromme Kirchenerbauer Geldspenden empfangen haben, so dürfte die längst erforderliche Zurückgabe des von den freigebigen Spendern widerrechtlich erlangten Gutes um s o leichter zu ermöglichen sein. Die Oeffentlkchkeit hat immerhin, infolge der]; eifrigen Bemühungen des Frhrn. v. Mrbach, so viel Interesse am Kirchen- bau genommen, daß sie begierig ist zu erfahren, ob die mächtigen Ouadern und die goldeqen Kreuze der frommen Leuten dauernd das Wahrzeichen bleiben sollen von Not und Elend zahlreich ver- nichteter Existenzen!—_ Wieder ein CentrumSumfall. Der Reichstag nahm Donnerstag die dritte Lesung des Gesetzes zur Bekämpfung der Reblaus an. Es liegt auf der Hand, daß das Gesetz nur dann eine wirksame Waffe zur Ausrottung der Plage sein kann, wenn die Winzer selber zur energischen Mithilfe herangezogen werden. Nun liegt in der Entschädigung, die den Winzern gewährt werden soll, ja eine gewisse Versuchung für sie, die Hände in den Schoß zu legen und die Reblaus ruhig auf ihren Weinberg kommen zu lassen; vielleicht niachen sie gar ein besseres Geschäft, wenn der Staat ihnen eine reichliche Entschädigung gewährt. Dagegen kann nur helfen, wenn die Interessenten selber die Entschädigung im Umlagcvcrfahren auf- .ringen müssen. Es ist aber nur gerecht, wenn bei der Aufbringung dieser Entschädigungsbeträge die klemm und wietschafttich schwachen möglichst geschont, die reichen und großen Weingutsbesitzer aber um so stärker herangezogen werden. Das Ivar der einfache Sinn uusreS Antrages zum entscheidenden Z 6. Aber merkwürdigerweise wollte dieser Sinn so reichen Weingutsbesitzern wie dem Abgeordneten Frhr. Hehl zu Herrnsheim durchaus nicht in den Kopf gehen trotz der großen Mühe, die sich unsre Redner Schulze-Cosse- bände und Dr. David gaben, um dem Verständnis der Herren nachzuhelfen. Sie thaten so— und fanden dabei am klerikalen Elsässer D e l s o r einen Bundesgenossen, als würde der ganze Weinbau ruiniert, wenn der Antrag unsrer Fraktion angenommen würde. Daneben lief noch ein lebhaftes Gefecht, das wir dem Centrum zu liefern hatten. Bekanntlich hat der Herr Gröber eine gar nicht mißzuverstehende Aeußerung unsres Genossen Schulze bei der zweiten Lesung dahin entstellt, als betrachte es die Socialdemokratie nicht als ihre Aufgabe, den kleinen Winzern zu helfen. Schulze und Dr. David stellten den Sach- verhalt nach dein Wortlaut des Stenogramms fest, aber Herr Erz- b e r g e r, der Herrn Gröber zu vertreten hatte, war unbelehrbar. Dieser jugendliche Arbeiter in der Wnhllügenfabrik des Centrums Ivollte sich diese neue Fälschung aus seiner Citatensammlnng durchaus nicht rauben lassen. Aber die Reden unsrer Abgeordneten werden geniigen, um die Menge, auf deren Stinnneu das Centrum spekuliert, aufzuklären. Unser Antrag wurde abgelehnt und das Reblaus-Gesetz schließlich mit einer kleinen redaktionellen Aende- rung unverändert nach den Beschlüssen ziveiter Lesung ge- nehmigt. Auch unsre Fraktion stimmte ihm zu. Dann wurde die zweite Lesung des Gcsetzentwurfs über die Ein- führung von Kaufiiiaimsgcrichtc» sortgesetzt. Zunächst gab die Kosten- frage zu einigen Erörterungen Anlaß. Aber eigentlich lebhaft wurde die Debatte erst, als die Paragraphen, die über das Wahl- recht und das Wahlalter handeln, an die Reihe kamen. Bekanntlich hat die Kommission zwar das passive Wahlrecht der Frauen mit Stimmengleichheit, die sogar nur durch das Zuspätkommen eines Kommissionsmitgliedes der Linken zu stände gekommen war, abgelehnt, dagegen das.aktive Wahlrecht der Fauen angenommen, und im weiteren Gegensatz zum Rcgierungsvorschlage auch das wähl- fähige Alter ftir das aktive Wahirecht von 25 auf 21 und für das passive von 30 auf 25 Jahre herabgesetzt. Das waren unstreisig Verbesse- rnngen, die durch den Antrag unsrer Frakti on und der freisinnigen Parteien, den Frauen auch das passive Wahlrecht zugeben, wirksam ergänzt wurden. In der Kommission hatten auch das Centrum, ein Teil der Konser- vativen und das nationalliberale Kommissionsmitglied, der Abg. Beckh-Heidclberg, ftir die drei ersten Verbesserungen gestimmt. Aber die Herren halten nie Wort, wenn es sich um socialpolitische Re- vrmen handelt. Ueber Nacht haben sie'ich eines andern besonnen, und heute lag ein Antrag der Mehrheitsparteien vor, der sich in allen drei Punkten einfach ans die Regierungsvorlage zurückzog. Die Erklärung des Grafen Posadowsky, daß die Regierung das Gesetz scheitern lassen würde, wenn das Frauen-Wahlrecht über die Herabsetzung der Altersgrenze aufrecht erhalten bleibt, war nur in der Kommission unwirksam gewesen. Im Plenum entfaltete sie eine Zauberkraft, die ähnlichen Erklärungen vom Regierungstisch bei dem wüsten Jnteressenstreit des Zolltarifs niemals innegewohnt hat. Genosse L i p i n s k i hielt aus seiner langen kaufmännischen Thätigkeit heraus den Mehrheitsparteien vergebens vor, welch' schreiendes Unrecht es sei, die weiblichen Handlungsgehilfen ohne weiteres ihren männlichen Kollegen aus Gnade und Ungnade aus- zuliefern. Es sei bedauerlich, aber wahr, daß nirgends der Brodneid gegen die neu in das Erwerbsleben eintretende Frau so groß sei, wie im Handelsgewcrbe. Statt der Frau das passive Wahlrecht zu geben, soll ihr nun auch das aktive Wahlrecht genommen werden. Anch die freisinnigen Müller- M ei ningen und Dave vertraten den- selben Standpunkt wie unser Redner, aber das nützte alles nichts. Die drei Antragsteller des Generalumfalls trieften ordentlich von platonischer Liebe ftir die Rechte der Frauen, aber sie lehnten es ab, die praktische Konsequenz zu ziehen. Bei Herrn B e ck h kam der berühmte„schwere" Entschluß der Nationalliberalen sogar im Wortlaut zum Ausdruck. Eine besonders klägliche Rolle spielte der Redner der antisemitischen Fraktion. Herr Lattmann. Er mußte be- kennen, daß ein Teil seiner Fraktion für, der andre gegen das Frauenwahlrecht sei, und daß der eine Teil dem Kompromißantrage und dem Gesetz zustimmen, der andre ihn ablehnen werde. So setzen sich diese berühmten Vorkämpfer für die Handelsgerichtssachen gegenseitig matt. Der Umfall deS Centrums ist eine der ärgsten Sünden, die sich die Partei der Socialpolitik hat zu Schulden kommen lassen. Das Gesetz der„christlich-monarchischen" Socialreform wird zur Spott- geburt, zur Verhöhnung der Socialpolitik, wenn durch Herauf- sctzung des Wahlalters und Versagung des FraucnwahlrechtS dem größten Teil der Interessenten die Mittvirkung entzogen wird. Morgen wird die Debatte weitcrgeft'ihrt. Frauenrechte in Wort und— That. Die bürgerliche Presse schwelgt gegenwärtig in Berichten und Betrachtungen über die internationale Veranstaltung der bürgerlichen Fraueilrechtlerinnen, die gegenwärtig Berlin interessant machen. Selbst der„Lokal-Anzeiger" gewinnt Interesse ftir die höchsten Probleme der Menschheit, und„Woche" und„Wcltspicgel" beeilen sich, die Damen im Bilde vorzuführen. Kurz, die Erregung ist fast so groß, wie znr Zeit der Preisringer im Cirkus Busch. Aber leider ist auch der Ernst dieser Damen-Versammlung kaum größer. Auch dies Preisringen um die Meisterschaft der Welt auf dem Gebiet der Frauenrechte droht zu einem leeren und täuschenden Spektakelstück zu werden. Es fällt uns nicht ein. den Ernst und das edle Streben der Teilnehmerinnen durchweg zu bestreiten. ES ist sehr viel Kraft, Intelligenz und tapferer Wille da vereinigt. Aber die Veranstaltung als ganzes ist nichts wie eine eitle Sensation und muß es sein, wenn in Berlin unter der Protektion hoher und höchster Herrschaften für„den Fort- schritt der Menschheit" gestritten lverden soll. In solcher Luft kann nichts werden wie ein Wohlthätigkeitsbazar für die beliebten idealen Zwecke. Wo inan kein trotziges Wort politischer Stellungnahme wagen kann, wo jede Befiilnung auf den rauhen Klassenkampf, der allein im Sturme die Ernte zu rüsten vermag,„peinlich berühren" würde, wo man daftir diplomatisch byzantinert, um durch liebenswürdige Umwerbungeu Rechte zu erschmeicheln, die doch nur zu erkämpfen sind— in solcher politisch und social gemischten Gesellschaft giebt es nur schöne Worte, keine Thaten. Ein boshafter Zufall hat es gefügt, daß gerade an diesem Donnerstag die politische Wirklichkeit in Deutschland der idealen Phrase die hold läutenden Klingelglocken um den Kopf ge- schlagen hat. An diesem Tage hat Graf Posadowsky im deutschen Reichstage es für völlig unannehmbar erklärt, daß die weiblichen Handlungsgehilfen berechtigt sein sollen, das aktive oder gar das passive Wahlrecht zu den KaufmannSgerichten zu erhalten. In dieser Forderung liegt nichts von„Enianzipation". Sie enthält nur die Selbstverständlichkeit, daß Frauen, die gleich den Männern in demselben Beruf arbeiten, wenigstens ihre Fach interessen auf gleiche Weise vertreten dürfen. Und das ist in dem Berlin des internationalen Frauenkongresses— völlig unannehmbar I In dem unerschöpflichen Programm des internationalen Fraue»» kongrcsseS aber finden wir angegeben: „Montag, de» 13. Juni von 5—7 Uhr nachmittags: Empfang beim Rcichskanzlcrpaar, Graf v. Biilow und Gemahlin, und beim Staatssekretär Graf v. Posadowsky-Wehner und Gemahlin". Die internationalen Damen werden gewiß keinen Augenblick zögern, diese liebenswürdigen Herrschaften zu besuchen. Man wird guten Thee trinken und„augeregt" plaudern. Graf Bülow und Graf Posadowsky werden gewiß auch ihre Sympathien für die Be- strebungen der Frauen, ihren Platz an der Sonne zu erringen, warm beteuern. Und keine der Damen wird so unhöflich sein, die liebens- würdigen Wirte zu fragen, ob sie es nicht als Schande empfinden» den im Handelsgewerbe thätigen Frauen die Vertretung ihrer natür- lichsten und nächsten Interessen b r u t a l zu verweigern. DaS wäre doch gar zu taktlos. Man begreift, warum da der Socialdemokratie, der die Politik kein Spiel und keine Cirkussensation ist, der Geschmack an solchem aufgeputzten Spektakel fehlt. Unter dem Patronat des„Lokal- Anzeiger" und des Grafen Biilow werden weder die Köpfe noch die Einrichtungen revolutioniert, nicht einmal irgendwie kultiviert.— Kultusmittistcriiim und Universitäten. Herr Professor Emil Fischer sendet uns diese Zuschrift: In Nr. 129 des„Vorwärts" vom 4. Juni d. I. ist die Rede von einer Unterhaltung, die zwischen dem Herrm Miiusterial- direkter Althoff und mir in dem alten Chemischen Laboratorium über die Notwendigkeit eines Neubaues stattgefunden und zu recht lebhaften Aeußerungen von beiden Seiten geführt haben soll, Diese Erzählung ist von Anfang bis zu Ende erfunden. Herr Althoff hat seit meiner Berufung nach Berlin die Notlveudigkeit des Neubaues für das erste chemische Institut der Universität stets anerkannt, aber die Ausführung des Baues ist durch bis damalige Finanzlage in Preußen verzögert worden. Sobald diese sich gebessert hatte und damit eine Aussicht auf Verwirklichung des Planes gegeben war, ist gerade Herr Althoff mit großer Energie für den Neubau eingetreten, und es ist wesentlich seinen: Einfluß zu verdanken, daß mancherlei Schwierigkeiten, die der Ausführung des Planes entgegenstanden, überlvunden werden konnten. Ich habe mich deshalb für verpflichtet gehalten, bei der Er- öffnung des neuen Instituts an: 14. Juli 1900, in einer Rede, die die Geschichte des Instituts und deS Neubaues behandelte und die auch in Druck erschienen ist, Herrn Althoff sowohl persönlich, wie im Namen meiner Wissenschaft für seine erfolgreichen Bemühungen Dank zu sagen." Wir haben dem Wunsch des Einsenders entsprechend seine Be- richtigung unverkürzt zum Abdruck gebracht, stellen aber fol- gen des fest: 1. Die„Erfindung" ist nicht unser Werk; das von uns berichtete Gespräch ist bisher unwidersprochen in Berliner Professoreukreisen Gegenstand der Unterhaltung gewesen. Wir haben im Zusammen- hang mit dem Fall Kromayer von demselben Notiz genommen, weil es unter den zahlreichen Althoffiaden als diejenige gelten mußte, bei welcher die Würde des Gelehrten gegenüber Althoffscher An- maßung gewahrt worden wäre. Wir führten unsre Wiedergabe mit den Worten ein:„So wird in Universitätskreisen erzählt" usw. 2. Aus der vom Herrn Einsender citierten und uns freundlichst übersandten Rede geht folgendes interessante Thatsachenmaterial hervor: Bereits mit Anfang der achtziger Jahre reichten die Räume deS chemischen Laboratoriums der Berliner Universität nicht mehr aus. „Vielmehr mußten zahlreiche Studierende, welche an chemischen Uebungeu teilnehmen wollten, Jahr für Jahr abgewiesen werden, und die fortdauernd steigenden Anforderungen der lvissenschaftlicheir Forschung in Bezug ans apparative und maschinelle Hilfsmittel konnten ebensowenig befriedigt werden."...„In der That hat diese ldie Frage eines Neubaues. Red.) den Kernpunkt der Verhandlungen gebildet� als ich sProfessor Fischer. Red.) die Ehre hatte, für das Amt aus- ersehen zu werden." DaS war im Jahre 1892; trotzdem unterblieb der Neubau eine Reihe von Jahren hindurch;„die damalige Lage der preußischen Finanzen war dem Plan nicht günstig." Wenn in diesem Fall schließlich doch noch das Versprechen gegenüber dem Herrn Professor Fischer eingelöst wurde, so hat das ganz besondere Gründe.„Der theoretischen Chemie steht ein mächtiger Bundes- genösse in der chentischen Industrie zur Seite, und als eine Abordnung der letzteren bei Excellenz von Miguel die Behauptung der Professoren, daß chemische Wissenschaft und Praxis solidarische Interessen hätten, und daß die Industrie der Nation alle für die Theorie ausgegebenen Summen mit guten Zinsen zurück- zahlt, bestätigt hatte, da war der Neubau gesichert." Glückliche Wissenschaft, der die Herren von der Großindustrie, die wahren Herrscher in der kapitalistischen Gesellschaft, das Wort reden! Immerhin bedurfte es noch eines„hochherzigen Entschlusses der Akademie im November 1896", bis das letzte Hindernis beseisigt war, und„seitdem haben Unterrichts-, Finanz- und Bauverwaltung in der steten Förderung des Projekts gewetteifert". Am 14. Juli 1900 wurde das neue Laboratorium eröffnet. Auch die Ausführungen des Herrn Professor Fischer suchen das Kultusministerium gegenüber der Finanzverwaltung zu entlasten. Wie weit das in seinem Fall berechtigt ist, bleibe dahingestellt. In weite» Gelehrtenkreisen ist man der Meinung, daß die Verhältnisse im allgemeinen anders liegen. Die„Vossische Ztg.", die UniversitätS- kreisen sehr nahe steht, schließt einen Leitartikel/z Kilogramm schwer, inhaltlich beschlagnahmter Briefschaften, Manuskripte zc. heute bei Frl...... im Wege der Haussuchung beschlagnahmt. Tilsit, den 4. Juni 1904. Thunsdorff. Polizeikommissar. Soweit die Polizei. Die Staatsanwaltschaft in Königsberg scheint also immer noch in Nöten zu sein, denn sie hat zu diesen Beschlagnahmungen und zu dieser Haussuchung den Befehl gegeben. Es sind Schriften russischen, deutschen, polnischen und littauischen Inhalts beschlagnahmt worden, darunter auch viele hier in Deutsch- land bekannte Schriften.— Zum Kampf um die Volksschule. Man schreibt uns aus F r a n k f u r t a. M.: Mit ihrem Antrag auf Verpfaffung der Volksschulen haben d,e Nationalliberalen und ihre junkerlichen Verbündeten den Freisinnigen eine willkommene Gelegenbeit geboten, ihr verblaßtes Ansehen wieder ein wenig aufzupolieren und ihre Sünden beim Zollwucher, den Landtagswahlen usw. beim Volke wieder in Vergessenhert ,u bringen. In Nord und Süd. in Ost und West spielen sie sich jetzt als die Retter des Vaterlandes ans. Wenn sie aber wirklich so energische Hüter des Liberalismus und deS Schulfortschritts sein wollen als wie sie sich aufspielen, dann hätten sie gleich nach Bekanntwerden der reaktionären Absichten Lärm schlagen müssen. Statt dessen hat Herr Rektor Kopsch. als er in das Geheimnis eingeweiht wurde, es hübsch in seinem Busen be- wahrt und noch nicht mal seinen Gesinnungsfreuden Kenntnis davon gegeben._ Um so lauter schreit er jetzt auf dem öffentlichen Markt über den Verrat der Nationalliberalen an der liberalen Sache. Vorige Woche hat Herr Kopsch mehrere Versammlungen in Nassau gehalten und dabei in der ihm eignen Art kräftig gegen die Nationalliberalen vom Leder gezogen. In Nassau ist dieser„Sturmgesellen-Mut" um so billiger, als die zwei- deutige Stellung der Freisinnigen im Landtage wenig bekannt ist und kaum ein besonders günstiger Boden für liberale Schulideen vor- handen ist. Denn in Nassau ist die Simultanschule gesetzlich garantiert. Wie wenig aber der Liberalismus auch in Nassau es verstanden hat, die Simultanschule auszubauen, geht aus der Thatsache hervor, daß im ganzen 76 Simnltanschulen existieren, und zwar zumeist in den größeren Städten. Und wenn man sich diese Simultan- schulen genauer ansieht, dann findet man, daß in ihnen eifriger religiöse Propaganda getrieben und der Zelotismus gefördert wird, wie in mancher Konfessionsschule. Das ganze Schulprogramm ist schon darauf zugeschnitten, den„Glauben" und den„Patriotismus" möglichst tief in die Kinderherzen einzugraben, und übereifrige„strebsame" Lehrer thnn dann ein übriges, um aus den Kindern„gute Staatsbürger" zu machen. Auf Umwegen hat man also schon längst erreicht, was jetzt gesetzlich festgelegt werden soll. Wenn man weiter erwägt, wie gerade auch in Nassau der Freisinn Schritt um Schritt den Nationalliberalen und Ultramontanen Konzessionen gemacht hat, wie er bei den letzten Reichstags- und Landtagswahlen mit diesen Reaktionären zusammengegangen ist, einzelne Wahlkreise ihnen sogar kampflos überlassen hat, dann mutet einem diese jetzige Protestbewegung ganz sonderbar an. Zumal, wenn man sich die Resolutionen etwas genauer ansieht, die in den Versammlungen gefaßt werden. Darin wird bescheidenerweise nur gefordert, daß die Simultan- schule neben der Konfessionsschule als gleichberechtigte Schule erhalten bleiben soll. Von einem Ausbau der Koufcssions- schulen zu Simultanschulen oder gar einer Verweltlichnng der Volksschule mit dem Beispiel von Frankreich durch Ein- führuug des religionslosen Moralunterrichts ist nirgends die Rede. Die Freisinnigen und Demokraten würden wohl vor sich selbst zurücksibrecken, wenn sie eine solche revolnttonäre Forderung erhöben. Alles in allem: Viel Geschrei und wenig Wolle. Aber die Protestbewegung ist, wie gesagt, eine will- kommene Gelegenheit, um den Ruf wieder ein wenig zu verbessern. In Wiesbaden, wo Herr Kopsch vorige Woche gesprochen, verbindet man sogar den stillen Hintergedanken damit, Herrn Bartling bei der Gelegenheit vielleicht das Landtagsmandat abnehmen zu können. Sein Mandat ist wegen seiner allzugroßen Freigebigkeit bei der Wahl für ungülttg erklärt worden. Unter Hinweis auf den neuesten Ver- rat der Nattonalliberalen werden nun die Wahlmänner von den Freisinnigen gegen Bartling scharf gemacht. Und in einigen Fällen soll es auch schon geglückt sein, einige Wahlmänner„herumzukriegen". Diese und andre Erwägungen mögen es sein, die die National- liberalen veranlassen, sich ebenfalls gegen den Schulkonipromißantrag auszusprechen. In Diez an der Lahn hat am Sonntag eine Landes- Versammlung der nationalliberalen Partei stattgefunden, in der hauptsächlich die Haltung der Nattonalliberalen zu dem Schul- kompromißantrag erörtert wurde. Abg. Bartling wie auch Herr Patzig gaben zu.„daß in der Form des Antrages manches Mangel- hast sei, das sei aber nur ein Formfehler". Aber eines müsse in dem Gesetz festgelegt werden: Bestehen bleiben die Simultanschnlen in Nassau usw. Wir füchten, auch das wird ein frommer Wunsch bleiben. Wie die Franks.„Volksstimme" aus gut informierter Quelle berichtet, hat der evangelische wie der katholische Dezernent für Schul- angelegenhciten bei der Regierung in Wiesbaden in Berlin an maßgebender Stelle die Bitte geäußert, bei der Reform des Schullvesens in Preußen auch die»affauischen Schulen mit zu reformieren, d. h. die Simultanschnlen zu beseitigen und dafür KonfessionSschulen einzuführen. In Berlin soll man auch sehr geneigt sein, diesem Wunsche zu entsprechen. So rächt sich jetzt die kurzsichttge Politik, die die Freisinnigen seit Jahren in Nassau und anderswo getrieben haben und durch die nur die Macht der klerikalen und junkerlichen Reaktionäre gestärkt worden ist.—_ lieber das Schicksal der Kanalvorlage wurde am Donnerstag in der Kanalkommission des preußischen Abgeordnetenhauses verhandelt. Man hat sich dazu entschlossen, die Generaldebatte über die eigent- liche Kanalvorlage doch noch am nächsten Dienstag in der Kommission zu beginnen, offenbar, um den Schein einer Ver- schleppnng zu vermeiden. Am 11. Oktober will man die Arbeiten wieder aufnehmen. Die Mehrheit möchte aber die Hochwasser-Vorlagen noch vor der Vertagung zu Ende bringen. Darum wird das Herrenhaus bereits am 22. Juni sich einfinden.— München, 9. Juni.(Depesche.) Bei einer vor einigen Tagen erfolgten Musterung wurde der Einjährig-Freiwillige Eras als Militärdienst untauglich aus dein Hcercsvcrband entlassen. Das Militärbefreiungsgesuch des Eras hatte zum heftigen Zusammenstoß zwischen dem Abg. Pichler und dem Kricgsminister v. Asch gc- siihrt.— Afrika-Beftirchtiingen. AuS Kolonialkreisen wird mitgeteilt, Graf Götzen, der Gouverneur von Dcutsch-Ostaftika, halte die Besetzung dieser Station für dringend nottvendig. da Nnruhc» nicht ausgeschlossen seien. Die Marineverwaltnng komme diesem Wunsch denn auch durch sofortige Entsendung von Kreuzern nach. Aber auch in Kamerun soll die Lage keineswegs sicher sein, auch dort soll ein Aufstand drohe». Wenn diese Befürchtungen begründet sind, dürften Kreuzer kaum ans die Dauer nützen. Es ist zu fragen: Woher kommen auch in Deutsch-Ostafrika und Kamerun die Anfstandsneigungcn der Eingeborenen? Und wie sind sie zu beseittgen? HiislancL Die Stadt der Paläste und Kirchen. Wie die Armen in Rom leben. Rom, 6. Juni. schickter machen könnte, und wenn man nun das Kongreß> buch studiert, dann kann man sich dem Einknicke nicht verschließen, daß diese Damen eine bedeutende organi» satorische Leistung vollbracht haben. Nur trägt leider das Ganze weit weniger den Charatter einer ernsten Ver- anstaltung zum Kampfe gegen Unrecht und Vorurteil, als den Charakter eines Bazars, unsertwegen eines Redebazars. Wie bei einem Wohlthätigkeitsbazar wurde alle Welt angeschnorrt zur Mitwirkung bei der Herrichtung der Bazarräume. Die ge sellschaftliche Stellung der Damen kam ihnen dabei zu statten und die Zusicherung, die Rainen der wohlthättgen Geschäftsleute im Kongreßbuche aufzuführen, that das übrige. So erfahren wir aus diesem interessanten Buche, welche Firma diesen Salon einrichtete, welche jene Möbel, Teppiche oder Gemälde zur Ausstattung lieferte, wer diese kleinen Erfrischungen und jene Cakes gratis verabreicht, wir erfahren, daß die Firma August Scherl — wo dürste die fehlen— den Verlag des Kongreßbuches auf eigne Rechnung übernommen habe. Sorgfältig ist jede Dame darin genannt, die ein Fingerchen gerührt hat für die gute oder schöne Sache, welche in diesem oder jenem Kiosk die Honneurs macht, und welche ihr dabei sekundieren wird. Reich wird das gesellschaftliche Leben fluten in der Kongreß- Woche. Neben einem offiziellen Empfange durch die städttschen Be- Hörden Berlins werden die Damen empfangen werden vom Reichs- kanzler und der Reichskanzlerin, vom Grafen Posadowsky, von verschiedenen Botschaftern, von einer Anzahl Vereine und von etlichen Dutzend Damen der allerbesten Gesellschaft des Tiergartenviertels, in den prunkvollen Villen der Kolonie Grüne- wald, in Wannsee und Neubabelsberg. Daneben noch etliche andre gesellige Veranstaltungen. Und auf dem Kongresse selbst werden innerhalb sechs Tagen von 236 besonders geladenen und noch etlichen andren Rednerinnen circa 399 Reden geredet werden. Es ist alles vorher aufs genaueste aus- gerechnet: selbst wer in der sogenannten Diskussion reden wird, steht schon in den meisten Fällen fest. Da ist es kein Wunder, daß An- träge und Resolutionen nicht zur Verhandlung kommen können; die Zeit ist bei dieser Massenhaftigkeit der Veranstaltungen überaus knapp bemessen, weshalb bestimmt ist: „Die Tagesvorsitzende giebt zu Beginn der Sitzung bekannt, wie viel Zeit für die Behandlung jedes Gebietes für Referate und Diskussionen festgesetzt ist. Der festgesetzte Zeitraum darf durch die Diskussionen nicht auf Kosten eines später zu behandelnden Gegen« standes überschritten werden; es kann daher Diskussions-Rednem und Rednerinnen nur im Rahmen der verfügbaren Zeit das Wort erteilt werden." Wir brauchen wohl nicht besonders zu versichern, daß uns der Kampf der Frauen um ihre Gleichberechtigung eine bitter ernste Sache ist; darum bedauern wir es, daß diese ernste Sache unter den Händen der Damen zu einer— fast möchten wir sagen Tingeltangel- Veranstaltung wird. Welches Glück für die Damen, vom deutschen Reichskanzler und vom Grafen Posadoivsky empfangen zu werden. In der Presse der herrschenden Parteien lverden sie gleichzeitig aufs allerböseste ver- ulkt. Und warum auch nicht! Wer glaubt, im Reiche der Gottes- furcht und frommen Sitte, der Junker und der saarabischen Berg- Herren durch einen festlichen Empfang bei einem Bülow, durch einen geschickt organisierten Festrummel politische Rechte zu erlangen, der verdient es, daß sich die harten Herren über ihn lustig machen.' Die kämpfende Proletarierin, die sich an der Seite ihres Mannes um ihr Stück trocken Brot müht und mit ihm um das Menschen- recht des Proletariats kämpft, hat von diesem Damenwcltbazar nichts zu erwarten._ Soziales« Bollständig unberechtigte Arbeiterforderungen. Die Firma Meyer u. Co. in Oldenburg i. Gr. hat dem Verein deutscher Eisengießereien 19 Former zur Boykottierung über» wiesen, weil sie am 4. Juni d. I.„gemeinsam die Arbeit nieder« gelegt haben wegen Nichtbewilligung nachstehender vollständig ml- berechtigter Forderungen": „1. Vergütung unverschuldeten Ausschusses. 2. Garantie eines Mindestlohncs. 3. Wöchentliche Lohnzahlung. 4. Erhöhung etlicher Preise. 5. Zuerteilung von mehr Hilfsarbeitern als bisher. 6. Beschwerden über den jetzigen Meister; und noch einige mehr." Der Geschäftsführer des Vereins deutscher Eisengießereien, Ernst Scharrnberg oder Schömberg(die Unterschrift ist sehr undeutlich) beeilt sich deshalb, an die Mitglieder des Vereins das Ersuchen zu richten, die 19 Frecben nicht in Arbeit zu nehmen. Es ist auch in der That eine unerhörte Frechheit, wenn Arbeiter Bezahlung für Arbeiten verlangen, die ohne ihre Schuld verdorben sind; die Arbeiter sind doch die Herren und Eigentümer der Fabrik, was geht es wohl den Unternehmer an, wenn Arbeiten z. B. infolge schlechten Materials oder ungeeigneter Hilfswerkzeuge verderben! Und was geht es den Unternehmer an, ob die Arbeiter Sonnabends mit leeren Taschen nach Hause gehen! Wer garanttert denn dem Unternehmer sein trockenes Brot? Es ist ein Dokument deutschen UnteniehmerelendS, es ist schreiender TerroriSmus, daß Arbeiter eine Garantie gegen den Hunger zu fordern sich erdreisten. Wenn dem nicht bald ein Ende gemacht wird, werden die deutschen Unternehmer gezwungen sein auszuwandern nach— Australien! Eine Protesteingabe an den Reichstag gegen die Maßregelung der Leipziger Orts-Kranken lasse hat bis jetzt mehr als 69 999 Unterschriften von Kassenmitgliedern gefunden. Wie die Krankentassen von den Apothekern betrogen werden. Die Krankenkassen-Centrale in Tüffeldorf hat mit den dortigen Apothekern längere, jedoch erfolglose Verhandlungen gepflogen um eine Herabsetzung der Arzneipreise. Die Apotheker verhielten sich ablehnend, beschweren sich aber darüber, daß das bisherige „friedliche" Verhältnis zwischen ihnen und den Krankenkassen von diesen gestört werde. Die Krankenkassen- Centtale hat nun am 1. Juni eine Anzahl Arzneimittel durch Privatleute einkaufen lassen und dabei hat sich folgendes interessante Verhältnis der Preise für die Kassen einerseits und Privatleute andrerseits herausgestellt: Es zahlte Für 25 Gr. Nelliffen-Spiritus 199 199 599 299 59 39 59 29 25 19 59 29 199 15 199 599 59 15 29 die Kasse 9.59 M. 9,69„ 0.49. 0.49. 0.49. 9.75. 0.49. 0.59„ 0.75„ 0.79. 0.59. 0.45. 0.45. 0.59. 9,49. 0.69. 0,80. 0.17. 0.48. 1,45.. der Privatm. 9.29 M. 0,50, 9,39„ 9,39„ 9,29„ 9,69„ 0.15. 9,25. 0,29„ 9,59, 9,25„ 9,39„ 0,29„ 0,39„ 0,15„ 0,49„ 0,49„ 0,10„ 0,15„ 0,90„ Russisch. Spiritus Seifen-Spiritus Leinsamenmehl Gereinigt. Holzessig Sabadill-Essig Gerein. Terpenttnöl Blei-Essig Graue Salbe Hebrasche Salbe Jodkalium-Salbe Zink-Salbe Gebr. Magnesia Flücht. Liniment Anisttopfen Absoluter Alkohol Talkum Natronbikarboniknm Aloetropfen Aspirintabletten 9,5 Das heißt, es werden den Kassen Preise angerechnet, die zum Teil das Doppelte, ja Dreifache der Preise für Privatleute be- tragen. Im gewöhnlichen Geschäftsleben pflegt der Käufer, der regelmäßig größere Warenmengen bezieht, Rabatt zu bekommen, hier muß der Großabnehmer das Vielfache des gelegentlich Kaufenden bezahlen. Ein wahrhaft friedliches(Ausbeutungs-) Verhältnis! Kinderausbeutung. Im Magistrat der Stadt Fürth i. B. wurde festgestellt, daß die Bestimmungen des Kinderschutz-Gesetzes von den Unternehmern nicht im geringsten beachtet werden, obwohl schon vor Inkrafttreten dieses Gesetzes eine gemeinverständliche Belehrung über diese Frage herausgegeben wurde. Die vorgeschriebenen Karten für die Beschäftigung von.Kindern in gewerblichen Betrieben sind noch in keinem einzigen Fall verlangt worden, die Kinderarbeit ist aber sehr verbreilet, wie die von Lehrern in den Schulen angestellten Erhebungen ergeben haben. Es wurden hierbei 631 Kinder er- mittelt, die in Gewerbebetrieben beschäftigt werden,. In 65 Betrieben sind fremde Kinder beschäftigt. Für 237 von diesen Kindern wäre nach dem Gesetze die Beschäftigung überhaupt verboten. Die Auf- stellungen, die noch sehr lückenhaft sind, ergeben, daß mit Zeitungs- austragen 75, mit Zinnmalen 45, Hosenträgernähen 35. GlaS- schleifen und Spiegeleinfassen 13. bei Trompetenfabrikanten, Flaschnern und Gürtlern 35, mit Bedienen der Gäste und Hausieren mit Backwaren 69. Stuhlflechten 9, Goldauflegen 12, Papp- arbeiten 9, Kegelauft'etzen 19 Kinoer beschäfttgt werden usw. Der Magistrat faßte den Beschluß, die Ausbeutung der Kinder nicht länger zu dulden und die Lehrer und Schutzleute anzuweisen, daß sie auf die Einhaltung der Vorschriften achten und die zu ihrer Kenntnis gelangenden Zuwiderhandlungsfälle melden sollen. Eine Verschärfung der Vaukontrolle wurde von der mittel- fränkischen Kreisregierung angeordnet. Sie ließ an die Bau- kontrolleure die Weisung ergehen, daß sie scharf auf die Einhaltung der Unfallverhiitungs-Vorschriften der Baugewerks-Berufsgenoffen- schaft achten sollen._ Kaufhaus, Zuchthaus oder Kloster? Bis zu welcher unglaublichen Höhe sich Arbeitgeberwillkür und Anmaßung versteigen kann, zeigt die„Hausordnung" eines großen Kaufhauses der Tuchbranche in Köln, der Firma I. Biergans am Altermarkt, Das Machwerk, das gedruckt ist und 24 Paragraphen umfaßt, ist ein wertvoller Beitrag zur Lage der beklagenswerten Ge- schöpfe, die im Hause des Arbeitgebers in Kost und Wohnung leben. Ter Z 1-schreibt vor, daß die Gehilfinnen und Lehrmädchen abends beim Betreten des Schlafzimmers die Schuhe ausziehen und sie andern Morgens nicht eher anziehen, bis das Zimmer verlassen wird. Ein andrer Paragraph lautet:„Blumen dürfen nicht in Wassergläsern stehen." Damit der Patriarch die Lektüre seiner Leute überwachen kann, verbietet ein Paragraph das Lesen auf den Schlaf-, zimmern streng. Ter 8 1l> bestimmt:„Es darf keiner sein Zimmer abschließen." 8 12:„Das Verlassen des Zimmers darf nur ge- meinsam erfolgen." Es soll also niemand nur einen Augenblick allein sein; die Sklaven sollen sich regelmäßig selbst überwachen. Damit in einem solchen Hause die H u n g e r st r a f e nicht fehle, sagt 8 16:„Wer nicht pünktlich erscheint, ist vom Tisch aus- geschlossen." Der 8 19 lautet:„Erwünscht ist, daß sich alle an dem regelmäßigen(offenbar täglichen katholischen) Kirchen besuche, morgens V/, Uhr, beteiligen; für Lehrmädchen und Lehrlinge ist dies Vorschrift." „Erwünscht" heißt in einem solchen Hause soviel wie befohlen; das zeigt schon das Wörtchen„alle". Die Firma nimmt sich heraus, nicht nur über die paar freien Minuten, sondern auch über die Ge- wissen der Angestellten zu herrschen. Nur Sonntagsnachmittags sind die Kaufhaussklaven einige Stunden frei. Aber im Sommer müssen die Gehilfinnen um 9V- Uhr, im Winter um 9 Uhr abends zu Hause sein. Ins Haus eingelassen werden sie nach vier Uhr noch zweimal während je einer Viertelstunde. Daß in einem solchen Hause für die Insassen die Farbe der Trauer vorgeschrieben ist. ist ganz in der Ordnung. Ein Paragraph lautet nämlich:„In der Woche dürfen nur schwarze Kleider getragen werden." Die weiteren Bestimmungen der Hausordnung regeln die Bewegungen der Angestellten bis ins kleinste. Bei der Lektüre des Ganzen kommt man zu der Gewißheit, daß die Leibeigenen vergangener Jahrhunderte Freie gewesen sind gegen die Insassen dieses Hauses. Gewisse Leute werden sich an- gefichts dieser schmachvollen Hausordnung wohl des Seufzers nicht enthalten können: Schade, daß es kein Jude ist! Ungültige Verordnung betreffend die Jndicnstnahmc schulpflichtiger Kinder. Eine Regierungspolizei- Verordnung vom 9. Februar 1399 verbietet es, schulpflichtige Kinder ohne Zustimmung des Lokal-Schul- inspektors in Dienst zu nehmen. Tagegen sollte sich der Besitzer Ruppin vergangen haben, indem er ein zwar schon fünfzehnjähriges, aber noch nicht aus der Schule entlassenes Mädchen in Dienst ge- nommen hatte. Er wurde in zweiter Instanz vom Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt, wogegen er Revision einlegte. An- geklagter machte geltend, er habe nicht gewußt, daß das Mädchen noch schulpflichtig sei.— Das Kammergericht hob das landgericht- liche Urteil auf und sprach den Angeklagten frei. Begründend wurde bemerkt: Es frage sich, ob die Verordnung, die auf Grund der 88 6 und 12 des Polizeiverwaltungs-Gesctzes erlassen ist, gültig sei. Man könnte sagen, sie sei zum Wohle der Kinder erlassen, solle ihre Gesundheit schützen. In Wirklichkeit scheine sie aber erlassen zu sein, um einen regelrechten Schulbesuch zu sichern. Der Frage könne aber aus dem Wege gegangen werden, denn schon ein andrer Grund mache die Verordnung hinfällig. Es enthalte nämlich die Gesinde-Ordnung nähere Bestimmungen darüber, unter welchen Umständen man Kinder als Gesinde annehmen könne, und die Ge- sinde-Ordnung drohe auch Strafen an für die Beschäftigung von Gesinde in einem gewissen kindlichen Alter. Es müsse angenommen werden, daß die Gesinde-Ordnung. die ja ein Gesetz sei, diese Materie erschöpfend regele. Dagegen könne eine Polizeiverordnung nicht ankommen, neben den Bestimmungen der Gesinde-Ordnung sei für sie kein Platz. Hieraus ergebe sich die Ungültigkeit der Verordnung vom 9. Februar 1899. Hiis Induftne und Handel. Westdeutsche Bank. Die gestern in Bonn abgehaltene außer- ordentliche Generalversammlung der Aktiengesellschaft Westdeutsche Bank vormals Jonas Cohn, die sich mit der Frage der Verschmelzung mit dem A. Schaaffhausenschen Bankverein zu befassen hatte, war nicht beschlußfähig. 46 Aktiouäre mit einem Aktienkapital von 4 649 000 M. waren vertreten. Dennoch wurde in die Beratung ein- getreten, in welcher von den meisten Aktionären hervorgehoben wurde, daß das Angebot des A. Schaaffhausenschen Bankvereins zu gering sei. Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Simon, bekannte sich zu dieser Ansicht. Andrerseits wurde festgestellt, daß wohl die Hälfte für die Fusion sei. Ob die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit zu stände komme, müsse die am 28. Juni zusammentretende außer- ordentliche Generalversammlung ergeben. Zur Lage der französischen Zuckerindustrie. Auf den Zucker- verbrauch Frankreichs hat die Brüsseler Konvention in ähnlicher Weise eingewirkt wie auf den Konsnm Deutschlands. Die so gut wie beendigte Zuckerrübencampagne 1903/04 lieferte bis zum 15. April d. I. einen Erwäg an als raffiniert berechnetem Zucker von 7 078 228 Doppelcentner gegen 7 233 040 Doppelccutner in der Campagne 1902/03 und 9 723 962 Doppelcentner in der Cam- pagne 1901/02(bis zum Schluß der Campagne werden noch je 200 000 bis 300 000 Doppelcentner hinzuzurechnen sein). Der Er- trag an Melasse bestand in 1 912 293 Doppelcentner gegen 1 420 190 und 1 995138 Doppelcentner. Es arbeiteten 292 Fabriken gegen 319 und 330 Fabriken. Der Znckervorrat in Frankreich betrug am 1. April dS. IS. 1438480 Doppelcentner gegen 7207 970 Doppelcentner im Jahre 1903 und 5 576 680 Doppelcentner im.Jahre 1902. Eingeführt wurden in 1903— 567 220 Doppelcentner gegen 998 754 im Jahre 1902. Die Ausfuhr hat sich in 1903 auf 557 220 Doppelcentner Rohzucker und 1 422 840 Doppelcentner Raffinade gestellt gegen 1 749 330 bezw. 1 635 550 Doppelcentner im voraufgegangenen Jahre. Interessant ist es, die Zeit nach dem Inkrafttreten der Brüsseler Konvention mit den früheren entsprechenden Zeiträumen zu ver- gleichen. Wenn man Einfuhr, Ausfuhr und Verbrauch in den sieben Monaten vom 1. September 1903 bis 1. April 1904 demselben Zeitraum von 1902 auf 1903 gegenüberstellt, erhält man folgendes Bild: Einfuhr Ausfuhr Verbrauch Doppelcentner Zucker 1903/04 1902/03 1903/04 1902/03 1903/04 1902/03 375 020 350 620 1259 290 1046 370 4 460 520 2 703180. Während sich hiernach die Einfuhr von einer Periode zur andern nur wenig veränderte, schlug die Ausfuhr eine steigende Richtung ein. Die bisherige Mehrausfuhr fand aber lediglich beim raffinierten Zucker statt. Der inländische Verbrauch hat, wie man gehofft hatte, eine sehr bedeutende Steigerung erfahren, er erreichte in sieben Monaten fast die Höhe des durchschnittlichen Jahresverbrauchs. Wenn nun auch die hauptsächlichste Zunahme im September und Oktober vorigen Jahres stattgefniideu hat und von da an eine geringere geworden ist, so nimmt man doch an, daß in der Zeit vom 1. September 1903 bis l. September 1904 6— 6>/g Millionen Doppelcentner Zucker in den inländischen Verbrauch gelangen werden gegenüber kaum 4 Millionen Doppelcentner in den vorausgegangenen zwölf Monaten._ GewerhlcbaftUcbcs. Berlin unft Umgegend. Zum Streik der Rammer ist zu berichten, daß auch gestern wieder zwei Firmen bewilligt haben, darunter die Jnnuugsfirma Heydemann. Eine eigenartige Auffassung von seinen Funktionen als Einigungs- amt scheint das Gewerbcgericht in Steglitz zu haben. Schon am 17. Mai haben sich die Rammer auf eine Anregung der Steglitzer Steinsetzer-Jnnung an das Gericht gewandt und am Tage des Streikbeginns hatten die Rammer noch keinen Bescheid. Wie sich jetzt herausstellt, hat auch der Steglitzer Jnnungsvorstand die Be- nachrichtigung von der Anrufung des Einigungsamtes durch die Rammer— erst am 28. Mai, also nach 11 Tagen, erhalten! Hätte das Gewerbcgericht ein wenig schneller die Funktionen erfüllt, so wäre der Streik für den Bereich der Steglitzer Steinsetzer- Innung möglicherweise vermieden worden, da hier, wie schon mil- geteilt, eine grundsätzliche Gegnerschaft gegen die Forderungen der Rammer nicht vorhanden ist. Die Einsetzer tHolzarbeiter-Verband) befaßten sich am Mittwoch in einer Branchenversamnilung abermals mit ihrer Tarifangelegenheit. Nach eingehender Debatte wurde mit erheblicher Mehrheit beschlossen, den in voriger Versammlung gefaßten Beschluß �Ablehnung des Tarifs) insoweit umzuändern, als sich die Einsetzer zwar im Princip init der Tarifgemeinschaft einverstanden erklären, jedoch die Orts- Verwaltung beauftragen, mit der Arbeitgeberkommission nochmals Rücksprache zu nehmen behufs redaktioneller Aenderung der Be- stiinmungen über die„fteie Vereinbarung" der Lohnhöhe bei ver- schiedeueii Einzelarbeiten. Achtung, Bauklempner! Der Sweik bei Clemens, Gleimstraße, ist erledigt. Die gesamten Forderungen der Kollegen sind erfüllt. Die Sperren über den Betrieb und die Bauten ist daher aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltuug Berlin. Bon dem Centralverband der Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter wird uns geschrieben: Bezugnehmend auf den am 1. Juni im„Vorwärts" veröffent- lichten Bericht über die Rollkutscher- Versammlung im Englischen Garten resp. die in demselben enthaltene Mitteilung, daß die hiesige Filiale der Großeinkaufs- Gesellschaft die gewerkschaftlichen Interessen der Arbeiter nicht genügend berücksichtige, haben wir zu erklären, daß nach Verständigung mit dem Leiter der betreffenden Filiale ein Anlaß zu Klagen nach dieser Richtung nicht gegeben ist. Die Ortsverwaltung Berlin. VeirtseKes Reich. In dem Streit der Hamburger Brauereiarbeiter mit den Brauerei- direktionen hat das Gewerbegericht Hamburg als Einigungsamt endlich seinen Schiedsspruch gefällt. Nach einer längeren Erörterung der Ursachen des Ausstandes wird bestimmt:„Es kann den Arbeit- gebern nicht zugemutet werden, nunmehr sämtliche in den Streik getretenen Arbeiter sofort wieder in die Arbeit einzustellen, unter Entlassung derjenigen Arbeiter, die den Arbeitgebern in ihrer Not- läge ausgeholfen haben. Die Streikenden müssen vielmehr mit dem Entgegenkommen der Arbeitgeber dahin sich zufriedenstellen, daß die Arbeitgeber versprechen, sie nach ordnungsmäßiger Eintragung in die Listen eines Arbeitsnachwcisbureans allmählich nach Bedarf ein- zustellen." Ferner wird die„Einrichtung eines Arbeitsnachweises auf paritätischer Grundlage mit den Prineipien der im Berliner Brauereigewerbe seit zehn Jahren zur allseitigen Zufrieden- heit bestehenden Einrichtung" vorgeschlagen und die Arbeitszeit für sämtliche Arbeiter mit Ausnahme der Maschinisten, Heizer, Stall- leute und Kutscher auf 9Vz Arbeitsstunden festgesetzt. Die Löhne werden vom Einigungsamt folgendermaßen normiert: für Brauer je nach der Dauer der Beschäftigung 30—33 M. pro Woche, Hilfsarbeiter 24—25 M.. Äüper 31—32 M.. Stallleute 24—26 M., Flaschenkeller-Arbeiter 18—23 M. Ucberstunden an Wochentagen werden den Brauern und Küpern mit 60 Pf., den HilfS- arbeitern mit 45 Pf., den Flaschenkeller-Arbeitern mit 40 Pf. ver- gütet. Für Sonntagsarbeit werden pro Stunde 10 Pf. auf- geschlagen. Natürlich hat sich die Verhandlungskommission der Brauereien sofort mit diesem Schiedsspruch einverstanden erklärt. Die Brauerei- Arbeiter haben noch keinen Beschluß gefaßt, ob sie sich diesen Be« dingungen unterwerfen wollen. Die Zimmerer Nürnbergs haben, dem Beispiele der übrigen Nürnberger Bauhandwerker folgend, an die Unternehmer Forderungen gestellt, die durch Abschluß eines Tarifverttags für eine bestimmte Zeit Geltung haben sollten. Die beiderseitigen Kommissionen verein- karten am Dienstagabend nach laugen Verhandlungen folgendes: Die Arbeitszeit bettägt in den Sommermonaten 57 Stunden wöchent- lich mit einer Mittagspause von 1>/z Stunden und �ständigen Vor- und Nachmittagspausen täglich. Ueberstuuden-, Nacht- und Sonn- tagsarbeit sind nur in dringenden Fällen zulässig und werden mit 25 Proz. Ausschlag bezahlt. Bei Sonntags- und Nacht- arbeit werden die Pausen mitbezahlt. An den Vorabenden der drei hohen Festtage ist um 4 Uhr Feierabend ohne Lohnabzug. Der Stundenlohn wird vom 1. Juli bis 31. Dezember auf 46, fiir 1905 auf 49, für 1906 auf 50 Pf. fest- gesetzt. Streitigkeiten ans dem Tarif sind durch eine Kommission zu schlichten, der' 5 Arbeiter und 5 Unternehmer augehören und in der die Gesellenausschußmitglieder vertreten sein müssen. Der Tarif gilt bis 31. Dezember 1906 und ist um ein weiteres Jahr ver- längert, wenn er nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird. Eine Versammlung der Arbeiter, die unmittelbar nach den Ver- Handlungen stattfand, nahm die Vereinbarungen ohne Debatte gegen eine Stimme an. Nun hat noch die Versammlung der Unter- nehmer ihre Zustimmung zu geben, die aber zweifellos erfolgen lvird. Zum Maurerstreik in Zittau. Die Lage der streikenden Maurer hat sich bisher nicht�tvesentlich verändert. Die Zahl der Arbeitenden beträgt ca. 40, über 200 streikende Maurer sind abgereist, so daß also noch reichlich 200 Mann zu unterstützen sind. Am Montag ist bereits die erste Rate von 1500 M. Streikunterstützung ausgezahlt worden. Die Auszahlung ging ruhig und glatt von statten. Mnurcrstreik in Karlsruhe. Der Stand des Streiks� ist zahlen- mäßig folgender: Vor dem Streik arbeiteten 1465 Maurer. Von diesen waren in der Streiklifte eingettagen 1210, davon sind 603 abgereist. Zu den neuen Bedingungen arbeiten 242 Maurer. Ander- weitige Beschäftigung fanden 140, zu unterstützen sind noch 248 Streikende. Von den Streikenden wurden 8 zu Streikbrechern, während 200 Mann von vornherein weiter arbeiteten. Zugereist sind während des Streiks ca. 200, die, nachdem sie die Lage am Orte erkannten, wieder abreisten. Wird der Zuzug wie bisher fern- gehalten, so ist an einem Sieg nicht zu zweifeln. IZijBland. Aussperrungen und Streiks in Schweden. Die Aussperrung der S t e i n h a u e r in Bohuslän, die ca. 1000 Mann umfaßt, dauert fort. Dieser Tage sollte unter Vorsitz des Landeshauptmanns Lagerbring mit den Unternehmern verhandelt werden; es kam jedoch nicht dazu, weil einige Unternehmer dagegen waren. Nun sind außerdem im südöstlichen Schweden in Glans- Hammer 150 Steinhauer ausgesperrt worden. Die betreffenden Unternehmer annoncieren nach unorganisierten Arbeitswilligen, denen sie hohen Verdienst für Bearbeitung von Ekebergs-Marmor versprechen. Es handelt sich hier teilweise um Arbeiten fiir den Bau des Dramattschen Theaters in Srockholm. Ferner haben 200 Textilarbeiter und Arbeiterinnen in Göteborg am Montag die Arbeit niedergelegt, weil die Unternehmer es ablehnten über eine Regelung der Accordlöhne zu verhandeln. Auch die Korkarbeiter von Göteborg sind zum Teil ausgesperrt worden, nachdem sich ihre Organisation vergebens bemüht' hatte, auf friedlichem Wege eine Regelung der Löhne zu erzielen. Die Aussperrung wird in den nächsten Tagen wahrscheinlich auf alle Betriebe ausgedehnt werden. Der Dockarbeiter-Streik in Marseille ist beendet. Infolge von Verhandlungen, welche der Präfekt eingeleitet hatte, ist der Konflikt mit den Dockarbeitern gelöst. Die Arbeit wird demnächst wieder aufgenommen ivcrden. Die Frage des Ausstandes der Offiziere der Handelsmarine gilt als beseitigt. Zum Bergarbeiterstreik in Colorado(Bereinigte Staaten Von Amerika). Nach einem Telegramm aus Cripplecreek(Colorado) kam es in Dnnnville bei Victor zu einem bluttgen Zusammenstoß zwischen 200 vom Sheriff zur Aufrechterhaltung der Ordnung verwandten Leuten und 150 Bergarbeitern aus dem Cripplecreek-Distritt. Fünf unionistische Bergarbeiter wurden dabei getötet und fünfzehn ge- fangen genommen. Den Bergarbeitern, die sich ans den umliegenden Hügeln verschanzt hatten, wurden eine Menge Waffen und Munition abgenommen._ Eingegangene Druchrchnften. Russisch-japanischer Kriegsschauplatz. Karte Hl. 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Der Wahlakt beginnt I*nnlit 7 IJlu'; wahlberechtigt ist jedes Mitglied, weiches mit den veitrüzen aus dem lausenden ist. 24/2 Die Wahl kann nnx' persönlich vorgenommen werden und zwar nar gegen Vorzelgnng des Mitgliedsbuches. AM- Die Werkstubea-Yertrauenspersonen werden dringend ersucht, die Vei-bandsbücher an die Mitglieder auszuhändigen. Da die Wahl für jeden einzelnen nur wenige Minuten Zeit erfordert, erwarten wir das vollzählige Erscheine» aller Mitglieder. Stimmzettel sind bei den Werlstuben-Vertrauenspersonen und am Eingang des Wahl- lokals zu haben. Die Ortsvcrwaltung. Centl'lll-Vel'W der Maurer Deutsetilamis. Zweig verein Berlin. Am 7. Juni 1904 verstarb unser Kollege Heinricll Kiessling im Alter von 49 Jahren plötzlich am Lungenschlag. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Somitagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Heiligkreuz. kirchhoseS in Mariendors aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die BerbandSleitung. Arbeiter- RadlatirervEPelii „BeHiii". Sonntag früh 6 Uhr: nach Oranienburg, Besichtigung der Obstban-Kolonte«Eden«. Mittag» 1 Uhr nach Birkenwerder (Paradiesgarten). 12/14 Beide Starts: Koppenplan. == Gäste willkommen.== Dienstag, den 14. Juni: Versammlung im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11/13. NB. Die werten Mitglieder werden hierdurch aus den ß 4 des Vereins- staluts hingewiesen. Arn Königsthor. Arn Friodrichshaln. Täglich: Theater- und eialit BolkSbelustigungen. Im Saale BAI,!,. Zum Schlufi: Kkrtiner Kottfekttoneiiseti. Groß« Gesangsposse in 2 Bildern. Enttee 30 Ps. SW Lade«. zluelllbeHrtichstrAltsMler! Specialkarten der näheren Umgebung Berlins. Bernau- Biesenthal, Lankc, und Wandlitz-See... 1,00 Buckow am Schermützel-See(Mär- kische Schwei») nebst Führer 0,7S M. Köpenick< Frtedrichshage», Wol- terSdorf- Erkner- Schmöckwitz. Kö- nigS-Wusterhausen-Mittenwalve 0.7S M. Eberswalde, Freienwalde-Odcrberg 1,25 M Eberswalde, Jagdschloh HuberwS- stock, Kloster Chorin.. 1,00 M. Freienwald« und nächst« Umgebung nebst Führer..... 1,00 M. Areieuwalde, Wriezen, Oderberg 1,00 M. Grunewald und westliche Vororte Berlin«....... 1.00 M. Potsdam, Stadtplan mit nächster Umgebung nebst Tourenverzeichnis 0,75 M. otSdam und Werder. 1,00 M. reewald m. prakttschem Touristen. sührer....... 0,75 M. Strausberg und der Blumenthal 1,00 M. Tegel- Heiligensee, Schulzendors, HermSdorf, Haselhorst und Hacken. s-lde........ 0.75 M. Ferner empfehlen als sehr prallisch: Taschenatlas von Berlin und Um- gebung, enthaltend 21 Karten mid Pläne mit Führer. leichthandliches Format....... 2,00 M. Wanderbuch für die Mark Brandenburg. 3 Bände. Zu. sammen....... 5,00 SB. I. Teil: Nähere Umgebung Ber- lins, umsaht die Gegend von Potsdam. Spandau, Oranienburg, Königs-Wusterhausen.. 1,50 SB. II. Teil: Westliche Hälfte der Um- gebung Berlins bis Branden- bürg a. H., Stendal. Tangermünde, Neu-Ruppin, Neu-Strelid 1,50 SB. III. Teil: Oestliche Hälfte der Um- gebnng Berlins bis Ebcrsivalde, Frankfurt a. O., Schwedt, Küsttin, Lübbe«, Spreewald, SBuSkau 2,00 M. Diese Wanderbücher bieten Pracht- volle Schildeningen der Mark, viele detaillierte Karten und Pläne und sind so dem Wanderer ein zuoerl' Führer und Berater. EUllalc Berlin. Sonntag, den 12. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Feind, Wcinstt. 11: MgUsäer-Versammlung. Tages-Lrdnuna: ium Streikjonds. 2. Urabstimmung zur Arbeits- 1. Stellungnahme...______,------., losen-Unterstützung. 3. Berbandsangelcgenheiten. ——— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 54/15 Der Vorstand. Tisehter-Verein zu Serlin. (£. H. 89.) Sonnabend, den 11. Juni, abends 8'/, Uhr, Melchiorstraße 15: Tagcsord nun g: Wichtige VereinSangelegcnlieiten.— Einlaß. 198/17 Ohne Mitgliedsbuch keinen Der Vorstand. Nächsten Montag, den 13. Juni, in der„Venen Welt"; Sommer fest, bestehend in Konzert, Specialitäten-Vorstellung, Ball, Marionetten-Xheater und Kinderbelustiguugen.— Ansang 4 Uhr. Billcts vorher SO, an der Kasse SS Pf.— Billets sind in der Versammlung, bei allen Vorstandsmitgliedern, und den Vorverkaussstellen der„Neuen Welt" zu haben.__ Achtung! Achtung! Schuhmacher. Freitag, den 10. Juni 1904, abends S'/a Uhr, im großen Saal deS Grand Hotel Alexandcrplatz /Eingang vom Alexandcrplatz): Grosse ilkFentliche Schuhmacher-Versammlung. TageS» Ordnung: 1. Die Wafien im Besreiungslampse des Proletariats. Referent Kollege KiiNe-Nürnbcrg. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 170/4 Sämtliche in der Schnhindusttie und im Schuhmachergewerbe beschäftigten Personen sind zu dieser Versammlung eingeladen. Der Einbernfer. Heute Freitag, abends 8>/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Sonntag, den IS. d. M., vormittags 10 Uhr, im kleinen Saale der Brauerei Panenhofer. Durmftraste S»/L6; Sesirks-Nklssiiimliiiig für Mlililiit. Tagesordnung: 1. Bericht des Kollegen Büsks vom VcrbandSiage. 2. Diskussion. 3. Wahl deS Bezirksleiters, deS Schriftführers und der Beitragsammler. 4. VerbandSangelcgcnheiten und Verschiedenes.— Zahlreiches und pünkt« liches Erscheinen wird erwartet. Kvpenlcherstr. ♦ Tabakfabrlk für alle Sorten BD£ Schnupf-, Hauch- und Kautabahe, Clgarren, Clgaretten.— Amt IV, 7300. 5363L+. CS Gegründet 1863. Ishmidt,1 Billigste Bezugsquelle H Sc?-------* Ä----* N*® 4 te°-°tziich M V7■" �K. R geschützt), vlrkungskrältigstes Insektenpulver. Bestes Mittel zur Vertilgung von Schwaben, Fliegen, Motten Wanzen, Amelsen usw. Nur echt in Original-Blechdosen und Papierbeuteln, die den Namen Pereat tragen. Fritz Kratz, Drogen Berlin N. 39, Reinickendorferstr.70, Ecke der Fennstrasse. Fernsprecher: Amt II. 2631. Ketreti-Krageti, reinleinen, garantiert 4 fach, verschiedene Fa�ons in allen Weiten, ip Dutzend 8 Mk. und m. 50 Plp. anschette», prima, garant. 4fach, '/, Dutzend 1,80 u. 2,25 Mk. Oberhemden, Serviteurs, Krawatten in arötzter Auswahl, Tricotagen, Striimnte, Hosenträger, Handschuhe. 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Vorher hat die Wahl von nicht weniger als 5 Ausschüssen stattgefunden. Dem Ausschuß für die Vorlage betreffend die fünf geplanten städtischen Straßenbahnlinien gehören u. a. auch die Stadt- verordneten Borgmann, Heimann, Singer fSoc.) an, der gemischten Deputation für die Virchow-Denkmalfrage Stadtvv. Singer und S t a d t h a g c n. Die dem M a t t h ä i k i r ch h o f an der Großgörschenstraße vor- gelagerte Baumaskc von 60 Dieter Länge und 1— 2 Meter Tiefe (insgesamt 74 Quadratmeter) beabsichtigt die Kirchengemeinde zum Preise von 60 M. für den Quadratmeter anzukaufen. Die Vcr- sammluug fand diesen Preis zu niedrig und im Ausschuß hat man sich schließlich geeinigt, den Verkauf nur bei einem Preise von 100 M. pro Quadratmeter gutzuheißen. Maßgebend für den Ausschuß war dabei, daß die Kirchengemeinde sich Wahlstcllcn mit Beträgen bis zu 150 M. und Erbbegräbnisse mit Beträgen bis zu 200 M. pro Quadratmeter bezahlen läßt. Von feiten des Magistrats wurde frei- lich in Abrede gestellt, daß das neue Terrain zu solchen Zwecken auszunutzen beabsichtigt tvird. Stadtrat Böhm macht noch einen letzten Versuch, die Ver- sammlung zu bekehren. Nach seiner Auffassung werde die Kirchen� gemeinde auf dieser Basis von 100 M. keinen Kauf abschließen und so sei zu fürchten, daß der Kirchhof seitens der Gemeinde durch eine winkelige Mauer ichgeschlossen und dieser wenig schöne Zustand auf Jahrzehnte hinaus erhalten blechen wird. Ohne weitere Debatte beschließt die Versammlung nach dem Ausschutzantrage. Das zum Bari des Teltowkanals erforderliche städtische Gelände in der Gemarkung Treptow in einer Größe von 5,9— 6 Hektar soll unter bestimmten Bedingungen an die Teltowkanal-Bauverwaltung in Vertretung des Kreises Teltow unentgeltlich abgetreten werden, soweit es zur Herstellung des Kanals und der Trcidelstege, Schutzstreifen usw. erforderlich ist. Die Vor- behalte beziehen sich auf den Bau von Brücken und Zufuhrwegen, sowie die Anlage von Lösch- und Ladestellen auf der das städtische Terrain berührenden Kanalstrecke. Stadtv. Wallach(A. L.) beantragt Ausschußberatung. Vor allem liegt ihm daran, zu erfahren, ob auch die andern Adjazenten alle in die unentgeltliche Abtrennung des Terrains gewilligt haben. Die Versammlung beschließt demgemäß. Im Jahre 1893 war beschlossen worden, zur inneren Aus- schmückung des Rathauses für 7000 M. im unteren Treppenlauf des Treppenhauses zwei figürliche Bilder in Wachs- färbe grau in grau auf Goldgrund herzustellen und die glatten Wandflächen daselbst mit einigen Streifen usw. zu verzieren. Da indessen diese Bilder, wie der Magistrat und die Ausschmückungs- deputation jetzt annehmen, an der betreffenden Stelle und in dem gedachten Tone sehr wenig zur Geltung kommen würden, erfolgt nunmehr der Vorschlag, statt der Bilder zwei künsterisch ausgeführte Bronzetafeln mit den Namen der bisherigen Oberbürger- meister und Stadtverordnetenvorsteher von Berlin anzubringen. Die Kosten dafür sollen sich auf 13 000 M. belaufen. Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen. Damit ist die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erledigt. Schluß nach 6 Uhr._ verbandstllg der SchulMcher. In der Sitzung am Donnerstag stand auf der Tagesordnung: Agitation und Bekämpfung der Heimarbeit durch die Organisation. Der Referent Simon führte aus, daß in Deutschland etwa 13 000— 20 000 Personen, männliche und weibliche, Heimarbeit in der Schuhindustrie betreiben. Dabei seien die gelegentlichen Heimarbeiter noch nicht berücksichtigt. Die amtliche Statistik weise zwar nur etwa 2000 Heimarbeiter und -Arbeiterinnen in der Schuhindustrie auf. Eine Statistik, die der Verein deutscher Schuhmacher im Jahre 1895 veranstaltete, ergab, daß allein in 43 Orten 4000 weibliche und 8000 männliche Personen mit Heimarbeit in der Schuhindustrie beschäftigt sind. Der größte Teil der Heimarbeiter stehe der Organisation fern. Auf die Ge- winnung der Heimarbeiter müsse bei der Agitation besonders Gewicht gelegt werden. Wenn die Agitation unter den schwer zugänglichen Heimarbeitern auch sehr schwierig sei, so sei sie doch nicht unmöglich. In Pirmasens, wo die Organisation einen bedeutenden Aufschwung genommen habe, sei ein sehr großer Teil der Heimarbeiter jetzt organisiert. Was in Pirmasens erreicht wurde, könne auch in andren Orten durchgeführt werden. Wenn man die Heimarbeiter gewinnen wolle, dürfe die Agitation nicht nur in Versammlungen betrieben werden, sondern die Agitatoren müssen von Haus zu Haus gehen und die Heimarbeiter aufsuchen. Zu einer derart intensiven Agitation seien natürlich besondere Kräfte nötig, geeignete Kollegen, die sich ausschließlich mit der Leitung der Agitation beschäftigen. Die Organisation der Schuhmacher werde, wie andre Gewerkschaften, besoldete Gauleiter anstellen müssen. Der Vorstand schlägt vor, daß aus den jetzt bestehenden 15 Agitationsbezirkcn 10 Gaubezirke gc- bildet werden. Vorläufig würden pur in einigen Bezirken besoldete Gauleiter angestellt werden können, die andren würden mit der Zeit folgen. Die Debatte ergab im allgemeinen eine völlige Ueberemstimmung der Redner mit den Darlegungen des Referenten. Es wird denn auch eine Vorlage des Vorstandes angenommen, welche die Ein- teilung in 10 Gaubezirke vorsieht und bestimmt, daß der Vorstand und Ausschuß aus Antrag der Gaukonfcrenz in jedem Bezirk einen besoldeten Beamten anstellen kann. Angenommen wurde ferner noch ein Antrag, welcher besagt, daß der Vorstand mit dem Verbände der Lederarbeiter behufs Vcr- schmelzung in Verbindung treten soll.— Aus der vorausgegangenen Diskussion ging hervor, daß die Stimmung in beiden Organisationen der Verschmelzung günstig ist, aber über die Bedingungen zur Zeit noch keine Uebereinstiunnung erzielt werden konnte. Hierauf wurde über die Verlegung des Sitzes des Vorstandes nach Berlin verhandelt. Sachlich wird sie damit begründet, daß Berlin als Mittelpunkt politischen und gewerkschaftlichen Lebens für den Vorstand ein geeigneterer Ort sei wie Nürnberg. Serlmer partci-Hngclccjcnbeitcn. Dritter Wahlkreis. Sonntag ist ein Familicnausflug der Wahl- Vereinsmitglieder nach Hirschgarten, Restaurant Buwert«Zum Aus- sichtsturm". Rege Beteiligung erivartet Der Vorstand. Charlottcnburg. Heute findet die Wahl für die Stadt- verordnetcn-Versammlung im zweiten Bezirk statt. Parteigenossen I Die Geyner machen die größten Anstrengungen, un? das Mandat zu entreißen. Sie rechnen darauf, daß viele Arbeiter seit dem Juli 1903 aus dem Bezirk verzogen sind. Alle diese sind aber heute dort wahlberechtigt, nnd keiner darf es ver- säumen, sein Wahlrecht heute auszuüben. Der zweite Bezirk umfaßt folgende Straßen: Abstimmnngsbezirk A: Bismarckstr. 51—61, Danckelmann- straße 44— 51a, Horftweg, Jägerstraße, � Kaiser Friedrichstr. 1�-30, Knobelsdorffftr. 1— 15 und 44— 61, Königsweg. Luisenplatz 5— 6, Nehringstr. 7—25, Orangenstraße, Potsdamerstr. 31— 47, Scharrenstraße 10— 29, Schloßstr. 14— 60, Sophie Charlottenplatz, Stallstraße, Straßen 12o, l2ck, 14a und 14c, Wallstr. 39—58. WahSvkal: Turnhalle der Ober-Realschule, Schloßstr. 27. Abstinimungsbczirk v: Danckelmannstr. 10—17, Knobelsdorff- straße 16—43, Potsdamerstr. 23—30, Sophie Charlottenstr. 34 bis 56 und 68—88, Straße 27a. Straße 33. Wahllokal: Turnhalle der Gemrindcschule, Sophie Charlotten- straße 69-70. Abstiinmungsbezirk 6: Amtsgerichtsplatz 1 und 2, Bismarck straße 62—71 und 72 a, Friedbergstraße, Holtzendorfstraße, Kaiser Friedrichstr. 31—54, Kantstr. 68—100, Königsweg, Leonhardstraße, Pestalozzistr. 44—63, Rönnestraße, Schillerstr. 53—72, Sophie Charlottenstr. 57—67, Stuttgarter Platz' 13—23, Suarezstraße, Windscheidstraße, Witzleoen. Wahllokal: Restaurant„Zum Landstuccht", Ecke Friedbergstr. 1, und Leonhardstr. 22. Wer also in einem dieser Häuser im Juli vorigen Jahres gewohnt hat, scheue den Weg nach den» betreffenden oben bezeich- ncten Wahllokal nicht, um dort für die Socialdemokratie Zeugnis abzulegen, indem er unfern Kandidaten- Paul Liebe wählt. Wer bis 8 Uhr abends in seinem Wahllokal erschienen ist, wird noch zur Stimmabgabe zugelassen. Zu legitimieren hat er sich durch die Einladungskarte des Magistrats, oder falls er diese nicht besitzt, durch Steuerquittung, Mietskonlrakt, Militärpaß oder dergl. Des morgens beginnt die Wahl um 9 Uhr. Die Genossen, welche sich als Blockführer und Stimmzettcl-Verteiler zur Verfügung stellen, müssen sich daher schon um 8 Uhr in den beiden Lokalen, wo sie das Material erhalten, einfinden: bei Bade, N e h r i n g- straße 25, und bei Herker, Kaiser F r i e d r i ch st r. 71. Alle Genossen, welche es irgendwie ermöglichen können, müssen sich in diesen Lokalen dem Wahlkomitee zur Verfügung stellen. Das Wahlresultat, ein Sieg, der mit überwältigender Stinimen zahl errungen werden muß, ist des Abends im Centralpunkt Charlottenburgs, dem V o l k s h a u s e, R o s i n e n st r. 3, zu er- fahren, wo sich die Genossen zusammenfinden. Arbeiterl Parteigenossen! Sorgt für einen Triumph der Socialdemokratie! Charlotteuburg. Das S o m m e r f e st des Wahlvereins findet am Sonntag, den 12. Juni, in den Räumen des V o l k s- Hauses, Rosinenstr. 3 statt. Wir erwarten einen zahlreichen Besuch seitens der Mitglieder und ihrer Angehörigen, zumal dürch das reichhaltige Programm harmloses Vergnügen und heitere Freude gewährleistet sind. Der Vorstand. Wahlvcrein Nieder-Schiineweide. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß am Sonnabendabend die ordentliche Vereinsversammluiig bei Franz stattfindet. Um vollzähliges und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. lokales. Am Kircheniauen ist der Teufel, der seine Hand offenbar auch im Fall Mirbach im Spiele hatte, häufiger beteiligt gewesen, als die heutige glaubenslose Zeit ahnt. Aus einer ganzen Anzahl Orte meldet eine ehp würdige Ueberlieferung. daß irgend ein alter Dom, für dessen Ursprung schriftliche Belege fehlen, vom leibhaftigen Gottseibeiuns erbaut sei. Es gab nämlich einst Geschichtsperioden wahrer Frömmig keit, wo die Pforten der Hölle so wenig anlockend erschienen wie die Pommernbank-Aktien nach dem großen Krach und der Fürst der Unterwelt wahrhaft Romeicksche Geschästskniffe auwenden mußte, um eine arme Seele in sein Reich zu verlocken. So wird aus Aachen berichtet, daß auch dort die Domkirche ans Grund eines Geheimvertrages gebaut worden ist, den ein frommer, aber mittelloser Ratsherr mit dem Teufel ab geschlossen hat. Der Teufel wollte in verdächttger Selbstlosigkeit weiter nichts haben als die Seele des ersten lebenden Wesens, das die Kirche nach ihrer Vollendung betrete. Nun war der Ratsherr aber in Geschästskniffe» nicht unkundig und sandte nach erfolgter Abnahme des Baues einen räudigen Hund in die Kirche, mit dessen Seele der verärgerte Böse dann abfahren mußte. Priester weihten darauf das ursprüngliche Teufelswerk und priesen die gescheidte That des frommen Ratsherrn. Wir sind überzeugt, daß auch Excellenz v. Mirbach als glaubenseiftiger Christ die Aachener Ueberlieferung kennt und sie praktisch zu verwerten suchte. Gewiß, der Biereifer der Herren Schultz und Romeick war anstößig, und wenn eine anttsemitische Zeitung es als etwas ganz Neues, Unerhörtes hin- stellt. eS als einen ungeheuren Trug vernierkt, daß ein Bankier im Wohlthun mit der Wurst nach der Speckseite wirft, so ist das eine nur bei Antisemiten zu entschuldigende Naivetät. Andrerseits hieße es die Geistesgaben des Oberhofmeisters der Kaiserin aber zu niedrig einschätzen, wollte man annehmen, daß die im Glauben gegen Satans List gewappnete Excellenz die Herren Schultz und Romeick nicht durchschaut hätte. Gewiß, die Herren verfolgten mammouistische Zwecke, als sie sich bei Herrn v. Mirbach als fromme Förderer des Kirchenbausports vorstellen. Aber was ist dabei? Wer will auf den Aachener Ratsherrn einen Stein werfen? Muß nicht im Gegenteil der hohe Mut des Mannes gepriesen werden, der scheinbar sein Seelenheil aufs Spiel setzte und doch den Teufel um den erhofften Gewinn brachte? Ja. der Oberhofmeister der Kaiserin konnte sich um so eher kalten Blutes in die scheinbare Gefahr begeben, als er schon einmal den Vorhof der Hölle betreten hatte. Das war damals, als er in Sachen der Kirche mit der weggemeißelten Kameelsinschrist beim Reichstags- Abgeordneten Singer feine Visitenkarte abgab. Auch aus dem damaligen Fall ist Herr v. Mirbach unbefleckt hervorgegangen, wie u. a. seine berühmte Rhinozeros- rede zeigt, in der er vor den ganz gewissenlosen Streikhetzern warnte und vor den Streiklüften, die sich in das friedliche Potsdam eingeschlichen hätten und schließlich den feierlichen Schwur that, daß. so lange die Kaiserin baue, stets die Unorganisierten beschäftigt werden sollten. Ein solcher Mann war kapitelfest und konnte getrost auch jetzt der Hölle Trotz bieten. Was soll das Gerede von dem für den Kircheichausport ver- pulverten Gelde der Akttonäre? Solchem Geschwätz gegenüber kommen nur zwei Möglichkeiten in Betracht. Entweder waren die Aktionäre, wie es sich für Leute von Besitz gebührt, fromme Christen oder sie waren sündhafte Kinder der Welt. Im ersten Falle können sie Herrn v. Mirbach nur Dank schulden dafür, daß er für das Geld die allein zweckentsprechende Verwendung fand. Im andren Falle aber ist das Beispiel des Aachener Ratsherrn vorbildlich. Die Kirche steht in ragender Pracht da; Satanas aber, der Versucher in Romeicks Gestalt, ist elend auf den Hund gekommen. Das Seminar für orientalische Sprachen wird mit Beginn des Winterhalbjahres nach der Ecke der Dorotheen- und Universitäts- straße verlegt. Dieses neue Eckha-us ist vom Staat für rund 870 000 M. erworben und wird jetzt innen und außen für die neuen Zwecke umgestaltet. An den beiden niedrigen Seitenflügeln wird noch ein Stockwerk aufgesetzt, was nach der Verbreiterung der UniversitätSstratze geschehen kann. Auch das von Lenz und Dietrich Schäfer geleitete historische Seminar erhält in dem neuen, zur Universität gehörigen Hause einige Räume; es wird zu diesem Be- Hufe von der Dorotheensttaße 5 aus, wo sich das historische Seminar befindet, ein Durchbruch vorgenommen. Die Arbeiter- Fahrkarte» auf der Straßenbahn bringen denen, die sie benützen, eine Ersparnis von ganzen zwanzig Pfennig in der Woche ein, da ihr Preis eine Mark beträgt, wogegen für zwölf Einzelfahrten eine Mark und zwanzig Pfennig zu zahlen wären. Wer auch diese geringe Ersparnis ist oft nur problematischer Natur, dank dem Uebcl, daß die Straßenbahn sich nicht im stände zeigt, das auf sie angewiesene Publikum zu befördern. Jeden Morgen kann man das Schauspiel erleben, daß Arbeiter und Arbeiterinnen, die etwa um dreiviertel sieben Uhr einen Wagen besteigen wollen, wegen Ueberfiillung abgelviescn werden. Auch der zweite, ebenso der dritte Wagen ist überfüllt, und wenn cs dem glücklichen Inhaber der Arbeiter- Fahrkarte endlich gelingt, doch einen Platz zu er- haschen, dann zeigt der Schaffner triumphierend auf seine Uhr, die bereits vier Minuten über sieben ist. Das nach den Grund- sätzeir der AbschrecknngSmcthode ausgearbeitete Reglement enthält nämlich die skandalöse Bestimmung, daß die Fahrt auf eine Arbeiter- Wochenkarte vor sieben Uhr angetreten werden muß, was in dem herangezogenen Fall bedeutet, daß der Fahraast trotz seiner Karte zehn Pfennig zu blechen hat, wenn er befördert werden will, und außerdem noch auf der Fabrik mit einer Strafe oder doch mit einem Ausfall an Verdienst infolge des Zuspätkommens zu rechnen hat. Wahrscheinlich würde ein Civilprozeß gegen die„Große" in solchem Fall für den Geschädigten günstig ausfallen; aber welcher Albeiter hat das Geld zum Prozessieren? Stipendien für Handwerksgesellen. Aus dem Friedrichs-Gewerbe- stipcndium werden im Januar jeden Jahres Bettäge von je 150 M. an Gewerbegehilfen behufs ihrer weiteren gewerblichen Ausbildung verteilt. Einen Anspruch darauf haben nur in Berlin g e- b o r e n e und ortsaugehörige, nicht unter 18 nnd nicht über 30 Jahre alte Gehilfen, welche während ihrer Lehrzeit resp. ihrer Be- schäftigung als Gehilfen Fleiß, Tüchtigkeit und auf Vervoll- kommnung in ihrem Handwerk gerichteten Lerntrieb gezeigt haben. Bewerber haben ihre selbstgeschriebenen Gesuche unter Beifügung eines Lebenslaufs, der Geburtsurkunde und der Originale oder beglaubigten Abschristen der Atteste ihrer Lehrmeister beztv. Arbeitgeber über ihre praktische Geschicklichkeit, Fleiß und Füh- rung dem Kuratorium des Friedrichs-Gewerbestipendiums, Stralaucr- straße 3—6, eine Treppe, bis spätestens Ende Juni d. I. einzureichen. Gleichzeitig haben die Bewerber nachzuweisen, daß sie eine der hier bestehenden Unterrichtsanstalten, welche die allgemeine intellektuelle, wie auch im besonderen die gewerbliche resp. technische Fortbildung deni Handwerkerstande angehöriger Personen bezwecken, mindestens ein Jahr hindurch mit Fleiß und Erfolg besucht haben. Der falsche Elias. Der amerikanische„Prophet" John Alexander Dowie aus Chicago, der sich„Elias ll. und Gencralaufseher der all- genieinen christlichen Kirche" nennt, ist hier eingetroffen nnd im Hotel Bristol abgestiegen. Ein aus acht Begleitern und fünf Dienern bestehendes Gefolge ist mit ihm gekommen. Im Hotel hat er die- selben Räume bezogen, die kürzlich der Milliardär Vanderbilt inne- hatte und die den Tag 160 M. kosten- Gestern abend hielt er Beuth- straße 20 die erste Versammlung ab, zu der er im Landauer, einen aalo unierten Diener auf dem Bock, vorsiihr. In der An- spräche setzte er auseinander, daß alle Krankheit durch den Satan in die Welt kommen, durch Alkohol, Tabak, Schweinefleisch und Austern. Der Mann muß offenbar, falls er bei Verstand ist, ein verkappter Feind des Jehova sein und auf Kompromittierung der Religion aus- gehen. Denn wie anders kann Herr Dowie als Großkotz auftreten und sich dennoch mit dem Namen jenes Propheten schmücken, der in seiner offenkundigen Mittellosigkeit auf die ihm nach 1. Kön. 17 V. 6 von Raben dargereichte Armeminterstützung angewiesen war? Diebe auf der Stadtbahn. Die Fleddereien aus der Stadt- und Ringbahn, die zeitlveilig einen unheimlichen Umfang annehmen, hörten für eine ganze Weile auf, nachdem es der Kriminalpolizei gelungen war. die Hauptthäter, die zun: Teil gemeinschaftlich und planmäßig„arbeiteten", zu fassen und hinter Schloß und Riegel zu bringen. Am vergangenen Sonnabend jedoch ist seit längerer Zeit wieder ein Fall vorgekoinmen. Der Buch- Händler Otto Riese aus Alt-Krantz fuhr von der Frankfurter- Allee in einem Abteil dritter Klasse, in dem er allein saß, nach dem Gesundbrunneil, lehnte sich in eine Ecke und schlief bald ein. Aus dem Gesundbrunnen weckte ihn ein andrer Fahr- aast, der später eingestiegen war und jetzt den Zug wieder verließ. Riese, der erst nicht recht wußte, auf welcher Station er war. stieg ebenfalls aus und merkte nun bald,.daß ihm jemand die Weste zum Teil aufgeknöpft und die Brieftasche gestohlen hatte. Diese enthielt zwei Eintausend- und zwölf EinHundertmarkscheine, einen Wechsel über 6000 M. auf den Namen Staeber, einen über 800 M. auf den Nameil Weiß, einen Schuldschein über 300 M. nnd verschiedene LieferungS- und Wägescheine über Schweine. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, eine Spur dieses neu auftretenden Fledderers zil finden. Die alte Alexander-Kasernc am Königsgraben, die zuletzt die beiden„jlavallerie-Compagnie" des Regiments beherbergte, wird nunmehr bestimmt im Juli d. I. abgebrochen werden, da der an dieser Stelle geplante Neubau der Reichspost noch im Laufe des Sommers in Angriff genommen werden soll. Mit der Ausführung des Stichkanals von der Spree durch den städttschen Plänterwald über die Köllnischen Wiesen nach Rixdorf zum Teltow-Kanal ist schon begonnen worden und es werden die Arbeiten eiftig gefördert. Der Stichkanal soll noch in diesem Jahre fertiggestellt und kann dann sofort benutzt werden. Der Stich- kanal durchschneidet Britz und Ripdorf und ist der Bau in der Nähe von Ripdorf schon weit vorgeschritten, so daß die Fertigstellung Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres sicher zu erwarten ist. Blitzziige zwischen Berlin und Köln mit einer Fahrzeit von fünf Stunden plant die Preußische Eiscnbahn-Vcrwaltung. Wenn man bedenkt, daß die jetzige Fahrzeit der Schnellzüge zwischen Berlin und Köln neun bis elf Stunden beträgt, so erscheint der Sprung als ein sehr großer. Die Entfernung zwischen der Reichshauptstadt und der rheinischen Metropole beträgt nicht ganz 600 Kilometer. Bei eine fünfstündigen Fahrzeit ist also eine Reisegeschwindigkeit von etwa 100 Kilometer im Durchschnitt vorauszufetzen. Nachdem die Dampflokomotiven neuerdings eine derartige Geschwindigkeit be- deutend überschritten haben, ist eine solche Fahrt möglich geworden. Ilm die Aufenthalte möglichst abzukürzen, plant man im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, mit ein und derselben Lokomotive von Berlin nach Köln ohne Wechsel durchzufahren, während bisher in Stendal, Hannover. Dortmund usw. die Lokomotiven im ganzen etiva drei- bis viermal gewechselt toerden. So können die Auf- enthalte auf die knappste Zeit beschränkt werden. Sie dürften nur einige wenige Male, etwa in Hannover, Dortmund und Düsseldorf stattfinden. Das engmaschige Netz der Eisenbahnen im rheinisch- tvestfälischen Industriegebiet macht ein so schnelles Durchfahren desselben besonders schwierig. Man wird deshalb auf der Strecke von Berlin nach Hannover besonders schnell fahren und eine Ge- schwindigkeit von 130— 140 Kilometer in Anwendung bringen. müssen. Der Plan wird so gefördert, daß man sogar davon spricht, ihn schon mit dem nächsten Winterfahrplan einzuführen. Das Dunkel des Charlottenburger Lricheufundes ist noch immer nicht weiter gelichtet. Alle Spuren, denen die Kriminalpolizei auf diese oder jene Anregung hin bisher folgte, führten zil einem nega- ttven Ergebnis. Das gilt auch von einer Anzeige, die vor drei Tagen ein Schankwirt W. Janisch aus der Zimmerstraße mit Bezug auf sein vermißtes Dienstmädchen machte, das sich angeblich vor dem Liebhaber, einem Berliner Agenten, gefürchtet habe. Auch diese Spur wurde sofort verfolgt und es ergab sich bald, daß das Mäd- che» sich in einer anderen Stellung befindet. Derarttge Anzeigen oehen nach wie vor aus Berlin und Umgebung, tele oii? der Provinz in qroßer Anzahl ein> Die Kriminalpolizei geht allen ans das sorgfältigste nach. Der im VerbindnNgSkanal gefundene Rumpf wurde gestern der Erde übergeben, da es nicht möglich war. ihn länger aufzubewahren, die schon öfter beschriebene Warze, das einzige, aber auch sehr unbestimmte Erkennungszeichen, ist zur «onservicrung herausgeschnitten worden Der Kopf der Toten ist aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwo verbrannt worden. Ammerhin r-c' � Kriminalpolizei auch mit der Möglichkeit, das; er noch im Wasser liegen könnte. Es sind daher auch nach dieser Richtung Vor- lehrungen getroffen worden, daß mau ihn findet, wenn er nicht nerausgefischt wird und später an die Oberfläche konnnt. Der Trau- ring und der Portcmonnaicbügel werden auch heute noch als Eigen- tum der Getöteten betrachtet. Möglich ist aber auch, das; man sie an de» Fundort gelegt hat, um die Kriminalpolizei irrezuführen. Berwnndcte Russe» in Berlin. Eine Gruppe von 20 russischen Offizieren, verwundeten Kriegsteilnehmern, toird. Lemberger Blättern zufolge, demnächst in Berlin eintreffen, um von hier aus teils die rheinischen, teils die französischen Bäder zu besuche». Die meisten sind Marinc-Offiziere, die in den ersten Kämpfen ver- wundet wurden, und die letzten Wochen in Lazaretten zubrachten. Sie sind wohl leidlich Von ihren Verletzungen geheilt, aber dauernd dienst- liiifäbig. Es befindet sich unter ihnen ein Neffe des untergegangenen rldmirals Makarow und der Oberstlicutenaut Chomjakow-Mussin, ein Nachkomme des berühmten Volksdichters gleichen Namens. Die Verwundeten sind auf dem Landwege heimgekehrt und in Ruhland überall niit großer Begeisterung aufgenommen worden. Mehrere von ihnen waren eine Zeitlang auch in japanischer Pflege und außerir sich sehr lobend über die japanischen Acrzte und Krankel,- schwestern. Eine zweite Schar von Kriegsteilnehmer» soll im August hier eintreffen. Die �Diebcsjagd auf dem Svittelmarkt. Ein Taschendiebstahl And die Jagd nach den Tieben erregte Doiinerstagnachmittag auf dem Spittelniarkt großes Aufsehe». Der Kassenbote eines hiesigei, Bankgeschäftes hatte bei einer Filiale der Deutsche» Bank in der Gertraudtenstraßc einen Betrag bon etwa 2000 M. einkassiert und die in Banknoten erhaltene Summe in eine Geldtasche gesteckt. Diese trug er im Jackett. Bevor er sich auf den Rückweg in sein Geschäft machte, suchte er eine am Spittelniarkt liegende Anstalt auf. Plötz- Uch fühlte er einen leichten Ruck an seinem Jackett. Er drehte sich um und sah im selben Augenblick zwei junge Burschen nach ver- schiedencn Richtungen aus den beiden Ausgängen aus die Straße eilen. Ein Griff in seine Jacketttasche belehrte ihn, daß er das Opfer eines Taschendiebstahls geworden war: die Geldtasche war ver- schwuiiden. Er rief sofort Leute um Hilfe, und ein berittener Schutz- mann eilte dem einen Flüchtling nach und ergriff ihn auch, während es dem zweiten gelang, in der Menge zu entkommen. Bisher konnte mail seiner nicht habhaft werden. Der Gefaßte wurde zunächst nach dem zuständigen Polizeirevier in der Beuthstraße gesmafst. Dort gab er sich den Anschein, als ob er kein Wort Deutsch verstände. Aus seinen sehr konfusen Worten, die er im schlechten Englisch wiedergab, schien hervorzugehen, daß er aus Schottland stamme und nur vor- übergehend sich in Deutschland aufhalte. Die Leibesvisitation ergab. daß er nicht im Besitz der gestohleiieii Brieftasche war. Später wurde er nach dem Polizeipräsidium geschafft. Die Behörde nimmt an, daß sie es mit einem internationalen Taschendiebe zu thun hat. Zur Zeit werden im Verbrecheralbum Nachforschungen nach dem an- geblichen Scholtländer angestellt. Alle Bemühungen der Kriminal- Polizei, den Komplicen, in dessen Besitz die Brieftasche sein dürfte, zu fassen, sind bisher ergebnislos verlaufen. Ein falscher Student. In der hiesigen Universität fiel seit einigen Tagen ein junger Mann auf, mit deni es„nicht ganz richtig' zu sein schien. Er ging nach der neuesten Mode gekleidet und hatte so viele vernarbte Schmisse, als ob er mindestens einige zwanzig Male auf der Mensur gestanden hätte. Als er vorgestern zu rempeln anfing, um einige Kontrahagen zu bekommen, nahm man Veranlassung, sich ihn etwas näher anzusehen, und nun stellte sich heraus, daß man es mit einem Geisteskranken zu thun hatte. Der junge Mann war nicht Student, sondern ein Schlosserlehrling Richard Müller, der bei seiner Mutter im Norden der Stadt wohnt. Er hatte nach einein Jahre die Lehre aufgegebeii und war nicht mehr zum Arbeiten zu bewegen. Wenn ihn seine Mutter dazu anhalten wollte, so lief sie jedesmal Gefahr, von ihn, mißhandelt zu werden. Sie ließ ihn da- her gewähren. Müller schneiderte sich nun aus de» Kleidern seines verstorbeiien Vaters tadellos sitzende Anzüge selbst zurecht. Einen hohen Stehkragen machte er aus einein Stück Blech, das er mit weißer Oelfarbe strich. Um sich einen freindländischen Anstrich zu geben, färbte er sein blondes Haar mit Ruß und Lack pechschwarz. Dann nahm er ein Messer und brachte fich nach und nach eine Unmenge„Schmisse" bei. Nach Feststellung seiner Persönlichkeit wurde der falsche Student wieder in eine Anstalt gebracht, in der er sich schon einmal befunden hatte. Polizeilich beschlagnahmt wurden die Leichen zweier Pflege- linder, die bei einer Haltcfrau fast zu derselben Stunde starben. Eine 32 Jahre alte Wirtschafterin, die wegen eines Leidens ihre Stellung aufgeben mußte, nahm am 23. April den damals einen Tag alten Knaben Erich A. und am 2. d. M. den am 30. Mai ge- borenen Hellmuth M. in Pflege. Dieser war von Anfang an kränk- lich, der ältere Knabe dagegen früher gesund. Am Dienstagmorgen erkrankte auch Erich A. Da es in der Nacht zum Mittwoch mit ihm schlimmer wurde, so wollte die Pflegemutter am Mittwockunorgen zum Arzt gehen. Eine Frau aus dem Hause sollte unterdessen auf die Kinder, die beide in dem großen Bett der Pflegemutter lagen. achten. Diese ging nun in ihre Kamnier, um sich anzukleiden. Als sie lvieder nach der Stube kam, lagen beide Kinder wie leblos da. Ein Arzt, der jetzt gerufen wurde, stellte fest, daß das eine bereits erkaltet war. Das andre gab noch schwache Lebenszeichen von sich. starb aber ebenfalls nach wenigen Minuten. Die Leichen wurden zur Feststellung der Todesursache beschlagnahmt und nach dem Schau- hause gebracht. Einem Bctriebsimfall fiel gestern vormittag der verheiratete Arbeiter Albert Dominirock in den Berliner Messingwerken zum Opfer. Als er einen Tigel mit glühendem Metall trug, glitt er so unglücklich aus, daß die flüssige Masse ihm auf den Fuß spritzte. In schwer verletztem Znstande wurde Do», inirock nach der Unfallstation und von dort„ach seiner Wohnung Oppelnerstr. 26 gebracht. In Dresden wurde der von der hiesigen Kriminalpolizei ver- folgte Einbrecher Franz Ziebell verhaftet, der dringend verdächtig ist, zahlreiche Einbrüche verübt zu haben. Als ihm der Boden in Berlin zu heiß wurde, ging Z. nach außerhalb und verübte Ein- brnchsdiebstähle in Stettin, Stendal, Tangermnnde, Rostock, Magde- bürg usw. Bei ihm wurden Pfandscheine über versetzte Wert- gegenstände sowie Uhren und Schmucksachen vorgefunden. die sämtlich aus Diebstählen herrühre». Außerdem befand sich Z. im Besitz von verschiedenen Legitimationspapieren, die er gestohlen hat und dazu benutzte, um unter falschem Namen zu reisen. Ueberfahren wurde gestern vor dem Hause Schnlstr. t07 das anderthalbjährige Töchterchen des Plättanstaltsbesitzers Lade dort- selbst. Tie Räder eines Bäckerwagens gingen den, Kinde über den Kopf, so daß cS auf der Stelle tot war. Ein Kindesmord ist allem Anschein nach in Rixdorf verübt worden. In der unbebauten Cannerstraße fand ein Arbeiter am Mittwoch die Leiche eines neugeborenen Knaben, der durch Schläge auf den Schädel getötet zu sein scheint. Mit Gewißheit konnte jedoch durch den Augen schein die Todesursache nicht festgestellt werden. Die Leiche wurde daher zur gcrichtärztlichen Oeffnung nach Berlin in das SchanhauS gebracht. Ein großer'Dachstuhlbrand kam Donnerstagmittag in der WilhelmShavenerstr. 06 zum Ausbruch»nd beschäftigte die Wehr fast drei Stunden. Ein Hausbewohner hatte angeblich unvorsichtiger- weise aus dem Dachboden des Ouergebäudes ein brennendes Kerzen- licht imbcmifsichtigt stehen lassen, das dann nach seinem Abbrennen den Fußboden in Brand setzte. Dieser erfaßte nun die Tragbalken und sprang ans die zahlreichen Bodenkau, meri, über. Ivo er an dem aujgejtapelieil Gerümpel und alten Hausrat der Mieter überreiche 4 Nahrung fand. Erst als bald nach 11 Uhr helle Flammen aus de», Dache schlugen, wurde die Gefahr von den, Nebenhause Nr. 55 aus bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Als diese in wenigen Minuten aus der ganz nahen Zugwache 16 aus der Turmstraße eintraf, stand schon der große Dachjtuhl in seiner ganzen Ansdehining in Flammen. Brandincister Leybolo ließ daher sofort Dampfspritzcn in Thätigkeit treten und mit mehreren Rohren von verschiedenen Seiten ans gegen den Brandherd vorgehen. Immerhin dauerte es doch fast zwei Stunden, bevor die Gefahr beseitigt war, dem immer wieder züngelten neu angefachte Flammen empor. Der größte Teil des Dachstuhls mit seinen Bodenkammern ist total ausgebrannt und der entstandene Schaden daher erheblich. Auch die Mieter des vierten Stockes haben durch Wasser stark gelitten, selbst in den dritten Stock ist das Wasser gesickert. Die Aufräumung dauerte bis „ die Nachmittagsstunden. Wegen eines gefährlichen Brandes wurde am Donnerstagmittag die Feuerwehr nicht weniger als viermal nach der Wilhelmstraße 35 gerufen, wo bei der Firma Kadelbach im Erdgeschoß des rechten «citcnfliigels Spiritus, Spirituosen, Fässer, Kisten. 1 Kutschwagen, Thüreu, Thore, die Zwischendecke, Hausrat u. a. in Flammen standen. Es gelang, die Flammen durch kräftiges Wassergeben auf das Erd- geschoß zu beschränken. Der nicht unbedeutende Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Entstehung des Feuers ist auf Unvor- sichtigkeit zurückzuführen. Tic verlorene vierte Klasse. Durch die Geistesgegenwart eines Lolvinotivführcrs ist gestern morgen auf der Strecke Thori,— Berlin ein schweres Eisenbahn-Uuglück verhütet worden. Von dem Personen- zug, der um 6 Uhr morgens auf dem Alexandcrplatz eintrifft, hatten sich auS bisher unaufgeklärten Gründen auf freiem Felde fünf Wagen vierter Klasse abgehängt, ohne daß der Zugführer dies bemerkte. Bei dem plötzlichen Ruck wurden die Fahrgäste der fünf Waggons derartig durcheil, andcrgcschüttelt, daß viele von ihnen Beulen usty. davon trugen. Während alles„och in der ersten Bestürzung nicht aus und ein wußte, kam auf demselben Geleise ein Schnellzug heran- gebraust. Glücklicherweise bemerkte der Lokomotivführer das Ver- kehrshinderniS, gab Coutrcdampf und konnte so ein Auffahren aus die stehengebliebenen, mit russischen Auswanderern usw. vollbesetzten Wagen verhindern. Durch das andauernde Signalpfeifen auf- merksam gemacht, fuhr der Führer der Personenzuges wieder zurück. die Wagen wurden wieder angehängt und ohne weiteren Zwischenfall lief dann der Zug ohne Verspätung hier ein. /Zns den Nachbarorten. Die Charlottenburger Hausagraricr machen wieder einmal gegen die städtische Socialpolitik mobil. Die Stadtverwaltung plant u. a. die Errichtung eines Ledigenheims in der Nehringsttatze und eines Asyls für Obdachlose in der Sophie Charlottenstraße. Hiergegen protestiert die Interessenvertretung der Hausagrarier, der Haus- und Grundbesitzerverein von 1895, durch folgende Resolution, die er den städtischen Körperschaften überreicht hat:„Der Hans- und Grund- besitzerverein von 1895 zu Charlottenburg weiß sich mit dem weitaus größten Teil der Charlottenburger Bürgerschaft darin eins, daß die mit der Unterstützung resp. von feiten des hiesigen Magistrats ge- plante Errichtung eines Ledigenheims und Obdachlosen- Asyls e,ne große wirtschaftliche Gefahr für unsre ganze Kommune ist. weil i. durch die Errichtung von Ledigenheimen viele kleine ab- vermietende Familien in ihren Existenzbedingungen schwer geschädigt werden und diese dann noch weniger im stände sein würden, ein angemessenes Unterkommen zu finden; ferner weil 2. durch die Errichtung eines Asyls für Obdach- lose eine große Menge von arbeitsscheuen frag- würdigen Existenzen nach Charlottenburg herangezogen und der betreffende Stadtteil in sittlicher und materieller Hinsicht ge- schädigt würde, insofern das sittliche Gefühl der heranwachsenden Jugend dem schädlichen Einfluß dieser Elemente ausgesetzt und damit die wohnliche Eigenschaft der angrenzenden Straßen diskreditiert wird; weil 3. der städtische ohnehin stark belastete A r m c n- E t a t und damit auch die steuerzahlende Bürgerschaft eine weitere Belastung erfahren müßte. Zu den städtischen Körper- schaften dürfen wir das Vertrauen hegen, daß dieselben in Würdigung dieser sittlichen und volkswirtschaftlichen Gefahren von den geplanten Einrichtungen Abstand nehmen werden." Das wird nun nicht geschehen, da die Errichtung des Asyls bereits beschlossene Sache und die des Ledigenheims so gut wie sicher ist. Die Resolution zeigt aber, eine wie große Gefahr der Stadtgemeinde droht, wenn das hausagrarische Element im Stadt- Parlament noch verstärkt wird. Die Möglichkeit einer Schwächung der Hausagrarier ist den Wählern des zweiten Bezirks gegeben. Auf die hausagrarische Herausforderung gicbt eS keine bessere Ant- wort, als am Freitag Mann für Mann fiir den socialdemokratischen Kandidaten zu stimmen. Auch ein Wiedersehen. Aus Spandau wird uns geschrieben In dem hiesigen Festungsgefängnis sind seit längerer Zeit zwei Soldaten interniert, welche wegen irgend eines Vergehens gegen die Disciplin eine Gcfäugnisstrafe von vier resp. fünf Jahren zu ver- büßen haben. Wie erzählt wird, sollen sie diese Strafe ihrem Unter- offizier zu verdanken haben, der in cher Compagnie in Bezug auf die Behandlung seiner Untergebenen recht viel Schneidigkeit an den Tag gelegt haben soll. Vor etwa drei Wochen gab es nun ein unettvartetcs und darum bewegtes Wiedersehen zwischen den Dreien, denn der Herr Unteroffizier hatte mittlerweile wegen verschiedener Finanzoperationen seine Tressen eingebüßt und war nun, einem„unwiderstehlichen Zwange" folgend, nach Spandau gekommen, um gleichfalls in dem dortigen Festnngsgefäiigniö einen längeren Aufenthalt zu nehmen. Sein persönliches Pech wollte es. daß er in denselben Schlafsal gelegt wurde, wo außer 33 andren Gefangenen zu- fällig auch einer seiner ehemaligen Untergebenen unter- gebracht war; jedenfalls erhielten die Mitgefangenen sehr bald sicheren Aufschluß über die Person des neuen Schlaf- kollegen, denn am andern Morgen inußte der letztere wegen erheblicher Verletzungen nach dem Lazarett gebracht werden, wo er wohl 14 Tage oder länger verblieb. Die Attentäter sollen aber trotz aller Anstrengungen der Direktion nicht ermittelt worden sein. Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, daß derartige Akte einer Lynchjustiz nicht allzu selten sein können, da die Direktion des Festungsgefängnisses in den letzten Jahren grundsätzlich alle Unteroffiziere, welche wegen Soldaten- schindereien zur Gefängnisstrafe verurteilt werden, vorsorglich in einer Einzelzelle unterbringt, um sie so vor der Wut der übrige» Gefangenen zn schützen. So sitzt z. B. auch der biedere „Voikserzieher" Breidenbach vom Beginn seiner Inten, ierung an ebenfalls in Einzelhaft; er macht sich als„Schneider" nützlich und fertigt Säcke und Wäschestücke an. Wegen Sittlichkeitsvcrgehen ist in Ober- Schöneweide ein 15jährigcr Bäckerlehrling, der aus der Lehre gelaufen ist, fest- genommen worden. Das Bürschchen hat sich nach eignem Ge- ständniS in zahlreichen Fällen gegen schulpflichtige Mädchen ver- gangen._ Gerichts-Zeitung. Eines schweren Diebstahls zum Nachteile der städtischen Gas- werke war der Schlächtermeister Bruno S ch ü tz l a ck beschuldigt, welcher gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I stand. Vom 1. Oktober 1902 bis Oktober 1903 hatte der Angeklagte im Hause Neandcrstr, 4 Geschäfts-, Arbeits- und Wohnuugsräume gemietet. Aus den, Korridor stand der Gasmesser, I» einem an- stoßenden Räume, in ivclchem die zum Schlächtercibctricbe crforder- lichcn Arbeiten vorgenommen wurden, befanden sich zwei Gasrohre. Das eine wurde vom Gasometer gespeist, das andre stand nn- abhängig von dem Gasotneter direkt mit dem Straßcnrohr i» Verbindung und war an jciucm Ende mit einer Lkrjchlußlapjel fest verschlossen. Die SchlZchtettttbeiten in dem erwähnten Nebenraim» wurden bald von der Polizei verboten und wurde darauf der Keller als Arbeitsraum eingerichtet. Aus diesem Anlaß hatte der An- geklagte sich au das ihm zur Verfügung stehende Gasrohr einen Gasarm mit Schlauchhahn anbringen lassen und einen Gummischlquch durch die Decke nach dem Keller geführt, um auf diese Weise seinem Arbeitsraum Gas zum Kochen und zur Beleuchtung zuzuführen. Am 20. Mai v. I. ka� der Rcvisionsbeamte Astphalt von den städtischen Gaswerken, um den Gasometer nachzusehen. Er be- merkte, daß die Verschlußkapsel von dem toten Rohre gewaltsam entfernt und auf dasselbe ein Schlauchhahn aufgesetzt war. Von diesem Schlauchhahn ging ein Gummischlauch nach dem Keller, während der Schlauchhahn an dem zuständigen, vom Gasoineter gespeisten lliohre zugedreht war und sich an diesem kein Gummischlauch befand. Ter Revisor entfernte sich, ohne eine Bemerkung zu machen, erstattete aber seiner vorgesetzten Behörde Anzeige. Darauf wurde er in Begleitung eines zweiten Beamten zum Angeklagten geschickt. um den Thatbestand festzustcllc». Der Angeklagte hatte inzwischen Verdacht geschöpft; als die Beamten erschienen, fanden sie alles in Ordnung, der Schlauch war umgelegt worden. Ter �Angeklagte wurde wegen schwere» Diebstahls zur Anzeige gebracht. Im Termin verlegte er sich aufs Leugnen. Sein Personal, welches vernommen wurde, erklärte, daß es auf die Art der Gascinrichtung niemals ge- achtet habe. Ter Zeuge Astphalt blieb unter seinem Eide dabei, daß seine Wahrnehmungen untrüglich seien. Ter Staatsanwalt hatte keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Ter Diebstahl sei ein schwerer, denn der Vcrschlußhahn sei gewaltsam von dem Rohr ge- löst worden. Er beantragte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, trat für ein niedrigeres Strafmaß ein. Das Urteil lautete auf 4 Monate Gefängnis. Ein schlechter Kamerad. Strenge Ahndung fand gestern das Verhalten des Arbeiters Hermann G u l b e n, welcher vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I stand. Der Angeklagte wurde von einer Speditionsfirma bei Umzügen beschäftigt und bekleidete dann die Stellung eines Kolonnenführers. Ende September v. I. hatte der Angeklagte nebst fünf ihm unterstellten Leuten den Umzug des Buchbindermeisters Klein zu bewerkstelligen. Nachdem die Sachen an Ort und Stelle waren, entließ der Angeklagte seine fünf Mit- arbciter, er wolle allein zum Herrn Klein gehen, um sich das übliche Trinkgeld zu erbitten, welches er später mit ihnen in einer von ihm bezeichneten Schankwirtschast teilen wolle. Der Angeklagte begab sich dann zu Klein und verlangte kurzerhand 13 M. Trinkgeld. Hern Klein weigerte sich mit der Begründung, daß er den vereinbarten Preis bereits bezahlt habe, zum Trinkgeldgeben, zumal in solch un- verschämter Höhe, sei er nicht verpflicktct. Ter Angeklagte wurde nun so grob und beleidigend, daß Klein, um weiteren Skandal zu vermeiden, es vorzog, sich dazu verstand, 10 M. herzugeben. Schimpfend entfernte sich der Angeklagte und begab sich nach der ver- abredeten Kneipe, wo seine Kollegen ihn erwarteten. Diesen log der Angeklagte unter gut gespielter Entrüstung vor, daß alle seine Bemühungen, ein Trinkgeld zu erhalten, vergeblich gewesen seien, Klein habe sich entschieden geweigert. Betrübt begaben uch die Leute fort. Es tauchte aber doch der Verdacht in ihnen auf, daß ihr Führer sie hintergangen habe, es wurde einer von ihnen zu Herrn Klein geschickt, um sich zu erkundigen. Hier erfuhr der Abgesandte, daß Gulben von Herrn Klein gewissermaßen ein Zehn- markstück erpreßt habe. Die empörten Leute stellten Strafantrag wegen Unterschlagung. Nachdem die Schuld des Angeklagten durch die Beweisaufnahme zweifellos dargethan war, beantragte der Staatsanwalt gegen ihn 4 Monate G e s ä n g n i s. Der Gerichts- Hof ging aber mit Rücksicht auf die niedrige Gesinnung, die der Angeklagte gezeigt habe, über den Antrag hinaus und erkannte auf 6 Monate Gefängnis. Die Namensänderung. Das Kammergericht hatte voriges Jahv den Doktor Szuman von der Anklage der Namensänderung frei- gesprochen, obwohl er den Namen in der obigen polnischen Schreib» weise weitergeführt hatte, nachdem er 1901 auf Veranlassung der Regierung im Kirchenbuch in die deutsche Schreibweise Schumann hineinberichtigt worden war. Forschungen sollen ergeben haben, daß Vater und Großvater des Herrn sich zu Unrecht Szuman geschrieben haben, während der Familienname ivirklich Schumann lautete. Das Kammergericht ging indessen damals davon aus, daß maßgebend sei, wie der Name vererbt worden sei, und meinte, Angeklagter würde sich geradezu einer Namensänderung schuldig machen, wenn er sich anders nennen würde.— Nachdem das Ober-Verwaltungs- gerickt anders entschieden hatte, wurde gegen S. ein neues Straf- verfahren eingeleitet. Das Landgericht sprach ihn jedoch frei, aus- gehend von jener früheren Kammergerichts-Entscheidung. Das Kammergericht, wieder als Revisionsinstanz angerufen, hat jedoch jetzt seinen Standpunkt geändert. Es hob am 30. Mai das land- gerichtliche Urteil auf und verwies die Sache noch einmal an daS Landgericht zurück. Begründend wurde betont, gründliche Nach- forsthungen hätten ergeben, daß' für die Materie nicht bloß die Kabincttsorder vom 15. April 1822, sondern die ältere Kabinetts- order von 1316 in Frage komme. Gehe man aber davon aus. so sei nicht nur zu bestrafen, wer den Namen unbefugt ändert, sondern auch, wer sich einen Namen„beilegt", der ihm nicht zukommt. Danach aber hätten Kinder nicht das Recht, einen Namen zu führen« der dem Vater nicht zukam und von ihm unbefugt angenommen worden sei. Deshalb müsse die Sache an das Landgericht zurück- verwiesen werden, damit dieses nachprüfe, wie der Name von Rechts- wegen lautete. Weil es ihm„draußen" nicht nichr gefiel und er wieder ins Zuchthans kommen wollte, hat der 57jährige Arbeiter Johann F i e- dach, der schon ein stattliches Strafregister aufzuweisen hat, ver- schiedcne Einbruchsdiebstählc verübt. Er war kurz nachdem er aus der Strafanstalt entlassen worden war, wieder rückfällig geworden und stand nun vor der zweiten Srrafkammer des Landgerichts II. „Na, Sie wollen wohl überhaupt nicht mehr aus dem Zuchthaus herauskommen?" redete der Vorsitzende den ergrauten Verbrecher an, worauf der Angeklagte prompt erwiderte:„Ja, Herr Jcrichtshof, war soll ick denn im ivoll bloß machen? Wer siebt denn unsereenen woll noch Arbcet? Ick muß ccn paar Dinger drehen, um wieder rin zu kommen, draußen jefällt mir det doch nich mehr."— Ter Gerichtshof kam der Sehnsucht des Angeklagten nach und verurteilte ihn aufs neue zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, 5 Jahren Ehr- Verlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. War der Mann bei Verstand? Wie ein Wahnsinniger gewütet»hatte am 26. Januar d. I« der Schlächtcrgcsclle Wilhelm Bohl in lllixducf, der sich gestern wegen eines seltsamen Exzesses vor dem dortigen Schöffengericht zu ver- antworten hatte. Bohl kam am genannten Tage in das Lokal von Hollmach in Rixdorf und verlangte von dem Kellner..Auskunft über den Konitzer Mord". Der Kellner glaubte einen Betrunkenen vor sich zu haben und ließ denselben auf dem Hausflur stehen. Kurz darauf kam der Hauswirt Bölle dazu und ersuchte den Bohl, der wieder in das Lokal hinein wollte, den Hausflur zu verlassen. Die Folge war, daß sich Bohl auf den Hauswirt stürzte, diesem die Weste zerriß und auf ihn einschlug, bis Gäste des Lokals dem Ueber- fallenen zu Hilfe eilten. Jetzt wendete sich die'Wut des Augellagtcn gegen die andern Personen, wobei er tobte und schrie. Inzwischen erschien der herbeigerufene Polizeilieutenant Kupsch, ivelcher den Bohl zunächst gütlich zu entfernen suchte, von diesem aber sofort thätlich angegriffen wurde. Der Polizeilieutenant zog darauf den Säbel und schlug seinen Angreifer über Arme und Kopf. Schon heftig blutend, stürzte sich B. nochmals auf den Beamten, ergriff den Säbel und suchte die Waffe zu zerbrechen. Ter Polizeilieutenant entriß ihm aber, die Waffe, wobei Pohl furchtbare Handvcrlctzungen erlitt. Trotzdem gab er sich noch nicht zufrieden, sondern warf jeden, der sich ihm näherte, zurück. Erst als noch einige Schutz- männcr erschienen, konnte B. überwältigt und gefesselt werden, worauf man ihn nach der Wache brachte, wo ihm ärztlickc Hilfe zu teil wurde. Während des Transports und auf der Wache selbst bctämcu dic Polizcibcaintc» die gtöblichstc» Beleidigungen zu hören. Im gestrigen Termin vermochte der Angeklagte absolut nicht zu sagen, wie er zu dein Erzesz gekommen sei, vermochte auch nicht Trunkenheit als Entschuldigungsgrund anzugeben. Mit Rücksicht auf die vielen Borstrafen des Bohl wegen Körperverletzung und wegen der Schwere des Exzesses, lautete das Urteil auf 7 Monate Gefängnis und 2 Wochen Haft bei sofortiger Verhaftung, Uns will scheinen, als ob der Angeklagte eher in eine Irren- tmstalt als ins Gefängnis gehört. Versammlungen. Kupferschmiede. Sonnabend, den 4, Juni er., tagte im Ge- Werlschaftshause eine außerordentliche Versammlung des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands. Filiale Berlin, welche sehr gut besucht ivar und einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag des Genossen SB. Fritsch über die Schädlichkeit der Slccordarbeit und ihre Begleiterscheinungen hörte. An diesen schloß sich eine lebhafte und zum Teil erregte Diskussion, welche sich in der Hauptsache um die Ueberstunden- frage bei Accordarbeit drehte. Solche kommen in den Maschinenfabriken, in welchen Kupferschnnede beschäftigt sind, in letzter Zeit besonders bei der Firma Borsig in Tegel häufig vor, Schuld an dieser Ueberstundenarbeiterei ist die Teilarbeit, wie sie bei der Firma gehandhabt wird. Besonders in der Montage unter den Schlossern und Maschinenbauern ist die Ueberzeit sehr an der Tagesordnung, Es koinmt häufig vor, daß 24 Stunden mit kurzen Pausen gearbeitet lvird, sogar 30 Stunden werden willig von den Schlössen» und Maschinenbauern geleistet, ohne daß sich auch nur einer von diesen Arbeitern veranlaßt sieht, sich dieser übermäßigen Ausnutzung zu widersetzen oder sie zur Kenntnis seiner Organisation zu bringen. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn die Betriebsleitung von den Kupferschnneden ebenfalls verlangt, daß sie dem schlechten Beispiele der Schlosser und Maschinenbauer nachfolgen sollen. Die Diskussion fand durch die Annahme folgender Resolution ihren vorläufigen Abschluß: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und wird bestrebt sein, in diesem Sinne zu wirken,— Die Firma H. Grabert, Köpnickerstr. 70a, weigert sich, die Ueberstunden, Stadt- und Land- Montagen init den festgesetzten Prozenten zu bezahlen, die An- gelegenheit wurde dem Borstand und Gesellenausschnß zur weiteren Verfolgung überwiesen. Deutsche Metallarbeiter-Gewerkschaft. Die Verwaltungsstelle Berlin dieser Organisation hielt am Montag eine beschließende Mitgliederversammlung bei Wilke in der Brunncnstraß? ab, die sich zunächst mit dein Streik der Werkstätten arbeite r der Straßenbahn befaßte. Zedier� berichtete durchaus sachlich über den Verlauf und das Ende dieses Streiks und widerlegte damit die von der Zeitung des Aschcr-Vereins, von der„Morgen- post" und andren bürgerlichen Blättern verbreitete Lüge: der Streik sei von den Arbeitern vom Zaun gebrochen loorden. Die Diskussion, die den» Referat folgte, bestätigte die Ausführungen des Referenten und bewies ebenfalls, daß es das Verhalten der Betriebsleitung war, was die Arbeiter in den Streik getrieben hat.— Dann wurde über einen Antrag auf Erhebung eines E x t r a b e i t r a g e s beraten, wozu der Kassierer W i e s n e r begründend ausführte, daß der erwähnte Streik, an dem 14 Proz, der Mitglieder der hiesigen Verwaltungsstelle der Gewerkschaft beteiligt waren, 6000 M. Aus- gaben für Streikunterstützung erfordert hat, wovon 2S00 M. an Unorganisierte gezahlt wurden. Die Vertrauensmänner-Konferenz hatte zunächst beabsichtigt, die Einführung eines obligatori- schen Extrabeitrages von 60 Pf, loöchenrlich zu empfehlen; nach- dem nun aber bereits fast die Hälfte der Streikenden wieder Arbeit gefunden hat, entschied man sich für freiwillige Extrabeiträge. Dementsprechend beschloß auch die Versammlung, daß von einem obligatorischen Extrabeitrag mit Rücksicht auf die Thatsache, daß nur noch 8 Proz, der Mitglieder zu unterstützen sind, abgesehen werden soll, jedoch freiwillige Extrabeiträge eingeführt werden. deren Höhe den einzelnen Mitgliedern überlassen wird. Die Ver- sammlung erwartet, daß bei 24 M. Wochenlohn 50 Pf,, bei höheren Wochenverdiensten 1 M, Extrasteucr wöchentlich gezahlt wird. Diese freiwilligen Beiträge werden durch Extramarken in den Mitglieds- büchern quittiert.— Ferner beschloß die Versammlung einstimmig, daß in Zukunft an Unorganisierte keine Streik- unter st ützung mehr gezahlt werden soll, nachdem der letzte Streik wiederum bewiesen hat. daß derartige Unterstützungen im allgemeinen als weggeworfenes Geld anzusehen sind. Wie der Kassierer mitteilte und wie von andren Rednern bestätigt wurde, haben die Vorgänge während und nach der Unterstützungsauszahlung gezeigt, daß ein großer Teil der Unorganisierten nach Empfang der Wohlthaten der Organisation jederzeit zu Verräterdienstcn gegen die Organisierten bereit war. Sodann gab der Kassierer W i e s n e r eine Erklärung ab, die sich auf die bekannte, im Verlage des Gewerkvereins der Maschinen- bau- und Metallarbeiter erschienene Broschüre:„Zur Abwehr" be- zog, in der auf Seite 28 erwähnt wird, er habe in einer Kranken- kassen-Mitgliederversammlung in der„Ressource" gesagt:„Die Siaiten liegen jetzt offen; es hat sich gezeigt, daß die Leiter des (Metallarbeiter-) Verbandes zur Alleinherrschaft gelangen wollen." Dieser Ausspruch, erklärte der Redner, sei richtig wiedergegeben, Es wird jedoch weiter behauptet und durch fetten Druck hervor- gehoben, er habe gesagt:„Ein Mann wie Cohen, der wie Judas an seinen Kollegen handelt, der mit oder ohne Wissen an den Unternehmersekretär alle Abmachungen während des Gürtlerstreiks hinterbracht hat, ist nicht wert, als Kollege behandelt zu werden." Diese Aeußerung erklärte Wiesncr weder der Form noch dem Sinne nach gethan zu haben, was von ein- Ivandfreien Zeugen bestätigt werde. Die Ver- antwortung, die in der Broschüre ihm zugeschoben wird, hätten lediglich die Herausgeber und Vcrfasier der Broschüre zu tragen. In der Sitzung der Charlottenburger Gewerkschaftskommission vom 30, Mai referierte zunächst Genosse Hirsch über die Er- richtung eines Ledigenheims in Charlotten bürg, Das Ledigenheim soll auf einem der Stadt gehörigen Grnndstück in der Nehringstratze erbaut werden. Es soll Raum für 340 Betten enthalten. Nach dem Kostenanschlag beträgt der Preis pro Bett und Nacht 30 Pf, oder pro Mjonat 9 M. Das Heim wird von der Stadt erbaut und soll an einen zu diesem Zwecke gegründeten Verein, der für seine Unterhaltung Sorge zu tragen hat, vermietet lverden, Mitglied kann jeder gegen einen Jahresbeitrag von 6 M. oder gegen einen einmaligen Beitrag von 100 M. werden. Zu den Vor- Verhandlungen waren auch Socialdemokraten hinzugezogen, und im Vorstand ist unsre Stadtverordnetenfraktion durch Genossen Hirsch vertreten. Im Einverständnis mit andern Vorstandsmitgliedern be- zeichnete Hirsch die Mitarbeiterschaft der Arbeiterklasse Charlotten- burgs an dem Unternehmen als wünschenswert. Die Arbeiter sollen zu Vorstandssitzungen hinzugezogen werden, um eventuell aus ihrer praktischen Erfahrung heraus Vorschläge zu machen. In der Diskussion äußerten zwei Genossen verschiedene Bedenken, waren aber im Princip mit sämtlichen andren Rednern einverstanden, an dem Bau dieses Ledigenheims nach besten Kräften mitzuwirken. Als Vertreter wurden dann die Genossen F e n s k e, I o st und U ck o gewählt. Darauf sprach Genosse B a a k c über das Charlotten- burger Volkshaus. Er schilderte zuerst die Not, die wir vor Jahren mit den Versammlungslokalen hatten, und betonte die Pflicht, das eigne Heim, das die Arbeiterklasse nunmehr besitzt, zu unterstützen und zu seiner Erhaltung beizutragen. Es käme in der Hauptsache darauf an, 5000 M. jährlich von dem Rcstkaufgeld abzuzahlen. Da das Haus selbst nur etwa 2000 M, Ueberschuß liefert, so forderte Genosse Baake die Gewerkschaften auf,„jährlich pro Kopf und Mitglied 40 Pf, zu Gunsten des Voltshauses zur Ver- sügung zu stellen". An der Debatte, die eine sehr rege war, be- teiligten sich auch die Vorstände der Gewerkschaften, die spcciell hierzu geladen waren. Der Antrag Baake wurde einstimmig Angenommen, linker Punkt Verschiedenes machte Genosse Steinigt einige Mitteilungen, Aus der Ersatztvahl für die Volkshauskommission ging Genosse Melchert hervor, Genosse Mit ä(Tischler) stellte den Antrag, eine Protejtversamnilung über das Verhalten des Vorfitzenden des Gewerbegerichts, Herrn Assessor Walger, während der Verhandlung der streikenden Tischler vor dem Gewerbegericht, einzuberufen. Auf Antrag des Genossen Müller tvurde derselbe dem Ausschuß zwecks Sammlung und Prüfung des Materials überwiesen. Rummelsburg. Der Wahlvcreiu hielt am 7. d, M, eine öffcnt- liche Versammlung ab, in der Rcichstags-Abgeordneter Molkenbuhr über die innere und äußere Politik sprach. Ausgehend von der Zeit, als Deutschland noch ein reiner Agrarstaat war, schilderte Redner die Entwickelung zum Industriestaat, Er ging ferner auf die dadurch bedingte Umwandlung unsrer Freihandelspolitik zur Schutzzollpolitik über. Durch die riesenhafte Entivickelung der Industrie war Deutschland gezwungen, Absatzgebiete für seine industriellen Erzeugnisse zu suchen, dagegen aber landwirtschaftliche Produkte einzuführen, Jetzt trafen die Interessen der Agrarier und Industriellen, die sich bisher stets diametral gegenüberstanden, zusammen. Dies war der Grund zum Uebergang zur Kolonialpolitik. Durch Einführung der Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse und Steigerung der dadurch bedingten Preise über den Welrhandclspreis stieg die Grundrente in demselben Maße; dies mußte aber auf die Industrie rück- wirken. Nach der Schilderung der Einwirkungen dieser wirtschaftlichen Aenderuugen auf die ganze innere Politik ging Redner zur äußeren Politik über und schilderte die Entwicklung der Kolonial- und Weltmachts- Politik, Nach einer Aufforderung an die Anwesenden, die Politik der Socialdemokratie, welche der der besitzenden Klasse einen Damm entgegensetzen solle, zu unterstützen, schloß der mit reichem Beifall aufgenommene Vortrag,— Da eine Diskussion über diesen Punkt nicht beliebt wurde, forderte Genosse Berger die Anwesenden auf, sich dem socialdcmokratischen Wahlverein anzu- schließen,— Hierauf gab Prüfer seinen Bericht als Vertrauensmann. Abgehalten wurden sechs öffentliche Versammlungen, zur Verbreitung gelangten 20 000 Flugblätter. Einer Einnahme von 776,14 M. steht eine Ausgabe von 678,53 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 97,61 M, vorhanden ist. Wilhelmsruh. Hier tagte am Sonntag, den 29. Mai, die Generalversammlung des Wahlvereins. Zum 1, Punkt erstattete der Vorsitzende Genosse K l u ß m a n n den Bericht für die Zeit des Be- stchens des Wahlvereins(vom 15. Oktober 1903 bis 26. Mai 1904). Aus dem Bericht war zu ersehen, daß der Wahlverein seit seinem Bestehen eine rege Thätigkeit entfaltete und au Mitgliederzahl stark zugenommen hat. Am 15, Oktober 1903 waren 34 Mitglieder vor- Händen, eingetreten sind bis 29, Mai 1904 61 Mitglieder, mithin augenblicklicher Bestand 92 Mitglieder, Der Vorsitzende sprach sein Bedauern darüber aus, daß die hier am Orte wohnenden Buchdrucker und Schriftsetzer dem Wahlvercin immer noch fernstehen. An Ver- sammlungen fanden statt: 1 Generalversammlung, 7 Mitglieder- Versammlungen, 8 Volksversammlungen, 20 Diskutierabende: 12 Vorstandssitzungen, 2 Agitationstouren nach Zehlendorf- Schmachtenhagen, Flugblätter wurden 9300 Stück verteilt. Die Beteiligung an der Landtagswahl war eine sehr rege, I» der dritten Abteilung erhielten die beiden Wahlmänner, die Genossen Lück und Lenz, je 130 Stimmen, In der zweiten Abteilung vereinigten die Wahlmänner 11 Stimmen auf sich. In der Gemeinderatswahl er- hielt unser Genosse Haschet 90 Stimmen, während der bürgerliche Kandidat 4 Stimmen mehr erhielt und somit siegte. An Zeiffchristen wurde die„Neue Zeit" gehalten. Zum erstenmal war es uns in unserm Orte möglich, eine Maifeier zu veranstalten,— Genosse Eigenbrodt erstattete den Kassenbericht. Er ergab eine Ein- nähme von 201,87 M., dem gegenüber stand eine Ausgabe von 162,39 M., bleibt ein Bestand von 39,48 M, Dem Kassierer wurde Decharge erteilt. Die Bibliothek hat einen Bestand von 87 Büchern, Hierauf wurde die Bestätigung der Funktionäre vorgenommen, und wurde, da der Kassierer, Genosse Spitzler, sich in einer Heilstätte befindet, Genosse Eigenbrodt als Stellvertreter ernannt; Genosse Keller als Beitragssammler, die Genossen Giese. Reusch und v, d. Wiesch als Revisoren, die Genossen Kuntzsch, Broß und Kalinowski als Abteilungsführer gewählt. Vermifcktes. Unter falschem Verdacht. Die Ursache des tragischen Endes der Familie Buseke zu Hamburg, worüber wir gestern berichteten, scheint durch ein Verhör aufgeklärt zu sein. Im Sep- tember v, I, wurde gegen einen Reisenden, Adolf Paradies, bei dem falsche Geldstücke gefunden wurden, eine Untersuchung eingeleitet wegen Falschmünzerei. Dabei wurde ein Briefwechsel zwischen dem Photographen Buseke und Paradies gefunden, dessen Inhalt ziemlich verdächtig erschien, Paradies gab an, daß die Geldstücke von Buseke herrührten, und daß dieser über deren Herkunft Aufschluß geben könnte, Buseke gab aber an, daß er mit Paradies zwecks Vertriebs von Bildern in geschäftlicher BeziefaOg gestanden habe, und daß der Inhalt der Briefe sich lediglich ans diese bezogen habe. Anfänglich war der Antrag, Buseke in Haft zu nehmen, abgelehnt worden; schließlich wurde er doch verhaftet, worauf dann das traurige Familiendrama sich vollzog. Bufeke, an sich ein sehr aufgeregter Mann, beging im Justizgebäude Selbstmord: er hat Chankali ein- genommen. Seine Familie, seine Frau, ein 5 Jahre und ein 15 Monate altes Kind sowie seine Mutter nahmen Chankali und wurden tot aufgefunden. Als nun Mittwochmorgen Paradies vor den Untersuchungsrichter geführt und ihm der Selbstmord des Buseke mit seiner Familie mitgeteilt wurde, brach er. wie vom Schlage ge- rührt, leichenblaß zusammen und gestand, daß Puseke an der Falsch- münzersache gänzlich schuldlos sei; er habe die belastenden Aussagen nur gemacht, um den Verdacht von sich abzulenken, Danach hat der Paradies mit seiner falschen Anschuldigung den Tod von fünf blühenden Menschen auf dem Gewissen. Die Kunde von der Unschuld des Photographcn Buseke erregte natürlich in Hamburg allgemein Aufsehen und Mitleid, Selbstmord eines Angeklagten. Einen tragischen Ausgang hat in D a r m st a d t ein Schwurgerichts-Prozeß genommen, der dort gegen einen des Raubmordes beschuldigten Slrbeiter Rothcrniel verhandelt wurde. Der Angeklagte hat in der vorletzten Nacht in der Gefängniszelle Selbstmord durch Erhängen verübt. Man fand ihn morgens tot auf. Auf den Fußboden der Zelle hatte er mit einem Stück Kreide niedergeschrieben, daß er unschuldig sei,—> Der Angeklagte bestritt in der gestrigen Verhandlung seine Schuld, doch waren die Aussagen sämtlicher Sachverständigen schwer gravierend. Ter Gerichtschemikcr Popp-Frankfurt stellte fest, daß das Blei in der Wunde des Ermordeten chemisch übereinstimmte mit einem Bleirohr in Rothermcls Wohnung, sowie daß einige blutige Handabdrücke die- selben Kapillarien wie die Finger des Angeklagten zeigten. Zu dem Unwetter in Frankreich berichtet der Telegraph aus Le Wans: Durch das vorgestrige Unwetter ist der untere Teil der Ortschaft Mamers fast vollständig zerstört worden. Der Schaden wird auf über 1 Million Frank geschätzt, 400 Personen sind obdachlos._ Briefbaften der Redabtion. C. X. Freiburg. Ganz selbstverständlich. Jedenfalls giebt cS dabei kein gesetzliches Hindernis,— L. Caprivistraste. Der Brand in der Schinkestraße zu Rixdorf war am 23, Mai 1886,— M. BS. 23. Nein, — Im Baterhause. Frau Minna Kautsly schätzt noch immer in voller Rüstigkeit und unverwüstlicher Frische; sie ist nicht die Schwester, sondern die Mutter von Karl Kautskh, Hervorzubeben unter ihren ganz trctzlichcn belletristischen Derlen sind z, B,:„Helene",„Viktoria",„Die Alten und die Neuen" usw. Der vorzügliche Roma»„Stefan vom Grillenhos" ist in der Buchhandlung Vorwärts gebunden für 3 M,, früher 6,S0 M, zu habe».— 10«. Wette, Absolut unmöglich,— 9« W. Wir können Ihrem Wunsche, nicht nachkommen.— Zchönebcrg. Südwest,— Rixdors. — R. IV. Nein,— Sch. 16. Petersburg.— 1. Wenden Sie sich an Herrn Eugen SimanowSki, Engel-User 15, Ziinmcr 37, 2. Die Simultanschule ist die gememsame Schule, in der die Schüler verschiedener Konsessionen getrennt von einander Religionsunterricht erhalten,— simultan oder auch wohl simultanisch bedeutet gleichzeitig, gcmcinschastlich,— M. Z. Löwestratzc,— Das erfahren Sie vielleicht durch das Bureau der Arbeiter< Bgngciiolsenlchajt„Paradies", hier, Kottbufer Ufer 44,— Seehandlnng. Nein, eigne Wertpapiere nicht,— R. R. SaJ — L. B. 100. Wenden Sie sich schriftlich an die Oberpostdirektion in Berlin O, 2,— Machen Sic in Ihrem Gesuch aus die lange und schwere Dienstzeit Ihres Herrn Vaters aufmerksam,— Krupp. DaS erfahren Sie bei dem Portier einer solchen Schule, ES fehlt die Zeitungsquittung,— London. 1. Friedensstärke des deutschen stehenden Heeres rund 010 990 Mann. 2, Zweijährige Dienstzeit sür die Infanterie, 3, Die Mannschaften lverden ausgehoben, nicht ausgelost,— P. D. Nein,— B. W. 1. Nicht möglich, 2. Ja. 3. Niemals,— 31. B. Nein,— V. M. Rostockerstratze. 1, Schuldcputation, 2, Magistrat, 3, Stadtverordneten« Versammlung, Stadtverordneter Singer,— G. N. 1. 1999, 2. Möglich. — Japan. Slbivartcn! Langsam, aber furchtbar treffsicher,— dars als Devise der japanischen Kriegsoperationcn gelten. jfunlrilcker Cell. Tie juristische Sprechstimde findet täglich mitZluSnahme de? EounavettdS vo» 7'lt bis O'/s Uhr abends statt, vlciifinet: 7 Übt. — Dreimal abgetaufter Heide. Soweit Ihre lange Darstellung er« kennen läßt, sind Sie ein Opfer Ihres leichtsinnigen Vertrauens zu dem holländischen Werber geworden, Sie sind Preuße geblieben und haben keineswegs nötig, sich naturalisieren zu lassen, ES scheint aber der Werber Ihre Papiere, die Sie ihm leider zukommen ließen, einem andren gegen Geld übergeben zu haben, der dann aus der Staatsanhörigkeit ausgetreten und aus Ihren Namen eine Reihe böser Dinge verübt haben mag. Wollen Sie die Sachlage klarstellen, so beantragen Sic unter Darlegimg des Thal« bestandcS Ihnen denrfStaatsangehörigkcitSausweis zu erteilen,— L. I. Ja. — Strafe 22. Voraussichtlich wird, falls Sie beweisen können, daß lediglich Fahrlässigkeit vorlag, wegen des Vorfalls selbst nichts unternommen werden. Wegen des Sträubens mitzugehen, wird wohl Anklage wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt erhoben werden, Sie erhallen in einiger Zeit die Anklage, Notwendig ist ein Anwalt nicht, wohl aber zweckmäßig, daß Sic sich fosort nach Empfang der Slnklage an einen Anwalt wenden, � — H. Nk. Sie können Vorlegung einer■ schriftlichen Vollmacht des HauS» Wirts verlangen,— M. K. 1ÖO. Das Armenrecht suchen Sic beim Land» gericht nach, Sie berufen sich daraus, daß Ihrem Mündel bereits sür die erste Instanz das Arnienrecht bewilligt war, fügen eine Urtelsabschrist bei und legen dar, mit welchen Gründen und Beweismitteln Sie dies Urteil anfechten wollen,— H. R. Die Beantwortung hängt davon ab, ob Ihre Tochter endgültig(sest) engagiert war oder ob ihr nur ein festes Engage» mcnt in Aussicht gestellt war. Liegt, wie nach Ihrer Darstellung an- ziliichmcii ist, letzteres vor, so besteht sür Ihre Tochter keinerlei Anspruch. — Frau(£•., Zorndorferstratze. Nein.— F. 2. Als Betriebsunsall ist ein Unsall, der auf dcni Wege zur Arbeit durch Ausspringen aus einen in Bewegung bcsindlichen Eiscnbahnzug Hcrbeigejührt ist, aus zwei Gründen nicht zu erachte», Uusällc, die aus dem Wege von oder zur Arbeit statt- finocn, rechnen i» der Regel nicht als Betriebsunsällc, Selbst wenn aber eine Ausnahme vorliegt, setzt sich ein Arbeiter durch das Ausspringen außer- halb des Betriebes, Die Krankenkasse hat aber nicht nur sür 13, sondern sür 26 Wochen auszukommen, Waren Sie während 26 Wochen ununterbrochen crwcrbSunsähig, so steht Ihnen dann ein Anspruch aus Invalidenrente zu. — M. H.» Zehlendors. Es ist unmöglich, Ihnen im Brieskasten die ge- samten Grundzüge des Erbrechts darzulegen. Schildern Sie Ihren Fall lwann und wo ist der Tod eingetreten?> liegt ein Testament vor?, welche Verwandte sind vorhanden?, wo war die Ehe geschlossen?) und kuüpsen Sie dieser Schilderung Ihre Frage an,— Zlllerburg. Nein: Selbstbeköstigung giebt es im Zuchthaus nicht. Für Logis, Kost und Bedienung wird wie für den'Aüseüthalt im Gefängnis oder in der Hast sür den Tag 89 Ps. in Preußen berechnet,— O. H., Cftarlottcnvurg. Sie köimen sich wegen der Höhe der Alimente vergleichen. Der Vergleich bedarf der Bestäiigung deZ Vormundes und Vornmndschastsgerichtcs, Klagckosten sind hoch und überflüssig. — 31. Ja. Auswartcsraucn sind versicherungspflichtig, wenn sie in einem daucciiden Dienstverhältnis zu einem oder mehreren Arbeitgebern stehen. Das ist der Fall, ivcnn eine Auswärterin täglich einige Stunden Dienste bcrrichtck,—' F. K. Städtisches Gesinde ist in Berlin nicht kranken- versichcrungsp stich lig, kann aber(aus eigne Kosten) der Gemeinde- Versicherung beitreten,— H. 54. Körperliche Fehler, die zur Untauglichkcitserklärung sühren können,— N.-Zchöuhauseil. Nein. — Ni. S. 155. 1. Die Behörde kann Ihren Bruder unter Berücksichtigung per Verhältnisse srei lassen: daß sie es thun tvird, ist sehr unwahrscheinlich. 2, Die Armenkommission hat unter Berücksichtigung aller Umstände, daZ Notdürftigste zu gewähren. Daß ein Abzug jtattsiuden wird, ist unwahr- schemlich.— 5>. K. G. 909. Ob die Marktplatzreinigungssrau Ihres Orte» invalidenversicherungSpslichtig ist, kann streitig sein. Entscheidend ist, ob sie noch andern(versichcrungspslichtigen) Beschäftigungen nachging und ob die Reinigungsärbeit die erste in der Woche war. Nicht auSgefchlossen ist es auch, oaß die VersichcruugSpflicht als ausgeschlossen zu erachten ist, well die Frau die dem öffentlichen Wohl dienende Arbeit als selbständige Unter- nehmerin übernommen halte: ob das der Fall, hängt untern anderm vom Wortlaut des uns nicht bekannten Vertrages ab. War sie versicherungs» pstichtig, so hatte die Gemeinde zu kleben. Zum Nachkleben kann nur für die letzten beiden Jahre angehalten werden, Wohl aber kann aus der Unterlassung der Klebepflicht ein Schadensersatzanspruch gegen die Gemeinde oder den verantwortlichen Beamten hergeleitet werden. Die Frau soll sich mit dem Antrag aus Nachtleben an die untere Verwaltungsbehörde wenden, dies ist in Ihrem Fall, da G, keine Stadt ist, der Landrat. Gegen dessen Bescheid ist Beschwerde an den Regierungspräsidenten zulässig. Dessen Eni- scheid ist endgültig. Ueber den Erfolg des Antrags setzen Sie uns wohl feiner Zeit in Kenntnis.— Johanna. Gerichtstratze. Wenden Sie sich an die, Innung: gesetzlich ist die Arbeitszeit nur durch die Sonntagsverordnuugcn begrenzt,— W. W. Ja,— F. D. Nein. - M. 3l. 1. Nein. 2. Ja,- F. W. 99, Spandau 7, 3l. B. 365. Die Ausnahme kann stattfinden, ein Recht aus Ausnahme besteht nicht,— S. 21. 1, Ja, 2, Nein, Das ist nicht gültig,— W. H. 31. Die Offenbachcr Krankenkasse wird Ihrem Zweck entsprechen,— Steuerführer» Sie müsicn nachzähle»,— G. Dt. 80. Sie können einen Antrag auf, Erlaß der Steuer mit Rücksicht aus die Krankheit an die Steuerdeputation richten,— O. T. M. Mit einer Ehescheidungsklage würden Sie schwerlich Epsolg haben.— W. 3l. 9. Ihrer Angabe ist nicht zu entnehmen, daß die Ställe den baupolizeilichen Vorschrijlen nicht entsprechen. Die zur Eni» scheiduug hierüber zuständige Behörde ist die Polizei, Wegen des Ihnen gemachten Versprechens können Sie gegen Ihren jetzigen Wirt klagen. — 3t. D. Mit der Beschaffung von Z a h n g e b i s i e n für Kassenkranke verhält es sich nach der Rechtsprechung wie solgt, Kassen können in ihrem Statut sestsetzen, unter allen Umständen ein nötiges Gebiß dem Kranken zu liefern, Fehl! solche ausdrückliche Bestimmung, so hat die Kasse nur danu nach dem Gesetz und der Rechtsprechung die Pflicht ein Gebiß zu liefen,, wenn es Bruchbändern oder Brillen im Preise ähnlich ist. Für Berlin wird von der Rechtsprechung angenommen, solche Achnlichkeit bestehe, wenn der Preis etwa bis 29 oder 25 Mark zu stehen kommt. Die Landes« Versicherungsanstalt hat das Recht(nicht die Pflicht) Gebisse auch ohne Rücksicht aus den Preis zu liesern, wenn z, B, die Lieferung die Erwerbs- sähigkcit erhöht oder Invalidität(z, B, durch Magenleiden herbeiführt) vor- beugt. Liegen solche Voraussetzungen bei Ihnen vor, so lassen Sie sich diese bescheinigen und richten abermals ein Gesuch an die Versicherungsanstalt. 3t. B. L. 16. Zurückerstattung findet nicht statt,— Chorin. Ist Ihr Schwiegervater in der Zeit zwischen dem 1, und 7, August 1834 geboren, so hat er 533 Marken nachzuweisen, um Altersrente zu erlangen. Das Geklebte genügt also, Ist er später geboren, so muß sür jede vom 7. August ab lausende Woche je eine Marke zugerechnet werden. Klebt er inzwischen noch, so erhöht sich die Rente. Ist die Rente festgesetzt, so teilen Sie uns dann den Fcststelluiigsbcscheid mit, ivcnn Sic wissen wollen, ob die festgesetzte Rente richtig berechnet ist,— 100. Ja. — Beritas. In Nr, 12l finden Sie die Antwort: Zweifellos ist der Mann, der in Kenntnis seiner Krankheit mit Ihrer Verwandten verkehrt hat, civilrechtlich und strafrechtlich voll verantwortlich, DerStrafanlrag ist unter Darlegung des Sachverhalts an die StaatSanwaltschast des Gerichts zn richten, in dessen Bezirk der Mann wohnt. Bezieht sich die Antwort nicht auf Ihre Frage, so wiederholen Sie diescle unter Beifügung einer Chiffre, Eine Antwort unter BeritaS(Veteranen bezüglich) finden Sie bereits in Nr, 118.— E. L. 10. 1. Eine bestimmte Maximalzeit ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Wenden«ie sich eventuell an den Gcwerbc-Jnspcktor. 2, Nein, nur wenn ihm Fahrlässigkeit nachgewiesen wird,— Frahm. Sie könnten aus dem dem Wechsel zu Grunde liegenden Geschäft klagen, falls die Forderung aus diesem Geschäft noch nicht verjährt ist. Ein Darlehen wäre »och nicht verjährt,— Friedrich M. Die Beschwerde können Sie an den LandgerichtSpräsidenten in Bartenstein richten, Witterungsübersicht vom 9. Juni 1904, morgens 8»Hr. Staftonen LS .1 S Welle, Swincinde. 762 N Hamburg l 762! ONO Berlin 76, I NO Franks a,M,! 757-NO München>758 Still Wie»|7ö7M 2wolkig 3woirig 4 wolkcnl 3bcdcckt — bedeckt I bedeckt ISK c% 9 II s? a& Staftonen Ö C .5— ta«■ aparanda eterSburg Cork ?lberdcen Paris Wno 756 tRO 768 NNO 756MNO Wetter 4 bedeckt wolftg 3 wolkig Äbedeckt vi« 9 II if «fo 7 9 11 10 Wetter-Prognose für Freitag, den 10. Juni 1904. Ziemlich kühl bei mäßigen nordöstlichen Winden und veränderlicher Be» wölknng, keine erheblichen Niederschläge, Berliner Aclierbureait PROSPEKT. Grosse Berliner Ntrassenbahn (früher Crosse Berliner Pferde-Eisenbahn-Aktien-Gesellschaft). M. 14297400 neue auf den Inhaber lautende Aktien, No. 114237—126149 ä 1200 M. und No. 126 ISO ä 1800 M. Die Aktien-Gesellschaft„Große Berliner Straßenbahn" firmierte früher„Große Berliner Pferde- Eisenbahn-Llktien- Gesellschaft". Letztere wurde am 8. November 1871 begründet und unterm 11. November 1871 in das Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Berlin eingetragen. Die Firmenänderung in„Große Berliner Straßenbahn" erfolgte auf Grund des Beschlusses der außerordentlichen Generalversammlung vom 25. Januar 1398 und wurde am 11. Februar 1898 dt daS Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Berlin eingetragen. Die Große Berliner Straßenbahn hat ihren Sitz in Berlin. Die Dauer der Gesellschaft ist statutarisch nicht beschränkt; Zweck derselben ist der Bau, die Ausrüstung, der Erwerb und Batrieb von Straßenbahnen in und um Berlin behufs Beförderung von Personen und Gütern. Das Grundkapital der Gesellschaft betrug ursprünglich 1500 090 M., wurde im Jahre 1873 auf 3 000 000 M., im Jahre 1871 auf 6 000 000 M., im Jahre 1875 auf 9 000 000 M., im Jahre 1876 auf 12 000 000 M., im Jahre 1381 auf 17 100 000 M., im Jahre 1891 auf 21375 000 M., im Jahre 1898 auf 11250 000 M., im Jahre 1899 auf 68 625 000 M., im Jahre 1901 auf 85 785 000 M. erhöht. Zum Zwecke der Beschaffung von Betriebsmitteln, zu Bauausführungen usw. hat die ordentliche Generalversammlung vom 12. März 1901 beschlossen, das Grundkapital der Gesellschaft um den Betrag von 11297 100 M. durch Ausgabe von 11913 Inhaberaktien zu je 1200 M. und 1 Inhaberaktie zu 1800 M. zu erhöhen, welche vom 1. Januar 1901 ab an der Dividende teilnehmen und im übrigen den alten Aktien gleichgestellt sind. Dieser Beschlutz ist zusammen mit der Durchführung der Erhöhung des Kapitals am 15. April 1901 in das Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Berlin I ein- getragen worden.' Den Gesamtbetrag der neuen Aktftn in Höhe von 11 297 100 M. hat die Dresdner Bank zu 103 0/o mit der Verpflichtung gezeichnet, dieselben durch die Große Berliner Straßenbahn den Aktionären derselben zu den in der Generalversammlung vom 12. März 1901 festgesetzten Bedingungen zum Bezüge zum Kurse von 103olo anbieten zu lassen. Das Agio von 3% dient zur Bestreitung der Kosten für den Reichsstempel. Druck der Aktien, für Eintragungen usw. Dieses Angebot ist durch öffentliche Bekanntmachung vom 18. April 1901 in den statutenmäßigen Blättern erfolgt. Bei der Ausübung des Bezugsrechtes sind 25°/,, des Nennwertes der neuen Aktien und das Aufgeld von 3°/, mit zusammen 28"/o— 336 M. für jede neue Aktie über 1200 M. sowie 4% Zinsen vom 1. Januar 1904 ab bis zum Zahlungstage bar eingezahlt worden. An derselben Stelle, bei welcher das Bezugsrecht ausgeübt wurde, sind weitere je 25%, des Nennwertes am 1. Juli, 1. Oktober und 31. Dezember 1901 nebst 4%, Zinsen ab 1. Januar 1901 einzuzahlen, doch ist vom ersten Einzahlungstermine an eine frühere Einzahllmg einzelner oder der sämtlichen später fällig werdenden Raten jederzeit zulässig. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Die Auszahlung der Dividende erfolgt in Berlin bei den durch die statutenmäßigen Blätter bekannt zu machenden Etnlösungsstellen. An den Einlösungsstellen erfolgt auch ohne Kosten für die Aktionäre die Ausgabe neuer Dividendenscheinbogen. die Ausübung etwaiger Bezngsrechte und die Niederlegung der Aktien für die Generalversammlung. Dividendenscheine verjähren innerhalb 4 Jahren nach Ablauf desjenigen Kalenderjahres, in welchem sie fällig geworden find. Der Abschluß der Jahresrechuung, die Aufstellung der Inventur und Bilanz, sowie die Ermittelung des Reingewinnes des verflossenen Geschäftsjahres findet nach kaustnännischen Grundsätzen und nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches per 31. Dezember jeden Jahres statt. Von dem Reingewinn entfallen: a) 5% an den Reservefonds bis derselbe 10°% des Aktienkapitals erreicht hat, von welchem Zeitpunkt ihn» nur noch die Zinsen aus seinen Anlagen zuwachsen. b) 6% an die Direktion und Gesellschaftsbeamte zusammengenommen, o) 4°% Vor-Dividende auf das gesamte dividendenberechtigte Aktienkapital, ck) 5% des hiernach verbleibenden Ueberschusses an den Aufsichtsrat. Der ferner lt. Generalversammlungsbeschluß zur Verteilung kommende Ueberschuß wird, inioloeir derselbe nicht vertragsmäßig der Stadtgemeinde Berlin zusteht, als weitere Dividende gleichmäßig verteilt. Jede Aktie zu 300 M. gewährt 1 Stimme, jede Aftie über 1200 M. 4 Stimmen, jede Aktie zu 1300 M. 6 Stimmen. Die Bilanz des Geschäftsjahres 1903 nebst Gewinn- und Verlust-Conto stellt sich ivie folgt: Grosse Berliner Strassenbahn. Bilanz am 31. Dezember 1003___ Aktiva. An Conto: Bau deS Gesamt-Bahukörpers: Belastung am 1. Januar IgOZ.......... M. 52180 828,11 Wschreibung 1902............... 535 000,— Hierzu Ausgaben in 1903................... Conto: Bau sämtl. Bahnhöfe u. Werkstätten: Belastung am t. Januar 1903.......... M. 24 075 212,40 Abschreibung 1902.............. 215 000,— Hierzu Slus gaben in 1903................... • Wagen-Couto: Belastung am 1. Januar 1903.......... M. 29 218 694,68 Wschreibung 1902............... 300 000,— Hierzu Ausgaben in 1903................... Abschreibungen') Maschinen-Couto.. Wschreibung.. Mobilien-Conto.. Wschreibung.. Utensilien-Conto.. Pfcrde-Conto... Geschirre-Conto. Bekleidnngen-Conto Wschreibung.. Jnvcnturen.Conto: Bestände an Baumaterialien'........... „ Betricbsmaterialien und Futter...... „ WerkstattSmaterialien und Wagen-Reserveteile. „ Conto-Corrcnt-Conto: Verschiedene Guthaben............ „ Caffa-Conto: Bar am 31. Dezember 1903.............. „ Conto: Kautionen bei Behörden: Bei denselben hinterlegte Effekten.... Effekten- und Doknmente-Conto:") Effekten- und Hypothekenbestände der Gesellschaft als Anlage des Reservefonds............. und des Bahnkörper-AmortisationSsonds.............. Effekten des Beamten-Unterstützungssonds............. Effekten des Beamtcn-Kautionssonds............... Nicht begebene 3flzproz. Obligationen.............. «pro,.„.............. Summe... *) Außerdem sind noch abgeschrieben für 1903 aus Bahnkörper, Bahnhöfe, Werkstätten GesellschaftSbeamten sind an Kautionen hinterlegt 535 810,55 M. Berlin, den 15. Februar 1904. M. 51 645 828 1 206 387 68 Pf 11 23 830 212 226 432 28 918 694 1 553 204 SS M. 52 852 215 24 056 644 30 471 899 107 380 759 1 150 000 Pj 79 69 4> 244 105 21410 17 07849 17 07749 315 945 315 944 798 527 247 264 850 213 3 782 115 16 450 583 22 372 268 637 313 000— 380 000- M. Pf 106 230 759 48 219 694 66 1 896 034 67 8 446 628 47 19 175;27 645 013 06 21206 707 80 138 664 018141 und Wagen 200 000 M.. Passiva. Aus Aktien-Kapital-Conto............. „ S'/j'/o Obligat.-Kapital-Conto.......... Hierzu die noch nicht begebenen Obligationen s..... , 4°/„ Obligat.-Kapital-Conto........... Hierzu die noch nicht begebenen Obligationen..... „ Hypotheken-Couto............... „ Dividenden-Eonto: Noch unbehobene Dividende... „ 1°/„ Obligationcn-Uuslosnngs-Eonto l: Noch unbehobene verloste und gekündigte Obligationen I. Ausgabe und Obligationenzinsen....... „ ü'U'L Obligationcn-AnslosungS-Conto: Noch unbehobene verloste Obligationen und Obligationenzinsen.. . Obligat.-Zinsen-Cto.: Zinsen p. 1. Okt.— 31. Dez. 03 „ Reservefonds-Conto.............. , Bahnkörpcr-Amortisationsfonds-Conto...... Hierzu Abschreibungen aus Bahnkörper, Bahnhöse, Werk- statten und Wagen sür 1903.......... „ Bcamten-Unterftnbungsfonds-Conto....... „ Beamten-Kaiitionen-Conto........... „ Conto-Correut-Couto: Wersch. Gläubig, u. Bar-Kautionen , Erneilerungsfonds-Conto I: a) Vortrag aus 1902....... 2 593 627,36 M. b) Einnahmen aus altem Material.. 113 925,50, c) Zuschuß aus den Betriebs-Einnahmen nach s 39 des Statuts..... 1 200 000,—„ Davon 1903 verausgabt............ „ Erneuerungsfonds-Couto II: Zuweisung aus 1903.............. , Gewiii»- und Berluft-Conto: Verteilung: 1. 5% an den gesetzlichen Reservefonds....... 2. statutenm. Tank, an Direkt, u. Gesellschaftsbeamte 5 3. 4 0/0 Divid. an die Aktion, aus 85 785 000 M. Akt.-.Kap. 4. statutenm. Tant. an d. AussichtSr. 5'l0 d. verbleib. Restes 5. weitere 4(mithin 8°/,) an die Aktionäre aus daS bezeichnete Aktien-Kapital........... 6. Anteil der Stadtacmeinde Berlin........ Borwag aus neue Rechnung........... Summe welche dem Bahnkörper-AmortisationSsonds überwiesen sind.— Die Direktion: vr. Micke, v. Kühleweln. **) Seiten« der Lieseranten und Koedler. Marhold. Gewinn- und Verlust-Conto am ZI. Dezember 1903. Soll. An HYPotheken-Zinsen-Conto: Gezahlte Hypothekenzinsen in 1903............ »«V/o Obligationen-Zinsen-Conto: Gezahlte und sällige Obligationen-Zinsen...... Zinsen aus die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1903 von 8380 500M. 3fl,% Obligationen „ 4°/, Obligationen-Zinsen-Conto:....................... „ Conto: Bau des Gesaint-Bahnkörpers, Grundstücke- und Gcbäude-Conto und Wagen- Conto: Abschreibungen......................... . Bahnkörpcr-Amorttsationsfonds-Conto: Demselben überwiesene Abschreibung aus Bahnkörper, Bahnhöse und Wagen......................... „ Maschinen-Conto; Abschreibung....................... , Mobilien-Conto: Wschreibung bis aus 1 M.................... , Bekleidnngen-Conto: Abschreibung bis auf 1 M.................. „ Vertragsmäßige Abgaben an die Gemeinde»................. , ErneuernngsfondS-Conto I; Zuschuß aus den Betriebseinnahmen nach§ 39 des Statuts.. „ ErneuerungSfondS-Conto II: Zuweisung aus 1903................ „ Saldo: Reingewinn............................. Berlin, den 15. Februar 1901. summe Haben. Aus Gewinn- und Berlust-Conto: Gewinn-Vortrag aus 1902............ , Jutereffeu-Conto: Eingenommene Zinsen und Kursgewinne abzüglich Pro- Visionen................. „ Bctricbö-Conto sämtlicher Linien: Die Einnahmen beWagen............ . Ausgaben„............ Bleibt Ueberschuß».. Summe Die Direktion: vr. Micke, von Kühleweln. Koehier. Marhold. nonr 6 600 000 M. Aktien der Westlichen Berliner Vorortbahn, nom. 1 500 000 M. M. 29 52t 179 15 905 587 Ps M. iPs 27 366 516 562 13 615 591 14 159 521 75 19 93 17 Aktien der Südlichen Berliner Vorortbahn, nom. 5 223 600 M. Aktien der Berlin-Charlottcnburger Swaßenbahn und 275 000 M. erststelligen Hypotheken. Die Brutto-Elimahmen der Westlichen Berliner Vorortbahn betrugen im Bewiebsjahre 1 816 196,49 M., die Betriebsausgaben 1 332 301,92 M.. so daß sich ein Betriebsllberschuß von 481 191,57 M. ergieibt. Nachdem aus den Betriebsüberschüssen die Zinsen für das aufgewendete Barkapital gezahlt und die Abschreibungen berücksichtigt worden find, schließt das Jahr 1903 nach Tilgung des Berlustvorwages aus 1902 in Höhe von 60 091,20 M. mit einem Gewinn von 8 788,48 M. ab. Die Betriebsergebnisse der Südlichen Berliner Vorortbahn und der Berlin-Charlottenburger Swaßenbahn haben sich im Jahre 1903 gegenüber dem Vorjahre ebenfalls gebessert, doch beide schließen nach angemessenen Abschreibungen mit einer geringeren Unterbilanz ab. ES wurden für die Jahre 1899 auf das Kapital von 41 250 000 M. lOVa%, für 1900 auf daS Kapital von 45 750 000 M. 11%, für 1901 und 1902 auf das Kapital von 68 625 000 M. bezw. 85 785 000 M. 7>/2 0/0 und für 1903 auf letzteres Kapital 8®/p Dividende gezahlt. Die"Einnahmen aus der Personenbeförderung während der ersten 5 Monate des Jahres 1904 vom 1. Januar bis 31. Mai beWagen 12 631 909,63 M. gegen 11 667 808,45 M. in derselben Zeit des Vorjahres. Die Hhpothekenschulden der Gesellschaft betragen z. Z. 1 811 000 M. Von den Hypotheken sind insgesamt 1 211 000 M. in, Besitze der Gesellschaft. Die hiernach verbleibenden 600 000 M. lasten auf Grundstück Leipzigerplatz Nr. 14, verzinslich mit 3Vz°/g, unkündbar bis 1. Oktober 1909, von da ab kündbar mit 6monatlicher Kündigung zum 1. April und 1. Oktober jeden Jahres. Die un, laufenden Obligationen der Großen Berliner Straßenbahn, die mit 3>/z% p. a. in halbjährlichen Terminen, am 1. April und 1. Oktober, verzinst werden, betragen zur Zeit, einschließlich noch unbegebener 318 000 M. Obligationen, noch 8 693 500 M. Diese 3 Vz°/» Obligattonen unterliegen einer regelmäßigen Auslosung, die mit dem Jahre 1895 begonnen hat und Ende des JahreS 1911 beendet fein wird. Der Großen Berliner Swaßenbahn bleibt vorbehalten, vom 1. April 1901 ab die Tilgung der Obligattonen durch verstärtte Auslosung zu beschleunigen solvie die Anleihe ganz oder teilweise zu kündigen. Von den von der Neuen Berliner Pferdebahn-Gesellfchaft übernommenen Obligattonen befinden sich z. Z-, einschließlich noch unbegebener 380 000 M. Obligationen, noch 1668 000 M. in Umlauf, welche mit 1"L p. a. in halbjährlichen Ter», inen zum 1. Januar und 1. Juli verzinst werden und ebenfalls der Auslosung unterliegen, die mW dem Jahre 1911 beendet sein muß. Die Kündigung dieser Obligationen kann jederzeit mit önwnatlicher Frist erfolgen. Der Aufsichtsrat besteht je nach Besttnimung der Generalversammlung aus 9 bis 15 Mitglieder»! die Mitglieder werden in der Generalversammlung auf 4 Jahre gewählt. Gegenwärtig besteht der Aufsichtsrat aus folgenden 15 Mitgliedern: Geheimer Kommerzienrat Eduard Aruhold als Vorsitzender. Generalkonsul Hermann Kreismann als stellvertretender Vorfitzender, Eisenbahn-Bauunternehiner Herrmann Bachstein, Stadtältester Friedrich Bail, Bankier Albert Blaschke, Bantter Ludwig Born, Kommerzienrat Konsul E. Gutmann, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrat, Ministerialdnektor a. D. Joseph Höter, Kommerzienrat Wilhelm Kopetzky, Geheimer Baurat Alfred Lent. Kommerzienrat Isidor Loewe, Richard Michelet, Wirklicher Geheimer Rat, Ministerialdirektor a. D., Excellenz Hermann Möllhausen, Bankier Sigismund Samuel, Regierungsrat a. D. Siegftied Samuel, sänttlich in Berlin bezw. Charlottenburg. Die Direktion wird durch den Aufsichtsrat gewählt und besteht z. Z. aus Bttnisterialdirektor a. D. Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrat Dr. Paul Micke in Charlottenburg. Regiermigsrat a. D. Carl v. Kühlewein in Berlin, Regierungsrat a. D. Gustav Koehler in Charlottenburg, Königl. Eisenbahn-Bau- und Bewiebs-Jnspektor a. D. Moriz Marhold in Schöneberg als Direttoren und Ober-Jngenieur Siegftied Peiser in Schöneberg als stellverwetender Direktor. Berlin, im Juni 1901. Grosse Berliner Strnssenbahn. Dr. Micke. von Kühlewein. Auf Grund des vorstehenden Prospektes sind M. 11297100 neue auf den Inhaber lautende Aktien Nr. 111237—126119 ä 1200 M. und Nr. 126150 ä 1800 M. der Großen Berliner Straßenbahn sftüher Große Berliner Pferde-Eisenbahn-Attien-Gesellschaft) zum Handel an der Berliner Börse zugelassen Worden. Berlin, im Juni 1901. Dresdner Bank. Bank für Handel nnd Industrie. Direktion der Disconto-Gesellsehaft. A. SehaalThansen'sclier Bankverein. S. Bleichröder. Born& Busse. Jacqnicr A Secnrins. VerantW. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verla»: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. M. 21. Jahrgang. 3. KnlUt ks Jotmätls" öttlintt ilolbblott. Freitag, 10. Inn! 190i 8. Generalversammlung der Hutarbeiter Deutschlands. Dresden, den 8. Juni. Dritter Sitzungstag. In der Statutenberatung wird fortgefahren. Die Debatte dreht sich hauptsächlich um innere Vereinsangelegenheiten. Lebhaft wird die Diskussion erst bei Besprechung eines von der Filiale Dresden gestellten Antrages auf Anstellung eines weiteren besoldeten Beamten. Dadurch soll die Agitation und die Pflege der Statistik in höherem Maße ermöglicht werden als bisher. Der Vorstand hat es jedoch mit der Neuanstellung nicht eilig. Soweit der neue Beamte zur Agitation frei sein solle, müsse, so entgegnet der Vorstand, gesagt iverden, dah die Mitglieder in dieser Richtung die Hilfe des Vor- standes bisher so gut wie nicht verlangt hätten. Es würde also der betreffende Beamte thatlos dasitze»?. Erst müßten die Mitglieder selber für die Agitation Interesse zeige»?, nur dan»? köi?ne vom Vor- stand aus mit Erfolg eingesetzt werden. Einen weiteren Antrag, den jetzt bestehenden Vereinsausschuß, der neben der Kontrollkommission besteht, durch eine Erweiterung des Vorstandes um sechs Mitglieder zu ersetzen, wird voin Vorstand willkommen geheiße»?, ebenso der Antrag, daß die Filialleiter als Entschädigung eine»? höheren Prozent- satz von den Einnahme»? erhalten<5 Proz.). Die Diskussion zeigt, daß ein eigeirtlicher Meinungsunterschied nur in der Frage der Anstellung eines zlveiten Beamten besteht. Bon einen? Befürworter der Anstellung wird ein recht interessantes Llrgument vorgeführt. Es habe sich gezeigt, daß der Verein iin Gegensatz zu den Erfahrungen andrer Gewerkschaften an Mit- gliedern zunehme bei schlechtem Geschäftsgai?ge und daß er bei gutem Geschäftsgänge stagiriere. Das beweise, daß die Mitglieder in ihrer großen Masse nur»vege»? der Unterstützung Mitglieder des Vereins seien, also dessen wichtigste Aufgaben noch gar nicht ver- ständen. Bei dem ausgeprägten Unterstützllngswese»?, das der Verein pflege, sei das zwar erklärlich, es führe aber dazu, daß von einer Vertieftlng des eigentlichen Gewerkschaftszieles im Verein nichts zu finden sei. Um d?esen Schlendria»? z»? beseitige»?, sei eine verstärkte Centralverwaltung erforderlich, die in der Lage sei, die geeigi?ete>? Mittel und Wege zu suchen, den nötigen Umschwung durchzuführen. Dieser Al?sicht wird vom Vorstande nicht widersprochen, nur bleibt dieser dabei, daß man erst die Agitationsbezirke aktionsfähig machen müsse. Vom Genossen H. Borgmann erhalten wir folgende Er- klärring: In Nr. 182 des„Vorwärts" befindet sich ein Bericht über die Generalversarnmlung der Hutarbeiter in Dresden. In diesem Bericht wird gesagt, daß ich dem Verein eine Summe von 10 000 M. schulde. Diese Mitteilung entspricht nicht den Thatsachen. Ich habe an den genani?ten Verein keine persönliche Sch?ild, sondern auf den Grundstücken, welche ich als Liquidator der Firma Deutsche Hutfabrik. Berlin, Borgmaiu? u. Schierjott verwalte, hat der Verein seit sieben Jahren eine Hypothek von 10 000 M., welche mit 5 Proz. verzinslich bis 1900 feststeht. Die Zinsen sind stets pünktlich bezahlt, mit einer einzigen Ausnahme, und zivar aus besttnnnten Gründen. H. Borgmann. 14. Verbandstag des Tentralverbandes deutscher Krauerei-Arbtiter. Frankfurt a. M., Mittwoch, 3. Juni 1901. est«" Nach einer gestern abend abgehaltene»? Vorfeier wurde»? heute die Verhandlungen eröffnet. Zullächst konstatiert der Vorsitzende H o d a p p, daß die Hamburger Delegierten ihr Nichterscheinen mit dem dortige»? Bierkrieg?lnd der dadurch verursachte»? Arbeitslast schriftlich entschuldigt haben. Es wird telegraphisch ei» Ersatzinairn einberufen. Die Diäte»? werden auf 12 M. täglich festgesetzt. So- dann erstattet der Centralvorsitzeirde Bauer- Hannover den Rechenschaftsbericht, Ivobei er sich auf den gedruckt vorliegenden Bericht beruft, den wir in seinen Hauptzügen bereits publizierten. Der Redner tritt für BeitragSerhöhrmgen ei»?. Die Delegierten dürfen, äußert er, nicht die Beitragserhöhung mit gebundenen Händen ablehnen, sondern müssen rechtzeitig für Munitio»? sorgen I Auch die Arbeiten dieses Verbandstages müisen darauf zugeschnitten sein, de»? Scharfmacher»? in? Gelverbe erfolgreich entgegenzutreten. Nach Schluß des Berichts sind 1100 Brauerei-Arbeiter in Hamburg durch die Provokatton des Unternehinerttlms in den Kampf gettieben »vorden während der Unterhandlungen Ivegen des Tarifabschlusses. Dabei hat nian versucht, den ArbeitSnachlveis an sich zu reißen und proponiert Lohnsätze, die gegenüber den Abinachui?gen von 1900 eine Verschlechterung bis zu 5 M. wöchentlich bedeuten. Demgegenüber konnte»? die Arbeiter nicht niehr zurückgehalten werden. Die Unter- nehmer verstehen es gründlich, zu provozieren, sobald sie die Ge- legenheit für ihre Zwecke günstig halten. Von Frankfurt und Dort- mrind wird in diese»» Kampfe scharf gemacht, der uns zeigt, wessen »vir llns seitens der Brauherren und des soirstigen Unternehiner- klüngels zu versehen haben. Hoffentlich fallen die Beschlüsse des Verbandstages zuin Segen der Organisation aus I Hauptkassierer K a g e r l- Hannover verlveist lediglich auf die Ziffern des Kasseirberichtes, die wir gleichfalls in ihren Haupt- Positionen gebracht haben.— H o d a p p berichtet daran airschließend an die kurz vor dem Verbandstage stattgefunde>?e Kassenrevision, konstatiert die vollkommene Uebereinsttninrung aller Details in Büchern und Kasse und beantragt, den? Kassierer Decharge zu er- teilen. Auch der Redakteur der„Brauer-Zeitung", Krieg- Hannover, verweist auf den gedruckten Bericht. In der Diskussioir tadelt T r ö g e r- Berlin die zugeknöpfte Haltung des Hauptvorstandes beim Hamburger Konflikt. Die Mit- glieder hätten ausgiebiger über den Gang der Verhandlungen in- foriniert»verde»? solle»». Auch sonst habe der Vorstand nicht iminer ans der Höhe gestanden.— Alt- Mimchen wünscht eine Statistik über die Sonntagsarbeit in Brauereien nnd wüi»scht die Aus- gäbe von Sammellisten ftir die Hamburger.— I u r i ch- Köln niinmt den Vorstand gegen die Vorivürfe aus Berlin in Schutz. Bei dein Anwachsen der Organisation ist es geradezu ei»? Unding. daß eil?e einzelne Person alles bewältigen kann. Es ist notwendig, daraus die Lehre zu ziehen»md den Apparat zu vergrößern.— An der weiteren Debatte beteiligten sich u. a. Hoffmann-Nürnberg, Amborn-Erfurt, Wittich-Frai»kfurt, Goller- Kulmbach, Brand-Hannover, Schreinbs-Münchei», Barkert-Gera. Man ist fast durchweg gegen Samn»ellistei» und wünscht die Heran- ziehung der Gesamtheit durch Ausschreibung von Extrasteuern bezw. durch Steuererhöhlmg.— In seinen? Schlußlvort»veist Bauer be- züglich der Hamburger Belvcginig darauf hin, daß man bis z»im letzten Augenblick glaubte, ohne Streik auszukoimnen. Hätte in letzter Minute der Vorstand dort wieder gebremst, so würden die Hamburger Kollegen alles ZuKauen zuin Verbände verloren haben. He?ite nun solle der Schiedsspruch des Hainburger Gewerbegerichts als Einiguiigsamt p»ibliziert»verde» und diesen müsse man abwarte»?, ehe»nan weitere Schritte unternehme»? könne. Folgende Resolutton, die vom Antragsteller befürwortet war, wurde e?nstimmig angenommen: „Der heute?n Frankfurt a. M. zusammengettetene Delegierten- tag des Cenkalverbandes deutscher Brauereiarbeiter spricht den durch die Provokatton der Unteri»eh>»ier in den Kampf getriebenen Hamburger Kollegen seine volle Sympathie a»ls. Tröger-Berlin." Femer wird dem Kassierer ftir seine Amtsfiihmng Decharge erteilt.! Zu Pui»kt 3: Bericht des Ausschusses, berichtet Richter- Berlin. Zu einer Differenz mit den angestellten Beamten kam eS wegen Untcrzeichirung des Anstellungsvertrages, die verweigert lvurde und bis heute nicht erfolgt ist. Auch bezüglich der Ausführung des Be- schlusses der letzten Generalversanrnilung in Hamburg bekeffend die Anstellung eines vierten Beamten ii»? Hauptburea»? ist es zu einer Differenz zivische»? Ausschuß und Vorstand gekoinmen. An den Bericht knüpft sich eine temperainentvolle Debatte, in welcher die anwesende»? Mitglieder des Ausschusses darauf dringen, daß die Verbairdstags-Beschlüsse seitens des Vorstandes prompt zur Ausführung gelange»». Man habe den Vertrag aufgestellt ohne Zu- ziehung der bekeffenden Beamte»?. Dies tvird bestritte»? unter Hinweis auf eine kombinierte Sitzung zwischen Vorstand und Ausschuß. Beschlüsse werden nicht gefaßt. Bauer- Hannover erstattet sodann vor Eintritt der Mtttags- pause noch den Bericht der Rechtsschutzkommission, der eine ganze Reihe von Einzelfälle»? ohne öffentliches Interesse berührt. Den größten Teil der Nachmittags- Sitzung füllt die Diskussion über den Bericht der Mandatsprüfungskommisston aus. Diese beantragt nämlich, die Mandate von Brandt-Hannover und Thicrer-Stuttgart für ungültig zu erklären. In beiden Fälle»? handelt es sich um rein persönliche Motive, die jedoch in beiden Orten zieinlich erregte Sttn?mui?g erzeugte»?. Unter Hinweis auf die Anträge des Hanptvorstandes betreffs Beitragserhöhung und An- stellung besoldeter Gauvorsteher bildeten sich in Hannover zlvei Parteien, von denen eine dafür, die andre dagegen war, und ihre Wortführer»varen zugleich die Kandidaten zun? Verbandstage. Die Art und Weise der Agitation der Kaudidate»?(es ist von jeder Partei einer ans den? Verbandstage erschienen) bildete hauptsächlich das Thema der ziemlich unerquicklichen Debatte, die nur insofern prakttschen Wert hatte, als sie den Wunsch nach Abänderung des Wahlrcglements laut»verde»» ließ. Nach Lb�stündiger Debatte wird schließlich das Mandat aus Hannover gegen eine ziemliche Minorität und das Stuttgarter Mandat mit großer Majorität für gültig erklärt._ Reinickendorf. Sonntagvormittag II1/, Uhr im Schutzenhaujc (Gebr. Leder), Rcsidenzstr. 1J2: Ocffentliche Versammlung sämtlicher Krankcnkasscn-Mitglieder Reinickendorfs. Tagcsordnimg: 1. Vortrag über: Die Verwaltung der Krankenkasse im Lichte der modernen Arbeiter- belvegung. Rescrent: Herr Albert Kohn, GeschästSsührer der Kausmäninschen Orts-Krankcnkasse Berlins. 2. Bericht über die Generalversairnnlung der hiesigen Orts-Krankenkasse vom»7. Mai d. I. Reserent: August Bolz- Reinickendors. Kassenvorstand und Aerzte sind eingeladen. ES ist erwünscht, sür den Besuch dieser Versammlung recht rege zu agitieren. __ Das Agitationskomitee. Marktpreise von Berlin am 8. Juni 1901 " Kartoffeln, neue D.-lltr. Rindfleisch, Keule 1 1cx do. Bauch« Schtveiiiefleisch, Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier SO Stück Karpfen 1 kg Aale Zander, Hechte Barsche. Schleie, Bleie Krebse per Schock * ab Bahn, f frei Wage» und ab Bah»».' 7.00 1,80 1,10 1,60 1,80 1,80 2.00 3,00 2.00 2,80 3,00 2,10 2,00 3,00 1,10 10,00 b.00 1,20 UO 1,00 1,20 1,20 2,00 2,10 1,10 1,10 1,20 1,00 0,80 1,10 0,80 3.00 Nachdem die Firma Ernst Keil's Nachfolger G. m. b. Ä., deren siimtliche Anteilscheine seit Beginn dieses Jahres in unserem Besitz sind, gegen Zahlung einer Abfindungssumme den bis zum Ende des Lahres 1907 laufenden Inseraten- Pachtvettrag der„Gartenlaube" von der Firma Rudolf Mvsse zurttckerworben hat, haben wir die alleinige flnzeigen-flnnahme«? Gartenlaube in allen ihren Ausgaben übernommen. Die Annahme der Anzeigen für die„Gartenlaube" erfolgt daher nicht mehr durch die Annoncenexpedition Rudolf Mosse. Die„Gartenlaube" ist als vorzügliches Infertionsorgan seit Iahren bekannt. Ihre Gesamtauflage bettägt zur Zeit 222,500 Exemplare. Insertions-Aufträge werden von unserem Zentralbureau und allen unseren Berliner bezw. auswärtigen Filialen entgegengenommen. Berlin SW, Zimmerftta»» J7/11. Qlt/fiitoi fft August Schert. % Achtung, Bäckerstreik! Folgende Bäckermeister haben die Bewilligung der Forderungen zurückgezogen: Moabit. B Rllkki, Smbenevftv. 50. Th. Neumann. Oldenburgerstr. 13. P. Warzynack. Lehrtersie. 31. lhelmshavencrstr.39. Rud. Giesliiann. Oldenburgerstr. 8. G. Klimpke, Ouitzowstr. 125. 0«t«n: