Nr. 138. ntionnementS'Bedtnsungen: Abonnements< Preis prSnumerando: BierteljShrl. z.zo Mr. monatr. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. kuizelns Nummer 5 Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiwngS» Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mail, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. AL Jahrg. Erscheint täglich außer tnontagi. Devlinev IDalfofrlalf. Die TnlertlonS'Gebttyr betrügt für die sechsgespaltene kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Pin-eigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags gepjjnel Telegramm-Adresse: „SMialdemohrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokrat» fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 881. 68, Lindenstrasee 69. Kerusprecher: Amt IV. Nr. lS8». Expedition: 88l. 68, Undenstrasse 69. Fernsprechrr: Amt IV. Nr. 1984. Em neues„Weltblatt" gegen die Socialdemokratie. Wir sind in der Zeit der tausend Experimente zur Beschwörung der socialdemolratischen Gefahr. Ein solches Experiment mit un-- tauglichen Mitteln am untauglichen Objekt wird auch, wie wir authentisch erfahren, auf deni Gebiete des reichshauptstädtischen Zeitungswesens in aller Heimlichkeit geplant. Da es aber bisher den Zeitungsgnmdern nicht gelungen ist, das Drcimillioncn-Kapital, das sie brauchen, vollständig aufzutreiben und die Ausführung des Planes daher ein wenig stockt, so werden sie uns dankbar sein, daß wir der Oeffentlichkeit einiges von ihrer Gründung erzählen; sicherlich wird ihnen alsdann der ersehnte Gold- ström reichlich fliesten. „Deutsches Reich, Zeitung für alle Deutschen" soll die neue Zeitung heihen. Die ursprüngliche Absicht war, datz sie vom 1, September d. I, ab in SOV 000 Exemplaren täglich zweimal in Berlin erscheinen soll. Dieser Zeitpunkt mutzte jedoch, wie schon angedeutet, bereits abgesetzt werden, weil die kapitalskräftigen Neigungen für das „Deutsche Reich" noch nicht kräftig genug sind. Der Prospekt der Zeitschrift, der den Kapitalisten zugesandt wurde, ist unterzeichnet von einer„Vereinigung zur Schaffung eines deutschen Weltblattes" und einem Kaufmann Traut als Geschäftsführer dieser Vereinigung, Der Prospekt entwickelt das politische Programm und die finanziellen Hoff- nungen der Gründer. Die Finanzierung des neuen Weltblattes ist so gedacht: Drei Millionen Mark werden als Anlagekapital gesucht. Den anzulocken- den Geldspendern wird, unter Hinweis auf Scherl, Moffe, Ullstein ic,, in Aussicht gestellt,„datz das Anlagekapital nicht blotz in wenigen Jahren amortisiert sein, sondern auch seinen Teilnehmern gleich einem fundierten Familienbesitze eine stetige und dauernd hohe Einnahme gewähren wird". Im Einführungsmonat sollen die Empfänger das Blatt kostenlos erhalten, nur sollen die Empfänger in Berlin das Bestellgeld von 25 Pf. tragen- 200000 Exemplare sollen in Berlin und Bororten, 300 000 im übrigen Deutschland und im Ausland zur Ausgabe gelangen. Vom zweiten Monat ab soll dann der Abonnementspreis mit niedrigstem Ansatz beginnen und er soll von 75 Pf, pro Quartal allmählich auf 3 M. steigen. Man stellt zuversichtlich in Ausficht, datz das Blatt mindestens 175 000 Abonnenten in Berlin und 200 000 auswärts erreichen werde. Doch es handelt sich nicht um ein beliebiges Geschäfts- unternehmen. Es handelt sich um einen politischen Plan. Wenigstens wird versucht, das Kapital durch den Anruf„nationaler Aufgaben" herbeizuziehen;„nationales Interesse" und„finanzieller Erfolg", wie stets, an einer Leine! DaS neue Weltblatt will ein„nationales" sein, will nicht „Parteizwecken" dienen, es will„den nationalen Willen des gesamten deutschen Volkes zum Ausdruck bringen".„National"— das ist das tönende Wort, unter dessen faScinierendem Klang alle bürger- lichen Parteien die trennenden Meinungen vergessen sollen und zusammengeführt werden sollen zum Kampf gegen die Socialdemokratie und für Weltpolitik und „grösteres Deutschland". Es mag erquicken, wenn wir einige solche„nationalen" Citate aus dem Prospekt wiedergeben: „Durch alle deuffchen Gaue zieht ein starkes Sehnen nach kräftigem Ausdruck der nationalen Einheit. Das deutsche Kaiser- reich steht unter den Weltstaaten nach autzen machtvoll da, die innere Zerrissenheit aber ist geblieben. Neue Aufgaben treten an unser Volk heran und der Zeiten drohender Ernst führt eine gewaltige Sprache. Die wachsende Unzufriedenheit der nationalen Bürgerkreise, das unheimliche An- schwellen der socialdemokratischen Wahlstimmen sind bedrohliche Symptome.... Die Herstellung eines Ausgleiches zwischen den Interessen der Industrie und der Landwirtschaft, die Notwendigkeit einer kräftigen Förderung der Landwirtschaft sowie nicht minder der Industrie und dem Grosthandel gegenüber den wachsenden Anstrengungen, deren Weltmarktstellung einzuengen, die nationale Pflicht, der stetig höher strebenden deutschen Arbeit immer weitere Absatzgebiete zu eröffnen, sind unabweisbar getvordene Aufgaben. Die Bekämpfung dieser Symptome, sowie die Lösung dieser ernsten Probleme stehen mit dem Bestände des Reiches und seiner Welt- stellung sowie mit dem Erblühen des inneren Wohlstandes im innigsten Zusammenhange, Diese Lebensfragen des Vaterlandes fordern gebieterisch den engsten Zusammenschluh aller national- gesinnten Deutschen und damit die Schaffung eines Organs, das den Reichsgedanken und die Weltstellung Deutschlands machtvoll zum Ausdruck bringt. Ein Kreis patriotisch gesinnter Männer hat sich die Aufgabe gestellt, eine Zeitung gröstten Stils, ein deutsches W e l t b l a t t inS Leben zu rufen, das in erster Linie die natio- nale Idee vertreten und im Sinne der von Bismarck eingeleiteten nationalen Pvlirik wirken soll.... In Berlin, der Residenz de? Kaisers... ist allein der geeignete Boden für eine Zeitung, die ein Weltblatt werden will. In erster Linie kommt die Bedeutung des Blattes als Ver- treter der Reichsidee in Betracht, Die letzten Wahlen haben deutlich die graste Gefahr erkennen lassen, welche die zunehmende Zerklüftung unsres Volkes in sich birgt... Sobald sich die Er- kenntniS Bahn bricht, datz die Wohlfahrt des Reiches für jeden bedeutsamer ist als alle Parteimeinungen, hat man die Grundlage für eine dauernde Verständigmig aller reichstreuen Bürger ge° funden... Das„Deutsche Reich" will den Kern bilden, um den sich zukünftig alle deuffchen Patrioten zu einem machtvollen Faktor. sammeln... I Auf dem Boden der Reichsverfaffung stehend wird unser deutsches Weltblatt... andrerseits für die Ausgestaltung der Heeres- und Seemacht, für die Fortführung der Kolonial- und Weltpolitik... eintreten. In der Vertretung der Reichsidee wird das„Deutsche Reich" Vorkämpfrrin fem gegen die internationale socialistische Bewegung, die Monarchie und Staat zu stürzen sucht und die Wurzeln des deutschen Volkstums untergräbt... � Die patriotischen Männer, welche durch die Begründung des geplanten gröstten deuffchen Blattes diesen Mittelpuntt(des natio- nalen Lebens) schaffen, werden dadurch zugleich die Begründer eines mächtigen politischen Körpers in der Vereinigung aller nattonal- gesinnten Männer, ihnen wird die Zukunft die große Nationalpartei zu verdanken haben, welche bestimmt sein wird, als w i ch t i g st e r Faktor an der Gesetzgebung und der polittschen Führung des Reiches mitzuarbeiten und in getteuer Gefolgschaft zu dem Kaiser und den Bundesfürsten an des Reiches Macht, Wohlfahrt und Ehre mitzuwirken." Heran denn, heran! Patrioten, die einige zehn- und hundert- tausend Mark übrig haben, ist Gelegenheit geworden, sich zu be- thätigen. Wofür könnten fie die patriotischen Beutel begieriger öffnen, als für so edle und graste Ziele. Es gilt Deutschlands Weltgröste zu gründen, allen Parteizwist zu überwinden und die Socialdemokratie zu erlegen. Und nebenbei schafft man sich die beste Kapitalsanlage, eine„gleich einem fundierten Familienbesitze stetige und dauernd hohe Einnahme" I Merkwürdig, datz die Kapitalisten nicht längst das gewünschte Anlagekapital überzeichnet haben. Wie traurig steht es in Deutschland aus, dast die Begründer so hehrer Unternehmungen die paar Millionen noch immer nicht zusammenbringen können. Aber fie werden sie zusammenbringen und dann: Zittre, Scherl,, zittre, Masse, zittte— Socialdemokratte! Der traute Zeitungsplan erinnert durchweg an das jüngst ver- nommene Programm des neuen„Reichs-Verbandes gegen die Socialdemokratie" unter der Führung des General- lieutenants a. D. L i e b e r t. Der ausgediente Soldat mag nicht auf den militärischen und kolonialen Lorbeeren ruhen, er lebt dem Glauben, dast er zu hoher politischer Zukunft bestimmt ist. und er reist fleihig durch das Land, um es für den deutschen Boulanger vorzubereiten. Vielleicht erweist sich bald, dast hinter dem„Deutschen Reich" kein andrer steht als eben dieser groste Patriot und Erneuerer des Vaterlandes! potttlfcbe(leberlickt. Berlin, den 14. Juni. Der Staatsanwalt und das Conto„X". Nach den Ausführungen, die im Pommernbank- Prozetz seitens des Geheimrat Budde über das Conto K gemacht wurden, mutzte jedermann annehmen, dast diese Enthüllungen seitens des Staats- antvalts aufgegriffen werden würden. Statt dessen erklärte nach unerheblichen Bemerkungen die Verteidigung, dast sie an der Auf- klärung der Sache kein Interesse habe, der Vorsitzende des Gerichts, datz für dieses die Angelegenheit erledigt sei, während der Staatsanwalt schwieg, Wenn das vor fünfzig Jahren in Preuhen geschehen wäre, würden wir um eine Erklärung nicht verlegen sein. Aus dieser Zeit nämlich berichtet ein einwandsfteier Zeuge, Albert Friedrich Lange in einem Brief(1862) an seinen Freund, den Pfarrer Kambli: „Um diese Zeit(Aufenthalt Langes in Bonn als Privatdocent 1855—1858. D. Red.) hörte ich von einem angesehenen rheinischen Juristen in einer sehr respektablen Gesellschaft unangefochten den Grund- satz aussprechen, dast ein Staatsanwalt aus Rücksicht aus die Gesellschaft wohlthue, die Spur eines Verbrechens in höheren Gesellschafts- kreisen nur dann zu verfolgen, Ivenn er wegen zu groster Publicität nicht mehr anders könne. Das sei gerade der Vorzug der Ein- richtung der Staatsanwaltschaft, datz der öffentliche Ankläger auch ein Verbrechen ignorieren könne, wenn ihm dies zur Vermeidung von Auftegung nützlich schiene. Es sei wichttger, die Autoriät von Beamten und Notablen ungeschwächt zu erhalten, als eine That ans Licht zu bringen, über die vielleicht schon Gras gewachsen sei. Später habe ich, da mir mein wechselvolles Leben inanchen Blick in die Verhältnisse der Gesellschaft gestattete, den nicht jeder thun kann, eine ganze Reihe von Fällen erlebt, in welchen Verbrecher, die, wenn sie arm und ohne Einflust und Ver- bindungen wären, im Zuchthause sätzen, unangefochten in der Gesellschaft verkehrten, in Ehrenämter gewählt wurden und eine glänzende Rolle spielten. Ich habe in solchen Fällen immer gefunden, datz auch diejenigen, welche ganz genau um die Sache wußten, sich dem Eindruck der äußeren Respektabilität solcher Personen nicht entziehen konnten. Der konservative Teil der Gesell- schaff aber(und die meisten sogenannten Liberalen gehören mit dazu) verhält sich nicht nur t h a t s ä ch I i ch so, sondern grundsätzlich. wenn man auch diese Grundsätze nicht immer offen ausspricht. Denjenigen Privatmann, der es wagen wollte, einen solchen an- gesehenen Vertreter zu entlarven, würden die meisten mit wahrer Gehässigkeit anfeinden. In einer Verleumdungsklage würde der Entlarvungsversuch unter zehn Fällen gewist neunmal mit der Verurteilung des„Verleumders" enden, wenn derselbe auch nichts als die reine Wahrheit behauptet hat." So sah es vor vierzig bis fünfzig Jahren in Preußen aus. Was wird jetzt werden? Auf alle Fälle möchten wir auch heute keinem Privatmanne raten, de»„Notabeln" anzugreifen, der über das Konto X gebot. Gerichtliche Aufklärung über ihn und sein Gebaren mutz die Staatsanwaltschaft herbeiführen, während es Aufgabe jeder anständigen Zeitung ist, dafür zu sorgen, daß für eine Vertuschung „die Publicität zu groß" wird.— Der Reichstag. Die Reichstags- Abgeordneten hatten sich heute weit zahlreicher eingefunden als in den letzten Tagen. Stand doch von mehreren Gesetzen die dritte Lesung auf der Tagesordnung, fiir die ver- schiedene Parteien namentliche Abstimmung und damit Feststellung der Beschlußfähigkeit angekündigt hatten. Die erste Streitfrage war der Thalerbcschluß, den die Mehrheit in der Kommissionsberawug und zweiten Lesung in die Münzgesetz- Novelle eingeschoben hatte. Vergeblich erklärte die Regierung den Beschlutz, der vermehrte Ausprägung von silbernen Dreimarkstücken gesetzlich festlegt, für unannehmbar. Bergebens wandte sich der ftei- sinnige Abgeordnete für Berlin I, Kämpf, in langer Rede gegen die„Verwirrung und Verschleierung unsres Münzshstems" durch den Thaler, vergebens fiel auch das Centrum wieder um und be- antragte die Verwandlung des Beschlusses in eine harmlose Re- solution: die Mehrheit blieb fest, und gegen die Stimmen der Frei- sinnigen, des Centrums und eines Teils der Nationalliberalen wurde die Münzgesetz-Novelle in dieser Form angenommen. Damit ist einer der wenigen in dieser Session fertiggestellten Gesetzentwürfe endgültig gescheitert. Zur zweiten Berattmg der Anleihe von acht Millionen für den Bau einer Bahn in Togo, die schon in der Kommission gegen unsre und der Freisinnigen Volksparteiler Stimmen angenommen worden war, hatte die Kommission eine Resolutton vorgeschlagen, die die Reichsregierung ersuchte, darauf hinzuwirken, datz die eingeborene Bevölkerung bei Landverkäufen nicht allzu sehr gc- schädigt werde. Das zeigte, datz selbst der Mehrheit der Kommission an der Art, wie die Togo-Gesellschaft ihren riesigen Grundbesitz er- warben hat, etwas bedenklich vorgekommen war. In der That konnte unser Genosse L ed eb 0 ur nachweisen, daß durch diese Landkauf- Verträge in Togo die Eingeborenen in der unerhörtesten Weise über- vorteilt und an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gebracht worden sind. Von Häuptlingen, die gar nicht wutzten, tvas sie thaten, hat man über den Kopf der Stämme hintveg weite Strecken Landes den Hektar für 6 Pfennige gekauft. Und schon stellt ein Prospett der Togo-Gesellschaft ihren Interessenten autzerordentlich hohe Dividenden in Aussicht, da sich bei der starken Werffteigerung durch den Bahnbau das Land vorteilhaft wieder würde verkaufen lassen. So wird zu Gunsten einer kleinen Spekulantengruppe in Afrika ein Volk zu Grunde gerichtet und zur Verzweiflung getrieben, in Deutschland die Reichskasse belastet. Selbst der Kolonialdirektor Dr. S t ü b e l erklärte, datz ihm gewisse Bedenken wegen der Landverkäufe gekommen seien, nur ist er sich über das Matz der Uebervorteilung noch nicht klar geworden. Trotzdem Genosse Ledebour noch einmal die Lage in Togo klar darlegte, stimmte nicht einmal die Freisinnige Volkspartei für unsre Resolution, während die von der Kommission vorgeschlagene einstimmig angenommen wurde. Somit läßt die Mehrheit die unmoralischen, wucherischen Verträge, die vor Gericht niemals als gültig anerkannt werden würden, zu Recht bestehen. Die Idee selbst, in Togo Bahnen zu bauen, bevor ein halb- wegs ausreichendes Wegenetz geschaffen sei, verglich Genosse Ledebour treffend mit dem Vorgehen der Negerkönige, die sich Cylinderhüte auffetzen, ehe sie sich Hosen anziehen. Der Abgeordnete Richter kritisierte die finanzielle Schädlichkeit der Vorlage, die in diesen Tagen, wo zahllose als dringend anerkannte Bedürftnsse un- befriedigt bleiben müssen, das Geld der Steuerzahler für so zweifelhafte Unternehmungen aufwenden will. Die Mehrheit setzte all dem nur das Gerede von der Förderung der deutschen Baumtvoll- Pflanzungen und der großen Zukunft unsrer Kolonien entgegen und nahm schlietzlich in namentlicher Abstimmung die Vorlage an. Dann wollte man auch rasch die Gelder für die ostafrikanische Bahn bewilligen lassen, aber der entschiedene Einspruch der Linken bewog Herrn v, K a r d 0 r f f, den eben erst von den konservattveu Parteien abgelehnten Vertagungsantrag seinerseits wieder auf- zunehmen. Mittwoch soll die Sitzung schon um 12 Uhr beginnen. Es stehen die Nachtragsetats für Südwestafrika, die ostaftikanische Bahn und die Interpellation Auer wegen des preußischen Konkaltbruch- Gesetzes auf der Tagesordnung, zudem der Servistarif und die Kaufmannsgerichte. Der Reichstag soll eben im Eiltempo diese wichtigen Fragen erledigen, damit er am Donnerstag in die Ferien gehen kann.— ... Veutfckes Reick. DaS saarabische System des TerroriSmnS und der Rechtlos- machung ist älter als ein Vierteljahrhundert. Schon ehe über die deutsche Socialdemokratte das Schandgesetz von 1378 erhängt wurde, hatten die Herrscher der Saar-J»dustrie ihr eignes Socialistciigcscti beschlossen und an den Thoren ihrer Werke publiziert. Am 6. Juni 1877 wurde durch Anschlag an den Fabrikthoren bekannt gemacht: „Es werden keine Arbeiter auf den Werken geduldet, welche sich an socialdemokratischen Agitationen direkt oder indirekt be- teiligen, welche insbesondere 1, socialdemokrattsche Blätter halten oder verbreiten: 2. an socialdemokrattschen Versammlungen oder Vereinen teilnehmen: 3, Wirtshäuser besuchen, in welchen social- demokratische Versammlungen abgehalten werden oder Blätter dieser Richtung aufliegen." Siebenundzwanzig Jahre später, im Juni 19V4, halten es die Saargewaltigen noch genau so. Das Socialistengesetz ist inzwischen in Schande versunken. In Saarabien aber sind die Dinge schlimmer denn je.— Reichs-Schnlgesctz. Der konservativ-liberale preußische Schul- antrag ist, tvie von Anfang an klar war, eine von der Regierung be- stellte Arbeit, die sogar zwei freisinnige Abgeordnete gefördert haben. Es überrascht denn auch nicht weiter, daß bereits jetzt km Kultusministerium der Antrag in Gesetzesform gebracht werden soll. Es ist darüber nicht der geringste Zweifel, daß die Regierung ein christliches Schulgesetz vorlegen wird, und daß das Parlament des Dreiklassen-Wahnsinns dieses Gesetz gutheißen wird. Das ist wieder eines der Geschenke an das frohlockend im Hintergrunde bleibende Centrum. dessen militärisch-marinistische Bereitwilligkeit erkauft werden muß. Nur vom Reich cius kann die vollständige Klerikalisiening der Schule bekämpft iverden. Ist es den Liberalen Ernst um diese wichtigste Kulturfrage, so müssen sie den Kampf in den Reichstag verlegen. Das Centrum selbst hat die Ordnung religiöser Angelegen- heiten beim Tolerauzautrag als Reichssache anerkannt. Es kann deshalb nicht widerstreben, wenn im Reichstag die Trennung der Kirche vom Staat, also auch die Ausscheidung konfessioneller Be- strebungen aus allen staatlichen Institutionen gesetzlich für das ganze Reich festgelegt wird.— Freisinndemokratische Schulhelden. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Wie wenig Wert der ganzen Protestlerei der freisinndemokratischen Sturmgesellen gegen den nationalliberal-konservativen Schulkompromiß- antrag beigemessen werden kann, beweist die Thatsache, daß die Mund- Helden da, wo es gilt, auch durch die That ihre Opposition gegen die Berpfaffung der Schulen zu bekunden, einfach versagen. Einen thatsächlichen Beweis für diese Behauptung bot die letzte Stadtverordneten- Versammlung in Frankfurt a. B?. In derselben stand u. a. ein Magistratsantrag auf Erhöhung des städtischen Zuschusses an die Konsessions schule in Niederrad zur Beratung und zwar als Acguivalent der ministeriellen Genehmigung einer neuen Simultanschule in diesem eingemeindeten Borort. Diese Niederrader katholische Schule ist eine durchaus private Gründung der dortigen Kapläne, die in das Frank- furter Schulwesen paßt'wie die Faust aufs Auge. Mit ultramontaner Zähigkeit hat man sie schlecht und recht erhalten, bis es gelang, schon von der früheren Niederrader Gemeinde- Verwaltung einen Zuschuß von 7000 M. zu erhalten. Bei der Ein- gemeindung im Jahre 1900 beging dann die Frankfurter Stadt- Verwaltung den ersten Fehler unter dem Drucke der Drohung, daß der Landtag der Stadt die konfessionellen Schulen durch Gesetz auf- halse, sich auf einen Vergleich einzulassen und der Nieder- rader Pfarrschule sogar 15 000 M. Subvention zu bewilligen. Doch wurde wenigstens gegenseitiges einjähriges Kündigungsrecht vom 1. April 1901 ab vereinbart. Schon damals hätte die Stadt Frankfurt ihr Recht auf Simultanschulen innerhalb des Stadtbezirks grundsätz- lich durchfechten sollen. Der Minister erklärte sich bereit dazu, die Auseinandersetzung im VerwaltungSstreit-Verfahren mitzumachen. Statt dessen ging man einen faulen Frieden ein, der, wie die Thatsachen zeigen, von den Niederrader Kap- länen mit Unterstützung der Centrumspartei und der Regierung nur dazu benutzt wird, der Stadt bei jeder neuen Gelegenheit eine Erhöhung des Zuschusses abzuringen, bis die Frommen für ihre Privatschule gar nichts mehr zu zahle» brauchen und ihre ganzen Kosten(ca. 37 000 M.) auf die Stadt abgewälzt habe», schließlich aber die Uebernahme durch den Etat durchsetzen und damit gegen das Frankfurter Simultauschulwcsen gewonnen-haben. Für jede weitere Klasse der Niederader Pfarrschule sind jetzt weitere 2000 M. städtischer Zuschuß bewilligt über die 15 000 M. hinaus. Dafür will der Herr Kultusminister Studt nun gnädigst geruhen, seine Zustimmung zu geben, daß eine neue Simultanschule in Niederrad eröffnet werden kann. Vergebens beantragte Genosse Dr. Ouarck, den Magistratsantrag abzulehnen und das Uebereinkommmen von 1900 zu kündigen, um die Sache auf dem Verwaltungsstreitverfahren zum Austrag zu bringe». Er drang nicht durch. Freisinndemokraten wie Nationalliberale stimmten den Antrag nieder. So verteidige» die Freisinnigen in der Praxis die Schulrechte. Ist's da zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß hinter der ganzen Protestlerei nicht viel steckt und daß die freisinndemokratischen „Sturmgesellen" sie nur benutzen, um ihr politisches Ansehen wieder ein wenig aufzupolieren?— Wiederum„die Elenden". Der deutsche Kronprinz hat einst von Oels aus, obwohl e r nicht unverantwortlich ist, die Social- demokraten als„die Elenden" bezeichnet. Jetzt erklärt er es für patriotisch, daß man drei Millionen der besten deutschen Männer verabscheue. In der„Kreuz-Zeitung" finden wir nämlich folgende Notiz: „Aus dem Kabinett Sr. k. und k. H. des Kronprinzen ist dem Lehrer smer. Hardt in Gumbinnen für Ueberreichung feines SchriftchenS„Ehre den König n»d verabscheue die Socialdemokratie" ein Schreiben zugegangen, worin der Kronprinz ihm für den in dem Schriftchen bethätigten Ausdruck patriotischer Gesinnung seinen Dank aussprechen lägt. Dieses Schriftchen, das die weiteste Verbreitung besonders unter der Jugend verdient, ist vom Verfasser für 7 Pf. das Stück zu beziehen."_ Der Bcrlin-Stettiner Kanal in der Kominission. In der Kanalkom Mission des Abgeordnetenhauses stand Dienstag die Vorlage betr. die Herstellung des Großschiffahrtsweges Bciliu-Stettin zur Beratung. Der Berichterstatter Abg. v. Quistorp(kons.) gab einen Ueberblick über die Sachlage und betonte, daß er im Princip kein Gegner von Stettin sei. In Frage käme: 1. ob durch verbesserten Ausbau des Finowkanals zu helfen sei; 2. ob der Rückgang von Stettins Handel dauernd sei oder ob nur ein momentanes Stagnieren vorliege: 3- ob der Kanal für Stettin Abhilfe biete; dabei käme der Dampfsährenverkehr von Warnemünde-Jeser und ein gleicher Verkehr, welcher für Trölleberg-Saßnitz in Aussicht genommen wäre, mit in Betracht; 4. ob nicht eine Abhilfe auf Kosten inländischer Pro- duzenten zu Gunsten ausländischer Produkte, namentlich Getreide, schwedischen Granits und englischer Kohle erfolge; 5. müsse man prüfen, ob es berechtigt sei, daß der Staat die beabsichtigten Opfer auf Kosten der Gesamtheit bringe; dabei käme namentlich die Lage der Binnenschiffahrt in Frage. An Anträgen liegen vor zunächst zwei Anträge des Abg. Graf v. Aruim-Züscdom(k.): 1. Die königl. Staatsrcgierung zu ersuchen. Erhebungen darüber anzustellen, ob durch Einführung des elek- t r i s ch e n Z u g b e t r i e b e s auf dem bestehenden Finowkanal eine Verbesserung und Verbillignng der jetzigen Transportverhältnisse herbeigeführt werden kann. 2. Die königl. Staatsregierung zu er- suchen, mitzuteilen, wie sich in den letzten fünf Etatsjahren der Wagenladungsverkehr nach Mengen und Arten zwischen Berlin- Stettin und umgekehrt gestaltet hat; zweitens eingehend zu prüfen und der Kommission mitzuteilen, ob im direkten Verkehr von Stettin nach Berlin und umgekehrt die Eisenbahnfrachteu für Wagenladungs- güter behufs Entlastung des Finowkanals wesentlich herabgesetzt werden können. Ferner liegt vor der Antrag Graf Strachwitz-Bertelsdorf(C.), gleichzeitig für Schlesien die Möglichkeit zu schaffen, auf dem Wasserwege oder auf dem Eisenbahnwege Montangüter— z. B. Kohle, Zink, Eisen in jeder Art der Bearbeitung— von den schlesischen Jndustrierevieren nach Berlin und seinen Nachbargebieten zu Frachtsätzen zu befördern, welche die heutige Spannung in den Schnittpunkt Berlin zwischen den schlesischen Revieren einerseits und den westdeutschen Revieren, sowie den deutschen Küstenplätzen andrerseits aufrecht erhalten. Ein Antrag Dr. Rcwoldt(fk.) wünscht Erhebungen über den Einfluß des Großschiffahrtsweges Berlin— Stettin auf das Gewerbe der Binnenschiffer. Der Minister der öffentlichen Arbeiten teilte mit, daß vor der Aufstellung des Planes des Großschiffahrtsweges genau untersuchtworden sei, ob der Finowkanal sich dem Verkchrsbedürstiis entsprechend ausgestalten ließe. Diese Untersuchung habe aber ein negatives Resultat er- geben. Der Abgeordnete Graf v. Arnim sprach den Wunsch aus, durch Vertreter der Staatsregierung dadurch unterrichtet zu werden, welche Bedeutung der Großschiffahrtsweg für die Entwässerung des Oderbruches und der daran grenzenden Ländereien haben werde. Er sprach dann die Befürchtung aus, daß der Großschiffahrtsweg den erwarteten Nutzen für Stettin nicht haben werde und daß dem- zufolge seine Kosten nicht in dem richtigen Verhältnis mit dem zu erwartenden Nutzen ständen. Zum Schluß kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung eines Kommissionsmitaliedes mit dem Fiiianzminister über den Einfluß des Großschiffahrtsweges auf den Kohlenverkehr Schlesiens und AuS- lassungen eines andren Abgeordneten über denselben Gegenstand. Sodann wurden die Anträge Dr. Rewoldt und Graf v' Arnim-Züsedom betreffend Material angenommen und die nächste Sitzung auf Donnerstag, den 16. Juni, abends T'/a Uhr, anberaumt.(Oder-Weichselstraße.) Aus dem„Tempo" und der„Gründlichkeit" dieser Beratungen fielst hervor, daß es die Junker durchaus nicht eilig haben. Sie ob- truieren wieder in aller Form. Das Ansiedlungs-Gesetz. In der Dienstags-Sitzung der Kommission des preußischen Ab- geordnetenhauses für das A n s i e d l u n g s- G e s e tz wurde die Beratung des A 13 b fortgesetzt. Es lag ein Abänderungsantrag des Abg. Dr. v. Dziembowski-Pomian(Pole) vor, welcher 25 Punkte umfaßt. Nachdem in der ersten Sitzung die Behandlung der Ver- fassungs- und Rechtsfragen erledigt war, erstreckte sich die heutige Beratung auf die wirtschaftlichen, socialen und politischen Voraus- setzungen und Folgen des§ 13 b. Vor dieser sachlichen Beratung wurde zunächst zur Geschäftsordnung verhandelt und die An- regung gegeben, zur Beratung über den Abschnitt III(General- kommissionen) eine Unterkommission zu bildeu.Von volnischer Seite wurde die Ausdehnung der Subkommission auf die übrigen Paragraphen angeregt. Seitens der Regierung wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß dadurch die Fertigstellung des Gesetzes verschleppt würde. Zur Sache äußerte sich der Referent: Ein Rückgang der Boden- preise würde allerdings die Folge des Gesetzes sein; die jetzige Preissteigerung sei aber ungesund und ein Rückgang der Preise auf den wahren Wert im volkswirtschaftlichen Interesse wünschenswert. Eine sociale Verschiebung durch eine Vermehrung des Proletariats sei behauptet worden, aber wohl nicht zu bejahen. In einer Exkursion auf die oberschlesischen Verhältnisse wurde eine Ausdehnung der Vorschriften auf Oberschlcsien mit eingehender Begründung bekämpft, insbesondere auf die Gefahren für die Industrie und auf die politischen Folgen hingewiesen. Von polnischer Seite wurde ausgeführt, durch eine Er- schwerung der Ansiedlung würde die Scßhaftmachung von Arbeitern eingeschränkt werden und ein Rückschritt der socialen preußischen Gesetzgebung gemacht werden. Die gegenwärftge Preissteigerung beruhe zum Teil auf der Thätigkeit der Ansiedlungskommission, zum Teil auch auf der Hebung der Landwirtschaft, deren Erträge in der Provinz in den letzten zwanzig Jahren um 40Proz. sich gehoben hätten. Auch von andrer Seite wurde§ 13 b nicht gebilligt. Man solle lieber den Deutschen durch Schulen und sonstige Kulturmittel das Leben angenehm machen und Frieden schaffen. Der Minister des Innern gab zu, daß die Grundstückspreise fallen würden; das sei aber erwünscht, da der Preis den Wert um 20 Proz. und vielleicht noch mehr übersteige, wenngleich anzuerkennen sei, daß der Wert der Grundstücke durch Verbesserungen erhöht sei. Bei den polnischen Parzellierungsbanken würden viele Kapitalien(namentlich Ersparnisse) angelegt, die die Betriebs- kapitalien erhöhten. Das Gesetz sei ein Kampfgesetz, es solle aber zum Frieden führen, der auch von der StaatSregierung gewünscht werde. Unter den Polen würde aber immer weiter für das„König- reich Polen" agittert. Gegenüber den Polen wurde ausgeführt, daß das Gesetz not- wendig sei, weil bei den polnischen Ansiedelungen das öffentliche Interesse nickit gewahrt sei. Der Staat habe das berechtigte Interesse, die deutsche seßhafte Bevölkerung zu halten und die deutsche Sprach- grenze zu schützen. Es bestehe die Gefahr, daß die setzhaste deutsche Bevölkerung durch die nattonalen Reibereien und die Boykotts ab- gedrängt und durch die gegenwärtigen gesteigerten Bodenpreise zum Verkaufen verlockt würde. Unter Ablehnung der AbändcrnngSanttäge wurde§ 13 b in der Fassung des Herrenhauses angenommen. Die nächste Sitzung findet Mittwoch statt. Wer bezahlt die Zeche? Aus dem Taunus wird uns über die Vorbereitungen zum Gordon-Bennett-Rennen geschrieben: Wer ttägt die Kosten für die ungeheueren Zurllstungen zum Gordon-Bennett-Rennen? Alle Straßen, über die die Fahrt geht, sind in Stand gesetzt worden. Wo Kurven sich befinden, ist das Straßenbett nach außen erhöht. Später müssen diese Aufschüttungen natürlich wieder abgetragen werden. Wo belebte Straßen die Rennstrecke kreuzen, ist diese überbrückt oder es sind Tunnel darunter hergeführt. Alle Gendannen und Schutzleute der Gegend sind zur Bewachung der Strecke kommandiert, außerdem sind 1500 Soldaten zum Posten- dienst aufgeboten; sie werden bei den Bauern einquartiert. Hunderte von Beamten arbeiten seit Monaten an den Plänen usw. Einige mittelalterliche Thore auf der Strecke, in Weilburg, Limburg, Idstein, sollten erst eingerissen werden. Schließlich hat man sich damit begnügt, sie nach Möglichkeit zu erweitern. Uebrigens: Herr Gordon-Bennett, der Heransgeber des deutsch- feindlichsten und gehässigsten Blattes Amerikas, ist eingeladen und hat dj� Einladung angenommen. Er will offenbar neues Material für sein Blatt persönlich sammeln. Und daran wird es ihm nicht fehlen.—_ Wieder ein Gesetzgeber. In das Herrenhaus wurde ftir den Grafenverband der Provinz Brandenburg an Stelle des am 3. Dezember 1903 verstorbenen Grafen v. Aniim-Mellenau durch Erlaß vom 1. d. M. Graf von der Schulenburg auf G r ü n t h a l berufen. So wird man— Volksvertretung!— Gegen das Gordon Beunett- Rennen. Für die deutsche Industrie 'ollen, so heißt es in dem Homburger Festbuch, die Benzin-Tiger ihr Leben in die Schanze schlagen. Dagegen schreibt ein Fachblatt, die allgemeine„Automobil-Zeitung" das Folgende: „Dem Publikum wurde es so lange gepredigt, das Gordon- Bennett- Rennen sei das Rennen aller Rennen, der Sieg in diesem Rennen bedeute den Sieg der betreffenden nationalen Industrie, daß alle Welt von einem förmlichen Taumel erfaßt wurde. Millionen und Millionen werden vergeudet— bis der Moment herannaht, wo dem Siegerder Lorbeer gereicht wird. Und alle diese Millionen, wer bezahlt sie endlich und schließlich? Doch nur das kaufende Publikum, denn die Fabriken müssen ihre horrenden Reunauslagen auf das Konto„All- gemeine Regie" buchen, von diesem Konto bekommen die Touren- wagen ihren ganz gehprigcu Teil ab, und das Publikum kauft teuerer, ohne daß der Fabrikant hiervon einen Nutzen hat. Ich halte das Gordon Bennett-Rennen, wie es sich heute repräsentiert, für eine Jahrmarktsunterhaltung. Kein Zweifel, daß das Bennett- Rennen eine kolossale Propaganda jür den Automobilismus im allgemeinen ist, kein Zweifel, daß man eine internationale Heerschau des Automobilismus erleben wird, wie sie noch niemals dagewesen— ich negiere es aber auf das entschiedenste, daß dieses Rennen für die Automobil- Industrie irgend welchen prakttschen Zweck hat. Ich bin weit entfernt davon, den Wert des Sieges im Gordon Bennett- Rennen schmälen: zu wollen, ich bin mir dessen vollkommen bewußt, daß die siegreiche Marke ein Bombengeschäft machen wird. Und die Unterlegenen? Vao viotis! Mir kommt dieses Rennen so vor, wie ein sorgfältig arrangiertes internattonales Hazardspiel. Derjenige, der schließlich gewinnt, geht ver- znügt mit vollen Taschen von bannen, die andren aber, die sind die„Gerupften". Millionen werden eingesetzt für eine höchst unsichere Chance, und der Gewinn steht in gar keinem Verhältnisse zu dem Verluste. Ist das Gordon Bcnnctt-Rcunen nichts andres als ein sportlicher Jahrmarkt, dann verschone man u»S gefälligst mit den Phrasen von der Förderung der Industrie. Dann erzähle man uns nicht mehr das Ammenmärchen von der Notwendigkeit der Renneu. Diese Nennen sind nicht mehr notwendig; im Gegenteile, diese Rennen sind nutzlos, ja noch mehr, sie sind schädlich."— Freisinn gegen Wahlrecht und für Staatsstreich. Die„Posener Zeittmg", die sich auch zum Freisinn zählt, veröffentlichte ohne Worte der Abwehr die folgende Zuschrift: „Eins ist aber doch gewiß: Daß die Socialdemokratie nicht auf einen Ruck die Reichstagsmehrheit— in welchem Falle allerdings der Staatsstreich zur Notwendigkeit werden würde— erhalten wird. Bekommt aber die Socialdemokratie einmal bei der Reichstagswahl so viele Mandate, daß die Besorgnis ge- rechtfertigt ist, sie könnte es bei den nächsten Wahlen zur parlamentarischen Mehrheit bringen, so kann mau gewiß sein, daß das deutsche Bürgertum vom konservativen Mann bis zu Eugen Richter einmütig ein neues, den Einfluß der Socialdemokratie einschränkendes Wahlrecht acceptieren wird, weil gerade vom liberalen Standpunkte aus die Minderung eines Volksrechtes immer noch das kleinere Uebel ist gegenüber der Notwendigkeit der Beseitigung der verfaffungsmäßigen Mitwirkung des Reichstages." Besser können die Mirbach, Manteuffel und andre Junker eS auch nicht!— Fünf Jahre Gefängnis oder Freisprechung— ein Mittelding gab's nicht in dem Prozeß, der dieser Tage vor dem Kriegsgericht der 16. Division in Trier verhandelt wurde. Drei junge Leute waren, wie wir bereits in Nr. 92 des„Vorwärts" unter der Spitz- marke:„Ein Gendarm wegen Meineids angeklagt" berichteten, infolge der Anzeige eines Gendarmen wegen Zusammenrottung und thät- lichen Angriffs auf einen Vorgesetzten kriegsgerichtlich unter Anklage gestellt worden. Sie hatten in Oberöfflingen(Regierungsbezirk Trier) am Tage der K o n t r o l l v e r s a m m l u n g einen Zusammen« stoß, bei dem erwiesenermaßen der Gendarm einen der jungen Leute beleidigte und schlug, wofür er vom Kriegsgericht zu zwölf Tagen gelinden Arrests verurteilt worden ist. An jenem 28. April(vorigen Jahres) sollen die drei jungen Leute sich des bezeichneten militärischen Ver- brechens schuldig gemacht haben, auf das eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis steht. Die Anzeige wegen des am 28. April an« geblich geschehenen Delikts erstattete der Gendarm am 18. Oktober, nachdem er am 16. Oktober wegen der Mißhandlung und Beleidigung verurteilt worden war. Gegen' ihn selbst war die bezügliche Anzeige schon am 2. Mai erstattet worden. Der Gendarm aber hatte sich begnügt, am 3. Juni gegen die jungen Leute Anzeige wegen— groben Unfugs zu erstatten. Was am 3. Juni grober Unfug, das wurde am 18. Oktober, nachdem der Gendarm selbst verurteilt worden war, zu dem furchtbaren Delikt der Meuterei. Auf die Frage, weshalb er erst nach einem halben Jahre mit einer so schwerwiegenden Anklage komme, antwortete der Gendarm: er habe den am 28. April empfangene»„Stoß" zunächst als eine „lästige Zudringlichkeit" aufgefaßt. Trotz dieser Lage der Dinge, lediglich auf das Zeugnis des Gendarmen hin, der doch im a l l e r h ö ch st e n Maße unglaubwürdig war, beantragte der Vertreter der Anklage gegen die drei jungen Leute fünf Jahre Gefängnis— die Miudeststrafe. Das Gericht sprach die Angeklagten srei.— Der Leo-Bettel. Die„Germania", die einen unendlichen Raum für alle Dummheiten und Schwindeleien über die Socialdemokratte hat, muß gegenüber dem von uns aufgedeckten Leo-Hospiz« Skandal von schwerer Raumnot befallen gewesen sein; denn außer einigen verlogenen Notizen und erzwungenen Berichtigungen blieb das katholische Blatt stumm. Inzwischen sehen wir, daß die reiche Kirche, insbesondere der Fürst-Bischof Kopp noch immer nicht die nötigen Mittel aufgebracht haben, um die„klerikale Hochburg" mitten im socialdemokratischen Berlin vor dem völligen Zusammenbruch und die Beiträge kleiner Leute zu retten. Dr. Stephan, der Leiter des Leo-HospizeS, ist neuerdings ge- nöttgt, bei seinen Glaubensgenossen um milde Gaben zu betteln. Er versendet ein.Jubiläumsbüchlein, Belehrung über die Ablässe, insbesondere über den Jubiläums-Ablatz gleichzeittg mit sämtlichen kirchlichen Gebeten im Jnbiläums-Jahr 1904 von Dr. Stephan, Priester der Diözese Breslau".(Verlag Leo-Hospiz, Berlin). Gleich- zeitig fügt er folgendes vertrauliche Rundschreiben bei: B e r l i n 0. 17. den 30. Mai 1904. Bertraulich! Sehr geehrter Herr! Anbei gestatte ich mir ein Jubiläumsbüchlein für 1904 zu überreichen und im Anschluß daran Ihnen eine herzliche Bitte vorzuwagen. Ich habe mir vor längerer Zeit, vielleicht schon mehrere Male gestattet, Ihnen in der Angelegenheit des Leo-Hospizes und der Antoniuskapelle in Berlin mein Leid zu klagen. Die Eingänge sind leider nicht derartig gewesen. daß die Sache hätte endgültig geregelt werden kömien. Da Sie möglicherweise die damals gemachten Mitteilungen vergessen haben, wollen Sie mir gestatten, dieselben hier kurz ins Ge- dächtnis zurückzurufen. a) DaS Lco-Hofpiz ist gebaut zu Ehren des Papstes Leo XIII., hat von ihm den Namen und zum Zeichen seiner be- sonderen Sympathie sein herrliches Porträt erhalten; mit dem Hospiz ist eine Kapelle zu Ehren des hl. Antonius verbunden, in der die Katholiken der Umgegend ihoe kirchlichen Pflichten erfüllen können. b) Dieses Hosviz nebst der Antoniuskapelle ist nach dem unvorhergesehenen Tode des eigentlichen Gründers, Prälat Dr. Jahne! und nach Abberufung des Erbauers in derartige Geldschwierigkeiten geraten, daß bereits die Subhastatton aus- geschrieben war. Die höhnischen Artikel in den gegnerischen Blättern, die schon über die Versteigerung einer Kapelle trium- phierten und von„Hypotheken des hl. Antonius" berichteten�, die Gefahr, daß viele arme Leute, die zum Teil ihre Spargroschen hingegeben haben, ihr Geld verlieren und daß infolgedessen der Skandal zum Schaden der katholischen Sache ausgebeutet wurde, haben mich bewogen, die Rettung der Anstalt zu ubernehmen. c) Da Diözesanmittel zu dem Zwecke nicht vorhanden sind, bin ich ganz und gar auf die Mildthätigkeit der Katholiken an- gewiesen. d) Ich habe nun, um die Rettung zu ermöglichen, mit Ge- nchmigung der geistlichen Behörde meine Pfarrei aufgegeben, auf mein Gehalt verzichtet, und habe seit 3 Jahren an der Regelung der Angelegenheit gearbeitet und zwar mit günstigem Erfolg, da ich wenigstens allmählich die Gläubiger befriedigen konnte. t) Leider sind mir voriges Jahr unvorhergesehen zwei große Summen, die mir zugesichert waren, ausgefallen, und zwar in Höhe von über 20 000 Mark, so daß die Zahlungen nicht mehr eingehalten werden konnten. Da ich zur Aufhebung der Sub- hastation seinerzeit die ausstehenden Rechnungen als Selbst- schulden übernehmen mußte, war die Folge davon eine Klage nach der andern mit allen ihren Unannehmlichkeiten. Infolge der fort- währenden Aufregung ist meine sonst sehr gute Gesundheit merklich angegriffen! ich werde immer mehr nervös und befürchte, daß ich eS nicht mehr lange aushalten werde, wenn nicht bald Hilfe kommt. Und nun gehen die Gaben immer spärlicher ein', so daß ich das schlimmste befürchten muß, zumal die Gläubiger immer un- geduldiger werden. In dieser Notlage wende ich mich auch an Sie im Vertrauen auf Ihr mitleidiges Herz. Damit der Skandal der Subhastation einer Anstalt ver» mieden wird, die den Namen Leos XIII. und den deS hl. Antonius trägt, damit die armen Leute nicht um ihr Geld kommen, damit ich endlich ans den großen Verlegenheiten und schreck- lichen Unannehmlichkeiten herauskomme, wie sie ein Priester schlimmer kaum haben kann, damit ich meine Opferwilligkeit für die katholische Sache nicht noch mehr zu büßen habe, gestatte ich mir, Ihnen eine dringende und herzliche Bitte vorzulegen und an Ihre Barmherzigkeit zu appellieren. Ohne Zweifel werden Sie entweder im Monat Mai zu Ehren der Mutter Gottes oder im Monat Juni zu Ehren des hl. Herzens Jesu(oder auch vielleicht zu Ehren des hl. Antonius) oder ans Anlaß der Gewinnung des Jubiläumsablasses ganz gern ein Almosen geben. Sie können überzeugt sein, daß dasselbe kaum besser angebracht ist, als wenn Sie dasselbe für das Leo-Hospiz bezw. für die Antoniuskapelle verwenden. Ich bitte nun herzlichst, daß Sie die Güte haben und das Almosen uns zukommen und daß Sie auf beiliegender Liste einige Adressen aufschreiben und uns zusenden, an die wir uns in der- selben Angelegenheit wenden könnten. Mit dem Ausdruck des freundlichsten Dankes im voraus zeichne ich Hochachtend Dr. Stephan. Die beiliegende Liste nennt sich„Verzeichnis der Wohlthäter". Wir können dem armen Dr. Stephan nur einen Rat geben: Wenn Herr Kopp nicht hilft, so wende er sich vertrauensvoll au Herrn v. Mirbach, den Kammerherrn der Kaiserin. Der wird ihm gern verraten, auf welche Weise sich leicht Hunderttausende flüssig machen lassen.— Hustand. Oesterreich-Ungarn. Die ungarischen Eisenbahner- Prozesse. Gleichzeitig mit dem Prozeß gegen das Dreizehner-Komitee der Eisenbahner in B u d a- p e st hat auch in S z e g e d i n ein Prozeß gegen die dortigen Be- triebsbeamten stattgefunden, die als Leiter des Ausstandes augesehen Ivurden. Die Anklage lautete auch hier auf Verbrechen im Amte. Der Prozeß endigte mit der Freisprechung der Angeklagten, da der Gerichtshof zu der Anschauung kam, daß man die Betreffenden nicht als Beamten im Sinne des Gesetzes bezeichnen könne, daß sie also nicht in die Lage kamen, ein„Beamtenverbrechen" zu begehen.—_ Obstruktion im böhmischen Landtag. Prag, 14. Juni. Oberstlandmarschall Fürst v. Lobkowitz betonte in seiner Begrüßungsansprache mit Bedauern, daß die parlamen- tarischen Verhältnisse nicht nur im Lande, sondern auch im Reiche derartige seien, daß keine Aussicht auf eine gedeihliche Thätigkeit vorhanden sei, und sprach die Hoffnung aus, daß die patriotische Selbstverleugnung und die gesunde Vernunft endlich einmal die be- stehenden Hindernisse beseitigen iverden. Nach Verlesung des Einlanfes nahmen die deutsche» Abgeordneten die Obstruktion wieder auf, indem sie zu den eingebrachten Urlaubs- gesuchen Anträge auf namentliche Abstimmung mit zehn Minuten Pause stellten. Herold und Kühr verurteilten die Obstruktion der Deutschen. Ersterer erklärte, die Obstruktion der Deutschen im Land- tage könne die Obstruktion der Czechen im Reichsrate nicht be- einflussen. Nach zwei namentlichen Abstimmungen schloß der Oberst- Landmarschall die Sitzung und erklärte, er werde Tag und Stunde der nächsten Sitzung auf schriftlichem Wege bekannt geben. Frankreich. Die Karthäuser-Millionen. Paris, 14. Juni. Die Bureaus der Kammer haben heute die aus 33 Mitgliedern bestehende Kommission zur Untersuchung der Karthäuscr- Angelegenheit ernannt. Dieselbe besteht aus 12 Ministeriellen und 21 Antiministeriellen und hat beschlossen, eine beschleunigte und gründliche Untersuchung anzustellen. Die„Humanitv" veröffentlicht das Protokoll der Zeugenaussagen, die der Generalsekretär im Ministerium des Innern Edgar CombeS und der Generalkommissar für die Weltausstellung in Saint Louis Lagrave über die Karthäuser-Angelegenheit im Jahre 1903 gemacht haben. Edgar Combes hat danach'dainals bekundet, Lagrave habe ihn im Dezember 1902 aufgesucht und ihm mitgeteilt, daß er einen recht heiklen Auftrag habe. Die Karthäuser seien bereit, der fran- zösischen Regierung die Summe von zwei Millionen Frank zu irgend einem Zweck zu übergeben, wenn sich der Ministerpräsident bewegen lasse, dieserKongregation die Genehmigung zu verschaffen. Edgar CombeS erwiderte, dieKongregation derKarthäuser werde nicht genehmigtwerden. Wenn sein Vater, der Ministerpräsident, von diesem Schritte Kenntnis erhielte, würde er schwer beleidigt sein. Lagrave bestätigte die Aus- sagen von Edgar Combes und bemerkte, daß er den Namen der Persönlichkeit, die behauptet habe, sie könne zwei Millionen von den Karthäusern erlangen, wenn die ftanzösische Regierung ihnen die Genehmigung erteile, wegen des Amtsgeheimnisses nicht nennen könne. Combes versicherte jedoch, daß es sich keineslvegs um den Versuch einer Amtsbestechung handle. Die„Humauitö" sagt, daß die betreffende Person der Ingenieur Chabert sei.— Spanien. Alicantr, 14. Juni. Von den aus Anlaß des Anschlages gegen den Ministerpräsidenten Maura verhafteten Personen sind neun wegen Mangels an Beweisen aus der Haft entlassen worden.— Dänemark. Das Berfafsnngsfest, der 6. Juni, bildete auch in diesem Jahre wiederum eine gewaltige Demonstration der dänischen Arbeiterschaft für die Volksherrschaft, zu der V r 55 Jahren der Grund gelegt wurde, die aber thatsächlich erst durch die Arbeiterklasse errungen werden muß, sowie für das höchste Ziel der Arbeiterbewegung: für den SocialiSmuS. Mit Rücksicht darauf, daß das Fest auf einen Sonntag fiel, hatte die Arbeiterschaft Kopenhagens diesmal von dem sonst üblichen Demonstrationszug durch die Straßen Abstand genommen und sich in zwanglosen Gruppen nach dem herrlichen Park Sonder- marken begeben, der von einer unabsehbaren Menge überflutet wurde. Von den zwei Rednertribünen, die nahe dem Frederiksbcrg- schloß aufgebaut waren, sprachen unter andern der Landsthingsmann K. K. Andersen, die Folkcthingsmänner Sigvold Olsen und L y n g s i e sowie Bürgermeister Jensen, dessen Rede wesentlich dem SocialiSmus gewidmet war und mit folgenden Worten schloß: „Erst wenn man verstehen lernt, daß die Menschen gleichgestellt sein sollten und nicht wie jetzt in Klassen geteilt, kommen wir zu dem großen und wirklichen Systeniwechsel. Bis dahin müssen wir froh sein darüber, daß die Geicllschaftsentwicklung dem SocialiSmuS in die Hände arbeitet. Wir müssen nun wie bisher das größte Gc- wicht auf die AgitationS- und Orgnnisationsarbeit legen, auf die Selbsterziehung. Wenn wir nur zurückblicken auf das, waS erreicht ist, muß uns die Lust kommen, in derselben Weise weiterzuwirkcn. Der Kampf der Arbeiterpartei ist keine Sisyphusarbeit, sondern eine stolze und begeisternde Kulturarbeit. Darum ein Hoch für den SocialiSmus, für das große schöne Evangelium der Menschheit I"— Rußland. Russisch-offizirlle Gcschichtsphilosophie. Verschiedene russische Kuratoren der Schulbezirke haben— offen- bar auf Veranlassung des zarischen Ministeriums„des Geistes"— ein originelles Cirkular an die Direktoren der Mittel- und Hochschulen gerichtet. Es wird darin Klage geführt über die „elende Handvoll böswilliger Menschen, die, jedes heiligen Gefühls der Vaterlandsliebe bar, sich nicht schämen, die Studierenden zu verwirren, indem sie ihnen i» revolutio- »ären Schriften die Ursache» und die Zwecke des gegen- wärtigcn Krieges in völlig verdrehter Form darstellen." Um dem „verwirrenden" Einfluß der„böswilligen" Revolutionäre entgegen zu wirken, wird den Mittel- und Hochschulen nabegelegt... spccicllr Borlesungen für zarenfromme Gcschichtsphilosophie im Zusammenhang mit dem russisch-japanischen Kriege einzurichten I Natürlich wird dabei den künftigen Professoren dieser Kurse der„Polizei- Wissenschaft" ausdrücklich„völlige Freiheit in der Auswahl und der Gruppierung des Materials" im voraus ge- sichert, nur„erlaubt sich" das Cirkular gleichzeitig einige Punkte zu vermerken, auf die es die Vorlesenden ihre Aufmerksamkeit zu lenken„bittet". Und nun folgt ein ganzes, zwölf Kapitel umfassendes, eingehendes Programm der Vorlesungen, das aus fertigen Thesen und dazu gruppiertem„Beweismaterial" besteht. Aus diesem in der„OSwoboshdcnje" veröffentlichten Dokument seien hier nur in Kürze einige köstliche Stellen angeführt. Die These 1 für die„Kriegs- und Geschichtskurse" lautet: Die bisherige Ausbreitung des russischen Staatsterritoriums erscheint als Folge des Flachland-Charakters des Landes von der Ostsee bis zum Stillen Ocean, sowie der K o l o n i s a t i o n, als des grundlegenden Faktors der russischen Geschichte, endlich der Be- rührung mit kulturell minderwertigen,„ethnographisch lockeren" Elementen(wie die Finnen und Mclngolenl, die häufig durch Räuberanfälle„ihre Unterwerfung durch Rußland herausforderten"(!). 2.„Das Verhältnis der Russen zu den Eingeborenen der friedlich kolonisierten oder aus Not eroberten Länder ist seit jeher ein chri st lich-brüderlich es, gutmütiges(Blagolveschtschenskll Red. des„Vorw.">, im Gegensatz zur Kolonialpolitik der West- europäischen Staaten, besonders Englands."„Die russische Kolonialpolitik wird im Interesse des Bauerntums(II), die westeuropäische im Interesse des industriellen Kapitals unter- nommen."„Alle, sogar die kulturell tiefststehenden Völkerschaften erwerben, sobald sie in den russischen Staatsverband auf- genommen werden, alle Bürgerrechte der Stamm- r u s s e n(das russische„Geistministerium" scheint doch nicht ganz ohne Geist, wenigstens nicht ohne Schalkhafttigkeit zu sein. Red. d.„V.">. 3. Alle seine Kriege hat Rußland entweder behufs Rück- eroberung seines uralten Besitztums, wie der Ostseestrich(I), oder zu Befreiungszwecken, oder aber endlich„behufs Fest- stellung fester Staatsgrenzen" geführt. Die westeuropäischen Kriege werden meistens zu Eroberungszwecken und aus materieller�Gewinn- sucht geführt. 6. Der Hauptzug der neuen russischen Geschichte ist die Neigung zum Frieden. Nußland hat friedlich Port Arthur ge- pachtet.„Die Haager Konferenz und das kühle Verhalten Eng- lands und Deutschlands ihr gegenüber." 7. Der Ueberfall der Chinesen auf Blagoweschtschensk(I!) und die sibirische Eisenbahn. Die sich daraus ergebende Notwendigkeit für Rußland, die Mandschurei zu okkupieren." 3. England und Amerika fassen den Plan, Rußland aus der Mandschurei zu verdrängen,„um sich die Früchte seiner kulturellen Thätigkeit anzueignen"(!). 11.„Die Bedeutung des Krieges als der ersten Phase in der Entlvicklung des Pan mongolismus, jener furcht- baren Gefahr, auf die der jetzige deutsche Kaiser schon längst aufmerksam gemacht hat(sein Bild) und noch vor ihm die russischen Schriftsteller W. Ssolowjew und Dostojewski."(II) 12.„Rußland erscheint wieder als der Beschützer des christlichen Europa gegen die Mongolen. Dies bekennt auch ganz Europa(Deutschland, Frankreich, Italien, die Slaven). Gegen Rußland war einzig die gelbe Presse Englands und Amerikas. Dach auch hier macht sich in der letzten Zeit eine schroffe Umkehr geltend."(Die letzten Puntte machen den Eindruck, als wenn an der Abfassung dieses klassischen Dokuments der Geschichtsphilosophie auch Herr G ä d k e vom„Berliner Tageblatt" teilgenommen hätte, der jüngst in einem Feuilleton aus Mulden gleichfalls bittere Thränen darüber vergoß, daß der Sieg Rußlands und damit die Erfüllung seiner„Kulturmission" in der barbarischen Mandschurei so lange auf sich warten lasse.... Red. d.„V.") Afrika. AttentatSriccherri. Aus Johannesburg wird vom 14. Juni gemeldet: Amtlich wird bekanntgegeben: Die Polizei beobachtete feit einiger Zeit mehrere Ausländer, von denen einer die prahlerische Aenßerung vernehmen ließ, er würde einen Mordversuch gegen den Oberkommissar Lord Milner unternehmen, wenn man es ihm der Mühe wert mache. Infolge weiterer polizeilicher Ermittelungen sind hier letzte Nacht drei Personen, die für Anarchisten gelten, auf Grund der Peace Prescrvation Act verhaftet worden.— Diese Nachricht klingt ganz und gar schwindelhast.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die Japaner haben heute wieder einen Erfolg an der Westküste der Halbinsel Liauwng zu verzeichnen. Aus Tokio wird amtlich gemeldet: Infolge einer Beschießung von Keiping haben die Russen, die 3000 Mann mit 20 Geschützen stark waren Dingkau geräumt. Der Bormarsch nach Mnkdcn. Der Korrespondent der„Daily Mail" in Niutschwang berichtet, daß das am 12. d. M. gemeldete Gefecht, in welchem die Russen 800 Mann verloren haben sollen, bei Siungtai stattgefunden hat, wohin die Japaner von Pulantian aus marschierten, um die Gegend zu säubern, ehe sie auf Niutschivang vorrückten. Ferner ging dem„Bureau Reuter" von seinem im Hauptquartier des Generals Kuroki befindlichen Korrespondenten über Fusan folgende Nachricht ohne Datum zu: Die Vorposten treffen täglich zusammen, die Verluste dabei sind gering. Bei diesen Gefechten scheinen die Javaner die Oberhand zu behalten. Des Nachts durch- schneiden Chinestn die Telegraphendrähte. Vor Port Arthur. Tokio, 13. Juni.(Meldung des„Rentcrschen Bureaus".) Admiral Togo berichtet: Am 10. d. bemerkte die japanische Flottendivision in der Bai von Talienwan in der Nähe von Shaopingtau vier russische Torpedobootszerstörer und vertrieb dieselben nach Port Arthur hin. In der Bai von Talienwan sind mehr als 70 Minen zerstört worden, ferner 30 schwimmende Minen, die sich zum Teil in dem Golf von Petschili befanden. Tokio, 14. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) AIS gestern abend der Transportdampfer„Taihoku-Maru" in der Hafen- einfahrt von Port Arthur Minen legte, explodierte eine Mine. Ein Offizier und 18 Mann wurden getötet, neun verletzt. Das Schiff wurde nicht ernstlich beschädigt. Russische Mobilisierung. Petersburg, 14. Juni. Ein kaiserlicher Ukas vom 9. Juni ordnet die Einberufting von Offizieren und Untermilitärs der Reserve zum aktiven Dienst aus zehn Kreisen des Gouvernements Pensa, je einen der Gouvernements Perm und Simbirsk, aus 6 Kreisen des Gouvernements Samara, 3 Kreisen des Gouvernements Satow. 2 Kreisen deS Gouvernements Orenberg, je 4 der Gouverne- mentS Ufa und Moskau, 0 des Gouvernements Tambow, 2 des Gouvernements Wladimir, je 4 des Gouvernements Woronesh und Orel, 3 des Gouvernements Rjasan, 4 des Gouvernements Tula, 3 des Gouvernements Charkow und aus 4 Kreisen des Gouverne- ments Kursk an. In einigen Kreisen haben auch Pferdemusterungen stattgefunden. Das Schicksal von Wrihaiwei. London, 14. Juni.(Unterhaus.) Norman fragt an, ob Korea als unabhängiger Staat anerkannt wird. Untcrstaatssekretär Carl Percy erwidert ja. Weiter fragt Norman, ob auch, falls Port Arthur von irgend einer andern Macht als Rußland besetzt würde, die englische Pacht von Weihaiwei sofort aufhöre. Carl Percy erwidert, durch die im Jahre 1898 abgeschlossene Konvention stimmte China zu. Weihaiwei und die anliegenden Gewässer solange an Grosibritannicu zu verpachten, wie Port Arthur im Besitze Rußlands verbleibe. Partei- I�admcKteu. An die Parteigenossen k Nachdem die aus den Vorgängen des Dresdener Parteitag» resultterenden Schiedsgerichts-Verhandlungen einen gewissen Abschluß gefunden haben, sehen wir uns veranlaßt, an die Parteigenossen und speciell an die Parteipresse das dringende Ersuchen zu richten— ohne daß wir damit einer etwaigen Berufung der Beleidigten gegen die ergangenen Urteile vorgreifen wollen—, diese Stteittgkeiten ruhen zu lassen. Wir sind der Ansicht, daß, wird dieser Wunsch befolgt, damit den Parteiinteressen am besten gedient wird. Der Kampf gegen die Feinde fordert die Geschlossenheit unsrer eignen Reihen. Entslehen aber sachliche Meinungsverschiedenheiten— und deren Austragung nicht wünschen zu wollen, kann uns nicht bei- kommen—, so mögen die Auseinandersetzungen darüber fern von persönlicher Gereiztheit und ohne Gehässigkeit geführt werden. Es ist in dieser Beziehung in der letzten Zeit leider hüben und drüben manchmal gröblich gesündigt worden. Diese Kampfweise muß aufhören. Unsre Gegner können Fehler nicht vermeiden, das liegt in dem System, das sie vertreten und in der Klassenstellung, die sie ein- nehmen, wir aber können Fehler verhüten, wenn wir es emstlich wollen. Zeigen wir, daß wir diesen Willen haben, die Partei wird sich wohl dabei befinden. Berlin, den 14. Juni 1904. _ Der Parteivorstand. Mantruffel und Mirbach als socialdemokratische Agitatoren. Man und Mir, die zwei bösen Buben des preußischen Herren- Hauses, haben sich als treffliche Agitatoren für die Socialdemokratte erwiesen. Ihre Feuerfresser-Reden im Herrenhause, die wir mit entsprechenden Anmerkungen herausgegeben haben, sind in der kurzen Zeit in nicht weniger denn 60 000 Exemplaren verkauft worden und noch immer ist starke Nachfrage. Wir quittieren dankend. Die Parteigenossen des 20. sächsischen Reichstags- Wahlkreises beschäftigten sich am Sonntag in einer Generalversammlung mit dem Stande der Organisation in ihrem Kreise. Die Disnisston ergab Uebereinstimmung darüber, daß fleißige Arbeit am Ausbau der Organisation erforderlich sei, wenn dem auch große Schwierig- leiten entgegenständen. Beschlossen wurde zunächst, nach dem Vor- schlage des Kreisvorstandes den Kreis in zwei Bezirke zu teilen, die unter einer Oberleitung die AgitationS- und Organisationsarbeit zu übernehmen haben._ Hus Industrie und Kandel. Zum Schiffahrtskrieg. Der Vertragsabschluß der beiden großen deutschen Dampfergesellschaften,>der Hamburg-Amerikcy-Linte und des Norddeutschen Lloyd, mit der Vereinigten österreichischen Schiff- fahrtsakttcngesellschast, die aus einer Vereinigung der Austro- Americana-Linie mit der Triestiner Reederfirma Frutelli Consulich hervorgegangen ist, wird allgemein als ein äußerst geschicktes Vor- gehen der beiden deutschen Linien gegen den mittelländischen Ans- wandererverkehr der Cunard-Linie aufgefaßt. Dem„Börsen- Courier" wird darüber z. B. aus Wien geschrieben:„Der©dhachzug der ungarischen Regierung, die Cunard-Linie mit der Beförderung der Auswanderer nach Amerika zu betrauen, ist ganz unvermutet und mit einer für die österreichischen Verhältnisse beispiellosen Rasch- heit durch einen sehr geschickten Gegenzug pariert worden, indem. wie bereits gemeldet, die Hamburg-Amerika-Linie des Norddeutschen Lloyd in den Auswanderungsdienst der österreichischen Reichshälfte eingetreten sind. Sie fanden in der Austro-Americana, einer Ge- sellschaft jüngeren Datums, das zweckentsprechende Unternehmen, um ihre Absichten zu realisieren. Der Wiener Bankverein, welcher die Transaktton vermittelt hat, war dazu infolge seiner inttmen Be- Ziehungen zur Berliner baute kinance in der Lage. Außerdem kam ihm zugute, daß der Fürst zu Hohenlohe-Schillings- fürst zugleich Mitglied seines Verwaltungsrates und des Aufsichts- rates der Hamburg-Amerika-Linic ist. Die 5 Mllionen Kronen Aktien, welche die Austro-Americana emittiert und welche von den beiden deutschen Gesellschaften übernommen werden, dienen zum Bau neuer Schiffe und zu sonstigen Investitionen, die notwendig sind, um den regelmäßigen Passagier- und Frachtenverkehr zwischen Trieft und den Vereinigten Staaten vorläufig alle vierzehn Tage mit einem Schiff von großem Fassungsraum zu besorgen. Vorerst werden ins, gesamt sieben Hassagierschiffe der Austro-Americana, ferner dreizehn Dampfer der Firma Cosulich den Passagier- bezw. Frachtverkehr von Trieft nach New Dork bestreiten. Man nimmt an, daß jährlich ca. 26 000 Personen von Trieft nach Amerika befördert werden dürften. Es wird wohl auch eine scharfe Konkurrenz in den Fracht- raten zwischen der österreichischen und der ungarischen Amerika-Linie entstehen. Es ist bemerkenswert, daß die Austro-Americana für die letzte Ueberfahrt nach Amerika von Laibach ab. d. h. etwa 200 Bahn- kilometer vor Trieft, 135 Kr., also lveitaus weniger als den normalen Passagiersatz, festsetzte." Schiffsverkäufe an Rußland. Die argentinische Regierung, die vor einigen Monaten zwei Kreuzer an Japan verkaufte, will jetzt, wahrscheinlich um die Parität zu wahren, auch an Rußland einige Schiffe verhandeln, und zwar soll es sich um nicht weniger als vier Schlachtschiffe und zwei Kreuzer handeln. Die„Buenos Ayres Handelszeitung" berichtet darüber folgendes: Die Regierung hat, wiederholt von Interessenten an Kriegsschiffen angesprochen, in den letzten Tagen einer französischen Firma die offizielle Offerte ge- macht, die vier je 6840 Tonnen verdrängenden Schlachtschiffe und außerdem zwei Kreuzer von 3500 resp. 3200 Tonnen Gehalt für den Preis von 3 600 000 Pfd. Sterl. zu verkaufen. Der Käufer wäre an- gcblich die Türkei; in Wirklichkeit würden die Schisse natürlich in russischen Besitz übergehen. Ter Erlös würde jedoch dem genannten Blatte zufolge für die Finanzen deshalb nicht weiter in Frage kommen, weil er für den Neubau äquivalenter Schiffe reserviert blechen würde. Gewerfcrchaftllched. Berlin und dmgegend. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Former und Gießerei« Arbeiter wurden am Montag in einer gut besuchten Former- Versammlung besprochen. Dem Referat des Kollegen Z e r n i ck e lagen die st a t i st i s ch e n E r h e b u n g e n zu Grunde, die der Mctallarbeiter-Verband Ende vorigen Jahres für den Formerberuf in ganz Deutschland vorgenommen hat. Es ist dies die ausführlichste Statistik, die bisher über die Berufsverhältnisse einer einzelnen Specialbranche in den Gewerkschaften aufgenommen worden ist. Die Erhebungen erstrecken sich auf nicht weniger als 690 Orte und 1708— 79 Proz. aller Eisen- und Metallgießereien Deutschlands mit zusammen 75 097 Arbeitern. 186 Großbcttiebe beschäftigen nahezu die Hälfte aller in Betracht kommenden Arbeiter. Die Benifsarten der Arbeiter veranschaulicht folgende Uebersicht: 1. Former. Sandformer..... 24 835 Lehmformer..... 955 Metallformer..... 2 539 Stahlformer..... 1 392 Tempcrformer.... 1 032 Maschinenformer... 6 675 2. Hilfsarbeiter. Kernmacher..... 6 430 Schmelzer...... 8 029 Gußputzer...... 9 133 Sonstige...... 13 248 3. Lehrlinge. 5 829 Für die Metallformerei kommt als Hauptort Berlin in Betracht. BemcclenSwert ist, daß die Zahl der Maschinenformer seit der letzten Zählung um rund 80 Proz. gestiegen ist. Auch Frauen werden jetzt schon in den Gießereien beschäftigt und zwar beim Kernmachen und— charakteristisÄ für die Unternehmer— auch bei der überaus schmutzigen Arbeit des Putzens. Organisiert sind die Former und Gießerei- Arbeiter insgesamt erst zu 24,5 Proz., die Former selbst zu etwa bb Proz. I» Bezug auf die Zugehörigkeit zur Organisation steht Berlin weitaus am günstigsten da. Durch die Statistik wird wiederum zur Evidenz bewiesen, daß die höchsten Löhne und die kürzeste Arbeitszeit da anzutreffen sind, wo die Arbeiter am besten organisiert sind. So beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit in Berlin etwa 9 Stunden; in Schlesien, wo die Organisation nur erst in geringem Matze Eingang gesunden hat, dagegen 12 Stunden. Aehnlich ist das Verhältnis mit den Löhnen. In Berlin beträgt der Durchschnittslohn 30,8 M. pro Woche, in Torgelow etwa IS— 16M.. in Schlesien 12— 14 M. Aber auch in den Großstädten erreichen 22 000 Former und Gießerei-Arbeiter noch nicht einmal den orts- üblichen Tagelohn von 3 M. Alles in allem genommen mutz konstatiert werden, datz der Lohn der Former zu dem Wert ihrer Arbeitsprodukte— unter besonderer Berllcksichttgung der Gesährlichkeit der Arbeit sowie der physischen Anstrengung— in einem argen Mitzverhälttns steht. Als ein großer Uebelstand werden auch die Abzüge für Ausschutzguß angesehen. Solche Abzüge werden in 1094 der 1283 Accordbetriebe gemacht, davon in 671 auch dann, wenn den Former kein Verschulden trifft; nur in 189 Bettieben findet kein Abzug statt. Auch in Berlin giebt es 12 Firmen, die ihre Former für unverschuldeten Ausschutz verantwortlich machen.— Sehr mangelhaft sind auch die sanitären Verhältnisse. Von den 1708 Be- trieben ist überhaupt nur in 11S3 Betrieben Ventilation vorhanden. in 579 davon ist sie aber auch nur ungenügend, und das ttotz des äußerst gesundheitsschädlichen Dunstes, der' in den Gießereien ent- wickelt wird. Auch die Hebe- und Schutzvorrichtungen sind in 651 Betrieben ungenügend. Der Referent gab der Ueberzeugung Ausdruck, datz durch diese Stattstik eine wertvolle Unterlage zur Be- urteilung der Gesamtverhälttiisse im Formerberufe geschaffen sei, aus der sich das Vorgehen zu einer gründlichen Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen von selbst ergiebt. Deutscher Bnchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Am Sonnabend, den 11. Juni, haben im Gewerkschaftshause die Delegiertenwahlen zum 9. Verbandstag, der am 4. Juli in Dresden seinen Anfang nimmt, stattgefunden. Wir geben das Resultat hier- mit bekannt. Es wurden gewählt: Albert Bergmann, Eugen Brückner, Franz Bhtomski, Karl Drautz, Karl Friederici, Pauline Hieber, Karl Hilbert(Charlottenburg), Albert Hoffmann. Bernhard Jost, Fritz Kecse, Max Kempke, Ernst Klar, Martha Koczielniak, Franz Lust, Albert Myski, Gustav Röthig(Steglitz), Paul Schade, Otto Schewe, Paul Schiffke, Max Schubert, Otto Thielemanu, August Wagner. Die OrtSverwalwng. Eine Lohnbewegung der Holzbildhauer, vor allem der in den besseren Geschäfren des Westens, Südwestens und Südens thätigen, bereitet sich vor. Bei Habel in der Bergmannstratze tagte am Montag eine öffentliche Versammlung der Holzbildhauer der genannten Stadt- teile. Der Referent G r u n d i g wies darauf hin, datz zwar der Minimallohn von 24 M. und die S�stündige Arbeitszeit vor einigen Jahren errungen worden ist, doch giebt es noch Geschäfte, wo der Minimallohn nicht innegehalten wird— in einzelnen mittleren Ge- schäften sollen sogar Wochenlöhne bis hiinntter zu 18 und 17 M. gezahlt werden. Die in den bsssern Geschäften thätigen Holzbildhauer verdienen allerdings zu einem großen Teil mehr als den Minimallohn. Nur 22 von den für die besseren Ar- beiten in Betracht k o m m e n d e n 270 K o ll e g e n der- dienen jedoch über 40 M. wöchentlich. Bedenkt man, daß zur Herstellung dieser für die reichsten Leute bestimmten kunstgewerblichen Arbcften außergewöhnliche technische Fähigkeiten er- forderlich sind, soerkenntman, datzdieLöhne im allgeineinen unzureichend sind. Der Geschäftsgang ist jetzt in den besseren Geschäften ein guter. Fast alle dort thättgen Kollegen gehören ihrer Organisation an, wogegen in den, meist im Norden und Osten der Stadt befind- lichen minderen Geschäften sowohl der Geschäftsgang als auch die Orgauisationsverhältnisse zu wünschen übrig lasten und ein zahl- reiches Kleimneiftertum die Lohnbewegung erschwert. Aus diesen Gründen schlug der Redner vor. zunächst an die besseren Geschäfte mit der Forderung einer allgemeinen Lohnerhöhung von 10 Proz. heranzutreten. Nach gründlicher Aussprache beschloß die Versammlung auf Anttag Duponts:„Die Forderung einer prozentualen Lohnerhöhung— nicht mtter 10 Proz.— auf alle Geschäfte der Holzbranche aus- zudehnen. Die Durchführung hat in den verschiedenen Unterbranchen bei der uns günstig erscheinenden Konjunktur zu erfolgen. Die Agitationskommission hat diejenigen Geschäfte in einer schleunigst einzuberufenden Verttauensmännersitzung namhaft zu machen, wo sofort in die Belvegung einzutreten ist." Achtung, Lederarbeiter! In der Lederfabrik von G. Röseler, Blankenburg- Berlin, find Differenzen ausgebrochen. Die Arbeiter der Kalkwerkstelle, zehn an der Zahl, weigerten sich, einen durch die schlechten Betriebseinrichtungen entstandenen Schaden aus ihrer Tasche zu zahlen. Seitens der Firma wurde der Schaden in Höhe von 192,50 M. unberechtigterweise am Sonnabend in Abzug gebracht und die Arbeiter auf erhobene Beschwerde entlassen. Hoffentlich wird der Firma von zuständiger Stelle klargemacht, datz die gesetzlichen Bestimmungen auch für die Herren Arbeitgeber gelten. Seitens unsrer Organisatton sind die notwendigen Schritte dazu eingeleitet. Die Firma hat es überhaupt darauf abgesehen, nicht in Frieden mit ihren Arbeitern zu leben, da sie forttvährend Differenzen provoziert. Wir ersuchen deshalb, diese Fabrik bis auf weiteres zu meiden. Verband der Lederarbeiter Deutschlands. Zum Streik der Rammer ist auch heute über weitere Bewilligungen zu berichten und zwar haben die Firmen Gresitzer-Steglitz, Barutta- Charlottenburg und Selchow-Köpenick den Tarif unterschristlich an- erkannt. Die Verhandlimgen mit der Steglitzer Steinsetzerinnung am Montag haben zu einem positiven Ergebnis noch nicht geführt, da diese sich erst mit der Berliner Innung verständigen will. Sollte sich die Berliner Innung jedoch weiterhin ablehnend verhalten, so ist die Steglitzer Jnrarng gewillt, auf Grund eines von den Arbeiter- Vertretern gemachten KompromitzvorschlageS für sich allein mit den Rammern einen Verttag auf zwei Jahre zu schließen. Oeutkcbes Keled. Görlitz, 14, Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Das Schöffengericht sprach die Genossen Müller und Lindner wegen Ver- gehens gegen Z 153 und groben Unfug frei. Sie sollten durch die „VolkSzeitlmg" Konfekttoiiäre zu zwingen versucht haben, eiuer Tarif- Vereinbarung beizutreten. Die Bewegung in der Spiel- und Metallwaren-Jndustrie Nürnbergs ist am Montag zu Ende geführt worden. Nachdem eine Ar- beiterversammlmig am vergangenen Freitag sich mit den winzigen Zugeständnissen der Unternehmer nicht einverstanden erklärt und be- schlössen hatte, am Montag in den Streik einzutteten. ließ die Kommission des Unternehmerverbandes die Lohnkommisfion der Ar- beiter nochmals zu sich bitten und machte nach langen Verhänd- langen noch einige weitere Zugeständnisse, so daß zunächst die an- gekündigte Arbeitseinstellung unterblieb. Nur die Arbeiter einiger Betriebe, die nicht rechtzeitig verständigt werden konnten, begannen den Streik, nahmen aber mittags die Arbeit wieder auf, nachdem sie die Sachlage erfahren hatten. Die Zugeständnisse des Industriellen- Verbandes gehen nun dahin, datz am 15. Juni die 57 stündige, ab 1. Januar 1905 die 56 ständige Arbeitszeit in Kraft tritt und überall eine einheitliche Mittagspaipe von Iftz Stunden eingeführt wird. Der Mininulllohn für ausgelernte Handwerker wird aus 30 Pf., nach zwei Jahren auf 32 Pf. festgesetzt, Werkzeugschlosser erhalten nach beendigter Lehrzeit 35 Pf. pro Stunde. Die weitere Steigerung Kerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: bleibt der freien Vereinbarung nach der Dauer der Beschäftigung überlassen. Für Zeit- und Stücklohn tritt eine Erhöhung von 5 Proz. ein, den Accordarbeitern wird der Stundenlohn garantiert. Die Accordpreise können nur dann gekürzt werden, wenn in der Woche durchschnittlich mehr als 65 Pf. verdient werden. Für Ueberstunden werden 25, für Sonntagsarbeit 50 Proz. Zuschlag bezahlt. Die Ver- einbarung gilt vom 15. Juni ab auf zwei Jahre. Wird der Verttag drei Monate vor Ablauf nicht gekündigt, so gilt er als auf ein weiteres Jahr verlängert. In einer am Montagabend stattgefundenen von ca. 3000 Per- sonen besuchten Arbeiterversammlung wurden diese Vereinbarungen gegen wenige Stimnien angenommen. Der Verttag gilt für sämtliche größeren Firmen. Dieselben Forderungen werden nun auch an die in der Zwangsinnung vereinigten kleineren Unternebmer ge- stellt werden. Die Aussperrung der Bautischler in Bremerhaven-Geestemnude, von der wir in letzter Nummer berichteten, ist jetzt vom größten Teil der in Betracht kommenden Tischlermeister bewerkstelligt worden. Das Scharfmachertum hat seinen bisherigen Brutalitäten eine neue That hinzugefügt. 130 Tischler flogen aufs Stratzenpflaster, weil sie sich nicht willenlos dem Unternehmerttim überliefern wollten. Nur einige Firmen waren verständiger und vernünftiger als der größte Teil der Berufsprotzen. Sie legten zwar auch die ominöse An- erkennungskarte den Gehilfen vor, erklärten jedoch, datz fie letztere auch im Falle des Nichtunterschreibens nicht aussperren würden. Achtung, Schlosser! Bei der Firma Langensiepen in Magdeburg sind 150 Schlosser, Dreher und Bohrer in den Ausstand getteten. Zuzug fernhalten. Um Nachdruck dieser Notiz wird gebeten. Der Stteik der Maler in Haimover ist beendet. Bekanntlich hatten die streitenden Parteien das Einigungsamt angerufen, dessen Schiedsspruch den älteren Malergehilfen bei normaler Leistung Minimallohn von 46 Pf. pro Stunde, den jüngeren, erst ausgelernten Gehilfen einen Lohn von 42 Pf. pro Stunde zubilligte. Dieser Schiedsspruch ist, wie uns telegraphisch aus Hannover gemeldet wird, von den Streikenden einstimmig abgelehnt worden; zugleich aber wurde beschlossen, den 13 Wochen dauernden Stteik aufzuheben. In der Bnutischlerei von Rcinhold Fähnrich, Trebbin, Kreis Teltow, Bahnhofstraße 66, haben sämtliche Tischler die Arbeit nieder- gelegt. Die minimale Forderung wurde seitens des Unternehmers strikte abgelehnt und ist deswegen Zuzug fernzuhalten. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Trebbin. Husland. Die Aussperrung der Buchbinder Dänemarks. Die Verhandlungen in Kopenhagen sind gescheitert. Die Aussperrung wird im ganzen Lande unverändert auftechterhalten. Es wird jedoch wahrscheinlich in den nächsten Tagen zu neuen Verhandlungen kommen, woran Vertreter der dänischen Arbeitgeber- Vereinigung und des Gesamt- Verbandes der Gewerkschaften teilnehmen sollen. Der Sieg der Londoner Droschkenkutscher. Nach zehntägigem Stteik wurde Mittwoch der Lohnkampf der Londoner Droschken- kutscher siegreich beendigt. Die Fuhrwerksbesitzer begnügen sich. in Zukunft, daß ihnen die Kutscher für den Wagen täglich 14 Schillinge abliefern. Bisher mutzten die Kutscher täglich 16 Schillinge zahlen und litten dabei Not. Sie haben also durch den Ausstand täglich 2 Schillinge gewonnen. Man darf aber aus dieser Steigerung des Einkommens nicht schließen, daß die Londoner Droschkenkutscher nun prassen Iverden können. Mr. Hill, der Sekretär ihrer Gewerkschaft, charakterisierte den Erfolg des Stteiks mit den bezeichnenden Worten: „Was wir gewonnen haben? Einfach die Differenz zwischen einem Hnngerlohn und einem Lohne zum Leben." Die Londoner Droschken- kutscher haben bewiesen, datz auch große Differenzen zwischen dem bisher bezahlten und einem„Lohne zum Leben" auszugleichen sind, wenn man eine gute Organisatton hat. Versammlungen. Mißstände im Blockwerk der Firma Siemens u. Halske gelangten am Montag in einer gut besuchten Versammlung der Arbeiter dieses Werkes zur Erörterung. Gestützt auf ein sehr reichhaltiges Beschwerde- Material unterzog der Referent Wiesenthal die Zustände in jeder einzelnen Abteilung des Blockwerkes einer eingehenden Krittk, hierbei besonders die den Arbeitern zu teil werdende schlechte Be- Handlung durch die Meister und die permanente Reduzierung der Accordpreise hervorhebend. Die Abzüge werden meistens mit dem Hinweis auf die angeblich erleichterte Arbeitsmethode in- folge„technischer Verbesserungen" motiviert; jedoch merken die Arbeiter von den Verbesserungen nur wenig, da Werkzeug und Arbeitsmaschienen sich vielfach in einem recht mangelhaften Zustande befinden. Es ist vorgekommen, daß ein Arbeiter in letzter Zeit bei einem Accord in 11 Stunden nur 2,75 M. zu erzielen vermochte; ähnlich geringe Verdienste hatten eine ganze Reihe von Arbeitern zu verzeichnen. Als äutzerst verwerflich wurde auch das im Werke stark ausgeprägte Schiebersystem hingestellt. Wenn z. B. die Accord- preise auf ein Minimum heruntergedrückt sind, so datz der Arbeiter beim besten Willen nicht zu Lohn kommen kann, so werden ihm schließlich eine Anzahl nicht geleisteter Arbeitsstunden„zugeschrieben". Dem einzelnen, bei seinem Meister leidlich gut angeschriebenen Ar- beiter ist auf diese Art wohl zu einem normalen Lohn verholfen worden, doch dem minder beliebten oder neu eingestellten Arbeiter kommen solche„Schiebungen" nicht zu gute. Das ganze System wirft korrumpierend, es ist nur die Folge der bis zur Virtuosität ausgebildeten Lohndrückerei. Nach einer Schilderung der Schäden des P r ä m i e n s y st e m S, das, wie gerüchtweise verlautet, im Blockwerk eingeführt werden soll, wurde sich die Versammlung schlüssig, in nächster Zeit im engeren Kreise Werkstattbesprechungen abzuhalten, um über geeignete Matznahmen zur Abhilfe der Miß- stände zu beraten. Die Töpfer(Centtalverband) hielten am Freitag eine gut be- suchte Versammlung im Gewerkschaftshause ab. Zunächst wurden den bis vor kurzem stteikenden Vergoldern 150 M. bewilligt; die- selbe Summe soll auch zur Verbesserung der Bibliothek verwandt werden. Hierauf wurden die Mitglieder Henning und Meyer wegen Fälschung von Arbeitsnachweis- Karten aus dem Verbände aus- geschlossen. Zur Annahme gelangte alsdann das vom Vorstande ausgearbeitete Regulattv des Arbeitsnachweises. Beschlossen wurde ferner, den Zuzug von außerhalb in der Weise zu regeln, daß, wenn Ansässige in größerer Zahl länger wie sechs Tage auf dem Nach- weis eingeschrieben sind, diese vor den im letzten Jahre Zugereisten bei der Arbeitsvermittelung berücksichttgt werden sollen. Bei größerer andauernder Arbeitslosigkeit ist der Vorstand verpflichtet, diesen Be- schluß den auswärttgen Kollegen durch das Fachblatt wiederholt zur Kenntnis zu bringen. Nach Erledigung der inneren Angelegenheiten hielt sodann der Reichstags- Abgeordnete Genosse Ledebour einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thema:„Wie haben sich die Arbeiter zu wehren gegen die Angriffe auf ihre Rechte'? Im Anschluß an das Referat wurde folgende Resolution an- genommen: Die von ca. 1000 Personen besuchte Versammlung der centralorganisierten Töpfer Berlins ist mit dem Referenten der An- ficht, daß die in neuerer Zeit hervorgettetenen Bestrebungen der in- dustriellen und gewerblichen Arbeiterorganisatienen sowohl, als der in den gesetzgebenden Körperschaften(Reichstag, Landtag und Herrenhaus) sitzenden Bertteter der bürgerlichen und junkerlichen Gesellschaft einzig und allein darauf hinauslaufen, die Arbeiterklasse noch mehr wie bisher zu enttechten und zu knechten. Aus dieser Erkennwis heraus verpflichten sich die Anwesenden, nicht nur fest an ihrer gewerkschaftlichen Organisation zu halten, sondern sich auch, soweit dies noch nicht geschehen, der socialdemokratischen Partei, die allein.offen für die vollständige Beseittaung der Klassengegensätze eintritt, und deren Organisationen, den socialdemokratischen Wahl- vereinen, anzuschließen, um eifrig für die Verwirklichung der socia- listischen Ideen einzutteten und agitieren zu helfen. Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Centralverband der Schmiede. Die Zahlstelle Berlin hielt am Donnerstag in Dräsels Festsälen eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung ab, in der der Vorsitzende S i e r i n g zunächst über den Streik der Werkstättenarbeiter der Straßenbahn berichtete. An diesem Stteik, der vermieden worden wäre, wenn die Kommission der Arbeiter anständige Behandlung von den Vorgesetzten erfahren hätte, waren vom Schmiedeverband 15 Mitglieder beteiligt; außer- dem hatte der Verband 14 Unorganisierte zu unterstützen. Der Redner bemerkte hierzu, daß der Vorstand in einer der nächsten Mitgliederversammlungen einen Anttag stellen werde, wonach Un- organisierten in Zukunft keine Stteikunterstützung mehr gewährt werden soll. Die Versammlung befaßte sich sodann mit berscknedenen inneren Angelegenheiten der Organisation. Eine längere Debatte rief ein Anttag, die Kosten für die Versicherung der Bureau- angestellten in der Unterstützungsgenossenschaft zu zahlen, hervor. Der Anttag ist in den Bezirksversammlungen vor- beraten worden und in sieben von den vierzehn Bezirken teils mit einigen Abänderungen angenommen worden, ebenso im Vorstand. Die Debatte endete damit, daß die beiden Bureaubenmten es ablehnten, diese Unterstützung von der Versammlung anzunehmen. Ferner wurde über die Form der auf Beschlutz deS Verbandstages in Halle stattfindenden Urabstimmung über Einführung von Kranken- Unterstützung beraten. Es wurde beschlossen, datz die AbstimmnngS- zettel samt der damit verbundenen Aufklärungsschrift jedem Mitglied« ms Haus geschickt und die Zettel nach drei Tagen wieder abgeholt werden sollen. Zur Leitung der Urabstimmung wurde eine Kommission von 5 Mann gewählt. Des weiteren bewilligte die Ver- sammlung 100 M. zur Unterstützung der streikenden Kollegen in Freiburg i. B. sowie 190 M. für die bereits erfolgte Anschaffung einer Vervielfältigungsmaschine. Wegen Stteikbruch wurden dem Verbandsvorstand zum Ausschluß empfohlen: Karl Wolff, Wilhelm Hannemann, Otto Benthin und Ernst Schrank. Steglitz. Genosse M i e t h k e- Berlin sprach am Mittwochabend im Socialdemokratischen Wahlverein über:„Die Schädlichkeit des Alkoholgenusses". Der Redner er- läuterte zunächst unter Zuhilfenahme anatomischer Abbildungen die Verheerungen, welche der Alkohol an einzelnen wichtigen Körper- organen anrichtet, bewies mit einem reichlichen Zahlenmaterial die Einwirkung des Alkoholgenusscs auf die Kriminalität und führte den Zuhörern zum Schluß mit eindringlichen Worten die Notwendigkeit der Enthaltung vom Genutz geisttger Gettänke vor Augen, um den gesamten Volkskörper widerstandsfähiger und körperlich und geistig leistungsfähiger zu machen und ihn damit in den Stand zu letzen, die idealen Ziele der Socialdemokratte schneller und sicherer zu verwirklichen. Die Diskussion bewegte sich in zu- stimmendem Sinne.— Hierauf berichtete der Vorsitzende über die Beratungen und Beschlüsse des Vorstandes betr. Reorganisation des Vereins zur Entfaltung einer umfassenderen Agitatton. Die Ver- sammlung genehmigte die Vorschläge des Vorstandes. Danach ist jetzt unser Ort in zehn anstatt wie bisher sechs Bezirke eingeteilt und außerdem soll das Hauskassierer-System eingeführt werden. Bei den Flngblattverbreitungen wird das Kontrollmarken-System eingeführt, um jederzeit feststellen zu können, wer seine Pflichten als Parteigenosse ernst nimmt. Nachdem noch die Wahl der neuen Bezirksführer und ihrer Stellvertteter vorgenommen war, gab Genosse Döring die Abrechnung von der Maifeier, welche einen Ueberschutz von 557,50 M. ergab, an welchen, der Wahlverein und die Gewerkschaftskommission je zur Hälfte participieren.— Auf Antrag aus der Mitte der Versammlung wurde einstimmig beschlossen, dem hiesigen Komitee für Halbtags-Ferienkolonien einen Beittag von 50 M. zu überweisen; eine gleiche Summe hat die Gewerkschaftskommisfion zur Verftigung gestellt. Letzte Nachrichten und Depefchen. Trier, 14. Juni.(B. H.) Der Urheber des Automobilunfalles bei Labach, wodurch ein Mann getötet wurde, ist der Baron Günz- bürg in Paris. Er wurde in Saarlouis verhaftet. Französische Deputiertenkammer. Paris, 14. Juni.(W.T.B.) Pugliesi-Conti(nattona- listischer Republikaner) beantragt, daß die Kommisston, welche die ZweiMillionen-Angelegenheit untersuchen wird, diese Untersuchung auch auf alle mit dieser Angelegenheit in Verbindung stehenden Thatsachen ausdehnen soll und datz dieser Kommission die Befugnisse eines Unter- suchungsrichters beigelegt werden. Pugliesi-Contt verlangt für seinen Antrag Dringlichkeit und giebt dann seine Verwunderung Ausdruck, daß Lagrave den Posten als Kommissar bei der Weltausstellung in St. Louis beibehält. Redner sagt ferner. er hoffe, datz der Sohn des Ministerpräsidenten Combes bald seine Unschuld werde darthun können.(Lebhafter Widerspruch links.) Ministerpräsident Combes erklärt, er allein fei verantwortlich und er werde keine Verleumdungen gestatten.(Beifall links, Lärm rechts.) B r i s s o n(socialistischer Radikaler) wirft Pugliefi-Conti vor, datz er Leidenschaftlichkeit in die Verhandlungen bringe. Keinerlei Beschuldigung sei gegen den Sohn des Ministerpräsidenten er- hoben worden.(Bestall links.) Pugliesi- Conti versucht hierauf. Zeitungsartikel zu verlesen, wird aber von der äußersten Linken überschrien. Pugliesi- Contt sagt dann, man habe nicht gewagt. diejenigen, die den Sohn des Ministerpräsidenten angegriffen hätten, vor die Geschworenen zu verweisen.(Zwischenrufe.) Ministerpräsident Combes erwidert, er weise die Beschuldigungen des Vorredners mit Verachtung zurück und er sei bereit, die Arbeiten der Kommisston in jeder Weise zu erleichtern. Der Ministerpräsident beantragt, die Beratung des Anttages Pugliesi-Contt zu vertagen. Das Haus beschlieht dem- gemäß und setzt dann die Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die zweijährige Dienstzeit fort. Aden, 14. Juni.(W. T. B.) Aden ist fllr pestverseucht erklärt worden. " Petersburg, 14. Juni.(W. T. B.) Ein Telegramm des Generals Charkuwistch an den Generalstab von gestern besagt: In der Nacht vom 11. zum 12. Juni griffen die Japaner südlich von der Stattou Wafandian und nördlich von der Linie Pitzuro-Pulandian eine russische Feldwache beim Dorfe Udiaden an, wurden aber mit Verlust zurückgeworfen. In derselben Nacht bemächttgte sich eine russische Abteilung nach einem Kanipfe, der bis zum Morgen dauerte, des Engpasses und der Höhen beim Dorfe Lidiatten. Auf russischer Seite wurden in diesen Nachtgefechten vier Mann getötet und 18 verwundet. Am 8. Juni wurde der Lieutenant Lang mit seiner Abteilung bei einer Rekognoszierung in der Umgebung von Ubavehedfy, 18 Werst nordöstlich von Ajaniamyn, von einer japanischen Abteilung überfallen, die zwei Kompagnien stark war. Es gelang ihm nach einem Handgemenge, sich durchzuschlagen. Wie gemeldet wird, rückt eine gegen 3000 Mann starke japanische Ab- teilung von Süden nach Chuaijensan vor. Bom nissisch- japanischen Kriegsschauplatz. Petersburg, 14. Juni.egung. Als besoldete Bertraueuöpersou der Genossinnen Deutschlands ist Genossin Baader vom 1. Juli entsprechend einem Beschluß der Verttauenspersonen vieler großen Städte und Kreise bestellt. Die Neuerung ist durch den erfteulichen Aufschwung der proletarischen Frauenbewegung in den letzten zwei Jahren bedingt worden. Infolge desselben hat die Thättgkcit der Verttaueusperson einen Umfang an- genommen, der es ausschließt, daß sie noch weiterhin neben der Berufsarbeit nach Feierabend und an Sonntagen ausgeübt werden könnte. Ein Gehalt von 1800 M. soll die materielle Grundlage bieten, daß die Beauftragte ihre volle Zeit und Kraft ihrem Posten zu widmen vermag. Genossin Baader, die seit der Frauenkonferenz zu Mainz unter recht schwierigen Umständen die Aufgaben der Ver- trauensperson aufopfernd und verständnisvoll erfüllt hat, kann den- selben nun in intensivster Weise nachgehen. Sie wird ihr Augenmerk unter anderm vor allem darauf richten, daß die planmäßige Agitations- und OrganisattonSarbeit unter den proletarischen Frauen in Jndustrieccntren in Augriff genommen und energisch bettieben wird, wo unsre Bewegung noch in den ersten Anfängen steckt und die kleine Zahl arbeitsfreudigcr Genossinnen der Förderung mit Rat und That dringend bedarf._ DaS Frauen-Wahlrecht zu den Kanfmannsgcrichten. Eine Versammlung, meistens auS Frauen bestehend, veranstaltet in der Berliner Ressource von den verbündeten kaufmännischen Vereinen für weibliche Angestellte, befaßte sich am Montag mit den Beschlüssen des Reichstags zum Frauen-Wahlrecht bei den Kaufmanns- gerichten. Die Leitung hatte Frau Schulrat C a u e r. Zu Referenttnnen waren bestellt Fräulein v. Roy- Königsberg. Fräulein Wenk- Haus- Berlin und Fräulein Agnes Herrmann- Berlin. Sie betonten die Notwendigkeit sowohl des passiven als auch des aktiven Wahlrechts für die Handlungsgehilfinnen und gingen auf die be- kannten parlamentarischen Vorgänge bei Verhandlung des Gesetz- entwurfs über die Kaufmannsgerichte ein. Recht energisch verurteilt wurde das Verhalten der„falschen Freunde" unter den Abgeordneten, als welche Fräulein v. R o y diejenigen bezeichnet, die erst(wie Trimborn[C.j) principiell der Handluugsgchilfin das Wahlrecht zum KaufmannSgcricht zugestanden haben, auf das von PosadowSky aus- gesprochene„Unannehmbar l" der Regierung sofort zusammengeknickt sind. Fräulein Wenkhaus erinnert an das Wort eines Konservativen, daß diesen sch on durch die Erklärung der Regierung derWeg vorgeschrieben sei. Sie sei der Meinung, daß die Herren von den Mehrheits- Parteien gar nicht daran denken würden, sich an den Standpunkt der Regierung zu kehren, wenn er ihren Interessen entgegenstände.— Abgesehen von der großen Ungerechtigkeit, die schon in der all- gemeinen Zurücksetzung der Frau durch Ausschluß ihres Mit- Ivirkens bei Institutionen, die über ihre Interessen mitzubefinden haben, liegt, sehen sich die Handlungsgehilfinnen bei den speciellen Verhältnissen im Kaufmannsstande durch NichtVerleihung des vollen Wahlrechts noch besonders benachteiligt. Aus der Fachpresse der männlichen Berufsgenossen(der nichtsocialistischen)wurde von den Rednerinnen der Nachweis erbrocht, daß eine grenzenlose Voreingenommenheit, die geradezu an Haß grenzt, gegenüber der weiblichen Kollegenschast vorherrscht. Nicht nur Mangel an Einsicht, auch moralische Mängel werden den meisten Gehilfinnen vorgeworfen und ihr Streben nach Gleichberechtigung bekämpft. Die meisten Verbände der Männer hätten den Kampf gegen die Frauenarbeit direkt in ihr Programm geschrieben. Unter diesen Umständen könne man, meinte die zweite Referentin, kein Vertrauen haben zu Gerichten. zu denen der weibliche Kaufmann nicht akttves und passives Wahl- recht habe. Fräulein Agnes Herrmann verfolgte diese Erwägungen weiter und führte näher aus, daß sich die Or- ganisationcn der weiblichen Angestellten bemüht hätten, in allen StandeSfragcn voller Verständnis und Opferwilligkeit mitzuwirken. Und dabei sei man planmäßig vorgegangen, immer mit dem großen Ziel inr Auge, sich ftei zu machen von dem Odium deS Lohn- drückers. Dieses Streben werde erschwert, wenn die Kolleginnen von den Kaufmannsgerichten ferngehalten würden. Die Ausführungen der Referentinnen, die sie mit Aufrufen zum Protest gegen ungerechtfertigte Zurücksetzung und zuni Kampf für das Wahlrecht der Frauen schlössen, sauden stürmischen Beifall.— Ansprachen in ihrem Sinne hielten ebenfalls unker dem Beifall der Versammelten Fräulein Heimann-Hamburg, die sich! als bürgerliche Frauenrechtlerin vorstellte, Miß Chapman-Catt- New Dork(diese in englischer Sprache). Fräulein Reich, Frau Krücke nba ch- Kreuznach, Frau Ebner- Frankfurt a. M., Fräulein I a st r o w u. a. Zum Teil gingen sie auf die Frauenfrage im all- gemeinen ein. Eine Dame aus Budapest überbrachte Grüße vom Landesverein der ungarischen Beamtinnen, verbunden mit Wünschen, den jetzt geführten ungerechten Schlag so bald als möglich aus- zugleichen. Kaufmann Wentzel sympathisiert mit dem Streben der Kolleginnen nach Gleichberechtigung, findet aber die Feindschaft vieler Kollegen erklärlich wegen der Konkurrenz durch die Frauen. die schon manchem alten Kollegen jahrelang inne gehabte Stellungen gekostet habe. Die Kolleginnen müßten versuchen, ihre Gehaltsansprüche den Gehaltsansprüchen der männlichen Gehilfen gleichzustellen. Fräulein I. Bar vom Centralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen hebt besonders hervor, daß die Forderung nach dem Frauen-Wahlrecht vor allem energisch unterstützt werde von der Partei, von der die Handlungsgehilfinnen zum großen Teil nichts wüßten und die jetzt in Berlin zum internationalen Kongreß ver- sammelten Frauen nichts wissen wollten: von der Socialdemoftatte. Sie vertrete die Rechte aller Unterdrückten und sei auch die beste Vertreterin der Rechte der Handluugsgehilfinnen in dem jetzigen Kampfe. Frl. Klara Böhm bemerkt, daß ihr, die ein Gehalt von 120 M. gehabt, auch schon von Männern, die für 100 und 30 M. arbeiten wollten, Konkurrenz geboten worden sei. Im übrigen wendet sich Rednerin dagegen, daß immer von bürgerlichen Frauen gesprochen werde. Auch die Handelsangestellte, auch die gebildete Frau, die gegen Gehalt arbeite, sei eine Proletarierin. Und die Kämpferin um Frauenrechte sei eine Revolutionärin, weil sie die Köpfe revo- lntionieren müsse. Aufklärungsarbeit sei die Hauptsache, deck größte Sieg sei der der inneren Aufrüttelung.— Fran Vincenz-Franken aus Holland steht, auf Holland und Belgien verweisend, der Socialdemokratie in Bezug auf das politische Wahlrecht etwas skeptisch gegenüber. Die Frauen sollten sich keiner Partei anverttauen, sondern sich ganz auf eigne Füße stellen.— Genosse O p p e l stellt in Form einer Richttgstellung nach Schluß der Debatte fest, daß der belgische Parteitag die re- servierte Haltung der Fraktton in Belgien zum polittschen Wahlrecht der Frau gemißbilligt habe. Folgende Resolution wurde gegen eine Stimme an- genommen: „Die versammelten Handlungsgehilfinnen sowie Frauen und Männer aller Stände verwahren sich nachdrücklich gegen den Reichs- tagsbeschluß vom 10. Juni, der den Frauen das passive Wahlrecht zu den KaufmannSgerichten verweigert. Die Versammlung er» klärt die im Handel beschäftigten Frauen für durchaus fähig, als Beisitzer und Sachverständige zu fungieren, und erblickt in! der Verweigerung dieser Rechte nicht nur eine Schädigung deck Frauenarbeit im Handelsgewerbe, sondern auch einen Nachteil für den Kaufmannsstand infolge der Verschärfung der Gegensätze zwischen männlichen und weiblichen Berufsgenossen. Ein Beschluß, das Wahlrecht in einseitiger Weise vom Geschlecht abhängig zu machen, muß ferner als Ausdruck einer Minderbewertung der beut- schen Frau überhaupt angesehen werden. Die Versammlung appelliert daher an das Rechtsgefühl der deuffche» Volksvertteter und erwartet von ihnen bei der dritten Lesung des Gesetzentwurfs ein einmüttges Eintreten für das aktive und passive Wahlrecht der Frauen zu den Kaufmannsgerichten."_ Im Reiche des X-Conto. Der Obcrhofmeister Freiherr V.Mirbach. der Mann des K- Conto hat an, Dienstagmittag die Ehre gehabt, beim Empfang einer Abordnung des internationalen Frauenbundes die Honneurs zu machen. Der Buchstabe K spielt aber nicht nur im Dasein des Freiherrn v. Mirbach eine Rolle. sondern auch bei seiner Herrin, der Kaiserin, die den Beruf der Frau nach einer bekannten Aeußerung in einem dreifachen K-Ccmw vollständig gebucht haben soll: die Frau gehöre der Küche, der Kirche und den Kindern. lieber den Empfang der internationalen Damen bringt nun dev „Lokal-Anzeiger" einen bezaubernden Bericht, der wörtliche Wieder- gäbe verdient: „Zu dem Empfange war der ausscheidende wie der neu- gewählte Vorstand des Bundes, Mrs. Sewall, Lady Aberdeen, Frau Helene Lange, Mrs. Therese Wilson, Fräulein Camills Vidart, befohlen worden, ferner die Präsidentinnen der Zweig- abteilungen des Bundes in den verschiedenen Ländern, so als Vertteterin Deutschlands Frau Stritt und vom Berliner Lokal- komitee Frau Kommerzienrat Heyl und Frau Wentzel-Heckmann> im ganzen 21 Damen. Dem Empfange wohnten Ober- Hofmeister Freiherr von Mirbach, Vize-Ober- zeremonienmeister v. d. Knesebeck, die Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff und die Hofdamen von Gersdorff und Gräfin Rantzau bei. Die Kaiserin, die eine mattlila Cröpe-de- Chine- Toilette trug, entzückte die Damen durch ihre Liebenswürdigkeit und ihre Kenntnis der einzelnen Persönlichkeiten. Mit jeder unterhielt sich die hohe Frau längere Zeit und zeigte sich über jede einzeln« genau unterrichtet. Mit der früheren Präsidenttn des Bundes, Frau Sewall, und der jetzigen sowie mit der Veteranitt der Frauenbewegung, Miß Susan B. Anthony, sprach sie am längsten. Für die alte Dame ließ die Kaiserin einen Sessel herbeibringen. Sie sprach ihre Genugthuung über die erfolgreiche Thätigleit des Bundes und den glücklichen Verlauf des Kongresses aus und freute sich, daß es den ausländischen Delegierten so gut in Berlin gefalle und daß sie alle seitens dev Bevölkerung so fteundlich aufgenommen worden seien. Mit den Bestrebungen des Bundes bewies sie vollste Vertrautheit und hörte aufmerksam zu, als Susan Anthony ihre Ansichten über das Frauen- stimmrrcht entwickelte. Auch darüber sprach die Kaiserin ihre Be« friedigung aus, daß die deutschen Frauen durch den Bund und den Kongreß in rege Wechselbeziehungen zu ihren ausländischen Schwestern tteten würden. Die Damen waren voll des Entzückens über die Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit der Kaiserin, die sie erst um 1 Uhr mit einem„Auf Wiedersehen" entließ." Der Bericht ist so intim, daß er sogar die Toilette der Kaiserin genau schildert. Dagegen wird er außerordentlich lückenhaft bei der Hauptsache. Die Kaiserin habe, so wird berichtet, den Darlegungen über das Frauen-Sttmmrecht„aufmerksam zugehört". Das ist eine überflüssige Angabe. Denn jede Wirtin hört ihren Gästen aufmerksam zu. Aber welche Meinung hat sie über den Fall geäußert? Briefkasten der Redaktion. M. B. H. R. A. T. A. P. C. 2S. Wenn sich aus Ihrer Be- schästigung die Verficherungspjlicht ergiebt, und das scheint wohl der Fall zu sein, dann gehören Sie von Gesekes wegen der Betricbskasse an. Sie können sich von dieser Verpflichtung liesrcicn durch Zugehörigkeit einer dem L io genügenden freien Hilsskasse, sie dürfen aber aus keinen Fall von der Zugehörigkeit zur Betriebskasse ausgeschlossen werden. Beschwerde ist bei der Gewerbe-Deputation anzubringen. Jimftilcker C«U. DI« iuriftische Sprechftuud« findet täglich mit SluSnahm« des Tonnabend» von?'/, bis»>/- Uhr abends statt. Gerifinet: 7 Uhr. Soerke und Genossen. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand oder Wiederaufnahme des Versahrens kann beantragt werden, hat aber wenig Aussicht aus Erfolg. Das Wiedcrausnahme-Versahre» hätte darzulegen, da« der Wehrpslichiige nicht in der Absicht, sich dem Eintritt in dem Dienst der Ferienkolonien zu entziehen, ohne Erlaubnis Dentjchland v erlas! cn oder Vach«rcichtcm militärpflichtigen Stllet sich außerhalb DeuttchlandZ aus- schalten Haie,»ätte Ihr Sohn seiner Zeit einen Patz sich ausstellen lassen oder Schritte gcthan, um sich autzcrhaib aus seine Dicnstsähigkeit hin unter- suchen zu lassen, so wäre eine Wiederaufnahme nicht zwecklos. Die Bei- hilse eines'Anwalts ist zweckmätzig.— X. T., Naiinynstrasie. Nein. � E. O. IOl>. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja: wird ein Verlöbnis ausgehoben, so sind die Verlöbniszcichcn(Ringe, Photographien n. dgl.) und die Ge- schenke, soweit sie sich bei der Aufhebung noch im Besitz der Beschenkten vesindcn, zurückzugeben. Das Zlücksordcrnngsrecht steht der Verlobten(nicht deren Verwandten) zu. Zlutzerdcm haben die Eltern das Recht, den Schaden ersetzt zu verlangen, der dadurch entstanden ist, datz sie in Erwartung der Ehe Austvendungen gemacht haben(z. S. Verlobungsschmause, Beschaffung von Ausstattungen), oder Verpflichtungen eingegangen sind(z. B. Einkauf von Eimichtungsgcgenfländcn,� die erst später bezahlt werden sollen). Die Verlobte kann auch sonstigen schaden(z. B. durch Ausgeben einer Stellung erwachsenen) ersetzt verlangen. Endlich kann die unbescholtene Verlobte auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschadcn ist, eine billige Entschädigung verlangen, wenn intimerer Verkehr gestattet war. — H. K. 36. Baulichkeiten dürfen nur mit polizeilicher Genehmigung unter Beobachtung der— provinziell und örtlich vielfach verschiedenen— Bauvorschristen errichtet werden. Der Nachbar hat das Ziccht zu verlangen, datz nicht etwa sein Grundstück bebaut werde: einen Bau a u s der Grenze braucht er also nicht dulden. Auch a n der Grenze verbietet sür den land- rechtlichen Teil(dazu gehört der Kreis Königsberg N.-M.) das Landrccht gewisse Baulichkeiten. ES dürfen Schweineställe, Kloaken, Dünger- und Loh- gruben sowie andre den Gebäuden schädliche Anlagen nur in einer Eni- sernung von mindestens drei Fuß rheinländisch von den Lenachbarten Ge- bäuden, Mauern und Scheunen entfernt und nur so angelegt werden, datz solche Gruben und Behältnisse von Grund aus ausgemauert werden. Gegen Belästigung seines Eigentums durch Geruch oder andre Einwirkungen kann überdies der Eigentümer ans Beseitigung und Schadensersatz klagen, sosern die Einwirkung die Benutzung seines Grundstücks wesentlich beeinträchtigt und nicht eine den örtliche» Verhältnissen entsprechende ist.(§ 906 B. G.-B.) — Georg ii. Zweckmätzig ist die Errichtung eines gemeinschaftlichen Testaments. Unterbleibt das, so würden Sie als märkischer kinderloser Witwer, dessen Ehe vor dem 1. 1. 1900 geschlossen ist, das Recht haben, innerhalb sechs Wochen nach dem Tode Ihrer Frau dem Nachlatzgericht (Amtsgericht) eine notariell oder gerichtlich beglaubigte Erklärung ab- zugeben, die etwa lautet:„Meine Frau ist am... in... verstorben. Geheiratet haben wir vor den, 1. 1. 1900, nämlich am... in... Statt der Rechte, die mir nach den früheren Gesetzen an dem Vermögen meiner verstorbenen Ehefrau zustehen, wähle ich die Erbfolge nach dem Bürger- lichcn Gesetzbilch." Thun Sie das, so erben Sie die eine, die andren Erben die andre Hülste des Nachlasses Ihrer Frau. UeberdieS erhalten Sie als voraus die Hochzeitsgcschenke und alle Gegenstände, die zum ehelichen Haushalte gehört haben, sind demnach so gestellt, als ob Ihre Ehe nach dem 31. 12. 1899 geschlossen wäre. Unterlassen sie die rechtzeitige Ab- gäbe solcher Erklärung, so erben Sie nach märkischem Recht. Danach haben Sie die Wahl, Ihr eignes Vermögen sür sich zu behalten und den Nachlaß den Erben zu überlassen oder die Hälfte der am Todestage vorbanden gewesenen Vermögensmasse zu erben, die durch Zusammen- wersung Ihres eignen Vermögens mit dem Ihrer Frau gebildet wird. Marktpreise von Berlin am 13. Juni 19(14 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 lex do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 7,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 2,80 3,00 2,40 2,00 2,80 1,40 16,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,40 1,40 1,40 1,20 1,00 1,00 1,40 0,80 3,00 • ab Bahn. f frei Wagen und ab Bah». frotest'Versatmntmig gegen die bürgerlichen Mehrheits- Parteien im Reichstage Freitag, den 17. Juni, abends 8'/- Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29. Tages-Ordnung: I. Vortrag der Genossin lilara. Zetkin(Stuttgart) über: Ilms Frauen-Siimmrccht. 2. Diskussion. 1/g Um zahlreichen Besuch ersuchen_ Die Vertranenspersonen. Achtung! Achtung! Central-Verband der Maurer üentsehlands. Zweigverein Berlin. Freitag, den 17. Juni, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, Saal 1: Da«- Deputierten- Uerfammtung. TageS-Ordnung: Die Zustände auf den Banten. Keiner darf fehlen, jeder Bau muß vertreten sein. 144,6 Tie Verbandsleitung. I. A.: E. Thon». DkrKampfjmöiilkttgrlmlir! In die Sonntagsllste der geregelten 3äeUereien sind folgende Betriebe naehzutragen: Korden. F. Oeenken, Pappcl-Allee 18. C. Viehweger, Gartenstr. 61. W. Ziehe», Kuglerftr. 8. Th Mollweide. Zionskirchplatz 1 Brunn enstr. 2. A. Wolff, Graunstr. 28. Osten. I. Mehl, Hausburgstr. 5. B. Bienert, Lebuserstr. 11. M. Schneeberger, Markusstr. 11. M. Bauer, Liebigftr. 15. und Süd-Oat. C. Schulz, Muskauerstr. 34. C. Schulz, Kottbuser Ufer 59. Tr, Meisler, Wrangelstr. 82. G. Wenzel, Kottbuserstr. 21. Centrnm. Mittelstädl, Kl. Frankfurterstr. 14. 1. Neumann, Mcndelssohnstr. 9. M. Hllbich, Älcxandrinenstr. 28. Süden, Rixdorf. P. Hahn, Jägerstr. 70. A. Braun, Kaiser Friedrichstr. 12. Otto Kacker, Jansastr. 2. SchOneberg. Ernst Brauer, Goihenstr. 21. Ernst Brauer, Sedanstr. 34. Charlottenbnrg. Lehmann, Dankelmannstr. 46. A. Karsch, Scharrenstr. 28.1 Ober-Schilncweide. Emil Stretzke, Wilhelminenhosstr. 37 August Micholi, Nostizstr. 49. Wegen ZurfieHziehung der 3e\»UUgung oder Kichteinhaltung der Tordermtgen sind folgende Bäckereien aus der Sonutagstiste zu streichen: Korden. Harbcrd, Stettinerstr. 54. A. Weiss, Bergs». 2. I. Jung, Burgsdorsstr. 9. Fricke, Linienstr. 87. Müller, Rykestr. 3. J. Braun, Kolbergerstr. 25. Heublein, Rügenerslr. 3. Seeger, Wiesenstr. 23. Wernitz, Stratzburgerstr. 15. Bsordoat. 0. Bulst, Neue Königstr. 31. A. Richter, Preiizlauersir. 57. E. Wohlgemulh, Mcndelssohnstr. 10. E. Schumann, Linienstr. 6a. G. Seifert, Gollnowstr. 17. Kordwest. J. Sieg, Beuffelstr. 59. Osten. Stahnsdorf. 3.1(fiter str. 77, J. Grosch. Mehnerstr. 21. F. Osfe, Madaistr. 10. E, Sligt, Slratzmannstr. 35. A. Kuhn, Blumenstr. 67. 0. Sommer, Romintenerstr. 5. F. Bohne, Lichlenbergerstr. 11. P. Schneider, Caprivistr. 22. J. Oehmel, Caprivistr. 9. G. Papke, Frankfurter Allee 40. Kahlfus, Löwestr. 1. f. Conrad, Thaerstr. 17. iSUdosten. G. Kruse, Liegn itzcrslr. 5. H. Nickolas, Wienerstr 66. Süden. Bergner, Fichtestr. 9. Becker, Brandenburgstr. 21. Westen. Podehl, Lützcwslr. 75. Centrnm. Schneider, Linienstr. 56. C. Görnitz, Gormannstr. 24. R. Fiedler, Dragonerstr. 44. Fricke, Linienstr. 87. Rixdorf. Ist. Kasten, Fuldastr. 60. Hornig, Kopsstr. 43. Scholz, Ringbapnsir. 25. Prilschkow, Walterstr. 18. Kupfernagel, Bergstr. 73. Ecke, Delbrllckstr. 35. Schüneberg. P. Bockisch, Prinz Gecrgstr. 7. Hansfranen! Arbeiter! Unterstützt die Bäckergesellen in ihrem schweren Kampse dadurch, datz Ihr nur dort Gner täglich Brot kaust, wo die Bäckergesellen unter menschenwürdigen Zlrbeitsbedingnngen leben. Nachfolgende Bäckermeister sollen sich hervorragend an den bekannten Droschken- fahrten beteiligt haben: Otto Ballhansen, Kopenhagenerstraße 2. Albl, Schönhauser Allee 72a. Pudritzki, Schönhauser Allee 70c. Zechlin, Franseckistr. 37. Albrecht, Metzerstr. 17(dieser Herr hat, schon einmal von uns veröffentlicht, erklärt, es nicht mehr zu thun, ist aber jetzt wieder rück- fällig gewordeil). Prehn, Werneuchenerstraste 11- G rastnick, Christburgerstraffe 35. Ecke, Rixdorf. Delbrückstr. 35. Knpfernagel, Rixdorf. Bergstr. 73. Fehse, Pappcl-Allee 21. Die Streikleitung. I. 81.: Hctzschold, Rosenthalerstr. 11/12. Aniiino»"lh M f«t nIIiLUlIvhtrrenu Knaden grötzte Auswahl iu in- u. aus- ländischen Stoffen für PaletotS. Anzüge, Beinkleider tc„ werden unter Garantie des gute« Tistes zu überaus billigen Preisen schnellstens angefertigt im Tuchgefchäft b-i A. Karle, Waldemarstr. 66. Sportwagen euflaUend billig, direkt< aus Fabrik. 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IMW Die Gruppe der Oen»entlerer feiert am Sonnadend, den IS Juni, im Lokal„Marlenbacl", Badstr. 36, ihr jp erstes Stiftungsfest wozu die Mitglieder und Kollegen der ganzen Sektion freundlichst ein» geladen werden. 144/5 Daö Komitee. Siehe auch Annonce im„Grundstein" von voriger Woche. Verwaltnngsstelle Berlin. Donnerstag, den 16. Juni 1904 VereilAs-VersammlutiK. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches, unter anderm Bericht über die letzte öffentliche Holzbildhauer-Versammlung.~~ Zahlreichen Besuch erwartet 2. Verschiedenes. 21/6 Der Torstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Aclitimg, Korbmacher! Donnerstag, de« 16. Juni, abends 81', Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer IS. Saal 7- 85/9 V ersammlnngs. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Dfe Kommission. Uneiii sociMmlir. Gast-».SchlUlllwirte Berlins und Umgegend. Freitag, den 17. Juni, nachmittags 5'/3 Uhr, beim Kollegen Köpnick in Spandau, Pichelsdorfcrstr. 39: Versa niii llnngf. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2, Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Vereins- Angelegenheiten. 69/9 Der Torstand. I. A.: Ferdinand Ewald. Filiale Berlin. Donnerstag, den 16. Juni, abends BVo Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 4: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag:„Die Schule von heute." Referent: Gen. M. Schütte. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Gewerkschafts-Kommisfion. Regen Besuch erwartet 107/10 Die Drtsverwaltnng. ESettfedepn"IWI Gharlotteriburg. E. Dombrowsky, Potsdamerstr.il. 5 Proz. Rabatt. Neu! Billigste Neu! Oampfer-Extrafahrten von der MIchacl-Brttcke jeden Tag, außer Sonnabend, vormitta. 9 Uhr. Einfache Fahrt 30 Pf. Nachm. 2 Uhr hin und zurück 36 Ps Jeden Sonntagvormittag 9 Uhr und Nachmittag 2 Uhr nach Wolters. dorfer Schleuse mit Musik. Einfache Fahrt 50 Ps. Teleph. Amt VII. 2841._[53751,*] R. Tlsmer. Sie unterstützen die eLttheLtttischen Arbeiter und die einheimi/che Landwirtschast, wenn Sie Scelig's Stern- Kaftee-Zusatz kaufen, denn dieser allbekannte, vorzügliche Cichorien. Kaffee wird nur aus erstklassigen würticmbergischen Cichorien. wurzeln hergestellt, während zu andren Konkurrenzsabrikaien ost- mals minderwertige, ausländische(belgische) Cichorienwurzeln Verwendung sindc». Lassen Sie daher Shr schönes Geld nicht ins Ausland wandern, sondern verlangen Sie ausdrücklich:„Seelig'S Siern» Kaftee-Zusatz". Jedem Paket liegt eine Sparmarke bei; sammeln Sie dieselben, so erhalten Sie ein entsprechendes Quantum Seelig's Stern-Kaffec-Zusatz kostenfrei als Prämie und erzielen dadurch im Lause des Jahres eine Erhebliche Ersparnis in Ihrer Wirtschasts-Kasse. Yflk-Monie Kieder-SehSnhansen Baustellen in schönster Lage Nieder-Schönhausens an vollständig regulierten Straßen mit Gas- und Wasserleitung: nur hochliegendcS, trockenes Land. Ptv VON 83 M, NN. MW Auakunft Jederzeit im Bureau, Kaiserweg 3, Nieder-SchSnhausen. Am Montag, den 13. Juni, nachmittags 2 Uhr, entschlief nach kurzem Krankenlager mein lieber Mann, unser auter Vater, Schwiegervater und Grotzvatcr, der Restmirateur und Eigentümer �UKust Mann im Alter von 63 Jahren sl982b Um stilles Beileid bitten vis trauernden llinterdllebenen. Frau Kennette Mann geb. Köpsch. Klara und Heinrich Horstmann nebst Kindern. Gertrud Bieren als Enkelkind. Die Beerdigung findet an: Donnerstag, den 16. Juni, nach- mittags S Uhr vom Trauerhause, Am Ostbahnhos 18, nach dem Neuen Thomas-Kirchhos in Rix- darf, Hermannstraße statt._ Invaliden- flnterstiitzungskasse d.'"" Die Beerdigung des am 13. Juni verstorbenen SteindruckcrS Hermann Keil findet statt am Donnerstag, den 16. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Heiligen Krmz-Kirchhoses, Mariendors. 1997b Das Komitee. Danksagung. Für die rege Tellnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Be» erdigung meines lieben Mannes sage ich seinen Kollegen, Freunden und Genoffen meinen herzlichsten Dank. Frau Uitse Horn 19886 nebst Dochter. Cigappon- Einzelverkauf zu Fabrikpreisen. 10 St. 100 St. Nordstern...... 25 Pf. 2,50 Mercurio...... 30„ 2,85 Flor de Este(Schutz). 30„ 3,— Amerikano...... 35, 3,35 Plantar....... 35, 3,50 Öabanera...... 40„ 3,80 Lindemann, uns. Specialit, 40. 4,— Specialmarke Nr. 41.. 50, 4,50 do. Nr. 27.. 60. 5,50 Mexiko, Vorstenlanden, Brasil und Ausschuß. In allen Preislagen große Auswahl. Vorteilhafter Einkauf für Händler u. Wiederverkäufer. 5555L* W. Schilling, Udmiral- Str. t8B. Dr. Simmel, Specialarzt für[8/3* Bant- und Harnleiden. 10— 2; 5— 7, Sonntag? 10—18, 8—4. Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und 8raue»letde«, Seydelstr. O. ochcntag? V.ia-m Grosse Treiburger florabau-üotteriß. Ziehung 6— O. Jnll 1004. Haupttr.: lOOOOO, 40 OOO, SOOOO, lOOOO usw. 53441,* Orig. i.-Lose 3.30 Porto u Liste 30' Pf. J.Rachor.KoSeur, Mainz. Mtmä ! Sehlossnark Ibelminenbo! Oberspree. Station Nieder-Schöneweide. Jeden Sonntag. Mittwoch, Donnerstag: grosser 8Ute-3all. Kaffeeküche v. 2 Uhr an geöffnet. Ausspannung. Volksbelustigungen aller Art. Ohr. Fennel.[49122* Flundepn, dem Rauch nur 1,M M. Postd. fett- triefende Matjes, H. 3'/, M. Ernst Napp Nacht., Swinemnnde Rr. 56. Für de« Inhalt der Inserate uberntnimt die RedatSo» dem Publiknm gegenüber keinerlei Berimtwortmtg. HKeater. Mittwoch, den 15. Juni. Slnfang lll, Uhr: Opernhaus. Geschlossen. Neues Opern-Theater. Geschlossen. Deutsches. Der Meister. Lessiug. Zapsenstreich. Belle-Alliauce. Kam'rad Lehmann. Anfang 8 Uhr. Berliner. Mamzelle Nitouche. Weste». Im bunten Rock. Schiller O.(Wallner- Theater.) Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Schiller �s.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Das grobe Hemd. Neues. Einen Jux will er fich machen. Kleines. Nachtasyl. Refidenz. Die 300 Tage. Eentral. Die Geisha. Earl Weist. Der Weg zum Herzen. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettincr Sänger. Passnge-Dhenter. Specialitäten. llrania. Xaubenstraste 48/4S. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Juvalidenstraste S7/V3. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Htm Theater. Schiffballerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sich machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Linen tu» will er machen. sich Central-Theater. 8 Uhr in erster Besetzung: IM« Crelsha. Operette in 3 Akten v. Sidncy Jones. Hauptdarfteller: Mia Werber. Henny Wlldncr. Kurt Schulz. Rudolf Ander. Emil Albes. Donnerstag: Gastspiel Josesine Dorn und Emil Richard:»er Raub der Sabinerinnen. fielle-Allianee-Theirler. Im Theater abends 7'/, Uhr: Zum letztenmal: Kamerad Lehmann mit Guido Thiclscher in der Titelrolle. Donnerstag und folgende Tage: Gastspiel der„Original-Tegernseer". 2 Novitäten:„Der kleine Kürassier." Hieraus:„Die Automaten-Alm." Im Sommergarten von 0 Uhr ab: Max Schmidt-Konzert. Von 8 Uhr ab: SpecialiUten-Vcrst. u. a. Miss Alex. Automobil-Schleisen- sahrt.—„Rheingold-Trio." Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nacktaszfl. Ansang 8 Uhr. Morgen: Liebesträume. X Kollegen. Serenissimus-Zwischenspiele. RkßdkNZ-TlMtN Heute und solgende Tage: Abends 8 Uhr: vie 300 Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gevautt und Robert Charvey. _ Deutsch von Alsred Halm. Apelle-Theater. VI, Uhr: Garten-Konasert. 8— 9'/. Uhr: Die Attraktionen des phänomenalen Juni-Programms. Hierauf: Liebesgötter. Im zweiten Bild: Oötterzng und die Sensations- Apotheose: Im Tempel der GIDcksellgkelt MetropolTheater Gr. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Ret cli s ballen ir Sämer. Neu! Piefke bei Bater Philipp. Schiller- Schiller- Theater O. (Wallner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Der Geizige. Hieraus: Der eingeb. Kranke. Donnerstagabend 8 Uhr: Ein unbeschriebenes Blatt. Freitagabend 8 Uhr: Ein unbeschriebenes Blatt. Theater. Schiller-Theater W. (Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Don nerstagabcnd 8 Uhr: Das Heiratsnest. Freitagabend 8 Uhr: Dension Schüller. Im Garten täglich gr. Militär-Konzert. - Kax Jdien's Sommer-Theater Hasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglleh; Gr, Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorsteliung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Xag. PGM- Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet."MM 2 hochelegante Kegelbahnen, Würsewuden, Konditorei, Blumenstand:c. In den Stilen: Fresser Kall. llrania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Insel Rügen. Sternwarte AMOPTICU/W. | Friedrichs tr. 165.| Die vielbewunderten zusammengewachsenen Schwestern Rosa und Josefa: t! einzig dastehend in der Welt!! Der lange Josef 16 Jahre alt, 217 cm gross. 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Badstr. 58. Täglich: DaS Attraktions- Programm, u. a.: Paul Coradinl, Berlins Liebling. Ijoro- Quartett, Phänomenal-Musikphantnsten. Außerdem: Die Tochter Des Ansang 4H, Uhr. Saale: Pall. Enttee 30, numerierter Platz 50 Ps. fassage-Theater. Anf. Sonntags 3, Wochentags 5 Uhr, Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Alfred Bender Original-Humorist. 14 erstklassige Kümmern. Ostbahn-Park. Am KUstrinerplatz. Rildersdorferst. 71, Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert» Theater und Kpeeialitäten- Uorstellung. W. Noacks Theater Direktion; Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Er ist nicht eifersüchtig! Um Ehr' und Liebe. Karl Grotb. X Mr. Solva. Salvador u. Selma. Mr. Houson etc. Ansang 6 U h r.-ME Kaffeeküche von 8 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter: Vorstellung im Saal. Ain«' Spedalitäten-tetep, JjIKA Landsberger Allee 76/79. Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! im herrlichen Garten od. gr.Saal: Das konkurrenzlose Juni-Programm, ca. 36 erstklassige Nnmmern mit stürmischem Beifall, u. a. Neu für Berlin: Marco et Tatgana. The Orig.-Beirotts, Burleske excenttic. Die Berliner Lieblinge Orig.: Mila Roselli, Tanz-Soubrette, Orig.: Fritz Brand, Humorist. Walter Darton, das Phänomen usw. Ab lt. er.: Die berühmte Waison- Troupe, Jkarische Spiele, 5 Personen. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. Sonntag, Montag. Mittwooh Dali und Sonnabend bis 2 Uhr: öall. fer rvAII«7*9 Täglich: Goldene Herzen. Pantom.: Im Nachtasyl. Harris, Kraftjongleur. The Jarrey.— Ulpts.— Langse. Ball, Konzert, Specialität. Anfang 4 Uhr. Eintr.30Ps. Num.Pl.S0P Edith Helena, Bravour-Sängerin. Mason u. Forbes, amerik. Excentrica Cltment Lion, Zauberkünstler. Lydia Oobranow, Feuertänzerin. Professor Maboul, kom. Jongleur. Perzinas dressierte Äffen. Gebrüder Schwarz, Parodisten. Will Mora, Reokkünetler. Heloise Titeomb, Sängerin. Die 4 Milans, Kraftnummer. Neiss-Familie, akrobatischer Akt. „Pas de deux", Oavini und Härtel. Lebende Photographien vom Kriegssehanplatz. StHir-Mi Am KSnigsthor. Am Friedrichshain. Täglich: Theater-«»i Spüfl-Yorslellii. Volksbelustigungen. Im Saale: HALL. Zum Schluß: Kerlmer KanMiaurnskn. Groß« Gcsangsposse in 2 Bildern. Enttee 30 Ps. Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Täglich im Garten: Hofküisims Norddeutsche Sänger. Sonntag. Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. Wochentags haben Vor- zugskärten, auch die zu den Theater- abenden ausgegebenen, Gülttgkeit. Konzert-Garten 8W., Krcuzbcrgslr. 48. Jeden Mittwoch: Streich-Konzert. Ansang 8 Uhr. — Entree srei.— Freitag: Harburger Sänger. lerter Wahlkreis Ü\ Am Montage, den 80. Jnni 1004: t GH Sommer-fest t in Treptow(Ludwigs Park- Restaurant). 243/9» m t Das Komitee. Sonntag, den 10. Jnnl er. in dem Gesamt-Etablissement „Moabiter Schützenhaus" m Plötzensee: GAU-FEST. - Doppel* Konzert.- Gesangs Vorträge des Gesangsverems„Nord"(Mitgl. d. A.-S.-B.). Auftreten des berühmten Berliner Ulk-Trio.— Grosses Fenerwerk. RadsportUche AnffUhrungen der Bundes vereine.— Reigenfahren etc. Fackelpolonalse. Jedes Kind erhält eine Stocklateme gratis. - Orosser BAIilt.— Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. 12/15 Anfang früh 8 Uhr. Billets im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pt Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Fest-Ansschnss. Gesundheit ist Reichtum! Regelmässiges Baden erhält und fordert die Gesundheit. BBade Berlin-Ost im: 1 Bade Berlin-Süd Im: ad Frankfurt f Dreher sTrailsportarbeiter-Verband) spricht zunächst seine An- erkenniiiig dafür aus, daß ein so junger Verband sich init einer so hochwichtigen Frage beschäftigte, die Vorlage allerdings schaffe zwar eine gut fundierte Kasse, es gelte aber, mit dem Wachstum der Ge- nossenschaftcn zu rechnen und die Kasse— der Resolution gemäß— arlf andrer Griindlage zu errichten. Die Invalidität der Angestellten werde angesichts der durchweg trefflichen Arbeitsbedingungeil weit unter dem Durchschnitt bleiben. Die Angestellten verzichteten gern aus die staatliche Garantie; sie seien überzeugt, daß ihnen auch ohne diese durch freie Vereinbarung ihr Recht werde. Doch seien die vor- geschlagenen Beiträge wie auch die Altersgrenze(70 Jahre) zu hoch bemessen. F r ä ß d o r f- Dresden: Der Konsumverein„Vorwärts" würde auf eigne Faust die Versicherung einführen, wenn es der Verband nicht thäte. Wir halten es für unmöglich, noch länger zu warten. Die Versicherung muß als Ergänzung der staatlichen obligatorisch auch für die Ledigen eingeführt werden, und zwar unabhängig von der staatlichen Kontrolle. Die vorgeschlagenen Beiträge sind zu hoch. die Leistungen zu niedrig. Die Beiträge sind viel höher als bei der staatliche» Versicherung. Die Altersgrenze ist viel zu hoch bemessen. Wer erreicht denn das 70. Lebensjahr? Die Sache»nuß anders an- gefaßt werden. v. Elm: Schmidtchen habe zu sehr seinen persönlichen Stand- Punkt vertreten. Geschaffen werden müsse etwas, man müsse aber Rücksicht darauf nehmen, ob auch die Arbeiter mitmachen könnten. Das sei bei dem vorliegenden Vorschlage ausgeschlossen.(Sehr richtig!) Das sei ein totgeborenes Kind, Es ist nicht richtig, daß kein Zutrauen zu der Versicherung vorhanden sein würde, ivenn nicht das klagbare Recht gesichert iväre. Das verhindert schon die in den Gewerkichaften gemachte Erfahrung: dort besteht auch lein Recht auf Unterstützungen, aber gezahlt werden sie. Es gilt etwas zu schaffe», was Bestand hat, lvaS auch der jetzigen Generation schon Vorteile bringt und zwar der Gesamtheit der Arbeiter.(Bravo!) Adam- Kiel: Ein heikler Punkt sei die Bestimmung bezüglich der freiwilligen Weiterversichernng Ausscheidender, die erst nach fünf- jähriger Beschäftigung möglich ist. Das müsse geändert werden. May- Hamburg: Alle Versicherungen krankten an der Ansamm- lung der großen Fonds. Hier müsse von rein praktischen Erwägungen ausgegangen werden. Die provisorische Vorlage des Vorstandes biete an Leistungen angesichts der hohen Beiträge entschieden zu wenig. Die Morbilität sei bei den Genossenschastern keine allzu hohe; sie bildeten eine sehr günstige Versicherunqsklasse. Wir dürfen uns nicht einlassen ans ein Institut, das der staatlichen Bevormundung untersteht.(Bravo!) Kolbe- Weimar: Frähdorf kenne anscheinend das Privat- Versicherungsgesetz nicht. Ein derartiges Versicherungsinstitut bedürfe der Genehmigung. Beschleunigen lasse sich die Sache nicht; das Aufsichtsamt lasse sich in der Beziehung keinerlei Vorschriften machen. Schmidtchen- Magdeburg(Schlußwort): Mit herzhast ge- meinten Worten sei es nicht gethan; man müsse mit den gegebenen Verhältnissen rechnen. Verwunderlich sei es, daß zwei Reichstags- Abgeordnete die wissenschaftlichen Berechnungen so ohne weiteres abgethan hätten. Er fei nicht davon überzeugt worden, daß billiger und bester gearbeitet werden könne. Ohne Fonds gehe eS denn doch nicht!(Zuruf: Umlagen!) Auch bei freien Einrichtungen fahre man nicht billig; so verlange der„Verein Arbeiterpreste" z. B. 0 M. monatlich pro Kopf, 72 M. jährlich. Man werde aus den Konsum- vereinen die freiwilligen Beiträge nicht herausholen können. Er rate, jetzt schon an die Errichtung von Pensionsfonds zu gehen, um spät« womöglich aus den Zinsen die Beiträae-ablen zu können, sonst müsse man sich auf Ablehnungen in den Versammlungen ge- faßt machen.(Sehr richtig!) Um schnell vorwärts zu kommen, empfehle es sich vielleicht, v. Elm und Fräßdorf mit in den Vor- stand zu wählen; die würden ihn schon aus die Beine bringen. (Heiterkeit.) Darauf wird die Resolution Schmidtchen angenommen. In die Kommission werden v. Elm-Hamburg, Fräßdo'rf-Dresden und Gauß-Stuttgart gewählt. Der Zuziehung der Organisationen der Arbeiter wird ebenfalls zugesttmmt. Nachmittags 4'/? Uhr fand eine Sonderversammlung derjenigen Vereine— 44 an der Zahl— statt, welche Bäckerei- Arbeiter beschäftigen. Es wurde in der Versammlung über den von der Bäckerorganifation vorgelegten Entwurf eines Arbeits- und Lohntarifs beraten._ Hat mau den Mörder der Lucie Berlin? Zur Ermordung der Lucie Berlin wird gemeldet, daß als der Thäterschaft verdächtig Montagnachmittag' ein 38 Jahre alter Versicherungsbeamter Otto Lenz vorläufig festgenonnncn worden ist. Lenz, der früher einmal bei einer Versicherungs-Gesellschaft an- gestellt ivar, arbeitete nur noch gelegentlich iir seinem Berufe und ließ sich im wesentlichen von„Freundinnen" ernähren. Er war polizeilich nirgends gemeldet und hatte zuletzt ein Verhältnis mit einem Mädchen aus der Ackerstr. 123. Viele Beschreibungen eines mutmaßlichen Thäters paßten so genau auf ihn. daß die Kriminal- Polizei ihn alsbald suchte. Seinen Namen erstihr man von dem Mädchen in der Ackerstr. 123. Dorthin kam er aber seit dem Ver- schwinden der Lucie Berlin nicht mehr. Auch in den Kneipen, wo er sonst verkehrte, ließ er sich nicht niehr sehen. Während dieKriniinalpolizei ihn als einen Mann mit halblangem Vollbart und Strohhut suchte, ließ er sich den Bart bis auf den Schnurrbart, wie er ihn in früheren Jahren zu tragen Pflegte, abrasieren. Den Strohhut fand man in Zeitungspapier eingewickelt in der Ackerstraße. Erst Montagnach- mittag geriet der Vielgesuchte der Polizei in die Hände. Einer seiner Bekannten traf Lenz in einer Kneipe, die er früher nie besucht hatte, und sagte ihm auf den Kopf zu, daß er der von der Kriminal- Polizei gesuchte Mann sei. Lenz wollte davon nichts wissen. Der andre aber blieb dabei, da die Beschreibung auf ihn paßte, und stellte ihn vor die Wahl, entweder selbst zur Polizei zu gehen oder sich von ihm hinbringen zu lassen. In dieser mißlichen Lage ent- schloß sich Lenz endlich, sich zu melden. Sein Bekannter begleitete ihn. Der Kriminalpolizei vorgeführt, wurde der Verdächtige bis in den späten Abend hinein und gestern vormittag verhört und vielen Kindern und erwachsenen Leuten gegenübergestellt. Er behauptet, weder am Donnerstag, noch später überhaupt in der Ackerstraße gewesen zu sein, und bestreitet alles, was ihm zur Last gelegt wird. Sein Alibi aber kann er bis jetzt nicht nachweisen. Iii der Sache fand gestern, Dienstagnachmittag in der Acker- straße eine Lokalbesichtigung' statt, an der ein Untersuchungsrichter, der Regierungsassessor Dr. Lindemann vom Polizeipräsidium und die Kriminalkommissare Wehn und Wannowski mit mehreren Beamten teilnahmen. Es handelte sich darum, zu prüfen, ob Zeugen, die Lenz belasten, wirklich im stände loaren, ihn von den Stellen ans, von denen sie ihn ge- sehen haben wollen, zu erkennen. Die Zeugen wurden einzeln ge- holt und das Ergebnis ihrer Aussagen und der Besichtigung ist für Lenz erheblich belastend. In der Ackerstraße Nr. 130 wohnt ein Zeuge S., der ständig am Fenster arbeitet. Er kennt Lenz vom Ansehen aus der Zeit, wo er mit einem Mädchen aus dem Haufe ein Verhältnis hatte und bei seiner Geliebten aus- und einging. Wohin er in dem großen Hanse gehörte, darum kümmerte sich der Zeuge nicht. S. arbeitete nun au dem kritischen Donnerstag wie immer am Fenster und sah, während der Leiermann auf dem Hofe spielte und die Kinder tanzten, Lenz im Thorweg stehe». Er erkannte ihn als den Mann, den er früher oft über den Hof gehen sah, sofort wieder. Die Ortsbesichtigung ergab, daß das von seiner Arbeitsstelle ans sehr gut möglich ist. Da S. bestimmt erklärt, daß er sich auf die Nebenumstände, das Drehorgel- spiel und das Tanzen der Kinder genau besinne und in Tag und Zeit nicht irre, so muß als festgestellt betrachtet werden, daß Lenz um jene Zeit auf dem Grundstück gewesen ist, während er es nach wie vor bestreitet. Ein Kutscher K. stand am Donnerstagnachmittag mit seiner Droschke an der Ecke der Feld- und Ackerstraße und beschrieb genau, von welcher Stelle aus er Lenz mit einem kleinen Mädchen auf dem Garteuplatz beobachtete. Er>ah die beiden kommen und beobachtete weiter, wie Lenz das Mädchen auf eine Bank zog und mit ihm Bonbons aß. Für die Ortsbesichtigung waren nur zwei Stellen zu unterscheiden. Die erste, auf der K. die beiden sah. ist seinem damaligen Halteplatz so nahe, daß er den Beobachteten ohne weiteres erkennen mußte. Die zweite, die Bank, ist etwas weiter entfernt. Es kommt hier auch der Verkehr und das Gebüsch des Gartenplatzes in Betracht. Obwohl sich um beide Besichtigungen bald viele Menschen ansammelten, mehr als in jener Gegend sonst zu verkehren pflegen, ließen die Beamten doch das Publikum vollständig gewähren und hinderten es durch keine Absperrung in seinen Bewegungen. Aber auch unter diesen ungünstigeren Verhältnissen ergab sich, daß der Kutscher mit seiner Behauptung, er habe Lenz von seinem Standort und trotz des Publikums und Gebüsches erkennen können recht hat. Lenz und das Mädchen entschwanden seinen Blicken, als sie sich von der Bank erhoben hatten und um ein Rundteil herumgingen. Jetzt lag zwischen ihm und ihnen ein Gebüsch. Auf dem Wege um�das Rundteil wurden Lenz und das Mädchen von einem Mädchen S. aus der Ackerstr. 63 gesehen, das Lucie Berlin kannte und noch auf dem Hofe gesehen hatte und das nun mit seiner Mutter über den Gartenplatz ging. Auch die von diesem Mädchen behaupteten Wahrnehmungen erwies die Ortsbesichtigung als durchaus möglich. Zu diesen Belastungen kommen noch andre Beobachtungen hinzu. Lenz behauptete anfangs, haß er am Donnerstag gar nicht in der Ackerstraße gewesen sei. Jetzt bestreitet er n i ch t m e h r. dort gewesen zu sein. Er will aber an dem Hause Nr. 130 ohne Aufenthalt vorbeigegangen sein, um sich nach dem Hause Nr. 123 zu begeben. Dorthin habe er einer Waschfrau B. schmutzige Wäsche gebracht. Diese Behauptung erwies sich sofort als u n w a h r. Lenz hat weder der Frau B. noch sonst jemand in dem Hause Rr. 123 Wäsche ab- gegeben. Sehr auffallend ist, daß Lenz von dem Morde, von dem am Sonnabendabend alle Zeitungen voll standen und ganz Berlin sprach und den das Polizeipräsidium an allen Anschlagsäulen be- kannt machte, erst am Sonntag etwas gehört haben will. Daß er Lucie Berlin gut gekannt habe, be st reitet er nicht. Er giebt sogar zu, daß sie ihm ein sehr interessantes Mädchen gewesen fei. Bemerkenswert ist, daß Lenz an perversen Neigungen leidet. Diese veranlaßten auch seine Geliebte aus der Ackerstr. 130 und schon andre Mädchen, ihm den Laufpaß zu geben. Er bestreitet nach wie vor, an dem Morde irgendwie beteiligt zu sein, bleibt aber einftiveilen in Hast. lokales. In der letzten Sitzung der Armendirektion brachte Stadtv. A n t r i ck vor Eintritt in die Tagesordnung das vom Polizeipräsidenten an- gezogene Schreiben der Armendirektion in Bezug auf den Straßen- Handel zur Sprache; es sollte sich darin die Direktion für eine Einschränkung dieses Handels ausgesprochen haben. Herr Stadtrat Münsterberg erklärte, daß er in dein Schreiben nur seine persönliche Ansicht namentlich in Bezug auf die mit dem Handel verbundene Bettelei niedergelegt habe. Der Anttag der socialdemokratischen Stadtverordneten, das er- wähnte Schreiben den Mitgliedern der Armendirektion zugänglich zu machen und seinen Inhalt als besonderen Gegenstand auf die Taget- orbunng der nächsteil Sitzung zu setzen, wurde nach eingehender Debatte abgelehnt, nachdem vorher Stadtrat Münsterberg erklärt hatte, daß er, Ivenn er vom Magistrat Einladung erhalteil würde, seine Ausführungen in dem in der Angelegenheit des Straßenhandels eingesetzten Ausschuß wiederholen, also bekunden würde, daß er nur rein persönlich an den Polizeipräsidenten geschrieben habe. Mit dieser Darlegung erklärte sich die Mehrheit der Direktion ein- verstanden. Ferner beschäftigte sich die Armendirektion mit der Neuregelung des A r m e n a r z t tv e f e n s. Allgemein winde Klage darüber ge- führt, daß die Aerzte überlastet seien, wodurch sowohl diese als auch die armen Kranken zu leiden hätten. Die von der Subkommission empfohlene Neneinteilung der Medizinalbezirke wurde angenommen; es sollen hiernach 34 neue Mediziualbezirke gebildet werden, sodaß die Zahl der Bezirke sich auf 131 stellen wird. Unsre Partei- genossen erklärten, daß ihnen diese Einteilung nicht weit genug ginge, sowie daß sie ferner auch die Frage der freien Aerztewahl näher erörtert haben wollten und bei der Beratung der Denkschrift im Plenum der Stadtverordneten-Versammluug hierauf zurückkommen würden. Das Gehalt der Aerzte ivurde einheitlich auf 1600 M. festgesetzt. Nunmehr soll dem Magistrat und der Stadtverordneten- Versanimlung die Denkschrift über die Besoldung und Stellung der Armenärzte zugehen. Ein Antrag unsreS Parteigenossen Hintze, den 83. Mediziualbezirk sofort zu teilen, wurde augenoinnien. Der neue Stadttat. Der Stadtverordneteu-Ausschuß zur Vor- bereitung der Wahl eines unbesoldeten Stadtrats hat am Dienstag- abend unter dem Vorsitze des Stadtverordneten-Vorstehers Dr. Langer- Hans einstimmig beschlossen, der Stadtverordiieten-Bersaminlung die Wahl des Stadtverordneten Kaufnlann I. Maas, Hildebrand- straße 24. zu empfehlen. In der nächsten Sitzung soll Bericht er- stattet und dann in der folgenden Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung die Wahl vorgenommen werden. Herr Maas ist 60 Jahre alt und seit vier Jahren Stadtverordneter. Er vertritt im 7. Gelneinde-Wahlbezirk die erste Abteilung, wo für den Rest der Wahlperiode, d. h. bis Ende 1903, eine Ersatzwahl stattfinden muß. In weiteren Kreisen ist Maas durch seine Thätigkeit als Beisitzer beim Berliner Gewerbegericht bekannt. In der Feststellungsklaiie der Stadt Berlin gegen die„Große Berliner" ist der zweite Termin für Montag, den 20. d. Nt., an- beraumt. Wie erinnerlich, hat die Stratzenbahnverwaltung erst un- mittelbar vor der ersten Verhandlung eine ausführliche Klage- beantwortung eingereicht und dadurch eine Verzögerung herbei- geführt. Das Gericht konnte nun nicht mehr an die endgültige Entscheidung des Streitfalles gehen, sondeni war gezwungen, eine angemessene Frist zum Studium der Erwiderung der„Großen Berliner" für sich wie fiir den Vertreter der Berliner Stadtverwaltung festzusetzen. Am 20. d. M. soll, wie man erwartet, eine materielle Entscheidung fallen, die aber den Rechtsstreit kaum erledigen dürfte, da die unterliegende Partei jedenfalls eine höhere Instanz anrufen lvird. Eine längere Erklärung gegen die vom Stadtverordneten Cassel in der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung gehaltene Rede hat die Direktton der Sttaßenbahn gestern der Presse zugesandt. Die Direktion verwahrt sich gegen die Worte des Herrn Cassel, daß sie hinter dem Rücken der Stadt die Konzession bis 1949 zu erwerben gewußt habe, mit der bezeichnenden Ent- gegiumg, daß zu einer solchen Mitteilung nicht der geringste Anlaß vorgelegen habe. Irrtümlich sei die Behaupttmg, daß Herr Ministerialdirektor Micke vier Wochen vor der am 4. Mai 1900 er- teilten Verlängerung der Konzcssion in den Vorstand der Ge« sellschaft eingetreten sei; er gehöre dem Vorstand bereits seit No- vember 1898 an. Eine» ganz ungeheuerlichen Fall von Mifthandlung auf de« Polizeiwache veröffentlichen zwei Kausleute in der„Zeit am Montag". Die Herren Uhlig und Schneidler, Inhaber der Firma tlhlig u. Co. in der Fricdrichstr. 103, schreiben dem genannten Blatt: In der Nacht vom 30. auf 31. Mai dieses Jahres kamen wir von Wcitzcnsce und entstiegen einer Droschke am Prenzlauer Thor, Während unser dritter Begleiter weiterfuhr, gingen wir die Loth- ringersttaße entlang. In der Angermünderstraße glaubte ich(Fritz lihlig) auf der anderil Seite der Lothriiigcrstraße einen Menschen ivicderzucrkenncn, welcher mir vor einigen Wochen meinen wertvollen; Elfcnbeinstockgrisf(Erbteil meines Vaters) entwendet hat. Um den Betreffenden zu belangen, forderte ich den dort postierten Schutz- mann auf, den Herrn festzustellen. Ter Schutzmann gab mir zur Antwort:„Sind Sie ruhig, sonst bringe ich Sie zur Wache!" Hierüber empört, bat ich um die Nummer. Statt der Antwort packte mich derselbe am Kragen und erklärte mich nebst meinem Begleiter arretiert. Wir forderten ihn auf, mich sofort loszulassen, dies that er und zog blank, mit dem Bemerken:„Wehe, wenn Sie ausreitzenl" Wir folgten ohne weiteres. Kurz vor der Zchdenickerstraße rief der Schutzmann einen auf der andern Seite herumlungernden Menschen zu sich mit dem Bemerken:„Sie gehen mit, als mein Zeuge!" Auf der Wache angekommen, legitimierten ivir uns. Trotzdem wurden wir für„v e r k a p p t e L u d e w i g S" erklärt. Ueber diese Behandlungsweise empört, forderte ich nun nochmals die Numnier des Schutzmanns und erhielt als Antwort einen kräftigen F a u st s ch l a g von einem andern Schutzmann inS Gesicht, wurde sofort von mehreren festgehalten, die Hände wurden mir hinten geschloffen und unter Schlägen wurde ich ins Arrestlotal geworfen. Auf mein Klopfen mit den Füßen öffnete man, drückte mich erst noch einmal kräftig aii> die Wand, führte mich heraus, ent- fesselte mich und wollte mich mit meinem Begleiter entlassen. Wir forderten den Wachhabenden auf, den Reviervorstand oder wenigstens einen Wachttneister zur Stelle zu bringen, daß diese sich von der Mißhandlung überzeugten. Dies wurde uns höhnend abgelehnt. Wir baten um die Nummer der Schutzleute, welche mich mißhandelt hatten, um Begleitung eines Beamten nach dem Prä- sidium, um dort vorstellig zu werden. Auf dem schnellsten Wege wurden wir aus dem Wachlokal hinausgebracht. Bor der Thür sagte ich(Uhlig) zu meinem Begleirer:„Na. den Burschen müssen wir's aber doch besorgen!" Im Nu fielen drei Schutzleute, einer in voller Uniform, einer in Litewka, ohne umgeschnallt zu haben, und einer in Hemdärmeln über mich(Uhlig) her, würgten mich nach dem Hausflur, schloffen hinter sich die Thür, so daß mein Begleiter Schneidler draußen stehen bleiben mußte. Man schleppte nüch unter Schlägen wieder nach dem Wachlokal, fesselte meine Hände auf dem Rücken, warf mich zu Boden und behandelte mich mit Schlägen und Fusitritten. Ich blutete iiber und über, indem ich auf dem Gesicht lag. In diesem Zustande mußte ich Reue bekennen und mich verpflichte», dir Sache totzuschweigen. Ich habe eine' Zeit lang bewußtlos geknebelt auf dem Fußboden gelegen. Mit der größten Anstrengung mutzte ich mich von dem Fußboden erheben und wurde blutend, unter Hohn und unter den größten Schimpf- Worten, wieder in dieselbe Zelle geworfen, in Ivelcher ich zuvor gesteckt hatte. Tann hörte ich klingeln, und ein leises:„Pst, Vorsicht!" Nach einiger Zeit wurde geöffnet, und ich bat um Waschwasser. Dieses reichte mir ein Schutzmann in einem hinteren Zimmer zweimal, auch gab er mir Uhr und Kette in defektem Zu- stände zurück, deren Abhandenkommen ich nicht gemerkt hatte. Ich wurde dann entlassen. Am nächstfolgenden Tage nachmittags 5 Uhr ging mein Begleiter Schneidler mit meinem Angestellten zum Revier 50, Christinenstratze, demselben Revier, wo sich die ganze Sache abgespielt hatte, sie verlangten den Reviervorstand zu sprechen und baten um die Namen der Beamten, die in der fraglichen Zeit Dienst gehabt hatten; jedoch gab sich der Polizeilieutcnant den An- schein, als wenn er von der ganzen Sache noch nicht orientiert sei, und gab die Namen der Beamten nicht bekannt, dieselben erfuhren wir dann erst im Bureau der 8. Hauptmannschaft, Belforterstt. 4. Bis heute fehlt noch ein abhanden gekommenes Portemonnaie mit 370,60 M., über dessen Verbleib noch keine Ausklärung vorliegt. Früher waren Mißhandlungen auf Polizeiwachen ja nicht? Seltenes. In dem bekannten Polizeibeleidig ungs- Prozeß im Oktober 1898, in welchem unser Parteigenoffe S t a d t h a g e n sich durch Eiuhiillimg cnrseylicher Wahcheiten ein ghnliK ücheF Berdienst erworben hgt wie der Bergmann Krämer 5n dem jetzt in Saarbrücken beendeten Beleidi�ungsvrozetz, wurden ja eine ganze Reihe grauenhafter Mißhandlungen durch tgeugencid erwiesen. Seitdem sieht es so aus. als ob auf den Berliner Polizeiwachen eine m e n s ch l i ch e r e Behandlung des Publikums Platz gegriffen hätte. Um so befremdlicher nehmen sich die Mitteilungen der Herren Uhlig und Schneidlcr aus, denn wenn die von ihnen erzählten Dinge sich Ivirklich ereignet haben, dann gehören die an den Mißhandlungen schuldigen Beamten ins Z u ch t h a u s. Man darf wohl annehmen, daß der Polizei- Präsident jetzt den einzigen zur Ermittelung der Wahrheit gangbaren Weg einschlägt und den beiden Herren Gelegenheit giebt, mit ihrem Zeuge neide vor Gericht für die Richtigkeit ihrer Darstellungen einzustehen. Die Autorensteuer ungültig. Eine wichtige Entscheidung hat die Cibilkammer des Landgerichts I in Sachen der Autorensteuer ge- troffen. Wie bereits seiner Zeit mitgeteilt, hatte der Besitzer der Deutschen Konzert-Hallen an der Spandauer Brücke, Preilipper, die Zahlung der Autorensteuer, zu der er sich vertraglich verpflichtet hatte, verweigert. In dem Termin vor dem Amtsgericht machte der Berklagte geltend, daß er die Weiterzahlung der eingegangenen Pauschalbeträge für die Autorensteuer verweigere, weil er durch Vorspiegelung falscher Thatsachen zum Abschluß des Vertrages ver- anlaßt worden sei. Das Amtsgericht wies den Einwand zurück nnd betrachtete die Erhebung der Autorenstcuer als zulässig. Gegen diese Entscheidung legte der Beklagte bei dem Landgericht I Be- rufung ein. In der Berufungsschrift wurde darauf hingewiesen, daß die Konzerthallen-Besitzer resp. Kapellmeister keine Liste der- jenigen Tonstücke erhalten, welche der Autorensteuer unterliegen und daß die Kontrahenten nur verpflichtet seien, regelmäßig eine Liste der Tonstücke, welche bei ihnen aufgeführt würden, bei dem Autorenverbande einzureichen. Nach den Ergebnissen der Listen sollte die Verteilung der Steuereingänge an die dem Verbände an- gehörenden Komponisten erfolgen. Thatsächlich würden jedoch die Listen von den Konzerthallen-Besitzern nicht eingereicht, und es sei aus diesen Gründen eine ordnungsmäßige Verteilung der Steuev- ertrüge nicht gut denkbar. Das Landgericht hat sich dieser Auf- fassung des Beklagten angeschlossen. Es stellte fest, daß der Vertrag ungültig sei, weil er für den beklagten Kontrahenten nur Pflichten und keine spccialisierten Rechte enthalte und wies die Kläger unter Aufhebung der Vorentscheidung des königlichen Amtsgerichts ab. Hiermit ist der Kanipf um die Autorcnsteuer endgültig entschieden, da das Landgericht in der Klagesache die letzte Instanz bildet. Herr Preilipper hat auf Grund dieser Entscheidung sofort die Klage auf Rückzahlung �er bisher gezahlten monatlichen Pauschalsteuerbeträge gegen den Autorenverband angestrengt. Die Stadtverordneten- Versammlung hat sich in ihrer Sitzung am Donnertagnachmittag 5 Uhr unter andcrm mit folgenden Gegenständen der Tagesordnung zu befassen: Berichterstattung über die Vorlage betreffend den Verkauf des Gaswerksgrund- st ü ck s an der Kaiser-Allee zu Friedenau.— Vorlage, betreffend die Bewilligung von Mitteln zu einer Studienreise,— Beantwortung 'der Anfrage von Mitgliedern der Versammlung betreffend die Ver- hütung unberechtigter Verwendung von städtischen Mitteln.— Borlagen betreffend die Errichtung eines Robert Zelle-Denkmals im Victoriapark,— die Annahme der Erbschaft der Witwe Albertine Kittel, geb. Cuno,— die Verwaltung des Gutes Albertshof bei Rüdnitz im laufenden Etatsjahre.— die Festsetzung von Bauflucht- tinien auf einem Teil des Geländes des Platzes dl in Abteilung XI des Bebauungsplanes,— die Erwerbung einer zur Freilegung der Hufelandstraße erforderlichen Fläche des Klugeschen Grundstückes.— den Grundstücks-Erwerbungsfonds,— den Erwerb des von dem Grundstücke Linienstr. 51/Lothringerstr. 74 zur Freilegung der Lothringerstraße erforderlichen Landes.— den Verkauf einer Dampfwalze und die Enteignung des Grundstückes Reinickendorfer- sttaße 52 sowie eines zur Straße 64. Abteilung X', erforderlichen Grundstückes.— Berichterstattung des zur Vorbereitung der Neu- Wahl eines unbesoldeten Stadtrats eingesetzten Ausschusses. Der Totschlag an dem Italiener Baldi. Ein Lokaltermin in Sachen des Totschlages an dem Italiener Baldi hat in einem Re- staurant in der Waldstratze zu Reinickendorf stattgefunden. Wie noch erinnerlich sein dürfte, hatten die in der Waldstratze 66 in Reinickendorf wohnenden Brüder Gustav und Johann Trczinski in der Nacht vom 29. zum 39. Mai mit dem Italiener Enrico Baldi in einem Tanzlokal Streit bekommen, waren ihm auf das freie Feld gefolgt und hatten ihn dort erstochen. In dem Lokaltermin gestand nun der jüngere Bruder, der Schlächter Johann Trczinski, den Italiener getötet zu haben. Während sein Bruder den auf dem Boden Liegenden mit einem Säbel bearbeitete, den er sich von seiner Frau durch das Parterrefenster seiner in der Nähe gelegenen Wohnung hatte reichen lassen, sei er hinzugesprungen und habe dem Italiener die Messersttche versetzt, die den Tod herbeigeführt hätten. Die Brüder wurden nach beendetem Termin wieder nach dem Moabiter Untersuchungsgefängnis zurückgebracht. Ein Zusammenstosi zwischen eiiiem elektrischen Straßenbahn- tvagen und einem Postpaket-Transportwagen verursachte gestern nachmittag an der Dreifaltigkeitskirche eine Verkehrsstörung und führte auch zu einer Alormierung der Feuerwehr. An der Kreuzung der Kanonier- und Mohrenstraße versuchte ein mit Postpaketen voll beladener Postwagen, noch vor einem elekttischen Straßenbahnwagen das Geleise schnell zu passieren. Das gelang ihm aber nicht, er wurde vielmehr von dem Straßenbahnwagen erfaßt, und zwar mit solcher Gewalt, daß die Pakete, die auf dem Verdeck lagen, in weitem Bogen aus den Straßendamm geschleudert wurden und das eine Hinterrad völlig zertrümmert wurde. Auch der Postillon wurde vom Bock geschleudert, fiel aber zu seinem Glück auf die zahlreichen Pakete, die den Damm besäten.und kam so mit dem bloßen Schreck davon. Der Postwagen lag nun quer über den Schienenstrang der Straßenbahn und hemmte so den Verkehr. Da alle Versuche, ihn vom Geleise zu schleifen, nicht gelingen wollten, so requirierte man die Feuerwehr. Der 19. Löschzug aus der Mauerstraße beseitigte dann das Verkehrshindernis in kurzer Zeit. Die Pakete wurden später auf einem andern Postwagen weiter befördert. Schuß auf einen Zug. Auf den Montagabend 19 Uhr 19 Minuten von Wittenberge nach Berlin abgehenden Schnellzug wurde nach der„Germania" kurz hinter Neustadt a. D. ein Schuß abgegeben, der leicht großes Unheil hätte zur Folge haben können. Die Kugel zertrümmerte ein Fenster des Schlußwagens dritter Klasse, streifte einen Redatteur der„Germania" hart am Kopfe und flog an einem andern Fahrgast, der an dem geöffneten Fenster der gegenüberliegenden Wand stand, vorbei ins Freie hinaus. Vermißt wird seit Montagnachmittag 2 Uhr die dreijährige Therese Rüge aus der Tauroggenerstr. 19 in Charlottenburg. Das Kind entfernte sich von dem Platze, wo es mit andren Kindern spielte und ist seitdem verschollen. Die Vermißte ist grau gekleidet, trägt eine rotweiße Schürze und pflegt den Sttohhut hinten über- hängen zu lasseii. Ein großer Tachstuhlbrand kam Dienstagabend gegen 7 Uhr in der Behrenstr. 7 zum Ausbruch und beschäftigte die Wehr über L Stunden. Auf noch nicht ermittelte Weise entstand das Feuer auf dem Boden des rechten Seitenflügels, fand an dem in den zahl- reichen Bodenkammern aufgestapelten Gerümpel und altem Hausrat der Mieter überreiche Nahrung und wurde erst bemerkt, als gegen 7 Uhr plötzlich helle Flammen aus dem Dache schlugen. In wenigen Minuten war der große Hof in dichten Rauch gehüllt. Als auf den ersten Alarm hin der 19. Löschzug aus der Mauerstraße am Brand- platze eintraf, bildete bereits der gesamte Dachstuhl des rechten Seitenflügels ein einziges Flammenmeer. Brandmeister v. d. Schulenburg ließ sofott eine Dampsspritze in Thätigkeit treten und an der Häuserfront auf der Sttaße eine große mechanische Leiter errichten. Inzwischen war auch auf einen zweiten Alarm der 17. Löschzug aus der Hauptfeuerwache eingetroffen. Von ver- schicdeneii Seiten aus wurde nun mit drei Schlauchleitungen gegen den Brandherd vorgegaitgen. Immerhin dauerte es doch fast eine Stunde, bevor die Gefahr beseitigt war, denn immer wieder züngelten neu angefachte Flammen empor. Der größte Teil des rechten Seitenflügels ist vernichtet und der entstandene Schaden daher er- heblich. Auch die Mieter der vierten Etage haben durch Wasser stark gelitten. Fenerbcricht. Ein größeres Feuer kam in der Nacht zum Dienstag in der Fennstr. 21 zmn Ausbruch und beschäftigte die Wehr lange Zeit. Dort befinden sich die Eisenwerke der Gebrüder Arndt, G. m. b. H., und zwar liegen die Eisengießereien im Erd- gcschoß. In diesem entstand das Feuer auf noch nicht ermittelte Weise und wurde erst bemerkt, als helle Flammen aus den Fenstern schlugen. Die vierte Compagnie der Wehr fand daher bei ihrer Ankunft schon einen weiter vorgeschrittenen Brandherd vor und setzte sofort mehrere Schlauchleitungen in Thätigkeit. Obwohl nun von verschiedenen Seiten aus vorgegangen wurde, dauerte es doch ge- räume Zeit, bevor die Gefahr beseitigt war. Der entstandene Schaden ist beträchtlich, da auch die Decke zum ersten Stock größten- teils vom Brande erfaßt war und aufgerissen werden mußte.— Dienstagvormittag gegen 19 Uhr wurde die Wehr nach der Leipziger- stratze 73/74 gerufen, weil hier durch Ueberkochen von Leim im zweiten Stock in der Schirmfabrik der Gebrüder Hammerschlag ein Brand entstanden war. Der 17. Löschzug konnte die Gefahr leicht beseitigen.— Auf dem Anhalter Güterbahnhof hatten sich Kohlen von selbst entzündet; die Ablöschung nahm lange Zeit in Anspruch.— Außerdem liefen in den letzten 24 Stunden noch aus der Körner- stratze 26, Landsbergerstraße 38 und noch aus verschiedenen andren Orten Alarmierungen ein, doch handelte es sich in allen diesen Fällen um Brände, die von Hausbewohnern bereits gelöscht waren, und ein sonderliches Eingreifen der Wehr nicht mehr erforderten. Urania. Das rege Interesse an den radioaktiven Stoffen, das sich auch jetzt noch in vielen Anfragen an die Urania kundgiebt, ver- anlaßt Herrn Dr. Donath am Sonnabend, den 13. d. Mts., noch- mals über das„Radium" zu sprechen. Der Vortrag findet im Hör- saal der Urania in der Taubenstraße statt.— Im wissenschaftlichen Theater wird bis Mittwoch dieser Woche einschließlich der Vortrag „Die Insel Rügen" wiederholt und am Donnerstag, Freitag und Sonnabend der Vortrag„Von der Zugspitze zum'Watzmann". „Freie Fortbildungskurse für Arbeiter", veranstaltet von der Wildenschaft. Techn. Hochschule. Berlin. Mittwoch, den 15. Jnni, abends 8 Uhr, wird Herr Dr. Hirschberg über das deutsche Volkslied in der Aula der Charlottenburger Oberrealschule, Schloßstr. 27, sprechen. Eintrittskarten zu 19 Pf. lAbonnement auf sämtliche Vor- träge 59 Pf.) sind an der Abendkasse erhältlich. ßus den Nachbarorten. Schmargendorf. Die Parteigenossen werden hiermit auf das am Sonnabend im Restaurant Sanssouci stattfindende S t i f t n n g§- fest des Wahlvereins aufmerksam gemacht und gebeten, sich mit ihren Familien, Freunden und Bekannten recht zahlreich daran zu beteiligen. Für gute Unterhaltung(unter Mitwirkung des Gesang- Vereins Oranienburger Vorstadt, humoristische Vorträge, Verlosung:c.) ist bestens gesorgt. Die Festtede hält Reichstags-Abgeordneter Genosse Fritz Zubeil. Wcißeusce. Auf den heute abend bei Enders stattfindenden Lichtbilder-Vortrag des Herrn Dr. Osborn weisen wir hiermit hin. Des interessanten Vortrags halber erwarten wir zahlreichen Besuch. Eintrittskarten a 19 Pf. in den mit Plakaten belegten Handlungen. Der Vorstand. Schönebrrg. Ein beschämendes Zeugnis stellten sich die Arbeiter Schönebcrgs bei der heuttgen Stadtverordneten-Ersatzwahl im neunten Bezirk aus, indem sie für ihren Kandidaten Genossen Däumig nur 333 Stimmen aufbrachten. Der bürgerliche Gegen- kandidat Dr. Freund ging dank der Lässigkeit der Schöneberger Arbeiter mit 536 Stimmen als Sieger aus dem Wahlkampfe hervor. Wir werden morgen ausführlich auf diese Wahl zurückkommen. Obcr-Schöneweide. Am Sonntagvormittag erttank in der Spree unweit Tabberts Waldschlößchen beim Pferdeschwemmen der 2Sjährige Kutscher Koppen,' der beim Fuhrherrn Wanzlick beschäftigt war. Seine Leiche lvar am Montag noch nicht gefunden.— Einen Krämer- standpunkt nehmen hiesige Kleinhändler durch eine an die Gemeinde- Vertretung gerichtete Petition ein, in der ersucht wird, den hier zwei- mal in der Woche stattfindenden Markt einzuschränken. Die Herren glauben offenbar, dann um so ungestörter die Preise ihrer Waren in die Höhe schrauben zu können. Die Gemeindevertretung wird hoffentlich dies Ansinnen richtig zu würdigen wissen. Tie Obduktion der Leiche des städtischen Tepositalkassen- Rendanten Ferdinand Grüß in Charlottenburg ist im Schauhause auf Westend durch den.Kreisarzt Medizinalrat Klein vorgenommen worden. Im Gegensatz zu den bisherigen A.'.nahmen ist man auf Grund der Obduktion zu der Ueberzeugnng gelangt, daß der Too durch eine Schädel- und GeHirnverletzung, die durch einen Schuß beigebracht wurde, zurückzuführen ist. Danach würde, was man jetzt in amtlichen Kreisen als sicher betrachtet, Selbstmord vorliegen. Ten Anlaß zu dem Selbstmord haben, wie es scheint, die unglücklichen Familienverhältnisse des Verstorbenen gegeben; trotz seines guten Einkommens soll er mit finanziellen Schwierigkeiten gekämpft haben. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft zur Beerdigung frei- gegeben worden._ Genchtö-Zeitung. Der Pommernbank-Prozeß scheint nunmehr langsam seinem Ende entgegen zu gehen. Der größte Teil der von den Verteidigern gestellten Anträge ist durch die Beweisaufnahme bereits erledigt, der Rest wird voraussichtlich am Donnerstag durch die Gutachten der Bücherrevisoren H u s ch k e und Kruse erledigt werden können. An den letzten zwei Verhandlungs- tagen stand im ivesentlichen die Nachtragsanklage zur Erörterung. Die Staatsanwaltschaft steht aus dem Standpunkte, daß sich die Angeklagten Schultz und R o ine ick durch die ihnen vorgeworfenen Handlungen einer fortgesetzten� Untreue und einer fortgesetzten Bilanzverschleierung in idealer Konkurrenz mit Bettug schuldig ge- macht haben. Die Staatsanwaltschaft macht nunmehr infolgedessen auch diejenigen von der Staatsanwaltschaft als Untteue angesehenen Handlungen zum Gegenstande der Anklage, welche vor dem Jahre 1396 liegen und rechnet hierhin die Beleihung des Gutes K a u k e r n und einige gleich nach Gründung der Jmmobilien-Berkehrsbank be- gangene Handlungen der Angeklagten, über welche erst neuere Untersuchungen Klarheit geschaffen haben. Längere Erörterungen verursachte die Beleihung von Kaukern. Der Angeklagte Romeick hat einen Bruder Paul Romcick, dem bis zum Jahre 1894 das Gut Kaukern im Kreise Jnsterburg gehörte. Paul Romeick hatte eine erhebliche Summe als Kaufpreis bezahlt, seine Barmittel reichten aber nicht aus, um das ziemlich devastierte Gut mit allen nötigen Bauten zu versehen, den Viehbestand zu komplettieren usw. usw. Schließlich stand er vor der Gefahr, in Konkurs gehen zu müssen und da er als Reserveoffizier diese Eventualität unter allen Umständen vermeiden wollte, so wandte er sich an seinen angeklagten Bruder und dieser schloß mit ihm einen mündlichen Vertrag dahin: Der Angeklagte kaust Kaukern zu einem nicht in einer bestimmten Zahl festgesetzten Preise. Er übernahm selbstschuldnerisch die eingetragenen Hhpo- theken mit 294 799 M., sowie die persönlichen Schulden seines Bruders im Betrage von etwa 18 999 M. Der letztere sollte das Gut weiter bewittschaften und als Entschädigung alles behalten, was er über die Imsen der von dem Angeklagten in das Gut hinein- gesteckten Kapitalien herauswittschaftcm würde. Auch sollte er jeder- zeit das Recht haben, das Gut gegen die von dem Angeklagten hinein- gesteckten Kapitalien zurückzukaufen. Als Paul Romeick seine Stellung aufgab, trat der Verwalter Kahsnitz an seine Stelle. Tie zur Uebernahmc des Gutes erforderlichen Mittel besorgte sich der Angeklagte Nomeick im Einverständnis mit Schultz aus der Pommern- bänk, indein K auf Kauketn leine Grundschuld von 369 999 M. st» sich einttagen ließ und diese im September 1894 ohne Umschreibung im Grundbuche an die Pommernbank cedierte. Als Grundlage für die Beleihung mußte der Pommernbank eine am 1. Juli 1894 durch Paul Nomeick aufgenommene Taxe dienen, welche mit 546 697 M. auslief. Die Staatsanwaltschaft sieht in diesem Geschäfte eins Untreue, einerseits wegen des Risikos ländlicher Beleihungen, ander- seits weil Kaukern nicht einen so hohen Wert habe, um eine Be- leihung mit 369 999 M zu rechtfertigen. Ans den Rat des Ver- Walters Kahsnitz hat Angeklagter Romeick im Jahre 1999 von dem im ganzen 335,82,57 Hektar großen Gute 113,69,79 Hektar an ver- schiedene kleine Besitzer für etwa 56 999 M verpachtet. Davon sind an den Kreis Jnsterburg 18 259 M. für Bahnbau gegeben, ivogegen dieser zwei für das Gut wertvolle Eiscnbahnhaltestellen auf Kaukern bewilligt und gebaut hat. Wie die Anklage behauptet, habe Romeick, um den pfandfreien Berkauf der Parzelle» bewirken, die Beleihung aber in alter Höhe behalten zu können, der Pommernbank eine neue Taxe des Restgutes Kaukern beigebracht, welche die Beleihung von 369 999 M. für dieses rechtfertigte. Diese Taxe sei von den An- geklagten Bold und Heinel aufgestellt worden, angeblich„nach er- folgter Besichtigung", während eine solche nicht stattgefunden habe. Ueber den Wert von Kaukern und die bei der Beleihung ob- waltenden Verhältnisse erhoben sich lebhafte Debatten. Der An- geklagte Romeick bestritt, daß die Pommernbank durch diese Beleihung irgendwie habe gefährdet werden können und suchte nachzuweisen, daß das Gut einen Wert von über 459 999 M. für ihn gehabt habe. Er ließ sich durch den Verwalter Kahsnitz bestätigen, daß die Zinsen aus Kaukern meist herausgewirtschäftet worden seien und sich in einigen Jahren sogar nicht unerhebliche Ueberschüsse ergeben haben. Der Angeklagte Romeick habe alle Ueberschüsse stets wieder zu Ver- besserungen des Gutes benutzt. Er hat das Gut ausgebaut, ge- mergelt und drainiert, eine Dampsmeierei, eine Ziegelei und eine Schneidemühle erbaut usw. usw. Nach dem Zeugnis des Verwalters Kahsnitz haben die finanziellen Schwierigkeiten in Kaukern erst be- gönnen,' als der Angeklagte Romeick verhaftet worden war. Zu dieser Gutsgeschichte wurden außer dem Zeugen Kahsnitz auch noch der Bruder des Angeklagten, Paul Romeick, und der Kaufmann Otto Marschall vernommen. Letzterer hatte während der Unter- suchungshaft des Angeklagten für diesen alle Ausgaben, welche die Haft, die Unterhaltung der Villa, der Haushalt, Gehälter, Löhne usw. während zweier Jahre erforderten, geleistet und sich dadurch gedeckt, daß er sich einen Wechsel ausstellen ließ und neuerdings daraufhin Pfändungen auf Kaukern bewirkte. Als die Bank dieses erfahren, hat sie nach dem Zeugnis des Prokuristen Herwege 29 999 Mark von ihrer Grundschuld eingeklagt und das Gut unter Zwangs- Verwaltung stellen lassen.— Trotz aller Gcgenausführungen der Angeklagten und der Verteidiger verblieb Staatsanwalt Beeck bei seiner Ansicht, daß dieses ganze Geschäft eine Untreue gegen die Pommernbank darstelle._ Freigesprochen von der Anklage des fahrlässigen Meineides in drei Füllen wurde vom Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt der Fußgendarm Friedrich Park ans Küllstedt bei Mühlhaufen. Der Angeklagte hatte im November v. I. drei Fuhrleute angezeigt, weil sie ihre Wagen unbeleuchtet auf der Straße hatten stehen lassen. Die Bestraften wurden auf eingelegte Berufung vom Schöffen- gericht freigesprochen, weil sich herausstellte, daß ihre Wagen nicht auf der Straße, sondern auf einem Wiesenplan gestanden hatten. Dasselbe behaupteten auch vorgestern sieben Zeugen, trotzdem konnte sich das Gericht von der Schnid des Angeklagten nicht überzengcn. Der Vertreter der Anklage hielt den Thatbestand für erwiesen und beantragte drei Wochen Gefängnis. Vermischtes. Zur Konitzer Angelegenheit. Die verschiedenen und zum Teil sich sehr widersprechenden Meldungen über neue Ermittelungen in Sachen des ermordeten Winter werden jetzt, wie es scheint, durch neues Vorgehen des Gerichts zu Könitz bestättgt. Wie berichtet wird. fanden Sonnabend in Könitz in der Mordangelegenheit lange Ver- höre der Frau Roß, der Frau Berg, des Ehemannes Berg, der un- verehelichten Rotz, des Gastwirts Heinrich und der Frau Schneider- meister Plath statt. Hauptbeschuldiger der Familie Berg soll, wie das„Konitzer Tageblatt" meldet, der Arbeiter Masloff sein. Frau Berg soll mit Winter engen Verkehr gepflogen und der Ehemann Berg im Zorn darüber Winter getötet haben. Die Beschuldigung laute auf vorsätzliche Tötung. Die Verhöre dauerten von morgens bis spät abends.— In einer andern Sache wurde Frau Roß Mon- tag von der Strafkammer wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Verhaftung und Selbstmordversuch eines Offiziers. Unter dem Verdacht der Unterschlagung und der Wechselfälschung wurde der Lieutenant Armin Venns vom 9. Jnfanterie-Regiment in Zwickau in seiner Wohnung verhaftet und nach Chemnitz, wo sich das Militär- Untersuchungsgefängnis befindet, übergeführt. Auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof ertönte kurz vor Abgang des Zwickau— Reichenbacher Personenzuges ein Revolverschuß. Man forschte sofort nach und fand in einent automatisch verschließbaren Abteil der Klosettanlagen den Verhafteten mit durchschossenem Kopfe bewußtlos am Boden liegend, die Waffe daneben. Nach Anlegung des ersten Notverbandes wurde der Schwerverletzte nach dem Garnisonlazarett übergeführt. Ueber einen Raubmord wird aus Köln berichtet: Ein in Liblar beschäftigter junger Mann aus Köln wurde am Montagabend auf dem Heiniwege kurz vor Weilerswist, wo jüngst die Gastwirts- witwe Gottlob ermordet wurde, von einem Unbekannten aus der Waldung heraus mittels zweier Revolverschüsse niedergestreckt. Der Raubmörder sprang hinzu, plünderte den tödlich Verletzten vollständig aus und überließ rhu feinem Schicksal. Der Verwundete wurde später aufgefunden und sterbend dem Kölner Hospital übergeben. Deutscher Zlrbeiter-Abstinenteu-Bund, Ortsgruppe Berlin. Mitt- woch, den 15. d. At., abends 8'/, Uhr, im„Englischen Garten", Sllexander- strafee 27c: Mitgliederversammlung. Landsmannschaft der Tchleswig-Holsteincr. Mittwoch, 15. Juni, abends 8>/z Uhr: Versammlung in G. Feuersteins Festsälen, Alte Jakob- stratze 75. Landsleute, Damen und Herren, sind willkommen. Eentralverein der Bureau-Angeftellten Deutschlands(Mitglied- schast Berlin). Donnerstag, den 15. Juni, abends 8ß, Uhr, in Mendts Klub» haus, Königsgrabeu 14a': Agitations-Vcrsammlung. Tagesordnung: Die rechtliche Stellung der Bureau-Angestellten. Eingegangene Druckschriften. Geschichte des konsnmgenossenschaftlichen Großeinkaufes tu Deutschland. Festschrist zum 1. ordentlichen Genossenschaststag des Central- Verbandes deutscher Konsumvereine und zur X. ordentlichen General- Versammlung der Grotzeinkauss- Gesellschast Deutscher Konsumvereine am 12. bis 17. Juni 1994 in Hamburg. Im Austrage der Grotzeinkauss-Gesell- schast deutscher Konsumvereine m. b. H.. Hamburg, bearbeitet und heraus- gegeben von Heinrich Kaufmann, Sekretär des Centtalverbandes deutscher Konsumvereine. Hamburg 1994. Verlagsanstalt des CcntralverbandcS deutscher Konsumvereine von Heinrich Kaufmann u. Co. «SitteruugSübersicht vom 14. Juni 1994, morgens« Uhr. Stationen h = 3 m~ Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien 765 765 764 791 765 764 - f .5 2 S« W V Still SO SO NO O NO Letter wölken! wölken! 1 heiter üwolkenl ftwolkenl Iwolkcnl «R «i?. #« 5 � H S: Stationen 23 o a Habaranda Petersburg Cork Werdeen Paris KS 764 N 762, NM 757« 763SO Z Setter 4 halb bd. 2 wolkenl 2 halb bd. liwolkcnl. .i. tiS. £•* tis 8 11 "l4 13 «Setter-Progiiose für Mittwoch, den IS. Juni 1904. Vorwiegend heiter und sehr warm bei schivachcn südöstlichen Winden. Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterbureau. GROSSE BERLINER STRASSENBAHN. Berlin, den 13. Juni 1904. Nach Berichten der Presse über die Verhandlungen der Stadtverordneten-Versammlung der Stadt Berlin vom 2. Juni d. J. hat Herr Stadtverordneter Justizrat Cassel bei der Beratung über den Bau und Betrieb neuer städtischer Straßenbahnen u. a. bemerkt, die Große Berliner Straßenbahn hätte sich seiner Zeit die Verlängerung der Konzession um 30 Jahre erschlichen. Der nunmehr erschienene„Amtliche stenographische Bericht" über jene Sitzung enthält diese Bemerkung dem Wortlaute nach allerdings nicht, dem Sinne nach kann ihr indes eine noch viel schlimmere Deutung gegeben werden, denn Herr Cassel hat gesagt:„Ein Kontrahent, der hinter unserm Rücken, ohne es uns zu sagen, die Verlängerung der Konzession zu erlangen gewußt hat, und der etwa 4 Wochen, bevor ihm das gelungen war, einen Ministerialdirektor a. D. an die Spitze der Verwaltung gestellt hat, einer solchen Gesellschaft gegenüber habe ich kein Vertrauen." Da diese Angaben die öffentliche Meinung irreführen müssen, sehen Aufsichtsrat und Vorstand der Großen Berliner Straßenbahn sich veranlaßt, nachdrückliche Verwahrung dagegen einzulegen. Vor allem ist es thatsächlich unwahr, daß der erwähnte Ministerialdirektor a. D. erst 4 Wochen vor der am 4. Mai 1900 erteilten Genehmigung in den Vorstand der Gesellschaft eingetreten ist, sein Eintritt erfolgte vielmehr bereits anderthalb Jahre früher, im November 1898. Im weiteren ist die Große Berliner Straßenbahn nur ihrer Pflicht nachgekommen, indem sie den Antrag auf Erteilung der staatlichen Genehmigung für ihr Unternehmen bis zum 31. Dezember 1949 stellte. Hiervon der Stadtgemeinde Berlin oder den übrigen 18 von der Großen Berliner Straßenbahn berührten Gemeinwesen vorher Mitteilung zu machen oder gar ihre Zustimmung nachzusuchen, lag nicht der mindeste Anlaß vor. Die Große Berliner Straßenbahn war nach dem Kleinbahngesetz verpflichtet, für die Einführung des elektrischen Betriebes vom Staate die Genehmigung, von den wege* unterhaltungspflichtigen Gemeinden die Zustimmung zur Benutzung ihrer Straßen nachzusuchen. Die Gemeinden, deren Weichbilder von der Großen Berliner Straßenbahn berührt werden, hatten'hre Zustimmung zur Benutzung der Straßen durch den elektrischen Betrieb für verschieden bemessene Zeiträume erteilt, so z. B. Berlin für 20 Jahre, die übrigen Gemeinden länger, zum Teil bis zu 60 Jahren. Daß die Große Berliner Straßenbahn mit andren Gemeinden Zustimmungsverträge mit zum Teil erheblich längerer Dauer abgeschlossen hatte und noch abschließen würde, war der Stadtgemeinde Berlin keineswegs unbekannt, denn bei der mündlichen Verhandlung am 13. Januar 1898 war uns auf eine Anfrage ausdrücklich erklärt worden, daß die Gesellschaft und die Vorortgemeinden in ihren Abmachungen über die Zustimmungsdauer nicht beschränkt seien. Im übrigen ist an die Zeitdauer des Straßenbenutzungsrechts die staatliche Genehmigungsbehörde bei Erteilung der Konzession nicht gebunden, sie kann vielmehr unabhängig hiervon die Genehmigungsdauer bestimmen, da für ihre Entschließungen lediglich öffentlich rechtliche Erwägungen maßgebend sind. Dazu kommt noch, daß im vorliegenden Falle die Anpassung der Konzessionsdauer an die verschieden bemessene Dauer der Zustimmungserklärungen der einzelnen Gemeinden völlig unmöglich gewesen wäre und den Absichten des Kleinbahngesetzes direkt widersprochen hätte. Denn die Linien der Großen Berliner Straßenbahn bilden ein einheitliches Bahnnetz, dessen Betrieb unmöglich nach den Weichbildgrenzen der berührten Gemeinden gestaltet werden kann. Die Festsetzung verschiedener Konzessionsfristen nach Maßgabe der Zustimmungserklärungen der berührten Gemeinden— schon damals lag über Vs des Netzes der Großen Berliner Straßenbahn in den Vororten— hätte aber das einheitliche Unternehmen auseinander gerissen und einen Zustand herbeigeführt, den das Gesetz ausdrücklich verbietet. Die von einem Unternehmen berührten Gemeinden dürfen nämlich keineswegs die in ihrem Bezirk belegenen Strecken an sich bringen, es ist vielmehr nur der Erwerb der Bahn im ganzen durch die Gesamtheit der beteiligten Gemeinden gestattet. Für die zwingende Notwendigkeit dieser Anordnung bietet gerade Groß-Berlin mit seinem Straßenbahnnetz einen schlagenden Beweis. Die Linien der Großen Berliner Straßenbahn verbinden Berlin mit den meisten Vororten, die mehrfach mit Berlin so eng zusammenhängen, daß sie äußerlich und in den beiderseitigen Verkehrsbeziehungen gar nicht als getrennte Gemeindebezirke hervortreten. Würde nun die Konzessionsdauer für solche Linien verschieden bemessen, so könnte z. B. die jetzt zwischen Schöneberg und Alexanderplatz verkehrende Straßenbahnlinie nach Ablauf einer kürzeren Konzessionsdauer für Berlin nicht mehr zwischen Berlin und Schöneberg durchgeführt, sondern nur bis zur beiderseitigen Weichbildgrenze betrieben werden. Aehnlich würden die Verhältnisse bei Charlottenburg, Tempelhof und bei allen denjenigen Vororten liegen, die zur Zeit durch ausgedehnte Durchgangslinien der Großen Berliner Straßenbahn mit Berlin und unter einander verbunden sind. Alle diese Betriebe müßten an der Weichbildgrenze Halt machen, es gäbe nicht mehr durchgehende Verkehrslinien für Groß-Berlin, sondern nur noch in Gemeindestrecken aufgelöste Ortsbahnen. Hiernach konnte die Dauer der staatlichen Genehmigung nicht von der Dauer der Zustimmungserklärungen der beteiligten 19 Gemeinden abhängig gemacht werden, sondern nur die Festsetzung eines für den Betrieb des gesamten einheitlichen Unternehmens gültigen Zeitraumes in Frage kommen. Die Gesellschaft hatte hierfür den Zeitraum bis zum 31. Dezember 1949 beantragt und dies unter Berufung auf§ 13 des Kleinbahngesetzes und der zugehörigen Ausführungs-Anweisung begründet. Danach kann die Genehmigung dauernd oder auf Zeit erteilt werden. Ob das eine oder das andre zu geschehen hat,„bleibt dem pflichtmäßigen Ermessen der zur Genehmigung zuständigen Behörde freigestellt. Bei Bemessung der Dauer einer zeitlich begrenzten Genehmigung ist außer auf den Zeitpunkt etwaiger Erwerbsrechte(§ 6) darauf zu sehen, daß die Dauer der Genehmigung ausreichend genug bemessen wird, um dem Unternehmen die Möglichkeit der Amortisation des Anlage- Kapitals zu gewähren". Es kam daher zunächst in Frage, ob der Stadfgemeinde Berlin ein derartiges kleinbahngesetzliches Erwerbsrecht an dem Unternehmen der Großen Berliner Straßenbahn' zusteht, auf das bei Erteilung der staatlichen Genehmigung hätte Rücksicht genommen werden müssen. Diese Frage war und ist zu verneinen. Bei den Verhandlungen mit der Stadt war der Großen Berliner Straßenbahn vom Magistrat(Städtischen Bau-Deputation) mit Schreiben vom 8. März 1895 ein Vertrags-Entwurf zugefertigt worden, der allerdings neben einem erst im Jahre 1942 platzgreifenden Heimfallsrecht des Bahnkörpers auch ein kleinbahngesetzliches Erwerbsrecht vorsah. Von diesem Erwerbsrecht wurde jedoch demnächst abgesehen und nur ein unentgeltliches Heimfallsrecht für den Bahnkörper im Jahre 1920 vorbehalten. Des weiteren kam nach den obigen Bestimmungen für die Festsetzung der Genehmigungsdauer die Möglichkeit der Amortisation des Anlagekapitals in Betracht. Und da konnte die Gesellschaft den einwandfreien Nachweis erbringen, daß die Amortisation des damals schon über 68 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals und des Obligationenkapitals von über 13 Millionen Mark bis zum Jahre 1920 unmäglich sein würde. Es kam hinzu, daß der vollständige Ausbau des Straßenbahnnetzes mit Sicherheit weitere nicht unerhebliche Mittel erfordern und Erhöhungen des Anlagekapitals notwendig machen würde. In einer dem Genehmigungsantrage beigefügten Berechnung war dieser weitere Bedarf auf über 30 Millionen Mark angesetzt, also eine Erhöhung des Aktienkapitals auf 100 Millionen Mark angenommen worden. Diese Erhöhung ist, wie bekannt, inzwischen auch eingetreten. Es leuchtet ein, daß die Amortisation eines solchen Betrages bis zum Jahre 1920 gänzlich ausgeschlossen sein mußte. Und dies haben denn auch die Genehmigungsbehörden gewürdigt. In der Sitzung des Hauses der Abgeordneten vom 22. Februar 1901 hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten ausdrücklich erklärt, daß der Großen Berliner Straßenbahn die staatliche Genehmigung bis zum 31. Dezember 1949 habe erteilt werden müssen, weil die Gesellschaft nicht erwarten könne, eine angemessene Amortisation ihrer Kapitalien in kürzerer Frist zu erlangen, und weil es im öffentlichen Interesse liege, die Genehmigungsdauer bis zum 31. Dezember 1949 zu erstrecken, um der Gesellschaft die sonst nicht vorhandene Möglichkeit zu gewähren, den Anforderungen des Verkehrs zu entsprechen. Daß einem Straßenbahnunternehmen die staatlicne Genehmigung auf längere Zeit und weit über die Zeitdauer der Zustimmungsverträge mit den Wege-Unternaltungspflichtigen erteilt worden, ist durchaus nichts Besonderes. So war z. B. schon vor unsrer Gesellschaft der Stettiner Straßenbahn die staatliche Genehmigung ebenfalls auf 50 Jahre erteilt worden, während der Zustimmungsvertrag mit der Stadtgemeinde Stettin nur 40 Jahre läuft. Die Magdeburger Straßenbahn besaß sogar bereits eine staatliche Genehmigung von fast 100 Jahren(bis 1. April 1999), wohingegen die Stadtgemeinde Magdeburg ihre Zustimmung zur Benutzung der städtischen Straßen nur auf 50 Jahre ausgesprochen hat. Dies sind die thatsächlichen und rechtlichen Vorgänge für den Genehmigungsantrag der Gesellschaft, aus denen Herr Justizrat Cassel seine Angriffe herzuleiten für gut befunden hat. Der Aufsichtsrat. E. Arnhold, Geheimer Kommerzienrat, Vorsitzender. H. Kreismann, General-Konsul a. D., stellvertretender Vorsitzender. H. Bachstein, Eisenbahn-Bauunternehmer, F. Bali, Stadtältester, A. Blaschke, in Firma S. Bleichroeder, L. Born, in Firma Born& Busse, E. Gutmann, Konsul, Direktor der Dresdener Bank' J. Hoeter, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrat, Geschäftsinhaber der Diskonto-Gesellschaft, W. Kopetzky, Kommerzienrat, A. Lent, Geheimer Baurat, J. Loewe, Kommerzienrat, R. Mlcbelef H. Röllhausen. Wirklicher Geheimer Rat, S. Samuel, S. Samuel, Regierungsrat a. D., Direktor des A. Schaaffhausenschen Bankvereins. Die Direktion/) Dr. Micke, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rat, Ministerialdirektor a. D., von Kühleweln, Regierungsrat a. D., Marbold, Königl. Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor a. D. «) Das Vorstandsmitglied, Regierungsrat a. D. Koehler, befindet sich z. Z. In Amerika. �»5 /CJeine Anzeigen. W V als 15 Buchstaben zählen doppelt. MB r Strasse 6 Anzeigen CT/'Ä den Annahmestellen für Berlin bislUhr.fiirdie Vororte bisliühr, ! der Hauptexpedition Linden- strasse69 bis S Uhr angenommen. wste A Verden ■rlin xM Beachtenswert spottbilligste Preisnotierung. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SW.