Kr. ML nDonncmentS'Bcdlngungen: TOonnemcntä• Preis prSnumenmii»! Merteljährl. 8,30 Tit., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Well' 10 Pfg. Post- Wonnement: l.IO Marl pro Monat, Eingetragen in die Poft-ZeitungS- PreiSIifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Tl. Zatzrg. Sie salirNons-Ltb0I»r Vetrkigt für die fechsgefpaltene kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastllche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Hnzeigtn", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet eridicl»! vlgllch außer Montag». Derltnev Volksblerlk. Telegramm-Adresse: „Sozlalileinolirat Berlin" Zcntralorgan der fozialdemokrati fchen partd Dcutfcblands. Redaktion: 8 Cd. 68, Lindenstrasee 69. kkertvfprechcr: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 18. Jnni 1904. Expedition: SRI. 68, Lindcnstvasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Znm russisch japanischen Krieg. Man schreibt uns: Die Welt steht nicht mehr lang l Schon er- frechen ostastatische Heiden fich, fromme Christenmenschen zu schlagen. Nur mit der Herrschast des Teufeis ist es zu erllären, daß Truppen, die geweihte Heiligenbilder und Amulette bei sich haben, vor einer Armee davonlaufen, deren überwiegende Mehrzahl die Bibel nicht kennt. Aber nicht genug des Seltsamen I Die Japaner scheinen auch daran nicht zu glauben, daß die Prinzen regiegender Häuser geborene Feldherren sind. Man denke an die Besetzung der deutschen Armeeführerstellen in den ersten Monaten des Krieges 1870/71: Die II. Armee wurde vom Prinzen Friedrich Karl von Preußen kommandiert, die III Armee vom preußischen Kronprinzen, die MaaSarmee vom Kronprinzen von Sachsen und nur die I. Armee, die die kleinste war, führte kein Prinz, sondern der General von Steinmetz, der aber bald heim- geschickt wurde, weil er mit dem schon genannten Prinzen Friedrich Karl etwas rauh umsprang und MoltkeS Feldherrntum kritisierte. Die Japaner aber vertrauen ihre Armeen simplen Menschen an, die nur Kuroki, Oku und Nodzu heißen. Den Oberbefehl übertrugen sie auch keinem Prinzen, sondern nur dem Marquis von Damagata. Uebrigens scheinen auch die Russen kein übermäßiges Vertrauen auf die Feldherrntalente ihrer Großfürsten zu setzen, denn sie erfreuten keinen einzigen mit einer der leitenden Stellen. Es wurde sogar gemunkelt, Kuropatkin habe sich die An- Wesenheit„hoher Herren" energisch verbeten. Doch es giebt im ostasiatischen Kriege nicht nur Erscheinungen, die dem loyalen und gotteSfürchtigen Staatsbürger befremdlich vor- konimen, sondern auch solche, die weniger Gutgesinnte überraschen. Sie bestehen in dem Umstände, daß die Japaner den Krieg zu Wasser und zu Land nach modernem Rezept so sicher führen, wie ein alte? europäisches Kriegsvolk, das unter großen Kriegen förmlich herangewachsen ist. Bei den europäischen Mlitärstaaten hat die Kriegskunst sich langsam und logisch entwickelt. Eine Reihe von großen Kriegen brachten die Erfahrungen, auS denen die Theorien für Taktik und Strategie abgeleitet wurden. Den Japanern aber wurden alles das, was die europäischen Militärmächte im Laufe des letzten Jahrhunderts— ein nicht kleiner Teil der heutigen Strategie beruht noch auf Napoleoni- schen Principien— an kriegerischen Lehren gesammelt haben, vor ungefähr 20 Jahren künstlich eingeimpft. Nun ist eS gewiß, daß jeder vernünftige und gebildete Mensch Taktik, Strategie und Kriegsgeschichte studieren kann; ob er dabei in ihr Wesen eindringt und sie auch prattisch zu verwerten weiß, ist eine andre Frage. Die Japaner aber haben auch den Kern der kriegerischen Theorien voll- kommen erfaßt und sie verstehen sich auch auf die Praxis ausgezeichnet. Ihre Kriegsmaschine arbeitete bisher so vorzüglich und sicher, daß man staunen muß. Und dabei ist die Aufgabe, die sie zu lösen haben, das s ch w i e r i g st e Problem, das die Kriegskunst kennt, nämlich ein überseeischer Krieg gegen einen tapferen, wohl- bewaffneten Feind. Solchen Operationen hastet von vornherein das Mißliche an, daß es unmöglich ist, alle Kräfte auf einmal zu entfalten, denn die Zahl der Truppen, die über das Meer befördert werden können, ist durch die Zahl der vorhandenen Transportschiffe beschränkt. Deutschland begann den Krieg 1370 mit 447 000 Mann, die es sofort auf den Kriegsschauplatz schickte. Eine solche Armee könnte aber auf dem Wasserwege niemals in wenigen Tagen transportiert werden, denn hierzu wären mindestens 300 Transportdampfer nötig, abgesehen von den Kriegsschiffen, die diese Flotte begleiten müßten, um sie vor Angriffen der gegnerischen Kriegsmarine zu schützen. Koinmen also bei einem überseeischen Kriege große Truppenmassen in Betracht, so bleibt nur ein st ü ck w e i s e s Einsetzen übrig. Dieses ist aber einem thatkräfttgen starken Feinde gegenüber sehr gefährlich, weil eS die zuerst gelandeten Truppen der Gefahr aus- setzt, mit Uebermacht überfallen und geschlagen zu werden, noch ehe Unterstützung eintreffen kann. Da der Moskowiter aber kein that- kräftiger Gegner ist und seine Kriegsvorbereitungen jämmerlich waren, was bei der russischen Wirtschaft nicht zu verwundern ist, so konnte die erste japanische Armee unter Kuroki nach ihrer Landung in Korea ungehindert gegen die manschurische Grenze vorrücken, sich nördlich deS Ualu festsetzen und so eine vortreffliche Borhut für die Landungen der übrigen Armee bilden. Am Ualu bewiesen die Russen, daß iüre taktischen Künste recht mangelhaft sind. Zuerst be- setzten sie eine Stellung, aus der sie von den Japanern ohne Schwertstreich herausmanövriert winden: die hierauf gewählte der- teidigten sie mit einer ungenügenden Truppenzahl und ihre Reserve hielten sie so weit zurück, daß sie nicht rechtzeitig eingreifen konnte. Kaum saß Kuroki in der Gegend von Föngtwangtschöng fest, so wurden sin ihn mit„affenartiger Geschwindigkeit" Verstärkungen in der Gegend der Ualumündung gelandet und außer- dem erschien im Süden der Halbinsel Liautung General Oku zur Belagerung von Port Arthur auf dem Plan. Prompt schlug er die Russen bei Kintschau, die auch hier wieder nur einen Teil ihrer Kräfte verwendeten. Nicht lange dauerte es und auch die dritte Armee unter General Nodzu landete und be- setzte die Linie Port AdamS-Pitscwo-Takuschan, wo sie jetzt bereits den russischen General Stackelberg schwer aufs Haupt geschlagen hat. Nach russischen Angaben, die bekanntlich mit großer Vor- ficht aufzunehmen sind, soll die erste japanische Armee 122 000 Mann, 272 Kanonen stark sein, die zweite japanische Armee 8S 000 Mann mit 476 Kanonen und die dritte Armee 85 000 Mann mit 288 Kanonen bettagen. Wahrscheinlich sind die Zahlen übertrieben, da die Russen ihre Blamagen wohl mit feindlicher Uebermacht bemänteln wollen. Voraussichtlich halten die Japaner noch eine vierte Armee in Reserve, die fie je nach der Kriegslage später verwenden werden. Der Moskowiter mobilisiert, nachdem er seine„heitere Ge- laffenheit", mit der er nach der Aussage eines russischen Generalstabs offiziers dem Kriege entgegensah, gründlich verloren hat, fest drauf loS. Da er aber nur eine einzige, noch dazu ein- geleisige Bahn zum Transport von Truppen, Pferden. Proviant, Munitton«. nach dem Kriegsschauplatz zur Verfügung hat, so ist es sehr fraglich, ob er alle die mobilisierten Truppen ernähren kann. Es sei hier wieder an das Jahr 1870 erinnert. Damals wäre anfangs August in der bayrischen Pfalz unfehlbar eine Hungersnot ausgebrochen, wenn die deutsche Armee nicht ihre Vorwärtsbewegung hätte ausführen können. So sehr hatten die 200 000 Mann, die in der Pfalz zum strategischen Aufmarsch ver> sammelt gewesen waren, das reiche Land kahlgegessen. Und die Schlacht von Sedan wäre unmöglich geworden, wenn die deutschen Truppen nach der großen Rechtsschwenkung, der die TrainS nicht so schnell folgen konnten, nicht in ein reiches Land, das vor kurzem erst die Ernte eingeheimst hatte, hineinmarschiert wären. Die Mandschurei ist aber keine Pfalz und kein Frankreich, sie wird viel« mehr nicht allzuviel Lebensmittel bieten. Daher sind die Truppen auf den Nachschub angewiesen, der aber auf einer eingeleisigen Bahn, die auch durch den Transport von Menschen, Tieren, Munition be lastet ist, nicht zu bewälttgen sein wird. Daß Japan zu Lande noch unterliegt, ist unwahrscheinlich. Aber dennoch drohen ihm schwere Stunden, wenn die russische O st s e e Flotte, die über kurz oder lang nach Ostasien geschickt werden wird, sich Port Arthur nähert und dieses von den Japanern noch nicht erobert ist. Dann naht die Entscheidung des Krieges überhaupt. Es muß ein Verzweiflungskampf zwischen der russischen und japanischen Flotte entbrennen, denn für die erst er e ist es eine Existenzftage, ob sie Port Arthur erreicht, da sie sich ohne einen befestigten Hafen in den feindlichen Meeren auf die Dauer nicht halten kann, und für letztere handelt es sich darum, Japan auch weiter die Herrschaft zur See zu sichern. Würde die japanische Flotte geschlagen, so käme die Herrschaft über das Meer an Rlißland, und damit würde die japanische Armee von ihren Hilfsquellen abgeschnitten. Haben die Japaner Port Arthur aber schon vor dem Eintreffen der rusfischen Flotte in ihrem Besitz, so bleibt dieser nur das Umkehren übrig, da sie dann keinen geeigneten Stützpunkt findet. Wladiwostok ist zu weit vom Kriegsschauplatz entfernt, und außerdem soll es den Ansprüchen an einen großen Kriegshafen nicht genügen. Auch führt der Weg nach Wladiwostok durch die Meerenge zwischen Japan und Korea, und dies ist sehr bedenklich. So wird der Krieg voraussichtlich bei Port Arthur entschieden, sei es nun durch eine Seeschlacht die die russische Ostseeflotte gewinnt oder durch einen japanischen Seesieg, in dem die Russen vernichtend geschlagen werden oder durch die rechtzeitige Einnahme von Port Arthur. Erst nach Eintteten eines dieser drei Fälle hat der unterlegene Teil allen Grund, an den Frieden zu denken. Die Mirbach-Bank. Vom Gordon Bennett-Sport wird gemeldet: „In einer Hofequipage folgte die K a i s e r i n. die ein hell- graues Promenadenkleid und einen großen, weißen Federhut trug und unablässig grüßte. Den Beschluß machte eine Hofeqnipage, in der man neben der Hofdame Gräfin v. Brock- d 0 r f f den vielgenannten Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherrn v. Mirbach bemerkte. Seine gestrige Vernehmung in Moabit schien auf seine gute Laune nicht im geringsten eingewirkt zu haben, denn wiederholt sah man ihn bei dem nun folgenden Besuch der Saalburg heiter lächeln." Warum soll Freiherr v. Mirbach nicht heiter lächeln? Weil eine agitatorische Presse" noch immer wagt, gegen ihn zu„Hetzen"? Ein hochgestellter Hofmann lächelt darüber. Weil zahlreiche Ge- schädigte der Pommernbank in diesen Tagen wieder besonders schmerzlich ihrer Verluste gemahnt wurden? Aber das persönliche Conto des Freiherrn v. Mirbach ist ebenso wie Conto X und wie das Geld der Kaiserin sorgsam und sicher von den getreuen Bankwaltern Schultz und Romeick gehütet worden. Warum sollte Frhr. v. Mirbach nicht heiter lächeln? Derweilen hat der Gerichtshof in Moabit die Beweis- aufnähme im Pommernbank-Prozeß geschloffen. Die Zeugen, die Geheimrat Budde zur Aufklärung des Geldverbleibs auf Conto X angegeben, zu v e r h ö r e n hat das Gericht nicht für nötig erachtet. Auch der Ankläger nicht. Es bleibt verborgen, was es auf sich hat mit der seltsamen Quittung über 328 000 M., die Frhr. v. Mirbach ausgestellt hat, ohne das Geld zu empfangen. Vielleicht werden die Gläubiger der Herren Schultz und Romeick in dem Civilprozeß. der bis nach Erledigung des Strafprozesses der- schoben ist, Verlagen, daß der Verbleib des durch Freiherrn v. Mirbach quittterten, aber nicht empfangenen Geldes nachgewiesen wird. Zunächst darf man erwartungsvoll ftagen, wie das Gericht in seinem Urteil über die verschwundenen Summen denken wird. » Das Urteil der Presse. Wenn die bürgerliche Presse auch keineswegs auf den Grund der Pommer nkorruption, die Miance der sich Christen Nennenden mit räuberischem Zpekulantengesiudel, zu gehen vermag, so ist immerhin erfreulich, daß die in tausend Fällen gern geübte Leugnung aller Verfehlungen in diesem Falle denn doch nicht ver- sucht wird. Der Fall liegt zu offen, als daß er als ein „socialdemolratischer Lügenschwindel" abgethan werden könnte. Und eS koni'mt für die Meinungsbildung der bürgerlichen Presse hinzu, daß die höhere Deckung, unter der Geheimrat Budde vor- ging, nicht zu verkennen ist. Die„Frankfurter Zeitung" stellt die Frage: „Ob es wohl ein Zufall sein mag, daß Frhr. v. Mirbach sich heute zu einer Aussage bereit erklärt hat, nachdem gestern der Kaiser beim Reichskanzler gegessen hat und dort mit Herrn v. Podbielsli, dem Chef der Aufsichtsbehörde der Hypotheken- danken, und mit dem Fürsten zu Solms-Baruth, dem obersten Chef aller Hofämter, zusammen gewesen ist." Jedenfalls hat Freiherr v. Mirbach besser verstanden, sich Wohl- thäter bei den Banken zu besorgen als in s e i n e n Kreisen nur Freunde zu haben; es mag einige Persönlichkeiten geben, die um die Erhaltung dieser Säule des Kirchenbaues nicht allzu besorgt sind. So darf sich denn Freiherr v. Mirbach auch nicht rühmen, die so leicht zu gewinnende Presse durch seine Aussage gewonnen zu haben. Ms Mirbach-Preffe ttitt zunächst nur die„K r e u z- Z e i t u n g" und die„Po st" auf. Beide Blätter leisten, jedes in besonderer Art, klassische Dokumente konservativer Moral. Die„Kreuz-Zeiwng" hat acht Tage lang kein Wort des Urteils über die Enthüllungen des Geheimrat Budde gesagt, jetzt findet sie die Sprache, um sich zu entschuldigen, daß sie den Prozeßbericht überhaupt veröffentlicht habe, und üm in wenigen Zeilen zu erklären, daß die ganze An- gelegenheit durch die Aussage des Freiherrn v. Mirbach„vollends erledigt" feil Die„Post" ist gründlicher. Sie zieht gewaltig zu Felde gegen die Korruption— der Presse, die es wagt, noch immer Bedenken und Einwendungen zu erheben. Im gestrigen Morgenblatt erklärte die„Post": „Der„Vorwärts" und die gesinnungSverwandten Blätter sind feit gestern um ein schönes Agitationsmaterial ärmer. Freiherr v. Mirbach... steht glänzend gerechtfertigt da. Alle medrigen Angriffe gegen ihn sind in nichts zusammengefallen." Die„Post" mutzte jedoch erleben, daß die„niedrigen Angriffe" nicht zusammengefallen sind, sondern fortgesetzt wurden, und daß der „Vorwärts" das„schöne Agitationsmaterial" nur noch vermehrt hat. So viel Schlechtigkeit hat die Enttüstung der„Post" mächtig entfacht und im Abendblatt wütet sie gegen uns in der Sprache, die selbst die Rhinozeros-Leistung des freiherrlichen Schützlings schlägt: „Den Trumpf spielt natürlich wieder der„V 0 r w ä rt s" aus. Daß dieses edle Blatt für seine geradezu gemeinen und empörenden Verdächtigungen des Freiherrn v. Mirbach auch jetzt, nachdem die voil ihm geforderte öffentliche Vernehmung statt- gefunden, kein Wort der Entschuldigung hat, darf bei dem sattsam bekannten Charakter des Blattes ja allerdings nicht wundernehmen. Die Art aber, in der es über die betreffende Gerichtsverhandlung und die dort gemachten Enthüllungen schreibt, wirkt in ihrem ohnmächtigen Zorn einfach komisch, So macht das Blatt zunächst dem Gerichtshof bittere Vorwürfe, daß er dem Freiherrn v. Mirbach Gelegenheit gegeben habe, sich in scharfen Worten gegen die Presse auszusprechen, die systematisch sein Wirken für die Wohlthättgkeit zu verdächtigen und ihn zu verleumden am Werke sei: jedenfalls ein Zeichen dafür. daß das Blatt sich durch die Zurechtweisung getroffen gefühlt hat. Im übrigen heben wir aus den weiteren Verdrehungen und Salbadereien des Blattes nur die Bemerkung hervor, daß der Pommernbank-Skandal nach dieser Aussage«größer erscheint als je"." „Einfach komisch" wirken auf die„Post" die Ausführungen des „Vorwärts", dessen gesamte sachliche Argumente natürlich mit der Fertigkeit unterschlagen werden, mit der höchstens die Schultz und Romeick zu wetteifern vermögen.„Einfach komisch" wird auf die„Post" natürlich auch wirken, wenn sie erinnert wird, daß sie im November 1900, als die H 0 f t i t e l- R e k l a m e den Bankbruch verhindern sollte und als die„Frankfurter Zeitung" erneut warnte, sich ebenso zur Verteidigung der ehrenwerten Pommernbank erhob wie Pe jetzt die Verteidigung aller Skandalosa des Prozesses treibt; damals schrieb die„Post": „Wer also noch nicht jeder geschäftstechnischen Logik verlustig gegangen ist, der wird gerade jetzt in einer Aktion der Pommern- dank zur Festlegung ihrer Werte in so seriösen Kreisen, wie die Kirche»vor st ände sind, eine Art Moni- festation für die moralische Unantastbarkeit deS Institutes erblicken." „Einfach komisch" hat es gewiß damals auf die„Post" gewirkt, da alsbald nach der glorreichen Manifestatton der Pommern- Uuantastbarkeit der Staatsanwalt, den„gemeinen und empörenden Verdächtigungen" folgend, die Schultz und Romeick unter Anklage stellte. Der„Post"-Eifer würde übrigens leicht verständlich, wenn die Schultz und Romeick sich in der Bewahrung von„Post"hintermä>mer- Geld ebenso vertrauenswürdig erwiesen haben wie im Mirbach- und Schatullen-Geld. Die übrige Presse setzt die„Preßhetze" fort. Die„Post" muß erleben, daß selbst die„Deutsche Tageszeitung", dem Landwirt- schaftsmini st er folgend, sich gegen die Mirbach-Wohlthättgkeit wendet. Noch eindringlicher verhält sich die„Tägliche Rundschau". Von Bedcuwng sind die Ausführungen der„Zukunft", die noch vor der Mirbäch-AuSsage geschrieben sind. Die„Zukunft" stellt mit Fug fest, daß sie schon vor fast Jahresfrist aus die seltsamen Beziehungen des Freiherrn v. Mirbach zu der Pommernbank hin- >ewiesen hat. Weiter stellt sie die Frage, tvarum denn Herr Budde eine Enthüllungen nicht schon in der vorjährigen Hauptverhandlung und nicht in der jetzigen Hauptverhandlung bei seiner ersten Ver- nehmung gemacht hat? Ueber die Persönlichkeit des Oberhofmeisters erzählt die „Zukunft": „Herr v. Mirbach ist durchaus nicht der Weltfremdling, als der er jetzt der Huld empfohlen wird; gar nicht einfältiges Kinder- gemüt. Sonst hätte er für sein Amt auch nicht getaugt. Die Hos- leute halten ihn für einen Schlaukopf und fürchten seine Feind- schaft. Und seine eigenen Angelegenheiten hat er mit ungewöhn- licher Gewandtheit verwaltet. Als er bei den Gardefüsilieren stand, gings noch ziemlich knapp bei ihm zu. Jetzt soll er zwischen Pfingstberg und Marmorpalais so viel Grundbesitz haben, daß die Offiziere ihn scherzend den König von Potsdam nennen. Ein guter HauShalter und PraktikuS." Und das wundersame Pommern-Mirbach'Hoar. Trotz seiner Verfehlungen scheint sich Holtmann der besonderen Gunst des Bürger- meisters zu erfteuen. Dieser hat verschiedentlich versucht, ihm Stellen zu verschaffen, was er bei den andern Beamten, die sich gut geführt haben, nicht gethan hat. Auch der Antrag des Gemeinde- rats, Holtmann eine Gnadenpension von 30 M. per Monat zu geben, deutet darauf hin. Durch eine zweite in der„Volksstimme" er- schienene Notiz will Holtmann bei Kleyer, wo er eine Stelle bekommen hatte, entlassen worden sein. In der Notiz war der Ver- wunderung darüber Ausdruck gegeben, daß Sin solcher schwerbelasteter Mann als Aufseher in einer Fabrik angestellt wird. Er tritt deshalb als Nebenkläger auf und verlangt eine Buße von 1000 M. Es müßte geradezu in Erstaunen setzen, daß Zander bei dieser Sachlage verurteilt werden könnte, wenn wir nicht wüßten, daß wir im Polizeistaate leben, der sein Heiligstes unter allen Umständen vor unheiliger Krittk schützen mutz. Das Urteil gegen Zander lautete auf 200 M. Geldstrafe und 600 M. Buße an Holtmann. Das Gericht nahm an, daß der Beweis für die schweren Ver- brechen nicht erbracht sei. Zweifellos habe sich Holtmann große Uebergriffe und Pflichtwidrigkeiten erlaubt; kriminell strafbare Ver- gehen wären es aber nicht. Das Gewehr hat er in unberechttgter Weise benutzt. Das Gericht ist auch davon überzeugt, daß Holtmann das Gewehr erst zurückbrachte, nachdem er die gegen ihn gerichtete Anzeige gelesen hatte. Bei dem Blei bleibt es auch bei einer groben Pflichtverletzung. Eine Verleitung zum Verkauf des Bleies sei nicht Die Gehirnerschütterungen im Taunus. In dem halsbrechenden und gehirnerschütternden Kampfe um die„Ehre der deutschen Industrie"— Gordon Bennett- Rennen ge- nannt— ist die deutsche Industrie, wenn der Sieg denn entscheidend sein soll, ehrlos geworden. Es wird nämlich folgende Botschaft telegraphiert: Saalburg, 17. Juni, 5 Uhr 15 Min. nachmittags. Thöry passierte das Ziel nach 5 Stunden 50 Minuten 3 Sekunden, Jciiatzy«ach 6 Stunden 1 Minute 21 Sekunde». Thöry ist Sieger. Thery ist der Vertteter der ftaitzösischen Automobil- Industrie, Jenatzh hat bei dem vorigen Rennen die deutsche„In- dusttie" zum Siege geführt. Weine Deutschland über dies— Benzin-Jena l am Renntage auf dem Felde der Benzin-EHre geblieben ist, das wissen wir in diesem Augenblick noch nicht. Am Tag zuvor hatte der Baron Leitenberger Gelegenheit, den süßen Tod für» Automobil zu sterben. Es liegen über diese Unfälle deS Heldentums folgende Nachrichten vor: Baron Leitenberger. österreichischer Großindustrieller, stürzte mit seinem Automobil, in welchem sich auch seine mahlin befand, an einer steilen Kurve bei Graevenwiebach. Das Automobil fuhr in einen Chausseegraben und überschlug sich. Der Baron und seine Gemahlin wurden schwer und der Chauffeur sehr schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Im Laufe der Nacht der- schied Baron Leitenberger. Den zweiten Unfall erlitt der Berliner Hotelier Uhl. Er fuhr mit seinem Mpferdigen Mercedes- Wagen den Abhang bei der Saalburg hinunter, sein Chauffeur verlor die Gewalt über den Wagen, und in einer Kurve, nahe Dornholzhausen, stürzte der Wagen über einen Graben hinweg ins Feld und verlor hierbei das linke Vorderrad. Herr Uhl, der Chauffeur und ein dritter Insasse, der Hotelier Mühling aus Frankfurt a. M., flogen heraus; Herr Uhl kam jedoch mit einer leichten Armverrenkung und Herr Mühling mit einer blutigen Stirnwunde und dem Schrecken davon. Ueber weiteren Verlauf des Rennens berichtet ein Korrespondenz Bureau, daß Opel zum zweitenmal Pech gehabt und nunmehr endgültig das Rennen ausgegeben hatte. Er hatte einen Achsen Bruch erlitten, der nicht mehr zum Reparieren war. Die Nachricht von seinem Ausscheiden wurde mit allgemeinen Bedauern auf genommen. Wenige Minuten später erfuhr man, daß auch E d g e hatte absteigen müssen, da ihm bei N e u h o f ein Pneumatik geplatzt war. Die Auswechselung erforderte einen Aufenv halt von zwanzig Minuten, dann sauste der wohlgenährte phlegmatische Engländer weiter, um den Zeitverlust möglichst einzuholen. Sein Landsmann Warden, der einen der österreichischen Wagen steuerte, fuhr in der Nähe von E s ch e n h e i m in einen Straßenwagen, doch rappelte auch er sich wieder auf. Dann meldete der Telegraph noch den Tod eines Hundes, den Jeua�y bei Königstein überfahren hatte. Damit war die Unfallliste erschöpft. am Saalburg, 17. Juni.(W. T. B.) Jenatzy und Thöry wurden Ziel mit stürmischer Begeisterung empfangen. Saalbnrg, 17. Juni. sW. T. B.) Baron de Caters passierte das Ziel nach 6 Stunden 46 Minuten 31 Sekunden als Dritter. Ferner passierten das Ziel: Braun nach 6 Stunden 59 Mnuten 49 Sekunden, Lancia nach 7 Stunden 17 Minuten 54 Sekunden, Werner nach 7 Stunden 32 Minuten 14 Sekunden. Während des Remiens ereignete sich kein erheblicher Unfall. Induftne und Handel. Aus dem Geschäftsbericht des Kohlensyndikats für 1903 sickern so nach und nach ein paar dürftige Angaben durch, und gerade über alles, was die eigentlichen Kohlenkonsumenten und die Oefentlichkeit besonders interessiert, wie Preispolitik, Lieferungsbedingungen, Gcwinnconto u. dgl. erfährt man imeder nichts. Aus den Angaben, die durch die Syndikatspresse veröffentlicht werden, kommen denn so bisher auch nur für weitere Kreise die statistischen Angaben über die Entwicklung der Steinlah len-Gewinnung in den wichtigsten einheimischen Kohlenrevieren in Betracht. Danach ist die Kohlenproduktion in Preußen im Jahre 1993 auf 108 780 155 Tonnen gestiegen, das sind 8 Millionen mehr als im Vorjahre; von dieser Steigerung entfallen allein auf das Ruhrbecken 7 Millionen, denn hier ist die Kohlenförderung von 53V- Millionen Tonnen im Jahre 1902 auf L5V. Millionen Tonnen im Jahre 1903 emporgcgangen. Diese 65V. Millionen Tonnen des Ruhrbeckens stellen über 60 Proz. der gesamten preußi- scheu Kohlenproduktion dar. Und nun ist bedeutsam, daß von diesen 65V- Tonnen von Syndikatszechen wieder allein nahezu 64 Millionen Tonnen produziert werden oder 49,48 Proz., das heißt: fast genau die Hälfte der gesamten preußischen Produktion! In früheren Jahren war dies Verhältnis ja bekanntlich noch ein wenig größer, 1901 förderten die Syndikatszechen 49,81 Proz. der gesamten preußischen Produktion, 1897— 1899 etwas über 60 Proz. und 1900 sogar 51,08 Proz. Seit der Gründung des Kohlensyndikats im Jahre 1893 ist dies Verhältnis im großen und ganzen das gleiche geblieben, immer unterstand etwa die Hälfte der preußischen Kohlenförderung der Macht und damit der Willkür des KohlcnsyndikatS; erst aus diesem Verhältnis begreift sich der ungeheure Einfluß der Syndikatspolitik auf die ganze wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, anderseits springt aus diesem Verhältnis der Produftion aber auch die große Verantwortung hervor, die der Staat und die volksfreundlichen Parteien haben, die Kohlenkonsumenten dieser Macht des Syndikats gegenüber energisch zu schützen. Vom oberschlesischen Moutanmarkt. Nach der»Breslauer Zeitung" hat sich die Marktlage für die Erzeugnisse der Montanindustrie während der letzten Wochen durchaus befriedigend entwickelt. Die zunehmenden Aufträge haben die Produktton gesteigert. Gegen Petroleum-TankS hat sich in einem von der Regierung eingeforderten Gutachten über die Deutsch-amerikanische Petroleum-Gesellschaft die Leipziger Handels- k a m m e r ausgesprochen. Es heißt in dem Gutachten, es liege für die Behörden bis jetzt zwar kein Grund vor, die Gesellschaft, die zum größten Teil auf deutschem Kapital fundiert sei, zu bekärnpfen, es sei aber nicht angebracht, daß ihr von behördlicher Seite irgendwelche Erleichterungen gewährt würden. Von einem Monopol der Gesell- schaft könne zwar kaum die Rede sein, aber sie habe versucht und versuche noch, einen euffcheidenden Einfluß auf den Markt zu ge- Winnen. Der Verkauf des Petroleums in Tankwagen(die unmittel- bar aus den Tanks gefüllt werden) bezwecke, den Großhandel aus- zuschalten. Die Gesellschaft verpflichte zlvar die Detaillisten nicht, zu einem bestimmten Preise zu verkaufen, sie verkaufe auch nicht selbst direkt an Konsumenten, doch sei die Befürchtting, daß dies letztere der Fall sein werde, nicht von der Hand zu weisen. Dadurch werde dann auch der Zwischenhandel schwer gewoffen.— Man sieht, das Gutachten verWitt völlig einseitig den Jnteressenstandpuntt des großen und kleinen Zwischenhandels, das Interesse des Konsumenten kommt nicht in Frage, höchstens insoweit, als»befürchtet" wird, die Pewo- leum-Gesellschaft könne direkt an Konsumenten verkaufen, wobei dann der schöne Händlerprofit wegfallen könnte. Uebrigens hat der reaktionäre sächsische Landtag schon früher denselben Standpunft gegenüber den Tankanlagen vertreten. Die Lage des englischen Eisenmarktes ist noch immer eine ge- drückte. Die Zwischenhändler bieten fortdauernd Roheisen zu er- mäßigten Preisen an. Der Export weist eine erhebliche Ab- nähme auf._ GewerhlcbaftUcbes. Schwarze Saarabier. Eine Generalaussperrung sämtlicher organisierter Arbeiter wi«d gegenwärtig in Münster, der Hochburg der westfälischen CentrnmS- Partei, in Scene gesetzt. Zweck dieser Massenaushungerung ist nicht etwa Ablehnung der Forderungen, welche die Arbeiter gestellt haben, nein, die soforttge Bewilligung dieser bescheidenen Forderungen könnten sich unsre Münsterschen Unternehmer wohl leisten, hier gilt eS vielmehr, das Koalitionsrecht der Arbeiter zu zerstören. Was die um Herold herum im Innersten ihres Herzens wünschen, beeilen sich die lokalen Cenwilmsgrößen in die Praxis umzusetzen. Wir sagen lokale CenwumSgrößen, denn mit Ausnahme des Hof-Pianofortefabrikanten Herrn Knake, der eine ausgesprochene Liebhaberei für Liberalismus hat, gehören fast sämtliche Unternehmer und ehrbare Handwerksmeister, die ihre Arbeiter wegen Ausübung eines ihnen gesetzlich gewährleisteten Rechts brutal aufs Pflaster ge warfen haben, der Centrumspartei an und bekleiden in dieser „arbeiterfteundlichen" Partei mehr oder minder hervorragende Pöstchen und Aemtchen. So ist Herr Grewe, der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Arbeitgeberschutz- Verbandes für das Baugewerbe, unbesoldetes Magistratsmitglied, mehrere andre Bau-Uutcri?chmer sind Stadt- verordnew, alle auf das bekannte Programm für Wahrheit, Recht und Freiheit vereidigt. Und was die ehrsamen Tischlermeister an- belangt, die ja auch zu nächsten Sonnabend ihre Gesellen auf den Hungeretat zu setzen beabsichtigen, so gehören 90 Prozent derselben dem katholischen Gesellenverein als Ehrenmitglied an, viele gehören dem Centrums-Wahlkomitee an, oder bekleiden Stellungen im Volksverein für das katholische Deutschland. Dies alles hindert jedoch die frommen Herren nicht, im Falle eines Attentats auf ihren heiligen Profit nach dem Grundsatz zu handeln: Richtet euch nach meinen Worten, aber nicht nach meinen Werken. In diesem Bestreben werden dieselben aber auch nach Kräften unterstützt von der katholischen Presse, welche samt und sonders„arbeiterfreundlich" ist. In Frage kommen der„Westfälische Merkur", die„Miinstersche Zeitung" und der„Münstcrsche Anzeiger". Namentlich letzterer, hervorragend in rüder Bekämpfung der Social- demokratie, ist eifrig bemüht, durch eine mehr als zlveideutige Haltung seine„Arbeiterfteundlichkeit" zum Ausdruck zu bringen. Das Empörende eines solchen Verhaltens tritt aber noch besonders grell hervor, wenn man bedentt, daß es sich bei der Generalaussperrung in Münster größtenteils um christlich organisierte Arbeiter(I) handelt, um Leute, die— solange sie sich als Sturmbock gegen die freien Gewerkschaften brauchen ließen— bis über den Schellendaus gelobt wurden. Dies Wohl- wollen hat mächtig nachgelassen, sollte es sich vielleicht um eine christliche Machtprobe" handeln? Die Folgen dieses.arbeiterfreundlichen" Verhaltens seitens der Centrumspresse-sind denn auch die, daß auch die hiesigen katholischen Arbeiter schon zu der Einficht gekommen find, daß es nur einzig und allein die socialdemokratische Presse ist, die ihre Interessen ver- tritt. Zu der Aussperrung selber sei mitgeteilt, daß bisher 930 Bau- arbeiter und 180 Zimmerer davon betroffen sind. Zu diesen gesellen ich am nächsten Sonnabend noch 300 Tischlergesellen, so daß nächste Woche annähernd 1500 Arbeiter wegen Ausübung des Koalitions rechts arbeitslos sind. Und das im nordischen Rom! Zubereittmg jener aus der Landwirtschaft stammenden Naturalien verwendet zu werden. Es bestehe also ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einem landwirtschaftlichen Betriebe und dem Unfall; Kläger habe demnach Anspruch auf eine Unfallrente. Die Bernfsgenossenschaft lehnte jedoch den Anspruch ab. Auch das Schiedsgericht erkannte zu Ungunsten des Klägers und das Reichs-Versicherungsamt verwarf seinen Rekurs. Der Senats- Vorsitzende Gehcimrat Gräf bemerkte in der Urteilsbegründung, daß ein Unfall beim landwirtschaftlichen Betriebe nicht angenommen werden könne. Die Witwe Schäfer habe keinen mehr und ein Zu- sammenhang des Unfalls mit dem landwirtschaftlichen Betriebe ihrer Schwiegersöhne sei zu verneinen. Es handele sich lediglich um einen Unfall bei der Hauswirtschaft der Frau Schäfer. Die Unfallrente sei darum mit Recht verweigert worden. Die Art der Begründung des Rentenanspruches legt die Ver- mutung nahe, daß sie dem Verletzten von einem Winkeladvokaten eingegeben worden ist, der dafür denn natürlich auch Bezahlung ge- nommen hat. Letzte Nachrichten und DepeFchen. Schon wieder ein Truppentransport nach Südwcst-Afrika. Hamburg, 17. Juni./z Uhr ging mit dem Dampfer„Palatia" ein neuer Truppen- und Pferde-Trans- Port nach Deutsch-Südwestafrika ab. Der kommandierende General v. Bock und Polack, der zur Verabschiedung erschien, brachte ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, der Transportführer Major Meister ein Hoch auf Heer und Marine. oeurkcbes Reich. Stettin, 17. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Stein- etzer und Ramm er sind in einen allgemeinen Ausstand ge- treten; sie fordern die neunstündige Arbeitszeit und eine Lohn erhöhung von 10 Pf. pro Stunde. Stettin, Altdamm und Stargard sind gesperrt. Lohnreduzierung im Borsigwerk. Der„Voss. Ztg." wird aus Breslau telegraphiert: Im Walz- werk des Borsigwcrkes hat die ganze Belegschaft der Feinstrecke in olge einer Lohnreduzierung die Arbeit niedergelegt. Die Situation im Baugewerbe zu Bremen weist wesentliche Ver- änderungen nicht auf. Bei den Maurern sind 1404 Streikende in die Liste eingetragen, wovon 905 mit 1685 Mndern verheiratet sind. Bauarbeiter befinden sich 1199 im Streik, davon 742 verheiratete, die insgesamt 2258 Frauen und Kinder zu ernähren haben. 126 Maurer arbeiten zu den neuen Bedingungen. Den Bauarbeitern wurden ihre Forderungen von 40 Arbeitgebern bewilligt; jedoch ist ein Be 'chluß dahin gefaßt, nur da in Arbeit zu treten, wo die Forderungen auch den Maurern bewilligt sind. In allen Fällen wollen die in Betracht kommenden Arbeiterorganisattonen gemeinsame Sache machen. Achtung, �Schuhmacher! Die Arbeiter und Arbeiterinnen der mechanischen Schuhfabrik von Haase u. Ruß sind am 13. Juni nach vierzehntägiger Kündigungsfrist in den Ausstand eingetreten. Die Ursachen des Ausstandes sind bereits bekannt gegeben, sie beruhen in der Maßregelung von drei organisierten Kollegen. Am Ausstand beteiligt sind 53 Personen, darunter 22 weibliche. Die Ausständigen ind sämtlich bis auf eine Person organisiert. Der Fabrikant sucht auch Arbeitskräfte von Berlin heranzuziehen. Wir ersuchm, den Zuzug nach Nowawes streng fernzuhsalteu. Die Agitationskommission des Vereins deutscher Schuhmacher. Rusland. Die Aussperrung in der Diamantindustrie. In den letzten Tagen haben nun auch in Amsterdam Verhandlungen zwischen den Vertretern beider Parteien, und zwar unter Leitung des neuen Vorsitzenden der Antwerpener Arbeitgeber, des Herrn Koetermans, tattgefunden. Nach dem der Presse mitgeteilten Bericht wurde labei„vollkommene Nebcreinsttmmung hinsichtlich eines Ucbcrein- komme»? erreicht, das den in Betracht kommenden Organisationen vorgelegt werden soll und beiden Parteien eine befriedigende und ehrenvolle Beendigung des Konfliktes bringen wird".— Der Inhalt des Uebereinkommens wird vorläufig noch geheim gehalten. Die Amsterdamer Diamantarbeiter-Organisationen haben auf Freitag- abend eine kombinierte Mitgliederversammlung einberufen, um über die Annahme der Vorschläge zu entscheiden. Der Streik der Hafenarbeiter von Brest ist beendet. Die beider- eisigen Organisattonen haben folgende Vereinbarung getroffen: Der Lohn bettägt in Zukunft 50 Cent, pro Stunde; die Arbeit beginnt um 7 Uhr morgens und endet um 6 Uhr abends; Uebersttinden, owie Sonntags- und Feiertagsarbeit werden mit 75 Cent, pro Swnde entlohnt; eine Abschlagszahlung von 2 Frank ist jedem Arbeiter am Abend auszuzahlen. Soziale». Um den ursSchlichen Zusammenhang zwischen einem Unfall und einem landwirtschaftlichen Betriebe handelte es sich bei einem Rechts- streit des jugendlichen Ringel wider die landwirtschaftliche Bernfsgenossenschaft. R. hatte sich beim Holzspalten mit der Axt den linken Daumen verletzt. Er beanspruchte eine Unfallrcnte, indem er geltend machte, der Unfall sei als Unfall beim landwirtschaftlichen Betriebe anzusehen. Die Bernfsgenossenschaft holte eine behördliche Auskunft über die thatsächlichen Verhältnisse ein. Danach hatte der Vater deS Klägers einen landwirtschaftlichen Betrieb im Umfange von etwa 5 Heftar, der aber infame Geisteskrankheit— der Mann kam ins Irrenhaus— sehr zurückging. Die Söhne sollten etwas verdienen, sie wurden deshalb angehalten, für die Gemeinde und auch für private Personen Holz klein zu machen. Am Unfalltage hat nun Kläger für die Schwiegermutter eines Onkels, für die Witwe Schäfer, Holz ge- spalten, das zur Heizung der Zimmer und zur Zubereitung von Speisen dienen sollte. Die Witwe Schäfer selbst hat keinen land- wirtschaftlichen Betrieb mehv. Ihre Landwirtschaft hat sie ihren beiden Schwiegersöhnen überlassen, woraus für diese die Verpflichtung erwuchs, zu ihrem Lebensunterhalt beizuftagen und ihr unter anderm in der Landwirtschaft gewonnene Naturalien zu überlassen.— Gerade auf den letzteren Umstand berief sich der Kläger. Hier wäre Zweifel- los ein Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Betriebe gegeben, denn das zerspaltene Holz habe zum Teil den Zweck gehabt, bei der Bergarbeiterstreik. Essen a. d. Ruhr, 17. Juni.(B. H.) In einer Abteilung der Gesellschaft„Deutscher Kaiser" treten wegen Lohndifferenzen von 1000 Mann 700 in den Ausstand. Der Diamantarbeitcr- Ausstand beendet. Amsterdani, 17. Juni.(W. T. B.) Die Diamantarbeiter nahmen mit 3274 gegen 1136 Sttmmen die Vermittelungsvorschläge der vereinigten Versammlung der Arbeitgeber und Arbeiter rn dem Streitpunkt für die Lchrlingsfrage und den Neunstundentag an. Die Arbeitgeber nahmen mit Ausnahme von sechs die Vor- schlage an. Der Ausstand, der 4Vz Monat gedauert hat. ist somit beendigt._ Tie Karthäuser Angelegrnheit vor der Untersuchungskommission. Paris, 17. Juni.(W. T. B.) Die Kommission zur Unter- suchung der Karthäuser- Angelegenheit vernahm heute Chabert, welcher erftärte, daß er im Laufe einer Unterhaltung beiläufig«in- mal Lagrave gesagt habe, die Karthäuser würden klug daran thun, der Regierung zwei Millionen anzubieten, um die Genehmigung zu erhalten; er fügte hinzu, daß er mit mehreren Freunden dem Komitee Masturand, welches für die Politik Waldeck-Rousseaus ein- trat, 100 000 Frank überwiesen habe; er lehnte es jedoch ab, die Namen seiner Freunde, die sich bei dieser Spende beteiligt haben, an- zugeben und lehnte es ferner ab, über den Ursprung seiner Be- Ziehungen zu Millerand und über die Angelegenheiten, welche dieser ihm anvertraut habe, Angaben zu machen. Paris, 17. Juni.(W. T. B.) Im weiteren Verlaufe der heutigen Sitzung vernahm die Kommissionffür die Untersuchung der Karthäuser- Angelegenheit Mascuraud, den Vorsitzenden des republSanischen Komitees für Handel und Industrie. Dieser erklärte, er wisse nichts von der Millioncn-Affaire der Karthäuser. Das von ihm geleitete Komitee habe Gelder empfangen und ausgegeben für den Wahlkampf gegen die oppositionellen Vereinigungen. Damit niemand bloßgestellt würde, seien über Einnahme und Verausgabung der Gelder keine Quittungen ausgestellt worden, auch habe er keine Rechenschaft abzulegen gehabt. So habe er die 100 000 Frank von Chabert erhalten, den er nicht gekannt habe; Chabert habe dies Geld im Namen einer Gruppe von Industriellen, die anonym bleiben wollten, eingezahlt._ Verhaftung eines Kolonialheiden. Pari«, 17. Juni.(B. H.) Justizminister Valle verfügte M Verhaftung des ehemaligen Gencraladministrators von Französisch- Westasrika, Gerard. Derselbe soll angeblich Grausamkeiten an Eingeborenen begangen und seinen Dolmetscher, einen Neger, ermordet haben.._ Automobil-Unfall. Paris, 17. Juni.(23. H.) Bei Alais fuhr ein Automobil, in welchem sich ein Ländler mit seiner Gemahlin und einem Chauffeur befand, gegen einen Eisenbahnzug. da infolge Unachtsamkeit des Bahnwärters die Schranke nicht geschlossen war. Das Automobil wurde zertrümmert, die drei Insassen sind tödlich verletzt. London, 17. Juni.(W. T. B.) Das Unterhaus nahm heute die dritte Lesung der Bill an, wonach ausländische Silberwaren mit einem deutlichen Kennzeichen versehen sein müssen. Polizei-Exccß in Warschan. Warschau, 17. Juni.(W. T. B.) Beim Ausbruche eines Brandes von Apothekermaterialien am 13. d. M besetzte eine Anzahl Arbeiter den Hof des Grundstückes, die auf die Aufforderung der Polizei, auseinander zu gehen, mit Steinen warfen. Der hinzu- gekommene Ober-Polizeimeister wollte auf den Hof gehen, wurde jedoch von den Arbeitern nicht hineingelassen. Ms Kosaken herbei- eilten, wurden sie mit Steinwürfen und zwei Schüssen empfangen. Die Kosaken gaben darauf zwei Salven ab. Ein Arbeiter ist tot, drei schwer und einige leicht verwundet. Von den Polizeimann- schaften wurden 10 leicht durch Steinwürfe verwundet. 16 Arbeiter wurden verhastet. B-m russisch- japanischen Kriegsschauplatz. Tokio, 17. Jmii.(Meldung des„Reuterschen Bureaus'.) Ein Bericht der Polizeistatton Saga bei Sascha besagt, daß längS der Küste Kanonendonner gehört wurde. Es sei möglich, daß die japanische Flotte mit der russischen zusammengestoßen und eine Schlacht im Gange sei. Nagasaki, 17. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Das japanische Transportschiff„sfaffuno Maru" rannte, als es gestern nach: in Moji einlief, die„Januttokan" an und sank. Das Transporffchiff„Sado Mjaru", welches von den Russen beschädigt wurde, geriet bei Okinoschima auf Grund. Die„Hino Maru" ist von Moji zur Hilfe cchgcganaen. Tokio, 17. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureau?".) Die„Jse Maru" ist heute mit weiteren Ueberlebenden von der Mannschaft und dem Truppentransport der„Sado Maru" in Kokura eingetroffen. Es Bestätigt sich, daß die„Sado Maru" nicht untergegangen ist. Sie wird von der„Hino Maru" geschleppt. Zur Dampfer-Katasttophe. New Dorf, 17. Juni.(B. H.) Die Untersuchung über lmS Brandunglück ergicbt schivere Verfehlungen der Geschäftsleiwng deS Schiffes. Einen peinlichen Eindruck machte es, daß der deuffchv Botschafter Speck von Sternbmg bei seinem öffentlichen Auftrete» hier kein Wort über das Unglück sagte, während beispielsweise der Major Mac le Im,, der auch sein Erscheinen mn Schützenfest zu- gesagt hatte, schriftlich eine sehr sympathisch berührende Absage schickte. Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bnchdr.u.VerlagSallstalt PaulSmger Lc Co.. Berlin L1V. Hierzu 2 Beilage» Hr. 141. A. 1. SkilG? Ks.Zmiick" Attlim WIIiMM Sonnabend, 18. Inn! IM. KlbgeorcinetenKaus. 84. Sitzung am Freitag, den 17. Juni 1304. vormittags 11 Uhr. Am Mnistertische: Dr. P e t e r s i I i e und andre Kommissare. Nach der Gesamtabstimmung über das Wildschaden« Gesetz, das endgültig angenommen wird, folgt die Beratung des Antrages des Abgeordneten Dr. Graf Douglast Parteien besprochen. Die erste Rcferentin Mrs. Sewall« JndiandpoliS beschäftigte sich nur mit nordamerikanischen Verhält- nissen und zwar in der Hauptsache mit konfessionellen Fragen. Da- gegen kann das zweite Referat, welches Frl. Jlka Freudenberg- München erstattete, als eine Programmrede der bürgerlichen Frauen- bewegung gelte». Dem geistreichen, formvollendeten Vortrage lag folgender Gedankengang zu Grunde: Als nach der Ueberwindung des Feudalismus das Bürgertum politisch ziw Geltung kam, proklamierte der Liberalismus die persönlrche Freiheit, er dehnte sie aber nicht auf die Frauen aus, selbst dann nicht, als sich infolge der wirtschaftlichen Umwälzung die wirtschaftliche Stellung der Frau gegen früher gänzlich verändert hatte. Erst die Socialdemokratie hat die Forderung: Gleiches Bürgerrecht für Männer und Frauen. erhoben, und m ihr Programm aufgenommen. Das war für die Frauenbewegung ein weltgeschichtliches Ereignis. Was der liberale Gedanke der Frei- heit nicht vermochte, das hat der socialdemokratische Gedanke der Gleichheit zu Wege gebracht. Daß die Socialdemokratie die Gleich- heit über die Freiheit stellt, das ist für die Frauen bedeutungsvoll §eworden. Diese Unterstützung durch die Socialdemokratie hat der rauenbewegung anfangs viele Gegner im bürgerlichen Lager er- wachsen lassen. Aber der Sturm hat sich gelegt. Jemehr der sociale Gedanke in bürgerlichen Kreisen Boden gewann, desto mehr verringerte fich auch der Abstand zwischen der Fraucnbelvegung und den bürgerlichen Parteien. ES ist bedeutungsvoll für unsre Bewegung, daß sich vom Liberalismus kleine Gruppen abgesondert haben, die uns unterstützen und unsre Forderungen im Parlament vertreten. Es ist aber noch keine Aus- ficht vorhanden, daß uns eine der größten bürgerlichen Parteien unterstützen wird. Auch der Socialdemokratie liegt es fern, die Initiative fiir untre Forderuitgen zu ergreifen, denn sie erwartet alles von der Beseitigung des Kapitalismus. Aus diesem Grunde haben eS die socialdemokratischen Frauen abgelehnt, sich an unsrem Kongreß zu beteiligen.— Wir müssen uns, wollen wir unserm Ziel näher kommen, nach Bundesgenossen umsehen, und da bietet sich uns nur der Weg, mit den jungen Liberalen und den Nationalsocialen zusammenzuarbeiten und ihre Unterstützung von Fall zu Fall entgegenzunehmen. Wir in Bayern haben die Möglichkeit eines solchen Zusammenarbeitens. Man wird einwenden, daß loir in Zukunft keiner Partei angehören dürfen, sondern unfern Weg allein gehen inüssen. So weit sind wir aber noch nicht.— Unsre Bewegung ist ein Kampf für die Anerkennung der Eigenart der Frau, den wir gegen den mäimlichen Teil der Bevölkerung führen müssen. Eine Ehe ist oft erst dann eine glückliche, wenn Mann und Frau mit einander gerungen haben um die gegenseitige Anerkennung ihrer Individualität. Sie haben fich glücklich zusammengerauft, sagt man bei uns in Bayern. Das gilt auch von dem Verhältnis der Geschlechter als Ganzes zu einander. Wir haben noch nicht genug mit einander geranft. Unsre Bewegung gründet sich nicht auf die Gegensätzlichkeit zwischen Mann und Frau, sondern sie erstrebt ein harmonisches Verhältnis der Geschlechter zu einander. Jedes soll die Eigenart dcS andern anerkennen. Das Solidaritätsgefühl der Frauen ist unsre Macht. Als selbständige Partei muß die Frauenbewegung in den Chor der politischen Parteien eintreten.— Nicht so einfach ist die Feststellung des Verhältnisses der Frauen- bewegung zu den konfessionellen Parteien, da hier das konfessionelle Princip allem andern vorangestellt wird. Wo Frauen in konfessionellen Organisationen sind, ist dahin zu sireben, daß sich der konfessionelle Gedanke mit dem der Frauen- bewegung einigt. Die Rednerin betonte zum Schluß, das eine neutrale interkonfessionelle Frauenbewegung eine Notwendigkeit fei.— Zu Anfang dieser Versammlung beantragte eine Teilnehmerin, daß mit Rücksicht auf die Bedeutung des zu behandelnden Gegen- standes eine Diskusston zugelassen werde. DaS wurde jedoch nicht zugelassen, denn— auf dem Programm der Abendversammlungen steht keine Diskussion. Die Vorsitzende. Fräulein Helene Lange, stellte jedoch in Aussicht, daß am nächsten Tage, wo in der Sektion IV über das kirchliche und kommunale Wahlrecht der Frau verhandelt wird, auch hier über den erörterten Gegenstand diskutiert werden könne. Als heute(Freitag) die Sitzung der Sektion IV begann, beantragte unsre Genossin Lily Braun unter Berufung auf den gestrigen Hinweis Fräulein Langes die in Aussicht gestellte Diskussion. Die Vorsitzende wies diesen Antrag ab und meinte, nach Erledigung der Tagesordnung, etwa Vz Stunde vor Schluß der Sitzung, könne das gestnge Thema diskutiert werden. Das geschah denn auch. Es standen genau 30 Mnuten für die Diskussion zur Verftigung. Vor Beginn derselben bemerkte die Vor- sitzende, Frl. Dr. Gott Heiner- Berlin: Es sei ein Entgegen- kommen, aber keine Verpflichtung der Sekftonsleitung, wenn sie diese Diskussion zulasse. Lily Braun, die mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt ivurde, erhielt nunmehr das Wort. Sie erkannte an, daß Frl. Jlka Freudenberg gestern in objektiver Weise die Stellimg der Social- demokratie zur Frauenbewegung gewürdigt habe. Darin irre aber Frl. Frendenberg, weim sie meint, das Gleichheitsprincip veranlasse die Socialdemokratie, für die rechtliche Gleichstellung beider Geschlechter einzutreten. Die Stellung der Social- demokratie zur Frauenbelvegung werde bedingt durch die wissen- schaftliche Erkenntnis, daß die Franenfrage ein Teil der socialen Frage ist und daß sie nur in Verbindung mit dieser gelöst werden kann. Die ökonomische und sociale Entwicklung, nicht die allgemeine GleichheitSidee brauchte die Socialdemokratie zu dieser Erkenntnis. Die Forderung der Gleichberechtigung der Frau werde nicht mir von der deutschen, sondern von der internationalen Socialdemokratie vertreten. Weiter führte die Rednerin eilte Reihe von Thatsachen dafür an, daß die Socialdemokratie von Anfang an, auch im Reichs- tage, die Interessen der Frauen vertreten hat und zwar nicht nur die Interessen der Arbeiterinneir, sondern auch die der bürgerlichen Frauen. Alle Anträge derselben sind im Reichstage durch die Socialdemokratie und nicht mir von einigen Freunden aus bürgerlichem Lager unterstützt worden. Im_ Jahre 1894 war es die socialdemokratische Fraktion, die im Reichstage gegen den Widerspruch der Mehrheitsparteien einen Antrag auf Einführung des Francn-Stimmrechts verfocht, bei welcher Gelegenheit August Bebel mit großer Entschiedenheit für die Rechte der Frauen eintrat.— Diese Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Hof- Prediger a. D. S t ö ck e r, der im Saale weilte, schoß finstere Blicks auf die Rednerin. Seine Züge nahmen erst wieder die gewohnte Glätte an, als die nächste Rednerin, eine Vertreterin des Evangelischen Frauenbundes, die Kraft des Evangeliums pries, die in der Frauen- bewegung lebendig sein müsse. Frl. Else Lüders führte hierauf auS, sie habe den Antrag der Frau Braun, hier über den Vortrag des gestrigen Abends zu diskutieren, deshalb unterstützt, weil sie es ftir einen Fehler halte, daß für die Abendversammlimgen keine Diskussion angesetzt ist. In der Sache selbst sei sie mit Frl. Freudenberg einverstanden.— Dagegen bemerkte Frl. P a p p r i tz: Nicht Scheu vor der Diskussion, sondern Rücksicht auf die Gesundheit der Kongreß- teilnehmer habe die Kongreßleitung veranlaßt, in den Abend- Versammlungen keine Diskussion stattfinden zu lassen. Die Verhandlungen der Sektion III waren heute dadurch von Interesse, daß auch hier wieder die Gegensätze zwischen bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung die Erörterungen beeinflußten. Auf der Tagesordnung stand das Thema:„Berufsorganisation und Genossenschaftsbewegung". Nach einem einleitenden allgemeinen Referat von Fräulein Dyhrenfurth- Berlin sprach Fräulein Else Lüders- Berlin über„Organisation der deutschen Arbeiterinnen". Die Rednerin sagte: Choral- teristisch für die deutsche Frauenbelvegung sei die Spaltung der- selben in verschiedene Gruppen und charakteristisch für diesen Kongreß sei der Gegensatz zwischen den bürgerlichen Frauenvemnen und den Organisationen der Arbeiterinnen. Die Rednerin gab eine objettive Darstellung der deutschen Gewerkschaftsbewegung und sagte dann, sie wünsche den freien Gewerkschaften, unter der Voraussetzung, daß sie die politische und religiöse Neutralität wahren, ein derartiges Gedeihen, daß sie alle Arbeiterinnen in sich der- einigen. In dieser Hinsicht herrsche volle? Einverständnis unter den bürgerlichen Frauen. Die Frauen müßten den Fehler, den die Männer durch Spaltung in verschiedene, nach polttischer und konfessioneller Parteistellung gesonderte Gewerkschaften gemacht haben, vernieiden und eine einheitliche Organisation anstreben. Rednerin sagt, sie würde es für ein Glück halten, wenn der Bund der Frauen- vereine auch socialdemokratische Arbeiterinnen-Organisationen unter seinen Mtgltedern hätte. Sie hält es für einen Fehler, daß der Bund im ? fahre 1894 unter dem Widerspruch einzelner Mitglieder die Aufnahme ocialdemokratischer Arbeiterinnen-Organisationen unter Berufung auf das Vereinsgesetz ablehnte. Die bürgerlichen Frauen müßten mit den Arbeiterinnen zusammengehen. Aber auf Seite der Arbeiterinnen seien ebenfalls Fehler gemacht worden, die daS Zusammengehen hindern. Einzelne Führerinnen der Arbeiterbewegung suchen in be- wußter Weise Mißtrauen gegen die bürgerliche Frauenbewegung unter den Arbeiterinnen zu verbreiten, indem sie Fehler, welche einzelne bürgerliche Frauen begehen, der ganzen Bewegung zum Borwurf machen. Ein solcher Fehler sei der Prunk dieses Kongresses. Er werde den bürgerlichen Frauen noch lange bei den Arbeiterinnen schaden. Die Rednerin begann hierauf, die politischen Ursachen zu erörtern, welche den Gegensatz zwischen bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung bedingen. Die Vorsitzende, Fräulein E l b e n- Hamburg, untersagte ihr aber die Fortsetzung dieser Ausführungen, weil politische Er- örterungen hier nicht stattfinden dürfen. Ein Teil der Anwesenden ividersprach diesem Eingriff und Frau Schulrat Eauer rief der Rednerin zu:„Else, lassen Sie sich das nicht ge- fallen!"— Fräulein L ü d e r s brach aber bald mit den politischen Erörterungen ab und schloß: Hüten wir uns vor der Zweifronten- Theorie, die der Liberalismus auf politischem Gebiet bethätigt. Wir wollen kämpfen nach rechts gegen die Gleichgültigkeit eines großen Teils der bürgerlichen Frauen, und nach links, indem wir das Miß- trauen, welches uns die Arbeiterinnen entgegenbringen, beseitigen.— Lebhafter Beifall und der stereotype Dank der Vorsitzenden„für die von warmer Begeisterung getragenen Ausführungen" folgte dem Referat. Miß Mary Macarthur» England gab eine Darstellung der gew erkschaftlichen Frauen-Organisationen in Eng- l a n d: In Lancashire sind etwa 100 000 Arbeiterinnen gewerkschaft- lich, und zwar mit den Männern zusammen, organisiert. Außerdem sind noch etwa 30000 andre Arbeiterinncn organisiert. Die Lancashirer Frauen sind Mitglieder des Arbeiter-RepräsentationS- komitees, welches eigne Vertreter ins Parlament schicken will. Die HandlungSgehtlfinnen und die weiblichen Angestellten bei der Post sind ebenfalls gewerkschaftlich organisiert. Frau Altobelli-Bemtti auS Italien, die seit zwanzig Jahren in der dortigen socialistischen Organisationsarbeit thätig ist, sprach über die italienische Arbeiterinnenbewegung! Tagelöhne von 30—40 Centimes seien nicht selten. Die Prostitution sei eine Folge dieser elenden Löhne. Die Hälfte aller Proletarierkinder sterben im ersten Lebensjahre. Die Arbeiterbewegung, ivelche 1870 in Italien einsetzte, wirkte erhöhend auf die Löhne'und vorwärts- treibend auf die Gesetzgebung. Die stärkste Organisation haben die Arbeiterinnen in den staatlichen Betrieben. Von 200 000 Land- arbeiterinncn sind 30 000 mit den Männern zusammen organisiert. Frau Altobelli schildert ihre eignen organisatorischen Arbeiten. Die Organisationen haben einen ausgesprochen socialistischen Charakter. Sie haben erzieherisch gewirkt, die Verbrechen, besonders der Kindes- mord. haben abgenominen. Zum Schluß betonte die Rednerin die Solidarität des internationalen Proletariats. Frau M a r i e L a u g- Wien, die über die Arbeiterinnen- Organisation in Deutsch- Oesterreich sprach, führte aus: Die vier Millionen Landarbeiterinnen und eine Million Jndustrie-Arbeiterinnen seien infolge des tiefen Bildungsniveaus schwer zu organisieren. Anfangs standen die Arbeiterinnen-Organi» sationen unter socialdemokratischem Einfluß. Selbständige Arbeite rinnen-Organisationen gießt es seit wenigen Jahren. In den staat lichen Tabaktrafiken sind fast alle Arbeiterinnen organisiert. 3400 socialdemokratisch, 200 christlich. Die jetzige Regierung hindert die Organisation der Staatsarbeiter nicht, sie ist in dieser Hinsicht ein- sichtiger wie die Regierungen andrer, benachbarter Staaten. Eine Organisation der Heimarbeiterinnen mit S00 Mitgliedern ist von der Socialdemokratin Adelheid Popp ins Leben gerufen, die sich um die Organisierung der Heimarbeiterinnen große Verdienste erworben hat. Die großen politischen Frauen-Organisationen sind socialdemo kratisch. Nachdem eine amerikanische und eine französische Referentin, sowie einige Diskussionsrednerinnen gesprochen hatten, erhielt Lily Braun, mit starkem Applaus begrüßt, das Wort. Sie sagte unter anderm: Frl. Lüders hat die Gewerkschaftsbewegung objektiv besprochen, sie hat aber nicht— wie Frau Lang binsichtlich der österreichischen Verhältnisse— gesagt, daß es in Deutschland die socichldemokratischen Frauen waren, die unter ungeheuren Opfern die Organisationsarbeit in den Reihen ihrer unterdrückten und aus- gebeuteten Mitschwestern betrieben haben und noch betreiben. Auch ünsre männlichen Gewerkschaftler haben die Organisierung der Frauen längst betrieben und durchgeführt. Das muß den bürgerlichen Frauen gesagt werden: Es handelt sich nicht darum, daß man zu den Arbeiterinnen geht und sie für die Organisasion zugänglich zu niachen sucht, sondern man muß vor allem den Kampf aufnehmen gegen das Unternehmertum, welches mit den brutalsten Mitteln die Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen zu hindern sucht. Die von bürgerlichen Frauen ins Leben gerufene Dienstboten-Organisation ist keine Arbeiterinnen-Organisasion, wie sie sein soll. Ich wünschte, sie wäre es, und die Dienstboten legten eines Tages die Arbeit nieder. Dann wollten wir einmal sehen, was die Frauen machen. Die christliche Organisation der Heimarbeiterinnen ist im wesentlichen eine Unterstützungs-, aber keine Kampforganisation. Der Vorstand dieser Organisation hat das Recht, um Aufnahme Nachsuchende ohne weiteres zurückzuweisen. Weil die Heimarbeiterinnen noch ans einer sehr tiefen Stufe stehen, darum ist es für sie eine Gefahr, lvenn vor- nehme Damen als Protektorinnen zu ihnen kommen. Aufgerüttelt, nicht protegiert müssen die Arbeiterinnen werden. Es ist zu be dauern, daß hier nicht Arbeiterinnen über ihre Verhältnisse sprechen konnten. Daß es nicht geschehen konnte, ist ein Zeichen für den Egoismus der bürgerlichen Frauen, die diesen Kongreß mit der goldenen Mauer eines Eintrittsgeldes von 2 bis 8 M. umgeben haben. Diese Mauer können die Arbeiterinnen, selbst wenn sie am Kongreß teilnehmen wollten, nicht übersteigen. sGroßer Beifall.) Nach Lily Braun sprachen noch einige Diskussionsrednerinnen, die den bürgerlichen Standpunkt vertraten. )Zus der frauenbewegung. Ablershof. Am Montag, den 20. Juni, abends 8'/z Uhr, findet im Lokale von Meißner, Bismarckstraße 60, eine Volks- versainnilung für Frauen und Männer statt. Herr Dr. A. Bernstein spricht über das Vereins- und Versammlungsrecht. Zahlreiches Er- scheinen erwartet Die weibliche Vertrauensperson. Neu- Weißensee. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am 13. Juni eine sehr gut besuchte Versammlung ab. Der Schriftsteller Herr Baege sprach über Darwinsche Theorie. In klarer übersichtlicher Weise schilderte Redner die Entwicklung und Abstammung der verschiedenen Lebewesen bis hinauf zum Menschen. Aufmerksam folgte die Versammlung den lehrreichen Ausführungen des Redners und dankte durch lebhaften Beifall. Dem interessanten Vortrage folgte eine rege Diskussion.— Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß am 10. Juli unser Sommerfest stattfindet. Der Vorstand. Berichtigung. In dem Bericht über den Vortrag der Genossin Lily Braun über„Socialdemokrasie und Frauen-Stimmrecht" sNr. 139 vom Donnerstag) sind an einer Stelle durch Druckfehler aus „proletarischen" Frauen„patriotische" Frauen geworden. Es muß, wie gesagt,„proletarische" Frauen heißen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrte Redaktion I AuS dem Bericht über die Versammlung vom 14. Juni sehe ich, daß Sie mich nicht gut verstanden haben. Sie berichten, daß wir schweizerischen Frauen aller Parteien zusanimenarbeiten. Das ist richtig. Sie vergessen aber meine weitere Ausführung darüber, wie es geschieht. Die schweizerischen socialdemokratischen Arbeiterinnen- vereine arbeiten jeder für sich auf seinem Gebiete unabhängig; ebenso alle Sekttonsvereine des Bundes schweizerischer Frauen- bereine. Diesem Bunde haben sich bis jetzt etwa fünf Arbeiterinnen- vereine angeschlossen. Weil die Statuten des Bundes verlangen, daß alle Beschlüsse einstimmig gefaßt werden, können wir Arbeiterinnen sehr wohl mit dabei sein. Diejenigen Arbeiterinnen- vereine, welche dem Bunde nicht angehören, sind doch mit vielen seiner Arbeiten einverstanden und schließen sich denselben an. So hat sich der Centralverband schweizerischer Arbeitervereine, der es seinen Zweigvereinen freistellt, dem Bunde schweizerischer Frauen- vereine beizutreten oder nicht, kürzlich das Zusammengehen mit dem- selben in der Agitation für Aufnahme der Frau und der Wöchnerin in die allgemeine Krankenversicherung beschlossen. Er hat ein bei- stimmendes Gesuch zu der diesbezüglichen Petttion an den Bundes- rat gerichtet. Zugleich stellte er seine Mitarbeit in der Agitatton für das Stimmrecht in Aussicht. Auf diese Weise arbeiten wir zusammen in vielen Fragen, ohne daß wir in andern Fragen ge- hindert sind, unsre eignen Wege zu gehen. _ Frau Marie Adam. Zehnte ordentliche Geveralversaminlnvg der Großeindanfs- Gesellschaft deutscher Konsumvereine in Kamburg. I. Sitzung Vom 16. Juni 1904. Die Generalversammlung wird von dem Vorsitzenden des Auf- sichtsrats K a I t o f e n- Dresden eröffnet, der die Verhandlungen leitet. Als Schriftführer fungiert H e r b st- Stettin, als Führer der Rednerliste P o st e l t- Hamburg. Der Geschäftsführer der Großeinkaufs-Gesellschast E. Scherling begrüßt die auswärsigen Gäste. Er konstatiert mit Genugthuung, daß. die Beziehungen zwischen der Großeinkaufs- Gesellschaft und den Genossenschafts-Verbänden der Nachbarländer immer freund- schaftlicher und enger werden. Er begrüßt ferner die anwesenden Vertreter des Centralverbandes deutscher Konsumvereine, dessen Gründung von der Erstarkung der Genossenschastssache Zeugnis ab- lege und für die Großeinkaufs-Gesellschast eine wertvolle Entlastung bedeute. Der Sekretär des Verbandes schweizerischer Konsumvereine Dr. Hans Müller- Basel überbringt die Grüße und Glück- wünsche der schweizerischen und zugleich auch der dänischen, englischen, schotttsche», französischen und holländischen Genossenschastsberbände. Er spricht in Ausdrücken der Anerkennung und Bewunderung von der Bedeutung der Großeinkaufs-Gesellschast, die in den zehn Jahren ihres Bestehens eine größere Arbeit geleistet hätte, als andre Ver- bände in 40 und mehr Jahren. Die Geschichte der Großeinkaufs- Gefellschaft sei ein glänzendes Stück deutscher nationaler Ent- Wicklung. Der Vorsitzende des Centralverbandes deutscher Konsumvereine R a d e ft o ck überbringt der Großeinkaufs-Gesellschast die Grütze des Centralverbandes, der ohne die Arbeit der Großeinkaufs-Gesellschast nie zu stände gekommen wäre: daher müßten auch die deutschen Konfum-Genossenschaften stets treu zu ihrer Großeinkaufs-Gesellschaft halten. Hierauf erstattet der Geschäftsführer der Großeinkaufs-Gesellschast Scherling den Geschäftsbericht. Der Umsatz der Groß- einkaufs-Gesellschaft ist in stetem Steigen begriffen; in den ersten füof Monaten dieses Jahres ist er schon um 2 Millionen Marl größer, als im Vorjahre. Das Kapital der Großeinkaufs-Gesellschast hat um Vi Million Mark erhöht werden müssen, da bekanntlich die Inangriffnahme der Eigenproduktion durch Gründung einer Seifen- fabf.k beschlossen ist. Auch die Errichtung einer konsumgenosscn fchastlichen Bank wird erwogen. Der Vorsitzende verliest den Revisionsbericht des Revisors I. Heins, der keinerlei Ausstellungen zu machen hat. Bücher und Belege seien in musterhafter Ordnung. In der Diskussion über den Geschäftsbericht findet Bauer- Mainz, daß die Unkosten im Verhältnis zum Umsatz zu hoch seien Vielleicht sei der Beamtenstab zu groß. Der Geschäftsführer Scherling erklärt die scheinbare Steigerung des Unkostencontos durch die neuen Aufgaben der Großeinkaufs-Gesellschast. Der Be- amtenstab sei eher noch zu klein, als zu groß. Von einigen Rednern wird eine Anzahl kleinerer Wünsche vor- gettagen, die sich auf die Art der Fakturierung ze. beziehen oder lokale Angelegenheiten betteffen. Die Thüringer verlangen Er richsimg eines eignen Lagerhauses der Großeinkaufs- Gesellschaft für Thüringen. Einige Heiterkeit ruft eine komplizierte Gänse- Affaire hervor, in der der Frankfurter Vertreter beweglich Klage führt, aber unter Zustimmung der Versammlung von dem Geschäfts- führer Scherling zurückgewiesen wird. Der Geschäftsführer Lorenz berichtet über eine von einem Herrn in Charlottenburg verfaßte und versandte Kritik der Geschäftsführung der Großeinkaufs-Gesellschast. die er vollständig zerpflückt. Der betreffende Herr beschästige sich seit ganzen zwei Monaten mit der Genossenschaftsbcwegung(Heiterkeit), es sei ihm daher nicht besonders übel zu nehmen, daß er von dem ganzen Wesen des Genossenschafts Wesens noch zu wenig verstehe. Die weitere Debatte bettifft nur noch Nebensächlichkeiten, wes- halb sie nach kurzer Zeit beendet wird. Den Geschäftsführern wird widerspruchslos E n t l a st u n g erteilt. In der Debatte über die Verteilung des Rein- gewinnes wird von feiten der Berliner und Mainzer Vertreter beantragt, von einer Rückvergütung an die Vereine diesmal abzu- sehen und den gesamten Reingewinn dem Reservefonds zuzuführen. Ein andrer Antrag verlangt, die im Vorjahre gestrichene Ent- Schädigung der Anftichtsratsmitglieder wieder einzuführen. Die Debatte hierüber wird auf morgen vertagt. weite Sitzung am 16. Juni 1904. Zunächst wird die gestern abgebrochene Debatte über die Ver- teilung des Reingewinnes fortgesetzt. Von zwei Seiten ist beantragt worden, von einer Vergütung an die Vereine diesmal abzusehen und den gesamten Reingewinn dem Reservefonds zuzu führen. Ferner ist beantragt, die im Vorjahre gestrichene Ent chädigung der Auffichtsratsmitglieder wieder einzuführen. E b e r l e- Bremen bekämpft diesen Vorschlag. Die Thäsigkeit des Aufsichtsrats müsse Anerkennung finden, aber nicht in klingender Münze. F l e i tz n e r- Dresden bedauert es, daß die Aufsichtsrats- Mitglieder nicht ganz von selbst eine solche Entschädigung abweisen. Die Diäten seien eine vollständig ausreichende Entschädigung. Vellmar- Hagen bezeichnet derartige Anschauungen als sehr rückständig. A ß m a n n- Braunschtveig meint gleichfalls, sede Arbeit sei ihres Lohnes wert. Von Anerkennungen könne man nicht leben. Zudem gehe es hier keineswegs um„Idealismus", sondern um den Pfennig, den die Konsumvereine mehr erhalten wollten. Die Diäten seien keine Entschädigung, sondern lediglich ein Zehrgeld. Vom Konsumverein Löbtau(Fleißner) wird beanttagt, dem Aufsichtsrat als Entschädigung für die Arbeiten, die etwa außerhalb der Sitzungen zu verrichten wären, die Summe von 600 M. zur Verfügung zu stellen. Dieser Antrag wird angenommen, alle übrigen werden abgelehnt, die Anträge auf Wegfall der Rückvergütung ge- langen gar nicht zur Abstimmung, da sie nach der Ansicht des Vor- itzenden statutenwidrig sind. Die Verteilung wird nach den Vor- 'chlägen des Vorstandes festgestellt. Ein Anspruch des Herrn M a u ch e r- Karlsruhe auf Auszahlung seiner Remuneration als früheres Aufsichtsratsmitglied, die er nach dem damaligen Statut zu beanspruchen hat, wird gut- geheißen. Geschäftsführer Lorenz macht hierauf sehr interessante Mit- teilungen, die die in diesem Frühjahr beschlosfene Errichtung einer Seifenfabrik in Aken an der Elbe betreffen. Die Grundstückserwerbung ging nicht ohne Schwierigkeiten von statten, da infolge eines etwas voreiligen Artikels in einem socialdemo- kratischen Blatte das Gerücht von konsumvereinsfeindlicher Seite aufgebracht wurde, als ob es sich hier um eine socialdemokratische Gründung handle. Der bekannte frühere Reichstags-Abgeordnete Placke, der in Aken eine Schiffswerst besitzt und eine sehr einfluß- reiche Persönlichkeit ist, setzte alle Hebel in Bewegung, um die Sache zu hintertreiben. Die Geschichte hat viel Aerger, Zeit und Kosten verursacht. Schließlich gelang es doch, das Areal zu erwerben, und jetzt ist es im Besitz der G.-E.-G. Es umfaßt 28 822 Quadratmeter und kostet 49 647 M. Zunächst hat sich die Leitung der G.-E.-G. einen großen Betrieb in der Scifenindustrie angesehen, und zwar den in Zlusfig(in Deutschland gießt es nämlich einen Seifenaroßbetrieb noch gar nicht). Dann ging's an die Besorgung des Mafchinenmaterials. Die Kosten für die maschinellen Anlagen belaufen sich auf 160 000 M. Die Fabrik der Großeinkaufs- Gesellschaft wird die erste große Seifenfabrik sein, die eine Fettspaltung in so großem Umfange ein- richtet. Die Fabrik wird zunächst 260 Centner Kernseife, 76 Centner Schmierseife, 60 Censiier Seifenpulver und TVj Centner Toilettenseife täglich produzieren. Doch kann dre Pro- duktion auch ohne Aenderung der Gebäude auf das Doppelte gebracht werden. Die Kosten für die Verwaltungs- gebäude werden auf 72 768 M. veranschlagt, für das Fabrikgebäude auf 92 870 M., für das Siedehaus auf III 000 M. Außerdem muß ein besonderer Wasserturm errichtet werden, so daß die Gesamt- anlage auf 709 047 M. kommen wird. Die bebaute Fläche wird 3608 Quadratmeter umfassen, so daß der Groß-Einkaufs-Gesellschast noch reichlich Areal zur Verfügung bleibt. Tie Rentabilität des gesamten Unternehmens scheint nach der aufgestellten Gestehungskostenrechnung reichlich gesichert. Das Gebäude wird wohl noch in diesem Jahre unter Dach ge- bracht und im nächsten Jahre um diese Zeit wird wohl mit dem Betrieb begonnen werden können. Die Generalversammlung nimmt sodann noch einige Wahlen vor. Zum Revisor wird Heins-Bremen wiebergewählt. Die tatutenmätzig ausscheidenden AufsichtsratsmitgliederKaltofen-Dresden, Koch-Leipzig, Hübner-Gersdorf und Marcus-Remscheid werden wieder- gewählt, zu Ersatzmännern werden Hebestreit- Thüringen, Neudeck- Zrandenburg und Kretschmer-Hamburg bestimmt. Die nächste Generalversammlung findet in Stuttgart statt. Der Borsitzende Kaltofen schließt die Generalversammlung mit der Ermahnung an die einzelnen Vereine, für eine noch regere Inanspruchnahme der Großeinkaufs- Gesellschaft beim Großeinkauf zu sorgen, und wünscht allen ein fröhliches Wiedersehen in Stuttgart. Vermilektes. Zu der Brandkatastrophe in New Dork wird berichtet: Die letzten polizeilichen Feststellungen ergeben, daß 692 Leichen geborgen sind, von denen 409 identifiziert worden sind, während noch 660 als zermißt angemeldet worden sind. Der Besuch der Morgue bot einen chrecklichen Anblick. Die öffentlichen Schulen in dem von der Katasttophe betroffenen Disttikte berichten, wie der„Franks. Ztg." aus New Dork gemeldet wird, daß gestern 316 Kinder beim Schul- Unterricht fehlten, die fast sämtlich für den Ausflug um Erlaubnis zum Wegbleiben nachgesucht hatten. Der Sanitätskommissar DarlingtoN erklärt, die Zahl der Toten werde die Höhe von 1200 erreichen. Die Fahrt des Dampfers„General Slocum" nach Ausbruch des Brandes zur Northbrothers-Jasel, wo der Kapitän das Schiff auflaufen lassen wollte, gestaltete sich zu einem grauenhaften Wett- rennen mit dem Tode. Von oben bis unten in Flammen gehWt. die durch schnelle Fahrt des Schiffes noch stärker angesacht wurden, schoß der Dreidccker unter Volldampf dahin. So mächtig auch die Räder arbeiteten, es ging doch nicht schnell genug vorwärts, denn in der engen Fahrrinne des„Höllenthores" hatte der Dampfer schwer gegen die starke Strömung anzukämpfen. Der Anblick des brennenden Schiffes und der Lärm der Sirenen hatte Tausende am Ufer ver- sammelt, aber nur wenige waren im stände, den Unglücklichen Hilfe zu bringen. Dutzende von Booten eilten dem brennenden Schiffe zu, um zu thun, was unter diesen Umständen möglich war. Sie mußten sich darauf beschränken, die wenigen Personen aufzufischen, die einzeln und zu mehreren über Bord sprangen. Die Panik unter den Fahrgästen wurde mit dem weiteren Vordringen der Flammen immer furchtbarer. Vor die Wahl gestellt, im Feuer oder im Wasser umzukommen, drängten alle zum'Schiffsrand, um über Bord zu springen. Die Boote, die vom Ufer herbeigeeilt waren, waren außer stände, mit dem Dampfer gleiche Schnelligkeit inne zu halten, und da nur wenige Flußdampfer sich um diese Zeit in der Nähe des„General Slocum" befanden, konnte nur eine geringe Anzahl der über Bord Gesprungenen gerettet werden. Das schlimmste Unglück erfolgte erst, als das brennende Schiff endlich im seichten Wasser auf Grund lief. Durch den starken Anprall explodierten die Kessel und brachen die Verdecke zusammen, so daß die oben Befindlichen in den Flammen erfüllten Schiffsraum hinabstürzten. Als das Schiff festlag, begann die Rettungsattion. Eine Polizeikette machte den Strand frei und Ruder- und Fährboote eilten unaufhörlich zwischen dem Unglücks- schiff und dem Ufer hin und her, um zu retten, was an Menschenleben noch zu retten war, und die Toten von Bord an Land zu bringen. Das ganze Ufer entlang stellten sich im Wasser Männer in einer Reihe so nahe wie möglich dem noch immer brennenden Schiffe auf, um die Leichen der Ertrunkenen, die unaufhörlich von den Wogen herangeschwemmt wurden, an Land zu befördern. Dort wurden sie niedergelegt und mit Segeltuch bedeckt. Ueber die wirkliche Ursache des Unglücks, über den Zustand des Schiffes, das Verhalten des Kapitäns und der Mannschaft und andre Umstände ha tder stellvertretende Bezirksanwalt Garvan bereits eine Unter- suchungeingeleitet. Bis deren Ergebnisse bekannt sind, muß man sich mit den Schilderungen begnügen, die Teilnehmer der Todes- fahrt von der Katastrophe entwerfen. Einer der Fahrgäste Namens John Edell giebt folgende Darstellung:«Ich sah mir gerade im Maschinenraum die Maschinen an, als plötzlich eine mächtige Flamme emporschoß, die alles einzuhüllen schien. Ich erlitt Brand- wunden im Gesicht und an den Händen. Ich stürzte zu meiner Mutter und ergriff sie, sie riß sich jedoch in dem sinnlosen Bestreben. einige der kleinen Kinder, die um uns herum verbrannten, zu retten, von mir los. Ich sah sie dann nicht mehr. Ob sie tot ist oder lebt, weiß ich nicht. Die Flammen breiteten sich so schnell aus, daß keine Zeit zum Ueberlegen blieb. Ich sah, wie dre Kleider von Kindern in den Armen der Mütter Feuer fingen und die Kinder verbrannten, bevor die Flammen unterdrückt werden konnten. Es war«in Grauen erregender Anblick. Es blieb nur eine Wahl, nämlich über Bord zu springen. Viele thaten das, und meiner Schätzung nach sind dabei gegen 300 Personen ertrunken." Ein Musiker Namens August Schneider erschien mit einem kleinen Kinde im Arm auf der Polizeistasion, um sich nach seiner Frau und seinen beiden andern Kindern zu erkundigen. Das einzige, was er aussagen konnte, war, daß er sich mit seiner Familie auf den, obersten Verdeck nahe dem Bug befand, als der Dampfer„plötzlich in der Mitte auseinander brach". Dann erinnerte er sich nur noch, daß er mit seinem Kinde im Arm auf dem Deck eines Schlepp- dmnpfers lag. Ob er im Wass-er gewesen war, und wie er gerettet worden war, wußte er nickst. Von seiner Frau und den beiden Kindern war keine Spur vorhanden. Bei der Rettung zeichneten sich einzelne Personen, wie der Polizist Collins, besonders aus. Er zog 22 Personen in sein Ruderboot und brachte sie an Land. Der Maurer James Owen schwamm sechsmal hinaus und kehrte fünfmal mit einer Frau oder einem Mädchen, die er gerettet hatte, schwimmend ans Ufer zurück. Beim sechsten Mal brachte er einen Knaben und ein kleines Mädchen an Land. Als er das Ufer erreicht hatte, wurde er ohnmächsig. Nachdem er sich erholt hatte, wollte er noch einmal hinausschwimmen, wurde jedoch angesichts seines Zustandes von seinen Freunden mit Gewalt zurückgehalten. Ein weiterer Unglücksfall ereignete sich an der Landungsstelle bei Port Morris. Ein Schleppdampfer näherte sich mit den Geretteten, die er aufgenommen hatte, der Landungsstelle. In ihrer Hast, wieder an Land zu gelangen, drängten alle zum Schiffsrand. Der Dampfer legte sich infolgedessen über und lief auf. Da das Wasser an der betreffenden Stelle nicht tief war, mutzte der Kapitän die Maschinen rückwärts arbeiten lassen, um den Dampfer wieder flott zu machen. Unter den an Bord Befindlichen, die noch von dem, was sie ausgestanden hatten, furchtbar mit- genommen waren, entstand eine Panik, da sie ein neues Unglück befürchteten. Alle schrien wild durcheinander, und die meisten sprangen über Bord, um sich durch Schwimmen zu retten. Aber alle bis auf zwei ertranken. So kamen noch weitere 20 Menschen ums Leben. Gegen 60 kleine Boote suchen Tag und Nacht im- Wässer nach Leichen und bringen beständig Tote an Land. Eine große An- zahl der Umgekommenen wird wohl erst nach mehreren Tagen an Land gespült werden, da der starke Stromwirbel am„Höllenthor" viele Leichen vom Ufer wegtreibt. Berhängnisvoller Wirbclftnrm. Nach einem in New Dork am 16. Juni eingelaufenen Telegramm aus Santiago de Euba hat dort ein Wirbelsturm gewütet, der von heftigen Regengüssen be- gleitet war. Gegen hundert Menschen werden bisher als getötet an« gegeben. Großer Schaden wurde angerichtet. Infolge Zerstörung der Wasserleitung herrscht Wassermangel. Aus Biberach wird berichtet: Die 12 Jahre alte Victoria Prestle wurde in der vergangenen Nacht an der Mauer des Friedhofs von ihrer Mutter mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden. Als der That verdächttg ist der Sohn des Totengräbers Bruder verhaftet worden. Die Stadt Minsk in Rußland ist durch ein großes Feuer heim- gesucht worden, das im Centtum der Stadt an drei Stellen ausbrach und sehr bedeutenden Schaden anrichtete. Eingegangene Druchrcbriften. Denkschrift über die in Deutschland bestehenden Verhältnisse in Bezug aus das Bordcllwescn und über seine sittlichen, socialen und hygienischen Gcsahren. Herausgegeben vom Bunde deutscher Frauenvereine. Dresden 1304. Verlag von O. B. Böhmert. Das germanische Papsttum. Von Heinr. Lüdemann. Preis 2,— M. Selbstverlag von Heinr. Lüdemann, Wilhelmshaven. Fo erster, Privatdozent an der Universität Zürich. Jngendlehre. Für Eltern, Lehrer und Geistliche. Preis brosch. 5,— M., geb. M. Marktpreise von Berlin am 16. Juni 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Ctt. . mittel gering »Roggen, gut . mittel gering Gerste, gut , mittel gering Haler, gut . mittel . genug Richtstroh Seu rbsen Spciscbohnen Linsen » ab Bahn. 1- srei Wagen und ad Bahn. Kattoffeln, neue D.-Ctt. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch. Schweinefleisch. Kalbfleisch» tammelsleisch. utter Eier Karpsen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse S0 Stück 1 kg per Schock 7,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 2,80 3,00 2,20 2,00 2,80 1,40 16,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,40 1,40 1,40 1,20 1,20 ,80 1,20 0,80 3,00 RENNABOR' für TRflHSPßCT- RÄPm' «ewerblichK� Aivscke. Wichter Mauf. � Smchye Vauarb. M«Kr«He Motvr?ekrlM 'tvIckhMgirMuzkoiiogek» Filiale: Berlin W., Kronen-Strasse 11. Die Entwöhnung der Kinder im Sommer ist schwieriger als in andrer Jahreszeit, da die Kinder sehr oft durch die Darreichung von Kuhmilch an Magen- und Darmstörungen erkranken. Man giebt deshalb lieber zuerst die Kuhmilch vermischt mit einer dünnen Suppe von Kufekes Kindermehl, welches die Kuhmilch leichter verdaulich macht und den Nährioert derselben erhöht. Man erzielt auf diese Weise eine geregelte Verdauung, den besten Schutz gegen die sogenannten Sommer- Erkrankungen. .Jos. Qremmcr's Wwe. 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Zu dieser Versammlung müssen alle Man» erscheinen, da ein Thema zur Verhandlung steht, welches für alle Kollegen von gleichem Interesse ist. Die Versammlung wird Punkt 10 Uhr eröffnet. 116/15_ Pie Ortsverwaltnng. Centrai-Verband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgen. Deutschlands,»irreal Sonntag, den 19. Juni, nachmittags 5 Uhr, bei Voigt, Nittcrstr. 75: Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag. Bericht vom Stiftungsfeste. Verschiedenes. Fragekasten. 138/14_ Die Ortsverwaltnng. Verband der Klöbelpollerer. Montag, den SO. Juni, abends 8'/. Uhr, bei Keller, Koppenstraste SS: Versammlitng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Schütte über: »Der Krieg und sein Kultus". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen mit Frauen erwünscht. MP Der Arbeitsnachweis für Südost und Rixdorf befindet sich seil dem 15. Juni bei Tzsebackscb, Naunynstr. 6.— Zahlstellen für Südost nur bei Aix, Skalitzerstr. 59, und Tzsebaekseb, Naunynstr. 6. - Znr besonderen Benchtnng I- Sonntag, den 81. Juli, morgens 7 Uhr: Gr. Dampferpartie mit Musik nach Müggelheim. BilletS für Hin- und Rückfahrt sind für Erwachsene ä 1 M., Kinder von 6—14 Jahren 50 Ps., in allen Zahlstellen und beim Vorsitzenden VI. Niischke, Kopernikusstr. 5, zu haben. Kinder unter 6 Jahren frei.— Für Unter- Haltung, Tanz, Verlosung für Kinder usw. wird bestens gesorgt. Agitiere ein jeder sür rege Beteiligung. NB. Die Fahrpreise sind irrtümlicherweise im letzten Inserat sowie aus den Plakaten und Billets zu hoch angegeben, die obigen find die richtigen. 146/16_ Der Vorstand. k Neu! Billigste Neu!«4�.» Dampfer- von der Biebaei-Briieke jeden Tag, außer Sonnabend, vormittags 9 Uhr. Einfache Fahrt 30 Pf. Nachm. S Ilhr hin und zurück 89 Ps. Jeden Sonntagvormittag 9 Uhr und Nachmittag 2 Uhr nach Wolters- dorfer Schleose-Schloss mit Musik. Einfache Fahrt 50 Pf. loloph. Amt VII. 2841._[53751,*]_ R. Tismer. Ms imerican Diainond Palaee■ Berlin FH1EDRICH-STB. 169[ FRIEDR1CH-STR. 188 1 CEHTRAL-HOTEL zwischen Bebren- n. Französlsche-Sfr. i zwischen Mohren- und Tanben-Strasse.| Laden 15. Friedrich-Strasse 143. eiriein Spottpreise zu erwerben. Oen grosäten Teil der Waren, die frier 6 Mark gekostet haben, verkaufen wir jetzt zu� das Stück. Die Zeit ist eine limifierie, da das eine unserer Oeschäfts- lokale schon vermietet, das andere zu vermieten ist eilen Lie die Gelegenheit Taifs Diamanfen Nur den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publiknm gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheatcv. Sonnabend, den 18. Juni. »lnlang VI, Uhr! Opernhans. Fidclio. Vorher: Ouvertüre„Lconore'.(Nr. 3.) NenrS Opcrn-Tycater. Der Herr Professor. Deutsches. Die versunkene Glocke. Lesiing. Zapfenstreich. Belle-Zlllianee. Der kleine Kürassier. Hieraus: Die Automaten-Alm. Anfang 8 Uhr. Berliner. Mamzelle Nitouche. Westen. Alt-Heidelberg. 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Sonntag: Papagene._ Metropol-Theater Der psste Erfolg liieses Jahres; Gr. dramatisoh-satirisclie Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Mtlsik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. 7'/, Uhr: Gar ton-Konzert. 8— ö'/j Uhr: Die Attraktionen des phlnomonalen Juni-Programms. Hierauf: liiebesgötter. Im zweiten Bild; CTötterziig nnd die Sensation*- Apotheose: Im Tempel der BliokssligksH. Rkstdeilj-Theattt Heule nnd folgende Tage: Abends 8 Uhr: Die 300 Tage. Schwant in 3 Akten von Paul Gevault und Robert Charvey. Deutsch von Lllsred tzalm. Carl Weiss-Theater. Grone Franksurterstr. 182. Der Weg zum Herzen. Schauspiel in einem Vorsp.u. 6 Bildern. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Im Garten: Neues Programm. Tinater u. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 5 Uhr._ W. Noacks Theater Direktion: Robifl Dill. Brnnnen«trau«c 10. Sommerfest der Stellmacher Berlins und Umg. Konzert, Theater, Specialitäten. «ins. K Uhr. Kaffeeküche v.» Uhr ab. 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Brauner, Strelltzerstr. 64. R. Kleiner, Jmmanuel-Kirchstr. 33. A. Künscher, Kastanien-Mee 57. J. Braun, Kolbergerstr. 27. J. Hentschel, Strelltzerstr. 4. H. Brauner. Strelltzerstr. 64. M. Hoselbarth, Fehrbellinerstr. 27. W. Eder, Anklamerstr. 57. Kaschel, GreisSwalderstr. 29. Franz Fehsa, Pappel-Allee 21. Regen, Zionskirchstr. 2.(Die Unterschrift dieses Herrn ist von den Machern der Innung gesällcht worden, und ist derselbe also ohne feine Schuld nIS„zurückgezogen" bezeichnet worden.) 1. Mehl, HauSburgftr. 5. R. Bienert, Lebuferstr. 11. M. Schneeberger, Marlusftr. 11. M. Bauer, Liebigstr. 15. Kahlfuss, Löwesir. 1. Ernst, Lowestr. 18. Klose, Weidenweg 74. F. Stahnsdorf, Tilsiterstr. 77. »Ud-Ost. 0. Schutz, Muslauerstr. 34. C. Schulz, Kottbuser User 59. Tr. Meister, Wrangelstr. 82. G. Wenzel, Kottbiiserftr. 21. Ccntrnm. Mittelstadt, KI. Franyurterstr. 14. J. Neumann, Mendelssohnstr. 9. M. Hilbioh, Sllexandrincnstr. 28. Schneider, Linienstr. 54. Süden. August Micheli, Nostizstr. 49. Becker, Brandcnburgstr. 21. Kisdorf. P. Mahn, JSgerstr. 70. A. Braun, Kalter Friedrichft» 28. Dtto Nacker, Jansaftr. 2. Scholz, RingbaHnftr. 25. P. Neudauer, Hobrechtstr. 1. Friedrich, Hermannftr. 231. Sehttneherg. Ernst Brauer, Gothenftr. 21. Emst Brauer, Scdanstr 34. Rauscbnabel, Ebersstr. 85. Charlottenbnrg. Lehmann, Dankelmannstr. 46. A. Karsch, Scharrenftr. 28. Pankow. R. Skibbe, Krenzstr. 17. Rnmmelsbnrg. A. Herks Ww., Hauptsw. 82. Friedrichsberg. L. Schmidt, Mainzerstr. 24. Ober-SchMnewelde. Emil Stretzke, Wilhellninenhosstr. 87 Wegen Znrfiehziehung der Bewilligung oder Nichteinhaltung der Forderungen sind Jolgende Bächereien aus der Sonntagsliste zn streiehen: Korden. 0. Brandt, Borsigstr. 2. R. Kügow, Ehorinerstr. 34. 0. Koch, Schwedterstr.> Thiel, Wörtheritr. 44. Emst, Ravenöstr. 1. K. Graul, Anklamerstr. 36. Harbord, Stettin er str. 56. A. Weiss, Berastr. 2. J. Jung, Burgsdorsstr. 9. Müller, Rftkestr. 3, Heubleln, Rügenerstr. 8. Sooger, Wiesenstr. 28. Wernitz, Strasiburgerstr. 15. Arthur Scholz, Rhelnsbergerstr. 13. Hartwich, Bernauerstr. 20, Julius Qohlke, Ramlerstr. 34. Georg Engelhardt, Ruppinerstr. 16. Ed. Leopold, Wolltnerstr. 08. H. Mai, Rodenbergstr. 1. E. Beyer, Wichertstr. 100. Aug. Wackerhagon, Jasmnnderstr. 16. Siordost. 0. Bulst, Neue Königstr. 31. A. Richter, Prenzlauerstr. 57. E. Wohlgemuth, Mendels lohn str. 10. E. Schumann, Linienstr. 6a. Q. Seifert, Gollnowstr. 17. Osten. I Grosoh, Mehnerstr. 21. F. Oste, Madaistr. 10. E. Sligt, Straffmännftr. 35. A. Kuhn, Blumenste. 67. 0. Sommer, Romintenerstr. 5. F. Bohne, LIchtenbergerstr. 11. P. Schneider, Eaprivistr. 22. J. Dehmel, Eaprivistr. 9. G. Papke, Frankfurt«: Allee 40. J. Conrad. Thaerstr. 17. Sommer, Koppenstr. 8. St. Gusig. Proskauerstr. 8. Zlelinski, Zorndorserstr. 4. K. Bieringer, Tilsiterstr. 12. Südosten. G. Kruse, Liegnitzerslr. 6. H. Nickola», Wienerstr 66. Güde«. Bsrgner, Fichtestr. 9. Beckmann, Neue Jakcbfir. 10. Westen. Podehl, Lützowstr. 75. Centrnm. C. Görnitz, Gcrmannstr. 24. R. Fiedler, Dragcnerstr. 44. Fricke, Linienstr. 87. Welssensee. Rcfhkegel, Lehderstr. 119. Rlxdorf. H. Kasten, Fuldastr. 60. Hornig, Kopsstr. 43. Prifscnkow, Walterstr. 18. Kupfernagel, Bergstr. 73. 0. Ecke, Julius str. 31. Firnsiein, Hermannftr. 12. Scholz, Jutiusstratze. Ecke, Delbrückstr. 35. Hillmer, Herthaplatz 9. Gruhlke, Knesebeckstr. 39. Hagen, Hermannstrahe. Penks, Bergstr. 122. Hottmann, Klrchhotltr. 32. Gehüneherg. P. Bcckiscii, Prinz Georgstr. 7. Helnlekendorf. Riehard Krause, Berlinerstr. 105. Schwach, Köglerstr. 15. Hansfranen! Arbeiter! Unterstützt die Bäckergesellen in ihrem schweren Kampfe dadnrch, daß Ihr nnr dort Euer täglich Brot kanst, wo die Bäckergesellen unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen leben. Nachfolgende Bäckermeister sollen sich hervorragend an der Abholung der Plakate und Einwirkung auf die Bäckermeister zur Zurückziehung der Bewilligung beteiligt haben: Otto Ballhausen, Kopenhaaenerstratze 2. Albl» Schönhauser Allee 72s. Pudriftki, Schönhauser Allee 70c. Zechlin, Franseckistr. 37. Albrecht, Metzerstr. 17(dieser Herr hat, schon einmal von uns veröffentlicht, erklärt, es nicht mehr zu thun, ist aber jetzt wieder rück- fällig geworden). Prehn, Werneilchenerstr. 11. Grastnick, Ehristburgerstr. 35. O. Ecke, Rixdorf, Jnltusstr. 31. Kupfernagel, Rixdorf, Bergstr. 73. Vie Streikleitung. Hetssehold, Rosenthalerstr. U/18. 298/1 I. SJ.: Hermsdorf a. d. Nord bahn Restaurant zum Forsthaus, rSRfc\nDimko?" _ Äoiintng. heu 19. d. IM.: 55742 Mi Humoristische Soiree � renommierter lidpslgcr Qnartett- n. Konsert-Sttngor. Dr. Simmel, Prinzen- Str. 41, Spccialarzt sür[8/3* Ifnnt- nnd Karnlclden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4. Nedasteur: Paul Büttner, Berlin, Für den Lvleratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanjtalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 141. 21. Jahrgang. 2. KeilM des Jonrttte" fittlintt MsbN« Berliner partei-Hngelegenbelten. Blankenfelde. Wahlverein Bezirk Pankow. Sonntagnachmittag i Uhr ist bei Tinius die regelmäßige Mitglieder-Versamm- l u n g, in der Parteigenosse Gädicke-Berlin über unser Partei- Programm referieren wird. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Für Kölligswusterhausen und Umgegend findet Sonntagnachmittag L Uhr, im Gasthos Gaerisch zu Niederlehme eine Volks- Versammlung statt, in welcher ReichStags-Abgeordneter Z u b e i l den Vortrag hält. Sonnabends nach dem Ersten und Fünfzehnten im Monat ist im Siegeskranz Zahlabend. � Rixdorf. Sonntag früh 7'/z Uhr findet Flugblatt-Ver- teil un g statt. Treffpunkt in den bekannten Lokalen. Ober-Schönewride. Sonntag früh 8'/z Uhr erfolgt von den be- kannten Lokalen aus eine Handzettel-Verteilung. Treptow-Baumschnlenweg. Montag findet in Ackermanns Fest- fälen, Baumschulenstraße 73 eine Volksversammlung statt. Reichstags-Abgeordneter Adolf Hofflnann spricht über die Kirche, ihre Herrschsucht und Abhängigkeit. Männer und Frauen, erscheint zahlreich und gebt der von freisinniger Seite betriebenen Agitation zum Bau einer Kirche die richtige Antwort I Für diese Versammlung findet morgen früh 7 Uhr Handzettel-Verteilung statt. Treffpunkt an den bekannten Stellen. Die Wahlvereinsversammlung am Dienstag, den 21. d. Mts., fällt aus. Zchlcndorf. Dienstagabend 8 Uhr: Versammlung des Wahl- Vereins bei Giese, Teltowerstr. 23. Tagesordnung: Das Kommunistische Manifest von Karl Marx. Diskussion. Mitteilungen. Gäste willkommen._ Lokales. Förderer der Kirch enbauerei. Der»Evangelische Kirchenbauverein", an dessen Spitze der Oberhofmeister der Kaiserin Herr v. Mirbach steht, hat seine Jahresversammlung abgehalten. Der Zeitpunkt war dies- mal nicht sehr günstig— die kirchenbauenden Frommen haben gerade in der letzten Zeit einiges Pech gehabt, das ihre Stimmung stark beeinträchtigt haben dürfte. Erst gab es in dem strafgericht- lichen Nachspiel zum Krach der P o m m e r n b a n k die Enthüllungen über die kirchenbaufteundliche Freigebigkeit zweier Männer wie Romeick und Schultz, und dann folgte in dem Rechtsstreit um die an- gebliche Kirchenbaupflicht der Stadt Berlin die endgültige Ab- Weisung der geldheischenden, auf die Konsistorialordnung von 1573 pochenden Kirchengemeinden. Das find innerhalb weniger Tage zwei Niederlagen hintereinander. Man scheint sich indes auf der Jahresversammlung getröstet zu haben mit der Erinnerung an das Große, was trotz aller Hindernisse im Laufe der Jahre vollbracht werden konnte. Die Zeitungen berichten über die bis- herige Thätigkeit des Vereins, daß seit 1889 in und um Berlin 53 neue Kirchen entstanden sind. 20 andre sind noch im Entstehen, sieben davon sind bereits im Bau. Für alle diese Kirchenbauten sind über 30 Millionen Mark ausgegeben worden. Der Verein hat ll'/g Millionen dazu beigetragen, außerdem hat er Million an die Provinzen abgegeben. Wir vermissen in diesem Bericht einen anerkennenden Hinweis auf die mancherlei Förderer der Kirchenbauerei. die dem Verein Hilfteich zur Seite gestanden haben. Die Mitwirkung der Herren Romeick und Schultz ist ja, wie schon erwähnt, im Ponntzernbank-Prozeß zur Sprache gebracht worden, aber es sind da noch etliche andre Förderer der Kirchenbauerei, die gleichfalls der Vergessenheit entrissen zu werden verdienten. Wohlthäter, sagte der Herr Oberhoftneister als Zeuge im Pommernbaick- Prozeß, finden sich immer— Wohlthäter, die so tief in den Beutel greifen, wie es verlangt wird. Auch den Kirchenbauern hat es nicht an solchen.Wohlthätern" gefehlt. Schultz und Romeick gaben Geld, andre haben Baugrundstücke gegeben— jeder, was er hatte. Auf geschenktem Bauland steht z. B. die Kapernaum-Kirche. Die Geschichte dieser Kirche von der Grundstücksschenkung bis zur Kircheneiuweihuug haben wir vor längerer Zeit geschildert. Der Mann, der an dieser evangelischen Kirche zum.Wohlthäter" wurde, ist ein Katholik, ein Graf v. Oppersdorf, Besitzer großer Bauterrains an der Südseite der Secstraße um die Kapernaum-Kirche herum. Hätte die Stadt- gemeinde die Umgebung der Kirche rechtzeitig reguliert, so wäre das für den Herrn Grafen ein feines Geschäft gewesen; aber bisher hat sie ihm den Gefallen nicht gethan. Auf geschenktem Bauland steht auch die Samariter- Kirche. Hier war es gleich eine ganze Gruppe von„Wohlthätern". die durch solche Freigebigkeit die Kirchenbauerei zu fördern suchte, die Aktiengesellschaft„Berliner Neustadt", die damals noch auf die bauliche Erschließung ihrer ausgedehnten Ländereien um das Samariterkirchen- Grundstück herum wartete. Man glaubt eben gar nicht, wie„wohlthätig" selbst Aktiengesellschaften sein können, wenn es sich um Kirchenbauerei handelt. An die Samariter-Kirche knüpfen sich noch verschiedene andre Erinnerungen; sie hat beispielsweise auch in dem Streit um die Konsistorialordnung eine Rolle gespielt. Den Ausgang dieses Streites haben die Freifinnsblätter mit einem Freuden- ausbrnch begleitet. Man kann das verstehen, wenn man nur die finanzielle Seite des Streites bewachtet. Im übrigen aber hätten sie doch besser daran gethan, ihre Jubelhhmne in gedämpfterem Ton vorzutragen. Die Siegerin in diesem Prozeß, die freisinnige Berliner Kommunalverwaltung, ist nämlich lange genug auch nichts andres als eine stille Bundesgenossin ihrer jetzt von ihr besiegten Gegner gewesen. Die neuzeitliche Kirchenbauerei wäre in Berlin schwerlich so ins Maßlose ausgeartet, wenn sie nicht auch aus den führenden Kreisen des Berliner Freisinns eine mindestens indirekte Förderung erfahren hätte. Die Haltung, die zu dem Verfrommungs- treiben der Magistrat und Jahre hindurch auch die fteisinnige Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung ein- nahm, mußte wie Zustimmung erscheinen und konnte nur ermutigend wirken. Es gab eine Zeit, wo in den allerunterthänigsten Grawlationen, die vom Rathause nach dem Königsschloß gesandt wurden, fast nie eine Anspielung auf die Linderung der sogenannten sittlichen Not Berlins fehlte. Des Herrn Oberhofmeisters Verdienste auf diesem Gebiete wurden dadurch gewürdigt, daß man dieSftaße, an der eine seiner ersten Kirchen, die Samariter-Kirche, errichtet wurde, zu dauerndem Gedächtnis.Mirbachstraße" benannte. Der „moralische Erfolg der Kommune Berlin", den ein Freisinns» blatt in dem Ausgange des KonsistorialordnungS- Streites sieht, ist sehr mäßig. Zum Zerwürfnis war es ja erst gekommen, als Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung ihre Sympathie für die Verftommnngsmühen der Kirchenbauer in klingende Münze um- setzen sollten. Es ist noch unvergessen, daß der trcugehorsamsten Mehrheit der Stadtverordnetcn-Versammlung schließlich auf eine an die Kaiserin gerichtete GeburtstagS-Gratulation als Antwort jener bekannte Rüffelbrief zugestellt wurde, unterzeichnet nicht von der Kaiserin, sondern von demselben Herrn v. Mirbach, dessen Ver- dienste um die Stadt Berlin die„Mirbachsftaße" verewigen soll. Herr und Frau Prosesior Meyer. Die am 4. Juli bor der ersten Strafkammer des Landgerichts I beginnende Verhandlung gegen den Professor Dr. Moritz Meyer und Ehefrau dürfte für alle diejenigen, die da glauben, sensationelle Einzelheiten in dem Prozeß enthüllt zu sehen, eine Enttäuschung bereiten. Abgesehen von dem Interesse, welches die Persönlichkeit des Angeklagten Ehe- mannes darbietet, wird eine Anzahl von'gewöhnlichen Betrugsfällen verhandelt werden, die sich auf dem Niveau des leichtsinnigen Schuldcnmachens teilweise unter Anwendung kleiner hochstaplerischer Tricks halten. Zur Anklage stehen gegen Professor Dr. Meyer dreißig Fälle, gegen die Eheftau 27 Fälle, außerdem 20 Fälle des gemein- fchaftlich verübten Betruges. In einer Anzahl von weiteren Fällen, die ursprünglich Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittelungen waren, ist das Verfahren eingestellt worden. Der 64jährige Angeklagte hat nach dem Tode seiner ersten Eheftau seine jetzige, 24 Jahre alte Frau geheiratet, die ftüher in einem kaufmännischen Geschäft thätig war und sich in der Ehe für die Theaterkarriöre ausbildete. Sie hat auch vorübergehend kürzere Engagements im Passage- Theater, Cenftal-Theater und im Theater des Westens gehabt. Prof. Dr. Meyer ist durch seine öffentliche und schriftstellerische Thätigkeit weiten Kreisen bekannt geworden. Er war seiner Zeit Hilfsarbeiter bei der k. Universitäts-Bibliothek, lange Jahre Docent der Nationalökonomie au der technischen Hochschule, dann Docent an der kaiserlichen Post- und Telegraphenschule, Börsenredakteur an mehreren Zeitungen, hat dann die„Finanzielle Rundschau" und die „Reichs-Korrespondenz" herausgegeben und war schließlich Mitarbeiter der„Berliner Finanz- und Handelszeitung" und des„Ratgebers auf dem Kapitalmarkt". Prof. Dr. Meyer soll sich schon bei seiner Ver- heiratung in sehr mißlicher finanzieller Lage befunden haben, beide Eheleute haben auch später den Offenbarungseid geleistet. Es wird ihnen zum Vorwurf gemacht, daß sie trotz ihrer materiellen Bedrängnis ins Gelache hineii, gelebt, in der Pariserstraße 59 eine Wohnung für 2300 M. bewohnt, vornehmen Allüren gehuldigt, alle ihre Lebens- bedürfnisse aus ersten Quellen befriedigt, teure Bade-Orte besucht, große Festlichkeiten gegeben, stets die teuersten Weine getrunken zu haben zc. jc. Durch ihr ganzes Auftreten und ihre Vorspiegelungen sollen zahlreiche große und kleine Kanfleute, große und kleine Geiverbetreibende geschädigt worden sein. Als Belastungszeugen werden von der Staatsanwaltschaft etwa 100 Personen vorgeführt werden, darunter zahlreiche Vertreter erster Firmen, Juweliere, Inhaber von Konfektionsgeschäften, Luxuswarenhändler, Lederwaren- Fabrikanten, Schuhwarenhändler, Weinhäudler, Fuhrherren, Wild- Händler, Modistinnen, Photographen, Restaurateure zc. zc. aus Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf. Auch die Verteidiger, Rechtsanwälte Morris und Hugo C a r o, haben noch eine große Anzahl Entlastungszeugen geladen. Die Angeklagten bestreiten jede betrügerische Absicht. Prof. Dr. Meyer behauptet, daß es sich lediglich um Civilausprüche der betreffenden Kaufleute und Lieferanten handelt und daß er aus verschiedenen Vermittelungsgeschäften und den Erträgnissen seiner schriftstellerischeu Arbeiten wohl damit rechnen konnte, seinen Gläubigern gerecht werden zu können. Er beruft sich auch darauf, daß er schon einige Zeit vor seiner Verhaftung einen Rechtsanwalt damit beauftragt ge- habt habe, einen Vergleich mit seinen Gläubigern anzubahnen.— Die Verhandlung wird im kleinen Schwurgerichtssaale stattfinden. Die Anklage wird Staatsanwalt F r i e d h e i m vertreten, den Vorsitz Landgerichts- Direktor Geheimer Justizrat G a r tz führen. Es wird angenommen, daß die Verhandlung in drei Tagen wird zu Ende ge- führt werden können. „Wider die Pfaffenherrschaft", Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts. Von Emil Rosenow. Das 10. Heft ist erschienen. Es bringt die Fortsetzung des im 9. Heft begonnenen 6. Kapitels:„Brich mit den Armen dein Brot". In diesem Kapitel bringt der Verfasser die Erklärung für den tief- gehenden Haß, den am Ausgange des Mittelalters das Volk gegen die Pfaffen nährte. Nach ihren Grundsätzen und nach ihren Lehren wäre die Kirche verpflichtet gewesen, gegen die Ausbeutung des Volkes durch Fürsten, Adel und Städte aufzutreten. Die Kirche duldete nicht nur diese Ausbeutung, sondern die schlimmsten Wucherer, die ärgsten Volksbedrücker waren die Pfaffen. In dem Kapitel werden auch die Judenverfolgungen des Mittelalters be- handelt. Diesem Thema sind auch einige Bilder alter Meister ge- widmet, von denen wir erwähnen:„Die Judenmarterungen" nach zwei Holzschnitten aus dem Jahre 1415. Jedes Heft kostet 20 Pf. und ist jedem Genossen zu abonnieren empfohlen. Jede Parteibuchhandlung und jeder Kolporteur liefert die Hefte noch von Nummer 1 an. In Berlin nehmen die Partei- speditionen sowie jede sonstige Zeitungsspeditton Bestellungen ent- gegen. Der Verlag bittet die Parteigenoffen um rege Unterstützung er Verbreitung des Werkes. Der Bau der nordöstlichen Zwcigstrcckc des Tcltowkanals macht jetzt auch auf Treptower Gebiet in dem Ortsteil„Baumschulen- weg" raschere Fortschritte. In der Umgebung des Baumschulen- Weges, der von dem Späthschen Gelände her über die Görlitzer Bahn zur Spree führt, find die Ausschachtungen und Baggerungen in vollem Gange. Dieser Straßenzug wird von dem neuen Wasier- weg gekreuzt. Er ist zur Zeit für den durchgehenden Verkehr gesperrt und bleibt es, bis die Brücke, die hier notwendig wird, ausgeführt werden kann. Westlich von diesem Kreuzlmgspunkt, nach Britz hin, liegt das Kanalbett großenteils fertig da. In der Britzer Allee, die den Kanal überschreitet, ist der Bau der Brücke in der Ausführung begriffen. Ostlvärts, nach der Spree Hin, ist von dem Kaualbett noch nicht viel zu sehen. Dagegen ist die Brücke, auf der die Görlitzer Eisenbahn über den Kanal hinweggeführt wird, so weit gefördert, daß schon niit der Aufbringung des Eisenwerkes begonnen werden konnte. Die Köpenicker Landstraße und die Neue Krug-Allee wird der Kanal kurz vor der Stelle schneiden, an dem diese beiden Sttaßenziige zusammentreffen. Beide sollen aber auf einer gemeinsamen Brücke hinübergeführt werden. Zu diesem Zweck soll die Endstrecke der Neuen Krug-Allee so verlegt werden, daß sie fchon vor der Brücke in die Küpenicker Landstraße einmündet. Die Arbeitcr-Radfahrcr haben bekanntlich auf ihrem Bundestag in Erfurt sich für die Centralisation ausgesprochen. Leider scheint es, als ob die Durchführung diese« BeschlusfeS auf Schwierigkeiten stößt. In einer vom Arbeiter-Radfahrer-Verein„Berlin" in diesen Tagen abgehaltenen Versammlung wurde berichtet, daß bis jetzt nicht weniger als 18 dem Arbeiter-Radfahrer-Bund„Solidarität" an- gehörende Vereine bestehen, zum Teil mit einem sehr geringen Mitgliederbestande. Aus einem an den Verein gerichteten Schreiben ging hervor, daß etliche aus der Centralisation ausgeschiedene Vereine sich zu einem neuen Arbeiter-Radfahrer-Bund zusammen- zuschließen gedenken. In einer Resolution verurteilte die Vprsamm- lung dies Streben und erklärte ihr volles Einverständnis mit den Beschlüffeu de? Bundestags.� Die 160 in der Versammlung an- Ivefenden Radfahrer beschlossen dann einstimmig, für die Durch» führung der Centralisation nach den in Erfurt gefaßten Beschlüssen einzutreten. Kirchcnboykott. Der Boykott der katholischen Kirche in Rixdorf ist von den polnischen Katholiken des Ortes beschlossen worden. Die Rixdorfer Polen hielten eine Versammlung ab, in der von dem Referenten, einem Herrn Wilhelmi und zahlreichen Rednern über die Zurücksetzung der polnischen Kirchenbesucher in Rixdorf ge- Ilagt wurde. Polnische Predigten fänden nur ganz Vereinzell, und dann um 5 Uhr nachmittags statt, wo die Zahl oer Besucher, namentlich im Sommer, naturgemäß nur gering sein könne.„In der Kirche polnische Kirchenlieder zn singen, sei verboten. Es hätten sogar wiederholt deswegen unliebsame Unterbrechungen des Gottes- dieustes stattgefunden. Beschwerden bei der kirchlichen Aufsichts- behörde hätten sich als nutzlos erwiesen. Die Versanunlung beschloß einmütig,„bis zur regelmäßigen Einrichtung polnischer Gottesdienste angesichts des offenbaren Unrechts, das den Polen geschieht, die Rixdorfer katholische Kirche nicht mehr zu besuchen und, wie zur Zeit des Kulturkampfes, sich mit häuslichen Gebeten zu begnügen." Der Beschluß soll auch den audem Landsleuten mitgeteilt werden, damit jeder Pole die Rixdorfer Kirche meide. Von der ermordeten Lucie Berlin wurden gestern vormittag auch die Beine gefunden. Um 6 Uhr sahen mehrere Arbeiter und der Kutscher Schenkewitz in der Nähe der Sandkrug-Brücke gegenüber dem Juvalidenpark auf der Seite des Kohlenhofes von Louis Schulz am Hamburger Güterbahnhofe zwischen zwei Kähnen, die dort im Spandauer Schiffahrtskanal liegen, ein Paket, das ihnen verdächtig vorkam. Als sie näher herangekonmien waren, bemerkten sie, daß auf der einen Seite Fleisch aus der Umhüllung herausragte. Sie dachten nun gleich an den Mord der Lucie Berlin, und Schenkewitz, der früher beim Lückschen Rettungs- und Krankentransportwesen angestellt war, holte das Paket aus dem Wasser heraus, um es im Comptoir von Schulz einstweilen zu bergen. Man öffnete es dort und fand darin das rechte Bein des gemordeten Mädchens. Unter- und Oberschenkel waren zu einem möglichst kurzen Paket fest zusammengeschnürt. Der Fuß war noch mit einem braunen Knöpfstiefel und einem Strumpfe, dessen Farbe nicht recht mehr zu erkennen ist, bekleidet. Das obere Ende des Strumpfes war bis auf die halbe Wade heruntergestreift. Reste des rotbraunen Unterrocks fanden sich am Oberschenkel. Das ganze Paket war in Zeitungspapier eingewickelt. Während die besondere Kommission der Kriminalpolizei diesen Teil der Leiche an der Fundstelle besichtigte und die äußeren Umstände des Findens aufnahm, lief die Meldung ein, daß man um 9 Uhr auch den letzten Rest der Leiche, das linke Bein, gefunden hatte. Leute, die über die Marschallbrücke gingen, sahen in der Spree ein Paket treiben und veranlaßten einen Schiffer, der mit seinem Kahn am Schiffbauerdamm Nr. 26 liegt, dort, wo am vergangenen Sonnabend der Rumpf des Mädchens gelandet wurde, es heraus- zuholen. Es enthielt das linke Bem mit Strumpf und Schuh, das ebenso verschnürt war, wie das rechte, so fest, daß die Schnur fünf Einschnitte in die Fleischteile gemacht hatte. Was den Stand der Untersuchung betrifft, so sei vorläufig mitgeteilt, daß B e r g e r und Lenz nach>vie vor die Zhat be- streiten. Der Zuhälter Theodor Berger erscheint durch die Aus- sagen einwaudsfreier Zeugen, die alle au ihren ursprünglichen Be- kundungen festhalten, so schwer belastet, daß er gestern nachmittag der Staatsanwaltschaft I zugeführt wurde. Zwei Kriminalbeamte brachten ihn um 2 Ubr mit einer Droschke nach dem Untersuchungs- gefängniS, nachdem sie ihm auf dem Polizeipräsidium Fesseln an- gelegt hatten. Die Untersuchung der letzten Leichenteile der ermordeten Lucie Berlin wurde gestern nachmittag von denselben Herren vorgenommen, die vorgestern den Kopf und die Arme besichtigten. Außer den schon genannten gehört dazu noch der Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Mittenzweig. Nach der Besichtigung werden alle Leichenteile, Kleidunas- stücke, das Messer und die andern Sachen, die in der Wohnung der Liebetrut beschlagnahmt wurden, im Schauhause von den Gerichts- ärzten und dem Gerichtschemiker Dr. Jeserich nach dem Verfahren von Professor Uhlhorst zu Greifswald einer Scrumuntersuchung unter- zogen. Man hat dafür in sechs verschiedenen Tuben Blut von den Kleidungsstücken, dem Messer usw. gesammelt. Mit diesem Verfahren hat die Gerichtschemie in Kriminalfällen schon gute Erfahrungen ge- macht. Es scheidet scharf verschiedene Blutarten, Tier- und Menschen- blut usw. Die Untersuchungen nehmen geraume Zeit in Anspruch. An den zuerst gefundenen Leichenteilen und Sachen wurden sie vor- gestern begonnen, ohne zum Abschluß zu gelangen. Da es bei dem vorliegenden Morde wie in der Regel wieder an unmittelbaren Augenzeugen fehlt und die Beschuldigten die That bestreiten, so kommt zu ihrer Ueberführung wieder viel auf den Jndieienbelveis an. Nun bleiben, wie schon angedeutet wurde, die Zeugen dabei, Berger an dem verhängnisvollen Donnerstagnachmittag mit Lucie Berlin gesehen zu haben. Ein Schulmädchen hält auch die Behauptung aufrecht, daß Berger ihm unter Be- drohung mit Halsabschneiden einen Thaler dafür gegeben habe, daß es über sein Zusammensein mit Lucie nichts sage. Es hat diesen Thaler auch der Kriminalpolizei vorgelegt. Ein andres Mädchen bestätigt den Vorgang. Einwandfreie Zeugen wollen in der Zeit, die in Betracht kommen kann, Berger auch mit Paketen gesehen haben. Wahrscheinlich hat er die einzelnen Pakete mit dem Rumpf und den abgeschnittenen Teilen bald hintereinander an verschiedenen Stellen in die Spree geschafft. Um den Jndicienbeweis noch zu er- gänzen, läßt die Kriminalpolizei von den Schnittflächen am Rumpf und an den abgetrennten Leichenteilen Masken abnehmen. Sie kann dann an den gehärteten Abgüssen auch später noch zeigen, wie die besondere Form des gefundenen Messers zu den Schnitten paßt. Es handelt sich um ein Messer, wie Schlächter es gebrauchen, um Fleisch von den Knochen zu schälen. Solche Messer haben einen ihrem Zweck entsprechend geformte Spitze. Entsprechen nun die Schnittflächen und die Einschnitte dieser Spitzenform und findet sich an dem Messer auch nur ein einziger Rest von Menschenblut, so ist das für Berger, in dessen Besitz es gefunden wurde, schwer belastend. In seinen Aeußerungen ist der Verhaftete jetzt zurückhaltender geworden. Erkrankungen bei der Feuerwehr. Was wir bereits in unserm Hauptbericht über den Riesenbrand an, Bahnhof Putlitzstraße voraus- sagten, ist eingetroffen. Eine große Anzahl von Feuennännern ist infolge der dort ausgestandenen Hitze erkrankt Donnerstag ftüh den Dienst nicht antreten. Die daher stark gelichtet. Einzelne Löschzüge läufig gänzlich eingezogen werden. • g---*-"Hü Die wie weitere Krankmeldungen befürchtet. Rosenberg, Rudowski und Ulbrich, die, und konnte am Feuerwachen sind mußten vor- Auch werden noch Feuermänner Lengner. wir schon in voriger Nummer berichteten, direkt beim Hauptangriff auf das Elenient Ver- letzungen erlitten und vom Brandplatze getragen werden mußten, befinden sich auf dem Wege der Besserung.— Semen Brandwunden erlegen ist im Rixdorfer Krankenhause der Rohrlegerlehrling Heinrich Gellert, über dessen Unglück wir gestern berichtet haben. In einer furchtbaren Lage befand sich in der Nacht zu gestern die Familie des 41 Jahre alten Arbeiters Gustav Papke aus der Cottaswaße. Papke, der verheiratet und Vater von drei Söhnen im Alter von 6 bis 11 Jahren ist, litt seit sechs Jahren an Krämpfen und war vor zwei Jahren ein Vierteljahr lang in der Heilanstalt Wuhlgarten. Wenn er Alkohol genoß, so bekam er Anfälle von Verfolgungswahnsinn. Vor acht Tagen mußte die Familie schon einmal einen Hausgenossen zu Hilfe rufen. In der vergangenen Nacht wurde es noch schlimmer. Kurz nach 1 Uhr sprang der Mann aus dem Bett. Er sah Geister, die ihn verfolgten, ergriff ein Beil, um es drohend gegen Frau und Kinder zu schwingen, und zer- trümmerte die Fensterscheiben der im Erdgeschoß am Hof gelegenen Wohnung. Dem ältesten Sohne gelang es, unbemerkt zu entkommen und vom Helmholtzplatz einen Schutzmann zu holen. MS dieser kam, tobte er zunächst noch heftiger, ließ sich dann aber beruhigen und ging mit nach der Wache des 57. Reviers. Dort wiederholte sich der Tobfuchtsanfall, nach einer Stunde brach der Kranke in Krämpfen ohnmächtig zusammen und starb, als man ihn gerade nach einer An- stall bringen wollte. Bon einem Dungwagen überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde am Freitagvormittag an der Kreuzung der Leffina- und Prinz! Handjerhstraße in Rixdorf die neun Jahre alte Tochter des Arbeiters Juhlmann. Lessingstraße 17. Die Rader des Wagens waren dem Kinde über den Unterleib gegangen. Die Kleine wurde dem städtischen Krankenhause zugeführt. Der Berliner Spar- und Banverein, eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht, begeht morgen Sonntag, mittags 1 Uhr, die Feier der Grundsteinlegung zu einer neuen Häusergruppe. Auf dem in der Nähe des Ringbahnhofes Putlitzstratze am Nordufer zwischen der Buch- und Fehmarnstrasze gelegenen 6000 Quadratmeter großen Gelände sollen 200 Wohnungen für minder Bemittelte errichtet werden. Zu diesem Bau hat die von der Stadt Berlin gerundete König Friedrich- Stiftimg durch Hergabe eines hypothekarischen Darlehens von SOOOOO Mark unter giiiisiigen Bedingungen ihre Beihilfe gewährt. In den von dein Verein bereits erbauten vier Ansiedelungen in der Sickingenstr. 7/8, in Westend, Ulmenallee 31 und Efchenallee 3, in der Mirbach-Proskaner-Schrciner- strafze und in der Stargarder-Greifenhagenerstrahe sind für 318 Familien hygienisch mustergültige Wohnungen geschaffen. Als be- sonderer Lorzug dieser Wohnungen verdient erwähnt zu werden, dah dieselben den Mietern nicht gesteigert oder gekündigt werden können, solange diese ihren Verpflichtungen dem Verein gegenüber nach- komnien. Der Margarine- Kuchen. Wegen Verfälschung eines Nahrungsmittels sowie wegen Uebertretnng des Gesetzes über den unlauteren Wettbeiverb war der Bäckermeister A d l e r aus Berlin angeklagt worden. Im Schaufenster seines Geschäfts hatte ein Plakat„Kuchen mit garantiert reiner N a t» r b u t t e r" angekündigt, während zur selben Zeit Napfkuchen und„Schnecken" feil- gehalten wurden, deren Fettbeflandteil nur halb aus Butter, zur andern Hälfte aber aus Margarine bestand. In erster Instanz wurde Angeklagter zu einer höheren Geldstrafe verurteilt, das Landgericht sprach ihn jedoch frei und führte unter anderm ans: Wegen Üeber- tretnng des Gesetzes über den unlautern Wettbewerb würde An- geklagter strafrechtlich verantwortlich gemacht werden können, wenn der in diesem Gesetz vorgesehene Strafantrag gestellt worden wäre, was nicht der Fall sei. Somit scheide jenes Gesetz ans. Aber auch das Nahrungsmittelgesetz sei nicht anwendbar. denn eine Verfälschung eines Nahrungsmittels liege nicht vor, denn es gebe Kuchen, der nicht bloß mit Butter, sondern teil- weise oder ganz mit Schmalz gebacken sei. Butter fei also nicht ein durchaus notwendiger Bestandteil des Kuchens. Und wegen Betruges könne auch nicht vorgegangen werden, da der Kuchen ver- hältnismäbig sehr billig gewesen sei. Das Kammergericht gab der Revision der Staatsanwalt- schaft statt, hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurück. Die Vorentscheidung sei unhaltbar. Der Vorderrichter meine, Kuchen mit Margarine sei kein verfälschtes Nahrungsmittel, weil cö nicht einzig üblich sei, Kuchen mit Butter zu backen, sondern auch Schmalzkuchen vorkommen. Diese Lotzik sei durchaus anfechtbar. Er hätte in dem Zusammenhange nicht die Existenz von Schmalzkuchen, sondern das öftere Vorkonuncn von Kuchen mit Margarine fest- stellen müssen. Vor allem habe aber das Landgericht bei der An- ziehung des Nahrungsmittel-Gcsctzes zu Unrecht das Plakat: „Kuchen nnt garantiert reiner Naturbutter" nicht berücksichtigt. Denn wer Butterkuchen machen wolle und zu machen vorgebe, dann aber statt dessen Margarinekuchen biete, der ver- fälsche den Vuttcrkuchen, indem er einen wesentlichen Bestandteil des Butterkuchens, nämlich Butter, weglasse und dafür die minderwertige Margarine nehme. Darum müffe die Sache zu andcrweiter Entscheidung nochmals dem Landgericht überwiesen werden. Da könne ja Angeklagter auch versuchen, seine eigenartige Behauptung, das Plakat sei„aus Versehen" ins Schaufenster ge- kommen, zu erhärten. Zeugen gesucht. Die Personen, welche gesehen haben, wie am Dienstag dieser Woche früh S'/z Uhr Ecke Weidenweg und Thaer- straße ein siebzehnjähriges Mädchen von einein Radfahrer um- gefahren wurde, so daß es einen Schädelbruch erlitt, werden ersucht, sich bei Wilh. Stange, Gubencrstr. 13, Hof 2 Treppen, zu melden. Besonders der Droschkenkutscher, der die Verunglückte nach der Unfallstation gefahren hat, wird um Abgabe seiner Adresse gebeten. DaS Tegeruseer Baucrntheatcr hat sich jetzt im Belle- Miance- Theater niedergelassen und dort auf eine Weise begonnen, mit der sich das Berliner Publikum befreunden wird. Sieht man von der verhältnismäßig seltenen Aufführung wirklich wertvoller Schauspiele, wie„Der Meineidbauer" ab, so sind im Repertoir der Oberbayern zwei Sorten von Theaterstücken zu unterscheiden, nämlich sehr traurige und sehr vergnügte. Die traurigen triefen von Sentimentalität und sind daher durch und durch verlogen. Keine Spur vom wirklichen Leben und Treiben der Bauern, wohl aber eine alberne Gefühls- sentimentalität, von der Charlotte Birch-Pfeiffer noch hätte profitieren können. Anders die vergnügten Komödien. Das sind lustige Kasperle- stücke, selbstverständlich aus lauter Unwahrschcinlichkeiten zusammen- gesetzt, aber eben darum wirklich herzerfrischend. Wer vergnügt lachen will, sehe sich die Burleske„Der kleine Kürassier" an, die gestern zum erstenmal aufgeführt worden ist. Wie der Maler Franzi, der seinen Eltern Eheglück vorgeschwindelt hat, während er in Wahr- hsit ein vergnügtes Jimggeselleiilcben führt, sich beim unverhofften Besuch der Alten eine Familie improvisiert und seinen Freund, den Amerikaseppl als Riesenkind in die Wiege legt: das muß man gesehen haben, um es nach Gebühr würdigen zu können. Möchten die Tegeruseer, so lange sie hier bleiben, immer die lustige Kiste auskramen und die sentimentale unberührt lassen. Die Eintrittskarten zur Nusstellung der Scccssion sind nicht, wie es in der gestrigen Nummer heißt, im Bureau des Gewerkschafts- anSschusses, sondern im Bureau des G c w e r k s ch a f t S h a u s e S in Empfang zu nehmen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch der Vortrag„Von der Zugspitze zum Watzmanu" wiederholt. An allen übrigen Tagen der Woche, also am Donnerstag, Freitag und Sonnabend wird der mit zahl- reichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Vor- trag„Die Insel Rügen" zur Darstellung gelangen. /Zus clen l�ackbarorten. Schöncicrg. Die Erhebungen über den vor kurzem von unsren Vertretern gestellten Antrag auf Gewährung vonSommer- Urlaub an die in städtischen Betrieben Angestellten scheinen auf große Schlvierigkciten zu stoßen, da von einer der Versammlung zu , nachenden Vorlage in dieser Hinsicht nichts bekannt wird, trotzdem diese Angelegenheit, die augenblich im Ausschuß„ruht", noch vor den im nächsten Monat beginnenden Ferien zur Erledigung gelangen soll. Von einer Dringlichkeit scheint somit nicht die Rede zu sein, trotzdem eine solche gewiß am Platze wäre. Lichtenberg. Der Bebauungsplan für den innerhalb der Ring- bahn belegenen Ortsteil hat die Genehmigung des Kaisers erhalten. Sofort setzt auch hier die Terrainspekulation ein. Die Süddeutsche Jnnnobilienbank hat das große Oswaltsche Gärwereiterrain zwischen der Frankfurter Allee und der Wejerstraße angekauft und geht sofort mit der Durchlegung von drei Straßen zwischen der Krouprinzen- straße und der Jungstraße vor. Man rechnet damit, daß innerhalb Jahresfrist in diesem Ortsteile an 60 Wohnhäuser neu erstehen werden.— In der Angelegenheit des Krankenhausbaues ist der Gemeindevorstand mit den Gemeinden Rummelsburg und Friedrichs- elde wegen eines Zweckverbandes in Unterhandlung getreten. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung lehnte die Errichtung eincr obligatorischen Fortbildungsschule in ihrer gestrigen Sitzung mit allen gegen die Stimmen der Socialdcmokraten ab. An sich se« die Fortbildungsschule als nützlich anzuerkennen, aber notwendig sei sie nicht. Berlin habe ja auch kein Obligatorium und bei der finan- ziellen Lage des Ortes müßten nicht notwendige Dinge eben zuriickstehen. Die Genossen Welk und Grauer bekämpften diesen Standpunkt aufs lebhafteste und wiesen!iin besonderen daraus hin, daß der steine Kreis der Herren vom Besitz es schon verstehe, Mittel und Wege zu finden, wenn es gelte, für diese Handvoll Leute aus Häckerlinge Gold zu machen; sie sagten ferner, daß es einer Gc- meinde unwürdig sei, sich immer auf die Unterlassungssiinden andrer Gemeinden zu berufen, doch war alles vergebens. Nicht eine Stimme aus dem bürgerlichen Lager unterstützte den Anttag desKreis-Aus- s ch u ss e s, von dem diesmal die Anregimg ausgegangen war; die Social- demokraten blieben allein die Verbündeten der Regierung. Doch wurden 23 000 M. debattcloS bewilligt als Beihilfe zu den Pflaster- kosten der Boxhagenerstraße; dafür sollen die Eigentümer zu An- liegerbeiträgcn nicht herangezogen werden. Auch sollen 17 000 M. zur Verlegung eines Wasserdru'ckrohres auf der Cementbau-Feldniark in Neu- Lichtenberg bereitgestellt werden, oblvohl es die dortigen Terraingescllschaften sind, in deren Interesse sich die Verstärkung des Rohrnetzes erforderlich macht. Auf Antrag unsrer Genossen wurde die Verlegung des Rohres beschlossen; die Erörterung der Kosten- dccknngssrage wurde vertagt.— Die Wahl eines Mitgliedes zur Ernteertrags- Kommission sowie die Fortbildungsschulfrage gaben dem Vertreter des befestigten Grundbesitzes, Herrn Plonz. Gelegen- heit, die Stadtwerduugsfrage wieder in Erinnerung zu bringen. Lehrstellen. Der Magistrat von Charlotten bürg ersucht uns. folgende Mitteilung bekannt zu geben: In der Lehrlings- Vermittlung des städtischen Arbeitsnachweises Charlottenburg, der nnt dem freiwilligen Erziehungsbeirat in ständiger Beziehung steht, ist im Interesse einer sachgemäßen Auswahl von Lehrstellen die Ein- richtung getroffen, daß die zur Entlassung gelangenden Schulkinder zur frühzeitigen Angabe ihres Berufes veranlaßt werden. So sind schon jetztKnaben angemeldet, die fiir Michaelis 1904 eine Lehrstelle suchen, und zwar nicht nur in den stets begehrten Bketallgewerben(als Maschinenbauer, Mechaniker, Schlosser, Dreher, Klempner, Büchsen- macher), sondern auch in den verschiedenen Baugeiverbeu sals Maurer, Zimmerer, Maler, Glaser. Stuecateur), sowie als Tischler, Böttcher. Bildhauer, Gärtner, als Schlächter, Konditor, Koch, Barbier, endlich auch als Kaufmann, Schreiber usw. Auch haben sich eine An- zahl Mädchen gemeldet, die bereit sind, solche Tieustbotenstellen anzunehmen, in denen sie für den häuslichen Beruf ausgebildet werden. Die Vermittclung im städtischen Arbeitsnachweis Char- lottenburg, Kirchstraße 5— in der Nähe der Luisenkirche—, ist für beide Teile unentgeltlich._ Gerichts-Zeitung. Im Pommernbankprozest ist in der gestrigen(30.) Sitzung die Beweisaufnahme geschlossen worden. Die gerichtlichen Bücherrevisoren Huschke und Kruse hatten noch die Ergebnisse ihrer Prüfung zweier noch unerledigter Anträge der Angeklagten vor- zutragen. Der erste dieser Bcweisanträge enthielt den Nachweis, daß die Pommernbank jederzeit in der Lage war, ihre Pfandbrief- Zinsen bezahlen zu können. Die Sachverständigen Huschke und Kruse bestätigten dies nach dem Ausweis der Bücher.— Der zweite Beweisantrag gab in detaillierter Weise den Nachweis dafür, daß die Pommernbank unter Berücksichtigung aller Ausfälle und Verluste sehr wohl in der Lage gewesen wäre, aus den Verrechnungen mit der Jmmobilien-Verkehrsbank, durch welche 9 Millionen Pommern- bank-Attien von dieser an die Pommernbank zurückgegeben wurden: zuzüglich des hierauf entfallenden Anteils am Reservefonds die Ausfälle zu decken und daß demgemäß die Opfer, welche den Attionären und Pfandbriefbesitzern auferlegt sind, überflüssig waren.— Zu diesem Beweisantrage führten die Sachverständigen Huschke und Kruse aus, daß thatsächlich aus dem Gewinn, der aus den kaduzierten Aktien und dem dazu gehörigen Reservefonds ent- stand, alle Verluste aus den nicht unterlagsfähigen Hypotheken und aus den Verkäufen der Grundstücke, welche entstanden bezw. noch zu erwarten sind, gedeckt werden könnten und demgemäß die den Aktionären und Psandbriefbcsitzern auferlegten Opfer überflüssig waren und die Bank auch durch ihre jetzt noch vorhandenen Werte in der Lage sei, die den Pfandbriefbesitzem und Aktionären auf- erlegten Opfer zurücker st atten zu können. Da von keinem der Prozeßbeteiligten weitere Anträge gestellt wurden, erklärte der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Heidrich die Beweisaufnahme für geschlossen und vertagte die Fortsetzung der Verhandlung auf nächsten Dienstag. In der nächsten Woche können nur am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Sitzungen stattfinden. Am Dienstag wollen die Staatsanivaltsräte Beeck und Musiol die Anklage begründen und die Strafanttäge stellen, am Donnerstag werden Justizrat Wronker und Rechtsanwalt Werthauer sprechen, am Sonnabend wird das Plaidoyer des Justizrats Dr. Scllo beginnen und am Montag fortgesetzt werden, ihm wird sich das Plaidoyer des Rechtsanwalts Lconh. Friedmann anschließen. Die Verhandlungen in der nächsten Woche finden, da beide Schwurgerichtssäle anderweitig besetzt sind, im Saale 123—130 statt. Ein Gerichtshof wegen Befangenheit abgelehnt. Vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I stand gestern Termin zur Ver- Handlung in einer Anklage wegen Verbreitung einer unzüchtigen Schrift gegen den Redakteur der„Welt am Montag", Max Ludwig, und die Schriftstellerin Dorothea Goebeler an. Es handelt sich um einen in der„Welt am Montag" veröffentlichten Artikel des Fräulein Goebeler. welcher unter der Ueberschrift„Unter Freundinnen" Enthüllungen über das Treiben gewisser Frauenkreise machte.— Den Vorsitz im Gerichtshof führte Landgerichtsdirektor Langner, der Angestagte Ludwig wurde vom Rechtsanwalt Dr. Rosenstock, Fräulem Goebeler vom Rechtsanwalt Hugo Caro verteidigt. Vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses überreichte der Verteidiger des Angeklagten Ludwig in dessen Auftrag einen Ablehnungsantrag, in welchem die vier Beisitzer Landgerichtsrat Busch, Landrichter Kühne, Landrichter Fabrici zjeid Amtsrichter Dr. Freitag wegen Befangenheit abgelehnt werden. Der Ablehnungs- antrag stützte sich darauf, daß diese vier Richter bei dem kürzlich gegen Dr. Korn in der Lehrersache ergangenen Urteile mitgewirkt haben, und daß das dieser Tage zugestellte Erkenntnis einige gegen die „Welt am Montag" gerichtete Sätze enthalte, die den Verdacht der Befangenheit rechtfertigen.'— Rechtsanwalt Caro erklärte, daß sich seine Klientin dem Ablehnungsantrage nicht anschließe.— Der Vorsitzende erklärte sich außer stände, plötzlich vier andre Richter zur Entgegennahme der Erstärungen der vier abgelehnten Beisitzer zur Stelle zu schaffen. Infolgedessen beantragte Staatsanwalt Meyer die Vertagung der Verhandlung und der Gerichtshof beschloß diese. Ei« Kollektenprozest. Freigesprochen wurde gestern der Schrift- setzer Schiller, der sich gegen die Anklage, unbefugt eine Kollekte veranstaltet zu haben, vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte. Er hatte für die ausgesperrten Weber in Crimmiffchau ge- sammelt. Da die Sammlung aber nur in einem Lokal vorgenommen war. konnte der Gerichtshof nicht zu der Ansicht kommen, daß die Anklage sich begründen lasse; Schiller wurde daher freigesprochen. Verurteilte Sittenbolde. Das hiesige Schöffengericht verhandelte Donnerstag die Privatklage des Schriftstellers Paul- Charlottenburg gegen den Vorstand des hiesigen Vereins zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit, der anläßlich einer Besprechung von Pauls Roman: „Madonna im Rosenbusch" im„Hamburgischen Korrespondenten" an eine Anzahl hamburgischer Einwohner ein Rundschreiben erlassen und in den„Hamburger Nachrichten" ein„Eingesandt" veröffentlicht hatte, durch welches der Kläger sich beleidigt fühlt. Sämtliche Vor- standsmitglieder wurden wegen Beleidigung durch das Rundschreiben zu je 50 M., Ivegen des Artikels in den„Hamburger Nachrichten" zu je 25 M. Geldstrafe verurteilt. Dem Kläger wurde die Publi- kationsbefugnis im„Hamburgischen Korrespondenten", den„Ham- burger Nachrichten" und einer von dem Bestagten auszuwählenden deutschen Tageszeitung zugesprochen. Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. Der Socialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag bei Habel in der Bergmannstraße seine Generalversammlung ab, die sehr zahlreich besucht war. Vor Eintritt in die Tagcsordung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Mitglieder S a l a m o n und Efferts. Dann gab der Vorsitzende Werner den Vorstandsbericht über die seit der Neuwahl verflossenen fünf Monate. Der Vorstand war haupffächlich für den Ausbau der Organisation thätig, die bekanntlich in der Generalversammlung vom 9. Februar umgestaltet worden ist. Bis jetzt haben 2000 Mit- glieder die neuen Mitgliedsbücher erhalten. Der Verlaus der Zahl- abcndc hat noch nicht die darauf gesetzten Hoffnungen erfüllt. Der Redner forderte die Genossen auf, an den Zahlabenden Berichte von ihren Bezirksführern zu verlangen und anregende Diskussionen herbeizuführen. Die äußere Agitation hatte gute Erfolge. Für den„Vorwärts" wurden 500 neue Abonnenten gewonnen, wovon, wie das ja gewöhnlich geschieht, ein Teil wieder verloren ging, so daß schließlich eine Steigerung der Abonncntenzahl um ca. 300 übrig blieb. Das eigentümliche Verhalten der Polizei bei der Flugblatt- Verbreitung für die streikenden Bäcker hat im zweiten Wahlkreise einem Genossen ein Strafmandat von 30 M. eingetragen. Die Märzzcitung wurde im Kreise in 4100, die Maizeitung in 4200, die Broschüre mit den Hcrrcnhausrcden in 3600 Exemplaren ver- breitet. Hinsichtlich der Veranstaltung von Versammlungen konnte nicht ganz nach der im Statut vorgesehenen Regel verfahren werden. Außer den Bezirtsführer- und kleinen Versammlungen wurden vier Agitationsversammlungen abgehalten. Vorstandssitzungen fanden 12 statt, in denen hauptsächlich über die Kleinarbeit beraten wurde. Der Vorstand mußte sich auch mit einigen unangenehmen Angelegen- hcitcn befassen. In Sachen des Genossen Ewald kam der Vorstand zu dem Schluß, daß es sich um eine private Angelegenheit handelt, und erklärte, daß die Sache für ihn erledigt sei. Ferner sah sich der Vorstand veranlaßt, eine genaue Nachprüfung der Geschäfts- führung des früheren Kreis-Vertrauensmannes, des Genossen Scholz, vorzunehmen. Der Redner gab eine genaue Darstellung des ganzen Sachverhalts, aus der hervorging, daß die Gerüchte über Unterschlagungen und dergleichen durchaus unbegründet find. Auch die Revisoren trifft keine Schuld, da sie die Revision ordnungsgemäß vorgenommen haben, aber infolge der Eigenart der Buchführung den Fehler nicht zu entdecken vermochten. Es ist jetzt ein andres System der Abrechnung eingeführt worden. Der Vorstand ist auf Grund seiner Untersuchungen zu folgendem Beschluß gekommen: „Ter Vorstand hat Veranlassung genommen, die Geschäfts- thätigkeit des Genossen Scholz während seiner dreijährigen Thätig- kcit als Bertrauensperson einer Nachprüfung zu unterziehen. Diese Untersuchung hat ergeben: Es sind Einnahmeposten gar nicht oder unter anderm Datum verbucht gefunden. Andrerseits ist auch ein Ausgabebelag vor- Händen und nicht gebucht worden. Nachdem vom Vorstand die gar nicht oder an andrer Stelle gebuchten Einnahmen mit den Ausgaben geordnet und verrechnet worden sind, hat sich ein Fehlbetrag von 95,15 M. ergeben. Der Vorstand ist nach eingehender Beratung unter Berücksichti- gung der Verhältnisse, unter denen Genosse Scholz die Geschäfte der Partei geführt hat: vermehrte Arbeit sowie größere Einnahmen und Ausgaben während der Wahlzeiten 1903(Reichstags-, Landtags- und Stadtverordnetcn-Wahlcn) zu der Ansicht gelangt, daß eine absichtliche Verfehlung des Genossen Scholz nicht vorliegt. Aus diesem Eirunde war der Vorstand zu dem Entschluß gekommen, der Generalversammlung vorzuschlagen, den Fehlbetrag von 93.15 W. dem Genossen Scholz als autzergewöhn- liches Mankogeld zu verrechnen. Genosse Scholz hat in der Vor- standssitzung erklärt, daß er diesen eventuellen Vorschlag des Vor- standes nicht annehmen wolle; er sei vielmehr bereit, den ganzen Fehlbetrag zurückzuerstatten. Indem der Vorstand der General- Versammlung von dem Ergebnis der Verhandlung Kenntnis giebt, überläßt er die endgültige Entscheidung der Generalversammlung des Kreises." Die Generalversammlung erstärte sich nach längerer Debatte einstimmig mit dem Entscheid des Vorstandes einverstanden. Ge- nosse Scholz gab im Laufe der Debatte nochmals die Erklärung ab. daß er den Fehlbetrag ersetzen wolle. Der Kassenbericht, den der Kassierer Schmidt gab. erstreckt sich auf die Zeit vom 5. Februar bis zum 31. Mai. Die Einnahmen beliefen sich, einschließlich eines alten Bestandes von 137,10 M., auf 7871,13 M.; die Ausgaben, darunter 636 M. für Agitation und 4759,35 M. an die Parteikasse, auf 7593,67 M., so daß 277,46 M. Kassenbestand verblieben. Der zweite Kassierer Lohse hatte 1573,50 M. Einnahmen und 1562,65 M. Ausgaben zu verzeichnen.— Den Kassierern wurde einstimmig Decharge'erteilt. . Veranlaßt durch einige vom Genossen K u s ch k e vorgebrachte Beschwerden über Mangel an Versammlungen und geeigneten Vor- trägen, erstärte Genosse Werner, daß in nächster Zeit eine Be- zirksführerversamnrlung sich gründlich mit diesen Fragen befassen werde. Die Mitglieder sollten aber dafür sorgen, daß dergleichen Wünsche dem Vorstande bekannt gegeben würden, so werde der Vor- stand alles aufbieten, um sie zu berücksichttgen. Hierauf berichtete Genosse Meyer von der Preß- kommission. Er erwähnte zunächst, daß der Genosse Büttner als Redakteur und Genosse Fülle an seiner Stelle als Korrektor im „Vorwärts" angestellt worden ist. Bei der Abstimmung über die Gehaltserhöhungen in der Spedition hat sich der Redner entsprechend der Stimmung im Kreise der Stimme enthalten. Hinsichtlich des Planes, die gesamte Spedition des„Vorwärts" zu centralisiervn, hat die Preßkommission die Geschäftsleitung beaustragt, rechnerische Aufstellungen zu machen. Bezüglich der viele nBeschwerden über die Berichterstattung von Versammlungen weist der Redner auf die Schwierigkeit hin, die mit diesem Teil des„Vorwärts" verbunden sind, und erstärt, daß mit der Zeit wohl eine gründliche Aenderung ge- troffen werden müsse. Des weiteren wandte sich der Redner gegen die mit den taktischen Auseinandersetzungen verbundenen persönlichen Streitereien im„Vorwärts" und sprach sich dafür aus, daß, wenn wieder mit den persönlichem Erstärungen begonnen werde, die Ge- nossen bei Zeiten energisch dagegen Front machen müßten.— In der kurzen Debatte, die sich an den Bericht knüpfte, stellte Genosse Emmerich den Antrag, der Vorstand solle darauf hinwirken, daß der Abonnementspreis des„Vorwärts" auf 1 M. herabgesetzt werde. Der Antrag fand jedoch keine Unterstützung, nachdem von einigen Genossen auf den großen Ausfall hingewiesen wurde, der damit ver- bunden sein würde.— Als Mitglied der Preßkommission wurde Ge- nosse Königs(Buchdrucker) gewählt.— Sodann wurde auf An- trag des Vorstandes beschlossen, ein Komitee zur Arrangierung von Festlichkeiten einzusetzen, das bis zum November 1905 im Amte bleiben soll. Es wurden hierzu die Genossen Röder, Herzog, Hinze, Köckeritz, Dähne und Heilmann gewählt. Sie sollen das Komitee unter Hinzuziehung des ersten Kassierers bilden.— Schließlich wurde der Vorstand auf Antrag des Genossen Silberschmidt be- auftragt, in kürzester Zeit eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen, die sich mtt der Frage der Reichsorganisation der Partei befassen soll, mit einem Referat über dieses Thema. Das erste Svektakelstück des„RrichSverbandcS gegen die S-cialdemokraite". Eine stürmische Straßenhändler-Versammlung wurde am Tonnerstag in Dräsels Festsälen abgehalten. Veranstaltet war dieselbe von einem Redakteur K o m o l I, der auch als Referent austrat. Zweck der Versammlung sollte sein, einen neuen Straßen- Händler-Verei n zu gründen, der„frei von jeder Politik, ohne Gehässigkeit gegen behördliche Maßnahmen, nicht fordernd, sondern bittend die weitere Duldung des Straßenhandels erstteben möge". Wie der Referent später angab, steht er im Dienste„des Reichs, verbände» gegen d ie Socialdemokratie", von dem � ihm auch Gelder zur Gründung und zum Ausbau der zu schaffenden „neuen Organisation" zur Verfügung gestellt seien. Die Versamui- lung war jedoch überwiegend von Mitgliedern des„Vereins ziel- bewußter Händler" besucht, die in der geplanten Neugründung nur einen Versuch zur Zersplitterung der Straßenhändler in verschiedene Vereine sahen und demgemäß gegen den Referenten Stellung «ahmen. Gleich nachdem der erste Diskussionsredner gesprochen hatte, wurde gegen nur fünf Stimmen eine Resolution angenommen, die sich entschieden gegen jeden Zersplitterungsversuch aussprach und be» tonte, daß die Versammlung nur in dem bereits bestehenden Verein die einzig richtige Interessenvertretung der Straßenhändler erblickt. Bei der Aussprache kam es mehrfach zu stürmischen Scenen, so daß einer Auflösung der Versammlung nur durch schleunige Vertagung vorgebeugt werden konnte. Da in der Debatte auch von einer„socialdemokratischen Tendenz" des bestehenden Vereins gesprochen wurde, so warnte ein Redner davor, irgend einer Parteirichtung Einfluß auf den Verein ein- zuräumen. Auch den Socialdemolraten, die sich öfsentlich immer so gerne als Freunde und Anwalte der Stratzenhändler gerieren, sei in dieser Hinsicht auch nicht voll zu trauen. Ihm sei z. B. bekannt, daß sich kürzlich ein bekannter socialdemokratischer Stadtverordneter sehr wegwerfend über die Straßenhändlcr geäußert und sich gleichzeitig als ausgesprochenen Gegner des Straßenhandels be-- zeichnet habe. Als einer der anwesenden Socialdemolraten darauf bemerkte, der Redner möge für seine in öffentlicher Versammlung aufgestellten Behauptungen auch Beweise erbringen, wenn anders sie nicht als haltlose Verdächtigungen angesehen werden sollten, da gab der nachfolgende Redner, Straßenhändlcr L a d e w i g. unter all- gemeiner Erregung der Anwesenden folgende Erklärung ab: Es sei zwar aus der Mücke eine Elefant gemacht worden, doch lasse sich nicht leugnen, daß ein socialdemokratischer Stadtverordneter sich in einer sehr unschönen Weise über den Straßenhandel geäußert habe. In voriger Woche sei er nebst zwei andren Kollegen als Deputation des Vereins der Händler bei bekannten Stadtverordneten verschiedener Fraktionen vorstellig geworden, um deren Unterstützung gegen die vom Plozeipräsidenten geplante Ausrottung des Straßen- Handels zu erbitten, unter anderm auch bei dem Stadtverordneten A n t r i ck. Dieser habe die Deputation in ziemlich ironischem Tone zuerst seines Wohlwollens versichert, dann aber wörtlich ausgeführt: „Jedoch was ich Ihnen jetzt sage, sage ich Ihnen im Vertrauen. Sie werden doch zugeben, daß der größte Teil der Straßenhändler B e- t r ü g e r sind. Ich selbst m u ß ja auf Ihrer Seite stehen, weil ich socialdemokraitischer Stadtverordneter bin, sonst würde ich es nicht thun. Ich habe schon oft von Straßen- Händlern Obst gekauft, und noch stets habe ich zu wenig Gewicht er- halten. Ich persönlich bin also gegen den Straßenhandel, und wenn ich Polizeipräsident v. Borries wäre, so würde ich keinen Augenblick anstehen, den Straßenhan de l abzuschaffen." Antrick habe dann weiter bemerkt— und dies habe als purer Hohn geklungen—, seine Meinung sei der Deputation jetzt ja bekannt; doch da sie seiner Person als Stadtverordneter sicher sei, so möchten sie nur ruhig zu den übrigen Herren gehen und dort ihr Anliegen vorbringen. Die Debatte wurde unter andauernder Unruhe der Versamm- limg erst nach 1 Uhr nachts beendet. In seinem Schlußwort erklärte der Redakteur Komoll. er als moralischer Urheber der Ver- sammlung komme sich unter den allgemeinen Angriffen auf seine Bestrebungen einfach wie ein„Hansnarr" vor; er müsse sagen: diese Versammlung habe man ihm gründlich„vermasielt". Genosse Antrick schreibt uns zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: Es ist unwahr, daß ich zu der Stratzenhändler-Deputation in einem ironischen Tone geredet habe. Ebenso unwahr ist, daß ich mich in unschöner Weise über den Gesamt-Straßenhandel aus- gesprochen habe. Richtig ist dagegen nur, daß ich den Herren ganz im Vertrauen meine persönliche Erfahrung mitgeteilt habe, die ich bei den ver- schiedensten Händlern beim Einkauf von Obst je. zc. gemacht habe. Völlig entstellt ist eine weitere Aeußerung von mir von dem Händler L a d e w i g wiedergegeben worden: Ich habe nicht gesagt, ich sei gegen den Straßenhandel, sondern ich bin gegen die B e s ch r ä n k u n g des Straßenhandels, wie das die neue Polizeiverordnung will. Ich habe ferner nicht gesagt. wenn ich der Polizeipräsident wäre, würde ich den Straßenhandel verbieten, sondern ich habe gesagt: Wenn der Polizeipräsident eine strenge Kontrolle über das Verwiegen der Waren im Straßenhandel ausüben lassen würde, daß dann ein Teil des Straßenhandels ver- schwinden würde. Das wurde mir auch ohne weiteres von den Herren zugegeben. Ich habe schließlich der Deputation den Rat gegeben, selbst gegen die unlauteren Elemente in diesem Berufe vorzugehen, damit nicht die Polizei auf anderm Wege eine Beschränkung des Straßenhandels vornehme. Nachdem ich den Herren weiter ganz unzweideutig erklärt habe. daß ich alles thun werde, um sie vor Schaden zu bewahren, wunderts mich um so mehr, unter Mißbrauch des ihnen dargebrachten Ver- trauens, in einer solchen Weise von ihnen angegriffen zu werden. Otto Antrick. Pankow. Der hiesige socialdemokratische Verein hielt am 14. d. M. seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in der Genosse Benno M a a ß- Berlin einen Vortrag über„Unser Parteiprogramm" hielt. In der Jjem Vortrage folgenden Diskussion, an der sich die Ge- nossen Sonntag. Eichler, Freiwaldt, Verger und Riebke jun. beteiligen, wurde von allen Rednern an der Hand von Bei- spielen die Schädlichkeit der revisionistischen Bestrebungen für unsre Partei beleuchtet und eS als erfreulich hingestellt, daß in unfrer ReichstagSfraktion neben den Akademikern auch noch eine große Anzahl von Arbeitern sitzen. Seitens mehrerer Mitglieder wurde noch mit Bedauern darauf hingewiesen, daß die Berichte über unsre Versammlungen in Pankow im Gegensatz zu andren Vororten, wie Rixdorf, Schöneberg, Charlottenburg usw. immer nur sehr gekürzt im„Vorwärts" wiedergegeben werden.(Das werden die Genosten von Rixdorf, Schöneberg. Charlottenburg und namentlich von„usw." mit Erstaunen lefen, die fortwährend dieselbe Klage wie die Pankower führen; für uns ein tröstlicher Beweis dafür, daß wir alle wirklich mit gleichem Matze messen. Red.) Ein Genosse teilt der Versamnilnng mit, daß die Pankower Gendarmen schon für die Jnnungs-Bäckermeister arbeiten, indem ein Gendarm kurzerhand ein Plakat der streikenden Bäcker aus einem Backwarenladen gegen den Willen der Frau des Besitzers entfernt hat. Der Vorsitzende Sonn- tag macht dann noch bekannt, daß in den nächstfolgenden Versamm- lungen eine Reihe von Vorträgen über unser Programm stattfinden sollen. Allgemeine Kranken- und Sterbekaste der Metallarbeiter (E. H. 23, Hamburg). Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 18. Juni, abends 9 Uhr, bei Mcrkowski, Andrcasstr. 26: Mitgliederversammlung. Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 18. Juni, abends 8 Uhr, im Restaurant„Rosenthaler Hos", Rosenthalerstr. 11/12: Mitglied erv ersammlun g. Tagesordnung: Wahl der Ortsverwaltung und Bericht des Delegierten von der Generalversammlung. Filiale Rixdorf. Sonnabend, den 18. Juni, abends 8>/z Uhr, bei Thiel, Bergstr. 151: Versammlung. Tagesordnung: Berichterstattung von der Generalversammlung und Neuwahl der gesamten Ortsverwaltimg. Filiale Charlottenburg. Sonnabend, den 18. Juni, abends 8'l, Uhr, im„Volkshause", Rosinenstr. 3: Mitgliederversammlung. Tages» ordnung: Berichterstattung von der Generalversammlung und Neuwahl der Ortsverwaltung. I» der humanistischen Gemeinde, Niederwallstr. 12, in der Aula der Friedrich- Werderschen Ober- Realschule, hält am Sonntagvormittag 10'/, Uhr Herr Dr. Rudolf Penzig einen Vortrag über:.Frauenberus." Damen und Herren haben freien Zutritt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 19. Juni, vorm. 8'/, Uhr, in der Schul-Aula, Kleine Franksurterstr. 6: Versammlung.„Freireligiöse Vorlesung." Um IG/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vorwag des Herrn Waldeck Manasse:„Ehrlichkeit aus der Kanzel". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen._ ßncfhartcn der Redaktion. F. in Reinickendorf. Der Krankenkassenbericht eignet sich leider nicht zum Abdruck. Juristischer Ccil. Di« jurifttsch« Spr-chftund« find«, täglich mit Ausnahme de» Sonnabend« von V'h bis 9'/» Uhr abends statt. Geöffnet:? Ubr. E. F. LS. Ja, sosern es sich um Steuern handelt, die nicht länger als ein Vierteljahr fällig waren, ist Lohnbeschlagnahme zulässig.— Z. 88. 1. Ja. 2. Ueber die Höhe der Absindung müssen Sie sich mit dem Vor- stand der Berufsgenossenschast verständigen.— Nagel. 1. Sie sind im Irrtum. Die Statutenvorichrist besteht zu Recht. 2. Ja.— H. S. lOO. Sind Sie infolge Ihrer Reklamation mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Unterstützung Ihrer Mutter vom Militärdienst befreit, so können Sie, so lange Sie militärpflichttg sind, eingezogen werden, wenn Sie Ihre Mutter nicht unterstützen. Heiraten können Sie.— D. W. Nein.— E. Ja. — A. B. 92.' 1 Nein. 2. Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses durch Schuld des Ehegatten.— H. B. KV OVO. Wenn kein Testament vorliegt, erben die Verwandten der Tante(nicht des Onkels) mit.— H. V., Wilmersdorf. Ja: der Polizeibehörde. Es genügt die Vorzeigung des Scheines über erfolgte Impfung.— A. 2. IVO. DaS ist möglich.— Bank. Fragen Sie bei den bewefsenden Banken an. Sie erhalten die Bedingungen gedruckt. Daß Sie bei der Uebersendung Gefahr lausen, ist nicht anzunehmen, aber auch nicht unmöglich.— G. L., Liebenwalder- strastc. Die Mutter hat nach pflichtmäßigem Ermessen zu bestimmen.— WitternngSübersicht vom 17. Juni i9v4, morgens 8 Uhr. Stationen swinemde. Hamburg Berlin Franff.a.M. München Wien *1 c" Sc »■= 5 .= c a s 765 1 SB 765 SW 766!©SSS 767 fSW 770; Still > 768> Still Wetter »S gl! ZZi H S- Zheiter 5wolkig 2bedeckt Lwolkenl —heiter — wölken! Stattonen Haparanda Petersburg Cork Slberdeen Paris 747 757 - 3 i« SSW 755 WSW 766NO Wetter 2 Regen Ibedeckt 5 heiter Iwolkenl » s> c � ü II c 13 W Po 10 15 14 21 Wetter-Prognose für Soiinabend, de» 18. Juni 19V4. Warm und vielfach heiter bei ziemlich lebhasten südwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a u. 'kocken-�.n�elxv. Am Donnerstag, den 16. Juni, morgens 5'/, Uhr, entschlief nach langen schweren Leiden unsre liebe, gute Mutter, Großmutter, Schwiegermutter und Tante Manna Ochvat geb Ullmann Im 76. Lebensjahre. Dies zeigen, um stilles Beileid bittend. Freunden und Bekannten liefbewübt an vi« trsoernilsn Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Michael-KirchhojeS am Mariendorfer Weg(an der Hermannstraße) auS statt. VeM der im Vergolder- Iperbe besebältigten Arbeiter u. Arbeiterinnen Deutseblands Filiale Berlin. Todes- Anzeljee. Am 17. Juni verschied plötzlich am Gehirnschlag unser Verbands. kollege. 226/12 JUdert Hillmann. Ein ehrende? Andenken werden ihm die organisierten Kollegen bewahren. Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 19. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des EmmauS-Kirchhose» in Rixdorf, Hermannstraße, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet vor Vorstana der Filiale Berlin. Centraiverein für alle in derHut- branche heschältigten Arbeiter und Arbeiterinnen. (Filiale Berlin.) Kadern f. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Oskar Ebert am 6. Juni am Herzschlag, desgleichen unser Kollege �uxust /Nattbes am 10. Juni nach langem Kranken- lager verstorben ist. Ehre ihrem Andenken I 294/7 Der Borstand. Danksagung. Für die rege Teilnahme, sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes und Vater« Kngnst natthes sagen wir allen Verwandten, Bekannten und Kollegen. insbesondere den Kollegen und Kolleginnen der Seeligschen und S. Bockschen Fabrik, sowie der Fabrikleitung und dem Comptoirpersonal unfern besten Dank. Frau Wilhelmine Matthes 294/8 nebst Tochter. Brods Gesellsebaftshaus am Dümerihsee. Inhaber: M. Degebrodt vom Strandschlost am Müggelsee. Empsehle Fabriken, Vereinen und Korporationen sür Sommcroergnügen und Ausflüge mein großartig gelegenes Lokal. Zwei große Säle, Hallen, ge- nügende Nebenräume, Belustigungen aller Art. Eoulante Preise. N. Degebrodt. , Central-Uerbaud d. Zimmerer Deutschlands Zahlstelle Berlin n. Umgegend Am DonnerStagnachmittag ver- starb infolge Absturzes unser treues Mitglied Tckuke im Alter von 25 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 19. d. MtS., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des HimmelsahrtS-Kirchhoses, Nieder- schönhausen, Blankcnselderstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder bittet 254/17 Der Vorstand. Am 16. d. Mts., vormittag« lOllhr, starb nach kurzem Kranken- lager unser lieber Kollege Emü Mattern im 61. Lebensjahre. Ein ehrendes Angedenken wird ihm bewahren Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. d. MtS., nach- mittags 40, Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes der Gcth- semane-Gemeinde, Nieder-Schön- Hausen(Nordend), aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsreS Vaters, Schwieger- und Großvaters Jliipst Mann sagen wir dem Verein Berliner Restaurateure, dem Hausbesitzerverein Küstrinerplatz und llmaebung, dem VergnüaungSverein„Frisch aus-, sowie allen Verwandten und Bekannten unsren herzlichsten Dank. 2038b Die Hinterbliebene». Central-Kranken-u. Sterbe- baffe der Tischler und andrer gewerblicher Arbeiter (E. H. Nr. 3, Hamburg.) Verwaltung Berlin II. Sonntag, den 19. Juni 1904, vor- mittags 9-/, Uhr. im Märkischen Hof. Admiralstr. 18 o: Mr TageS-Ordnung: 1. Festsetzung der Entschädigung sür die Ortsverwaltung. 2. Neuwahl der Ortsverwaltung und der Beitragsammler. 3. Verschiedene Kassenangelegenhetten. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 181/5 _ Die Ortsverwaltung. �3osefflscher� Kohlen-Grosshandlung Berlin 0. 34, Brombergerst.19/20. Preise ab Plan von 10 Etr. an la Ilse, Salon-Briketts 7" p. Etr. 85 Ps. la Henckeis Werke, do. 6u.7", 80, la Senftenberger, bo. 6u.7*.\7n Anna, Adler, Marie,./• Industrie-Briketts, Halbsleine, 65, Bruch-Brikett»...... 60„ frei Keller pr. Etr. 10 Ps. mehr. Steinkohlen, GaScoakS, Anthracit.Holz zu billigsten Sommerpreisen. «0 Handwagen verleihe zu Kohlen. Centrat-Kranben- n. Sterbe- baffe der Tischler undandrergewerblicher Arbeiter. Verwaltung Berlin E. Sonntag, den 19. Juni 1904, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Herrn Bn»l»e, Kolbergerstr. 23. Tagesordnung: 1. Wahl der Ortsverwalwng und Beitragssammler. 2. Kassenangelegenhetten. 3. Verschiedenes. AM" Mitgliedsbuch legittmiert. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 183/7 Die Ortsverwaltung. li-On empfehlen wir sür ihre Mitglieder die Anschaffung solgender Schristen zu Borzugspreisen: Hr. Fritz Brubpacher:„Kindersegen und— kein Ende?" 30 Pf. Rud. K rafft:„Opser der Kaserne." 50 Ps. Faul KPnpffmexer:„Wandlungen in der Theorie und Taktik der social- demokratte." 75 Pf. 54082* Näheres durch den Verlag von «. Birk& Co., München. Verlagsverzeichnis umsonst u. frei. Leihhaus Fttitt. 131 D Ecke Karlstrasse verkaust 20376 1 OV zu enorm billigen Preisen:| Anzüge schon von 8Mk. an bis ltVMk. Hocbeleg. Gehrock-Anzüge. Frühjahr«- Paletots schon sür 6 Mk. bis 30 Mk. Gold., silb. Uhren, Ketten,| Ringe spottbillig. Gitarren 100 St. für SMk. bis 10 Mk. 1 Ibach-Piano billig zu verkaufen. 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Bcleihung. last, Schönhauser Allee 163».» nrno>- �—„-------__ Für den Inseratenteil vercmtlv.: Th. Olocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlazSanstalt Paul Singer Lc Co.. Bslm SM Stelleozesuedv. Humorift-MaxSchmeltzer, Rügener- straße 10.+l01« StvIIeoaaxebote. Dnchttge Tischler für Bau und inneren Ausbau sucht Tischlerei Teltowerstraße 53._ Lackierer verlangen Otto Grund u. Co., Wassergasse 3._ 20355 Capes- Arbeiterinnen verlangt Lambrecht, Dunckerstraße 79.+59» Im ArbeitSmarkt durch »«sonderen Druck hervorgehoben« Anzeigen kosten 40 Pf. pr« Zeil«. Arbeitersekretär, mit den Gewcrkschastsfragen durch- aus vertraut, rede- und schristgewandt, zum 1. August d. I. nach Dolsdiirg gesucht. AnsangSgehalt 1800 Mark jährlich. Probe-Aussatz über:.Die Ausgaben eines ArbeltersekretärS» nebst kurzer Lebensbeschreibung mit der Ausschrtst.Arbettersekretär» MS zum 1. Juli ct. an C. Weyer«, Duieburg, Neuweselerplatz 7, erbeten. 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