Ur. 150. niwnnv über ein Gefecht bei A i a n i a m y n erzählt zwar wieder alles Mögliche von der Bravour der russischen Truppen und von den Japanern beigebrachten„bedeutenden" Verlusten, muß aber doch zum Schluß eingestehen, daß die Russen mit einem Verlust von 26 Toten und 60 Verwundeten �darunter 7 Offiziere) den Japanern das Schlachtfeld räumen mußten. So siegen sich die Russen all- mählich aus der Mandschurei heraus I Nach Londoner Blättermeldungen soll die japanische Division Siungcho unweit Kaiping in Stärke von 15(XXI Mann gelandet sein und die japanischen Streitkräfte bei Kaiping verstärkt haben. Be« stätigung ist abzuwarten. Ueber die letzte Seeschlacht bei Port Arthur liegt nunmehr der wörtliche Bericht Admiral Togos vor. In dem Bericht heißt eS. nachdem geschildert wurde, wie die russische Flotte, einem Zusammenstoß mit der japanischen ausweichend, am Abend des 23. Juni wieder unter die Forts der Festung zurückkehrte: „Uin 9,30 Uhr abends, als wir fünf Meilen vom Hafen ent- fernt waren, machte die 14. sTorpedoj-Flottille den ersten Angriff auf die feindliche Nachhut. Die S. Flottille folgte. Der Feind geriet in Unordnung und vermochte nicht, den Hafen zu erreichen. Infolge dessen ging er auf der Reede um 10 Uhr 30 Min. abends vor Anker. Wir griffen ihn dort achtmal vor Sonnenaufgang an. Um 10 Uhr 30 Min. nachts fuhr unsre 16. Flottille mit voller Geschwindigkeit von Shosen Point heran und schoß zivci Torpedos in die Seiten eines Linienschiffes, das der„Pereswjät" ähnlich sah. Das Schiff sank sofort. Wir konnten bis zum Morgen keine andren Resultate sehen. Dann bemerkten wir, daß ein Linienschiff fehlte und daß zwei Schiffe der„SsewastopoI"- und„Diana"-Klasse fähig lvaren, ihre Maschinen zu gebrauchen. Am Freitag, den 24., ging die Flotte des Feindes in den Hafen zurück. Einige der Schiffe fuhren unter eignem Dampf, andre wurden gefchleppt." Admiral Togo meldete also, daß ein russisches Linienschiff that- sächlich sank, nicht, wie eS fälschlich hieß, gesunken zu sein schien. An dem Verlust dieses Schiffes ist also nicht mehr zu zweifeln. Russischer Katzenjammer. Die„Nowoje Wremja" schreibt: „Der anbrechende Moment unsrer großen Tragödie lenkt in diesen Tagen die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf A. N. Kuropatkin. Für ihn ist aber nicht die Welt, sondern Rußland wichtig, das sich mit seinem ganzen wunden Herzen imd nnt Vertrauen ihm zuwendet. Was er selbst in dieser Zeit durchgemacht hat, wird niemand sagen, und niemand kann auch genügend starke Farben und Ausdrücke dafür finden. Die mit großer Verantwortlichkeit gepaarte große Macht bringt auch große Qualen mit sich. In Wochen macht ein solcher Mann ganze Jahre schwerer seelischer Prüfungen durch. Er, der uns von der Geduld sprach, wird selbst mit der größesten Ungeduld die herankommenden Regimenter erwartet und bei Mißerfolgen gestammt haben! Jetzt ist er in der Nähe des Feindes, der von Süd und Oft gegen ihn heranzieht. Jeden Augenblick erwägt und arbeitet er ununterbrochen mit Energie des Geistes und der Einbildungskraft. Gott gebe ihm Kraft! Mit jeder Stunde kommen die Gegner einander näher. Vielleicht ist die Schlacht unvermeidlich, vielleicht fann sich die Sache noch hinziehen. Die Telegramme sind durchaus keine Fenster, die aufs Schlachtfeld führen." Und im„G r afh d anin" klagt Fürst MestscherSki: Die Aussichten seien sehr trübe. Riesige Getreide- l a d u n g e n werden an den Stationen aufgehäuft werden, um dort zu verfaulen. Die Landleute Iverden immer dieselbe Antwort erhalten:„Wir haben keine Güterwagen und keine Lokomotive n." Und der Ruin der Landwirtschaft mit allseinen Schrecken wird folgen. Jedermann weiß, daß bei der Ernte in diesem Jahre die Waggons und Lokomo- tiven der russischen Bahnen infolge des Krieges für die ttans- sibirische Bahn in Anspruch genommen sein werden, und daß gleichzeitig für alle anderen Bahnen die Budgetposten für Anschaffung rollenden Materials verkürzt sind. Infolge dessen wird die Eisenbahn gerade zu einer Zeit, da die russische Landwirtschaft zur Ver- Wertung ihrer Ernte gänzlich von einem leistungsfähigen Transportwesen abhängt, völlig versagen. Die Rettung der Ernte ist um so mehr eine wirtschaftliche Notwendigkeit, als alle Fabriken aus Mangel an Aufträgen am Rande des Unter- ganges stehen. Die Anschaffung rollenden Materials könnte dazu beitragen, die russische Landwirtschast vor einer furcht- baren Krisis zu bewahren und gleichzeittg die betreffenden Fabriken vor dem Bankrott schützen.„Jeder Rubel, der für den Bau für Lokomotiven und Wagen ausgegeben wird", sagt Fürst MestscherSki.„würde dreifach in den Schatz zurückfließen, aber jeder Rubel, der jetzt an der Eisenbahn gespart wird, bedeutet einen Verlust von drei Rubeln in naher Zukunft." poUtifcbc GcberHcht. Berlin, den 28. Juni. Der nationale Sieg des Germanentums über den PolonismuS ist erfochten: am Dienstag wurde im preußischen Abgeordnetenhause der ent- scheidende Paragraph, der Ansiedelungsvorlage,§ ISb, in namentlicher Abstimmung mit 207 konservativ-nationalliberalen gegen 105 Stimmen des Centrums, der Freisinnigen und der Polen angenommen. Daß die Agrarier im Grunde dem Gesetz abhold sind, von dem sie eine Entwertung der Güter be- fürchten, bewies das Verhalten der eigentlichen Landwirtsbündler: Herr v. Oldenburg enthielt sich der Abstimmung und der Diederich Hahn verpaßte trotz seiner Reservelieutenants-Uniform in höchst un- militärischer UnPünktlichkeit die Abstimmung. Die Polen versuchten in der ebenso langen wie eintönigen Ver- Handlung nochmals zu retten, was zu retten war. Sie verteidigten ihre Verbesserungsanträge, unterstützt vom Centrum. An der kom- Pakten Mehrheit prallten natürlich Bekehrungs- undsBesserungsversuche ab. Es wiederholte sich immer dasselbe'Schauspiel. Ein Pole ergriff das Wort. Die Mehrheit unterhielt sich geräuschvoll oder ging in die Restauration. Aus den Tribünen verstand man kaum eine Silbe. Dann sprach wohl noch ein Centrumsmaim. Ein Konservativer»er- widerte" kurz. Ein Klingelzeichen— und die nationale Masse strömte in den Saal, schloß gewaltsam die Debatte und lehnte die Anträge ab. Zuerst versuchte Herr Bachem den Polen wenigstens Gehör zu verschaffen und redete der Mehrheit ins Gewissen, dieses wichtige Gesetz würdig zu beraten. Allein der Centrumsführer erlitt, was er bei dem Zollkampf den Socialdemokraten that. Schließlich fügte man sich drein. Das Fettgewicht der Konservattven, Frcikonservativen und Nattonalliberalen erstickte alle Gründe, ja jede ernsthafte Dis- kussion. Die zweite Lesung der Änsiedelungsvorlage wurde durchweg nach den Beschlüssen der Kommission erledigt. Am Donnerstag wird die dritte Beratung stattfinden. Das Centruin hat am Montag erklärt, eS bestehe unter allen Umständen wenigstens auf einer Verfassung s- mäßigen Beratung; danach müßte nach 21 Tagen eine Wiederholung der Abstimmung stattfinden. Man braucht aber nicht zu erwarten, daß sich das Centrum sonderliche Mühe geben wird. seine Auffassung»unter allen Umständen", wie es angekündigt hatte, durchzusetzen. Kein Zweifel, daß die Konservativen im Grunde keine Freunde des Gesetzes sind, dessen Annahme sie doch durchgesetzt haben. Sie haben mit ihrer Zustimmung der Regierung einen Liebesdienst er- weisen wollen, und da nur die Nationalliberalen sich aus Lust an der Prosttwtton gratis prostituieren, die Junker aber nichts ohne Barzahlung thun, so muß man auf irgend eine agrarische Liebesgabe als„Gegenwert" rechnen. Man wird bald sehen, worin der ausbedungene Kaufpreis besteht. Am Schluß der Dienstagssitzung fanden sich Konservative und Centruin wieder friedsain in der Wahrung heiligster agrarischer Interessen zusammen: Sie nahmen— gegen den Freisinn— den Antrag in zwei Lesungen an, der es Städten verbietet, die Gesnnd- heit des inländischen Fleisches selbst nachzuprüfen. Der Städter soll unbesehen essen müssen, was die Junker ihm schicken. Außerdem wurde noch der Kreis-Tierarzt-Entwurf im Hand- umdrehen erledigt. Am Donnerstag steht an erster Stelle die Interpellation über die M i r b a ch i a d e auf der Tagesordnung. Zum Leben einer Diskussion wird sie aber schwerlich erwachen. Der Freisinn selbst rechnet nicht mit einer Beratung. Die„Freie Deutsche Presse" meint, Herr v. Hammerstein werde erklären, er werde die Jnter- pellation beantworten, wenn die Berichte über den amtlichen Mirbach- Bettel von den Oberpräsidenten eingegangen seien. Das bedeutet denn eine Vertagung ins Unabsehbare. Uebrigens: Eine GrschäftsordmingS- Debatte über eine solche, das Recht des Parlaments hintergehende Ausrede dcS Ministers wäre in jedem Falle möglich. Man könnte dabei die grundsätzliche Frage aufwerfe» und entscheide», ob nicht überhaupt jede Interpellation sofort diskutiert werden darf, gleichgültig, wie fich die Regierung verhält.—_ Preußisches Herrenhaus. Das Herrenhaus hat am Dienstag die beiden Gesetz- entlvürfe betr. die Verbesserung der Vorflut in der unteren Oder, Havel und Spree und betr. Maßnahmen zur Verhütung von Hochwassergefahren in der Provinz Brandenburg und im Havelgcbiet der Provinz Sachsen in der vom Abgeordnetenhanse beschlossenen Fassung in Verbindung mit einer Resolution an- genommen, die die Regierung ersucht, baldthunlichst iin Mündungsgebiet des Oderstroms vom Dammschen See an abwärts die zur Regulierung der Hochwasser- und Vorflut- Verhältnisse nötigen Maßnahmen zu treffen. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung, am Donners- tag, steht die Vorlage betr. Erhöhung des Grund- kapitals der Seehandlung.— Unser afrikanisches China. Es wird mehr und mehr zur traurigen Gewißheit, daß sich der Hcrero-Krieg zu einem kolonialen Riesenabenteller von u n- absehbarer Dauer auSwachsen wird. Generalmajor v. Fran?ois veröffentlicht in der neueste» Nummer des„Militär- Wochenblattes" einen Arttkel über den Herero-Krieg, der ziemlich unverblümt ausspricht, worauf wir uns gefaßt machen müssen. Zunächst giebt er eine iibersichiliche Darstellung über die Zahl der bereits in Südwestafrika befindlichen resp. bereits nach dort ein- geschifften Mannschaften. Bis Ende Juli werden sich danach in unsrer»Kolonie" 276 Offiziere. 60 Sanitätsoffiziere, 172 Militär- beamte und 7073 Mannschaften befinden, zusammen 7531 Mann. Diese Mannschaften werden aber vom General Trotha noch als unzulänglich bewachtet. Nach uitwidersprochenen Meldungen sollen weitere 1600 Mann verlangt worden sein, so daß die Gesamt- zahl unsrer südwestafrikanischen Truppen 9200 Mann betragen würde l Trotz dieses verhältnismäßig ganz kolossalen Truppenaufgebots rechnet Generalmajor v. Franyois mit einer außerordentlich langen Dauer des Feldzuges. Zunächst werde die Heranziehung der unterwegs befindlichen Truppen»och geraume Zeit in Anspruch nehmen. Die am 1. März gelandete Verstärkung sei erst nach 37 Tagen der Borbereitung kriegsfertig gewesen, die am 5. Juni eingetroffene erst nach 38 Tagen. Brauchten die neuen Verstärkungen ebenso lange, so würden die letzten der abgesandten Verstärkungen erst am 11. resp. am 27. August an den Waterbergen einweffen l Die von Trotha erbetenen weiteren Verstärkungen würden noch viel später kriegsbereit sein. Hierzu kommt noch, daß General Trotha ja plant, erst von K a r i b i b nach O n t j o eine 200 Kilometer lange Bahn bauen zu lassen, bevor er den Hereros und ihren Verbündeten, den Ovambos, ernstlich zu Leibe rückt I Verzögert fich aber das Vorgehen noch um zwei Monate, so beginnt bereits wieder die Regenzeit, die das Bahnbauen sehr erschweren und die Operationen zum Stillstand bringen wird. Was bei Märschen während der Regenperiode herauskommt, bewies ja das Schicksal der so gut wie aufgeriebenen Kolonne Glasenapp I Weitere allgemeine Schivierigleiten der Kriegführung schildert v. Franijois folgendermaßen: „Die Größe des Kriegsschauplatzes, der Mangel an Verpflegung und Wasser, die schlechten Ver- bin düngen, das Nichtvorhandensciu von Telegraphen und Eisenbahnen im Hinterlande der Kleinbahn nach Windhuk zwingen dazu, auf lange Zeit vorauszudenken, und verlangen, den Friktionen sehr Rechnung zu tragen. Der Gegner thut zur Durchkreuzung unsrer Absichten wahrscheinlich nicht viel. Seine Kräfte sind aber auf weitem Raum zerstreut, auch wenn er wie augenblicklich versammelt ist. Durch seine Abhängigkeit vom Vieh ist der Feind dazu gezwungen. Ein Rind braucht im guten Teile des Weidegebietes dreißigmal mehr Weidefläche wie in Deutschland. Dreißig und mehr Male größer wie die Fronten, welche europäische Truppen besetzen würden, sind die Ausdehnungen, die die Herero unter Umständen ihren Stellungen gebe». Diesem Raumbedürfnis muß die Führung Rechnung tragen. Der deutsche Führer muß in vielen Fällen seine Operations- und Gefechts- befehle etwa so geben, als ob er dreißig- bis vierzigmal mehr Mannschaften zur Verfügung hätte.... Die rücksichtslose Verwendung aller Ver- nichtungsmittel, die höchste Energie in der Kriegfiihnmg, die stete Thätigkeit der gerade vorhandenen Kräfte werden dem bestialischen Feinde gegenüber am ehesten zum Ziele ftihren." Beiläufig: Es wäre sehr interessant zu erfahren, was der Herr Generalmajor unter„rücksichtsloser Verwendung aller Vernichtungs- mittel' versteht I Gefangene wurden doch schon bisher nicht ein- gebracht! Mit Rattengift kann man doch dem„bestialischen" Feind nicht zu Leibe gehen! Nach einem Bericht der„National- Zeitung" aus Swakopmund sollen die Hereros noch genügend Munition haben, auch an Lebens- mittel» fehle es ihnen nicht. Auch beweise die öftere Offensive, die sie in der letzten Zeit ergriffen hatten, daß ihre Kampflust eher ge- wachsen als gesunken sei. Es wäre also nach alledem gar nicht aus- geschlossen, daß der ostasiatische Krieg eher sein Ende erreicht, als unser glorreiches Kolonial- Abenteuer in der südwestafrikanischen Sandwüste!—_ Immer nene Skandale. Rom, den 26. Juni.(Eig. Ber.) Italien scheint ans den Ministerskandalen gar nicht mehr heraus- kommen zu sollen. Kaum hat man sich von dem Bericht S a p o r i t o über N a s i erholt, so liegt ein neuer Bericht— wieder von Saporito— vor, der im Postministerium eine Miniaturausgabe der Nasischen Mogeleien aufdeckt. Es handelt sich, was die einzelnen Summen betrifft, uni Kleinigkeiten, aber die Totalsumme ist doch ein ganz ordentlicher Posten und was das schlimmste ist. es zeigt sich hierbei, daß das ganze System auf Mogelei gebaut ist. daß das Milieu der italienischen Ministerien mit Unredlichkeit durchttänkt ist und auch ehrliche Leute ihm nicht stand halten. Im ganzen wurden im letzten Verwalttnigsjahr unter Galimberti Tins Millionen mehr verbraucht, als veranschlagt worden waren. Aus der Verrechnung geht hervor, daß viele unnütze Ausgaben ge- macht wurden, viele, für die die Verrechnung fehlt, und schließlich viele, die absolut nicht aus den: Post-Blldget bestritten werden dursten. Zunächst sind die Ausgaben für Postwertzeichen un- geheuer. Sie beliefen sich im Jahre 1901/1902 auf 14 000 Lire, im folgenden gar auf beinahe 23 000, während sie im laufenden Jahre, unter dem neuen Postnnnifter, in vier Monaten 3000 Lire bettagen, also weniger als die Hälfte. Es folgt dann, ganz wie bei Nasi, die Ausgabe für Reisen. Hier, muß man sagen, hat der Minister Galimberti selbst ge- ringe Ausgaben gemacht; so finden wir für eine Studienreise nach Frankreich, Holland, England, Deutschland und Oesterrcich-Ungarn nur 2178 Lire berechnet, eine Summe, für die er jedenfalls nicht luxuriös gereift ist. Ganz anders sind hier aber die Ausgaben der Unter- staatssekretäre: S quitti giebt für eine Reise nach Calabrien, die elf Tage dauert, 2542 Lire aus. Im ganzen gab man für Reisen 8500 Lire aus in einem Jahre. Recht ausgiebig ist auch die Ausgabe für Wagen. Obwohl Minister und Unterstaatssekretär drei Dienstwagen zur Verfügung haben sdie den Staat 1901/02 6570 Lire kosteten) wurden vom Minister und seinem privaten Sekretär noch 4269, voin Unterstaats- sekretär 4653 Lire ftir Wagen ausgegeben. Da sind die Herren gewiß Tag und Nacht gefahren! Die Gelder, für die die Verrechnnng fehlt, belaufen sich auf rund 20 000 Lire, die an Unterstützungen verteilt wurden. Onittungen mit Namen der Unterstützten fehle». Galimbertt sagte in einem Interieure, es handele sich um Gelder? die„verdienten Personen" gewährt wurden I Die Namen werde er einer Kommission nennen, aber nie der Oeffentlichkeit preisgeben. Es giebt also geheime Fonds auch im Postministerium. Grotesk wird die Sache bei den Ausgaben, die auf keinen Fall der Staatskasse zur Last fallen dursten: Hier finden wir, daß der Unterstaatssekretär auf Staatskosten seinem Minister ein Hochzeits- geschenk macht für 120 Lire! Bald darauf verheiratet sich Squittt und Galimberti revanchiert fich auf Staatskosten mit einem Geschenk für 60 Lire! Dann verreist Fulci und kauft sich—- natürlich aus öffentlichen Geldern— ein Plaid für 39 Lire, eine Handtasche für 38 und assimiliert sie nachher mit dem besten Gewissen der Welt I Das gleiche that der nächste Unterstaatssekretär, der sich zum Andenken an seine schweren Zeiten im Postministerium Handtaschen kaufte im Werte von 80, 105, 44 und 150 Lire. Einem Journalisten erklärt Squittt. er hielte sich hierzu für vollkommen berechttgt. gereist wäre er als Unterstaatssettetär und die.gebrauchten" Koffer hätte er doch unmöglich seinem Nachfolger hinterlassen können! Sogar die Ordensabzeichen, die dem Minister und dem Unterstaatssekretär verliehen wurden, find aus öffentlichen Geldern bezahlt I Damit die Analogie mit Nasi bis ins kleinste durchgeführt sei, finden wir auch den Bücherdieb st ah l. Es fehlen Bücher ftir etwa 120 Lire, unter ihnen ein Exemplar der italienischen Ausgabe des Marx. Schließlich haben wir sogar die K i st e n s e n d u n g e n ganz k la Nasi. Es sind zwar nicht Dutzende, wohl aber drei Stück, die nach Galimbertts Hcimatsort Cuueo gesandt wurden und deren Spedition 147 Lire kostete. Ganz wie der selige Nasi! Es handelt sich also wieder um Dinge, die nach dem Staats- anwalt schreien. Und kompromitttert ist ein Mann wie Galimberti, ein Mann mit schlichten Gewohnheiten, Sohn eines Buchdruckers, dessen mehr als bescheidene Lebenshalttmg ihn gewiß nicht auf Ab- Wege gedrängt hat. Er ist thatsächlich dem durchseuchten Milieu erlegen. Wenn er zahlen wollte, hieß eS immer: das hat noch kein Minister gethan, das ist schon auS der Kasse beglichen worden, das können Sie jetzt nicht mehr bezahlen usw. Die hohe Verwaltung Italiens ist wie ein brandiges Gewebe, in dem auch die gesündeste Zelle sich nicht behaupten, geschweige denn die Umgebung verändern und heilen kann.— Und als wäre es noch nicht genug mit dem Skandal des Post- Ministeriums, haben wir gleich daneben einen neuen im Kriegs- Ministerium! Genosse P e s c e t t i, Abgeordneter für F l o r e n z. hat der Kammer eine sehr belastende Enthüllung gemacht. In den: geographischen Institut von Florenz, das dem Kriegsminister unter- steht, hat der Oberst G l i a in a r einen Prozeß zur mechanischen Ver- vielfältigung von geographischen Karten erfunden. Für diese Erfindung bezahlte ihm der Minister Pedotti die Summe von 33 500 Lire. Das ist ganz schön und gut, nur ist erstens fraglich, ob Gliamar da? Recht hatte, sich eine Entdeckung bezahlen zu lassen, die er lediglich den auf Staatskosten ausgeführten Versuchen zu danken hat. Er hat sich seines gesamten höheren Personals bedient, um die Experimente zu machen, kurz, es handelt sich um eine vom Institut gemachte Entdeckung, die nicht bezahlt werden durfte. Das schlimmste ist aber, daß das System Gliamar da, wo es neu ist, auch schlecht ist. Die Karten sind ungenau, ihre Her- stellung ebenso teuer wie bei ftüheren Systemen. Die Nachdrucke verbleichen. Und darüber hatten Sachverständige dem Minister be- richtet undj gerade diese Berichte fehlen in den vom Minister General Pedotti dem Parlament vorgelegten Dokumenten. Die Angelegenheit, die schon zu einer hefttgen Scene im Parlament Anlaß gab, wird natürlich daselbst noch ein Nachspiel haben. Und da reden die Leute immer von der Unfähigkeit des Prole- tariats, sich selbst zu verwalten! Soviel Unredlichkeit, Gaunerei und Dummheit würde das Proletariat freilich kaum aufbringen können, aber man könnte es ja einmal mit Ehrlichkeit und Vernunft riskieren. Vielleicht ginge es auch.— DcutTcbes Reich. Eine Säule des Nationnlliberalismus. Zu den am hitzigsten umsttittenen Wahlkreisen der vorjährigen Rcichstagswahl zählte der Kreis H o f i. B. Es kam zur Stichwahl zwischen dem bisherigen nationalliberalen Vertreter des Kreises und dem Kandidaten der.Socialdcmottatte. Nur durch die schlimmsten Machenschaften gelang es den Nationalliberalen, schließlich den Kreis mit nur 300 Stimmen Mehrheit zu halten: wie wurde da die Socialdemottatie aller denkbaren Schinipflichkeiten beschuldigt und wie stolz hüllte sich der nattonalliberale Kandidat in den Mantel politischer Tugendhaftigkeit. Das Urteil, das jetzt den nationalliberalen Vertteter von Hos ereilt, bedeutet nicht nur die Feststellung der bedauerlichen Thatsache, daß unter den Mitgliedern der Volksvertretung einer als höchst un» sauberer Geschäftsmann und Bürger erftinden wurde. Es eröffnen sich die Geheimnisse des kapitalistischen Familien- l e b e n s, wie es in Kreisen herrscht, die im edlen Streit gegen die „Zerstörer der Familie" voranschreiten. Und vor allein wird an einem handgreiflichen Beispiel offenbar, wie die Politik der Zöllnrrei in allerpersönlichster Jntercssenvcrtrctnng wurzelt. Das für den Reichstags- Abgeordnete» Münch-Ferber ver- nichtende Urteil des Landgerichts in Hof ist gefällt worden aus Grund mehrtägiger gründlicher Beweisaufnahme. Während das Schöffengericht zuvor den von Münch- Ferber wegen Beleidigung verklagten Direktor der Voigtländischen Spinnerei. Julius S ch m i d, unter Ablehnung des größten Teils seiner Beweisanträge, zu 250 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, ist das Landgericht, wie schon im Telegramm mitgeteilt wurde, zur Aufhebung dieses Urteils gekonuire«. Von de» fünf Fällen, ivegen deren Schmid vom Schöffengericht verurteilt ward, wurde er jetzt in drei Fällen freigesprochen und nur in zwei Fällen wurde eine Be- leidigung, die er in Abwehr begangen, angenommen; die Sttafe wurde auf 100 M. Geldstrafe herabgesetzt. Dagegen wurde Kommerzienrat Münch-Ferber gemäß der gegen ihn erhobenen Widerklage verurteilt und zwar auf Grund des ß 187 des SttafgesctzbucheS ivegen Beleidigung wider besseres Wissen! Die ihn tteffende Geldstrafe von 150 M. ist eine Lappalie, um so töd- licher trifft ihn die Ueberzeugung, zu der der Gerichtshof auf Grund der Beweisaufnahme gelangt ist, daß er wider besseres Wissen Ver- leumdet hat. Die Begründung des Urteils führt aus: Der Privatbeklagte hat in einer öffentlichen Wähler- Versammlung die Rcichstags-Kandidatur des Privatkläger? bekämpft, indem er bemerkte: Der Privatkläger habe in seiner Eigenschaft als Mitglied der Zolltarif-Kommission eine wesentliche Erhöhung der Webereizölle und Er- Mäßigung der Spinnereizölle beantragt. Der Privat- beklagte fügte hinzu: Der Privatkläger habe dies aus persönlichem Haß gethan, um ihn(den Privatbeklagten) zu schädigen, da er ver- hindert habe, daß er die Erben seines verstorbenen SocinS bei der Erbschafts-Auseinandcrsetzung geschädigt habe. Ans den Zuruf des Nähfaktors Hascher:„Man sucht niemand hinter dem Ofen, wenn man nicht selbst dahinter gesessen", bat der Privatbeklagte diesem schriftlich mitgeteilt, daß der Privatkläger die Erben seines verstorbenen Socius durch Drohungen habe ein- schüchtern wollen, von gerichtlichen Schritten bei der Erbschafts- auszahlung abzustthen, daß er diese außerdem bei der Bilanz- Aufstellung übervorteilt habe, daß er die Erbe» durch die Bor- fpiegelung, es sei ein Testament vorhanden, ivonach derjenige enterbt sei, der ein Gerichtsversahren bei der Erbschastsauszahlung herbei- führe, habe einschüchtern wollen, daß er sich zur Auszahlung von 220 000 M. verstanden, sich aber natürlich vor Gericht eines Besseren besonnen und 550 000 M. ausgezahlt habe. In diesen Mitteilungen liegt zweifellos eine arge Beleidigung. Bezüglich der ersten Behauptung, der Privatkläger habe die Kinder seines verstorbenen Socius, des Konimerzienrats Rudolf Münch, einzuschüchtern gesucht, erachtet der Gerichtshof den Beweis der Wahrheit für vollständig erbracht und der Gerichtshof hat ferner die Ueberzeugung erlangt, daß das Andenken des verstorbenen Konimerzienrats Rudolf Münch durch die Verhandlung vollständig rehabilitiert worden ist. Bezüglich des zweiten Anklagepunkics, wonach dem Privatkläger Münch-Ferber vorgeworfen wurde, die Erben seines verstorbenen Socius bei der Bilanzaufstellung übervorteilt zu haben, ist der Gerichtshof auf Grund der Beweisaufnahnie zu der Ueber- zeugung gelangt, daß sich der Privatkläger einer absichtlichen Benachteiligung der Erben chuldig gemacht hat. Ein Mann von der Bildung und Geschäfts- kennttns des Pnvatklägers mußte wissen und hat eS auch gewußt, daß durch eine solche Bilanzaufstellung die Erben benachteiligt seien. Dafür spricht auch der Umstand, daß Rudolf Münch zu der Bilanz- aufstcllung nicht hinzugezogen und ihm auch die Einsichtnahme in die Bücher verweigert ivordcn ist. Dagegen hält der Gerichtshof nicht für erwiesen, daß der Privat- kläger das Vorhandensein eines Testaments vorgespiegelt, um die Erben vor gerichtlichen Schritten zu warnen. Der Gerichtshof hat ierner in der Bemerkung des Privatangeklagten: Der Privatkläger habe sich zur Zahlung von 220 000 M. bereit erklärt und sich als- dann natürlich beim gerichtlichen Vergleich eines Besseren besonnen und zur Zahlung von 500000 M. verstanden, eine Beleidigung erblickt. Em Wahrheitsbeweis ist hierfiir nicht geführt worden; der Privatbeklagte gab selbst zu, daß er eigentlich nicht soweit geben wollte. Der Privatbeklagte hat außerdem den Privatkläger in einem Inserat im»Hofer Anzeiger" der Zweideutigkeit geziehen, indem er die Behauptung ausstellte: der Privatkläger habe im Reichstage einen Antrag eingebracht, den§ 245 des Handels- Gesetzbuches dahin zu ändern, daß Auffichtsräte von Aktiengesellschaften erst dann Tantieme crhalteir sollen, wenn die Aktionäre eine Dividende erhalten haben, daß er aber in seiner Eigenschaft als Mitglied des AuffichtSrates der Süddeutschen RückversicherungS- Gesellschaft einem Anttag zu- gestimmt habe, wonach die Auffichtsräte, ohne Rücksicht auf eine an die Akttonäre zu zahlende Dividende, eine feste hohe Tantieme erhalten sollten. In diesem Punkte hat der Gerichtshof den Beweis der Wahrheit für geführt erachtet und weder in der Forin noch in den Umständen eine Wsicht der Beleidigung gefunden. Wegen der zwei Fälle, in denen der Gerichtshof den Wahrheitsbeweis nicht für geführt erachtet, hat er eine Beleidigung im Sinne des§ 186 des Straf-Gesetzbuchcs für vorliegend gehalten. Der Schutz des Z 193 des Straf-Gesetzbuches konnte hierbei dein Privatangeklagten nicht zugebilligt werden. Bei der Strafzumessnng hat der Gerichtshof die Schwere der Beleidigungen und die hohe gesellschaftliche und politische Stellung des Privatklägcrs, andrerseits aber die Unbescholtenheit des Privatangeklagten und den Umstand in Erwägung gezogen, das; der Privatangeklagte sich durch das Berhaltcii des Privatklägcrs im Reichstage, der sechs der schlecht rentiertestcn Webereien sechs der bestrentiertesten Spinnereien gegen- überstellte, sich sehr geschädigt sah. Der Privatkläger ReichstagS-Abgeordneter Münch- F e r b e r hat nun auf das Inserat deS Privatbeklagten im„Hofer Anzeiger" in einem Inserat geantwortet:„Das ist wieder eine der vielen böswilligen Unwahrheiten und Er- findungen." Dem Privatkläger mußte bekannt sein, daß das, was der Privatbeklagte in dem Inserat behauptet, keine Erfindung oder Unwahrheit war. Der Privatkläger und Wiederbeklagte mußte daher ans Grnnd des Z 187 des Strafgesetzbuchs fBeleidigmig wider bcficres Wissen) verurteilt werden. Der Schutz des§ 193 des Straf- gesetzbuchs steht dem Wicderbeklngtcn nicht zur Seite. Bei der Straf- zumessung ist erwogen worden, daß der Wiederbcklagte gereizt war und daß die Beleidigung im Wahlkanipf geschehen ist. Es ist daher, wie geschehen, erkannt worden. Sicherlich ist der Gerichtshof mit größter Gewissenhaftigkeit bor- gegangen, denn es stand die Ehre und die gesamte politische Zukunft des Mannes ans dem Spiel, der in Hof an erster Stelle stand, der den dortigen Wahlkreis im Reichstage vertritt, der eine der be- kanntesten Persönlichkeiten der nationalliberalen Partei ist. Der Verhandlungsbericht hat gezeigt, wie der Vorsitzende des Gerichts in häufigen und eindringlichen Fragen an die Zeugen dagegen an- kämpfte, sich von der Schuld des ersten Mannes der Stadt allzu leicht überzeugen zu lassen. Aber er ist überzeugt worden, so peinlich diese Ueberzeugung sein mochte. Der schwerreiche Kommerzienrat Münch-Ferber ist überführt, sich am Erbe seines ver- storbenen Socius auf Kosten der Kinder desselben bereichert zu haben. Er ist nberfiihrt, die Erben, als sie ihre berechtigten Ansprüche geltend machten, durch unwahre Angaben über Steuer- Hinterziehuugen ihres verstorbenen Vaters eingeschüchtert zir haben. Wahrlich eine erschreckende Korruption des geheiligten bürgerlichen Familienlebens, angerichtet durch die schnöde Sucht nach Gold. Die kapitalistische Lesung„Bereichert Euch!" führt im Erbschastsstreit der Familiemiächsten zum niedrigsten Jutriguanten- stück. Und zugleich öffnen sich alle Coulissen de? Z o l l g e s ch ä f t s. Münch-Ferber war einer der eifrigsten in der Förderung dieser Politik der Bereicherung der Reichen durch die Zollgesetzgebung. Sein Fall zeigt, wie die„Ueberzeuguilgen" der Zöllner ans Eigensucht, ja aus allerpersönlichstem Konkurrenzneid erwachsen. Mit Münch-Ferber stürzt nun eine Säule des Zollwuchers. Es mag sein, daß Herr Münch-Ferber noch die Revision beim Oberlandgericht versucht. Die moralische und politische Ver- urteilung des Mannes ist so vollkommen, daß die national- liberale Reichstags-Fraktion nicht zögern kann, auf seine politische Bethätignng zu verzichten.— Wind-Jnterpellatior, i». Das preußische Abgeordnetenhaus ver- schönert seine letzten Z>»j.ö vor den Ferien damit, über wichtige Zeit- creignisse arrf dem � aPier zu interpellieren. Das ist eine Tapferkeit, die unter xpinen Ilmständen einen Blutstropfen kosten kann. So ist die(L �rums-Jnterpellation über den Saarbrückcr Prozeß auf unbestin'k �e Zeit vertagt. So, fürchten wir, wird es auch mit der freisin. igen Interpellation über den Fall Mirbach gehen; sie ist zwar"{ ff die Tagesordnung der DonncrStagssitzung gesetzt, aber die Ro�z.-nng wird schon einen Ausweg finden, die Beantwortung für ei' r unbestimmten späteren Termin in Aussicht zu stellen und damit' die Beratung der diskreten Angelegenheit zu unterdrücken.— Minister-Akten. Nicht nur Könige, sondern auch Minister wollen und dürfen die Wahrheit nicht hören. Daher die Erscheinung, daß gewöhnlich ministerielle Akten von einer nicht zu überbietenden Unzuverlässigkeit sind; die Akten des gegenwärtiger: Polizei- Ministers Hammersteiir haben sogar durch ihre verwegenen Irrtümer eine gewisse Benihnttheit erworben. Wie man nun solche ministeriellen Jnfornratiouen anfertigt, da- für bringt die„Trierer Landeszeitung" ein nettes Beispiel: Infolge falscher, tendenziöser Referate in der liberalen„Saar- und Blies- Zeitung" über den Saarbrücker Prozeß Hilger-Lehnen, hatte Lehnen den Redakteur der„Saar-»rnd Blies-Zeitung", Ohle, verklagt. In den Verhandlungen wollte nun der Verteidiger des Angeklagten Ohle den gedruckten stenographischen Bericht der Bcrgwerks-Dircktion über die Lehnen-Prozesse als maß- gebendes Beweismittel dem Gerichte vorlegen. Als aber der Kläger Lehnen erklärte, dann müsse auch ihm dieser Bericht zur Einsicht und Pnisirng zrigestellt werden, lveigerte sich der Vertreter des Angeklagten mit der Begründung, der Bericht sei von Herrn Hilger zur Orientierung für den Minister gedruckt und mit An- rnerkungen versehen; diese Anmerkungen seien nicht für andre Personen bestimnrr. Herr �Hilger hat also offenbar die Aufgabe, die gerichtlichen Feststellungen fürten Minister in seiner Wcsie zu bearbeiten, und da ihn hier kein Z'ugeneid zur Vorsicht zwingt, kann er sich in diesen Erläuterungen m Herzenslust„rechtfertigen". Diese A n r /r* r k n n g e n sind offenbar für die Berichte über den letzten Pro�n Krämer»och nicht fertiggestellt, und deshalb be- hauptet Minift�oMöllcr, noch keine Berichte zu haben.— Bon rine�nchwimmeirde» Minister- Hotel berichtet die„Kieler Zeitung". Es besteht ans einem Ballin- Dampfer, der seit Freitag im Kieler Hcffen nächst der Kaiserjacht liegt und in dem fast das ganze preußische Ministerium residierte und offenbar auch regierte. Ilm für alle.Hälle bei der Hand zu sein, wenn eS gelten sollte, einen Minister über Bord zu werfen, war auch Herr v. LucanuS auf dem Schiffe anwesend.— König Eduard hat am Dienstag Hamburg besucht. Es wurden freundliche Ansprachen zwischen ihm und andrerseits dem Bürgermeister Dr. Hachmann und den: Präsidenten der Hairdels- kammcr, Michahellcs. ausgetauscht. Am Nachmittag reiste der König nach Kiel zurück.— Der sächsische Bundesrats. Bevollmächtigte Geheimrat Fischer erfreut uns mit einer Zuschrift. ES quält den Herrn Geheimrat die Bemerkung am Schluß des Berichts über die Dresdener Gerichts- Verhandlung. die wir gestern unter der Aufschrift„Saarabien überall" veröffentlichten- Dort ist gesagt worden, daß die Fest- stellungen des Gerichts über die Siemensschen Fabriken den sächsischen Bevollmächtigten nach seiner Verteidigung der Firma im Reichstage interessiere,» dürfte: vielleicht ziehe er daraus den Schluß. „daß bei Informationell von Unternehmern in Zrikunft größere Vor- ficht am Platze sei". Dazu schreibt Geheimrat Fischer: „Ich habe bereits in der Sitzung des Reichstags vom 23. März 1903 mich mit aller Energie gegen die unwahre Be- ■lewendet, ich habe bei der früheren Diskussion die nens verteidigen und deren Verhalten gegen ihre Ar- gerechtfertigt bezeichnen wollen, sodaß die Schluß- des Artikels in Ihrer heutigen Nummer durchaus »d gegenstandslos ist." reillich, daß Herr Geheimrat Fischer die Annahme, er t arbeiterfeindliche Firma und sei gegenüber ihren » nicht vorsichtig genug, peinlich empfindet. Aber er , daß sein Hinweis auf die ReichstagS-Sitzung vom 23. März 1903 uns die Schlntzbemerkungen unsreS Dresdener Berichts durchaus nicht als„deplaciert und gegenstandslos" er- scheinen läßt. Wohl hat Herr Geheiinrat Fischer damals erklärt, er habe nicht alles das rechtfertigen wollen, was die Firma Siemens gegen ihre Arbeiter gcthan habe) auch hat er sich verwahrt, den Inhalt einer Siemensschen Rechtfertigungserklärung sich zu eigen gemacht zu haben. In der That also wandte sich Geheimrat Fischer schön da- »»als„mit aller Energie" gegen die socialdemokratische Kritik seiner vorhergeheuden Aeußerungen. Gerade aber diese energische Ver- Wahrung zeigte schon damals, wie schwer der sächsische Bundesrats- bevollmächtigte selbst in Fällen, wo das schwerste Unternehmerunrecht offenbar ist und wo auch die von ihm zu vertretende arbeiter- feindliche Politik seines Staates außer Frage bleibt, wirkliche Unparteilichkeit zu finden vermag. Von socialdemokratischer Seite war die im jetzigen Prozeß zeugein-idlich festgestellte schmähliche Vereitelung des Ärbeiter-Koalitiousrechts besprochen worden. Darauf hat der Herr Geheimrat»»ichts andres vorzutragen gehabt als eine Wiedergabe der— durch und durch wahrheitswidrigen— Erklärung der Firma. Seine Auffassung unbcivußt vortrefflich kennzeichnend sagte Geheimrat Fischer: „... Ich habe lediglich nach den» Grundsätze„Eines Mannes Rede ist keine Rede, man muß sie hören alle beede" festgestellt, daß die Arbeitgeber in der Sache andrer Ansicht seien als ihre Arbeiter und deren Vertreter." Und weiter brachte der Vertreter der sächsischen Regierung noch andre Zeugnisse gegen die Berechtigung der socialdemokratischen An- griffe vor— natürlich nur um vor» ihnen Akt zu nehmen, nicht um sich mit ihnen„ohne weiteres zu identifizieren". Geheimrat Fischer hat also die Aufgabe übernommen, geger� über der socialdemokratischen Kritik den Standpunkt des Unter- nehmertums vorzutragen. Ist das die Aufgabe des R e g i e r u n g s- Vertreters? Hat dieser nicht die Beibringung der Unternehmer- dokuineute, zumal ivenn er deren Richtigkeit selbst nicht garanneren kann, getrost den Partei Vertretern zu überlassen? Hand aufs Herz. Herr Geheimrat! Wenn ein sächsischer ,.Ordnuiigs"-Abgeordneter— damals gab es deren noch eine statt- liche Zahl— Angriffe gegen Arbeiter gerichtet hat. sah Herr Geheim- rat Fischer jemals seine Aufgabe darin, die Rechtfertigungsdokuinente der Arbeiter vorzutragen? Bei solcher Haltung war die damalige wie die jetzige milde Mahnung an den Hern» Bnndesratsbevollmächtigten nichts weniger als„deplaciert und gegenstandslos". Wenn er sie so empfindet, so beweist er nur die instinktiv gelvordene und nicht über die Bewußtseinsschwelle gelangende Intimität der Regierungen eines Klassenstaares rnit dem Unternehmertum. Immerhin wiederholen wir unsre Genugthuung, daß Herr Gchcimrat Fischer so hohen Wert auf die Anerkennung seiner social- politischen Objektivität legt. Seitens des eifrigen Fürsprechers der sächsischen Crimmitschau- Methode ist das ebenso ehrenvoll wie— überraschend.— Unter Ausschluß der Ocffcutlichkeit tagte das Oberkriegsgericht des 3. Armeecorps in Berlin an» gestrigen Tage in einer Anklage wegen Bestechting gegen den Bezirks-Feldwebel Weser, da in diesem Falle Gefährdung militärdienstlicher Interessen als vorliegend er- achtet wurde. W. war vor» dem Delikt der Bestechung durch daS DivisionSgericht freigesprochen worden. Hiergegen hatte der Gerichts- Herr Berufung eingelegt. Das Oberkriegsgericht verurteilte den Angeklagten wegen Bestechung und Ungehorsams zu zwei Monaten Gefängnis und Degradation.— Wegen thätlichcu Augriffs auf eiueu Borgesetzten vor ver« san» n» elter Mannschaft und zahlreicher ähnlicher Vergehen hatte sich der Gemeine B r ü h n i n g von der 5. Compagnie des 2ö. Jnfanterie-Rcginients gestern vor den» Ober-Kriegsgericht des dritten Armeecorps zu Berlin zu verantworten. B. besuchte an» 8. Mai den Stadtgarten in Neu-Ruppin, wo er mit Landwehrlenten in Streit geriet. Der Unteroffizier Berg, welcher Patronillendienst versah, befahl ihm, das Lokal zu verlassen»nid forderte die Urlaubs- karte. Brühning kam jedoch den Befehlen des Vorgesetzten nicht nach, nahm vielmehr eine drohende Haltung an und rief aus: ,. Die Soldaten werden bis aufs Blut geschlagen; bei den Preußen bin ich erst Socialdemokratge- worden. Der Soldat zog nun das Seitengewehr und drang mit hoch erhobener Waffe auf den Vorgesetzten ein. Nachdem ihm das Seitengewehr entwunden war, schlug B. mit der Faust auf den Unteroffizier ein. Der Renitente, welcher etwas an- gctrunkc» war, beschimpfte hierauf den Vorgesetzten, sowie einen hiuzukoninienden Polizeibeamten in der gröblichsten Weise. Auch auf dem Transport nach dem Arrestlokal machte sich B. noch der Beleidi- gung schuldig. Das DivisionSgericht venirteilte den Angeklagten wegen all dieser Vergehen zu fiiuf Jahren zwei Monaten Gefängnis und Entfernung aus dem Heere. Gegen dieses Urteil hatten sowohl der Angeklagte als auch der Gerichtsherr Berufung eingelegt. DaS Oberkriegsgericht gab der letzteren statt und erhöhte die Strafe auf 5 Jahre und 6 Moiiate Gefängnis.— Hiidtand. Frankreich. Zur Karthäiiscr-Rffaire wird ans Paris gemeldet, daß die Unter- siichling in der Sache Chaberts keinerlei Ergebnis gehabt habe und daß das weitere gerichtliche' Verfahren eingestellt werden soll.— Die nationalistische Mehrheit deS Untersuchungsausschusses suchte den Rechtsanwalt M a z e t durch fortwährendes Geläute mit der Glocke des Vorsitzenden und wütendes Geschrei zu verhindern, über den Abgeordneten Pichat und den Grenobler Erpresser Besson auszusagen. Er übertönte jedoch den Lärm, nannte Pichat einen Lügner, einen Söldling der Karthäuser, einen be- stochenen Verleumder, der sein Slbgeordnetenmandat verschachere, und die Ausschußmehrheit eine jesuitische Heuchlerbande, die sich hier den Anschein gebe, die Wahrheit zu suchen, während sie durch die Amnestie, die sie 1903 annahm, die Verfolgung von Rcvolvcrjournalisten, wie Besson, und Revolverabgeordneten, wie Pichat, verhinderte und dadurch die Feststellung der Wahrheit unmöglich machte.— Italien. Die Tortur in italienischen Gefängnissen. Kürzlich brachte der Abgeordnete T u r a t i das in den italienischen Gefängnissen und Strafanstalten herrschende System zur Sprache. Nach seinen Mit- teilungcn ist A c c i a r i t o, der Urheber eines Attentats gegen den König Humbert, in der scheußlichsten Weise mißhandelt worden. Um ein Geständnis zu erpressen, namentlich um seine Komplicen(die er nicht hatte) zu erfahren, hat man ihn in der grausamsten Weise physischen und moralischen Torturen unterzogen. Sieben Jahre wurde Acciarito in Einzelhaft gehalten und ist jetzt als irr- sinnig einer Anstalt überwiesen worden.— Ferner verwies Turati auf den z. Z. in Neapel schwebenden Prozeß, in welchem 68 Straf- gefangene vor den Richtern zu erscheinen haben. Sie find angeklagt 'der Meuterei, sie bezichtigen aber den Direktor und das Aufsichts- personal des Gefängnisses von S a n t E f r e m o. in der brutalsten Weise die Gefangeuen behandelt zu haben. Auch hier spielten die Gefängnisärzte eine recht zweifelhafte Rolle. Turati geißelt das ganze System, wonach die Direktoren und das Aufsichtspersonal der Gefängnisse und Strafanstalten sich berechtigt, beziehentlich sich ver- pflichtet fühlen, an den Verbrechern und Ausgestoßenen der Gesell- schaft die Rolle der rächenden Staatsgewalt zu üben.— Von Strafanträgen gegen Abgeordnete oder Zeitungen, welche der öffentlichen Kritik diese Zustände unterbreiteten, hat man bisher nichts ver- nommen. Italien ist eben ein wildes Land.—- Spanien. Die Kongregationen in Spanien. Die Klöster mit ihren nichts- thuenden Mönchen und Nonnen sollen den armen ausgepowerten Lande erhalten bleiben. Durch einen Vertrag zwischen der spanischen Regierung und dem Papst ist dafür gesorgt, daß den Kongreganisten, welche sich in Frankreich nicht unter die staatlichen Gesetze beugen wollten und deswegen auswanderten, in Spanien ein angenehmer Zufluchtsort erhalten bleibt. Alle gegenwärtig bestehenden Klöster sollen auch ferner bestehen, neue Niederlassungen bedürfen zwar der königlichen Genehmigung, die aber in Spanien stets leicht erhältlich ist, zumal sich aiich der Papst hier ein Einspruchsrecht vorbehalten hat. Kleinere Klöster von weniger als 12 Insassen sollen geschlossen, beziehentlich mit andern vereinigt werden; alle Klöster jedoch, welche sich der Charitas, dem Unterricht oder der Krankenpflege widmen, bleiben vom Staate unbehelligt. Bekanntlich widmen sich alle Nieder- lassungen der Ordensgesellschaften einem oder allen diesen Zwecken, um unter dem Deckmantel der christlichen Barmherzigkeit ihr Haupt- ziel, die Fesselung des menschlichen Geistes in ihren verdummenden Banden, zu erreichen.— England. Ein neuer Schlag der Lords gegen die Arbeiterbewegung. Neben den Gewerkschaften und Genossenschaften haben sich die englischen Arbeiter in ihren sogenannten Friendly Societys Unterstützungs- Vereinigungen geschaffen, die ihnen bei Krankheits- und Sterbefällen usw. Unterstützungen gewähren. Dieselben sind der Versicherungs- Gesetzgebung nicht unterworfen; etwaige Differenzen zwischen Mit- gliedern und dem Vorstand wurden bisher durch Schiedsgerichte, von den Vereinigungen selbst eingesetzt, geregelt. Die Entscheide dieser Schiedsgerichte waren endgültig. Nur in den seltensten Fällen wandten sich Mitglieder an die ordentlichen Gerichte, und in den wenigen Fällen, wo diese einen Eutscheid fällten, hoben die höheren Instanzen diesen wieder auf mit der Begründung, daß die auf auto- nomer Basis aufgebauten Friendly Societys der ordentlichen Ge- richtsbarkeit nicht»mterstünden, sondern ihre Angelegenheiten(wie jeder andre freie Verein) selbst regeln. Diese herkömmliche Auf- fassung hat jetzt das Haus der Lords mit einem Male zerstört, indem es entschied, daß jedes einzelne Mitglied dieser Vereine das Recht hätte, den Vorstand vor den ordentlichen Gerichten zu verklagen. Da- durch können diese Arbeiter-Unterstiltzungsveeinigungen unter Um- ständen in sehr langwierige und äußerst kostspielige Prozesse verwickelt werden. Es bleibt abzuwarten, was nunmehr die Arbeiter gegen diesen neuesten Streich der Lords unternehmen werden.— Amerika. Ein heißer Wahlkampf wird zwischen den beiden großen Parteien in den Vereinigten Staaten, der rep»iblikanischen und der demokratischen, bis zum nächsten November entbrennen. Die Rep»iblikaner haben schon alles„klar zum Gefecht" gemacht und fühlen sich des Sieges mit Theodor Roosevelt ai» der Spitze und mit einer phrasenreichen„Platform" unbedingt sicher. Der frühers Gouverneur Black von New Dork, der auf dem Nationalkonvent das Vergnügen hatte, die Roosevelt-Empfehlung zu übernehmen, sprach von den Demokraten als von einen»„waffenlosen Feind" und von Leuten, die mit ihren Freihandelsideen und„Oittle /cmericanism" (Klein-Amerikanertum) von vornherein verloren seien. Was ist der Unterschied zwischen den beiden„großen" Parteien? Es giebt sehr viele amerikanische Bürger, die um eine klare Antwort auf diese Frage verlegen find. Es sind bestimmte Unterschiede vor- Händen, aber die Grenzen sind durch die Entwicklung im Lause der Zeit verwischt worden. Es handelt sich um zwei kapitalistisch« Parteien, von denen die republikanische mehr das Groß- kapital, die demokratische mehr das Kleinkapital vertritt. Diese Auffassung, die dem Wesen des jetzigen Kampfes zwischen den Beiden entspricht, behagt dem Amerikaner durchaus nicht. Er sucht nach Unterschieden in der Zollpolitik, in Währungs- fragen, in Fragen des Rechtes der Einzelstaaten gegen den Bund,' in der Behandlung des Trustproblems. Die republikanische Partei ist sich ihrer Stellung als Vertreterin der„großen Interessen"(lies: des Großkapitals) vollständig be- wüßt, dabei kommt ihre Feindschaft gegen die Arbeiterklasse oft scharf zum Ausdruck trotz der freundlichen Maske, die sie manchmal anlegt. Die demokratische Partei kennt ihre Stellung nicht so genau; sie»st gespalten und fühlt sich sehr unsicher, während die Republikaner einig und stark auftreten. Die Freisilberbewegung hat bei den Demokraten scharfe Gegensätze hervorgerufen; in der Zollpolitik sind Massen von Demokrat«» nichts weniger als Freihändler; das Trust- Problem will die eine Seite löse»» durch scharfe Gesetze»md freie Ein- fuhr von solchen Waren, die von Trusts hergestellt werden, die andre Seite will nur freies Rohmaterial für diese Waren einführen lassen; den Arbeiterinassen gegnüber buhlt der ein Teil um deren Gunst, die andre Partei hat eine geheime Scheu vor einer solchen Verbindung. sie wittert Gefahr. So wohnen zwei Seelen in der Brust der demokratischen Partei; die eine will sich von der andern trennen, kann aber nicht, sonst ist die Partei zu vollständiger Ohnmacht verurteilt. Trotz aller inneren Kämpfe verfügt die Gesamtpartei noch über eine respektable Mächt, die sich erst auflösen wird, wenn die socialistische Partei, die in kräftiger Entwicklung begriffen ist. ihre Anziehungskrast auf die Massen ausüben wird.— Soziales« Aerzte und Presse. Die in Rostock zum Aerztetage versammelt gewesenen Corps- burschen haben es gut verstanden, die Presse gegen sich einzunehmen. So schreibt die„ K r e u z- Z e i t u n g": „Wir gaben in unsrer Abendausgabe vom Sonnabend einen Teil des uns zugegangenen Berichtes über die Verhandlungen des Deutschen Aerztetages in Rostock wieder. An der Zuverlässigkeit dieses von Herrn Hugo Friedländer verfaßten Berichtes zu zweifeln. hatten und haben wir keinen Anlaß. Wir baten also die Teilnehnier der Versammlung, sich in diesem Spiegel zu betrachten. Sie hatten das schon gethan, ehe wir sie baten, und das Bild hat ihnen be« greiflicherwcise nicht gefallen. In ihrer Aufregung haben sie einfach den Spiegel zerschlagen. Die vier an der Berichterstattung beteiligten Korrespondenz- bureaus erlassen folgende Erklärung(folgt die von uns bereits in der Sonntagnnmnier veröffentlichte Erklärung)._ Wir halten die Aenderung, die Herr Friedländer an dem Wort- laut der Meyerschen Rede vorgenommen hat, eher für eine Milbe- rung des Sinnes; denn der Vorwurf, daß eine Handlung des ärzt- lichen Standes unwürdig sei, ist nicht so beleidigend, wie der Vor- wurf, daß sie unmoralisch sei. Eines weiteren KonimeutarS«nt- halten wir uns. bis der Deutsche Aerztctag sich wegen scineS Bcr- Haltens gegen die Berichterstatter öffentlich gerechtfertigt hat, waS er nicht umgehen kann." Die„Berliner Zeitung" schreibt: „In ganz kleinen provinziellen Verhältnissen kommt«S gelegentlich vor, daß der„Redakteur", Verleger und Setzer des Lokalblattes hart angelassen wird, wenn er in der Berichterstattung über ein Tanzkränzchen es versäumt hat, Licht und Schatten zwischen den Montecch»»md Capulett» des Kegelklubs gleichmäßig zu ver- teilen.— Dem Deutschen Aerztetage muhte eS vorbehalten bleiben, die Vorgänge der kleinlichsten Vereinsmeierei als Borbild zu nehmen' für die Art, wie man mit den berufenen Vertretern der deutschen Presse umzugehen habe, wobei überdies in der Form noch Neuerungen geschaffen wurden, die selbst einem halbwegs anständigen Rauch- oder Kegelklub nicht vorbildlich erscheinen dürften." Wir sehen in dem noblen Auftreten der Herren in Rostock nur die selbstverständliche Ergänzung zu ihrem bisherigen Auftreten im Kampfe gegen die Krankenkassen. Haben sie doch die„Staats- crhaltung" gegenüber den„socialdemokrattschen" Krankenkassen auf ihre Fahne geschrieben und dazu gehört auch a bissel Flegele» gegen die Presse. Dazu gehört auch, daß die„Vossische Zeitung" trotz des Streiks der Berichterstatter brav weiter berichtet hat. Ihr„Kerl" ist vernintlich dem RanSgeschinissenwerden durch einen glücklichen Zu- fall entgangen und diese schöne Gelegenheit, die Konkurrenz zu schlagen, durfte nicht versäumt werden. Blüten der freien Arztwahl. In Leipzig zeitigt der Kampf der Aerzte um die Arbeiter groschen der Krankenkasse folgende Anordnungen: An Herrn......... Nachdem in der Beschwerdesache des Dr. med....... gegen Sie diesseits festgestellt worden ist, daß Sie in Ihrer Eigen schaft als freiwilliger Krankenbesucher der hiesigen Orts. Krankenkasse das Kassenmitglied........... in der Wahl seines Arztes zu beeinflussen gesucht haben, wird Ihnen im Auftrage der königlichen Kreishauptmannschaft die weitere Kontrolle von Viitgliedern der Orts-Krankenkasse Hiernut untersagt und aufgegeben, die Ihnen vom Kassenvorstande erteilte Legitimation, die hierdurch zurückgezogen wird, sofort, spätestens aber bis zum 27. dieses Monats bei dem unterfertigten Krankenversicherungsamte, Brühl Nr. 80, I. Etage, Zimmer Nr. 37. abzugeben. Der Rat der Stadt Leipzig. Krankenversicherungsamt. I. V.: Boeters, Stadtrat. Es ist dazu zu bemerken, dasi in Leipzig freie Arztwahl ist, so dasi jeder Kranke sich einen beliebigen Arzt wählen kann. Es giebt kein gesetzliches Mittel, jemand an der Beeinflussung eines Kassenmitgliedes in der Wahl seines Arztes zu hindern. Ferner wird die Verwaltung der Leipziger Ortskasse noch immer von dem gewählten Vorstand geführt und dieser allein hat das Recht, Kranken- besucher anzustellen und zu entlassen. Doch das alles ist gleich- gültig: die Leipziger Verbandsärzte betrachten nun einmal die Mit- glieder der Ortskasse als die ihnen von Gottes und Rechts wegen verordnete Erwerbsquelle und dagegen kommen andre Rücksichten nicht auf. Deshalb ist die Znstand. Berlin und(Imgegen d. Zum Steinseherstreik in Berlin. Die Innung der Steinsetz- meister hat die Verhandlungen vor dem Gewerbegericht abgelehnt. Der Streik in der Cigarcttenfabrik„Manoli" ist beendet. Wie bereits mitgeteilt, hatte der Vorsitzende des Vereins deutscher Cigarettenfabrikanten zu Berlin, Herr H i r s ch, die Ortsvertretung des Tabakarbeitcr-Verbandes sowie die Kommission der Streikenden am Montag zu einer Verhandlung über die eventuelle Beilegung des Streiks bei der Firma„Manoli" eingeladen. Die Verhandlungen zeitigten ein posirives Ergebnis. Nach mehrstündiger Beratung erklärte sich der Inhaber der Firma„Manoli", Herr Mandelbanm, zu folgenden Zugeständnissen bereit: Der Preis für Maschin enhüls'eu beträgt wie bisher 26 Pfennige pro Tausend. �Bekanntlich lag die Hauptursache de? Streiks darin, dag die Hülsen den Arbeitern und Arbeiterinnen mit 3V Pf. anstatt wie bisher mit 25 Pf pro Tausend in Abrechnung gebracht werden sollten.) Ferner erfolgt die Wiederein st ellung der beiden lvegen ihrer Kommissionsthätigkeit Ge maßregelten. Für die 2 Pfennig- Sorte Goldmundstück. Cigaretten bewilligte Herr Mandelbaum sodann eine Zulage von 10 Pf. pro Tausend, während der Preis für die übrigen Sorten derselbe wie früher bleibt. Vereinbart wurde sodann, daß wegen des Streiks beiderseitig keinerlei Maßregelungen vorgenommen werden dürfen. Das Resultat dieser Verhandlungen unterbreitete die Kominission der gestrigen Streikversammlung zur endgültigen Beschlußfassung In der gegenseisigen Aussprache stellten sich die meisten Redner auf den Standpunkt der Kommission und empfahlen die Annahme der freie Ärztwahl" der allein würdige �-obigen Zugeständnisse resp. Vereinbarungen. In geheimer stimmung erklärten sich die Streikenden denn auch mit allen gegen 17 Stimmen mit dem Ergebnis der Verhandlungen ein» verstanden. Dannt ist der Streik beendet; die Arbeit wird heute Mittwoch) früh zu gewohnter Zeit von sämtlichen am Streik beteiligten Arbeitern und Arbeiterinnen wieder aufgenommen. Werkstattstrcit der Schuhmacher. In der Filz- und Reiseschuh fabrik von Sally Rosenberg. Dircksenstr. 47, haben gestern sDienstagmorgen) sämtliche Arbeiter, ca. 100 an der Zahl, d i e Arbeit niedergelegt. Die Ursache liegt in erheblichen Preisred uktiouen für einzelne Arbeiten. So z. B. ist der Accordsatz für eine Positton(Einleister) von 70 auf 50 Pf., und für eine andre sZwicker) von 3 M. auf 2,35 M. heruntergesetzt worden. Die Arbeiter versuchten durch einen Ausschuß mit dem Chef zu ver- handeln, indem sie sich in dem einen Falle sogar soweit herbeiließen, eine Ermäßigung des alten Preises von 3 M. auf 2,70 M. hin zunehmen. Sie forderten außerdem einen Aushang der Preise und das Einschreiben der Arbeiten nebst Preis ins Arbeitsbuch. Herr Rosenberg aber lvollte sich nur zu einer Zulage von 5 Pf. si) verstehen, also Zahlung von 2,40 M. fiir eine Arbeit, für die es früher 3 M. gegeben hatte, und welche die Gesellen jetzt bereits für 2,70 M. herzustellen erbötig waren. Bezüglich der 70 Pf.-Position machte der Chef nur unbestimmte Zusagen. Als der Ausschuß auf die event. Folgen der Abzüge hinwies, meinte Herr Rosenberg kurz, die Arbeiter könnten seinetwegen streiken, einstellen würde er dann niemanden von ihnen mehr. Ja, er drohte damit, Wilde Zustände. In Wien tagt gegenwärtig der zweite österreichische Kranken- kassentag. Auf diesem Tage sind als Gäste anwesend: Dr. Joseph Ritter v. Wolf, Sektionschef im Mini st e- r i u in des Innern; Dr. Julius Kaan, Regierungsrat im Ministerium des Innern; Otto v. Gasteiger, Statt- Haltereirat im Handels-Ministerium; Dr. Theodor Pollak vom Eisenbahn-Ministerium; Franz Zistler vom Eise n bahn- Mini st erium; Prof. Dr. H. Ritter v. Schullern vom A ck e r b a'u- Mini st erium; Karl v. Wohlfahrt von der niederösterreichischen Statthalterei; Ernst v. Roretz; Dr. A. Ne- tolitzky von der niederösterreichischen Statthalterei; Central- Gewerbe-Jnspektor Walther Edmund Ehrenhofer; G e- werbe-Ober-Jnspektor Regierungsrat Kulka. Nnd für die Arbeiterunfallversicherungs-An- st a l t e n: Wien: Direktor Regieruugsrat Kögler und Dr. Kaan. Prag: Dr. Haubner, Wilhelm Cerny und Dr. Holejschovsky. Brünn: Dr. Alois Klettenhoser und Ludwig Wolurek. Graz: Direktor Akerl. So etwas ist im Lande der Socialreform nicht möglich. Bei uns werde» selbst die Vertreter fremder Staaten noch rechtzeisig wieder hinausgegrault, die einer Arbeiterzusammenkunft beizuwohnen beabsichtigen._ Gcwerfefchaftllcbca. „Wohlthaten— still und rein gegeben..." Der Scherl-Mosse-Krieg um den größten Teil der Beute aus dem deutschen Jnseratengeschäst hat so ganz nebenbei einen Zipfel des Schleiers gelüftet, der über die socialen Verhältnisse innerhalb dieser Riesen-Meinungsfabriken gedeckt ist, welche ihren Besitzern Millionen einbringen. Die Firma Masse teilte nämlich der Welt auf einem an die „Kundschaft" versandten Waschzettel die Formel mit, unter welcher eine Einigung über das VerfügnngSrecht am Inseratenteil der „Garteulaube" zlvischen ihr und Scherl zu stände gekommen ist. Am Schlüsse des Waschzettels heißt es in Parenthese: „(Wie verlautet, erhält die Firma Rudolf Mosse eine Ent- schädigung im Betrage von 600 000 M., wovon dieselbe 100 000 M. der Unterstützungskasse ihrer Angestellten zugewendet hat. D. R.)' Dieser Satz zeigt köstlich die Mache der entweder direkt oder durch Inserate bezahlten redaktionellen Reklame. In der Druckerei Masses selbst wird der Waschzettel hergestellt; die angeblich redaktionelle und als solche gekennzeichnete Bemerkung aber beginnt verschämt mit dem Worte:„Angeblich I"-- Die 100 000 M.- Geschichte hat dann nachträglich noch zu einem höchst fidelen Krieg zwischen zwei Berliner Montagsblättern geführt. Die„Welt am Montag" hatte sie kritiklos übernommen. Die„Zeit am Montag" führte darauf in ihrer nächsten Nummer den Wert der Mosseschen Wohlthäsigkeit auf-das richtige Maß zurück. Die„Welt am Montag" aber sagt in ihrer neuesten Nummer, obgleich ihr inzwischen eine gegenteilige, aber von ihr tot- gesch Wiegene Berichtigung des Bei Mosse bes chäf- tigten technischen Personals zuging: „Die Unterstützungskasien exissieren und sind schon seit Jahren auZgiebig von den Angestellten der drei Abteilungen, Redaksion, kaufmännischen Angestellten, Blichdruckerei, in Anspruch genommen worden. Die Verwaltung ist Vertrauensleuten aus dem Kreis der Angestellten der betreffenden Ressorts übertragen." Was ist's nun mit der Mosseschen Wohlthätigkeit? Beim 25jährigen Geschästsjubiläum des„Tageblatt" wurden von Mosic 300 000 M. gestiftet; 100000 fiir die Redaksion. ebenso- viel für die Expedition und noch einmal ebensoviel für das Druckerei- personal. Auf die Verwaltung der Stiftung wurde den Beglückten ein so geringer, besser gesagt kein Einfluß gewährt, daß das technische Personal die Stiftung ablehnte. Weniger selbstbewußt als die armen, aber nackenfesten Arbeiter mögen die Kuliö in der Expedition und Redaktion die Schenkung des Herrn Mosse entgegengenommen haben, obgleich beispielsweise für die Rsitglieder der Redaksion eigentlich allein das Angebot einer Wohlthätigkeit hätte empörend sein müssen. Die„Wohlthätigkeit" dem technischen Personal gegenüber vollzieht sich in folgenden Formen; Ist jemand durch einen Todesfall innerhalb der Familie oder aus andern Gründen bedürftig, so Ivird ihm auf sein Bitten ein Vorschuß gegen Schuldschein gewährt; ein vielleicht in keinem andern Berliner Betriebe gebräuch- liches Verfahren. Die„Schuld" wird dann in wöchentlichen Raten von durchschnittlich 5 M. vom Lohn in Abzug gebracht.— Ein Arbeiter, dem die Frau starb, kam um ein Darlehn von 60 M. ein. Es wurde ihm allerdings gewährt, aber in Raten von 15 M. wöchent- lich bei einem Wochenlohn von 30 M. in Abzug gebracht. Beim Ab- zug der letzten 15 M. erhielt der doch gewiß Bedürftige Buch und Karte und mußte das Geschäft verlaffen. WaS immer der Grund der Entlassung gewesen sein mag: sociales Verständnis verrät eine Entlaffung in diesem Augenblick gewiß nicht. Sociales Verständnis verrät es auch nicht, daß die Millionenfirma eS bisher für überflüssig gehalten hat, trotz mehr- facher Vorstellung seitens des Personals demselben Ferien und andre Vergünstigungen zu gewähren. In der von Mosse heraus- gegebenen Presse Iverden aber alle Fälle, in denen andre Firmen(mit Ausnahme der Konkurrenz natürlich!) ihrem Personal Ferien gewährten, als nachahmens lvert sorgfältig registtiert. So sieht die sagenhafte Wohlthäsigkeit einer Millionenfirma in der Wirklichkeit aus' daß ein Streik von der Fabrikantenvereinigung mit einer allgemeinen Aussperrung beantwortet würde. Hinzu kam noch, daß Herr Rosen berg einen Arbeiter, der auf Auszahlung des alten Preises für eine der oben bezeichneten Arbeiten bestand, einfach verprügelte. Ein der- arsiges Verhalten erschöpfte die Geduld der Arbeiter, und die Folge war, daß sie einmütig in den Ausstand traten. ES wird dringend gebeten, den Zuzug nach diesem Bettiebe fernzuhalten. veutkcves Reith, Die Leitergerüstbauer befinden sich in Hannover im Streik. Zuzug ist fernzuhalten. Centralverband der Handels-, Transport« und Verkehrsarbeiter Deutschlands. Der Centralvorstand. Ein schweres Urteil. Bei Gelegenheit des vor kurzem beendigten Zimmererstteiks in Düsseldorf spielten bekanntlich die Christlichen die Rolle als Streikbrecher und Streikbrecher-Agenten. Es kam deshalb zwischen den Streikenden und den Christlichen zu Auseinander- setzungen, die schon verschiedentlich die Gerichte beschäftigten. Einen dieser Arbeitswilligen zu Boden gestoßen nnd mittels eines Meffers mißhandelt zu haben, wurde ein organisierter Zimmergeselle be- schuldigt und stand derselbe dieser Tage in Düsseldorf vor der Straf- kammer. Thatsache war, daß der Arbeitswillige zu Boden gestoßen worden war, auch daß er eine Verletzung am Kopfe davon- getragen hatte, nicht festgestellt konnte aber werden, ob die Verletzung mittels eines Messers beigebracht worden lvar. Sogar in dem ärztlichen Attest wurde diese Frage offen gelassen, weil die Verletzung von einem Aufschlagen auf einen scharfen Stein herrühren konnte. Der Angeklagte bestritt ganz entschieden, der Thäter zu sein, doch behauptete der Verletzte, daß er sich nicht irren könnte, die Mißhandlung sei durch den Angeklagten erfolgt. Bei dieser Aussage ist in Betracht zu ziehen, daß der Vorfall sich anfangs April morgens vor 6 Uhr, also bei völliger Dunkelheit, abspielte. Obwohl nun weiter keine Zeugen vorhanden waren und gar kein Beweis vorlag, daß die Mißhandlung mittels eines Messers geschehen sei. wurde doch der Angeklagte zu fünfzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt nahm die Gelegenheit wahr, um eine große Rede gegen die Gewissenlosigkeit der Streikenden zu halten. Die Handlungsweise der Streikenden sei ein Vergehen gegen ihre Familie, das von keinem Menschen gebilligt werden könne. Ueberhaupt entwickelte der Staatsanwalt betreffs der Arbeitseinstellungen Ansichten, die sehr veraltet waren, Streikvergehen können nicht schwer genug bestraft werden. Trotzdem der Verteidiger sich die größte Mühe gab. das Gericht zu überzeugen, daß die An- ficht des Staatsanwalts nicht maßgebend sein dürfte bei Beurteilung dieses Falles, stellte sich dasselbe, wie das Urteil beweist, auf den Standpunkt des Staatsanwalts. Husiand. Schlimmes aus Amerika. Das„Bureau Laffan" meldet: New Dork, 27. Juni. Die Zuschneider aller New Dorker Schneidergeschäfte sind auf Befehl ihrer Gewerkschaft(I) in den Ausstand getreten. Bei dem Ausstande sind 50 000 Personen beteiligt. Alle großen Schneidergeschäste werden davon betroffen. Es ist fast unmöglich, einen Anzug nach Maß zn bekommen.— Die höheren Gesellschaftskreise, die um diese Zeit Sommergarderobe für heißes Wetter bestellen, fühlen den Aus- stand besonders unangenehm. Das ist fürchterlich l Man denke, wenn nun die New Dorker Millionäre mit SmookingS und Sttandkostiimen ans dem Vorjahre ins Bad müssen! Oder wenn gar einer von ihnen noch weite Hosen mit Bügelfalten vorn und hinten statt enger mit den Bügel- falten an den Seiten hat l Rrbeiterentlassungen in Amerika. Eine„Reuter"- Meldung an� Philadelphia vom 28. Juni besagt: Von den Baldwin- Lokomosiv- werken werden in einigen Tagen 4000 Arbeiter entlassen werden, nachdem bisher schon 6000 entlassen sind. Dies wird auf den Ge- schäftsrückgang zurückgeftihrt, da die Eisenbahngesellschaften keine Lokomottven bestellen._ 6cncht9-Zeitung. Ein Gegner der Sonntagsarbeit. In der Pianofabrik von Neumeyer in der Elsenstraße zu Rix- darf wurde, wie Nachbarn beobachtet haben, seit Jahr und Tag regelmäßig jeden Sonntag gearbeitet. Am Bußtag des vergangenen Jahres machten Bewohner der benachbarten Häuser wieder die Be- merkung. daß der Schornstein des Maschinenhauses der Neumeyerschen Fabrik wie an jedem Werktage rauchte und daß eine Anzahl Arbeiter in den Werkstätten beschäftigt waren. Auf eine Mitteilung an die Polizei ging ein Schutzmann in die Fabrik. Er fand zwei Mann im Maschinenhause beschäftigt und in einer Werkstatt machte er die Wahrnehmung, daß in den Hobelbänken Werkstücke eingespannt waren, Späne und Werkzeuge lagen umher, an den Wänden hingen Sonntagskleider, mit einem Wort, der Augenschein zeigte, daß hier soeben—• am Bußtage— eine emsige Thätigkeit geherrscht hatte. Bon Arbeitern war allerdings nichts zu sehen. Sie hatten sich, als sie den Schutzmann kommen sahen, auf dem Boden versteckt. Eine Uebertretung der die Sonntagsruhe betreffenden Bestimmungen stand somit fest. Der Fabrikant Neumeyer erhielt eine Anklage, welche am Montag vor dem Rixdorfer Schöffengericht ver- handelt wurde. Der Angeklagte führte zu seiner Rechtfertigung an, er sei ein Gegner der Sonntagsarbeit und lasse in seinem Betriebe— abgesehen von den zulässigen Arbeiten zur Instandhaltung der Maschinen— an Sonn- und Feiertagen nicht arbeiten. Wenn trotz- dem gearbeitet worden sei, so könne es sich nur um A c c o r d- a r b e i t e r handeln, die sich am Feiertage in die Fabrik ein- geschlichen haben, um dort chätig zu sein. Der Verteidiger des Angeklagten suchte einen Freispruch seines Klienten dadurch zu er- wirken, daß er den Standpunkt vertrat, da der Angeklagte nicht an- geordnet habe, daß in seiner Fabrik am Sonntag gearbeitet werde. so treffe ihn keine Schuld. Das Gericht verttat jedoch die Ansicht, daß der Fabrikant für die Durchführung der gesetzlichen Be- stimmungen in seiner Fabrik zu sorgen habe. Der Angeklagte habe fahrlässig gehandelt, wenn er nicht Vorkehrungen traf, durch welche die Sonntagsarbeit verhindert werden mußte. Der Angeklagte Neumeher wurde zu einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt. Untreue und Unterschlagung wurden dem früheren Gastwirt un! Stadtverordneten Otto Klein zur Last gelegt, welcher gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II stand. Im Jahr» 18S8 war das Ehepaar Schindel zu Rixdorf verstorben. Es hatte 5137 M. in bar und 2 Schuldscheine zum Betrage von insgesami 1300 M. hinterlassen. Dies Geld sollten die Enkel der Verstorbenen die Kinder einer Witwe Sandrock erben. Der Angeklagte wurde als Nachlatzpfleger eingesetzt. Dieser legte das Geld in mündel- sicheren Papieren bei der Nationalbank an. Als Frau Sandrock sich nach Jahren einmal von dem Vorhandensein ds Geldes überzeuger wollte, machte der Angeklagte allerlei Ausflüchte. Dies kam der Frar so verdächtig vor, daß sie sich bei dem Amtsgericht beschwerte. Nurwurde Klein von der Behörde aufgefordert, die Depotscheine vorzulegen. Er leistete den wiederholte, Aufforderungen keine Folge Als schließlich der Gerichtsvollzieher in Anspruch genommen wurde stellte sich heraus, daß von der Nachlaßmasse kein Pfennig mehr vorhanden war. Der Angeklagte hatte erst die Papiere zu des Werts verpfändet und dann den Rest verkauft, um einen Wechsel bezahler zu können. In einem früheren Termin hatte ein als Sachverständige! vernommener Arzt begutachtet, daß sich bei dem Angeklagten Spurei von Geisteskrankheit geltend machten, weshalb Klein in der Irren. anstatt Herzberge einer näheren Untesiuchung unterworfen wurde Der Anstaltsarzt gab in der erneuten Verhandlung am 1. Februar 1902 sein Gutachten dahin ab, daß Klein zur Zeit der That geissix normal gewesen, später aber infolge hochgradiger Hysterie in Geistes- krankheit verfallen sei. Das Verfahren wurde auf Grund dieses Gut- achtens eingestellt. Nach längerer Zeit wurde der Angeklagte durch der Kreisarzt Dr. Dietrich nochmals untersucht. Da sich Zeichen vor Unzurechnungsfähigkeit nicht mehr an ihm bemerkbar machten, wurd« das Strafverfahren wieder aufgenommen. Vor der Sttafkammei erklärte der Angeklagte, daß er das Geld nicht für sich verbrauch! habe, er könne sich aber über besten Verbleib nicht äußern und müss« annehmen, daß es gestohlen sei. Dies nehm der Staatsanwalt'auch an, hielt aber den Angeklagten für den Täter. Er beantragte geger ihn unter Berücksichtigung des gröblich»! Vertrauensbruchs ein» Gefängnis st rase von einem Jcdyre sechs Monaten und dreijährigen Ehrverlust. Der Gerich-Khof erkannte auf neun Monate Gefängnis. - r Letzte jVacbrichten utttl Depefchen. Die Zweite Kammer gegen Schiffichrtsabgaben. Darmstadt, 28. Juni. sB. H.) Die Zw ite Kammer trat heut, zu einer längeren Tagung zusammen. Jr der heusigen Sitzung wurde ein Antrag des Abgeordneten R e i n hm r d t erledigt, der da» Ersuchen an die Regierung richtet, im Bundesrat entschieden geger die Einführung von Schiffahrtsabgaben cuf Flüssen Stellung ,u nehmen. Geheimer Staatsrat Krug von Nidda gal sie Erklärung ab, daß der Regierung nichts bekannt sei, daß von irgend einer Seite die Einführung von Schiffahrtsabgaben beabsichsiat sei. Hessen halte grundsätzlich an de» Abgabenfreiheit der Flußschiffahrt fest und die bis jetzt erfolgten Aufwendungen fiir die Verbesserung der Rheinschiffahrt seien nicht derart, um eine Einführung von Abgaben zu rechtserttgen. In de» Debatte sprachen sich mehrere agrarische Abgeordnete gegen den An. trag Reinhardt aus, der schießlich mit 19 gegen 17 Ssimmen An. nähme fand. Morgen beginnt die Beratung der Wahlrechtsvorlage. Breslau, 28. Juni. sB. H.) Der von Glatz um 2 Uh» 26 Mnuten abgehende Schnellzug überfuhr, wie der„B. G.-A." meldet, zwischen Heinrichsau und Zweisirchen einen zweijährigen Knaben, der an einem Bahnübergänge gespielt hatte. Das Kind. welchem Arme und Beine abgefahren wurden, war sofort tot. Köln, 28. Juni. sB. H.) Nach einer Meldung der„Kölnischen Volks-Zeiwng" stehen in Kaldensirchen seit heute nacht 12 Uhr die Rhenania-Thonwerke in Flammen. Der Schaden ist sehr groß, aber durch Versicherung gedeckt. 100 Arbeiter sind beschäftigungslos>e« worden. Man vermutet Brandsttstung. Frankfurt a. M., 28. Juni. sB. H.) Die Revision der beiden Raubmörder Groß und Stafforst gelangt am 2. Juli vor dem Reichs- gericht zur Verhandlung.) Stuttgart, 23. Jum. sB. H.) In Bissingen'st heute vormittag die Rommelsche Mühle, die größte Württembergs.vollständig»neder- gebrannt. Der Schaden beläust sich aus 400 000"i*. Wien, 28. Juni.(®. H) Der Beamte eitiu hiesigen Kreditvereins Eugen Salta ist nach Einkassierung e.es Checks über 10 000 Kronen flüchsig geworden. Französische Teputtertenkammer. Paris, 23. Juni.(W. T. B.) Bei der Beratung des Artikels 41 des Mlitärgesetzes, in dem die Einberufungszeit für die Uebungen der Territorialarmee auf sechs Tage festgesetz wird, bean- tragt Colliard(Soc.) die Aufhebung dieser Einberufungen. Kriegsminister Andre erklärt diese Uebungen als unentbehrlich für den festen Zusammenhalt der Territorialarmee. Berteaux (social.-Radikaler) bekämpft gleichfalls den Antrag Colliard, der jedoch mit 346 gegen 224 Ssimmen angenommen wird. Ferner wird dann trotz des Einspruchs des Kriegsministers mit 402 gegen 147 Stimmen ein Abänderungsantrag in Erwägung gezogen, nach welchem Reserveleute der Ackerbau treibenden Bevölkerung während der Ernte- und der Weinlese-Zeiten nicht zum Dienst einberufen werden sollen. Der Marineminister P e I l e t a n unterbreitete eine Nachtrags- kredifforderung von 9 851 000 Frank, um das ostasiatische Ge- schwader mit einer Abteilung Torpedojäger auszustatten, Kohlen- lager in Saigon und Diego Suarez zu errichten, Munition nach Saigon und Biserta zu senden und die Häfen mit Torpedos aus- zurüsten. Paris, 23. Juni.(W. T. B.) Die Unterfuch-ungs- kommiffion über die Karthäuser- Angelegenheit vernahm heute den Masteverwalter Maillard von der Bank des flüchtigen Lepere. Maillard erklärte daß Lepere für Rechnung der Karthäuser Börsengeschäfte gemacht h.rbe, er könne siedoch-tucht sagen, ob Lepere Herr X sei, mit dem der Prior der KMMWxge- sprochen habe._ Paris, 28. Juni.(B. H.) Es bestäsigt sich, daß kammer des Kassationshofes in den ersten Tagen Untersuchung über die Dreyfus-Affaire beenden wird. Berantw. Redakteur: Paul Büttner,»erlin. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt PaulSing-rLrCo..BerlinLW. HierzuLBeilagenu.Unte 8r. 150. 21. 1. KtilUt des Jimiärto" fittlintt üolMhtl MMoch, 29. IM 1904. wird Bbgcordnetenbaua. 90. Sitzung am Dienstag, den 28. Juni 1904, vormittags 11 Uhr. Am Mnistertische: Freiherr v. H a m m e r st e i n. Die zweite Leiung der Novelle zum Ansiedelungsgesetz fortgesetzt. 13 lautet: Wer außerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft ein Wohnhaus errichten will oder ein vorhandenes Gebäude zum Wohnhause einrichten will, bedarf einer vom Kreisausschusse, in Stadtkreisen von der Ortspolizeibehörde zu erteilenden A n- siedelungsgenehmigung. Vor deren Aushändigung darf die polizeiliche Bauerlaubnis nicht erteilt werden. Die Ansiedelungs- geuehmigung ist nicht erforderlich für Wohnhäuser, die in den Grenzen eines nach dem Gesetz betreffend die Anlegung und Verände- rung von Straßen und Plätzen in Städten und ländlichen Ortschaften vom 2. Juli 1873 festgestellten Bebauungsplanes oder die auf einem bereits bebauten Grundstück im Zusammenhange mit bewohnten Gebäuden errichtet oder eingerichtet werden sollen. Hierzu beantragen die Abgg. Dr. v. Dzicnibowski- Pomian und Genossen(Polen) 1. folgenden neuen Absatz einzuschalten: .Die Ansiedelungsgenehnngung ist ferner nicht erforderlich, wenn ein Wohnhaus zum Zwecke oder infolge einer Teilung eines Grund- slücks zwischen gesetzlichen Erben oder zum Zwecke der Ueberlassung eines Grnndstückteils seitens des Eigentümers an seine Abkömmlinge errichtet werden soll." 2. Folgenden neuen Absatz einzuschalten: „Die Änsiedelungsgenehmigung ist endlich nicht erforderlich, wenn eS sich um Wieoerherstellung eines Wohngebäudes handelt." Abg. Dr. Dziembowsti-Pomian(Pole) begründet seinen Antrag, der eigentlich nach§ 13b, Absatz 2, natürlich sein solle. Er sei wesentlich konservativer Natur und sollte deshalb unabhängig von politischen Gesichtspunkten von der Rechten angenommen werden. Zum Schluß bedauert der Redner, daß die Mehrheit seinen Aus- führungen so lvenig Aufmerksamkeit schenke und sie durch ihre Unruhe auch denen, die zuhören Ivollten, unverständlich mache. Abg. v. Heyking(k.) erklärt, daß seine Freunde gegen diese An- träge stimmen würden. Abg. Dr. Bachem(C.): Ich bedauere, daß man denen, die von diesem Gesetz in erster Linie betroffen werden, nicht einmal soviel Gerechtigkeit widerfahren läßt, daß man ihnen zuhört. Man hat un- willkürlich den Eindruck, daß die Mehrheit diese Gründe nicht hören will.(Bielfaches Sehr richtig! rechts,) Ich konstatiere, daß diese Rufe von der Rechten kommen.(Zuruf rechts:„Wir haben die Gründe schon hundertmal gehört!) Jedenfalls ist es mir unmöglich gewesen, die Ausführungen des Herrn Dr. v. Dziembowski zu ver- stehen, und ich kann nicht wissen, ob ich nicht»och einnial all das wiederhole, was er bereits vor mir ausgeführt hat.(Große Un- ruhe rechts.) Redner tritt dann für die polnischen An- träge ein. Wenn man es nicht mehr dem Bater freistelle, jeden seiner Kinder eine Heimstätte zu geben, so giebt mau dem Gesetz einen überflüssig scharfen Stachel. Die Regierung sollte sich genau überlegen, ob sie nicht auch den hier ausgeführten Gedanken zustimmen kann.(Lebhafter Beifall im Centrum und links.) Abg. Graf Limburg-Stirum(k., zur Geschäftsordnung): Ich gebe zu, daß während der Rede des Abg. v. Dziembowski große Unruhe im Hause herrschte, aber nicht nur bei meinen Freundet,, sondern in allen Teilen des Hauses. Abg. Dr. Bachem(C., zur Geschäftsordnung): Ich muß diese Behauptung ans das allerentschiedenste bestreiten. Meine Freunde haben sich die größte Mühe gegeben, vollständige Ruhe zu bewahren. Präsident v. Kröchcr: Es ist ein Schlutzantrag eingegangen. (Lebhaftes Aha I und Protestrufe links.) Der Schlußantrag wird gegen die Stimmen des Centrums und der Linken angenommen; gegen dieselben Fraktionen werden die polnischen Anträge abgelehnt und der 8 13 angenommen. Es folgt der H 13 a. Er lautet: .Die Änsiedelungsgenehmigung ist ferner erforderlich, wenn in- folge oder zum Zwecke der Umivandlung eines Landgutes oder eines Teiles eines solchen in mehrere ländliche Stellen innerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft oder in den Fällen deS§ 13 Abf. 2 ein Wohnhaus errichtet, oder ein vorhandenes Gebäude zum Wohnhause eingerichtet werden soll." Hierzu beantragen die Abgg. v. Dziembowski und Genossen (Polen): 1. Den Z 13 a(Artikel I) zu streichen. 2. Im Falle der Annahme dem 8 13 a(Artikel I) folgende Faffung zu geben: „Wer iimerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft infolge einer gänzlichen oder teilt eisen Aufteilung eines Landgutes in mehrere ländliche Stellen ein Wohnhaus errichten, oder ein vor- handenes Gebäude zum Wohnhaus einrichten will, hat auf Ber- langen der beteiligten Kirchen-, Schul- sowie der politischen Gemeinde an diese eine einmalige Entschädigung zum Zwecke der Regelung der Kirchen-, Schul- und Gemeindeverhältmsse zu leisten. Diese Entschädigung ist nach der Anzahl der voraussichtlich an- zusiedeluden Familien zu bemessen und von den ftir die Erteilung von Ansiedelungsgenehnngungen zuständigen Behörde festzusetzen. Diese Entschädigung darf ftir jede Familie nicht den zehnfachen Jahresbetrag der Gemeinde-, Kirchen- und Schulsteuern übersteigen, welche in den drei dem Antrage auf Erteilung der polizeilichen Bau- crlaubniS vorangehenden Steuerjahren im Durchschnitt auf jeden Haushaltungsvorstaiw der beteiligten polittschen, Kirchen- und Schul- gemeinde entfielen." 3. eventuell statt„Umwandlung" zu sagen:„Aufte, lung"; 4. hinter dem Worte:„Landgut" zu setzen:.welches einen selbständigen Gutsbezirk bildet"; 3. die Worte:„oder zum Zwecke" zu streichen. Abg. Dr. v. Skarzynski(Pole) begründet in längeren AuS- sührnngen diese Anträge. Abg. v. Heyking(k.) polemisiert kurz gegen den Vorredner. Abg. Heisig/z zur Krankenkasse sowie die Hälfte zur Jnvalidenmarke zu zahlen. Erst auf energische Vorstellung seitens Hoppes, sowie seiner Mitarbeiter habe die Firma dieses gethan, jedoch mit der Bemerkung, daß Hoppe nunmehr die Arbeit nicht mehr erhält.(Ausladen von Asphaltsteinen Obgleich GielowKenntnishiervonhatte, habe derselbe die Arbeit gemacht. Ob die Firma jetzt ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkomme, sei augenblicklich nicht festzustellen. Gielow sei nun zu einer Vorstands- sitzung eingeladen, jedoch nicht erschienen, sondern habe durch Karte seineil Austritt erklärt. Verschiedene Redner verurteilten scharf die Handlungsweise Gielows und wurde eine dementsprechende Resolution einstimmig angenommen. Die letzte Mitglieder- Versammlung des Verbandes der Graveure und Ciseleure beschäftigte sich mit dem Thema:„Der neueste Schach- zng der Kühnemänner". In längeren Ausführungen unterbreitete der Vorsitzende den Anwesenden die neuesten Mpßnahmen des Kühnemänner-Vcrbandes. Die Mitglieder desselben beabsichtigen mit von ihnen auserwählten Arbeitern einen vierwöchntlichen Kontrakt zu schließen und versprechen denselben, im Krankheitsfälle auf vier Wochen den Lohn zu zahlen. Ohne Zweifel soll hierdurch für etwaige Ausstände usw. eine sogenannte Streikkolonne geschaffen werden und ist es Pflicht eines jeden Kollegen, ein solches Ansinnen entschieden zurückzuweisen. Es wurde dementsprechend nachfolgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heutige Versammlung erklärt sich gegen die neuen Kontraktverhältnisse, welche die Unter- nehmer innerhalb der Berliner Metallindustrie ihren Arbeitern teilweise zur Anerkennung unterbreiten, da durch ein vierwöchent- liches Kontrakt-Verhältnis die Operationsfähigkeit der gewerbe- treibenden Arbeitnehmer, so wie es der§ 152 der R.-G.-O. gewährleistet, stark gehindert wird und dem Unternehmer Gelegen- heit giebt, bei event. Ausständen mit Schadensersatzklagen gegen die beteiligten Arbeiter, welche vor Ablauf der vierwöchentlichen Kündigungsfrist die Arbeit niederlegen, vorzugehen."— Des weiteren befaßte sich die Versammlung mit der Frage der Heim- arbeit im Stempelschneidergewerbe. Ursache war eine Branchen- Versammlung der Stempelschneider, welche am 13. d. M. statt- gefunden hatte. Der Vorstand des Schriftgietzer-Vereins und der Vorstand des Verbandes der Graveure waren daran beteiligt. Es wurde daselbst einstimmig der Beschluß gefaßt, jegliche Heimarbeit zu verweigern. Beide Borstände waren darin einig, daß bei Ueber- tretung dieses Beschlusses der Betreffende aus der Organisation aus zuschließen sei. Hierauf wurde die Frage angeregt, ob Zeichnen ebenfalls als Heimarbeit zu betrachten sei Vom Vorstand der Graveure wurde die Frage dahin beantwortet, daß jede bestellte Arbeit, ob Zeichnen oder der gleichen unbedingt als Heimarbeit zu betrachten und infolgedessen von jedem Kollegen zu ver weigern sei. Der Vorsitzende des Schristgietze r- Vereins, Genosse Berkhahn, war der Meinung, daß Zeichnen nicht als Heimarbeit zu betrachten sei und könne er es keinem Kollegen ver- denken, wenn er sich dadurch einen Mehrverdienst erwerben würde Infolgedessen waren bei der Abstimmung nur vier Anwesende für den Beschluß der Graveure. Die Mitgliederversammlung nahm gegen eine Stimme folgende Resolutia« an:„Die Versammlung erwartet von den Stempelschneidern, sowie allen andern Berufs kollegen, daß sie jegliche Heimarbeit ablehnen. Auch erklärt die Versammlung, daß das Zeichnen der Stempelschneider zu Hause im Auftrage des Unternehmers ebenfalls als Heim- arbeit zu betrachten und dementsprechend zurückzuweisen ist. Auch ist der Vorstand angewiesen, den Vorständen des Schriftgießer-Vereins Berlin und des Buchdrucker-Verbandes diese Resolution zu über- Mitteln." Rixdorf. Am 20. Juni fand in den Victoria-Sälen. Hermann traße 49, eine Volksversammlung statt, welche vom Rixdorfer Gewerkschastskartell einberufen war. Genosse H e tz s ch 0 l d referierte über das Thema: Bedeuten die Machinationen der Rixdorfer Bäcker meister Friedensliebe oder schnöden Wortbruch? Redner schildert im Anfang seines Referats die so traurige Lage der Bäckergesellen vor dem Streik und in den Bäckereien, in denen der Tarif noch nicht bewilligt ist. Er ging dann auf die Bewegung der Bäcker ein, deren Verlauf ja bekannt ist. Was Rixdorf anbetrifft, so wurden die Forderungen in ein paar Tagen bewilligt. Der hinkende Bote kam aber nach! Die Bäckermeister veranstalteten Droschkenfahrten nach Berliner Muster. Sie gingen noch weiter und benutzten ein Automobil, um die Meister- 'chaft schneller zusammen zu trommeln. In der Rennerschen Bäckerei in der Mainzerstr. 3 wurde beraten, wie man das Ehren wort, welches man gegeben hatte, brechen kann. Man beschloß, den Tarif, der vor dem Berliner Gewerbegericht abgeschlossen war, um- zumodeln. Die Bäcker kamen dann abermals in der Renner- chen Bäckerei zusammen, diesmal mit dem Gesellenausschuß. Dort wurde der umgemodelte Tarif vorgelegt; er war vom Rix- dorfcr Polizeipräsidium unterstempelt. Der Bäckereiarbeiter-Verband berief sofort eine Versammlung ein, in welcher der Bäckermeister- Tarif für ungültig erklärt wurde, und der Kampf mit den Bäcker- nieistern begann von neuem. Der Referent schloß seinen zwei- tündigen Vortrag mit der Aufforderung, daß das Rixdorfer Zroletariat die Bäckergesellen in ihrem Kampfe unterstützen"möge. In der Diskussion sprachen sich alle Redner für die Unterstützung der Bäckermeister aus; nur der Bäckermeister I a n e ck stellte sich auf den Standpunkt, der Herr im Hause zu sein. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die den Bäckergesellen die Sympathie der Anwesenden bekundete. Lichtenberg. Der socialdemokratische Wahlverein hielt am Montag eine Bezirksversammlung in Wilhelmsberg ab. Genosse Liesegang sprach über die Thätigkeit des deutschen Reichstags. An der Diskussion beteiligte sich Genosse Grauer, der eine von der des Referenten abweichende Meinung zum Ausdruck brachte. Zur regen Agitation auffordernd und unter Hinweis auf die Not- wendigkeit der Unterstützung der socialdemokratische» Organisation und Presse schloß der Abteilungsleiter Genosse Degenhardt die verhältnismäßig gut besuchte Versammlung.— Am Dienstag tagte der socialdemokratische Wahlvercin in Lichtenberg. Genosse Frei- waldt sprach über:„Das Reichstagswahlrecht in Gefahr." Der Vorsitzende Genosse Welk betonte auch hier die Notwendigkeit der Organisation, der Presse und der Agitation und gab weiter bekannt, daß am Dienstag, den 5. Juli, Genosse Stadthagen über die Thätigkeit des Reichstages in der verflossenen Tagung berichten wird. Am 24. Juli soll ein Volksfest in Menkes Volksgarten stattfinden. Die nächste Versammlung des Wahlvereins am 19. Juli wird sich mit der Tagsordnung des Partestags befassen. Treptow-Baumschulcnweg. Mit Hinsicht auf den demnächst in unserm Ort zu erwartenden Kirchenbau hatten die hiesigen Partei- genossen am Montag, den 20. ds., eine öffentliche Volksversamm- lung nach Ackermanns Festsälen einberufen, in welcher Reichstags- Abgeordneter Genosse Ad. H 0 f f m a n n einen Vortrag über das Thema:„Die Kirche, ihre Herrschsucht und Abhängigkeit" hielt. Die Versammlung war sehr gut besucht und wurde der interessante Vortrag des Referenten mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Nach den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen des Genossen Hoff- mann entspann sich eine rege Diskussion. Tie beiden Pfarrer nnsres Ortes waren trotz vorheriger schriftlicher Einladung nicht erschienen. Die in der Versammlung anwesenden Gegner mochten wohl ein- 'chen, daß sie in sachlicher Diskussion unserm„bibelfesten" Genossen Hoffmann gegenüber nichts ausrichten konnten und meldete sich von denselben niemand zum Wort. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß Formulare zum eventuellen Austritt aus der Landeskirche in der Versammlung ausgegeben würden, sowie beim Genossen Noack, Baumschulenstrahe, zu haben sind. In Reinickcndorf-West fand am Dienstag, den 21. Juni, im Lokale von Franke, Eichbornstraße, die fällige Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Genossen Litfin. Auch diesmal sagte der Referent, wie dies hier schon wiederholt vorkam, in letzter Stunde sein Erscheinen ab mit der Motivierung, er habe in Berlin eine wichtige Angelegenheit zu besorgen. Genosse Hermes beantragte, eine Beschwerde an den Hauptvorstand einzureichen, um untersuchen zu lassen, wie es komme, daß Reinickendorf einer so stiesinütterlichen Behandlung ausgesetzt sei.— Darauf gab der Vorsitzende Hermann Lorenz eine kurze Schilderung der verflossenen Reichstagssitzungen. Die Abrechnung durch Genossen Leonhardt I. über die Maifeier O st ergab eine Ein- nähme von 169,50 M. und eine Ausgabe von 107,90 M., so daß ein lleberschuß von 61,60 M. verbleibt.— Ferner wurde erwähnt, daß die hiesige Feuerwehr versuche. Billets in Arbeiterkreisen ab- zusetzen. Diele seien zurückzuweisen, da die Wehr ihr Vergnügen am 3. Juli in einem gesperrten Lokale abhalte. Mit einem Hoch auf die internationale Socialdemokratie schloß der Vorsitzende die Versammlung.— Vor Eintritt in die Tagesordnung erhoben sich die Anlvesenden zur Ehrung des verstorbenen Genossen Heinrich Putzirer von ihren Plätzen. Die Beerdigung findet Freitagnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle Humboldtstraße aus statt. Ober-Schöncweide. Eine von ca. 800 Personen besuchte Volks- Versammlung tagte hier am 21. d. M. im Wilhelminenhof. Reichs- tags-Abgeordneter Genosse E. Bernstein sprach über„Aeußere und innere Politik". Lebhafter Beifall folgte deni zweistündigen Vor- trage. In der Diskussion sprach zunächst ein Herr Schulz(Katholik). Er ging auf den Vortrag gar nicht ein, sondern sprach über die letzte Gemeindevertreter-Sitzung, indem er unsren Vertretern den Vorwurf machte, daß sie gegen den Antrag der Katholiken auf Erbauung einer konfessionellen Schule gestimmt haben. Ganz empört war der Herr darüber, daß Genosse Grunow in der betreffenden Sitzung sagte: Wenn wir den Katholiken eine Schule bewilligten, kämen dieselben bald, wir möchten ihnen auch extra eine Fußgängerbrücke bauen lassen. Die Genossen Pessier, Diesing und Jakobsen fertigten den Herrn Katholiken ganz gehörig ab. was die Versammlung mit stürmischem Beifall begrüßte. Hierauf wurde folgende Resolutton gegen 8 Stimmen angenommen: Die heutige öffentliche Volks- Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten ein- verstanden und verspricht, in dem Kampfe gegen die Reaktion und Verschlechterung des allgemeinen Wahlrechts einmüttg zusammen- zustehen. Ferner erklärt die Versammlung sich mit der Haltung und Taktik unsrer Gemeindevertreter Grunow und Lange vollständig ein- verstanden.— Frau Haase forderte die Frauen auf, dem hier be- stehenden Frauenverein beizutreten. Singegsng-ene Drucfcrdmftcn. Von der„Reuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 39. Heft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt deS HesteS heben wir hervor: Ein Nachruf zur Reichstagssession. Die neueste Geschichte des amerikanischen Socialismus. Von A. Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Maurergctvcrbc. Von Fritz Paeplow. Oberhcssische Landwirtschaft. Von Karl Kautskh. Die Todesursachen in den Städten Deutschlands. Von Sieg- fricd Rosenseld. Psychologisches zur Frage der Freiheit in der socialistischen Gesellschaft. Von Erwin Szabo. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Marktpreise von Berlin am 27. Juni 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Weizen, gut D.-Ctt. mittel. gering. Roggen, gut mittel gering. fGerste, gut. . mittel, gering sHaser, gut mittel . gering Nichtstroh Heu Erbsen Speisebohnen. Zinsen f srei Wagen und ab Bahn. Kartoffel», neue D-Etr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch, Kalbfleisch, Hammelfleisch netter Eier Karpfen Aale Zander § echte arsch« Schiere Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 8.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 2.80 3,00 2,20 2,00 2,80 1,40 16,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,20 1,40 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 WitterungSiiberficht vorn 38, Jntti I9v4. morgens S Uhr. Stationen Swinemde. arnburg 'erlin sranks.a.M München Wien L 5 ~ E £ 2= I Ü s c «-c 759 WSW 762 i SB 762'W 767[NW 768 NW 764 1 SB Wetter 3 Regen 4wolkig 3bedeckt 4 halb bd 5, heiter 3wolkig e»« -i II Zw HSj Stationen Haparanda 753O Petersburg 755IS Cork Slierdeen Paris 76831 769|D Wetter >-»« ä n Z? w& 2bedeckt Ibedeckt 1 bedeckt 2 wollen! 18 12 9 15 Wetter-Prognose für Mkittwoch, den 29. Jnni 1994. Ausftarcnd, am Tage wärmer, bei schwachen südlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetter bureau. fieenügungsTerein Berliner Zimmerleote. Am 26. Juni starb nach langem Krankenlager im Alter von 59 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer, Herr Karl Feder. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 3'/, Uhr vom Trauerhause Stettinerstraße 20 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2349b Der Borstand. Für die zahlreichen Beweise aus- richtiger Teilnahme an unsrer Trauer, owie für die kostbaren Kranzspenden iei der Beerdigung unsrer teuren Enffchlasenen Johanna Lippke ägen allen Verwandten, Freunden und Bekannten unsern herzlichsten Dank. 2345b Panl l.ippke nebst Kindern. UankHasnnR- Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Pleorz�BInmltki-zx insbesondere dem Socialdcmokratischcn Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises, dem Centraiverband deutscher Hutmachcr sowie dem Per- sonal der Hutfabrik Gatte! und dem Gesangverein„Gleichheit" meinen herzlichen Dank. 2353b Alw» Auguste Blumberg. Unserm werten Genossen, dem Schankwirt Ittolmi-d lHetxkow zu seinem 37. Geburtstag ein donnerndes Hoch! 2338b tstetil« StamingHste. livaliden-üntErslziinijskasse d.Steiiiilruekeru.LittiosräpiieD. Die Beerdigung des am 26. Juni verstorbenen Steindruckers ViilViolm Koch findet statt am Mittwoch, den 29. Juni, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Stragburgersw. 28, nach dem Marien-Kirchhos, Prenz- lauer-Slllee 7. 2359b Das Komitee. MM der Masebinisten und sowie Dentschlands. Verwaltungsstelle Berlin u. Ving. Todes- Anzeige. Die Beerdigung des am 26. d. MtS. verstorbenen Mitgliedes Hermaim Suckow findet am Mittwoch, den 29. d.M., nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jo- hanniS- Kirchhofes in Plötzenjee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 138/15 Die Ortsverwaltung. Für den Inhalt der Jnierate übernimmt die Redaktion dem Piiblituin gegenüber keinerlei Berantwortnng. UKeater. Mittwoch, den 29. Juni. Ansang VI, Uhr: Neues Opern-Theater. Orpheus in der Unterwelt. Deutsches. Die versunkene Glocke. Lessing. Zapsenstreich. Belle-Alliance. Die Goldhexe vom Königsec. Anfang 8 Uhr. Schiller«Wallner«Theater.) Die weiße Dame. Schiller>.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Die Wildente. Berliner. Mamzelle Nitouche. Weste». Alt-Heidcwerg. Neues. Einen Jux will er sich machen. Kleines. Märtyr. Licbcsträume zc. Residenz. Die 300 Tage. Central. Der Psarrer von Kirchseld. Carl Weift. Der Weg zum Herzen. Atetropol. Ein tolles Jahr. Wintcr-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage-Theater. Specialitäten. Urania. Tanbenstrafte 48/49. Die Insel Rügen. Jnvalidenstrafte 57/02. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr._ Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sieh machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Einen Jux will ar«ich machen. Central'Theater. 8 Uhr: Gastspiel Joscfinr Dora. Der Dfarrer von Kirchfeld. Volksstuck in 4Arten v. L. Anzengruber. Donnerstag: Gastspiel des lönigl. Hosschauspielers Emil Richard- Onkel Bräsig. Freitag: Der Herr im Hause. Rtslilklij-Thkatn Heute und solgende Tage: Abends 8 Uhr: Die 300 Tage. schwank in 3 Akten von PauI Gevault und Robert Charvey. Deutsch von Aisred Halm. Kleines Theater. Unter den Linden 44. MäHtyrei*. Liebesträume. X Kollegen. Serenissimus-Zwischenspiele. Ansang 8 Uhr. Morgen: Frilnlein Jnlle. Apollo-Theater. 8—9'/, Uhr: Die Juni-Specialitäten. Hierauf: Liiebesgötter. Aktuell! Das groBe Sensationell! Gordon Beimett-iutomohil-ReDoen. Sonnabend, den 2. Juli er.: Venus auf Erden. Unter persönlicher Leitung des Komponisten Paul tilncke. Metropol-Theater Der psste Erlolg dieses Jahres: Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Carl Weiss-Theater. Große Franksurterstr. 132. Abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachm.3 Uhr: Zwei Prauen. Im Garten: Theater und Specia- liläten-Vorstellung. 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Er zeigt wie inmitten der zu- sainmenbrechenden römischen Ge< sellschaft die»rchristlich-kommu- nistische Agitation beginnt. auS der sich die Uirchenherrichast ent- wickelt. Der Leser sieht wie das Papsttum entsieht und wie es den Gipfel seiner Macht, bis zur Weltherrschaft ersteigt, bis die wachsende tapitalislische Wirtschaftsweise die Pfaffenherrschaft in Blut und Kriegsgetümmel erstickt. Das Werk ist ein dauern- deS,»oerwolles Ptldungs- mittel für die deutsche Ar- beiterklasse. Steppdecken /Ä kaust man am preis- wertesten nur direkt >» der Fabrik, 72 Wall- strafte 72, wo auch alt» Elteppdeikeu ausgearbeitet werden. v.«trohmandel, Berit» 4 4. Illustrierter Preiskatalog gratis. Achtung, Rohrer! Verein der Rohrer Sellins I Freie Vereinignng der und Umgegend.\ Decken-Rohrer. General Nersammliiiig. 1. Vortrag. Tages-Ordnung Der Borstand des Vereins der Rohrer Berlins! und Umgegend. 2. 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Die Jmmobilien-Verkehrsbank war nach ihrem ersten Geschäfte bankrott; 2. nach der Bilanz vom 31, Dezember 1302 war sie völlig überschuldet und zahlungsunfähig; 3, die Gewinne sind teils Schein- gewinne, teils solche, die sich später in Verluste verkehrt haben; * sie hat ihre Zinsverpflichtungen höchst selten in barem Gelde und in der Hauptsache mit wertlosen oder minderwertigen zweiten Hypo- theken erfüllt. Ich habe keineswegs im allgemeinen zweite Hypotheken für wertlos erklart, sondern nur diejenigen, die die Jmmobitten-Ver- kehrsbank der Pommernbank gegeben hat. Wenn schon von den Unterlagshypotheken 16 Millionen beanstandet werden mutzten, wie wenig Wen nun jene Hypotheken gehabt haben, dürste hiernach ein- leuchtend sein. Auch beziiglich der V e r I u st e stelle ich mich lediglich auf realen Boden, Der vom Angeklagtenl Schultz versuchte Nach- weis, datz die Pfandbriefgläubigcr voll befriedigt werden können, ist unrichtig. Was den Kurs der neuen Aktien betrifft, so ist dieser nicht nach meiner Rede gestiegen, sondern nach dem Pronunciamento der Herren.Huschle und Kruse, die urbi et orbi verkündeten, datz sich gegen die Aufftellung des Angeklagten Schultz nichts einwenden lasse und sie durchaus logisch sei. Wenn m der Masse der Immobilien- Verkehrsbank die Reichtümer zu finden wären, so wären doch feine Nasen schon dahinter gekommen und die Aktien würden einen ganz andern Kurs haben. Der Gedanke, Nebengesellschaften zu gründen, war kein glücklicher, ich halte diese flir den schlimmsten Krebsschaden an dem Körper der Pommernbank. Man hat gesagt: es sitzen eigentlich die falschen Leute auf der Anklagebank. Nun, ich habe die Aufsichtsräte nicht angeklagt, lveil sie nach dem Recept gehandelt haben, das im Sanden- Prozetz ein Verteidiger angedeuter hat: sie thun am besten, wenn sie von nichts wissen, denn wenn sie unwissend sind, können sie wegen wissentlichen Handelns nicht angeklagt werden. Der AustichtSrat hat seine Pflicht nicht gethan. Was die Angriffe auf Staatsrat Budde und Regierungsrat G u t m a n n betrifft, so stihrt der Staatsanwalt hierzu folgendes aus: Der behauptete Mangel an Objekttvität dieser Herren liegt ganz und gar nicht vor. Die Herren sind persönlich an dem Ausgange dieses Prozesses überhaupt nicht interessiert und kein Moment ist hervorgetreten, datz ihr klares Urteil und ihre unter Eid abgegebenen Bekundungen irgendwie durch Nebenintereffen ge« trübt seien. Man sagt, sie haben dem Staatsanwalt Material gegen die Angeklagten geliefert. Das ist richttg, aber sie haben es mir nicht aufgedrängt, sondern i ch bin zu ihnen gekommen, habe das Material von ihnen verlangt und sie haben nur ihre staatsbürger- liche Pflicht erfüllt, als sie es mir gaben. Bezüglich der Bekundung des Staatsrats Budde, die das grötzte Aufsehen gemacht hat, so ist hier so gethan, als ob dieser Zeuge ein Intrigant wäre, der lediglich um den Angeklagten zu schaden de» Fall Mirbach hier zur Sprache gebracht habe. Das ist nicht richttg. Wer Herrn Staatsrat Budde hier gesehen hat, wie er hier tagtäglich unter Mühen und großen Anfttengungen seiner Zeugenpflicht genügte, der wird ihn: gern glauben, datz er das Amt des Direktors der Eejellschast nicht auaenommen haben würde, wenn er gewußt hätte, was er auszustehen haben würde, welche Qualen und Sorgen seiner warteten. Mit dem F afl l Mirbach verhält eS sich so: Der Angeklagte Schultz hatte verlangt, daß ihm die Quittungen vorgelegt werden mögen, aus denen hervorgehe, datz er die Gelder erhalten. Da habe ich dem Staatsrat Budde den Auftrag gegeben, diese Quittungen zu beschaffen. Und in Erledigung dieses Auftrages hat mich Herr Budde gefragt, ob er auch das' sagen müsse, was er an Quittungen über die Wohlthätigkeitsspenden vorgefunden oder ob er dies verschweigen könne. Da habe ich ihm geantwortet, daß er selbstverständlich dies nicht verschweigen dürfe. Von einer Jntrigue kann gar keine Rede sein. Herrn Budde thut cS noch heute leib, datz er den Fall hier zur Sprache bringen mutzte. Man sagt nun: Herr Budde hat es doch auch im vorigen Jahre schon gewußt, warum hat er denn damals nichts davon erwähnt? Man verweist darauf, daß er schon im vorigen Jahre mit dem Minister v. Podbirlsti über diese Sache gesprochen habe und folgert daraus, daß er es also im vorigen Jahre schon gewußt habe. Nun, daraus folgt noch lange nicht, datz er im vorigen Jabre Kenntnis von der ganzen Sachlage gehabt hat, wie jetzt; autzeroem ist im vorigen Jahre dieser Punkt nur nebenbei gestreift worden. Die Herren Regierungsrat Gutmann und Staatsrat Budde stehen so turmhoch da, datz sie durch solche Angriffe nicht getroffen werden können. Haben denn nur die An- geklagten ein Recht darauf, als anständige und tteue Männer an- gesehen zu werden? Haben nicht die Zeugen mindestens dasselbe Recht? Ganz falsch ist die Unterstellung, datz ich die Herren Bohl und Hanel nur angeklagt habe, um ihr Zeugnis zu beseitigen. Ich habe es gethan, weil ich es im Interesse der Sache liegend hielt und weil ich niit dem Verfahren, welches die Herren Bohl und Haue! mit der Pommernbank geübt haben, endgültig abbrechen wollte. Was die Jmmobilien-Verkehrsbank betrifft, so sind die Aus- führtmgen des JusttzratS Dr, Sello unzutreffend. Thaffachen be- weisen, und Thaisache ist es, datz die Jmmobilien-Verkehrsbank die Zinsen nicht bezahlen kann und datz sie allein die Schuld daran trägt, daß die Pfandbries-Gläubiger ihre Zinsen nicht erhalten. Die Verteidigung sagt, die Jntmobilienbank sei doch das Lieblingskind der Angeklagten gewesen, das sie doch nicht absichtlich schädigen werden. Nun, dann sage ich: Dann waren diese Eltern Raben- e l t c r n! Die Bilanzverschleierung ist ja gegenüber den übrigen Punkten der Anklage untergeordneter Natur, ich lege aber doch großen Wert darauf, datz auch in diesen: Punkte eine Ver- urteilung erfolgen möge, denn die Bilanz einer Gesellschaft ist der Spiegel derselben, der klar und unverzerrt ihre innere Lage dem Publikum wiederspiegeln soll. Was die Strafzumessung betrifft, so braucht man bloß auf die großen Verluste hinzuweifen, die zahlreiche Personen erlitten haben. Die Angeklagten sind nicht die.Kinder ihrer Zeit" und sind nicht einem plötzlrchen Sturm unterlegen. Andre Hypothekenbanken haben doch diesen Sturm überdauert, weil ihre Grundlage solide war. Die Pommernbank aber war ein morsches Haus. das zusammenfiel, wenn man ernstlich daran rührte. Wenn sich jemand an stemdem Eigentum vergreist, so wird das Gericht in einer etwaigen Notlage des Angeklagten einen Milderungsgrund er- blicken. Davon ist hier doch gar keine Rede. Die Angeklagten be- zogen ein sehr schönes Gehalt und reichliche Tanttemen, sie hätten sich mit'diesen: ehrlichen Erwerbe begnügen können. Statt dessen haben sie sich auf unehrliche Weise bereichert und noch dazu zmn Schaden einer Bank, die ihrer Sorgfalt unterstellt war. Wer einen so groben Vertrauenöbruch begeht, handelt ehrlos und deshalb bitte ich, auch auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkelmen und das in Antrag gebrachte Strafmaß zu wählen. Wenn ein Kommis 1000 M. stiehlt, so erhält er eine Strafe von vielen Monaten, hier handelt es sich aber um viele Tausende«nd um einen enormen Schaden. Ich finde die beantragte Strafe eher zu niedrig, als zu hoch! Auch Staatsanwalt M u s i o I wendet sich gegen einige Aus- führungen der Verteidigung und erNärt, daß er von dem AnNage- teil, den er zu vertreten hatte, keinen Punkt zurücknehme. Hieran schließen sich ausführliche Repliken der Rechtsanwälte Justizrat Wronker, Leonh. Friedmann, Dr. Werthauer und Justizrat Dr. Sello, die noch eine ganze Reihe von Punkten herausgreifen uud die Hinfälligkeit der Behauptungen der Vertreter der Staatsanwaltschaft nochmals nachzuweisen suchen. Rechtsanwalt Leonh. Friedmann wendet sich speciell noch gegen die Bemerkungen des Staatsanwaltsrats Beeck in Sachen der Angaben des Geheimen Rats Budde über den Fall Mirbach. Der Verteidiger erklärt hierzu folgendes: Was der Staatsanwalt über den Fall Mirbach gesagt hat, giebt doch keine Aufklärung über das Vorgehen des Staatsrats Budde. Wenn sich dieser an den Staatsanwalt mit der Frage gewendet hat, ob er das sagen müsse, so ist eine solche Frage aus dem Munde eines juristisch gebildeten Herrn doch schon an sich auffallend. Ich weiß nicht, inwiefern das Verlangen des Angekl, Schultz nach Quittungen, d, h, nach Doku- menten, die bekunden sollten, was die Staatsanwaltschaft behauptete und von denen Herr Budde und der Staatsanwalt genau wußten, was sie bedeutete», zu den angeblichen„Enthüllungen" Anlaß geben könnte. Es waren aber weder für das Gericht noch für die Staats- antvaltschaft„Enthiillungen"; sie wußten die Dinge und Ivir müssen die Konsequenz ziehen, daß, wenn diese dem Gericht in ihren Grund- zügen bekannt gewesenen Thatsachen, die früher nicht in die Debatte gezogen wurden, weil die Sache sachlich zu unbedeutend war, von einem Manne, der sachverständig genug war, um diesen früheren Standpunkt zuerkennen, plötzlich in die Oeffentlichkeit hineingeworfen werden, dies nur geschehen sein kann, um den Angeklagten zu schaden. Vielleicht sollte das schwankende Gebäude der Anklage dadurch gestärkt werden, datz n:an Stimmung machte. Wenn jetzt angeknüpft wird an das Verlangen nach Quittungen, so ist das auch nur eine rein äußerliche Verbindung. Herr Budde hat die Sachen schon im vorigen Jahre gewußt. Ich habe gestern nur darlegen wollen, wie jemand, der solche Zlvecke verfolgen mutz tvie Herr Budde, nolens volens tendenziös werden m u tz. Wenn Staatsanwaltschaft und Verteidigung sich von jeder Subjekttvität nicht ganz frei machen können, so ist dies noch weniger bei solchen Zeugen der Fall, die als gewünschte und gewollte Mithelfer der Staatsanwaltschaft feit Jahren fungieren. Gegen ihre persönliche Ehrenhaftigkeit sollte natürlich kein Wort vor- gebracht werden, und da? ist auch nicht geschehen. Auf Beftagen des Vorsitzenden erklärt Angekl. Schultz: Ich kann nur ebenso wie im vorigen Jahre versichern, datz ich nach meiner besten Ueberzeugung im Geschäft stets nach bestem Wissen und Gewissen meine Schuldigkeit gethan habe. Angekl. Romeick: Auch ich habe stets meine volle Schuldigkeit gethan und bin bemüht gewesen, nur zu Gunsten der Bank thätig zu fein und ihr keinen Schaden zuzufügen. Vor meinem Gewisjen bin ich unschuldig. � Angekl. Bohl: Ich habe den AuSftchrungen der Verteidiger nichts hmzuzusetzen. Der Borsitzende schlietzt hierauf die Sitzung und beraumt die nächste Sitzung zur Urteilsverkündigung auf Freitag g Uhr an._ Lokales. Der warme Ofen. Der alte Goethe, der immerhin etwas vom seiner Kunst ver« stand, sagt irgendwo, daß Frühlingslieder sich am besten zur Winters- zeit am warmen Ofen dichten lassen. Wo eine solche Autorität rücksichtslos mit den Jahreszeiten umspringt, wird es am Ende auch uns entschuldigt werden, wenn wir so um den Siebenschläfertag herum die Märchendichtung vom warmen Ofen selbst auf ihren wahren Wert hin prüfe». Denn daß der warme Ofen wenigstens in unfern neuen Mietskasernen ein Märchen ist und zwar keines wegS ein anheimelndes, werden wir unter Seufzen und Fluchen jeden Herbst, den uns der Himmel beschert, von neuem gewahr. Wenn irgendwo, so ist hier das Sprichwort:„Außen hui, innen pfui I" an- gebracht. Aeutzerlich selbst in Wohnungen von zwei Zimmern ein Prunkstück, ist der Berliner Kachelofen von innen zumeist so be schaffen, daß er das drei- und Viersache dessen, was er bei ordent- licher Konstruktton gebrauchte, an Nahrung auffrißt, ohne datz er im stände wäre, daß Zimmer auch nur mätzig zu erlvärmen. Der Mieter ist ohnmächtig gegen die von den Baugaunern an ihm begangene Schröpfung, die um so skandalöser ist als um eines einmaligen, verhältnismäßig geringen Gewinnes willen, den der Baugauner durch Verwendung schlechten Materials einstreicht, jähr aus, jahrein, so lange der Schtvindelbau steht, das Geld zumeist arme Leute unnütz durch den Schornstein in die Lust fliegt. Ob von andrer Seite, nämlich von der organisierten Arbeiterschaft aus dieser ganz infame Betrug beseitigt werden kann? Eine Vertrauensmänner-Versammlung der hiesigen Filialen des T ö p f e r v e r b a n d e s hat sich vor einigen Tagen mit der O f e n f r a g e befaßt. Die Mängel der Kacheln nämlich erschweren auch dem Töpfer das Arbeiten ungemein; es ist nichts seltenes, daß die Gesellen die Arbeit wegen unbrauchbaren Materials aufgeben und einzelne Unternehmer haben daher, nur um die Arbeit nicht zu verlieren, sich zu einem Aufschlage von 1 M. SV Pf. auf die Accordpreise verstanden. Der Vorsitzende der Versammlung betonte zwar, daß Mängel des Kachelzeugs keine Veranlassung zu Bausperre:: geben dürften, doch könnte selbstverständlich dem einzelnen Kollegen kein Vorwurf daraus gemacht werden, wenn er aus dem erwähnten Grunde die Arbeit wechsele. Die Versammlung nahm schließlich folgende Resolutton an:' „In Berlin und der Umgegend verliert das für Oefen in Bettacht kommende Schmel�kachelzeug ständig an reeller Beschaffen- heit und Güte, so datz jeder Fachmann zugiebt, datz es zum Setzen von Oefen und Kochniaschinen völlig ungeeignet ist und in den: Falle, datz es doch verwendet wird, das Gewerbe des Ofensetzers beim Publikum in Verruf bringt. Das Schundkachelzeug hat für deu Ofensetzer den Nachteil, daß es sowohl das Werkzeug über Gebühr abnutzt, als auch den Arbeiter zu übermäßiger körperlicher Ansttengung zlvingt. Die Ver- trauensmänner-Bersammlung richtet daher an die Berliner Töpfer- und Ofensetzer-Zwangsinnung, die hier als Arbeitgeber-Organi- fatton in Bettacht kommt, die Aufforderung, namentlich aus die Veltener Fabrikanten dahingehend einzuwirken, daß sie hinfort aus ihren Fabriken Kachelzeug liesern, welches wenigstens den zun: Setzen notwend:gsten Anforderungen entspricht. Namentlich ist für gleich großes Format der Kacheln und Ecken, gleichmäßige Härte des Brandes, Festaufliegen der Glasur zc. zu sorgen. Sollte eine Aenderung nicht bald emtreten, so wird sich die nächste Versammlung der Vertrauensmänner mit der Frage be- fassen müssen, ob eS in: Interesse des Publikums im allgemeinen und des Ofensetzergcwerbes im besonderen nicht angebracht ist, daß die Töpfer nur auf' solchen Bauten arbeiten, lvo das gelieferte Kachelzeug die Herstellung von wirklich zweckentsprechenden Oefen gestattet." Die Einwohnerschaft Berlins müßte ohne Unterschied der Partei- richttmg und der socialen Stellung den Töpfern Dank dafür wissen, daß sie sich der Ofenstage mit der gekennzeichneten Entfchiedenheit annehmen, und wir glauben auch, daß sie der Unterstützung des Publikums sicher sein können, wenn es in dieser Frage im Gewerbe zum Kampfe konunen sollte. Das Vorgehen der Töpfer regt aber auch den Socialpolitiker zun: Nachdenken an. Die Ofeustage giebt einen Einblick in die wüste Wirtschaftsweise des Privatkapitalismus. Wer ist gemeingefährlicher, wer sttstet Volks- wirtschaftlich einen größeren Schaden an, der Dieb, der beim nächt- lichen Einbruch seine Freiheit risttert oder der Bauunternehmer, der strafstei um eines augenblicklichen geringen Vorteiles willen un- brauchbare Oefen setzen läßt? Die Erörterung dieser Frage läßt von neuen: erkennen, datz es nur zu oft eine dreiste Anmaßung ist. wenn der Unternehmer mir der Scharfmvcherphrase kommt, datz er Herr im Hause sein wolle. Dazu fehlt ihm namentlich im Bau- gewerbe vielfach schon die moralische Oualifikatton und eS liegt daher im volkswirtschaftlichen Juteresse, daß eine möglichst kräftige Arbeiterorganisation solchem des Verantwortungsgefühls baren Herrentum die Grenzen so enge wie nur möglich zieht und eS unter steter wachsamer Kontrolle hält. Diese Lehren giebt zur jetzigen Sommerszeit die Betrachtung des Märchens vom warmen Ofen. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 3. Juli, Ausflug des Wahl- Vereins mit Familie nach Schmargendorf, Restaurant Sanssouci. Der Vorstand._ Um den Kopf. DaS Reichsgericht hat gestern eine folgenschwere Entscheidung gefällt. Die Revision im Prozeß des Heilgehilfen W a l t h e r ist verworfen worden. Walther war, wie noch in lebhafter Er- inuerung ist, des Mordes seiner zweiten Frau beschuldigt worden und das Schwurgericht verurteilte.ihn nur aus Indizien hin am 28. April zum Tode. Weshalb wurde dies Urteil gefällt? Weil Walther mit gefärbtem Schnurrbart von Enmrerich nach Berlin gefahren war, weil er sich hier mit seiner Frau, deren Existenz seinen Lebenswandel nicht im mindesten störte, durch einen anonymen Brief ein Rendezvous verschafft hatte, weil er mit ihr an dem Orte, wo der Tod erfolgte, gesehen worden war, schließlich, weil er sich, einmal des Mordes beschuldigt, in das widerspruchvollste Netz von Ausflüchten verlvickelt hatte. Daß er sich im Zorne von ihr gettennt, daß sie darauf Selbstmord begangen haben könnte, datz er sich aus Angst vor den: Verdacht eines Mordes, verwirrt und eingeschüchtert, durch unwahre Behauptungen zu reinigen versuchte— nichts spricht gegen die Möglichkeit dieser Annahme, und desto mehr spricht für sie. Sie hat zum mindesten genau dieselbe Wahrscheinlichkeit für sich, wie die Annahme des Staatsanwalts und der Geschworenen, datz Walther aus unerweislichen Beweggründen einen unerweislichen Mord be- gangen hätte. Die ganze Anlage der Untersuchung und der Verhandlung, so schrieben wir am 3v. April in einer Betrachtung des Todesurteils, bietet ei» typisches Bild davon, wie Justizmorde zu stände konunen. Walthers erste Frau war plötzlich gestorben. Man hatte diese Thatsache nie bedenklich gefunden; jetzt, da man den Verdacht faßte, er könnte die zweite Frau ermordet haben, fand man den Tod der ersten verdächtig, und weil man den Tod der ersten verdächtig fand, mußte er auch die zweite ennordet haben. Die Voraussetzung soll die Folgerung stützen, und die Voraussetzung bestätigt sich nur dadurch, datz man die Folgerung hin richttg hält! Was wird nun geschehen? Wird der auf Indizien für schuldig be- fundene Mann einen Kopf kürzer gemacht werden? Soll dann der Gedanke an die Möglichkeit, daß ein Justizmord begangen sei, die Oeffentlichkeit auf lange Zeiten hinaus beunruhigen? An welchen Aus- weg ans dem Dilemma denken die an dem Urteilsspruch beteiligt gewesenen Personen? Etwa daran, die Begnadigung zu empfehlen, worauf der Verurteilte bis zu dem vielleicht nie herannahenden Tage, wo die Wahrheit über den Tob der Frau Walther ans Licht käme, im Zuchthause lebendig begraben würde? Sind unrichttge Angaben über das Einkommen in der Personen- standslifte strafbar? In der PersonenstaudSliste, deren Cirkulation und Ausfüllung der Veranlagung zur Steuer vorangeht, hatte der Eigentümer Nt. Angaben über seine Einkommensverhällnisse gemacht, wobei Unrichtigkeiten untergelaufen waren. M. wurde deshalb wegen Vergehens gegen das Einiommensteuer-Gesetz angeklagt. Das Kammergericht als RevisionSinstanz sprach ihn jedoch ste i, indem es von folgenden Erwägungen ausging: Wenn§ 60 des Einkommensteuer-Gesetzes mit Sttafe diejenigen bedrohe, die falsche Angaben über Steuerverhältnisse in „der Steuererklärung oder bei Beantworwng der von zuständiger Seite an sie gerichteten Fragen" machen, so würden damit falsche Angaben über Steuerverhältnisse in den„ Personen st ands- listen" nicht gettoffen. Der H 66 gelte nicht für das vor- bereitende Verfahren, wozu die Cirkulation der Personenstandslisten gehöre, sondern könne erst Anwendung finden mit dem Beginn des wirklichen Veranlagungsgeschäfts. Die Sttafbestimmungen des§ 68 des Gesetzes, die sich auf Verfehlungen gegen den§ 22 beziehen, sind ebenfalls nicht anwendbar. Dem:§ 22 verpflichte ja nur dazu, in den Personenstandslisten die in jedem Hause wohnenden Personen mit Namen, Berufs- oder Erwerbsart richtig anzugeben. Von der Angabe von Einkommensverhältnissen in den P e r s o n e n st a n d s l i jt e n sei im Gesetz überhaupt nicht die Rede. Somit könne mangels entsprechender gesetzlicher Borschriften nicht sttafrechtlich eingeschritten werden, wenn jemand i n der Personen standslifte falsche Angaben über seine Ein- kommensverhältnisse mache. Daran werde auch nichts durch die ministerielle Ausführungs-Anweisung zum Gesetz geändert. Danach sollen die Magistrate in den Personenstandslisten auch nach dem Einkommen stagen können, ohne daß eine Pflicht zur Beantworttmg dieser Frage vorliege. Diese Vorschrift falle indessen heraus aus dem Rahmen des Gesetzes und im übrigen habe die Ausführungs-Anweisung des Ministers keine Gesetzeskraft. Demnach könne man nicht, wie der Staatsauwalt. sagen, daß in der Personen- standslifte Angaben über Einkommensverhältnisse nicht gemacht zu werden brauchten, daß sie aber, wenn sie doch gemacht würden, bei Vermeidung der Bestrafung richtig sein müßten. Entgegen dieser Auffassung habe auf Freisprechung erkannt werden müssen. In der Sitzung der Stadwerordneten-Bersammlnng am Donnerstag stehen unter anderm folgende Gegenstände auf de* Tagesordnung: Akten betreffend die Wahl des Redakteurs Karl Leid, Wriezenerstr. 9, und des Dr. Leo A r o n s, Brücken- Allee 3, zu Stadtverordneten.— Berichterstattung über die Vorlage betreffend die unentgeltliche Abtretung des zum Bau des Teltow- Kanals erforderlichen städtischen Geländes in der Gemarkttng Treptow.— Desgleichen über die Petition betreffend die endgültige Regulierung der Greifswalde rstrahe zwischen Nordring und Neu- Wcitzenseer Grenze.— Desgleichen über die Vorlagen betreffend« v' die Festsetzung von Baufluchtlinien auf einem Teil des Geländes des Platzes dl in Wteilung X I des Bebauungsplanes,— die Erstattung der' dem Ratskellerpächter Falkenberg bei der Renovierung des Ratskellers für bauliche Veränderungen und Beschaffung von Mobilien entstandenen Kosten— und die Erwerbung eines Ge- meindeschulgrundstückes in der Bötzowsttatze.— Vorlagen betreffend: die Frequenz in den Gemeindeschulen am 1. Mai d. I..— die Annahme eines Legats zum Besten der Waiseuverwaltung,— eine bei Prüfung des Jahresabschlusses der Verwaltung des städtischen Ab- ladcweseiw für 1962 von der Vcrsammluna beschlossene Anfrage,— die tteberlassung des Festsaales im Rathause an den Berliner Verein für Ferixnkolonien,— bauliche Veränderungen auf dem Grundstücke der Irrenanstalt Dalldorf,— weitere bauliche Veränderungen im Filialhospital des Arbeitshauses,— die Einräumung des Rechtes an die Handelskammer und die Aeltestew der Kaufmannschaft zur Entsendung von je zwei Mitgliedern in das Kuratorium der jstidti«. schm höheren Webeschule,— die Errichtung einer Baracken- schule an der Kniprodestratze und die Erweiterung des jetzigen Trichinenschaugebäudes auf dem Schlachthofe,— die Verleihung eines Ehrenbürgerrcchts.— Auherdem findet am Beginn der Sitzung die Einführung und Verpflichtung des zum Stadtverordnete" gewählten Dr. Leo Arons, Brücken-Allee 3, statt. Tas Berkehrskommiffariat hat Anweisung erhalten, Droschken, die Abweichungen von den festgesetzten Maßen aufweisen, von der Einstellung in den öffentlichen Fuhrbetrieb auszuschließen. Ein Stadtbahndieb ist wiederum festgenommen worden. Kriminal- Leaniten fiel es auf, daß ein junger Mann, in dein später ein 21 Jahre alter Arbeitsbursche Paul H a s i n s k i iestgestellt wurde. den ganzen Abend von 9 Uhr an zwischen den Bahnhöfen Friedrich straße und Stralau-Rummelsburg hin- und herfuhr. Der Bursche stieg so oft als möglich in Abteile ein, in denen ein einzelner Fahr- gast saß. Er hatte augenscheinlich die Absicht, Schlafende zu be- stehlen, kam aber nicht dazu, weil er sie jedeSnial durch sein Eintreten Iveckte. Kurz vor 1 Uhr kam er wieder auf der Station Friedrich- straße an. Er hatte sich zu einem Gürtler Gustav H. aus der Bernauerstraße gesellt, der von auswärts von der Arbeit kam und eingeschlafen war. Als die Beamten Hafinski eilig ans dem Wagen springen sahen, weckten sie H. und fragten ihn, ob ihm etwas fehle. Der Gürtler griff in seine Taschen und entdeckte mit Schrecken, daß ihm sein Portemonnaie abhanden gekommen war. Es hatte 50 M. 7 Pf. enthalten. Der Gürtler hatte sich die Münzen gemerkt, es war auch ein Zwanzigmarkstnck darunter. Nach dieser Feststellung nahmen die Beamten den Hafinski, den einer von ihnen im Auge behalten hatte, beim Kragen. Er stand hinter dem Dienstraum und zählte gerade seine Beute durch. Der junge Mann gab zwar zu, daß er die Absicht gehabt habe, Reisende zu fleddern, bestritt aber, dem Gürtler das Portemonnaie entwendet zu haben. Man fand bei ihm auch nicht 60, sondern nur 30 Mark, aber gerade auch 7 Pfennige. Das Zwanzigmarkstück fehlte. Wahrscheinlich hat er es nicht gesehen und mit dem Portemonnaie weggeworfen, vielleicht auch einem Helfers Helfer zugesteckt. Die Krinn'nalpolizei sperrte den jungen Mann trotz seines Leugneus ein und beschlagnahmte das Geld, um es dem Gürtler wieder zuzustellen. Eine bedeutende Verkehrsstockung ist durch das Siijfen eines Stcinkahnes mitten in der Durchfahrt der Schmöckwitzer Brücke ein- getreten. Der schlechte Zustand dieser Brücke sowie die enge, sehr gefährliche Durchfahrt haben an dieser Stelle schon manchen Unfall hervorgerufen. Das volle Sinken des Fahrzeuges trifft diesmal die Berliner Bauwelt sehr empfindlich, da die gesamten Rohmaterialien Sand und Mörtel, diese Brücke passieren müssen. So mancher Bau Ivird durch diesen Unfall zum Stillstand kommen. Vielleicht werden die Strombehörden nun endlich daran gehen, die Schmöckwitzer Brücke durch eine neue mit mehreren Durchfahrten zu ersetzen. Der FideS-Mann. Der frühere Journalist, spätere Inhaber des Privatdetektivinstituts Fides, Max W i e u e ck e, der sich unter den« Verdacht des Betruges und andrer Strafthaten seit längerer Zeit in Untersuchungshaft befand, ist nunmehr auf Antrag seines Ver- teidigers, Rechtsanwalts Dr. Davidsohn, gegen Stellung einer Kaution von 5000 M. aus der Haft entlassen worden. . Steckbrieflich verfolgt wird vom Landgericht I der 31jährige Fuhrwerksbesitzer Fritz T h i e n aus der Bergstr. 46. Er war in seinem Berufe noch Anfänger und hatte über 30 Pferde stehen. Etwa bor einem Jahre verheiratete er sich mit der Tochter eines kleinen Gutsbesitzers in Köslin, die ihm ein größeres Vermögen mit in die Ehe brachte. Er war aber ein ständiger Besucher von Lokalen mit Damenbedienung und führte auch sonst ein sehr ausschweifendes Leben. Die Pferde hatte er zum größten Teil von ein und demselben Pferdehändler auf Kredit entnommen. Sofort verkaufte er aber einen Teil derselben wieder und überließ schließlich den Rest der Tiere einem andren Pferdehändler gegen Barzahlung. Jetzt bekam nun der Hauptgläubiger von dieser Schiebung Wind und drang auf sofortige Bezahlung. Da aber Thie» hierzu keine Lust verspürte, so verduftete er heimlich und ließ seine Frau in bedrängter Lage zurück. Wohin er seine Schritte gelenkt hat, ist noch nicht bekannt. Erkenntlichkeit. Eine angenehme Ueberraschung wurde dieser Tage einem hiesigen Rechtsanwälte zu teil. In der Sprechstunde des Rechtsanwalts Dr. H. erschien eine feingekleidete Dame, welche ihn zu sprechen wünschte. Auf ihre Frage, ob er sie kenne, mußte der Gefragte eine verneinende Antwort geben. Erst als seinen» Ge- dächtnis seitens der Dame etwas nachgeholfen wurde, erinnerte er sich an die arme Witwe eines Kauftnanns, welche er vor zehn Jahren als junger Anwalt in einem Civilprozeß mit Erfolg vertreten hatte, aber ohne von der damals mittellosen Frau Honorar erhalten zu haben. Die Besucherin erzählte ihm, daß sie inzwischen in Wien einen vermögenden, hochstehenden Beamten geheiratet habe und nun zum zweitenmal Witwe geworden sei. Nach dem Weg- gange der Dame sah der Rechtsanwalt auf dem Tische ein Couvert liegen. Er öffnete es und fand darin einen Tausendmarkschein nebst einem Zettel, auf den, geschrieben stand:«Zur gefälligen Verfügung von einer dankbaren Klientin." Wegen Betrugsversuchrs ist der Acgiüsiteiir Otto Abel, am 12. August 1863 in Soest geboren, festgenommen worden. Er hatte sich einem Studenten in dessen Wohnung als Dr. Bürde vorgestellt und ihm unter Vorspielnug angeblicher Familienbeziehungen um ein Darlehn gebeten, welches ihm der mißtrauisch gewordene Student aber nicht gewährte, sondern die Festnahme des Schwindlers ver- anlaßte. Abel ist wegen gleicher Betrügereien vorbestraft und hatte ein Verzeichnis der Studierenden hiesiger Universität und ein Nottz- buch mit Adressen bei sich. Da anzunehmen ist, daß Abel den gleichen Schwindel in jüngster Zeit auch anderweitig verübt oder versucht hat, so werden Geschädigte, die Anzeige noch nicht erstattet haben, ersucht, dies noch bei der hiesigen Kriminalpolizei oder einein Polizeirevier zu thun. Abel ist mittelgroß, hat starken, blonden Schnurrbart, trägt mitunter einen Zwicker und fällt durch die Röte seiner anscheinend erfrorenen Nase auf. Die Retttmgsgcscllschaft der Wassersporwereinr hat an der Signal-Fahuenstange ihrer Rettungsstation am Müggelsee ein Warnungssignal angebracht. Bei dem zu Zeiten am letzten Sonntag sehr stürmisch einsetzenden Wetter hatte dieses Signal den guten.Erfolg, daß mehrfach dadurch Boote von der lieberfahrt über die Müggel abgehalten wurden. Der Rettungsdampfer fuhr mehr- fach hinaus, um gefährdete Boote zu geleiten. Bo» einem Bicrwagen überfahren wurde gestern in der neunten Abendstunde der Maurermeister Gräfe! ans Köpenick, als er mit dem Zweirade in der Nähe von Nieder-Schöneweide auf der Ehaussee sichr. Der Verunglückte wurde schwer verletzt nach seiner Wohnung gebracht und starb dort in der Nacht um 1 Uhr. Geborgen wurden gestern von dem Stronimeister Schultz aus Erkner die Leichen der Bäckergesellen.Paul B a u nr g a r t und Richard S a w a tz k i, die vor acht Tagen mit dem Bäckerverband einen Dampferausflug nach Hessenwinkel machten und in den Dämeritzsee fielen, als sie bei einer Bootsfahrt die Plätze ivechseln wollten. Die Leichen wurden einstweilen am Ufer gebettet, bis die Schaukommission sie besichtigt hat. Baumgart, ein junger Mann von 20 Jahren, war ein ausgezeichneter Schwimmer; Sawatzki war 22 Jahre alt und hat in Berlin keine Angehörigen. Straßensperrung. Die Königin Angustastraße von 53a bis 40 wird behufs Legung eines Gasrohres vom 1. k, Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerbericht. Nur wenig Alarmierungen hatte die Wehr in -den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Tienstagmittag wurde sie per Telephon nach dem Hausvogteiplatz 6/7 gerufen. Es hat sich hier aber anscheinend jemand nur einen Spaß machen wolle», denn trotz- dem das ganze Haus sorgfältig abgesucht wurde, konnte doch keinerlei Fcuersgefahr entdeckt werden, weshalb die Löschzüge unverrichteter Sache wieder abrücken muhten. Ein derartiger Spaß kann aber sehr unangenehme Folgen haben, wenn nian in Erlvägung zieht, daß es doch kurzweg eine böswillige Alarmierung der Feuerwehr ist, auf die die Gerichte jetzt sehr strenge Strafen verhängen.— In der Nacht zum Dienstag gab es längere Zeit in der Prinz Eugenstraße 8 zu thun. Hier war gegen 3 Uhr in einer Küche ein Brand entstanden, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Nur sehr schwer konnte die Wehr an den Brandherd gelangen. Es mußte ein großer Teil des Zwischengkbälks freigelegt werden, was sehr zeit- raubend war.— Später standen in der Barnimstr. 46 Möbel, Decken und Kleidungsstücke in einer Wohnung in Flammen, die indes bald erstickt werden konnten.— In der Malplaqnetstr. 11 mußte nachmittags in einem Keller ein Feuer abgelöscht werden, das allerlei Gcrümpcl und auch bereits die Decke zum Erdgeschoß erfaßt hatte. Die Gefahr konnte zwar bald beseitigt werden, doch ergab die nähere Untersuchung des Brandherdes, daß hier Brandstiftung vorliegt. Der sofort benachrichtigten Polizei ist es aber bis jetzt leider noch nicht gelungen, den oder die Thäter zu ermitteln.— Die übrigen Alarmierungen, die dann noch ganz vereinzelt einliefen, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen. flU9 den Nachbarorten. Aus der Schöneberger Stadtverordneten- Vcrsammlnng. In der letzten Sitzung vor den Ferien erfolgte zunächst die Einführung des im S. Bezirk gewählten Stadtv. Dr. Freund. Daß seit der Wahl des genannten Herrn bis zur Einführung erst 12 Tage verflossen sind, dürfte wohl nur Zufall sein, u n s r e Vertreter mußten sich be deutend länger gedulden. Der Antrag K ü t e r und Genossen betreffend den S o m m e r- urlaub der in st ädtischen Betrieben beschäftigten Personen kam, wie es bei der Zusammensetzung der Versamm- lung nicht anders zu erwarten war. kaum zur Debatte— schon nach 25 Minuten stellte sich der bekannte Schlnßantrag ein. Genosse O b st ging auf die Entstehung der gestellten Forderungen näher ein, er wies darauf hin, daß bereits eine Reihe Nachbargemeinden in dieser Weise für ihre Angestellten eingetreten sind daß aber auch in Privatbetrieben sich solche Einrichttmgen eingebürgert haben. Einzig dastehen dürfte es, daß eine Gemeinde wie Schöneberg ihren Arbeitern eine Wohlthat in der vorgelegten Form zu teil lassen werden wolle; jedenfalls würden die davon Betroffenen sehr enttäuscht sein. Was sollten die Arbeiter mit einem Urlaub voil zwei Tagen anfangen? Von einem Sommerurlaub, der den Betreffenden eine, wenn auch nur geringe Erholung bringe, könne wohl keine Rede sein, dafür aber würden sich die städtischen Körperschaften, die die kommunale Füv sorge auf diese WeiseD bethättgen und für die Arbeiter glauben genug gethan zu haben, bei allen rechtlich denkenden Leuten lächerlich machen. Wenn auch der zu fassende Beschluß nur ein provisorischer, für spätere Jahre nicht verbindlicher sei, so hindere doch nichts die Stadtverordneten-Versammlung, über die Magistratsvorlage hinaus zu gehen. O b st beantragt folgende Fassung: Für drei bis fünf Jahre Dienstzeit fünf Tage, für fünf bis zehn Jahre eine Woche und über zehn Jahre zehn Tage Urlaub zu gewähren. Die Entgegnungen sowohl des Referenten Stadtv. HeSjt wie des Oberbürgermeisters Wilde zeigten denn auch eine solche Fülle von„Wohlwollen", daß selbst den davon betroffenen Arbeitern bange werden könnte. Daß Herr Wilde kurzerhand behaupten konnte, im Magistrat wäre bisher an einen solchen Urlaub nicht gedacht worden, es hätte ihn» auch kein Material zur Verfügung gestanden, kenn- zeichnet mehr wie alles andre seinen.wohlwollenden" Standpunkt. Dem Stadtv. Lohausen ging denn auch die Magistrats- Vorlage nicht weit genug, er beantragte: von drei bis fünf Jahren Dienstzeit drei Tage, von fünf bis zehn Jahren fünf Tage, über zehn Jahre eine Woche Urlaub zu gewähren. Die Debatte hatte indessen den.wohlwollenden" Stadt- Vätern schon zu lange gedauert, ein Schlußantrag verhinderte unsre Vertreter an weiteren Ausführungen, und uiifer Antrag wurde sodann gegen unsre fünf und zwei bürgerliche Stimmen(Zobel und Gottheinerj abgelehnt, ebenso der Antrag Lohausen mit 16 gegen 14 Stimmen, worauf die Magistratsvorlage angenommen wurde. Die Kosten für die zu stellenden Vertrettmgen sind auf nur 846 Mark veranschlagt. Und dann sprechen die Herren von einem großartigen Geschenk für.ihre" Arbeiter. Hoffentlich wird die nächste Etatsberatung etwas Besseres zuwege bringen. Ncii-Wcißensee. Aus Aulaß der Benennung einer Ortsstraße mit dem Rainen„Lehderstraße" hat der Kaufmann Karl Marschner am 1. September 1891 eine Summe von 1000 M. dem Gemeindevorsteher zu irgend einem Zweck zur Verfügung gestellt, Da nun die auf dem Mirbachplatze errichtete Kirche mit Anlagen umgeben werden soll, die Gemeinde aber über keine Mittel verfügt, so soll die genannte Summe hierzu verwendet werden. Diese Angelegenheit gab dem socialdemokratischen Gemeindeverordneten Frenz Ver- anlassung, den Gemeindevorsteher in der letzte» Gcmeindevertreter- Sitzung zu fragen, ob er noch weitere solche„Legate" hinter sich habe, da der Gemeindevertretung doch jede Kontrolle hierüber fehle. Die Antwort lautete:„Ja gewiß ist das der Fall, die Kontrolle tcht Ihnen nicht zu, am allerwenigsten Ihnen, Herr Frenz, gebe ch darüber Auskunft!"— Es wird sich herausstellen, ob sich dieser ielbstherrliche Standpunkt rechtfertigen läßt.— Aus Anlaß des von unser» Genossen bei der Etatsberatung gestellten AntrageÄ, Er- kuudigungen einzuziehen, ob es angängig sei. die unbebauten Grund- stücke höher zu besteuern, ist vom Landrat der Bescheid eingegangen. daß dies nicht zulässig sei. Im Streite erschossen. Gestern vormittag wurde in R h i n o w (Osthavelland) der 2öjährige Schnitter Baumgart, der auf einer Wiese des benachbarten Gutes Schönholz beschäftigt war, von dem Vorschnitter des Nachbargutcs Stölln erschossen. Er war mit einem Schnitter des Nachbargutes in Streit geraten und erhielt von seinem Gegner einen Faustschlag ins Gesicht. Bevor der An- gegriffene sich noch zu verteidigen vermochte, drang der Stöllner Vorschnitter auf ihn ein, zog einen Revolver hervor und feuerte aus unmittelbarer Nähe einen Schuß auf den Kopf des Baumgart ab. Die Kugel drang dem unglücklichen jungen Mann in die Stirn und führte seinen augenblicklichen Tod herbei. Ter Mörder flüchtete nach seiner Wohnung und schloß sich dort ein. Er drohte, jeden sich Nähernden erschießen zu wollen, so daß niemand es wagte, ihn fest- zunehmen. Das Haus wurde von Landarbeitern umstellt, um dem Thäter die Flucht unmöglich zu machen; sodann wurde der Gendarm in Rhinow herbeigeholt, der den Revolverhelden verhaftete. Vermischtes. Zwei ferne Erdbeben sind Sonntag von den Erdbebenmeffern der geophysikalischen Anstalt zu Göttingen aufgezeichnet worden. Das eine begann nach dem„Hann. Cour." Sonntagnachmittag kurz vor 4 llhr, das zweite kurz nach 10 Uhr. Der Herd war etwa 8500 Kilometer entfernt; die Richtung ist sehr wahrscheinlich ziemlich genau im Nordwesten zu suchen. Es handelt sich danach wohl um ein unterseeisches Beben im Großen O c e a n, in der Bucht süd- lich von Lllaska und östlich von Kanada, wo eines jener Gebiete liegt, von denen alljährlich heftige Erderschütterungen aus�esandt werden. Vielleicht sind die Erschütterungen der See auf Schiffen gespürt worden, wie das häufig vorkommt. Der so gegebenen Orts- bestimmung darf man freilich nicht zuviel Vertrauen schenke», denn die Erdbebenkunde ist noch jung. Es wäre immerhin möglich, daß bewohnte Gebiete des Festlandes in Mitleidenschaft gezogen worden sind; darüber werden künftige Nachrichten abgewartet werden müssen. Durch beide Erdbeben wurde die Erde auf Stunden in Erschütte- rungen versetzt. Bei dem zweiten, etwas größeren Beben bewegte sich der Erdboden in Göttingen etwa zwei Millimeter hin und her, allerdings so langsam, daß man es unmittelbar nicht fühlen konnte. Die Optische Werkstätte von Karl Zeiss konnte dieser Tage, wie uns berichtet wird, einen rühmlichen Erfolg ihrer Arbeit in der Bollendung des zehntausendsten Exemplares des Mikroskopobjektivs homog. Jminers. V,?" konstatieren. Es ist dies ein Objektiv von er- höhter Wirksamkeit, das die Möglichkeit bietet, die feinsten Struktur« des Beobachtungsgegenstandes wahrzunehmen. Ein freundlicher Zufall fügte es, daß auch gerade 25 Jahre verfloffen sind, seit Prof. Abbe seine ersten Äliitteilungen über das von ihm auf Anregung des Engländers Stephenson ausgearbeiretc System der Homogenen Immersion in der Jenaischen Gesellschaft für Medizin und Natur- Wissenschaft einem größeren Kreise bekannt gab, die dann kurz nachher in den Sitzungsberichten der Gesellschaft erschienen. Da dieses Objektiv übrigens dasjenige war, mit dem Robert Koch einst seine bahnbrechenden Untersuchungen anstellte, die er zuerst als„Unter- suchungen über die Aetiologic der Wundinfektionskrankheiten" ver- öffentlichte und die die antiseptische Methode in der Chirurgie be- deutend förderten, hat ihm die Firma Karl Zeiß in dankbarer Er- innerung an die vielfache indirekte Förderung, welche sie von seinen Forschungen empfangen, dies 10 900. Stück als Andenken überreichen lassen. Die Werkstätte beging diesen Gedenktag durch eine einfache Feier im Kreise der älteren Optiker, die noch unmittelbar an der Fruhzeit des Werkes beteiligt waren. Zu dem vermeintlichen Schiller-Fnnd schreibt Prof. Dr. Suphan, der Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar, an die „Weimar. Zeitung":„Nicht ernst zu nehmen I das war der Eindruck. den die Kunde, in einem thüringischen Fremdenbuche sei ein un- bekanntes Gedicht Schillers entdeckt worden, bei mir hervorrief; denn dieser Nachricht waren die ersten vier Zeilen der„Charade; Zwey Shlben" usw. und die Mitteilung beigegeben, daß sie ungefähr dreißig Zeilen lang, und beides genügte, die schwersten Zweifel zu erregen, die ich denn auch dem glücklichen Finder in umgehend erteilter Antwort vorgehalten habe. Nun ist bedauerlicherweise dtnnoch dieser fragwürdigste aller Schiller-Funde in der Wartburg- Korrespondenz vom 20. Juni bekanntgegeben worden, noch dazu ein „Weiteres über..." am 21., und das Gedicht hat die Runde bereits durch viele Zeitungen gemacht und hoffentlich bei vielen, die aus Turandot Schillers Rätseldichtung kennen, das gebührende Kopf- schütteln erregt und die Frage: Wer war nur im stände, ein solches Machwerk Schiller in die Schuhe zu schieben? Indem ich diese Zeilen niederschreibe, wird mir die Sendung zugereicht, die ich, um alles „Weitere" abzuschneiden, für das Goethe- und Schiller-Archiv von Herrn Schloßhauptmann Lucas v. Cranach, dem Kommandanten der Wartburg, gestern erbeten hatte, das„Wartburger Stammbuch, Zeit- räum vom Juny 1303 bis April 1810". Auf dem vorletzten Blatte das corpus delicti, die ominöse Charade. Kein Zug von Schillers Hand in der Schrift! Und die Unterschrift? Schuber— Schüler— jedenfalls nicht Schiller. Vor dem langen gereimten Eintrag: „Ludwig Martin Bertels aus Neudietendorf, den?ten Märtz 1810." Unter dem Namen des zu kurzer Berühmtheit gelangten Charaden- poeten:„G. Henzen aus Bremen, den 23. Märtz 1310 mit Freund Berner aus dem halben Mond." Damit sind die Akten über den Fall geschlossen. 23. Juni 1904. B. Suphan." Ein schweres Unglück, dem zahlreiche Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich auf den Bogwalk-EIektricitätswerken zu Kingston(Jamaika). 67 Arbeiter waren damit beschäftigt, ein großes Wasscrzuführungsrohr von innen zu reinigen, als plötzlich durch ein Versehen das Wasser angedreht wurde, sich mit voller Kraft durch das mächtige Rohr ergoß und alle darin beschäfttgten Arbeiter in den Fluß schwemmte, wobei 34 ertranken. 20 Arbeiterinnen umgekommen. Wie aus Philadelphia ge- meldet wird, ereignete sich Montag in einer dortigen Feuerwerks- fabrik eine Explosion, die eine Feuersbrunst zur Folge hatte. Dabei kamen viele in der Fabrik beschäftigte Personen ums Leben. Von 22 Arbeiterinnen werden 20 vermißt. Auch Feuerwehrleute erlitten Verletzungen._ Briefharten der Redahtion. 3. B. 100. In Nr. 42 vom 19. Februar. I K. K. 100. 1. Deponieren Sie das Geld bei der Deusschen Bank. 2. Die Reichsbank steht unter staatlicher Verwaltung.— U. Z. Nein. — Willy Gr. Absatzstellen uns nicht bekannt. Ao steckt Ihre Zeitungs- Quittung?— 555. Ja.— Dachdecker. Fragen Sie nach bei der General- kommisfion der Gewerkschaften, Engel-User 15, in Berlin.— Vriillnen- straste. Korrekt: Unannehmlichkeit.— 543. Nein.— Rixdorf 50. 1. 1824. 2. Nein.— O. P. 50. Wir kennen(xine Behörde, durch die man dazu die„Große" aussordem oder zwingen könnte.— H. P. Arzt konsultieren.— M. W. 24. Wir haben kein Urteil über die Art der Anwendung.— B g.(Ostern.) 2. April 1893.— 870. Ja.— Streitende. Spielstagen beantworten wir grundsätzlich nicht.— H. L. 99. 1. W. H., Rathenowerstr. 1. 2. K. L., Kaiser Wilhelms». 46. Beide gegen 5 Uhr zu sprechen.— Köiligsbcrg. Für Berlin wenden Sie sich an Herrn Oskar Koselowski, Schlicmannstr. 19. Für Wien an Victor Adler, Mariahilser- straße 89, Redaktion der„Arbciter-Zcitung".— M. F. 42. Uns' nicht näher bekannt; jedenfalls überlegen Sie sich den Eintritt sehr sorgsältig.— W. L. 05. Leider können wir jetzt Ihrem Wunsche nicht mehr entsprechen. — Hänscheu 115.(Schwimmerbund.) Das erfahren Sie durch die Adresse: F. Menschel, Neu-Wcißensce, Langhansstr. 113.— B. P. 1. Rein. 2. u. 3. Ja.j Fimftikcber Oeil. Die juriftischc Eprechftundc findet täglich mit ZliiSnahme des Sonnabends bau?>/, bis Oy, Uhr abends statt. Geöffnet! 7 Nbr. W. W. 1. Zum Erlaß der Steuer ist die Deputation nicht verpflichtet. Das Gesuch können Sie wiederholen. Die Vollstreckung ersolgt ohne Rück« sicht aus das Gesuch.— Alter Abonnent. Ja: der schlechte Gang eines Geschäfts berechttgt den Mieter kemcswegs, einseitig vom Vertrag zurück- zutreten, es ist Zustimmung des Wirts erforderlich.— A. 9t. 1889. Nein. — F. K. 38. Um die Alters rente zu erhalten, müßte Ihr Manu ins- gesamt 689 Marken, also noch 156 Marken kleben. Ist er erwerbsunfähig, so kann er die Invaliden rente erhalten. Um diese zu erhalten, müssen insgesamt nur 299 Marken geklebt sein. Die gellebten Marken reichen also aus.— H. 3. 5. 1. Die Betreffenden sind Russen, können sich naturalisieren lassen und können„als lästige Ausländer" ohne Grund ausgclviesen werden. 2. Zur Heirat ist die Bescheinigung, daß nach russischem Recht kein Hindernis vorliegt, erforderlich. Der Erzeuger hat ohne Rücksicht aus etwaige Pflichten der Krankenkasse für die Entbindungskosten usw. einzustellen.— Röhl. Die von dem Vorsteher Ihnen erteilte Antwort entspricht der Rechtslage. — Hugo 14. Unter Darlegung Ihres Unfalles haben Sie schleunigst An- »ag aus Unsallrente zu stellen.— Nt». 7. 1. Falls Ihr Mietsoerttag nichts Gegenteiliges besagt: nein. 2. Nein.— A. 10. Nach zutreffender Ansicht nein, die Praxis ist oft entgegengesetzt. Konsultieren Sie einen Arzt. — Nen-Weiffenfee 100. Die Behörde, die die Uebersührung veranlaßt hat. muß die Zustimmung zur Entlassung geben.— A. W. Konststottal-, Militär und Baukasse.— P. 3. Ch. Die Klage hätte Aussicht auf Er- folg; zuständig ist das Amtsgencht.— C. X. 50. Ein Anspruch aus Unsallrente besteht nicht. Ein Anspruch aus Invalidenrente steht dem Mädchen zu, wenn sie invalide(>/, erwerbsfähig) ist. Der Antrag ist an den Magisttat oder an den Landrat zu richten, je nachdem, ob das Mädchen in einer Stadt oder aus dem Lande wohnt. - F. G. 32.'------"-----— M— mit Jedoch kann sie Unterhalt außer dem Hause nur verlangen, wenn sie mit Ihrem Willen außerhalb lebt. Die langjährige Trennung ist kein Scheidunas» grund, sondern kann nur einen Grund zur Klage aus Wiederherstellung des ehelichen Lebens abgeben. Selbstverständlich können Sie aber aus etwa vor» handenen andren Gründen(z. B. Ehebruch) die Scheidung begehren. — Anna 32. Die Unfallrente bleibt Ihnen auch, nachdem Sie geheiratet haben. Die Unsallrente wird Ihnen gezahlt, weil Sie einen Unfall erlitten hatten, der Ihre Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt. Da die Heirat nur Liebes» wunden heilen und die Erwerbssähigkett nicht erhöhen kann, so liegt kein Grund vor, Ihre„gesicherte Stellung" als Renttere durch die Heirat er» schüttern zu lassen— C. P» Grunewaldstraste. Der Chef ist zum Lohn- abzug nicht berechtigt.— G. H., Wichertstraste. Ihre Anfrage läßt nicht erkennen, wer Ihnen die Besuche vorgeschrieben hat. Gegen jeden Bescheid können Sie Berufung einlegen und können auch Erhöhung der Unfallrente beantragen, wenn die Berussgenojscnschajt häufigere Untersuchung verlangt. — H. B. 27. Ist Ihre Brant nolljährig, so kann sie den Rest der ihr versprochenen Provision beim Amtsgericht einklagen.— Ossowskt. Der Wirt kann gegen Herabsetzung aus die Polizeistunde das Vcrwaltungs» streitversahren cinschlagen. Es hat dies Versahren Erfolg, wenn das Ober- Verwaltungsgericht zu der Uebcrzcugung gelangt, daß ohne zureichende Gründe aus Willkür oder aus parteipolitische», Gründen u. dgl. die Herab» sctzung stattgefunden hat.— C. B. Lette. Eine iunge Shestau kann inner- halb eines Jahres nach der Heirat Erstattung der Klcbemarkcnhälst» ver- langen, wenn für sie vor der yeirat mindestens 299 Marken geklebt waren. Der Antrag geht in Berlin an den Magistrat. Brcitestt. 24a. Arbeiten Sie nach der Hochzeit»och weiter oder kleben Sie weiter, so erwächst Ihnen unter Umständen ein Anspruch aus Rente oder die Möglichkeit aus Ausnahme in eine Heilanstalt. Dieser Anspruch ist in der Regel wertvoflcr als die paar Pfennige, die Ihnen zurückerstattet werden._ Perantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Bortvärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,