Hr. 164. DtonnemfntS'Btdlnguiwih lÄonnemer.tä. Preis pränumerando; «u'rtcljihrl. 3,30 MI,, monatL 1,10 MI, wöli�entvch 28 Pfg. frei ins HauS. einz elne Numme- 5 Pfg. Sonntags, nununer mit illustrierter Sonntags» Vellage.Die Neue Welt* 10 Pfg. Post- Abonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. 31. Jahrg. crtchelnl»glich nBer ElsnUgt. Vevlinev Volksblcrkk. Die Tnfertions'Gebfltr Betragt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 10 Pfg., für politische und gcwerlschaslliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 2S Pfg. „Aleine ZZnreigcn". das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormsttags geöffnet. Telegramm-Adresse: ..Su>»>ilcmsllr»i BilUn". Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Lll. 68. Lindenetrasae 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 6xpediHon: SÖ3. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Ohm Krüger. Clarens �Kanton Waadt), 14. Juli. Der frühere Präsident von Transvaal Krüger ist in der Nacht gestorben. Der ehemalige Präsident der.Südafrikanischen Republik', Paul Krüger, ist im vierten Jahre seines Exils, im neunundsiebzigsten Jahre seines Lebens gestorben. Ein nicht unbegabter Staatsmann und eine in sich geschlossene, markante Persönlichkeit von seltsam altvaterischem Charakter ist in ihm dahingegangen. Paul Krüger, oder, wie man den alten Mann wegen seines patriarchalischen Wesens allgemein nannte, Ohm Krüger, war zu« gleich der Typus eines aussterbenden Geschlechts. War er doch der Repräsentant jenes derben, zähen, phlegmatischen, frciheitsstolzen und kulturell rückständigen Viehzüchterschlages hauptsächlich holländischer Abstammung, der das südafrikanische Steppenland zuerst besiedelte und sein primitives Dasein zwischen.Treken', Jagdzügen und Kaffernkriegen teilte. Durch die Engländer wurden die.Trek-', das heisit von Weide zu Weide schweifenden Boeren immer weiter in das Innere des Landes zurückgetrieben. Ein Teil der Voeren unterwarf sich den Engländern und wurde seßhaft, ein andrer Teil, der seine Nomaden- freiheit nicht aufgeben wollte, verließ die kaum erworbene Heimat und gründete in den Gebieten der teils verdrängten, teils unterworfenen Kaffernvölker neue Staatengebilde: Natal, den Oranjefreistaat und die Südafrikanische Republik. Hier führten sie die gleiche patriarchalische Lebensweise wie ihre Urväter, die sich vor hundert und mehr Jahren in der damals noch holländischen Kapkolonie niedergelassen hatten. Weit verstreut lagen ihre schmuck losen Blockhäuser, denn das Vieh jeder Familie bedurfte ungeheurer Weideflächen. Der Boer selbst arbeitete nicht, die Feld- und Hüte- Arbeit überließ er dem eingeborenen Gesinde, das in beinahe sklavenmäßiger Whängigkeit lebte und unter strenger Behandlung stand. So verbrachte der Boer, wenn nicht Jagd und Krieg in sein eintöniges Dasein Abwechslung brachten, sei» Dasein in phlegmatischer Ruhe. Auch die geistigen Bedürfnisie dieses ur- wüchsigen Menschenschlags waren sehr geringe. Die Bibel war oft das einzige Buch, das in seinem Hause auszutreiben war. Das war das„Milieu', in dem Ohm Krüger heranwuchs und den größten Teil seines langen Lebens verbrachte. In seiner Jugend führte er das landesübliche Leben eines wandernden Hirten. Sein kräftiger Körper stählte sich bei den Jagd- und Kriegs- abenteuern, von denen er in einer nach seinem Diktat nieder geschriebenen Biographie mit Behagen erzählt. Ein Ueberinaß von Wissen eignete sich Krüger niemals an, wie den übrigen Boeren war mich ihm die Bibel die hauptsächliche ErbauungS» und BildungS- quelle. Dafür zeichnete ihn vor andern seinesgleichen ein natürlicher scharfer Verstand aus. der ihm in Verbindung mit großem persön- lichen Mut und ungewöhnlicher Energie allmählich eine führende Rolle in den politischen Geschicken seines Landes zuwies. Schon mit siebzehn Jahren wurde er zum Feldkornett ernannt. Infolge seiner Tüchtigkeit, die ihm mehr und mehr das Vertrauen seiner Lands- leute gewann, wurde er mit immer wichtigeren politischen Missionen betraut. Drei Jahrzehnte lang hatten sich die Boeren in Transvaal der Unabhängigkeit erfteut, als 1877, nach einem langwierigen, opfer reichen Kriege mit dem Kaffernhäuptling Secocoeni die Briten die geschwächte Rupublik annektierten. Aber schon 1880 erhoben sich die Boeren unter PretoriuS, Joubert und Paul Krüger und erkämpften sich durch den Sieg am Majubaberge wieder die ehemalige Freiheit. Wegen neuer Boerensiedelungen im Betschuanaterritorium kam es abermals zu Reibungen mit England. Paul Krüger wurde nach London entsandt und eS gelang ihm, durch einen neuerlichen Vertrag im Jahre 1834 die Unabhängigkeit der Boeren dergestalt zu sichern, daß Transvaal, oder wie es von nun ab hieß, die S ü d- afrikanische Republik, völlig unabhängig sein und nur zu Verträgen mit andren Staaten, ausgenommen die Oranje-Republik, der Zustimmung Englands bedürfen solle. So schien die Unabhängigkeit der Boerenrepublik auf absehbare Zeit gesichert, da wurden 1836 in Transvaal die Goldminen ent- deckt. Die reichen Goldschätze dieser Minen wurden zur Ursache einer völligen socialen Revolution der Republik und schließlich ihres Unterganges. Englische und amerikanische Kapitalisten wurden die Ausbeuter der gewaltigen Goldschätze. Sie zogen eine Unmasse von Fremden ins Land, so daß schließlich die Zahl der Fremden die der Boeren überstieg. Verhältnismäßig große Städte wuchsen in dem Lande empor; Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft platzten feindlich aufeinander. Die Boeren suchten in ihrer Weise die Goldschätze auch für sich zu fruktifiziercn. Sie belegten die Goldproduktion mit hohen direkten und indirekten Abgaben. Die reichen Erträgnisse benutzten sie zur Verbesserung ihrer Finanzen, zur Schaffung einer geordneten Ver- ivalwng, zu militärischen Rüstungen; ein nicht unerheblicher Teil des Geldes soll auch in die Taschen einflußreicher Boeren geflossen sein. Es wird behauptet, daß auch Ohm Krüger selbst die günstige Konjunktur trefflich ausgenutzt haben soll. Thatsache ist jedenfalls, daß er ein gewaltiges Vermögen erwarb. Dieser Zug von Bauern- schlauheit und ausgeprägtem Erwerbssinn paßt jedenfalls vollständig zu dem Charakterbild des Boerenpatriarchen. Je gewaltiger der Zustrom von Fremden war. desto bedrohter mußten sich die Boeren in ihrer Herrschaft fühlen. Räumten sie den.Uitlandern' ohne weiteres Staatsbürgerrechte ein. so liefen sie Gefahr, bald überstimmt zu werden und sich dem Einfluß der Fremden ausgeliefert zu sehen. Sie machten deshalb die Erwerbung des Staatsbürgerrechts von schwer erfüllbaren Bedingungen abhängig. Diese Rechtlosigkeit der Fremden aber benutzte England, um im Interesse er„höheren Kulwr' zu intervenieren. Nachdem schon 18SSJameson. das Werkzeug Cecil RhodeS, einen kecken Handstreich gegen die Republik unternommen hatte, der jedoch kläglich gescheitert war, setzte 1899 England der Republik die diplomatische Pistole auf die Brust. Vergebens waren alle Versuche Paul Krügers, der seit 1883 als Präsident an der Spitze des Staates stand, eine Einigung auf der mittleren Grundlage zu erzielen. So sahen sich denn die Boeren gezwungen, zur Erhaltung der Selbständigkeit zu den Waffen zu greifen. Der Verlauf des Krieges ist bekannt. Nach anfänglichen glänzenden Erfolgen erlagen die Boeren der kolossalen lieber- macht der Engländer. Ms sich das Kriegsglück wandte, als Lord Roberts im Juni 1990 in Pretoria einrücken konnte, verließ Ohm Krüger über Laurenzo Marquez Süd afrika, um, wie die Boerenregicrung amtlich bekannt gab, in Europa die Vermittlung der Mächte anzurufen. Seine Haupthoffnung dürfte damals Ohm Krüger dabei auf Deutschland gesetzt haben. Es waren ja erst vier Jahre verstrichen, seitdem er von Wilhelm II. jenes berühmte Telegramnt erhalten hatte, in dem er dazu beglückivünscht worden war, daß es ihin „ohne dir Hilfe befreundeter Mächte" gelungen sei, den James mischen Putsch zu unterdrücken. Und nicht jenes Telegramm allein konnte Krügers Hoffmmg auf einen deutschen VermittelungSversuch beleben. Hatte doch 1396 der Staatssekretär v. Marschall im Sieichstag erklärt, daß Deutschland wünsche, die Selbständigkeit der südafrikanischen Republik erhalten zu sehen, und daß Deutschland sich der Pflicht, seine legitimen Interessen zu schützen, niemals ent ziehen werde. Ganz abgesehen davon, baß damals die ganze Regierungspresse von der„drohend erhobenen Faust" Deutschlands bramarbasiert und specicll die„Köln. Ztg.' beteuert hatte, daß Deutschland es„ernst meine', nicht nur mit Worten,„sondern auch mit Thaten l' Ohin Krüger ist zweifellos trotz aller Bauernschlichtheit und Bibelfestigkeit allezeit ein geriebener Diplomat gewesen, aber die deutsche Diplomatie ist ihin sicherlich ein Gegenstand des KopfschüttelnS geworden. Im Jahre 1896 diese Drohungen gegen Eng land, und im Jahre 190V eine geradezu unglaubliche RechnungS trägem gegenüber England. Als Krüger zuerst in Frankreich landete, bereitete dieses Land, das sich doch für die Boeren nie« malS ins Zeug gelegt hatte, dem greisen Flüchtling begeisterte Ovationen. Und nicht nur daS Volk l Ohm Krüger wurde vom Präsidenten der Republik im Elysee empfangen und mit aus gesuchter Höflichkeit behandelt I Als er jedoch die deutsche Grenze überschritten hatte, mußte er sofort erleben, daß die Re gierung ihm mit eisiger Kälte begegnete und die Polizei alles aufbot, um alle Ovationen des Volkes zu unterdrücke». Vor allen Dingen aber harrte er vergebens auf die ersehnte Nachricht, nach Berlin kommen zu dürfen und vom Kaiser enipfangen zu werden I Diese Nachricht traf nicht ein. Die„legitimen Interessen' Deutschlands hatten eine geheimnisvolle Wandlung erfahren. Man dachte an keinen VerniittelungS- versuch. Und man glaubte— dam alsl— die Neutralität so peinlich beobachten zu müssen, daß man dem unglücklichen Manne nicht einmal die Höflichkeit erwies, die der Präsident der französischen Republik als erster anstandslos bewiesen hatte. Man gab Krüger schließlich einen Wink mit dem Zaunpfahl, worauf er Deutschlands ungastlichen Boden verließ und direkt nach den Niederlanden weiterreiste. Ebenso eigenartig benahm sich die deutsche Presse. Dieselbe „Kölnische Zeitung' zum Beispiel, die 1896 versichert hatte, daß Deutschland zum Schutze der Boeren auch vor ernsten Thaten nicht zurückschrecken werde, beteuerte 1VVV, daß Deutschland doch un- möglich„LandsknechtSdieitstc um ftcmde Interessen' leisten könne. Die Alldeutschen, die sich bei der Krüger-Affaire freilich auch nichts weniger als heldenhaft benahmen, brachten diesen Front« Wechsel der„Kölnischen Zeitung" und ihrer Geistesverlvandten mit einem Geschäftsbericht der De BeerS-Companie Cecil RhodeS in Verbindung, nach dem für AgttationSzwecke nach Köln 1200000 M., nach Berlin 7 000 000 M. gegangen sein sollten. Die Kölnische klagte daraufhin und die Beleidiger wurden auch zu 100 sl) resp. 200(I) M. Geldstrafe verurteilt. Den angebotenen Wahrheitsbeweis dafür, daß außerhalb KölnS, also in Pretoria. Mitarbeiter der„Köln. Ztg.' bestochen worden seien, hatte daS Gericht abgelehnt!— Ohm Krügers diplomattsche Sondierungen waren überall ver- geben«. Kein Staat verspürte Lust, England an dem Verspeisen eines kleinen Freistaates zu verhindern, da sich ja bei allen der gleiche„weltpolittsche' Appetit regte. Eine Krähe hackt der andren nicht daS Auge aus, wenn eS sich nicht um den Streit um die gleiche Beute handelt. Das war ja hier nicht der Fall. Amerikas, Frank- reich? und Rußlands Bcuteobjekte lagen ja anderSwo, und specicll Deutschland gelüstete es nunmehr nach den chinesischen Rosinen. An Japans gefährliche Nähe dachten unfre klugen Weltpolittter damals noch nicht.— England siegte nach fast dreijährigem Kriege über die kleinen Boerenrepubliken. Der Sieg kostete ihm nur zwanzig- oder dreißig« tausend Menschenleben und 8000 bis 4000 Millionen Mark. Hätte eS der wirtschaftlichen Entwicklung noch ein Jahrzehnt ruhig zu« gesehen, so hätte es das Geschäft billiger abwickeln können. Denn durch die Industrialisierung Transvaals war ohnehin das Schicksal der Boerenrepublik besiegelt. Englands Kriegsprovokation war ein politisch überaus unkluger Akt. Und vom Standpunkte der politischen Ethik aus auch eine nicht nünber verwerfliche Handlung. Denn die überlegene" englische Kultur hat sich bis jetzt nur in der Einführung chinesischer KuliS offenbart, durch die die Löhne der schwarzen Arbeiter auf daS Niveau der Hungerlöhne herabgedrückt werden sollen. Andrerseits freilich haben wir niemals in alldeutscher Manier für die„braven, frommen' Boeren geschwärmt. Ohm Krüger war ihr Typus: Eine in ihrer Art imponierende Persönlichkeit, energisch, zäh und klug, aber auch kulttirell rückständig. Zu den Fehlem seiner Herkunft gesellte sich später noch die Korruption des bäuerlichen Emporkömmlings. Aber bei allen Fehlem war er ein auftechter, unbeugsamer Mann, der in seiner Weise ztoeifelloS das Beste seines Landes wollte. Gegenüber den geschmeidigen, grundsatzlosen Höflingen der mittel- europäischen Politik erschemt er beinahe als Heros. poUtifcke(lebersicbt. Berlin, den 14. Juli. Der Prozeß des Zaren. Königsberg, 14. Juli.(Privatdepesche deS.Vorwärts'.) Während in den ersten Tagen die Verteidiger sich vergeblich be« mühten, die Mittel, Wege und Formen aktenmäßig zu erforschen, mit denen die preußisch-deutsche Regierung sich bei der russischen um die Ehre bemühte, es möge ihr gestattet sein, den Zarismus gegen deutsche Rcichsangehörige zu schützen, war heute ihre Aufgabe, in die geheimen Hintergründe zu leuchten, in denen der Prozeß vor- bereitet und möglich gemacht wurde. ES wurden heut die Polizeibeamten von Königsberg, Memel, Tilsit und Charlottenburg vernommen, die bei der Aufdeckung der„fürchterlichen" Verschwörung thätig gewesen sind. Diese Vernehmungen haben nicht nur im wesentlichen die Angaben der Angeklagten bestätigt— wo sich Widersprüche ergaben, waren die polizeilichen Aussage» unbestimmt und unsicher— sondem sie führen bereits an den Rand der von der Verteidigung vermuteten Wahrheit. Die deutsche Regierung hat sich nicht nur umsonst vor der russischen gedemütigt— denn, gleichviel wie daS Urteil ausfällt, die gewaltige Auflage ist schon jetzt in nichts aufgelöst oder vielinehr in weniger als nichts, in eine analphabetische Schmuggleraffaire— die deutschen Behörden werden auch überführt, mit oder ohne Absicht der russischen Spitzel- Wirtschaft Vorschub geleistet zu haben. Aus der Vernehmung des Königsberger Polizeikommif sarS W 0 h l f r 0 m m ergiebt sich eine Intimität zwischen den deutschen Zollbehörden und der russischen Polizei, die unsre Zollverwaltung als eine Filiale der russischen Censur erscheinen läßt. Es ist das Recht und die Pflicht der Zollbehörde, eingehende Schriften auf ihre Jndentität nlit den offiziell in Deutschland verbotenen Schriften zu prüfen, und sie nötigenfalls zurückzubehalten; niemals aber hat sie Drucksachen auf einen etwaigen strafbaren Inhalt zu prüfen und dann zu konfiöcieren. Wenn auch der Erste Staatsanwalt diesen stmdamentalen linterschied zivischen jeder berechtigten und dieser rechtswidrigen Praxis durchaus nicht einsehen wollte, so liegt doch flar, daß die Zollbehörde durch eine derartige Praxis eine ungeheuerliche Vereinigung von Schwarzem Kabinett, Botschafterpolizci, russischer Censur und adininistrativer Justiz tverden würde. Und zu solcher kompromittterenden Aufgabe hat sich thatsächlich die Königsberger Ober-Steuerdirektton hergegeben. Nowagrotzki hat im ganzen vier verschiedene Sendungen erhalten. Nur zwei Broschüren haben nach der Ansicht der Staatsanwaltschaft ausgeprägt terroristischen Charakter mid fordern zu gewaltsamem Umsturz und zum Zarenmord auf: die Schrift von Burzeff, nach dem Umschlage die blaue Broschüre genannt, und die Abhandlung von Nadgy, die rote Broschüre. BurzeffS tolle Phantasie wurde bei dem ziveiten Besuch des Kriminalkommissars Wohlfromm in einigen 90 Exemplaren beschlagnahmt, während zwei Exemplare der in einem kleinen Paket befindlichen roten Broschüre trotz aus- drücklicher Anregung der Frau Nowagrotzki liegen gelaffen und erst bei dem dritten polizeilichen Besuch, der eigentlichen Haussuchung, konsiSciert tourden. Der natürliche Argwohn, der durch die Zurück- laffung der beiden Exemplare der Schrift Nadgys eriveckt tverden muß, wird fast zur Gewißheit, wenn man erfährt, daß auch die rote Broschüre vorher auf der Polizei oder dem russischen Generalkonsulat in Königsberg gelesen sein muß. Das also war das Geschäftsverfahren: Bei der ersten Sendung, die Nowagrotzki erhielt, nahm der Vorsteher des Steueramtes eigenhändig je ein Exenrplar der in dem Paket enthaltenen Schriften an sich; die Sendung selbst wurde dann Nowagrotzki ausgeliefert. Der Zollbeamte expedierte durch Boten oder durch die Post die zurückbehaltenen Probc-Exemplare an die Polizei, die sich ihrerseits mit dem russischen Generalkonsulat in Beziehung setzte. Mit den folgenden Sendungen an Noioagrotzki wurde ebenso verfahren mit dem Unterschiede, daß bei ihnen Herr Wohlftomin persönlich von dem leitenden Beamten der Stcuerdirektton mit der Uebergabe der zurückbehaltenen Stücke bettaut wurde. Auf diese Weise kam die russische Behörde zur Kenntnis der Deckadressen, und es war für sie ein leichtes, wenn die ersten Sendungen, die tvirklich von Stubbik stannnten, einen bedenflichen Inhalt hatten, die Schriften von Burzeff und Nadgy gleichfalls an Nowagrotzki schicken zu lassen und auf diese traditionell russische Manier der gewünschten Verschwörung gegen den Zaren nachzu- Helsen. Die Verteidigung hat nun zu Freitag den russischen General- konsul und den russischen Oberstruerdirektor al» Zeugen laden lassen, und diese werden u. a. zu bekunden haben, wann die Pakete mit terroristischen Schriften eingegangen sind, die Pakete, die außerdem sich von den andren durch eine verschwörungSmäßig auffällige Siegelung und Verfchnllrung unterschieden. Ohnehin hat das russische Generalkonsulat schon auf andre Weise dem hochverräterischen Geheimbunde nachgeholfen und die Citate aus Burzeff und Nadgy in der Nebersetzung gefälscht. Als die Verteidigung diese Fälschung erwähnte, die in der Presse und im Parlament als bewußte Fälschung bezeichnet worden fei, versuchte die Staatsanwaltschaft diese Uebersetzerthättgkeit der russischen Behörde zu entschuldigen: das sei ja nur»in der Eile" hingeworfen.„Aber daraufhin", bemerkte Liebknecht. »sind unschuldige Menschen ins Gefängnis geworfen worden."„Ach. nicht doch!" erwiderte der Erste Staatsanwalt,„ans diese lieber- setzung hin ist niemand verhastet worden. Sie diente nur zur Be- schlagnahmung der beiden Broschüren." Der gute Staatsanwalt hat„ganz vergessen", daß diese„in der Eile" gefälschten Ueber- setzungen nicht nur die Grundlage seiner Anklageschrift bilden, sondern auch auf seine Autorität hin vom Justizminister im Ab- geordnetenhause verlesen worden sind, um zu zeigen, daß die deutsche Socialdemokratie eigentlich eine geheime Organisation zur Ermordung des Zaren sei. Und jetzt diese hilflose Ablengnung! Wenn ein socialdemo- kratisches Blatt derart„in der Eile" Thaten und Worte der Herrschenden fälschen würde, wie würden sich alle preußischen Staats- anwalte entrüsten, selbst wenn es sich nur um einen absichtslosen Irrtum handeln würde. Die Aufdeckung der Beziehungen zwischen deutscher Zollbehörde, deutscher Polizei und russischem Generalkonsulat war das eine wichtige Ergebnis der heutigen Verhandlung. Das zweite liegt in derselben Richtung und bildet einen weiteren Beweis für das vermutete System. Beim Fall des Genossen Ehrenpfort hat sich das Wunder ereignet, daß dem Charlottenburger Gastwirt Weber ein an ihn adressiertes Paket mit russischen Schriften in dem- selben Augenblick von zwei Kommissaren beschlag- nahmt wurde, als es der Postbote brachte. Auch dieses Wunder kann nur durch unterirdische Beziehungen erklärt werden. Es sind die Charlottenburger Polizeibeamten geladen und die Akten ein- gefordert worden, die Licht in die Affaire bringen könnten, sofern nicht etwa durch das Dienstgeheimnis die Sicherheit des D e u t s ch e n Reiches gerettet werden soll. Im übrigen gehörte der heutige Tag den Zeugenaussagen der Genossen Ouessel und Dictz. Quessel, der frühere Königsberger Uhrmacher und jetzige Doktor der Staatswissenschasten, Redakteur des Stettiner Partei-Organs, bestätigte, daß Nowagrotzfi ausdrücklich die Bedingung gestellt habe, nur socialdemokratische Schriften in deutschem Sinne anzunehmen. Skubbik aber sei ein Socialdemokrat deutscher Art und es sei undenkbar, daß er Broschüren von Burzeff und Nadgy geschickt habe. Ouessel entwarf ein anschauliches Bild der russischen Partei- Strömungen und des eigenartigen Lebens und Denkens der russischen Studenten in der Schweiz. D i e tz und ein Angestellter seines Verlages bekundeten, daß auch ihnen einmal ungefragt Exemplare der Burzeffschen Schrift zugegangen seien, die aber ver- nichtet worden seien. Burzeff werde von allen Russen für einen Narren gehalten und auch Nadgy habe niemand hinter sich. Dietz entwarf zugleich eine Skizze der russischen revolutionären Litterawr und erklärte, daß natürlich der Buchhandel, da so ziemlich die ganze ivcsteuropäische Litteratur in Rußland verboten sei, ans irgend eine Weise schmuggeln müsse. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft fühlten heute keine aggressiven Neigungen mehr. Sie schienen bemüht, objettiv alles zu thun, was der Verteidigung zur Aufklärung dienen konnte. Eigen- tümlich war nur das unterschiedliche Verhalten, daß alle Be- lastungszeugen sofort vereidigt werden, während bei den Entlastungszeugen die Vereidigung ausgesetzt und erst nach der Vernehmung vorgenommen wird, sofern sie nicht, wie bei Ouessel, abgelehnt wird. In den Auseinandersetzungen zwischen den Verteidigern, dem Vorsitzenden und den Staats- anwalten, die am Schlüsse gestihrt wurden, erkundigte sich Haase nach der russischen Antwort über das Verhör Skubbiks, der im Gefängnis zu Riga schmachte. Rußland vergilt nicht die deutsche Dienstfertigkeit, die russischen Behörden verweigern in diesem Prozeß, der im russische» Interesse geführt wird, jede Hilfeleistung. Man hat abgelehnt, Skubbik zur Verhandlung vorzuführen, und auf den Antrag kommissarischer Vernehmung ist bisher nicht einmal eine Antwort erfolgt. Die Verteidigung besteht darauf, daß zu der kom- missarischen Vernehmung in Riga ein Rechtsanwalt zugelassen wird, sonst verzichtet sie überhaupt auf die Vernehmung. Wird Deutschland wirklich keinen Finger rühren, um wenigstens da? durchzusetzen, daß Rußland die ordentliche Vernehmung des wichtigsten Zeugen zuläßt? Eine stechere Verhöhnung der preußischen Justizaktion zu Gunsten des Zarismus läßt sich nicht denken als solche Weigerung.— Zur Reichs-Steuerfragr. Man weiß bereits, daß der nächste Reichsetat für 1903 wiederum sehr trübe aussehen wird. Die Reichs- Finanznot ist dauernd ge- worden und die Finanzkünstler suchen unausgesetzt auf Abhilfe, die doch um so mehr unmöglich ist, da die Ausgaben für Militär, Marine und Kolonialpolitik wiederum gesteigert werden sollen. Es bedurste nicht erst der neulichen Erklärung des preußischen Finanzministers, der Tabak trage in Deutschland noch zu wenig ein, um zu wissen, daß Tabak- und ebenso Bier stener- Er- höhung bei den Regierungen nach wie vor als bestes Mittel zur Finanzebbe gilt. Da ist es nicht uninteressant, daß die konservativen„Berliner Neueste Nachrichten" einer Darlegung„von geschätzter Seite" Raum geben, in welcher zu Gunsten der Reichs-Erbschaftssteuer gesprochen wird. Auch die Gründe der„geschätzten Seite" sind recht beachtlich. Nachdem ausgeführt ist, daß durch den neuen Zolltarif stir das Reich nicht viel zu erwarten ist, sagt der Verfasser dieser Darlegung: „Unter diesen Umständen ist es dringend an der Zeit, zu überlegen, in welcher Richtung vorgegangen werden soll, um stir da? Reich neue Einnahmequellen zu erschließen. Daß Anträge auf stärkere Heranziehung des Tabaks und des Bieres oder beider Teile des Massenverbrauches zur Zeit auf Durch- führuug im R e i ch s t a g e zu rechnen haben, i st schwer an- zunehmen. Ein großes Maß von Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß, sobald etwas Derartiges in Sicht kommen sollte, eine hitzige Agitation der Interessenten und der linksradikalen Parteien einsetzen würde, um mit allen erlaubten und un- erlaubten Mitteln gegen eine erfolgreiche Durchsetzung derartiger Pläne Stimmung zu machen. Die Folge würde sein, daß die Socialdcmokraten neuen Zuwachs erhielten, und daß der Zeitpunkt, in dem es möglich wäre, neue Einnahmen zu gewinnen, nicht näher käme, sondern weiter in die Ferne rückte. Denn jedes Anwachsen des linken Radikalismus bedeutet eine Verschärfung der Richtung im Reichstage, in deren Auge ein andres Mittel zur Aufbesserung der Finanzlage im Reiche nicht Gnade findet als die direkte ReichS-Einkommensteuer. Da in absehbarer Zeit die Einzelstaaten auf den Boden dieses Vorschlages nicht treten werden, bleibt nichts übrig, als sich nach andren Wegen umzusehen, und da liegt es nahe zu fragen. ob nicht etwa durch Einführung einer Reichs-Erbschaftssteuer vem gewünschten Ziele näher zu kommen sein würde. Im Bundesrate gehen die Meinungen über dies Projekt mehr- fach auseinander. Ein Teil der einzelstaatlichen Regierungen ist der Meinung, die Erbschaftssteuer auszugestalten müsse den Einzelstaaten vorbehalten bleiben. Einzelne Regierungen be- fürchten, daß die Einfühnmg einer Reichs- Erbschaftssteuer nur die Vorstufe für die Einführung einer Reichs- Einkommen st euer sein möchte. In andern allerdings neigt man zu dem Glauben, eine Reichs-Erbschastssteuer könne im Gegen- teil dazu dienen, dem Drängen»ach Einführung einer Reichs- Einkommensteuer einen wirksamen Damm entgegenzusetzen. Die Fragen, um die es sich hier handelt, sind selbstverständlich keine solchen, die von heute auf morgen ihrer Lösung entgegengeführt werden können. Letztere mag aber vielleicht in' ersprießlicher Weise vorbereitet werden, wenn die Gründe für und wider, welche in Betracht kommen, zur öffent- lichen Diskussion gestellt und möglichst ohne Leidenschaftlichkeit so erörtert werden, daß die Lösung auf die„Salus xudlies," nicht zu kurz kommt." Es wird offen zugestanden, daß nur die Furcht vor dem Widerstand der„linksradikalen Parteien" und insbesondere vor neuem Zuwachs der Socialdemokratie die Reichs- steuersucher davor zurückhält, dem deutschen Volke Tabak- und Bier- steuer-Erhöhungen zuzumuten. Wir quittieren mit Dank dieses Bekenntnis. Bemerkenswert ist ferner die Mitteilung über die ver- schiedene Stellung der Bundesstaaten zur Reichs-Erbschaftssteuer: selbst diejenigen Staaten, die geneigt wären, dieser Steuer näher zu treten, wollen sie lediglich als Köder nutzen, um die weitere und wichtigere Forderung der Reichs-Vermögen- und Reichs-Einkommen- steuer desto sicherer zu hindern! Die„Berliner Neueste Nachrichten" bemerken übrigens zu der Darlegung ihrer„geschätzten Seite", sie selbst seien der Ansicht, „daß nach Lage der Dinge immer noch eher eine Erhöhung der nächstliegenden indirekten Steuern als eine Reichs-Erbschaftssteuer kommen wird." Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Social- dcmokratie, diese Steuerforschungen zu Schanden zu machen. Endlich muß ein Ende gesetzt werden dem schmählichen Zustande, daß von den Groschen der Aermsten der stets gewaltigere Militär- apparat bestritten wird, den die Reichen zu ihren Zwecken be- willigen.— »* * Deutfebes Reich. Knrdorff-Kasslmdra. Der alte Kardorff gedenkt im„Tag" seine so oft— ach allzu oft— vergeblich ausgesandtcn Kassandra- Warnungen wider die Socialdemokratie durch einige Witzchen bemerkbarer zu machen. Der alte Herr schreibt sich selb st politische Briefe mit der Unterschrift der von hinten nach vorn gelesenen Buchstaben seines Namens. Sei» Freund„Frodrak" habe ihn mit einigen Ermahnungen und Zurecht- Weisungen beehrt, von denen er— Kardorff— anerkennen müsse, „daß sie Anschauungen eines nicht ganz geringen Teiles der gebildeten und besitzenden Bevölkerung Deutschlands wiedergeben". Amüsant ist es, daß diese gebildeten Ermahnungen mit einer Polemik gegen den„intimen Parteifreund" Dr. Arendt einsetzen. Dieser irre sehr, wenn er aus dem Ergebnis einiger Nachwahlen einen dauernden Rückgang der Socialdemokratte habe schließen wollen. Frodrak ist umgekehrt— und das ist das einzig Vernünftige in der Epistel— der Ansicht, daß„die Zahl der wirklichen, eingeschworenen Genossen von Jahr zu Jahr um das Zehnfache stärker wächst als die Durchschnittsziffer ihres natürlichen Abnehmens durch Tod, Ver- ziehen oder Ausstoßung". Und weiter erzählt dann der alte Herr wahre Wunderdinge von der Socialdemokratie. Wir selbst werden von ihm erst belehrt, was wir alles leisten für die Arbeiter: der einfache Arbeiter weiß,„daß es die Partei-Organisation ist, die ihm lohnende Arbeit sichert, sobald er treu zur roten Fahne sich hält"; die Partei schafft Unterkommen bei Zwistigkeiten mit den Unternehmern, die Partei zahlt reichlich bei Streiks, hilft in Krankheitsfällen, hat zahlreiche gute Stellen zu ver- geben. Dann wieder erfährt man in bunter Folge, wie die Partei die Arbeiter zwingt, nur bei Socialisten zu kaufen, und wie sie die Arbeiter bei den Wahlen„vergewaltigt";„ich kann Dir versichern, schreibt Frodrak, daß die Genossen genau wissen, für wen der Betreffende seinen Stimmzettel abgegeben hat, ob mit oder ohne Couvert..." Also: es gilt„den Kampf auszunehmen" und zwar bald, che es zu spät ist. Und wie jüngst Herr v. Kardorff im Reichstage urplötzlich hervorschoß uno eistig für den Bau einer großen Marine gestikulierte, indem er erklärte, er müsse seine Pflicht erfüllen, da er bald zur großen Armee abberufen werden könne, so erklärt ihm jetzt sein andres Ich tragisch:„Selbst bei deinem Talent, die Zukunft rosig anzusehen, wirst Du es doch kaum fertig bringen. Dich selbst darüber zu täuschen, daß wir mit unheimlicher Geschwindigkeit einer Revolution zueilen, deren Eintritt zu erleben uns nur unser hohes Alter mit des Allmächtigen Hilfe verhindern wird." Dazu erklärt Freund Frodrak endlich, er verstehe es nicht, wie sein Kardorff Ver- ginigen daran finden könne, sich«an dem so tief herabgesunkenen öffentlichen Leben von heute zu beteiligen." Dies Unverständnis teilen wir mit Frodrak. Herr v. Kardorff ist zu gut für dies„tief herabgesunkene öffentliche Leben von heute", wo„die Gebildeten und Besitzenden", anstatt die Socialdemokratie zu besiegen, mit Hofbankgründungen und Kirchenbauerei die kostbare Zeit versäumen. Der alte Herr sollte sich geruhig aus dieser bösen Zeit zurück- ziehen. Wir wünschen ihm noch viele Lebensjahre, damit er be- haglich und froh die mit unheimlicher Geschwindigkeit nahende Revolution erleben kann. Das iväre weit zuträglicher für ihn, als stets der quälenden Sorge zu leben, wie die Socialdemokratie auf- zuhalten und zu vernichten ist.— Boerenmcthode im Hcrerokrieg. Die„Leipziger Neueste Nachrichten" melden: Der aus dem Boerenkriege rühmlichst bekannte Vechtgcneral Maritz geht am 27. Juni auf Einladung unsrer Regierung nach Deutsch- Siidwestafrika, um seine im Boerenkriege gesammelten Erfahrungen jetzt im Kriege gegen die Hereros zur Verfügung zu stellen. Maritz' Expedition geht in großem«til vor sich. Er hat 70 Ochsenwagen auf Bestellmig des Auswärtigen Amtes bauen lassen, nahm 200 Schwarze, hauptsächlich ZuluS, FingoS, aber auch andre Kaffern in Dienst und hat sich als weiße Begleiter zehn seiner erprobtesten Leute aus dem Boerenfeldzug ausgewählt. In Kapstadt sind die beiden Dampfer„Eduard Bohlen" und „Korse Kastel" gechartert, um die Erpedition nach Swakopmund zu bringen. General v. Trotha hat bereits von dort gekabelt, daß er Maritz erwarte, dem zunächst hauptsächlich die Leitung des Transports sTrains) der Haupttruppe zufallen wird. Maritz ist aber auch bereit und in der Lage, sofort wenigstens 500 erfahrene junge Boeren nach unsrer Kolonie kommen zu lassen, um unter Umständen mit diesen nach Boerenart die Eingeborenen überwältigen zu helfen. Die Boeren sind allerdings Meister in diesem Fache. Wie die holländischen Kolonisatoren in ihren Berichten aus dem Archipel kaltblütig die Zahlen der„gefallenen" Frauen und Kinder angaben, so haben eS auch die Boeren in Südafrika gehalten. Durch die Brutalität, mit der sie die eingeborenen Basutos, Zulus und Swasis behandelten, haben sie sich die Bewunderung unfrei moralinfreien Kolonialschwärmer erworben, freilich auch damit den tödlichen Haß der Schwarzen zugezogen, der vieles zu ihrer nationalen Katastrophe beitrug. Gefangene Eingeborene, die im Verdachte standen, englische Kundschafter zu sein, wurden ohne jedes standgerichtliche Verfahren halb totgepeitscht und erschossen. Selbst Kinder im Alter von 12—14: Jahren wurden schonungslos niedergemacht. Jetzt soll diese Methode auch an den Hereros erprobt werden, die un> „ihr" Land kämpfen, wie die Boeren um„ihr" Land gegen England stritten. Das ist jedenfalls der beste Weg, die bülowossiziösc Scherl-Nachricht wahr zu machen, daß sich nach der Kaltstellung Leutweins sämtliche schwarzen Stämme gegen die deutsche Herrschaft erheben würden. Nichts ohne Protektion! In seinen jüngst im Verlage von Egon Fleische! erschienenen Erinnerungen„Vom Fürsten Bismarck und seinem HauS" erzählt Engen Wolf: Der Fürst hatte in der Zeitung meine Polemik gegen einen jungen Lieutenant gelesen, der sich in Ostafrika nicht mit Ruhm bedeckt hatte, der deshalb vor ein Ehrengericht gestellt worden war, vermöge hoher Protektion aber durchgesetzt hatte, daß ihm alles verziehen wurde. Als ich dem Fürsten gegenüber das Tüpferl aufs i setzte, meinte er: Wenn ich so einflußreiche Freunde gehabt hätte, so wäre ich noch heute Reichskanzler. Es war nur eine arge Selbsttäuschung des alten Herrn, wenn er glaubte, daß es zur Zeit seines Hausmeiertums anders gewesen wäre.— Kircheufenfier. Die farbig leuchtenden großen Fenster der Dome unsrer Groß» städt« sind vielfach Stiftungen der reichsten Privatleute. Diese Stiftungen werden ganz sportsmäßig betrieben; es gehört zum guten Ton, daß der Reiche solch' frommes Werk verrichtet und einer sucht den andern durch die Brockst seiner Leistung zu übertreffen. Man erreicht damit gar mancherlei. Einmal erweist man sich als standes- würdig; dann bringt man sich in den Geruch vollendeter Glaubig- keit: dann beschwichtigt man sein Gewissen, wenn es sich regen sollte ob der Art, wie man seine Hunderttausende und Millionen zusammen- gebracht; und endlich erwirbt man sich die Auwartschaft auf behörd- liche Rücksichtnahmen, auf Orden und Titel. So war es schon stets und die Mirbacherei hat diesen reizvollen Bund der Millionäre und der Religion der Annut keineswegs erst gestiftet. Die Mirbach erei hat nur das Verdienst, durch die ungeschlachte Grobheit der Methoden, durch das unmittelbare Einhandeln weltlicher Vorteile gegen stomme Stiftungen diesen alten Bund auch vor den Blinden sichtbar gemacht zu haben. Ein weiteres Beispiel, wie diele Dinge betrieben werden, veröffentlicht die„Rhein.-Wests. Zeitung": „Im Jahre 1894 trat ein auch sonst durch geschäftliche Rührigkeit bekannter, heute in Dresden wohnhafter Jsthaticr eines Berliner Hof- amtcS an den damaligen Agenten, heutigen Fabrikbesitzer D. mit der Frage heran, ob er keine Neigung habe, mit Leuten, die anf den Kommcrzicnratstitcl reflektierten, sich in Verbindung zu setzen. Insbesondere wurde D. eine bekannte,_ im Nordwesten der Stadt wohnhafte und in gewissem Sinne populäre Persönlichkeit als das gegebene erste Objekt seiner Bemühungen be» zeichnet. Der Unterhändler sollte in diesem Falle und in ähnlichen die nachstehende» zwei Forderungen stellen. I» erster Linie habe der betreffende ein„Kirchenfenstcr" zu stiften; als Kosten hierfür waren ca. 3000 M. anzugeben. Des weiteren habe der Reflektant ca. KOOlKZ M. bei einem geeigneten Bankhause zu deponieren: der Depotschein sei dem Vermittler auszuhändigen. Erhalte Reflektant den gewünschten Titel, so sei dem Bankhaus mit- zuteilen, daß der Betrag dem Präsentanten des Depotscheins cediert und ohne Erkundigung nach dessen Identität bei Präsentation des Scheins auszuzahlen sei. Herr D. wurde des weiteren dahin ver- ständigt. die 60 000 M. seien als„Provision" in Ansatz gebracht; indessen könnten weder er, noch sein Auftraggeber auf den Löwenanteil dieser Summe rechnen. Dieser Hauptanteik gebühre vielmehr dem Manne,„der vermöge seiner Stellung die Sache mache" und der„darauf angewiesen" sei. Immerhin würden für jeden von beiden Beteiligten, den Hosmann und den Agenten, je 10000 Mark herausspringen. Der Vermittler setzte sich daraufhin mit den Söhnen de? ihn, als erste„Aufgabe" an die Hand gegebenen Herrn in Verbindung und fand bei diesen auch das gehoffte Verständnis Sie wollten ihrem Vater den Titel aus Anlaß eines Geburts, tages oder Jubiläums, das damals bevorstand,„zuwenden" Es fanden mehrere Besprechungen in der Angelegenheit statt auch wurden verschiedene Briefe gewechselt. Eines schöne» Tages nun erhielt D. zu seiner Ueberraschung ein Schreiber der jungen Herren, durch das ihn diese wissen ließen auf eine Fortsetzung der Verhandlungen werde ihrer- seits kein Wert mehr gelegt. Der beteiligte Hosmann hatU den Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherr» v. Mirbach, dein Agenten gegenüber in bedeutungsvoller Weist als einen der Herren bezeichnet, mit denen er„gut bekannt" sei Als bald daraus die Blätter meldeten, der populäre alte Herr au» dem Nordwesten habe den Kommerzienratstitel wirklich erhalten und als böse Zungen munkelten, es sei dies auf neuer- dings entstandene direkte Beziehungen zu dem Herrn Ober- Hofmeister zurückzuführen, fühlte sich Herr D. geprellt und verweigert» seine Mitwirkung bei weiteren Unternehmungen ähnlicher Art. Dies der erweislich wahre Sachverhalt; sämtliche Beteiligte sind noch an Leben. Einen Kommentar wollen wir ihm nicht hinzufügen. D» wir auf dem Standpunkt stehen, daß die forcierte Wirksamkeit gewisser Hofkrcise der Krone und dem Staate schweren Schaden thut haben wir die uns in Gegenwart unsres Rechtsbeistandes abgegebenen Erklärungen der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten wollen." Entsetzt ruft das genannte, überaus„staatserhaltende" Blatt auL:„{Juausquo tanckem! sWie lange noch!) Wann wird Her» v. Mirbach endlich seinen Abschied bekommen und mit ihm ein System beseitigt werden, das der Kirche und den, monarchischen Gedanken die schwer st en Wunden schlägt?" Es scheint nicht ganz leicht zu sein, Herrn v. Mirbach zu be- festigen! Aber, wenn der Treffliche wirklich der„agitatorischen Presse" zum Opfer fällt, da-s System erhält damit nicht den Abschied. Wenn der Mirbach geht, die Kirche von Reichtumsgnaden wird man nicht loS.—_ Der Kartoffelukas Buddes, der die Eisenbahner dazu zwingen will, ihr Geld zum Krämer zu tragen, hat in jenem Teil der bürger- lichen Presse, der für wirtschaftliche Freiheit und Selbsthilfe schwärmt, o gut wie gar keine Opposition gefunden. Eine unter den wenigen Ausnahmen bildet die„Frankfurter Zeitung". Sie schreibt: Herr Bndde hat den heißen Wunsch,„seine" Eisenbahner vor der Socialdemokratie zu bewahren. Wir bezweifeln, daß ein Konsumvereins-Erlatz dazu ein taugliches Mittel ist. Die unteren Schichten haben ein feines Gefühl für Gerechtigkeit, und sie werden es nie verstehen, daß ihnen verwehrt sein soll, was Ofsizicrcn und Beamten gestattet ist. Die haben ihren„Offiziers- und Beamten- verein", der sich zwar nicht Konsumverein nennt, aber einer ist, und nicht nur die nötigen Lebensmittel, sondern auch Champagner und OpcrnhauSbillets unter dem Marktpreise den Mitgliedern beschafft. Solche Vergleiche sind dein modernen Staate gefährlicher als tausend Konsumvereine und machen die gute Wirkung von drei socialen Gesetzen wieder illusorisch. Der„Offizier- und Beamtenverein" ist als ein„übles Beispiel". das der Bevölkerung gegeben wird, den Mittelstandsrettern längst ein Dorn im Auge. Mögen sie nun wenigstens dafür sorgen, daß ganze Arbeit gemacht wird l Leider haben aber sich bisher jene Blätter, die den Kartoffelukas lobten, um dieses heikle Problem 'achte herumgedrückt.— Handelskammer gegen„sociales Königtum". Die kapitalistische Legende von den resormfreundlichen Engeln der Staatserhaltung und den„nur negierenden" socialdemokratischen Revolutionsteufeln vollzieht täglich an sich selber neue Akte der Zerstörung. Erst gestern haben wir die Stimme eines landwirtschaftlichen Rentenquetschers verzeichnet, der unter den Lasten der selbstverständlichsten aller Ver- Sicherungen, der Unfallversicherung, zum Erbarmen stöhnt, und jetzt geht wieder, von Agrariern und Scharfmachern belobigt, eine Aus- lassung der Schweidnitzer Handelskammer durch die bürgerliche Presse. die auf den gleichen Ton gestimmt ist. Im letzten Jahresbericht der Schweidnitzer Handelskammer heißt es: Wir leben in einer Zeit der socialen Entwicklung, welche die Gcwcrdctreibeiidc» nicht zur Ruhe kommen läßt. Die Gesetzgebung hat sich der Förderung und dem Schutze des Arbeiterstandes in einer Weise zugewandt, die sie vorher nicht gekannt hat. Sie wurde auch nicht im Widerspruch sondern unter allseitiger Zustimmung der Arbeitgeber durchgeführt Allmählich aber empfinden dieselben doch ocii Zwang, der durch die Gesetzgebung und die ausführenden Organe derselben auf sie ausgeübt wird, etwas hart und beginnen, sich über die Opfer, welche ihnen die neuen Einrichtungen, deren Höhe sie vorher vielfach nicht geahnt haben, auferlegen, zu be- klage».... Wir begegnen deshalb in den Berichten unsrer Ge- werbetreibenden vielfach dem Wunsche, die Gesetzgebung möge bei dem weiteren Ausbau der Gewerbe- Ordnung mit Vorsicht weiter schreiten, um die durch dieselbe entstandenen Be- schränkungen in der Fadrikthätigkeit und die neu entstehen- den Lasten nicht zu sehr zu vermehren, und ebenso sehr einer abfälligen Kritik über die Folgen der schon eingeführten Bestimmungen, wie z. B. über die Lohnbücher der Minder- jährigen, deren Einführung als eine zwecklose Belästigung der Arbeitgeber betrachtet wird. Auch die Sorgen sind nicht zu unterschätzen und das Unbehagen, welches die Arbeitgeber empfinden, wenn sie trotz aller Mühe und Fürsorge für ihre Arbeiter diese nicht befriedigt sehen. Es setzt sich an die Stelle des früheren, auf gegenseitiger Achtung ruhenden patriarchalischen Verhältnisses zu den Arbeitern, dank den Bemühungen der Social- demokratie, ein Kampfverhältnis zwischen Arbeitern und Arbeit- gebern, dessen Ende nicht abzusehen ist, und das vielfach die ge- deihliche Entwicklung der Gewerbethätigkeit ernstlich bedroht. Woll- und Wiesenjunker arbeiten, wie man sieht, ganz nach demselben Rezept. Nieder mit der Socialdemokratie und fort mit den Unfallreuten und Versicherungsbeiträgen. Das„patriarchalische Verhältnis" ist staatserhaltend und billig! Zur nächsten Wahl wird man aber wieder lesen, daß die guten Arbeitgeber die sociale Gesetz- gebung gegen den erbitterten Widerstand der Socialdemokratie durchgesetzt haben, die«nur zerstört".— Zur Annahme der badischcn Wnhlrechtsvorlage wird uns noch aus Karlsruhe vom 13. Juli geschrieben: Heute fiel in der Ersten Kammer die endgültige Entscheidung über die Wahlrechtsreform, damit aber war auch die Entscheidung überhaupt gefällt, denn die Erste Kammer bequemte sich, den Beschlüssen, welche die Zweite am Montag gefaßt, in der Hauptsache beizutreten. Es hat sehr schwer gehalten, bevor es zu diesem Resultat kam, und der Minister- Präsident v. Brauer, dem sehr viel an der Durchführung der Wahl- reform gelegen ist, hat sicherlich noch recht schwere Arbeit gehabt, die Herrenhäusler zum Nachgeben zu bringen. Noch heute morgen sah es sehr unsicher aus. Der Berichterstatter der Ersten Kannner gab in seiner einleitenden Rede zwar in einigen Differenzpnnkte» schon nach. Die künftigen Vertreter der Städte und Gemeinden in der Ersten Kammer sollen nun nicht vom Großherzog ernannt, sondern ge- wählt werden. Auch in der Stellvertretung wurde ein Teil gestrichen, aber das Budgetrecht schien der Stein des � Anstoßes bleiben zu sollen. Nach der mit allerlei Ausfällen, insbesondere auch auf die Socialdemokratie, gespickten Rede des Berichterstatters war die Lage sehr gespannt. Da beantragte der Fürst von Löwenstein Vertagung der Verhandlung bis nachmittags 4 Uhr: in der Zwischenzeit sollte die Verfassungsrommission der Ersten Kammer noch einmal beraten. Und in dieser Zeit ist dann die Einigung gelungen. Die Erste Kammer hat sich entschlossen, auf Antrag' des Verwaltungs- gerichts-Präsidenten Lewald, auch in der Budgetfra'ge nachzugeben und der Zweiten Kammer das Uebergewicht über die einzelnen Budgetpositionen zu lassen. Die Debatte in der Nachmittagssitzung bestand in zahlreichen Klagereden, daß man nur schweren Herzens sich dem Zwange gefügt und nachgegeben habe, um das Reformwerk nicht scheitern zu lasten. Dabei fehlte es auch nicht an der in Herrenhäusern erklär- lichen Kritik der geplanten Zusammensetzung der Ersten Kammer; ein Graf Röder und Fürst Löwenstein-Roienberg beklagten, daß die Bdclskammcr, dieser Roclisr de bronze der Monarchie, mit bürgerlichen Elementen durchsetzt werden sollte und noch dazu mit solchen, die gewählt werden. Andre freilich begrüßten diese Wandlung— das waren aber auch keine„Standesherren". Der genannte Abgeordnete Lewald, der seinen Antrag, der Zweiten Kammer nachzugeben, sehr geschickt begründete, begrüßte den Ein- tritt neuer Vertreter des Bürgertums und verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß damit die Erste Kammer kum wahren„Volkshaus" werde. Man wird bald sehen, daß vieles„Volkshaus" nicht minder reaktionär sich gebärdet, wie die übrigen Herrenhäuser, nur, daß es vielleicht etwas lebhafter darin zugeht. Die Berfastungsreform wurde schließlich in namentlicher Abstimmung mit allen gegen vier Stimmen angenommen. Schon morgen Donnerstag wird die Vorlage wieder in der Zweiten Kammer auf die Tagesordnung g-setzt. Wenn, woran kaum zu zweifeln, hier nunmehr auch Annahme erfolgt, wird in den nächsten Tagen gleich noch das Gesetz über das Wahlverfahren und die Wahlkreis- einteilung erledigt, worüber, wie die Dinge liegen, wahrscheinlich auch noch Verständigung erzielt wird. Somit käme das Werk, das seit zwei Jahrzehnten erstrebt wird, doch noch zu stände, wenn auch mit einigen volksfeindlichen Flecken behaftet.— Wegen Mißhandlung Untergebener hatten sich Donnerstag zwei Unteroffiziere vor dem Kriegsgericht der 1. Garde-Division zu verantworten. Der Unteroffizier Gehlert von der dritten Com- pagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß war beschuldigt. Mihhand- lungen in zwei Fällen, der Unteroffizier Lemke von derselben Com- pagnie Mißhandlungen in neun Fällen verübt zu haben. Die An- geklagten waren im wesentlichen geständig. Die Mannschaften sollten vor ihrem Ausmarsch nach Döberitz verschiedene Utensilien abliefern, und dieser Anordnung waren alle nachgekommen mit Ausnahme der- jcnigen von Stube 37, die nicht angetreten waren. Ter Unter- offizier G. begab sich nach dem Mannschaftszimmer, ergriff ein Paar dort an der Thüce stehende Stiefel und trieb, damit um sich schlagend, die Leute aus der Stube. Hierbei wurden zwei der Soldaten auf den Rücken getroffen. Unteroffizier L. hatte einen Füsilier, welcher die Stiefel nicht ordentlich gereinigt hatte, die Bürste an den Kopf geworfen. Einen andern Füsilier hatte er bei ähnlichem Anlaß im Genick gepackt. Der Füsilier Bremer gab auf eine An- frage des Verteidigers an. daß er sich Notizen als Belastungsmaterial gegen eine größere Anzahl Vorgesetzter gemacht habe. Er habe zu- nächst gezögert, sich zu beschweren, da er jedoch fortwährend schlecht behandelt worden sei, habe er endlich den Unter- ofsizier Gehlert gemeldet.' Das Kriegsgericht verurteilte den An- geklagten G. zu acht Tagen gelinden und L. zu drei Wochen Mittel- arrest. München, 14. Juli. Das Ober-Kriegsgericht ver- handelte heute in der vom Reichsgericht hierher zurückverwiesenen Sache des Rechtspraktikanten und ehemaligen Einjährig-Freiwilligen Josef E r a s. Der Angeklagte wurde wegen falscher Anschuldigung, Beleidigung, Vorschützung von Gebrechen und wegen Ungehorsams zu einer Gesamtgesängni'sstrafe von drei Monaten zehn Tagen ver- urteilt.— Hueland. Frankreich. Der Konflikt mit dem Batikau. Aus Paris wird vom 14. Juli gemeldet: Es heißt, der vatikanische Staatssekretär M e r r y d e l V a l habe den Bischof von Laval unter Androhung schwerer Maß- regeln aufgefordert, bis zum 20. Juli seine Entlassung zu geben. Die französische Regierung aber habe abermals in formeller Weise auf Grund des Konkordats dem Bischof verboten, seine Diözese zu verlassen. Die Maßnahmen des Vatikans gegen den Bischof sind dem Vernehmen nach durch ein Gesuch veranlaßt worden, das von 82 Deputierten, General- und Munizipalräten des Departements Mayenne unterzeichnet ist und darüber Beschwerde führt, daß der Bischof den nichtsäkularisierten Jesuiten geistliche Befugnisse ver- weigert.— England. Die Unionistcn für ChamberlainS Zollpläne. London. 14. Juli. Heute wurde hier eine zahlreich besuchte Ver- sammlung des Parteirats der liberalen l�nionisten abgehalten. Chamber- lain, der bei seinem Erscheinen mit großem Beifall begrüßt worden war, wurde zum Präsidenten des Parteirats, der Minister des Auswärtigen Marquis of Lansdowne und der erste Lord der Admiralität Earl of Selborne wurden zu Vicepräsideuten gewählt. 1700 bis 1800 Delegierte aus verschiedeneu Landesteilen wohnten der Ver- sammlung bei. Chamberlain hielt eine Rede, in der er an die Entstehung und an die Geschichte der unionistischen Parter erinnerte, deren Ziel die Aufrechterhaltung der Union deS Vereinigten Königreichs unter der Oberhoheit des Reichsparlaments sei. Die Versammlung nahm darauf mit Einstimmigkeit eine Re- solution zu Gunsten einer vollständigen Reform deS Fiskalsystems Englands an. Die Resolution billigt das Verlangen des Premierministers Balfour nach größeren Machtbefugnissen zur Bekämpfung feindlicher Tarife sowie des Systems, Waren auf den englischen Markt zu schleudern, und drückt schließlich das Eiuver- ständnis mit den Vorschlägen aus, zwischen dem Mutterlande und den Kolonien Borzugstarife zu vereinbaren.— Rußland. Der neue Flottenadmiral als Agitator gegen die Socialdemokratie. An Stelle des nach Ostasien kommandierten Skrydlow hat das Kommando über die Schwarze Meer-Flotte der Admiral Tschuchnin übernommen. Der neue Admiral hat es nun für nötig gehalten, seinen Amtsautritt durch eine lange Ansprache an die Unter- offiziere und Matrosen der Flotte auszuzeichnen. Unter den Matrosen dieser Flotte hat sich nämlich in der letzten Zeit auch ein starker Einfluß der Arbeiterbewegung geltend gemacht, die socialdemokratisckie Agitation hat auch hier Eingang zu finden gewußt. Dieser Gefahr zu begegnen trat nun Herr Tschuchnin mit einer im„Volkston" gehaltenen Rede mutig ins Feld.„Ich bin ein Mann, der Disciplin und liebe die Disciplin", erklärte der schneidige Herr eingangs seiner Rede. Sodann, nachdem er die Wichsigkeit der Disciplin auseinandergesetzt hatte, fuhr er fort: „Ein Unteroffizier das ist ein g r o ß e s W o r t(!). Wenn Ihr Euch besten bewußt werdet, muß Euch ein Schrecken erfassen (wörtlich!>: unlängst erst war jeder von Euch ein einfacher Bauer, der den Boden Pflügte, und nun plötzlich ist er ein Uuterosfizier, der nächste Gehilfe des Offiziers!" Ans dieser„schrecklichen" Metamor- phose ergebe sich für die Unteroffiziere das Recht und die Pflicht. „zu thun, was Euch gefällt" mit den Untergebenen und sie„der Obrigkeit anzuzeigen". Nach all diesen weitläufigen Einleitungen kam dann der Admiral endlich auf die Hauptsache zu sprechen:„Noch wollte ich mit Euch über eine Sache sprechen. Im vorigen Jahre haben sich unter Euch böse Leute(!) eingeschlichen, die schlimmsten Feinde nicht nur des Staates. sondern Eurer selbst. Und was haben diese Bösewichter aus- gerichtet? Sie wurden verhaftet und sitzen nun im Ge- säugnis, wo sie auch verfaulen werden. Die heutige Staats- ordnung zu ändern wird keinem Menschen gelingen. Wir Offiziere sind noch ganze andre Mensche», wie Ihr, wir sind tausendmal gescheiter und gebildeter, wie Ihr, und doch befassen wir uns nicht mit diesen Dingen, was wollt Ihr also ans- richten, Jbr Schafsköpfe?„Jene Leute" sind unzufrieden, weil sie wenig besitzen, da wollen sie nun, daß auch andre wenig haben. „Jene Leute" machen Streiks. Und was gewinnen sie dabei? Sie müssen selbst Hunger leiden und auch die, die sie verführt haben; und schließlich müssen sie bei denselben Herren um Arbeit bitten, gegen die sie aufhetzten.— Solche Leute müßt Ihr auf Schritt und Tritt verfolgen und dem Compagnie- chef anzeigen, dafür werdet Ihr auch belohnt und ausgezeichnet als treue Söhne des Vaterlandes und Diener des Staates." Nach dieser Agitationsrede gegen die socialdemokratischen„Auf- wiegler" trat der neue Admiral an die praktische Anwendung seiner schneidigen socialpolitischen Ideen heran: er forderte eine sofortige Herabsetzung der Löhne in den Hafenwerkstätten: de» Lehrlingen soll der Lohn von tiv Kopeken auf 3» bis 4» Kopeken herabgedrückt werden, den Erwachsenen soll der jetzt üblickie Lohn von 1 Rubel 40 Kopeken nur nach 20jähriger Dienstzeit gewährt werden. Zum Schlüsse seines Debüts hielt Admiral Tchuchnin noch eine Ansprache an die als politische„Verbrecher" inhaftierten Matrosen, in der er sie aufforderte,„die wahren Schuldigen" den Behörden anzugeben. Es bleibt abzuwarten, welche Früchte dieser Eifer des neuen Kommandierenden der Schwarzen Meer- Flotte zeitigen wird, ob es ihm gelingen wird, die Hydra des„Aufruhrs" unter den Matrosen zu töten.... Asien. Ghangtse, 14. Juli. iMeldung des„Reuterschen Bureaus".) Der Vormarsch der englischen Expedition nach Lhassa hat be- gönnen.— Oberst Dounghusband hat an das Volk von Tibet eine Kund- gebuug gerichtet, in der er als den Zweck der englischen Expedition den Vormarsch auf Lhassa bezeichnet, um Genugthuuug zu fordern für die schmähliche Behandlung der Vertreter des Königs seitens der tibetanischen Behörden. Ferner droht Iounghusband in dieser Kundgebung dem Volke, daß strenge Bestrafung jedem Angriffe auf die vorrückende englische Truppenmacht folgen werde.— Königsberger Geheimbnnds und Hochverrats-Prozetz. Königsberg, 14. Juli. Dritter Verhandlungstag. Der Verteidiger des Angeklagten Pätzcl, Rechtsanwalt Dr. Hugo Heinemann- Berlin, ist heute erschienen.— Der Vorsitzende! der um 9 Uhr die Verhandlung wieder eröffnet, teilt mit, daß die genaue Adresse des Zeugen Mandelstamm nicht bekannt, die Ladung infolgedessen unmöglich sei.— Vert. H e i n e m a n n verzichtet auf diesen Zeugen wegen der Schwierigkeit seines Auficilthalts in Deutsch- land nach seiner Ausweisung.— Vert. Liebknecht macht darauf aufmerksam, daß dieselben Schwierigkeiten bei Dr. v. Wetscheslaff bestehen. Der Vorsitzende erklärt, daß er es diese» Zeugen selbst überlassen müsse, sich wegen der AnfenthaÜscrttkubnis mit den deutschen Behörden in Verbindung zu setzen. Es folgt die Vernehmung des Kriminalkommissars Wohlfromm aus Königsberg. Zeuge Wohlfronun, 47 Jahre alt. schildert zunächst seine beiden Besuche bei Nowagrotzki und als dritte? die Haussuchung. Irgendwelche Schwierigkeiten seien ihm nicht gemacht worden. Doch sei die Auskunft über den Empfänger verweigert worden. Die Aeußerung: „Mit den übrigen Paketen könne er thun, was er wolle, aber auf eigne Verantwortung", giebt er zu. Ob er die Worte„auf eigne Verairtw ortung" jedesmal dazu gesagt ist, kann er nicht mehr mit Sicherheit angeben.— Vert. H a a s e: Welcher Behörde sind diese Schriften zugestellt worden? Zeuge W o h l f r o m m erklärt, daß er die Erlaubnis zur Beantwortung dieser Frage von seiner vorgesetzten Behörde erbitten wollte, ebenso die zur Beantwortung einer zweiten Frage des Verteidigers, welche Auskunft das russische Konsulat über den Inhalt der andren Schriften gegeben habe.— Vert. H a a s e: Geben Sie zu, zu Nowagrotzki nach der Beschlag- nähme der einen Schrift gesagt zu haben, in den übrigen sei nichts Strafbares?— Zeuge W o h l f r o m m: Ich habe vielleicht gesagt, bei der Durchsicht auf dem Konsulat habe sich in den andren nichts Besondres ergeben. Verteidiger H a a s e: Hatten Sie von vornherein den Auftrag, nicht nur die blauen, sondern auch die roten Broschüren zu beschlagnahmen?— Zeuge Wohlfromm: Ich habe das erste Mal aus eigner Initiative gehandelt.— Verteidiger H a a s e: Wußten Sie, daß auch eine zweite Schrift, eben die mit dem roten Umschlag, einen bedenklichen Inhalt hatte?— Zeuge W o h l f r o m m: Nein.— Vert. H a a s e: War Ihnen oder andren Personen amtlich oder auf privatem Wege vor dem Eingang der Schriften bei Nowagrotzki bekannt, daß solche an ihn unterwegs seien?— Zeuge Wohlfromm: Nein. Ich wußte nur aus einer Notiz deS �Königsberger Tageblattes", daß solche Schriften in Memel lagen.— Vert. H a a s e: Geben Sie zu, daß schon bei der zweiten Haussuchung Frau Nowagrotzki Sie aus die zlvei liegen gebliebenen Schriften aufmerksam gemacht und Sie ge- beten hatte. sie mitzunehmen. oder hatten Sie dazu keine Veranlassung?— Zeuge Wohlsromm: Ich gebe zu, daß sich das so abgespielt haben kann. Ich hatte keine Veranlassung damals, die beiden Hefte mitzunehmen.— Vert. H a a s e: Wußten Sie, als Sie am 9. November zur Haussuchung schritten, schon, daß die roten Broschüren einen strafbaren Inhalt hatten?— Zeuge Wohl- fromm: Mir war von andern Broschüren außer der zuerst beschlagnahmten nichts bekannt.— Vert. H a a s e: Hat die noch durch das Amtsgeheimnis gedeckte Stelle(Heiterkeit), die nach Ihrer Aussage in der Voruntersuchung das russische Konsulat ist, an die Sie aus eigner Initiative die Schriften zur Durchsicht übergeben haben, auch die rote Broschüre erhalten und durch- gesehen?— Zeuge W o h l f r o m m: Das weiß ich nicht, ich muß es jedoch ohne weiteres annehmen.— Staatsanwaltschaftsrat Dr. Caspar: Ich bestreite die Notwendigkeit dieser Annahme und Schlußfolgerung.— Vert. Liebknecht: Dann müßte der russische Konsul geladen werden. Vors.: Der russische Konsul ist, unbekannt wo, von Königs- bcrg abwesend.— Vert. H a a s e: Herr Präsident, mein Kollege Jacobi, der der Verhandlung als Zuhörer beiwohnt, teilt mir soeben mit, daß er gestern den hiesigen russischen Konsul gesprochen habe.— In seiner weiteren Aussage über die Haussuchung bei Braun b e st r e i t e t Zeuge Wohlfromm, daß dieser besonders erregt gewesen sei, und daß er, Wohlfromm, ihm gesagt hätte, Klein habe ihn belastet.— Angekl. Braun tritt dem lebhaft entgegen und giebt die Unterhaltung wieder, die seiner Erinnerung nach der Kriminal- kommissar Wohlfromm mit ihm gehabt habe,— Zeuge W o h l- fromm: Ich kann das nicht bestreiten, aber ich wüßte wirtlich nicht, wie ich schon hätte wissen können, daß Klein den Braun be- lastet hat.— Vors.: Das wäre nur dadurch möglich, daß das st a a t s- anwaltschaftliche Protokoll über die Vernehmung Kleins am Tage der Haussuchung bei Braun eintraf und der Zeuge sie erfahren hat.— Vert. Haase: Der Zeuge Wohl- fromm hat in jener Zeit wohl viel auf der Staatsanwaltschaft ver- kehrt?— Staatsanwaltschaftsrat Dr. Caspar: Der Kriminal- kommissar Wohlfromm hat lange vordem einmal auf dem Korridor mit mir gesprochen, sonst nie mit der Staatsanwalt- schaft verkehrt. Damit ist die Vernehmung deS Zeugen Wohlfromm beendet. Der Gerichtshof beschließt gemäß dem Antrage der Verteidiger, dem Zeugen aufzugeben, die Genehmigung der vorgesetzten Behörden für sich und die andern Beamten zur Beantwortung folgender Fragen einzuholen: 1. Durch wen und wann die Zeugen bezw. die Polizei Kenntnis von den Nowagrotzkischen Schriften über« Haupt erhalten haben und wem die Zeugen oder die Polizei die Schriften, die geprüft werden sollten, aus den an Nowagrotzki ge- kommenen Paketen gegeben haben; 2. wie diese Schriften dem russischen Konsulat zugänglich gemacht worden sind und was dieses bezüglich des Inhalts der Schriften festgestellt hat. Vert. Haase teilt mit, daß Frau Borchardt bereit sei. zu be- künden, daß Braun ihr am Tage der Haussuchung be- reits gesagt habe, von Klciu sei er in einer ihm unverständlichen Weise belastet worden.— Der Gerichtshof beschließt, Frau Borchardt sofort eidlich zu vernehmen. Diese sagt in dem angegebenen Sinne aus.— Vert. Haase: Ich stelle aus den Akten fest, daß die Staatsanwaltschaft in Memel das Protokoll über die Vernehmung Kleins dem hiesigen Amtsgericht mit dem Ersuchen übermittelt hat, es an die Polizei weiter zu geben. Wohlfromm hätte also Kenntnis von der Braun belastenden Aussage KleinS gehabt.— Kriminalkommissar Scheffler-KönigSberg bestätigt, daß Nowagrotzki ihm von dem Besuch eines angeblichen Spitzels erzählt habe. Ueber das, was Zeuge vorher von dem Inhalt der Schriften gewußt hat, verweigert er bis zum Einlauf der behördlichen Genehmigung die Aussage.— Auf Befragen des Ver- teidigers Haase bestreitet Zeuge Scheffler jede Fühlung der Königs- berger Polizei mit den russischen Beamten sowie daß sie Vigilanten oder Angehörige des russischen Konsulats in Zürich zu Polizeizwecken benutzt habe. Zeuge Kriminalschntzmann Buchhorn- Königsberg hat an den HauSiuchungen bei Nowagrotzki und Braun teilgenommen, kann aber nichts Wesentliches bekunden. Zeuge Kriminalinspektor Haberkandt- Memel schildert die Haussuchungen bei T r e p t a u, Klein und K u g e l. Dieser habe das Vorhandensein der Broschüren, die nachher hinter Kartoffclkörben gesunden wurden, z u e r st b e st r i t t e n.— Angeklagter Kugel widerspricht dem.— Zeuge Po liz ei be amter Ehren- stein- Memel hat an diesen Haussuchungen teilgenommen und be- stätigt, daß die bei Klein gefundenen Pakete, die durch Frau Nowagrotzki abgesandt worden waren, sehr groß gewesen seien. Vor dieser Haussuchung sei weder ihm, noch der.Memeler Polizei bekannt gewesen, daß die drei Angeklagten Schriften aus Rußland bekämen und weitergäben. Zeuge Redakteur Qu e ss el- Stettin erklärt, daß er seiner Zeit mit Skubbik einerseits und Nowagrotzki andrerseits feste und bindende Abmachungen getroffen habe, daß nur rein socialdemokratische Schriften an Nowagrotzki geschickt werde» sollten. Er kenne Skubbik, sein großes Ansehen bei den Freunden, seine Besonnenheit, und sei auch heute noch überzeugt, daß er keine andren als socialdemokratische Schriften geschickt habe.— Vors.: Sie wissen doch aber, daß in der russischen Partei verschiedene Strömungen bestehen, es ist ja in Deutschland ebenso. Es ist doch auch ganz unmöglich, daß in einer so großen Partei wie der socialdemokratischen alles aus d e n B u ch st a b e n e i n g e s ch w o r e n i st.— Zeuge O u e s s e l: Gewiß: aber Plechanow und Axclrvd, zu deren Partei Skubbik ge- hörte, sind ausgesprochene Gegner der Terroristen. So wurde Plechanow, als ich in Z ü r i ch studierte, von den Terroristen in einer Versammlung nieder- gebrüllt. Er ist auch einmal von seiner eignen Partei wegen des Hohnes seiner Polemik gegen die Anarchisten gerügt worden.— Vors.: Aber Plechanow hat doch früher auch eine recht extreme Stellung eingenommen.— Vert. L i e b k n e ck, t: Es wird behauptet, daß er vor zwanzig Jahren Acußcrunge» dieser Art gemacht hat; doch bestreitet dies die Verteidigung auf das aller- entschiedenste.— Vors.: Warum haben Sie sich geweigert, den Namen SkubbikS zu nennen?— Zeuge O u e s s e l: Ich halte es für eine Ehrenpflicht, die Namen politisch thätigcr Russen zu verheimlichen, weil sie wegen Handlungen, die nach unserm sittlichen Empfinden, nach unserm Rechtsbewußtsein und nach unserm Recht durchaus zulässig sind, in Rußland bestraft werden können. Der Zwiespalt zwischen den terroristisch-anarchistischen und den socialdemokraftschen Russen ist so groß, daß vielfach sogar der gesellschaftliche Verkehr zwischen ihnen aufgehoben ist trotz deS sonstigen engen Zusammen- Haltens in der russischen Kolonie. Schriften Versendung und Geldmittel sind völlig gesondert. Daß Skubbik sie vermittelt hätte, ist ausgeschlossen. Eher ist es möglich, daß Skubbik, der damals zum Dresdener Partei- tage kam. die Adresse Nowagrotzkis einem andern gegeben hat. Was die Namen der Absender angeht, so ist es ganz üblich, daß die Studenten, auch ohne zu fragen, die Namen ihrer Zimmer- Vermieter aufgeben. Sie können das, weil die Briefträger die ankommenden Postsachen unten an den Häusern in die betreffenden Briefkasten der Enipsänger werfen und die Studenten die Schlüssel dazu haben, weil sie weit häufiger Sendungen bekommen als die Vermietenden.— Präs.: Aber warum denn in der Schweiz die Deckadressen?— Zeuge O u e s s e l: Herr Präsident, es giebt auch da Spione, und in Rußland verdächtigt zu werden, ist nicht angenehm. Nun wechseln die russischen Studenten ihre Wohnungen häufig, nicht, um sich den Spionen zu entziehen, sondern aus Lust an der Ver- änderung.— Auf Befragen seitens des Staatsanwalts und der Verteidigung giebt der Zeuge noch viele einzelne Auskünfte. Die russische„Revolution" sei nicht offizielles Parteiorgan, sondern die „Jskra". Unter„revolutionär" verstehe man alles,'was in Rußland nicht erlaubt und illoyal sei, d. h. was n.cht von der Zensur erlaubt sei. MS Verteidiger Liebknecht den Zeugen dann nach der Tendenz der socialdemokratischen russischen„Revolution" fragt, unterbricht ihn der Vorsitzende: Der Zeuge kann doch darüber nichts wissen, er kann doch gar nicht russisch. Diese ganze Zeugen- aussage ist doch überhaupt völlig wertlos.— Zeuge O u e s s e l .nacht noch darauf aufmerksam, dost seine Frau Russin sei und daß auch die russischen Studenten seine Auffassung von der Zuverlässigkeit Skubbiks teilten. Oberwachtmeister v. Fritschen-Memel: Vor zwei Jahren erhielt ich anläßlich der Beratungen im Parlament über die Verhaftungen und Ausweisungen nach Ruß- land den Austrag, festzustellen, ob russische Agenten diesseits der Grenze thätig seien. Er habe damals Kugel rm Verkehr mit vier Leuten gesehen, die er für russische Spione gehalten habe, die aber Schmuggler gewesen seien. Er habe bei Kögst eine Kiste mit Drucksachen beschlagnahmt, die Kögst selbst auf eignem Wagen zur Polizei hinfahren half. Bei einigen andren Schmugglern habe er nur Kisten mit Gebetbüchern gefunden.(Heiterkeit.) Zeuge Kriminalkommisiar Wohlfromm: Die Behörde hat mir gestattet, auf die gestellten Fragen zu antworten. Die Schriften sind durch das Steueramt auf die Polizei gekommen, ausgesucht hat sie der Vorsteher des Zollamts selbst. Die Uebersetzung sei erfolgt durch das russische Konsulat. Es habe sich dabei nur um eine ungefähre Inhaltsangabe gehandelt. Vert. Liebknecht: Danach also hatte nicht das Konsulat erklärt, daß nur die blaue Broschüre bedenklich sei. sondern S i e haben angenommen, daß die andren Schriften nichts Strafbares enthielten. Ist Ihnen bekannt, daß die Inhaltsangabe, die Sie als Abschrift vom russischen Generalkonsulat erhalten haben, im Reichstage und in der Presse als bewußte Fälschung bezeichnet worden ist? Der Vorsitzende beanstandet diese Frage.— Erster Staatsanwalt Geh. Rat Schütze: Es handelte sich doch lediglich um eine Information, ob man einschreiten sollte. Da ist bei der notwendigen Eile ein Irrtum wohl möglich.— Verteidiger Liebknecht: ES handelte sich doch um Akte, auf Grund deren Leute ans Monate hinaus ins Gefängnis wandern mußten, da durfte man nicht so flüchtig sein.— Erster Staatsanwalt: Damals war wohl noch kein Gedanke an eine Verhaftung. Es handelte sich nur um ein objektives Ver- fahren.— Vert. H a a s e(zum Zeugen Wohlfromm): Haben Sie oorhin, als Sie'entlassen wurden, mit Ihren Beamten ge- sprachen?— Zeuge Wohlfromm(zum Präsidenten): Muß ich die Frage beantworten?— Vors.: Jawohl.— Zeuge Wohl- fromm erklärt auf weiteres eindringliches Befragen des Ver- teidigers, er habe seinen Beamten gesagt, daß jetzt FrauBorchardt über die Haussuchung bei Braun vernommen werden solle und gestagt, ob sie damals etwas von Klein gewußt und gehört hätten.„Ich weiß nichts, ich kann mich nicht entsinnen," habe er hinzugefügt.— Vert. H a a s e: Das wollte ich nur wissen. Im übrigen frage ich noch einmal nach dem, waS der Staatsanwalt schon durch eine Suggestivfrage erfahren wollte. Haben Sie vom russischen Konsulat nur erfahren wollen, ob etwa» Strafbares in der Sendung wäre, oder wollten Sie alles Strafbare erfahren?— Zeuge Wohlfromm: Das kann ich nicht sagen. Es wird weiter der Bericht des KönlgSberger Polizeipräsidiums verlesen, nach dem bei Frau Ouessel, Frau Nowagrotzki, der Mutter des Angeklagten, und bei 22 russischen Studenten in Königsberg mit ihrer Zustimmung eine Durchsuchung stattgefunden habe, bei der sich keinerlei Anhaltspunkte für eine geheime Verbindung ergeben hätten. Der Gerichtshof beschließt sodann, den Zeugen Ouessel wegen Verdachts der Beihilfe nicht zu vererdigen. Die übrigen Zeugen werden vereidigt. Auf Antrag der Verteidigung werden der Königsberger Zollvorsteher Seth und der russische Generalkonsul Staatsrat v. Wymodze als Zeugen vorgeladen. Nach einer Pause von 10 Minuten wird in der Verhandlung fortgefahren. Zeuge Zehner- Stuttgart, Angestellter im D i e tz s ch e n Verlag, bekundet, daß Ende August vorigen JahreS an die Buch- Handlung plötzlich ohne jede vorherige Bestellung etwa zwanzig Nummern des„Novorodoletz" geschickt und auf An- ordnung von Dietz vernichtet worden seien. Zeuge Reichstags-Abgeordueter Dietz- Stuttgart bestätigt diese Darstellung. Als er von der Einleitung dieses Prozesses gehört habe, habe er zu Zehner gesagt:„Sehen Sie, hätten Sie damals die Nummern in den Buchhandel gebracht, ohne mich zu fragen"— Zehner könne nicht russisch—„so wären Sie zwar jetzt auch un- schuldig, säßen aber auch auf der Anklagebank, wie die Königsberger Genossen."(Große Heiterkeit.) Im„Buchhändler- Börsen- blatt" würden in kurzen Zwischenräumen die von der russischen Censur teilweise oder ganz beschlagnahmten Schriften veröffentlicht. Diese Verbotsliste enthält alle politischen und die meisten historischen Schriften. Für diese sei auch der ganze legitime Buchhandel auf den Schmuggel angewiesen. Unter den sogenannten revolutionären Schriften, die in England ge- druckt werden, befänden sich auch die der Anarchisten Krapotki» und Leo Tolstoj. lHeiterkeit.) Burzcff und Nadgy hätten keinerlei Partei hinter sich. Ihre Schriften wären die reinste Tollheit und nur pathologisch ,zu erklären. Bu rzeff habe übrigens zuletzt ein- einhalb Jahre in England im Gefängnis gesessen. Inzwischen sei auch seine Zeitung nicht erschienen. Er könne auch mit den Attentate« der letzten Jahre nicht in Verbindung stehen, da alle diese, wie dasjenige des Finnländer S ch a u m a n, Emzelthaten seien. Auf Bestagen der Verleidiger spricht sich Z e u g e Dietz noch über die Stellung der Socialdemokratie zu den Majestätsbeleidigungen aus. Er leite feinen Verlag, zu dem auch die Stuttgarter socialdemokratische„Tagwacht" gehöre, seit 21 Jahren. Niemals sei er oder ein Redakteur der „Neuen Zeit" oder der„Tagwacht" angeklagt worden, auch nicht unter dem Socialistengesctz. Der überhaupt größte Prozeß, an dem sein Verlag irgendwie beteiligt gewesen lei, sei eine Anklage wegen Gotteslästerung gewesen. Damals habe der Staatsanwalt zwei Monate Gefängms beantragt, der Redakteur sei aber infolge seiner„geschickten" Verteidigung zu drei Monaten verurteilt worden. (Große Heiterkeit.) Die Socialdemokratie bekämpfe das monarchische Prinzip. halte aber MajestStSbeleidigungen für zweck- und sinnlos. Diese Prozesse seien deshalb auch eine sehr seltene Erscheinung in der guten socialdemokratischen Presse. (Heiterkeit.)— Vors.: Aber eS gießt auch eine andre social- demokratische Presse!— Vert. Hanfe: Herr Präsident. jeder liest die Zeitung der Richtung, der er angehört. Da erblickt man die Dinge im Parteilicht. Hier aber sollen wir objektiv Recht sprechen, darum müssen Sie uns bestimmte Thatsachen für Ihre Auffassung benennen, daß Majestätsbeleidigungen in der social- demokratischen Presse besonders häufig seien. Die Zeugen Kriminalinspektor Krause, Wachtmeister Haß, Schutzmann W o d t k e und Schankwirt Weber, sämtlich anS Charlottenburg» schildern alle, unter sich und mit dem Angeklagten Ehreupfort übereinstimmend, die Haussuchungen bei diesem und bei Weber. Dabei stellt die Verteidigung auf Befragen fest, daß die zuerst bei Ehrenpsort beschlagnahmten armenischen Schriften, trotzdem sie als unbedenklich bezeichnet worden feien, noch jetzt nicht frei gegeben feien, ferner daß die dritte Schriftensendung in dem Äugen- blick ihrer Uebermittelung durch die Post beschlagnahntt worden ist. Die Verteidiger stellen zur Aufklärung dieses Zulammen- treffens den Antrag, die bei dieser Beschlagnahmnng beteiligten Beamten laden zu lassen und die Akten über diesen Vorfall sowie über eine schon vor zwei Jahren bei Weber stattgehabte Beschlag- Kerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw. nähme einzufordern. Sie sprechen ihre Verwunderung darüber aus, daß in den Mten die Thatsache fehle, daß schon vor zwei Jahren bei Weber ohne jedes belastende Ergebnis gehaus- sucht worden sei. Der Staatsanwalt meint, das sei gänzlich unwichtig. Vert. H a a s e: Es ist allerdings für die E n t l a st u n g von größter Wichtigkeit.— Der Vorsitzende glaubt nicht, daß sich bei der großen Zahl der notwendig gewordenen Beschlagnahmungen noch jetzt etwas Wesentliches werde ermitteln lassen. Die Polizeiatte» seien übrigens vertraulich.— Vert. Liebknecht: Wir müssen feststellen, durch welche Quellen der Polizei diese Nach- richten zufließen. Vielleicht könnten sie durch Beimischungen schmutzig geworden sein. Die Verlesung von Akten kann nur ver- weigert werden, wenn dadurch die Sicherheit des Staates g e- f ä h r d e t wird. Der Gerichtshof beschließt gemäß dem Antrage der Verteidigung. Die Zeugen Zehner, Dietz und Weber werden vereidigt. Die Zeugen Tie! und Arthur Abel, An- gestellte im Spedittonsgeschäft Krantz in Tilsit bekunden, daß MertinS etwa zehn Sendungen erhalten und drei abgesandt habe. Die falsche Bezeichnung des Absenders auf emem für Kögst be- stimmte» Kolli sei als ein aus der Verwechselung zweier Pakete her- vorgegangenes Versehen des Zeugen Tiel aufzufassen. Auch der Speditionsarbeiter G r i e s ch k a t aus Tilsit hat Pakete von Mertins abgeholt. Er behauptet, daß Mertins gesagt habe, er solle die Pakete als Schuhwaren deklarieren,— Der Angeklagte Mertins b e st r e i t e t das mit aller Entschiedenheit. Er habe wiederholt mit diesem Zeugen darüber gesprochen, daß in den Kvllis Druckschriften seien.— Der Vorsitzende, em Beisitzer und die Staatsanwaltschaft weisen den Zeugen wiederholt darauf hin, daß er ja an der S ch w e r e der Kisten gemerkt haben müsse, daß sie keine Schuhwaren enthalten haben könnten und daß ein Flickschuster ohne Laden wie Mertins soviel Schuhwaren nicht habe gebrauchen könne».— Zeuge Gries chkat bleibt dabei, daß er sich darum nicht gekümmert habe.— Vert, H a a s e: Sie haben also nicht gewußt, daß die Pakete Druckichriften enthalten?— Zeuge Gries chkat: Das weiß ich nicht. Die Verteidiger halten nun mit dem Staatsanwaltschaflsrat eine vertrauliche Besprechung über weitere Beweisanträge ab. Schließlich erklärt Verteidiger Haase, die Verteidigung bestehe darauf, daß der kommissarischen Vernehmnug Skubbiks in Dorpat ein dortiger Anwalt beiwohne. Der Borsitzende erllärt das für juristisch unmöglich.— Verteidiger Haase: I» Rußland giebt es überhaupt kein Gesetz, sondern alles i st für die Regierung möglich. Die Ver- teidigung würde unter diesen llmständen ans die kommissarische Ver- nehmnng Skubbiks lieber ganz verzichten. Hierauf wird die Verhandlung auf Freitag früh vertagt. Schluß S'/i Uhr._ Versammlungen. Die Gürtler(Metallarbeiter-Verband) nahmen am Donnerstag in einer bei Buggenhagcn abgehaltenen stark besuchten Versammlung den Bericht der Schlichtungstommission derjenigen Firmen entgegen, mit denen im vorigen Herbst vor dem Einigungsamt ein Tarifvertrag geschaffen worden ist. Der Kommission haben, wie Sperling ausführte, eine Anzahl Fälle von mehr oder minder bedeutenden Durchbrechungen des Tarifs seitens der Arbeit- geber zur Regelung vorgelegen. Es handelte sich nicht um Ueber- schreitungen der Arbeitszeit und Lohndisferenzcn, sondern auch mehr- fach um direkte und indirekte Maßregelnngen von organisierten Kollegen und Vertrauensleuten, die auf stritte Jnnehaitung des Tarifs drangen. Die meisten Differenzen konnten durch Ver- Mittelung der Kommission beigelegt werden: einige Arbeitgeber aber hatten die Kommission auch negiert, indem sie zu den Verhandlungen nicht erschienen waren. Da seiner Zeit auch der Wunsch geäußert war, auch die übrigen Branchen der Metallwaren-Fabrikation in das Vertragsverhältnis mit einzubeziehen, so werden in nächster Zeit die Vertrauensleute dieser Gruppen zusammentreten, um eben- falls einen Tarif auszuarbeiten. In der Versammlung hielt außerdem Cohen noch einen Vor- trag über„Die Arbeitgcberverbände und die Gewerkschaften". Redner gelangte zu dem Sttzlutz, daß genau so, wie die Organisation der Metallarbeiter durch den vom Kühnemänner-Verbande ausgeübten Druck erstarlt ist, so auch die Organisationen der übrigen Industrie- Arbeiter durch die verschärften Maßnahmen des Bundes der Arbeitgeber-Verbände zur Unterdrückung der GeWerk- schaften an Festigkeit und Ausdehnung gewinnen werden. Der Centralverband der Schmiede hielt am 7. Juli bei Dräsel eine Generalversammlung ab. Den Bericht der Ortsverwaltung erstattete Siering. Genannte Körperschaft hat im letzten Ge- schästsjahre 28 Sitzungen abgehalten, darunter 4 kombinierte. Die Mitgliederzahl betrug im vorigen Jahre 1170, sie beträgt jetzt ca. 1800. Neuaufnahmen fanden 1226 statt. Besonders hervor- zuHeben ist die Einführung einer Einheitsmarke von 40 Pf. und die Anstellung eines besoldeten Beamten am 1. Februar, wodurch es er- möglicht wurde, in den dunkelsten Gebieten der Zahlstellen einiger- maßen festen Fuß zu fassen. Mitgliederversammlungen fanden sieben statt, davon 4 ordentliche und 3 außerordentliche. In einer der ersteren hielt Genosse Grunwald einen Vortrag über„GeWerk- schaften und Landtagswahl".— Für die Zukunft soll nach dieser Richtung hin mehr für die Aufklärung der Mitglieder Sorge getragen werden.— Die Einnahme der Hauptkasse betrug 18 013,10 M., die der Lokalkasse 6626.92 M. Ausgaben waren 2637,45 M. zu ver« zeichnen, u. Ä. für Unterstützung andrer Gewerkschaften 910 M. Außerdem wurden für Crimmitschau 351,30 M. auf Listen ge- sammelt. Die Zahlstelle war an zwei Lohnbewegungen beteiligt: Hein, Lehmann u. Co., Reinickendorf, und Große Berliner Straßen- bahn. Beide haben mit einer Niederlage der Beteiligten geendet, teils wegen Zuzug von Streikbrechern und teils wegen mangelhafter Organisation. Bei letzterem Streik mußten vier Mitglieder wegen Streikbruch ausgeschlossen werden. Erhebliche Fortschritte sind in letzter Zeit in folgenden Vororten von Berlin zu verzeichnen: Tegel. Reinickendorf, Weißensee. Zchlen- dorf, Steglitz und Groß-Lichterfelde. Dort ist es infolge der Ein- mütigkeit der Kollogen gelungen, das verhaßte Kost- und LogiSwesen abzuschaffen und annehmbare, menschenwürdige Löhne zu erzielen. Rastloses Arbeiten sei die Pflicht eines jeden, damit die Zahlstelle im nächsten Jahre daS dritte Tausend überschritten habe, erklärte Siering am Schlüsse seines Berichtes. Den Bericht der Beschwerde- kommission, des VergnügungSkomitecs und der Bibliothek giebt B a s n e r. Den Bericht der Delegierten zur Gewerkschafts- kommission erstattet Haberland. Er bedauerte, daß er in jener Sitzung, wo die Erhöhung der Gehälter der Selretäre von 2200 auf 2400 M. stattfand, nicht anwesend sein konnte. Nach seiner Ansicht seien 2200 M. ein auslömmliches Gehalt. Der Anstellung des dritten Beamten könne man zustimmen, denn im letzten Jahre sei da? Institut von 9284 Personen in Anspruch genommen worden, mit Ausnahme von so und soviel kleineren Fällen.— Die Neuwahl eryiebt folgendes Resultat: 1. Bevollmächtigter Sierina, 2. Bevollmächtigter Battmer, Kassierer Hentschel, Schriftführer Kaulfuß. Revisoren: Haberland, Werk und Erdmann. Bcschwcrdekommission: Basner. Dressel, Tippel, Arndt und Marten. Gewerkschaftskommission: Haberland und Hentschel. Bibliothekar wurde Basner.— In das Vergnügungskomitee wurden 16 Kollegen gewählt. Den ausständigen Rammern und Steinsetzern wurden 100 M. Unterstützung über- wiesen. Auf Antrag Wicchmann wurden dem Ausschuh des Volks- hauseS in Charlottenburg als Beitrag zum Schuldentilgungsfonds pro Jahr und Mitglied 40 Pf. bewilligt. Lichtenberg. Der ReichstagZ-Abgeordnete A. St a d t h a g e n sprach am Dienstag im größten Partci-Orte seines Wahlkreises in : Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstal einer den großen Saal des„Schwarzen AdlerS" in Lichtenberg BtD auf den letzten Platz füllenden Volksversammlung über die Ergebnisse der Session des vertagten deutschen Reichstags. Der Redner besprach die einzelnen Verhandlungsgegenstände und die Stellungnahme der socialdemokratischen Fraktion zu denselben. Die ungeteilte Auf» merksamkeit und der reiche Beifall, dessen der Redner sich erfreute, legten Zeugnis dafür ab, daß die Wähler mit der Haltung der Fraktion und der Thätigkeit des Abgeordneten des Kreises durchaus einverstanden seien. Nachstehende Resolution wurde von der imposanten Versammlung einstimmig angenommen:„Die Versamm- lung erklärt sich mit der Haftung der socialdemokratischen Reichstags- Fraktion und mit der Thätigkeit des Abgeordneten Arthur Stadt- Hägen einverstanden. Die Versammlung steht Mann für Mann zu ihrem Abgeordneten und verspricht, was auch kommen möge, nichts unversucht zu lassen, den Gedanken des Socialismus in immer weitere Kreise des Volkes zu trage», um so zum endlichen Siege der Social- demokratie beizutragen.'— Der Vertrauensmann des Ortes er- suchte, die Mahnrufe des Abgeordneten:„Agitiert unablässig!" „Organisiert den letzten Mann!" zu beherzigen, ermahnte zum Bei- tritt in den Socialdemokratischen Wahlverein und zum Abonnement auf den„Vorwärts", machte dann noch die Mitteilung, daß am Sonntag, den 24. Juli, ein großes Volksfest in Mentes Volksgarten stattfinden soll und bat um recht nachhaltige Agitation für dasselbe. Am Dienstag, den 19. Juli, soll eine Wahlvereins-Versammlung die Besprechung der Parteitags-Tagesordnung einleiten. Letzte IVachnchten und Dcpcfcbcn. Leipzig, 14. Juli.(W. T. B.) Die Brauerei Groß-Crostitz mit dem Sitz in Leipzig ist, wie das„Leipziger Tageblatt" meldet, in Zahlungssckiwierigkeiten geraten. Die Forderungen betragen 650000 M. bei l'/a Milk. Marl Aktienkapital. Es wird ein Arrangement mit den Gläubigern auf der Grundlage angestrebt, daß diese durch 25 Proz. in bar und 75 Proz. in Aktien befriedigt werden. Eine Gläubiger- Versammlung hat bereits stattgefunden. Das Arrangement soll durch die Direktion der Brauerei Naumann Alt.-Ges. in Leipzig durch- geführt werden._ Vom Ausstand in Boryslaw. Boryslaw(Galizien), 14. Juli.(W. T. B.) Der gestrige Tag und die Nacht sind ruhig verlaufen. Ein unbedeutendes Feuer, das durch Unvorsichtigkeit in einer hölzernen Sckeune zum Ausbruch ge- kommen war, wurde rasch gelöscht. Die Arbeitgeber haben sich bereit erklärt, mit Arbeitervertretern, die aus der hiesigen Arbeiterschaft gewählt werden sollen, neuerdings wegen eines Ausgleichs zu verhandeln. Eine gestern abend abgehaltene Arbeiterversammlung, welche ruhig verlaufen ist, hat diesen Vorschlag jedoch abgelehnt und beschlossen, daß der bisherige Ausstandsansschuß als alleinige Vertretung der Arbeiterschaft angesehen werden soll. Aussperrung von Spinnerei-Arbeitern. Brüssel, 14. Juli.(B. H.) Sämtliche Spinnereien von Dolhain. Limbourg und Umgegend sind heute durch Lockout geschlossen worden, wodurch Hunderte von Arbeiten: ohne Brot sind. Infolge dringender Bestellungen verlangten die Arbeitgeber, daß von 5'/, Uhr morgens bis 8 Uhr abends gearbeitet werde, worauf die Aroeiter nicht ein- gingen._ Englisches Unterhaus. London, 14. Juli./z Proz. Dividende. ISusUnd. Vom Streik der Erdölarbeiter in BorySlaw wird gemeldet: Die Unternehmer erließen an die Streikenden einen neuerlichen Auf- ruf, worin es heißt: Wir verpflichten rmS: 1. Euch gesunde Naturalwohunngen z» erbauen. 2. Wir werden Euch gesundes Tniff"-.r einführen. 8. Wir werden Bade-Anstalten einrichten. 4. Wir verpflichten uns, alles Mögliche daranzusetzen, daß in Bory-Zlaiv eine Filiale der Bruderlade errichtet werde oder die Hauptcentrale in Boryslaw errichtet wird. S. Wir wollen Euch zur Einführung einer Volksküche und etneS Konsumvereines verhelfen. Hingegen sind wir außer stände, Euch eine acht- stündige Arbeitszeit zu bewilligen, da eine solche nirgends, auch nicht in Amerika, nicht im Kaukasus und nicht in Deutschland existiert. Die Arbeiter hielten eine Versammlung ab, in der die Kon- Zessionen der Unternehmer zwar als Errungenschaften anerkannt wurden, jedoch nach den Reden der Streikführer ausdrücklich erklärt wurde, daß vor Bewilligung des Achtstundentages an eine Wieder- aufnähme der Arbeit nicht zu denken ist. Von diesem Beschluß wurden die Unternehmer sofort verständigt. Diese beschlossen hierauf, mit der Entlassung der Streikenden vorzugehen.— Die Unternehmer verbreiten das Gerücht, daß alle subsistenzlosen Arbeiter, das sind die Streikenden, die nicht zuständig sind und kein Vermögen haben, abgeschoben werden. Dies ist natürlich nur ein Einschüchterungs- versuch. Denn es ist selbstverständlich, daß Herr Bobrzynski sich einen solchen Gewaltakt sehr wohl überlegen wird. An eine Wiederaufnahme der Verhandlungen ist jetzt nicht zu denken. Die Gefahr eines Brandes ist noch immer nicht beseitigt; ein Zufall kann die durch die Stadt fließenden Rohöl- massen entzünden.— Am Mittwoch wurden zwei Mitglieder des Streikkomitees, der Vorsitzende Genosse Gorski und Genosse Wityk, auf das Gemeindeamt berufen. Statthaltereirat Piwocki fragte sie. ob die Arbeiter zum Vergleich geneigt seien, und erklärte, daß die Unternehmer keine Lust Hütten, mit dem bisherigen Streikkomitee in Verhandlungen zu treten, sondern daraus beständen, nur mit Komitees zu verhandeln, die von den Arbeiterschaften der einzelnen Finnen gewählt werden. Genosse Wityk antwortete, daß das Streik- komitee von der Gesamtheit gewählt sei, vollständige Kompetenz und Autorität besitze und daß es nur eine Ausflucht der Unternehmer sei, daß sie ein andres Komitee, das ganz unnötig sei, wünschen. Statthaltereirat Piwocki erklärte, er werde alle Mittel anwenden. um Verhandlungen anzubahnen. Der dänische Schlächterei-Arbcitcr-Berband hat vor kurzem seinen neunten Verbandskongreß zu Aarhus abgehalten und dort beschlossen, den Unternehmern die bestehende Tarifgemeinschaft auf d en 1. O kto b er z u künd i g en. Vorher soll noch eine starke Agitation zur Heranziehung der Unorganisierten entfaltet werden. Wird hierbei nicht das gewünschte Resultat erzielt, so soll die Kündigung der Tarifgemeinschaft von einer Urabstimmung abhängig gemacht werden._ Bauarbeiter-Aussperrung in Stockholm. Der Telegraph meldet: S t o ck h o l m, 14. Juli. Auf Beschluß der Baumeistervereinigung erfolgte heute mittag die Aussperrung der Maurer, Zimmerleute und Bautischler wegen Lohnstreitigkeiten. Von der Aussperrung werden 4000 Arbeiter betroffen. Der Gnmd für eine allgemeine Aussperrung in der norwegischen Metallindustrie ist nun vorläufig beseittgt. Verhandlungen zwischen den Verttetern der beiden Hauptorganisationen der norwegischen Arbeiter und Arbeitgeber haben zu einem Uebereinkommen geführt, wonach die Arbeit in der Gießerei des„Norsk elektrisk. aktiebolag" zu den früheren Bedingungen sortgesetzt wird. Der Vorschlag des Formerverbandes über Abschaffung der Accord- arbeit oder Garantier ting eines Minimal- Stundenlohnes bei Accordarbeit soll zunächst einer gemeinsamen Sitzung von Vertretern des Formerverbandcs und der Vereinigung der mechanischen Werkstätten zur Entscheidung vorgelegt werden, und. wird hier keine Einigung erzielt, durch die Vorstände der beiden Hauptorganisattonen der Arbeiter und Arbeit- geber gemeinsam erledigt werden. So lange diese Verhandlungen nicht beendigt sind, bleiben die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Former in Kristiania unverändert und darf nicht versucht werden, die Accordarbeit weiter auszudehnen. Der Streik der Chicagoer SchlachthanS-Rrbeitcr, der hauptsächlich gegen den Rindfleisch-Trust gerichtet ist, hat sehr große Ausdehnung an- genommen. Ueber SV 000 Mann haben bereits die Arbeit niedergelegt und man befürchtet, daß noch weitere 25 000 Mann zur Arbeitsniederlegung veranlaßt werden könnten. 4000 New Dorker Eisenbahnarbeiter streiken. Sie weigerten sich, die über New Dork gehenden Züge mit Fleisch für den europäischen Markt zu beladen. Einige große Firmen haben ihren Export bereits eingestellt. In New Jork selbst sind nur Fleischvorräte für eine Woche vorhanden. Die Beamten des Fleischtrusts geben zu, daß eine Fleischnot eintreten wird, wenn der Streik nicht innerhalb zehn Tagen beendigt ist. SerUner partei-Hngclcgenbelten. Achtung, Fünfter Wahlkreis. Am Sonnabend, abend? von 6'/i Uhr an, findet eine Flugblattverbreitung zu Gunsten der Bäcker statt. Alle Genossen werden gebeten in folgenden Lokalen: Rausch, Winsstr. 12; Feist, Georgeilkirchstr. 25 und Knötzsch, Hirtenstr. 10 möglichst f r ü h u n d z a h l r e i ch zu erscheinen, damit die Verbreitung sich rasch erledigt. Der Vorstand. Der Wahlverein von Reinickendorf hält Dienstagabend S'/a Uhr bei Leeder, Residenzstr. 1�2 seine Generalversammlung ab. Vorstandswahlen stehen auf der wichtigen Tagesordnung. Eichwalde. Sonnabendabend 8>/z Uhr findet im Restaurant Seglerschloß«rl Weist. Der Weg zum Herzen. ei«t HO., Mafiannsnstr. 34. 15/14 Dr. Simmel, Prinzen- Str. 41, Specialarzt für(13/8* Hant- mmd Haraleldeu. 10—2, 5— 7. Sonntag» 10—12. 2—4. vormittags 10 Uhr. Amtsgericht Zehdeniek an der Havel: > Gasthofsgrundsföck mit Tanzsaal und Thcatcrbühnc, Das GasthosögruirbstüE umsaßt! 3 große Gastzimmer, 3 Fremdenzimmer, 4 private Wohnzimmer, 1 Schlächterladen, worin jeden Sonn- abend Fleischverkaus ist, Küche und große Kellereien, 1 Scheune mit 10 Ställen, 1 Zictiradenhaus, 1 großer Tanzjaal mit Thcaterbühne falle Gebäude ganz maisiv), 1*/, Morgen großer RcstanrationS- garten, Größe 18 Ar 78 Hektar, herrlich an Wald und Wasser, dirckr an der Havel, acht Meilen von Berlin, mit der Nordbahn bis Zehdenick, der erste Gasthos am Orte in dieser großen Ziegelei- gegend, vor sechs Jahren kostete es 38 OOO M., ist mit Hypotheken von 28 000 M. belastet. AuSlunst giebt der Vertrauens- mann. CigraFrenmachcr KatUcr, Zehdenick an der Havel. SW. Lindenstraste 69, Laden. zliitntbehrlichfmAusßiigler! Specialkarten der näheren Umgebung Berlins. Bernau-Biesenthal. Lanke, Liepnitz- und Wandli�-See... 1,00 M. Buckow am schennützcl-See/z, 1900 6l/z Proz. Im laufenden Jahre hat die Bank die Auflösung ihrer Frankfurter?tiederlassung durchgeführt, ist zugleich aber eine Kommanditbeteiligung bei dem dortigen, wiedererstandenen Hause I. Dreyfuß u. Co. mit drei Millionen Mark eingegangen. Der Vorteil bei der neuen Interessengemeinschaft wird für sie also vornehmlich darin bestehen, daß sie in Leipzig festen Fuß faßt, wo gerade der Baukmarkt durch die letztjährigen Veränderungen, wie Auflösung der Leipziger Bank und Niederlasiung der Deutschen Bank, eine starke Anspaniumg zeigt, der andrerseits die Kredit- und Spar- dank allein auf die Dauer zweifellos nicht gewachsen gewesen wäre. Die Einkaussvereinigungen der Detaillistr» haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Ausdehnung erfahren und auch in ihren Umsätzen eine starke Steigerung erzielt. Der Kampf gegen die Warenhäuser hat die einzelnen Detaillisten vornehmlich erst dazu getrieben, sich den inneren Tendenzen des modernen Wirtschaftslebens anzupassen, dann aber auch ihr Kampf gegen die Konsum- vereine. Im„Konfektionär" werden jetzt einige dieser Um- sähe der Detaillisten-Einkaufsvereinigungen angegeben. Danach hat z. B. der Verband Deutscher Kurzwaren- und Posamentengeschäste. E. G. m. b. H., ftüher in Weimar, jetzt in Berlin, im Jahre 1903 nicht weniger als 17 Millionen Mark um- gesetzt, die Deutsche Einkaufsgenossenschaft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren, E. G. m. b. H. in Erfurt, über 2 Millionen Mark, der Verband Mitteldeutscher Manufalniristen, G. m. b. H. in Leipzig, beinahe 3 Millionen Mark, und selbst eine jüngere Vereinigung, ww die Westfälische Einkaufsvereinigung in Gütersloh, brachte eS auf über Va Million Mark Umsatz im letzten Geschäftsjahre. Soziales. Der Pflicht-Feuerwehrmann und seine Pflichten. In Schwetzkau ist durch Ortsstatut eine Pflicht-Feuerwehr eingeführt worden. Das Statut bestimmt, daß auch z» den Hebungen jeder Feuerwehrmann in der vorschriftsmäßigen Ausrüstung zu erscheinen habe. Zu dieser Ausrüstung gehört auch als Abzeichen eine Armbinde. Em Kauf- mann N. war zu einer Uebung ohne Armbinde erschienen und weigerte sich, oer Ausforderung des Bürgermeisters, sie von Hause zu holen, nachzukommen. Auf Grund einer Polizei- Verordnung, die zur Durchfiihrung der Bestimmungen des Orts- statuts erlaffen war. wurde er deshalb mit einer Geldstrafe bedacht. Das Berufungsgericht sprach ihn jedoch frei, weil es sich lediglich um ein Disciplinarvergehen handele, das nicht durch Polizei- Verordnung mit Strafe bedroht werden könne. Das Kanimergericht hob das Urteil auf und verwies die Sache noch einmal an das Landgericht zurück. Jetzt wurde Angeklagter verurteilt und das Kammergericht, diesmal vom Angeklagten angerufen, billigte das Urteil. Das Kamniergericht vertritt folgende Auffassung: Die Feuerlöschpflicht und die damit zusammenhängenden Naturaldienste gehörten zi» den Handdiensten, die nach§ 68 des Kommunalabgaben- Gesetzes den einzelnen Gemeindemitgliedern auferlegt werden könnten. Die Nichtleistung der Handdienste könne durch Polizeiverordnung mit Strafe bedroht werden. Eine Nichterfüllung der Dienste könne aber auch in der Nichtbefolgung der Vorschriften gesehen werden, welche die Handdienste im einzelnen regeln, und zwar dann, wenn diese Vorschriften einen wesentlichen Teil der Pflichten des Feuerlvehrnranns beträfen. Darum handle eS sich aber bei der Armbinde. Das Abzeichen sei von großer Be- deutung insofern, als daran jedermann ans den: Publikum sehe, daß er es mit einem Feuerwehrmann zu thun habe. Seinen Anordnungen werde eher nachgekommen werden. Auch erleichtere ihm das Kennzeichen das Durchschreiten von Absperrungen. Für Uebungen komme das auch in Frage. Auf jeden Fall habe sich N. strafbar gemacht, indem er der Ausforderung des Ucbungsdirigenten. des Bürgermeisters, nicht Folge leistete und nicht die Binde herbei« holte. Eine für Artistenkreis« wichtige Entscheidung wurde vom Landgericht Nürnberg gefällt. Der Besitzer des dortigen Zeughaus- VariötoS. Kobl, hätte für Monat April die Gesangs- und Tanz- duettisten Geschwister Selpini und den Humoristen Martcll engagiert und mit ihnen vereinbart, daß ihm das Recht zustehe, bei un- genügenden Leistungen sofort oder nach achttägiger Kündigung den Vertrag zu lösen. Aber schon am 2. April wurden die Genannten ent- lassen, weil Kobl mit ihren Leistungen und mit dem Beifall des Publikum nicht zufrieden war. Sie klagten deshalb beim Gewerbe- gericht auf Entschädigung. Kobl erhob den Einwand der Unzu- ständigkeit des Gerichts und berief sich auf sein vertragsmäßiges Recht zur Entlassung der Kläger, aber ohne Erfolg. DaS Gericht verurteilte ihn, indem es Artisten von der Art der Kläger als Gewerbe- gehilfen, die der Gewerbc-Ordnung unterstellt sind, erklärte. Daraus erkläre sich nicht nur die Zuständigkeit des Gerichts, sondern auch die Unzulässigkeit der Kündigungsklausel. Gegen dieses Urteil erhob Kobl Berufung beim Landgericht Nürnberg mit dem Antrag, das Urteil des Gcwerbegerichts wegen dessen Unzuständigkeit auf- zuhcben, eventuell Beweis über die Mangelhaftigkeit der klägerischen Leistungen zu erheben. Das Gericht verwarf die Berufung alS un- gerechtfertigt und sprach damit die Zuständigkeit des Gewerbe- gerichts auS._ Gerichte-Zeitung. Der Gclsenkirchener Prozeß gegen die Leiter des WafferwerkeS wurde am Donnerstag vertagt, da Professor Holz in Aachen, der ein klares Bild der Schieberstellung und der Wasserversorgung zur Zeit der Typhusepidemie geben soll, die Erklärung abgab, er werde zur Rekonstruktion ungefähr drei Monate brauchen. Es wird daher angenommen, daß der Prozeß erst im Dezember seinen Fortgang nehmen werde. Durchstechereien im Weibcrgefängnisse in der Barnimstraße be- schästigten gestern die zehnte Strafkammer des Landgerichts I. Die ftühere Gefangenenaufseherin Mathilde Rieß war des Vergehens im Amte beschuldigt, einer Gefangenen gegen Entgelt Er- leichterungen und sonstige Vorteile gewährt zu haben, welche zu der Gefängnisordnung im Widerspruch standen. Die Prostituierte Anna W. hatte wicderholentlich in„Barnim", wie das Gefängnis in jenen Kreisen kurz genannt wird, Strafen zu verbüßen. Ihren Mitgefangenen war es aufgefallen, daß sie von der Angeklagten besonders begünstigt wurde und daß auch während die W. sich auf freiem Fuß befand zwischen ihr und der Angeklagten ein freundschaftlicher Verkehr bestand. Die W. machte ihr verschiedene Geschenke an Kleidungs- stücken. Als sie eines Tages von einer Bekannten gefragt wurde, warum sie dies thue, soll sie geantioortei haben:„Kinder, wenn Ihr ein Z w a n z i g m a r k st ü ck an die Rieß springen laßt, habt Ihr eS besser, wenn Ihr wieder hineinkommt". Die Angeklagte soll sich auch als Mittelperson hergegeben haben, um Briefe der'W. in die Außenwelt zu besorgen usw.— Die Verhandlung bot dasselbe Bild als früher in den vielen Prozeffen gegen Auffeher der Gefangenenanstalt Plötzenfee. Die Angeklagte bestritt den größten Teil der ihr zur Last gelegten strafbaren Handlungen. Die ihr von der W. gegebenen Gegenstände feien keine Geschenke gewesen, sondern als ÄbichlagS- zahlungen auf ein Darlehn von 120 M.. das sie ihr gewährt habe, zu betrachten. Demgegenüber bekundete die eine Zeugin, daß die Angeklagte ihr geklagt habe, sie könne mit dem Gehalt von mir 700 M. jährlich nicht nnSkommen. Es kam ferner in der VerHand- lung zur Sprache, daß es eine bestimmte Stelle in der die Anstalt umschließenden Mauer gäbe, die sicb besonders dazu eigne, um Pakete, Briefe und dergleichen in das Innere hinüberzuwerfen, eS sei unweit der Stelle, wo der grüne Wagen halte. Die An- aeschuldigte gab zu, einmal einen Brief an den Liebhaber der W. besorgt zu haben, worin er gebeten wurde, der W. ein Bein- k l e i d, einen Färbekamm und eine Wurst zu schicken. Durch ihre Vennittelung habe die W. diese Gegenstände auch erhalten. Die Zeugin W. suchte die Angeklagte so viel wie möglich zu ent- lasten und mußte eindringlich zur Wahrheit ermahnt werden. Auch die Zeugin bestätigte, daß die Angeklagte ihr ohne jede Unterlage die 120 M. geborgt und sie sich dafür habe erkenntlich zeigen müssen. Der Staatsanwalt wollte dieser Behauptung keinen Glauben schenken, er hielt die Angeklagte für überführt und beantragte gegen sie einen Monat Gefängnis. Der Verteidiger, Rechts- anwalt Berg, bat um ein niedrigeres Strafmaß, indem er darauf hinwies, daß die Angeklagte durch den Verlust ihrer Stellung schon genügend bestraft sei. Der Gerichtshof beließ eS bei 14 Tagen Gefängnis. Fälle dieser Art werden sich immer wieder ereignen, solange einerseits das Gefängnispersonal ungenügend besoldet wird, und andrerseits die Gefangenen derart behandelt und bekössigt werden. daß sie, falls sie nur irgend dazu im stände sind, alles aufwcnden, um ihr Elend zu erleichtern. Besondere Entrüstung ist hier weder gegen die Gefangenen noch gegen die bestochenen Beamten am Platze. Kindesmord! Eine von entsetzlichen N e b e n u m st ä n d e n be- gleitete That führte gestern die 28jährige unverehelichte Karoline Köcklin unter der Anklage der fahrlässigen Tötung vor die vierte Strafkammer des Landgerichts II. Die Angeklagte, eine auffallend kleine, zart gebaute Person, hat bei der ihr zur Last gelegten Straf- that eine außerordentliche Willenskraft an den Tag gelegt. Sie kam von Stralsund nach Oranienburg, wo sie bei den, GärMereibesitzer Blume eine Stellung als Dienstmädchen fand. Schon seit längerer Zeit hatte sie mit einem früheren Unteroffizier ein Liebesverhältnis unterhalten, welches nicht ohne Folgen geblieben war. Sie wußte ihren Zustand in so geschickter Weise zu verbergen, daß niemand etwas davon bemerkte. Am 2. April d. I., am Ostersonnabend, merkte sie. daß ihre Stunde ge- kommen war. Im letzten Augenblick suchte sie einen auf dem Hofe befindlichen Abort auf, wo sie einem Kinde das Leben gab. Schon nach wenigen Minuten erschien die Angeklagte wieder, als ob nichts geschehen wäre, sie ging ihrer häuslichen Beschäftigung wieder nach und verrichtete verhältnismäßig schwere Arbeit. Am folgenden Tage machte der Gärtnergehilse G. eine Entdeckung, die seinen Verdacht erregte. Die sofort herbeigerufene Polizei nahm eine Durchsuchung vor undfand, von Exkrementen verdeckt, dieLeiche eines neugeborenenKindeS. Nach erfolgter Reinigung machte der Beamte die entsetzliche Eiit- deckung, daß an der kleinen Leiche Nase, Mund und ein Teil der unteren GesichtShälste von Ratten abgefressen waren. Der Kreisarzt Dr. Schulz stellte bei der Obduksion fest, daß es sich um ein durch- aus lebensfähige?, kräftiges Kind handelte, welches den Tod durch Erstickung gefunden. Gegen die unnatürliche Mutter wurde Anklage erhoben, merk- würdigerweise nur wegen fahrlässiger Tötung, indem an- genommen wurde, die Angeklagte habe dadurch, daß sie zu dem GeburtSakte keine Hilfe hinzuzog, den Tod des Kindes verursacht. Der Staatsanwalt glaubte dieser Auffassung beitreten zu köunen und beantragte ein Jahr Gefängnis. Die Straf- kammer war indeffen der Ansicht, daß die Beweisaufnahme Umstände ergeben habe, die auf eine mit Vorsatz ausgeführte Tötung schließen ließen. Der Gerichtshof erklärte sich deshalb für unzuständig und verwies die Sache an das Schwurgericht, weil dringender Verdacht des KindeSmordeS vorliege. Versammlungen. Charlottendurg. lieber„Die Schule im preußischen Landtag" referierte Dr. A r o n s am 5. Juli in einer gut be- suchten Volksversammlung. Der Redner knüpfte an den bekannten Antrag der freikonserbanven Fraktion im Abgeordneten- hause an, der von der Regierung die Vorlegung eines VolkSschul- gcsetzes verlangt, und der von den Nationalliberalcn und Konser- vativen unterstützt wird, nachdem er ihnen zu Liebe mit einer Anzahl von reaktionären Bedingungen und Wünschen für dieses Gesetz ver- sehen worden ifh Verheißen wurde ein Unterrichtsgesetz bereits in der Verfassung von 1850; alle Versuche, dieses Versprechen einzulösen, sind bisher jedoch gescheitert, und zwar an der konfessionellen Frage, die in der That für jeden, der der Religion und damit der Kirche überhaupt einen Platz in der Schule anweist, unlösbar ist. Während das unter Friedrich II. erlassene allgemeine Laudrecht keine konfessionellen Schulen kennt, sondern nur im Namen des Staates errichtete und unter Aufsicht des Staates verwaltete, in denen der Schullehrer allen Kindern ohne Unterschied der Religion den Unterricht in allen nicht zur Religion gehörenden Kenntnissen erteilt, heißt es in der aus der Reaktionszeit nach 1348 stammenden preutzisckzen Verfaffung:„Bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschule sind die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen. Den religiösen Unterricht in der Volksschule leiten die betreffenden Religionsgesellschaften."— Auf Grund dieses Artikels versucht die Kirche, die Schule überhaupt an sich zu reißen und die Lehrer unter die Kontrolle und Aufsicht der Geistlichen zu stellen, und das liberale Bürgertunk hat sich diesen Bestrebungen niemals grundsätzlich gegenübergestellt. So erklärte bei der Beratung des Gesetzes von 1872, das die Schulaufsicht des Staates regeln sollte, der Abgeordnete Virchow ausdrücklich:„Wir wollen keine Entchristlichung der Schule, wir verwahren uns gegen die Verleumdung, als ob wir den Artikel 24 der Verfassung be- scitigen wollten", eben den oben citierten Artikel, welcher der Kirche die Gewalt über die Schule gab. Den Anmaßungen der Kirche gegenüber und ihrer Vertreter im Abgeordnetenhausc, welche eine Loslösung der Kirche von der Schule für undenkbar erklärten, haben es die Liberalen eben niemals geiaagt, diese selbstverständliche Forderung grundsätzlich zu erheben, sie beschränkten sich auf die Forderung und Förderung der sogenannten paritätischen oder Simultanschule gegenüber der konfessionellen Schule. In dieser sitzen nur Kinder einer Konfession, die nicht nur in Religiortz, sondern überhaupt von einem Lehrer ihrer Konfession unterrichtet werden; in der Simultanschule dagegen sitzen Kinder beider Kon- fessionen und erhalten gemeinsam Unterricht von demselben Lehrer, nur für die Religionsstunden werden sie getrennt. Der Fortschritt der Simultanschule gegenüber der konfessionellen ist also ein außer- ordentlich geringer. Er liegt darin, daß durch den Zwang 5Ander gemischter Konfessionen in derselben Klasse und Stunde zu unter- richten, verhindert wird, daß der Unterricht in den andern Fächern so vollständig mit Religion durchtränkt wird, wie es in den ton- fessionellen Schulen der Fall ist. Der hauptsächlichste Vorteil der Simultanschule liegt jedoch darin, daß die zweiklassige Schule früher erreicht wird. Anstatt die Kinder in zwei einklassige konfessionelle Schulen zu trennen, kann man sie hier in einer zweiklassigen unter- richten und dadurch natürlich schneller fördern. Das ganze Elend der preußischen Volksschule tritt allerdings klar zu Tage, wenn man das Einrichten einer zweiklassigen Schule schon als einen Fortschritt bezeichnen mutz. Die Junker und Pfaffen, die im preußischen Ab- gcordnetenhaus das große Wort führen, sagen freilich, die religiöse Erziehung in einer einklassigen konfessionellen Schule sei dem Unter- richt in einer mehrklassigcn nicht konfessionellen Schule vorzuziehen, wenn auch in letzterer bessere Fortschritte gemacht werden. Dem- gemäß verlangen sie auch jetzt em Volksschulgesetz auf konfessioneller Grundlage. Und unsre Liberalen im Landtag zeigen dasselbe jammervolle Verhalten wie bisher. Sie jammern, der Antrag sei ihnen nicht so zeitig bekannt geworden, daß sie dazu hätten Stellung nehmen können, als ob diese Stellung nicht von selbst gegeben wäre, falls sie wirkliche Grundsätze besähen. Aber ihr ganzes Ideal läuft auf die Erhaltung der bestehenden Simultanschulen hinaus, und hoch und heilig versichern sie auch jetzt wieder, sie denken gar nicht daran, den Religionsunterricht in der Volksschule abzuschaffen. Demgegen- über müssen wir um so schärfer die Forderung unsres Programms betonen:„Erklärung der Religion zur Privatsache", welche die voll- ständige Trennung der Schule von der Kirche und damit die einzig mögliche Lösung der konfessionellen Frage in der Schule in sich schlicht. Für die Arbeiterschaft hat diese Frage noch eine größere Bedeutung. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! ist das Losungswort der Arbeiter, und da sollen die Arbeiter Deutschlands es leiden, daß ein Ritz nach Konfessionen zwischen ihnen gemacht wird? Nein, die Macht der Arbeiterklasse beruht auf dem Zusammen- schluß der Arbeiter, über den elenden und kleinlichen Zustand des konfessionellen Haders müsien die Arbeiter sich erheben. DaS ist nur möglich mit dem Rufe: Hinaus mit der Religion aus der Volks- schule I— Eine Diskussion schloß sich an den beifällig aufgenommenen Vortrag nicht an. J-hanniSthal. Der hiesige Socialdemokratische Wahlverein hielt am 12. Juli seine fällige Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu ersehen, daß im verflossenen Quartal sechs Vereinsversammlungen und sechs Vorstandssitzungen stattfanden. Der Verein zählt zur Zeit 128 Mitglieder. Der Kassenbericht konnte wegen noch ausstehender Gelder nicht erstattet werden. Derselbe wird bis zur nächsten Versammlung, die eine außerordentliche Generalversammlung sein soll, zurückgestellt. Eine längere Debatte entspinnt sich beim Bericht der Lokalkommission. Von verschiedenen Genossen wird herbe Kritik geübt über den Satz oben auf der Lokal- liste:„Lokale, die keinen Saal haben, sind frei." In kleineren Orten, wo die Genossen häufig mit Zimmern, die 20 Personen fassen, vorlicb nehmen müssen, sei dieser Satz von äußerst schädigendem Einfluß für die Parteibewegung des Ortes. Das zeige sich recht deutlich, wenn der betreffende Ort ein viel besuchter Ausflugsort ist. So hatten einige hier nicht ansässige Parteigenossen, die sogar im Vordergrund der Bewegung stehen, geplant, in dem gesperrten Lokale des Gastwirts Werner ein Kcgelfest zu veranstalten. Als die Be- treffenden von einem hiesigen Genossen aufmerksam gemacht wurden. daß der Wirt sein Lokal uns zu Versammlungen nicht zur Ver- fügung stelle, beriefen sie sich auf obigen Satz der Lokalliste und be- merkten, daß das Lokal ja keinen Saal habe; im übrigen lege der Wirt auch den„Vorwärts" aus. Die Genossen liehen sich dann allerdings umstimmen und hielten das Äegelfest in einem freien Lokal ab. Vom Genossen Mann wurde noch ausgeführt, daß er schon seit mehreren Jahren in der Lokalkommission den Antrag auf Streichung des betreffenden Satzes in der Liste gestellt habe. Die Lokalkommission habe dann schließlich auch zugestimmt; die Berliner Vertrauensleute als obere Instanz hätten jedoch jedesmal dagegen Einspruch erhoben. Es kam hierauf folgende Resolution zur An- nähme:„Die heutige Generalversammlung erblickt in der Weigerung der Berliner Vertrauensleute, den Kopf der Lokalliste—„Alle Lokale, welche keinen Saal haben, sind frei"— wegfallen zu lassen, eine Schädigung der Partei-Jnteressen in den kleinen Ortschaften. Sie erwartet, daß die Berliner Vertrauensleute endlich von ihrem die Zchätigkeit der Genossen in den Vororten schädigenden Verhalten Abstand nehmen, da die Genossen in den kleinen Orten oft mit dem klemstcn Vereinszimmer rechnen müssen." »lllgemeine Kranken- und Sterbekafle der Metallarvetter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 9. Sonnabend, den IS. Juli, abends 9 Uhr, bei Gundlach, Waldemarstr. 24: Versammlung. TageS- ordnung: I. Abrechnung sür die Monate Mai, Juni. 2. Wahl der Kon- trolleure. Z. Verschiedene». Allgemeine Kranken- und Tterbekasie der Metallardetter (E. H. 29, Hamburg). Filiale RummelSburg. Sonnabend, den 16. Juli, abends 8'/, Uhr, bei Gust. Tempel, Boxhagen, Ecke der Bahnhos- ftrafje: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassen- Bericht. 2. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. 8. Verschiedenes. Erscheinen notwendig, da die neuen Statuten zur Ausgabe gelangen. Nothenbnrger Sterbekaffe. Heute, Freitagabend 8'/, Uhr. bei Dräscl, Neue Friedrichstr. 35: Versammlung. Tagesordnung: 1. Anträge zur Generalversammlung m Görlitz. 2. Wahl etneS Delegierten. Die Mitglieder werden ersucht, der wichtigen Tagesordnung wegen pünktlich zu erscheinen. Dauzlehrer-verein„Solidarität". Heute abend: Uebungtstunde im Restaurant Collwig. Gr. Franlsurtcrstr. 102. Berliner Tanzlehrer- Berband. Heute abend 9 Uhr, Mte Jakob- straße 75: Uebungsstunde. Achtung? Maurer. Achtung! Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Sonntag, 17. Juli, vormittags Punkt 10 Uhr, bei Dräsels, Neue Friedrichstr. SS: General-Bersammlung."WR Tagesordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom 2. Quartal tSvt sowie Revisionsbericht und Wahl eines Revisors. 2. Anträge des Vorstandes und Ausschusses. 3. Wahl eines Mitgliedes der Fünfer-Kommission. 4. Verschiedenes. Die Versammlung wird Punkt t0 Uhr eröffnet. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 123/16 Der Vorstand. 1-fer l! Zweigverei» Berlin. 8kkiion llei lZips- u. lZöinentbisneliö. lZsupps clöi Lömsntikies. Tonntag. den 17. Juli, vorm. Iv Uhr. im Lokal von Wille, Brunnenstraffe Nr. 188: Mitglieder-Nersammlung. Tagcs-Ordnung: 1. Beratung über den Vertrag resp. Ver- befferungsvorschläge zu demselben. 2. GewerkschastlicheS. Um rege Teilnahme der Mitglieder an der Versammlung ersucht 144/17__ I»er Vorstand. Verband der Kafenarbetter und veriv. Berufsgen. Deutschlands. »»MW» Hltglledschaft Berlin II.»»�h Konntag, den 17. Juli, vorniittags IO'/z Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 7S: Mitglieder-Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Abrechungn deS Kassierers sowie der Lohnkommission. 2. Verbands- angclcgenheit. 3. Ausnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 19/10 Der Vorstand. I. A.: F. Trapp. Vereinigung der ZininiererDeutscIil. Bureau: Berlin 0. 54, Dragonerstr. 15, H.I.Ausg.I. Telephon Amt HI, Nr. 5028. Tonntag, den 17. Juli, vorinittags 10 Uhr, in den„Industrie- UestsiUen", Benthstr. 20; Gcneral-Vcrfammlung des Ncrcilis i>. Zimmkrcr öcrlins n. Umg. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1304. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Bcrusliches und Verschiedenes. 257/12 Mitgliedsbuch legitimiert. lloe Vorstand. I. A.: Albert Juppenlatz. Arbeiter- Radiatipervereiii „Berlin". Sonntag früh 4 Uhr Koppenplatz nach Neu- Ruppin(75 Kilimeter) Gesellschasts- Haus, Gartenstratze 2.— Mittags >/z2 Uhr nach Pichelswerder(Freund). Start Brandenburger Thor. 13/6 Ulttivocli, den 20. d. M., im „Böhmischen Branhanse" Landsberger Allee 11/13: Ordentliche General-Versammlung. HM- Die Mitglieder werden hös- lichst ersucht, die Bundeskarten sür Monat dnli in Ordnung zu bringen, da U ebertritt in den neuen Verein. Gäste sind aus Touren und Ver- sammlungen stets willkommen. Der Kampsilli Mlkttgtwnbk! Folgende Bäckermeister haben am Donnerstag, den 14. d. Ms., den Tarif anerkannt und unterschrieben, sind als geregelt zu betrachten und in der Sonntagsliste nachzutragen: Korden. Stargarderstr. 70, Langnickel. Osten. Heinersdorferstr. 12, P. Lamla. Mühlenstr. 35, A. Müller. Weidenweg 25, W. Moltrecht. Südosten. Wrangelftr. 82, F. Meister. Die Forderungen folgende Bäckermeister zu streichen: Centrum. Gipsstr. 17, O. Trumps. Kord-Osten. Pallisadenstr. 100, Kukwa. Lippehnerstr. 26, R. Lange. Osten. Boxhagcnerstr. 33, P. Sturm. Blatternstr. 2, W. Zeplin. 237/3 Reichenbergcrstr. 145/146, Bergmann. Manteuffelstr. 5. W. Bergmann. l8iiden. Camphausenstr. 6, I. Zindler(hat irrtümlich unter den Nichtbewilligten gestanden). lSUdivesten. Simeonstr. 28, W. Bergmann. Köpenick. Schönerlinderstr. 12, C. Bernard, Parisiusstr. l l, H. Thiele. Rudowerstr. 12, P. Hein. Grünauerstr. 27, P. Krämer. Alter Markt 64, R. Reppmann. Glienickerstr. 1, Grams. Marienstr. 44, D. Jurzok. durchbrochen resp. zurückgezogen haben und sind deshalb aus der Liste der Bewilligten Mühlenstr. 1. G. Merkel. Elbingerstr. 13, Piotrowski. Schreinerstr. 4, Langsritz. Süd-Osten. Glogauerstr. 2, Kotzan. Wienerstr. 49, Heinrichs. Süden. Gräfestr. 10, Krause. Schönleinstr. 23, Anders. Urbanstr. 43, W. Heim Fichtestr. 22, Bergner. Weissensee. König-Chaussee 46, P. Springer. Bariendorf. Ghaussecslr. 3, Franzke. 11, Tech. , 85, Kaliski.s Die Vcrbandsleitung. Bureau: Gipsstr. 2. Telephon Amt HI. 1248. Bureau ILahlstelle Berlin. SO., Engel-Ufer 15. Fernsprecher: Amt IV, 3578. Heute Freitag, abends 3>/z Uhr, im GcwerkschaftShause, Engel-Ufer 15: TifcEiing der Ortsverwaltung. H ontag, den 18. Juli er.: Am Sonnabend, den 1<». Juli: Gemeinsames Sommer-Fest verbunden mit Sommernachts-Ball im grossen Saale der„Kenen Welt", Hasenheide, unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins ,,8eneleldsr"(M. d. A. S.-B.). Im Garten Grotze Spezialitäten-Vorstellung. Die Kasfeeküche ist um 3 Uhr geöffnet. Ansang des Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Entree 30 Vf., Herren, welche am Tanz teilnehmen, SO Pf. extra. Billets sind im Vereinsbureau, Engel-User 15, und beim Unterzeichneten zu haben. Bas Komitee. 231/11-_ I. A.: Fr. Rose, Landsbergerstr. 16. Central-Verband der Steinsetzer, Pflasterer und Berufsgenossen(Finale Benin». Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 10. Juli d. I., das = Stiftungsfest in Fröbcls Allerlei-Theater, Schönhauser Allee 148 stattfindet.— Wir bitten die Gewerkschaften, da wir im Streik stehen, uns recht zahlreich zu besuchen. 174/4* Der Vorstand. tboflenlener mit nach Hüggclhcim aus zwei Dampfern. � Abfahrt morgens 7'/, lThr von der Stralaner Brücke. Rundfahrt auf dem Seddin-See. �5 � Im Saale: GrOSSCr Ball. � � Belustigungen für Klein n. Gross und sonstige grosse Ccberraschnngen. 86/14 Billets a 1,25 Marl............. Um rege Beteiligung ersucht Kinder unter 14 Jahren sind srei Die Kommission. Itaktuug! Vereine! Achtung! Für Sommer- u. Kinderfeste empfehlen: 5475L* Stocklaternen, Fackeln, Schärpen, Kopfbedeckungen, Lampions, Dekorations- Guirlanden, Berlosnngsartikel in gros« er Auswahl. Harken, Sensen. Keglerpreise, Jur- und Scherzartikel, Feuerwerk, Festabzeichen. Gr. Auswahl, bill. Preise, coulantesles Entgegenkommen. 8s Weber J�achfl. 1. Geschäft u. Bersandabteilung: Berlin 8., Neue Jakobstr. 8. 2. Geschäst: Berlin C., amAlexanderplatz. Alexanderstr. 31/53, 1. Et. Kataloge gratis und franco.— Versand nach ausserhalb prompt. Stclnarbcitcr. en 17. Juli, vorm. 10 Uhr, im„Oewerkscha haus", Engel-Ufer 15(Saal VIT): JWtglkdcr- VcrfammUfng. Sonntag Tagesordnung. 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Gewerkschaftliches. zum Gesellen-AuSschug. Zahlreiches Erscheinen erwartet 3. Ersatzwahl 172/13 Der Vorstand. Wie mit kiliem Schtnge tiftnidstd werden sofort alle Wanzen samt Brut durch Reichels Verstärktes Wanzenfluid. Unfehlbares Speelalmittel von durchgreifender und dauernder Wirkung. Fl. 50 Vs.. 1,—, 2.—, 3,— u. Literfl. 5,— M. Nur echt und wirksam in Originalst, mit Marke „Dod-Deufel". Sprühapparat 50 Pj. Erfolg garantiert. 5786L Lieferant sür Armee und Marine. Vlie JK-eiC-Iiei, Eiseubahnstr.4. T. A. IV 040 u. 3100. �mpkeklen unser Keiles u. äunkles Tafelhierz Qambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. VII. 5088. VII. 1670. 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