Nr. 137. Abonnements- Bedingungen: U Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebilbr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelgeile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das sociale Königtum. I. Am Montag ist der Bergmann Krämer zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, im wesentlichen deshalb, weil er über die Zustände der saarabischen Staatsgruben wider besseres Wissen" behauptet habe, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse allgemein schlecht seien, während die Zeugen nur erklärt hätten, daß sie zum Teil ungünstig seien. " Dienstag, den 14. Juni 1904. maßregelungen geahndet wurde. Seitdem find die Preise der Kohle wieder stetig gestiegen und erreichen heute eine gewaltige Höhe, während die Löhne sanken und erst in den allerletzten Jahren wieder ungefähr den Stand von 1892 erreicht haben. nachdem sie von 1890-92 einen Preis von ca. 10 M. erzielt hatten: 1893 8,94., 1894 8,81 m., 1895 8,90 m., 1896 8,94 2., 1897 9,28 W., 1898 9,53 m., 1899 10,35 M., 1900 11,99 M., 1901 12,47 m. und 1902 11,54 m. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Hochkonjunkturen große Löhne und beim Niedergang wieder niedrige Löhne da sind". 1892 241 Mart. 1893 273" 1894 263" 1895 330 " 1896 372 " 1897 415 " 1898 450 " 1899 1900 544" 647" Daß zur Zeit der Hochkonjunktur die Löhne nicht allzusehr steigen, dafür sorgt schon die Verwaltung durch ihre Niederknüttelung Jm ganzen sind der königlichen Bergwerks- Direktion zu Saar- der Organisationen der Bergarbeiter; im Gegensatz dazu hat sie brücken elf Steinkohlen- Bergwerke unterstellt, die der amtlichen Vorbeugungen gegen das Sinken der Löhne zur Zeit einer Krisis Dentschrift zufolge im Jahre 1902, dem legten, über das bisher noch niemals getroffen. Der Minister hat ferner völlig außer die Ergebnisse vollständig veröffentlicht sind, bei 43 310 Acht gelassen die gewaltige Steigerung der Preise für alle notMann Belegschaft 9 684 987 Tonnen im Werte von 112 136 299 wendigen Lebensmittel, insbesondere auch für Mieten, die seit 1892 Socialdemokraten haben sich längst daran gewöhnt, daß sie ber- Mart zu Tage gefördert haben. Der Inlandsabsatz ist eingetreten ist. Zieht man all diese Momente in Betracht, dann urteilt werden, wenn ihre Anflagen gegen herrschende Zustände zur infolge des scharfen Wettbewerbs von Ruhrkohlen in den süddeutschen muß man zu dem Resultat kommen, daß die Lebenshaltung der gerichtlichen Aburteilung gelangen. Aber sie sind auf Grund dieses Staaten und in Elsaß- Lothringen etwas zurückgegangen, dagegen hat Bergarbeiter des Saarreviers sich bedeutend verschlechtert hat. eigenartigen Naturgesetzes im heutigen Rechtsbetriebe zu der Er- sich der Absatz nach dem Auslande beträchtlich gehoben. Besonders Dagegen ist der Profit des Staates an der Ausbeutung der tenntnis gelangt, daß es das Schicksal so bestimmt habe, Social- ist die Ausfuhr nach Frankreich wegen der dort zeitweise aus- Arbeiter ganz gewaltig gestiegen. 1891 erzielte der Bergfiskus von demokraten regelmäßig gegen die§§ 185 und 186 des Strafgesetz- gebrochenen Arbeiterausstände in die Höhe gegangen. Der verschärfte jedem Arbeiter einen Ueberschuß von 295 Mart. Dieser„ Mehrwert". buches schuldig werden zu lassen. Entweder, wenn alle behaupteten Wettbewerb der Ruhrkohlen in fast allen Absatzgebieten, namentlich den die Staatsarbeiter dem Fiskus verdienten, betrug Thatsachen bis auf den letzten Haarstrich stimmen, wandern sie aber in Süddeutschland und in der Schweiz, hatte eine erhebliche wegen formaler Beleidigung(§ 185) ins Gefängnis, oder wenn Herabseßung der Preise zur Folge, so daß der durchschnittliche Verirgend eine Nebensache nicht ganz bewiesen ist, sammeln sie Er- taufspreis für 1 Tonne von 12,47 m. auf 11,54 M. fiel. Wenn aber fahrungen im Strafvollzug auf Grund des§ 186, weil sie unrichtige auch die Kohlenpreise von 1901 auf 1902 gesunken sind, so weisen sie Thatsachen behauptet hatten. Fast niemals aber kommt der doch im ganzen im letzten Jahrzehnt eine sehr beträchtliche Verleumdungsparagraph 187 zur Anwendung, der voraussetzt, daß Steigerung auf. Durchschnittlich wurden für 1 Tonne Kohlen erlöst, jemand wider besseres Wissen in Beziehung auf einen andren eine unwahre Thatsache behauptet oder ber breitet, welche denselben verächtlich machen oder in der öffentlichen Berücksichtigt man noch, daß im Bereich der staatlichen Saar Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist". gruben erheblich geringere Löhne gezahlt werden als in den PrivatDie die Ehre des Staatsfiskus tränkende Behauptung wider besseres Wie steht es nun mit den Arbeitslöhnen? Der reine gruben des rheinisch- westfälischen Industriebezirks, so kommt man zu Wissen wird in der Meinung des Angeklagten gefunden, daß die Lohn für eine wirklich verfahrene Arbeitsschicht nach Abzug aller dem zwingenden Ergebnis, daß in den staatlichen„ Mustersocialen Verhältnisse im Saarrebier ungünstig seien. Er hat nicht Nebenkosten( für Geleucht und Gezähe, Knappschaftsbeiträge usw.) betrieben", diesem höchsten Stolz und Triumph des socialen Königs etwa falsche Zahlen angegeben die Urteilsbegründung hebt aus- betrug bei den unterirdisch beschäftigten eigentlichen Bergarbeitern, tums, in Wahrheit eine schlimmere Ausbeutung herrscht als in der drücklich hervor, daß sie richtig sind aber er hat nach der Meinung die rund 59 Proz. der Gesamtbelegschaft ausmachen, im Jahre 1901 Privatindustrie. Der Staat hat insbesondere verstanden, aus den des Gerichts falsche Schlußfolgerungen, irrige Berallgemeinerungen 4,09 M., im Jahre 1902 4,07 M., bei den sonstigen unterirdisch be- Bergarbeitern des Saarreviers immer höhere Erträge herauszutvirtgezogen. Schlußfolgerungen sind nun nach bisheriger schäftigten Arbeitern( rund 24 Proz. der Gesamtbelegschaft) 1901 schaften ohne deren Lage zu verbessern. Ja, die Statistik beweist Logit Urteile, und Urteile über Thatsachen können niemals 2,89., 1902 2,93 M., bei der Gesamtbelegschaft 3,54 bezt. 3,57 M. unbarmherzig, daß die Verhältnisse der Bergarbeiter im Sanrrevier Behauptungen von falschen Thatsachen wider befferes Wissen sein. Es sind demnach die reinen Löhne bei der ersten Arbeiterklasse ungünstigere sein müssen, als vor dem Streit 1892/93. Für Urteile ist nicht einmal ein Wahrheitsbeweis möglich, geschweige gegen das Vorjahr um 2 Pfennig gefallen, während sie Das ist die Verleumdung, das ist die Behauptung einer under Nachweis, daß wider besseres Wissen eine lügenhafte bei der zweiten laffe um 4 Pfennig und bei der Gesamt- wahren Thatsache wider besseres Wissen, um deretwillen der BergThatsache behauptet worden ist. Urteile über Thatsachen sind rein belegschaft um 3 Pfennig gestiegen sind. Bedenkt man, daß mann Krämer auf drei Monate ins Gefängnis gesperrt werden soll. subjektiv, fie sind demnach jeder objektiven Feststellung entzogen und einzelne Bergleute mehr als den Durchschnittslohn bekommen, ja Das ist die zweite Gruppe der durch das Gericht verurteilten können höchstens eine formale Beleidigung einschließen. Wenn daß einzelne den Angaben des Geheimen Rats Hilger zufolge fogar Anklagen der Flugblätter. jemand auf Grund einer richtigen Statistik die Arbeitsverhältnisse bis zu 6 m. verdienen, so ergiebt sich daraus, daß sehr viele Bergfür ungünstig hält, so hängt das Butreffende seiner Kritik lediglich leute weit unter dem Durchschnittslohn beziehen, also ein sehr färgvon dem Maße seines socialen Feingefühls und seiner socialen liches Einkommen haben eine Thatsache, auf die auch im AbWeltanschauung ab. Zwischen einem Nichter im Saarrebier und geordnetenhause bei der zweiten Etatsberatung hingewiesen ist. Da einem Bergarbeiter mag ja ein unüberbrückbarer Gegensatz der jährliche Ueberschuß der Saarbrückener fiskalischen Gruben in den in der Bewertung socialer Zustände bestehen, aber letzten Jahren nach Abschreibung aller Ausgaben für neue Schächte, fofern nur die statistischen Angaben richtig sind Maschinen und dergleichen etwa 25 Millionen betragen hat, ist es ist tein Gott, geschweige ein Mensch fähig, in folcher klar, daß die Werke bei gutem Willen sehr wohl höhere Löhne zahlen Würdigung eine wider besseres Wissen verbreitete Thatsache könnten. festzustellen. Der Bergarbeiter, der die Zustände für schlechte hält, ist Wie sich die Löhne in den letzten 10 Jahren gestaltet haben, ersubjektiv ebenso wahrhaftig, wie man dem Richter den guten Glauben giebt sich aus folgender tabellarischer Uebersicht. nicht absprechen darf, wenn er aus seiner socialen Auffassung heraus die Verhältnisse im allgemeinen für günstig erachtet. 02 Die Anwendung des§ 187 durch die Saar- Justiz eröffnet ganz neue Möglichkeiten im Kampfe gegen die Kritik. Wenn ein Landgerichtsrat eine Broschüre schreibt, in der er auf Grund eines unanfechtbaren Zahlenmaterials folgert, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse im Richterberufe schlecht sind, so werden ihn die Kollegen von Saarbrüden St. Johann leicht wegen Verleumdung des Justiz- 1892 ministers verurteilen können, weil er wider besseres Wissen fälschlich 1893 allgemein trübe Zustände behauptet habe, während es in Wahrheit 1894 sogar Richter gäbe, die Villen, Wagen und Pferde sich erspart" hätten. " Unterirdisch be schäftigte eigentliche Bergarbeiter Sonstige unters irdisch beschäftigte Arbeiter JahresAber diese Gunst, sich vom Staat berelenden, sich schlimmer ausbeuten zu lassen als von den Privatunternehmern, wird nicht umsonst gewährt. Der Staat verlangt dafür den Verzicht auf alle staatsbürgerlichen Rechte, die Verkrüppelung zu willenlosen Werkzeugen der von Gott eingesetzten Obrigkeit. Das ist die andre Seite des Systems des socialen Königtums. In dieser Hinsicht hat der Prozeß Zustände zu Tage gefördert, die die preußische Methode vor der ganzen Kulturwelt aufs schimpflichste bloßstellen. Die Urteilsbegründung ist an diesen Thaten und Thatsachen scheu weiter gegangen. Es ist dies die erste Gruppe der Krämerschen Anklagen, die politisch unvergleichlich viel schwerer wiegt als die zweite und um deretwillen der gewaltige Zeugens apparat aufgeboten wurde. Hier versagt das Gericht dem AnGesamtbelegschaft geklagten den guten Glauben nicht, hier spricht es in ganz allgemeinen, inhaltlosen Wendungen von schwierigen Verhältnissen und nicht erbrachtem Wahrheitsbetveis, ohne irgendwie auf die Behauptungen des Angeklagten selbst einzugehen. Dies politische Bild aus Saarabien soll in einem zweiten Artikel nachgezeichnet werden. Durchschnitt der Jahresauf arbeits- auf arbeits- auf 1. Schicht verdienst 1. Schicht verdienst 1. Schicht Jahresarbeitsverdienst 4,23 8,83 3,68 1895 3,70 1896 3,73 1897 3,80 1101 3,90 3,99 4,11 1167 M. 1021 1020 2,96 2,78 868 M. 3,69 1042 M. 794 3,37 925 " " " 2,65 " 791 3,24 921 " " 1030 " 2,69 796 3,27 929 " " 1079 2,67 821 3,28 966 " " " " 2,69 838 3,34 982 " " 1146 " 2,70 855 3,40 1015 " " 1158 2,72 842 3,46 1019 " " " 1193 2,83 837 3,56 1044 13 " " 1191 " 2,89 855 3,54 1042 " " " 2,93 869 3,57 1053 " Dies Urteil frönt die Enthüllungen des saarabischen Prozesses. 1898 Es läßt das ganze furchtbare Anklagematerial, das durch Zeugen 1899 erhellt und erhärtet worden ist, völlig außer Acht, offenbar weil die 1900 Richter selbst unter dem niederschmetternden Eindruck der eingestandenen 1901 4,09 1189 4,07 Thatsachen, deren Wahrheit sie in feinem Punkte bestreiten konnten, 1902 nach einem Auswege fuchten. So verfielen sie auf die Anwendung Die Löhne sind also seit 1892 nicht gestiegen, sie haben sogar zu des§ 187 als eines Strafparagraphen zur Hinderung allgemeiner Anfang der neunziger Jahre eine beträchtliche Verringerung erfahren Urteile und man kann nur annehmen, daß das Gericht bei seiner und haben auch in der zweiten Hälfte der 90er Jahre den Stand Urteilsbegründung bereits mit einer Aufhebung in der Revisions- bon 1892 noch nicht erreicht. instanz und einer nochmaligen Verhandlung gerechnet haben muß. So wenig Zutrauen man zur heutigen Rechtsprechung des Reichsgerichts haben mag, das kann man ihm einstweilen doch nicht zutrauen, daß es ein auf statistisch zuverlässigen Zahlen begründetes Urteil über die sociale Lage von Arbeitern für die Behauptung einer unwahren Thatsache wider besseres Wissen anerkannt. Das Urteil des Saar- Gerichts schaltet die ganze ungeheuere Fülle der Einzelangaben über saarabische Zustände. aus augenscheinlich, weil es ihre Wahrheit nicht leugnen kann und will und ein Urteil über sie vermeiden möchte. Dagegen findet es sogar eine Gefahr für die Betriebssicherheit darin, daß der Angeklagte„ verleumderisch" die elende Lage der fiskalischen Bergarbeiter übertrieben und verallgemeinert habe. beleu Wir behaupten demgegenüber, daß die Auffassung der angeflagten Flugblätter über die wirtschaftliche Lage der Bergarbeiter des Saarrebiers durchaus richtig ist und durch die Zahlen be= wiesen wird. Politifche Ueberficht. Berlin, den 13. Juni. Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus erledigte am Montag einige fleinere Vorlagen und beriet sodann in zweiter Lesung den Gefeßentwurf betreffend die Vertretung des Staatsfistus auf den Kreistagen und bei den Wahlen für den Provinzials Landtag in Posen. Die Vorlage ist ein Kampfgesez, eines derjenigen Mittel, die nach Ansicht der Regierung unbedingt nötig sind, um das Deutschtum in den Ostmarken zu schüßen; sie läuft im wesentlichen auf eine Stärkung des Einflusses des Staatsfiskus auf den Kreistag und den Provinzial- Landtag in Bosen hinaus, und wenn auch die Kommission die BefugCharakter des Gesezes durch die Kommissionsbeschlüsse nicht geändert. In seinem Eifer, mit allen Mitteln die polnische Bewegung zu bekämpfen, nahm das Haus nach unwesentlicher Debatte mit großer Mehrheit den Entwurf in der Kommissionsfassung an. In weit höherem Grade sind die Leistungen der Arbeiter gestiegen. betrieb beschäftigten Belegschaft betrug: Die Durchschnittsleistung eines Arbeiters der bei dem Gruben- nisse des Fistus etwas beschränkt hat, so wird doch der betrieb beschäftigten Belegschaft betrug: Bei sämtlichen Arbeitern 218,7 Tonnen 216,7 1893 Bei den eigentlichen Bergarbeitern 285,1 Tonnen 1894 282,2 " " 1895 301,1 230,7 " " 1896 307,4 234,7 " 1897 320,3 242,6 " " 1898 318,0 " 1899 312,7 240,3 236,0 " " 1900 306,4 229,8 " " 1901 . 295,6 " 1902 307,7 221,1 228,5 " 1 " Ein Blick auf diese beiden Tabellen lehrt, daß im Vergleich zur Leistung der Arbeiter ihre Löhne im letzten Jahrzehnt zurückgegangen Anfangs der neunziger Jahre, als die Kohlenpreise der fiskalischen sind. Absolut find fie, von geringen Schwankungen abgesehen, etwa Gruben stiegen, setzte der Einfluß des Freiherrn v. Stumm es durch, gleich geblieben. Nun schwebt ja das Gleichbleiben der Löhne dem daß die Verwaltung sich schließlich zu einer Preisherabsetzung ver- Minister Möller, zu deffen Ressort die Bergwerle gehören, als stand. Der Fiskus aber wälzte den Profitverlust sofort auf die Ideal vor Augen. Nichts ist social wichtiger für eine große Arbeiter ab. Diese erfolgten und noch drohenden Lohnherabfegungen Arbeiterschaft", meinte er am 13. Februar d. J. im Abgeordneten führten in den letzten Tagen des Jahres 1892 zu jenem Verzweiflungs- hause, als daß das Einkommen sich annähernd gleichbleibt; nichts streik, der bald zusammenbrach und mit grausamen Massen- bringt einen Arbeiterhaushalt mehr in Unordnung, als wenn in Endlich nahm das Haus noch in zweiter Lesung nach ebenso langer wie überflüssiger Debatte das Wildschon. geset an. Die nächste Sigung, auf deren Tagesordnung die zweite Lesung des Ausführungsgesetzes zum Reichs- Seuchengeseh steht, findet am Mittwoch statt. Die Laune" des Frauen- Stimmrechts. Einen Beitrag zur richtigen Beurteilung der jämmerlichen Saltung, welche die bürgerlichen Mehrheitsparteien des Reichstages gegenüber der Regierungsweigerung des Frauen- Stimmrechts für die Kaufmannsgerichte eingenommen haben, erbringt der Berliner Korrespondent der rechts- nationalliberalen Münchener Allgemeinen Zeitung". Er schreibt seinem Blatt: Ein eigentümliches Zusammentreffen hat es gefügt, daß zu derselben Zeit, wo in Berlin eine umfassende Erörterung der 31 Garantie des Reichs für die Eisenbahn Dar- es- Salam- Togo) ungünstig im Plenum aufgenommen werden sollten, den Schluß des Reichstags im Einvernehmen mit den verbündeten Regierungen auszusprechen." Frauenfrage in den Sigungen mehrerer internationaler OrganiSoldatenmißhandlung. Weil er zu wenig Fleisch erhalten hatte, fationen begonnen hat, auch der deutsche Reichstag in ging der auf den Truppen- lebungsplatz Neuhammer kommandierte einer bestimmten Frage eine Entscheidung über Frauenrechte zu Füsilier Kera vom 11. Regiment in Breslau in die Küche zurück, treffen hatte. Jm Reichstag bestand eine deutlich hervortretende verlangte und erhielt andres. Davon erhielt der Vicefeldwebel Neigung, in der Einrichtung der Kaufmannsgerichte den Frauen Der Reichskanzler ist es sich schuldig, solchen Ausstreuungen über Krzewizza Kenntnis, er rief den Mann ins Bureau, fragte ihn, ob eine entsprechende Mitwirkung zu sichern, indem man ihnen feine Absichten entgegenzutreten. Es wird in dieser Nachricht dem er nicht wisse, was zu thun sei, wenn er zu wenig Fleisch habe, mindestens das attive, vielleicht auch das passive Wahlrecht ge- Reichskanzler ein ganz univürdiges Verhalten unterstellt. Un- und wie er dazu komme, in die Küche zurückzugehen. währte. würdig wär es, die Entscheidung der Frage, ob Vertagung oder Außerdem pacte er ihn er ihn am Halse, stieß ihn, daß er mit Der scharfe Widerspruch der verbündeten Regierungen, die be- Schluß der Session eintreten soll, von dem Wohlverhalten des dem Kopfe an die Wand flog, griff nach dem Degen und schrie: stimmte Erklärung, daß das Gesez bei Aufrechterhaltung eines Reichstages abhängig zu machen. Die Vertagung des Reichs- Steh still A.., ich erstech' Dich, Du dreckiges solchen Beschlusses unannehmbar sei, hat jene Neigung bei den tages hat den Wert, daß mehrere größere Gesetzes- Schwein, dummer Hund, elender Krüppell" Mehrheitsparteien im Reime erstickt, allerdings zum größten vorlagen, deren Bearbeitung im Reichstage erst begonnen hat, Kameraden des Mißhandelten, die als Zeugen vernommen wurden, Born der radikalen Minderheit. Vom Standpunkte der ver- in den nächsten Herbst hinübergerettet werden können und dann nicht haben den Lärm gehört und Kera mit rotem Gesicht, eine Beule am fassungsrechtlichen Theorie muß es ja freilich auch einen mert erst von neuem in Beratung genommen werden müssen. Es ist eine Kopf und aufgeplaktem Geschwür am Halse aus dem Bureau des würdigen Eindruck machen, wenn eine parlamentarische Körperschaft beleidigende Zumutung gegen den Reichskanzler, daß er an dieser Feldwebels kommen sehen. Alle diese Angaben bestreitet der Angeklagte und bei der ersten Beratung eines Gesezentwurfs einen Gedanken an- selbstverständlichen Förderung der Gesetzgebung nur mitwirken wolle, behauptet, der Zeuge lige. Der Verhandlungsführer ermahnt den Feldregt, der mit der näheren Prüfung des Entwurfs betraute Aus- sofern der Reichstag zum Entgelt Kolonialgesetze nach Regierungs- webel zum Geständnis, es sei doch eine menschliche Sache, schuß daraufhin ihn in das Gesetz aufnimmt, und nachher das wunsch zur Erledigung bringe. daß einem einmal die Geduld ausgeht und man sich bloße Stirnrunzeln der Regierung genügt, um die Idee sofort fallen zu lassen. Indessen dieses auffallende Verhalten hatte doch seinen besonderen Grund. Auch innerhalb der Parteien, die in der Frauenfrage durchaus nicht auf dem Standpunkt der reinen der Frauenfrage durchaus nicht auf dem Standpunkt der reinen Negation stehen, herrschte wohl eine gewisse Geneigtheit, in geeigneten Fällen entgegenzukommen, aber keine einheitliche eifern zu hören, welche fort und fort zweifellose Reichs= und klare Ueberzeugung, was auf diesem Ge= biete nun eigentlich anzustreben und was zu verhindern sei. Das ging aus allen Reden hervor. Alle ließen durchblicken, daß die Meinungen ihrer Freunde geteilt feien, daß man die Sache als einen Verfuch auffasse, über dessen Trag weite und Folgen man sich selbst noch nicht gründlich genug Rechenschaft gegeben habe. Dieser von vornherein lanen Haltung der Parteien stand die außerordentliche Entschiedenheit des Widerspruches der Regierung gegenüber. Hier ist der wirkliche Grund für das voraussichtliche Scheitern einer geringen Reform des Frauenrechtes aufgedeckt von einem, der die Verhinderer der Reform genau kennt und ihr Parteifreund ist. Wäre es den Nationalliberalen und den andern Umfallsparteien auch nur einigermaßen ernst um die Durchführung des Frauen- Stimmrechts für die Kaufmannsgerichte gewesen, so würden fie dem Regierungswiderstand ganz anders begegnet sein. Ja, es ist festzustellen, daß die Regierung zu ihrer Schroffen Stellungnahme erst ermutigt worden ist durch die Erkenntnis, wie wenig ernst es den Mehrheitsparteien in dieser Angelegenheit ist und wie froh eine große Anzahl von Mitgliedern der Mehrheitsparteien sind, wenn sie durch die Regierung von der Zustimmung zu den Kommissionsbeschlüssen erlöst werden. Die Ausrede vom leider nicht zu überwindenden Widerstand der Regierung ist durch das unvorsichtig offene und sicherlich bald bedauerte Berlin Münchener Zugeständnis von der von vornherein lauen haltung der Parteien" vollends unmöglich geworden. 104 * Deutsches Reich.me Kapitalistisches Cölibat. " Was als absurde Besonderheit des Stummfchen Königtums galt, das erreicht jetzt auch die Reichshauptstadt. Die Welt am Montag" teilt den folgenden Erlaß des Herrn Regierungsrat a. D. b. Studnik mit, des Chefs des Deutschen Druck- und Verlagshauses in der Lindenstr. 26, der auch Herausgeber der Deutschen Warte" ist: Bum Umlauf bei den Geschäftsführern und den unverheirateten männlichen Angestellten der Geschäftsstelle; dann zu den Akten: " Innere Einrichtung": Um übereilten Schritten vorzubeugen und die wirtschaftliche Lage unsrer Angestellten vor Gefahren zu schützen, ordne ich an, daß wir zu einer Verheiratung nur dann unser Einverständnis geben können, wenn ein Monatsgehalt von mindestens 150 Mart erreicht ist oder ein entsprechendes Vermögen oder ein entsprechender Erwerb der Frau nachgewiesen wird. Zuwiderhandlungen ziehen grundsätzlich die Kündigung nach sich. Das neu eintretende Personal ist stets mit Berücksichtigung der hier niedergelegten Grundsäße zu wählen. Neu eintretende Unverheiratete sind mit dieser Vorschrift betannt zu machen. den 8. Juni 1904. b. Studnitz." Herr v. Studniß erläßt Verfügungen wie der absolute Staat. Grordnet an" und, wer seine privaten Verhältnisse nicht so cinrichtet, wie der kapitalistische Regent befiehlt, hinaus auf die Straße! Er nimmt in Anspruch, daß die Angestellten seines Betriebes denjenigen Lebensschritt, der vor allen andern der selbständigen Verantwortlichkeit jedes Mannes zusteht, nicht ohne sein Einverständnis thun dürfen bei Strafe sofortiger Entlassung Er stellt die ungeheuerliche Zumutung des unfreiwilligen Cölibats. Er fordert von seinen Angestellten für den Lohn, den er zahlt, nicht nur die Arbeitskraft, sondern eine ihm beliebende private Lebensweise, die zudem schwere sociale und sittliche Gefahren in sich schließt. " Die socialdemokratische Interpellation gegen das preußische vergißt, das könne jedem passieren. Der Angeklagte bleibt bei seiner Kontraktbruch- Gesetz ist den Konservativen recht zuwider.„ Konser- Ableugnung. Der Anklagevertreter nennt es eine Dummheit, zu vative Korrespondenz" und" Kreuz- Zeitung" wenden sich eifervoll sagen, die Zeugen lügen, und eine Frechheit, sie des Meingegen das socialdemokratische Bestreben, preußische Landesangelegen- eids zu beschuldigen. Der Feldwebel leugnet trotzdem und wird heiten vor den Reichstag zu ziehen". Von allem andern abzusehen schließlich, da ein minder schwerer Fall vorliegt, zu neun Tagen es nimmt sich sehr heiter aus, die Blätter derjenigen Partei also gelindem Arrest verurteilt! Der Verteidiger, ein Lieutenant, schilderte den Feldwebel als haben doch erst jüngst die Granden, der konservativen Partei im Animosität herrsche. Das Geschwür am Halse sei wahrscheinlich angelegenheiten im preußischen Landtag behandelt. einen energischen, strammen Soldaten, gegen den eine gewisse errenhause sich die gesamte innere Reichspolitik an- von selbst geplast, der Feldwebel habe den Mann augengeeignet! Die von einigen Einzelstaaten unternommene Behandlung scheinlich angefahren, dieſer ſei erschrocken und vielleicht an die der Kontraktbruch- Materie ist aber ebenso fehr Reichssa che, schlauen Beweisführung schloß sich das Gericht nicht an, die Milde Wand geprallt, wobei er sich selber die Beule schlug! Diefer wie die allgemeine Reichspolitik nicht Landessache ist. solchen Urteils aber ist unverständlich. Zur Hofbant- Affaire wird in der„ Bresl. 8tg." der dem Landwirtschaftsminister v. Podbielski gehörige Anteil also besprochen: Was erfährt der Kaiser? In dem Pommernbankprozeß hat Geheimrat Budde unter seinem Eide ausgesagt, er habe mit dem Landwirtschaftsminister v. Podbielski über die leidige Angelegenheit gesprochen. Herr v. Podbielski hat also in diesem Gespräch erfahren, was die Deffentlichkeit erst seit wenigen Tagen weiß. Er hat er fahren, daß die interessanten Herren Schulz und Romeid nach Hunderttausenden bezifferte Zahlungen an den Oberhofmeister Freiherrn v. Mirbach gemacht haben, und man sollte meinen, nach diesem Gespräch hätte sich ungefähr die folgende Ueberlegung im Gehirn des Herrn v. Podbielski abspinnen sollen: Das Centrum in der Klemme. Aus München wird uns geschrieben: Der bayerische Kriegsminister und das Centrum leben seit dem Fall Eras- Dr. Pichler auf dem Kriegsfuße und nach wiederHolten Versicherungen der Centrumspresse soll es bei der in einigen Wochen stattfindenden Beratung des Militäretats zur offenen Feldschlacht kommen. Nun weiß aber ein liberales Blatt, dem man gute Beziehungen zur Regierung nachsagt, die„ Augsburger Abendzeitung". zu melden, unter den besseren Elementen" des Centrums verspüre und die Sache friedlich aus der Welt zu schaffen. Die„ Abendzeitung" man ein starkes Bedürfnis, mit dem Kriegsminister sich zu verständigen Wenn diese Angelegenheit bekannt wird, so muß das den meint, dieser Wunsch sei nur dann realisierbar, wenn das Centrum Majestäten sehr peinlich sein. Sie wird aber ganz sicher be- auf jede Erörterung dieser Angelegenheit in der Kammer vorbehalt= kannt, denn wir leben nun einmal im Zeitalter der Deffentlich- los Verzicht leiste. Die Centrumspresse behauptet nun zwar, die feit. Es dürfte sich also empfehlen, daß man etwaigen Ent- Darstellung der„ Augsburger Abendzeitung" laufe der Wahrheit hüllungen zuvorkommt. Das unsaubere Geld muß zurückerstattet direkt zutvider( Bayerischer Curier") und das Centrum könne weder werden, und dann kann man im Notfall ruhig erklären: Jawohl, die maßlose Beleidigung Dr. Pichlers ruhig hinnehmen, noch Herr v. Mirbach ist dupiert worden. Wir machen aber frei- fönne es ungerügt hingehen lassen, daß sich der Kriegsminister in ein willig und ohne durch einen Skandal dazu genötigt zu sein, gut, schwebendes Gerichtsverfahren einmischte mit dem bekannten Aus( Augsburger Postzeitung".) Aber nun kommt die Frage, was seine Leichtgläubigkeit oder sein frommer Uebereifer schlecht gang. gemacht hat. Juristisch sind wir vielleicht nicht dazu verpflichtet, to as das Centrum gegen den Kriegslöwen unternehmen wird, und moralisch find wir's ganz sicher. In erster Linie Herr v. Mirbach da liegt eben der Hase im Pfeffer. Schon die nachstehenden Aeußerungen der Augsburger Postzeitung" bereiten darauf vor, daß man selbst, der schließlich doch die ganze Sache eingebrockt hat. nicht so scharf schießen wird, wie manche Leute wohl erwartet haben. Die Postzeitung" schreibt nämlich: „ Es ist nicht die Person des Kriegsministers, welcher diese Auseinanderfeßung gilt, es ist keine Absicht da, ihn aus seinem Amt zu drängen. Das ist ureigenstes Recht der Krone, ob sie einen Minister halten will oder nicht. Wir haben auch schon früher hervorgehoben, daß gar manche Seite der Thätigkeit des Frhrn. v. Asch sympathisch berührt: er war ein humaner militärischer Vorgesehter, er ist dem Genossenschaftswesen der Bauern entgegengekommen, und gerade er hat sehr wesentlich zum Sturz des Grafen Crailsheim beigetragen. Allein die höhere Rücksicht auf die Sicherstellung der Militärrechtspflege zwingt trob allem dazu, bei der Beratung des Militäretats das Geeignete vor= zusehen." Aber weiter, Herr v. Mirbach gehört zu den Unbelehrbaren. Er ist nun schon einmal reingefallen", aber nicht durch Schaden flug geworden und daher ist anzunehmen, daß er seine Propaganda unbeirrt durch die Ereignisse fortsezen wird. Das muß unmöglich gemacht werden, also muß er fallen. Ein Mann, der so wenig Menschenfenntnis besitzt, ist überhaupt nicht geeignet, die Kaiserin zu beraten. Förderlich sind solche Vorgänge dem monarchischen Gedanken nicht, also bin ich als Monarchist, als Minister und als persönlich mit dem allerhöchsten Vertrauen beehrter Mann, dreifach verpflichtet, einer Wiederholung vorzubeugen. Dazu giebt's nur ein Mittel: ich erbitte eine Audienz bei Seiner Majestät und trage dem Kaiser die ganze.. bor." . Dies, meine ich, wäre der naturnotwendige Ge dantengang. Indessen, wenn er sich vielleicht auch bei Herrn v. Podbielski eingestellt hat, so hat er doch nicht die rettende That erzeugt. Herr v. Podbielski hat geschwiegen. Wahrlich, dies Schweigen ist sehr befremdlich. Wenn solche Dinge nicht zur Kenntnis des Monarchen gelangen, dann scheint die Frage berechtigt: Was erfährt der Kaiser?" " Eine Kompromißgeburt. Die liberale Volts"- Aufregung über den Schulantrag hat den hochweisen Rat, so sich Centralvorstand der nationalliberalen Partei nennt, auf die Beine gebracht. Der Centralvorstand hat unter Vorsitz des alten Hammacher" getagt" und nach unendlicher Beratung folgenden urkomischen Beschluß gezeugt: Der Centralvorstand erkennt an, daß der im preußischen Abgeordnetenhause eingebrachte Schulantrag sich im Einklang befindet mit derjenigen Stellungnahme, welche die nationalliberale Landtags- Fraftion in Preußen in den Jahren 1892, 1896 und noch 1903, ohne Widerspruch in der Partei zu finden, in der Schulfrage eingenommen hat. " " Das Recht der Krone! Das ist das Hemmnis, das die Ultramontanen seiner Zeit selbst aufgetürmt haben, und das sie nun hindert, ernstlich etwas gegen den Kriegsminister zu unternehmen. Es ist Thatsache, daß in der Centrumsfraktion lange und eingehende Beratungen stattgefunden haben, was gegen Herrn v. Asch geschehen soll. Aber alle Vorschläge, die gemacht wurden, hat man wieder verworfen, weil sie gegen die vom Centrum aufgestellten Grundsäke über die Rechte der Volksvertretung gegenüber der Regierung verstoßen. Nach der ultramontanen Theorie ist es verfassungswidrig, wenn die Socialdemokraten einen Etat ablehnen oder auch nur ein Ministergehalt streichen. Im Jahre 1895 haben unsre Genossen im bayerischen Landtage anläßlich der Vorgänge in Fuchsmühl ein Tadelsvotum für die Regierung beantragt. Das Centrum hat sogar diefen Antrag niedergestimmt, weil er gegen die Bestimmungen der Verfassung verstoße, die Kammer dürfe keinen Tadel gegen die Minister aussprechen, weil sie diesen nicht übergeordnet seil Nun hat das Centrum zivar nach dem Sturz des Kultusministers Landmann im Juli 1902 aus politischen Erivägungen" die bekannten 100 000 W. gestrichen, die zum Ankauf von Kunstwerken bestimmt waren. Aber im Militäretat hat das Centrum bisher, so viel man hört, noch keine Position gefunden, die nach seinen Theorien gegreiflich, daß den Ultramontanen eine friedliche Verständigung mit dem Kriegsminister nicht unangenehm sein würde. Eine solche herbeizuführen, sollen sich nach glaubwürdigen Mitteilungen des Ministerpräsident v. Po dwi Is und der Minister des Innern v. Feiliksch lebhaft bemühen. Was dabei herauskommt, wird man ja bald genug erfahren. Er spricht die durch alle Erklärungen der Landtags: Fraktion gerechtfertigte Erwartung aus, daß sie bei Ausgestaltung des Gejezentwurfs bestrebt sein wird, der Simultanschule eine rechtliche Stellung zu verschaffen, die nicht nur die gesetzlich und tatsächlich bestehenden Simultanjchulen unstrichen werden könnte. Unter solchen Umständen erscheint es ganz be verändert aufrecht erhält, sondern auch die weiter entwickelung dieses Schulsystems auf der Linie feiner grundsätzlichen Gleichberechtigung möglich macht." " v. Trothas Ankunft. Die obere Hälfte dieser Kompromißgeburt enthält eine Wahr Natürlich ist dieser Despotismus ein„ aufgeklärter", wie jeder Despot sein Regiment im Interesse der Unterthanen geübt haben heit, die man bisher immer abgeleugnet hat, und auf die wir fofort hingewiesen haben: die Nationalliberalen haben thatsächlich sich in will. Herr Regierungsrat a. D. v. Studnis beabsichtigt nur über den letzten Jahren, ohne Widerspruch zu finden, für die konfessionelle cilten Schritten vorzubeugen", nur unsre Angestellten vor Gefahren Volksschule ausgesprochen. Eine Denkschrift betreffend die Wohnungs- Fürsorge" zu schützen". Der Kapitalist schützt die Angestellten vor Gefahren, Der zweite Teil des Beschlusses aber erwartet" etwas, was im Reiche und in den Bundesstaaten" ist seitens des Reichsamtes indem er sich selbst vor der Zahlung auskömmlicher sowohl im Widerspruch mit der bisherigen Haltung wie mit dem des Innern jetzt dem Reichstage zugegangen. Der Reichstag hatte Gehälter schützt. Der Kapitalist beugt übereilten Schritten" liberal- konservativen Kompromißantrag steht, der die Konfessions im vorigen Jahre eine Resolution beschlossen, in welcher eine solche der Angestellten vor, indem er den eignen Schritt in der Entlohnung schule gesetzlich festlegt. Nun brauchen aber die Nationalliberalen Denkschrift gefordert wurde. Der Denkschrift ist ein sehr umfangbloß zu erklären, wie dies der Freifinnige Herr Ernst schon gethan reicher Anlagenband beigegeben. Wir kommen auf diese Arbeit seines Bersonals möglichst verlangsamt. Die Antwort auf derlei kapitalistischen Cölibatszwang ist die hat, der Antrag wolle die bestehenden Simultanschulen erhalten und zurück. ihre Weiterentwicklung ermöglichen, so ist der Friede der Phrase Gegenforderung der Angestellten, die private Lebensweise der Chefs hergestellt: Der Liberalismus ist gerettet und die Konfessionsschule zu kontrollieren und die Verausgabung des aus ihrer Arbeitskraft hat gestegt! Generallieutenant v. Trotha meldet:" Bin am 11. Juni in gezogenen Gewinns einzuschränken. Das würde zugleich dem Chef Die Simultanschulen in Hessau Nassau sollten nach einer Mit- Swakopmund eingetroffen. Nach Meldung des in Swakopmund bes und den Angestellten helfen: der Chef wird vor den Gefahren des teilung der Frankfurter Boltsstimme" beseitigt werden. Die findlichen Majors v. Glasenapp soll der südlich des Waterbergs am verderblichen Lurus geschüßt, die Angestellten können das geringe Nordd. Allg. 8tg." stellt das in Abrede. Omurambo wa Matako vereinigte Feind vielleicht 6000 Gewehre Monatsgehalt von 150 M. beziehen und mit Einverständnis ihres Kinderarbeit. Das Schulgesch im Großherzogtum Sachsen- start sein. Ich bin am 13. mittags in Okahandja." Chefs heiraten. Weimar hatte schon, ehe das Reichsgesetz betreffend die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben in Kraft trat, eine weitgehende Der neue Nachtragsetat. Bestimmung zum Schutze der Kinder vor Ausbeutung. In der Montagssigung des Bundesrates wurde bem fümmerten sich Behörden, Lehrer und Arbeitgeber wenig um die Gefeßentwurf, betreffend je einen Nachtrag zum ReichshaushaltsBestimmungen. Jetzt haben nun die Gemeindebehörden die An Etat für 1904 und zum Haushalts- Etat der Schutzgebiete für 1904 weisung erhalten, über die strenge Durchführung der reichs zugestimmt. gesetzlichen Bestimmungen zu wachen. Bei den vorgenommenen Es scheint daher, als solle auch dieser Nachtragsetat noch sofort eine große Anzahl Uebertretungen Ein unwürdiger Vorgang. Vor den Pfingstferien tam aus dem Revisionen sind Seniorenkonvent des Reichstages die Mitteilung, daß der Reich 3- festgestellt worden. In Apolda sind bei annähernd 21 000 in dem Reichstag vorgelegt werden. Die Rechnung steigt!-d fanzler geneigt sei, nach Pfingsten die Bertagung des Reichs- wohnern über 1200 Arbeitskarten für Schulkinder ausgegeben, das tages herbeizuführen, es bedürfe dazu nur noch der Genehmigung des entspricht gegen 40 Prozent aller schulpflichtigen, oder über 90 Prozent dlan Die Kaiſers. Seitdem ist die Frage, ob de Schiebe, noch jest, wenige Behörde weist in einer amtlichen Bekanntmachung auf die hohen Reichstag bertagt oder ge- in den zur Arbeit freigelassenen Altersklassen der Kinder. schlossen werden soll, noch immer in Tage vor dem beabsichtigten Abbruch der Arbeit! Eine parlamentarische Strafen bei Uebertretungen hin und betont, daß die Polizeiverwaltung eine Revision vornehmen muß. Ferner wird Korrespondenz sagt dazu: in derselben Bekanntmachung noch gesagt: " Wie denkt übrigens die Redaktion der Deutschen Warte" über den Utas ihres Verlegers? Oder wie lautet der Ufas des Herrn v. Studniß an unfre Redakteure", der um übereilten Schritten vorzubeugen" die Besprechung kapitalistischer Standalosa verbietet? Die Arbeiten des Reichstags werden, wie man annimmt, am Donnerstag( 16. Mts.) eingestellt werden. Auch jetzt ist die Frage, ob Bertagung oder Schluß eintreten wird, noch ungelöst. Die Auffassung macht sich aber in maßgebenden Kreisen dahin geltend, daß der Reichskanzler Graf Bülow an den im Seniorenkonvent vom Präsidenten vorgetragenen Wünschen bezüglich der Erledigung des Arbeitsprogramms festhält. Er ist fest entschloffen, falls seine Wünsche unberücksichtigt bleiben, namentlich auch die beiden Kolonialaefeße( Anleihe für Togo und Leider OP Ausland. Entfesselte Portefeuillesucht. Paris, 11. Juni.( Eig. Ber.) Das Kabinett Combes hat wieder einmal eine Sturmattacke der Ungeduldigen, die sich an seine Stelle daß die Polizeiverwaltung in feiner Weise für das Bekannt zu sehen wünschen, erlitten und zurückgeschlagen. Es war eine der werden des Gesezes Sorge zu tragen verpflichtet ist. Es handelt widerlichsten Kanımerschlachten, die je vom rohen nichts als macht sich um ein Reichsgesez, dessen Vorschriften kennen zu lernen begierigen Ehrgeiz geliefert worden sind. Grundsätze, Programme, jedermann auf seine eigne Gefahr überlassen bleibt." ja die einfache Einsicht in die Bedingungen und Folgen des Dieser Hinweis sieht natürlich einer Entschuldigung der Behörde erstrebten Ministersturzes und und der elementarste politische An - alles und jedes trat bei den Angreifern zurück gegenüber den Unternehmern, die nicht mehr ungehindert für ein standDie hinter der ebenso schoffen wie wütenden Portefeuillesucht. Und an paar Groschen die Kinder ausnuten fönnen, sehr ähnlich. Gemeindebehörde ist unschuldig, es ist ja ein Reichsgefez!- der Spize der traurigen Sturmtolonne von links, die sich auf die im Hinterhalt lauernde Reserve der klerikal-monarchistischen und melinistischcn Rechten stützt, stand wieder Millerand, Der vorgeschützte Gegenstand der ministerstürzenden Interpellation hatte mit der allgemeinen Politik des Kabinetts nichts zu thun. Es handelte sich— der Form wegen— um den neuen Tarif der Sach- Walter-Gcbühren, der die Rechtspflege für die mittlere Bourgeoisie stark verteuert. Nun aber hatte der gegenwärtige Justizministers Volle besagten Tarif von seinen: Vorgänger im Kabinett Waldeck- Rousseau als fertigen Entwurf übernommen. Millerand selbst und seine ehemaligen Ministerkollegen, die sämtlich gegen Combes intriguieren, sind also an ihrem Teil für den Tarif verantwortlich. Andrerseits hatte Valle schon vor längerer Zeit die Notwendigkeit der Abänderung des Tarifs anerkannt und bereitete auf Grund der gemachten Erfahrungen diese Maßregel vor. Thnt nichts l Millerand verlangte dennoch als einzig enrsprechcnde Sühne für den von ihm mitverschuldeten Fehlgriff den Sturz des Kabinetts Combes.... Uebrigens wurde die Tarifbeschwerde mit Behendigkeit zu einer „allgemein-politischen" Beschwerde wider das Ministerium erweitert. Millerand wiederholte seine Kritik gegen den ausschlietzlichen und unwirksamen Antiklerikalismus im Namen der vernachlässigten Socialreformen. Von da an wurde die Debatte zu einem heftigen Zweikampf zwischen Millerand und Combes. Der Ministerpräsident entlarvte in rücksichtsloser Sprache das falsche Spiel seines Gegners, der es nicht verschmäht, ein Ministerportefeuille mit Hilfe der Reaktion zu ergattern, der über den einseitigen Anti- klcrikalismus klagt und dabei als Rechtsanwalt der Liquidatoren der Kongregationen ein schweres Geld verdient. Noch mehr. Um Millerand dauernd kampfunfähig zu machen, wagte der Ministerpräsident eine folgenschwere Enthüllung über Millerands Rolle bei der Vertuschung der so- genannten Affaire der Karthäuser-Millionen. Es handelt sich um die klerikale Verleumdung, wonach Combes oder sein Sohn, der als Generalsekretär des Ministeriums des Innern fungiert, vom Karthäuscr-Orden eine Million Bestechungsgeld verlangt hätte, um diesen Orden zu verschonen. In Wirklichkeit hatte Combes Sohn einen Bcstechungs a n t r a g in der Höhe von zwei Millionen abgelehnt, und der Ministerpräsident liest eine gerichtliche Untersuchung gegen Unbekannt anordnen, um den oder die Bestecher zu ermitteln, nachdem die Klerikalen juw Verleumdung in die Welt gesetzt hatten, eine desto plumpere Verleumdung, als die Regierungsvorlage auf Ab- schagung de? Karthäuser-Ordens bereits drei oder vier Monate vorher eingebracht war. Doch wurde die gerichtliche Untersuchung mit«inem„Ncn-lieu"(ergebnislos) abgeschlossen. Combes enthüllte nun jetzt, auf die Gefahr hin. sich selbst blostzustellen, dast die Untersuchung ans die Bitte M i l l e r a n d s e i n g e- st e l l t lo u r d e„in einem höheren politischen Interesse", trotzdem er, Combes, dadurch sich der Möglichkeit begab, seine Verleumder an den Pranger zu stellen. Das„höhere politischeJnteresse" ist das Interesse einer mehr oder minder hochstehenden republikanischen Persönlichkeit, die in der Bestechungsaffaire kompromittiert ist! Wohlgemerkt, wie die offiziöse Presse bereits andeutet, handelt es sich um einen dem Kabinett Waldeck-Rousseau nahestehenden Politiker. Combes hätte also sein eignes Interesse dem besagten„republikani- scheu" Interesse geopfert auf Millerands Bitte hin. Und Millerand? An die Wand gedrückt, musttc er nach einem miserablen Ausweichungs- versuch schliestlich, loie ein im Kreuzverhör erwischter Angeklagter, die von Combes angeführte Thatsache bestätigen. Er entwürdigte sich aber dabei zum Kniff eines vom Rachedurst geblendeten Menschen: ans die wiederholte Anrufung seines Zeugnisses durch Combes, dast dieser durch die Einstellung der Untersuchung auf den gerichtlichen Beweis füp seine beziehungsweise seines Sohnes Un- schuld verzichtet hat, antwortete Millerand mit der verdächtigenden Wendung, ihm wäre kein derartiger Unschuldsbeweis bekannt. Andrerseits wälzte er die ganze Verantwortung für die Einstellung der Untersuchung auf den Ministerpräsidenten ab.... Genug, Millerand ist als Politiker wie als Mensch einige Stufen weiter gesunken. Seine bisherigen Freunde betrauern ihn als einen Gefallenen.„Wohin gehen Sie, Millerand? Was sind Sie ge- worden?" sagt V i v i a n i in Jaurvs Zeitung„Humanite" und wirst ihm vor, seine„ehemals so erhabenen" Eigenschaften zu ver- geuden und zu verlieren im Dienste eines ungeduldigen„Ehrgeizes, dem es genügt hätte, zu warten, um gesättigt zu werden"... Das unmittelbare parlamentarische Ergebnis der Attacke, über das der Telegraph schon berichtet hat. war für Millerands Ehrgeiz ebenso traurig, wie ihr moralisches Ergebnis für sein Ansehen. Aber auch dem Ministerpräsidenten hat sich gezeigt, so unzweifelhaft seine persönliche Ehrenhaftigkeit ist, wie jeder Versuch einer VerHeim- lichungspolitik in angeblich„Höherem Interesse" verderblich ist. Paris, 13. Juni. Der nastonalistische Depusierte Gauthier de Elagny teilte dem Handelsminister mir, dast er an ihn die Frage richten werde, welche Maßnahmen er bezüglich des Beamten zu er- greifen gedenke, der vom Ministerpräsidenten als Urheber der Bestechung angegeben worden sei. In mehreren Blättern wird behauptet, dast der seiner Zeit in die Angelegenheit des Cornelius Herz verwickelte Ingenieur Chabert, der gegenwärtig eine hervorragende finanzielle Stellung besitze, in der Karthäuser- Affaire die Rolle eines Unterhändlers gespielt habe. Ein Freund Chabcrts erzähle, vor etwa drei Jahren, als das Gesetz üher die Aufhebung der Kongregationen vorbereitet wurde, habe man ihn aufgefordert, nötigenfalls die Fabrikmarke der Karthäuser zu kaufen, dhabert habe damals zu Lagrave, der Beamter im da- maligen Handelsministerium Millerand war, geäustert, ohne dabei im entferntesten an eine Bestechung zu denken, die Karthäuser seien bereit, zwei Millionen herzugeben, wenn ihre Kongregation zu- gelassen werde.—_ Frankreich. Paris, 13. Juni. Die Deputiertenkammer nimmt die Beratung des GesetzentwurfeS�betreffend den zweijährige» Militär- dienst ivieder auf. Bei dem Artikel 12, welcher die Bedingungen des Dienstes für die naturalisierten Franzosen enthält, beantragt der Abhe Lemire ein Amendement, nach welchem die naturalisierten Franzosen dieselben Verpflichtungen habe» sollen, wie die geborenen Franzosen. Berteaups spricht gegen dieses Amendement, dessen Be- stimmungen ein Hindernis für die Naturalisierung bilden würden. Das Amendement wird schliestlich mit 329 gegen 224 Stimmen ab- gelehnt und Artikel 12 angenommen.— Belgien. Brüssel, 13. Juni. Das Ergebnis der gestrigen Stichwahlen zu den Provinzialwahlen ist zuGunsten der L i b e r a l e n u n d zum Nachteil d er Klerikalen ausgefallen. Der Verlust der Klerikalen beläust sich in der Provinz Brabant auf drei Sitze, Ost- flandern 5, Hennegau S, Lüttich 10, Luxemburg 3, Namur 5 und Limburg 1 Sitz. England. London, 13. Juni.(Unterhaus.) Auf eine Anstage, ob zwischen England und Rustland Verhandlungen über den Abschluß eines Ver- träges stattfinden, der auf denselben Grundsätzen beruhe wie das englisch-französische Abkommen, erwidert Premierminister Balfour, dast dies nicht der Fall sei.— Afrika. Marokko. Der Londoner Schriftsteller A. I. Dawson hat von dem in Marokko von Briganten gefangen genommenen Amerikaner Perdicaris einen Brief vom 4. d. M. erhalten, in dem Perdicaris ei klärt, der Zweck seiner Gefangennahme sei, die Freilassung von Mitgliedern des Stammes Raisnlis sicher zu stellen, die verräterischer Weise von dem Gouverneur von Tanger gefangen genommen und eingekerkert worden seien. Der„Times" ist aus Tanger die Meldung von einem über ganz Marokko verbreiteten gut organisierten Komplott zur Absetzung des Sultans zugegangen. Dasselbe habe nichts mit dem letzten Ans- stände gcinenisam, sondern habe seinen Ursprung in den gebildeten und religiösen Klassen und Iverde von vielen hervorragenden Persönlichkeiten unterstützt, Der Aufstand sei vereinbart worden, bevor das englisch-stanzösische Abkommen bekannt war; er sei durch das Abkommen jedoch verstärkt worden, da der Sultan jetzt an- geklagt werde, das Land an Frankreich zu verkaufen. Der Sultan, dem das Bestehen der Verschwörung bekannt sei, werde vielleicht gezwungen werden, Fez zu verlassen und werde in diesem Falle wahrscheinlich nach Tanger gehen.— Amerika. Buenos Aires, 12. Juni. Die Wahlkollegien, die heute in der Hauptstadt und in den Provinzen versammelt waren, wählten Manuel Quintano zum Präsidenten und Jose Figueroa Alcorta zum Vicepräsidcnten. Die Wahlen sind in vollster Ruhe verlaufen. Die Uebergabe der Amtsgeschäfte erfolgt am 12. Oktober. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Das Gerücht von einer großen Seeschlacht bei Port Arthur Ivird aus Petersburg gemeldet, Zwei russische und vier japanische große Schiffe sollen unter- gegangen sein. Jedoch liegt bis jetzt noch keine amtliche Be- stätigung vor. Rückzug des Wladiwostok-Geschwaders. London, 13. Juni. Dem„Standard" wird aus Petersburg, den 11. d. M. gemeldet: Es verlautet, hier sei ein Telegramm des Admirals Skrhdlow eingegangen, wonach das Geschwader von Wladiwostok am 7. d. M. 30 Meilen von Port Arthur auf die japanische Flotte gestohen sei, sich aber, da von Port Arthur keine Schiffe ausliefen, zurückgezogen habe; es sei am' 10. Juni nach Wladiwostok zurückgekehrt. Russische Verluste. Tokio, 12. Juni. Amtliche Mitteilung. General Oku meldet, dast die Zahl der in der Umgebung von Naitschau von den Japanern aufgefundenen russischen Gefallenen sich auf 10 Offiziere und 664 Mann beläuft und dast dieselben von der japanischen Militär- Verwaltung sorgsam und mit militärischen Ehren beerdigt worden sind; austerdem wurden in der Nachbarschaft der Lagerplätze noch ungefähr 30 Gefallene von japanischen Truppen beerdigt. Zur Kriegslage. London, 10. Juni.(Eig. Ber.) Ueber die Lage auf dem oft- asiatischen Kriegsschauplatze schreibt Spenser Wilkinson in der heutigen „Morning Post":„Die Bewegung einer japanischen Brigade nach Saimatse erweist sich als ein Teil eines allgemeinen Vorrückens der Kolonne des Centrums und des rechten Flügels. Saimatse wurde am 7. besetzt, und am 3. wurden die Kosaken aus Hsiujen vertrieben. Das Interessante an diesem Vorrücken ist, dast es so geleitet wird, um dem Feinde nicht den ge- ringsten Aufschluß über die Absichten oder den allgemeinen Plan des japanischen Befehlshabers zu geben. Es enthüllt nichts über die Verteilung der japanischen Armee, noch über den Punkt, worauf die Hauptkraft gerichtet ist. Es überläßt den Russen und andern Beobachten: darüber zu spekulieren, ob das japanische Hauptvorrücken am rechten Flügel sich vollzieht, um den russischen linken zu umgehen, oder am linken Flügel, um den russischen rechten an- zugreifen. Dies zeugt von einem strategischen Aufmarsch ersten Ranges... Die Japaner verfolgen einen Plan, den Napoleon einen Doppelzweigigen nannte. Aber da sie nunmehr in Bewegung sind, so dürfte:n wenigen Tagen der Charatter dieses Planes offenbar sein. Mittlerweile wird Kuropatkin verstärkt, wahr- scheinlich durch das 4. sibirische Armeecorps. Wenn er fähig ist die Initiative zu ergreifen, so könnte er den Japanern manche Verlegenheiten bereiten, aber es ist zu spät für ihn, so zu handeln. Es ist bemerkenswert, daß die Japaner entschieden die strategische und taktische Ueberlegenheit besitzen, denn in jedem Treffen gelingt es ihnen, das numerische Uebergewicht zu haben und die russische Stellung zu umgehen." Der„Daily Telegraph" bemerkt heute in einem Leitartikel: „Das Ergebnis dieser Woche kann in wenigen Worten zusammen- gefaßt werden. Port Arthur ist fest eingeschlossen, Kuropatkins Hauptarmee ist fast ebenso sicher zurückgehalten. General Oku hat seinen erwürgenden Griff um die Kehle der verhängnisvollen Festung straffer zusammengezogen. General Kuroki hat im Norden Mast- regeln ergriffen, um Kuropatkin jeden Gedanken an einen Entsatz Port Arthurs auszutreiben. Und es sind Anzeichen vorhanden, daß der seit langem erwartete Angriff in der Umgebung von Niutschwang unmittelbar bevorsteht."_ Hiid Induftric und HandeL Der Tarifkampf der großen englischen und kontinentalen Schiff- fahrts-Gesellschaften gewinnt eine gewaltige Ausdehnung. Auf die letzten Fahrpreisermäßigungen der Hamburz-Amerika-Linie, deS Norddeutschen Lloyd und der mit ihnen Hand in Hand gehenden, dem Morganschen Dampfertrust angehörenden englischen Linien ant- wortet jetzt wieder die Cunard-Linie mit neuen Herabsetzungen ihrer Passagierpreise. Wie aus London gemeldet wird, hat die Cunard-Linie beschlossen, die Fahrpreise dritter Klasse von Liverpool nach New Dork oder Boston wie folgt herabzusetzen: Für die Dampfer „Campania" und„Lucania" auf fünf Pfund Sterling, für„Umbria", „Etruria",„Jvernia" und„Saxonia" auf 55 Schilling, für„Carpathia" und„Aurania" auf 50 Schilling. Den Fahrpreis dritter Klasse von Rotterdam, Hamburg, Bremen oder Antwerpen nach New Jork oder Boston setzte die Gesellschaft auf drei Pfund Sterling fest. Aber nicht nur durch Tarifermästigungen wird der Krieg geführt. Die Hamburg-Amerika-Linie sucht auch der Cunard-Linie ihr Auswanderungsgeschäst von Fiume nach der nordamerikanischcn Union zu stören, das die Cunard-Linie bekanntlich mit Hilfe der ungarischen Regierung begründet hat. Aus Hamburg wird nämlich telegraphisch gemeldet: „Zwischen der österreichischen Reederei Austro-Americana (Fratelli Cosulich) in Trieft einerseits und der Hamburg-Amerika- Linie und dem Norddeutschen Lloyd andrerseits ist ein Abkommen getroffen worden, welches die Beteiligung der deutschen Reedereien an der österreichischen Reederei durch Uebernahme von Aktien vor- sieht. Der Zweck des Abkommens ist in erster Linie die gemeinsame Besorgung des Auswandererverkehrs von Oesterreich nach den Ver- einigten Staaten." Wie die Wiener„Neue Freie Presse" schon vorgestern mitzuteilen wußte, übernehmen die beiden deutschen Linien zunächst für fünf Millionen Kronen neuer Aktien, die baldigst emittiert werden sollen. Die Wichtigkeit dieser Aktion liegt darin, dast die großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften damit in Trieft festen Fuß fassen und an der Auswanderung von Trieft nach New Dork interessiert sind, da die Austro- Americana in Zukunft einen ausgedehnten regelmäßigen Passagier- und Frachtenverkehr zwischen Trieft und den Vereinigten Staaten unter- halten wird. Während also in Ungarn die englische Cunard-Linie den Auswandererverkehr von Fiume nach den Vereinigten Staaten besorgt, wird in Oesterreich die Austro-Americana unter materieller Beteiligung der deutschen Schiffahrtsgesellschaften den Auswanderer- dienst zwischen Trieft und New-Dork führen. Diese Aktion erfolgt selbstverständlich nicht ohne Zustinunung der österreichischen Regierung, welche diese Regelung des Auswanderungsdienstes nach Amerika durch eine österreichische Gesellschaft unterstützt, da hierdurch auch die im Zuge befindliche gesetzliche Reorganisation des österreichischen Auswanderungswesens erleichtert wird. Die Folge des Tarifkampfes, besonders der Fahrpreis- ermästigungen für die Passagiere dritter Klasse und des Zwischen- decks ist bereits eine starke Zunahme der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Zufuhr hat dergestalt zu- genommen, daß die Arbeit der Einwanderungs-Behörden sich nahezu verdoppelt hat. Durch die niedrigen Fahrpreise sind Einwanderer- Elemente herbeigezogen, welche den Be- Hörden als unerwünschte gelten. Infolgedessen ist nahezu die Hälfte der in den letzten Tagen aus Europa ein- getroffenen Zwischendecksreisenden angehalten worden, bis nähere Erhebungen über ihre Verhältnisse angestellt sind. Wahrscheinlich werden viele derselben nach den Einschiffungs- Häfen zurückgeschickt werden, zumal die meisten großen Industrien der Union nur wenig beschäftigt sind und fast überall Arbeitslosigkeit herrscht. Zur Lage der deutschen Walzwcrks-Jndustrie. Die kapitalistische Presse bringt seit einigen Wochen wieder allerlei schöne Nachrichten über die Produktionsentwicklung der Stahlindustrie und den günstigen Einfluß des Stahlwerks-Verbandes ans die Geschäftslage der ge- samten deutschen Eisenindustrie. Nicht wenige dieser Nachrichten dürften ursprünglich direkt aus dem Bureau des Stahlwerks-Ver- bandes stammen oder wenigstens aus einer Anregung desselben ent- standen sein. Zweifellos können die Stahlwerke nicht über schlechte Zeiten klagen; sie finden guten Absatz zu relativ guten Preisen; aber weniger gut steht es um die Fabrikation stählerner Fertigprodukte. Der Fachzeitung„Industrie" wird darüber von ihrem fachmännischen Korrespondenten aus Düsseldorf berichtet: „Wenn der Stahlwerks- Verband gleichbedeutend mit dem deutschen Eisenmarkte wäre, so könnte man diesen als recht be- friedigend bezeichnen. Leider aber liegen die Verhältnisse aus dem F e r t i g m a r! t e ganz anders als in Halbzeug und als in den groben Stahlerzeugnissen der Verbandswerke. Der Stahlverband beherrscht heute den ganzen deutschen Markt; er er- zielt Preise im Jnlande, die den Werken einen reichen Gewinn lassen; in den fertigen Erzeugnissen aber sieht es durchweg noch recht trostlos aus. Ueberall hat man mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und in den meisten Zweigen arbeitet man mit Verlust. Das ist ein andres Bild, als das des Stahlwerksvcrbandesl Bisher ist die Lage der reinen Walzwerke noch kaum etwas besser geworden, trotz des Stahlwerks-Verbandes, von dem man einen baldigen Einfluß auf den ganzen Eisenmarkt erwartete; in den fertigen Erzeugnissen hat man davon wenig bemerkt— wenn man etwa die kleine Auf- besserung der Stabeisenpreise nicht dem Frühjahrsbedarf, sondern lediglich der Wirkung des Stahlvcrbandes zuschreiben will. Um die Blechverbände sieht es schlimm aus. und ein Zusammenbruch scheint fast unvermeidlich— ihn kann auch wohl der Stahlverband nicht aufhalten. Und der Walzdrahtverband ist auch noch nicht an der Schmiede vorbei. Allerdings hört man, daß der Stahlverband jetzt die Vorarbeiten zur Bildung des geplanten Stabeisenverbandes ein- geleitet habe, und zwar zunächst unter den Werken des Stahl- Verbandes selbst. Es wird Zeit, daß etwas geschieht, sonst glljen zahlreiche Werke zu Grunde; für die Stabeisen- und Bandeisenwerke, die Halbzeug kaufen müssen, für das Grob- und Feinblechgewerbe sowie auch für die Drahtindustrie sind die Aussichten nichts weniger als rosig.... Es thut not, aus diese unhaltbaren Zustände hinzu- weisen, damit man von den Berichten des Stahl- Verbandes über seine Lage nicht auf den ge- samten Eisenmarkt schließt, der bekanntlich noch etwas mehr umfaßt, als Halbzeug. Schienen, Schwellen, Träger und Laschen." Der Streit des Kohlensyndikats mit dem preußischen Steuer- fiskus ist vom Oberlandesgericht Hamm zu Gunsten des letzteren ent- schieden worden. So sehr die Leitung des Kohlensyndikats für hohe Profite eingenommen ist, so wenig angenehm dünkt ihr das Steuer- zahlen. Sie nahm daher für ihre mit der Dortmund-Ems-Kanal- Verwaltung abgeschlossenen Kohlenlieferungs-Verträge die Liefe- rungsvorschrift Nr. 3 der Tarifstelle 32 des preußischen Stempel« steuer-Gesetzes vom 31. Juli 1895 in Anspruch, nach der Kauf- und Lieferungsverträge über Mengen von Sachen oder Waren, sofern diese entweder zum unmittelbaren Verbrauch in einem Gewerbe dienen sollen oder im Jnlande in dem Betriebe eines der Vertrag- schließenden erzeugt oder hergestellt sind, vom Lieferungsstempel be- freit bleiben. Der Fiskus war aber damit nicht einverstmtden und zog das Syndikat zur Stempelsteuer heran. Darauf strengte die Syndikatsverwaltung die Klage auf Rückzahlung der von ihr ge- zahlten Stempelgebühren an. indem sie, wie die„Köln. Zeitung" berichtet, die Behauptung aufstellte, die Kohlenlieferung sei nur für den eignen Bedarf der Kanalverwaltung geschehen. Ferner seien die zu liefernden Kohlen als im Betriebe des Klägers erzeugt anzusehen, weil das Syndikat die gesamte Erzeugung der ihm angehörenden� Zechen gekaust habe, es mich die Förderung selbst angebe und die einzelnen Zeche vertrete. Endlich sei der Betrieb des Dortnmnd- En:s-Kanals ein Gewerbe, weil der Kanal nicht bloß dem allgemeinen Wohl, sondern dem Staate auch als Erwerbsquelle diene. Denn der Staat überlasse die Benutzung des Kanals, seiner Anlagen und Fahr» zeuge dem Publikum gegen Entgelt. Bei der Einforderung der Mittel zum Bau des Kanals habe die Staatsverwaltung die Ren- tabilität bestimmt angenommen und in Aussicht gestellt. Das Landgericht Münster wies die Klage kostenpflichtig ab. Darauf appellierte das Syndikat an das Oberlandesgericht zu Hamm, das aber jetzt in gleichem Sinne entschieden hat. Die Begründung besagt: Erstens sind die Kohlen nicht vom Kläger in seinem Be- triebe gewonnen. Das klagende Kohlenshndikat führt keinen Berg- Werksbetrieb, sondern kauft alle Kohlen, die es weiter veräußert» von Zechen, die zu dem Syndikat gehören. Während die Zcchen-l gesellschaften die Kohlen in ihren Bergwerken gewinnen, besteht dev Zweck des Syndikats in der„Beseitigung des ungesunden Weit- bewerbs auf dem Kohlenmarkte", und dieser Zweck wird nach ß l! der Verkaufsbedingungen durch den Ankauf der Kohlen, des Coaksl und der Briquetts der einzelnen Zechen und den Verkauf auf eignck Rechnung ausgeführt.... Zweitens aber ist der Betrieb des Dortmund- Ems-Kanals kein Gewerbe. Der Gewerbebetrieb ist eine auf Er-- werb gerichtete Thätigkeit, die zu einer dauernden Einnahmequelle gestaltet werden soll. Die Erhebung der Kanalgebühren hat aber weder den Zweck noch den Erfolg, dem Staat einen Erwerb zu ver-< schaffen, weil nach Artikel 54 der Reichsverfassung die Abgaben füv die Bcfahrung der künstlichen Wasserstraßen, die Staatseigentum! sind, die zur Unterhaltung und gewöhnlichen Herstellung der An- stalten und Anlagen erforderlichen Kosten nicht übersteigen dürfen und deshalb eine gewinnbringende Thätigkeit der Kanalverwaltung ausgeschlossen ist. Aber selbst wenn die Erhebung der Kanal- gebühren dem Staate einen Gewinn, brächte, würde sich der Kanal- betrieb doch nicht als ein Gelverbe darstellen. Denn die Kanal- gebühren sind öffentliche Gefälle und die Ausübung des ZollregalS ist kein Gewerbebetrieb, sondern die Ausübung eines Staats- hoheitsrechtes. Fahrradkartell. Anschließend an die kürzlich in Kassel statt- gehabte Versammlung deutscher Fahrradfabrikantcn fand heute in! Darmstadt eine neue Versammlung statt, welche den ausschlag- gebenden Teil der Produktion vertrat und an ivclcher sich auch Firmen beteiligten, welche bei den letzten Verhandlungen in Kassel nicht vertreten waren. Nach dem Verlauf der Verhandlungen ist die Gründung der Konvention als gesichert anzusehen, sofern einige« wenige Firmen, welche nicht anwesend sein konnten, noch in den nächsten Tagen beitreten. Die Grundlage dieser Konvention soll! eine Kontingentierung bilden, um, wie es heißt, die Produkidon in Uebereinsftmmung mit dem Bedarf zu bringen und eine Festigung der Preise zu erzielen. Zechen-Stilllegungen. Bekanntlich erklärten vor kurzem ver- schiedene Kohlenbergwerks-Gesellschaften des Ruhrreviers, daß sie keineswegs daran dächten, die Arbeiter der von ihnen angekauften Zechen ohne weiteres zu entlassen. Die Gesellschaften erreichen nämlich ihren Zweck der Stilllegung auch ohne direkte Entlassung. Wie sie es machen, zeigt eine Denkschrift der Gemeinde Weitmar bei Bochum, in der es heißt:„Den Angaben, die Bergwerke würden weiter betrieben, bitten wir dringend, keinen Glauben schenken zu wollen, denn wenn auch die Arbeiter nicht direkt gekündigt werden, so werden dafür aber die Lohn- und Accordsätze so verschlechtert, daß die Leute schon von selbst abkehren, und neue werden nicht an- genommen."— Thatsächlich hat auch bereits auf der benachbarten Zeche»Julius Philipp" die Belegschaft um Hunderte abgenommen» GewcrkfcbaftUcbeö» Berlin und Gmgegend. Zum Bäckerstreik. Der Bäckermeister Robert Heß, Koppenstr. 70, klört seine seitherigen Kunden, die seinen Wortbruch an den Gesellen mit Entziehung der Kundschaft beantworteten, in höchst eigenartiger Weise in einem Flugblatte auf. Die Streikleitung habe ihn, schreibt er. zwingen wollen, seinen ältesten Gesellen, einen braven Familien- Vater, zu entlassen. Darauf sei er, Heh, der für das„innere und äußere Wohl" seiner Gesellen sehr besorgt sei, nicht eingegangen und habe seine Bewilligung zurückgezogen. Wir erklären dazu folgendes: Der Streikleitung ist in keinem einzigen Falle bekannt, daß Meister gezwungen worden sind, bei ihnen seit Jahren beschäftigte Leute zu entlassen. Auch Herr Heß ist nicht dazu gezwungen worden. Wohl aber wurde jedem Meister erklärt, daß wir untersuchen müssen, ob er sein Wort hält und Logis und Kost nicht mehr giebt. Als unser Beauftragter in höflicher Weise bei Heß anfragte, erklärte man ihm kurzweg, die Bewilligung sei am 1. Juni zurückgezogen. Unsres Wissens beschäftigt er nur drei Gesellen: wo die übrigen Unterschriften von Gesellen auf seinem Flugblatt herkommen, ist uns unbekannt. Ob seine drei Gesellen außer Kost und Logis sind oder seiner Sorge für den„äußeren und inneren Menschen" anvertraut bleiben, konnten wir nicht feststellen. Die Streikleitung. Verein der Laternenwärter. In Nr. 133 des„Vorwärts" brachten wir eine Mitteilung der Ortsvcrwaltung des Verbandes der städtischen Arbeiter zum Abdruck, daß die Laternenwärter aus den, Verbände ausgetreten wären. Darauf erhielten wir am Sonnabend von Mitgliedern des Vereins der Laternenwärter folgende Zuschrift, der wir glauben die Aufnahme nicht versagen zu sollen: Daß von feiten der Verwaltung des Verbandes der städtischen Arbeiter ein derartiger Angriff gegen den Verein der Laternenwärter Berlins unternommen würde, hatten wir nie geglaubt. Wir sind deshalb gezwungen zu antworten. Daß die Laternen- Wärter wegen der Erhöhung der Beiträge aus der Organisation aus- etreten sind, ist richtig; da dies schon die dritte Erhöhung ist und io Mitglieder bei einem Tagesverdienst von 2,30— 2,70 M. nicht gewillt sind, diese Erhöhung zu zahlen, denn wir erhalten nicht, wie andre städtischen Arbeiter, 3,50—6,00 M. Lobn. Wir sind sehr gut organisiert: Beweis ist, daß wir ca. 3000 M. jährlich an den Verband zahlten. Man hätte vorläufig den Beitrag auf 20 Pf. belasten sollen, aber man antivortete:„Wollt Ihr denn als organisierte Arbeiter zweiter Klasse behandelt werden?" Da ein größerer Teil von uns parteipolitisch organisiert ist, so ergiebt eS sich von selbst, welche Tendenzen wir verfolgen. JDeutlcKes Reich. Lohnbewegung der Bremer Banarbeiter.(Eig. Ber.) Bremen, 12. Juni 1904. Die Bauarbeiter-Bewegung in Bremen, die am 3. Juni mit dem Ausstand der Zimmerer begann, hat heute durch die Stellungnahme der Maurer und Bauarbeitsleute eine wesentliche Aenderung erfahren. Heute vormittag fanden zwei außerordentliche Rlitgliederversammlungen der letztgenannten Berufe statt, in welchen gleichlautende Vi e s o l u t i o n e n vorgelegt wurden, wonach beide Berufsgruppen den Unternehmern noch 48 Stunden Bedenkzeit lasse» und nach event. Ablehnung der Forderungen alsdann sofort in den Ausstand treten. Die Maurer acceptierten diese Resolution, während die Bauarbeitsleute beschlossen, am Montag sofort in den Ausstand einzutreten. Bei den Maurern war Efftinge- Hamburg erschienen, der entschieden den Stand- Punkt der Resolution vertrat und erzielte, daß letztere mit etwa 1800 gegen 5 Stimmen zur Annahme gelangte. Bei den Bau- arbeitsleuten versuchten M o n k-Hamburg und G r e n i n g-Hamburg vergeblich, die Resolution durchzubringen: sie wurde mit 433 gegen 172 Stimmen abgelehnt. Eine große Anzahl der Versammelten enthielt sich der Abstimmung. Dieser letzte Beschluß hat zur Folge, daß auch die Maurer am Montag nicht mehr arbeiten können und somit ein allgemeiner Bauarbeiter-Ausstand insceniert ist, an dem gegen 6000 Personen beteiligt sein werden. Das Unternehmertum an der Unter» escr. Außer den Maurern, Zimmerern und Bauarbeitern sind im Laufe der letzten Wochen in Bremerhaven-Geestemünde ebenfalls eine Anzahl Tischler ausgesperrt worden, die dem Verlangen der Unternehmer, Arbeiten auf gesperrten Bauten zu verrieten, keine Folge leisteten. Das Unternehmertum begnügt sich damit aber nicht, es will tabula rasa machen. Die gesamten Tischler, welche sich ihm nicht dienstwillig zu Füßen werfen wollen, sollen ausgesperrt werden. Folgendes Rundschreiben gelangte gestern an die in Betracht kommenden Firmen zur Verteilung: Bremerhaven, den 8. Juni 1904. An die Herren Tischlermeister und Inhaber von Tischlerei-Betrieben l Nachdem die Tischlergesellen und einige Werkmeister sich nach wie vor iveigerten, die ihnen aufgetragenen Bauarbeiten aus- zuführen, ist in der am 7. d. Mts. stattgehabten Versammlung der Gruppe„Tischler" des Arbeitgcber-Verbandes von dem Bau- gewerbe der einstimmige Beschluß gefaßt, am Sonnabend- vormittag den sämtlichen in Tischlerei- Betrieben beschäftigten Personen< einschließlich Werkmeister usw.) anliegende Karte zur Unterschrift vorzulegen. Bis Sonuabendmittag 12 Uhr müssen die unterschriebenen Karten im Bureau Mittelstraße 4 abgegeben sein. Mit den Karten ist eine Liste der- j e ii igenPersonen einzureichen, welche dieUnter- schrift der Karte verweigert haben. In dieser Liste sind auch diejenigen Leute einzutragen, welche schon vorher auf- geführt sind, weil sie die Bauarbeit verweigerten. Es wird dringend gebeten, den gesetzten Termin zur Rück- sendung der Karten nicht zu überschreiten, weil dann die schleunige Aufstellung der Streikliste unmöglich wird. Letztere muß aber sofort aufgestellt werden, damit die aufhörenden Leute nicht zuvor bei denWcrften eingestellt werden... Hochachtungsvoll der Vorstand des Arbeitgeberverbandes für das Baugewerbe. I. A.: Stöver, Geschäftsführer. Die in dem vorstehenden Rundschreiben erwähnte Karte, welche den Tischlern zur Unterschrift vorgelegt wurde, hat folgenden Wortlaut: Ich bin bereit, jede mir von meinem Arbeitgeber zugewiesene Facharbeit auszuftihren, und erkenne ferner den für das gesamte Baugewerbe errichteten Arbeitsnachweis als für die Anstellung von Gefellen maßgebend an. Bremerhaven, Geestemünde, Lehe, den 10. Juni 1804. ...... Tischler. Und gegen diesen niederträchtigen und gemeinen Akt der Aus- Hungerungspolitik wendet sich kein Gericht, kein Staatsanwalt; die Arbeiter sind vogelfrei und schutzlos den Brutalitätspraktiken des Unternehmertums überliefert I Tarifvereinbarungen im Malergewerbe. Nun haben auch die Malergehilsen inMünchen mit ihren Meistern vor dem Einigungs- amte einen auf drei Jahre gültigen Tarifvertrag abgeschlossen. In der Hauptsache wurde folgendes vereinbart: Im Sommer neun- ftündige, im Winter siebenstündige Arbeitszeit; 45 Pf. Minimal- Stundenlohn für Gehilfen, welche die im Tarif näher detaillierten Mindestleistungen erfüllen; für Arbeiten außerhalb des Vororts- Verkehrs ein prozenwaler Zuschlag von 30 Proz. aufwärts, für Ueberstunden ein Zuschlag von SS'/s Proz., für Nachtarbeit von 50 Proz., bei Tag- und Nachtarbeit für letztere 100 Proz. Für Fassadenarbeit auf stehendem Gerüst 50 Pf., für Hängegerüst 1 M. Zuschlag täglich. Accordarbeit ist in der Regel ausgeschlossen. Zur Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Tarif wird ein Tarifamt, bestehend aus je drei Gehilfen und Meistern, gebildet. Der Tarif, der an, 1. Juli in Kraft treten soll, wird noch der Zustimmung der beiderseitigen Versammlungen unterbreitet, dochM dessen Annahme so gut als sicher. Der Streik der Tischler LanbSbergS(Warthe) und deren Hilfs- arbeitcr dauert jetzt die neunte Woche. Nachdem am 19. Mai eine Verhandlung mit den Unternehmern auf deren Wunsch stattgefunden hat, in der die Herren den Hauptpunkt der Forderungen:„die Ver- kurzung der Arbeitszeit", rundweg abgelehnt haben, wird der Kampf mit aller Energie wettergeführt. Die erste Verurteilung eines Tischlergesellen wegen angeblicher Streikvergehen ist bereits erfolgt, des Kollegen Max Ziemer, der nicht streikende Tischler beleidigt und sich dadurch gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung(Abhaltung von Arbeitswilligen) vergangen haben soll. Er erhielt fünf Tage Ge- fänguis. Auch dieses Urteil wird die Streikenden nicht wankelmütig machen, ebensowenig die Briefe, die die Unternehmer angeblich von Streikenden erhalten haben wollen: Briefe, nach deren Inhalt die Schreiber gern die Arbeit aufnehmen möchten und sich mir nicht ge- trauen, den„Druck" abzuschütteln. Mag die Holzindustrie Lands- bergs zu Grunde gehen, wenn eine Arbeitszeit von wöchentlich 57 Stunden nicht eingeführt werden kann. Die Streikenden werden die Arbeit nicht ftüher aufnehmen, bis ihre berechtigte Forderung bewilligt ist, trotz aller Flunkereien der Unternehmer. Zur Lohnbewegung der Arbeiter der Spiel- und Metallwaren- Branche in Nürnberg. Am Sonnabendabend spät fanden nockimals Verhandlungen der beiderseittgen Kommissionen statt. Die Unter- nehmer-Vertreter machten schließlich folgende Zugeständnisse: So- forttge Einführung der 57stündigen Arbeitszeit, ab 1. Januar 1905 der 56stllndigen Arbeitszeit, Einführung eines Minimallohnes von 30 Pf. für Ausgelernte, der mit jeden: Jahre um 2 Pf. steigen soll, 5prozentige Lohnerhöhung auf Accord und Lohn. Auch die prineipiell ablehnende Haltung zum Abschluß eines Tarifvertrages wurde auf- gegeben. Die Chancen für eine gütliche Beilegung sind also ge- stiegen. Die Arbeiter werden sich am Montagabend über diese neuen Zugeständnisse entschließen. Ein Streik der Schmiede ist, wie uns telegraphisch gemeldet wird, in Hamburg-Altona ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Hustand. Die Aussperrung in der Antwerpener Tiamantindustrie. Für Antwerpen ist der langwierige Kampf, der volle 18 Wochen ge- dauert hat, als beendigt anzusehen. Die Prinzipale haben nach heftiger Debatte die Einigungsvorschläge, wie sie vom Diamant- arbeiter-Verbänd gutgeheißen wurden, mit 36 gegen 69 Stimmen angenommen. Vermutlich wird der Umstand, daß die Arbeit in der Konkurrenz- stadt Antwerpen wieder aufgenommen wird, auf die A m st e r- d a m e r Juweliere, die noch immer keine Neigung zur Beendigung der Aussperrung zeigen, nicht ohne Wirkung bleiben. Gericbrs-Zeitung. Ein Skandalprozeß in Hamburg. Im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde von der vierten Strafkammer des Landgerichts Hamburg das frühere Dienstmädchen Friederike S. aus Berlin, das. wie jetzt erwiesen wurde, seiner Zeit als Opfer der Skandalaffäre Hagenow unschuldig zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Die S. hatte von 1898 bis 1900 als Hausmädchen in der Familie des angesehenen und reichen Hamburger Arztes Dr. med. Hagenow gedient und sich dann mit einem in Berlin ansässigen Hand- werker verheiratet. Etwa ein Jahr nach der Hochzeit fand siK Friederike S. wieder in Hamburg ein und forderte den Dr. Hagenow und dessen Eheftau auf, ihr endlich die Aussteuer nach Berlin zu senden, die man ihr bei ihrem Dienstaustritt als Belohnung für besondere, dem Ehepaar geleistete Dienste versprochen habe. Dr. Hagenow sowohl als auch seine Frau stellten damals jede Zahlungs- Pflicht in Abrede und beschuldigten das Mädchen, als dieses seine Ansprüche gegen das Ehepaar auf 500 M. normierte, der Erpressung. Die Folge war. daß gegen Friederike S. ein Strafverfahren wegen Erpressung und Beleidigung ihres früheren Dienstherrn eingeleitet wurde. In der Gerichtsverhandlung brachte die Angeklagte geradezu haarsträubende Dinge aus dem Eheleben des Dr. Hagenow zur Sprache, indem sie sich zugleich als ein Opfer der Verführungskünste ihres Dienstherrn hinstellte. Auch behauptete sie, daß die Ehefrau des Dr. Hagenow von dessen Treiben gewußt und ihr zum Lohn eine Aussteuer für den Fall der Verheiratung versprochen und Dr. Hagenow diese Abmachungen mit seinem Ehrenwort bekräftigt habe. Bei seiner eidlichen Vernehmung stellt der als Zeuge geladene Dr. Hagenow alle Behauptungen der Angeklagten rundweg in Abrede, so daß die Verurteilung der Angeklagtem zu vier Monaten Gefängnis erfolgen mutzte. In Anbetracht der Schwere der gegen den bis dahin hochange- sehnen Arzt vorgebrachten Beschuldigungen wurde die Verurteilte auch sofort in Haft genommen, obwohl sie unter Thränen ihre Un- schuld beteuerte und den Dr. Hagenow des wissentlichen Meineides bezichttgte. Der damals lebhaft besprochene Fall brachte jedoch eine ganze Anzahl Leute zum Reden, und verschiedene gravierende Mit- teilungen über das sittliche Leben des Dr. Hagenow führten schließlich dazu, daß. die Verurteilte einem erneuten Verhör unterworfen wurde, bei dem sie so intime Einzelheiten, die sich später als richtig erwiesen, zu erzählen wußte, daß gegen Dr. Hagenow ein Memeidsverfahren eingeleitet werden mutzte.' In einem langwierigen Prozeß vor dem Hamburger Schwurgericht wurde Dr. Hagenow des Memdds als schuldig befunden und zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus ver- urteilt, die er gegenwärtig verbüßt. Taraufhin wurde das Wieder- aufnahmeverfahren gegen sein früheres Hausmädchen Friederike S. eingeleitet, das gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts Hamburg unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Schräder beschäftigte. Die S., die ihre vicrmonattge Strafe bis auf acht Tage verbüßt hat, wiederholte in der Verhandlung ihre Beschuldigungen gegen Dr. Hagenow, indem sie gleichzeitig betonte, daß sie bei Geltendmachung ihrer Ansprüche gegen ihren früheren Dienstherrn durchaus keine erpvesserischem Absichten gehabt habe. Nach kurzer Beratung sprach das Gericht das Mädche n frei und legte die Kosten des Verfahrens der Gerichtskasse auf. In den Urteilsgründen wurde ausgeführt, daß sich die völlige Schuldlosigkeit des Mädchens er- geben habe. Die Freigesprochene hat für das ihr entstandene Un- gemach gegen den Dr. Hagenow einen Schadenersatzprozeß in Höhe von 30 000 M. angesttengt und erzielt, daß der Beklagte ihr daraufhin einen Vergleichsvorschlag auf 5000 M. machte. Die Entscheidung des Civilgerichts steht zur Zeit noch aus. Unter Ausschluß deip Oeffentlichkeit verhandelte gestern die siebente Strafkammer des Landgerichts l eine Anklage wegen Kuppelei auf sadistisch-masochiftischer Grundlage gegen Frau Ida Teckel geb. Bernhard. Sie war auch wegen Erlasses einer öffentlichen Annonce unsittlichen Inhalts angeklagt. Die Angeklagte war an einen Großkaufmann in Amerika verheiratet und hat lange Zeit in Chile gelebt. Sie ist schließlich geschieden worden, nachdem sie ihren Ehemann mit ihren Kindern zwei- oder dreimal verlassen hatte. Sie hat sich auch längere Zeit in Paris und Italien aufgehalten und auf Grund ihrer umfassenden Bildung als Vorsteherin Wissenschaft- licher Bibliotheken ihren Lebensunterhalt erworben. In solcher Stellung hat sie bei mehreren Aerzten und auch bei Prof. Lombroso gewirkt. Nach ihrer Uebersiedelung nach Berlin soll in ihrer Wohnung in der Halleschen Straße ein unzüchtiges Treiben sich entwickelt haben, zu welchen sie durch ihre sadistischen Neigungen getrieben sein soll. Rechtsanwalt Dr. Schwindt hatte den Geheimen Rat Professor Dr. Eulenburg, den praktischen Arzt Dr. M e r z b a ch und Prof. Dr. Straß mann geladen, und diese entwickelten in längerer Darlegung nun das Wesen dieser sexuellen Verirrung.— Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof verurteilte die Angeklagte unter Freisprechung von der Verbreitung einer unzüchtigen Ankündigung wegen Kuppelei zu sechs Wochen Gefängnis. Die verurteilte Kunst. In allen Litteratur- und Kunstkreisen hat ja der Prozeß gegen Adolf Brand voriges Jahr berechtigtes Auf- sehen erregt. Hatte doch der Staatsanwalt sogar in dem herrlichen Hymnus«Die Freundschaft" eine Verherrlichung der Päderastie gefunden, obwohl es ganz klar ist, daß die innige und leidenschaftliche FreundeSliebe, die Schiller in dem Gedicht verHerr» licht, nicht das mindeste zu thun hat mit den Akten, die 8 176 unter Strafe stellt. Das Auffällige des Leipziger Urteils war aber die komische Thatsache, daß der Gerichtshof sogar die Kunstblätter von Fidus für unzüchtig erklärte. Kunstblätter, die vorher in der Münche- ner„Jugend" erschienen waren und deren herbe Keuschheit sonst als unbestreitbar gilt. Das Reichsgericht hat jetzt die Revision ver- warfen. Pastor Philipps und seine Clique können einen Triumph verzeichnen: Adolf Brand muß auf 2 Monate ins Gefängnis wandern! Letzte J�acbncbtcn und Depefcbcn» Strafversetzt. Halle a. S., 13. Juni.(B. H.) Es verlautet, daß Geheimer Bcrgrat Hilger in Saarbrücken demnächst versetzt und zum Berg- Hauptmann des hiesigen Oderbergamtes befördert werden solle. Als Nachfolger Hilgers in Saarbrücken wird Oberbergrat Krümmer vom Oberbergantt in Bonn genannt. Unfall beim Segeln. Memel, 13. Juni.(W. T. B.) �Wie das„Memcler Dampf- boot" meldet, sind gestern abend beim Segeln auf dem Haff 3 Per- sonen ertrunken. Sechs Insassen des gekenterten Bootes wurden gerettet._ Bern, 13. Juni.(W. T. B.) Bei der Eröffnung der heutigen Sitzung des Nationalrates erwähnte der Präsident den gegen den russischen Gesandten verübten Anschlag, betonte die Erregung und Empörung des schweizerischen Volkes, welche der Bundesrat bereits der russischen Regierung gegenüber hervorgehoben habe, und schloß sich im Namen des Nationalrates den vom Bundesrat ausgesprochenen Empfindungen an._ Französische Teputiertcnkammer. Paris, 13. Juni,(W. T. B.) Im weiteren Verlaufe der Be- ratung des Gesetzes betr. die zweijährige Dienstzeit kam es auf der Rechten zu lebhaften Lärmscenen aus Anlaß der Ablehnung eines unbedeutenden Abänderungsantragcs. Die Llbstimniung war durch Aufhebung der Hände erfolgt und die Rechte behauptete, der Antrag sei angenommen worden. Der Präsident mußte die Sitzung zeitweilig aufheben._ Paris, 13. Juni.(SB. T. B.) Der Staatsrat beschloß heute unter Vorsitz des Justizministers die Zurückziehung des Dekrets vom Jahre 1903 betr. die Umgestaltung des Gerichtskostentarifs. Ingenieur Chabert über die Karthäuscr-Angelegenheit. Paris, 13. Juni.(W. T. B.) Ingenieur Chabert veröffentlicht anläßlich der über ihn verbreiteten Gerüchte im„Temps" ein Schreiben, in welchem es heißt, er habe Ende des Jahres 1902 dem General-Kommissar für die Ausstellmig in St. Louis Lagrave er- klärt, er und mehrere Freunde wollten für den republikanischen Wahl- fonds 100 000 Frank zeichnen. Lagrave habe entgegnet, daß das Ministerium des Innern niemals eine derartige Spende annehmen würde. Chabert möge diese Spende dem republikanischen Handels- und Industrie-Komitee zuwenden. Dies habe er gethan. jedoelpunter der Bedingung, daß der Spender anonym bleibe. Was die Kurt- häuser-Angclegcnhcit betteffe. habe er zu Lagrave geäußert, wenn die Karthäuser klug wären, würden sie alljährlich eine größere Summe für die von der Regierung begünstigten Wcchlthättgkeitsanstalten spenden und dadurch das Wohlwollen der Regierung zu erwerben suchen. Dies habe Lagrave offenbar deyi Generalsekretär des Ministeriums des Innern mitgeteilt. Chabert schließt mit der Er- klärung, daß er niemals irgendwelche direkte oder indirekte Beziehungen zu den Karthäuserw gehabt habe, Bastia(Korsika), 12. Juni. Der Prozeß gegen den des Moodes an Direttor Meyer aus Langenberg angeklagten Eduard Thiemmm aus Magdeburg ist gestern nach viertägiger Verhandlung be- endigt worden. Direktor Meyer wurde seinerzeit in Ajaccio ermordet. Die gegen den Angeklagten erhobenen An- schuldigungen wurden durch den Gang der Verhandlungen so erfolgreich widerlegt, daß seine Freisprechung erfolgen mußte. Seine Unichuld trat so offenkundig zu Tage, daß das freisprechende Urteil von der Menge mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommen wurde. Selbst Lieutenant Meyer, der Sohn des Ermordeten, erklärte dem Angeklagten. daß er ihn für völlig unschuldig halte. Englisches Unterhaus. London, 13. Juni.(W. T. B.) Mac Neil!(Nationalist) richtet an die Regierung die Frage, ob der Emir von Afghanistan die Annahme der 40 000 Pfund Sterling, die ihm jährlich aus Rück- ficht auf seine guten Gesinnungen gegen die indische Regierung ge- zahlt werden, verweigert und ob eine friedliche Mission, ähnlich der nach Lhassa entsandten, nach Afghanistan gesandt werden wird, um die Ursache der veränderten Haltung des Emirs festzustellen. Staats- sekretär für Indien Brodrick erwidert:„Nein!" Belohnte Treue.— Festliche Begehung des Jahrestages der „Königs tv ahl". Belgrad, 13. Juni.(B. H.) Wie das„Amtsblatt" meldet, ist der General Atanazkowitsch, der ehemalige Kriegsmmister im Mnisterium Awakumosowitsch, zur Disposition gestellt worden. Zur Feier des Jahrestages der Königswahl wird die Stadt beflaggt, Dankes-Gottesdienste werden stattfinden und die Stadt- gemeinde veranstaltet einen Huldigungszug vor dem Palais des Königs, wo der Bürgermeister eine Festtede halten wird. Hierauf finden auf mehreren Stadtplätzen Volksfeste und abends Jllu- minationen statt._ Gesetzlose Zustände in Colorado. New Aork, 13. Juni.«-. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 11. Juni 1904. Grundstücks-Taxen. Allerlei Tartheorien.— Die Berücksichtigung der sogenannten VerwertungZ- Möglichkeit.— Wertennittelungsversahren.— Berliner GrundftückStaxen.— Einsiusi deS Ueberangevots von Hhpothckengeldcrn ans daS Taxwesen.— Taxationsausträge.— Uever-Taxen.— Taxämter. Die Verhandlungen des Pommernbank-Prozesses liefern nicht nur einen weiteren niedlichen Beitrag zu dem Thema„Wie man tofbank wird", sie lenken auch von neuem den Blick auf die seltsame igenart unsres heutigen Taxwesens, das schon im früheren Prozeß gegen die sogenannten Sandenbanken eine sonderbare Rolle spielte. Das Gesetz bestimmt zivar, das; Hypothekenbanken und andre Institute, die jsu durchaus sicherer Anlage ihrer Gelder verpflichtet sind, städtische Grundstücke nur bis �u drei Künsteln des Taxwertes be- leihen dürfen; was aber ein Taxwert ist und in welcher Weise er- mittclt werden muh, wird nicht angegeben. So haben sich denn, wie frühere Prozeßverhandlungcn, ipcciell die vorjährigen Verhandlungen im Pommernbank- Prozeh ergeben haben, die wider- sprechendsten Taxwertcrmittclungs- Theorien herausgebildet, die, wenn nach ihnen verfahrcu wird, die verschiedenartigsten Resultate ergeben. Von der einen Seite wurde der Taxwert als der Verkaufs- odcr Handelswert bezeichnet, zu dem ein Grundstück unter den gegebenen Ilmständen, also auch beim Zwangsverkauf, sicher einen Käufer findet. Von andren wurde dagegen dieser Wert(richtiger Preis) als blohcr„Ramschlvcrt" definiert, der in den meisten Fällen beträchtlich hinter dem„wirklichen" Wert zurückbleibt. Als be- stimmend für den Taxwert sei der NuynugSertrag anzusehen, der sich nach völliger Nutzbarmachung eines Grundstücks voraussichtlich aus diesem herausziehen lassen werde. Sei also ein Grundstück nur halb oder zum vierten resp. dritten Teil bebaut, so sei bei der Be- rechuung der Gesamtertrag in Anrechnung zu bringen, den das Grundstück nach voller Bebauung einbringen könne unter Abzug der aufzuwendenden Bankosten bezw. ihrer Verzinsung. Mit andren Worten, sie stellten die Forderung auf, eS müsse bei der Taxe die spätere Verwertungsmöglichkeit eines Grundstücks mit in Anschlag gebracht werden. Wieder andre wollten bei bebauten Grundstücken nur den Ertrag(MictszinS) der Schätzung zu Grunde gelegt wissen, gestatteten aber eine gewisse Berücksichtigung der in der betreffenden Gegend vorhandenen sogenannten normalen Bodcnwertksteigerung. Bei unbebauten oder nur teilweise bebauten Grundstücken aber müsse, nieinten sie, der Bodenwert»ach dem Bodenwert der benachbarten bebauten Grundstücke berechnet werden, d. h. nach dem sogenannten Rentabilitäts-(Ertrags->Wert abzüglich der Baukosten und sonstigen Lasten usw. Vom volkswirtschaftlichen Gesichtspunkte ist natürlich jede Berück- stchtigung zukünftiger VerlverhingS- und Ertragsmöglichkeiten Unsinn. Der Grundstücksspekulant hat von seinem privat-wirtschaftlichen Juteresscnstandpunkt aus ganz recht, wenn er alle solche Momente mit in Betracht zieht,— darin besteht ja die Spekulation; aber für die Geld in Hypotheken anlegenden Institute handelt es sich nicht um das, was sväter sein könnte, selbst wenn dieses Spätere recht wahrscheinlich sein sollte, sondern um das, was ist, d. h. um den Preis, zu den das Grundstück nicht unter irgend welchen späteren oder ideell konstruierten Verhältnissen, sondern zu dem es unter den thatsächlich vorhandenen Verhältnissen seine Käufer findet. Und nur dieser sogen. Verkaufs- oder Marktwert kann als Taxwert gelten. Mit demselben Recht, mit dem der Taxator eines Grundstücks allerlei spätere Verwertungsmöglichkeiten bei seiner Schätzung mit in Ansatz bringt, könnte auch ein Taxator, der den Wert von Ochsen und Kühen abzuschätzen hat, von den Preisen des Viehmarktes absehen und mit in Berücksichtigung ziehen, waS sich möglicherweise an Ge- winn aiis den Tieren herausholen liehe, wenn sie gemästet würden, wenn die Fleischpreise stiegen, die Viehzölle erhöht würden usw. DaS üblickie Taxationsverfahrcn bei bebauten Grundstücken be- steht in der Ermittelung des sogen. Realwerts, der sich aus dem Boden- und dem Gebäudcwert zusammensetzt, und des Rentabilitäts- «Ertrags-) Wertes, der sich aus der Kapitalisation deS gesamten MietSzinseS ergiebt, nachdem ein bestimmter Prozentsatz für Reparaturen, Leerstehen der Wohnungen tc. abgezogen worden ist. Aus diesen beiden Werten wird dann, indem man den zwischen ihnen in der Mitte liegenden Wert berechnet, der Taxwert ge- Wonnen. Dieses Verfahren läßt schon an und für sich der Taxation ziemlich weiten Spielraum, je nachdem der Bodenwert und der Gebändewcrt angesetzt, ob z. B. die Bauausführung oder Bau- fälligkeit eines Gebäudes höher oder niedriger eingeschätzt wird, können sich recht abweichende Summen ergeben. Außerdem ist aber der Abzug von 15 Proz., der gewöhnlich bei der Berechnung des Ertragswertes aus der Miete vorgenommen wird(falls es sich nicht etwa um Häuser mit Centralheizung und andren besonderen Ein- r ich hingen handelt, für deren Unterhaltung natürlich besondere Ab- ziige gemacht werden müssen), in manchen Fällen zu niedrig, be- sonders in Gegenden, wo die Wohnungsverhältnisse stark von der wirtschaftlichen Konjunktur abhängig sind, wo also zum Beispiel die Prosvcrität nahe gelegener großer FabrilctablissementS auf die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung von entscheidendem Einfluß ist, ferner in Gegenden, wo auS irgend welchen Gründen eine starke Fluktuation der Bevölkerung stattfindet ic. Dem Ermessen des Taxators ist hier schon an und für sich ziemlich weiter Spielraum gelassen; außerdem aber werden nach allerlei schönen Theorien oft noch die verschiedenartigsten Extratouren vorgenommen. In Berlin wird in der großen Masse der Fälle zu hoch taxiert. Untertaxationen sind verhältnismäßig recht selten. Das er- klärt sich wenigstens zum Teil daraus, daß in Berlin ein besonders hohes Bedürfnis nach Anlage von Geldern in Hypotheken besteht. Die Masscn-Rachfrage der hier bestehenden Hypotheken- und Boden« kreditbankcu, verschiedenartigen Versicherungsgesellschaften, Sparkassen und ähnlicher Institute nach sogenannten sicheren Hypotheken hat ein Ueberangebot von Hypothekengeldern hervorgerufen, und dieses wieder hat zur Folge gehabt, daß es vielfach mit der vor- geschriebenen Sicherheit nicht allzu genau genommen wird, zumal jedeS Institut doch möglichst hohe Hypothekenzinscn heraus- schlagen möchte. Es ist nicht ganz richtig, wenn man behauptet, die oft außerordentlich von einander abweichenden Taxen seien daö Ergebnis verschiedener Theorien und ihrer Anwendung bei der Wertermittelung. Betrachtet man die Verhältnisse in ihrer historischen EntWickelung, dann gewinnt man vielmehr den Eindruck, daß auch in diesem Fall, wie so oft, die Theorie der Praxis folgte: erst bildete sich aus gewissen Bedürfnissen heraus die häufige lieber- bcwertung der Grundstücke und dann entstanden zur Beschönigung der Ueberbewertung allerlei mehr oder minder haltlose Theorien. Die Taxation ist, wenn auch nicht immer, so doch recht häufig reine Formsache geworden, der man nur genügt, weil es nun einmal das Gesetz verlangt. Thatsache ist denn anch, daß verschiedene Institute zugleich ihrem Auftrage an den Taxator hinzufügen, wie hoch das Darlehen ist, das verlangt wird, und wie hoch sich eventuell die schon vorhandene Belastung stellt. Der Taxator weiß also von vornherein, wie hoch er taxieren mutz, damit das Geschäft zu stände kommt. Zugleich aber bedeutet ein derartiger Auftrag einen Appell an sein Portemonnaie, denn rechnet er nicht soviel heraus, als zum Abschluß des Hypothekardarlehens nötig ist, dann bleibt es bei der Vortaxe, für die meist nur 10 Marr an Gebühren gezahlt werden; fallt"aber die V o r t a x e zur Zufriedenheit der Auftraggeberin a»S, dann folgt ihr die H a u p t t a x e, für die ge- wöhnlich ein Honorar von 50—75 M. gezahlt wird. Von sachkmidiaer Seite ist mir ein ganzes Sorffment von Taren zur Verfügung gestellt, die durchweg alle zu hoch erscheinen. Ich greife aus dem Bündel nur zwei heraus: Erstens: ein Hans in der Lebuserstraße. Taxator Geh. Baurat H. W e g e n e r. Größe 395 Quadratmeter. Die erste Hypothek beträgt 120000 Mark. Taxe. Bodenwert 395 Quadratmeter a 120 M.. 47 400 M. Bauwert.......... ca. 105 000„ Realwert 152 400 m! Rentabilitätswert: Miete...... 10117 M. Abzug für Unkosten usw. 15 Proz.... 1 517„ Netto 8 ouo M. Kapitalisiert zu 5 Proz........ 172 000 M. Realwert............ 152 400 M. Rentenwert........... 172 000„ Summa: 324 400 M. Demnach Taxwert......... 162 200, Beleihungshohe für die erste Hypothek (e/10 des Taxwertes)....... 97 320„ Danach ist die erste Hypothek, da sie 120 000 M. beträgt, um ca. 23 000 M. zu hoch. Zweitens: ein andres Haus in derselben Straße. Taxator Geh. Baurat Werner. Erste Hypothek ebenfalls 120 000 M. Taxe. Bodenwert 395 Quadratmeter a 120 M.. 47 400 M. Bauwert............ 104000„ Realwert 151 400 M. Rentenwert: Miete........ 8 948 M. Abzug ca. 15 Proz......... 1498„ Netto 8 450 M. Kapitalisiert zu 5 Proz........ 169 000 M. Realwert............ 151 400 M. Rentenwert........... 169 000 M. Summa: 320 400„ Taxwert............ 160 200 M. BeleihungSgrenze....... ca. 96 000, Danach ist die erste Hypothek um ca. 24 000 M. zu hoch. Derartige Beispiele lassen sich in Masse beibringen. Eine Acnderung ist nur dadurch möglich, daß alle derartigen Taxationen nicht mehr Privat-Taxatoren überlassen werden, meist Beamten des Baufachs, welche das GrundstÜcktaxiercn im Nebenerwerb betreiben und manchmal, wie in den Pommernbank-Prozeßvierhandlungcn fest- gestellt wurde, ein halbes� Dutzend Taxationen an einem Morgen vornebmen, sondern daß in deA größeren Städten Taxämter eingerichtet werden, deren Beamten vom Wohlwollen ihrer Auftrag geber unabhängig sind. Die schärfere Beaufsichtigung der Hypotheken banken und Versicherungsgesellschaften bietet dafür m keiner Hinsicht Ersatz. Zwar hat in letzter Zeit, nachdem sich in den Hypothekenbank- Prozessen so enorme Uebertaxationen herausgestellt haben, das Auffichtsamt für Privatversicherungcn viele Taxen zur Nachprüfung eingefordert; es ist aber in den meisten Fällen geradezu eine Unmöglichkeit, ohne genaue Kenntnis der Lokal« und der Wohnungsverhältnisse derartige Nachprüfungen vorzunehmen. _ Tat. Dr. Fritz Friedmann. Die Privatklage des früheren Rechtsanwalts Dr. Fritz Fricdmann(jetzt in Wien), vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Meyer st ein. gegen den Redakteur Erich Kammer von der „Staatsbürger-Zeitung", vertreten durch Rechtsanwalt Ulrich, be- schüft igte gestern das Schöffengericht nnter Vorsitz des Amtsrichters v. N e g c l e i n.— Ter Privatkläger fühlte sich durch einen in der Nummer vom 20. März veröffentlichten Artikel, der die Ueberfchrift „Ein liebevoller Gatte" trug, beleidigt. Es wird darin mitgeteilt, daß Dr. Fricdmann sich aller Pflichten gegen seine ver- lassene Ehefrau Nr. 3, die frühere Sängerin Merten, entledigt und diese mit ihrer 60jährigen, kranken Mutter der bittersten Not preis- gegeben habe, so daß die Ehefrau eine Stellung als Buffetdame in einem Balllokal habe annehmen müssen. Sie sei aus ihrer Wohnung in der Mptzstrahe exmittiert worden, Friedmann, der mit einer neuen Zukünftigen umHerreise, sei unauffindbar usw. usw. Sein Verhalten wird als Schamlosigkeit gebrandmarkt, von dem einstigen Vorsitzenden des Verein?„Waldeck", dem„gehetzten Edelwild" und jetzigen Brettl- „Künstler" gesprochen und geraten, den„sauberen Burfchen" ein für alle Mal unschädlich zu machen und ihn zwangsweise einer Kalt- Wasserheilanstalt oder einem Korrektionshause zuzuführen, wo „Fritzchen" gezwungen würde, wie andre Menschen auch.— Der An- geklagte gab zu. den Artikel selbst verfaßt zu haben, behauptete aber, daß die Ausdrücke darin durchaus dem Verhalten des Privatklägers entsprächen und die behaupteten Thatsachen wahr seien.— Von den drei ehemaligen Ehefrauen des Privatklägers war nur die dritte, Anna geb. Merten, geladen.— Rechtsanwalt Ulrich stellte noch eine Reihe von Beweisanträgen, namentlich auch den, daß der Privatklägcr seiner Frau selbst Liebhaber ins Haus geschickt habe, um einen Schcidungs- grund loegen Ehebruchs zu erlangen.— Rechtsanwalt Dr. Meyer- stei n beantragte die Ablehnung dieser Bewcisanträge. Der Privat- klägcr fühle sich im wesentlichen nur durch die Form deS Artikels verletzt.— Rechtsanwalt Ulrich: Diese Einschränkung sei be- zeichnend. Der Privatkläger sehe wohl, daß er die Geister, die er rief, nun nicht los werde.— Der Gerichtshof beschloh, den Wahr- hejtsbeweis durch Vernehmung der Ehefrau zuzulaffen. Tie Zeugin, geb. Merten, bekundete, daß ihr Ehemann sich im September 1902 von ihr getrennt habe. Seit 9 Monaten habe er ihr im ganzen 65 Mk. zugestellt, obgleich er wußte, daß sie ihre 60jährige Mutter zu ernähren hatte. Sie sei absolut mittellos gewesen. Als sie mit dem Privatkläger in Paris war, habe er ihres Vaters Geld klein gemacht und auch die Mutter habe ihr letztes, eine Summe von 300— 400 M. ihm geopfert. Die Mutter habe ihm im Laufe der Zeit im ganzen etwa 8000 M. gegeben. Die Zeugin hat sich, nach- dem sie mit dem verheirateten Privatkläger acht Jahre zusammen- gelebt, im Jahre 1902 mit ihm verheiratet, nachdem er von seiner zweiten Frau geschieden war. Mit letzterer hatte er fünf Kinder, er sorge aber für keins. Schon 3 Wochen nach dem Eheschluß mit ihr, sei er mit einer andern Dame ausgerückt und habe sie selbst in bitterster Not zurückgelassen. Um sich und ihre alte Mutter zu er- halten, habe sie seit dem 26. Januar eine Stellung als Buffetdame im alten Ballhause angenommen. Mit Trinkgeldern und Prozenten habe sie ein monatliches Einkommen von 200— 250 M. In keinem andern Geschäft würde sie so viel verdienen. Jetzt liege sie mit dem Privatkläger in Scheidung. Als sie ihn telegraphisch um Ucber- sendung von Subsistenzmitteln gebeten, habe er geantwortet: man könne von einem 50 Pfennig-Brot 2 Tage leben, sie solle keine Depesche senden, sondern sich Brot für das Geld kaufen. Als sie ihn in Würzburg mit seiner jetzigen„Braut" angetroffen, sei sie von ihm und seiner Begleiterin geprügelt worden. Er habe ihr gesagt: sie solle die Scheidung einreichen, sonst werde er sie aushungern lassen. Auf Befragen deS Rechtsanwalts Ulrich be,«..lgte die Zeugin, daß sie exmittiert worden sei und in ihrer bittersten Not durch ein Inserat angezeigt habe, daß sie in der Notlage sei. ihre gesamte Einrichtung schleunigst verkaufen zu müssen. Ihre Mutter habe die von ihr erwähnten Summen hergegeben, bannt sie und ihr Ehemann davon leben sollten. Er habe aber 3— 400 M. davon benutzt, um mit seiner jetzigen Begleiterin zu reisen. Richtig sei eS. daß er geraten habe. sich Liebhaber zu Halten. Als sie die Ehescheidiingsklage einleitete, fei der Privatkläger nicht auffindbar gewesen und sie konnte ihm des- halb nicht zugestellt werden. Jetzt habe ihr Ehemann die Klage angestrengt. Nichtig sei es, daß er als Brettl-Klinstler auftrete, zuerst als Verteidiger eines Mörders; jetzt trete er auch in einer komischen Rolle auf, nämlich als Rechtsanwalt, der seine Frau mit einer Tingel- tangclöse betrüge. Er zeichne also ein Bild seines eignen Lebens. Er reise jetzt mit der Chansonette Marusia Mera umher; als sie ihn mit dieser seiner Zeit in Breslau getroffen, habe sie dort in dem- selben Hotel im zweiten Stock logiert, während er mit seiner Geliebten im ersten Stock Quartier hatte. Er habe sie beschworen, wieder ab- -»reisen und ihn in Breslau nicht unmöglich zu machen, da die Mera dort als seine Frau gelte. Der Verteidiger beantragte eventuell eine Geldstrafe in Höhe von 3 M.— Der Gerichtshof hielt eine Beleidigung nur nach 8 185 für vorliegend, nicht aber den ß 186, da der Wahrheitsbeweis im wesentlichen erbracht sei. Ter Schutz des Z 193 stehe dem Angeklagten nicht zur Seite, denn der Artikel behandele nur Vorgänge aus einem privaten Ehelcben. Da der Artikel des Privatklägers als des früheren Vorsitzenden de? Vereins„Waldeck" gedenke und auf seine„Rasse" hinweise, so habe man den Eindruck, daß einem früheren politischen Gegner ein Schlag versetzt werden sollte. Die Absicht der Beleidigung fei deutlick erkennbar. Ter Gerichtshof hat deshalb den Angeklagten zu 150 M. Geldstrafe cvent. 15 Tagen Gefängnis verurteilt und dem Privatkläger die Publikationsbefugnis zugesprochen. Gegen das Urteil wird Berufimg eingelegt werden. Nach dem uns vorliegenden Bericht hat Rechtsanwalt Ulrich in der Verteidigimg deS Angeklagten gesagt, daß der Rat deS Privat- klägcrs an seine Frau, sich Liebhaber zu halten, noch über den Rat hinausgehe, den Singer». Co. ihren Arbeiterinnen gegeben haben. Wir überlassen eS der Leserschaft, die G e s ch m a ck l o s i g- k e i t des genannten Rechtsanwalts zu beurteilen. Es ist ein starkes Stück, in solchem Zusammenhange von„Singer u. Co." zu reden, wo doch anch Herr Ulrich wissen sollte, daß die herangezogenen rohe» Worte des Herrn Roscnthal wohl von niemandem schärfer verurteilt worden sind, als von unferm Parteigenossen Singer. 8. Generalversammlung der Kntarbeiter AeuWands. Dresden, den 10. Juni. Fünfter Sitzungstag. In der Fortsetzung der Statutenberatung am Freitag trat die Ansicht hervor, daß der Verein mit der Schwierigkeit rechnen muß, daß die Mitglieder, da sie zum größten Teil Saisonarbeiter sind, zeitweilig in andren Berufen arbeiten. In dieser Zeit wollen sie natürlich nicht einen Wechsel in der Organisation vornehmen, umso- weniger, als sie ja durch ihre langjährige Mitgliedschaft bedeutende Rechte erworben haben, die sie nicht einbüßen wollen. Es wird aber oft von ihnen verlangt, beim Berufswechsel dem betreffenden Ver- bände ihres neuen Arbeitszweigcs beizutreten. Ferner konstatiert der Vorsitzende bei Beratung des Streikreglements, daß sich die Mit- glieder gar nicht an dieses halten. Die wilden Streiks dürften nicht mehr so, wie es jetzt vielfach vorkomme, stattfinden. Bei Erörterung des Antrages, betreffend die Einführung der obligatorischen Jnvalidenkasse, wendet sich die Mehrheit der Delegierten gegen das Obligatorium und spricht sich dafür aus, daß es mit der Kasse bleiben soll, wie es war. Die jüngeren Kollegen hätten alle kein Interesse an diesem Unterstützungszweig. Die Befürworter der Neuerung sind hauptsächlich die Berliner Tele- gierten. Bon dieser Seite wird auch geltend gemacht, daß man zunächst die Kollegen an den Verein fesseln müsse, dann erst könne man sie zu guten Klassenkänipfern erziehen. Schließlich wird die obligatorische Einführung der Jnpalidenunterstützung mit großer Mehrheit abgelehnt. An die Frage, ob eö thunlich sei, zur leichteren Gewinnung neuer Mitglieder das Eintrittsgeld fallen zu lassen, knüpft sich gleichfalls eine rege Debatte. Man schlägt vor, um den Einnahme- Ausfall zu decken, das ärztliche Attest ebenfalls fallen zu lassen, da dieses, bei seiner bekannten Unzuverlässigkeit ganz gut zu entbehren sei. Es wird in diesem Sinne beschlossen. Dafür soll jedoch von den nencintretenden Kollegen ein Revers unterschrieben werden, daß sie an keiner chronischen Krankheit leiden. Ferner übt man Kritik daran, daß das Fachblatt einen Artikel aufgenommen hat, der den Generalstreik empfiehlt. M e tz s ch k e« Altenburg stellt das insofern richtig, als er betont, seine Meinung sei in jenem Artikel auch nicht zum Ausdruck gekommen, sondern dieser sei von einem Schweizer Kollegen, die kein deutsches Fachblatt haben, mit der besonderen Bitte, um Aufnahme, eingesandt worden nnd da habe er geglaubt, dies nicht abschlagen zu können. Auf die Anschauungsweise der Kollegen sei der Arttkel jedenfalls ohne Einfluß geblieben. Der Sitz des Ausschusses bleibt weiter in Dresden. Die Diäten werden auf 11 M. pro Tag für alle Delegierten zur General- Versammlung festgesetzt. Davon sollen 4 M. pro Tag für Verlust des Arbeitsverdienstes gerechnet werden. Der Vcrcinsvorstand er- hält für seine Thätigkeit 700 M. Entschädigung. Für den besoldeten Beamten wird eine GehaltSstaffel festgesetzt, wonach sein Gehalt jetzt 2000 M. beträgt und in den folgenden Jahren um je 100 M. steigen soll, so daß er in fünf Jahren den Höchstgehalt von 2500 M. erhält. Begründet wird diese Bewilligung damit, daß der jetzige Beamte, Metzschke, eine ganz immense Arbeit erledige, wozu ihn nur seine ganz besondere Arbeitskraft befähige. Sechster Sitzmigstag. Dresden, 11. Juni. Bei den Neuwahlen des Vorstandes werden Metzschke- Altcnbiirg als erster Vorsitzender, Etzold-Altenburg als zweiter Vor- sitzender und Bchrcns-Altenburg als Kassierer gewählt. Zum Vor- fitzenden des Ausschusses wird P f ü tz n e r- Dresden und als dessen Stellvertreter Matscht gewählt. Ju längeren Ausführungen behandelt darauf M e tz s eb k e die Stellung des Vereins zur Gencralkommission der Gewerkschaften und zum Geiverkschastskongreß. Nach dem Inhalt seiner Ausfiihrimge» erscheint ihm die Gefahr vorhanden, daß die kleinen Gewerkschaften majorisiert würden. Er hält deshalb einen engeren Zusammenfchlus; der kleinen Gewerkschaften für wünschenswert, wodurch diese sich in den Stand setzen, einen größeren Einfluß auf die Beschlüsse der Geueralkommisston und der Gewerkschaftskongresse ausüben zu können. Bei dieser Gelegenheit wird miS der Mitte der Gencralversammlung der Verwunderung Ausdruck gc- «eben, daß kein Vertreter der Generalkommisston anwesend t. DaS erklärt Metzschke damit, daß die General- lommission überhaupt nicht jeden Verbandstag irgend einer Gc- werkschaft beschicke, sondern nur solche, auf denen Fragen zur Er- örteruna stehen, die für die Generalkommission irgend ein besonderes Interesse haben. Von der Größe einer Gewerkschaft mache die Generalkommisston ihre Vertretung nicht abhängig. Dabei beruhig« man sich. Im Anschluß an die Berichterstattung über das Ergebnis des Heimarbeiterschutz-KongresteS wird der Antrag gestellt, für den nächsten gleichartigen Kongreß eine Stattstik vorzubereiten über die Lage der Heimarbeiter in der Hutbranche, um dem Kongreß einen Blick in die Verhältnisse der Hutarbetter als Heimarbeiter zu er- möglichen. Diesem Antrag soll der Vorstand nach Mög- lichkeit Rechnung tragen. Ferner werden die internattonalen Bc- ziehungon zu den Vrnderorganisationen der andern Länder diskuttert. Beschlossen wird, auf dem nächsten internattonalen Kongreß zu be» antragen, das internationale Sekretariat alle sechs Jahre in ein andres Land zu verlegen. Als Delegierte zum nächsten internationalen Kongreß werden gewählt: Metzschke- Altenburg, Müller- Köln und L u n d- Berlin. Zum nächsten deutschen Gewerkschaftskongreß werden Metzschke und P f ü tz n e r- Dresden delegiert. Auf dem Kongreß des österreichischen Bruderverbandcs soll der Verein durch Metzschke vertreten werden. Ein lveitercr Antrag verlangt die Vornahme einer umfassende» Statistik über die gesamte Lage der Hutarbeiter, die auch auf die WoymmgSberhaltmsse usw. ausgedehnt werden soll. Eine solche Statistik hält man jedoch für zu weitgehend. Aus den weiteren Verhandlungen ist noch eine Resolution von Interesse, die von der für die Seidenhut-Brauche eingesetzten Kommission zur Beschlußfassung empfohlen und auch von der Generalversammlung angenommen wird. Diese Resolution lautet „Der Vereinsvorstaud wird beauftragt, bis spätestens im November dieses Jahres eine Lohnbewegung für die Seiden- und mechanische Hutbranche vorzubereiten, um den Arbeitgebern rechtzeitig die auf gestellten Forderungen vorlegen zu können, damit dieselben ini Früh jähre zur Verwirklichung kommen. Forderungen sind: 1. Zur Er langung des achtstündigen Arbeitstages ist zunächst die neunstündige Arbeitszeit einzuführen. 2. Beseitigung der Ucberstundenarbeit. 3. Eine Lohnerhöhung von 25 Proz., je nach der Entlohnung und des Arbeitsverdienstes in den einzelnen Betrieben, zur Herben führung eines Minimallohntarifs. 4. Regelung des Lehrlingswesens und Besserung der Arbeitsstätten in sanitärer Beziehung.— Vor- stehende Forderungen sollen möglichst durch Kollektiv- Arbeitsvertrag festgelegt werden." Von Bedeutung ist ferner eine die Haarhutbranchc betreffende Resolution, die ebenfalls Annahme findet. Sie lautet:„Die General Versammlung beschließt, daß in Anbetracht der ungünstigen Lohn Verhältnisse in denjenigen Fabriken eine Lohnbewegung eingeieitet wird. wo nicht ein Mindestlohn von22M. pro Woche bei zehnstündiger Arbeitszeit erreicht wird. Die Stück- und Zeitlöhne sind prozentual, dem Au trag entsprechend, zu erhöhen."— Bis Ende Juli sind die hierzu vom Vorstand gestellten Fragen über Lohn- und Arbeitsbedingungen von den Filialen zu beantworten und einzuschicken. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wird darauf die Generalversammlung mit den üblichen Schlußreden und einem Hoch auf den Verein geschlossen. In Nr. 134 brachten wir bereits eine Erklärung des Genossen H. B o r g in a u n, daß er dem Verein der Hutarbeiter persönlich nichts schulde, sondern der Verein lediglich auf dem Grundstück, welches Genosse Borgmann als Liquidator der Firma„Deutschs Hutfabrik" verwaltet, eine Hypothek von 10 000 M. stehen hat. Diese Erklärung wird jetzt durch folgendes uns zugegangene Schreiben des Bureaus der Generalversammlung vollinhaltlich bestätigt: In Nr. 132 des„Vorwärts" ist in dem Bericht über die achte Generalversammlung der Hutarbeiter bei Besprechung der An- gelegenheit des Genossen H. Borgmann durch irrtümliche Auffassung des Berichterstatters ein Fehler entstanden. Borgmann hat laut Bertrag eine Hypothek von 10 000 M.(ruhend auf den Grundstücken der liqu. Firma Borgmann u. Schierjott) an den Verein bis 1900 zurückzuzahlen. Lediglich dadurch, daß Borgmann die ihm gewährten Teilrückzahlungen nicht berücksichtigt hat, ist bei dem Berichterstatter der Anschein einer persönlichen Schuld entstanden. Bureau der achten Generalversanimlnng der Hutarbeitcr und Arbeiterinne», Dresden. Ed. Etzold. Herm. Matschm. iL perbaudstag des Eentralverdlmdes deutscher Krauerel-Arbtiter. Unter den in der Vormittags-Sitzung am Freitag angenommenen Anträgen zum Statut nimmt der folgende das größte Interesse in Anspruch: „Mitgliedern auswärtiger gegenseitiger Berussorganisationen und Mitgliedern andrer Gewerkschaften, welche in Brauereien und verwandten Betrieben Arbeit nehmen, sowie Mit gliedern von Berufsvereinen, welche denr Verbände in oorpors bei- treten, wird die Zeit ihrer früheren Mitgliedschaft und Beitrags- Zahlung in den bezüglichen Verbänden angerechnet." Weiter rät man, künftighin bei Gewährung der Maßregelungs- Unterstützung vorsichtiger als bisher zu verfahren, beschließt aber die Maßregelungsunterstlltzung in derselben Höhe wie die Streit unterstiitznng zu gewähren. Auch kann eine Beihilfe zu den Umzugs- kosten bis zu 40 M. gewährt werden. Eine längere und eingehende Debatte, welche den Hauptteil der Vormittagssitzung in Anspruch nimmt, entspinnt sich über den Vorschlag des Hauptvorstandes bezüglich der A n st e l l u n g von besoldeten Gaubeamten. Bauer- Hannover beruft sich auf den Hamburger Auftrag und motiviert den Vorstandsantrag auf Anstellung von sechs besoldeten Gaubeamten mit dem Hinweis darauf, daß nach der letzten Berufszählung über 120 000 organisations fähige Brauerei-Arbeiter und-Arbeiterinnen in Deutschland existieren, also noch ein ungeheures Feld der Agitation und Organisationsthätigkeit offensteht. Das Aufpflügen des Bodens nutzt allein nichts ohne weitere nachhaltige Arbeit. Diese kann aber von Kollegen in ab- hängiger Stellung nicht geleistet werden. Nach Lage der Dinge muß jeder, der ernstliche Fortschritte im Verbände erstrebt, die erforder- lichen Beaniten bewilligen. N e u m a n n- Berlin will erst dort zu be- soldeten Gaubeamten greifen, wo bisher schon die Vorbedingungen dazu gegeben erscheinen. Erst möge Süddeutschland, Thüringen und Rheinland berücksichtigt und das jetzige System langsam ausgebaut werden. Den Plan des Vorstandes müsse er als zu weitgehend be« kämpfen. Dyck- Hamburg wünscht den Ausbau des Verttauens- männersystems, hält aber eine rednerische Kraft, die dem Vorstande beigegeben wird, für genügend. Nach längeren Ausführungen von Brandt- Hannover, der für den Vorstandsantrag eintritt, und Hoffmann- Nürnberg, der ihn bekämpft, nimmt der Vertreter der Generalkommission, Silber- s ch m i d t- Berlin, das Wort, um eingehend den Nutzen besoldeter Gaubcaniten zu detaillieren. Der Zug der Zeit geht einmal nach straffem Ausbau der Organisationen und er hält die Auffassung des Hamburger Redners für nicht ganz auf der Höhe der Zeit stehend. Eine ständige ununterbrochene Agitations- und Organisattonsarbeit ist ganz unumgänglich notwendig. Wenn man dem Hinweise auf die Fort- schritte andrer Organisationen damit glaubt begegnen zu können, daß man von der Eigenartigkeit des Berufes der Brauerei-Arbeiter spreche, so existieren andre Eigenartigkeiten auch bei den Bäckern, Metall-, Holz- oder Transportarbeitern. In der weiteren Diskussion wird auch darauf hingewiesen, daß lediglich der Unfug der„gebundenen" Mandate es verschulde, wenn der Vcrbandstag seinen Aufgaben nicht gerecht werden könne. In Anbetracht ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit können besoldete Beamte viel rücksichtsloser für die Verbandsmtercssen eintreten, als dies jetzt geschieht. Dann schildert Bauer nochmals die Mängel der jetzigen Agitationsarbeit und polemisiert gegen die Gegner des Vorstandsantrages. Nach der Mittagspause wurde die Diskussion durch An- nähme eine? Schlußantrages geschlossen. In der namentlichen Ab- stimmung über die Frage, ob Gaubeamte angestellt werden sollen oder nicht, wird die Anstellung mit 40 gegen 4 Stimmen beschlossen. (Bravo!) Sodann setzt die Diskussion darüber ein, wie die weiteren Verbandsanträge zu dieser Materie behandelt werden: Zahl der Beamten, Abgrenzung ihrer Arbeitsbezirke, Besoldung zc. Schließlich wird eine siebcnglicd'rige Kommission gewählt, die sämtliche hierauf bezüglichen Anträge beraten und das Annehmbarste aus denselben herausschälen soll. Die Komniission besteht ans den Delegierten: Alt- München, Betz- Düsseldorf, Jurich- Köln. Kollmann- Hamburg, Lepitz-Halle. Wagner-Kiel und Wiedemann- Dresden. Darauf wird noch die Frage im Plenum des Verbandstages entschieden, wie viel Beamte angestellt werden sollen. Mit großer Majorität ent- scheidet sich der Verbandstag dahin, daß analog dem Antrage des Hauptvorstandes sechs besoldete Gauleiter angestellt werden sollen. Weiter kommen jene Anträge zur Beratung, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Lokal beamte angestellt werden sollen oder nicht. Im Zusammenhange damit wird zugleich die Frage erörtert, welchen Prozentsatz der Mitgliederbciträge den lokalen Zahlstellen- Verwaltungen zur Bestreitung ihrer Auslagen verbleiben sollen. Auch in diesen Fragen sind die Ansichten außerordentlich verschieden. Die Notwendigkeit der Anstellung von Lokalbeamten in den größeren Zahlstellen wird allseitig anerkannt, ebenso wird es als selbst verständlich bettachtet, daß die Gaubeamten mit den Zahlstellen- geschäften nicht belastet wurden dürfen. Ein Vorschlag, den größeren Zahlstellen durch Gewährung eines doppelten Prozentsatzes und zwar 0 Proz. der Einnahmen gegen 3 Proz. für alle kleineren Zahlstellen die Anstellung von Lokalbeamten zu ermöglichen, wird nüt dem Hinweise bekämpft, daß es nicht zweierlei Mitglieder geben dürfe. Auch sei die Lage der kleineren Zahlstellen ohnehin weit schwieriger, als jene in Orten mit 1000 Mitgliedern. Ein andrer Vorschlag, der in zahlreichen Anträgen wiederkehrt, will einen Prozentsatz von 5 Proz. für sämtliche Zahlstellen. T r ö g e r- Berlin begründet einen Antrag, nach welchem außer diesem Prozentsatz den Zahlstellen zur Anstellung von Lokalbeamten je nach der Größe der Mitglicderzahl steigende Prozentsätze zugebilligt werden sollen. Danach sollen Zahlstellen von 1000 Mitgliedern an Stelle obiger 5 Proz. künftig 10 Proz., bis 1200 Mitglieder 9 Proz., bis 1500 Mitglieder und darüber 8 Proz. erhalten. Auch diese Debatte wird durch einen Schlußantrag beendet und darauf Trögers Antrag mit allen gegen eine Stimme angenommen. Ausdrücklich wird konstatiert, daß die Erhöhung des Prozentsatzes nur jenen Zahlstellen zu gute kommt, die einen Lokalbeamten an- gestellt haben. Bis Schluß der Nachmittagssitzung werden weitere allgemein interessierende Beschlüsse nicht mehr gefaßt. berliner partei-jingdegenkeiten. Erster Wahlkreis. Heute, Dienstagabend Uhr Wahl- v e r e i n s- V e r s a in m l u n g bei Dräscl', Neue'Friedrichstr. 35: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Philipp S ch e i d c m a n n: „Der innere Feind an der Arbeit". Diskussion und Verschiedenes. Gäste, auch Damen, haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Der Wahlverein für den zweiten Berliner Rcichstags-Wahlkreis hält heute, Dienstag in Habels Brauerei-AuSschank, Bergmann- straße 5/7, seine Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Preßkommission und Er- gänzungswahl eines Mitgliedes. 3. Komiteewahl zur Arrangierung der Festlichkeiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Heute, Dienstagabend 8 Uhr findet im großen Saale von Buggenhagen, Moritzplatz, eine Volksver- sammln ng statt, in der die Genossin Lily Braun über: Frauenstimmrecht und Socialdemokratte sprechen wird. Außerdem Diskussion. In Anbetracht des internationalen Frauenkongresses und der Aktualität dieser Frage erwarten zahlreichen Besuch der Ge nossinnen, Genossen und Gäste Die Vertrauensleute. Wahlvcrcin für de» 4. Berliner RcichStagöwahlttcis(Süd-Ost). Heute abend 8'/z Uhr finden zwei Versa mnilun gen statt und zwar in Sanssouci, Kottbuserstr. 4a, und in der Urania. Wrangelstraße 10a. Die NcichstagS-Abgeordneten B ändert und Schmalfeld sprechen über das Thcnia:„Die Socialdemokratte und die vereinigte reaktionäre Masse." Gäste sind willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Rixdorf. Die Parteigenossen machen wir nochmals auf die heute abend bei Eisermann, Hermannstr. 49, stattfindende Wahl- v e r e i n s- V e r s a m m l u n g aufmerksam. Reichstags-Abgcordneter Genosse Fritz Z u b e i l spricht über das Thema:„Die Herren- Häusler an der Arbeit". Wir ersuchen daher, für regen Besuch dieser Versammlung, zu welcher auch Gäste Zutritt haben, Sorge zu ttagen. Der Vorstand. Adlershof. Die Mitgliederversammlung des WahlvcreinS am Donnerstag fällt der bei Wöllstein stattfindenden Volks Versammlung wegen aus. Außer der schon bekannt gegebenen TagcS- ordnung steht das Verhalten der hiesigen Bäckermeister zu den Forderungen der Bäckerei- Arbeiter zur Beratung. Das Erscheinen sämtlicher Arbeiter, insbesondere der Hausfrauen ist deS vorliegenden WortsbrncheS wegen unbedingt erforderlich. Die Versammlung wird pünktlich 3>/z Uhr eröffnet. Lokales« Eine Waldschule für kränkliche Kinder in Charlottenburg soll noch in diesem Sommer errichtet werden. Die Stadtverordneten-Versammlung hatte bei der Beratung des dies- jährigen Etats an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, der Frage die Einrichttmg von Schulsanatorien näher zn treten. Der Magistrat hat dieser Aufforderung Folge geleistet, und beantragt nunmehr die ver- uchsweise Errichtung einer Waldschule für kränkliche Kinder auf Westend nach dem Muster der Wald- Erholungsstätten des Roten Kreuzes; doch soll damit eine ordentliche, normal gegliederte Schule verbunden sein. Eben darin besteht der Hauptfortschritt gegenüber den bisherigen Wald-Erholungsstätten, wie sie in Schönholz und in der Jungfernheide, am Spandauer Berg und bei Eichkamp sowie in der Nähe andrer Großstädte jüngst errichtet sind, daß neben dem hygienischen das pädagogische Interesse als gleichwertig erscheint. Die Schule soll dem Aufenthalt und Unterricht von 100 bis 120 kränklichen Kindern vom 7. bis 14. Lebensjahre dienen. Knaben und Mädchen werden gemeinsam in sechs aufsteigenden Klassen unterrichtet. Die auf Zunehmenden Schüler werden vom Schularzt ausgewählt i mit an- teckenden Krankheiten behaftete Kinder oder solche Kinder, die an Epilepsie, schwerer Hysterie und Veitstanz leiden, werden nicht auf- genommen. Die Waldschule soll eine Tageserholungsstätte ein i die Schüler verlassen des Morgens so früh wie möglich die meist dumpfen engen Wohnungen der Eltern und bringen den ganzen Tag im Walde zu. Für ihr leibliches Wohl soll in derselben Weise gesorgt werden wie in den bereits erprobten Walderholungs- tätten des Roten Kreuzes, nur daß die Fleischratton ein wenig reichlicher bemessen ist, als eS dort bisher möglich war. Bei Ankunft im Walde erhalten die Kinder sogleich ein Drittel Liter Milch oder einen Teller Hafergrütze und eine mit Butter bestrichene Schrippe, zum zweiten Frühstück wiederum /, Liter Milch, zum Mittagbrot Suppe, durchschnittlich 100 Gramm Fleisch und 200 Gramm Kartoffeln und Gemüse, zur Vesper noch- mals Vg Liter Milch und eine mit Mutz bestrichene Schrippe� und endlich vor Antritt des Heimwegs gegen 7 Uhr abends eine Suppe mit einem Butterbrot. Vom Mittagbrot bis zur Nachmittagsmilch ollen die Kinder auf dem grünen Waldtcppich oder auf bequemen Stühlen sich ausruhen, womöglich etwas schlafen, in der übrigen 'eit werden sie klassenweise unterrichtet, oder sie befchäftigen sich mit stielen, Turnen, Handarbeiten, Lesen u. dergl. Für die schwäch- licheren Kinder aus den entfernteren Stadtteilen, für die der Weg zu weit ist, wird ein Abonnement ans der elektrischen Bahn in Aussicht genommen. Die wirtschaftliche Verwaltung der Anstalt soll dem Vaterländischen Frauenverein, Abteilung für Lungen- Heilstätte�, übertragen werden, der sich auch bereit erklärt hat, auf Wunsch die Einrichtung und den Aufbau zum Selbst- kostenpreis zu bewirken. An Verpflegungskosten sind für jedes Kind täglich 50 Pf vereinbart worden, doch kann bei nach- gewiesener Mittellosigkeit diese Summe ganz oder halb erlassen werden. Mindestens einmal in der Woche soll ein Arzt die Schule besuchen. Es sollen Schüler aller Stufen des schulpflichtigen Alters aufgenommen werden; nur von der Errichttmg der untersten Klasse(VII) ist zunächst abgesehen, weil den meisten Schülern und Schülerinnen dc-Z ersten Schuljahres der Weg zu weit sein dürfte. Sollten aber ausnahmsweise einzelne aufgenommen werden, so bleiben sie für das Sommerhalbjahr vom Unterricht dispensiert. Die übrigen Kinder erhalten täglich 2— L'/.z Stunden Unterricht, und zwar ollen nur 20, ausnahmsweise bis zu 25 Kinder gemeinsam unterrichtet werden dürfen. ES ist in Aussicht genommen, die Schule bis zum Eintritt der kalten Jahreszeit, Ende Oktober, offen zu halten. Es wäre zu wünschen, daß auch landre Gemeinden dem bahnbrechenden Vorgehen CharlottenburgS folgen; die Sätze, mit denen der Magistrat seine Vorlage begründet, gelten wohl für alle Städte. Es wird betont, daß sich in unsern Gemcindeschulen eine nicht geringe Anzahl von Schülern und Schülerinnen befinden, deren Gesundheitszustand es dringend erheischt, sie nicht mit den übrigen Schülern zusanimen zu unterrichten.„Für sie ist die Luft in einem Schulziinmer, in Ivelchem 50 oder mehr Schüler einen ganzen Vor- mittag fast ununterbrochen sich aufhalten, besonders schäd- lich, die Pause zu kurz bemessen und die Anstrengung eines vier- bis fünfstündigen Unterrichts zu groß, als daß sie dauernd an dem- selben mit Aufmerksamkeit teilnehmen könnten. Es sind vornehmlich diejenigen Schüler, welche mit schwereren chronischen 5ttankheiten behaftet sind, mit Lungenleiden, Herzkrankheiten, schwerer Anämie und Sttophulose. Der Verbleib in den stark besetzten Klassen der Ge- meindeschulen bringt solche Kinder leicht in die Gefahr, daß sich aus ihrem ursprünglich leichteren Leiden allmählich schwerere entwickeln. Diese Kinder von den übrigen zu sondern, sie unter thunlichster Rücksicht auf ihren Gesundheitszustand gemeinsam in reiner Luft zu unterrichten, liegt ebenso sehr im Interesse der kranken wie der ge- sunden Schüler, ebenso sehr im Interesse der Schule wie des Eltern- Hauses. Viele Eltern vermögen gegen solche Leiden ihrer Kinder nichts weiter zu thun, als daß sie diese zuweilen tage- oder wachen- lang von der anstrengenden Schule fern haltten. Die Kinder bleiben aber infolgedessen gewöhnlich bald hinter der übrigen Klasse zurück, müssen nach Ablauf des Schuljahres das Jahres- oder Halbjahrcspensum unter gleich ungünstigen Verhältnissen noch einmal durchmachen und erlangen schließlich überhaupt nicht die Reife für die erste Klasse, so daß sie körperlich und g e i st i g minderwertig die Schule verlassen. Es erscheint daher gerechtfertigt, daß die Gemeinde geeignete Schritte der Fürsorge für diese bemitleidenswerten Kinder thut, wie sie sich bereits die Kinder mit geistigen Defekten, der sogenannten Schwachsinnigen, mit gutem Erfolg angenommen hat." Die Kosten sind verhältnismäßig gering; nach dem Vor- anschlag betragen die Ausgaben während der ersten vier Monate 11 120 M., die Einnahmen 4800 M. Hoffentlich nimmt die Stadt- verordneten-Versammlnng die Vorlage einstimmig an. Das Kuratorium des städtischen Obdachs hatte sich gestern mit einer reichhaltigen Tagesordnung zu befassen. Zunächst handelte es sich um die Erörterung eines Berichts, den Stadtv. Hoffmann in einer Beschwerdesache erstattet hat, mit deren Untersuchung ihn Stadtrat F i s ch b e ck beauftragt hatte. Die Angelegenheit betrifft M i ß st ä n d e in der Männerabteilung der Geschlechtsttanken- Station, die ein Kaufmann R. W. Hoffmann übermittelt hatte. Obwohl die Hauptzeugen nicht mehr zu ermitteln waren, kamen doch Dinge an das Tageslicht, die das Kuratorium bewogen, eine gründliche A e n d e r u n g der bestehenden Zustände in die Wege zu leiten. Auf Hoffmanns Antrag wurde ferner beschlossen, für die Männerabteilung der Krankenstation eine Hausordnung zu erlassen, desgleichen stimmte man einem von Hoffmann gestellten Antrage zu, wonach die an Krätze leidenden Personen nicht mehr in allen drei Etagen unter die Geschlechtskranken verteilt, sondern in einer besonderen Etage untergebracht werden sollen. Die Angelegen- heit der P f l e g e f ü r s o r g e für die Patientinnen der Geschlechts- kranken-Slation, welche einer Subkommission zur Vorberatung über- wiesen war. wurde bis zur Beendigung der grundlegende» Aenderung in der Station zurückgestellt. Die Verwaltung der S i e ch e n h ä u s e r soll dringend um die Aufnahme völlig hilf- loser, siecher Personen angegangen werden, die bisher im Obdach jeder Pflege und Aufwartung entbehrten. Bemerkt zu werden verdient, daß in letzter Zeit sogar ein Siecher im Obdach untergebracht wurde, dem die Nahrung durch den Unterleib zugeführt werden mußte. In einem Revisions- bericht über die Zustände im Obdach wünschen die Stadt- verordneten D a b e r und A u g u st i n, daß die mit weißer Farbe angestrichenen Fensterscheiben im Obdach durch Scheiben ersetzt werden, welche zwar auch inidurchsichttg sind, aber das Sonnen« licht durchlassen. Es wurde beschlossen, einen Kostenanschlag sowie GlaSproben von der Bauverwaltung einzufordern. Nach Erledigung einer ganzen Reihe von Verwnltungsangelegeiiheiteii, die sich durch» iveg mit Verbesserungen befassen, kam ein von den Stadtverordnelen H o f f m a n n und Wittkowski erstatteter Revisionsbericht über die Zustände im Arbeitshaus und im H o s p i t a l zw Rummelsburg zur Erörterung. Es war darin beantragt, eine Bestimmung der Hausordnung aufzuheben, durch welche den alten Leuten im Hospital zu Nummelsburg und in der Filiale zn Sieinickendorf untersagt wird, tagsüber die Betten zu be� nutze n. An Stelle dieser Bestimmung war eine neue vorgesehen, wonach die Betten mittags von 12 bis 2 Uhr benutzt werden dürfen. Dieser Antrag fand einstimmig Annahme. Dadurch wird den alten Leuten, die sich kaum noch fortbewegen können, sicher eine Wohlthat zu teil. Neue Straßcnvcrbindung. Ein alter Wunsch der Bewohner der Stadtteile im Norden westlich und östlich der Nordbahn, diese Teile durch eine Straße zu verbinden, soll nunmehr endlich nach langen Verhandlungen mit dem Eisenbahnfiskus im Herbst dieses Jahres in Erfüllung gehen. Die Gleimstraße von der Rügener- straße am Humboldthain soll unter der Nordbahn hinweggeführt und bis zur Schönhauser Allee— Stargarderstraße weitergeführt werden. Es wird damit eine ganz neue Verbindung geschaffen. Bei den Verhandlungen stellte es sich heraus, daß die Gleim- und Schwedtersttatze 4,20 Meter tiefer gelegt werden müssen. Durch bis Fertigstellung der Gleimstraße wird ein großes Gelände, wovon man etwa 82 000 Quadratmeter der Firma Heinrich Bloch u. Ernst Simon gehören, der Bebauung erschlossen. Diese Firma hat sich bereit erklärt, 34 600 Quadratmeter unentgeltlich zu einem im Be- bauungsplan dort vorgesehenen Platz herzugeben. Außerdem hat die Firma rund 20 000 Quadrattneter zu Straßen herzugeben, so daß ihr noch etwa 27 000 Quadratmeter für die Bebauung ver- bleiben. Der Magistrat ist auf dies Anerbieten eingegangen und er- ucht die Stadtverordneten-Versammlung um ihre Zustimmung. Auf die Aufrage der Stadwerordneten Antrick und Genossen über die Art, in welcher die für die Verpflegung der Insassen des Filialhospitals in Reinickendorf zur Verfügung gestellten Mittel ver- wendet würden, erwiderte, wie erinnerlich. Stadtrat F i s ch b e ck, daß alles in bester Ordnung sei. Der Magistrat hat sich, wie jetzt mitgeteilt wird, trotzdem über die Angelegenheit von der Armen- direktton Bericht erstatten lassen und bemerkt zu demselben,„daß die ihrem Wortlaut nach nicht ganz klaren Ausführungen des S t a d t r a t s F i s ch d e ck in der Anfrage vom 9. April d. I. einem Mißverständnisse unterlegen haben".(Ist eigentlich auch„nicht ganz klar". D. Red.) Neben diesem Zugeständnis behält sich der Magistrat aber noch vor, fe st e Normen auf« z u st e l l e n. um eine gleichartige und zweckmäßige Behandlung derjenigen Verpflcguugsportioiien. welche für nicht rechtzeitig zu den Mahlzeiten eingetroffene, auf dem Tagesrapport und dem Küchen« zettel berücksichttgt gewesene Ausgänger beschafft, aber von diesen nicht verbraucht werden.— Wer hatte nun recht? Unser Partei» genösse Antrick oder der durch seine Manieren recht unliebsam bekannt gewordene Stadttat Fischbeck? Für die Studienreise des Stadtbaurats Krause nach St. Louis und andren nordainerilauischen Großstädten beantragt der Magistrat von der Stadtverordneten-Versammlung die Bewilligung von 5000 M. Herr Krause soll hauptsächlich die Verkehrs Verhältnisse und große Speicher-Anlagen studieren. I» dem BcrwaltungS-Streitverfahren Kerfin wider die Berliner Stadtverordneten-Versammlung(wegen Ungülttgkeits-Erklärung der Wahl Kerfins zum Stadtverordneten) hat der Bezirksansschuß nach Vernehmung der beiderseits vorgeschlagenen Zeugen einen neuen Verhandlungstermin auf den 21. d. M. anberaumt. Die beklagt» Versammlung vertritt der Stadtv. Justizrat Cassel. Da? Reichsgericht hat gestern im Prozeß bct Stadt Berlin gegen die Kirchengemeinde» von St. Markus und Simeon die gegen das Urteil des KammergerichtS eingelegte Revision zurückgewiesen. Da das Urteil des KammergerichtS sich für die Auffassung des Magistrats erklärt hatte, sind damit nicht nur die Ansprüche der genannt«, Beiden Gemeinden an die Stadt, sondern die Forderungen aller Kirchengemeinden auf Uebernahme der kirchlichen Baulasten durch die Stadt( auf Grund der Konsistorialordnung von 1573) endgültig für nichtig erklärt worden. straße 25, Bernauerstr. 47, Brunnenstr. 50 usw. einliefen, waren durchweg auf ganz geringfügige Anlässe zurückzuführen. Die Nette Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 m. pre Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft fostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Ein Taschenatlas von Berlin und feiner Umgebung ist im VerSur Aubahuung einer reichsgesehlichen Regelung des Automobil- lage von A. Mende, Berlin SO., Dranienstr. 176, neu erschienen. wesens wird dem Vernehmen nach gegen Ende dieses Monats im Der erste Teil enthält ein Straßenverzeichnis und Verkehrspläne,( Stuttgart, Diet' Verlag), ist uns soeben die Nr. 13 des 14. Jahrganges Von der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Ministerium des Innern eine Konferenz von Regierungsvertretern wogegen der zweite Teil des Buches den als Beigabe zum Adreß- zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: und Mitgliedern der größeren Sportvereinigungen, insbesondere des buch bekannten Straßenplan in kleine Felder zerteilt bringt. Ohne Damenrecht, nicht Frauenrecht. Der Hamburger Bierboykott. Von Luise Mitteleuropäischen Motorwagen Vereins, stattfinden. Man beab- Zweifel macht diese Einteilung die Benugung des Planes auf der Bieß. Gertrud Guillaume- Schack. Von Marie Hofmann. Die Merisichtigt, einheitliche Normen für das ganze Reich aufzustellen, was Straße so bequem wie nur möglich. Der Taschenatlas erscheint in lanerin. Nach„ La Fronde" von E. J. Aus der Bewegung. ebensowohl im Interesse des öffentlichen Verkehrs, wie der Motor- drei Ausgaben zu 1 m. 50 Pf., 75 Pf. und 30 Pf.; sämtliche Aus- Feuilleton: Wie ich eine landwirtschaftliche Zeitung redigierte. Von Mark Twain.( Schluß.) Notizenteil: Kinderarbeit. Internationale Frauenwagenführer selbst liegt. Dabei wird auch die wichtige Frage der gaben haben den gleichen Inhalt. allgemeinen Einführung von Geschwindigkeitsmessern zur Konferenz. Erörterung gelangen. Ueber den Wert dieser Instrumente für den Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis viertelfährlich Automobilverkehr herrschen in Sachverständigenkreisen verschiedene ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Ansichten, auch ist man darüber sehr geteilter Meinung, ob durch die Einführung jener Apparate die Zahl der Unglücksfälle eingeschränkt werden kann. Hus den Nachbarorten. " Bea Preis flossene Rechnungsjahr hat bei verschiedenen Titeln eine nennens- beiden farbigen Bilder Die päpstliche Protestnote gegen Frankreich" und Der Wahre Jakob" hat soeben die 13. Nummer feines 21. Jahr Aus der Stadtverordneten- Bersammlung in Spardau. Das ver- ganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt derselben erwähnen wir die werte Mehreinnahme ergeben; so hat zum Beispiel die Hauptkasse Eine Vision", sowie die Illustrationen Im Gesindevermietungs- Bureau", Zur Ermordung der Lucie Berlin liegen Nachrichten von wesent- allein einen Ueberschuß von 60 020,84 M. Der Magistrat beantragt," Der Bäckerstreit"," Die neuen Transporte nach Südwestafrika", licher Bedeutung nicht vor. Gestern vormittag glaubte man die hiervon 16 000 M. zur Erhöhung des Betriebsfonds zu verwenden grüßung"," Swingburgen"," Der Rettungsanfer"," Befürchtung"," Trauer" beiden kleinen Mädchen, die Lucie Berlin vom Hofe des Hauses ab- und den Reſt dem laufenden Etatsjahr vorzutragen. ( Zeichnung von Edmund Edel),„ Unbegreiflich", Zukunftsbild" und Schwerer Holten, ermittelt zu haben. Die Vernehmung der Kinder und andre Demgegenüber beantragt Stadtv. Jenne( lib.), den ganzen Summer". Der textliche Teil der Nummer enthält die Gedichte„ Das WahlNachforschungen ergaben jedoch, daß man sich geirrt hatte. Die Ueberschuß auf das laufende Etatsjahr zu übernehmen; er bedauert recht"," Eduards Freundschaft"." Die Flotte der Reaktion",„ Der Staatsstreich Mädchen sind also immer noch nicht gefunden. Dagegen hat sich es, daß der Etat nicht eine so hohe Steigerung der verschiedenen Brüder", liegt uns ferne!"" Der Herr Lieutenant!"" Intoleranz"," Die beiden jezt der Drehorgelspieler gemeldet. Ministerherrlichkeit"," Variante"," Der Sieg"," Die schwarzen Dieser hat zivei Männer Einnahmen vorgesehen, denn sonst würde der kommunale Steuer- Bögel"," Der friedliche Michel" und außer zahlreichen fleineren Beiträgen beobachtet, die zwar als Thäter nicht in Betracht kommen, aber doch zuschlag um 20 Proz. niedriger gewesen sein. Stadtv. Nieger in Boesie" und Brosa noch„ Die Feine"( Tagebuchblätter eines Offizierswahrscheinlich in der Lage find, wichtige Mitteilungen machen zu( Soc.) schließt sich dem an und erläutert des näheren die Gründe, burschen) und die Humoreste„ Berlorene Liebesmüh". Der Preis der können. Es wäre daher gut, wenn sie sich sofort bei der Kriminal- te shalb der Magistrat bei Aufstellung des Etats eine solche 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. polizei meldeten. Diese beiden Männer hörten dem Drehorgelspiel Steigerung der Einnahmen voraussehen mußte. Der Antrag Jenne Die Weltanschauungen der großen Philosophen der Neuzeit* sowohl auf dem Hofe des Hauses Ackerstr. 134 wie auch 130 zu. Hier wird hierauf angenommen. Von Dr. Ludwig Busse, Professor der Philosophie an der Universität gaben sie einem Kleinen Jungen 5 Pf. mit dem Auftrage, sie dem Die Zukunft Spandaus berührt eine weitere Vorlage, die den Königsberg i. Pr.( Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wiffen Leierkastenmann zu bringen. Der eine von ihnen ist etwa 40 Jahre Abschluß zweier Verträge mit der Firma Siemens u. Halste über schaftlich- gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. alt, korpulent und 1,72 bis 1,76 Meter groß, hat dunkles Haar, die Ent- und Bewässerung des soeben im Entstehen begriffenen 56. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig.[ IV und 164 S.] einen dunklen, leicht ins rötliche schimmernden Schnurrbart und Stadtteils„ Nonnendamm" betrifft. Hierbei traten unsre Genossen 8. Preis geb. 1 M., geschmackvoll geb. 1,25 M. einen graumelierten Spigbart und ein volles frisches Gesicht. Er Ducksch und Rieger mit großer Wärme dafür ein, daß in 1 M. Berlin W. 50. 1904. Berlag Continent. Alfr. H. Fried. Deutschland und Frankreich. 79 Seiten. trägt einen dunklen, etwas abgeschabten grauen Jackettanzug und städtischer Regie der Bau einer elektrischen Personen- und Gütereinen schwarzen steifen Hut. Der andre ist etwa 45 Jahre alt, bahn nach dem Nonnendamm hergestellt werde. Magistrat und hat eine mittlere Gestalt, blondes graumeliertes Haar und einen Versammlung wendeten gegen den besonders scharf betonten Bau Halblangen Schnurr- und Vollbart. Er trägt eine dunkle Hose, ein dieser Bahnstrecke in städtischer Regie nichts ein, vielmehr graues Jackett( oder kurzen, modefarbenen Ueberzieher) und einen wurde versprochen, diese zum erstenmal bekannt gewordene Anregung Ein blutiges Drama hat sich in Corato( Italien) ereignet. weißen, unter dem Dedel durchbrochenen Strohhut. Auf das sofort einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Die vorliegenden Der Wächter eines großen Gutes ertappte drei junge Leute beim Jackett kann sich jedoch der Drehorgelspieler nicht so genau be- Vertragsentwürfe mit der Firma Siemens u. Halske wurden ge- Apfeldiebstahl und erschoß alle drei. Nach der graufigen That finnen. Die beiden können der Kriminalpolizei voraussichtlich nehmigt. Bei einer andren Vorlage, welche die Verlegung von ergriff er die Flucht, worauf die Landarbeiter die ganze Gegend wichtige Fingerzeige geben. Straßenbahnschienen in der Grunewaldstraße( auch nach dem Mörder absuchten, um ihn totzuschlagen. Sie fanden ihr Ebenfalls ist der Charlottenburger Leichenfund ohne die vorherige Genehmigung der projektierten Straßenbahn- am nächsten Morgen tot neben seinem Hund liegen; er hatte selber immer noch in völliges Dunkel gehüllt, auch in Bezug auf die Verbindung mit dem Spandauer Bock) betraf, erhielt and an sich gelegt. In einem Brief bat er um Erbarmen für Person der Getöteten. Von außerhalb find neuerdings wieder An- Stadtv. Scholz( Soc.) auf seine dahingehende Anfrage die Auskunft, feine Familie. zeigen über Mädchen eingegangen, auf die alle Merkmale bezüglich der daß dieses Projekt entgegen einigen Zeitungsnachrichten Warze, der Geburt und der Schwangerschaft zutreffen; so fuhr ein durchaus nicht als völlig gescheitert betrachtet werden könne; vielMädchen aus Borsdorf nach Berlin, um ihren Bräutigam zu be- mehr seien die Verhandlungen mit der Eisenbahnbehörde sofort fuchen, und kehrte nicht wieder zurück. Es wurde in Berlin gesehen, wieder von neuem aufgenommen, und es sei ein befriedigendes ist aber auch hier nicht mehr zu finden. Andre Nachforschungen, die Uebereinkommen zu erwarten. Der Vorlage selbst wurde zu ebenfalls noch nicht abgeschlossen sind, betreffen ein Mädchen, das in gestimmt. Pankow eine verheiratete Schwester hat. An der eignen Tochter hat sich der Händler Wilhelm Th. aus Welten vergriffen. Er fuhr am Sonnabend in Gesellschaft seiner minderjährigen Tochter mit seinem Fuhrwerk heim. Nach Mitternacht wurden die Bewohner der Berlinerstraße in Tegel plößlich durch gellende Hilferufe aus dem Schlafe geweckt. Ein Gendarm ließ den Wagen, von dem aus die Rufe kamen, halten. Thiele, der nahezu finnlos betrunken war, hatte seine Tochter in unfittlicher Absicht überfallen und das Mädchen, das mit aller Kraft den Unmenschen abzuwehren suchte, mit den Fäusten und dem Beitschenstiel blutig geschlagen. Thiele soll, wenn er nicht trinkt, ein ruhiger, friedlicher Mensch sein, dagegen im Rausch keine Grenzen kennen. Das arme Mädchen wurde mit dem Wagen von einem Straßenbahnschaffner heimgeleitet, der Vater verhaftet. Beim Baden ist gestern vormittag ein Soldat der zweiten Compagnie des zweiten Garderegiments ertrunken. Der Verunglückte hat 15 Minuten im Wasser gelegen; die dann angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Ueber die Person des Verunglüdten war nichts zu ermitteln. " Vermischtes. Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Ceil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 92 Uhr abends statt. Geöffnet: 7 br. Rigdorf 75. Zur Zahlung sind Sie verpflichtet, gleichviel, ob Sie einen Offenbarungseid geleistet haben oder nicht. Gegenüber der Thatsache, wo nichts ist, hat auch der Kaiser sein Recht verloren", ist Ihre juristische Ber find. Ueber den Sommerurlaub der städtischen Arbeiter" welche eine weitere Vorlage behandelte, entspann sich eine heftige Debatte zwischen unsren Parteigenossen und einigen pflichtung belanglos. Steglik N. M. Dazu sind Sie nicht verpflichtet. fonservativen Socialistentötern, welche die bürgerlichen An- Es genügt die Mitteilung, wann und bei welchem Gericht Sie ausgetreten schauungen über die socialen Pflichten der Gemeinden gegenüber Offenbarungseides. Haben Sie solchen Gid geleistet, so sind Sie keineswegs Heureker. 1. Sie verkennen die Wirkung der Leistung des ihren Arbeitern in hellster bengalischer Beleuchtung erstrahlen ließ. behindert, Eigentum jeglicher Art in jeglicher Höhe zu erwerben. Unter Ablehnung des außerordentlich rückständigen Magistrats- wenig ist Ihr Gläubiger behindert, erneut zwangsvollstreckungsversuche zu Ebenso antrages wurde mit 16 gegen 14 Stimmen schließlich der Beschluß machen. 2. Sie leben außerhalb Gütergemeinschaft. Zur besseren Sicherung der gemischten Kommission, welcher im Princip das Recht der des Vermögens der Frau ist es ratsam, vor Abschluß der Ehe das Eigen städtischen Arbeiter auf Erholungsurlaub betont, angenommen. Ober- Schöneweide. Heute nachmittag 5 Uhr findet in der Schulaula in der Frischenstraße eine öffentliche Sigung der Gemeindevertretung statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderm auch der Antrag der hiesigen Katholiken: Errichtung einer katholischen Schule. tum Ihrer Ehefrau anzuerkennen, auf Ihr Verwaltungs- und Nießbrauchs recht zu verzichten, der Ehefrau das Recht einzuräumen, selbständig Verträge jeder Art zu schließen und festzusetzen, daß das durch gemeinsame Arbeit Erworbene jedem Ehegatten zur Hälfte ge hören soll. Der Vertrag ist notariell oder gerichtlich zu schließen und Eintragung seines Inhalts in das Heiratsregister zu beantragen. A. B. C. Gewerbesteuer wird dann nicht erhoben, wenn weder das Anlage- und Betriebskapital 3000 M. noch der jährliche Ertrag 1500 M. Adlershof. In der letzten Sigung der Gemeindevertretung teilte erreicht. Elfe 65. Sie haben die Sache richtig angefaßt. Als Beweis der Gemeindevorsteher mit, daß nunmehr die Genehmigung zur mittel benennen Sie den Verkäufer und Ihren Mann als Zeugen und erbieten sich zum Eid. G. T. 76. Leider stehen der Witwe andre An Ausführung des Kanalisationsprojektes vom Regierungspräsidenten sprüche als solche auf Armenunterstüßung nicht zu. 2. T. 100. Nein. erteilt ist. Zur technischen Leitung wurde ein Bauführer angestellt, Sie können auf Herausgabe klagen. D. Sch. Die Gewerbe- Ordnung welcher seine Funktionen im Nebenamte ausüben wird. Der Herr findet auf Apothefenbetriebe keine Anwendung, ebensowenig das Kinder Zu dem Familiendrama in Rigdorf, worüber wir vor acht Tagen erhält für seine Thätigkeit ein monatliches Gehalt von 160 M. und schutzgesetz. Beschränkungen für die Beschäftigung junger Leute von vierzehn berichteten, teilt uns der Maschinenbauer M. aus der Neuterstr. 75 20 M. monatliche Entschädigung für Bureauräume. Der Voranschlag bis sechzehn Jahren in Apotheken enthält die Gesetzgebung nicht. mit, daß die Mitteilung, wonach seine Frau mit dem Postboten zur Einrichtung der Ortskanalisation sieht eine Ausgabe von 2. Sie sind zur Zahlung nur dann verpflichtet, wenn Sie etwa dem Bord in Beziehungen gestanden habe, durchaus unrichtig ist. Viel- 225 000 m. bor, welche durch eine Anleihe in gleicher Höhe gedeckt Verkäufer den Auftrag erteilt haben, den Notar mit den Vorbereitungen zu mehr ist diese in jeder Hinsicht ehrenhafte Frau mit der Frau des werden soll. Gleichfalls ist die behördliche Genehmigung zur Verlegung beauftragen. Mündliche oder schriftliche Verträge über den Kauf von GrundTischlermeisters B. verwechselt worden. Wir bedauern selbst der Baufluchtlinie des Glienicker Weges am Adlergestell eingegangen; stücken sind ungültig. A. Schulze. 1. In zwei Jahren nach Ablauf des verständlich sehr, daß unser Berichterstatter diesem Irrtum zum die Firma Kahlbaum will dort neue Fabrikanlagen errichten. Zur Teil- Jahres, in dem die Forderung fällig wurde. 2. Ja. 3. Ja. 4. Der Notar macht keine Mitteilung. F. R. 225. 1. u. 2. Ja, falls volle Erwerbs. Opfer gefallen ist. nahme von vier Lehrern am Zeichenkursus wurden 100 m. bewilligt, des- unfähigkeit vorlag. 3. Gegen 14 M. monatlich. F. R. 2123 Koppen. Ein Unmensch. Der 45jährige Magistratshilfsarbeiter Ernst gleichen für die Ergänzung der Schülerbibliothek der ersten Gemeinde- straße. Daraus fönnen Ihnen keinerlei Nachteile erwachsen.- A. 2. Auf schule 50 M. und für die Neu- Einrichtung einer Schülerbibliothek Berlangen des Standesbeamten: ja. E. H. Die Sterbe- Urkunde Ihrer Birweisti aus der Brüdenstraße wurde wegen Verdachts von Verder zweiten Gemeindeschule 100 m. Entsprechend einer Anregung Frau, die Geburts- Urkunden Ihrer Kinder, ein Vermögensverzeichnis Ihrer gehen gegen die Sittlichkeit, begangen an feinen beiden Töchtern, unfres Genossen Laube auf Durchführung der Köpenicker elektrischen Frau überreichen Sie mit dem Antrage auf Erteilung eines Auseinanderberhaftet und nach Moabit in Untersuchungshaft gebracht. Straßenbahn bis zum hiesigen Bahnhofe war der Gemeindevorsteher sehungs- Scheines. Ein Beispiel für solchen Antrag finden Sie S. 224, Unfall. Montagabend in der Dunkelheit stürzte von einem mit dem Köpenicker Magistrat in Verhandlung getreten. Der Magistrat liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Gerüst, welches von der Firma Altmann in Charlottenburg zwecks stellte als Bedingung, daß Adlershof für das aufzuwendende Betriebs- O. 66. Sie müssen die Flaschen entweder selbst zurückliefern oder auf Erneuerung des Fassadenanstriches am Hause Chauffeestr. 20 an- tapital die Zins- und Amortisationsgarantie übernimmt und einen gebracht wurde, der Arbeiter August Kurz. Der Verletzte, der einen Vertrag auf 50 Jahre eingeht, dafür wird adlershof aber entSchädelbruch und schwere innere Verletzungen erlitt, wurde mittels sprechende Gewinnbeteiligung in Aussicht gestellt. Im Princip erKrankenwagens nach der Unfallstation IX und von dort nach der flärte fich die Gemeindevertretung mit diesen Bedingungen einCharité gebracht. verstanden; mit den Verhandlungen wurden der Gemeindevorsteher und die Herren Dr. Ehrmann und Lindenberg betraut. Nr. 19 des dem Das Buch D. R. 100. Nein fordern, bis zu einer bestimmten( angemessenen) Frist die Flaschen abzu holen, widrigenfalls Sie sich vorbehalten, die Flaschen auf Kosten der Centrale in Lager zu geben, oder Sie können endlich auf zahlung gegen Rückgabe recht dem Gericht einen Borwurf. Sie müssen einen Antrag auf Erteilung der Flaschen beim Amtsgericht lagen. R. K. 16. Sie machen zu Un der Bollstreckungsflausel stellen oder wenn Widerspruch erhoben ist, laden. Beispiele hierfür finden Sie auf S. 436 Nr. 74, 75 des in den öffentlichen: - O. R. 100. 1. Ja. 2. Teilweise, Resehallen ausliegenden Arbeiterrechts. bestellt und ihm ohne vorherige gerichtliche Vernehmung des Mädchens statt. z. B. in den Gefängnissen. A. M. 2. Nein, aber, daß solch' Antrag gegeben wird, ist unwahrscheinlich. 2. M. 10. 1. Nein. Sie müssen erst auf Wiederherstellung des ehelichen Lebens flagen. Wenn das Urteil, Vermißt wird in Nienburg a. d. Weser seit dem 5. April ds. Js. der Schneider Georg Lizenbärger, 18. Januar 1867 daselbst geboren. Treptow- Baumschulenweg. Zum unbefoldeten Schöffen ist Herr Er ist circa 1,70 Meter groß, schlank und dunkelblond, hat blaue Gartenbau- Direktor Hoffmann auf fechs Jahre wiedergewählt Augen, rundes Kinn und längliches, blasses Gesicht mit fleinem worden. Die Gemeindevertretung beschloß, die Lösch- und Ladestelle dunkelblondem Schnurrbart. Bei seinem Fortgang trug er dunklen an der Spree in der Baumschulenstraße zu erweitern; zu dieſem Jackettanzug sowie dunkelgrünen Ueberzieher, schwarzen steifen Filz- Becke hat die Militärverwaltung, welche den östlich von der das dann ergeht, ein Jahr lang unbefolgt bleibt, können Sie Chefcheidungshut und Gummizugstiefel. Lizenbärger hat eine faltige Stirn und Baumschulenstraße gelegenen Teil des Plänterwaldes von Berlin ge- tlage einleiten. 2. Ja. Deffentliche Zustellung müssen Sie nachsuchen. fällt besonders dadurch auf, daß seine beiden Handgelenke steif find. pachtet hat, 1450 Quadratmeter für eine jährliche Pacht von 380 M. Wer im stande ist, über vorbeschriebene Persönlichkeit irgend welche abgegeben. Auch für den Stichkanal, der den Teltowkanal mit der Angaben zu machen, wird gebeten, Mitteilungen an den Magistrat zu Nienburg a. d. Weser oder an das tgl. Polizeipräsidium hier zu J.-N. 4601 IV 1804 zu richten. " + Gerste, gut 7,00 5,00 mittel " 17,31 17,29 " gering 17,27 17,25 " " 1,80 1,20 1,40 1,10 13,05 13,03 " " 1,60 1,00 mittel " 13,01 12,99 " 1,80 1,20 gering 19 12,97 12,95 " 1,80 1,201 " 14,20 13,00 2,60 2,00 mittel 17 " 12,90 11,70 Eier 60 Stüd 3,60 2,40 gering 11,60 10,40 " " 15,00 14,20 Karpfen Male 1 kg 2,00 1,40 " 2,80 1,40 mittel " # 14,10 13,30 13,20 12,40 " " Bander Hechte 4,00 3,50 Barsche 3,00 1,20 " 2,40 1,00 " 2,00 1,00 " 7,40 5,00 Schleie " 280 1,40 40,00 28,00 Bleie 1,40 0,80 " " 50,00 25,00 Strebje per Schod 16,00 3,00 60,00 25,00 " * ab Bahn. Richtstroh Heu Marktpreise von Berlin am 11. Juni 1904 Spree verbindet, soll an der Ecke der Baumschulenstraße eine Löschnach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. und Ladestelle errichtet werden. Die Kosten des Schulhaus-* Weizen, gut D. Chr.| 17,35| 17,33 Startoffeln, neue D.- Ctr. Neubaues in der Bouchéstraße belaufen sich auf 290 000 m. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch Herrenloses Pferd. Am 29. Mai cr. frith 7½ Uhr ist in Für die bessere Ausrüstung der freiwilligen Feuerwehr wurden Schweinefleisch 4100 m. bewilligt. Auch soll den Mitgliedern der Wehr für ihre* Roggen, gut Wilmersdorf, Kurfürstendamm- Ede Küstrinerstraße, ein Arbeitspferd, Kalbfleisch große dunkelbraune Stute, ohne Abzeichen, im Werte von 150 bis Thätigkeit bei Bränden eine Entschädigung von 60 Pf. bis 1 m. die Hammelfleisch Butter 200 M. angehalten worden. Das Pferd war nur mit Halfter, an Stunde gewährt werden. Von unsrer Seite noch darauf hingewiesen, welchem sich ein Hufeisen befand, versehen. Der Eigentümer hat daß die turnerische Ausbildung mehr zu pflegen sei und Paradedrill sich bisher nicht gemeldet. Das Pferd ist bei dem Grünframhändler und Klimbim beiseite gelassen werden müssen, worauf die Wehr Eugen Müller in Charlottenburg, Pestalozzistraße, untergestellt und auch mehr Mitglieder gewinnen werde. Einen Antrag die„ Rad-+ Hafer, gut fahrerfalle" aufzuheben, begründete unser Parteigenosse Gramenz. kann von dem Eigentümer dort besichtigt werden. Nachricht zu Gin Gutachten des Gendarmeriewachtmeisters und der Gendarmen, gering 682 IV/ Dep. 04. welches der Amtsvorsteher eingefordert hatte, ist für Aufrechterhaltung Feuerbericht. Die Brandchronik der letzten 24 Stunden ist un des Verbots. Die Vertretung, als Amtsausschuß, schloß sich dieser Erbsen gewöhnlich reichhaltig. Sonntagvormittag fam in der Ritterstr. 63 Ansicht an. Jedoch soll der Antrag nach Fertigstellung der Schleife Speisebohnen in dem Lagerfeller der Großfarbenhandlung von A. König durch an der Endhaltestelle der Siemensbahn weiter in Erwägung ge- Rinjen Selbstentzündung von Farbenreſten Feuer aus, das einen größeren zogen werden. Umfang anzunehmen drohte. Bei Ankunft des 17. Löschzuges aus Mit der teilweisen Abholzung des Plänterwaldes, welchen die der Hauptfeuerwache standen Regale, Fässer, Spääne, Farben usw. Militärverwaltung gepachtet, haben die Pioniere begonnen. Unin hellen Flammen. Die Wehr ging daher sofort energisch vor und angenehm wird es empfunden, daß der schöne Baumbestand verbeseitigte die Gefahr innerhalb einer halben Stunde. Zur selben schwindet und daß die Stubben gleich an Ort und Stelle verbrannt Zeit war in der Burgsdorfstr. 3 eine größere Menge Naphtha und werden. Viele Bedürftige würden von dem Abfall im Winter eine Petroleum in Brand geraten, während in der Urbanstr. 35 allerlei warme Stube bekommen können. Hausgerät durch Feuer vernichtet wurde. Gerümpel, after Hausrat und Verpackungsmaterial hatte nachmittags in der Blücherstr. 24 in einem Keller Feuer gefangen, dessen Ablöschung längere Zeit in Anspruch nahm. Ein größerer Posten Werg stand später in der Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Diet' Verlag) ist soeben das Swinemde. 765 Charlottenstr. 65 im dritten Stock in einer Dekorationswerkstatt in 37. Heft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir Hamburg 766 SW 2 bedeckt 765 S Das Erwachen des ländlichen Proletariats Berlin Flammen, die indes vom 19. Löschzuge bald erstickt werden konnten. hervor: Ein schwarzer Lag. Die Arbeiterklasse Australiens. Frankj.a.M. 765 N In der Wrangelstr. 13 hatten sich Stohlen in einem Keller von selbst in Frankreich. Von Hubert Lagardelle. Von Andrew M. Anderson. Der politische Streit. Bericht der Redaktion München 765 GD entzündet, während in der Rigaerstr. 17 Teer unter großer Rauch von" De Nieuwe Tijd" an den Parteivorstand der socialdemokratischen Wien entwidlung brannte. Möbel, Decken und Kleidungsstücke gingen Arbeiterpartei Hollands. Bon unsern Invalidenversicherungs- Anstalten. gegen Abend in der Mansteinstr. 16 in einer Wohnung in Flammen Bon Eduard Gräf. Litterarische Rundschau: Anna Wittich, Lieder eines uf. Alle übrigen Alarmierungen, die noch aus der Neuen König- fahrenden Schülers. Bon lw. Eingegangene Druckfchriften. † frei Wagen und ab Bahn. Witterungsübersicht vom 13. Juni 1904, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. C. 5° E. 4° R. Stationen Barometer. ſtand mm 1 heiter 17 Haparanda 7579 14 Petersburg 758 19 Cort Windrichtung Windstärke Better Temp. n. C. 2halb bd. 12 1 heiter 1t 2 heiter 4 molten! 18 Aberdeen 762 GGD 3bedeckt 2 heiter 18 Paris 767 NNW 2 bedeckt 764 Still halb bd. 17 Wetter Prognose für Dienstag, den 14. Juni 1904. Warm, trocken und vielfach heiter bei mäßigen südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. 10 11 Preise nie wiederkehrend! Nach beendetem Umzuge sind die Preise auf: Teppiche, Gardinen, Portieren etc. bis zu 33%% 55482* herabgesetzt. Jede Hausfrau benütze diese günstige Gelegenheit! Teppichhaus B. Adler& Co. Königstr. 20-21, an der Jüdenstrasse, im altbekannten Lokal beim Rathaus. Sämtliche Restaurations- Artikel kaufen Sie am billigsten bei L. Katz& Co. 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