Nr. 16t HDennemenfs-Bcdingungen; WonnemmtZ- Preii pränumerando z viertelZSHrl. 3,Z0 Ml, monatl l.io Ml, wöchentlich 23 Pfg. frei ins HauS. einzelne Nummer B Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg, Post- ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS- PreiSliftr, Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich> Ullgam » Marl, für daS üdrige«uSIand S Mark pro Monat. rrfchtHrt Uallch außer Blontas». 21. Jahrg. Vevlinev Volklsblslk. vle snItttlöni-Sedoh» beträgt für die sechSgespaltene Kolon el- zeile oder deren Raum<0 Pfg„ sü> politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 2B Pfg, „KUtnc Hnzrigen", da? erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet, Telegramm-Adresie: „Stilaldunskrat»«11»". Zentralorgan der rozialdcmokrati feben parte» Deutfchlande. Redaktion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Kerufprecheri Amt IV. Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher! Amt IV. Nr. 1984. Der Prozeß des Zaren. Die preußische Stadt, die seit einem Jahrhundert den einzig artigen Ruhm vor aller Welt hat. die Stadt der„reinen Bernunst" zu heißen, sie erlebt jetzt den einzigartigen Prozeß zur Erhaltung und Förderung der absoluten Unvernunft, die das russische Reich be� herrscht und zu Grunde richtet. Der Prozeß, zu dessen Vorbereitung die AnNagebehörde acht Monate gebrauchte und zu dessen Vorbereitung den Angeklagten nach Zustellung der Anklageschrist nicht drei Wochen Zeit gelassen wurde, wird am Dienstag beginnen. Wie jedes uralt Reaktionäre in dieser Zeit der„großzügigen, weltumspannenden Politik" des„modernen Deutschland" wieder ersteht, so wird nun dieser vor kurzem noch unmöglich erschienene Reaktionsprozeß zur Wirklichkeit, dessen Gleichen die tiefste Schmachzeit preußischer Geschichte nicht kannte. Wie immer die Richter die ihnen gestellten Strafrechtsfragen beantworten werden, ob sie die Angeklagten verurteilen oder stei- sprechen werden, dieser Prozeß erhält sein Urteil nicht durch den Spruch des Richterkollegiums: ihm ist das Urteil gesprochen durch die Thatsache seines Möglichwerdens, In Königsberg sind noch einige juristische Fragen zu beantworten und ihre Beantwortung ist von großer Bedeutung für die Angeklagten und für das Ansehen der Justiz, aber politisch und moralisch ist nichts mehr zu entscheiden. In diesem Prozeß gipfelt die Dienstbarkeit, die der preußische Staat seit dem Tage der heiligen Allianz dem russischen Absolutismus leistet. Die Anlehnung an Rußland, die konservativste Macht der Welt, war stets Bedürfnis des Preußen beherrschenden Junkerregiments. Durch alle Wechselfälle der auswärtigen Politik wurde Preußen durch die ostelbische Kaste des Großgrundbesitzes an der Seite des Reiches der Knute gehalten. Rußland ist der Rückhalt aller europäischen Unterdrückungsbestrebungen geblieben. Nun verfällt dieser Hort aller Reaktion den westeuropäischen Bewegungen. Liberale und socialistische Strömungen erstarken, dag russische Volk beginnt zu erwachen. Umso d r i n g l i ch e r ist die Hilfe Preußens. Ueber die Grenzen herein flutet eine freiheitliche Litteratur in das Reich des Zaren, in welchem durch namenlose Schreckensherrschaft jedes freiere Wort censuriert und ausgelöscht ist. Also wurde es die Aufgabe des dienstbeflissenen�NachbarstaateS. diese Eindringlinge abzufangen und zu erwürgen. Und der Rachbarstaat erfüllte die ihm ausgetragene Dienstleistung, Russische Spitzel richteten sich in deutschen Städten ein; die preußische Polizei wurde zur Verfügung gestellt, um Ausländer ohne die Rechtsgarantien, die sonst in unsrem Lande bestehen, zu behaus suchen und festzunehmen: Ausweisungen über Ausweisungen wurden verfügt; über die russische Grenze in die Fäuste der zarischen Schergen wurden tapfere Jünglinge geschleppt. Und als alles dies vor dem Reichstage offenbar gemacht wurde, da fand die Regierung den Mut des offenen RussenbekenntnisseS: der Reichskanzler schmähte die opfer- große russische Jugend, und als da diese eS wagte, der Schmähung durch die Mächtigen in fester Autwort zu begegnen, wurde sie wiederum hinausgejagt aus diesem Lande der Freiheitsdichter und der Kultur» Philosophie. Und der preußische Justizminister enthüllte das Innerste der preußischen Russenpolttik, indem er erklärte, daß Be strebungen gegen Rußland rückwirkende Kraft auf Preußen- Deutschland üben und darum im eignen Interesse zu verfolgen sind Russische Sache ist preußische Sachel So arbeiteten denn in Königsberg russische Sendlings mit preiißr schen Justizbeamten gemeinschaftlich an der Einleitung des Gehcimbunds- Hochverrats- und Zarenbeleidigungs-Prozesses. Russische Kreaturen wollten erspitzelt haben, daß deutsche Socialdemokraten russischen Freiheitskämpfern die Gefälligkeit erwiesen, die Sendung von Drucke schriften zu vermitteln. Das russische Konsulat hatte seine Hand im Spiel bei den ersten Maßnahmen des Strafverfahrens. Der Staats» anwalt erließ Haftbefehle wegen angeblicher Strqfthaten gegen das russische Reich»nd den russischen Selbstherrscher, welche selb st b i s d a h j n nichts wußten von diesen angeblich gegen sie verübten Strafthaten. Der Staatsanwalt meldete dem preußischen Justiz- minister, dieser dem Auswärtigen Amte des Deutschen Reiches und von hier au» wurde den befreundeten Russen Mitteilung gemacht. So wurde der Strnfantrag gegen deutsche Reichskindcr von den russischen Machthabrrn erreicht! Jüngst zeigte sich die intime Freundschaft des Kaisers Wilhelm zum König Eduard von England in Festen und Toasten. Aber seit Jahren wird vieler König �es liberalen Staatswesens in den deutschen Zeitungen und Witzblättern gehöhnt und mit gemeinstem Geschimpfe überhäuft. Doch niemals ist zum Schutze der Ehre dieses Freundes und Ohenns des Kaisers der Staatsanwalt eingeschritten. Niemals ist in London gebettelt worden: Wollt Ihr gütigst die frechen Lästerer der englischen Maiestät bestrafen lassen. Ganz anders gegenüber dem Herrscher des barbarischen Ruß« landl Da» Schwergewicht dieser politischen Zustände l a st e t auf den Richtern in Königs ve rg.«ein Zweifel, daß allein kraftvolle Persönlichkeit. selbstand'geS Denken diese Last abzuschütteln vermag. Den Richtem in Königsberg ist cjne gt0�e gestellt I Um so leichter ist die iur istische Aufgabe der Richter. Die Snklagebehörde hat den besten Willen bewiesen, sie hat einen ganzen Band Anklageschrift— mehr als 200 Seiten— geleistet, sie bietet einen riesigen Zeugenapparat auf, aber es ist unmöglich, die Angeklagten ernstlich zu bezichtigen, sie hatten jene Vergehen be» gangen. Es ist eine undenkbare Koilstruktlon, aus der Vermntimg, daß dieser an i-nen ein Paket russischer Schriften gesandt hat. einen „Geheimbund" zu erfinden, der vor den deutschen Behörden ver- borgen gehalten worden sei. Es ist ebenso undenkbar. Personen, die kein Wort der russischen Sprache vorstehen, dafür verantwortlich zu machen, daß ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen unter die Schriften einige gemischt wurden, deren Tendenzen nicht die ihrigen sind. Da der Zarismus in Ostasien geschlagen wird, da in Rußland selbst außer Schuften und Betrügern kein Mensch die Fortdauer der jetzigen Zustände erträgt,— soll dieser Zarismus in Königsberg durch die Hilfsleistung preußischer Justiz kulturschänderische Triumphe feiern? Der Vorbericht des Gerichtsberichterstatters führt aus: Der Königsberger Geheimbunds- und Hochverratsprozeß gegen Mitglieder der socialdemokratischen Partei Deutschlands, der seit Monaten vorbereitet wird und bereits im Reichstag zu bemerkens werten Erörterungen Anlaß gegeben hat, wird nunmehr vom Dienstag. den 12. Juli, an vor der Strafkammer des Landgerichts Königsberg verhandelt werden. Angeklagt sind: 1. Der Barbier Max Nowagrotzki, geboren am 22. Oktober 1800 in Königsberg, Mitglied der freireligiösen meinde. Vom 9. November 1903 bis zum 10, Januar 1904 und wiederum vom 27. Januar bis zum 20. April dieses Jahres ist Nowagrotzki in Untersuchungshaft gewesen. 2. Der Rendant der Ortskrankcukasse Otto Braun in Königs- berg, geboren am 28, Januar 1872, in Untersuchungshaft gewesen vom 9. November 1903 bis 10. Januar 1904. 3. Der Schmied und Uhrmacher August Kugel in Buddel kehmen, geb. am 24, Juli 1850 in Memel: er ist seit dem 9, No vember vorigen Jahres, also neun Monate in Uittersuchungshaft. 4. Der Arbeiter Friedrich Klein in Memel, geb. am 22. Mai 1853. 6. Der Uhrmacher Hermann T r e p t a u in Memel, geb. am 4. Mai 1872: Untersuchungsgefangener bis zum 20. April d. I. 0. Schuhmachermeister Ferdinand MerrinS in Tilsit, geb. am 20. April 1804. 7. Der Losmann Martin K ö g st in Bajohren, Kreis Memel, geboren am 14. Oktober 1841. 8. Der Zimmermann Friedrich Rudolf Ehrenpfort in Petershagen, geboren am 3. Dezember 1850. 9. Der Expedient an der Buchhandlung Vorwärts Friedrich Wilhelm P ä tz e l in Berlin, geboren am 10, Juni 1804 in Soldin, Eingestellt ist daS Verfahren gegen den Redakteur Dr. O u e s f e l in Stettin. Folgendes sind die Vorgänge, die zur Erhebung der Anklage geführt haben. Am 9, Oktober fromm in 1903 erstattete Kriminalkommissar Anzeige, daß der Angeklagte Wohl „„Nowa g r 0 tz k i in den vorhergehenden"Wochen zu wiederholten Malen aus Genf und Zürich socialdemokratische und anarchistische Schriften in russischer und letttscher Sprache empfangen habe; am 14. Oktober ordnete auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Anitsgericht ihre Beschlagnahme an. Nowagrotzki erklärte, sie auf Veranlassung de» damaligen Studenten Ouessel in Zürich erhalten zu haben. Daraufhin wurde am 31. Oktober 1903 daS Ver fahren gegen beide eröffnet und die Vornahme von Hau» suchungen sowie die Beschlagnahme vorgesimdener Beweis mittel angeordnet. Am 3. November fanden diese Haussuchungen statt. Unterdes machte der Polizeipräsident in Königsberg, ver« anlaßt durch eine Notiz in Nr. 239 des„KönigSberger Tageblatts, die Staatsanwaltschaft m Memel auf die Angeklagten Klein und T r e p t a u aufmerksam. Bei der Haussuchung, die bei diesen beiden am nächstfolgenden Tage stattfand, wurde neben einer großen Zahl von Schriften und Briefen auch eine Postkarte des Rendanten Braun gefunden, bei dem infolgedessen am 8. November eine Haussuchung abgehalten wurde. In andren bei T r e p t a u aufgefundenen Briefen war auch der Angeklagte Kugel wiederholt erwähnt. Man fand bei ihm, hinter Kartoffelkorben liegend, zwei Säcke mit russischen Schriften und eine ziemlich große Menge von Flugblättern, Schließ- lich kam man durch diese Briefe auch auf den damals in Charlotten- bürg wohnenden Tischler Ehrenpfort. Die am 23, November bei diesem vorgenommene Haussuchung hatte kein Ergebnis.— Auf Aufforderung des Königsberger Untersuchungsrichters lenkte die Polizei ihre Aufmerksamkeit ferner auf den LoSmann K ö g st in Bajohren, der nach ihrer Kenntnis am Schmuggel russischer Schriften beteiligt war. Bei ihm fand man eine große Anzahl von Exemplaren der russisch-socialdemokratischen Zeitschrift„Jskra", als deren Absender der Expedient der Buchhandlung Vorwärts P ä tz e l genannt war. K ö g st hatte diese Pakete, als Schnhivaren deklariert, zur Weiterbeförderung nach einem Grenzort dem Spediteur Karl Krantz in Tilsit übergeben, Dieser lentte die Untersuchungsbehörde auf den Ange- klagten M e r t i n S in Tilsit und auch hier fand man Schriften, die nach dem Frachtbrief von P ä tz e l an den Angeklagten gesandt waren. Schließlich wurde in der„Post" mitgeteilt, daß im Keller der Buchhandlung Vorwärts russische Schriften„insgeheim" verpackt würden. So wurde die Untersuchung auch auf Pätzel ausgedehnt.— Bei dem Besitzer Millert in Kuttenharreitt wurden in den Schorn« steinen bei ihrer Revision auf Feuergefährlichkeit ebenfalls einige Pakete mit Druckschriften gefunden, Millert, der nach Angabe der Polizei beim Schmuggel überhaupt behilflich sein soll,»ab an, sie von einem Unbekannten in Tilsit empfangen zu haben, d« sie wieder bei ihm habe abholen wollen. Die Anklage geht nun von der Anschauung aus, daß der Druck revolutionärer Schriften, da er in Rußland strafbar sei und streng verfolgt werde, zum größten Teil im Ausland erfolgen müsse: diese Schriften müßten dann mit Hilfe einer geheimen Ver- b i n d u n g, an der auch die Angeschuldigten Teilnehmer sein sollen, nach Rußland eingeschmuggelt werden. Als Leiter der Hauptteil- nehmer dieser Verbindung bettachtet die Anklage nach den vor« gefundenen Briefen den Studenten Eduard S k u b b i k, der zur Zeit im Gefängnis in Riga in UntersuchungS- Haft ist. Alle Angeklagten sollen um die Verbindung ge« wüßt und in enger Fühlung mit Skubbik gestanden haben. Die Absicht der Geheimhaltung soll aus der Deklaration als Schuhwaren hervorgehen. Hierauf wird die Anklage wegen Geheimbündelei gestützt. Die Anklage wegen Hochverrats gegen Rußland und Majestätsbeleidigung gegen den Zaren ist durch den am 4. Januar vom russischen Botschafter gestellten Strafanttag er« möglicht worden, da nach dem russischen Strafgesetzbuch auch Gegen- seitigkeit verbürgt ist. Dieser Teil der Anklage soll durch den Inhalt der verbreiteten Schriften begründet werden. Die meisten auf- gefundenen Schriften sind socialdemokratischer Tendenz, etwa der Richtung, die von der deutschen Socialdemottatte verttcten wird. Es sind zunächst zahlreiche Uebersetzungen von Schriften Marx', Lassalles und Kautskhs beschlagnahmt worden und die verbreitetsten russisch- socia- listischen Zeitschriften, wie„JSkra"(„Funke"),„Sarja"(„Morgen- röte") u, a. entsprechen dieser Richtung, Es fanden sich aber daneben auch solche, die unter gewissen Umständen für den gewaltsamen Umsturz eintraten und schließlich auch solche, die den unbedingten Terrorismus predigten. Hierher gehörten insbesondere die Zeitschrift „Narovodoletz" und andre Schriften, die direkte Aufforderungen zum Mord des russischen Kaisers und der hohen Beamten enthalten, zum gewaltsamen Umsturz der Verfassung in Rußland auffordern und den Zaren aufs schwerste beleidigen sollen. Als Sachverständige für den Inhalt der russischen Schriften sind der Privatdocent Dr. Paul R 0 st in Königsberg, für den der lettischen Broschüren und Zeitungen Geheimrat und Professor Dr. Adalbert Betzen berger in Königsberg und Privatdocent Dr. C. B a l l 0 0 d in Berlin geladen. Auch zahlreiche Auskünfte von Polizeibehörden und Postämtern sind eingeholt worden. Da endlich ein sehr großer Zeugenapparat aufgeboten ist, dürste die Verhandlung wohl über acht Tage dauern. Ein Vorspiel. Die Expedition der„Königsberger Volkszeitting' hatte Plakate drucken lassen, in denen angekündigt wurde, daß am 12. Juli dieser bekannte Prozeß stattfinden und daß die„Volkszeitung" ausführliche Berichte bringen und ihn außerdem vom freiheitlich demokratischen Standpunkt beleuchten wird. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die„Volkszeitung" zu halten. Die Polizei verlangte nun aber, nachdem die Plakate schon einen Tag geklebt hatten, es sollen einige Sätze überklebt werden. Sie berief sich auf den Paragraphen 9 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851, der besagt:«Anschlag- zettel und Plakate, welche einen andren Inhalt haben als An« Kündigungen über gesetzlich nicht verboten« Versammlungen, über öffent» liche Vergnügungen, über gestohlene oder gefundene Sachen, über Ver- kaufe oder andre Nachrichten für den gewerblichen Verkehr dürfen nicht angeschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich auS« gestellt werden." Die Polizei erflärte, wenn man ihrem Begehren binnen wenigen Stunden nicht nachkommen werde, so lasse sie die Plakate herunterreißen. Es wurde ihr erklärt, daß man sich bei Ab- fassung streng an den§ 9 gehalten habe, das Plakat enthalte weiter nichts als eine geschäftliche Ankündigung. Half alles nichts! Auf Beschwerde würde erst nach einigen Wochen Antwort erfolgt sein. Also mußte man sich dem Willen der Polizei fügen und folgende Worte überkleben lassen: „Am 12. Juli beginnt der sicher in der Welt Aufsehen erregende Hochverrats-, Geheimbündelei« und Zarenbeleidignngs- Prozeß vor der hiesigen Strafkammer und wird voranssichtlich zehn Tage dauern." Das waren die schrecklichen Worte, auf deren Entfernung die Polizei ungeheures Gelvicht legte. Man scheint in Königsberg zu ahnen, wie vorttefflich der Prozeß des Zaren— für die Socialdemokratie arbeitet! politilcbe CUbcrficbt. Berlin, den 11. Juli. Der Kaiser an sein russisches Regiment. Aus Petersburg wird telegraphisch gemeldet: Kaiser Wilhelm richtete an den Kommandeur des Whborgfchen Regiments ein Telegramm, in dem er seinem Regiment Glück wünscht zu der Möglichkeit, dem Feinde gegenüberzutteten. Er sei stolz darauf, daß auch seinem Whborgfchen Regiment die Ehre zu teil werde, für seinen Kaiser, daS Vaterland und den Ruhm der russischen Armee zu kämpfen. DaS Telegramm schließt mit den Worten: Meine aufrichtige» Wünsche begleiten das Regiment» Gott segne seine Fahnen! Diejenigen, die annehmen wollten, daß diese« Telegramm eine Verletzung der durch den Reichskanzler feierlich proklamierten ab- soluten Neutralität Deutschlands gegenüber dem russisch- japanischen Kriege bedeutet, sind darauf zu verweisen, daß der Kaiser hier lediglich eine Aufgabe erfüllt, zu der ihn die interessante Ein- richtung drängt, daß die Monarchen sich in auSwärttgen Staaten Regimenter widmen lassen. ES liegt nur zu nahe, daß beim Aus- nicken eines solchen Regiments in das Feld Glückwünsche entsendet werden. Die Fürsten könnten auf diese Art sogar in die seltsame Lage gelangen, auf das ftemdländische Regiment, dessen Ehren- kommandeur sie sind, den Segen Gottes herabrufen zu müssen, wenn das Regiment gegen den eignen Staat zu Felde zieht. Das Telegramm ist also nur ein Akt auS dem Höflichkeitskodex des internattonalen Monarchismus und um seine Rechtferttgung wird Graf Blllow nicht allzu große Sorge haben. Wenn der Kaiser auch Inhaber eines japanischen Regiments wäre und dieses meldete ihm den Abmarsch in die Mandschurei, so würde er sicherlich, nach derselben Regel der Höflichkeit, dem japanischen Regiment ebenfalls eine aufrichtigen Wünsche senden und Gottes Segen erflehen. Ts würde sich sodann nur zu entscheiden haben, ob der Segen des russischen oder deS japanischen Gottes intensiver zu wirken be- ähigt ist.—_ DaS geknechtete Finnland. Von neuem werden Gelvalttätigkeiten aus Helstngfors gemeldet. Der Bankdirektor und Stadtverordnete Tmil Schybergson wurde, nachdem eine Haussuchung bei ihm ab- gegolten war, am 7. Juli verhaftet und über Wyborg nach Rußland deportiert. Bei dem Professor für vergleichende Sprachforschung Otto Donner, bei dessen Eltern und bei dem Professor der Astro- noinie Anders Donner wurden Haussuchungen in der Nacht vom 4. Juli vorgenommen. Professor Homen und Dozent Estlander werden in Petersburg in strenger Untersuchungshaft gehalten. Unser Partei-Organ in Stockholm„Socinldemolrat" erführt, daß der Grund für die früher gemeldete Verhaftung der Heising forser Universitätslehrer nicht im Verdacht der Teilnahme' am Attentat gegen Bobrikow liege. Die Untersuchungen über dieses Ereignis haben, so viel man weiß, nichts ergeben, was einer Verschwörung ähnlich sieht. Die Gewaltmaßregeln gegen die Universitätslehrer sollen ihren Grund darin haben, daß, als im Jahre 1903 eine Anzahl Studenten relegiert wurden, weil sie sich geweigert hatten, dem gesetzwidrigen Musternngsbefehl Folge zu leisten, das Konsistorium der Universität dem Inhaber des Kanzler- amts von P l e h w e ein Schreiben überreichte, worin die recht- liche Stellung der finnischen Wehrpflichtigen zum M n st e r u n g s b e f e h I klargelegt wurde und ihn ersuchte, es dem Zaren zu übermitteln. Deshalb hat Plchwe dafür gesorgt, daß die drei Männer, die Gesetz und Recht zu verteidigen suchten. verbannt werden.— DeutTebes Kdeb. Die Vollendung des ZuchthauSstaatcS. Das Recht der Eisenbahner, Konsumvereine zu gründen, ist aufgehoben! Das letzte Restchen der vcr- fassungsmäßig gewährleisteten Vereinsfreiheit ist für die Eisenbahner beseitigt! Budde will es I Er hat eine Verfügung an sämtliche Eisen- bahndirektionen gerichtet, die in der Hauptsache folgendermaßen lautet: In dem Erlasse vom 29. November 1000 ist schon darauf hin- gewiesen worden, daß kein Anlaß vorliegt, Beamten der Staats- eisenbahn- Verwaltung die Beteiligung an der Verwaltung von Konsumvereinen, soweit diese sich auf die Verfolgung lediglich privatwirtschaftlicher Zwecke in einer für Beamte angemessenen Form beschränken, zu untersagen; nur dürfe den Beamten in Rücksicht auf solche Nebenämter eine Einschränkung ihrer dienstlichen Aufgaben nicht zugestanden, insbesondere auch nicht gestattet werden, während der Dienst- stunden im Interesse der Konsumvereine thätig zu sein. Auch solle, soweit Beamten- Konsumvereinen von der Staatscisenbahn- Verwaltung ausnahmsweise fiskalische Räumlichkeiten zum Geschäfts- betriebe überlassen sind, eine ortsübliche Vergütung auSbedungen werden. Im Anschluß hieran bemerke ich, daß es in» allgemeinen erwünscht ist, wenn der Warenbezug seitens der Bediensteten der Staatscisenbahn- Verwaltung möglichst überall durch Vermittelung des Klein- und Zwischenhandels vor sich geht. Ich mache... darauf aufmerksam, daß die Genehmigung für Nebcrnahmc von Remtern in Vorstand und Anssichtsrat durch Beamte der Staatsciscnbahn-Vcrwaltuiig und die Hergabe fiskalischer Räumlichkeiten zum Geschäftsbetriebe der Konsumvereine nur in Frage kommen kann, wenn fiir die Schaffung beziehungsweise das Vorhandensein der Konsumvereine ein unabweisbares Ve- dürfnis besteht. Ein solches vermag ich im allgemeinen nur dann anzuerkennen, wenn: 1. den Bediensteten in größerer Anzahl wegen weiter Entfernung ihrer Wohnstätten von den geschäftlichen Mittelpunkten (entlegene Kolonien bei Rangierbahnhöfen, Werkstätten usw.) die Gelegenheit znni Einkauf von Lebensmitteln und sonstigen Bedürfnissen des täglichen Lebens sehr erschwert ist, 2. an den betreffenden Orten unverhältnismäßige Teuerungsverhältnisse nicht mir vorübergehender Natur herrschen, 8. zu befürchten ist, daß die Bediensteten andernfalls ihr Be- dürfnis nach billigem Warenbezüge auf andre, lveniger er- spricßliche Weise, z. B. durch den Beitritt zu Konsumvereinen befriedigen werden, die thatsüchlich nicht auf Privatwirtschaft- liche Zwecke allein gerichtet sind. In den Füllen zu 2 und 3 empfiehlt es sich, vor der Ent- schcidung die Kommunalbehörden zu befragen, auch dem zu- ständigen Regierungspräsidenten Gelegenheit zur Aenßcrung zu geben. Jedenfalls erwarte ich, daß die Genehmigung zur Ueber- nähme von Remtern in den Konsumvereinen den Beamten dann versagt und die schon erteilte Genehmigung wieder zurückgenommen wird, wenn die den Beamten gewährte Entschädigung und das Maß ihrer Thätigkcit für die Konsumvereine eine solche Höhe erreichen, daß davon eine ungünstige Einwirkung auf ihre dienstliche Thätigkeit zu befürchten ist. Ferner bestimme ich, daß für die Genehmigung von Anträgen auf Hergabe fiskalischer Räumlichkeiten zum Geschäftsbetriebe von Konsumvereinen künftig nur die königlichen Eisenbahndirektionen selbst zuständig sind. Die Genehmigung ist nur ausnahmsweise zu erteilen, wenn andernfalls die berechtigten Bedürfnisse der diesseitigen Bediensteten nicht würden befriedigt werden können. Die königlichen Eisenbahndirektionen wollen hiernach die Verhält- nisse der Konsumvereine ihres Bezirks, an deren Verwaltung Staatseisenbahnbeamte beteiligt sind, einer erneuten Prüfung unterziehen und gegebenenfalls das Weitere im Sinne dieses Er- lasscs veranlassen. Sollten in einzelnen Fällen Zweifel auftreten, so ist meine Entscheidung einzuholen. Damit ist der Ring geschlossen, der die Arbeiter der preußisch- hessischen Eisenbahnverwaltung in der Ausübung aller ihrer öffent- lickicn und privatwirtschaftlichen Rechte von der Erlaubnis einer vor- gesetzten Behörde abhängig macht. Die Teilnahme der Eisenbahner an Konsumvereinen wird mit einem komplizierten Netz der Chikane überzogen. Der Eintritt in einen allgemein zugänglichen Verein kann behindert Iverden, indem man ihn für„ordnungsfcindlich" er- klärt, ein Konsumverein der Eisenbahner kann aber in Zukunft über- Haupt nicht mehr bestehen, wenn man Eisenbahnern untersagt, die Leitung eines solchen Vereins zu übernehmen. Auf den ersten Blick scheint sich diese neueste Verfügung durch- au? harmonisch den früheren anzupassen. Es tritt in ihr dasselbe System der Bevormundung und Entrechtung zu Tage, das das Regiment des ehemaligen Löweschen„jungen Mann" mehr noch als das seines Borgängers Thielen charakterisiert. Genauer besehen enthüllt sich aber der neueste Ukas Buddes als offener Einbruch in ein Rechtsgebiet, das anzutasten Herrn Budde noch vor wenigen Monaten nicht im Schlafe eingefallen wäre. Noch in seinen Reden vom 23. Februar, vom 9. und 10. März dieses Jahres bestritt der Eisenbahnminister lebhaft, daß eS in seiner Absicht liege, die staatsbürgerlichen Rechte seiner Arbeiter irgendwie zu beschränken. Der Minister sührte damals aus: ' Es handelt sich lediglich um den Bruch des Arbeits- Vertrages der Arbeiter, die bei ihrem Eintritt bei der Staats- eisenbahnverwaltung sich durch schriftliche Anerkennung verpflichtet haben, sich der Teilnahme und Förderung ordmingsfcindlichcr Bc- strcbiingen zu enthalten. Daß ein solcher Arbeitsvertrag Wider die guten Sitten verstößt und moralisch kein Eisenbahner gebunden ist, sich an ihn zu halten, ist eine Sache für sich. Gesetzesverletzung oder nicht— Herr Budde rechtfertigte sein Verhalten ausschließlich aus Gründen des Patriotismus und des Dienstes. So unterschieden sich auch noch die bisherigen Versiigungen über das Konsumvereins- Wesen grundsätzlich von der neuesten, indem sie bestimmte Konsum- vereine für socialdemokratisch, als„ordnnngsfcindlich" erklärten und unter Berufung auf einen halsabschneiderischcn Privatvertrag den Austritt der Arbeiter aus diesen Vereinen forderten. Jetzt aber handelt es sich um etwas völlig andres. Herr Budde hat an der konsumvereinsfeindlichen Mittelftandöbewegung Gefallen gefunden, darum will er durch seinen„Wunsch" seine Arbeiter zwingen, beim Krämer zu kaufen. Die Unterthanen Buddes können sich nicht mehr zum gemeinsamen Ankauf von Lebensmitteln zusammenthun, ohne mit ihrem Gesuch durch drei Instanzen gegangen zu sein. Diese Instanzen sollen das Gesuch nur dann befürworten resp. genehmigen, wenn ein„unabweisbares Bedürfnis" vorliegt. Die Bcwncherung der Beamten durch die Kleinhändler soll ein solches unabweisbares Bedürfnis erst dann begründen, wenn die Teuerungsschlinge nicht nur gelegentlich und ruckweise, sondern dauernd angezogen wird. Es ha'ndelr sich also nicht mehr um eine Beschränkung der Freiheit aus öffentlich- unrechtlichcn Gesichtspunkten, sondern um eine sch w e r e B e e i u tr äch ti g u g der Privatwirtschaft- lichcn Freiheit, des Verfügungsrechts der Arbeiter über ihren Lohn. Damit hat Herr Budde zwar den vollen Beifall der Mittelstands- retterischcn„Deutschen Tageszeitung" gefunden, aber selbst die„Kreuz- Zeitung" gesteht in heftiger Beklemmung: Wir fürchten, daß die Bedürfnisfrage fast bei allen Beamten- Konsumvereinen bejaht werden muß. Wären die Beamten nicht zur alleräußersten Sparsamkeit gezwungen, so würden sie sich nicht die meist recht große llnbequemlichkcit machen, ihre Bedürfnisse in Konsumvereinen zu decken, statt beim nächstenHändler. Gewiß sind die Konsumvereine ein großes llcbel fiir den gewerblichen Mittelstand. Da aber die Dctaillisten und die Handwerker zur„Selbsthilfe" greifen und sich_ immer niehr zu Einkaufsgenossenschaften zu- sammenthnn, so ist es uns sehr fraglich, ob der Staat wohl daran thnt, seinen knapp besoldeten Beamten eine ähnliche Organisation zu verbieten. Und gerade die Eisenbahubcamten erscheinen uns zu diesem Experiment am wenigsten geeignet. Gegen die Konsum- vereine der Beamten läßt sich nämlich mir der eine Einwand er- heben, daß die Beamtengehälter auch von den Stenerbeiträgeu der Klein- und Zwischenhändler aufgebracht werden. Aber die Eisen- bahnbeamteu sind in einem produktiven Unternehmen des Staates angestellt, sie schaffen selbst die Einnahmen, aus denen ihr Gehalt bezahlt wird. Darum halte» wir die Verfügung des Ministers v. Budde— falls sie nicht apokryph ist— für unzweckiniißig. Die„Krenz-Zeitung" ist schlau genug, um zu erkennen, wohin die Fahrt geht. Die Offiziere und die höheren Staatsdeamtcn haben sich längst die Vorteile des genossenschaftlichen Warenbezuges zu nutze gemacht. Gelangen die Grundsätze des Herrn Budde auch in andren Ressorts zur Durchführung. dann ist beispielsweise das Waren- haus für deutsche Beamte rettungslos dem Tode geweiht. Die„Krcnz-Zeitung" weiß aber, daß ein solches Vorgehen der Ministerien, das die einfachsten wirtschaftlichen Rechte der Beamten und ihrer Frauen(I) zerstört, diese in die offene oder heimliche Rebellion treiben muß. W i r können unter den gegebenen Ver- Hältnissen nichts Besseres wünschen, als daß geschieht, was die „Krcuz-Zeitung" fürchtet. Es ist gut. wenn die Frau Hauptmann und die Frau Major ein bißchen erfahren, ivie es den geknechteten Eisenbahnern und ihren Frauen zu Mute ist!— Mirbach-Rot. Freiherr v. Mirbach fährt in seiner gesegneten Thätigkeit fort. Seitdem die Unterbrechung des oberhofmcistcrlichen Schweigens vor Gericht so überaus ungewollte und unangenehme Folgerungen herbei- geführt hat, läßt Freiherr v. Mirbach alle Fragen und Beschwörungen auch seiner ftöuunsten Getreuen kaltmiitig an sich kommen. Nicht einmal über die von ihm angekündigte Rückgabe des unrechten Pommerngcldes läßt er etwas verlauten. Der fromme„Reichsbote", der seinen Bestrebungen und seinem Wesen so nahe steht, ist daher tiefbetroffen, was aus dieser entsetzlichen Sache noch werden solle. Er klagt wehmntvoll: „Wenn man auf irgend einer Seite die Ansicht oder auch Hoffnung hegen sollte, daß die durch den Ponimernbankprozeß angefachte Bewegung bald oder überhaupt zur Ruhe gelangen wird, so mag man sie n u r heute schon fahren lassen. Nicht einmal die Reisezeit, die man als politisch tot zu betrachten Pflegt, obgleich der Gang der politischen Ereignisse und Entwicklungen sich wenig daran kehrt, ob erholungsbedürftige Minister und Bürger verreisen, läßt einen Stillstand oder eine Ebbe erkennen..." Und weiter wendet sich der„Reichsbote" gegen den Landes- dircktor der Provinz Brandenburg, Frhrn. v. M a n t e u f f e l, der soeben auf der Generalversammlung des Brandenburgischcn Provinzialverbandes des Evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins des Obcrhofmeistcrs„große Verdienste" laut gefeiert und ihm die Treue gelobt hat. Zum Schluß sagt selbst der„Reichsbote": „Mit dem unterschiedslosen Loben und Gehenlassen im alten Stil ist eS nicht aethan, dazu ist die Sache eine viel zu ernste, schwierige und öffentliche geworden. Sie klopstauch an das eigne evangelische Gewisse» und verlangt gebieterisch Gehör. Wenn nian diese Gewissensmahnung überhören wollte, wäre es traurig: dann werden die zahllosen Gegner und die mit Recht oder Unrecht cnipörten Ankläger für einen»och schmerzlicheren Fortgang der iiber den Dingen und Menschen waltenden Gerechtigkeit sorgen. Im Herbst steht, sei es anläßlich der verschobenen frei- sinnigen Interpellation, fei es bei der Etatsberatuug, mit Sicher- heit eine politisch- parlamentarische Behandlung bevor, die, wie man schon heute mit Sicherheit sagen kann, sich zu einer so erbarmungslosen Ausschlachtung gestalten wird, wie es nur immer die Geschäftsordnung in der Volksvertretung zulassen wird, falls es nickst gelingt, bis dahin der Angelegenheit ein verändertes und befriedigendes Gesicht zu cjeben. Ein hartes, aber gewiß nicht ganz unverdientes Gewitter wird es aus alle Fälle geben. Man höre also mit schönen Worten, hinter denen dann später ein andres Echo grollt, auf und beschäftige sich mehr mit den durch die Lage gebotenen sachlichen Entschlüssen. Darunter steht die möglichst beschleunigte Rückzahlung der von der Pommern- bank entnonimenen 650 000 M. obenan." Bedauernswerter„Reichsbote"! Das„evangelische Gewissen" der Allerevangelischesten scheint doch minder stark zu sein als die Fähigkeit— Geld aufzusammeln � Der Luisen-Orden am weißen Bande. Aus Homburg erzählt die„Franks. Ztg." diesen neuen Unglücksfall des Freiherrn v. Mirbach: „Dort wohnte eine Frau Michon, die vor etwa Jahresfrist gestorben ist. Sie war feiner Zeit ans dem Elsaß gekonmicn, hatte einen französischen Koch geheiratet und mit diesem eine kleine Speisewirtschast etabliert. Später erwarben fix ein Hotel, in welchem zu den Spielzeiten die ganze französische Spieler- gesellschaft abstieg. Madame Michon nahm ohne sonderliche Skrupel das Geld, woher sie es bekommen konnte, und wurde sehr vermögend. Als sie ihr Hotel verkaufte, behielt sie ein Nebenhaus, in dem sie bis zu ihrem Tode Zimmer an Fremde vermietete. Hier lebte sie in Erinnerung an ihre sehr be- wegte Vergangenheit. Zuletzt wurde sie fromm und spendete als Katholikin manch' Scherflcin fiir die katholische Ge- meinde. Auch Herr v. Mirbach erhielt 5000 M. für den Bau der evangelischen Kirche. Kurz darauf erschien er bei ihr und überreizte ihr— den Luisen- Orden am weißen Baude. Ganz Hombi« war starr und sucht noch heute nach den Verdiensten, die sich Madame Michon um den preußischen Staat er- warben hat."—_ Er will kein Budde sein! Aus München wird vom 10. Juli gemeldet: Im Finanzausschusse der Abgeordnetenkammer wurde beim Eisenbahnetat vom Centrum angeregt, daß der Verkauf des „Simplicisfimus" den Bahnhofskolporteuren verboten werden solle, da das genannte Blatt die Achtung vor der Autorität und dem Königs- tume untergrabe. Der Verkehrsminister erklärte, daß auch ihm der„Simplicisfimus" nicht gefalle, daß aber die Vcrkrhrsvcrwaltnng nicht den Censor spielen könne; die Prüfung der in den Bahn- Höfen zum Verkauf gelangenden Litteratur sei Sache der Polizei- behörde, und diese habe den„Simplicissimus" nicht verboten. Der bayrische VcrkehrSminifter schickt die Centrunisdenunziantcn zum Polizeidirektor. Mag er auf den Bahnhöfen für preußische Ordnung sorgen!— Kein Material für eine Einem-Legende. Als im Reichstage zuletzt die Soldatenmitzhandlungen diskutiert wurden, nahm der 51 r i e g s m i n i st e r v. Einem auch die thörichte Legende auf, daß die Mißhandlungen häufig von störrischen und aufgereizten Leuten absichtlich„provociert" würden. Jeder Kenner des Soldatenlebens lächelt über diese nette Erfindung und noch immer ist es nicht gelungen. Beweise für diese seltsame Ursache von Soldaienmißhandlungen zu finden. Jetzt wird ein Fall bekannt, in dem die Militärbehörde wenigstens den eifrigen Versuch gemacht hat, einen solchen Beweis zu erbringen. Leiderauch diesmal mit komischem Mißerfolg. Der Füsilier Eduard Wrona vom 35. Jnfanterie-Regiment in Brandenburg, ein oberschlesischer Pole, erschien dem Rekruten- offizicr Lieutenant Schindler störrisch und verstockt, weshalb er ihn, mit dem er sehr viel Mühe hatte, einnial„ordentlich vornahm". Wrona erzählte nun, daß in seiner Heimat zwei frühere Kollegen, die Streckenarbeiter Fitzck und Majer in Neuberun, ihm vor seinem Eintritt in das Heer geraten hätten,„sich dumm zu stellen und un- gehorsam zu sein, und wenn er es dann nicht mehr aushalten könne, solle er sich nur aufhängen, davon hätten die Vorgesetzten dann die größten Unannehmlichkeiten". Diese Aussage nahm der Herr Lieutenant z u P r o t o k o l l und gab dasselbe an die Staats- a n w a l t s ch a f t ab, worauf sich die beiden Arbeiter Fitzek und Majer wegen Vergehen gegen K 112 des Strafgesetzbuches(Auf- rcizung eines Soldaten zum Ungehorsam gegen Vorgesetzte) vor dem Landgericht in Beuthen(Ober-Schlesien) zu verantworten hatten. Die Angeklagten bestritten jede Schuld und hatten mehrere Zeugen dafür zur Stelle gebracht, daß man den sehr dummen Wrona in der Heimat nur mit den voraussichtlichen Folgen seiner Dummheit beim Militär geneckt habe. Der Zeug- Wrona machte in der Verhandlung den Eindruck eines Halb- i d i o t e n. Er giebt zu, von den Kollegen nur geneckt zu sein, kann aber nickst sagen, weshalb er dem Lieutenant jene andre falsche Aussage gemacht hat. Er muß sich immer wieder setzen, um sich zu besinnen, und antwortet auf die Frage des Vorsitzenden, ob er jetzt nachgedacht habe, regelmäßig:«„Noch nicht, Herr Gerichtshof." Auf die Vernehmung der Entlastungszeugen wird dann auch verzichtet und der Staatsanwalt beantragt selbst die kostenlose Frei- s p r e ch u n g der Angeklagten, auf die das Gericht auch erkennt. Der Antrag des Verteidigers, auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen, wird merkwürdigerweise vom Gericht jedoch abgelehnt. Es ist also wieder nichts, Herr Kriegsminister I Auf diesem Wege wird die feierliche Zusage, die Mißhandlungen aus der Armee zu bringen, nicht erfüllt.—_ Die Rcichs-Jnstizkommission, welche die Reform der Strafprozeß- ordnung berät, hat ihre erste Lesung beendigt. Nach der„Köln. Zeitung" sind in den Hauptfragen Uebcreinstimmung oder doch Ent- scheiduugen mit großer Mehrheit erzielt worden. Die zweite Lesung beginnt am 4. Oktober und wird im Laufe des Winters zu Ende geführt werden. In daS Programm der zweiten Lesung wurde die Erörterung der Frage der Entschädigung unschuldig Verfolgter und der bedingten Verurteilung ausgenonimen. Die erste Lesung begann am 10. Februar 1903, nahm also anderthalb Jahre in Anspruch.— Ein Mann des Schutzes. Vor dem Schwurgericht in Dort- mund hatte sich der Polizciscrgcant Andreas Müller aus Soest wegen schwerer Körperverletzung, begangen in Ausübung seines Amtes, wissentlichen Meineids und Verleitung zu diesem Verbrechen in mehreren Fällen zu verantworten. Seit 1900 ist Müller in Soest angestellt. In der Nacht zum 15. November v. I. lärmte der schwer betrunkens Arbeiter Bierbaum in Soest auf der Straße. Mehrere Beamte, auch Müller, schritten ein. Angeblich soll Bicrbanni sich den Beamten widersetzt haben. Während zwei Beamte den schwer Betruiikeiien an den Armen fassend zum Arrestlokale schleiften, hieb Müller als dritter sortwährcud mit dem blanken Säbel auf den 51opf Bierbaiims los. Man hat den Mann, der das Bewußtsein verloren hatte, dann trotz der Kälte wohl eine halbe Stunde im Hausflur liegen lassen. Gegen Bierbaum wurde Anklage wegen VerÜbung ruhestörenden LärniS, Beleidigung und Widerstands erhoben. Das Gericht verurteilte ihn auch zu einer gelinden Strafe, im Urteil wurde aber ausgesprochen, daß der Beamte Müller weit über seine Befugnis hinausgegangen sei. Bier- bäum hatte nicht weniger als zehn schwere Säbelhicbwunden am Kopfe, eine zog sich über die Nase, auch das linke Auge war ge- troffen und das Sehvermögen fast ganz vernichtet. Soester Bürger waren durch den Vorfall so empört, daß sie der Staatsanwaltschaft Anzeige machten, welche nun ein Verfahren gegen Müller einleitete. Müller suchte nun die Zeugen, zwei Flurhüter, zu falschen Aussagen zu verleiten. Der Augeklagte leugnet in der fetzigen Verhandlung. Der Verletzte ist, wie sich heute ergab, vor einigen Tagen gcstvrbcn. Die Gcschwornen sprachen den Angeklagten schuldig, sie billigten ihm aber mildernde Umstände zu I Das Urteil lautete auf 2% Jahr- Zuchthaus.— Hamburg, 11. Juli. Der Senat hat heute für den Rest des Jahres 1904 und für das Jahr 1905 an Stelle des verstorbenen Dr. Hachmann den Bürgermeister Dr. Mönckeberg zum ersten und den Senator Dr. B u r ch a r d zum zweiten Bürgermeister gewählt.—__ Deutsch-holländische Aiiswcisungs-Verhaiidliingen. Aus dem Haag wird vom 11. Juli gemeldet: Die deutsche Regierung hat Kommissare nach dem Haag entsandt, um zu einem Uebereinkommen bezüglich des Verfahrens bei der Ausweisung von Angehörigen beider Staaten zu gelangen, einer Frage, aus der bisher immer Schwierigkeiten entstanden sind. Dem Vernehmen nach ist eine vorläufige Verständigung erreicht.— HudlaikL Englisch-dentsche Beziehungen. London, 9. Juli. In den letzten acht Tagen sind in der Londoner Presse mehrere Ansichten und Kundgebungeii veröffentlicht worden, die die Beziehungen zwischen England und Deutschland betreffen und unsre Beachtung verdienen. In der„Daily Chronicle" vom 6. Juli erhebt Georg Meredith, der freisinnige Romancier und Dichter Englands, seine Stimme, um sein Volk zu mahnen, sich wehrfähig zu machen, denn„wie die Lage heute i st, könnten 80 000 deutsche Soldaten England erobern". Meredith ist ein sehr bedeutender Geist und seine Worte sind stets beachtenswert.— In der„Clarion" veröffentlicht em so klarer socialpolitischer Denker wie Robert Blatchford eine Serie von Artikeln über die„Deutsche Gefahr" und bespricht die Maß- regeln, die England ergreifen muß. um sich vor einer deutschen Invasion zu schützen. Die Artikel werden wahrscheinlich im Separat- abdruck erscheinen und zur Massenagitation benutzt werden. In der„Daily News" vom 6. Juli veröffentlicht Genosse Hyndman eine Korrespondenz, in der er sagt:„Wie berichtet wird, beabsichtigt der deutsche Kaiser, England im Monat August zu besuchen, um deni König eine Gegenvisite abzustatten. Ist der Besuch nur eine Familienangelegenheit, so ist dagegen nichts einzu- wenden. Sollte aber der Versuch gemacht werden, den Besuch zu einem nationalen Ereignis zu gestalten, so werden sich genug fort- geschrittene Engländer finden, die bei solcher Gelegenheit gegen daS Deutschland beherrschende politische System demonstrieren werden, das die freiheitliche Entwicklung des deutschen Volkes verhindert." Der erste Artikel der laufenden Nummer der„Contemporary Review" beschäftigt sich mit der Kieler W o ch e. Der Artikel- Verfasser, der sich„Julius" zeichnet, deutet an, daß die deutsche Re- gierung die Entlassung oder Resignation Lord Cromers, des bkltischen Verwalters Aegyptens, verlangte, da dieser sehr viel zum Abschluß des englisch- französischen Abkommens beigewagen habe. Lord Lansdowne, der Staatssekretär des Aeutzern, habe rundweg abgelehnt.— Frankreich. Pari?, 11. Juli. Bei der gestrigen Ersatzwahl zur De- p u t i e r t e n k a m m e r ini vierten Pariser Wahlbezirk erhielt der ministerielle radikale Kandidat Steeg 3385 Stimmen, der antiministerielle Kandidat, der bekannte Chirurg Doyen, 3380 und der Soeialist Pourtois 683 Stimmen. Es ist daher Stichwahl er- forderlich.— Paris, 11. Juli. Dcpntiertrnkammcr. Chaumet(Radikaler Republikaner) wünscht die Regierung über die Organisation der Marine zu interpellieren: er bemerkt, er wolle nachweisen, daß Minister Pelletan Fehler und grobe Nachlässigkeiten be- gangen habe. Ministerpräsident C o m b e s fordert die Vertagung der Interpellation; seinem Verlangen wird mit 315 gegen 42 Stimmen entsprochen. Die Vertreter der Parteien der Linken der Deputiertenkammer einigten sich dahin, die von der Kartäuser-Untersuchnngskommission gestellten Schlustfolgernngen abzulehnen und eine Tagesordnung zu beantragen, welche eine Brandniarkung der Berleuiuder enthält.— Schlirßnng der geistliche» Schulen. Das Amtsblatt der Regierung veröffentlicht einen neuen Erlast, durch welchen die Schliestung der Kongregationsschulen in weiteren 43 Departements angeordnet wird. Von den am Sonntag in 32 Departements geschlossenen Kongregationsschulen gehörten 300 den Brüdern der christlichen Lehre, 453 vcr- schiedencn andern Orden.— England. London, 11. Juli. Unterhaus. Auf eine Anfrage, ob die Regierung über das jüngst erfolgte Anhalten eines englischen Post- dampfers im Roten Meer durch ein russisches Kriegsschiff Erkundi- gungen eingezogen habe, erwidert Unterstaatssekretär des Aeutzer» E a r l P e r e h, die Regierung habe hierüber keine Nachricht er- halten. Im Februar seien drei Dampfer durch ein russisches Gc- fchwader im Roten Meer angehalten und in zwei Fällen die Damyfer durchsucht und die Schiffspnpiere geprüft worden, aber in allen Fällen sei den Dampfern nach kurzer Zeit gestattet worden, ihre Reise fortzusetzen. Die Fälle hätten der englischen Regierung kein Recht zu einein Einsprüche gegeben. Hieraus regt Gibson BoivlcS an, ob die Regierung erwogen habe, unter welchen Vednignngcn den Schiffen der kriegsführenden Mächte während der Dauer des Krieges erlaubt sein solle, an britischen ftohleiistatioiie» Kohlen zu nehmen, und ob die Vorbedingung für solche ErlanbniSerteilung die lieber- nähme einer ausreichenden Verpflichtung sei, dast daS kriegsführende Schiff, nachdeni es mit einer hinreichenden Kohlenmenge vcrseheittst, um damit in den nächsten Hafen seiner Nation zu gelangen, thatiachlich nach diesem Hafen geht und die Kohlen nicht zu Fahrten zu Kriegszwecken verwendet. Premierminister B a l f o u r erwidert, oie Regierung habe diesen Fragen ihre Aufmerksamkeit geschenkt und stets eilt- sprechende Anweisungen gegeben...... Auf eine weitere Anfrage erwidert der Premierministcr, die Regierung beabsichtige in der nächsteil Session die Vouagc über die Einwanderung von Fremden lv i e d e r e l n z u- bringen.— Norwegen. Wie in Aalcsiind mit den Gaben für die Abgebrannten gewirtfchaftet wurde, darüber ist schon manches an die Oeffentlichkeit gekommen, was nicht geeignet war, den Gebern Freude zu bereiten. Ende Jillii aber brachte die Aalesnnder Zeitung„Nybrot" eine Mitteilimg, die man zu- nächst als durchaus unglaublich an, ehe»„mstte. die aber gleichwohl bis jetzt von den niastgebenden Personen nicht c-n'~ mehrere hundert für die Brand- Einen solideren Halt haben die Prohibitionisten, die sich rcgclmästig an den Wahlen beteiligen mit einem festen Programm, dessen Grnndton heistt: Kampf gegen den Alkoholismns. Wein, Bier nnd ganz besonders Whisky ist den Prohibitionisten der Teufel, der die Welt und im Speciellen die amerikanische Nation verdirbt. Diese Partei will einen Kandidaten von einem gewissen nationalen Ruf, den General Miles, aufstellen, der feierlichst versichert hat, dast er seit den letzten sechs Jahren keinen Tropfen alkoholischer Getränke genossen habe. So ist bald für alle Nichtungen gesorgt, und im nächsten No- vember können die Amerikaner wählen.— g'elCllwoyi VIS je«'."•"OM widerlegt worden ist. Es sollen nämlich Säcke Mehl, die als Gaben S � �.___■ geschädigten gespendet waren, nach austerhalb verkauft worden sein; nachträglich wurden die Städte Bergen und Trondhjem genannt, wohin das Mehl durch Zwischenhändler geliefert worden ist. In einer späteren Nummer erklärt nun„Nybrot". die Redaktion des Blattes habe selber Nachforschungen angestellt und diese hätten jene Mitteilung auf das genaueste bekräftigt— ja er- kennen lassen, dast das Geschäft mehr rationell betriebeii ivorden sei. als man sich zuerst gedacht habe. DaS Blatt bemerkt dazu unter anderm: „Am gerechtesten wäre es, die Mehlsäcke zu nehmen und den Inhalt unter die minder bemittelte Bevölkerung der Stadt zu ver- teilen: aber das dürfen wir gleichwohl nicht empfehlen, denn wir haben so bedauerlich viele Beweise dafür, dast so viele gute Gaben den verkehrten Weg gingen, indeni die Mchr- bcinittelten in der Regel diejenigen waren, die die Rosinen aus der Wurst wegschnappten, und es-Rirde hier zweifellos ebenso gehen. Austerdem würde jeder ehrliebcndc Arbeiter lieber einen entsprechenden Preis für das Mehl bezahlen als mit dem Bettelsack umhergehen. Man kann unter allen Umständen annehmen, dast der Absatz hier ebenso gut gesichert wäre, wie an andern Orten. Ein ander Ding ist es wohl, was die guten Herren Zwischenhändler berechnei haben, nämlich, dast es nicht gut für den Handelsstand der Stadt wäre, wenn man eine solche Konkurrenz erhielte, und, wie bekannt, geht das Interesse der Oberklasse in unserm Gemeinwesen immer den Forderungen der Gerechtigkeit voran. Das Beste der Geld- leute muß gewahrt werden der Teufel kümmere sich um die armen Schlucker."— Afrika. Aus Tanger meldet die„Times" vom 10. d. M.; Der Anjcra- Stamm hat in einem an den Vertreter des Sultans für auswärtige Angelegenheiten, Mohammed el Torres, gerichteten Schreiben die Abbeuifuiig aller Soldaten gefordert, die die Strasten an der Küste östlich von Tanger bewohnen.' da sie die zum Markte gehenden Anjera- frauen belästiglen. Die Anschuldignng ist wahrscheinlich begründet. Gleichzeitig drohen die Anjeras mit einem offenen Angriff auf die Truppen, falls diese nicht abberufen werden.— Amerika. St. LouiS, 10. Juli. Die demokratische Konvention, die die Währnngsfrage aus ihrem Prograinm ausgeschieden bat. hat P v rk e r, der entschiedener Anhänger der Goldwährung ist, benachrichtigt, die Konvention betrachte die Währnngsfrage nicht als einen Punkt, der bei dem Wahlkainpf zur Entscheidung stände; es bestehe daher kein Grund, dast Parker die Kandidatur nicht annehme. Dieses Telegramm war die Antwort auf eine Depesche ParkerS, in der er bie Aufmerksamkeit der Konvention auf seine Ansichten in der �ahrungsfrage lenkte. Anfangs erhoben Bryan und andre Delegierte energischen Widerspruch gegen die vor- geschlagene Beantwortung des Telegramms. Nachdem diese jedoch 'von der Konvention angenommen worden war, erklärte Bryan, dast auch er Parker unterstutzen werde. Die Konvention hat danach Henry G. Davis aus West- Virginia zum Vieeprafioentichaftskandidaten nominiert. Republikaner. Demokraten und Socialisten haben also ihre Konventionen abgehalten und stnd für den Wahlkampf fertig. Jetzt ziehen noch zwei kleinere verschiedenen Richtungen ins Feld. Da kommen die Prohi> wnisten und die kleberreste der Populisten. Aus die letzteren letzten die Farmer der Vereinigten Staaten vor zwölf Jahren groste Hoffnungen. 1802 erhielt diese Partei 1 041 028 Stimmen. Uber die Herrlichkeit ver- schwand so schnell wie sie si""'®'e Partei spaltete sich, der eine Teil(Fusionist Populilto) unterstützte 1806 und 1000 Bryan, den Kandidaten der Demokrateu, wahrend der andre Teil, die Mittelweg-Populisten(Mickdls ok the Kaad Populisto), allein weiter marschierten, aber im Jahre 150 aus ihren Kandidaten Farker nur noch 50 373 Stimmen vereinigten.- an hielt die Partei für tot. aber sie will noch nicht sterben und im nächsten November noch einmal ihr Glück probieren mit eme», lchonen Phrasenschwall von Volksrechten, Silberwährung, Verstaatlichung der Eisenbahnen und dergleichen. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Neber die Besetzung Kaipings liegen noch folgende Meldungen vor: Petersburg, 11. Juli. Generallientenant Ssacharow meldet dem Generalstab von gestern: Alst 0. Juli zogen sich unsre Truppen in voller Ordnung nach Kaitschou zurück, indem sie den Feind auf- hielten, der mit etwa vier Divisionen vorrückte. Die Verluste sind noch nicht gennn festgestellt, betragen aber nicht mehr als 200 Mann an Toten und Verwundeten. Fünf Osfiziere sind verwundet. Am Abend des 0. Juli blieb der Feind ans den Höhen im Norden Kaitschous. Die folgende Nacht verlief ruhig. Am Morgen wurde festgestellt, dast bedeutende feindliche �Streitkräfte in der Ilmgegend von Maolingou, 8 Werst nordöstlich von Kaitschou, zusaniiiiengezogen ivorden waren. Bis zuin Mittag des 10. Juli unternahm der Feind keinen Angriff. Am Morgen des 9. Juli stellte eine russische Streifwachc in einem Thal südöstlich von dem Past, der sich auf dein Wege Siaohotan— Siandian befindet, fest, dast mehrere japanische Com- pagnien dort vorrückten. Gegen Mittag wurde ferner bemerkt, dast eine japanische Abteilung in einer Stärke von sechs Compagnien nnd zwei Geschütze» im Süden der Schwarzen Berge in der Unigebiiiig von Siniidiaii vorrückte. Der Feind ging in einer Stärke von etwa einer Brigade Iiifantcric und zwei Batterien vom Judaliiipatz und von Erldagou konzentrisch auf Simidiau vor. Am Nachmittag begann ein Gefecht, das bis zu», Eintritt der Dunkelheit dauerte. Hierauf zogen sich die russischen Truppen um 6 llhr abends nach Westen in einen Past »rück. Auf russischer Seite wurden 2 Offiziere und 15 Mann vcr- ivmidet und 4 Mann getötet. Auf der Linie Haitschcng— Ssinjan sind keine Beränderungen eingetreten. Tokio, 10. Juli.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Ucber die Kampfe bei Kaiping wird noch gemeldet: Erst nach er- b i t t e r t e in K a in p f e nnd verzweifelten Stürmen. denen die Russen hartnäckigen Widerstand leisteten, gelang es General Oku am Soiiiiabendniittag Kaiping zu nehmen und die Russen zum Rückzug ans Haitscheng zu zivingen. Die Nüssen hatten die Anhöhen halbkreisartig stark befestigt und hatten mehr als 30 000 Mann an Ort nnd Stelle. Ucbcr Knrokis Operationen wird gemeldet: Tokio, 10. Juki. Gciicral Kuroki meldet: Am 6. Juli vertrieb unsre Abteiluilg 300 Mann russischer Kavallerie aus Hsiciitschaug, 30 Meilen nordöstlich von Samialschi, und besetzte den Platz; wir hatten keine Verluste. Am 5. Juli schlugen wir 1300 Mann feind- lichcr Reiterei von Chichinsky-Regiinent zurück, die nördlich von Fciischuiling zum Angriff gegen nns erschienen; unsre Verluste hierbei iverden ans vier Tote und drei Verwundete geschätzt. Petersburg, 11. Juli. Ter Vertreter der„BirsHewija 23 j e d o in o st i" meldet ans Taschitschiao vom 0. Juli: Die Llrmee des Generals Kuroki hat sich offenbar ans der Linie Fönghwang- tschöng— Siijaii konzentriert. Die Hauptmacht steht in Sujan. Die Armee des Generals Oku nimmt eine Stellniig ei», die sich vom Meere in der Nähe von Ssenjutschen bis Sujan hinzieht, der Kern der Armee steht gegenüber Kaiping bei der Hügelkette von Sungtschang. Auf diese Weise haben die Hauptslrcitlräfte der Japaner eine lange Linie besetzt, die vom Meer bis Sujan reicht und sind bereit sich auf irgend einem Punkte zu vereinigen, um einen entscheidenden Schlag zu thun. Senintschen ist für die Japaner von groster Bedeutung wegen der Versorgung der Armee mit Lebensmitteln. In der Helenabai wurden kürzlich 150 Boote gesehe», die offenbar Getreide für die japanische Armee führten. Die Japaner marschieren ohne Artillerie, was beweist, dast der Transport der Geschütze über die Berge mit Schwierigkeiten verbunden ist. Ein entscheidender Schlag dürfe daher in allernächster Zeit noch nicht zu erwarten sein. Die japanischen Streitkräfte ans der Linie Sujan�Kaiping werden auf 80 bis 100 Bataillone geschätzt. Kämpfe um Port Arthur. Tschif», 10. Juli.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) AuS Port Slrthur hier eingetroffene chinesische Dschunkensührer berichten, dast am 5. d. M. die Leichen von über 800 Russen, worunter sich diejenige-" von zwei hohen russischen Offizieren befanden, von Chinesen nach Port Arthur gebracht wurden, nnd dast ein Teil der japanischen Truppen bis in eine Entfernung von sechs Meilen nach Port Arthur nach Eroberung eines zweiten Forts auf der östlichen Seite vorgerückt seien. Ein Teil der Beamten der russisch-chinesischen Bank in Port Arthur ist gestern in Tschif» angekoinmen nnd sagt aus, dast die Verhältnisse in der Stadt unverändert seien. Die ganze letzte Woche wäre sieben Meilen von der Stadt entfernt schwer gekäinpft worden. Die Mannschaft von gestern eingetroffenen Dschunken berichtet, sie hätte gestern morgen Gefchützfeuer in der Höhe von Port Arthur gehört. Tokio, 10. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Freitag- nacht näherte sich bei stürmischem Wetter eine Torpedobootöflottille von dem Geschwader des Admirals Togo Port Arthur; ein Boot griff den Kreuzer„Askold" an; das Ergebnis de« Kampfes ist noch unbekannt. Ans japanischer Seite wurden zwei Unteroffiziere getötet und mehrere Offiziere schwer verwundet. Partei- I�acbrickten. Einen neuen Organisationsvorschlag macht die Breslauer„Volkswacht". Sie schlägt vor: Zllle politischen socialdemokratischen Vereine Deutschlands schliesten sich am 1. Januar 1906 zu einem Centralverbandc der socialdemokratischen Partei zusammen. Jedes Mitglied zahlt pro Monat 10 Pf. an die Kasse des Hanptvorstandcs.„, Für die einzelnen Landesteile werden auf Vorschlag des Parteivorstandes durch Beschlutz des Parteitages besoldete Bezirks- leiter angestellt, deren 2!ufgabe die Agitation in dem ihnen unter- stellten Landesteil, die Hcranziehung der Genossen und die Unter- stützung der Organisation ist. Die Vertretung auf den Parteitagen richtet sich nach der Zahl der organisierten Genossen. In der Begründung dieses Vorschlages heistt es unter anderm: Heute gicbt es au vielen Orte» kein andres Kennzeichen der Zugehörigkeit zu unsrer Partei, als das einfache an keine Be- dingniigen geknüpfte Selbstbekenntnis; in Zukunft soll auf jedem Bau, in jeder Werkstatt der Gleichgesinnte seine Zugehörigkeit mit dem allerseits bekannten Mitgliedsbuch answeiseii, loie es heute durch das Verbandsbuch der Maurer. Metallarbeiter usw. geschieht. Wir haben mit einem Schlage eine genaue Uebcrsicht über die Zahl der wirklichen Socialdemokraten und ihre politische Arbeit an den einzelnen Orten. Ueber den Zeitpunkt der Einführung mutz natür- lich nach eingehender Beratung Beschlutz gefastt werden, obiges Datum ist rein willkürlich gewählt, es lästt sich vielleicht ein längerer Zeitraum festsetzen, innerhalb dessen die Vereine ihren Anschlust zu vollziehen haben.... Die straffe Ccntralikatlon ermöglicht aber auch erst die Durch- führung unsrer zweiten Forderung, nämlich die Beitragspflicht fedej einzelnen deutschen Soeialdemolraten. Diese Beitragspflicht ist nötig— wie wir in früheren Slrtikcln nachgewiesen haben— um die Parteikasse dauernd in die Lage zu versetzen, ihren bisherigen Verpflichtungen nachzukommen, darüber hinaus aber, um sie zur Drirchführung der im dritten Absatz aufgestellten Forderung zu be- fähigen. Ein Monatsbeitrag von 10 Pf. für die Centrale ist gewist nicht zu hoch, wir klammern uns aber auch nicht an diese Ziffer, auch hier haben die Erfahrungen vieler mehr Gewicht als die von einzelnen. Nehmen wir aber 10 Pf. einmal als Norm an, dann Ivürden die politisch Organisierten Deutschlands der Hauptkasse schon im ersten Jahre 200 000 bis 240 000 M. zuführen, das sind 60 000 bis 100 000 M. Einnahme mehr als die Hauptkasse bisher von freiwilligen Spenden erhielt. Dabei sind die opferwilligen Berliner und Hamburger Genossen, die bisher zwei Drittel der Bei- träge aufbrachten, auch nur mit ihrem Zehnpfennig angerechnet, be- halten sie ihre alte Opferfreudigkeit bei, dann kann der Partcivorstand mit weiteren 50 000 bis 60 000 M. rechnen.... Zur Forderung besoldeter Zlgitatoren heistt es unter anderm: .... Diese Forderung ist nicht zum wenigsten darin begründet, dast uns die Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung, die Ver- sicherungsgesctzgebung und Arbeiterschutz-Gesetze immer mehr Kräfte entziehen. Die politische Bewegung wird heute oft genug schon hintenan gesetzt. Manchmal dachten wir einen neuen fleistigen Arbeiter für politische Propaganda gefunden zu haben, wenn eine Gewerkschaft einen Genossen durch Anstellung unabhängig machte. Das Gegenteil trat ein, die Beteiligung der Betreffenden am politi- schen Leben war geringer als vor der Anstellung und manchen Ge- iverkschaftssekrctär sehen wir ein halbes oder gar ein ganzes Jahr nicht im Socialdemokratischen Verein. Wenn uns so die Gewerk- schaftsbewegung nach und nach die besten Männer ivegholt, wird es für die politische Partei die höchste Zeit, zu lernen und sich einen Teil der Kräfte zu sichern. Deshalb unsre Forderung: Anstellung besoldeter Parteisekretäre l_ Eine Wahlkrciskonferenz für den Wahlkreis Efchwege-Witzen- Hnnsen-Schinalkaldeii stellte als Reichstagskandidaten für den Kreis den Genossen Fritz Eckhard t-Salznngen auf.— Dem bisherigen Kandidaten, Genosse W. Hugo, konnte die Kandidatur nicht weiter übertragen werde», weil er daS Ilngkück hatte, seine Frau und ein Kind im Kraiikenhause zu haben; ein Unglück, daS nach unsrer famosen Ncrwaltiiugspraxis den Betroffenen obendrein noch bürgerlich rechtlos macht. polizeiliches,©mebtUebes uf». — Genosse Richard Nitsch, der verantwortliche Redakteur der Magdeburger„Bolksstimmc", hatte sich am Sonnabend wegen Be- leidigiing der anhaltischen Bergbehörde zu verantworten. Auf dem Schachte III der herzoglich anhaltischen Salzwerksdirektion bei Leopoldshall ereignete sich in der Nacht zum 6. März d. I. durch Niederstürzen einei� Salzbank ein Unglücksfall, durch den drei Bergleute getötet wurden. Im Anschlust daran liest die „Volksstimme" vom 9. März unter der Spitzmarke„Stastfurt, 7: März 1904, Zum Unglücksfall auf dem anhaltischen Salz- bergivcrk", eine Mitteilung erscheinen, in welcher der Unfall wesent- lich als eine Folge der'Anordnung von Beamten hingestellt wurde. Ihnen wurde darin der Vorwurf gemacht, daß sie die Zlrbeiter zwängen, auf Kosten ihrer Sicherheit mit un- verhaltnismähig gefährlicher Schnelligkeit und in die Gesundheit schädigenden langen Schichten zu arbeiten, nnd zwar würde deshalb so forciert in Schacht III gearbeitet, weil derselbe jedenfalls über kurz oder lang ersaufen müsse und noch möglichst viel herausgeholt werden solle, ehe die 51atastrophe eintrete. Die Arbeiterschaft sei der Meinung, Schacht III müsse einmal ein Massengrab werden.— Der Berginspcktor Middeldorf gab zu. daß damals intensiver im Schacht III gearbeitet sei als früher. Dies sei aber lediglich aus wirtschaftlichen Gründen geschehen. Ersparnisrücksichten hätten es erfordert, daß nur im Schacht III gearbeiten werde. Keinesfalls aber sei die Furcht, Schacht III könne ersaufen, der Grund des erhöhten Betriebes gewesen. Es sei wahr, daß Leute zuweilen cineinhalbe Schicht gemacht, also 12 Stunden hintereinander gearbeitet bättcu. Wenn aber 16 Stunden in einem Zuge gearbeitet, also zwei Schichten gemacht seien, wäre dies auf Wunsch der Leute geschehen. Er— Middeldorf— hätte das nie angeordnet, es nicht einmal gern gesehen.— Der Staatsanwalt beantragte sechs Wochen Gefängnis. Der Gerichtshof nahm an, dast der Artikclschreibcr nicht aus dem Gefühl des Mitleids heraus, sondern gehandelt habe, um Mist- stimmung gegen die Vcrivalhing des Bergwerks zu erregen, der Lln- oeklagte habe daher den Artikel genauer prüfen müssen, ehe er den- selben aufnahm. Der Vorwurf, die Beamten hätten aus Gier nach schnödem Mammon den Tod dreier Bergleute verschuldet, sei ein derart schwerer, daß Gefängnisstrafe am Platze sei. Das Urteil lautete mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des An- geklagten ans 1 Monat Gefängnis und Publikationsbefugnis ini„Anhaltischen Staatsanzciger",„Stastfurter Anzeiger" und der „Volksstimme"._ Soziales» Eine scharfe Predigt. Vor einer Gewerkschaft in einer Stadt in Illinois, Verein. Staaten, hielt ein Pastor,„Reverend" H. M. Brooks, kürzlich eine Rede, die großes Aufsehen erregte. Er hielt der„guten Gesellschaft" einen Sviegel vor, und dieselbe wurde unangenehm berührt, als sie ihr häßliches Bild erblickte. „Die Wahrheit über unsre Zustände," so rief er,„sollte jemand sagen, die Wahrheit, die ganze Wahrheit I" Er machte den Geistliche» den Vorwurf groster Feigheit und erklärte, sie seien Sklaven, sich krümmende, demütige, schmeichelnde Sklaven der Neichen. „Bezahlt werden wir nicht dafür, die Wahrheit zu verkünden, sondern im Gegenteil, sie zu verbergen, zu umkleiden, und nur daL zu erzählen, was die Leute zu hören lieben....." „Vor kurzem las ich von einem Pastor in New Dork, der über Besitztümer im Werte von 25 Millionen Dollar verfügt, und der Man» nennt sich einen Nachfolger des Herrn, der nicht wußte, wo er fein Haupt hinlegen sollte! Wir wissen alle, daß kein Mensch eine Million Dollar auf wirk- lich ehrliche Weise erwerben kann. Angenommen, Adam hätte bis heute für jeden Arbeitstag zwei Dollar erhalten, dabei Kost und Wohnung frei, so könnte er noch keine sechs Millionen erspart haben; mit andern Worten, er hätte nicht genug, um zu den Kreisen der ausgewählten Millionäre von New Uorl zu gehören....." „Da baute ein Eisenbahnkönig eine Universität in Kalifornien und gab zwanzig Millionen zu diesem Zwecke heraus; dann setzte er die Frachtraten so viel höher an, daß bald die ganze Ausgabe gedeckt war. Der Beherrscher des Oelmarktes baut der Kirche ein Seminar in Chicago, dann erhöht er den Preis für Petroleum, und die Kirche hat kein Wort des Tadels für solche Christen....." „Die Verbrechen nehmen immer mehr zu, das ist kein Wunder, aber es giebt neben den ungesetzlichen Verbrechern die gesetzlichen und das sind die schlimmsten...." Demgegenüber schilderte der Redner die Leiden der Armen und die Geduld der arbeitenden Klasse und erklärte, dast er auf die letztere seine Hoffnung setze für eine bessere Zukunft. „Der gemeine Mann hat viel leiden und dulden müssen Jahr- tausende hindurch, und es ist an der Zeit, dast er endlich einmal für sich selbst eintritt....." „Männer der Arbeit, laßt mich eins vor allen Dingen Euch ans Herz legen: Wenn Ihr Erlösung wünscht, müßt Ihr durch Eure eigne Anstrengung dazu kommen I"— Im amerikanischen Schulwesen hat man seit einiger Zeit eine interessante Neueniiig eingeführt, die Nachahmung verdient. Die Stadtgemeinden stellen den Schulen große Flächen Landes zur Ver- fügniig, wo die Kinder in direkter Verbindung mit der Natur über Naturwissenschaftliches unterrichtet werden. Es ist für die Kinder trocken und langweilig, ans Büchern, Herbarien und andern Sammlungen zu lerneii, während sie leicht und mit Lust und Liebe fassen, was in ivechselnder Lebendigkeit sie umgiebt.— Städte in Illinois und Muiiiesota sind mit gutem Beispiel voran gegangen. Eine Schule hat 80 aexea(Morgen) Landes unter Kultur Von Kindern. So OOO Bäumchen der verschiedensten Arten sind gepflanzt worden. Jedes Kind hat ein Blumenbeet, und für die schönsten Beete werden Preise verteilt. Eine andre Schule hat 20 Acres mit einem kleinen Park und einem Flüßchen. Für die großen Städte hat die Neuerung ihre Schwierigkeiten, weil der Boden zu teuer ist. Da hilft man sich manchmal mit großen Baustellen, die für solche Schulzwecke gemietet werden. Dieser öffentlichen Fürsorge für die Erziehung der Kinder steht leider ein mächtiger, zerstörender Faktor gegenüber, und das ist die kapitalistische Ausbeutung der Kinderarbeit, die in Amerika ebenso schoimngslos betrieben wird wie anderswo. Industrie und Handel. Der Weinbau und Wein Handel im Bezirk Trier, der die Wein' gegenden der Mosel, Saar und Ruwer unifaßt, war nach dem Jahresbericht der Handelskammer zu Trier für 1903 im der- flossenen Jahre für den Winzer abwechselnd mit großen Hoffiilingen und bitteren Enttäuschungen verknüpt. Der Ernteertrag schwankte an der Mosel, Saar und Ruwer zwischen ein Drittel und einer vollen Ernte, so daß im allgemeinen eine Zweidrittel-Ernte an- genommen werden könne. Gehöre der 1S03er Wein auch nicht zu den guten Jahrgängen, so sei seine Beschaffenheit doch etwas besser als diejenige der beiden vorhergehenden Jahrs. Die Preise der Weine waren nicht hoch, mit Rücksicht auf ihre Güte aber inimerhin be- friedigend. Bessere Sachen wurden verhältnismäßig teuer bezahlt. Im allgemeinen stellten sich die Preise in den Weinbangegenden der Mosel. Saar und Ruwer aber immer noch höher als in andern Weinbau- bezirken. Einen nennenswerten Aufschwung habe der Weinhandel im Berichtsjahre nicht genomnien; der Geschäftsgang war im Gegenteil recht schleppend. Die wenig günstige allgemeine Wirtschaftslage wird als Hauptgrund dafür angeführt. Die 1901er Weine haben sich zum großen Teil schlecht entwickelt und dürften manchem Händler nicht unbedeutende Verluste verursacht haben. Die im Frühjahr 1904 zur Versteigerung gebrachten 1902er Weine erzielten im Verhältnis zu ihrer Güte hohe Preise. Am Schluß klagt der Bericht wieder über die„Verdächtigungen", an denen es auch lm verflossenen Jahre nicht gefehlt habe. Rückgang der deutschen Bierproduktion. Der Bericht über die wirtschaftliche Lage der deutschen Brau-Jndustrie, der auf dem in Frankfurt abgehaltenen Zehnten Deutschen Brauertag erstattet wurde, stellte fest, daß zum erstenmal ein Fallen der deutschen Bierproduktion zu verzeichnen sei. welche im Jahre 1903 67 669 000 Hektoliter be- trug. Deutschland stehe nun nicht mehr an der Spitze der Bier- Produktion, sondern die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihm mit einer um einer halben Million Hektoliter höheren Produktion den Rang abgelaufen. Die Ursache dieses Rückganges sei in der noch immer vorhandenen wirtschaftlichen DepreNon, im Wachsen der Anti-Alkoholbewegung und in der ungünstigen Witterung der letzten Jahre zu suchen. Fusion in der Margarinefabrikation. Ans Hamburg wird der „Franks. Ztg." mitgeteilt, daß ein großer Teil der Aktien der Aktien- gesellschaft Ä. L. M o h r in Altona in holländische Hände über- gegangen sei; die Margarinefirma Jürgens in Osch habe sie von der Hamburger Vereinsbank erworben, ein Vertreter dieser Fabrik werde Mitglied des Aufsichtsrats von A. L. Mohr werden. Deutsche Ausfuhr nach den Bereinigten Staaten. Der G e- samtwert der Ausfuhr von Deutschland nach den Vereinigten Staaten, laut Deklaration der Exporteure bei den verschiedenen amerikanischen Konsulaten, während des mit dem 30. Juni 1904 beendeten Fiskaljahres beträgt 446 135 628 M. gegen 507 333 676 M. im Vorjahre und 427 19g 070 M. im Fiskaljahre 1902. GexverKIcKaMicKes. Eine Episode aus dem Klassenkampfe. In Marienburg befindet sich die ganze Streikleitung in Unter- suchungshast. Seit einigen Togen verbreiteten die bürgerlichen Blätter über Marienburg die tollsten Dinge, so daß man annehmen mußte, es herrsche dort der reine Krieg zwischen Streikenden und Arbeitswilligen. Bekanntlich streiken dort die Maurer, und der Streik wäre längst beendet, wenn nicht einige Scharfmacher auf ihren Herrenstandpunkt pochen würden. Die Polizei arbeitet ngch bekanntem Muster. Das Streikpostenstehen ist verboten. Ein Arbeiter, der Streikposten stand, wurde nicht nur vom Trottoir, sondern auch vom Fahrdamin fortgetviesen. Als er nicht ging, wurde er verhaftet. Im Gefühle seines Rechtes widersetzte er sich der Verhaftung und wurde nun zwangsweise fortgebracht. Zweifellos wird man den Aermsten nun obendrein wegen Widerstandes gegen die Staats- gewalt verurteilen. Aber es kommt noch viel besser. An einem Bau standen drei Maurer. Ein 70 Jahre alter Maurer, der von oer Streikleitung aus taktischen Gründen die Erlaubnis zum Arbeiten erhalten hatte, kam vorbei und wurde von einem der Maurer in gutmütigem Tone gehänselt. Sofort sprang ein Zimmer- polier hinzu und mischte sich in die Angelegenheit hinein. Der Maurer sagte, er möge sie in Ruhe lassen? da zog der Polier einen Revolver hervor und gab einen Schreckschuß ab. Der Maurer fragte den Polier nun, wie er dazu komme, zu schießen, und ob er einen Schein habe. Der Polier drohte darauf, den Maurer zu erschießen. Nun ging dieser auf ihn zu und suchte ihm den Revolver abzunehmen; es kam zwischen beiden zu einem Handgeinenge und als der Maurer nach unten zu liegen kam, schoß der Zimmerpolier dem Maurer durch den Oberschenkel. Den an- geschossenen Maurer brachte man nach dem Kranken- hause und von hier a»S wollte man ihn verhaften. Das ließ jedoch der Arzt nicht zu. Die beiden andern Maurer, die da gestanden und rein nichts gemacht hatten, wurden jedoch v e r- haftet und sind heute noch in, Untersuchungsgefängnis. Der Revolverheld aber befindet sich auf freiem Fuße l Die Hetzpresse schreibt, daß er sich in der Notwehr befunden habe; dagegen faselt sie davon, daß gegen die Maurer ein Verfahren wegen Land- friedensbruchs eingeleitet werden soll. Aber nun weiter I Ein Maurer und ein Arbeiter schlugen sich; einige andre Maurer sahen zu. und als die Polizei kam, verhaftete diese auch die Maurer, die zu- gesehen hatten. Auch diese befinden sich heute noch im Untersuchungs- gefängnis; auch gegen sie soll ein-, Verfahren wegen Land- friedensbruchs eingeleitet werden. Unter den letzteren Maurern befinden sich die Streikleiter. Die Hetzpresse behauptet, daß sie revolutionäre Schriften bei sich trugen. Man schaudere— „revolutionäre" Schriften! Die bestanden aus VervnndSzeitungen und einigen Flugblättern über den Streik. Jetzt ist Ruhe, schreibt die Hetzpresse weiter, nachdem die Urheber der Streik- beweg ung beseitigt sind.— Hier enthüllt sie den sehnsüchtigen Wunsch aller Scharfmocherseelen. Es sind Schritte gethan worden, um die Freilassung der Ver- hafteten zu erwirken. Zu beachten ist, daß den Streikenden kein Brrsammlungslokal zur Verfügung steht und daß sie in den vielen Wochen niemals zusammenkommen konnten, um über ihre Lage zu beraten. Dem Wirt deS Lokals, wo das Streikkomitee zusammenkam, wurde schon vor einiger Zeit die Polizeistunde auf 7 Uhr abends herabgesetzt._ Berlin und tlmgegeneu Vom Streik der Rammer und Steinsetzer. Die JnnungSherren treten immer mehr in die Fußstapfen der Kühnemänner. Neulich waren die von Berlin, Steglitz, Potsdam und EberSwalde im Spatenbräu beisammen. Es beliebte ihnen nicht, mit den er- schiencnen Kommissionen der Streikenden zu verhandeln. Man Eercmtw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Inseratenteil verantw. schickte sie weg. Hohnboll wurde ihnen angekündigt, sie würden schon erfahren, unter welchen Bedingungen wieder gearbeitet werden dürfe. Gestern sMontag) wurde ihnen mitgeteilt: Die kombinierte Versammlung derSteinsetzer-Jnnungen von Berlin, Steglitz, Potsdam und Eberswalde, die von 65 Meistern besucht war, hat beschlossen, Steinsetzergesellen unter folgenden Be- dingungen einzustellen: 1. Die Gesellen verpflichten sich, bei jedem vom Steinsetzmeister bestimmten Polier oder Arbeilsführer zu arbeiten. 2. Der Steinsetzer- geselle bekommt bei neunstündiger Arbeitszeit mit den üblichen Pausen einen Stundenlohn nach Leistung bis zu 7 5 Pf.; das besagt, daß jeder Steinsetzer zu leisten hat, was in seinen Kräften steht. Die üblichen Pansen bei Damm- Pflasterungen sollen bestehen bleiben; bei Mosaik und Klein- Pflasterungen vormittags von 9 bis 12 und nachmittags von 1 bis 4 Uhr je eine Viertelstunde Pause. Andre Pausen fallen weg. Das Fahrgeld innerhalb Berlins wird nicht gezahlt, jedoch nach außerhalb das volle Fahrgeld ent- schädigt.— Ehe diese Bedingungen seitens der Steinsetzergesellenschaft nicht anerkannt werden, gilt der Streik nicht als ausgehoben.— Die Steinsetzmcister verpflichten sich, die Rammer nach Bedarf zu den alten Bedingungen wieder anzustellen.— Arbeitswillige können nach diesen Bedingungen eingestellt werden." In derselben Versammlung der genannten Innungen wurde seitens ihrer Mitglieder ferner bestimmt:„Um den Arbeitsnachweis in den Händen der Innungen zu erhalten, soll jeder Steiusetzmeister, welcher Gesellen einstellt, den Arbeitnehmer mit einem Zettel, auf welchem der Name und die Wohnung des Gesellen, der Tag der Einstellung sowie die Unterschrift des Meisters enthalten ist. nach dem Jnnungs- bureau schicken. Hier wird der Arbeitnehmer in eine Liste eingetragen und ihm gesagt, den von der Innung gestempelten Zettel seinem Meister abzugeben. 2. Innerhalb acht Tagen vom Dienstag, den 12. Juli, an gerechnet, wird eine von den Innungen bestimmte Kommission, bestehend aus 12 Mitgliedern, eine Arbeitsordnung aus- arbeiten, auf deren Basis gearbeitet werden soll." Diese Beschlüsse der Innungen wurden gestern nachmittag einer stark besuchten Versammlung der Streikenden unterbreitet, die im großen Saal des Gewerkschaftshauses tagte. Schenke referierte. Die Beschlüsse der Innungen bedeuten eine wesentliche Ver- schlechterung der bisherigen Arbeitsbedingungen der Steinsetzer, während den Rammern ihre Forderungen schlank ab- gelehnt werde». Den Steinsetzern soll der bisherige Minimallohn von 75 Pfennigen umgewandelt werden in eine» Maximal- lohn� mit Wiedereinführung der Klassenlöhne. Von den sechs Pausen bei Mosaik- und Kleinarbeit von je fünfzehn Minuten werden vier aberkannt, was in den betreffenden Fällen eine Verlängerung der Arbeitszeit von einer Stunde bedeutet. Auch die Abschaffung der Fahrgeldvergütung innerhalb der Stadt wird von den Innungen diktiert. Weiter bedeutet der Beschluß eine H e r a u f s e tz u n g der Anforderungen an die Arbeitsleistung.— Nach einer Pause von»/«Stunden, wo die Kommissionen zu der Kundgebung der Innungen Stellungnahmen, schlug deren Mehrheit seine Einigung wurde nicht erzielt) folgende Resolution vor:„Die Gesellenausschüsse beider Innungen sStegliy und Berlin) werden beauftragt, den Innungen folgenden Antrag zu unterbreiten: Für den Fall, daß bis Donnerstag, den 14. Juli, die Arbeit wieder aufgenommen wird— von den Steinsetzern unter den bisherigen Bedingungen ziehen die R a m m e r ihre Forderungen zurück. Sollte dieser Antrag von den Innungen bis zur angegebenen Zeit nicht angenommen sein, dann gilt der Antrag als zurückgezogen und der Kampf nimmt seinen Fortgang bis zur endgültigen Enischeidung." Schenke und Knoll u. a. empfahlen diese Resolution. Angesichts der wesentlich verschärften Situation ersuchten sie die Rammer, nur das Gemeinsamkeitsgefühl sprechen zu lassen und von ihrem eigenen Interesse bei der Entscheidung abzusehen. Das gemeinsame Interesse an der Organisation erfordere den vorgeschlagenen Schritt. Es wäre doch auch nicht so schwer, zu Gunsten derer, denen etwas genommen werden solle, zu verzichten auf daS, was man noch nicht habe. Der Vorschlag solle ja auch bloß für drei Tage, gelten. Zeige man den kommunalen Behörden, daß man entgegenzukommen bereit sei. Es handele sich darum, die Behörden aus ihrer sogenannten Neutralität, die faktisch keine sei, herauszutreiben; dieser„Neutralität", die nur bestehe in einem Warten auf die ausbedungcnen Leistungen. Wenn die Behörden dabei blieben, dann dauere der Streik noch vier bis sechs Wochen. Bei weiteren sechs Wochen müsse die Organisation an 120 000 M. aufbringen, und selbst wenn die Arbeiterschaft allgemein sich beteilige, würde die Organisation mindestens auf zehn Jahre hinaus belastet. Was das bedeute, könne sich jeder sagen.— Es folgte eine heftige Debatte, die zeitweilig zu stürmischen Sccnen führte. Der Gegensatz zwischen Ramniern und Steinsetzern, der schon in der gemeinsamen Sitzung der Kommission die Einigung über den der Versammlung zu unterbreitenden Antrag unmöglich gemacht hatte, verschaffte sich auch hier Ausdruck. Von verschiedenen Vertretern der Rammer werden eine Reihe Bedenken erhoben. Man glaubte nicht, daß durch einen Forderungsverzicht der Rammer viel geändert würde zu Gunsten der Steinsetzer, da den Meistern der bisherige Steinsetzertarif sowieso ein Dorn im Auge wäre. Auch wurde verlangt, daß die Rammer allein entscheiden darüber, was sie thun wollten. Eine Abstimmung in dieser gemeinsamen großen Versammlung, wo die Steinsetzer die Mehrheit hätten, wäre eine Ver- gewaltigung der Rammer, deren Folgen nicht ausbleiben würden. Es wurde Vertagung der Verhandlungen verlangt.— Dem wurde von den Rednern, die für den obigen Antrag sprachen, entgegengehalten, daß jetzt beim Generalstreik von Rammern und Steinsetzern nur gemein- same Beschlüsse zulässig seien.— Weil um ll{l Uhr der Saal ge- räumt werden soll, drängt das Bureau auf Entscheidung. Es entstebt großer Lärm und nur durch eine Vertagung von 10 Minuten entgeht die Versammlung der Auflösung. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird dann jedoch mit übergroßer Majorität angenommen unter heftigen Protestrufen, namentlich aus den Kreisen der Rammer. Es wird das Wort vielfach zur Geschäftsordnung verlangt. Die Rammer bleiben, wie Zwischenrufe ergeben, dabei, daß sie selber entscheiden wollen. Stürmische Erregung greift um sich. Der Vorsitzende dringt nicht durch, der Posizei-Offizier löst die Versammlung auf.— Wie wir hören, wird die Streikkommission ihren An- trag den Innungen jetzt selbständig unterbreiten. Die Listen der Charlottenburger Gewerkschafts- Kommission für die streikenden Steinsetzer und Berufsgenossen Deutschlands sind beim Genossen Paul Schulze, Friedbergstr. 24, Gartenhaus III, sofort in Empfang zu nehmen. Der Ausschuß der Charlottenburger Gewerkschafts» Kommission. Ein rabiater Jnnungsmeister. Vor der fünften Strafkammer deS Landgerichts I als Berufungsinstanz fand gestern eine Ver- Handlung gegen den Holzpantinenmachcrmeister Gustav Görges, Gitschinerstraße 66, wegen thätlicher Beleidigung eines früheren Ge- sellcn V. statt, der den ehrsamen Meister gerade nicht als einen be- sonders empfehlenswerten Arbeitgeber erscheinen ließ. Die Beweis- aufnähme ergab folgenden Sachverhalt: Im letzten Winter hatte der Pantinenmacher B. bei Görges gearbeitet, daselbst aber sein Arbeits- Verhältnis gekündigt. Görges wollte seinen Gesellen nun nicht gehen lassen und behielt ihm widerrechtlich Papiere und Handwerkszeug ein. Aehnlich soll er es schon mehrfach bei andern Gesellen gemacht haben. Der Geselle klagte hierauf beim Gewerbegericht auf Lohn- ausfallentschädigung. Erst beim vierten Termin besann sich Herr Görges darauf, daß er eigentlich Jnnungsmeister sei und die An- gelegenheit infolgedessen nicht vor das Gewerbe-, sondern vor das Jnnungs- Schiedsgericht gehöre. Hier kam es denn auch am 9. Februar d. I. zur Verhandlung, wobei Görges mittelst Ver- säumnisurteil zur Zahlung verurteilt wurde. Kurz nach Fällung deS Spruches erschien indessen GörgeS im Sitzungssaal. Als er vernahm, daß er zahlen solle, wurde er aufgebracht. Mit den Worten:„Lump, verfluchter Schwindler", ging er auf den klägerischen Gesellen B. los und versetzte ihm im öffentlichen Sitzungssaal in Gegenwart des Schiedsgerichts und der Zuhörer einen solchen Stoß vor die Brust, daß der Getroffene an die Wand taumelte. Vom Vorsitzenden deS Jnnungs-Schiedsgerichts erhielt der rabiate Meister eine Rüge. Der Geselle aber verklagte ihn, und am 2. Mai wurde Görges vom Schöffengericht deshalb zu 20 M. Geldstrafe event. vier Tagen Ge- fängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte er nun Berufung ein- gelegt, die er trotz dringender Mahnung des Vorsitzenden nicht zurück- nehmen wollte. Da in der Verhandlung die Anklagepunkte durchaus bestätigt wurden, so erkannte das Gericht aus Verwerfung der Be- rufung, wobei der Vorsitzende bemerkte, daß die schösfengerichtliche Strafe gegen den Angeklagten wirklich milde genug ausgefallen sei. veutkcbes BeicK. Die Düsseldorfer Polizei thut sich in der letzten Zeit in der Bekämpfung der Arbeiterbewegung sehr hervor. Nachdem wir vor einigen Tagen berichten konnten, daß sie das Versammlungsrecht durch Anwendung der Polizeistunde beschränken wollte, ist sie jetzt dabei. daS Recht des Streikpostenstehens aufzuheben. Die organi- sierten Maurer hatten über einen größeren Neubau wegen Lohn- differenzen die Sperre verhängt. Um dieselbe wirksam zu machen, hatte man in der Nähe der gesperrten Arbeitsstelle und auf dem Bahnhofe Streikposten ausgestellt. Sobald die Polizei Kenntnis von dem Aufstellen der Streikposten erhielt, erschien sie in einer Stärke von acht Mann und verlangte die Entfernung der Streikenden. Die Streikposten dursten nur in einer Entfernung von vielleicht 900 Meter von der Baustelle Aufftellung nehmen, der Streikposten auf dem Bahnhofe wurde gleich weggejagt. Streikende, die die Polizeibeamten auf das Ungesetzliche dieses Vorgehens hin- wiesen und sich weigerten, die Straße zu verlassen, wurden verhaftet. Der Vertrauensmann der Maurer Düsseldorfs, von dem Vor- gefallenen in Kenntnis gesetzt, kam zu der Baustelle und stellte die Beamten über ihr Vorgehen zur Rede. Der Erfolg war der, daß er zum Verlassen des„Streikgebietes" aufgefordert und nachher ver- haftet wurde. Selbstverständlich werden sich die Gerichte noch mit der Affaire beschäftigen, doch sind vorläufig die Streikenden durch das ungesetzliche Eingreisen der Polizei in die wlrtschastlichen Kämpfe die Benachteiligten. Bugtand. Ein Bergarbeiter-Streik ist in Boryslaw(Galizien) ausgebrochen. 6000 Arbeiter der Petroleumgruben streiken. Im Jahre 1901 hatten die Arbeiter durch einen Streik einen teilweisen Sieg errungen. Die Unternehmer verpflichteten sich, die Kuappschaftskasse zu regeln, für Wohnungen zu sorgen und zahlreiche vorhandene Mißstände zu be- fettigen. Der Vertrag wurde unterschrieben— und die Kapitalisten brachen ihn in schnöder Weise. Zwei Jahre später wurde die Borhslawer Produltion durch ein Kartell centralisiert. Die Ver- sprechungen, die den Arbeitern gegeben waren, wurden dennoch nicht gehalten. Seitdem gärt es im Revier. In der letzten Zeit fanden loiederholt große Versammlungen statt. Der Streik brach am 8. Juli unerwartet und vorzeitig aus, als ein Beamter einen Arbeiter schlug. Der Streik wurde sofort zum Generalstreik. Alle Gruben stehen still. Am Freitag und Sonnabend fanden Massenversamm- lungen statt. Die Haltung der Streikenden ist eine ruhige. Die Schulen sind geschlossen. Am Morgen des 9. Juli ist schon em Bataillon Infanterie eingezogen. Die Kapitalisten wollen die Arbeiter zu unbedachten Thatcn provozieren. Die Unternehmer wollen alles bewilligen— nur nicht den geforderten Acht- stundentag. Die Unruhen in Brest, von denen der Telegraph bereits berichtet hat. sind hervorgerufen durch sehr strenge Urteile gegen einige Bäckereiarbeiter, welche wegen Streikvergehen angeklagt waren. Der eine wurde zu 3 Monaten, ein zweiler zu 4 und der dritte zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Daraufhin demonstrierten die Bäckereiarbeiter, die streikenden Straßenbahner und andre vor dem Justtzpalast. Auf Anordnung des Präfekten ging die Gendarmerie mit großer Brutalität nicht bloß gegen die Manifestanten, sondern anch gegen völlig Unbeteiligte vor, auf dem Marktplatze sind gegen 200 Schüsse abgegeben worden, unter den Verwundeten befinden sich Frauen und Kinder. In der Nacht zum Sonnabend ist dann zahl- reiches Militär in Brest angelangt. Die Bäckergesellen Roms beschlossen in den Ausstand zu treten. Die Behörden haben die notwendigen Maßregeln getroffen, um die Stadt vor Mangel an Brot zu bewahren. Zu bedauerlichen Konflikten ist es in der in Italien etwa 30 Kilometer von Bologna gelegenen Gemeinde Malalbergo gekommen. Dott hatte sich mit der Zeit eine recht gute Organi- sation der Landarbeiter entwickelt, die aber von den Grundherren niemals anerkannt wurde; diese niachte im Gegenteil fortgesetzt Versuche, dieselbe zu vernichten. Auf dem Besitztum des Grafen Salina war kürzlich ein Streik der Landarbeiter ausgebrochen, und anstatt sich mit der Organisation zu verständigen, stellte der Gras Streikbrecher ein. Die Orgaiüsierten suchten die Streikbrecher in Güte zu überreden, sich ihnen anzuschließen, diese aber machten von den Revolvern Gebrauch, die ihnen der Graf zu ihrer Verteidigung zur Verfügung gestellt hatte. Darauf kam es zu einer blusigen Schlägerei, die Streikbrecher flohen in ein nahegelegenes Arbeiter- Haus und verteidigten sich dort. Die Belagerer zündeten das Stroh- dach des Hauses an, wodurch die Insassen gezivungen waren, das- selbe zu verlassen, und es wäre ihnen jetzt wohl sehr schlecht er- gangen, wenn nicht die Gendarmerie angelangt wäre. Die Folge dieser bedauerlichen Vorfälle ist nun, daß die Regierung große Truppenaufgebote nach dem genannten Orte abgesandt hat. Letzte Nachrichten und Depefchen. Karlsruhe, 11. Juli.(W. T. B.) In der heuttgen Sitzung der Zweiten Kammer erklärte Staatsminister v. Brauer über die Frage der Berfassungsrevision. die Regierung sei mit den letzten Beschlüssen der Verfassungskommission einverstanden. Die Beschlüsse wurden darauf mit 48 gegen 14 Stimmen der Social- demokraten, Demokraten und Freisinnigen angenommen. Die letzte Entscheidung hängt nunmehr von dem Votum der Ersten Kammer ab. Da die vorhandenen Differenzpunkte,>vie Staatsminister von Brauer ausführte, von geringer Bedeutung sind, hofft man auf das Zustandekommen der Verfassungsreform. Wien, 11. Juli.(SB. T. B.) Die„Neue Freie Presse' meldet aus Ristovatz: Der Konventtonalzug Salonichi— Wien erlitt heute bei Amatovo eine zweistündige Fahrtunterbrechung. Die Ursache war die Aufsindung von 15 Kilogramm Dynamit, das auf das Geleise gelegt war. Die Nachtzüge zwischen Uesküb und Salonichi sind von heute ab eingestellt worden. Lemberg, 11. Juli.(W. T. B.) Der Ausstand der Borislawer Petroleumarbeiter nimmt einen ruhigen Verlauf. Die Bemühungen, das aus den Eruptivschächten ausströmende Rohöl in Behälter ab- zuleiten, werden fortgesetzt. Ein Teil der Erdwachsarbeiter hat sich den Ausständischen angeschlossen. Unterhandlungen zum Zwecke eines Ausgleichs sind eingeleitet Ivorden. Rem, 11. Juli.(W. T. B.) Auf gerichtliche Anordnung ist heute der ftühcre Bersaglieri-Hauptmann Mancinelli unter dem Verdachte. ein Mitschuldiger des wegen Spionage verhafteten Kapitäns Errolessi zu sein, festgenommen worden._ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Soeul, 11. Juli.(Meldung des„Reuterichen Bureaus'.) Die Kriegskorrespondenten und die fremden Militärattachös haben jetzt zum erstenmal seit Ausbruch des Krieges die Erlaubnis erhalten. an dem Vormarsch der japanischen Truppen teilzunehmen, während sie bisher beim Hauptquartier des Generals Kuroki zurückbleiben mußten. Tokio, 11. Juli.(W. T. B.) Am Sonnabend find die russischen Kreuzer„Bejan",.Diana', Pallada" und„Nowik" mit zwei Kanonen- booten und sieben Torpedoboots- Zerstörern aus dem Hafen von Port Arthur herausgefahren. Das Geschwader, dem eine größere Anzahl Dampfer zur Minenbeseitigung vorauffuhren, wurde von der japanischen Torpedoflottille angegriffen und zog sich nach- mittags in den Hafen zurück. Admiral Togo berichtet, daß die japanische Flotttille keine Beschädigungen erlitten hat. : Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdc.u.VerlagsanstaltPaul Singer L-Co., Verlin 2VV. Hierzu 2 Beilage» u.Unter�altungsblatt Nr. M. 21. 1. ßriliijt des.Fmiills" Krlim MM Dienstag) 12. Juli 1904. Der neunte Duchbinder-Derbandstag. Dresden, den 8. Juli. Nachmittags- Sitzung. In der Beratung der Anträge wird fortgefahren. Die Anträge auf Herausgabe eines„Buchbinderkalenders" werden dem Vorstande zur Erwägung überwiesen. Der Antrag Magdeburg, für Bildungszwecke niehr als bisher Mittel zur Verfügung zu stellen, systematisch Vorträge bildenden und erzieherischen Inhalts abhalten zu lassen, wird angenommen. Ein Antrag Hamburg, daß bei Abwehrstreiks, Maßregelungen, Tarif durchbrechungen sc. die Ortsverwaltung berechtigt sei. selbständig eine Arbeitsniederlegung anzuordnen, wird abgelehnt Ebenso der, wonach Mitglieder, die sich den Anordnungen einer Streikleitung widersetzen, aus der Z a h l st e l l e ausgeschlossen werden sollen. Betreffs der U n t e r st ü tz u n g b e i S t r e i k s werden folgende Unterstützungssätze festgesetzt: Für weibliche Streikende 7 M.. solche, welche einem eignen Hausstand vorstehen, 9 M.. ledige männliche 12 M.. verheiratete 15 M., für jedes Kind unter 14 Jahren 1 M. pro Woche. Den Bericht über die Unter st ützungs- sNeuner-j K o m Mission giebt I o st- Berlin. Die Kommission empfiehlt folgendes Der Beitrag für männliche Mitglieder wird von 36 Pf. auf 4-, Pf., für weibliche von 15 Pf. auf 20 Pf. erhöht. Zur Bestreitung örtlicher Ausgaben verbleibt den Zahlstellen ein Betrag von 15 P r o z.(bisher 20 Proz.j der Beiträge. Arbeits losen- Unterstützung soll gezahlt werden(anstatt vier sind sechs Klassen eingeführt) für männliche Mtglieder: 1. Nach 2Swöch. Mitglsch. u. Beitrags!, pr. Tag 0.50M. bis 15 M.— 30 Tage 2-- 62„„„.,.. 0,75„„ 45.=60. 2-. 104„„„„_„$0.--M„ „ 156....„„ 1,25„„ 75„=60„ 5.* 208„„„.. 1,50„„ 90.=60„ S.„ 260...... 1,75„„ 105„=60„ Die Unterstützung der I. Klasse wird nur den auf der Reise be findlichen Mitgliedern gewährt. Für weibliche Mtglieder: I. Nach 52 wöchentlicher Mitgliedschaft und Beitragsleistung pro Tag 76 Pf. bis 22,60 M.— 30 Tage. n. Nach 156 wöchentlicher Mitgliedschaft und Beitragslcistung pro Tag 1 M. bis 35 M. 35 Tage. HL Nach 260wöchentlicher Mitgliedschaft und Beitragsleistung pro Tag 1,25 M. bis 50 M.= 40 Tage. Ferner eine Krankenunterstützung für weibliche Mitglieder und zwar: Nach 52 wöchentlicher Mitgliedschaft und Beitragsleistimg pro Tag 40 Pf. auf die Dauer von 40 Tagen in Summa 16 M. Die Unterstützung beginnt mit dem 8. Tage. Ausgesteuerte Mtglieder können erst nach weiterer 52 wöchentlicher Mitgliedschaft und Beitrags- Leistung aufs neue Krankenunterstützung bezichen. Schließlich eine Hinterbliebenen- Unter stutzung für männliche Mitglieder resp. deren Eheftauen und Kinder im Falle des Ablebens eines Mitgliedes. Auch Hinterbliebene lediger niänu- 'licher Mitglieder werden unterstützt. Bedingung ist, daß das Mitglied drei Jahre dem Verbände angehört. Die Unterstützungssätze schwanken zwischen 8 M. wöchentlich(vier Wochen lang) und 15 M.(dreizehn Wochen lang). Ferner schlägt die Kommission betr. der I n v a l i d c n- Versicherung eine Resolution vor, worin der Verbandsvorstand aufgefordert wird, zunächst erst das statistische Material als Unter läge dazu bis zum nächsten Verbandstage(in drei Jahren) zu sammeln und eventuell auf Gnmd desselben eine entsprechende Vor läge vorzulegen. Kohl- Dresden stellt und begründet einen Antrag, wonach Hilfsarbeiter der Klaffe der weiblichen Mtglieder beitreten können. Es liege ihm daran, den schlechtentlohnten Arbeitern die Möglichkeit zu geben, der Organisation auch bei hohen Beiträgen treu zu bleiben. Es sei ihnen ja nicht verwehrt, da, wo sie es konnten, in der höheren Klasse zu steuern. Luft- Berlin stimmt dem zu und beantragt ein Amendement, wonach sämtliche Kollegen, die unter 15 M. pro Woche verdienen, ebenfalls in der Klasse der weiblichen steuern dürfen. Bergmann- Berlin beantragt Uebcrgang zur Tagesordnung. Der Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit 41 gegen 22 Stimmen angenommen. H a m m l e r- Heilbron» ist mit der Erhöhung der Beiträge nicht einverstanden. Bei der Abstimnmng. die eine namentliche ist, wird die Er höhung der Beiträge mit 48 gegen 12 Stimmen beschlossen. Die beiden Schriftführer Kempke und Friederci fehlen, Iveil sie das Protokoll machten. Wilhelm- Altona enthielt sieh der Stimme, worauf folgendes Resultat zu verzeichnen ist: Mit Nein stimmten: Lust, Seiler, Schlegel, Küster, Albert, Hesche, Kohl, Jennrich, Klinke, Engelmann, Hammler und Böhler. Alle übrigen mit Ja. Der Antrag der Kommission, daß nur 15 Prozent der Beiträge anstatt 20 am Orte verbleiben sollen, wird gegen 12 Stinnnen an- genommen. Der Antrag der Kommission betreffend die Arbeitslosen- Unterstützung wird gegen die Stimme des Delegierten Drautz- Berlin an- genommen. Beschlossen wird ferner, daß Mitglieder, die den Höch st betrag der Unterstützung bezogen, nach 26 Wochen weiterer Beitragsleistung_ wieder aufs neue Unterstützung von vorn an in derselben Klasse beziehen können, in welcher sie vordem Unter- Stützung bezogen haben. Dieser Autrag des Verbands- Vorstandes(67) wird einstimmig angenommen.(Bravo.) Bei der Unterstützung bei Maßregelungen schlägt die Neuner-Kommission vor, es bei dem bisherigen Zustande zu be- lassen. Es wird demgemäß beschlossen. Alb ert-Magdeburg wendet sich jetzt nicht nur aus principiellen Gründen, sondern aus Verantwortlichkeitsgesühl gegen die Hinter- bliebenen-Unterstützung. Bergmann- Berlin erklärt sich für die Unterstützung, weil sie gegenüber Kriegervereincn zc. ein vorzügliches Ugitatwnsnnttel sei. Kohl- Dresden konstatiert, daß G ü t h und Bergmanu uns die UnterstiitzungSeinrichtungen der Krieger- vereinler als Muster hmstellen. Da sei es weit genug gekommen. Die Hinterbliebenen-Unterstützung wird hierauf gegen 6 Stimmen an- genonunen. Abend-Sitzung. Die Anträge auf Eiifführung einer Brautaussteuer (Heiratsunterstützung) werden abgelehnt, die betr. der W ö ch- n e r i n n e n vom Verband»vorstand zc. zurückgezogen. Die Resolution zur Juvalidenunterstiitzung(stehe gestrige Nachmittags-Sitzung) wird angenommen, ebenso der Antrag auf Einführung einer Kranken- Unterstützung für werbliche Mitglieder. An Umzugskosten sollen künftig gewährt werden: Nach 3jähriger Mitgliedschaft 20 M.. steigend bei je 52 weiteren Beitragen um 5 M. bis 60 M. Wiederholte Unterstützung wird in gleicher Höhe gewährt wie das erstemal. Reu angefügt wird: den weiblichen Mitgliedern wird die Hälfte der Unterstützung gewährt. Beschlossen wird, daß Wiederaufhebuugen der event. Extrasteuern nur vom Vorstand mit dem Ausschuß gemeinsam geschehen dürfen. Es folgt die Wahl des Borortes vom Vorstande und Ausschüsse. Schlegel- Hamburg plädiert für Verlegung von Stuttgart. Es sei frisches Blut nötig, aber in Stuttgart nicht zu haben. Die Art, wie der Vorstand bei Lohnbewegungen ge- bremst habe, lege uns die Pflicht auf, uns von Stuttgart loszusagen. O. Schröder- Leipzig tritt für Verlegung nach Leipzig ein. Berg mann-Berlin verteidigt in halbstündiger Ausführung die Verlegung nach Berlin. Dort seien allein 5000, mit Hamburg, Hannover zc. 9000 Mitglieder ansässig. Bei der Tarifbewe- gung zc. sei„Stuttgart" die Ursache von mancherlei Mißhelligkeiten gewesen. Zudem werde Berlin immer mehr die Centrale für das ganze Gewerbe. Durch das regere gewerkschaftliche Leben in Berlin werde eine frische Brise in das Verbandsleben kommen. Es sei der dringende Wunsch der Berliner, daß der bisherige Vorstand mit nach Berlin übersiedele, mau werde ihm in jeder Be ziehung, besonders in der Gehaltsfragc, weit entgegenkommen Wäre der Redakteur 1900 in Berlin geblieben, so hätte er sich dort sicher nicht so zu Ungunsten der Neutralitäts- und Maifeier-Frage geändert. Es erfordere das dringende Interesse des Verbandes, daß der Vorstand nach Berlin übersiedele. Böttcher- Stuttgart verteidigt Stuttgart als Sitz des Vor standeS. Mit den Intelligenzen sei es in Berlin sicher nicht besser bestellt. Redner tritt dafür ein, daß noch ein zweiter Beamter au gestellt werde, dann werde der Vorstand entlastet und manches besser werden. Schmidt- Stuttgart verwahrt sich dagegen, daß Stuttgart seine Ansichten geändert habe. I ö h l e r- Stuttgart schließt sich Böttcher an und erklärt, die Buchdrucker würden uns trotz unsrer Verwandschast auch in Berlin nicht näher kommen. Der größte Jndustrieverband Deutsch lands(Metallarbeiter) habe seinen Sitz in Stuttgart und gedeihe sehr gut dabei. Mau solle Kloth als zweiten Vorsitzenden mit nach Stuttgart schicken und alles wäre aufs beste bestellt. Schulze(Ausschuß- Vorsitzender) Berlin betont, daß die Berliner stets die treibende Kraft bei allen Altionen, auch denen in der Provinz, gewesen seien. Schröter- Stuttgart: Er sei stets energisch f ü r Verlegung von Stuttgart eingetreten und deshalb als Delegierter gewählt. Die Stuttgarter Kollegen hätten erst harte Kämpfe mit dem Verbands vorstand führen müsse», ehe er überhaupt Akttonen unternommen. (Hört I hört!) Die Stuttgarter hätten fast immer den Vorstand an- gettieben und vorwärts gedrängt. Lediglich die p e r s ö n l i ch e n Interessen Dietrichs hätten eine Stuttgarter Versammlung nach einer Rede Dietrichs veranlaßt, für Belassung in Stuttgart zu stimmen Er, Redner, und Frey, die sich stets für die Verlegung ausgesprochen, seien dann auch als Delegierte gewählt worden und das müsse man berücksichtigen. Richtig sei, daß der Vorstand einen unzeitigen Streik in Stuttgart verhütet habe. Aber das hätte er von Berlin aus auch gekonnt. Es sei Zeit, daß der Vorstand endlich fortkomme. Klar- Berlin bezeichnet diese Ausführungen eines Stttttgarters für hochbedeutsam. Sie bestärkten die Berliner in ihrem Beschluß nur noch mehr. Wünschenswert sei, daß bei den bevorstehenden Aktionen die verantwortlichen Personen schnell zur Hand seien. ! alter- Leipzig giebt die Erklärung ab. daß auch die Leipziger wünschen, daß bei Verlegung der bisherige Vorstand im Amte bleibe. Redner zieht hieranf den Antrag Leipzig zu Gunsten Berlins zurück. Hesche- Leipzig, G ü t h- Bielefeld und Pfütze- Leipzig erklären sich gegen die Verlegung, Bergmann nochmals für dieselbe. lvorauf I. Frey- Stuttgart erklärt, wenn Schröter das, was er heute gesagt, in Stuttgart in der Versammlung gesagt hätte, wäre er nicht gewählt worden.(Widerspruch.) In Stuttgart verblieben nach Abgang des Vorstandes nicht mehr unabhängige Leute genug. die unsre öffentlichen Geschäfte leiten könnten. Haueisen: Der Verbandsvorstand habe alles gethan, was zu thun möglich war. Alles aber hätte man nicht erreichen. allen Anforderungen nicht entsprechen können. Den Vorschlag. einen zweiten Beamten anzustellen, begrüße er mit Freuden. Würde die Anstellung erfolgen, so könnten all' die angeführten Wünsche er- 'üllt werden. Dietrich habe seit 1885, seit er Vorsitzender sei, seine Kraft erschöpft, sei bald 60 Jahre alt und da könne man ihm keine Vorwürfe machen.— Hierauf nimmt unter großer Spannung der bei fürchterlicher Hitze(abends>/z11 Uhr) in Hemdsärmeln dasitzenden Delegierte» das Wort Dietrich: Stichhaltige Gründe für die Verlegung seien keine angeführt. Auch der Vorstand habe schon häufig drängen und chreben müssen, sei nicht stets der Geschobene gewesen. Die General kommission und die andren 26 Verbände hätten in Berlin nichts Sonderliches gewonnen. In Stuttgart sei der Verband in 19 Jahren groß und stark geworden. Berlin, namentlich der Ausschuß, hätten bisher nur kritisiert, aber nicht gezeigt, wie es besser gemacht werden könne. Gewiß habe er lange und schwer gearbeitet, und er würde auch mitgehen, wenn eine zwingende Notwendigkeit vorläge. Aber das sei nicht der Fall. Wegen seiner Familie, seiner alten Frau, könne er einfach nicht fortziehen, ohne sie verkümmern zu lassen. Man solle sich den Entschluß noch'mal reiflich überlegen. Schulze- Berlin verwahrt den Ausschuß gegen die Vorwürfe Dietrichs. Schröter erklärt, er habe die volle Wahrheit gesagt und Haueisen sei auch seiner Meinung. Der Antrag auf Verlegung von Stuttgart wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 35 gegen 24 Stimmen angenommen. Mit Nein stimmten: Stukenbrock und Kronacker-Hannover. Geißler- Braunschweig, Pfütze. Haß und Hasche-Leipzig, Jennrich-Dresden, "ünemann-Erfurt, Güth-Bielefeld, Kaiser-Köln, Bruns-Solingen, ietrost-Frankfurt, Rüguer-Mannheim, Jühler, Frey und Böttcher- Stuttgart, Hammler- Heilbronn, Böhler- Regensburg, Haßlinger Erlangen, Eberhard-Würzburg, Reckling-Fürth, Faust und Baader München und Zippcrer-Leipzig.— Kloth-Leipzig, Klinke-Elberfeld und Schröter-Stuttgart enthielten sich der Stimme. Der Antrag, den Sitz des Verbandes nach Berlin zu verlegen, wird ebenfalls angenommen. Ebenso der Anttag, einen zweiten besoldeten Borsitzenden anzustellen. Beschloffen wird noch, die Gehälter der Beamten nach den Be 'chlüssen des letzten Gewerkschafts- Kongresses zu regeln. Das Anfangsgehalt des Vorsitzenden wird auf 2200 Mark, steigend in den ersten drei Jahren um 100 M., von da aber um 50 M., bis 3000 M. festgesetzt. Das Anfangsgehalt des Kassierers und Redakteurs wird auf 2000 M.(rückwirkend für die jetzigen Beamten ffir zwei Jahre), der Höchstbctrag auf 2700 M. normiert. Die be- oldeten Gauleiter erhalten 1800 M. Anfangsgehalt mit denselben Zulagen jährlich bis 2400 M. Sonnabend. Vormittag-Sitzung. Es folgt die Wahl des ersten Vorsitzenden. Dietrich, aller eits vorgeschlagen, lehnt bestimmt ab. Der Vorsitzende Kohl hofft edoch, daß bei einstimmiger Wahl Dietrich trotzdem mitgehe. Dietrich erklärt, erst mit seiner Familie Rücksprache nehmen zu müssen. Trotzdenr wird Dietrich mit 61 von 62 Stimmen gewählt. ugleich wird einstimmig beschlossen, Dietrich vom 'age seines Rücktritts ab einen Ehrensold von 1000 Mark jährlich(sein bisheriges Gehalt) zu gewähren. Bravo!) Dietrich dankt für das große Vertrauen, das ihn ungemein reue. Er kann aber vor Erregung nicht weiter spreche». Der Verbandötag konstatiert hierauf, daß daS Ruhegehalt selbstverständlich mit dem heutigen Tage in Kraft trete, woraus Dietrich tief bewegt. 'ast lautlos erklärt:„Gut,— dann lassen Sie mich in Stuttgart!"(Starke Bewegung.) Dietrich erklärte es hierauf m selbstverständlich, auch weiterhin für den Verband zu arbeiten. oweit es seine Kräfte erlaubten._ Beschlossen wird hierauf, die Wahl des zweiten Borsitzenden Vorstand und Ausschuß zu überlassen und Kloth und Brückner zum ersten Vorsitzenden vorgeschlagen. Mit 39 g e g e n 18 Stimmen, iZie Brückner erhielt, wurde �alsdann Emil Kloth- Leipzig zum ersten Vorsitzenden des Verbandes e w ä h l t. Haueisen wird einstin, mig als Verbandskassierer wiedergewählt. Für Redakteur Schmidt werden abgegeben 49 gültige und >ehn weiße Stimmzettel. Er nimmt die Wahl an. Ztpperer- Leipzig wird als Ausschußvorsitzeuder gewählt. Punkt 6: Gewerkschafts- und Heimarbeitcrschutz-Kongrcß wird von der Tagesordnung abgesetzt, dafür der Vorstand in einer Resolution aufgefordert, der Frage der Abschaffung der Heimarbeit im Berufe mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zu Delegierten zum nächsten Gewerkschaftskongreß werden gewählt Dietrich, Zipperer, Kloth, Schmidt und Brückner. Ein Antrag, den Vorstand zu beauftragen, mit dem Portefeuill er verbände zwecks Abschluß eines Vertragsverhältnisses in Ver- bindung zu treten, wird einstimmig angenommen, nachdem Wem- schild erklärte, daß sein Verband bereits ebenso votiert habe. �— Hierauf werden einige Hamburger Angelegenheiten erledigt. Der Verbandstag erklärte nach den Vorschlägen der Kommission, den Antrag GrimmS und Haß', ihnen Ehrenerklärungen ausstellen zu lassen, abzulehnen, da die Manipulattonen Grimms eineZzersetzende Wirkung gehabt hätten. An der Hamburger Streik- abrechnung sei nichts auszusetzen.,„ Beschlossen wird, das neue Statut am 1. jsOktoberAm Kraft treten zu lassen. Der nächste Verbandstag findet 1907 in Nürn- b e r g statt. Dietrich erklärt, bis zun, Amtsantritt Kloths im Amte bleiben zu wollen,„eventuell noch länger".(Heiterkeit.) Dem Kassierer wird einstimmig Decharge erteilt. Die Regelung der Ge« Haltsverhältnisse der Beamten geschieht auf Antrag der Siebener- Kommission nach dem Beispiel des Porteseuiller- Verbandes: jährliche Zulagen von 100 M. zc. Die Beamten werden verpflichtet, der Unterstützungsvereinigung des Vereins„Arbeiterpresse" anzu- gehören und zahlt der Verband die Hälfte der Beiträge. Der An- trag, den Gaubevollmächttgten die 3 Proz. Entschädigung vom 1. Januar ab rückwirkend zu gewähren, wird angenommen. ebenso das neue.Wahlreglement für die Delegierten zum Verbandstage", das mancherls, Verbesserungen enthält. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Bergmann- Berlin spricht dem Bureau und dem Lokal- komitee den Dank des Verbandstages aus, worauf Brückner die Schlußrede hält, worin er erklärt, daß die Entwicklung des Ver- bandes nicht zum wenigsten dem nun scheidenden Kollegen Dietrich zu verdanken sei und daß wir ihn deshalb höchst ungern scheiden sähen. Dietrich dankt in herzlichen Worten und bittet, den Mitgliedern allerorts einen Gruß zu bestellen. Er sage allen in der Hoffnung Lebewohl, daß unter der neuen Leitung der Verband blühe und gedeihe.(Bravo!) Nach einer kurzen Ansprache Kloths wird hierauf der Verbandstag mit einem dreifachen Hoch auf den Deutschen Buchbiuder-Verband und die deutsche Arbeiterbewegung gegen Mittag geschlossen.__ Berliner partei-Hn�elegenbeiten. Erster Wahlkreis. Am Zahlabend, Mittwoch den 13. Juli, wird die Broschüre„Der Zukunftsstaat der Junker" umsonst an die Mit- glieder verteilt werden. Der Vorstand. Wahlverein Groß-Lichterfclde-Lankwitz. Die ordentliche Mitglieder- Versammlung findet am Mittwochabend 8 Uhr bei Reisen, früher Richter, Chausseestr. 104, statt. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Borstand. Britz. Am Dienstag vor dem 15. und nicht vor dem 25., wie eS infolge eines Druckfehlers hieß, finden die Wahlvereins- Versammlungen allmonatlich statt. lokales. Tischlerinnung und LandcSversicherungs-Anstalt. Der Bor- sitzende der Landesversicherungs-Anstalt Berlin ersucht uns um Auf- nähme folgender Erklärung: Das unterm 2. Juni dieses Jahres von Herrn Rahardt im Auftrage der Tischlerinnung zu Berlin an den Borstand der Landes- versicherungs-Anstalt Berlin gerichtete Schreiben, welches den Ausschußmitgliedern am 5. Juli zur Kenntnisnahme übersandt wurde, hat auch Aufnahme in Ihrer geschätzten Zeitung gefunden, und dies veranlaßt mich, um falschen Schlußfolgerungen vorzubeugen, folgende Bemerkungen zu machen: Erstens: Nach§ 104 Abs. 3 des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes werden die Beisitzer zu den Schiedsgerichten von dem Aus- schusse der Landesversicherungs-Anstalt, und zwar zu gleichen Teilen in getrennter Wahlhandlung von den Arbeitgebern und den Versicherten nach einfacher Stimmenmehrheit gewählt. Zweitens: Der§ 5 Abs. 2 Satz 2, Gesetz, betreffend die Ab- änderung der Unfallversicherungs-Gesetze, in der Fassung der Be- kanntmachung vom 5. Juli 1900, bestimmt: Den Vorständen der Berufsgenossenschaften und den Ausführungsbehörden ist Gelegen- heit zu geben, geeignete Personen(zu Beisitzern) in Vorschlag zu bringen. Drittens: Kommen bei den Wahlen noch folgende allgemeine Vorschriften in Betracht: Wählbar zu Vertretern der Arbeitgeber sind nur deutsche, männliche, volljährige Arbeitgeber der nach Maß- gäbe des Jnvalidenversicherungs-Gesetzes versicherten Personen und die bevollmächtigten Leiter ihrer Betriebe; soweit die Unfall- Versicherung in Frage kommt, müssen diese Vertreter stimmberechtigte Mitglieder der Berufsgenossenschaft oder deren gesetzliche Vertreter oder bevollmächtigte Leiter ihrer Betriebe sein. Vorstehende Bestimmungen sind für den Ausschuß bei den Wahlen der Beisitzer maßgebend. Auch Herr Tischlermeister Sievert, in Firma Bänisch u. Co., Fruchtstr. 35. ist auf Grund dieser Bestimmungen gewählt worden. Herrn Rahardt und seinen Vorstand kann nur ein Mangel an Gesetzeskenntnis über die Wahl des Herrn Sievert in Erstaunen versetzt haben. Jedenfalls glauben die guten Leute, daß das Vorschlags r e ch t der Berufsgenossenschaft für den Ausschutz eine Wahl Pflicht bedeutet. Dem ist nicht so. Hat der Ausschuß(in diesem Fall die Herren Arbeitgeber des Aus- s ch u s s e s) die Ueberzeugung gehabt, daß der von der Berufs- genossenschaft in Vorschlag gebrachte Kandidat aus irgend welchen Gründen ungeeignet war, so war es und ist es sein gutes Recht, geeignetere Vorschläge zu machen und entsprechend zu wählen. Den Wunsch der Tischlerinnung: einseittg bei der Durchführung der soeialpolitischen Gesetze, zu Gunsten von Sonder- interessen, mitzuarbeiten, weise ich auf das ent- schiedenste zurück und glaube diese Zurückweisung auf den Gesamt- ausschuß ausdehnen zu dürfen. Die Mitgkieder des Ausschuffes sind redlich bemüht, im Rahmen des K 71 des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes ihre Rechte zu wahren und gemeinsam zum Wohle der Ver- sicherten, der Angestellten und der Anstalt zu wirken. Das politische Glaubensbekenntnis des einzelnen ist bei unsrer gemeinsamen Arbeit kein Stein des Anstoßes gewesen, und es ist dringend zu wünschen, daß auch der„allerentschiedenste Protest der Tischlerinnung und ihres Obermeisters" an der bisherigen Arbeitsfreudigkeit der Herren Mit- glieder des Ausschusses nichts ändern und daß die Anmaßung der Beschwerdeführer in der nächsten Ausschußsitzung die gebührende Antwort erhalten möge. Ed. Warnst, Vorsitzender des Ausschuffes der Landesversicherungs-Anstalt Berlin, Kolbergerstr. 7, II. Bon der Kirchennot. Am Sonntag hatte sich zu dem im Französischen Dom in Berlin angekündigten öffentlichen Gottesdienste nur eine Seele eingefunden, welcher infolge dessen die zlvar wenig erbauliche, imnrerhin doch erklärliche Mitteilung gemacht wurde, daß der Herr Pfarrer heute nicht predigen werde, da er für eine einzige Person doch keine Predigt halten könne. Nicht viel besser stehen, wie derselbe Augenzeuge vorbenannten Erlebnisses auf Grund langjähriger und vielseittger Erfahrung nachweisbar behauptet, die Verhältnisse vielen andern evangelischen Kirchen, woselbst die An- dächtigen im Durchschnitt nur nach einzelnen zählen und der Pfarrer fatalerweise genötigt ist, bei einer nach 30 000 und mehr Seelen zählenden Gemeinde in großer Kirche vor fast lauter leeren Bänken zu predigen. So wurde beispielsweise der IvZhrend des letzten Winter? in der gutgeheizten AndreaSlirche ge- iibte Donnerstagabend- Gottesdienst vor durchschnittlich 2 bis 5 erwachsenen Personen bei Glockenklang, Orgelspiel und Predigt ab- gehalten. Aehnlich ist es in der Petrikirche bis auf den heutigen Tag. � Endlich verdienen auch die wirklichen Verhältnisse der Vorort- gemeinde Nixdorf logische Beurteilung. Nixdorf zählt etwa 100 000 Seelen, für welche in der zumeist mästig besuchten kleinen Magdaleneukirche und auherdem in drei Sälen vor gut 20 Personen Gottesdienst an den Sonn- und Feiertagen stattfindet. So beweisen Zahlen auch noch Anno 1004 und man sollte daher an- gesichts so mancher offenbar überzähligen Gotteshäuser die Legende von der angeblichen Kirchcnnot fallen lassen. Herr Dr. Paul Jacob, Kinderarzt in Charlottenburg, legt Wert darauf, zu erklären, dast er mit dem Oberarzt an d»« v. Leydenschen Klinik nicht identisch ist und den Experimenten des- selben vollkommen fern steht. Ein Hauswirtsscherz. Unter der Spitzniarke„Ein spekulativer Hauswirt" erzählt die„Berliner Morgenpost" folgendes von einem Hausbesitzer_ aus dem„bayrischen" Viertel zu Berlin W.:„Kommt ba jüngst in sein Haus ein nicht mit Hausbesitz beschwerter Sterblicher, um anspruchslosen GemütS eine Wohnung zu besichtigen. Die Zimmer werden in Anwesenheit des Wirtes besichtigt, Ver- besserungen besprochen und Mäste für das Aufstellen der Möbel ge- nommen. In letzter Stunde überlegt sich der Meter die Geschichte noch einmal und entschliestt sich, die— nur besichtigte— Wohnung nicht zu mieten. Wer beschreibt sein Erstaunen, als er wenige Tage darauf von dem Hauwirt folgende Rechnung übersandt bekommt: Liquidation stir Herrn I. R. von Herrn F. W.. Münchenerstraste. 4. 7. Besichtigung meiner Wohnung, Erklärung einer Bade- Einrichtung usw., Zeitversäumnis 2 Stunden a 2 M. 4 M. 5. 7. Dgl. Ausmessen für den Tepppich, Ratschläge für das Setzen der Möbel, Zeitversäumnis 1 Stunde 2 M. 6. 7. Besichtigung Ihrer Wohuung Va Stunde 1 M. Besichtigung meines Hauses von außen, Zeitversäumnis Va Stunde 1 M. Zus. 8 M. Bitte um baldige Einsendung dieses" kleinen Betrages." Hoffentlich hat der Mieter die Rechnung nicht ernst genommen. Einen»Obst- und Gemüseverwertungs-Kursus für Damen und Herren" veranstaltet die Königliche Gärtner-Lehranstalt zu Dahlem bei Steglitz-Berlin in der Zeit vom 22. bis einschließlich 27. August dieses Jahres. Interessenten soll Gelegenheit gegeben werden, ihre Kenntnisse in der Obst- und Gemüseverwertung zu erweitern und die Fortschritte derselben kennen zu lernen. Der Lehrplan ist so festgelegt, dast vormittags theoretischer Unterricht und nachmittags praktische Uebungen in der neuen Obst- und Gemüseverwertungs- station, die allen Anforderungen der Neuzeit entspricht, stattfinden werden. Das Honorar beträgt 6 M. für Preußen und 9 M. für Nichtpreußen. Anmeldungen sind an die Direktion der Anstalt zu richten. Fahrkartenausgabe für den zweiten Sondcrzug nach Wie». Für den zweiten Feriensonderzug, der in diesem Sommer zum ermäßigten Preise nach Wien abgelassen wird, hat heute die Ausgabe der Fahr- karten begonnen. Sie findet nur auf dem Anhalter Bahnhof statt, von wo der Zug am nächsten Sonnabend, IS. d. Mts., nachmittags 210 abfährt. Er geht über Röderau, Dresden und Tetschen und trifft Sonntag früh','„10 auf dem Nordwest-Bahnhof in Wien ein. Die Ausgabe der Karten schließt am 15. d. Mts., mittags 12. Sie können auch brieflich gegen Einsendung des Betrages nebst 0,40 M. Post- gebühr bezogen werden. Der Fahrpreis von Berlin nach Wien und zurück beträgt III. Klasse 25.70 M.. II. 44,40 M. Bei der Rückfahrt kann auch die Strecke Znaim— Lissa— Tetschen— Dresden benutzt Iverden. Bon Wien bis Tetschen kann man auch II. Klasse im Schnellzug gegen Nachzahlung von 15 Kronen 80 Heller fahren. Mit Ausnahme des zulässigen Handgepäcks wird Freigepäck auf die Sonderzugskarten nicht gewährt. In dem Sonderzuge wird nur eine beschränkte Anzahl Nichtraucher- und Frauenabteile mitgeführt. Bcrsiichter Gattcnmord. In dem Hause Wastmannstr. 15 wohnt im dritten Stockwerk des Seitenflügels der Arbeiter Paul Radeke mit seiner 32jährigen Frau Luise, einem elffährigen Sohn Emil und der 60 Jahre alten Schwiegermutter, der Arbeitcrwitwe Luise Reimann. Die Eheleute sind seit 13 Jahren verheiratet. So lange sie in der Wastmannstraste wohnen, mußte die alte Frau Reimann die Miete bezahlen, weil ihre Tochter seit anderthalb Jahren leidend ist und nichts verdienen kann und Radeke nur hin und wieder als Maurer arbeitete und von seinem Verdienst für die Familie nnr wenig abgab. Seit drei Wochen gab der Mann für den Haushalt keinen Pfennig mehr. Das veranlastte seine Schwiegermutter und seine Frau, ihm vor vierzehn Tagen die Thür zu weisen und ihn bei der Polizei abzumelden. Radeke kam nun wiederholt in die Wohnung und verlangte Einlaß, seine Frau aber, die an dem Tage mit dem Sohn allern zu Hause war, öffnete ihm nicht. Am Sonnabendabend, als er wieder klopfte, machte Frau Radeke auf, da sie glaubte, daß ihre Mutter komme. Zu ihrem Schrecken sah sie ihren Mann vor sich stehen. Er riß seinen Sohn, der neben der Mutter stand, zu sich' heraus, schlug ihn mit der Faust ins Gesicht und warf ihn dann auf den Treppenflnr. Hierauf lief er nach der Küche, ergriff das Beil, das hinter der Kochmaschine lag. und schlug seine Frau mit dem Beil über den Kopf, daß sie hinfiel. Als in diesem Augenblick die alte Frau nach Hause kam, bedrohte er auch sie mit dem Beile. Diese warf die Thür rasch wieder zu und rief mit ihrem Enkel um Hilfe. Das ganze Haus geriet in Aufruhr. Einige Leute holten einen Arzt, andre vom benachbarten 103. Revier vier Schutzleute. Als diese bei ihm anklopften, öffnete Radeke sofort. Die Beamten fanden die Frau bewußtlos auf dem Wohnungsflur liegen. Sie blutete aus einer Kopfwunde. Auf die Frage, lveshalb er sie geschlagen, ant- wartete Radeke cynisch:„Es kann bloß sechs Monate oder Herzbcrge kosten. Wenn ich wieder herauskomme, schlage ich sie doch tot." Diese Roheit erbitterte die Hausgenossen, namentlich die Frauen, dermaßen, daß sie mit Stöcken und Besenstielen auf ihn einschlugen. Unter einem Auflauf von mehreren hundert Menschen wurde Radeke schließlich zur Revierwache gebracht und von dort wegen vcrsnchtcn Mordes der Kriminalpolizei zugeführt. Die schwerverletzte Frau wurde besinnungslos nach dem Krankenhaus am Friedrichshain ge- bracht. Hier stellten die Aerzte außer der großen blutenden Kopf- wunde eine Gehirnerschütterung fest. Eine blutige Liebestragödie spielte sich gestern früh S'/a Uhr in dem Hause Philippstr. 15 ab. Dort gab der 21jährige Weinreisende Eugen Schloß mehrere Revolverschüsse auf seine Geliebte Lieschen Hoffmann ab, worauf er sich durch einen Schuß in die Schläfe selbst tötete. Seine Leiche wurde sofort nach dem Schauhause ge- bracht, während man Lieschen Hoffmann, die nicht lebensgefährlich verletzt ist. nach der Charits überführte. Zu dem blutigen Vorgange werden uns folgende Einzelheiten gemeldet: Eugen Schloß ist der Sohn sehr bemittelter Eltern, die in Wiesbaden ein großes Weingeschäft besitzen, für das er reiste. Die am 26. August 1885 in Berlin geborene Hoffmann, deren Eltern in der Köpenickerstraße wohnen, war Büffettmamsell. Beide jungen Leute lernten sich vor etwa einem halben Jahre kennen und unter- hielten seit dieser Zeit ein Liebesverhältnis. Beide wohnten dann kurze Zeit in der Philippstr. 15 bei einem Fräulein Lorenz in getrennten Zimmern. Vor drei Wochen suchte das Mädchen das Verhältnis zu lösen und siedelte nach Frankfurt a. M. über. Schloß konnte aber von der Geliebten nicht lassen und bestürmte deren Eltern so lange, bis diese ihre Tochter brieflich veranlaßten, wieder nach Berlin zurückzukehren. Sie kam auch vor acht Tagen an und wandte sich zunächst wieder nach ihrer früheren Wohnung in der Philippstraße. Als sie jedoch hörte, daß auch Schloß noch dort wohne, wollte sie nicht hinziehen, ließ sich aber schließlich doch dazu überreden. Die Versuche ihres früheren Ge- liebten, eine Versöhnung herbeizuführen, scheiterten an dem Widerstande der Hoffmann, weshalb es wiederholt Streit gab. Sonntagabend war Lieschen Hoffmann nach dem Heidelberger Krug in der Friedrichstraße gegangen, wo sie als Büffettmamsell thätig war. Vor Geschäftsschluß stellte sich auch Schloß ein und verlangte, daß er die Geliebte nach Hause begleiten dürfe. Nach einigem Sträuben gab da? Mädchen hierzu seine Einwilligung. Unterwegs kam es zu Auseinandersetzungen, in deren Verlauf das Mädchen die Erklärung abgab, daß sie die feste Absicht habe, das Verhältnis endgültig zu lösen. Als gestern früh 8 Uhr die Wirtin Kaffee auf das Zimmer des Schloß brachte, äußerte dieser, er werde heute nicht ausgehen. Besondere Aufregung Ivar au dein jungen Mann nicht zu beobachten. Kaum hatte sich die Wirtin wieder entfernt, als Schloß an die Thür seiner Braut pochte. Fräulein Hoffmann war wohl der Ansicht, daß es die Wirtin sei und öffnete. Im selben Augenblick fielen mehrere Schüsse und gellende Hilfe- rufe durchzitterten das Hans. Fräulein Lorenz eilte bestürzt herbei und fand den Weinreisenden sterbend aur Boden liegend vor, wäh- rend die Hoffmann wimmernd und aus mehreren Wunden blutend sich vor Schmerz auf dem Bette loälzte. Ein herbeigerufener Arzt stellte fest, daß Engen Schloß bereits verstorben war und verfügte dann die Ueberführung des verletzten Mädchens nach der Charits. Dieses war an der Schläfe, am Halse und an der Hand durch Schüsse verwundet, doch schien Lebensgefahr nicht vorzuliegen. Noch im Laufe des Vormittags erschien die Mutter der Hoffmann, die in dürftigen Verhältnissen lebt und bisher regelmüßig Unter- stützungen von der Tochter erhielt. Lieschen Hoffmaun ist eine hübsche Blondine und war im Kreise ihrer Freunde unter dem Namen „Irma" bekannt. Ein für die Polizei iiitcrcssantcr Mann ist Herr„Frank- Matuschick", der vor einiger Zeit auf den« Spittelmarkt einem Kassen- boten einen Beutel mit mehreren tausend Mark raubte, aber dabei ertappt wurde. Der Räuber nannte sich Frank-Matuschick, weil das ein unbescholtener Name ist. Die Ermittelungen des Erkennungs- dienstes ergaben aber, daß dieser Herr niemand anders ist, als ein berüchtigter Bankräuber John Meyer aus St. Louis, der dort im April d. I. mit einem ebenso berüchtigten Taschendiebe Max Dooddel zu einer langen Zuchthausstrafe verurteilt wurde, auf dem Wege zur Strafanstalt aus dem Eisenbahnwagen entsprang und entkam. John Meyer ist in großen Städten unter den verschiedensten Namen be- kannt. Nach seiner Flucht verübte er Bankräubereien unter anderm in London und Amsterdam. Sobald in Berlin das Gericht ge- sprachen haben wird, dürfte Meyer zunächst»ach Holland wandern, um dort sein Conto zu begleichen. Schwere Bootsunfälle. Auf der Havel in der Nähe von Heiligeusee ereignete sich am Sonntag ein tragischer Unfall. Der mit seiner Mutter in dem Dorfe Heiligensee in Somnierivohuung befindliche Fabrikbesitzer Emil Schulz ans Berlin, Mariannen- Platz 8, ein 23jähriger Mann, befand sich mit seinem Segelboot „Senta" auf der Havel. In seiner Nähe fuhr das mit zwei Personen besetzte Segelboot„Wildente", das einen Defekt erlitten hatte. Schulz begab sich in das letztere Fahrzeug, um bei der Bergung des Seglers Hilfe zu leisten. Zu dieser Zeit kam in der Richtung nach Spandau der große Frachtdampfer„Ruppin" heran, dessen Führer allem Anschein nach das Steuer für einen Augenblick aus den Händen gelassen hatte. Das Schiff fuhr außerhalb der eigentlichen Fahrrinne direkt auf die„Wildente" los, ohne daß das Personal die Zurufe der gefährdeten Bootsinsassen, die unter den obwaltenden Umständen unmöglich noch ausweichen konnten, beachtete; das Boot wurde von dem Vordersteven des Raddampfers erfaßt und zertrümmert. Der Besitzer des Bootes sowie dessen Freund konnten gerettet werden, während Schulz in den Fluten seinen Tod fand. Der Verstorbene war der einzige noch lebende Sohn der 80jährigen Witwe Schulz, die in einem Zeiträume von anderthalb Jahren ihren Gatten und zwei Kinder verloren hat.— Ein zweiter Unfall, der sich auf dem Tegeler See ereignete, hat ebenfalls den Tod eines Mannes herbeigeführt. Am Sonntag früh gegen 2 Uhr vernahmen Angler am Tegeler See gellende Hilferufe, die in der Gegend der Mündungs- stelle der Havel in den See ausgestoßen wurden. Bei dem auf dem Wasser lagernden Dunkel konnte jedoch niemand etwas wahrnehmen, und Personen, die in Booten der vermutlichen Unfallstelle zugeeilt waren, kehrten erfolglos zurück. Sonntagrnorgen gegen 0 Uhr be- merkten Ausflügler von dein Ufer des Tegeler Sees aus ein ge- kentertes Boot und uiiter diesem den Körper eines Mannes. Es handelte sich um einen etwa lgjährigen, anscheinend dem Arbeiter- stände ungehörigen jungen Menschen, der zweifellos mit dem Boot gekentert und mit der Kleidung an der Rudergabel hängen ge- blieben war. Die Persönlichkeit des Ertrunkenen, bei dem keinerlei Legitimationspapiere vorgefunden wurden, konnte noch nicht festgestellt werden. Straßenbahnwagcn-Karambolnge. Einen schweren Zusammenstoß gab es gestern vormittag kurz nach 11 Uhr auf dem Molkenmarkt zwischen dem Straßenbahnwagen 1221 der Linie 67 und einem offenen Omnibus der Linie Kottbuier Brücke— Schönhauser Thor. Der Straßenbahilwagen fuhr nach der Bchallptung von Augenzeugen zu schnell durch die Biegung an der Spandauerstraße nach dem Molken- markt und stieß mit großer Wucht aus den dicht besetzten Omnibus, der ihm nach dein Alexanderplatze zu begegnete. Während die Fahr- gäste der Straßenbahn mit dem bloßen Schrecken davonkamen, wurden die im Omnibus Sitzenden stark gegen die Wandungen und mit den Köpfen gegeneinander geschleudert. Fünf Personen erlitten am Kopf und an den Händen solche Verletzungen, daß sie sich auf der Unfallstation in der Brüderstraße mußten verbinden lassen. Von dort konnten alle nach Hause gehen, da sich keine Verwundung als bedenklich erwies. Beide Wagen wurden so schwer beschädigt, daß sie aus dem Betrieb herausgenviiimen werden mußten. Dem Omnibus wurden die Seitenteile zertrümmert, dem Straßenbahnwagen die vordere Plattform eingedrückt. Ein schweres Brandunglück hat sich in der Stolpischenstraße 61 an der Schönhauser Allee zugetragen. Durch Unvorsichtigkeit geriet dort in einer Wohnung Spiritus in Brand, wobei die brennende Flüssigkeit sich über einen 11jährigen Knaben ergoß. Die Kleider des Kindes fingen Feuer und brannten im Nu lichterloh. Auf das Hilfe- geschrei des Knaben eilten Hausbewohner hinzu, die dem Knaben die Kleider vom Leibe rissen. Er hatte aber bereits so schwere Brand- wunden am ganzen Körper erlitten, daß er unverzüglich von der Feuerwehr nach dem Lazarus-Krankenhause geschafft wurde, wo der Kleine hoffnungslos danieder liegt. Ei» Eifersuchtsdrama hat sich in der Nacht zum Sonntag in dem Hause Prinz Handjerystr. 66/67 in Rixdorf abgespielt. Die 32 Jahre alte verehelichte Olga Götsch, welche von ihrem Ehemann getrennt und mit dem Bauarbeiter August Sikora zusammen lebt, begoß diesen, während er schlief, mit einer ätzenden Flüssigkeit— angeblich Lysol— und verletzte ihn schwer. Der That liegt Eifersucht zu Grunde. Die Götsch wurde am Sonntagmorgen verhaftet und der Kriminalpolizei zugeführt. Sikora, der in der Unfallstation XII die erste Hilfe erhielt, wird wahrscheinlich infolge des gegen ihn ver- übten Attentats auf einem Auge erblinden. Ueber die Angelegenheit wird uns des näheren berichtet: die Götsch ist vor zwei Jahren mit drei Kindern von ihrem Manne verlassen worden, da dieser ein Liebesverhältnis mit einer Witwe angeknüpft hatte, mit welcher er auch jetzt in Berlin zusammenlebt. Die G. lernte im vorigen Jahre den Sikora kennen, der sie als Wirtschafterin annahm. Zwischen beide» kam es bald zu einem Liebesverhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. In letzter Zeit nun will die G. bemerkt haben, daß S. sich von ihr gewandt habe, cr behandelte sie unfreundlich und niißhandelte sie mitunter. An einem der letzten Abende überraschte die G. ihren Liebhaber mit einer ihr unbekannten Frauensperson in einer Laube. Seitdem war die wildeste Leidenschaft in ihr entfacht. Als S. nun auch in der Nacht zum Sonntag erst spät nach Hause kam, wollte sich die G. an ihn: rächen. Während S. im Bett lag, stand sie auf, holte eine mit Lysol gefüllte Tasse aus der Küche und begoß damit das Gesicht des S. Letzterer behauptet, sie habe ihm das Gift im Schlaf in den Mund füllen wollen, doch sei er darüber erwacht. Schon am Abend vorher soll die G. zu Hausgenossen geäußert haben, daß„etwas passieren" werde. Auf das Geschrei des S. eilten seine Nachbarn herbei, welche ihn zur Unfallstation brachten, worauf man die Festnahme der G. veranlastte. Der Brand eines Eisenbahnwagens erregte am Sonntag- vormittag auf Bahnhof Nieder-Schöneweide- Johannisthal großes, Aufsehen bei den zahlreichen Ausflüglerk«, die hier mit den über» vollen Vorortzügen der Görlitzer Bahn eintrafen. Kurz nach 10 Uhr hatte auf einem offenen Wagen eines Güterzuges, der auf dem älteren Rangierbahnhof in der Nähe der Kohlenladestelle und des Lokomotivenschuppens hielt, die aus Mauerrohr bestehende, mit einer Leinivandplane überdeckte Ladung Feuer gefangen. Der Brand wurde zwar bald bemerkt und sofort bekämpft, aber es konnte nicht verhindert werden, daß die ganze Ladung des Wagens vernichtet und der Wagen selber stark beschädigt wurde. Gegen die mannshoch cmporschlagendcn Flammen wurde durch das Bahnpersonal von einer Lokomotive aus kräftig Wasser gegeben, so daß es wenigstens gelang, die benachbarten, meist mit Holz und Kohlen beladenen Wagen zu schützen und das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Funken- und Aschenregen, der von dem brennenden Wagen ausging, wurde durch den ziemlich lebhaften Wind bis in di� Wagen der vorbeifahrenden Personenzüge getragen. Die Ablöschung der Flammen erforderte dreiviertel Stunden. Als Ursache dieses Brandes wird angenommen, daß die leicht brennbare Ladung durch einen Funken aus einer Lokomotive entzündet worden ist. Auf Wunsch des Fuhrherrn Fricke, Christburgerstr. 20, teilen «vir zu der am Sonntag gebrachten Meldung mit, daß unter seinem Pferdebestand nicht die Rotzkrankheit ausgebrochen ist. Selbstmord auf der Polizeiwache. Am Sonntagabend wurde die Feuerwehr nach dem Polizeirevier 78 in der Gneisenaustraße 61 gerufen. Tort hatte sich ein Polizeigefangener aufgehängt. Als ein Schutzmann nach 7 Uhr das Arrestlokal betrat, wurde der Selbst- mord bemerkt und der Mann ans seiner Schlinge befreit. Da alle Wiederbelebungsversuche vergeblich waren, wurde die Feuerwehr be- nachrichtigt, die mit einem Sauerstoffapparat Wiederbelebungsversuchs anstellte, die aber auch keinen Erfolg mehr hatten. Die Spar- und Darlchnskasse selbständiger Handwerker und Gewerbetreibender im Stadtteil am Oranienplatz, Luckauerstr. 1, ersucht uns, darauf hinzuweisen, daß sie mit der kürzlich von uns erwähnten Oranienplatz-Darlehnskasse nicht identisch ist. Abermals das Lysol. In Gegenwart ihrer vier Kinder trank die Frau des Maschinisten Meybohm aus der Prinzen-Allee Lysol. Die Frau ist erst 21 Jahre alt und ihr Mann 22. Dieser fand Sonntag- vormittag seine Frau im Bette; neben ihr lag eine Flasche, aus der sie Lysol getrunken hatte. Schreiend saßen die drei ältesten Kinder im Bette, während das jüngste schlief. Ein Arzt ließ die Frau nach dem Lazarus-Krankenhause bringen. Der unglücklichen Kinder nahm sich einstweilen der Hauswirt an. Feuerbericht. Außer einem größeren Wohnungsbrande, der Sonntagabend gegen 12 Uhr in der Fehrbellinerstr. 19a auskam und bei den bereits schlafenden Hausbewohnern nicht geringe Aufregung hervorrief, hatte die Feuerwehr in den beiden letzten Tagen noch zahlreiche Alarmierungen zu verzeichnen. Meistens handelte es sich jedoch hierbei um unbedeutende Brände, die ein Eingreifen der Wehr nicht erforderten. Neue Hochstr. 31 hatten Regale in einer Bäckerei Feuer gefangen, während in der Dessauerstr. 40 Papier und Portieren in Flammen aufginge». Wegen eines kleinen Küchenbrandes hatte die Wehr kurze Zeit Am Weinbergsweg 1 zu thun. Deutsche Flottenschauspiele werden im wilden Westen der Reichs« Hauptstadt aufgeführt. Dort, wo sich am Kurfürstendamm zwischen Charlottenburg und Halcnsee eine allerdings immer kleiner werdende Wüstenei hinzieht, wo Natur- und Kulturgerüche, der Duft der Grunewaldfichten und des Maurerkalles sich verwischen, dort hat eine wagemutige Gesellschaft ihre Zelte aufgeschlagen. Vor diesen Zelten breitet sich zunächst das Weltnieer aus und zwar in Gestalt eines 6000 Ouadratnictec großen Bassins und im Hintergrunde dieses Weltmeeres bat der DekorationS« maler Gegend hinpraktiziert, hohe Berge und vor diesen Bergen eine Stadt. Auf dem Weltmeer bewegen sich elektrisch betriebene Schiffsmodelle von gut Manneslänge, minutiös gearbeitete Fahr» zeuge, die unsichtbar von Menschenhand gesteuert werden. Der Zweck der Flottcnschauspiele soll sein, das Interesse an unsrer Marine in immer weiteren Kreisen des Volkes zu wecken. Von dem Stand- Punkt aus, der heute, wenn auch sehr mit Unrecht, der patriotische genannt wird, ist dies Ziel gewiß erstrebenswert, doch bezweifeln wir, ob es unter Beihilfe der Schauspiele am Kursürstendamm zu erreichen ist. Schon die wirklichen Heeres- und Flottenparaden sind kaum im stände gewesen, die Abneigung gegen den Militarismus dort zu mildern, wo diese Abneigung vorhanden ist. Und nun soll die mangelnde Marinebegcisterung durch eine Spielerei geweckt werden, die hauptsächlich deshalb drollig ist. weil sie die Schrecken der Torpedos und Schiffsgeschosse nur markiert. Den Hauptteil der Schauspiele. Scenen aus dem russisch-japanischen Kriege, gab es in der ersten Vorstellung infolge eines kleinen Unfalles nicht zu sehen. Aber so hübsch sich gewiß die Schiffsverluste auf 6000 Quadrat- meter Flächeninhalt ausnehmen werden, höhere Wonnegefühle werden auch sie kaum auslösen. Wem daran liegt, die Marine im kleinen exerzieren zu sehen, möge nach den« Kurfürstendamm hinauspilgern' auf einen Wechsel seiner bisherigen Anschauungen braucht er sich nicht gefaßt zu machen. Der Cirkus Sarasani ist am Sonnabend an der Schicklerstraße eröffnet worden. Eigentlich sollte die erste Vorstellung schon am Donnerstag beginnen, aber Schwierigkeiten von Polizei wegen brachten es mit sich, daß der Cirkus zwei Tage lang brach liegen mußte. Wir haben ja Busch und Schumann im Winter und sind durch deren Konkurrenz verwöhnt worden. Einer suchte den andern zu übertrumpfen und mit einer raffinierten Tücke wurde das Publikum ständig in Atem gehalten. Aber so ungeheure Summen von beiden Jnstitnteil ausgegeben wurden, um Sensationelles, noch nie Da- geivesenes zu bieten, der eigentlichen CirkuSkunst kamen diese Aus- gaben nicht zu gute. Sie wurden für Ausstattungsstücke geopfert und für Schleifenfahrten und ähnlichen Nervenkitzel. Darauf kon« zentrierte sich alle Aufmerksamkeit, so daß Pferdedressur und Kunst- reiterei beinahe die Rolle des Aschenbrödels spielten. Anders im Cirkus Sarasani. Schleifenfahrten und TodeSsprünge fehlen hier, ebenso das Ausstattungsstück, das den Cirkus seines Charakters entkleidete und ihn zum Theater machte; aber dafür kommt die eigent- liche CirkuSkunst um so besser weg. Der Direktor und seine Frau leisteten beide Vortreffliches in der Dressurkunst, daS HolmeS-Trio führte unglaubliche Leistungen in der Akrobatik auf und als Schul- reiten» imponierte Fräulein von Stutterheim. Zwei Boeren wußten das Publikum durch ihre Schießleistungen und durch die Kunst des Lassowerfens zu interessieren und eine Japanertruppe leistete in den Künsten, die man als equilibristische bezeichnet, das Menschen- mögliche. Das umfangreiche Programm fand gebührende An- erkennung bei den zahlreich erschienenen Zuschauern. Die Berliner Bevölkerung wird am Cirkus Sarasani Gefallen finden. Einen Zeltcirkus in der Weltstadt: das erlebt man nicht alle Tage. Um so besser noch, wenn die Leistungen dort sich neben den bei Busch und Schumann gebotenen sehr wohl sehen lassen können. Damcn-Wcttlaufcn in Friedenau. Unter dem weisen und vor- beugenden Regiment des Polizeisäbels hat Berlin es noch nicht zu einem Volksleben bringen können. Wo sich in unbewachten Augen- blicken einmal Naturinslinkte geltend machen, arten sie vor allem aus der Straße leicht in Brutalität aus. Gewiß hat die arbeitende Be- völkerung bei großen Leichenbegängnissen und andren bedeutsamen Ereignissen gezeigt, daß sie musterhaft Disciplin zu wahren versteht; aber die Arbeiterschaft ist nicht die animierende und renitente Be- völkernng der Straße. Hier herrscht— siehe die Begleitung der Wachtparade— bei aufsehenerregenden Ereignissen der Pöbel vor. Der Wettstreit entbrennt zwischen Cyliuder und Ballonmütze; welcher der beiden Kopsbedeckungen aber auch der Sieg zu teil werde, das Objekt oder Opfer dieser Art öffentlicher Aufmerksamkeit kann sich allemal gratu- lieren. Solche Erwägungen haben die Polizei veranlaßt, eine Harmlosigkeit für die Straße zu verbieten, die in Paris öffent- lich vor sich gegangen ist und keinem geschadet hat. Auch der zweite Damen- Wettlauf, der sich zu einer Konkurrenz zwischen den fünf Siegerinnen m Treptow und den , fünf Siegerinnen aus den Reihen der Pariser Midinetts gestaltete, muhte im Sportpark Friedenau von statten gehen. E- war noch in andrer Hinsicht ein AuSschluh der Oeffentlichkeit, da auch das Publikum nur in recht beschränkter Zahl zugegen war. Die Pariserinnen erschienen chic und nicht ohne Koketterie, die Berline rinnen zum Teil von der Anmut, die im„Rixdorfer" ihren musikalischen Ausdruck findet. Man braucht kein Vaterlandshasser und Franzosenfreund zu sein, um den Sieg der Schönheit den Fran- zöfinnen zuzuschreiben. Aber hier kam nicht die Schönheit, sondern der Sport in Betracht, und da die Berlmeriunen mehr auf der- nunftgemähe als auf chice Kleidung hielten und vor allem das von den Pariserinnen für unerläßlich gehaltene Korsett verschmähten, so fiel ihnen bei dem Wettlauf über 400 Meter der Sieg zu. Die Französinnen blieben zurück, eine fiel sogar in Ohnmacht. Klara Sacher. Elisabeth Hafte und Gertrud Furkert hiehcn die Glücklichen, denen die drei Preise von 300, 200 nud 100 M. zufielen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, und so hatten denn auch die Französinnen� etliche kleine Sticheleien auszuhalten. Doch blieb es bei Harmlosigkeiten. Der Straße möchten wir die Wettläuferinnen aber doch nicht ausgesetzt sehen. Wenigstens in heutiger Zeit noch nicht.__ Hus den Nachbarorten. Lichtenberg darf nicht Stadt werden. Am 26. Februar dieses Jahres faßte die Gemeindevertretung unsres Vorortes Lichten- b er g den Bei chluß, von neuem bei der Regierung die Verleihung städtischer Verfafiung zu beantragen, um die schon zwei Jahre vor- her vergeblich petitioniert worden war. Auf dies Gesuch hat der Regierungspräsident jetzt, nach beiläufig fünf Monaten, eine Antlvort gegeben, eme Antwort, die Haare auf den Zähnen hat. In seiner Zuschrift drückt der Regierungspräsident zunächst die (srlvnnung aus, daß die Gemeindeverivaltuiig von Lichtenberg sich wohl ,m Laufe der letzten Zeit davon überzeugt habe, daß von einer Einverleibung in Berlin keine Rede mehr sein könne, weil em solcher Plan bei der Regierung keine Unterstützung finde. Aber, so fährt der Regierungspräsident fort, auch ein Gesuch uin Verleihung der Stadtrechte habe er weiterzugeben zur Zeit keine Veranlassung. Abgesehen davon, daß auch hierfür die Regierung nicht zu haben sei, liege es im wohlverstandenenJnteresse derLandgemeinde Lichtenberg, zunächst unter dem Regime der gegenwärtigen Verfassung einen Ausbau ihrer kommunalen Eiiirichtungen zu ver- suchen. Zu solchem Ausbau biete die Landgemeinde- Ordnung die beste Handhabe. Dann empfiehlt der Regierungs- Präsident der Gemeindeverwaltung einen engeren Anschluß an einen größeren Kommunalverband; ein solcher Verband aber sei der— nun?— der Kreis Nieder-Barnim I Dieser Kreis habe nachgerade den Beweis geliefert, daß er es sich unter seiner sachkundigen Leitung angelegen sein lasse, das Wohlergehen der aufstrebenden Vorortsgemeinden ganz besonders zu fördern. I» diesem Kommunal- verbände habe die Gemeinde Lichtenberg einen R ü ck h a lt, einen wohlwollenden Berater. Die Gemeinde Lichtenberg hat über das ihr vom Kreise Nieder- Barnim dargebrachte Wohlwollen ganz, ganz andre Ansichten als der Regierungspräsident. Sie kann es nicht deuten und kann es nicht fassen und meint, daß der Herr in einer jovialen Stunde sich mit ihr einen kleinen Scherz hat machen wollen. Mit ihren 49 200 Einwohnern ist die Gemeinde thatsächlich so wenig Dorf wie der Regierungspräsident eine Turteltaube. Sie strebt mit Leibeskräften aus dem Kreise heraus— der Regierungspräsident empfiehlt ihr, weiter die schweren Steuern an den Kreis zu zahlen und an den „wohlwollenden Berater" Anschluß zu suckien. Wir sind gespannt, wie die staatstreue Gesellschaft am Orte die Antwort des Regierungs- Präsidenten aufnehmen wird. Das Projekt für die Weiterführung der Unterpflasterbahn vom .Knie" zu Charlottenburg durch die Bismarckstraße(Teilstrecke Knie- Wilhelmsplatzj hat gutem Vernehmen nach der Minister der öffentlichen Arbeiten nunmehr genehmigt, so daß der Erteilung der Konzession nichts mehr im Wege steht. Die Verhandlungen haben sich dadurch etwas verzögert, daß man nicht recht wußte, ob die Unterpflasterbahn am Wilhelmsplatz endigen oder durch die Bismarckstraße nach Westend fortgeführt werden soll. Danach mußte sich natürlich der Entwurf der Tunnelstrecke an der Sesenheimer- straße richten, woselbst die Gesamtanlagen so eingerichtet werden mußten, daß die Geleise einmal in gerader Linie nach Westend weiter- und das andre Mal, als Abzweig, nach dem Wilhelmsplatz gefiihrt werden können. Das Projekt faßt zunächst nur die vertraglich genehmigte Linie Knie-Wilhelmsplatz ins Auge und läßt die Frage der Weiterführung noch offen. Bezüglich dieser schweben bekanntlich die Verhandlungen mit der Stadtgemeinde Charlottenburg noch. Ober-Schöneweide. Für den vom Amte suspendierten Gemeinde- Vorsteher Eckardt ist zur kommiffarischen Vertretung von der Gemeindevertretung Herr Rechtsauwalt Bergmann shierselbst gewählt worden. Die Bestätigung der Aufsichtsbehörde' ist ein- gegangen, und so hat Herr Bergmann die Geschäfte übernommen. benommen und war vom Schöffengericht wegen Beleidigung und Widerstandes zu 40 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er legte Berufung ein und suchte einen Arbeitsgenossen zu überreden, in der Berufungsinstanz für ihn als Zeuge aufzutreten, obwohl dieser von" dem ganzen Vorfall nicht das Mindeste gesehen hatte. Der Be- treffende, der dem Angeklagten nicht wohlgesinnt war. ging zum Schein auf diesen Vorschlag ein, erklärte aber, daß er den That- bestand, wie er ihn als Entlastungszeuge vortragen solle, nicht be- halten könne. Nunmehr schrieb ihm der Angeklagte die Aussage. die er von ihm haben wollte, in aller Ausführlichkeit auf. gab ihm anHeim, sie auswendig zu lenien und beruhigte sein Gewissen mit den Worten:„Wenn es sick um Schutzleute handelt, da darf es Dir nicht darauf ankommen, erforderlichenfalls zehn Meineide zu leisten." Ein Zufall wollte es, daß dieser so bearbeitete Entlastungszeuge eine Vorladung zum Termin nicht erhielt und somit überhaupt kein Zeugnis ablegte. Er verfeindete sich aber mit dem Angeklagten und überließ den Notizzettel, auf den der Angeklagte den Wortlaut der abzugebenden Zeugenaussage aufgeschrieben hatte, einem andern Arbeitsgenosscn, der mit dem Angeklagten gleichfalls in Fehde ge- raten war und ihm etwas am Zeug: flicken wollte. Dieser sorgte dafür, daß das strafbare Unternehmen des Angeklagten zur Kennt- nis des Staatsanwalts kam.— Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 1 Jahr Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Prozeß Höfscrt. Ueber den Zusammenbruch der Weltfirma Höffert wurde noch festgestellt, daß das Geschäft bei vernünftiger und gewissenhafter Leitung einen glänzenden Gewinn abwerfen mußte. Daß der Sohn, Ludwig Höffert, höchst verschwenderisch lebte, war bekannt. Frau Höffert selbst war in die Betrügereien ihres Sohnes, die eine viertel Million überstiegen, vollkommen ein- geweiht. Sie zeigte sich in der Hauptverhandlung als eine überaus geschäftskundige und gewandte Frau. Die Zeugen- Vernehmung ergiebt eine große Reihe von Betrügereien der ge- schilderten Art. Die Schuld beider Angeklagten stand beim Gerichts- Hof wohl von vornherein fest, denn nach einstündiger Beratung wurde Sonnabendnachmittag 3 Uhr folgendes Urteil verkündet: Ludwig Höffert wird wegen Betrugs in 17 Fällen zu sieben Jahren: seine Mutter Mila H. zu drei Jahren Gefängnis, beide außerdem zu 6 Fahren Ehrverlust verurteilt. Ludwig H. wurde in Untersuchungshaft genommen, während man seine Mutter trotz der hohen Strafe entgegen dem Antrage der Staatsanwaltschaft auf freiem Fuße beließ._ und Sterbekasse von 188»(E. tz. 71.) abends 9 Uhr, im Restaurant Frädrich, Kaufmännische Krankem Dienstag. den 12. Juli 1904, Alte Jakobstr. 89: Sitzung. Freie Hilfs-Krankenkasse der Sattler und verw. Bcrufsgeuofien Deutschlands»Hoffnung"(E. H. Nr. 04). Sonnabend, 30. Juli, Per- sammlung im Gewerkschaftshause. Zahlreicher Besuch wird gewünscht, da wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen. Zahlabende jeden Sonn- abend von 8— 10 Uhr bei G. Weihnacht, Grünstr. 21, und Hilgenseld, Bergstr. 00. Vmrnscktes. Gerichts-Zeitung. Freiherr Theodor v. Broich stand gestern unter der Anklage der Nötigung und der Bcamtenbeleidigung vor der zweiten Straf- kammer des Landgerichts II. Das Schöffengericht zu Oranienburg hatte ihn zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt und zwar auf Grund folgenden Sachverhalts: Der Angeklagte ist der Sohn des Geheimen Regierungsrats v. Broich, der zu gemeinnützigen Zwecken verschiedene Gesellschaften gründete und dabei sein ganzes Vermögen verlor. Er wohnt jetzt bei seinem Sohn in dessen Villa bei Oranienburg. Die Glaubiger setzten ihm bisweilen hart zu. Dies war auch anfangs dieies Jahres der Fall. Der Gerichsvollzieher Pagenkopf zu t"rg hatte verschiedene Gegenstände, die er für das Eigentum t«eftennratä hielt, gepfändet, konnte sie aber nicht abholen, da die Ehefrau und der Sohn des Schuldners die Sachen als ihnen gehörig reklamierten. Der Prozeß wurde durch alle Instanzen ge- trieben, vis das Kammergericht entschied, daß der Einspruch un- r 3fun konnte in der Villa jeden Tag der Besuch des erwartet werden, um die Sachen abzuholen. Der lngetiag richtete an den Beamten zwei Postkarten. In der ersten drohte er m Beamten mit Anzeige wegen Hausfriedensbruchs, wenss£ k** Villa betrete, welche nicht von dem Geheimrat V. Broich e h sjou£1?®n- Dieser bewohne lediglich das Zimmer 6 im zweiten tet Villa. Einige Tage später erhielt der Gerichts- Vollzieher eine zweite Karw des Inhalts, er solle ja nicht versuchen. sich in Abwesenheit des Angeklagten den Zutritt zur Villa zu er- zwingen, denn e y bort mit Schrot geladene Sclbstschüsse gelegt. Sonst sei d-r Adresse ia stets gern gesehen. In dem Inhalt dieser beiden Kcirien � uate b,e Anklagebehörde eine Drohung und eine Beleidigung.» L,& 5 9tc entschuldigte sich vor der B«- rufungsinstanz das""' i;?" aegtaicht habe, sich im Recht zu be- finden. Seine betagte Mutter liege seit 2 Jahren krank danieder, jede Aufregung könne für s e die schwersten Folgen haben. Es sei ihm deshalb darum zu b Fosvesen. einem Besuch des Gerichts- Vollziehers vorzubeugen,-as z'�ufungsgericht billigte dem An- geklagten im Gegensatz zu nachmit- tags 4 Uhr, von der Leichenhalle des AuserstehungS- Kirchhofes, Weißenseer Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 33/10 Die Ortsverivaltnna. Verein iiir Frauen u. Mäilcben der Arbeiterklasse. Am Sonntag 12 Uhr oerschied unser Mitglied 66,14 Klapa Plötz. Die Beerdigung sindet an: Mittwoch, den 13. d. M., nach mittags 2 Uhr, von der Leichen Halle des städtischen Friedhofes i. Friedrichsselde statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. ver Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau Klara Plötz geb. Schröter am 10. d. MtS. nach schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung sindet Mittwoch. den 13. d. Mts., nachm. 2 Uhr, von derLeichenhalle des Friedrichs- leider Friedhofes aus statt. 2036b Der trauernd« Latte. IZanlisatxnnx. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Hermann Kaedlnx sage allen Freunden und Kollegen meinen herzlichen Dank. Bertha Kaeding und Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondre dem Gesangverein„Senefclder" für den erhebenden Gesang am Grabe meiner lieben Frau meinen tief- gesühltesten Dank. 6731L kirnst Ctolisch. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines inniggeliebtcn Mannes jage ich aus diesem Wege meinen ansrichttgen Dank- Die tieftrauernde Witwe 20296 Margarete Schale- Für den JuHalt der Inserate übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. Dienstag, den 12. Juli. Ansang VI, Uhr: Neues kgl. Opern- Theater. Die Geisha oder Eine japanische Thec- Hausgeschichte. Belle-Allianre. Gastspiel von Emil Winter-Tymians in diesem Genre einzig dastehenden sächsischen 15 Humoristen und Sängern. Lieder, Couplets und Einakter. U. a.: Die strenge Gouvernante. Zum Schluh: In der Ballett. schule. Ansang 8 Uhr. Schiller«. tWallner» Theater.) Martha. Westen. Mamzelle Nitouche. Neues. Einen Jux will er sich machen. Kleines. Nachtasyl. «central. Onkel Bräsig. «tarl Weift. Der Weg zum Herzen. Stadt-Thcater Moabit. Großstadt- zauder. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter. Garte». Edith Helena. Heloise Titcomb. Specialitäten. Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten. Reichshallcn. Stettiner Sänger. Pieske bei Vater Philipp. Passage-Thcater. Terka Scmmeloff. Specialitäten. Anfang 5 Uhr. Urania. Taube,«strafte 48/4S. Die Insel Rügen. Jnbalidenstrafte 57/62. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. 0 � u" Sehiller-Thealer 0. (kallner-Theater). Morwift-Oper. Dienstagabend 3 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. Martlia, oder: Der Markt zu Rlchrnond. Mittwochabend 8 Uhr: Zum erstenmal(neu einstudiert): Dia Entführung aus dem Serail. Donnerstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. IMv weisse Dame. Der Sommergarten ist eröffnet. Im Garten des Schiller-Theaters dl. __ täglich großes Militär-Konzert. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sich machen. Anfang 8 Uhr. Morgen: machen. Einen Jux will er sich Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nsvlrtsszfl. Ansang 8 Uhr. Morgen: Fettnleln Julie. Centrai-Theater Frlts Rentep-Cyblus zu ermäßigten Preisen. 3 Uhr: Gastspiel des tgl. Hofschau- spielers Emil Richard u. Josefine Dorn. Onkel Bräsig. Lebensbild in 5 Akten von Fr. Reuter. Morgen: Dabei Bpftsig�_ Carl Weiss-Theater. Große Franksurterstr. 132. Nur noch wenige Aufführungen: Der Weg zum Herzen. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittag 3 Uhr, kleine Preise: Dfhelio.der Mohr von Venedig. Im Garten Vorstellung. Ans. 5 Uhr. Mittwoch: Großes Kindersertensest. IletröMMeÄer Der psste Erlolg dieses Jahres: Gr. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Hanehen überall gestattet. lieue freie Voll<$bUI)ne. Sonnabend, den 10. Jnll, in den Gesamträumen der„Brauerei Frio drichsh ain"(am Königsthor): Sommerfest. Orosses Künstler-Konzert, ausgeführt von dem aussergewöhnlich verstärkten Berliner Sinfonio-Orchester(50 Musiker). Bunte Bühne: Fülinnann, Horst, Waide-Sänger. liebende Bilder, ausgeführt von Mitgliedern des Turnvereins„Flcllte". Prclsbegeln.* IsUchcrverlosung. ' Crrosscr Sommeruachts-Ball."MR Eintrittskarten für Mitglieder und Gäste ä 30 Pf. sind in allen Zahlstellen zu haben. Nlorwilz-Oper(Schillep-Theatep O.) Sonnabend, 30. Juli, abends 8 Uhr: Fra Diavolo. Sonntag, 24. Juli, nachm. 3 Uhr:| DI« Fledermans. Operette von J. Strauss. Montag, 1. August, abends 8 Uhr: Der Postillon von Lonjumeau. Komische Oper von A. Adam. Heinrich Bötel als Gast. ' Billets zur Berliner Secessions-Ausstellung für Mitglieder ä 25 Pf. sind beim Kassierer zu haben. ) 150/10 Der Vorstand. I. A.: Heinrich Heft, Kassierer, Veteranenstr. 6. Komische Oper von Auber. Heinrich Botel als Gast. Upania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Insel Rügen. Sternwarte KleS: ) CASTAN S ANOPTICU/W. Friedriohstr. 155. Die vielbewunderten zusammengewachsenen Schwestern Rosa und Josefa: !! einzig dastehend in der Welt!! Passap-Pionii. Dan Dlirentveib, lebend. Der 16 jährige Riesenknabe Der lange Josef _ 217 ctm gross. SV** Nada und Mnemos,"OQ Gedankenleser. DerliClehen f n n d. 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Vereins- und Versammlungsrecht. 4. Presse. 6. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Konferenz für die gedeihliche Entwicklung der socialistischen Frauenbewegung richtet die Unterzeickmete die Auf- forderung an die Genossinnen im ganzen Reiche, möglichst bald sich mit der Konferenz und ihrer provisorischen Tagesordnung zu beschäftigen und in öffentlichen Versammlungen die Wahl von Delegierten vor- zunehmen, sowie zu veranlassen, daß diesen auch ein Mandat zum Parte,- tag übertragen wird. Selbstverständlich können auch Genossen als gleichberechttgte Delegierte an der Konferenz teilnehmen- Von den erfolgten Wahlen ist möglichst bald der Unterzeichneten Mitteilung zu machen. Ihr sind auch Anträge für die Konferenz bis zum 10. August spätestens einzusenden, damit dieselben ,n der „Gleichheit" zur allgemeinen Kenntnis der Genossinnen gebracht und von ihnen diskutiert werden können. Die Namen der Ncfereutlnncn für die einzelnen Punkte der Tagesordnung und das 1.okal der Konferenz werden später bekanntgegeben. Mit Parteigrutz OttilieBaader, Bertrauensperson der socialdemokratischen Frauen Deutschlands, Berlin 8. 53. Blücherstr. 49, Hof II Auf dem internationalen socialistischen Arbeiterkongreß in Amsterdam werden als Vertreterinnen.der Genossinnen Deutschlands die Genossinnen Luise Zretz. Hamburg und C l a r a Z e t k i n- Stuttgart teilnehmen. Der Kre.s Teltow-Beeskow-Charlottenburg hatte sich für nur eine Delegierte ausgesprochen, ohne jedoch eine solche zu bezeichnen. Eine entartete Mutter. Eine Majorsgattin der Kindesmißhandlung angeklagt. Braunschweig, 8. Juli. In der weiteren Zeugenvernehmung sagt der Zeuge Nimmer- aut. der während feiner Militärzeit Bursche beim Major v. Sydow war, aus: Der Sohn Hans Henning wurde stets bevorzugt. Beim Essen mutzte Annemarie allein sitzen und oft gleich nach der Mahlzeit das Zimmer verlassen.' Wenn das Kind bei den Schularbeiten nicht gleich begriff, dann wurde es von seiner Mutter geschlagen. Das iam jede Woche ein paarmal vor. Zeuge sollte einmal das Kind halten, damit es d.ie Angeklagte besser prügeln lonnte. Ein anderr.�al hat der Zeuge das Kind in den Kohlenkellcr sperren sollen. Er lehnte aber beides ab. Um Kleinigkeiten hat die Angeklagte das Kind an den Haaren gerissen und durch die Stube geschleift. Datz das Kind lügenhaft war. hat Zeuge nicht beobachtet. Die Angeklagte schlug blindlings auf das Kind ein. Zeuge hat das Kind oft schreien hören. Wenn Hans Henning das Frühstück vergessen hatte, dann mutzte Zeuge es ihm in die Schule bringen; bei Annemarie wurde dies nicht für nötig gehalten. Das Kind hat oft zur Strafe kein Abendbrot erhalten.— Zeuge Mohr Winkel war eben- falls Bursche beim Major v. Sydow und bekundet ähnliches.— Die Angeklagte bestreitet auch die Angaben dieser Zeugen. Blaue Flecke habe das Kind immer gehabt. �Heiterkeit im Zuhörerraum; der Vorsitzende droht, den Saal räumen zu lassen, wenn sich derartige Kundgebungen wiederholen.) Die blauen Flecke seien vom Fallen gekommen. Das Kind sei immer über seine eignen Fütze gefallen.— Den Zeugen ist hiervon nichts bekannt.— Die Zeugin Alwine Wächter war drei Wochen Köchin bei der Angeklagten. Annemarie bekam stets Leber- wurst zum Brot, während Hans Henning Schinken. Mettwurst und dergleichen erhielt. Einmal hatte Annemarie vergessen zu sagen, datz auf ihrem Schlafzimmer keine Seife mehr sei; die Zeugin hat eine Scheuerbürste holen müssen und die Angeklagte hat damit ihr Kind am ganzen Körper ohne Seife abgescheuert. Das Kind habe schrecklich geschrien. Einmal hat die Angeklagte zu Annemarie ge- sagt:„B.. st. wenn Tu man erst einmal tot wärest!" Dem Kinde haben wiederholt die Ohren geblutet.— Die Angeklagte behauptet. die Zeugin gehöre zu den Personen, die gegen sie ein Komplott ge- schmiedet haben. Sie habe das Kind nicht mit der Scheuerbürste, sondern mit einer Nagelbürste abgescheuert.— Zeuge Rokobi hat auch beobachtet, datz das Kind viel Prügel bekam, meistens um Sachen, die eine Tracht Schläge kaum wert waren. Die gnädige Frau sei zum Herrn Hauptmann gegangen und habe gesagt, das Kmd müsse Strafe haben, dann habe es eben Strafe gegeben. Der Herr Hauptmann habe das Kind geohrfeigt, daß es in die Ecke flog. Der Zeuge hat das Kind öfter schreien hören. Die„gnädige Frau" hat das Kind auch oft geschlagen. Ost mutzte das Kind aufstehen vom Ncitwgstisch, durfte nicht mehr weiter essen und mutzte zusehen, wie die Eltern und der Bruder es sich schmecken liehen.— Der Verteidiger hatte diesen Zeugen als E n t l a st u n g S zeugen laden hält ihm seine früheren für die Angeklagte günstigeren Aussagen vor.— Der Zeuge bemerkt, datz er bei seiner ersten Vernehmung nicht recht gewußt habe, um was es sich handelte; er habe sich tnMischen. die Vorgänge in die Erinnerung zurückgerufen und sage die Wahrheit. Zeugin Emma Habe kost war im vorigen Jahre 7 Monate als 5töihin beim Aiaior v. Sydow. Wenn Annemarie einen Straf- z e t t e l mit aus Schule brachte, dann prügelte sie der Vater mit der Reitpeitsche. tvcutter stand dabei und rief dem Kinde, das aus dem Teppich lauerte, zu, es solle still sitzen, sonst schlage der Vater, wo er hinkomme.£« Vater schlug über Rücken, Kopf und Hände. Der Hauptmann bar das Kind mit einem Lederriemen auch über die Hände geschlagen. JCw Angeklagte hat ihr Kind auf dem Korridor einmal an dem Haarzops hin. nnd hergerissen, ein andermal mit dem Kopfe mehrcrcmal hintereinander gegen die Wand ge- stoßen. Die Angeklagte habe ras Kind ins Genick gefaßt und mit der Stirn gegen die Wand gestogen. Frau p. Sydow sei häufig sehr aufgeregt und stets sehr aervos gewesen. Wenn das Kind ein Buch wegzuräumen vergessen hatte, dann holte es die Mutter wieder aus dem Bette und züchtigte es. Die Zeugin hat das Kind oft schreien hören und bald darauf 9 eschen, datz dem Kinde die Nase blutete, und schließt daraus, datz d>e Angeklagte das.Kind ins Gesicht � geschlagen hat.— Die A n g e k lag t e bemerkt, Annemarie habe öfter Nasenbluten gehabt infolge F?bens beim Spielen. So heftig. wie die Zeugin es geschildert, habe sie das Kmd nicht gegen die Wand gestoßen.— Zeugin Minna Ii n g: Annemarie habe fast täglich Schläge bekommen, weil das Kind gelvgei mne Schularbeiten gemacht oder von der Schule nicht pünktlich nacti� Hause gekommen sei. Im Kinderzimmer hat die Angeklagte ihre Tochter einmal gefaßt und mit dem Kopf« gegen die Wand gestoßen. Der Vater habe dem Kinde einmal ein paar heftige Ohrfeigen gegeben. Das war während des Mittagsmahles. Das Kind war immer sehr traurig. Auf dem Kopfe habe das Kind dicke Beulen gehabt. Im Zimmer des Herrn v. Sydow hätten zwei Peitschen gehangen, mitdenen dasKind geschlagen wurde, datz diese Peitschen auch einmal zu einem andern Zwecke benutzt wurden, hat die Zeugin nicht gesehen. Einmal mutzte Annemarie eine Peitsche holen und ihrer Mutter ins SclMf- zimmer bringen, wo das Kind dann von ihrer Mutter gezüchtigt worden sei. Die Zeugin bekundet weiter, datz ihr erzählt sei, Herr v. Sydow habe das Kind am Zopf gepackt, hochgehoben und geohrfeigt. Einmal habe Herr v. Sydow das Kind gezüchtigt, da habe die Mutter zu dem am Fußboden liegenden Kinde gesagt:„Bleib' mir liegen, Du bekommst erst noch einen Tritt." Dem Kinde habe fast täglich die Nase geblutet. Einmal hat die Angeklagte zu ihrem Kinde gesagt: „Wenn Du man gestorben wärst und Anneliese wäre am Leben ge- blieben." Um 7 Uhr wurde dre Verhandlung abgebrochen. Braunschweig, 9. Juli. Heute morgen wurden die Verhandlungen im großen Schwur- gerichtssaale fortgesetzt. Die Angeklagte sieht heute blaß und an- gegriffen ans. Frau Jörns verneint zunächst die Frage des Vorsitzenden, ob sie von andrer Seite gegen die Angeklagte aufgehetzt sei. Die Zeugin ist vor ihrer Verheiratung(von Oktober bis Dezember 1903) Köchin bei Sydows gewesen. Sie war empört über die Behandlung des Kindes. Als Annemarie einmal zu spät aus der Schule kam, sagte dies die Angeklagte ihrem Ehemanne, der erwiderte, dann müsse Annemarie gestraft werden. Major v. Sydow hob darauf seine Tochter am Haarzopfe in die Höhe, so datz die Fütze des Kindes den Boden nicht mehr berührten, warf es dann zur Erde nnd trat es mit dem Stiefel. Als das Kind sich wieder erheben wollte, sagte die Angeklagte, es solle nur liegen bleiben, es bekomme noch mehr.— Der Verteidiger bemerkt, in der Verhandlung des Kriegs- gerichts der 2 0. Division in Hannover gegen Major v. Sydow habe die Zeugin nicht so belastend ausgesagt. Es wird darauf das Protokoll des Kriegsgerichts verlesen, das sich im großen und ganzen mit den Aussagen der Zeugin deckt. Kriegsgerichtsrat G r a u e r t, welcher der Verhandlung bei- wohnt, erbittet sich das Wort zu einer Erklärung. Der Vorsitzende erklärt jedoch, datz er dies nicht gestatten könne. Zeugin Anna Wacker nagel: Eines TageS kam Annemarie in die Küche und bat mich, ich möge einmal auf ihren Kopf fassen: „Mütterchen" habe sie über den Kopf geschlagen! Ich faßte hin und fand eine große Beule auf dem Kopfe. Die Zeugin hat auch selbst gesehen, datz das Kind mißhandelt worden ist. Namentlich nach dem Mittagessen hörte die Zeugin, wie das Kind mißhandelt wurde. Es war schon so abgestumpft, datz es gar nicht mehr weinte, wenn es nur Ohrfeigen bekam. Einmal ist die An- geklagte auch liebevoll zu ihrer Tochter gewesen: am Tage als sie wegen der Mißhandlungen zum Polizeipräsidenten citiert worden und dann nach Hause zurückgekehrt war. Sonst hat die Zeugin nie bemerkt, datz die Angeklagte zu ihrer Tochter zärtlich war.— Angeklagte: Ich mutz auch diese Bekundungen energisch bestreiten. Auch diese Zeugin gehört dem Komplott an.— Vorsitzender: Ja, das sind Vermutungen. Sie sehen ja, die Zeugin nimmt alles auf ihren Eid.— Die Zeugin giebt zu, daß eine Frau Schäfer sie gefragt habe, ob es wahr sei, datz das Kind mißhandelt werde. Sie habe das bejaht, sonst aber mit der Frau nichts zu thun gehabt und kenne sie auch weiter gar nicht. Der Verteidiger beantragt nun, den Kriegsgerichtsrat G r a u e r t als Zeugen zu vernehmen.— Der Gerichtshof beschließt dies und Kriegsgerichtsrat G r a u e r t bekundet, datz er von der Zeugin Jörns, als sie in der Verhandlung gegen den Major v. Sydow vor dem Kriegsgericht in Hannover vernommen wurde, den Eindruck gewonnen habe, datz die Zeugin ihre Bekundungen nach bestem Wissen und Gewissen mache. Im Interesse der Wahrheit habe er sich für verpflichtet gehalten, weiter zu fragen und da habe die Zeugin bekundet, daß sie gesehen, datz der Fuh des Majors v. Sydow das am Boden liegende Kind berührt habe. Die Zeugin Margarete K ö ch y war Hausmädchen bei Frau v. Sydow. Sie ist wieder fortgegangen, weil das Kind fortgesetzt mißhandelt wurde und weil Frau v. Sydow häßlich zu ihr. der Seugin, war. Das Kind sei tagtäglich geschlagen worden. Einmal at die Zeugin gesehen, wie der Major das im Korridor am Boden liegende Kind mit der Peitsche mißhandelte.— Die Angeklagte bestreitet auch diese Angaben, insbesondere auch, datz ihr Ehemann mit einer Klopfpeitsche geschlagen.— Soldat Alte niedecker ist Bursche bei v. Sydow. Er hat gesehen, datz Annemarie einmal ein paar Ohrfeigen von der Angeklagten erhalten hat, weil sie ihre Schulbücher vergessen hatte.— Vors.: Waren die Ohrfeigen heftig?— Zeuge: Nujal— Vors.: Sie hätten sie wohl nicht haben mögen?— Zeuge: Nein!— Der Zeuge hat aus dem häufigen Wimmern und Weinen des Kindes geschlossen, datz es viel gezüchtigt worden ist. Der Zeuge mutzte Annemarie auch einmal in den Keller sperren. Es war an einem Sonntag. Nach dem Mittagessen mutzte Annemarie schlechtes Zeug anziehen und wurde dann in den Keller gesperrt. Wie lange das Kind dort zubringen mutzte, weiß der Zeuge nicht. EswarimWinter. Im Keller war es kalt. Die nächste Zeugin ist Frau G r a h l. Ihr wird von der An- geklagten vorgeworfen, das Komplott gegen letztere geschmiedet zu haben. Die Zeugin hat regelmäßig im Sydowschen Hause ge- plättet. Schon als kleines Kind sei Änneniarie nicht gut behandelt worden. Als die Familie v. Sydow noch auf der Bismarckstratze wohnte(bor 1900), hat das Kind der Zeugin schon geklagt, daß es von seinen Eltern so schv-vr gezüchtigt werde. Die Dienstboten haben fast sämtlich der Zeugin erzählt, datz das Kind schwer und häufig gezüchtigt werde. Vor mehreren Jahren hat die Zeugin einmal ge- hört, wie Annemarie die Worte nachsprechen sollte:„Seine königliche Majestät". Da es das nicht gleich fertig brachte, so erhielt cS Ohr- feigen. Tie Zeugin hörte es klatschen. Weiter bekundet die Zeugin, an dem Kinde Verletzungen, die vom Kratzen und Kneifen herrührten, gesehen zu haben. Daß der Bruder Hans Henning besser behandelt wurde als seine Schwester, hat diese Zeugin auch bemerkt. Polizciwachtmeister B a h n e m a n n hat infolge der anonymen Anzeige, die gegen Frau v. Sydow eingelaufen war. die ersten Er- Mittelungen angestellt. Der Vorsitzende macht den Zeugen darauf aufmerksam, daß die jetzigen Aussagen der Zeugen zum Teil mit der polizeilichen Vernehmung nicht übereinstimmen. Der Zeuge ver- weist auf die bekannte Thatsache, datz Zeugen vor Gericht unter Eid sich immer mehr Beschränkung auferlegen als bei der polizeilichen Vernehmung. Er habe die polizeilichen Protokolle nach besten Wissen und Gewissen abgefaßt. Hierauf wird die Aussage des kommissarisch vernommenen Schuldire ktors Prof. Krüger verlesen. Derselbe schildert Annemarie v. Sydow als faul und verlogen, autzerdem auch als schwächlich. Als der Zeuge von den Mißhandlungen gehört, hat er das Kind befragt, blaue Flecken und andre Spuren an dem- selben aber nicht bemerkt. Nur einen blauen Flecken habe das Kind am Finger gehabt und gesagt, der sei von selbst gekommen. Wenn die Mißhandlungen wahr seien, dann kann sich Zeuge die Verlogenheit des Kindes erklären.— Die Lehrerin Anna D o m m e S von der höheren Mädchenschule hat bei der kommissarischen Ver- nehmung ebenfalls daS Kind als zur Lüge neigend bezeichnet. Das Kind habe trockenes Weißbrot zur Schule mitbekommen. Seitdem die englische Erzieherin im Hause war, habe Annemarie nach ihrer Aussage nicht mehr soviel Schläge bekommen. Die Angeklagte habe eine starke Abneigung gegen das Kind gehabt. Auf Veranlassung der Lehrerin hat das Kind jeden Morgen ein Glas Milch bekommen. Als Annemarie einmal Leibschmerzen hatte, hat Fräulein Dommes das Kind durch zwei Kinder heimgeleiten lassen. Diese Kinder habwr, gleich nachdem sie das Sydowsche Haus wieder verlassen, Annemarie heftig weinen hören und haben daraus geschlossen, datz Annemarie geschlagen worden sei. Bei den Mitschülerinnen sei Anmemane v. Sydow sehr beliebt gewesen. Sie sei ein zutrauliches, liebe- bedürftiges Kind gewesen, das für jedes freundliche Wort dankbar war.— Frau v. Voigt wohnte mit Sydows in einem H�.use und hat durch das Dienstpersonal von der strengen Behandlung Anne- marie v. Sydow gehört. Sie hat das Kind auch häufig wein en hören. Um den Spektakel in der Sydowschen Wohnung nicht zu h-�reu, hat der Gatte der Zeugin sich ans Klavier gesetzt und musiziert. Die Angeklagte hat oft der Zeugin gegenüber Klage über ihre Tochter Annemarie geführt, die schwer zu erziehen sei. Major Z a e n g e l kann aus persönlichen Beobachtungen über den Charakter der Annemarie nichts mitteilen. Der Vater habe sie immer als schlecht geartet bezeichnet. Die Angeklagte Hube einen guten Charakter. Als die Gerüchte über die Mtzhandluoigen laut wurden, hat der Zeuge dieselben als unglaubhaft bezeichrnet. Dem Major v. Sydow habe es anscheinend immer Schmerz und Kummer bereitet, wenn er seine Tochter bestrafen mutzte.— Freiu Major Z a e n g e l hat von einer schlechten Behandlung des jhindets niemals etwas bemerkt. Als das Kind noch klein war, habe sich Uie Mutter sehr um dasselbe gesorgt.— Hauptmann v. H e i n i tz hat srüher viel im Sydowschen Hause verkehrt. Frau v. Sydow sei dronals eine milde und gute Mutter gewesen. Später sei das anders geworden. Der Sohn sei der Tochter vorgezogen. Herr v. Sydow habe oft seine Besorgnis über die Schwierigkeiten geäußert, die die Erziehung der Tochter machte.— Frau v. W u t h e n o w bekundet, daß die Angeklagte ihr oft ihre Not über die schwierige Erziehung d:r Tochter geklagt habe. Auf Autrag des Verteidigers wird die im Zuhöreiiraum an- wesende Nichte des Majors v. Sydow, Fräulein Else H e l t r o g, über den Charakter der Angeklagten vernommen. Sie bekundet, datz die Angeklagte allerdings sehr erregt sei, aber das Beste ihres Kindes gewollt habe. Nach Schluß der BeweiSaufttahme und den Plaid ohers des Staatsanwalts und des Verteidigers gelangte das Gerücht zu dem schon telegraphisch gemeldeten Urteil: vier Monate Gefäniznis wegen gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen. In der Urteilsbegründung wurde herv-orgehoben: Der Gerichtshof ist davon ausgegangen, datz die Angeklagte ihr Kind in nnzählig vielen Fälle» körperlich mißhandelt' hat. Die Angeklagte hat in zahllosen Fällen dciS Züchtigungsrecht, daS das Gesetz ihr einräumü, über- schritten. Das Gericht hat den Bekundungen des gesamten> Dienstpersonals Glauben schenken müssen, da für die iZehauptung der Angeklagten, es liege ein Komplott vor, nach Ansicht!des Gerichts' nicht der mindeste Beweis erbracht worden sei. Ja, man möchte sagen, die Angeklagte sei in geradezu gransamer Weise gegen das Kind vorgegangen, so datz Bestrafung ganz zweifellos eintraten mutzte. Das Gericht nimmt an, daß es die Angellagte in gett'isser Weise auch darauf abgesehen hatte, die Fehler des Kindes'«uszurotten, und viele Fehler hatte das Kind. Die Angeklagte ifjt nicht die heftige Person, die ihr Kind lediglich aus Lust am Quälen züchtigt, wie die Anklage von vornherein angenommen, sondern das Gericht hat da§ Motiv der Angeklagten in einer gewissen Lieblosigkeit gefunden; ihr hat das Kind nicht gepaßt. Die An- geklagte ist eine kalte Natur, bei der die Vernunft stärker ist, als ihr Gefühl. Der Vorsitzende erörtert nun die Rechtsgrnnde, aus 'denen eine Verurteilung wegen leichter Körperverletzinng nicht erfolgen konnte. Zur Bestrafung übrig blieben mich Ansicht des Gerichts fünf Fälle, und zwar zuerst diejenigen, wo daS Kind von der Angeklagte« mit dem Kopf gegen harte Gegenstände gestoßen worden sei. In zweien dieser Fälle hat daS Gericht auf Grund der konkreten Umstände feststellen müssen, daß eine das Leben des KindcS gefährdende Behandlung vorliegt und in einem weiteren Falle habe das Gericht gemeinschaftb.che Körperverletzung angenommen. In dieser Beziehung kann das Gericht der Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht völlig beitreten, datz dies Gericht niit dem Major v. Sydow gar nichts zu thun habe. Richtig ist allerdings, datz dieser an und für sich einer andren Gerichts- b a r k e t t untersteht, doch hat das Gericht bei der richterlichen Bcweiswllrdigung auch die Handlungen des Majors in Betracht ge- zogen, soweit sie mit dem Handeln der Angeklagten zusammenfallen. Einen solchen Fall hat das Gericht angenommen, als der Major das Kind geschlagen und nachdem er es auf den Fußboden geworfen, mit Füßen getreten habe. Hier hat die Angeklagte nach einer dem Gerichte glaubhaft erschienenen Zeugenaussage zu dem Kinde gesagt, es solle liegen bleiben, sonst erhalte es noch einen Fußtritt, und damit hat die Angeklagte sich zurMitthäterin gemacht, Mitthäterschast der Angeklagten liegt umgekehrt nach Ansicht des Gerichts auch in den Fällen vor, wo sie den Major aufforderte, das Kind zu schlagen und die Ueberschreitimg des Züchtigungsrechts alsdann in ihrer Gegenwart geschehen Uetz. Daß die Angeklagte sich der Uebertretung des ZüchtignngSrechtS bewußt' gewesen ist, daran hat das Gericht nach dem Bildungsgrade der Angeklagten keinen Zweifel gehabt. Das Gericht hat dagegen lange erwogen. ob der Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt werden könnten. Bei der großen Anzahl der Mitzhandlunge» und weil der Grund dafür fast lediglich Lieblosigkeit, gewisser- maßen sogar Prügelsucht gewesen sei, um dem Kinde UebleS zuzufügen, so mutzte daS Gericht von der Zubilligung mildernde r�U rn st änd e absehen. Richtig ist, datz die angesehenstem Stanoe ungehörige Angeklagte eine Gefängnisstrafe viel schwerer trifft, als jemanden, der diesem Stande nicht angehört, aber gerade ihr hoher Stand habe der Angeklagten Veranlassung geben müssen, sich um so mehr in acht zu nehmen. Das Gericht hat für jede That eine Gefängnis» strafe von zwei Monaten(gesetzliche Mindeststrafe bei Versagung mildernder Umstände) eingesetzt und daraus eine Gesamtstrafe von vier Monaten Gefängnis gebildet. Die gesamten Kosten des Verfahrens mutzten der Angeklagten aus gesetzlichen Gründen äur Last gelegt werden. Die Angeklagte nahm das Urteil inauftechter faltung ohne merkliche Erregung entgegen. Im Publikum erschollen, nachdem der Präsident die Sitzung für geschloffen erklärte, laute Bravorufe, worauf die an- ivesenden Gendarmen zur Räumung der Zuhörerräume schritten. Nachdem hielt eine vielhundertköpfige Menschenmenge die Stratze vor dem Justizbehörde noch lange besetzt. WitterunzSüberstcht vom 11. Juli 1904, morgen» 8 Uhr. Stationen Swinemde. erlin Franks.a.M. München Wlen 1= u CO 8}= 765 767 766 765 765 764 Ü I Sf NW NW NW N SO N Weiler 2 wolkig 3 halb od. 2wolkenl 4'wollcnl 4wolkcnl 2wolkcnl -ÜSK = V Ö II ££ w ü- Siationen a 3 »— Havaranda Petersburg Cork Merdeen Pari» *' v 755 NO 749.N3B 768N 763NO Weller bebeckt 1 Regen 2 heiter Lwolkenk «is C Ä H w& 10 12 ~7 1« «Vetter-Prognose für DienStag, den 18. Juli 1904. Trocken und vorwiegend heiter, nachts kühl, um Mittag warm bei mäßiget» nordöstlichen Winden. B e r l i n e r W e t t e r b u r e a u. Wasserstand am S. Juli. Elbe bei Aussig- 0.53 Meter, bei Dresden— 1,94 Meter, bei Magdeburg+ 0,52 Meter.— U n st r u t bei Straußfurt-j- 0,35 Meter.— O d e r bei Ratibor-1- 0,70 Meter, bei Breslau Ober. Pegel+ 4,52 Meter, bei Breslau Unter- Pegel— 1,59 Meter, bei Franlsurt+ 0,52 Meter.- W e i ch j e l bei Brahemünde+ 2,12 Meter.— Warthe bei Posen+ 0.04 Meter.- Netz» bei Usch � 0.33 Meter. Reserent: Reichstags-Mg� 2. Diskussion. 3. Bericht des Vorstandes. des Kassierers und Soeialdemokratiseh. Wahiverein Rixdorf. Mittwoch» den 13, Juli» abends S'/a Uhr» im Lokale des Herrn Thiel, Bcrgstr. 151-152: NM- General»Versammlung.-WU -«Ein Rülkblick nuf die Thiitigkeit des Reillistages." Genosse KodvN'E 2. Diskussion. 3. Bericht des Vor d°s Bibliothekars. 4 Erlatzwahl eines Ncoisors. 5. Wahl von drei Delegierten zur Kreis-General-Versamiiilung. e. Ausnalhme neuer Mitglieder. 7. Vercinsangclegcnhciten und Verschiedenes. VUT' Mitgliedsbuch legitimiert. 232/18 _ Uta recht zahlreiche Beteiligung der.Mitglieder ersucht_ Per Vorstami. DkrKmpsMMcktPMbt! Folgende Bäckenneister haben am Montag, den 11. d. Mts.» den Tarif anerkannt und unterschrieben, sind als geregelt zu betrachten und in der Sonntagsliste nachzutragen: Uttl1-P«teii Grünauerstr. 12, H. Büß. Adnriralftr. 10, Hanke. Forsterstr. 42, Th. Prötzel. Köpnickcrstr. 23, Hanke. Manteustell tr. 61, Zl. Stolla. schchjtigt nur r/ehrlinge.) Naunhnstr. 64, E. Heilmann. Oppelnerslr. 3ö. A. Krause. (Bc- Oranienstr. 196, F. Thieine. Pücklerstr. 48, O. Diettrich. Ratiborstr. 17. I. Nücker. Skalitzerstr. 95, H. Stammwitz. Wrangelsir. 77, E. Gentzmann. As«ra-�Ve»tei». Siemensstr. 17, F. Heyden. Die Forderungen durchbrochen resp. folgende Bäckermeister und sind deshalb aus zu streichen: Zi'or«1-P»ten. Pallisadenfw. 100, Kukwa. iSii il-Osten. Glogaucrfti. 2, Kotzan. Kottbuser Damm 20, Böhme. Psiten. Boxhagenerstr. 33, P. Sturm. Marternstr. 2, W. Zeplin. 8ii«1ei». Gräfestr. 10, Krause. Schönleinstr. 23, SlndcrS. Plxckorf. Karlsgartcnstr. 13, H. Kadow. HVel�isensee. Hcinersdorscr Weg 24, R. Engel. Eharlottenburgerstr. 93, E. Engel. .Alt-CiHenleKe. Köpnickcrstr. 44, O. Staberhofs(hat bereits am 8. d. MtS. unterschrieben). zurückgezogen haben der Liste der Velvilligten Urbanstr. 49, W. Hein. Camphauscnstr. 6, Zündler. Zichtestr. 22, Bergncr. HMur jedetlhr boi mir zu reparieren n. reinigen unter Garantie des Gut- fehentz(ohne Bruch), kleine Keparaturen billiger. 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März 1904 haben nachstehend aufgeführte Paragraphen des Kassenstatuts folgende Äenderungen erfahren: § iy Absatz 1 erhält folgende Fassung: Für den Todesfall eines Mitgliedes gewährt die Kasse ein Begräbnisgold im 40 fachen Betrage des durchschnittlichen Tagelohnes(§ 9), mindestens aber im Betrage von 50 M. Derselbe Paragraph erhält folgenden Zusatz: Im Todesfalle der Ehefrau eines Mitgliedes gewährt die � �---- ViOA J-»1101i Berantw. Redakteuri P»ul" Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil veraiitw.: Th. Glocke, Berlin. Dnick u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Bcrlagsanstalt Paul Singer Lr Co.» Berlin LM