Nr. 146. Abonnements- Bedingungen: k Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 2B fg. frei ins Haus. Einzelne Nuramer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. Bojt Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland and Desterreich= Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Naum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Versammlungs- Anzeigen 25 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. wesen sei. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Gefehliche Achterklärung. Freitag, den 24. Juni 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. heit, die Kontrattbruch- Borlage als Harmlosigkeit auszugeben und läufig hier in Olahandja und würde nur bei Ansbruchsversuchen über ihren wahren Sinn zu täuschen. Diesen Versuch unternimmt oder energifcher Offensive der Hereros nach dem Operationsfeld zu neuerdings wieder die„ Kreuz- Zeitung", die heuchlerisch verlegt werden. die heuchlerisch verlegt werden. Die optischen Telegraphen, sowohl die durch SpiegelDer Wortlaut des preußischen Kontraktbruch- Gesezes war derart bemerkt, die Vorlage richte sich in erster Linie gegen diejenigen bliß wie durch Nachtsignallampen, funktionieren vorzüglich, des gehalten, daß jeder Arbeitgeber, auch der industrielle, der ländlichen Arbeitgeber, die in eigennütziger und gemeinfchädlicher Auge gefaßt ist. Ohne die weiterführung der Bahn gleichen die Eisenbahn, deren weiterer Ausbau nach Norden ins kontrattbrüchige" Landarbeiter beschäftigen würde, unter Strafe ge- Weise den Kontraktbruch der Arbeiter zu begünstigen suchen". von Karibib nach Outjo wäre es unmöglich, die stellt werden konnte. Sowohl der preußische Justizminister als auch Thatsächlich soll nach dem Gesez jeder ländliche Arbeitgeber Operationen ins Dwamboland auszudehnen, oder die etwa der Reichskanzler durch den Mund des Staatssekretärs des Reichs- bestraft werden, der einen kontraktbrüchigen Arbeiter in ins Raotofeld abgezogenen Hereros zu berfolgen. Justizamts haben erklärt, daß die Fassung des Gesezes unglücklich Lohn nimmt, man will also in erster Linie" die Arbeiter Alle diese Maßnahmen bedürfen vieler Zeit; mit Ueberstürzung und daß diese Ausdehnung des Gesetzes nicht die Absicht ge- aushungern, die unerträgliche Verhältnisse verlassen. Wenn würde weder jezt noch in der Zukunft der Kolonie gedient fein." die„ Kreuz- Zeitung" meint, gegen der diese Art Man hat aber fast den Eindruck, als ob diese stilistische Un- gelung" würden an fich" auch die Arbeiter keine Einwendungen in ihre Stellungen im Nordwesten dirigiert worden find, werden „ Re- Unser füdwestafrikanischer Feldzug wird sich danach noch sehr lange hinziehen. Denn bevor die erbetenen Truppen angekommen und Klarheit beabsichtigt gewesen ist und einen gesetzgeberischen erheben können, so denkt das ritterliche Organ offenbar nur an mindestens noch zwei Monate vergehen. Erst dann soll der große Att Podbielstischer Bauernschlauheit darstellt. Denn wenn auch diejenigen Arbeiter, die nach seinen Begriffen die besten sind, weil Schlag" gegen die Hereros fallen. Aber selbst wenn die Hereros, nicht anzunehmen ist, daß irgend ein Richter, auch ein preußischer fie die dümmsten sind. Die„ Kreuz- Beitung" führt dann noch zur die doch ein vortreffliches Spionagesystem unterhalten sollen, so unnicht, sich gefunden haben würde, der unter Bruch der Reichsgefeße weiteren Begründung des harmlosen Charakters der Vorlage aus: sich dazu verstanden hätte, auf Grund dieses preußischen Gesetzes vorsichtig sein sollten, diesen Angriff abzuwarten, so ist es noch „ Es wird behauptet, daß die Verträge der ländlichen Arbeiter feineswegs ausgemacht, daß es nicht trotzdem einem Teile von einen der industriellen Arbeitgeber zu berurteilen, so hätte man doch mit ihrem Dienstherrn zuweilen Bestimmungen enthielten, die ihnen gelingen jollte, nach Nordwesten zu entkommen. Dann aber die Landarbeiter durch die Unklarheit der Bestimmung verwirren und gegen Recht und Billigkeit verstoßen, und für solche Verträge müsse müßte nach der Auffassung der füdwestafrikanischen Heeresleitung, ihnen weiß machen können, daß sie in ganz Deutschland keine Arbeit die Möglichkeit einer alsbaldigen Lösung gegeben sein. der ja Dannhauer nur Ausdruck giebt mit der weiteren Fortfinden würden, wenn sie vor Ablauf ihres Vertrages ihren agrarischen Für die Allgemeinheit ist dieser von den Gegnern des fezung des Krieges gewartet werden, bis von Saribib aus die Herrn verließen. Gefeßentwurfs erhobene Vorwurf natürlich in keiner diese Bahnlinie die Unterwerfung der Dwambos nicht möglich! Die Bahn mindestens bis Outjo weiter gebaut ist. Auch sei ohne Weise begründet. Grundfäßlich muß daran festgehalten zu erbauende Bahnstrecke würde aber eine Länge von 200 Kilometer werden, daß derjenige, der sich durch einen Vertrag verpflichtet hat, haben! Derartige Maßnahmen bedürften in der That bieler nach Treu und Glauben auch an seine Verpflichtungen gebunden Beit", fo daß man die Dauer des Feldzuges, der jetzt schon bleibt. Er hätte ja sonst den Vertrag nicht abzu- fast ein halbes Jahr währt, getrost als weit mehr als ein schließen brauchen. Indessen wird sich, wie wir hoffen, in der Jahr anschlagen darf! Die Kosten für das Kolonialabenteuer, Kommission, an welche die Vorlage verwiesen worden ist, ein Weg das Generallieutenant v. Trotha jest in aller Muße und mit der Kommission, an welche die Vorlage verwiesen worden ist, ein Weg feinem Range entsprechenden Truppenzahl fortzufpinnen sich anschickt, finden lassen, um denjenigen eine schon vorzeitige Lösung ihres werden enorme sein. Und in diese enormen Kosten stürzt man fich Arbeitsvertrages zu ermöglichen, die ohne Verständnis und flares für eine Solonie", wo, wie heute wieder im" Tag" der KolonialBewußtsein etwa ungerechtfertigte Arbeitsbedingungen übernommen Schriftsteller Dr. Dtto Knört hervorhebt, fast nichts zu haben sollten." holen ist"! Nun aber begiebt es sich, daß die unglückliche Fassung", die buchstäblich genommen tollhäuslerisch anmutet, von dem Organ des Bundes der Landwirte feineswegs unglüdlich gefunden, sondern im Gegenteil durchaus als eigentliche Absicht der Vorlage verteidigt und gefordert wird. " Die Deutsche Tageszeitung", das Organ des Bundes der Landwirte, schreibt wörtlich: " fann. " " „ Der preußische Gesezentwurf zur Erschwerung des Kontraktbruchs ländlicher Arbeiter will nur landwirtschaftliche Arbeitgeber bestraft wissen, die kontraktbrüchige Leute wissentlich beschäftigen. Das ist, weil es wenigstens etwas ist, besser als nichts. Trotzdem Es ist nicht behauptet worden, daß die ländlichen Kontrakte ist es offenbar nicht eine Bestätigung des Sages:" Gleiches zuweilen" die nichtswürdigsten Halsabschneider- Verträge sind, Hunde gegen die Hereros? Mit dem Truppentransport, der am Recht für alle". Was hier dem Landwirt recht sein soll, wäre für sondern das dies fast die Regel ist. Wir haben im Vorwärts" 17. Juni nach Südwestafrika abgegangen ist, find nach einer Meldie industriellen Arbeitgeber doch sicher nur billig. Man sollte nicht neulich nach dem Katschen Buch den von der schlesischen Land- bung auch 50„ Kriegshunde, große und kleine und von den ververkennen, daß die erhoffte Wirkung des neuen Gesetzes ganz wirtschaftstammer, also einer amtlichen Körperschaft, auf Ein Teil diefer Hunde bestand, wie weiter mitgeteilt wird, nicht aus schiedensten Rassen", nach dem Striegsschauplatz abgegangen. wesentlich beschränkt bleiben muß, wenn die Industrie die kontrakt- gestellten Vertragsentwurf mitgeteilt. Nach diesem Vertrag fann fogenannten Kriegshunden brüchigen ländlichen Arbeiter ohne weiteres aufnehmen darf. Die allerdings ein Arbeitgeber niemals vertragbrüchig werden, Schäferhunden, die zum Zuführen von Munition und zum Aufsuchen also Airedales und schottischen bisherigen Parlamentsdebatten haben bereits außer Zweifel niemals gegen Treu und Glauben handeln, niemals seine Ver Verwundeter abgerichtet find sondern aus Wachhunden", die zum gestellt, daß, sobald Landes- Strafgesete ein andres bestimmen, in pflichtungen verlegen; denn in dem Vertrag selbst ist dem Schutz der Mannschaften" gegen das Anschleichen des Feindes" der Reichs- Gewerbe- Ordnung keineswegs ein Freibrief für die Arbeitgeber ausdrücklich zugestanden, daß er in jeder Hinsicht die dienen sollen. Da nun fleine Hunde bekanntlich bedeutend Uebertretung dieser Landesgesetze gegeben sein würde. Hoffentlich Arbeitszeit, die Arbeitsbedingungen( Lohn usw.), ja selbst wachsamer sind, als große Hunde, begreift man nicht recht, warum verbessert die Kommission den Regierungsentwurf in diesem wichtigen die Dauer des Stontraktes willkürlich und einseitig ändern man auch Exemplare großer Raffen nach dem Kriegsschauplat Buntte." Dieser Vertrag ist ein direkter Betrug der Arbeiter, unde zur Betämpfung der Hereros verwenden?! Man will doch nicht etwa diese transportiert hat. Diese naive Frechheit verdient als eine Probe agrarischer Rechts- die sich, indem sie ihn eingehen, selbst an Händen und auffassung und Gesezmacherei in bleibender Erinnerung bewahrt zu Füßen binden, während die Unternehmer gemäß dem Kontraft" werden. Sie zeigt zugleich, wie die Agrarier in den ostelbischen völlig frei schalten können und nach Willkür ihre Verpflichtungen Gutsbezirken, unbeobachtet, mit Recht und Gesetz umspringen müssen, außer Kurs segen dürfen. Ein Kontrakt, der von den Unternehmern wenn sogar eines ihrer führenden Organe, das unter der Kontrolle mur deshalb nicht gebrochen werden kann, weil er jede Verlegung von Rechts wegen" zuläßt, ist nichts andres als infamſter Betrug. Beit, in welcher der hohe Abel sich streng von andren Menschen Wir fordern die„ kreuz- Zeitung", die mit solcher Innigkeit und fonderte, vorurteilslos hat er die Standesgrenzen niedergeriffen und Gemütswärme von Treu und Glauben, von dem auf patriarcha eifrigen Verkehr mit den schlichten Männern des Bürgertums gesucht. lischen Beziehungen beruhenden gegenseitigen Vertrauen zwischen Nicht nur die Bekanntschaft und das Vertrauen der Sanden und Herrn und Knecht" spricht, einfach auf, sich zu äußern, was sie über den Schmidt, der Schulz und Romeid hat er gesucht und gefunden, feine vertrauensvollen Entwurf der Herren von der schlesischen Landwirt außerordentliche Vorurteilslosigkeit ließ ihn selbst die sonst übliche fchaftskammer denkt! Und was meint sie zu der vertrauensvollen Verachtung der Schmierfinten" befiegen und führte ihn zum Anregung der Deutschen Tageszeitung"? Kleinen Journal" des Herrn Leo Leipziger. Das „ Kleine Journal" war das Blatt der Rennplay- Hazardisten und der Dirnenlyrit, doch Frhrn. b. Mirbachs fittigende Berührung hob es zu den höchsten Höhen des Patriotismus und Monarchismus. der allgemeinen Deffentlichkeit steht, derartige Anschauungen und Forderungen geltend zu machen wagt! Die Deutsche Tageszeitung" verlangt, baß fünftig jeder Arbeitgeber bestraft werden soll, der einen kontraftbrüchigen Landarbeiter in Dienst nimmt. Ueber einen solchen Arbeiter wäre dem nach die mittelalterliche Acht verhängt. Niemand darf ihm Arbeit geben. Wenn er nicht verhungern will, bleibt ihm nur ein Mittol: Aus dem Deutschen Reich auszuwandern! Diese Forderung erhebt öffentlich das Hauptorgan des Bundes der Landwirte und es fügt gelassen hinzu, die bisherigen Parlaments debatten hätten ergeben, daß die Reichsgesetze auch gegen eine solche Bestimmung keinen Freibrief" gewähren würden. 1 2 Politische Ueberlicht. Berlin, den 23. Juni. Das Herrenhaus Am Freitag stehen kleinere Vorlagen und Petitionen auf der Tagesordnung. " Deutfches Reich. Die Beziehungen des Frhrn. v. Mirbach. Frhr. v. Mirbach ist nicht der Ariftotrat einer überwundenen " Allerdings die Intimität des Freiherrn zum Verfasser der Ballhaus Anna ist nicht ebenso dauerhaft geblieben wie die zu den Bantmännern und Finanzspekulanten, die erst durch das Gefängnis " " " erschüttert wurde. Leo Leipziger ist dem Bunde untreu geworden Deffentlichkeit. Im„ Roland von Berlin" plaubert er von seinen Beziehungen zum Freiherrn v. Mirbach". Mancher Bug, ber das wilde Sittenbild ergänzt, wird da gezeichnet. Seit dem Anfang der 90er Jahre wandte Freiherr v. Mirbach dem Kleinen Journal" seine Huld zu. Leo Leipziger fuhr stolz in Haltung meines Blattes diesen freundnachbarlichen Beziehungen" vede" belehren, die er berfolgte." Von nun an entsprach die und es fügte sich wundersam, daß Dr. Leo zu jener Zeit" erfaßt war von einer aufrichtigen und glühenden Begeisterung für die Worte und Thaten Kaiser Wilhelm II." Viel Geld hat er geopfert für seinen Patriotismus und er fordert, selbst der Vorwärts" damalige- Ueberzeugung hingegeben habe". Der Vorwärts" möge heute glauben, daß ich diese Summen lediglich für meine ist entfernt au zweifeln, daß Dr. Leo sich die Sache ein gut Stüd Geld hat fosten laffen, und er mag, im Unterschiede zu den Sanden und Schultz, die eigne gut gefüllte Tasche in Anspruch genommen haben. Der Vorwärts" erkennt aber auch freudig, daß dem Batrioten von damals der Lohn nicht fehlte. Dr. Leo Leipziger erzählt: Während also mein Leserkreis nach unten" abnahm, fehlte es nicht an Beifallskundgebungen von oben". Interessenten stelle ich anheim, derartige Zuschriften einzusehen, welche die ftolzen Unterschriften: Graf Eulenburg, Freiherr von Mirbach, Miquel, Graf Hülfen- Häfeler, Freiherr von der Recke, von Lucanus und Bosse tragen." In Wirklichkeit haben die parlamentarischen Verhandlungen ergeben, daß schon das auf agrarische Arbeitnehmer und Arbeitgeber beschränkte Gesetz gegen die Reichsgeseze verstößt. Aber selbst wenn ein nahm am Donnerstag die Sekundärbahn- Vorlage überhaupt nicht zweierlei Meinung geben: Auf industrielle Arbeitgeber Berbesserung der Vorflut in der unteren Oder, Havel und kann das Gesetz nicht ausgedehnt werden. In dem Augenblick, wo ein Spree und betreffend Maßnahmen zur Verhütung von HochLandarbeiter in der Industrie beschäftigt wird, verläßt er die Auswassergefahren in der Provinz Brandenburg und im Havelnahmesphäre des Gesinderechts, er wird industrieller Arbeiter und gebiete der Proving Sachsen an eine Kommission und erledigte damit unter das Reichsrecht der Gewerbe Ordnung gestellt. die Denkschriften über das Hochwasser im Oder- und WeichselDann fiudet auch ber§ 158 der Gewerbe- Ordnung unmittelbar gebiete vom Juli 1908 und über die staatliche Hilfsaktion das Schloß und ließ sich vom Freiherrn über die hohen und Hehren seine Anwendung. Ein solches preußisches Gesez würde dann also aus Anlaß von Unwetterschäden im Jahre 1903 durch nicht nur ideell, sondern thatsächlich eine nach der Gewerbe- Kenntnisnahme. Ordnung strafbare Verrufserklärung sein und die Minister, die diese Berrufserklärung in einem natürlich rechtsungültigen Gesek aussprechen würden, müßten vom Staatsanwalt auf die Anklagebank Die Kriegslage in Südwestafrika citiert werden, weil sie fich gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung ver- wird von dem Berichterstatter der Scherl- Bresse, Sauptmann gangen haben. Dannhauer, in einem Telegramm aus Olahandja vom 22. Juni Selbst die stärksten Männer der preußischen Regierung würden folgendermaßen gefchilbert: von einer folchen Vorlage die Finger lassen, wenn sie auch durch Der Wechsel in der militärischen Führung ändert nichts an den unklare Formulierung vielleicht geneigt wären, Vorschub zu leisten, Borbereitungen unfrer Operationen, die durch den Abzug der Hauptdaß gewissenlose ländliche Arbeitgeber ihren Arbeitern und ihrem masse der Hereros an den Omoramba- und Matatofluß nötig werden. Gefinde einreden, eine solche Ungeheuerlichkeit wäre Gefeß. Ist Diesseits wird der Aufschub in der Offensive zur er aber auch ausgeschlossen, daß dem Wunsche der„ Deutschen Tagesstellung und Festigung der Verbände, zur Einzeitung" Rechnung getragen wird, so zeigt dom die bloße Auf- gewöhnung der Truppen im Gelände, sowie zur Sicherung der Nachdoch bie bloße Auf- chübe ausgenutzt. Die Hereros find jezt auf drei Seiten umstellung dieser Forderung, mit welchen Plänen die Junker sich faßt. Die noch offene Nordwest- Seite soll durch den nunmehr tragen. Selbst die Aufhebung aller Rechtssicherheit proflamieren sie mit zu erwartenden Truppennachf chub auf einer neu aus einer Gemütsruhe, als wäre es ganz selbstverständlich, daß zubauenden Etappenstraße nach Dutjo gefchloffen werden. die Begehrlichkeit eines Agrariers das höchste und einzige Dann erst foll der Angriff durchgeführt werden. Ja, Leo Leipziger erreichte den Vorzug, dem Kaifer und der Gesetz im Deutschen Reich ist. Die Bollterroristen, die Die Führung hofft damit die Hauptmacht der Hereros geschlossen zum Kaiserin Geschenke überweisen zu dürfent. Er ließ zwei Brachtsich staatserhaltend nennen, haben sich mit dieser Forderung Stampfe zu zwingen und diesen Teil des Krieges durch einen exemplare vom Katalog der 96er Gewerbe- Ausstellung herstellen, einmal bis aufs Hemde ausgezogen und sich als die eigentlichen Ausbrechen der Hereros, wozu aber anscheinend bei den Rebellen rechnet genau, was er sich den Patriotismus kosten ließ Schlag zu beendigen. Bei vorzeitigem, nordwestlichem deren Einhände Musterwerke waren und deren Kosten- Dr. Leo eine Staats- und Rechtszerstörer bekannt. feine Abficht vorliegt, müßte energisches Nachdrängen von fünfstellige 8ahl erreichten. Schon aber scheinen auch die brei Seiten stattfinden. Die Einigkeit unter den Herero- Verstimmungen der damaligen" patriotisch teueren Ueberzeugungen fapitänen scheint gestört zu sein, und eine gewisse Unsicherheit bei den begonnen zu haben; wehmutsvoll erzählt der Chronist, daß er die Anführern macht sich bemerkbar. Das Hauptquartier bleibt vor- Brachtbände dem Grafen Eulenburg im töniglichen Schloß persönlich Die bescheidene Anregung der Deutschen Tageszeitung" zerstört zugleich die scheinheiligen Versuche der konservativ- klerikalen Mehr" habe überreichen vllrfen, aber„eine Antwort ist allerdings bis zum heutigen Tage noch nicht bei mir eingegangen". Doch die Mirbach-Beziehungen litten zunächst nicht, sie wurden selbst noch inniger geknüpft: „Im Herbst des Jahres 1898 hielt Freiherr v. Mirbach im Palast Barberini zu Potsdam einige Voriröge über die Palä st inareise. Das„Kleine Journal" brachte als einziges Blatt die Reden wörtlich zum Abdruck, und im Anschluß hieran emstand der Plan, die Auslassungen Sr. Excellenz in Broschürensorm der Nachwelt zu übergeben. Der Erlös der verkauflenHefte sollte Wohl- thätigkeitszwecken dienen. Anders verhielt es sich jedoch mit den für Se. dxcellenz persönlich bestimmten Exemplaren. Hier spielten sehr teure und kostdarr wcißscidene Einbände, die in der Mitte das Jeriisnlemkrcuz in Emaille zeigten, eine wesentliche Rolle. Herr Collin entledigte sich auch in diesem Falle seiner Aufgabe mit Meisterschaft, und diese Prachtausgabe fand so sehr den Beifall Sr. Excellenz, daß er mich immer wieder ersuchen ließ, mehr davon zu„stiften". Herr v. Mirbach verschenkte seiner- seits diese Bücher an seine Freunde, Gönner und Reisegenossen. Häufig erkundigte er sich, ob„der Berkauf zu Wohlthatigkeits- zwecken" flott von statten ginge, und da trotz mannigfacher An- kündiguiigen niemand so recht anbeiße» wollte, überreichte ich Sr. Excellenz einen Tau send markschein mit der frommen Lüge, daß dieser Betrag das Ergebnis sei. Hoffentlich büße ich nicht dafür dereinst im Fegefeuer!" Der Februar 1899 brachte den Dank in einem huldvollen Schreiben aus dem„Kabinett Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin". Jedoch, in diesen Zeiten scheint die patriotische lieber- zeugnng des Wohlthäters und Spenders die große Wandlung erfahren zu haben. Er war enttäuscht über das Ausbleiben des erwarteten Dankes vom Hauses Mirbach, aber der Ueberzengungswandel hat damit gewiß nichts �u schaffen. Dr. Leo Leipziger wurde ein andrer und er ward dem höfischen Gönner entftemdet, da dieser noch auf seinen Dienst vertrauensvoll baute. Es bildet den Abschluß dieser Plauderei von den Beziehungen zwischen Freiherrn v. Mirbach und dem„Kleinen Journal" diese ebenso flüchtige wie denkwürdige Scene: „Se. Excellenz mochte wohl der Ansicht sein, daß ich ihm für diese Emanation(Kabinetts schreiben) zu lebenslänglichem Dank verpflichtet wäre; denn als die ersten Enthüllungen über den Sanden-Schwindel erfolgten, suchte mich einer seiner Beamten in meiner Privatwohnung ans und überbrachte mir den„Wunsch" Sr. Excellenz, die Angriffe im„Kleinen Journal" thunlichst zu unterdrücken! Seit jener Zeit habe ich nicht mehr den Vorzug gehabt, mit Herrn v. Mirbach persönlich zu Verkehren..." Man weiß, daß Freiherr v. Mirbach mannhaft für Sauden sprach, als schon lange der Staatsanwalt sich seiner angenommen. Er war damals so glaubensstark wie jetzt, da er die Zurückzahlung des Pommerngoldes in Aussicht stellt für den Fall, daß das Gericht die angeklagten Vertrauten nicht sonder Fehl erachten würde. Und im felsenstarken Glauben an die Biederkeit des Kirchenbau- freundes— warum sollte der Freiherr nicht seinen Boten entsenden. daß er die gutgesinnte Presse auffordere, sich an böswilligen Agitationen gegen den Gottesmann Sanden nicht zu beteiligen? Nur eine kleine Episode scheint der„Roland von Berlin" aus den Beziehungen des„Kleinen Journal" zum Frhrn. v. Mirbach verloren zu haben. Wohl hat einst Dr. Leo Leipziger seinen Patrio- tismus geopfert, aber immerhin erquickte auch ihn einmal die Winzigkeit von 59 000 M. aus den Pommern, eine Summe. die um so bedeutsamer anzuschlagen ist, da recht wohl eine fromme Kapelle oder eine nette Mosaik dafür geschaffen werden könne. Freiherr v. Mirbach ließ die Gaben huldvoll nach jeder Seite spenden: Die Kirche und das„Kleine Journal" wurden jedes zu seiner Zeit gerecht bedacht. Es mag auch sein, daß„der Roland" die 50 000 M. nicht vergaß und daß sie in der Fortsetzung dieser reizvollen„Beziehungen" auftauchen sollen, wofern nicht Freiherr v. Mirbach Sorge trägt, daß der Patriotismus des Roland neu gefestigt wird.— Das Anfiedclungsgeseh gegen den Kanal. Die Intelligenz des Ministers v. Hammerstein scheinen die Konservativen zu einer sauberen Dupiermig benutzt zu haben. Die„Freie deutsche Presse" macht darauf aufmerksam, daß der Polizeiminister am Mittwoch von der Vertagung des Abgeordnetenhauses bis Ende Oktober gesprochen hat, während man sich bisher auf Mitte Oktober geeinigt hat. Den konservativen Herzenswünschen entspricht es, den Wieder- beginn der Landtagsverhandlungen möglichst weit zurückzuschieben, damit sie ohne besondere auffällige Nachhilfe die Kanalvorlage ver- schleppen können, bis im Reichstag sich die Handelsvertrags-Frage entscheidet. Die Junker wollen den Kanal nach wie vor als Pfand- objekt für Wucherzölle in Händen behalten. Sie haben also dem Herrn v. Hammerstein, entgegen ihren früheren Beschluß, plötzlich versprochen, das Polengesetz doch noch vor den Ferien zu beraten, und haben als Gegenleistung für ihre Güte die ersehnte Hinausschiebung des Wiedereröffnungs-Termines erzielt. Da man nicht annehmen kann, daß auch die Hammerstein und Podbielski, wie seiner Zeit Miguel, als geheime Verbündete der Agrarier gegen den Kanal intriguieren, so haben sie in ihrer Einfalt den klugen Junkern das Kulturwerk des Kanals ausgeliefert, um die unsinnige, verfassungsbrüchige Brutalität des AnsiedelungSgesetzcs einzuhandeln!— Fuchsjammrr. Die Centrums-,, Germania" klagt mit gerungenen Händen über die Verderbtheit der Welt. Der Minister Möller ver- schiebe die Beantwortung der schönen Saarbrücker Interpellation über Gesetzwidrigkeiten der Bergverwaltung angeblich, weil die Stenogramme noch nicht da seien. Dagegen solle die verfassungs- brüchige Ansiedlungsvorlage— die„Germania" macht sich unsre gestrigen staatsrechtlichen Ausführungen zu eigen I— noch vor den Ferien durchgepeitscht werden. Das arme Centruin! Ganz ohnmächtig muß es alle Unbill über sich ergehen lassen, als ob Herr Spahn seinen berühmten Cylinderhut verloren hat. Bei dieser Gelegenheit sei eine Ungenauigkeit in unsren gestrigen Ausführungen richtig gestellt. Die Ansiedlungsvorlage erfordert, da sie Verfassungsänderungen enthält, nach der Gesamtabstimmung der dritten Lesung eine Wiederholung der Abstimmung in den Formen der dritten Lesung, die ftühestens 21 Tage nach der ersten Gesamtabstimmung erfolgen darf.— Die Sitten des Reichsverdandes. Die ersten Thaten de? Liebertschen Reichsverbandes gegen die Socialdemokratie sind viel- versprechend. In Berlin haben sie sich durch einen Geheimagenten auf die Organisation der Straßenhändler geworfen. Doch ist das Geheimnis und der Hinterhalt nicht seine einzige Methode. Wenn es ihm paßt, wählt er auch den Weg des Vertrauensbruchs und der Denunziatton. Aus Marburg wird uns über eine solche neueste Aktion des Reichsverbandes geschrieben: Der Reichsverband versandte vor kurzem einen Aufruf, in dem er zum Beitritt aufforderte. Ein Eanä. ptril. und ein Dr. phil. richteten darauf das gemessene Ersuchen an den Verband, sie nicht mehr mit Beittittsauffordenmgen zu beleidigen, denn die Zumutung zum Beitritt sei für einen akademisch Gebildeten beleidigend, stehe doch die Socialdemokratie unendlich hoch über dem Gedankenniveau dieses„Reichsverbandes". Beide Schreiben übersandte der Vorstand des Verbandes der hiesigen landrätlich-konservativcn„Obcrhessischen Zeitung" zur Ver- öffentlichung. Das Blatt druckt sie ab unter der Spitzmarke: „Niedriger hängen". Zweifellos waren die beiden Schreiben nur diskrete Mitteilungen und nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt. Der Reichsverband aber bekämpft, wie man sieht, die Socialdemokratie zunächst dadurch, daß er Männer, die ihm nicht zu Willen sind, durch Denunziationen zu schädigen sucht.—. Deutsche Schnlherrlichkeit. Aus Detmold wird am 22. Juni berichtet: Ein wenig er- freuliches Bild von den Schulverhältnissen im Fürsten- tum Lippe wurde in der gestrigen Sitzung des lippischen Landtages bei der Beratung des von der Regierung vorgelegten neuen Volks- schulgesetzes entrollt. Im'Lippeschen herrscht ein derartiger Mangel an Volksschullchrcrn, daß in einigen Schulen mehr als 150 Kinder auf einen Lehrer kommen. Die lippeschen Lehrer haben durchschnittlich nicht weniger als 92 Kinder zu unterrichten. Nur ein schwacher Trost ist es, daß das benachbarte Schaumburg- Lippe mit einem Durchschnitt von 99 Schülern uns noch„über" ist. Ein Abgeordneter stellte den sehr bescheidenen Antrag, z» be- stimmen, daß ein Lehrer nicht mehr als 199 Schüler dauernd u..-er- richten dürfe. Der Antrag fiel aber glänzend ins Wasser, nachdem Konsistorialrat Steinhagen erklärt hätte, daß bei Annahme des An- trageS binnen wenigen Jahren 199 vakante Lehrerstellen im Lande vorhanden sei» würden, und woher die Lehrkräfte nehmen und— vor allen Dingen— wovon iie bezahlen? Es bleibt also bei den jetzigen Zuständen.—_ Ein Skntklub als Parlament. Man schreibt uns aus Stuttgart: Die Kammer der Standesherren, die sehr schwere Stürme über Württemberg heraufbeschworen hat, ttat Mitlwoch wieder zu einer Sitzung zusannnen. Das hohe Haus sah ziemlich reduziert aus. In Ermangelung wichtiger Beratnngsgegenslände hatten sich nur sechs der durchlauchtigsten Gesetzgeber eingefunden, denen die Minister Vorträge halten mußten. Die Herren tauschten fleißig Zeitungen untereinander aus und schienen von den Lescfrüchten nicht besonders erbaut. Nach zwei Stunden vertagte sich die merkwürdige gesetz- gebende Versammlung. Donnerstag findet eine gemeinsame Sitzung beider Häuser statt._ Warenhaussteucr und sonstiges steuerliches Pfuschwerk. Aus Baden wird uns geschrieben: Die badische IL Kammer nahm ein Gesetz an, durch das zu Gunsten des Steuersäckels der Gemeinden eine obligatorische Warenhaussteucr, ein gemeindlicher Zuschlag zur staatliche» Grundstücks-Verlehrssteuer und eine Lust- barkeitssteuer eingeführt wird. Die Verkehrssteuer soll ein halbes Prozent des Wertes nicht übersteigen; die Warenhaussteuer ist wie folgt abgestuft: Es ist zu bezahlen bei einem Umsatz bis zu 499 999 M. 29 Pf. von 199 M. Umsatz bei 499 999— 699 999„ 39.. 199„ „ 699999— 899999. 49„. 199„ „ 890 999—1999 999. 59„. 199„ „ 1999 999—1 190 999. 69„. 109„ und von je weiteren angefangenen 190 999 je 19 Pf. weiter von 109 M. Uinsatz. Die Steuer darf 10 Proz. des Ertrags des Ge- samtbetriebes nicht übersteigen. Die Socialdcmokraten stimmten selbstverständlich gegen alle diese Steuern, die wieder auf die ärmeren Schichten abgewälzt werden. Mit ihnen stimmten Freisinnige und Demokraten gegen das Gesetz. Baden bemüht sich seit dem Ministerium Schenkel, seines Vorbildes Preußen immer würdiger zu werden.— Säbelhelden. Wir haben seiner Zeit von einem blutigen Ren- konter in Bcnneckenstein bei Erfun berichtet, bei dem der aus Urlaub befindliche Bootsmannsmaat Wille dem Musketier Erdmann aus Erfurt mit dem Seitengewehr sieben Stiche beibrachte. Jetzt stand der Musketier vor dem Kriegsgericht in Erfurt wegen thätlichc» Angriffs a»f eine» Vorgesetzten. Wille behauptete in Not- wehr gehandelt zu haben und angegriffen worden zu sein. Der Anklagevertreter beantragte eine Strafe von 2 Jahren und 1 Monat Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 7 Monate Gefängnis. Da das Gericht auch die Notwehr bei Wille als nicht vorliegend erachtet, wird sich dieser demnächst vor dem Kriegsgericht zu verantworten haben wegen Mißhandlung eines Untergebenen.— Der deutsch- belgische Handelsvertrag ist, wie das„W. B.' meldet, am Mittwoch in Brüssel im belgischen Ministerium der aus wärtigen Angelegenheiten durch den Minister und den deutschen Gesandten unterzeichnet worden.— HiiBland. Die Rebellion der Rcforniisten gegen daS Referendum. Rom, 21. Juni.(Eig. Ber.) Seit dem 19. tagt der italienische Parteivorstand, um die auf Grund des Referendums nötig ge- wordenen Maßnahmen zu treffen. Da sich die übergroße Mehrheit der Partei-Abteilungen gegen das Bestehen der Doppel- Organisationen ausgesprochen hat, blieb der Parteileitung nichts andres übrig, als von dieser Thatsache Kenntnis zu nehmen. Trotz- dem waren die Genossen Ferri und Morgari der Ansicht, daß man in Hinblick auf die besonders gespannte Situatton der beiden Fraktionen in Mailand eine Ausnahme machen, hier das Fortbestehen einer Doppelorganisation autorisieren und nur bestimmte Regeln für die Verständigung bei Wahlangelegenheitcn zc. aufftellen solle. Die Mehrheit des Vorstandes hielt diesen Vorschlag für unvereinbar mit der klar formulierten Entscheidung der Sektionen und beschloß gestern einfach die Ausführungsbestimmungen für das Inkrafttreten des Referendums zu erlassen. Bis zum 1. Oktober haben die autonomen Eickel wieder der allgemeinen Organisation anzugehören. Jedes Mitglied der secessionistischen Organisation hat a l s s o l ch e s das Recht, sich in der lokalen Organisatton— ohne die sonst geforderten Garantien— eintragen zu lassen. Eine gemischte Kommission aus Vertretern beider Organisationen regelt die übrigen Formalitäten der Ver- schmelzung. Das sind gewiß keine drakonischen Maßregeln. Trotzdem erklärt der heutige„Temps", daß die Reformisten sich als aus der offiziellen Organisation ausgeschlossen erachten. Der Gedanke, sich dem Mehr- heitsbeschluß unterzuordnen, scheint ihnen gar nicht zu kommen. Der„Temps" schreibt, man hätte die bewußtesten und ttichttgsten Genossen aus der Partei gejagt. Die Reformisten wendeten sich jetzt, aus dem offiziellen Socialismus des Vorstandes verjagt, dem Socialismus des Proletariats zu. Sie, die Reformisten, begrüßten mit Freude, als eine Erlösung, diesen Tag I Das Proletariat werde gar schnell zu scheiden verstehen zwischen den echten und unechten Socialisten, auch wenn die echten keine Partei-Mitgliedskarte be- säßen. Der Parteivorstand wird als die„Versammlung der Domini- kaner mit unbekannten Namen" bezeichnet. Ueberhaupt ist die Er- klärung des„Temps" voll Bitterkeit, um nicht zu sagen, voll Gift und Galle. Man fragt sich natürlich, mit welchem Recht der„Temps" schlechthin im Namen der Reformisten sprechen kann, da er unmöglich die Zeit hatte, das Komitee, geschweige denn die Organisation selbst einzuberufen. Jedenfalls leitet die heuttge Rebellion der autonomen Cirkel Mailands keine Parteispaltung ein, andern lediglich die Ablösung einiger Gruppen. Mit Spannung erwartet man die Stellungnahme der Fraktion, die in der Mehrheit reformistisch gesinnt ist und deren Mitglieder— wie Bissolati, Berenini, Albertelli, Turati u. a. den autonomen Zirkeln angehören. Beide Sekretäre der Parteileitung, Abgeordnete Varaggani und Zambianchi haben ihre Entlassung erbeten. Sie sind nicht Mit- glieder der Vorstände, sondern Angestellte, die schon unter dem vorigen Vorstand im Amt waren. Die Entlassung wurde bewilligt. Dänemark. Kriegsminister a. D. VaHnson als Ankläger. Unser Parteigenosse FolkethingSmann S a b r o e in AarhuS war vom Untergericht wegen Ehrenkränkung gegen den früheren KriegSminister Bahttfon zu 399 Kronen Geldstrafe verurteilt worden. Anlaß dazu gaben mehrere, Anfang des Jahres 1991 in dem von Sabroe redigierten Partei-Organ„Demokraten" erschienene Arttkel, die sich mit Bahnsens Verhältnis zum Jnvalidenfonds und der damit zusammenhängenden Verpfändung seines Gutes Taarupgaard befaßten. A>n Montag hatte nun das Obergericht zu Viborg über die Sache zu entscheiden und hier wurde Sabroe frei- gesprochen; das Gericht hielt jedoch die vom Unter- gericht ausgesprochene„Mortifikation"(Ungültigkeitseriklärung) der gegen Bahnson gebrauchten Ausdrücke auftecht. Das ist eine recht unzulängliche Ehrenrettung Bahnsons, daß das Obergericht nur die Worte mißbilligte, aber die dadurch gekennzeichneten Thatsachen offenbar für erwiesen hielt und halten mutzte. Ist es doch sogar in öffentlicher Folkethingssitzung festgestellt worden, daß durch Bahnsons Schuld ungefähr 199 909 Kronen Jnvalidengelder verloren gegangen sind I— England. Einen großen Sieg haben die L i b e r a l e n bei der Nachwahl in Devonport errungen; ihr Kandidat Williams Benn siegte mit 6219 Sttmmen über den Kandidaten der Konservativen, der 5971 Stimmen erhiett. Bei der letzten Nachwahl vor zwei Jahren hatte der Konservative mit 28 Stimmen Majorität gewonnen. Also ist auch diese Nachwahl zu Ungunsten der Regierung ausgefallen. Seitdem Mr. Chamberlain im Mai vorigen Jahres mit seinem Programm der Schutzzölle hervorttat, haben 19 Nachwahlen stattgefunden. Bei allen diesen Wahlen macht sich eine steigende Gegenströmung gegen das Schutzzollsystem bemerkbar. Die Zahl der liberalen Sttmmen hatte in dielen 19 Wahlkreisen bei den vorhergehenden Wahlen 68561 bettagen, während bei den letzten Wahlen 95 932 Stimmen, also ein Mehr von 27 371 Sttmmen abgegeben wurde. Die Zöllner dagegen hatten in diesen Kreisen früher insgesamt 86 428 Stimmen erhalten und brachten es bei den Nachwahlen nur auf 84 427 Stimmen, also eine Abnahme von 1931 Sttmmen. Diese 19 Nach- wählen schlössen für die Liberalen und Freihändler mit einem Gewinn von sieben Sitzeu ab. Während im Mai vorigen Jahres die S'chutzzöllner von diesen 19 Wahlkreisen 14 und die Liberalen nur 5 inne hatten, haben die letzleren davon jetzt 12 und die Konservativen nur 7.— Noch größer ist der Umschwung zu Un- gunsten der Regierung, wenn man noch etwas weiter zurückgreift und die 31 Nachwahlen betrachtet, die seit dem Ende des Boeren- krieges stattgefunden haben. Bei diesen Wahlen betrug die Zunahme der liberalen Stimmen 51 935, während die Konservativen um 3547 Stimmen zurückgingen. An Parlamentssitzen gewannen die Liberalen — Amerika. Ter republikanische Nattonalkonvent hielt am Mittwoch wiederum eine Versammlung ab. Der Vor- sitzende des Programmausschusses, R o o t. verlas das Prvgranun, das von dem Konvent einstimmig angenommen wurde. Das Pro- grantin zählt zunächst die von der republikanischen Partei geleisteten Dienste auf, erklärt dann, die Partei stimme den vom Resolutions- ausschutz gefaßten Beschlüssen bezüglich des Grundsatzes des Schutzzolles zu. und fährt fort:„Wir haben unsre aus- ländischen Absatzgebiete weit ausgedehnt und sind für Annahme aller praktischen Wege zu ihrer weiteren Ausdehnung einschließlich der kommerziellen Reciprocität, wo immer solche Reprocitätsabkommen abgeschloffen werden können, die mit den Grundsätzen des Schutz- zolles vereinbar und ohne Schaden sind für den amerikanischen Ackerbau, die amerikanischen Arbeiter oder irgend eine amerikanische Industrie. Wir halten es für unsre Pflicht, die Goldwährung und die Integrität des Wertes der nationalen Währung aufrechtzuerhalten." Das Progrmnm spricht sich dann für eine Gesetzgebung zu Gunsten eines machtvollen Ausbaues der Kriegs- und Handelsmarine, für Aufrechterhaltung der Monroe-Doktrin, für friedliche, schiedsgerichtliche Beilegung internationaler Zwistigkeiten und für kräftigen Schutz der Amerikaner in fremden Ländern aus. Vereinigungen des 5lapitals und der Arbeit seien Ergebniffe der wirffchaftlichen Bewegung der Jetztzeit, sie dürften aber weder die Rechte und die Interessen des Volkes schädigen, noch die Gesetze über- treten.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz liegen heute wichttgere Nachrichten nicht vor. Anscheinend ist es der Armee Stackelbergs noch nicht gelungen, Haitscheng zu erreichen, wo K u r o p a t k i n eine starke russische Macht konzentriert hat. Andrerseits scheinen sich die Nachrichten über erneute russische Niederlagen nicht zu bestätigen. Aller Vermutung nach stehen aber heftige Ääinpfe bei oder südlich von Haitscheng bevor. Die neuesten Telegramme lauten: Föngwantschöng, 22. Juni.<„ Daily Chronic! e.') Die südwärts vordringenden Russen kamen gestern in Berührung mit der japanischen ersten Armee. Eine überlegene russische Streitkraft, durch Artillerie unterstützt, griff eine kleine japanische Abteilung bei Hsuehlitten. 15 englische Meilen nordwestlich von Föngwantschöng. an. Die Japaner verteidigten ihre Stellung energisch, wurden aber durch die Uebermacht zurückgetrieben. London, 23. Juni.(„ V u r e a u L a ff a n.") Die Offiziere der japanischen Blockadeflotte vor Port Arthur bestättgen einem Tele- gramm ans Tokio zufolge die Meldung, daß zwei russische Torpedo- bootszerstörer und ein Handelsschiff auf der Reede vor Port Arthur auf Minen liefen und durch deren Explosion zum Sinken gebracht wurden. Paris, 23. Juni.„Echo de Paris' meldet aus Petersburg: Gerüchlweise verlautet, es finde ein Gefecht zwischen Sinyen und Haitschcnq zwischen den Truppen KuropatttnS und Kurokis statt; die Lage StackelbergS sei sehr kritisch. Eine amtliche Bestättgung der Meldung ist jedoch nicht zu erhalten. Tokio, 23. Juni. General Kuropatkin hat den größten Teil der sibirischen Schützen sowie 69 Geschütze nebst Kavallerie nach Süden entsandt. Die Kavallerie hat bereits Tatschkiao erreicht. In Liao- jang verbleiben nur noch drei Bataillone Infanterie und eine Ab- teilung Kavallerie.(?) Petersburg, 23. Juni. Nach einem Bericht des Generals Kuro- patkin bettagen die Gesamtverluste des Staifelbergschen Corps in der Schlacht bei Wafangou: 28 Offiziere und 648 Mann tot, 75 Offi- ziere und 1767 Mann verwundet, 12 Offiziere und 675 Mann vermißt. Ein Angriff auf Port Arthur? Tschifti, 23. Juni.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Hier verlautet gerüchtweise, die Japaner hätten am gestrigen Tage und in der vergangenen Nacht einen energischen Angriff gegen Port Arthur auf der Land- und der Seeseite unternommen. Die Kapitäne zweier heute hier eingetroffenen Dampfer, die heute früh in einiger Entfernung von Port Arthur vorbeifuhren, sagen aus. sie hätten zu dieser Zeit kein Geschützfeuer gehört. kommunales. Stadtverordneten-Bersammlung. 24. Sitzung vom Donnerstag, den 23. Juni 1994, nachmittags 5 II h r. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Verhandlungen gegen '/z6 Uhr. Die Versammlung ist nur sehr mäßig besucht. Zunächst referiert Stadtv. Friederici über eine Anzahl von Rech- nungen und über den Abschluß des Lagerbuches der Stadtgemeinde für 1992. Die Anträge des Rechnuugsausschusses werden ohne Debatte angenommen. Um 6 Uhr findet die Wahl eines unbesoldeten Stadttats statt. Vom Ausschuß ist für diesen Posten bekanntlich da? Mitglied der Versammlung Handelsrichter Maas vorgeschlagen, der denn auch in der Wahlhandlung mit 78 bon 80 Stimmen gewählt wird; 10 Stimmzettel waren unbeschrieben. Stadtvv. Mommsen und Tolksdorf erhalten je 1 Stimme. Mit der Errichtung eines = Verwahrungshauses für irre Verbrecher Auf dem städtischen Terrain an der Perlebergerund Quizo w straße soll eine Stadtv. Antrick( Soc.): Wir haben gegen die Vorlage doch recht hinge( Soc.) damit befürwortet, daß in jener Gegend, deren Be starte Bedenten. Ueber 15 000 9. follen für Ausgaben bewilligt bauung außerordentlich stark fortschreite, die Stadt ein Schulgrundstück werden, welche durch eigenmächtige Ausgaben des Pächters ent- noch nicht erworben habe. anten. standen sind. Die vom Magistrat versuchte Begründung hat auf Zur Vergütung für einen Geistlichen, der die im mich den Eindruck gemacht, als hätte sie herr Falkenberg selbst ge- Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinde nebst besonderem Pflegerhaus bei der dritten Frrenanstalt schrieben.( Heiterkeit.) 1903 haben wir für die Renovierung des hause vorkommenden Amtshandlungen( Notta..,., Leichenin Buch hat sich der niedergesezte Ausschuß nach eingehender Er- Rathauskellers 50 000 M. ausgeworfen. In der Zeit, als der Keller einsegnungen) vollzieht, sollen 400 m. bewilligt werden. örterung einverstanden erklärt und einen Vertagungsantrag ab- geschlossen war, ist dem Pächter ein Mietsnachlaß von 11 000 M. zu- Stadtv. Hoffmann( Soc.): Unser Standpunkt der Kirche gegenüber gelehnt. Der vorgelegte specielle Entwurf und die Kostenanschläge gestanden worden. Da hat nun Herr Falkenberg ganz eigenmächtig eine ist ja bekannt. Wir sind der Ansicht, daß aus öffentlichen Kassen für beide Gebäude, sowie die speciellen Entwürfe und Reihe von Bauausführungen, Reparaturen und Anschaffungen veranlaßt, überhaupt keine Mittel für derartige Zwecke hergegeben werden Kostenanschläge für das Doppeloperationshaus, den Pavillon für und als nun alles recht schön nach seinem Geschmack eingerichtet war, da sollen. Wenn nun für gewisse Anstalten durch die borunruhige Kranke, vier Jnfektionspavillons, den Quarantäne- und bezahlte er nicht etwa die Rechnun selbst, sondern er kannte seine gesezten Behörden ein Zwang ausgeübt werden kann, daß wir Diphtheriepavillon und den Stall für Versuchstiere beim Rudolf Pappenheimer und wandte sich an den Magistrat: Bitte, bezahle Du Beträge hergeben müssen, so kann das bei Krankenhäusern vielleicht Virchow Krankenhaus werden zur Genehmigung empfohlen. Die Rechnung!( Heiterkeit.) und unser Magistrat ist ja immer ent- ür Erwachsene zutreffen; ein Erwachsener tann ja wohl nach Nach dem Referat des Stadtv. Stapf( A. A.) beschließt die Ver- gegenkommend, wenn es sich um gewisse Interessentenkreise handelt. geistlichem Trost Trost verlangen und wir sind die Letzten, fammlung ohne Debatte in diesem Sinne. Der Magistrat war liebenswürdig genug, alle Rechnungen prüfen zu die das verhindern würden. Aber bei einem Kindera lassen, welche ihn Falkenberg vorlegte und fam zu der Krankenhause sollte die Stadt doch keine Mittel aus dem allgemeinen Ansicht, daß Herr Faltenberg schließlich neben seinem eignen Interesse Säckel bewilligen. Ich weiß auch nicht, wie man sich die Nottaufe auch das Interesse der Stadt gewahrt habe. Wenn diese Ansicht des denkt; geht sie auch ohne Bewilligung und Zustimmung der Falkenbergischen Magistrats richtig ist, dann erscheint der Magistrat Eltern vor sich? wie bon der Waisenverwaltung fogar und die Versammlung beziehungsweise ihr früherer Ausschuß gegen den Willen dissidentischer Eltern Kinder getauft und einer in ganz eigenartiger Beleuchtung. Lassen wir solche Vorgänge Religion zugeschoben werden, die die Eltern absolut nicht haben ohne Widerspruch, so sind die Konsequenzen nicht abzusehen. wollen, wenn die Mutter plöglich erkrankt und der Vater gezwungen Hat denn der Magistrat nicht vorher gewußt, welcher Art die bau- ist, die Kinder einer Waisenanstalt zu übergehen. Mindestens müssen lichen Veränderungen und Neubeschaffungen sein müßten? Hat Borkehrungen getroffen werden, daß nicht Kinder zwangsweise getauft speciell niemand gewußt, daß neue Ventilationsvorrichtungen, werden gegen den Willen der Eltern. Es ist das in einem Fall in Büffetts, Spülapparate c. notwendig waren? Mußte erst Herr Wittenberge geschehen, wo ein Berliner Kind in Waisenpflege hingegeben Falkenberg dem Magistrat die nötige Erleuchtung beibringen?( Rufe: war. Ferner meinen wir, für leibliche Bedürfnisse der Armen hat Oh! oh!) Geht das so weiter, dann hat nicht mehr der Magistrat, die Stadt zu sorgen, nicht aber für kirchliche, wie die Einſegnung dann haben nicht mehr wir, sondern dann hat jeder beliebige Privat- von Leichen. Die Kirchen sind so reich und vermögend, daß sie den mann zu entscheiden. Deshalb haben auch wir Ausschußberatung Armen das unentgeltlich geben können. Aus diesen Gründen müssen beantragt. wir zur Ablehnung der Vorlage kommen. Gemeinde- Doppelschule errichtet werden. Der vom Magistrat vorgelegte Entwurf hat den niedergesetzten Ausschuß insofern nicht befriedigt, als zwischen dem Neubau und dem Gebäude der V. Realschule eine„ event. verfäufliche" Mittelparzelle von 1920 Quadratmetern verbleiben soll und ein Lehrerwohngebäude nicht vorgesehen ist. Auch ist nach dem Projekt die Anordnung der Korridore nach den( sehr geräuschvollen) Straßen hin nicht möglich. Der Ausschuß befürchtet von der Bebauung der Mittelparzelle Verdunkelung der Schulhöfe und andre Unzuträglichkeiten. Demgemäß wird beantragt: Die Versammlung ersucht den Magistrat, den Bau so zu gestalten, daß die Schule neben der Realschule zu liegen kommt und die Klassenzimmer möglichst nicht nach der Straße hin liegen; ferner hält die Versammlung die Erbauung eines Rektorwohnhauses für notwendig. Mit der Verwendung der zur Vergrößerung des Hofes der V. Realschule in Aussicht genommenen circa 220 Quadratmeter an der Quizowstraße ist die Versammlung einverstanden. Referent ist Stadtv. Dinse( N. L.). Der Vorsteher rügt die vom Redner gebrauchte Wendung, daß Oberbürgermeister Kirschner: Ich ersuche den Vorredner, den der Magistrat immer entgegenkommend sei, wenn es sich um be- Fall mitzuteilen, in dem ein Kind entgegen dem Willen der Eltern stimmte Interessen handelt. getauft worden ist. Wir werden dem Fall dann nachgehen. Wenn Bürgermeister Dr Reicke: In den Ausführungen des Vorrdners es geschah, so würde das nicht den Intentionen entsprechen, die bei war so viel Falsches, daß ich, statt mich auf das Detail einzulassen, der Verwaltung maßgebend sind. lieber sagen will, ich habe gegen einen Ausschuß nichts einzuwenden, Stadtv. Hoffmann: Unser Kollege Liebknecht ist leider nicht da können wir uns über die Einzelheiten näher unterhalten. Ich mehr anwesend, sonst könnte er den Fall attenmäßig feststellen. Es möchte nur schon jetzt feststellen, daß man bei der früheren Beratung handelt sich ein Kind des Zimmermanns Karl Dieze hier allseitig der Meinung war, mit 50 000 M. sei nicht auszukommen in Berlin, dessen Kind Liesbeth der Waisenverwaltung übergeben und daß Herr Borgmann den Zusatz erste Rate" beantragt worden war. Es war ausgegeben nach Wittenberge und ist dort hat. Also gerade von der Seite ist die Anregung gekommen. getauft worden. Der Vater ist Dissident.( Lachen.) Ich stelle sogar ( Stadtv. Antrick: Was habe ich denn Unrichtiges gesagt?) fest, daß es auf Anordnung des Diakonus Brandt, des bestellten Pflegers der Berliner Ziehkinder, gegen den Willen der Eltern getauft worden ist, und daß jezt ein Prozeß wegen Annullierung ber Taufe schwebt.( Große anhaltende Heiterkeit.) Die Niedersetzung eines vom Vorstande zu ernennenden Ausschusses wird beschlossen. Unter großer Heiterkeit der Versammlung giebt der Vorsteher die Namen der Mitglieder des vorsorglich bereits tombinierten Ausschusses sofort bekannt." um Von zwei Seiten wird der Antrag auf Errichtung einer besonderen Turnhalle gestellt. Stadtv. Wallach( A. L.): Ich bitte, die Forderung eines befonderen Lehrerwohnhauses fallen zu lassen. Wir haben auch unberheiratete Rektoren, welche eine so große Wobnung gar nicht haben wollen, sondern lieber außerhalb der Schule wohnen. Die äußere Verwaltung des Schulgebäudes andrerseits wird doch in der Hauptfache nicht vom Rektor, sondern vom Schuldiener wahrgenommen. Es soll doch auch eine gewisse Sparsamkeit obwalten; das Wohngebäude kommt uns aber nicht unter 80-90000 M. zu stehen. Durch die Beseitigung dieses Gebäudes würden wir gerade an der Ecke von Oberbürgermeister Kirschner: Also von der hiesigen Waisendrei Straßen eine viel passendere Baustelle gewinnen. An der Greifenhagenerstraße, jenseits der Ringbahn, verwaltung ist kein Kind gegen den Willen der Eltern getauft Stadtv. Hinge( Soc.): Die Anschauungen über die Verwendung soll von den Griebeno wschen Erben ein Gelände von 5020 worden, sondern in Wittenberge und wahrscheinlich ohne Kenntnis dieses Grundstücks haben im Magistrat und in der Versammlung Quadratmeter zum Preise von 46 M. pro Quadratmeter und vom der Waisenverwaltung.( Widerspruch bei den Socialdemokraten.) den Tausenden von Kindern, mit denen die Verrasch gewechselt. Früher wollte der Magistrat eine einfache Schule Eisenbahnfiskus ein Stück des Hinterlandes von 700 Quadratmeter Bei zu thun und hielt für diese ein Rektorwohnhaus für notwendig; jetzt soll für a 25 M. als Schulgrundstück für insgesamt 248 420 M. er- valtung hat, tann so ein Fall wohl boreine Doppelschule fein solches Gebäude notwendig sein! Herr Wallach worben werden. Ebenso ist vorgeschlagen, von der Aktienbrauerei fommen. Die Sache ist aber sehr übertrieben worden. Auch bin ich tommt auch bloß aus Sparfamkeitsrücksichten zur Befürwortung Friedrichshain ein an der Bößow straße belegenes Grundstück sehr neugierig auf den Ausgang des Prozesses.( Erneute große dieses Standpunktes. Der Rektor muß in der Schule wohnen, er von 5729 Quadratmeter a 68 M. für 389 572 M. zu Gemeindeschul- Heiterfeit.) hat die Aufsicht zu handhaben und er kann dann auch eventuell zwecken zu erwerben. Stadtv. Hoffmann: Es mag ja den Herren ungeheuer komisch außerhalb der Schulzeit von den Eltern erreicht werden, die ihn Die erstere Vorlage wird unverändert angenommen. Die zweite vorkommen, wenn ein Vater die Streichung feines Kindes Ich denke, zu sprechen wünschen, denn der Rektor ist doch gewissermaßen beantragt Stadtv. Brunzlow( A. L.), der den Preis zu hoch aus den Kirchenbüchern beantragt. Stadtv. Hinge( Soc.) auch das Bindeglied zwischen Schule und Familie. Bei Herrn Wallach findet, einem Ausschuß zu überweisen. dann Gewissensfreiheit; sollen Sie das nicht ins sprechen. vielleicht auch noch hausagrarische Rücksichten mit.( Un- tritifiert die kategorische Erklärung des Magistrats, daß in dieser Lächerliche zu ziehen versuchen. Uebrigens hat die Waisenruhe.) Wir wünschen ferner auch die Errichtung einer besonderen Schule ein Lehrerwohngebäude nicht errichtet werden soll, und verwaltung erklärt, die Kinder werden alle getauft, sobald sie ins Turnhalle, während das Projekt die Turnhalle innerhalb des Schul- empfiehlt gleichfalls Ausschußberatung. Waisenhaus kommen. gebäudes vorsieht, wo sie durch zwei Geschosse gehen muß. Der Vorsteher Langerhans verwahrt die Versammlung dagegen, daß dortige Grund und Boden ist ja doch städtisches Eigentum. sie nicht auch Gewissensfreiheit wolle. Die 400 M. werden bewilligt. Schluß 9 Uhr. Stadtrat Hirsekorn: Es soll hier keineswegs ein neues Experiment gemacht werden. Wir haben 37 Rektoren ohne eigene Dienstwohnung; Mißstände haben sich daraus nicht ergebeu. Bei den Charlottenburger Gemeindeschulen giebt es überhaupt keine Rektoratswohnungen. Daß mit Rücksicht auf die Disciplin solche also unbedingt notwendig seien, kann nicht behauptet werden. Nur auf Grundstücken, wo die eigentliche Schule auf Hinterland errichtet werden muß, empfiehlt es sich unbedingt, die Straßenfront mit einem Rektor- Wohngebäude zu besetzen. Verzögern Sie die Verabschiedung der Vorlage nicht, denten Sie an die in Moabit noch immer vorhandene Schulnot! Stadtrat Schäfer: Die Befizer wollen sich nur bis zum 15. August binden. Ausschußberatung würde die Regelung der Angelegenheit unliebsam verzögern. Stadtv. Cassel spricht sich dahin aus, einen Ausschuß von zehn Mitgliedern sofort durch den Vorstand ernennen zu lassen. Jm weiteren Verlauf der Debatte, an der sich die Stadtvv. Haberland, Rosenow, Cassel und Brunzlow beteiligen, wird der Antrag gestellt, in dem Dispositiv des Magistrats den Satz:„ Ein Lehrerwohngebäude wird nicht errichtet", zu Oberbürgermeister Kirschner bittet, nicht so zu procedieren. Romme später das Projekt ohne Wohngebäude, so habe ja die Verfammlung freie Hand; die Frage sei eine offene. Stadtv. Hinze: Motive für die Nichterrichtung des Gebäudes sind in der Vorlage nicht gegeben. Deshalb haben wir den Satz zu streichen beantragt. Vorsteher Langerhans: Das ist ganz unmöglich. Es wird die Niedersetzung eines Ausschusses heschlossen, den der Vorstand ebenfalls sofort ernennt. Für die Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Sie wollen Um aber auf der andren Seite den Beweis zu erbringen, daß die Arbeiterschaft bereit ist, den Kampf nach Möglichkeit abzukürzen, beschloß die Versammlung auf den Vorschlag der Streilleitung einstimmig, nochmals das Einigungsamt des Gewerbegerichts Die ausständigen Steinseher und Rammer hielten gestern bor mittag im Lofale von Wilde eine vollzählig besuchte Versammlung ab. Bu der schon gestern von uns gemeldeten Arbeitsniederlegung der Steinsetzer bei fünf Firmen( Dellos, Ernotte, Wels u. Greulich, Stadtv. Fritsch( N. L.) hält die für die Schule in Aussicht geder Versammlung ausgeführt, daß es sich hier nicht lediglich um Hübner, Brehme, heute ist noch Körner hinzugekommen), wurde in nommene Grundstücksfläche von 3610 Quadratmeter überhaupt für einen Aft der Solidarität den Rammern gegenüber handele, ungenügend. Im übrigen polemisiert er gegen den Stadtv. Wallach und spricht sich ebenfalls für den Bau einer besonderen Turnhalle aus. sondern daß dieselbe auch im Interesse des Gewerbes erfolgt sei. Stadtv. Dr. Preuß( soc.- fortschr.) will von dem betreffenden Die in Befracht kommenden Firmen haben nämlich ersucht, durch Anlernen ungeübter Arbeiter der Kalamität des städtischen Grundstücke überhaupt nichts verkaufen. Für die Errichtung eines Rektorwohnhauses spreche neben den Rücksichten auf VerStreits zu begegnen. Diese Arbeitswilligen verrichten aber die ihnen übertragene Arbeit und zwar unter den Augen der städtischen waltung und Aufsicht auch die Erwägung, daß man nicht zwei architektonische Ausgestaltung der neuen Grünftraßen- Brücke Klassen von Rektoren schaffen soll. Neben dem Neftorwohnhause legt der Magistrat einen abgeänderten Entwurf vor, nachdem auf mann gar keine Frage ist, daß diese Arbeiten in weniger als einem Aufsichtsorgane in so mangelhafter Weise, daß es für den Fachmüsse auch eine besondere Turnhalle errichtet werden. Die von der der Fassadenzeichnung eine Bemerkung des Kaisers über die beiden Jahre noch einmal hergestellt werden müssen natürlich auf Kosten Versammlung oft betonte Sparsamkeit dürfe nicht am unrechten Durchbrechungen der Brüstung dahin gegangen war, daß diese zu der Steuerzahler. Damit erhalten aber die Behörden und sonstigen Orte geübt werden. flein, zu schwer im Stil seien und unschön wirken würden. Interessenten wieder einen willkommenen Vorwand, auf die„ unStadtv. Kreitling( N. L.) warnt davor, mit dem guten Princip Stadtv. Perls bittet, die Vorlage entweder abzulehnen oder vollkommenheit" des Steinpflasters Hinweisen und damit zn brechen, daß der Rektor der geborene Inhaber der Schulhaus einem Ausschuß zu überweisen. Es muß doch endlich einmal ein das Steinfegergewerbe immer mehr verdrängen zu können. verwaltung und der Disciplin sein soll. Der Plan, eine Barzelle Anfang mit der Emancipierung von solcher Bevormundung gemacht Es handelt sich bei der zum Teil aus Sympathie für die von fast 2000 Quadratmetern zwischen den beiden Schulen zu ver- werden. Ein souveränes Kunsturteil erkennen wir nicht an; der Rammer erfolgten Arbeitseinstellung der Steinseßer also zukaufen, sei nichts als fiskalisch. Für eine Doppelschule seien Geschmack ist das ureigenste Recht jedes Einzelnen. Das- gleich auch in hervorragendem Maße um ein Stück gewerblichen mindestens 5000 Quadratmeter Grundfläche notwendig. jenige, was wir mit unserm Gelde herstellen laffen, soll Selbsterhaltungsinteresses. Der städtischen Bauaufsicht wurde Stadt. Glazel( Fr. Fr.): Der Leiter einer Anstalt muß von nach unserm Geschmack hergestellt werden. Auch da sind empfohlen, ein etwas mehr wachsames Auge auf die vou arbeitsAnfang bis zum Schluß des Unterrichts im Schulgebäude anwesend wir bisher bei Schritt und Tritt auf Hindernisse gestoßen, aber es willigen Rammern ausgeführten Arbeiten zu haben. sein, um Ordnung zu halten, und Ordnung muß er auch halten muß doch endlich der Versuch gemacht werden, hier Wandel zu außerhalb der Unterrichtszeit. Ausnahmen sollen nicht schlechthin schaffen. Wir wollen dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, aber ausgeschlossen sein, aber an dieser Stelle liegt kein Grund vor, eine wir wollen uns nicht unser Kunsturteil diktieren lassen.( Lebhafte Ausnahme zu machen. andauernde Unterbrechungen, in welchen sich die Stadtvv. Jacobi Nachdem noch Stadtv. Modler( A. 2.) sich für den Ausschuß- und Sachs mit Zurufen wie Unerhört! u. dergl. hervorthun.) anzurufen. antrag einschließlich des besonderen Rektorwohnhauses ausgesprochen, Oberbürgermeister Kirschner: Der Vorredner hat die Vorlage Stadtv. Direktor Hellwig( A. L.) die Errichtung einer besonderen wohl nicht ganz gelesen, sonst hätte er sich überzeugen müssen, daß Achtung, Holzbildhauer! Bei der Firma Kümmel, Frankfurter Turnhalle auch mit Rücksicht auf die Staubentwicklung bekämpft zu diesem Erturs fein Anlaß war.( Sehr richtig!) Es ist an uns Amee 117a, haben sämtliche Kollegen wegen Nichtbewilligung der und den Antrag Wallach empfohlen hat, Stadtv. Jden( A. 2.) dem teine Forderung gestellt, sondern die Konzession genehmigt Forderungen die Arbeit niedergelegt.. Standpunkt des Magistrats beigetreten ist, wird der Ausschuß- worden, wie wir sie nachgesucht hatten. Es ist nur Die Agitationskommission. antrag mit der Erweiterung angenommen, daß auch eine von Sr. Majestät darauf aufmerksam gemacht worden, daß gewisse besondere Turnhalle errichtet werden soll. Teile dieser Brücke nach seiner Meinung ästhetisch nicht schön sein Achtung, Schuhmacher! Der in voriger Sizung vom Stadtv. Buchow( Fr. Fr.) gestellte würden, wir haben es uns angesehen und find zur Ueberzeugung Nowa wes ist beendet. Der Streit in der Schuhfabrik von Haase u. Ruß in Antrag, dem Stadtbaurat Krause auf seine Studienreise gekommen, daß in der That hier eine Aenderung erwünscht war. Am Mittwoch ist die Arbeit wieder aufnach Amerika einen jüngeren Baubeamten als Adjuntten Also aus freier Entschließung heraus ist der Magistrat zu dieser genommen worden. Kollege Strohnfeldt verzichtete auf seine Wiedermitzugeben und für diesen gleichsfalls 5000 Mart zu be- Vorlage gekommen. einstellung, dagegen sind die Entlassungen der Kollegen Banter und willigen, hat in der Ausschußberatung Billigung gefunden; die Ver- Stadtv. Ladewig: Ich halte die neue Lösung auch für keine Pfaff, welche von den Arbeitern als Maßregelungen angesehen sammlung tritt ihm heute ohne Debatte bei. günstige und habe aus diesem rein ästhetischen Gesichtspunkte Aus- wurden, zurückgenommen. Im übrigen sind sämtliche im Ausstand Im Anschluß an die Nachweisung des Umfanges der öffent- chußberatung beantragt. Das erste Projekt hatte entschieden die von gewesenen Personen wieder an ihre Pläge zurückgekehrt. In den lichen Beleuchtung im ersten Quartal 1904 tritt höchster Stelle gerügten Fehler, aber eine banalere, weniger originelle der Arbeitsaufnahme vorausgegangenen Besprechungen erklärte Herr Stadtv. Perls( N. 2.) lebhaft für die Verbesserung der Be- Vorlage als die jetzige kann ich mir nicht denken. Man hätte wohl- Ruß, daß Lohnreduktionen von ihm nicht beabsichtigt seien. Die leuchtung der Friedrichstraße ein. Besonders nach Schluß der gethan, dem gegebenen Fingerzeige zu folgen; hier aber liegt eine bisherigen Lohnfäße sollen bis 1. April 1905 in Geltung bleiben. Die Läden sei die Beleuchtung geradezu kümmerlich. Verbesserung nach Johann Ballhorn vor.( Unruhe.) Einstellung und Entlassung von Arbeitern soll nicht von deren Thätigkeit Stadtbaurat Krause: Herr Ladewig ist Mitglied der Kunst- für die Organisation abhängig gemacht werden, soweit wie diese Thätigkeit deputation, hat aber dort nicht Anlaß genommen, jeinem Tadel des außerhalb des Betriebes ausgeübt wird. Bei Arbeitsmangel sollen Dem Ratsteller- Bächter Restaurateur Falkenberg sollen die Kosten ersten Projetts Ausdruck zu geben, und nun gefällt ihm auch das Entlassungen nach Möglichkeit durch Einschränkung der Arbeitszeit für die von ihm bei der Renovierung des Ratstellers ber- zweite Projekt nicht. Ich bitte, die Ausschußberatung abzulehnen. vermieden werden. Ueberstunden sollen, wenn solche unumgänglich anlaßten Arbeiten und Beschaffungen im Betrage von 15 082 M. Stadtv. Caffel: Ich kann Herrn Perls auf das von ihm betretene notwendig sind, mit einem Extra- Aufschlag von 20 Proz. entschädigt erstattet werden. Diese Arbeiten und Neubeschaffungen waren im Gebiet nicht folgen. Wir befinden uns nicht in einer Zwangslage werden. Sostenanschlage nicht vorgesehen. Auch war zu den Ausführungen und es wird auch kein Princip verletzt. Wir halten den neuen VorAm Schlusse der Besprechung sprach Herr Ruß noch die Hofftein amtlicher Auftrag erteilt worden. Obwohl somit der Bächter schlag für gut, und bei aller Hochachtung vor dem in erfreulicher nung aus, daß nun, nachdem durch gegenseitige Aussprache Mißeigenmächtig vorgegangen ist, glaubt der Magistrat dem Antrage im Entwicklung begriffenen Kunstverständnis des Kollegen Ladewig verständnisse aufgeklärt und der Frieden herbeigeführt sei, derselbe wesentlichen entsprechen zu sollen, weil durch dieses Vorgehen ver-( Heiterkeit) kann ich seinem Antrage nicht zustimmen. ein dauernder sein möge. hindert worden ist, daß der Natskeller noch länger, als ohne- Der Antrag Perls wird abgelehnt, die Vorlage angenommen. Die Agitationskommission der Provinz Brandenburg. dies notwendig war, geschlossen bleiben mußte. Es handelt In die Fahrbahn der„ Millionenbrücke", d. h. der neuen Uebersich um die Anbringung von Deckenventilatoren, um die Beschaffung führung der Swinemünderstraße über den Bahnhof GesundDeutfches Reich. oon Garderobenständern, Fenstervorhängen und Tischlampen, sowie brunnen, sollen Straßenbahngeleise eingelegt werden. um Installationsarbeiten und Reparaturen in den Küchenanlagen. Die Versammlung stimmt zu. Die angeführten Gegenstände sollen nunmehr in das Eigentum der Stadt übergehen. Stadtrat Namslau: Die Verwaltung teilt diesen Wunsch und ist mit der Prüfung bezüglicher neuer Projekte beschäftigt. Stadtv. Berls beantragt Ausschußberatung, da die Angelegenheit so wenig geklärt sei. Beim Ausstand im Bremer Baugewerbe sind in den letzten Tagen wesentliche Veränderungen der Situation nicht zu verzeichnen geDie Vorlage wegen Festsetzung von Fluchtlinien für wefen. Bu konstatieren ist nur, daß die Flucht der Arbeiter aus dem die Straßen 11a und 11b Abt. XI zwischen der Schönhauser Streifgebiet von Tag zu Tag größere Dimensionen annimmt. Der Allee, Bornholmer- und Schivelbeinerstraße geht größte Teil der Abreisenden wendet sich nach dem Rheinlande und an einen Ausschuß, den Stadtv. Na st( A. 2.) beantragt und Stadtv. nach Berlin. Von der Gesamtzahl der Maurer haben sich am Mittwoch nur noch 722 Mann zur Kontrolle gemeldet, während 636 Personen. 360 ledige und 276 verheiratete, bereits ab- g e r e i st sind. Bei den Zimmerern und Bau- arbeitsleuten liegen die Verhältnisse ähnlich. Die „schwarzen L i st e n", welche die Unternehmer in etwa 10 000 Exemplaren in alle Windrichtungen des Reiches ver- sandt haben, scheinen den gewünschten Erfolg doch nicht zu zeitigen, denn es ist bisher kein Fall bekannt geworden, datz Leute zurück- gewiesen werden. Hoffen wir, daß die gute Konjunktur auch für die Zukunft andauert, dann wird das Unternehmertum bald einsehen, das; die weitere Ausdehnung des Kampfes ein nutzloses Spiel ist, nnd daß es auch in seinem eignen Interesse liegt, wenn die im Machtdünkel diktierten Arbeitsbestimmungen, gegen die sich vor allem der Kampf richtet, fallen._ Die Wahrheit ermittelt. Die Kampfesart der Königsberger Polizei gegen die Streikenden führte schon seit langer Zeit zu der Annahme, daß der Befehl zu diesem beispiellosen Vorgehen vom Polizeipräsidium kommen müsse Der Verteidiger der Streikenden bemühte sich vor Gericht, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Die Schutzleute verweigerten aber die Antwort oder machten ausweichende Angaben, ja, einzelne st ritten sogar ab, Befehl erhalten haben, die Streikposten fortzuweisen. Jetzt hat aber die Wahrheit einen glänzenden Sieg errungen. In dieser Woche wurde wieder gegen einige Streikposten verhandelt, weil sie angeblich die„Passage beengt" sein klassischer Aus druck der Königsberger Polizei) haben sollten. DaS Schöffengericht sprach sie aber ohne weiteres frei. Bei dieser Gelegenheit erklärte ein Schutzinann unter seinem Eide, ohne daß er danach gefragt wurde, daß der Polizeipräsident von Königsberg eine Verfügung erlassen habe, daß dasStrerkpostenstehen nicht ge duldet werden soll. Das erklärt wohl zur Genüge das Vorgehen der Schutzleute gegen die Streikposten. Man mutz nun bedenken, daß die Streikenden zwölf Wochen unter diesem Drucke schwer zu leiden hatten. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie die Verfügung, die ganz ungesetzlich ist, auf den Streik zu Ungunsten der Streikenden eingewirkt hat. Daß ein hoher Beamter, dem große Machtmittel in die Hände gegeben sind, solch' eine Verfügung erlassen konnte, sollte man kaum für möglich halten. Das beweist aber aufs neue, daß in Preußen, das so eng mit Ruß- land befreundet ist, alles möglich ist. äluslanck. Der Streik der Textilarbeiter in AdliSwil ist nach kurzer Dauer beendet; die Unternehmer mußten nachgeben und bahnten neue Ver- Handlungen an. Seitens der Streikenden wird auf die Zurücknahme der Maßregelungen verzichtet; Agitation für den Textilarbeiter� Verband darf in der Fabrik nicht betrieben werden. Maßregelungen wegen Teilnahme am Streik dürfen nicht stattfinden: eine Fabrik- kommission wird zur Erledigung vorkomniender Differenzen ein- gesetzt. Ein Streik der Landarbeiter und Pächter ist in einer Anzahl Gemeinden im Gebiete Ferrara ausgebrochen. An demselben sind gegen 5000 Personen beteiligt. Die Regierung hat, wie immer, Gensdarmen und Kavallerie in das Streikgebiet abgesandt. Einige socialistische Führer sind dahin abgegangen, um Ausschreitungen möglichst zu verhüten. Die Föderation der schotttschen Bergleute beschloß eine Nattonal- konferenz einzuberufen, um Stellung zu der von den Unternehmern eingereichten Kündigung der gegenwartigen Minimal-Lohnskala zu nehmen. Die Lumpensortiererinnen eine? Exporthauses in Bourgos (Spanien) wurden sämtlich entlassen, weil sie sich geweigert hatten, täglich eine halbe Stunde länger wie gewöhnlich zu arbeiten. Der Lohn dieser unglücklichen Geschöpfe beträgt 50— 80 Pf. pro Tag. Es gelang mit Hilfe der lokalen Arbeitervereinigung, den Bürgermeister zum Eingreifen zu veranlassen und die Unternehmer gaben nach. Kurze Zeit vorher hatte«s eines harten Kampfes bedurft, um durchzusetzen, daß diesen Arbeiterinnen seitens der Unternehmer Seife, Handtuch und Bürsten zur Verfügung gestellt wurden, damit sie sich nach Schluß dieser die Gesundheit im höchsten Grade gefährdenden Arbeit gehörig reinigen konnten. Man sieht, wie auch hier die Arbeiterschaft um jeden Zollbreit Kulturfortschritt kämpfen muß. Strastenkrnwalle aus Anlaß eines Streiks. Da? offiziöse„Wölfische Bureau" meldet: Nizza, 23. Juni. In vergangener Nacht kam eS zwischen den ausstänoigen Straßenbahnern und der Polizei zu Zusammenstößen. Nach letzterer wurde mit Steinen geworfen: eS fielen mehrere Revolverschüsse, wodurch 1b Personen, unter ihnen vier Polizisten, verwundet wurden. Mehrere der Verwundeten wurden in das Hospital geschafft._ Der Streik der Kohlen-Bergleute von Birtoria(Australien) ist soeben nach einer Dauer von 16 Monaten zu Ende gegangen. Die Ursachen dieses langen Streiks waren folgende: Im Januar 1901 stiegen infolge des südafrikanischen Krieges die Kohlenpreise so hoch, daß eS den Unternehmern möglich war, den Lohn der Bergleute um i5 Prozent zu erhöhen. Der hohe Lohn, der pro Tag 14 M be- trug, zog viele Arbeitskräfte, besonders aus den Goldgruben nach Victoria. Das große Angebot von Arbeitskräften und das Ende des südafrikanischen Krieges hatte zur Folge, daß im Januar 1903 die Kohlenpreise auf ihren nonnalen Stand zurückgingen. Die Untemehmer setzten die Löhne herab und so kam eS zum Ausstand. Die Streikenden hielten sich 16 Monate lang und es gelang ihnen, Streikbrecher fern zu halten. Gelder gingen aus allen Teilen Australiens ein, so daß die Streikenden bis zuletzt eine regelmäßige Unterstützung von 12'/, Schilling pro Woche er- halten konnten.' In letzter Zeit aber hatten die Bergleute von New Castle die Unterstützungen eingestellt, weil st» den Streik für eine verlorene Sache hielten. Den Unten, ehmern war eS mittlerweile gelungen, Streikbrecher heranzuziehen und so erklärten die Streikenden vor kurzem den Ausstand, welcher in Victoria der längste und für vas Gemeinwesen der schädlichste gewesen ist. für beendet. Versammlungen. Der Verein zielbewußter Händler hatte am Mittwoch eine Volks. Versammlung nach der Berliner Ressource einberufen, die sehr stark besucht war. Das Thema der Versammlung lautete:„Der Reichs» verband zur Bekämpfung der Socialdemokratie, Stadkllerordneter Antrick und der Straßenhandel". Wie zu erwarten ivac, bildete der zweite Teil des Themas fast ausschließlich den Gegenstand der Erörterungen. Der Referent Holz mann, oder wie er sich zu nennen pflegt, Senna Höh, gedachte der letzten, auf Betreiben des Reichsverbandeö veranstalteten Händlerversammlung und knüpfte daran längere Ausführungen, in denen er hauptsächlich den Verein zielbewußter Händler vor dem Verdacht: er sei socialdemokratisch, zu schützen suchte. Weiter betonte der Redner, daß der Verein ziel- bewußter Händler sich jeder politischen Tendenz enthalten müsse. Von Herrn Komoll, der in der letzten Händlerversammlung die Ge- schäfte des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Socialdemokratie besorgte, meinte Herr Holzmann, jener Herr habe sich nicht auS bösem Willen zum Werkzeug des Reichsverbandes hergegeben. Be- züglich der abfälligen Aeußerung, die Antrick über den Straßcnhandel zu einer Deputation der Straßenhändler gemacht haben soll, er- klärte Herr Holzmann namens des Vorstandes des Vereins ziel- bewußter Händler: Antrick habe in seiner Erklärung im„Vorwärts" die Händlerdeputation der Lüge geziehen, der Verein erkläre sich mit den Teputationsmitgliedcrn solidarisch und halte die Angabe der- selben aufrecht, wonach Antrick gesagt habe: AIS socialdcmokratischer Stadtverordneter müsse er aegei, die Beschränkung deS Straßen- Handels stimmen, persönlich sei er ein Gegner des Straßenhandels. und wenn er Polizeipräsident wäre, würde er den Straßenhandcl ver- bieten.— Der Verein erkläre, daß Antricks Erklärung im„Vor- wärts" unwahr sei. Der gegen Antrick erhobene Vorwurf treffe diesen nur persönlich, aber nicht die Socialdemokratie. Antrick, der als erster Redner nach dem Referenten das Wort erhielt, führte aus: Er sei nicht gekommen, um sich gegen eine Anklage zu rechtfertigen. Wer ihn kennt, der wisse, daß die Anklage, welche gegen ihn erhoben wird, in sich zusammenfalle, denn als Socialdemokrat trete er selbstverständlich für„die Straßenhändler ebenso wie für alle Unterdrückten sin. Er sei hier erschienen, um eine irrtümliche Auffassung der Deputation richtig zu stellen. Er ' hätte nicht erwartet, daß Herr Holzmann einen so perfiden Vorwurf gegen ihn erheben werde, da Herr Holzmann doch nicht wissen könne, wie sich die Unterredung mit der Deputation abgespielt hat. Er (Antrick) habe der Deputation ausdrücklich gesagt, daß er gegen die Beschränkung des Stratzenhandels sei, er habe die Deputation ge- warnt, sich auf eine„Regelung" des Straßenhandels einzulassen, denn die von den Behörden beabsichtigte„Regelung" komme einer Beseitigung deS Straßenhandels gleich. Vertraulich habe er der Deputatio,. dann gesagt, die Straßenhändler müßten unlautere Elemente, welche das Publikum durch minderes Gelvicht betrügen, aus ihren Reihen fernzuhalten suchen. Er habe dann hinzugefügt: Wenn ich der Polizeipräsident wäre, und von de» Voraussetzungen ausginge, von denen der Polizeipräsident ausgeht, dann würde ich, ohne daß es einer besonderen Verordnung bedürfte, gegen den Straßenhandel vorgehen auf Grund der Thatsache, daß ein Teil der Straßenbändler zu geringes Gewicht giebt.— Redner n-hrne nicht an, daß die Deputation absichtlicki die Unwahrheit sage, sondern er sei überzeugt, daß die Teputationsmitglieder ihn falsch verstanden haben. Nach dieser Darlegung überlasse er es dem Urteil der Ver- sammlung, ob sie ihm oder der irrtümlichen Auffassung der Deputation Glauben schenken wolle L a d e w i g, ein Mitglied der Händlerdeputatton. hielt seine Angaben über die Aeußerung, welche Antrick der Deputation gegen- über gemacht hat, in vollem Umiange aufrecht und erklärte auf das bestimmteste, ein Irrtum seinerieits sei ausgeschlossen. Auch die beiden andren Teputationsmitglieder schlössen sich der Erklärung ihres Kollegen an— Nun sprachen mehrere Redner, welch«, ohne die Angelegenheit Antrick zu berühren, ganz allgemein für die Jnter- essen der Straßenbändler eintraten. Es hatte den Anschein, als ob die Angelegenheit Antrick nicht mehr zuc Sprache kommen werde. Etwa gegen Mitternacht entfernte sich Antrick, nachdem er dies dem Vorsitzenden der Versammlung mitgeteilt hatte. Kaum war Antrick fort, da setzte die Debatte über seine Person und sein« Aeußerung über den Straßenbandel mit erneuter Heftigkeit ein. Kurz vor 1 Uhr verlas der Vorsitzende eine Reiolutton. welche sagt, daß die Erkläning der Deputattonsmitglieder der Wahrheit entspreche, und die Erklärungen Antricks nicht geeignet seien, ihn von den ihm ge- machten Vorwürfen freizusprechen. Grünberg wandte sich dagegen, daß diese Resolution zur Abstimmung komm? ohne daß Antrick Gelegenheit gegeben werde, sich dazu zu äußern Nach weiterer Debatte wurde ein« zweite Re- solution eingebracht, welch« erklärt, die Angelegenheit Antrick sei noch nicht geklärt, die Versammlung erwarte vor endaülttger Stellung- nähme eine nochmalige Erklärung Antticks.— Nach einiger Zeit lebhafter Erörterungen, die unter großer Unruhe der inzwischen stark gelichteten Versammlung vor sich gingen, wurden beide Resolutionen zur Debatte gestellt. G r ü n b e r g sprach für, H o I z m a n n gegen Antrick. Gegen 2 Uhr beschloß die Versammlung ans Antrag de? Vorsitzenden Moritz, mit Rücksicht auf die nur noch geringe Zahl der Teilnehmer heute nicht über die gtcsolution abzustimmen. Dieser Beschluß mißfiel Herrn Holzmann. Er warf dem Vorfitzenden Un- fähigkeit vor nnd beantragte Schluß der Versammlung. Die An- wesenden strebten dem Ausgange zu, da rief ein Mitglied des Bureaus:„Kollegen, die Versammlung ist noch nicht aufgelöstl" Nun trat der überwachende Polizeilieutenant vor und rief:„Dke Versammlung ist geschlossen, der Saal ist zu räumen!" Ans der Debatte sei noch ein Umstand erwähnt. In seinem Referat hatte Herr Holtmann einen seiner Bekannten, einen Herrn Tamille Konrad. beschuldigt, daß er in einer Mitgliederversammlung des Vereins zielbewußter Händler das DevntationSmitglied Ladewig provoziert hahe, den Namen Antricks. den man nicht in die Oeffent- lichkeit bringen wollte, zu nennen. Herr Konrad, der selber wußte, daß die anfangs ohne Nennung Antricks ausgesprochene Beschuldigung sich auf Antrick bezog, habe die Namensnennung unterlassen, um, wie er selbst sagte, sich nicht bloßzustellen, er habe aber Ladewig provoziert, um diesem, den er als Socialdemokraten kannte, Un- gelegenbeiten zu bereiten. In der Debatte machte dann Herr Konrad seinem Freunde Holzmann den Vorwurf, daß dieser in jener Mit- gliederbersammlung zuerst den Ramm Antricks genannt habe. jlnrz vor Schluß der Versammlung nahm Herr Komoll, der Vertrauensmann des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Social- demokratie, das Wort. Er suchte bei den Straßenhändlern dadurch Stimmung gegen die Socialdemokratie zu machen, daß er angab, ein Verein seßhafter Kohlenhändler, der gegen die straßenhandelnden Kohlenhändler Stellung nehme, werde von den SociNdemokcaten, besonders vom Abgeordneten Zubeil, unterstützt. So bemühen sich die Wortführer reaktionärer Bestrebungen, die Straßenhändler für sich einzufangen. Die Straßenreiniger(Sektion V der städtischen Arbetter) hielten am Montag, den 13. Juni, eine öffentlich« Versammlung in den Arminhallen ab. Stadtv. Genosse H f a n n k u ch referierte über: Die Aufgaben der Organisation und ihr Einfluß auf das Arbeits- Verhältnis. Referent wies u. a. besonders auf die Pflichten der Arbeiter gegenüber den Dienstvorschriften usw. hin. Durch die 'ocialdemokratischen Stadtverordneten ist manche Forderung vertreten nnd durchgeführt worden, die lange Zeit den Widerstand der bürger- lichen Mehrheit fand. Die interessanten Ausführungen fanden reichen Beifall.— In der Diskussion wurde besonders über den bestehenden Arbeiter-.'Aueschuh Klage geführt. Verbandssekretär D i t t m e r wies darauf hin, daß die Straßenreiniger allzu lange in Gleichgültigkeit verharrt hätten: jetzt könne nicht auf einmal völliger Wandel geschaffen werden. Bis zur nächsten Arbeiter- Ausschußwahl müsse in umfassender Weise für den Verband agitiert werden, zumal die Zustände in der Strahenreinigung für die Arbeiter allen Anlaß aeben, nur organisierte Kollegen in den Arbeiter-AuSschuß zu wählen, welche der Organisatton stets Rechenschast über ihre Thätigkeit abzulegen haben. Immerhin sind in ganz kurzer Zeit über 200 Mtglieder der Sektion beigetreten. Mit einem Hoch auf den Verband schloß der Vorsitzende die gut be- 'uchte Versammlung. Kupferschmiede. Am Sonnabend, den 13. Juni ct., fand im Gewerkschaftshaus eine Versammlung des Verbandes der Kupfer- chmiede statt, in welcher Genosse B a e g e einen sehr lehrreichen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Entstehung deS Neuen Testament» hielt, an den sich eine rege Diaknssion schloß. Zum Punkte Agitation und wie halten wir nnsre tariflichen Ver- ciNbarnngen ausrecht? teilte der Vorsitzende mit. daß der Wirtschaft- liche Aufschwung, welcher sich vergangenen Herbst in unsrer Branche bemerkbar machte, noch andauere und einen großen Zuzug von Ver- bandS- und indifferenten Kollegen zur Folge gehabt hat, welch« zum größten Teil Arbeit erhalten haben. Die Zahl der gegenwärtig in Berlin und Umgegend arbeitenden Berussgenossen beträgt 636. Davon gehören 460 unserm Verband, 15 dem Metallarbeiter- Verband und die gleiche Zahl dem Hirsch-Dunckerschcn Gewerkverein an. Zählt man außer diesen noch die 30 Kollegen, welche in staat- lichen Betrieben arbeiten und keiner Organisation angehören dürfen, ab, so bleiben über 100 Kollegen übrig, die keiner Organisation an- gehören. Diese müssen noch gewonnen werden, weil bei partiellen Streiks ein Dutzend von diesen Indifferenten genügen, um die Be- strebungen der Organisation unmöglich zu machen, wie es der Streik bei Schering gelehrt hat. Leider gewinnt eS den Anschein, als wenn die günstige Geschäftskonjnnktur und der neue Lohntarif daS Jnleressc der Kollegen für Versammlungen und andre zur AnSbreitnng und Befestigung der Organisation notwendig« Zusammenkünfte ganz Letzte Nacbncbtcn und vepescken. München, 23. Juni.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Das Schöffengericht verurteilte den Redakteur Gruber von der„Münchner Post" wegen Beleidigung der Barfußtänzerin Miß Duncan zu 400 M. Geldstrafe ober 80 Tagen.__ DaS vierte Benzin- Opfer. Frankfurt a. M., 23. Juni.(B. H.) Gestern ist der Telegraphen- arbeiter Nickel von Grävenwiesbach gestorben, der am Tage vor dem Gordon-Bennett-Rennen von einem der belgischen Antomobil-Renn- fahrer überfahren und schwer verletzt wurde. Es ist dies das vierte Opfer der vor dem Wettrennen verunglückten Personen. Straßburg i. Elf.» 23. Juni. 2. Inlaut des„VsmSits" Kerlim MsM Die Verteidigung der Pommernbank. Das schöne sittliche Pathos, mit dem am Dienstag der zweite Vertreter der Anklage die beleidigte Tugend der kapitalistischen Ge- sellschaft gegen die R o m e i ck und Schultz in Schutz genommen hatte, fand am Donnerstag seinen Widerhall in der Rede, die der Justtzrat W r o n k e r zur Verteidigung seines Klienten Schultz hielt. ES ist kein Märtyrer seiner Ueberzeugung auf der Anklagebank so reich mit Tugendkränzen überschüttet worden, wie es den beiden Hofbankiers von ihrem Anwalt widerfuhr. Herr Wronker ordnete seine Ausführungen nach dem großen socialphilosophischen Gesichts- punkte, daß„die Jagd nach Tantiemen niemals aufhören wird, weil sie immer bestanden hat". Damit ist die Legende von der anfänglichen Unschuld des ersten Menschenpaares abgethan, auch das Paradies ist schon ein auf Aktien gegründetes VergnügungS- lokal gewesen, dessen Run die Gegenspekulatton des Teufels herbei- geführt hat. Auch der Run des Pommernparadieses ist„ohne an- ständigen und vernünftigen Grund" herbeigeführt worden, ohne ihn hätte kein roter Heller verloren gehen müssen. Die Rede des Rechtsanwalts Dr. Werthauer leitete nach diesem Tugendstreit der Verteidigung mit der Anklagebehörde die Debatte in die prosaischen Gefilde des modernen Geschäfts- lebens und der kalt verstandesmäßigen juristischen Erwägung zurück. Wenn Jnstizrat Wronker versichert hatte, daß die Thränen, in denen— nach des Staatsanwalts schönem Bilde— die Angeklagten ertrinken, er- sticken und ersaufen müßten,„durch eine andre Quelle vertreten seien, als der, die sich auf der Anklagebank befinde," so gewann man jetzt allerdings den greifbareren Eindruck, daß die„Reorganisation" ver- irachter Banken just auch kein Akt der christlichen Charitas sei. fondern ein kapitalistisches Geschäft voll kluger Berechnung und profitsüchtiger Rücksichtslosigkeit. Es war ein recht moralinfreies Bild des modernen Wirtschaftslebens, das sich aus den Ausführungen des zweiten Verteidigers entwickelte, und stellenweise mochte man sich fast ein wenig an des alten M u n ck e l Schwanengesang im Sandenprozesse erinnern, des genialen Cynikers, der das Treiben unsres goldenen Zeitalters so gut, ach, nur zu gut kannte! Das Hauptgewicht ihrer juristischen Ausführungen legte die Ver- teidigung auf die Auslegmig des§ 312 des Handelsgesetzbuches: „Mitglieder des Vorstandes oder des Aufsichtsrates oder Liquidatoren (einer Akttengesellschast) werden, wenn sie absichtlich zum Nach- teile der Gesellschaft handeln, mit Gefängnis und zugleich mit Geld- strafe bis zu zwanzigtausend Mark bestraft." Bei der engen Jnteressenverbindung, die im vorliegenden Falle zwischen der„Ge- sellschaft" und den Angeklagten, als ihren Repräsentanten und Haupt- Nutznießern bestand, ist es in der That schwer, den Punkt festzustellen, an dem sich das Interesse der„Gesellschaft" von dem der Angeklagten schied. Auch kann den Angeklagten kaum zugemutet�w erden, daß sie den Zusammenbruch der Bank, der auf alle Fälle für sie selbst mit viel Unannehmlichkeit verbunden war, mit„Absicht" herbeigeführt hätten. Zu mindesten zeigt sich, daß der§ 312 des Handelsgesetz- bucheS vom Jahre 1897 nicht mit den Verhältnissen gerechnet hat, die drei Jahre später, beim großen Krach, in Erscheinung ge- treten sind. Es wird besonders interefiant werden, wie der Gerichtshof die Aufwendungen des X-ContoS aus dem Gesichtswinkel des§ 312 beurteilen wird. Nach der vorläufig nur diskret an- gedeuteten, aber durch ihren Standpunkt gegebenen Auf- fassung der Verteidigung, war das Geld natürlich nicht zum Nachteil der„Gesellschaft" ausgegeben, sondern in der Absicht, ihr einen Vorteil zuzuführen.„Man nennt das Backschisch, und man lveitz, wozu man es giebt." Aufwendungen, aus Wohl- thätigkeit und frommem Sinn gemacht, wären natürlich zum Stach- teil der Gesellschaft und strafbare Untreue. Der§ 312 kann aber für das X- Conto nicht in Betracht kommen, wenir man annimmt, daß die Angeklagten das Geld im gemeinsamen Interesse ihrer selbst und der Gesellschaft zu Bestechungszwecken verwendet hätten. In der That, ein schwieriger Fall! »» Der Gerichtsbericht meldet: Stach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichts- Direktor H e i d r i ch nimmt Justtzrat Wronker das Wort zu seiner Verteidigungsrede für den Angeklagten Schultz: Am 18. März sind drei Jahre verflossen gewesen, seitdem die beiden Angeklagten unter dem schweren Verdacht der Untreue und der Bilanzverschleierung in Hast genommen wurden und seit dieser langen Zeit stehen sie unter den. Banne dieser furchtbaren Anklage. Ihre Verhaftung war eine Begleiterscheinung der schweren wirtschaftlichen Krisis, die über unser Vaterland hereingebrochen war. Was die Angeklagten in diesen drei Jahren durchgemacht haben, ist eine sehr schwere Buße, selbst wenn sie strafrechtlich gesündigt hätten, was aber keineswegs der Fall ist. Die beiden Angeklagten haben in dieser Zeit Gelegenheit gehabt, zu zeigen, waS sie können und was sie wollten, der Gerichtshof hat sie kennen gelernt als Männer von hoher Intelligenz, ungewöhnlicher Thattraft und phänonienaler Begabung; sie wußten, was sie wollten und thaten, sie haben die beste und schönste Zeit ihres Lebens der Pominernbank und dem Ziele gewidmet, die Pommernbank aus schweren, Debacle zu neuem Glänze und neuen Ehren emporzuführen. Dieses Ziel zu erreichen, sind sie redlich bestrebt gewesen und zwar mit durchaus zulässigen Mitteln. Sie haben der Bank nicht nur innerlich'materielle Vorteile zugeführt, sondern sie habe» auch äußere Ehren eingeheimst: Herr Schultz, der mit 28 Jahren schon der Direktor der großen Bank geworden war, hat es bis zum Kommerzienrat gebracht, die Bank ist Hofbant geworden. Natürlich haben auch die Angeklagten materiellen Gewinn gehabt, die Staats- anwaltschast kann aber mit Fug und Recht nicht den Nachweis er- bringen, daß die Angeklagten eigennützig gehandelt haben. Wo es sich um den Vorteil der Bank handelte, verzichteten sie mehr als einmal auf ihnen zustehende Bezüge. Man bat gesehen, daß sie Jahre lang ihre Thätigkeit der Strelitz-Bank gewidmet haben, ohne einen roten Heller dafür zu beanspruchen und daß sie auch nach ihrem Ausscheiden auf Wunsch der Mecklenburg- strelitzschen Regierung dem Institut beratend zur Seite gestanden haben. Man denke doch daran, daß 1896 626