Ur. 147. flbennemttitS'Rtdlngungeii: «BorotcmentS- Preis prünumerand» i VierteljShrl. s,zo MI., monatl. I.l0 wöchentlich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzewe Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post. Abonnement: l.lv Marl pro Monat. Eingetragen In die Post-ZeitungS« Preisliste. Unter Kreugband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sör das übrige Ausland S Marl pro Monat. Sl. Jahrg. vi« Inlertlonz-GevUhk beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftkche Vereins- und Bersanmilungs-Anzeigen 25 Psg. „Kleine Hnzetgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- unt Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Crfittlat tigll» aaStr tnontigt. Derlinev VolksblÄtt. relegramm- Adresse: .,SoÄZlilew»l!»t üillsb". Tentralorgan der rozialdcmokrati fchen parte« Dcutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnetraeac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den ÄS. Juni 1904. Expedition: SM. 68. �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1981. Die Kieler Jllnsion. AIS im April bekannt wurde, dah der englische König seinen kaiserlichen Neffen auf deutschem Boden ausführlich zu besuchen ge denke, versuchte die deutsche Presse zunächst, das für derlei Borsälle stets bereite Schema zu verwenden; es wurde ein großes, ein europäisches, ein weltpolitisches Ereignis angekündigt. Der Sinn des Ereignisses aber wurde ebenso gegensätzlich gedeutet wie in der deutschen Bourgeois-Presse— soweit die totale Unselbständigkeit in auswärtigen Dingen überhaupt eine Meinungsbildung zuläßt— diese zweierlei Tendenzen vor- herrschen: Die einen schwammen in der Hoffnung neuer deutsch englischer Annäherung; die andren dagegen fürchteten, daß Deutschland sich einem perfiden Streiche Albions aussetze, das bei Rußland, dem letzten Freunde Deutschlands, Mi trauen zu entfachen beabsichtige, um so Deutschland vollends zu isolieren. Bald jedoch mußte der Versuch, den englichen Besuch zu einem Ereignis aufzublähen, in sich zusammenbrechen. Die«Norddeutsche Allgemeine Zeitung", deren Aufgabe es ist, in jeglicher Fürsten- begegnung und jedem Diplomatenschwatz dem staunenden Volke die geheimnisvoll waltenden Kräfte der Welthistorie zu verkünden, mußte selbst die ungewohnte Aufgabe vollziehen, das nahende Kieler „Ereignis" zu entthronen. Wenn nämlich einer jener beiden Auf- fasiungen, die in der deutschen Presse hervorgetreten waren, ein Teil Wahrheit zukam, so der letzteren, die dem englischen Besuch mißtrauensvoll entgegensah. Darum erließ die„Norddeutsche" am 6. d. Mts. eine offizielle Note, in der erklärt wurde, irgend ein „fertiges politisches Programm" für die Begegnung des Königs Eduard mit dem Kaiser sei nicht vorbereitet; die Kieler Begegnung, „ohne jeder politischen Bedeutung zu entbehren", sei„von beiden be- teiligten Seiten nicht zu besonderen neuen Abmachungen be- stimmt." Seitdem hat auch die Presse, der jede Hand- bewegung und jeder Fußtritt eines Fürsten Weltereignisse sind, sich darein finden müssen, daß Kiel mit der„großen Politik" nichts zu thun habe. König Eduard VH. hat die deutschen Gewässer erreicht und die „Kieler Woche", die mit einigen Regattafahrten eingesetzt, wird sich in aller Herrlichkeit entfalten. Die Zeitungen, die den politischen Deutungskünsten entsagen mußten. strotzen bereits in üppigen Schilderungen des beginnenden großen Schaustücks. Die Socialdemokratie, so fern gerade sie sich von jeder Ueberschätzung monarchischer Freundschaftsbezeugungen hält, bedauert, daß diese Kieler Woche eben nur Schau st ück und nur ein Ausdruck der persönlichen Beziehungen der beiden Monarchen ist. In demselben Maße als die deutsche Social- demokratie die Ueberintimität Deuffchlands mit Rußland ver- wirft, weil sie weltpolitisch und innerpolitisch unheilvoll für Deutsch- land ist, in demselben Maße bedauert sie die seit Jahren gesteigerte politische Verfeindung zwischen den maßgebenden Klassen Englands und Deutschlands. Die Socialdemokratie wünscht eine Verbesserung der deutsch-englischen Beziehungen ebenso wie sie nicht daran denkt, in dem Kieler Festgetümmel irgend welchen Anlaß zur Er- füllung ihres Wunsches zu erkennen. Kaiser Wilhelm II. hat soeben, ausgehend von der Jnter- Nationalität des Sportbetriebes, von den Fortschritten der Solidarität unter den Kulturvölkern gesprochen. Dieses Wort wird in den nächsten Tagen in allerlei Variationen forttönen und es wird die Surrogatlosung sein für das„politische Ereignis", auf das ver- zichtet werden muß. Diese„Solidarität" aber ist nicht von heut. Solche Verbindung besteht seit langem gerade zwischen dem englischen Königshaus und dem deutschen Kaiser. Wenn Eduard VII. jetzt mehrere Tage Deutschland besucht, Wilhelm II. hat— zum Verdruß der deutschen Englandhasser— zehn Besuche statt des einen auf englischem Boden abgestattet. Er hat an so mancher Regattafahrt, an so manchem Wasser- und Landsport in England eifrig teil- genommen. Diese„Solidarität", die vor längerer Frist schon sich in dem Worte„Blut ist dicker denn Wasser" bekräftigte, ist jedoch für die Gestaltun g der politischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten gänzlich ohne Einfluß geblieben. Die Thatsache, daß die gesamte bürgerliche Presse Deutschlands sich schnell bequemen mußte, die Bedeutungslosigkeit der Kieler Woche zuzugeben, ist das einzig Bedeutungsvolle der Kieler Woche.. Die„Kölnische Zeitung", in einem gewiß offiziös beeinflußten Artikel zur Begrüßung des Königs Eduard, sagt daher jetzt in aller Nüchternheit: „Aber bis wir(Deutschland und England) uns wieder gegen- seitig vor aller Welt an unsre Jntereffengemeinschaft und Raffen- Verwandtschaft und daran erinnern können und wollen, daß Blut dicker ist als Waffer, wird vermutlich noch manche Regatta in Kiel gesegelt werden." Und die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" selbst leistet an der Spitze ihrer heutigen Ausgabe einen offiziellen EmpfangSartikel, der weit absticht von den sonst üblichen politischen Bewertungs- versuchen dynastischer Festlichkeiten: „Seine Majestät der König von England trifft heute, begleitet von einem stattlichen Geschwader, an Bord seiner Dacht in den deutschen Gewässern ein und gedenkt durch den Kaiser Wilhelm- Kanal die Fahrt nach Kiel fortzusetzen, wo er als Gast des beut- schen Kaisers weilen wird. Bietet dieser Besuch den beiden in enger Verwandtschaft und herzlicher Freundschaft verbundenen Monarchen erwünschte Gelegenheit, Tage ungezwungenen persön- lichen Verkehrs mit einander zu verleben, so gewinnt er eine weitere schöne Bedeutung durch den Rahmen, in dem er sich ab- spielt, und den Schauplatz, auf dem e" vor sich geht: dem auf- blühenden deutschen Segelsport wird eine auszeichnende Anerkennung seiner Leistungen zu teil, indem das Oberhaupt der englischen Nation seinen Veranstaltungen eine sachkundige Aufmerksamkeit zuwendet, und die junge deutsche Marine ist stolz darauf, den Chef der grüßten Kriegsflotte der Welt an der Haupt- stätte ihrer Friedensarbeit zu begrüßen. Möge es zur Befestigung der allgemeinen friedlichen Tendenzen in den Beziehlmgen der Nationen dienen, daß die beiden Monarchen sich zu fteundschastlichem Gedankenaustausch begegnen! Wir entbieten Seiner Majestät dem König Eduard unfern ehrerbietigen Willkommensgniß mit dem Wunsche, daß er von den Kieler Tagen die besten Eindrücke empfangen möge." Das ist die völlige Bestätigung der politischen Bedeuwngs- losigkeit der Kieler Woche. Dem ernsthaften Politiker kann darum das Schein- und Schaustück von Kiel nur das Bedauern schärfen für die wirkliche Ungunst der Beziehungen der beiden großen Staaten. Man leistet beiden Völkern, dem englischen und dem deutschen, einen schlechten Dien st, wenn man in den Festlärm der Sportsolidarität irgendwie einstimmen, wenn man die Kluft, die beide Nationen heute spaltet, mit schön beschriebenem Papier über- brücken, wenn man nicht auf die Gefahren aufmerksam machen wollte, denen diese Nationen entgegeneilen. Auch die englische Presse— und im Unterschied zur deutschen kennt sie auswärtige Politik— ist ganz entfernt, die Fahrt Eduards Vll. auch nur als ein Symptom der-Besserung der deutsch- englischen Beziehungen anzusehen. In ihren äußerst ruhigen Aeußerungen spiegelt sich durchaus die Stimmung wieder, die in der englischen Bourgeoisie gegenüber Deutschland vorwiegt. Wie diese Stimmung beschaffen ist, sagt uns gerade aus Anlaß der Kieler Woche unser Londoner Korrespondent: Der politisch denkende Engländer der leitenden Schichten sagt sich: Deutschland ist seit 8 Jahren und in stets steigendem Matze an dem Ausbau seiner Flotte beschäftigt. Es drängt darauf, sich eine Kriegsflotte zu schaffen, die dem englischen Kanal- geschwader mehr als gewachsen sein soll. England ist kolonial-gesättigt; Deutschland ist kolonial-hungrig. Die Briten find nur noch an der Konsolidierung ihres Reiches beschäftigt; die herrschenden Kreise Deutschlands wollen einen deutschen Imperialismus. England kämpft mit offenem Visier gegen Rußland, seinen traditionellen Feind; Deutschland buhlt um dessen Freundschaft; in Ostasien stehen wir im selben Gegensatz: England will die Integrität Chinas; Deutschland die Teilung. Wohin wir blicken, sei es auf ökonomischem, sei es auf politischem Gebiete, stehen sich beide Länder feindlich gegenüber. England ist ftei, aber desorganisiert, fast ohne Staat und ohne Armee; seine Bürger ohne jede Uebung im Gebrauch der Waffen. Und die Flotte? Wer weiß, wie es mit dieser steht I An- gesichts der Thatsache, daß wir allen militärischen Geist und alle Organisationsfähigkeit eingebüßt haben, kann auch die Flotte nicht auf der Höhe der Zeit sein. Deutschland dagegen ist unftei, seine Herrscher haben es in eine gewaltige„üx-btinx maobins" (Kriegsmaschine) verwandelt, die auf den Druck ihrer Führer auto- mansch gegen uns wirtsam werden wird. So etwa denkt der gebildete, progressiv gesinnte Engländer. Der einfache Engländer macht's kürzer: die Deutschen wollen uns unfern Handel und unser Reich nehmen. Deshalb die Gleichgültigkeit gegenüber dem Kieler Besuch. Böse Zungen sagen. der König statte seinem Neffen eine diplo- matische Kondolcnzvisite ab... Wir sind stets der Ueberzeugnng gewesen, daß die kommerzielle und industrielle Rivalität zwischen Deutschland und England keines- Wegs die politische Verfeindung zur Folge haben muß, die sie zur Folge gehabt hat. Erst die Einleitung einer Aera der Welt- Politik in Deutschland hat die politische Verfeindung herbeigeführt. Die übermäßigen Flottenrüstungen Deutschlands mußten den brittschen Argwohn erregen und jeder neue Umsturz des Flotten- Programms mußte ihn verstärken. Gerade jetzt arbeiten die Interessenten des Kriegsschiffsbaues um die Wette mit verstiegenen Weltphantaften an den Treibereien zu nochmaligem Umsturz des letzten großen Flottenprogramms. Und man weiß, daß das Reichs-Marineamt neue Flotten- vorlagen vorbereitet. So wird durch den Wahnwitz der Kriegs- rüstungen der Zwist unter Nattonen stets mehr verschärft, deren wahre Aufgabe wäre, in wirtschaftlichem und polittschem Wetteifer Kulturziele zu erringen. Toll sich steigentde Kriegsbudgets und Zuspitzung nationaler Gegensätze— das ist d i e W i rt li ch keit der Solidaritätsillusion von Kiel!__ Von Kirchenbau und Hofbank. Die silberne Hochzcits-Mvsaik. Es bestättgt sich vollauf die neuere Mirbach-That der Benutzung des behördlichen Apparats zur frommen und monarchischen Geld- eintreibung. Es war mitgeteilt worden, daß Frhr. v. Mirbach die Obcrpräsidenten ersucht hat, bei den Reichen des Landes Geldsummen einzuholen— kleinere Beiträge sind„allgemein unbeliebt"!—, mit denen eine kunstvolle Mosaik der Kaiser Wilhelm-GedächtniS-Kirche für die silberne Hochzeitsfeier des Kaiserpaares hergestellt werden soll. Der „Berl. Ztg." ist jetzt der Wortlaut des Schreibens zur Kennttlis gelangt, das eine untere Behörde zur Erfüllung des Mirbach-WnnscheS an die Zahlungsfähigen richtete. Der L a n d r a t des Kreises Teltow Herr v. Stubenrauch erfreut sich, wie bekannt, besonderen Wohlwollens des Kaisers; wie sollte er nicht an einem Werke teilnehmen, das seinem hohen Herrn silberne Hochzeitsfreude zu bereiten bestimmt ist? Herr v. Stubenrauch schrieb also: „In allen Teilen der Monarchie haben sich Komitees gebildet, um unsrem Kaiserpaare als Gabe zu dem Tage seiner silbernen ?ochzeit, den 27. Februar 1906, den Ausbau der Kaiser Wilhelm- ls Zeichen des Dankes darzubringen. begonnenen Mosaikschmuckes edächttnskirche Die Fertigstellung des bereits erfordert über eine Million Mark, sie wird, da iminer nur kleine Teile der Kirche dem Gottesdienst entzogen und für die Mosaik- arbeiten abgeschlossen werden können, wenigstens noch zwei Jahre beanspruchen. Es mutz daher sofort mit der Ausführung begonnen werden. Etwaige Ueberschüsse der Sammlung würden zmn Ausbau der dem Gedächtnis der Kaiserin Augusta errichteten Gnadenkirche und zur Unterstützung von Wohlthätigkeitsanstalten für Arme und Kranke verwendet werden. Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin soll am 27. Februar 1906 eine kiwstlerisch ausgestattete Huldigungsadresse aller Geber überreicht werden. Der glückliche Gedanke, eine Spende zu widmen, die neben ihrer Bestimmung als Gabe zur silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten zugleich dem Ausbau der dem Andenken unsres großen Heldenkaisers errichteten Kaiser Wilhelm- Gedächwiskirche, dieses hehren Nationaldcukmals, dient, läßt erhoffen, daß sich niemand von der Förderung dieses Vorhabens ausschließen wird, und dem Ver- nehmen nach sind in andren Teilen der Monarchie auch schon größere Beträge zusammengebracht worden. Damit nun unser Kreis Teltow nicht zurücksteht, wo es gilt, unserm Herrscherpaare ein äußeres Zeichen unsrcr Ver- ehrung darzubringen, darf ich wohl die Bitte aussprechen, daß Euer HochwoHlgeboren Ihren Beitrag an mich und zwar unter der Adresse des Direktors Hannemann, Berlin IV. 10, Viktoria- straße 13, gelangen lassen. (gez.) v. Stubenrauch, Komiteedelegierter." Die Aktiengesellschaft, an welche das Schreiben ge- richtet war, eilte, 500 M. abzuliefern, worüber der Komiteedelegierte v. Stubenrauch„mit dem Ausdruck verbindlichsten Dankes" quittierte. Die Leiter der Aktiengesellschaft haben sicherlich mit Hilfe des Evenwal-Dolus annehmen dürfen, daß die Aktionäre, deren Geld sie spendeten, mit der patriotischen Gabe einverstanden seien. Eine Erkundigung dariiber, ob die Attionäre sonst Kirchen be- suchen, ob sie zur Gothik oder zum orientalischen Bausttl halten, dürfte Herr v. Sttibenrauch ersparen, da nach dem Zeugnis des Freiberrn v. Mirbach, wie des Landrats v. Stubenrauch die Kaiser Wilhelm-Gedächwiskirche ein„nationales Denkmal" bedeutet. Die nationalen Aktionäre aber haben ihre Gabe gern gestiftet trotz der schmerzlichen Zumutung, daß ihr nationales und frommes Thun, das sie still zu verrichten gedachten, in einer„künstlerisch ausgestatteten HuldigungSadreffe aller Geber" offenbar gemacht werden soll. Hoffen wir, daß die Mosaik-Summe bereits aufgebracht und überzeichnet ist. Der Ueberschutz würde vielleicht Freiherrn v. Mirbach in die frohe Lage setzen,„seinen Vereinen" das unrechte Pommern-Gut zurückzahlen zu lassen. Mirbach baut weiter. Es wird gemeldet: Posen, 24. Juni. Heute wurde in dem ftüheren Vorort St. Lazarus der Gnindstein zu der unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin zu erbauenden evangelischen Kirche gelegt. Anwesend waren der Oberhofmrister Ihrer Majestät der Karserin, Freiherr v. Mirbach, sotvie die Spitzen sämtlicher Militär- und Civilbehörden. Die Weiherede wurde von dem Gemeindegeistlichen, das Schlutzgebet von dem Geucral-Silperintendenten Hesekiel gesprochen. Die litterarische Hofbank. Was die Sauden und Schultz an Geldspenden, das leistete für die Werke der Fröinmigkeit und des Monarchismus das„Kleine Journal" litterarisch. Wir ließen den Dr. Leo Leipziger von diesen Hoflieferungen, die er einst— als er patriotisch war— leistete, gestern erzählen; es ist jedoch gar ergötzlich, eine jener patriotischen Lieferungen aus der Zeit der Palästinareise sich noch- n, als zu� erinnern. Es findet sich an der Spitze deS„Kleinen Journal" vom 6. Februar 1399 dieser tiefstem Busen entströmende Aufruf: „An unsre Leser! Die Reise deS Kaisers und der Kaiserin nach Palästtna, drei Vorträge, gehalten vom Oberhofmeister der Kaiserin, Frei- Herrn v. Mirbach, ist als Broschüre erschienen. Das in sehr eleganter Ausstattung im Verlage von Mittler u. Sohn Hierselbst erschienene Buch ist mit einem Plan von Jerusalem und einer wohlgelungenen Photographie geschmückt, welche den Kaiser hoch zu Roß im Zeltlager von Jerusalem darstellt. Freiherr v. Mirbach giebt in seinem Werke eine licht- volle Schilderung des Aufenthalts des KaiserpaareS an den heiligen Stätten. Er läßt Land und Leute in greifbare Nähe gerückt an uns vorüberziehen, charakterisiert in trefflicher Weise den Eindruck, welchen das heutige Jerusalem auf den frommen Pilger hervor- ruft, und findet die Worte, um die gewaltige Be- g e i st e r u n g zu schildern, welche das Erscheinen unsres HerrscherpaareS im Orient hervorgerufen hat. Gerade durch seine Stellung war Frhr. v. Mirbach vor- nehmlich dazu berufen, als authentischer Dolmetscher die Gefühle wiederzugeben, welche unsren Kaiser beseelten, als er die Palästina- fahrt unternahm und dieselbe zu glücklichem Ende führte. Diese schwere und dankbare Aufgabe hat der Herr Verfasser glücklich gelöst und seine litterarische Arbeit hat dadurch einen historischen Wert für das gesamte deutsche Volk gewonnen. Der Ertrag ist fürWohlthätigkeitszwecke bestimmt. Zum Preise von 1 Vi. auch zu beziehen durch die Expedition des„Kleinen Journals", Friedrichstr. 239." Leider hat das„gesamte deutsche Volk" so wenig Verständnis für die schriftstellerische Leistung des Freiherrn v. Mirbach und für seine. Wohlthätigkeit gehabt, daß Dr. Leo Leipziger, da er keinen Ertrag erzielte, den fromm erlogenen Tausendmarkschein aus eigner Tasche dem Freiherrn überreichte. Ohne Zweifel wird Freiherr v. Mirbach solche Entweihung der Palästinareise durch alsbaldige Zurückerstattung auch dieses Tausendmarkscheins rächen! Exccllcnz Mirbach vor Gericht. Die„Zukunft' hatte Einblick in den stenographischen Bericht des Pommernbank-Prozesses. Daraus ergeben sich noch mancherlei Neuigkeiten, die der gewöhnliche Gerichtsbericht der- barg. Wir geben hier einiges wieder samt Glossen der genannten Zeitschrift. Das Schreiben des Oberhofmeisters an den Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel vom 14. d. M. lautet: „Euer Hochwohlgeboren erlaube ich mir ergebenst zu benach- richtigen, daß ich, mit Rücksicht auf die im Pommernbank-Prozesi am achten Juni gemachten Ausführungen, es für wünsckienswert halte, meine Vernehmung vor Gericht eintreten zu lassen, und bitte demgemäß, mich baldigst vorladen zu wollen." So verkehren große Herren mit der Prokuratnr; wenn sie eS für wünschenswert halten, erbitten sie ihre Vernehmung: und ihr Wunsch wird, auch ohne sachliche Mottvierung,„baldigst" erfüllt... In der ersten Stunde desselben Verhandlungstages, an dem Mirbachs Brief verlesen wurde, hatte der Vorsitzende gesagt: „Wir können uns in öffentlicher Sache nicht anf persönliche Dinge einlassen"; und einem Zeugen das Wort abgeschnitten. Jetzt fand er die Vernehmung des Oberhofmeisters nötig; im Interesse der Sache, versteht sich, nicht etwa der Person.„Zur Aufklärung des Sachverhaltes über die Hingabe der Gelder ist die Vernehmung von Wert." So sprach er am IS. Juni. Am 9. Juni hatte er. nach Buddes Aus- sage, über denselben Gegenstand als Gerichtsbeschluß verkündet: „Für uns ist der Punkt erledigt"; und weder Mirbach noch die von Budde genannten Thatzeugen vorgeladen. Nun war der Punkt nicht mehr erledigt, war die Vernehmung zur„Aufkärung des Sachverhalts von Wert". Dann, scheint mir, mußte der Gerichshof sie auch ohne Mirbachs Brief anordnen.... ... Außerdem(sagte Freiherr von Mirbach vor Gericht) „sollen im Oktober noch 50 Ovo M. gestiftet worden sein; von dieser Summe ist weder mir noch einem meiner Vereine etwas zugegangen". Ganz richtig: diese 50 000 M. hat, auf Mirbachs Empfehlung, im Oktober 1900 das„Kleine Journal" von den Pommern empfangen: sie wurden, mit gutem Grund, auf das Konto X des Freiherrn geschrieben und Schultz und Romeick erklärten den Kassenbeamten:„Mit dieser Sache haben wir weiter nichts zu thun." Schade, daß der Kirchengründer nicht die„Zukunft" liest; sonst hätte er sich der Thatsache erinnert und nicht nur gesagt:„Von dieser Summe ist weder mir noch einem meiner Vereine tewas zugegangen." Denn sie wurde auf seinen Wunsch ausgezahlt. ...„Sind sonst noch Fragen an Exccllenz?" Keine. Am nächsten Tag lasen wir in vielen Zeitungen, die Angelegenheit sei nun zu allgemeiner Befriedigung aufgeklärt und nur zu bedauern, daß der Freiherr nicht schon früher gesprochen habe. Ich bedauere noch mehr, daß er nicht gesagt hat, ob er auch Privat- geschäfte mit der Ponrmernbank in achte. Der Preußenbank hatte er sein Godesberger Terrain zum Kauf an- geboten; und Sauden sprach über dieses Geschäft nicht gern.jl_ politifcbe üebcrficbt. Berlin, den 24. Juni. Prenhisches Herrenhaus. Das Herrenhaus mußte sich am Freitag nochmals mit dem Wildschon- Gesetz befassen, das das Abgeordneten- haus in einigen Punkten abgeändert hatte. Es stimmte nach längerer Debatte den vom andren Hause beschlossenen Acnde- rungen zu und nahm ferner auf Antrag des Grafen Mirbach gegen den Widerspruch der Regierung eine Resolution an, die die Regierung auffordert, Prämien für erlegtes Raubzeug ein- zuführen.— Ferner nahm das Haus den Gesetzentwurf betr. die Verpflichtung zum Besuche ländlicher F o r t b i l d u n g s- schulen in der Provinz Hessen-Nass au in der Fassung des Abgeordnetenhauses, d. h. unter Verbot des Fortbildungs-Schulunterrichts an Sonntagen an. Aus der Debatte ist eine charakteristtsche Aeußerung des Freiherru v. D u r a n t zu erwähnen, der das Wissen zwar nicht als Hauptbedingung für das Fortkommen der jungen Leute be- zeichnete, aber großmüttg genug war, anzuerkennen, daß unter Umständen auch das Wissen von Nutzen sein kann. Allmählich scheint also selbst bei dem Dunkelmann Durant der Gedanke durchzusickern, daß Kenntnisse doch nicht so ganz zu verachten sind. Unter den Petittonen, mit denen sich das Haus schließlich noch beschäfttgtc, ist die um Einrichtung eines Vorortverkehrs für die Strecke Breslau— Dt.-Lissa zu erwähnen. Das Haus überwies nicht nur die Petition selbst der Regierung zur Er- wägung, sondern forderte die Regierung auch zu Erwägungen über die Einrichtung des Vorortverkehrs für Großstädte im allgemeinen auf. Wie der Präsident am Schluß der Sitzung mitteilte, wird die Vertagung des Landtages am S. Jnli, vielleicht schon am I. Juli erfolgen. Sonnabend: Kleinere Vorlagen und Petittonen.— Saaraiien bei Berlin. Die Oeffentlichkeit aller parlamentarischen Verhandlungen und des gerichtlichen Verfahrens gehört zu den Grundlagen des modernen Staates, die selbst in Preußen bisher nicht angetastet worden sind. Die Oeffentlichkeit ist allerdings den Verteidigern und Interessenten des pattiarchalischen Systems höchst zuwider, und die herrschende Klasse in Preußen, das von den Junkern als eine Art Familienfideikommiß betrachtet wird, würde am liebsten in Re- gierung, Verwaltung, Gesetzgebung und Justiz das Wort Brause- Wetters zur Wahrheit machen, daß es eine Oeffentlichkeit nicht gebe. Thatsächlich wird denn auch überall versucht, die Oeffent- lichkeit auf pattiarchalischem Wege einzuschränken oder zu umgehen. Aber das sollte man nicht für möglich halten, daß einer der höchsten Regienmgsbeamten, und zwar nicht etwa jemand an der russischen Grenze, sondern ein Mann aus der unmittelbaren Nähe der Reichshauptstadt sich in einein öffentlichen Aktenstück zu dem Grundsatz bekennt, daß die gesetzlich gewährleistete Oeffentlichkeit nicht existiere, sondern daß es vielmehr von dem guten Willen irgend eines Dorfschulzen abhängt, ob sie zugelassen werden solle oder nicht. Dennoch ist diese Unmöglichkeit wirklichste Wirklichkeit, wie der folgende Fall lehrt: In Drewitz bei Potsdam finden die Gemeinderats-Sitzungen im Hause des Gemeindevorstehers statt. Nach§ 109 der Land- gemeinde-Ordnung für die östlichen Provinzen sind die Sitzungen der Gemeindeversammlung öffentlich. Es können als Zuhörer alle zu den Gemeinde-Abgaben herangezogenen männlichen großjährigen Personen beiwohnen, welche sich im Besitz der bürgerlichen Ehren- rechte befinden und Gemeinde- Angehörige oder stimmberechtigte Forensen oder Vertreter von Stimmberechtigten sind. Der Gemeindevorsteher von Drewitz nun glaubte, daß er Zu- Hörer nicht zu dulden brauche, weil der Sitzungsraum seine Privat- Wohnung ist. Ein Gemeinde- Angehöriger wendete sich wegen dieser gesetzwidrigen Eigenmächtigkeit beschwerdeführend an den Landrat des Kreises Teltow. Herr v. Stubenrauch antwortete unter dem 21. Januar 1904: Die Sitzungen fänden in einem Privat- räume statt: ein besonderer Dienstraum sei dem Gemeindevorsteher nicht zur Verfügung gestellt.„Es ist dies", so fühtte Herr v. Stuben- auch weiter aus.„bei dem jetzigen Umfange der Landgemeinde Drewitz nicht erforderlich; wo aber kein Raum vorhanden ist, haben die Zuhörer ihr Recht, den Gemeindevertreter-Sitzungen beizuwohnen, verloren. Die in Drewitz getroffene Einrichtung besteht übrigens in allen Landgemeinden von gleichem Umfange". Der Bescheid des Landrats war insofern unanfechtbar, als nach einer ministeriellen Deklaration des H 109 die Oeffentlichkeit nur in- soweit stattfindet, als das Versammlungslokal Raum genug bietet, um neben den Mitgliedern der Versammlung noch Zuhörer auf- zunehmen. Es ist aber selbstverständlich— sonst wäre es ja möglich die Oeffentlichkeit überall auszuschließen— daß die gesetzliche Oeffentlichkeit unter allen Umständen dadurch gewährleistet wird, daß wenigstens eine Person als Zuhörer Raum findet. Und auch in dem Zimmer des Gemeindevorstehers von Drewitz wird es keine Naturnninöglichkeit sein, daß noch eine oder ein paar Personen darin Platz finden. Der§ 109 verpflichtet nattirlich nicht zur Zulassung einer unbeschränkten Anzahl von Zuhörern, aber doch dazu, daß wenigstens eine Person den Begriff der Oeffentlichkeit erfüllen kann. Das hat der Landrat v. Stubenrauch übersehen und seine Bemerkung, daß in Landgemeinden gleichen Umfanges dieselben Einrichtungen wie in Drewitz bestehen, deutet darauf hin, daß auf dem Lande die gesetzliche Oeffentlichkeit in der Praxis vielfach oder auch in der Regel nicht existiert. Der Beschwerdeführer wandte sich nun an den Minister, der die Sache dem Regierungspräsidenten von Potsdam zur Entscheidung übergab. Dieser Herr, ein von der Schulenburg, griff das Problem nun von einer andren Seite an, und er hob aus eigner Machtvollkommenheit den§ 109 praktisch auf. Unter dem 11. Juni 1904 erging aus Potsdam eine Verfügung, die in folgenden denkwürdigen Sätzen gipfelt: „Aber auch bei sachlicher Nachprüfung erscheint sie(die Be- schwerde) unbegründet; denn der Gemeindevorsteher hat dadurch, daß er die Abhaltung der Sitzungen der Gemeindevertretung in seiner Privatwohnung gestattet hat, sich nicht seines Hausrcchts de- geben und kann daher gegen seinen Willen von Aufsichtswegen nicht veranlaßt werde», zu den Gemeindevertreter-Sitzungen in seiner Privatwohnung Zuhörer zuzulaffen. Solange daher die dortige Gemeindevettretung fiir ihre Sitzungen nicht einen besonderen Dienftraum durch Erbauung eines Gemeindehauses oder in sonst geeigneter Weise beschafft, und der Gemeindevorsteher infolge dessen gezwungen ist, die Sitzungen der Gemeindevertretung in seinem Hause abzuhalten, kann das im Z 109 der Landgemeinde-Ordnung vom 3. Juli 1891 vorgesehene Recht, an den Sitzungen der Gemeindevertretung als Zuhörer teil- zunehmen, im Einzelfalle nicht gegen den Willen des Gemeinde- Vorstehers ausgeübt werden. In Wirtshäusern oder Schankwirtschaften soll die Abhaltung von Sitzungen der Gemcindeverttetung nach K 104 a. a. O. in der Regel nicht stattfinden; daher können solche Lokale vor- liegenden Falles nicht in Frage kommen. Die Benutzung des Schulhauses zur Abhaltung von Ge- meindevertreter-Sitzungen ist nach den angestellten Ermittelungen nicht thunlich, da sich daselbst ein geeigneter Raum mit für Er- wachsenen passenden Subsellien nicht befindet." Also Herr von der Schulenburg, Regierungspräsident von Potsdam. Sein Entscheid eröffnet weite Aussichten, wie die verhaßte Oeffentlichkeit ebenso geräuschlos wie gründlich beseitigt werden kann. Der Landgerichtsdirektor beraumt die Termine in seiner Privat- Wohnung an; dann schließt er kraft seines Hausrechts die Oeffent- lichkeit aus. Der Reichstagspräsident lädt das hohe Haus in seine Privatwohnung ein— der Raum ist ja bei der geringen Frequenz immer vorhanden— und kein Zuhörer wird geduldet. Auch Wahl- Handlungen können hinfort kraft des Hausrechts unöffentlich gestaltet werden. Schließlich braucht auch das Hausrecht des Gemeinde- Vorstehers von Drewitz nicht bei dem Ausschluß von Gästen sein Genügen finden; da er sich— nach Herrn v. d. Schulenburg— seines Hausrechts nicht begeben hat, darf er ja auch schließlich ihm unsympathische Gemeindevettreter aus„seinem" Zimmer weisen. So läßt sich eines der wichttgstcn, modernen staatsbürgerlichen Rechte, die Oeffentlichkeit, mittels des Hausrechts vernichten. Man beachte auch den zartsinnigen Unterschied in der Regierungspräsidenten- Verordnung: Die nur als Wunsch auf- tretende Besttmmung der Gemeinde- Ordnung, daß in der Regel die Sitzungen in Wirtshäusern nicht stattfinden sollen, ist ihm zwingendes Gebot, während ihm das zwingende Recht der Oeffentlichkeit durch das Hausrecht des Gemeindevorstehers aus- geschaltet erscheint. Es bedarf kaum näherer Ausführungen über die wirfliche Rechts- läge; sie ist vollständig klar. Der Gemeindevorsteher kann nicht gezwungen werden, seine Wohnung für die Sitzungen herzugeben. Thut er es aber, so erhält der Raum für die Dauer der Sitzung öffentlichen Charakter, er muß Zuhörer zulassen und sein Hausrecht gilt nur insoweit, als es ihm auch in einem Rathaussaale zustehen würde: er darf Personen, die sich ungebührlich benehmen, ausweisen. Die Verfügung des Regierungspräsidenten schärft das Ver- 'tändnis für saarabische Zustände. Warum sollte der Patriarchalisnius sich nicht im dunklen Saarrevier, in Ostpreußen oder Oberschlesien die Gesetze so auslegen, wie es ihm gefällt, wenn sogar vor den Thoren der Reichshauptstadt ein Regierungspräsident das ftaats- bürgerliche Grundrecht der Oeffentlichkeit unter Berufung auf das Hausrecht eines Geineindevorstehers mit einem Federstrich aufhebt. Es scheint uns notwendig, wegen der pttncipiellen Bedeutung dieser an sich lustigen Eingebung einer pattiarchalischen Regierung, die Frage zu gerichtlicher Entscheidung zu bringen. Ein Gemeinde- Mitglied von Drewitz sollte wegen der gesetzwidrigen Geheimhaltung der Sitzungen auf Ungültigkeit derGemeindebeschlüsse klagen. Dann gelangt der Fall vor das Ober-Verwaltungs- g e r i ch t.—_ Königsbcrger Justiz. Der Königsberger Russen-Prozeß bedeutet bisher eine 'ortgesetzte Kette juristischer Seltsamkeiten, um von den politischen in diesem Augenblick nicht zu sprechen. Wir mußten wiederholt den unglaublich schleppenden Gang kritisieren, den die Staats- anwaltschaft einschlug, um Belastungsmaterial zu suchen. Diese Langsamkeit wurde auch nicht beeinflußt durch die Thatsache der vielmonatlichen In Hafthaltung unsrer angeschuldigten Genossen. Jetzt ist plötzlich die entgegengesetzte aber ebenso bedauerliche, ja noch bedauerlichere Seltsamkeit ein- getteten. Der Schneckengang der Justiz verwandelt sich in E i l- zugstempo; die Angeschuldigten laufen Gefahr, unter den Rädern einer überhitzten Justizmaschinerie zu verunglücken. Soeben ist den Angeschuldigten die Anklageschrift zugegangen. Binnen fünf Tagen sollen sie ihre Einwendungen machen. Beweis- antrüge stellen zu ihrer Entlastung. Die Anklageschrift soll über 200 Seiten umfassen. Die Zumutung, daß die Angcschnldigten, welche tagsüber ihrem Berufe nachgehen müssen, in fünf Tagen auch nur die riesige Arbeitsleistung des Staatsanwalts der viele Wochen lang an ihr gearbeitet hat— genügend beivundern können, ist unverständlich. Eine gründliche Durcharbeit und Vorbereitung von Entlastungsanttägen ist ganz ausgeschlossen. Und schon ist der Termin angesetzt; Was vor wenigen Tagen schon der Staatsanwalt den Zeugen, deren Ladung er fordett, als „voraussichtlich" mitteilte, ist nun wirklich anberaumt: Am 11. Juli soll bereits die Hauptverhandlung beginnen. Wie konnte der Staatsanwalt den Termin schon tviffen, ehe noch die Anklage durch das Gericht beschlossen war? Der durch die Sttafprozeß- Ordnung vorgeschriebene übliche Gang des Verfahrens ist dieser: der Staatsanwalt reicht die Anklageschrift dem Gericht ein, dessen Vorsitzender sie den Angeklagten zustellen läßt unter Setzung einer Frist zur Stellung von Anträgen oder Erhebung von Einwendungen. E r st nach Ablauf dieser F r i st, unter Mitberücksichtigung der eingelaufenen Anträge und Einwendungen hat das Gericht zu prüfen, ob es nach den Ergebnissen der Voruntersuchung die Angeklagten für„hinreichend verdächtig" hält, faßt Beschluß über Eröffnung desl Hauptverfahrens und übersendet die Akten derjenigen Strafkammer, vor welcher die Hauptverhandlung stattzufinden hat. Erst der Vorsitzende dieser Strafkammer beraumt den Ternnn an und ordnet die Zeugenladung an. Im Königsberger Verfahren jedoch schrumpft das Verfahren dahin zusammen, daß anscheinend Staatsanwalt und Strafkammer sich schon über den Termin der Verhandlung einigen, ehe noch über- Haupt die Anklageschrift den Angeklagten zugestellt ist und ehe noch die Einwendungen der Angeklagten bekannt sind, die möglicherweise zur Ablehnung der Anklage durch das Gencht führen könnten I Gegen dieses Verfahren ist durchaus zu protestieren. Der Staatsanwalt hat in seiner Benachttchttgung an die Zeugen darauf verwiesen, daß er alles thun wolle, um eine Vettagung der Verbandlung zu verhindern, weil ein Angeschuldigter seit längerer Zeit sich in Untersuchungshaft befinde. Wir würdigen diese plötzliche Rücksichtnahme des Staatsanwalts auf einen Ver- hafteten um so mehr, als die bisherige, fast drei Vierteljahr dauernde Langsamkeit des Verfahrens nicht beeinflußt worden ist durch die That- fache, daß vier Personen verhaftet waren I Aber, so sehr das Schicksal der Verhafteten uns berührt, der Staatsanwalt darf nicht annehmen, daß die Angeklagten darum die mindesten und dringendsten Vorbereitungen ihrer Verteidigung hintansetzen dürfen. Es kommt noch hinzu, daß selbst nach Abschluß der Vorunter- suchung seitens der Staatsanwaltschaft Zeugenvernehmungen veranlaßt worden sind, von denen die Angeklagten e r st jetzt Kennttris er- langen. Da mutet man ihnen zu, in einer Fnst von weniger als drei Wochen in die Hauptverhandlung zu gehen. Wir bedauern, daß die Königsberger Justtz solche Anordnimgen ttifft. Gerade bei der Eigenart der Anklage, die den russischen Selb st herrsch er gegen angebliche Beleidigung und Hochverrat schützen will, sollte alles auf das peinlichste vermieden werden, was als Benachteiligung der Angeklagten erscheinen kann.— Deutfchcö Reich. Was zu beweisen war! An der Schnft des Regierungsassessors v. Brandt über die Saar-Jndustrie zeigten wir neulich, wie man heutzutage unter dem Schein lauterster Thatsachenwissenschast reaktionäre Utopien zu„be- weisen" unternimmt. In die Vorarbeiten solcher Forscher- und Denkerthätigkeit leuchtet ein Rundschreiben, das im„Hamburger Echo" veröffentlicht wird. Ein Mitglied des Staatswissenschastlich- stattstischen Seminars in Berlin hat an verschiedene Großindustrielle das folgende Schriftstück versandt: Berlin Ik., den 31. Mai 1904. König!. Staatswiffenschaftl. Stattstisches Seminar, Dorotheenstr. 9S/96. Sehr geehrter Herr I Ew. Hochwohlgeboren mögen güttgst entschuldigen, wenn ich Sie mit einem Anliegen belästige, bei dessen Ausführung ich ganz ergebenst um Ihre Unterstützung bitte. Gestatten Sie, daß ich Ihnen in Kürze mein Anliegen vortrage. Als Mitglied des Königl. stnatswissenschaftlich-statistischen Seminars habe ich durch Herrn Dr. Zahn, kaiserl. Regierungsrat am Kaiserl. stattstischen Amt, die Anregung zur Behandlung des Themas:„Die Belastung der Industrie durch die Reichsversicherungs-Gesetzgebung" empfangen. Da eine derartige Abhandlung mangels Vorhanden- seinS genauen statistisch abgeschlossenen Materials sich aufbauen muß auf Grund statistischer Angaben nach dieser Richtung hin seitens einer Anzahl typischer Großbetriebe, so bitte ich Ew. Hochwohl- geboren ganz ergebenst. unter Berufung auf obige Stelle, mir, soweit möglich, statistisches Matena! zur Verfügung stellen zu Ivollen, welche Belastung Ihrem Bettiebe durch die einzelnen Zweige der Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung bereits entstanden ist. In der Hauptsache wird es sich handeln um Angaben von Zahl und Lohnung der versichenmgSpflichttgen Personen und der von Ihnen gezahlten Versicherungsbeiträge, wobei, wenn irgend möglich, die einzelnen Lohnklassen der Invaliden- und Alters- Versicherung berücksichtigt werden müßten. Es würde mir lieb sein, wenn sich die Zahlenangaben über die ganze Zeit von dem Inkrafttreten der einzelnen Gesetze an bis zur Gegenwatt erstrecken würden, würde mich aber schließlich wohl auch mit der Zusammenstellung für die Jahre 1389, 90, 91. 96. 1901. 02, 03 begnügen. Beispiels- weise würde sich das Schema für das Jahr 1903 folgendermaßen ausnehmen: Zahl der versichernngspflichtigen Arbeiter..... Gesamtlohnung...... Beiträge des Unternehmers: für die Krankenversicherung, unter Berücksichtigung der einzelnen Lohnklassen..... für die Unfallversicherungsgesetzgebung..... für die Jnvalidengesetzgebung. unter Berücksichttgung der einzelnen Lohnklassen..... Ich darf dabei wohl bemerken, daß ich an die Abhandlung durchaus nicht von einem einseitigen arbeiterfteundlichen Stand- punkte hcranttete, sondern daß es mir in der Hauptsache darauf ankommt, die hohe Belastung der industriellen Unternehmerschaft hervorzuheben. Ich glaube wohl annehmen zu dürfen, daß durch eine solche Abhandlung eine Lücke in der Litteratur auSgefiill' werden wird, die vielleicht geeignet sein wird, dem allzu raschci Tempo der socialpolitischcn Gesetzgebung etwas Einhalt zu thun. Daher habe bei Berliner Großindustriellen viel Entgegenkommen gefunden, muß aber, um zu einem Ziel zu gelangen, meine Wünsche in weiteren Kreisen äußern. Disttetton ist dabei selbstverständlich. Ich bitte nochmals ganz ergebenst um Ihre geschätzte Unter- stützung und darf wohl hoffen, daß Sie mir recht bald ent- sprechende Mitteilungen, wenn irgend möglich noch vor Ende Juni, zugehen lassen werden. In ausgezeichneter Hochachtung ganz ergebener (gez ,: Fritz Petzholtz. Dieser wiffenschaftSbeflisseue junge Mann geht mustergültig zu Werke. Noch bevor er nur eine statistische Ziffer hat. weiß er schon, was er beweisen will. Er ist nicht„einseitig arbeiterfreundlich". sondern er will„die hohe Belastung der industriellen Unternehmer- schast' nachweifen, um„dem allzu raschen Tempo der socialpolitischen Gesetzgebung etwas Einhalt zu thun". Darum hat der Mann auch vorsorglich die wichtigste Frage in sein Schema nicht aufgenommen, Ivie hoch nämlich der Produktionswert und der Gewinn der unter- suchten Industriebetriebe ist; erst dann läßt sich doch ein Bild von der Belastung erzielen, wenn man weiß, welchen Prozentsatz des ans den Arbeitern herausgeschundenen Mehrwerts„in socialer Wohlfahrt" vergütet wird. Aber der Wisienschaftler weiß eben genau, was er beweisen will, und darum fragt er nicht erst nach Dingen, die seinen Beweis erschweren könnten. Wer nun noch daran zweifelt, daß die Jünger der empirischen Wissenschaft erst gewissenhast die Thalsachen sammeln, um dann vorurteilslos und unabhängig, nur im Dienst der strengen und lauteren Wahrheit, die Schlüsse zu ziehen! Gespannt darf man freilich auf die Kunststücke sein, die der „zielbewußte" Herr anwenden wird, um die unangenehme, aus jeder amtlichen Statistik sofort ohne„Umfrage" zu berechnende Thatsache aus der Welt zu schaffen, daß die„hohe Belastung" der Unternehmer darin besteht, daß sie etwa fünf Pfennig für jeden Arbeiter und Arbeitstag zu bezahlen haben. Die ganze„socialpolitische Be- lastung" beträgt zwei Prozent des von den Arbeitern erzeugten Produktionswertes.— Ein Gegenstück zum Trierer Schulstreit. Die klerikale Taktik, städtische Schulen ohne konfessionellen Charakter mittels der Zucht- mittel der Kirche zu Gunsten rein katholischer Schulen zu schädigen, hat nicht nur in Trier Triumphe gefeiert. Auch in Wesel ist die- selbe Erscheinung zu beobachten, die dadurch noch besonders auffällig wird, daß das preußische Kultusministerium die konfessionelle Schule finanziell unterstützt. Ein Privattelegramm aus Köln meldet uns: Seit 1877 befitzt Wesel eine zehnklassige paritätische höhere Töchterschule, deren Lehrerpersonal konfessionell gemischt ist. Als 1886 eine vierklassige katholische Privatschule gegründet wurde, entzog später der Bischof von Münster der städtischen Schule die katholischen Religionslehrer. Der Religionsunterricht wurde nun von feiten der Stadt zwei katholischen Lehrerinnen übertragen. Auch diesen wurde seitens der Kirche, wie die„Kölnische Zeitung" berichtet, die Erteilung von Religionsunterricht verboten. Die städtische paritätische Schule verlor darauf fast alle katholischen Schülerinnen. Die Erregung über den Kampf der Geistlichkeit ist gestiegen, seitdem bekannt geworden, daß die preußische Staatsrrgierung die katholische Privatschule erheblich finanziell unterstübt. Dem Kultusminister ist nunmehr mitgeteilt worden, daß das Kuratorium der städtischen Schule den Religions- Unterricht in jeder Höhe bezahlen wolle. Dieser Konkurrenzkampf um das Seelenheil der höheren Töchter von Wesel ist ja an sich höchst drollig. Es ist lustig, wie die Väter der Stadt den Kirchenbann durch die Höhe der Gehälter zu be- zwingen suchen; vielleicht daß sich doch noch ein Katholik findet, der für gutes Geld dem Bannstrahl des Bischofs von Münster trotzt. Aber für die Schulpolitik der Regierung ist der Fall doch bedeutsam genug. Als der Bischof von Trier den Besucherinnen der städtischen Schule die Verweigerung der Absolution androhte, erklärte Graf Bülow im Abgeordnetenhause mit hohem Pathos, daß dieser Ueber- griff des Bischofs zurückgewiesen sei. Wir wiesen damals auf die Nichtigkeit dieser Abwehr hin. Jetzt erfahren wir nun, daß das Kultusministerium eine katholisch-konfessionelle Schule sogar finanziell unterstützt, die sich die in Trier gerügten„Uebergriffe" in verschärfter Form zu Schulden kommen läßt; die preußische Regierung fördert eine klerikale Gründung, deren Zweck und Thätigkeit ist, mit allen Mitteln eine paritätisch- Schule in ihrer Existenz zu vernichten. Mau ermißt jetzt, wie ernst es dem Grafen Bülow mir seiner Zurück- Weisung des Bischofs Korum gewesen sein muß! Der Liberalismus wird sich nun wieder eine Zeitlang über die Klerikalisierung des höheren Schulwesens aufregen. Inzwischen rüstet sich die Regierung, um die Volksschule nicht nur thatsächlich, sondern auch gesetzlich der Pfaffenherrschaft vollständig auszuliefern. Für das Proletariat wird der Kampf gegen die Konfessionsschule zu einer Lebensftage der Bildung und Aufklärung des heranwachsenden Geschlechts.—_ „Amtliches" vom Zecheulegen. Die Interpellation des Centrums im preußischen A b g e o r d- neten Hause über das Zeche»legen im Ruhrrevier und die denselben Gegenstand behandelnde Interpellation unsrer Fraktion im R e i ch s t a g e, die zwar nicht beantwortet aber desto griindlicher besprochen wurde, haben die preußische Regierung denn endlich zu dem aufgepeitscht, wozu sie von amts- und rechtswegen ohne jeden Antrieb hätte kommen müssen: zu einer amtlichen Untersuchung der gemein- gefährlichen Maßnahmen des Kohlensyndikats und seiner Hinter- männer, unter denen im Ruhrrevier ganze Bevölkerungsschichten und Gemeinden leiden und in Zukunft noch erst recht zu leiden haben werden. Zu diesen Untersuchungen ist am 28. April eine besondere Minffterialkommission nach dem Ruhrgebiet gereist, hat in Dort- mund mit den beteiligten Behörden, mit Vertretern des Kohlen- syndikats und den in Frage kommenden Zechen Beratungen gepflogen und im Anschluß daran weitere Erhebungen auf verschiedenen Zechen vorgenommen. Das so gewonnene Material wurde noch ergänzt und zuerst der in dieser Angelegenheit im Abgeordnetenhause niedergesetzten Kommission mündlich unter- breitet. Die Kommission verlangte die Ermittelungen und Urteile schwarz und weiß in einem gedruckten Bericht. Dieser liegt nun in der„Denkschrift, betreffend die Stilllegung verschieden er Steinkohlenzechen des Ruhrreviers" vor, die uns bisher nur aus Auszügen der bürgerlichen Presse bekannt wird. Danach enthält die Denkschrift zunächst die Feststellung der in der letzten Zeit im Ruhrrevier thatsächlich vollzogenen Zechenverkäufe und Angaben darüber, in welchem Umfange Stilllegunaen beabsichtigt sind. Sie bespricht dann die Gründe für die Zeche nfusionen und bringt im An- schlusse daran eine Darstellung der Verhältnisse der einzelnen in Betracht kommenden Zechen. Ein Schlußkapitel giebt eine zu- s ammenfassende Betrachtung der Sachlage. Als A n- hang sind die von der Ministerialkommission in Dortmund gepflogenen Beratungen und Verhandlungen im Wortlaute wiedergegeben._ Die einzelnen Teile scheinen höchst un- gleich zu sein, und besonders scheint die Kommission, wie die„Germania" schon feststellt, mit das wichtigste ziemlich außer Betracht zu lassen, nämlich, wie sie sollte, Angaben darüber zu machen, welche Maßnahmen getroffen oder geplant sind: a) um das willkürliche S t i l l l e g e n der noch nachweislich rentablen Zechen zu v e r h i n d e r n, b) um die schädlichen Folgen der er- folgten Stilllegungcn zu beseitigen oder zu mildern, insbesondere hinsichtlich der Arbeiterverhältnisse. An positiven Feststellungen bringt die Denkschrift zunächst die Thatsackie, daß die Zahl der Zechen, deren Verkauf an andre Bergwerke in der letzten Zeit erfolgt oder doch dem- nächst mit Sickerheit zu erwarten ist. sich auf zwölf be- läuft. Die Denkschrift muß auch zugeben, daß die Käufer der Zechen bei dem Ankauf von dem Bestreben geleitet ge- wcsen, die Beteiligung der angekauften Zechen beim Rheinisch-We st sälischen Kohlensywdikat zu erwerben und, wenn auch nur allmählich, auf ihre eignen Zechen zu über- tragen. Dieses Bestreben sei vornehmlich durch die Bestimmungen des neuen, am 1. Januar 1904 in Kraft getretenen Syndikats- Vertrages hervorgerufen worden. Dann aber scheint die Denkschrift ganz in die Beweisführung des Kohlensyndikats zu verfallen, mit schon lange bestehender Unproduktivität der stillgelegten Zechen und dergleichen zu operieren. Ueberhaupt scheint sie im wesentlichen, soweit sie urteilt, nach bekanntem Muster„beruhigen" zu sollen. und man wird sich nun auch über die von uns am Mittwoch an andrer Stelle eingehend gegeißelten Resolution des bekannten Unternehmer- Vereins im Ober-Bergamtsbezirk Dortmund nicht mehr zu wundern brauchen. Die Herren, die diese Resolution verfaßten, sind sicher zumeist auch die Inspiratoren der Geheimräte der Herren Möller und Hammerstein gewesen und haben den Ton und die Tendenz des amtlichen Berichtes deshalb gut vorausahnen können. Uebrigens wäre es ja auch ein Wunder, wenn es anders wäre, denn wieder sind gerade auch bei dieser Erhebung Arbeiter und Arbeiter-Organisationen weder gehört noch gefragt worden! Dadurch kennzeichnet sich die Methode und das Ergebnis, zu dem sie dadurch kommen mutz, schon völlig hinlänglich klar. Es ist daher auch selbstverständlich, daß, so die Denkschrift in ihrem Schluß überhaupt etwas gegen die Kohlenbarone zugiebt, die Arbeiter von allen Betroffenen in ihrem Wohl und Wehe am geringsten be- wertet werden. Der Schluß, zu dem die Geheimräte kommen, lautet nämlich wörtlich: „Die zum Teil schon erfolgte, zum Teil mehr oder minder nahe bevorstehende Stilllegung der zur Erörterung gezogenen Zechen bedeutet hiernach bei einer Reihe von Gemeinden, wie schon jetzt mit Sicherheit behauptet werden kann, eine nicht u n- erhebliche, finanzielle Schädigung der Gemeinden und ihrer Angehörigen, insbesondere der Gewerbe- treibe ndenundHansbesitzer. Demgegenüber treten die Schädigungen der Arbeiter insofern zurück, als bei weitem die meisten auf benachbarten Zechen, zum Teil unter Bei- beHaltung ihres bisherigen Wohnsitzes, Arbeit gefunden haben oder voraussichtlich finden werden. Sollten indessen außer den ge- nannten Zechen noch andre in derselben Gegend stillgelegt werden, so würden sich auch die Verhältnisse für die Arbeiter wesentlich ungünstiger gestalten, und die Schädigungen der Gemeinden und ihrer Angehörigen einen erheblich weiteren Umfang annehmen." Das Syndikatsorgan, die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", hat denn auch kein Wort der Kritik, es ist befriedigt. Soviel für heute nach den Berichten der bürgerlichen Presse, sobald auch uns die Druckschrift vorliegt, werden wir, wie gesagt, auf sie zurückkommen.—_ „Dem Reichskanzler vorzulegen". Die„Zukunft" antwortet ans die abermalige Ableugnung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", daß Graf Bülow die gegen die Entsendung Trothas nach Südwest- afrika intriguierende Depesche des„Lokal-Anzeiger" vor der Ver- öffentlichung gelesen habe, u. a.: „Wegen der winzigsten Dinge lassen Scherls Staatssekretäre bei den Maßgebenden anfragen; es ist vorgekommen, daß harmlose Plaude- reien aus der Ostmark der Censur unterbreitet und dann, als nicht opportun, trotzdem sie schon gesetzt und honoriert waren, zurückgelegt wurden. Nichts, was oben anstoßen könnte, darf ins Blatt. Dafür erhält der„Lokal-Anzeiger" aber auch alle Nachrichten, die von höfischen oder amtlichen Stellen vergeben werden, vor den andren Zeitungen. Und nun sollte eine AlarmdepesÄe uncenfiert gedruckt worden sein?... Trotzdem hätte ich meinen Ziveifel unterdrückt; denn seine Berechtigung war nicht zu erweisen. Da erhielt ich einen Rohrpostbrief, in dem stand:„Das Dementi der„Norddeutschen" ist dreist sich mildere den Ausdruck); die Depesche ist hier im Amt vor- gelegt und mit dem tolerari potest(kamt aufgenommen werden) versehen worden. Der Absender selbst hatte drübergeschrieben:„Dem Reichskanzler vorzulegen!" Und so was wird abgestritten I"... Gleich danach bekam ich aus Siidwestafrika— von einem Interessierten— die Mitteilung:„Ich habe Dannhauers Depesche gesehen. Die ersten Worte waren:„Dem Reichskanzler vorzulegen!" Passen Sie auf, was draus wird." Die Depesche war also mit der Weisung, sie dem Kanzler zur Censur vorzulegen, abgegangen und angelangt. Beide Nachrichten stimmten wörtlich überein. Das genügte mir noch nicht. Der Zufall brachte mich mit einem Redakteur des„Lokal- Anzeiger" zusammen. Der konnte Bescheid wissen. Ohne Einleitung fragte ich ihn:„Warum ist bei Ihnen denn geleugnet worden, daß Bülow die Depesche vor dem Druck gelesen hat? Er hat sie ja gelesen." „Woher wissen Sie das?"„Die Depesche trug ja den Vermerk: Dem Reichskanzler vorzulegen." Er wurde rot, kam ins Stottern und sagte schließlich, ich müsse begreifen, daß er über Interna der Redaktion nicht reden diirfe. Ich begriff; wäre meiner Sache nun aber sicher gewesen, selbst wenn nicht noch ein Vierter, der Kenntnis haben konnte und Glauben verdiente, mir gesagt hätte: Die Geschichte ist mit Bülows Genehmigung in den„Lokel-Anzeiger" gekommen...." Vorschule des Lustmords. Die Wiedereinführung des Prangers hat der Superintendent Feldhahn in L e t s ch i n augeregt und die letzte Kreissynode beschlossen. Es sollen nämlich von jetzt ab die Namen der„gefallenen Mädchen" von der Kanzel aus bekannt ge- macht werden. Kein Zweifel, daß dieser Bekanntgabe die Absicht der Beleidigung inne wohnt, und deshalb den Beleidigten durch den Staatsanwalt Genugthuung verschafft werden muß. Wenn aber die Mädchen von Lctschin nun kontraktbrüchig werden, um dem Schimpf einer solchen Anprangerung zu entgehen, dann muß solcher Landflucht gesteuert werden— durch Koutraktbruch-Gesetze. Uebrigens verfährt der fromme und strenge Herr Feldhahn höchst ungerecht. Warum ver- kündet er nicht auch die Namen der gefallenen'Männer, insonderheit der„Verführer" der Mädchen. Sollte er sich von den Ergebnissen fürchten? Der„R e i ch s b o t e" ist mit dieser Ehrenkränkung armer Mädchen ganz einverstanden. Er sieht in dem„Fall", daß ein Mädel vor der Ehe dem Liebsten in die Arme sinkt, die erste Stufe auf der Bahn zum--- Lustmord. Er jammert: „Wenn man sieht, wie gerade die Sünden gegen das sechste Gebot überhandnehmen und bis zu den Greueln der Lustmorde ausarten, so muß man es bedauern, daß die Presse so wenig Verständnis dafür hat, wenn die Kirche in ihren Gemeinden sitt- liche Zucht ausübt, und das sogar als unchristlich bezeichnet. Ist es etwa christlich, vor diesen Sünden die Augen zu schließen, zu thun. als sähe man sie nicht und sie so ungerügt bis zur sittlichen Verwilderung fortwucheru zu lassen? Welches Unheil wird durch solche Sünden auf die Mädchen und ihre Familien herabgezogen! Wozu wäre denn die Kirche noch da, wenn sie nicht mehr den Mut hätte, in ihren Ge- meinden sittlich-erzieherische Zucht zu üben!" Mit Verlaub: Wenn der voreheliche Geschlechtsumgang, der namentlich auf dem Lande allgemein Sitte ist, eine Vorschule des Lustmordes ist, wohin müssen dann erst die Eheirrungen hoher Persönlichkeiten führen, wohin die Ausschweifungen von Offizieren, deren„Fälle" man offenbar nur des- halb nicbt von den Kanzeln der Garnisonkirchen mit Namen anführt, weil man dann nicht mehr von der Kanzel herunterkäme, so lang wäre die Liste! Es giebt keine Steigerung komplizierten Lustmords mehr, die die Folge derartiger Sünden sein müßte, wenn schon die ländlich-sittliche Liebelei geradenwegs zum Lustmord führt. Uebrigens pflegen auch nicht Frauen, sondern Männer Lustmorde zu üben, und die Männer gerade finden ja Gnade und Diskretion vor der„Kirchen- zucht". Ist es christlich, die Mädchen für die möglichen Verbrechen der Männer zu bestrafen?— Der deutsch-französische Krieg vor Gericht. Zur Verhandlung gegen die„Mainz. Volksztg." wegen Veröffentlichung der Kreisch- mannsbriefe, betreffend die Plllndereien von Sens durch die Hessen, ist für Montag, 4. Juli, vor der ersten Strafkammer des Mainzer Landgerichts ein neuer Termin anberaumt worden. Neuer und seltsamer Zeugniszwang. AuS Halle wird uns telegraphisch berichtet: Der Berichterstatter Genosse E b e l i n g wurde in einer heutigen Straskammer-Sitzung vom Landgerichts-Direktor Fromme aufgefordert, in das Beratungszimmer zu kommen, und dort im Beisein sämtlicher Richter gebeten, den Namen einesHerrn zu nennen, mit dem er am Montag nach dem Prozeß des Redakteurs Däumig den Gerichtssaal verlassen habe. Als Ebeling die Namensnennung verweigerte, wurde ein Zeugniszwangsverfahren gegen ihn angekündigt. Jüdisches Lchrcrproletariat. Wir hatten jüngst das Gesuch in der Zeitschrift„Ter Israelit" verzeichnet und kritisiert, wonach für etnen Ort der Rheinpfalz ein Lehrer gesucht wurde, dem ganze 700—800 M. Einnahmen in Aussicht gestellt wurden. Die genannte Zeitschrift sagt jetzt dazu: Zur Sache selbst sei bemerkt, daß keiner besser die„er- schlitternde Sprache" einer solchen Annonce zu würdigen und zu verstehen vermag, als wir selbst, und zwar gerade vom orthodox-jüdischen Standpunkte aus! Seit mehr als vier Dezennien kämpfen wir für eine Besserstellung der israelinschen Lehrer mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ernster Mahnung, würdevoller Aufmunterung und Belehrung.... Vieles hat sich seitdem zun. Besseren gewendet. Daß man sich noch nicht am Ziele weiß, bekunden freilich solcherlei Stelleuangebote, die übrigens nicht nur auf die ftaurig geringe Einschätzung der jüdischen Religion und ihrer Lehrer ein Schlag- licht werfen, sondern auch auf unsre Regierungen. Die R e- gierungen sind's, die vom jüdischen Religionslehrer semi- naristische Bildung, Konferenzbesuch, Konferenzarbeiteu und zlveite Staatsprüfung verlangen, die Regierungen sind's, die von den Gemeinden die Anstellung geprüfter Lehrer verlangen und dennoch— weder einen Pfennig zum Lehrergehalt beitragen, noch für die Reliktenversorgung was thun. Man verlangt Pflichten ohne Rechte zu gewähren. Ist ein solches Stellenangebot dann ein Wunder? Ist nicht unser staatsbürgerliches Verhältnis damit am treffendsten gekennzeichnet?" So groß sicherlich das Unrecht des Staates ist, so behalten die vielfach wohlhabenden Juden den vollen Teil der Schuld, daß ihre Lehrer jämmerlich darben müssen. Die„würdevolle Aufmunterung und Belehrung", deren die jüdische Zeitschrift sich rühmt, scheint bei manchem ihrer Glaubensgenossen so wenig genützt zu haben, daß sie vorziehen, ihren Reichtuinsiiberflutz— zu Mirbach zu tragen.— Hueland. Schweiz. Ein Urteil über Socialdemokraten ans gegnerischem Lager. Der schweizerische konservative Nationalrat Ming schreibt im Obwaldener „Volksfreund" über die socialdemokratische Gruppe im schweizerischen Nationalrat folgendes: „Wir überschätzen diese an Zahl nicht hervorragende Partei kaum, wenn wir behaupten, daß sie im Parlamente nicht bloß die regsamste ist, sondern daß sie verhältnismäßig am meisten bedeutende Kopfe und ganz gewiß von den unermüdlichsten Arbeitern unter ihren Mitgliedern zählt. In der geistigen Ucberlegenheit, die sie sich dadurch über die vielfach träge gewordenen Politiker der alten Parteien erringen und in der Ueberzeugungstreue, mit welcher mancher sich wider eigenes materielles Interesse und Bequemlichkeit für die Ideen opfert, die er als richtig und dem Gemeinwohl förder- lich erkannt hat, liegt das Geheimnis der socialdemokratischen Partei- führer. So lange die akademische Jugend der alten Parteien alles, was über Viersimpelei hinausgeht, als„Strebertum" verhöhnt, wird sie keine Feldherren gegen die täglich wachsende Armee der Socialdeinokratie ins Feld stellen. Die einstigen Buchbindergesellen Jakob Vogelsanger und Hennann Greulich wiegen ein ganzes Dutzend solcher Couleurbrüder auf an Wissen und geistiger Ge- wandtheit und vielleicht auch an Ueberzeugungstreue." Italien. Das Gocthe-Denkmal, das der deutsche Kaiser schon vor längerer Zeit der Stadt Rom zum Geschenk gemacht hatte, ist nun endlich in der Villa Borghese aufgestellt worden. Bei der feierlichen Enthüllung, der eine Anzahl Deputierter und die Spitzen der Behörden beiwohnten, wurden von dem deutschen Bot- schafter und dem Bürgermeister von Rom kurze Ansprachen gehalten. Wilhelm II. sandte zwei Telegramme nach Rom, worin er die Hoffnung aussprach, daß das Denkmal dazu beitragen werde, die Bande der Freundschaft und Achtung, die beide Länder verbänden, enger zu schließen. Die italienische Presse hat den Euthüllungsakt sehr kühl be- handelt. Das bekanntlich von Eberlein stammende Denkmal hält man allgemein für eine sehr mittelmäßige Arbeit.— Spanien. Spanische Schlachzizenwirtschaft. Wie schamlos jeder Ver- such der spanischen Landarbeiter, ihre Lage zu verbessern, von den Behörden, der Gendarmerie und den Grundbesitzern niedergeknüppelt wird, darüber entnehmen wir dem„Socialista" folgende Darstellung: Die Arbeiter von Alvareal(Provinz Toledo), die in harter Land- arbeit den enormen Lohn von ca. 50 Pf. pro Tag verdienten, ver- langten eine Zulage von 16 Pf. Kaum hörte dies der Bürger- meister, versammelte er die Grundbesitzer und jeder mußte sich durch seine Unterschrift verpflichten, die Forderungen der Arbeiter nicht zu bewilligen; alle Zuwiderhandlungen würden eine empfindliche Geldstrafe nach sich ziehen. Die Arbeiter Alvareals luden darauf sämtliche Genossen der Provinz Toledo zu einer Versammlung ein, doch als dieselben anlangten, wurden sie von der Polizei in Empfang genommen und ihnen bedeutet, sie möchten sofort wieder dahin gehen, wo sie hergekommen wären, ohne ihnen zu gestatten, sich auszuruhen, geschweige denn mit ihren bedrängten Genossen zu beratschlagen. Als die Genossen dennoch versuchten, eine Versammlung abzuhalten, wurden die Wortführer in der schimpflichsten Weise gefesselt und von der Polizei unter Schmähungen und Beleidigungen ms Ge- fängnis abgeführt. Darauf führte man die Gefangenen 30 Kilo- meter weit durch das Land, damit den Landarbeitern die Lust zu allen weiteren Demonstrationen vergehen sollte. Nachdem der Bürgermeister dieses Heldenstück vollbracht hatte, ging er in Be- gleitung des Stadtrichters und zweier Civilporsonen in die Häuser der Genossen, ließ diese notieren, ihnen die Waffen abnehmen und bedrohte sie mit barbarischen Strafen, falls sie nicht von ihrem Vor- haben Abstand nehmen wollten. Ein Arbeiter, der hiergegen pro- testierte, wurde sofort gefesselt, nach dem Rathause abgeführt und dort längere Zeit gefangen gehalten. Den Krämern und Bäckern des Ortes wurde anbefohlen, den auswärtigen Arbeitern nichts zu verabfolgen. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, wenn die spanischen Arbeiter den anarchisttschen Ideen leicht zugänglich sind und in ihrer Verzweiflung gelegentlich zu dem Mittel der Gewalt greisen.— Schweden. Neue Lakaiendienste für Rußland. Wie vom 22. Juni au? Norretelje gemeldet wird, erschien am selben Tage vormittags der Bürgermeister der Stadt aus Befehl des Justizministers im Comptoir der„Norretelje Tidning", um die in der vorigen Woche erschienenen Nummern 72 und 73 des Blattes, die Betrachtungen über den Tod des finnländischen Generalgouverneurs Bobrikow enthielten, in Be- schlag zu nehmen. Es wurde jedoch kein Exemplar gefunden; die ganze Auflage war ausverkauft. Vom selben Tage wird gemeldet, daß der Justizminister gegen den Herausgeber des Blattes Anklage wegen Beleidigung des russischen Zaren erhoben hat. Es handelt sich hier um ein konservatives Blatt, dessen Redatteur als S o c i a l i st e n- f r e s s e r bekannt ist, was auch darin zum Ausdruck kommt, daß.er eine Parallele konstruiert zwischen Bobrikow. der„Revolution von oben" machte, und den Socialisten, die„Revolution von unten an- ordnen wollen", und verlangt, daß Strafe treffe:„alle Rcvoluttonäre, ob sie nun Orden auf der Brust, oder rote Fahnen in den Händen tragen". Diese Worte sind es vermutlich nicht, die die Anklage ver- anlaßtcn, sondern vielmehr wohl das kleine Wort„Meineidiger", das in Beziehung auf die Verfassungsbrüche in Finnland gebraucht wird, und für das auch der Herausgeber des Stockholmer Blattes „Veckans Nyheter" angeklagt und schließlich verurteilt worden ist.— Rußland. Ueber den Straßenkamps in Warschau liegen jetzt ausführlichere Nachrichten vor. Der offizielle russische „Warschawski Dnewnik" suchte zuerst den Vorfall ganz totzuschweigen, dann brachte er eine kurze Notiz, in der er über die„Excesse" von „Gaffern" und dem„Janhagel der Vorstadt Mola" berichtet. Die politische Seite der Ereignisse wird natürlich wieder— wie bei dem Bericht über den bewaffneten Widerstand in der Partei- druckerei— sorgsam verschwiegen. Bürgerliche Blätter— wir entnehmen Nachstehendes dem „Gornoslazak"— melden folgende Einzelheiten: „Noch ist das Echo des blutigen Ereignisses in der Druckerei der socialdemokratischeu Partei in der Vorstadt Wola nicht verhallt als Warschau schon wieder Zeuge eines blutigen Zusammenstoves zwischen den Regierungsorganen und der Arbeiterschaft wurde. Am Montag, den 13. d. M., brach etwa 8V2 Uhr abends in der Fabrik von Ludwig Spieß u. Sohn in der Grzybowslastraße Feuer aus. Da die Gegend hauptsächlich von Arbeitern bewohnt ist, so sammelte sich alsbald eine Anzahl Arbeiter um die brennende Fabrik. Die Schutzleute, die in der letzten Zeit besonders die Arbeiterbevölkerung direkt provokatorisch behandeln, offenbar in der Annahme, daß ihnen dies ungestraft hingehen würde, konnte nicht umhin, auch diesmal ihre„Macht" zur Sclmu zu tragen. Ohne jeden Grund und Zweck fingen sie an, den Menschenhaufen auseinander zu jagen. Einer der Schutzleute trieb es sogar so weit, daß er einem Arbeiter mit dem Säbel einen heftigen Stoß versetzte, worauf der Angegriffene auf die Erde fiel. Dies�war der unmittelbare Anlaß der weiteren Vorgänge, die sich zu einer förmlichen Straßen- schlacht gestaltet haben. Die Arbeiter, durch den Anblick des fallenden Kameraden außer sich geraten, stürzten sich im Nu auf den brutalen Polizeischergen und richteten ihn so zu, daß er bereits im Sanitätswagen auf dem Wege nach der Unsallstation verstarb. Dem bedrängteir Polizisten eilten andre Schutzleute zur Hilfe, gleichzeitig sprengten 50 Kosaken herbei. Die Arbeiterschaft zog� sich aber nicht zurück, sondern geriet noch mehr in Aufregung. Zufällig lag in der Nähe ein Haufen Steine, die zum Pflastern der Straße bestimmt lvaren. Im Augenblick wurden sie von den Ar- bcitern als Waffe ergriffen, die Kosaken wurden mit den Rufen: Fort mit denrZareniumI Es lebe die politische FreiheitI Es lebe die Socialdemokratiel und mit einem Steinhagel begrüßt. So verwandelte sich der zufällige Straßenvorfall in eine regierungsfeindliche politische Demonstration. Die Steinwürfe der Arbeiter waren so zielsicher, daß einige Kosaken vom Pferd fielen und das ganze Detachement eiligst den Rückzug antreten mußte. Der am Orr an- wesende Polizeikommissär des VII. Stadtbezirks, Jurin, ergriff die Flucht. Desgleichen that der Obcr-Polizeihaupt- mann, der, wie man sagt, mit einem Stein au den Kopf getroffen wurde. Man telegraphierte nach Militär. Dieses eilte herbei um tl'/z Uhr nachts und gab zwei Salven. Nach der ersten Salve war im Fenster eines der benachbarten Häuser eine Greisin mit ihrem Sohn erschienen, um auf die Straße hinauszuschauen. Beide wurden von Kugeln getroffen. Die Greisin ist schwer verwundet. Das schließliche Resultat der Straßen- schlacht läßt sich noch nicht definitiv feststellen. Nach dem, was bis jetzt bekannt geworden ist, sollen acht Arbeiter— tot oder der- wundet— gefallen sein. Auf feiten der Polizei und des Militärs sind acht Tote und mehr als 30 Verwundete." Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die Japaner setzen ihren Vormarsch gegen Haitscheng und L i a u j a n g energisch, aber mit Beobachtung aller Vorsichts- maßregeln fort. Die Armeen K u r 0 k i s und O k u s scheinen zwischen Haitscheng und K a i p i n g bereits Fühlung mit einander gewonnen zu haben und drängen die Russen allmählich auf die russische Hauptlinie Haitscheng— Liaujang zurück. Auch ihren rechten Flügel, der sich im Norden bis Saimatsi ausdehnt, sichern die Japaner durch Anlage von Verschanzungen, um gegen eine Um- gehung von Nordwesten her sicher zu sein. Von der Armee Stackelbergs hört man noch immer nichts. Wenn ihr nicht noch in letzter Minute der Durchbruch nach Haitscheng gelungen ist, dürfte sie umzingelt worden und damit der Gefahr der völligen Vernichtung ausgesetzt sein. Die seltsame Strategie Kuropatkins erklärt man sich jetzt so, daß Kuropatkin Stackelberg nach Süden habe vorstoßen lassen, nicht etwa um einen ernstlichen Versuch zum Entsatz Port Arthurs zu machen, sondern lediglich deshalb, um Zeit für den Rückzug der Hauptarmee von Liaujang nach Mulden zu gewinnen' Die Kraakevkassenstage ans dem AerMage. Rostock, 24. Juni. Der erste Referent Dr. Meyer- Fürth legt an der Hand von 180 Berichten aus ärztlichen Vereinen dar, daß der Zusammenschluß im Augenblick noch nicht überall derart sei, um die weiteren Forderungen der deutschen Aerzteschaft, vor allem die freie Arztwahl, durchzuführen. In diesem Kassenkampf, so führt der Redner weiter aus, sollte man nicht so sehr die politischen Momente in den Vorder- grund schieben, weil der Kampf sich ja nicht immer gegen eine be- stimmte Richtung richte, sondern das eine Mal gegen die Social- demokratie, zum andernmal gegen Staatskassen, und daß die Kämpfe sich danach richten müßten. Weiterhin betonte der Redner, daß der Sieg durch das unvergleichliche Verhalten und treue Zusammenstehen der Leipziger Aerzteschaft unter dem gleichzeitigen warmen Eintreten der übrigen deutschen Aerzteschaft und deren Opferwilliakeit erreicht worden sei. Durch den Leipziger Erfolg seien die auhrdn Kassen- vorstände so eingeschüchtert, daß jetzt allerseits ein leichteres Per- handeln mit den Vorständen und eine Nachgiebigkeit gegenüber den berechtigten Forderungen der Aerzte zu konstatieren sei. Der zweite Referent Dr. Pfeiffer oerbreitet sich speciell über die Arbeitslosen-Versicherung der Aerzteschaft. In der Debatte über die Krankenknssenfrage fordert Sanitäts- rat Dr. Alexander- Berlin, im Gegensatz zu dem Reserenten Dr. Meyer, die gesetzliche Regelung der Krankenkassenfrage. Dr. S t 0 e ß e r- Leipzig und Geheimer Sanitätsrat Dr P f e i f f e r sowie Dr. Magen- Breslau traten energisch für die freie Arzt- wähl und für die Unabhängigkeit nach oben wie nach unten ein. Nicht nur gegenüber den Socialdemokraten, sondern auch gegenüber den Behörden sei Unabhängigkeit im Krankenkassenkampf dunhaus am Platze. Alle Redner traten ferner für Forderung auf Ab- schaffung der Karenzzeit ein. � Die politische Seite der Sache streifte sehr scharf Dr. K e r- b�e r g e r- Frankfurt a. M., indem er äußerte: Die politische Stellung von Krankenkassenvorständen hat nichts zu thun mit ihrer | Stellung in den Kassen selbst, vielmehr werden sie häufig durch ihre I gewerkschaftliche Stellung beeinflußt, und wenn inan mit socialdemo- kratischen Kassenvorständen im Kampfe liegt, so sind es die Kassen- | vorstände und nicht die Socialdemokraten. die man zu bekämpfen hat. Daß die meisten Kassenvorstände Socialdemokraten sind, liegt eben an unsren ganzen politischen Verhältnissen, wahrscheinlich würden die Anwesenden, wenn sie statt Aerzte Arbeiter wäre», auch Social- demokraten sein.(Stürmische Unruhe und entrüstete Zurufe: Schlusi! Raus! Pfui!) Dr. L ö b ke r- Bochum: Ich muß diese Ausführung und ihre Verallgemeinerung enschieden zurückweisen Der Redner kann nicht weitersprechen und muß abtreten. Dr. K 0 r m a n n- Leipzig schildert, wie die socialdemokratischen Gewerkschaften die behördlich eingeführte freie Arztwahl zu umgehen suchen, indem sie sine ärztliche Boykottliste aufstellen, auf der neben den Streikbrechern nur 80 von den 250 Leipziger Aerzten empfohlen werden. Ferner habe man einen Sanitätsverein gegründet, damit dadurch den alten Leipziger Aerzten das Honorar für die Familien- behandlung der Kassenmitglieder entzogen werde. Jedoch hätten die Leipziger Aerzte Mittel und Wege gefunden, um die Wirkung dieser Bovkottmittel illusorisch zu machen.(Lebhafter Beifall.) Dr. H a ck e r- Berlin(früher München) ist ebenfalls für die Ausschaltung der Politik aus der Kassenfrage. Die fteie Aerztwahl müsse bei den staatlichen Kassen ohne jede Einschränkung gefördert werden. Geheimer Sanitätsrat Becher: Die Forderung auf fteie Arztwahl sei durchaus kein Unding, wie von manchen Seiten heute noch hingestellt werde, sie sei durchzuführen und in Berlin habe man sie bereits durchgeführt.(Zurufe: Aber unter welchen Schwierig- leiten I) Wir Aerzte wollen nicht Politik treiben; wir wollen nicht vergessen, daß die Kassenvorstände vielfach Socialdemokraten, in vielen Fällen aber auch Nationalliberale sind.(Lebhafter Beifall.) Den Heißspornen unter den Aerzten sage er, daß in den ersten vier Monaten seiner Berliner Wirffamkeit nicht ein Mensch krank geworden sei(Heiterkeit), das heißt, er sei zu keinem gerufen worden, nur einmal, als ein Maurer vom Gerüst gefallen sei, habe man seine Hilfe in Anspruch genommen, er sei aber damals nicht zu Hause ge- Wesen. Munter- Berlin: Nicht nur die Socialdemokraten allein seien es, die gegen die fteie Arztwahl wüteten, er kenne in Berlin eine ganze Reihe fteisinniger Arbeiter, die dasselbe thäten; andrerseits sei es auch Tbatsache, daß von den Berliner Socialdemokraten eine ganze Reihe für die freie Arztwahl seien, auch Vollmar'S Anficht dieser Frage sei ja bekannt. In Berlin würde es sich Stackelberg hat sich weiter nach Süden vorgewagt, als ratsam ge-. 5" Frage fei ja bekannt. In Berlin würde es »a.«Ls-JL.. ,.„s scho"'» den nächsten Tagen entsche, den ob einige hunderttausend Arbeiter neuerdings wieder monopolistischen Aerzten ausgeliefert Wesen. Als nun Stackelberg die schwere Niederlage erlitt und tn Gefahr geriet, mit seinen 40 000 Mann abgeschnitten zu werden, habe sich Kuropatkin gegen seine ursprüngliche Absicht genötigt gesehen, Stackelberg zu Hilfe zu eilen. Damit habe er freilich das gethan, was die Japaner gewollt hätten. Aller Voraussicht nach würden Äurott und Oku alles aufbieten, um nunniehr die am Entweichen verhinderte Hauptmacht des Feindes entschieden aufs Haupt zu schlagen. In der That scheint die mit allgemeiner Spannung erwartete Schlacht in den nächsten Tagen bevor- zustehen. Die neuesten Nachrichten lauten: Petersburg, 23. Juni. Wie General S a ch a r 0 w dem Generalftab von gestern meldet, sind nach den Berichten russischer Streifwachen und den Aussagen der Ortsbewohner bedeutende Streitkräfte des Gegners, mehr als eine Division, im Süden vom Tschanpaulinpatz bei Tschandiadian und Londi- a d i 0 n vereinigt. Vom Tschanpanlinpah in der Richtung nach T a n t s ch i waren die Japaner mn Morgen des 22. Juni nicht weiter vorgerückt. Wie russische Streifwachen berichten, ist eine bedeutende, aus den drei Waffengattungen bestehende Abteilung aus Siujan nach Chansy vorgerückt. Am Morgen des 22. Juni beabsichtigte der Gegner in einer Stärke von etwa einem Bataillon unter dem Höchutze des dichten Nebels die Stellung der russischen Vorhut bei Wand- s i a p u d s a zu überrumpeln. Die russischen Jnfanteriepatrouillen stellten sein Vorgehen auf dem Wege von Siujan nach Haitschöng rechtzeitig fest und die Japaner zogen sich unter den Salven der russischen Vorhutcompagnien mit einigem�Verlust nach Siujan hin zurück. Auf russischer Seite wurde ein Schütze verwundet.— Am Abend des 19. Juni nahmen die Japaner mit einer Abteilung, die etwa ein Bataillon Infanterie mit einer Eskadron Kavallerie stark war, Wafantun auf der großen Straße nach Lioujang ein. Eine ebenso starke Abteilung des Gegners besetzte Tschanlindzi im Thale des Tsaohe etwa 10 Werst nördlich von Föngwangffchöng. Ein Zusammenstoff. Tokio, 24. Juni.(„Bureau Reuter".) Am Dienstag griff eine 4000 Mann starke, aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie bestehende russische Streitmacht Ayangpienmen an, iizjude aber zurückgeschlagen und ging bei Sonnenuntergang gegen S ch r n- k a i l i n g zu zurück. Die Russen verloren fünf Tote und zwanzig Verwundete: die japanischen Verluste sind noch nicht bekannt. Von Riutschwang. �. Niutschwang, 24. Juni.(„Bureau Reuter".) Sett gestern werden östlich vom Liauslusse neue Verschanzungen aufgeworfen. Chinesen müssen ihre Häuser verlassen, welche für russische Truppen verwendet werden. Es ist eine neue Proklamation erlassen worden, welche die Ausfuhr von Lebensmitteln nordwärts von Niutschwang untersagt. Große Truppenkörper sollen unter General Kuropatkin acht Meilen von hier stehen, und wie man annimmt, nach Kaitschau zu marschieren. Von Port Arthur. Tschifn, 24. Juni.(„Bureau Reuter".) Gestern nacyr und heute früh ivurde mehrere Stunden anhaltendes schweres Geschütz- feuer in der Richtung von Port Arthur vernommen._ sei seines Erachtens, daß der auch wenn er Socialdemokrat sei. werden sollten. Das Wichtigste anständige Arzt anständig bleibe, (Großer Beifall.) Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten begannen die Specialdebatten, in deren Verlauf sich Dr. W a n s ch a n gegen den ganzen Antrag wandte. Man sollte es den lokalen Standesorganisationen überlassen, in welcher Form der Privat- konttakt abgeschlossen werden solle. Kerberger- Frankfiirt a. M. sagt, an Stelle der These 4 den Mannheimer Antrag anzunehmen. Insgesamt gingen über 20 Abnnderungsanträge ein. Bei der Abstimmung wurden die Leitsätze der Referenten mit einer vom Kreise Düsseldorf beantragten Einschaltting angenommen. Ferner gelangte der Antrag des Vereins Leipzig-Stadt und der Düsseldorfer Antrag zur Annahme. An Stelle des Münchener An- trage? wurde folgendem Antrage Hacker zugestimmt:„Der 32. deutsche Aerztetag beaustragt seinen geschäftsführenden Ausschuß, eine für alle Aerzte Deutschlands gültige Ver- pflichtung auszuarbeiten." Schließlich wurde noch ein Antrag des Dr. Scherer angenommen, in welchem erklärt wird, daß der Abschluß von mehr als einjährigem Vertrage ohne fteie Arztwahl als gegen das Princip der freien Arztwahl verstoßend, angesehen werden solle und solche Verttäge seien deshalb zu vermeiden. Versammlungen. Der Centtalverband der Schuhmacher(Filiale Berlin) hatte am 22. Juni in den Residenz-Sälen, Landsbergerstr. 31. eine außerordentliche Generalversammlung, um den Bericht der Dele- gierten von der Generalversammlung des Verbandes entgegen- zunehmen. Den Bericht erstatteten Karl Herr mann und Christensen. Namentlich Herrmann gab ein umfassendes Bild von den Verhandlungen auf dem Verbandstag, über den der„Vor- wärts" bereits berichtet hat. In der Debatte sprach sich Willner sehr abfällig über das Resultat der General- Versammlung aus. Er befürchtet, daß aus der Anstellung der beschlossenen Gaubeamten dem Verband große Kosten erwachsen werden, ohne die Aktionsfähigkeit deS Verbandes zu heben. Dem Unterstützungswesen steht Redner skeptisch gegenüber. Er vermißt Verhandlungen der Generalversammlung darüber, wie die Lage der Kollegenschaft zu verbessern sei. Die Berichterstattung deS„vorwärts" über die Generalversammlung des Verbandes erschien ihm„erbärmlich mangelhaft". Auch über die persönlichen Angelegenheiten(Darlehns- fache des Vorsitzenden zc.) hätte berichtet werden müssen. Büttner nahm eine ähnliche Stellung ein wie der Vorredner, und auch Ollrich hatte manches auszusetzen ander Generalversammlung und ihren Beschlüssen. Alle drei erachteten unter andcrm die be- schlossenen Gehaltssätze für die Vorstandsmitglieder des Verbandes angesichts der Lage der Schuhmacher für zu hoch. Ferner stimmten sie überein in der Verurteilung der Thatfache, daß der Vorsitzende Simon ein Darlehen vom Verbandskassierer erbeten und erhalten habe und dies jahrelang den Mitgliedern ver- heimlicht worden sei.— Herr mann berichtigte einiges und trat andren Ausführungen der Vorredner entgegen. Besonder? wandte er sich gegen Willner. indem er hervor hob, daß die Generalversammlung sehr wohl im Interesse der Mitglieder thätig gewesen. Der Ausbau des Unterstiitzungs- Wesens diene doch dem Wohle der Mitglieder. Und auch die An- stellung von Gaubcamten komme, durch Stärkung der Ägitatton und Kräftigung der ganzen Bewegung, den Mitgliedern zu gute. Das sei ja ihr einziger Zweck. Wegen vorgerückter Zeit wurde die Fortsetzung der Debatte vertagt. Von der Verhandlung des zweiten Punktes der Tagesordnung wurde ebenfalls Abstand genommen. Es soll alsbald eine neue Versammlung stattfinden. Letzte Nachnebten und Dcpelcben. Trothas Bericht über die Lage auf dem südwcstaftikanischen Kriegsschauplatz. Berlin, 24. Juni.(W. T. B.) Generallieutenant v. Trotha telegraphiert unterm 22. Juni aus Okahandja: Erste, zweite, vierte Compagnie Feldregiments 1, dritte Batterie, Maschineiigewehr-Abteiliing Saurma-Jeltsch, Bastardabteilung unter v. Esiorff verhinderte die Hereros am Ausweichen nach Nordosten, wird nach Osoudema gehen, Verbindung mit Oberlieutenaut Volk- mann herstellen. Die fünfte und siebente Conipagnie Feldregiments 1, die vierte Batterie unter Heyde mar'chieren nach Okosouduru; hier tteten unter seinen Befehl die sechste Compagnie Feldregiments 1 und die zweite Batterie. Das Bato�on Mühlenfeld, und zwar zehnte und elfte Compagnie Feldregimenls ocr. 1. fünfte und sechste Batterie, Maschinengewehr- .ibteilung Dürr, Witbois, unter Major v. Glasenapp, geht gegen den Oniuvambofluß über Oljine vor, so daß Verbindung mit Heyde gesichert. Nach beendeter Mobilmachung in wenigen Tagen folgen die neunte Compagnie und zwei Maschinengewehre Dürr. In Gegend Otavi-Minen bleiben Oberlieutenant Volkmann mit jetziger dritter Compagnie Feldregiments 1 von Bülolv, Maschinengewehr- Abteilung Wossodto und halbe Batterie Madai und klären gegen Waterberg und den Omuvambo auf. Hauptmann Franke, der durch die halbe erste Batterie verstärkt wird, mit jetziger achter Compagnie Feldregiments 1 behält seine bisherige Aufgabe. Säuberung des Bezirks Omarurn. Bei Epukivo oerbleibt vorläufig Oberlientenant v. Winklcr, der dem Oberlieutenant Streitwolf in Gobabis postiert. Erstes Bataillon Feldregiments 2 auf Outjo, zweiteSABataillon nebst neu eintteffender Batterie nach Karibik vorzuschieben beabsichttgt. Ziehe Feldhaubitzbatterie eventuell zur Verstärkung heran. 7. Compagnie wird vom 3. Bataillon Feldregiments Nr. 2 in Swakopmimd belassen, besetzt die Eisenbahnetappen nach Abrücken der Truppen, bis Ersatztruppen eintreffen. Später geht sie über Windhuk nach Süden. Nach Lüderitzbucht gehen Stab, 8. Com- pagnie und Batterie Kirchner. Eine geringe Zahl Hereros, deren drei gefallen, wurde von Witbois übernascht, die über Otjive-�Ovutjiwa-iKumandumba auf Evindi-Otjikuvare ritten und nach dem Omuvambaflutz und zu Major von Estorsf zurückgekehrt sind. Im Süden vom Omuvambaflusse be- findet sich dichtes Gebüsch; lange Dunststtecken, sehr schwierige Auf- klärung. Weitere Erkundungen von Evindi-Otjikuvave parallel zum Omuvambafluß, bis Evindi-Rohatjougwa; große verlassene Werften hier und bei Evindi-Otjipipa. Werften noch bis Okorongoho. Alles in Gegend Okahitua-Evindi-Otjikuvave und nördlich davon von Samuel Maharero zusammengezogen. BerufsgenossenschaftS-Tag. Eisenach, 24. Juni. Heute wurde hier der 18. Berufsgenossen- schafts-Tag eröffnet. Nach der Erstattung des Jahresberichts durch den Vorsitzenden referierte Direktor Max Schlesinger über die Er- gebnisse des Zusammenwirkens der Berufsgenossenschaften mit den Vereinen vom Roten Kreuz. Zur Rcscrvefonds-Frage berichtete Direktor Wenzel-Berlin und wies darauf hin, daß jetzt auch die Regierung einer Abänderung der von den Berufsgenossenschaften beklagten Zustände nicht mehr ablehnend gegenüberstände. Kaldenkirchen, 24. Juni.(B. H.) Im benachbarten Bracht brach in der vorletzten Nackt in den Westdeutschen Tonwerken Feuer auZ, welches das Fabrikgebäude vollständig zerstörte. Durch den Brand sind etwa 100 Arbeiter beschäftigungslos. Mürzzuschlag, 24. Juni.(B. H.) Der Bezirkshauptmann Hervah von Kirchberg, dessen Frau bekanntlich unter dem Verdacht der Bigamie und des Betruges verhaftet worden ist, hat sich heute vor- mittag erschossen. Königgrätz, 24. Juni.(B. H.) Im Gebiet des mährischen Gesenkes ist gestern Schnee gefallen. Französische Deputicrteukammer. Paris, 24. Juni.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer nahm in ihrer heuttgen Sitzung einstimmig einen Gesetzentwurf an, in welchem die von der Internationalen Telegraphen- Konferenz in London am 10. Juli 1903 festgesetzten Bestimmungen und Tarife genehmigt werden. Darauf setzte das Haus die am vorigen Freitag abgebrochene Besprechung der Jnter« pellation über die Freimaurerei fort. L afferS(radikaler Socialist) fährt in seiner Rede fort und verwahrt sich gegen die Beschuldigung, daß die ftanzösische Freimaurerei sich ihre Parole vom Auslande_ hole; sie habe iede Beziehung zur italienischen Freimaurerei seit der für Frankreich beleidigenden Rede Lemmis abgebrochen und unterhalte keine Beziehungen zur deutschen Freimaurerei. Archdeacon(Nationalist) greift die Freimaurerei an. Nachdem der Justizminister V a l l e ausgeführt hatte, daß die Steilergesetze sowie das Vereinsgesetz auf die Freimaurerei anwendbar seien, wird die Weiterberatung der Interpellation auf nächsten Freitag vertagt._ Die Karth äuser-Angelegenheit. Paris, 24. Juni.(W. T. B.) In der UntersuchungSkommiffion in der Karthänser-Angelegenheit fand heute nachmittag die Ver- lesung der von verschiedenen Zeugen seit der Eröffnung des Unter- suchungsverfahrenS in der Angelegenheit Vervoort gemachten Aus- sagen statt.__ Pari«, 24. Juni.(SB. T. B.) Senat. Ministerpräsident C 0 m b e s Kitt fiir die Borlage betteffend Mschaffung des Unterrichts durch Kongregationen ein und erklärt, die Kongreganisttn könnten die Schüler nicht zu guten Bürgern erziehen. Nantes, 24. Juni.,20 0,80 1,20 0,80 3,00 f frei Wagen und ab Bahn. WitternngSübersicht vom 34. Juni 1004, morgen? 8 Uhr. Stationen Swinemde. tamburg erlin Franff.a.M München Wien l-S »=■ 761 763 % H K« NNW 763. W 764 S 766 SO 765 j Still Wetter ta s s � »II ß? W Sj 5 wolkig tzbedeckt tzwolkig 1 wolkenl 3wolkenl —wolkenl Stationen N- taparanda etersburg Cork Slberdeen Paris s f 755 R 752jS 762 SSW 763,Sttll Wetter 2�edeckt Ihedeckt 2Regen — wottenl Ö s a R Sj 15 10 11 17 Wetter-Prognose für Sonnabend, den 35. Jnni 1904. Nachts noch kühl, am Tage etwas wärmer, zeitweise heiter bei mäßigen westlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Leipzigerstr. 50a II PSHERS Ä DYCRHOFF Oranienstr. 48 Ecke Jerasalemerstrasse JaÄ® Jyf"JS J[ J|J[ J[ M Ecke Lackauerstrasse R Herren» und Knaben-Garderoben eise- und Strassen-Anzüge.......... 12.50bis 50.- m. Wasch- und Leinen- Anzüge.......... 6.90 bis 25- m. Loden-Pelerinen und Wettermäntel..... 7.so ms 35.- h. Haus- u. Comptoir-Jacketts in Lustre, setw.«. coul I.90 ws 14.— m. W aSCh- W eSten in grosser Auswahl.......... 2,25 bis 8.50 M. Wasch- Joppen für Garten, Haus und Jagd........ 95 Pf. bis 8.- M. Loden-Joppen mit und ohne Falten............ 5,90 bis 25— M. Kinder-Wasch-Anzüge............... I.95 ws lO.so m. Kinder-Wasch-Blousen............... 90 pf bis 5.-«. Bedeutend Im Preise herabgesetzte Arbeiter-Oarderobe Herren-Mode-Artikel DAAIEN-CONFECTION strandschuhe, Hflte u. MOtzeo. Verband der Tapezierer (Filiale Berlin). Aussclmeiilen und ins MitgliedsM einkleben. Laut Beschlutz der Mitglieder-Ver- sammlung vom 5. Mai d. IS. tritt in der Regulierung der Beiwäge eine Aenderung ein. Die bisherige Ein- kassierung der Beiwäge durch die Ver. traucnSleute der Werkstätten mit dem damit verbundenen Markenlonto der letzteren sällt fort und sind sür Berlin und Vororte solgende Zahlstellen ein- gerichtet, welche von heute ab in Kraft treten. Beiträge werden entgegen ge- nommen: Jeden Sonnabendabend von 6-8 llhrj: 1. G., Stralauerstr. 48, bei Hahn. 2. S., Lindenstr. 69, bei Augustin. 3. W., Blumeshos 9, bei Dobert. 4. NW-, Turmsw. 84, bei Jocksch. 5. N., Hannoverschesw. 2, bei Kube. 6. NO., Gollnowstr. 39, bei Tuscher. 7. 0, Fruchtstr. 54, bei Kluh. 8. Rixdors, Berlinerstr. 14, bei Koppe. Täglich: 9. N., Kunkelstr. 6, bei Pade. 10. N.. Lychnerstr. 7, bei Krüger. 11. NO., Linienstr. 218, bei Drescher. 12. Schoneberg, Apostel Paulusstr. 22, Slfl., III, bei Bleicher. 13. Charlottenburg, Goethesw. 28/29, bei Raick. 14. N., Strelitzersw. 51, Ouergeb., Hl, bei Faber. 15. 80., Engel-User 15, Zimmer 35, Bureau. Arbeitsnachweis: Rückerstr. S in der Bnreauzeit. DieVerwauenSleute sind verpflichtet, die Bücher der Mitglieder in den oben genannten Zahlstellen in Ordnung zu bringen, und fordern wir die organi- fierten Kollegen aus, die Vertrauens- männcr in leder Weise in der Aus- sührung ihrer Pflichten zu unterstützen. Die Vertrauensleute werden ersucht, mit ihren Contos abzurechnen. nie Qetnvee�valtnnK. 177/13 I. A.: H. Lobitz. Club-Kaus 72. Kommandanten• Strasse Ho. 72. Jeden Sonntag: 54832»| ■i Grosser Bnll.- Empsehlc meine drei Festsäle zn Versammlungen u. Festlichkeiten. Habe noch Sonnabende und Sonntags frei. H. Eberl. Gentraiverband der Stukkateure. Zur Feier des 8. Stiftungsfestes am Sonnabend, den 25. Juni 1904, von nachmittags 2 Uhr an, in S»iR»««riel, SO., Kottbuserstrasic 4»: Grosses Sommerf est bestehend in 173/13 (tarten-Jionzert, Auftreten der Korddentschen Sänger, ---------- BALL.--------- Gemütliches Beisammensein und Tanz. H Nachts 2 Uhr: Festpolonaise mit Uaberraschungen.—— Den geehrten Damen steht von nachmittags 3 Uhr ab im TB BW herrlichen Sommergarten die Kaffecküche zur Verfügung.-MB Da bei den Kollegen infolge der vorjährigen Mai-Versammlung die irrige Ansicht verbreitet ist, daß zu unsreni Fest nur der Vorgarten in Be- Nutzung kommt, so sei ganz besouders darauf hingewiesen, das? der gesamte grosie Theatrrgarten sür dieses Fest gepachtet ist, es also an Raum nicht fehlt!— BilletS SO Pf. bei den Komitecmitgliedern. Zahlreichen Besuch erwartet I»»» Komitee. Wo? ist der schönste Ort für Landpartien nnd Aus- flügc per Dampfer, Kremser und zu Futz durch de» Grunewald zn erreichen? Ans der Insel Pichelswerder, Wirtshaus zum freuml. Bei schlechtem Wetter Unterkunft für 1500 Personen. j. Neu! Billigste Neu! i äMm Dampfer- Extrafahilen�D.l� von der Blchael-Brüclce jeden Tag, autzer Sonnabend, vormittags 0 Uhr. Einfache Fahrt 30 Ps. Nachm. 3 Uhr hin nnd zurück 30 Pf. Jeden Sonntagvormittag 9 Uhr und Nachmittag 2 Uhr nach tVoUer«» »e-Schloss mit Musik. Einfache Fahrt 50 Ps. ttorfer Schleuse Teleph. Amt VII. 2841. [5375L*] K. Tlsmer. A Jede« Sounrag»/.itqr nacym.i j. ♦.'B tX. Extrafahrt nach Seebad und Restaurant Mti g-gel wer der und Gesellschaften in der Woche si Preis 40 Pf. Für Bereine Sonntage noch frei. Abjaprt Michaclbrücke. freie Fahrt. Einige Kcddlg, Müggelwerder.[55522* |�fei(c Hervorragend Dewährt bei Brechdurchfall, Darmkafarrh, Diarrhoe, Verstopfung etc. Die Kinder gedeihen vorzüglich und leiden nicht an Verdauungsstörung. 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Ansang 4'/, Uhr. Eintritt SV Ps. ScMlIer-Tlteater. Schlllci*- Theater O. (Wallner-Tbeater). Morwift-Oper. Sonnabendabend 8 Uhr: vle Fledermans. Sonntagnachmittag 3Uhr: Oberen, König der Elfen. Sonntagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. vor postillon von honjumean. Montagabend 8 Uhr: Das Nachtlager in Granada. Der Sommergarten ist eröffnet. Schiller-Theater N. (Friedrich-Wilh elmstädtisches Theater) Sonnabendabend 8 Uhr: Bin nndeschriedenes Blatt. Sonntagnachmittag 3 U H r: Die Wildente. Sonntagabend 8 Uhr: Ein unbeschriebenes Blatt. Montagabend 8 Uhr: Ein unbeschriebenes Blatt. Im Garten täglich gr. Militär-Konzert. Max Petn's Sommer-Theater Hasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. | läglieh: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. HM Die Kasfeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-WG 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand zc. In den Sftlen; |pip Grosser Ball. lirania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Insel Rügen. Sternwarte Friedrichs tr. 165. Die vielbewunderten zusammengewachsenen Schwestern Rosa und Josefa: t! einzig dastehend In der Welt! I Der lange Josef 16 Jahre alt, 217 cm gross. Der Eelchenfnnd in Charlottenburg. Originalgruppe nach Aufnahmen an Ort und SteUe naturgetreu dargestellt, ohne ExtrarEntree. OOLOCISCHER GARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- Doppel Eintritt 1 M., -Konzert Eintritt I M.. ab 6 Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälsle. Kleines Theater. Unter den Linden 44. NacMsszfl. Ansang 8 Uhr. Morgen: Märtyrer. Liebesträume. Kollegen. Serenissimus-Zwischenspiele._ BernM Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 68. Heute: Großes Sommerfest verbunden mit Garten-Konzert und Theater-Borstellung. Auftreten sämtlicher Specialitäten, u.a.: Banl Coradlnl. Im Saale: Sommernachtsball. Ansang 4'/» Uhr. Entree 30 Ps. Voranzeige. Dienstag, den 2& Juni: Großes Rosen-jesr. fUnV Speeialitäten-Theater, IHa Landsberger Allee 76/79. Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen I im herrlichen Garten od. gr.Saal: Das neue konkurrenzlose Programm, m. 86 trflkltlsßge Nuimnern u. a. mit stürmischem Beifall: vleSMl5°»5i!,',.!"'.7.S 41 Vuihanos, bester Elichnic-Alt. Die Berliner Lieblinge Orig.: Mila Roselll, Tanz-Soubrette. Orig.: Fritz Brand, Humorist. Org.: Marco et Tatjana. Org.: The 3 Schönhrunns usw? Kasfeeküche.«olksbelustigungen. Sonnlag, Montag und Sonnabend bis 2 Uhr: Ball. Entree 20 Ps. fötzowstr. 111/112. T h g l 1 c h im Garten oder Saal: Vorsts Korddeutsehe Humoristen und QuartettsSänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Lsas baden Gültigkeit. Kelchs hallen Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Täglich im Garten: Hofimalms Norddeutsche Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. _ Wochentags haben Vorzugskarten, auch die zu den Theater- abenden ausgegebenen, Gültigkeit. Kdlth Helena, Bravour-Sängerin. Mason u. Fordes, amerik. Excentrics Clement Lion, Zauberkünstler. Lydia Dobranow, Feuertänzerin. Professor Maboul, kom. Jongleur. Perzinas dressierte Affen. Gebrüder Schwarz, Parodisten. Will Mora, Beckkünstler. Heloise Titeomb, Sängerin Die 4 Milans, Kraftnummer. Neiss-Familie, akrobatischer Akt. „Pas de deux", Cavini und Härtel. liebende Photographien vom Krlegwachanplatz. Sehiizer-Garteii Am KSnigsthor. Am Friedrichshain. Täglich; il Bolksbelustigungen und Ball. Itdes MMwoih Kinderfest und Kinder-Fackelpolonaise. Zum Schluß: Mieze's Nliittnnstalt. Vollsstück mit Gesang. Entree 30 Ps. a 0SSMSNNS Xonzert-ßarten, SW., Kreuzbergftr. 48. Jeden Sonntag: Krel-Kansserl und Kall« Montag: JEichlers Qnartett- Shnger. Mittwoch: Militär-Konzert. Th.eprer Kdit/nfenAlkg7-9 Täglich: Goldene Herzen. Pantom.: Im Nachtasyl. Harris, Krastjongleur. Tho Jarrey.— Ulpts.— Langte. Etabliffement Kuggeuliagen Moritxplutz.- Täglich von 12—1 Uhr: Millagstisch. Im groften schattigen Natur- garten jeden Abend 8 Uhr: Bton-sP�. Dienstags, Donnerstags, Sonntags; Pührmann— Horst— Wrnlde- Sänger. im Sonnabends im Kaisersaal: in; Tanz. Ostbahn-Park. Am Küstrinerplatz. RQdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konxerlz Theater und Kpeeialitäten- Norstellung. Kinderwagen neu! doedelegavd> nnverwüstlied mkl beispiellos billig, weil direkt ▼. der ältesten, größten sächsischen Kinderwagenfabrik J. Tretbar, Grimma 134 MeinKatalogDeinRat- geber. Sage beim Katalogverlangen, ob gegen Bar mit 10°/,, Rabatt, od. bequeme Tcihsahl. gewünscht» a rosse JreiJjurger Dombau-fotterie. Zlehnng O.— O. Inll 1904. Haupttr.; lOO OOO, 40«O«, SO OOO, 10 OOO usw. 5344L* Orig.-Lose 3.3W ilsw 3o"i>f. J. Raehor, k�L, Mainz. �SosefTischer� Kohlen-Grofthandlung' N Berlin 0. 34, Bronibergerst.19/20. Preise ab Platz von 10 Ctr. an la Ilse, Salon-BrikettS 7- p. 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Juni er., mittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Neu- ohen-Schönhausen.Berlinerstratze Herschlebs Haus) aus statt. Die Mitglieder versammeln sich im Lokale von August Günther, Neu-Hohen-Schönhausen(bei den Friedhösen), mittags 12'/, Uhr. 41/12 Der Vorstand. I. A.: Fritz Schwedler. Danksagnng. Für die rege Beteiligung und die großen Kranzspenden bei der Be erdigung unsres Sohnes P a n 1 Krause sagen wir hiermit unsren besten Dank, insbesondere dem Gesangverein„Seneselder" sowiesetnen Kollegen und den Vertretern der Firma Priester u. Eick. 2212b Die trauernden Eltern. HSelegetibeiktailj Soweit der Vorrat reicht, verkaufen wir w gr, Partie-Posten Teppiche, Gardinen, Sortieren etc. anch einzeln zn fabelhalt billigen Preis™. J ede Hnnsfrau benutze diese günstige Gelegenheit! Teppichhaus lt. Adler& Co. Konigstr. 20-21, an der JOdenstrasse, im altbekannten Lokal beim Ratbans. Uchcr Xtaiid und Meer herrscht frei das Auge, wenn es durch ein gutes Femglas unterstützt wird. 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Laden vom Rosenthaler Thor."WS Am 22. b. MtS. starb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater,| der Putzer Heinrich Schmidt! im Alter von 49 Jahren. Die Beerdigung findet Sonn» tag, den 26. d. Mts., nachmittags k 4 Uhr, von der Leichenhalle des s Andreas» Kirchhofes, Wilhelms- berg, aus statt. L216b I Die trauernden Hinterbliebenen.: 8lIl!!MWl!wt.ÄSli!vei'WliL� Uerl. ReieSistags-Walmses (Osten). Stadtbezirk 17o. Todes-Anzelge. Am 22. d. M. starb unser lang- jähriges Mitglied, der Putzer Heinneb Scbmidt. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am s Sonntag, den 26. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen« halle des Markus-Andreas-Fried- k hoses(Wilhelmsberg-tzohenschön- 1 Hausen) aus statt. Um zahlreiche Betelligung bittet I 243/14 Der Vorstand. Todes-Anzelge. Am Donnerstag, den 23. Juni, entschlief nach schwerem Leiden meine gute Frau, unsre liebe. Mutter Maima Lippke geb. Schulz im 43. Lebensjahre. Dies zeigen, um stilles Beileid bittend, allen Freunden und Be- kannten tiesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. er., nachmittags 41/. Uhr, von der Halle des Heilig Kreuz-Kirchhoses, Marien- dors, aus statt. 2207b Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann Georx Blumberg nach kurzem, schwerem Leiden verstorben ist. 2216b Die Beerdigung findet Sonn- tagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirch- hoss.Nieder-Schönhausen.auS statt. Die trauernde Witwe Auguste Blomberg. Centraiverein für alle in der Hut- iiraneiie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. (Filiale Berlin.) Todes-Anzelge. Am Mittwoch, den 22. d. M., verstarb nach kurzem Krankenlager unser Kollege Georg filumberg. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4 Uhr von der Leichen- Halle des Gethsemane- Kirchhofes (Nieder-Schönhausen) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 294/9 Der Vorstand. Für die Beweise berzlichcr Teil- nähme bei der Beerdigung unsers Neben Sohnes, Bruders und Schwagers Clustav Weiss sowie für die zahl- reichen Kranzspenden sagen wir allen seinen Freunden und Bekannten sowie der werten Direktton der Norddeutschen Gummiwerke, den Schlauchmachern, dem Unterstützungsverem der Nord- deutschen Gummiwerke und den: Verband der Fabrik-, Land- U.Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands(Zahl- stelle Berlin) unser» herzlichen Dank. Rixdors, den 23. Juni 1904. Die ttesttaucrnden Hinterbliebenen _ Familie Weiss. 56272 Danksagung. Dem Lokalverband der KonfekttonS» branche sagen hiermit unfern herz- lichen Dank für die Teilnahme bei der Beerdigung nnserS lieben Sohnes Arthur Kabelitz. 2218b Die trauernden Hinterbliebenen. Ssmmell Rohlenreste! Diese aus Bogcnlichtlampe» her- rührenden benutzt gewesenen Kohlen- stifte kaufen per Kasse 56172" üran»«!?& Koch, Wilhelmsberg-Berlin. 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Billeis sind beim Vorsitzenden und in allen Zahlstellen zu haben. _ Der Vorstand. Xnr Beachtung! Alle Kollegen des Südosten und Rixdorf sind verpflichtet, ihre Herren Arbeitgeber aufmerksam zu machen, daß sich der Arbeitsnachweis nur bei Trclmolescli, Raunynftr. 6(Tcl.-Amt IV 5729), befindet. Auch darf sich kein Kollege von Mosin— dem früheren Arbeitsnachweis— mehr vermitteln lassen. 146/18 Sonnabend, den 25. J»ni, abends S'/j Uhr, bei Gartz, Weißensee, König-Chaussee 66: ZM" Versammlung, Tages-Ordnung: Delegierten vom Gewerkschaftskartell. 2. Diskussion. Rachdrulk verboten! I Tathan Manch 189 Skaliherstr. 129. f Die schönsten 56152» 1 Herren-Sommer-Paletots und Anzüge SÄcien (Monats-GarderobeS ] von Kavalieren getragene Sachen, 1 fast neu, für jede Figur passend, I speciell Bauchanzüge find ins großer Auswahl stets zu staunend I billigen Preisen zu haben. L fathan Manch 129 Skaliherstr. 129. ffl zochbahnstation Kottbnscrthor.k Bitte auf Hausnummer zu achten. W Bericht des S. Bericht der Kommission über Streiks, Differenzen und der Vertrauens münnersitzung. 4. Verschiedenes und Ausnahme neuer Mitglieder. Wegen der Wichtigkeit des Punkt 1 ist es Pflicht aller Kollegen von Weißensee, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Kollegen, welche in Weigensee wohnen, aber anderweitig ihre Beiträge zahlen, werden ersucht, ihre genaue Adresse dem Bevollmäch- tigten mitzuteilen.__ Deutscher Buchbinder-Verband. Xalilstelle Berlin. Morgen, Sonntag, den SO. Juni, nachntittags 5 Nhr: Bestich der Treptower Sternwarte. Programm: 1. Vortrag des Herr» Direktors Irebondold über: »Die Orientierung au> Sternenhimmel". 2. Beob- achtnugeu mit dem Niesen-Fernrohr. aillor« a 7� Alf ssonst 1,50 M.) sind heut- noch im Ii>'f PI. Bureau, Engel-Ufer 16 II zuhaben. Der Treffpunkt ist um 4 Uhr in l-udsvlx» Park- Rest nur nnt, Köpnicler Landstrasie. 24/4 Zahlreiche Beteiligung erwartet_ Die OptsvcrwaUnngf. Verwaltungsstelle Berlin. Bure all: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Sonntag, 26. Juni, vormittags Punkt 10 Nhr, im Gewcrkschaftshaus, Engcl-Ufer 15, Saal IV: Allgemeine Versammlung lies Rohrleger und Helfer Berlins und Umg. TageZ-Ordnung: 1. Borttag des ReichStags-Abgeordneten Genossen Bdnard Bernstein über:„Arbeitszeit und Arbeitslohn«. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. 117/1 Kollegen l Zu dieser Versammlung müssen alle Rann erseheinen, da ein Thema zur Verhandlung steht, welches sür alle Kollegen von gleichem Interesse ist. Die Versammlung wird Punkt 10 Uhr eröffnet. Sonntag, den 26. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Wetzet, Wrangelstraße 136: Miirgkchrlilhk de. Sdirmilif ithtr her. Achtung) In Zukunft sind die Morgensprachen nur noch alle Die Orts Verwaltung. 4 Wochen. Achtung! Tahrctnhl-Meiter. Achtung! Sonntag, den SO. Juni, mittags 1 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 1: Oeffentliche Versammlung aller an Fahrstühlen nnd Hebevorrichtungen ans Sauten beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Situation im Baugewerbe und welche Stellung nehmen die Fahrstuhl-Arbeiter dazu? Referent: Kollege Karl Heidemann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Bis Dato haben, außer einigen Firmen, die Fahrstnhl-Nnternehmer nnsrer Forderung kühl gegenüber gestanden. Sie alle stehen auf dem Standpunkt, daß sie schon mehr wie zu viel zahlen und die Arbeiter mehr denn zufrieden sein können. Ihnen aber nnsre Lebenslage der Wirklichkeit gemäß vor Augen zu führen, ist es Pflicht jedes Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Keiner darf fehlen! Zg/IS Der Einbernfer. Karl Heidemann. Gesundheit ist Reichtum t Äuegciniiiswige» jduuvu«31-11*111, unu iwriiü*-*, wbuuuu«; Ttr-� Bade Berlin-Ost im: 1 Bade Berlln-SQd im: Rad Frankfurt| I�itter-Bad Gr. Frankturteralrasse 136.| Ritterstr. 18, Ecke Prinzen«! Regelmässiges Baden erhalt and fordert die Desandhelt. Bade Berlin-Ost Im: � Bade Berlhi-Sad im: Jf Prinzenstrasso. 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Folgende Bäckermeister haben bewilligt resp. den Tarif unterschrieben und sind deshalb in der Liste des letzten Sonntag nachzutragen: Norden. Buttmannstr. 20, Hirsch. Kastanien-Allee 103, Aoamitz. 13/14, Pape. Koloniestr. 34, Mache. 28, A. Schneider. Köslmerstr. 3, C. Schmidt. Wiesenstr. 28, I. Seger. Navcnsstr. 1, Ernst(hat schon am Sonnabend bewilligt). Ackerstr. 163, Müller. Brunncnstr. 27, O. Hanke. 96, O. Hanke. Rnppinerstr. 12, O. vanke. Anklamerftr. 36, K. Graul. Ackerstr. 163, O. Schumann. Pappel-Allee 104, Rich. Müller. Ramlerstr. 31, Dahlenburg. Oranienbm-gerstr. 60/63, Simons Brotfabrik. Wiesenstr. 19», Schardin. Rvkestr. 7, Vieweger. Straßburgerstr. 23, Libutzkl. Memelersir. 4, Estler. Strclitzerstr. 31, Fr. Scheunemann. Stidost. Admiralstr. 22. C. Blümel. Lübbenerstt. 29, Gierz. Naunynstr. 7, Fielitz. Waldcmarflr. 66, P. Hamel. SUden. Bergmannstt. 10, O. KnofiuS. Osten. Memelersir. 47, Nickisch. BTen-Weissensee. König-Chaussee 10, Herrn. Schüler. Rixdorf. Folgende Rixd orfer Bäckermeister haben den vor dein Einigungsamt festgelegten Tarif unterschrieben und bitten wir die Rixdorser Bevölkerung, nur diese Bäckereien zu unterstützen, alle übrigen Bäckereien in Rixdors sind gesperrt. Bcrgstr. 73, M. Kupfernagel. 122, Conrad Penks. Delbrückstr. 35, F. Ecke. Berlinerstr. 20, Zl. Voigtländer. 86, R. Leina». Emserstr. 44, M. Jeschal. Falkstr. 3, Rabatt-Sparverein Südost. ,. 21. M. Lehmann. alkstr. 26/26, G. Pcrsicke. obrechtstr. 1, P. Neubauer. ohenzollernplatz 13, Dornbusch. ermannstr. 42, M. Firnstein. Ägerstr. 70, Paul Hahn. 77, E. Haase. Jansenstr. 2, O. Hacker. Julius str. 66, I. ad Dil 31, Otto Ecke. Kaiser Friedrichstr. 12, A. Braun. Knesebcckstr. 38, C. Gruhlke. 68, R. Richter. Kirchhosstr. 32. Carl Hoffmann. . 2, Rabatt- sp arv. Südost. Prinz Handjerystr. 24,«rix. 38, Leuchte. Richardslr. 104. Handtk«. Ringbahnstt. 26.'P. Scholz. ThomaSstr. 7, R. Lobbes. 37. Arndt. Walters tr. 18, C. Pritschkow. Steinmetzstr. 39, R. Senftieben. , 129, Rab.-Sbarv. Südost. Berlinerstr. 80/81, Spanoel. Herthaftr. 3, Hilmer-. Richardslr. 63, Lüdicke. Knesebcckstr. 33, Rod. Gallert. 4t. M. Belzig. Prinz Handjerystr. 22, W. Bennewitz. Puttbuserftr. 37, Job. Bauer. Münchebergerstr. 17/18, Friedrich. 31. Alb. Voigt. Steinmetzstr. 23, Kummer. Steinmetzstr. 121, Löwigt. 131, I. Runge. Wanzlickstt., Kassube. Warthestr. 9, Cicior. 68, H. Valllnger. Ziethenstr. 67, Carl Jelirust. 75, Klein. 19, W. Ossa. Schöneweidcrstr. 9, Fr. Lewau. Thüringerstr. 36, Carl Adameck. Fuldastr. 60, M. Kasten. Ziethenstr. 41, Emil Pankow. 81. Ernst Hcntzschel. Hermannstr. 210, A. Brix. Wißmannstr. 7, I. Treffer. Kirchhosstr. 46/47, Breska. Wipperstr. 12, Krell. Diese beiden Herren haben lhre Bewilligung thaisächlich noch nie zurückgezogen. Prinz Handservstr. 83, O. Griebat. Zicuterstr. 32, Arthur Rebitzki. Lessingstr. 34, R. Rohlost. Prinz Hanhjervstr. 63, I. Bartsch. Erkstr. 16. G. März. Münchenerstr. 44, R, Welgelt. Zieihcnsir. 36, F. Zahn. Weserstr. 206, C, Slawinskt. Hohcnzollernplatz 11, W. Schmidt. 18. O. Markus. Richardplatz 16, P. PlasiuS. Thüringerstr. 18, E. Würsel. Rarlendorf. Chausseestr. 16, Burschke. Schöneherg, Barbarossastr. 78, Wetzel. Grunewaldstr. 120, A. Lehmann(Inhaber Schäjer). Rnrnmelaharg, Kantstr. 1, Ella Böhme. Relnlekendorf. Berlwerstr. 104, 31. Krause. Folgende Bäckermeister, welche die Bewilligung zurückgezogen oder durchbrochen haben, sind von der letzten Sonntagsliste zu StreisbSU: Korden. Ehristlnenstr. 27, Schaar. Kastanien-Allee 29, A. geuerherm. Gaudystt. 9, I. Bauer. Gleimsir. 11, Gießler. Gartenstr. 41, H. Schmidt. Gerichtslr. 6t, de la Motte. Metzcrstr. 13, A. Hennig. Wicherislr. 163, H. Krause. Schönh. Allee 70c, Pudritzki. 81, Schmidt. 126a, W. Schwienhagen. TreSkowstr. 26, Sl. Schuh, vormals Deubach(dieser Herr macht mit Vorliebe die Polizei aus unsre Kollegen, welche Konttolle stehen, ausmerl' Relnickendorscrstt. 57, Ziegler(dieser Herr hat die Forderungen da- durch durchbrochen, daß er bei Entlassung von Verbands- Mit- gliedern Arbcitskräste von der Jnnung bezog und sogar noch andre Bäckermeister zur gleichen Handlungsweise aufforderte). Sttelitzerstr. 2t, Schopp au. Griebcnowstr. 8/9, Griebat. Swinemünderstt. 2, Haese. Lortzingstt. 88, Wermuth. Fürstenbergerstt. 15, G. Lawrenz. Osten. Barnlmstt. 17, Donidors. Langestt. 78, Wanjeck. Ebertystr. 69, Aug. Monte. Proskauerstr. 8, Gusig. 38, Gabelmann. Rüdersdorserftt. 52, Mathilde Parkhäuser. Südost. Adalbertstt. 85, Schulz. Lausitzerstt. 34, Schütze. Kordost. Marienburgerstr. 48, Müller. PeterSburgerstr. 33, Schwarbe. Elbingerslr. 87, Haff. Südwest. Schön ebergerftt. 16a, Hettlosf. vhar'lottenhnrg. UHIandstt. 46, G. Förstcrmann. Pestalozzistraße, Spltzbarth. Sohüneherg. Hauptftt. 93, Scheffler. Selchow-. Julius Wernitz. Stegllte. Schloßftt. 116, Eduard Kramer. Ein neuer Trick der Käckvrinnunge«. An unser Bureau ging folgendes Schreiben ein: Herrn Redakteur Karl H e tz s ch o l d, Berlin. Namens der Bäckermeister: Korden. Anionstt. 8, R. Richter. Ackerstr. 6, O. Dalcke. 70, Edwin Unkrodt. 102, Fritz Müller. 114, R. Dolli. 183, LouiS Neumann. 149, A. Zimpel. Badstt. 28. Otto Rieß. Bergstr. 2, August Weiß. 75, L. Kagelmann. Bernauerstr. 20, F. Hartwig. Borfigstt. 2, O. Brandt. 12, Paul 3itck. vurgSdorfstt 1, I. Jung. Chausseestr. 4, G. Riechett. Elsasscrstt. 36, Gustav Schröder. Eichendorffstr. 10, W. Rauch. Eyerzterstr. 19 a, W. Koschel. Fennstt. 32, Fritz Schneider. Gartenstt. 41, H. Schmidt. 100, L. Hmzpeter. "orl Loth. ochstt. 81, Otto FenSke. aSinunderstr. 15, A. Wackerhagen. Jnvalidenstr. 99, Ehr. Haack. „ 109, A. Stammer. Lindowerstt. 14, G. Nielsen. Ltesenstt. 17, Otto Müller. Lynarstr. 4, Otto Radack. Müllerstr. 37, Friedrich Beyer. Neu« Hochstt. 61. O. Lehmann. Pankstt. 61a, F. Klang. „ 53a, W. Rüdiger. Prinzen-Allee 13, H. Palisa. Prinz Eugenstt. 10, Otto Senff. 16. H. Otwald. Relnlckendorferstr-. 3, H. Kagelmann. 47. H.«loch. 57a, I. Zlegler. Ravenöftt. 1, O. Ernst. Ruppinerftt. 16, G. Engelhardt. Schlegelftt. 23, Marx. ' Joses Prl 20. I. R> m Squlstt. 16, SteSdv Sttelitzerl erstt. 56, erstt. 21, Tieckstt. 12/13, Schlwack. ftstt. 43. Heinr-i.--- Usedomstr. 20, A.( oschma. «uter. arbord. >an. Triff Stähr. ommerseld. Vollastt. 49, O. Stuckly. Wicsenstt. 23, I. Seegcr. Wöhlettstr. 21, B. Gonsior. Süden. Kitschlnerstt. 84. Otto Konradt. Brandenbnrgstt. 6, I. Wendick«. 67, H. Sfatgatif. Wassetthorstt. 49, 91. Weiner. „ 38, W. Str ml. Slmeonstt. 29., B. Kämmer Alexandrinenstt. 4, R.VoltmaM». Alte Jalobstr. 120a, F. Gronemann. Hollmannstr. 7, H. Geier. Kronenftt. 12/18, Gustav L LIndenftr. 58, Harry Mosch Gitschinerstr. 64, Freudenberg. Gentram. Amallen str. 7, I. Küffner. Linienstt. 72, G. Jendrohko. „. 156, H. Kemnitz. GipSstt. 4, L. Listen. KI. Hamburgerftt. 9, E. Nelka. Rixdorf. Kopsstt. 45, I. Hornig. Fuldastr. 60. M. Kasten. 104, Carl Loth. 115, Willy Henning. Gerichtstr. 63, Hugo de la Motte. ennigSdorferstt. 1, H. Zahl. uisitenstt. 28, R. Sommerfeld. teile ich Ihnen mit: Im„vorwärts" werde» fortgesetzt die Namen meiner Mandanten veröffentlicht und zwar unter der Behauptung, sie hätten die Fordenmgen der Stteikleitung bCtUlKtgt, während dies iHaifäcHItd) nicht nnchr ist. Namen» der Herren ersuche ich Sie, die Weitrrveröffcnt- lichung zu unterlassen, andernfalls»erden«eine Mandanten den ihnen entstandenen Schaden von Ihnen beanspruchen. l-oeve, Rechtsanwalt. Nach der Angabe des Herm L o e w e ist es also Ntchf tvcHv, dah obige Herren die Forderungen der'Bäckergesellen bewilligten. Die ehrenwbrtltche Verpflichtung, unsre Forderungen zu bewilligen, haben sämtliche obengenannten Bäckermeister unterschrieben, ein Teil davon auch schon den Tarif des EinigungSamteS. Es kann sich also nur darum handeln, daß die Herren die Forderungen jetzt nicht mehr einhalten wollen. Das Publikum mag fich danach richten! Bäckermeister, die die obige Behauptung des Herrn Loewe als unzutreffend oder nicht wahrheitsgemäß ansehen, mögen diesbezügliche Erklärungen an unser Bureau einsenden. Rachfolgende Herren haben erklärt, daß die Behauptung deS Rechtsanwalt« Loewe:»Sie hätten die Forderungen der Gesellen Ittlhl bewilligt". UNWahv ifl und ersuchen die Streik- leituug ausdrücklich, ihren Namen«ach wie vor in der Liste der bewilligten Bäckereien im„Vorwärts" z« veröffentlichen: 5crmaiiiistt. 42, M. Jtrnstctn. äiSllnerstr. 1, H. Tschökc. Die 8ti eikleltung. L. Kupfcrnagel, Rixdorf, Bergstt. 73. K. Stratmeycr, Neue Hochstt. 35. '. Dörner, Matternslr. 13. s Th. OuaSnIca, Liebcnwalderstr. 60. Nörtherstr. 34. Bührig. ! Jultusstt. 61, O. Ecke. Kerantw. KMkteur:. Paul Büttner, Berlin. Wr den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagscmstalt Paul Singer L- Co.. Berlin SVV. Nr. 147. 21. Jahrgang. 2. Stilnjt im Lmiiiis" Knlim WMM.-»»»»>»>« Partei- I�ackrickten. „Die Zukunft der Socialdcmokratic" von I. Dietzgen hat die Buchhandlung Vorwärts wieder neu aufgelegt. Die Schrift ist eine treffende Antwort auf die Frage: Wie wird es im Zukunstsstaat aussehen? Sie legt dar, daß und wie die Socialdemokratie ihre Zukunft schafft. Die Broschüre ist für 10 Pf. in allen Parteibuch- Handlungen, in Berlin bei den Parteispediteuren zu haben und wird von jedem Kolporteur und Zeiiungsspediteur besorgt. Die Taktik der belgischen Arbeiterpartei bildete den Gegenstand einer Beratung, welche der Generalrat der Partei am 22. d. M. im Maison du Peuple zu Brüssel abhielt. Nach langer eingehender Diskussion wurde eine Resolution angenommen, welche beginnt: „Der Generalrat erinnert die Arbeiterklasse daran, daß die demo- kratischen und socialen Reformen nur erreicht werden können durch mächtige und beharrliche Anstrengungen socialistischer Propaganda und Organisation." Es wird in der Resolution sodann weiter zum Ausdruck gebracht, daß die Arbeiterpartei ausschließlich socialistische Propaganda zu betreiben habe, indem sie sich der Organisation und der Erziehung der Arbeiterklasse widme. Sicher würden die Kreis- verbände den richtigen Moment auszunützen wiffen, an dem es gilt, die Bewegung für das allgemeine und gleiche Wahlrecht und den Sturz der klerikalen Regierung, der Gegner der politischen Gleichheit und der demokratischen Reformen, zu beschleunigen. poUseiHckes. Oericbtlichea uto. — Nach achtwöchiger Untersuchungshaft ist der Vertrauensmann unsrer Partei, der Genosse A p e l aus Ellrich aus dem Gefängnis zu Nordhausen entlassen worden. Der Genosse Apel wurde be- schuldigt, gelegentlich des Streiks der Ellricher Cementarbeiter bei einigen Arbeitgebern Fensterscheibe» eingeworfen zu haben. Nun- mehr scheint man sich von der Schuldlosigkeit unsres Genossen über- zeugt zu haben und setzte ihn auf freien Fuß. In einer Versamm- kung der Ellricher Arbeiterschaft wurde Genosse Apel>nit brausendem Beifall begrüßt. Acht Wochen Untersuchungshaft wegen des grundlosen Verdachts, eine Fensterscheibe eingeworfen zu haben— für einen Social- demokraten I Bankschwmdler, die nach gründlicher Verhandlung unter einem staatsanwaltlichen Strafantrag von sechs und acht Jahren Gefängnis stehen, verlassen ftei und ungehindert die Anklage- Soziales. Aerzte und Krankenkassen. In R o st o ck tagt gegenwärtig wieder der deutsche Aerztetag. Der Verhandlung über die Stellung der Aerzte zu den Krankenkassen legten die Referenten Meyer- Fürth, Pfeiffer und H a r t m a n n aus Leipzig folgende Leitsätze unter: 1. Die wirtschaftliche Organisation der Aerzte des deutschen Reichs hat seit 1902 große Fortschritte gemacht und viele Erfolge zu verzeichnen; ist aber noch lange nicht so durchgeführt, wie es mög- lich und notwendig wäre. 2. Der Abschluß von Schutz- und Trutzbllndnissen und der Bei- tritt zum Leipziger Verband sind die Hmiptfaktoren der Organisation. Hierbei wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die ärzt- lichen Standesgenossen, entsprechend der bezüglichen Vorschrift der vom geschäftSsührenden Ausschuß des deutschen Aerztevereinsbundes ausgestellten Direktiven verpflichtet sind, sowohl vor Ausbruch eines Streites mit Kasscnvorständcn, wie vor Beendigung eines solchen. dem geschäftlichen Ausschusse des Aerztevereinsbundes bezlv. der wirtschaftlichen Abteilung desselben, Mitteilung zugehen zu lassen und deren Zustimmung abzuwarten, falls Anspruch erhoben werden soll auf materielle Unterstützung. 3. Die mit der Ausführung der Beschlüsse des Königsberger Aerztetagcs betrauten Vertragskommissionen werden veranlaßt: ihren Formularen für den Abschluß der Schutz- und Trutzbündnisse erne solche Fassung zu geben, daß sie verbindlich sind für das Gc- biet des Deutschen Reiches. 4. Einführung und Beibehaltung von Karenzzeit ist zu der- werfen. Im übrigen erklärt der 32. deutsche Aerztetag a) daß er an den Königsberger Beschlüssen und Forderungen unverbrüchlich festhält; b) daß er eine gesetzliche Regelung der Stellung der Aerzte zu den Krankenkassen für notwendig halt, unbeschadet des im Kranken- versichcrungs-Gesetze durchgeführten Grundsatzes der Selbstverwaltung der Kassen; c) daß die Organisation der Selbsthilfe überall un- verzüglich weiter ausgebaut und vollendet werden mutz. Ferner liegen hierzu folgende Anträge vor: 1. Antrag des ärztlichen Krersvereins Mannheim-Heidelberg: „Der 32. deutsche Aerztetag möge beschließen, daß die Karenzzeit ftir ganz Deutschland einheitlich aufgehoben oder doch erheblich sauf höchstens XU Jahr) herabgemindert werden soll." 2. Antrag aus dem Arztvereinsverband deS Regierungsbezirks Düsseldorf: „Der' 32. deutsche Aerztetag möge durch möglichst einmütige Kundgebung seine Ansicht aussprechen, daß die Einführung lang- dauernder Karenzzeiten dem Gedeihen des Aerztestandes zuwider- läuft. Ist die Einführung derselben während der jetzigen Bewegung zur gleichmäßigen Verteilung des Nachwuchses auch mcht überall zu ermöglichen, so solle sie doch niemals mit Vertrag mit Dritten sKrankenkassen, Behörden usw.) festgelegt, svndeni als innere An- gelegenheit der Acrzteschaft von der Organisation in verschiedener Dauer für Organisierte und Nichtorganisierte befestigt werden." 3. Antrag des ärztlichen Bezirksvereins München: „Der Aerztetag möge eine für sämtliche Aerzte Deutschlands nötige Verpflichtung festmachen, welche im wesentlichen eine hohe Konventionalstrafe und ehrenwörtliche Verpflichtung enthält." 4. Antrag des ärztlichen Bezirksvereins Leipzig- Stadt: „Der 32. deutsche Aerztetag erklärt die neuerdings auftauchenden Bestreblingen von Kassenvorständen, festbesoldeten Kassenärzten An- spräche auf Pensionen, Fürsorge für ihre Hinterbliebenen und der- gleichen einzuräumen. lediglich für ein neues Mittel, die Kassenärzte noch weiter in Abhängigkeit von den Krankenkassen zu bringen und fordert deshalb die deutschen Aerzte auf, allen oerartigen Be- strebungen entschieden entgegenzutreten und vielmehr nachdrücklich für standeswürdige Anstellung und Honorarbedingungen Sorge zu tragen." In den Begrüßungsreden, die von Dr. Löbke r- Bochum und von Professor SÖi a r t i u s als Vertreter der Universität Rostock ge- halten wurden, war wieder von nichts als der Notlage die Rede, in welche die Aerzte durch die socialpolitische Gesetzgebung geraten sein sollen. Die Herren reden von der socialpolitischcn Gesetzgebung wie der Blinde von der Farbe. Wenn wir nicht absichtliche Unter- drückung der Thatsachen annehmeil dürfen, dann bleibt nur die An- nähme' vollständiger Unkenntnis der Verhältnisse und Thatsachen. auf die es ankommt. Die deutschen Krankenkassen zahlten im Jahre 1902 SVIi Millionen Mark ärztliches Honorar für ihre 9 8ö8 000 Mitglieder. Die Aerzte behandelten zwar dafür auch bei einer kleinen Anzahl Kassen die Familien- angehörigen mit. indessen kann man diese im Verhältnis nicht erheb- liche Zahl ivahrscheinlich als kompensiert betrachten durch die Summe, die in den für Anstaltsverpflegung aufgeführten Aufwcnduiigen noch auf ärztliches Honorar entfallen. Die in den Krankenkassen der- sicherten Personen bilden ungefähr den sechsten Teil der Einwohner Deutschlands. Geht man von der Annahme aus, daß die Aerzte von den Krankenkassen zu schlecht bezahlt werden, dann kann man es nicht als unbillig bezeichnen, wenn wir unterstellen, daß für alle übrigen Reichseiuwohner mindestens ebensoviel für ärztliche Hilfeleistung aufgewendet werde» soll, wie von den Kassenmitgliedern. Denn die Krankenkassen- Mit- glieder gehören den ärmsten Volksschichten an. Wir würden also unter dieser Voraussetzung zu einer Gesamtaustvendung für ärztliche Behandlung im Deutschen Reiche von fünfmal 37Vz Millionen oder 187l/z Millionen Mark kommen. Im Jahre 1902 gab es im Deutschen Reiche 30 933 Aerzte und Zahnärzte, so daß ein einfaches Rechenexempel für jeden dieser Aerzte ein Durchschnittseinkominen von mehr als 6000 M. ergiebt. Das ist eine Summe, die als Durchschnitt fürs ganze Reich sehr erheblich ist, denn dieser Durchschnitt schließt dann auch alle die jungen Aerzte ei», die jetzt als Assistenzärzte für freie Station und ein bis zwei Mark pro Tag in Krankenhäusern und bei älteren Aerzten arbeiten und das gar nicht standesunwürdig finden. Es sind außerdem in der Zahl der Aerzte alle Hochschullehrer und Amtsärzte inbegriffen, die aus ihrer amtlichen oder Lehrthätigkeit ein zum Teil erhebliches Emkommen beziehen, so daß das Gesamteinkommen der Aerzte noch erheblich höher anzusetzen wäre. Wenn also die Gesamtbevölkerung nur so viel für ärztliches Honorar aufwendete, wie für die Mitglieder der Krankenkassen aufgewendet wird, dann könnte doch unmöglich von einer Notlage des ärztlichen Standes geredet werden. Wir geben ohne weiteres zu, daß außerhalb der Krankenversicherung solche hohen Aufwendungen für ärztliches Honorar nicht gemacht werden. Daraus ergiebt sich aber, daß die Krankenversicherung den Aerzten mehr bietet, als sie von der außerhalb der Versicherung stehenden Be- völkerung haben. Die Versicherung hat demnach nicht eine Not- läge bei den Aerzten verursacht, sondern sie hat ihr Gesamt- einkommen erheblich gesteigert. Ohne die Krankenversicherung iväre die Notlage des Aerztestandes, wenn man von einer solchen schon reden will, erheblich größer, als sie jetzt ist. Es geht aber aus dieser Betrachtung noch ein weiteres hervor. Man wird uns beipflichten, wenn wir den oben unter den geinachten Voraussetzungen errechneten Durch- schnitt von niehr als 0000 Mark für vollkommen aus- reichend erachten als Bezahlung für die ärztliche Hilfeleistung, als eine mindestens angemessene Honorierung der erforderlichen ärztlichen Arbeit. Dies baut sich auf auf dem im Jahre 1902 erreichten Durchschnitt von 8,80 M. pro Kopf des Versicherten. Wir ziehen daraus den Schluß, daß jede Kasse, die für durchschnittliche ärztliche Hilfeleistung mehr als 3,80 M. pro Kopf ihrer Mitglieder ausgiebt, ihr Geld unnütz weggicbt._ Eine Verbesserung der Schiedsgerichte für Arbciterversicherung wollen sich die Berufsgenossenschasten angelegen sein lassen. Sie haben auf ihrer Tagung in Eiscnach unter Teilnahme des Geheim- rats Hofsinann und des Präsidenten Gaebel darüber beraten und einen Ausschuß mit der Ausarbeitung einer Denkschrift dazu beauf- tragt. Ucber das Ziel dieser Verbesserung erfährt man nichts, doch kann man gewiß sein: wenn bei unS Unternehmer und Behörden eine socialpolitische Institution„verbessern" wollen, dann kommt allemal ein reaktionärer Wechselbalg heraus. Mikosch als moderner Jndustrieherr. Die„Volksstiinme", unser Parteiblatt in Budapest, veröffentlicht eine Eingabe des Verbandes der ungarischen Eisenwerke und Maschinenfabriken an den ungarischen Handelsnstnister. Diese Ein- gäbe ist eine lange, im Miko>chstile gehaltene Schimpfepistel gegen die Fachvereine und fordert nach Aufzählung einer Unmenge von Schlechtigkeiten der Fachvereine allerlei Maßregeln zu deren Be- kärnpfung. Da heißt es z. B.: „4. soll verfügt werden, daß die Funktionäre dieser Fachvereine nur thatsächliche Arbeiter sein können, nicht aber außer den Kreisen der Arbeiter stehende bezahlte Individuen. Wenn die Fachvereine sich nur auf den in ihren Statuten umschriebenen Wirkungskreis be- schränken möchten, dann würden diese verhältnismäßig wenig Zeit und Arbeit beanspruchenden Funktionen auch die aus dem Kreise der Arbeiter gewählten Funktionäre in ihrer freien Zeit besorgen können." Und da man diese Funktionäre ja imnrer wieder entlassen kam?, so wären die Fnchvereine auf die beguemste Art kaltgestellt. Dann sollen die„Aufwiegler" unschädlich gemacht werden. Die „Fremden" sollen abgeschoben werden. Dann aber sei es notwendig, daß„jene, welche sich etlva die Zuständigkeit in der Hauptstadt er- worden haben und durch die Fabriksdirektion bei einer Aufreizung ertappt werden, auf Anzeige der Fabrik, unter Vermeidung aller erschwerenden Formalitäten, welche das radikale Vorgeben hindern könnten, auf persönliche Verantwortung des betreffenden Fabrik- eigentümers oder Direktors polizeilich verhaftet und gegen dieselben das Strafverfahren eingeleitet wird." Es ist noch etwas natürlicher Pußtageruch in dieser naiven Frechheit. Wie ein alt- magyarischer Obergespan möchte so ein Jndustrieherr den Arbeiter eigenhändig beim Kragen nehmen und in sein Verließ werfen dürfen, den Ratten zum Fratze. Da können sogar unsre Unternehmer noch dran lernen. (Sewerkfckaftlickes. Die Tarifgcmeinschaft der Buchdrucker. Das Tarifamt der deutschen Buchdrucker versendet ein neues, am 30. April 1904 abgeschlossenes Verzeichnis der Tarif- anerkennungen. Es haben nach demselben in 1332 Städten 4669 Firmen mit 41 483 Gehilfen den Tarif bewilligt. Seit dem Erscheinen des letzten Verzeichnisses, am 30. April 1903, sind 600 Firmen mit 2800 Gehilfen hinzugekommen, wegen Nicht- innehaltung des Tarifs wurden in, Laufe des Jahres nur 29 Firmen mit 98 Gehilfen gestrichen; es ist also uiizlveifelhaft ein Fortschreiten des Tarifgedaukens zu konstatieren. Dies tritt noch deutlicher zu Tage, wenn man mit den Ber- gleichen noch etwas weiter zurückgeht. Es haben den Tarif anerkannt: , taristrene beschäftigte, un Jahre: Firmen Gehilfen Ät<,btc 1887 1631 18 340 469 1898 2030 22 468 647 1899 2704 27 449 880 1900 3115 30 630 1002 1901 3372 34 307 1030 1902 3464 36 527 1043 1903 4250 39 464 1315 1904 4559 41 483 1382 Leider fehlt der Veröffentlichung svielleicht wegen der Schwierig- kcit der Beschaffung) eine Gegemiberstellnng der Gesamtzahl der Firmen und Gehilfen, die allein ein absolut sicheres Bild davon gäbe, welche Bedeutung die Tarifgemeinschaft im Buchdruckgewerbe hat. Da in dem in obiger Tabelle enthaltenen Zeitraum zweifellos auch die Zahl der Firmen und Gehilfen im allgemeinen zugenommen hat, haben sich die Verhältniszahlen ztvifchen tariftreuen und tariffeindlichen Firmen vielleicht nicht ganz so schnell zu Gunsten des Tarifs entwickelt, wie obige Zahlen vermuten lassen; an dem Bilde fortschreitender Entwicklung ändert das jedoch nichts. Immerhin, vielleicht unterzieht sich das Tarifamt im Interesse der Sache auch einmal der Ausgabe, die Zahl der Firmen zu er- mittel», die den Tarif noch nicht bewilligt haben. Der„Corrcspondent für Deutschlands Buchdrucker' knüpft an die Veröffentlichung u. a. folgende Bemerkimgen: „Bei dieser Gelegenheit wollen wir auf einen Umstand ver- weisen, der in Zukunft im Interesse ber Tarifgcmeinschaft zu be- achten ist. Wir haben nämlich in Deutschland eine vorläufig-un- kontrollierbare Zahl parteipolitischer Blätter und periodischer Druckschriften, in denen warm für das Volks- und Arbeiterwohl warm theoretisiert wird, während in der Praxis die Herausgeber oft die größten Lohndrücker und Feinde geregelter gewerblicher Verhältnisse sind. Da ist es nun notwendig, aus alllen Par- teien diese Blätter und Druckereien kennen zu lernen, um die geeigneten Schritte thun zu können. Theorie und Praxis in den betreffenden politischen Parteien in ein etwas harmonischeres Ver- hältnis zu bringen. Dazu bedürfen Ivir jedoch der entsprechenden thatsächlichen Unterlagen. Wir richten deshalb an unfre Leser das Ersuchen, im Interesse der Ausbreitung des Tarifes uns genaue Angaben darüber zugehen zu lassen, welche Blätter und periodische Druckschriften parteipolitischer Tendenz in tarifuntreuen Druckereien hergestellt werden. Aber nicht nur dieses. Eine bedauernswerte Thatsache ist es, daß auch diverse Gewerkschaftsblätter in nichttariftreuen Druckereien hergestellt werden. ES handelt sich dabei um solche Blätter fast aller Gruppierungen." Soweit die socialistische Parteipresse in Betracht kommt, sind in derselben ja, wie bekannt, überall die tariflichen Forderungen der Buchdrucker bewilligt. Die größeren socialdemokratischen Unter« nehmungen haben darüber hinaus sogar den Achtstundentag unter entsprechenden Zuschlägen zu den den Tariffätzen sowie Ferien bewilligt. Daß es aber G e w e r k s ch a ftsblätter geben soll, diein nichttarif- treuen Druckereien hergestellt werden, setzt uns bas in Erstaunen.— Vielleicht lernt aus diesem Vorkommnis manchsr Nur- GeWerk- schaftler, der sich der socialdemokratischen Partei gegenüber hier oder da zu dem Borwurs berechtigt glaubte, daß diese den Gegenwarts- forderungen der Arbeiterschaft ein geringeres Entgegenkommen beweise, als dies die Gewerkschaften thun. Sollten sich jedoch unter den vom„Correspondent" gemeinten Gewerkschastsblättern solche der freien Gewerkschaften finden, so genügt hoffentlich die Rüge des Buchdrucker-FachblatteS, sie an ihre Pflicht zu erinnern. LerUn unä(lmzegenck. Der Streit i» der Cigarettenfadrik„Manoli" beschäftigte am Donnerstag eine bei Dräsel abgehaltene, stark be- suchte öffentliche Tabakarbeiter-Versaminlung. Ueber die Ursachen des Streiks gab der Referent S ch n, i d t folgende Sachdarstellung: Die Firma„Manoli" verwendet zur Herstellung von Cigarettenhülsen schon seit längerer Zeit Maschinen und be- rechnete für die Hülsen den Arbeitern und Arbeiterinnen einen Preis von 25 Pf. pro Tausend, wie das auch in andren Fabriken üblich ist. Vor ungefähr 14 Tagen verfiel der Inhaber der Finna, ein Herr M a„ d c l b a u m, auf den Gedanken, die Hülsen für alle Sorten einzuführen und mit 30 Pf. in Anrechnung zu bringen. Dieser willkürliche Aufschlag von 5 Pf. war für die Arbeiter gleichbedeutend mit einem Verdienst- aussall von 2— 3 M. pro Woche, dem, je teurer sie die Hülsen bezahlen müssen, desto geringer wird bei gleichbleibenden Herstellungs- preisen für Cigarctten der Verdienst. Die Maßnahme des Fabrikanten qualifizierte sich also als ein indirekter Lohnabzug. Was aber ein Minderverdienst von 2— 3 M. pro Woche ftir Cigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen bedeutet, ist am besten aus der Thatsache zu er- messen, daß der durchschnittliche Wochenlohn nur 20— 21 M. beträgt bei einer Gesamtarbeitszeit von etwa 15 Stunden täglich, wovon lO'/ä Stunden auf Fabrik- und 4—5 Stunden aus Hausarbeit entfallen. Wiederholte Gesuche, die Hülsen wieder zu dem bisherigen Preise von 25 Pf. zu liefern, lehnte die Firma ab. Als dann, nachdem sich die hiesige Filiale des Tabakarbeiter- Verbandes mit der Angelegenheit befaßt. eine Kommission bei Herrn Mandelbaum vorstellig wurde, benahm sich dieser Herr in einer für Arbeiter geradezu empörenden Weise. Er stellte sich, als könne er es überhaupt nicht fassen, daß eine Kommisston„seiner" Arbeiter mit ihm verhandeln wolle; es sei das einfach eine „Frechheit". Damit war die Kommission hinausgewiesen. Kaum daß sie wieder in der Fabrik angelangt war, kam auch schon Herr Mandelbaum mit seinem Geschäftsführer nachgelaufen und begann rntn wie ein Rohrspatz zu schimpfen. Zunächst erklärte er zwei Kommissionsmitglieder, einen Arbeiter und eine Arbeiterin, als sofort entlassen, weil sie angeblich ihre Arbeitsplätze ohne Erlaubnis des Geschäftsführers verlassen hätten. Dabei war der Kommission von den: Geschäftsführer gerade der Zeit- puntt angegeben worden, an dem der gestrenge Chef für sie zu sprechen sei. Ruf diesen Umstand von den Entlassenen aufmerksam gemacht, polterte Herr Mandelbaum los: DaS sei ganz egal; er st e I l e ein und entlasse wen er wolle, auch zahle er was er wolle. Und wenn„seine" Leute es noch weiter so machen und sich seinen Bestimmimgen nicht unbedingt f ü g f.". würden, dann würde er die Cigarettenarbeiter einfach aushungern und seine Fabrik nach Dresden verlegen. Es ist' daraufhin nochmals eine Verbandskommission bei dem Herrn vorstellig geworden, die nunmehr kategorisch die Berechnung der Hülsen zum alten Preise und die Wiedereinstellung der beiden Gemaßregelten forderte, widrigenfalls die Arbeit niedergelegt würde. Herr Mandelbaum wies auch diese Koinmisfion brüsk ab, indem er erklärte, er habe mit niemand zu verhandeln; die Arbeiter sollten nur streiken; es käme ihm gar nicht darauf an, die Fabrik eine Zeitlang stille stehen zu lassen. Nach dieser Antwort legten am Mittwoch sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik bis auf zwei die Arbeit nieder. In den Ausstand sind getreten 113 Personen, 47 Männer und 66 Frauen, davon sind 49 verheiratet und haben 46 Kinder. Die Diskussion, an der sich auch mehrere Arbeiterinnen be- teiligten, war eine sehr rege. Allgemein wurde das Verhalten des Inhabers der Firma„Manoli" als ein nur vom nacktesten Herren- standpunkte diktiertes bezeichnet, denn keine Konkurrenzfirnia bringe für die Hülsen mehr wie 25 Pf. in Abzug. Es scheine, als wolle die„Manoli" auf diese Art die erheblichen Kosten für ihre abendliche Lichtreklame herausschlagen. Besonders wurden die An- we senden an ihre Solidaritätspflicht erinnert. alles daran zu setzen, daß die Fabrik keine Arbeits- willigen weder von Berlin noch von auswärts bekommt. Auch alle Arbeiter, die bisher„Manoli"- Cigaretten geraucht haben, wurden gebeten, von dem Streik in d e r„M a n o li"- F i rm a entsprechend Notiz zu nehmen. Meidet Manoli! Nach der Verlesung eines Shmpathie-Telegramms von den Nr- beitern der Firma„Josetti" gelangte folgende Resolution zur ein- stimmigen Annahme: Die Versammlimg erklärt, die bei der Cigaretten- fabrik„Manoli" streikenden Arbeiter und Arbeiterinnen nwralisch sowohl als auch durch Geldmittel reichlich zu unterstützen und be- austragt die Streikleitung, Samniellisten in Umlauf zu setzen. Von der Streikleitung wird uns noch mitgeteilt, daß die Situation für die Streikenden durchaus günstig liegt. Bis jetzt sind nur vier Arbeiter ihren kämpfenden Arbeitsbrüdern und Schwestern in den Rücken gefallen, um für die Firma Raußreißer- dienste zu leisten. Von diesen waren jedoch nur zwei bei Ausbruch des Streiks in der Fabrik beschäftigt. Die Geschäftsleitung ist des- halb schon jetzt nicht in der Lage, die einlaufenden Orders glatt zu erledigen und sah sich daher gezwungen, einen für sie lhätigcn Hausarbeiter für eine eilige Bestellung eine Mark mehr zu be« willigen, als sie ihm sonst zu zahlen pflegt. Der hochmütige Fabrikantenstolz, der von einer ftiedlichen Bei- lcgung des Streites nichts wissen wollte und die Arbeiter aus- zuhnngern drohte, scheint sich inzwischen etwas gelegt zu haben. Vafür spricht die per Telephon an die anderen Berliner Fabriken gerichtete Anfrage, ob etwa von den Streikenden schon jemand um Arbeit vorgesprochen habe und die besorgte Bitte, doch ja niemanden einzustellen, da der Herr Mandelbaum nur beabsichtige, die Leute eine Woche spazieren gehen zu lassen, um sie dann wieder einzustellen. Diese fiir die Streikenden gewiß sehr tröstliche Aussicht wurde noch verstärkt durch den Um- stand, daß der alle Verhandlungen schroff ablehnende Arbeitgeber einen der Streikenden ersuchte, ihm doch vier bis fünf vernünftige(!!) Leu.e hinzusenden, damit er ihnen klar machen könne, wie sehr die Streikenden im Unrecht seien. Infolgedessen wurde die Streikkommission beauftragt, einen er- neuten Versuch zu Verhandlungen zu machen. Die Stinrmung unter den Streikenden ist eine zuversichtliche. Von der Firma selbst erhalten wir folgende angebliche Berichtigung: An die löbl. Redaktion des„Vorwärts", SW. 68, Lindcnstr. 69. Mit Bezug auf die Mitteilung Ihres geschätzten Blattes in der heutigen Nr. 146, erlaube ich mir berichtigend folgendes an- zuführen: 1. Es ist unwahr, daß die Cigarettcnarbeiter in meiner Fabrik die Arbeit wegen Lohnreduzierung niederlegten, denn von einer solchen ist bei mir keine Rede. ES handelt sich bloß um Einführung fertiger Hülsen, bei welcher den Arbeitern noch Vorteile erwachsen. 2. Von einer Maßregelung zweier Arbeiter kann keine Rede sein. Die zwei Arbeiter wurden wegen Uebertretung der Fabrik- ordnung am 20. d. Mts. entlassen, Tags darauf aber wieder aufgenommen. Ersuche um baldgefällige Anftrahme dieser Berichtigung. Hochachtungsvoll Manoli- Cigarettenfabrik I. Mandelbaunr. Diese„Berichtigung" kann sich getrost neben den Veröffentlichungen der Bäckermeister sehen lassen. Herr Mandelbaum hat k e i n e L o h n- reduktion vorgenommen— er hat nämlich nur den Preis für von ihm geliefertes Material erhöht und seine Leute dadurch in ihre», Einkommen beschränkt. Er hat keine Maßregelung vor- genommen— er hat nämlich die Leute, welche mit ihm verhandelten, nur entlassen, weil sie ihre Plätze zu diesem Zwecke verließen. Richtig ist nur, daß er sie an, andern Tage wieder einstellen wollte; sie verzichteten aber auf die Wiederauftrahme der Arbeit, ehe nicht auch die übrigen Forderungen der Arbeiter bewilligt würden. Die Parole heißt jetzt eben: Meidet Manoli! DentlcKes Reich. Die Lohnbewegung der Schmiede in Hannover hat auf dem Wege der Unterhandlungen zu einem schönen Erfolge der Gesellen geführt. Es wurde ein bis zun, 1. Juli 1906 gültiger Vertrag abgeschlossen, dem wir folgendes entnehmen: Sämtliche Gesellen loerden außer Kost und Logis beschäftigt. Soweit Ausgelernte bei ihrem Lehr- meister»ach Beendigung der Lehrzeit e i n weiteres Jahr ver- bleiben, sind ftir dieses Jahr Ausnahmen zulässig. Die tägliche Arbeitszeit beträgt nicht über 19 Stunden. Gesellen bis zum 21. Lebensjahre erhalten mindestens 39 bis 36 Pf. die Stunde. Gesellen über 21 Jahre als Beschlagschmiede, Feilbänker oder teilweise Feuerschmiede erhalten von 35 bis 38 Pf. an. Feuer- schmiede erhalten nicht unter 49 Pf. die Stunde. Für den Fall, daß durch irgend eine der Vertragsbestiinmungen Streitigkeiten zwischen Meistern und Gesellen entstehen, so sind diese Streitfälle einer Schlichtungskommifsion zu unterbreiten, die aus je drei Mitgliedern des JnnungSvorstandes und des Gesellenausschnsses unter dem Vorsitz des ObernieisterS zu bestehen hat. Sofern der Ver- trag nicht spätestens acht Wochen vor Ablanf der Vertragszeit gekündigt lvird, gilt derselbe als auf ein weiteres Jahr geschloffen. Bemerkt muß dabei werden, daß ca. 33 Proz. der Betriebe noch Kost und Logis hatten bei Wochenlöhncn von durchschnittlich 7 M., daß die Arbeitszeit in 11 Betrieben noch über 19 Stunden betrug und in der Entlohnung völlige Regellosigkeit herrschte. Wenn die Meister in Linden diesen Tarif nicht acceptieren, wird dort in den Streik getreten, deshalb ist Zuzug von Schmieden vor- erst noch fernzuhalten. Der Streikposten in Kette». Die Breslauer Behörden haben zu ihren Ruhmesblättern ein n e u e s� gefügt. Am Donnerstagnachmittag spazierte ein Streik- Posten zlveimal um ein Stadtviertel, in welchem sich ein gesperrter Bau befand. Er wurde von einem Schutzmann aufgefordert weg- zugehen. Auf die bloße Bemerkung, daß er zu dieser Wegweisung kein Recht habe und als der Maurer sich erst die Nummer des Schutzmanns ansehen wollte, kamen zwei Schutzleute herbei, legten dem Maurer eine Fessel an und führten ihn auf die Wache, wo die Personalien festgestellt wurden. Die Beschwerde des Maurers über die Fesselung wurde mit den Worten erwidert: Wir kennen Euch Radfahrer schon!— Unsre Rechtsgarantien! Die Aussperrung der Nieter auf der Kochschen Schiffswerft in Lübeck hat nach 79 tägiger Dauer ein Ende erreicht, nachdem die Direktion Zugeständnisse gemacht hat. Die Nieter haben am Freitag die Arbeit wieder aufgenommen. Erreicht haben die Nieter durch ihr treues Zusammenstehen u. a. für die Außenhautnieter einen z e h n p r o z e n t i g e n, für die Jnnenhautnieter einen f ü n f- p r o z e n t i g e n Lohnzuschlag, sowie die Abschaffung verschiedener Mißstände. Achtung, Metalldrücker! Bei der Firma August Schilder, Lampenfabrik in L i e g n i tz in Schlesien, drohen Lohn- differenzen auszubrechen. Wir ersuchen den Zuzug streng fern- zuhalten. Die Bezirksleitung des deutschen Metallarbeiter-VerbandeS. Fr. Schlegel. ßerliner partci-Hngclcgenbeltcn. Sechster Wahlkreis. Die Generalversammlung findet Ende Juli statt. Anträge der Mitglieder, welche in dieser Ver- sammlung zur Verhandlung kommen sollen, müssen rechtzeitig beim Borstande eingereicht sein. Adlershof. Am Sonntagvormittag 8 Uhr findet vom Lokale des Herrn Lau, Bismarckstr. 19, eine Flugblatt- Verbreitung statt. Die Parteigenossen werden ersucht, sich zahl- reich zu beteiligen. Rudow. Die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins findet heute abend 8Vz Uhr bei Reime, Bendastraße, statt. Tegel. Der Wahlverein hält am Dienstagabend 8 Uhr bei Schmidt, Schlieperstraße 66, seine Versammlung ab. Den Vortrag hält Herr Schütte- Berlin. Montagabend findet von Krause, Berlinerstr. 92, aus Handzettelverteilung statt. lokales. Kirchenbau und Tcrrainspeknlation. Daß im Zeitalter des Kapitalismus auch die Frömmigkeit in Soll und Haben aufgeht und zum Objekt nüchternster Spekulation degradiert wird, hat der Pommernbank-Prozeß in diesen Tagen mit einer wenigstens für wahrhast christliche Gcinüter erschreckenden Deutlichkeit offenbart. Ein kleines Seitenstück zu dem in Moabit erörterten Thema war es. mit dem die Gemeindevertretung von Mariendorf sich in ihrer letzten Sitzung zu befassen hatte. Gerade der Umstand, daß der Mariendorfer Fall ohne jeden kriminellen Bei- geschmack war, macht die Sache um so pikanter. Es wurde»äinlich vom Gemeindevorsteher ein Schreiben der Tcrraiugesellschnft Südende verlesen, worin die Gemeindevertretung ersucht wird, doch ja den Kirchcubau im Südender Ortsteil zu beschleunigen. Schwerlich würde die Terraingesellschaft zur Eile ge- drängt haben, wenn die Sorge um das Seelenheil der in ihrem Spckulationsgebiet wohnenden Christen mit Unkosten verknüpft wäre; im Gegenteil wird anzunehmen sei», daß das Besitztum der Gesell- schaft nach Vollendung des Kirchenbaucs erheblich an Wert gewinnt, und daß es nur der Heißhunger nach möglichst hohem Profit ist, der in ihr die Sehnsucht nach einem neuen Gotteshause weckt. Es ist ja nicht unsre Sache, den moralischen Schaden zu beklagen, der dem Christentum aus einer derart naiv betriebenen Speku- latio» auf die moderne Kirchenbarrsucht erwachsen muß; immerhin aber möchten wir wissen, ob unter den in evangelischen Religionsangelegenheiten kompetenten Periöi'N-�ketten nicht wenigstens ein Mann den moralischen Mut hat, laut m Die Welt hinauSzurufen, daß es für die Hüter der Religion hohe Zeit wäre, zwischen sdcm auf Achtung Anspruch machenden Christentum und dem Christentum profitlüsterner Terrainspekulanten mit aller erkennbaren Deutlichkeit die Grenzen zu markieren. Denn was sind die von Christus zum Tempel hinausgejagten Geldwechsler für harmlose Gesellen im Vergleich zu den Förderern der Religion, die am Coinptoirtisch ausrechnen, daß die Ouadrattute Grund und Boden, die heute X M. ivert ist, nach Vollendung des Gotteshauses das dreifache wert sein wird und die wahrscheinlich Kirchenbau Kirchenbau sein ließen, wenn sie vermuteten, daß die Nachbarschaft eines mit allein Komfort der Neuzeit eingerichteten Tanzlokals der Grundstücksspekulation noch eiu Paar Prozent mehr in den Schoß werfen würde! Zur Ehre der Mariendorfer Gemeindevertretung muß gesagt werden, daß sie das Gesuch der Spekulanten mit der Begründung zu den Akten legte, die Terraingesellschaft möge sich gefälligst selber um die Förderung ihrer Interessen bemühen und das Ortsparlament ungeschoren lassen. Sollte aber, wir wiederholen unsre Frage, nicht auch einmal ein Geistlicher die Courage haben, zu erklären, daß im Interesse der Religion der Mißbrauch des Christenttims als Speku- lationsobjekt aufhören muß? A»S der Magistratssitziing vom Freitag. Zum leitenden Arzt der neu einzurichtenden Abteilung für Geschlechtskranke im ehe- maligen Erziehungshause am Urban wurde Dr. B u s ch k e- Berlin gewählt. Buschke ist Privatdocent und war längere Zeit Assistenzarzt des Prof. Neißer in Breslau.— Zur Verbesserung der Verkehrs- Verhältnisse auf dem Potsdamer Platz ist von: Magistrat nach einem Vorwage des Stadtbaurats Krause beschlossen worden, den breiten Bürgersteig vor Cafs Josty etwas zu verkleinern und in seiner Form so zu veränden:, daß die Wagen. die den Platz kreuzen, direkte Fahrt haben. Versuchsweise soll auch ein neuer Jnselperron in der Nähe des Schreiberschen Hauses errichtet werden.— Der Rettor Trettin von der städttschcn Fortbildungsschule in der Danzigerstraße sMädchen) hat nach langjähriger Thätigkeit sein Amt als Leiter dieser Anstalt niedergelegt. An seiner Stelle ist der Lehrer Paul Krüger vom Magistrat gewählt worden.— Der Lehrer R. Preukel an der 167. Gemeindeschule soll als Vertreter der Stadt nach Worms zum Kongreß des Deutschen Vereins für Knaben- Handarbeit gesandt werden.— Der Magistrat hat de»: Beschluß der Stadtverordneten-Versannnlung. dem Stadtbaurat Krause zum Besuch der Ausstellung in St. Louis(Amerika) einen jüngeren Be- gleiter beizugeben, zugestimmt und dazu den bei der Abteilung für Tiefbau beschäftigten Regierungsbanmeister Schubert gewählt, den: 4999 M. bewilligt wurden. In der Knieprodestraße sollen neue Schulpavillons errichtet werden. Bon der illustrierten Wochenschrift„In Freien Sttinden" ist so- eben das 26. Heft des achten Jahrganges erschienen. Die Zeitschrift bringt in dieser Nummer den Schluß des Gerstäckerschen Romauö „Die Flußpiraten des Mississippi". Das Heft enthält ferner eine Erzählung von Moritz Reich„Der Trutzian". Mit dem nächsten Heft beginnt mit dem Ouartalswechsel ein neuer Roman:„Der Jesuit" von C. Spindler. Mit dieser billigen und guten Roman- bibliothek hat unser Parteiverlag den Kampf gegen die Schundlitteratur aufgenommen. Im Hause des aufgeklärten Proletariers, der ver- niinftigen Poletarierin darf kein Platz sein für das traurige Zeug jener Kolportageromane, die Geist und Gemüt verderben, in durchaus ver- logener Weise das Leben schildern und oft genug darauf berechnet sind, den Geist des Volkes einzuschläfern, sein Klassenbewußtsein zu ersticken, seine KampfeSfreude zu lähmen. In ununterbrochenem Kampfe strebt die Arbeiterklasse nach Verbesserung des Daseins. ES ist aber auch die Pflicht des Proletariats, für gute geistige Nahrung zu ringen, die Verderbnis des geistigen Geschmacks zu bekämpfen. Der Verlag rechnet daher auch jetzt wieder darauf, daß unsre Parteigenossen das Unternehinen durch eifrige Agitation, durch Werbung neuer Leser nachhaltig unterstützen werden. In jeder Woche erscheint ein Heft zu 19 Pfemng, das in allen Partei- Buch- Handlungen, in Berlin bei den Partcispediteuren zu haben ist und von jeden: Kolporteur oder Zeitungsausträger besorgt wird. Abon- nenten können jederzeit eintreten. Parteigenossen, die in Versannn- lungcn, Fabriken uslv. für die Ausbreikmg unsrer Zeitschrift agitieren wollen, liefert der Verlag das nöttge Sammelmaterial. Eine freundliche Einladung. Graf P ü ck l e r§ neueste Rede lvird nach altem Brauch auf den Straßen als Flugblatt verteilt. Sie enthält die folgende liebenswürdige Einladung zu etilem S e k t f r ü h st ü ck: ... Kurzum, mit den Asiaten seid Ihr Socialdemokraten gründlich hereingefallen. Drum fort mit den Kerls. Eure ger- manischen Führer, die könnt ihr jedoch behalten, wie zum Beispiel den Bebel, meinen Freund, das ist ja ein ganz hervor- ragender Genosse; grüßt mir nur alle den Bebel recht schön von mir und sagt ihm, daß ich mich sehr freuen würde, wenn er ebenfalls tüchtig und energisch gegen das Judenvolk zu Felde zöge; wein: wir die Schlacht gewonnen Habe», dann lade i ch den Bebel zu einer Flasche Sekt ein, dann wollen wir mal zechen, daß die Wände krachen und die Tische sich biegen, dann wollen lvir alle einmal so recht vergnügt und lustig sein, � und dann kann die Sache auch mal einen Thaler und acht Groschen kosten, das ist ganz egal. Leider kann aus diesem gemeinschaftlichen Sturm auf die Sekt- flaschen nichts werden, da Bebel in den: vom Grafen Pückler ins Auge gefaßten Kampf mit geistigen Waffen ohne weiteres die Ueber- legenheit des Antisemitismus anerkennt. Bom Berliner Grundbesitz. Am l. Oktober 1993 wurden in Berlin ohne Vororte 25 958 Grundstücke gezählt, die mit Baulich- leiten besetzt waren. Diese waren mit rund 4319 Millionen Mark bei der städtischen Feuersocietät versichert. Die Zahl der versicherten Grundstücke hat im vergangenen Jahre um 387 und der Versicherungs- wert um 119 Millionen Mark zugenommen. Noch ist eine größere Zunahme in Berlin nicht beobachtet worden. Sic wäre noch bedeutender, wenn nicht acht Gebäude mit 1 656 309 M. Versicherungswert auf Antrag königl. Behörden ausgeschieden und 32 Grundstücke mit 16>/z Millionen'Mark Versicherungswert zum Abbruch gekoinmen wären. Im Jahre 1992 betrug die Zunahme 259 Bauten, 1991: 202, 1990: 155 und 1399: 216 Kanten. Entsprechend der Zunahme der Gebäude ist auch der Versicherungswert gestiegen. Im laufenden Geschäftsjahr verspricht die Zunahme nicht geringer zu werden. Aber warum den» nur? Aus Anlaß eines Specialfalles wird amtlich darauf hingewiesen, daß es den Briefkasteuleerern streng ver- boten ist, nach Beendigung des LeerenS eines Briefkastens von Straßenpassanten noch Briefsendungen anzunehmen oder nachttäglich in die Tasche stecken zu lassen. Die Kastenlcerer dürfen ihre Tasche nur beim Einschieben in den Kasten öffnen. Wer den Kastenleerer anhält, noch nachträglich einen Brief anzunehmen, läuft Gefahr, wegen Verleitung zu einer Dienstpflichtwidrigkeit gerichtlich in An- spruch genommen zu werden. WnS ist denn Großes dabei, wenn der Beamte einen eiligen Brief noch in seinen Sack aufnimmt? Eine Mödchenhändlergcfellschaft verhaftet. Eine aus fünf Köpfen bestehende Mädchenhändlerbande, die es sogar verstand, sich das Fahrgeld von wohlthätigen Vereinen zu erschwindeln, ist durch die Mitlvirkung des HilfSvereins der deutschen Juden verhaftet worden. Vor einiger Zeit erschien in dem Berliner Bureau des Vereins in der Potsdamersttaße eine angebliche Frau G o l d a, die angab, mit ihren: Manne und drei Töchtern aus Kischinew flüchtig zu sein. Sie wolle mit ihrer Familie zu ihrem in Buenos Aires wohnenden Bruder fahren, sei jedoch jeglicher Geldmittel bar. Seitens des Hilfskomitees in Genua wären ihnen 2099 Frank für vc lleberfahrt bewilligt worden; doch besäßen sie nicht die Mittel, un: nach Genua zu gelangen. Den Behauptungen der G. brachte die Verwaltung des Hilfsvereins ein gewisses Mißtrauen entgegen, doch ergaben die telegraphischen Anfragen sowohl bei den: angeblichen Bruder der G. wie auch bei dem Hilssverein in Genua die Richtigkeit der von der Frau gegebenen Darstellung. Dennoch wurde die ganze Familie nach den: Bureau bestellt, weil die Pässe der Fanulienuntgliedcr nicht gleichlautend waren; doch be- schwor«: die Mädchen, Töchter der G. zu sein, und er- klärten die Differenz in den Pässen mit den Schwierigkeiten bei Ueberschreitung der Grenze. Der hiesige HilfsVerein bezahlte denn auch für die Familie die Kosten des Aufenthaltes in Berlin und der Weiterfahrt nach Genua. Inzwischen traf von dem Hilfs- konntee des letzteren Ortes ein Schreiben hier ein, durch das bei dem hiesigen HilfsVerein der Verdacht erweckt wurde, daß die angebliche Familie Golda eine Mädchcnhändlerbande sei. Der Vor- stand übergab die Sache zur weiteren Verfolgung dem Bureau des deutschen Zlattonalkountees zurBekämpfung de-Z Mädchenhandels. Dieses benachrichtigte sofort die Komitees in Genua und Argentinien, und es wurde nun festgestellt, daß die Goldas thatsächlich über Genua ab- gefahren seien. Ob sie noch einen Mädchenrransport verladen hatten, konnte nicht ermittelt werden. Jetzt ist aus Buenos Aires eine Mit- teilung eingetroffen, daß die avisierte Bande aus schon längst ge- suchten Mädchenhändlcrn bestehe und sofort bei ihrer Ankunft ver- haftet worden sei. Die angeblichen Goldas reisen unter falschen: Namen und stammen in Wirklichkeit aus Odessa. Die drei an- geblichen Töchter seien gar keine Verwandten des gefährlichen Ehe- Paars. In der Meldung über die erfolgte Festnahme sind die richtigen Namen leider nicht enthalten, ebensowenig Angaben darüber, ob und wieviel Mädchen der Bande entrissen worden sind. Der alte Droschkenkutscher. Eine verstümmelte Leiche wurde in Stralau gelandet. Sie war ganz nackt, und eS fehlten der Kopf, die Anne und das linke Bein. Das rechte Bein trug einen Schaft- stiefel. Später fand man den Kopf. den eines alten Mannes, und am nächsten Tage das linke Bein und einen Arm, während der andre Arm auch bis jetzt noch nicht zun: Vorschein gekommen ist. Schon die Besichtigung zeigte, daß Dan:pfcrschrai:ben die Leiche zerrissen und verstümmelt haben mußten. Die weiteren Ermittelungen bestätigten diese Annahme und klärten den Fund vollständig auf. ES handelte sich um den 68 Jahre alten Droschkenkutscher Gottlob Schulze aus der Liebigstr. 38, der seit 32 Jahren in seinem Berufe thätig war und zuletzt für den Fuhrherrn Kirburg des Nachts fuhr. Der alte Mann war am Dienstag vor acht Tagen abends um 6'/� Uhr ausgefahren und am Mittwoch früh zurückgekommen. An demselben Morgen kam ein Schutzmann nach dem Fuhrhof und überbrachte für Schulze eine Vorladung vor die Revierpolizci. ES wurde ihm zur Last gelegt, daß er auf dem Baltcnplatz ein Kind überfahren habe, ohne sich weiter um den Unfall zu kümmern. Der alte Mann geriet in große Aufregung. Er wollte von dem Unglück nichts wissen. Er habe zwar gesehen, daß ein kleiner Junge hinter einem Straßenbahnwagen hervorgekommen sei, wisse aber nicht, daß er unter seine Droschke geraten sein sollte. Der Fnhrherr riet dem Alten, den er als einen besonnenen Menschen kennt, der Vorladung zu folgen und seine Angaben zu machen. Dazu war er aber nicht zu bewegen. Er beteuerte seine Unschuld und versicherte, daß er lieber ins Wasser gehe, als sich nach einer so langen Dienstzeit in: öffentlichen Fuhrwesen auf seine alten Tage noch einsperren zu lassen. Dabei blieb er auch. Nach Hause kehrte er nicht wieder zurück. Nachdem er abgerechnet hatte, nah::: er sich für sein Geld eine andre Droschke, machte mit dem Kutscher im Galgenhumor eine Bierreise, die bis nach Stralau führte, und ging dort in die Spree. Ein Opfer der Straßenbahn wurde gestern vornnttag der 41 Jahre alte Kutscher Hermann Pioch aus der Laufitzerstr. 9, als er in der Schloßstraße zu Steglitz mit den: Abladen von Setter- tvasierflaschen beschäfttgt war. Beim Ueberschreiten der seitwärts liegenden Geleise ivurde er von: Straßenbahnwagen erfaßt und eine Strecke mitgeschleift. Pioch erlitt einen Bruch der beiden Schulter- blätter und außerden: schwere Verletzungen am Kopfe. Nachdem man ihn auf der Polizeiwache verbunden hatte, wurde er nach dem Kreiskrankenhause in Lichterfelde gebracht. Eine Kindeslciche ist Freitaginittag um 1 Uhr auf dem Boden des HauseS Dieffenbachstraße 64 gefunden worden. Ein Bewohner des HauseS sah dort ein Paket von braunen: Papier liegen, in Ivelchem er beim Oeffnen die Leiche eines neugeborenen Knaben fand. Eine herbeigeholte Hebamme stellte fest, daß das Kind höchstens einen Tag gelebt haben kann. Da kurz vorher von Personen, die auf den: Boden zu thun hatten, daS Paket nicht bemerkt worden war, so wird angenommen, daß es erst in der Mittagstunde dort niedergelegt worden ist. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte die Leiche. Straßensperrung. Der in nordwestlicher Richtung vom Königs- platz nach der Herivarthstraße führende Sttaßenzug wird behufs Asphaltierung von: 27. d. Ms. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Saarbrückerstraße von Straßburger- straße bis Prenzlauer Allee. Elf Mitgliedsbücher des Glasarbeiter- Verbandes sind auf dem Wege von der Steinmetzstraße in Rixdorf nach der Sebastianstraße in Berlin am Montag verloren worden. Der Finder wird gebeten, die Bücher im Gewerkichaftsbureau, Engel-Ufer 15, oder im Restaurant Bieberstein, Adalberfftr. 91, abzugeben. Feueralarm vom Kaufhause Rudoph Hertzog in der Breitestraße erging gestern(Freitag) nachmittags gegen 3 Uhr an die Feuerwehr. Da solche Meldungen von Kaufhäusern von vornherein als„Mittel- feuer" gelten, so eilten diesmal auch sofort ein halb Dutzend Lösch- züge herbei. Wie sich herausstellte, ivar durch Kurzschluß in den: Maschinenhause ein Brand entstanden, an dessen Bekämpfung sich sofort die Angestellten des Hauses machten. Bei Ankunft der Wehr war es ihnen aber noch nicht gelungen, die Flammen zu ersticken und so setzte diese unverzüglich zwei Schlauchleitungen in Thätigkeit und ging von der Scharrenstraße aus vor. Binnen weniger Minuten war nun die Gefahr beseitigt und die Löschzüge konnten nach kurzem Aufenthalt wieder abrücken. Der entstandene Schaden ist nicht erheblich. Eine Betriebsstörung findet nicht statt.— Im übrigen konnte sich die Feuerloehr in den letzten Tagen einer großen Ruhe erfreuen. Nur ganz vereinzelt liefen Alarmirungen ein, ja am Donnerstag erfolgte deren nicht eine einzige. Berlin war also feuerfrei, was zu den größten Seltenheiten gehört. Verkrachte Krankenkasse. Der Polizeipräsident teilt mit: Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntms, daß der„Vaterländische Krankcnunterstütznngs- und Begräbnis- Verein SanitaS". den ich Nüttels Verfügung vom 15. Oktober v. J. veranlaßt hatte, seine Zu- lassung gemäß den Vorschriften des Rcichsgesetzes über die privaten Vcrsicherungsunternehmungen vom 12. Mai 1991 nachzusuchen, durch Beschluß der Generalversammlung vom 21. April d. I. aufgelöst worden ist. Nach neuntögiger Untersuchungshaft entlassen wurde am Dienstag- nachmittag gegen Va5 Uhr der des Mordes an der Lucie Berlin der- dächtige Agent Otto Lenz. Die Vernehmung von ungefähr dreißig von ihm angegebenen Entlastungszeugen muß die Vcrdacht-Zmomente derartig zerstreut haben, daß der Untersuchungsrichter seine Ent- lassnng anordnete. Lenz bestreitet auf das entschiedenste, den wegen Verdachts des Mordes in Hast befindlichen Berger zu kennen; ebenso bestreitet er die von verschiedenen Blättern aufgestellte Behauptung, daß er Zuhälter sei. Feuer in der„Maitäfcrknscrne". In einer Schreibstube der dritten Compagnie der Garde-Fnsiliere in der Chausseestr. 90 war gestern vormittag 9 Uhr auf noch nicht ermittelte Weise ein Schrank, der mit Papieren und Akten angefüllt war, in Brand geraten. Als die alarmierte Feuerwehr eintraf, hatten die Mannschaften das Feuer bereits gelöscht und so konnten die Löschzüge ohne weiteres wieder in ihre Depots zurückkehren. Papiere von Bedeutung sind nicht mit verbrannt und ist der entstandene Schaden daher nur unbedeutend. Der falsche Gcndarm, von dem schon wiederholt berichtet wurde. treibt in der Wuhlheide immer noch sein Unwesen. Es ist e n Bursche, der sich in bürgerlicher Kleidung mit irgend einer Diens!« niütze umhertreibt. Zunächst gab er sich für einen Förster aus, dann fiir einen„Gendarm in Civil". Er wendet einen Kniff an, mit dem vor Jahren einmal Erpresser im Tiergarten' eine Zeitlang Ersolg hatten. Sicht er auf abgelegenen Waldwegen ein einzelnes Paar, so beschuldigt er e-Z eines Vergehens und verlangt, daß es ihm nach dem Amt folge. Unterwegs weiß er es dann so einzurichten, daß die Angehaltenen ihm gegen Quittung diesen oder jenen Betrag geben, nm die Sache aus der Welt zu schaffen und keine Laufereien mehr zu haben. Zuletzt fiel auf diesen alten Kniff ein Berliner Magistratsbeamter hinein, der mit seiner Frau im Walde spazieren ging. Der„Gendarm" merkte,' daß der Frau der Weg nach dem Amte schlvcr fiel und„kam ihr entgegen", indem er sich von ihrem Manne gleich an Ort und Stelle die„Strafe" von 19 M. gegen Quittung zahlen ließ. Es ist kaum zu begreifen, daß das Publikum sich immer wieder von dem Schwindler prellen läßt, statt ihn beim Wickel zu nehmen und unschädlich zu niachen. In einem Falle ließ ein junger Mann sogar ein Mädchen, mit dem er spazieren ging, im Stich, nachdem der falsche Beamte ihn ent- lassen hatte und erklärte, daß nur seine Begleiterin ihm folgen müsse. Diese Feigheit verschaffte dem Unhold die Gelegenheit, das Mädchen zu vergewalttgen. Der Kerl muß in der Nähe irgendwo einen Unterschlupf haben, von dem auS er leicht feststellen kann, ob und wann gegen ihn etwas unternommen wird. Daher bleibe» alle Streifen erfolglos. Das einzige Mittel, ihn unschädlich zu machen. ist, daß die Beschuldigten den Spieß umkehren und den Burschen selbst nach dem Amte bringen. DaS alkoholfreie Sommerfest, das der Deutsche Abstinentenbund heute im Lokal„Zum Kurfürsten", Berlinerstr. 192 in Pankow der- anstaltet, beginnt um 4 Uhr. Eintrittskarten sind bei H. Strzelewitz in Pankow, Florastr. LI, zu habzn. Die Kinderspiele, welche für dieses Jahr vom Turnverein „Ficht e" an sechs Sonntagen veranstaltet werden, nehmen morgen, als am 26. Juni, ihren Anfang; sie fallen in die Tageszeit von 8— ll'/a Uhr. Der Abmarsch von den einzelnen Sammelplätzen ist pünktlich 8'/, Uhr. Die Kinderspiele sind für die einzelnen Stadt- teile wie folgt angeordnet: Süden und Süd-Ost: Großer Spielplatz im Treptower Park. Sammelplatz: Ober- Freiarchenbrücke(Schles. Busch). Skord-Ost: Spielplatz im Friedrichshain. Sammelplatz: Krieger- Denkmal am Landsberger Platz. Norden: Sportplatz Behmstraße. Sammelplatz: Bahnhof Gesundbrunnen und Bahn- Hof Schönhauser Allee. Nord- West: Spielplatz Habsburger Ufer. Sammelplatz: Bahnhof Beusselstrntze. Nach beendetem Spiel werden die Kinder wieder zu den Sammelplätzen zurückgeführt.— Da der Spielplatz im Friedrichshain nur unter Voraussetzung der Uebuug größler Sorgfalt und Ordnung von der Parkdcputation bewilligt und im Nichtbcfolgungsfalle der sofortige Verlust angedroht lvorden kst, so ersucht der Verein die Eltern und Zuschauer um thätige Beihilfe bei Aufrechterhaltung der Ordnung und bittet namentlich, den Spielplatz nicht zu betteten, sondern außerhalb der Einfriedigung dem Gang der Spiele zu folgen und sich den Anordnungen der Spielleiter und Ordner zu fügen. Nadsport. Zu dem am Sonntag im Sportpark Friedenau stattfindenden Gauverbandfahren des Gau 29(Berlin) des Deutschen Radfahrer-BundeS sind im ganzen 194 Meldungen eingegangen, eine Anzahl, welche bisher noch nicht erreicht wurde. Zum geschlossenen Mannschaftsfahren haben allein 13 Vereine und zur Meisterschaft von Preußen 12 Fahrer gemeldet. Die Meisterschaft wird der vor- jährige Sieger, Herr Martens vom„Sport Beroliua", verteidigen. Die Rennen beginnen, worauf wir ausdrücklich nochmals hinweisen, präcise 3 Uhr nachmittags. Der Eintritt beträgt zu allen Plätzen 1 M. Im Vorverkauf sind Karten a 75 Pf. bis Sonnabendabend 6 Uhr auf der Geschäftsstelle, Zimmerstr. 3/4, zu haben. Dem Zoologischen Garten hat Herr vr. jur. Fürstenberg zwei chinesische Zwerghirsche oder Reevessche M u n t j a k s zum Geschenk gemacht, ebenso allerliebste als seltene T'ere, welche den Bestand an kleinen Hirscharten in dem an der Dreistcnipromenade gelegenen Holzhäuschcn in sehr willkommener Weise vervollständigt haben. Es sind dort jetzt mit süd- amerikanischen Spieß- und Pampashirschen indische und die eben genannten chinesischen Muntjaks vereinigt, eine Reich- haltigkeit an kleinen Hirscharten, wie sie wohl kaum irgendwo anders zn sehen sein dürfte. Die Muntjaks(malayischer Name) sind dadurch besonders interessant, daß dein männlichen Geschlecht die oberen Eckzähne, welche der Jäger auch bei unsrem Rothirsch „Haken" nennt, wirklich hakenförniig verlängert. mehr oder weniger aus dein„Geäse" hervorragen, wie bei dem Moschustier. Ebenw ist die Geweihbilduug sehr merkwürdig: die.Rosenstöcke", die vom Schädel ausgehenden Kuochenzapfen, auf denen das eigentümliche Geweih sitzt, sind ebenso lang wie dieses selbst, welches nur gering entwickelt ist und sich höchstens gabelförmig verzweigt. eine niedere Stufe der Geweihbildung, welche sich bei Schädelresten ausgestorbener Hirscharten in ähnlicher Weise wiederfindet. Wenn eS im Berliner Aquarium durchaus nichts Ungewöhnliches ist, daß, abgesehen von nistenden Vögeln, Tiere verschiedener Art aus den Klassen der Kaltblütigen und der Wirbellosen zur Fort- Pflanzung schreiten. Eier ablegen oder lebende Junge zur Welt bringen, so gehört es doch für derartige wissenschaftliche Schau- anstalten zu den Ausnahmefällen, wenn einer der Riesen unter jenen Tieren sich vermehrt. Deshalb erregt es auch ganz besonderes Interesse, daß jetzt die größte der hmterindischen Riesenschlangen mit Eierlegen beschäfttgt ist. Die Eier sind großen Gänse-Eiern ähnlich, von Farbe grauweiß. Uebcr Wien kamen aus den unter- irdische» Höhlengewäffern des Karstgebirges um Adelsberg sechs Stück der nur in jenen Gebieten heimischen langgestreckten, fleisch- roten Amphibien, welche man Olm oder Proteus nennt und früher für augenlos hielt, hier an. Die Abteilung für Süßwasserfische wurde vermehrt um 89 Stück Labyrinthfische, die Herr Bernhard- Berlin dem Aquoriunl überwies. Die Gruppe der merkwürdigsten aller Weichtiere, der Kraken, wurde vermehrt um zwei durch die Station Rovigno eingelieferte Exemplare des Moschus- Polypen. während vom echten Tintenfisch eine Anzahl der absonderlichen Eier gleichfalls von dorther eintrafen. Hus den Nachbarorten. Ans der Spaudaucr Stadtvcrordnctcii-Bcrsammlung. Vor Eintritt in die Tagesordnung interpellierte Stadtv. Tornow den Magistrat über die Gründe, weshalb die Pflasterarbeiten in der Feldstraße trotz erteilten Zuschlages nicht in Angriff genommen wurden und die Straße in ihrem jetzigen trostlosen Zustande liegen bleibe. Bürgermeister Wolfs erwidert, daß die Unternehmer, welchen der Zuschlag auf die Arbeiten erteilt wurde, von dem Vertrage entbunden sein möchten und dieserhalb soeben ein längeres Schreiben an den Magistrat gerichtet hätten. Der mutmaßliche Grund bierzu wäre wohl—— der S t e i n s c tz e r st r e i k in Berlin. (Lebhafte Zurufe von den Socialdcmokraten.) Stadtv. R i e g e r (Soc.) fordert energisch, daß der Magistrat hier nicht etwa in höchst einseitiger Weise zu Gunsten der Unternehmer Stellung nehme. Ueberdies sei dieser Grund auch faktisch unzutreffend, und schließlich sei es doch auch Sache der Unternehmer, anständig e Löhne zu zahlen. Redner verlangt, daß man die Vertragsbrüchige Firma dazu zlvinge, die Arbeiten sofort in Angriff zu nehmen, und eventuell die Ausführung durch eine andre Firma für Rechnung der Vertrag- brüchigen aussühren zu lassen. Nach weiterer Debatte wird der Magistrat ermächtigt, die Arbeijen sofort durch den zw eitniindest- fordernden Submittenten für Rechnung der zurückgetretenen Firma ausführen zu lassen. Eine herbe Kritik des Verhaltens der Stadt C h a r l o t t e n b u r g in Bezug auf die Vcrwalttmg ihrer Rieselfelder bei Spandan rief eine Magistratsvorlage hervor, welche von der Anpflanzung eines Schutzstreifens auf der Grenze zivischen Spandau und den Riesel- feldern Kenntnis gab. Von unsrer Seite ersuchte Stadtv. D u ck s ch den Magistrat, den gesundheitlichen Gefahren, welche durch die Vcr- pestung der Luft in der ganzen Wilhelmstadt heraufbeschworen werden, durch ein energisches Vorgehen gegen Charlottenburg vor- zubeugen. Bürgermeister W o l f f teilte mit, daß bereits Mitte Mai in dieser Sache eine dringend gehaltene Beschwerde an die Regierung in Potsdam abgegangen, bis heute jedoch ohne Bescheid geblieben sei!— Einen kurzen und erfolgreichen Kampf hatten unsre Genossen hierauf um die Schaffung eines städtischen Arbeitsnachweises zu führen. Vor mehr als drei Jahren hatten nach vielfachem ergebnislosen Bemühen unsre Genossen wenigstens die Genugthuuug, daß ein ent- sprechender Antrag von der Stadtverordneten-Versannnlung einer gemischten Kommission überwiesen wurde. Seitdem war aber über das Schicksal trotz aller Versuche nichts mehr zu erfahren. Erst in der letzten Sitzung erstattete die Kommission, gemäß einem dem Oberbürgermeister kürzlich abgenötigten Versprechen, Bericht, aus welchem die überraschende Thatsache hervorging, daß die Kommission die ganze Angelegenheit für noch nicht spruch- reif gehalten und sie deshalb—— auf drei Jahre ver- tagt habe. Genosse R i e g e r übte dann auch an dieser schier beispiellosen Verschleppung eine scharf zugespitzte Kritik. Zwischen- durch gab es wieder ein kleines Scharmützel zivischen einem unsrer Genossen und dem Stadtv. R e i n e ck e, der in seiner bekannten Manier sich gegen den städtischen Arbeitsnachweis überhaupt aus- sprach. Die scharfe Attacke unsrer Genossen, an welcher sich noch kurz die Stadtvv. Müller II und Neue beteiligt hatten, hatte dann schließlich den Erfolg, daß der folgende Antrag mit 15 gegen 12 Stimmen angenommen wurde:„Die Stadtverordneten erklären ihre grundsätzliche Geneigtheit zur Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises auf paritätischer Grundlage und er- fuchcn den Magistrat um eine entsprechende Vorlage." Weiter zeigte sich die Mehrheit von ihrer besseren Seite, indem sie bei der nächsten Vorlage, betreffend den S o m m e r u r l a u b der städtischen Arbeiter, ihren Beschluß aus voriger Sitzung (Anerkennung des Rechts der Arbeiter auf Urlaub und Gewährung eines solchen schon vom zweiten Jahre der Beschäftigung ab) einfach ausrecht erhielt. Der Magistrat hat dem vorigen Stadtvcrordnetenbeschlusse nicht zugestinimt, weil er dem Arbeiter keinesfalls einen Anspruch auf Urlaub zuerkeimen, sondern solchen nur vom„Wohlwollen" der Vorgesetzten abhängig machen, und endlich Urlaub überhaupt erst vom vierten Dienstjahr ai ge- währen will. Die Mehrheit blieb jedoch f e st und nach heißem Kampfe, in welchen unsre Genossen Rieger und Müller wiederholt eingriffen, stellte sich die Versaminlung mit 16 gegen 12 Sttmmen auf ihren alten Standpunkt. Nunmehr mag die Regierung den vor- liegenden Konflikt entscheiden, wenn es der Magistrat nicht doch noch in letzter Stunde vorziehen sollte, nachzugeben. Lichtenberg. An der Bescheidenheit gehen unsre Herren vom Grundbesitz gewiß nicht zu Grunde. Kaum haben die auf das Wohl der Gemeinde so besonders bedachten Herren in der Frage der Bürgersteigregulierung einen Erfolg errungen, der die Gcnreinde um 69 999 M. zu ihren Gunsten erleichtert,\o fassen sie schon wieder zu neuen Thaten Mut. Der obenerwähnte Erfolg stützt sich auf die angebliche Ungültigkeit des vor 1897 in Geltung gewesenen Orts- statutS; nun aber laufeir sie auch gegen das jetzige Ortsstatut Sturm. Ihre Führer in diesem dem Wohl der Gemeinde dienenden Kampf sind die Herren Gcmeindcschöffe Kielbeck, Gemeinde- Vertreter Glaschke und G e m e i n d e l i e f e r a n t Ditttner. Auch hier soll versucht werden, das zn Gunsten der Gemeinde aus- gefallene Urteil des Krcisausschusses beim Bezirksausfchuß an- zufechten. Abgelehnt hat die Gemeindevertretung die Subventionierung der vom Berliner Central-Arbeitsnachweis in Rummelsburg eingerichteten Zweigstelle.— Das Terrain des Fürsten Henckell von Donnersmarck am Central-Viehhof soll nun auch„ge- gründet" werden. Die Finna B. Guttmann in Dresden hat 35 999 Ouadratruten erworben; eine neue Terraingesellfchaft. die neunte am Orte, soll untcr Beihilfe des Schaaffhausenschen Bank- Vereins und der Dresdner Bank erstehen.— Zu den Schul- Unterhaltungskosten fordert die Gemeinde Lichtenberg für das Jahr 1991 den Betrag von 78 849 M. von der Stadt Berlin. Der Bezirksausschuß hat in dieser Angelegenheit statistische Er- Mittelungen angeordnet.— Lichtenberg zählte zu Anfang dieses Monats 49 925 Einivohuer. Reinickendorf- West. Am Montagabend 6 Uhr findet im Lokal von Franke, Eichbornstr. 18,� eine Versammlung von Mitgliedern der Orts-Krankenkasse statt; Gäste haben Zutritt. Es mutz mit vereinten Kräften dahin gestrebt werden, die Kassenverwaltung im Sinne der modernen Arbeiterbewegung zu gestalten, und daher möge sich keiner verdrießen lassen, diese Versammlung zu besuchen. Gerichts-Leitung« In der Strafsache gegen den Heilgehilfen Walter, der vor kurzem wegen Gattenmordes zum Tode verurteilt worden ist, steht bereits am Dienstag, 28. d. Mts. vor dem Reichsgericht Termin zur Verhandlung über die von den Rechtsanwälten Morris und H. Sib erst ein eingelegte Revision an. Gegen eine in der Hauptverhandlung gegen Walter vernommene Zeugin, die unverehe- Uchte Dina Klein, mit welcher Walter intime Beziehungen untcr- halten haben soll, schwebt, wie uns mitgeteilt wird, jetzt ein Ver- fahren wegen Meineids. Die Beschuldigte ist vor kurzem in Duis- bürg in Haft genommen worden. Tclcphonschwindcleic» im großartigsten Maßstabe hatten die beiden früheren Kaufleute Ludwig Krieger und Walter Nicolai be- gangen, welche gestern unter der Anklage de§ wiederholten Betruges im Rückfalle vor der Hl. Strafkammer des Landgerichts I standen. Beide Angeklagte sind früher in kausinäunischen Geschäften angestellt gewesen, konnten dann aber wegen ihrer mehrfachen Vorbesttastmgen Stellung nicht mehr erhalten. Sie verfielen darauf auf den Telephon- schivindcl. Aus ihren früheren Stellungen kannten sie die Geschäfts- Verbindungen, welche diefe Firmen mit andren hatten. Bald tele- phonierte nun der eine, bald der andre an eine Firma nnd bestellte Waren, welche schleunigst dem Besteller zugesandt werden sollten. Vor dem Hause des letzteren wurde der Bote dann von dem betteffenden Boten abgefangen und ihm die Ware mit dem Bemerken, daß der Kunde schon darauf warte, abgenommen. In vielen Fällen ließen sich die Boten durch das sichere Auftreten des Betrügers übertölpeln und händigten die Waren ohne Empfangs- befcheiuigimg aus, in einigen Fällen waren sie vorsichtiger und blieb es dann beim Versuch. Die erschwindelte Ware wurde sofort zum Pfandleihe, gebracht, von dem Erlös fristeten die Angeklagten eine geraume Zeil hindurch das Leben. Im Termin konnten sie nur ihre Notlage als Milderungsgrund anführen. Der Gerichtshof ver- sagte ihnen aber doch bei der Gemeingefährlichkeit ihres Treibens mildernde Umstände nnd verurteilte sie zu je drei Jahren Zuchthalls, Krieger ailßerdem zu 2999 und Nicolai zu 2999 Vi. Geld- straie, Ehrverlust und Polizei-Aufsicht. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 26. Juni, vorm. 6'U Mr, in der Schul-Aula, Kleine Franksurtcrstr. ö: Versammlung.„Freireligiöse Vorlesung." Um lO3/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Pros. Dr. Albert Gchrke:„Die Moral in den Konfessionen." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Zlllgeuicine Kranken-»nd Sterbekafie der Metallarbeiter (E. H. 23, Hamburg). Filiale Berlins. Sonntag, den 26. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Diccke, Ackerstr. 123: Ausicrordentlichc Mitglieder« Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegierten von der General- Versammlung. 2. Kassenbericht pro März/April. 3. Wahl der Ortsverwaltung. Zlrbciter-BildnngSschnlc Berlin. Sonntag, den 26. d. M., mittags 1 Uhr: Besichtigung der ständigen Ausstellung für Arbeiterwohlsahrt in Charlottenburg, Frauenhoscrstr. 11/12. Treffpunkt bis°//, bis ü'l. Mir abends statt. Geöffnet: 7 Übe. . Ihre Mittler hätte leider nnr dann einen Anspruch, und zwar aus der Unfallrente, weni» der Tod Ihres VaterS eine Folge des Unfalls war. Wmmhmz Extra-Angebot Tm]m Iww für ©UDSUSi�) so lange der Vorrat reicht: ©thaysseosfe Pom m ersehe Rotwurst.... Pfd. 45 Pf. Pommersche Leberwurst.. Pfd. 45 Pf. Schinkenspeck........ Pfd. 90 Pf. Mettwurst, hart......... Pfd. 60 Pf. Braunschweiger Mettwurst. Pfd. 75 Pf. Westfälische Bratwurst... Pfd. 85 Pf. Pa. Lachs.......... Vi«d. 38 Pf. Ananas............. Pfd. 75 Pf. Blaubeeren.......... Pfd. 28 Pf. Kirschen............ Pfd. 1 8 Pf. Erdbeeren........... Pfd. 30 Pf. Aprikosen........... Pfd. 35 Pf. Johannisbeeren....... � Pfd. 28 Pt Geld sparen Sie Atlerfeinste Sahnenbutter..Pfd. 1.15 m. Feinste Tischbutter..... Pfd. 1.05 m, Pa. Limburgerkäse.... Stck. 55 Pf. Pa. Ramadourkäse.... Stck. 25 Pf. Pa. Tilsiterkäse....... Pfd. 70 Pf. Pa. Emmenthalerkäse... Pfd. 1.00 m. Palmin............ Pfd. 60 Pf. 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