N». 156. Rbonnemenfs-Bedlngungen: RBonncmentä. Preis Jjtnnumetanba Z Sierteljährl. 330 MI., tnonaü. 1.10 MI, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Swnuner S Pfg. Sonntags- nununcr mit illustrierter EonntagS« Vellage.Die Reue Well' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn S Marl, flir dai übrige Au-Iand S Marl pro Monat, A. Jahrg. vlldtlill ttgstch illStl wsiitsg». Vevlinev VolksblÄkk. vi« laltttioiu-Stdad« betrögt sür die sechSgespallene Kolonel- zetle oder deren Raum SO Psg. für politische und gewerlschastliche Bercini- und Bersammlungs-Anzcigen 25 Pfg. „Rleine Snreigen", daS erste(seit- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben Zahlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben «erden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Tefttage» bis 8 Uhr vormittags geöstnet, relegramm-Adreff«! „SMUMcinskral Bulln". Zcntralorgan der rozialdcrnokrati fchcn partei Deutfchlande. Redaktion: SM. 68» Lindcnstraaee 69. i?ernsvrecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Expedition: SM. 68, I.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1684.. Die politische Lage in England. London, 2. Juli. In den letzten zwei Wochen ist wiederum eine jener Krisen im politischen Leben eingetreten, von denen die Liberalen den Tod des konservativen Kabmetts erwarten. Derartige Krisen sind in den letzten vier Jahren mehrmals in die Erscheinung getreten, endigten aber ganz anders, als die Liberalen erwarteten. Nach allen Nieder- lagen, Senderungen und Neubildungen verfügt daS Kabinett noch immer über eine Mehrheit von etwa 90 Stimmen, die wohl den Premierminister und konservativen Führer Mr. Balfour nicht so leicht im Stich lassen werden. Die konservative Partei ist ohne Zweifel nicht mehr so einheitlich, wie sie es seit dem Jahre 1886 war. Die Zollagitation ChamberlainS wirkt zersetzend: das fortwährende Erperimentieren mit Srmeereformen trägt ebenfalls zur Diskreditierung der Regierung bei; die Einführung chinesischer Arbeiter natö Transvaal ruft viel Unzufriedenheit hervor: über den Nutzen der Tibet-Expedition sind die Meinungen geteilt; dazu kommt noch die Vorlage betreffend Sicherung der Schanklicenzen, die den Unwillen der Temperenzler der Torypartei weckt. Die konservative Partei ist offenbar regierungsmüde— sie ist bereits seit neun Jahren am Ruder— und wird nur durch Erwägungen der äußeren Politik zusammengehalten. Diese innere Schwäche der Regierung wird von der liberalen Partei zu Frontattacken benutzt und so oft ein solcher Angriff einigermaßen gelingt, wird von einer KrisiS der Regierung gesprochen und die Liberalen sehen sich schon— wenigstens im Geiste— am Ruder des Staates. Bis jetzt haben sich alle diese Hoffnungen als trügerisch er- wiesen. Balfour weiß sich stets aus der Klemme zu helfen— nicht durch seine Stärke, sondern durch seine Schmiegsamkeit. Und so sehr eS zu wünschen wäre, daß daS jetzige Kabinett einem social« fortschrittlichen Platz macht, so ist doch zweifelhast, ob sich ein solcher Wunsch bald verwirklichen wird. Die Engländer sagen:„clori't prophesy unless you knowu: prophezeie nie. außer wenn du schon daS Resultat kennst. DieS ist ein Erfahrungssatz aus dem parla« nientarischen Leben, in dem oft nicht die allgemeinen, berechenbaren Erwägungen, sondern persönliche, unberechenbare Faktoren eine große Rolle spielen. Immerhin darf man sagen, daß sich die jetzige Re- gierung nicht stürzen lassen wird, bis nicht in Ostasien eine Klärung der Lage eingetreten ist. Dasselbe gilt auch von der Expedition nach Tibet. Denn soviel steht fest, daß die liberale Partei nicht im stände ist, eine so zielklare und energische äußere Politik zu führen, wie die Konservativen unter Lord Lansdowne. Ein Regierungs- Wechsel würde unter solchen Umständen nur zu gunsten deS Zarismus ausschlagen, waS für den allgemeinen europäischen Kulturfortschritt schädlich wäre. Aber auch die Liberalen sind weit davon entfernt, eine geeinigte Partei zu sein. Sie sind in dieser Beziehung thatsächlich schlechter daran, als die Konservativen. Die Gegensätze und MeinungS- Verschiedenheiten innerhalb der konservativen Partei sind im großen ganzen nur Gruppengegensätze innerhalb einer durch daS allgemeine Interesse zusammengefügten Klasse. Dagegen besteht die liberale Partei nur aus Klaffen- und Raffenstagmenten. die nur noch durch vorübergehende Ursachen zusammengehalten werden. Die Jrländer haben in den letzten sechs Jahren von den Kon- servativen die autonome Lolalverwalwng und den Auskauf des irischen Grund und BodenS erhalten. Homerule— eine eigne irische Regierung mit einem Parlament oder Landtag in Dublin— können sie von den Konservativen nicht erwarten. Aber die Jrländer sind ohne Homerule nicht zufrieden zu stellet,, und eine ganze Reihe von Liberalen, die an den Tradittonen Gladstones halten, sind bereit, die politischen Wünsche Irlands zu befriedigen. ES giebt aber eine ganze Anzahl von Liberalen, die der An- ficht sind. daß die große Mehrheit der Engländer nicht so weit gehen will. DieS ist die erste Spaltung der liberalen Partei, die eine liberale Regierung lähmen wird. Lord Roseberh und seine Liga sind zwar bemüht, Homerule aus dem liberalen Programm zu streichen und sich hauptsächlich auf den Kampf gegen ChamberlainS Zollpolitik zu konzentrieren, allein ohne die Stimmen der Iren kann die liberale Partei kaum auf eine Achtung gebietende Mehrheit rechnen. Roseberh meint, durch den Freihandel und eine gemäßigte Social- Politik würden die Liberalen nach und nach so viel Stimmen den Konservativen abgewinnen, um sich von den Iren unabhängig machen zu können. Er warnt deshalb seine Partei vor Ueberstnrzung und möchte sie vorläufig auf unausgesetzte Kritik gegen die Regierung beschränken, um die Konservattven Vollend« zu diskreditieren. Daraus erklärt sich auch zum Teil sein scharfes Austreten in Fragen der äußeren Politik er will dem Lande zeigen, daß die Liberalen wohl im stände seien, die Ehre Englands im Rate der Völler zu wahren. Die zweite Spaltung innerhalb der liberalen Partei entspringt aus dem großen Klassengegensätze zwischen den Kapitalisten und Arbeitern. Die entstehende Arbeiterpartei ist zwar noch nicht kon- solidiert. Sie hat vorläufig weder eine feste Organisation noch ein klares Programm. Der gewöhnliche Trade« Unionist verlangt vom Labour Representatton Committee nicht« Systematisches und nichts RevoluttonäreS. Er verlangt nur die Wiederherstellung seines alten GewerkschastSrechtS. So lange die liberale Partei sich in der Opposition befindet, kann sie— nach Ansicht der Trades Unionisten — nichts thun. Die Arbeiter sind vorläufig zufrieden, daß die Liberalen den Kampf gegen die Konservattven führen— den Kampf gegen die Angriffe auf den Freihandel, gegen die Einführung der Chinesen nach Südafrika, gegen die Kriegsrüstungen ic. ES ist vielleicht zum Teil dieser Lage zuzuschreiben, daß die Arbeiter-Abgeordneten die Satzungen des Labour Representatton Committee verletzen und sich fortwährend mit den Liberalen identtfi- zieren. So haben sie bei den letzten Nachwahlen, aus denen die liberalen Kandidaten siegreich hervorgingen, für die Liberalen agi- tiert, was mit Recht von den socialistischen Arbeiterblättern„Labour leader",„Justice" und„Clarion' scharf getadelt wurde. Selbstredend ist die oben geschilderte parlamentarische Lage nicht die Hauptursache dieser Verirrungen. Denn die Hauptursache ist in der geistigen Unklarheit der neuen Arbeiterpartei zu suchen. Immerhin ist die politische Situatton eine derartige, daß sie auf die Befestigung der neuen proletarischen Bestrebungen keinen günstigen Einfluß ausüben kann. Dies wird sich aber ändern, sobald die Liberalen ans Staatsruder gelangen. Die Zahl der Arbeiter-Abgeordneten dürfte im nächsten liberalen Parlament einige Dutzend betraget,. Der Kainpf wird sich nicht mehr zwischen Liberalismus und Reaktion abspielen, sondern zwischen Demokratie und Liberalismus. Erst dann wird sich die Klassenspaltung zwischen Kapital und Arbeit politisch bemerkbar machen. Die liberalen Führer sind über die kommenden Schwierigkeiten nicht im Zweifel. Sie machen zuweilen den Eindruck, als ob sie sich vor ihrem bevorstehenden Siege fürchteten. Sie hatten in den letzten Wochen manche Gelegenheit, die Regierung in eine Minorität zu bringen und sie zu stürzen. Aber sie thaten es nicht. Sie fühlen sich offenbar nicht stark genug, den Sieg auszunutzen.— politifcbe deberfickt. Berlin, den 5. Juli. In Rußland verboten! Der Königsberger Prozeß wegen Verbreitung russischer Schriften bedroht den ganzen deutschen Buchhandel. Wenn es strafbare Geheimbündelei, Hochverrat, Zarenbeleidigung und dergleichen ist, so ist die Organisation des deutschen Buchhandels die Centtale solcher Geheimbündelei. Weiß man, daß fast die gesamte wcst- europäische Litteratur ganz oder teilweise in Rußland verboten ist und daß ttotzdem in Rußland natürlich das Bedürfnis besteht, diese Schriften kennen zu lernen, so folgt von selbst, daß der West- europäische Buchhandel, insbesondere auch der deutsche, Mittel und Wege gefunden haben muß, dennoch Rußland mit„verbotenen Schriften" zu versorgen. Thatsächlich kennt auch jeder Eingeweihte die Organisation dieses.Geheimbundes". So werden zum Beispiel deutsche Konversattonslexikons vielfach gleich präpariert über die Grenze geschickt; die in Rußland konfiscierten Seiten und Bogen werden schon in Deutschland zurückbehalten, so daß die russische Censur keine Gelegenheit hat, die Exeniplare durch Schwärzen und Ausschneiden zu verwüsten. Es ist aber zugleich auch Vorsorge ge- troffen, daß die russischen Käufer trotzden, vollständige Bände schließlich erhalten. Man sieht: Grauenhafte Geheimbündelei l Er- wache, Staatsanwalt, erwache! Was aber bedroht alles den Bestand des russischen Reiches, was enthält alles Hochverrat, Zarenbeleidiguug und dergleichen Greuel mehr— nach russischen Polizeibegriffen nämlich, die bisher, vor dem Königsberger Prozeß, immer noch keine deutschen Rechts- begriffe waren? DaS letzte nur fünf Monate un, fastende Verzeichnis von deutschen Büchern, die in Rußland ganz oder teilweise verboten sind, umfaßt, rund 200 Nummern. In fünf Monaten allein von deutschen Büchern 200 verboten, und die Bülow-Reden über die Schnorrer und Verschwörer sind in diese Liste noch nicht einmal aufgenommen. Unter den ganz verbotenen Büchern finden wir natürlich socialdemokrattsche Schriften, wenn auch nur drei. Der von Genossin Braun bereits 1896 erschienene Vortrag über Frauenfrage und Socialdemottatte ist noch nachträglich auf den Index gesetzt worden. Außerdem enthält die Liste nur noch JffaieffS Schrift über „SocialiSmus und da» öffentliche Leben" und das Protokoll zum Dresdener Parteitag, das also die russisch« Censur für kein Agitationsmittel gegen die Socialdemokratie hält, wie das die deutsche bürgerliche Presse immer behauptet. Sonst schützt also weder Frömmigkeit, noch Patriottsmus, noch Byzantinismus, noch staatserhaltende Gesinnung vor der russischen Censur. Verbottn sind Schulbücher wie: Andräs Grundriß der Geschichte und für höhere Schulen Vnit Ivelcher Gewissen- hastigkeit die russische Censur aus dicken Bänden ein paar anstößige Zeilen herausfindet I Da nicht nur die deutsche, sondern die Welt- Produktion an Druckerzeugnissen auf ihren Inhalt von der Censur Seite für Seite geprüft werden muß, so ist ein riesiger behördlicher Apparat notwendig, um diese Giganten-Arbeit zu erfüllen, eine Arbeit zudem, die völlig vergebens ist. In Kürschners Jahrbuch 1904, das ohne die Inserate 954 Spalten stark ist, hat die russische Censur auf den Spalten 909—912 eine Ruchlosigkeit entdeckt; diese Spalten sind also auszuschneiden. Und worin besteht der Frevel! Es ist dort eine Karikatur aus dem Kladderadatsch wiedergegeben, den Zaren und Roosevelt darstellend.'wie sie sich gegenseitig Kischinew und die amerikanischen Lynchakte vor- halten; also offenbar eine Zarenbeleidigung nach russischer Auf- fassung, und so jemand dennoch sich erdreistet, das Jahrbuch unzer- schnitten nach Rußland geheimbündlerisch zu verbreiten, der nehme sich vor Königsberg in Acht, daß ihm nicht der Prozeß gemacht werde. Wie bewunderungswürdig genau die russische Censur liest, dafür ein Beispiel. Aus einer hundert jSeiten zählenden Broschüre sind zwei Zeilen zu schwärzen; sie lauten:„.. wie es dem Kaiser von Rußland die blasse Angst vor Attentaten aufzwingt.' Augenscheinlich auch eine schwere Zarenbeleidiguug. Nach der Einleitung des Königsberger Prozesses kann Rußland sich eigentlich in Hinsicht der deutschen Bücher die Grenzüberwachung ersparen. Deutsche Staatsanwaltschaften werden einfach alle Ber- fasser und Verleger von solchen zarenbeleidigenden deutschen Schriften beim Wickel nehmen und ins Gefängnis werfen. Dann wird kein Deutscher mehr in Deutschland es wagen, eine Zeile zu schreiben, zu drucken, zu verlegen oder zu verbreiten, die in Rußland verboten werden könnte. Und Deutschlands Büchermarkt wird dann so seuchenfrei sein, wie e» Rußland sein möchte. Denn nach Deutsch- land würde derartige Ware nicht einmal„geheimbündlerisch" ge- schmuggelt werden. So muß es kommen: Was der Zar in Nußland vergebens gebietet, das wird in Deutschland erfüllt I— Die Verfassungsfrage in Baden. Karlsruhe, 5. Juli.(Telegramm.) Die Erste Kammer der Land» stände befaßte sich heute mit dem Gesetzentwurf betreffend die Ber« fassungSänderung. DaS HauS war stark besucht, mit Ausnahme des Fürsten Fürsteuberg waren alle Standesherren erschienen. Den Be- richt erstattete Freiherr v. G 0 e l e r, welcher ausführte, die Erweiterung des Budgetrcchts der Ersten Kammer sei für die Kommisston eine ocrnäitia sine qua non(Bedingung, ohne welche nicht). Staats- minister v. Brauer bemerkte, der jetzige Budgetzustand der Ersten Kammer sei kein würdiger; die Zweite Kammer zeige Entgegenkommen, indem sie der Ersten Kammer daS Zurückweisungsrecht ein- geräumt habe. Das sei ein wesentliches Recht für das Oberhaus. In Bezug auf das Finanzgesetz stehe die Regierung auf dem Stand- Punkt der Ersten Kammer. Schließlich wurde der Gesetzentwurf mit allen Stimmen gegen die des Fürsten Karl von Löwenstein nach dem Kommissionsbeschluß angenommen.— Hamburg, B, Juli.(Eig. Ber.) Bürgermeister Dr. Hach« mann ist in der vorigen Nacht gestorben. Mit ihm ist em Ueberbleivsel aus der Zeit des SoctalistengesetzeS dahingegangen, eine Persönlichkeit, die den Beweis dafür zu erbringen suchte, daß ein durch Despotte gemilderter Absoluttsmus sehr wohl auch in einem republikanischen Staatswesen Regierungsprincip sein kann. Bevor Herr Hachmann zu der Bürgcrmeisterwürde gelangte, war er Jahrzehntelang Polizeisenator und schaltete in seinem Amt mit einer solchen Selbstherrlichkeit, daß unser Parteigenosse D i e tz einst im Reichstage meinte, selbst den preußischen Minister Puttkamer im Vergleich zu dessen Hamburger Kollegen noch als Biedermann bezeichnen zu müssen. Hachmanns Willkür Erlaß des Socialistenx von der Haniburger liche Versammlung abgehalten werden konnte;"wollten unsre Parteigenossen irgend eine Angelegenheit in der Oeffentlichkeit beraten, so mußten sie auf preußisches Gebiet nach Altona übersiedeln. Wenn man einen Preis auf die unsinnigste Begründung von Druck- schriftenverboten setzen wollte, so gebührte er zweifellos Herrn Hachmann, der sich z. B. den Scherz machte, das Lokalblatt der hamburgischen Arbeiterschaft auf Grund des Socialistengesetzes zu unterdrücken, weil es in einem Leitartikel die Wahrheit de» Wortes, daß Gewalt kein Heilmittel ist, zu beweisen suchte, und da« Verbot eines ganz farblosen UnterhaltungSblatteS mit nichts andrem als der Thatsache rechtfertigte, daß eS auch dem Arbeiterblatte als Beilage beigegeben sei. Der von Hachmann im persönlichen Verkehr angeschlagene Ton war der eines Schlächtermeisters; standen etwa aus den AuSIveisungSbefehl harrende Socialdemokraten ihm in seinem Amtszimmer gegenüber, so geschah es wohl, daß er sie al« gewerbsmäßige Aufwiegler titulierte und ihnen androhte, mit dem Kolben dreinschlngen zu wollen, wenn die socialdemokrattsche Agitation nicht endlich ein Ende nehme. Freilich kam er mit solchen Ausschreltungen zuweilen an den Unrechten. Ein parteigenössischer Rechtsanwalt, den er einen Naseweis genannt hatte, verklagte ihn und erzielte zum Gaudium der Hainburgischen Bevölkerung, daß ihr Polizeiherr zu 5 Mark Geld st rase verurteilt wurde, und einen ähnlichen Erfolg hatte der von Hachmann beschimpfte Redakteur eines Gewerkschafts- blattcS. Eines muß die Socialdemottatte allerdings an dem Ber- storbenen gelten lassen. Hachmann war bis zum äußersten brutal gegen die Arbeiterschaft, aber er hielt seine Hände sauber; es ist kein einzige« Beispiel dasiir bekannt, daß er jenes infame Lockspitzel- s y st e m anwandte, mit dem die preußischen Puttkamer und Krüger sich für alle Zeiten ein Schandmal aufgebrannt und den Staat um seineil ehrlichen Namen zu bringen gesucht haben. Die Socialdemottatte. die es in den siebziger Jahren in Hamburg noch zu keinem NeichStagsmandat bringen konnte, machte unter Hoch- manils Wirtschaft verblüffende Fortschritte. Bereits 1883 fiel ihr bei einer Nachwahl der erste Wahlkreis zu, 1884 auch der zweite, und seit 1890 ist sie im sozusagen unbestrittenen Besitz sämtlicher drei Hamburger ReichStags-Wahlkrcise. Wohl an keinem Orte Deutsch- lands war die Partei unter dem Socialistengesetz so gut discipliiliert wie in der von Hachmann absolutistisch regierten Freien und Hansastadt Hamburg. Kirchliche DetricdsstZniiig. In dieser von SatanS Tücke der- blendeten Welt, Pflege» die arbeitenden Menschen mit Vorliebe am Sonnabend ihre Feste abzuhalten, weil sie am Sonntag sich, ausschlafen können. Dieses sonntägliche Schlafbedürfnis nun scheint auf den Kircheubesuch einen nachteiligen Einflus; auszuüben, und deshalb ist die Kreisshnode in Königsberg- Neumark aus einen schlauen Einfall gekommen. Sie hat nämlich an alle Vereins- vorstände des Syndonalkreises das folgende prächtige Rundschreiben gerichtet: Königsberg, Nm., den 22. Juni 1904. Sehr geehrte Herren! Die Kreissynode, in der sämtliche evangelische Gemeinden unsres Kirchenkreises durch ihre freigewählten Abgeordneten der- treten sind, hat uns durch einstimmigen Beschluß beauftragt, an die Vorstände der im Shnodalkreise vorhandenen Vereine die Bitte zu richten, daß für die Veranstaltung von Vereins- fcstlichkcitcn möglichst ei» andrer Wochentag als der Sonnabend gewählt werden möchte. Wir verstehen es sehr wohl, daß da? Vereinsleben sich in bc- sonderen Festlichkeiten äußern, und daß die Vercinöthätigkeit sich in festlichen Veranstaltungen gleichsam zusammenfassen will. Wir unterschätzen auch die Grunde»ichh welche die Wahl des Sonnabends für diese Zwecke nahelegen, daß der ermattete Leib nicht durch die Arbeit des Folgctagcs in Anspruch genommen wird, und daß man Zeit hat, sich von den gcnosicncn Freuden auszuruhen, ohne Ein- büße an irdischem Gewinn zu erleiden. Wir bitten aber auch nicht zu unterschätzen, was diesen For- derungen des zeitlichen Nutzens und der leiblichen Bequemlichkeit gegenübersteht, das ernste Gottcsgebot:„Du sollst den Feiertag heiligen!" Es ist nicht zweifelhaft, daß ein müder Leib und eine ermattete Seele diesem heilige» Gottcsgcbotc nachzuleben nicht im stände ist. Darum bitten wir die geehrten Vorstände ebenso herzlich wie dringend, sich um GotteS willen den kleinen Unbequemlichkeiten gern zu unterziehen, die aus der Wahl eines andren Tages als des Sonnabends entstehen können, und auch die Mitglieder ihres Vereins dazu willig zu machen. Wir zweifeln nicht, daß unsre freundliche Bitte williges Gehör finden werde; denn es handelt sich bei derselben um das Seelen- heil von alt und jung. In unsrer so unruhigen und vielfach so vcr- drossenen Zeit erscheint nichts so nötig, als daß unser Volk mit heiligem Ernste mehr als bisher seiner Pflichten gegen Gott, sein Wort und seine Kirche wieder eingedenk werde. Helfen Sie, geehrte Herren, dazu mit, durch Erfüllung unsrer Bitte! Der Vorstand der Kreissynode Königsberg I. Braune, Königsberg N./M. Dortschy, Wrechow. Köppen, Güstebiese. Löwe. Mohrin. von Saldern, L!l.-Mantel. Wir hoffen, daß die patriotischen Vereine, au die sich das Gebot doch wohl nur wendet, diesem Ersuchen nachkommen iverdcn, und die Sonnabende künftig dazu benutzen, um in Stille und Andacht sich würdig auf die SonntagSprcdigt vorzubereiten, anstatt mit verkaterter Seele in die Kirche zu kommen. Im Reiche der Frommen scheinen ja die Nachwirkungen der staatserhaltenden Sonnabend- Feste ganz besonders schlimm zu sein. Die socialdemokratischen Kinder der Welt freilich bedürfen solcher „kleinen Unbequemlichkeiten" nicht; sie feiern ihre bescheidenen Feste gern am Sonnabend und sie befürchten nicht, dadurch den Sonntag einzubüßen, um auch ihn mit frischem Leibe und befeuerter Seele zu genießen. Uebrigens würden sich die Synodalen zweckmäßiger an die Unternehmer ihres Kreises wenden, sie möchten auch in der Weise einen Feiertag„ihren" Arbeitern gewähren—„ohne Einbuße an irdischem Gewinn" für die Arbeiter' natürlich I—, dann ist der Sonnabend für Vcreinsveranstaltungen entbehrlich.— Die Plünderungen in Scns. Die Mitteilung, daß die Mainzer Staatsanwaltschaft beabsichtige, die Klage gegen unser Mainzer Parteiblatt zurückzuziehen, nachdem sich die Nichtbeteiligung der hessischen Truppen an den in den Kricgsbricfen des Generals v. Kretschmann berichteten Ausschreitungen in Sens herausgestellt hat, wird von einzelnen Blättern so aufgefaßt, als ob die Schilde- rungen Kretschmanns nun als unrichtig erwiesen seien. Mit ein wenig Verstand hätten sich diese Blätter selbst sagen können, haß es nicht staatsanwaltliche Sitte zu sein pflegt, gerade daim Anklagen zurückzuziehen, wenn socialdemokratischen Blättern der Wahrheitsbeweis mißlingen muß. In der That, haben die Untersuchungen ergeben, daß alles, was Herr v. Kretschmann geschrieben hat, Wort für Wort wahr ist und noch heute als wahr erwiesen werden kann. Nur lag die Schuld eben bei andren Truppenteilen wie den Hessen. Die Gerichts- Verhandlung hätte die patriotische Kriegslezeude von 1870/71 ganz gewaltig erschüttert! Beiläufig sei erwähnt, daß die demokratische„Volkszeitling" be- reits sich den Masse- Stil anzugewöhnen beginnt; sie schreibt ganz hurramäßig:„Die Kriegsbriese des Generals v. Kretschinann waren von der socialdemokratischen„Mainzer Volkszeitung" aus- geschlachtet worden, indem hessischen Soldaten Ausschreitungen während des deutsch-französischeu Krieges vorgeworfen worden waren." Wenn die„Demokratie" von Masse—„ausgeschlachtet" und im Ramsch zu Schleuderpreisen ausverkauft wird!— Königsberg, 4. Juli.(Eig. Bcr.) Auf die Anzeige eines Denun- zianten hin wurde am Sonnabend in Cranz der Genosse Braun- Königsberg, der auch der Geheimbündelei, des Hochverrats und der Zaren- beleidigung angeklagt ist, verhaftet, nach Königsberg transportiert und in das'Gerichtsgefängnis eingeliefert. Hier ersah er aus dem Haftbefehl, daß er nach Zustellung der Anklage Königsberg verlassen und seine Wohnung geräumt haben soll. Es gelang ihm noch, den Landgerichtsdirektor sowie den Ersten Staatsanwalt zu sprechen, und diesen beiden drückte er seine Verwunderung über seine Verhaftung aus. Seine Familie befinde sich einige Meilen von Königsberg entfernt in der Sommerftische, sie habe die Wohnung in 5'königsberg unberührt gelassen, nur einige Betten und die Wäsche mitgenommen. Er arbeite fast jeden Tag in Königsberg, und nur hier und da an den Nachmittagen sei er zu seiner Familie gefahren. Der Staats- anwalt erklärte, daß er von der Polizei die obige Meldung erhalten und daraufhin veranlaßt habe, daß ein Haftbefehl erlassen werde. Braun erklärte, daß die Meldung vollständig unrichtig sei. Die Polizei hätte nur auf dem Bureau Brauns oder in dem Hanse, in den, er wohnt, nachfragen dürfen und sofort hätte sie die Wahrheit ermitteln können. Nun wurden die beiden Schutzleute, von denen man an- nahm, daß sie die Meldung gemacht hatten, geholt, und der eine erklärte auch, daß er die Meldung gemacht habe, doch davon, daß die Wohnung des Braun geräumt sei. wisse er nichts. Er habe aber trotzden, die Meldung gemacht, weil ihn, irgend jemand das gesagt habe. Auf diese Aussage hin wurde Braun dann sofort freigelassen. Wer derjenige gewesen ist. der dem Schutzmann die falsche Meldung gemacht hat, war nicht zu erfahren. Dieser Vorfall wirft wieder ein bezeichnendes Licht aus die Königsberger Polizeizustände. Es iväre der Polizei ein Leichtes gewesen, den wahren Sachverhalt sofort feststellen zu können, doch sie that es nicht. Der gewisse jemand, vielleicht ein Spitzel, muß doch großes Verttauen genießen.— München, 5. Juli.'(Telegramm.) Wie die„Münchner Post" mitteilt, ist der russische Student, der aus Bayern aus- gewiesen wurde, nicht unbedenklich erkrankt.„Wir sind begierig", schreibt daS Blatt,„ob die Fügsamkeit vor Preußen so weit geht, daß man den Kranken gewaltsam über die Grenze bringt".— Soldatemnißhandlnngen. Das Kriegsgericht in Frankfurt am Main hatte sich mit einer Reihe von Soldatenmißhandlungen zu befassen, die bei der 8. Compagnie des 87. Jnfanterie-Regiments in Mainz vorgekommen sind. Angeklagt ist der 22jährige Unteroffizier H. Pockel, der aus der Unteroffizier-Schule hervor- gegangen ist und die strenge Behandlung, die er dort erfahren haben will, nun auch auf die Leute seiner Korporalschaft anwandte. Ohne ersichtlichen Grund schlug er die Musketiere an den Kopf, trat ihnen gegen die Waden, schüttelte sie beim Antreten an der Brust und strengte sie bei in Exerzieren über Gebühr an. Beim Zielen koinnrandierte er so lange hintereinander„Auf!" und dann wieder„Nieder!", bis die Leute ganz erschöpft waren. Einem Musketier, der liegend zielte, gab er einen Tritt in die Kniekehle, den der Mann noch mehrere Tage spürte. Der Musketier Wede- meyer mußte sich vor den Spiegel stellen und eine Viertel- stunde starr in denSpiegel blicken. Wenn er wegschaute, wurde ihm der Kopf von dem Unteroffizier mit Gewalt zurecht gerückt. Dieser Wedemeyer ist schließlich infolge der Miß- Handlungen fahnenflüchtig geworden, wofür er zu acht Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Aber dadurch kam auch das Treiben des Unteroffiziers an den Tag. Zur Verhandlung waren 17 Zeugen geladen, die zum Teil bereits zur Reserve entlassen sind. Verichie'dene Zeugen äußerten sich sehr zurückhaltend, immerhin stellte das Kriegsgericht 160 Fälle von vorschriftswidriger Be- Handlung und 40 Fälle von Mißhandlung fest. Der Angeklagte wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt; ferner wurden ihm die Tressen abgesprochen und seine soforttge Verhaftung angeordnet. Also wiederum einer jener besonders daS Militärsystem kennzeichnenden Fälle, wo der Quäler lange Zeit seine Unthaten an zahlreichen Soldaten verübt und wo nicht durch das Beschwerde- „recht" oder Anzeige Abhilfe geschaffen werden kann; erst durch die Fahnenflucht, die dem Flüchtigen schwere Strafe einträgt, werden die Scheußlichkeiten aufgedeckt.— Ein netter Rcligionslehrer ist, so wird aus Sachsen-Wcimar ge- schrieben, der aus der Untersuchungshaft in Ilmenau jetzt in das Landgerichtsgefängnis in Eisenach übergeführte Paul Pasig. Der Mann hat sich wegen Verbrechen gegen§Z 174 und 176 des Str.-G.-B. zu verauiworten, dessen er sich seinen Schülern in Ilmenau gegenüber schuldig gemacht hat. Das schönste ist aber, daß dieser Mensch bereits in, Jahre 1884 in Leipzig wegen un- züchtiger Handlungen, begangen an seinen Schülern, zn neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Im Jahre 1889 wurde er in München wegen des gleichen Verbrechens zu zwei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. In letzter Zeit sind im Großhcrzogtum Sachsen schon einige Fälle bekannt, daß bestrafte Verbrecher zu Amt und Ehren kamen, ohne daß die Behörden eine Ahnung von deren, Vorleben hatten. Natürlich ist das auch nicht so leicht wie socialdemokratische Ver- ämmlungen zu verbieten.—_ Majestätö- Prozesse. Vom Reichsgericht wird geschrieben: Von der Anklage der Majestärsbeleidigung hatte das Landgericht Erfurt den Redakteur Paul H e n n i g, dortsclbst, freigesprochen. Es handelte sich um eine Notiz, welche einer Wiener Zeitung entnommen und worin berichtet war, daß in einem Hospital ein Landstreicher verstorben sei, dessen Person mit dem deutschen Kaiserhause in Verbindung gebracht wurde. Diese Notiz hatten verschiedene deutsche Zeitungen gebracht, und es waren auch der Redakteur der„Leipziger Volkszeitnng"»nd andre Redak- teure deshalb wegen Majestätsbeleidigung verurteilt worden. Das Landgericht Erfurt war aber andrer Ansicht gewesen und hatte Hennig wegen dieser in der„Thüringer Trihüne" aufgenommenen Nottz freigesprochen, in der Annahme, daß der Augeklagte nur eine unverbürgte Nachricht einer Wiener Zeitung verbreitet habe. Ein gleiches Urteil hatte das Landgericht Halle gefällt in berge gegen den Redakteur des in Halle erscheinenden„Volksblattes" Robert Fette, welches ganz dieselbe Notiz gebracht hatte. Gegen beide Urteile war von der Staatsanwaltschaft Revision beim Reichsgericht eingelegt worden, welche sich darauf stützte, daß die Auffassung des Vorderrichters eine rechtsirrige sei; es hätte ein- gehender geprüft werden müssen, ob nicht bei den Angeklagten die Absicht der Beleidigung vorgelegen hat. Das ReichSgerichl hat die Revision für begründet angesehen und wurde deshalb das Urteil des Landgerichts Erfurt sowie das Urteil des Landgerichts Halle aufgehoben und beide Sachen wurden an die Voriustanzen zurück- verwiesen zur nochmaligen Verhandlung.— Abwehr der Not durch MajestätSbeleidigungen. Aus Colmar wird berichtet: „Ein armer Krüppel, der sich kaum noch fortbewegen kann, stand in der Person des 33 Jahre alten Buchbindergesellen Viktor Franz Eugen Decker aus Saargemünd vor der Strafkammer unter der Anklage der Majestätsbeleidigung. Der An- geklagte ist schon neunmal, darunter viermal wegen Majestäts- beleidigung bestrast; wegen dieses letzteren Vergehens hat er sogar einmal zwei Jahre Gefängnis verbüßt. Infolge seines erbärmlichen körperlichen ZustandeS ist er voll- kommen erwerbsunfähig, und so sucht er vou Zeit zn Zeit Unter- kunft im Gefängnis zu finden. Aus diesem Grunde kam er auch am 2. Juni auf die hiesige Polizeiwache und über- gab einen Zettel, auf welchem eine beleidigende Aeufterung über den Kaiser geschrieben und von ihm unterschrieben war, und bat, man möge ihn verhaften. Seinem Wunsche wurde denn auch stattgegeben. Decker, der heute sein Geständnis wiederholt, wurde zu zlvei�Monaten Gefängnis verurteilt." Der arme Krüppel wird seinen Richtern gram sein, daß sie ihn also gransam milde bestraften. Wie hätte er ihnen gedankt, wenn sie ihm wenigstens auf ein Jahr Unterkunft zugebilligt hätten. So muß er schon nach zwei Monaten aus dem Gefängnis herauskriechen und sich von neue», bemühen, wie er schnellstens wieder zurück- gelangt. Die entsetzliche Meldung beweist aber den Zweiflern an 8 95 des Strafgesetzbuches, daß dieser Paragraph seinen Wert hat. Mit Hilfe von Majestätsbeleidigungen überwindet die civilisierte Gegen- wart das sociale Elend. Sage noch jemand, daß für unglückselige Krüppel in dieser Welt nicht trefflich gesorgt ist.— Aus Sndwcstafrika wird offiziös gemeldet: Reiter Richard Lindner aus Ellersdorf-Koburg-Gotha ist am 1. Juli in Otjosondu. und Reiter Alois Schmidt aus Kamdorftsackricl)ten. AuS de« Organisationen. Einen regelmäßigen Beitrag von 2000 M. pro Jahr an die Kasse des Hauptvorstandes abzuführen hat die letzte Mitglieder- Versammlung des Socialdcmokratischen Vereins in Breslau beschlossen. Die Mitgliedcrzahl des Vereins beträgt zur Zeit etwa 2000, bei weiterer Zunahme soll auch der Beitrag zur Hauptkasse erhöht werden. Die Spaltung der italienischen Partei. Die socialistische Kammer- fraktion hatte dieser Tage eine Sitzung, um die durch das Referendum und den Beschluß des Parteivorstandes geschaffene Lage zu be- sprechen. Es handelte sich um die Frage, ob die Genossen Turati und Bissolati, die den autonomen Gruppen von Mailand, beziehentlich Rom angehören und die also gewissermaßen außerhalb der Partei gestellt sind, noch Mitglieder der socialistischcn Kammerfraktion bleiben können. Unter 12 anwesenden Deputierten befanden sich 10 Reformisten und so wurde eine Erklärung angenommen, in der es heißt, daß die parlamentarische Gruppe keinerlei Veranlassung sehe, ihre Konstitution zu ändern. Die beiden Genannten bleiben also nach wie vor Mitglieder der Fraktion, obgleich sie der offiziellen Partei nicht mehr angehören. Im übrigen drückten ihre Kollegen aber den dringenden Wunsch aus, daß eine Verständigung herbeige- führt werden möchte. polirelliches, Genchtlicbes uft*. DaS Reichsgericht über socialdemokratischc Redaktionen. Wegen Beleidigung der Ober-Postdirektion war der Redakteur des in Hannover erscheinenden„Volkswille", Robert Lein er t, vom Landgericht Hannover zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden, nachdem ein in der gleichen Sache ergangenes Urteil, welches auf 20 M. Geldstrafe gelautet hatte, auf die von der Staatsanwalt- schast eingelegte Revision vom Reichsgericht aufgehoben war. In der am 10. Oktober v. I. erschienenen Nr. 115 des„Volkswille" war unter der Spitzmarke„Teure Auszeichnungen" über die den Postbeamten verliehenen neuen Abzeichen berichtet und diese Ab- zeichen als„Kainszeichen" benannt worden. Die von dem Angeklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision, welche unrichtige Anwendung de-s Gesetzes rügte, hat das Reichs- gericht als unbegründet angciehen und deshalb verworfen. Vom Landgericht Bochum mar der Redakteur des dortigen„Volks- blattes", Nikolaus Linxw eiler. wegen groben Unfugs zu 100 M. Geldstrase verurteilt worden. In der genannten Zeitung loar in einem Artikel verschiedenen Gastwirte, r der Vorwurf gemacht worden, daß sie sich hätten beeinflussen lassen und den socialdcmokratischen Ver- einen nicht weiter ihre Lokale zur Verfügung stellen wollten. Die erwähnten Borkommnisse waren in ironischer Weise geschildert, doch hat das Gericht nicht die erhobene Anklage der Beleidigung darin gefunden, sondem groben Unfug angenommen. Gegen diese Auf- fassung hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt, welche sich darauf stützte, daß der subjektive Thatbestand verkannt sei, auch die Nichtanwendung des K 135 des Strafgesetzbuches bemängelt wurde. Der Angeklagte hatte gleichfalls Revision eingelegt. Das Reichsgericht hat die Revision des Staatsanwalts für begründet an- gesehen und unter Aufhebung des Urteils die Sache an die Vorinstanz zur nochmaligen Verhandlung zurückverwiesen. Hud Induftric und Kandel. Der Deutsche Juristentag und die Kartelle. Der vom 0. bis 13. September d. I. in Innsbruck abzuhaltende Deutsche Juristen- tag wird die Beratungen über die Kartelle fortsetze». Ueber die Frage: Welche Maßnahmen empfehlen sich für die rechtlicheBehandlung der Ringeund Kartelle? hat der Juristcntag die Gutachten eingeholt von: Professor Wäntig- Münster, Rechtsanwalt Prof. Dr. Landesberger-Wien, Rechtsanwalt Dr. Scharlach-Hamburg, Oberlandesgerichtsrat Konrad Schneider- Stettin. Diese Gutachten werden demnächst, schon vor dem Zu- sammentritt des Juristentages, im Druck erscheinen und zweifellos ebenso wie die Verhandlungen darüber maßgebenden Einfluß auf die eventuelle deutsche Gesetzgebung über Kartelle gewinnen. Eine gesetzliche Stellungnahme zu den Kartellen wird ja längst von der Regierung ventiliert und ist auch vom Reichstage wiederholt ge- fordert worden. Die Kartell- Enquete des Reichsamts des Innern, die durch ihre Methode fteilich völlig unzulänglich wird, ist die Vor- bereitung- für Gesetzesvorschläge, von denen sie wie ohne Widerspruch behauptet wird, Herr Spahn vom Centrum bereits einen ganz aus- gearbeiteten in seinem Pulte habe.— Von der Kartellenquete. Wie der„Reichsanzeiger" mitteilt, fand am Donnerstag, den 30. Juni, eine Besprechung statt zwischen den Vertretern des Walzdraht- und Draht st iftver- b a n d es und Vertretern der an den Erzeugnissen der Walzdraht- und Drahtstiftindustrie interessierten Kreise sowie sonstigen Sach- verständigen über die Verhältnisse und Wirksamkeit des Verbandes deutscher Drahtwalzwerke und des Verbandes deutscher Drahtstift- fabrikanten. Neben den Vertretern der beteiligten Behörden waren etwa 85 Sachverständige anwesend. Die Verhandlungen betrafen in der Hauptsache die von den Verbänden der Drahtindustrie befolgte Preispolitik und das Verhältnis des Absatzes im Jnlande zu dem Export, ferner die Frage der Konzentration der Industrie(Aus- schaltung und Zusammenlegung von Betrieben) und die Rückwirkung der Kartellbildung auf die Arbeiter- und Lohnverhältnisse. Das Schwergewicht der Verhandlungen lag in den Auseinandersetzungen zwischen den Eisenhändlern und den Vertretern des Drahtstift- Verbandes, die zu einem Ergebnis führten, das einen Ausgleich der bestehenden Differenzen für die Zukunft erhoffen läßt. Der steno- graphische Bericht über die Verhandlungen wird demnächst, wie üblich, im„Reichsanzeiger" veröffentlicht werden. Gewerkschaft Freie Vogel und Unverhofft, Hörde. Auf den 21. d. M. wird eine Gewerkenversammlung einberufen, die unter anderm über den Wiedereintritt in das Ä h e i n i s ch-j Westfälische Kohlen-Syndikat auch mit einer Be- teiligungsziffer von nur 130 000 Tonnen sowie über die Erhebung von Zubuße Beschluß fassen soll. SetverKscKaftlicKes. Das„Maggi"-Rezcpt. Wem sind nicht im„redaktionellen" Teil der Jnseratenpresse schon jene kleinen Kochrezepte aufgefallen, die scheinbar selbstlos die Hausfrau in die Bereitungsweise ihr noch unbekannter Gerichte ein- führen sollen. Die Geschichte sängt ganz appetitlich an:„Nimm eine Keule von acht Pfund" oder:„Man nehme eine Kalbsmilch" zc., aber jedesmal heißt es dann schließlich:„Zur Sauce nimmt man einen Theelöffel, einen Kinderlöffel, ein Eßlöffel oder auch noch mehr Maggis Würze.— Wenn man sich im Kreisblättchen durch die Holz- Versteigerungen gewunden, wenn man dann gelesen hat. wie ein Handwerksbursche ftech einen angebotenen Pfennig abgelehnt und dafür einen Teller Suppe verlangt hat(ein Beweis für die ver- rohende Wirkung der socialdemokratischen Verhetzung), wenn man schließlich erfahren hat, daß der Krieger- oder Turnverein bei seinem Vergnügen„bis zum sinkenden(!) Morgen das Tanzbein schwenkte, dann kommen einem die kleinen Kochrezeptchen am Schlüsse selbst littcrarisch noch als einzig genießbare Leistung vor. Aber auch „Weltblätter" glauben ihrer nicht entraten zu können! Nicht, daß mau auf den Redaktionen der„Post", der„Neuesten Nachrichten", der„Germania" und der„Freien Deutschen Presse" nach dem Maggi-Nezept lockt; aber man redigiert danach I Das Maggi-Rezept des Erfolges besteht darin, etwas immer wieder und bei jeder Gelegenheit dem Publikum immer wieder zu unterbreiten, bis es endlich daran glaubt. Die Maggi-Gesellschaft macht das mit einer harmlosen Würze, die Socialistentöter-Presse mit weniger harmlosen giftigen Verleumdungen gegen die Arbeiter- bewegung. Sehr beliebt waren bisher die Vorwürfe gegen die Social- dcmokratie wegen ihres angeblichen Verhaltens zur Religion, zur Ehe; die erstarkende Gewerkschaftsbewegung hat das vom Unternehmertum ins Ivarme Nest gesetzte litterarische Federvieh veranlaßt, jetzt sogenannte TerroriSmussälle auszubrüten. Charakteristisch für diese„Fälle" ist der neueste, der auS den Spalten des Hirsch-Dunckerschen„Gcwerkvcreins" in die übrige Presse übergegangen ist. Da heißt es: „Man arbeitet auf einem Bau zusammen mit Fachvereinlern in einem Verhältnis von 3 zu 10. Den ersten Tag schon bei der Essenspause wird gefragt:„Nun, Kollege, bist Du auch im(social- demokratische») Verbände?" Auf die verneinende Antwort heißt es gleich:„Da mache aber schnell, daß Du Dich meldest, sonst arbeiten wir nickt mehr mit Dir." Es wird nun gezankt, herum- gestritten einige Tage, da fehlt aus einmal eine Wasserwage— wo ist sie? Auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Will man am nächsten Tage zum Feierabend seine Stiefel anziehen, sind sie zerschnitten,' dann wieder mit Kot beschmiert usw. Beim Zimmermann dasselbe Schicksal, da fehlt Stemmeisen, Bundaxt und alles mögliche, aber an ein Wiederfinden ist nicht zu denken. Bei einem andren Meister, dem man sich nun zulvendet, dieselbe Geschichte, die man endlich, nachdem man auch beim dritten Meister solche Erfahrungen gemacht hat, es vorzieht, dem Wer- bände beizutreten." Nun,„Vorwärts", widerlege!— Ja, widerlege einer das Zeug! Nach dem Rezept können wir täglich jedesmal eine andre Partei oder wirtschaftliche Richtung der schlimmsten Verfehlungen bezichtigen.— Es gehört nur der Mut dazu, beweiSlo» allgemein gehaltene Verdächtigungen in die Welt zu schlendern. In Fällen, Ivo die Sache' nur einigermaßen faßbar war, ist es uns fast immer gelungen, die arbeiterfeindlichen Behauptungen als Verleumdungen zu brandmarken. Da bringt die„Freie Deutsche Presse" folgende Notiz: Ein neuer Fall von socialdemokratischem TerroriSmuS wird uns mitgeteilt. In der Firma Schwidlinskh u. Co. aus der Berliner Metallwarenbrancke war ein Schmelzer Sch. während seiner Arbeit in die nächste Destillation gegangen. Von seinem Arbeitgeber hierüber zur Rede gestellt, verlangte er seine sofortige Entlassung. Da das Metall im Schmelzofen stand, mußte selbstverständlich ein andrer Arbeiter zur Fortführung der Arbeit herangerufen werden. Als Sch. dieses sah, drohte er den Arbeiter A. niederzuschlagen, wenn er die Arbeit machen würde, und betrug sich so rabiat in der Gießerei, daß er erst mit polizeilicher Hilfe entfernt werden konnte. Am Abend lauerte Sch. mit noch zwei Genosse» dem A. auf, und sie schlugen ihn derartig, daß er sich auf der Unfallstation verbinden lassen mußte und arbeitsunfähig ist. Strafantrag ist gegen die rohen Patrone gestellt. Die Firma Schwidlinsky u. Co. sendet uns dazu u n a u f- gefordert folgendes Schreiben: Berlin 8., 4. Juli 1904, Prinzenstr. 96. Eingeschlossen händigen wir Ihnen einen Ausschnitt ans der gestrigen„Freien Deutschen Presse", Nr. 154, und wollen Sie gefl. davon Kenntnis nehmen, daß unsre Firma Schwidlinsky u. Co. mit dem darin geschilderten Falle absolut nichts zu thun hat. Hochachtungsvoll Schwidlinsky u. Co. Das wird das famose freisinnige Blatt nicht hindern, unbesehen weiter solche Fälle mitzuteilen.— Man handelt nach dem Maggi- Rezept: Die Sache möglichst oft wiederholen; zuletzt glaubt's das Publikum I_ Nach einer Rucksplstche mit der Redaktion der„Welt am Montag", die wir gestern hatten, scheint unsrer Polemik mit diesem Blatt ein MißverständniZ zu gründe zu liegen. Die Redaktion der„Welt am Montag" hat, als sie von Vertrauensleuten der Angestellten schrieb, nicht an solche gedacht, die vom Personal gewählt sind. Wir unsrerseits haben das natürlich als selbstverständlich vorausgesetzt. — Was die Berichtigung des Mosseschen Personals anbelangt, so scheint dieselbe auf der Redaktion der„Welt am Montag" mcht in die Hand des zuständigen Redakteurs gelangt zu sein; man erinnert sich in derselben nur einer oder einiger Zuschriften, die eine Unter- schrift nicht trugen.— Wir sowohl wie die„Welt am Montag" be- dauern, daß das Mißverständnis beiderseits zu einer solchen Schärfe des Tones führte. Lerlin unkt lllmgegend. Der Streik der Holzbildhauer ist beendet. Die erneuten Kom- missionsverhandlungen mit den Arbeitgebern haben einen von den letzteren aufgestellten Vertragsentwurf gezeitigt, der in der Haupt- fache folgende» bestimmt: In allen Betrieben, wo bis zum 1. Juli Forderungen gestellt waren, tritt eine Lohnerhöhung von 5 Proz. ein. Die Firmen, welche diese Erhöhung nicht bewilligen, finden, wenn die Arbeitnehmer gegen sie vorgehen, keine Unterstützung bei den Organisationen der Arbeitgeber. Die Erhöhung erstreckt sich auch auf die Gehilfen, welche bisher den Mindestlohn erhielten; sie muß spätestens am 15. September durchgeführt sein. Während der Dauer des Vertrages dürfen korporative Lohnforderungen nicht ge- stellt werden. Es wird eine Schlichtungskommission aus je sechs Mitgliedern beider Parteien gebildet. Wenn bei ungünstigem Geschäftsgange nachweislich mehr als 10 Proz. der durchschnittlich beschäftigten Gehilfen arbeitslos sind, kann die Schlichtungs- kommission darüber beraten, ob eine vorübergehende Verkürzung der Arbeitszeit eintreten soll. Der Vertrag gilt auf ein Jahr und läuft ein Jahr weiter, falls er nicht drei Monate vorher gekündigt wird. Mit schwachen und eben ausgelernten Gehilfen können be- sondere Vereinbarungen getroffen werden. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks dürfen nicht stattfinden. Dieser Vertragsentwurf lag der am Montag abgehaltenen Gehilfenversammlung vor. Die geringen Zugeständnisse, welche er den Streikenden bietet, erregten allgemeine Enttäuschung und befriedigten keinen der zahlreichen Redner, selbst die nicht, welche die Annahme des Vertrages empfahlen. Die Annahme wurde lediglich deshalb befürwortet, weil der Abschluß eines korporativen Tarifvertrages zwischen dem Centralverein der Bildhauer einerseits und dem Verein der selbständigen Bildhauer, der Tischler-Jnnung und der Freien Vereinigung der Holzindustriellen andrerseits doch eine gewisse Stabilität des Lohnes gewährt, wenn die Lohnerhöhung auch nur gering ist. Man hielt es wohl für möglich, daß die geforderte Lohnerhöhung von 10 Proz. durch die Fortsetzung des Streiks er- langt werden könne, zweifelhaft sei aber, ob man sie auf die Dauer hallen könne. Andrerseits fehlte es nicht an Stimmen, die sich ent« schieden gegen die Annahme dieses Vertrages aussprachen. Schließlich nahm die Versammlung den Vertrag mit 115 gegen 113 Stimmen an und erklärte damit den Streik als beendet. Der Kamps im Bäckcrgcwcrbe. In vier Volksversammlungen sprachen gestern abend die Leiter der Berliner Bäckergesellen-Organisation zu der Bevölkerung des Norden» von Berlin. In WeimannS Volksgarten referierte Hetz sch old, im Kösliner Hof Schneider, im Swinemünder Gesellschaftshause Barth und in Wernaus Saal Fr eh er. Die Versammlungen waren ohne Ausnahme sehr gut besucht, auch die Frauen waren in großer Zahl vertreten. Sie bekundeten durch ihre Anwesenheit, daß sie, die als Käuferinnen in erster Linie berufen sind, den Kampf der Bäckereiarbeiter zu fördern, nach wie vor auf deren Seite stehen, und die um eine bessere Lebenshaltung Kämpfenden zu unterstützen gewillt sind. Die Referenten wandten sich an die Bewohner der nördlichen Stadtbezirke mit dem Hinweis, daß ein großer Teil der dort wohnenden Bäckermeister zu denen gehört, welche durch den Jnnungs- Syndikus Rechtsanwalt Loewe erklären ließen, daß sie ihre Forde- rungen zurückziehen. Als ein Wortbruch, der nicht scharf genug verurteilt werden kann, kennzeichne sich diese Handlungsweise. Die Bäckerei-Arbeiter verlangen nichts weiter als ihre Unabhängigkeit vom Haushalt des Meisters, sie wollen frei sein von den Fesseln eines veralteten patriarchalischen Systems, mit einem Wort, sie wollen ihre Verhältnisse ein wenig menschenwürdiger gestalten als sie bisher waren. Derjenige Teil der Arbeiterschaft, welcher für sein Teil die Fesseln. die die Bäckergesellen immer noch drücken, längst abgeschüttelt hat, werde den Kämpf der Bäcker nach Kräften unterstützen, die kon« sumierende Bevölkerung werde nur da ihren Bedarf einkaufen, wo die Forderungen der Bäckergesellen innegehalten werden. Das ist die Unterstützung, welche die Organisation der Bäckerei-Arbeiter von der Bevölkerung des Nordens im gegenwärtigen Augenblick fordert.— Vor der Macht der Konsumenten habe» die Bäckermeister Respekt, und sobald sie merken, daß die Käufer sich auf die Seite der Ge- scllen stellen, schwindet der Hochmut, und der protzigste Bäckermeister zieht mildere Saiten auf. Der gegenwärtige Kampf ist reich an Einzelheiten, welche das Verhalten der Bäckermeister illustrieren. Einer, der-seine Bewilligung zurückgezogen hatte und infolge- dessen einen großen Teil der Kundschaft verlor, suchte durch Präsente von je 50 Cigarrcn die abspenstigen Kunden wieder einzufangen. Doch die gewünschte Wirkung der Ge- schenke blieb aus. Nur die erneute Bewilligung wird die Kundschaft wieder in den Laden deS Meisters zurückführen. Ein andrer der wortbrüchigen Bäckermeister, der zugleich Hausbesitzer ist, wird von seinen sämtlichen Mietern boykottiert. Er hat nun den Mietern, die seine Backware verschmähen, die Wohnungen ge- kündigt und will vermutlich in die neuen Mietsverträge" die Klausel aufnehmen, daß jeder Mieter nur Brot aus der Bäckerei deS Hausbesitzers essen darf.— Gelegentlich der Schilderung der elenden Lage der Bäckerei-Arbeiter wurde ein besonders krasser Fall von Arbeiterausbeutung in der Konditorei von Klingebeil in der Alexanderstraße angeführt. Dort arbeitet ein zweiter Geselle, der von morgens 9 Uhr bis spät nach Mitternacht nicht nur in der Back- stube, sondern auch mit der Bedienung von Gästen beschäftigt ist. Lohn erhält der Gehilfe gar nicht. Er ist in dieser Hinsicht auf die Trinkgelder der Gäste angewiesen, von denen der Geschäftsinhaber auch noch einen Teil für sich fordert, so daß dem Gehilfen für die ganze Woche ein Einkommen von 5 M. übrig blieb.— Wo sich die Bäckergesellen die Bewilligung errungen haben, da sind sogleich die Beauftragten der Innung oder des Boykott-Abwehr-Ausschusses zur Stelle, um durch Versprechungen. oder wo das nicht hilft, auch durch Drohungen den betreffenden Meister zum Wortbruch zu bewegen. Mit Versprechungen sind die Herren besonders freigebig. So erbot sich der zweite Obermeister der„Concordia"-Jnnung, einem Meister in Reinickendorf für einen Monat die Miete zu bezahlen— natürlich nicht aus der eigenen Tasche— wenn er die Forderungen zurückzöge.— An der Hand dieser und andrer Einzelheiten zeigten die Referenten, daß die Bäckergesellen, obgleich der Streik längst beendet ist, noch mitten im Kampf stehen, in einem Kampf, der die größte Umsicht und Energie erfordert, der aber ohne Rücksicht durchgeführt werden muß. Die konsumierende Bevölkerung werde die Bäckergesellen wie bisher that- kräftig unterstützen und ihnen dadurch helfen, die Errungenschaften des Streiks für die Zukunft zu sichern, damit eine der gedrücktesten Arbeiterschichten auf ein höheres Niveau gehoben und zur Teilnahme am Befreiungskampf der Arbeiter befähigt werde. Der lebhafte Beifall, welcher den Referenten zu teil wurde, so- wie die nachfolgende Diskussion lieferte aufs neue den Beweis, daß die Bäckergesellen an der Berliner Arbeiterschaft einen starken Rück- halt haben.— In allen Versammlungen wurde die nachfolgende Resolution angenommen: Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem skrupellosen Wortbruch eines großen Teils der Bäckermeister des Nordens und erklärt, daß diese unter Leitung der Innung stehenden und vom Scharfmacherverband aufgereizten Bäckerei-Jnhaber damit den Anspruch auf den letzten Rest von Achtung, der in der Oeffent- lichkeit für sie übrig geblieben ist, verloren haben. Angesichts der äußerst bescheidenen und minimalen Forderungen der Bäckerei-Arbeiter mutz die Handlungsweise dieser Bäckermeister als eine so wider- wältige und treulose bezeichnet werden, daß sie nur die allgemeine Verachtung der gesamten anständigen Bevölkerung herausfordert.— Die Thatsache, dah sich die bezeichneten Bäckermeister außerhalb der anständigen Welt stellen, macht es der gesamten brotkonsumierenden Bevölkerung zur Ehrenpflicht, die um eine bescheidene Existenz, um ein Familienleben kämpfenden Bäckergesellen nach wie vor in der wirksamsten Weise in ihren sittlichen und berechtigten Bestrebungen zu unterstützen.— Die Versammelten versprechen daher, überall oa« für zu wirken, daß nur diejenigen Bäckermeister, die den vor dem EinigungSamt abgeschlossenen Tarif unterschrieben und diesen mit dem Verbandsstempel versehenen Tarif dem kaufenden Publikum vorlegen können, die Kundschaft der rechtlich denkenden Bevölkerung einzig und allein zufällt. Die Berliner Stcinsctzer-Jnnung hat, trotz der Intervention des Bürgermeisters Retcke, nunmehr zum drittenmal abgelehnt, vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts mit den Rammern und Stein- setzern zu unterhandeln. Das heißt mit andren Worten: die Herren Sleinsetzermeister fühlen keinerlei moralische Pflicht, den Bedürfnissen und Interessen des Gemeinwesens so weit Rechnung zu tragen, daß sie wenigstens den Versuch machen, zu einer Verständigung mit den Arbeitern zu kommen und damit die Kalamität des Steinsetzer- streiks, die für viele Stratzenteile und verschiedene Vororte mit jedem Tage lästiger und drückender wird und Tausende von erwerbsthätigen unbeteiligten Einwohnern zum schlveren Schaden gereicht, aus der Welt zu schaffen. Es ftagt sich nun bloß, wie lange die kommunalen Behörden es sich gefallen lassen wollen, daß eine Handvoll Steinsetzcrmeister, die in jeder Beziehung von diesen Behörden abhängig sind, ihnen auf der Nase herumtanzt. Sollte denn nicht auch unser Magistrat und die Gemeinde- Vor- stände einsehen, daß die Verkehrsinteressen, die Jnter- essen von Leben und Eigentum Zehntauscnder von Einwohnern höher stehen, als die Geldsacksinteressen von ungefähr 100 Steinsetzermeistern? Die Arbeiter haben nun das ihrige gethan, um eine Beilegung des Streiks herbeizuführen. Mehr können dieselben nicht thun. Nun liegt eS an den Behörden, die renitenten Unternehmer zur Raison zu bringen. Und wir können den Behörden nur wieder den Rat geben: Man beschließe die sofortige Weiterführung der durch die Unternehmer stillgelegten Straßenbanten in eigner Regie und nian wird Wunder erleben, wie zahm und gefügig die Unternehmer dann werden!— Die Lohnbewegung der Zimmerer in NowawcS-Neucndorf ist durch zwei Verhandlungen mit den Unternehmern zum Abschluß ge- kommen. Es wurden festgesetzt: Arbeitszeit von früh 7 Uhr bis 6 Uhr abends mit den üblichen Pauseii, also täglich 0 Stunden (früher ö1/*}. Der Lohn beträgt 50 Pf.(früher 53 Pf.), vom 20. August ab 58 Pf. und vom 1. April 1005 ab 60 Pf. die Stunde. Für Ueberstunden 10 Pf. Auffchlag. Sonnabends 1 Stunde und an den hohen Festtagen 2 Stunden früher Feierabend. Der Tarifvertrag hat Gültigkeit bis 1. Juli 1006. DeutfcKeg Retcb. Miiiirerbewcgung. Der Maurerstreik in Forst i. L. dauert fort. Die Streikenden erklärten die ihnen von Herrn Bürgermeister R o d i g mitgeteilten Zugeständnisse der Unternehmer(Einführung des Lohnes von 40 Pf. pro Stunde in noch z u bestimmender Zeit unter Beibehaltung der alten Arbeitszeit) für un« zureichend.— Im Senftenberg-Gr.- Räschener Bezirk endete der Streik mit einer Vereinbarung. Die Maurer erreichten Verkürzung der Arbeitszeit von elf auf zehn Stunden und eine Lohnerhöhung.— In Strasburg in Westpreußen verlangen die Maurer 38 Ps. Stundenlohn und die zehnstündige Arbeitszeit. Bei Ueberlandarbeiten soll noch die elfstündige Arbeitszeit gelten. Die Arbeitgeber haben, um Verwirrung in den Kreisen der Maurer anzurichten, ihnen den verdienten Lohn einbehalten, angeblich, weil sie nicht die Kündigungsfrist eingehalten haben sollen. Aus Breslau. Der Vorsitzende der Brcslauer Maurer Erich W i d e r a stand am Montag vor der Strafkammer, die als Be- rufungsinstanz wegen Nötigung gegen ihn verhandelte. Die Nötigung bestand darin, daß Widern einem Arbeitgeber sagte: Wenn Sie die Forderungen der Maurer nicht erfüllen, dann hören alle Gesellen auf. Das Gericht erkannte wie die Borinstanz auf einen Monat Gefängnis.— Die Holzarbeiter von Dresden und Umgegend sind in eine Lohn- bewegung getreten. Für eine solche stimmten in einer im„Trianon" ab- gehaltenen stark von Bau- und Möbeltischlern. Glasern und Maschinen- arbeitern besuchte Versammlung 1118 Mann, nur 38 dagegen; 15 Zettel waren unbeschrieben oder ungültig. Die Forderungen sollen zum Teil zum 11. Juli, zum Teil mit Rücksicht auf die Arbeit- geber zum 1. April zur Einführung gelangen. Gefordert wird die vVsstündige Arbeitszeit und ein Stundenlohn von 42 Pf. für Möbel- und 45 Pf. für Bautischler.— Jn Potschappel und Hains- berg soll ebenfalls in eine Lohnbewegung eingetreten werden. Die Lohnbewegung der Tischler in Großenhain ist bereits zu Gunsten der Arbeiter beendet. Erreicht wurde eine Vcr- kürzung der Arbeitszeit. 4 Pf. Erhöhung des Stundenlohns, An- erkennung des Tarifs für Bantischler, Garantie des Stundenlohns bei außertarifmäßigen Accordarbeiten und kleinen Accorden, 25 Proz. Zuschlag für Ueberstunden. Am Orte 50 Pf., außerorts 1,75 M. tägliche Auslösung, sowie sonstige Verbesserungen. In Pirna sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. doch steht zu hoffen, daß es hier ebenfalls zu keinem Streik kommen wird. Ein Konflikt im FeingoldschlSgcr-Gewrrbe steht in Dresden be- vor. Mit dem 30. Juni erreichte die von den Unternehmern im März 1004 gekündigte Tarifgemeinschaft ihr Ende. Bereits am Sonnabend, den 25. Juni, hingen die Unternehmer einen neuen Lohntarif in die Werkstätten mit der Bemerkung, daß er am 4. Juli in Kraft trete. Der Tarif, der vor allem eine ArbeitSzeitverlängerung auf zehn Stunden täglich mit sich bringt(die noch dazu willkürlich vom Unternehmer geändert werden kann), während die gegenwärtige Arbeitszeit 8'/° Stunden beträgt, weist auch ganz erhebliche Lohn- Verkürzungen für Arbeiter und Arbeiterinnen auf. Eine an, 28. Juni stattgefundene Versa>nmlung der in der Goldschlägerei be- schästigten Personen erklärte den Tarif der Prinzipale für un- annehmbar, da er geeignet sei, wieder so unhaltbare Zustände herbei- zuführen, wie sie von 1800 bis 1000 bestanden haben. Vor allen Dingen sei eS nötig, den Versuch zu machen, wieder eine Tarif- gcmeinschaft zu stände zu bringen, da nur die Festlegung der Arbeits- und Lohnverhältnisse auf eine bestimmte Zeit geeignet ist, einigermaßen Ruhe im Gewerbe zu schaffen, die sowohl die Unter- nehmer als Arbeiter nötig haben, von diesen Gesichtspunkten miS- gehend, soll zuerst mit den Unternehmern eine Verständigung gesucht werden. Man will das Gewerbegericht als EinigungSamt anrufen. Die gewählte Kommission in Verbindung mit der Leitung des Metall- arbeiter-VerbandeS soll in der Lohnftage bei den Berhandlungen freien Spielraun, haben. Hueland. Der Lohnkampf der Bäckcrci-Ardeiter von Innsbruck hat mit einem glänzenden Siege derselben geendet. Es wurde mit den Meistern ein Vertrag abgeschlossen, der für drei Jahre gilt. Danach ist die Einführung der 36 stündigen Ersatzruhe pro Woche in allen Bäckereien und für alle Gehilfen eingeführt. Die Kostgeberei ist beseitigt, die Löhne sind nach der Größe der Bäckereien aus 22 bis 27 Kronen, beziehentlich auf 24 bis 30 Kronen festgesetzt. Die Arbeitszeit beträgt 12 Stunden mit 2 Stunden Pause. Ueberstunden sind mit 50prozentigem Zuschlag zu entlohnen. Der„Dänische ArbeitsmannSverband", der jetzt ca. 20000 Mit- glieder hat und der größte der dänischen Fachverbände ist, hielt in der vorigen Woche zu Kopenhagen Aeinen fünften Kongreß ab, an dem auch Vertreterinnen deS dänischen„Weiblichen ArbeitrrverbandeS" sowie Vertreter der„Norwegischen" und deS„Schwedischen Arbeits- mannsverbandes" teilnahmen und im ganzen 88 000 Arbeitsleute und 1700 Arbeiterinnen repräsentiert waren._ Während der seit dem vorigen Kongreß verflossenen zwei Jahre waren 10 000 der Mitglieder de« dänischen Verbandes an Lohn- Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.:! bewegungen beteiligt oder von Aussperrungen betroffen. Für 5000 wurden Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse erzielt, was mit Rücksicht auf die furchtbare Arbeitslosigkeit, mit der man zu rechnen hatte, als ein gutes Ergebnis anzusehen ist. Das Genossenschaftsunternehmen des Verbandes, Svendborg Mar- g a r i n e f a b r i k. hat sich sehr gut entwickelt; die Produktion ist gestiegen und das Produkt kann sich an Güte mit dem der ersten Fabriken des Landes messen.— Von den Beschlüssen des Kongresses ist der wichtigste die Einführung einer Arbeitslosenver- s i ch e r u n g, zu der jedes Mitglied 10 Oere wöchentlich beitragen soll. Die Unterstützung soll eine Krone pro Tag, auf 36 Tage, be- tragen. Der Beschluß muß noch durch eine Urabstimmung bestätigt werden.— Als Verbandsvorsitzender wurde FolkethliigSmann L y n g s i e einstimmig wiedergewählt. Die Pariser Diamantarbeitcr haben in einer starkbesuchten Ver- sammlung beschlossen, in eine Bewegung zur Erringung des Nenn- stundentageS einzutreten, ein Fortschritt, den bekanntlich die Antwerpener nnd Amsterdamer Diamantarbeiter nunmehr nach langem Kampfe errungen haben. Der große Streik der Landarbeiter im Gebiete von Fcrrara, an dem zuletzt gegen 0000 Personen beteiligt waren, ist beendet. Als die Arbeiter sahen, daß die Grundbesitzer eher die ganze Ernte zu Grunde gehen lassen würden, als auch nur einen zollbreit nach- zugeben, kehrten sie zur Arbeit zurück. Ganz umsonst ist für die Arbeitermassen der Streik nicht gewesen, in einer Reihe von Orten sind einige Verbesserungen durchgedrückt, von besonderem Wert aber ist, daß die Idee der Organisatton und Solidarität in weite, bisher unberührte Kreise gedrungen ist. 8o2iales. In übel angebrachter moralischer Entrüstung macht eine namens des Vorstandes des Vereins zur Einführung der freien Arztwahl abgegebene Erklärung des Dr. Munter in der letzten Nummer der «Medizinischen Reform". Sie bezeichnet es als„Infamie", daß der „Vorwärts" den Versuch der Freigewählten, die Allgemeine Orts- Krankenkasse durch das Angebot„standesunwürdiger Lohndrückerei" zu ködern, um das dicke Ende nachher folgen zu lassen, gebührend gekennzeichnet hatte. Dr. Munter behauptet, das Angebot, für weibliche Mitglieder der der Freien Vereinigung angehörigcn Krankenkassen mit freier Arztwahl das bisherige Pauschalhonorar von 3,50 M. bestehen zu lassen, sei lediglich socialpolitischen Erwägungen entsprungen. An diese„socialpolitischen Erwägungen" mag glauben, wer dazu Lust verspürt. Ueber seine wahren Absichten hat der Verein der Freigewählten sich in Nr. 17 der„Medizinischen Reform" selbst dahin ausgelassen, daß er die Forderung langjähriger Verträge mit staffel- förmiger Honorarerhöhung verknüpfen iverde, so daß das Honorar binnen vier Jahre» von 3,60 M. auf 4 M. erhöht werde. Von Ausnahmen aus socialpolitischen Erwägungen war da gar keine Rede. Im Gegenteil wurde darauf hingewiesen, daß die Orts- Krankenkasse der Wäschefabrikation, die durchaus nicht glänzend dastehe, von selbst das Pauschalhonorar von drei auf vier Mark erhöht habe. Gerade dieser Krankenkasse ge- hören aber in weil überwiegendem Maße weibliche Mit- glieder an. Und dies Beispiel wurde doch angeführt, um zu beweisen, daß man durchaus keine„ ungemessenen Forderungen bezüglich des Honorars" zu stellen beabsichtige. Ferner war dem Sträuben der Schneiderkasse gegen die freie Arztwahl trotz des Zugeständnisses, daß diese Kasse überwiegend aus weiblichen Mitgliedern bestehe, gegenüber bemerkt, daß es unangemessen sei, „die freie Arztwahl als den Prügelknaben für jede finanzielle Not" hinzustellen. Angesichts dieser Thatsachen, die sich noch vermehren ließen, kann man uns wirklich nicht zumuten, zu glauben, daß die plötzliche Bescheidenheit der Forderungen neu zu gewinnenden Kassen gegen- über nicht etwa wohlberechnete Strategie, sondern eine ganz unge- wohnliche socialpolittsche Weitherzigleit sei. Man bringe sein sitt- liches Pathos also an, wo man Gläubigkeit dafür voraussetzt, uns verschone man gefälligst damit. Aerzte nnd Krankenkassen. Zwischen der OrtS-Krankenkasse der Teztilindusttie in Eupen und den dortigen Aerzten sind wiederum Differenzen entstanden. Die Aerzte verlangen das VorscklagSrecht bei Anstellung neu zuziehender Aerzte. Die bisher stattgefn» denen Unterhandlungen haben zu keinem Resultat geführt, weshalb die Aerzte am 1. Juli ihre Thätiakeit an der Kasse einstellten. Die Stadtverwaltung hat sich in vieler Angelegenheit an die Regierung in Aachen gewandt. Für 45jährige treue Dienste— Entlassung. Unser Bremer Partei-Organ berichtet: Der Nieter Sch., der sein ganzes Leben bei dem„Vulkan" beschäftigt war. ist vor einigen Tagen wegen nicht genügender Arbeitsleistung(!) entlassen worden. Der entlassene Sch.. der seine beste Kraft in dem genannten Betriebe und seinem Vorgänger verbraucht hat, ist heute Invalide, er hat einen doppelten Bruch, den er ans dem„Vulkan" gewiß nicht vom Faulenzen bekommen hat. Wenn ein Arbeiter 45 Jahre in einem Betriebe arbeitete, dann ist wohl so viel sicher, daß er ein solider, ruhiger und tüchtiger Arbeiter sein n, u ß. Und seine Mitarbeiter können es dem Sch. bezeugen, daß er das auch heute noch ist. Freilich mutz in Betracht gezogen werden. daß Sck. ein G r e i S ist, daß er also nicht mehr mit der Voll- kraft der Jugend zu arbeiten vermag. Aber daß der Mann seine Arbeit noch zu leisten vermag, beweist der Umstand, daß der Nietermeister ihm Accordarbeit gab und ihm hierbei letzthin noch einen Accordübcrschuß auszahlen mußte. Sch., der sein Leben im Dienste deS Kapitallsnnis geopfert hat, kann jetzt in Muße nach- denken über die famose persönliche Freiheit deS Arbeiters, die darin besteht, daß er verhnngern kann, wo er will, beim es wird schwer halten, für den Invaliden der Arbeit bei einem andern Kapitalisten Arbeit zu erhalten. Eine Lohnbewegung der Pastoren wird in aller Form in den „Mecklenburger Nachrichten" angekündigt. Beweglich klagt � dort einer der Kanzelredner über die wirtschaftliche Lage der Pastoren, um schließlich einem Aderlaß der S t a a t S k a s s e für die Ver- künder der Lehre von der christlichen Demut und Entsagung das Wort zu reden. Der bewußte Pastorale Lohnkämpfer giebt in den„Mccklen- burger Nachrichten" ausdrücklich zu. daß das Wort von den fetten Pfarren in Mecklenburg berechtigt—war, wie er sagt. Heute freilich litten aber wenigstens in der Mehrzahl die Kirchenmanner mit ihren Fanulien bittere Not. Die meisten Pastoren hätten nicht mal über 4000 M. JahreSlohn. Solche Klage» der protestantifcheii Geistlichen sind nichts Neues. In Schleswig-Holstein entrüstete sich ein Geistlicher seiner Zeit über die jämmerlichen Anfangsgehälter. 1800 M. Anfangsgehalt— dazu die Naturalleistungen: Freie Aohnuiig. Pfarrland-c.— sei ein Lohn für S ch l ä ch t e r g e s e I l e», aber nicht für Pastoren I Und in Berlin machte vor einiger Zeit ein Pastor zum Beweis der unauslömmlichen Bezahlung der Pastoren«in Jahresbudget auf, in dem er behauptete, ein Pastor könne nicht ohne zwei Dienstboten und eine Wohnung für mindestens 1300 M. auskommen I Wir verdenken es den Pastoren an sich natürlich gar nicht, für möglichst günstige Existenzbedingungen zu kämpfen. Nur sollten sie sich erstens nicht vom Staat, sonder» von denen bezahlen lassen, die ihrer Dienste benötigen, und zweitens sollten sie darauf verzichten, den Arbeitern Bedürfnislosigkeit zu predigen! Interessant ist übrigens ein dem Mecklenburger Gottesstreiter entfahrenes Geständnis. Er schreibt nämlich unter andern,: „Woher kommt es den», daß alles in die Jurisprudenz drängt und daß die theologischen Hörsäle l e er werden? Die Theologie bietet dem Geiste doch gewiß daS- selbe, was ihm die Jurisprudenz bietet. Ich sehe ab von dem Strebertum, welche» sich immer zur Rechts wissen- s ch a f t wird hingezogen fühlen."_ Ih. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt ß Die Schließung der Barbiergeschäfte au So«»- und Feiertag«» morgens 11 Uhr hat der Große Rat von Basel-Stadt zum Beschluß erhoben. Die Forderiii, gen der Friseurgehilfen an die Meister beschränken sich nun noch auf folgende Punkte: Schluß der Geschäfte an, Sonnabend um 11 Uhr abends, an den übrigen Wochentagen um 8 Uhr und wöchentlich einen halben Tag frei. Vom Schlachtfeld der Arbeit. Der dänische ArbeiterversicherungS- Rat, der aus neun Mitgliedern, darunter zwei Vertreter der organi- sierten Arbeiter und zwei der organisierten Arbeitgeber, besteht, hat dieser Tage seinen Bericht über das Jahr 1903 heraus- gegeben. Im Laufe des Jahres hatte der Rat über 2363 Fälle zu befinden, wovon jedoch 407 ausschieden, weil sie teils nicht als Unglücksfälle angesehen werden konnten, teils nicht unter daS Unfall- versicherungs-Gesetz fiele». In 1117 Fällen trat bald nach der An- Meldung völlige Heilung ein, so daß 839 Fälle übrig blieben, bei denen der Rat über Erstattungsansprüche zu entscheiden hatte. 55 dieser Unglücksfälle hatten den Tod zur Folge, 525 dauernde Beeinträchtigung der Arbeits- fähigkeit und 250 keine dauernden Folgen. Gegen 35 Eni- scheiduiigen des Rates wurde Berufung beim Ministerium deS Innern eingelegt. In 33 von den 55 Todesfällen waren erstattungsberechttgte Hinterbliebene vorhanden, denen im ganzen 118 000 Kronen, durch- schnittlich also auf jeden Fall über 8000 Kronen, ausgezahlt wurden. (Laut Gesetz soll die Erstattuiigssiimme in Todesfällen höchstens 3200, mindestens 1200 Kronen betragen, außer einer Begräbnis- summe von 50 Kamen.) Von den 525 Invaliden erhielten nur drei volle Erstattung zuerkannt(die laut Gesetz je nach dem JahreS- verdienst der Verniiglückten miiidestens 1800, Höchsteiis 4800 Kronen bettagen soll), und nur 10 über die Hälfte der Erstattungssumme. Im ganzen wurden an Invaliden 442 000 Kronen ausgezahlt. In zwei Fällen konnten Invalide die ihnen zuerkannte Erstattung noch nicht, oder nicht im vollen Maße erhalten, weil die Arbeitgeber ste nicht versichert hatten und sich als nicht zahlungsfähig erwiesen. Letzte I�acbricbtcn und Depefeben. Bom siidwcstafrikauische» Kriegsschauplatz meldet ein Telegramm des Generals v. Trotha aus Okahandja folgendes: Händler Wallace vernommen, behauptet, von Hereros Mitte Januar nach Beraubung seiner Habe gewaltsam als Ge- fangener mitgeschleppt zu sein. Verließ Hercros am 3. Juni. Diese sitzen nach seiner durch alle Meldungen bestätigten Angabe mit allen Werften und allem Vieh an Groß-Vlevs(?) südlich des Waterbergs zivischen Waterberg und Omurainba-Fluß. uni Ombujo-Wimboro herum, halten Omuramba-Flnb besetzt. Michael hält mit seinen Leuten Paß bei Omuweroninue. Arbeiten zur Verlängerung der Mole von Swakopmund werden aufgenomme» werdr». Französische Depiitiertenkammer. Paris, 5. Juli.aiis nimmt alsdann mit 400 gegen 173 Stimmen ttotz Einspruches des Kriegsministers Andr« und der Kommission ein Amendement an, wonach die Reservisten zwischen dem 1. Juli und 1. Oktober nicht einbenlfen werden dürfen. LasieL ruft einen Zwischenfall wegen des MajorS Euignet hervor, und erklärt, der Gesundheitsrat werfe dem Minister vor, daß er Euignet für schwachsinnig habe ausgeben ivollen, damit er verhindert werde, als Zeuge im DreyfuS-Prozeß aufzutreten; aber dieses Manöver sei mißglückt und Euignet werde wiederholen, daß die Umgebung des Ministers Fehler in dieser Angelegenheit begangen habe. Kriegsminister A n d r s protestiert gegen die Anschuldigung Lasies und erzählt als Euignet sich im Ministerium eingefunden habe, habe er ihm durch Oberst Bourdeanx sagen lassen, daß er den Zeitungen keine Mitteilungen mehr zugehe» lassen soll«. Euignet sei sehr erregt ge- wesen und habe Bourdeanx gerichtlich belangen wollen, weil er sein Schweigen erkaufen wollte, er(Andrö) habe eine ärztliche Untersuchung angeordnet, nm Gewißheit zu erlangen, ob Euignet für seine Handlungen verantwortlich zu machen sei.(Beifall auf der Linken, Protestrufe auf der Rechten.) Gauthtzer verliest Briefe von Euignet und fügt dann hinzu, aus diesen könne inan ersehen, daß Cliignet nicht schwachsinnig sei: er hoffe, es werde sich noch«ine Mehrheit finden. welche die Freiheit und Ehre der Bürger verteidigte.(Beifall im Centrum.) Damit ist der Zwischenfall erledigt. Die Kartäuser-Angelezenheit vor der UntcrsuchungSkommisflon. PariS, 5. Juli.(W. T. B.) Die UntersuchungSkommission verhörte heute MaScuraud, der einen Schwur leistete, daß er die Kar- täuser niemals gesehen habe und Cendre nicht kenne. Das Protokoll der Untersuchungskommission besagt, daß Mascnraud nach seiner Aussage sich zwischen die Mitglieder der Kommission setzte und darauf Cendre her- eingerusen wurde. Dieser leistete auf ein aus der Tasche gezogenes Eruzifix einen Eid und bezeichnete dann Mascnraud als denjenigen, den er in der Grande Chartrense gesehen, und der ihn gebeten habe, den Prior zu sprechen. MaScuraud erhob hiergegen enttüstet Einspruch und bezeichnete Cendre als einen Meineidigen. MaScuraud erbot sich, der Kommission sein Tagebuch vorzulegen, welches über die Verwendung seiner Zeit in jener Periode Ausschluß gäbe und schlug der Kommission sogar vor, an den Prior der Karthäuser zu appellieren, sein Zeugnis abzulegen. Die Sitzung wurde darauf aufgehoben, um MaScuraud die Herbeischaffuug des Tagebuches zu ermöglichen._ Paris, 5. Juli.(W. T. B.) Der Senat nahm mit 167 gegen 108 Stimmen das Gesetz betreffend Abschaffimg des Unterrichts durch Kongreganisten in der Fassung der Deputiertenkammer an. Paris, 5. Juli.(W. T. B.) Der heute in der Kammer ver- teilte zweite Bericht der Zollkommission betreffend die ausländischen Tarife, enthält«in Schreiben des Ministers deS Aeußeren Delcaffä an den Präsidenten der Zollkommission, worin der Minister darauf aufmerksam macht, daß jede Tarifkonzession, die Deutschland irgend einem im Frankfurter Verttage nicht bezeichneten Staate bewilligt, indirekt den daselbst specificierten Staaten und deshalb auch Frank- reich zu gute kommt. Im Fortgang« der Sitzung nahm das Haus mit 517 gegen 43 Stimmen das Gesetz betr. die zweijährige Dienstzeit in der Gesamtabstimmung an. Ter Gesetzentwurf wird nunmehr wieder an den Senat gehen. Bom niederländische» Kolonialkriege. Amsterdam, 5. Juni.(W. T. B.) Der«Nieuwe Rotter- damsche Courant" veröffentlicht ein Telegramm aus'B a t a v i a, welches besagt, hKß der Kommandeur der Expedition nach Nord- Atschin am 20. v. M. Likar angegriffen und dem Feinde einen Verlust von 432 Toten, darunter 124 Frauen und 88 Kinder, und 54 Verwundeten beibrachte; außerdem wurden 17 Mann gefangen genommen. Auf niederländischer Seite wurden der Kommandeur der Truppen sowie ein Lieutenant, 2 Unteroffiziere und 13 Mann verwundet. Am 23. v. M. griffen die niederländischen Gruppen nochmals den Feind an. wobei letzterer einen Verlust von 654 Toten. darunter 186 Frauen und 130 Kinder, und 49 Verwundeten erlitt; ferner wurden 23 Mann zu Gefangcilen gemacht. Von den nieder- ländischen Truppen wurden ein Hauptmann, 22 Soldaten und 6 Kulis verloundet._ London, 5. Juli.(SB. T.©.) Das Unterhaus hat den Bor- schlag Balfours betreffend das Schankgesetz mit 262 gegen 207 Stimmen angenommen. aul Singer S-Eo., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. NnterhaltungShlatt Nr. M 21. 1. Sfiliijf des.Amärts" Kerlim KMIxIt. M>tt«ch,& Inli 1904. Der neunte Knchbinder-Dirdnndstnz. Dresden, 4. Juli. (Vormittags-Sitzung.) Anwesend sind 63 Delegierte, deren Mandate sämtlich für Küttig erklärt werden. Ferner als Vertreter des ö st e r r e i ch i- s ch e n Bruderverbandcs Grünwald- Wien, als Vertreter des Bruderverbandes in Ungarn Buchinger- Budapest, als Vcr- treter des Portefeuiller-Verbandes Weinschild- Offenbach. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands ist durch Umbreit- Berlin vertreten. Die Tagesordnung wird auf An- trag der Berliner Delegierten dahingehend erweitert, das} als Punkt 6 gesetzt wird: Stellungnahme zum Gewerk- schafts-Kongreß und Bericht vom Heimarbeiter- s ch u tz- K o n g r etz. Der sächsischen Polizei zuliebe mutz Punkt 7: �Verschiedenes" in—„Gewerkschaftliches" abgeändert Werden.(Heiterkeit.) Den Geschäftsbericht giebt der Vorsitzende des Verbandes, D, e t r r ch- Stuttgart. Er verweist auf die vorliegenden gedruckten Jahresberrchte feit ISOV bis 1903 und giebt über die Entwicklung von 1904 ausführliche mündliche Erläuterungen.— Grünwald- Wien bespricht alsdann ausführlich den Konflikt des österreichischen und ungarischen mit dem deutschen Verbände betreffs des Gegen- seitigkeitsverhältnisses und beschuldigt an der Hand vorliegender Protokolle usw. den Verbandsvorstand, die Streitigkeiten angefangen und Mangel an Solidaritätsgefühl bewiesen zu haben.— Dietrich erwidert in längerer Rede, worauf K l a a r- Berlin anfragt, weshalb der Vorstand den Beschlutz von 1900, Erhebungen über die Gesundheitsverhältnisse der Kollegen und über die sanitären und hygienischen Zustände in den Werkstuben und Fabriken anzustellen, nicht aus- geführt habe, und K l o t h- Leipzig ausführlich die Haltung des Verbandsvorstandes in der Tariffrage, bei Lohnbewegungen kritisiert und nachweist, dah er die Hoffnungen der kleineren Zahlstellen absolut nicht erfüllt und zu wenig agitiert habe.— Dietrich- Stuttgart weist die Kritik Kloths zurück und verteidigt die Haltung des Vor- standes damit, datz er geglaubt, im Interesse der Organisation ge- handelt zu haben. ( Nachmittags- Sitzung.) Die Debatte über den Geschäftsbericht wird fortgeführt. Be- antragt wird zunächst, zur Regelung des Konfliktes mit der öfter- reich-ungarischen Bruderorganisation eine fünfgliedrige Kommission zu wählen, der das Material vorgelegt werden soll.— Brückner- Berlin bemängelt, dah der Vorstand den gemeinsamen Beschluß des Ausschusses und Verbandsvorstandes betreffs der Extrasteuer eigen- mächtig annulliert habe. Dietrich erwidert, datz keine Kämpfe bevorgestanden, mithin die Steuer unnötig geworden sei.— Bruns- Solingen wünscht niehr Berücksichtigung der Agitation in den bergischen Landen. Der Vorstand habe ein Fräulein Jmle als Agitcstorin nach dort gesandt, die keineswegs dort zu wirken im stände sei.— Schlegel- Hamburg beschwert sich über den Ver- bandsvorstand, der während der dortigen Lohnbewegung gefehlt habe und vielleicht durch Briefe nichtoffizieller Personen beeinflutzf sei.— Stukenbrok- Hannover schiebt die Schuld an den Nacken- schlagen, deren die dortigen Kollegen jetzt ausgesetzt seien, auf den Vorstand, der allein mit den Prinzipalen verhandelt und die Lokalkommission übergangen habe.— Schulze- Berlin(Vorsitzender des Ausschusses) erklärt, der Vorstand habe zur Annullierung des Beschlusses betreffs der Extrasteuer kein formelles Recht gehabt.— An der weiteren Debatte beteiligen sich Pfütze- Leipzig. G e t r o st- Frankfurt a. M., Jünemann- Erstirt, G e i h le r- Braunschweig. Rügen- Mannheim und Seliger- Breslau, worauf Dietrich in längerer Rede die vorgebrachten Beschwerden als haltlos erklärt. Er weist nach, datz er in Hannover gehandelt, wie man ihm von den Mitgliedern befohlen habe. Bei dem Verhandeln nnt den Prinzipalen habe er erhebliche Zugeständ- nisse erreicht. Die privaten Mitteilungen aus Hamburg habe der Vorstand nicht gewünscht; er habe lediglich Notiz davon genommen. H aue i s e n- Stuttgart(Verbandskassierer) zeigt an der Hand des Protokolls, dah die privaten Mitteilungen erst gekommen, als die vorschriftsmätzigen Wochenberichte aus Hamburg ausgeblieben seien.— Schlegel hält seine Angaben aufrecht, worauf Hau- eisen weitere Irrtümer richtig stellt. Der Antrag: Wahl obiger Kommission, wird hierauf an- genommen und Schlegel, Schaible- Leipzig, Jünemann- Erfurt. P f ü tz e- Leipzig und By t oms ki-Berlin in dieselbe gewählt. « In dem ersten Bericht mutz es anstatt„SäuglingSunterstützung" heihen:„Wöchnerinnen Unterstützung". Wir stellen das hier- mit richtig. Prof. Moritz Meyer und Frau. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsdirektor G a r tz überreicht Rechtsanwalt Coro einen neue» EntlastungSantrag in Bezug auf die Einnahmen des Angeklagten. Er überreicht eine Auf- stellung, wonach die Inhaber mehrerer erster Bankhäuser dem An- geklagten für seine„Finanzielle Rundschau" und die„ReichS-Kor- respondenz" regelmätzig grosse Beträge gezahlt haben. Staatsanwalt Assessor Dr. K a tz: Stach meinen Informationen hatte sowohl die„Finanzielle Rundschau" als auch die„Reichs- Korrespondenz" so gut wie gar keine Abonnenten, sondern die be- treffenden Inhaber der Bankhäuser haben aus Mitleid mit der schlechten Vermögenslage des Angeklagten sich bereit erklärt, ihn durch angebliche Abonnements auf seine Blätter zu unterstützen. Ich behaupte, datz die meisten dieser Herren die„Finanzielle Rundschau" noch nie gesehen haben, sondern ivenn der Angeklagte mit irgend einem Papier kam, ihm ohne weiteres etwas gegeben haben. Rechtsanwalt C a r o: Thatsache ist doch, daß die Herren seit sieben Jahren fest und ständtg bezahlt haben. Ob sie dies aus Mitleid oder andern Motiven gethan haben, ist doch gleichgültig; eS kommt doch nur darauf an, ob der Angeklagte auf diese Ein- nahmen rechnen konnte. Staatsanwalt Dr. K a tz: Ich bestreite, datz das Geld ständig ge- zahlt worden ist. Ich frage jetzt den Angeklagten, was zu seiner Entlassung aus der Redaktion der „Bosfischen Zeitung" geführt hat und aus welchem Grunde er sein Amt bei der Technischen Hochschule hat aufgeben müssen? Angekl. Prof. Meyer: Wenn ich darauf nicht antworten mutz, verweigere ich die Auskunft, weil dies doch viel zu weit geht. Staatsanwalt Dr. K a tz: Dann werde ich es sagen. Nach meinen Informationen ist der Angeklagte aus der Redaktion der„Vossischen Zeitung" entlassen worden, weil er— um es kurz zu bezeichnen— sich hat bestechen lasse», weil er für gewisse Börsen- manöver Stimmung gemacht hat und dafür bezahlt worden ist. Die« ist zur Kenntnis des Redakteurs der„Bosfischen Zeitung" be- ziehungsweise ihre» Besitzers gekommen und die„Bossische Zeitung" hat infolgedessen auf die Mitarbeit deS Angeklagten verzichtet. In Börsen- und Pressekreiscn ist der Augeklagte nicht anders als mit dem Spitznamen., Honorar"-Professor bezeichnet worden. Rechtsanwalt Morris: Vielleicht sagt uns der Herr Staats« anwalt, von wem er seine Informationen erhalten h a t? Dann werden wir die betreffenden Leute als Zeugen laden können. Diese werden vielleicht auch sagen können, welche guten Eigenschaften der Prof. Meyer denn doch auch hat und datz er trotz seiner Mängel in Finanzkreisen doch noch wegen seiner national- ökonomischen Kenntnisse im Ansehen stand. Staatsanwalt Dr. Katz: Ich lehne es ab. diejenigen zu nennen, von denen ich Informationen bekommen habe. Angekl. Meyer: Ich werde mich nunmehr doch äußern. Es wurde mir vorgeworfen, ich hätte ein Papier empfohlen, das die Rheinisch-Westfalische Bank auf den Markt gebracht hatte. Es waren Pfandbriefe einer Gesellschaft. Ich glaubte, datz dieses Papier san der Börse zugelassen war und nach meiner Kenntnis war das Papier gut fundiert. Als ich nach dieser Empfehlung in der Zeitung auf Re Börse kam, sagte mir Herr Kämpf: Sie hätten doch so loyal sein müssen, dem Publikum mitzuteilen, datz das Papier an der Börse nicht zugelassen ist. Infolgedessen habe ich sofort eine Berichtigung veranlasst. Man hat mir dann imputiert, ich hätte von der Rhemisch-Westfälischen Bank Geld bekommen. Der Besitzer der „Vossischen Zeittmg", Geh. Rat L e s sin g, ist in solchen Dingen sehr streng, er kündigte zum 1. Januar, hat mir aber brieflich ausgesprochen, datz er nicht daran glaubt, datz ich be- st o ch e n worden sei. Da ich durch die Entlastung in eine schwierige Lage kam und mir eine neue Existenz gründen mutzte, habe ich es unterlassen, die Zeitungen zu verklagen, die damals mich angriffen. Man spielte die Sache dann aber der Socialdeiuokratie in die Hände und so kam im Reichstage eine grosse Debatte. In weiterer Folge hat inir dann die Technische Hochschule auch gekündigt, das wäre aber auch ohnedies erfolgt, da für das Lehrfach der Nattonalökonomie eine ordentliche Professur errichtet werden sollte. Mir wurde gekündigt„da die Sache mit der„Vossischen Zeitung" nicht ganz klar sei". Staatsanwalt Dr. Katz: Ich beanttage nunmehr, den Chef« redakteur der„Bosfischen Zeitung" als Zeugen zu vernehmen und eine amtliche Auskunft des Rektors der Technischen Hochschule über die Gründe der Entlassung einzuholen. Vorsitzender: Das dürfte schwerlich zu einem Ergebnis führen. Der Gerichtshof behält sich einen Beschluß über diese Anträge vor. Es wird alsdann in der Verhandlung über die einzelnen Anklage- fälle fortgefahren. Bei einer Anzahl derselben handelt es sich um Bezug von Waren aller Art, die dem Angeklagten geliefert ivorden sind, ohne dass dieser grosse Anstrengungen zu machen brauchte. Die Angabe, daß er„Professor" sei, in der Kantstrasse wohne und zwei Zeitungen herausgebe, genügten in vielen Fällen. In andren Fällen soll der Angeklagte gesagt haben, daß er 1S000M. Einkommen habe, in einzelnen weiteren Fällen soll er direkt falsche Angaben gemacht haben. Der Angeklagte erklärt fast in allen Fällen, la; er keine falschen Vorspiegelungen gemacht habe. Er habe doch in früheren Zeiten auch Kredite in Anspruch genommen und seine Schulden bezahlt. Er würde dies auch in den beiden krittschen Jahren haben thun können, wenn nicht seine Verhaftung dies unmöglich gemacht hätte. Er habe damals mit Fug und Recht annehmen können, datz es ihm gelingen werde, nach und nach seinen Verpflichtungen nachzukommen. Wie leicht es dem An geklagten gemacht ivnrde, Kredit zu erlangen, geht aus der charakteristischen Aussage eines vernommenen Schuhmachermeisters hervor, der dem Angeklagten ein Paar Zugstiesel für 27 Mark ohne Barzahlung geliefert und später kein Geld erhalten bat. Auf die frage des Vorsitzenden, ob er denn jedermann gleich Waren aus cedit giebt, antwortete der Zeuge:„Wenn ein Herr mit dem Titel „Professor" kommt, so ist das selbstverständlich, ebenso wenn ein Graf oder Baron kommt; wenn jemand mit einem gewöhnlichen Namen kommt, so ist das etwas a n d r e s."— P r ä s.: Haben Sie denn Versuche gemacht. das Geld zu erhalten?— Zeuge: Mein Hausdiener ist sehr oft an der Wohnung des Herrn Professors gewesen; er hat darin eine grosse Routine. Er erhielt aber immer den Bescheid:„Die Herr- schast ist nicht zu Hause", obwohl der Hausdiener vom Portter das Gegenteil erfuhr. Mehrere Schneidernleister, die vernommen werden, bekunden, unter welchen Umständen sie dem Professor Meyer allerlei KleidungS- stücke, Gehröcke auf Seide ec. geliefert haben, ohne Bezahlung er- reichen zu könneil. Einer dieser Fälle ist dadurch interessant, daß der Angestellte des Kleidergeschäfts eines Tages von einem Kunden(an geblich) telephonisch angerufen und ihm mitgeteilt wurde, dass Pro fessor Meyer bei ihm Künde werden wolle; er solle recht gut be dient werden I Am Tage darauf ist Professor Meyer mit seiner Frau in einer Equipage vorgefahren gekommen und hat Bestellung auf verschiedene Kleidungsstücke gemacht. Er ist dann zur Anprobe bestellt, und eS ist ihm gesagt worden, datz er bei diesem ersteil Geschäft eine Anzahlung leisten mützte. Der Angeklagte bat solche auch für einen der nächsten Tage versprochen, dann aber das ganze Geschäft fahren lassen. Der Angeklagte be- streitet, seinerseits mit der telephomfchen Empfehlung seiner Person irgend etwas zu thun gehabt zu haben. Zu den Bettugsfällen, die ferner verhandelt wurden, gehört ein Fall, in Ivelchem der Journalist Schlochauer dem Nilgeklagten ein Darlehn von 2ö M. gegeben und dafür als Sicherheit einen Jnseraten-Ailspruch deS Angeklagten in dieser Höhe erhalten hat. Als dieser Anspruch an der Kasse geltend gemacht wurde, soll sich herausgestellt haben, dass der Angeklagte das Geld schon erhoben hatte. Es kommen dann eine ganze Reihe Zechprellereien zur Sprache, die der Allgeklagte in verschiedenen Hotels und Restaurants begangen haben soll. In allen diesen Fällen giebt der Angeklagte längere Erllärnngen für sein Verhalten, die darauf hinauslaufen, daß er unter keinen Umständeil auf Betrug ausgegangen, sondern durch widrige Um- stände, Beschlagnahme seines Gehalts durch seine Gläubiger usw. daran verhindert worden sei, seinen Berpflichtungen nachzukommen. Am 23. August 1903 hat Prof. Meyer bei dem Juwelier Königsberger vier Brillantringe iin Werte von 400 M. ent- nommen und 10 M. darauf angezahlt, ausserdem aber 13 Abonnements- quittungen a 80 M. in Zahlung gegeben. Auf diese Quittungen sind nur 150 M. eingegaugeu. Der Angeklagte hat die Rillte sofort versetzt, zugegebeiierniassen, um Geld für die Bedürftlisse seiner Ehe- frau in Heringsdorf zu schaffen. Er behauptet, dass die Ouittuilgen sämtlich an, 1. Dezember fällig waren und schliesslich auch bezahlt tvorden seien. Der Geschäftsführer der Firma Köniasberger, Herr Juliusburger, bekundet, datz er die Quittungen aus den Rat von Frau Meyer schon vor dem 1. Dezember präsentiert habe. Bei 5 Ouittuilgen sei ihm Bescheid geworden, datz sie zum Teil gar nicht, zum Teil erst am 1. Dezember bezahlt werden würden. Es folgen die Betrugsfälle, die der Ehefrau allein zur Last fallen. Aus der großen Zahl dieser Fälle greifen wir einige_ wenige heraus. Bei der Firma Hausdorf entnahm Frau Meyer im Juli 1902 zwei Hüte für 67,50 M., die sie, wie der Zeuge HauSbors be- hauptet, in wenigen Tagen bezahlen wollte. Der Zeuge hat auf den Titel hin und darauf hin, datz die Dame in einer eleganten Equipage vorgefahreil gekommen war, der Angeklagten die Hüte überlassen. Sie sei, wie der Zeuge weiter bekundet, von dem Arrangement ganz entzückt gcwescii, habe bedauert, datz sie nicht schon immer dort gekauft habe und telephonisch eine andre ihr be- kannte Dame herbeigerufen, die sich auch nodh zwei Hüte im Werte von 72 bis 75 M. ausgesucht habe. Alle seme Bemühungen, die vier Hüte bezahlt zu erhalten, seien vergeblich gewesen. Die An- geklagte behauptet, daß sie für die zwei von der ihr bekannten Dame entnommenen Hüte doch nicht verantwortlich sei. Diese habe sie gebeten, ihren. Manne gegenüber zu sagen, datz sie ihr. diese Hüte zum Geschenk mache und diesem Wunsche sei sie nachgekommen, lim einen Zwist zwischen den Eheleuten zu vermeiden. Im übrigen habe sie annehmen können, datz ihr Mann ihre Hüte bezahlen würde. Bei Fräulein C a s p e r, der Inhaberin eines Modewaren- geschästs, hat Frau Meyer im Februar 1902 ein inner- halb drei Tage zu lieferndes Gesellschaftskleid zum Preise von 600 M. bestellt und es auch erhalten. Weder bei der Bestellimg. noch bei der Ablieferung ist von den, Zahlungsmodus die Rede gewesen. Fräulein Casper hat sich bei der Penftons- inhaberin in der Kochstratze, wo die Angeklagte damals wohnte, nach ihr erkundigt und die Antwort erhalten:„Zahlung wurde wohl'mal erfolgen, Ivenn es auch etwas länger dauert". Damit war die Zeugin zufrieden, denn„in ihrem Geschäft sei sie an eme ettvas verzögerte Zahlungsart gewöhnt".— Die Angeklagte erklärt, daß sie das Kleid zu einem Konzert, bei dem sie singen sollte, brauchte und es ihr Mann bezahlen wollte. Bei der Finna R a d d a tz hat die Angeklagte Küchensache«. im Bettage von 1100 M. entnommen. Sie meint,«sie habe es ge- braucht" uild ihren Mann gefragt, ob er es nach und nach zahlen könne und dieser habe eS bejaht. Der Beauftragte der Finna, der verschiedentlich vergebliche Versuche gemacht hatte, Geld zu erhalten, hat schließlich den Angeklagten einmal auf der Sttatze gestellt, als er zum Barbier gehen wollte und dieser hat ihm geantwortet, er könne ihn ja verklagen. Etilen Teil der Sachen, von denen Frau Meyer eine Schale im Werte von 50 M. sofort nach Lieferung als Hochzeitsgeschenk weiter verschenkt hat, hat die Firma glücklich wiedererlangt und den Rest ihr gegen Leihvertrag überlassen. Auch in diesem Falle sind besondere Recherchen nach der Persönlichkeit der Käuferin nicht angestellt worden; die als Zeugen vernoiiniienen Angestellten der Firma er- klärten, datz, wenn jemand Titel und ständige Wohnung hat, Be- denken gegen die Lieferung nicht obwalten. Hierauf wird die Sitzung auf Mittwoch 9 Uhr vertagt. Die Gelsenkirchener Typhus- Epidemie vor Gericht. Essen(Ruhr).'4. Juli 1904. Die Typhusepidemie im Kreise Gelscnkirchcn, die im Herbst 1901 in dem dichtbevölkerten Industriegebiet viele Tausende von Personen anfs Krankenlager warf und hnnderte von Todesfällen verursachte, findet heute vor der dritten Strafkammer des königlichen Landgerichts ein Nachspiel. Aus Anlaß dieser furchtbaren Epidemie wurde von der Regierung eine wissenschaftliche Kammission, an deren Spitze der Direktor des Instituts für Jnsektionsttankhetten, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Robert Koch(Berlin), stand, be- auftragt, nach der Ursache der verheerenden Seuche zu forschen. Die Kommission stellte fest, datz die Epidemie durch den Genutz deS Leitungswassers verursacht worden sei, zumal sich die örtliche Ausdehnung der Epidemie mit einem bestimmten Teil des Wasser- Versorgungsgebiets deckte. Die Infektion des Wassers soll durch einStichrohr erfolgt sein, das zu Zeiten grossen Wassermangels unftltriertes Wasser unmittelbar aus der Ruhr in das Röhren- systcm des Wasserwerkes führte. Diese Zuleitung unfiltrierten Ruhr- Wassers sollen verschuldet haben: 1. der derzeitige Wasserwerks- direktor, Gerichtsassessor a. D. Eugen H« g e l e r, 2. der Wasser- Werksdirektor P f u d e l- Charlottenburg, 3. der Maschinenmeister Ki e se n dah l- Steele und 4. der frühere Wasserwerksdirekwr Max Schmitt- Wiesbaden. Diese haben sich tvegen fahr- lässiger Tötung, fahrlässiger Körperver- letz un g und Verfälschung von Nahrung S- bezw.� Genutzmitteln zu verantworten. Die Verteidigung wird von 6 Anwälten geführt. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses bemerkt der An- geklagte Hegeler auf Befragen des Vorsitzenden: Das Wasser- werk für das nördliche westfälische Kohlenrevier sei eine Aktten-Ge- sellschaft mit einem Grundkapital von 13 369 000 M. Das Werk hat etwa 100 Gemeinden bezw. Zechen und Hüttenwerke mit Wasser zu versorgen. Im Februar 1398 sei er in die Gesellschaft eingetreten. Dem Direktorium habe ein technischer Beirat zur Seite gestanden. Am 1. Januar 1809 wurde er als erster Direttor mit einem festen Jahresgehalt von 10 000 M., mit der Bestimmung, dah dasselbe jährlich um 1000 Ml bis zu 15 000 M. sich zu erhöhen habe, an- gestellt. Tantieme habe er nicht bezogen. Der Wasserkonsum habe sich von Jahr zu Jahr gesteigert, die Filteranlagen liehen aber durch Verschlammung in ihrer Leistungsfähigkeit etwas nach; es wurde deshalb im Jahre 1900 eine Erweiterung des Rohrnetzes und Ver- bcsserungen der Filteranlagen vorgenommen. Der Angeklagte giebt danach eine eingehende Schilderung über das Leitungssystem. In sehr eingehender Weise werden die Anlagen in Königssteele erörtert. Der Angeklagte bemerkt: Da an Sonn- und Feiertagen weniger Wasser gebraucht wurde, so sei in der Nacht von Sonnabend zum Sonntag das Hochbassin ausgeschaltet und der Erdbehälter ein- geschaltet worden. In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde der Erdbehälter wieder ausgeschaltet und das Hochbassin ein- geschaltet. Der Angeklagte bemerkt ferner, datz Rückschlagsventile und ein Notrohr angelegt wurden.— Vors.: Sie sprechen von einem Nottohr. dasselbe soll aber dreimal in der Woche in Thätigkeit gesetzt tvorden sein, würde das nicht besser Ergänzungsrohr hcitzen? — A n g e kl.: Doch nicht. Es wurden 60 000 Kubikmeter Wasser täglich produziert, ivenn die? Quantum aber nicht erreicht wurde, dann wurde das Stichrohr in Thätigkeit gesetzt. Das Stichrohr hatte eine Leistungsfähigkeit von annähernd 20 000 Kubikmeter täglich. — Vors.: Sie sollen, als Sie von dem Stichrohr hörten. Herrn Direktor Schmidt in sehr erregter Weise zur Rede gestellt haben. — Angekl.: Allerdings, ich setzte meinen Ehrgeiz darin, von allen Anlagen unterrichtet zu sein.— Vors.: Hat nicht die Beschaffen- heit des Wassers bei Ihnen Bedenken erregt?— Angekl.: Nein. — Vors.: Auch nicht die Beschaffenheit des Wassers im Erd- behälter?— Angekl.: Nein, wir haben die Beschaffenheit des Wassers selbst Sonntags untersuchen lassen, dasselbe wurde aber als vollständig einwandfrei befunden. Es ist eiife falsche Ansicht des Publikum?, datz Schlamm die Keimfähigkeit erhöhe.— Vors.: Wenn in einer Küche drei Tage lang ein Eimer mit Wasser stände, dann würde ich vor dem Genuß desselben danken.— A n g e l l.: Ich würde dasselbe thun, es ist aber doch ein wesentlicher Unterschied. ob das Wasser drei Tage lang in einem Eimer oder in einer Thal- sperre aufgesammelt ist. Geklagt wurde über das Wasser häufig, auch jetzt wird über das Wasser Klage geführt. Sobald Rohrbruche entstehen, vermindert sich stets etwas die Qualität des Wassers.—■ Vors.: Es wird nun behauptet und durch Zeugen bewiesen werden. datz das Wasser, das aus dem Stichrohr kam, Würmer zeigte, datz es aaöhaft roch und datz es nicht wie Wasser» sondern wie Syrnp aussah. — Angekl.: Wenn die Hydranten nicht regelmätzig gespült werden, dann erhält das Wasser immer eine gewisse Färbung. Datz daS Wasser Würmer aufwies und aashaft roch, kann ich nicht zugeben. — Vors.: Wie häufig wurden die Hydranten gespült?— Angekl.: Alle halbe Jahre.— Vors.: War das nicht zu wenig? t- Angekl.: Die Sachverständigen hielten es für genügend.— Vors.: Hielten Sie«nfiltriertes Ruhrwasser nicht an sich als Trinkwasser für gesundheitsschädlich?— Angekl.: Nein.— Vors.: Vor dem Herrn Untersuchungsrichter haben Sie das aber> zugegeben und sogar der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, dah dnrch schlechtes Trinkwasser die Cholcracpidrmie in Hamburg entstanden ist?— Angekl.: In dieser bestimmten Form habe ich das nicht gesagt.— Vors.: Doch ist dies geschehen. Sie haben auch das- Stichrohr für bedenklich gehalten.— Angekl.: Das Stichrohr habe ich nicht für bedenklich gehalten, ich habe es aber für falsch ge- halten, ein Stichrohr zu benutzen, da ich der Ansicht war, datz die Filttiercmlagen so beschaffen sein müssen, dah ein Stichrohr nicht erforderlich sei. Es wurden gegen uns so viele Vorwürfe erhoben. datz ich unter diesem Eindruck schlietzlich zugab, durch das unfiltrierte Ruhrwasser könnte die Epidemie entstanden fem. Nach ruhiger Ueber- legung bin ich aber zu einer andern Auffassung gekommen. Hätte ich das unfiltrierte Ruhrwasscr für gesundheitsschädlich gehalten. dann hätte ich es doch nicht geduldet, datz m e i Nü Aug chörl- gen das Wasser genossen.— Vors.: Wäre es denn nicht Ihre Pflicht gewesen, die Konsumenten vor dem Genus; des Wassers zu warnen und ihnen zu sagen: Das Wasser darf nur abgekocht ge- trunken werden.— A n g e k l.: Ich hielt das nicht für bedenklich. da ich das Wasser für einwandsfrei hielt.— Vors.: Das Wasser war schon deshalb bedenklich, da es auch aus dem Eiberg- bach kam, in dem Menschenkot, Tierkadaver und andre Unreinlich- leiten mehr sich aufgehäuft hatten. Bei dem Bau der Filteranlagen waren zahlreiche polnische Arbeiter beschäftigt, durch deren unrein- liches Verhalten soll das Wasser ebenfalls stark verunreinigt worden sein. Wie kam es nun, daß Sie den Sachverständigen gegenüber das Vorhandensein des Stichrohrs in Abreds-�iellten?— Sin gell.: Der technische Direktor Pfudel stellte das Vorhandensein eines Stich- rohrs in Abrede; ich wollte deshalb meinen Mitdirektor nicht des- avouieren.— Bors.: Nun brach im September 1901 im Kreise Gelsenkirchen die Tiphuscpidemie aus. Es wird von der Anklage behauptet, dah die Epidemie durch den Genuß des unfilwierten Wassers entstanden sei, zumal sich die Ausbreitung der Epidemie mit ihrem Versorgungsgebiet deckte.— A n g e k l.: Die Behauptung ist mir wohl bekannt, ich bestreite aber einerseits, daß die Aus'- breitung der Epidemie sich mit dem Versorgungsgvhiet deckt und andrerseits, daß die Epidemie durch das Wasser entstanden ist.— Vors.: Verschont von der Epidemie wurden nur Altenessen und Stoppenberg und zwar, wie die Sachverständigen behaupten, weil dort der Grillosche Apparat in Betrieb war.— A n g e k l.: Ich bin der Meinung, daß diese Orte nur durch einen Zufall von der Epidemie verschont waren.— Vors.: Es wird nun auch behauptet, Sie hätten das unfiltrierte Ruhrwasser zugeführt, um Ihrer Gesell- schaft eincir rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen.— A n g e k l.: Das bestreite ich ganz entschieden. Wasserbaudircktor Pfudel bestreitet ebenfalls, schuldig zu sein und giebt eine eingehende Schilderung über die Röhranlagcn. Er befinde sich in einem gewissen Gegensatz zu dem Direktor Hegeler. Die Brunnen waren nicht bloß Sammelbassins, sondern auch Filter. Die Zubringerleitung war etwas verschlammt, er hielt dieselbe als eine vorübergehende Anlage.— Vors.: Die Zubringerleitung auch?— A n g e k l.: Jawohl.— Vors.: Die Zubringerleimng be- steht doch seit 1872?— A n g e k l.: Das war mir nicht bekannt. Ich habe das Stichrohr vorgefunden, dasselbe produzierte täglich 6000 Kubikmeter Wasser.— Vors.: Ist Ihnen bekannt, daß ganz be- sonders im Sommer über die Beschaffenheit des Wassers geklagt wurde?— Sin gell.: Nein.— Vors.: In dem Wasser sollen Würmer, tote Aale und andres enthalten gewesen sein.— A n g e k l.: Davon ist mir nichts bekannt.— Vors.: Weshalb stellten Sie in Abrede, daß ein Stichrohr vorhanden sei? Wenn Sie es nicht für gesundheitsschädlich hielten, da konnten Sie doch einfach Herrn Geh. Medizinalrat Dr. Tennhold sagen: es ist ein Stichrohr vorhanden. — Sing eil.: Es ist ein Unterschied zwischen sirafbar und nicht ordnungsgemäß.— Vors.: Sie hielten also jedenfalls das Stich- rohr für nicht ordnungsgemäß?—?l n g e kl.: Allerdings, es mußte aber verwendet werden, da die Filter nicht immer das erforderliche Wasserquantum schaffen konnten.— Vors.: Wäre es alsdann nicht Ihre Pflicht als technischer Direktor gewesen, für eine Erweiterung der Filteranlagen zu sorgen, wenn auch einmal nur 4 Proz. Tividcndc gezahlt worden wären?— Sin gell.: Darüber kann ich nichts sagen. Tie Verhandlung wird gegen 2V, Uhr nachmittags auf Dienstagvormittag LV« Uhr vertagt. ♦ Essen. 5. Juli. In der heutigen Vormittagssitzung wurde das Verhör des An- geklagten Pfudel fortgesetzt. Vors.: Seit dem 25. September 1901 wird das Stichrohr nicht mehr benutzt?— A n g e k l.: Jawohl.— Vors.: Wenn also früher eine Erweiterung der Filteranlagen vorgenommen worden wäre, dann wäre das Stichrohr unnötig gewesen, es scheint also doch auch ohne Stich rohr zu geben.— Sachv. Geh. Mcb.-SR, Pros. Dr. Koch: Auf Grund der Bemerkung des Herrn Direktors Pfudel, Stichrohre seien bei den Wasserwerken an der Ruhr allgemein üblich, stelle ich die Frage, ob auch bei der Thphusepidemie in Bochum durch ein Zuleitungsrohr unfiltriertes Wasser gefördert worden ist? — A n g e k l.: Da mir der Vorwurf gemacht wurde, daß ich auch an der Typhusepidemie in Bochum schuld sei, habe ich den Bochumer Magistrat um Auskunft ersucht. Dieser antwortete mir: Es sei fest- gestellt, daß seit 1898 in Bochum ein Stichrohr bestanden habe, das bei niedrigem Wasserstand benutzt worden sei. Er, Pfudel, müsse sich mit aller Entschiedenheit dagegen verwahren, daß er von diesem Stichrohr irgendwelche Kenntnis hatte.— Staatsanwalt: Ich beantrage, die Akten vom Magistrat in Bochum einzufordern, um die Ursachen der Typhuscpidemie in Bochum von 1899/1900 fest- zustellen.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Wallach: Die Ver- teidigung behält sich vor, den Beweis zu führen, daß der Angeklagte Pfudel die Epidemie in Bochum in reiner Weise verschuldet hat.— Vors.: Das ist bis jetzt auch nicht behauptet worden.— Geh. Rat Professor Dr. Koch: Die Mitteilung des Angeklagten Pfudel, daß ein Leitungsrohr in Bochum bestand, das unfiltriertes Flußwasser in die Wasserleitung befördert hat. genügt mir.— Sachverständiger Professor Dr. E m m e r i ch- München: Ich bin der Meinung, daß aus den Akten die Ursache der Typhusepidemie nicht festgestellt werden kann.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hünnebeck- Bochum: Ich beantrage, den Ersten Bürgermeister Graff-Bochum als Zeugen zu laden.— Der Gerichtshof giebt diesem Antrage und auch den Anträgen des Staatsanwalts statt. ßerUner partci-Hngelegenbciten. Britz. Donnerstagabend S'/a Uhr findet im Lokale Rosensee- terrasse eine öffentliche Frauenversammlung statt. Daselbst soll nach dem Vortrage die Gründung eines Frauen- und Mädchen-Bildungs- Vereins vorgenommen wurden. Zahlreiches Erscheinen besonders der Britzer Frauen ist erwünscht. Frirdenau-Steglitz. Freitagabend 8Vz Uhr findet der vierte Vortrag über das Erfurter Parteiprogramm im Gesellschafts- Hause, Friedenau, Rheinstraße 14, statt. Die Vorträge sind so wichtig und interessant, daß kein Genosse die Gelegenheit versäumen sollte, seine Kenntnisse in der Parteigeschichte zu erweitern. Auch die Genossen, welche die ersten drei Vorträge nicht besucht haben, werden den weiteren Ausführungen bequem folgen können, da das Programm sin engeren Sinne erst in den nächsten Vorträgen zur Erörterung gelangt. Eintritt frei. Gäste willkommen. Wilmersdorf. Der Wahlverein hält heute Mittwoch, abends 9 Uhr, in Salamons Volksgarten, Bcrlincrstraße 40, seine Versammlung ab. Genosse Dr. Karl Liebknecht spricht über „Staatsstreich und Revolution". Außerdem stehen wichtige Vereins- angelegenheiten auf der Tagesordnung. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Köpenick. Heute abend 8 Uhr ist bei Helling in der Schöner- linderstraße Diskutierabend. Um 7 Uhr Abrechnung vom Stiftungsfest. Neuenhagen sOstbahn). Sonntagnachmittag 4 Uhr findet in Nagels Gasthof Bruchmühle eine Volksveriammlung statt. Genosse Max Kiesel referiert über:„Der geplante Wahlrechts- raub". Zahlreiches Erscheinen ist Pflicht. lokales. Elegante Welt. Wenn Herr Professor Meyer einst in den Zeiten seines Glanzes seine Gläubiger auf die Schultern klopfte und in seiner gütig über- legenen Art zu ihnen sagte„Sie werden bei mir Ihre Rechnung finden!" so war ihm damals vielleicht selbst nicht ganz klar, was er damit meinte. Vordem war es paradox, aber jetzt bestätigt es die Zeit I Wäre es möglich, das Leben in Voraussicht des Kommenden nochmals zu leben, so würden sich alle Geschäftsleute Berlins darum reißen, von Meyers nicht bezahlt zu werden. Welche Reklame! Das teure Zeiwngsinserat, in dem Herr 3c neu angekommene lebende Forellen empfiehlt, den Platz, den Herr I, der Seidenhändler, auf der Ausstellung ftir schweres Geld erobert, streift kaum ein fluchtiger Blick. Jetzt liest ganz Berlin im Gerichtsbericht mit einem Eifer, als hätt' eS der heilige Geist diktiert, wo man seine Schuhe, Kleider, Hüte, sein Fuhrwerk, seinen Wein und seine Deli- katessen kaufen muß, wenn man überhaupt mitzählen will. Denn wo Meyers kauften, war's am feinsten! Wenn erzählt wird. daß ein Tricotagenhändler, als der Einzige, den die Fm« Professor aus Vergeßlichkeit bezahlt hat, sich als ein Stiefkind des Schicksals fühle und schwermütig gelvorden sei, so kann sollte Kunde zwar nicht verbürgt, aber auch nicht für unwahrscheinlich ge� halten werden. Zweifellos I Es ist schlverer, einen Laib Brot auf Kredit zu bekommen als eine Flasche Champagner! Wer einen Groschen übrig hat, fährt mit der Straßenbahn, wer keinen mehr hat. in der Mietskutsche! Bei gewöhnlichen Leuten, ruft der Chor der Lieferanten, sind wir vorsichtig! Aber Grafen, Baronen, Professoren muß man kreditieren I Wer am vornehmsten ist, kriegt am spätesten seine Rechnung. Der Lump muß gleich bezahlen, der Tiergartenbewohner nach drei Monaten, der Rittergutsbesitzer nach einem Jahre. Diese Schneider, Schuhmacher, Modistinnen, Schneiderinnen, Weinhändler, all die Schöpfer und Lieferanten der tausend süßen Nichtschen. Ederen ein moderner Vollmeusch aus Berlin IV. zu seinem Dasein bedarf, sehen durchaus nicht aus, als wäre der Fall Meyer ein ungeheures noch nicht dagewesenes Ereignis für sie. Sich, wie viele Meyers stehen bei ihnen längst sin Schornstein angeschrieben I V�o n Meyers sogar I Mit dem größten Phlegma, manchmal mit einer gewissen wohlwollenden Nachsicht, erzählen sie den Hergang, der immer der gleiche bleibt. Nur die kleine Obsthändlerin aus der Fasaneustraße, der, wie sie steif und fest behauptet, die Frau Professor unter falschem Namen eine Ananas im Werte von 2 Mark und 95 Pfennigen abgeschwindelt haben soll, ist ganz Racheengel und jedes ihrer Worte ein feuriges Schwert. Müde und abgespannt, doch immer im überlegenen Doceutenton greift der Professor in die Vernehmungen ein. Die Verhandlung von heute hat die ganze armsclig-schmutzige Tragödie seiner Lauf- bahn aufgedeckt, seine Wilderei sin Vossischen Gehege, seine Dis- ciplinicrnng und wie es ihn dann tiefer und tiefer trieb. Lebhafter verteidigt sich die jugendliche Gattin, einst die elegante kreditfähige Weltdame, jetzt nach' ein paar Monaten Untersuchungshaft, ein'ver- wahrlosteS kleines Mädchen, das niemand mit fünf Mark über die Straße schicken möchte. Da trifft ihr Blick im Zuschauerraum eine gewesene Freundin, die noch in Brillanten glänzt und in Seide rauscht, und schluchzend sinkt das unscheinbare Geschvpfchen auf die Anklagebank zurück. Und da möchte man, wenn dieses Häuflein selbstverschuldeten Elends großer Gefühle würdig wäre, die Faust erheben gegen diese blödsinnig schadenfrohe Gesellschaft, die da drüben mit ihrer zahlungs- fähigen Tugend prunkt und außer sich ist vor Vergnügen, weil zwei Leute ihren Champagner nicht bezahlen konnten.... Woher stammt doch das Geld, mit dem s i e den ihren bezahlt? Die Bücher ausgeschlagen!— „Christliches" Begräbnis. Ein Leser schreibt uns: Ans dem katholischen St. Michael-Kirchhof am Mariendorfer Weg wurde am Sonntag, den 19. Juni, meine Mutter beerdigt. Slls ich nun am verflossenen Sonntag, also vierzehn Tage nach dem Leichenbegängnis, das Grab besuchte, um einige Blumentöpfe darauf zu pflanzen, bot sich mir ein Änolick, den ich nicht vermutet hatte. Das Grab, neben welchem eine neue Gruft gegraben war, lag auf der einen Seite v o l l st ä n d i g offen. Der mit einem Stück Schauerlappen be- hangcne Sarg war zum Teil frei, zum Teil mit etwas Erde bedeckt. Auf meine Frage an den Totengräber, wann denn wohl das Grab geschlossen würde, erhielt ich ein Achselzucken als Antwort.„Bis die nächste Leiche kommt," meinte er endlich. Abgesehen davon, daß eine solche Verletzung der Pietät bei den Angehörigen eines Verstorbenen das Gefühl höchster Empörung wachrufen und aus diesem Grunde schon ein so skandalöser Zustand aus einem als christlich bezeichneten Friedhof 'chlennigst beseitigt werden muß. verdient auch die Frage Beachtung, ob es im hygienischen Interesse liegt, daß ein hölzerner Sarg wochenlang nicht unter, sondern über der Erde steht. Welche schweren Gefahren für die Gesundheit kann eine solche Wirtschast mit sich bringen I Allerdings muß einschränkend bemerkt werden, daß nicht in allen Fällen die Gefühle der Pietät und die Rücksichten auf die öffentliche Gesundheitspflege so rücksichtslos verletzt werden. Der Totengräber gab unumwunden zu, daß die Gräber der ersten und zweiten Klasse niemals wochenlang offen liegen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß den geichilderten Zu- tänden ein für allemal ein Ende gemacht wird. Was einer anstäiidigen Fra« in Berlin passieren kann. In der �Nat.-Ztg." lesen wir: Ein hiesiges Blatt hatte kurz nach Beendi- gung des Franenkongresses mitgeteilt, daß zwei Damen, die im Ansstellnngspark ihr Abendbrot einncbmen wollten, vom Wirt mit- geteilt worden sei. man bediene sie nicht, da sie ohne Herren- b e g l e i t u n g seien. Die Angelegenheit erschien so nngeheuerlich, daß wir absahen, davon Notiz zu nehmen. Jetzt erscheint jedoch im „Centralblatt des Bundes d. deutschen Franenvereine" ein Brief an Frau Stritt, der die volle Wahrheit der Mitteilung bestätigt. Es heißt da: Hamburg, den 27. Juni 1904. Hochgeehrte Frau Stritt! Ich halte es für meine Pflicht, ein Vorkommnis zu Ihrer Kenntnis zu bringen, welches mir am 23. d. M, kurz vor meiner Abreise, in Berlin widerfahren ist und welches wohl geeignet sein ollte, der Oeffentlichkeit übergeben zu werden. Meine Freundin. Frau Hauptmann K., und ich gingen am Slbend des genannten Tages nach dem Besuch des Theaters in das große Restaurant des SlnsstellungsparkeS, um zu Abend zu speisen. Auf unsre Frage nach der Speisekarte erwiderte uns der Kellner achselznckend, daß er uns nicht servieren könne. Auf unfern Wunsch wurde der Wirt herbeigerufen, der uns erklärte, daß an Damen ohne Herrenbegleitung nichts verabfolgt werde und daß eine dies- bezügliche Warnung in den Zeitungen veröffentlicht worden sei. Er- bittert über die mir als Gast des Kongresses angethane Schmach. �and meine Freundin, eine geborene Berlinerin, welche die Konversation führte, es angezeigt, meinen Namen und Stellung zu nennen, was den Wirt aber nicht veranlassen konnte, seine be- leidigende Abweisung zurückzunehmen, so daß wir vor den Slugen des umhersitzeuden Publikums das Lokal verlassen mußten. Der Brief trägt die Unterschrift: Randi Blehr in Kristiania. Vors. der Norsst Kvindesags forennig und der Norsko afdeling ai �L'Alliance■ universelle des femmes pour la paix" usw. Es sei hinzugefügt, daß Frau Randi Blehr die Gattin des rühcren StaatSministers von Norwegen ist, die auch auf dem Frauenkongrcß einen Vortrag gehalten hat. Uns will scheinen, daß ein Kellner am allerehesten in der Lage sein sollte, eine anständige Frau von einer Dame in Gänsefüßchen zu unterscheiden. Vermehrte RechtSgaranticn der Milchccntrale. Einen Bock ge- Hoffen hat die M i l ch c e n t r a l e mit dem§ 58 ihres neuen Statuts, das in der letzthin stattgehabten Generalversammlung be- chlosien wurde. Der famose Paragraph lautet:„Streitigkeiten jeder Art zwischen der Genossenschaft und einem Mitglieds, auch wenn dasselbe schon aus der Gcnosienschaft ausgeschieden sein sollte, sowie zwischen etwaigen Rechtsnachfolgern eines Mitgliedes werden unter Ausschluß deS Rechtsweges von einem Schiedsgericht entschiede», soweit nicht bereits im Statut eine endgültige Eni- scheidung durch den Anfsichtsrat vorgesehen ist." Nun ist aber ein schiedsgerichtliches Urteil, sofern sich ihm die Parteien nicht freiwillig unterwerfen, so lange ohne jede'Bedeutung, � als es nicht vom Gericht durch ein Vollstrecknngsurteil bestättgt ist. Der Erlaß eines Vollstreckungsurteils setzt eine gericht- liche Klage voraus, über die in drei Instanzen entschieden wird. In einem derartigen Prozeßverfahren wird dann über die Gültigkeit der Beitrittserklärung, Irrtum beim Beitritt, Täuschung, Rechts- gültigkeit der Statuten usw. entschieden. Die Wirkung des neuen | 58 ist also lediglich die. daß den Genossen jetzt statt drei Instanzen vier Instanzen für die Klagen mit der Centrale gegeben sind. Die Milchccntrale hat also durch ihren GeneralversammlungS- Beschluß in ihrem Uebereifer gerade das Gegenteil von dem erreicht, was sie herbeizuführen beabsichtigte. Die Hauswirte als Feinde der Zimmergymnastik. Jetzt behaupten die Berliner Hauswirte, daß in zahlreichen Fällen durch unvor- sichttges Anbringen der Schaukeln und Turngeräte an Thüren und Zimmerdecken die Wohnungen beschädigt werden und verlangen des- halb neuerdings vielfach durch Sonderbestimmungen in den Miets- Verträgen, daß das Anbringen von Turngeräten in den Mietswoh- nungeu nur mit Bewilligung des Vermieters durch sachverständige Handwerker erfolge. Von einem völligen Verbot des Zimmerturnens hat man, nach Einholung von Sachverständigen-Gutachten, abgesehen, zumal ein derartiges Verbot sich wohl kaum überwachen ließe und überdies gesetzlich anfechtbar erscheint. Immerhin ist es ein Erfolg der Hausbesitzer, wenn sie in den Halsabschncider-Kontrakien die Mieter dafür verantwortlich machen können, daß der schlechte Bau des Hauses nicht einmal vor einer Kinderschaukel standhält. Bor nud hiutcr den Coulissen. Im Apollo-Theater waren früher Fräulein Cäcilia Carola und Schauspieler Braun nicht das, was man gute Kollegen nennt. Eines Abends kam es zum Krach. Herr Braun hatte während des Spiels vorschriftsmäßig den Arm um seine Partnerin gelegt, angeblich aber fester, als zulässig, worauf ihm Fräulein Carola ein nicht zu zartes Wort zuflüsterte, noch laut genug, um im Parkett gehört zu werden. Kaum war der Vor- hang gefallen, da revanchierte sich Herr Braun, indem er Fräulein Carola„Freches Frauenzimmer" nannte. Das hatte, so erzählt das„Kleine Journal". die Wirkung, daß die Dame auf ihren Gegner losstürzte und ihm die Slugen aus- zukratzen drohte; dieser schlug Fräulein Carola ins Gesicht. Die unerquickliche Sceue hatte zur Folge, daß Fräulein Carola Weinkrämpfe bekam und nicht weiterspielen konnte. Sie forderte ihre Enrlassung, und diese wurde ihr auch gegeben, aber der damalige Besitzer des Apollo-TheaterS, Baumeister Ziegra, verlangte von Fräulein Carola die Zahlung einer Vertragsstrafe von 15 000 Mark. Bereits in erster Instanz wurde der Kläger jedoch abgewiesen, und dasselbe Schicksal traf ihn in der zweiten Instanz. Das Land- gericht entschied, daß eine Künstlerin in dem� nervösen, überreizten Zustande, in den sie durch den Vorfall versetzt worden sei, beim besten Wille» nicht weiterspielen konnte. ES komme dabei nicht in Betracht, wodurch der Vorfall verursacht worden sei. Die Klage auf Zahlung der Strafe wurde deshalb endgültig abgewiesen. Zur Ermordung der Lucie Berlin. Die gerichtlichen Ermitte- lnngcn haben das Material zur Ueberführung des mutmaßlichen Thäters Theodor Borger noch in einigen Punkten ergänzt. Von be- sonders großer Wichtigkeit dürste es sein, daß der braunrote Fleck, der sich innerhalb des von dem Schiffer Klunter aus der Spree auf- gefischten Reisekorbes befindet, nach dein Gutachten des Gerichts- chcmikers Jcserid) von Menschenblut herrührt. Bekanntlich' will Bergcr den Korb einem Mädchen gesckicnkt haben. Es steht aber jetzt völlig außer Zweifel, daß Berger mit dem Korb in der Nacht nach dem Morde über den Hof des Hauses Slckersttaße 130 gegangen ist. Da der 5lorb nicht groß genug war, um alle Teile der zerstückelten Leiche aus einmal fortzubringen, mutzte der Mörder dazu zwei Gänge ausführen. Bei dem einen hat er dann den Kopf und die ander» Körperteile nicht nach der Spree, sondern nach dem Schiff- fahrts-Kanal getragen. Bezüglich der That dürfte als feststehend zu betrachten sein, daß, da der Tod nach dem ärztlichen Gutachten durch Ersticken eingetreten ist, die Schnittwunden erst nachher aus- geführt wurden. Wer ist„Richard v. Hagen"? Ms ein Bewohner deS Hauses Kochstraße 15 gestern morgen um 5>/z Uhr heimkehrte« fiel ihm auf, daß die Thür einer auf dem Grundstück gelegenen Gastwirtschaft ge- öffnet war. In der Küche stand ein junger Mann, der ihm auf die Frage, ob er im Hause wohne, keine Antivort gab und gleich weg- ging. Er ging nun erst in seine Wohnung hinauf und kehrte dann neugierig nach der Gastwirtschaft zurück, um zu sehen, ob vielleicht ettvaS gestohlen sei. Leise die Treppe hinunter gehend, sah er den- selben Burschen tvieder in der Küche, wo er ein Paket zurecht ge- macht und zum Mitnehmen auf den Kohlenkasten gelegt hatte. Jetzt sperrte er ihn ein, ohne daß er es mertte, und holte einen Schutzmann. Dieser traf ihn noch in der Küche. Auf seine Frage, was er denn eigentlich suche, antwortete er mit der unschuldigsten Miene, er habe die Thür offen gefunden und nur die Gelegenheit benutzen Ivollen, einmal aus- zutreten. Das glaubt man ihm aber um so weniger, als aus einer Thür eine Füllung herausgeschnitten war und man bei ihm ein Messer fand, dessen abgebrochene Spitze in dem herausgeschnittenen Holze stak. Während er erst behauptet hatte, das Messer gehöre ihm, sagt er jetzt, er habe es gefunden. Der Ertappte nennt sich Hausdiener Richard v. Hagen und ist unter diesem Namen schon einmal bestraft. Es behauptet, in Teffchcn unehelich geboren zu sein und den Namen seiner Mutter zu tühren. Bisher haben sich alle seine Slngaben als unwahr erwiesen. Sein � Bild hängt im Polizeipräsidium unter den unbekamiten Personen schon länger aus. ES handelt sich wahrscheinlich um einen schweren Jungen, der allen Grund hat, seinen wahren Namen zu verheimlichen. Zwei tippelnde Handwerksburschen, die sich als gefährliche Berliner Einbrecher entpuppten, sind in dem Topfcrdorfe Velten fest« genommen worden. Die Verhafteten sind anscheinend„schwere JungcnS", die auch vor Gewaltthaten nicht zurückscheuen, denn es wurden bei ihnen außer verschiedenen Einbrecher- Instrumenten Schlagringe, Messer und Revolver vorgefunden, Gegenstände, die sie in ihren„Berlinern" trugen. Die Personalien der Verbrecher konnten noch nicht festgestellt werden, da sie fortgesetzt falsche An- gaben machen. Einer der Burschen hatte eine Handtasche bei sich, deren er sich auf dem Wege nach dem Amtsbnreau in geschickter Weise entledigte und die voraussichtlich gestohlene Gegenstände enthalten dürfte. Die Polizeiverwaltung in Velten erläßt folgende Bekanntmachung:„Am 29. Juni dieses Jahres sind zivei mit verschiedenen Diebes- Werkzeugen auSgenistete, anscheinend schwere Verbrecher zur Haft gebracht worden. Im Besitz derselben ist eine schwarze oder auch graue Tasche oder ein in schwarzes Lackleder zusammengebundenes Paket gesehen worden. Vermutlich bestand der Inhalt aus Dicbeswerkzeugen oder gestohlenen Gegenständen. Diese Tasche oder dies Paket haben die Verhafteten an irgend einem verborgenen Orte, vermutlich in ein Roggenfeld hingelegt. Du der Besitz derselben von Bedeutung ist. wird gebeten, bei etwaigem Auffinden solchen Pakets oder der Tasche solche sofort an das Amtsbureau abzuliefern."— Es liegt der dringende Verdacht vor. daß die Festgenommenen Mitglieder jener Diebesbande sind, die den Einbruch in der katholiichcn Kirche in Velten verübte. Die Verhafteten werden zwecks Ermittelung ihrer Personalien nach Berlin gebracht werden. Rettung aus Lebensgefahr. Gestern nachmittag sprang die 17jährige S., die aus Kassel hierhergekommen war und sich bei ihren Verwandten in der Weißenburgersttaße besnchswesse aufhalt, an der Möckcrnbrücke in den Landwehrkanal. Der in der Nähe arbeitende und in der Wartenburgstr. 23 wohnende Maler Adolf Herzog sprang kurz entschlossen der mit dem Tode Ringenden nach. Die Rettung sollte ihm aber nicht so leicht werden, denn die S. um- klammerte den Hals des Mannes und zog ihn mit m die Tiefe. Nur durch äußerste Anstrengung vermochte er nochmals an die Ober- fläche zu gelangen und dann die völlig Ermattete zu landen. Ein ImiteS Brado der Umstehenden belohnte den Netter, von dem wir iTbrigens berichten können, daß er ein im zweiten Wahlkreise be- kannter Parteigenosse ist. Herzog, der als vorzüglicher Schwimmer gilt, hat schon vorher zwei Kinder und eine erwachsene Person vor dem Tode des Ertrinkens gerettet. Die S.. die den Selbstmord- versuch ans Liebesgram gemacht hatte, wurde erst»ach der Unfall- station gebracht und dann ihren Verwandten zugeführt. Seltsamerweise waren auf der Unfallstation keine wollenen Decken vorhanden, um das Mädchen und ihren Lebensretter erwärmen zu können; ein mitleidiger Droschkenkutscher stellte für das Mädchen schließlich die Decke seines Wägens zur Verfügung. Beim Bau der neuen Sprcebrückc in Ober-Schöneweide ereignete sich gestern ein schwerer Unglücksfall. Beim Aufwinden von Eisen zerriß die Kette der Windevorrichtung und die herabfallende Last zerschmetterte einem Arbeiter beide Beine und einem andren den Arm. Beide wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Ausreise der Berliner Ferienkolonien wird sich zum größten Teil in dieser Woche vollziehen. Der Verein für Ferien- kolonien schickt diesmal fast 400 Kinder mehr als im vorigen Jahr, und zwar Insgesamt 4689 Kinder. Diese werden in 110 Land-, See- und Solbadkolonien untergebracht, und zwar kommen 3ö39 in Vollkolonien, 1159 in Halbkolonien. Die Berliner Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft sendet 162 Kinder hinaus, die Armen- direktion 12S, die Waisenverwaltung 100, die Post 42 Kinder von Witwen früherer Postbeamten. Die Firma Werthcim leistet für 76 Kinder ihrer Angestellten volle Bezahlung und schenkte außerdem die Ausrüstung für zwei neue Kolonien. Als Ausreisetag für die größte Anzahl der Kinder gilt Donnerstag, der 7. Juli. Zwei Sonderzüge, die um 8,33 und 9,31 morgens vom Stettiner Bahnhof abgelassen werden, bringen 700 Kinder nach Mecklenburg und 600 Kinder nach Rügen. Weitere Massenbeförderung�ir in die Solbäder und ländlichen Orte finden dann noch am 9. und 11. Juli statt. Einzelne Kolonie-Orte werden auch noch im August und September belegt, in Kolberg bleiben die letzten Pfleglinge bis zum 30» September. Nach den im vorigen Jahre mit der Vorbcugungskolo»ie Hohen-Lychen gemachten günstigen Erfahrungen wird man diesmal ISO Kinder in drei Abteilungen dorthin senden. Es sind dies Kinder lungenkranker Eltern, die zwar selber noch nicht lungenkrank sind, aber infolge ihrer erblichen Belastung besonders sorgfältige Pflege und induviduelle Behandlung brauchen.— Leider werden die Gemeinden sich immer noch nicht ihrer Pflicht, die Angelegenheit der Ferienkolonien mehr in die Hand zu nehmen, in vollem M»he be- wüßt. Daß die private Hilfe trotz aller Anstrengungen nicht ent- fernt genügt, hat sich auch in diesem Jahre wieder eklatant gezeigt. Fcuerbericht. Ueber ein Dutzend Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden wieder zu verzeichnen. In der Nacht zum Dienstag wurde sie nach der Thaerstraße 41 gerufen. Hier war auf noch nicht ermittelte Weise in der im zweiten Stock be- legcnen Tischlerei von R. G r a s I e Feuer ausgekommen, das an den Nutzhölzern, Spänen usw. überreiche Nahrung gefunden hatte und erst bemerkt wurde, als bald nach 9 Uhr plötzlich helle Flammen aus den Fabrikräumcn schlugen. Brandinspcktor Dransfeld, der mit seinem Löschzuge zuerst eintraf, lieh sofort mehrere Rohre in Thätigkeit setzen und von verschiedenen Seiten aus gegen den Brandherd vorgehen. In erster Linie galt es die angrenzenden Fabrikräume zu schützen, was auch gelang. Schon nach einhalb- stündigem Wasscrgeben konnte die Gefahr als beseitigt gelten.— Kurz hierauf mußte in der Schwcdterstraßc 265 in einem Keller ein Brand abgelöscht werden, der allerlei Gerünrpel, Vcrpackungs- Material usw. ersaßt hatte.— Ein zweiter Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Zossenerstraße 30 kurze Zeit.— Preßkohlen hatten sich auf dem Ostbahnhof von selbst entzündet, während in der Koch- straße 3 im ersten Stock des Vorderhauses in einem Comptoirraum der Fabrik explosionssicherer Gefäße von Hermann Kuhnert Feuer ausgekommen war.— Am Kottbuser Ufer 44s brannte es Dienstag früh gegen 4 Uhr in der Glasbrcnnerei von W. Galland Nach- folger, doch konnte die Gefahr leicht beseitigt werden. Kurz vorher erfolgte ein Alarm nach der Neuen Königstrahe 54, weil hier ein Schornstein einzustürzen drohte.— Die übrigen Alarmi�rungen, die dann noch aus der Licbigstraße 16, Langestratze 103 und noch aus verschiedenen andern Stellen einliefen, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen. ' Mit 200 000 M. flüchtig. Der Berliner Kriminalpolizei wird auS Washington die Flucht des Bankbnchhalters H. Mayers signalisiert, der nach Unterschlagung von 200 000 M. wahrscheinlich Amerika verlassen hat. Da vernmtet wird, daß er sich nach Europa gewandt hat, so sind die Polizeibehörden aller Großstädte von der Flucht des Defraudanten in Kenntnis gesetzt. Dieser wird wie folgt beschrieben: Figur schlank, 43 Jahre alt, etwa S Fuß 9 Zoll groß, 155 Pfd. schwer, hat hellblondes Haar und hellbraunen Schnurr- bart— jetzt möglicherweise glattrasiert—, leicht blasse Gesichtsfarbe, hellgraue Augen, zwischen Daumen und erstem Finger der linken Hand einen Fleck von blauer Farbe. Als er verschwand, trug er einen schwarzen Chcviotanzug, Sackpaletot und marineblaue Weste, die den Namen des Schneiders„Brown" im Futter trug. Der Verband der Vergolder bittet uns bekannt zu geben, daß das Mitgliedsbuch Nr. 512 verloren gegangen ist und ersucht den Finder, es gegen Entschädigung bei Ambrosch, Adalbertstr. 66, ab- zugeben. Fundsache. Vor ungefähr Jahresfrist ist in der Gegend der Adalbertstraße eine goldene Damenuhr, die ans der Hinteren Kapsel mit bunten Blumen verziert ist, gesunden worden. Weitere Auskunft erteilt dem Verlierer das polizeiliche Fundbiireau, Zimmer 79, im Polizeidienstgebäude am Alcxandcrplatz. Automobil-Unfall. Gestern früh stießen in der Bülowstraße zwei Kraftwagen in schneller Fahrt zusammen. Beide wurden stark beschädig! und drei Personen verletzt. Diese mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Zum Glück war die Straße zur Zeit des Unfalls noch wenig belebt. T-dcSsturz eines Radfahrers. Am Sonntag fuhr ein Radler mit großer Schnelligkeit in, Grunewald auf der abschüssigen Strecke der Havel-Chaussee zwischen dem Kaiserturm und Schildhorn. Er stieß dabei gegen einen Meilenstein und wurde kopfüber herab- geschleudert. Der Verunglückte erlitt einen Bruch der Wirbelsäule und war auf der Stelle tot. Die Leiche wurde bis auf weiteres nach der Halle des Friedhofes der Namenlosen gebracht. Der Tote war ein junger Main, aus Berlin. Heilstättcu-Wohlthätigkeitsfest. DaS Komitee für da? heute im Zoologischen Garten stattfindende Wohlthätigkeitsfcst zu Gunsten der Heilstätten zu Belzig und am Grabowsee macht besonders darauf aufmerksam, daß die ausgegebenen Billets zum einmaligen Eintritt während des ganzen Tages berechtigen. Billetvorverkauf sa 75 Pf.) in sämtlichen Filialen der Firma Locser n. Wolfs und in den mit Plakaten belegten Handlungen. Aus Rückficht auf den humanen Zweck ist das Eintrittsgeld für den ganzen Tag(also auch nach 6 Uhr abends) auf 1 M. festgesetzt. Trcptow-Iternwartc.„Werden und Leben der Himmelskörper" lautet das Thema, welches Docent Jens Lützen am 123. BeobachtungS- abend des Vereins von Frennden der Treptow-Sternlvarte am Mitt- woch, 6. Juli, abends 8 Uhr. im Vortragssaale der Treptow-Stern- warte unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder behandeln wird. Auch kommt ein Geschenk des kgl. Ministerialrates A. Doppler' für die Llutographensammlung des Astronoinischen MuseuniS der Treptow- Sternwarte zur Vorlage, es ist dies ein Brief von Christiatt Doppler, dem Entdecker des nach ihm benannten Princips zur Messung der Lichtgeschwindigkeit. Mit dem Riescnrefraktor wird ein interessanter Doppelstern im„Herkules" beobachtet, bei welchem der Hauptstern goldgelbe, der Begleiter bläuliche Farbe hat. Gäste haben Zutritt. DaS Passage- Theater prunkt dem warmen Wetter zum Trotz mit einem vorzüglichen Besuch. Wie immer, so ist auch in diesem Monat für ein ansprechendes und abwechslungsreiches Programm gesorgt, das alle Geschmäcker befriedigt. Eine etwas in die Breite geratene Dame trägt mit Ivohlausgebildeter Baßstimme Coilplets der verschiedensten Richtung vor. Ob sie im Tirolcrkostüm jodelt oder in einem uiidefimerbaren Kostüm einen Kirgiscntanz aufführt, sie lenkt immer die Augen auf sich und kann ans der Varietebllhne noch insoweit als Original gelten, als sie zum Nachdenken anregt. Das Fräulein betitelt sich nämlich Farcinal- Künstlerin— wer weiß dies geheimnisvolle Wort zu deuten? Ein Franzose, der sich Ganivet II. nennt, ivartet mit vielen witzigen Pointen und einen, wohlassortierten Lager alter Hüte auf, sein deutscher Kon- kurrent, Herr Franz Kern, hat wirkungsvolle Couplets auf Lager. In wunderbarer Beleuchtung zeigt sich„La. belle Lily" als eine Art Uhrzeiger. Tüchtig ist auch die Verwandlungskünstlerin Genita. Theater. In der M o r w i tz- O p e r(Schiller- Theater) geht an, Freitag in Abänderung des Spielplans und auf vielfache Wünsche als Vorstellung bei halben Preisen„Der Freischütz" in Scene. Mittwoch wird„Oberon, König der Elfen" wiederholt und Sonnabend„Die Jüdin" mit Willy Kraus, Otto Freibnrg, Margarete König und Gertrud Careni zum erstenmal in dieser Spielzeit ge- geben. Bötel singt Donnerstag den„Postillon von Lonjumeau" und Sonntag den„Troubadour". Der„Prophet" kann erst am nächsten Montag tvicderholt werden. ßud den Nachbarorten. Mirbachcrei. Der Bau von drei neuen Kirchen in Schöneberg ist in Aussicht genommen. Die eine von ihnen, die zunächst erbaut werden soll, wird einen Ersatz für das fast baufällig gewordene, aus der Zeit Friedrichs des Großen stammende alte Dorfkirchlein bilden, das als ein Erinnerungszeichen an das alte Schöneberg stehen bleibt, aber später nicht weiter benutzt wird. Die neue Kirche, für die bereits die Bauprojekte vorbereitet werden, erhält ihren Platz auf dem der Kirchengemeindc gehörigen Gelände an der Hauptstraße, unmittelbar neben der alten Dorfkirche und dem alten Kirchhofe. Für die zweite Kirche ist der Platz?) an der Grunewaldstraße, in den acht Straßen- züge strahlenförmig einmünden, auSersehcn. Für diesen Bau soll die prachtvolle, aus dem 13. Jahrhundert stammende Tomkirche zu Limburg als Vorbild dienen. Auf Veranlassung der� Kaiserin hatte sich gleich nach der Stadtwerdung von Schöneberg der Ober- Hofmarschall Frhr. v. Mirbach wegen Abtretung eines geeigneten Kirchengeländes an den Magistrat gewandt und den Victoria Luise- Platz in Vorschlag gebracht. Da dieser aber infolge eines mit der Berlinischen Bodengesellschaft abgeschlossenen Vertrages zu einem Schmuckplatze bestimmt war, so schlug die Stadt den weit günstiger gelegenen und auch geräumigeren Platz U vor, der den Beifall der Kaiserin fand. Die dritte, zuletzt zu errichtende Kirche wird auf der Insel auf dem soeben der Bebauung erschlossenen Gelände zwischen dem Königsweg und der Sedanstraße gebaut werden. Nach Fertig- stellung dieser drei Gotteshäuser wird Schönebcrg sieben Kirchen. barunter eine katholische, besitzen. In Köpenick wählte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung den Gerichtsassessor Fabarius, der bis jetzt beim Magistrat zu Hameln beschäftigt ist. auf zwölf Jahre zum besoldeten Stadtrat. Das Gehalt beträgt 4000 M. ohne die 500 M. Wohnungs- gcldzuschuß.— Zur Errichtung einer Kläranlage wurden 225 540 M., für eine Puinpstation 62 500 M. bewilligt.— Einen, Antrage des Magistrats, für das zwischen dem Mühlcnfließ, dem Frciarchengraben und der Spree belegene städtische Gelände die landhausmäßige Bebauung vorzubehalten, wurde zugestimnit. Die Frage der Umgemeindung des Neuc» botanischen GartenS in Dahlem beschäftigte die Groß- Lichterfelder Gemeindevertretung in ihrer Sitzung an, Montag. Nach dem Bericht des Gemeinde- Vorstehers, Bürgermeisters Schulz, liegt der weitaus größte Teil des Neuen botanischen Gartens(nämlich rund 30 Hektar) auf Groß- Lichterfelder Gemarkung, während ans Neu- Lichterfelde noch etwa 2,3 Hektar, aus die Domäne Dahlem selbst aber nur 13 Hektar entfallen. Seit 1393, wo mir der Errichtung des Neuen botanischen Gartens begonnen wurde, untersteht auch dessen gesamtes Areal bereits der polizeiliche» Machtbefiignis des Groß-Lichterfelder Amtsvorstehers. Dessen ungeachtet hat die kgl. Kommission zur Austeilung der Domäne Dahlem auf Anregung des Leiters ihrer Geschäftsstelle beim Landwirtschaftsminister die Abtrennung sowohl des Groß-Lichterfelder wie des Neu-Lichterfelder Areals des Gartens von der politischen Gemeinde Groß-Lichterfelde und die Vereinigung des ganzen botanischen Gartens mit der Ge- »winde Steglitz beantragt. Das Landwirtichaftsministerium hat dem Gutachten der AufteilungSkommission zugestimmt und nunmehr hatte die Gemeinde Groß-Lichterfelde Stellung dazu zu nehmen. Deren Gemeindevertretung lehnte einstimmig den Antrag auf Aus- gcmcindnng des bezeichneten Geländes ab und drehte ihrerseits den Spieß um, indem sie beschloß, bei den maßgebenden Behörden, unter Geltendmachung namentlich verwaltungstechnischer Gründe, um Ein- gemeindung auch des Dahleiner Teiles des Neuen botanischen Gartens nach Groß-Lichterfelde vorstellig zu werden. In der Wilmersdorfer Gemeindevertretung erfolgte am Montagabend die Einführung des zum besoldeten Schöffen gewählten bisherigen Posener Stadtrats Alfred Peters. Die Versammlung beschloß die noch in diesem Jahre vorzunehmende Asphaltiernng der Regensburger-, Prager- und Nachodstraße und der Südseite des Hohenzollernplatzes sowie der Pfalzburgerstraße zwischen Ludwigsplatz und Düsseldorferstraße und der Pariserstratze zwischen Uhland- und Fasanenstraße; die Kosten belaufen sich auf 253 000 M. Elektrische Beleuchtung sollen die Pragcrstraßc zwischen Nachodstraße und Nürn- bcrger Platz und der südliche Teil der Kaiser-Allee bis zur Fricdenauer Grenze erhalten; ferner wurd�-die Vermehrung der Gasglühlichtlaternen in mehreren Verkehrsstratzen genehmigt. Wegen der Bei- träge und der Anschlußkosten für die unterirdische Entwässernngs- anlage wurde der Erlaß eines Ortsstatuts beschlossen, demzufolge von den Besitzern der bebauten und unbebauten Grundstücke für das laufende Meter Straßenfront ein Beitrag von 60 M. zu den Kosten der Herstellung der Kanalisation erhoben wird. Die von der Kirch- Hofskommission vorgeschlagene Abänderung der Gebührenordnung für die Benutzung der Gcmeindefriedhöfe veranlaßte eine längere Debatte, in der die neuen Sätze namentlich für die weniger be- mittelten Kassen als zu hoch bezeichnet wurden; die Angelegenheit wurde zur nochmaligen Durchberatung dem Finanzausschusse und der Kirchhofskommission überwiesen. Neu- Weißens«. In einer gemeinsckiaftlichcn Sitzung der Gemeindevertretungen von Alt- und Neu-Weißensee wurde nochmals über die Vereinigung der beiden Gemeinden ge- sprachen. Für den Fall, daß der Zeitpunkt der Einverleibung Weißensees in Neu-We,ßensee auf den 1. Oktober 1904 festgesetzt wird, könnten Zweifel oder Unzuträglichkeitcn bezüglich der Be- stcuerung der Angehörigen der Gemeinde Weißensees für die Zeit vom 1. Oktober 1904 bis Ende März 1905 entstehen. Deshalb mußte der§ 5 des Vertrages einen Zusatz erhalten. Es lvar eine weitere Aenderung erforderlich, weil der eingeschobene, im Enttvurf des Vertrages nicht enthaltene Satz:„mit Ausnahme der Grund- stücke der Brauereien, Fabriken, Kirchhöfe, Ballgesellschaften und der Rennbahn" rechtlich unzulässig ist, denn nach§ 20 des Kommnnal- abgaben-Gesepes sind die direkten Genieindesteuern ans alle Pflichtigen nach festen und gleichmäßigen Grundsätzen zu verteilen. Eine heftige Debatte erzeugte der Abschnitt des§ 5, welcher besagt, daß der Taxwert der Alt-Weißenseer Grundstücke auf die Dauer von drei Steuerjahrcn aufrecht zu erhalten ist, welches Privileg vom Landrat ebenfalls beanstandet ist. In namentlicher Abstimmung wurden endlich mit neun gegen vier Stimmen alle Abänderungen angenommen, während die Neu-Weißenseer Vertretung einstimmig dafür war. Der Z 5 des Vertrages lautet nunmehr:„Mit dein Tage der Vereinigung treten in der vereinigten Gemeinde Weißensee die zu diesem Zeitpunkte in Neu- Weißensee geltenden Bestimmungen über die Kommunal- besteneruug und Erhebung von Gebühren, Beiträgen sowie sonstigen össentlich rechtlichen Abgaben in Kraft. Erfolgt jedoch die Vereinigung schon zum 1. Oktober 1905, so bleiben für das Sleuerjahr 1904, also bis zum 31. März 1904, bezüglich der am 1. Ottober 1904 vor- handelten Angehörigen der einzuverleibenden Gemeinde(Alt-) Weißensee die in derselben geltenden Bestimmungen über Kommunal- besteuerung und Erhebung von Gebühren, Beitragen sowie sonstigen rechtlichen Abgabei.�.n Kraft. SericKts-Leitung. Unter der Anklage der„Engelmachcrei" standen gestern Mutter und Tochter, die 61jährige Witwe Friderike Stiller und die Auf- Wärterin verwitwete Caroline Krüger, vor der dritten Straf- kammer des Landgerichts II. Die Angeklagten hatten in Schöne- b e r g eine kleine Wohnung inne, welche sie noch mit einem Schlaf- burschen, dem„Verhältnis" der Krüger, teilten. Frau Stiller hatte die polizeiliche � Erlaubnis, Pflegekinder zu halten, während der Tochter ihrer vielen Vorstrafen wegen diese Erlaubis versagt worden war. Frau Krüger betrieb aber das geschäftsmäßige Halten von Pflegekindern ohne Erlaubnis. Ihre Mutter empfahl sich durch Zeitungsannoncen und wurde vielfach in Anspruch genommen. Als bei der Polizei eine Anzeige einlief, wonach die den Angeklagten an- vertrauten Säuglinge eine„Pflege" genießen sollten, die sie bald ins Jenseits beförderte, wurden Ermittelungen angestellt, wodurch dar- gethan wurde, daß von den Kindern, welche insgesamt bei den An- geklagten untergebracht waren, 36 Proz. gestorben waren. Im Jahre 1893 waren 5 Pflegekinder verstorben und dies soll nach der An- klage auf grenzenlose Vernachlässigung zurückzuführen sein. Zunächst waren es arnie Mädchen, die gegen ein Pflcgegeld von monatlich 15 M. ihre unehelichen Kinder den Angeklagten anvertrauten. Eines der fünf verstorbenen Kinder hatte die Angeklagte Stiller, die übrigen vier ihre Tochter in Pflege gehabt. Bei Beginn der Verhandlung wurden die Angeklagten darauf hingewiesen, daß sie, Ivenn nicht wegen Vorsätzlichkeit, so doch wegen Fahrlässigkeit verurteilt werden könnten. Beide Beschuldigten bestritten, daß sie es an der not- Ivendigen Pflege den Kindern gegenüber haben fehlen lassen, die kleinen Wesen, unter ärmlichen Verhältnissen von unglücklichen Müttern geboren, seien zumeist von zarter und schwächlicher Kon- stitntion und von geringer Widerstandsfähigkeit. Die Aerzte hätten auch in allen Fällen als Todesursache Verdauungsstörung angegeben. Die Belastungszeugen gaben allerdings eine böse Schilderung von den Zu st än den in der Stiller- s ch e n Wohnung. Es soll dort von einer regelrechten Lüftung keine Rede getoesen sein und infolgedessen Lust geherrscht haben, daß darin kaum ein Erwachsener habe aus- halten können. Das Lager, welches den Säuglingen gegeben wurde. sei höchst mangelhaft und unsauber gelvesen und ebenso die Milchflasche, welche dem Kinde ins Bett gelegt wurde. Eine Zeugin hatte gesehen, daß die Angeklagte Frau Krüger einmal in die Windel gespuckt und mit der benetzten � Stelle dem Kinde die Augen aus- wischt habe. Der Waisenrat Götsch bekundete, daß in Schönebcrg das Gerücht ging, die Angeklagten seien Engelmacherinnen. Den Belastungszeugen stellte der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Braß fast ebenso viele Zeuginnen, meist verheiratete Frauen, gegenüber, welche den Angeklagten ein gutes Zeugnis ausstellten und bei ihren Be- suchen in deren Wohnung nie etwas Ugehöriges bemerkt hatten. Auch die Gutachten der Sachverständigen lauteten für die An- geklagten nicht belastend. Der Staatsanwalt erkannte an, daß die Anklage durch die Beweisaufnahme sehr zusammengeschrumpft sei. Er beantrage gegen Frau Stiller Freisprechung, gegen Frau Krüger wegen fghrlässiger Körperverletzung 8 Monate Gefängnis. Ter Gerichtshof erkannte auf Freisprechung beider An- geklagter. Versammlungen. Iii! der Generalversammlung der Freien Volksbühne, die am 30. Juni unter starker Beteiligung in den Jndustrie-Festsälen statt- fand, hielt Herr B a b einen Bortrag über sociale Dramen, der leb- haften Beifall fand. Darauf erstattete der 2. Vorsitzende Vaake den Geschäftsbericht: Dem Fortgang der Kunst oben de stand der durch Weigerung des Magistrats und der Gymnasialdirektoren verursachte Saalmangel im Wege. Doch ist jetzt Aussicht auf Ein- räumung des Bürgersaales im Rathause vorhanden. Die Aenderungen der Organisation haben sich bewährt und bei Vermeidung aller Konflikte zur weiteren Festigung des inneren Zusammenhangs der Mitglieder beigetragen. Ter Stand der Finanzen ist günstig, doch ist angesichts der erheblichen Verteuerung der Aufführungen Vorsicht geboten und nicht jeder Wunsch nach Erhöhung der Dar- bietungen erfüllbar. An Stelle des Lessing-Theaters, das unter der neuen Direktion nicht mehr zur Verfügung steht, wurde das Berliner Theater unter erheblichen finanziellen Opfern ge- Wonnen. Als erste Stücke im neuen Spieljahr werden auf- geführt:„Götz von Berlichingen" im Berliner und Ibsens„Komödie der Liebe" im Metropol-Thcater. Inhaltlich bot das verflossene Jahr so manches Wertvolle; Bernhard Shaws Schauspiel„Frau Warrens Geschäft" hat der Verein zum ersten Mal aufgeführt, in seiner englischen Heimat ist es der Prüderie zum Opfer gefallen. Zur Vorbereitung der künstlerischen Darbietungen haben Vorstand und Ausschuß eine Kommission eingesetzt. Im nächsten Jahr wird die 100. Wiederkehr von Schillers Todestag würdig zu begehen sein. Vielleicht wird es möglich werden, dann den lange gehegten Wunsch einer Aufführung der Neunten Symphonie Beethovens zu verwirklichen. Aenßerlich hat sich die Entwicklung ruhig vollzogen. Das 10. Tausend der Mitglieder ist vollzählig; da eine Vermehrung der bestehenden 16 Abteilungen derzeit nicht ge- plant ist. müssen viele Neuanmcldungen zurückgewiesen werden. Untex lebhaftem Beifall schloß der Referent mit der Hoffnung, daß auch im neuen Jahre das Vertrauen der Berliner Arbeiterschaft dem Verein erhalten bleiben werde.— Der Kassierer W i n k l e r er- stattete den Kassenbericht an Hand einer eingehenden ge- druckten Darstellung. Das Geschäftsjahr(1. April 1903 bis 30. Juni 1904) wies einschließlich eines Saldos aus dem Vorjahr von 8541,30 M. eine Einnahme von 123 064,05 M.(baöiXi 104 025,75 M. aus Beiträgen und Eintrittsgeldern) und an Aus- gaben 113 957.05 M. auf, so daß ein Bestand von 9107 M. verbleibt. Sämtliche 36 Zahlstellen haben ordnungsmäßig abgerechnet. Namens der Revisoren teilt Herr Jonas mit, daß Bücher und Kasse in bester Ordnung seien, und beantragt Entlastung des Kassierers.— In der D i s k u s s i o n bemängelt Dittmer den künst- lcrischcn Wert mehrerer Veranstaltungen des Vereins; Stampfer erwidert namens des Ausschusses. Entsprechend den Wünschen mehrerer Redner beantragt L u p o ck i, den Vorstand zu beauftragen, wegen Freigabe der Philharmonie für künstlerische Veran- staltungen Schritte zu thun. Der Antrag wird von Vaake und Katzcnstein bekämpft und mit großer Mehrheit abgelehnt. Wie Vaake unter Zustimmung der Versammlung feststellt, soll damit dem Vorstand freie Hand gegeben sein, in dieser Frage in der ihm geeignet erscheinenden Weise vorzugchen. Entlastung wird erteilt. Vorstand und Aussichtsrat werden einstimmig en bloc wieder- gewählt; als Revisoren werden Gutscheidt und Jonas wieder-, Königs neugewählt. Die Obleute der Ordner werden gleichfalls en bloc wiedergewählt.— Vaake teilt mit, daß der Vorstand von dem Rechte der Erhebung eines 12. Monatsbeitrages keinen Gebrauch macht.— Der Gehalt des Kassierers wird in bisheriger Höhe be- willigt.— Der Antrag eines vor zwei Jahren ausgeschlossenen Mitgliedes auf Wiederaufnahme wird vom Vorstand befürwortet und einstimmig genehmigt.— Auf eine Frage betr. Opern- Ausführungen teitt Vaake mit, daß Direktor Marwitz alle Vorschläge für Auswahl eines Stückes verworfen habe, so daß ein Abkommen nnthunlich war. Es wird noch bekannt gegeben, daß den in den Zahlstellen verkauften Bons zum Besuch der Morwitz-Oper im Schiller-Theater O. Sonntags einen Zuschlag von 50 Pf. erfordern. Ein Antrag Neher auf Veranstaltung eines Sommerfestes im nächsten Jahr wird dem Vorstand zur Berücksichtigung über- wiesen. Vemrifcbtee. Never den Untergang des Auswandererdampfers„Norge" wird Sus London weiter telegraphisch gemeldet, daß von den Passagieren 129 Personen gerettet wurden und 637 ihren Tod in den Wellen fanden. Ob noch weitere> Boote das Land erreichten, konnte bisher nicht festgestellt werden. Der Kapitän, der sich unter den Geretteten befindet, erklärte, daß sieben Boote entkommen seien. Jedoch wird diese Behauptung von andern Geretteten bestritten. Die»Norge" war mit acht Rettungsbooten versehen, die im stände waren. 200 Personen zu tragen. Drei Boote wurden durch den hohen Wellengang zum Sinken gebracht. Von den Geretteten werden Klagen über die mangelhafte Rettungsausrüstung der»Norge" ge- führt, und wird behauptet, daß die Ncttungsgürtel alt waren. Bei Gebrauchsnahme fielen dieselben auseinander.— Der Rockall-Felsen, auf dem die.Norge" auflief, ist 260 Meilen von der Nordküste Irlands entfernt. Er ist isoliert, hat nicht mehr als 300 Fuß Um- fang und erhebt sich etwa 70 Fuß über den Meeresspiegel. Aus der Ferne gesehen sieht der Felsen wie ein Schiff unter vollen Segeln aus. Die kleine Insel, die der Felsen bildet, wird hier und da von Fischern besucht. Sie war außerdem als Bcobachtungsstation für meteorologische Zwecke in Aussicht genommen worden. Auf dem Wege zum Zukunftsstaat. Die Stadt Opladen (Rhein) ist als körperschaftliches Mitglied dem Bunde deutscher Bodenreformer beigetreten. Der Stadtverordnete R. A. Pütz hat in der betreffenden Stadtverordneten-Versammlung unter Berufung auf die Städte-Ordnung, die dem Stadtverordneten-Kollegium die Behandlung politischer Angelegenheiten untersagt, die Kompetenz der Versammlung, den Beitritt zu beschließen, bestritten. P ü tz hat dann Einspruch gegen den Beschluß erhoben und will ihn im VerwaltungS- ftrert-Verfahren anfechten. Der Protest wurde zu Protokoll ge- nommen. Der Stadtverordnete S ch ö I l e r erklärte sich ebenfalls gegen den Beitritt. Die Bodenreform beruhe auf kommunistischen Anschauungen. Der Zweck des Bundes sei der, schließlich allen Grund und Boden in der Hand der Gemeinde zu vereinigen. Die Satzungen des Bundes bezüglich der Selbstenischätzung und der Kon- fiskation wurden als socialdemokratischer Kommunismus bezeichnet. Mit 9 gegen 6 Stimmen bei Stimmenthaltung wurde die Magistrats- vorläge dann angenommen. Ein Mutostop-Liebhaber ist in Paris in der Person des g7jShrigen deutschen Mechanikers Otto Effler festgenommen worden. Er war erst seit kurzem aus Berlin zugereist und schien sofort von einer solchen Leidenschaft für das Anschauen von photographierten Ecenen erfaßt zu sein, daß er den ganzen Tag hindurch in den ver- schiedenen Mutoskopsälen umherirrte und bald hier, bald dort ein Zehncentimes-Stück opferte, um sein Auge zu ergötzen. Trotzdem die Apparate einen neuen guten Kunden gefunden hatten, nahm die Tageseinnahme immer mehr ab, und so sah sich der Besitzer eines Mutoskopladens veranlaßt, einige gute Kunden zu überwachen: er konstatierte schnell, daß Effler nur deshalb so häufig kam. weil er jedesmal den Inhalt des Automaten mitnahm. Er war in Deutsch- land in einer Fabrik thätig gewesen, wo er den Mechanismus der Automaten genau kennen gelernt hatte, er hatte sich einen Nach- schlüssel angefertigt und so täglich die kleinen Automatenkassen ge- leert. Man fand 200 Frank in Soustücken bei ihm, und er meinte sehr kaltblütig: Wenn er nicht eine so schwere Last mit sich geführt hätte, wäre er ausgerissen und sicherlich nicht eingeholt worden. Schiffsuntergang. Lloyds Agentur meldet aus Port Louis auf Maurittus: Das deutsche Schiff»Konstanzc", von Cardiff kommend, ist gestern in der Nähe der Küste in tiefem Wasser gesunken. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Abermals das Automobil. Infolge eines Automobilunfalles starb heute in Briggleswade(Grafschaft Bcdford) Sir William Rattigan, Mitglied des britischen Unterhauses für Nordost-Lanark, der der Partei der liberalen Unionisten angehörte. Die Gattin des Verstorbenen erlitt bei dem Unfall schwere Verletzungen. Religiöser Wahnsinn. Aus Prag meldet da? Bureau„Herold": Die aus 6 Köpfen bestehende Familien Lenoch und Szech wurden von religiösem Wahnsinn befallen, wobei die 20jährige Tochter Lenochs einen 4jährigen Neffen und eine 7jShrige Nichte in gräßlicher Weise umS Leben brachte. Mit großer Mühe gelang eS der Gendarmerie die Wahnsinnige zu bändigen und sie nach dem Irrenhaus« zu über- führen._ Socialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„DemostheueS�. Morgen Donnerstagabend im Lokale von Hermann Dornbusch. Prinz Eugenstr. 8: ViertcljahrSbericht und DiSkusjionsabend:„Realismus und Idealismus". Gäste willkommen. Schlächter- Gesellen Z Mittwoch, den 6. Juli, abends 9 Uhr: Große Versammlung im„GesellschastShauS Berliner Musiker"(großer Saal), Kaiser Wilhelmstr. 18 m. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Fritz Hubeil über:„Der Nutzen regulärer SlrbeitSverhäiwisse im Schlächter- gewerbe". 2. Protest gegen die Verleumdungen der Meister vor dem kaiscrl. Stattstischen Amt in Berlin. 3. Die neuen Bestimmungen der Behörde über die Stellenvermiltler und Gewerkschastliches. «SitterungSüberstcht»0« r»>"'»«/ worgrn» 8«He Stationen Swincmde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien L g U g II e a -4 I .E 3 8f 762 W 763 SSW 764 1»9k» 765 ID 766 i SO 764! WSW Wetter »K 3$ *11 2* W Sj 4 heiter 3 Regen 4 halb bd 2 halb bd. 2 heiter Icheiter Stationen LS 1| c 5 3 S "-c Havaranda!757 Petersburg 1 757,60 Cork Aberdeen PariS 7S5SW 76660 Vetter tfoi c~ 411. S w& 2ch-Iter 2bcdeckt Ibedeikt IwoUenl IL 1« 14 16 Wetter-Prognose für Mittwoch, den K. Juli 1904. Ziemlich fühl und veränderlich, vielfach wolkig mit etwas Rcgm und mäßigen westlichen Binden. Berliner W e t t e r b u r e a n. Marktpreise von Berlin am 4. Juli. Räch Ermittelungen deS kgl. Polizei-PräsidiumS. Für 1 Doppel-Centncr: Roggen, gute Sorte 13,75—13,74 M.. mittel 13,73-13,72 M., geringe 13,71—13,70 M. ab Bahn. Futtergcrfte, gute Sorte 14,50—13,40 M., mittel 13,30—12,20 M., geringe 12,10— 11,00 M. Frei Wagen und ab Bahn. Hafer, gute Sorte 15,80— 15,10 M., mittel 15,00—14,40 M., geringe 14,30—13,70 M. Frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 0,00—0,00 M. Heu 0,00—0,00 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-28,00 M. SpelsebohiiiN. weiße 50,00-25,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln 8,00—5,00 M. Für 1 Kilogramm: Rindfleisch von der Keule 1,80-1.20 M.. Bauchfleisch 1,40—1,10 M., Schweinefleisch 1,60—1,00 M.. Kalbfleisch 1,80-1,20 M.. Hammelfleisch 1.80—1,20 M. Butter 2.60— 2,00 M. Karpfen 2,40 M.. Slal« 3,00-1,40 M., Zander 3,00—1.20 M.. Hechte 2,40-1,20 M., Barsche 2,00—0,80 M.. Schleie 2,80-1.20 M., Biete 1,40—0,80 M. Für daZ Schock Krebse 16,00—3,00 M. Eier Per Schock 3,60—2,40 M. Wasserstand am 4. JuN. Elbe bei Aussig— 0,47 Meter, bei Dresden— 1,83 Meter, bei Magdeburg-f 0,52 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt+ 1,00 Meter.— O d e r bei Ratibor-s- 0,80 Meter, bei Breslau Ober- Pegel-s- 4,70 Meter, bei Breslau Unter- Pegel— 1,40 Meter.— Weichsel bei Brahemünde+ 2,14 Meter.— Warthe bei Pose» -s- 0,16 Meter.— Netze bei Usch ff- 0,46 Meter. Eingegangene Druchrdmften, Henning Matzen. Die NordschleSwIgsche Optanlenfrage. 204 Selten. Ghldenhaffche Buchhandlung Nordischer Verlag, Kopenhagen. Berein der Lithographen. Steindrucker und landS. Bericht des Borstandes für das Jahr 1903. Georg Eichler, Neandcrstr. 5. BerusSgenoffen Deutsch- 29 Seiten. Druck von Aciil Bauarbeiter Berlins und Umgegend. M!a Verband der San-, 8rd- n. gewerbl Hilfsarbeiter Deutschlands. Donnersta«, den 7. Jnll, abends 8'/, Uhr: Ssuäeputierisn Versammlung im Gewerkschaitshanse, Engel-Ufer 15(Saal 5). Tages-Ordnvng: 1.«ind die bestehenden Arbeitsverhältnisse in«nsrem Berufe verdeflernngSdedürftig und wo- durch können dieselben gebessert werden? 2. Die Notwendigkeit deS Baudeputiertcn-ShfteinS. 3. Verschiedenes. Kollegen I Unsre heiligste Pflicht ist eS, für Verbesserung der augenblicklichen Verhältnisse aus den Arbeits« stellen ganz energisch«inzutreten. Schüttelt die Gleich gülttgkeit ab und sorgt dafür, daß bessere Zustände Platz greisen. Sorgt weiter dasür, daß jeder Bau w dieser Versammlung vertreten ist. Die Bauten, welche vertreten sind, werden in der nächsten Nummer unsreS Organs bekannt gemacht. 33/14 Die Ortöverwaltnng. I. A.: ll. Heidemann. Der Knnysm Kdiergtimbt! Folgende Bäckermeister haben den Tarif schrieben und sind als geregelt zu betrachten: Müllersir. 32, Wwe. Blum. anerkannt und untev Norden. Ackerstr. 171, P. N-ntwIg. Adolsstr. 11. Tennigkelt. Badstr. 37», Schimetzeck. Bernauerstr. 47, Schirweck. Biesenlhalersw. 2, Mensing. Boyenstr. 11, Leopold Jhle. Borstgstr. 18, O. Zschoch. Brunnensw. 41, Hcrm. Sorge. » 95, Hanke. , 8, Th. Mollweide. 56, D. Pirwitz. Durgsdorserstr. 13, O. Kralockwill. Buchholzersw. 16, E. Vogler. Chorinerstr. SS, F. Hanke. Cremmenersw. IS, Adolf Morlok. Danzigerstr. 21, W. Singer. Demmincrstr. 25, Grund. Dunckerstr. 2, Czerwcnt. 78, F. Deinert. Ererzierstr. 19. Koschel. Ewingersw. 86, H. Haff. 97, s. Haff. Genchtstr. 14, Schweml». Gleimstr. 19, Stracke. . 60. Metsch. Graunstr. 22, Dohrmann. » 52. F. Hanke. , 5, B. Schenk. 22, F. Hanke. nzslr. 13. Ziegclski. Grünthalerstr. 61, F. Altrock. 5, P. Jambor. Hochmeisterstr. 20, P. Meyer. Hochftädterstr. 23, P. Jambor. Neue Hochstr. 28, O. Korherr. 24. H. Schulz. Hussitenslr. 43, Kießling. Kastanlen-Allee 46. Bieg. Kolonieslr. 34,(S. Much-. 151, Otto Scheer. Lhnarstr. 4, Kadak. , 14, Pawlick. Liebenwalderstr. 60. Th. OuaSnico. Lortzingstr. 26, F. Hkaue. Lippehnerstr. 2, H. Haff. Maxstt. 17, E. Schulze. Metzerstr. 2, Oderbergerstr. norm. ZeillerS). jinherr. aa, Baldtn. » 21, Wagner. Oubenarderstr. 44, P. König. Pankstr. 42d, K. Göller. Prinzen-Allee 53, Schmidt. 61. H. Mehls. Prwz Eugenstr. 10, O. Senfl. » 16, H. Oswald. , b, Jonschcr. , 8, H. Reiche. Putbuscrstr. 24, Kundt. Ramlersw. 36, G. Haehn. Reinickendorferstr. S4. W. Herverg. 69. Petsch. Rügenerftr. 16, Höhn. RhetnSbcrgerslr. 12, A. Scholz. 26, M. Lorenz. Rhinowerstr. 2, O. Schwienhagen. Rhkestr. 34, E. Vogler. Swmemündcrstr. 54, Paulischeck. » 82, M. Mannet. , 93. Schubert. 74. F. Hanke. Sparrstr. 6. Eisner. Schulstr. ItO. Stritzke. . 25, Th. Schmidt. , 37, Jonscher. 61, P. Krumlach. Schliemannslr. 24, C. Reisewitz. Slargarderstr. 74, F. Hanke. Seestr. 680, A. Mmdt. schönholzerstr. 5, Mittelbach. Schwedterstr. 240, Kurth. TUfiterstr. 77, F. Stahnsdorf. Triststr. 2. M. Förster. Ticcksw. 16. A. Jurke. Tresckowstt. 44, L. Lehmann. , 57, K. Mörschner. Teglerstr. 11, H. Laux. Usedomsir. 4, Stollberg. Utrechterstr. 8, Kerften. Wattstr. 21. F. Riebenstahl jr. Willdenowstr. 29, I. Breier. Wcißenburgerslr. 55, H. Noblling, Wiesenstr. 31, I. Schneemann. Wolga sterstr. 13, Wwe. Dreier. Wollinerstr. 50. Nicol. Weddingstr. 7, H. Brendel. IVorel-vstei». Friedenstr. 67, Ernst Rolle. Myrienburgerstr. 7, W. Seemann. Pallisadcnslr. 58, H. Hecht. Mord»H>stei». Wlclesstr. 59, W. Werdermann. WilhelmShavenerstr, 17, A. MatleS. Vstvn. Krautstr. 25, Freudrnhammer. Stralauer Allee 23, Winnenberg. 8ttd-Osten. Görlitzerstr. 65, Fischer. Reichenbergerstr. 168, Weber. Sorauerstr. 12, A. Jsmer. Glogauerstr. 26, H. Großmann. Kollbuser-Ujer 44, Rabatt-Spar-Ber< «in„Süd-Oft". »tnd»rf. Erkstr. 4, Speisekorn. Hermannftr. 231, Friedrich. Lessingstr. 30. Hoppe. Pannierstr. 16, A. JSmer. Relnleliondorf. Residenzstr. 61, W. Busse. Ober-Schtfnewefde. Wilhelmwenhosstr. 47, Th. Mielke. Manen str. 18. Th. Mielke. RanKow. Schünholzerftr. 7, R. Sehffer. 7«ael. Schloßstr. 27, K. Petcrsohn. Schöncbepg. Zietenstr. 3, R. Hossmann. Hohensriedbergstr. 21, F. Templln. HVelsseiisee. Gäblerslr. 60, W. Engel. Urledrtebsberg. Blumenthalstr. 7, E. Schüllke. kvntrslverdsnüä-r ÄAsurer AeutseMancks RerUn. Sonnabend, den 9. Jvli 1904, in der Kratt-rei Friedrichshai» (Am Königsthor) i Erosses Sommertest"Tk zur Feier des dreizehiiteu Stiftungsfestes, arrangiert vom Centralverband der Mauper(ZwäS£!C Konzert, Theater, Speeialitäten-Vorstellnng. mmmmmmW® Ii Ubr: Kinder- Fackel- Polonaise, bm» Jede« Kind erhalt ein Geschenk. Im grossen Saale von 7 Uhr an: WM" Grosser Ball«"ML Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 4 Uhr an zur Beifügung. Anfang des Konzerts nachmittags 4 Uhr. Billets: Herren Sv Pfennige inklusive Tanz. Damen SS Pfennige. Hierzu ladet olle Freunde, Bekannte und Gönner ein Ras Komitee. Billets stnd in den BerkehrSlokale»»nd im Verbands- Bureau, Engel- User Skr. IS- zn hatzru. Zveigverein Berlin— Bezirk Sehoneberg. Donnerstag, den/, fsuli, abends 8 Ohr, im grossen Grnst Obst, JVIeiningerstr. 8: Saale von KUtglieder-Versammlung. und Tages-Ordnung: Kapital r' 1. Bortrag deS Stadtverordneten Relndolä Küfer über:„Arbeit 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 144/11 Die von außerhalb hier arbeitenden Kollegen werden dringend ersucht, alle zu erscheinen. Eine Broschüre wird gratis verteilt.— Mitgliedsbuch wird abgestempelt. Kollegen! Sorgt für guten Besuch I_ Rle Vcrbandsleltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Bezirk Südost. 86/6 Ettr Beachtung! Die Vertrauensmänner- Versammlung für Südost fällt beute aus. Hausfrauen gebrauchet Kondensierte Alpenmileh Nestle Voller Rahmgehalt._ überall kSuflleh. Villen-Kolonie Kieder- Schönhausen Baustellen in schönster Lage Nieder-SchönhausenS an vollständig regulierten Straßen mit Gas. und Wasserleitung: nur hochliegendes, 1 trockenes Land. PSU E-N. V0N 85 M. NN. �l3L' � Sueliunkl jsäeereit Im gueoao, Kalterweg 3, Nieder-Schönhausen. Die Forderungen durchbrochen resp. zurückgezogen haben folgende Bäckermeister und sind deshalb aus der Liste der Bewilligten zu streichen: Müller Worden. Reinickendorferstr. 67, Ziegler, liefert für solaende Milchhändler: Teglerstr. 18, M. Rocker, Pankstr. 45, Burka, Triststr. 40, Berndt, Müller- straf stra e 97. Aug. Wegner. >t 115, Herm.©eifert. Osten. Gr. Franffutterstr. 129, Treppenhauer. Zorndorserstr. 20, Leichtenberger. Wilhelm Stolzestr. 49, Giese. Ebertystr. 25. Sommerseid. Thärstr- 20. Schwarz. Lercmtw. Redakteur: Paul Büttner, Verlin. Die Verbandaleitung. Bureau: Gipsstr. 58. Telephon Amt HI, 1243. k Neu l Billigste Neu! A äMM. Dampfer-Extrafahrten�H�. von der Michael-Brücke jeden Tag, außer somiabend, vormittaas 9 Uhr. Einlache Fahrt 30 Ps. Nachm. 2 Uhr hi« und zurück»0 Ps. Jeden Sonntagvormiltag 9 Uhr und Nachmittag 2 Uhr nach Woltcrs- dorfer Schlcnse-Schloss mit Musik. Einfache Fahri 50 Ps. Talapli. Amt VII. 2841.__[6375L*]_ R. Tlsmer. Wz-/, Köpnicker Fnndstrnhe 25/26 Haltestelle d.Straßenbahu Siemens u.HalSIe Donnerstag: Kinder-Koftnmfest und Ball. Kaffeeküche tägltch geöffnet.' Scblosspark ffilhelininenhol Oberspree. Station Nieder-Schöneweide. Jeden Sonntag, Mittwoch, Donnerstag: llrozzer LNte-Zall. XsttookIIodo v. 2 Uhr an geöffnet. Ausspannung. Vollesdelustigungen aller Art. Cdr. Fennel.[49122* fegL"* JL Bmbybetu-n kaufe atea direkt noeh FabrikkMa- logaeit« 80/31 toq f. Tretbar, Brian« de» Verlustes meine» Portemonnaies hege ich gegen die Matzsche Familie kewerlet Verdacht. hui«« Stanstrllst, Thaerstr. 6. Kranz- und Kinmenbinderei oon Ii. A. Trothe, Wraugelftr. 11, Markthalle IX Stand 23125«. Eifeubahuftrafte. 4614L NftndKrot 4tBackware « Stck. 10 Ps.) I I 150« Älbrechls Bäckereien: Wrangelstr. 135, Krautstrah« 19, itzatckensteinftr. 28, Laustherftr. 2, Marktballe Pücklerstt., Stand 222/23. Marktballe AndreaSftr., Stand 16/13, Eentrale: Boxhagenerftr. 13. _______ Zu Sommer- und Winterseften halte mein« Lokalitäten bestens empfohlen._____ Zur den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärtz�Vüchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Swger L- Co.. Berlin Nr. 156. 21. Jahrgang. 2. KtilM 9(9 Jatroirts" Serlim MbM Mittlvach, 6. Inli 1904. Was ein Krankenkassen-Bericht lehrt. i. Man schreibt uns aus Handlungsgehilfenkreisen:" Die Durchführung einer umfassenden socialen Krankenfürsorge wird bisher durch die Unzulänglichkeit unsrer Krankenversicherungs- Gesetzgebung gehindert. Dennoch ist es selbst in dem Rahmen des be- stehenden Gesetzes für eine Kasse, deren Verwaltung sich über die socialen Aufgaben der Krankenversicherung klar ist und den guten Willen und die Fähigkeit hat, sie durchzuführen, wohl möglich, Bedeutsames zu leisten. Als Grundbedingung sür diese unsren An- forderungen entsprechenden Leistungen mutz von vornherein festgestellt werden, datz wir das Ziel einer gut geleiteten Krankenkasse nicht nur in der Gewährung ärztlicher Behandlung. Arznei und eines auch noch so hohen Krankengeldes erblicken können. Diese an sich sehr respektablen Leistungen, die auch von jeder privaten Verftcherungs- und Erwerbs- gßsellschaft geboten werden können, dienen im günstigsten Falle nur dazu, dem Arbeiter und Nichtbemittelten die schweren wirtschaftlichen Nachteile, die mit einer Erkrankung verbunden sind, erträglicher zu machen. Damit ist jedoch nur ein Teil der den Krankenkassen ob- liegenden Pflichten erfüllt. Nicht nur im Interesse der Mitglieder, sondern auch im wohlverstandenen Interesse einer mit geschäftlichem Calcul geleiteten Kasse mutz es liegen, die Zahl der Erkrankungen nach Möglichkeit einzudämmen, die Wiederherstellung und Heilung der Erftankten so schnell wie möglich herbeizuführen und dickfällige Er- krankungen zu verhindern. Um diesen Aufgaben zu genügen, müssen die verschiedensten Gebiete erschlossen und eine Fülle von Arbeiten geleistet werden, deren Erfolge zwar nicht sofort offenbar werden, deren Wirkungen aber in absehbarer Zeit die weittragendsten und nachhaltigsten sein werden. Diesen Ansprüchen an eine zweckmähige Leitung der Krankenkassen können nur die berufenen Träger der Krankenversicherungs-Gesetzgebung, die Orts-Krankenkassen gerecht werden. Unsre Auffassung von dem Wirken der fteien Hilfskassen ist mit dieser Darstellung bereits gegeben. Hinzugefügt sei serner, datz die Orts-Krankenkassen neben vielen andren socialpolitischen wert- vollen Eigenschaften vor den fteien Hilfskassen auch den Vorteil haben, als Z w an g s kaffen die Mehrheit der in einem oder mehreren Berufen Erwerbsthätiaen in sich zu vereinigen. Für alle unter- nommenen Mahregeln ist eine breite BasiS gegeben, aus allen Erhebungen können beweiskräftige Schlüsse gezogen werden, alle Aufwendungen geschehen nicht nur zu Gunsten einer begrenzten Zahl an sich wohl besser gestellten Mitgliedern, sondern zum Wohle aller Berufsangehörigen. Kein Berufsangehöriger kann hier von den Segnungen irgend welcher Einrichtungen aus- geschlossen werden, wie bei den fteien Hilfskassen kranke oder schwäch- liche Personen, abgesehen davon, datz besonders eine Reihe von Hilfskassen für Handelsangestellte noch dem Interesse der Gesamtheit widerstrebenden und schädigenden Nebengedanken dienen. Wir haben es uns stets angelegen sein lassen, die socialpolitische Bedeutung der Krankenkassen hervorzuheben und die Mitglieder unsres Ver- bandes haben mit Erfolg versucht, Einflutz in den Verwaltungen der Kassen verschiedener Orte zu gewinnen. Jüngst ist es unfern Mitgliedern in Breslau gelungen, in Verbindung mit den Handelshilfsarbeitern in die Verwaltung der dortigen Kasse einzutreten. lasse III und die Berliner Orts-Krankenkasse DieMünchener Orts-Kranken- für den Gewerbe- betrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker, deren Geschäfts- bericht für das Jahr 1903 wir zum Vorwurf dieser Ausführungen genoinmen haben, zeigen an ihrer Entwicklung und ihren Leistungen was die organisierten Handelsangestellten— Handlungsgehilfen und Handelshilfsarbeiter— in den Verwaltungen socialer Institutionen — geleitet von den von uns dargelegten Anschauungen— geschaffen haben. In die Berliner Kasse sind unsre Mitglieder erst nach Auf- lösung der Orts-Krankenkasse für Handlungsgehilfen und Lehrlinge, deren Leitung übrigens nach dem Urteil der Aufsichtsbehörden mustergültig gewesen ist, eingetreten. In wenigen Jahren gelang es der bald neugeschaffenen Ver- waltung in den Reihen der Berliner Kassen ob ihrer Leistungen und Arbeiten Beachtung zu finden, und der erwähnte Geschäfts- bericht dieser Kasse erbringt von neuem den Beweis, datz die Ver- waltung fähig und gewillt ist, ihre Thätigkeit auf dem ein- geschlagenen Wege folgerichtig und energisch fortzusetzen. Die Kasse zählte am Ende des Jahres 1903 an Mitgliedern 83120, die sich aus 54 121 männlichen und 25 771 weiblichen zusammensetzen. Die im Laufe des Jahres erfolgte bedeutende Zu- nähme von 11 920 Mitgliedern wird von der Verwaltung in erster Linie darauf zurückgestihrt, daß mit dem 1. Oktober vergangenen Jahres für Berlin die Kranken-Versicherungspflicht durch Ortsstatut auf alle Handlungsgehilfen und Lehrlinge, soweit deren Gehalt 2000 M. nicht übersteigt, ausgedehnt wurde. Der Erlaß dieses Orts- statuts entsprach den langjährigen Petitionsforderungen der Kaffe, die unterstützt wurden durch die gleichen Bestrebungen unsres Ver- bandes und ihre wirksame Vertretung in dem Stadtparlament durch die socialdemokratische Fraktion. EineZählung der Mitglieder nachAlters stufen, die am 1. Juli bei einem Mitgliederbestand von 70 295(44 977 männliche, 25 318 weibliche) vorgenommen wurde, bringt für uns nach verschiedenen Seiten hin interessante Aufschlüsse und ergab folgendes Resultat: Zunächst sehen wir aus dieser Tabelle, datz die Zahl der im Handels- gewerbe beschäftigten Personen, die das 30. Lebensjahr zurückgelegt haben im Verhältnis zur Gesamtziffer sehr gering ist. Während 62,40 Prozent männlicher und 66,16 Prozent weiblicher Mitglieder bis 30 Jahre alt sind, darunter 15,65 Prozent männliche und 18,03 werbliche Mitglieder, die 18 Jahre alt sind und jünger, sind nur wenig über ein Drittel der angemeldeten Personen über 30 Jahre alt, und davon stehen nur 17,98 Prozent der männlichen und 15,21 Prozent der weiblichen im sogenannten besten Alter von 30— 40 Jahren. Hier können wir uns nur der Schluß- folgerung des Berichts ananschlietzen, datz die Arbeits- fähigkeit der im H an d els g e w e rb e beschäftigten Angestellten vom 30. Lebensjahre an in bedenk- lichem Matze abnimmt. Die Folgen der Neugestaltung und der Ausdehnung des Handelsgewerbes in seinen verschiedenen Zweigen, als da sind:' intensive Arbeit, hastiges, nervöses Treiben, lang« ausgedehnte Arbeitszeit und andres mehr, treten uns hier in Zahlen- beweisen entgegen. Auch jene Kreise, die mit der Marotte behastet sind, daß Frauenarbeit im Handelsgewerbe verpönt sein müsse, und daß nur jugendliche Mädchen im Handelsgewerbe thätig sind, die im reiferen Alter ihre Stellung aufgeben, vermögen ohne Mühe aus diesen Zahlen nur zu lernen. Briefkasten cler Redaktion. R. R. III. Wenden Sie sich an daS Wöchnerinnenheim, Urbanstr. 38 — Zwei Wettende. Zu Brandenburg.— St. Kalz. Laut Traxx, Traditeur, d'AUemand, Paris 4, 82 rue Saint-Louis en l'Ils. ■Jurirtilcbcr Cell. Sie jilrlstische Eprechstnnde findet täglich«U Ausnahme deS Sonnabends von?>/, bis SV- Uhr abends fiatt. Geöffnet; 7 Uhr. F. F. 106 Moabit. Sie können sich von Ihrem Wirt oder einem andern der Polizei Bekannten aus der Polizei Ihre Identität bescheinigen lassen.— N. U. R. 48. New.— K. 13. Die Miete ist nach den übermeisten Mietsverttägen imFalle der Exmission auch sür die fernere Dauer des Vertrages zu zahlen. Sic müssen in Ihrem Vertrage nachlesen, was darüber scstgesetzr ist. Fehlt eine Festsetzung, so ist nur die rückständige Miete zu zahlen.— Georgine. Ja.— Britz D. 1. In keinem Falle. 2. Ja. 3. Zu der im Vertrage vereinbarten, eventuell zu angemessener Zeit.— R. R. 108. Nein.— Ernst 50. Ihr Neffe hastet nur, ivenn Fahrlässigkeit als vorliegend angenommen wird. Solche scheint allerdings vorzuliegen. Sie haften keineswegs.— E. H. Breslauer. 1. Mmdestens müssen 206 Marken gellebt sein. 2. Die Be« rechnung finden Sie aus Seite 318 bis 320 des in dm öffentlichen Lesehallen auSIiegenden„Arbeiterrechts".— R. A. Ja. — Danzig G. Die Kosten sind zutreffend berechnet.— Krüger, Eh» Der Wirt braucht die Kündigung nicht anzuerkennen. Suchen Sie ihn in Güte dazu zu bewegen.— Betrogen 41. Soweit erfichtlich wären weitere Schritte crsolglos, weil Sie den Beweis nicht führen können.— I. H. 3. Teilen Sie dem Bezirkskommando schriftlich mit: Da ich aus allen Milttärverhälwissen ausgeschieden bin, habe ich einer Order nicht Folge zu leisten. Ich srage an, aus Grund welcher gesetzlichen Vorschrift die Order gegen mich erlassen ist.— Liegt der Sachverhalt so, wie Sie ihn schildern, so haben Sie der Order nicht Folge zu leisten. ßncfkaften der Expedition. ®. M. Die fünfte Auslage ist soeben erschienen. Fsür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Veranttvortnng. Ubeater. Mittwoch, den K. Juli. Anfang 7'/, Uhr: Neues Opern-Dheater. Die Geisha, oder: Eine japanische Theehaus- I zum Herzen. it. Großstadt- Belle-Älliance. Gastspiel von Emil Winter- TymianS größter und bester deutschen Herrengesellschaft: 15 Humoristen und Sänger. Zum Schluß: Auch eine kleine Garnison, oder: Vor und nach dem Zapsenstreich. Ansang 8 Uhr. Schiller«.(Wallner- Theater.) Oberon, König der Elsen. Westen. Mamzelle Nitouche. Neues. Einen Jux will er fich machen. Kleines. Nachtashl. Eentral. Hamlet. Carl Weih. Der Wei Stadt-Dheater Moat z auber. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter« Garten. Edith Helena. 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Juli 1904 SchicKler-«na Neue Fried richsln Ecke. Alles Nähere durch weitere Placateun� Annoncen * Max KUem's Sommer-Theater" Hasenheide 13-15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Dag. IMT Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand ec. 1» den Sälen: Grosser Ball. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Insel Rügen. Hörsaal Dr. Donath;„Radium." � atr. 67/62. Sternwarte lnvaliden Das Bttrenweib, lebend. Der 16jährige Riesenknabe Der lange Josef 217 ctm gross._ Nada und Mnemos,-MW Gedankenleser. Der lielchen f n n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne ExtrarEntree. ) CASTAN S ANOPTICUM Priedriohstr. 165. Die vielbewunderten zusammengewachsenen Schwestern Roaa und Josefa: t k einzig dastehend In der Welt! I ielie-AUianee-Theater. 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Allen Freunden imd Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre Mutter Wlielmme Hagen geb. Beutler am 4. Juli nach schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Juli, nachm. S>/, Uhr aus dem Kirchhos der Heilig Kreuzgcmeinde in Marien- dors statt. 2ö04b Die trauernden Hinterbliebenen. _ Fritz Hagen. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung neiner lieben Frau Anna Schleimann. geb. Abend, sage ich allen Verwandten, Freunden und Be- kannten sowie dem Lottcrieklub.Ein- wtz" meinen herzlichsten Dank. 2514b Otto Schleimann. BTcnhclt! Gesetzlich geschützt. Blitz-Börse mit 4 Zahlstellen übertrifft alles. > Illach 30 täglger Probe Xtetonrnahme!• Frei ins Haus gegen Einsendung von 1,20 M.(auch Briefmarken), Nachnahme 20 Pfennig mehr. �Ur bei nns zn haben. Blitz-Börse führt die Geldstücke selbstthätig vor Augen, ein Herausfallen oder Verwechseln des Geldes rein unmöglich. 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Der Leser sieht wie das Papsttum entsteht und wie eS den Gipfel seiner Macht, bis zur Welt- Herrschast ersteigt, bis�die wach- Das Werl ist ein dauern- des, wertvolles PildunaS- mittel für die deutsche Ar- beiterllasse. Dr. Simtnel, Specialarzt für[13/8* Haut- und Harnleiden. 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12 2— 4. Verband der SKobelpoUerer. AM- Der Arbeitsnachweis für Südost und Rixdorf befindet fich nur beiTzschacksch.Naunynstr. 6.(Telephon- Amt IV Nr. 5729.) Bei Mohn, HeinrichSplah, wird Arbeit sür Möbelpolierer nicht mehr vermittelt. Es ist Pflicht aller Kollegen, ihre Arbeitgeber aus obiges sofort auf- merksam zu machen. 146/20» Ber Torstand. Grosse 7reiburger Dotnbau-Merie. Zlehnng 6.-9. Juli 1004. Haupttr.: lOO OOO, 40 OOO, SO OOO. lO OOO usw. 5344L* Orig.-Lose 3.30 J. Raehor, kouÄ, Mainz. Waldemarstr. 75. Saal bis 400 Personen an einigen Sonnabenden unter coulaute« Be- dingungen zu vergeben. Großes BereinSzimmer bis SO Personen frei. 57522 Bon der Reise zurück. 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