N». iss. flbonnementS'BcdlnguB9«B; Ubonnemeilti- Preis pränuinerand«! »ierteljührl.».so 3X1., monetl. 1,16 SRI« wüchmlüch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Siummer 5 Pfg, Sonntags- numiner nnt illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat: Eingetragen in die Post> ZeillmgS. Preisliste. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungar« 1 Mark, für das übrige Ausland 2 Marl pro Monat. 21. Jahrg. CHtkelnt lüg i ich tußtr iBontagi. Vevlinev VolktSblslk. Die Iflfertlons'GebQDr betrligi für die sechsgespaliene Kolonel- geile oder deren Raum 10 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche BereinS- und Bersammlungs-Anzeigen 25 Pfg. „KUine Hnreigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben «erden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geüsfnet, Telegramm-Adresse: „SetiahKntknt Rerlln". Zentralorgan der fcztaldemokrattfcben Partei Dcutfcblanda. Redaktion: 800. 68. Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 5. Juli 1904. 6*ped{t{on: 8 Cd. 68» Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die dreiklassigen Menschen. Der preußische Landtag ist bis zum 18. Oktober vertagt. Der erste Abschnitt der ersten Session einer neuen Legislaturperiode ist beendet, und die.Volksvertreter" können in aller Ruhe Inventur aufnehmen und nachrechnen, was ihnen ihre„Arbeit" eingebracht hat. Das Bild der verflossenen Session ist genau das gleiche, das der Landtag seit Jahrzehnten gezeigt hat. ll>!it endlosen Reden wird die kostbare Zeit tot- geschlagen, praktische Arbeit wird so gut wie nicht geleistet, in edlem Wetteifer buhlen die bürgerlichen Parteien um die Gunst eines hohen Ministeriums, jede sucht der andren den Rang abzulaufen und ihre Anhänger für etwaige vakant werdende hohe Regierung?- stellen in empfehlende Erinnerung zu bringen, das eigentliche Volk aber, die Arbeiterklasse, wird fort und fort von der Tribüne des Parlaments herab beschimpft und verdächtigt. Die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses hat sich im großen und ganzen nicht geändert. Dank der Kurzsichtig- keit des liberalen Bürgertums ist kein Vertreter des klassenbewußten Proletariats in den Landtag ein- gezogen, die Bourgeoisie ist hübsch unter sich geblieben. Die Regierung ist sich für jede reaktionäre Vorlage, für jedes Attentat auf die winzigen Rechte und Freiheiten des Volkes von vornherein einer Mehrheit sicher, sie verfügt auf der einen Seite über eine konservotiv-klerikale, auf der andern über eine konservativ-national- liberale, ja in den meisten Fällen sogar über eine konservativ- klerikal-nationalliberal« Mehrheit. Zu ernsten Kämpfen mit aus- schlaggebenden Parteien ist eS in dieser Session nur zwei mal gekommen. mit dem Centrum anläßlich des Aus» nahnie-Gesetzes gegen die Polen, und mit den Nationalliberalrn bei Gelegenheit der Debatten über die Aufhebung des ßL des Jesuitengesetzes. Das Centrum hat sich angesichts des Kampfe», den die Regierung den Polen auf» gezwungen hat, angesichts deS Verfassungsbruches und der Reichs- recht-Verletzungen wieder für einen Augenblick auf seine Vergangenheit besonnen, es hat der Regierung bittere Wahrheiten gesagt und nach außen wenigstens den Schein erweckt, als ob es für Wahrheit und Recht känipfe. Freilich war der Kampf, den es führte, weniger ein Kampf für die Wahrung der Rechte unsrer polnischen Mitbürger, als ein Kampf um die eignen Interessen des Centrums; es fürchtet, daß eS nicht aus eine Germanisierung. sondern auf eine Protestanti- sierung der polnischen Landesteile abgesehen ist. Roch weit geringer ist die Auflehnung der Rationalliberalen gegen die Regierung an- läßlich der Aufhebung de»§ 2 deS Jesuitengesetzes zu be- werten. In den alte» Kulturkämpfern erwachte urplötzlich die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit, sie fürchteten, die Re- gierung sei auf dem Weg nach Canossa begriffen, und nebenbei sahen sie voller Neid, daß das Centrum für seinen Zollwucher- verrat eine Belohnung erhielt, während sie selbst, die sie sich doch in deniselben Maße zu Mitschuldigen gemacht hatten, leer aus- gingen. Ist auch die Zusammensetzung deS Landtages dieselbe geblieben, so ist doch der Geist, wenn anders man von Geist mit Bezug auf dies Parlament überhaupt reden darf, noch reaktionärer ge- worden. Die Liberalen, die eins ihrer Ideale nach dem andern geopfert haben, glaubten in der letzten Session den Beweis dafür erbringen zu müssen, daß sie auch die Schule der Kirche auszuliefern mid dadurch die Grenzlinie zwischen sich und den Konservativen völlig zu verwischen bereit seien. So wird denn die Zeit nicht fern sein, wo auch über Schulfragen zwischen den bürgerlichen Parteien völlige Eintracht herrscht. Denn auf die kleine Schar von Freisinnigen, die im Land- tag«ine mehr al»' untergeordnete Rolle spielen, ist kein Verlaß, Eine Partei, die nicht einmal gegen eine so flagrante Gesetzes- Verletzung, wie es die eigenmächtige Verlegung des Wahl- orte» für den Wahlkreis T e lt 0 w- B ee S ko w- Storkow-Charlottenburg durch den Minister des Innern darstellt, zu opponieren wagt, die durch ihr Stillschweigen diese Gesetzesübertretung sanktioniert— eine solche Partei wird auch der Stärkung de« Einflusses der Pfaffen auf die Schule ernsthasten Widerstand nicht leisten können: sie hat sich selbst zur Ohnmacht verurteilt, Das beweist auch ihre Stellung zum Dreiklassen- W a h l s q st e m. Wie heftig verstanden die Liberalen es. während des Wahlkainpfes gegen das Dreiklassen- Wahlsystem zu Felde zu ziehen, wie warm versprachen sie im Landtage sür eine gründliche Wahlreform einzutreten I Und was kam schließlich heraus? Ein Antrag, der an dem Wesen des Dreiklasfen-Wahlsystems überhaupt nichts ändert, wohl aber seinen plutokratischen Charakter noch mehr zur Geltung kommen läßt. Geht eS so weiter, dann wird die Zeit nicht mehr fern sein, wo die Liberalen mit dem Minister Freiherrn v. Hammerstein das Dreiklassenwahl-Gesetz für dasjenige halten, das am genauesten und richtigsten den Ausdruck der öffentlichen Meinung wiedergiebt. Zwar ist der Landtag bereits Mitte Januar einberufm, aber infolge der Redelust, die sich bei den Fünf-Thaler-Männern bemerkbar machte, gelang es erst am 16, Mai, den Staatshaushalt zu verabschieden, Und das. obwohl ungewöhnlich viel Abendsitzungen zu Hilfe genommen wurden- Dieselben Herren, die es in der Oeffentlichkeit so darstellen, als leiste der Reichstag keine praktische Arbeit, weil die Socialdemokraten fort und fort Reden zum Fenster hinaus hielten, liefern da« beste Bei- spiel dafür, daß gerade ein Parlament, in welchem die Social- demokratie nicht vertreten ist. zur Unfruchtbarkeit verurteilt ist. Nirgends wird so viel geredet und so wenig geleistet wie im preußischen Landtage. Mit endlosen Reden über die Notlage der Agrarier, über die Notwendigkeit sofortiger Kündigung der Handels- Verträge, über den angeblichen Terrorismus der Socialdemokratie, mit Angriffen auf die Socialpolitik des Reiches und dergleichen wird die kostbare Zeit totgeschlagen. Nichts geschieht für die Arbeiter, wohl aber werden fort und fort neue Anschläge auf die Arbeiter- klaffe ersonnen. Es sei nur erinnert an den Antrag der konser- vativen Fraktion des Abgeordnetenhauses auf Einschränkung der Bundesratsverordnung über die Beschäftigung der Gehilfen und Lehrlinge im Gastwirtsgewerbe sowie an die Etatsdebatten des Herrenhauses, in denen die Manteuffel, Mirbach und Konsorten ein neues Socialistengesetz und die Beseitigung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts forderten. Kein Wunder, daß unter solchen Umständen positive Arbeit so gut wie nicht verrichtet ist. Abgesehen von ganz unbedeutenden, nur auf bestimmte Bezirke begrenzten Gesetzen ist nur die Sekundärbahn- Vorlage, das Lotteriegesetz, das Gesetz über die Dien st bezöge der Kreis-Tierärzte, die beiden K a mpf- gesetze gegen die Polen, zwei Meliorations- vorlagen, das Wildschongesetz und noch zu guterletzt im Handumdrehen die Novelle zum Schlachtvieh- und Fleisch- beschau-Gesetz verabschiedet worden. Nicht erledigt sind unter anderm die verstümmelte Kanalvorlage und das Kontraktbruch-Gesetz gegen Landarbeiter und von Initiativ- antrügen der liberale Wahlrechtsantrag und der Schul- a n t r a g. Mehr als in früheren Sessionen ist in der verfloffenen das Be- streben hervorgetreten, Angelegenheiten des Reichstags vor das Forum des preußischen Landtags zu ziehen. Im Reichstage fürchtet man die focialdemokratische Kritik, im preußischen Landtage dagegen darf man, ohne auf ernsthaften Widerstand zu stoßen, seine volksfeindlichen und volksverräterischen Pläne enthüllen. Hier ernten selbst die Hammerstein und Schönstedt rednerische Erfolge. Hier dürfen die Minister das Spitzelwesen russischer Vigilanten verHerr- lichen, hier dürfen sie über inhaftierte Socialdemokraten aus den Akten Mitteilungen machen, die zwar nicht den Thatsachen ent- sprechen, wohl aber den nach der Verfassung unabhängigen Richtern einen deutlichen Fingerzeig geben, damit sie wiflen, was die Regie- rung von ihnen verlangt. Hier tritt man, wie es bei der Polen- Vorlage der Fall vor, die Verfaffung mit Füßen, hier bringt man Gesetzesvorlagen ein, die, wie das Kontraktbruchgesetz, eigentlich vor den Reichstag gehören, für die sich aber im Reichstage keine Majorität sindet; man reißt die Grenzen zwischen Reichs- und Landes- gesetzgebung nieder. Im allgemeinen ist der preußische Landtag ein gefügige» Werk- zeug in der Hand der jeweiligen Regierungsvertreter. Zu ernst- hastem Widerstand gegen die Regierung vermag sich die Mehrheit nur noch dann aufzuraffen, wenn sie witterff daß eine Maßnahme derselben mit ihren Sonderinteressen nicht vereinbar ist. Im übrigen aber können die Minister sich dieser„Volksvertretung" gegenüber alles erlauben. Werden die Minister zu irgendwelchen Hoffestlichkeiten befohlen, so schließt der Landtag gehorsam seine Pforten und läßt die Sitzungen ausfallen. Will die Regierung unangenehmen Er- örterungen, z, B. den Vorgängen in Saarabien oder der Mirbachiade, aus dem Wege gehen, so ebnet ihr der preußische Landtag unter- thänigst die Bahn. ES giebt wohl in der ganzen Welt kein Parka- ment, daS so wenig des Namens einer Volksvertretung würdig ist, wie der preußische Landtag. Der preußische Landtag ist das getreue Spiegelbild der in Preußen herrschenden Klassen, der Bourgeoisie und des Junkertums, zwischen denen die Beziehungen von Jahr zu Jahr inniger werden, Statt des Rucks nach links, von dem vor den Wahlen so viel die Rede war, macht sich ein deutlicher Ruck nach rechts bemerkbar, enger und enger schließen sich die herrschenden Klaffen zusammen gegen die Arbeiterklasse, die planmäßig von der Gesetzgebung deS größten deutschen Bundesstaates ferngehalten wird, deren Wünsche und Forderungen im Landtag unbeachtet bleiben, deren Rechte mit Füßen getreten werden. Auch der neue Landtag hat den Beweis dafür erbracht, daß er in den Bahnen seiner Vorgänger wandeln will. Nichts für die Arbeiter, alles gegen die Arbeiterl DaS ist auch seine Parole._ politifcbe Gcbcrficbt. Berlin, den 4. Juli. Landtags-Schluß. Das Abgeordnetenhaus hatte am Montag nur noch die Ver» tagungs-Ceremonie abzumachen. Da» Hau» der Herren aber gab seiner halbjährigen Arbeit würdigen Abschluß. Es ist schwer zu sagen, wer da« Erhabenere leistete: die Oberbürgermeister-„Linke", die Mann um Mayn ihre Streiter gegen die Beseitigung der städtischen Fleischuntersuchung entsandte und in fast drei Stunden langen Reden revolutionär obstruierte: oder die junkerliche Mehrheit, die dem Helden- haften Widerstand de« Schweigens entgegensetzte. Graf Finck v. ginckenstein erstattete Bericht über die Beratung der A g r a r kommission, welcher die Mehrheit witzig das Gesetz zur Verschlechterung der städtischen Fleischversorgung überwiesen hatte, nachdem die Städtevertreter die unerhörte Zumutung gewagt, Kommissionsberatung zu fordern. Und nun erhoben sie sich einer um den andern von den Oberbürgermeistern, um ihre Städte gegen die agrarische Schädigung zu schützen. Die Oberhäupter von sieben Städten überboten sich, die Verderblichkeit und Rücksichtslosigkeit des Gesetzentwurfs zu erweisen, Herr Becker aus Köln sprach von„einseitiger Vertretung agrarischer Interessen" durch die Mehr- heit; Herr Struck mann aus Hildosheim von„sinnlosen Be- stimmungen" 1 Herr O e h l e r aus Halberstadt von einem„über- flüssig, unvollkommen, nachlässig gemachten Gesetz"; Herr Wilms aus Posen von„schwerer Versündigung gegen die Volks- gesundheit"; Herr B e n d e r aus Breslau von einem Gesetz, das „direkt Treu und Glauben widerspreche"; und der Berliner Oberbürgermeister erhob gegen die Konservativen, weil sie eine ihnen zugetragene vertrauliche Angelegenheit benutzt haben, die heroische Anschuldigung, daß sie thäten, was bisher„nur bei der socialdemokratischen Presse üblich" gewesen sei. Jedoch alle Heraus- fordernngen fanden bei den Interessenten der städtischen Fleisch- Verschlechterung gelassenes Schweigen, man würdigte den Aufwand des städttschen Grolls nicht der Mühe einer Diskussion. Auch die Regierung überließ die Bürgermeister ihren Monologen. Nicht einmal ein Minister, nur ein beliebiger Ge- heimrat war erschienen, um in zwei Sätzen zu sagen, daß die Regierung erst Stellung nehmen werde, wenn der Beschluß des Landtages vorliege. Selbstverständlich wird die Regierung auch diese Forderung ihrer agrarischen Beherrscher vollstrecken. Heiter war nur die Mitteilung des Regierungskommissars, daß die Regierungs- Vertreter der Kommisstonsberatung nicht aus böser Absicht fern- geblieben wären, sondern weil die Sitzung schon beendet war, ehe denselben die Einladung zugestellt werden konnte; die Schnelligkeit, mit der das Haus der Herren arbeitet, ist unübertrefflich. So beschloß das Junkerparlament seine Thätigkeit mit noch einem Handstreich agrarischer Raublust. Dieselben Konservativen, die wild gegen ungesundes Fleisch zetern, wenn es um aus« ländisches, ihnen Konkurrenz bereitendes, gesundes Fleisch geht, fie zwingen durch gesetzgeberische Gewalt die städttsche Bevölkerung zur Aufnahme aller junkerlichen Fleischware, sei sie noch so minder- wertig und gesundheitsgesährlich. Schließlich erschien Minister v, Hammerstein in tadellosem Frack und überbrachte die Vertagungsurkunde. Der Präsident schloß mit der Erklärimg, daß die Herren bis zur zweiten Hälfte November von der gesetzgeberischen Bemühung rasten dürfen.— Ein Erkrankter. Jüngst wurde gemeldet, Freiherr v. Mirbach steigere die Sportherrlichkeit von Homburg durch sonnig heitere? Lächeln, das nichts vom Ungemach der Pommernprozeß- Vernehmung verrate. Jetzt jedoch scheint mit Bedauern festgestellt werden zu müffen,' daß die Abscheulichkeiten der agitatorischen Presse daS edle Gleichmaß des frommsten Manne» gestört haben. Der„Reichsbote" meint: eS sei„wahrscheinlich, daß die Kritiken und noch mehr die vielen gehässigen und übertriebenen Ausfälle den Oberhoftneister nicht nur innerlich tief erregt, sondern auch physisch angegriffen haben". Zu mächtig ist„Satans Tücke" geworden und in dieser schnöden Welt muß der Gerechte viel leiden. Ja, es scheint, kein Leiden soll ihm erspart werden. Gerade das „Kleine Journal", mit dem ihn«inst holde Bande einten, behauptet, sei das nahe Ende der glorreichen Hof» laufbahn gekommen: „Die fortgesetzten Angriffe, die der Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherr v. Mirbacb, seif Wochen in der Oeffentlichkeit erdulden muß, haben, wie wir hören, auf dessen Gesundheitszustand so un» günstig eingewirkt, daß Freiherr v. Mirbach die Absicht hat, die Enthebung von seinem hohen Hofamte zu erbitten. In Hof- kreisen ist man der Ansicht, daß diesem Rücktrittsgesuche unter den obwaltenden Verhältnissen— ivenn auch mit Rücksicht auf die vieljährigen und hingebungsvollen Dienste des Freiherrn unter dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns und nicht ohne neuer» liche Würdigung seiner großen Verdienste— stattgegeben werden dürfte." Aehuliche Eindrücke haben nach der„Frankfurter Zeitung" Per- soncn empfangen, die während der Kieler Woche den höfischen Kreisen nahe waren. Gestern voll heiteren Frohsinns im Automobil, heute trägt das Segelboot einen schtverkranken Manu I Allzu eilige Krankheit. Nicht umsonst also hätte Freiherr v. Mirbach Kirchen erbaut; er hatte sie für andre bestimmt, nun soll er selbst darin Trost und Heilung suchen.— veiitfekes Reich. Die„Poft"-Kavaliere. Unser kleiner Scherzartikel, den wir am Sonntag der„Post" widmeten,— die„Post" spricht von einem „nach bekannter Schablone verfertigten schmähsüchtigten Zornartikel" — hat seinen Zweck erreicht: Das Kavaliecbbatt findet plötzlich nicht das mindeste dabei, daß sie Mitteilungen von Angestellten andrer Geschäftsbetriebe, in diesem Falle der Vorwärts-Buchhandlung. an- nimmt und honoriert, von Personen also, die keine Gentlemen sein können, auch wenn sie aus einer wegen Betrugs und Unterschlagung notwendig gewordenen Entlassung noch Profit zu ziehen suchen. Sie erklärt— ohne allen moralischen Skrupel— plötzlich: „Wenn wir von einem Unbekannten eine Zuschrift erhalten, jo können wir nicht gleich nach dem Vorleben des Verfassers forschen... � Ueberhaupt kommt es hier nur darauf an, ob der Mann uns Wahres nntgeteilt hat oder nicht." Für das journalistische Ehrgefühl der„Post" ist dies— welcher Esel hat das wieder geschrieben— Geständnis noch besonders charakteristisch, daß die Redaktion erst dann die Bedenken schwinden ließ, als ihr Kavalier ihr erklärte,„daß er bereits selbst der Polizei von seinen Wahrnehmungen Mitteilung gemacht habe." Also erst, als der Kavalier sich auch als schäbiger Denunziant vorstellte, gewann das Blatt volles Vertrauen, es fühlte sich ver« wandtschaftlich zu ihm hingezogen: erst der Denunziant ist ein voll» gültiger Mitarbeiter der„Post". Die„Post" aber entschuldigt ihre journalistischen Vertrauens- bräche und Denunziationen nicht nur, sondern sie rühmt sie.sogar als patriotische That. Es handle sich »um den Vertrieb hochverräterischer, den Bestand unsres Reiches gefährdender revolutionärer Schriften, ein lichtscheues Treiben, das zu stören einfach jedes Patrioten verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist." Wir entnehmen diesem Satz die bisher uns nicht bekannte, wenn auch verinutete Thatsache, daß die„Post" ein Organ der russischen Regierung ist, daß Rußland„sein" Reich ist, daß sie mithin sich als die geheimbundlerische Organisation eines fremden Staates im Deutschen Reiche selber ganz naiv enthüllt hat, daß die r u s s i- scheu Patrioten der„Post" durch jede socialdemokratische oder auch nur liberale Schrift den Bestand ihres Zarats bedroht sehen. Da wir vaterlandslosen Socialldemokraten aber uns als Deutsche fühlen und nicht als Unterthanen Väterchens, so werden wir uns trotz der„Post" auch fernerhin erlauben, Schriften zu verbreiten, die den deutschen Gesetzen entsprechen, wenn sie auch, wie so ziemlich die gesamte westeuropäische Litterawr, in Rußland verboten sind. Uebrigens kennt die„Post" so wenig wie die Polizei den Inhalt der in der Buchhandlung„Vorwärts" und in ihren Schaufenstern offen lagernden Schriften: denn die Polizei hat unsre schon vor vier Monaten an sie gerichtete freundliche Aufforderung, das„lichtscheue Treiben" in dem Keller des„Vorwärts" zu erhellen, nicht beachtet. Wir müssen der„Post" alle Hoffnungen nehmen, daß sie in Königsberg auf ihre Kosten kommen wird. Im Gegenteil! Der einzige moralisch Verurteilte des Königsberger Prozesses wird— der„ P o st"- R e d a k t e u r sein, der, wie das Blatt unwirsch be- merkt,„überflüssigerweise" als Zeuge geladen ist. In dieser Be- merkung erkennen wir mit Vergnügen einen letzten Rest von Scham- gefühl bei den„Post"-Leuteu, denen es doch unangenehm zu sein scheint, daß einmal vor aller Welt, unterm Zeugeneid, festgestellt wird, in welcher Weise dies vornehme Organ seine Informationen bezieht, das über die durchaus einwandfreie Veröffentlichung ver- traulicher Aktenstücke in der socialdemokratischen Presse mit der gleichen ehrlichen Empörung herfällt, wie sein Hauptmitarbeiter sich gelegentlich über die freie Liebe der— Socialdemokratie schaudernd entrüstet.— Minister-Ehen. Im Herrenhaus hatte mn vorigen Donnerstag Herr v. Mendelssohn zwar die Erhöhung des Kapitals der preußischen Staatsbank gebilligt, aber gegen die Motive der Begründung Be- denken geäußert. Herr v. Rheinbaben versuchte in seiner Antwort mit dem Geist seiner Kollegen Hammerstein und Podbielski zu wetteifern und er erwiderte, nach dem amtlichen Stenogramm: „Es kommt mir mehr auf die Thatsache an, daß er der Vor- läge zustimmt, als daß er die Motive kritisiert. Denn wenn ich ein Mädchen heiraten will, kommt es mir darauf an, daß das Mädchen ja sagt, die Motive sind mir ganz gleichgültig." Dieses Gleichnis, das nach Hammersteins polizeilicher Auslegung Goethes ja vergänglich ist, dem wir aber gern ein wenig Un- Vergänglichkeit verschaffen möchten, wurde vom höchsten Hauie mit großer Heiterkeit belohnt. Wir nahnien bisher an, daß diese Anschauung von der Ehe nur in den Kreisen jener Schadchen herrscht, denen auch der aristokratische Bankfürst, dem Herr v. Rheinbaben das Gleichnis widmete, längst entwachsen ist, so daß der Satz auch nicht einmal als eine anti- semitische Bosheit beabsichtigt sein kann. Wir müssen vielmehr annehmen, daß Herr v. Rheinbaben damit seine Auffassung von einer christlichen Ministerehe kennzeichnen wollte, die— Motive janz ejal!— als Abschluß eines Geschäfts, nach denr Muster der Kapitalserhöhung der Seehandlung ge- würdigt wird. Damit wird die Methode Mirbach auf ein neues Gebiet über- tragen. Auch dem Hofinarschall der Kaiserin sind die Motive stets ganz gleichgültig gewesen, aus denen die Finanzleute ihr„Ja" auf L-Conto buchten. Daß man oben aber auch so heiratet, hätten wir nicht vermutet.—_ Die Kriegsbriefe des Generals v. Kretschmann. An diesem Montag sollte in Mainz vor der Strafkammer die Verhandlung gegen den Redakteur der dortigen„Volkszeitung" statt- finden, der angeklagt ist, durch Abdruck eines der Kricgsbriefe des Generals v. Kretschmann ehemalige Offiziere der Compagnie des hessischen Garde-Jäger--Bataillons beleidigt zu haben. Kurz zuvor ist jedoch dem Angeklagten seitens der Staatsanwaltschaft mit- geteilt worden, sie werde veranlassen, daß die Verhandlung an diesem Tage nicht st a t t f i n d e t. Im Zusammenhang hiermit steht die folgende Veröffentlichung unsres Partei-OrganS, der »Mainzer Volkszeitung": „In dem Briefe des Generals v. Kretschmann vom IS. No> Veniber 1370, den wir in unserni Artikel:„Ein Soldat über den Krieg" am S. November 1908 zum Abdruck brachten, sind hessische Offiziere und Soldaten als Urheber einer Plünderung und andrer Ausschreitungen ins Sens bezeichnet.. Die Ermittelungen, die wir inzwischen, insbesondere auch in Sens, angestellt haben, beweisen, daß insofern ein Irrtum des Generals von Kretschmann vorliegt, als hessische Fcldzugsteilnchmer für die auS Sens gemeldeten Ausschrettungen nicht verantwortlich ge- mackt werden können. Der am 12. und 13. November 1870 in Sens einquartierten 2. Compagnie des hessischen Garde- Jäger- Bataillons— Compagnie Balser— wird von den Einwohnern der Stadt Sens ein durchaus korrektes Verhalten nachgerühmt, und diese Compagnie lobend in Gegensatz zu andren nicht- hessischen Truppenteilen gebrückt. Wir behalten uns vor, die Ausschreitungen in Sens nach dem Ergebnis unsrer seiherigen Ermittelungen nochmals zu besprechen nnd dabei zu erklären, wie die Verwechselung in den Kretschmann- Briefen möglich war."_ Miiuch-Ferber. Aus der Fraktion der nationalliberaken Partei hört die„Berliner Börsen-Zeitimg", daß man angesichts der Ver- urteilung des Abg. Münch-Ferber abwarten will, ob der Ge- nannte das Urteil im Wege der Revision anfechten wird. Thut er dies nicht, so stehe es für die Partei fest, daß er die Erben seines verstorbenen Socius— wie das Gericht aus- gesprochen— durch Vorspiegelung falscher Thatsache» einschüchtern wollte, iund dann werde man die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen wissen. Ein Revifionsversuch, selbst wenn er aus irgendwelchen formalen Gründen Erfolg haben würde, kann an den festgestellten Thatsache» nichts ändern. Die nationalliberale Fraktion hat es anscheinend gar nicht nötig, auch nur aus die allerüblichste bürgerliche Sauber- teit zu halten.— Hellseherische Majestätsbeleidigungen. Wieder hat man eine Greisin wegen Majestätsbeleidigungen verurteilt. Eine Frau von 70 Jahren, Dorothea Waterstraat, die i» der Provinz Hannover das Gewerbe einer„politischen Hellseherin und Wahrsagerin" betrieb. soll dabei die Wiederherstellung des Königreiches Hannover„hell- gesehen",„Unflätiges" über das Kaiserhaus und„haarsträubenden Blödsinn" geredet haben. Personen, die das„Opfer" ihrer Hell- seherei geworden sind, haben sie schließlich denunziert, weil sie wohl mcht genug Blödsinn für ihr Geld erhalten zu haben glaubten. Der Arzt bezeichnete die Greifin als„hysterisch, aber nicht geisteskrank". Man hat die offenbar irre Frau also zu einem Jahr verurteilt und man wird abermals mit Erstaunen gewahr, was alles die Majestät zu beleidigen vermag I— Ter Beleidigung des Polizeirats Mädler, des bekannten ober- schlesischen Grenzkommissars, angeklagt waren der praktische Arzt Dr. Steslicki in Laurahiitte, bei den letzten Reichstagswahlen Kandidat der Radikalpolen für Beuthen-Tarnöwitz, ferner der ver- antwortliche Redakteur des radikal-polnischen„Gornoslazak". v. Wolski, und endlich der Redakteur der socialistischen.. Gazeta Robot- nicza" in Kattowitz, Genosse Brzeskwiniewicz. Tie Sache führte zu einer einstündigen Verhandlung vor dem Landgericht in Beuthen und endete mit Verurteilung sämtlicher Angeklagten. Der Anklage lag folgender Thatbestand zu Grunde: Anfang März d. I. trug der polnische Abgeornete v. Dziem- bowski im preußischen Abgeordnctenhause eine Reihe Beschwerden über das Vorgehen preußischer Polizeibeamten gegen Polen vor. Da- bei erzählte er auch einen Fall, der angeblich gelegentlich der Haus- suchung bei Dr. Steslicki in Lmirahütte passiert sein sollte. Danach hatte der die Haussuchung leitende Untersuchungsrichter ein Heft des in Krakau erscheinenden in Deutschland verbotenen„Przeglad Wszech- polski" vorgefunden und beschlagnahmt, auf die Erklärung des Dr. Steslicki, daß er ein solches Heft nicht in Besitz hatte, habe der an der Haussuchung beteiligte Polizeirat Mädler dann erklärt, das Heft sei sein Eigentum, er habe es aus der Tasche herausgelegt. Der „Gornoslazak" veröffentlichte Dziembowskis Rede nach dem amt- lichen Stenogramm, während Genosse Brzeskwiniewicz die Mädler betreffende Stelle jener Rede in einer polnisch-socialdemokratischen Vereinsversammlung aus dem„Gornoslazak" vorlas. Gegen v. Wolski wie gegen Brzeskwiniewicz stellte Polizeirat Mädler darauf Strafantrag wegen Beleidigung. Im Vorverfahren wurde Dr. Steslicki als Zeuge vernommen. Er erklärte die Darstellung des Vorfalls durch den Abgeordneten v. Dziembowski für unrichtig und seinerseits folgende Darstellung desselben: Bei der Haussuchung habe Mädler ein Heft des„Przeglad Wszcchpolski" seiner Mappe ent- nommen und auf das Sofa gelegt. Im Laufe der Revision der Bücherschränke sei dies Heft ganz mit Büchern bedeckt worden. Bei ihm, Dr. Steslicki, wurden zehn Hefte jener verbotenen Druckschrift aus den Jahren 1900 bis 1902 und außerdem der Lieferschein einer Buchhandlung über den Jahrgang 1903 genannter Zeitschrift ge- fundcn. Bei der Aufstellung des Verzeichnisses der beschlagnahmten Hefte habe nun der die Haussuchung leitende Richter Dr. Franz gefragt:„Und wo ist der Jahrgang 1903?" und dabei auf jenes auf dem Sofa liegende Heft gezeigt, das nach Entfernung der Bücher wieder fichtbar geworden war. Polizeirat Mädler sagte darauf: „Ja, da ist noch ein Heft" und wollte nach Meinung des Zeugen Steslicki noch etwas hinzufügen, wurde von diesem aber unter- brachen mit der an den Richter gerichteten Erklärung:„Ich habe kein Heft jenes Jahrgangs zu Hause, der ganze Jahrgang ist beim Buchbinder." Darauf sagte Mädler zum Richter:„Das Heft ist mein Eigentum" und fügte noch halblaut etwas hinzu, was der Zeuge nicht verstanden haben will. Herr Mädler stellte nun auch gegen den Zeugen Dr. Steslicki Strafantrag und zwar wegen verleumderischer Beleidigung. Der nunmehrige Angeklagte Dr. Steslicki blieb auch in der Vcrhand- lung vor der Bcuthener Strafkammer bei seiner Darstellung des Vorfalles und zwei Freunde desselben, der Arzt Dr. Hanke und der Rechsanwalt Dr. Adamczewski, bekundeten als Zeugen, daß Dr. Steslicki ihnen die Sache unmittelbar nach der Haussuchung in gleicher Weise geschildert habe. Demgegenüber erklärte Polizeirat Mädler unter seinem Eide die Geschichte für vollkommen erfunden. Er habe kein Heft des„Przeglad Wszechpolski" mitgeführt. Die Vermutung, daß er ein solches vielleicht zwecks Vergleichs mit etwa vorzufindenden Exemplaren zur Haussuchung mitgebracht habe, sei hinfällig, da er die verbotene Zeitschrift genau kenne und selbst Abonnent derselben sei— und deshalb auch keines auf das Sofa gelegt. Dtr von ihm mitgefühlten Aktenmappe entnahm er nur ein in blauem Umschlag befindliches Verzeichnis verbotener Schriften, während die fraglichen Hefte gelbbraunen Umschlag haben und er-3 heblick kleiner sind. Auch das von Steslicki behauvtete Gespräch habe nicht stattgefunden, dieser habe lediglich die in Beziehung aus den vorgefundenen Lieferschein gestellte Frage des Richters, wo der Jahr- gang 1903 sei, mit der Erklärung, derselbe sei beim Buchbinder, be- antwortet. Das letztere wird von dem an der Haussuchung be- tciligten Landrichter Dr. Franz wie von den�Protokollführer Szerba als Zeugen bestätigt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Dr. Steslicki wegen verleumderischer Beleidigung(Z 187 Reicks- Strafgesetzbuch) eine Gefängnisstrafe von 0 Monaten, gegen Brzes- kwiniewicz, der nach der Aussage des die Verhandlung überwachenden Beamten Mädlers Handlungsweise mit der russischer Gendarmen verglichen haben soll, welche durch Einschmuggelung von verdächtigen Schriften bei Behaussuchten diese nach Sibirien bringen— eine Darstellung, die Brzeskwiniewicz entschieden bestreitet—. eine solche von 2 Monaten und gegen v. Wolski, der mit dem Abdruck lediglich der v. Dziembowskischen Landtagsrede eine Beleidigung des Polizei- rats Mädler verübt habe, eine Geldstrafe von 300 M. Der Gerichts- Hof erkannte gegen Brzeskwiniewicz und v. Wolski nach dem Antrage des Staatsanivalts, sprach auch Dr. Steslicki der verleumderischen Beleidigung Mädlers schuldig, verurteilte ihn jedoch in Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtenheit„nur" zu 3 Monaten Gefängnis. Dem Beleidigten wurde die Publikationsbefugnis für eine große Anzahl, auch Berliner. Zeitungen zugesprochen. Bemerkt werden cpuß, daß der Verurteilte derselbe Dr. Steslicki ist, bei dem seiner Zeit gelegentlich einer Haussuchung das Kranken- journal trotz lebhaften Protestes beschlagnahmt wurde, um an der Hand desselben eine Anzahl Teilnehmer am Laurahütter Wahl- krawall. die sich von Dr. Steslicki ihre Wunden hatten verbinden lassen, zu ermitteln und vor Gericht zu bringen.— Huoland. Tolstojs Mauijest gegen den Krieg. Die schwedische Zeitung„Astonbladet" erhielt folgende tele- graphische Mitteilung aus St. Petersburg: Tolstojs heftige Angriffe auf den Kaiser, die Regierung und die Kirche liegen nun in einem Auszug gedruckt in Hunderttausenden von Exemplaren vor. Vor ihrer Veröffentlichung in den„Times" hatte das revolutionäre Komitee eine Abschrift zugesandt erhalten und zwar schon vor längerer Zeit. Die Abdrücke sind nun über das ganze Land verbreitet und erwecken die größte Bewegung. Die Regierung weiß nicht, wie sie am richtigsten gegen Tolstoj auf- treten soll. Der Minister des Innern v. Plehwe will, daß man gegen ihn einschreiten soll wie gegen jeden andern Staatsverbrecher; aber die andern Minister sehen Arreflalion für noch gefährlicher an als ihn auf freiem Fuß zu lassen. Die Entscheidung wird dem Kaiser überlassen. Ein Gerücht behauptet, man habe beschlossen. auf Jasnaja Poljana, dem Wohnsitz Tolstojs, Haussuchung vor- zunehmen.— Oesterreich-Ungarn. Budapest, 4. Juli. Abgeordnetenhaus. Der ftühcre Ministerpräsident B a n f f y ergriff heute zum erstenniale als Abgeordneter und Führer einer neuen oppositionellen Fraktion das Wort. Er sprach sich gegen Annahme der Budget- Vorlage aus und kritisierte den jüngst abgeschlossenen Aus- gleich mit Kroatien. Banffy erklärte sich auch gegen das Gesetz betreffend Ermächtigung zur Eröffnung der Handels- vertragsverhandlungeu mit Italien und Deutschland, weil der Ab- schluß der Handelsverträge Ungarn gegenüber Oesterreich in eine Zwangslage versetze.— Frankreich. Paris, 4. Juli. Die Deputiertenkammer hat heute die letzten, noch ausstehenden Artikel des Militörgesetzes angenommen und be- schloffen, daß das Gesetz an dem auf seine Veröffentlichung folgenden ersten Januar in Kraft treten soll. Morgen werden noch einige Artikel des Gesetzes beraten werde», die zurückgestellt worden waren. Der Senat hat die beiden ersten Artikel des Gesetzes betreffend Abschaffung des Unterrichts durch Kongreganisten an- genommen. Niederlande. Das Trunkgesctz ist am Freitag von der Zweiten Kammer, in der letzten Sitzung vor den Sommcrfcrien, mit 51 gegen 42 Stimmen angenonmien worden. Vor der Abstimmung verlas Genosse T r o e l st r a eine Erklärung, in der die vielen Mängel und Unklarheiten den wenigen brauchbaren Bestimmungen des Gesetzes gegenübergestellt werden und begründet wird, warum die Social« demokraten nicht dafür stimmen konnten. Die Erklärung schließt mit folgenden Worten:„Wir sind denn auch überzeugt, daß hier ein Scheingesetz zu stände gekommen ist, wobei zu bedauern ist, daß Regierung und Kammer so viel Zeit und Mühe daran ver- schwendet haben, die nützlicher für sociale Maßregeln hätte an- gewandt werden können, für welchen Verlust an nationaler Zeit wir die Regierung wegen ihrer gekünstelten Auffassung und traurigen Vorbereitung der Sache verantwortlich machen. Da wir, gerade weil wir eine ernstliche Bekämpfung der Trunksucht wollen, die Ver- antwortung für dieses Werk nicht auf uns zunehmen wünschen, find wir verpflichtet, dagegen zu stimmen."— England. London, 4. Juli. Unterhaus. Auf Anftage erklärt der Staatssekretär ftir Indien B r o d r i ck, der Waffenstillstand in Tibet sei auf Ansuchen der Tibetaner verlängert worden. Ein Lama, von Vertretern dreier Klöster in Lhaffa begleitet, sei von dem Oberst Uouughusband empfangen worden, er unterhandle gegenwärtig noch mit Nounghusband, es sei nicht bekannt, ob er ermächtigt sei, ein Abkommen mit Dounghusband zu treffen. Besitze er jedoch die Er- nmchtigung, so sei auch Dounghusband die Ermächtigung erteilt, mit ihm zu unterhandeln.— Ans eine Anfrage betreffend die Wegnahme des englischen Dampfers.Allanton" durch die Russen erklärt der Unterstaatssekretär Earl Percy, eS finde ein Meinungsaustausch zwischen der englischen Regierung mid dem Botschafter in Petersburg statt, der um Mit- teilung einer offiziellen Erklärung über die Gründe der Verurteilung des Dampfers„Allanton" ersucht habe. Die Regierung höre, der Schiffseigner habe Schritte gethan, eine Berufung beim Ober- Prisengcricht, das in Petersburg zusammentreten werde. zu erhebe». Somit werde die Regierung die Ent- schcidung des Gerichts abwarten, um zu beschließen, welche Vorstellungen sie, falls es nötig sein sollte, der russischen Regierung in gehöriger Weise machen kann, wenn sie im Besitze aller That- fachen sei. Auf eine weitere Anfrage erklärt Earl Percy, indem die Regierung eine lang fortgesetzte und sorgfältig erwogene Politik be- folgte, habe sie ihre offizielle Vertretung bei der internationalen niaritimcn Konferenz in Brüssel aus dem Grunde abgelehnt, daß ihre Teilnabme als bindend für die Annahme ihrer Beschlüsse an- gesehen werden könnte. Sie habe Schritte gethan, sich eingehende Informationen über die Diskussion und eventuelle Entscheidungen der Konferenz zu sichern. Das Haus setzt darauf die Debatte über Balfours Vor- schlag betreffend den Schluß der Debatte über das Schank- g e s e tz fort.— London. 3. Juli. Im Wahlbezirk Sowerby lAorkshire) wurde an Stelle des zurücktretenden Mitgliedes des Unterhauses Meller(lib.) Higham(lib.) mit 6049 Stimmen gewählt, während Hmchliffe (Unionist) nur 3877 Stimmen erhielt.— Rußland. Helsingfors, 3. Juli. Das Erscheinen deS Blattes„Päivälehti" ist durch die Behörde verboten worden.— Vom ostasiatifchen Kriegsschauplatz. Der russische Telegraph meldet auch heute wieder eine ganze Reihe von Vorpostengefechten, bei denen die Japaner meist im Nach- teil geblieben sein sollen. Es lohnt sich nicht, diese belanglosen Vor- Postengefechte im einzelnen zu erwähnen. Wohl aber muß konstatiert werden, daß diese neuesten Nachrichten die vorgestrige russische Dar- stellung nicht bestätigen, als ob die Japaner resp. auch nur die Armee Kurokis den Rückzug angetreten habe. Die Nachrichten be» sagen im Gegenteil, daß die Japaner die wichtigen Gebirg s- Pässe noch durchaus behaupten, daß sie sogar kleine Vorstöße unternommen haben. Es scheint allerdings, als ob die Armee KurokiS beabfichttge, Iveiter nordwestlich gegen die Bahnlinie Liauj ang-C Harbin vorzurücken, um dadurch den Russen die Rückzugslinie abzuschneiden. Die Vorwärtsbewegung gegen die Linie Haitscheng— Liaujang wäre in diesem Falle nur ein Mittel gewesen, die Russen über seine wahren Absichten zu täuschen. Mit irgendwelcher Sicherheit lassen sich freilich die strategischen Absichten der Japaner nicht erraten, es bleibt nichts übrig, als sich geduldig aufs Abwarten zu verlegen. Weiter nrclden die Russen den Eintritt der Regenzeit und die Ueberschwemmung des ganzen Kriegsschauplatzes, wodurch alle Straßen in unwegsame Moräste und Liaujang selbst in eine Art Venedig verwandelt worden seien. Die Operattonen beider Armeen seien dadurch völlig lahmgelegt worden. Als Folge der Regengüsse sei bei den Japanern die Cholera ausgebrochen. Auch die japanische Zufubr von Lebensmitteln sei nur eine sehr unzulängliche. Es ver« steht sich, daß die Russen die Lage der Japaner schwarz in schwarz malen, während sie ihre eigne Lage so rosenrot als möglich zu fördern bemüht sind. Erst die Ereignisse werden diese Dar- stellung zuverlässig korrigieren. Abermals ein russisches Linienschiff gesunken? Tokio, 3. Juli.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Admiral Togo berichtet, daß Montag nacht ein nisfifchrs W achtschiff, das einem Schlachtschiffe ähn lich sah, bei der Hafeneinfahrt von Port Arthur durch einen Torpedo zum Sinken gebracht wordcn sei. Ein rusfischer Torpedobootszerstörer sei«bett- falls in den Grund gebohrt worden. Das Wladiwostok-Geschwader entkommen. Tokio, 3. Juli.(Meldung des„Reuterschen BureauS'.) DaS russische Wladiwostok-Geschwader ist-am Freitagabend der Verfolgung des Admirals Kamimura entkommen. Ueber russische Barbareien berichtet nunmehr in Anttvort auf gleiche Bezichtigungen der Japaner durch die Russen die japanische Heeresleitung: Tokio, 4. Juli. Amtlich wird gemeldet: ES werden Gerüchte verbreitet, daß am Abend des 12. Juni drei bei Littatung liegen gebliebene russische Verwundete von der angreifenden japanischen Kavallerie in roher Weise gemartert worden seien. Nach dem amtlichen Bericht deS Generalstabschefs der zweiten Armee hatjedoch am 12. Juni nirgendwo eine Schlacht noch irgend ein Zusammenstoß von Kavalleriepatrouillen stattgefunden. In der Schlacht in der Nähe von Wafangtscheng am IS. Juni behandelten die russischen Soldaten unsre Gefangenen und Verwundeten grausam. Die verwundeten russischen Offiziere und Soldaten, die gefangen genommen worden find, zeigen sich im höchsten Grade gerührt von der aufmerksamen Behandlung, die wir ihnen unsrerseits stets zu teil werden lassen. Von den Leichen der Feinde ist nicht eine emziae, wie fälschlich berichtet worden ist. auf irgend eine Weise verstümmelt worden, sie sind alle sorgfältig beerdigt worden. Ein weiterer Bericht des GeneralftabSchefs der zweiten Armee besagt, daß am 15. Juni sechs Kundschafter des 18. Artillerie« Regiments bei Tschengsuschan ein Scharmützel mit etwa 15 feind- lichen Kundschaftern hatten, und daß, als unsre Leute getötet waren. die Feinde mit dem Bajonett nach Augen und Mund der Toten stießen und ihnen die Börsen und Kleidungsstücke raubten. Am 27. Juni wurde ein Soldat des 3. Kavallerie- Regiments Namens Kobayashi durch Schüsse vom Feinde verwundet, als er an einem ungefähr vier Kilometer nordostlich von Hsunyoffcheng enffernten Punkte auf Posten stand. Sobald er vom Pferde gefallen war, umringten ihn etwa 20 Mann von der feindlichen Kavallerie, durchbohrten ihn wiederholt mit ihren Lanzen und ergingen sich in Roheiten, indem sie ihm einige Körperteile abhieben. Unsre Kavallerie kam jedoch plötzlich hinzu und brachte den Leichnam an sich, während der Feind sogleich die Flucht ergriff. partel-J�admcbten. Als neuere Uebersehungen deutscher socialdemokratischer Schriften in osteuropäische Sprachen werden vom„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" aufgeführt: Kautsky, Handelspolitik und Social- demokratie und Marx' ökonomische Lehren; ferner die kleine Schrift von Losinsky, War Jesus Gott, Mensch oder Uebermensch. Erster weimarischer Wahlkreis. Die am Sonntag, den 3. Juli, in Sulza stattgefundene Konferenz des Wahlkreises war aus allen Parteiorten beschickt. Im Jahresbericht wurde besonders betont, daß in allen Parteiorten des Kreises einmütig die Tonart des Dresdener Parteitages, hervorgerufen durch das nicht einwandfreie Vorgehen einzelner Genossen scharf verurteilt worden sei. In fünf Parteiorten wurden 2124 Mk. eingenommen und für Agitation usw. 2043 M. ausgegeben. In den 160 Landorten bestehen noch keine Parteivereine, obwohl auch dort die Zahl unsrcr Anhänger fort- während zunimmt. Zum Parteitag in Bremen wurde als Delegierter Genosse Fischer- Weimar gewählt. Als Kandidat für die nächste Reichstagswahl wurde einstimmig der Abg. Baudert wieder aufgestellt. Die Kreisleitung bleibt in Weimar, als Vorsitzender wurde Genosse H. Fischer daselbst wiedergewählt. poUseilicbes, Gerichtliches ufw. Die Düsseldorfer Polizei kann die Niederlage, die sie im Kampf mit den organisierten Arbeitern erlitten, nicht verwinden; sie sucht diese Niederlage durch andre Mahnahmen weit zu machen. Be- kanntlich hatte die obengenannte Behörde eine Verfügung erlassen, nach der Versammlungen abends um 11 Uhr bei Eintritt der Polizei- stunde geschlossen werden mühten. Diese Verfügung wurde auf eine Beschwerde unsrer Genossen vom Schöffengericht für ungültig erklärt und stellte sich das Gericht auf den Standpunkt, dah Versammlungen nicht an die Polizeistunde gebunden sind. Um aber doch ihren Willen durchzusetzen, versieht die Polizeiverwaltung in Düsseldorf die An- meldebescheinigungen von Versammlungen jetzt mit dem Vermerk: „Die Versammlung muh bei Eintritt der Polizeistunde um 11 Uhr abends geschlossen werden." Ter Vorsitzende einer Schmiedeversammlung, die dieser Tage in Düsseldorf stattfand, kümmerte sich um den Vermerk nicht und lieh auch nach 11 Uhr die Versammlung weitertagen. Da erklärte der überwachende Beamte, die Polizeistunde sei eingetreten und müsse er deshalb die Versammlungsbesucher auffordern, das Lokal zu ver- lassen. Die Renitenten wurden zur Verantwortung gezogen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob die Versammlung denn aufgelöst sei, bemerkte der Beamte: Nein, auflösen thue ich die Versammlung nicht; ich fordere nur die Anwesenden auf, das Lokal zu verlassen. Gegen dieses ganz neue Versahren, das Versammlungsrecht zu be- schränken, wird Beschwerde erhoben. Hus Induftrie und Handel. Ter deutsche Außenhandel im Jahre 1903. Das kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht jetzt die festgestellten endgültigen Zahlen über Deutschlands Auhenhandel im Jahre 1003. Danach hat er den bisher höchsten Umsatz von 1000 noch weit übertroffen, er beziffert sich 1903 nämlich auf 11 018 Millionen Mark, während die bisher höchste Ziffer(1900) nur 10 376 Millionen Mark er- reichte. Ein Vergleich mit den letzten sechs Jahren liefert im be- sonderen folgendes Bild(alles in Millionen Mark): 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 Einfuhr 4681 b081 6483 6765 5421 6631 6003 Ausfuhr 3635 3757 4207 4611 4431 4678 6015 Zusammen: 831« 8838 9690 10 376 9852 10 309 11018 Ueberschuh der Einfuhr 1046 1324 1276 1154 990 963 988 Es ergiebt sich daraus, dah der deutsche Auhenhandel seit 1897 um 2 704 000 000 M. oder um 32,5 Proz. gewachsen ist; die Einfuhr um 1 320 000 000 M.— 28,5 Proz., die Ausfuhr um 1 380 000 000 M.- 38 Proz. Das Wachsen der Ausfuhr ist in erster Linie auf die Zunahme der Ausfuhr von Erzeugnissen des Eisen-, Maschinen- und Metall-Grohgewerbes zurückzuführen. Im Jahre 1897 führten wir an Eisen und Eisenwaren, Maschinen, Fahrzeugen und In- strumenten. unedlen Metallen und Waren aus solchen für 649 Millionen Mark aus, im Jahre 1903 aber da>«n für 1161 Millionen Mark, das ist also eine Steigerung um 80 Proz. Eine starke, wenn auch nicht so enorme Steigerung, hat auch die Ausfuhr des Webstoff- und des Kleiderherstellungs-Gewerbes erfahren, sie stellte im Jahre 1897 einen Wert von 370 000 000 M. dar, im Jahre 1903 aber einen solchen von 1 197 000 000 M.; hier erfolgte also eine Steigerung um etwa 37 Proz. In der nämlichen Zeit wuchs unsre Aussuhr von chemischen Erzeugnissen und Rohstoffen von 320 000 000 M. auf 394 000 000 M., die Ausfuhr von Kohlen von 174 000 000 auf 283 000 000 M., die von Kurzwaren, Schmuck- fachen, Uhren usw. von 132 000 000 auf 193 000 000 M., die Aus- führ von Leder und von Lederwaren von 144 000 000 auf 173 000 000 M., die von Papier- und Papierwaren von 95 000 000 auf 122 000 000 M. und die Ausfuhr von litterarischen und Kunst- gegeilständen von 127 000 000 auf 155 000 000 M. Dagegen sank die Ausfuhr von Zucker von 230 000 000 M. im Jahre 1897 auf 137 000 000 M. im Jahre 1903. In der Einfuhr nach Deutschland stehen natürlich, wie be- kannt, die Rohstoffe und Lebensmittel bei weitem an kl Spitze; unter ihnen wieder das Webstoff-Grossgewerbe an erster Stelle. Seine Einfuhr von Rohstoffen, halb- und ganzfertigen Erzeugnissen betrug im Jahre 1897 schon 996 Millionen Mark, im Jahre 1903 aber 1363 Millionen Mark. Am stärksten sind an dieser Einfuhr natürlich Rohbaumwolle und Wolle beteiligt. Von 1897— 1903 hob sich ferner die Einfuhr von Getreide und von andern Er- Zeugnissen des Ackerbaues von 739 000 000 auf 1 026 000 000 M., die Einfuhr von Kolonialwaren u. dergl. von 673 000 000 auf 706 000 000 M., die von Pferden, Rind- und Kleinvieh von 161 000 000 auf 220 000 000 M., die von Chemikalien, Droguen usw. von 234 000 000 auf 274 000 000 M., die von Kohlen von 127 000 000 aus 162 000 000 M., die von Petroleum von 63 000 000 auf 111 000 000 M. Dagegen sank die Einfuhr von Holz und von Holzwaren von 324 000 000 auf 300 000 000 M. Für das laufende Fahr 1904 läht sich mit ziemlicher Sicherheit voraussagen, dass die Ausfuhr keine gleiche Steigerung wie 1903 erfahren wird. Nach den monatlichen Ausweisen über den deutschen Auhenhandel ist schon bisher nur ein ganz kleiner Fort- schritt zu verzeichnen; besonders die im Vorjahre so stark hervor- getretene Ausfuhr von Eisen und Eisenwaren hat eine merkliche Abnahme erfahren, ihr Ausfall in den ersten fünf Monaten dieses Jahres(Januar bis Mai) beziffert sich auf 363 302 Tonnen oder 23.« Proz. Während unsre gesamte Ausfuhr in den ersten fünf Monaten des Jahres 1903 sich auf einen Wert von 152 729 444 M. belief, stieg sie 1904 im selben Zeitraum nur auf 164 835 264 M. Die Einfuhr hat eine stärkere Steigerung erfahren, sie belief sich in den ersten fünf Monaten 1903 auf 176 792 739 M.. im gleichen Zeitraum dieses Jahres aber auf 182 245 771 M. ReichSiank-Anßweis. Der Status der letzten Juniwoche zeigt infolge des Ultimo und des Semesterwechsels eine ansehnliche Ver- schlechterung. Auch hat das Reich wieder 36 Millionen Schatzscheine begeben. Der Metallbestand nahm ab um 126 500 000 M.(gegen 93 700 000 M. im Vorjahre und die Gesamtdeckung um 157 200 000 Mark<96 600 000 M.). Die Verschlechterung beträgt insgesamt 426 800 000 M.(273 300 000 M.). Die vorwöchige steuerfreie Notenreserve von 321 300 000 M. ist getilgt, dafür sind jetzt 105 500 000 M.(44 600 000 M.) steuerpflichtig. Die Wechsel- anlage ist um 210 226 000 M.(183 073 000 M.) stark gestiegen. Die Giro-Einlagen sind um 30 614 000 M.(73 657 000 M) zurückgegangen. Verstaatlichung der pfälzischen Eisenbahnen. Die bayrische Staatsregierung hat einen Antrag eingebracht, in dem sie sich mit der Verstaatlichung der pfälzischen Eisenbahnen beschäftigt. Sie will vom 1. Januar 1906 ab das gesamte Eigentum der Aktiengesell- schaften Pfälzische Ludwigsbahn, Pfälzische Maximiliansbahn und Pfalzische Nordbahnen gegen einen Gesamtpreis von 236 372 097,60 Mark übernehmen. Vom Petroleumkampf. Wie die„Frankfurter Zeitung" aus Petersburg vom 2. Juli erfährt, hat die„Deutsche Petroleum-Produkten-Aktien-Gesellschaft" für Ruhland die Konzession erhalten, in Baku eine Petroleumfabrik zu errichten; sie erbaut Tanks in Batum und Reservoire und exportiert Naphta und Petroleum ausschliehlich ins Ausland. Damit beteiligt sich deutsches Kapital zum erstenmal unmittelbar an der Bakuer Naphta-Jndustrie. Soziales. Unmoralisch und fiandcsuuwnrdig! Bei Besprechung der Vor- gänge bei der Berichterstattung über den Rostocker Aerztctag ist der braven„Kreuz-Zeitung" ein sehr rollenwidrigcr Seitensprung passiert. Sie erklärt den Ausdruck„standeslinwllrdig" für minder beleidigend als den Ausdruck„unmoralisch". Das ist nach den in ihren Kreisen herrschenden Ansichten durchaus falsch. Es ist doch unzweifelhaft unmoralisch z. B. unschuldige Mädchen zu verführen oder wehrlose Soldaten zu mißhandeln oder als Bewaffneter gegen Unbewaffnete mit der Waffe vorzugehen oder mit Ehefrauen, noch dazu von Kameraden, Ehebruch zu treiben oder Duellmorde zu begehen usw. Standesunwürdig ist dieses alles aber, wie unzählige Beispiele be- weisen, absolut nicht. Eine neue Aktion der Leipziger Krcishaiiptmannschaft. Wie dem „B. T." zum Leipziger Aerztekonflikt gemeldet wird, hat die Kreis- hauptmannschast das Polizei-Amt aufgefordert, den Vorstand des Sanitätsverein zu veranlassen, die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb des Vereins als V e r s i ch e r u n g s v e r e i n auf Gegenseitigkeit nachzusuchen.„Wie erinnerlich, hätte der Verein den Mitgliedern einen Rechtsanspruch auf freie ärztliche Behandlung nicht zugestanden. In der kreishauptmannschaftlichen Verordnung heißt es aber, die Versagung dieses Rechtsanspruches auf die einzige(Gegen-) Leistung des Vereins schließe einen nicht nur gegen die guten Sitten verstoßenden, sondern auch ausdrücklich.für rechtlich unzulässig erklärten(§§ 138 und 276 des Bürgerlichen Gesetzbuches) Ausschluß der Haftung des vertragschließenden Vereins, also des Schuldners in sich und sei daher nichtig. Danach wird sich der„Sanitätsverein" der staatlickien Aufsicht nicht länger entziehen können und darauf mit der gefürchteten Erhöhung der Mitgliederbeiträge, die eine aus- reichende ärztliche Versorgung garantieren soll, rechnen müssen." Es handelt sich hier natürlich um einen neuen Liebesdienst gegenüber den Herren Aerzte». Denn daß der Leipzig« Sanitäts- verein nach Art der Schwindelkassen seinen Verpflichtungen gegen die Mitglieder, auch wenn ihnen juristisch kein Rechtsanspruch zusteht, nicht nachkommen würde, fürchtet die Krcishauptmannschaft wohl selbst nicht. Ist es doch gerade der Zweck dieser Organisation, auch ein Kampsmittcl gegen die Aerzte darzustellen und sie zu-Zugeständ- nissen hinzudrängen. Die angezogenen Paragraphen des bürger- lichen Gesetzbuchs passen auf den vorliegenden Fall ganz und gar nicht. Schulversäumnis und Entschuldigung. Eine für alle Hausväter sehr wichtige Entscheidung hat das Kammergericht gefällt. Ein Herr S mdau hatte seinen Sohn eine Zeitlang auf Verlangen des Kreisarztes nicht zur Schule gehen lassen, weil infolge Typhuserkrankung der Frau Sandau Ansteckungsgefahr bestand. Der Klassenlehrer des Knaben verlangte von S., daß er die Schulversäumnis beim Rektor entschuldige und ein Attest des Kreisarztes über das Nochvorhanden- sein der Ansteckungsgefahr beibringe. S. thar das nicht. Er wurde deshalb in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt, und zwar auf Grund einer Regierungs-Polizeiverordnung von 1895, die gleich allen ähnlichen Polizeiverordnungen mit Strafe den bedroht, der seine Kinder „ohne genügende Entschuldigung" die Schule versäumen läßt. Das Landgericht ging davon ans, daß allerdings unter den obwaltenden Umständen ein Schulbesuch des Knaben ganz unzulässig ge- Wesen wäre; es meinte aber weiter, daß der Vater dadurch nicht von der Pflicht entbunden werde, eine begründete Entschuldigung in der von der Schulbehörde für erforderlich erachteten Weise an zuständiger Stelle anzubringen. Da er es nicht gethan, so sei er zu bestrafen. Angeklagter legte Revision ein und betonte, daß es doch nicht erst einer Erlaubnis bedürfe, den Jungen zu Hause zu behalten, wenn, wie hier, die Verpflichtimg zum Schulbesuch nicht bestand. Der Strafsenat des Kammergerichts hob denn auch das land- gerichtliche Urteil wieder auf und sprach den Angeklagten frei. Aus der principiell wichtigen Begründung ist hervorzuheben: Die Verordnung über Schulversännmisse und ihre Bestrafung habe ihre gesetzliche Grundlage im Allgemeinen Landrecht. Danach seien aber nur die Eltern zc. stxafbar, die hinsichtlich des Schulbesuchs ihrer Kinder„säumig" seien. Wie feststehe, habe nun hier die Mutter den Typhus gehabt und es sei vom Kreisarzt verboten worden, den Jungen in die Schule zu schicken. Der Vater sei also nicht„säumig" gewesen im Sinne des Landrechts. Eine Ver- pflichtung, beim Rektor durch ein Attest des Kreisarztes die Not- wendigkeit der Schulversäumnis nachzuweisen, habe ihm nicht auferlegt werden können. Wenn die Schulversäumnis an sich„entschuldbar" sei, dann könnten die Eltern auf keinen Fall bestraft werden. Auf die. E n t s ch u l d i g u n g" komme es nicht an. Untergang eines dänischen Ans- wandererdampfers. Der dänische Dampfer„Norge" mit 80 Mann Besatzung und 694 Auswanderern an Bord ist beim Rockall-Riff, 200 Meilen West- lich von den Hebriden-Jnseln, gescheitert. Der Montag in Grimsby eingetroffene Fischdampfer„Salvia" hatte 27 Passagiere an Bord; insgesamt sind ferner in Stornoway 101 Gerettete eingebracht wdrden. An der Rettung haben sich beteiligt der Dampfer„Cervona" aus Dundee, der 42 Ueberlebende landete und der Dampfer „Energie", der die übrigen dorthin brachte. Unter den 694 Passagieren befanden sich 79 Dänen, 63 Schweden, 296 Norweger, 15 Finnen und 236 Russen, auf der Fahrt von Kopenhagen nach New Jork. Vergangenen Dienstag wurde er an- scheinend aus seinem Kurs gerissen und stieß auf die Klippen des Rockall-Riffs(200 Meilen westlich von den Hebrideu-Jnselu, 57 Grad 36 Min. nördl. Breite, 13 Grad 45 Min. westl. Länge). Der Kapitän Gründe! ließ die Maschinen sofort rückwärts arbeiten, der Dampfer hatte aber in der Seite ein so großes Leck, daß das Wasser mit großer Gewalt eindrang und alles überflutete, so daß jede Hoffnung auf Rettung entschwand. Die acht Boote des Schiffes wurden darauf zu Wasser gelassen, von denen drei an der Bordwand des Schiffes zerschellten. Bon den übrigen fünf Booten, die mit Passagiereu gedrängt besetzt waren, gelang es nur zweien, vom Schiff abzukommen. Einer von den geretteten Passagieren berichtet, er habe zwei Boote kentern sehen; zahlreiche Personen, die, mit Rettungsgürteln versehen, ins Meer sprangen,(seien vor seinen Augen ertrunken. Es habe keine Panik geherrscht. Mehrere Matrosen hätten ihr Leben zum Opfer gegeben, um Frauen und Kinder zu retten. Ein Geretteter schildert den Unglücksfall folgendermaßen: Ich faß in meiner Kajüte und wartete auf das Frühstück, als ich einen heftigen Stoß im Schiff und dann noch einen neuen Stoß verspürte. Ich eilte an Deck und sah, daß irgend etwas Gefährliches passiert sein müßte. Ich stieg hinunter, um meine Sachen zu holen. Auf Deck liefen viele Menschen hin und her. Man war im Begriffe. Boote herabzulassen, und ich gelangte in eins der- selben. Es herrschte keine Panik. In dem Boote befanden sich vier bis fünf Personen, che ich hineinstieg. Wir gelaugten vom Schiffe weg, da sich in dem Boote ein Mann von der Besatzung befand, der zu segeln verstand. Ich sah zwei andre Boote kentern, denn das Wetter war schlecht, und keiner von den im Boote befindlichen Personen konnte steuern. Wir segelten vom Unglücksorte fort, und nach 24 Stunden trafen wir den Dampfer„Salvia", der uns an Bord nahm. Viele Menschen sprangen, mit Rettungsgürteln ver- sehen, ins Wasser und kamen vor unfern Augen um. Nach einem Bericht der„Daily Mail" lief die„Norge" um Vo8 Uhr abends auf den Felsen ans. Der Stoß traf gerade den Teil des Schiffes, in dem sich die Maschinen befinden. Die„Norge" lief infolge des Stoßes vom Felsen ins tiefe Wasser zurück. Durch die Erschütterung aufmerksam gemacht, eilte der größte Teil der Passagiere auf Deck, wo sie sahen, daß das Schiff bereits im Sinken begriffen war. Unter den Auswanderern entstand eine furchtbare Panik. Sie stürzten sich in Verzweiflung auf die Retwngsgürtel, die jetzt ausgeteilt wurden. Die Besatzung versuchte vergeblich. Ruhe zu schaffen. Zwei Rettungsboote wurden herabgelassen, sie wurden jedoch von den Wogen gegen die Schiffswände geworfen und zerschmettert. Die Insassen der Boote ertranken sämtlich. Dann wurden drei weitere Boote herabgelassen und bis zum Rande mit Auswanderern besetzt. Plötzlich sank jetzt die„Norge" vollständig und riß 600 Personen ins Wasser mit hinab. Viele von ihnen schwammen zu den Booten, die jedoch bereits übervoll waren. Zwischen den Insassen der Boote und den im Wasser um ihr Leben Kämpfenden kam es zu schrecklichen Scenen. Die Insassen der Boote trieben die Heranschwimmenden, die sich in die Boote retten wollten, durch Sckiläge mit den Rudern zurück. Die in Grimsby Gelandeten, 19 Männer, sechs Frauen und ein Mädchen, schilderten, wie sie sich ihren Weg zum Rettungsboote zu erkämpfen hatten, wobei ihnen einer der Schiffsoffiziere half. Der Offizier brachte das Boot wohlbehalten vom Schiffe weg und sprang darauf über Bord, um schwimmend zu einem andren Boote zu gelangen. Er ereichte jedoch keines der Fahrzeuge und ertrank. Die Geretteten haben alles verloren, da in dem Kampfe um das nackte Leben niemand Zeit hatte, an die Rettung irgend welcher Dinge zu denken. SexverkscbaftUckes. Die Unverfrorenheit am Montag. In unsrer Nummer vom 29. Juni haben wir gegenüber anders gearteten Mitteilungen der„Welt am Montag" festgestellt, daß den Mosseschen Arbeitern von einem Wohlthätigkeitsfonds, über welchen sie eine Kontrolle haben, nichts bekannt ist. Wir hatten bei dieser Gelegenheit die Wohlthätigkeit der Millionenfirma ihren Arbeitern gegenüber ins rechte Licht gerückt. Eine Zuschrift der Firma Mosse an uns, von der wir im Interesse der Wahrheit Kenntnis nahmen, gab zwar die Abrechnung eines Wohlthätigkeits- fonds wieder, ließ aber die„Welt am Montag" in Bezug auf alle andern Behauptungen im Stich. Das hat dieses Blatt nicht klein- laut gemacht. In der n e u e st e n Nummer schreibt es: Der vorlaute„Vorwärts". In seiner Nummer vom 29. Juni behauptet der„Vorwärts", die„Welt am Montag" habe die Existenz des Mosseschen Unterstützungsfonds betont,„obgleich ihr inzwischen eine gegenteilige, aber von ihr totgeschwiegene Be- richtigung des bei Mosse beschäftigten technischen Personals zuging". Woher weiß der„Vorwärts", daß uns eine„Berichtigung" zu- gegangen ist? Im Briefkasten unsrer Nnnimer vom 20. Juni betätigten wir lediglich einigen anonymen Briefschreibern, daß wir ihr Schreiben erhalten hätten, aber zu spät, um noch Gebrauch davon machen zu können. Gilt dem„Vorwärts" eine anonyme und in den unklarsten Formen gehaltene Mitteilung als Berich- tigung? Er sollte sich doch wirklich besser informieren, ehe er leichtfertig Verdächtigungen in die Welt setzt. Von unsren thatsächlichen Feststellungen also kein Wort! Und bei diesen handelt es sich doch sicherlich nicht um„in unklarsten Formen gehaltene Mitteilimgen". Sie waren s o deutlich, daß sie auch in der„Welt am Montag" hätten verstanden werden können. Statt dessen die Unverfrorenheit, den„Vorwärts" leichtfertiger Ver- dächtigungen zu beschuldigen I Dabei giebt das Blatt zwischen den Zeilen zu, daß ihm eine Berichtigung zugegangen seil Nur hat die Zuschrift nicht die Form einer Berichtigung. In a n st ä n d i g e n Blättern pflegt man nichts desto weniger von solchen Zuschriften Nottz zu nehmen.— Die„Welt am Montag" muß freilich am besten wissen, ob sie sich zu den anständigen Blättern noch rechnen kann. Dann soll der Brief von einigen anonymen Briefschreibern herrühren! Das ist eine Behauptung, die entweder sehr leichtfertig oder gar wider besseres Wissen die Thatsachen auf den Kopf stellt. Der fragliche Brief wurde im Auftrage einer Druckerei- Versammlung des Mosseschen Personals, an der etwa zwei- hundert Personen aus allen Abteilungen teilnahmen, durch ein Mitglied des Arbeiterausschusses persönlich in der Redaktion der„Welt am Montag" abgegeben. Er war vom Arbeiter- ausschuß mit namentlicher Unterschrift versehen.— Derarttge Schriftstücke pflegt man sonst nicht anonym zu nennen!— Die„Welt am Montag" mag daraus ersehen, wie gut wir informiert sind I Durch wen?— Uns ist, als hätte die„Welt am Montag" in einer besseren Vergangenheit auch schon das Redaktions- geheimnis gegen Angriffe von andrer Seite verteidigt! Berlin und tlmgegcncl. Der Terrorismus der Berliner Steinsetzer-Jnnnng nimmt nach und nach einen geradezu gemeingefährlichen Charakter an. Zunächst haben die Herren von der Innung es verschuldet, daß durch ihre Ausspcrrungsgelüste in Berlin und sämtlichen Vororten bis zu zwei Meilen im Umkreise sämtliche Straßenbauten lahm- gelegt und damit wesentliche Verkehrshindernisse geschaffen worden sind, Verkehrshindernisse, die unter Umständen eine schwere Gefahr für Menschenleben und Eigentum mit sich bringen können: Man stelle sich bloß eine weithin aufgebrochene Straße bei Ausbruch eines Schadenfeuers oder bei Wassersnot vor! Nicht genug damit, haben die Herren von der Innung es jetzt sogar durchgesetzt, daß die Brandenburger und P o t s- damer Steinsetzermeister ihre Leute ebenfalls aus- gesperrt und damit ebenfalls die dortigen öffentlichen Straßenbauten lahmgelegt haben, obwohl die dortigen Arbeiter des Steinsetzer- Gewerbes mit diesem Konflitt nicht das geringste zu thun haben. Man muß allerdings die— Dreistigkeit bewundern mit der gerade diese Herren mit den Interessen der in Betracht kommenden Kommunen umspringen, wo es doch den betreffenden Behörden— wenn sie nur wollten— ein ungemein Leichtes wäre, den Herren zu zeigen, daß gerade sie als Unternehmer vollständig überflüssig sind: die betreffenden Behörden brauchen die stillgelegten Arbeiten bloß in eigner Regie fortzuführen— und mit einem Schlage wäre für die betroffenen Kommunen die schwere Kalamität des Steinsetzer-Streiks beseitigt. Die Arbeiter wären mit einer der- artigen Lösung des Konfliktes durchaus einverstanden und die Herren Jnnungsmeister hätten nicht mehr nötig, sich über die Un- botmäßigkeit der Arbeiter zu ärgern. Die Arbeiter aller Berufe aber werden diese neuesten Akte des Untcrnehmer-Terrorismus als einen Ansporn zur Unterstützung der schwer ringenden Organisation der Steinsetzer betrachten. Es handelt si.ch für diesen kleinen Beruf und entsprechend kleine Organi- fatiun um einen Niesenkampf. Dieselbe umfaßt mit 6000 Mit- gliedern ca. 4S— 50 Proz. sämtlicher BerufKarbeiter, von denen sich zur Zeit über 2000, also über ein Dr'ttel, im Lohnkampfe befinden, in einem Kampfe, den sie nicht gesucht, sondern der ihnen aufgedrungen worden ist. Möglicherweise sperrt die Innung Ebers- tvalde die Steinsetzer auch noch aus. Einignu« der Organisatio» der Nohrer Berlins. Der Verein der Rohrer Berlins und Umgegend und die Freie Vereinigung der Deckenrohrer hielten gestern im Englischen Garten eine General- Versammlung ab, die sich eiiistimiiiig mit den von den Vorständen der beiden Organisationen beschlossenen Einigungsvorschlägen einverstanden erklärte. Damit sind die beiden Organisationen, zwischen denen .übrigens principielle Differenzen nicht bestanden haben, mit einander verschmolzen. Die Mitglieder der bisherige» Freien Vereinigung werden bis zur nächsten Vereinsversammlung ohne Eintrittsgeld in den Verein der Rohrer Berlins und Umgegend aufgenommen. —_ Die Mitglieder der Freien Vereinigung beschlossen in der gestrigen Versammlung, das Vermögen ihrer Organisation dem Verein zu überweisen.— Von der gemeinsamen Generalversammlung wurden aus den Reihen der Mitglieder der bisherigen Freien Vereinigung in den Vorstand des Vereins gewählt: als zweiter Vorsitzender Fuhrmann, als zlveiter Kassierer R o b e r t S ch u l z und als Revisor L a u f m a n n. Der zweite Vorsitzende wird auch als Ersatz- delegierter zum Gewerlschaftskartell fungieren. Der Lohnknmpf im Bäckergewerbe erfordert, um die Errungen- schaften des Streiks zu erhalten, die unausgesetzte Unterstützung durch das konsumierende Publikum. Wohl keine andre Gewerkschaft hat mit so unzuverlässigen Arbeitgebern zu thun, wie die Bäcker. Daß eingegangene Verpflichtungen zu halten sind und Verträge nicht«in- fach gebrochen werden dürfen, das scheint vielen Bäckermeistern un- bekannt zu sein. Zwar werden noch täglich neue Unterschriften unter den Tarifvertrag gegeben, andrerseits laufen aber fortgesetzt die be- kannten Zurückziehungen ein, die häufig bald darauf widerrufen werden. Es ist ein derartiges Durcheinander, daß mancher Bäcker- meffter selber nicht weiß, ob er sich zu denen zu rechnen hat, welche bewilligt haben, oder ob er fein Wort zurückgezogen hat. Angesichts dieses Zustandes, und ersichtlich ist, daß die Zurückzichungs- Erklärungen fast ausschließlich unter dem Druck der Scharfmacher erfolgt und deshalb nicht ernst zu nehmen sind, beachtet die Ver- bandsleitung derartige Erklärungen, namentlich wenn sie durch den Jnnungsanwalt Löwe erfolgen, gar nicht mehr; die Organisation trägt nur den thatsächlichen Verhältnissen Rechnung, maßgebend ist für sie, ob die betreffenden Bäckenneister den von ihnen beschäftigten Gesellen gegenüber die Forderungen erfüllen. Daß die weitaus meisten Bückermeister nicht aus eignem An- triebe vom Vertrage zurücktreten, beweist der Umstand, daß der ganze Stoß von Rücktrittserklärungen, der sich im Berbandsbureau cmgesanimelt hat, fast nur zwei verschiedene Handschriften und durchweg denselben Wortlaut aufweist, den der betreffende Meister nur unterschrieben hat. Rafft sich mal ein Bäckermeister zu einer eignen Erklärung auf. dann ist sie auch danach. Eines dieser eigen- händigen bäckermeisterlichen Schriftstücke sieht so aus: „Die Vereinbarung mit Verbände der Bäcker und Berufs- genossen Deutschlands Reine ich meine Bewilgung zu Rick." (Folgt Datum und Unterschrift.) Mit den Grundsätzen von Treu und Glauben stehen die Herren auf ebenso gespanntem Fuße wie mit der deutschen Sprache und Rechtschreibung. Bei der Flugblattverbreitung am Himmelfqhrtstage hat die Polizei gegen eine Anzahl der Flugblattverteiler Strafmandate er- lassen wegen groben Unfugs und Uebertretung des Paßgesetzes. Natürlich ist in allen Fällen die Entscheidung des Richters an- gerufen worden. Einer dieser Fälle— unseres Wissens der erste— wurde am Freitag vor dem Schöffengericht verhandelt und endete mit der Freisprechung des Angeklagten. Das Gericht erachtete das polizeiliche Vorgehen gegen den Flugblattverteiler als völlig un- begründet und vermochte weder in der Verbreitung noch im Inhalt des Flugblattes groben Unfug oder Uebertretung des Prehgesetzes zu erblicken. Die Rabitzspanner beschloffen in ihrer am Sonntag abgehaltenen Versammlung, bei der bevorstehenden Beratung des Tarifs folgende Aenderungen geltend zu machen: Es soll nur in Zeitlohn gearbeitet und statt des jetzigen Stundenlohnes von 65 Pf. ein solcher von 07V- Pf., und zwar auch für Putzerträger, gefordert werden. Dia Baubuden sollen im Winter geheizt werden. Der Ueberstunden- Zuschlag soll auch, wenn in Tag- und Nachtschichten gearbeitet wird. den Nachtkolonnen gezahlt werden. Die Entschädigung von Fahr- geld soll besser wie bisher geregelt und bei Arbeiten in weiter ent- fernten Vororten die Fahrzeit in die Arbeitszeit eingerechnet werden. Die Lohnzahlung soll Sonnabends spätestens um 5 Uhr beginnen.— Außerdem beschloß die Versammlung, daß die Angelegenheiten der Rabitzspanner und die der Rabitzvutzer künftig in gemeinsamen Ver- sammlungen erledigt werden sollen. Achtung, Gummi-Arbeiter und-Arbeiterinnen! Bei der Firma Kübler u. Comp., Reinickendorf, sind Differenzen ausgebrochen, welche zu den denkbar schwersten Konflikten führen können, und bitten wir alle arbeitslosen Gummi-Arbeiter und-Arbeiterinnen, genannta Fabrik bis auf weiteres zu meiden. Verband der Fabrik«. Land-, Hilfsarbeiter und«Arbeiterinnen. OeutfehcB Retdi. Ein„Verein Dentscher Korrektoren" wurde am 26. Juni in Berlin begründet. Derselbe ist ein integrierender Teil des„Ber- bandes der deutschen Buchdrucker". Jeder Eintretende muß somit auch Mitglied des letztgenannten Vereins sein. Programmatisch schließt sich der neue Verein den Ideen bezw. dem Statut des Ver- bandes an. Die Tischler von Fürstenwalde a. d. Spree sind in eine Lohn- bewegung getreten. Im Jahre 1897 drückten dieselben einen Tarif durch, der den damaligen Verhältnissen entsprechend einen Stunden- lohn von 30 Pf. bei entsprechendem Accordsatz vorsah. In den 6er- gangenen sieben Jahren sind nun die Lebensmittelpreise und nament- lich die Mieten bedeutend in die Höh« gegangen. Neu gefordert ivrrden 40 Pf. Stundenlohn, der entsprechende Aufschlag bei Accord« arbeit, ferner Verkürzung der Arbeitszeit um 1 Stunde wöchentlich. Da in einigen Betrieben schon der erhöhte Lohn gezahlt wird, auch die verkürzte Arbeitszeit besteht, so hoffen die Tischler bei Fern- Haltung des Zuzuges, ihre Forderungen durchzusetzen. Alle arbeiter- freundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Achtung, Metallarbeiter! In der Fahrradfabrik von Lohmann zu Bielefeld sind, wie uns durch Privattelegramm von dort gemeldet wird. Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Metall- arbeitern aller Branchen und Sattlern ist fernzuhalten.— Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Die Straßenbahner von Hagen i. W. sind, wie uns ein Privattelegramm von dort meldet, in einen Ausstand getreten. Der Betrieb ruht voll st än big. ES wird gebeten. Zuzug fernzuhalten. Alle Arbeiterblätter werden um Ab- druck gebeten. Der Bremer Bierboykott dauert nunmehr schon im dritten Manat. Im April d. I. traten die in den Bremischen Brauereien beschäftigten 16 Böttcher zwecks einer ganz unwesentlichen Lohn- mehrforderung. die auf friedlichem Wege, dank dem Starrsinn des vereinigten Unternehmertums, nicht zu erreichen war. in den Aus- stand. Sämtliche Bremer Brauereien, die in einer Societät vereinigt sind, erklärten sich miteinander solidarisch, oder wie man richtiger sagen kann, die großen zwangen die kleinen, nicht die berechtigten Forderungen der Arbeiter anzuerkennen. Nur eine auswärtige, die Hemelinger Brauerei, deren Erzeugnisse in Bremen sehr verbreitet find, erkannte die Forderungen der Arbeiter zum Teil an und wurde dementsprechend über diesen Betrieb die Sperre nicht verhängt. � Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw, Bei einem Kampf«, den die Arbeiter einer Lebensmittelbranche führen. ist noch stets die Thatsache in die Erscheinung getreten, daß auch das große Publikum in seiner Eigenschaft als Konsument Stellung in dem jeweiligen Kampfe genommen hat und durch die Waffe des Boykotts seinen Einfluß zu Gunsten der Ausständigen geltend niachte. So auch hier. Das Gewerkschastskartell nahm sich der Sache der Böttcher an und proklamierte am 1. Mai den Boykott über alle der Societät angeschlossenen Brauereien. Die Hemelinger und andre auswärtige Brauereien werden nicht boykottiert. Schon der 1. Mai als erster Tag, des Boykotts gab ein glänzendes Zeugnis von der Solidarität der Bremer Arbeiterschaft. Kein organisierter Arbeiter trank auch nur einen Tropfen boykottierten Bieres, und so schidn es, daß die Brauereien bald selbst einsehen müßten, daß ein Kampf gegen die gesamte Arbeiterschaft Bremens doch nicht auf die Dauer geführt werden könnte. Der Kampf wäre auch schon längst beendet, wenn nicht da plötzlich der Wirtevercin dem Unternehmertum als rettender Engel gekommen wäre und dessen selbst zum größten Teil der Arbeiterschaft angehörige Mitglieder einen Beschlutz gefaßt hätten, der allen Arbeiterinteressen geradezu ins Gesicht schlug. D i e Wirte gingen mit dem Unternehmertum und deshalb mußte von der Arbeiterschaft der Kampf gegen beide Korporationen geführt werden. Zwei lange Monate hindurch wird dieser Kampf nun schon mit aller Energie geführt. Fast täglich fanden Sitzungen und Versammlungen statt, allwöchentlich beschäftigte sich auch das Gewerkschaftskartell mit diesem Kampfe, unzählige Flugblätter und Proklanrationen wurden veröffentlicht, ein Heer von Kontrolleuren stellte sich der Boykottkommission zur Verfügung, aber nocki ist kein Ende des Kampfes abzusehen, der sich von Tag zu Tag intensiver gestaltete. Nicht nur, daß die Brauereien jegliche Zugeständnisse verweigern, sie stellen sich jetzt auch auf den Standpunkt, daß sie überhaupt nicht gewillt sind, in Zukunft in ihren Betrieben Böttcher zu beschäftigen. Diese Thatsache macht den Kampf besonders kritisch.— Am Donnerstagabend fand nun eine kombinierte Sitzung aller Vorstände der Ge- werkschaften und Aktionskomitees der Partei statt, in welcher be- schlössen wurde, jetzt den Kampf mit vereinten Kräften aufzunehmen. Die Vorstände der Gewerkschaften verpflichteten sich, alle vorbereiteten Feste in Lokalen, wo kein boykottfrries Bier verschenkt wird, über- Haupt nicht abzuhalten und weiter ihre Vereinslokale dahin zu verlegen, wo der Wirt sich verpflichtet, ausschließlich boykottfreies Bier zu führen. Diese verschärften Maßnahmen sind notwendig geworden, wenn der Kampf zu einem annehmbaren Frieden führen soll, und es steht zu erwarten, daß die Unternehmer sich jetzt endlicki dazu Herbeilasien, im eignen Interesse Verhandlungen anzubahnen, die dem gegenwärtigen Zustande ein Ende bereiten, das beide Teile zufrieden stellt. Das Bremer Scharsmachertum, welches anläßlich des AusstandeS im Baugewerbe schon so unrühmlich in die Erscheinung trat, Macht sich jetzt, wo auch die T i s ch l e r die Eventualität einer Lohn- bewegung erörtert haben, wiederum bemerkbar. Bor etwa vierzehn Tagen hielten die Tischte'' eine Branchenversammlung ab, in welcher die unverheirateten Kollegen aufgefordert wurden. Bremen zu ver- lassen, da es im andern Falle unmöglich ist, in Zukunft eine Ver- besserung der traurigen Lohn- und?lrbcitsbedinAungcn der Tischler herbeizuführen. Vom Streik war in der Versammlung nicht die Rede.— In der vergangenen Woche hielten nun auch die Unter- nehmer eine Versammlung ab, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, für jeden freiwillig die Arbeit aufgebenden ledigen Gehilfen einen verheirateten zu entlaste». Da nun gegen 200 ledige Gehilfen ab- gereist sind, ging das Scharfmacherttim daran, seinen Beschlutz durch- zuführen. Am letzten Sonnabend wurden bereits zahlreiche verheiratete Leute entlassen. In einem Betriebe allein 17 Personen, von henen viele 15— 20 Jahre dort beschäftigt waren I Mit geradezu cynischer Offenheit erklärte ein Unternehmer seinen Leuten, daß man, um ein Exempel zu statuieren, die ältesten und am längsten Be- chäftigten maßregeln werde. Am Sonnabend fand nun eine zahlreich besuchte Holzarbeiter-Versammlung statt, in welcher über die vorgekommenen Maßregelungen Bericht erstattet wurde. Soviel wir bis jetzt erfahren haben, sind an die 60 ver- heiratete Tischler diesen Sonnabend bereits entlassen worden. Daß zahlreiche Maßregelungen noch in Aussicht stehen, bedarf weiter keiner Erörterung. Da die betreffende Versammlung nicht kompetent war, irgendwelche Beschlüsse zu fassen, wurde die Angelegenheit auf nächsten Dienstag vertagt, wo alsdann eine Vranchenversammlung endgültig Beschluß fassen soll. Die Arbeiter werden diesem brutalen Gewaltakt des Unternehmertums die rechte Antwort zu geben wiffen. HtislunU. Jef Grocster, der Leiter des Antwerpener Diamantarbeiter, BcrvandeS, dem die belgische Regierung beim Diamantarbeiter, Streik freies Geleit zugesichert hatte, ist am Donnerstag- nachmittag von Polizci-Ag�tten f e st g e n o m m c n und sofort nach dem Gefängnis gebracht worden. Das Vorgehen der Behörden, da? großes Aufsehen erregt hat, wird von der Bevölkerung allgemein oerurteilt. Pier Kammermttglicder: der Socialift Ter- wagne. die Katholiken Debeke und Segers und der Liberale VerHeyen haben einen Antrag. Groeffer Amnestie ch verleihen, eingebracht. Groeffer hat bekanntlich eine Gefängnis- strafe wegen Schändung der„Arbeitsfreiheit" zu verbüßen. Ein Bergarbeiterstreik in Dalmntien. Seit vierzehn Tagen stehen die Arbeiter der österreichisch-italienischen Kohlenwcrks-Ge- sellschaft von Monte Promina im Streik. Bergbehörden. Gendarmerie und Civilbehörden nehmen Stellung gegen die Arbeiter und arbeiten durch allerhand Provokationen, wie es scheint, darauf hin. die Streikenden zu Ungesetzlichkeiten hinzureißen, damit der Ausstand in Blut ersttckt werden kann. Der Streikführer. dem es bis jetzt ge- lungen ist, die organisierten Arbeiter von jedem Verzwejflungs- ausbruch zurückzuhalten, wurde verhaftet. Der englische Gewerkschaftskongresi wird in diesem Jahre am 5. September und die folgenden Tage in L e e d s abgehalten werden. Die soeben veröffentlichte Tagesordnung enthält wieder eine kunter- bunte Menge von Resolutionen und Anträgen. Die Bergarbeiter- Föderation verlangt ein Gesetz, welches die Einwanderung von aus- lgndischen und ungelernten Arbeitern, namentlich deren Verwendung in den Gruben erschweren soll. Andre Resolutionen verlangen die Einführung der?llterspension, die Errichtung eines besonderen Arbeitsmtnisteriums, eines Ministeriums für Industrie und ver- schiedene Erweiterungen der Fabrikgesetzgebung. Die Vivisektion wird verworfen. Einige Resolutionen beziehen sich auf das Arbeits- Verhältnis in den Kooperativaenossenschaften. Von den Stadt- Verwaltungen wird gefordert, daß sie sich mit der Frage der Arbeits- losen beschäftigen; die Bäckerei-Arbeiter verlangen die Abschaffung der Nachtarbeit. Eine Anzahl Resolutionen befasse,, sich mit der sogenannten Trabes Disputes Btll. )Zus der frauenbeilvegung. Friedenau. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hält Dienstag, den 5. Juli, abends 8'/. Uhr. bei Grube. Kaiser-Allee. eine Wanderpersammlung ab. Tages- ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion, 3. Verschiedenes. Gäste will, kommen. Recht zahlreichen und pünktlichen Besuch aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. Versammlungen. Die Metallformer und GIeßerei-Arbeiter befaßten sich gestern in einer stark besuchten Branchen- Versammlung mit der Aus- s p e r r u» g ihrer Berufskollegen bei der Firma S ck>v i e d I in s k i, Manteuffelftraß«. Wie aus dem Referat des Verbandz-Bevoll- Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: BorwärtsBuchdr.u. BerlagZanstalt mächtigien Wiesenthal hervorging, ist die Aussperrung ouS ganz geringfügigen Ursachen erfolgt. E? handelte sich um Verweigerung der Ueberstunden seitens der Kernmacher. Erst am selben Tage war ein Kernmacher entlassen worden; infolge dessen vermochten dessen übrige Kollegen die Notwendigkeit der Ueberstunden- arbeit mcht einzusehen. Die Firma entließ hierauf nicht nur die Kern- »mcher, sondern auch die übrigen Gießer, Bestoßer und Gießereiarbeiter. Eine Wiedereinstillnng der Entlassenen lehnte die Finna ausdrücklich ab, obwohl seitens des Metallarbeiter- Verbandes sofort Schritte zur Beilegung der Differenz eingeleitet wurden. Die Ausgesperrten wurden dann einige Tage später durch den Generalsekretär Nasse vom Verband Berliner Metallwnren- Fabrikanten behufs Rücksprache nach dem be- kannten Bureau in der Dresdenerstraße geladen; sie gingen jedoch nicht hin, Iveil sie als organisierte Arbeiter auf dem Standpunkte stehen, daß, weiin die Metallwarenfabrikantcn durch einen offiziellen Beauftragten mit den Arbeitern verhandeln wollen, dabei auch ein Ver- treter der Arbeiterorganisation mitzuwirken hat. was von der Fabrikanten- Vereinigung bekanntlich abgelehnt wird. Nun hat die„Arbeitgeber-Zeitung" unter vollständiger Verdrehung des Sachverhalts lsie schreibt fälschlicherweise von einem durch den Metallarbeiter-Verband inscenierten Streik der Gicßerei-Arbeiter) über die Aussperrung bei Schwiedlinssi berichtet und die Angelegen- heit ungemeffen aufgebauscht, indem sie gleichzeitig betont, die Arbeitgeber würden in richtiger Konsequenz ihres bisherigen Stand- Punktes gegen diese„Beunruhigung" der Fabrikanten durch die Metallarbeiter mit den s ch ä r f st e n M i t t e l n vorgehen. Ans diesen Anlässen heraus sahen sich die Gießerei-Arbeiter ge- nötigt, die Frage zu erörtern, ob die von den Ausgesperrt en gezwungenermaßen verlassene Arbeit in andren Fabriken angefertigt werden solle oder nicht. Die Versammlung war der Ansicht, daß die Frage der Anfertigung von Streikarbeit nach wie vor als eine Frage der Taktik und nicht des Princips zu betrachten und sie von Fall zu Fall zu prüfen ist. In diesem Falle, wo es sich um keinerlei aktives Vorgehen der Arbeiter irgendwelcher Forderungen wegen, sondern um eine bis dahinuoch kaum vorgekommene Aussperrung wegenVerweigerung der Ueberstunden handelt, wie auch in Anbettacht der gegenwärtigen Konjunktur entschied die Versammlung, die Arbeiten derFirma Schwiedlinski anderweitig nicht anzil fertigen. Jeder Fall, wo solche Arbeit den Arbeitern andrer Gießereien über- tragen wird, soll sofort der Ortsverwaltung des Metallarbeiter- Verbandes gemeldet werden, damit sachgemäß darüber entschieden werden kann. Cingegangene DruckrchHften. Jsa Nicholson. Die Geschichte der Konsumvereine in England. verausgegeben vom Sekretariat des Verbände» schweiz. Konsumvereinc. 70 Seiten. Basel 1007, Thiersteiner-illlee 14. Dr. Hanns Dorn. Die Vereinödung in Oberschwaben. Preis brosch. 5,40 M. Kempten und München 1904. Verlag der Jos. Köselschen Buch« Handlung. Dhätigkeits- Bericht des Verbandes der Metollarbeiter Oesterreichs für die Berwaltungöjahr« 1902 und 1903. 168 Seiten. Wien 1904. Verlag des Verbandes. Protokoll des süniten ordentlichen Verbandstages des Deutschen Holz« arbciter-Verbandes. 1904. 200 Seiten. Druck von I. H. W. Dietz Nächst. in Stuttgart. Letzte Nachrichten und Depefchcn. Ein Ehcdrauia. Wcißenfels, 4. Juki.(B. H.s Eine Ehedrama spielte sich heute nach- mittag Hierselbst ab. Der 48 Jahre alte Schuhmacher Munter, ein hochgradig nervöser Mann, schoß mit einem Revolver auf seine Frau und verletzte sie schwer am Kopfe. Dann erschoß er sich mit zwei Kugeln._ Neuer Boykott. Hamburg, 4. Juli'.(B. H.) Die Wiedereröffnung des Boykotts über 22 Hamburger Brauereien wurde vom Gcwerkschaftskartell be- schloffen, doch soll er erst beginnen, wenn die Stadt hinreichend mit boykottfreiem Bier versehen ist. Mord»nd Selbstmord. Schkölen(Kreis Weißenfels), 4. Juli.(B. H.) Auf dem Wege nach dem benachbarten Au« erschoß der Dienstknecht Wilhelm Alberti das Dienstmädchen M. Weiser. Das Motiv ist Rache. Die Leiche wurde heut» Morgen aus der Straße aufgefunden. Der Mörder hat sich nach der That im Garten seines Dienstherrn erhängt. Straßdurg i. E., 4. Juli.(B. H.) In Mülhausen starb der Groß- industrielle Jean Mieg-Köchlin im Mter von 85 Jahren. Er war lange Jahre hindurch Ehrenbürgernleister von Mülhausen und Mit- glted des LandeSausschujses. Laibach, 4. Juli.(B. H.) Zwischen Ratschach und JonneStal wurde der Postbote Bregar ermordet und beraubt aufgefunden. Die Karthäuser-Aiigclegenheit vor der Kommission. Paris, 4. Juli.(W. T. B.) In der heutigen Verhandlung der NntersuchungSkominission für die Karthäuser-Angelegenhett wurde der Vertrauensmann des Priors der Karthäuser, Cendre, dem Redatteur des„Libre Parole", Papillaud gegenüber gestellt. Er erklärte, letzteren im Kloster der Karlhäuser nicht gesehen zu haben. Wian machte ihn darauf aufmerksam, daß er früher zu dem Redakteur des„Matin", Bichat geäußert habe, er hätte nach einer Photographie Papillaud als den Besucher er- kannt, den er im Kloster gesehen habe. Aufgefordert, sich darüber zu erklären, bestreitet Cendre Bichat gegenüber, diese Aeußerung getha» zu haben. Bichat, hineingeführt, behauptet. Cendre eine Photographie gezeigt zu haben, aber er weigert sich, den Namen der photographierten Person zu nennen, und er- klärt nur, e« sei nicht die Photographie eines Deputierten oder eines Senators oder eines Journalisten gewesen, sondern die- jenige eines einer politischen Persönlichkeit. Schließlich sagt Pichat, er werde den Direktor des„Matin" um die Ermächtigung ersuchen, der Untersuchungskommission eine gewisse Anzahl Photographien zu unter- breitei», unter welchen sich diejenige der politischen Persönlichkeit befinden würde, welche er Cendre gezeigt habe. Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Petersburg, 4. Juli.(W. T. B.) Wie General Ssaekiavow dem Generalstabe von gestern meldet, wurde am 2. Juli in der Umgebung von Kaitschou festgestellt. daß die Vorposten» Ab teilungen de» Gegners sich nach Süden zurückzogen und eine 14 Werst lange Linie im Nordosten von Sseniutschen besetzten. Die Station Sseniutschen wird von einer japanischen Infanterie- Abteilung besetzt gehalten und in der Untgebung der Stadt Sseniutschen haben die Japaner mindestens elne Division zusammengezogen. Wie gemeldet wird, stehen in der Umgegend Ssiinjans gegen 50 000 Japaner. Beim Dalinpaß hat der Feind dje bisherige Stellung»nne uud rückt nicht weiter nach Haitscheng vor. Petersburg, 4. Juli.(W. T. B.) Der russischen Telegraphen- agentur wird aus TebriZ vom 1. Juli gemeldet, in Teheran wüte die Cholera. Täglich kämen 150 Todesfälle vor' die englische Kolonie verlaffe die Stadt. Die Telegraphenagenwr berichtet ferner, die Gerüchte über eine Verschwörung gegen das Leben des Schahs wie über die Flucht und die Verhaftung zweier Prinzen fei un- begründet.__ Dampfer- Unfall. New Orleans, 4. Juli. Köln erklärt sich gegen den Antrag, Iveil er namentlich die größeren Städte sowohl in hygienischer wie finanzieller Beziehung sehr zu schädigen geeignet sei. Werde der Antrag Gesetz, so würden Metzger wie Händler von dem Recht, außerhalb der Stadt Fleisch zu kaufen, in umfangreichem Maße Ge« brauch machen. Der Transport toten Fleisches sei viel billiger, als der Transport lebenden Viehs. Das Schlachthausgesetz mir seinem Nachlrag von 1831 habe die Fleischversorgung der Städte in hygienischer Beziehung sicher gestellt. Das sei jetzt alles durch den Autrag in Frage gestellt. Die Regierung habe sich zu dem Antrag iiu Abgeordnetenhaus noch nicht geäußert. Auch im Herrenhaus war bei der Konimissionsberatung kein Regierungsvertreter anwesend. Die Stellung der Regierung ist also noch völlig unklar, wenn auch zu be- fürchten ist, daß die Regierung dem Antrag stattgeben wird. Ich verstehe nicht, weshalb dieser Anttag nun in allerletzter Swnde absolut noch ver« abschiedet werden soll. Wenn Sie snach rechts) auf der schleunigen Verabschiedung bestehen, dann kann man Ihnen mit Recht den Vor- wurf machen, daß Sie in ganz einseittgcr Weise an vermeintlichen agrarischen Interessen ohne Rücksicht auf die allgemeinen Interessen vorgehen. Ich kann Sie nur bitten, sich die Sache noch einmal zu überlegen und den Antrag mit schriftlicher Berichterstattung»och einmal a» die Kommission zurückzuverweisen. Im Herbst können wir dann die Sache gründlich und objektiv von neuem erörtern- (Beifall links.) Ein Rrgicrungskommissar entschuldigt das Fernbleiben der Staatsregierung bei der Kommissionsberatung mit zu spät erfolgter Einladung. Eine böse Absicht sei nicht vorhanden gewesen. Daß die Regierung noch keine Stellung genommen habe, erkläre sich dar- aus, daß der Antrag ein Jnitiattvantrag sei und die Regierung zu Initiativanträgen immer erst Stellung nehme, sobald sie zun, Beschluß erhoben seien. Oberbürgermeister Strnckniann-HildeSheim: Wenn dieser Antrag Gesetz wird,'so wird es den Städten außerordentlich schwer gemacht, ihren gesetzlichen Pflichten über die Untersuchung von eingeführtem Fleisch nachzukommen. Fleisch, das einmal vom Tierarzt untersucht worden ist. soll irgend welchen Beschränkungen nicht mehr unter» liegen. Wie aber, wenn dieses Fleisch in viele Stücke zer- legt wird und auf einzelnen Stücken kein Stück des Stempels des Tierarztes mehr drauf ist? Wie soll festgestellt ivcrden, ob dieses Fleisch in der That schon untersucht worden ist? Eine Unterscheidung zwischen Fleisch, das vom beamteten Tierarzt oder nur vom Fleischbeschauer untersucht ist, ist nach diesem Antrage unmöglich, die ganzen Vorschriften über die Untersuchung des Fleisches Iverden so illusorisch gemacht. Wenn ich Regierung wäre, würde ich die Verantwortung für solche sinnlosen Bestimmungen ab» lehnen, wir würden dadurch in Zustände zurückgeführt, die früher einen Schrei der Entrüstung in ganz Deutschland erregt haben. Nicht egoistische Gründe sind für uns maßgebend, wenn wir uns ans das entschiedenste gegen das Gesetz wenden? im Gegenteil, uns macht die Untersuchung nur Kosten und unsrer Polizei große Arbeit. Wir halten uns aber für verpflichtet, für das Wohl und die Gesund« heit unsrer Mitbürger einzustehen. Dieselbe Verpflichtung liegt in »och höherem Maße der königlichen Staatsregierung ob. Darum gehen Sie in diesem Falle mit uns, die wir ans völlig uneigennützigen Gründen uusr« Bürgerschaft Vor diesem Unheil bewahren wollen. (Lebhafter Beifall bei den Bürgermeistern.) Oberbürgermeister Dr. Oehler-Halberstadt: Das Gesetz steht zu vielen Reichs« und Landesgesetzen und-Bervrdnnngen in Beziehung; deshalb muß hier ganz besonders darauf gcachter werden, daß es nicht»>it irgend einem von diesen sich in Widerspruch setzt. Das ffleischbcschan-Gesetz läßt vollkommen im unklaren, wi« der Beweis für eine stattgehabte Untersuchung geführt werden soll, Auch die preußischen Anssührungsbesttmmungen füllen diese Lücke nicht aus. Deshalb beantragen wir, daß die Bestimmungen dieser neuen Novelle nur Anwendung finden, wenn das Fleisch in Stticken eingebracht wird, welche den amtlichen Stempel über die durch einen approbierten Tierarzt erfolgte amtliche Untersuchung trage». In erster Linie bitten wir Sie aber, dieses überflüssig, unvollkommen, nachlässig gemachte Geich abzulehnen.(Bravo 1) Oberbürgermeister Kirschncr-Berlin: Ich möchte zunächst den Vorgang richtigstellen, der im andren Hause ein Motiv gewesen ist, dieses Gesetz zu Ichaffen. Herr Dr. v. Erffa hat iin Abgeordnetenhaus er- klärt, der Magistrat Berlin habe an sämtliche Schlächter die Mahnung ergehen lassen, vom 1. Oktober an alles Fleisch dem städtischen Schlachthof zuzuführen, und hat gegenüber einem Abgeordneten, der Mitglied des Berliner Magistrats ist, diese Behauptung aufrecht erhalten mit der Bemerknug, er habe sie von einer glaubwürdigen und zuverlässigen Persönlichkeit. Weder mir als Vorsitzenden des Magistrats noch dem Schlachthaus-Kuratorium war ein solcher Erlaß oder die Absicht, ihn herauszugeben, bekannt. Ich forschte aber auch bei den unter- acordnete» Organen nach und erfuhr, daß am 23. Juni der Vor- sicher des Untersuchungsamtes dem Kuratorium mitgeteilt hätte, er würde im September einen dahingehenden Antrag stellen. Das ist der Vorgang, der Anlaß giebt, das Gesetz zu schaffen.(Heiterkeit.) Aber der Vorfall hat noch eine andre Seite. Am 23. Juni ist der Antrag niedergeschrieben worden und am 28. Juni konnte Freiherr v. Erffa bereits aus Grund einer Information.durch eine zuverlässige und glaubwürdige Person' davon Mitteilung machen. Die Mrt- teilnng an ihn kann nur unter Verletzung der Pflicht des Aints- gehcimnisseö erfolgt sein. IHört! hört l) Bisher war es nur bei der socialdemokratilchen Presse üblich, von Dingen, die auf diesem Wege erfahren worden sind. Gebranch zu machen. Man scheint aber Forlfchritte zu machen.(Vielfaches Hört! hört!) Nach der Aufnahme, die die letzten beiden Reden bei Ihnen erfahren haben, nehme ich an. daß Sie nicht genetot sind, auf lange Ausführungen einzugehen. In der That lassen sich vielen Gründen, die in der Konnnission geltend gemacht worden sind, objektive und Vermmftgründe überhaupt nicht entgegenstellen. Wenn erklärt wird, es werde schon sowieso viel schlechtes Fleisch in die Städte ein- geführt, daß eS auf Schutz nicht mehr ankommt, oder wenn gesagt ivird, für den Fall, daß sich Krankheiten oder hygienische Nachteile ergäben, würde die Regierung bereit sein, so kann man solchen Gründen gegenüber gar nichts sagen. Nur zwei Punkte möchte ich noch hervorheben. Man sagt, der Antrag Becker habe dieses Gesetz provoziert. Ich meine, wenn zwei Jahre, nachdem die Regierung und die Parteien im Hause versprochen hatten, sich der Frage voll und ganz anzunehmen und trotzdem vollständiges Still- schweigen geherrscht hat, die Vertreter der Städte nach dem Stande der Dmge fragen und man deswegen ein Gesetz gegen sie machen will, so kann man das nur noch humoristisch behandeln. Es erinnert zu sehr an die Fabel voni Kaninchen, das tot- gcbisien ivurde, weil es Streit mit dem Hunde angefangen habe. Die mittlere Linie, auf die Sie uns damals vertröstet haben, liegt iveit ab von den danials gesteckten Grenzen auf einem Gebiet, an das niemand gedacht hat: Das letzte Recht. das den Städten erhalten und ausgebaut werden sollte, wird ihnen jetzt genommen.(Sehr wahr! bei den Oberbürgermeistern.) Nun weist man immer auf die Geschäftslage hin; aber diese ist doch kein Grund, ein Gesetz anzunehmen, gegen das bei der Kommissions- beratung auch in Ihren Kreisen schwerste Bedenken bestehen. Es ist nur merkwürdig, daß die dringliche Geschäftslage immer die Städte betrifft. Vor zwei Jahren war genau dieselbe Situation, aber auch damals erklärte der Fiimnzminister, es sei aus Mangel an Zeit nicht möglich, sich mit dem Abgeordnetenhaus über Abänderungen zu ver- ständigen, und man müsse sich trotz schwerer Bedenken dazu ent- schließen, das Gesetz anzunehmen. Gerade in letzter Stunde wird immer eine Entscheidung gefordert, verlangt, daß wir alles herunter- schlucken. Damit läßt sich nur der Standpunkt der Regierung in Ver- gleich stellen, diese olympische staatsmännische Ruhe(Große Heiterkeit), wie wir sie heute vom Regierungskommissar gehört haben. Ich glaube doch, es hat in der Geschichte Preußens Staatsmänner, und recht große Staatsmänner, gegeben, die, wenn es sich darum handelte, einen für große Teile der Bevölkerung verderblichen Vorschlag zurück- zuweisen, diese staatsmännische Ruhe nicht gewahrt haben(Erneute Heiterkeit), sondern mit aller Energie dagegen aufgetreten sind. Und ich meine doch, die Regierung hätte diesmal noch einen besonderen Anlaß gehabt. Stellung zu nehmen. Denn es handelt sich doch darum, die Rechtsauffassung zu vertreten, der der Landwirtschafts- minister hier beredten Ausdruck gegeben hatte. Und es wäre interessant gewesen, wenn die Staatsregierung gesagt hätte, ob sie in der Zwischenzeit die danials vertretene Rechtsauffassung als unhaltbar erkannt hat oder ob sie diese auch jetzt noch aufrecht erhält. Es wäre Aufgabe des RegierunaskommissarS gewesen, für die von seinem Chef verttetene Rechtsauffasiung ein- zutreten.(Heiterkeit.) Nach diesem Verhalten der Regierung haben wir auch nicht die Hoffnung, daß sie dem Gesetzentwurf nicht zustimmen werde. Wir müssen mit der Thatsache rechnen, daß dieser Entwurf Gesetz wird. Was wird daraus folgen? Jy finanzieller Beziehung werden die Großstädte es aushalten können. Den kleine» und mittleren aber — und es giebt in Deutschland über 400 Schlachthausgemeinden— möchte ich schon jetzt raten, sich den Luxus der Schlachthäuser, die sie auf dem Gesetz fußend und von der Regierung häufig angeregt, errichtet haben, in Zukunft zu versagen. Und in sanitärer Hinsicht: in großen Städten— das ist unsre ein- mutige Ueberzeußung— ist überhaupt von einer wirksamen Kontrolle gar nicht mehr die Rede. Wir haben in Berlin 3400 selbständige Fleischer und 11 750 Gastwirtschaften; in diesen Betrieben soll eine wirksame Fleischbeschau ausgeübt werdeichjDas halte ich für absolut unmöglich und ich wäre sehr neugierig. wie der Herr Polizeipräsident, der in Zukunft die Vertretung für diese Fleischbeschau übernehmen muß. nachdem sie den Städten genommen ist, sich die Möglichkeit einer solchen Kontrolle vorstellt. Das gute Fleisch wird natürlich vorgelegt werden bei der Fleischbeschau, und das gute Fleisch, was geschlachtet wird, wird auch zugänglich sein, aber nur den oberen Zehntausend. Die große Mehrheit der Bevölkerung muß in Zukunft damit rechnen, daß sie von approbierten Aerzten, fähigen und unfähigen, gewissen- hasten und gewissenlosen, beteiligten und nicht beteiligten, immer aber ohne jede Konttolle untersuchtes Fleisch ge- niehen muß, Fleisch, was mangelhast untersucht oder gar nicht untersucht ist, gestempeltes oder ungestempeltes Fleisch, wenn nicht etwa der kontrollierende Schutzmann an dem Zustande des Fleisches erkennt, daß hier eine Gefahr vorliegt. Alle Fortschritte, die man in den letzten'20 Jahren auf diesem Gebiete in der Wissen- schaft, Technik und Erfahrung gemacht hat, sind für die großen Städte ausgelöscht, wir kommen wieder zurück in die Zeiten vor der Errichtung der Schlachthäuser, und es hängt lediglich davon ab, wie weit die Nase und die Augen des fach- verständigen Schutzmannes in der Lage sind, den schadhaften Zustand des Fleisches zu konstattcren.— Das ist sicherlich ttaurig, aber ich sehe: es ist unabänderlich. Zwei Eindrücke nehmen wir heute mit: Wer sich aus die Zusagen und Versprechungen der königlichen Staats- regieruug vcrlaffcu will, der so« sich recht gewissenhaft zwei- und dreimal prüfen, ob er auf festen Grund baut(Sehr richtig!), und wenn die Regierung uns manchmal mit entgegen- kommenden Worten auffordert, gemeinschaftliche Sache zu machen. so müssen wir uns bewußt sein, daß das unter Umständen Sirenen- rufe sind. Wenn es sich wirklich darum handolt, daß entgegen- stehende Interessen vorhanden sind und selbst wenn, wie im vor- liegenden Falle der Gegensatz der Interessen nur in der Fiktion besteht, so wird über die Städte cinsach zur Tagesordnung über- gegangen. Ich glaube nicht, daß der heutige Tag, wenn Sie diesen Beschluß fail'en, in der inneren Geschichte Preußens ein glücklicher Tag sein wird.(Lebhafter Beifall bei den Oberbürgermeistern.) Oberbürgermeister Körte- Königsberg schließt sich den Aus- führungen der Vorredner an. Der Sieg ist Ihnen(nach rechts) ja sicher, aber es wird nur ein Pyrrhus-Sieg sein. Oberbürgermeister Dr. Wilms-Posen wendet sich ebenfalls scharf gegen das Gesetz, das eine schwere Versündigung gegen die Volks- gesundheit bedeute, Oberbürgermeister Dr. Bender-Breslau betont das finanzielle Interesse der Städte an der Ablehnung des Antrags. Wir haben unter dem Druck der Gesetzgebung viele Millionen frii den Bau von Schlachthäusern aufgewendet, und nun will man uns die Basis für diese aufgewendeten Gelder entziehen. Das widerspricht direkt Treu und Glauben. So etwas wollen Sie beanttagen und noch dazu in der Weise, daß die Herren nicht einnml wagen, die Gründe anzu- führen.(Sehr gut! bei den Oberbürgermeistern.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag wird unter Ablehnung der Abänderungs- antrüge gegen die Stimmen der Linken des Hauses au« genommen. Die hierzu eingelaufenen Petitionen werden als erledigt erklärt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Minister Freiherr v. Hammerstriu verliest die BertagungSurkunde, wodurch beide Häuser deS Landtages bis zum 18. Oktober vertagt werden. Präsident Fürst Knhphauscn teilt mit. daß das HauS voraus- sichtlich in der zweiten Hälfte des November wieder zusammen- treten werde und schließt die Sitzung um 2V2 Uhr. Hbcfecrdnetenbaud* 92. Sitzung am Montag, den 4. Juli 1904. nachmittags ll'/z Uhr. Am Ministertische: Freiherr v. H a m m e r st ei n. Im Hause sind etwa dreißig Abgeordnete anwesend. Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um Uhr und erteilt das Wort dem Minister des Innern. Frhr. v. Hammcrftci» verliest die Vertagungsurkunde, die den Landtag vom 4. Juli bis zum 18. Oktober vertagt. Präsident v. Kröchcr beraumt die nächste Sitzung an auf Dienstag, den 25. Oktober, 1 Uhr (Tagesordnung: Pettttonen). Schluß 3 Uhr 50 Minuten. Herr und Frau Professor Meyer. Der Prozeß gegen den früheren Privatdocenten Professor Dr. Moritz Meyer und Ehefrau begann gestern vormittag jmr der ersten Strafkammer deS Landgerichts II, welche im kleinen schwur- gcrichtösaale tagt. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Geheimer Justizrat G a r tz. die Anklage vertritt Asseffor Dr. K a tz, die Ver- teidigung führen die Rechtsanwälte Hugo Euro und Morris. Der Andrang zum Zuhörerraum ist so stark, daß die Gerichtsdiener alle Mühe haben, den mit Eintrittskarten versehenen Personen den Zuttitt zu sichern. Beide Angeklagte sind durch die lange Unter- suchungshaft körperlich sehr mitgenommen. Die Ehefrau ist kaum wieder zu erkennen, sie vergießt reichliche Thränenströme. Die Anklage beschuldigt den Angeklagten Professor Dr. Meyer in 30 Fällen, seine Ehefrau in 27 Fällen, beide Angeklagte in 20 Fällen des gemeinschaftlichen vollendeten, die Ehefrau außerdem in fünf Fällen deS versuchten Betruges. Der 1842 geborene Angeklagte giebt ans Befragen deS Vor- sitzenden zu seinen persönlichen Verhältnissen folgendes an: Er fft seit 1874 in Berlin, war Hilfsarbeiter bei der UniversitätS- bibliothek, dann Docent an der Hochschule in Charlottenbnrg, gleichzeitig docierte er eine Zeitlang an der kaiserlichen Post- und Telegraphenschüle. Die Docentenstelle hat er 1884 aufgegeben. Seit 1885 war er Redakteur des Börsen- und Handelsteils der „National-Zeitung" mit einem jährlichen Gehalt von 3600 M. Diese Stellung hat er 1890 aufgegeben und ging dann als Handelsredakteur zur„ B 0 s s i s ch e n Zeitung" über, bezog dort ein festes Monatsgehalt von 540 M. und daneben noch für besondre schriftliche Arbeiten, die er lieferte, 4—5000 M. Im Jahre 1896 ist er aus dieser Thätigkeit ausgeschieden. Dann hat er zwei Zeitschristen gegründet und bis zu seiner Verhaftung geleitet: die„Finanzielle Rundschau" und dann die„Reichs- Korrespondenz", gleichzeittg war er eine Zeitlang Redakteur der„Finanz- und Handels-Zeitung".— Die Anklage geht davon aus, daß der Angeklagte vom i. Oktober 1901 ab eigentlich keine andren Einnahmen hatte, als die Bezüge aus jenen beiden Zeitungen, doch die Lebenshaltung eines sehr reichen Mannes geführt und übermäßig hohe Kredite von den verschiedensten Geschäftsleuten in Anspruch genommen hat.— Der Angeklagte be- streitet, auf Betrug ausgegangen zu sein, und behauptet, daß er auch in Zeiten finanzieller Bedrängnis immer der vollen Ueberzeugung sein konnte, über kurz oder lang große Einnahmen zu erhalten und seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Es sei ja richtig, daß er im Juli 1902 den Offenbarungseid geleistet habe, aber er habe dabei doch angegeben, daß er ein jährliches Einkommen von etwa 12 000 Mark erziele. Er habe verschiedene Einnahmen durch VermittelungSaeschäfte und finanzielle Arbeiten gehabt und sei im Jahre 1903 noch in die Redaktion des„Ratgebers auf dem Kapitalmarkte" eingetreten.— Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte folgendes: Ich habe mich 1387 verheiratet, die erste Frau ist 1900 verstorben.— Präs.: Schon um jene Zeit sollen Sie in finanziellen Schwierigkeiten gewesen fem; schon damals sind verschiedene Klagen gegen Sie erhoben worden und die Vollstreckungen fielen fruchtlos aus.— Angekl.: Das ist richtig. Mein Lebensgang war aber auch ein etwas ungewöhnlicher. Ich war seiner Zeit Lehrer auf dem Lande, ohne alle Mittel, ich habe mich aus eigner Kraft so weit vorbereitet, um das Maturium nachholen zu können, dann studierte ich mit Hilfe von Sttpendien, dann war ich elf Jahre lang Hilfsarbeiter bei der Universitätsbibliothek mit einem Jahresgehalt von 1650 M., dazu ttat dann noch eine jährliche Remuneration von 900 M. für die Lehrthätigkeit an der Technischen Hochschule. Ich hatte bei diesem geringen Einkoinmen auch noch meinen Vater zu ernähren. Ich hatte auch noch Schulden aus meiner Göttinger Studentenzeit zu tilgen und habe es redlich gethan. Ich habe durch das Rechtsbureau des Justtzrats Fleck monatlich an meine Gläubiger abgezahlt. Dann kamen aber wieder Perioden, wo es mir schlechter ging. Ich hatte in den ersten zehn Jahren meiner ersten Ehe an die Familie meiner Frau große Zuwendungen machen müssen; die Mutter meiner ersten Frau hat alles in allem etwa 10 000 M. von mir bekommen. An die Schwester meiner Frau, die sich mit einen: Arzt verheiraten wollte, habe ich 4000 M. gegeben, eine andre Schwägerin habe ich nach Amerika mit 1000 M. ausgesteuert. Bei dieser fiitanziellen Belastung kam ich oft in Schwierigkeiten, aber ich hatte doch durch ineine Arbeiten auch oft große Ein- nahmen und begann ich auch wieder mit der Schuldentilgung. Ich habe in der Zeit von 1898 bis 1900 ca. 11 000 M. Schulden gezahlt. Dann mußte ich von Zeit zu Zeit neue Kredite ausnehmen, die ich nicht immer gleich decken konnte. Iin Jahre 1900 verlobte ich mich wieder und mir erblühten dann neue Verpflichtungen. Ich mußte der Mutter meiner Frau, die nichts zu leben hatte, monatlich 200 M. zahlen. Meine erste Frau litt an der Rückemnarksschwindsucht und Morphiumsucht, ich ivar vier Jahre Krankenpfleger bei»iciner Frau, mußte ihr alle Hilfsleistungen selbst verrichten; ich hatte selbst 5 Proz. Zucker und ein nervöses Herzleiden und konnte nach dem Tode der Frau nicht allein leben. Meine jetzige Frau kannte mich von ihrer Kindheit an und wußte, daß sie mir in jeder Beziehung vertrauen konnte. Es ist richtig, daß ich die Kosten der Hochzeit und sonsttgen Ausgaben nicht gleich decken koimte; aber ich hatte doch ein jährliches Einkommen von 15 000 M. Um ans den Schulden heraus zu kominen, entschloß ich mich, mit Hilfe einer Terrainaesellschast zwei Terrains zu bebauen und hatte die Hoffnung, daraus große Verdienste zu erzielen, leider aber kam das Geschäft nicht in Ordnung, weil die Kommunal- Verwaltung von Rixdorf ein Depot von 9000 M. verlangte. Im ?ahre 1902 bekam ich auch zwei große Terrains an die Hand. Ich atte immer Gelegenheit Geld zu verdienen, hatte wertvolle Ber- bindungen und bin kein Betrüger.— P r ä s.: Sie sollen doch außer- ordentlich opulent gelebt haben.— Angekl.: Unser Haushalt war sehr einfach; er erforderte täglich nicht mehr wie 5 M.— Präs.: Dagegen sprechen doch schon die umfangreichen Weinrechnullgen.— Angekl.: Ich hielt mir allerdings stets billigen Wein, denn ich erhielt doch häufig Besuche von Geschäftslenten, denen ich ein Glas Wein vorsetzte und außerdem durfte ich selbst wegen meines Leidens keinen Tropfen Bier ttinken. Man kann auch keme Finanzgeschäfte machen, wenn man sich v»n der Welt abschließt. Für solche Geschäfte interessiert man die Leute am ersten noch im Gespräche beim Glase Wein. Ich hatte auch stets angestrengt zu arbeiten und konnte es abends zu Hause nicht aus- halten, sondern mußte vielfach außer dem Hause Anregung suchen.— Präs.: Bei Ihrer zweiten Verheiratung ist Ihnen Ver- mögen nicht zugeflossen. Schon als Sie in der Französischen« stratze 16 als Garyon wohnten, sind vielfach Gläubiger gegen Sie vorgegangen.— Angekl.: Der Hauswirt, bei dem ich für meine Garyonwohnung einen Riesenpreis bezahlte, war unwillig darüber, daß ich die Wohnung aufgeben ivollte, und hetzte alle Gläubiger gegen mich auf.— Präs.: Sie zogen dann nach der Kantstr. 5? — Angekl.: Jawohl. Wir wohnten dort vom Mai bis Oktober, dann kam das ttanrige Ereignis, daß ich meine Stellung verlor und da habe ich meine Wohnung an einen amerikamschen Arzt anderweitig vermietet. Meine Frau wollte in dieser bedrängten Lage eine Tournöe durch einige Varietes machen und als Sängerin Geld ver- dienen. Ich begleirete sie nach Hamburg, wo sie im Hansatheater init einer Monatsgage von 600 M. engagiert wurde. Leider mußte die Tournee wegen schwerer Halsentzündung der Frau aufgegeben werden und meine Frau kam nach Berlin zurück. Ich bezahlte den, Arzt Abstandsgeld, nahm meine Möbel zurück und wir zogen dann nach der Ramestraße 19.— Präs.: Es wird behauptet, daß das Engagement in Hamburg aufhörte, weil Sie nicht gefallen haben.— Frau Prof. Meyer(sehr eifrig): O, ich habe sehr gut gefallen, so gut. daß mich der Direktor sofort für nächstes Jahr wieder engagieren wollte.— Präs.: Ihre Möbel waren auf Leihvertrag entnommen. Verschiedene Ihrer Gläubiger behaupten, daß Sie ihnen gesagt haben, die Möbel seien Ihr Eigentum.— Angekl.: Das ist nicht wahr.— Präs.: Sie haben auch wiederholt Fuhrwerk bestellt und die Fuhrwerksbesitzer nicht bezahlt-— Angekl.: Ich glaubte, die Leute würden mir länger Kredit geben.--- Präs.: Sie sollen wiederhost in Restaurants Ihre Zcchc schuldig geblieben sein.— A n g ekl.: Ich habe sehr viel Brom nehmen müssen und mein Gedächtnis ist sehr schwach geworden. Meine Frau hatte aus Vorsicht oftmals mein Portemonnaie an sich genommen und in dem Restaurant bemerkte ich dann, dag ich es nicht bei mir hatte. Ich habe aber den Restaurateuren immer vor jdein Kontrahieren einer Zeche davon Mitteilung gemacht.— Präs.: Na. das wird von den steuten doch anders dargestellt. Sie haben ja auch nicht bezahlt, obwohl die Leute wiederholt in Ihrer Wohnung vorgesprochen und Zahlung verlangt haben.— A n g e k l.: Ich bin oft gar nicht zu Hause gewesen, es kann ja auch sein, daß ich gerade nicht bei Kasse loar.— Präs.: Sie behaupten, daß Sie im Juni 1903 Ihren Ver- treter, Herrn Rechtsanwalt Caro, angegangen sind, ein Arrangement mit Ihren Gläubigern anzubahnen?— A n g e k l.: Das habe ich gethan.— Präs.: Ein Teil Ihrer Gläubiger behauptet, daß Sie ihnen zur Deckung ZeituugSabonncments- Quittungen überwiesen, diese Gelder dann aber schleunigst selbst eingezogen haben.— An g e kl.: Das ist nicht wahr I Hieran schließt sich die Vernehmung der Ehefrau Frieda, welche 24 Jahre alt und eine geborene Brün n ist. Sie bestreitet mit aller Entschiedenheit jede Schuld. Vor ihrer Verheiratung sei sie beim Theater gewesen und habe bei ihren Eltern gelebt. Sie habe Engagements am Theater des Westens, am Central- Theater und am Lessing-Theater gehabt und Gagen von 3—400 M. monatlich bezogen._ Sie kenne ihren Mann schon seit langen Jahren, denn die intimste Freundin ihrer Mutter sei die Cousine der ersten Frau ihres Mannes gewesen. Sie habe niemand etwas vorgespiegelt, sie habe gewußt, daß ihr Mann ein sehr großer Verdiener sei und keine Ahnung von seiner bedrängten Lage gehabt. Bei allem, was sie that, habe sis erst ihren Mann um Er- laubnis gefragt, ob sie es auch thun dürfe. Hätte sie eine Ahnung von seinen finanziellen Nöten gehabt, so wäre sie ihm ja gern durch Annahme von Engagements zu Hilfe gekommen, und als er seine Stellung verloren, habe sie ja gerade das Engagement in Hamburg angenommen. Sie habe nichts gethan, um ihren Mann irgendwie in Verlegenheit zu bringen. Assessor Dr. K a tz: Es ist nicht richttg, daß die Angeklagte mit den Verhälttrissen nicht Bescheid wußte. Es hat gegen den Angeklagten Meyer auch ein Versahren wegen Kuppelei geschwebt, welches einge- stellt worden ist. Dabei sind Briefe beschlagnahmt, die aus dem August 1903 datieren und den Beweis bringen, daß beide Ange- klagte ganz genau gewußt haben, wie ihre Vermögenslage war. Ich beantrage, diese Briefe zu verlesen.— Rechtsanwalt Morris widerspricht der Verlesung, die der Gerichtshof jedoch beschließt.— Die zur Verlesung gebrachten Briefe sind vom Angeklagten an die Ehefrau, die sich in Heringsdorf befand, geschrieben. Der Angeklagte überschüttet darin seine Frau niit den zuckersüßesten Schmeichel- und Kosenamen und es geht aus ihnen hervor, daß der Angeklagte fort und fort seiner Frau nur kleine Summen zusandte mit dem Be- merken, daß alle seine Bemühungen, weitere Gelder aufzutreiben, vergebliche waren. In einem Briefe heißt es:„Kannst Dn nicht Frau Dr. H. anpumpen In-andren wird die Freude darüber ausgedrückt, daß sie sich von einem Herrn B. so oft ausführen und zum Diner und Souper einladen läßt und die Frage erwogen, ob sie sich demselben enthüllen und ihm ihre Lage schildern solle. Es heißt dann,«sie müsse dem Herrn gegenüber tüchtig schanspielern und eine Scene erfinden". Dann schreibt er wieder:„Die Huldi- gungen, die man Dir entgegenbringt, machen mir Spaß, auch daß die Weiber vor Neid platzen!" Dann wieder:„Welche Lieder hast Du gesungen? Auch die anrüchigen? Na, das schadet nichts!" „Es amüsiert mich, zu hören, daß Du mit nach Ostende gehen solltest." „Räubere tüchtig, aber ohne Gegenleistung. Vielleicht pumpt Dir einer ein paar blaue Lappen, doch wenn Du sie nicht ohne Verpflichtung bekonimen kannst, dann nicht, denn cS wäre mein Tod, wenn Dich nur Einer mit den Fingerspitzen be- rührte."— Ein andrer Brief spricht von einem Wohlthätigkeitsfest. bei dem sie„geräubert" habe, und von einem demnächst folgenden Wohlthätigkeitsfest.„Räubere auch diesmal, aber lasse Dich nicht erwischen I"— Der Staatsanwalt erklärt hierzu, daß die An- geklagte, die auf dem Feste Rosen verkaufte, von einem Kavalier für eine Rose 20 M. erhalten habe, diese 20 M. aber habe verschwinden lassen.— Die Angeklagte aber bestreitet dies entschieden. Beide Angeklagten behaupten, daß der Ausdruck„räubern" nur darauf sich beziehe, däß sie recht tüchtig für die WohlthättgkeitSkasse arbeiten solle.— Der Staatsanwalt belegt seine Behauptung durch den In- halt eines Briefes, und die Angeklagte giebt nun zu, die 20 M. behalten zu haben. Nach der Mittagspause wird mit der Verhandlung der einzelnen Fälle begonnen. Eine endlose Reihe von Lieferanten treten vor den Zeugentisch und schildern die Unmöglichkeit, von dem Ehepaar Meyer für die gelieferten Waren Geld zci erlangen. Ein Zeuge, Max M ii l lF r, Inhaber einer Bau- und Terrain- gesellschaft, durch den der Angesagte Meyer das von ihm erwähnte Geschäft betreffend die Bebauung von Rixdorfer Terrains in Aus- ficht gestellt erhalten hatte, ist trotz vorschriftsmäßiger Vorladung nichtzur Stelle. Nach einer Mitteilung soll er kurz vor dem Termin nach Marienbad abgereist sein. Der sofort nach der Wohnung des Zeugen entsandte Kriminalkommissar L e o n h a r d t stellt fest, daß der Zeuge am 1. bezw. 2. Juli nach Marienbad gereist ist. Auf Antrag des Staatsanwalts beschließt der Gerichtshof, den Zeugen telcgraphisch zum Donnerstag zu laden unter der Verwarnung, daß ihm bei Nichterscheinen die Kosten des Termins auferlegt und er in eine Strafe von 300 M. event. sechs Wochen Haft genommen werden würde. Einige alsdann vernommene Zeugen lassen sich über das Thema aus, welche Einnahmen und Aussichten Professor Rkeyer zur krittschen Zeit gehabt hat. Der Zeuge S t a m ni ist Privat- setretär des Angeklagten bis zu dessen Verheiratung gewesen. Er bekundet, daß die„Finanzielle Rundschau" eine schwankende Abonnentenzahl gehabt habe, die anfangs wohl 250, zuletzt nur 100 betrug. Die Hauptsache dabei seien die Inserate gewesen. Der Angeklagte habe aus dieser Zeitschrift und aus seiner„Reichs- Korrespondenz" Ueberschüsse von mehreren tausend Mark gehabt.— Rechtsanwalt Caro: Hat Professor Meyer nicht fortdauernd Schulden abbezahlt?— Zeuge: Jawohl. Anna Milster, ein 18 jähriges Mädchen ist bei den An- geklagten in der Rankestraße und in der Pariserstraße Hausmädchen gewesen. Wenn Lieferanten kamen, hat sie, nach ihrer Jnstruktton, sagen müssen, daß die Herrschaft nicht zu Hause sei und die Lieferanten die Ware da lassen und sich „morgen oder übermorgen" das Geld hole» sollten. Sie hat Frau Meyer auch öfter begleitet, wenn diese zu Einkäufen ausfuhr. Die Zeugin bestreitet, daß sie in einem Falle, wo die Ueberbringerin von Ware diese wieder haben wollte. der Bottn die Thür vor der Nase zugeschlagen habe. Besonders häufig habe die Herrschast Gesellschaft nicht gehabt. Die Zeugin rst mit Frau Meyer auch in Heringsdorf gewesen, kann aber nicht sagen, daß diese von andren Personen, als von ihrem Manne Geld erhalten habe. Eines Tages ist eine Frau Winkelmann in der Wohnung der Frau Meyer erschienen und hat Bezahlung für eine gekaufte Ananas verlangt, wobei sie behauptete, die Frau hätte sich für eine Frau Hauptmann v. Stägemann ausgegeben. Frau Professor Meyer habe dies entschieden bestritten. Aus dem Zeugnisse dceser Zeugin geht hervor, daß das Ehepaar Meyer eine Zeit- lang im Hotel Westminster gewohnt hat, obwohl sie ihre Wohnung hatten. Der Vorsitzende legt dem Angeklagten die Frage vor, ob dieser Auszug nach dem Hotel nicht darauf zurückzuführen sei, daß er sich vor Gläubigern nicht mehr retten konnte. Der Angeklagte bestreitet dies. Er sei zucker- krank und überaus stark beschäftigt gewesen, so daß er über Mittag nicht den Weg nach Hause machen konnte.— Auf Befragen des Staatsanwalts bestätigt die Zeugin, daß es sich bei den Gesellschaften, die bei Meyers stattfanden, nicht um Besuche von Geschäftsfreunden, sondern um junge, lusttge Leute handelte, die sich amüsierten; Frau Meyer sang und bewirtete die Gäste auf ihre Kosten. Die Zeugin bestreitet auf Vorhalt des Staatsanwalts, daß sie bei ihren Hinauskomplimentierungen der Gläubiger, die sie nach Ansicht des Staatsanwalts„mit hervorragender Geschicklichkeit" bewerkstelligte, sich etwas Böses gedacht habe. Professor Meyer habe gesagt, daß er sehr bald eine größere Geldsumme erhalte. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt. Berliner Partei-Hn�elegenheiten« Erster Wahlkreis. Heute, Dienstagabend 8Vz Uhr, Versammlung des Wahlvereins in den Spreehallen, Kirchstr. 13, Hansa- Viertel. Vorttag des Genossen Lankow über„Platonischen und ur- christlichen Kommunismus", Diskussion und Verschiedenes. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand. Charlottcnburg. Heute abend spricht Genoffe Dr. Leo Arons in einer Volksvers amnilung im Volks haus, Ros inen- st r a ß e 3, über:„Die Schule im preußischen Land- tage". Der Vortrag bildet eine Ergänzung zu dem vor vierzehn Tagen an derselben Stelle gehaltenen über die preußische Schul- gesetzgebung. Wir erwarten daher einen zahlreichen Besuch dieser Versaniinlung, sowohl von Männern als von Frauen, für welche dieses Thema in gleicher Weise wichtig ist. Rowawes. Mittwochabend VK* Uhr findet im Lokale von Otto Hiemke, Wallstraße, eine Sitzung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Abrechnung vom zweiten Quartal. 3. Vorttag des Genossen Ströbel-Berlin. 4. Sommerfest. 5. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Rummelsburg. Die Genossen werden auf die heute abend statt- findende Volksversammlung aufmerksam gemacht, in der Ge- nossin Frau Tietz über„Die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten in der Frauenbewegung" sprechen wird. Die Ver- sammlung findet im Saale der Frau Witwe Wergel, Türrschmidt- straße 4S, statt._ Lohaled. „Nun also, was ttinken wir?" Herr Dr. Otto Juliusbnrger, der in der Arbeiterschaft wohl- bekannte Vorkämpfer der Abstinenzbewegung, sendet uns die folgende Zuschrift, der wir in Anbetracht des Zweckes, um den es sich handelt, gern Raum gewähren: Ueber die verfängliche Frage: Nun also, was trinken wir? streiten sich freilich im Inseratenteile der Nr. 153 des„Vorwärts" vom 2. Juli Herr Müller und Herr Lehmann; jener kämpft für das „gute Berliner Weißbier", seine geliebte„kühle Blonde",— dieser für„das Echte". Und niit welchen Waffen wird gefochten?„Der berühmte, wirklich prakttsche alte Doktor" nennt das Weißbier ein vorzügliches Mittel gegen die Cholera. Das Gesundheitsbüchlcin, herausgegeben vom kaiserlichen Rcichs-Gesundhcilsamte, bezeichnet das Weißbier als ein verdauungbeförderndes Getränk. Aus dem Aerztc-Äongresse, der 1898 in Wiesbaden stattfand, wurde behauptet, daß das Berliner Weißbier sehr günstig auf Cholerakranke ein- wirke.— Wenn man diese Anpreisung liest, müßte man meinen, »vir stehen mitten in einer Cholera-Epidemie und vom Berliner Weißbier hänge unser Heil ab. Was aber sagt im Gegensatz zur Müller-Weisheit, die täglich zum Verderben des Volkes gepredigt wird, die Wissenschaft? Hier nur ein paar Worte. Der Gesunde braucht kein Erregungsmittel fiir seinen Magen. In krankhaften Zuständen ist der Alkohol auch kein stärkendes Magenmittel; im Gegenteil I er ist noch eher geeignet, für die Ausitahme von Fieberkost Schwierig- leiten zu machen. Tierversuche haben ergeben, daß der Alkohol die Empfänglichkeit fttr Cholera bis ungefähr auf das Sechsfache steigert. Bei einer Cholera-Epidemie in Madras waren von denen, die unterlagen, 11 Proz. total abstinent, 23,15 Proz. relattv abstinent, 44,53 Proz. Säufer. In Havre erlagen von 10 Trinkern 9. von zehn Abstinenten 2 der Cholera. Während der Dauer der Cholera in Albany sStaat New Dork) im Jahre 1832 waren bei einer Be- völkerung von 26 000 Einwohnern von denen, die über 16 Jahre alt waren, der Seuche 336 erlegen, und von diesen waren nur zwei, die der Temperancegescllichast angehörten, die dort 3000 Mitglieder zählte. Unter den 336 Gestorbenen waren 140 Säufer und 136 mätzige Trinker. Ich glaube, diese Zahlen sollten fürs erste genügen, um der Müller-Weisheit ein Ende zu machen; und wenn der Stammtisch den Herren Müller und Lehmann noch etwas Zeit übrig läßt, so mögen sie keine Bücher über den Alkohol wälzen, sondern einmal einen Arzt aus der städtischen Irrenanstalt Herzberge oder Dalldorf aufsuchen; der wird ihnen sagen, daß ca. 40 Proz. der Geisteskranken ihre Krankheit dem Alkohol verdanken und daß das gepriesene Weißbier sein gerüttelt Maß an Schuld dazu beiträgt. Wer auf seine Gesund- heit bedacht ist und wem das Volkswohl am Herzen liegt, für den giebt es auf die Frage:„Nun also, was trinken wir?" nur die eine Antwort: Wir trinken weder Schnaps noch Bier noch Wein. So Herr Dr. Juliusburger. Auch wer gleich uns nicht der Absttnenzbewegung angehört, wird das Gute, das in seiner Belehrung liegt, zu beherzigen wissen._ Angenommene und ansgeschlagene Erbschnften. Aus dem Sechs- Millionen-Nachlasse des verstorbenen Bankiers Max Priester, der, wie gemeldet, drei testamentartige Schriftstücke hinterlassen hat, sollte unter andenn der R e u t e r- S t i f t u n g ein Kapital zufallen, das nach Berechnung der Sttftungsdepntalion etwa 13 000 M. betragen, aber erst nach dem Tode der Witwe zur Auszahlung gelangen würde. Um angesichts der Anfechtbarkeit des Testaments allen Erbschasts- streittgkeiten aus dem Wege zu gehen und dabei doch den letzten Willen des Erblassers rücksichtlich der den Wohlthätigkeitsanstalten zugedachten Zuwendungen zur Gelttmg zu bringen, Halle die Witwe dem Magistrat im Vergleichswege die Summe von 16 500 M. fiir die Reuter-Stiftung angeboten. Die Stadtverordneten haben sich in ihrer letzten geheimen Sitzungs mit diesem Vergleichsvorschlage einverstanden erklärt.— Ebenfalls für die Reuter- Stiftung hatte der verstorbene Stadtverordnete Eduard Reiß ein Legat von 10 000 Mark vermacht, die hypothekarisch eingettagen werden sollten, was sich aber als unausführbar erwies. Der zur Zahlung verurteilte Erbe bot vergleichsweise die Barzahlung von 3000 Mark, welche die Stadt- verordneten-Versammlung aber im Hinblick auf den ungünstigen Stand der Nachlaßmasse ablehnte. Da der Erbe die 3000 M. bereits an die Stadthauptkasse gezahlt hatte, beantragte der Magistrat aufs neue die Annahme der VergleichSsumme. In diesem Sinne haben die Stadtverordneten nunmehr auch beschlossen.— Ausgeschlagen hat jedoch die Versammlung die Annahme der Zuwendung der Witwe Ottilie M., welche in einem sehr unklar ge- altenen Testament der Stadt für Tierschutzzwecke 9000 M. ausgesetzt hatte, da nur etwa der dritte Teil dieser Summe zur Verfügung und ein Prozeß in Aussicht stand, und ferner die Erbschaft des ver- storbenen K o n s u l s a. D. A l f r e d G., dessen Nachlaß zur Be- gründung einer Stiftung für wohlthätige Zwecke bestimmt, aber— überschuldet war. Den Ruf Berlins als der Stadt der Intelligenz hat ein Berliner elend zu Schanden gemacht, der auf den spanischen Schatz- schwinde! hineingefallen ist. Der Graf Candida de Suarez sandte auch ihm einen Klagebrief, daß er in Madrid im Gefängnis fitze und um seinen in Lyon liegenden Koffer mit 800 000 M. komme, wenn ihm nicht der Briefempfänger umgehend helfe. Der gute Mann telegraphierte, wie Suarez es wünschte, nach Madrid, daß er zu Helsen bereit sei und fuhr nach der spanischen Hauptstadt, um den Schatz zu heben. In Madrid empfing ihn der Diener des im Ge- fängnis schmachtenden Grafen an dem in der Antwort aus das Tele- gramm bestimmten Platze. Dieser Diener, der gebrochen deutsch sprach, brauchte 9000 M, um zum Ziele kommen zu können. Ter Berliner war so vorsichtig, nicht gleich die ganze Summe zu geben. sondern zunächst nur einen Teil; den Rest sollte der Diener bei Aus- lieferung des Koffers bekommen. Auch hiermit war der Mann zu- frieden. Nach einigen Vorbesprechungen kam man überein, daß der Helfer in der Not von dem Schatze 277 000 M. erhalten, das übrige der Graf zurückbekommen sollte. Nach diesen Abmachungen kam bald auch der„Gefängnisbeamte", der eine Dienstmütze, sonst aber bürger- liche Kleidung trug. Er war schon unterrichtet gewesen und brachte nicht erst die Tasche mit dem Gepäckschein, sondern gleich diesen selbst mit. Jetzt war, wie der Berlmer glaubte, das Bombengeschäft sicher. Er fuhr vergnügt nach Lyon voraus und ttaf sich dort mit dem„Diener" wieder, der den Koffer bereits abgeholt hatte und nun dem Helfer den Check aushändigte, nachdem er bekommen hatte, was an 9000 M. noch fehlte. Der Check war ausgestellt von der „Bank von London, Mexiko und Südamerika", lautete über 40 000 Pfund und war zahlbar bei einer Berliner Bank. Während der Diener rasch noch einmal nach Madrid zurückfahren mußte, um seinem Herrn zu berichten, fuhr der Berliner nach Bordeaux, wo man sich in einem Hotel wieder tteffen wollte, um dann gemeinsam nach Berlin zu fahren. Von hier wollte der Diener das Geld seines Herrn nach Abzug der 277 000 M. persönlich nach Madrid mitnehmen.. Kurz vor Abfahrt des verabredeten Zuges erhielt der Berliner in Bordeaux ein Telegramm, worin ihm der Tiener mitteilte, er habe den Zug versäumt. Der Berliner sollte nicht lange auf ihn warten, sondern gleich nach der Heimat fahren, wohin er mit dem nächsten Zuge nachkommen werde. Bald nach seiner Ankunft erhielt der Berliner einen Brief aus Madrid, der alle seine Pläne jäh vernichtete. Can- dido de Suarez, natürlich der„Diener", schrieb ihm, er werde sein Telegramm in Bordeaux wohl erhalten haben und mittlerweile glücklich in der Heimat angelangt sein. Nun könne er die Wahrheit erfahren, daß er mit seiner Spekulation hineingefallen sei. Der Check sc: ganz wertlos. Er solle gar nicht erst mit ibm nach der Bank gehen, denn es könnte ihm dann noch passieren, daß er als Fälscher eingesperrt werde. Er brauche die Geschichte auch nicht seinen Freunden zu erzählen; die würden ihn höchstens auslachen.„Ver- gessen Sie die Sache," so ungefähr fuhr er fort,„und befolgen Sie meinen guten Rat, um auf ehrliche und anständige Weise Geld zu verdienen und sich nicht in einem Tage übermäßig bereichern zu wollen. Sie können mich ja verklagen, aber das Gericht erfährt dann auch, wie Sie mich morden wollten. Ich reise jetzt nach Amerika, um mein Glück in Mexiko zu versuchen. Gelingt es mir, so werde ich Ihnen den Vorschuß zurücksenden. Bis dahin verbleibe ich Ihr nicht aufrichtiger Freund de Suarez."— Man sieht aus dieser Geschichte, daß die Schatzschwindler immer noch ihre Latte finden und ihre Briefe nicht umsonst in die Welt hinaussenden. Das Schleiermacher-Denkmal vor der Dreifaltigkeits-Kirche_.n der Maucrstraße ist am Sonntag enthüllt worden. Es ist von Prof. Schaper aus grünem Granitsockel als Porttätbüste errichtet. Schleiermacher predigte in der Dreifalngkeits-Kirche von 1809—1834. Während der Stadtvcrordncten-Fcrie» werden die Vorsteher- geschäste erledigen bis zum 20. d. M. der Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Langerhaus, vom 21. d. M. bis zum 15. August der Stadt- verordnete Gericke und vom 16. August bis zum Wiederbeginn der Sitzungen der Vorsteher-Stellvertteter Michelct. Neue Ermittelungen in der Lustmord- Affaire. Dem Unter- suchungsrichter hat sich eine Zeugin gestellt, die folgende Angaben macht: An jenem Sonnabend, an dem der Rumpf des ermordeten Kindes aus der Spree unterhalb der Weidendammerbrücke gelandet wurde, sei sie früh morgens um 4'/z Uhr über die Ebertsbrücke gegangen. Hier habe sie etwas abseits am linken Ufer einen Mann stehen sehen, der ein schweres Paket am Anne ttug und einen kleinen Himd bei sich hatte, der an der Brust und an den Füßen weiße Flecken aufwies. Der Hund geberdete sich sehr unruhig und sprang wiederholt an dem Paket in die Höhe, bis er von seinem Herrn einige Fußttitte erhielt. Der Mann blickte sich fortwährend scheu um, als ob er fürchte, beobachtet zu werden. Die Zeugin habe sich kurze Zeit auf die Brüstung der Brücke gelehnt, dann aber das Paket nicht mehr gesehen. Sie ver- mute, daß das Paket den Rumpf der kleinen Lucie enthalten habe und daß der Hund deshalb so unruhig gewesen sei, weil er Blut gerochen und außerdem die Ermordete gut gekannt hatte. Das Gericht legte dieser Aussage Bedeutung bei und setzte am vorigen Sonnabend einen Termin an, zu dem nicht nur diese Zeugin, sondern auch die Liebetrut geladen wurde, die ihren kleinen Hund mitzubringen hatte. Dieser Hund wurde von der Zeugin auf den ersten Blick wieder erkannt und wies auch die oben angeführten Kennzeichen auf. Als dann Berger vorgeführt wurde, verständigte die Zeugin den Richter durch einen Wink, daß sie auch den Mann mit dem Paket wieder- erkenne, worauf Berger sofort wieder abgeführt wurde. Die Zeugin hat bisher weder die Liebetrut noch Berger gekannt. Warum sie nicht früher mit ihren Wahrnehmungen hervorgerreten ist, entzieht sich noch der Oeffentlichkeit. Berger verivickelt sich übrigens immer mehr in Widersprüche und ttitt jetzt mit der Behauptung hervor, daß er die kleine Lucie überhaupt nicht gekannt habe, während andrerseits feststeht, daß das Kind öfter Botengänge für ihn be- sorgte. Das Haydn-Mozart-Beethoven-Denkmal, das in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag sang- nnd klanglos enthüllt worden ist, hat eine lange Entstehungsgeschichte: Der erste Aufruf des geschäfts- führenden Ausschusses datiert schon vom November 1891. In seiner jetzigen Gestalt ist es ein Werk von Professor Dr. Rudolf Siemering, dem als Architekt sein Sohn Regierungsbaumeister Wolfgang Siemering zur Seite stand. Das Denkmal hat eine Gesamthöhe von zehn Meter. Eine neue Art der Versilberung erfanden die stellungslosen Kellner Willi Radack und Karl Hansen. Sie machten damit ein besseres Geschäft als mancher andre Erfinder. Die beiden Kellner ließen sich von einem Goldschmied M. aus einem großen goldenen Ringe zwei kleine machen und sahen dabei zufällig, wie der Mann in die beiden neuen Ringe den Goldstempel einprägte. Diese Beobachtung brachte sie auf den Gedanken, neusilberne Sachen auf die einfachste Art in echtes Silber zu verwandeln. Nachdem sie den Goldschmied für ihren Plan gewonnen hatten, kauften sie neusilberne Eß- und Theelöffel zu vielen Dutzenden und der dritte im Bunde machte sie ihnen echt, indem er neben dem Fabrikzeichen seinen Silberstempel„800" einschlug. Mit den so verbesserten Ware» gingen die Erfinder hausieren. Da sie einen� billigen Preis berechnen konnten, aber doch so viel nahmen, daß sie keinen Verdacht erregten, so verkauften sie flott und erzielten einen hohen Gewinn. Auch die Käufer glaubten, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, und waren sehr zufrieden, bis die Löffel im Gebrauche nach und nach ihre Echtheit verloren. Die Betrogenen zeigten die Händler an und die Kriminalpolizei machte ihrem Geschäft ein Ende und sperrte sie ein. Die Verhasteten, die jetzt geständig sind, haben auch Pfandleiher, die sonst so vorsichtig sind, durch den Stempel ge- täuscht. Wenn sie ihre Pfänder an Eß- und Theelöffel einmal ge- nauer prüfen, so wird vielleicht noch mancher entdecken, daß er Sachen dieser Art zu hoch beliehen hat. � Das Glück der Husaren-Bertha. Daß es nicht immer die Tugend ist, die belohnt wird, beweist das Glück der Husaren- Bertha, einer jener gefälligen„Damen", welche die Ballhäuser und Cafbs der Friedrichstadt bevölkern. Die holde Maid mit dem militärischen Spitznamen erhielt nämlich von einem Geschäftsreisenden, dessen Be- kanntschaft sie in einem Tanzlokal gemacht hatte, ein Dreimark-Los einer Geldlotterie zum Geschenk. Aus dies Los, dessen leichtsinniger Spender seiner Besitzerin nicht einmal dem Raulen nach bekannt ist, entfiel nun ein Gewinn von mehreren tausend Mark. Husaren-Bertha erhob die Sunime und ist mit dem Gclde au? Reisen gegangen. Der ursprüngliche Eigentümer des Loses dürfte jetzt, vorausgesetzt daß er sich die Nummer des Loses gemerkt hat, seine Freigebigkeit wohl bereuen. Husaren- Bertha wird das Geld aber wohl bald klein kriegen. Ein neues Opfer des Eisenbahnbetriebes. Sonntagabend gegen 9 Uhr ist kurz vor dein Einfahrtssignal der Station Hoppe- garten der Zugführer Albert Raak, Charlottenburg. Pestalozzi- straße 63. schwer verunglückt. Er wurde durch den von ihm selbst geführten Spandau— Strausberger Vorortzug überfahren und getötet. Raak war von dem kurze Zeit haltenden Zuge avge- stiegen und muß stch wohl, um etwas nachzusehen, diesem unvor- sichtig genähert haben. Er geriet, als sich der Zug wieder in Be- wegung setzte, auf bisher unaufgeklärte Weise unter die Räder und wurde zermalmt. Straßensperrungen. Die Rampe der Adalbertbrücke am Engel- Ufer von Melchior- bis Adalbertstraße und diejenige am Bethamen- Ufer vom Mariannenplatz bis Adalbertstraße wird behufs Um- Pflasterung vom 7. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt; ebenso die Exerzierstraße von der Schul- bis Uferstraße wegen UmPflasterung von heute ab. Der Gastwirt Puder in Lichtenberg, Dorfstr. 25a, teilt uns zu der am Sonntag gebrachten Lokalnotiz mit, daß er in der An- aelegenheit des Droschkenkutschers Winkler unschuldig verhaftet worden sei; bereits am Sonntag habe die Staatsanwaltschaft ihn entlassen. An der Verletzung des Droschkenkutschers Wiuller trage er nicht die mindeste Schuld. Er habe gegen die Angreifer Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Ein Straßcnbahn-Uiifall ereignete sich Montagabend 6 Uhr in der Chausseestraße, Ecke der Jahnstraße zu Britz. Das sechsjährige Tvchtercheu des Arbeiters Daniel Böttcher aus der Jahnstraße 44 lief in dem Augenblick, als ein Straßenbahnwagen der Linie See- straße— Britz angefahren kam, über das Geleise und kam unter die Räder. Schiver verletzt wurde das Kind unter dem Wagen hervor- gezogen und der elterlichen Wohnung zugeführt. Bei dem Rettungs- werk ereignete sich ebenfalls ein Unglück dadurch, daß ein Steinsetzer beim Hochheben des Wagens mit den Fingern der rechten Hand zwischen Rad und Wagen geriet; vier Finger wurden ihm so ge- lährlich gequetscht, daß er nach dem Krankenhause gebracht werden mußte. Dem Wagenführer trifft keine Schuld an dem Unfall. Die Zeit der Preßkohlcnbräudr ist gekommen. Am Sonntag wurden eine ganze Reihe solcher Brände vom Görlitzer-, Nord- und Ostbahnhof, der Bülowstr. 77 usw. gemeldet. Ferner brannten in der Denneivitzstr. 2 im dritten Stock Immobilien und Mobilien, in der Königgrätzerstr. III eine Marquise u. a., in der Prenzlauer- straße 62 Kleider zc. und in der Stralanerstr. 12 Lumpen:c. im Keller. In der Friedrichsfelderstraße mußte außerdem ein Brand gelöscht werden, der in einer Krahnbnde ausgekommen war. Keine Benzin- Explosion. Zu unsrem Artikel über die„Benzin- Explosion" vom 2, Juli teilt uns der Geschäftsinhaber Dr. Fink mit: Am 1. Juli d. I., abends, entstand in der Maschinenhandlung(nicht Dreschmaschinen- und Motorenfabrik) der Firma Wernich-Milwaukce, Mauerstr. 81, dadurch ein Brand, daß eine Comptoiristin ein brennendes Streichholz auf Papier fallen ließ. Dieses entzündete sich. Ein Benzinbehälter ist nicht explodiert. Schwere Brandwunden hat der Monteur Schiminsky nicht erlitten; er arbeitet vielmehr nach wie vor in meinem Geschäft und versieht seinen Dienst. Der Schaden beziffert sich nicht auf über 300 M., sondern ist erheblich geringer. Ein schweres Unglück im Straßengetrieb« hat das Fuhrwerk des Wäschereibesitzers Theiler Montagabend gegen 6 Uhr an der Ecke der Oldenburger- und Turmstraße angerichtet. Als das Pferd des dort haltenden Wagens plötzlich unruhig wurde, wollte der Mitfahrer, ein junger Mann von 18 Jahren, das Tier bändigen. Dazu waren die Kräfte des Mitfahrers aber zu schwach, er stürzte in dem Augen- blick, als das Pferd anzog, und nun Ziagen ihm die Räder über den Kopf hinweg. Ein ähnliches Schicksal erlitt der Kutscher des Wagens und ebenso ein Schutzmann, die im kritischen Augenblick dem Mitfahrer zu Hilfe kommen wollten. Während die Räder dem Kutscher über die Brust gingen, erlitt der Schutzmann schwere Ver- letzunZen an den Beinen. Alle drei wurden nach dem Krankenbause Moabtt gebracht; der Zustand des Mitfahrers soll lebensgefähr- lich sein._ Der Arbeiter- Schwimmerbund feierte am Sonntag im Lokale der Witwe Schonert(Neu-Seeland) zu Stralau-Rummelsburg sein sechstes S o m m e r- S ch w i m m f e st. Das Lokal war überfüllt, ein gutes Zeichen für das Interesse, das dem Arbeiter-Schwimmer- bund in Arbeiterkreisen entgegengebracht wird. Das von gutem Wetter begünstigte Fest ging programmmäßig von statten und gab der Hoffnung Raum, datz die Schwiininkuust auch im Proletariat immer mehr an Interesse gewinnt. Die einzelneu Leistungen lieferten folgende Resultate: I u g e N d s ch w i m m e n: 100 Meter nur Brustschwimmen. 14—16 Jahre. 1. P. Lange. Schwimmllub„Neptun 1894", in 1 Min. 44 Sek. 2. K. Greulig, Schwimmklub„Welle", in 1 Min. 54 Sek. 3. P..Krause, Schwimmklub„Welle", in 1 Min. 56,6 Sek. — Seiteschwimmen: 100 Meter, 16— 18 Jahre. 1. F. Miethke, Schwimmklub„Welle" in 1 Min. 29,8 Sek. 2. V. Haß, Schwimmklub„Welle", in 1 Min. 31,6 Sek. 3. G. Wähnelt, Schwimmklub „Vorwärts", in 1 Min. 39,8 Sek.— H a u p t s ch w i m m e n: 500 Meter. 1. F. Rowinski, Schwimmklub„Vorivärts"-Steglitz. in 9 Min. 18,2 Sek. 2. E. Werner, Schwimmklub„Vorwärts"-Bcrlin in 9 Min. 33,2 Sek. 3. E. Wittstock, Schwimmklub ,Neptun"-Weißensee in 10 Min. 14 Sek. — Jugendspringen: 1. G. Wähnelt, Schtvimmklub„Vor- wärtS", mit 19°/, Punkten. 2. E. Kluge. Schwimmverein„Norden", mit 14l/g Punkten. 3. W. Falk, Schwimmklub„Neptun"-Weißensee. mit 11°/, Punkren.— M ä d ch e n s ch w i m m e n: 50 Meter. 14 bis 16 Jahre. 1. E. Böhm, Damen-Schwimmklnb„Vorwärts", in 1 Min. 1,2 Sek. 2. E.Hellmuth, Damen-Schlvimmklub„Vorwärts" in 1 Min. 7,3Sel.— Domenschwimmen: 100 Meter, über 16 Jahre. I.A.Schulze, Damen-Schwimmklub„Vorwärts", in 2 Min. 24,4 Sek. 2. S. lltzel- manu, Damen- Schwimmklub„Vorwärts", in 2 Min. 34,8 Sek.— Knaben-Stafettenschwimmen: 4 X b0 Meter. Nur Brustschwimmen gestattet. 1. Schwimmklub„Welle" in 3 Min. 45 Sek. 2. Schwimmklub„Neptun 1894* in 3 Min. 46,6 Sek.— Rückenschwimmen: 100 Meter. 1. O. Hillner. Schwimmklub „Welle", in 1 Min. 33,4 Sek. 2. E. Wolter, Schwimmllub„Vor- wärts". in 1 Min. 42,8 Sek. 3. F. Steinke, Schwimmvcrcin„Norden", in 1 Min. 43 Sek.— H a u p t s p ri n g e n: 1. R. Bcrgemann, Schwimmklub„Vorwärts", mit 29>/z Punkten. 2. Ak. Klose I, Schwimmklub„Vorwärts", mit Punkten. 3. R. Grahl- mann, Schwimmverein„Norden", mit 26 Punkten.— Jugend- schwimmen: 200 Meter. 1. B. Haß, Schivimmklub„Welle", in 3 Min. 17,4 Sek. 2. F. Miethke, Schwimmklub„Welle", in 3 Min. 20.8 Sek. 3. W. Pohlcy, Schtvimmklub„Welle", in 3 Min. 34 Sek.— Hindernisschwimmen. 1. P. Buschmann, Schwimmklub„Vorwärts", in 3 Min. 19,4 Sek. 2. F. Buschmann, Schwimmklub„Vorwärts", in 3 Min. 31,8 Sek. 3. R. Selchow, Schwimmklub„Neptun 1894", in 3 Min. 48 Sek.— Schwimmen über d i e Strecke von 1500 Meter. Start: Die Liebesinsel. 1. O. LescinSki. Schivimmklub„Aegir". in 28 Min. 15,2 Sek. 2. R. Röhl, Schwiniinvcrein„Norden", in 29 Min. 16,2 Sek. 3. R. Kiimpfel, Schivimmklub„Vorwärts", in 29 Min. 53,4 Sek. Das Radrennen am Sonntag in Friedenau ging unter zahlreicher Beteiligung des Pnblikums vor sich und verlief sportlich außer- ordentlich interessant. Schon die Fliegerrennen waren vortrefflich und zeigten sowohl den Berufsfahrer Ellegaard als auch ins- besondere den Herrenfahrer Rode, der seine Konkurrenten spielend besiegte, in der besten Form. Lebhaft gestaltete sich aber der Kampf um das G o l d e n e Motorrad von Berlin, das den Miinchener Robl von neuem auf� der Höhe zeigte. Da der Engländer Hall am Freitag beim Training gestürzt war. so kamen für dies Hundert Kilometer-R e n n e n außer Robl nur Dickentmann. Demcke und der Pariser Bruni in Frage. Anfangs setzte es einen harten Kampf zwischen Robl und Dickcntmann, der von dem Münchener beim zehnten Kilometer überholt wurde. Beim 35. Kilometer war Robl eine Runde vor. beim 55. Kilometer zwei Runden. Dann wurde Dickcntmann allmählich matt; Demcke kam hinter Robl und hielt sich mit großer Bradour. Gegen Schluß des Rennens wurde Dickentmann sogar von dem vorsichtig fahrenden Bruni überholt. Das Platzen eines Motorreifens am Ende deS Rennens richtete glücklicherweise keinen Schaden an. Nachstehend der Zahlenbericht: 1. Hauptfahren für Berliner Herrenfahrer. 2000 Meter. 1. Stellbrink 3: 29. 2. Tctzlaff. 3. B. Schmidt. 4. A. Müller. 2. Herrenfahrer-Flieger-Match. 3 Läufe. 1. Rode, 3 Punkte. Hansen und Küpferling je 10, Marten? und Tadcwald je 11 Punkte. Rode siegt überlegen in allen 3 Läufen. 3. Berufsfahrer-Flieger-Match. 1000, 600. 400, 200, 100 M. 1. Lauf<1000 Meter): 1. Ellegaard 1: 382. 2. Rütt. 3. Bader. 4. Huber. 5. Arend. 2. Lauf(1000 Meter): 1. Ellegaard 1:41. 2. Huber. 3. Bader. 4. Rütt. 5. Arend. 3. Lauf<2000 Meter): 1. Bader 2: 59�. 2. Rütt. 3. Ellegaard. 4. Arend. 5. Huber. Gesamtresultat: 1. Ellegaard, 5 Punkte. 2. Bader, 7 Punkte. 3. Rütt, 8 Punkte. 4. Huber, 11 Punkte. 5. Arend. 14 Punkte. 4. Hcrrenfahrer-Tandcm-Match. 2 Läufe. 1. Hansen-Rode. 2 Punkte. 2. Tadewald-Stellbrink, 4 Puntte. 3. Martens-Kiipferling, 6 Punkte. 5. Goldenes Motorrad von Berlin. 100 Kilometer. 2000, 1200, 800, 500 M. 1. Robl 1: 21: 26. 2. Demke. 1770 Meter. 3. Brunn, 5390 Meter. 4. Dickentmann, 6120 Meter. Im Apollo-Theatcr ist unter der Leitung des Komponisten Paul Linckedie Ausstattungsoperette„Venus auf Erden" wieder auf- geführt worden. Die altbekannten Melodien bewährten auch diesmal ihre Zugkraft, und da das Stück insoweit erträglich ist, als keine falsche Senttmentalität darin vorkommt, so war der Abend recht vergnügt. Schöner wäre die Vorstellung am Ende noch gewesen, wenn die Darstellerin der Venus neben ihrer erträglichen Stimme auch ein bißchen Schönheit und Grazie aufzuweisen gehabt hätte. Auch an dem Darsteller des Hans Leichtfuß, Herrn Runge, wurde die sprudelnde Behendigkeit vermißt, mit der Herr Steidl früher selbst in ungenießbaren Rollen die Lacher auf seine Seite zu ziehen ivußte. Aber Herr Kettner war als Jupiter gottvoll, und einen lieben alten Bekannten sahen wir in Herrn Rinck wieder, der den Oberkellner mit gewohnter Bravour gab. Lorbeerkränze in schwerer Menge wurden dem Komponisten am Schluß des Stückes vor die Füße gelegt.— In dem vortrefflichen Specialitätenteil trat Emmi Kröchert auf. Die Künstlerin hat sich im Uebermut sehr vervollkommnet, und ihre im Mecklenburger Platt vorgettageuen Abenteuer einer Dorfschönen weckten stürmische Heiterkeit. Kindcrspielsest in Charlottcnburg. Das dritte Spielfest der Turnvereine und Schulen Charlottenburgs wurde vorgestern auf der Trabrennbahn in Westend abgehalten. Es hatte einen Massenbesuch herbeigelockt, der den Wettspielen der Knaben und Mädchen ans den Gemeindcschulcn und höheren Lehranstalten mit großem Interesse folgte. Stadtschulrat Dr. Renfert eröffnete den Festreigen mit einer Ansprache, in der er den hohen erzieherischen Wert der Jugend- spiele für Geist und Körper betonte. Nun entwickelte sich bald auf dem Niesenspielplatze ein ungemein anziehendes Bild. Ueberall bildeten sich Gruppen von Knaben-, Mädchen-, Schüler-, Lehrlings-, Frauen- und Männerabteilungen, die unter fachmännischer Leitung die verschiedenartigsten turnerischen und sportlichen Spiele aus- führten. Allgemeine Anerkennung fanden hierbei besonders die gemeinsamen Freiübungen der Gemeindeschulen 1, 7, 13 und 15. Die Teilnehmer von höheren Schulen veranstalteten Barlaufwettspiele, Schlag-, Schleuder- und Fußball-Wettspiele. Die Schüler der 25 Gemeindeschulen und der Bürgermädchenschule vervollständigten das Programm noch durch Kreisspiele und Tamburinball. Die un- gezwungene Fröhlichkeit, die bei den Kinderspielen zu Tage trat, ließ vielfach den Wunsch laut werden, daß solche Veranstaltungen in nicht allzu großen Zwischenräumen wiederkehren möchten. Ober- bürgermeister Schuft ehr us verteilte am Schlüsse die Siegerpreise in Gestalt von Eichenkränzen. Bon den Schülern der höheren Lehr- anstalten erhielten: Karl Jaksch) Die Ver- Packung muß in Kisten oder gleich festen Kartons recht dauerhaft mit äußerer Umhüllung von wasserdichtem Stoff und mit fester Ver- schnürung erfolgen. Mangelhaft verpackte Sendungen werden den Msendern auf ihre Kosten zugestellt, c) Die Sendungen sind mit einer unmittelbar auf die Umhüllung zu setzenden Aufschrift nach folgendem Muster zu versehen: Absender: Karl Schulz, Kiel, Holstenstraße 6. An die Spediteure Herren Matthias Rohde u. Co., Hamburg. Für den Matrosen Fritz Schulz, an Bord S. M. S. „Thetis". Die Begleitadresse und der Abschnitt derselben zu Mit- teilungen sind mit der gleichen Aufschrift zu versehen. Der vor- bezeichnete Abschnitt hat außerdem eine kurze Angabe über den In- halt der Sendung und den Zusatz:„Zur frachtfreien Beförderung" zn erhalten. 6) Wünscht der Absender die Versicherung einer Sendung für den Transport ab Hamburg oder Bremen, so mutz er sich dieser- halb au die Speditionsfirma unter Bereiterklärung zur Erstattung der Versicherungskosten wenden. Brände von Gefängnissen. In Tongern(Belgien) zerstörte eine Feuersbrunst das Civilgefängnis, in dem 30 Gefangene untergebracht waren. Der Minister verfügte, daß alle Insassen, die weniger als 6 Monate abzubüßen haben, freigelassen werden sollen.— In der Nacht zu gestern brannte in Shepton-Nallet(England) das große Staatsgesängnis völlig nieder. Die Insassen konnten gerettet werden. Ein Drama im Gefängnis zu Dessau. Nach einem Ueberfall auf einen Gefängniswärter hat im Dessauer Untersuchungsgefängnis der 20 Jahre alte Tischler Emil Ganser aus Berlin Selbstmord begangen. G. war in Dessau wegen Diebstahls und Körperverletzung in Haft genommen worden. Sonntagnachmittag bat er den 50 Jahre alten Wärter Hämerling in seine Zelle, um ihm ein Anliegen vor- zutragen. Kaum stand H. dem Häftling gegenüber, so stieß dieser ihm ein Taschenmesser mehreremale in den Kopf und flöh, als der Beamte zusammenbrach, über Korridor und Treppen hinab in den Hof. Beim Versuch, die hohe Gefängnismauer zu erklettern, sah sich Ganser von Beamten entdeckt, die auf die Hilferufe des verwundeten Hämerling herbeigeeilt waren. Nun erstieg der Flüchtige ein Neben- gebäude und kletterte von hier auf den Blitzableiter. Als er aber keinen andren Ausweg mehr sah, sprang er aus der Höhe von drei Stockwerken auf den Hof hinab und blieb schwer verletzt liegen. Er starb schon nach wenigen Stunden, während das Befinden des von ihm verwundeten Beamten sich etwas gebessert hat. Wetter- Prognose für DienStag, den 5. Juli 1904. Ein wenig wärmer, vielfach heiter, aber noch veränderlich mit etwas Regen und maßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. ??c»iiber keinerlei Verantwortung. chcztcr. Dienstag, den 5. In lt. Lllijang VI, Uhr; Neues Opern-Theater. Der Rastel. binder. Belle-Alliance. Winter» Thmlan. Anfang 8 Uhr. Echiller O. l Wallner»Theater.) Der Troubadour. Weste». Mamzelle Nitouchc. Neues. Einen Jux will er machen. Kleines. Mcirtyr. LicbeSträume:c. .S0Pf. Fröbeis Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Täglich 4'/, Uhr: Konzert, Theater, Speeialitäten. 31 u t o! Durch de» Streik der Zteinsetier ist der Sonnabend. 1«. Juli er., zu Sommersesten frei geworden u. unter günstigen Bedingungen zu vergeben. üützowstr. 111/112. T H e 1 1 c h Im Harten oder Saal: ftorsts Korddeutsche Kumoristen und Quartett®Sänger. Ans.: Woche Z Uhr. Sonntags 7 Uhr. Boa« haben GOUIgkeit. Neuss Programm. Edith Belena,"SS™ Mason u, Fordes, amerik. Excentrics. Die drei Eltners, Drahtseülmnstler, Lydia Dobranow, Feuertänzerin. Charles und Fredsric, Radfahrer. Michel Ellmanns, Tyroler Sänger. Gebrüder Schwarz, Parodisten. Will Mera, Reckkünstler. Heloise Titeomb, sangenn. Die 4 Milans, Kraftnummer. Heiss-Famllie, akrobatischer Akt. Die Rakoczys, Ung. Gesangstruppe, JLebende Photojpräphlen vom Kriegsschauplatz. Am Künlgsthor. Am Friedrichshain. Tätlich: Tlicetcr-Nerstelliiiig mit wechselndem Programm. Slm 1. und 15. jeden Monat» Specialitäten- Wechsel. Zum Schluß: Die Reetzenburg. BolkSstück mit Gesang in zwei Akten. Untre« SO Pf. Täglich: Jeden Mittwoch: Sali.| Kinderfest. Sanssouci. Kvttbuscr Thor— Stat. der Hochbahn Täglich im Garte»: liokkmanns I�orädeutsclie Sünxer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. _ Wochentags habe» Por- zugSkarten, auch die zu den Theater. abcnden ausgegebenen. Gültigkeit. h-' I l—— MB Keichslialleii Zablatelle Berlin. Bureau: SO., Engel-User 15.— Fernsprecher: TV, 3578. Mittwoch, den 6. Juli 1904, abends 8'/a Uhr: r- MOabU I bei Jocksch, Turmftr. 84. Tagesordnung: 1. Bericht der Kontrollkommission und der Vertrauens- leute. 2. Verbands-»mb Werkstatt-Angelegenheitcn. 3. Verschiedenes. Die Werkstellen Sonnenburg, Herrgesell und KSpp sind hierzu extra eingeladen. 8ildQ8töll I bei C. Behrend, Manteuffelstr. 95. Tagesordnung: 1. Verbands- und Werkstatt-Angelegenheiten. 2. Ver- schiedencS. 8Üdk0 I bei B»b«r«t«lu, Wafferthorstr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes und der Vertrauensleute. 2. Verbands-Slngelegenhelten. 3. Verschiedenes. Westen und Süd-Westen:*"•"SM""-'?1'®er9' Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattlontroll-Kommission. 2. Bericht der Vertrauensleute. 3. BerbandS-Angelegenheiten und Verschiedenes. Osten u. Nordosten: bei Bauu, Strauffberg-rstr.». Tagesordnung. 1. Bericht der Obleute. 2. Werkstatt- Angelegenheiten. 2. Verbands-Ailgelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch und Karte legitimiert. Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt: bei Wernau, Schwedterstr. 23/24. Tagesordnung: 1. Bericht der Werlstatt-Kontrollkommission. 2. Ver- bands-Angelegenheiten. 3. Werlstatt-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch nebst Verttauensmännerkarte legitimiert. bei Herrn Baabe, Kolbergerstr. 83. 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. 2. Verbands- und Werkstatt-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Wohnung de» Obmannes Petersen: Antonstr. 33, Portal I, 1 Treppe. bei IjntterbUBae, Friedrich Karlstraße Nr. 11. Tagesordnung: l. Bericht des Lönianns. 2. Werkstatt« Angelegen- Helten. 3. BerbandS-Slngclegenhetten und Verschiedenes. Wedding und Gesundbrunnen: Kerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Killigk Sommemohkvvg Oderbeeg iM.). Möbl. Zimnier mit Bett 3 M. die Woche. L.fferten B. 8 Expedition des.tBorw".[57498 Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Bezirk Friedrichsberg Tagesordnung: 1. Bericht des Loni . 3. BerbandS-Zlngclegenhetten und! Modell-Fabriktischler bei Dleke, Slckerstraste 183. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Werlstattsachen. 3. Ver- schiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Stock, und Cellulold'Meiter bei Bareinz, Brückcnstraße 7,. ßildcrraijtnenntacher bei AugiiMtin, Linden str. 69. Der wichtigen Tagesordnung wegen muß jede Werkstatt vertreten sein. Die Kollegen von Spiesie'cke, Alexandrin enstraße, und Schümann, Ritterstraße, sind Hierzu besonders geladen. Drechsler. QSt6n: bei Krause, Koppenstraffe 41. NOrden: bei Uetzke, Brunnenstraffe 41. Südosten und Westen: stramm, Nitt-rstraffe ISS. Tagesordnung: t. Bericht der Kommission. 2. Werkstattdifferenzen. 3. BerbandS-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein: auch die in Tischlereien beschästtgten Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Ilusikiilstrumenten-�rdeiter im Sewerkschaftshause. Engel-Ufer Nr. 15 lSaal V). Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission und der Verttauensleute. 2. Der Streik der Orgelbauer bei der Firma A. Gast u. C o., Frankfurter Allee ll7a. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. äff Die Kollegen sind verpftichtet, aus jedem Betrieb Delegierte in die Versammlung zu senden. Aihtliiiz! Kautischler. Adililng! Dennerctag, 7. Juli, abend» 8 Uhr, im GewerkschaftShauS, Saal 4: klgiiehöiivolssiiilniiiiig der Bautischler. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns und weitere Stellung der Bautischler. 2. Dis- kussion. 3. Verschiedeiies. DM- Die Versammlung wirb pünktlich eröffnet. Pflicht emei jeden Kollegen ist es, in der Versammlung zu erscheinen. Ber Obmann. \ fTicderlage �5 der 56762» KautabaU-?abrik Nottrodt& Comp., Kleinwerthsr bei Nordhausen. General- Vertreter: Sembard Stümpel, Berlin WO., Immanuel-Kirch str. 21. 5%s:50� Albrechts BAckereien: BSrangrlstr. 136, Krautstraffe 19, aldensteinstr. S8, Lausiuerftr. 2. iarlthalle Pücklerstr., Stand 222/23. Marlthalle Andreasstr., Stand 16/18. Centrale: Boxhagenerftr. 1». Vsrbanä äsr Alöbelpoliersr. äff Der SlrbeitsnachweiS für Sudoit und Rixdors befindet sich nur beiTzschacksch.Naunynstt. 6.(Telephon- Amt IV Nr. 5723.) Bei Mohn, Heinrichsplatz, wird Arbeit sür Möbelpolierer nicht mehr vermittelt. ES ist Pflicht aller Kollegen, ihre Arbeltgeber aus obiges sofort aus- merksam zu machen. 146/20» Ber Vorztaud. Dr. Simtnel, Prinzen- Str. 41, Spectalarzt sür[18/8* Haut- und Harnleiden. 10—2, 6—7. Sonntags 10—12 2—4. Nerband der Maschimsteu«. Hcher sowie Berufsgen. Deutschlands. Venvallungssteste Berlin u. Umg. Todes-Anzelge. Die Beerdigung deS am 2. d. M. verstorbenen Mitgliedes Seinrlch Nunie findet am Dienstag, den 5. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Augusta- Hospital, scharnhorststraße, nach dem neuen Pauls-Kirchhos m Plötzensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 138/17 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Todea- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, der Tischler fmz Reimann am 2. Juli nach langer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am DienStag, den 5. Juli, nachmittags um 5 Uhr, in Crösten a. O. statt. 86/5 Die Drtsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter Wilhetmlne Nickmann geb. Reichow am 2. Juli ver- sterben isL 2483b Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6. Juli, nachmittags 5 Uhr von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhoss Friedrichsseide aus statt. Um stille Teilnahme bittet Hubert Nickmaun. Böttcher, nebst Kindern. Danksagung. Allen denjenigen, die bei der Be- erdigmig meines lieben ManneS, des RestaurateurS Ciuatav Kocbach mitgewirkt haben, sage ich hiermit meinen besten Dank. Frau Beurlett« Koebaeh, 24916 Rüdersdorserftr. 11. -ür Danksagung. die vielen Beweise stille Beweise stiller Teil- nähme und die zahlreichen Kranz« spenden bei der Beerdigm lieben Schwester und Sli Ella Dittmann sagen wir allen Freunden und Be- rannten unsern herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebene«. Dankaagnng. Für die vielen Beweis« ittller Teil- nähme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Anguate Tttpper geb. Brehm sage ich allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Genossen des 4. Wahlkreises� Bezirk l30h, soivie dem Gesangverein der Putzer und den Kollegen vom Bau Schwcdter- Ecke Kvpenhagenersttaße meinen herz- lichen Dank. 2434b Der trauernde Gatte Hermann Tüpper nebst Kindern. Etabtlssenlknt Kilggenhageu Borltzplatz. Täglich von 13—4 Uhr: Mlttagstltoh. Im groffcn schattigen Natur. garten jeden Abend 8 Uhr: Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Ftthrmann— Borat— Walde- Üt Unger. Sonnabends im Kaisersaal: Tanxm Ostbahn-Park. Am KUstrinerplatz. Rüdersdorf erst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Specmittäten- UorsteUung. VieHter Wahlkreis(Osten). Sonata», den 10. Juli 1904, in„Mentes Volksgarten", Lichtenberg, Röder-Strassc 35—36: grosses Sommer-�pest bestehend in 248/16* Konzert, Spocialitäten-Thoater, Harburger Sänger, Preiskegeln . RinHarhalnctiniinnon aller Art; bei eintretender Dunkelheit Kinder- Fackel- und Mnaeroeiusiigungen polonalae, wozu jedes Kind am Eingang eine Stooklaterne Marke zur Schaukel oder TDaroussel. gratis erhält, ebenso eine Marke Im Saale von 4 Uhr an; Tanz. Die KnlTeekttche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an Kasseneröftuung SS Uhr. Billqt SO Pf., an der Kasse 35 Pf. zur Verfügung. Das Komitee. orwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin S\ fit. 155. 21. Jahrgang. 2. KcilM des Jmiiiiirts" Kerlim UslksdlÄ. Dienstag, 5. Inli 1904. Der nennte Knchbinder-Verbandstag. Dresden, 3. Juli. Im festlich dekorierten Saale des Volkshauses tritt morgen der neunte Verbandstag des Verbandes der Buchbinder, Kartonnagen-, Galanterie- und Luxuspapier- Arbeiter und verwandten Berufs- genossen zusammen. Der Tagung, die voraussichtlich fünf Tage beanspruchen wird, ging heute eine Sitzung der Berliner, Leipziger und Stuttgarter Vertreter, die an der T a r i f g e m e i n s ch a s t hauptsächlich beteiligt sind, voraus. Diese sowie die Frage der Beitragserhöhung, der Erhöhung und Erweiterung der Unter st ützungs- Einrichtungen, sind es, die den Verbandstag in der Hauptsache beschäftigen, nachdem auf dein letzten Berbandstag slSl» in Berlin) dementsprechende Anträge abgelehnt worden waren. Ferner stehen weit über 250 Anträge— ein Beweis des lebhaften Interesses, das die Mitglieder an ihrer Organisation be- zeugen— zur Beratung. Sowohl vom Verbandsborstand wie ans einigen Zahlstellen wird darin u. a. die Einführung einer Hinterbliebenen- Unterstützung, einer Unterstützung für weibliche Mitglieder im Fall« einer Heirat(Zuschuh zur B r a u t- A u s st a t t u n g) sowie einer Säuglings- Unterstützung sguschutz an die Mutter bei der Geburt emes Kindes) zc. gefordert. Ein Teil der Anträge fordert ferner Anstellung besoldeter Gau- Vorsteher zwecks Hebung der Agitation, Einführung von Invaliden- Unterstützung, Vergrößerung des Verbands- organs(„Buchbinder» Zeitung"), Bewilligung größerer Mittel für Bildungszwecke und Verlegung des Sitzes des Verbandsvorstandes von Stuttgart nach Leipzig oder Berlin jc. Die Organisation hat in den letzten Jahren ganz erhebliche Fortschritte gemacht. Die Zahl der Mitglieder stieg von 10 446 im Jahre 1906 auf 122S4 bis Ende 1903 und ist inzwischen auf ca. 14 000 angewachsen. Die Einnahmen des Verbandes sttegen in dieser Zeit von 158 000 auf 175 000 M. Die Ausgaben dagegen betrugen 1900: 170 000, 1901: 113 200, 1902: 107 319 und 1903: 131382 M., erfuhren also eine Verminderung, was aus dem Streik und der Tarifbewegung von 1900 resulttert. Unter den Ausgaben interessieren vor allem folgende Posten: Für Arbeitsloien- und Reise-Unterstützung 1900: 18 392, 1901: 37 788, 1902: 36478 und 1903: 35348 M.: für Streiks und Aussperrungen wurden verausgabt in den vier Jahren 83 953, 1919, 1169 und 19 917 M.: ftir das V e r b a n d s o r g a n 17108, 19 230. 18 973 und 19 092 M. z für Agitation ,e.: 4178, 4728, 4521 und 6297 M. Im ganzen betrugen die Ausgaben 1893: 15 380, 1903: 131 382 M. Das Berbandsvermögen erhöhte sich in den letzten vier Jahren um 150 000 M., trotz der rund 100 Streiks und Lohnbewegungen, die durchzukämpfen waren. Auf dem Verbandstag werden 63 Delegierte(auf je 200 Mit- glieder ein Delegierter) anwesend sein. ßHefhaften der Redaktion. jfunrtircher Ceti. E. ffi. 56. Militärdienstuntauglich.— W. W. 4. Sie sind kontraktbrüchig und deshalb schadensersatzpflichtig. Anspruch aus ein Zeugnis steht Ihnen zu. In K.-W. besteht kein Gewerbcgericht.— Neugier A. Nach § 13 des Strafgesetzbuches ist die Todesstrafe in Deutschland durch Eni- haupwng zu vollstrecken. Die Art der Enthauptung ist den Lapdesgesetzcn vorbehalten. Sie erfolgt mittels Beil, Fallbeil und Fallschwert. In den altpreutzischen Landesteilen ist durch Kabinettsorder von 1811 das Beil, in der Rheinprovinz durch Kabinettsorder von 1818 das Fallbeil vorgeschrieben. — A. H., Ripdorf. 1. Ja. 2. Oesterreicher.— Schliemannstr. 10. Für von Dritten eingeworsene Scheiben hat, falls nichts vereinbart ist, nicht der Meter, sondern der Vermieter auszukommen. In der Regel findet sich jedoch im Metsverttage eine(gülttge) Bestimmung, die das Gegenteil besagt. Lesen Sie Ihren Mietsvertrag durch.— M- K. A4. Ja. — Kind A. Sie müssen mit der Mutter und dem Vormund einen Adoptionsverttag schliefen und diesen dem Amtsgericht zur Bestätigung ein- reichen. Der Adoptierende inuß das 59. Jahr erreicht haben und mindestens 18 Jahre älter sein als das Adopttvkind. Von diesem Mtersersordcrnis kann aber das Amtsgericht dispensieren. Die Kosten für einen Adoptiv- anttag stellen fich aus über 50 M. Voraussetzung der Bestätigung des Adopnnanttags ist, dag Sie keine ehelichen Kinder haben.— R, R. Die dem Mann zugeserttgte Kündigung gilt auch gegenüber der Frau. Die dem Mann gegenüber ausgesprochene Steigerung gilt der Frau gegenüber nicht, da diese sich nur in Höhe des von ihr unterschriebenen Vertrages zur Zahlung verpflichtet hat.— R. 35. Wann die von Ihnen begangene Stras- that wegen Verjährung nicht verfolgt werden kann, läßt sich nur sagen, wenn Sie darlegen, welche Sttasthat(und wann?) Sie begangen haben. Es geht nicht an, eine Abhandlung über die VerjährungSvorschristen Ihnen zu geben, weil Sie den Sie betreffenden Fall verschweigen. Heute Dienstag, den 5». Inli, abends 87» Uhr: 4 Volks- Versammlungen in folgenden Lokalen: Medding und Oranienburger Dorstadt:„Kösliner Hof«, Köslinerstraße 8. Gesnudbrnnnen:„Weimanns Nolksgarten«, Dadstraste. Dosenthaler Dorstadt:„Swinemünder GeseUschaftshans«, Swinemünderftrake 42. Schönliaufer Dorstadt:„Wernaus Festsale«, Achioedterstr. 23. Tages- Ordnung in allen Versammlungen: i.„Der 8krupLl!o8k Vortdrueti der Säckermeister und welche Schäden enuacbsen dadurch der konsumierenden ßeuälkerung." Reserenten: Ssrttl» 7rö|jer, Ketzscliolil und LelmMsr, Leiter der Berliner Bäckergesellen-Bewcgung. 2. Freie Aussprache. 298/18 Männer und besonders die verehrten Hausfrauen sind zu dieser Versa»mnl«ng freundlichst eingeladen. Alle �cärtung Z Achtung! Centrat-Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin.— SezirU Südwesten. Mittwoch, den 6. Juli, abends 8Vs Uhr, bei Habel, Bergtnannstr. 3—7: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Unsre Bauten-Agitation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Baudeputtertcn muff es sein, dasür zu agitieren, daß auch die auswärttgen, sür den Bezirk Südwesten in Frage kommenden Kollegen an dieser Versammlung teilzunehmen haben(zwecks provisorischer 'düng).— Mitgliedsbücher werden abgestempelt. Um zahlreichen Besuch bittet dringend_ 144/10 Die Verbandsleitung. Central-Verband der Zimmerer Zabirtelle Berlin und Umgegend. Bureau: Engel-Ufer 13, Zimmer S2._ Fernsprecher: Amt 4, Nr. 2789. Donnerstag, den 7. Inli, abends 8V2 Dhr, im„Ueuen Konzerthause«, SM" Grand-Hotel Alexanderplatz:"V» teerordentlieheMitulieder-Versammhuig aller Bezirks- Zahlstellen Berlins und der Bororte. Bezirks- Zahlstellen Tagesordnung: 1.„Die Ursachen und Wirkungen der Lohnkämpse im Zimmerergewerbe". Hefmnt: Kam-rad Römers Hamburg. 2. Diskussion. 8. Gewerkschaftliches. 254/8 Die Wichtigkeit der Tagesordnung legt allen im Lohngebiete beschästtgten VerbandSmitgliedern die Verpflichtung auf, in dieser Versammlung zu erscheinen.!>«>» Vorstand. I. A.: SB. Witt. Berlins und Umgegend. minima! WM- Maurer."Wß Mittwoch, den S. Juli, abends S1/, Uhr bei Milte, Brunnenstr. 188: Baudelegierten-Bersammlung - Kollegen I Wir sordern Euch hiermit auf, von jedem Bau einen Deputterten zu dettgi Achtung! 129/15 am Elngang des Saales Konttolle geführt, welche Bauten vertreten sind. egieren; ei wird Der Vorstand. Dkl stnipf im Mlkerllkixerde! Folgende Bäckermeister haben den Tarif schrieben und sind als geregelt zu betrachten: anerkannt und unter- Vörden. Adolfftt. 11. Tenuigkeit. Badstt. 37», Schimetzeck. Bernauerstt. 47,«chirweck. Biesenthalerstt. 2, Mensing. Boyenstr. 11, Leopold Jhle. Brunnenstr. 4t,.herm. Sorge. , 95, Hanke. Cremmenerstr. 15, Adolf Morlok. Danzigerstt. 21, W. Singer. Demminerstt. 25, Grund. Dunckerstt. 2, Czerwcnk. Exerzierstr. 19, Koschel.(Ist aus Ber» sehen nicht ins Flugblatt ge- kommen.) Gerich tstr. 14, Schwemler,(Ist aus Wersch en nicht ins Flugblatt gekommen,) GIcimstt. 19, Sttacke. 60. Metsch. Graunstr. 22, Dohrmann. . 52, F. Hanke. Grenzstt. 13, Ziegels». Grünthalerstr. 61, F. Altrock. Hochmeisterstt, 20, P. Meyer. Neue Hochstr, 28, O. Korherr. tzusfitenstr. 43, Kießling. Kastanien-Allee 46, Bieg. Koloniestr. 34, E. Muche. 151, Otto Scheer. Lhnarstt. 4, Kadak. Maxstr, 17, E. Schulze. Müllerstt. 32. Wwe. Blum. Metzerstt. 2, Sachwitz(vorm. Zeitlers). Oderbergerstr. 46, Schönherr. , 38, Baldin. , 21, Wagner. Oudenarderstt. 44, P. König. Putbuserstr. 24, Kundt, Prinzen-Allee 53, Schmidt. 61, H. MehIS. Prinz Eugenftt. 10, O. Senfs. , 16, H. Oswald. Reinickendorjerstr. 54, W. Herberg. 69. Peffch. Rügenerftr. 16, Höhn, Swinemünderstt. 54, Paulischeck. 82, M. Manuel. . 93, Schubert. Sparrstr. 6, Elsner. Schulstr. 110, Sttitzke. Schönholzerstt. 5, Mittelvach, Schwedterstt. 240, Kurth. Ttlsiterstr. 77, F. Stahnsdorf. Triststr. 2, M. Förster. Usedomstt. 4, Stollberg. Utrechterstt. 8, Kersten. Wollinerstt. 50, Nicol. Weddingstt. 7, H. Brendel. Xord-Osten. Fried enstt. 57, Ernst Rolle. Marienburgerftr. 7, W. Seemann. Pallisadenstr. 58, H. Hecht. STord-Weaten. WIclesstr. 59, W. Werdcrmann. Osten. Krautstr. 25, Freudenhammer. Sttd-Osten. GörNtzerstr. 55, Fischer. Reichenbergerstr. 468, Weber. lUxdorf. Erkstr. 4, Speisekorn. Hcrmannstr. 231, Friedrich. Lessingstr. 30, Hoppe. Reinickendorf. Residenzftr. 61, W. Busse. Ober-Schöneweide. Wilhelminenhosstr. 47, Th. Mielle. Marienstr. 18, Th. Mielke. Pankow. Schönholzerstt. 7, R. Sehffer. Die Forderungen durchbrochen resp. zurückgezogen haben folgende Bäckermeister und sind deshalb aus der Liste der Bewilligten zu streichen: Morden. Rcinlckendorserftt. 57, Zicgler, liefert sür solgende Milchhändler: Teglerstt. 18, M. Rocker, Pankstt. 45, Burla, Tnststt. 40, Berndt, Müller- straffe 97, Aug. Wegner, Müller- straffe 115, Hcrm. Setsert. Osten. Gr. Franksurterstt. 129, Treppenhauer. „Wurstmeyer" tat die beste Wurst. Berlin N. vruuneustr. 6. 55902* Mittwoch, den 6. Juli, abends 8 Uhr: Volks- Verlammlnnfl für sämtliche in Berlin Arbeitenden aus dem Kreise Frankfurt-Lebus im Crewerksehaftshanse, Engel-Ufer Nr. 15. Tages-Ordnung: 1. Die Schwäche des deutschen Parlamentarismus. Referent: Genosse Dr. Maure, ibrecher. 2. Welche Lehren haben wir aus dem letzten Reichstags-Wahlkamps in unserm Kreise zu ziehen? Ziescrent: Emil Faber-Franffurt a. O. g. Diskussion. 4. Kreisangelegenheiten. Genoffen! In Slnbcttacht der wichtigen TageS-Ordnung ist es Ehren- Pflicht, sür guten Besuch zu agitieren, und erscheint alle Mann für Mann. Der Einbernfer. Lagerhalter. Sittwoch, den«. Jnll 1004, abends» Uhr, im ßewerkschaftshanse, Engel-User 15, Saal 8 29) J. Grdentlidie Gtnnel-Nkchmnilnng. Zahlreiches Erscheinen aller Kollegen �erwartet 4 Die OrtsTerwaltnne. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstklltn Strglitz, Sroß-Fichterfelde u. Zehttndorf. Heute, Dienstag, den 5. Juli 1901, abends 8 Uhr, im Restaurant„Birkenwiildchcn": iusserordeutliche Hitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Berichterstattung vom Verbandstag. Dislussion. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersuchen 2498b Die Berwaltnnge«. Albeitenkckkttr-Nkrm Seriitt. Donnerstag, den 7. Juli, abends 8'l, Uhr: IM" Versammlung'-WU im Oewerkschaftshanse, Engel»Ufer Nr. 15. Tages-Ordnung: 1. Bericht aus den amtltchen Nachrichten(Rekurs- und Revisions- Entscheidungen und Obergutachten. 2, Diskussion. 3. Verschiedenes. gmr* Gäste willkommen. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 53/8 Der Borstand. I. A.: si. elssedol, Vorsitzender. Cliarlottenburg! DienStag, 5. Juli, abends SVa Uhr, im Bolkshause, Rosinenstr. 3: Uolks Uersammwng. Tagesordnung: 1. Referat de« Genossen Dr. liCO A.1*01IS i „Sit Schule im prrußischttl Laudtuge." 2. Diskussion. 208/13 Zahlreiches Erscheinen von Männern und Frauen wird erwartet. Arkooabad �btnnnln- Z4,�nKlamersrr. 34 Wannen- u. medizinische Bäder sowie russisch-römtschc u. vorzügliche Kastendampfbäder(Kohlensäure) mit Ein- Packung, Masjage zc. 53692* Lieferant für sämtliche Kruukeukaffeu. Die Verbandsleitung. Bureau: Gipsstr.». Telephon Amt HI, 1248. OlgSNNVN' 54431,* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dnntn) Moequettes. Plüsch- ncSiei�satleltaschen. Muster b. näher. An gäbe frajico. Emlllefms, S'ia.ISQ. Stempel- Jabri von s4370L* »oböst»ölZÜ!. Derlln S., Oraniciistr. HÜ, liefert schnell und billig alle Arten Stenipel in bester AuSsührung. Kautschuk> Thpen.Perfekt* sum Zusammensetzen einzelner Wörter owie ganzer Sätze von 1,50 M.an. Kllllill-I'olllllgllll empfiehlt sein Lager i» Rruohdanckagen, veiddiitaen, Geradehalte™, Spritzen. Susponsors, sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. IMT Eigne Werkstatt. Lieferant s. Orts- u.HilsS-Krankenkaffen Derlln C., 30. FitlitN- Straße 30. VD. 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Redakteur: Paul Büitner, Berlin. Für den Inseratenteil verantio.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul E-inger Sc Co., Berlin LW.