Nr. 145. FlbonnementS'Bedlngungen: Abonnements• Preis pränumerando! Bicrteljährl. 3,M MI., monall. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat, S1. Jahrg. Crfdielnt täglich auBtr montag». Verliner VolksblÄkk. Die Tnltrtlons'GebQDr betrügt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Hnrcigcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr »achnnttags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adrcsse: ,.Sozialdemokrat Reriln". Zentralorgan der fozialdcniokrati fchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8 AI. 68, Lindcnstraaec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1383. Donnerstag, den£B. Juni 1904. Expedition: 8 AI. 68» Lindcnatraaae 69. Fernsprecher: Amr IV. Nr. 1984. Mirbach-Mosaik. Freiherr v. Mirbach hat größere Verdienste denn irgend jemand vor ihm erworben um die Enthüllung des wahren Wesens des höfischen Schranzentums, wie es sich in diesem Zeitalter des ergaunerten Reichtums entwickelt. Und noch immer ist seiner ver- dienstvollen Thaten lein Ende. Die„Rhein.-Wests. Ztg." bringt heute eine Veröffentlichung, deren Thatsachen sich den Offenbarungen des Pommernprozesses würdig anreihen. Dem höchst ordnungsmäßigen Blatte geht die Zuschrift eines Parlamentariers zu, die„sich auf durchaus zuverlässigen Informationen aufbaut". Die Zu- schrist sagt: „Der Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach hat diese eigen- tümliche Thätigkeit, das sogenannte christliche Liebeswerk in Berlin zu fördern, auch heute durchaus nicht eingestellt. Er hat vielmehr noch in letzter Zeit wieder einen ganz neuen Plan ans- gedacht, um weitere Mittel zu beschaffen, die vor allem dazu dienen sollen, die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche mit kostbarem Mosaik auszustatten. DaS Katserpaar feiert im nächsten Jahre seine silberne Hochzeit.... In Abgeordnetenkreisen ist bereits mehrfach er- wogen worden, zu dem Tage ein Nationalgeschenk zu errichten, sei es auf dem Wege der Gesetzgebung oder durch einen offenen Aufruf aller Parteien an das Volk. Freiherr v. Mirbach hat aber inzwischen einen andern Weg beschritten. Bei dem großen persönlichen Einfluß, den er besitzt, bedient er sich ohne weiteres des prrnßi- scheu Berwaltungsapparates und schreibt wie eine Ministerial- instanz an die Oberpräsidenten Erlasse über eine zu ver- anstaltendc Sammlung, welche diese amtlich an die Landräte und diese weiter an die nachgeordneten Stellen weitergeben. Das Ministerium scheint in der Sache übergangen zu sein und der Oberhofmeister direkt mit den preußischen Behörden zu Verkehren. In diesen Erlassen werden die Behörden ausgefordert, in ihren Bezirken Beittäge zu sammeln, welche zur Ausschmückung der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche zu verwenden und am Tage der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares diesem zu über- geben sind. Wenigstens ist dies in mehreren Provinzen rechts und links von der Elbe geschehen. Es erscheint unzuträglich, daß derartig eine private Persönlichkeit Aufgaben übernimmt, die der Re- gierung oder der Volksvertretung, oder einem Freien Komitee zu- fallen sollten, und zwar unter Inanspruchnahme der preußischen Bmeaukratte. Noch bedenklicher aber ist die Art, wie die Spende'nach den verschiedenen Erlassen des Frhrn. v. Mirbach gesammelt werden soll. Der Oberhofmeister schreibt an die Präsidenten, daß sämt- liche Spender in ein besonderes Buch eingetragen werden sollen, und dies Buch wird beiden Majestäten persönlich vorgelegt werden. Dieser deutliche Wink hat nur dann Wert, wenn in ihm die Voraussetzung liegt, daß die Re- gierungsstellen, welche die längsten Listen herbeibringen, wohlwollende Anerkennung finden und wenn die Geber mit mehrstelligen Ziffern entsprechend belohnt werden. Es ist also ein einfaches Kommerzienrats- geschäft, das sich unter dem Schrine kirchlichen Eifers und dynastischer Gesinnung verbirgt. Ist das der Weg, der zu einer wirklichen Volksfeier führt, an der das Volk in seiner Gesamtheit teil hat? jfrhr. v. Mirbach schließt geradezu die größten Massen des Volkes bei dieser Volksspende aus l In einem seiner Erlasse, welche von kleinere oben an die Landräte gehen, bittet er ausdrücklich Sammlungen zu verhindern", denn solch, hätten„öfters nur Beittäge von 12— 200 M. erbracht." Sammlungen sind aber erstlich allgemein unbeliebt und sie geben assung, nur Bettäge von 10—20 M. zu denn solche Sammlungen Solche reicheren Leuten Veranlassung, nur Bettäge von 10- zeichnen, dadurch wird ein gutes Resultat der Sammlung ge- fährdet." Frhr. v. Mirbach scheint es demnach für richttg zu halten, bei der Spende des Volkes nur die bekannten reichen Leute heranzuziehen, deren uneigennützige Wohlthättgkeit er in Berlin schon schätzen gelernt hat...." Wie die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, gleich andren Mirbach- Kirchen, erbaut ist nicht zum geringsten von den widerwillig gegebenen Geldern einer angebettelten Finanz, so soll eine kostbare Mosaik wiederum zusammengeholt werden durch Sammlungen bei den Reichen des Landes. Das Scherflein der Unbemittelten hat zu so stommer Stiftung keinen Wert: kleine Sammlungen sind „allgemein unbeliebt" und sollen verhindert werden. Nur diejenigen, deren Christlichkeit sich erwiesen hat durch reichliche Fähigkeit, aus ihren Mittnenschen Geld zu erwuchern, sollen würdig sein, zum gottseligen Mosaik der Gedächwiskirche beizusteuern. Also schmückt Hofmeister-Christentum Kirchen. So zugleich knüpft Hofmeister-MonarchiSmuS die zarten Bande, die nach monarchischer Ueberlieferung Volk und Fürsten umfassen sollen. Kein l ä st e r n d e r U m st ü r z l e r hat je das Christentum der Christlichsten, je den Monarchismus der Monarchisttschen der- j e n i g e n Einschätzung unterzogen, die sich aus diesen Mitteilungen über die fromme und monarchische Thätigkeit des Freiherrn v. Mrbach ergiebt. Alle Unsäglichkeiten, die der Pommernbank-Prozetz aufwirbelte, erscheinen nochmals gesteigert und vervielfälttgt. Und ein ganz neueSMomentttitt hinzu: Der Verkehr des OberhofmeifterS mit den hohen Ver waltungSin stanzen. Es zeigt sich, daß nicht nur die Reichen den Bittbriefen des Ober- Hofmeisters nicht widerstehen können, sondern daß auch die Oberpräsidenten seine„Erlasse" in Empfang nehmen und unter Umgehung des Ministeriums sich zu Mitschuldigen des oberhofmeisterlichen Klingelbeutels machen. Man weih nicht, ob die Oberpräsidenten nach dem Maße ihrer Leistungen im Mirbachdienst, ähnlich den Sanden und Schmidt, den Schutz und Romeick Titel- und Orden-Dank erwarten dürfen.— Ein neuer japanischer Sieg wird au? Ostasien gemeldet. Und zwar soll diesmal General Knropatkin selbst geschlagen und sein Hauptlager bei Liaujang erstürmt worden sein. Man wird gut thun, diese angeblich über Niutschwang gelangten Londoner und New-Dorker Meldungen mit einiger Skepsis aufzunehmen. Liaujang befindet sich nämlich mindestens SO Kilo- meter(Luftlinie) weit von jenen Stellungen, die die Japaner noch vor drei, vier Tagen beiFöngwantschöng eingenommen haben sollen. Fünfzig Kilometer können von einer kleinen Kolonne wohl in zwei Tagen zurückgelegt werden, so starke Truppenmassen indes, wie sie zur Erstürmung von Lianjang hätten konzenttiert werden müssen, dürften auch in der doppelten Zeit nicht heranzubringen ge- Wesen sein. Am allerwenigsten in einem Gelände, wie es von den Japanern zu überwinden war, wo sich die wenigen vorhandenen Straßen im denkbar schlechtesten Zustande befanden, wo schwierige Pässe zu nehmen waren usw. Wir glauben nach alledem, daß diese Nachricht von dem entscheidenden Siege der Japaner über Kuropatkin zum mindesten den Ereignissen um einige Tage voraus- geeilt ist. Ueber das Schicksal der Kolonne Stackelberg liegt heute keine weitere Nachricht vor. Die angebliche Niederlage derselben bei K a i p i n g hat noch keine Bestätigung erfahren. Dagegen ist heute ein amtliches russisches Telegramm über die Kreuzfahrt des Wladiwostok-Geschtvaders eingettoffen. Es lautet: Petersburg, 22. Juni. Ein Telegramm des AdmiralS Skrydlow von gestern meldet: Am 12. Juni ging die aus dem K r e u z e r„R 0 s s i j a". auf welchem Vizeadmiral Besobrasow seine Flagge gehißt hatte, sowie den Kreuzern„G r 0 m 0 b 0 i" und„Rjurik" bestehende Kreuzerabteilung in See, um Operationen gegen die SchiffSveroindungen der japanischen Slrmee zu unternehmen. In der Nacht auf den 20. Juni kehrte die Abteilung nach Wladi- iv 0 st 0 k zurück. Wie der Chef der Abteilung über seine Kreuzfahrt berichtet, näherte sich die Abteilung am Morgen des IS. Juni von Norden kommend der Schimonosekt-Straße, sichtete, als sie sich 20 Meilen von derselben befand, am Horizont zwei Dampfer und begann sie zu verfolgen. Der großen Entfernung wegen gelang es nicht, die Dampfer einzuholen. Gleichzeitig wurde ein drittes Schiff gesichtet, und der Kreuzer„Gromoboi" erhielt den Aufttag, sich desselben zu bemächttgen. Trotz aller Aufforderungen machte dieses Schiff, das, wie sich später herausstellte, das Transport- schist«Jzumi Maru" war. nicht Halt, bis es von mehreren Geschossen gettoffen worden war. Hierauf stoppte es, und die Mannschaft begann über Bord zu springen. Der„Gromoboi" forderte durch ein Signal die Mannschaft auf, den Dampfer zu verlassen, was diese in zwei Booten auch that. Die im Wasser schwimmenden Leute wurden von einem Kutter des Kreuzers aufgenommen und an Bord des„Gromoboi" ge- bracht. Das Transportschiff„Jzumi Maru" von mehr als 3000 Tonnen, welches zum Transport von Truppen und Frachten auf dem Kriegsschauplatz diente, wurde durch Schüsse in den Grund gebohrt. Unter den lOö Mann, die der Kreuzer an Bord nahm, befanden sich 14 Offiziere. Nachdem der„ G r 0 m 0 b 0 i" die „ I z u m i M a r u" in den Grund gebohrt hatte, wurden von ihm noch zwei Dampfer gesichtet, deren Verfolgung er be- gann. Er erreichte sie und es ergab sich, daß es die Transport- schiffe„Sado Maru" und„Hitachi Maru" waren, jedes von etwa 6000 Registertonnen. Außer Kriegsmaterial hatte das erstere Schiff Telegraphenarbeiter und 12 Offiziere sowie Pferde und Pontons, das andre mehr als tausend Mann und Kriegsmaterial an Bord. Der Kreuzer . R 0 s s i j a" erhielt den Befehl, sich der ,. S a d 0 Maru" zu bemächtigen, und dem„Gromoboi" wurde befohlen, sich der „Hitachi Maru" zu bemächttgen, die ihm aber zu entrinnen versuchte. Da mehrere auf das Transportschiff abgegebene Wamungsschüsse, die es zum Halten veranlassen sollten, wirkungslos waren, wurde das Feuer auf das Schiff eröffnet. Hierauf stoppte es. Das Signal, das Schiff zu verlassen, wurde von dem Dampfer nicht beachtet, der erst nach mehreren Schreckschüssen Boote auszusetzen begann. Der Dampfer sank sehr langsam. Der„Gromoboi" erhielt den Befehl, das Sinken des Schiffes zu beschleunigen, was der Kreuzer auch rasch ausführte. Das vom Kreuzer„Rossija" verfolgte Transportschiff„Sado Maru" machte, nach- dem einige Schüsse auf dasselbe abgefeuert worden waren, Halt und begann auf ein Signal Schaluppen und Boote auszusetzen, deren es besonders viele an Bord hatte. Die Schaluppen wurden hastig ausgesetzt und mehrere kenterten. Die übrigen nahmen eine bedeutende Zahl von Leuten auf und fuhren nach den in der Nähe befindlichen Inseln Fuschima und Jttschima. Es herrschte Windstille, die See war vollkommen ruhig. Dem Kreuzer Rjurik wurde befohlen, die Mannschaft sowie die Be- satzung an Bord zu nehmen. Von der ganzen Mannschaft konnten aber nur vier Ausländer, die auf dem Dampfer dienten, und 25 Offiziere aufgenommen werden, da die übrigen das Schiff nicht verließen. Hierauf erhielt der Rjurik den Befehl, das Schiff durch Torpedos in den Grund zu bohren. Der Bericht Skrhdlows ist, wie man sieht, sehr lückenhaft und unklar. Wieviel japanische Mannschaften sich auf den drei in den Grund gebohrten japanischen Transportschiffen befanden, wird nicht berichtet. Immerhin scheint aus der russischen Darstellung soviel hervorzugehen, daß die Nachrichten Über den Menschen- Verlust der Japaner, der mehrere Tausende betragen sollte, über- trieben waren. Ganz unklar läßt die Darstellung Skrhdlows die vom völkerrechtlichen Standpunkt aus wichtigste Frage, ob die russischen Kreuzer das Nöttge gethan haben, um das Leben der Besatzungen der ver- sentten Transportdampfer zu retten. An Bord der Kreuzer wurden im ganzen nur 134 Mann genommen, eine Anzahl japanischer Truppen rettete sich nach benachbarten Inseln, die übrigen ertranken. Es ist nun die Frage, ob die Ruffen den Be- satzungen der japanischen Schiffe die nöttge Gelegenheit gegeben haben, sich entweder zu ergeben oder in die Boote zu retten. Nach der russischen Darstellung erscheint das sehr zweifelhaft. Von dem „Jzumi-Maru" wurden 105 Mann aus dem Waffer aufgefischt, ferner retteten sich Mannschaften in zwei Booten. War das die ganze Mannschaft? Standen dem in den Grund gebohrten Schiffe iiberhaupt genügend Rettungsboote zur Verfügung?! Auf „Hitaschi Maru" befanden sich über 1000 japanische Soldaten. Von ihnen ertranken zweifellos eine große Anzahl, die in den Booten keinen Platz finden konnten. Ueber Rettungsversuche der Er- trinkenden meldet Skrydlow nichts, wohl aber erzählt er, daß man das zu langsam sinkende Schiff auf Befehl s ch l e u n i g st zum Sinken gebracht habe. Vom„Sado Maru" vermochte sich ein Teil der Mannschaft in den Booten auf die benachbarten Inseln zu retten. Ein Teil der Besatzung jedoch erttank, da er angeblich das Schiff nicht verlassen„wollte". Dabei besagt die Meldung gleichzeittg, daß die Schaluppen des Schiffes so„hastig" ausgesetzt wurden, daß mehrere derfelben kenterten, deren Insassen zweifellos ertranken. Auch dies Schiff wurde dann schleunigst in den Grund gebohrt, ohne daß man die schwimmenden Mannschaften aufzufischen ver- sucht hätte. Das Vorgehen der Ruffen bedeutet also nach ihrer eignen Dar- stellung eine Barbarei. ES stellt aber gleichzeittg auch einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar. Denn wohl dürfen Kriegsfahr- zeuge ohne Rücksicht auf die Mannschaften in die Luft gesprengt werden, bei der Zerstörung von wider st andsunfähigen Transportschiffen aber ist die Rettung der Mannfchaften Ehrenpflicht des Gegners. Ist doch nach den Grundsätzen der modernen Kriegführung die Vernichtung eines wehrlosen Gegners als unzulässige Grausamkeit anzusehen. Das Verfahren der russischen Kreuzer steht auf der gleichen Sttife mit der Tötung von Krieg?- gefangenen. Tokio, 22. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Japaner haben eine Dschunke aufgebracht, welche PortArthur verlassen hatte. Die Mannschaft derselben berichtet, daß vor einigen Tagen zwei russische TorpedobootSzerstörer und der Dampfer„Shintaiping" am Eingang des Hafens auf Minen gestoßen und untergegangen seien; 140 Per- sonen seien umS Leben gekommen. politische(leb ersieht. Berlin, den 22. Juni. Preußische Verfassungsbrüche. Die konservativ- nationalliberale Mehrheit deS Abgeordneten- Hauses hat sich plötzlich entschlossen, dem Minister v. Hammerstein Urlaub für die Kieler Regatta zu gewähren und dennoch noch am nächsten Montag die Ansiedelungsvorlage zu beraten. Wir vermuten, daß die Herren selbst nach Kiel wollen und deshalb die Pause bis Montag eintteten ließen. Herr v. Kröcher hat diese Pause zwar mit Berufung auf die Geschäftsordnung zu begründen versucht, deren Z 17 bestimmt, daß die zweite Beratung frühestens am dritten Tage erfolgen könne, nachdem die KommissionSanttäge gedruckt in die Hände der Mit- glieder gekommen sind. Aber Herr v. Kröcher vergaß hinzuzufügen. daß nach§ 20 derselben Geschäftsordnung diese Frist durch bloße Stimmenmehrheit abgekürzt werden kann. Also die Pause wäre nicht notwendig gewesen. Dagegen hat Herr v. Kröcher. der Hüter der Geschäftsordnung, die Mehrheit und die Regierung gar keine Skrupel, eine andre Ge- schäftSordnungs- Bestimmung zu verletzen, die noch dazu auf dem Wege der Geschäftsordnung nicht geändert werden kann, weil sie lediglich die Ausführung eine» VerfaffungSarttkelS ist. Die Ansiedelungsvorlage ist nicht nur wieder ein gesetzloser Ein- bruch in Reichsrechte, sondem er schließt auch eine doppelt« Aenderung der preußischen Verfassung in sich. Sie verstößt einmal gegen Arttkel 4 der Verfassung, der besagt: „Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich." Diese wichttgste Ver- fassungsbestimmung, die Grundlage des modernen Gesetzes, hat natürlich nicht die blödsinnige Bedeutung, die man ihr neuerdings zu geben versucht hat: die einem Gesetz Unterworfenen seien gleichermaßen nach diesem Gesetz zu behandeln. Das wäre die Selbstaufhebung deS Artikels 4; denn auf diese Weise könnte man ja Sondergesetze für jeden Stand, Klaffe, Konfession, Nattonalität, Partei machen. Man könnte etwa verfügen:„Social- demokraten dürfen nirgends zuziehen."„Katholiken und Juden werden nach der Forstgesetzgebung doppelt so hoch bestraft, wie Evangelische." Oder:„Polen erhalten keine Schankkonzession." Man würde auch darin keine Verletzung des Artikels 4 erkennen wollen; denn alle Socialdemokraten, alle Katholiken und Juden, alle Polen würden ja nach dem Gesetze, dem sie unterworfen seien, gleich behandelt. Artikel.4 bedeutet natürlich: daß Stand, Konfession, Nattonalität, Parteizugehörigkeit keinerlei Unterschied in der Anwendung der all- gemeinen Gesetze veranlassen darf. Und wenn die preußische An- siedelungsvorlcge jetzt den Polen die Ansiedelung verbietet, so ist das ein ebenso schwerer Verfassungsbruch, als wenn gesetzlich ver- boten Ivürde, daß Katholiken, Juden oder Bürgerliche sich ansiedeln dürfen. Außerdem wird aber noch ein andrer Arttkel der preußischen Verfassung verletzt, der Artikel 9, der lautet: „Das Eigentum ist unverletzlich. Es kann nur aus Gründen des öffentlichen Wohles gegen vorgängige, in dringenden Fällen wenigstens vorläufig festzuhaltende Entschädigung nach Maßgabe des Gesetzes entzogen»der beschränkt werden." Die Ansiedelungsvorlage beschränkt das Eigentum in einer Weise, die an Entziehung grenzt. Die polnischen Parzellierungbanken haben über das von ihnen erworbene Eigenthum keinerlei freie Verfügung mehr, d. h. ihr Eigentum ist beschränkt worden. Die Verfassung bestimmt, daß für solche Beschränkungen Entschädigungen bezahlt werden müssen. Die Ansiedelungsvorlage aber sieht diese Ent schädigungen nicht vor. Also schließt das neue Polcngesetz auch eine Aenderung des Artikels 9 der preußische» Verfassung ein. Gesetzentwürfe nun, die eine Verfassungsänderung einschließen müssen, nach der Verfassung, besonders behandelt werden. Es müssen nach Art. 107 zwei Abstimmungen erfolgen, und zwischen diesen Ab stimmungen muß ein Zeitraum von mindestens 21 Tage» liegen Danach ist es— abgesehen von allen andren Verfassungsbrüchen— unzulässig, daß die dritte Lesung der zweiten früher folgen kann als nach 21 Tagen. Herr v. Kröcher hat sich am Mittwoch als überpeinlicher Wärter der Geschäftsordnung aufgespielt, bei einem Punkte, wo die Be- stimmung geschäftsordnungsmäßig außer Kurs gesetzt werden konnte. Die Regeln über die Behandlung von Verfassungsänderungen sind zwingendes Recht. Wird sich der starke Mann darüber hinweg- setzen?— Preußischer Landtag. Am Mittwoch tagten beide Häuser des Landtages. Aus den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses war am interessantesten die Geschäftsordnungs-Debatte, die sich am Schluß der Sitzung an den Vorschlag des Präsidenten knüpfte, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung— am Montag— die zweite Beratung des Ansiedelungsgesetzes zu setzen. Das Centrum, unterstützt von den Polen und Freisinnigen, will nichts davon wissen, daß dieses Ausnahmegesetz gegen die Polen noch vor der Vertagung des Landtages ver abschiedet wird, die Regierung dagegen und die konservativ nationalliberale Mehrheit legt das größte Gewicht auf die möglichst schnelle Durchpeitschung der Vorlage. Nach einer stürmischen Debatte, in der den Ministern einige derbe Bosheiten dafür gesagt wurden, daß sie, statt sich an den parlamentarischen Verhandlungen zu beteiligen, allerhand Festlichkeiten bei wohnen und daß infolge dessen die Disposiftonen des Landtags wiederholt über den Haufen geworfen werden mußten, schloß sich die Mehrheit des Hauses dem Vorschlag seines Präsidenten an, das Ansiedelungsgesetz wird also, vorausgesetzt, daß das Haus beschlußfähig ist, noch vor der Vertagung im Automobil- tempo durchberaten werden. Vorher unterhielt sich das Haus aus Anlaß einer kon- servativen Interpellation über den masurischen Kanal; das Resultat der Debatte war ein negatives, kein Mensch, weder Regierung, noch Volksvertretung weiß, wann der Bau des Kanals in Angriff genommen wird. Im übrigen erledigte das Haus nur noch Petitionen, von denen die meisten ohne Allgemeininteresse sind. Im Herrenhause ist von den Gegenständen der Tages- ordnung nur die Petition des Vorstandes des ostpreußischen Städtetages um Einsetzung einer unabhängigen, mit der Ver- waltung der Staatseisenbahnen nicht befaßten Behörde zur Wahrung der öffentlichen Interessen gegenüber der Staats- eisenbahn-Verwaltung zu erwähnen. Trotz des Widerspruchs der Minister v. Budde und Frhrn. v. H a m m e r st e i n, die darin eine Beeinträchtigung der Hoheitsrechte des Staates erblickten und verfassungsrechtliche Bedenken geltend machten, wurde die Petition, dem Kommissionsantrag entsprechend, der Regierung zur Brücksichtigung überwiesen. Am Donnerstag steht die Sekundärbahn-Vorlage und die beiden Meliorationsvorlagen auf der Tagesordnung.— Weitere 1600 Mann Verstärkungen für Südwestaftika soll nach Blättermeldungen Generallieutenant v. Trotha gefordert haben. 800 Mann sind erst vor einigen Tagen abgegangen! Die Verstärkungsmannschaften sollen aus berittener<0 Infanterie, Artillerie und einer Signalabteilung bestehen. ES werden also allein für die Pferde dieses neuesten Truppen- Nachschubs ein paar Millionen verausgabt werden müssen I Man steht, wie recht wir hatten, als wir seiner Zeit eine Neu-Auflage des China-Abenteuers ankündigten. Eine neueste Verlustliste ist der gestern von uns erwähnten bereits auf dem Fuße gefolgt. Nach der gestrigen Verlustliste waren vom 26. Mai bis zum 10. Juni elf Mann Krankheiten erlegen. Nun wird aus O t j o s o n d u gemeldet, daß vom 10. bis 18. Juni weitere drei Mann Krankheiten erlegen sindl Die Denkschrift der Ansiedeler-Abordnung, die aus Südwest- afrika in Deutschland eingetroffen ist. bestreitet lebhaft, daß in erster Linie die Praktiken der Händler den Herero-Aufftand hervorgerufen hätten. Die Hauptschuld treffe vielmehr die Regierung, die unter Umgehung des rechtmäßigen Häuptling- Nachfolgers Nikodemus den„Säufer" und„Verschwender" Samuel Maharero zum Häuptling gemacht und durch die Schaffung von E i n g e b o r e n e n- R e s e r v a t e n(d. h. die Einhegung der Ein- geborenen in allzuenge und unfruchtbare Distrikte. Red.) den Hereros Besorgnis um den ihnen noch verblieben en Landbesitz eingeflößt habe. Zur Erbitterung der Ein- geborenen habe auch jene vielerwähnte Verordnung der Regierung beigetragen, daß alle Forderungen an die Hereros mit dem 1. April 1904 verjähren sollten, deren Folge das scharfe, teil- weise gewaltsame Eintreiben der Schulden durch die Händler gewesen sei. Hierüber heißt es in der Denkschrift: „Es ist Thatsache, daß einzelne wenige, ihrer Zahl nach gar nicht in Betracht kommende Wander- Händler sich eines unlauteren und betrügerischen Borgehens schuldig gemacht haben, und ihre That soll in keiner Weise be- schönigt oder entschuldigt werden. Es ist aber ebenso Thatsache, daß die Behörden wiederholt und aus den Kreisen der Ansiedler selbst und lange vor Ausbruch des Anfstandes aus dieses gefährliche Treiben aufmerksam gemacht worden� find, ohne daß auch nur in einem einzigen Falle die Missethäter zur Rechenschaft gezogen wurden. Anträge verschiedener Distriktschess auf Be- strafung solcher Händler hat das Gouvernement stets ablehnend beschieden." Zu dieser ebenso neuen, wie interessanten Anschuldigung gegen die Regierung paßt freilich, wie selbst der„Täglichen Rundschau" auffällt, sehr schlecht die sonst so lebhafte Klage der Ansiedeler, daß das Gouvernement stets für die Eingebornen g e g e n die Weißen Partei ergriffen habe! Trotzdem verdient diese Anklage der Denkschrift strengste Untersuchung. Wahrscheinlich ergiebt sich, daß beide Parteien mit ihren Anllagen recht haben: die Regierung gegenüber den Händlern und die Ansiedeler gegenüber dem Gouvernement! Eben deshalb wird man freilich auch über die Sünden beider Teile den bergenden Schleier zu ziehen wissen I Deutfches Reich. Die Sport-Internationale. Auf einem Schiffsdiner bei Cuxhafen brachte der Bürge* meister Mönckeberg einen Trinkspruch aus, in dem er über schwäuglich meinte: „Wenn wir uns heute vergegenwärtigen und vor dem geistigen Auge vorüberziehen lassen alle sportlichen Veranstaltungen in letzter Zeit: Wettrennen, Wettrndern, Wettturnen, Wcttradcln und die letzte bedeutsame, ftir den Sport wie die Industrie bedeut same, wichtige Fonn des Sports, die Automobilwcttfahrt, so können wir ruhig aussprechen, daß diese ftiedlichen Wettkämpfe in dem modernen Deutschland eine ähnliche Rolle zu spielen an- fangen, wie die öffentlichen Spiele im Altertum." Herr Mönckeberg verleumdet das Altertum, von dem er offenbar nur eine sehr unklare Vorstellung hat. Die Nationalspiele Griechen- lands, diese Feste der körperlichen Tüchtigkeit, bei denen wenigstens das ganze Volk der freien Bürger teilnahm, haben nichts gemeinsam mit den kapitalistischen Spektakelstücken unsrer Zeit, bei denen nicht körperliche Tüchtigkeit, sondern der Zufall specialistischer Dressur zum Siege führt, die ein mit Unsummen— nicht etwa nur mit einem wertlosen Olivenzweig des Ruhms wie in Griechenland— bezahltes Geschäft für die Ausübenden und eine Nervenreizung für eine kleine Minderheit der Besitzenden sind, die das Publikum bildet, zu denen sich im Hintergrunde noch als Statisten ein Haufen von besitzlosen Gaffern drängt. Selbst in gehobenen Trinksprüchen sollte der Bürgermeister einer großen Gemeinde nicht die olynipischen Spiele mit dem Benzinsport von Homburg vergleichen. Oder vermag Herr Mönckeberg zu verraten, was das deutsche Volk von 60 Millionen an körperlicher Fähigkeit dadurch gewinnt, daß ein berufs- mäßiger Chauffeur belgischer oder französischer Nation auf Ver- mögen kostenden Rennwagen mit Blitzgeschwindigkeit rasselt, tutet und stänkert?... Auf Mönckebergs Trinkspruch erwiderte Wilhelm IL Die Rede ist im gestrigen Depeschenteil mitgeteilt worden. Er unterschrieb das herrliche Bild", das der Bürgermeister„von unsren sportlichen und unsren s o n st i g e n Fortschritten im Lande entworfen habe". Er meinte in den Wettrennen Anzeichen zu sehen, „daß allmählich die Solidarität unter den Völkern der Kultur länder unstreitig Fortschritte macht auf verschiedenen Gebieten. Und diese Gebiete erweitern sich. Diese Solidarität geht unmerk- lich, aber unwiderstehlich in das Programm sowohl der Staats- lenker über wie in die Gedanken der sich selbst regierenden freie» Bürger. Diese Solidarität wird genährt und gepflegt auf ver- schiedene Weise, sei es in ernster politischer Beratung, sei es auf Kongresse», sei es im Wettkampf und Spiel. Und in dieser Be- ziehung kann man wohl sagen: Es liegt ein tiefer Sinn im kiiid'schcn Spiel." Die Berufung auf den Einfluß, den demokratische Republiken — sich selbst regierende freie Bürger— auf die von der Social- demokratie proklamierte und als Vaterlandslosigkeit verfolgte Soli- darität der Völker übt, kann man bis zu einem gewissen Grade anerkennen, wenn diese Solidarität auch ein leerer Wahn bleiben muß, so lange es Klassenherrschaft giebt. Immerhin sind Demo- kratien mehr fähig, die Solidarität der Völker anzubahnen, als Junkerstaaten wie Preußen. deren Daseinsprincip die Völker- Verhetzung und Völkerabsperrung ist. Der Kaiser, von dem man derlei Anschauungen sonst nicht vernimmt, hat wohl der Republik Hamburg mit jenen Sätzen eine Anerkennung widmen wollen. Noch in einer andren Hinsicht ist die Antwort Wilhelms II. auf- ällig. Es ist zwar ein Irrtum des Kaisers, daß durch derlei inter- nationale Wettspiele, wie die Hamburger Regatta, die Solidarität der Völker„gepflegt, gehegt, fester geschmiedet und fester geknüpft wird". Diese Internationale des Sports und des Spiels hat es eit jeher gegeben. Die Pferdereunen sind immer ebenso inter- national gewesen wie das Baden in Ostende und die Roulette in Monaco. Diese Annäherungen der internationalen Lebewelt haben aber keinen Krieg verhindert, keine Militärvorlage unnötig gemacht. Diese Internationale ist keine neue Erscheinung in der Ent- Wicklung der Menschheit, sondern etwas Uraltes und zugleich etwas gänzlich Bedeutungsloses. Es genügt nicht, daß ein Spiel kindisch ri, damit ein tiefer Sinn in ihm liege. Aber der Kaiser mißt dem internationalen Publikum der Kieler Regatta wohl nur deshalb so hohe Bedeutung für die Menschheit bei, weil er gegenwärtig vom freudigsten Optimismus beseelt ist. Während der Kaiser jüngst in Karlsruhe dunkle Wolken herauf- ziehen sah, bekannte er jetzt: „Ich, meine Herren, sehe mit absoluter Ruhe und Vertrauen in die Zukunft, fußend auf das Bild, das uns soeben entworfen wurde." Es ist anzunehmen, daß der Kaiser gute Botschaft aus Süd- w e st a f r i k a erhalten hat, die seine Stimmung aufhellte.— Die focialdemokratische Stadtratsmchrheit. Unsre gestrige kurze Würdigung der Gemeinderatswahl in M ü l- Hausen i. Elf. wird durch die folgende Korrespondenz ergänzt: Mülhausen i. Elf., 20. Juni. Eine Wahlschlacht von mehr als lokalem Interesse war's, welche gestern mit dem zweiten Wahlgang der GemeinderatS-Ergänzungswahl ihren Abschluß fand. Wir sagen zweiten Wahlgang, weil eine Stichwahl nach Art der Reichstags- Stichwahlen bei den Gemeinderats-, Kreistags- und Bezirkstags- Wahlen in Elsaß-Lothringen nicht stattfindet; die Gemeinde-Ordnung von 1896 läßt m Anlehnung an die ältere französische Gesetzgebung zu, daß zum zweiten Wahlgang, bei welchem das relative Mehr entscheidet, vollständig neue Kandidaten aufgestellt und gewählt werden können. Der erste Wahlggng, der am Sonntag, den 12. Juni stattfand, hatte zu einem positiven Ergebnis nicht geführt, da sich vier Parteien mit selbständigen Listen am Wahlkampfe be- teiligt hatten und keine dieser Listen das absolute Mehr auch nur ür einen einzigen ihrer Kandidaten erreichte. Auf die vier Listen wurden nämlich am 12.Juni Stimmen abgegeben: Socialdemokraten 3936—3980; Wahlverein der Katholiken(centrumsfreundliche Richtung) 3045 bis 3186: Allgemeiner Wahlverein< ordnungsparteilicher Mischmasch, ein- chließlich des dem Centrum noch zögernd gegenüberstehenden An- Hangs des Pfarrers und Landesauslchuß-Abgeordneten Winterer) 2182—2362; und Demokratische Partei(einschließlich einer Gruppe unabhängiger Liberaler") 1915—2159. Zur gestrigen, entscheidenden Wahl marschierten sämtliche Par- teien wiederuni gesondert auf. nachdem sowohl bei den Links- wie bei den Rechtsparteien die Kompromißverhandlungen gescheitert waren. Diese für unsre Partei günstige Konstellation ist wesentlich darauf zurückzuführen,-»daß der focialdemokratische Arbeiter-Wahl- verein auf Grund von Erwägungen verschiedener Art in den Wahl- kämpf um die 9 freigewordenen Gemeinderatssitze nur mit einer Liste von 5 Kandidaten eingetreten war. Die erste dieser Erwägungen ist die, daß durch die Verstärkung der ocialdemokratischen Gemeinderatsfraktion von noch 15 Mitgliedern um weitere fünf die socialdemokratifche Gemeinderatsmehrheit hin- länglich gesichert erscheint(20 Socialdemokraten auf insgesamt 36 Ratsmitglieder). Die Socialdemokratie zeigte damit, daß sie bei aller Festigkeit in Wahrung ihrer Position auf dem Gemeindehaus doch ihre politischen Gegner nicht von der praktischen Mitarbeit aus- chließen und mundtot machen will, wie dies seit ihrem Auftreten hier von den löblichen Ordnungsparteien ihr gegenüber stets versucht und bis 1896 auch erteicht worden war; sie erreichte damit in der Praxis aber auch die unheilbare Spaltung der zwei Rechtsparteien, von welchen die klerikale mit den von ihr am 12. Juni erzielten 3100 Stimmen bei dem beträchtlichen Vorsprung vor den Listen beS Allgemeinen Wahlvereins und der Demokraten sich die von der Social- demokratie nicht beanspruchten vier Sitze für alle Fälle gesichert sah und sich unbeschadet dessen noch Hoffnung machen konnte, durch Ueber- läufer aus der Mitte des Allgemeinen Wahlvereins die social- demokratische Liste vollständig zu schlagen. Diese Spekulation der jungklerikalen Draufgänger auf Zuwachs namentlich seitens der Mannen Winterers hat sich nun zwar als vollständig richtig erwiesen, allein trotz der Erhöhung der klerikalen Stimmenziffer um fast 700 blieb gestern die Liste des Wahlvereins der Katholiken um fast genau eben so viel Stimmen hinter der social- demokratischen Liste zurück, deren fünf Kandidaten infolgedessen mit glänzender Mehrheit gewählt wurden. Es erhielten beim ent- s�ch e i d e n d e n W a h l g a n g e g e st e r n S t i m m e n: Social- demokraten 4405—4450; Wahlverein der Katholiken 3696—3824; Allgemeiner Wahlverein 1441— 2337 und Demokraten 844— 1826. Unsre Partei hatte durch Heranziehung eigner Reserven und einigen Zuwachs aus dem Lager der bürgerlichen Demokratie, deren eigne Liste aussichtslos geworden war, ihren Prozentsatz aller ab- gegebenen gültigen Stimmen von knapp 35 Proz. beim ersten Wahl- gang auf 38l/z Proz. beim zweiten erhöht. Das Schlußergebnis dieses Wahlkampfes, in den sämtliche bürgerlichen Parteien einschließlich der Demokraten Blninenthalscher Richtung mit dem Feldgeschrei, es gelte jetzt die„focialdemokratische Zufallsmajorität" auf dem Mülhauser Rathause zu brechen, ein- getreten waren, ist hiernach, daß der Gemeinderat der bald 100 000 Eintoohner zählenden oberelsässischen Industriestadt sich aus 20 Social- demokraten, 12 bürgerlichen Demokraten und 4 Centrumskatholiken zusanimensetzt,— die letzteren eine ganz radikale Species, die sich in Flugblättern und Versammlungen während des Wahlkampfes mit den von der Socialdemokratie auf wirtschaftlichem Gebiete in der Ge« meinde angestrebten und in praktischer Thätigkeit während der letzten zwei Jahre zum großen Teil bereits durchgeführten Reformen (Unentgeltlichkeit der Lehrmittel für Volksschüler, allmähliche Auf- Hebung des Octrois, Einrichtung von Notstandsarbeiten, allgemeine Dienst- und Lohnordnung für die städtischen Arbeiter. Festsetzung von Minimallöhnen und Maximalarbeitszeiten auch für die in Privat- regie bei Arbeiten für die Stadt beschäftigten Arbeiter usw.) durchaus einverstanden erklärte und nur das religiöse Gebiet (Schule und Kultusausgaben der Gemeinde) zum Kainpfobjekt gegen die Socialdemokratie machte. Die praktische Thätigkeit der vier Ge- wählten dieser katholisch-socialen Richtung aus dem Gemeinde- Hause muß nun zeigen, ob hinter ihrer social-radikaken Pose im Wahlkampfe, die ihnen im„Expreß", dem Organe der hiesigen Großindustriellen, die Bezeichnung„schwarze Social demo- k r a t e n" eintrug, mehr steckt, als das Bedürfnis des Stimmen- fanges. Und hier sind wir beim zweiten hauptsächlichen Grund. weshalb sich die lokale Organisation unsrer Partei bei dieser Gemeinderats-Ergänzungswahl die Beschränkung auf fünf von neun freien Sitzen auferlegte. Die Aufklärung der zahl- reichen katholischen Arbeiter, welche sich von den social-radikalen Redensarten der in München-Gladbach geschulten jung-klerikalen Führer in den christlichen Gewerkschafts-Versammlungen beeinflussen lassen, kann nicht mittels theoretischer Auseinandersetzung in öffent- lichen Versammlungen erreicht werden, lvie solche in den letzten fahren zivischen den Anhängern der freien und der christlichen lewerkschaften hier vielfach stattfanden, sie kann gründlicher nur er- folgen, durch die harten, unbeugsamen Thatsache«. Solche wird die praktische Stellungnahme unsrer„schwarzen Socialdemokraten" in Fragen der Arbeiterpolittk auf dem Genreindehause in die Erscheinung bringen. Das Weitere wird sich dann finden. Durch den Wahlansfall ist der socialdemokratischen Partei unter anderm auch die Wiedererlangung des Abgeordneten-Mandats zum Landesausschuß für Elsaß-Lothringen bei der in zwei Jahren statt- findenden Neuwahl gesichert.— Reichsländische Wirrungen. Kürzlich wurde gemeldet, daß der Pariser„Matin" in den Reichslanden verboten wurde. Wie man jetzt erfährt, geschah das, weil das Blatt Skandalgeschichten über den deutschen Kaiser verbreitet hatte, und außerdem allerlei Klatsch über Damen und Herren der reichsländischen Gesellschaft. Merkwürdig ist aber die Wirkung, die jene Klatschartikel gehabt haben. Eine Korrespondenz berichtet darüber: Leider wurde erst nach Erscheinen des vierten Artikels das Blatt verboten, obwohl alle einsichtigen Leute nach Kenntnisnahme des Inhalts der drei vorhergegangenen den vierten eigentlich als selbst- verständlich erwartet hatten. Troß der Beschlagnahme soll die Nummer heimlich mit 10 M. verkauft und der Preis von 50 Pf. für ei» schnelles Durchlesen des Artikels verlangt worden sein. Be- merkenswert ist nun bei der ganzen Sache, daß der Inspirator des Herrn Mouton nicht etwa in den Kreisen der Protestler gesucht wird. Die sehr geheim geführte Untersuchung über de» Informator ist bisher resultatlos geblieben, dagegen sind die Metzer Zeitungen sich über den Fall einander in die Haare ge» raten, und die gegenseitigen Beschuldigungen haben dazu geführt, daß der Redakteur des Amtsblattes„Gazette de Lorraine", Paul Bourson, sofort entlassen wurde, während man den Chefredakteur des„Mattn", Pignon, und die Aktionäre des Blattes, Justizrat Dr. Müller und die Inhaber des Bankhauses Meyer u. Co.(Oswald und Hannaux) einem lehr eingehenden Verhör unterwarf. Der Polizei- Präsident Baumbach von Kaimberg ließ auch die Redaktrice des .Matin", Fräulein Marie Schmidt, eine Französin, kommen und ägte ihr auf den Kopf zu, daß der entlassene Redakteur Bourson mit zu den Inspiratoren des„Matin'-Redakteurs gehören müsse. Eine von der„Kölnischen VolkSzeitung" ausgehende Nottz wies auf den Ver- ässer eines in dem bekannten Militärroman-Verlage von Sattler in Braunschweig erschienenen Romans„Grenz-Panorama", einen Metzer Schriftsteller, hin. Doch auch diese Spur hat sich als irrig erwiesen. Noch mehr aber als in Metz ist die Polizei in Sttaßburg in Aufregung geraten, wo zahlreiche Vernehmungen in den Bureaus des Journal„DÄlsace" stattgefunden haben. Die sieben Schwaben. Man schreibt uns aus Stuttgart vom 21. d. M.: Das frei- innige Bürgertum hat gesprochen. Deuffche Partei(Nationalliberale), Volkspartei, Jungliberale, junge Volkspartei und Nationalsociale haben gestern abend in der Liederhalle, dem größten Saale Stuttgarts, eine öffentliche Versammlung unter der Devise: Gegen die Erste Kammer! abgehalten. Der kolossale Besuch der Versammlung — etwa 5000 Personen füllten den Saal bis auf den letzten Platz— war weniger ein Ausdruck des Vertrauens in die Einberufer der Versammlung, als das Ergebnis der ungeheueren Erregung de? Volkes gegen die Erste Kammer, der die socialdemokrattsche Landes- Zarteileitung nicht genügend rasch ein Venttl geschaffen hat: die ocialdemokratischen Protestversammlungen in Stuttgart sind erst auf den 30. Juni einberufen. So kam eS, daß auch viele Arbeiter zur Füllung deS Saales beitrugen. Von allen Rednern wurde mit dem großen Schwabenspieß gar mächtig gegen das Centrum gedroht; manche bittere und ungeschminkte Wahrheit gegen seine Kulturfeindlichkcit wurde von den Rednern ausgesprochen. Aber die Institution der Ersten Kammer, so kräfttge Worte auch über die katholische Fremd- Herrschaft fielen, fand die Schwabenhelden vorsichtiger. Der nationalliberale Redner, Abg. H i e b e r. stimmte ein Lied der Sehnsucht an nach einem Oberhaus, das„eine Körperschaft von Männern darstellen soll, die über den Parteien und Interessengegensätzen des Alltags stehen und eine ab- eklärtt, uninteressierte Staatsweisheit vertreten". Ein solches �)berhauS haben nach Herrn Hiebers Meinung so gut wie alle konstitutionellen Verfassungen neben die aus den Wahlen des Volkes hervorgehende Vertretung gestellt. Ob Herr Hieber auch eine Er- fänzung der R e ich s Verfassung durch ein solches ideales Oberhaus ür notwendig hält, sprach er nicht aus. Aber man darf es wohl annehmen. Die unwürdigste Rolle spielte wieder der Führer der süddeutschen Demokratie, der Abgeordnete Haust mann. Hinter einer Kanonade dröhnender Worte gegen die katholischen Prinzen, gegen den Thron- olger und gegen die Erste Kammer führte er ganz sacht und fein eine Wendung gegen die Socialdemokratie aus, Die P. P. S. ist weder die Klassenorganisation, noch eine Kl a ss e n organisation des polnischen Proletariats, sondern eine nationalistische Gruppe, die mit allen in Rußland wirkenden social- demokratischen Organisationen: sowohl mit der Russischen social- demokratischen Partei wie nnt dem Indischen Arbeiterbund, wie auch mit der Socialdemokratie Russisch-Polens und Littauens seit Jahren in erbittertem Kampfe liegt und von den genannten Partei- Organisationen stets als eine nationalistisch-chauvinistische Gruppe betrachtet wurde und betrachtet wird. Von den„zahlreichen Kundgebungen der P. P. S." ist uns nichts bekannt, als ihre eignen Berichte darüber in der von ihr tendenziös informierten Presse. Was endlich den eminent„revolutionären Charakter" der P. P. S. anbelangt, so genügt der einfache Hinweis auf die Thatsache, daß diese Gruppe unter der Herrschaft der zarischen Knute jeden gemein- samen Kampf um politische Freiheiten im russischen Reiche verwirft und die proletarische Einigkeit durchbricht, um nationalistischen Seifenblasen— der utopischen Wiederherstellung eines polnischen Klassenstaates— nachzujagen I!"— Türkei. Koiistantiiiopel, 22. Juni.(„Frankfurter Zeitung".) Der frühere Schwiegersohn des Sultans Kemal-Eddin Pascha ist nach Brussa verbannt und auf einem besonderen Dampfer fortgebracht worden. Von der Degradation ist auf Flehen seiner früheren Gattin im letzten Augenblick Abstand genommen worden.— Amerika. Der republikanische Nationalkonvent wurde am Dienstag in Chicago eröffnet. Kriegsminister R o o t als stellvertretender Vorsitzender eröffnete ihn mit einem Hymnus auf R o o s e v e l t. Root führte aus, die gegenwärtige Regierung habe die öffentliche Schuld verringert, einen wirksamen Fortschritt in der Regelung des Trustwesens erzielt, das Geschäftsleben ge- fördert, die Landwirtschaft vorwärts gebracht, die Flotte ausgebaut. das Heer reorganisiert, den Philippinen eine Civilverloaltung ge- geben, in Kuba eine Republik errichtet, welche mit den Vereinigten Staaten durch Bande der Dankbarkeit und.das Interesse ge- meinsamer Verteidigung verbunden sei. einen offenen Weg quer durch den Isthmus erschlossen, die Monroe-Doktrin gestärkt, den Alaska-Grenzstreit beendet, die Integrität Chinas beschützt, dem Handel weitere Thüren geöffnet, das Schiedsgerichtsprincip zur Geltung gebracht und den Frieden unter den Nationen gefördert. Indessen habe die Regierung, der Thatsache eingedenk, daß moralische Kräfte, die nicht durch physische Stärke unterstützt werden, nicht immer gegen Selbstsucht und Angriffe nützen, die Streitkräfte, welche Achtung einflößen, vermehrt, die Flotte auf einen hohen Grad der Schlagfertigkeit gebracht und Heer und Marine in der Küsten- Verteidigung wie in strategischen Aufgaben überhaupt geübt. Root bemerkte sodann, es müsse noch eine Regelung des Trustwesens er- folgen, ferner könnte jetzt der Zolltarif eine Revision erfahren, welche von den Freunden des Schutzzollsystems durchzuführen wäre. -1° Der Unterausschuß des mit der F e st st e l l u n g der Resolutionen betrauten Ausschusses hat sich über die in der Zolltariffrage zu fassenden Beschlüsse geeinigt. Der Aus- schütz erklärt sich zu Gunsten des Schutzzolls als Grundprincip und sagt, die Höhe des Zollsatzes solle dem Unterschied zwischen den Herstellungskosten einer Ware in den Ver- einigten Staaten, und den Herstellungskosten im Auslande gleich- kommen. Aenderungen von Zollsätzen sollten nur erfolgen, wenn die Verhältnisse sich so geändert haben, daß sie durch das öffentliche Interesse geboten sind, auch solle eine gemäßigt� gehaltene Bestimmung, die sich für Reciprocität ausspricht, in die betreffende Resolution auf- genommen werden. Die Bestimmung über die Reciprocität war Gegenstand sehr lebhafter Erörterung und wurde schließlich nur im Interesse der Einigkeit angenommen. Das zur Annahme gelangte Programm soll, wie es heißt, im ganzen auf eine völlige Wiedergabe der Anschauungen Roosevelts hinauslaufen.— Partei- l�acbncbten. Internationale Zusammenkunft in Lindau. Am Sonntag fanden sich in Lindau aus 22 Orten in den Bodensee-Uferstaaten 82 Dele- gierte zur Beratung verschiedener Angelegenheiten zusammen. Be- schlössen wurde die Errichtung eines internationale» Jnformations- bureans in Konstanz, das regelmäßig alle Vierteljahre an die beteiligten Organisationen Berichte zu erstatten hat und zwar Haupt- sächlich über den Stand des Arbeitsmarktes. Die nächste Zusammen- kuuft soll in Arbo» stattfinden und sich mit der Aufstellung von Organisationsstatuten und eines Reglements für das Jnforinations- bureau beschäftigen. Am Nachmittag bildeten ca. 2tX)0 Genossen und Genossinnen einen stattlichen' Festzug, dem 20 Fahnen Leben und Farbe gaben. Im„Schützengarten", der bis auf den letzten Platz besetzt war, hielt Genosse v. Vollmar die mit lebhaftem Beifall auf- genommene Festrede. Der Gedanke der Verbrüderung der Völker hat einen neuen. Triumph gefeiert. Die socialistische Partei Frankreichs(Gruppe Guesde-Vaillant) hält ihren diesjährigen Kongreß am 9., 10. und 11. August in Lille ab. Außer den üblichen Berichten des Sekretärs, der Fraksion usw. stehen folgende Punkte auf der Tagesordnung: Der internasionale Kongreß von Amsterdam; das Verhältnis zwischen polisischer und gewerkschaftlicher Organisation des Proletariats; der Primar-Schul- Unterricht. polireUlches. OcrlchtHcbes ulw. — Zum Leipziger Aerztekrieg. Wegen Beleidigung deS Dr. med, S ch ü l z k e in Markranstädt wurde heute vom Schöffengericht der verantwortliche Redakteur der„Leipziger Volkszeiwug", Genosse R�i chsa r d Wagner, zu 80 M. Geldstrafe oder 12 Tagen Gefängnis verurteilt. In einer Notiz der Nr. 87 der„Leipziger Volkszeitung' wurde von Sch. erzählt, daß er ein Ortskassen-Mitglied B. in Rück- marsdorf, das der Markranstädter Kasse überwiesen worden war. zu einer Beschwerde an die Kreishauptmannschast habe veranlassen wollen. Als dieser, den Sch. nur flüchtig untersucht habe, sich ge- weigert habe, hätte Sch. dessen Frau zur Unterschrift des Mannes unter die Beschwerde veranlaßt. In der Verhandlung gab Schülzke als Zeuge an, daß er aus Interesse für seine Leipziger Kollegen die Behandlung B.'s abgelehnt Hobe. Er habe B. nicht nur nicht flüchtig, sondern überhaupt nicht untersucht. Der Frau B. habe er dann die Adresse an die Kreishauptmannschaft aufgeschrieben und gesagt, sie solle den Kreishauptmann um ärztliche Hilfe bitten. Die Frau hat den Brief aber nicht abgeschickt, sondern in den Ofen gesteckt. Trotz- dem mehr wahr ist, als in der Notiz behauptet wurde, erfolgte die Verurteilung wegen eines unrichtigen Punktes. der er vorwarf, Politik in die eigne Tasche zu machen, weil sie nicht den Reform- Klimbim mitmacht, sondern Abschaffung der Ersten Kammer verlaugt. Die tzorher vereinbarte Resolution, welche zum Schluß ohne Widerspruch angenommen wurde, wendet sich auch nur gegen die Vorherrschaft der Adelsvorrechte in der Ersten Kammer. Der Einzug etlicher Konunerzienräte in das hohe Haus würde also offenbar sowohl Herrn Haußmann wie Herrn Hieber mit der Privilegienkammer aussöhnen! Die volksparteilichen Wähler sind vorerst noch ein bißchen unbotmäßig. In zahlreichen Versammlungen, die bereits im Lande stattgefunden haben, wurde von volksparteilichen Rednern aufs schärffte betont, daß nur die Abschaffung der Ersten Kammer, wie die Socialdemokratie sie fordert, dem Volkswillen entspreche. Aber dem demagogischen Geschicke der volksparteilichen Führer— vor allem Haußmanns— wird es ohne Zweifel gelingen, innerhalb ihrer Partei die Ruhe wieder herzustellen und so das Werk jesuitischen Verrates an den Volksrechten zu vollenden, das die staatsmännische Weisheit von Haußmanns Landtagsrede bereits in die Wege geleitet hat.— Beinahe ein Ministerstnrz. Aus München wird uns geschrieben: Die gewichtigste Persönlichkeit im bayrischen Ministerkolleginm, * der Finanzniinifter v. Riedel, hat am Montagnachmittag sein Entlassungsgesuch eingereicht. Aber schon am Dienstag ist es den Beniühungen der Kollegen des 72jährigen Herr» gelungen, ihn zum Verzicht auf die Demission zu bewegen. Er wird zweifellos ein äußerst schmeichelhaftes Handschreiben des Re- genten erhalten und dann die Geschäfte weiterführen. Den Anlaß zu dem Rücktrittsgesuch gab ein Beschluß der Reichsratskammer, die am vorigen Sonnabend einen die Einführung von Grundwertabgabe betreffenden GesetzenNvurf mit Stimmengleichheit abgelehnt hatte. Dieser Beschlutz hat unfern Finanzbaron in die fürchterlichste Auf- regung versetzt; nicht etwa weil es sich um ein Gesetz handelt, von dem von bürgerlicher Seite große socialpolitische Wirkungen er- wartet werden, sondern weil er auf den Ertrag der neuen Steuer gerechnet hatte, den er zur Ausgleichung seines Budgets braucht. Es soll in dieser Session endlich die schon wiederholt verschobene Beamtenaufbesserung zu stände kommen; die dazu nötigen Millionen sucht Herr von Riedel bei den verschiedensten Etats herauszuschinden, um eine Erhöhung der direkten Steuern zu umgehen. Auch die Grundwertsteuer sollte mit zu diesem Zweck herangezogen werden. Da der Gesetzentwurf nun zu Fall gebracht wurde, so ist auch die Beamtenaufbesserung stark gefährdet, denn die bürgerlichen Parteien der unteren Kammer sind für die Beschreitung des allein korrekten Weges, nämlich die Erhöhung der direkten Steuern, nicht zu haben. , Natürlich herrscht auch in der Abgeordnetenkammer, die dem Grundwertabgabe-Gesetz seiner Zeit mit allen gegen eine Stimme zugestinimt hatte, eine ziemlich gereizte Stimmung gegen die Standesherren, die hohen Herren haben sich nämlich keineswegs von durchaus selbstlosen Mottven leiten lassen. Es genügt zu sagen, daß die Führer der Opposition, Reichsrat v. Auer, Z2facher Aufsichtsrat ist. Andre„hohe Herren" bezeichneten die Vorlage als ein Ausnahmegesetz, als den Anfang einer Vermögenssteuer und Graf M o y meinte aar, das Gesetz sei entsprungen dem Neid und der Mißgunst gegenüber einigen glücklichen Terrainspckulanten. Die Motive der Reichsräte sind also klar, sie lassen darauf schließen, daß der hohe Adel in nicht geringein Maße bei der Terrainspekulation engagiert ist. Nun hat man im Reichsrat die Regierung auch aus eine Steuer- revision verwiesen. ES ist natürlich nichts als ein fauler Witz. Als vor einigen Jahren einmal der Versuch gemacht wurde, die großen Einkommen schärchr zur Steuer heranzuziehen, da waren es gerade die Herren Reichsräte, die die höheren Steuersätze strichen. Solche Sorge um den eignen Geldbeutel hat die Pairs auch bei ihrem Verhalten gegenüber dem Grundwertabgaben-Gesetz geleitet. Wenn die Ablehnung dieses Gesetzes den Finanzminister veran- laßt hat, sein Rücktrittsgesuch einzureichen, so beweist das nur, auf welch' schlechten Füßen die ganze Riedelsche Finanzgebarung steht. Riedel stellt seine Budgets immer so vorsichtig auf, daß auch in den schlechtesten Finanzperioden hinterher ein Ueberschuß herauskommt. Die Erübrigungen werden dann zu einmaligen Ausgaben verwendet, die in der Regckl Liebesgaben an die immer schreienden Agrarier sind. Und diese Erübrigungen werden nur dadurch erzielt, daß man bei den notwendigen laufenden Ausgaben ungemein knauserig ist. Auch jetzt müßte es dem Finanzminister ein leichtes sein. für den Ausfall von etwa 300 000 M., der ihm durch den Fall des Grund- wertabgabe-Gesetzes entsteht, eine andre Deckung zu finden. Wenn er statt dessen sofort die Waffen streckte und demissionierte, so stellt er seiner ganzen Finanzgebarung selbst das denkbar schlechteste Zeugnis aus.—_ München, 22. Juni. Abgeordnetenkammer. Der Abg. Memminger und andre Mitglieder der freien Vereinigung brachten den Antrag ein, an die Krone die Bitte zu richten, eine Aendcrnng der Verfassung in der Richtung herbeizuführen, daß die Regent- s ch a f t auch bei Lebzeiten eines andauernd willenlosen Königs ihr Ende finden kann.— Der Kulturkampf in Baden, so wird uns geschrieben, droht wieder emporzulodern. Seit Jahren haben die Centrumsgrößen ein nie versagendes Rüstzeug gehandhabt, um ihre Anhänger, wenn sie matt werden, wieder aufzupeitschen: sie verlangen von der Regierung die Zulassung von Männerklöstern. Vor zwei Jahren gab die Regierung zum erstenmal eine nicht rundweg abweisende Antwort, und die Folge war der berüchtigte Klostcrsturm der Jung- liberalen, der auch die Alten mit fortriß, und der dem Centrum große Erfolge brachte. Am Dienstag stand nun das K u l t u s b u d g e t in der Zweiten Kammer zur Beratung und gleichzeitig eine Interpellation des Centrums, warum bisher Männerklöster noch nicht zugelassen wurden. Der nationalliberale Berichterstatter über das Kultusbudget fuhr reiches historisches und juristisches Material auf, mit dem er beweisen wollte, daß der Staat keine Verpflichtung habe, der bischöflichen Kurie andre, als die durch Verträge oder Gesetz festgelegten Unterhaltungs- kosten zu bewilligen. Es wenden aber seit dem letzten Landtag für außergewöhnliche Bedürfnisse der Kurie bedeutende Mittel an- gefordert und von den Nationalliberalen bewilligt. Auch diesmal will die nattonalliberale Fraktion diese Forde- rungen wieder bewilligen trotz des großen geschichtlichen Ersturses des Berichterstatters, aber es soll das letzte M a l sein. Der Fraktionschef der Nationalliberalen beschwerte sich dann bitter über Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes; er verlangte. daß Männerklöster unter keinen Umständen zugelassen werden. Diesen Vorstoß gegen das Centrum wird man wohl auf das Conto der Jungliberalen setzen müssen, denen damit der Riund gestopft werden soll. Der Minister hatte kein Erbarmen mit den Liberalen, er erklärte: Die Regierung sei mit der Kurie in Unterhandlung getreten, um festzustellen, unter welchen Bedingungen einige Männerklöster zugelassen werden sollen, das heißt die Frage o b überhaupt solche zuzulassen sind, muß schon bejahend ent- schieden sein.— Für die Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesctzes sei das Gesamtministerium einstimmig eingetreten. Dagegen sei an Aufhebung des§ 1 dieses Gesetzes nicht zu denken. Weiter hielt der Minister boshafterweise den Nationalliberalen ihre Inkonsequenzen vor, die sie bisher stets in kirchlichen Fragen an den Tag gelegt. � Unter solchen Umständen war es für den Centrumsredner doppelt leicht den Versöhnlichen zu spielen. Er bemühte sich sichtlich das Centrum als bescheidenste, demütigste Partei hinzustellen. nur bestrebt einen Strahl von dem Licht aufzufangen, das andren in reichem Maße flute. Diese Bescheidcnheitstaksik befolgt� das Centrum seit 2 Jahren ganz konsequent, ihr hat auch der frühere heftigere Führer Pfarrer Wacker einstweilen weichen müssen. Im Lande wnd sich nun bei den Jungliberalen wahrscheinlich nieder ein heftiger Sturm ob der centrumsfreundlichen Antwort des Ministers erheben, der Klostersturm in zweiter Auflage.. Und das Centrum wird wieder den Vorteil davon haben.— Die Politik der feierlichen Momente. In der Mllnchener „Medizinischen Wochenschrift" wird die Krankheit eines Epileptikers geschildert, der Selbstgespräche zu führen pflegt.„Namentlich— heißt es in dem Bericht— spielte der Ocean eine große Rolle, und am Ende fast jeden Satzes kehrt der Refrain wieder: Und e s i st ein so feierlicher Moment." In Berlin ist neulich ein ähnlicher Fall behandelt worden. Ein großer Staatsmann wurde von einem diplomatischen Rechercheur belauscht, wie er folgendes vor sich hinmurmelte:„Ja, ja, der Ocean, Thalatta, Thalatta, sagt Büchmann, und es ist ein so feierlicher Moment. Onkel Eduard kommt über den Ocean nach»Kiel, und es ist ein feier- licher Moment. Das Blut ist dicker als der Ocean, und unsre Freundschaft mit England wird zu Edes Beruhigung nur durch die zu Rußland übertroffen, und es ist ein so feierlicher Moment. Und in Marokko haben wir glücklicherweise auch nichts zu suchen, und die Augen der ganzen Welt sind auf H o m b u r g gerichtet— pansin et ciroensis sagt Büch mann— und es ist ein so feier- licher Moment." Hier wurde der diplomatische Rechercheur nach der Bcobachtungsstation der Charitee geschafft. (Aus dem„Kladderadatsch".) HuslancL Zum Attentat auf Bobrikow erhält die„Frankfurter Zeitung" einige ergänzende Mitteilungen aus Helsingfors: „Eugen Schauman, einer der vornehmsten und an- gesehensten Familien Finnlands angehörend, hatte am Abend vor der blutigen That verschiedene Freunde, Männer und Frauen zu einem Souper eingeladen. Als einer der Eingeladenen sich wegen dringender Arbeit entschuldigen mußte und dabei äußerte:„Wäre es nur Donnerstagabend gewesen!" hatte Eugen Schauman gesagt: „Morgen abend bin ich nicht mehr unter den Lebenden." Die ganze Nacht auf Donnerstag schritt er in seinem Zimmer auf und ab, wie andre Hausbewohner später mitgeteilt haben. Donnerstag- vormittag war er mit einigen Freunden in einem bekannten Früh- stückslokal zusammen und erzählte allerlei lustige Jagdgeschichten. Um halb elf Uhr, d. h. gerade eine halbe Stunde vor dem Attentat, verabschiedete er sich, indem er seinen Freunden sagte, er habe im Senat zu thun. Daselbst unterhielt er sich bis wenige Minuten vor 11 Uhr mit verschiedenen Kollegen in den Bureaus des obersten Stocks, ging dann die Treppe ganz langsam hinunter und stellte sich hinter eine der Treppensäulen, sobald er bemerkte, daß der Generalgouverneur in das große Vestibüle unten ein- getreten war und sich nach oben begab, um den Plcnarberatungen des Senats beizuwohnen. Gerade in diesem Augenblick kam ein Freund Schaumans vorüber und wollte ihn sprechen, aber Schauman winkte ihm energisch ab. indem er nur schnell sagte:„Jetzt habe ich keine Zeit!" Einige Sekunden später trat Schauman auf den Generalgouverneur zu und gab in schneller Reihenfolge drei Schüsse auf ihn ab, den ersten gegen den Hals, den zweiten gegen die Brust, den dritten gegen den Unterleib gerichtet. Schauman war ein vor- züglicher Revolverschütze und hatte sich seit Jahren in fortwährender Uebung gehalten. Die erste Kugel bohrte sich zwischen die Luft- und Speiseröhre hinein, die zweite traf den Unisormknopf in der Herzgegend, die dritte endlich— anscheinend eine sogenannte Dum- dum-Kugel mit teilweise entferntem Nickelmantel—- traf den Unterleib und verursachte eine entsetzliche Wunde. Als Schauman erkannte, daß er sein Ziel erreicht hatte, kehrte er den siebenläufigen Revolver gegen seine Brust, drückte zweimal los und brach sofort tot zusammen.... Der Leichnam Schaumans wurde von russi- schen Gendarmen in rohester Weise behandelt und er ist seinen Ber- wandten noch nicht ausgeliefert worden."— Niederlande. Die klerikale Reaktion hat bei den nun beendeten Wahlen zu den Provinzialstaaten gesiegt, die Liberalen sind unterlegen, und die Folge' davon wird sein, daß die geringe Majorität, die sie bis jetzt in der Ersten Kammer haben, einer klerikalen weichen muß. Der „Standaard", das Hauptorgan des calvinistischen Ministerpräsidenten, bringt einen Siegesartikel, der mit den Worten beginnt:„Loli Deo gloria, nicht uns die Ehre, sondern Ihm, der uns nach so heftigem Kampf den Sieg schenkte!" Und nicht minder freut sich die katholische und anders„christliche" Presse des Sieges des Ministeriums Kuyper.— Die große Anzahl von Stichwahlen, die notwendig ge- worden sind, und bei denen in einzelnen Fällen socialdemokratische Kandidaten in Frage kommen, können an dem Gesamtergebnis wenig ändern.— Rnhland. Aus Jnkutsk sind jüngst Privatnachrichten eingettoffen, die ein neues Licht auf dieRolle und die Pläne des GouverneursKutaissow in der von uns ausführlich behandelten Affaire der Belagerung der Verbannten werfen. Wenn damals der Zweck der russischen Be- Hörden in Wirklichkeit der gewesen wäre, die verbarrikadierten „Rebellen" lediglich zu zwingen, sich zu ergeben, dann konnte dies sehr leicht entweder durch eine regelrechte Blokade des Hauses oder aber durch einen einzigen energischen Sttirm auf die improvisierte„Festung" erreicht werden. Im ersten Falle hätte der Hunger, im zweiten das zahlenmäßige Uebergewicht des Militärs den Behörden den„Sieg" gesichert. Aus den jetzt ein- getroffenen Nachrichten ergiebt sich, daß der Armeechef von Jakutsk ein Drittes gewählt hatte: eine systematische Beschießung mit Kleinkalibrigen aus großer Entfernung. Diese während dreier Tage immer wieder ohne jeden Anlaß.aus- genommene Beschießung konnte nur den einen Zweck haben: alle in der „Festung" versammelte» Verbannten nacheinander niedorzuschießen! Die Wände des Hauses sind von den Kugeln, die drei Mauern durch- schlugen, in ein Sieb verwandelt. Wenn trotzdem nur ein Ver- bannter getötet wurde, so liegt das daran, daß die Belagerten sich durch einen 1— l1/* Meter hohen Wall und einen etwa 2 Meter tiefen Graben geschützt hatten. Während der Beschießung lagen sie die ganze Zeit auf der Erde und die Kugeln flogen über sie hinweg. Als sich die Niedermetzelung der Protestler auf diese Weise nicht erreichen ließ, entschlossen sich die Schergen zur äußersten Maßregel: Am dritten Tage des Bombardements wurde der Befehl gegeben, das verschanzte Haus von den Dächern der benachba-rten Häuser zu beschießen, um die auf dem Boden Niedergekauerten mit den Kugeln zu erreichen. Aber da ergaben sich die Belagerten und nur auf diese Weise ist die beabsichtigte Metzelei verhindert worden. Doch die zarische Regierung verfügt über mehrere Methoden, ihren Zweck zu erreichen— eine der probatesten ist der I u st i z m o r d. Das Gerichtsdrama ist bereits durch eine Untersuchungskomödie zweckmäßig eingeleitet. Wir erhalten schon Nachrichten über eine lange Reihe falscher Zeugen, die ein„wertvolles Material" für die Anklage liefern: sie bezeugen nämlich, daß die Beschießung des Hauses jedesmal lediglich eine Antwort auf die Angriffssalven der Insurgenten war. Und dabei haben diese alles in allem 2 R e- volverschüsse(nach viermaliger Verwarnung) abgegeben, denen über ein tausend abgefeuerte Kugeln aus feiten des Militairs stehen! Doch was verschlägt's! Die zarische„Justiz" will ihre Opfer haben und sie«arbeitet" mit Hochdruck, um zu er- reichen, was die Kleinkalibrigen der Soldateska nicht fertig gebracht hatten.... Waren dem General-Schlächter von Jakutsk die Heldenthaten seines Vorbilds von Paris bekannt? Wir wissen es nicht, aber es ist anzunehmen.— Zur„Richtigstellung" erhalten wir folgende Zuschrift: „Wenn der Redaktion des„Vorwärts"„von beteiligter Seite", also von Mitgliedern der P. P. S., versichert wurde, daß die P. P. S.„seit über zehn Jahren d i e politische Klassen- organisation der Massen des polnischen und eines Teils des üdischen Proletariats in Russisch-Polen" sei, so ist eine so schmeichel- hafte Meinung von sich selbst bei dieser Gruppe begreiflich; leider stellt sie aber die Thatsache» auf den Kopf. Em Induftrie und ftandeU Ein Kartell über die Ergebnisse der Kartell-Enquete. Durch die Art, wie die Kartell-Enquete des Reichsamts des Innern vor sich geht, eine Art, die hier oft genug gegeißelt ist, kommt es allmählich dahin, daß sie von Seiten der Kartelle als eine regelrechte Recht- fertigung und Rehabilitierung der Kartellsünden betrachtet wird. Einen neuen Beweis dafür bringt eben wieder der Jahres- b e r i ch t des Kartells deutscher Papierfabrikanten für 1903/01, aus dem die„Voss. Ztg." einige anmutige Stichproben mitteilt. Ueber die kontradiktorischen Verhandlungen im Reichsamk des Innern ganz allgemein urteilt der Bericht also:„Es hat sich herausgestellt, daß die Syndikate ihre Macht keineswegs miß- braucht haben, wie ihnen so oft vorgeworfen worden ist, daß sie vielmehr eine Politik der Mäßigung getrieben haben, der es hauptsächlich zu verdanken ist, daß die deutsche Industrie die schweren Erschütterungen überstehen konnte, die ihr der Niedergang der letzten Jahre gebracht hat." Jetzt wissen wir's also; aber diese Wissenschaft hätte man auch schon vorher von den Kartellverwaltungen haben können, dazu bedurste es der Enquete wirklich nicht erst. In Wahrheit sind denn selbst die Ergebnisse dieser in der Methode so völlig verfehlten Enquete nicht derartig, daß sie der Wirklichkeit so ins Gesicht schlügen, Besonderen Honig saugt natürlich das Druckpapier-Kartell aus den Verhandlungen über sich selbst. Darüber heißt es wörtlich „Dem Verband konnte nicht ein einziger Fall nachgewiesen werden in dem er seinen Einfluß zu Preis st eigerun gen seiner Ware gebraucht hätte, die außer Verhältnis zur Marktware standen. Die Mehrzahl der anwesenden Zeitungsvcrlegcr mußte zugeben, daß der Verband die Druckpapicrpreise überhaupt nicht erhöht hätte. Ebenso erfuhr die Ausfuhrpolitik des Verbandes eine glänzende Rechtfertigung," Das ist eine Spiegelfechterei, die ihresgleichen sucht, Thatsächlich haben nämlich auch die kontradiktorischen Verhandlungen ergeben, daß durch Abmachungen während der Vor- bereitungszeit des Kartells und später unter dem Schutze des Kartells ungeheure Preissteigerungen vorgenommen worden sind, welche den Papierverbrauchern großen Schaden zugefügt haben. Noch bei den Kämpfen um die Papierzölle wurden hierfür von den Papier- verarbeitern die urkundlichen Beweise erbracht, und die heute im großen und ganzen beigelegten übrigen Kämpfe zwischen Papier- fabrikanten und Papiervcrbrauchern sind gerade bezüglich der Preis- treibereien noch in frischer Erinnerung, Allerdings hat es das Kartell immer schon verstanden, den wirklichen Thatbestand zu verdunkeln und hübsch im Schatten zu kämpfen. Was die Ausfuhrpolitik des Verbandes betrifft, so behauptet der Bericht an der vorstehend citierten Stelle von ihr, daß sie„eine glänzende Rechtfertigung" erfahren habe, an einer andern Stelle bestätigt er aber ausdrücklich, daß die Lieferungen an das Ausland „zu sehr schlechten Preisen, teilweise unter Opfern" erfolgten, was also bedeutet, wenn man den Begriff Opfer'mal gar nicht unter- sucht, daß ins Ausland wesentlich billiger verkaust wurde als im Jnlande, Der Bergbau in Sachsen 1903. Im Jahre 1903 waren, ab- gesehen von einigen kleinen Braunkohlenwerken, im Königreich Sachsen 30 Steinkohlengruben, 65 Braunkohlen- gruben, 37 Erzgruben und 1 K a l k w e r k im Betriebe. Die Gesamtzahl der betriebenen Werke betrug also 133, während 1902 noch 139 Betriebe im Gange waren. In den 6 ausscheidenden Betrieben ist die Thätigkeit eingestellt worden. Hauptsächlich dadurch ist die Gesamtzahl der Arbeiter und Angestellten um 2,93 Proz. zurückgegangen; während 1902 in sächsischen Be- trieben durchschnittlich 31 378 Personen thätig waren, waren 1903 nur noch 30 458 in Arbeit, also 940 weniger. Die Hauptzahl der Beschäftigten entfällt auf den Steinkohlenbergbau, 1903: 24 617, 1902: 25 245. Beim Erzbergbau waren 2987(1902: 3296), beim Braunkohlenbergbau 2343 (2327) beschäftigt. Sehr wertvoll ist die Lohnstatistik. Der durchschnittlich auf einen Arbeiter entfallende Lohn pro Jahr belief sich danach beim Steinkohlenbergbau auf 1111,07 M., beim Braunkohlenbergbau auf 944,45 M., beim Erzbergbau auf 820,99 M. und beim Kalkbergbau gar nur auf 778,45 M. Gegen das Vorjahr bedeutet das beim Steinkohlenbergbau eine Steigerung um 14,79 M., beim Braunkohlenbergbau um ganze 2,82 M.. dagegen beim Erzbergbau einen Rückgang um 2,71 M. und beim Kalkbergbau um 1,55 M. Tie angegebenen durchschnittlichen Lohnvcrhältnisse würden wahr- fcheinlich der elenden Wirklichkeit noch näher kommen, wenn die sächsische Lohnstattstik mehr specialisierte. Da sie das nicht thut, erhöhen die Löhne, die etwa besondere Vorarbeiter oder Kolonnen- führer bekommen, natürlich den allgemeinen Lohn der einfachen Bergarbeiter, der dadurch in der Durchschnittszahl über Gebühr groß erscheint. Berücksichtigt man diese statistische Fehlerquelle, so werden selbst die Löhne im Steinkohlenbergbau als äußerst niedrig bewertet werden müssen, von den Jammerlöhnen in den andern Betriebsarten ganz zu schweigen. Dabei darf überdies natürlich auch nicht vergessen werden, welche enormen Gewinne im allgemeinen auch der sächsische Bergbau seinen staatliche� oder privaten Unter- nehmern abwirft. Die Zahl der Unfälle zeigt wieder eine erschreckliche Höhe, obwohl nur die zur Anmeldung gelangten angegeben werden können. Diese Unfälle beliefen sich aus 4095, so daß bei rund 300 Arbeits- tagen auf einen Tag 13,6 Unfälle kommen. Von diesen Unfällen fielen 3658 auf den Steinkohlenbergbau, 206 auf den Braunkohlenbergbau und 231 auf den Erzbergbau. Kartellenquete für die Drahttndustrie. DaS ReichSamt deS Innern hat die Enquete auf den 30. Juni anberaumt. Ein neues Gußverfahren. Aus Essen wird gemeldet: In der Eisengießerei Linzen in Unna wurde ein von dem Ingenieur Linde- mann-Hagen erfundenes Phönix-Gußverfahren vor einer Anzahl deutscher und ausländischer Ingenieure pralttsch erprobt. DaS Verfahren bezweckt den direkten Guß aus dem Tiegel ohne Glüh- und Temperprozeß. Sachverständige erklärten, daß die Erfindung von weittragender Bedeutung für die Eisenindustrie sei. Der Außenhandel Oesterreich-UngarnS betrug nach dem amtlichen Ausweis in den ersten stinf Monaten d. I. an Einfuhr 849,9 Millionen Kronen(55,6 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres), an Ausfuhr 358,2 Millionen Kronen(30 Millionen Kronen mehr), das Aktivum der Handelsbilanz demnach 3,3 Millionen Kronen gegen 33,9 Millionen im Vorjahre. Gexverkfckaftlickes. Berlin und Clmgegcnd. Das Schweigen als Zusage. Der sog. Boykott-Ausschuß der Bäckermeister verhreitet neuer- dings Flugblätter an die Bevölkerung, unter die er— vermutlich im Bewußtsein des Unwertes einer eignen Unterschrist— die Namen diverser Vereins- und JnnungSvorftände setzt. Die Unterschriften nehmen sich manchmal sehr komisch aus, wenn man die Forderungen der Gesellen kennt und sieht, wie die Bertteter von Gewerben, in denen diese längst durchgeführt sind, dieselben kalten BluteS als den Anfang der socialen Revolutton bezeichnen. Welchen Sinn hat es beispielsweise, wenn die Jimungsvorstände des Tischler- oder Schlossergewerbes die Abschaffung von Kost und Logis bekämpfen oder gar Gastwirte dafür schwärmen, daß den Bäckergesellen die „gesunde Kost im Hause deS Meisters" erhalten bleibe, damit sie vor dem angeblich teuren und unzulänglichen WirtShauS-Essen bewahrt werden? Man sollte meinen, den Grundbesitzern und den Möbelttschlern müßte jede neue Möglichkeit zur Vermehrung der selbständigen Haushaltungen willkommen sein und den Gastwirten jeder neue Gast. Wer den Inhalt der vom Boykott-Ausschuß verbreiteten Flug« blätter gelesen hat, faßt sich verzweifelt vor den Kopf und stagt sich, ob denn die Leute, die da ihre Unterschrist hergaben, die Flugblätter wirklich vor der Herausgabe gelesen haben. Und dieser Zweifel ist berechttgt. Ja die angeblichen Unter- zeichner der Flugblätter, in denen der Streikleitung ganz haue- büchene formale Beleidigungen an den Kopf geworfen werden, find teilweise der Gefahr eines für sie recht fatalen BeleidigungsprozesieS gegen ihren eignen Willen ausgesetzt. Rur daS taktvolle Verhalten der Streikleitung, welche gegen wirtschaftliche Gegner nicht Polizei und Gericht anruft, bewahrt sie vor einer Bestrasimg. Vor uns liegt ein Flugblatt im— na. sagen wir. Bäckermeister- fttl*. außerdem aber auch ein Briefwechsel zwischen dem Boykott-Ausschuß und dem Verein Moabiter Gastwirte, der sich, durch seinen Vorsitzenden vertreten, unter diesem Flugblatt befindet. In dem Schreiben des Gastwirte-Vereins heißt es: Bezugnehmend auf das uns zugestellte Flugblatt Ihres Ver- eins, in welchem sowohl der Name unsrcs Kollegen Dammann sowie auch derjenige unsreS Vereins unbefugterweise wiedergegeben ist, ersuchen wir Sie, diese Flugblätter nicht mehr zu verteilen, da der von unsrem Verein erschienene Kollege Dammann zu.dieser Unterschritt seine Zustimmung nicht gegeben hat, Sie denselben Herrn dieser- halb auch gar nicht gefragt haben. Die Antwort des Bezirksvereins Moabiter Bäckermeister ist zu charakteristisch für die Art und Weise, wie der„Boykott-Abwehr- Ausschuß" arbeitet, als daß wie sie der Welt vorenthalten dürsten. Herr Bäckermeister Clemens Wolf, Havelbergerstr. 29, als Vor- sitzender des Moabiter Bezirksvereins der Bäckermeister, beschämt nämlich die Jünger Loyolas durch folgende Antwort: Herr Dammann wahr ja wie Sie selbst schreiben in der am Donnerstag, den 2. d. M. stattgefundenen Versamelung und hat seine zustimmung zu Verbeidung des Flugblattes gegeben, ich nahm aber gelegen am Sonabent den 3ten d. M. noch zu Herrn Dammann zu gehen und das Flugblatt nochmals vor- zulegen u. um seine Unterschrift zu bitten Draf aber dem Herrn nicht zu Hause, sagte aber zu seinem Herrn Sohn, das Herr Dammann ja in Princip, mit dem Inhalt einverstanden sein, u. wen er es nicht Wünschte zu mir schicken sollte, ich erwartete die Antwort aber vergebens, und da die Sache dräntte habeich geglaubt dieß Schweigen als zusage betragten zu dürfen und habe eben dem bekanten Namen des Herrn Damann daruntersetzen lassen,... Dies Zugeständnis ist köstlich I S o konimen also die Unter schriften des Anti-Boykott-Ausschusses zu stände I Die Versammlung, die der Herr erwähnt, muß zur Charakteristik des Ganzen ebenfalls geschildert werden. Die Bäckermeister luden eine Anzahl Vereinsvorstände ein, klagten über ihre Not und fragten sie, ob sie damit einverstanden wären, wenn die Bäckermeister gegen die Streikleitung Flugblätter verbreiten würden. Wer sollte diesen nun ein Vergnügen wehren, das außer ihnen selbst niemand Schaden bringen konnte? So antwortete man:„Selbstverständlich! „Na gewiß!"— war aber nachher nicht wenig erstaunt, nicht den Namen der Bäckermeister, sondern den eignen unter den Flug- blättern zu lesen. Olle ehrliche Bäckermeister! Die bevorstehende Lohnbewegung der Schlüchter. Eine Versammlung der Schlächtergesellen, so zahlreich besucht, wie es in diesem Beruf wohl noch nie der Fall war. fand am Montagabend im großen Saale des Vereins Berliner Musiker statt. Der Saal vermochte die Menge der Erschienenen kaum zu fassen. Das einleitende Referat hielt Gärtner aus Hamburg, der Vor- sitzende der dorttjjcn Mitgliedschaft des Centtalverbandes der Fleischer. Er schilderte die äußerst ungünstigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Schlächtergesellen und gab der Erwartung Ausdruck, daß auch die Berliner Kollegen dem Beispiel der Hamburger, die im gerbst einen Lohnkampf beginnen wollen, folgen werden, um ihre wahrhast ttaurige Lage etwas aufzubessern. Dem Referat folgte eine rege Diskussion, an der sich außer Mitgliedern des Centralverbandes auch Vertreter andrer Organisattonen der Schlächter, besonders des Bundes, einer christlichen Gewerkschaft, beteiligten. Die Redner dieser Richtung wollten zwar von einer Perschmelzung der betreffenden Organisationen nichts wissen, aber darin waren sie alle einig, daß die Lohnbewegung eine Notwendigkeit sei und daß sie in dieser Hinsicht mit dem Centralverbande gemein- s a m e Sache machen würden. Einstimmig wurde eine Resolutton angenommen, welche besagt: Die Versammelten erklären den Ham- burger Kollegen ihre volle Sympathie und versprechen, mit ihnen zugleich im Herbst die Lohnbewegung durchzuführen. Der Vorstand wird beauftragt, sogleich die den Meistern einzureichenden Forderungen aufzustellen und sie der nächsten Versammlung zur Beschlußfassung vorzulegen. Alle Vorstände der hiesigen Gesellen- Korporattonen, besonder« der Gesellenausschuß werden beauftragt, zu dieser Lohnbewegung Stellung zu nehnien und ihre Meinung kund zu thun, beziehungsweise eine Solidaritätserklärung abzugeben. Zu diesem Zweck ist eine aus 10 Personen bestehende Kommission einzusetzen.— Gemäß einem Vorschlage Hensels, dem die Versamm- lung zustimmte, sollen die Vorstände der verschiedenen Organisationen ich über die Kommissionsmitglieder verständigen und der nächsten Versammlung eine Kandidatenliste vorlegen. Hierauf referierte H e n s e l über den bevorstehenden Verbands- tag der Schlächtermeister. Die Wünsche, Ivelche die organisierten Gesellen hinsichtlich der allgemeinen Gestaltung des Arbeitsverhältnisses haben, sollen in einer Resolution niedergelgt und diese dem Verbandstag der Meister eingereicht werden. Hauptsächlich wird die Abschaffung des vom Meisterverbande eingeführten Arbeits- buches, das einem Gesindedienstbuch sehr ähnlich ist. gefordert. Zum Rammerstreik ist zu berichten, daß heute bei fünf Firmen die Steinsetzer zu Gunsten der Rammer die Arbeit niedergelegt haben. Es befinden sich darunter diejenigen Firmen, welche ich bisher am hartnäckigsten gegen die Anerkennung der bescheidenen Forderungen gesträubt haben. Auch der Betrieb des JnnungS- Vorsitzenden DelloS befindet sich darunter. Die Cigarrttenarbeiter der Cigarettenfabrik„ M a n o l i", Inhaber Jakob Mandelbaum, Berlin. Splittgerbergasse 1/2, legten am 22. d. MtS. wegen Lohnreduzierung und Maßregelung zweier Kollegen emmüttg die Arbeit nieder.— Zuzug ist streng ernzuhalten. Außerdem machen wir auch an dieser Stelle auf die heuttge öffentliche Tabakarbeiter- Versammlung in Dräsels Festsälen aus- merksam. Huolaiia. Die Maurer und Handlanger in Mnterthur, die bis jetzt die einzigen Arbeiter waren, welche noch 11 Stunden arbeiteten, haben durch eine Lohnbewegung erreicht, daß sofort die 10V, stündige Arbeitszeit und 5 Proz. Lohnerhöhung, mit Neujahr 1905 der Zehn- stundentag und eine Lohnerhöhung von 5 Proz. in Kraft tritt. Die Textilarbeiter in Adliswil(Schweiz) sind in einen Streik eingetteten. Die Ursache dieses Ausstandes bildet die Maßregelung einiger Arbeiter und Arbeiterinnen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Textil«rbeiter-Verbandc. Um die Arbeiter zur„Raison" zu bringen, hat die Fabrikdttettion den von ihr eingerichteten Konsumverein, dem auch die meisten Arbeiter als Mitglieder angehören, für sie gesperrt. An dieser Taktik der Aushungerung sollen auch die Schlächter und Bäcker deS Ortes teilnehmen; die Direktion hat diese aufgefordert, den Arbeitern nicht« mehr auf Kredit zu geben. Versammlungen. Die Berliner Korbmacher beschäftigten sich in einer Versammlung, die am 16. Juni im Gewerkschaftshaus stattfand, mit ihrer jetzigen GeschäftSkonjunkttlr. Es ist wieder ein großer Posten MunittonS- körhe von der Geschützgießerei in Spandau herausgegeben worden. wovon ein großer Teil in Berlin geblieben ist. Die Herren Unter- nehmer bieten den Berliner Korbmachern dafür einen Lohn von sage und schreibe 50 Pfennigen, während in Hamburg für dieselbe Arbeit ein Lohn von 70 Pf. gezahlt wird. Wenn man nun bedenkt, daß von den Körben im Durchschnitt nur sechs bis sieben Stück pro Tag angefertigt werden können bei einem Lohn von 50 Pf., dann kann man sich ein Bild davon machen, was für ein Wochenverdienft da herauskommt— und das für staatliche Arbeiten! Die Versamm- lung nahm folgende Resolution an: Die heutige Versammlung be- chließt: Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, darauf hinzuarbeiten, daß ein Preis, wie er in Hamburg Geltung hat, auch in Berlin be- zahlt wird. Die Resolutton wurde einstimmig angenommen. Eine gemeinsame Mitgliedeeversammlung der Rabitzputzer und-Spanner fand am 15. Juni in den Arminhallen statt. Ueber „Bildung und Bildungsmittel" sprach Genosse Katzen st ein. Derselbe erntete großen Beifall. Unter Gewerkschaftlichem sprach I a k o b i den Wunsch aus, daß von nun an die Putzer und Spanner ihre Mitgliederversammlungen gemeinsam abhalten möchten. Ein dahin gestellter Antrag wurde einstimmig angenommen unter der Bedingung, daß die nächsten Gruppenversammlungen nochmals darüber abstimmen. Tarauf wurde noch eine gewerbliche An- gelegenheit erledigt. Tie Charlottenburger Gewerkschaftskommission hielt am 16. dieses Monats eine gut besuchte Sitzung der Delegierten ab. Als ersten Punkt mußte sich die Versammlung mit der Wahl eines Aus- schutzmitgliedes rcsp. Obmannes beschästigen. Der bisherige Obmann, Genosse S t e i n i g k, welcher diesem Posten seit langer Zeit in treuester Pflichterfüllung vorgestanden hat, muß beruflicher Pflichten wegen Charlottenburg verlassen. Als Ausschußmitglied wurde der Genosse Wilde(Putzer) gewählt, während die Ob- mannswahl auf den Genossen Müller(Metallarbeiter) fiel.— Unter Punkt 2 beschäftigten sich die Delegierten mit dem Protest der Holzarbeiter gegen die ihnen zu teil gewordene Behandlung auf dem hiesigen Gcwerbegericht. Da die Angelegenheit noch nicht genügend geklärt war, beschloß die Versammlung, den Ausschutz zu beaustragen, alle Mittel und Wege zu ergreifen, um die Affaire völlig aufzu-. klären.— Unter„Verschiedenes" besprach die Versammlung die beschlossene Unterstützung des Volkshauses, bei welcher Gelegenheit mehrere Redner gegen die in Berlin geplante Rechtlosmachung der Vorortkartelle protestierten. Eine Anfrage des Genossen K u d e r t, welche Schritte unternommen wurden, um die am hiesigen Platze noch nicht centralorganisierten Geioerkschaften zu veranlassen, der Kommission beizutreten, beantwortete S t e i n i g k im Auftrage des Ausschusses dahin, daß die betteffenden Gewerkschaften wiederhol eingeladen wurden, bei den meisten aber leider mit negativem Erfolg.— Nicht vertreten waren die Buchbinder, Plätterinnen und die Töpfer. Britz. Der Wahlverein hielt am 13. d. Mts. seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in welcher Dr. Schütte einen Vortrag hielt über die Urgeschichte des Menschen. Aufgenommen wurden 11 neue Mitglieder. Ferner machte der Vorsitzende bekannt, daß das Volksfest des Kreises iu Lichterfelde- Steglitz abgehalten wird. Letzte]Sachncbten und Depcfcbcn. Braunschweig, 22. Juni.V. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaitungSbfatt Nr. 145. 21. Jahrgang. f. Srilnjt Ks Jatrairts" Knlim VilMhtt Dannerstag, 23. Juni 1904. Hbgcordnctcnhaua. 88. Sitzung am Mittwoch, den 22. Juni 1804, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Podbielski. Eingegangen ist ein Antrag Ncwoldt und Gen. sfrl.) betreffend Aendcrnng des Fleischbeschau- Gesetzes. Zur Verhandlung gelangt zunächst die Interpellation der Abgg. K r o t h und v. S t a u d y sk.) betreffend den Ausbau des mnsurischcn Kanals. Ein RcgienmgSkommissar erklärt sich bereit, die Anfrage sofort zu beantworten. Abg. Kreth(1) begründet die Interpellation. Alle schaffenden Kreise, Landwirtschaft, Handel und Industrie seien einig in dieser Forderung. Die Thronrede vom 9. Januar 1900 habe versprochen, den Kanal der wasserwirtschaftlichen Vorlage einzugliedern; aber jetzt schwebten seit zehn Jahren tiefgründige Erwägungen und feierliche Verheißungen. Die Regierung treibe in diesem Falle das gerade Gegenteil von Fürsorge. sLebhaster Beifall.) NnterstaatSsekretär Schulz bestreitet, daß in der Thronrede be- stimmte Zusicherungen gemacht worden seien. Erst seitdem das Projekt des masurischen Kanals durch das eines Tiefwerkkanals er- gänzt worden sei, sei in der Provinz die Stimmung dem Plane günstig. Aber auch jetzt seien die Interessenten noch nicht zu Opfern geneigt; auch technische Bedenken machten sich noch lebhaft geltend. Trotzdem werde die Regierung der Frage andauernde Aufmerksam- keit zuwenden und zur Ausführung des Planes weder Mühe noch Kosten scheuen.(Bravo!) Die Abgg. Glatzrl(natl.) und Posseldt(frs. Vg.) bitten um möglichst schleunige Beendigung der Vorarbeiten und Inangriffnahme des Baues. Abg. Gyßliug(fts. Vp.) erklärt sich von der Regierungserklärnng vollkommen nnbefriedigt. Man hätte jetzt endlich erwarten könne», daß die Regierung aus dem Stadium der Beratungen und Er- wägungen herausgekommen wäre. Auch die. die dafür stimmen, viele Millionen zur Kulturisierung der Schwarzen in Afrika aufzuwenden, sollten sich sagen, daß der Grund jeder gesunden Kolonialpolitik eine gute, kräftige Heimatpolitik ist.(Lebhaftes Bravo!) Landwirtschastsminister v. Podbielski: Ich nehme an, daß die Heimatliebe, die ich besonders hoch schätze, für den Vorredner die Veranlassung gewesen ist. manche Ausführungen zu machen, die der Sache unmöglich dienlich sein können.(Oho! links.) Wenn er dem Herrn Landwirtschastsnnnister(Heiterkeit) vorwirft, daß er einem be- stimmten Laudesteil nicht günstig sei. so sieht es ja gerade so aus, als ob er sich darüber freuen würde.(Lebhaftes Oho! links.) Denn ich habe doch die Pflicht, für die Interessen der geiamten Landwirt- schaff zu sorgen. Die Schwierigkeit besteht eben darin, daß das Wasser, daS>na» einem zu schnell abführt iHeiterkcit), zu Konsequenzen beim andren führt. Es war eben zu befürchten, daß die Anlieger im Ueber- fluß von Wasser ersticken.(Erneute Heiterkeit.) Wir können eben nicht auf einmal morgen ffüh losbauen, sondern müssen uns die Sache überlegen. Ich persönlich bin auH heute noch nicht überzeugt, daß die Aufwendung im richtigen Verhältnis stehen würde zrmr er- zielten Nutzen. AZir würden billiger zur Sache kommen, wenn wir den ganzen Grundbesitz ankauften und die Leute von ihrem schlechten Terrain befreiten, als wenn wir großartige Meliorationsarbeiten in Angriff nehmen wollten. Das aber gebe ich zu, daß an den ma(urischen Seen Zustände find, die im Interesse der Landeskultur unbedingt beseitigt werden müssen.(Bravo!) Abg. Dittrich(C.) wendet sich gegen den neuen Vorschlag des Ministers. Nicht darauf käme es an, das Land für den Staat gu kaufen, sondern eS zu meliorieren. Ostpreußen müsse in der Bereit- ltelluna erheblicher Mittel für die Landeskultur Entschädigung für die wasserwirtschaftlichen Vorlagen erhalten. Abg. v. Klitzing(k.) wendet sich mit großer Schärfe gegen die Auffassung des Ministeriums, daß die Anlieger einen größeren Teil der Kosten tragen müßten. Danach wird ein Schlußantrag gegen die Stimmen der Frei- sinnigen und eines Teils der Konservativen angenommen. Es folgen Petitionen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident v. Kröcher schlägt vor, die nächste Sitzung abzuhalten Montag 12 Uhr init der Tagesordnung: Dritte Lesung des Gesetz- cntwurfcS betr. Erhöhung des Kapitals der Seehaudlung und zweite Lesung des Ansirdelungsgesctzes. Abg. Dr. Porsch(C.) zur Geschäftsordnung: Noch am Freitag war der Seniorenkonvent der Meinung, daß große Gegenstände zur jetzigen Jahreszeit nicht mehr vorgenommen werden sollten, zumal wir im Oktober wieder zusammentreten. Jetzt soll ein so schwieriger, folgenschwerer, eigenartiger Gcsetzentwurs überS Knie gebrochen werden.(Sehr wahr! im Centrum und bei den Polen.) Seit dem Januar haben lvir unsre Entschlüsse über die Geschästsverteilung unaufhörlich geändert. Bei diesen Zuständen der starken Jnanspruch- nähme und der großen Unsicherheit muß das Berufsparlamentarier- tum, daS Sie sonst so verpönen und versvotten, geradezu groß- gezogen werden.(Sehr wahr! im Centrum.) Wir beantragen, den letzten Punkt abzusetzen. Abg. Frhr. o. Zedlitz(frk.): DaS eine mutz ich Herrn Porsch zugeben, daß lvir unsre Dispositionen ständig geändert haben. Aber daran ist dieses Gesetz nicht schuld. Es wird uns höchstens einen Tag mehr kosten.(Lebhaftes Oho! bei den Polen.) Abg. Dr. v. Dzicmbowski-Pomian(Pole): Die Anregung, das Ansiedlungsgesetzsnochszu beraten, geht von den» Minister v. Hammer- stein aus und ist wohl unter dem Eindnick der 100 Kil»metcr-Gr- schwiudigkcit des Homburger Rennens entstanden.(Große Heiterkeit.) Wenn Sie uns eine gründliche Durchberatung garantieren wollen, ziehen wir unfern Widerspruch zurück. UebrigenS hat das Gesetz gleichsam schon vorwirkende Kraft. Redner giebt dafür Beispiele, tvird aber von: Präsidenten wiederholt unterbrochen. Minister Freiherr v. Hammcrstein: Der Vorredner bietet mir erwünschte Gelegenheit, einer weitverbreiteten falschen Meinung gegenüber zu treten: Sie dürfen nicht glauben, daß wir der Be- ratung eines so wichtigen Gesetzentwurfes aus den» Wege gehen tvollen. um Feste zu feiem. Der Seniorenkonvent ist leider durch eine ungenaue Berichterstattung getäuscht worden, die allerdings aus meinem Bureau stammte(Lachen bei den Polen). Ich hätte jede andre Pflicht unter diese gestellt, ein so wichtiges Gesetz hier zu vertreten. Ich möchte auch hervorheben, daß die Regierung das allergrößte Gewicht darauf legt, daß dieses Gesetz noch vor der Vertagung erledigt wird. Wir müssen der wüsten Agitation im Lande ein rasches Ende machen. Sie werden ja erst in den letzten Tagen des Oktobers zusammentreten nnd dann so wichtige Ailfgaben vorfinden, daß Sie das Ansiedelungsgesetz erst sehr spät wurden erledigen können. Ich bitte Sie. den Vorschlag des Präfidenten an- zunehmen. Abg. Dr. Friedberg(natl.): DaS Abgeordnetenhaus hat einfach die konstitutionelle Pflicht, die Vorlagen der Regierung zu erledigen. Es kann nicht eines Tages sagen: von heute an mache ich nicht mehr mit!(Sehr wahr I bei den Nationalliberalen.) Abg. Fischbeck(frs. Vp.): Nach diesen Borgängen kann man nur den Vorschlag machen, den Seniorrnkouvrut überhaupt aufzuheben, denn seine Beschlüsse werden doch niemals uiehr aufrecht erhalten. (Sehr gut! bei den Freifinnigen.) Nicht die konstitutionelle Pflicht, die vorgelegten Gesetze zu erledigen, hält Sie hier zusammen, sondern der Wunsch der Regierung, die auch die Pflicht hätte, kon- stitutionelle Rücksichten anzuerkennen. Mit ungeheuerer Eile soll ein Gesetz berate» werden, das a» den Grundlagen des ganzen Ber- fassnngSlebenS rüttelt.(Stürmischer Widerspruch und an- dauernde Unruhe rechts.) Es muß eimnal offen gesagt werden, daß schon in der letzten Woche die Dispofitione» des Parlaments nicht von dem Wohle des Volkes, sondern von dem Gordon-Brnnett'Renne» geleitet worden find.(Große Unruhe rechts.) Und Ivarum vertagen wir uns denn jetzt überhaupt, wenn nicht zu dem Zweck, daß die Minister an den ersten Tagen der Kieler Woche teilnehmen können.(Lebhafter Widerspruch und Zurufe rechts und bei den Nationalliberalen.) Aus Patriottsmus wollen Sie das Polengesetz, aber was in diesen Tagen geurteilt wird über die Be- Handlung des Parlaments, das wird Deutschland tausendmal mehr schaden, als Sie durch diesen Gesetzentwurf nützen können.(Lebhafter Beifall links.) Präsident v. Kröcher: Ich berichtige den Vorredner thatsächlich dahin, daß die Pause notwendig ist, weil nach der Geschäftsordnung der Kommissionsbericht drei Tage in den Händen der Abgeordneten sein muß, ehe die zweite Beratung im Plenum beginnen kann. Abg. v. Bockcrbcrg(k.): Wir dürfen uns nicht ans Gründen der Bequemlichkeit einer Pflicht entziehen. Wir Werden deshalb für den Vorschlag des Präsidenten stimmen. Die Ausführungen des Abg. Fischbeck sind durchweg so hinfällig wie die über die jetzige Pause bis Montag. Abg. Dr. Bachem(C.): Ich habe mit Erstaunen und Bedauern die Mitteilung gehört, daß die Negierung besonderen Wert auf die Verabschiedung des Gesetzes legt. Warum kam sie nicht in einen: früheren Stadium? Die Kommission hat die Beratungen keines- Wegs beschleunigt. Erst in den letzten Tagen tritt auf einmal eine vollständige Aendcrung ein. Die Kommissionen halten gestern und heute Sitzungen während der Plenarsitzung ab.(Vielfaches Hört. hört!) Und unsre Informationen aus den: Ministerium sollen plötzlich ungenau sein. Wie ist das nur möglich!(Lebhafte Zu- stimmung.) Gewiß hätten wir die Pflicht. 12 und wenn möglich 24 Monate zu tagen, aber man darf die konstituttonelle Pflicht auch nicht überspannen. Minister v. Hammerstein: Die Regierung hat den Wunsch, daß da? Gesetz noch verabschiedet werde, schon vor zehn Tagen geäußert, als mit dem Präsidenten über die Vertagung verhandelt wurde. Weder Homburg noch Kiel ist für die Entschließung der Regierung von irgend welcher Bedeutung gewesen. Abg. Brömcl(frs. Vg.): Dem Seniorenkonvent ist kein Wort davon bekannt gewesen, daß die Regierung die Erledigung des Ansiedelungsgesetzes vor der Vertagung wünscht.(Hört! hört! links.) Ich teile die Bedenken des Abgeordneten Bachem gegen die Beratung am Montag, meine aber, daß sie zurücktreten müßten, Ivenn gewichtige Gründe für die Vertagung beigebracht würden. Diese Gründe sind von der Regierung aber in keiner Weise bei- gebracht worden.(Lebhafte Zustmmmng links.) Es liegt durchaus im nationalen Interesse, wenn das Haus nach der Vertagung besser informiert an die Beratung geht.(Sehr richtig! links.) Ich erinnere daß sehr schwerwiegende Bedenken gegen das Gesetz ans deutsch- nationalen Kreisen, auch vom Bund der Landwirte laut geworden sind. lHört! hört! links.) Angesichts der geringen Erfolge der Polen- Politik der Regierung(Sehr richtig! bei den Polen) ist Uebereilung gar nicht am Platze.'(Lebhafte Zustimmung links und im Centrum.) Abg. Dr. Porsch(C.) konstatiert nochmals, daß der Senioren- konvent durchaus der Meinung sein mußte, daß die Minister am 27. und 28. d. M. nicht in Berlin sein würden. Danach sind in voller Einmütigkeit alle Dispositionen getroffen loorden. Der Scniorenkonvent hat thatsächlich nicht gewußt, daß die Regierung so großen Wert auf die schleunige Verabschiedung des Ansiedlungs« gesetzes legt. Beim Sekuudärbahngesetz, beim Lottoriegesetz sind solche Wünsche geäußert worden, beim Äusiedlungsgesetz nicht. Das Haus hat wichtige Initiativanträge, wie den Wahlrechtsantrag ver- tagt. eZ hat kein Uebelwollen gegen die Negierung, aber der schönste Konstitutionalismus scheitert schließlich an der Arbeitsfähigkeit des Hauses und diese ist glaube ich, aufgebraucht. Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.): Es ist richtig, daß wir nicht über- trieben rücksichtsvoll behandelt worden sind, es ist auch richtig, daß die vielen Ministerreisen störend loirken und der Verhetzung reichen Stoff bieten. Aber das alles giebt uns keinen Grund, die Beratung des AnsiedelungSgesctzes abzulehnen. Ich denke, wir machen jetzt mit dein Debattieren Schluß und stimmen dem Vorschlage des Prä- sidenten zu. Abg. v. DzicmbowSki(Pole)(mit lautem Oho I rechts empfangen) hält seine Aussührungen voll aufrecht. Abg. Dr. Bachem(C.)(Mit lauter andauernder Unruhe der ge- samten Rechten empfange»): Herr v. Zedlitz meinte, man sollte einfacb abstimmen, dann wäre es fertig. Gewiß! dann wäre es fertig, aber vergessen Sic nicht, daß in diesem Hause auch das Wort von der„verfluchten Macht der Majorität" ge- fallen ist.(Lebhaftes andauerndes Bravo! im Centrum. Große Unruhe rechts.) Herrn Dr. Friedberg halte ich vor: DaS Eut- scheidende ist, daß die Kommission ohne jede Uebereilung rechtzeitig Satte fertig werden können, wem, e,n Mensch von der Absicht der tegierung gewußt hätte, das Gesetz noch vor der Vertagung zu ver- abschieden. Davon hat aber bis Freitag niemand etwas gewußt. (Sehr wahr! im Centrum.) Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Fischbcck schließt die Debatte. Der Antrag Porsch wird gegen die Stimmen des Centrunis, der Freisinnigen und Polen abgelehnt. Es bleibt also bei dem Bor- schlage des Präsidenten. Schluß a'/j Uhr._ Ansschltttz ans der Partei. „Ueber die fernere Zugehörigkeit zur Partei entscheidet ein Schiedsgericht, das der Parleivorstand beruft. Die Hälfte der Bei- sitzer wird von denjenigen bezeichnet, welche den Ausschluß be- antragen, die andre Hälfte von dem durch diesen Antrag Betroffenen. Den Vorsitzenden bezeichnet der Parteivorstand. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Bettoffenen die Berufung an die Kontrollkommission und den Parteitag zu." Dieser jetzigen vom Ausschluß aus der Partei handelnden Vor- schrist des Parteistatuts sei gleich der Vergleichung wegen die alte Vorschrift gegenüber gestellt, die bis zum Mainzer Parteitage galt: „Ueber die Zugehörigkeit zur Partei entscheiden die Parteigenossen der einzelne» Orte oder Reichstags-Wahlkreise. Gegen die Entscheidungen steht den Bettoffenen die Berufung an die Parteileitung und den Parteitag zu." Die Mangelhaftigkeit der gegenwärtig gültigen Bestimmungen erflärt sich hinreichend aus ihrer Entstehung. Bis Mainz faßte man die Frage des Ausschlusses aus der Partei als eine lokale Streitigkeit zwischen zwei Parteien— der ausschließenden Lokalorganisation und dem Ausgeschlossenen— auf; über ihnen standen die Organe der Gelamtpartei als SchlichtungS-, als Schiedsinstanzen. Wie sehr sich unterdes die Anfichten in der Partei in diesem Punkte geändert haben, geht aus dem Umstände hervor, daß von mehr als einer Seite die Forderung erhoben worden ist, gegen eine den Aus- schließungsantrag ablehnende Entscheidung des Schiedsgerichts die Kontrollkonimission und erforderlichenfalls den Parteitag anzurufen. Das ist nach dem Wortlaut und der Entstehung der bestehenden Vorschriften ganz unzulässig. Skur den„Betroffenen" steht die Berufung gegen die Entscheidung des Schiedsgericht« zu. Die Betroffenen, das sind die von einem Ausschluß Betroffenen. In der alten Fassung heißt es:„Gegen die Entscheidungen steht den Betroffenen die Berufung... zu." Die Entscheidung ging immer von der lokalen Organisatton aus und bettoffen wurde von ihr immer nur der Einzelne, der Angeklagte, Ausgeschlossene. Folglich war nur er in der Lage, gegen eine Entscheidung Berufung ein- zulegen und nur er ist deshalb als„Bettoffencr" anzusehen. Die- ielbe Fassung ist auch in das neue Statut übernommen loorden. Auch dieses gewährt nur den Bettoffenen das Berufungsrecht. Es bleibe dahingestellt, ob dein Absicht oder Flüchtigkeit zu Grunde liegt. Jedenfalls ist das Gefühl der Einheit und Geschlossenheit in der Partei heute erheblich stärker, als es gewesen sein kann zu der Zeit, da das frühere Parteistatut entstand. Schon die 1900 in Mainz beschlossene Statutenänderung, die das Schiedsgericht schuf, ist der Ausdruck stärker gewordenen Einheitsempfindeiis. Man hat die Entscheidung über die Zugehörigkeit zur Partei den örtlichen Organisationen deswegen entzogen, um diese wichtige Entscheidung, die für den Betroffenen oft von der einschneidendsten Bedeutung ist nnd es bei der zunehinenden Größe der Partei immer mehr wird, dem Bereiche örtlicher persönlicher Zwistigkeiten zu ent- rücken und dann auch deswegen, weil praktische Er- fahrungen das Bewußtsein wachgerufen hatten, daß die Partei die Möglichkeit haben müsse, auch gegen den Willen einer örtlichen Organifation jemand ans der Partei auszuschließen. Unentschieden blieb die Frage, wer berechtigt sein sollte, außer der örtlichen Or- ganisatton ein Ausschlußverfahren herbeizuführen. Man hat still- schweigend angenommen, daß jeder Parteigenosse dazu berechtigt sei, und hat danach gehandelt. Die Bestinimuiigen des Parteistatuts stehen dieser Auffassung nicht in, Wege, wohl aber parteipolitische Erwägungen. Die Ansicht ist heute ziemlich allgemein in der Partei, daß die Zugehörigkeit eines Mannes zur Partei nicht ab- hängig sein soll von Stimmungen und Verstimmungen, von persönlichen Empfindungen, daß sie mit einem Worte keine persönliche, sondern eine Partei-Angelegenheit ist. Die Partei ist als Ganzes interessiert daran, ob einer aus der Partei ausgeschlossen werden foll oder nicht. Aus diesem Grunde wäre die mehrfach befürwortete Rückkehr zu den, früheren Znstande, daß die örtliche Organisation über die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet, ein Rück- schritt, eine Abschwächung des Einheitsgedankens: aus demselben Grunde ist eS auch uiizulässig, das Recht der Anklage ausschließlich der örtlichen Organisation vorzubehalten, denn das wäre iiinteriell der alte Zustand, daß die örtliche Organisation entscheidet. Angemessen ist dagegen der kürzlich im Elberfelder Partei- blatte gemachte Vorschlag, daß zwar nicht jeder einzelne Parteigenosse, wohl aber jede Partei- Organisation das Recht der Anklage haben soll. Das entspricht der Sachlage, daß es keine persönliche Angelegenheit eines beliebigen Parteigenossen, wohl aber eine Angelegenheit der ganzen Partei ist, iver der Partei an- gehören darf und wer nicht. Das sollte iin Statut ausgesprochen werden. Aus diesen Erwägungen gelange ich auch zu der Ansicht, daß die jetzige Institution des Schiedsgerichts verfehlt ist. Das jetzige Schiedsgericht ist noch ganz in dem Geiste gedacht, daß sich zwei streiten, zwischen denen eine Schiedsinstanz friedlich vermitteln soll. Wo zwei Parteien uneinig gclvorden sind, da hat es einen guten Sinn, daß sie sich dem Spruche ihrer beiderseitigen zu einem Schiedsgericht zusammengetretenen Vertrauensleute unterwerfen und wieder einig sind. So ist aber doch die Sachlage bei Lusschlußanträgen nicht, oder so sollte sie nicht sein. Jedenfalls ist es unwürdig und widerspricht dem Partei-Jnteresse, ivenn persönliche Streitigkeiten einzelner Parteigenossen die Handhabe zu Ausschlußanträgen bieten, wenn ein Partcigericht deswegen, weil zwei sich nicht leiden mögen, mit würdigem Ernst die Frage prüfen muß, ob einer der beiden ans der Partei auszuschließen ist. Also, um das gleich vorweg zu nehme»: Ist persönlicher Differenzen wegen eine schiedsgerichtliche Verhandlung erwünscht, so kann das geschehen, braucht aber nur in den seltensten Fällen die Gesamtpartei etwas anzugehen. DaS ist Sache der örtlichen Organisation, die in einer ihr beliebigen Weise ei» SchiedS- gericht zu bilden hat. Gehören die Streitenden nicht der gleichen Organiiation an, dann wäre die Bildung oder Berufung des Schieds- gerichts Sache der nächst höheren Organisationseinheit, und nur auf diese Weise— wenn nämlich zwei Streitende verschiedenen Landes- organisationen angehören— könnte der Parteivorstand in die Lage kommen, das Schiedsgericht zu berufen. Es liegt in der Natur der Sache, daß solche Entscheidungen endgültig sein müssen. Die Frage der Zugehörigkeit zur Partei muß dagegen der Sphäre eines ack boo gebildeten Schiedsgerichts gänzlich entzogen werden. Hier sind nicht zwei streitende Parteien, die durch ihre unbeteiligten Sekundanten eine Einigung und Ausgleichung herbeiführen wollen, sondern die Gesamtpartei prüft das einzelne Parteimitglied, ob es noch würdig ist. der Partei weiter anzugehören. Das kann sie nicht einer Instanz überlassen, deren Zusammensetzung abhängt von dem, der den Ausschluß beanttagt und dem, der ausgeschlossen werden soll. Dazu n,ilß ein Organ vorhanden sein, das aus möglichst unbefangenen. das Vertrauen der ganzen Partei genießenden Parteigenossen zusammengesetzt ist und bei dem nicht die Gefahr besteht, daß eS gerade nur ans solchen Mitgliedern zusammengesetzt ist, die an dem vorliegenden Falle nach der einen und der andern Seite besonders interessiert sind. Ich schlage deshalb die Bildimg eines ständigen Gerichts vor zur Entscheidung über AuSschlutzanträge. Dieses Ge- richt könnte so zu stände kommen: Es werden nach vorher be- stiinmter Regel von größeren Orgaiiisationsverbänden der Partei alljährlich je eine bestimmte Anzahl Genossen als Richter gewählt, vielleicht im ganzen 50. Das Gericht besteht aus 6 oder 8 Richtern und dem Vorsitzenden. Wird von einer Partei-Organisation ein Anttag auf Ausschluß eines Parteigenossen gestellt, dann hat der Parteivorstand das Gericht in der Weise zu bilden, daß er aus der Zahl der von den Organisationen Gelvählten die Richter sür den besonderen Fall auslost. Den Vorsitzenden bestimmt der Partei- vorstand in derselben Weise wie heute. Dem von dem Ausschluß- anttage Betroffenen sind die Namen der ausgelosten Richter mit- zureilen und es muß ihm das Recht zustehen, unter Angabe von Gründen einzelne Richter abzulehnen, für welche dann andre ans- zulosen wären. Ein solches Gericht böte erheblich größere Garantien sür eine unbefangene Entscheidung als ein Schiedsgericht, dessen Zusammensetzung von den„Parteien"(die hier gar nicht vor- Händen sein(ollten) abhängig ist, in welches ausgerechnet Freund und Feiiid berufen werden kann. Die Mängel des gegenwärtigen Zustande« werden ja allgemein zugegeben und der Parteivorstand hat auf Grund Parteitags- Beschlusses auch bereits dem Dresdener Parteitage einen Ab- änderungSvorschlag unterbreitet. Ich weiß nicht, ob der Partei- vorstand diesen Borschlag unabgeändert auch dem diesjährigen Parteitage unterbreiten will, vermute es aber. Ich habe zu diesem Vorschlage einiges zu sagen. In dem Streite mit den Hambnrger Accordmaurern wurden wir darauf anftnerksam, daß daS gegenwärtige Schiedsgericht überhaupt nicht zustande kommen kann, wenn der Angeklagte es unterläßt. Schiedsrichter zu ernenneii. Jedenfalls bietet das Parteistatut keine Nornien für einen solchen Fall. Ich habe seiner Zeit im„Vorwärts" darauf auftnerksani gemacht. Der Vorstand glaubt nun diesem Mangel durch folgende Bestimmung abhelfen zu können: Verzichtet ein Parteigenosse, gegen den ein Ausschlußantrag gestellt wird, auf schiedsgerichtliche Verhandlung, oder unterläßt er es, innerhalb einer vom Parteivorstande zu bestimmenden Frist Schiedsrichter zu ernennen, so gilt er ohne weiteres als aus- geschlossen. Ich kann diesen Vorschlag nicht glücklich finden; er giebt ge- wisserinaßen das Schicksal eines Parteigenossen in die Hände böswilliger Ankläger. Es ist denkbar, daß der bloße Antrag auf Ausschluß aus der Partei einem Parteigenossen so verletzend erscheint, daß er sich sagt: Nein, zu einem solchen Schiedsgericht ernenne ich keine Richter, es ist ja unerhört, mich so ohne jeden Grund einem solchen Verfahren unterwerfen zu wollen! Man vergesse nicht, daß gegenwärtig jeder Parteigenosse gegen jeden Parteigenossen ohne irgend eine Beschränkung Anklage auf Ausschluß erheben kam, und daß kein Parteiorgan berechttgt ist, die Klage als bös- willig zurückzuweisen. Der Gedanke an ein Schiedsrichteramt über zwei streitende Parteien, die sich ausgleichen sollen oder wollen, beherrscht die ganze Institution. Da es sich aber in Wirklichkeit bei dem Ausschlüsse für die Partei um die Frage handelt, einen Schädling loszniverden, für den Angeklagten um seine Ehre oder seinen polltischen Ruf, so sollte daS Verfahren besser geregelt und mit größeren Garantten umgeben sein. Folgt man dem Vorschlage, das Anklagerecht nur einer Partei-Organisation einzuräumen und ein ständiges Gericht zu schaffen, so hat man nach beiden Seiten die größeren Garantren. Dann kann man auch der Frage der Berufung in aller Ruhe nähertreten. Daß jetzt nur ein Bernfungsrecht für den Angeklagten besteht, scheint auch der Parteivorstand anzuerkennen; er schlägt lvenigstens eine Aenderung vor, die nur von dieser Auffassung diktiert sein kann und eine Aenderung herbeiführen will. Nach dem Antrage des Parteivorstandes soll in Zukunft die Berufung„den Be- teiligten" anstatt wie bisher den Betroffenen zustehen. Das soll wohl ansdrüiken, daß auch der Ankläger das Recht der Berufung erhalten soll. Es ist zu erwägen, ob mau das thuu soll. Solche Fälle, wo Ausschlußauträge aus persönlichen Streitigkeiten hervor- gehen und dann gegenseitig sind, wie beispielsweise in Düsseldorf, können hier nicht zum Beweise herangezogen werden, Wohl aber ist eine ernstliche Prüfung am Platze in Fällen, wo ein Parteigenosse, weil er das im Partei- Interesse für nötig hält, gegen einen andern den Ausschluß aus der Partei beantragt, ohne' daß persönliche Differenzen zwischen beiden vor- liegen, also Fälle, die allein die normalen sein sollten. Bei einer so mangelhaften Institution, wie das gegenwärtig zur Entscheidung berufene Schiedsgericht, kann ich das Verlangen begreiflich finde», dem Ankläger ein Berufungsrecht einzuräumen. Trotzdem ruht auch dieses Verlangen auf der Vorstellung, als ob ein Streit zwischen zwei privaten Parteien vorläge, während in Wirklichkeit eine ernste Angelegenheit der ganzen Partei vorliegt. Schafft man ein ständiges Gericht, dann verliert der Wunsch nach einem Berufungsrecht des Anklägers jede Grundlage. Hat dieses Gericht, das ganz unabhängig vom Ankläger und vom An- geklagten zu staube gekommen ist, den Ausschlußantrag abgelehnt. dann kann sich der Ankläger billig zufrieden geben, auch wenn es eine Partei- Organisation ist. Man kann gewiß sein, daß dieses un- abhängige Gericht die Interessen der Partei nicht hintanstellen wird. Wir vertreten ja auch im Strafrecht die Forderung, daß nur der Angeklagte ein Berufuugsrecht haben soll. Für den vom Ausschluß Betroffenen genügt aber bei einem ständigen Gericht das Recht der Berufung an den Parteitag. Der Hamburger und der Nürnberger Fall haben Anlaß zur Er- örterung der Frage gegeben, wie es beim Ausschluß aus der ört- lichen Organisation gehalten werden soll. Der Vorstand macht dazu den Vorschlag: „In Orten oder Wahlkreisen, in denen die Geschäfte der Partei durch eine Vereinsorganisation geführt werden, ist der Ausschluß eines Mitgliedes aus der betreffenden Organisation dem Ausschluß aus der Gesamtpartei gleich zu achten. Der Ans- schluß aus einer solchen Organisation darf daher nur in, Wege des vorstehend festgesetzten schiedsgerichtlichen Verfahrens erfolgen."Z Ausgehend von der Ansicht, daß jeder Parteigenosse das Recht haben muß, der örtlichen Vereinsorganisation anzugehören, weil er nur in dieser seine Rechte als Parteigenosse ausüben kann, ist dieser Vorschlag nur zu billigen. Indes haben gerade die beiden Fälle, die zur Aufwerfung dieser Frage geführt haben, Hainburg und Nürnberg, gezeigt, daß wohl eine Kollision zwischen der ört- lichen Organisation und der Gesamtpartei denkbar ist. Es ist möglich, daß in einer örtlichen Partei-Orgnuisation Differenzen entstehen, die ein Zusammenarbeiten mit einzelnen Parteigenossen zeitweilig un- ersprießlich erscheinen lassen, ohne daß ausreichende Gründe zum Ausschluß aus der Partei vorliegen. Vielleicht wäre dem zu be- geguen, wenn bestimmt würde, daß die örtliche Organisation das Recht hat, eine zeitweilige Suspension vorzunehmen, für welche das Parteistatut eine Höchstgrenze festsetzt. Die Suspension kann durch den von ihrBetroffenen mit Berufung an das Parteigericht angefochten werden. Sie erlischt ohne Anfechtung durch Zeitablauf. Es kann aber auch während ihrer Dauer der Antrag auf Ausschluß beim Gericht ge- stellt werden. Es ist die Rede davon gewesen, der Parteitag solle Vorsorge treffen, den Mißbrauch des Anklagerechts auszuschließen. Jeden Mißbrauch eines Rechtes oder einer Institution von vornherein auszuschließen ist unmöglich. Eine Einschränkung mißbräuchlicher Be- Nutzung wäre aber gegeben durch Beschränkung des Anklagerechtes auf Partei-Organisationen. Im übrigen darf wohl erwartet werden, daß ein ständiges Gericht nicht zögern würde, frivole Anklagen mit der nötigen Kennzeichnung zurückzuweisen, und am Ende darf man vertrauen, daß die Parteigenossen einen unter Ausschlußklage gestellten Genossen nicht schlechter behandeln werden wie wir es gewöhnt sind, einen vor den bürgerlichen Straf- gerichten nur Angeklagten und noch nicht Verurteilten zu behandeln. Andre Garantien gegen Mißbrauch zum Schaden eines Einzelnen sind wohl kaum zu finden. b. w. Soziales, Gcwerbckrankhciten. Eine Durchsicht der Berichte der Fabrikinspektoren zeigt, in wie hohem Grade die Arbeiter nicht nur der eigentlichen Unfallgefahr, sondern auch der Gefahr der Erkrankung durch Vergiftungen aus- gesetzt sind. Auf alle von den Beamten gemeldeten Einzelfälle von Gewerbekrankheiten einzugehen, würde zu weit führen; wir begnügen uns daher mit der Hervorhebung einiger besonders charakteristischer Daten.. Am weitesten verbreitet sind die Bleierkrankungen, und am allerungünstigsten liegen die auf Bleivergiftung zurück- zuführenden Krankheitsvcrhältnisse in den Zink- und Bleihütten im Regierungsbezirk Oppeln. Unter den 4578 Zinkhüttenarbeitern erkrankten infolge von Bleivergiftung 28 an Bleikolik und Blei- lähmung, 21 an Nierenentzündung, 151 an Magen- und Darm- katarrh, 24 an Blutarmut. Die in den eigentlichen Bleihütten be- schäftigten Arbeiter weisen noch weit höhere Krankheitszahlen auf. In der königlichen Friedrichshütte bei Tarnowitz erkrankten von 597 Arbeitern 92 an Bleikolik und Lähmung. 6 an Nierenentzündung, 17 an Magen- und Tarmkatarrh, 136 an sonstigen Krankheiten, in der Walter Kroncckhütte bei Burowietz von 875 Arbeitern 142 an Bleikolik und Lähmung, 6 an Nierenentzündung, 23 an Magen- und Darmkatarrh, 3 an Blutarmut, 161 an sonstigen Krankheiten. Auch aus andren Regierungsbezirken werden zahlreiche Bleierkrankungen gemeldet. Im Bezirk Liegnitz erkrankte in einer Wagenfabrik ein Lackierer, der hauptsächlich mit Vorzeichnen der Wagenausschriften mit B l e i w e i ß beschäftigt war, schwer an Bleikolik. In einer Flaschenverschluß-Fabrik im Bezirk Schleswig erkrankten der Meister und drei Arbeiterinnen zum Teil schwer an Bleivergiftung: die Untersuchung ergab, daß sich auf hochliegenden Gegenständen. Lampenkuppeln und dergleichen bleihaltiger Staub angesammelt hatte. Weitere Bleicrkrankungen werden mitgeteilt aus Wagen- bauereien, Marmorschleifereien, Wagcnbeschlagfabriken, Buch- druckcreien, Kunstverglasereien, Feilenhauereien, Tachziegeleien, Emaillierereien, Ofenfabriken, kurz aus fast allen Betrieben, in denen Blei oder bleihaltige Stoffe und Gegenstände regelmäßig in größerer Menge verwendet oder verarbeitet werden. Um die Ge- fahren, die den Arbeitern aus ihrer Berufsthätigkeit erwachsen, einigermaßen zu vermeiden, bedarf es nicht nur der Aufklärung, sondern vor allem wirklich durchgreifender Schutzmatzregeln aus dem Wege der Gesetzgebung. Den Bleierkrankungen stehen die Milzbrand-Ver- giftungen an Bedeutung nicht weit nach. Diese Krankheit tritt überall da auf, wo tierische Stoffe verarbeitet werden. So erkrankte in einer Knocbendüngerfabrik ein mit dem Abladen von inländischen Knochen und Knochenschrot beschäftigter Arbeiter an Milzbrand; in den Gerbereien zu Kirchhain N.-L. waren im Berichtsjahre 7 Er- krankungen an Milzbrand zu verzeichnen, in einer Weitzgerberci im Bezirk des Gewerbe-Aufsichtsbeamten für Berlin kamen 4 Milz- brandinfektionen vor, von denen 2 tödlich endeten, und nach Annahme des Beamten handelte es sich in einer Reihe von Fällen, die als Blut- Vergiftung bezeichnet wurden, gleichfalls um Milzbrandvergiftungen. Auch in einer Handfchuhleder-Fabrik, in der serbische und italienische Felle verarbeitet wurden, traten Milzbrandvcrgiftungen auf. ebenso in einer Knochenmehl- und Leimfabrik, in Lederfabriken, in Roß- Haarspinnereien. Daß eine Ausdehnung der Verordnung gegen die Milzbrandinfektion resp. eine Erweiterung der gesetzlichen Be- stimmungen auf alle Betriebe, wo die Gefahr einer Infektion vor- liegt, erforderlich ist, wird durch die Erfahrung bewiesen. Von sonstigen Gewerbekrankheiten seien erwähnt die in den elektrochemischen Chlorkalkfabriken auftretende Chlorakne die Phosphornekrose. von der Arbeiter in Züudholzfabriken befallen werden, Quecksilber- und Rauchgasvergiftungen. Unter den Zucker- fabrikarbeitern des Bezirks Blomberg wurde mehrfach die Zucker- krätze, ein eitriger Ausschlag an Armen und Beinen, beobachtet, der bei Vernachlässigung zu längerer Arbeitslosigkeit führen kann, und bei verschiedenen Tischlern desselben Bezirks trat die sogenannte Polierkrätze auf. In den Sirupskellern der Zuckerfabriken in West- Preußen bekamen einige Arbeiter Pusteln an den Beinen. Im Kabelwerk Oberspree wurden in der Mikanitabteilung, in der Glimmerplättchen mit Kolophonium, Spiritus und Terpentinöl zu- sammengeklebt werden, Hauterkrmrkungen der Arbeiter festgestellt, die sich vorwiegend an den Händen, aber auch an den Beinen, an der Brust und den Augen zeigen, und deren Natur bisher noch nicht fest- gestellt werden konnte. Unter den Walkerei-Arbeitern der Tuch- industrie ist schon seit Jahren eine Hautkrankheit bekannt, die in juckenden Knötchen und Pusteln besteht und insbesondere an Händen und Armen, überhaupt an solchen Körperteilen auftritt, die bei der Arbeit unbedeckt sind. Die Krankheit, die früher nur vereinzelt auf- trat, hat in den letzten Jahren an Ausbreitung zugenommen und sich, was früher nicht der Fall gewesen ist, auch bei Färberei- Arbeitern gezeigt. In einer ckemischen Fabrik zur Herstellung von Schwefelsäure. Flußsäure und Fluorsalzen endlich traten bei einigen Arbeitern Entzündungen an den Händen und Geschlechtsteilen auf, die. nach Ansicht des Unternehmers auf die ätzende Einwirkung von Sodastaub zurückzuführen find. Diese keineswegs erschöpfende Uebersicht zeigt, wie sehr die Ge- sundheit bestimmter Gruppen von Arbeitern durch ihren Beruf ge- sährdet ist. Es ist gewiß nnt Freuden zu begrüßen, daß die Aus- sichtsbeamten den Gewerbekrankheiten eine höhere Aufmerksamkeit zuwenden; doch wird die aufgewendete Mühe vergeblich sein, wenn nicht die gesetzgebenden Körperschaften das in den Berichten der Gewerbe-Jnspektoren niedergelegte Material zum Anlaß gesetzlicher Maßnahmen zum Schutze der Arbeiter benutzen. Der XlV. Bundestag der deutschen Bodenrcforiner wird in diesem Jahre am 15. und 16. Oktober in Darmstadt abgehalten werden. Auf der Tagesordnung steht: 1.„Die Schwindsucht und die Wohnungsfrage". Referent: Prof. Dr. Max Grnber-München. 2.„Die Wasserkräfte— die Bergwerke der Zukunft", Referent: Prof. Dr. Schär-Zürich. 3.„Bodenreform und Kolonialpolitik", Referent: Admiral Dr. BöterS- Charlottenburg. Große Arbeitslosigkeit in Kopenhagen. Eine für diese Jahreszeit ungewöhnlich große Arbeitslosigkeit herrscht gegenwärtig in Kopenhagen. Die Zahl der Arbeitslosen wird ans 5000 angegeben; namentlich haben die Bauarbeiter, sowie Erd- und Betonarbeitcr, die nach der schweren Zeit des Winters auf Arbeitsgelegenheit hofften, darunter zu leiden. Die Bauthätigkeit liegt danieder. Es stehen gegenwärtig in Kopenhagen 9060 Wohnungen, die eine Miets- umme von jährlich 2— 3 Millionen Kronen repräsentier», leer. Kopenhagen hat unter einer schweren Baukrise zu leiden. Kouiniuualer ArbeitSunchweis in Preußen. Die Wirksamkeit der in Preußen vorhandenen komniunalen oder mit kommunaler Unter- Stützung betriebenen allgemeinen Arbeitsnachweisestellen hat sich im abgelaufenen Jahre gesteigert. Es wurden Stellen angeboten gesucht vermittelt im Jahre 1902 294 948 506 238 219 011 „ 1903 382 711 545 622 272 524 In der Zahl der Vermittclungen ist andauernd eine Zunahme zu verzeichnen; so wurden vermittelt in den Jahren 1897: 104 307, 1893 122 120, 1899 160 643, 1900 185 681, 1901 189 397. 1902 219 011 und 1903 272 524 Stellen. Die Zahl der bestehenden Arbeitsnachweise ist im letzten Jahre ebenfalls weiter gewachsen; am 1. Januar 1904 waren 276 Nachweisestellen vorhanden gegen 263 am 1. Januar des Vorjahres und 222 am 1. Januar 1902. Neu begründet sind Arbeitsnachweisestcllen u. a. in Zoppot, Gleiwitz, Halberstadt, Hameln. Hildesheim und Bochum, während eine größere Zahl voir Gemeinden die Errichtung eines Arbeitsnachweises plant. Von den am 1. Januar d. I. nachgewiesenen 276 Nachweise- stellen sind 189 kommunale Arbeitsnachweise; die übrigen 87 Nach- weiscstellcn werden mit kommunaler Unterstützung betrieben. Unter Beteiligung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wurden verwaltet 55 Arbeitsnachweisestellen. Etos der frauenbewe�ung. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 27. Juni, abends SVa Uhr, in den Arniinhallen, Kommandanten- straße 20: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Vorlesung und Diskussion. 2. Berichte der Vorsitzenden, Kassiererin und Reviso- rinnen. 3. Diskussion. Mitgliedskarte legitimiert. _ Der Vorstand. Berliner partei-Hngelegenbeiten. Britz. Sonntagnachmittag findet in Bethges Garten und Fest- älen ein V o l k s f e st statt, veranstaltet vom Socialdeniokratischen Wahlverein unter Mitwirkung der Gesaugvereine„Kreuzberger Harmonie" und„Arbeiter-Gesangverein Britz". Entree 20 Pf. Tanz 50 Pf. Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Die Genossen und Genossinnen von Berlin und Umgegend ladet freundlichst ein Der Wahlverein Britz. Alt-Glicnicke. In der Mtglieder- Versamnilung des Wahl- Vereins am Sonnabend hält Gen. Jul. Hildebrandt über das Partei- Programm einen erläuternden Vortrag. In Hohen-Neuendorf ist am Sonntagnachinittag 4 Uhr bei K l e e s e n eine Volksversammlung, in der Reichstagsabg. Z u b e i l einen Vortrag über:„Das Wahlrecht in Gefahr" hält. Die Handzettelverteilung ist Freitagabend. Schenkendorf. Der Wahlverein hält am Sonntagnachmittag 3>/z Uhr seine Mitgliederversammlung ab. Pünktliches Erscheinen amtlicher Genossen ist erwünscht; Gäste haben Zutritt. Diejenigen Genossen aus Mittenwalde, welche bereits in Zossen der Organisation angehörten, dort ausgeschieden sind und bekundet haben, sich unsrem Verein anzuschließen, fordern wir auf. sich zur Aufnahme hier zu melden. Wir müssen mit vereinten Kräften dahin streben, endlich in dem schwarzen Mittenwalde eine Organisation dauernd zu stände zu bringen. Der Vorstand. I. A.: Colberg, Schriftführer. lokales. Ter alte Borsig wurde heute vor hundert Jahren, am 23. Juni 1804, geboren. Er 'tammt aus Breslau, wo sein Vater Zimmermann war. Johann Karl Friedrich August Borsig bildete sich ebenfalls für das Baufach aus, kam 1823 an das kgl. Gewerbe-Jnstitut in Berlin und trat dann in die hiesige Werkstatt der Maschinenbau- Anstalt von F. A. Egells ein. Diese Thatsachen allein reduzieren auf seinen wahren Wert das früher bei den Fortschrittlern sehr beliebt gewesene Gerede, wonach der alte Borsig elend und arm wie eine Kirchen- inauS auf Pantinen nach Berlin gekommen fein soll. Im Jahre 1837 errichtete Borsig vor dem Oranienburger Thor eine eigne Fabrik, die anfangs ungefähr 50 Arbeiter beschäftigte. Durch die beginnende Entwicklung der Eisenbahnen kam das Werk bald mächtig in Flor. Am 24. Juli 1341 Ivurde die erste von Borsig hergestellte Lokomotive der Berlin- Anhalter Eisenbahngcsellschaft über- geben, und 1854, bei dem Tode des Gründers der Fabrik, waren 431 Lokomosiven an die preußischen Eisen- bahnen geliefert, die von andren deutschen Firmen überdies 101 Stück und vom Ausland bis zum gleichen Zeitpunkt 216 Stück bezogen hatten. Diese Zahlen legen für die Tüchfigkeit der Firma Borsig ein gewichfiges Zeugnis ab. Kurz vor Borsigs Tode am 6. Juli 1854 war die 500. Lokomotive ferfiggestellt worden, dann folgte 1853 die tausendste, 1867 die zweitausendste, 1873 die drei- tausendste und 1883 die viertausendste Maschine. Eine Aenderung trat ein als nach dem Tode Albert Borsigs am 10. April 1838 der Lokomotivbau aus geschäftlichen Gründen fast gänzlich aufgegeben wurde. Erst als im April 1894 die drei Brüder Arnold, Ernst und Conrad Borsig selbst an die Spitze der Werke treten konnten, entwickelte sich der Lokomotivbau wieder ernsthaft. Bei der Neu- aulage der Borsig-Werke in Tegel wurde die Lokomotiv-Abteilung für eine jährliche Leistung von 300 Maschinen angelegt,' und vor zwei Jahren, am 21. Juni 1902, konnte die Fertigstellung der fünf- tausendsten Maschine festlich begangen werden. Daß der Betrieb sich keineswegs auf die Herstellung von Lokomotiven beschränkt, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Bereits 1856 wurden die Danrpf- Maschinen der Berliner Wasserwerke geliefert und 1360 stellte Borsig für die preußische Marine Schiffs-Dampfmaschinen her. Erinnerlich ist wohl noch, daß der eine der drei Firmeninhaber aus der dritten Generation, Arnold Borsig, am 1. April 1897 in der vom Grafen Ballestrcm an die Firma verpachteten„Hedwigsgrube" in Ober- schlesien durch schlagende Wetter getötet wurde. Soweit einiges über das von Borsig gegründete Werk selbst und seine Besitzer. Stellt man»un die Frage, wb die Arbeiter, die zur Zeit wohl etwa in der Zahl von dreitausend bei der Firma beschäfsigt sind, ebenso nnt dem Lauf der Dinge zufrieden sein können wie die Finna, so kann leine tröstliche Antwort gegeben werden. Es ist ja gewiß nicht zu verkennen, daß das patriarchalische Verhältnis der ersten Zeit, von dem viel Rühmliches erzählt wird, bei der Entwicklung der Dinge sein natürliches Ende nehmen mutzte, und, falls es heute noch gewaltsam aufrechterhalten würde, zu der schimpflichen Unerträglichkeit saarabischer Zustände hätte ausarten müssen. Wie sonst in der Großindustrie und namentlich in der Berliner, wird auch bei Borsig der Arbeiter einfach in seiner Eigenschaft als wertschaffendcs Objekt eingeschätzt; persönliche Beziehungen zwischen Unternehmer und Arbeiter sind dort wie anderswo ebenso unmöglich wie persön- liche Beziehungen zwischen dem Fabrikanten und seinem toten Arbeits- Werkzeug. Verschiedene Konflikte, die die Arbeiterschaft mit der Firma zu bestehen hatte, so namentlich der Dreherstreik im Herbst 1902, haben gezeigt, daß die Firma der Arbeiterschaft gegenüber nicht minder rücksichtslos ist wie andre Scharftnacher auch, daß in Tegel wie anderswo die Fabrikherren kalkulatorisch-kalt darauf sinnen, den Arbeiter wo nur angängig seiner Menschlichkeit, seines Selbst- bewußtseins, seines Wertes als Persönlichkeit zu berauben. Die Vertrauensleute der Ausständigen wurden als Leiter des Metall- arbeiter-Vcrbandes damals vom Kommerzienrat Ernst Borsig zurückgewiesen, als sie Verständigungsversuche anbahnten; einer der Beamten durfte den Arbeiten! mit dem hohnvollen Vorschlage komineu, daß bei Gründung einer Lohnschlichtungs-Kommisfion sämtliche Mitglieder, also auch die Vertrauensleute der Arbeiter, vou der Firma selbst ernannt werden sollten; die Existenz des ganzen Vorortes Tegel sozusagen wurde, nur um den Herrenstandpunkt recht klar zum Ausdruck zu bringen, bei dem erwähnten Streik von der Finna aufs Spiel gesetzt. Auch ein bürgerliches Blatt, die „Volks-Zeitung", konstatierte, daß die beiden Brüder Ernst und Conrad Borsig nicht dasjenige Verhältnis zu finden wüßten, das der Begründer der Firma und sein Sohn aufrecht erhalten haben. So haben sich die Dinge im Laufe dreier Generattonen geändert. Die Geschichte der Firma Borsig spiegelt die Geschichte der kapi- talistischen Entwicklung im kleinen wieder. Sie eröffnete die Ans- ficht auf eine geistig und Physisch gleich unerträgliche Knechtschaft, wenn die Arbeiterschaft sich nicht ManneS genug wüßte, im Kampfe gegen unerträglichen Druck und Bevormundung ihr Menschentum zu belvahren und in einer hoffentlich nicht zu fernen Zeit den Kapitalismus mitsamt dein Kapitalisten überflüssig zu machen, zu depossedieren._ Die Stadtverordneten-Versammlung hat sich in ihrer heuttgcn Sitzung u. a. mit folgenden Gegenständen der Tagesordnung zu be- fassen: Berichterstattung über die Vorlagen: betreffend den specicllcn Entwurf zu einem Verwahrungshause nebst Pflegerhaus bei der III. Irrenanstalt in Buch und mehrere specielle Entwürfe zu Ge- bäuden bei dem Rudolf Virchow-Krankenhause,— sowie die Verwendung einer zwischen Perleberger- und Ouitzowstraße belegenen städttschen Landfläche für Gemeindeschulzwecke.— Berichterstattung über den Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betteffend die Bewilligung von 5000 M. für eine dem Stadtbaurat Krause zur Reise nach Amerika beizugebende und von dem Magistrat zu bestimmende jüngere Baukraft.— Vorlagen, Betreffend: die Zustellung des Grundstücks Landsberger Allee 40/Petersburger Straße 50 zu dem Stadtbezirk 189a.— die Anstellung der Lehrkräfte an den städtischen Waisen-Erziehungs- und Jdioten-Anstalten,— die Annahme einer Zuwendung des Bankdirektors Paul Mankiewitz für die Reuter- Stiftung— die Wahl von 38 Mtgliedern und 3 Stell- verttetenr für die hiesige Einkommensteuer- Voreinschätzungs- kommission,— die Erstattung der dem Ratskeller- Pächter bei der Renovierung des Ratskellers für bauliche Veränderungen und Beschaffung' von Mobilien entstandenen Kosten,— die Erwerbung eines Gcmeindeschnl- Grundstückes an der Greifenhagener- straße jenseits der Ringbahn,— die Erwerbung eines an der der Bötzowstraße belegenen Geländes für Gemeindeschulzwecke,— die Einlcgung von Strnßcubahngeleisen in die Fahrbahn der Ueber- führung über den Bahnhof Gesundbnmnen,— die Erwerbung von Straßenland zur Rigaerstraße zwischen der Samariterstratze und der Straße 67,— die Festsetzung von Fluchtlinien für die Straßen IIa und IIb, Abteilung XI, zwischen der Schönhauser Allee, der Born- holmer und der Schivelbeinerstraße— und die Bewilligung einer Vergütung ftir geistliche Amtshandlungen bei dem Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinderkrankenhause. Außerdem findet in dieser Sitzung und zwar um 6 Uhr die Wahl eines unbesoldeten Stadttats statt. Mit einer Petition gegen den Entwurf des Birhseuchrn-Gesetzes befaßte sich das Kuratorium des städtischen Vieh- und Schlachthofes in seiner letzten Sitzung. Es wurde einstimmig beschlossen, sich den Vorschlägen des Magistrats von Breslau behufs gemeinsamen Vorgehens der größten Städte Deutschlands gegen den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Reichs-Viehseuchen-Ge- setzes anzuschließen und weitere Begründungen über die UnHaltbarkeit und Unausfiibrbarkeit einzelner Bestimmungen beizufügen. Allgemein wurde betont, daß der neue Entwurf dazu angethan sei, die großen Städte mit ihren Vieh- und Schlachthäusern zu Gunsten der Agrarier brachzulegen, ja daß das Gesetz durch einzelne Bestimmungen sogar eine Gefahr für die Ernährung der Einwohner heraufbeschwören würde. Den ReichstagS-Abgeordneten soll zinn geeigneten Zeitpunkt die Protestschrift zugehen. Es wurde ferner beschlossen, eine frühere Bestimmung wieder aufzunehmen, wonach das Fleisch, welches von außerhalb eingeführt wird und auf dem hiesigen Viehhof nicht untersucht worden ist, in den Verkaufs- stellen als solches gekennzeichnet und gesondert von dem andern ver- kauft werden soll. Diese Verordnung wird wieder erlassen, weil nach dem neuen Fleischschangesetz von außerhalb eingefiihrtes Fleisch, welches dort untersucht ist,' hier einer weiteren Untersuchung nicht unterzogen zu werden braucht. Es ist aber amtlich festgestellt, daß die auswärtigen Untersuchungen bei weiteni nicht die Garantie bieten, welche wir durch nusre städtischen Untersuchungen erhalten. Der Regierungspräsident hat früher einer solchen Verordnung zu- gestimmt, die dann aber, da alles Fleisch auf dem hiesigen Schlacht- Bor untersucht wurde, als überflüssig aufgehoben wurde; jetzt aber l at sie sich durch die neuen gesetzlichen Bestimmungen wieder not- wendig gemacht. Die Post im Centrum. An der Ecke der König- und Heilige- g e i st st r a ß e erhebt sich ein stolzer Bau im gothischen Stil, der eine Muster- Postanstalt beherbergt. Zahlreiche Schalter und Schreibpulte für das Publikum deuten auf einen umfangreichen Postverkehr. An den Schaltern ist auch alles zu haben. Wir fordern z. B. eine P o st a u w e i s u n g und flugs liegt sie vor uns Nachdem wir sie an deni eleganten Stehpult ausgefüllt haben präsentieren wir sie am Schalter. Aber was ist das? Der Beamte giebt sie uns zurück: P o st a n w e i s u n g e n werden hier nicht angenommen! Kopfschüttelnd verlassen wir die große Postanstalt und wandern einige Hänser weiter, Königst ratze 60, da ist ja das Kabinetts-Postamt, das Marine-Postburenu zc. und da wohnt ja auch der hohe Herr Postdirektor. Mitztranisch empfängt uns hier der Portier am Gitter; als er die Anweisung erblickt, wird er freundlicher: früher, ja, früher, war hier auf dem Hofe die Geld- annähme, heute müssen Sie schon nach der S p a n d a n e r- stratze 19/22 gehen. Und richtig. Im Partcrregeschotz zur Rechten des kaiscrl. Postgebäudes finden wir die ersehnten Geldschalter, dort, wo Vörden, die Briefannahme sich befand. Und hier werden wir endlich unser Geld los. Es ist doch eine herrliche Einrichtung in „Berlin C-" Ein schweres Unglück hat sich am Dienstag auf einer vom Bäckcrverband nach dem Dämeritzsee veranstalteten Dampferpartie ereignet. Beim Bootfahren auf dem See sind die Bäcker Richard S a w a tz k i und Paul B a u m g a r t ins Wasser gestürzt und er- trunken. Sie wollten die Sitze wechseln, wodurch das Boot zum Kentern kam. Wegen der weiten Entfernung von dem Lokal, wo das Fest abgehalten wurde, war es nicht möglich, rechtzeitig Hilfe zu bringen; datz die Feststimmung nach dem Unglück dahin war, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Banmgart stand im 21., Sawatzki im 23. Lebensjahr. Ihre Leichen waren gestern noch nicht auf- gefunden. Der Fabrikant Richard Schwartzkopff ist im S2. Lebensjahre im Lazarus- Krankenhause verstorben. Richard Schwartzkopff war ein Sohn des verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Schwartzkopff, des Begründers der bekannten Maschinenbau-Anstalt. Er war Witwer und seit längerer Zeit nervenleidcnd. Als Todesursache gilt Lungen- entziindung. Der jetzt Verstorbene hatte eine eigne Maschinenbau Anstalt auf dem Grundstück Müllerstrahe 172 a errichtet. An ver- schiedenen Patentunternehmnngen, die nicht reüssierten, hatte Schwartzkopff bedeutende Summen verloren. Vor mehreren Jahren kaufte er eine Fahrradfabrik, deren Ueberführung nach Berlin ihm ebenfalls bedeutende Geldopfer kostete, und durch den Niedergang in der Fahrradindnswie erlitt er dann noch weitere Verluste. Die Ver Hältnisse hatten sich im Laufe der Zeit so ungünstig gestaltet, datz Schwartzkopff in seinem Betriebe zuletzt nur noch eine geringe Anzahl von Arbeitern beschäftigte. Er hinterläßt vier Kinder. Ein iiitcruationalcr Reisedieb wurde gestern vormittag auf dem Anhalter Bahnhof von dem Kriminalbeamten, der dort ständig Dienst thut, festgenommen. In dem Münchcner v.-Zug, der um lOVz Uhr mit vielen Fahrgästen erster und zweiter Klasse abstihr, hatte auch ein hochgestellter Herr aus Rußland Platz genommen. Als sich diese russische Excellenz kurz vor Abgang des Zuges in dem Seitengang befand, ging ein Mann mit einer Reisemütze, der es sehr eilig hatte, an ihr vorbei und streifte ihr mit dem Arm die Brust. Der Excellenz war so, als ob der eilige Fahrgast ihn auch in die Tasche gefaßt hätte, und sie überzeugte sich bald, datz er daraus eine Brieftasche mit 3000 M. genommen hatte. Der Be- stohlene schlug sofort Lärm und es gab eine arotze Auf rcgung auf dem Bahnhofe. Der verfolgte Dieb warf die Tasche durch ein offenes Fenster, an dem er vorüber kam, auf das Geleise. Unterdessen war der Kriminalbeamte des Bahnhofs in den Zug ge- sprungen. Er»ahm den Dieb, der entfliehen wollte, beim Wickel. Während der Festgenommene mit großer Entrüstung jeden Verdacht von sich abwies, brachten Bahnbeanite die Brieftasche mit Inhalt, die er nach der dem Bahnsteig abgcwandten Seite weggeworfen hatte. Trotzdem bestritt er weiter. Einen Platz hatte er in einem Abteil 2. Klasse mit Hut und Ueberzieher belegt, obwohl er keinen Fahrschein, sondern nur eine Bahnsteigkarte besaß. Ohne Zweifel hatte er die Absicht, im letzten Augenblick mit der Beute den Zug loieder zu verlassen, entweder mit Hut und Ueberzieher oder ohne ihn. Der Verhaftete giebt sich fiir einen Reisenden Cohn aus Ungarn aus und ivohnte seit einigen Tagen in einem hiesigen Hotel. Er wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht. Daß er ein internationaler Reisedieb ist, wurde schon festgestellt. Bei dem Tunnelbau am Leipziger Platz, unter dem Erweiterungs- bau für das Warenhaus von Wertheim, ereignete sich gestern, Mittwoch, ein schwerer Unfall. Ein Sttick Mauerioerk stürzte ein und begrub die Arbeiter Otto Krause aus der Borsigstr. 12 und Otto Träger aus der Potsdamerstr. 11 zu Charlotteuburg unter sich. Beide erlitten einen Bruch der Wirbelsäule und erhielten auf der Unfallstation in der Kronenstratze die erste Hilfe. Krause wurde alsdann nach dem Krankenhause am Urban, Träger nach der könig lichen Klinik gebracht, weil ihm durch Kalk auch die Augen schwer beschädigt wurden.' Infolge des Brandes am Bahnhof Pntlitzstraße sind nicht weniger als 24 Feuerwehrleute erkrankt. Das Befinden dieser Mannschaften ist nicht besorgniserregend. Die Mehrzahl wird ihren Dienst schon in den nächsten Tagen wieder aufnehmen können. f>et Verbrauch von Material war enorm. Eine Menge Kappen(Fenerwehrhelme) sind vollständig unbrauchbar geworden. Mehrere sind von der Hitze derart zusammengeschrumpft, verbogen, die Mctallteile geschmolzen und das Leder zerrissen, datz sie als' Beweisstücke aufbewahrt werden sollen. Natürlich ist auch der Verbrauch an Kleidungsstücken, be- sonders an Stiefeln, ein außergewöhnlich großer gewesen. Während des Brandes sah es auf den Berliner Feuerwachen merlwürdig aus. Da alle Züge ausgerückt waren— 17 waren in Moabit und zloei in der Steglitzerstr. 3 thätig—, so ließ Brandmeister Lcybold, der das Kommando für sämtliche Wachen übernommen hatte, auf der Hmiptwache schnell eine alte Reserve- Handdruckspritze in Dienst stellen, mit den Pferden vom Stabswagen bespannen und mit einigen zurückgebliebenen Leuten besetzen. Auf einer andern Wache wurde eine Neserveleiter und auf einer dritten eine in Reparatur befindliche Gasspritze in Dienst gestellt. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist der Brunnenbauer Robert Elser, der als Junggeselle in der Katzlcrstratze Nr. 5 in Schlafstelle wohnt. Er war beim Bau eines Tiefbrunnens in Hohen-Ncuendorf beschäftigt und zog sich infolge eines Sturzes einen so schweren Armbruch zu. datz man die Knochensplitter aus dem Fleisch heraus- schälen mutzte. Der Verunglückte mutzte nach Berlin in ein Kranken- Haus gebracht werden. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einer Kraftdroschke und einem Zweirad ereignete sich am Mittwochnachmittag an der Ecke der Friedrich- und Mohrcnstratze. Die 16 und 15 Jahre alten Schreiber Arthur Schimmelpfennig und Paul Richter des Jnstizrats und Notars Bruck aus der Mohrenstratze Nr. 48 fuhren beide zusammen auf dem Zweirade Schimmelpfennigs und trieben nach übereinstimmenden Bekundungen vieler Zeugen Allotria, als der Kraftdroschkenkutscher Matthias Wolf ans der Immanuel- kirchstratze 26 auS der Friedrich- in die Mohrenstratze einbog. Die Droschke warf das Zweirad um und fuhr es in Stücke. Die beiden Fahrer flogen herunter. Schimmelpfennig fiel mit dem Hinterkopf auf die Bordschwelle, zog sich einen Schädelbruch und eine Gehirn- erschütternng zu und blieb besinnungslos liegen, Richter fiel auf das Stratzenpflaster und brach das rechte Bein. Wolf brachte die beiden Verunglückten mit seiner Droschke nach der Unfallstation 13 in der Kronenstratze. Dort starb Schimmelpfennig schon nach fünf Minuten unter den Händen der Aerzte. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Richter erhielt einen Verband und wurde von der Station dem Krankenhause am Urban zugeführt. Dem Personal des Lessing-Theaters unter Leitung des Direktors B r a h m werden außer dem Stamm vom bisherigen Ensemble des Deutschen Theaters folgende bekannte Berliner Schauspieler an- gehören: Marz. Albrecht, Willy Grnnwald, Adolf Klein, Albert Patty, Gustav Rickelt, Eniannel Reicher. Vom Deutschen Theater gehen ans Lessing-Theater über: Paula Eberth, Else Lehmann, Hedwig Panly, Irene Triesch, Albert Basfermann, Karl Forest, Bruno Köhler, Adolf Kurth, Emil Lessing, Paul Marx, Karl Meinhardt, Paul Pauli, Rudolf Rittner, Oskar Sauer, Kurt Stieler, Willy Werthmann, Bruno Ziener. Jüngere Kräfte treten aus Köln, Freibnrg, Hamburg, Nürnberg, Posen und Wien dem Ensemble bei: Käte Pöhnisch, Else Schiff, Marie Urfns, Oskar Fuchs, Hans Marr, Alwin Neutz. Die Leitung des Vereins zur Fördcrinig der Kunst ersucht uns darauf hinzuweisen, daß die in ihren Listen vorgemerkten Heim- arbeiterinnen, welche sich wegen lleberlafsung von.Freikarten für erste Theater Berlins an sie gewendet hatten, sämtlich berücksichtigt wurden. Da noch einige Billets zum Deutschen Theater zu den Aufführungen der„Weber",„Rose Bernd" und„Rosenmontag" zu vergeben sind, so können noch einige Gesuche für diesen Monat berücksichtigt iverden. Meldungen sind mit Quittungskarte zu richten an das Bureau des Vereins zur Förderung der Kunst, Albrechtstr. 11. Theater. Die Morwitz-Oper im Schiller-Theater bringt antt Sonnabend zum ersten Mal die Strautzsche Operette „Die Fledermaus" in der Besetzung mit Opernkräften. Margarete König, Gertrud Careni, Frida Hawliczek, Richard Aichele, Gustav Waschow, Frank, Raven usw. singen die Hauptpartten.— Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit zahlreichen farbigen Lichtbildern und Wandelpanoramen ausgestattete neue Vor- trag„Die Insel Rügen", welcher die landschaftlichen Schönheiten des interessanten Eilandes in voller Nattirwahrheit zur Geltung bringt, am Donnerstag, Freitag und Sonnabend zur Darstellung ge- langen._ Hus den JVachbarorten. Friedenau. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand kam gestern (Mittwoch) vormittags hier in der W i e l a n d st r a tz e 24, Ecke der Hauffstratze zum Ausbruch und beschäftigte die hiesige und Schöne- berger Feuerwehr über drei Stunden. Das Feuer entstand auf noch nicht ermittelte Weise auf dem Boden des großen Eckhauses, fand an dem in den zahlreichen Bodenkammern aufgestapelten Gerümpel und alten Hausrat der Mieter überreiche Nahrung und wurde erst bemerkt, als gegen 9 Uhr plötzlich helle Flammen aus verschiedenen Stellen des Daches schlugen. In wenigen Minuten brannte nun auch schon der Dnchstnhl in seiner ganzen Ausdehnung. Die sofort alarmierte Feuerwehr ging angesichts der drohenden Gefahr die be nachbarte Schöneberger Wehr um Hilfe an, die auch in kurzer Zeit in voller Stärke zur Stelle war. An eine Rettung des Dachstuhles war indes von vornherein nicht mehr zu denken und so galt es in erster Linie, die angrenzenden Gebäude vor einem Ueberspringen zu schützen. Die Rohrführer postierten sich denn auch auf die Nachbardächer und sandten un- geheuere Wassermassen in die Glut. Die Ranchentwickelung war aber enorm und gestattete nur ein langsames Vordringen. Von der Stratze aus erfolgte der Angriff über eine große mechanische Leiter. Erst nach fast l'/zstllndigem Wassergeben aus fünf Schlauchleitungen war man Herr des Feuers, doch zogen sich die Aufränmnngsarbeiteu noch bis in die Mittagsstunden hin. Der Dachstuhl in seiner ganzen Ausdehnung wurde ein Raub der Flammen und der entstandene Schaden ist daher erheblich. Auch die Bewohner der oberen Stock- werke haben durch Wasser stark gelitten. Vor zwei Jahren brannte bereits derselbe Dachstuhl vollständig nieder. Schöneberg. Die Hausbesitzer suchen alles, was nur einiger maßen ihrem Einfluß untersteht, für ihre Zlvecke nutzbar zu machen. In einer Versammlung des Grundbesitzer-Vereins erklärte in einem Bericht über die letzte Stadtverordncten-Wahl der Referent, Stadt verordneter Schneider, daß das Verhalten mehrerer Volks- schnllehrer höchst bedauerlich gewesen fei. Die Herren hätten am Abend vor der Wahl die Agitationslisten angeblich wegen Zeit mangels unerledigt zurückgeschickt! Wie werden die renitenten Lehrer für diese Disciplinwidrigkeit bestrast werden? AnS dem Fenster gestürzt hat sich gestern nachmittag um 3 Uhr der 45 Jahre alte Hauptmann Schöbe ans der Bahnstratze zu Schöncberg. Der Lebensmüde lag seit Wochen an einem schweren Nervenleiden darnieder. In einem unbewachten Augenblick sprang er aus seinem Bett aufs Fenster und von dort aus der Höhe des zweiten Stockwerkes auf das Stratzenpflaster hinab. Lebensgefährlich verletzt wurde Sch. nach seiner Wohnung gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Beim Fallen soll er ein Kind verletzt haben. Schmargendorf. Schon vor geraumer Zeit ist die Gemeinde zum Erlaß eines Ortsstatuts betreffend die Gelvährnng von Ruhe lohn und H i n t e r b l i e b e n e n- V e r s o r g u n g für die im Dienste der Gemeinde dauernd beschäftigten Personen aufgefordert worden. Jetzt endlich ist in dieser Angelegenheit die Kommisfions- beratung beantragt. Der Dorfsocialismus bekundete sich in dem Ausspruch, datz die Gemeinde-Arbeiter kein Recht hätten, Ansprüche zu stellen, sondern datz die eventuelle Gewährung von Ruhelohn ein Geschenk sei und als erwiesene Wohlthat zu betrachten wäre. Deshalb wurde auch der Vorschlag des Gemeindeverordneten S., in die vor- beratende Kommission einen Arbeitervertreter hineinznwählen, in der Gemeindevertretung mit zorniger Entrüstung zurückgewiesen. Nowawes. Einen für die hiesige Arbeiterschaft wichtigen Be- schlntz hat das Gewerkschaftskartell gefaßt. Danach sollen vorläufig alle 14 Tage Mittwochs Sprechstunden im Lokale von Karl Gruhl, Priesterstratze, abgehalten werden, zwecks Ausknuftserteilung über Arbeiterschutzgesetze, Gewerbe-Ordnug usw.; auch Schriftstücke, Klagen usiv. sollen erforderlichenfalls angefertigt werden. Die Aus- knnftserteilnng und Anfertigung der Schriftstücke geschieht kostenlos, doch müssen sich die Konsultierenden als gewerkschaftlich organisierte Arbeiter legitimieren. Unterstützt wird' das Gewerkschaftskartell hierbei vom Arbeitcrsckretär Genossen Link-Berlin. Die erste Sprech- stunde findet am Mittwoch, den 29. Juni, abends 8 Uhr, statt. Gerichts-Zeitung* Der große Fälschimgsprozcß gegen den Maurer Karl N i e k e und die Maurers- Ehefrau Luise G a n s ch o w ist nach fünftägiger Verhandlung gestern nach Mitternacht zum Abschluß gelangt. Nieke ließ es darauf ankommen, sich Schritt für Schritt und Punkt für Punkt überführen zu lassen. In den Zeugen- wie in den Zuhörer- kreisen herrschte gegen ihn allgemeine Erbitterung, die immer mehr zunahm, als sich herausstellte, datz er eine geradezu dämonische Gewalt über die Mitangeklagte Frau Ganschow besessen und dies in der rücksichtslosesten Weise gegen sie ausgebeutet hatte. Als die An- gehörigen der Frau Ganschow vernommen wurden, kam es zu dramatischen Auftritten. Den alten Vater der Angeklagten übermannte bei seiner Vernehmung die Wut. Er ballte die Faust gegen Nieke und rief mit lauter Stimme:„Er hat meine Tochter auf dem Gewissen I Ich habe, meine Kinder zu braven und ehrlichen Menschen erzogen, meine Tochter ivar ein tadelloses Mädchen und auch als Frau hat sie sich nie etwas zu Schulden kommen lassen und das wurde mit einem Schlage anders, als sie den Nieke kennen gelernt hatte. Er hat sie völlig beherrscht und uns alle ins Unglück ge- stürmt!" Der Angeklagte Nieke blieb diesen Vorwürfen gegenüber völlig gelassen und verriet keine Spur von Gemütsbewegung, er ver- suchte sogar den guten Ruf. den Frau Ganschow als Mädchen genossen, nnzuzlveifeln. Es wurde durch die Beweisaufiiahme festgestellt, datz Nieke ein ganzes Jahr hindurch nicht gearbeitet und trotzdem gut gelebt hatte, die aus den gefälschten Sparkassenbüchern er- beuteten Summen hatten ihn in den Stand gesetzt, nobel auf- zutreten und auch häufig den Freigebigen zu spielen.' Der Staatsanwalt verkannte nicht, datz der Angeklagte Riete der Hauptschuldige sei, er bat die Geschworenen, ihm mildernde Um- stände zu versagen, damit ihn die ganze Strenge des Gesetzes träfe. Die Angeklagte Frau Ganschow müsse aber ebenfalls die Folgen ihrer Schwäche tragen, lvenn auch strafmildernd manches für sie an- zuführen sei. Der Verteidiger Niekes, Rechtsanwalt Max Cohn, mutzte sich darauf beschränken, einige Lichtseiten in den Charakter seines Klienten hervorzusnchen, während der Verteidiger der Frau Ganschow, Rechtsanwalt Bochner, bei den Geschworenen anregte, ob die so sehr bedauernswerte Frau, welche unter den Fesseln ihres Machthabers so entsetzlich gelitten, infolge ihrer krankhaften Ver- anlagnng überhaupt verantwortlich zu machen sei. Die Geschworenen sprachen beide Angeklagte schuldig, Nieke unter Versagung, Frau Ganschow unter Zubilligung von mildernden Um- ständen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Nieke fünf Jahre Zuchthaus und zehnjährigen Ehrverlust, gegen Frau G a m s ch o w zwei Jahre sechs Monate Gefängnis. Das Urteil lautete gegen Nieke auf zwei Jahre sechs Monate Zuchthaus und fünfjährigen Ehrverlust, gegen Frau Ganschow auf zwei Jahre Gefängnis. Bei Nieke wurden drei, bei Frau Ganschow sechs Monate durch die Untersuchungs- Haft als verbüßt angesehen. Ein seltener Fall beschäfttgte gestern die fünfte Strafkammer des Landgerichts I in der Berufungsinstanz. Der Bäckermeister Ferdinand Bärwolff war vom Schöffengericht wegen Entwendung eines Frühstücksbeutels mit einem Tage Gefängnis bestraft worden. Der im Hinterhause des Grundstücks Memelerstr. 32 wohnhaste Schneider Pilz hatte im Januar dieses Jahres wiederholt die Erfahrung ge- macht, datz sein Frühstücksbentel von seiner Korridorthür gestohlen worden war. Am 1. Februar stand er früh auf und nahm hinter seiner Korridorthür Aufstellung, um den Dieb abzufangen. Zunächst bemerkte er durch das Guckloch in der Thür, daß der Lehrling des Bäckermeisters, der ihm die Backwaare lieferte, einen Beutel an den Thürgriff hing. Nach einigen Minuten hörte Pilz wieder Tritte auf der Treppe. Er bemerkte durch das Guckloch, datz es der im Borderhause wohnende Bäckermeister Bärwolff war, von dem Pilz seine Backware nicht bezog, der aber andre Kunden im Hause hatte. Pilz bemerkte, daß Bärwolff einen Beutel mit Backware an die Thür der gegenüberliegenden Wohnung hängte, sich dann eine Treppe höher begab und im Vorbeigehen an seiner, des Zeugen, Thür einen Augenblick stehen blieb, um den dort befindlichen Beutel abzuhängen. Bärwolff kam gleich wieder herunter. Nun öffnete Pilz seine Thür. Er sah, datz Bärwolff mehrere Beutel in der Hand hielt und darunter einen gefüllten, ganz be- sonders gekennzeichneten, den Pilz mit aller Bestimmtheit als denfeinigen erkannte.„Sie, Herr Nachbar, Sie haben ja meinen Frühstücksbentel, geben Sie ihn mir doch zurück!" rief er ihm zu. Der Angeredete erwiderte mit Schimpfworten und Drohungen, er erklärte einfach: „Ach was, ich habe Ihren Beutel nicht." Es war aber noch die Schwiegermutter des Zeugen Pilz hinzugekommen. Sie hatte den Beutel genäht und kannte ihn ebenfalls mit Bestimmtheit wieder. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten trotz seines hartnäckigen Leugnens für überführt gehalten und nahm als Beweggrund zu der That Aerger darüber an, datz der Zeuge seine Backware nicht von dem im selben Hause wohnenden Angeklagten bezog. In der Berufungsinstanz bemühte sich der Verteidiger, Rechts- anwalt Jarecki, den Nachweis zu erbringen, datz die Belastungs- Momente zu einer Verurteilung nicht ausreichen, der Gerichtshof war aber andrer Ansicht und erkannte auf Bestätigung des ersten Urteils._ Centralverband der Handlungsgehilfe» und-Gehilfinnen Deutschlands(Bezirk Berlin). Heute Donnerstagabend 9 Uhr in den Arminhallcn, Kommandantenstr. 20: Wichtige Verbandssitzung. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. VmrnfeKtes. Ein Luftballon in Not. Wie gemeldet tvird, wurden gestern früh gegen 4 Uhr Bewohner von Gräbschen bei Breslau in Aufregung versetzt. Ein gestern abend 9 Uhr in Charlottenburg aufgesttegener Luftballon des Vereins für Luftschisfahrt in Berlin schwebte über den Häusern; aus dem Korbe ertönten Hilferufe. Da das Schlepp- seil sich in den Drähten der elektrischen Stratzenbahn verfangen hatte, schien die Landung im ersten Augenblick sehr gefährlich zu sein. Schließlich gelang der Abstieg ohne Unfall. Die vier In- fassen waren Direktor Mollheim, Andreack, Beling und Lieutenant Strümpell. Ein Eisenbahnunglück hat sich, wie aus E s ch w e g e berichtet wird, am Mittwoch ereignet. Nachmittags gegen �,3 Uhr entgleiste bei Homberg auf der Strecke Leinefelde-Dreysa ein Güterzug. Maschine und Packwagen rutschten den Damm herunter; 8 Wagen schoben sich ineinander und legten sich auf das Geleis. Der Heizer i st t o t, der Maschinenführer ist schwer verletzt. Das übrigejPersonal konnte sich durch Abspringen vom Zuge retten. Die Strecke ist auf ungefähr 100 Meter aufgerissen. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Von Eschwege ist ein Hilfszug abgegangen. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht bekannt. Einem geriebenen Bauernfänger ist in Köln ein amerikanischer Geistlicher in die Hände gefallen. In der Domkirche drängte sich der Gauner, wie gedrahtet wird, an den Geistlichen heran, dem er sich als Amerikaner vorstellte, und schloß Freundschaft mit ihm. Er verpflichtete sich dem Geistlichen gegenüber, 10 000 Pfund Sterling fiir amerikanische Armen zu stiften, und händigte dem Geistlichen gefälschte Banknoten ein, wogegen dieser über 3000 M. als Sicherheit dem Gauner anverttaute. Als später der Geistliche die gefälschten Scheine zurückgeben wollte, verschwand der Bauernfänger. Die Kriminalpolizei ist eifrig auf der Suche nach dem Spitzbuben, der auch in andren rheinischen Städten Fremde um größere Beträge geprellt hat. Marktpreise von Berlin am 21. Juni 1904 nach Eriniltclungcn des tgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Cw. Nindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch vninmclsleijch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse «0 Stück 1 kg per Schock 7.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 2,80 3,00 2,20 2,00 2,80 1,40 16,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,20 1,40 1,40 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,00 WttternngSübersicht vom SS. Juni I9V4, morgen? 8 Uhr. Stationen a 5 ss— Swinemde. Hamburg Berlin Franls.a.M. München Wien 766 768 768 772 772 769 wsz f" s? H Sj Stationen taparanda etersburg Corl Werdeen Paris 756 Ä Z S 760SSO 765 773 Wetter »R c � S 1 Z? W ta 2 bedeckt Nebel bedeckt wollenl 11 14 12 13 j Wetter-Prognofe für Donnerstag, den S-t. Jnni 1904. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, aber noch veränderlich bei mäßigen westlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbnreau. Trete Volksbühne AM" Qeneral- Versammlung: Donnemtag, 6sn 30. Juni 1904, abends S'U I be, in den Indnstrie-Festsiilon. Beuthstraße. Tafcesordnung: 1. Vorfrag des Schriftstellers Herrn Julius Bub über: Nodale Drnnicn. 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes für das verflossene Vereinsjabr. Revisionsbericht. Diskussion. Neuwahl des Vorstandes, Ausschusses, der Revisoren und Obleute, der Ordner. Antrüge und Verschiedenes. Zutritt ist nur Mitgliedern gegen VorzeigVng ihrer alten Mitgliedskarte, die in der Zahlstelle abgeholt werden kann, gestattet. ipjr Für die jÄorwitz-öper ÄÄ liegen in unsern Zahlstellen I. Parkett- Bitlets aus (Kassenpreis 2,50) für die Mitglieder der Freien Volksbühne ermässlgt auf 1,60 M. inkl. Garderobe zu allen Abendvorstellungen. Rechtzeitige Vorbestellung in den Zahlstellen ist zu empfehlen. BecesdonH-Kurten a 25 Pfennig vom 20. Juni ab in den Zahlstellen von G. Schulz, Admiral- strasse 40 a(SO.); Beyer, Veteranens tr. 13(N.); P. Lorsch, Gewerkschaftshans(SO.); Vogel, Koppenstr. 83(0.) und Kumke, Bülowstr. 59(\V.). Die Mitglieds- Karten müssen in den Zahlstellen abgegeben werden mit der Erklärung bezüglich der weiteren Mitgliedschaft. (JniMchrolbungen aus der bisherigen Zahlstelle in eine andre können nur im Juli und August nach Begleichung von etwaigen Beitragsresten vorgenommen werden, jedoch muss die neue Karte für 1904/5 aus der alten Zahlstelle abgeholt werden. 229/5 Der Voratand. I. A., G, Winhler. " Max Kliem's Sommer-Theater � HaKcnhetde 13-15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitaten-Vorstellung. Jeden Montag: Somincrfest.— Jeden Mittwoch: tdie beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elife-Tag. IMT Die Kasteekilche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-Mg 2 hechelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Bluinenstand:c. In den Siilcii: GTrosser Bali. Hasenheide I0S NEKIE WELT Arnold Scholz Donnerstag, 23. Juni 1904 Elite- Tag! | Gala-Monstre-Feuerwerk| Grosses Doppel«Konzert Speeialifäten• Vorstethmg Anf. 6 Uhr. Ncnwationcllen Programm! Entree SO Pf. BillelS im Vorverkauf 40 Pf. Paffe partout gegen Nachzahlung. Nonnabend, den L. Jnli 1994: Konzert des Berliner Lehrer-Gesangvereins. Landes-Ausstellungs- Park. Täglich: Doppel- Konzert. Dcjenner» von S,59 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diner, und Nonper. von 4 Mark an. Neu erbaut; Festsale, gedeckte Gartenhallen, Fontaine lumineuse. 3/9* Deutscher Arbeiter-Dbstinenten-Sund. ---------- Ort.grnppe Berlin.--------- Sonnabend, den LS. Jnni 1904, im Lokale„Zum Kurfürsten« in Panfotv, Berlinerftr. 102: Großes alkoholfreies Sommerfest bestehend in Konzert, feuerwerh, lebenden Bildern etc. Festrede, gehalten vorn Bundes-Redafteur Genossen G. Davld.ohn, BALL. � � � � gy Die Kasfeeknche ist den geehrten Damen von 3 Uhr ab geöffnet. Entree 3V Pf. BilletS sind zu haben: für Pankow bei Struelewle., Florastrahe 51 I, . X.„ F. Otto, Swinemunderstrage 49 IL, . MW.. W. MIcthke, Rostocker strabe 38, , W.„ W. Böhm, Hohenftaufenftrage 51, , SO.„ P. Senzner, tralauer Allee 38. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Da» Komitee. Fortuna lächelt«och!!! Msiiemtorler Hochbauterraio! 200 Baustesten von M. 3000.— an, prachtvoll geschnitten M. 3.— u. 4.— pro Quadratmeter netto Bauland, zur Straße nichts mehr abzutreten. Kannltfafton, Gas. Wasserleitung, elektrisches Sicht, 3 Minuten vom Endpunkt der eleltrischen Bahn Behrenstrage— Mariendorf. Verkäuser, auch Sonntags, von 3—8 Uhr aus dein Terrain. Eigentümer A. Eowrek, Berlin, 347b Gneiseuaustr. 52. Der Kumps« Dlhknjciwtic! Folgende Bäckermeister haben deivilligl resp. den Tarif unterschrieben und sind deshalb in der Liste des letzten Sonntag nachzutragen: Herden. Buttmannstr. 20, Hirsch. Kastanien-Allee 103, Zldamitz. 13/14, Pape. Koloniestr. 34, Muche. „ 28, A. Schneider. Köslinerstr. 3. E. Schmidt. WIesenstr. 28, I. Seger. Ravensstr. 1, Ernst(hat schon am Sonnabend bewilligt). Rckerstr. 153, Müller. Brunnenstr. 27, O. Hanke. . 95, O. Hanke. Ruppinerstr. 12, O. Hanke. Anklamerstr. 36, K. Graul. Ackerstr. 153, O. Schumann. Pappel-Zlllee 104, Rich. Müller. Ramlerstr. 31, Dahlenburg. Oranienburgerstr. 80/63, Simons Brotfabrik. Wiesenstr. 19a, Schardin. Rykestr. 7, Vieweger. Strasjburgerstr. 28, Libuhki. Südost. Admlralstr. 22, E. SBIümcI. Lübbenerstr. 29, Glerz. ?!aunyilstr. 7, Fielitz. Waldemarstr. 66, P. Hornel. Süden. Bergmannstr. 10, O. KnosiuS. Osten. Memelerstr. 47, Nickisch. SchUneberg. Barbarossas�. 78, Wetzet. Xen-Welsscnsee. König-Chaussee 10, Herrn. Schüler. Rfxdorf. Folgende Rixdorser Bäckermeister haben den vor dem Elnigungsamt festgelegten Tarif unterschrieben und bitten wir die Rixdorser Bevölkerung, nur diese Bäckereien zu unterstützen, alle übrigen Bäckereien in Rixdors sind gesperrt. Bergstr. 73, M. Kupsernagel. „ 122, Conrad Penk«. Delbrückstr. 35. F. Ecke. Berlinerstr. 20, A. Votglländer. „ 85, R. Leinau. Emferftr. 44, M. Jeschal. Falkstr. 3, Rabatt-Sparvereln Südost. „ 21, M. Lehmann. Falkstr. 25/26, G. Perstcke. pobrechistr. 1, P. Neubauer. Hohenzollernplatz 13, Dornbusch. Hermannftr. 42, M. Firnstein. Jansenstr. 2, O. Hacker. Iuliusstr. 65, I. Scholz. 31, Otto Ecke. Kaiser Friedrichstr. 12, A. Braun. Knesebeckstr. 38, C. Gruhlke. 68, R. Richter. Kirchhosstr. 32, Carl Hoffmann. „ 2, Rabatt-Sparv. Südost. Prinz Handjerystr. 24, Brix. . 38, Leuchte. Richardstr. 104, Handtke. Ringbahnstr. 25, P. Scholz. Thomasstr. 7, R. Lobbes. 37. Arndt. Walterstr. 18, C. Pritschkow. Steinmetzstr. 39, R. Senstleben. „ 129, Rab.-Svarv. Südost. Berlinerstr. 80/81, Spandel. Herthastr. 3, Hilmer. Knesebeckstr. 33, Rob. Gallert. 41, M. Belzig. Richardstr. 63, Lüdicke. Prinz Handjerystr. 22, W. Bennewitz. Puttbuserstr. 37, Joh. Bauer. Münchebergerstr. 17/18, Friedrich. 31, Alb. Voigt. Steinmetzstr. 23, Kummer. 121, Löwlgt. 131, I. Runge. Wanzltckstr., Kassube. Warthestr. 9, Cicior. „ 68, H. Vallinger. Ziethenstr. 57, Carl Jeltrust. , 75, Klein. 19. W. Esser. Jägcrstr. 70, Paul Hahn. 77, E. Haase. Schöneweidersir. 9, Fr, Lelnau. Folgende Bäckermeister, welche die Bewilligung zurückgezogen oder durchbrochen haben, sind von der letzten Sonntagsliste?u streioksn: Manie. Noi-den. Chrlftlnenflr. 27, Schaas. Kastanien-Allee 29, 81. Fenerherm. Gandystr. 9, I. Bauer. Gleimstr. 11, Gicsjlcr. Gartenstr. 41, H. Schmidt. Gerichtstr. 61, de la Motte. Mctzcrslr. 13, A. Heniiig. Wichcrtstr. 153, H. Krause. Schonh. Allee 70c. Pudritzkl. „ 81, Schmidt. „ 126a, W. Schwienhagen. Treskowstr. 26, A. Schulz, vormals Deubach(dieser Herr macht mit Vorliebe die Polizei aus unsre Kollegen, welche Kontrolle stehen, aufmerksam). Relnlckendorserstr. 57, Zicgler(dieser Herr hat die Forderungen da- durch durchbrochen, daff er bei Entlassung von Verbands- Mit- gliedern Arbeitskräste von der Innung bezog und sogar noch andre Bäckermeister zur gleichen Handlungsweise aufforderte). Wörth erstr. 34, Bühring. Strelitzerstr. 21, Schöppau. Gricbenowstr. 8/9, G riebst. Swinemündcrslr. 2, Hesc. Osten. Barnlmstr. 17, Dorndorf. Langestr. 78, Wanjcck. Eberlystr. 59, Slug Proskauerstr. 8, Gusta. „ 38, Gabclmann. Südost. Sldalbertstr. 85, Schulz. Lausitzerslr. 34, Schütze. Assovdost. Marienburgerstr. 48, Müller. Südwest. Schönebergerstr. 16a, Hertloff. Ctaarlottenbnrg. Uhlandstr. 46, G. Förstermann. Gin neuer Trick der Käckertnnungen. An unser Bureau ging folgendes Schreiben ein: Herrn Redakteur Karl H e tz s ch o l d, Berlin. Namens der Bäckermeister: ZToeden. Otto Radack, Lynarstr. 4. I. Scger, Wiesenstr. 28. Gustav Schröder, Elfasserstr. 36. O. Brandt, Borsigstr. 2. R. Richter, Antonstr. 3. H. Paulisa, Prinzen-Allee 13. Otto Müller, Liescnstr. 17. Th. Onasnico, Licbemvalderstr. 60. O. Stuckly, Voltastr. 49. H. Zahl, HciintgSdorserstr. 1. Friedrich Beyer, Müllerstr. 37. B. Gonsior, Wöhlertstr. 21. K. Sttatmeher, Neue Hochstr. 35. 89. Koschel, Exerzierstr. 19 a. 89. Rauch, Elchendorffftr. 10. L. Kagelmann, Bergstr. 75. O. Dalcke, 8lckerstr. 5. Fritz Müller, Ackerstr. 102. O. Lehmann, Neue Hochstr. 51. S. Kagelmann, Reinickcndorserstr. 3. dwin Unkrodt, Ackerstr. 70. Fritz Spindler, Fennstr. 32. L. Hinzpeter, Gartenstr. 100. LoutS?teumann, Ackerstr. 133. Willy Henning, Gartenstr. 115. Josef Praschma, Schulftr. 16. Heinrich Stähr, Triststr. 43. A. Zimpcl, SIckerstr. 149. A. Sommerfeldt, Usedomstr. 20. R. Sommerfeld, Hussitenstr. 28. Carl Loth, Gartenstr. 104. August Weih, Bergstr. 2. H. Bloch, Rcinickendorscrstr. 47. Paul Rieck, Borsigstr. 12. Schimank, Tteckstr. 12/13. Chr. Haack, Fnvalidenstr. 99. >A. Stammer, Jnvalidenstr. 109. G. NIelson, Lwdowerstr. 14. I. Ernst, Ravenestr. 1. I. Jung, BurgSdorsstr. 1. F. Harvord,«tettincrstr. 56. A. Wackershagcn, JaSmunderftr. 15. R. Dolli, Ackerstr. 114. g, Scheppau, Strelitzerstr. 21. tto Senfs, Prinz Eugenstr. 10. Hugo de la Motte, Gerichtstr. 63. H. Schmidt, Gartenstr. 41. I. Ziegler, Reinickcndorserstr. 57a. Marx, Schlcgclstr. 23. G. Ricchert, Chausseestr. 4. Otto Rietz, Badstr. 26. Otto Fenske, Hochstr. 31. F. Klang, Pankstr. 51a. W. Rüdiger, Pankstr. 53a. H. Tschöle, Köslinerstr. 1. H. Oswald, Prinz Eugenstr. 16. I. Reuter, Schulftr. 20. Bernauerstr. 20. ngclhardt, Ruppinerstr. 16. Süden. Otto Konradt, Gitschwerstr. 84. I. Wendickc, Brandenburgstr. 6. H. Stargardt, Brandenburgstr. 67. Sl. Weiner, Wasscrthorslr. 49. 89. Struck, Wasserthorstr. 38. B. Kämmer, Simeonstr. 29. R. Volkmann, Sllcxandrinenstr. 4. F. Gronemann, Alte Jakobstr. 120a. y. Geier, Hollmannftr. 7. Gustav Henning, Kronenstr. 12/13. §orry Mosch, Lindcnslr. 58. reudenberg, Gitschwerstr. 64. Oentenrn. t Küffner, Amalienstr. 7. . Jcndroyto, Llnicnstr. 72. L. Listen, Gipssir. 4. C. Nelle, Kl. Hamburgerstr. 9. H. Kemnitz, Linienstr. 156. Rlxdorf. Otto Eck«. JuliuSstr. 31. I. Hornig, Kopfstr. 45. M. Firnstein, Hcrmannstr. 42. L. Kupsernagel, Bergstr. 73. M. Kasten, Fuldastr. 60. teile ich Ihnen mit: Im„Vorwärts" werden fortgesetzt die Namen«einer Mandanten veröffentlicht und zwar unter der Behauptung, sie hätten die Forderungen der Streikleitung böUÜÜtt�, während dies llidjt ist. Namens der Herren ersuche Ich Sie, die Writervrröffent- lichung zn unterlassen, andernfalls werden meine Mandanteu den ihnen entstandenen Schaden von Ihnen beanspruchen. Hochachtungsvoll voewe, Rechtsanwalt. Nach der Angabe des Herrn L o e w e ist es also Ittck� ttlrthtt?, dast obige Herren die en der Bäckergesellen bewilligten. Die ehrenwörtlichc Verpflichtung, unsre Forderungen zu bewillige», haben sämtliche obengenannten Välkermeister unterschrieben, ein Teil davon auch chon den Tarif des Eini�ungSamtes. Es kann sich also nur darum handeln, datz die Herren die Forderungen jetzt nutzt mehr einhalten wollen. Das Publikum mag fich danach richten! Bäckermeister, die die obige Behauptung des Herrn L o e w e als unzutreffend oder nicht wahrheitsgemäß ansehen, mögen diesbezügliche Erklärungen an unser Bureau einsenden. Die Streikleitung. IM- Am Künigsthor. Am Friedrichthain. TügUch: ialiien- Bolksboluftignnge» und Ball. Ikden Mittwods Kinderfest und Kindcr-Fackelpolonaise. Zum Schlutz: Miete's MMintstalt. Volksstück mit Gesang. Entree 30 Gewinn- Zlelinne 7. Jnli zu Brienen. Westpreussische,„ Pferde-Lose ä— 11 Lose UA, Porto a. Liste 10 d Bei nur 100 000 Losen Ä 42-OOII S 3 47 wm» Pferde Fahrräder, Tascüenohren, silberne Ess-«.Kaffeelöffel. Alles brauchbare, leicht verwertbare Sachen. Die pfsrde können auf der nach Zlehun« HT Stsev_ UJfld umgeeetzr »t&ttflndenden Auktion in f0f tl werden. VdOne überall zu haben, auch bei dem Genend-Debit: Bmkgoschift I.nil MTiillo«« J?« Pa ck Berlin Breltostraue 6. Reinickendorf, dm 20. Juni 1964. Heute abend 10'/, Uhr verschied sanft nach kürzerem Leiden mein innigst geliebter Mann, unser herzensguter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Nestau- rateur im nahezu vollendeten 46. Lebens- jähre. DicS zeigen statt jeder be- sonderen Meldung an Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. d. M.. nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- balle Reinickendorf, Humboldt- stratze auS statt. �clällietiiliki'aiizeiierVllhivereiii üir Reinickendori 11. ilmgegend. Am Montag starb unser Partei- genösse Heinriefi Putzirer Rcstaurateur, Reinickendorf(Ost), Provinzftr. 49 im 46. Lebensjahre. 222/13 Der Verstorbene war ein sehr eifriger Parteigenosse. Die Ge- nossen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Freitag, den 24., nachm. 6 Uhr von der Leichenhalle Humboldtstratze aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Genossen bitter 0er Vorslaml. Verband der Möbelpolierer. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege etaHus Weber (Brite) am 20. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. d. M.. nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- halle des Britzer Kirchhofes aus statt. 146/17 Der Verstand. !W.!jdLR-Riilöi'M'l?WkSM ij.ZteiRliMei'g.LilliggiHheii. Die Beerdigung des am 20. Juni verstorbenen Steindruckers Wilbeim Sandov findet statt am Freitag, den 24. Juni, nachmittags 41/, Uhr, vom Thomas-Kirchhos, Hermann- stratze. Das Komitee. Danksagnng. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsres guten Vaters, sowie für die zahlreichen Kranzspenden sage ich allen Freunden und Be« kannten, den Mitgliedern des Lotterie. Vereins„Glückaus-, seinem Werk- sührcr, den Kollegen und Kolleginnen von A. Werkmeister und dem 4. Wahl- kreis meinen herzlichsten Dank. Pran Hiltinann 56012 ncbst Kindern. Wer-Stof f- hat, fertige Herrenanzug, 20 M.. feinste Zu- thaten, 2 Anproben. Für tadellosen Sitz bekam goldene Medaille. Ludwig Engel, Prenzlauerstrasse 23, 2 Tr. (Aleranderplatz). Gegr. 1892. 2172b Lille Hark wöchentliche Dcilzahlnng liefere äJÄHöTrtltl Bestellungen n. Matz, tadell. Auss.i Werkstatt Im Hause. Hrtrg. Neiie Kiölgstr. 47.| Direkt am Alexanderplatz. I Flundern, fJÄ dem Rauch nur 1,90 M. Postd. seit» Incsendc Matjes. H. 3'/, M. llrnst Napp Nacht., Swinemünde Nr. 56. Reichs hallen �aussonci. Kottbuscr Thor— Etat, der Hochbahn, Tügllch im Garten: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Soimlag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tauz. Wochentags haben Bor- zugskarlen, auch die zu de» Theater- abendcn ausgegebenen, Gültigleil. Keranstv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Nr. 145. 21. Jahrgang. 2. KnlM te Jotmirts" Wim llolblilolt. Donnerstag, 28. Juni 1904. iterle standen, im Appell- beirn Mustern derselben so recht verächtlich ge- bekommt man hier zu 1870-71. Das„Kriegs-Tagebuch des Füsiliers Fischer" beschäftigte heute die 1. Strafkammer des Landgerichts I. In diesem„Kriegs- Tagebuch", welches als stattlicher, mir schönem Titelbild ausgestatteter Band bei Hermann Walther in Berlin erschienen ist. schildert Friedrich Fischer, früher Eisenbahnschlosser in Halberstadt, jetzt Hausverwalter in Berlin, der in den Jahren 1866—1869 in der 6. Compagnie des Magdeburgischen Füsilier-Regimcnts Nr. 36 ge- dient hat. seine Kriegserlebnisse während des Feldzuges 1376/71. In dem Kapitel, welches von der Belagerung von Metz handelt, finden sich nicht sehr freundliche Schilderungen über einen neu ein- getretenen Hauptmann und Compagniechef N.. der bis dahin Lehrer an der Haupt-Kadettenanstalt gewesen sei und mancherlei unschöne Charaktereigenschaften gehabt habe. So wird erzählt, daß der neue Hauptmann eines Tages sich die Compagnie, in deren erstem Gliede fast ausnahmslos hübsche, schlanke j anzuge habe vorführen lassen und zu den ihn begleitenden Offizieren lagt habe:„Merkwürdige Figuren sehen." Und dabei, so erzählt Fischer in dem Buche,' hatten die Leute jedenfalls andre Figuren, als der Herr Hauptmann selbst, den der Verfasser wie folgt schildert:„Der Hauptmann hatte einen unverhältnismäßig breiten, aber unförmlich langen Oberkörper, den er fortwährend ans den Hüsten wiegte und der auf zwei kurzen Säbelbeinen ruhte, gekrönt von einem merkwürdig klemen Kopfe. Er war absolut bartlos und hatte ein sehr wenig angenehmes Ge- ficht, zu dessen Verschönerung der die Nasenhaut hochquetschende Kneifer keineswegs beitrug." Es wird dann weiter gesagt, daß der „liebe Herr" sich nicht hineinfinden konnte, daß er nicht vor einer Klasse geschniegelter Parfümierter Kadetten, sondern vor einer zu- sammengewürfelten Feldcompagnie stand, die trotz ihres etwas der- wilderten Aussehens doch überall, wo es nötig war, am Platze gewesen sei. Trotz seines jugendlichen Aussehens habe der Herr wie ein Schifferknecht schimpfe» können, er habe die Leute nicht geliebt und diese ihn auch nicht. Der Hauptmann, so heißt es an einer andern Stelle des Buches, habe den Leuten immerfort zugesetzt. Als er. der Verfasser, eines Tages mit fünf Zimmerleuten seiner Korporalschast sich eine sehr praktische Köhlerhütte gebaut habe und eben dabei gewesen sei, die letzten Rasenstücke aufzulegen, habe der Hauptmann das Bauwerk zu Gesicht bekommen. Er habe über die Albernheiten furchtbar„geschnauzt" und die Hütte habe wieder abgerissen werden müssen. Der Ver- fasser fügt hinzu:„Ja, wenn wir ihm erst ein solches Ding hin- gebaut hätten, dann wäre die Sache vielleicht gut gewesen." An einer andern Stelle wird erzählt, daß ein Soldat gestohlen und der Hauptmann diesen dafür aus Leibeskräften mit der Faust ins Gesicht gestoßen habe. Hier fügt der Verfasser bei:„Leider die einzige That des Hauptmanns, für die ich ihm vollen Beifall zolle."— Nach dem Einzüge in Orleans, der dem 36. Regiment zahlreiche Kundgebungen eingetragen, habe sich der Hauptmann, der für die gute Haltung der Compagnie das Eiserne Kreuz erhalten, zu der Redensart verstiegen:„Ihr bildet Euch wohl was ein auf die beiden Tage' vor Orleans? Das waren gewöhnliche Marschtage, denn die Compagnie hat ja nicht mal einen Toten oder Verwundeten." Weiter erzählt Fischer. daß er einmal bei einer Requirierung fiinf Flaschen Veuve Cliquot„rabuschert" habe. Als der Hauptmann gestagt, was er denn da habe, habe er geantwortet:„Fünf Flaschen Chantpagner, Herr Hauptmaim, beliebt Herrn Hauptmann vielleicht auch eine?" „Natürlich", habe jener gesagt und habe ihm richtig alle fünf Flaschen abgenommen. Gut sei es gewesen, daß er wenigstens Schnaps vor den Annexionsgelüsten des Hauptmanns habe retten können. Weiter be- klagte sich der Verfasier darüber, daß, als er einmal krank gewesen, statt geschont zu werden, von dem Hauptmann N. zur Begleitung für die Bagage kommandiert worden sei. Niemand habe sich darum gekümmert, wie die Leute verpflegt würden. Ferner behauptet Fischer, daß der Hauptmann eines schönen Tages so angeheitert gewesen sei, daß er dreimal vom Pferde gefallen sei und sich den Fuß verstaucht abe. Auch ein Vorfall wird erwähnt, daß, als die Mannschaft jen- seits der Manie ins Quartier gekommen sei, der Hauptmann das Rauchen verboten und hinzugesetzt habe:„Wenn ich einen Lümmel rauchen sehe, so schlage ich ihm die Pfeife in den Rachen I"— Auf Grund dieser Schilderungen hat der jetzige Generalmajor z. D. Nicolai in Erfurt, der damals Haichtmann des An- geklagten gewesen, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Dem Angeklagten stand Justizrat W r e s ch n e r als Verteidiger zur Seite. Vor Eintritt in die Verhandlung legte der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Oppermann, dem erschienenen Generalmajor Nicolai die Frage vor, ob er bereit sei, den Strafantrag zurückzunehmen, wenn der AngeNagte ihm serkläre, daß er keinerlei Absicht der Be- leidigung gehabt habe. Der Angeklagte erklärte sich dazu bereit und der Vorsitzende unterbreitete dem Zeugen, ob er denn ein Jnter- esse daran habe, Thatsachen, die nun schon 31 Jahre zurückliegen, durch eine große Beweisaufnahme erörtert zu sehen. Generalmajor Nicolai verweigerte aber die Rücknahme des Strafantrages.— Der Angeklagte, der wegen Beleidigung und Körperverletzung vorbestraft ist, bestreitet wiederholt die Absicht der Beleidigung. Er hat den Feldzug als Reservist mitgemacht, ist Unteroffizier geworden. In- Haber der allgemeinen Militär-Dienstauszcichnungs-Mcdaille und der Eentennar-Anszcichnnngs-Medaille, ist spater Lokomotivführer gewesen und bezieht eine kleine Pension. Wie er angiebt, hat er während des Krieges ein Kriegs-Tagebuch geführt, später hat er zur Erinnerung für seine vier Söhne im Jahre 1895 seine Kriegserlebnisse auf- gezeichnet und da ihm viel zugeredet worden, habe er diese Er- innerungen drucken lassen. Er gebe zu, gegen den Hauptmann„geladen" gewesen zu sein, wie die ganze Compagnie„geladen" war. Beleidigungen enthalte das Buch nicht, er habe namentlich gar keine Ahnung gehabt, daß der ehemalige Hauptmann noch lebe, und er behaupte, daß die angeführten Thatsachen richtig seien und zahlreiche Zeugen sie bezeugen können. Zeuge Generalmajor z. D. Theodor Nicolai bekundete, daß ihm ein Exemplar des Buches durch einen ehemaligen Unteroffizier seiner Compagnie zugestellt und er darauf aufmerksam gemacht worden sei, daß starke Angriffe auf seine Person darin enthalten seien. Der Inhalt des Buches habe ihn denn auch mit tiefster Ent- rüstung erfüllt. Er beabsichtige gar nicht alle angeführten Thatsachen abzustreiten, teilweise seien sie wohl wahr, sie seien aber in ge- häsfiger und beleidigender Weise dargestellt. Dies habe ihn nament- lich von Fischer sehr gewundert, den er als intellektuellen Soldaten sehr schätzte und den er auch sehr gern hatte und auf Vertrauens- Posten stellte. Ganz harmlose Dinge seien in gehässiger und per- sönlich beleidigender Weise aufgebauscht worden. Ganz besonders empörend sei für ihn die Behauptung, daß er an dem erwähnten Tage des Appells in„verächtlichem Tone" von dem Aussehen der Leute gesprochen habe. Solche Behauptung, daß er„verächtlich" ge- sprochen, sei angesichts der Thatsache, daß der Compagniechef gefallen, daß der Regimentskommandeur und sein eigner Schwager gefallen war, für ihn besonders empörend. Einzelne Behauptungen müsse er entschieden bestteiten, so namentlich die. daß er unbändig geschimpft habe, daß er sich nicht um die Verpflegung der Leute bekümmert habe, den behaupteten Vorfall mit dem Bau der Hütte, die ihm untergeschobene Redensart, daß er dem„Lümmel die Pfeife ans dem Munde schlagen würde" und vieles andre. Einzelner Thatsachen erinnere er sich überhaupt nicht mehr, andrer erinnere er sich und behaupte, daß einzelne ihm vorgeworfene Bemerkungen in ganz andrem Sinne gefallen seien beziehungsweise unter den gerade obwaltenden Umständen berechtigt waren. Die Be- hauptung bezüglich der fiinf Flaschen Champagner und seiner an- geblichen Annexionsgelüste sei durchaus unwahr und empörend. Wenn er, nach der Behauptung des Buches, in einem gegebenen Falle großes Interesse für das Offiziersgepäck bekundet habe, so könnte dies vielleicht darauf zurückzuführen sein, daß ihm an seinem Gepäck damals allerdings sehr viel lag, da er in seinem Tornister die Löhnung für zwei Tage für die Compagnie hatte. Auch die Be- hauptung. daß er Iviederholt betrunken gelvesen sei, müsse er mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Thatsache sei, daß er nachts ein- mal, von einer Festlichkeit kommend, auf einem heftigen Pferde sitzend, vom Pferde gefallen sei und sich einen Fuß verstaucht habe, unwahr aber sei, daß er wiederholt bei Tage betrunken gelvesen sei.— Justizrat W r e s ch n e r beruft sich auf eine große Zahl ehe- maligcr Kameraden des Angeklagten, die viele im Buche an- geführten Thatsachen bestätigen und insbesondere auch bezeugen sollen, daß der Hauptmann Nicolai bei seinen Leuten sehr unbeliebt lvar und mit diesen nur in sehr förinlicher, oft schroffer Weise ver- kehrt habe, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Premierlieutenant Braun. Der Zeuge gab ohne weiteres zu, daß seine Persönlichkeil von der seines gesallenen Vorgängers abgewichen haben möge z der damalige Premierlieutenant Braun habe zweifellos viel mehr, wie er selbst, die Gabe gehabt, sich bei den Leuten populär zu machen.— Justizrat Wreschner beantragte ferner Beweis- aufnähme darüber, daß der Angeklagte durch Zureden des Polizeilieutenants Saffran erst sich dazu verstanden habe, seine Erinnerungen drucken zu lassen. Der Angeklagte habe, in seinem Buche alle Personen mit Namen genannt: wenn hier der Hauptmann nur mit dem Buchstaben N. bezeichnet worden sei, so beweise dies nicht, daß der Angeklagte das Bewußtsein der Beleidi- gung gehabt habe, denn diese Einsetzung des Buchstabens sei ohne sein Wissen durch den Verleger erfolgt.— Der Zeuge berief sich gegenüber einzelnen der vorgeschlagenen Zeugen seinerseits auf andere Zeugen, die die Unwahrheit bekunden sollen. Der Gerichtshof beschloß die Sache zu vertagen und eine Anzahl von Zeugen vorzu- laden._ ßriefharten der Redahtion. tJunftifcher Ceti. Di« juristische Sprcchstuiidc findet tätlich mit Ausnahm« dcS TonnabendS von?-/, bis a?, Mir abends statt. Geöffnet: 7»br. F. 9. 1. Ein Paß wird in den meisten Ländern nicht gefordert, ist aber oft zweckmäßig. 2. Nein. 3. Ja: Sie müsse» unter Darlegung, daß Sie den Eid geleistet haben, Aufhebung des Haftbefehls beim Gericht be- antragen. 4. So lange der Beschluß nicht ausgehoben ist.— Mierunskeu. t. Ja. 2. Der Knabe würde gewerblicher Arbeiter des Wirtes bleiben: das ist aber unzulässig. 3. lichcn Betrieb. 4. So Gestatten ihrer Benutzung zum qewcrvu schweren gesundheitlichen und sittlichen Schädigungen der Kinderarbeit bestehen auch sür Kegelaussctzer. Wenn Sic ohne ErwcrbSabsicht in Ihren Privaträumen kegeln, so liegt kein gewerblicher Betrieb vor.— N« Nein. — H. H. Nein. Wettschulden sind nicht klagbar.— Friedrichsbcrg 10» Verjährung der Swafoersolgung liegt nicht vor. solche träte in Ihrem Falle erst in süns Jahren ein.— Pfandleihe. Der Berechtigungsschein aus Unsallrcntcn ist keineswegs pfändbar oder versteigerungssähig. Ebenso ivenig sind Sie verpflichtet, dem Mann Ihren neuen Schein zu geben. Verlangen Sie sofortige Rückgabe deS Scheines und beantragen sie, falls Sie die Aussprache des Beamten beweisen können, dessen Bestrafung bei der Staats- anwaitschast.— G. B. 1. Etwa 166 M. 2. S— 10 M. 3. und 4. Wird das Armenrecht bewilligt, so werden Gebühren nicht verlangt.— O. Ja. — Wendt. Die Zlntivorten sind zutreffend. Nicht aus die Auslegung der Gesetze, wie sie erwünscht tväre, sondern aus die Praxis ist dabei Bezug ge- nommen und der Kosten ersparende Weg vorgezeichnet. Die Materie selbst wird an einer andren Stelle des Blattes behandelt. Sind Ihnen oberst- gerichtliche Erkennwissc bekannt, die einen entgegengesetzten Standpunkt einnehnicn, so wäre die Ucbermittclung derselben erwünscht.— L. n. R. 009. 1. Seit sehr langer Zeit. Das Datum des österreichischen Münzgesetzcs ist uns nicht gegenwärtig. 2. Wenn«ie sich das Buch über Magnetismus u. dergl. taufen, so haben Sie nutzlos 25 M. sortgeworsen. 3. Nein. Ihren Zweck dürsten die Hacckclschcn Schriften(z. B. Die Welträtsel, populäre Aus- gäbe) und die Schriften von Bölschc am besten entsprechen.— O. R. Nein. — M. K. 41. Sind Sie zu einer Steuer, z. B. von 6 M. jährlich, ver- anlagt, jo bewisst dieser Steuersatz lediglich die Staatsstcuer. Außer der Staatssteuer wird eine Gemeindesteuer erhoben. Diese Gememdesteuer be- steht in prozentualen Zuschlägen zur Staatssteuer. Die Prozenthöhe be- trägt sür Berlin 166 Proz.: man hat also ebensoviel Staats» wie Gemeinde- steuern zu zahlen. Demnach ist die Steuereinziehung eine dem Gesetz ent- sprechende. Sind Sie zu hoch veranlagt, so müssen Sie innerhalb der vicrwöchcnllichcn ReklamationSftist rcklanneren. Der Sechsmark-Stcuersatz entspricht einem Einkommen von 900 bis 1050 M. Haben Sie thaffächlich ein Einkommen von 1050 bis 1260 M. oder ein noch höheres, so wäre eine Reklamation nutzlos, da dann die Herabsetzung wegen der Kindcrzahl erfolgt ist. Ebenso wäre eine Rcklamatton nutzlos, wenn die Ihnen gestellte ReklamattonSftist abgelaufen ist.— B. H. 40. Ehebruch ist nur strasbar, wenn wegen des Ehebruchs die Ehe ge« schieden ist. Der Strafantrag ist an die Staatsanwaltschaft zu richten. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Donnerstag, den 23. Juni. Ansang VI, Uhr: Neues Opern-Theater. Die Geisha. oder: Eine japanische Theehaus- geschichte. Deutsches. Die versunkene Glocke. Lessing. Zapfenstreich. Bellr-Zllliance. Dr. ZangelS Jagd- abentener. Anfang 8 Uhr. Sichillcr v.(Wallner- Theater.) Martha, oder: Der Markt zu Richmond. «chiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Morituri. sTcja. Fritzchen. Das Ewig-Männliche.) Berliner. Mamzelle Nitouche. Westen. Im bunten Nock. Neues. Einen Jux will er sich machen. Kleines. Nachtasyl. Residenz. Die 300 Tage. Central. Der Raub der Sabine- rinnen. Carl Weift. Der Weg zum Herzen. Metropol. Ein tolle« Jahr. Winter-Garten. Specialitäten. Slpollo. Liebesgötter. Specialitäten. Rcichshallen. Stetttner Sänger. Pasjage-Theater. Specialitäten. Urania. Tanbenstrafte 48/40. Die Insel Rügen. Jnvalidenstrafte S7/0!!. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 1 1 Uhr._ Central-Theaiev. 8 Uhr: Gastspiel Josesine D o r a und Emll Richard, lgl. Hosschauspieler. Der Raub der Sabinerinnen. Schwank in 4 Akten von Schönthan. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Onlisl BrSsstp_ Scltlller (Schiller-Theater O. (Wallner-Tbeater). (Horwltz-Oper.) Donnerstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Freitagabend 8 Uhr: Der FrelachtitK. Sonnabendabend 8 Uhr: Die Fledermana. Der Sommergarten ist eröffnet. Tlieatei*. Schiller-Theater IV. (Frledrich-Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: iHorltnrl (Teja, Fritzchen, Das Ewig-MSnnliohe). Freitagabend 8 Uhr: Morituri (Teja, Fritzehen, DasEwig-MIInnliche). Sonnabendabend 8 Uhr: Ein unbeschriebenes Blatt. Im Garten täglich gr. Militär-Konzert. Urania. Taubenstr. 48/4S. Um 8 Uhr im Theater: Die Insel Rügen. Sternwarte irÄ P) CASTAN S ANOPTICUM. Priedrichstr. 165, Die vielbewunderten zusamfflengewachsenen Schwestern Rosa und Josefa: !! elnzie dastehend In der Welt I! Fröbeis Alierlei-Tiiealer fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Heute: Gr. Garten- Konzert. Theater und Specialitäten. Vollständig neue Spiclfolge. The Duras, Schmidt Hawkins?c. Extra-Tanz. Tanzlcitung Paul Hoppe. Ansang 4'/. Uhr. (Eintritt 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. ZOOLOCISCHER CARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- -Konzert Eintritt I M.. ab 6 Uhr 50 Pf. 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Bortrag deS Genossen Bax Schutte:„Die Schule von heute." 2. Branchen-Nngelegeicheiten. 3. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen aller Kollegen erwartet 85/11 Die Kommission. Mlung! JKattfSr« �dtmz! f Drechsler. Ma! Sonntag, den 26. Juni, mittags 1 Uhr: Ktsichtignng drr Atl'kittr- Wohlfahrts- Anssttllltng in Charlottenbnrg. Treffpunkt: 12 Uhr im„BolkshauS", Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Kollegen andrer Branchen, welche sich daran beteiligen wollen, werden ersucht, dies dem Bureau mitzuteilen. Zahlreichen Besuch erwartet Ble Kommission. 9V* Die Bücher der Bibliothek sind spätestens bis zum 1. Juli abzuliefern. Mdttstrnmenten'Meiter. Im Bontac;, den 27. Jnnl, abends S'/i Uhr, Ben crkschaftshnnse, Enjjel- Ufer" 15. Saal DM" Verfatnmluiig"HW i. TageS-Ordnung: _ Vortrag über:„Die Geluerkschaften als Hebel der Kultur«. meserciit: Reichstags- Abgeordneter Genosse Ednard Bernstein. 2. Diskussion. 3. Branchen-Angelegenheiten und Verschiedenes. KL. Die Werkstatt- Delegierten erhalten am Donnerstag in der Kominissionssihung im Gewerkschastshause, Engel-Ufer 15, Saal 5, die Hand- zcttel zu dieser Versammlung. Wir bitten um fleihige Agitation sür diese Versammlung. Jeden Kollegen und jede Kollegin ladet sreundlichst ein __ Die Lohukommission. vnJIMicn in den Cofoniaiwa�en-.Orogen eic Handlunotn ölaawe'a« HO�•ndm Rrs'aurationrn. Adresse nur für Wiederverkäufer: Apotheker A. Warm, SO., Michaclkirchilr. 20. Telephon: Amt IV, No. 2745- 5581 L» Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn» und Mrancnleiden, Se>delstr.». Wochentags>,,l»-/, 8. Dr. SimmeU su""?; Specialarzt für[8/3* Hant- and Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12 2—4. Keine Konkurrenz Ist imstande, solch reelle Ware aus den Markt zu bringen, wie ich dieselbe in meinen bewährten Käfe-Poft-Colli Sortierungen I und IH biete. Für Haushaltungen M. 7,07, für Nestaura- teure M. 7,35 franko Nach». Exquisite Oualit., große Reichhaltigkeit, lt.«aisek Nachf., Memmingen, bayer. Allgäu. Freitag, den 3�. Hm. abends 8V2 Wr, in Kellers FeiWen. Koppenstr. 29: oettentliche Versammlung für alle im Vertragsgebiet beschäftigten Maurer. Tages-Ordnung: t. Die gegenwärtige Situation im Bangewerbe. 2. Diskussion. 144/7* Der Einbernfer: E. Thons. Bildhauer! Die heutige Vcreinsversammlnng fällt aus. Dafür findet am Sonntag, den 26. Jnni, mittags 1 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15,-m- Seffentliche Versammlung statt, die sich mit dem Resultat der Holzbildhaiier-Bewcgung bcschästigen wird. >ie sich 1.______ Bis spätestens Sonnabend, den 25. Juni,'hat"jede in Frage kommende Werkstatt einen Bericht as Erg>' über das Ergebnis der gestellten Forderungen im Burea», Eiigel-Üfer 15, einzusenden. Blirstulll-Arlieiier. Achtung! 21,8 Achtung! Sonntag, den Li». Juni, mittags I. Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 1: Oeffentliche Versammlung aller au Fahrstühle»«ud helievorrichtungen auf Kaute» beschästtgteu Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Situation im Baugewerbe und welche Stellung nehmen die Fahrstuhl- Arbeiter dazu? Rcserent: Kollege Karl Heidemau». 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Bis Dato habe», anher einigen Firmen, die Fahrstuhl-Unternehmer unsrer Forderung kühl gegenüber gestanden. Sie alle stehen ans dem Standpunkt, dah sie schon mehr wie zu viel zahlen und die Arbeiter mehr denn zufrieden sein können. Ihnen aber unsre Lebenslage der Wirklichkeit gemäß vor Augen zu führen, ist es Pflicht jedes Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Keiner darf fehlen! 33/13. Der Elnhern7er. Karl Heidemann. Orts- Krankenkasse der Maler. Am Montag, den 27. Juni 1304, abends 8'/, Uhr, in den Armin- Hallen, Kommandantenstr. 20: tersl- Versammlung der Delegierten. Tages-Ordnung: 1. Beschlußsassung über den Erlaß des Oberpräsidenten(Erhöhung der Beiträge). 2. Festsetzung eines Tage- lohns sür ungelernte Arbeiter über 16 Jahre. 2137b Der Vorstand. leppdeekew Gelegenheitskauf. bantfarbig, 2,85 4,85 alle Farben 136, Farben 6,0 Normal- 0 Q Schlafdecken moJ.öo Speeial- Haus Bcsr.Un Oranienstee 1S8. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt.— FI. 50 Ps. u. 1,00.— Ebenso Schwaben, Russen, Franzosen, Blattläuse-c. Schtl. 50 Pf., 00 Ps. u. 1,00. SlltiL* »»-» Zaklreictie Anerkennungen.— 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nicht- ersolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jetzt Brunnen- straße 14, früher Nr. 13. mm ii-nsrii Heute, Donnerstag, den 23. d. Bits., abends 8'/, Uhr: OeffentUche Versammlung in Dräsels Festsälen, Nene Friedrichstr. 35. Tages-Ordnung: 1. Der Nbwehrstreik der Arbeiter der Cigarettenfabrik Manoli. 2. Diskussion. 187/7 Die Vertrauensleute. I. A.: WIh. Börner. Grosse Jreihurger Domhan Lotterie. Kichnng«.-».Juli 1»«4. Haupttr: lOOOOO, 4« OOO, SO OOO. lO OOO usw. 53441-» Orig.-Lose 3.30 ÄTmvt J. Rachor, KouÄr. Mainz. r Weine Anzeigen. M W ali IS Buchstaben zählen doppelt.■* V Strasse 6 • Rinaschistchen, Bobbin, Schnell- Milchgeschäft. 15 Jahre bc. f—- I Rechtsbureau. Julius. El Anzeigen den Annahmestellen für Berlin bis/ Uhr, für die Vororte bis I2Vhr, der Hauptexpedition Linden- Strasse 69 bis 5 Uhr angenommen. \chstc werden 'erlin M Verkäufe. Jackettanzüge, Gchrockanzüge, Sommerpaletots, Herrenhosen, Riesenauswahl, spottbilligste Preisnotierung. Psandlcihhaus Weidenmeg 13.-j-37» Vorteilhafteste Einkaussauelle, Aussteuerwäsche, Betten, Gardinen, Stevpdecken, Regulateure, Frei- schwingcr, Herrenuhrcn, Damenuhren, Hcrrenkctten, Damcnketten. Trau- ringe, Spiegel, Nachlaßbetten. Psand- leihhaus Weidenweg 13.-s-37» Bettwäsche, Betten, Inletts, Hemden, Gardinen, Teppiche, Tisch- decken, Herrenuhren, Damenuhren, Ketten und sonstige verfallene Gegen- stände fabelhaft billig. 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