Nr. 161. Sri?« lnt■taflti* auBct Montag». WhrNA Umeran'">:«i-rt-l- \T*>>'>°S*avt. monatlich t',,"' wöchentlich 23 Pfg frei s»>,„!!?'®'näe'nc Nummer lHuft~ nta9®' Nummer mit ®rtt" if mu 0me= S3ei!a9e»N-ue z ZI, IN'» P°st-Adonnement: da»,,. Quartal. Unter Kreuz- lln," �lschland u. Defterrelch- SV Smt' Wr das übrige HMtoRb 3 Ml.pr.Monal. E.ngerr. er Post- Zeitungs- Preisliste lur ig»! unter Nr. oasa. 9. Jahrg. gnsertionz-Sebühr beträgt für die fünfgelpaltene Petitzeile oder deren Raum«o Pfg., für Vereins- und «eriainmlungs- Anzeigen ao Pfg Jnlerate für die nächste Nummer muffen bis« Uhr Nachmittags in der Trpeditton abgegeben Iverden. Die Erpedition ist an Wachen- ragen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Bor- mittags geoffner. Fernfprech-Aufchlug: Amt l. Ztr.»t8S. Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW.19, Weuth-Straße 2. Mittwoch, den 13. Juli 1892. Spedition: SW. 19, MeutK-Straßc 3. ;3u bett eu�lifzszon Mahlen. .. London, den 8. Juli. »war ��hlen sind nun soweit vorgeschritten, daß sich ß.; noch kein cndgiltiges Urtheil über das zu erwartende bild?��resultat, wohl aber eine Physiognomie des Wahl- in,«f lieben läßt. Diese geht dahin, daß"die Gladstoneaner habe' � und Ganzen Stimmenzuwachs zu ..____.......... �_____ verzeichnen »du V �e�ocl' nicht so starken, als nöthig ist, ihnen eine j»..°cn Jrländern unabhängige Mehrheit im Parlament _»cberii ,venn die Wahlen in Kreis wenn die" Wahlen in den ländlichen befte c>0c� � günstig für sie ausfallen, werden sie i -v-A i-Valle so viel Sitze erlangen, um mit Hilfe d rietst v- e'ue Regierungsmehrheit zu bilden. Damit ge- die i? �nrtei in eine Abhängigkeit von den Letzteren, bei der ersten Gelegenheit sehr fatal werden kömlte� (> s. vycicycnyviv|vuiii»utivvu ivmuv. rn" s�kbst das setzt über Erwarten günstige Resultate diele Endlichen Wahlkreisen voraus. Wenngleich nun nsfl'ett Jahren den Liberalen günstiger zu sein Sttoü o 0*§ bie städtischen Bezirke, so ist ein so Zuwachs, wie erforderlich, doch ziemlich unwahr- der cvlch' und so kann es leicht geschehen, daß die Hoffnnng wirf, c��len ans Rückkehr zur iRcgierilng völkig zu Wasser komm~a Uber auf jeden Fall verstärkt ins Hans zurück- 3ludi r' � haben auch die Tories keinen Grund, zu jubeln. -™ i.,e. werden es höchstens zu einer Mehrheit von ein paar r-'' � i/umn«"» zu rilico a-ityn;cu uua nu fo«?"Mmen bringen, so daß die Partei von jeder noch d. Sezession �°er».-I?l'cherer Eondergruppe in ihren Reihen abhängig ist. wegen irgend einer Spezialfrage von einer iiao-.. erer Kantonisten, an denen es in beiden Eo ie�.Ulcht fehlt, würde der Partei die Herrschaft kosten. res.ii!. Prognostikon dahin zu stellen, daß das End wt wahrscheinlich— ein Provisorium sein wird. das m bie Arbeiter ist dies nach Lage der Tinge beinahe Welfl m � e''u a s ihnen p a s s i r e n konnte. Dan, er Partei auch ans Ruder kommt, jede wird das Und d ��ert der Auflösung über ihrem Haupte haben Arbeif�r gezwungen sein, durch Konzessionen an die essir» diese für ihre etwaige Wiederwahl zu inter- haben' �' Allem werden die Liberalen sich überzeugt hoiü'ü' baß etwas mehr dazu gehört als das Versprechen in tz�uthischer Refornichen, um sich die Arbeiterstimmcn �..uölhigen Anzahl sicher zu stellen diesmal ist ihnen die Erkcnntniß ) l Kreise,, flek wresinm i]t ,ynen oie vsmimtmp etwas zu spät und"NN'. Erst im letzten Moment sckicinen Herr Gladstone �aktck � �"te gemerkt zu haben, daß es mit der alten bie nIL, � Arbeiterbewegung gegenüber nicht geht; aber nn*... denen sie sich vor Thoresschluß „ Jf konnten die Mißstimmung in weiten Keiii�ö ber vorgeschrittenen Arbeiterschaft nicht ändern. b'ese daß der Verlust der Stimmen, die ihnen auf die Ä01'-6 entgingen, erheblich dazu beigetragen hat, daß Iwdtischen Wahlen bisher der Partei so viele Ent- *oÄLÄOnÄcffionen' iu ftteit?"?roonflen» konnte! JfCUirtcfDH. "«m,. tua»erboten.) (11 Das schlagende Wetter. Raman von Maurice Tal meyer. Uebersetzt von B. und A. G. drifA? fühlet durch Angst, die in seiner Brust keuchte, er- eurch das Zentnergewicht, unter dem er röchelte, und sej»� ss, ir Toubean noch lebte, so stellte er das Verderben sej,,- x., gangeilheit dar und das düstre Berhängniß, das Lukunft verhüllte. diit M.'iü /skt von schrecklichen Fieberschauern, nur noch in che�sein Veivußtsein bewahrend, stieg er hinauf, und zittx�,.� ürcngung, die das Steigen verursachte, mit seinen twli stolpernden Füßen, mit seinen Händen, die angst- die d,,.�".'st-rn umherlasteten, und bei den Gedankenblitzen, �twas A.�iue Seele zuckten, hatte er rtivas Uebermenschliches, s'nchinenmäßigcs und Verzweifeltes zugleich. Er sah drejm.'üs wie im Traum vor sich das Leben Toubeaus, die Schnee des Elends, an den Wegen bettelnd, be- all? rv-.'Ulö-Sa**•« ur u tr 5 ai» Cni'*! fföl» m n StA l»>f gj."tn Hagel, in de» schmutzigen Hütten, wo die Roth Ate,,?, w. und auf Riord sinnt. Er sagte sich, daß er ein k�Üeick»' ben eine Frau verflucht hatte; ein Vater, der n»gij. /... suies Tages sterben würde unter dem Messer des Jiiib j,,.. J6}1' de» er in diesem Moment das Leben rettete �diiJ /�ä.ihm der W-ahnsmn zum Hirn, ein entsetzliches iosx» erfüllte seine Augen und schivankend, den regnngs- �eper des Schleppers auf den Schultern, tastend mit tänschnngen gebracht. Es sind sehr oft nur ganz winzige Mehrheiten gewesen, die den Sieg entschieden haben, und mit je hundert oder zweihundert Stimmen niehr hätten die Liberalen den Konservativen noch Dutzende von Wahlkreisen abnehmen können. Die meisten städtischen Wahlergebnisse weisen dasselbe Bild auf, wie das oben von dein voraussichtlichen zukünftigen Parlament gegebene: die beiden Parteien stehen sich in annähernd gleicher Stärke gegenüber. Einen Erfolg für die Arbeiter stellen die Wahlen, so- weit sie sich bis jetzt übersehen lasten, auch darin dar, daß innerhalb der liberalen Partei gerade die radikalere Richtung eine Verstärkung erhält. Es sind meist die mehr whigistisch (altliberal) gefärbten Liberalen, die unterlegen sind, während die Siege zum großen Theil auf Kandidaten der schärferen Tonart entfallen. Und mehr noch, dieselbe Verschiebung findet in Bezug auf die eigentliche Arbeitervertretnng im Parlament statt. Der Telegraph wird Ihnen bereits gemeldet haben, daß John B n r n s und Keir Hardie gewählt sind, der Wortführer der alten Gewerkschaftler, Br o ad hurst, dagegen durchgefallen ist. Das ist vielleicht das beinerkcns- wcrtheste Charakteristikum des diesmaligen Wahlkampfcs. Broadhurst war offizieller Kandidat der Liberalen, Burn und Keir Hardie dagegen waren ursprünglich gegen die Liberalen aufgestellt ivorden, und nur weil diese sich über- zeugten, daß sie ihnen gegenüber elend durchfallen würden, haben sie, die Liberalen— bei Keir Hardie sogar erst im letzten Moment— auf ein« Gcgcnkandidatur verzichtet. Beide sind als Sozialdemokraten gewählt und werden als solche ins Parlament einziehen. Broadhurst dagegen ist unterlegen, weil ein großer Theil der Bergleute in seinem Wahlkreise wegen seiner Haltnng in der Achtstundenfrage gegen ihn gestimmt hat. Welchen Jubel die Wahl dieser beiden Sozialisten in Londoner Arbeiterkreisen hervorgerufen hat, können die Leser des„Vorwärts" sich leicht vorstellen. Ueber die Beliebtheit, deren sich Burns erfreut, brauche ich kein Wort mehr zu verlieren, aber auch Keir Hardie, obwohl bisher Haupt sächlich in seinem Geburtsland, Schottland, thätig, hat sich während der kurzen Zeit seines Aufenthalts in London viel Sympathie«» erworben. Die Begeisterung der am Wahltage vor dem Wahllokal versammelten Masten ivar so groß, daß Keir Hardie vor Hurrahrufen nicht einmal dazu kam, sich bei seinen Wählern zu bedanken. Man trug ihn auf den Schultern vom Wahllokal zu einem Wagen und formirte einen Trinmphzug durch den weit aus- gedehnten Wahlkreis. Seine Wähler sind hauptsächlich Gasarbeiter, wie denn sein Sieg namentlich der unermüdlichen Agitation des Generalsekretärs der Gasarbeiter-Union, Will T h o r n e, zu verdanken ist. Sein„Wahlagcnt"— jeder Kandidat muß hier einen solchen haben— war der erprobte Sozialist Bob Banner, dessen Vater bereits Mitglied der alten Internationale gewesen. Leider ist der dritte der Sozialisten, auf dessen Sieg dem Fuße in der Dunkelheit nach den ausgebrochenen Stellen der Kohle,>vo er sich anklammerte mit seinen Hände», die an den Holzstämnien umherirrten, welche den Schacht stützten, niedergedrückt, dieHände nach oben ausgestreckt voll Ingrimm stieg er ivcitcr und jeder seiner Tritte ent- fesselte Laivincn. Das Kohlenlager zerriß in Fetzen wie eine ab gestorbene Fleischmastc. Man hätte wähnen könne», die aus ihrer Einsamkeit ausgestörte Erde vertheidige sich und der Fels stürze sich aus ihn, um ihn zu steinigen. Dann und wann glaubte er das Gestein würde ihn halten, im nächsten Augenblick brach jedoch der Stein und glitschte glatt wie Eis unter ihm hinunter. Wenn er nur einen Moment zögerte, begann der Boden iofort von Neuem abzubröckeln. In einzelnen Höhlungen der Kohlcnader ivaren schädliche Gase angehäuft. In jedem Arigeilblick konnte er zu Boden gestreckt werden vom bösen Wetter. Trotz Allem känipfte er und drang mit gekrümmtem Körper vor, benützte unaufhörlich, mit Ver- nichtnng bedroht, die kleinsten Steine, die geringsten Ver- ticfnngen, er umklammerte die Stützen, zog sich an ihnen mit den Armen in die Höhe und stieg ans die Finsterniß der oberen Gänge zu, so ivic er zum Lichte gestiegen wäre. Aber zuweilen überkam ihn ein solcher Schivindel, er war in feinem ganzen Wesen so erschüttert; es hatte sich einer eine so verziveifelte Müdigkeit bemächtigt, daß es ihm .chien, als ob er hiunnterstürzen müsse ins Leere, und er hielt an, fast ohnmächtig, mit geschlossenen Augen; er sank zusammen, zitterte und ivar nahe daran, mit seiner Last in den Abgrund zu stürzen und so zurückzufallen in die Nacht, ans der zivei unglückselige Existenzen hervorgegangen waren, um dem Abgrund wiederzugeben, was ans dem Abgrund hervorgegangen war. Dann aber faßte wieder Mnth, er wurde von neuer Kraft er gehofft wurde, Cunninghame Graham, in Camlachie (Ost Glasgow) gegen einen Tory und einen Liberalen unter- legen. Hätten die Liberale» auf die Aufstellung einer Gegen- kandidatur verzichtet, so würden sie außer in diese»! auch noch in einem ziveiten Glasgower Wahlkreis die Wahl des Tory vereitelt haben. Diese Lektion werden sie bei einer späteren Wahl nicht vergessen. Noch einen Sieg hat die radikalere Richtung in der Arbeiterbewegung zu verzeichnen. In dem großen Stapel- platz der Eisenindustrie des Nordens, Middlesbrongh, ist d er Generalsekretär der Matrosen- und Heizerunion, �J. H. W i l- s o n, gewählt worden. Auch ihm standen je ein Liberaler und ein Unionist gegenüber, aber Wilson vereinigte die größte Stimmenzahl aus sich. Ist Wilson auch kein er- klärter Sozialdemokrat wie Graham, so wird er im Parlament doch stets mit iBurns und Hardie zusammen- gehen. Von Gewerkschaftsführern, die schon im vorigen Parlament saßen, sind bis jetzt Abraham und B u r t iviedcrgeivählt. Beide hatten überhaupt keine Gegen- kandidatcn. Änch der Pindar des alten Unionismus, George Howell, rückt wieder ins Parlament ein. Der ihm von der Sozialdemokratischen Föderation entgegen- gestellte Lithograph H. R. T a i l o r brachte es nur auf 106 Stimmen. Solange das relative Mehr ent- scheidet, sind, wo nicht ganz besondere Verhältnisse vorliegen, die Aussichten der„wilden" Kandidaten entschieden ungünstig. Fälle wie die Wahl in Middlcs- brough sind seltene Ausnahmen. Zn diesen gehört auch die Wahl in West Bradford, wo dem vom großen Dockerstreik her ivohlbekannten Ben T i l l e t nicht ganz 600 Stiminen fehlten, um soivohl den liberalen wie den konservativen Gegner zu schlagen. Eine Znsanlineustellnng der Wahlresultate aus allen denjenigen Kreisen, ivo Arbeiterkandidate» in Betracht komnien, in meinem nächsten Brief. Bis jetzt stehen noch verschiedene Berichte aus.(An dem Gesammtbild ist nichts geändert. Red. d.„V".) VolikifÄze UtelrevNckk. Berlin, den 11. Juli. Von den Zechenbaronen. Eine der vielen und nicht die geringste Lücke des K n a p p e n t r u tz e s ist der Mangelz jeder genaueren Normalvorschrift für Vorkehrungen im Jnter- esse der Gesundheit, des Lebens und der äußeren Wohlfahrt der Arbeiter. Hier hat man nach ivie vor Alles der ört- lichcn Anordnung der Bergämter überlassen. Das Pflicht- bewußtsein der Zcchenbesitzer mit Bezug auf Unfall- vcrhütungs- und Rcinlichkeitsvorkehrnngen ist deshalb in einer Weise ertödtet, wie man es außerhalb der Kohlen- bezirke kaum glauben wird. Ein Bergmeister hat kürzlich den Herren in ihrem eigenen. Verein vorhalten beseelt, ein heiliges Feuer erleuchtete seine Seele und er wagte wieder trotz aller Finsterniß ringsum lzn hoffen und begann auf's Neue hinaufzuklettern. Er sah Tonbcau ge- rettet vom Elend und vom Tode,(Toubeau geheilt, geliebt, verzeihend und sich selbst den Vater, den Schuldige», Reue- vollen, den Erretter dieser Unglücklichen, deren Unglück er nicht mehr war, sich selbst sah er strahlend in der heiligen Verschwiegenheit des beivahrten Geheimnisses seines Gewissens. Wie ein Taucher der Finsterniß wäre er jetzt erschienen; eine Stirn strahlte von Glück, als ob er eine Perle ans dem Meere brächte. In seiner Zukunft leuchtete ihm ein Stern. Er stieg hinauf, berauscht von Hoffnnng, so leicht, als ob er anstatt seiner schivcren Last Flügel trüge. Plötz- lich aber fühlte er seine Schultern frei. Der Körper Tonbeau's ivar nicht mehr da, es war dunkel in der Grube, er vernahm keinen Laut mehr. Er schrak zusammen und das Bewußtsein begann ihm zn schwinden, er empfand, daß er zu Eis erstarrte, und es schien ihm als ob eine Stimme ihm zuriefe: Das ist Dein Sohn, dies Kind ward Dir geboren im Dunkel der Nacht und im Koth, das wieder auf- lebte, als Du ihn gestorben glaubtest, das unglückselige Kind, das geboren ivard, um seinen Vater zu züchtigen, dafür, daß er ihm das Leben gegeben hat. Jacqueinin wähnte in diesem Moment des Irrsinns, diese Worte würden ihm ins Ohr geschrieen. Er fragte sich, ob er aufgehört habe zn leben, ob er nicht in jener unbekannten Welt sei, in die man nach dem Tode komme, und ob die Stimme, die er vernahm, nicht jenseits des Grabes erschalle. Gleichzeitig fühlte er einen Schmerz am Arme, hob den Kopf und schauerte zusammen. Zwei Bergleute, deren Ge- ichter er Über sich geneigt sah, riefen ihn und hielten ihn, so daß er nicht in den Abgrund stürzen konnte. dürfen, daß die eiuzi g wirksame Vorkchrungsmaßregel gegen Grubcnexplosioncn das Benctzungsverfahren und die Ein- ührung verschlossener Lampen mit Selbstziindcrn, noch ehr im Argen gerade beim rheinisch-west- ä l i s ch e n K o l, l e n b a u liege. Ans der am 18. Jnni tattgefnndenen Generalversammlung des Vereins für die -ergdaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund wies derselbe Bergmeistcr nach, daß von 1881 bis 1890 auf 10 000'Arbeiter im Königreich Sachsen 1672, in Preußen 2953 und im OberbergamtSbczirk Dortmund 3323 Mann verunglückt sind. Trotzdem konnte sich die Versammlung noch nicht einmal einmüthig für die vom Reichsversicherungsamt seit Jahren dringend gcivünschte Einführung von— UnfallverhütungSvorschriftcn für die in der Knappschafts- Berussgenosscnschaft vereiniglcn Bergwerke entschließen. Ein Bergrath von Velsen namentlich sprach sich unter ganz nichtige» Vorwänden gegen Unfallverhütungs- Vor- schriften aus:„er wünsche nicht die wahrhaft erschreckende Zahl von Bestimmungen, die kein Betricbsführer einhalten könne, noch vermehrt zu sehen, auch wünsche er nicht, daß der Minorität durch die Majorität ein Zwang auferlegt und dadurch Uneinigkeit unter den Werksvcrwaltungen er- zeugt würde". Es genügt wohl, zu bemerken, daß dieser Bergrath derselbe Mann ist, der in seiner Festrede zum 100 jährigen Jubiläum des Oberbergamts in Dortmund vor zwei Wochen unter„großem Beifall" aller anwesende» Zechenbcsitzer dem„Refor>n"-Minister Berlepsch ins Gesicht sagte:„Unvergessen soll es bleiben, wie bei dem großen Streik des Jahres 1889 das königliche Oberbergamt gegen- über den wilden Wogen der öffentlichen Meinung für das gute ßiecht der Gruben ans eigenem Antriebe so mann- Haft und erfolgreich eingetreten ist." Man weiß, worauf sich diese stolzen Worte beziehen: auf die par- teiische Stellung, welche daS Dortmunder Oberbergamt zu Beginn der preußischen Bergarbeiter- Enquete ohne jede äußere Veranlassung gegen die Arbeiter und für die Unternehmer einnahm, eine Stellung, die damals fast von der gesannnten Presse verurtheilt wurde. Und diese „That" wird heute von den Grnbeuverwaltungen lauter als je gerühmt! Das sind die praktischen Früchte der„Reform- Politik" in Bergarbeiterfragen. Und nun nur noch eine Thatsache ans den Kohlenreviere»: Auch die ungesunde Be- schäftigung jugendlicher Arbeiter in und bei Bergwerken, für welche die Berggcsctz-Novelle nicht die geringste spezielle Echntzvorschrift enthält, hat sich nach den neuesten Berichten der Bergbehörden für 1891 wieder vermehrt, von 10 678 im Jahre 1883 auf 12 980 Köpfe im Vorjahre. Aus den Berichten der Kuappschastsgcuossenschaft weiß man außer- dem, daß die Unfälle jugendlicher Arbeiter noch viel erheb- lichcr zunehmen. Glaubt man nun an maßgebender Stelle, fragt treffend die„Frankfurter Zeitung"(Nr. 194 vom 12. Juli), daß alle diese Thatsachen, steigender Uebcrmuth der Grubenverivaltnngen aus der einen, steigende Verbitterung der Arbeiter ans der anderen Seite und ein Schutzgesetz dazu, das nicht gehauen und nicht gestochen ist, den sozialen Frieden in den Kohlenrevieren fördern werden? Nimmer- niehr.— Welches Pack! Das„Leipziger Tageblatt", eins der wenigen nationalliberalen Blätter, die nach dem ersten Coucho!(Kujch!) des Herrn Caprivi in der„Norddeutschen Llllgemeinen Zeitung" noch zu knurren wagten, schreibt jetzt, nachdem der„Reichs-Auzeiger" gesprochen: Die beiden Aktenstücke, zu deren Aeröffentlichung der Reichskanzler Graf Caprivi greife» zu müsse» geglaubt hat, um dein Fürsten Bismarck zu beweisen, daß vor seinem gefähr- lichen Munde die gesamnite preußische und kaiserliche Di- plomatie gewarnt worden ist, sind ein ivahres Labsal für Alles, was dem Altreichskanzler jemals feindlich gewesen ist. Für die lauen Freunde des alten Kanzlers genügt es, daß ihn- ein„diplomatischer Steckbrief" ins Ausland nach- geschickt wurde. Dadurch ist der Mann in den Augen der urtheilslosen Loyalität geächlct; ob diese Aechtung nöthig war und ob ohne sie das Vaterland wirklich in Gesahr gekommen wäre, das zu prüfen, fällt nur Wenigen ein. Es ist eine Thatsache, die nicht verschwiegen werden darf, daß, nachdem Graf Caprivi das schwere Geschütz amtlicher Publikationen ausgeführt und den Beweis erbracht bat, daß sein Vorgänger den Lenkern des neuen Kurses als staatsgesährlicher Raisonneur und eommis voyageur erscheint, nur noch wenige Blätter offen für den Fürsten Bismarck eintreten. Der„Reichs-Anzeiger" ist eine gar schneidige Waffe und die amtlich kon- Und Toubeau? fragte er. Er ist da, sagten die Grubenarbeiter, indem sie den Steiger aus den. Loch emporzogen, in dem er noch bis an die Brust verschwunden war. Und der eine von ihnen fügte hinzu: Wir habe» ihn Euch von den Schultern genommen, als wir fürchteten, daß Ihr fallen würdet. Jacquemin, dem es wie Feuer durch die Adern rollte, sah nin sich. Ein Kreis von Männern, die Lampen trugen und mit einander redeten, umringten einen am Boden ausgestrecklen Körper. Der große Schattenriß Lerouchat's bewegte sich über dieser Gruppe und seine Stimme klang mitten aus all den Gesprächen hervor. Er beugte sich zu dem Körper hinab, hielt seine Lampe gegen das Gesicht des Schleppers und sagte: Nein, er ist nicht todt! Dann betrachtete er das Opfer noch einmal und unter- hielt sich noch einige Zeit mit den umstehenden Männern. Eine Stunde später war Toubeau, von dem sich Jacquemin nicht hatte trennen wollen, wieder am Tageslicht. Es war ein schöner Wiutermorgen und der Himmel erschien rosig hinter dem schwarzen Geäst der Waldbäume. Aber selbst die scharfe Dezemberluft brachte den Verwnn- beten nur langsam wieder zum Leben. Er hatte sich die Beine gebrochen. Der- Grubeuarzt untersuchte ihn, ver- ordnete sorgsame Pflege, verband ihn und sagte fragend zu den Umstehenden: Wird er zu Hause gut verpflegt werden? Die Bergleute antwortete» zögernd und leise, daß das wohl kann« geschehen würde. Der Arzt fuhr fort: Es wäre gut, wenn er ins Krankenhalls käme. Diese Erklärung wurde von einem erneute» Murmeln aufgeuomnieil. Wen» es nur nicht so weit wäre, meinte Jemand. Der Arzt berrnchtete den Schlepper noch einmal, schüttelte den Kopf und sagte: Es ist allerdings weit. Wer ivürde sich seiner annehmen? statirte, politische Anrüchigkeit ein böser Makel. Fürst Bismarck empfindet dies augenscheinlich selbst.... Immerhin wird man ihm den Vorwurf machen, daß er seinem Nachfolger in falschen Vcrdachl-habe bringen wollen. Und das ist bei dem Eindrucke, den die Veröffentlichungen des „Reichs-Anzeigers" vielfach gemacht haben, doppeltp»»nlich. Wir können daher nur den Wunsch wiederholen, daß Fürst Bismarck, wenn er überhaupt die Fehde noch fortsetzen w»ll, dabei alle Mittelspersonen bei Seite läßt und alle Mißver- ständnisse unmöglich macht durch Erklärungen, die seine Unterschrift tragen. Er wird sich hüten. Und jetzt, wo er vereinsamt dasteht, verleugnet und gemieden von dem Lakaienpack, das ihn gestern noch in den Himmel gehoben, wird er sich viel- leicht des zynischen Worts erinnern, das er vor 30 Jahren hinwarf:„A n st ä n d i g e Leute schreiben nicht für mi ch." Er kannte sich und seine Gesellschaft.— Bismarck. Tyras-Bismarck erscheint mehr und mehr als pathologisch allein noch anziehender Mümmelgreis. Noch schmerzen ihm die Glieder von der Bastonade, die Caprivi ihm hat zu Theil werden lassen, und schon lvärmt er mit greisenhafter Geschwätzigkeit die formell dementirte Fabel von den„Reichsglöckiler"-Erinnerungen auf. Das heißt, Caprivi soll zu den Hintermännern der Gehlseu'schen „Reichsglocke", Diest-Daber, Loü u. s. w., politische Be- ziehungen unterhalten haben. Nun sind die Loü, die Arnim, so reaktionär sie waren, ehrenhafte Männer gewesen, die den Nicht-Gentleman Bismarck stets um Haupteslänge über- '.'agten. Da aber der jetzige Kanzler ausdrücklich erklärt, daß er weder mit dieser Gruppe noch mit dem Zentrum in internem Verhältniß gestanden habe, so ist ihm Glanben zu schenken, sintemal er zwar ein wasserdichter Konservativer, aber ein anständiger Mann, während Bismarck der Vater der Lüge ist. Wie ivir voraussagten, verleugnet erden letzten Artikel der„Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (siehe„Vorwärts" Nr. 159, vom 10. Juli). Wenn er ferner in seinem Hamburger Blatte schreibt,„daß die demokratisch- sozialistische Presse sich vergeblich abmühe, dem Fürsten Bismarck durch maßlose Beschimpfungen und Verleumdungen die Kur zu verderben und ihn todtzuärger», er sei voll- kommen guter Laune und die erwähnten Gegner, an welche selbst das„Talent" des Herrn E. Richter nicht hinanreiche, müßten schon einen neuen Blind oder Kullmann gegen ihn loslaffcn, wenn sie ihn aus der Welt schaffen wollten," so ist dieser Galgenhumor trotz alledem löblich. Oder heischt es nicht volle Anerkennung, wenn ein vor Wuth berstender, bis zur Raserei ergrimmter Alter die Lippen zu einem Lächeln verzerrt und murmelt:„Bin ich vergnügt!" Ihn todt zu ärgern, der politisch n n d m o r a l i s ch t o d t i st, haben wir auch nicht den mindeste» Anlaß. Seine Hexen- tänzchen unterhalten uns und wir nennen sie beim rechten Namen. Gegen ein Kadaver führt man keinen Krieg. Die Blind und Kullmann, das sollte doch selbst ein an der Grenze der ZurechuungSsähigkeit angelangter Alkoholiker wissen, haben mit der Sozialdemnkratie nichts zu schaffen. Wie Attentate gemacht, Dynamitabenteuer eingefädelt. Lock- spitze! geworben werden, das weiß doch Fürst Bisniarck aus eigener reicher Erfahrung am Besten. Ist übrigens kein Getreuer bei ihm, der ihm die Worte des Grafen von Paris ins Gedächtniß ruft:„Ich glaube, ich bin schon lange todt, man verheimlicht mir es nur"?— Zur Meineidspest. In der„Kreuz- Zeitung" finden wir folgende Korrespondenz: V r a u n s ch w e i g, 4. Juli. Wegen welcher Kleinigkeit zuweilen Eide verletzt werde», zeigte eine Verhandlung vor dem hiesigen Schwurgericht. Im Frühjahr gingen die Berg- arbeiter Albert Pinsch und Karl Kassel, beide 25 Jahre alt, verheirathet und unbestraft, von Fümmelse nach Thiede und benutzten dabei einen Feldweg. Als sie vom Feldweg ab- wichen und das Feld betraten, kam der Feldhüter hinzu und forderte Pinsch auf, ihm seinen Namen anzugeben. Statt dieses zu thun, beleidigte P. den Beamten. Dieserhalb fand vor dem Schöffengerichte Verhandlung statt, in der der Mitangeklagte Kassel als Zeuge auftrat. Derselbe beschwor. daß beleidigende Aeußerungen nicht gefalle» waren. Trotz aller Vorhalte des Vorsitzenden blieb K. damals bei dieser Angabe. Erst als der Vertreter der Amtsanwaltschaft dem K. die Gesetzesparagraphen betreffend Meineide zu lesen gab, ging derselbe in sich und nach Schluß der Sitzung gab er zu Pro- tokoll an. daß er die Unwahrheit gesagt. Gleichzeitig be- zichtigte er den P. als denjenigen, welcher ihn zu dem falschen Zeugniß veranlaßt habe. Aus Grund dieser Aussagen erfolgte Ich, sagte eine Stimme. Wer seid Ihr? Jean Jacquemin. Zweites Buch. Die Reue. Allein in dem kleinen Vorsaal saß neben dem leuchten- den Heerde, auf dem der unvermeidliche Kaffeetopf mit dem wollenen Filtersack stand, wie er in allen belgischen Haus- Haltungen zu finden ist, das Gesicht der offenen Thür des benachbarten Zimmers zugewendet, Jacquemin und lauschte, ob er nicht Toubeau sich bcivegen oder athmen hörte. Babette war nach Charleroi gegangen, um Wäsche zu holen und die Arzneien, die der Arzt verordnet hatte. Das kleine Haus des Steigers, in welches in diesem Augenblick die Strahlen der Wintcrsonne eindrangen, war erfüllt von Helle und er- quickendem Behagen. Die ihn unaufhörlich peinigenden Erinnerungen hatten Jacquemin in seinem Fieber schmerzlich aufgeregt. Ja, das ivar ein blitzähnliches Aufleuchten seiner Vergangenheit ge- wesen. Er entsann sich wohl, es stand ihm wieder vor Augen, sein wahrer Name, sein schmutzbedecktes Elend, sein Verbrechen, sein Entsetzen, die grauenerregende Verwirrung seines Geistes, das plötzliche Aufflammen der unterirdischen Sonne des furchtbaren bösen Wetters, Ghilaine, von der er glaubte, sie sei unter seinem Kusse bewußtlos geworden und die er für todt gehalten hatte; seine Flucht von Dorf zu Dorf, aus einer Gegend zur andern, von Stadt zu Stadt; seine Auknufl eines Morgens in Brügge, wo er nach langem Suchen und vielen Kränkungen endlich eine Stelle als Diener in einer französischen Familie, bei dem Grasen und der Gräfin de Rochefeu angenommen hatte; sein neues Leben, die Frau, mit der er bekannt wurde, und mit der er sich, nachdem er ihr seinen wahren Namen genannt, ver- heirathet Halle, und die im Wochenbett gestorben war und ihm Babette in der Wiege hinterließ. Dann gaben weitere Verluste seinem Leben eine andere Wendung; die Rochefeu's ivaren plötzlich ruinirt und mußten ihn verabschieden; und da er sich allein überlassen und arbeitslos war, mit einer � kleinen Tochter, war er wieder Beramann geworden. die Verhaftung beider Beschuldigten. Dieselben waren ganz zerknirscht, und weinend gestanden sie ihre Strafthat in vollem Umfange ein. Tie Angeklagten werden als durchaus tüchtize und ordentliche Menschen geschildert. Pinsch wurde zu einer Zuchthausstrafe von 1 Jahr 3 Monaten und 3 Jahren Ehst verlust verurtheilt. Gegen Kassel wurde auf eine Gefängnis strafe von 9 Monaten erkannt. Achnlichen Notyen begegnen wir sehr häufig in der Presse. Und jedermann weiß, daß unsere Konservativen bei allen Gelegenheiten über die Zunahme der Meineide jammern. Wenn sie darin einen Beweis für die wachsende„Unsittlich- keit der Massen" zu erblicken behaupten, so ist das heuchle- risches Geschwätz. Der Grund liegt darin, daß der Eid bei den unbedeutendsten Anlässen auferlegt wird. Die Berg- arbeiter Pinsch und Kassel waren„durchaus tüchtige und ordentliche Menschen"; es war nicht„Unsittlichkeit", was sie zum Meineid brachte, sondern daß sie um einer Lappalie willen zu einem Eid genöthigt wurden. Daß man, um einen Kameraden herauszureden, von der Wahrheit abweicht, ist zwar nicht zu billigen, aber doch auch kein Verbrechen; und geiviß lebt kein Mensch, der Solches nicht schon gethan hätte. In derartigen Fällen sollte unter allen Um- ständen— auf die prinzipielle Frage des Eides gehen wir hier gar nicht ein— die Beeidigung der Zeugen ausgeschloffen sein. Der Eid selbst wird dadurch herabgesetzt, daß man ihn bei jeder Kleinigkeit anwendet. Und wer da glauben sollte, durch die Schwere der Strafen auf Meineid könne die Heilighaltung des Eids erzwungen werden, der kennt die menschliche Natur nicht. Wir est mnern an die bekannte Thatsache, daß der Diebstahl in England niemals so häufig war, als zu der Zeit, wo aus dem geringsten Eigen thumsvergehen der Galgen stand. M» Strafen ist der„Meineidspest" nicht beizukommen. Mau beschränke das Schwören auf wichtige, ernsthafte Fälle, wo es unumgänglich nothwendig erscheint. Dann giebt es wenigstens keine Meineide mehr um Bagatellen.— Die„Vossische Zeitung" und die Enquete über �lcbeit'öordnuugen. Die Tante Voß(Nr. 320 vom 12. Juli), die ja weiß, wie man mit der Wahrheit und mü Eiden umspringt, ist ärgerlich über den in unserm Artikel: „Eine Enquete über Arbeitsordnungen"(Nr. 160 vom 12. Juli) gemachten Vorschlag. Ihr sattes Bourgeois- gemüth empört sich darüber, daß wir die elenden deutsche" Fabrikzustände durch sachlich gesammelten Stoff beleuchte" wollen, und sie ächzt:„Die Hauptsache wird natürlich d>e „sorgfältige Bearbeitung des Materials" sein— man weiß, was die Herren vom„Vorwärts" darunter meinen und wie -.refflich sie sich auf derlei verstehen." Die ehrliche ungeschminkte, reine, volle Wahrheit sage?, nichts hinzusetzen, nichts verschweigen, darauf versteht sich Sozialdemokratie allerdings trefflich. Wollten wir da- Gegentheil, könnten wir uns freilich keine ausgezeichnetere" „Bearbeiter" wünschen, als Leiter und Hintermänner der „Vossischen Zeitung".— .. züchtige D— ame. Die„ R h e i n i s ch- W« � f ä l i s ch e Zeitung", eines der infamsten Organe der deutschen Unternehmerschaft, welche von der„Westfälisches Voltszeitung"„das Organ des Herrn Baare genannt worden war, hat dieserhalb dem letzteren Blaw eine Berichtigung zugehen lassen, worin gegen diese Bezerchs nnng protestirt wird:„Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung ist weder gegenwärtig Organ des Herrn Baare, noch ist jemals ein solches gewesen. Die„Rheinisch- Westfälisch Zeitung" ist von Niemandem abhängig und saßt ihre Em- schlüsse und Urtheile in voller Freiheit nach eigenem dünken." Demnach hätte also die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" ihre guten Dienste dem Herrn Baare freiwzllcg geleistet. Auch dann bleibt ihr Protest gegen die Bezeich«""» als„Organ Vaare's" interessant.— Den Ultramontanen ins Stammbuch. Der dem Zentrum angehörende bayerische Landtags-Abgeordnete«" Bürgermeister von Deggendorf(Nieder- Bayer"!- Menzinger, ist, schreibt das„Bayerische Vaterlanv (Nr. 155 vom 12. Juli), einmal ordentlich unter die gekommen!„Gasthofbesitzer Völkert in Deggendorf 9"1. ihm öffentlich zum Vorwurf gemacht: der Bürgermeister 9 das Holz, das die Stadt gekauft, verkauft, aber nicht rechnet, der Bürgermeister ist ein D i e b, er hat das v J ge stöhlen!" Wohl oder übel mußte der Bürgermecln' Es giebt Ereignisse, die eine Seele von Grund" umwandeln können. Diese Umwandelung war mit Jaequem vor sich gegangen. In seinem Gewissen war kein Wandel« getreten; es war erst aufgelebt. Jetzt, nachdem über 1 Verbrechen lange Jahre hingegangen waren, war ihm' � lieh die Ueberlegung gekommen. Er hatte sich überfl"! gefühlt von einem inneren Licht, von dem er keine A9"" � gehabt hatte. Er ging aus diesem Kampfe hervor � Verwundeter, er war entsetzlich geblendet gewesen. noch, aber er sah. In ihm war alles erleuchtet von 0 � höllischen Feuer jener Katastrophe. Ein einziges � seinem Leben war er außer sich gerathen und hatte l.j schuldig gefühlt. Und in der Folge hatte er bei festgestellt, daß er betrunken gewesen, als er die ty1 ausübte. Von nun an hatte er jedes berauschende Gett mit Abscheu von sich gewiesen. Später, in seinen 1* Stunden, hatte er angefangen, Schulunterricht zu nehm � Er gab die Lebensweise auf, welche ihn ins Verder � gestürzt hatte, und kehrte zu jener Art zu leben zurück, � ihn retten konnte, indem er zu trinken aufhörte und v»! zu lesen begann. Nachdem er zwanzig Jahre lang IL arbeitet, gespart, gelernt, gekämpft und gelitten, eines Tages eine geheimnißvolle Gewalt nach Pont-sur-Sa" zurückgeführt. fitt, Er war als ein guter Mensch an den Ort zurückgehst von dem er als ein schlechter fortgegangen war;„«r» war er ein roher Bursche gewesen, jetzt war er ein" richtetet Manu und fast ein Greis, aber doch noch der!' der fast als Kind von hier entflohen war. Ke- Und was für Erinnerungen, welche peinigende" � ivisseusbisse, welche seltsamen schmerzlichen Empfind" 9� erwarteten ihn in diesem Dorfe, in diesen Häusern, i" jg Wäldern, in diesem Lande, das sein Vaterland mau dieser Grube, aus welcher ihn eines Nachts die Angl jagt hatte und in der sich jetzt eine Hand auf seine gelegt und ihm gezeigt hatte, daß sein Verbrechen nocv anders lebe, als in seinem Gewissen.,»i" Er stand auf und ging im Zimmer auf und-�ts den Kummer abzuschütteln, der ihn bedrückte; aber l konnte ihn von seinen furchtbarem Gedanken befrecem � dies öffentlich und wiederholt gesagt worden, Bc �'dignngsklage erheben, vom Landgericht wurde aber der «ngerlagte— freigesprochen, weil er den Wahrheitsbeweis erbrachte! Der Bürgermeister hatte in der That aus einem Walde, den die Stadt gekauft. 21 Blöcher und 86*/« Klafter Holz ge- ichiagen, die Stöcke der gefällten Bäume mit Moos und seinen versteckt, das geschlagene Holz theils für sich ver- braucht, theils verkauft(400 Ai.), aber kein G e l d a b- geliefert und verrechnet. Der Kläger Menzinger Mußte daher mit seiner Klage sachsällig abgewiesen und zur Tragung der Kosten seiner Klage verurtheilt, der geklagte freigesprochen werden. Kann aber jetzt der biedere(!)„Patriot" Menzinger noch Bürger- trister bleiben und wieder„patriotischer" Abgeord- ueter werden? Ersteres wohl nicht mehr, letzteres aber schon, denn die„Patrioten" nehmen ihre Abgeordneten wo [)' sie finden und kriegen können. Selbst eines D i e b- * a h l s öffentlich überwiesen werden, schändet bei den --Patrioten" nicht, wenn Einer nur ein„e ch t e r Patriot" nach den Herzen Orterer's und Daller's ist."— Kandidatur Culine. Die französischen Sozialdemo- traten ruhen und rasten nicht, bis sie dem Genossen En- t s n e eine Genngthuung verschafft und ihn ebenso, wie scuien Mitvcrurtheilten Lafargue, mit Hilfe des all- gemeineu Stimmrechts aus dem Kerker befreit haben. Dw vereinigren sozialistischen Gruppen von St. Quentn» haben beschlossen, anläßlich der bevorstehenden Generalraths- svahlen Culine als Protestkandidaten aufzustellen; und wahr- schemlich wird Eiiline gleichfalls einer der Kandidaten der Arbeiterpartei von Ronbaix fein. m Sozialdemokratische Studenten. Aehnlich wie in Paris hat sich in den letzten Monaten auch in L 9 v n eilt ivzialistischer Stndentenverein gebildet und seinen Anschluß an die Arbeiterpartei öffentlich erklärt. Ebenso ist man rn Bordeaux an der Arbeit, die sozialdemokratischen Elc- tarnte unter der dortigen Studentenschaft zn gemeinsamer planmäßiger Thätigkeit zu vereinigen.— . Kolonialpolitik Unglücköpolitik. Das merkon lrtzt die Franzosen wieder einmal. Gestern lachten s i e, als Hiobsposten über Hiobsposten aus dem deutschen Kalo- vralland kanien: heut lachen die deutschen Kolonialpolitiker ob der französischen Hiobsposten, die aus Apen ■tonfiu) und Afrika(Dahomey) gekommen sind. Statt Vadenfroh einander auszulachen, wäre es vernünftiger, den Schaden zu vermeiden und mit der Kolonialpotitit ganz ouszuräuinen, die nur Schande bringt und Verderben. In Frankreich ist die Aufregung über die erlittenen Niederlagen '° groß, daß der Kolonialminister von der Regierung über .orb geworfen werden mußte. Die Kolonialpolitik aber ""rd forlgesetzt.- . Friesischer Nothstand. In Friesland, wo jüngst die holländische Königinmutter und das königliche Kind einen poviphaften Besuch gemacht haben, herrscht grenzenloses «leub. Als ihrer Zeit die Arbeiterdcpntation der Königin- wntter die Zustände schilderte und eine Speiseprob- mit- vrachte zum Beweis dafür, wie erbärmlich das Volk der �tandfricsen" lebt, erhob sich in der bürgerlichen Prcffe Autschlands vom feudalsten Organ bis tief herab zu den Papieren des Deutschfreisinns ein infames Wehgeschre,. H�ute muß der offiziöse Telegraph melden:«Rotterdam, ,�.,Jiili. AuS Friesland hierher gelangte Nachrichten Mldern die dortigen Verhältnisse als sehr schlimme. Das Elend sei unbeschreiblich und der Ausbruch von Emeuten infolge der Hungersnoth müsse besürchtct werden."— „. Nonvege». Von dein Konflikt zwischen der Norwegischen »nd der Schwedischen Regierung ward seiner Zeit Meldiing Mhan. Es handelt sich um gewisse Befugiiiffe die Nor- o?S?l für sich allein beansprucht, und in ivelche es die Legierung des durch Personalunion verbundenen Schweden � hineinreden lassen will. Der Konflikt besteht fort, „iil.§ norwegische Regierungsorgan schreibt jetzt:»Wenn N'cht der Beschluß des Storthings(der norwegischen Volks- �Uretnng) befolgt wird, so wird die Union g e s p r e n g t ®etb«n, und es mit dem Königthum ,n Nor ßin Schluß sein." Das ist deutlich.— Zustände. In nächster Zeit erscheint im von L. Ehlermann in Dresden eine Schrift' .hörte noch das verneinende Murmeln der Mrgleiite, �al �«rubenarzt gefragt hatte,°bFnan To�eau�z����� Hause transportiren könne. Diese beide Mahnsinuige � unglückliche Bursche und d'e arm Wa�nsim g� «»nn schuldloses Wesen", iW bte Leute hler j(euucub pflegen, verbrachten ihr Dasein und die seit dreißig Jahren in ihrer schmutzigen-Peh 1 antte er °nd°. zS s°1urchtbarem Schicksal �rdamml n hat�er °Us dem Gewissen. Er hatte zenem Unglücklichen N'ben, der ji'tzt mit gebrochenen Glieds doU lag�ohn. �wegung und fast ohne»u �hmeu. Von � �achts auf den Wegen bettelnd den Vorübergeye entgegenstreckte, der in schmi'tzigen Lumpen, � M'N Kleidern mit hohlen Wangen-inherging.'va �ler. er Jacquemin, Pierre Rlalen. Wa«-r �urde es in der Welt ein Opfer weniger geben, �"gsanien Hungertod Geweihten weniger in der® M und vielleicht, wer kann in die Zukunft sehen, einen � Zecher weniger unter den Menschen. m-danken«nd la,,?� verharrte lange Zeit be, diesen � bem sP>te aus diese innere Stimme uild schunt 1) �iittng5 U'Nien stillen Z.mnier, in das d.e Stahlen der da»? hineinschienen. Und nach und nach nahmen s Men andern Inhalt°». Er suhlte. W u �"he in sein Gewissen ihren Einzug hielt.? «'cht dem Elend, dessen Urheber er war, a) mtt er nicht sogar schon damit begonnen k.. .Er war Toubeau's Unglück, aber er wollt anck s-» ,H U sein. Er war entschlossen Tag und Nacht mchl�� �»i Bette zu weichen, ihn zu pfiegen. bel i' �ch N ihn gesund zu machen; und er h°Nte. d°ß �1� � Wunden des Verwundeten geschlossen hake �@elft beä'ii6 wieder gesund sein wurde, �„lachen könne, �"glücklichen erwecken und ihn glücklich � gegeben, °°wit er doch vielleicht vergesse, wer'h'".��".n dieser sein Ende gar seinem Vater verzeihe, seinem lsie� tter geworden. Tann wurde er aller Uli l)en eiuea Tages befreit durch dw W vergönnt, wlgenden Jahre. Ja, dann war eS ,hm kniiilig« a „Russische Zustände von E. B. Lauin. Aus dem Englischen von Rudolf Dialitz» Erster Band." Lanin schildert die tiefgehende im öffentlichen Leben zn Tage tretende Ver- derbniß, die den herannahenden sicheren Zusammenbruch des Zarismus als nothwendig erscheinen läßt. Er erzählt». A.: „Einer meiner Freunde, dessen geistige Gaben ebenso glän- zcnd wie seine Mittel beschränkt waren, wollte vor einigen Jahren in die Armee eintreten. Er hatte sich vorgenommen, nicht mittelst Bestechung der Examinatoren diirchzuschlüpfen und sein Examen auf ehrliche Weise zu bestehen, wie es einst Arago gemacht hatte, dessen tiefe Kenntnisse die Achtung der ihm feindlichen Examinatoren bezwangen. Er vertraute seine Absicht einem Freunde, der Offizier und zugleich Examinator war, empfing aber von ihm nur eine"kühle Ermnthigung. Es wurde ihm gesagt, man könne mit ihm keine Ausnahme machen, und das Aeußerste, was er zu hoffen habe, sei eine beträchtliche Ermäßigiing der Preise. Man legte ihm einen Tarif vor, ivelcher diese Ermäßigung enthielt und in wörtlicher Uebersetzung solgendermaßen lautet: Preis für das Bestehen des Examens. Rubel ..... 300 ..... 200 ..... 200 Topographie..... 200 Terrainlehre,.»« 150 Militärverwaltung... 25 Militärgesetzgebung... 250 Trigonometr. Ausnahme. 25 Gegenstand. Artillerie. Fortifikation Taktik Preis Gegenstand, für das Bestehen des Examens. Rubel Russische Sprache�).,. Geschichte�)...... Ehemie�)....... Christliche Religion... 60 Sratistil»)...... Mathematik......200 Frenide Sprachen�),.. Namensnnterschrift." Warnung. Die sozialdemokratische Mitgliedschaft Gens meldet: „Die schweizerischen Sozialdemokraten Gens's sehen sich ver- anlaht, ihre Genossen in der deutschen Schweiz vor einem angeb lichen Journalisten Meyer aus Paris, der sich in Genf herum getrieben und einige Zeit auf Kosten der Mitgliedschaft Genf gelebt hat, zu warnen. Der Betreffende giebt vor, Redakteur des „Cri du Peuple" gewesen, in Paris zu mehreren Jahren Gefäng- niß verurtheilt und aus Belgien ausgewiesen worden zu sein. Er will ferner bereits 5 Jahre im Gefängniß und in Cayenne zugebracht haben und spielt sich überhaupt als Märtyrer der Frei heit auf. Anfragen in Paris haben ergeben, daß besagter Meyer dort nicht bekannt ist, daß sich dagegen ein Individuum im gleichen Alter und Aussehen in Süd-Frankreich unter dem Rainen Guilbert und in Brüssel unter dem Namen Chabon herum getrieben und eine Menge sozialistischer und revolutionärer Ver eine beschwindelt hat. Nun die Hauptsache. Dieser saubere Patron machte sich hier gleich an Genosse Körner und versprach ihm, Dynamit- patronen z» verschaffen, da er im Besitze solcher sei. Er zog auch anarchistische Broschüren und Zeitungen hervor. Nachdem uns Körner solches mitgetheilt, wollten wir den Dynamiterich auf- suchen, allein dieser scheint Lunte gerochen und sich aus dem Staube gemacht zu haben. Auf beiliegendem Blatt finden Sie das ungefähre Signale ment dieses Herrn, ob nur Schwindler oder Spitzel, wissen wir nicht." Das Signalement lautet: „Meyer aus Paris, Journalist, ehemaliger Redakteur des „Cri du Peuple", alter Kominunard, Betheiligter bei Fourmies, Alter zirka 50 Jahre, von großem, starkem Körperbau, breitschultrig, Trinkergestcht, graublaue Augen, niedere, fliehende Stirne, Haare«Heils braun(oder blond?), theils grau, dünner, breiter, grauer Bart, Kleidung hell, abgetragen. Spricht sehr gut sran- zösisch, kann angeblich nicht deutsch. Zeigt ein gewandtes, sicheres Benehmen. Besitzt Adressen und Empsehlungen an die meisten Parteiführer." Wir ivarnen die Genossen allerorts vor diesen» Subjekte, falls es etwa bei ihnen sei»„Glück" �) Da die Lehrer dieser Gegenstände keine Militärs waren, so mußte uiit ihnen ein besonderes Abkomme» getroffen werden. *) Der Examinator in der Chemie war über Bestechung er- haben; bei ihm sollte allein wirkliches Wissen gelten. Er hat Heldenhafte, ja fast Don Quixotifche Anstrengungen gemacht, um das ganze Bestechnngesyslem zu unterdrücken, aber ebenso leicht hätte er die Autolratie selbst unterdrücken können. 8) Um in der Statistik durchznlommen, waren weder Geld noch Keiinlnisse nöthig. eine Vergangenheit voller Reue einziitauscheu gegen eine Zukunft voller Pflichten; und all diese Gedailken riefen bei ihm eine so liefe Geiiiüthsbeivegimg hervor, daß Schluchzen ihm die Brust erschütterte. Ulisichereil Schrittes, mit thräiienfeilchten Augen und zitternden Lippen näherte er sich dein Zimmer, wo Tonbeau unbeweglich und blaß ans dem Bett lag. Vor der Thür blieb er stehen. Er fühlte eine ebenso starke wie schmerzvolle Liebe zu dem Burschen, der da lag, in sich emporkeimen. ch: Inzwischen änderte sich der Zustand Toubeau's keinen Moment. Und wenn Jacqucinin in der Nacht aiifstaild, nm zu dem Kranken zn gehen, fand er ihn stets mit dcinselben blassen Gesicht, mit denselben starren Zügen und den unaufhörlich vor Schivüche zufallenden und sich immer wieder vor Schlaflosigkeit öffneilden Augen. Vierzehn Tage lang änderte sich nichts. Es trat weder eine Befferlillg ein, noch war eine Verschliuimerung im Be- finden des Kranken zu bemerken. Mit dein Stniirpfsinn und der Stnmmheit blieb es beim Alten. Der Arzt hatte übrigens geralhen, nicht zn dem Krauken zn sprechen und so lvenig Geräusch wie möglich zn machen. Jacquemin, der von Natur schivelgsam war, hatte natürlich nicht nöthig, eine Vewegnng zu überwachen. Aber Babette, die gerne „ig,»Venn sie allein war, und bei ihrer Lebhaftigkeit alle Arbeit in fliegender Eile verrichtete und nicht selten ziemlich laut niit Tischen und Stühlen umging, bewachte auch die gcriiigste ihrer Bewegungen und verursachte von nun an nicht mehr Lärni als ein Schmetterling. Das Krantenziminer blieb gewöhnlich offen, damit man unmer im Wohnzimmer hören konnte, wenn es eiilinal vor- kommen sollte, daß er sich über etwas beklagte, oder daß er riefe. Eines Abends schloß Jacquemin die Thür, und als er sicher war, daß Tonbeau nichts hören konnte, sagte er zn Babette: Mor-gen wirst Du Ghilaine, wenn Du ihr Abendessen hinträgst, auch Wasche bringen. (Fortsetzung folgt.) versuchen wollte, und mahnen sie im Allgemeinen zur Vorsicht gegenüber Personen, welche sich als Märtyrer unserer Sache auf- spielen, um Unterstützungen zu erlangen. Aufrichtige Genossen prahlen überhaupt nicht mit ihren Verdiensten um unsere Sache. Insbesondere ist größte Vorsicht geboten gegenüber Elementen, welche— wie der oben erwähnte Dynamiterich und angebliche Journalist Meyer— Genossen zu u n- besonnenen Handlungen verleiten iv ollen. Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß dieser saubere Patron in Verbindung steht mit dem falschen Gerücht, unser deutscher Genosse Körner sei von der Genfer Regierung aus- gewiesen worden. Immer und immer wieder finden sich Subjekte, die direkt oder indirekt für die politische Polizei-Jnter- nationale arbeilen,»velche eben beständig neuen»Materials" bedarf zur Rechtsertigung ihres Daseins. Hütet Euch vor Schwindlern und Spitzeln! Basel, 28. Juni 1892, Die GeschäftsleitungS-Kommission. der sozialdemokratischen Partei der Schweiz. « 1' Auch eine Antwort! In einer Stettiner Bolksversamm- lung war beschlossen worden, an die Polizeidirektion die Anfrage zu richten, ob sie das Verhalten der Polizeibeamten am l. Mai billige. Diese Anfrage ist auch erfolgt und daraufhin folgende Aulivort ertheilt worden:„Stettin, den 23. Mai 1892. Auf die Anfrage vom heutigen Tage erwidere ich ergebenst, daß ich inich nicht in der Lage befinde, dieselbe zn beantworten. Der Polizei- direktor. Thon." Wie bekannt, ist die— Staatsanwaltschaft inzwischen„in der Lage" gewesen, die Anfrage zu beaiitworteu, indem sie Anklage gegen einige unserer Parteigenossen erhob, welche sich an dem Auszug am 1. Mai betheiligt hatten. *e-st * AuS der sozialdemokratischen Presse. Der„Basler Arbeiterfreund" schreibt über das Thema: „S ch iv e i z e r Freiheit": „Mehrere der von der letzten Parteiversammlung ins kau- tonale Parteikomitee gewählte Genossen und ein ins schweizerische Parteikomitee gewählter»ahmen erst nach vielem Zureden die Wahl an unter der ausdrücklichen Bedingung, daß wir ihre Namen nicht veröffentlichen. Denn ihre Stellung ist gefährdet, sobald ihre Arbeitsherren vernehmen, daß sie Sozialdemokraten und zwar noch„Führer" im sozialdemokratischen Heere sind. So werden Tausende im Schweizerlande gezwungen, ihre wahre Ge- sinnung zu verheimlichen, j wollen sie nicht Gefahr lausen, daß sie als verheirathete Männer mit Frauen und Kindern am Hungertuch nagen müssen oder ihnen als jungen strebsamen Mannern die ganze Karriere verdorben wird." »» Polizeiliches, Gerichtliches er. — Bei der Einführung eines neuen Polizeihauptmanns in Dresden hat der Polizeipräsident Schwauß. eine Ansprache ge- halten, in welcher er nach der„Sächs. Arb.-Ztg." u. A. sagte: „Was die Thätigkeit der Gendarmen anlangt, so lege ich ganz besonderen Werth darauf, daß seitens aller Polizeibeamten, ins- besondere der Gendarmerie, welche unausgesetzt mit dem Publikum in Berührung steht, die Rücksichten der Humanität, welche die neuere Zeit mit vollem Rechte fordert, stets im Aug« behalten iverden, die Gendarmen im Verkehr mit den Einwohnern sich höflich und gefällig, ohne dabei bedientenhaft zu iverden, benehmen, nicht jede kleine Zuwiderhandlung gegen polizeiliche Anorbiiuilgen als grobes Vergehen ansehen, überhaupt immer präventiv d. h. verwarnend, vorbeugend, vermittelnd vorgehen und wenn es nöthig ist, ernstlich einzuschreiten, dies mit Festig- keil und Ruhe thun, ohne viele Worte zu machen, und bei Aus- sührung der härtesten Maßregeln, wie bei Arreturen und Haus« suchungen, immer die mildeste Form wählen..." Wenn solche schön« Reden doch überall gehalten und— auch befolgt würden! — Wegen angeblicher Beleidigung des Ersten Staatsanwalts Schöne in Halberstadt wurde Nr. 27 der dortigen»Sonn- tags-Zeitung" beschlagnahmt. — Der verautwortliche Redakteur des Zeitzer»Volks» boten", Genosse Hentschel, hat eine Anklage erhalten,»veil er zwei Mitglieder des Weißenfelser Stadtregnuents sowohl durch den Wortlaut einer Notiz als auch dadurch beleidigt haben soll, daß er den Ausdruck Stadlväter mit Gänsefüßchen versah. — Wege» Beleidigung von drei Polizisten und zwei Gendarmen in einer Bollsversammlung zu Käserlhal ivurde der Schloffer Wilhelm Häusler in Mannheim zu 50 M. Geldstrafe und den Kosten verurtheilt. Die Beleidigten hatten sich in der Versamm- lung nach ihrer Aussage vor Gericht leise unterhalten, nach Aus- sage der Eiitlastungszengen jedoch so laut, daß die Versammlung mehrfach gestört ivorden war,»vas Häusler dann gerügt hatte. Die Mannheimer„Volksstimme" fragt nun, was überhaupt fünf Polizeibeamte in jener Bersammlung zu thun gehabt hätten. Soztale Aovsrfirhk. Achtung, Webergeselien! Allen Kollege» zur Nachricht, daß wegen Sireitigkeiten mit den Streikbrechern die Arbeit bei Braun, Nixdorf, Ziethenstr. 8, niedergelegt worden ist. Zuzug ist ser» zu halten. Verband aller in der Textilbranche beschäftigten Arbeiter und'Arbeiterinnen Deutschlands, Filiale Rixdorf. Die im AnSstand befindlichen Glasarbeiter der Offen» dache r'schen Glasschleiferei in Fürth wenden sich in einem Ausruf an die Arbeiterschaft, um Unterstützung in ihrem Kampfe zu erhalten. Der Ausstand wurde durch eine Lohn- rednzirung von ca. 50 pCt. hervorgerufen. Es sind 2« Mann im Streik. Der Fabrikant sucht durch eine schwarze List« zn verhindern, daß die Ausstehenden anderweitig Beschäftigung er- hallen. Adresse: C.Z eidler, Restauration„Maiglöckchen", Maistraße 4, Fürth. In der K n a ck st e d t's ch e n Eisengießerei in Kottbus legten drei Former die Arbeit nieder, weil einer ihrer Kollegen wegen der Agitation für den Verband gemaßregelt wurde. Die Ausstehenden sind verheirathet und daher vorläufig auf den Ort angewiesen. Sie erivarten, daß ihre fremden Kollegen sich nicht als Streikbrecher brauchen lassen werden. Adresse: P. Schulz, Pyraftraße 2, Kottdus. Die General-Kom Mission. Die Seliaffiing eines GelverbegerichtS werden die Halber st ädter Arbeiter nunmehr durch de» Minister zu erwirken suchen, nachdem sie sonst überall verschlossenen Thüren begegnet sind. In Chicago streiken die Kellner der Hotels und Restaurants. Sie haben einen Kontrakt aufgestellt, den sie, in einem Zug geordnet und von Hotel zu Hotel marschirend, de» Besitzern zur Unterzeichnung vorlegen. Sämmtliches Kellner- personal derjenigen Geschäfte, ivelcye die Forderungen ver- iveigerten, verließ seine Plätze und schloß sich dem Zuge an. Die aufgestellte Lohnskala enthält solgeude Forderungen: Die in fester Slellung befindlichen Kellner sollen 10 Stunden täglich arbeiten, Sonntags nur 6, und 12 Dollar die Woche erhalten; für Nacht- arbeit bei II Stunden 1 Dollar mehr. Kellner, welche nur ivährend des Mitlags- und Abendtisches— 5 Stunden täglich— während 6 Tagen serviren, sollen 7,50 Dollars erhalten; Mittags- tisch-Kellner(Dnrnsr-wckters) bei 3 Stunden Arbeitszeit mindestens l Dollar den Tag, ebenso die Abelidtisch-Kellner. Aushilfskellner des Sonntags sollen bei lOstündiger Arbeit 2,50 Dollars bekommen. Ueberftunden solle» mit 25 Cents per Stunde bezahlt iverden. Alle Arbeitskräfte müssen durch das Nachweis- Bureau der Chicagoer Kellnervereiiiigung angestellt werden. Der Streik dnnert fort und breitet sich, allem Anschein nach, auf all««am- hasten Geschäfte aus. Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Veranttvortung. Theater. M i t t w o ch, d e n 13. Juli. Friedrich-lUiUietmjtädt. Theater. Boccaccio. Kroll'« Theater. Die Hiigeiiotten. Vsteud-Theater. Die lMneniiiieii von Berlin. Vorher„Lavachol" oder„Pariser Heldenuiuth". KeUeallilince-Theater. Der Kasino- ball. Adolph Ernst-Theater. Ein alter Hallodri. Beel. Soininer-Tlieater (Bock• Brauerei, Ternpelhofor Berg). Mittwocli, den 13. Juli: 1. Theil: Specialüäten 1. Ranges. 2. Theil; Drei Geschwister Neumann, Gesangs-Trio, Fischer u. Blum, genannt Schwach und Schwächer, Gesangs-Duettisten, Gebr. Schwarz, Miss Elvira. S. Theil: Ein moderner Rasir- Salon, Posse niif Gesang in 1 Akt von A.L'Arronge. Inscenirt von Panl Pauli. Zum Schluss: Gold und Silber. Grosses Ballet-Divertissement. Prima Ballerina: Marie Ala. 6 Solo-Tänzerinnen, ein Solotänzer, Corps de Ballet 20 Damen. Anfang; des Konzorts S'/e Uhr, der Vorstellung 7Vs Uhr. Täglich: Grosse Vorstellung. Passage- Fanopticum. Neu I Blaue Brette mit Wasser. Kähnen lt. Beleuchtiuigseffelten. Neu! Eine Kriminal- „ gcschichte in siebe lebeniisgropen Gruppen. Castan's Panoptikum. Geöftet m 0 Uhr MorgeilS bis Iv Uhr Abeili»s. Viktoria-Brauerei. Liitzew- Straße I1 1/1 12. lnillonzertgarlen resp. Saal) ' o» r; y(außer Sonnabends): Stettiner Siänger. Stets wechselnd. Programm. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. . Entree SO Pfg. Wochentagsbillets k 40 Pf.(S. Plakate.) Moabiier keitWilstshilils, Alt-zttoabit»0/8l. Täglich; Gr. KöNjerl, Theater Ni» SpezillllNelt. Anfang 4 Uhr. Enlree 30 Pfg. 22801. Sellmutd keters. AltesSlhtzclihails,Li«ienitr.3, (neu renoviry empfiehlt sich den iverthen Vereinen zu allen Festlichkeiten, sowie Bersaminluiigen. 810 b Frau? Beyer. Kerli» N., Ehnnstrestr. 1GZ. , Billigste BezugSWelle I illr Vein, Liqueure, Rum, Cognac, '_ Fruchtsäfte. 2725L Jj Soeben erscheint-:-..... Der Arbeitertag in Ölten ftt Gstern 18BG. Vierter und fünfter Jahresbericht des leitenden Ausschusses dos Schweizerischen Arbeiterbnudes und des Schweizerischen Arbeiforsekretariats für die Jahre 1300 und 1301 nebst de» Protokollen der Sitzungen des Bundesvörstandes. BOT preis 80 Pf."ML Kommissionsverlag der Buchhaiivlung des Schweizerischen Grütlivereins. Zürich. Billige Wohnungen| mit Wasserleitung u. ev. Kloset. 1 und 2 Stb.». Zub. 43-72 Thlr. p. I. Okt. Rixdorf, Prinz Handjenistr. S«. neue Veit. Bttssw-Bn«-«!. KMM. A,. � Jeden Mittwoch: tftnell-Klilllerseß uilt gr. Griltlslierlljl>l'il!lg. Ein lebendes Schal. Poubonregeu. Puppentheater. Stangeukletteru. Wettlaufen. Fackelzug. Doitnerstllg: Mollstre-Feuerwerk, darstellend ein Nlllhtseß in Zapan. ItasSBiksiUv, Kergman» Ztraßen Eckte. Lehre« grojfra Th. KeUer's Hof jäger, gj�utr» litittluody, 13« Jui! 1803• � � Giniier-�eN mit Gratis-Nrrloosimg. Bonbonregen, Sackhüpten, Eahnenschlag� etc. IM» Großes Militär-Kouzert. 2"' sr°ß->' Marionetten-TH« at er. Uolttodelultignnaeu. male: _______________„.......... Ball. Abends: Grohrr Fackiel»«,, inid bengalifche Pelenchtung. Auf. 4 Uhr. Entree 15 Ff., vorher 10 Pf. Ltiiiderbiilels nur a. d. Kasse. A. FrceUch. CHmlotteilbliGBrMereiGmbr'Ms Mallstr. 46, Kismarckistr. SS.. zx Grösstes Konzert- Etablissement, ©arten und Mle für 2000 Personen... Elektrische Beleuchtung. Familien, können Kaffee kochen. 2 Niesen-Kegelbahiien. Vereinen bestens empfohlen, midi Sonntags. 2512 L Brauerei Varussla, Niebtrslhöueiveibe, zahauuigthal,Lbersj>ree. Zeben Soulitag unli Mittlvalh: llr. Äilitärhonzsert u. Lall Kaffeeküche ist geöffnet. s25k0l.s Fr. Doiinski. Zahnarzt Robert Wolf, Chausseestr. 123, CgÄ«. Künstliche Zähne von 2 IM. an, Plomben von 1,50 M. an, Schmerzloses Zahnziehen I IM. Kassenmitgliedep zahlen Kassenpreice. 2675L Sprech stunde von 8—7 U h r. I Verlag des„Vorwärts" Berliner Volksblatt Kerlin SV., Keuthstrajf« S. Soeben erschien: 21 der | Reden und Schriften Ferd. Lassalle's (Nollstäudig in ea. 60 Kesten A 80 pf.) Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditenre und Kolporteure entgegen. T T L lang des„Uormarts" Berliner Volksblatt eorlin SW., Beuth> Strasse No. ft. Soeben ist im Verlage von 3. H. W. Dletz, Stuttgart, als 13. Band der Internationalen Bibliothek erschienen: Jas Ersarter Programm in seinem grundsätzlichen Theil erläutert von Karl Kanishzf. VIII und 264 Seiten. Broschirt M. I.öO, gebunden M. 2,-». I ii h alts-Verzeichniß: I. Per Untergang de« Kleinbetrieb», f. Kleinbetrieb und Privateigeiithuin. 2. Waare und Kapital. 3. Die kapita- listische Produktionsweise. 4. Der Todeskampf des Kleinbetriebs. II. Pas Proletariat. I.Proletarier und Handwerksgeselle. 2. Der Arbeitslohn. 3. Die Auflösung der Proletarierfamilie. 4. Die Prostitution. 5. Die iiidnstrielle Reservearmee. 6. Die wachsende Ausdehiinng des Proletariats. Das kaiismäunische und das„gebildete" Prolelariat. III. Die Kapifalistenlilaffe. I. Handel und Kredit. 2. Arbeitslheiliing und Konturreiiz. 3. Der Profit. 4. Die Grundrente. 5. Die Steuern. 6. Das Sinken des Profits. 7. Das WachSthum der Großbetriebe. Die Kartelle. 3. Tie wirthschafllicheii Krisen. 0. Die chronische Ueberprodicktion. IV. Per?nhuiift»staat. I. Soziale Reform und Revolution. 2. Privaleigenlhuni und geiiossciisdiaftliches Eigenthiim. 3. Die sozialistische Produkten. 4. Die wirthschaslliche Bedeutniig des Staates. 5. Der Staarssozialismus und die Sozialdemokratie. 6. Der Aufbau des ZukuifftSstaates. 7. Die Abschaffung der Familie. 8. Die Koiisiskalion des Eigenlhnms. 0. Die Vertheilnng der Produkte im Zukuuftsstaat. 10. Der Sozialismus und die Freiheit. V. Der Ktaffenkampf. 1. Der Sozialismus und die be- fitzenden Klassen. 2. Gesinde und Bedieiitenthum. 3. Das Lumpen- Proletariat. 4. Die Anfänge des Lohnproletariats. b. Die Er- Hebung des Lohuproletarials. 6. Der Widerstreit der daS Proletariat erhebenden und der es herabdrüctenden Tendenzen. 7. Die Philan» thropie und die Arbeiterschutz-Gesetzgebuiig. 3. Die Geiverlsdiafts- beivegung. 0. Der politische Kampf. 10. Die Arbeiterpartei. 11. Die Arbeiterbewegung und der Sozialismus. 12. Die Sozial- deniokratie— die Vereinigung von Arbeiterbewegung und Sozia- liSmns. 13. Die Jiiternalionalität der Sozialdemokratie. 14. Die Sozialdemokratie und das Volk. Wiedewerkäufer erhalten Rabatt. Alle Vilchhandlungen, Kolporteure und ZeitiingSspeditmre nehmen Beslettiiiigen entgegen. ff siir grdiicii iinl) iinnfr von Slhöveberg vnb Uwg. am Donnerstag, den 14. Juli, Abends 81/- Uhr, im Lokal oe Herrn Ramm, Schöneberg, Hauptstr. 81. Tages-Ordiiung: 1 Di, Frau und»er Sosialiamus. Referenkiu Fräulein Saab«»' 2. Diskussion. 3. Abrechnung von den Gemeinde- und Schiedsgerichls-Wame>- 4. Abrechnung vom 1. Mai. 5. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosti" findet Tellersammluiig statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 403/2 Der Vertrauensmann. -I e nehmen■ I° 1 Achtung! Moabit» Achtung! Große öjfeiltl. Volksvechmmlmg am Nlttvovli, den 13. Juli 1892, Abends 8 Uhr, in der Hronen-Lranerel, Alt-Moabit 47—48. Tagesordnung: l. Verdirbt Politik den Charakter? Referent Stadtv. Herr 2. Diskussion. 9tw 3. Verschiedenes. Frauen sind besonders zu dieser Versammlung eingeladen. Der Vmo U deffen sah sich der Gesammtvorstand genöthigt, ihm dieselben ebenso wie. zurückzusenden, und überläßt es hiermit den Gewerkschaften, die Abrechn� von demselben selbst zu fordern.. t iut Der Vorstand de» Infereffenvereins der Knchdrnckevei-Hilfsaroe' Keriin»«nd Umgegend. I. A.: Valdomar Fabrowsky. Leffentliche Versammlung ___ der Töpfer Berlins und Umg- MV sn, Donnerstag, den 14. Juli, Abends 6 Uhr,"MB im Saale des Herrn Philipp, Rosenthalerstr. 33. Tagesordnung: 1. Ergänziiiigsivahl des Zentral-Ausschiisses. 2. Wie verhalten wir u zu der Resolution, welche in der Gewerkschafls-Versammlung im Feen-Pw. angenommen ist? 3. Gewerkschaftliches. ,411/ Im Interesse der Sache ersuche die Kollegen zahlreich zu erscheinen. Varl T'bieme- Neunter Nachtrag zum Statiit kt M-LmkeMe der MoslhiilellblUl-Arbeiter und rerw. Bcrutsgenossen zu Borlln, vom 16. Mai 1302. Artikel I. An Stelle des§ 24 tritt folgende Be- stimmung: s 24. Die wöchentlichen Beiträge betragen; 1. für erwachsene Kaffenmitglieder, aus- schließlich der Lehrlinge.. 0,63 M. 2. für Kassenmitglieder unter 16 Jahren und für Lehrlinge..... 0,30 M. Artikel II. Dieser Nachtrag tritt mit dem, aus die Genehmigung Seitens des Bezirks- Ausschusses zu Berlin folgenden ersten Giltigkeitstermine in Kraft. Berlin, den 16. Mai 1302. Varl Thieme, H. Steinfeld, Vorsitzender. Stell vertr. Vorsitzender. Vorstehender Nachtrag wird hierdurch genehmigt. Berlin, den IS. Juni 1802. (L. S.) Der Kezirks-Ansschuß. 1007b Kayser. Dr. Hoesch, Homöopath. Arzt, Artilleriestr. 27. 3-10, 5-7, Somit. 3-10 Freie Vereinigung der Napieriudnstrie. Mittwoch. 13. Juli. Abends 3'/« Uhr- Austerord. General. Versammln»» bei Scheffer, Jiiselstraße 10. Tagesordnung: I. Beschlußfassung über Auflösung der Vereinigung. 2.$■"' rechnung. 3. Bericht der Kommissionen 4. Verschiedenes und Fragekasten. Mm gliedsbuch legitimirt. Der Vorst al�' Achtung i Mein Laden. � Nur eigene Fabritation, 25 Z'gui 1 Mark. Garantie rein amerikmM? Tabake. Rippentabak 2 Pfd. 60 pl 17351. K. F. Dinslaae» Kottbuserstr. 4, Hof par� Freunden und Genossen einül'�, mew. Cigarren''�"kation- � 522hs v. Reinicke, Manteuffm� 3. Semmel, pratt. Zahn-Arzt� Oranienstr. 55, Moritzplatz. Spr. 0—1, 3—5. In der PoUKli»� für Unbemittelte 1—3, 5--6 Nachm.(tüustl. Zähne 2 Mark). VerlagsbuGillldlvvg des„Vorwärts" Verliver Volksblatt Berlin 8W., Beuthstraße 2.___ Korben erschien: Grundsätze und Forderungen der SSozinldsCHzrottrÄtie. Erläuterungen zum Erfurter Programm von Karl Kautsky und Bruno Schönlank._ ■ 64 Seiten. Groß-Oktav. Preis geheftet 10 Pfennig. Wie die Liebknecht'sche Broschüre„Was die Sozialdemokraten was ue wollen" die Erklärung unseres allen(Gothaer) Programms» fetcS fo handelt es sich bei der vorliegenden Schrift um die Erläuterung»' jii neiieii, in Erfurt besd>losseiien Parteiprogramms. Jeder Genosse, der den Dienst der Partei stellt, sollte sidi die Massenverbreitung dieser Bro tue dazu angethan ist, für unsere Sack)« neue Anhänger zu gewinne!. gelegen sein lassen._ OmT" Wierterwerkäufor erhalten Rabatt. TDW, ,-rt Sf Alle Buchhandtunge», Kolporteure und Zeitungsspeditenre nehw stellinigen entgegen. m rei Aufträgen von Auswärts ersuchen wir um gleichzeitige Ben des Betrages.(Porto extra.) Beraulwortlicher giedatleur: August EnderS in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. SW. Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage zum„VoMiirts" Berliner Volksblatt. Nr. 161. Mittwoch, de» 13. I»Ii 18SÄ. S. Jalirg. Lotteiles. . Für die Wahl des Herr» Zelle suni Oberbürgermeister IMo einige Federn fortwährend thätig. Man stellt es so dar, °b?clle der einzige„Freisinnige" wäre, der die landeeherr- «che Bestätigung bekommen werde, und man deshalb schwere» Perzens ans Herrn Dr. Baumbach oder sonst einen um eine oinance„freisinnigeren" Mann verzichten müsse. Den» dag der Oberbürgermeister von Berlin in erster Linie bei Hofe augeniym lern inusj, ist bei unseren„Freisinnigen" so selbstverstättdlM),>mc . bb die landesherrliche Gunst Herr» Zelle nicht fehlen kann, der .��dtage so bereitwillig für die Erhöhung der Krondotation Rücksicht ans die gestiegenen Lebensmittelpreise eintrai.~nI' r Berliner„Freisinn" servil ist, muhten wir längst; wie servil er oder doch eine Gruppe innerhalb desselben ist, ahmen wir frei- «ch doch noch nicht, erfahren es aber jetzt. Uin Herrn Zelle als ben einzigen Kandidaten hinzustellen, der bestätigt werden könne, erfindet«in„sreisi»»iges" Blatt das Geschichlchen, daß der König Kn vorigen Jahre sogar Herrn Zelle als wiedergewählten Bürger- 'uesster nur nach einigem Widerstreben bestätigt und dann zum Minister Herrfurth bemerkt habe, er möge ihm aber nicht noch iinmal mit einem freisinnigen Bürgermeister lonimcn. Enlcyri er t„ Freisinn" nicht geradezu das Bürgerthunr der meichs- .. Eine» Boykott der jüdischen Händler in großem Um- fange planen die Deutschsozialen, d. h. die Antisemiten Lieber- »anav. Sonnenberg'scher Observanz. Jeder zum A»tisem,tiS- Mus. schwörende Konsument soll sich verpflichten, Schuhe, Leder, Eier ic. nur von solchen Händlern zu kaufen, welche die demnächst zu errichtende„judcnsreie Börse" besuchen und dort ®">kaufZgeschäfle abschließen. Zunächst sollje."fit Leder-, Mehl- und Eierdörse, zu der kein Jude Zutritt hat, rns Lebe» berufe» werden. Es bedarf natürlich keines Wortes darüber, daß dieser Boykott unberechtigt und unmoralisch ist. Er muß aber auch erfolglos sein, wenn die Behauptung von der geschäftlichen «eberlegenheit der Juden zutreffend ist. Obendrein sind unter den Antisemiten so viele faule Brüder, daß der Bejuch der »ludenjreien" oder Antisemiten-BLrse am Ende gar anrüchig Machen und geschäftlich in Mißkredit bringen könnte. Ww Mollen also die Antisemiten, die als unsere Gegenfüßler von uns mit kühler Objektivität betrachtet werden, zu rechter Borsicht gc mahnt haben. �5tte Zustände. Eine anständige Behandlung ist wohl °as Mindeste, was die Arbeiter verlangen können. Wie wenig ' uct sieht man aber nach dieser Richtung hin auf Arbeiter Nimmt, ms wird durch nallistchenden Fall, der uns von cineui Be° heiligteu mitgeiheilt wird, wieder einmal recht charakleri>llsch �"Mirt. Au, dem Tempelhofer Felde wird gegenwärtig eine sich ein Kaufmann aus der Friedrichstraße mittelst Revolvers.— An der Potsdamer Brücke sprang ein Schmied in de» Landwehr Kanal, wurde jedoch noch lebend ans dem Wasser gezogen und nach der Charilee gebracht.— An der Schlenscnbrücke wurde die Leiche dcS am 7. d. M. im Sprcekanal ertrinikenen 9 jährigen Knaben Janoivski angeschwemint.— Auf dem Neubau Soldiner straßc 20 stürzte Nachmittags ein Zimmerpolier aus dem vierten Stock in den zweiten Stock hinab und erlitt anscheinend schwere innere Aerlctznngen, die seine Ucberführnng nach dem Lazarus- Krankenhause erforderlich machten.— An der Ecke der Görlitzer- und Skalitzerstraße gerieth ein Sjährigcs Mädchen unter die Räder eines Geschäftswagens und wurde innerlich schiver ver letzt.— Im Lause des Tages und am darauffolgenden Morgen fanden 3 kleine Brände statt. bifcbnfc- Ö�aut lind sind dortselbsr eine große'Anzahl Arbeiter .Nid»??>"'». derselben lassen sich, wie das sehr natürlich Kind n f Ä'ff- das kärgliche Mittagsmahl durch Frau oder iehre» l')'e Arbeitsstätte bringen, nm dasselbe dort zu ver- ZU k»r, Nachhausegehen der Weg zu weit und die Zeit derarn» wenngleich es gerade kein Hochgenuß ist, aus einem Jeder? Aenban zu diniren. Da leicht begreiflicher Weise und Einnehmen des frugalen Mahles möglichst ungenirt heile»'st- zumal ivohl die meisten i» eigenen Angelegen sich.l9ren refP- Familiengliedern zu sprechen haben, so sucht! sein Nv» innerhalb des Baues einen Winkel, wo er sich niederließ, die Mitt e,'en verzehrte und in Gesellschaft seiner Angehörigen Sin»»-b�pause verbrachte. Das ,var aber nicht nach dem strenci»- m Herrn Geschäftsführers. Derselbe erließ deshalb ein Aichi a'>0' eines solchen kühnen Unterfangens der Arbeiter. "icht ,» dem, dürfen Frauen?c. den Bauplatz überhaupt diese? n> � detreten. Es könnte ja etwaS gestohlen werde»! Aus nieder, dot hin ließen sich nun die Arbeiter auf freiem Felde ihre» �. perzehrten dort ihr Mittagessen, um wenigstens mit aber in"'!!"gehörigen beisammen sein zu könne». Das war p°luei„.TvU'n nach der Versicherung unseres Gewährsmannes id»rden Arbeiter, welche dort Platz nahmen. N>it ßi«. Polizeiorganen aufgeschrieben und von Polizeiwcge» »nzur«?" gelegt. Nunmehr sind die Arbeiter auf die völlig geneßin. schlecht ventilirte und nichts weniger als an- nun Aufenthalt biercnde Baubude angewiesen. Dort müssen �nhi'.iH r? �icnschen ihr Mittagsmahl einnehnien. Gesegnete zu Mit» der Herr GeschästSjührer auch in der Baubude dg speist 1 Wohl schwerlich! Noch �er die Rixdorser Kantionsschwindler erfahren wir bände n es nicht gelungen„den Chef" der Schwindler- Niach/» ungeblichen Dr. phil. Walter Graudenz dingfest zu werde,, es dürfte schwer halten, desselben habhaft zu fr'Ve» frf,■» der Thal über bedeutende Geldmittel zu ver- k"ch»na i"' dtebrigens geht aus dem Verlaufe der Unter- d'e n..?»',"'"'«"'ehr hervor, daß es sich hier um eine Komödie, Der(?.!■. b?" Titel„betrogene Betrüger" führt, gehandelt hat. Kunden!'°nenste" der Gauner war der Herr Doktor, der es ver- wie sjrf, auch seine Komplicen über das Ohr zu haue»; die m.?. �tzt herausstellt, hat G., der mit den Opfern �aiitjo» iZ'ßen bezüglich der Höhe der zu stellenden Belräc,» �/"neist allein führte, seinen Sozien nur kleinere gesteck, stugeliesert und den Hauptanlhcil in seine eigene Tasche L'oße v.? übrigens fast fürstlichen Luxus getrieben und wobei•" feineren Restaurants der Lonisenstadt gemacht, öligen, �wenllich„ach Erhall der Kaulion die Verlranens- ttakrjx»' uf'6'd'i> soeben ihre Ersparnisse übergeben, mit Sekt n'wm„ l hat der angebliche Doktor in letzter Zeit mit P-'oistsei- su�n Industriezweige verschiedene Geschäftsleute der �ksc>,ä,!z hineinzulege» versucht; er hat in den letzten Wochen , weh ,),„!!."dor besser gesagt Kellerwechsel mit 50 pCl. Damno "gen n r n'llm Verkauf anbieten lassen, ob es ihm jedoch ge> .. Posten davon loszuwerden, ist bis jetzt noch nicht worden. �er dxnÄ��mtioualer Verbrecher, ein angeblicher Ameri- wird'd°n n x."whrerer schweren Diebstähle schuldig gemacht hat, uihrt de» lwstgen Behörden von Wiesbaden her sigiialisirt. Er «tork o.f,« deutschen Namen Anton Müller, ist aber in New- sL5»Werf 1** st"0 aufgewachsen. Müller soll dort das Schlächter- Puh» do? m Wben haben, dürfte aber auch dort schon ans die dlniers, �WbrechenS gerathcn sein. Als er vor einigen Tagen "�fchwn!.!."�shaft genommen werden sollte, war er spurlos pstst'erer fi!6"'. Müller ist noch jung, vielleicht 24 Jahre alt, von i�nurru,,.!�' hat schwarzes Haar und leichten Anflug von . l und macht ganz den Eindruck eines vollendeten stständi»» � deherrscht die englische und deutsche Sprache �»e � besonderes Kennzeiche» wird in deni Steckbriefe /-ieb. jw� auf der Stirn angegeben. Müller ist ein raffinirter wselbx« großer Gewandtheit arbeitet. Es sei hiermit vor gewarnt. i-er�uume,, 5 � d M. Morgens wurde in den �lie»" � und m L,, t'!' Eruiidstuck Usedomstr. 8 der Magazin- *'1 llientf» t?0 ,n fe'"er Wohnung, in der Prinzen- »er erhangt vorgefunden.— Vormittags erschoß Gevirtikv-IZeikung. Fräulein Wabuist wurde gestern wegen wiederholter Majestälsbeleidigung und Beschimpfung von Einrichtungen der christlichen Kirche von der achten Strafkammer des Landgerichts I unter Ausschluß der Oeffentlichkcit zu 10 Monaten Gefängniß vernrtheilt. Als der Präsident die Vernrtheilte fragte, ob sie sich bei dem Erkenntniß beruhigen, volle, erwiderte dieselbe, daß sie darauf eine Erklärung noch nicht abgeben könne, sie iverde sich aber zum Antritt der Strafe innerhalb zwei Wochen stelle». Sie bedürfe dieser Frist, um ihre Angelegenheiten zu ordnen, denn sie habe einen Eid geschworen, im Gefängnisse weder Etivas zu essen»och zu trinken»»d werde dasselbe also schwerlich lebend ivieder verlassen. Aus den Gerichtshof machte diese Erklärung keinen Eindruck, der Vorsitzenve eröffnete der Bernrtheilten, da' ihre sofortige Verhaftung bereits eine beschlossene Sache sei. Sie könne sich im Gefängnisse ihre weiteren Schritte überlegen. Daraus wurde die Verurtheilte abgeführt. Einen für den Kläger«»erwarteten Ausgang nahm eine Verhandlung, welche gestern vor der 136. Abiheilung des Schöffengerichts stattfand. Im Dezember vorigen Jahres hatte der Schrittsteller Otto P e r l s in einem„Verschlossene Häuser, Portierwirthschaft il»d sonstige Mietherfreuden" betitelten Vor trage als kennzeichliendes Beispiel Vorgänge in einem Doppel Hause geschildert, welches Eigenthum des Rentners Oskar M a m r o t h ist. Es ergab sich ans dieser Darstellling ein krasses Bild der Tyrannei, der unter Umstäiideu Miether mit Kindern in verschlossenen Häusern unterworsen sind. Durch den Vortrag ll»d dessen Veröffentlichung in der„Miether-Zeitnng" fühlte sich der Hauseigenthümer MmnrotH beleidigt. In eingehender Beweis- aufnähme wurde dicZ Richtigkeit der Angabe» des Beklagten Perls bestätigt, es kamen Zustände zur Sprache, die lebhaft an den bekannten Fall des Porliers Schiveriii erinnerten. Der Kläger hatte gleichwohl die Behanptnnge» des Beklagten als „Lügen und Verlenindunge»" bezeichnet und hatte der Letztere deshalb Widerklage erhoben. Das Ergebniß der Verhandlung ivar die kostenlose Freisprechung des Schriflstellers Perls und die Verurtheilnng des Eigenthümers Mainroth ans Ecund dcr Widev klage zu 150 M. Geldstrafe und säuuntlichen Kosten. Ladendiebiunen von großer Gemeingefährlichkeit standen gestern in de» Personen der Wittwe Marie Barkowska nnd der verehelichten Juliane Heine vor der zweiten Straf- kanimer des Landgerichts I. Beide Angeklagte sind wegen Laden- diebstahls wiederholt vorbestraft, in einem Falle hatten sie früher genieiiisain„gearbeitet" und waren dafür auch gemeinsam ver- urtheilt worden. Nach Aerbüßung ihrer Strafe begab sich die Barkowska nach Thor», wo sie sich als Rätherin anmeldete. Sie lag sofort auch dort wieder dem Ladendiebstahl ob, verkaufte die gestohlenen Sachen aber nicht dort, sondern reiste damit»ach Berlin, wo die Heine ihr beim Absätze derselben behilflich war. Gelegentlich solcher Besuche machte» die beiden Slngellagten dann auch gemeinschaftliche Raubzüge durch die hiesigen Läden. Wäh- rend die eine durch die Slngabe, etivas kaufe» zu wollen, die Ansmerksamkcit der Verkäuferin zu fesseln suchte. ließ die andere einen in ihrem Bereich liegenden Gegenstand unter ihren, Mantel verschwinde». Die beiden�Angeklaglen erhoben ein großes Weh- klagen, als sie das gegen sie erkannte Urtheil hörten, die Bw lowska wurde zu S Jahre» Zuchthaus, Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, die Heine zu zwei Jahren Gefängniß ver- urtheilt. Ueber die rechtliche Natur eiueS Vertrages in Betreff llebcrlassuug der(Siebelwand eines Hauses zur Anbringung einer Reklame-Jnschrist bringen die„Blätter für Rechtspflege" folgende bemcrlcnswerthe Entscheidung: Der Verleger des„Lokal Anzeiger" hatte durch schriftliche» Vertrag vom 31. Oktober 1889 einem hiesigen Hausbesitzer die Giebclwand seines Hauses zur Anbringung einer Geschäftsreklame in Form einer Inschrift nnd einen Bodenraum abgemiethet. Es sollte dafür eine jährliche Eiitschädignng von 200 M. gezahlt, ein Freiexemplar des Berliner Lokal-Älnzeiger" gewährt, soivie die Berpfiichtnng übernommen werden, sämmtliche ans das Haus bezüglichen Bermiethungs- anzeige» kostenfrei ans ein Jahr im Berliner„Lolal-Anzeiger" ansznnehmen. Die Inschrift wurde angebracht, mußte aber im Juli v. I. ans Anordnung der Polizei ivieder entfernt werden. ßtnn glaubte der Verleger sich seiner weiteren Verpflich- tnng gegen den Hausbesitzer enthoben. Dieser bestand aber ans Ersüllung der eingegangenen Verpflichtungen bis zum Ablauf des Kontraktes und machte seine Forderung im Wege der Klage geltend. Das Amisgericht ent schied zu Gunsten des Klägers und das Landgericht trat dieser Auffassung bei unter folgender Begründung: Das Berufungs- gerichl hat den unter den Parteien geschlossenen Bertrag vom 31. Oktober 1889 mit dem erste» Richter als einen Mielhs- verlrag aufgefaßt und ist der Rechtsansicht, daß, weil Be- klagter, obwohl er dazu in der Lage gewesen, denselben nicht zitm 1. Oktober 1891 aufgekündigt hat, der Kontrakt also noch bis zum I. Oktober 1892 lief, der Kläger, der nach wie vor dem Beklagten die Miethsobjekte zur Versügung gehalten hat, berechtigt ist, die hier eingckiagte Micihe für das Quartal vom Juli bis Oktober zu fordern. Wenn Beklagter geltend machen will, wegen Eintretens höherer Gcivalt habe damit seine Pflicht zur MiethSzahlung seit 1. Juli 1891 an Kläger aufgehört, indem ohne Verschulden seinerseits die Mieths- fache zu dem bestimmten Gebrauche untüchtig geworden sei, so kann dem nicht beigetreten iverde». Die Anordnung der Polizei- behörde, das mehr als auffällig zu nennende Plakat von dem Giebel des Hauses wieder zu entserne», hat gesetzlichen Boden, weil es nach Auffassung der Behörde die Straße verunzierte, nnd sie hat in der höchste» Verwaltungsinstanz Bestätigung gesunde». Die Schuld an dieser zu weit Reklame machenden Inschrift, die deshalh der Beklagte entsernen mußte, trifft allein den Beklagten als deren Urheber oder Veranstalter und er kann nichts hiervon dem Kläger, seinem Aermielher, aufbürde», dem wegen der Form und Art der Inschrift überdies gar kein Einspruchs- oder Wider- spruchsrecht zustand. Der Kuabeumord in bauten vor dem Schtourgericht in Cleve. Siebenter Tag der Verhandlung. Der Andrang des Publikums ist heute ein so gcivaltiger, daß der Kommandirende der hinter dein Gerichtsgebände belegenen Alilitärivache ersucht werde»»mß, freie Bah» machen zu lassen, damit die Mitglieder des Gerichtshofes, die Geschworenen, Vertheidiger u. s. iv. ungehindert in den Gerichtssaal gelangen können. Der Präsident, Landgerichts-Dircktor Kluth eröffnet gegen 9i/s Uhr Vormittags die Sitzung mit etiva folgenden Worten: Ehe wir in die Verhandlung eintreten, habe ich zunächst zu be- merken, daß dem Berichterstatter Herrn Gustav Meyer, nachdem die leidige Angelegenheit auf gütlichem Wege beigelegt, der Zu- tritt zu de» Verhaudlungen ivieder gestattet ist. Alsdann habe ich zu bemerken, daß ei» gutes, viel gelesenes Blatt, dessen Name ich nicht nennen will, sich ein sehr absprechendes Urtheil über die hiesige Bevölkerung gestattet hat. Es wird der hie- sigen Bevölkerung Aberglauben, Fanatismus und Mangel an Bildung vorgeworfen. Es ist mir nahe gelegt ivorden, dem Berichlerstatter dieser Zeitung die Eintrittskarte zu entziehen, da eS nicht schicklich ist, daß Jemand, der als Gast hier zugelaffeu ist, das ihm gewahrte Borrecht in dieser Weise mißbraucht. Ich habe diesen Vorschlag abgelehnt, da ich der Ansicht bin, daß Jeder das Recht hat, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Ich bemerke aber, daß das Urtheil des betreffenden Herrn Korrespondenten durchaus unzutreffend ist. Ich bin seit etwa 3 Jahren hier und kann versichern, daß ich die hiesige Be- völkerung achten und schätzen gelernt habe. Ich bedauere daher um so mehr, daß ei» solches Urtheil in die Welt geht. Ich hatte seit meiner hiesigen Thätigkeit die Ehre, sowohl in der Straf- kammer, als auch vielfach bei den Schwurgerichtsverhand- lungeii den Vorsitz zu führen und ich kann bekunden, daß ich in der Stadt und im Kreise Cleve eben so viel Intelligenz und Bildung gefunden habe als in anderen, selbst in sehr großen Städten. Den Fanatismus will der Herr Korre- spondmt entnommen habe» aus dem Umstände, daß, als oer kleine Siegmund Buschhoff als Zeuge den Saal betrat und Vater und Sohn weinten, in den Auge» des Publikums keinerlei Mitleid, soildern nur fanatischer Haß gegen die Juden zu erblicken war. Ich habe kein so scharfes Auge, um den Leuten anzyseheu, ob sich in ihren Augeil Mitleid oder Judenhaß kund giebt. Allein angenommen, es wäre der Fall gewesen, dann ist zu erwägen, daß der Zuhörerraum für eiwa Ivo Personen bemessen ist und daß 100 Leute noch zu keinerlei Schlußfolgerung auf eine Be- völkerung vo» 20—30 000 Seelen, die zu Cleve und einstündigem Umkreise gehören dürften, gestatte». Ich kann aber die Ver- sicherung abgebe», daß der Bevölkerung von Cleve und Umgegend jeder Fanatismus fernliegt. Ich mache mich anheischig, mit Buschhoff in dem ganzen Clever Kreise von Haus zu Haus bis i» die kleinste Hütte zu gehen und ich würde die Garantie übernehmen, daß dem Buschhoff auch kein Haar gekrümmt iverden würde. Ich ersuche alsdann de» Berichterstatter Herrn Hugo Friedländer wieder ein- mal vorzutreten. Sie erinnern sich, in. H., daß ich Veranlassung genommen habe, Herrn Friedländer auf«inen in seinem Bericht vorgekommenen Jrrthum aufmerksam zu machen. Herr Fried- läuder versicherte, daß dieser Jrrthum durch die Schuld eines Setzers vorgekommen ist. Ich habe mich nachträglich überzeugt, daß der Jrrthum in der That nicht durch die Schuld des Herrn Friedländcrs i» den Bericht gekomme» ist. Ich fühle mich ver- pflichtet, das hier öffentlich niitzutheilen. Ich bemerke Ihne», Herr Friedländer, daß ich Ihre Berichte im„Clever Kreisblatt" sehr aufinerksam lese, und muß Ihnen wiederholt das Zeugniß ausstellen, daß Ihre Berichte mit großer Ausführlichkeit und ebensolcher Sorgsalt geschrieben sind. Sie stenographiren wohl, Herr Friedländer? Friedländer: Nein, Herr Präsident, ich kann nicht stenographiren. P r ä s.: Dan» schreiben Sie allerdings schneller, als ich es im Stande wäre. Nun, es ist ja gar nicht zu verwundern, daß bei so schneller Berichterstattung kleine Jrrthüiner oder auch vielleicht Druckfehler unterlausen. Es wäre aber gut, wenn alle diese Fehler berichtigt würde». So ließen Sie den Herrn Kaplan Bresser sagen: Er habe sich de» heiligen Werner zum Vorbild genommen/ während er in Wirklichkeit gesagt hat: Er habe sich, indem er die Bevölkerung Ziaiitens vor den Gewalt- thätigkeiten, die gegen die Juden verübt wurden, abgemahnt, den heilige» Bernhard von Clairvaux zum Vorbild genommen hat. Ich ersuche Sie, diesen Jrrthum, der ja vielleicht auch durch einen Druckfehler entsta»deii ist. richtig zu stellen. Friedländer: Ich bin Ihnen sehr dankbar Herr Präsident, daß Sie mich auf diesen Jrrthum aufmerksam inachen, ich werde sofort die erforderliche Berichtigung vornehmen. (Es geschieht dies hiermit. Der Berichterstatter.) Präs.: Nu» muß ich bemerken, daß in anderen Berichten arge Unrichtigkeiten enthalten sind. Ich muß die Herren Bericht- erstatter sämmtlich ersuchen, auf ihre Berichte, angesichts der großen Wichtigkeit der Sache, doch die größtmöglichste Sorgfalt zu veriveiideu. Zwei Jrrthümer, die die Sache geradezu auf den Kopf stellen, muß ich hier erwähnen, da dieselbe» geeignet sind, das Urtheil der Herren Geschivoreneu zu beeinflussen und in weiten Kreise» eine falsche Vorstellung hervorzurufen. ES steht in der„Kölnischeii Volkezeitung"; Der Oberstaatsanwalt stellte fest, daß die Spreu, die in dem beschlagnah», teil Sacke des Buschhoff vorgefunden, mit der Spreu, die sich in den Händchen des ermordeten Knaben befand, übereinstimme. Es ist das«in arger Jrrthum und ich ersuche den Herrn Oberstaats- anwalt, sich hierüber zu äußer». Oberstaatsanwalt H a m m: Ich habe jedenfalls keine der- artige Aeußerung getha». Präs.: Die Spreu hat bei den Herren Geschworenen irknlirt, vielleicht kann Herr Bürgermeister Schieß, der auch Landwirlh ist, sich darüber äußern. Bürgermeister S ch l e ß: Ich habe gar keinen Anhalt für die Identität der Spreu. Erster Staatsanwalt B a u m g a r d: Ich bemerke, daß ich für heute Nachmittag einen Lehrer der hiesige» landwirthschast- lichen Schule als Sachverständigen bezüglich der Spreu laden iverde. Präs.: In der„Niederrheinischen Volkszeitung" zu Creseld befindet sich ein Telegramm, in dem es heißt: drei Metzgermeister, die gutachtlich vernomnien wurden, haben bekundet, daß die Flecken in dem Buschhoff'schen Sacke nicht Rauch-, sondern Blut- flecken seien. Sie werde» wissen, meine Herren, daß die drei Metzgermeister das gerade Gegeutheil bekundet haben. Ist der Berichterstatter der„Niederrheinische» Bolkszeitung" hier? Letzterer bemerkt, daß das Telegramm verstiimnielt worden und der Fehler bereits richtig gestellt worden sei. Geschworener Kaufmann S p i ck s ch e n: Ich fühle mich ver- anlaßt, dem Herrn Präsideuten mitzulheile», daß an jede» Ge- Khworenen ein Exemplar der in Witten erscheinenden West- älischen Reform geschickt worden ist. In dieser Zeitung wird der Gerichtshof, der Oberstaatsanwalt und Erste Staatsanwalt, die Vertheidiger und auch die medizinischen Sachverständigen in arger Weise angegriffen. Ich überreiche dem Herrn Präsidenten ein solches Exemplar. Präs.: Es ist sehr gut, daß alle derartigen Vorgänge zur Kenntniß des Gerichtshofes gebracht werden, ich nehme aber als selbstverständlich au, daß sich die Herren Geschworenen dnrch Nichts beeinflussen lassen, sondern nur das im Auge behalten werden, was der Gang der Verhandlung ergeben hat. Vertheidiger Rechtsanwalt S t a p p e r: Ich beantrage zu Protokoll zu nehmen, daß durch Vertheilen einer Zeitung eine Beeinflussung der Herren Geschworenen versucht worden ist. Der Gerichtshof giebt diesem Antrage statt. Präs.: Gestern Abend habe ich ein Telegramm, unter- zeichnet von„füuf Xantener Bürgern" erhalten. Das Telegramm lautet: Mehrere Xantener Bürger, beseelt von der Absicht, der Wahrheit auf den Grund zu kommen, bitten über das Vor- leben der Zeugin Frau Beekmann, geb. Overhagen, Erhebungen anzustellen und den Stadtsekretär Devers darüber zu de- fragen. Das Bekanntwerden des Vorlebens der Frau Beekmann dürfte für de» Werth ihres Zeugnisses von durchschlagender Wirkung sein. Meine Herren. Sie wissen, daß das Veekmann'sche Ehe- paar bekundet hat, Ullenboom habe ihnen erzählt, daß er am Bormittage des Peter- Paulstages gegen 10 Uhr mit seinem jährigen Pflegekinde zu Buschhoff gegangen sei, daß das Kind vielfach aus dem Hause gelaufen und von ihm hineingeholt worden sei. In einem weiteren anonymen Telegramm wird dem Gerichtshof mitgetheilt, daß Frau Beekmann vor ihrer Vernehmung auf dem Bahnhof in Goch lange Zeit mit einem Juden gesprochen habe. Der Präsident fragt, ob Anträge auf Ladung von Zeuge» zu stellen seien. Oberstaatsanwalt: Ich bin der Meinung, daß wir zunächst den Klempner Ullenboom vernehme». In einem weiteren Schreiben aus Xanten wird mitgetheilt, daß Dr. van Housen noch vor dem Dr. Steiner in der Scheune gewesen und erklärt habe, daß sehr wenig Blut in der Scheune war. Präs.: Herr Bürgermeister Schieß, können Sie uns darüber Auskunft geben? Bürgermeister S ch l e ß: Ob Dr. v. Housen die mitgctheilte Aeußerung gelhan, weiß ich nicht, er ist jedenfalls aber nicht vor, sondern nach Dr. Steiner in die Scheune gekommen und hat sich keine drei Minuten dort aufgehalten, er kann sich mithin die Leiche nur flüchtig angesehen haben. Präs.: Wissen Sie das bestimmt? Zeuge: Jawohl ganz bestimmt. In weiteren annonymen Briefen wird noch um Ladung weiterer Zeugen gebeten. Oberstaatsanwalt Hamm: Ich bitte, doch nur solche Zeugen zu lade», wenn angegeben wird, welche Bekundung die vor- geschlagene» Zeugen machen sollen, die Verhandlung würde andernfalls kein Ende nehme». Rechtsanwalt S tapp er: Die Vertheidigung ist sehr erfreut, wenn dieser Grundsatz hier zum Ausdruck gelange. Allein die Vertheidigung will keiner Zeugenladung widersprechen, um nicht den Anschein zu erwecken, als fürchten ivir irgend eine Zeugenaussage. 'Der Gerichtshof beschließt, da in einem weiteren anonymen Briefe Zeugen angegeben werden, die bekunden wollen, daß Sieg- mnnd Isaak am Peter-Paulstage Nachmittags zwischen 1 23 bis 8 Uhr nicht bei Buschhoff, sondern in seinem Laden gewesen sei, als Zeugen zu laden: Die Eheleute Beekinann, Wilh. Nllen- boom, Stadtsekretär Devers, Michels, Görtzen, Hölsken, Bürger- meister Kaiser(Goch), Helene Bräuer, Siegmund Jsaac,?lloi)ö Langenberg, Friedrich Längenberg, Abraham Bruckmann, Theod. Bruckmann, Frau Seegers und Levi Paßmann. Es erscheint alsdann als Zeugin Frau M a u r i tz: Eines Tages kam meine Tochter nach Hause und sagte mir:„Jetzt weiß ich auch Etwas über BuschKoff". Sie erzählte mir: Sie habe den Buschhoff mit seinem Sohn Siegmuud in der Clever- straße getroffen. Sie sei einige Schritt hinter Buschhoff gegangen, da habe der kleine Buschhoff gesagt:„Wenn's nur nicht aus- kommt." Buschhoff habe sich nach dieser Bemerkung seines Sohnes ängstlich umgedreht und als er meine Tochter sah, habe er de» kleinen Siegmund ängstlich an sich gezogen. Präsident: Was sagten Sie zu dieser Erzählung? Zeugin: Ich verbot meiner Tochter, irgend Jemandem etwas davon zu erzählen, da ich keine Laufereien haben wollte. Präs.: In einer so wichtigen Sache, wo es sich um einen Mord handelt, da hätten Sie doch die Verpflichtung gehabt, Ihre Tochter sofort zu veranlassen, der Behörde Mittheilung zu machen. Zeugin: Ich wollte keine Laufereien haben. Die folgende Zeugin ist die Köchin R e m y(Goch): Anfang Juli v. I. fuhr ich per Bah» von Goch chber Xanten nach Büderich. In Xanten stiegen zwei jüdische Herren ins Koupee. Einer dieser Herren sagte: Xanten wird mir zum Ekel, ich möchte gern fort, wenn ich nur könnte. Der andere Herr sagte: Jedenfalls hat er eine große Dummheit gemacht, daß er es in die.Scheune gelegt, ich würde nicht so dumm ge- wesen sein. Präs.: Hat der Herr dabei einen Namen genannt? Zeugin: Nein, er sagte dlos: Jedenfalls hat er eine große Dummheit begangen, daß er es in die Scheune getragen. Am Bahnhof Büderich verließ ich das Coupee und begrüßte Fräulein Öfter, Tochter deS Alexander Oster. Als diese mich mit meinem Namen ausprach, stießen sich die beiden Herren an und begannen in einer mir unverständlichen Sprache zu sprechen. Präs.: Kannten Sie die Herren? Zeugin: Nein. Präs.: Haben Sie Ihre Wahrnehmungen erzählt? Zeugin: Jawohl, ich habe es der Frau Rademacher erzählt. Kaufmann Gustav B r o ck h a n s(Goch): Am Sonnabend früh erzählte mir Janßen. Sohn der Frau Radcmacher: Frau Remy weiß etwas von dem Morde, sie wolle sich nicht als Zeugin melden, deshalb habe ich es gethan. Wittwe R a d e m a ch e r: Die Reniy hat mir eines Tages ihre Wahrnehmungen erzählt. fräs.: Wann war das? e u g i n: Das weiß ich nicht mehr, jedenfalls ist es schon lange her. fräs.: Weshalb haben Sie davon keine Anzeige gemacht? e u g i n: Ich habe der Wahrnehmung kein Gewicht beigelegt. Es wird hierauf ein an den Staatsanwalt gelangtes Tele gramm verlesen, wonach eine Marie Riesen, die einmal bei dem Juden David Brockmann gedient, gehört habe,»vi« David Brock- mann zu seiner Frau, mit der er sich über den Mord unterhallen, gesagt habe:„Der war es". Die Riesen habe hinter der Thür gestanden, als Brockmann diese Aeußerung gethan. Frau Jansen, die hierauf als Zeugin erscheint, bekundet Am Peter-Paulstage sei sie in früher Morgenstunde einem holländischen Juden. Namens Fellemann begegnet. Auf ihre Frage: wohin es so früh gehe, sagte Fellemann: er gehe nach Holland._„.... Frau L e n d e r s: Am Abende des Peter-Paulstages, nach- dem die Mordthat bereits bekannt war, sagte eine Frau Schollen zu mir:„Das hat ein Jude gethan." Ich bemerkte:„Das können Sie doch nicht sagen." In der Kirchstraße begegnete mir Frau Buschhoff. Ich fragte diese: Ist das wahr?„Es ist nur zu wahr." versetzte Frau Buschhoff. Heute Nachmittag kam Frau Hegmann zu mir und jammerte, daß sie ihr Kmd nlcht finden könne. Ich suchte Frau Hegmann zu beruhigen und bot ihr eme Tasse Kaffee an. Frau Heginann hat den Kaffee aber mit den Worten abgelehnt:„Ich trinke keinen Kaffee, ich will erst mein Kind habe». Ach, Frau Buschhoff, ich habe heute Nacht von so Jemandem vergangenen erster Ehe vielem Blut geträuint, das bedeutet zweifellos Unglück." Frau Buschhoff, so erzählte letztere mir weiter, habe darauf erwidert:„Man darf nicht immer gleich das Schlimmste denken. Der alte Dr. Ueberhorst pflegte zu sagen: Man solle den Teufel nicht an die Wand malen." Ich sagte nach dieser Erzählung zu der Frau Buschhoff:„Es ist doch schrecklich, in welch' schrecklicher Verstümmelung das arme, unglückliche Kind gefunden wurde. Das Kind war so gut, das hat doch keineiii Wurm etwas zu Leide gethan." Frau Buschhoff war sehr auf- geregt und weinte. Sehr bald kani auch der Ehemann Buschhoff hinzu. Frau Bttschhoff sagte zu ihrem Gatten: Adolf, wir können dem lieben Gott nicht genug danke», daß unsere Kinder im Bett gestorben sind. Das arme Kind! Es hat vielleicht Mama gerufen und Niemand hat es gehört. Buschhoff war ganz starr und sagte kein Wort. Schloffer Schmidthuysen: Am I. oder 2. Juli vor. Js. ging Mölders an meinem Hause vorüber und rief:„Haben Sie noch nicht gehört, daß sie den Juden gepackt haben?" Ich ver- setzte:„Nehmen Sie sich in Acht, es sind Juden in der Nähe". MölderS erwiderte: Und wenn alle Juden von Xanten dabei sind, dann sage ich doch:„Buschhoff hat es gethan". Ich warnte den Mölders Derartiges zn sagen, wenn er es nicht beweisen könne. Vertheidiger Rechtsanwalt S t a p p e r: Das war am 1. Juli v. I.? Zeuge: Jawohl. Der Zeuge bekundet im Weiteren: Der verstorbene Jude Paßmann hat mir einmal erzählt:„Ich habe in der Zeitung gelesen, daß man Einen zum Tode verurtheilt hat. Der dumme Kerl hat die That eingestanden." Ich erwiderte:„Sein Ge- wissen wird ihn wohl zu dem Gestäudniß gedrängt haben." Darauf versetzte Paßmann:„Ich kann Ihnen sagen, wenn unter unseren Leuten so etwas passirt, dann kommt es niemals heraus; das bleibt unter uns, wir sind alle ver- schwiegen." Präs.: Wen mag er wohl mit„unseren Leuten" gemeint haben? Zeuge: Ich nehme an: er hat die Juden damit gemeint. Präs.: Sie hatten wenigstens diese Auffassung? Zeuge: Jawohl. Präs.: Nun, was haben Sie sonst noch zu bekunden? Zeuge: Vor etwa 3 Wochen wurde mir erzählt und gestern hörte ich es wieder: Als der kleine Hegmann beerdigt wurde, da war Buschhoff gerade bei Euer--, um etwas zn unter- schreiben. Buschhoff habe dabei derartig gezittert, daß ihm die Haud geführt werden mußte. Präs.: Wer hat Ihnen das erzählt? Zeuge. Wilhelm Huiskens, der Schwager von Everts hat es dem Deckers und dieser hat es mir erzählt. Es betritt nun Frau Hegmann, die Mutter des ermordeten Knaben, bitterlich weinend den Gerichtssaal. Präs.: Nun beruhigen Sie sich Frau Heamann. das viele Weinen bringt Ihnen Ihr Kind nicht mehr zurück. Was Einem der liebe Gott aufgelegt, muß man mit Geduld ertragen. Nach nnd nach beruhigt sich die Zeugin und bekundet auf Befragen des Präsidenten, daß sie am Peter-Paulstage überhaupt nicht bei Buschhoff war. Ober-Staatsanwalt Hamm: Früher haben Sie aber be- kündet, daß Sie bei Buschhoff's waren? Zeugin: Nein. Beifitzender, Landgerichtsrath G r ü t e r i n g: Als Sie Ihr Kind suchten, sind Sie da nicht bei Buschhoff's gewesen? Zeugin: Ja, als ich vom Suchen zurückkam. Beisihender Landgerichtsrath Grütering: Wann mag das wohl gewesen sein? Zeugin: Etwa nach 4 Uhr. Präs.: Hat nicht auch Frau Buschhoff ihren Sohn Sieg- mund aufgefordert, das kleine Joanchen zu suchen? Zeugin: Jawohl. Es erscheint alsdann als Zeuge Landgerichtsrath B rix ins: Dieser bekundet: Als Buschhoff, seine Frau und Tochter am 14. Oktober 1891 verhaftet wurden, theilte man mir mit, daß die Leute wegen ihrer gefährdeten persönlichen Sicherheit verhastet worden seien. Der Angeschuldigte Buschhoff machte von Anfang an auf mich einen vollständig sicheren und unbefangenen Eindruck. Seine Antworten waren durchaus be- stimmt und ruhig, obwohl die Vernehmung durch die Schwer- Hörigkeit desselben sehr beeinträchtigt wurde. Als ich dem Busch- hoff in die Seele sprach: er sollte doch, wenn er es gethan habe, eingestehen, sagte er: Ich weiß, was es heißt Kinder verlieren und ich sollte im Stande sein, einem unschuldigen Kinde den Hals abzuschneiden? Diese Worte bestärkten mich in der Ueberzeugung von der Unschuld des Buschhoff. Der Zeuge bekundet i», Weiteren: Im Monat November 1891 wurde meinem Schwiegersohn, dem Herrn Rechtsanwalt Fleischhauer die Vertheidigung angetragen. Es war mir ja das nicht angenehm, allein ich fand mich anderer- seits nicht veranlaßt, meinem Schwiegersohn von der Annahme der Vertheidigung abzurathen, weil ich dem Angeklagten einen Anwalt nicht entziehen wollte, zu dem er Vertraue» hatte. Ich erkläre hiermit ausdrücklich, daß die verwaudlschastlichen Baude zwischen mir und Herrn Rechts- Anwalt Fleischhauer aus den Gang der Untersuchung nicht den geringsten Einfluß gehabt haben. Die Person des Herrn Rechts- anwalts Fleischhauer bietet bereits die volle Gewähr, daß er keinen Versuch machen wird, einen Richter zur Nedertrelung seiner Pflichten zu bestimmen. Am 23. Dezember v. I. hatte der Herr Erste Slaalsanivalt mit höherer Genehmigung die Haft- entlaffung aller drei Beschuldigten verfügt. Es wurde den Be- schuldigten bedeutet, daß sie sich bei der Polizeibehörde des Ortes, an den sie sich begeben, sofort nach ihrer Ankunft zu melden und jederzeit ihre Wiederverhaftung zu gewärtigen haben, da die Untersuchung noch keineswegs abgeschlossen sei. Es dürste be- bekannt sein, daß iufolge dieser Haftentlassung in einer Anzahl von Zeitungen heftige Vorwürfe gegen mich und den Herrn Ersten Staatsanwalt erhoben wurden. Im Januar d. I. kam im Austrage des Herrn Justizministers Herr Geh. Juniz-Rath Vietsch aus Berlin nach Cleve. Auf dessen Rath habe ich einen Vermerk über mein Urtheil den Angeschuldigten be- treffend, zu den Akten gegeben. Am 24. Januar o. I. erhielt ich den Auftrag: Die Voruntersuchung schleunigst abzuschließen. Am Ersten Sonntag im Monat Februar t392 lheille mir der Herr erste Staatsanivalt mit, daß Kreisphysikus Dr. Bauer ein dem Buschhoff geböriges Messer vorgefunden habe, das zur Aus- sührung des Mordes geeignet sei. Der Herr Erste Staalsanwalt fragte mich, ob ich daraufhin die Wicderverhaftung verfügen wolle. Ich erklärte, daß ich mich zunächst über die Sache unter- richten und die Herren Kreisphysikus Dr. Bauer und Kreisivund- arzt Dr. Nünuinghoff hören wolle. Der Herr Erste Staatsanwalt führte mich alsdann zu dem Herrn Oberstaatsanwalt, und dieser legte mir nahe, ob ich aus Anlaß meint» verwandtschaftlichen Verhältnisses zu dem Ver- theidiger, die Weiterführung der Untersuchung nicht niederlegen wolle. Ich erklärte, daß ich mich nicht für besangen Halle, die Straskammer des hiesigen Landgerichts entschied jedoch am 3. Februar, daß Herr Landgerichts- Rath Birk die Untersuchung gegen Buschhoff, der am 9. Februar von Neuem verhaftet wnrde, führen solle. Ich bemerke jedoch aus- drücklich, daß Herr Landgerichts-Ralh Birk meine Ansicht über die Schuld des Angeklagten vollständig theilte. Ich habe noch zu bemerken. daß es mir zu großem Ver- brechen angerechnet wurde, iveil ich am 20. Januar bei der Ab- Haltung eines Lokaltermins den Synagogen-Vorsteher. Herrn Kaufmann Oster in Xanten, hinzugezogen habe. Ich hätte eigent- lich den Angeklagten, der damals in Köln wohnte, von der Ab- Haltung dieses Lokaltermins benachrichtigen müssen, alleinl ich unterließ dies, da ich die persönliche Sicherheit des Buschhoff tu Xanten für gefährdet hielt. Wie Recht ich hatte, bewies der fürchterliche Andrang der Menge; ich hätte drei Straßen ab- sperren lassen müssen, wenn ich dem Andrang hätte be- gegnen wollen. Da mich nun Herr Oster, der mir als ein durchaus würdiger Mann bekannt war, bat, dem Lokal- termin beiwohnen zu dürfen, so nahm ich umsoweniger Ver- anlassung, diese Bitte abzuschlagen, da ich mir sagte, daß die Verfolgten ein Anrecht auf Schutz haben und der Angeklagte das gesetzliche Recht hatte, dem Termine beizuwohnen. Ich wurde nun im Abgeordnetenhause dieses meines Ver» Haltens wegen, ganz besonders von dem Abgeordneten Host Prediger a. D. Slöcker, angegriffen. Dies veranlaßte mich, an Herrn Stöcker eine Berichtigung zu senden und diesen zu bitten, dieselbe im Abgeordnetenhause vorzulesen. Herr Stöcker hat aber nur einen Theil meiner Berichtigung vorgelesen, die Haupttheile unterdrückt und die Bemerkung hinzugefügt:„Es bleibt doch merkwürdig, daß der Schwiegersohn des Untersuchungsrichters der Vertheidiger ist." Hier wird die Vernehmung des Landgerichts- raths Brixius vorläufig abgebrochen. Letzterer bittet, bei seiner weiteren Vernehmung den Referendar Franoux zu laden, der seine Bekundungen destätigen wird. Der Gerichtshof beschließt die Ladung des Referendars. Alsdann tritt eine längere Pause ein. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung beantragt ein Ge- schworener den Dr. med. van Housen vorzuladen. Vertheidiger Rechtsanwalt S tapp er: Wenn diesem An« trage stattgegeben werden solle, dann beantrage ich, nochmals Herrn Prof. Dr. Köster vorzuladen. Der Gerichtshof beschließt beiden Anträgen entsprechend. Der Präsident bemerkt alsdann: Ich habe wiederum etwas den Herren Zeitungs- Berichterstattern zu bemerken. Eine am Sonnabend vernommene Zeugin hat sich bei mir beschwert, daß in einer Zeitung ihr Alter angegeben worden, während das bei allen anderen Zeugen nicht geschehen sei. Die Dame meint, daß man sie dadurch habe verhöhnen wollen. Ich muß die Herren Berichterstatter bitten, entweder bei allen oder bei keinem der Zeugen das Alter anzugeben. Es erscheint hierauf wiederum als Zeuge Landgerichtsrath Brixins. Präs.: Herr Kollege, wollen Sie sich zunächst über den Knaben Kernder äußern. Landgerichtsrath Brixius: Ich wußte, daß der klein* Kernder ungemein unter dem Einfluß seiner Eltern stehe, o? hörte nun, daß die Kernder'schen Eheleute wegen M«ß' Handlung einer Judensrau vor das Landgericht zu Cleve geladen seien. Ich wollte daher diese Zeit benutzen, um den Knaben zu ver- nehmen. Ganz wider Erwarten war aber der Termin in Cleve sehr schnell beendet und die Kernder'schen Eheleute kehrten sch°" gegen 1 Uhr Mittags nach Xanten zurück. Als ich den Knaben von einem Gendarmen ha?� ließ, sagte der alte Kernder: Ich lasse mein Kmo nicht zu dem Untersuchungsrichter gehen. Die Mörd*1 werden ja doch nicht bestraft, nur ehrliche Leut«. • www» JV» V VW|«4.V*|» 0»%**»> � Einige Zeit später ließ ich den kleinen Stephan Kernder w» vo der Polizei vorführen. Die Aussage des Knaben geschah 1. einer Weise, daß ich die Ueberzeugung gewann: dem Knaben� der er der der Polizei vorführen. Die Aussage einer Weise, daß ich die Ueberzeugung......— seuie Aussage einstudirt. Ter Knabe plapperte etwas ganz UN- verständliches und Unzusammenhängendes, das ohne jeden Sw« war. Ich habe alsdann die Mutler vernommen. Diese fraS'* ich, wodurch der Knabe zu seiner Bekundung gekommen sei. D'* Iran erzählte mir: Sie habe eines Morgens mit ihr*? Ranne über den Mord gesprochen. Der Knabe, noch im Bett gelegen, habe aufgehorcht und gesagt: wolle etwas erzählen. Da der Knabe zunächst mit Sprache nicht heraus wollte, so habe sie zu demseloev gesagt:„Sprich nur, der Buschhoff liegt schon im Thurm an der Kette." Ich fragte die Frau: wie sie zu einer solchen Bemerkung komme. Die Frau antwortete mir:„Es ist doch kein Blut ve der Leiche gefunden worden, da muß es doch der Jude getha» haben." Bei der ersten Vernehmung erzählte mir die Zeugin• Der Knabe habe ihr gesagt, Buschhoff habe zu ihm einmal g* sagt, wenn Du mir meine Steine beschädigst, so kommst Du>n den Thurm. Bei ihrer zweiten Vernehmung sagte F*?� Kernder:_ Buschhoff habe zu ihrem Sohne gesagt:„Wenn* die Grabsteine beschädigst, dann kommst Du nicht blos Thurm, ich schneide Dir auch den Hals ab." Diese Bemerkung hatte die Frau bei ihrer ersten nicht gethan. Ucberhaupl gewann ich die Ueberzeugung, viele Zeugen bei jeder Vernehmung immer mehr wußten. haben sich ein Bild von zum Theil Erlebtem, zum Theil hörtem gemacht nnd sich so ein Phantasiegebilde geschaffen, va» mit jeder Vernehmung ihnen iminer klarer vor Augen trat. Die Leute hatten aber von vornherein die Ueberzeugung daß Buschhoff der Thäter sein müsse, einen anderen Gedantt» konnten sie gar nicht fassen. Frau Kernder hatte sich Alles so zurechtgelegt, wie es ihr paßte. Der Präsident diese, sowie auch die meisten bisherigen Zeugenaussagen tokolliren. Der Präsident bemerkt, daß die Protokollirung Anlaß einer Ministerialverfügung geschehe.„, Laudgerichtsrath Brixius bemerkt im Weiteren auf-?• fragen: Frau Kernder sagte mir, ihr Sohn Stephan habe«9 erzählt, Frau Buschhoff habe, nachdem sie den kleinen Hegu'� ins Haus gezogen, zu den anderen Kindern in frechem Tone g sagt: Ihr scheert Euch nach Hause. Mir kam dies nicht g>au. der Ausdruck eines Kindes zu"... in de« letztere da? Sie das läßt pro- aus würdig vor, da dies nicht oer Ausorucr eines z«i»vr» pflegt. Als ich der Zeugin sagte: Hat das wirklich der Knau gejagt, nahm sie diese Bemerkung als unrichtig zurück., Bürgermeister S ch l e ß bekundet auf Befragen, daß Beekmann vor Jahren als Kindennädchen bei ihm gedient un damals ihm wenig glaubhaft schien, auch naschhaft gewesen ft' Den Ehemann Beekinann kenne er weniger, er habe nur gehv-' daß dieser zweimal aus Stellungen ganz plötzlich entlassen worv* jei. Den Ullenboom kenne er auch nicht, es werde aber flemeiuen über dessen Zeugniß die Achseln gezuckt, da dastetv' so sehr zu Gunsten Buschhoff's war. Landgerichtsrath Brixius bekundet alsdann im Weiter*�' Den Mallmann hielt ich für derartig unglaubwürdig, daß V?: wenn er nicht bereits vereidigt gewesen wäre, ihn nicht vereidig hatte. Ullenboom machte auf mich den Eindruck eines durch®»? sicheren und vor Allem sehr vorsichtigen Zeugen. Mölders mach" auf mich den Eindruck eines sehr schwerfälligen und sehr langsau denkenden Mannes, der nicht im Stande ist, genau zu" oenrenoen Mannes, der nicht nn Stande»>l, genau zu unl* scheiden zwischen dem. was er selbst wahrgenommen und w Andere ihm erzählt habe».. Aus dem von ihm Bekundeten gewann ich die Ueberzeug»as' daß die Thatsachen objektiv unrichtig seien. Ich habe eingeheu- Untersuchungen angestellt, ob es möglich war. daß durch 9°- bloße Herauslange» eines Armes ei» Kind in der von Moide beschrievenen Weise in das Buschoff'sche Haus hineingezoge werden konnte. Ich habe festgestellt, daß dies fast unausjührd sei. Der Zeuge demonslrirt dies den Geschworenen an Saalthür. �( Lehrer an der hiesigen Landivirthschafts-Schille. Dr. K S 0' bekundet: Die Kaff(Spreu), die in dem Sack vorgefuu � wurde, sei wesentlich verschieden von der in der Hand Ermordete» vorgefundenen. Es seien ganz charakteristische UN jchiede zwischen de» beiden Spreu-Arten vorhanden, dieie? mit dem bloße» Auge, ja ohne Mikroskop und ohne Lupe zu kennen seien.°" r> .. Bürgermeister Schieß schließt sich diesem Gutachten v-u myaltllch an.. � Referendar F a r n o u r. der alsdann als 5leilae ersch*>,- t'gt ,m Wej Vrixius. Mölders habe sich zweifellös mit anderen � vteserendar Farnoux. der alsdann al» Ze g. z�hs bestätigt im Wesentlichen die Bek.... düngen des Landgeruy Brixius. Mölders habe sich zweifellos«ml anderen �«s besprochen, denn er sprach so geschloffen und abgeru- eiii* ihm keineswegs«igen sei. Ullenboom Hab« aus �ut4au§ glaubwürdigen Eindruck gemacht. Frau Kernder halte kr nicht sür unbedingr glaubwürdig. y, Diese sagte:„Es kann kein Anderer gethan haben, als -ochchhof� denn es ist doch bei der Leiche kein Blut gefunden worden." Mallinann habe zuerst den Eindruck eines sicheren, bei i en weiteren Vernehmungen aber den eines heftigen und auf- geregten Mannes gemacht. �er Zeuge bekundet im Weiteren, gleich dem Landgerichts- in w vSiu§' Es habe an der Thür des Vnschhoff'schcn Hauses, y �'nö durch einen herausgelangten Arm hineingezogen hnk �c'n �lle, ein Ladentisch gestanden. Angestellte Versuche ergebe», daß aus diesem Anlaß der von Mölders de- Ichriebene Vorgang nicht stattgefunden haben könne. i.,«tadtsekretär D e v e r s: Ullenboom sei unbestraft; er(Zeuge) bnl*."kn Grund, dessen Glaubwürdigkeit zu bezweifeln, und er � r niemals etwas Nachtbeiliges über Ullenboom gehört. -ölirgermeister Kaiser(Goch): Ihm sei über die Frau Beek- � un nichts Nachtbeiliges bekannt geworden: dieselbe habe in «°-h eine Nähschule. bei, serendar San teile: Frau Beekmann habe viele Jahre �'kiner Mutter gearbeitet. Seine Mutter sei mit der Beek- Mi i?' �hr zufrieden gewesen und er sowohl, als auch seine �.'Uer haben niemals den geringsten Zweifel in deren Glaub- s.-.'Mit und Wahrheitsliebe gesetzt. Die Ellern der Beekmann '«en durchaus achtbare Leute. Öfter, Synagogenvorsteher zu Xanten: Der fremde oem» mnnn nickt am 29., sondern am 29. Juni in Xanten Rock Seine(des Zeugen) Frau habe dem Felleinann einen V? geschenkt. Fellemann sei noch bei verschiedenen anderen ~..."», Xanten gewesen, ob er auch bei Buschhoff war, könne Ote®*) lagen. r.t.r. erscheint alsdann als Zeuge der fünfzehnjährige Schreiner- Ung Wilh. HölSk.n: Am 20. Juni 1891 war ich im die Bruckmann. Es waren in demselben zugegen Da.. Abraham»nd Hermann Brnckmann und Levi Paßmann. schon'* wie Abraham Bruckmann sagte: Sie haben einm-» heran-bekommen, nun müssen wir dem Bnschhoff herausbck' er sich nicht verplappert, mehr sollen sie nicht Ze»n?�?**weister Abraham Bruckmann, der alSdann als �scheint, besundet, daß ihm auch nur ein ähnlicher ft'«VMotut unbekannt sei. toirh tr-,.* n- der dem Bruckmann hierauf gegenübergestellt w'rd b�bt bei seiner Aussage. sidenk.»"' Michels(Goch) stellt auf Befragen des Prä- Qioch n. kntschieden in Abrede, daß er auf dem Bahnhof in abend Höckmann gesprochen habe. Er sei am Sonn- hier 0Uf dkm Bahnhof gewesen. Er sei am Freitag reis-„ Zuhörerranm gewesen und habe Abends auf der Heim- stell«.* Beekmann gefragt. ob sie etwas zu Hause zu be- über den Fall Buschhoff habe er nicht mit der Beek- habe,?•�'"kant Geritzen(Goch). Präs.: Sie sollen gesehen Badni. �aufwnnn Michels am Sonnabend Abend auf dem � dof in Goch mit der Beekmann gesprochen habe? kund!»*" Ü e: Davon ist mir nichts bekannt. Der Zeuge be- dieses �"Weiteren: Ullenboom hat mir am 21. oder 22. April »eiate. 5-� gesagt, indem er auf das Buschhoff'sche Haus hoff unil das Mörderhaus oder die Mördergrube. Busch- scki»!>." anderer ist der. Mörder, ich laß mir den Hals ab- !ß••-wenn dies nicht wahr ist." gehört*"' Ullenboom, kommen Sie einmal her. Sie haben A-ufi' was der Mann bekundet hat, haben Sie eine solche �eußerung gethan? >>euge: Nein, das habe ich jedenfalls nicht gesagt. zu bekunden t�'* ��* der Mann aber dazu kommen, das m�/nboom: Ja, ich versteh es auch nicht. ? k a s.: Sind Sie denn mit dem Mvmie verfeindet? Z'uge: Nein. K s f.: Der Mann hat doch einen Eid geleistet? tha„'sknboom: Ich habe eine solche Aeußernng nicht gc- Gesfk.'«.'ann ich auch etwas sagen, ich habe doch weder etwas rTi.'wch gehört. Mörder ��"��anwalt: Halten Sie den Buschhoff sür den Präs.: Ullenboom, was sagen Sie dazu? Ullenboom: Ich habe allerdings einmal in einer schwachen Stunde Geld genommen, ich habe das Geld aber auf Heller und Pfennig zurückerstattet und bin auch noch weiter bei Degroth geblieben. Frau Seegers, die alsdann als Zeugin erscheint, bestreitet auf Befragen des Präsidenten, daß Ullenboom ihr gegenüber ein- mal geäußert habe:„Buschhoff ist der Mörder." Die Zeugin bekundet im Weiteren, daß sie am Peter-Pauls- tage Nachmittags gegen 2>/« zu Isaak gegangen sei, um dort Zeug zu kaufen. Siegmund Isaak sei zum Laden hereingekommen und wieder hinausgegangen. Sie sei alsdann in die Kirche und darauf wieder zu Isaak gegangen. Diese ihre Wahrnehmung habe sie im vorigen Herbst der Frau Küppers mitgetheilt, und letztere habe sie gestern daran erinnert. Steinmetz B pä u e r bekundet: Am Abende des 29. Juni 1891 sei er ebenfallß�in der Küppers'schen Scheune gewesen. Da es dunkel war— Küppers habe gesagt, des vielen Strohs wegen dürfe mit Licht nicht in die Scheune gegangen werden— so habe er wenig gesehen. Er habe gesagt: es komme ihm vor, als sei der Knabe dadurch zu Tode gekommen, daß die Kinder „Schweineschlachten- gespielt haben. Siegmund Isaak, der sich auch in der Scheune befunden, habe trotz der Dunkelheit sehr bald eine Feile gefunden und gesagt: das ist ja ein scharfes In strument, mit dem der Mord ausgeführt fein kann. Die Sitzung wird hier gegen 8l/2 Uhr Abends auf morgen (Dienstag) Vormittags 9 Uhr vertagt. Morgen hofft man mit der Beweisaufnahme fertig zu werden und auch bereits mit den Plaidoyers beginnen zu können. DepsÄmmlungeu Eine öffentliche Volksversammlung für Köpenick und Umgegend für Frauen und Männer, die von etwa 500 Personen besucht war, fand ani G. Juli in Adlershof bei Wiedemann statt. Genoffe Jahn- Berlin referirte unter lebhaftem Beifall über „die Sozialdemokratie und die wirthschaftliche Lage". In der*>.,„„ Diskussion meldeten sich zwei„Unabhängige", um Jahn zu ent- funb.... 2 vä�,c?Uüe.ne 01C gegnen. Einer derselben hatte sich besonders vorgenommen, mit St« Nit S ferfente"v �ettn König, m 3.»n w-g.„ s--..--» äI"' ÄtsaÄ'äÄM«äx .!N einer von ocinirioi!»>».........,"ill"«"7".—'""V— �ir";--------->—__ vollzogenen Abfuhr der„Unabhängigen" ein„Hühnchen zu AnSa-nbeit�ucbpn f?n x We-maunhchen Werkstalt pflücken". Trotzdem Jahn erklärte, dem Herrn jederzeit Rede einüimnS i.��. I u f f bann folgende Resolution stehen zu wollen, lehnte die Versanimlung es jedoch ab. über die S.d'"der"Gambrmus- Brauerei- Angelegenheit zu diskutiren, worauf der„Unabhängige" an- rband der deutschen Tischler einberufene kündigte, die Sache in Berliner Versammlungen mit Jahn er- ledigen zu wollen. Eine Resolution, welche sich mit den Aus- führunge» des Referenten einverstanden erklärte, wurde gegen eine Resolution der„Unabhängigen" nahezu einstimmig an genommen, da Letztere für ihre eigene selber nicht stimmten. Zu dieser Versamnilung wird uns aus Köpenick noch g:- schrieben:„Von den Neinlichen Plänkeleien der„Unabhängigen Notiz zu nehmen, halten wir unter unserer Würde; nur den Rath glauben wir ihnen nicht vorenthalten zu sollen: sie mögen in Zukunft sozialdemokratische Volksversammlungen meiden, indem die Genossen sonst genöthigt sein würden, das Beispiel der Britz. Der Volksbisd„«»s. ffl*«ni u Mainzer Polizei nachzuahmen; verdient hätten es die Herren und UmaeaanN fn.rf!l.!,!? cv,?-• m r c Britz wegen der rüpelhasten Ausdrücke, deren sie sich bedienten, übrigens ab. Aus dem Berickt hos gin-sv,». eine Generalversammlung schon in dieser Versammlung; nur den Bemühungen des Bureaus der Verein seit seinen,« ft'ui. o, n? r w...»®U.»?li-- v..da,.I.n,„im Sttne �.......-----— � tn— stattfand." Im Sattler- und Tapezirerverband hielt am 2. Juli Kollege H a n s n e r einen Vortrag über die arabisch-muhame- danische Kulturperiode, welcher mit großem Beifall aufgenommen wurde. Die nächste Versammlung findet Sonnabend, den 16. Juli, bei Wienecke, Alte Jakobstr. 83, statt. >euge. �"schuldigest" �°" w a l t: Sind der Meinung, daß Buschhoff Z'ua--Ja."ohl. den, pt'' Eilige Geritzen. hat Ullenboom vielleicht gesagt, in s�'ht ann°?�- Buschhoff'sche Haus zeigte:„Siehst Du, da '"«geschrieben:.Mörderhaus?" dotis„k®*: A"1'. Ullenboom sagte:„Das ist das Mörder- lasse die Mördergrube, Buschhoff ist es gewesen, ich habe», denHals abschneiden, wenn das nicht wahr ist." Wir Unterbot""der die Buschhoff'sche Angelegenheit noch weiter «v» 6? w und diese Unterhaltung noch in der Gastwirthschaft Ulk«erö fortgesetzt. "»terkink." o o m: Ich gebe zu, daß wir uns über Buschhoff Buschbn»- �"den und es ist möglich.ffdaß ich mich über »ethan güustig ausgesprochen habe. Wenn ich das Aerfns/, s° geschah es lediglich, weil ich die vielen solch. a/"öe» und wirthschafllichen Schädigungen fürchtete. Eine tiitfst get�n Un0' d»r Zeuge bekundet, habe ich jedenfalls theil�ös-: Sie geben aber die Möglichkeit zu. etwas Nach Uber Buschhoff gesagt zu haben: weil"d°om: Das gebe ich zu; es geschah dann aber blos, Cchndi. vor den Bersolgungen und wirthschaftlichen �«°'g"nge" fürchtete. lesagt?"' �'* duben vor Gericht stets zu Gunsten Buschhoffs - Jawohl. ?-2. Mo haben Sie die Wahrheit gesagt? Dahrhei"�--' selbstverständlich �de ich vor Gericht stets die lire,,?,"V sident läßt die beide» Zeugenaussagen' protokol- vvrhx. er», ahnt beide Zeugen nochmals eindringlichst, sich es �laatSn,"derlegen, ehe sie daS Protokoll unterschreiben, da der �eilie o,'""dl die Angelegenheit»och weiter verfolgen werde. ""d erkläre» wiederholt, daß sie die Wahrheit gesagt »eich...» das Protokoll. deV m"2'S" Rechtsanwalt Fleischhauer: Ist es wahr, n.. w.»»"»— s»#»,, als er bereits auf dem Sterbebette Ullenboom und auch dessen Schwester hat rufen lassen und ihnen ge- in der Buschhoff'schen Angelegen- Gericht als Zeugen erscheinen Euch, nicht von der Wahrheit den Bnschhoff sehr genau, der ist baß d�chndiger Rechtsanwalt F l e i s ch h a u e r: Ist es wayr. lag- Bater des Ullenboom, als er bereits auf dem Sterbebette Mätbi»? ben Zeugen""'........——-*■ tzM»«A.nefter hJ an das Bett helt Ihr werdet »liiss-n �öenfalls vor deae�?" brav. Ich kenne IC1U1I UCll|v„., als daß er im Stande wäre, eine solche That zu viel 'Lehe,,? In 1 j8" boom: Das ist richtig.,,. ders.ck 1 ö f-: Haben Sie Ihrem Vater nun auf dem Sterbebett �I°chen, nicht von der Wahrheit abzuweichen? A*"L8: Jawohl. Z 8« s.: Habe» Sie das auch gethan? Ä*"- Jawohl... ? 8 a s.: Sie sind nicht von der Wahrheit abgewichen. ,euge.- Nein l vis und Theodor Langenberg en------- übereinstimmend, daß Ullenboom 4 Jahre ei»-.�arbeitet habe. Derselbe sei nicht unehrlich, er sei aba L'ftok?«?°bren bei ihm gearbeitet, habe seiner Schwager, n Geld en, er habe ihn deshalb entlassen. « 2«: Nein. (Toch,°-'!"'°rn>eister A I Ihne,, bekunden überein weiche über die gestellten Anträge diskutiren soll, von denen auch die für Berlin sehr wichtige Frage des Rechts- I schutzes berührt wird, und Kollege Schulz meinte, die arbetts- losen Kollegen möchten ein Bischen Umschau halten und dis bemerkten Schäden und Mängel an die Oeffentlichkeit bringen. Da sei beispielsweise ein Bau an der Augsburger- und | Bayreutherstraßen- Ecke, wo die Kollegen den größten Theil des Tages in der Kneipe sitze» müßten, weil es an Material fehlte. Koll. Schure erwähnte hierauf, daß die Kollegen Kunst(Vater und Sohn) ein Stück Arbeit haben, an dem 6 Mann arbeiten � könnten; sie fangen jedoch lieber um 6 Uhr an. Nachdem noch beschlossen war, wegen mehrerer Klagesachen eine Sitzung abzuhalten und die streitenden Parteien dazu einzuladen, wurde die I Versammlung geschlossen. Zu der vom Verbände deutscher Tischler der Zahl- stelle Charlottenburg einberufenen Versammlung, welche am 4. Juli tagte, waren die in der Weimann'schen Werkstatt (Englischestr. 23 o) beschäftigten sowohl wie die aus derselben schon entlassenen Kollegen hinzugezogen. Zunächst hielt Kollege König einen längeren Vortrag über das Thema„Gewerkschafts- organisation und deren Werth", in welchem derselbe der Versammlung empfahl, sich einer Organisation anzu- schließen resp. für den Anschluß an eine solche zu agitiren. Im Weiteren unterzogen mehrere Kollegen die in der Weimann'schen Werkstatt herrschenden Verhältnisse einer Kritik und führten als Uebelstände an: die Bedürfniß- anstalten genügten nicht; ferner habe Herr Weimann eine neue Werkstattordnung aufgesetzt, wonach den Tischlern eine längere Arbeitszeit auferlegt werden sollte. Da sich Letztere damit nicht einverstanden erklärten, resp. die Werkstattordnung nicht unter- zeichnen wollten, so kam es zu Auseinandersetzungen und auch zu Entlassungen, obgleich Herr Weimann vorher versprochen hatte, die Arbeitszeit nicht verlängern zu wollen. Ferner soll Herr Weimann einem semer Arbeiter erklärt haben, wenn sich derselbe nicht darein fügen»volle, ihn bei dem Verbände der Holzindustrie anzeigen zu wollen, worauf erwidert worden sei. daß man sich dann an die Redaktion des„Vorwärts" wenden müsse. Hierauf soll Herr Weimann eine Antwort gegeben haben, welche wir in seinem eigenen Interesse lieber verschweigen wollen. Die Versammlung beschloß, das Geschilderte der Oeffentlichkeit tagende, vom Verband der deutschen Tischler einberufene Versammlung erklärt sich mit den im Lause der Tages- ordnung ausgedecklen Verhältnissen der Weimann'schen Werkstatt nicht einverstanden. Die Versammlung protestirt gegen ein derartiges Vorgehen und beschließt serner: 1. daß die 3Vzstündige Arbeitszeit aufrecht erhalten bleibt, widrigenfalls die Fabrik von Weimann gesperrt wird; 2. die Kollegen der Wei- mann'schen Werkstatt, die hier heute versammelt, erklären, sich sämmtlich der Organisation anzuschließen." Hierauf wurde die Versamnilung mit einem Hoch auf den deutschen Tischlerverband geschlossen. abgehalten hat. Die Bibliothek" zählt 23 BSnde.' Der' Kassen- bencht wies eine Einnahme von 138,4S M. und eine Ausgabe M., also einen Bestand von 54,35 M. auf. Dem Kasfirer B ö v e n wurde einstimmig Decharge ertheilt. Das Re- sultat der Vorstandswahl ivar folgendes: Vorsitzender B e- schorner. Kassirer Böven. Schriftführer Müß, wiedergewählt; Beisitzer W i l l e I.. Wille II.. Eberhardt und K a m l» n g, Bibliothekar D i e tz e n. Unter Vereinsangelegen- Zum Zweck der Gründung eiuer Verwaltungsstelle 5.' S v i".„r"r- r........„ des neu geschaffenen Zentralvereins der Bildhauer r"™ wurden zunachlt zroci Antiage des Vorstandes angenommen: Teutschland« hatten sich am 2. Juli die Bildhauer Berlins i» �.°e/"..«°estande für das letzte Viertel, ahr zur Ergänzung einer gut besuchten Versammlung zusammen gefunden. Die o �;. bewilligten 10 M. t» der Kasse zu belassen und Herren Donath und Dupont legten de» Anwesenden die einen Kranz aus der Vereins- Gründe dar, welche zur Auflösung des Unterstützungsvereins und ,,, f, f-' � 1öen Preis von 10 M. nicht übersteigen) infolge davon zur Gründung des Zentralvereins geführt.(Siehe Genosse Kamling wünscht aller vier Wochen einen die„Soziale Uebersicht" des„Vorwärts" vom 8. bis 11. Juni m Borstand wird, soweit es angeht, dieser Dann verbreiteten sie sich, vornehmlich Dupont, über �"eegung�Rechnung fragen. Em Antrag des Genossen K.Wille. � �— v...4.r j.— OQikKf"----- w----— 1892.)£;cnm ueiuiciictcu ,rv w...v..... �. die Gestaltung der neuen Vereinigung der deutschen Bildhauer. Dieselbe gewährt Rechtsschutz, Unterstützung bei Arbeitsunfähig- keit, Wittwennnterstützung, einen Zuschuß zu den Beerdigungskosten bei Sterbefällen, Arbeitslosen- und Reise-Unterstütznng; ihr Hauptzweck aber ist die Vertretung der Interessen ihrer Mit« glieder gegenüber dem Ueteriiehmerlhum. Dem Vorstand ist freie Hand gegeben, anderen Gewerkschasten in Streiksällen mit Geld bei zuspringe». Die Versammlung beschloß die Errichtung einer Verwaltungsstelle für Berlin und wählte die Herren Donath (Vorsitzender), D» m a n s k y(Schriftführer) und S t ö tz e r (Kassirer) als provisorischen Vorstand. Herr Dupont gab hierauf den Versammelte» Verhaltungsmaßregeln bezüglich des Beitritts zur Ortskasse, welcher nach der Auflösung der Hilfs- kaffe, die Anfang Juni erfolgte, für die Bildhauer nothwendig geworden ist, sosen, sie nicht einer anderen Hilfskaffe beitrete» wollen. Herr F l i ck s ch u h richtete besonders an die sogenannte» bessergestellten Bildhauer die Ermahnung, sich nicht von der neuen Organisation der Bildhauer fern zu halte». Gerade der Thätigkeit des früheren Vereins hätte» sie es z» verdanken, wenn ihre Verhältnisse noch so günstig sind. Beschlossen wurde, am nächsten Dienstag die endgiltige Konstituirung des neuen Vereins vorzunehmen. Darauf diskutirle man über die Vertretung von Bildhauern im Geiverbe- Schiedsgericht und beschloß hierzu, in einer späteren Versammlung Kandidaten aufzustellen und dieselben der Berliner Streik ---en—..... für jede Vorstandssitzung eine Mark zu bewilligen� wurde vom Antragsteller, nachdem mehrere Genossen dagegen gesprochen halten, bis zur nächsten Generalversammlung zurückgezogen. In einem Briefe verlangt Herr Paul Meinz Ersatz seiner sämmt- lichen Prozeßnnkosten und Vergütung seiner Zeitversäumniß bei beiden Prozessen; diese Sache wurde bis zur nächsten Versammlung, in welcher Herr Meinz seine Ansprüche spezialisiren und in rlen angeben soll, vertagt. Ein weiterer Antrag des Genossen Wille, das bisherige Mitglied Stein, welches seiner irau mittelst Revolvers eine Verletzung beibrachte und dann Hand an sich selbst legte, aus dem Verein auszuschließen, wurde einstimmig angenommen. Genosse B ö r e n forderte zur pünkl- licheren Bezahlung der Beiträge und Ablieferung der Maibillets, ebenso Beschorner zur Abrechnung der Stistungssest-Billets auf. Nach einem dreimaligen Hoch auf die Sozialdemokratie er- folgte Schluß der Versammlung. Im Fachverein der in Buchbindereien, der Papier und Lederwaaren-Judnstrie beschäftigten Arbeiter hielt am 4. Juli Genosse Türk einen Bortrag über den Kampf gegen das Verbrechen. Redner schilderte die Ursachen der Verbrechen und erklärte, daß die Verbrechen nicht durch Strafen, sondern nur dadurch aus der Welt zu schaffen sind, daß man dem Individuum statt seiner heutigen unsicheren resp. meist dürftigen Lebenslage ..... durch den Sozialismus eine sichere Existenz bietet. Einen große» lung Kandidaten aufzustellen und vleieiven oer Berliner«�lirm- Theil seines Vortrags widmete Redner den sogenannten politischen Koutrollkommisston, welche die Kandidatenfrage für ganz Berlin Verbrechen. Der Kassirer erstattete dann über die drei letzten Vergnügen in die Hand genommen, vorzuschlagen. Weiter beschloß mau folgende Abrechnung: Stiftungsfest: Einnahme 134,40 M., »och, die Kominission Jfir die öffentlichen Angelegenheiten von Ausgabe 211. 60 M.. UnterhaltungS- Abend(Wohlgast) ~ 0—— ,—— na t..,„.. Einnahme 122,15 M., Ausgabe 52,45 M. Außerdem stehen noch 66 Billets aus, hinsichtlich welcher die betreffenden Kollegen auf- gefordert sind, diese Angelegenheit baldigst zu regeln, widrigen- falls laut Beschluß der Versammlung ihre Namen veröffentlicht werden müßten. Ausflug nach Friedrichshagen: Einnahme 35 M., Ausgabe 25,34 M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Es kam dann die Maßregelung des Genossen Oskar Räder zur Sprache, welcher in dem Geschäft des Herrn Bruchlacher arbeitete. Die Kollegen sind ersucht, ihre Bedürsnisse bei dem genannten Gemaßregelte» zu decken, derselbe hat sich ein Lager sowie eine Schleiferei eingerichtet. Das Sommerfest resp. der Gute Montag findet am 18. Juli in Kliem's Volksgarten in der Hasenhaide statt. machte vann oen wliigiieoer» veu»»»», uu» Ju einer Versaminlnng der Möbelpolirer, welche am ui-'Nerbreituna des„Grundsteins" jetzt in die Hände der Freien 4. d. M. tagte, wurde die plötzliche Entlassung einiger Kollegen »ereiniauna der Spediteure gelegt ist; die Mitglieder möchten aus der Mozikatis'schen Werkstatt, Naunynstr. 3, eingehender Er- iür die"inal entschuldigen, wenn das Organ nicht pünktlich konimt, örteruug unterzogen. Das einleitende Referat halte Kollege es laste sich das nicht so schnell regeln. Kollege Petrick Weber übernommen. Derselbe beleuchtete kurz die allgemeine eniviahl»»', die Spediteure anzufeuern, daß zeder Kollege Lage der Arbeiter, insbesondere die der Möbelpolirer und ganz den Vorwärts" bei demselben Spediteur bestelle, der ihm den speziell de» Fall Mozikatis. In der Diskussion ivurde über so Grundstein" bringt. Kollege Dietrich stimmte diesen, Vor- traurige Arbeitsverhältnisse geklagt, die hauptsächlich bei den Klein- fchlaae zu und rieth den Kollegen, sich aus den„Vorwärts" zu meistern, den Zwischenunternehmern in der Möbelbranche noch abonniren und dafür auf das Lesen lokaler Klatschblätter zu ver- herrschen, daß wirklich kaum zu begreifen ist, wie in diesem Be- richten' wer bei der jetzigen Zeit noch solche Blätter bevorzuge, rufe noch immer eine so große indifferente Arbeitermasse vor- der fei' noch nicht eingetreten in den Emanzipationskampf der Händen sein kann. Herr Mozikatis, der früher selbst in den Arbeiter. Aus Antrag des Ltollegen Hennig wurde beschlossen, Reihen der Arbeiter für Verbesserung der traurigen Lage der- um die schlechte Konjnnktur mehr zur Agitation zu benutzen, selben eingetreten und einen besonders radikalen Standpunkt ein- über vierzehn Tage eine außerordentlich» Mitgliederversamm- genommen haben soll, war in der Versammlung persönlich nicht lung abzuhalten. Kollege Neumann bat dann, rege erschienen, fonder» hatte es vorgezogen, die plötzliche Entlassung 'sür guten Besuch der Vereinsversammlung zu agitiren, der betreffenden Arbeiter in einem Schreiben, das von Angriffen nocy, vir.——— WMWWWYW» jetzt ab nur aus drei Personen bestehen zu lassen ünd� bestinimte dann Herrn B u d a zum Stellvertreter des zur Zeit kranken Mitgliedes der Streik-Kontrollkommission, Herrn Winkler. Zum Schluß richtete Herr Donath, der Vorsitzende der Versamm- lung, noch einen warmen Appell an die Kollegen, dem neuen Verein beizutreten und ihn in jeder Beziehung zu fördern. Tie Filiale> deS ZeutralverbaudeS deutscher Maurer tt. (Putzer Berlins u n d Umgegend) hielt am 3. Juli ihre regelmäßige Versammlung ab. Dieselbe vollzog die Wahl der Delegirten zum Verbandstag. Als Kandidaten waren aufgestellt die Kollege» Fr. Schulz, Gräschke, Kerstan. Gröbler und Klingen- bcrg; davon erhielten Stimmen: Fr. Schulz 150, Gräschke 56, Klingenberg 62, Grübler 16, Förster 12, Däh»e5, Silberschmidt 1. Der Bevollmächtigte machte dann den Mitgliedern bekannt, daß aus dieselben strotzte, als gerechtfertigt hinzustellen. Eine Resolution, in der seine Handlungsweise scharfer Kritik unter- zogen wurde, fand einstimmige Annahme. Im allgemeine» Zlrbeiteriuncnverein sämmtlicher Be- rufSzweige Berlin«« und Umgegend hielt an» 5. Juli Fräulein Baader einen sehr interessanten Vortrag über die Gleich« berechtigung beider Geschlechter. Darauf wurde bekannt gemacht, daß am 17. Juli ein Ausflug nach Müggelschloß stattfindet, was noch extra im„Vorwärts" bekannt gemacht werden würde. Die Schneider und Schneiderinnen hatten am s. Juli eine Berbandsverfamnilung in der Berliner Ressource, in welcher zunächst der Bevollmächtigte die etwa anwesenden Berichterstatter aufforderte, ihre Berichte objektiv zu halte», wobei er die Berichterstattung desjenigen Reporters rügte, der über die Berichterstattung des Kollegen Timm über das Arbeite- Nachweis- und Anskunftsburean und über die Ausfüh- rungen Täterow's in der letzten öffentlichen Schneider- und Echneiderinnen-Versammlung den bürgerlichen Blättern Berichte einacsandl hatte, welche die Wahrheit thatsächlich auf den Kopf stellten. Sodann forderte Redner alle anwesenden Mitglieder der Krankenkasse auf, ihrer Pflicht zur Delegirtenwahl in der am gleichen Abend stattfindendni Krankenkassen- Versammlung zu ge- nügen, welchem Ersuchen auch Folge geleistet wurde. Hierauf beleuchtete Kollesje Pfeiffer- die in einigen Arbeitsräumen herrschenden Mißstände. Die Firma V. Manheim er (Damenkonfektion) habe bis zum 20. vorigen Monats noch keine Arbeitsordnung ausgehängt; die Ventilation in den Arbeits- räumen, welche im höchsten Stock unter dem Glasdach lägen, sei vollständig ungenügend; bei der intensiven Hitze der letzten Tage sei es vorgekommen, daß Arbeiterinnen dort ohnmächtig wurden. Dem Geschäftspersonal sei aus's Strengste verboten, wieder Kunden nach jene Räume zu geleite», da eine Kundin, die der Abänderung ihres gekanflen Gegenstandes beiwohnen ivollte, sich beschwerdeführend an de» Chef dieser Firnia wandte wegen der unerträglichen Temperatur, in welcher die Arbeiterinnen de» Tag über zubringen niüßten. Um den in Wochenlohn stehen- den Arbeiterinnen den früheren Feierabend des Sonnabends zu entziehen, wollte man sie auf Monatsgehalt anstellen. Hiergegen prolestirten die Arbeiterinnen, indem sie dadurch doppelt ge- schädigt werden. Einmal erlitten sie durch Monatsauszahlungen eine jährliche Einbuße von ca. L0 M., dann unterstände» sie als Monatbesoldete den kaufmännisch gesetzlichen Bestimmungen, nach welchen sie ihrer Feierabendbegünstigungen des Sonnabends verlustig gehen, und auch noch einige Sonntagsstunden dem Geschäft zur Verfügung stehen müssen. Des Wei- tercn ist die Agitationskommission der Schneider und Schnei- derinven bei der Firma G e r s o n u. Co. vorstellig ge- worden wegen ungeziemender Behandlung seitens des Abtheilungs- chess für Herrenkonfektion Herrn Finke. Dieser mußte auf Veranlassung des Chefs die betreffenden Aenßerungen zurück- nehmen, außerdem wurde der jdoinmission das Versprechen ge- geben, man, verde Besserung schaffen, betreffs des langen Wartens der Schneider auf.'Arbeit und etwaiger Bevorzugung einzelner Ar- beiter. Ferner wurde erwähnt, daß bei der Firma Adam die Erhebung von Platzgeld in.Aussicht genommen sei; es solle nach Rückkehr des Chess von seiner Reise der Zuschneider Klaus mit dieser Angelegenheit betraut werden. In der Werkstelle von F a ß k e s s e l u. M r n diu V n n müßten übermäßig viel Personen in einem Ranme arbeiten. Einem schon.10 Jahre lang dort arbeitenden Schneider wäre wohl eine Werkstelle eingerichtet worden, doch solle er die laufenden Unkosten durch Er- heben von Platzgeld decken. Das Betragen des Zu- schneiders S ch u l z bei Wolf u. Keller sei ein nach allen Seiten hi» zu rügendes, was in der Diskussion vom Kollegen Kr s ch k e ,v i tz ausführlich bestätigt wurde. Die Kollege» Rhode und Richter ergänzten diese Ausführungen. Kollege H e r in a n n s k y rügte die Unsitte einzelner Ar- beiter, namhafte Aendernngen unentgeltlich auszuführe», nur um bei Vertheilung frischer Arbeit bevorzugt zu werden. Kollege R öhlk e beleuchtete ebeusalls die bei Wolf u. Keller herrschende» Zustände und verurlheilte gleichfalls die Haudlungsiveise des Zuschneiders Schulz. Kollege T ä t e r o iv beantragte, daß der Berbandsvorstand.»> Wolf u. Keller daS Ersuchen stelle, einen anderen Zuschneider zu engagiren, da Schulz für einen solchen Posten sich absolut nicht eigne. Pfeiffer beantragte diesen Antrag Täterow der'Agitationsko>nmission zu übergeben, welche denselben tu einer öffentlichen Versammlung beHandel» würde. DaS wurde einstimmig angenommen. Nach längerer Berathung der zum Verbandstage zu stellenden Anträge erfolgte Schluß der Versammlung. Im Fachvereiu der Tischler sprach kürzlich Dr. Lütgenau über das Thema:„Das älteste Leben der Menschen auf der Erde". Ter Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen; eine längere Diskussion knüpfte sich daran. Von gewerkschaftlichen An- gelegenheiten wurde das Verhältniß zum Verbände, sowie die Statistik besprochen. In einer öffentlichen Versainmlung für Militär- und LieferungSschueidrr sprach Fräulein Wadvitz unter lebhaftem Beifall über die Gottes- und Königsidee. Unter Verschiedenem erklärte Herr G e r o i n auf eine Anfrage, daß der Prozeß mit dem Osfizieroerein noch schwebe, wahrscheinlich werde man in der nächsten Versammlung genaueren Bescheid geben können. Am Sonntag, 17. Juli, findet ein Ausflug des Vereins der Militär- schneider nach Johannisthal statt. Nachdem noch der Vorsitzende ersucht hatte, mehr für den Verein zu wirken, damit die Ver- sammlungen besser lesucht würden, wurde die Versammlung mit einem dreifache» Hoch auf die Bewegung geschlossen. Kro»I>c»- n»d St«rt>« Zl»t«r»iitz»ni»«>>aff« der Kerliiier Hausdiener. Kapwlolal: Sie»« Frtesrichstr. 44 bei Rollig. Eibung jede» MiNwoch Abend von»z Uhr a». Freie Her«i»lg»»g sämnitl icher i»»er Papierindustrie befchiiftigter Arbeiter und Arbeiterinnen perii»»»nd Umgegend. Mitlivoch. de» 13. Juli, Nbendj 8* Uhr, augerordentttche Scneralverfammlimg bei Schester, Jnselslr. io. Befchlnbfassintg über Sluflölung der Vereinigung j» Gunsten einer neuen GesammtorgaNisalion. Zitlieriilnb Atpenvritchen. Abends Sss Uhr, UebungSstnnde. Koiiatdemokratischer Agitatiansverei» siir die Kreis» Wittenberg, Kchweidiiit!, Korgan n»d liedrnnierda. Verlammlnng am Mittwoch, den>8. Juli, Abends 8s; Uhr, bei Lehmann, Neue Ernnstr. u. zandomannschast»er Kchirsniig-Holfteiner ,,I Merlin. Mittwoch, den l3. Juli, Abend» Uhr, iversammlung der Landsleute mit Game» im Veretnslolal, Arminhalle», ltoniNiandantenstr. so. Arbeite»!- Kitduugsschut». Mittwoch, Abeud»«ff— lo)j Uhr: Süd Schule, Hagelsbergerstr.«5: Unterricht in Geschichte(neu): Süd- Oft» schule, Reichenbergerstr. 13S: Unterricht in Deutsch(oberes), Oft- Schule, Marlusftr. ZI: Unterricht in Deutsch(mittel): Nord-Schule, Müll-rstratze 170a: Unterricht in Deutsch(obere«): Rechnen. In allen Lehrfächern. mit Ausnahme von Maivemalit und Buchführung, tonnen noch Schüler und Schülerinnen, auch jetzt tm Laufe de« Semesters, eintreten. i»s»-»nd piakutirdtud«. Nlittiooch. Vereinte Kraft, Abend e% Uhr, det Klein, Schönleinstrabe«.— Johann Jacoby, bei Otto Thierbach, Schwedlerslr. 44.— Heine, seden Mittwoch vor dem l. und lö. jede» Monats, Abends»X Uhr. bei Zechlin, Hornftr. o.— Gesund- b r n n n e n, Abends«X Ubr, bei Hafertand, Bellennannftr. 87.— Gleich- heil, Abends»X Ubr bei Stramm, Rilterstraße ISZ.— Emanzipation, Abends«X Uhr, bei Wagner, Alle Schützenslr.».— Heine, Rirdorf, Abends»X Uhr, bei Beiler, Knesebeel- und Herri»a»nstrabeo-Elle.— Nord, jede» Mittwoch 8X Uhr, bei Bernd. Raabe, Nuppiner- und Schön hol, erstrahen- Ecke.— Otto Reimer jeden Mittwoch bei A. Broich, WUhclinshatmer strafte!3. Arbeiter Sii»gert>i,»d Aertin« und pmggegend. Alle Aenderungen im Vcreinslalender sind zu richten a» Friedrich»ortuin, Manteustelslr. 70. Ardeiter-Känger-Kund Berlin« und Umgegend. Mittwoch. Uebungs� stunde Abends s Uhr. Aufnahme von Mitgliedern.— Liedesfreihett, Blumenstrafte 38, bei Hente.— Frey a,(Gem. Ehor), Alle Schönhauser- strafte SS— 23, Bötzow s Braueret.— H t l ar t ta«, Hochstrabe 3Sa, bei Wille.— Deutsche Eiche, Blumenstrafte 4«, bei Wenk.— Echo i Pankow, Schul, estr. 37.— L e r ch e. Bernauerstr. 7Z. Restaurant zum„Zeit- geist".— Gesangverein der Steinmetzen, JohanniSslr. so, bei Müller. — Männer-Sesangverein der Kürschner, D. B. D. Br. Berlin, Neue Friedrichstrafte 44, bei Röllig.— Tieinnelte,»öslinerstrafte 17, bei Wende—Lyra l, Raupachftr.«. bei Stachel.— E u p h on t a, bei Hermann, Elisadethstr. 30.— H a n d tn Han d i, Mariannensir. 31— 3z, bei Dodersletn.— Schneeglöckchen s, PolSdam. Brandenburger Kvmmutlalion IS, bei Glaser.— Unverdrossen. Abend« SX Uhr, bei Sachs. Lindowerstr. so. — F l ö t e r' scher Gesangverein, Koppenslrafte 43e, bei Lorenz.— R ü t l i, triedenau im Kurhaus.— B orwärts 6, Fricdrichshagen, Rundtheil. bei erche.— Freundist reue(Gemischter Ehor), Gr enadierflr. 33, bei See- fetdt.— Lorbeerkranz, Barnimsir. 10, bei Hetndors.— Südost l Ktpnickerstr. I», Restaurant.— Hossnung i, Friedrichsberg. Friedrich Karl strafte 34, bei Schulze.— Rothe Relte. Schönederg, Solz- strafte 43, bei Siegeler.— Freiheit, Moabit, Kronenbrauerei, Alt-Moabit 47—4».— Steinsetzer- Sängerchor, Kastanien- Allee 28 bei Riaiwald.— Ossenbacher Sängertranz, Oranten- strafte lös, bei Götze.— Gesangverein der Kupferich miede. Wein- strafte Ii bei Feind.— Bergtftmetnnichi, Schulstrafte ss. im Wedding- Kasino.— BrandenburgerMänner-Gesangveret» in Brandenburg. Mcngerl'S Boltsgarten—„Soncordta", Gitschinerftrafte ss, det A. ZI o y l.— Arbetter-wefa n a o- rein„Britz", Britz, Werderstrafte bei Schöneberg.—„Deutscher Mit n n e r sa n g", Betforterstrafte 15, bei Schneider.— Gesangverein Lotosblume,»leine Kurstrafts 10 bei Kanzow. — Gesangverein Frethettsklänge, Slallschretberstr.>o bei Schöning.— Männer-Gesangverein Libertee l, Wrangelstr. 84 bei Ullrich. v»»d der geselligen Arbeitervereine tzjerlin» und zl>»geg»»d.(Zu- schristcn sind z» richten an Mar Gen», Berlin R, B0l. DertnisÄzkes. Durch Kentern eines Paffagier-BooteS nuf der Elbe bei Moorfleth(Hamburg) ertranken drei Menschen. Das Boot war überjüllt gewesen. Wieder Einige. Das Landgericht zu Stade verurtheilte die Inhaber der früheren Bankfinna Nordmeyer und Michaelsen, den Kaufmann A. Michaelsen und den frühern Banquier H. Nord- meyer, ivegen Unterschlagungen im Betrage von über 2(10 000 M. sowie ivegen Vergehens gegen die Konkursordnung zu drei bezw. fünf Jahren Gejäugniß und beide zu drei Jahren Ehrverlust. Nttf Befehl dcS italienischen UnterrichtsmiuisterS wurde das alte weitberühiute P r i e st er s e m i u a r Campana di Osimo(bei Ancona) wegen unqualifizirbarer Ver- brechen, die von Zöglingen verübt wurden, geschlossen. Pasteur ist an der chnleraartigen Epidemie erkrankt. Sein Zustand ist bedenklich. Durch den Brand in Christiansand, wobei sämmtliche Tampssägeiverte zerstört wurde», werden gegen tausend Arbeiter brotlos. Auf der Schiffswerft sind auch alle im Bau begriffenen Schisse abgebrannt. Verluste an Menschenleben sind bei dem Brande nicht zu beklagen, nur vier Verwundete sind gemeldet. Die Anzahl der Obdachlosen beträgt gegen 4000. Ter'Zluöbruch deS Aetna scheint aufzuhören, da das unterirdische Getöse nachläßt und der Hnuptkrater wieder thäliger wird. Die Lavamasse ergießt sich in der Breite eines halben Kilometers nnd ist bis aus 5 Kilometer vor Nikolosi vor- gedrungen. Durch einen Erdsturz in Bonneville(Departement Savoie) oberhalb der Bäder von Saint Gervais bei Chamonix, wurd- eine ganze Anzahl Gebäude zerstört. Etwa 30 Personen werden vermißt. Nach weiteren Meldungen aus Bonneville ist durch den Erdsturz das Bade-Etablissement von Saint Gervais vollständig zerstört. Nahezu Ivo Personen sollen bei der Katastrophe ln dl« Arve gestürzt sein. Depeschen. (Wolfis Telegraphen-Bnrean.) Cleve, 12. Juli.(Prozeß Buschhoff.) In der heutigen Naj' nilttagssitzuna beantragte der Ober-Staatsanwalt Hamm, do? sich Morgen das Schwurgericht nach Tanten begeben solle, das Buschhoff'sche Hans und diejenige Stelle in Augenschein nehmen, von der aus Mölders und der Knabe Heister(JkstN? haben wollen, wie der ermordete Knabe Hegmann in d» Buschhoff'sche Haus gezogen wurde. Die Anklage sei haup� sächlich auf Grund der Aussage von Mölders und dem Knaben Heister erhoben, diese Aussöge aber durch Bekundung des Untersuchungsrichters, Landgerichtsraths Brixius, und des Referendars Farnoux erheblich erschüttert ivorden. Die Ben theidigung trat diesem Antrage bei nnd der Gerichtshof beschl°? dementsprechend. Auf Anregung des Rechtsanwalts Stapp" versprach der Präsident, die erforderlichen Sicherheilsmaßregew zu treffen, daß Buschhoff, da derselbe nach Tanten mitgenommen werden müsse, von der Volksmenge in Tanten nicht mißhande» werde. Bonneville(Departement Haute-Savoie), 12. Juli.$e' losgelöste Theil des Gletschers Bionnassay stürzte zunächst in den Fluß Bionnay, welcher schon durch Regengüsse angeschwollen- die herabgestürzten Massen in das Thal hinabführte, besonder- in einen Theil des Dorfes Bionnay. Die Massen erreichstst heule früh 2 Uhr 15 Minuten die Bäder von St. Gervais. EM Augenzeuge sah, wie der Strom quer über den Hof des Bade- Etablissements ungeheure Blöcke fortrollte, und das Etablissemen förmlich wegfegte. Zur Rettung der verunglückten Persons" wurden alsbald Maßregeln getroffen. In den Bädern von �- Gervais befanden sich 80 Badegäste und etwa 30 Angestellt- 25 Personen von ihnen sind gerettet. Die Zahl der Tobte»>v>l° jetzt aus 120 angegeben. Paris, 12. Juli. Im heutigen Ministerrathe legte d« Handelsminister Jules Roche ein Dekret zur Unterzeichnung vo- wonach die Weltausstellung für Gegeiistände der Kunst sm" industrielle und landwirthschastliche Erzeugnisse in Paris-m 5. Mai 1900 eröffnet und am 31. Oktober desselben Jahres r schlösse» werden soll. Der Bericht, welcher dem Dekret treffend die Beranstallnng einer Ausstellung im Jahre 1900 de- gefügt ist, betont, daß man sich sofort nach dem Schlüsse de letzten Ausstellung mit der Feststellung des Zeitpunkles für m' nächste Ausstellung beschäftigt und für dieselbe im Voraus d» Jahr 1900 festgesetzt habe... London, 12. Juli. Das bisherige Wahlergebniß stellt stR wie folgt: 195 Konservative, 31 Unionisten, 163 Gladstoneanet, 5 Parnelliten, 30 Antiparnelliten. Die Konservativen gewannen- die Unionisten 7. die Gladstoneaner 50 Sitze. London, 12. Juli. Bis 5 Uhr Nachiniltags sind ge>vü»>' 210 Konservative. 3l Unionisten, 176 Gladstoneaner, 5 Parn«? lite», 33 Antiparnelliten. Die Konservativen gewinnen 13, Umonisten 7. die Gladstoneaner 54 Sitze. London» 12. Juli. Nach den aus Mexiko vorliegenden � richten über die Präsidentschaftswahl ist General Porfirio$>»> für eine neue Amtsperiode von 4 Jahren wiedergewählt rvorbe- Catania, 12. Juli. Die Eruplionen de» Aetna nehm*- neuerdlngs an den AnsbruchSstellen heftig zu; unausaesetzt er folgen Detonationen. Im Laufe des Tages fand in Piarre«" starkes Erdbeben statt. Das Land ist stark verwüstet, die völkerung ist verhältnißmäßig ruhig. Die Regierung hat i» 01 betroffenen Gegenden Ingenieure entsendet. (Depeschen deS Bureau Herold.) Bochum, 12. Juli. Der Sitz des Vorstandes des Berg' arbeiterverbandes wird von Gelsenkirchen nach Bochum verleg' London, 12. Juli. Die„Times" berechnen Gladstv» Majorität auf 32 Stimmen, welche sie für ungenügend i1' Durchführung des Homerule erklären.„Daily News" erivarle" daß Salisbury selbst die Homerulevorlage einbringen ivero- Die konservative Majorität ist hellte Mittag auf 2 Stlmnien S° funken. Wien, 12. Juli. Iii Graz wurden gleichfalls sechs deuts«' nationale Studentenverbindungen von der Behörde aufgelöst. oyenj Genf, 12. Juli. Die Bäder von St. Gervais( wurden weggerissen; man spricht von 100 Todten. Das- �„ ist dadurch entstanden, daß ein Theil des Gletschers von Blon»u, sich ablöste und zuerst eine Stauung bildete. Als auch gj, Wasser durchbrach, überschwemmte es die Dörfer Aionnaz, Gervais und Fayet, indem es fast alle Häuser wegriß- St. Gervais wurden von dem Unglück viele Genfer Faw betroffen. Vttirfimpton dvv Deduktion. X. Sie bezweifeln, daß Herr Aiterbach für die Bourgeois' presse schreibt. In einem— mit den üblichen Schiinpfwörter» gespickte»„Offenen Brief an Liebknecht" gefleht Herr Auerba�' daß er mit einem Hrn. Herzberg zusammen eine„A l l g e m e, Berlin erKorrespondenz" herausgiebt. Wir hatten»Z also nicht geirrt, als wir auf den Busch klopften. War es»>» dieser, so war es ein Anderer. Wir kennen liiiscre„Unabhängiges Abonnent. Ueber die Versammlung der M. ist ein Veriv! nicht eingegangen.„ W. Eggert. Der Roman„Am Webstuhl der Zeil"«' vom Verleger des„Braunschweiger Bolkssrennd"(A. Gü»�' Braiinschweig. Kanncgießerstr. 13) in Buchform herausgegebev' Wenden Sie sich an denselbe». Bezüglich der AgitalionSiiuinl"' 'vollen Sie sich mit der Expedition des„Vorwärts" in � bmdung setze». Brot 24361, sowie vorzügll� KsNvv'», Buttert siimmtliche Kolonialtoaare» icblt in bekannter Güte das Mt'g aus der l>eno»Gen»vks(t»» BiieKerei, ztlithlenfabriltake empfiehlt Um Fiebach, bekannter Güte das Kchwrdterstraffe 20, Ecke Chorinerfiraße� Meerschaum-, Bernstein- und Elfenbein-Waaren_ Spezialität i Porträte bewährter sozialistischer Führer(Aaff''.,, töpfrn, Ln gras. Ln d®** nr» u. A.) in Aigarrenspihcn, Pfrifrnllöpfrn, anschettenknöpfen, Stöcken, Blochen. Kiistrn. Ln gre—. a74L B. Günzel, seht Lothringrrstr. 53, nm Rosenthaler 1 Mehrere verheirathete Former"®' e-4»»ncc-,-k<4,->kts-Z4rnk tnni fitfeh, e"' finden bei gutem Lohn dauernde | Beschäftigung beim JIll?S8talüW0rk �rtdur Koppel, 1 2722L] Wolgast. Einsetzer Beschäftigung im Arbeit«' > Restaurant. . Beschäftigung. B. Misch. sAenossenschafts-Brot. tägl. frisch- e" v!) A. Alfchncr, Naunynstraße rftine schöne Wohnung(Stube, J?1 ms- � Korridor, Keller, Bode») für 2' � sof. z. verm., bis k. Oktbr. Micthe c' billiger. Dieffeubächstr. 72, Hos � bei Wörner. | W. Denker und Arau. I mUllbftMltSb».Audr»a»Itr.S!t.H.p. 1 146/18' I Ä.'-«"Mischt> 2 i �itwortticher Redakteur Angnst Sndrr« in Berlin Druck und Verlag von Max Babing in Berlin L�V.. Beuthstraße 2 Moabit 2 Stuben u. Küche sofort zu ve"�.