Nr. 136. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Bellage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. BostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Stolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 12. Juni 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der internationale Frauenbund und seine Fortschritt: es ist zweifellos, daß allein die Ueberbrückung nationaler erst recht Straft und Bewußtsein des großen Bieles. Je ärger es Bedeutung für die Frauenbewegung. ihre Vertreterinnen hätten nach dieser Rede ihren Austritt aus dem Bunde erklären müssen. Daß es dergleichen nicht giebt, daß die liberale Seite der Frauenbewegung ebensowenig Rückgrat hat, wie der Liberalismus überhaupt, dafür sprechen noch andre Thatsachen: nicht nur gesellschaftsfähig, auch hoffähig sind die Nachfolgerinnen der französischen Revolution, der amerikanischen Sklavenbefreier geworden. Sie werden von den höchsten Vertretern der deutschen Regierung, die wie keine andre in der Welt eine ausgesprochene Feindin der Frauenbewegung ist, vom Grafen Bülow, vom Grafen Posadowsky, ja selbst von der Kaiserin empfangen werden, ohne zu empfinden, wie sie sich selbst dadurch ins Gesicht schlagen, ihre schönen Reden Lügen strafen, ihre Borkämpferinnen noch im Grabe beschimpfen. " Und wieder am 3. November 1900 sagte Freiherr v. Mirbach vor den Zimmerleuten beim Bau des Augustastifts, nachdem Lohndifferenzen beigelegt waren: in dem beschränkten Rahmen der bürgerlichen Welt indirekt auf den nicht zu mindern. Ja, in diesen Stürmen zeigte der Steuermann Grenzen den Blick erweitert, und daß die durch den internationalen wider ihn tobte, umso gewaltiger richtete er sich empor im Streit Verkehr erworbene Kenntnis der Zustände außerhalb des eignen gegen die bösen Mächte der Zeit. Just zu derselben Zeit, als über Es ist das größte Ruhmesblatt in der Geschichte der amerikanischen Vaterlandes aufklärend und befruchtend wirkt. Ein wie geringer Freiherrn v. Mirbach das Sanden- Unheil hereinbrach und als er zu Frauenbewegung, daß sie ihren Ursprung auf die Kämpfe um die Vorteil aber angesichts dieses ungeheueren Apparates eines inter- den Pommern flüchtete, erreichte die fromme Beredtsamkeit den Befreiung der Sklaven zurückführen kann. Angesichts der furchtbaren nationalen Bundes! Gipfel in der Nede gegen die gottlose Socialdemo= Leiden der schwarzen Menschenware fanden Frauen zuerst den Unfre Erörterung führt ohne weiteres für uns und die Inter- fratie und die streikenden Arbeiter. Am 23. Oftober 1900 Mut, in öffentlichen Versammlungen für diese Unglücklichen eins effen der Frauenbewegung in unserm Sinn zu dem Resultat, daß fagte er bei der Eröffnung eines Gebetsaales in Potsdam: zutreten. Und es gehörte physischer Mut dazu: Der Pöbel warf ein Anschluß an irgend welchen nationalen und internationalen Frauen„ Es sei dringend nötig, daß man lerne Gott fürchten, die mit Steinen nach den Rednerinnen und schleifte ihre Namen durch bund für die socialistische Frauenwelt eine Unmöglichkeit ist, ja einen Brüder lieb haben und den König ehren. Namentlich für die den Schmutz der Verleumdung. Als dann der Sieg errungen war Rückschritt für sie bedeuten würde. Wer das bisher nicht eingesehen hat, und die Ketten der Sklaven zerbrochen am Boden lagen, trat der den wird die Tagung des Bundes und sein öffentliches Auftreten in Arbeiterivelt sei dies dringend nötig. Die dämonischen und guten Gewalten im Voltsleben spiken sich immer mehr zu und erste Frauenkongreß zusammen und neben Elisabeth Cady Stanton, Berlin davon überzeugen müssen: Mrs. May Wright Sewall, seine auch nach Potsdam wären, namentlich von Berlin aus, die Wellendie die politische Gleichberechtigung der Frauen forderte, stand als Präsidentin, die die erste sein müßte, politische und religiöse schläge des Umsturzes getragen worden." ihr erster männlicher Mitkämpfer, Frederick Douglas, ein befreiter Neutralität zu wahren, ohne die er vollkommen in sich zusammenSklave. fallen muß, tonnte es nicht unterlassen, ihre erste öffentliche Rede Im Laufe der nächsten vierzig Jahre schritt die amerikanische mit einer Glorifizierung der deutschen Kaiserin einzuleiten, das Frauenbewegung in zäher Arbeit auf allen Gebieten, kraft des ihr tägliche Gebet für eine notwendige und wesentliche Hilfe zur innewohnenden revolutionären Geistes, von Sieg zu Sieg. Wer Förderung der Bundesarbeit zu erklären und den revolutionären ,, Leute, es freut mich, daß die Sache mit Eurer Sperre in Ordnung ist. Ich weiß auch, daß Ihr verführt seid von ganz heute die Verhandlungen des ersten internationalen Frauenkongresses Geist der Frauenbewegung abzusprechen und zu verleugnen. Gäbe in Washington im Jahre 1888 lieft, die die Geschichte der amerikanischen es eine radikal- demokratische Frauenbewegung von einigem Charakter, gewiffenlosen Hetzern, die Euch und Eure Familie ins Unglück stürzen wollen und von Euren Groschen leben, die Ihr ihnen Frauenbewegung bis dahin am deutlichsten kennzeichnen, der empfindet opfert. Es haben sich die Streiflüste aus Berlin hier eingeschlichen diesen Geist, der damals noch der herrschende war. Wir stimmen alle in unser friedliches Potsdam. Geht heraus aus Eurem darin überein," sagte die Präsidentin jenes Kongresses, Elisabeth Verband, welcher ja doch kein gewerkschaftlicher Verband ist, Cady Stanton, daß nur ein solches politisches System das richtige sein kann, das die Wohlfahrt der Klasse des Voltes sichert, und wir sondern nur ein socialdemokratischer, und gerade die Social. demokraten, diese Rhinozerosse, haben Euch vers würden daher nur für solche Gefeße stimmen, die die Interessen der führt.... Und von Euch freut es mich( nach der Seite der Bielen fördern, im Gegensatz zu den Interessen der Wenigen."" Die Arbeitswilligen), daß Ihr stand gehalten habt gegenüber diesen in der Verbindung der Ritter der Arbeit organisierten armen Handda, und ich verspreche Euch, daß, so lange die Kaiserin baut, arbeiter", erklärte die Delegierte dieses damals mächtigen Verbandes, werden stets die Unorganisierten beschäftigt werden; so, nun geht ,, haben längst erkannt, was unsre Gesetzgeber, unsre Prediger, unsre Presse und arbeitet in Ruhe und Frieden miteinander." trot jahrzehntelanger Agitation nicht anerkennen wollen: die volle Gleich Als dann Freiherr v. Mirbach im berechtigung des weiblichen Geschlechts auf allen Gebieten." Und der der Generalversammlung des Kirchenbauvereins die Aufgabe Januar 1901 auf russische Revolutionär, Peter Krapotkin, schrieb ihnen:„ Nachdem ihr die hatte, über die traurigen Vorkommnisse im verBorkämpfer einer großen Sache gewesen seid, kann es jemals ge- Einst stand der durch ihren Opfermut befreite Sllave neben der gangenen Jahre in einzelnen Berliner Banken" zu berichten, da schehen, daß ihr auf der Seite moderner Stlavenhalter steht, die die um ihre Rechte kämpfenden Frau; heute beugt diese Frau den Nacken leistete er dies wiederum mit großer Macht des Wortes. Da Sklaven der Neuzeit zu Tode hetzen?... Die Befreiung der Frau vor denen, die über ihrem Geschlecht wie über den modernen sprach er die Ueberzeugung aus, daß die Sanden und Schmidt, könnt ihr nur dann erreichen, wenn ihr arbeitet für die Befreiung Sklaven der Arbeit die Peitsche schwingen. die Schatzmeister des Kirchenbaues, das allgemeine Vertrauen und der Menschheit." Es wäre traurig bestellt um die Frauenbewegung und die allgemeine Achtung, die sie besaßen", doch wirklich verdienen und Aber die Zeit verging, die Frauenbewegung wurde gesellschafts- ihre Zukunft, wenn nicht ein andrer Weltbund, dem gegen- daß erst abgewartet werden müsse, was die Untersuchung ergebe, fähig, wurde Mode in der neuen Welt. Auf dem zweiten inter- über die sieben Millionen Mitglieder des Frauenbundes nur ehe man sich entschließen dürfe, über diese Männer abzuurteilen. nationalen Frauenfongreß in Chicago im Jahre 1893 wehte wenig wie ein kleines Häuflein erscheinen, ihr wahrer Träger wäre: Da sprach er von" Satans Tücke, die sich mit doppelter Feindschaft von der alten stärkenden Lebensluft, und hier wurde der inter- die internationale Socialdemokratie. Gerade angesichts des Kongresses erhebt", vom„ Vordringen der Mächte der Finsternis", dem nationale Frauenbund, dessen Grundstein in Washington gelegt der internationalen bürgerlichen Frauenbewegung und all seiner worden war, ins Leben gerufen. Als sein Ziel bezeichnete er die kläglichen Begleiterscheinungen wird in der internationalen SocialZusammenfassung der gesamten organisierten Frauenbewegung, als das demokratie das Bewußtsein besonders lebendig, daß die Entwicklung Leitmotiv seiner Thätigkeit die goldene Regel":" Handle an andern wie auch dieser großen Kulturbewegung abhängig ist von ihr. Du willst, daß sie an Dir handeln." Es liegt auf der Hand, daß eine an sich sehr schön, aber der verschiedenartigsten Auslegung fähige ethische Vorschrift nicht die Grundlage und die Triebfeder kraftvoller Aftion sein fann. Sie fann sogar zu einem Hemmschuh werden, sobald sie dahin erläutert wird Ivie es im internationalen Frauenbunde geschieht- daß nur solche Arbeitsgebiete in Angriff genommen werden sollen, zu denen alle von Herzen" ihre Zustim mung geben; das heißt die Herrschaft der Rückständigsten denn das ist die Mehrheit der Frauen-in Bermanenz erklären. Die Thatsachen sprechen dafür: der Internationale Frauenbund, dessen Ahnfrau die Revolution, dessen Mutter die Stimmrechtsbewegung gewesen ist, hatte bis zu diesem Jahre nur ein Gebiet für seine Propaganda- die Friedensbewegung! Nun mag man zu dieser Frage selbst stehen wie man will, das eine ist zweifellos: Mit der Frauenfrage hat sie nicht das mindeste zu thun. Politifche Ueberlicht. Berlin, den 11. Juni. Der große Schweiger. .. Das Schweigen ist der Gott Der Glücklichen die engsten Bande find's, Die zartesten, die das Geheimnis stiftet! Schiller. " Excellenz Frhr. v. Mirbach schweigt. Jeden Morgen und jeden Abend ruft die Stimme der Deffentlichkeit: Es ist Pflicht zu reden! Aber Frhr. v. Mirbach schweigt. Gerüchte und Mutmaßungen gehen um, Conto K" ist das geflügelte Wort aller Welt, aber Frhr. v. Mirbach schweigt. Die bürgerliche Presse be Es muß daher als ein bemerkenswerter Fortschritt angesehen schwört ihn, zu sprechen, sie mahnt an das Heiligste, das Frhr. werden, wenn die Generalversammlung des Internationalen Bundes, v. Mirbach nächst Kirchenbauten tennt, an den Kampf gegen die die in vergangener Woche in Berlin getagt hat, endlich die Frauen- Socialdemokratie, der sonst unendlicher Agitationsstoff zufließe, frage selbst zum Programmpunkt erhob, indem sie die Bundes- aber Frhr. v. Mirbach schweigt. vereine zum Kampf gegen den Mädchenhandel und die Reglementierung der Prostitution verpflichtete, und eine Resolution zu Gunsten der politischen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts annahm. In Bezug auf diesen Punkt verdient die Haltung der deutschen Delegation besondere Anerkennung: fie erklärte durch ihre Vorsitzende, Frau Marie Stritt, daß der Kampf für die politische Gleichberechtigung der Frau für fie identisch sei mit dem Kampf für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht aller Männer und Frauen für alle gesetzgeberischen Körperschaften, und sie nur in diesem Sinne für die vorgelegte Form der Resolution eintreten könnten. Und doch, Frhr. v. Mirbach vermag zu reden. Schon im Januar 1897, als ein antisemitischer Redakteur wegen Beleidigung des Freiherrn v. Mirbach vor Gericht stand und der Freiherr als Zeuge auftrat, bewies er, daß er durchaus befähigt ist, vor Gericht ausführliche Darlegungen zu machen. Und wie edles Pathos hielt er damals schon bereif: „ Aber das Maß der Dreistigkeit, mit welcher man jetzt sogar schon Ihre Majestät die Kaiserin, die Hofdamen, den ganzen Hof zu verdächtigen und mit welcher man das hehre Kirchenbauwert, welches durch den Schutz des Kaisers und der Kaiserin und durch die Mitarbeit Tausender von treuen Evangelischen so Großes geleistet hat, in den Staub zu ziehen sucht, ist zu groß, als daß man nicht einmal das Schweigen brechen und der Frivolität öffentlich die Maske vom Gesicht reißen müßte." In der Erinnerung sind auch die frommen Palästina Der momentane propagandistische Wert solcher Resolutionen und Erklärungen ist nicht zu leugnen, wer sich aber die Zusammensetzung des internationalen Bundes und seiner nationalen Glieder, speciell des deutschen vorstellt, der die heterogensten Elemente enthält Wohlthätigkeitsvereine, Kinderkrippen, Kinderhorte, Flidschulen, Turnvereine und dergleichen mehr, neben Stimmrechts-, Sittlichkeits- und Re den vom Jahre 1897, die dann in dem von der Pommernbant Bildungsvereinen, der weiß auch ohne weiteres, daß von einer ausgehaltenen el einen Journal" zum ausführlichen Abdruck Aktion im Sinne der Resolutionen gar keine Rede sein kann. tamen. In demselben Kleinen Journal" fand sich am 2. Mai 1900 Wer hinten und vorn ein Pferd vor den Wagen spannt, ist eine weitere Probe umfassender Beredtsamkeit des Freiherrn. Mehr als ein Narr; jeder Schritt vorwärts, den die angespannte Straft zwei ganze Druckseiten erfüllt seine Rede auf der damaligen Generaldes einen Pferdes ermöglicht, wird einen Schritt rüdwärts, den versammlung des Evangelischen Kirchenbauvereins für Berlin, gedas Anzichen von der andren Seite zu Wege bringt, zur Folge haben. Ein kraftvolles einheitliches Vorwärtsschreiten ist nur möglich, wenn der Ausgangspunkt derselbe ist, wenn gleiche sociale und wirtschaftliche Interessen die Massen zusammenschweißen. Die Erfolg Losigkeit aller ausschließlich von rein ethischen Jdealen ausgehenden Bewegungen z. B. der Friedensbewegung und der ethischen Bewegung sprechen dafür. Wenn demnach auch irgendwelche positiven Fortschritte von dem internationalen Frauenbund nicht zu erwarten sind, so wirkt er doch sprochen im Landeshause der Provinz Brandenburg; da schilderte Frhr. v. Mirbach in glühenden Farben die Großthaten seines Stirchenbaues, da ließ er seine Rede in dem Wort gipfeln: " So ging es oft wie das Boot in den Meereswogen, bald ruhig und still, dann in Wind und Sturm auf und ab aber der Steuermann erreicht sein Ziel, wenn er es fest und zuversichtlich im Auge behält." Selbst finanzielle Schwierigteiten, die den Kirchen bau trafen, vermochten die Nedegabe und Redelust des Freiherrn " ein mächtiges Bollwerk den bon entgegenzustellen ist, Mächten des Haffes und der Lüge", von den schauerlichen Abgründen des großstädtischen Volkslebens, gegen die wir doch schließlich ohnmächtig sind, wenn nicht die Macht des Evangeliums das Panier wird, um welches sich alle Treuen scharen." Also redegewaltig war Frhr. v. Mirbach je und je. Und nun? Nun keinerlei Auskunft auf alle die Fragen und Vorwürfe, die aus der Aussage des Geheimrats Budde wider ihn erstanden sind! Nun auch keinerlei Antwort auf die Erklärung des einstigen Geldspenders, daß er stets das Vertrauen des Freiherrn besessen habe und Anspruch auf dieses Vertrauen noch jest erhebe! Ist es nicht ein Gebot frommer Nächstenliebe, den gegen schwere Anklage ringenden Bantfreunden mit tröstendem Wort des Vertrauens zur Seite zu stehen? Freiherr v. Mirbach schweigt!... An den schauerlichen Abgründen" der Bommernbanken hat der Freiherr gestanden und„ Satans Tücke" hatte ihn verführt, diese Abgründe unter dem Blumengewinde der Hofbaut" zu verdeden, so daß die Ahnungslosen kamen und jäh in den Abgrund stürzten.... Aber in Goethes Loge- Sprüchen wird gekündet: Auf Schweigen und Vertrauen Ist der Tempel aufgebaut. Wahlprüfungen und Petitionen. Ueber den ersten Teil seiner heutigen Tagesordnung, die Wahlprüfungen, kam der Reichstag sehr schnell hinweg. Die einzig strittige Wahl, die des Reichsparteilers b. Dirksen in Rottbus, bei der die Kommission Gültigkeitserklärung beantragte, wurde auf socialdemokratischen Antrag von der Tagesordnung abgefeßt, im übrigen wurde fast durchweg nach den Kommissionsbeschlüssen auf Gültigkeit oder Beweiserhebung erkannt. : Von den Petitionen famen zuerst die über Aenderung bezw. Aufhebung des Fleisch beschau Gesetzes zur Beratung. Von zwei verschiedenen Seiten waren zu diesem Gegenstand Petitionen eingegangen; von den Darm- Importeuren und Wursthändlern auf Milderung der Kontrolle bei eingeführten Därmen usw. und auf Aufhebung einiger Einfuhrverbote, von bayrischen Landgemeinden auf völlige Aufhebung der Bestimmungen des Fleischbeschau Gesetzes für das platte Land. Die Kommission hatte anerkannt, daß das FleischbeschauGesetz gewisse Härten für die Importeure enthielte und diese Petitionen der Regierung als Material überwiesen. Im Verlaufe der Beratung stellte der Centrumsabgeordnete v. Strombed den Antrag, sie zur Erwägung zu überweisen, der konservative Herr v. Staudy, über alle diese Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. Und wieder fiel das gesamte Centrum um und erklärte, ohne eine einzige Ausnahme für den Antrag Staudy stimmen zu wollen. Aber dazu kam es nicht, da der freisinnige Abg. Dr. Müller Sagan Absehung der Petition von der Tagesordnung verlangte. Die Mehrheitsparteien mußten sich dem fügen, da sonst eine Anzweiflung der Ve schlußfähigkeit der ganzen Sizung einen frühzeitigen Schluß für die Arbeitskammern, in Belgien und Frankreich haben die sich denn auch vernünftigerweise entschlossen, dem Spektakel fern zu bereitet hätte. Aus der Debatte sei zweierlei hervorgehoben: Handelsfrauen das aktive Wahlrecht für die Handelskammern, in bleiben. Der nationialliberale Abg. Held legte geradezu entzückende Italien haben sie das aktive und passive Wahlrecht für die Arbeits- Nach der französischen Automobil- Katastrophe erklärte die dortige Bekenntnisse einer schönen Seele ab. Er machte der Social- und die Landwirtschaftskammern, in Desterreich das aktive Wahlrecht Regierung, derartige Wettfahrten fünftig nicht zu dulden. Unfre demokratie einen Vorwurf daraus, daß sie beim Fleischbeschau- für die Getverbegerichte. preußische Regierung aber, die in jedem Streikposten eine Störung Gesetz das Interesse der Konsumenten in erster Linie berück In Deutschland aber, das, wie man sieht, so ziemlich hinter des öffentlichen Verkehrs sieht, scheint gegen diese Taunusfahrt keine sichtigt hätte. Seine Parteifreunde hätten es in erster Linie allen Ländern, außer vielleicht der Türkei, zurüd steht, erklärte Bedenken zu haben. Sie trifft denn auch die volle und bewußte als ein Gesetz zum Schutze der Landwirtschaft aufgefaßt. Ferner Graf Posadowsky im Namen der Regierung mit dem ganzen fürchter- Verantwortung für alle Folgen. erflärte er in seinem Eifer, höhere Viehzölle und Grenzsperre zu lichen Ernst, der solch einer welterschütternden Sache zukommt, daß Und die Presse, die über Frankreich so heftig schalt? Kein erlangen, daß die drei Millionen deutscher Kleinbauern nicht das Gesetz über die Kaufmannsgerichte fallen würde, wenn der Wort des Widerspruchs. Im Gegenteil: Specialberichterstatter, den mindesten Vorteil von hohen Getreidezöllen hätten, Reichstag das Frauen- Wahlrecht annimmt. Das passive Wahlrecht Karten, eingehende Schilderingen. Selbst die Demokratie feiert die daß diese sie vielmehr in ihrer Viehzucht nur schädigen könnten. ist dieser Drohung bereits geopfert worden, und das aktive, das Benzin- Seuche. Auch sie schlägt todesmutig ihre früher bethätigten Genosse Fischer Sachsen nagelte die Agrarier sofort auf diesmal noch zur Annahme gelangte, wird bei der dritten Lesung, Ueberzeugungen in die Schanze. diese Erklärungen fest; er zeigte, daß damit zwei viel wenn erst alle Schleppenträger der Regierung und Schützer deutscher angefeindete Ansichten unsrer Partei bewiesen seien, das Weiblichkeit zusammengetrommelt worden sind, ebenso im Orkus Argument, mit dem wir die höheren Getreidezölle im Zoll- verschwinden. = Der Fall Trotha. tarif bekämpft haben und die Behauptung, daß die Agrarier Wird der internationale Frauenkongreß, wird die deutsche beim Fleischbeschau- Gesetz nicht die Volksgesundheit, sondern bürgerliche Frauenbewegung sich trotz alledem vom Grafen Bojaihren Profit haben schüßen wollen. Vergeblich versuchten dowsky empfangen lassen und vor ihm kazbuckeln? Ober wird sie Graf Oriola und der Centrums Abgeordnete Erz- charaktervoll genug sein, angesichts dieser Schmach die Einladung des pieſer Schn berger Herrn Held herauszuhauen. Dieser suchte seinen Ministers abzulehnen? Merger über die unbequemen Enthüllungen dadurch zu besänftigen, daß er im Tone eines Kurrendeknaben, oder um Es gab nur zwei Möglichkeiten, nachdem die Zukunft" mitihn nicht durch diesen evangelischen Vergleich zu kränken, im Lone eines Ministranten Citate aus den Schippelschen Aufgeteilt hatte, daß Graf Bülow selbst das" Lokalanzeiger"-Telegramm fäken in der„ Chemnitzer Volksstimme" herbetete. Genoffe über die Demission Leutweins vor der Veröffentlichung gelesen habe. Thiele entgegnete ihm, daß, welches auch die handelspolitischen der Spitze des Blattes den Rücktritt des Reichskanzlers oder den Entweder mußte die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" heute an Auffassungen Schippels sein mögen, die Zöllner, diein der berüchtigten Dezembernacht den deutschen Zolltarif von 1902 zur Annahme brachten, sich nicht auf unfren Parteigenossen berufen könnten. Nach etlichem Herumgerede mußte selbst Herr Erzberger das zugeben. Auch die übrigen wichtigeren Petitionen wurden, da das Haus nur sehr schwach besetzt war, von der Tagesordnung abgesezt, so daß die Situng schon kurz nach 4 Uhr schloß. Auf der Tagesordnung der nächsten Sigung, die Dienstag 2 Uhr beginnt, steht vor allem die zweite Beratung der Entwürfe über den Bau der Kolonialbahnen in Togo und Dit Østafrifa.Preußisches Abgeordnetenhaus. Versuch einer Ableugnung publizieren. denn heute das Regierungsblatt, ohne die Quelle der abermals Man zieht einstweilen die zweite Möglichkeit vor. Und so„ stellt" aufgetauchten Behauptung anzugeben,„ nochmals feft": „ daß der Reichskanzler Graf v. Bülow von jener Depesche und ihrem Juhalte vor ihrer Veröffentlichung keinerlei Kenntnis gehabt hat." Das Dementi war eine Art Naturnotwendigkeit, es ist ein Erzeugnis politischer force majeure" und es ist deshalb auch dann entschuldbar, wenn es wider besseres Wissen Behauptungen aufstellen sollte. Wegen des gegen die ländlichen Arbeiter gerichteten preußischen Kontraktbruchsgesetzes hat die socialdemokratische Fraktion folgende Interpellation im Reichstag eingebracht: Seitens des Herrn Justizministers, des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und des Herrn Ministers des Innern des Bundesstaates Preußen ist am 6. Mai 1904 dent Preußischen Abgeordnetenhause ein„ Gefegentwurf, betreffend die Erschwerung des Vertragsbruchs landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes" vorgelegt worden. Da dieser Gesezentwurf im Widerspruch zu Vorschriften der Reichsgefeßgebung, insbesondere der Neichsverfassung, des Freizügigkeitsgesetzes, der GewerbeOrdnung, des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Strafgesetzbuchs Vorschläge enthält, welche landwirtschaftliche Arbeiter und Dienstboten, die vermeintlich einem Arbeitgeber zu landwirtschaftlicher Arbeit oder zum Gesindedienst noch verpflichtet sind, in Verruf zu erklären gewirtschaftlichen Arbeitern oder Dienstboten irgend einen eignet sind, diejenigen mit Strafe bedroht, welche mit solchen landDienstvertrag schließen oder für solche Arbeiter einen neuen Dienst vermitteln, und so Arbeitswillige hindern, in Arbeit zu treten, so fragen wir: was gedenkt der Herr Reichskanzler zu thun, um dem Bundesstaat Preußen gegenüber die Reichs- Gesetzgebung zur Geltung zu bringen?" Ausnahmepolitif. Die nationalliberale Landtags- Fraktion hat beschlossen, daß die Aufregung ihrer Parteigenossen über das liberalreaktionäre Schultompromiß nichts als ein Mißverständnis ist. Allseitig", schreibt die Nationalliberale Korrespondenz",„ wurde die Ueberzeugung ausgesprochen, es sei mißverständlich, went man in dem Antrage eine grundsätzliche Abkehr von der Simultanschule erblicke." Durch den Antrag sollten vielmehr die rechtlichen neuer Simultanſchulen möglich ist". Voraussetzungen festgelegt werden. unter denen... die Errichtung Niemand ist so naiv anzunehmen, daß der„ Lokal- Anzeiger" ohne Fühlung mit amtlichen Stellen derartige direkt Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Sonnabend gegen einen kaiserlichen Entschluß sich richtende Telegramme aufnehmen würde. Das Blatt hat denn auch am 11. Mai lediglich abgesehen von einigen fleineren Vorlagen in erster Lesung behauptet, daß das Telegramm„ seinen Weg direkt von der Redaktion mit den Gesetzentwurf auf Erhöhung des Grund in die Setzerei genommen hat, ohne daß irgend eine Stelle außer tapitals der Seehandlung. Dies staatliche Bank- unfrer Redaktion Gelegenheit zur Einwirkung hatte." Auf dem Wege institut, ein Ueberbleibsel aus der absolutistischen Zeit, paßt zwischen Nedaktion und Druckerei wird sicherlich niemand eingewirkt rechtlichen Voraussetzungen festgelegt werden". Die nationalliberale Graftion hat recht! Es sollen nur die in die heutigen Verfassungszustände nicht mehr hinein, es haben. Aber wer las das Telegramm, bevor es in die Redaktion diese rechtlichen Voraussetzungen? Was sind aber Darüber giebt der Wortlaut stärkt die ohnehin schon starte Position des Finanzministeriums fam. Oder rechnet vielleicht Herr Scherl den Grafen Bülowo oder der Kompromiß Resolution flare Auskunft: denn er besagt in gegenüber dem Barlament und kann in Konfliktszeiten dazu Mitglieder des Auswärtigen Amts zu seiner Redaktion, so Punft 2: dienen, daß die Regierung sich mit seiner Hilfe Mittel ver- daß der„ Lokal- Anzeiger" in der scheinbaren Ableugnung buchstäblich a) in der Regel sollen die Schüler einer Schule derselben schafft, die der Landtag nicht bewilligt. Im übrigen wird ja die Zukunft" antworten. Deutfches Reich. Gegen unvernünftige Kolonialpolitik gerichtet ist eine Resolution, welche die socialdemokratische Reichstagsfraktion zur zweiten Beratung des Gefezentwurfs betreffend Aufnahme einer Anleihe für Togo einbringt. Die Resolution besagt: Der Reichstag wolle beschließen: Allerdings liegt die Wahrheit gefagt hätte? die Möglichkeit, daß der Landtag in einen ernstlichen Konflikt mit der Regierung gelangen könnte, nicht gerade nahe. Es ist denn auch weit weniger diese Möglichfeit, als die Konkurrenz zwischen der Seehandlung und den Privatbanken, welche den Freifinn zur Ablehnung der Vorlage bestimmt. Das bewies deutlich der Abgeordnete Eugen Richter, der unter anderm erklärte:„ Ich halte die Erhöhung aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht für an gängig. Bei den Privatbanken soll die Kapitalserhöhung die Sicherheit feststellen, bei der Seehandlung spielt die Frage der Sicherheit keine Rolle. Der Staat haftet mit seinem ganzen Verinögen für alle Verbindlichkeiten der Seehandlung. Soweit es überhaupt Aufgabe des Staates ist, mit Privatbanken zu konkurrieren, fällt diese Aufgabe in erster Linie der Reichsbank zu. Es ist überaus bezeichnend, daß in der Begründung der Vorlage mit keiner Silbe die Rede ist von der Reichsbank( Sehr richtig! links), ebenjo wenig wie von der preußischen Central Genossenschaftskasse. Die Seehandlung hat in letzter Zeit günstigere Bedingungen gestellt für die Annahme verzinslicher Depositen und sie hat den Kontokorrentverkehr für das große Publikum erleichtert, sowie die Gebühren für Verwahrung von Wertpapieren herabgefeßt. Damit macht sie dem solidesten Geschäft der Banfiers auch in der Provinz empfindlichste Konkurrenz." T In Erwägung, daß im Togo- Gebiete der Verkauf von Land, das sich im Besitz der Eingeborenenstämme befindet, dem Gewohnheitsrecht der Eingeborenen widerspricht, in Erwägung ferner, daß der für die Ländereien der TogoLandgesellschaft den Häuptlingen gezahlte Kaufpreis nicht entfernt als Aequivalent für den Wert der Ländereien angesehen werden kann, in Erwägung schließlich, daß die Durchführung der Kaufverträge zahlreichen Eingeborenen die Existenzfrage untergraben und daher die Gefahr von Aufständen heraufbeschwören muß, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, er wolle die Ammullierung der dem Landerwerb der Logo- Landgesellschaft zu Grunde liegenden Kaufverträge und die Zurüdführung des Landes in den Stammesbefiz der Eingeborenen in die Wege leiten." Nach einer lahmen Entgegnung des Finanzministers und verschiedenen Befürwortungen der Vorlage durch Mitglieder der drei Mehrheitsparteien des Reichstages, die Konservativen, die Das Kartell gegen Kaufmannsgerichte. Die„ Socialpolitiker" der Rechten und des Centrums wurde die Vorlage an die Nationalliberalen und das Centrum haben zur dritten Lesung Budgetkommission verwiesen. Ihre Annahme unterliegt des Gesetzentwurfs betreffend Kaufmannsgerichte ihre in zweiter feinem Zweifel, da mit Ausnahme der Redner der freisinnigen Lesung gefallenen Verschlechterungsanträge von neuem Parteien alle Fraftionen dafür sind. Der frühere See- eingebracht. handlungs- Präsident Frhr. v. 3 edlig, der es für geschmackboll hielt, sich selbst für spätere Zeiten wieder als Leiter dieses Instituts in empfehlende Erinnerung zu bringen, ist jogar bereit, das Kapital gleich auf 150 Millionen zu erhöhen und den Kreis der Aufgaben der Seehandlung noch erheblich zu erweitern. Die Industrie des Halsbrechens. " Man " V Konfession angehören und von Lehrern ihrer Konfeffion unterrichtet werden. b) Ausnahmen sind nur aus besonderen Gründen, insbesondere aus nationalen Rücksichten oder da, wo dies der historischen Entwidlung entspricht, zulässig. " Die rechtlichen Voraussetzungen der bürgerlichen Freiheit würde nach der gleichen Logik da auch gesichert, daß man diese bürgerliche Freiheit aufhöbe, wovon„ Ausnahmen nur aus besonderen Gründen" zulässig wären. Und würde der Landtag eine Maulforb- Ordnung erlassen, von der Ausnahmen nur aus besonderen Gründen" zulässig sind, so würden die Nationalliberalen dafür stimmen, unt „ die rechtlichen Voraussetzungen festzulegen", unter denen die Maul forblosigkeit gestattet sein sollte. Wer nicht einsieht, daß das die richtige Art ist, für die Freiheit zu kämpfen, fällt dem liberalen Bürgertum in den Rücken und stärkt die Reaktion. in Jüdisches Lehrerproletariat. Nachstehende Annonce befindet sich Nr. 45 der in Mainz erscheinenden Zeitschrift„ Der Jsralit": Die hiesige Religionslehrer, Borbeter- und Schächterstelle ist sofort durch einen verheirateten Lehrer zu besetzen. Ertrag 700- SCO M. Freie Wohnung. Freie Wohnung. Belverber wollen sich melden. Geinsheim( Rhein- Pfalz), 30. Mai. Der Vorstand. Abraham Mane. Ein solcher Lehrer muß bis zu seinem 20. Lebensjahre die Präparandenschule und das Seminar besuchen, hat dann noch vier Jahre Konferenzarbeiten zu machen und ist dann, wenn er im Alter von 24 Jahren das Staatsexamen glücklich bestanden hat, noch lange nicht wohlbestallter Lehrer; denn dann muß er sich ja erst verheiraten, bis ihn eine Gemeinde für würdig erachtet, den so fürstlich genannte Gemeinde, ein einzelner Mensch könne 60 M. pro Monat bejoldeten Posten einzunehmen. Jedenfalls befürchtet die obennicht durchbringen, weshalb er Familie haben muß. Diese Annonce im orthodoresten jüdischen Familienblatt spricht eine erschütternde Sprache. und zum Abg. Hammer, die kurze Debatte dazu mißbraucht hatte, heißt auf Leistungen, die die der schnellsten Schnellzüge ver- behelfen. Die sahrſtraße führt von ber Gaalburg über Eine Steuererhöhung von 20 Prozent hat die Budgetkommission so wird uns berichtet Der Herausgeber des be- des badischen Landtages gegen die Stimmen der socialdemokratischen, demokratischen und freisinnigen rüchtigten„ New York Herald", Herr Gordon- Bennett, hat im Jahre Partei beschlossen. Das Deficit für das Budgetjahr 1904/05 beträgt 1899 seinen Namen dadurch der Unsterblichkeit ausgeliefert, daß er 142 Millionen. Dabei ist die Steigerung der Einnahmen immer über den Voranschlag hinaus, die noch einen Preis für internationale Automobilivettfahrten stiftete. Als im Vorjahr eine französische Wettfahrt der Automobilisten Teil in sehr beträchtlichem Maße eingetreten ist, nicht Auch wurden der Eisenbahn- SchuldenDen Schluß der Sigung bildete die Beratung der Berichte zu einer Art Massenmord führte, entrüstete sich die gesamte deutsche in Rechnung gezogen. tilgungsfasse aus allgemeinen Staatsmitteln sieben Millionen über Reisen zum Studium der in andern Bundesstaaten und Bresse über den Unfug. im Auslande getroffenen Maßnahmen zur Förderung In diesen Tagen findet mun die Automobilfahrt um den Gordon- überwiesen. Dagegen wandte sich die Opposition umsomehr, als des Kleingewerbes. Die Berichte wurden durch Kenntnis Bennett- Preis in Deutschland statt. Die Sache ist genau so toll sonst alle Staatsausgaben, laufende und einmalige, aus laufenden Betriebsmitteln gedeckt werden. In vier Jahren soll endlich eine nahme für erledigt erflärt, nachdem der neue Vertreter des wie in Frankreich. 550 Kilometer sollen durchfahren werden. Steuerreform mit Vermögenssteuer in Kraft treten, bis dahin sollte Wahlkreises Teltow- Beeskow- Storfow- Charlottenburg, der rechnet auf Geschwindigkeiten bis 150 Kilometer in der Stunde, das sich der Staat nach dem Willen der Opposition ohne Steuererhöhung eine mittelalterliche Rede gegen die Gewerbefreiheit an den doppeln. Liebesgaben an die Großindustrie. Aus Baden wird uns geMann zu bringen. Weilburg, Limburg nach Homburg zurück. Der Weg beträgt schrieben: Baden, dessen Süd- und Westgrenze vom Rhein gebildet Am Montag stehen kleinere Vorlagen auf der Tages- 137,5 Kilometer und wird also viermal durchmessen werden wird, besitzt in der Rheinstrecke zwischen Schaffhausen und Basel ordnung. müffen. Die ganze Taunusgegend ist für den Tag zum großen Teil ungeheuere Wasserkräfte, da dort der Rhein starkes Gefälle hat und dem Verkehr entzogen. Ein 40 000 Meter langer Drahtzaun sperrt obendrein durch Felsschwellen im Flußbett gewisse natürliche Staudie Strede ab. Die„ vornehmste" Welt wird sich an der Saalburg einfinden, die Welt nämlich, welche, um sich an der blutigen und sinnlosen Sensation der Benzintobsucht zu erregen, 50 M. für den Tribünensizplaz bezahlen kann. Deutschland in der Welt voran! Wie sehr Graf Bülow mit diesem Ausspruch den Nagel auf den Stopf getroffen hat, auch in Bezug auf die Stellung des weiblichen Geschlechts, dafür dienen folgende Beispiele: In vier Staaten des nordamerikanischen Staatenbundes, Wyoming, Colorado, Utah und Idaho, haben die Frauen genau die selben politischen Rechte, also sowohl das aktive wie das politische Wahlrecht, wie die Männer, dasselbe gilt für Süd- Australien, für das australische Bundesparlament und für Neu- Seeland, während sie in West- Australien das aktive Wahlrecht allein besigen. In den vier andren australischen Staaten haben die Frauen das Wahlrecht für die städtischen Körperschaften und die Schulräte; in 25 Staaten der amerikanischen Union haben sie das aktive und passive Wahlrecht für die Schulräte, in fünf Staaten das municipale Wahlrecht; dasselbe besigen sie in den meisten Provinzen Kanadas. Kein Zweifel, daß es zu schweren Unfällen kommen muß Das giebt das offizielle Festbuch selbst zu, indem Heldenhust schreibt, daß ,, die Männer, welche beim Gordon- Bennett- Rennen die Renn wagen führen für ihre nationale Jndustrie und Technit ihr Leben in die Schanze schlagen." So weit die Besizer der Wages selbst Führer sind, läßt sich gegen diesen Todesmut nichts einwenden. Anders steht es mit den bezahlten Wagenführern. wehre gebildet werden. Diese Naturkräfte, an denen nur der Staat ein Recht hat, sind nun zum Teil von der Regierung an fapitalistische Unternehmungen verschenkt worden, auch in Zukunft sollen weitere solcher Liebesgaben an das Großkapital verabfolgt werden. Die socialdemokratische Vertretung im Landtage hat seit mehr als zehn Jahren wiederholt versucht, diesem Unfug zu steuern, bisher vergeblich. Jezt endlich rührt sichs auch in bürgerlichen Kreijen. Das Resultat war eine von allen Parteien gestellte Interpellation im Landtage des Inhalts, ob die Regierung auch weiterhin die Wasserkräfte des Rheins an Private bergeben will und welchen Vorbehalt sie diesfalls zu machen gedente. In Die Reden letzten Tagen wurde die Interpellation besprochen. gierung geht von ihrem Standpunkt nicht ab, nach ihr hat der Staat selbst keine Verwendung für die Kraft, auch nicht umgesetzt in elektrische Energie; die Eisenbahnverwaltung hat ebenfalls erklärt, Für die nationale Industrie und Technik schlagen täglich auf absehbare Zeit sei sie nicht in der Lage von den Wasserkräften Millionen von Arbeitern ihr Leben in die Schanze. Das Feld ist mit Gebrauch zu machen". Das Risiko" des freien Absages der Kräfte In England, Schottland, Jrland und Wales haben Steuer- Tausenden von Opfern bedeckt, und die Zahl der Unfälle steigert sich will Regierung auch nicht übernehmen. So sollen zahlerinnen das attive Stimmrecht für jede Art von Volksvertretung unablässig, die Welt geht gleichgültig an diesen Helden der Arbeit die Wasserkräfte weiter verschenkt und an die Konzession mir einige mit Ausnahme des Parlaments. In der Armenverwaltung sind vorüber und die Krüppel müssen sich oft mühsam ihre fargen Renten- unschädliche Bedingungen geknüpft werden. Mit feltener Einmütigkeit trat die Kammer einer solchen Ansie auch wählbar. In Dänemark und Jsland haben allein- ansprüche erkämpfen. stehende Steuerzahlerinnen das aktive Stimmrecht, in Schweden Bei dem Automobil- Rennen aber ist die„ Industrie und Technik" schauung der Regierung entgegen; man verlangte, daß trotz der jammervollen Rückständigkeit der Eisenbahnverwaltung diefe haben es alle Frauen für die Kommunalwahlen, für nur vorgeschoben, um die widerwärtige Sensation zu beschönigen. Naturfräfte möglichst dem Staat vorbehalten bleiben sollen. die Schul- und Kirchenverwaltung und die Provinziallandtage; in Für die Technik der Automobile kommt es gar nicht darauf an, об Wenn fie aber Privaten gegeben werden, dann nicht Norwegen haben sie für die Kommunalwahlen auch das passive ein paar Sportsleute früher oder später ans Ziel gelangen, sich den ohne entsprechende Abgaben von ihnen zu erheben und nicht ohne Wahlrecht. In Holland haben sie das aktive und passive Wahlrecht Hals zu brechen. Amerika, das Mutterland des Preisstifters, hat Vorbehalte, die eine günstige Aufhebung der Konzession ermöglichen. die Die focialdemokratische Fraktion stellte sich selbstverständlich auf den empfangen, die zwei Millionen angeboten habe, wenn dem Parlament| Aufstandes Erste Kammer und Wahlreform in Baden. Redners bergleichent. Nite einen Punkt möchte ich er principiellen Standpunkt, das Staatscigentum an den Wasser ein den Karthäusern günstiger Gefeßentwurf vorgelegt werde. Der wähnen. Als nach Beendigung des Feldzuges der Augenblick heran Kräften überhaupt nicht aufzugeben; Staat, Gemeinden Generalsekretär habe diefer Persönlichkeit geraten, nicht die Schwelle gekommen war für eine Konferenz der fremden Vertreter oder Gemeindeverbände sollen die Kräfte fassen und aus seines des Ministerpräsidenten Arbeitszimmers zu überschreiten, in Peking, unt über die Bestrafung der Mörder von etwa Beuten zunächst für eigne Betriebe, im weiteren aber auch es könne sonst geschehen, daß er das Zimmer durch das Fenster wieder 250 europäischen Personen, die meistens im Missionsdienst für Privatbetriebe. So weit gingen die bürgerlichen Parteien verlassen müsse. Später habe man seinen Sohn be- standen und deshalb massafriert wurden, zu beraten, da trennte nicht, aber die Interpellation hatte doch den Erfolg, daß schuldigt, eine Million von den Karthäusern erhalten zu haben. Eine fich Rußland plöglich von den übrigen Mächten und lehnte es ab, ein Antrag von allen Parteien eingebracht wurde, mit Konzessions Untersuchung sei eröffnet worden, die Persönlichkeit, welche den mit ihnen in dieser Forderung zusammenzugehen. Der britische erteilungen einzuhalten und Erhebungen über Umfang und event. Generalsekretär des Ministeriumus aufgesucht habe, habe sich aber Botschafter in Petersburg wurde deshalb instruiert, der russischen eigne Verwertung der Wasserkräfte anzustellen. Die socialdemo- geweigert, den Namen desjenigen zu nennen, in dessen Auftrage er Regierung darüber Vorstellungen zu machen, worauf ihm Graf fratische Fraktion beantragte hierzu noch, daß zu jeder Konzession Ben Schritt unternommen habe. Diese lettere Person habe sich aber Lamsdorff antwortete: Die Ermordung von Missionaren ist ein Tandständische Genehmigung eingeholt werden soll. Die Anträge dem Minister selbst genannt, es sei der Generalfommissar der Gegenstand, der Rußland nichts angeht!"( Blaubuch über China, tommen später zur Behandlung. Pariser Weltausstellung. Millerand habe gebeten, im höheren Inter- Nr. 6, 1901, Seite 118.) Die wirkliche Erklärung ist, daß Rußland esse des Landes hiervon nichts bekannt werden zu lassen. sich dem Pekinger Hofe gefällig zeigen wollte, um von ihm Renault Morlière drückt sein Erstaunen darüber aus, daß die Verträge betreffend die russische Festsetzung in der Mandschurer Man schreibt uns aus Karlsruhe: Die Herrenhäusler scheinen der Ministerpräsident nicht den Namen der Person genannt habe, zu erhalten. Dagegen ist Japan, von dem man doch vernünftigereinlenken zu wollen. Der Berichterstatter der Ersten Kammer, der die den Bestechungsversuch unternommen habe. Der Ministerpräsi- weise nicht erwarten konnte, die Bestrafung der Mörder von christlichen Junker v. Göler, erklärt in dem konservativen Organ Badens, dent erwidert, es sei Sache desjenigen, diesen Namen zu nennen, der Missionaren zu verlangen, den Abmachungen mit den europäischen Mächten daß man die Wahlrechtsreform nicht glatt ablehnen diese Erinnerungen wachgerufen habe. bis zu Ende treu geblieben und es ist ihm nicht eingefallen, die werde, man werde sich vielmehr bemühen, auf der Millerand erwidert, er werde das Geheimnis, das ihm aus Interessen der Civilisation und der Menschlichkeit für politische Rüd,, mittleren Linie" zwischen Regierungs Vorlage und und Be- seiner amtlichen Thätigkeit bekannt geworden sei, nicht enthüllen. fichten zu verschachern. Wer steht also dem Geiste des Christentums schlüssen der Der fromme Spectator" blieb die Zweiten Kammer eine Einigung herbei( Anhaltende Bewegung.) Bichat( liberaler Republikaner) sagt, wenn näher, Rußland oder Japan?" zuführen. Voraussetzung sei allerdings, daß die„ demo- Combes die zwei Millionen nicht erhalten habe, so fomme das Antwort schuldig. fratiefirende Wirkung des direkten Wahlrechts" durch Gegengewichte daher, daß die Karthäuser sie nicht geben wollten. Es sei angeboten eingeschränkt werde. Das klingt noch reaktionär genug, aber es ist worden, 300 000 Fr. im voraus und 2 Millionen im Falle des doch schon ein andrer Ton, als er kürzlich von den Herrenhäuslern Erfolges zu zahlen. Bertrand beantragt Einleitung einer gerichtlichen angeschlagen wurde. Zurückzuführen ist diefe beginnende Schwenkung Untersuchung, um den Namen der Person festzustellen, die den Beauf den Staatsminister von Brauer, der am Donnerstag mit dem Erb- stechungsversuch gemacht hat. Unter Zustimmung des großherzog und noch einem Minister in der Sitzung der Verfassungs- Ministerpräsidenten beschließt das Haus, am Mittwoch eine fommission der 1. Stammer erschien und dort wahrscheinlich nachdrücklich Kommission zu ernennen, die über den Bestechungsversuch eine Unterverlangt hat, die Reform zum Abschluß zu bringen. Wie man hört, suchung anstellen soll. Die Sigung wird darauf geschlossen. soll die Kommission jezt gewillt sein, die Arbeit so zu fördern, daß in 14 Tagen die Wahlrechtsfrage das Plenum der Ersten Stammer beschäftigen könnte. Kommt dort noch etwas zu stande, dann geht der Entwurf an die Zweite Kammer zurück und sollte es dabei zu einer Einigung fommen, wird wahrscheinlich eine Herbstsession abgehalten, in welcher die Nebengefeße erledigt werden. Verfassungskonflikte in Württemberg. Wir haben gestern im Leitartikel die Ablehnung der württembergischen Schulvorlage durch die Kammer der StandesHerren erörtert; die Schulvorlage der Regierung wollte das Schulaufsichts- Monopol der Geistlichen in etwas durchbrechen. Die Standesherren aber wehren sich dagegen. " " * Saarabien vor Gericht. " ( Privat- Depeschen des Vorwärts".) Siebenter Verhandlungstag. Sonnabend. Vormittagssizung. St. Johann, 11. Juni 1904. Eingangs der heutigen Vormittagssigung teilt Nebenkläger Hilger mit, daß die Genehmigung zur Aussage für Oberbergrat Krümmer und den früheren Steiger Pauli eingetroffen. Bauli fagt aus: Obersteiger Jakob hat mir den Auftrag geaufzupassen, Paris, 11. Juni. Die in der gestrigen Kammerdebatte enthüllte Affaire von den Millionen der Karthäuser wird in der gesamten Presse lebhaft erörtert. Die regierungsfeindlichen Blätter greifen den Ministerpräsidenten heftig an, weil er eine Gesegesverlegung angeordnet habe, geben, um diejenigen, die sich eines Bestechungsversuches schuldig gemacht, vor der gerichtlichen Strafe zu schützen. Ministeriell- radikale Blätter dagegen erklären, der wie die Arbeiter und die katholischen Beamten wählten. Ich habe Minister habe durch sein mutiges und rücksichtsloses Eintreten die dies gethan und meine Notizen abgeliefert. Ein Aufseher vom Machenschaften seiner Verleumder zu nichte gemacht. Alle redlichen Bergeverfaz tam, weil er Euler( Centrumsmann) habe hochleben abtrünnigen Radikalen Millerand, Doumer und Genossen mit den Republikaner müßten gegen die Politik der Berleumdung, welche die lassen, an schlechtere Arbeit. Rüdschriftlern trieben, in scharfer Weise protestieren. Die radikal socialistische Lanterne" schreibt, in den Wandelgängen der Kammer werde der verstorbene Generalsekretär des Ministers des Innern im Ministerium Waldeck- Rousseau De Magniah als die vom Ministerpräsidenten erwähnte Persönlichkeit genannt, doch soll der Ministerpräsident mehreren Deputierten gegenüber diese Vermutung als unrichtig bezeichnet haben. Schweiz. plinargerichtshofes des anstößigen Umganges mit einer Frau beNebenkläger läßt feststellen, daß Zeuge im Urteil des Disci zichtigt wird. Auf die Frage Heines wird zugestanden, daß geschlechtlicher Berkehr nicht behauptet werde. Oberbergrat Krümmer war zu der Zeit, als Pauli den Auftrag zur Kontrolle bei der Wahl bekommen hat, Inspektor der betreffenden Grube. Er bekundet: Eine amtliche Anordnung, die Leute bei der Bahl zu kontrollieren, ist nicht ergangen. Von der Verlegung wegen des Hochs auf Euler ist mir nichts bekannt. Ich halte das aber für ausgeschlossen. Auch ist mir nicht bekannt, daß untere Beamte Verabredungen getroffen haben, Stoutrolle, wen die Leute wählten, Die Beweisaufnahme wird geschlossen. Das Wort zum Plaidoyer erhält der Staatsanwalt. Dieser Beschluß der Geborenen" hat nun zu einem Konflikt geführt. Der württembergische Staats- Anzeiger" veröffentlicht am Sonnabend ein Handschreiben des Königs an den Kultusminister v. Weizsäcker, worin er sein lebhaftes Bedauern ausdrückt, daß der mit der Schulgesetznovelle unternommene Versuch, eine Ausgleichung der Gegensätze auf dem Gebiete des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche zur Schule herbeizuführen, vorläufig ins Stocken Bern, 11. Juni. Der verwundete russische Gesandte hat eine Der verwundete russische Gesandte hat eine geraten sei; gleichzeitig spricht der König dem Minister seinen Dank gute Nacht verbracht. Gefahr für sein Leben ist nunmehr ausfür seine vielfachen Bemühungen in dieser Angelegenheit sowie sein geschlossen. bolles Vertrauen aus. Ueber Inidi wird mitgeteilt: Jlnici war seit einigen Tagen vollständig mittellos, was ihn zur Verzweiflung getrieben und zu zu üben. dem Attentat auf den Gesandten veranlaßt hat. Ilnicki hat sich nach worauf er auf die Polizeiwache geführt wurde. derTat keineswegs geflüchtet, sondern freiwillig seinen Revolver überreicht, Dort wurde er, nachdem er Namen und Wohnung angegeben hatte, freigelassen. Erst als die Bundesanwaltschaft bei der Berner Polizei die sofortige Verhaftung verlangte, wurden Geheimpolizisten beauftragt, den Thäter zu verhaften; Jlnicki stellte sich denselben freiwillig. Der felbe ist offenbar ein Opfer russischer Willkürherrschaft und durch Enttäuschungen und Verfolgungen geistesgestört. Wie uns eine Privatdepesche aus Stuttgart unterrichtet, deutet das Handschreiben auf einen scharfen Konflikt zwischen dem evangelischen König und dem katholischen Thronfolger. Die Nationalliberalen suchen den Voltsunwillen abzulenken auf den Thronfolger, die katholischen Prinzen und die mangelhafte Zusammenfegung des Herrenhauses. Die Socialdemokratie wird die Situation parlamentarisch und agitatorisch zur Forderung der völligen Beseitigung des Herrenhauses Benutzen. Südwestafrika. Es wird offiziös berichtet: Nordabteilung Bülow hat am 29. Mai Dtawi erreicht und flärt auf Dtjenga auf. Coblenz von Volkmann wegen Wassermangels und Krankheit aufgegeben. Der Omuramba ua Matako durch Spione beobachtet. Häuptling Nechale soll den Posten Namutoni zerstört und den Hereros viel Munition vertauft haben. Die 9. Kompagnie, noch unberitten in Okahandja, soll Verpflegungsnachschub decken. Ausland. Die Karthäuser- Beftechung. Rußland. Er führt aus: Die Flugblätter, als derer Verfasser sich Angeklagter bekennt, erheben schwere Vorwürfe gegen die Bergverwaltung, indem sie derselben Vergewaltigung der Bergleute durch Zwang zum Beitritt in den nationalliberalen Verein vorwerfen, fernersden Vorwurf der Entrechtung, der Mißachtung, der Zahlung von Hungerlöhnen und der Ausbeutung erheben. Angeklagter stützt sich besonders auf die Ans Russisch- Polen bringen oberschlesische Blätter Rede des Landgerichts- Direktors Mary im Landtage. Die meisten eingehende Schilderungen der furchtbaren Not, die dort infolge der Lebens- der in dieser Rede aufgestellten Behauptungen sind aber schon im in Lodz und andren russisch- polnischen Städten haben vollauf zu thun mit dafür, daß generelle Anweisung von der Behörde ergangen ist, die mittelteuerung und der Arbeitslosigkeit herrscht. Die Rettungsstationen Lehnen- Prozesse als falsch erwiesen worden. Den Wahrheitsbeweis Wegschaffung der Leute, die vom Hunger überwältigt auf den Straßen Bergleute zum Eintritt in den nationalliberalen Verein zu zwingen, liegen bleiben. Raub und Diebstahl find an der Tagesordnung. In Hunderten von Fällen suchen vom Hunger zur Verzweiflung Ge- hat Angeklagter nicht anzutreten versucht. Der Nachweis, daß die triebene mit Gewalt, oft mit dem Messer in der Faust, ein unteren Beamten einen solchen Druck eigenmächtig ausgeübt, ist Stückchen Brot zu erlangen. Sie lassen sich dann ruhig ver- nicht gelungen. Die behaupteten Maßregelungen wegen der Wahl haften, aber die Hoffnung, in Gefängnis vor Hunger geschützt zu sind ebensowenig bewiesen. Herr Geheimrat Hilger hat als Beuge fein, trügt, denn die Gefängnisse sind überfüllt und dort herrscht in- bekundet, daß Anordnungen, die Arbeiter wegen ihrer Abstimmung zu folge der Teuerung ebenfalls entsegliche Not. Und dabei ver- drücken, nicht ergangen und daß ihm auch solche Anordnung seitens der schlimmern sich die wirtschaftlichen Zustände immer weiter, die an- Inspektionen und der Unterbeamten nicht zur Kenntnis gefonumen gesehensten Geschäftshäuser brechen zusammen und immer neue find. Durch die Beweisaufnahme ist in feinem einzigen Falle eine Scharen verzweifelter Arbeitslosen füllen die Straßen der Städte.- Maßregelung wegen der politischen Gesinnung nachgewiesen. Die Parlamentarifches. In der französischen Deputiertenkammer kam es am Donnerstag abend noch zu einem sensationellen Zusammenstoß. Millerand wiederholte, wie der gestrige Depeschenteil schon berichtete, den VerVerlegung der Leute, die die sogenannte„ Dasbach- Preffe" hielten, fuch, das Ministerium zu stürzen und unter andren Beauf ein Zimmer ist geschehen, damit die überaus maßlosen Angriffe schuldigungen spielte er auf die schon früher in der Deffentlichkeit dieser Presse auf die Bergverwaltung den andern Leuten nicht vor zur Diskreditierung des Ministerpräsidenten vergeblich benutzte AnWahlprüfungs- Kommission. In der heutigen Sizung sollte der Augen kommen sollten. Wie die Spigen der Dasbach- Artikel sich gelegenheit an, wonach Edgar Combes, der Sohn des Bericht über die Wahl Dröschers im zweiten Wahlkreise stets gegen Herrn Geheimrat Hilger richten, so muß auch ohne weiteres Ministerpräsidenten, von der Karthäuser- Kongregation eine Million des Großherzogtums Medleuburg- Schwerin ge- angenommen werden, daß auch die Flugblätter sich gegen denselben erhalten haben soll, um ihre Auflösung zu verhindern. lesen und festgestellt werden. Obwohl der Bericht fertig ist, konnte Herrn richten sollten. Ministerpräsident Combes ergreift hierauf das Wort: jedoch die Feststellung wegen Beschlußunfähigkeit der Kommission nicht vollzogen werden. Bekanntlich hatte die Kommission einstimmig also auch die Konservativen stimmten zube schlossen, die Wahl Dröschers für ungültig zu erklären. Die Angelegenheit wird demnach kaum vor Eintritt der Vertagung erledigt werden können. dauert. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Der Vormarsch der Japaner. Die Beobachtung bei der Wahl kann nicht als eine direkt unzulässige Handlung angesehen werden, da ebensowenig wie andern Industriellen der Bergwerksverwaltung ver wehrt werden kann, sich über die politische Gesinnung ihrer Bergleute zu orientieren. Ich halte das nicht gerade für erwünscht, aber auch nicht für geschlich unzulässig. Ein Mißbrauch der Amtsgewalt, bestehend in Zwang zur Abnahme liberaler Stimmzettel, liegt nicht vor. Was das Koalitionsrecht anlangt, so trifft§ 152 der Getverbe- Ordnung auf die Bergleute nicht zu. Aber selbst angenommen er träfe zu, Standpunkt nicht vor. Der Arbeitgeber hat ohne weiteres das so steht doch die Gesezgebung auf dem Standpunkte, daß sie in die Lohnkämpfe nicht eingreift. Sie schreibt dem Unternehmer feinen Recht, Arbeiter nach ordnungsmäßiger Kündigung zu entlassen und so liegt in Krämers Entlassung, nachdem er trotz Verwarmung die Der Fehler, deffen wir schuldig sind, ist einfach dieser: das gegenwärtige Kabinett hat gewissen Leuten schon zu lange ge Wir waren ein lebergangsministerium, und wir sind schon zwei Jahre geblieben; das verzeiht man uns nicht.( Stürmischer Beifall.) Wir erleben das seltsame Schauspiel, daß nicht die Rechte und das Centrum uns angreifen, sondern Mitglieder des vorigen Kabinetts, das die Mitglieder des gegenwärtigen Kabinetts drei Jahre lang tren verteidigt haben.( Stürmischer Beifall links.) Combes wirft den Mitgliedern des Kabinetts Waldeck- Rousseau, die heute gegen ihn intrigieren, Undankbarkeit vor. Herr Millerand wirst mir vor, daß ich mich von meiner Politik gegen die Kongregationen Petersburg, 11. Juni.( Laffan- Meldung".) Die OperationsRepublik aufgelöst und bereichere mich nicht an ihren Ueberresten. Vormarsch von dort vor August ist durch die Verhältnisse ausnicht trennen kann. Ich habe die Kongregationen im Interesse der basis des Generals Kuropatkin ist nach Mukden verlegt worden. Ein ( Stürmischer Beifall links.)( Die letzten Worte Combes' spielen darauf geschlossen. an, daß Millerand der Liquidator mehrerer Kongregationen ist.) Ruf auf Der amtliche„ Rußti Jnvalid" meldet, der gemeinsame Vormarsch der Rechten: Und die Million der Karthäuser? Combes erwidert: der Streitkräfte des Generals Kuroki auf der Straße von Liaoyang Bergarbeiter- Bersammlung besuchte, kein Unrecht. Genau so lag die Wenn ich mein persönliches Interesse nicht dem höheren Interesse habe am 7. Juni begonnen. des Landes geopfert hätte, dann hätte ich ich schwöre esden Beweis erbracht, daß eine Infamie gegen mich begangen worden ist. Andre Meldungen berichten von siegreichen Gefechten der Japaner. ( Beifall rechts.) Der Ministerpräsident sagt dann, er möchte nicht Die Russen weichen zurück. aus seinem Umte scheiden, bevor die Abschaffung des fongreganistischen * * " " Sache bei dem Verbot der Knappschafts- und Vertrauensmänners Versammlungen. Der Bergarbeiter- Verband ist socialdemokratisch und da die Regierung auf dem Standpunkt steht Socialdemokraten in Staatswerken nicht zu dulden, Mißachtung ist die Haltung der Bergverwaltung berechtigt. der Arbeiter ist auch nicht bewiesen, Herr Hilger und eine Reihe andrer Zengen haben bekundet, daß die Behandlungeine gute ist. Die Schuld an den hohen Unfällen hat Angeklagter meines Erachtens nicht der Direktion zugeschoben, erhat aber gesagt, daß körperliche Schwäche Ueber die Lage in Port Arthur Unterrichts endgültig entschieden sei: sobald das aber geschehen sei, liegen auch heute keine zuverlässigen Nachrichten vor. Sensations werde er gern gehen.( Beifall links, Lärm rechts.) Millerand protestiert lebhaft gegen die Andeutungen des Minister- meldungen berichten bereits von Eroberung der Außenforts durch präsidenten und sagt, Combes suche die Debatte auf das persönliche die Japaner und Aehnliches. die Japaner und Aehnliches. Gebiet zu lenken. Combes erwidert, Millerand wisse, daß er Combes in der Rußland, Japan und das Christentum. Karthäuser- Angelegenheit seiner Pflicht als Chef der Regierung ein London, 9. Juni.( Eig. Ber.) Die Wochenschrift Spectator" der Arbeiter, verursacht durch schlechte Löhne und schlechte Ergroßes Opfer gebracht habe; er könne sagen, daß man zwei Monate, brachte vor zwei Wochen einen Artikel über die Gelbe Gefahr", in nährung, die Ursache sei. der Vorwurf der Ausbeutung wird widerbevor man ihn und seinen Sohn beschuldigte, von den Karthäusern dem das englische Volk ermahnt wurde, nicht zu vergessen, daß legt durch die amtlichen Zahlen über die Löhne und des Geheimrats eine Million erhalten zu haben, zu ihm gekommen sei, um ihm zwei Rußland christlich und Japan heidnisch sei; die englischen Millionen anzubieten, wenn er einen den Karthäusern günstigen Geset- Sympathien müßten nicht so ganz auf jeiten Japans sein, Mitteilungen über die Wohlfahrtseinrichtungen. Angeklagter steht im politischen Leben, hat ohne Zweifel die Lehnen- Prozesse verfolgt entwurf einbringe.( Anhaltende Bewegung.) Er habe davon dem dein Nußland als chriftliches Reich stehe England kulturell näher. Ministerrat Mitteilung gemacht, und dieser habe ihn dazu beglück Darauf antwortet diese Woche ein Korrespondent, der sich Far East" und darf sich bezüglich seines guten Glaubens nicht auf den Abwünscht, daß er im höheren Interesse der Politit schweigen wolle. zeichnet:... Ich glaube, daß diese Auffassung nicht zutreffend ist. geordneten Mary berufen, der falsche Behauptungen aufstellt. Millerand fenne diese Thatsache.( Beifall links, Lärm im Centrum.) Die Erfahrung zeigte, daß sich Japan in bezug auf die Die Behauptung von dem kümmerlichen Leben vieler Berglente Nachdem zwischen verschiedenen Rednern noch eine Reihe von christlichen Interessen im fernen Osten besser benommen ist zweifellos wider befferes Wissen aufgestellt. Eine Reihe Bemerkungen ausgetauscht worden, verlangt der Ministerpräsident hat, als Rußland. Ich will mich nicht dabei auf Beugen hat hier bekundet, daß die Lebenshaltung eine gute ist. die einfache Tagesordnung. Diese wird mit 313 gegen 250 Stimmen halten, daß Rußland in der ersten Zeit des Boreraufstandes Ebenfalls ist die Bezeichnung der körperlichen Schwäche als Unfallbeschlossen. es wiederholt abgelehnt hat, sich den Protesten der Vertreter EngRenault Morlière wünscht nun den Ministerpräsidenten lands, Frankreichs, Deutschlands, Italiens und Ameritas in Peking ursache, die Behauptung von Mißachtung der Arbeiter wider besseres Aber den Bestechungsversuch zu interpellieren, dessen Gegenstand dieser anzuschließen, da Rußland annahm, die Borerbewegung sei nur Wissen aufgestellt. Bei Behauptung der Ausbeutung handelt es fich gewesen. Der Ministerpräsident erklärt sich mit der fofortigen Dis- gegen westeuropäische Einflüsse gerichtet, ebensowenig will ich die wohl mehr um ein subjektives Urteil. Ich bin nicht in der Lage in kussion einverstanden und führt dann aus, er sei glücklich, sich von Haltung der russischen Truppen in der Mandschurei mit der wunder- allen Punkten den Thatbestand des§ 187 des Strafgesetzbuches aneinem Geheimnis befreien zu können, das auf ihm laste. Der General- bollen Disciplin und Selbstbeherrschung der zunehmen. Den Schutz des§ 193 vermag ich dem Angeklagten iekretär des Ministeriums habe eines Tages eine Persönlichkeit japanischen Truppen bei der Unterdrückung des Borer- nicht zuzubilligen, da er nicht in Wahrnehmung berechtigter Interessen, fattbertt'Stofrcläuitfl der Bergleute im Interesse der Socialdemokratie bezweckte. Es ist anzuerkennen, daß in den Flugblättern persönliche Spitzen vermieden sind. Solche schweren Beleidigungen, wie man sie hier von der Dasbach-Presse gewöhnt ist. finden sich nicht in ihnen. Das ändert natürlich wenig an der Sache. Ich beantrage gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten, ferner Einziehung der Platten, Publikation des Urteils in den hiesigen Tagesblättern der„Rheinischen Zeitung", der.Kölnischen Bolls- zeitung" und der„Bcrgarbeiter-Zeitung". Heines Plaidoyer dauerte von 10'/« bis l'/g Uhr. Eue Induftrie und Handel« A. Scherlsche Zeitnngscompagnie. Die Generalversammlung der Attiengesellschast„Neue Hamburgische Börsenhalle" nahm mit 197 gegen 11 Stimmen den Vorschlag an betr. Auflösung der Gesellschaft zum Zwecke der Veräuherung im ganzen an eine von Herrn Scherl bis zum 1. Juli in Hamburg zu begründende Gesellschaft mit be- schränkter Haftung. Die Hamburger Kaufmannschaft hat die Uebernahme des„Hain- burgischen Korrespondenten" durch Scherl sehr verschnupft. Laut Rundschreiben der Aktien-Gesellschaft„Neue Hamburgische Börsen- halle" vom 8. Juni an ihre Aktionäre hat die Handelskammer a b- gelehnt, auf Grund der bisherigen Bedingungen mit der neu zu begründenden Genossenschaft m. b. H. einen Vertrag wegen Benutzung der Räume in der Börse abzuschließen. Die Generalversammlung der Hotelbetricbs-Akttxngrscllschaft, die gestern stattfand, setzte die Dividende auf 13 Proz. fest und genehmigte die Erwerbung von Conrad Uhls Hotel Bristol, jedoch in etwas andrer Fassung als jüngst mitgeteilt wurde. Die Ursprung- liehen Vereinbarungen der Vorbesitzer mit dem durch die Firma Koppel u. Co. vertretenen Konsortium haben insofern eine Aendcrung erfahren, als das Konsortium das gesamte Aktienkapital von Uhls Hotel Bristol von 1 Ovo OOO M. zum Kurse von 80 Proz. sowie die Grundstücke unter den Linden 6/6 erwirbt. Dazu gehört auch das Grundstück Behrenstraße 67 und das gesamte Inventar, das mit 400 000 M. angerechnet wird. Das Aktienkapital wird um 2,4 Millionen Mark erhöht. Die Firma Koppel u. Co. übernimmt die Emission zu 196 Proz.x und bietet 1 800 000 M. Aktien den bisherigen Altionären zum gleichen Kurse an. Die Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen zu Nürnberg schließt ihr Rechnungsjahr wieder mit einem Verlust, und zwar stellt sich dieser auf 687 000 M.. so daß mit dem Verlustübertrag aus dem Vorjahre sich der Gesamtverlust jetzt auf rund 1,87 Millionen Mark stellt. Der Brntto- gewinn bettägt für das am 31. März beendete letzte Geschäftsjahr 2 437 623 M. Die Ausgaben für Verwaltung, Steuern und Abgaben erforderten 311 260 M., Zinsen und Bank- spesen 1343 474 M.. Anleihezinsen 396 000 M. Für Minder- bewertungen und Effektenverlust werden 691 366 M. abgeschrieben und für Kapitalbeteiligung und Emeuerung der Betriebsunter- nehmungen 332 643 M. zurückgestellt. Der Saatcnstandsbericht des amerikanische» Ackerbaubureaus für den 1. Juni zeigt, daß seit Mai sich der Saatenstand nur sehr wenig gebessert hat und die nordamerikanische Union sich auf eine beträchtlich geringere Getreideernte als im vorigen Jahr gefaßt machen muß. Der Durchschnittsstand betrug am 1. Juni cr. für Winterweizen 77,7 Proz., für Frühjahrsweizen 93,4 Proz., für Winterroggen 86,3 Proz., für Hafer 89,2 Proz. und für Gerste 00,8 Proz. Die Prozentsätze am 1. Juni 1903 stellten sich für Winterweizen auf 82,2, für Frühjahrsweizen auf 96,9, für Winter- roggen auf 90,6, für Hafer auf 36,6 und für Gerste auf 91,6 Proz. Der Durchschnittsstand des Winterweizens wurde am 1. Mai d. I. auf 76,6 Proz. geschätzt. Der Stand ist also weit ungünstiger. Außerdem ist aber auch das angebaute Areal beträchtlich kleiner. Beim Winterweizen bc- trägt es nur 27,08 Millionen Acres gegen 33.11 im Vorjahr. � Sozialen. Freie Arztwahl. Der Humbug, der den Krankenkassen unter dem Schlagworte „Freie Arztwahl" vorgemacht wird, erfährt eine treffliche Be- leuchtung durch die Zuschrift eines Kranken an die„Rheinische Z e i t u n g". unser Parteiblatt in Köln. Ein Mitglied der Orts- Krankenkasse für die in Fabriken beschäftigten Personen in Köln meldete sich am 18. Mai krank. Der Mann ging zu Dr. Fried- länder, da ihm dieser empfohlen wurde, und auch, weil er nicht einen der Aerzte nehmen wollte, die damals die Kasse im Stich gelassen haben. Der Arzt verschrieb dem lungenleidenden Manne für sieben Tage Milch, die auch von der Kaste geliefert wurde, doch sagte man dort, er müste«inen andern Arzt haben. Dasselbe sagte einige Tage darauf der Krankenbesucher, dem aber eine Abweisung zu teil wurde. Als das Mitglied Sonnabend das Krankengeld an der Kasse abholte, wurde ihn: wieder von dem Kassenbeam'ten zu- gesetzt, er solle zu einem andern Arzt gehen. Der Mann hielt dem Herrn vor, daß in Köln doch freie Arztwahl eingeführt sein solle, und blieb bei Dr. Friedländer, der am folgenden Mittwoch, am 26., wieder Mich verschrieb. Am selben Tage hatte er eine Karte von der Kasse erhalten, daß er sich nämlichen Tages einer Nachuntersuchungs- kommission vorstellen müste, was aber Dr. Friedländer als be- handelnder Arzt verbot. Der Kranke begab sich nun zur Kasse, um das Rezept abstempeln zu lassen; doch wurde ihm gesagt, Dr. Fried- länder müsse begründen, warum er die Milch verschrieb. Der Arzt that das. und der jtzranke ging andern Morgens wieder zur Kaste. Da aber wurde ihm gesagt:„Sie bekommen überhaupt keine Milch, Sie müssen ins Hospitall" Der Kranke bekam einen Trief, worin «s unter anderm hieß:„Da Ihr Verhalten eine fortgesetzte Beobach- tung erfordert, werden Sie hiermit auf Grund der Verfügung der Aufsichtsbehörde ins Augustahospital überwiesen." Der Kranke ging hiermit zu Dr. Friedländer, der ihm riet, nicht ins Hospital zu gehen. Als er darauf Sonnabend das Krankengeld holte, bekam er nur drei Tage, bis Mittwoch, ausgezahlt, und es wurde ihm ge- sagt, die Kaste leistete jetzt überhaupt nichts mehr für ihn. Da ein Arbeiter, wenn er krank ist, das Geld noch nötiger als sonst zum Leben hat, war er gezwungen, auf die freie Arztwahl zu verzichten und zu einem andern Arzt zu gehen. Nachdem er das an der Kasse mitgeteilt hatte, war keine„fortgesetzte Beobachtung" mehr nötig, der Kranke brauchte nicht ins Hospital und erhielt auch drei Tage nachbezahlt. So frei also durste der Mann den Arzt seines Vertrauens wählen, daß man ihn vor die Wahl stellte, entweder ins Krankenhaus zu gehen oder zu einem Arzte, dem er mißtraute I Bekanntlich will man auch in Leipzig die Kranken unter dem Rufe„Freie Arztwahl" zwingen, Aerzte zu wählen, die sie nicht haben wollen._ Erpressung. Die Maurer von Porlitz bei Dürenverg und Umgegend be- schloffen im Monat März in einer Verbandsversamnflung, von den Mauermeistern 33 Pf. Stundenlohn zu fordern und im Falle einer Weigerung der Meister über die Bautender Meister, die nicht bewilligen würden, die Sperre zu verhängen. Der Vertrauensmann des Verbandes, Maurer Hermann Gottschulg, teilte diesen Beschluß dem Maurermeister Jakob mit und soll dabei die Aeußerung gethan haben:„Wenn Sie die Löhne nicht zahlen, bleibt uns nichts weiter übrig, als den Boykott über Ihre Leute zu verhängen l" Meister Jakob bewilligte, erstattete aber dann gegen G. Anzeige wegen Er- Pressung und das Landgericht Halle unter Vorsitz des Landgerichts- Direktors Fromme verurteilte den bisher unbescholtenen Angeklagten antragsgemäß zu sechs Wochen Gefängnis, da er für andre unter Drohungen einen rechtswidrigen Vermögens- vorteil verlangt haben soll. Die Aufreizung zum Klassenhaß ist nach einem Paragraphen unsres Strafgesetzbuches strafbar. Man wird aber doch nicht etwa die einfache Mitteilung solcher Urteile mit diesem Paragraphen fassen wollen? (SewerKfcKaMicKes. Berlin und Qmgegend. Die Friedensliebe der Bäckermeister, die von den Jnnungsführern der Oeffentlichkeit gegenüber so häufig beteuert wird, äußert sich gegenwärtig in der skrupellosesten Minier- arbeit des Boykottabwehr-Ausschusses zur Untergrabung des zwischen den Gesellen und dem größten Teile der Meister ab- geschlossenen Friedens. Erst vor einigen Tagen gaben diese Herren denjenigen Meistern, die sich für den Abschluß eines Tarifvertrages mit den Gesellen erklärt hatten, unter kollegialischem Gruß den schriftlichen Rat,„mittels eingeschriebenem Brief dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts v. Schulz umgehend mitzuteilen, daß sie den Tarif nicht anerkennen". Die in dieser Art von den Jnnungs- Vätern belehrten Meister haben es allerdings vorgezogen, dem liebe- vollen Rat nicht Folge zu leisten, denn bis dato soll noch kein„ein- geschriebener Brief" bei dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts ein- gelaufen sein. In den Nachbarorten aber hat der Boykottabwchr- Ausschutz etwas mehr Glück mit seiner„Friedcnsmission" gehabt. Er läßt es sich aber auch etwas kosten. Bald im Automobil, bald in der Droschke gondeln die Herren von Ort zu Ort, von Laden zu Laden, um den„bewilligten" Meistern eindringlichst plausibel zu machen, daß ein wirklich zünftiger Jnnungsmann ein den Ge- seilen gegebenes Ehrenwort keineswegs zu halten braucht.„Wortbruch ist Ehrensache", so könnte jetzt die Devise der Jnnungsmeister lauten. Haben sie doch gestern die Köpenicker M ei st er dahin zu beeinflussen gewußt, daß diese den vor einigen Tagen mit der Gesellenschaft ordnungsmäßig ab- geschlossenen Tarifvertrag schon wieder ge- brachen und zurückgezogen haben. Das ist Bäckermeister- Morall Gegenwärtig entfaltet der Boykottabwehr-Ansschuß seine „ehrenvolle" Thätigkeit zur Zurückziehung der Bewilligungen im Norden und Osten der Stadt. Sehr wahrscheinlich aber wird ihm die Arbeiterschaft dieser Stadtteile die Freude an seinem Werke gründlich versalzen. Nachdem kürzlich die Innungen der verschiedenen Kleingewerbe und auch die Kühnemänner sich auf die Seite der Bäckerinnungen gestellt haben, versuchen es jetzt auch die antisemitischen, konservativen und — freisinnigen Bezirksvereine, den rein wirtschaftlichen Kampf der Bäckergesellen um menschenwürdige Lohn- und Arbeits- bedingungen zu einer politischen Machtfrage zu stempeln. Sie nehmen in ihren Konventikeln hombasttsche Resolutionen an, in denen sie ihre Anhänger zur Unterstützung der„nichtbewilligten" Bäcker- meister auffordern. Man braucht diese Leutchen, in ihrem edlen Thun nicht weiter zu stören, denn jeder verständige, fühlende Mensch wird gewiß sein möglichstes aufbieten, um den nur zu berechtigten und bescheidenen Forderungen zur Durchführung zu verhelfen. Der Umstand, daß in einer Anzahl Bäckereien durch den Bohkottabwehr-Ausschutz die Plakate aus den Schaufenstern ent- fernt worden sind, veranlaßt jetzt den Vorstand der Gesellen- organisation, neue Maßnahmen zu treffen, um einem Mißbrauch mit den Plakaten vorzubeugen. Infolgedessen erklärt der Vor st and von heute ab sämtliche Plakate für ungültig! Statt der Kennzeichnung der bewilligten Bäckereien durch Plakate sollen von jetzt ab an jedem Sonntag alle die- jenigen Bäckereien im„Vorwärts" bekannt ge- geben werden, welche die Forderungen der Gesellen nicht nur pro lorma bewilligt haben, sondern dieselben in allen Teilen auch thatsächlich aufrechterhalten. Mit der Veröffentlichung dieser Listen ist es jedem arbeiterfreundlichen Konsumenten ein leichtes, festzustellen, wo er seine Backwaren fernerhin einkaufen kann. Im Streik der Rammer ist jetzt eine entscheidende Wendung eingetreten und dürfte der endgültige Erfolg der Arbeiter nahe bevorstehen. Zunächst ist zu berichten, daß die größte hiesige Firma. die Stratzcnbau-Gesellschaft Zöller. Wolfers, Dröge, die Forde- rungen unterschriftlich bewilligt hat. Diese Bewilligung ist um so bedeutungsvoller, als der Mitinhaber Dröge zugleich Vorsitzender der Arbeitgeber-Organisation ist. Weiter hat bewilligt die Firma F. Ritze jun. in Wilmersdorf. Auch die Steglitzer Steinsetzer- Innung hat sich bereit erklärt, am Montag mit dem Streikkomitee zu unterhandeln. Der Vorstand der Berliner Steinsetzer-Jnnung wird von vielen Mitgliedern bestürmt, die Sache durch Verhandlung zu beendigen. widrigenfalls eine weitere Anzahl Meister auf eigne Faust zu be- willigen drohen. Deutkebes Reich. Banarbeiterkämpfe in Hessen-Nassau. In der ganzen Main- gegend macht sich in diesem Jahre eine große Kampfeslust unter den Bauarbeitern bemerkbar. In Mainz, Aschaffenburg. Marburg, Rödelheim, Fechenheim, Fulda befinden sich die Maurer bereits im Ausstände und in andren Orten werden Streiks vorbereitet. Ein besonderes Charakteristikum dieser Lohnbewegung ist dabei, daß auch die christlichen Maurerorganisationen an ihr teilnehmen. Am Fuldaer Maurerstreik. der am Donnerstag begonnen hat, sind z. B. fast nur christliche Maurer beteiligt. In Aschaffenburg kämpfen die christlichen Maurer gemeinschaftlich mit den im Centralverbande organisierten um bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Denn gerade in den ultramontancn Gegenden sind die Lohnverhältnisse die denkbar schlechtesten. Und bei dem Bestreben, diese zu ver- bessern, lernen die christlichen Arbeiter nun am eignen Leibe kennen, daß auch die frömmsten Unternehmer freiwillig keinen Pfennig Zu- läge gewähren. Die von den Kaplänen gepredigte Harmonie zwischen Kapital und Arbeit erweist sich in der Praxis als eitel Lug und Trug. So bleibt den christlichen Gewerkschaften nichts übrig, als mit dem großen Centralverband der Maurer gemeinsam die Kämpfe zu führen. Denn wohin sie kommen, wenn sie auf eigne Rechnung und Gefahr kämpfen, hat der Mtmrerstreik in Limburg im vorigen Jahre und der in Fulda vor zwei Jahren mit aller Deutlichkeit ge- zeigt. Uebrigens zeigt sich ein Teil des Unternehmertums in diesem Jahre schon viel eher zu Konzessionen geneigt, wie in früheren Jahren. Zunächst drehen sich die Kämpfe um eine Lohnzulage von 6 Pf. pro Stunde. In Mainz, wo die Unternehmer erst im vorigen Jahre zwölf Wochen mit den Maurern im Kampf lagen, hat man schon ein- sehen gelernt, daß es besser ist. sich schiedlich-friedlich mit den Arbeitern auseinanderzusetzen; sie wollen 3 Pf. bewilligen, knüpfen daran aber die Bedingung eines dreijährigen Tarifvertrages. Unter solchen Voraussetzungen beharren natürlich die Arbetter auf ihrer Forderung. In Aschaffenburg. Marburg usw. ist das Unternehmer- tum noch etwas hartnäckiger, weil für es die Lohnkämpfe neu sind. Bezeichnend für die Stimmung im Unternehmertum ist aber, daß das Scharfmachertum eine viel größere Zurückhaltung an den Tag legt, als nach den großen Worten auf den Bauunternehmer- Kongressen anzunehmen war. Die Praxis lehrt eben die Herren, daß auch die Scharfmacherei sehr teuer zu stehen kommen kann. Menteuer eines fahrenden JnnungSmeisters. Die KönigSberger Maurermeister, die zur Werbung von Arbeitswilligen Agenten in allen Ländern haben, hatten in Erfahrung gebracht, daß in Wien ein Trupp Maurer für Königsberg angeworben fei. Herr Maurer- meister Borbe aus Königsberg wurde also beaustragt nach Breslau zu fahren, und hier die Wiener Maurer fürsorglich in Empfang zu nehmen. Diese aber hatten, als sie in Breslau angekommen waren, sich zunächst erkundigt, ob in Königsberg gestteikt werde. Als ihnen das von den BreSlauer Maurern versichert wurde, beschlossen sie, lvieder nach Wien zurückzufahren. Zuerst aber sollte ihnen Herr Borbe ihre Unkosten erstatten. Als dieser in Breslau ankam, verlangten die Maurer, bevor sie ihre Reise forffetzten, ihre Unkosten ersetzt. Herr Borbe froh, daß er endlich einen guten Fang gemacht hatte, zahlte das Verlangte. Nun aber erklärten ihm die undankbaren Wiener Maurer, daß sie wieder nach Wien zurückkehren würden, da man ihnen nicht mitgeteilt habe, daß in Königsberg gestreikt werde. Der Herr Jnnungsmeister geriet darüber in höchste Rage und rannte zur Polizei, und diese forderte denn auch die Maurer auf, das Geld zurückzuzahlen. Das fiel denen aber nicht ein. Herr Borbe hatte inzwischen mit Entsetzen bemerkt, daß ihm daS Geld knapp geworden war. Er ließ sich telegraphisch Geld an- weisen. Unterdessen war aber die Breslauer Polizei auch nicht müßig gewesen. Sie hatte die Maurer zwangsweise an den Bahn- Hof gebracht. Fröhlich fuhren die Maurer mit dem Meister, der unterdessen neue Munition empfangen und Billetts gelöst hatte, ab. Doch die Freude des Herrn JnnungSmeisters sollte nicht lange dauern. Schon auf der nächsten Station änderte sich das Bild. Die Maurer stiegen aus und ließen den ehrsamen Herrn allein nach Königsberg abdampfen. während sie zurück nach Wien fuhren. Bettübt, ohne Maurer und mit leeren Taschen kam der Jnnungsmeister in Königs- berg an. Die langen Gesichter der übrigen Jnnungshelden, die zum Empfange auf dem Bahnhofe standen, kann man sich denken. Ganz Königsberg aber lacht über den Reinfall I Zur Lohnbewegung der Gummi-Arbeiter erhalten wir vom Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter Deutschlands, Zahl- stelle Berlin, folgende Zuschrift: In der Rr. 131 des„Vorwärts" vom Dienstag, den 7. d. Mts.» heißt es im Bericht der Gummi-Arbeiter-Versammlung: Der An- sangslohn usw. bis 18 M. wöchentlich.— Dieser Satz hat Im- tierungen hervorgerufen und bitten wir deshalb, den Passus dahin- gehend zu erweitern, daß als Zusatz gesagt wird: Die Anfangslöhn« sind für solche Arbeiter und Arbeiterinnen gedacht, welche noch nie auf Gummi, d. h. in der Branche beschäftigt waren, und denen man zur Zeit als Männer den Anfangslohn von 14— 16 M. und als Arbeiterinnen von 7— 8 M. pro Woche zahft. Ter Streik der Hamburger Brauerei-Arbeiter kann als beendet gelten. In einer Versammlung der Ausständigen, die über den Schiedsspruch des Einigungsamtcs verhandelte, wurde nach längerer Debatte beschlossen, den Schiedsspruch anzunehmen mit nachfolgender Resolution, die dem Einigungsamt zugestellt werden soll: „Die ausständigen Brauerei-Arbeiter nehmen mft Bedauern Kenntnis von dem Schiedssprüche des Einigungsamtes; sie legen von allem Protest ein gegen die demselben beigegebene Begründung, die nach ihrer festen Ueberzeugung nicht in genügendem Maße der Thatsache Rechnung trägt, daß der Versicherungsverband der Brauereien bei einigem guten Willen den berechtigten Wünschen der Arbeiter hätte entsprechen und dem Kampfe hätte vorbeugen können. Sic erklären sich gleichwohl im Interesse der Allgemeinheft bereit, sich dem Spruche zu fügen unter folgenden Voraussetzungen. deren Erfüllung die unerläßliche Grundbedingung für einen ehr- lichen, dauernd gesicherten Frieden ist: 1. Der Arbeitsnachweis ist auf wirklich paritätischer Grund- läge zu errichten, d. h. es sind insbesondere die bei dem Berliner Ring-Nachweise konstatierten, auf den Ausnahmebefugnissen der Brauereien beruhenden, die Arbeiter schwer drückenden und schädigenden Mängel statutarisch zu beseittgen; zu diesem Zwecke hat die Ausarbeitung des Statuts durch das EinigungSamt unter Mit- Wirkung der Parteien zu erfolgen. 2. Die Wiedcreinstellung aller Ausständigen in ihre alten Posten hat in kürzester Frist zu erfolgen." Schwerste Strafe dem, der....... Zu einer außerordentlich hohen Strafe wurde vom Dresdener Schöffengericht der Maurer N a t o l wegen Nötigung verurteilt. Bei einem Maurerstreik auf einem Neubau in Leubnitz-Neuostra hatten die Bau- arbeiter Hegewald und Huhle aus Prohlis Arbeitswilligendienste geleistet. Ihnen soll der am Streik mitbeteiligte Maurer Natol gesagt haben:„Schämt Ihr Euch nicht? Je älter Ihr werdet, desto dümmer werdet Ihr auch" usw. Auch soll N. eine„drohende Haltung" eingenommen haben. Nach einigen Tagen ist der Streik durch gegenseitige Verständigung beendet worden, und nun stellten die ausständig gewesenen Maurer das Verlangen, daß die Arbeits- willigen entlassen werden sollten. Dem wurde zwar nicht Rechnung getragen, doch wollen die beiden ganz außergewöhnlich chikaniert worden sein. Auch hierbei soll sich Natol besonders hervorgethan haben. Obwohl dieser das bestritt und nur die erwähnte Aeußerung zugab, maß das Gericht doch den Angaben Hegewalds vollen Glauben bei und verurteilte Natol nach Z 153 der Gewerbe-Ordnung zu drei Monaten Gefängnis._ Letzte JSachnchten und Depefchen. Beilegung des Konflikts in der Metall-Spielwaren-Jndustrie. Nürnberg, 11. Juni.(W. T. B.) Nach dem„Fränkischen Kurier" ist zwischen den Vereinigten Metall-Spielwaren-Jndustriellen und der Lohnkommission des Deutschen Metallarbeiter« Verbandes heute nachmittag in einer gemeinsamen Verhandlung eine Einigung im Lohustreite erzielt. Demgemäß findet die in der gestrigen Arbeitervers ammlung beschlossene Arbeitseinstellung am nächsten Montag nicht statt._ Essen o. Ruhr, 11. Juni.(B. H.) Bei der Verfolgung eines süchtigen Verbrechers, in dem man den Borbecker Mörder vermutete, gab ein Kriminalbeamter scharfe Schüsse ab. Der Verbrecher wurde verletzt und verhastet, aber auch ein Passant wurde durch einen Schuß verletzt. Essen, 11. Juni.(B. H.) Wie jetzt festgestellt ist, bettagen die Unterschlagungen des Bankdirettors Hollmann bei der Borbecker Sparbank 860 000 M. Das Akttenkapital ist total verloren. Karlsruhe, 11. Juni.(W. T. B.) Die Budgetkommisston der Zweiten Kammer stimmte der von der Regierung vorgeschlagenen Steuererhöhung von 20 Proz. zu. Dafür stimmten das Centrum und die Nationalliberalen, dagegen die Freisinnigen, Demokraten und Socialdemokraten. Wien, 11. Juni.(W. T. B.) In dem Beleidigungsprozeß der Berliner Versicherungs-Gesellschast Victoria gegen den früheren Generalagenten der Gesellschaft in Oesterreich Ernst Solomon Agai lvegen zahlreicher durch die Presse und eine Broschüre gegen die Gesellschaft erhobenen schweren Vorwürfe wurde heute das Urteil ge- chllt. Den Geschworenen lagen 36 Puntte zur Beratung vor. Agai wurde in 28 Punkttn fteigesprochen und m 8 Punkten verurteilt. Das Urteil lautete auf einen Monat einfachen Arrest. Lemberg, 11. Juni. sW. T. B.) Die Stadt Turka ist von einer ienersbrunst heimgesucht, welcher bis gegen Abend 200 Häuser zum >pfer fielen. Lyon, 11. Juni.