Kr. 157. Bbonnemenfs-Bedtngungen- ItJonncmentS- Preis prknumerando i Bierteljährl. 3,30 SW, monatL 1,10 m, wöchentkch 28 Pfg. frei inä Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg, Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat: Eingetragen in die Post-ZcitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn L Marl, für daS übrige Ausland L Marl pro Monat. 81. Jahrg. CriAelot tiigllch auCtr Dlootagt. Vevlinev Volksblslkk. Die TnTertlons'Gebflbr lictrügt für die sechsgespaltene Kolonel» geile oder deren Raum.0 Pfg., für politische und gewerlschafMche Vereins- und Versammlungs-Slnzeigen 2S Pfg. „RUtne Hnzetgtn", das erste(fett» gedruckte) Wort 10 Pfg., jedeS weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag« geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sulaldemelint sserU»". Zentralorgan der fozialdemokrattfchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstrasac 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. I»8Z. Donnerstag den 7. Juli 1904. Expedition: SLll. 68» Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Sächsische Fabrikinspektion. Nichts kennzeichnet den Geist in der sächsischen Gewerbeaufsicht, deren Berichte über das Jahr 1S03 dar kurzem an die Oeffentlichkeit gelangten, deutlicher als die dürftigen Angaben über Arbeiter Verhältnisse auf der einen und die umfangreichen Aufzählungen der sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen auf der andren Seite. Fabrik Sparkassen, Bettelsuppengaben bürgerlicher Vereine, Veranstaltungen evangelischer.Arbeiter" werden sorgfältig aufgeführt und um- fänglich geschUdert, die Thätigkeit der gewerkschaftlichen Organi sationen, die Wirksamkeit ihrer Unterstützungseinrichtungen wird kaum erwähnt, und wo es vereinzelt geschieht, giebt man arbeiterfeindliche Aeutzerungen von Unternehmern wieder oder spricht von„im socialdemokratischen Sinne" geleiteten Gewerk schasten. So hält es z. B. der Wurzener Beamte, der sonst kein Wort für die Arbeiterorganisationen hat, für nötig, die Redensart eines Stembruchsbesitzers wiederzugeben, durch das Anwachsen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sei das bisher gute Verhältnis zwischen den Steinbruchsbesitzern und den Arbeitern ungünstig bfr einflusit worden. Die zahlreichen und bedeutenden Arbeiter-Konsum« vereine, die in Sachsen für die Lebenshaltung der Atbeiter sehr in Betracht kommen, werden nur selten erwähnt und die wenigen Angaben sind oft noch mit Mittelstands retterischen Bemerkungen gespickt. Eine starke Abneigung gegen alle selbständige Regung der Arbeiterklasse spricht aus den diesjährigen Berichten der sächsischen Fabrikinspektoren; man schweigt diese Re gungen tot oder äußert sich darüber in zumeist abfälliger Weise. Auch Angaben über die Lebenshaltung und die Gesundheitsverhälk nisse der Arbeiter finden sich nur vereinzelt und soweit solche ein. geflochten find, zeugen sie von wenig socialpolitischer Einsicht. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, daß die Arbeiter kein Vertrauen zu den Gewerbe-Auffichtsbeamten haben und der Arbeiterverkehr auf den Expeditionsstellen nur ein sehr geringer ist. In Chemnitz sind beispielsweise im Berichtsjahre nur IS Arbeiter auf dem Bureau des Beamten gewesen, dagegen L20 Unternehmer; in Meißen waren von 67 vorsprechenden Personen nur 10 Arbeiter, in Freiberg rtschienen 15 Arbeiter an Expeditions stelle und 34 andre Personen. Die Mehrzahl der Beamten gehen mit konventionellem Schweigen über den heiklen Punkt hinweg. Etwas besser als im allgemeinen ist das Verhältnis in Annaberg und Aue. Im ersteren Orte erschienen 163 Unternehmer und IIS Arbeiter, im letzteren 131 Unternehmer und 109 Arbeiter. Recht bezeichnend ist, daß der Beamte in Aue den Vertrauensmann der Metallarbeiter, der mit andern Arbeitern Beschwerden vorbrachte, mit der Bemerkung hinauSgewiesen hat, er sei nicht Arbeiter seines Bezirks. DaS war allerdings auch nicht der Fall, aber die von dem Ver- trauenSmanne im Auftrage andrer vorgebrachten Beschwerden be- trafen doch Betriebe des Bezirks Aue, und darauf kam eS doch an. Sonst geht allerdings aus den Berichten hervor, daß man auch Be- schwerden von Gewerkschaftskartellen und Vertrauensleuten der Gewerkschastsorganisationen entgegengenommen und verfolgt hat; vereinzelt hat man auch Arbeiterversammlungen besucht und ist den dort vorgebrachten Beschwerden über Mißstände in Betrieben nachgegangen. DaS eben gekennzeichnete Verhalten der sächsischen Fabrik- inspektoren liefert uns das Verständnis dafür, daß die in jedem der fünf Regierungsbezirke eingesetzten weiblichen Vertrauens- Personen nur wenig oder gar nicht von Arbeiterinnen in An- spruch genommen worden sind. Diese weiblichen Vertrauenspersonen sind in der Hauptsache darauf angewiesen, zu den festgesetzten Bureaustunden zu warten, bis Arbeiterinnen mit Beschwerden kommen. Soll eine solche, übrigens völlig verfehlte Einrichtung nur einigermaßen funktionieren, so ist die Vorbedingung dazu ein großes Vertrauen der Arbeiterinnen zur Fabrikinspettion über- Haupt. Das aber fehlt in Sachsen fast ganz. Die Folge ist, daß in den Regierungsbezirken Bautzen, Chemnitz und Zwickau die weiblichen Vertrauenspersonen gar nicht in Anspruch ge- nommeu worden find. In Leipzig sind 4 Arbeiterinnen mit Be- schwerden und sonstigen Anliegen erschienen, nur in Dresden war ein leidlicher Verkehr zu verzeichnen: hier erschienen gö Arbeiterinnen, außerdem waren noch 11 schriftliche Eingaben zu erledigen. Die sächsische Regierung scheint aber jetzt selbst eingesehen zu haben, daß die Einrichtung in der jetztigen Form völlig verfehlt ist; es werden demnächst statt der Vertrauenspersonen wirkliche weibliche Fabrikinspektoren angestellt werden. Die Vertrauens- Personen in Leipzig und Dresden haben übrigens jetzt schon die Befugnis erhalten. Betriebe mit vorwiegend weiblicher Arbeiterschaft zu revidieren, das ist ailch geschehen. Bei dieser Thätigkeit wurde der Vertrauensperson in Leipzig der Eintritt in eine Rüschenfabrik verwehrt. Der Fabrikant ist dann durch die Polizei belehrt worden. Die Aeutzerungen der Fabrikinspektoren über die Geschäfts- k 0 n j u n k t u r gehen übereinstimmend dahin, daß die Krise über- wunden und 1903 wieder ein Aufleben der gewerblichen Thätigkeit zu bemerken gewesen sei. Diese Behauptungen scheinen zwar durch die in den Berichten mitgeteilten Resultate der Fabrikarbeiter- Zählung im allgemeinen eine Bestätigung zu erhalten; es ist daraus andrerseits aber doch auch zu erkennen, daß sich einige Berufe noch im Stadium der Geschäftskrise befinden. Es betrug danach in Sachsen die Zahl der: lMO 1902 1903 sämtlichen in Fabriken beschäftigten Arbeiter........ 643 343 545 479 563 130 erwachsenen männlichen beschäftigten Arbeiter........ 346 613 335 565 350 703 jugendlichen und weiblichen beschäf- tigten Arbeiter...... 201 755 209 914 217 422 Danach erscheint der Rückgang von 1900 bis 1902 wieder aus- geglichen, aber die Steigerung der beschäftigten Arbeiter entspricht noch nicht dem Anwachsen der Bevölkerungszahl. Aus den obigen Zahlen ergiebt sich aber auch noch die interessante That- fache, daß in der Zeit der Krise der erwachsene männli'che Arbeiter durch die billigere Frau und den billigeren jugendlichen Arbeiter ver- drängt worden ist. Während von 1900 bis 1902 die Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter um 11053 zurückging, stieg die Zahl der Frauen und jugendlichen Arbeiter um 3359. Und von 1900 bis 1903 beträgt der Zuwachs der männlichen Arbeiter nur 4090, der der Frauen und jugendlichen Arbeiter aber 15 667. Daß sich daS Aufleben der gewerblichen Thätigkeit nicht auf alle Berufe erstreckt, zeigen folgende Angaben über die Zahl der Arbeiter in der: 1900 1902 1903 Maschinenindustrie....... 76 212 63 062 70 798 Industrie der Steine und Erden.. 28 232 25 196 24 909 Metallverarbeitung....... 27 959 25 892 26 885 Textilindustrie....... 64 722 68 065 71 816 Industrie der Holz- und Schnitzstoffe 26 612 25 900 26 813 Abgesehen von der Textilindustrie hat noch keiner der an- geführten Berufe den Verlust der Krisenjahre eingeholt, ja in der Industrie der Steine und Erden ist sogar die Arbeiterzahl von 1902 bis 1903 zurückgegangen. Die Arbeitslöhne sollen im allgemeinen dieselben ge- blieben sein, vereinzelt wird über Lohnsteigerungen, andrerseits aber auch über Lohnherabsetzungen berichtet. Nach dem Be- richte des Leipziger Beamten sind die Löhne nur dort ge- wachsen, wo durch das Borgehen der Arbeiter eine Erhöhung erzielt worden ist. Da die Lebensmittelpreise zum Teil gestiegen sind, ist die Lebenshaltung der Arbeiter im all- gemeinen eher schlechter als besser geworden. Das wird auch von dem Annaberger Beamten bestätigt, der also aus seinem Bezirke be- richtet:„Wenn auch der gegen das Vorjahr lebhaftere Geschäfts- gang in fast allen Industriezweigen des Bezirks auf die Lohnverhält- nisse günstig einwirkte, so haben doch die hohen Fleisch- preise in Arbeiterkreisen die Ernährungsweise nachteilig beeinflußt, wohl auch den Fleisch- verbrauch gemindert". Im Bezirk Aue sanken die Stunden- und Stücklöhne in der Schiffchenstickerei wesentlich herab; ähnliches wird auch aus der Stickerei-Jndustrie des Bezirkes Platten gemeldet. Umfassendere Nachweise über die Löhne liegen aus den Weberdistrikten in der Lausitz vor. Danach betragen in Cunewalde, OberkunnerSdorf, Ostritz, EberSbach und Seifhennersdorf die höchsten W e b e r l ö h n e der männlichen Arbeiter 690 bis 850 M. im Jahre, die mittleren 450 bis 500 und die niedrigsten 286 bis 406. In Zittau und Grotzschönau be- tragen die niedrigsten Löhne 400 bezw. 250 M., die mittleren 560 bezw. 684 und die höchsten 1200. Noch ungünstiger erscheinen die Lausitzer Weberlöhne in den Arbeiterbudgets dreier als be- sonders wirtschaftlich bezeichneten Weberfamilien in Reichenau. Danach verdienten im ersten Falle seine Familie mit zwei Kindern) Mann und Frau zusammen im Jahre 1136 M., nach der zweiten Aufstellung(Familie mit einem Kinde) Mann und Frau zusammen 905 M. und nach der dritten Ausstellung(Familie ohne Kinder) bettägt der Gesamtverdienst von Frau u�n dZM a n n 859 M. im Jahre! Die U n f a l l z i f f e r ist fast in allen Bezirken größer geworden. das wird in den Berichten durch die Zunahme der Arbeiter erklärt. Nach einer Berechnung des Bautzener Beamten hat die Maschinen- industrie die meisten Unfälle, nämlich 6,5 Proz. der beschäfttgten Arbeiter; es folgen dann die Nahrungsmittel-Jndusttie mit 4,20 Proz., Industrie der Holz- und Schnitzstoffe mit 4,19 Proz., Industrie der Steine und Erden mit 3,32 Proz. Die geringsten Unfälle hat die Texttlindusttie mit 0,99 Proz. Der Beamte des Zittauer Bezirkes hat die Unfälle auf Tage verteilt und folgendes Bild erhalten: Montag 70 Unfälle, Dienstag 64, Mittwoch 74, Donnerstag 61, Freitag 73, Sonnabend 78, Sonntag 13 Unfälle. Auffällig ist die große Zahl der Unfälle an den Sonnabenden; höchst wahrscheinlich ist sie durch das leidige Putzen der Maschinell während des Ganges zu erklären. Diese Aufstellung zeigt überdies, daß die oft vorgebrachte Behauptung, der Montag habe die höchste Unfallziffer, nicht stichhaltig ist. Bei der Einführung der Arbeiterschutz-Besttmmungen für Stein- brüche stießen die Gewerbebeamten oft auf Widerspruch der Unter- nehmer; mehrfach sind Strafen deswegen verhängt worden. Ver- stoße gegen die Sonntagsruhe und die Bestimmungen über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Frauen waren sehr zahl- reich, Strafen aber sind verhältnismäßig selten ausgeworfen worden. Von 2291 Uebertretungen der gesetzlichen Bestimmungen für jugend- liche Arbeiter wurden nur 54 bestraft, von 546 Verstößen gegen die Bestimmungen für die Fauenarbeit nur 12. Die Strafen sind un- verhältnismäßig niedrig. Sie betragen 1 bis 20 Mark, nur ver- einzelt sind Strafen von 30 und 50 Mark und nur in einem Falle eine solche von 300 Mark vorgekommen. Ausnahmebewilligungen für SonntagSarbeit sind in großer Zahl verfügt worden. Für i960 Arbeiterinnen wurden 835 906 Ueberstlinden bewilligt, Sonntags- arbeit wurden für 13188 Arbeiter 143 923 Stunden genehmigt. Von 558 Gesuchen letzter Art wurden nur 32 zurückgewiesen. Von den 13 803 versicherungspflichtigen Bettieben wurden 13 552 revidiert, darunter eine Anzahl zwei- und mehrmal. In einigen Bezirken wie Annaberg, Döbeln und Würzen konnten sämtliche Be- triebe revidiert werden, darunter eine Anzahl mehrmals. Das ist ein günsttges Ergebnis. Es konnnt aber nicht allein auf die Zahl der Revisionen an; ausschlaggebend ist vielmehr, wie revidiert wird. In dieser Hinficht bleibt aber gerade in Sachsen viel zu wünschen übrig._ politilcbe Qebcrrtcbt. Berlin, den 6. Juli. Die vadische Wahlrechtsreform vor der Ersten Kammer. Man schreibt uns aus Karlsruhe in Ergänzung unsrer gesttigen Depesche: Vollzählig waren die Mitglieder der Ersten Kammer erschienen. da eS der Verfassungsänderung galt; selbst die Standesherren, die Jahrzehnte und länger sich nicht hatten sehen lassen, waren herbei- geeilt. Der Berichterstatter Frhr. v. Göler erinnerte kurz an den Verlauf der bisherigen Wahlrechtsbewegung; er führte aus, daß bis vor sechs Jahren Regierung und Nationalliberale noch darin einig gewesen seien, daß das direkte Wahlrecht nicht ohne Kautelen gegeben werden dürfe. Man könne es demnach auch der Ersten Kammer, die nicht so auf Volksstimmuitgen Rücksicht nehmen inüsse wie die uationalliberale Partei, nicht verübeln, daß sie auch jetzt noch an solchen Kautelen festhalte. Man wolle zugeben, daß die Kautelen nicht in dle ZweiteKammer gelegt werden, dafür müsse aber an der Erweiterung des Budgetrechts für die Erste Kammer festgehalten werden. An sich hält der Berichterstatter die Einführung des direkten Wahlrechts nicht für nötig und nicht für wünschenswert. Nöttg sei es nicht, da der Landtag jetzt schon ein„getreues Spiegelbild" der Volksstimmung gewesen sei.(Das ist heilloser Unsinn: die Social« demokraten haben mir 72 000 Stimmen 6, die Natlvnalliberalen mit 103 000 Stimmen 24 Abgeordnete I) Wünschenswert aber sei das direkte Wahlrecht nicht, weil sonst die Socialdemokratie zuviel Ueber- gewicht gewinne. Hier wiederholte der Redner sein Schauergemälde über die Socialdemokratie, das schon aus dem schriftlichen Bericht iviedergegeben wurde. Es sei auch die Verstärkung der Ersten Kammer durch Vertreter des Handels und Handwerks nicht allzu fteudig begrüßt worden, aber man habe alle diese Bedenken zurückgestellt und sich bereit erklärt, an der Wahlreform mit- zuarbeiten, jedoch müsse unter allen Umständen an einer Erweiterung der Rechte der Ersten Kammer festgehalten werden. Schon jetzt könne gesagt werden, daß, wenn die Zweite Kammer nicht auf eine Gleichstellung der Ersten Kammer mit der Zweiten im Hinblick auf die Einzelpositionen des Budgets und der Finanzgesetze eingehe, dann die Erste Kammer ihre Zustiinmung zu der Reform nicht geben werde. Miiiisterpräsivrnt v. Brauer erklärt namens der Regierung, daß dieselbe mit den von der Kommission der Ersten Kammer vor- genommenen Aenderungen: Stellverttetung für Standesherren und Kirchenvertreter, Strich des Städteproporzes, Vermehrung der durch den Großherzog zu ernennenden Mitglieder einverstanden sei. Das alles seien keine ausschlaggebenden Fragen bei der Reform. Viel wichtiger sei die Frage des Budgetrechts. Mit großem diplomatischem Geschick sucht nun der Ministerpräsident den„durch- lauchtigsteil und hohen Herren" klar zu machen, daß sie doch eigent- lich schon recht viel bekommen und daß sie unbeschadet ihrer Würde zugeben könnten, daß die Zweite Kammer bei Meinungsverschieden- heiten über Butgetpositionen zuletzt maßgebend bleibe. ES sei ja der Erstell Kammer in Bezug auf finanzielle Dauergesetze (z. B. Steuergesetze:c.) volle Gleichberechtigung zugestanden, was früher auch nicht der Fall gewesen. Mit einem Apell an die Vater- landsliebe der Herren schloß der Minister. Geh. Rat Lewald, Präsident de§ Verwaltungsgerichtshofes, legt dar, daß die Verfassungöreform-Vorlage in der Kommission der Ersten Kammer zunächst keine günstige Aufnahme gefunden habe. Die Gesamttendcnz der Reform habe keinen Anklang gefunden, man wollte das direkte Wahlrecht nicht. Auch der Gedauke, die Erste Kammer auf volkstümlichere Grundlage zu bringen, habe keinen An- klang gefunden. Der Einwirkung der Regierung sei eS zu danken, daß trotzdem die Reform in Angriff genommen worden sei. Redner selbst hält den Regicrungsentwurs für eine sehr taugliche Grund- läge; er stehe nicht an, das direkte Wahlrecht zu begrüßen, er seil auch von der Notwendigkeit seiner Einführung überzeugt. Er wolle nicht dem Berichterstatter folgen und tausendmal Gesagte? wieder- holen, aber so viel stehe fest, daS indirekte Wahlrecht sei zur leeren Form geworden, deren Tage ohnedies gezählt seien. Du Wähler seien mündig, man soll sie nun auch für mündig erklären. Redner fährt fort: Ich gehöre nicht zu denen, die eS beklagen, daß das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht zum Reichstag ein- geführt ist, ich halte das vielmehr für eine Großthat Bismarcks. Ich beklage auch nicht, daß Socialdemokratcn dadurch in de» Reichs- tag grkonimcn find, die Volksvertretung würde ein unvollständiges Bild geben, wenn keine Socialdemokratcn darin wären; ebenso finde ich die Schilderung, welche der Berichterstatter von den Tendenzen dieser Partei gab, allzu düster. Die Mitarbeit der Social- demokratie ist vielmehr zu begrüßen, sie wirkt erzieherisch auf sie ein.(Umgekehrt ist es auch richtig! Diese Mitarbeit hat auch schon sehr erzieherisch auf unsre Gegner eingewirkt.) Redner geht dann im einzelnen auf den Entwurf ein. Er ist in vielen Punkten mit dem Entwurf der Zweiten Kammer einverstanden, bedauert aber die Verschlechterung des Wahlrechts zur Zweiten Kammer. Die Steuerrestanten- Bestimmung wie die Karenzzeit gefallen ihin nicht und er müsse anerkeimen, daß in der Zweiten Kammer viel Berechtigtes gegen diese Beschränkungen gesagt worden sei. Im übrigen bringt er die staatsrechtlichen Bedenken zum Aus- druck, welche neuerdings Gegenstand der Zeitungserörterungen sind und Ivelche die Bestimmung über die Karenzzeit für den. der die Staatsangehörigkeit erwirbt, als im Widerspruch stehend mit Artikel 3 der Reichsverfassung betrachten. In Bezug auf das Budgettccht geht er mit der Kommission völlig eimg; die Erste Kammer solle nicht nur eine Stütze der Regierung sein und darum müsse sie innerlich völlig unabhängig und selbständig sein. Dazu gehöre aber die budgetrechtliche Gleichstellung mit der Zweiten Kammer. Zum Schluß erklärt sich Redner gegen jede Ausgaben-Jnitiative der Kammern und für die preußische Sicherung der Einnahmen, das heißt eine Bestimmung in der Verfassung, wonach Steuern und sonsttge Einnahmen so lange erhoben werden können, bis ein Gefetz andres bestimmt.(Lewald ist das Mitglied der Ersten Kammer, das erst die Berichterstattung über die Wahlreform übernehmen sollte. wegen der schlechten Aufnahme der Vorlage aber das Amt nieder- legte.) Kommerzienrat Sander, ein Großindustrieller, stellt sich ganz auf den Boden des reaktionären Berichterstatters und hält eine Rede gegen die Socialdemokratte, die ihm zu internattonal ist. FSrst Löwenstcin- Wcrthcim- Nosciiierg wünscht, datz die Erste Kammer unabhängig nach oben und unten sein möge. In der Special- diskussion plaidjert dieser höchst internationale Standesherr, der auch in Oesterreich Besitzungen hat und gut Bescheid mit dem berühmten§ 14 weiß, für berufsständische Vertretung. Um damit einen Anfang zu machen, beantragt er, außer verschiedenen Berufs- Vertretern auch den gestrichenen Arbeitervertreter wieder in die Vorlage aufzunehmen. Der Antrag wird von keiner Seite unterstützt. Es giebt eine ziemlich lebhafte Specialdcbatte, doch wird an der Vorlage, wie sie aus der Kommission der Ersten Kammer gekommen. nichts geändert. Einige Professoren sind gegen das Stellvertrctungs- recht der Standesherren, da sonst der Adel und Großgrundbesitz die andern Mitglieder erdrücken. Fürst Löweiistcin-Wcrtheiin-Frcndcnlicrg verteidigtes sehr lebhaft; er sei zugleich Mitglied der Herrenhäuser in München und Stuttgart und könne doch nicht immer auf der Reise liegen. Den Einwand, daß es differierende Interessen der einzelnen Bundesstaaten gebe, will er nicht gelten lassen. Dieser Redner verlangt bei andrer Gelegenheit, daß die Erste Kamnier nur aus erblichen und auf Lebenszeit ernannten Mitgliedern bestehe, damit die Unabhängigkeit gegen die Krone wie gegen etwaige„Wähler" gewahrt bleibe. Eine Auflösung der Kammer, weil sie der Krone nicht genehm ist, dürfe es nicht geben, denn die Kammer soll»nicht der Willkür der Regierung" ausgesetzt sein. In der B u d g e t f r a g e spricht sehr nachdrücklich Professor Buhl- Heidelberg im Sinne der Ersten Kammer; die Herren Gelehrten fühlen sich offenbar geniert, weil das„Herrenhans" in dieser Beziehung zu wenig zu sagen hat. Die Standesherren dachten wesentlich materieller, der Fürst Löwenstein- Freudeubcrg führt als warnendes Exempel Stuttgart an, wo die Herren auch nicht viel zil sagen hätten. Man solle die Hand ans die Klinke der Gesetzgebung halten, bannt bei einer künftigen Steuerreform die Progression nicht zu hoch werde. Hier mitzubestimmen dürfe sich die Erste Kammer, der große Besitz, nicht nehmen lassen. Schon der Berichterstatter hatte diesen demagogischen Trick probiert, er malte die Konfiskation des Vermögens durch hohe Steucrprogression an die Wand nnd sprach davon, daß in der Zweiten Kammer die Masse über den Geldbeutel der Auserwählten verfüge. Bei dieser Stimmung war es gar nicht notwendig, daß der Minister Schenkel ganz im Gegensatz zu v. Brauer die Herren- Häusler noch scharf zu machen versuchte,»natürlich unter dem Schein, zum Frieden zu reden. Die Reform wurde in der Fassung der Konimission mit allen gegen die Stiinme des Anhängers der Berufsstände angenommen.— Mirbach. Geht er oder geht er nicht?— Dies gewichtige Problem erörtern die Zeitungen. Der»Berliner Börsen-Conricr" will wissen: er geht, und schon ist in der Person des Vice-Ceremonienmeisters v. d. Knesebeck der Nachfolger des Oberhofmeisters erkoren. Auch die»Deutsche Tageszeitung" glaubt zu wissen, daß„manche dem Oberhosineister nahestehende Krci�" niit ihm„derselben Auffassung über die notwendigen Konsequenzen der Enthüllungen der letzten Zeit sind." Aber das Residenzblatt des Oberhofmeisters, das„Pots- damer Jntelligenz-Blatt" weiß es anders. Es ist ein Labsal ohne gleichen, zu erfahren, daß das Blatt des Frhrn. v. Mirbach sich �.Intelligenz"- Blatt nennt. Dieses„Jntelligenz-Blatt" also, das„von beftinformiertcr Seite" unterrichtet sein will, erklärt, Freiherr v. Mirbach drnke gar nicht daran, sein Entlassunasgesnch einzureichen und es liege auch keine Veranlassung zu diesem Schritte vor. Danach wären die ErkrankungSmeldungen falsch oder verfrüht. Allerdings: Der Kaiser ist znr Zeit abwesend und geht bald in die Erholung der Nordlandsreise, so daß ihm wohl vorläufig der Fall Mirbach nicht vollständig vorgelegt werden kann. Für u n s r e Beurteilung des Falles bleibt es natürlich neben- sächlich, ob der Freiherr die Obcrhofmeisterei fortbetreibt oder ob er geopfert wird und seine Methode bleibt. Zunächst, so erzählt das Potsdamer Blatt weiter, hält der Frei- Herr in Potsdam kirchliche Sitzungen ab.— „Post"-Orden. Ein Gönner sendet uns einige Nummern des„ZeitungS- v e r l a'g", des Fachorgans der deutschen(bürgerlichen) Zeitungs- Verleger. In jeder Nummer findet sich ein blauer Strich und jeder Strich soll uns offenbar beweisen, daß die„Post" von Jahr zu Jahr mit dem wachsenden Verbranch von krinnnell bewährten Gcntlemen thatsächlich immer vornehmer geworden ist. Wir geben die lustigen Notizen nach der Zeitfolge wieder: I. Dem Chefredakteur der.Post", Herrn W. KronSbein, wurde vom Sultan der Großherrlich Türkische Osmanie-Orden verliehen. (Der»ZeitungSverlag" vom IS. Januar 1901.) „Einige Zeit vorher hatte die„Post" die zusammen- brechende Pommernbank im Sinne des Frhrn. v. Mirbach verteidigt. Vielleicht hat dies Verdienst den Sultan gerührt. Denn auch» der Sultan weiß dock, offenbar.„wozu man das giebt".—»In der Türkei nennt man das Vackschich". II. Der Chefredakteur der„Post", Herr Wilhelm Kronsbein, ist von der Universität Heidelberg zum Dr. phil. promoviert worden. Ferner wurde Herrn Dr. Kronsbein vom König von Serbien das Komthur- kreuz deS heiligen Smm-Ordcns verliehen.(20. Juli 01.), Den, Verdienste um die Türkei gesellt sich jetzt daS Verdienst um die Wissenschaft, die man in Heidelberg an- erkennt, und das Verdienst um den König von Serbien. Den armen König Alexander und seine Draga hat selbst diese opfermutige Belohnung der serbischen„Post"-Trene nicht vor dem Schicksal retten können, von den Offizieren grausam abgeschlachtet zu werden. m. Dem Chefredakteur der.Post", Dr. Wilhelm KronSbein, ist von, Kaiser von Oesterreich das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen worden.(10. April 1903.) Welche der verschiedenen Nationen der Habsburgischen Monarchie der„Post" Förderung verdanken, läßt sich aus der Auszeichnung nicht erkennen. Aus der nachfolgenden Notiz ergiebt sich, daß man Ungarn in Verdacht ge- habt hat. IV. „Herr Dr. Kronsbein hatte nicht nur den Redakteur, sondern auch den Verleger und Drucker der„Eisl. Ztg." zu belangen ver- sucht, ein Verfahren, daS schon Entrüstung hervorruft, wenn es vom Staatsanwalt amtlich angewandt wird. DaS Borgehen des Re- daktcurS und BcrlagSvertrrterS Dr. KronSbein bedeutet eine Bcr- leugnung eines wohlbcgründeten journalistischen Grundsatzes und verdient die Mißbilligung aller Kollegen."(4. Juni 1903.) So urteilt das bürgerliche Fachorgan über die journa- listischen Sitten der„Post". Das EiSlebcner Blatt hatte angedeutet, die„Post" sei von den Magyaren gekauft. V. In dem Beleidigungsprozeß des Chefredakteurs der„Post", Dr. Kronsbein, gegen den Chefredakteur der„Eislcbener Zeitung", Zweck, ist der letzte Termin auf Antrag der Anivalte beider Parteien aufgehoben worden. Der Rechtsvertreter Dr. Kronsbeins hatte eine dem Beklagten nahestehende Persönlichkeit ersucht, auf einen Ver- gleichsabschluß hinzuwirken. Daraufhin eingeleitete Vergleichs- Verhandlungen scheiterten an der Weigerung des Beklagten, eine Ehrenerklärung abzugeben.— Der Prozeß ist erwähnenswert, weil hier ein Mitglied der Presse(!) gegenüber einem Kollege»(!) de» „fliegenden Gerichtsstand" ausnutzt.(29. Oktober 1903.) Nach diesen selbst von bürgerlicher Seite verurteilten Proben des„Post"-Journalismus. wird man sich nicht wundern, wen» das Blatt die beste Empfehlung eines anrüchigen Gcwährmanncs darin sieht, daß er sich als Polizei- Dennnziant vorstellt. Der EiLlebener Prozeß wurde übrigens durch Vergleich erledigt, also daß über den Kronsbeinschcn Ordenssegen nichts gerichtlich fest- gestellt wurde. VI. Der Chefredakteur der„Post" Dr. Kronsbein hat sich durch seine Verdienste um das türkische Reich den Medschidic- Orden 3. Klasse zugezogen.(23. Juni 1901.) Sogar das durchaus staatscrhaltende und neutrale Fach- orgnn der Zeitungsverleger beginnt— wie man sieht— die Verdienste der„Post" um die Türkei zu verspotten. Sollte etwa Herr Kronsbein mit gekreuzten Beinen redigieren oder sonst znr Verbreitung türkischer Sitten in, Abendlande beitragen? Wir sind nunmehr völlig klar darüber, warum die„Post" sich augenblicklich besonders um den Schutz Väterchens gegen„hoch- verräterische" Schriften bemüht: Herrn Kronsbein fehlt in seiner Ordenssammlung noch ein russisches Kindcrspielzeug. An ihm arbeitet er gegenwärtig nnd wir hoffen, daß das edle Werk zum Ziele führt. Die dcntsch-nationale„Post" für die Vertretung der Interessen der Türkei, Serbiens und Ungarns geizt naturgemäß auch nach dem Ruhm, als des Zaren geistiger Hoflieferant durch ein glitzerndes Pfand der Liebe anerkannt zu werden. Mag Herr Kronsbein den Weg über den»Vorwärts"- Keller zu Väterchens Thron rasch finden. An seiner besten russischen Gesinnung kann niemand zweifeln.—_ Der„Simplicissiuius" vor der Strafkammer zu Königsberg. Wegen angeblicher Beleidigung Königöberger Polizcibeamten hatte sich am Dienstag vor der Strafkammer zu Königsberg der Redakteur der„Königsbcrger Volkszeitung", Genosse Mar- chionini, zu verantworten. Die Beleidigung sollte in einer von der.Volkszeitung" abgedruckten, dem„SimplicissimuS" entnommenen Plauderei„Staatshoheit" von Ludwig T h o m a enthalren sein. Ludwig Thoma geißelt in prächtiger Art die Ausweisung russischer Studenten und die Haltung des Reichskanzlers in dieser Frage. Ferner schildert er die Kantfeicr und die Verehrung dieses Mannes durck) Bülow, der sich heute für diesen morgen für jenen begeistert nnd beide nickit kennt. Dann ist in der Plauderei noch die Rede von einem Vertrauens- seligen russischen Studenten, der ans Sibirien geflüchtet und nach Königsberg gekommen war, gerade zu der Zeit, Ivo man das An- denken Kants feierte. Er wurde aber ergriffen und über die Grenze gebracht, denn„ein russischer L ü ni p befahl und ein Preußischer Beamter gehorchte". In diesem Satz sollte die Beleidigung enthalten sein. Der Angeklagte behauptete, daß er den Artikel vorher gelesen habe und sich nicht bewußt gewesen sei. daß er eine Beleidigung der Polizei enthalten könnte. Ludwig Thoma habe nur eine Satire auf den Reichskanzler ge- schrieben und nicht im entferntcsten daran gedacht, die Königsbcrger Polizei zu beleidigen. Der Ort Königsberg sei nur deshalb ge- nannt, um eine Verbindung mit Kant und dessen Lehren in Bezug ans den Reichskanzler herzustellen. Auch sei der Satz, der die Polizei beleidigt haben soll, gar nicht für die Polizei beleidigend, denn bei den Slusicndebatten im Reichstage habe der Reichskanzler selbst zum Ausdruck gebracht, daß die preußische Polizei der russischen Polizei Und ihren Helfershelfern bei der Fahndung auf russische„Revolutionäre" bchiflich sein soll. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanw. Genosse Haase stellte den Antrag, den Dichter Ludwig Thoma vernehmen zu lassen, ob er die Absicht gehabt habe, die Königsberger Polizei zu treffen. Der An- trag wnrde abgelehnt und der Genosse Marchionini wurde zu hundert Mark oder 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Ge- richt sprach sich dahin aus, daß die Beleidigung eine sehr schwere wäre, und wenn der Angeklagte nicht bis- her unbestraft gewesen wäre, hätte müssen auf Ge- fängnis erkannt werden. Es sei wohl zu glauben, daß Ludwig Thoma, als er den Artikel schrieb, nicht daran dachte, die Königsbcrger Polizei zu beleidigen. Anders liege es aber mit dem Angeklagten. Der habe wohl dadurch, daß er in Königsberg den Artikel abdruckte, sich der Beleidigung schuldig gemacht. Er mußte das Bewußtsein haben, mit demselben die Polizei in Königsberg zu beleidigen. Und deshalb sei er auch zu verurteilen gewesen.— Kriegs Wollust. Der„KriegS-Specialberickitcrstattcr" des„Lokal- Anzeiger" beginnt seinen Bericht vom Ende April ans dem Haupt- quartier der ersten japanischen Armee, als diese in» Begriff stand, den Valu zu überschreiten, also: .Solch' ein Krieg ist wirklich etwas Wunderschönes. Er hat seinen Zauber. Vielleicht mag man den Reiz, den er aus- übt, dämonisch nennen. Wegleugnen läßt er sich nicht. Bei Tag nnd Nacht, zu jeder Stunde, im Wachen wie im Träumen, hat� der Mensch jenes Gefühl freudig erregter Erwartung, in dem das Kind am Heiligen Abend hinter den noch verschlossenen Thüren jubelt:„O du sröhliche, o du selige Weihnachtszeit." Jmmerßdenkt man, im nächsten Augenblick wird Großes sich er- eignen— mit Blut und Eisen ein Kapitel Weltgeschichte geschrieben werden! Glücklich preist sich, wer dabei sein darf." Die tolle Lästerung zeigt, wie der Krieg die normale Geistes- Verfassung zerstört und die ekelhaftesten Perversitäten erzeugt.— „Fcstschwindel". Die»Kreuz-Zeitung" schreibt:„Als ein wahrer Krebsschaden, der an der öffentlichen Wohlfahrt nagt, stellt sich mehr nnd mehr... der F e st s ch w i n d c l heraus."— Zur Beruhigung sei erwähnt, daß sich das Junkerblatt diese Bemerkung weder aus Homburg noch aus Kiel, sondern aus der— Schweiz schreiben läßt. Gott sei Dank, daß so etwas nur in Republiken vorkommen kann.— Eine schwere Beleidigung des deutschen Heere» leistet sich daS Kanonenblatt, die»Berliner Neuesten Nachrichten". Wir hatten gestern bemerkt, daß die Ausschreitungen in Scns thatsächlich vorgekommen seien, nur seien sie nicht von hessischen Truppen ver- übt worden. Die Excedcnien in Sens seien„nicht bloß keme Hessen, sondern überhaupt keine Deutschen gewesen, sondern Franktireurs oder Kommunarden, Gesindel und Genossen des„Vorwärts", wie daS nicht selten 1870/1871 in Frankreich der Fall gewesen ist." Also: Erstens sind die Excesse nicht wahr, und zweitens find sie vom Gesindel begangen. Die Truppen, die nachweislich in Sens sich die schlimmsten Dinge zn Schulden kommen ließen, waren— Gesindel I Wir urteilen nicht so hart über deutsche Soldaten, wir sehen vielmehr in solchen Freveln nur die Folgen des Krieges. der alle Bestialität in den Menschen lebendig macht. Und wir sehen es allerdings als das schwerste Verbrechen an der menschlichen Kultur an, diese Bestialität noch zu schützen, indem man sie heuchlerisch leugnet und die Greuel abschwörend glorifiziert. Wenn die„Berliner Neuesten Nachrichten" nun gar zart an- deuten, daß die Plünderer von Sens. die ja gar nicht vorhanden sein sollen, socialdemokratisches Gesindel,.Vorwärts"- Genossen gewesen seien, so können wir diese Enthüllungen dahin ergänzen, daß auch Bismarck und Moltke als Beauftragte der Socialdemokratie den deutsch-ftanzösischen Krieg angezettelt haben, lveil die»Vorwärts"-Genoffen alles Interesse daran hatten, wenigstens in Frankreich die Monarchie zu beseitigen und ans der andren Seite die herrschenden Klassen in Deutschland moralisch zr» ruinieren. Beides ist uns ja auch herrlich gelungen.— Das gotteslästerliche Tiirnc». In Rnda(Oberschlesien) hat� ein Lehrer eine Turnspiel-Vercinigung gebildet. Diese gymnastischen Uebungen empfand der dortige Knratns O g a r als unlautere Konkurrenz gegenüber den frommen Tun, spielen der Seele und er predigte von der Kanzel gegen das Teufelswerk. Die Folgen der geistlichen Vcrmahmmg schildert ein Kattowitzer Blatt wie foigt: „Am Dienstag leistete sich ein Weib, als die Tnrnbruder zum Turnen gingen, die Aeußerung:»Da hat der Pfarrer gewarnt vor dem Turnverein und doch gehen die Bestien hin." Sogar ein S t e i n b o m b a r d e m e n t wurde bei andrer Gelegenheit aus die Turnbriidcr eröffnet, wobei ein Turner am Arme verwundet wurde, zugleich wurden ihm die Worte zugerufen:„Da kommt einer aus dem Lu mp e n v e r e in." Ans dem Turnplatze, der durch ei» Gitter abgegrenzt ist, wurden die Turner wiederholt mit Steinen beworfen und von den außenstehenden Zuschauern durch Schimpfreden belästigt. Ferner hat die Hetze gegen den Turnverein dazu geführt, daß die Jugendspiele für die Kinderabteilnug am Miltwochnachmittag wegen Mangel an Beteiligung ausfallen mußten." Wenn diese Darstellung richtig ist. so zeigt das wiederum, daß Oberschlesicn das klerikale Saarabien ist.— LandeSverrats-Prozeß. Leipzig, 0. Juli. Vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute die Verhandlung gegen den Schloffer Julius Tavot aus Ueckingen bei Dredenhofen wegen Spionage. Die Anklage behauptet, daß Davot acht photographische Aufnahmen der Festung Diedenhofen an die französische Regierung geliefert habe. Davot bestreitet, schuldig zu fem. Der Angeklagte soll in Metz Schlosscrarbeit angenommen haben, um Zutritt zu den Forts zu haben. Es wurden bis gegen Mittag 10 Zeugen ver- nommen. Polizeidirektor Zahn-Straßburg. Polizelkomnußar Bcth« mann-Montigny und Wachtmeister Best-Metz erklären, nur m nicht öffentlicher Sitzung Aussagen machen zn dürfen. Der vom Ober- Reichsanwalt beantragte Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Ge- fährdnng der Staatssicherheit wnrde beschlossen. Am Donnerstag wird die Verhandlung fortgesetzt. Bayrisches. Nach dem„Fränkischen Courier" soll der wiederholt gemeldete und wiederholt bestrittene Rücktritt des Kriegsministers Freiherr» v. Asch nach dem Landtagsschluß bestimmt erfolgen. Als sein Nachfolger wird der Augsburger Divisionär v. Reich lrn- M e l d e g g genannt, an dessen Platz dann der bekannte Militär- bevollmächtigte Bayerns beim Bundesrat Generalmajor v. E n d e r s treten soll. Der Rücktritt deS Kriegsministers hat seine Ursache in den Vorgängen ans Anlaß des Falles deS Einjährige» Eros, für den sich der Abg. Pichler vertraulich beim Kriegsminister zu verwenden suchte: der Kriegsministcr hatte aber den Fall zur militärgerichtlichcn Untersuchung weitergegeben.— Zweikampf und Selbstmord. Aus Metz wird vom 5. Juli berichtet: Vor dem Kriegsgericht der 3. bayrischen Jnfanteriebrigade hatte sich der O b e r l, e u t e n a n t Balduin Hagen vom 8. bayrischen Infanterieregiment wegen Zweikampfes mit tödlichen Waffen zu verantworten. Während der Verhandlung war die Orffcnt- lichkcit ausgeschlossen. Der Angeklagte hatte mit einem Kameraden einen Worfftreit, der in Beleidigungen ausartete. Hagen forderte infolgedessen seinen Gegner ans Pistole». Der Kampf wurde auf dem Exerzierplatz von Frescaty ansgefochten, hatte aber einen u n« blutigen Ausgang. Der Angeklagte wurde zu zwei Monaten Festtingshaft verurteilt. Der Lieutenant Karl Hübscki vom 4. bayrischen Infanterieregiment hatte kürzlich mit dem Viccfeldwebel Müller einen Wortwechsel, der so weit ausartete, daß der Lieutenant den Vice- feldwebcl wegen AchtungSvcrlctzung meldete. Da nun der Lieute- »ant sich früher in verletzender Weise über seine Vorgesetzten geäußert haben soll, so machte Müller seinerseits Meldung hiervon, und der Lieutenant, der hierdurch seine Karriere gefährdet sah. erschoß sich in der Nacht zum Sonntag in seinem Zimmer in der Kaserne. In das Garnisonlazarett zu Montigny gebracht, verstarb er bald.— Aus Südwestafrika kommt die Nachricht von der„Gefangennahme" eines Händlers Namens Wallace, der von den Hereros gefangen mitgeschleppt, aber am 3. Juni entkommen sein will. Nach seiner Darstellung be- findet sich eine Hauptmacht der Hcrcros unter Samuel Maharero an den Nordabhängen des Waterbergs zwischen Waterberg und O t a v i. Ein amtlicher Bericht Trothas hierüber ist in der gestrigen Nummer unter„Depeschen" bereits mitgeteilt. Einen ausführlicheren Bericht hat der Hauptmann Dann- Hauer, der Berichterstatter der Scherl-Presse, gesandt: „Okahandja, 5. Juli. Der Händler Wallace wurde hier gerichtlich vernommen. Er ist ein Mann Ende der 50cr Jahre, von englischer Abkunft und mit einer Hcrerofrau verheiratet, die aber jetzt bei den Hcrcros in Waterberg untergebracht ist. Er bestreitet entschieden, mit Samuel verwandt zu sein. Wallace treibt Handel in Oknmteije und erklärt, er wäre bei Ausbruch des AufstandcS von den Hereros vollständig ausgeplündert, gewaltsam fortgeführt und von Ort zu Ort gefangen mitgeschleppt worden. Erst zu Anfang Juni sei er auf seine ständigen, bis dahin vergeblichen Bitten an Samuel freigegeben worden. Daraus verließ Wallace gemeinsam nnt Frau Bremen und Frau Rolofs Waterberg. Die erstere ist eine Bastardin, die zweite eine Hercro, beide sind jedoch mit weißen Männern verheiratet. Der Händler Bremen ist beim Ausbruch des Aufstandes ennordet worden. Die Frauen werden heute hier noch vernommen werden. Nach Aussage des Wallace wollen die Hereros noch entschiedenen Widerstand leisten. Samuel mit allen Groß- leute» und Wachleuten mit 6000 Stück Großvieh stehen au allen großen VlcitS an den Abhängen des Waterberges. Wallace schätzt die Stärke der H e r e r o s auf 26000 Mann, von denen mi nd e st e n s 2000 Kriegsleute mit Gewehren sind. Interessant ist. daß Wallace, der ruiniert und ohne Mittel sein will, ans Unterstützung der deutschen Regierung rechnet. Vor- läufig bleibt er in Haft. Die Abteilung Glascnapp ist auf Otjire abmarschiert. Starke Patrouillen Estorffs, Heydes und Glasenapps. sämtlich unter landeskundigen Offizieren, sowie Witboi- und Bastard-Abteilungen klären die Gegend von Omurambo bis Waterberg auf." Die Bekundungen deS Wallace über die Stellungen und die Stärke der Hereros enthalten nichts besonders Neues. Dagegen ver- dient der Schlußsatz der Meldung Trothas, daß begonnen worden sei, die Mole von Swakopmund zu v e r l ä n g e r n, einige Beachtung. Was diese.Verlängerimg" auf sich hat, wird durch folgenden Bericht der»Kölnischen Zeitung" illustriert: »Die Mole in Swakopmund. über deren mangel- haften Zustand schon mehrfach berichtet wurde, ist nunmebr nach neueren Nachrichten durch den schweren Seegang der letzten Wochen derart beschädigt worden, daß die Landung der Truppen und des militärischen Materials d i e größten Schwierigkeiten bietet, und die fortdauernde Mobilmachung nur sehr langsam vor sich gehen kann Der Seegang war so stürinffch, daß eine Anzahl Leichter die' die Wörmann-Linie zur Bewältigung des Verkehrs eiligst' nach Swakopmund hatte kommen lassen, durch S t r a n d u n a unbrauchbar gelvorden sind. Es sind an der Mole wahrscheinlich sehr kostspielige AusbesserungSarbeiten notwendig." »Und immer mehr, und immer mehr, und immer mehr— Million enl" kann man also den Herweghschen Vers variieren. Nicht weniger als 7 Millionen soll überdies auch daS Reich als Entschädigungen für die Farmer und Händler berappen. Nach einem Telegramm der„Deutschen Kolcmialzeitung" hat in Wind hui am Sonntag, den 3. Juli, in Anwesenheit des Gouverneurs Oberst L e u t lv e i n eine Versannnlung der Abteilung Windhul der Deutschen Kolonialgesellschaft stattgefunden. Dr. R o h r b a ch hielt einen Vortrag über die vom Aufstand hervorgerufenen Schäden. Er schätzt sie auf Gnmd des von ihm bearbeiteten Materials auf ins- gesamt 7 Millionen. Davon sind Schäden der Farmer 3'/« Millionen, der Kaufleute 2'/« Millionen, kleinere Verluste'/e Million, von ermordeten Farmern'/z Million, Händler Ve Million. Unser wackerer Reichstag wird ja erst einige Schlvierigleiten gegen die Bewilligung dieser Summe machen, aber schließlich wird er der Forderung doch zustimmen. Die kolonialwütige Majorität kann ihre Kolonialpolitik doch nicht selbst desavouieren. Sie müßte sich denn auf den Standpunkt stellen, daß die Notleidenden die Katastrophe selbst verschuldet hätten, aber von dieser Auffassung ist man in diesen Kreisen längst zurückgekommen, lieber die Missionars- cnthüllungen glaubt man bereits Gras gewachsen, jetzt tobt man nur noch gegen die rebellischen„schwarzen Bestien". So läßt das „Leipziger Tageblatt" den christlichen Seufzer vernehmen:„wir sind noch immer recht weit davon entfernt, Herrn Samuel Maharero und andrem Gelichter die redlich verdiente hänfene Krawatte umzulegen". Schlimmer noch als in diesent RoheitSauZbrnch offenbart sich der moralische Segen der Kolom'alpolitik in dem Vorschlag dcS Majors v. Fran?oiS in dem„Militär- Wochenblatt", den HcreroS dadurch Schaden zuzufügen, daß man mit Absicht Gewehr- Patronen verliere, die mit Dynamit gefüllt sein müßten. Auf diese Weise würden die Rebellen ihre Gewehre und ihre gesunden Gliedmaßen einbüßen. Einem so„barbarischen" Feind gegenüber müsse auch ein solches Vertilgungsmittel als erlaubt gelten. Soweit habend selbst die Engländer in ihrer kolonialen Kriegs- führung nicht einmal gebracht! Wir machen also geradezu reißende Fortschritte in der.Weltpolitik".— Klusland. Frankreich. Paris,' 3. Juli. Die lintersuchungSkvmmisfion in der Karthniiscr- Angelegenheit wählte den Deputierten für Algier, Colin, zu ihrem Berichterstatter und nahm dann die Prüfung des Tagebuchs Mascurands vor. Diese ergab, daß MaScuraud in der Zeit nicht von Paris ablvescnd war, während welcher er nach den An- gaben Cendres bei den Kalthäusern gewesen sein sollte. Mascuraud erklärte, er werde alles thun, um Gerechtigkeit zu erlangen, und er sei bereit, zum Prior der Karlhäuser zu gehen, wenn man ihn dahin begleiten wolle. Die Kommission vertagte darauf die Debatte hier- über bis morgen. Wie verlautet, waren die Kommissionsmitglieder einstimmig in der Anerkennung, daß Emil und Edgar Eombes vollständig außerhalb des Rahmens der Angelegenheit gestellt werde» müßten. Der Berichterstatter Colin wurde bcauftragl, in seinem Bericht dem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß der Minister- Präsident geglaubt habe, in der Dcpntiertenkammcr von dem Versuche einer Bestechung sprechen zu müssen, während doch die Zeugenaussagen ergeben hätten, daß ein Schritt in dieser Richtung bei Edgar Eombes nicht unternommen worden sei.— Italien. Rom, 6. Juli.„Popolo Romano" meldet, in Messina seien gestern auf einen a»S Ron: ergangenen Befehl der Kapitän des Militärbezirks Ercolcffe und eine Frau Namens Zania wegen Hochverrats verhaftet worden. Sie sollen die MobilisationSPläne für die Bcrtcidiguiig Siziliens nach dem Auslande aus- geliefert haben.— Zlficn. Die Tibet-Eypcdition. Nach ergebnislosem Ablauf des Waffen- stillstandes zwischen der englischen Expedition und den Unterhändlern des Dalai-Lama haben die Feindseligkeiten wieder begonnen. Die Engländer schössen das Dorf und Kloster Bcsan in Brand. Der bevorstehende Kampf gegen die Stellung der Tibetaner bei Gyangtse wird als ein schwerer angeschen. Nach einer Meldung des „Reuterschen Bureaus" vom 6. d. Mts. haben die englischen Truppen das tibetanische Fort gestürmt. Die Verluste sind unerheblich. So- weit bekannt, ist ein Offizier gefallen.— Vom ostafiatischeu Kriegsschauplatz. Ein Znsammenstoft mit der Wladiwostok-Flotte? Petersburg, 6. Juli. Die Russische Tclegraphcn-Agcntur meldet aus Liaujang vom S. Juli: Hier ist da? Gerücht verbreitet, daß das Wladiwostok-Geschwadcr heute nördlich von Gensan japanischen Schiffen begegnet sei. ES habe sich ein heißer Kanipf entsponnen, der für die Russen günstig endete. Die Meldung ist mit der solch unverbürgten Nachrichten gegen- über stets angebrachten Reserve aufzunehmen. Durchfahrt russischer Schiffe durch die Dardanellen. Konstantinopel, 6. Juli. sMeldung des Wiener K. K. Telegr.- Korresp.-Bureaus.) Die Schiffe der russischen Freiwilligen-Flotte Petersburg und Orel passierten vorgestern beziehungsweise gestern, ans dem Schwarzen Meer kommend, den Bosporus und die Straße der Dardanellen. Ebenso passierte heute das Schiff Smolensk den Bosporus und die Straße der Dardanellen. Die Bestimmung der Schiffe ist unbekannt. Die drei Schiffe sind zwar nicht Kriegsschiffe im eigentlichen Sinne, es sind Schnelldampfer, die>m Kriegsfälle als Hilfskreuzer verwandt werden. Alle drei Schiffe sind Doppclschraubendampfer; die„Orel"<183» gebaut) hat ein Deplacement von b074 Tonnen, die„Petersburg"/2 llhr auf eine Viertelstunde aus, um in der Nachbarschaft etwas einzukaufen, und ließen ihre drei Kinder im Alter bis zu vier Jahren in der Wohnung. Das jüngste, erst ein Jahr alte Töchterchen Luise lag schon im Bette. In dem Augenblick, als Hausgenossen aus der Wohnung Rauch heraus- dringen sahen und hinaufeilten, kehrten die Eltern zurück. Man fand nun die beiden ältesten Kinder in der Wohnstube auf dem Fuß- boden sitzen. Der vier Jahre alte Sohn Karl hielt eine Sweichholz- schachte! n der Hand, während angebrannte Sweichhölzer neben ihm lagen. Er selbst war unversehrt, der kleinen Gertrud dagegen brannten die Kleider. Man erstickte das Feuer sofort, das Mädchen war aber am Rücken schon schwer verbrannt und verlor bald das Bewußtsein. Die Eltern brachten die Verunglückte nach der RettungS- wache am Görlitzer Bahnhof und von dort nach dem Krankenhause Bethanien. Dort erlag sie den Brandwunden. Feucrbericht. Brandstiftung wird vermutet bei einem Wohnungs- brande, der gestern abend in der Bernauerswaße 23 zum Ausbruch kam. Schon vor vier Wochen wurde die Feuerwehr nach derselben Brandstelle gerufen und gelang es damals, das Feuer noch im Keim zu ersticken, iliich diesmal wurde der Brand so zeitig bemerkt, daß Hausbewohner ihn noch löschen konnten, bevor die von drei ver- schiedenen Stellen aus alarmierte Feuerwehr einwaf. Die Wohnungs- inhaberin, eine Schneiderin, behauptet diesmal, in ihrem verbrannten Bett hätten sich 190 M. in Gold befunden, doch konnte die Wehr trotz sorgfältigen Suchens keine Spur von dem Gelde entdecken.— Vorher entstand in der Warschauerstraße 62 ebenfalls ein Wohnungs- brand, der Betten, Kleidungsstücke sc. ergriff. Bei den Versuchen, die Flammen zu ersticken, erlitt eine Frau Brandwunden an den Händen, die ihr von den Samaritern verbunden wurden.— Im übrigen hatte die Wehr neben dem großen Dachstuhlbrande in dem Eckhause Spener- und Melanchthonstraße, über den>wir an andrer Stelle ausführlich berichten, nur noch in der Reichenbergerswaße und in der Kantstraße ganz unbedeutende Feuer zu beseittgen. Im Zoologischen Garten findet sowohl am Sonnabend wie am Sonntag ein Gastspiel des Rostschen Solo-Quartetts aus Köln a. Rh. statt. Diesem Quartett, welches sich aus den Herren Birrenkoven, Hofopernsänger der Hofbühne in Darmstadt, Karl Rost, Oratoriensänger aus Köln, und den beiden Opernsängern Peter Kreuder vom Stadttheater in Aachen und Karl Roeieling vom Stadttheater in Bern zusammensetzt, geht ein vorzüglicher Ruf voraus. Theater. Die Morwitz-Opcr im S ch i ll er- Theater O. hat„Die Entführung aus dem Serail*, komische Oper in drei Akten von Mozart, neu einstudiert und gelangt das Werk im Laufe nächster Woche zur ersten Aufführung. Cirkns Sarrasani ist auf dem fiskalischen Platz in der Neuen Friedrichstraße, Ecke Schicklerstraße, eingewoffen und giebt heute» Donnerstagabend 8 Uhr, seine Eröffnungsvorstellung. Hus den Nachbarorten. Wr die Schöneberger Kanalisation ist mit der Legung des großen Druckrohres begonnen worden, das von der Pumpstation an der Hohenstaufenstraße durch die Martin Luther-, Mühlen- und Tempel- hofer Straße geführt wird und die Gemarkung Tempelhof und Britz durchquert,� um dann unter Benutzung von Chausseen des Kreises Teltow auf den Rieselfeldern bei Ragow-Brusendorf zu enden. Das eiserne, starkwandige Druckrohr besitzt eine Lichtweite von einem Meter. Das Pumpwerk befördert die Abwässer auf dem kürzesten Wege nach dem 29 Kilometer entfernten Rieselgute. Bon den 29 Millionen betragenden Gesamtkosten der Kanalisation entfallen auf das Druckrohr S'/a Millionen Mark. Kein Theater in Schöncberg. Um die Hergabe eines Platzes Zum Bau eines Theaters hatte ein bekannter Berliner Theater- direktor den Magistrat von Schöneberg ersucht. Die eigentlichen Baukosten wollte der vermögende Mann selbst tragen. Der Magistrat unsrer Nachbarstadt hat den Theateruuternehmer jedoch ablehnend beschiedcn. Hoffentlich ist damit in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen. Wenn es gilt, der Kirche Bauplätze zu bewilligen, ist der Schöneberger Magistrat freigebiger. Stcglitz-Fricdena». Der vierte Abend unsres Programm-Kursus findet am Freitag im„Gesellschaftshaus", Friedenau, Rheinstr. 14, um Sl/2 Uhr statt. Rege Beteiligung wird erivartet. Pankow. Mit 14 gegen 19 Stimmen entschied sich die Gemeinde- Vertretung dafür, daß die Wollankstraße mit Asphalt zu pflastern sei; ein Antrag, diese Straße in ihrer ganzen Länge von der Prinzen-Allee an zu regulieren, wurde abgelehnt.— Für den Bau der Realschule wurden 8999 M. nachbewilligt, die zum Bau eines besonderen Treppenaufganges erforderlich sind.— Eine Klage beim Kreisausschuß, welche die Firma Siemens u. Halske gegen die Gemeinde erhoben hatte, ist von der Firma zurückgezogen worden. Es handelt sich um die Verlängerung der Linie Mittel- straße-Pankow nach Nieder-Schön hausen, für die dieselben Bedingungen verlangt wurden, die Berlin belvilligt hat. Zu der Angelegenheit des Fuhrhcrrn Winklcr in Lichtenberg geht uns die� Mitteilung zu, daß das Befinden des bei der Mesier- stecherei in der Nacht zum Freitag schwer verletzten Mannes sehr be- denklich ist. Die Heilung im Krankenhause am Friedrichshain dürfte nur langsam von statten gehen. Im übrigen wird von den Ver- wandten des Fuhrhcrrn entschieden bestritten, daß er den Angriff, dessen Opfer er wurde, irgendwie provoziert habe. Steglitz. Der Antrag, die ca. 3999 Bände zählende Bibliothek des Vereins„Steglitzer Lesehalle" auf die Gemeinde zu übernehmen, fand in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung bei der Mehr- hcit natürlich keine Gegenliebe. Die Herren befürchteten mit der Ucbcrnahme den Anfang einer socialen Einrichtung zu machen, die hauptsächlich den Minderbemittelten zu gute käme; deshalb mußte der Antrag abgelehnt werden. Nur 899 M., die eigentlich schon vor Jahren einmal bewilligt waren, jedoch in den Etat einzustellen ver- absäumt wurden, stellte die Versammlung bereit, um die Bibliothek nicht verkommen zu lassen. Eine siebengliedrige Kommission soll die Bibliothekfrage im Auge behalten und zunächst einmal einen Empfangsberechtigten für die 899 Mark ausfindig machen, da der Verein„Steglitzer Lesehalle" nur noch dem Namen nach existiert. Nur der Opferwilligkeit eines Einzelnen ist es zu danken� daß die Bücherei bisher instandgehalten wurde und dem Publikuni zugänglich war.— Bei Gelegenheit der Beschlußfassung über die Neupflasterung der Grunewaldstraßc wurde auch das Projekt der Anlage einer elektrischen Bahn nach dem Grüne Ivald über Dahlem gestreift. Aus der Debatte Ivar zu entnehmen, daß die Vorarbeiten noch nicht abgeschlossen sind; auch die Frage, ob Eigenbetrieb durch die Gemeinde oder Betrieb durch einen Unter- nehmer, ist noch nicht entschieden. Es wurde beschlossen, bei der Neupflasterung die Schienen gleich mit zu verlegen und diese Arbeit „demjenigen Unternehmer zu übertragen, der voraussichtlich den Betrieb übernehmen wird".— Da wir nicht glauben können, daß sich die Genieinde zum Eigenbetrieb aufschwingt. dürften nur Siemens u. Halske oder die Westliche Vorortbahn in Betracht kommen._ Gerichts-Zeitung. Der Fall, daß die polizeiliche Spitzelei vor Gericht vernricilt wurde, ereignete sich gestern bei der Verhandlung einer Anklage wegen Ver- kaufs verbotener Heilmittel, welche vor der 14S. Abteilung des Schöffengerichts gegen den Droguenhändler Schulz stattfand. Zu dem Angeklagten kam eines Tages eine Abgesandte der Polizei, eine Frau Mecklenbirrg, und verlangte ein Paket „Bauers Thee". Der Angeklagte wies seinen jungen Mann an, das Gewünschte zu verabfolgen. Zwischendurch richtete die Käuferin an den Chef die Frage, ob der Thee auch gut gegen Verstopfung sei. Diese Frage wurde bejaht. Daraus zog die Polizei den Schluß, daß der Thee als Heilmittel verkaust worden sei und wer- anlaßte dieserhalb Erhebung der Anklage gegen Schulz. Der Ver- leidiger, Rechtsanwalt Sonnenfeld, bezeichnete zunächst die An- klage als hinfällig, denn der Thee solle nach der auf dem Paket auf- gedruckten Gebrauchsanweisung nur als Genußmittel dienen, und er sei auch ohne jede Bemerkung verlangt worden. Der Staats- anwalt beantragte die Verurteilung des Angeschuldigten, während der Verteidiger ausführte, daß aus zwei Gründen ein freisprechendes Urteil erfolgen müsse. Erstens sei der Kauf schon perfekt gewesen, bevor die erwähnte Frage an den Angeklagten gestellt wurde, sie habe deshalb nichts mehr an dem Verkaufszweck geändert. Wolle die Polizei feststellen, ob Drogucn zu verbotenen Zwecken abgegeben würden, so möge sie ihre geheimen Ankäufer anweisen, direkt Waren zu Heilzwecken zu fordern. ES verdiene aber nicht den Schutz der Rechtsordnung, zunächst unverfängliche Ware zu fordern und dann zwischendurch eine Frage wegen des Heilzweckes zu stellen. Zweitens sei nicht jede Verstopfung krankhaft, ein Thee, welcher zum Zwecke der Hautreinigung als Abführmittel diene, sei als Kosmetikum zu be- trachten. Der Vorsitzende erklärte nach kurzer Beratung: Zu- nächst müsse er nach dem einstimmigen Votum des Ge- richts das Verfahren der Zeugin Mecklenburg mißbilligen. E s könne unmöglich den Wünschen des Polizei- Präsidiums entsprechen, denn es kennzeichne sich als ein Versuch, einen andern„hineinzulegen". Auf diese Weise könne auch der Verkäufer von Poniril zur Bestrafung gebracht werden, wenn er nebenher die Frage, ob cs gut gegen Verstopfung sei, be- jahe. Durch solche nachträglichen Fragen werde der Zweck des Ver- kaufs und die Natur des Mittels nicht geändert. Schon aus diesem Grunde mußte Freisprechung erfolgen. Es sei deshalb die Prüfung der Frage, ob jede Verstopfung krankhaft sei, überflüssig. Ist der Mann zurechnungsfähig? Unter der Anklage des fort- gefetzten Diebstahls wurde gestern der 29 jährige Geschäfts- führer Julius F i ck der ersten Strafkammer des Landgerichts I aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Der Angeklagte ist nur in einem einzigen Geschäft, in der Kunsthandlung von Busch in der Leipziger- stratze gewesen. Er hat dort gelernt und sich nach und nach zur Stellung eines Geschäftsführers emporgearbeitet. Er erfreute sich des unbegrenzten Vertrauens seines Chefs, der deshalb enttüstet wurde, als eine seiner Verkäuferinnen den Verdacht aussprach, daß der Angeklagte nicht ehrlich sei. Bald wurde dieser Verdacht aber so verdichtet, daß bei Fick eine Haussuchung vorgenommen wurde. Man fand dort Kunstgegenstände in solcher Menge, daß sie fünf Waschkörbe anfüllten. Sie hatten einen Wert von 8999 M. Der Angeklagte hatte alles aus dem Geschäfte seines Chefs gestohlen. Vor Gericht machte er einen so verblödeten, stumpf- sinnigen Eindruck, daß mehrere medizinische Sachverständige zur Stelle waren. Diese begutachteten, daß er ein Mensch sei, der sich durch geheime Ausschweifungen entnervt und ruiniert habe. Er sei außerdem erblich etwas belastet, denn sein Vater, der sich von seiner Familie getrennt habe, sei ein Gewohnheitstrinker. Der Angeklagte sei als ininderwertig, aber nicht als geisteskrank zu bezeichnen. Seine betagte Mutter sei lahm und taub. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 1 Jahr ö Monaten Gefängnis, wovon 3 Monate durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Versammlungen. Erster Wahlkreis. Der socialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag eine Versammlung für das Hansaviertel in den „Spreehallen", Kirchstraße, ab, die einen befriedigenden Besuch auf- wies. Genosse Lankow sprach daselbst über:„Platonischer und urchristlicher Konimunismus". Nach Beendigung des Vortrags teilte der Vorsitzende Genosse Seiler mit, daß die Broschüre„Der Zukunftsstaat der Junker" demnächst an die Mitglieder des Vereins gratis abgegeben wird. Genosse E g e machte sodann darauf auf- merksam, daß das Lokal Kisten macher in der Lokal- l i st e irrtümlich als frei angegeben sei; der Wirt hat sich noch keineswegs veranlaßt gefühlt, seine Räume der Partei zur Verfügung zu stellen.— Mit der Aufforderung, auch im Hansaviertel immer mehr für den Wahlverein und die Ausbreittmg der Partei- presse thätig zu sein, schloß der Vorsitzende hierauf die Ver- sammlung._ Achtung, Bereine i Diejenigen Vereine, welche in dem Mitte dieses Monats zur Veröffentlichung gelangenden Vereinskalender Aufnahme finden wollen, werden gebeten, bis zum 14. d. Mts. Sitzungstag und Lokal mitzuteilen. Berband der Friseurgehilfen Deutschlands(Zweigvemn Berlin). Donnerstag, den 7. d. M., abends 19 Uhr, bei Pfeffer, Rosenthalersw. 57: Generalversammkung. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Wahlen. 3. Dampfer- Partie am 12. Juli. Berband der Friseurgehilfen Deutschlands(Zweigverein Rixdors). Donnerstag, den 7. d. M., abends 10 Uhr, bei Fr. Hoppe, Berlinerstr. 14: Generalversammlung. Wichtige Tagesordnung: Vorstandswahl«. Vermischtes. Eine Stadt durch einlen Waldbrand gefährdet. Die Londoner Zeitung„Daily Chronicle" meldet aus Halifax von vorgestern: Seit mehreren Tagen wilftt in den Waldungen von Sydney (Cape Breton) ein Feuer, das Mittwoch die Grenzen der Stadt erreichte und, durch einen Sturm angefacht, über bewohnte Stadtteile hinweggeht. Ucber eine Fenersdrunst wird aus Soston gemeldet: Ein Feuer zerstörte gestern einen Getreidcelevator und drei Warenlager- Häuser der Boston and Miaine Eiscnbahngesellschaft. Der Schaden wird auf eine Million Dollar geschätzt. Der Dampfer„Austrian" der Allan Line fing im Dock Feuer und wurde herausgeschleppt; die oberen Teile sind beschädigt. Einige Leute der Besatzung sprangen vor Schreck ins Wasser, wobei 3 ertranken. Zum Untergang des Dampfers„Norgc" wird aus London be- richtet: Der Fischdampfer„Rattrahbay" landete Dienstagabend weitere 17 Ueberlebende von dem gescheiterten Auswandcrerschiff „Norge" in Aberdeen. Die Ueberlebenden berichteten, daß sie sechs Tage lang von 6 Eimern Wasser und je 2 Zwiebäcken für eine Person gelebt hätten. Von den Geretteten befinden sich in Stornoway 192, in Aberdeen 17 und in Grimsbh 27 Personen.— Der Kapitän des gesunkenen Dampfers„Norge" schildert die Vorgänge bei dem Untergange des Schiffes folgendermaßen: Es wehte eine leichte Brise vom Süden. Ich stand mit dem ersten Ossizier auf der Kommandobrücke. Der Zimmermann maß 5 Fuß Wasser im Unterraum; ich gab Befehl, den Zwischendeckspaffagieren Rettungs- gürtel zu verabfolgen; acht Boote wurden herabgelassen, eins zer- schellte jedoch beim Herunterlassen. Ich bestand darauf, daß zuerst die Frauen und Kinder in die Boote gelassen würden. Die Mannschaft arbeitete ausgezeichnet; mehrere Boote kamen gut ab. Der Dampfer ging mit dem Bug zuerst unter. Als der erste Offizier mir zurief: „Das Schiff geht unter!", rief ich ihm zu, er möge über Bord springen. Ich ging mit dem Dampfer unter, mein rechtes Bein war zwischen zwei Flaschenzügen eingeklemmt; ich sah Leichen schwimmen. Nachdem ich 29 Minuten geschwommen, traf ich den Ingenieur Brown, einen guten Schwimmer; wir blieben ungefähr IV- Stunden zusammen, als wir ein Boot bemerkten, suchten wir es zu erreichen. Brown erreichte es zuerst, das Boot war aber über- füllt, trotzdem wurden wir beide, vollständig ermattet, aufgenommen. Das Boot wurde von dem ausgezeichneten Seemann. Assen geführt und hatte eine Kiste Zwieback und zwei Fässer Trinkwasser an Bord Ich übernahm die Führung und steuerte auf die Insel St. Liilda zu, ungefähr 159 Meilen entfernt. Am Sonnabendmorgen sahen wir einen großen Dampfer etwa 4 Meilen vor uns; wir steckten ein Hemd als Signal auf, aber der Dampfer bemerkte uns nicht und fuhr vorüber. Am Sonntagmorgen fuhr eine Barke bei uns vorbei, um 12 Uhr mittags wurde 17 Meilen vor uns Land sichtbar. Es war St. Kilda. Kurz darauf kam der Petroleumdampfer„Energie", um 9 Uhr waren wir an Bord des Dampfers und erfuhren nur gutes. Speicherdrand in Bremerhaven. Die an der Ostseite des neuen Hafens in Bremerhaven liegenden beiden großen Baumwollschuppcw der Firma I. Bachmann-Bremen 1 und 7, welche zusammen 7 Ab- teilungen umfassen, sind Mittwoch früh gänzlich niedergebrannt. Es lagerten in diesen Schuppen 13 999 Ballen Baumwolle. Mannheim, 6. Juli.(B. H.) In einer Rechtsagentur und Inkassogeschäft wurden größere Unregelmäßigkeiten aufgedeckt. Die Kriminalpolizei nahm Veranlassung auch in andren ähnlichen Instituten Revisionen vorzunehmen, die zu vier Verhaftungen führten. Unter den Verhafteten befinden sich die Agenten und Rechtskonsulenten Greving und Martin. Gent, 6. Juli.(B. H.) Gestern abend entstand in der benach- karten Pulverfabrik eine Explosion, durch welche das Gebäude voll- ständig zerstört wurde. Die Detonation war in weitem Umkreise vernehmbar; sämtliche Fenster der in der Nähe belegenen Gebäude wurden zertrümmert, ein Arbeiter erlitt schwere Brandwunden. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Opfer des amerikanischen Patriotismus. Dem„Berliner Tage- blatt" wird berichtet: Die bisherige Verlustliste des National- f e st e S ergiebt 24 Tote und 483 Verwundete. Anscheinend schließt sie diesmal günstiger als im Vorjahre ab, das insgesamt 4449 Opfer forderte. Das ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß viele Städte die übliche Schießerei verboten, bei der regelmäßig viele Personen verunglückten. In New Uork kamen übrigens auch dies- mal 65 Brandfälle bor.— Ein Lassan-Telegramm meldet zu der ache noch: In New Jork allein sind bei der Unabhängigkeitsfeier beim Abbrennen von Fcucrwerkskörpern 346 Personen verletzt und 4 getötet worden. An vielen Orten entstanden Paniken. Sämtliche Wundärzte New Jorks hatten die ganze Nacht hindurch zu thun, die Verletzten zu verbinden und zu behandeln. Ucber 599 Personen wurden zu Geldstrafen verurteilt, weil sie ohne polizeiliche Erlaubnis Revolver trugen und durch das unvorsichtige Abschießen viele Personen verletzt hatten. Eine Rakete setzte das trockene Gras des Rasenplatzes vor der Rooseveltschen Residenz bei Cyster-Bay in Brand. Mit rasender Schnelligkeit verbreitete sich das Feuer und bedrohte die Gebäude der nächsten Umgebung. Den Bemühungev der Gäste des Präsidenten und der Polizeimannschaften gelang es, das Feuer rechtzeitig zu löschen. Was ich bin und was ich habe, dank ich dir, mein Baterland! Der 61jährige domizillose Schlosser Emil F., der die Kriege von 1864, 1866 und 1879/71 mitgemacht hat, kam infolge Alters und Krankheit außer Arbeit. Da er andre Arbeit nicht finden konnte, auch keine Invalidenrente bezog, mußte er notgedrungen betteln gehen. Als man ihn zum dritten Male dabei ertappte, erkannte das Schöffengericht in Land es Hut gegen ihn neben der Haftstrafe; auf Ueberweisung ins Arbeitshaus. Er legte Berufung ein und be«\ gründete sie wie folgt: Wegen Krankheit und Alters finde ich nur! schwer Arbeit, zweimal bin ich um Veteranen-Unterstützung ein- gekommen, aber immer abgewiesen worden. Wenn ich erst einmal Veteranen-Unterstützung bekomme, dann werde ich nicht mehr betteln. gehen. Die Strafkammer hatte Mitleid mit dem alten Krieger und' hob das Erkenntnis zu Arbeitshaus wieder auf. Frei nun ist er, wandern kann er Wieder nun von Thür zu Thüre, Daß der Anblick seiner Leiden Guter Menschen Mitleid rühre, Und er sieht mit seines Alters Sechszigjähr'ger Last beschweret, Wie das christlich-fromme Deutschland Seine Veteranen ehret! In Neu-R»ppin brannte gestern nacht der vor dem Tempelthors gelegene Lokomotivschuppen und die Centralwerkstatt der Kremmen-Neu-Ruppin-Wittstocker Eisenbahn bis auf den Grund vollständig nieder. Von den dort untergestellten fünf Lokomotiven gelang es nur zwei derselben zu retten. Sämtliche Werkzeug- Maschinen und fast alles Handwerkzeug sind vernichtet. Der genaue Schaden läßt sich noch nicht feststellen, doch dürfte er 399 999 M. weit übersteigen. Besonders empfindlich ist der Verlust der Werkzeug- Maschinen und damit die Möglichkeit. Reparaturen vornehmen zu können. Der Verkehr wird nach Möglichkeit aufrechterhalten. Ueber die Entstehung des Feuers ist nichts bekannt. Absturz in den Alpen. Aus Appenzell wird gemeldet: Am Säntis ist vorgestern beim Blumcnsuchen der Musikdirektor Wälli aus Zollikon, Kvnton Zürich, über eine 299 Meter hohe Felswand auf die Bodmeralp abgestürzt, wo sein Leichnam am Mittwoch ge- fanden wurde. Ein unschuldig Verurteilter. Ein Justizirrtum, durch den ein Kölner Bürger betroffen worden ist, scheint jetzt nach einem Zeit- räum von 26 Jahren berichtigt zu werden. Im Jahre 1878 wurde, wie die„Köln. Ztg." mitteilt, der Fabrikant Karl Breitwisch wegen Meineides zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Unausgesetzt war er bemüht, die Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen, bis vor einigen Tagen das Oberlandesgericht Köln auf Anttag ent- schieden hat, daß nach den jetzt beigebrachten Beweisen der geleistete Eid sich in subjektiver und objektiver Hinsicht nicht als ein Falscheid darstelle, daß es in dieser Richtung einer weiteren Beweiserhebung nicht bedarf, daß der Wiederaufnahme-Antrag deshalb begründet sei und die Enieuerung der Hauptverhandlung verordnet werde. Marktpreise von Berlin am 5. Juli. Nach Ermittelungen beS kgl. Polizet-Präsidiums. Für 1 Doppel-Ccntner: Weizen"), gute Sorte 17,05-00,00 M., mittel 00,00-00,00 M., geringe 00,00—00,00 M. Roggen"), gute Sorte 13,75—13,74 M., mittel 13,73—13,72 M., geringe 13,71—13,70 M. Futtcrgerste«), gute Sorte 14,50—13,40 M., mittel 13,30 bis 12,20 M., geringe 12,10—11,00 M. Hafer«), gute Sorte 15,80—14,90 M., mittel 14,80—13,90 M., geringe 13,80—13,00 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speifebohnen, weiße 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln 8,00-5,00 M. Richtstroh 4,16-3,82 M. Heu 7,30-5,00 M. Für 1 Kilogramm: Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 3,80—2,40 M. «) Frei Wagen und ab Bahn.««) Ab Bahn. Waflerstand am 5. Juli. Elbe bei Ausüg— 0,48 Meter, bei Dresden— 1,86 Meter, bei'Magdeburg-f- 0,51 Meter.— U n st r u t bei Swaußsurt-st 0,95 Meter.— O d e r bei Ratibor-st 0,78 Meter, bei Breslau Ober- Pegel-st 4,60 Meter, bei Breslau Unter- Pegel— 1,48 Meter, bei Frankfurt-st 0,51 Meter.— W e i ch s e l bei Brahemünde-st 2,14 Meter.— Warthe bei Posen-st 0,12 Meter.— N e tz e bei Usch-st 0,42 Meter. WitterungSiibcrsicht vom«. Juli»»04, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M. München Wien c c 762 763 763 765 767 764 « s .5 S S S" WSW WNW SW Wetter «3> S c S- 4 11 K& 2 bedeckt 2bedcckt 2bedeckt 3bcdeckt 4wolkig 2bedeckt Stationen LS Lü ZS B S Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris «o c c= iS" 756 Still 756SW 758SSW 766WSW Wetter Regen Regen 2 heiter 2heiter iSSi cS. 5« H& 13 12 16 17 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 7. Juli 1904. Zeitweise heiter, nachts etwas kühler, am Tage ein wenig wärmer bei schwachen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. hier Krankenkassen unttM IpossensiMen Dentsehlantls. Bezirksgruppe Berlin-Brandenburg Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Otto Erdmann (Orts-Krankenkasse der Schneider) am 4. Juli er. an Brustsell- entzündung verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. Juli er., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Friedhofes, Weißensee, Falken- derger Chaussee, aus statt. Der Vorstand. OMselm Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzelge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Ksi'i Wegner am 4. b. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Krankenhauses am Urban aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/11 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter Magäalene Schulz am 4. Juli verstorben ist. 115/5 Die Beerdigung findet Donners- tag, 7. Juli, nachmittags 4 Uhr, von derLeichenhalle der St.Markus- gemeinde, Wilhelmsberg, aus statt. Um stille Teilnahme bittet Carl Schulz nebst Söhnen. 0eu!8Cher HoIzarheitör-VerhauO. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischlers Fritz Klein am 5. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 8. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirchhoss in Nieder- Schönhausen aus statt. Um rege Betelligung ersucht Bis Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann und unser guter Vater, der Gürtler I-uKiwig Betge nach jahrelangem Leiden am Man- tag, den 4. d. M., nachmittags 6'/, Uhr, sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7., nachmittags 5'/, Uhr vom Traucrhause, Dall- dorferstr. 3 statt. 5757L Die trauernde Vlltwe nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und für die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung unsres lieben Sohnes Richart Wagner sagen wir allen Verwandten und Be- kannten sowie den Vereinen Gesang- verein„Freundschaft" zu Schöncberg, Geselliger Sparverein„Hossnung", den Kollegen der Firma Ludwig Löwe und der Kranken- und Stcrbekasse der deutschen Wagenbauerlasse unser» ttesgesühlten Dank. 5756L Im Namen der Kauernden Hinter» bliebcnen W. Wagner nebst Frau. K ranz- n. Olumenbinderei von H. Eckert,• 98. Kottbuser Damm 98. Mur den Inhalt der Inserate iibernimint die Redaktion dem Pnbliktttn gegenüber keinerlei Berantwortnng. HKeater. Donnerstag, den 7. Juli. Ansang?'/, Uhr: Neues Opern-Theater. Die Flcder- maus. Belle-Alliance. Gastspiel von Emil Wintcr-Tymians in diesen, Genre einzig dastehende» sächsischen 1.1 Humoristen und Sänger. Lieder, Couplets und Einaltcr. U. a.: Die strenge Gouvernante. um Schlust: In der Ballett- iiile. Ansang 8 Uhr. Vthiller O.(Wallner- Theater.) Der Postillion von Longjumcau. Westen. Der jüngste Lieutenant. Neues. Einen Jux will er sich machen. Kleines. Nachtasyl. «central. Der Herr im Hause. «e.arl Weift. Der Weg zum Herzen. Gradt-Theater Moabit. Großstadt- zauber. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter« Garten. Edith Helena. Heloise Titcomb. Specialitäten. Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten. Rcichöhallen. Stettiner Sänger. Piejte bei Vater Philipp. Passage-Tfteater. Terla Scmmelosf. Specialitäten. Uraiiia. Ta, ibenstrafte 48/49. Die Insel Rügen. Jnbalidenstrafte 57/62. Sternwarle. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Scliiller-Theater 0. (Wallner-Theater). Morwift-Oper. Donnerstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet- vor Poslillon von Lonjumean. Freitagabend 8 Uhr bei halben Preisen! vor frvtaollttfcE. Sonnabendabend 8 Uhr! l>lo Jüdin. Der Sommergarten ist eröffnet. Im Garten dcS Schiller-Theater N. täglich grobes Militär-Konzert. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sich machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Einen Jux will er(ich machen. Cerira!-Theater. 6 Uhr: Gastspiel Josefine Tora. Madame Bonivard. Schwank in 8 Akten v. Bissen u. Mars. «w- Er. Ä, Freitag: Hofgunst. Sonnabend und Sonntag: Gast- spiel des kgl. HosschauspielerS Emil Richard; Onkel UrÜNlK. Kleines Theater. Unter de» Linden 44. Nachtasyl. Ansang 8 Uhr. Morgen: Frünleln Jnlle. Belle-Älliaiice- Theater. Im Theater abend» 7'/, Uhr:I ljdzpie! m Emil Winter Tymians in diesem Genre einzig dastehenden 15 Humoristen und Sängern. Im Sommcrgartcn von 6 Uhr ab: Curt Goldmann-Konzert. Von 8 Uhr ab; Grobe Specialitäten-Vorstellung. SMT Nur allererste Attraktionen. Apelle-Theater. 8 Uhr: Das neue grobe Juli• Specialitäten- Programm nüt Emmi Krüchert und nartln Kettner. ö'/.Uhr: Venus auf Erden. Operette von Paul Lincke. KaseenerBffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Metropol-Theater Der grösste Erlolg dieses Jahres: Gr. dramatiech- satirische Revue in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anlang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sanssouci. Koltbuser Thor- Stat. der Hochbahn Täglich im Garten: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: der Soiree: Tanz. _ ichcntags haben Vor. ugstarten, auch die zu den Theater. abenden ausgegebenen, Gültigkeit Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Bnsel Rügen. Sternwarte Iii. Da» BSrenweib, lebend. Der 16 jährige Riessnknabe Der lange Josef 217 ctm gross._ NV Nada und Mnemos,-VI Gedankenleser. Der Lielchenfand. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Friedriehstr. 165. 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Täglicli: TIitlittr-Vorjtcttiiiig mit wechselndem Programm. Am 1. und 15. jeden Monats Specialitäten- Wechsel. Zum Schluß: Die Reetzcnburg. VolkSstück mit Gesang w zwei Akten. Entree 30 Pf. Täglich:| Jeden Mittwoch: Sali| Kinderfest. H JSützowstr. 111/112. T Jt s 1 1 c b im Barten oder Saal: Horsts Korddeutsehe Kumoristen und Quartett»Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. kons haben Gültigkeit. HStal»« liallen er Am. Ostbahn-Park. Am Küstrinorplalz. Rüdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Specialitäten- KorsteUnng. Verband der SYlobelpoUerer. Der Arbeitsnachweis für Siwost und Rixdorf befindet sich nur beiTzschacksch.Naunynstr. b.(Telephon. Amt IV Nr. 5729.) Bei Mohn, Hcinrichsplatz. wird Arbeit für Möbclpolierer nicht mehr vermittelt. ES ist Pflicht aller Kollegen, ihre Arbeitgeber auf obige» fosort auf- merksam zu machen. 146/20«»er VorAtnnd. DttKlimpsmMttgtmrde! Folgende Bäckermeister haben den Tarif anerkannt und unterschrieben und sind als geregelt zu betrachten und in der Sonntagsliste nachzutragen: Prinz Eugenstr. Norden. Ackcrstr. 171, P. Ncntwig. Adolf str. 11, Tcnnigkeit. 1, E. Bathke. Badstr. 3?a, Schimctzeck. Bcrnauerstr. 47, Schirwcck. 35, H. Schröder. Biesenthalerstr. 2, Diensing. Boyenstr. 11, Leopold Jhle. Borsigstr. 18, O. Zschoch. Brunnenstr. 41, Herin. Sorge. . 95, Hanke. , 3, Th. Mollweide. „ 56, D. Pirwitz. Burgsdorferstr. 15, O. Kratockwill. Buchholzerstr. 16, E. Vogler. Chorinerstr. 55, F. Hanke. Cöslinerstr. 3, E. Schmidt. Eremmcnerstr. 15, Adols Morlok. Danzigerstr. 21, W. Singer. 76. O. SchmidL Demminerstr. 25, Grund. Dunckerstr. 2, Czerwcnk. 78, F. Deinert. Drontheimerstr. 6, H. Schröder. Elsasserstr. 82, Brol/abrik Berolina. Epcrzierslr. 19, Koschel. Fürstenbergerstr. 12, Brotfab. Berolina. Gerichtstr. 14, Schwemlcr. 4, H. Schröder. Gleimstr. 19, Stracke. 60. Mctsch. Grannstr. 22, Dohrniann. , 52, F. Hanke. , 5, B. Schenk. „ 32, F. Hanke. Grenzstr. 13, Segelsti. Grünthalerstr. 61. F. Altrock. 5, P. Jambor. Hochmeisterstr. 20, P. Meyer. Hochstädterstr. 23, P. Jambor. Neue Hochjtr. 28, O. llorhcrr, 24. S. Schulz. Hnsfitenstr. 43, Kietzling. Kastanien-Allee 46, Bieg. Koloniestr. 34, E. Muche. „ 151, Otto Schcer. Lynarstr. 4, Kadak. 14, Pawlick. Lychenerstr. 105, H. Schröder. Liebenwal derstt. 60, Th. Ouasnica. 59, H. Schröder. Lortzingstr. 36, F. Hkaue. Lippehnerstr. 2, H. Haff. Maxstr. 17, E. Schulze. Müllerstr. 32, Wwe. Blum. , 11, Brotsabrik Berolina. . 33, Wittlers Brotfabrik. Metzerstr. 2, Sachwitz lvonn. Zeitlers). Oderbergerstr. 46, Schönherr. 38, Baldin. , 21, Wagner. Oudenarderstr. 44, P. König. Pankstr. 45d, G. Göller. 21, H. Schröder. Pappel-Allee 14, M. Höselbarth. . 136, E. Dressier. Prinzen-Allee 53, Schmidt. 61, H. Mehl». 10. O. Senff. 16, H. Oswald. . 5, Jonscher. „ 8, H. Reiche. Prinz Eugenstr. 20, O. Hörder. Putbuscrstr. 24, Kundt. . 48, H. Schröder. Namlerstr. 36, G. Hachn. 24, G. Seidel. Reinickendorserstr. 54, W. Herberg. 69, Pitzsch., „ 41, R. Wenzel. Rügenerstr. 16, Höhn. Rhcinsbergerstr. 13, A. Scholz. „ 26, M. Lorenz. k 48, Seidel. Rhinowerstr. 2, O. Schwienhagen. Rykestr, 31, E. Vogler. Swinemündcrstr. 54, Paulischeck. , 82, M. ManncL , 93, Schubert 74. F. Hanke. Sparrstr. 6, Elsner. Schulstr. 110, Stritzke. 25, Th. Schmidt , 37, Jonschcr. , 51, H. Krumbach. Schliemannstr. 24, C. Reisewitz. Stargarderstr. 74, F. Hanke. Seestr. 68c. A. Mindt. Schönholzerstr. 5, Mittewach. Schwedtersw. 48, kl. Löchel. 240, Kurth. Tilsiterstr. 77. F. Stahnsdorf. Triststr. 2. M. Förster. Tieckstr. 16, A. Jurke. TreSckowftr. 44, L. Lehmann. 57. K. Mörschner. Tcglerstr. 11, S. Laup. Usedomstr. 4, Stollberg. , 15, H. Schröder. Utrechterstr. 8, Kersten. Wattstr. 21, F. RIebenstahl fr. Willdenowstr. 29, I. Breier. Weistenburgerstr. 55. H. Nobiling. Wiesenstr. 31, I. Schneemann. Wolga sterstr. 13, Wive. Dreier. Wollmerstr. 50, NieoL 58, F. George. Weddingstr. 7, H. BrendeL Word-Osten. Friedenstr. 57, Ernst Rolle. Narienburgerslr. 7, W. Seemann. Pallisadenstr. 53, H. HechL ST ord- W esten. Bandelstr. 34, Brotfabrik Berolina. Melanchthonstr. 13,,. Wielesstr. 59, W. Werdermann. WilhelmShavmerstr. 17, A. MatteS. Osten. Krautstr. 25, Freudenhammer. Stralauer Allee 23, Winnenberg. Langeftr. 36, Brotfabrik Berolina. Weioenweg 30,,, Blumenftr. 13,,, Frankfurter Allee 173,. Sttd-Osten. Görlitzerstr. 55, Fischer. Reichenbergerstr. 168, Weber. Sorauerstr. 12, A. Jsmer. Glogauerstr. 26, H. Großmann. Kottbuser-User 44, Rabatt-Spar-Ver- ein.Süd-Ost«. Rattborstr. 6, Dietschmons. Centram. Auguststr. 26, Brotsabrik Berolina, Linienstr. 56, E. Schneider./ Westen. Göbenstr. 18, Brotfabrik Berolina. Frobenstr. 20,,, Stid- Westen. Friefenstr. 27, Brotfabrik Berolina. Süden. Blücherstr. 69, Brotfabrik Serolina. Prinzenstr. 64,,# Rixdorf. Erkstr. 4, Speisekorn.' Hermannstr. 231, Friedrich. Lessingstr. 30, Hoppe. Pannierstr. 16, SL Jsmer. Wipperstr. 12, Krell. Wifimannstr. 21, B. Kruger. Dclbrückstr. 65, R. Seiler. Herzbergstr. 11, Gribat. Herfurthstr. 34, 3i. Seiler. Ziethen str. 20, M. Lehmann. sclchowerstr. 4, M. Lehman» Reinlokendorf. Residenzstr. 61, W. Busse. Oher-SehSneHveids. Wilheiminenhosstr. 47, Th. Mielke. Martenstr. 18, Th. Mielke. Pankov. Schönholzerstr. 7, R. Sehff«. Tegel. Schloßftr. 27, K. Petersohn. Scluinebcrg. Zietenstr. 3. R. Hoffmann. vohenfriedbergstr. 21. F. Templia, Goltzstr. 68, Brotsabr. Berolina. Siegsriedstr. 1, Broffabr. Berolina. Friedrichstratzl Kaiser e 4, Brotfabrik Berolma. Wekssensee. GMerstr. 60, W. Engel. König-Chauffee 41. Broffabr. Berolina. Priedriehsherx-, Blumenthalftr. 7, E. Schültke. Scharnweberstr. 37, W. Köpke. fllariendort. Chausseestr. 42, G. Freimuth. B71 ed er- 8 ch Onhan s en. Kaiser Wilhelmstr. 27, L. Höhne. Die Forderungen durchbrochen resp. zurückgezogen haben folgende Bäckermeister und sind deshalb aus der Liste der BewUigten zu streichen: Korde«,. Reinickendorserstr. 57, Ziealer, liefert für folgende Milchhändler: Teglerstr. 18, M. Rocker, Pankstr. 45, Burka, Triststr. 40. Berndt, Müller. strafte 97, Aug. Wegner. Müller- strafte 115, Herrn. Seifert. Swinemünderstr. 2, Haese. Hochmeisterstr. 9, Rapp. Anklamerstratze 57, 83. Eher. Hoch str. 31, Fenske. Osten. Gr. Franksurterstr. 129, Tre, Zorndorserstr. 20, Leichtenberger. Wilhelm Stolzestr. 49, Giese. Eberthstr. 25, Sommerfeld. Thaerstr. 20, Schwarz. Mcmclcrstr. 26, Howe. teidenfeldstr. 11, Hesse. etersburgcrstr. 47, C. Eberthstr. 44, Zählte. Beymerstr. 26, R. Schenkel. Schneider. Süden. Dieffenbachstr. 53a, Nitzsche. �ichtestr. 26, Schwarz. illibald Alexisstr. 29. Süd-Ost. Mantenffelstr. 61, Stolle. Die Verbandölcitung. Bureau:(vipsstr. 2. Telephon Amt HI, 1218. M. Mörschels Kestaurant Zum Sportshaus. ZieKonhals, am Crcssinsee. Bahnstation Zeuthen. Fernsprech6,- 1.......- Maschinenbau-Anstalt. Selten günstige Gelegenheit. 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Druck». Berlgg: BsrwgrtS Buchdruflerei u. �erlaZsanitalt Zgul Wm*& Co,,§3iriin SW. Ii. 157. 21. 2. KW des, Ärmels" Krlim KldsdlÄ. Dsmerstilg, 7. Juli 1904. Prof. Moritz Meyer und Frau. Dritter Tag."~ Vorsitzender Geh. Justizrat G a r tz eröffnet die Sitzung um v Uhr. Staatsanwalt Assessor Dr. K a tz stellt nvhrcre Beweisanträge. Was die Entlassung des Angeklagten aus der Redaktion der„Vossischen Zeitung" betrifft, so habe sich Geh. Rat L e s s i n g, der morgen eine längere Reise antrete, bereit erklärt, heute noch an Gerichtsstelle zu erscheinen und über die Gründe der Entlassung Auskunft zu geben. Bezüglich der Abonnements auf die beiden vom Angeklagten herausgegebenen Zeitungen behauptet der Staatsauwalt nochmals, daß die Zeitungen von den Banken nicht gehalten worden seien zu dem Ziveck, sich zu informieren, sondern lediglich aus Mitleid mit dem Angeklagten. Der Staatsanwalt beruft sich für diese Be- hauptung auf den Bankdirektor I ü d e l von der Dresdner Bank, auf den Prokuristen Szylke von der Firma S. Bleichröder und auf den Direktor G r a m b a ch von der Berliner Bank. Schließlich bestreitet der Staatsanwalt die Richtigkeit der vom Angeklagten überreichten Aufstellung seiner Einnahmen. In dieser figurierten beispielsweise 500 M. von dem Bankgeschäft S. Jaffe. Der Inhaber dieser Firma werde bezeugen, daß dem Angeklagten im Jahre 1302 in der That SOO M. gegeben worden seien, jedoch als Darlehen. Ebenso habe der Rentier Bormann die von dem Angeklagten als Einnahme aufgeführten 180 M. auf seine Bitte als Darlehen ge- geben. Ferner werde Kommerzienrat Hugo Landau bekunden, daß er ihm die in dem Verzeichnis aufgeführten 100 M. nicht etwa für eine Leistung, sondern als Geschenk hingegeben habe.— Angeklagter Meyer: Er habe die 500 M. von der Firma S. Jaffe allerdings als Darlehen erhalten, aber im Hinblick auf die 4000 M., die er nach seiner Meinung von der Bau- und Terraingesellschaft zu erwarten hatte. Die 180 M. von Bormann habe er als Vorschutz für eine ihm unter grotzen Schwierigkeiten zu beschaffende Hypothek betrachtet. Der Gerichtshof beschkieht, Herrn Geh. Justizrat Lessing noch heute, die übrigen vom Staatsanwalt genannten Herren zu morgen als Zeugen zu laden. Die Rechtsanwälte Morris und C a r o beantragen die Ladung des Gcfängnisarztes Dr. Ho ff mann. Dieser habe die angeklagte Ehefrau während ihrer sechsmonatigen Untersuchungshaft beobachtet und werde bezeugen können, datz die Angeklagte hochgradig nervös und hysterisch ist. t Die Vorladung soll erfolgen. Die Beweisaufnahme bewegt sich zunächst in den alten Ge- Weisen. Da hat die Angeklagte in einem Geschäft in der Potsdamer- Matze ein Korsett auf Seide für 60 M. gekauft, in einem Putzgcschäft drei Hüte a 40 M., in einem andern einen Hut für 110 M., bei einer ersten Firma neben andern Sachen eine Schlafdecke für 00 M. als Weihnachtsgeschenk für ihren Mann, dann ein Paar Goldschuhe für 27 M., kurz vor ihrer Verhaftung in einem Geschäft Wäsche für 380 M., ferner. in einem DamenkonfcktionS-Geschäft ein Kleid für 300 M.. einen Unterrock für 40 M.. eine Bluse für 20 M. (Sä folgt dann wieder eine Gruppe von Fuhrherren, die den Angeklagten wiederholt auf längere Zeit Fuhrwerk gestellt haben. Zumeist handelte es sich um„Gummi-Coupes" und um Beträge, die sich zwischen 30 und 128 M. hielten. Das Fuhrwerk ist vielfach zu Korso- und Spazierfahrten benutzt worden. Neben den ins Große gehenden„Geschäften", die den Auge- Nagten als Betrug ausgelegt werden, läuft eine ganze Reihe von Bagatellen, die gleichfalls eingehende Beweisaufnahme erfordern. Dazu gehören die Fälle, in denen die Angeklagten zu ihrem Hochzeits- feste vier Obstkvrbe für 30 M. bestellt haben, ferner die unbcdeuten« deren Bestellungen auf eine Gans, auf Suppenhühner, Poularden und dergleichen. In dem Geschäft von Littauer sind Kostüme und Mäntel für Fran� Meyer entnommen worden. Der Zeuge glaubt, datz dabei ein Engagementsvertrag der Frau snach Hamburg vorgelegt worden sei. die Frau bestreitet dies aber; sie sei damals für das Wilhelm- Theater in der Friedrichstratze engagiert gewesen. Auch Herr Verschleiß, der Lieferant für VariötS- Kostüme, bei dem für 1100 M. Kostüme für Frau Meyer bestellt und von dem für etwa 700 M. geliefert wurden, will durch das Verhalten der Angeklagten getäuscht und geschädigt worden sein. Hierauf wird Geh. Justizrat Lessing, der Eigentümer der„Vossischen Zeitung", über die Gründe der- nommen, aus denen der Angeklagte aus seiner Stellung als Börsen- Redakteur geschieden ist. Der Zeuge bekundet: Ich bekam am 30. November 1838, natürlich anonym, ein Blatt dcS„Berliner Aktionär" zugeschickt, in welchem gegen den damaligen Börsen- Redakteur Dr. Moritz Meyer eine der schwersten Beschuldigungen erhoben wurde, die gegen einen Mann in solcher Stellung erhoben werden kann. Es war auf eine Notiz in dem Börsenteil der„Vossischen Zeitung" Bezug genommen und dabei «raren die Worte gebraucht:„Diese Notiz ist gekauftl" Am folgenden Tage schon erhielt ich yom Professor Meyer ein Ent- schuldigungSschreiben deS Inhalts, datz er sich leider vorher nicht in- formiert habe, ob die von ihm empfohlenen Papiere an der Börse zugelasien waren. Das war eine grobe Vernachlässigung der Pflichten, wie sie für einen Börsemeferenten und für eine solche in altem Rufe begründete Zeitung absolut ausgeschlossen sein mutz. Ich habe Herrn Professor Meyer sofort am nächsten Tage die Ltüudigung zugestellt, sie aber auf dem formalen Standpunkt gebracht: er habe einer vonmirgegebenenJnstncktton.wonach keinerlei empfehlende Nottz über die Nheinisch-Wcstfälische Bank aufgenommen werden sollte, zuwider gehandelt. Eine Prüfung, ob das Wort„gekauft" begründet war oder nicht, konnte ich in meiner Privatstellung nicht vornehmen und deshalb habe ich mich auf den formellen Standpunkt gestellt. Angekl. Prof. Meyer: Es handelte sich um Tarnowitzcr Obligationen, die die Rhcinisch-Westfälische Bank emittierte. Die 'Prospekte waren in allen Zeitungen und auch in der „Vossischen Zeitung" veröffentlicht worden, die Papiere wurden bereits gehandelt und ich hielt sie für gute Papiere, die nach meiner Meinung schon an der Börse zugelassen sein mutzten, denn es war noch nie vorgekommen, datz mit Papieren schon gehandelt wurde. ohne datz vorher die Genehmigung des Aeltcstenkollegiums erteilt worden wäre. Das hat aber die Rheinisch-Westfälische Bank gethan, weil sie auf betrügerische Manipulationen ausging. Als mir Dttettor Kaempf dann gesagr hatte, datz ich doch nicht Papiere hätte empfehlen sollen, die nicht zugelassen seien, habe ich sofort eine Berichtigung gebracht, so datz Herr Friedmann mir klagte, datz ich ihm die ganze Emission verdorben habe. Aber ich habe Feinde gehabt und wurde angegriffen; man warf mir vor. ich hätte mich für diese empfehlende Nottz kaufen lassen, aber ich habe darauf den mir feindlichen Blättern eine berichtigende Nottz zugehen lassen. Richtig ist, datz ein Verbot bestand, über die Rheinisch- Westfälische Bank irgend eine empfehlende Nottz zu bringen. Gegen dies Verbot habe ich gefehlt. Nun war aber Friedmann einmal da gewesen und hatte gebeten, datz man doch mal eine Ausnahme machen möge, wenn es sich um eine reelle gute Sache handele. In der Ueberzeugung, datz jene Obligationen kaufcnswert seien, habe ich dann eine kleine empfehlende Notiz erscheinen lassen. Obwohl das Verbot bestand, aber ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, datz ich für die Nottz keinen Pfennig Geld bekommen, noch versprochen erhalten habe. Präs.: Kann uns der Herr Zeuge sagen, ob in der Zeit, die zwischen der Notiz deS Angeklagten und dem Widerruf lag, grotze Vermögensschädigungen verursacht sein können? Zeuge Gcheimrat Lessing: Darüber kann ich naturgemäß keine Auskunft geben. Diese Notiz ist durch die Rheinisch-Westfälische Bank in Provinzblätter übergeführt worden. Man nmtz bedenken, daß nach der Notiz die Papiere sich zur Kapitalsanlage eignen sollten, datz sie über kleine Beträge von 300 M. lauteten und somit vorwiegend wohl kleine Leute sich dafür interessieren konnten. Auf eine Frage des Staatsanwalts erklärt der Zeuge, datz während der Thättgkeit des Angeklagten einige anonyme Mit- teiluugen über Professor Meyer eingegangen seien, es sei aber kein Wert darauf gelegt worden, weil sie eben anonym waren. Richtig sei es, daß er in einem Briefe an den Angeklagten geschrieben habe:„ich glaube nicht, datz Sie für diese Nottz gekauft stvörtlich genommenj worden sind." Hierauf wird die Beweisaufnahme über die einzelnen Fälle fort- gesetzt. Sie verändert das bisherige Bild nicht: in ununterbrochener Reihe treten die Lieferanten auf, die sich durch den Professortitel und die Wohnung der Angeklagten inr Westen haben blenden lassen und Waren geliefert haben. Staunenswert ist die Reichhaltigkeit der Bedürfnisse, die die Angeklagten an allerlei Luxus- und Gebrauchs- gegenständen gehabt haben. Unter den bestellten und teilweise auch gelieferten Sachen befanden sich immer wieder Wäsche-Ausstattimgen. Frau Meyer hatte unter andern: Bedürfnis für Knöpfstiesel zum Preise von 33 M. und Goldkäferstiefel im Preise von 88 M., ferner für einen Kostiimrock im Preise von 140 M., für zwei Hüte a 80 M. und einen zu 82 M. ae. Eine ganz grotze Bestellung, die nur zum Teil ausgeführt worden ist, hat die Angeklagte bei Herpich-Söhne gemacht. Es handelte sich dabei um Sachen im Werte von über 1330 M., darunter eine Federboa für 78 M., eine Gcsellschaftsrobe für 480 M., Reiher für 100 M., ein Persianer- Jackett für 280 M. ae. Daneben gehen die Bedürfnisse des Professors Meyer weiter. Sehr empört über ihn ist ein Schneidermeister, der dem Angeklagten einen Winterpaletot für 138 M. geliefert und kein Geld bekommen hat. Er habe noch Gerichtskosten dazu zahlen müssen. Datz Herr Professor Meyer aus Betrug aus- gegangen, folgert dieser Zeuge daraus, datz sich der Angeklagte schon im nächsten Jahre wieder bei einem andren einen Ueberzieher bc- stellt habe.„Und jeder anständige Mensch trägt doch einen so teuren Ueberzieher sicher drei Jahre!" Bei einer Frau K a n o l e r in Hamburg haben die Angeklagten während des Engagements ain Hansa-Theater 14 Tage in Pension gewohnt. Sie sind abgezogen, ohne ihre Schulden in Höhe von 138 Mark zu bezahlen. Die Zeugin behauptet, datz sie von einer angeblichen schweren Halskrankheit der Frau Meyer nichts gemerkt habe. Nicht deshalb sei die Augeklagte ans dein Engagement ent- lassen worden, sondern weil sie nicht gefallen habe und bei ihrem einmaligen Auftreten ausgepfiffen worden sei. Der Direttor habe ihr noch 100 M. Abstand gegeben und sie nicht mehr auftreten lassen.— Die Angeklagte bleibt dabei, datz sie schwer halsleidend gewesen sei, und beruft sich auf einen zufällig in Ham- bürg anwesend gewesenen Berliner Arzt, der sie im„Alsterpavillon" begrüßt und ihr anempfohlen habe, aus Haniburg zu gehen, weil ihr die dorttge Luft nicht bekomme.— Präs.: Wenn das alles ist, was Sie zum Beweise für Ihr schweres Halsleiden anführen können, so ist das ein bischen wenig.— Angekl. Prof. Meyer: Schon wie lvir uns verlobten, war meine jetzige Frau schwer halsleidend.— Präs.: Bitte, Beweise I Wir werden jetzt für jede Ihrer Behaup- ttiiigcn Beweise verlangen müssen I Längere Zeit beansprucht die Verhandlung eines Falles, in welchem die Angeklagte bei Friedländer zwei goldene Börsen im Werte von 170 und 136 M. entnommen hat. Streit herrscht darüber, ob diese Börsen nur„zur Auswahl" mitgegeben, oder, wie die Angeklagte behauptet, von ihr fest gekauft worden sind. Die eine Börse ist von der Angeklagten sehr bald, die andre von dem An- geklagten später versetzt worden.— Der Angeklagte erklärt hierzu. datz er den Versatz vorgenommen habe, um seiner armen Frau, die an Krämpfen litt, die nötigen Mittel zu beschaffen, iiin Bäder nehmen zu können. Es sei das gcwissermatzen eine Spekulation von ihm gewesen,"in der festen Ueberzeugung, datz er die nöttgen Mittel werde herbeischaffen können, uin die Börsen wieder einzulösen und zu bezahlen. Auf Antrag des Staatsanwalt Dr. K a tz werden zwei Briefe verlesen, die der Angeklagte unter dem 8. und 10. Aligust 1303 an seine Frau nach HeringSdorf gerichtet hat. Darin wird auch auf die Friedländerfchen Börsen Bezug genommen und die Notwendigkeit betont, das Geld zur Einlösung derselben zu beschaffen, da sonst der Frau Unannehmlichkeiten er- wachsen könnten. Die Briefe klingen wieder wie das Licbesairren eines bis über die Ohren verliebten Jünglings. In dem ersten heißt es unter anderm:„Mein siitzes gutes Herz, mein innigstgeliebtes Friede!! Dein gestriges Brieflein hat mich außerordentlich erfreut und für mich eine reizende Lektüre inr Bett gebildet. Ich hatte mich den Abend über ziemlich geödet, ich war mit verschiedenen dicken Weibern zusammen, wir sprachen viel von Dir und sie lassen Dich alle grützen. Der Frau Sch. habe ich ein Pftmd Pralinüs spendiert, dann gab ich noch einlpaar Mark zum Abendbrot zu." Nach einigen Superlattven voii Schmeichelworten heißt es dann zum Schluß:„Bei mir ist immer noch der Dalles groß, es will kein Mittel mehr verfangen, um Geld zu schaffen. Vielleicht gelingt es mir aber doch noch Geld auf- zutteiben, um Dich, mein geliebtes Goldkind, besuchen zu können. de«M ich habe so grotze Sehnsucht»ach Dir. Ich thue, Ivas ich kann, um Dich über Wasser zu halten. Zuletzt mutz Friedberg heran, wenn alle Stricke reißen. Seitdem Du weg bist, gelingt mir in Geldsachen nichts mehr. Vielleicht hast Du Glück, wenn Du es schlau anfängst, einen 800 Mark- Schein Deinem dortigen Herrn auszuutzen. Wir müssen zum Ersten viel Geld haben, um die Taschen auszulösen, damit Dir nichts Unangenehmes passiert. Aber zerbrich Dir Dein gutes blondes Köpfchen nicht zu sehr damit. Bitte, schreibe mir doch, wie Du dinierst und soupierst und ob eS nicht auffällig ist, datz Du immer mit einem und demselben Herrn dinierst. Ich möchte gern Näheres über den Herrn erfahren, aber ich vertraue Dir vollkommen. Hoffentlich singst Du dort nicht anstößige Sachen wie den„Steuer- mann" oder den„Klavierfritzen". Solche Chansons eignen sich nicht." Aehnlich lautet der zweite Brief. Die bisher vorgeladenen Zeugen sind nun alle vernommen. Die vom Staatsanwalt vorgeschlagenen Zeugen sollen Donnerstag der- nommen und damit die Beweisaufnahme geschlossen werden. Es handelt sich dann noch um die Vereidigung des Dienst- Mädchens der Angeklagten, Anna Milster. Der Staatsanwalt Assessor Dr. Katz widerspricht der Ver- eidiguna. da die Zeugin der Beihilfe im hohen Grade ver- dächtig fei. Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes und wiederholten Ver- Warnungen der Zeugin vor dem Meineide vereidigt sie der Prä- sident, da nach Ansicht des Gerichtshofes die Zeugin, wenn sie auch Beihilfe geleistet hat. nicht nachweisbar„wissentlich" dies gethan hat, Hierauf wird die Sitzung auf Donnerstag 9 Uhr vertagt. )Ziis Indurtnc und ftandel Die neuen Aktiengesellschaften deS ersten Halbjahres 1904. Auf dem Gebiete der Attiengesellschaften war nach den �gewohnten Zu- sammenstellungen deS„Deutschen Oekonomist" die Gründungsthätigkeit im eben verflossenen halben Jahre nur wenig verschieden von derjenigen deS vorjährigen gleichen Zeitraumes. Die Zahl der neugegründeten Aktiengesellschaften betrug 83 gegen 42 im ersten Semester 1303, das aufgebrachte Aktienkapital aber betrug 70,46 Millionen Mark gegen 77,98 Millionen Mark im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ganze Jahr 1903 ergab eine Kapitalsumme von 300,04 Millionen Mark, darin war aber im zweiten Halbjahr die Gesellschaft Krupp allein mit 160 Millionen Mark enthalten, die wegen ihrer außergewöhnlichen Grötze bei Ver- gleichungen ausscheiden mutz. Ohne sie betrug das Aktienkapitnl der neiigegründeten Gesellschaften 1303 nur 140,04 Millionen Marl, das Doppelte der im jetzt abgelaufenen Halbjahr aufgebrachten Summe. Bei dieser Statistik der neugegründeten Aktiengesellschaften und ihrer Beurteilung für das allgemeine WirtschaftS- leben darf man nicht übersehen, daß seit 1332, seit dem �Gesetz über Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die Bedeutung der Zahl und des Kapitals lieugegründeter Aktiengesellschaften für d ie Be- urtcilung der ökonomischen Entwicklung eine weit geringere geroorden ist als vor 1832. In immer größerem Umfang bedienen sich nämlich die Unternehmer jener Gesellschaftsform mit beschränkter Haftung, die insofern vor allem weit bequemer und der kapita- listischen Tendenzen entsprechender ist, als sich ihr Leben nicht wie bei der Aktiengesellschaft vor der Oeffentlichkeit abspielt. Auf die einzelnen Zweige des Wirtschaftslebens verteilen sich die im abgelaufenen Halbjahr neugegründeten Aknen- gesellschaften derart, daß kommen: auf Landwirtschast, Viehzucht, Fischerei 3 mit 2,6 Millionen Mark Aktienkapital; auf Berg- bau, Hütten, Salinen 2 mit 3 Millionen Mark; auf die Jndllstrie der Steine niid Erden 10 mit 8,7 Millionen Mark; auf Metallverarbeitung und Maschinenbau 7 mit 4,3 Millionen Mark; auf die chemische Industrie, Heiz- und Leucht- stoffe 8 mit 23,2 Millionen Mark; auf die Textilindustrie 1 mit 2,8 Millionen Mark; auf Papier-, Leder-, Holz- und Schnitzstoffe 2 mit 0,74 Millionen Mark; auf NahrungS- u. dergl. Mitttel 7 mit 4,7 Millionen Mark; auf das Baugewerbe 3 mit 8,8 Millionen Mark; auf das polygraphische Gewerbe 3 mit 0,33 Mill. Mark; auf Banken 3 mit 2,3 Millionen Mark; auf Versicherungsgesellschaften 2 mit 2,2 Millionen Mark; auf Transportgesellschasten(ohne Eisenbahn- gesellschaften) 4 mit 9,5 Millionen Mark; auf das Gewerbe der Be- herbung und Erquickung 1 mit 0,13 Millionen Mark; auf diverse schließlich 4 mit 1,6 Millionen Mark. Der Durchschnittsbetrag des auf eine Gesellschaft ent- fallenden Aktienkapitals stellt sich wieder verhältnismäßig sehr niedrig, auf nur 1,13 Millionen Mark, und er würde sogar erheblich unter 1 Million geblieben sein, wenn nicht die im März konstituierte Deutsche Petroleum-Aktiengesellschaft ein Kapital von 20 Millionen Mark hätte. Bemerkenswert ist»och, datz in diesem Jahre noch leine Elektricitätsgesellschaft gegründet worden ist. Cunardlinie und Haiuburg-Amerika-Linie. Der bekannte Ko»- kurrenzkampf dieser beiden Linien im Personenverkehr nach Amerika scheint ein friedliches Ende erreichen zu sollen. Auf Einladung Lord Balfours wird sich Herr Ballin von der Hamburg-Amerika-Liwie dieser Tage nach London begeben, um unter Vermittelung der eng- lischen Regierung mit Vertretern der Cunardlinie in neue Verhand- lungen zur endgültigen Beilegung des Kampfes zu treten. Nach einer, augenscheinlich von der Hamburg-Amerika-Linie inspirierten Mitteilung der„Frankfurter Zeitung" aus Hamburg sieht man dort schon mit Bestimmtheit einem definitiven Ende der Differenzen ent- gegen. Und in der That würde bei den intimen Beziehungen der Cunardlinie zur englischen Regierung die Einladung Balfours an Ballin wohl nicht ergangen sein, wenn man in England nicht ein friedliches Ende zu machen_ den Wunsch hätte. Wie man weiß, ist die Cuiiardlime Englands älteste grotze Dampsschiffahrts-Gesellschaft. Als im Fahre 1901 der Morganttilst die Leyland Line und die White Star Line erwarb, wurde die Cunardlinie vor dem gleichen Schicksal nur dadurch bewahrt, datz die englische Regierung ihr nnt einem Geschenk von 60 Millionen Mark in Form von zwanzigjährigen Subsidien und außerdem mit 40 Millionen Mark in billigen Darlehen zu Hilfe kam. Das Frachtgeschäft der Cunardlinie ist aber nicht sehr beträchtlich, ihre ganze Kraft liegt im Personenverkehr, für den sie mit so starken Unterbietungen den Kampf aufnahm. Wenn jetzt die Regierung ein Ende dieses Kampfes wünscht, so ist es sicher, datz die Cunardlinie eS jetzt auch wünscht. Die Fahrzeugfabrik Eisrnach, die seit den letzten Jahren so rapide in ihren Erttägnisscn herabgegangen ist, hat auch im ver- flossenen Geschäftsjahr 1303/1904 wieder einen sehr ungünstigen Ab- schlutz zu verzeichnen. So blieb z. B. der Umsatz in Kriegsmaterial gegen das vorhergehende Jahr fast um 2 Millionen Mark zurück. Die Bilanz tveist einschließlich der Unkosten, Zinsen und Reparaturen einen Verlust von 876 638 M.(gegen 489 786 M. im Vorjahre) aus, wozu noch die Abschreibungen in Höhe von 200940 M.(im Vor- jähre 336 423 M.) treten, so datz sich ein Gesamtverlust von 777 876 M. ergiebt(gegen 826 203 M. im Vorjahre). Seitdem diese „Fahrzeugfabrik" hauptsächlich in Kriegsmaterialien und Automobilen arbeitet, ist sie von der Konkurrenz, besonders von Krupp, auf das hefttgste befehdet worden, und die erhofften grotzen Austräge aus allen Teilen der Welt, auf die jeder neue Bericht immer wieder vertveist, wollen nicht kommen. Lriekkaften der Redaktion. „Carlos". Schcrr, 81. Stein, KarpeleS, Hart, Leixner.— O. G. Eine preußische Rute hat 3,766 Meter, eine Ouadratrute etwa 14 Quadrat- meter(genauer 14,1827 Quadratmeter), ein preußischer Morgen 28,832 Ar. Jiiriltikebe? Ccil. Die jurMIsch« Svrechftinide findet täglich mitSliiSiiahme deS Sonnabends vo» 71/1 bis«'/, Mir abends statt, tg-vffiiet: 7 Mir. Leichtsinn 22. 03. Ihr Freund mutz schleunigst Einspruch gegen das Urteil einlegen. Das muß innerhalb drei Tagen aus Zustellung des Urteils erfolge». Ein Beispiel dasür finden Sie S. 428 Sir. 88 des in den öffentlichen Lesehallen ausliegenden„Arbciterrechts". Der Einspruch kann auch zu Protokoll der Gerichtsschreiberet des Gewerbegcrichts eingelegt werden.— M. 10. und das liebe Batcrlaud. Verjährung liegt nicht vor, geben Sie nicht selbst zu, dem Staate zur Besteuerung der Hoffnung Bcihilse ge- leistet zu haben, so kann es Ihnen schwerlich bewiesen werden. Strasbar ist da« Spielen In auswärtigen Lotterien schon längst, das geplante Gesetz will Swafverichärsungen bringen, rückwirkende Kraft soll eS nicht haben. — Ostprenhische Karuickelwirtschast. Eine solche Vereinbarung ist nicht klagbar, ihre Ersüllmig hängt vom guten Willen der Eltern und dem Inhalt ihrer letztwtlltgen Verfügung ab.— R. 33, Vor Benutzung des New York Institute of Science hat selbst das preußische Ministerium des Innern geivarnt. Sewe Benutzung ist geeignet, die Taschen leer zu machen, der Kops wird nur um eine bittere Erfahrung reicher.— B. D. Der Bescheid ist nicht berusungSsähig, sondern erst ein etwa später ergehender. Den Stand der Rechtsprechung über die Frage, wie weit eine Operation ohne Nachteil abgelehnt werden kann, sinden Sie Seite 31 und 32 des ersten Nachttages zunr.Arbeiterrecht" dargelegt. In Ihrem Fall dürste eine Weigerung nicht berechtigt sein.— X. U. Z. Leider nicht möglich. — Yjeorg 100. Ihr wechselseitiges Testament bedarf nicht notarieller oder gerichtlicher Form. Ein Beispiel und Anleitung zu solchem Testamcul finden Sie(n dem dem„Arbeiterrecht" beigesügicu Fuhrer S. 238. Sie müßten, da die Eltern noch leben, das Formular 86 nehmen l Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— C. H. 38. Anhang zum„Arbeiter- recht" S. 11 unten.§§ 828, 829, 1627, 1628, 1631. Die Praxis macht den Beweis ersüllter Aussichlspflicht sehr schwer, so daß in der Regel Berurtellung erfolgt, weil bei gehöriger Aussicht die SchadcnSzusügung vermieden wäre.„Wehre den Kindern nicht" ist nicht zur RechtSregel geworden. — K. K. 31. 1. Nicht verpflichtet, aber berechtigt sind Sie, dem außer- ehelich vor der Ehe geborenen, von Ihnen nicht erzeugten Kinde Ihren Namen beizulegen. Erforderlich ist Zustimmung der Mutter und des Vormundes vor dem Standesbeamten oder in notariell oder gerichtlich be» glaubigter Form. Die Nameiisbeilegung ist sin das Kind nützlich und sollte von Ihnen baldniöglichst vorgenommen werden. 2. Das Kind tritt durch die NamenSbeilegung keineswegs in die Rechte eines ehelichen, Sie nicht in die Rechte eines VaterS. Der Vormund bleibt Vormund, i-�ie können aber statt seiner zum Vormund ernannt werden. Die Rechte eines ehelichen Kindes(Erbrechts insbesondre) erhält das itind Ihnen gegenüber, wenn es von Ihnen adoptiert wird. Adoptieren können aber nur Leute, die keine ehelichen Kinder haben.— Tausend. Ja. ßnefkarten der Expedition. Postamt 95, Erholung. Inserat nicht aufgenommen. Bettag Vitt?» in der Expedition abzuholen. Vierter Wahlkreis(Osten)» Sonntag, den 10. Juli 1904, in„Mentes Volksgarten", Lichtenberg, Röder-Strasse 35—36: grosses Sommer-fest bestehend in___ Konzert, Specialitäten-Theater, Harburser Sänger, Preiskegeln and aller Art; bei eintretender Dunkelheit Kinder- Fackel- polonaise, wozu jedes Kind am Eingang eine Stocklaterne gratis erhält, ebenso eine Marke zur Schaukel oder Caroussel. Im Saale von 4 Uhr an: Tanz. Die KafTeekUchc steht den geehrten Damen von 2 Uhr an zur Verfügung. KasseneröSnung L Uhr. Billet 80 Pf., an der Kasse 85 Pf. Das Komitee. Holzbildhauer. Donnerstag, den 7. Juli, Gewerkschaftshaus, Saal 7: Branchen-Abend. " Tages-Ordnung: 1. Wahl der Mitglieder der Schlichtungskommission. 2. Erledigung verschiedener Angelegenheiten._ Der Vorstand. teppdeeken Geiegenlieitskauf. ill,>>»»>e>,»ir. 2, IS alle Farben � jjjj iiliSellle, Farben 6,00 Normal- Q fl Schlafdecken 2,oo, 3,00 Spesial- Haus "0s.Hn Oranieiistrasse 158. In ilMit Sonnabend, den 1V. Juli 1904, findet in den Gesamträumen des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee ll/IZ unser diesjähriges SUftunxs- Pest statt, bestehend in: Grossem Sommernachts- Ball sowie der Feier des S0jSKrigen dsseNen-SubNSums unfrer beiden Mitglieder Ernst Köhl und Herrn. Altstein wozu wir die Mitglieder, Freunde und Gönner unsres Vereins einladen, recht zahlreich zu erscheinen. Anfang 8>/s Uhr. Ende??? Eintrittskarten hierzu sind vorher bei den unterzeichneten Komiteemitgliedern zu haben: H. Glrke, Waldemarstr. 49, Part. C. Mahn, Eisenbahnstr. 31, El. Büchner, Elisabeth-Ufer 36. Posfeur, Schulstr. 102, 5. Ausg. II. Schwanz, Kolonie� ftrafee 3/4, H. III. Schiller, Wrangelstr. 56, Part. Jahn, Usedomstr. 10, 1. Stsl. II. Auherdem bei den Mitgliedern Herren: Bandlow, Langestr. 13 im Restaurant. Brunzel, Wilsnackerstr. 61, Stfl. III. Schacht, Prenzlauer Allee 209a. Seidel, Dersflinqerftr. 20. - aAbr*......... 25326 bendkasse findet nicht statt.» Idas Komitee. Arbeiter-Radfatirer-Verein Steglitz (Mitgl. des Arb.-Radf.-Bundes Solidarität). Sonntag, de» 10. Juli, von nachm. 2 Uhr an, im„Birlcnwäldchen", Stegittz-Lichtersclde: Zur 7eier ües S. Stistungs-7estss (Zrosses Lommerkest bestehend in Gastsa-Konzest, Auftreten der Volkssanger-Gesellsctiaft Lewandowsky, gr. Verlosung, Reigenfahren, Kinderbelustigung, Festzeitung. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. 13/12«M- Eintritt 85 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet Idas Komitee. Scheruchs Festsäle Rüdersdorferstr. 45. Säle und BereinSziiiiiner von 50— 8000 Personen fassend für Versammlungen nnd Festlichkeiten»och einige Sonnabende»nd Sonntage frei.— Conlanteste Bedingungen. 5632S* Nur noch einige Tage! Klariendorf et Kochhau- Terrain! 80O Itaustellen von M. 3000,— an, prachtvoll geschnitten M. 3,— und M. 4,— pro Quadrat- Meter netto Baustelle, zur Straße nichts mehr abzutreten. Knnallsatlon, Gas, Wasserleitung, elektrisches Ijicht, 3 Minuten vom Endpunkt der elektrischen Bahn Behrenstraße— Mariendors. 2390b* Verkäufer, auch Sonntags von 3—8 Uhr, aus dem Terrain. Eigentümer A. Eowrek. Berlin, Gneisenaustr. 58. freie Volksbühne Die Vorstellungen der I. Serie im Berliner Theater beginnen am 4. September mit Groetbe: Götz von Berlichingen. (Der Mann mit der eisernen Hand.) —— Schauspiel in 5 Akten.—— II. Serie im lHetropol-Theater: Henrik Ibsen: Die Kdiiltie der liebe. lHUtglleds• Karten müssen in den Zahlstellen abgegeben werden mit der Erklärung bezüglich der weiteren Mitgliedschaft und können gegen die neuen Karten für 1904 bis 1903 eingetauscht werden. ITmschrcibnngen aus der bisherigen Zahlstelle in eine andre können nur im Juli und August nach Begleichung von etwaigen Beitragsresten vorgenommen werden, jedoch muss die neue Karte für 1904/5 aus der alten Zahlstelle abgeholt werden. Wff" Für die Iftorwitz-Oper T(heÄ) liegen in unsern Zahlstellen I. Parkett- Billets aus (Kassonpreis 2,50), für die Mitglieder der Freien Volksbühne ermässigt auf 1,60 M. inkl. Garderobe zu allen Abendvorstellungen.(Sonntags 50 Pf. mehr,) Rechtzeitige Vorbestellung in den Zahlstellen ist zu empfehlen. 229/7* Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Max Küem's Sommer-Theater* Hasenhelde 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. j läglieb; Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Yorstellung, Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebte» Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. 1W Die Kaffeekiiche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstands. In den 8iUen: bTrosser Ball. Neue Welt. Hasenheide 108/114. Arnold Scholz. Donnerstag, den 7. Juli 1904: t Gala-Monstre-Feuerwerk t Vollständig neue pyrotechnische Prachtschaustücke. tSchlussfront: N°u! Unsere Marine. 9Jcu! Militär»Konzert d.Reg.-Musik IV.Garde-Reg.z.F. Dir. Frz. A. Bergter. Anfang 5 Uhr. Speeialitäten- Vorstellung. Das sensationelle ' Juli-Programm."WS Entree 50 Pf. Bitlets im Vorverkauf a 40 Ps. sind in den mit Plakaten, legten s belegten Handlungen zu haben. Dr. Simmel, Specialarzt für[13/8* Hant- nnd Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Flundern, dem Rauch nur 1,90 M. Postd. seit« blefende Motjes, H. 3>/, M. llrnst klapp Nachf., Swinemünde Nr. 56. m Pfennig. 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