Nr. ISS. RMnMtHntt'Bedlmunrcii: Abonnements■ Preis pränumerando l «ierteljährl. 3JQ Mr. moitatt. UO Mt, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau», Einzeln- Nummer S Pfg. Sonntag». rnnranet mit illustrierter Sonntags« Bellage.Die Neue Weif 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post. ZcitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat, erfchtlirt vlgll» auBtr Bogtag*, 2t Jahrg. Vevlinev VolKsvl�tk. die lnserNonz-eebahb beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. gelle oder deren Raum*0 Pfg., für politische und gewcrlschaslliche Bereins- und Bersammlungs-Anzeigen 26 Psg. „Kleine Hnieigtn". das erste sfett- gedruSte) Wort 10 Psg, fedeS weitere Wort 5 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: „boalaUtoioIttat Rtrila". Zentralorgan der(bzialdcniokrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion t 831. 68, Lindenetraeae 69. Fernsprecher: Slmt IT, Nr. I9S3. Sonnabend, den 16. Juli 1904. Expedition: 83!. 68, Lindcnetraeae 69. Fserufprecher: Amt IT. Nr. 1984. Wahlrechtsfeinde. Such in dieser sommerlichen Zeit verstummen nicht die Schürer gegen das Reichstagswahlrecht. Allerlei Vorschläge tauchen auf, wie da» Vaterland aus der erschrecklichen Gefahr gerettet werden kann, der eS unvermeidlich entgegeneilt, wenn nicht bald.irgend etwas" gegen daS verderbenschwangere gleiche und geheime Wahlrecht ge-- schieht. Selbst das humoristische Element fehlt dabei nicht, wie denn jüngst ein höherer Offizier in der„Militär-Zeitung" die Forderung erhoben hat, es solle allen denen, welche die militärische Dienstpflicht geleistet haben, eine zweite Wählerstimme gegeben werden; der höhere Offizier hat den wunderlichen Glauben, damit das Ansehen des SoldatenwmS und die Neigung zu Mlitärbewilligungcn im Volke zu stärken. Von andrer Art ist daS wahlrechtsfeindliche Vorgehen, das in einer alsbald zur Ausgabe gelangenden Broschüre eines Berliner Berlages zum Ausdruck gelangt. Unter dem Lärmtitel.Der Mife« brauch des Reichstags-Wahlrechts durch die Socialdemokratie. Ein Mahnwort an das deutsche Volk von Arminias" fährt dies neueste Machwerk einher. Zur.Massenverbreitung im deutschen Volk" soll sie bestimmt sein, und in Partien soll sie zu sehr billigen Preisen abgegeben werden. Die Wahlrcchtsfeindschaft soll nach dem Vorgang des Herrn Giesebrecht zu Geschäftszwecken einträglich gemacht werden. Liebevoll, wie stets, zu denen, die uns bekämpfen, zögern wir nicht, der Oeffentlichkeit die dringende Kenntnis des neuesten Erzeugnisses der Vaterlandsrettung noch hurtiger zu ver- Mitteln, als die Eifrigen der Wahlrechtsfeindschaft selbst dazu im stände sind. Sie werden sicherlich ftir die eilige Verbreitung ihrer »Ideen" fich dankbar bekennen. Gleich eingangs kündet das Heftchen, eS fei doch eigentlich merk- würdig,»daß durch das Reichstags-Wahlrecht alle Unterschiede deS Standes und des Verstandes aufgehoben find und eine allgemeine Gleichheit besteht..." Das ist nun gleich die erste Unrichtigkeit von all den Unrichtigkeiten, die das rettende Heft auszeichnen; bekannllich hat die Wahlkreiseinteilung in Deutschland daS Er- gebnis, daß von Gleichheit des Wahlrechtes entfernt nicht die Rede ist, daß vielmehr die Wähler der wenig be- völkertcn konservattven Wahlkreise daS vielfache Wahlrecht der liberalen und socialdemokratischen Wähler in den städtischen und industriellen Kreisen befitzen. Leider sind also die Unterschiede deS Standes und deS Verstandes nicht aufgehoben, sondern die un- verständigen Mafien, die den konservattven Unterdrückern unter» würfig nachlaufen, haben weit stärkeres Recht als die Einsichtigen, die unser Land von dieser unerträglichen Herrschaft befteien wollen. Weiter klagt der.Mahnruf' deS ArminiuS, daß„der Reichs- kanzler nicht mehr Stimmen bei der Wahl abzugeben hat als der ärmste Taglöhner im kleinsten Dorf". Wir hoffen nicht, daß Arminias der Bülow- Beleidigung angeklagt werde und so seiner wertvollen Bethätigung entzogen werden wird, denn der Reichskanzler gewinnt bekanntlich durch seine Beredtsamkeit die Sttmmen von Hunderttausenden und verschmäht daher ein Vorrecht vor den wenigen Redebefähigten. Wenn den Kanzler aber eine Un- gerechttgkeit ernstlich drückt, so ist eS die Ungerechtigkeit deS preußischen Wahlsystems, das ihm ein hundertmal geringeres Wahl- recht giebt als dem Bankier, der feine Ersparnifie aufbewahrt, und dem Fleischermeister, der seiner Küche die Würste liefert. Vielleicht erhebt der tapfere ArminiuS demnächst einmal seinen Mahnruf gegen dieses Wahlsystem, das Minister und Professoren entrechtet und die Herrschaft des verstandesbaren Besitzes errichtet. Weiter will ArminiuS zeigen, baß kein andrer Staat„ein so freies Wahlrecht" hat wie Deutschland. Da».Freie" will er nach- weisen, nicht um zu zeigen, daß.Deutschland in der Welt voran" ist, sondern umgekehrt um die Beseitigung dieser unerttäglichen Freiheit zu fordern. Sonst wird stets verkündigt, wie herrlich wett Deutschland eS gebracht, und das Ausland soll uns nur erst nacheifern, jetzt soll Deutschland sich an dem schlechten Ausland ein Muster nehmen. Und diese köstliche Umkehr der deutschen Herrlich- keit beruft sich natürlich zudem auf die allerplumpsten Fälschungen, die der Fähigkeit des MahnruferS auf diesem Felde erhebliche Ehre machen. Diejenigen Wahlrechte, welche den demokrattschen Gedanken außerordentlich viel gründlicher durchführen, werden kurzum unter- schlagen. Bon der Schweiz, von den Vereinigten Staaten hört man nichts, von Frankreich wird erzählt, daß das Wahlrecht an vorhergehende OrtSansässigkeit gebunden sei. nicht» wird davon erzählt, daß in Frankreich stet» auf je hunderttausend Eintvohner ein Abgeordneter gewählt wird, daß dort also die in Deutschland nicht vorhandene Gleichheit des Wahlrechte» besteht, daß dort ferner auch alle VerwaltungSkörperschasten und schließlich mittelbar auch der Senat au» dem allgemeinen gleichen Wahlrecht hervorgehen. ArminiuS ist tapfer genug zu lügen, daß Frankreich zu den Staaten gehöre, in denen daS Wahlrecht.viel weniger frei und vielmehr beschränktist als in Deutschland". Frankreich und England werden vorgeführt, um daS deutsche Volk zu mahnen, daß es sich seines besten Rechtes entäußern solle l Leider aber bestehen gerade in diesen wilden Staaten VerfafiungS- einrichtungen, deren Erstrebung durch die Socialdemokratie dem Herrn Arminius als eigentlicher Grund gilt für die von ihm be- hauptete Nottvendigkeit der Beseitigung de» deutschen RcichS-Wahl- rechts. Die Socialdemokratie will die Monarchie stürzen und die Herrschaft im Staate erobern— also, meint er, muß das Wahlrecht. daS ihr den Weg dazu bahnen kann, stürzen I Monsieur ArminiuS zählt nicht zu den„Verständigen", ftir die er ein vielfaches Wahl« recht fordert, sonst würde er nicht Staaten als Muster vorführen, in denen das besteht, was zu fordern und gesetzlich zu erstreben die vorgebliche Todsünde der Socialdcinolcatie sein soll. Will der monarchistische Streiter für Deutschland die englische Verfassung, nach der das Parlament alle», der Monarch nicht» ist? So kämpft dieser Held gegen das ReichS-Wahlrecht. ES krönt die tapfere That, daß sie aus dem Hinterhalt der Namenlosigkeit verübt wird. Wir aber wünschen der Flugschrift weiteste Verbreitung, wozu wir hierdurch schon unfern Anteil beigetragen, damit recht viele er- kennen, wie gescheidt und wie heldenhaft die Kreaturen sind, welche dem deutschen Volke ob seiner Unfähigkeit und Verstandlosigkeit das höchste Recht plündern wollen. Frodrak-Kardorff setzt im heutigen„Tag" die Kor- respondenz an fich selbst fort, an deren erstem Teil wir uns gestern erfreuten. Heute hat der alte Herr auch den närrischen Scherz ver- loren, der da» tragikomische Prophetentum würzen sollte. Wir hören nur die Wiederholung der bekannten Thesen, die Herr v. Kardorff aufsagt, seitdem die Silberwährung unmöglich wurde. Er fordert, um die Wette mit„Arminius": „Entziehung des aktiven und passiven ReichstagS-Wahlrechts auf fünf Jahre sim Rückfall auf immer) für alle diejenigen Wähler, welche erstens nach gerichtlichem Urteile einer Verbindung an- gehören, die den Umsturz der bestehenden Staats- und Rechts- Verfassung thaffächlich betreibt, zweitens nach gerichtlichem Urteile eine solche Verbindung durch Beittäge in Geld unterstützen, drittens bei Streiks Arbeitswillige durch Drohungen oder Gewalt an der Arbeitsaufnahme verhindern." Dazu hat aber der olle ehrliche Laurahüttengründer noch einige andre kleine Wünsche. Leider muß er sich selbst gestehen,„auf die Politik überhaupt einen merklichen Einfluß nicht ausüben zu können"! Herr v. Kardorff unterschätzt jedoch seinen Einfluß. Er und seinesgleichen haben nicht geringe Bedeutung im deutschen Leben, indem an ihnen dem Volke offenkundig wird, wie eiftig die reattionäre Volksfeindschaft arbeitet, wie sehr bei uns die elementarsten Volksrechte und die Grundlagen der deutschen Existenz uoch umstritten sind.• Jeder.Arminius", jede Kapuzinerpredigt des alten Kardorff mahnt alle diejenigen zur Aufmerksamkeit, welche die deutsche Entwicklung vor den Ersckütterungen durch Unverstand und brutale Unterdrückungsgelüste zu bewahren gedenken. politifcbe(leberfickt. verlin. den 15. Juli. Der Prozeß de» Zaren. Königsberg, IS. Juli. teidiger zu genügen, wo gewisse Stellen zu finde 1. seien, welche in erster Linie das Verfahren begründet haben. welcke unschuldige Leute ins Gefängnis gebracht und preußische Minister düpiert haben. Der russische Staatsrat suchte und suchte. Aber seine Frömmigkeit wirkte keine Wunder. Er fand nicht, was er dort übersetzt hatte. Schließlich entschuldigte er sich mit der Kürze der Zeit.„Und trotz der Eile haben Sie noch Zeit gefunden, Worte hinzuzufügen, die nicht in den Schriften enthalten ivaren?" erklärte der Verteidiger Schwarz mit messer- scharfer Ironie. Da warf sich der Vorsitzende des preußischei, Gerichtshofes zum Schwurzeugen russischer Lauterkeit auf. Ruß- land, Rußland über alle« I Aber auch die barsche Rüge, die dem Verteidiger erteilt wurde, wischt das Wort vo« dem russischen.Uebersetzungskünstler" snicht aus... So werden di» Deutschen im Jnlande vor den Ausländern geschützt, so werden Prozesse für Rußland gegen Deutschland vorbereitet l Tiefere Demütigungen sind nicht denkbar. Der Herr Staatsrat leugnete. daß er bei dieser Gelegenheit von der russischen Polizei inspiriert worden sei. Ueber seine sonstigen Beziehungen zu den polizeilichen Verschwören: und Geheimbündlern verweigerte er die Auskunft. ES ist nicht einzusehen, mit welchem Recht ein Russe sich auf daS Amts- geheimnis berufen kann. Denn er ist doch nicht legitimiert, über die Sicherheit des preußischen Staates zu wachen, und nur im Interesse unsreS Staatesist eine solche Zeugnisverweigerung zulässig Am Schlüsse der heutigen Verhandlung wurde endlich mit der Prüfung der Schriften selbst begonnen, zunächst mit den litauischen und lettischen. Alle sind socialdemokrati- schen Inhalts, und weder terroristischen noch anarchistischen Inhalts. Daß die vier litauischen Schriften durch. weg harmlos seien, bestritt der als Uebersetzer hinzugezogene Professor Bezenberger; denn als braver preußischer Profefior entsetzte er sich, daß eine dieser Flugschriften eine„leidenschaftliche" Sprache führe. Trotzdem kann niemand wegen der Förderung leiden- schaftlicher Sprache verurteilt werden; denn in der Voruntersuchung ist ein Teil der beschlagnahmten Schriften durch einander geraten und es läßt fich nicht mehr feststellen, bei welchem Angeklagten die 4 litauischen Broschüren gesunden worden find. Auch die lettischen Schriften belasten die Angeklagten, obwohl einzelne Artikel dem Zaren nicht gerade byzantinisch huldigen, nicht mit dem Frevel der Zarenbeleidigung. Denn diese„falschen Schriften" sind bei dem litauischen Bauern Millart gelegentlich einer polizeilichen Schornstein- besichtigung gefunden worden, und dieser Millart sitzt nicht auf der Anklagebank der Verschwörer gegen„Väterchen". Die lettische Zeitschrift„Socialdemokrat" hat sich außerordent- lich schroff gegen den Terrorismus ausgesprochen. Als eine Zu- schrift zwar den Terrorismus auch ablehnte, aber doch um mildernde Umstände für ihn plädierte, wandte sich die Redaktton mit aller Entschiedenheit gegen diese Auffassung über den Terrorismus. Das wurde heule festgestellt. Der Vorsitzende aber zog das Er- gebnis dieser Feststellung dahin, daß danach in der lettischen Social- demokratie sich jeder zmn TerrorisnmS verhalten, jeder herauslesen könne, wie und was er wolle. Man sollte diese auffallende Schlußfolgerung de» Vorsitzenden beachten, um nicht von dem schließlichen Ergebnis des Prozesses überrascht zu werden! Noch ein Akt preußischer Großmut: Die Minister haben Plechanotv, Axelrod, Mandclstamm und Dr. v. WctscheSlaff für die Dauer deS Prozesses freies Geleit gewährt. Was für eine Hoch- Herzigkeit gegenüber»Schnorrern und Verschwörern' l— Arbeiterorganisationen und Gewerbe-Inspektion. Der einzige deutsche Gewerbe-Jnspcktor. der einen wirklich der- ständnisvollen und segensreichen Verkehr mit den Organisationen der Arbeiter gepflegt hat, war Wörishoffer. Er war tief durch- drungen von der Bedeutung der Organisationen für unser gesamtes Wirtschaftsleben und ist für seine Ueberzeuguug auch mannhaft immer eingetreten, wenn die Scharfmacher mit impertinenter Dreistigkeit seine vorgesetzten Behörden zur iviaßregelung drängten. Was in Baden aber einer aufrechten Perjönlichteit möglich war, darf man in Preußen nicht zu finden hoffen. Gewiß giebt es auch hier in der Gewerbe-Jnspektion Männer und Frauen, denen ihr Beruf und Studium eine andre Meinung von den Arbeiterorganisationen beigebracht hat, als sie in den Kreisen der Kühnemänner beliebt ist; aber den„bnrcaukratischen Tick" werden sie alle nicht los. Ihr Bestreben„über den Wassern zu schweben", leuchtet aus jedem Worte über ihren Verkehr mit den Organisationen, mit einzelnen Arbeitern oder mit Arbeiterversammlungen hervor; diese gesuchte„Unparteilichkeit" hat jedenfalls den Vorteil, daß sie damit oben nicht anstoßen. Ob sie aber geeignet ist, ihre der- antwortungsreiche Thätigkcit so zu fördern, wie wir es im Interesse des Proletariats verlangen müssen, das darf mit Fug bezweifelt werden. Immerhin sind die Verhältnisse stärker als die Menschen, und so finden wir denn auch in dem diesjährigen Bericht der Ge- werbe-Jnspektoren eine Reihe von Bemerkungen über den Verkehr der Beamten mit den Organisationen. Die Beamten für den Bezirk Berlin und Umgegend sind, wie sie schreiben, vielfach von Organisationen um Vorträge an- gegangen worden und haben diesem Begehren in dreizehn Fällen Rechnung getragen; auch Beschwerden wurden ihnen, er- freulicherweise nicht mehr anonym, in größerer Zahl direkt vorgetragen. Wenn der Beamte aus Breslau meldet, daß alle Arbeiter, die sich an ihn wandten, mit Ausnahme von drei, Un- organisierte gewesen sind, dann läßt das darauf schließen, daß die dortigen Organisationen Grund zu haben glauben, auf andre Weise besser und leichter zu ihrem Rechte zu kommen. Jedenfalls ist ein Fall aus Breslau sehr charakteristisch: als dort eine Znckcrbäckcrei revidiert worden war, wurde ein Zuckerbäcker mit Entlassung bedroht, weil ihn der saubere Unternehmer„im Verdacht" hatte, den Gewerbe-Jnspektor auf Mißstände aufmerksam gemacht zu haben! Der mußte sich erst mit Hilfe deS Gewerbe-Inspektors von diesem„Ver- dachte" reinigen, ehe er die Erlaubnis erhielt, sich von diesem Muster- kapitnlisten weiter ausbeuten zu lassen. Dieser Vorfall sollte dem Breslauer Gewerbe-Jnspcktor zeigen, wie notwendig für die Arbeiter eine feste und geschlossene Organisation i st!— In Liegnitz und Magdeburg hielt sich der Verkehr mit den Arbeiter-Organisationen„in mäßigen Grenzen"; auch in Merseburg erfuhr er mindestens keine Steigerung. Der Erfurter Beamte berichtet von Vorträgen, die er in Arbeiterversammlnngen gehalten habe; er scheint das aber nur auf„königstreue" Organisationen beschränkt zu haben, denn er erwähnt ausdrücklich, daß er den evangelischen Arbeitervereinen seine Dienste zur Verfügung gestellt habe. In Hildesheim haben mehrfach Gewerkschaften die VeninttelungSthätig- keit des Beamten erbeten, in zwei Fällen angeblich auch mit Erfolg. In Hagen— Bezirk Arnsberg— mußte der Vorsitzende eines Ge- Werkvereins(Hirsch-Duncker?) seinen Verkehr mit dem Gewerbe- Inspektor mit dem Verluste seiner Stellung büßen! Die Handels- kammer zu Siegen und die dortigen Bergwerksunternehmer haben — ganz im saarabischen Stile— die Thätigkcit der Gewerbe- Inspektion„abfällig beurteilt".„Die genannten Körperschaften," so klagt der Beamte,„halten die Thätigkcit der preußischen Gewerbe-Jnspektoren auf dem Gebiete der Pflege von guten Be- Ziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern für keine ersprieß- liche." Die Herrschaften scheinen dort manches zu verbergen zu haben; wenn die Regierung Schneid hätte, würde sie das Beaniten- personal in jenem Bezirke vermehren und für häufigere Inspektionen sorgen. Im Bezirke Wiesbaden macht sich der Segen einer straffen Organisation der Arbeiter so deutlich bemerkbar, daß der Beamte nicht umhin kann, ihn ausdrücklich zu konstatieren. Die Arbeiter ver- kehrten fast ausschließlich durch ihre Organisationsleiter mit den Jnspektionsbeamten;„dabei kamen Unzuträglichkeiten zur Kenntnis der Beamten, welche bei den Revisionen nur rein zufällig gefunden werden könnten." Bei dem Geiste unserer bureaukratischen Social- Politik darf man sich nicht darüber wundern, daß von dem famosen „ersten deutschen Arbeiterkongreß" in Frankfurt a. M. ein erhebliches Gerede gemacht wird, während die bedeutungsvollen Tagungen und Beschlüsse der Gewerkschaften kaum irgendwo in einem Nebensatze flüchtig gestreift werden. Direkte Klagen der Anfsichtsbeamten über schlechte Beziehungen mit den Arbeitern sind selten; sie finden sich nur in den Berichten über solche Distritte, die der modernen Arbeiterbe- wegung noch so gut wie ganz verschlossen ge- blieben sind, wie z. B. Bezirk Trier. Dort sind die Arbeiter zum Teil noch so rückständig, daß sie wegen Verletzung der elementarsten Schutzvorschriften getadelt werden mußten. Welche Aufgaben hat dort noch die Gewerkschaftsbewegung zu lösen!— In andern schwarzen Gegenden, wie z. B. Düren ist die Gewerbe-Jnspektion die einzige Stelle, wo sich die Arbeiter einmal über ihre Rechte Rats holen können. Ruhmrediges Centrum! Wie anders wirkt doch die moderne Arbeiterbewegung, wo sie Gewerkschaftsbureaus, Arbeitersekretariate und ähnliche Institutionen schaffen konnte. Die segensreiche Thätigkcit der Arbeitersekretariate wird an vielen Stellen des Berichts ausdrücklich anerkannt. Aus den gegebenen Proben kann nian sehen, daß die Bemerkungen der Gewerbe- Inspektoren über ihren Verkehr mit Arbeiterorgani- sationen mancherlei Interessantes enthalten. Aber vergeblich wird man eine Stelle suchen, wo von ihrer Bedeutung principiell gesprochen wird. Ueber die notgedrungene„Duldung" geht's noch nicht hinaus. Vergleiche mit den Organisationen der Agrarier, der Händler und Handwerker lägen nahe; wir gehen aber darauf aus dem Grunde nicht ein, weil wir wissen, daß das Proletariat seine Ziele nur mittels des Klassenkampfes erreichen kann. Ueber Klassen- kämpf darf aber in unsrer heutigen Burcaukratie ebensowenig gedacht und gesprochen werden, wie in Sachsen über„Thema". DentfcKes Reich. „Plein Schild ist rein." Eine Korrespondenz verbreitet eine längere Darstellung über das Ergebnis einer angeblichen Aussprache zwischen den Freiherrn v. Mirbach und der Kaiserin. Danach habe Freiherr v. Mirbach allenthalben seine Handlnngslveise als tadelsohne dar- gestellt und die Kaiserin soll dieser Selbstbeurteilung des Freiherrn die Versicherung ihres vollsten Vertrauens zugefügt haben. Die Er- klärungen des Freiherrn hätten in dem Worte gegipfelt:„Mein Schild ist rein I" Man leistet der Kaiserin einen sehr üblen Dienst, wenn man derartige Nachrichten über sie verbreitet. Gerade wenn die Kaiserin, weil sie nur einseitig unterrichtet wird über die wirkliche Be- deutung des Verfahrens des Oberhofineisters, ihm ihr Vertrauen bewahren will, ist es höchst ungeschickt, ihre Person un- nl ittelbar in die Erörterung hineiil zuziehen. Bis- her trafen alle Vorwürfe nur das System Mirbach und die besonders hervorragende Vertretung des alsdann nach ihm be- nannten Systems durch den Freiherrn v. Mirbach. Die Kaiserin in die Angelegenheit zu ziehen, ist das Ungeschick der übereifrigen Monarchisten, die der Monarchie stets die größte Schädigung zugefügt haben.—_ Das Loch im deutsch-rnglischen Schiedsvertrag. Da? deutsch-cnglische Schiedsabkommcn wird am Freitagabend im„Reichs-Anzeiger" veröffentlicht. Das am 12. Juli in London voll- zogene Abkommen lautet: Die kaiserlich deutsche Regierung und die königlich groß- britannische Regierung als Mitnnterzeichner des am 29. Juli 1899 im Haag unterzeichneten Abkommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle, in Erwägung, daß die hohen vertrag- schließenden Teile durch Artikel 19 des Abkommens sich vor- behalten haben, Uebereinkommen abzuschließen, um alle Fragen der Schiedssprechung zuzuführen, die dieser nach ihrer Ansicht unterworfen iverden können, haben die Unterzeichneten ermächtigt, folgendes Abkommen zu schließen: Artikel 1. Streitige Rechtsfragen und Streitfragen, die sich auf die Auslegung der zwischen den beiden vertragschließenden Teilen bestehenden Verträge beziehen, sollen, sofern sie nicht auf diplomatischem Wege haben erledigt werden können, dem durch das Abkommen vom 29. Jnli 1899 eingesetzten ständigen Schiedshof im Haag überwiesen werden. Dabei ist zedoch vornuSgesclit. daß solche Streitfragen nicht die vitalen Interessen, die Unabhängigkeit oder die Ehre der beiden ver- tragschließenden Staaten berühren und nicht die Interessen dritter Mächte angehen. Artikel 2. In jedem Einzelfalle sollen die hohen vertrag- schließenden Teile, bevor sie den ständigen Schiedshof anrufe», einen besonderen Schiedsvertrag abschließen, der den Streit- gegenständ, den Umfang der Befugnisse der Schiedsrichter und die Fristen klar bestimmt, die für die Bildung des Schieds- gerichts und die verschiedenen Abschnitte des Verfahrens fest- zusetzen sind. Artikel S. Das gegenwärtige Abkommen ist für einen Zeitraum von fünf Jahren, vom Tage der Unterzeichnung ab, geschlossen. Der Teil, der das Schiedsabkonnnen nicht anerkennen, sondern an die Gewalt appellieren will, braucht also im besonderen Falle nur zu behaupten, daß seine„vitalen Interessen" oder— wenn es sich um Objekte unter 29 M. handelt— seine„Ehre" berührt worden sei. Das„Schiedsabkommen" ist gar kein Friedensvertrag, vielmehr eine gegenseitige respektvolle Versicherung, daß man jeder- zeit auf einander loszuprügeln bereit sei. Die friedliebende Ge- sinnung zlveier Völker, die zu klug find, um sich von Flotten- lieferanten und Flottenagenten gegen einander hetzen zu lassen, ist sicher eine viel bessere Gewähr des Friedens als jenes wertlose Blatt Papier, das geradezu eine Verhöhnung des Schieds- gedankens ist.—_ Bom BertragShandel. Die Verhandlungen zwischen Witte und Bülow werden sich, wie in Berlin an maßgebeirder Stelle dem Ver- treter der„Neuen Fr. Pr." mitgeteilt worden ist. nur auf die Haupt- punkte des neuen Handelsvertrages erstrecken. Die übrigen Fragen werden dann von andren deutschen und russischen Unterbändlern er- örtert werden, welche nach Beendigung der Konferenzen zwischen den beiden Staatsmännern zur Beratung zusammentreten werden. Der Korrespondent der„Nowoje Wremja" bemerkt, Nußland sei bereit, die Minimalzölle auf Getreide anzunehmen, bestehe aber andrer- seits alsdann auf der Annahme seiner hohen Zölle auf den deutschen Jndustrir-Jmport. Dieser Punkt sei das Haupthindernis; falls kein Kompromiß stattfinde, sei es noch sehr weit bis zum Abschluß des Handelsvertrages. Es sollen also auf dem Altar der deutsch-russischen Freundschaft nicht bloß die Konsnmcnten-Jnteressen, sondern auch die P r o d u- z e n t e n- I n t e r e s s e n der deutschen Industrie geopfert werden.— Pardon wird nicht gegeben! Im Julihefte der Monatsschrift „Für Stadt und Land" veröffentlicht Herr v. Massow einen Auf- ruf zu Gunsten des„Reichs-Verbandes gegen die Socialdemokratie", zu welchem die„Post" bemerkt: Sehr richtig hebt der Verfasser hervor, daß der Verband, um möglichst untfafiend zu wirken, keine Parteipolitik treiben dürfe, sondern daß er für seine Aktionskomitees Männer aus allen staats- erhaltenden Parteien gewinnen müsse, und zwar solche, die in ihrer Partei wirklich einen Einfluß übten. Dabei ist freilich zu bemerken, daß ein ersprießliches Arbeiten des Verbandes nur mit solchen Männern möglich ist, die wirklich ernstlich Gegner der Socialdcniokratie sind und von der Ueberzeuguug geleitel werden, daß es sich um eine Partei handelt, die unter allen Umständen überwunden werden muß, nicht um eine solche, die man im Princip und im allgemeinen bekämpft, mit der man aber auch gelegentlich paktieren kann. Nur mit solchen Männern, die in der Socialdemokratie den Feind des Vaterlandes sehen, Eatilinnrier, denen gegenüber es keinen Pardon giebt, lassen sich im Aktions- komitee die Zwecke des Verbandes erreichen. Das muß beherzigt werden, wenn auch im übrigen natürlich alle trennenden Partei- rücksichten aus dem Spiele bleiben müssen. Es scheint, daß der„Post"-Redakteur R u h k o p f, der als Haupt- belastungszeuge im Prozeß wider die russischen„Hochverräter" und als Keller- Sachverständiger nach Königsberg fährt, einstweilen vom Grafen P ü ck l e r vertreten wird.— Freiheit in Buddes Reich. In der Eisenbahn-Hauptwcrkstatt in Neumimster hat der Eisenbahnminister v. Budde vor einigen Tagen den Arbeiterausschutz empfangen. Nach dem„Holstein. Cour." er- klärte er, er habe gehört, daß von dem gesamten Personal der Eisen- bahn-Hauptwerkstatt Neumünster bisher nur verhältnismäßig wenig Personen dem Eisenbahn-Verein beigetreten wären. Er wolle aber nicht, daß von irgend einer Seite ein Druck ausgeübt würde, um eine größere Mitgliedschaft zu erzielen. Der Arbciterausschuß teilte dem Minister mit, daß der weitaus größte Teil des Personals der Eisenbahn-Hauptwcrkstatt Neumünster dem Eisenbahn-Verein teils aus dem Grunde noch fernstehe, weil der Verband deutscher Eisen- bahn-Handwerker und-Arbeiter, der in Trier seinen Sitz hat, schon früher seine Thätigkcit aufgenommen hat, als der Kasseler Verband. Außerdem biete der erstere Verband zur Zeit noch größere Vorteile als der letztere. Sollte zum 1. Oktober d. I. der Eisenbahn-Verein seine Satzungen genau denjenigen des Kasseler Verbandes anpassen und eine besondere Sterbekassc nicht führen, dann sei zu erwarten, daß noch weitere Arbeiter und Kollegen der Eisenbahn-Hauptwerkstatt dem Eisenbahn-Verein beitreten werden. Am Schluß der Konferenz betonte der Minister nochmals:„Meine Herren, bezüglich der Zu- geHörigkeit zu den einzelnen Vereinen und Verbänden thun Sie ganz nach Ihrem eignen Ermessen und Willen, ein Druck soll in dieser Beziehung niemals ausgeübt werden. Sagen Sie das auch Ihren Kollegen, die ich grüßen lassei" „Jedem seine Freiheit!" sagte der Koch zum Karpfen.„Du sollst selbst entscheiden, ob Du in Essig gesotten oder in Butter ge- braten werden willst." Der Karpfen aber sagte gar nichts: denn er war stumm.— Zur Reform des StrafrechtS. Ein freies Konntee von Strafrechts- lehrern hat im Einverständnis mit dem Reichs-Justizamt die vergleichende Darstellung des Strafrechts der verschiedenen Kultur- staaten unternommen. Die Vorbereitungen für das jjroß augelegte Werk sind, wie die„Deutsche Juristen-Zeitung" mitteilen kann, jetzt so weit gediehen, daß mit der Veröffentlichung der einzelnen Beiträge im Laufe des nächsten Sommers der Anfang gemacht werden kann. Wenn mit der Veröffentlichung der Borarbeiten erst im Sommer nächsten Jahres begonnen wird, dürste bis zur Herstellung des Reformentwurfs immerhin noch einige Zeit vergehen. Bielleicht aber entschädigen uns die Herren Professoren für das lange Warten durch eine gediegene vergleichende Darstellung des Strafrechts und der Strafpraris auch insoweit, als sie die sogenannten„politischen Vergehen" betreffen, die als eine besondere Art zu behandeln, die vorsichtige Ternnnologie des geltenden Strafgesetzbuches sie hoffentlich nicht hindern wird.— i Ein Heiliger. Der Katholikentagsredner Vogens. Färberei- besitzer in Haaren bei Aachen, städtischer Beigeordneter, Kirchen» rendant, Duzfreund der hohen Geistlichkeit. Centrumsgrötze usw. usw.. der zur Zeit eine Gefängnisstrafe von drei Jahren wegen Unter- schlagung von Kirchengeld und Beraubung der Kasse des Verbandes der katholischen Studentenverbindungen verbüßt, stand am Mittwoch wegen Urkundenfälschung vor der Strafkammer in Aachen. Er hatte bei eurer Revision der Kirchenkasst eine von ihn, gefälschte, auf einen andren Namen lautende Onittung über 3000 M. vorgelegt. Das Gericht erkannte auf eim Zusatzslrafe von einer Woche Gefängnis. Die Verbrechen des Vogeno waren ursprünglich von den Frommen in Haaren verheim. licht worden; ein Unbeteiligter aber hatte die Sache der Staats. anwaltfchaft hinterbracht. In der Gerichtsverhandlung kam es dam. heraus, daß die Centrunisgröße, die sich als halber Heiliger aufzu spielen pflegte, die gestohlenen Gelder zum Teil gebrauchte, um ein» Prostituierte als Maitresse zu unterhalten.— Halle, 14. Juli. sEig. Ber.) Wegen Zweikampfes mit tödliche». Waffen war der Lieutenant der Reserve Adolf August K o b von. Thüringischen Jnfanterie-Regiment Nr. 96 angeklagt. Der An geklagte, der von Beruf Jurist ist, war in der Nach, zum 1. März d. I mit den, Studenten der Technischen Hochschule Johann Tomowsky i, einem Restaurant in Dresden in Wortwechsel geraten. Als de, Lieutenant eine lächelnde Miene»nachte, rief ihn, der Student, de» bei einer Flasche Sekt saß. die Worte zu:„Lachen Sie nicht s» dreckig". Darauf bezeichnete der Lieutenant seinen Gegner als ein» „konnsche Figur", und T. nannte den Lieutenant einen„Kneifer" Schließlich gab der Lieutenant dem T. eine Ohrfeige. Einige Tage späte, brachte der Student dem Lieutenant eine schwere Söbelforderung die im Lokale Petersberg in Dresden ausgetragen wurde. Die Bedingungen im Zweikampfe waren:.60 Gänge eventuell bis zur Ab. fuhr— nicht auf Leben und Tod." Der Zweikampf ist erfolglos init einigen unbedeutenden Wunden beendet worden. Bei de» Mensur geschützt waren: Hals. Bauch und Handgelenke. Der Angeklagte gab zu. sich des Zweikainpfes mit tödlichen Waffen schuldig gemacht zu haben und wurde antragsgemäß zu drei Monate». Festung verurteilt.— Karlsruhe, 13. Juli. Die Zweite Kammer des badischen Land- tageS nahm in ihrer heutigen RachmittagS-Sitznng den Gesetz. entwurf, betreffend Abänderung der Verfassung, nach den letzte,. Beschlüssen der Ersten Kammer gegen die Stimmen der Social. demokraten an. Desgleichen wurden das Landtags-Wahlgesetz unl die Wahlkreis-Einteilung angenommen, wonach daS Land künftig 73 Abgeordnete zu wählen hat.— Hueland. Mehr als ein« Niederlage. Ende der Kartäuserei. Paris, 13. Juli. fEig. Ber.) Die Kammerdebatte über der Bericht der Kartäuscr-Konnnission hat dieser und ihren Auftraggeber» niehr als eine Niederlage gebracht. Die Politiker und die Parteien die lvochenlang die Waffen der Verleumdung gewetzt, haben im ent- scheidenden Augenblick das Hasenpanier ergriffen. Die einen hüllte» sich in Schweigen, die andren suchten jede Solidarität mit de» Machern des Verleumdungs-Feldzuges abzuschütteln, währent die offiziellen Vertreter der Kommission sich vergebens bemühten, von den heimtückischen Kommissionsanträgen i» einem Rückzugsgefeckit wenigstens etwas zu retten. Di, Anträge fielen sämtlich unter den Tisch. Sie wurden nichi einmal zur Abstimmung gestellt. Der Gegenantrag des Vorstandet der fünf Bloc-Gruppen, für den auch die revolutionär-socialistisch» Fraktion sick, erklärr und gestimmt hat, wnrde in seinen drei Teile,, mit überwältigender Mehrheit votiert. Der Passus, der die Ver. leim, der brandmarkt, wurde gar mit 383 gegen 0 Stinimen an- genommen. Kein einziger Klerikaler, kein einziger Rationalist hat es gewagt, für die Kartäuser und ihre Verleumdungsagenten seine,. Stimmzcttel abzugeben. Die reaktionären Parlamentarier haben da wieder einmal ihr» Parteijournalisten im Stich gelassen, die, jeglichen Verantwortungs. qefühls bar. bis zum letzten Augenblick in da» Kartäuser-Hor», skrupellos geblasen haben. Ja, sie thun es auch noch heute trotz alledem! Sie versichern, auf die Wiedera»ft,aHme der Kampagne zu hoffe». Ein Kniff, der ihr Lesepublikun, über die schmähliche Flucht der Kartäuser-Parleien im Parlament täuschen und trösten soll. Sie mögen gewiß in den, Sinne recht haben, daß die klerikal-,, ationalisti» scheu Parteien auch weiterhin die Verleumdung als politische Waffe ausnutzen werden. Manche Eigentümlichkeit des französischen öffentlichen Lebens, wie die Franzosen selbst anerkennen, fördert den Gebrauch dieser vergifteten Waffe. Nur in Frankreich konnte daS bekannte Wort geprägt werden:„Wenn man mich beschuldigte, die Türme der Notre-Dame-Kathedrale gestohlen zu haben, so würde ich sofort die Flucht ergreifen." Aber mit der Kartäuserei ist es zu Ende. Diese Verlenmdungswaffe ist zerbrochen, in schmutzigen Staub zerpulvert, der die Verleumder bedeckt.— Schweiz. Aciidcrunge» der Militärorganisation. Bern, 15. Juli. Das Militärdepartement veröffentlicht den Entwurf einer neuen Militärorganisation. Nach diesem Entwurf umfaßt der Auszug künstig die diensttaugliche Mannschaft vom 20. bis 33. Jahre, die Landwehr diejenige vom 34. bis 39. Jahre und der Landsturm diejenige voin 40. bis 50. Jahre. Es wird eine GebirgSiufanterie. bestehend aus sechs Regimentern Alpenjäger zu zwei bis drei Bataillonen geschaffen. Im Frieden wird von der Bildung von Arineecorps Abstand genommen. Die Kriegsgliederung des Heeres wird vom General festgesetzt. Im Frieden werden bloß zwei bis drei Arineecorps-Kommandos gebildet. ES werden sechs Divistonen gebildet, bestehend aus drei Jnfanteriebrigaden zu drei Regimenter,, zu drei Bataillonen, aus einer Kavallerie- und einer Artilleriebrigade. Eingeführt wird obligatorischer militärischer Bor» Unterricht vom 16. Lebensjahre an» jährlich mindestens 6V Unterrichts- stunden. Die Dauer der Rekrutenschulen wird auf 80 Tage für die Kavallerie, auf 60 Tage für die übrigen Waffen festgesetzt. Für die Infanterie bedeutet dies eine Verlängerung um 15 Tage. Die erste» drei Jahrgänge des AuSzugeS haben einen jährlichen Wiederholungskursus von 11 Tagen zu bestehen. Daran schließt sich ein weiterer Wiederholungskursus von 11 Tagen in der Landwehr. Die Verwaltung wird möglichst in die DivisionSkreise de- centralisiert.— Holland. Haag, 15. Juli. Premierminister K u h p e r hat sich nach Het Loo begeben zu einer Besprechung n,it der Königin über die Folgen der Ablehnung des Gesetzentwurfs über den höheren Unterricht durch die Erste Kammer. Es erhält sich das Gerücht, die Erste Kammer werde aufgelöst und die Neuwahlen werden im August abgehalten werden.— Ruftland. Bor dem Hunger k Unter diesem Titel entfaltet die. I s k r a daS Centrakorgan der russischen socialdemokratischen Partei, das trostlose Bild der wirtschaftlichen Krise, welche die Abenteuerpolitik der Regierung über dal Land heraufbeschworen hat. DaS schreckliche Gespenst von Mß. ernte und Hunger steht wiederum vor der russischen ländlichen Be- völkerung. Gegenwärtig ist es noch kaum möglich, genau die Kraft des Schlages zu bestimmen, welcher das ohnehin ruinierte Land treffen wird. Die Zeitungsnachrichten über den Unifang der Miß- ernte zeichnen sich durch außerordentliche Zurückhaltung und Kürze ans. Aber auch die fragmentarischen Nachrichten, die in die unglückliche censurierte Presse eingedrungen sind, be- weisen deutlich, daß für die Bauernwirtschaft eine ernste Zer- rüttung bevorsteht. Die Dürre im Herbst, der an Niederschlägen arme Winter und der kalte windige Frühling haben bereits ihre verderbliche Wirkung auf das Wachsen von Gras und Getreide zu Tage gebracht. Das zur Verfügung stehende Material zwingt zur Schlußfolgerung, daß die Mißernte sich auf ein umfangreiches Areal Rußlands ausdehnt. Die Gouvernements Petersburg, Pskow, Nowgorod. Moskau, Jaroslaw, Twer, Kostroma. Kiew, Poltawa, Tschernigo, Bessarabien und der ganze Neurussische Rayon sind von der Mißernte heimgesucht. Und auf dem internationalen Markte gestalten sich die Bedingungen höchst ungünstig für die russische Landwirtschast. Das russische Getreide wird somit zu einem niedrigeren Preise verkaust werden müssen, und der arme Bauer wird das letzte auf den Markt hinaus- tragen, ohne für die Ernährung seiner Familie Sorge tragen zu können.... DasHauptübcl besteht aber ohne Zweifel in den politischen Verhältnissen.... Der fiimlose Krieg hat schwere Verheerungen in der Volkswirtschaft verursacht. Das Stocken von Industrie und Handel muß auch seinen verderblichen Einfluß auf die Lage der Landwirtschaft ausüben. Die Nrbeitslosig- keit in der Stadt wird unverineidlich auch die ländliche Bevölkerung schmerzlich treffen, zumal die Bauernschaft noch unmittelbar von den Kriegslasten hart betroffen ist. Hunderttausende von Erwerbs- männern sind vor der Erntezeit den üblichen Arbeiten entzogen worden; Hunderttausende von Familien bleiben brotlos. Die nächste Zukunft wird wohl den Bauern noch eine energische Stcucrcrhöhiuig bringen. Wer wird aber der hungernden Bevölkerung zu Hilfe kommen? Die zarische Regierung, die den Bauern ihr letztes wegnimmt, hat es nie für ihre Pflicht gehalten, der hungernden Bevölkerung ernste Hilfe zu bieten.... Die Semstwos, welche mit der Not der lokalen Bevölkerung besser vertraut sind, wurden schon längst vom Verpflegungswesen ausgeschaltet. Private Personen, die den Hunger durch ihre Beiträge mildern wollen, sind von der Regierung zu politischen Verbrechern gestempelt worden. Die Hungernden selbst wurden offiziell als Faulenzer �hingestellt... So reagierte die Regierung auf das Unglück der Bevölkerung zu Friedenszeiten. Was wird er st jetzt geschehen, wo alle Hilfsmittel der Regierung von dem sinnlosen Kriege in Anspruch ge nommen sind? I... Sodann bespricht das Centralorgan der russischen Socialdemokratie den traurigen Zustand der Semstwokassen, welche durch die„frei willigen" Speyden ganz geleert sind. Nach dem Gesetz von 1877 müssen die Semstwos für die hinterlassenen Familien der Reservisten, welche in die Armee einberufen sind, sorgen. Aber mit welchen Mitteln? So hat das Charkower Semstwo IVs Millionen Rubel für den Krieg gespendet, und jetzt bittet es die Regierung um leihweise Bewilligung von 2 Millionen Rubel für die Verpflegung der Familien der Reservisten. Nach der Berechnung der„Nowoje Wremja" wird die Verpflegung der Familien der Reservisten mindestens 30 Millionen erfordern. Woher aber soll das Semstwo diese Summe bekonimen? So bleibt der russische Bauer in der bevorstehenden Hungercampagne ohne Freund und Helfer, wenn der Revolutionär nicht zu ihm kommt... und dieser muß zu ihm kommen. Jeder Tag des Krieges, heißt es weiter in dem genannten Arttkel, bringt nach Rußland That- fachen, die von der vollständigen Unfähigkeit der Regierung Zeugnis ablegen, jeder Tag mehrt die unmittelbaren Leiden der BolkSmassen. Wer in diese» seltenen Momenten nicht agitiert, der bleibt hinter der Flagge. Die Partei wird zu energischen Schritten aufgefordert und die Losung aufgeworfen, die möglichst baldige Ein- berufung emer Konstituante zu fordern.— Königsberger Geheimbunds- und Hochverrats-Prozes;. Königsberg, 15. Juli. Vierter Verhandlungstag. Bei Eröffnung der Sitzung fragt der Vorsitzende, wie sich die Verteidigung zur kommissanschcu Vernehmung des Zeugen Skubbit stelle. Trotzdem das Gericht schonam2. Juli nach Riga geschrieben habe, sei heute noch keine Antwort über den Zeitpunst seiner kommiffarischen Vernehmung eingetroffen. Auch zwei Telegramme an das russische Gericht feien unbeantwortet geblieben. Vert. Haase: Die Verteidigung hätte den größten Wert auf das persönliche Erscheinen Skubbiks gelegt. Dann hätte sich das Gericht durch den persönlichen Eindruck überzeugen können, daß Skubbik keineswegs Terrorist sei. Jetzt aber, da nur eine kommissarische Vernehmung ohne Anwesenheit eines Verteidigers möglich sei, verzichte die Verteidigung aus die Vernehmung Skubbiks überhaupt.— Die Saatsanwaltschaft schließt sich der Er- klärung der Verteidigung an, der Gerichtshof behält sich seinen Be- schluß vor. Hierauf wird in der Zeugenvernehmung fort- gefahr en. Zeuge Prof. Paul Rost, dem als Sachverständigen die beschlagnahmten russischen und letti- schen Schriften zur Ucbersetzung gegeben worden sind, wird darüber vernommen, welche Pakete er selbst mit ausgepackt habe. Freiwillig teilt der Zeuge dann noch mit, daß bei der Beschlagnahme lettischer Schriften ber Jankus in Tilsit in einem Kassenbuch sich der Ausweis finde, daß K ö g st und Kugel für die Verbreitung der lettischen Zeitschrist„Littawa" je 12 M. erhalten hätten.— Angekl. Kugel: Mein Name findet sich geWitz nur in meinem Buche zum Beten. Zeuge Gendarm Bannert aus Schälen hat iin Schornstein bei dem Besitzer Millart in Kuttuhren schwere Pakete gefunden, die er mit Hilfe des Besitzers heruntergeholt, geprüft und schließlich, als er den Inhalt als russische und letttsche Druckschriften erkannte, beschlagnahmt hat. Millart will die Sachen von einem Un- bekannten gegen Entgelt zur Beförderung erhalten haben.— Vors.: Millart leistet wohl den Schmugglern Hilfsdienste?— Zeuge Bannert: Er thut's, er thut's auch nicht, je nachdem er verdient. Zeuge Martin M i l l a r t- Kuttuhren gicbt an, daß er von einem jungen Russen einen Zettel mit dem Auftrage erhalten habe, Pakete in Tilsit abzuholen. Dort habe er in dem bezeichneten Lokal nach dem jungen Mann oft vergeblich gefragt, bis er an den richtigen gekommen sei. Dieser habe ihm 7 Mark gegeben und gesagt, wenn ein Pollak mit Paketen lu ihm komme, solle er sie mitnehmen.— Vors.: Waren es .olche Pakete, wie sie hier liegen?— Zeuge Millart: Es kann so, es kann auch anders gewesen sein.— Der Zeuge, der sich zuerst geweigert hat, deutsch auszusagen, sprich deutsch mit lettisch gemischt, so daß der Vorsitzende den Verteidigern die einzelnen Worte erklären muß.— Vors.: Was war in den Paketen?— Zeuge: Der Gendarm sagte„falsche Schriften". Als ein Pollak sie holen kam, habe ich sie ihm gegeben.— Vors.: Was stand in den Schriften?— Zeuge: Ich kann nicht lesen.— Vors.: Leisten Sie den Schmugglern öfter Dienste?— Zeuge: Ich verstehe nicht.(Heiterkeit.)— Vors.: Sie haben den Leuten öfter Pakete aufgehoben oder abgeholt?— Zeuge: Ja.— Ueber die Vereidigung des Zeugen soll später Beschluß gefaßt werden.— Vert. Haase bemerkt, daß eS bei diesem trugen ebenso lä�c, wie bei den Angeklagten Kögst und Kugel. inen bestimmten Antrag willernichtstellen. ?. Der Zeuge Frachtbestätiger Woska war früher Besitzer der jetzigen Buchdruckerei von Jankus. Er hat einmal für einen Polen gegen Bezahlung polnische Schriften gedruckt. Es werden nämlich jährlich gegen 20 000 Gebetbücher über dir Grenze geschmuggelt» weil die russische Regierung den Gebrauch russischer Buch- st a b e n vorschreibe und' die Bewohner sich dieser Vorschrift nicht fügen wollten. Zeuge Martin Jankus, früher in Tilsit, jetzt in Bittehnen, hat ebenfalls für einen Russen, Namens Abramowitsch, Schriften gedruckt. Später, im November 1902, hat er von einem gewissen Malinowsti aus Zürich vier Pakete Druckschriften ohne jede vor- herige Ankündigung erhalten, die bei ihm beschlagnahmt worden seien. Dabei seien auch für 700 M. Katechismen bei ihm beschlagnahmt worden, ohne daß er jemals Geld oder die Waren erhalten hätte. (Bewegung.) Zeuge Gastwirt Füllhase aus Memel wohnt in demselben Hause Wand an Wand mit Kugel. Niemals hätten bei diesem Russen verkehrt. Er könne auch nur einige Brocken russisch und auch littauisch, aber nicht lettisch. Zeuge Rentier Mosler aus Memel ist 6 Jahre lang in Dargusscn d er W i r t Ku g e ls gewesen. Damals habe Kugel einigermaßen russisch sprechen, aber nicht lesen können. Von einem Verkehr mit russischen Schmugglern weiß er aus eigner Wissenschaft nichts, lieber die Kenntnisse' Kugels im Lettischen entspinnt sich zwischen ihm und dem Zeugen sowie dem Verteidiger Schwarz ein Streit. Zeuge bleibt dabei, daß Kugel mit Letten verkehrt habe, also auch lettisch kennen müsse. Zeuge A m t s v o r st e h e r Sargies aus Dargussen weigert sich, den Eid auf deutsch zu leisten, bis der Vorsitzende ihm Ordnuiigs- strafen androht. Zeuge Sargies hat von Kugel gehört, daß er russisch könne. Er, Zeuge, spreche fließend littauisch, verstehe aber kein Wort lettisch. Zeuge Pcrkams will nur mit Hilfe eines Dolmetschers aussagen. Zeuge Jankus, der dazu helfen soll, fragt den Zeugen auf lettisch, ob er ihn verstehe.— Zeuge P e r k a m s antwortet deutsch. (Heiterkeit.) Er wird danach deutsch vereidigt. Er soll darüber aus- sagen, ob er einen Russen zur Bahn gebracht und dieser versucht habe, ihn uin das Fahrgeld zu betrügen, und ob er dies dem Kugel im Kruge zu Dargussen erzählt habe.— Zeuge Perkams schweigt.— Danach wird der Zeuge Jankus als Dolmetscher vereidigt, und nun verneint der Zeuge alle Fragen. Russen seien wohl bei Kugel gewesen, ob auch Schmuggler, wisse er nicht. Zeuge streitet ab. daß er vor dem Untersuchungsrichter ausgesagt habe, daß Kngel russisch verstehe. So lautet zwar das Protokoll, aber damals fand die Vernehmung ohne Dolmetscher statt. Zeuge leugnet auch, daß er jemals für Fuhrlohn jemand nach Memel gefahren habe.— Angeklagter Kugel giebt eine ganz genaue Beschreibung der damaligen Fahrt niit Perkams und dem unbckiliuiten Russe», der auch bei ihm das Paket niedergelegt habe.— Zeuge erklärt, er könne sich nicht besinnen.— Angekl. Kugel: Darauf mußt Du Dich besinnen, lieber Perkams.' Wir haben nämlich nicht unter uns gesprochen, sondern es war noch einer dabei.(Heiterkeit.)— Zeuge Perkams giebt die Möglichkeit zu, daß er einmal auf der Fahrt nach Memel jeniand aufgenommen habe. Von allem andern lveiß er nicht mehr. Zeuge Gastwirt Lenike, früher in Nimmersatt und Wilhelms- Häven, sagt aus seiner Nimmecsatter Zeit aus: oft seien unbekannte Leute mir Gespannen in dunklen Nächten zu Kugel gekommen; bekuinite Schmuggler seien darunter gewesen. Die Schmuggler hätten selten bei ihm, meist bei Fcinstein verkehrt. Zeuge Kriminalkommissar Wynen-Berlin soll über die Beziehungen der russische» Revolutionäre zu den Socialdemokratcn, ihre Beziehungen unter einander und ihre V e r- b i n d u n g mit dem Ausländ aussagen. Der Zeuge schildert die Druckthätigkeit der„Russian Preß-Found Commission", des jüdischen Arbeilerbundes in New Uork, der Pariser„Lociets nouvelle de libraire et d'ödita", des Dietzschen Verlages, des Genfer Verlages der„JSkra" und der Zeitschriften andrer Richtung. Zur Durchführung des Schmuggels dienten Lager st ätteit in De uschland, die Redak- tione» socialdemokratischer Organe, die socialdcmokratischcn Ver- trauenslcnte, der Spediteur Schare uberg in Charlotten- bürg. ferner die Charlottenburger Socialdemokraten Weber »nd Buchholtz. Es besteht die Vermutung, daß zur Durchführung dieses Schmuggels besondere Gruppen, Transportgrnppen, bestehen. An allen wichtigen Orten halten sich stationäre Emissäre unter falschem Namen und mit gefälschten Legitimations- papieren auf, die die Beziehungen zu den deutschen Socialdemo- traten aufrecht erhalten. Bei diesen stationären Emissären tauchen von Zeit zu Zeit andre Persönlichkeiten auf, um widstige Druckschriften zu überbringen oder besondere Aufträge auszurichten, deuetl für kürzere oder längere Zeit unangemeldet Aufenthalt gewährt wird. Die deutschen Socialdemokraten spielen eine wichtige Rolle in dieser Organisation, wie sich bei den Fällen Schekoldin und Krassikoff gezeigt hat. Die Russen haben rege Beziehungen zu den Angestellten des„Vorwärts", was bei verschiedenen Anlässen festgestellt worden ist. Bei Popoff, der bekanntlich richtig Schekoldin heißt, hat man Adressen an Pätzel geftinden, auf denen als Absender Ayelrod stand, ferner ein Couvert mit der Aufschrift:„Für Braun oder Parvus".(Verteidiger Haase macht darauf aufmerksam, daß es sich nicht um den Angeklagten Braun, sondern um den Re- dakteur Braun handle.) Bei Krassikoff wurde ein langes Namen- register von Leuten in Grenzorten gefunden, das dieser bei der Haussuchung in einen Eimer Wasser warf, und da- durch zum größten Teil unleserlich machte. Unter diesen Adressen hat sich auch die von Mertins befunden. Nach dem Befund dieser Ermittelungen glaube ich, daß von Zürich aus Schriften vieler Richtungen verschickt werden. Von Axelrod persönlich weiß ich das nicht. Ich nehme aber an, daß die Versendung von Schriften verschiedener Richtungen von einer Centralstelle ausgeht, da dieselben Adressen benutzt werden. Vert. Haase: Was für Schriften und welcher Richtung wurden von derselben Stelle verbreitet?— Zeuge Kriminalkommissar W y n e n: Es handelt sich um die„Jskra" und das Organ des jüdischen Arbeiterbundcs.— Vert. Haase: Also um' zwei rein social- demokratische Organe?— Zeuge Kriminalkommissar W y n e n: Auch armenische Schriften waren dabei, wie im Fall Weber.— Vert. Haase: Waren der„Jskra" armenische Schriften oder den Armeniern einige Nummern der„Jskra" beigelegt?— Zeuge Kriminalkommissar W y n e n: Beides ist möglich.— Vert. Lieb- knecht: Ich stelle aus den Akten fest, daß in dem hier fraglichen vor 2 Jahren beschlagnahmten Paket bei Weber nur armenische Schriften waren.— Vert. Haase: Haben Sie je bemerkt, daß dieSchriften der russischen oder der jüdischen Socialdemokraten mitdenen der russischen revolutionären Socialdemokratie verschickt worden sind? — Zeuge Kriminalkommissar W y n e n: Das kann ich nicht bekunden. — Vert. Haase: Sie sprachen von der Vermutung einer Trans- portgruppe; wobei ist Ihnen diese Vermutung gekommen?— Zeuge Kriminalkommissar W y n e n: Darüber darf ich nicht aussagen. Vert. Haase: Dann kann ich nicht feststellen, ob die Quelle sauber oder unsauber ist.— Vert. Liebknecht: Wenigstens über die Art der Quelle mächte ich das ermittelt wissen: ver- muten Sie diese Transportgruppe auf Grund von Er- fahrungen bei Beschlagnahmungeu oder auf Grund von Mit- teilungen?— Zeuge Kriminalkonunissar W y n e n: Auf Grund meiner Erfahrungen bei Feststellung von Persönlichkeiten. Uebrigens ist die Unterstützung der russischen Schristensendungen durch die deutsche Sacialdemokratie ganz bekannt. Dr. v. Wetscheslaff hat vom„Vorwärts- ans Schriften verschickt und Schekoldin die Adresse des „Vorwärts" bei sich gehabt. Auch in dem Verfahren gegen den Postbeamten R e i ch w a l d t in Mlawa wurde festgestellt, daß als Absender der geschmuggelten Schriften der Name einer FrauCzech genannt war, der Schwägerin des damaligen „Vorwärts"-Expedienten Bruns. Dieser gab an, die Schriften aus Anordnung des Reichstags-Abgeordncten Richard Fischer abgeschickt zu haben.— Vert. Liebknecht: Welche Anhaltspunkte haben Sie denn dafür, daß gerade reisende russische Studenten an dem Schriftenschmuggel beteiligt sind?— Zeuge Kriminalkommissar Wynen: Krassikoff hatte ein Adressenverzeichnis bei sich. Popoff war an dem Schriftenschmuggel durch den„Vorwärts" beteiligt.— Vert. Liebknecht: Von wem haben Sie diese Nachricht?— Zeuge Kriminalkommissar W y n e n: Das kann ich nicht angeben.— Vert.Liebknecht: Wissen Sic das durch einen Beamten?— Zeuge verweigert die Auskunft.— Vert. Lieb- knecht: Dann nehme ich an, daß es kein Beamter war.— Vors.: Das gehört ins P l a i d o y e r. Vert. Haase: Wissen Sie, daß damals im Jahre 1885 der Erste Staatsanlvalt, derzeitige Oberstaatsanwalt Dröscher in die Expedition des„Vorwärts" gegangen ist, und daß er, als der Abg. Fischer ihn über die Sache aufgeklärt hatte, zum Schluß gesagt hat:„Es ist Ihr gutes Recht, socialdcmokratische russische Druck- schriften zn verbreiten, auch nach Rußland, wenn sie nur in Deutsch- land erlaubt sind?— Zeuge Krim.-Kommissar Wynen: Nein.— Vert. H e i n e in a n n: Fischer würde bezeugen, daß er damals ge- beten hat, ihn zu vernehmen, und sich jede weitere Belästigung ver- beten hat. Darauf ist D r ö s ch e r s A e u ß e r u n g gefallen. Vert. Liebknecht: Haben Sie außer den drei bei Weber er- mittelten Paketen Anzeichen einer dauernden Verbindung durch Weber gehabt?— Zeuge Kriminalkommissar Wynen: Eben jene drei Sendungen, die sich über eine längere ZeA verteilen.— Vert. Lieb- knecht: Ist Ihnen erst in neuerer Zeit das thatsächliche Bestehen des Schriftrnschmuggels bewußt geworden oder haben Sie schon früher darum gewußt?— Zeuge Krinnnalkonimissar Wynen: Diese Frage war etwas allgemein gehalten.— Der Vorsitzende wieder- holt die Frage.— Zeuge Kriminalkommissar Wynen: Es ist nicht bekannt gewesen, daß auch Preßerzeugnisse verbreitet wurden, die auch nach unsrem Rechte strafbar sind.— Vert. Liebknecht: Alles andre war Ihnen also im wesentlichen bebekannt! Vors.: Kennen Sie den Namen Weßmann?— Vert. Haase: Ist Weßmann Anarchist?— Kriminalkommissar Wynen: Soweit ich weiß, ist er S o c i a l d e m o k r a t, er könnte sich aber geändert haben.— Vert. Haase: Gesinnungswechsel wird wohl nicht ver- mutet?— Angekl. P ä tz e l: In welcher Weise fand der Berkehr der„VorwSrts"-Augcstellten mit den Russen statt? War er intim oder geschäftlich? Ich würde ja auch das erstere nicht für eine Blamage oder für ein Verbrechen halten.— Vors.: Diese Bemerkung ist überflüssig.— Angekl. Pätzel: Gingen die Russen am offenen Tage im Laden aus und ein?— Zeuge Kriminalkommissar Wynen: Bei Nacht ist der„Vorwärts" doch wohl geschlossen? Aber die Russen, die die Schriften hinschickten, gingen durch den Nebeneiugang.— Angekl. Pätzel: Das war dem Gerichtshof schon bekannt. Schließlich verkehren in jeder Buchhandlung Russen als Bücherkäufer. Damit ist die Vernehmung des Zeugen Wynen beendet. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Caspar teilt mit, daß die Re« gierung den aus Deutschland ausgewiesenen Russen Axelrod, Plcchanow, Mandelstamm und Dr. v. Wetscheslaff freies Geleit für die Dauer des Prozesses zn gewähren bereit ist.— Danach tritt eine Pause von 5 Minuten ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen verkündet der Vor- sitzende, daß das Gericht beschlossen hat, auf die Bernchmnng des Zeugen Skubbik zu verzichten und daß derZeuge Millart vereidigt werden soll. Vert. H e i n e m a n n beanttagt, den Oberstaatsanwalt Dröscher tclcgraphisch z» laden und die P r o z e ß a k t e n k o n t r a R e i ch- Wald in Mlawa einzufordern. Der Gerichtshof beschließt die tclegraphischc Ladung Dröschers und Einforderung der Akten. Angeklagter Kögst teilt mit, daß Perkams mit ihm von der Fahrt mit dem fremden Russen gesprochen habe.— Zeuge Perkams behauptet das Gegenteil, wie schon gegenüber Kugel, und beschwört dies. Der nächste Zeuge Steucrsekrctär Seth aus Königsberg sagt aus, er habe aus jedem Paket, das an Nolvagrotzki ankam, ein Exemplar herausgenommen und sicherlich keine Sorte übersehen. Ueber den Inhalt der Schriften habe Nowagrotzki gesagt, von der Heilsarmee seien sie nicht.(Heiter- keit.) Eine besondere Verpackung und Verschuürung der Pakete ist dem Zeugen nicht aufgefalle». Es folgt die Vernehmung des russischen Generalkonsuls Staatsrats v. Wymodze, 41 Jahre alt, griechisch-katholisch: Er habe von der Polizei eines Tages mehr als 25 Schriften mit der Bitte der sofortigen Durchsicht erhalten. Er habe ausdrücklich die U e b e r s e tz n n g verweigert und das Ganze nur als eine gelegentliche Gefälligkeit für die Beamten betrachtet. Er habe in einer Schrift bedenkliche Sätze ge- funden und sie mitgeteilt und das Ucbrige ungclefen zurückgegeben. Bert. Liebknecht: Wo steht der von Ihnen angegebene Satz: „Wir wolle» als Bereinigung der socialdemokratischen Revolutionäre den Umsturz durch den Tcrrorisnms herbeiführen und den Tod über jene Leute verhängen, die uns daran hindern." Zeuge Staatsrat v. Wymodze kann den Satz nicht wieder- finden. Vert. Liebknecht: Es steht in der ganzen Broschüre kein Wort davon. Wo steht der Satz:„Nichts wird den Thron Nicolaus II. vor dem Schicksal Alexanders II., vor der blutigen Abrechnung rette»!"?— Durch die Bekundimg des Sachverständigen Professors Rost ergiebt sich, daß nicht Nicolaus II., sondern der Thron des Absolutismus in Rußland gemeint sei.— Vert. Liebknecht: Es ist doch merkwürdig, daß Sie bei den„infolge der Eile" e n t- st an denen Irrtümern nicht eine blutige Stelle über- sehen haben, sondern noch einige erschwerende Fakta und blutrünstige Phrasen hinzugefügt haben. Das ist doch eine gewiß „einseitige" Flüchtigkeit.— Zeuge Staatsrat v. Wymodze: Das bestreite ich. Zeuge giebt weiter an. daß er Burzeffs Broschüre und überhaupt irgend welche russisch-revolutionäre Schriften bis dahin nicht gekannt habe.— Vert. Liebknecht: Hatten Sie in dieser Angelegenheit mit russischen Polizeibeamten zu thun?— Zeuge Staatsrat v. Wymodze� I» diesem Falle nicht. Im allgemeinen lrhne ich die Antwort ad. Erster Staatsanwalt Geh. Rat Schütze: Habe ich recht ver- standen, daß Sie von einseitiger Uebersetzung sprachen, Herr Ver- teidiger?— Vert. Liebknecht: Ich halte dem Vorwurf mit allem Nachdruck aufrecht. Diese entstellte Ucbersetzung hat dem Reichskanzler, den Ministern Schönstedt und v. Hammerstein und dem Staatssekretär v. Richthofen Anlaß zu den schwersten An- klagen gegen die Socialdemokratie gegeben.— Vors.(unter- brechend): Entscheidend sind ganz andre Schriften.— Vert. Liebknecht: Im öffentlichen Leben und im Parlament hat gerade diese Stelle die durchschlagende Rolle ge- spielt.— Vors.: Das haben wir hier nicht zu verhandeln. Ich denke, die ganze Sache ist dadurch erledigt, daß der Zeuge nur ?ehr lurze Zeit zur Prüfung unv gar nlcht die Av- ficht hatte, eine genaue Durchsicht vorzu- nehmen. Rechtsanwalt Schwarz: Ich bewundere nur, daß der Zeuge kei dieser Kürze der Zeit noch Zeit gefunden hat, Worte hinzu- zusetzen.— Bors.: Ich muß diese Insinuation ganz entschieden zurückweisen. Es kann gar nicht die Rede davon sein, daß der Zeuge absichtlich etwas hinzugesetzt hat.— Bert. Schwarz: Das habe ich so nicht gesagt.— Vors.: Aber daß dies der Sinn Ihrer Worte war, muß ganz entschieden festgestellt werden. Bert. Liebknecht: Jedenfalls hat eS der Zeuge an der gebotenen Sorgfalt und Aufmerksamkeit fehlen lassen.— Bert. H a a s e: Uns liegt eine Abschrift vor. Haben Sie die Urschrift hier?— Es wird festgestellt, daß im Manuskript der Satz von dem Umsturz durch den TerroriSuius fehlt.— Bert. H a a s e: Das wollte ich nur feststellen. Es folgen die Gutachten und Uebersetzungen. Professor Dr. Paul Rost als Gutachter über die revo- lutionäre Bewegung führt auS: Die meisten Schriften sind social- demokratisch und stehen auf dem Boden des Erfurter Pro- gr a mmS, nur daß natürlich infolge der veränderten Verhältnisse in Ruhland die Bewegung einen etwas mehr revolutionären A n st r i ch hat. Diese Richtung wird durch die Blätter„Jslra" l.Funke's,.Rote Fahne* usw. vertreten. Eine schärfere Ton- a r t schlagen die Social- Revolutionäre in dem.Echo* und der russischen„Revolution* an. Sachlich besteht der Unterschied darin, daß Leute wie Plechanow und Axelrod sich nicht zur reinen Arbeiterpartei zählen, sondern ihre Kreise auch veiter auf die Bauern ausdehnen wollen. Sie treten für den bedingten Terrorismus ein, über den die Partei durch den.Kampfbund" die Kontrolle ausübt. Neuerdings haben Burzeff und Krakow im Anschluß an die Periode von 1879/81 die rein revolutionäre Partei der„V o l k s b e g l ü ck e r" ins Leben zu rufen versucht. Seit 1897, wo der jetzige Zar feierlich sein Festhalten an dem Absolutismus erklärt hat, scheine diese damals 15 Jahre lang verschwunden gewesene Partei wieder aufzuleben. Schriften dieser Richtung seien unter den beschlagnahmten nur wenige gewesen. Bert. Liebknecht hält dem Sachverständigen einige andre Beurteilungen der Gruppenzugehörigkeit der ein- zelnen Organe und Schriften vor. Balmascheff habe ganz auf eigne Faust gehandelt. Krakow und Burzeff und der in- zwischen verstorbene N a d g y hätten ganz allein ge st an den. Der Verteidiger läßt sich nochmals bestätigen, daß der jüdische Arbeiterbund ungefähr auf derselben Grundlage stehe wie die .Jskra". Zweifelhaft bleibt, ob von den beiden russischen Haupt- richtungen gemeinsame litterarische Erzeugnisse existieren. Ein Maifestblatt trägt die Ueberschrift:„ Bund der Social- demokraten und Social-Revolutionäre". ist aber in der revolutionären Druckerei hergestellt und bildet die Beilage der„Revoluzionnaja Rossija*. Als Dolmetscher für die litauischen Schriften bekundet Gehrimrat Professor Dr. Adalbert Bezenberger- Königsberg, daß von vier beschlagnahmten Schriften drei preußisch- litauisch, nicht kurländisch, und vollkommen harmlos seien- das vierte Stück, ein in einem Exemplar aufgefundener Aufruf an die Bauern, führt nach der Meinung des Dolmetschers eine sehr leide nschaft- liche Sprache. Bert. Liebknecht fragt an, ob dieses Flugblatt nicht nur für die über Preußen nach Amerika auswandernden Litauer bestimmt sei.— Das läßt sich nicht ermitteln urfb es wird allseitig auf die Klar- ftellung verzichtet, da auch mit Hilfe des Gehilfen de« Unter- suchungsrichters, Aktuars Brand st etter, nicht inehr festgestellt werden kann, bei welchem Angeklagten die litauischen Schriften gefunden worden sind. lHeitcrkeit.)— Auch die Feststellung des Inhalts der lettischen Schriften hat, wie Staatsanwaltschaftsrat Dr. Caspar bemerkt, keinen unmittelbaren Wert für diesen Prozeß, da sie nur bei dem Zeugen Millart gefunden worden sind. Die Prüfung wird aber im Hinblick auf das objektive Ber- fahren und auf die Einziehung dieser Schriften vorgenommen. Gutachter Privatdozent Dr. E. Ballod-Berlin unterscheidet 2 Gruppen: die wissenschaftliche, marxistisch-socialdemo- kratische„Bibliothek* einerseits und die gefundenen 20 ersten Nummern der mehr populären Zeitschrist„Der Socialdemokrat* andrerseits. tn dieser finde sich eine Polemik über die Anwendung des errorismus. Die Redaktion stehe ihm schroff ablehnend gegenüber und venirteile das Attentat auf den Fürsten Obolenski, trotzdem dieser Bauern im K i e w e r Bezirk habe durchpeitschen lassen; sie entschuldige zwar die Morde als begreifliche Berzweiflungsthaten, verwerfe aber den TerroriSmus, der nur die Abwehr einzelner gegen freche Gewalt sei, als Kampfmittel der Partei. Staats- anwaltschastSrat Dr. Caspar: Gewiß, dereinenimmtsich in einem solchen Falle das Leben, der andre schießt jemanden nieder.— Sachverständiger Dr. B a l l o d: In einem eingesandten Artikel wird der Terror als Propagandamittel empfohlen.— Bert. Ha ase: In derselben Nummer fordert aber eine Resolution der Parteigruppen schärfsten Kampf mit allen Mitteln gegen den Terrorismus.— Sachverständiger Dr. B a l l o d: Ja, wenn auch nicht in direkter Beziehung auf diesen terroristischen Artikel. Auf diesen antwortet die Redaktion erst in der nächsten Nummer. Sie erklärt die Inanspruchnahme Balma- fcheffs durch die Socialrevolutionäre für ein Reklame- m a n ö V ez: und empfiehlt Anfklärung durch Organisation und durch polizeilich nicht überwachte Demonstration. Die Revolution fei damit schon im Gange. Ganz gleichgültig sei cS. wie der letzte Akt ausfalle, ob man den Zaren an den Galgen oder nach Sibirien bringe oder ihn verdamme, in Whitechapel einen Heringsladen aufzumachen, gleichgültig, ob einzelne Regimenter bis zum letzten Augen- blick für dieKnute. das Kreuz oder die Romanoffs kämpften. Die Socialdemokratie wolle möglichst wenig Blut- vergießen: in keinem Falle konnte der Terror Parteiprogramm sein. — Bors.: Da kann sich also jeder heransnehmen, was er will. (Große Bewegung bei den Verteidigern und auf der Anklagebank.) Sachverständiger Dr. B o l l o d geht dann weiter auf einzelne Fälle der Zarenbeleidigungen in diesen Schriften ein. Es wird darin u. a. der„ewige Z a r e n t od* verspottet, ferner wird die Einberufung der Haager Konferenz, die russische Schuldenlust, der Verfassungsbruch in Finnland, die Russifizierung der Ostseeprovinzen in scharfem Tone besprochen.— Verteidiger Liebknecht weist auf die historischen Thatsachen hin, die diesen Angriffen gegen den Zaren zu Grunde liegen. Die Aufhebung des ordentlichen Gerichtsverfahrens, die Er- tränkung von 20000 C h i n e sen im Amur bei Blago- w e s ch t s ch e n s k durch die russischen Truppen. Zum Schluß läßt sich der Verteidiger durch den Sachverständigen bestätigen, daß in den Ostseeprovinzen bis zum Jahre 1889 alle Gymnasien deutsch und die Universität Dorpat sogar bis zum Jahre 1893 rein deutsch geivesen sei, daß aber seitdem da« Deutschtum systematisch unterdrückt werde.. � Der Vorsitzende spricht die Hoffnung auS, daß am Montag die Beweisaufnahme geschlossen werden könne, und Staatsanwaltschaftsrat Caspar glaubt, daß am Mittwoch die Plaidoyers zu Ende gehen werden. Um 3 Uhr wird die Verhandlung auf Sonnabend ftüh vertagt. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Ueber die Kämpfe bei Port Arthur verbreiten die Russen noch immer groteske Schwindelnachrichten. Die Verluste der Japaner bei dem mißglückten Sturm am 10. Juli werden jetzt auf 20 000 Mann beziffert. Das sind zwar schon 10 000 Mann weniger, als erst angegeben wurde, allein auch dieser Verlust wäre schon mehr als hinreichend, um die ganze Ein- Schließung Port Arthurs aufzuheben. Ja, hätten die Japaner auch nur 10 000 Mann verloren, so hätte es den Russen gelingen müssen, die Japaner weit zurückzutreiben und ihnen den größten Teil des Belagerungsgeschützes abzunehmen. Denn bei einem solchen Verlust hätte der Rückzug der Japaner in wilde regellose Flucht ausarten müssen. Wenn man die zwei Divisionen. welche Port Arthur belagern, auf ca. 30 000 Mann schätzt, fo bedeutete ein Verlust von 10000 Mann die Einbuße von einem Drittel der japanischen Heeresstärke. Nach einem solchen Verlust aber pflegt auch bei der bestdisciplinierten Armee eine völlige Deroute zu erfolgen. Ein weiterer Beweis dafür, daß die russische Kriegsnachricht Schwindel ist, ist das Verhalten der Armee Okus. Hätten die Japaner vor Port Arthur schwere Verluste gehabt, sagen wir: nur 5000 Mann verloren, so würde Oku genöttgt gewesen sein, einen Teil seiner Truppen als Verstärkung nach dem Süden zu entsenden. Davon ist aber gar keine Rede. Oku ist in den letzten Tagen viel- mehr energisch vorgerückt, was bei einer Schwächung seiner Truppen schwerlich der Fall gewesen wäre.— Um die japanischen Verluste vor Port Arthur glaubhafter zu machen, meldet man jetzt aus Petersburg, daß die Russen am 10. und 11. Juli gleichfalls erhebliche Verluste gehabt hätten. Und zwar spricht man von 1000—1800 Mann. Von japanischer Seite liegen keinerlei Nachrichten all dieser an- geblichen Schlachten bei Port Arthur vor. Die russischen Nachrichten lauten: Petersburg, 15. Juli. Ueber den Sturm auf Port Arthur am 10. und 11. Juli liegen noch keine Einzelheiten vor, nur weiß die.Nowoje Wremja" aus Liaujang zu be- richten, daß der Swrnr glänzend zurückgeschlagen wurde. General Fock verfolgte den Feind bis Nonalin. Die Verluste der Japaner sind enorm. Die Russen verloren gegen 1000 Mann. Petersburg, 15. Juli. Die russische Telegraphen-Agenwr meldet aus Mulden von gestern: Nack eingegangenen Meldungen gingen unsre Truppen am 3. und 4. Juli bei Port Arthur auf der rechten Flanke der Verteidigungslinie zum Angriff vor, drängten die Japaner zurück und besetzten das Ostufer des Lungwanghothales und am 0. Juli eine den gleichnamigen Paß beherrschende Höhe. Unsre Verluste sind unbedeutend, die Japaner verloren an diesen Tagen nach chinesischen Angaben an Toten und Verwundeten etwa 2000 Mann.(!) Seit dem Beginn der Belagerung haben die Japaner noch keine positiven Resultate zu verzeichnen. Jnko« von den Japanern besetzt. Der Petersburger Korrespondent des„Echo de Paris* will die zuverlässige Nachricht erhalten haben, daß Jnkou von den Japanern genommen sei. Bestätigt sich diese auch anderweitig gemeldete Nachricht, so haben die Japaner einen neuen bedeutenden Vorteil errungen. Jnkou, die Hafenstadt von Niutschwang, beherrscht die Eisenbahn- Verbindung mit Taschitschiao an der Linie Port Arthur— Mulden. Den Russen wäre damit die Zufuhr von Westen her abgeschnitten. Zugleich wäre die russische Positton bei Taschitschiao von Westen her bedroht. Japanische Truppenverschiebungen? Petersburg, 16. Juli. Der„Bitscharija Wjedomosti* wird aus Tschitschowna unterm 14. Juli telegraphiert: Am Abend des 13. Juli bemerkten die russischen Vorposten, daß der Feind besondere Bewegungen machte, die Japaner wechselten anscheinend ihre Stellung. Am Morgen des folgenden Tages wurde eine Ab- teilung Kavallerie zur Aufklärung entsandt. Die Kavallerie stellte fest, daß das Thal bis K a i p i n g von den japanischen Truppen geräumt war. Die russische rechte Flanke war daher frei. Sofort wurde eine RekognoScierung für den 15. Juli beschlossen. Anscheinend ziehen die Japaner ihre Truppen vom Centrum fort. Sollte sich dies be- stättgen, so unternehmen sie offenbar eine Seitenbewegung über den Dalinpaß. Es wurde bemerkt, daß die Japaner Ge- schütze von großem Kaliber die Berge hinaufschaffen. Wahrscheinlich sind dies aber keine wirklichen Geschütze, sondern nur Holzmodelle, eine List, wie sie schon öfter beobachtet worden ist, durch die die Russen sich aber nicht mehr täuschen lassen. Der- selbe Korrespondent meldet heute dem Blatte, die an- gegebene Bewegung des Feindes nach Nordosten hatte zur Folge, daß Befehl gegeben wurde, gegen den linken Flügel des Feindes, der sich auf Kaiping stützt, RekognoScierungen zu unternehmen. ES ist nach dem Resultat derselben anzunehmen, daß die Truppen, die von Sinjan aus vorrücken, verstärkt wurden, oder daß Truppen zur Verstärkung der Truppen vor Port Arthur abgingen, die bei dem letzten Angriff in der Nacht vom 11. Juli sehr große Verluste er- litten hatten. In der letzten Zeit wurde allgemeine Unordnung beim Manövrieren der Japaner bemerkt; es zeigte sich, daß der japanische Generalstab offenbar militärische Operattonen in der Ebene fürchtet. Zwietracht zwischen Alexejew und Kuropatkin. Der Kriegsberichterstatter des»Tag* meldet vom 11. Juli aus Niutschwang: „Eine große Gefahr für die Russen liegt nur darin, daß zwei Oberbefehlshaber vorhanden sind: in Taschitschiao sucht Kuropatkin inmitten seiner Truppen seiner schwierigen Aufgaben Herr zu werden, während in Mulden, 200 Meilen hinter der Front, der Vizekönig Alexejew gleichfalls Ansprüche erhebt, die Armee zu befehligen. Er benimmt sich, als ob er ein wirklicher König wäre. Indem er sich darauf beruft, daß er Vizekönig und Stellvertreter des Zaren ist, stört er fortgesetzt die Anordnungen KuropatkinS. Er hebt Befehle auf, die von dem eigentlichen militärischen Leiter ausgegeben sind, er verzögert durch Inspizierung das Eintreffen der von Europa ankommenden Truppen auf dem Kriegsschauplatze, wo sie nötig gebraucht werden, und sendet seinen Stabschef zwei- oder dreimal in der Woche nach Taschitschiao, um hier Kuropatkin zu kontrollieren und zu stören. Es hieß sogar schon, daß die Offiziere der Meuterei gegen Alexejew nahe wären, aber sie sagten sich, daß es in Rußland unmöglich ist, die Absetzung eines Stellvertreters des Zaren herbeizuführen. Die Welt muß sich darüber klar werden, daß. wenn Rußland auf diesem mehr asiatischen als europäischen Standpunkt stehen bleibt, noch einige Schlachten mehr werden verloren werden. Bei dem heutigen Stande der Dinge ist eine Wendung zum besseren nur möglich, wenn der Zar sobald wie möglich Alexejew zurückruft. dessen Gegenwart nicht nur nutzlos, sondern geradezu gefährlich für die Armee ist." Ueber kleinere Scharmützel ist ein langer Bericht Sacharows vom 13. Juli eingetroffen. Bei einem der Scharmützel östlich von Liaujang wurde General v. Rennenkampff am Fuße der- wUndet. Er verblieb bei seiner Abteilung. Versammlungen. Die Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter hielten am Montag im Gewerkschaftshause ihre regelmäßige Ouartalsversammlung ab. In dem Vorstandsbericht konstatierte I a e ck ein fortschreitend ge- deihliches Wachstum der Organisation, die gegenwärtig 1370 Mit- glieder zählt. Während des letzten Quartals sind eine ganze Anzahl von Werkstattdifferenzen vorgekommen, von denen die meisten in Güte geregelt werden konnten. Z i m p e l gab in dem Kassenbericht die Einnahme inkl. Bestand auf 25 034,60 M. und die Ausgabe auf 5223,20 M. an, so daß ein Vermögen von 19 811,40 vorhanden ist. Die Rechtsschutz-Kommission hatte auch diesmal wieder eine Reihe von Unfallsachen iür im Berufe verletzte Kollegen zu bearbeiten. Der Arbeitsnachweis funktioniert nach wie vor befnedigcnd. Im Laufe des letzten Halbjahres waren 919 Kollegen als arbeitslos eingetragen, denen 686 Nachfragen der Arbeitgeber gegenüberstanden. Von der Kontrollkommission wurden 96 Werkstattsitzungen einoerufen. Die Ersatzwahlen für turnusmäßig ausscheidende Ver- bandsfunttionäre hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Jaeck; 1. Kassierer: Zimpel; Revisoren: Hofmann und Pichl; Gewerkschaftsdelegierter: Pankow; Rechtsschutz-Kom- Mission: Polczinski und Bräuning; Arbeitsnachweis- Kommission: Marschner, Löwe und Gerlach; Kontroll- kommission: W e st als Obmann. Schulz- Weißensee, H ü b n e r- Rixdorf, P e g e r- Südost und Schneider- Südwest; als Beitragssammlcr: I u st- Rixdorf, P e g e r- Südwest und Buhl- mann- Südost.— Infolge der vorgerückten Zeit wurde die Be- sprechung über die Anschlutzbedingungen betr. Uebertritt in den Holzarbeiter-Verband bis zu einer demnächst stattfindenden außer- ordentlichen Generalversammlung vertagt. Rixdorf. In der am 11. d. Mts. im Lokal von Hoppe tagenden Sitzung des Gewerkschaftskartells gab Genosse Schenke Bericht über den Stand des Steinsetzer- und Rammerstreiks, und beschloß das Kartell nach längerer Diskussion, Sammellisten für die Streikenden herauszugeben. Die Listen sind beim Obmann, Genossen Hendrischke, Kirchhofstr. 2, in Empfang zu nehmen. Die An- gelegenheit der Barbiere wurde zurückgestellt und wurde dem Delegierten aufgegeben, sich nähere Informationen bei seiner Centralleitung zu holen. Gefehlt haben die Delegierten der Putzer. der Bäcker, Buchdrucker, Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter, Gastwirts- gehilfen, städtischen Arbeiter, Tabakarbeiter, Textilarbeiter. Zun, Ausschußmitglied wurde der Genosse I r r s a ck, Glaser, gewählt. Singegangene Dmckrcbriftcn. Die gewerbliche Arbeiterfrage. Von Professor Werner Sombart. Preis 80 Pf. Leipzig. G. I. Göschcnsche Verlagshandlung. Bericht über die Einigungsverhandlungen zwischen den Vertretern der Cenwal-Verbände und der Lokaiiften. Herairs gegeben vom Vorstand des Cenwal-Verbandcs der Zimmerer Deusschlands. Zahlstelle Berlin. 40 Seiten Verlag W. Witt, Berlin, Swinemünderstr. 47. Spectatoi- alter. Die Krisis im Papsttum. 284 Seiten. Preis. 2,50 M. Berlin SW. 61., Verlag Hugo Bermühler. Letzte Nacbnchten und Depcfcben. Gelandete Leiche. Am 12. d. MtS. ist die Leiche einer an- scheinend dem Arbeiterstande angehörigen, etwa 60 Jahr» alten Frauensperson auS dem Flutgraben vor dem Grund- stück Lohmühlenstt. 6 gelandet. Die Leiche, die bisher noch nicht rekognosciert ist, war bekleidet mit schwarzem Rock, türkischem Unterrock, weiß und schwarz karrierter Taille, grauen Strümpfen, schwarzen halben Gummizug-Sttefeln und dunkelgrauem Umschlagetuch. Rekognoscenten wollen sich im Leichenschauhaus oder im Zimmer 329 des Präsidial- gcbäudes in den Vormittagsstunden einfinden. Trothas Bericht über die Situation auf dem südwcstafrikanischen Kriegsschauplätze. verlin, 15. Juli. General v. Trotha meldet auS Owikokorer«. vom 14.:„Bei Omuweroumue, Hamakari und Waterberg wird immer noch starker Feind zahlreich signalisiert. Am Waterbeq sind Feuer beobachtet, diesseitige Pattouillen befinden sich östlich und westlich Waterberg. Major v. Estorff erreichte am 11. Jul, Otjatjingenge, Major v. d. Hehde ebenfalls am 11. Erindi- Oratjihenda. Okofondufu blieb durch Schonungsbedürftige sowü ein Geschütz schwach besetzt. Major v. Glasenapp erreichte an 11. Otjurutjondju, fand Okosongoho und die Wasserstelle 7 Kilometer nordöstlich davon unbesetzt, ebenso Okahiwa und Omamba rombonga vom Feinde frei. Die Compagnie Welck, die 1. Com- pagnie Regiments 2. und die Halbbatterte Winterfeld sind unter Hauptmann v. Fiedler bei Okowakuatjiwi— Onjakawa vereinigt die 2. und 3. Compagnie Regiments 2 im Marsch über Karibik au, Omaruru, wo sie etwa am 20. eintreffen werden. Der Abmarsch des 2. Bataillons und der 7. Batterie aus Swakopmund erfolg, nächster Tage. Ich bin in Owikokorero, beabsichtige, der Abteilung Glasenapp über Otjire zu folgen.* Berlin, 15. Juli.(W. T. B.) Sanatorien auf Madeira. Pro- fessor Pannwitz ist aus seiner bisherigen Stellung als General- sekretär des deutschen Central-Comitees für Lungenheilstätten aus- geschieden und hat die Leitung der Deutschen Madeira-Sanatorieu- Gesellschaft übernommen. Rätselhafte Abberufung. Zürich, 15. Juli.(W. T. B.) Der„Neuen Züricher Zeitung* zufolge hatte der vom russischen Hauptquartter abberufene Oberst Audeoud heute vormittag eine Audienz bei dem Vorsteher des Militär- departements, in der er auf das entschiedenste in Abrede stellte, beleidigende Aeußerungen über die russische Armee oder deren Führung gethan zu haben; er kenne den Grund des Verlangens KuropatkinS nach seiner(Audeouds) Abberufung auch heute noch nicht, da er weder bei der Abmeldung beim Generalstabschef KuropatkinS noch in Petersburg Aufklärung darüber erhalten habe. In Petersburg habe er zu Händen des KriegSministerS, der mit dem Kaiser verreist war, emen schriftlichen Protest hinterlassen. Das Blatt fügt hinzu, daß die russische Regierung dem Ersuchen des Bundesrats um Bekanntgabe des Grundes für die verlangte Rück- berufung Oudeouds nicht entsprochen habe. Die Meldung eines Berliner Blattes, daß Oberst Audeoud im Namen der nachgerade ungeduldig gewordenen Offiziere bei Kuropatkin vorstellig geworden ei, entspreche nicht den Thatsachen. London, 15.Juli.(W.T.W.) Unterhaus. Auf eine Anfrage Howard Vincents erklärte Haudelsminifter Gerald Balfour den Vorschlag für unannehmbar, die Kauffahrteibill so umzugestalten, daß die An- Werbung fremder Mannschaften für englische Schiffe in irgend einem Hafen zwischen der Elbe und Brest verboten wird. Russischer Schwindel dementiert. Tokio, 16. Juli.(W. T. B. Amtliche Mitteilung.) Die Nach- richt, die in Europa verbreitet ist, daß während eines nächtlichen Angriffs am 11. Juli auf Port Arthur die Japaner mit einem Verlust von 30000 Mann zurückgeschlagen seien, entbehrt jeglicher Begründung, da, abgesehen von kleinen Vorpostengefechten, überhaupt kein ernstlicher Angriff auf die russischen Stellungen an jenem Tage gemacht worden ist. ksrmtw. Redakteur.: Paul Büttner» Berlin. Jnieratenteil verantw.: Xh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin L W. Hierzu 2 vefla»en. »-««. A-?.wW. i. Keilltge des Lsmiiels" Kerlim Nslksblalt. m IritUravitchc Rundfchau« Saarabiscbc Mssensekaft. Im.Vorwärts' ist mehrnials ein Buch erwähnt lvorden, das um feiner selbst willen diese Beachtung nicht verdiente; es hat nichts Bedeutendes an sich. Aber es beschäftigt sich mit Saarabien und Saarabien ist in den jüngsten Tagen cui Gegenstand des öffentlichen Interesses geworden. Und Ivie Saarabien weniger eine hervor» ragende Erscheinung als vielmehr nur der Repräsentant eines Systems ist. so auch das Buch, das unter dem Titel„Zur socialen Entwicklung im Taargebiet", von Dr. Alexander v. Brandt, kgl. Ne» gierungs-Asjessor, in dem bekannten socialpolitischen Berlage von Duncker u. Humblot in Leipzig, dem Schinoller- Verlage. erschienen ist. Das Buch ist ein Lobgesang auf das patriarckmlische System und eö ist wie dieses erfüllt von innerlicher Uinvahrhaftigkeit. Saarabien ist ein Musterbeispiel des patriarchalischen Systems, das unter dem Vorgeben, dem Wohle des Arbeiters zu dienen, willenlose Arbeitstiere züchtet, die nicht einmal gut gefüttert sind. Das Buch des Regierungsassessors aus der Schule SchmollerS gicbt vor. ob- jeltiv zu beschreiben, wie die Dinge sind und cS ist ein Muster- beispiel tendenziöser Darstellung. ES knetet die Thatsachen für seinen Zweck, es gleitet über unbequeme Dinge vorsichtig hinweg. es will beweisen, datz eS das LebenSglück des Arbeiters ausmacht. von einem väterlichen Unternehmer vom Morgen bis wieder zum Morgen, von der Wiege bis zum Grabe am Gängelbande geführt zu werden und darum beweist es das. Der Regierungsassestor hat in der Schule seiner historischen Volkswirtschaft gelernt, daß ein Arbeiter mit 1000 oder 1500 M. Jahresverdienst ein behagliches Loben führt, folglich beweist er in seinem Buche, daß die saarabischeir Arbeiter in Wohlhabenheit schwimmen. Diese klugschwätzenden.National- ökonomen', Socialpolitiker, Lsiessoren usw.! Wenn doch einer von ihnen vom Studium der Volkswirtschaft mal zur Praxis der Haus- Wirtschaft überginge und den Versuch machte, mit 1000 oder 1500 M. im Jahre eine Familie zu ernähren. Die Augen würden ihm gar bald aufgehen über die Narretei seiner nationalökonomischen Schulflausen I Man verstehe nicht falsch! ES liegt mir fern, die nationalökonomische Wissenschaft verächtlich zu machen. Aber wenn jemand, der niemals am eignen Leibe verspürt hat, wie ein Arbeiterlebenthut, unter dcm AuShänge- schilde der Wissenschaft zu beweisen versucht, daß es eigentlich nichts Bessere« und Befriedigenderes gießt wie so ein Arbciterleben: solche Wissenschaft ist dummes Geschwätz. Dieser Sorte Wissenschafts- Vertreter ist nur anzuraten, gleich dem RegienmgSrat Kolb cS zunächst einmal selbst mit der Arbeit zu versuchen. Die Wissenschast würde unterdes keinen Schaden erleiden. Der Herr Regierungsassessor v. Brandt kennzeichnet seine Methode und seine Absichten in einer Vorbemerkung also: »Die gerechte Beurteilung bestehender Verhältnisse ist nur auf Grund der KenutniS des historisch Gewordenen möglich. Auch in den groben Fragen der modernen Socialpolitik läßt sich nicht ein absolutes Gut oder Böse unterscheiden. Die nämliche Formel auf alle Ver- Hältnisse anwenden wollen, heisit das frische Leben des Thatsächlichcn mit dem Mabstab grauer Theorie messen. Auch die Einzelerscheinung «mb erst historisch ergründet werden, bevor die Sonde der Kritik angelegt wird, will man nicht in den Fehler der orthodoxen Schule der Nationalökonomie zurückverfallen, die Welt durch die Brille aprioristischer Lehrmeinungen zu betrachten.' Und dann macht er sich an die Beschreibung, bei der er von der aprioristischen Lehrmeinnng ausgeht, dasi die Socialpolitik deS preublschen. Staates bewundernswert ist und dab die bestehenden Verhältnisse nichts zu wünschen übrig lassen. Gleich im Anfange der Darstellung ist folgendes zu lesen: .Die rapide Vermehrung der Bevölkerung des SaargcbieteS stellte die Verwaltung vor eine Reihe von neuen Aufgaben. ES war nicht nur die Größe der Bevölkerungszunahme, sondern vor allem auch der Charakter der aus den verschiedensten Landes- teilen zuströmenden Arbeiterschaft, welche den Behörden die Verpflichtung auferlegte. de» materiellen wie den ethischen Interessen der arbeitenden Bevölkerung erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die zuwandernde Arbeiterschaft setzte- sich auS den verschiedensten Elementen zusammen. ES befanden sich darunter Bayern. Hannoveraner. Sachsen. Nassauer. Franzosen und Böhmen. ES wa, eine Masse ohne Tradition und ohne andre« Jnter- esse als das der Ausnutzung der Verdien st- gelegenheit. Daß die sich hier für die staatliche Verwaltung er- gebenden Aufgaben erfolgreich gelöst wurden zu einer Zeit, wo noch von den modernen socialpolitischen Heilmitteln im allgemeinen wenig die Rede war. ist ein Ehrenblatt in der Geschichte der preubUchen Staatsverwaltung. Die damaligen Maßnahmen haben den Grund zu den befriedigenden socialen Verhältnissen gelegt, deren sich die Gegenwart erfreu t."> AIS die erste der socialpolitischen Maßregeln deS Bergfiskus wird nun die Ansiedelung der zugeströmten Bcrgarbeitermassen geschildert. ES wurden den Gemeinden Bergarbeiter-Kolonien angegliedert. Der Verfasier schildert dabei, wie durch die Ueberschwemnmng der Dorf- gemeinden mit Bergarbeitern die Lasten der Gemeinden wuchsen, die Gemeinden immer leistungsunfähiger wurden;.die Kommunal- steuerreste der Bergarbeiter erreichten eine ganz enorme Höhe. Die Einzugsgelder, welche zum Schutze der Gemeinde gegen den Zuzug leistungsunfähiger Elemente bestimmt waren, wurden dadurch unwirksam gemacht, daß sie von der Bergverwal- tung für ihre Arbeiter getragen wurden'. Das wurde so arg, daß die Vergverwaltmig sich in einzelnen Fällen zu freiwilligen Zuschüssen für Wege. Brunnen, Wasserleitungen. Schulen zc. verstand. Die Gemeinden hatten aber ein begreifliches Interesse daran, den BergfiSkuS, der diese Massen herangezogen hatte lzahlte er doch sogar das EinzugSgeld für sie!) und aus ihrer Arbeit hohe Gewinne herausschlug, rechtlich zu verpflichten zu Beiträgen zur Gemeindeverwaltung. Da kamen sie aber schön an. DaS lehnte der BergfiSku» rundweg ab. ES wurde dann der Versuch gemacht. durch Einführüiig von Kommuiial-Einkommensteuerregulativen den BergfiSkuS zur Tragnng der Kommnnallasten mit heranzuziehen. DaS nützte jedoch solchen Gemeinden nichts, in deren Gemarkung keine Grubendaue lagen, obwohl sie von Bergarbeitern über- füllt waren. DaS alles teilt der Verfasser selbst mit. Er hat aber kein Wort der Kritik dafür, sondern nur Lob für die socialen Thaten der preußischen Staatsverwaltung. Die Arbeiter dagegen sind ihm Leute, die nur Geld verdienen wollten. nichts weiter. Und am Ende, was bedeutete denn seitens des Berg- fisku« die Förderung der Ansiedelung? Die Bauvorschüsse wurden zum größten Teil aus der KnappschaftSkasse gegeben, das heißt auS Mitteln, die zum größten Teil von den Arbeitern selbst aufgebracht waren. Trotzdem.schritt die Kolonisation nur langsam voran'. .Die als da« erstrebenswerte Ziel erkannte Räumung der Schlafhäuser schien in weite Feme gerückt'. Wie c9 in diesen Schlafhäusern zugegangen sein niog. in denen der Mann ein Bett und einen halben Schrank hatte, erfahren wir aus dem Buche nicht, aber daß ihre Räumung als erstrebenswertes Ziel angesehen wurde, läßt.tief blicken'. Doch etliche Seiten weiter findet sich so nebenbei die Bemerkung!'.Von der ganzen ca. 16 000 Mann starken Belegschaft konnten*/» als ruhige, zuverlässige Arbeiterschaft betrachtet werden. Zu den übrigen geHorten die Schlafhausbewohner.' Und an einer andem Stelle heißt es, daß die Tchlafhäufer einer be- sonderen polizeilichen Revision unterstellt werden mußten. •) Die Hervorhebungen in diesen» und allen andren Titaten rühren vom Recensenten her. Erst als die Lebensinittclpreise Mitte der 60er Jahre stark zu steigen begannen und die Arbeiter in dein bißchen Pachtlande die einzige Möglichkeit sahen, sich durch Selbsterbminng ihrer Kartoffeln vor dieser Preissteigerung zu schützen, da ging die Kolonisation rascher vorlvärts. Da hatte auch die Verwaltung ein Einsehen und— besorgte den Lenten mehr Pachtland, was billiger war, wie entsprechende Lohnerhöhung. Außerdem„war die Berg- Verwaltung darauf bedacht, ohne Zivang. durch die Macht des Be>- spiel«, die Sitte des bergmännischen GrnßeS zu verallgemeinem und die bergmännische Kleidung zu verbreiten." Sie errichtete berg- männische Musikcorps und führte das stille Gebet vor der Einfahrt ein. Sehr billige Socialpolitik! .Seitens der Regierung wie der Bergverlvaltung wurde der Organisation des Kirchen- und Schnllveseus besondere Aufmerksam- keit zugewendet. Während die Sorge für das Schulwesen im wrseut- lichcu der Gemeinde oblag, gelvährte die Bergbehörde den beiden Konfessionen Erleichterungen für die Ausübung ihres Kultus durch Zulveisung von Räumen.' Der Verfasser muß also selbst mitteilen, daß die Schule von den Gemeinden bezahlt wurde, zu deren Laste» der Bergfiskus sich beizutragen ausdrücklich gelveigert hat, trotzdem aber schreibt er i» demselben Satze, Regierung und Bergverwaltuug hätten dem Schul- »vesen Aufmerksamkeit zugcivandt. Aufmerksamfeit vielleicht I Aber Geld? Nee! Die Unterhaltung von Fortbildungsschulen wurde dem KuappschaftSverein überlassen, dessen Mittel zumeist von den Berg- arbeitcrn aufgebracht wurden. Und dann zieht der Verfasser aus diesen Angaben das Facit: „Versucht man nun. sich ein Gesamtbild von den Verhältnissen der Bergarbeiter-Bevölkerung am Ende der 60er Jahre zu machen, so findet man»eben nicht zu unterschätzenden Schattenseiten zahl- reiche Bilder von Wohlergehen und Befriedigung, die zum Teil ein Produkt des gefunden Bodens find, auf welchem der moderne Groß- betrieb sich aufgebaut hat, zum Teil aber bereits das Ergebnis der staatlichen Fürsorge darstellen." Und am Ende des Kapitels wird nochmals.der Bestand von Einrichtungen zun» Wohle der Arbeiter" gepriesen. Und so geht das weiter. Die objektive Beschreibung ist überall gekennzeichnet durch die vorgefaßte Lehrmeinung, daß der Arbeiter zum Gehorchen und Ar- beitcn da sei, daß hoher Lohn dem Arbeiter nichts nütze, ihn ver- gnügiingssiichtig und dann unzufrieden mache. So Seite 42: .Es ist ein alter, nicht genug zu betonender Erfahrunasgrundsatz, dessen Richtigkeit durch die Untersuchung zahlreicher socialer Er- schütterunge» zu erweisen ist, datz Aenßerungen der Unzufriedenheit breiter Gesellschaftsschichten mit ihrer Lage nicht in Zeiten der Not, sondern gerade in Zeiten der Erleichterung, eines größeren Wohl- befindens zu verzeichnen sind. Der Mensch, ans»oelöhein die Not deS täglichen Lebens nicht mehr gleich schwer lastet, findet Mut und Lust zu Klage» und Beschwerden! der Geist der Kritik »vird ivach und höheres Einkommen und gesteigerte Lebensbedürfnisse lassen neue Lcbensansprüche entstehen. So>var denn schon zu Ende der 60 er Jahre von den Arbeitgebern des Bezirk« über die unter den Arbeitern herrschende Genuß- und Vergnügungssucht und die hierdurch verursachte Unzufriedenheit und Not geklagt und der Besorgnis Ausdruck gegeben lvorden, datz hierdurch der Boden für die Gewerkverein S-Agitation Lassallescher wie Hirsch-Dunck erscher Richtung bereitet werde... Wenn diese Besorgnis sich nicht bewahrheitete, so war die« wohl nicht zum mindesten auf den Umschwung der gelverblichen Konjunktur zurückzuführen, welcher mit dem Jahre 1878 einsetzte." In diesem Kapitel werden die Veränderungen in Preisen und Löhnen in den achtziger Jahren dargestellt: daraus geht, wenn man sich die Mühe nimmt, die auf verschiedenen Stellen verstreuten korrespondierenden Thatsachen zusammenzustellen, deutlich hervor. daß wohl die Produktenpreise sehr erheblich, die Löhne aber nur um ganz winzige Beträge gestiegen sind. Wv die Arbeiter mehr ver- dienten, ermöglichten sie das nur durch Ueberarbeit. DaS sagt natürlich der voraussetzungslose Beschreiber nicht so. Er kleidet das anders ein: „Die EinheitSsäße der Accordlöhne änderten sich zivar nur wenig, infolge der gesteigerten Produktion stellte sich jedoch der Verdienst höher. Sodann wurden auch die Schichtlöhne von 1837 ab stellenweise bis z n 20 Prozent erhöht. Auf einzelnen Hütten wurden wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise Teuerungszulagen gewährt." Dieser Satz ist der Schluß eines Abschnittes, in dem eine außerordentlich günstige Periode der Eisenindustrie geschildert worden ist. Darauf folgt die Darstellung der Streikpcriode von 1889 bis 1893, die eingeleitet wird mit dem Versuch, eine Erklärung für das Streiken zu finden. Diese Erklärnna sei schwer zu geben. Am nächsten komme man wohl der Wirklichkeit, wenn man vom Streik- s i e b e r spreche. Die Streikstunmung raube dem Menschen den klaren Blick für das Wirkliche und Erreichbare. .Daß in gar manchen Beziehungen die Verhältniffe der Besserung fähig waren, wird aus dem Folgenden ebenfalls zu ersehen sein. und es mag zugegeben sein, daß die Neigung zur Arbeitseinstellung hierdurch verstärkt wurde. Daß aber auch nach der Behebung d e r M i ß st ä n d e die Streikstinnnuilg bestehen blieb und zu weiteren Arbeitseinstellungen führte, ist der e i g e n t ü>n- I i ch e n Geistesverfassung der Massen zuzuschreiben, welche«ine Folge der Agitation bei Arbeitseinstellungen ist. Die Darstellung der Beivegnng. ihrer Forderungen, ihres Ver- lauf«, ihrer Gründe wimmelt von Widersprüchen und Vertuschungen, so daß es ganz unmöglich ist. sie alle aufzuzählen. Nur einige ganz lrasie könne» ausgedeckt werden. Es wird mitgeteilt, daß die Berg- lente im Mai 1889 die achtstündige Schicht forderten(Seite 56). Seite 58 und 59 heißt eS: .Die Arbeiter hatten hinsichtlich der Arbeitszeit und der Löhne Forderungen gestellt, die von dem Bestehenden so weit abwichen. daß die Verwaltung sich im wesentlichen ablehnend verhalten und' sich darauf beschränken mußte, kleinere Erleichterungen und wohl»vollende Behandlung der Beschwerdepunkte zuzusichern.' Seite 62 wird berichtet, daß die achtstündige Schicht bis zu Beginn der 70 er Jahre bestanden hat. Seite 68:„Hinsichtlich der Schichtdauer wie der Lohnhöhe hatte die Bergverwaltung erhebliche Zugeständnisse gemacht.' Und Seite 64:„Trotz alledem sollte die Streikbewegung noch nicht zum Stillstand kommen.' Also: die Bergleute fordern eine unerhörte Verkürzung der Arbeitszeit, obwohl sie nur fordern, was schon bestanden hat: die Bergverwaltung muß sich deshalb ablehnend verhalten, aber: sie hat erhebliche Zugeständnisse gemacht und die Bergleute bleiben un- zufrieden. Trotz„Behebung der Mißstände'. Seite 67 wird mitgeteilt, daß die Seilfahrt(die Einfahrt in den Schacht auf einem Fahrstuhl) zur Schoining der Arbeiter eingeführt worden sei. Aber Seite 61 heißt es:„Die Ueberschichten(Verlängerung der gewöhnlichen Schicht um'/< oder l/t Schicht) wurden wegen des guten Absatzes eingeschaltet und standen im Zu- sammen hange mit den auf den Tiefbauzechen eingeführten Seilfahrten." DaS heißt also, man hat die durch die Seilfahrt ermöglichte Zeitersparnis bei der Einfahrt dazu benutzt, die Arbeiter zu längerer Arbeit in der Grube zu zwingen. Gleichwohl soll die Seilfahrt im Interesse der Arbeiter eingeführt sein. Der ganze Jammer dieser der väterlichen Fürsorge deS preußischen Bergfiskus überlassenen Grubensklaven kommt unbewußt zum Ausdruck in einer Rede deS Saarbrückener Unternehmers Abg. V o p e l i n s im preußischen Abgeordnetenhause am 13. März 1890. Vorausgeschickt sei, daß die Bergverwaltung auf die Forderungen der Arbeiter eine Proklamation erlassen hatte, in der sie hinsichtlich der Arbeitszeit sagte, daß die Verkürzung der Schicht den, Wunsche eines großen Teiles der Belegschaft nicht entsprechen würde. Darüber sprach in»l VopeliuS im Abgeordnetenhanse und v. Brandt teilt aus dieser Rede folgendes mit. das der Vergessenheit entrissen zu werden verdient:,. „Bis zu Beginn der 70er Jahre existierte m allen fiskalischen Gruben bei Saarbrücken die achtstündige Schicht. Da kam die Gründerzeit, die hat natürlich große Ansprüche an die Kohlengruben gestellt, es lvurde länger gefordert. Der Arbeiter war sehr damit einverstanden, da er dementsprechend mehr verdiente.. Nun hat sich nach und nach gezeigt, daß die längere Schicht einer ganzen Reihe von Arbeitern persönlich sehr angenehm war, und eS stellte sich heraus, daß diejenigen Bergleute, die unmittelbar an der Grube oder in der Nähe ihren Wohnsitz hatten, die kurze Schichtzeit haben wollten, während die von auswärts kommenden Arbeiter, die in den Schlafhänsern wohnen und nur des Sonnabends nach Hause gehen, die längere Schichtzeit haben wollten. Die Gründe hierfür waren zweierlei. Auf der einen Seite haben sie einen größeren Verdienst mit»ach Hause genommen, aus der andern Seite haben sie,»vie sie sich ausdrücken, einen JmS(Imbiß) gespart; nämlich, wenn sie morgen« eingefahren sind, haben sie bei der langen Schicht mittags ein zivcites Frühstück in der Grube ge- nommen, kamen um 5, 6 Uhr abends aiiS der Grube und aßen so- fort zu Abend, während sie bei der kurzen Schicht ein kleines Früh- stück nahmen und um 3 Uhr ein Mittagesien kochen mußten; das hielt aber nicht aus bis zum andern Tage und sie waren gezwungen, eine zweite Mahlzeit zu sich zu nehmen. DaS war der Grund, wcs- halb ein Konflikt zwischen den SchlashauSlcuten und den eingesessenen Bergleuten entstand und ist deshalb die Bemerkt, na in der Prokla- mation:„Daß diese Wünsche nicht allen Bergleuten entsprechen würden", gerechtfertigt." Das also sind die Früchte einer mehr als zwanzigjährigen „staatlichen Fürsorge", daß die damit beglückten Arbeiter möglichst lange(12. 13 bis 14 Stunden) arbeiten, um nicht ordentlich essen zu müssen; sie betäuben den Hunger mit Arbeit und die Bergver- waltung, die sonst die Wünsche der Arbeiter unberechtigt findet, sieht ausgerechnet in diesem unmenschlichen Zustande(vorausgesetzt, daß die Behoilptung in diesem Umfange überhaupt der Wahrheit ent- spricht) einen berlicksichtigenöwertcn Faktor. Und die voraussetzungö- lose Wissenschaft, die ihre Urteile nur ans der objektiven Prüfung der Thatsachen abzuleiten vorgicbt, hat dafür kein Wort der Kritik, stammelt dafür Seite um Seite ihr Sprüchlein von der staatlichen Fürsorge, Ehrenblatt in der prnlßischen Staatsverwaltung, be- friedigende sociale Verhältnisse usw. usw. Dafür aber werden die nnzusricdencn Arbeiter nach bewährter Scharfinachermethode abgekanzett, wobei es übrigens aus einige Selbstwiderlegungen nicht ankommt. So Seite 65: „ES begann nunmehr eine wahre Hochflut von Versammlungen im Grubenbezirk. Der Vorsitzende des Rechtsschutzvereins, Berg- mann Nikolaus Warken, begleitet von einer Anzahl abgelegter Berg- leute, leitete dieselben. Die Redner gingen darauf aus, die Un- zufricdenheit zu erhalten und Anschuldigungen gegen die Behörde vorzubringen, um die Stimmung für einen neuen Streik zu bereiten." Aber Seite 67: .Warken wie Schröder warnten vor einem Streik und empfahlen Festhalten an den« Verein. Die Versaminlung bezweckte denn auch offenbar, zunächst die Bewegung in Fluß zu erhalten und die Macht der Organisation nach außen zn zeigen." Seite 00:„Es schien, als ob jede Grube ihren Streik haben wollte." „Bei den einzelnen Bergleuten waren im allgemeinen keine Klagen über bestimmte Punkte zu hören, diese wurde» erst von den Wortführern(vorher auswärtige Drahtzieher genannt. D. Ree.) formuliert. Was an der Belegschaft der beteiligten Gruben wahr- zunehmen»var. war ein Hang zur Unzufriedenheit, die unklare Absicht, ihre Lage zu verbessern". Seite 70:„Die Wandlung zeigte sich auch im äußeren Auf- treten der Lente. über deren anmaßende» und u n« ehrerbietiges Verhalten von allen Seiten geklagt wurde. In zahlreichen Versammlungen war der Vereinsvorftand bemüht, vor allem die westlichen Gruben, die in, Frühjahr nicht gestreikt hatten, aufzuwiegeln.... Allmählich stellten sich auch aufreizende Redensarten gegen die wohlhabenden Klassen ein. Die einzelnen Forderungen traten verhältnismäßig in den Hintergrund, man schien vor allen, an den. Fordern überhaupt Gefallen zu finden." Seite 80:„Die ganze Agitation lief hiernach auf nickts andres hinaus als auf eine Aufreizung der Begehrlichkeit der Massen. DaS einzige Mittel zur Wiederherstellung der Ruhe schien daher die Ent- lasinng der Schreier und Hetzer aus der Grubenarbeit zu sein." Ueber die Bewegungen von 1891 und 1892 wird zunächst„nach zahlreichen Anzeigen"(der Verfasser war Gehilse des Landrats) die Gewißheit entnommen, daß der Vorstand des Rechtsschutzvereins mit de»,„socialdemokratischen Lager" in Fühlung stand. Da« An- sehen de» Vorstandes war zwar gesunken, ihn»„kam aber zu Hilfe", daß auf mehreren Gruben„solche Gedinge herabgesetzt wurden, bei lvelchen die verdienten Löhne nicht in» r i ch t i g en Ver- h ä l t n i S zur Arbeitsleistung standen".„Seitens der Agitatoren wurde auf die gleichzeitige Auszahlung von Remunerationen an die Bcrgbeamten hingewiesen." Eine neue Vorschrift der Arbeitsordnung„bezweckte die Lehrzeit der Bergleute in vernünftiger Weise zu regeln und nmnentlich zu verhindern, daß sie schon in ganz jungen Jahren in den vollen und im Verhältnis zum Verdienste andrer industrieller Arbeiter sehr hohen Lohn hineinwachsen, wie dies bisher oft der Fall gewesen war".„Die Neu- regelimg der Schlepperlöhne bezweckte zugleich die Ermäßigung der Produktionskosten." Anstatt aus diesen offenkundigen Bedrückungen der Arbeiter durch die Verwaltung—„Behebung der Mißstände" geiiannt— den selbstverständlichen Schluß zu ziehen, daß initer solchen Umständen das Ausbrechen neuer Streiks ganz natürlich war, sieht er im Gegen- teil auch darin mir wieder das Werk der Agitatoren'iiiid Hetzer. Man war»einig darin, daß der Streit unberechtigt fei". Eine Petition an den Handelsminister war„im anmaßendste» Tone" ge- halten. Als nach dem Mißglücken des Streiks die Frechen, die sich die merkwürdige Behebung der Mißstände nach dem 89er Streik nicht so ruhig wie früher hatten gefallen lassen wollen, kurzerhand ent- lassen wurden, so wirkte da« nach Ansicht unsres Socialhistorikers „vor allem ernüchternd".»Die Agitation des Rechts- schntz-VereinS hatte ihren Meist er gefunden". Bei der ReichstagSwahl 1893 wurden nur wenige socialdemokratische Stimmen abgegeben. „Das günstige Ergebnis war aber zugleich der Festigkeit der großinduftriellen Arbeitgeber zuzuschreiben, welche Socialdemokraten ihren Betrieben nicht duldeten und einen Rechtsschutzverein für die Fabrikarbeiter, welcher sich im Jahre 1890 bildete, nicht ans- kommen ließ. Es war aber noch mehr als diese Praxis, was sich in diesen kritischen Jahre» belvährt hatte: DaS ganze social- politische System, welche» durch die Uebung mehrerer Menschenalter im Saarrebier auS- gebildet war, hatte die Feuerprobe bestanden." Und danach ergießt sich eine ölige Flut von Redensarten voll „socialer Befriedigung" über den Leser, daß man das ganze Buch citieren müßte, wollte man es ganz würdigen. Alles ist günstig, befriedigend, glänzend, alles schwimmt in Oel und Wonne. Und alle diese Redensarten stützen sich ans Zahlenangaben über die Lohne der Arbeiter, aus denen hervorgeht, daß die bestbezahlten Bergarbeiter im ganzen vorletzten Jahrzehnt des vorigen Jahr- Hunderts häufig unter 4 M. pro Schicht blieben und niemals auch nur 4,50 M. erreichten, trotzdem, wie der Verfasser konstatiert, der Aufschwung in den neunziger Jahren alles bisher dagewesene über- traf. Gelegentlich wird mal wieder sin dem Kapitel„Gesamtergebnis und Schlußfolgerungen") von den„durch den Streik hinauf- geschraubten Lohnen" gesprochen, auch den Schlafhänscrn— für welche besondere polizeiliche Revisionen eingeführt werden mußten— wird wieder mal Anerkennung gespendet, dann wird die Ver- waltnng gelobt, daß sie bestrebt ist,„vor allem gleich- mäßige Löhne zu erhalten und so die Arbeiterschaft vor den Rückschlägen der Konjunktur zu schützen". Aus dem Socialhistorischen ins Deutsche übersetzt heißt das, daß den Arbeitern in Zeiten des Aufschwunges die Anteilnahme an dem Aufschwünge vorenthalten wird— obwohl doch dabei die Lebensmittelpreise steigen— daß vielmehr der ganze Vorteil des Aufschwunges dem Kapitalprofit zugewendet wird. Eine besondere socialpolitische Weisheit erblickt der Verfasser auch in dem Unistande, daß den Arbeitern„der Vor- teil des höheren Lohnes für die Zeit der Gründung eines Hausstandes vorbehalten wird", das heißt, daß man ihnen zuvor den höheren Lohn vorenthält. Es wäre noch über die Art der Statistik mancherlei zu sagen, die in derselben Weise beschönigt, wie die Betrachtungen es thun. Nur noch ein Beispiel für die Mache bei der Statistik. Seite 12g wird die Einkonnnensverschiebung im Kreise Saarbrücken nach Ein- konnnensquellen von 18gS zu 1899 dargestellt. Daraus ergiebt sich, daß sich das Einkommen aus Kapitalvermögen von 2,8 Mill. auf 4,8 Mill.. das aus Handel, Gewerbe und Bergbau von 6 Mill. aus 10,3 Mill. und das ans gewinnbringender Beschäftigung, worin also alle Löhne und Gehälter, von 3,5 Millionen auf 6,9 Millionen M. erhöht hat. Das Einkommen aus Kapital- vermögen hat sich fast verdoppelt, auch das Einkommen aus Handel und Gewerbe hat sich fast verdoppelt; das wird aber in der Be- trachtung darüber nicht hervorgehoben. Wohl aber wird hervor- gehoben, daß sich das Einkommen aus Löhnen fast verdoppelt hat. Nun muß der Verfasser allerdings zugeben, daß sich die Arbeiterzahl in dieser Zeit stark vermehrt hat. Aber dennoch hat„thatsächlich eine Hebung des Einkommens der arbeitenden Bevölkerung statt- gefunden". Das ist nicht falsch. Aber es ist dennoch eine Beschönigung der Thatsache, daß das Lohneinkommen weniger gestiegen ist, wie das Unternehmereinkommen. Nämlich: Seite 100 teilt der Verfasser selber mit, daß die Arbeiterzahl gestiegen ist auf den fiskalischen Gruben um etwa 27 Proz., in den Hütten um etlva 40 Proz., in der Glasindustrie ähnlich. Wenn nun das Gesamtlohneinkommen zwar um 90 Proz. gestiegen ist, sich aber ans eine um mindestens ein Drittel erhöhte Personenzahl verteilt, so ist es eben in Wirklichkeit nur um etwa 40 Proz. gestiegen. Das Einkommen aus Kapitalsverniögen aber stieg um über 70 Proz. und das aus Unternehmergewinn gleichfalls. Das Buch ist noch nicht zu Ende, und seine Schätze sind noch nicht alle gehoben. Es mag genug sein. Die Früchte der social- historischen Wissenschaft sind genau'so abschreckend wie das social- politische System, in dessen Dienst sie sich mit diesem Buche gestellt hat. Es ist ein knochenerweichendes System und eine gehirnerweichende Wissenschaft. h. w. partel-JNrachrlcbten. Ter Internationale Kongreß in Amsterdam. Das internationale Sekretariat zu Brüssel erläßt folgende Be- kanntmachung: Diejenigen Delegierten zum internationalen Kongreß, welche wünschen, daß ihnen ein Zimmer reserviert«verde, sind ge- beten, sich an den Genossen I. P. Ankersmit, Bureau Het Volk, Geldersche Kode 117 Amsterdam zu wenden und diesem mitzuteilen: 1. Den Tag ihrer Ankunft in Amsterdam' 2. den Tag ihrer Ab- reise von Amsterdam; 3. den Preis, den sie ftir ihre Wohnung an- tvenden wollen. Der Zustrom von Fremden nach Amsterdam ist um Mitte August ein ziemlich starker und die Preise für Zinnner sind dort verhältnismäßig hohe. Die Journalisten, welche ain Kongreß teilnehmen wolle««, haben sich zur Erlangung ihrer Eintrittskarten ebeirfalls an I. P. Ankersmit soft ige Adresse) zu wenden Die Teilnehmerkarten der Delegierten werden dcnselbeir an« Vorabend des Kongresses, an« 13. August, im Kongreß- lokal durch die Mitglieder des internationalen socialiftischen Buremls beziehentlich des Organisatioirskomitees ausgehändigt. Die Dele- gierten müssen ein Mandat abgeben, welches den Stempel ihrer Organisation trägt. Es sind pro Mandat 10 Frank zn zahlen. Das Jnteri«ationale sociali st is che Bureau tritt am Tage vor Beginn des Kongresses um 10 Uhr inorgens in Amsterdan, zusammen. Die socialistische Parteipresse ist gebeten, obige Mitteilungen weiter zu verbreiten._ Parteipresse. Die„Leipziger Volkszcitung" erfreut sich auch in neuerer Zeit eines beständigen Abonnentenzuivachses. Ihre Auflage hat bei Beginn des neuen Quartals die Zahl von 30 000 Exemplaren überschritten._ 6ewcrhrchaftUcbeö. Eine Blüte des Arbcitöivilligen-Knltus. Am 27. Juni verhängte in K ö l n der Maurervcrband über die Bauten des Unternehmers Jgnaz Josef Kohl die Sperre,«veil dort der Baudelegierte der Bauhilfsarbeiter ge maßregelt worden war. Ain 28. Juni morgens vor 7 Uhr wrirde der Vertrauensmann des Maurerverbandes, Freier, sofort von der Baustelle weggelviesen und von dem U>«ten«ehmer mit groben Schimpflvorten bedacht. Freier ersuchte eiiren in der Nähe stehenden Schutzmann, sich die Schimpfereien zu merken; der Schutzmann jedoch forderte ihn auf, sich.sofort zu entfernen, da er ihn soi«st abführen«verde. Als Freier, sein Fahrrad führend, i«ur langst«»« voranging, wurde er von dem Beamten ohne jede Veranlassung zum Polizei- bureau gebracht. Auf die Beschlverde FreterS erklärte der Kommissar, er dulde keine Streikposten. Ain 29. Juni fuhr der Gauleiter des Maurerverbandes, Muth, auf dein Zlveirad an der gesperrten Bau- stelle vorbei. Ein Schutzmaim forderte ihn auf, abzusteigen, und nun wrirde er von drei Beamten zum Polizeikommissariat gebracht. Obwohl er sich dort legitimierte««nd entschieden auf seiner Eiitlassung bestand, ließ ihn der Kommissar ohne Verhör ins Polizei- gefängnis bringen. Das«var um 2% Uhr. Erst als Muth im Gefängnis darauf bestand, daß sein Rechtsanwalt benachrichtigt werde, wurde er nach vorheriger Anfrage bei dem Kommissar abends uin 7 Uhr entlassen.— Das sind geradezu an Rußland mahnende Zustände. Kein Wunder, daß unter solchen Umständen den Arbeitswilligen und ihrem Arbeitgeber ge«valtig der Kamin schivoll. Der„Rhein. Zeitung", unsrem Kölner Parteiblatt, wurde eine photographische Aufnahnre gebracht, die den Unternehmer Kohl mit seinen 36 Arbeits- lvilligcn als Gruppenbild zeigt. Unten sieht man ein Schild mit folgender Aufschrift:„Erinnerung an die Bausperre. Deutscher Ring bei Jgnaz Kohl. Wir halten treu zusammen." An den Seiten stehen zwei Arbeitswillige n«it der Schnapsflasche, oben hoch zwei, die jeder einen Revolver wie zum Abfeuern bereit in die Lnft halten, und unten hält ei» dritter einen Revolver empor.— So verhöhnen und provozieren die von Staat, Polizei««««d Rechtsprech«ing ver- hätschelten Elemente die organisierte Arbeiterschaft! Für diese Menschen werden immer«vieder andre Arbeiter,«veil sie nicht gerade wie Teilnehmer eines Anstandskursus mit den ArbeitSlvilligen verkehrten, in den Kerker gelvorfen. Diese Eleinente schützt man durch Gerichtsurteile, deren Strafmaß dem der Majestäts- beleidigringscirteile nahe kommt. Serlin und dingcgcnd. Zum Steinseberstreik. Wie schon im gestrigen Bericht mitgeteilt. hat der Vorsitzende der Steglitzer Steinsetzcr-Jnnung sich bereit erklärt, dafür emzutreten. daß die von ihm vertretene Innung ihren Separatfrieden mit den Steinsetzern schließt. Es handelt sich nur noch um einige Differcnzpuirkte in Bezug auf die Arbeitsordnung nn allgemeinen und die Löhi«e der Rammer. Aber auch der Siing der Berliner JnnungSmeister ist bereits durchbrochen. Auf Grund der von der Streikleitung vorgeschlagenen Taktik ist es derselben bereits gelungen, auch eine Anzahl Berliner JnnungSmeister dazu zu bewegen, daß dieselben erklärten, den JmilingSbcschluß nicht anzuerkennen und sich mit den Steinsetzern auf Grund des alten Tarifs zu einigen. Die Berliner Innung hat nun auch noch den Mut besessen, ihr an die Behörden geschicktes Schriftstück, dessen Inhalt in Magistrats- kreisen als„grobe Lüge" bezeichnet«vurde, der bürgerliche«« Presse zuzustellen, um darzuthun, daß sie, die Innung, gar keine Schuld trifft, daß es noch nicht zum Frieden gekominen sei. Es«vird in diesem Schreiben so dargestellt, als habe lediglich der Gesellenausschnß in der Sitzung an« Donnerstag die Verhandlungen mit den« Jnnungsvorstand abgebrochen. Thatsache ist aber, daß, als der Gesellenausschutz die von der Innung aufgestellten ver- fchlechterten Bedingungen als„indiskutabel" erklärte, der Obermeister Dellos erklärte:„Na, dann sind wir ja sehr schnell fertig geworden." Da mußte allerdings der Gesellenausschllß die Verhandlungen als beendet ansehen. Der Jnnungsvorstand hat es nicht für nötig befunden, diese Thatsache in seinem Schreiben an die Behörden zu erlvähnen. Eine «vichtige Thatsache verschlveigen ist aber auch das Gegenteil der Wahrheit. Achtung, Former und Gicßerei-Arbeitcr! In auslvärtigen Blatten«(„Leipziger Tageblatt" u. a.) befindet sich folgendes Inserat: Gesucht per sofort Metallformer für Trehguft Nichtorganisiert. Reisegeld wird vergütet und nach den ersten vier Wochen pro Woche eine Extravergütling von 10 M. gezahlt. Durchschnittsverdienst wöchentlich im Accvrd 30—36 Mark. Meldungen schriftlich. Bereinigung Berliner Mctallwarcn- Fabrikanten Berlin L.. Dresdenerstr. III. Da es sich für die Kühnemänner darmn handelt. Arbeitswillige für Schividlinsky usw. zu bekommen, ersuchen«vir, den Zugug nach Berlin fernzuhalten. Ein schönes Zeugnis von Solidarität liegt in dem obigen Inserat für die Berliner Metallarbeiter. Circa 1000 Metallformer und inehrere hundert Kernmacher, Zuleger, Bestoßer usw. sind ain Ort und trotzdein sind die Herren aus der Dresdenerstraße nicht iin staude, für ein Dutzend streikende Fornier Ersatz zu bekommen. In ihrer Verzweiflung wenden sie sich,«vie obiges Inserat zeigt, nach außerhalb. Wir erlvartei«, daß die auslvärtigcn Kollegen ihre Solidarität dadurch bekunden, daß sie auf derartige Ji«serate nicht hmeinsallen, sondern Berlin meiden. Berlin ist für Metallformer und Gießerei-Arbeiter gesperrt. Arbeiterfteundliche Blätter ersuchen wir um Nachdruck. Deutscher Metallarbeiter-Verbai«d, Ortsverlvalt««ng Berlin. Bon den Holzbildhauern arbeiten, wie in einer Versammlung des Centralvereins der Bildhauer am Donnerstag mitgeteilt«vurde, 270 zu den neuen Bedingui«gen, davon haben 70 eine Lohnzulage von 10 Proz. erhalten, während in den Einigungsbedingungen bekanntlich eine Zulage von nur 5 Proz. vorgesehen ist. Wie«veitcr berichtet wurde, ging die Durchführung des Tarifvertrages nicht überall glatt von stalten. In mehreren Betrieben machten sich Verhandlungen notlvcndig, die zun« Teil noch nicht völlig erledigt sind. Sechs Kollegen, die infolge des Streiks ihre Arbeitsstelle verloren,«verde» noch ans die Dauer von vier Wochen unterstützt. Den streikenden Steinsetzern und Ramniern betvilligte die Versammlung 100 M. aus dein Lokalfonds. Man bedauerte, nicht mehr bclvilligen zu können, da der Lokalfonds durch den Streik der Holzbildhauer geschtvächt ist. Den streikenden Bildhauern in Lairdsberg wurden 50 M. be- Ivilligt._ Achtung, Sattler aller Branchen, Lederarbeiter! In der Leder- und Sattlerlvarenfnbrik von Adolf David, Ritter- straße 75, haben säintliche dort beschäftigten Arbeiter wegen geradezu ungeheuerlicher Abzüge die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist aufs strengste fernzuhaltc»! Die Ortsverlvaltung Berlin des deutschen Sattler-Verbandes. Die Ortsverlvaltung Berlin des Verbandes der Portefeuiller. veutkebes Reich. Das internatioilale Sekretariat der Handschuhmacher hat sich konstituiert. Als Sekretär«vurde Wilheln« R i e p e k o h l gelvählt, als Kassierer Fr. G i l e k, fünf Mitglieder des Ortsvereins Berlin fungieren als Beisitzer.— Adresse für alle Sendungen ist: Wilhelm Riepekohl, Berlii« 0. 34, Tilsiterstr. 40, II. Im Dresdener Feingoldschläger-Gewcrbe bestehen seit einiger Zeit Differenzen zwischen den Arbeitern und Unternehmern, die von den letzteren provoziert«vorden sind. Sie«vollen den bestehenden Tarif beseitigen und verhalten sich allen Einigungsversuchen ?egenübcr ablehnend. Kürzlich hat nun das Zwangsver- a h r e n vor dem Gelverbegericht stattgefunden. Hier«vurde an die Meister die Frage gerichtet, ob sie einen Kollektivarbeitsvertrag oder eine Tarifgemcinschast eingingen. Antwort: Nein. Feruer erklärten sie, sie wollten nichts mehr mit dem deutschen Metallarbeiterverband zu thun haben, lvürde» nur mit den Gehilfen selbst verhandeln. Der Schiedsspruch lautet:„Zur Prüfling durch das EinigungSamt steht zunächst die Frage, ob es sich einpfiehlt, die bestehende Tarifgcmein- schaft im Feingoldschlägergewerbe fortzusetzen. Die Arbeitgeber lehnen nicht allein eine solche ab, sondern auch den Abschluß eines Kollektiv- Arbeitsvertrags über Arbeitszeit, Lohn»nd Kündigung. Das EiirigungSamt kann die Einlvände der Arbeitgeber gegen den Abschluß eines Kollektiv- Arbeitsverrrags««icht als stichhaltig aner- kennen, unisoweniger, als die Arbeitgeber selbst bei der Kündigung des alten Tarifs die schriftliche Erklärung abgegeben haben, daß sie eine Aenderung der Tarifgeineinschast selbst nicht vornehme»«vollen. Das Einigllngsan«t empfiehlt daher den Arbeitgebern, dem Wunsche der Arbeitnehmer auf Abschluß eines Kollektiv-Arbeitsvertrags im Princip Rechnung zu tragen und in Verhandlungci« über die Neugestaltung eines solchen Vertrages mit den Vertretern der Dresdener Feingoldschläger vor dem Enligniigsamt einzutreten."— In der amilichen Bekannt- machung des Schiedsspruches wird bemerkt, daß die Arbeiter sich nntertverfen, die Unternehmer aber diesen Schiedsspruch abgelehnt haben. Die Unternehmer«vollen also den Kampf mit den Arbeitern, die fiir eine friedliche Berstäitdigung a«lf der Grund- läge des Schiedsspruches die Hand reichen. Auch wieder ein Fall von den vielen, die da zeigen, auf welcher Seite den Gelüsten nach Machtproben am meisten gefröirt wird— auf der der Unternehmer. Bis jetzt sind etwa 30 Gehilfen uud Beschneiderinnen gemaßregelt. Zur Lohnbewegung der Holzarbeiter i» Dresden wird gemeldet, daß dort plötzlich die Stimmung in der Innung unigeschlngen hat. Die Innung ist jetzt zu Unterhandlungen mit der Lohirkommission bertit: Circa z w e i D r i t t e l der in Frage kommenden Gehilfen arbeiten zu den neuen Bedingungen. Im Bremer Bauarbeiter-Ausstande gestaltet sich die Situation von Tag zu Tag für die Ausständigen günstiger. Bon den 1800 Maurern am Beginn des Ansstandes sind noch 370 am Qrte. Die übrigen haben allesamt außerhalb des Streikgebietes Arbeit gefunden. Bei den übrigen Berufsgnlppen liegen die Verhältnisse ähnlich. Im T i s ch l e r a u s st a n d e ist in den letzten Tagen eine rapide Steigerung zu verzeichnen. 600—700 Mann befinde«« sich bereits im Ausstände. Die Klempner-Jnnung in Leipzig hat es abgelehnt, in Sachen des Klempnerstreiks vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt zu erscheinen. Banarbeiteraussperruug in Emden. Wie schon vor einigen Tagen berichtet, hat das Emdener Unternehmertum im Baugewerbe die ge- samte Ballarbeiterschaft, die über drei Betriebe die Sperre verhängt hatte, aufs Straßenpflastcr geworfen. Ein Situationsbericht liegt jetzt vor und weist die Beteiligung der drei Hauptbernfsgruppen— Maurer, Zimmerer und Holzarbeiter— folgende Ziffern auf: Von den Maurern sind insgesamt 120 Mann an der Aus- sperrung beteiligt, von denen 66 ledig und 54 verheiratet sind, «velch letztere 175 Familienangehörige zu versorgen haben. Abgereist sind 53 Ledige und 10 Verheiratete. Nicht ausgesperrt haben zlvei Unternehmer mit 11 Arbeitern. A«: Arbeitswilligen sind 22 zu ver- zeichnen. Von den Zimmerern sii«d 52 Mann von der Aussperrung betroffen, 30 ledige und 22 verheiratete mit 60 Familienangehörigen. Abgereist sind bereits 19, von denen 4 verheiratet sind. Neun Mann arbeiten zu deu geforderten Bedingungen. Die Holzarbeiter sind durch die Aussperrung der beiden andren Berufsgruppen in Mitleideilschaft gezogen, so daß 22 Mann entlassen wurde««. Diese Maßnahme veranlaßte denn auch die Holz- arbeiter, ebenfalls in den Ausstand zu treten, imd so legten weitere 28 Holzarbeiter die Arbeit nieder, so daß die Gesamtzahl der Aus- ständigen jetzt 50 beträgt, von denen 16 verheiratet sind, die 36 Familienangehörige zu versorgen haben. Abgereist sind sieben Mann. RusUnd. Die BauarbeiterauSspcrrung in Stockholm erstreckt sich, wie schtvedische Zeitungen berichte««, auf ungefähr 100 Bauplätze mit 3000 bis 4000 Arbeitern. Davon betroffen sind die Zimmerer, Bautischler, Ziegelträger und Rsaurer arbeitsleute, nicht die Maurer,«vie offenbar irrtümlich in der gestrigen Depesche berichtet wurde. Diese Gelvaltmaßregel der Stock- holmer Baumeister ist von dem„Ceiltralen Arbeitgeber- Verband" gut geheißen«vorden. Die Arbeiter haben also nicht allein mit den Unternehmern ihres eignen Geiverbes zu känipfen, sondern mit einer Organisation, die Arbeitgeber der ver- schiedensten Geiverbe umfaßt. Die bisherige Entlvicklung des Kon- flikts zeigt, daß die Arbeiter den Kainpf nicht, wie die bürgerliche Presse der Oeffentlichkeit einreden möchte, leichtfertig hervorgerufei« haben, daß Vielmohr ihr Bestreben von Anfang an darauf gerichtet war, durch Verhandluirgen zu neuen Tarifverträgen zu gelangen, daß aber die Baumeister, als die VerHand- lungen beinahe erledigt«varen, die ganze Sache in so un- Verantlvortlichcr Weise hinauszuziehen suchten, daß die Arbeiter zun« partiellen Streik griffe««, um den Abschluß der Tarifverträge zu er- zlvingen. Bereits auf den 1. April hatten die Arbeiter der genannten Gruppen ihre alten Tarifverträge gekündigt. Die Bau- ineister«vollten aber die Kündigung««icht anerkennen, unter dem Vorwande, daß sie nur dann gültig sei.«venn auch die Maurer ihren Tarifvertrag gekündigt hätten. Sie sahen sich jedoch später zur Anerkennung der Kündigung genötigt. Erst an« 5. April kain es zu Verhandlungen über die von den Arbeitern sofort ein- gereichten Vorschläge zu neuen Tarifverträgen. Es wllrde dann aus« gemacht, daß bis zum 1. Juni ruhig zu den bisherigen Bedingungen weiter gearbeitet«verde» sollte. Am 6. Juni waren die Verhandluirgen so weit gediehe««, daß über fast alle Punkte Einigkeit erzielt war. Ueber das Ergebnis solvie über die Fortsetzung der Verhandlungen sollten die Organisationen beider Parteien bis spätestens den 10. Juni entscheiden. Die Antivort der Baumeister- Vereinigung blieb aus, und auf Antrage erklärte man, daß die Ver- einigung am 16. Juni Versamnilung habe. Die Arbeiter warteten noch 10 Tage über dieses Datum hinaus, ohire eine Antivort zu erhalten. Am 27. Jul«i brach dann der partielle Streik aus. Was die Arbeiter noch mehr erbitterte. war der Umstand, daß die Banineister heimlich mit der sich„Schwedischer Arbeiterverband" nennen- den Streikbrecher- Organisatioi« verhandelt hatten und nun geringere Accordpreise boten, als sie bei den Berhandlungen mit den Gelvcrkschaften bereits vereinbart waren. Die Arbeiter haben sich trotz der Herausforderung der Unternehmer darauf beschränkt, die Anerkeirnung der bereits ver- einbarten Arbeitsbedingungen und in« übrigen ihrer Forderringen zu verlange». 29 Baumeister haben dies unterschristlich bewilligt. Die Lohnerhöhu>«gen betragen im Durchschnitt 9,4 Proz. im Vergleich zun« alten Tarif.— ES bleibt nun abzulvarten,«vie sich der Kampf «veiter entlvickelt. , �Herberge zur Heimat." An de«« Wänden der„Fremdenzimmer" in den Herbergen zur Heimat findet man außer den verschiedensten Bibelsprüchen, welche künden,«vie gut es der liebe Gott«nit den armen Menschen meint, wie gerecht, weise und ftcuirdlich er ist, oft große Tafeln, auf welchen die Hausordnung verzeichnet steht. Zwischen dem Text zerstreut, finden sich anmutige Bilder, und eins von ihnen stellt ein freundliches, an- heiinellides Haus dar. auf dessen Fensterbrettern Geranien und Fuchsien blühen(auch Gardinen sind an den zenstern!) und über dessen Thür mit Goldschrift„Herberge zur Heimat" geschrieben steht. Ein fteundlicher Greis«nit mildem Lächeln auf den Lippen, weißen Locken auf dem ehrlvürdigen Haupt, reicht, indem er sein Kappchen lüftet, zum Will- kommen einem Wanderer, der bestaubt und ermüdet von der Land- straße kommt, die biedere Rechte. Das Bild sagt: Seht ihr liebey Kunden, so nett, so behaglich ist eS auf der Heimat. Tretet näher/ ihr werde eure Freude habe««. Denn die„Heimat" ruht auf christlicher Grundlage, und der Christ ist fteundlich und uneigenirützig und barmherzig, hat alle Tugendei«, die»«an auS der heiligen Schrift kennt, und will eure Seele be- Ivahren und hüte««, wie euren Leib. Und wir treten ein. Und merken, daß der beredte Rekomman- deur geschwindelt hat. daß der biedere Hausvater entweder ein grober Geselle ist, der die Berübrung mit seinen Gästen scheut wie die Be- rührung von etwas Unreinem, oder ein Frömmler, der die Augen verdreht, und von seiner VollkonnneiiHeit ebenso überzeugt ist, wie von der Erbärmlichkest und Schlechtigkeit derer, die für ihr Geld ein Nachtlager von ihm verlangen. Ziimeist aber bekommt man den Hausvater den ganzen Tag««icht zu sehen, sondern seine Geschäfte besorgen die Hausknechte(in der Kunden«prache: Bicebusse), die ihres Amtes denn auch mit aller der Rücksichtslosigkeit walten. «velche der Unbildung eigen ist. sobald sie befehlen soll. Wir merken aber auch, sobald«vir uns längere Zeit auf den„Heimaten" auf- halten, daß die Einnahmen derartige sind, daß man wirklich nicht nötig hat, von wohlthätigen, uncigenniitzig arbeitenden Anstalten zu reden. Man möge sich, wenn man««achfolgendeS liest, immer vorhalten. daß es sich um.christliche" Herbergen handelt, und daß ihre Gäste Bett und Essen bezahlen!— Es ist verboten, in dem Fremdenraum der Herberge laut zu sprechen. Es kommt sogar vor, daß ein Gast, der in irgend einer sreundlichen Stimmung befangen, leise, ganz leise zu pfeifen beginnt, mit rohen Worten angefahren und bei Widerspruch auf die Straße geworfen wird. Es ist ver- boten, im Fremdenraum zu st e h e n. In kurzen Zwischenräumen erschallt der Ruf:„Hinsetzen!", und wer nicht gehorcht, stiegt hinaus. Nachmittags wird, ohne daß der Saal von Gästen geleert ist, ge- sprengt und gefegt. Die mit diesem Geschäft Betrauten gehen dabei so rücksichtslos vor, als wenn der Saal thatsächlich leer wäre. Das Sprengen geschieht aber so mangelhast, daß beim Fegen eine einzige dicke Staubwolke den Raum einnimmt. Wenn morgens um ll2(i Uhr zum Aufftehen gerufen ist, kommt 5 Minuten später der Hausdiener, schüttelt die Betten auf und öffnet sämtliche Fenster. Wer noch nicht angezogen ist, hat es selbstverständlich nur sich selbst zuzu- schreiben, wenn er sich erkältet. Das scheinen Kleinigkeiten zu sein. Und wenn man die Zahl dieser Kleinigkeiten auch lebendig vergrößern kann, so würden es eben doch Kleinigkeiten beliebig, wenn sie nicht bedeutsam würden durch die Wurzel, aus der sie entstanden. Der Besucher haßt nichts so sehr als die A n g e st e l l t e n der Herberge. Man bemerkt Blicke, die von verbissener ohnmächtiger Wut zeugen, Blicke, wie sie Tiere versenden, die in Menagerien eingesperrt sind, und in regel- mäßigen Zwischenräumen bricht auf den Herbergen eine Revolte aus, bei welcher von den empörten Kunden der Hausvater und seine Sippschaft halbtot geprügelt werden. Anstatt daß die Verwaltung aus solchen Vorgängen die rechte Lehre zieht, wird dekretiert, daß die Herbergsgesellen bisher immer noch zu zart angefaßt seien, die tumultuarischen Scenen ließen es nötig erscheinen, daß mit aller Energie und Strenge nunmehr die Ordnung aufrecht zu erhalten sei. Der Vorstand des Vereins für innere Mission wird, wenn er bis hierher gelesen, überlegend einwerfen: Was wollt ihr denn? Wenn sich jene Leute nicht wohl fühlen in unsren Herbergen, weshalb kommen sie denn? Weshalb sind denn die Heimaten stets überfüllt? Weshalb müssen wir denn fortwährend neue bauen?— Deshalb, weil der„Kunde" nicht weiß, wohin er gehen soll, deshalb, weil es, von wenigen Großstädten abgesehen, keine n i ch t- christlichen Herbergen giebt, deshalb, weil die meisten Landstreicher Nichtorganisierte Arbeiter sind, also in Ge- werkschastsherbergen nicht aufgenommen werden. Die Herbergen zur Heimat werden nur deshalb besucht, weil kein Zwang besteht etwas zu verzehren, nicht aber ist es der christ- liche Aufputz, welcher die Leute in die Herbergen zur Heimat zieht. Aber die Thatsache, daß in allen größeren Städten fort- während neue Herbergen, jede für 100 bis 200 Mann, eingerichtet werden, beweist auch, daß sie sich rentieren. Denn wenn auch kein Zwang besteht, etwas zu verzehren, so würde man doch staunen, wenn man in den Küchenbetrieb der Heimaten Einblick nehmen könnte. Die Preise sind zwar im Verhältnis zu den Preisen der Gasthöfe gering. Es steht aber fest, daß bei Speisen stets mit einen, Gewinn von 20 bis 50 Prozent gearbeitet wird. Das Bcttlager kostet durchschnittlich 30 Pf., die Bettwäsche wird, auch bei teureren Betten, f r ü h e st e n s jede Woche gewechselt. Ein Bett in einem Räume für fünf Mann kostet z. B. auf der Herberge in der Oranienstraße 60 Pf. I Dabei kostet das Aufbewahren von Paketen 5— 10 Pf., für Ausleihen von Stiefelputzzeug wird 5 Pf. erhoben, alles kostet Geld und dabei ist, selbst auf den größten Herbergen, nicht einmal für einen Baderaum gesorgt, und wer einmal gezwungen oder freiwillig die Nacht in einem Herbergsbctt zubringen mußte, hat sicher Ohnmachtsanwandlungen be- kommen, wenn er die Bettdecke lüftete. Ob in dem Bette vorher ein Kranker lag, kümmert die Herbergsleitung nicht. Die Gefahr der Ansteckung ist, bei Hautkranken besonders, um so größer, als die Schlafgäste gehalten sind, nackt in den Betten zu liegen.— Und immer wohlgemerkt, es handelt sich um „christliche" Herbergen, die den Aermsten der Armen, die ruhelos von Ort zu Ort schweifen, kein Haus, kein Heim haben, eine Heimat sein sollen! Es ist nicht angebracht, hier zu sagen:„Wozu der Lärm? Handelt es sich doch„nur" um Landstreicher, um halbe Verbrecher". Es sind nicht immer rettungslos Gesunkene, es sind viele unter ihnen, welche leiden unter dem Jammer ihres Lebens. Der, welcher mit diefen Leuten zusammenkam und mit ihnen vertraut wurde, weiß das. Es gehört zu den tiefsten und überwältigendsten Eindrücken überhaupt, wenn man Zeuge wird, wie zu günstiger Stunde unter der Larve der Mensch sich hervorwagt, unter der so ängstlich verschlossen gehaltenen eisernen Kapsel das warme, fromme Herz vernehmlich zu schlagen beginnt. Und hier ist der tiefere Grund dafür, warum die Aufhebung der christlichen Herbergen eine sociale und kulturelle Notwendigkeit ist, warum es geboten ist, für die abseits vom Leben Irrenden eine neue Zufluchtsstätte zu schaffen, in welcher anders als bisher für ihr seelisches und leibliches Wohl gesorgt wird. Es liegt viel vortreffliches Material auf der Landstraße. Unsre Zeitverhältnisse sind derart, daß auch der Widerstrebende auf den staubigen Weg gedrängt wird, und es ist ohne Frage ein Zeichen von seelicher Gesundheit und Ungebrochenheit, wenn der aus einem günstigen Lebensverhältnis Gedrängte nicht zum Revolver greift, fondern seinem Lebensinstinkte folgt und an bessere Zeiten, die kommen müssen, glaubt. Hier muß eingesetzt werden, ehe das bessere Gefühl tot, ehe die Willenskraft abgestumpft ist. Hier kann durch Absonderung, durch verständnisvolle Teilnahme viel erreicht werden. Auch die thätige Hilfe beginnt hier. Es ist ja so fehr falsch anzunehmen, daß auf der Landstraße nur stellenlose Arbeiter, Handwcrksburschen liegen. Ein starker Prozent- fatz aller Landstreicher wird von Kaufleuten, Studenten, Schauspielern, Technikern. Journalisten. Lehrern gestellt. Und wenn wirklich der größte Teil von diesen eignem Ver- schulden nach auf diese Bahn gekommen ist, wie groß müßte solch' Verschulden sein, damit der Betreffende sein ganzes Leben lang aus- gestoßen fein dürfte, um endlich seelisch und körperlich kaum noch menschenähnlich im Arbeitshause oder in einsamer Feldscheune zu sterben?! Selbst die, welche schon jahrelang aus geordneten Verhältnissen heraus sind, würden noch zu retten sein. Daß noch keine Versuche dazu gemacht find, dürfte seinen Grund haben in der Ueber- reichheit aller Arbeitskräfte, in der egoistisch-materialistischen Weltanschauung der Besitzenden. Die letzte Zeit ist für solche Bestrebungen günstiger geworden. Es thut es nicht mehr der Einzelne, sondern eine Gemeinschaft. Und das Berliner Asyl für Obdachlose in der Wiesenstraße, mit seiner peinlichen Sauberkeit und seiner besonderen Stellung als Privateigentum eines Vereins, ist die erste Aeußerung einer neuen Anschauung. Das Asyl für Obdachlose war die erste Notwendigkeit. Nun aber bedarf es der Herberge, welche frei ist von allem konfessionellen Beigeschmack, welche aber nicht nur für das leibliche Wohl seiner Besucher sorgt, Gödern von Menschenfreunden und-Kennern Sorge tragen läßt für ihr Inneres, welches verschüttet und vergraben liegt, gleich einem Schatz unter Brandschutt und Asche. Es würde dadurch den„christlichen Herbergen", diesen in jeder Beziehung rückständigen Schöpfungen, das Wasser abgegraben werden. Und die Zeit würde gekommen sein, in der den Heimat- losen, die unruhig und verzagt auf endloser See sind, ein Hafen gezeigt würde, in dem sie Anker werfen und mit dem festen Lande in Verbindung treten könnten. Hier und da hat die Arbeiter- schast schon selber'den Anfang mit solchen Herbergen gemacht. Möchten ihrer bald mehr erstehen I kerlmer partei-�ngelegenbeiten. Zur Lokal-Liste. Arbeiter I Parteigenossen! Gewerkschaften! Vereine! Zu dem Ausflug nach airßerhalb an, Sonntag richten wir das Ersuchen an Euch, nur in denjenigen Lokalen zu verkehren, welche in der am letzten Sonntag erschienene» Lokalliste als frei aufgeführt sind. Berlin. Die Maschineiibauer der Allgemeinen Elektricitäts- Gesellschaft, Abteilung Schlegelstraße, veranstalten heute im„Wald- kater", Warnemiinderstraße 11 in Schmargendorf ein Vergnügen. Wir machen die Beteiligten darauf aufmerksam, daß das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen zc. nicht zur Verfügung steht. Alt-Glicnicke. Auf den vielen an uns gerichteten Anfragen hin teilen wir der Arbeiterschaft mit, daß das Lokal von Karl Schmidt, Rudowerstraße, nicht zu Versammlungen ic. zur Verfügung steht, infolgedessen als gesperrt zu betrachten ist und ersuchen deshalb, dieses Lokal streng zu meiden. Die Lokalkommission. Vierter Berliner Rcichstags-Wahlkrcis(Osten). Den Partei- genossen zur Nachricht, daß am Sonntag, den 17., früh 71/a Uhr, eine Flugblattverbreitnng stattfindet. Die Genossen wollen sich zahlreich in den ihnen bekannten Lokalen einfinden. Die Vertrauensleute. Königs-Wlisterhanscn. Heute,- Sonnabend, ist im Lokal von Lange,„SiegeSkranz", Zahlabend. lokales. Die verkehrhcinmendc Straßenbahn. Wenn darüber gescholten wird, daß die Straßenbahn- Gesellschaften, allen voran unsre liebe, unschuldige„Große Berliner", sich als unumschränkte Beherrscherinnen der Straßen aufzuspielen versuchen, dann kann man oft die Antivort hören:„Ja, dafür müssen ja die Gesellschaften auch ihre Abgaben an die Sladt zahlen." Gewiß, andre Verkehrs- gesellschaften brauchen das nicht; von den Omnibusgesell- schaften zum Beispiel wird keine besondere Abgabe dafür erhoben, daß sie die Straßen der Stadt benutzen. Es darf aber hierbei nicht übersehen werden, daß die Straßenbahn die Straßen denn doch in einer Weise in Anspruch nimmt wie kein einziges der andren Verkchrsinstitutc. Für die Mitte der Straße hat die Straßenbahn das fast alleinige Benutzungsrecht. Jeder andre Wagen mutz ihr ausweichen, und der Kutscher eines Wagens, der längere Zeit ohne Grund auf den Schienen fährt, macht sich strafbar. Wird eine Straße umgepflastert, so sperrt man sie in der Regel für den gesamten Wagenverkehr: nur die Straßenbahn kann fast ausnahmslos ihren Betrieb aufrechterhalten. Alles das ist ja not- wendig und ist dem«ie Straßenbahn benutzenden Pnblikum ebenso erwünscht wie der Geld einstreichenden„Großen". Aber den andren Leuten, die die Welt der Straße vom Kutscherbock ans betrachten, kann man es nicht verdenken, wenn s i e nicht sonderlich erbaut sind von den Vorrechlen, die die Straßenbahn genießt, und von den Er- schwerungen, die ihnen selber von jener Seite bereitet werden. Die Erschlverungen bestehen nicht allein darin, daß Platz gemacht werden muß, wenn die Strußenbahn kommt. Das ist schließlich noch zu ertragen, und jeder vernünftige Kutscher wird sich ohne Murren darein fügen. Aber die Straßenbahn erschwert und beeinträchtigt den übrigen Wagenverkehr schon durch den bloßen Umstand, daß sie die Straßen mit einem ausge- dehnten Netz von Schienen belegt hat. Wir befinden uns ja jetzt wieder in der Zeit der allgemeinen Straßenbuddelei, der Um- Pflasterungen von Straßen, der Erneuerungen des Schienennetzes usw. Man sehe sich doch einmal an, wie schwierig die Um- p f l a st e r u n g sich in denjenigen Straßen vollzieht, die mit Straßenbahnen belegt sind, wie umständlich und zeirraubend diese Arbeit ist, und dann vergleiche man damit, wie glatt alles von statten geht in andren Straßen, die keine Straßenbahn haben. Die Rücksicht, die auf die Straßenbahn genommen werden muß, erschwert die Umpflasterungsarbeiten und zieht sie in die Länge. Da« Un- bequeme und Widerlvärtige, das mit solchen Umpflasternngen ver- knüpft ist, bei Trockenheit der lästige Staub und bei Regenwetter der unergründliche Schmutz, vor allein aber die Sperrung der Stra,ße für den Wagenverkehr, dauert um Wochen länger, wenn eine Straßenbahn da ist, wenn neue Straßenbahnschienen einzulegen sind und daneben auf Notaeleiscn der Straßenbahnverkehr aufrechterhalten werden muß. Die GeichästS- leiite, die kleinen nicht weniger als die großen, wissen ein Klagelied zu singen von den Zuständen, die über eine solche Straße herein- brechen, wenn umgepflastert wird. Die Straße völlig zu sperren, wäre übrigens in den meisten Fällen gar nicht nötig, wenn nicht, wie gesagt, auf die Straßenbahn Rücksicht genommen werden müßte. Während die eine Hälfte des Damnis gepflastert wird, könnte die andre weiterbenutzt werden, aber da klettern ja die Straßenbahnen über ihr Notgelcfte hin. Trotz all dieser Unannehmlichkeiten wird manchmal von den Anwohnern einer Straße und von denen, die sie zu Wagen, zu Rad oder zu Fuß passieren müssen, doch nichts sehnlicher gewünscht, als daß endlich mal eine Umpflasterung vorgenomnien wird und bei dieser Gelegenheit die Straßen bah ngeleise erneuert werden. Es kommt nämlich vor, daß sich die Schienen stellenweise in einem solchen Zustande befinden, daß sie zu einem schweren Hindernis für den übrigen Verkehr werden. Da ragen die Schienen um 2 Centimeter über das Pflaster hinaus, da befinden sich faust- tiefe Löcher neben den Schienen, da steht eine Schiene um 1— 2 Centimeter höher als die anschließende Schiene, da fehlt an derStelle, wo beide zusammenstoßen, in der Schicnenkrone ein handbreites Stück. Wehe dem Wagen, der über die Höhen und Tiefen solcher abgenutzten Schienen hinwegfährt, wehe dem Radfahrer, der in sie hinein- gerät. Wer sich mit eignen Augen davon überzeugen will, welcher skandalöse Zustand in dieser Beziehung in Berlin möglich ist, den bitten wir, nach der Bergmann- straße zu gehen und nahe der Belle-Ällianccstraße die Schienen der Straßenbahn- Abfahrtsstelle zu betrachten. Was denkt sich denn eigentlich die Direktion der„Großen", daß sie diese Schienen nicht längst hat erneuern lassen! Wir haben ihre wechselnde Höhenlage, als uns Klagen darüber zugingen, mit dem Zollstock ausgemesfen und sind„einfach baff" gewesen. Die „Große" scheint sich in der That einzubilden, daß die Straßen Berlins nur für sie da sind. Fuhrwerksbesitzer. Kutscher und Rad- fahrer sollten einträchtig sich zusammenthun zu gemeinsamem Vor- gehen gegen solche Rücksichtslosigkeiten. Verbotene Wohlthätigkeit. Es ist ein zwar nicht schöner, aber doch allgemein verbreiteter Brauch, daß man die Not leidender Mitmenschen zu lindern sucht, indem man ihnen die Erträge von Festen und Vergnügungen zu- wendet, die eigens zu solch wohlthätigem Zweck veranstaltet werden. Wohlthätigkeits-Konzerte, Bälle und dergleichen sind nachgerade eine ständige Einrichtung in jenen Kreisen geworden, wo man in der Lage ist, auch ohne Erwartung einer Gegenleistung hilfsbedürftigen Mit- menschen eine Unterstützung zu teil werden zu lassen. Wenn auch gegen diese Art der Aufbringung von Mitteln zu wohlthätigen Zwecken manches einzuwenden ist, so darf man sich doch nicht wundern, daß jemand diesen durchaus nicht ungewöhn- liehen Weg einzuschlagen dachte, um einen Mann zu unter- stützen, der durch ein an seinem Kinde verübtes Verbrechen in Not geraten ist. Es handelt sich um den in letzter Zeit vielgenannten Vater der ermordeten Lucie Berlin. Ein Bekannter von ihm hatte sich mit dem Wirt eines größeren Lokals im Norden der Stadt in Verbindung gesetzt, und man war übereingekommen, eine Matinee zu veranstalten, deren Ertrag dem Cigarrenmacher Berlin zugewiesen werden sollte. Am vergangenen Sonntag sollte die Wohlthäffgkeits- Veranstaltung vor sich gehen, aber die Veranstalter hatten die R e ch- nung ohne die Polizei gemacht. Der beabsichtigten Matinee wurde die polizeiliche Genehmigung versagt, und zwar unter Hinweis auf die Erregung, welche der scheußliche Mord in der Bevölkerung hervorgerufen hat und die durch die ge- plante Veranstaltung aufs neue entfacht werden könnte. Ferner begründet die Polizei das Verbot damit, daß der Bater durch den Mord seines Kindes materiell nicht geschädigt sei, da ja die Ermordete nicht zum Unterhalt der Familie beigetragen habe. Letzteres ist allerdings richtig. Das Kind hat kein Geld ver- dient. Wer aber aus diesem Umstände folgert, daß der Vater der Ermordeten durch das grauenhafte Ereignis nicht auch materiell ge- schädigt ist, der kennt die Verhältnisse nicht. Vater und Mutter des ermordeten Kindes, die beide in der Cigarrenindustrie arbeiten, konnten er st in den letzten Tagen ihre Beschäfti» gung wieder aufnehmen. Zunächst waren sie durch zahl- reiche Vernehmungen und dergleichen an: Arbeiten gehindert. Das ist aber nicht das schlimmste. Wie man sich wohl denken kann, leiden die Eltern der Ermordeten unter einer so starken seelischen Depression, daß es ihnen wochenlang gar nicht möglich war, ihrer Berufsarbeit nachzugehen. Länger als drei Wochen war unter diesen Umständen von einer Erwerbsarbeit gar keine Rede, und erst jetzt, nachdem sich die Gemüter des schwer be- troffenen Berlinschen Ehepaares etwas beruhigt haben, fangen sie wieder an, ihren gewohnten Geschäften nachzugehen. Daß der ohnehin äußerst ärmliche Haushalt eines Cigarrenarbeiters angesichts der geschilderten Verhältnisse bedenklich herabgekommen ist und die Not aus allen Ecken schaut, kann man sich denken. Wenn jemals die Veranstaltung einer Wohlthätigkcits-Matince begründet war. dann war sie es in diesem Falle. Hoffentlich finden die Freunde der Familie Berlin, nachdem die Polizei den Plan, eine Unterstützung durch das übliche Mittel eines Wohlthätigkeits-Konzertes auf- zubringen, vereitelte, einen andern Weg, um der schwer bedrängten Familie zu helfen._ Dir Stadtbibliothek. Die Gemeindebehörden haben die Er- richtung einer Stadtbibliothek, in der die Büchereien der Stadt, mit Ausnahme der Magistratsbibliothek, vereinigt werden sollen, be- schlössen. Die Räume, in denen die städtische Bibliothek zur Zeit untergebracht ist, befinden sich in der Zimmerstr. 90/91. Dort ist im Erdgeschoß und einem Teile des ersten Stockwerks die Bücherei, im zweiten Stock das Märkische Museum und im dritten Stock das Gcwerbegericht untergebracht. Diese drei Verwaltungen klagen sämtlich über den Mangel an geeigneten Räumen. Es ist deshalb vorgeschlagen worden, die Räume des alten Sparkassen- gebäudeS für das Gewerbegericht einzurichten, das Märkische Museum müßte dann aber zunächst einen Teil des Gebäudes räumen, lvas indes mit Schwierigkeiten verknüpft ist, und für die Stadtbibliothek müßte ein eigenes Gebäude errichtet werden. Als ein sehr geeigneter Platz für die Stadtbibliothek in der Nähe des Rathauses ist die alte Waisenkirche, die jetzt gewerblichen Zwecken dient, an der Ecke der Stralauer- und Neuen Friedrichstraße in Aus- ficht genommen worden. Vorgeschlagen ist ein Bau im Stil des Märki« fche» Museums, das bekanntlich im Stile der altmärkischen Backstein- bauten aufgeftihrt worden ist. Diese beiden Bauten, denen sich ähnliche in der Kloster- und Neuen Friedrichstraße anschließen, würden ohne Zweifel sehr zur Verschönerung der dortigen Gegend beitragen und, da sie sich, nur durch die Brücke getrennt, gegenüber liegen, loescnt- lich gewinnen. Da die Baufluchtlinien für die neue Uferstraße zivischeu Waisenbrücke und Mühlendamm schon festgelegt sind und die Herstellung nur noch eine Frage der Zeit ist, so ist jetzt die Perspektive eröffnet, daß dort, wo jetzt nur alte Hinterhäuser stehen, in Bälde eine mit reizvollen Vacksteinbauten geschmückte Uferstraße entsteht und daß dann auch die alte Ruine, der jetzige Jnselspeicher, verschwinden wird. Am RathanSturm sind zwei hohe, bis zur Galerie hinauf- reichende, weithin sichtbare Leitergerüste aufgestellt worden, weil wieder Ausbesserungsarbeitcn an ihm vorgenommen werden müfsen. Diesmal sind es die beiden nach Nordwesten und nach Nordosten gelegene» Eckausbauten des Turmes, deren Instandsetzung not- wendig geworden ist. Bei Gelegenheit baulicher Arbeiten, die vor einem Jahre au der steinernen Brüstung der Galerie des Rathaus- turmes ausgeführt wurden, hatte sich herausgestellt, daß die frei stehenden Sandsteinsäulen der Eckausbauten schon recht verwitterr find. Die nach Südwesten gelegene Ecke war sogleich im vorigen Jahre ausgebessert worden, die übrigen drei Ecken sollen nun" in diesem Jahre herankommen. Der Milchkrieg.„Vier Fragen an Herrn Oekonomicrat Ring" betitelt sich ein Flugblatt, das der Vorstand des Vereins Berliner Milchpächter soeben herausgegeben hat. In dem Flugblatt, das in Massen verbreitet wird, heißt es unter anderm:„Sie be- haupten in Ihrem letzten Flugblatt— wie schon seit drei Jahren—, daß der Milchkrieg von der Centrale gewonnen fei. Wie kommt es nun: 1. Daß trotz Ihres Sieges die Anteile Ihrer eignen Genoffen- schafter von 1 M. fortwährend— jetzt bereits auf 19 M. 50 Pf.— erhöht werde» mußten und daß die Genoffenschafter noch nicht einen Pfennig von allem ihrem Gelde wiedergesehen haben? 2. Daß Ihre eignen Genoffenschafter noch niemals den angeblichen„Selbstkosten- preis" von 13'/- Pf. für ihre Milch erhalten haben und daß nach Ihrer eignen Erklärung auch gar keine Aussicht vorhanden ist, in absehbarer Zeit den Genossenschaftern die 13'/, Pf. glatt aus- zuzahlen? Wie oft wurde den Genoffenschaftern versprochen, daß schon in den nächsten drei Monaten die volle Zahlung von 13'/, Pf. erfqlgen werde? 3. Daß das Milch-Warenhaus des Milch-Millionärs Bolle seit zwei Jahren durch den Geheimvcrtrag mit Ihrer Milch- Centrale täglich 80 000 Liter Milch für einen Preis erhält, der noch niedriger ist, als der vor dem Milchkriege bezahlte? 4. Würden Sie bereit sein, vor Gericht Ihre Behauptung zu b e- weisen, daß die Milch-Centrale thatsächlich täglich durch 75 Wagen und in 60 Läden 80 000 Liter Milch in Berlin absetzt?" Die Feucrsicherheit in den Theatern. Folgende Grundsätze sind vom Branddirektor der Berliner Feuerwehr zur Erhöhung und Aufrechterhaltimg der Feuersicherheit in Theatern aufgestellt und anerkannt worden:„Die Stärke der Wache auf der Bühne richtet sich nach Lage der verschiedenen Sicherheitsvorrichtungen, wobei thunlichst Rücksicht genommen, ist, daß aufeinander folgende Main- pulationen von demselben Posten zu erledigen sind, vorausgesetzt, daß die Lage der Einrichtungen selbst solches gestattet. Vor allen Dingen sind mit ständigen Posten zu besetzen die auf den Bühnen befindlichen Handhaben für den eisen, en Vorhang und die für den Regenapparat. Außerdem sind noch zu bedienen: die Feuermelder, die Alannvorrichtungen für die Garderoben, die Entlüftungsklappen, die Wasserstöcke, Bllhnenbremse, Löschdecken und in einigen Theatern besondre Sicherheitseinrichtungen, als Abschlußjalousien usw. Die Besetzung der Schnürgalerien ist grundsätzlich, wenn erforderlich, mit zwei Mann vorgesehen, die den Wasserstock in Betrieb zu bringen und für Herablasiung der brennenden Dekorationen forgcn sollen. Dort, wo die Bühne so breit ist, daß nicht mit Sicherheit der vorhandene Druck der Wasserleitung dazu hinreicht, um von einer Seite des Bühnenhauses zur andern kräftig zu wirken, ist eine Be- fetzung mit Posten auf beiden Seiten erforderlich. In den Ver- senkimgen sind Posten dort erforderlich, wo besondere feuergefährliche und„gesetzwidrige" Zustände noch bestehen. Wo sich diefe Ver- hSlwifie bei alten Baulichkeiten schwer oder gar nicht beseitige» lassen, wird die Besetzung der Versenkungen mit einem Posten zu einem Daneramte werden. In den Cirknsgebänden ist die Besetzung der vier Eingänge in die Manege mit je einem Posten, des Stalles mit je einem Posten als Regel zu betrachten, während die Aufstellung der Posten auf den Bühnen daselbst nach Lage der örtlichen Ver- Hältnisse und Bcnutzungsart der Bühne sich richtet." Nach diesen Grundsätzen wird nimmehr verfahren. Zur Besetzung der Theater- wachen sind 960 Mann erforderlich. Die Pocke» in Berlin, Ueber die sechs pockenverdächtigen Personen in der Charits wird berichtet, daß ihr Befinden anhaltend gut ist. Das l'/zjährige Kind Fritz Spaleck ist erkrankt, während sich bei seinem Zwillingsbrnder Heinrich und der Schwester Johanna ebenso wenig Krankheitserscheinungen eingestellt haben, wie bei der Mutter. Auch bei der Aufwärterin Drncklicb aus der Gipsstraße 29 sind keine verdächtige Erscheinungen zu Tage getreten. Der Arbeiter Wilhelm Bürger aus der Borsigstr. 19 befindet sich gut; seine Wohnung wurde gesäubert. Schutzimpfungen wurden bei allen Verdächtigen. wie auch bei den Anstaltsbeamten vorgenommen, die bei der Auf- nähme beteiligt waren. Vertretung des Polizeipräsidenten Dr. v. Borries erläßt Geheimer Ober-Regiernngsrat Friedheim folgende Bekanntmachung: „Das VorkomÄien einiger Fälle von echten Pocken veranlaßt mich, die Anzeigepflicht der nach§2 des Reichsgesetzes betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900 kvicichs-Gesetzblatt Seite 306) zur Anzeige verpflichteten Personen bis auf weiteres mich auf Ate Windpocken(Varicellen) auszudehnen, da diese zu den Fällen gehören, welche zur Zeit den Verdacht der echte» Pocken erwecken. Zugleich weise ich darauf hin, daß die durch eine erfolgreiche Impfung hervorgebrachte Festigung gegen die Ansteckung (Immunität) im Laufe der Jahre mehr und mehr abnimmt; nur eine erneute Jtnpsung vermag die betreffenden Personen gegen die höchst ansteckende Seuche von neuent zu festigen. Ich habe deshalb die Kreisärzte angetviese», in Häusern, in denen Pocken beziehungsiveise pockenverdächtige Krankheiten ausgebrochen sind, unentgeltliche HauS- impfnngen vorzunehmen, und kann den iit solchen verseuchten Häusern oder in deren Nachbarschaft wohnenden Personen in ihrem eignen Interesse sowie in dein ihrer Mitmenschen nicht dringend genug anraten, einem solchen an sie herantretenden Ersuchen, sich impfen zu lassen, Folge zu geben." Von der illustrierten Wochenschrift„In Freien Stunden" ist jetzt das dritte Heft des neuen Romans„Der Jesuit" von C. Spindler erschienen. Neben diesem Hauptroman gelangt eine der schönsten Erzählungen zum Abdruck:„Ein Rekrut" von Erckmann-Chatrian Der Verfasser erzählt die Erlebnisse eines jungen ElsässerS, welcher, trotz körperlicher Gebrechlichkeit, zu der napoleonischen Armee ans- gehoben, mehrere Schlachten und schließlich das große Völkermorden bei Leipzig mitmacht. Welchen Strapazen die Söhne des Volkes im bunten Rock ausgesetzt sind, welche Leiden und Qualen sie zu er dulden haben, wie rücksichtslose Gewalthaber ihrer Ruhm- und Herrsch begierde Tausende von juitgen Leuten opfern, das ist der erschütternde Inhalt dieser Erzählung. In ihrer schlichten, lebenswahren Dar stellung wirkt sie wie ein Protest gegen den Krieg selber. Ihre Lektüre ist besonders der Arbeiterjugend ans Herz zu legen. Sie regt zum Nachdenken an und ist geeignet, die in der Schule vom Hurrapatriotismus erzeugten Kriegsvorstellungen durch da-Z ungeschminkte Bild der Wahrheit zu berichtigen und, wie die Verfasser am Schluß selber hoffnungsvoll aussprechen,„unsre Jugend über die Eitelkeit militärischen Ruhmes und über den Wert bürgerlicher Frei- heit und friedlicher Arbeit aufzuklären." Wöchentlich erscheint ein 24 Seiten starkes Heft für 10 Pf., das durch die Post zu beziehen, in allen Parteibuchhandlungen zu haben ist und von jedem Kolpor- teur oder Zeitungsausträger besorgt wird. In Berlin liefern die Parteispeditionen die Hefte.— Abonnenten können jederzeit ein- treten. Wir liefern auch denjenigen Parteigenossen, die in Ver- sammlungen, Fabriken usw. für die Ausbreitung unsrer Zeitung agitieren wollen, das nötige Sammelmaterial. Ter ungewöhnlich niedrige Wasserstand der detitschen Flüsse macht sich auch bei der Spree bemerkbar, deren Ufer zum Teil bereits frei liegen, so beispielsweise an der Friedrichsbrücke. Das Wasser ist hier so seicht, daß man bis auf eine Entfernung von vier Metern vom Ufer aus den Grund sehen kann? in dem Stichkanal an der Elsen-Brücke haben sich zahlreiche kleine Inseln gebildet, und ebenso ragen die Ufer-Holzpflöcke des Spree-Kanals aus dem Wasser empor. In dem Treptower Fließ sind die Fluten infolge ihres niedrigen Standes zum Stehen gekommen. Gleiche Meldungen liegen aus den Gebieten der Spree oberhalb wie auch unterhalb Berlins vor. Unter der Einwirkung des niedrigen Wasserspiegels ist auch das Grund- Wasser, welches bekanntlich von der Spree stark beeinflußt wird, er- heblich— etwa 40 Centimeter— gesunken und flachliegende Brunnen sind bereits dem Versiechen nahe. Die Kalamität auf der O b e r e I b e wird in einem Artikel der »Sachs. Arbeiter-Zeitung" geschildert: Die lange anhaltende Trockenheit beginnt für Menschen, Tiere und Pflanzen zu einer empfindlichen Kalamität zu werden. Wie traurig sieht jetzt die Elbe aus, deren kleine Wassermenge träge dahinschleicht. Teilweise kann der Fluß von den Jungen durchwaten werden, und Frachtschiffe können, wie bekannt gegeben wird, von jetzt ab überhaupt nicht mehr fahren. Hält die Trockenheit auch nur noch kurze Zeit an, dann werden auch die Dampfschiffe den Betrieb einstellen müssen, den sie nur noch mft Mühe und Not auf- recht erhalten. Im oberen Elbthale können sie schon nicht mehr an den Ufcrbrücken landen, sondern sie müssen die Passagiere von der Fahrlinie ausbooten. Das starke Zurückgehen des Elbwassers— weit über zwei Meter unter Null— bringt für die Uferbewohner auch insofern hygienische Gefahren, als der bloßgelegte Schlamm allerhand schlechte Dünste von sich giebt, die in unsrer Gegend noch erhöht werden durch dsn Fäkalienabfluß in die Elbe.— Hier und da ersuchen die Behörden usw. um sparsame Benutzung des Trink- Wassers, das zu mangeln beginnt. Kurz, überall machen sich schlimme Folgen der langen Trockenheit bemerkbar, und die sonst wunder- schönen Tage sind lästig wegen der geradezu afrikanischen Hitze. Auffällig ist die große und schnelle Abkühlung in den Nächten.- Wie aus Schifferkreisen mitgeteilt wird, sind außer bei Dömitz auch bei Privelack sowie bei Tiemesland unterhalb H i tz a ck e r die Schiffe durch Verringerung des Fahrwassers zum Aufenthalt gezwungen, der einen nachteilige« Einfluß ausübt. Insbesondere machen sich für die wasserstandsgemäß beladenen, aus Hamburg abgegangenen Kähne Ableichterungen notwendig, um ihre Reise fortsetzen zu können. Seit 1893 war ein so niedriger Wasserstand nicht zu verzeichnen. Ein regelmäßiger Betrieb für die Elbschifsahrt wird erst wieder erwartet werden können, wenn der sehnlichst erwünschte Regen dem Flusse neue Wassermengen zuführt. Bis dahin werden die Schleppzüge äußerst vorsichtig fahren müssen, um nicht festzugeraten. Die meisten Schiffe passieren überhaupt nur noch mit kaum halber Ladung die Elbe, und trotzdem treten beinahe täglich Unglücksfälle ein. Untcrrichtsbrihilfen. Einigen bedürftigen Personen beiderlei Geschlechts und zwar jungen Männern, welche der Metall« und Eisenindustrie angehören, und jungen Mädchen, welche ihre Schulzeit hinter sich haben, können für den Fall, daß sie eine weitere kaufmännische oder gewerbliche Ausbildung erstreben, die hierzu erforderlichen Mittel aus einem der städtischen Stiftungs- deputation zur Verfügung gestellten Betrage bewilligt werden.— Bewerbungsgesuche bedürftiger Personen, die deutscher oder deutsch- österreichischer Abstammung sind und mindestens zwei Jahre in Berlin gelebt haben, sind bis zum l. September d. I. an die städtische Stiftungsdeputation, Poststraße 16, zwei Treppen, S immer 47 und 48 einzureichen. Die Schul- und Lehrzeugnisse, n BedürstigkeitSattest, sowie der selbstgeschriebene Lebenslauf sind den Gesuchen beizufügen. Der Esel als Zugtier hat in Berlin nicht nur den Zughund zum Teil verdrangt, sondern hier und da sogar das Pferd ersetzt. Man sieht ihn jetzt auch vor den Krankenwagen eines hiesigen Kranken- transport-Geschäftes. An einem solchen Krankenwagen ist, selbst wenn er besetzt ist, nicht viel zu ziehen, so daß die Kraft des Esels in der That ausreicht.' Eröffnung eines neuen Genesungsheims. DaS neue Genesungsheim der LandeSversicherungs-Anstalt Berlin, das sich in der Nahe von Rheinsberg befindet, ist jetzt eröffnet worden. Bon einer Hochstnplerin geprellt wurde das deutsche National- komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels. In den in der Lützowstraße belegenen Geschäftsräumen erschien dieser Tage unter dem Namen Elisabeth Sorntenberger ein junges Mädchen, das mit knapper Not den Händen eines MädchenhändlerS entronnen zu sein vorgab und weinend und klagend hinzufügte, daß der Handler das ganze Hab und Gut mit sich genommen habe. DaS Mädchen erhielt eine reichliche Unterstützung und wußte auch noch das Mitleid einer hochstehenden Dame für sich auszubeuten. Auf der Centraipolizei- stelle zur Bekämpfung des interitationalen Mädchenhandels gab eS später die nachstehende Schilderung des Vorganges. In der„Köln. Volkszeitung" wurde ein bescheidenes, bürgerliches Mädchen mit guten Schülkenntnissen zur Erziehung eines mutterlosen KindcS gesucht. Auf die Meldung traf ein Schreiben von einem Herrn v. Stiputrow, in dem die Suchende nach dem Wartesaal deS Bahnwurde. Dort traf sie niit ihm und nach Wilna auf die Besitzung des Herrn antreten. Dieser löste fürs sich und das Kind Fahrkarten dritter, für die Erzieherin eine solche vierter Klasse, kaufte aber in Hannovrr für sie eine Zuschlagkarte für die dritte Klasse. So kam man nach Berlin, wo das gesamte Gepäck auf dem Lehrter Bahnhof blieb. Die Personen suchten ein Hotel in der Charlottenstraße gegenüber einem Theater auf; den Namen des Hotels weiß sie nicht. Dort trafen dann noch drei Männer ein, ein Herr v. Blumenthal, ein Hotelier aus London und ein Franzose. Diesen wurde sie vorgestellt und gefragt, ob sie französisch und englisch spreche. Auf ihre Antwort, daß sie nur der französischen und holländischen Sprache mächtig sei, unter- hielten sich die Männer auf englisch. Soviel versteht sie aber von der Sprache, daß sie hörte, wie v. St. zu ihr beglückwünscht wurde, da dies Geschäft besser sei als ein früheres, wo eine Person ihr Alter falsch angegeben habe. Später sagte sie ihrem Begleiter auf den Kopf zu, daß er Mädchenhändler sei. Er wurde zuerst grob, war dann aber bereit, ihr die Sachen herauszugeben, wenn sie ihm das Reisegeld ersetze. Er gab ihr 3 M. und wollte sich nachmittags mit ihr in einer Konditorei treffen, um nach dem Bahnhof zu gehen. Der Mann kam nicht; ihr Gepäck mit den Barmitteln war vom Bahnhof verschwunden; das Hotel war schon verlassen. Auf Grund der eingehenden Personalbeschreibung wurden nun Ermittelintgeit angestellt, die bald zu dem Ergebnis führten, daß die ganze Geschichte erdichtet war. Diese Zwischenzeit hatte das Mädchen benutzt, um sich das Reisegeld nach Brüssel zu erschwindeln, wo es von der Bank ein Guthaben abheben wollte, und dann von Berlin zu verschwinden. Inzwischen ist festgestellt, daß die Person Elisabeth Ohrmberger heißt und aus Kaiserslautern stammt, von wo aus sie wegen mehr facher Schwindeleien gesucht wird. Die Papiere hat sie in der Schweiz einem Fräulein Sorntenberger gestohlen, von der sie ein außer der Ehe geborenes Kind zur Annahme als eignes erhielt. Das Kind wird vermutlich zu unlauteren Zwecken benutzt. Meldungen über den Verbleib dieses Kindes und der Ohnnberger sind der Kriminalpolizei erwünscht. Einen rätselhaften Selbstmord beging gestern morgen in der Ouerallee des Tiergartens der 19 Jahre alte Kunstgewerbeschüler Hermann Ott, der aus Schwäbisch-Gmünd stammt und bis vor sechs Wochen bei seinem Onkel Bauer in der Wienerstr. 47 wohnte. Von dort verzog er, weil ihm das Zimmer zu dunkel war; wohin er gegangen tst, iveiß mau noch nicht. Gesteri�tuorgeit um ö'/j Uhr fanden Arbeiter seine Leiche mit einem Schuß tu der Brust auf. In der Berlinschen Mordsnche ist der Staatsanwaltschaft unter dem 6. d. M. ein Brief ohne Unterschrist zugegangen, in dem der Schreiber erklärt, einen Mann mit einem Korb gesehen zu haben, dessen Beschreibung auf den Zuhälter Berger paßt. Er will aber ungenannt bleiben, um nicht in die Presse zu kommen. Da seine angeblichen Warnehntungeit von Wichtigkeit sind, wird ihm Ver> schiviegenheit zugesichert, wenn er sich im Zimmer 38 des Polizeü Präsidiums meldet. Durch einen Weißbierpfropfett hat der Kaufmann Jnngniann, Pintschstr. 1, das Augenlicht verloren. Junantann wollte eine Weiß- bierflasche öffnen; kaum hatte er den Bindfaden, der den Kork fest hielt, gelöst, als dieser, durch die Gase des gärenden BiercS ge- trieben, ihm mit solcher Gewalt gegen das Pincenez flog, daß die Scherben tief in die Augen drangen. Juttgntann, der stark kurz sichtig ist und auf dem einen Auge nicht sehen konnte, ist, wie das „B. T." mitteilt, durch Verlust des andern Auges blind geivorden und kann nun seinen Beruf nicht mehr ausüben. Schwer verunglückt ist der 23jährige Kutscher Hermann Berge- mann aus der Mainzerstr. 12 in Ripdorf dadurch, daß er am jlottbuser Damm von dem von ihm geführten Arbeitsfuhrwerk herab- stürzte. Er erlitt dabei außer andern Verletzungen auch einen schweren Schädelbruch und wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Ripdorfer Krankenhause geschafft.» Ei» entsetzliches Straßeubahniinglück, welches den Tod eines elfjährigen Mädchens zur Folge hatte, hat sich gester» Freitagmitlag .i.'- ffsl"'■ gegen Vjl Uhr in der Greistwalderstraße an dem Stadtbahnhof Weißensee zugetragen. Die elffährige Tochter Gertrud des in der Wilhelmstr. 6 tn Weißensee wohnenden Schlossermeisters Otto Gliese wollte zur erwähnten Zeit nach Berlin fahren und von der Stadt- bahnstation in der Greifswalderstraße aus einen Nordringzug benutzen. Als das Kind die Chaussee entlang ging, bemerkte es, wie ein Zug herangebraust kam. und, um mit diesem noch fahren zu können, rannte die Kleine quer über den Fahrdainnt. Gertrud Gliese hatte nicht darauf geachtet, daß von Weißensee her ein Straßenbahnzug der Linie 62 herangesatist kam und lief so kurz vor dem Motorwagen 1841 auf das Geleise, daß ihre Kleidung von der Schutzweste erfaßt wurde. Der Körper des Kinde« wurde förmlich herumgewirbelt und zu Boden geschleudert. Die Gliese hatte bei dem Fall die Arme vorgestreckt, sie fiel flach auf den Erd- boden, und der die Räder umgebende hölzerne Schutzrahmen ging über die Arme, den Kopf und Leib der Unglücklichen hinweg. Um den Körper zu befreien, mußte der Wagen mit Hilfe von Passanten angehoben werden. Der Brustkasten war dem Mädchen, welches auf der Stelle getötet wurde, total zermalmt. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Schutzvorrichtung scheint nach diesem entsetzliche« Unglück die Ausgabe zuzufallen, den Verunglückten mit absoluter Sicherheit vom Leben zum Tode zu befördern. Zweihundert Mark in zwei Scheinen hat ein armes Mädchen auf dem Wege Große Frankfurterstraße, KönigSbergerstrahe, Küstriner Platz, Fruchtstraße, Grüner Weg verloren. Da das Mädchen ersatzpflichtig ist, wird der ehrliche Finder gebeten, das Gelh bei Frau Joel, Schönhauser Allee 1S2, gegen Belohnung abzugeben. Zwei Personen vom Erstickungstode gerettet hat die Feuerwehr gestern vormittag 11 Uhr in der Lützowstr. 103. Hier hatte die im ersten Stock des Vorderhauses wohnende Witwe Kolberg dte Wohnung geschwefelt, dabei aber unvorsichtigerweise den Schwefeltopf zu nahe an das Sofa gestellt, so daß dieses Feuer fing. Wohl machte sich alsbald im Hause eine Verqualmung geltend, doch suchte man an- fangs die Ursache des Ratiches lediglich in den Schwcfeldämpfen. Als jedoch nach wenigen Minuten das Treppenhaus und die oberen Stockwerke derart verqualmt waren, daß die Bewohner in Lebens- gefahr schwebten, wurde die Feuerwehr alarmiert. Dieser blieb nichts weiter übrig, als über die mechanische Leiter vorzugehen und auf ihr die am meisten bedrohten Personen, eine Frau Krieg und ihren als Matrose auf Urlaub weilenden Sohn herabzutragen. Die alte Frau litt bereits stark an Rauchvergiftung. Feuer im Palasthotel. Gestern früh wurde die Feuerwehr nach dem Palafthotel am Potsdamer-Platz alarmiert. Als die Wehr mit mehreren Zügen erschien, waren die Bodenräume des Hotels schon total verqualmt. Der Brandherd lag im Zwischengebälk; es brannten die Balkenlage, Decken und Fußböden usw. Um die Flammen, die schon längere Zeit unbemerkt geschwelt haben müssen, zu löschen, wurden zwei Schlauchleittingen vorgenommen und damit kräftig Wasser gegeben. Um an den Brandherd zu gelangen, mutzte schließlich das Zwischengebälk aufgerissen und freigelegt werden. Es gelang, den gefährlichen Brand auf das Dach zu beschränken. Hofes in Köln bestellt wurde. Dort traf sie nttt ihm und cmcni etwa acht Jahre alten Kind zusammen und sollte gleich die Reise__| MDM Berantw. Redakteur:. Paul Büttnept Berlin., Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin� fiu& den Nachbarorten. Mit dem Bau der Unterpflasterbahn Knie— Wilhelmsplatz zu Charlottenburg wird am Montag, den 25. Juli, begonnen werden, nachdem die Genehmigungs-Urkunde für dte Strecke Knie— Krumnieftraße gestern bei der Gesellschaft für Hoch- und Untergrundbahnen eingetroffen ist. Der Tunnelbau soll zunächst am„Knie" in Angriff genommen und bis über die Lcibnizstraße hinaus aus- geführt werden. Diese Strecke hat eine Länge von etwa 450 Meter. Es werden zunächst die Erd- und WafferhalwngS-Arbeiten in Angriff genommen werden, woran sich die Betonierung schließen wird. Nach en stattgehabten Bohrversuchen zu schließen, dürste die Boden« beschaffenheit dem Tunnelbau keine Schwierigkeiten in den Weg legeit. Als Bauleiter ist von der bauanSfüHrenden Firma, S t e in e n s u. H a l s k e, Aktiengesellschaft, der RegieruiigSbaumeister Kretz bestellt worden._ Ein Fund von Leichenteilen beschäftigt die Kriminalpolizei fat Wilmersdorf. Auf einem Acker hinter dem Sonnenbad an der Berlinerstraße fanden Landarbeiter beim Mähen gestern abend einen in der Mitte durchgesägten Schädel sowie einen Fuß, an welchem noch Fleischstücke saßen. Es scheint, als ob diese Körperteile schon seit dem Frühjahr auf dem Acker gelegen haben. Die Polizei ließ den Fund nach der Leichenhalle des Gemeindc-F.iedhoses bringen; eine Aufklärung in der Angelegenheit ist noch nicht erfolgt. Ein Leckermaul. Für ca. 200 M. Kaviar hat sich von einer Berliner EngroS-Firma ein raffinierter Gauner erschwindelt. Er fuhr nach Potsdam, wo er in Erfahrung brachte, daß der Kaufmann Liepe u. Co. von der Berliner Firma ständig seinen Kaviar bezöge. Nun bestellte der Gauner telephonisch für 200 M. Kaviar mit dem Auftrage, ihn sofort abzusenden und in der Gepäckkammer des Bahnhofes in Potsdam zum Abholen lagern zu lassen. Die Berliner Firma schöpfte kein Mißtrauen und sandte den Kaviar nach Potsdam, wo bald darauf der angebliche Geschäftsführer der Firma Liepe u. Co. auf dem Bahnhofe erschien und ihn gegen Quittung abholte. Mit einer Droschke fuhr er dann davon, entließ aber den Kutscher in der Brandenburgerstraße und versuchte nun den Kaviar in den Pots- damer Restaurants abzusetzen, wobei er ihn zum billigen Preise an- bot. In einem Restaurant wurde er auch einen Teil seiner Beute los, während andre Restaurateure die Sache für faul hielten. Als der Gauner merkte, daß er Mißtrauen erregte, fuhr er schnell zur Eisenbahn und gab den Kaviar als Passagiergut nach Bahnhof Alexanderplatz auf. Ein Gepäckträger hatte sich dies aber gemerkt und so konnte denn schnell die dortige Gepäckausgabestelle benachrichtigt werden, den Kaviar anzuhalten. Ter Schwindler sollte, als er ihn abholen wollte, festgehalten werden, entwischte aber im letzten Moment und entkam. Er soll ein in Weißensee wohnender, der Polizei wohlbekannter Verbrecher sein. Verrnilckres. Grubenunglück. Auf der der Oberschlesischen Eisenbahnbedarfs» Aktiengesellschaft gehörigen Friedensgrube in Kattowitz fand in der vergangenen Nacht eine Explosion unter Tage statt. Ein Arbeiter wurde getötet, 10 erlitten Verletzungen. Der Betrieb wird aufrechterhalten. Ter bekannte Arzt Professor Dr. v. Esmarch in Kiel hat in der vergangenen Nacht durch einen Fall sich einen Bruch des Schlüsselbeins zugezogen. Der Zustand ist zufriedenstellend. Feuer in einem königlichen Gestüte. Aus Zirke in Posen wird berichtet: Donnerstagabend 9 Uhr brach auf unerklärliche Weise wahrscheinlich im Schafstallgebäude des königlichen Landgestüts Feuer aus. Es brannten nieder ein Stall, in dem 50 Hentzste standen, zwei Familienwohnräume des Dienstpersonals und sämtliche Wohnräume der unverehelichten Gestütswärter. Es gelang, sämtliche Hengste ohne jede Beschädigung in Sicherheit zu bringen, wie über- Haupt kein Unglücksfall vorgekommen ist. Ungefähr ein Viertel des Gestüts ist niedergebrannt. Ein schrecklicher Toppelmord hat nach der. Straßburger Post" in Linthal, Kreis Gebweiler, stattgefunden. Der 23 Jahre alte Eugen Debenath, welcher mit einer sehr begüterten Tochter eines Fermbesitzerö im nahen Hilfen verheiratet ist, hat seinen Schwieger- vater und dessen Knecht ermordet. Wie verlautet, hatte der Mörder vorher mit seiner Frau einen heftigen Auftritt gehabt, wobei der bedrängten Frau zuerst deren Vater und später der Knecht zu Hilfe kommen wollten, die beide, nach der einen Meldung erschossen, nach der andern erstochen worden find. Der Mörder ist nach vollbrachter That geflohen. Er ist ein bereits vorbestrafter Mensch und erst kürz- lich wegen schwerer Mißhandlung seiner Schwiegermutter aus dem Gefängnis in Colmar entlassen worden. Frankfurt a. M. Auf dem Wege von Oberhöchstadt nach Cron- berg i. T. wurde gestern die Ehefrau Anna Burian von ihrem ge- trennt lebenden Ehemann, dem Schneider Burian aus Cronberg, überfallen und durch einen Stich in den Rücken lebensgefährlich verletzt. Der Thäter ist verhaftet. Gieffen. Heute vormittag entstand iü dem benachbarten Wieseck in dem Gehöft des Landivirtes Dörr ein Großfeuer, welches acht Gebäude, darunter vier größere Gehöfte, zerstörte. Man ver- mutet Brandstiftung. Gandersheim. Ter Oberlehrer Sohns wurde wieder ent- haftet, nachdem ein Zeuge in der Voruntersuchung erklärte, nicht Sohns, sondern er(Zeuge) habe einen Meineid geleistet. Ueber den Brand des Wiener Tomherrenhofe« berichten Wiener Blätter: Gegen 10 Uhr vormittags verbreitete sich mit Blitzes- schnelle in der ganzen Stadt die Nachricht, auf dem Stephansplatze lvüte ein großer Brand, der Domherrenhof stehe in Flammen und dem Stephansdome drohe Gefahr. Die Nachricht bestätigte sich glück- licherweise nur zum Teil, denn eS gelang den Bemühungen der Feuerwehr, den Brand zu lokalisieren, dem lediglich der ganze Dach- stuhl des Domherrenhofes zum Opfer gefallen ist. Das angrenzende Deutsche Haus, der gegenüberliegende Zwettelhof und vor allem der Stephansdom selbst blieben unberührt. Es war kurz nach V-10 Uhr.. als penetranter Geruch den Stephansplatz erfüllte. Bald trieb der Wind graue Rauchwolken vom Dache des DomhecrenhofeS in die Tiefe. Bon allen Seiten rasselten alsbald Löschzüge auf den Stcphansplatz, der noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr und eines größeren PolizeidetachementS von einer massenhaften, aus allen Teilen der inneren Stadt zusammengeströmten Menschenmenge besetzt war. Alles fürchtete, daß der Wind die aus dem Tachraume des Tomherrenhofes hervorsticbenden Funken auf das Dach der Stcphanskirche treiben könnte. Einige Minuten nach 10 Uhr züngelten die ersten Flammen hervor, und rasch entwickelte sich in der Höhe eine einzige riesige Flammenwelle: der Dachstuhl des ganzen gewaltigen Baues ward plötzlich ein einziges Feuer, aus welchem ab und zu dunkle schwarze Punkte, die Schornsteine, sichtbar wurden. Das Schauspiel spielte sich mit unheimlicher Geschwindigkeit ab— gegen V-12 Uhr war der Brand erstickt, und auf dem Mauerwerk m der Höhe des vierten Stockwerkes sah man nur mehr die rauch- geschwärzten Schornsteine ragen. Alles, was aus Holz war. hatte das Feuer vernichtet. Während des Brandes war Mimsterprästdeut Dr. v. Koerber auf dem StcphanSplatze erschienen. Lüttich. In der Explosivstoff-Fabrik in Ougree fand eine Explosion statt, wobei 5 Arbeiter schwer verletzt wurden. Pisa. Bei der Grabung eines artesischen Brunnens in Mezzona erfolgte eine Explosion schlagender Wetter, woraus ein starker Lava- ström folgte. Man glaubt, daß der seit langer Zeit ruhige Vulkan San Giuliana seine Thätigleit wieder begonnen hat. Budapest. In der Ortschaft Belasvagas brannten 118 Wohn- auser und 95 Nebengebäude, in der Ortschaft Feketekuet 97 Wohn- äuser und 68 Nebengebäude nieder. Auf dem 2. deutschen Abstinententage, der vom 1«. bis lg. d. Mtö. in Altona stattfindet, sprechen Prof. Dr. Johann Bergmann-Stockholm über„Die Alkoholfrage in der antiken Welt" und Landrichter vr. jur. Hermann M Popert-Hamburg über..DaS nächste praktische Ziel der Abstinenzbewegung". Außerdem finden vom 16. bis 19. Juli etwa 24 Nebenversammlungen der verschiedenen Abstinenzvereine statt. Am Dienstag. 19. Juli, wird der Deutsche Centralverband gegen den Alkoholismus unter anderm zur Errichtung eineS Abninenzsekretariats nach Referaten von Franziskus tähnel-Brcmen, Or. med C. Strecker-Berlin und Max Warming- amburg begründet werden. Es sind, wie eine uns zugehende Mit« teilung besagt, bereits mehr als 3000 Besucher gemeldet. LrlefkaNen der Redahtion. Wahrheit. Ob sich die von Ihnen gesandten Mittellungen zur«er. öffenllichung eignen, können wir jetzt noch nicht entscheiden. Jedenfalls interessiert es uns. die Anaelegenheii genau kennen zu lernen, und wir sind Ihnen verbunden, wenn Sie die Beweisstück«(die betreffende Zeltung». A. B. C. 123. Wir haben kein WWWW�WMWMWWWW Interesse an Ihrem Angebot.— W. D. 48. Da» Eisenbahnunglück in Steglitz war am 2. September 1883.— Ripdorf 30. Im Wahlkreise Teltow-Lharlotlciibutg war 1887 Krahne socialdemolratischcr Reichstags. ____ landidat. Er wurde 1888 als Spitzel entlarvt.__ Zruck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlaflsanstalt Paul Änger Lc Co., Berlin SW, Nr. 165. A. Jahrgang. 2. Stilijc des Jdtroiirtü"{irtlintt WlWK Sanvabead, 16. InK 1904. Die chnstlichtu Gewerkschafien im Jahre 1903. Der„Ausschuh deS Gesamtverbandes der christlichen Gewerk- schasten Deutschlands" veröffentlicht seinen Bericht über das mit dem 31. März d. I abschliehende Geschäftsjahr. Der Verfasser sucht sich S nächst mit der Thaffache abzufinden, dah die„socialistische GeWerk- aftsbewegung" eine Mllion Mitglieder erreicht hat, führt dairn aus, dah die Hirsch« Dunckerschen Gewerkvereine im verflossenen Jahre um 7 Proz. zugenommen haben und meint dazu:„Heute können wir mitteilen, daß auch unsre christliche Gewerkschaftsbewegung sowohl in Bezug auf Zunahme der Mitglieder wie innerer Festigung der Organisationen hinter den andreii Richtungen nicht zurück- bleibt..." An einer andren Stelle des Berichts heißt es:„Wir glauben der Erwarwng bestimmt Ausdruck geben zu dürfen, dah nunmehr die'Kinderkrankheiten der christlichen Gewerkschaften beendet sind und jetzt einer ruhigen Fortentwicklung die Bahn frei ist." Um eine einigerniahen beachtenswerte Mitgliederzahl aufweisen zu können, begehen die Herren vom Ausschuß wieder wie in früheren Jahren den schon öfter gekennzeichneten Humbug, eine ganze Reihe von Organisationen als christliche Gewerkschaften aufzuführen, die gar keine sind und offenbar auch selber sich nicht als solche betrachten: jene Verbände, die von dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften nichts wissen wollen und sich trotz heißesten Liebes- werbenS von jener Seite dem Gesamtverbande nicht angeschlossen haben. Es sind dies hauptsächlich die Vereinigungen des süddeutschen Eisenbahn« und Postpersonals, der Deutsche Eisenbahnhandwerker- Verband und der Verein zur gegenseitigen Hilfe, alles reine Unterstützungsverbände. Das schlechte Gewissen läßt denn auch den Bericht schon im vorhinein sagen:„Unsre„Freunde" werden aber weiter„beweisen", daß diese Verbände mit den christ- lichen Gewerkschaften nichts gemein haben wollen." Dabei hat dann auf der Seite nachher der Bericht das blamable Pech, genau das bestätigen zu müssen. waS er eben noch so eifrig bestritten hat. Der Verband der deutsch en Eisenbahn-Hand- w e r k e r zählt allem den vierten Teil der fälschlich den christlichen Gewerkschaften zugezählten Mitglieder und ist überhaupt an Mitgliedern der stärkste. Er zählt deren nämlich 50 000. Der Bericht überführt sich mit folgenden Worten selbst jenes Humbugs:„Der Vorsitzende sdes Verbandes deutscher Eisenbahnhandwerkert, Herr Molz-Trier. hat bisher mit den andern christlichen Gewerkschaften wenig Fühlung gehalten. In neuerer Zeit tritt er sogar für katholisch e F ach« abteilungen ein, während sein eigner Verband inter- konfessionell ist." Von den Befürwortern der katholischen Fachabteilungen— übrigens meistens Geistliche, darunter auch der Bischof D r. K o r u m in Trier— aber muß an einer andren Stelle der Bericht sagen:„Die Vertreter der katholischen Fachabteilungen setzten ihre Verketzerung und Verdächtigung gegen die christlichen Gewerkschaften im Jahre 1903 fort. Einem Kursus in Koblenz, der von dieser Seite veranstaltet wurde, wohnten einige christliche Gewerkschaftler bei. Sie lernten bei dieser Gelegenheit die AgitationSart dieser Herren erst richtig kennen, legten gegen mehrere Unterstellungen ganz entschieden Verwahrung ein und drohten mit energischen Gegenmaßregeln, wenn man sich von jener Seite keiner einwandfreien Agitationsmittel be- diene. Etwas mehr Anstand hat man sich von dieser Seite seitdem befleißigt. Den offenen Kampf aus der ganzen Linie zu proklamieren, fand der Ausschuß für überflüssig mit Rücksicht auf die UnHaltbarkeit der konfessionellen Gewerlschafts- idee." Die Mitgliederzahl der dem Gesamtverbnnd der christ- lichen Gewerkschaften angeschlossenen Verbände betrug nach der beigegebenen Statistik am 1. April 1904 100 053 gegen 91 440 im Jahresdurchschnitt 1903. Die chnsilichen Gewerkschaften haben also mehr als 10 000 Mitglieder weniger als die Hlrsch«Dunckerschen. die in ihrer letzten Statistik 110 215 Mitglieder augeben. Gegen die modernen Gewerkschaften verschwinden sie geradezu. Von Belang find unter allen christlichen Gewerkschaften nur die Bergarbeiter und die Texttlarbeiter. Die Bergarbeiter geben 41 800, die Textilarbeiter 17 430 Mitglieder an. Dann folgen die Bauhandwerker sMaurer, Stukkateure, Verputzer, Bauhilfsarbeiier, Zimmerleute usw.) mit 8931, die Metallarbeiter mit 7325, die Holzarbeiter mit 5100, die nichtgewerblichen Arbeiter mit 4683, Heimarbeiterinnen 2217, Tabak« und Eiaarrenarbeiter 2229, Schuh- und Lederarbeiter 1390, Ziegler 1700, Schneider 1272, Maler und Anstreicher 1174, Fleischer 950, Keramische Arbeiter 869. Krankenpfleger 260, Bäcker 204, Blei« und Zinkarbeiter 525, Uhrenarbeiter 894,„Bayrisches Kaue 11" 993, .Arbeiterschutz-Freiburg" 193. Kein Wunder, daß angesichts dieser durchweg armseligen Zahlen die christlichen Gewerkschaftler nicht auf den Humbug des HinzuzählenS der 103 108 Riitglieder der dem Gesamtverbande nicht angeschlossenen UnterstützungSverbände verzichten wollen. Für die letzteren werden als Mirgliedcrzahlen angegeben: Deutsche Eisenbahnhandwerker 50 053, Bayrische Eisenbahner 16 000, Württembergische Eisen- bahner 6862, Badische Eisenbahner 5414, Bayrisches Post- personal 7413, Württembergisches Postpersonal 2530. Verein zur gegenseittgen Hilfe(Schlesien) 13 275, Bayrische Hütten- arbeiter 685, Bahrische Straßenwärter 876. Mit Hilfe aller dieser Vereinigungen rechnet der Bericht des Gesamtverbandes für die christlichen Gewerkschaften eine Mitgliederzahl von 203161 am 1. April d. I. heraus. Mit welchem Recht er diese Untcrstützungs- und PetittonSverbände als Gewerkschaften bezeichnet, mag man auch daran» ersehen, daß von den im Berichtsjahre verausgabten 155 030 M. Streik- und Gemaßregelten- Unter- st ützun glicht ein einziger roter Pfennig auf diese entfällt. Fünf von den neun Vereinigungen gaben auch keinen Pfennig für Bibliothekzwecke aus, die andern vier nur 632 M., während auf die christlichen Gewerkschaften insgesamt 7077 M. für die Bibliothek kommen. Trotz alledem ist gar nicht daran zu zweifeln, daß die christlichen Gewerkschaftsführer sich auch fiir die Folge weiter mit ihrer schwindelhasten Zählmethode lächerlich machen werden. Im übrigen zeigt der Bericht. daß alle die recht hatten, die den christlichen Gewerkschaften vorhersagten, daß sie keine Zukunft hätten. Die Verbände bestehen nunmehr seit sechs bis zehn Jahren. Bon einer„Entwicklung" kann bei den geringen Zahlen keine Rede sein. Die Verbände nennen sich„christlich« Gewerk« schasten Deutschlands". Dabei haben sie fast nur k a t h o- lischt Arbeiter heranzuziehen vermocht: die evangelischen sind verschwindend gering, offenbar weil fie die Eentrums- mache durchschauen. Wie wenig Anklang die„Ehristlichen" im allgemeinen finden, rst auch daraus zu erkennen, daß vier Fünftel aller ihrer Mitglieder m Rheinland und Westfalen wohnen. Ein weiteres über die christlichen Gewerkschaften wird vielleicht nach ihrem in der kommenden Woche stattfindenden Kongreß zu sagen sein. Huö Indurtne und Handel. Ausfuhrprämien der Shudikat». Die Abrechnungsstelle für die Ausfuhr macht soeben bekannt, daß die Verbände: Rheinisch-Westf. Kohlensyndikat, Roheisen-Syndikat, Siegerländer Roheisen-Verein und Slahlwerks-Verband für die im dritten Viertel dieses Jahres zur Ausfuhr gelangenden Waren AnSfuhrvergütungen bis zu nach- siehenden Höchstsätzen bewilligen: 1.50 M. die Tonne Kohle, 4,86 M. die Tonne Roheisen, 12,50 M. die Tonne weiches Halbzeug bis höchstens 0,3 Proz. Kohlenstoff oder höchstens 50 Kilogramm Festigkeit, 20 M. die Tonne F o r m e i s e n(einschließlich Vergütung auf Kohle bezw. Roheisen). AuSfuhrveraütung auf Kohle, Coaks usw. kann nur in grundsätzlicher Uebereinstinimung mit dem Stahl- werks-Verbande und den beiden Roheisen-Shndikaten bewilligt werden; daher bleibt in allen Fällen die Entscheidung darüber, ob Vergütung gewährt wird oder nicht, vorbehalten. Dazu kommt als höchst bemerkenswerte neue Zwangsmaßregel des Kohlensyndikats hinzu, daß es ablehnt, über den 31. Dezember 1904 hinaus denjenigen Gewerbezweigen noch Ausfuhrvergütungen zu zahlen, deren Zusammenschluß zu Verbänden bis dahin noch nicht erfolgt ist! Damit ist eine neue Methode des Einpeitschens von Kartellen auch bei uns glücklich eingeführt, die bisher ihre wüstesten Orgien in Amerika gefeiert hat. Auch das Roheisen-Syndikat ist wieder nicht spröde, es macht besonders bekannt, daß Ausfuhr- vergüttgung auf Roheisen nur unter der Bedingung gewährt wird, daß die Empfänger der Vergüttgung Robeisen, worunter auch Spiegeleisen zu verstehen ist, von außerhalb oeS Roheisen-Shndikats stehenden Hochofenwerken ohne dessen besondere Genehmigung nicht beziehen. lieber den Stahlwerkverband schreibt die„Köln. Ztg.", daß der Geschäftsführung mehrfach der Vorwurf gemacht wird, daß sie sich ihrer Aufgabe rm Auslandsgeschäft für Halbzeug bisher nicht ge- wachsen gezeigt habe. Die Thatsache, daß einzelne sehr große Auf- träge auf dem englischen Markte nach Amerika gefallen sind, wird unmittelbar auf einen Mißgriff der Geschäftsfilhrung des Stahl- Werkverbandes zurückgeführt. Auch die Art, wie das Ausfuhrgeschäft in Formeisen geführt wird, wird als unzulänglich bezeichnet. Man werde sich bei Beurteilung dieser Klagen zwar vor Augen halten müssen, daß sie sich zum Teil auf Kinderkrankheiten beziehen, wie sie schließlich jeder Verband durchzumachen hat. andrerseits sei aber nicht zu bestreiten, daß gar mancher Fehler und Mißgriff recht gut hätte vermieden werden können. Dcuffchlands Handel mit der Schweiz im Jahre 1903. Das Kaiserliche Stattstische Amt fährt mit der Publikation des gesamten deutschen Außenhandels im verflossenen Jahre fort und bringt im Heft 6 vom Band 158 der„Stattstik des Deutschen ReickeS" soeben den Handelsverkehr des deutschen Zollgebietes mit der Schweiz, wo- bei wieder zum Vergleich auf die Jahre bis 1897 zurückgegriffen wird. Die Gesamtwerte der Einfuhr bettugen 1903(aus- schließlich der Edelmetalle) 165,4 Mill. Mark gegen 163,6 Mill. Mark im Jahre 1902; die der Ausfuhr 296,6 Mill. Mark gegen 277,6 Millionen Mark in 1902. Während die Einfuhr aus der Schweiz also nur eine ganz geringfügige Steigerung gegen das Vorjahr erfahren hat, hat die Ausfuhr dorthin immerhin um 19 Millionen Mark— 6,8 Proz. zugenommen. Die Schweiz liefert an Deutschland hauptsächlich Erzeugnisse der Seiden- und Uhren- industrie, der mechanischen Spinnerei und Sttckerei und der Vieh» zucht. Dagegen bezieht sie aus dem deutschen Zollgebiete Brenn- stoffe wie Steinkohlen u. dergl., Eisenwaren aller Art, serttge Kleider, Leibwäsche und Putzwaren, Leder und Lederwaren, wollene Tuch- und Zeugwaren. Baumwollenwaren, litterarische und Kunstgegeustände und Maschinen. Die einzelnen Werte der bedeutend st en Einfuhr- a r t i k e l auS der Schweiz im Jahre 1903 sind für: Roh- scide 23 Millionen Mark, Floretseide 18,5, Toschenuhren 18,3, Baumwollenwaren 11,2, Käse 7,3, Kühe 6,6, rohe« eindrähtigeS Banmwollengarn 5,6. Wollengarn(außer hartem Kammgarn usw.) 5.0, Maschine» und Maschinenteile(außer Lokomotiven. Lokomobilen, Dampkkesseln, Kratzen und Nähmaschinen) 4,4, Pergament, Bruch- gold, Bruchsilber 4,4, Bücher, Karten, Musikalien usw. 4,3, Rinds- häute, grüne und gesalzene 3,3 Millionen Mark; die der Haupt- sächlichsten Ausfuhrartikel deS Zollgebietes nach der Schweiz: Brennstoffe 36,5, grobe und feine Eisemvaren 17,0, Kleider, Leibwäiche, Putzwaren und Hüte 13.7, Leder und Lederwaren 13,3, wollene Tuch- und Zeugwaren, unbedruckt 12,5, Baumwolleuwaren 10,5, Bücher. Karten, Musikalien usw. 10,0, Maschinen und Maschinen- teile 6,7, Gold 5.3. Zucker aller Art 4,7, Eck- und Winkeleisen 4,6, Rohseide, gefärbt 3,9, Hafer 3,8, halbseidene Zeuge, Tücher, Schale 3.8. Wollengarn(außer hartem Kammgarn usw.) 3,7, Platten und Bleche aus schmiedbarem Eisen 3,3, Anilinöl, Anilinsalze 3,0, Waren aus edlen Metallen 3,0 Millionen Mark. 8o2iales. Aus der Social-Rechtsprechung. Ueber die Einwirkung elektrischer Schläge auf das Central-Nervensystem wird in den letzten amtlichen „Nachrichten des Reichsversicherungs-Amts" eine sehr beachtenswerte Entscheidung veröffentlicht, die auf Grund eines ärztlichen Ober- gutachtens des Herrn Dr. Stoevesandt, Direktor der Kranken- anstatt in Bremen, jüngst gefällt worden ist. Ein Schlosser, der infolge eines schweren Nervenleidens völlig erwerbsunfähig ist, führte seine Erkrankung auf wiederholte elettrische Schläge zurück, denen er im Verriebe einer Schiffswerft im März 1900 und im Mai 1901 ausgesetzt war. Der Verletzte stand das erste Mal mit Halbschuhen bekleidet im Schlick unter dem Schiff, an dem er zu arbeiten hatte, und faßte mit einer Hand an die im Wasser befindliche Glühlampe. Als er auch mit der anderen Hand die Lampe berührte, bekam er einen heftigen Schlag, so daß er einige Meter weit fortgeschleudert wurde und in den Schlick fiel. Noch stundenlang hinterher fühlte er im ganzen Körper eine starke Schwäche. Bei dem andren Unfälle stand er auf dem Isolator, um an einer Leitungsstange zu arbeiten. Der Strom konnte wegen der dadurch entstehenden Betriebsstörung nicht aus- geschaltet werden. Nun rutschte der Arbeiter auf dem Isolator auS, kam mit beiden Beinen an die Leitung und erhielt einen heftigen Schlag durch den ganzen Körper; doch war er hinterher noch im stände, allein zu gehen. Schon nach dem ersten elektrischen Schlage verspürte er zuweilen Kraftlosigkeit und Müdigkeit. Seit bem_ zweiten Schlage ist er jedoch ganz kraftlos, am meisten auf der linken Seite, und gelähmt in den Beinen. Er leidet an Schwindel und Ohrensausen und kann kaum allein gehen oderjich selbst helfen; auch geht durch seinen ganzen Körper em gleichmäßiges, feinfchlägigeS Zittern. Die Stromstärke, die auf den Verletzten eingewirkt hatte, betrug das eine Mal 240, das andre Mal 110 Volt Spannung. Seine An- spräche auf Unfallrente wurden sowohl von der Berufsgenosienschaft als auch vom Schiedsgericht abgewiesen, weil mehrere ärztliche Gutachten einen ursächlichen Zusammenhang der Krankheit mit den fraglichen Unfällen in Abrede st eilten. Da aber auch ein Gutachten der Universitätsklinik zu Göttingen vorlag, das einen Zusammenhang deS Leidens mit dem wiederholten Einfluß' der Elektricität auf den Kranken für nicht unwahrscheinlich hielt, so holte das ReichS-VersicherungSamt das erwähnte Obergutachten ein. In demselben wird betont, daß gewöhnlich nicht sofort nach der Verletzung die Krankheitserscheinungen der multtplen Sklerose des Centtalnervensystems, um die es sich hier handelt, auftreten, sondern daß ein halbes Jahr und noch längere Zeit ohne jedes Symptom oder mit ganz unbesti»»uten allgemeinen Syrnp- tomen, die noch dazu wechseln, verlaufen kann, ehe sich die Krank- heit in bestimmter Form äußert. Deshalb erscheine es auch nicht weiter auffällig, daß der Kranke erst lange Zeit nach Beginn seines Leidens von der möglichen Ursache desselben etwas gesagt hat. Bezugnehmend auf die„Elektropathologie" von Dr. Jellinck in Wen hält es das Gutachten für im höchsten Grade wahrscheinlich, daß elektrische Schläge durch die GewebS- Verletzungen, die sie im Central-Nervensystem verursachen, den Ausgangspunkt für die Entwicklung der hier in Frage kommenden Krank- heit schaffen können. Auch die Frage, ob die Ströme, d-men der Verletzte ausgesetzt war. so stark waren, daß sie derartige Störungen im Nervensystem verursachen konnten, wird bejaht. Zwar sei viel- fach die Memung verbreitet, daß die unterste Gefährlichkeitsgrenze annähernd bei Strömen von 500 Volt Spannung liege und daß auch 800 Volt- Ströme selbst unter erschwerenden Umständen ohne Nachteil erttagen werden können. Indessen handle eö sich hier um kein allgemein gültiges Gesetz. Die Wirkung von elektrischen Strömen auf einen Korper hängt von verschiedenen Momenten ab. Von besonderer Wichtigkeit ist eS, ob der Sttom ohne großen Widerstand zu finden durch den Körper geleitet wird. Steht jemand auf feuchtem Boden oder im Wasser, so wird die Wirkung eines elektrischen Stromes viel schwerer sein wie auf trockenem Boden.„Für die Beurteilung der Wirkung von Starkströmen kann man sich nicht nach der Stromstärke, wie sie am Apparat abgelesen wird, richten, sondern es kommt vor allem auf die Widerstands« größe an und auf die Empfänglichkeit, die der Organismus dem Strome bietet." Während z. B. Hausleitungen, die Beleuchttmgs- zwecken usw. dienen und gewöhnlich eine Spannung von 110 Volt besitzen, noch als ungefährlich gelten, bestehe ein sicher beobachteter Fall einer Tötung durch Gleich ström von nur 95 Volt Spannung. Man könne all- gemein gelten lassen, daß Ströme von_ 100 und 150 Volt Spannung mit Vorsicht zu behandeln seien, Spannungen über 200 Volt seien als gefährliche anzusehen, und solche von 500 Volt und darüber gehören zu den tödlich wirkenden. Demnach läge also die hohe Wahrscheinlichkeit vor, daß der Erkrankte durch die erhaltenen elektrischen Schläge sein Nervenleiden erhalten habe. Auf Grund dieses Obergutachtens sprach das Reichs-VerstcherungS» amt dem Verletzten die B o l l r e n t e zu. Ein Versuch zur Abschaffung der reglementterten Prostitution ist jüngst in der schwedischen Stadt Sundswall gemacht worden, mußte aber trotz des guten Erfolges aufgegeben werden, weil die Neuerung der reaktionären Gemeindevertretung nicht behagte. In Sundswall war seit mehreren Jahren das auch in Schweden allgemein übliche Verfahren der regelmäßigen Kontrolle der Prostituierten angewendet worden. Im September vorigen Jahres machte jedoch der zweite Stadtarzt Dr. S t e e n h o f f den Vorschlag, die r e g e l m ä ß i g e Kontrolleaufzuheben und statt dessen ein andres Verfahren gegen die Uebertragung der venerischen Krankheiten einzuführen, der dem das Gesundheitsamt der Stadt, die Stadtärzte und d,e Polizei- behörde Hand in Hand arbeiten sollten, und zwar so, daß, wenn Personen. Frauen sowohl wie Männer, die verdächtig erschienen, venerische Krankheiien zu verbreiten, in der Stadt an- getroffen wurden, sie von der Behörde veranlaßt werden sollten, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Außerdem sollten zureisende Frauen- zimmer, die nachweislich von der Prostitution lebten, falls eS nicht gelingen würde, sie zur Arbeit zu veranlassen, aus der Stadt entfernt werden. Diese Vorschläge wurden vom G e s u n d h e t t S a m t abgelehnt. Inzwischen versuchte jedoch der zweite. Stadtarzt. zu dessen Obliegenheiten die Ueberwachung der Prostitution geHorte. sein System unrer der Hand ncuh und nach einzuführen und wurde dabei von der Polizeibehörde thatkräftig unterstützt. Der Erfolg war, dah die gewöhnliche Prostitution bald von selb st aufhörte. Eine Gefahr für den Gesundheitszustand der Bevölkerung erwuchs nicht daraus. Im Gegenteil, die veneri« schen Krankheitsfälle verminderten sich und die Aerzte erklärten einstimmig, daß bereits eine gewisse Verbesserung zu bemerke n se, Die Bemühungen Dr. SteenhoffS hatten zedoch bei mehreren leitenden Personen in der Gemeinde Mißfallen erregt und das städtische Gesundheitsamt nahm ihm die Untersuchung der Prostituierten ab und übertrug sie dem ersten Stadtarzt. Steenhoff protestierte und erklärte: die meisten Aerzte wußten sehr gut, daß die regelmäßige Besichtigung nicht im mindesten als gegen Ansteckung sichernd betrachtet werden könne, wogegen das Sysiem der Besichtigung nach Bedarf ohne Unterschied desGeschlechtSeinevielgenauereUeberwachung des Gesundheitszustandes in dieser Hinsicht möglich mache. Der Protest ist jedoch erfolglos geblieben.>W>rigens wird das Steen- hofssche System der Ueberwachuv» ip-w-chtskranker P-rsonen beiderlei Geschlechts seit Jahren in«r�fliania angewandt wo die Abschaffung der reglementierten Prostttutton namentlich durch Chr. Krohgs ergreifende sociale Erzählung„Albertine" und da? eine Scenc daraus vorstellende Gemälde des Malerz und Dichters der- anlaßt wurde. � Ter Wert deS neuen Verfahrens der öffentlichen Ueberwachung der Geschlechtskranken hängt selbstverständlich wesentlich davon ab, daß es ohne Unterschied de» Standes angewandt wird. daß die Polizei sich nicht scheut, auch höheryestellten Personen die Unannehmlichkeiten einer erzwungenen ärztlichen Untersuchung zu bereiten. Wie behauptet wird, soll die Ueberwachung in Kristiania in dieser Beziehung viel zu wünschen übrig lassen. Eine Bcmdming gegen die Wurmkrankheit hat der öfter» r e i ch i s ch e Minister für Handel und Gewerbe und der de« Innern erlassen. Danach müssen die Bergarbeiter, die in den letzten fünf Jahren in einem ausländischen oder in einem inländischen wurm- verdächttgen Revier gearbeitet haben, untersucht werden. Wird in einem Bergbau das Vorhandensein der Wurmkrankheit festgestellt, so gilt dieser als wurmverdächtig und eS müssen 10—20 Prozent der Belegschaft untersucht werden. Werden in dem zu untersuchenden Grubenschlamm Wurmeier oder Wurmlarven gestmden, so gilt der betreffende Schacht als wurmverseucht. waS zur Folge hat. daß die gesamte unterirdische und die auf Tagbau angelegte Belegschaft zu untersuchen ist. Die Wnrn, kranken sind nach Thunlichkeit in Spital- pflege abzugeben. Die übrigen Bestimmungen erstrecken sich auf die Anlage. Reinhaltung und die Zahl der Aborte, die Beschaffung von gesundem, der Mannschaft jederzeit zugänglichem Trinkwasser, die Belehrung der Bergarbeiter über die Wurmkrankheit usw. Die Ver- ordnung tritt sofort ir Kraft. Gerichts-Zeitung. „Wie FiSkuS dir Stadt prellt". Unter dieser Spitzmarke er- schien am 12. April d. I. in der„Berliner Zeitung" eine Notiz, welche deren verantworttichem Redakteur Richard Loewe eine Anklage wegen Beleidigung deS königl. Eisenbahn-Direktoriums zuzog, die gestern vor der dritten Ferienstrafkammer des Land- gerichts l zur Verhandlung gelangte. In der Notiz wurde mit- geteilt, daß im Jahre 1901 der Eisenbahnfiskus für die Abtretung von zwei kleinen Flächen LandeS an der ehemaligen Stetttner Eisen- bahn in der Nähe der Hochstrahe 20 M. pro Quadratmeter verlangt habe. Der Abschluß hatte sich damals verzögert, weil sich die Ver- Handlungen mit den Rudolphschen Erben in die Länge zogen. Nach- dem diese beendet seien, verlange der Fiskus anstatt 20 M. nunmehr 45 M. pro Quadratmeter, d. h. mehr als das Doppelte des früheren Preises. Der Magisttat müsse diesen Preis bewilligen, weil die Flächen zur Freilcgung der Straße nach dem Brunnenplatz gebraucht würden. Die Siadtverordneten-Versammlung sei ersucht worden. dem Ankauf der beiden Flächen, die jetzt über 30 000 M. kosten würden, zuzustimmen. An diese Mitteilungen waren redaktionellerseitS folgende Be» merkungen geknüpft worden:„Hoffentlich findet sich einmal Ge» legenheit, dem FiskuS diesen unerhörten Wucher ordentlich heim» zuzahlen. Er wird ja wohl auch einmal Land von der Stadt ge» brauchen. Im übrigen wäre es interessant zu wissen, ob der Minister von dieser unerhörten Handlungsweise Kenntnis hat und ob in seiner Absicht liegt, daß die bei den Staatsbehörden bestehende Ab- Neigung gegen Berlin sich in so lächerlicher und zugleich schäbiger Art äußert." Wegen dieser Bemerkungen stellte der Präsident des Eisenbahn- Direktoriums Etrafa'--»z wegen Beleidigung aus§ 185 wie !§ 186 des Strafgesetzbuches. Der Angeklagte/ erklärte, daß die Notiz der Korrespondenz des offiziösen Berichterstatters des Magistrats entnommen sei, der Sachverhalt.entspreche also der Wahrheit, wie er sich dafür auf die eventuell als Zeugen zu ladenden Bürgermeister Rcicke und Journalist Wolter berufe. Die an die Notiz geknüpften Bemerkungen halte er zwar für scharf, aber für gerechtfertigt, und nicht für beleidigend, zumal eine bestimmte Per- sönlichkeit oder Behörde nicht genannt sei. Der Staatsanwalt hielt «ine Beleidigung der Eisenbahn-Direktion als zweifellos vorliegend, er beantragte gegen den Angeklagten 30» M. Geldstrafe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Thiele, führte aus, daß der Präsident des Eisenbahn-Direktoriums überhaupt nicht berechtigt sei, sich beleidigt zu fühlen und Strafantrag zu stellen. Der Artikel richtet sich überhaupt nicht gegen irgend eine physische Person, wie es das Gesetz zur Erfüllung des Beleidigungsparagraphen verlange, sondern gegen den Fiskus im allgemeinen. Schon aus diesem Grunde beantrage er die Freisprechung. Ter Gerichtshof konnte sich diesen Ausführungen nicht anschließen, sondern erkannte, im wesentlichen wegen des unberechtigten und unerwiesenen Vorwurfes des Wuchers auf 1 S 0 M. G e l d st r a f e. Der Mißbrauch und die Beschädigung öffentlicher Feuermelder ist ein Unfug, der in neuerer Zeit überhand genommen hat. In den seltensten Fällen gelingt es jedoch, der Thäter habhaft zu werden. Auf frischer That ertappt wurde der Gürtler Walther Vogel. Nach einer beendeten Bierreise passierte er mit seiner Gesellschaft in einer schönen Mainacht die Petersburgerstraße. Als sie dort an einem öffentlichen Feuermelder vorüberkamen, brachte Vogel den ihm innewohnenden Thatcndrang dadurch zum Ausdruck, daß er mit der geballten Faust die Glasscheibe des Feuermelders zertrümmerte. Aber das Auge des Gesetzes wachte in diesem Falle auch in der Nacht; zwei Schutzleute hatte» den Vorgang mit angesehen und nahmen den Uebelthäter fest. Vogel stand gestern vor dem Schöffengericht wegen Beschädigung eines dem öffentlichen Wohl dienenden Gegen- standes. Seine Behauptung, daß er die Scheibe aus Versehen ein- gestoßen habe, erwies sich als eine einfältige Ausrede. Der Amts- anwalt meinte, daß zur Abschreckung andrer Unfugstifter auf eine empfindliche Strafe erkannt werden müsse, er beantragte 53 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof beließ es mit Rücksicht auf die Jugend und die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten bei 25 M. Geldstrafe. > Wegen Beleidigung eines Kontrolleurs der Krankenkasse hatte sich gestern der Versicherungsagent Otto R a c z i n L k i vor dem Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte gehört nach Ansicht des Vorstandes der Krankenkasse, deren Mitglied er ist, zu denjenigen Leuten, die im Falle der Stellungslosigkeit bestrebt sind, auf Kosten der Kasse ihr Dasein zu fristen. Er liegt seit längerer Zeit der Krankenkasse zur Last, die ihm schon erhebliche Beiträge hat zuwenden müssen. Als der Krankenkaffen-Kontrolleur Engelmann am Abend des 16. Februar über die Kottbuser Brücke ging, bemerkte er zu seinem Erstaunen unter den Passanten den als krank angemeldeten Angeklagten. Er sah, wie dieser in einen Straßenbahnwagen stieg. Engelmann bestieg schleunigst"enselben Wagen, um ihn zn beobachten. Als sie beide wieder ausstiegen, sprach E., um ganz sicher zu gehen, R. mit den Worten an:„Guten Abend, Herr R. Sie sind doch Herr R.? Wie kommt es, daß Sie als Kranker sich noch abends um SV» Uhr auf der Straße befinden?" Der so zur Rede Gestellte, der den Kassenkontrolleur genau kannte, überhäufte ihn mit Schimpfworten und machte Miene, ihm zu Leibe zu gehen. Da? Schöffengericht ahndete diese Ausschreitung mit einer Geldstrafe von 50 Mark._ Sterbekaffe ehemaliger Arbeiterder BerlinerMusikinftrumenten- Fadrik A.-G. vorm. Pietschmann u. Söhne. Sonntag, den t7. Juli, vormittags 9'-, Uhr, bei Dietrich, Brunnensw. 4l: Generalversammlung. 1. Kassenangelcgenheiten. 2. Ausnahme neuer Mitglieder. Beiträge werden entgegengenommen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 17. Juli, vorm. 8'/, Uhr, in der Schul-Aula, Kleine Franksurtersw. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um IG/» Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:..Giordano Brunos Lehre von der Menschenwürde". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Zlllgeincine Kranken- und Stcrbekasse der Metallarbeiter sE. H. W, Hamburg). Filiale Berlin 3. Sonnabend, den 16. Juli, abends 9 Uhr, bei Bcrgener, Neichcnbergcrstr. 157: Mitgliederversammlung. — Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 16. Juli, abends 9 Uhr. bei Merkowski, Andreassw. 26: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 16. Juli, abends 9 Uhr, bei Jfritz, Lothringcrstr. 68: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 6. Sonnabend, den 16. Juli, abends 8'/, Uhr. bei Diccke, Ackerstr. 123: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: 1. Kassenbericht pro Mai-Juni. 2. Verschiedenes.— Filiale R i r d o r f. Sonnabend, den 16. Juki, abends S'l, Uhr, bei Thiel, Berg- straße 151: Mitglicderversamnilung. Marktpreise von Berlin am 14. Juli. Nach Ermittelungen dcS kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Centner: Weizen"), gute Sorte OOM—Oavo M., mittel 00,00-00,00 M., geringe 00,00—00,00 M. Roggen"), gute Sorte 13,60—00,00 M., mittel 00,00—00,00 M., geringe 00,00—00,00 M. Futtergerste'), gute Sorte 14,50—13,50 M., mittel 13,40 bis 12>40 M., geringe 12,30— 11,30 M. Hascr»). gute Sorte 16,00— 15,30 M., mittel 15,20—14,60 M., geringe 14,50—13,90 M. Erbsen, gelbe, zun, Kochen 40,00—28,00 M. spctsebohnen, weihe 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25.00 M. Kartoffeln 12,00-8.00 M. Richtstroh 0,00-0,00 M. Seu 0,00-0,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 3,80—2,40 M. .Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. Wasserstand am 14. Juli. Elbe bei Aussig— 0,63 Meter, bei Dresden— 1,98 Meter, bei Magdeburg-st 0,36 Meter.— Unstrut bei Swaußsurt'-st 0,90 Meter.— Oder beiRatibor-st 0,60 Meter, bei Breskmi Ober-Pegel-st 4,40 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,64 Meter, bei Frankfurt-st 0,44 Meter.— W e i ch s e I bci Brahemünde-st 1,98 Meter.— Warthe Lei Posen-st 0,02 Meter. N e tz e bei Usch— Meter. WitternnsSübersicht vom IS. Juli 1901. morgen» S Uhr« Stationen Swincmdc. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien - H S S Wetter 765 SSO 766 WSW 765 SW 765 NO !768!SW 767. SSO >->« C«f Ä II £» « a 2heiter 2wolkcnl 2 wolkig � 3 wollenst 2 halb bd. 1 heiter Stationen L S 2£ 2= «= S c S'S Haparanda 759 O 4 halb bd. Petersburg 764 W L wolkenl Cork—|——I— Aberdeen 756 SSO 3 Regen Paris 763S �wölken! de» 1«. Juli 1901 Wettet viÄ ei s" CJ& «Jb 17 16 13 24 Werter- Prognose für Sonnabend. Vielsach heiter, sehr warm nnd schwül bei schwachen südlichen Windettz Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst wollen. Berliner Wetterbureau. eingegangene vruckfckriften. Dr. Leo Bossen. Kartelle- Trusts- Ringe und der deutsche Juristcntag, der deutsche KausmannSstand. Preis 1 M. Hclwingsche Verlagsbuchhandlung, Hannover. Jung Rnstland. Neue Novellen von L. Andrejew. M. Gorky, SS. Weressajew.(Internationale Novellen-Bibliothek Band XstlI.) München, Verlag Dr. I. MarchlewSki u. Co. Geb. 1,50 M.. geb. 1.75 M. Eduard Bernstein,„Zur Geschichte und Theorie des SocialiSmus." Neue, umgearbeitete und ergänzte Ausgabe. Teil I. Zur Theorie deS Lohngesetzcs und Verwandtes. II. Probleme des Socialismus. III. Socio- listische Konwoversen. Preis komplett M. 6,—, geb. M. 7,—, jeder Teil einzeln M. 2,—. Berlin, Fcrd. DümmlerS Verlag. Die Lage der Bäckerei-Arbeiter Deutschlands nach statistischen Erhebungen des Vorstandes des deutschen Bäckervcrbandes im Januar 1904. 189 S. Preis 1 M. Hamburg 1904. Verlag: O. Allmann, Maxstr. 6. Staatsstreich oder Reformen! Politisches Resormbuch sür alle Deutschen. Versaßt von einem Ausland-Dcutjchcn. I. Teil. 317 S. Verlag: Zürcher u. Furrer, Zürich(Schweiz). Dr. Friedrich Fasolt, Die sieben größten deutschen Elcktricitäts- Gesellschasten, ihre Entwicklung und Unternehmerthäügkeit. Eine volks» wirtschastliche Studie. 207 S. Verlag: O. V. Böhmer!, Dresden 1904. Gesundhettsbüchlei». Gemeinsaßliche Anleitung zur GesundheitS« pflege. Bearbeitet vom kaiserlichen Gesundheitsamt. Mit Abbildungen im Text und drei farbigen Taseln. Zehnte Ausgabe. Berlin, Verlag von Julius Springer. Preis: kart. 1 M., gebunden 1,20 M. Gcwerbewesen. Von Werner Sombart. Erster und zweiter Teil. Preis jedes Teils gebunden 80 Pf,(Sammlung Göschen.) Leipzig, IG. I. Göschensche Verlagshandlung. Für den Inhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beraunvortniig. Ukeater. Sonnabend, den 16. Juli. Ansang VI, Uhr: Neues köuigl. Opern- Theater. Die Puppe. Belle-Alliance. Gastspiel von Emil Winter-Tymians in diesem Genre einzig dastehenden sächsischen 15 Humoristen und Sängern. Lieder, Couplets und Einakter. Ansang 8 Uhr. Schiller«.(Wallner- Theater.) Lleffandro Swadella. Weste». Alt-Heidclberg. Eeiitral. Hanne Nüte und fin lütter Pudel. Tarl Weist. Der Weg zum Herzen. Stadt-DheaterMoabit. Großstadt- zauber. Metropol. Ein tolles Jahr. Winter- Garte». Edith Helena. Heloise Titcomb. SpcciaUtäten. Apollo. BenuS aus Erden. Speciali« täten. NeichShallen. Gastspiel von Oskar Junghähnels humoristisch. Herren- gesellschast. Passage-Dlieater. Terka Semmeloff. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Danbeustraste 4K/40. Die Weltausstellung in St. Louis. Hieraus: Der Ga�dasee. Jnvalideustraste 57/02. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Scbiller-Tlieater 0. lWallner-Tbeater). Morwist-Oper. Sonnabendabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Alesiiandro Stradella. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben Preisen: Tlndliie. Sonntagabend 8 Uhr: DI« Jüdin. Montagabend 8 Uhr: Zum erstennial(neu einstudiert): Die Entführung aus dem Serall. Der Sommergarten ist eröffnet. Im Garten des Schiller-Theaters N. täglich großes Militär-Konzert. Centrai-Theater Fritz Renter-Cyklnu. > Uhr: Gastspiel des kgl. Hosschau- spielers Emil liidiard. Olle Kamellen, Hanne Nütes Abschied. Morgen: Diesewe Vorstellung. Hetropolsliellter Lei' gräte Erlolg dieses Jahres: • Gr. dramatisch- satirische Revue in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor HoUaender. Anfang 8 Uhr. Raachen überall gestattet, Ostbahn-Park. Am Küstrlnerplatz. RUdersdorferst. 71. Hermann Imbs. »«glich t Gr. Konzert, Theater und Sxecialitäten- Korstellung. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltausstellung in St. Louis. Hierauf: Der tiardasee. Sternwarte Sl«; Priedrichstr. 165. Die vielbewunderten zusammengewachsenen Schwestern Roaa und Josefa: !! einzig dastehend In der Welt!! Das Biii-emveib, lebend. Der 16 jährige Riesenknabe Der lange Josef _ 217 ctm gross,_ UV** Nada und Mnemos,-MG Gedankenleser. Derljeichenfnnd. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Passage-Theater. Terka Semmetoff Farcical-8onbrette. Die mysteriöse Uhr, Vierzehn erstklass. Nummern. Carl Weiss-Theater. Große Franksurtersw. 132. Nur noch wenige Aufführungen: Der Weg zum Herzen. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachnnttag 3 Uhr, kleine Preise: Othello, der 14ohr von Venedig. Im Garten Vorstellung. Ansang 5'/, Uhr. Heute: Gr. Sommerscst it. Benefiz der Herren Scheibach u. Free. Apollo-Theater. 71il4Uhr: Gr. GaftcnUonzert. 8 Uhr: Die Attraktionen des graben Juli- Specialitäten- Programms und Emmi Krächert. 91/. Uhr: Venus auf Erden. Operette von Paul Lincke. Am Künigsthor. Am Friedrichshain. Tttgllch: Thtätcr-Verjtcltmg mit wechselndem Programm. Am 1. und 15. jeden Monats Specialitäten- Wechs el. Zum Schluß: Die Reetzenburg. Volksstück mit Gesang in zwei Akten. üntccc 30 Ff. Täglich: j Jeden Mittwoch: lieue freie VoIHsbiilsDe. Heute Sonnabend, den 16. Jnll, in den Gesamträumen der„Brauerei Prie drichsh aina(am Königsthor): Sommerfest. Grosses Künstler-Konzert ausgeführt Berliner Sinfonie�Orchester i f fxh rt a RsI/Ia«. dargestellt nach dentschen Volksliedern, aL» CU Vit LS Cf AJ 1 1 vi Cl. ausgef. v. Mitgliedern des Turnvereins„Fichte". . Mitgliedern i BÜhne* �f_h,"!nwn.n' Horst, Sali.| Kinderfest Bunte uaanisw,. Walde-Sttnger. Preiskegeln.* BUcherrerloanng. ■r* Grosser Sommernachts• Ball.' Anfang des Konzertes: abends 6 Uhr. Die Kafleeküohe ist von 3 Uhr ab geöffnet. Eintrittskarten a 30 Pf. sind an der Abendkasse zu haben. Kinder frei. 150/10 Der Vorstand. I. Ä.: Heinrich Neil, Kassierer, Veteranenstr. 6. Belle-illiance- Theater. Im Theater abends?>/, Uhr: Zmil XVinter-Tyinians 15 Humoristen und Sänger 15. Im Sommergarten von 6 Uhr ab: Ourt Qoldmann-Konzert. Bon 8 Uhr ab: Glänz. Specialitäten-Programm. Nur allererste Attraktionen. Snnssnnvf. Koltbüler Thor— Stat. der Hochbahn Täglich im Garten: Hokkmsnns Norddeutsche Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. _ Wochentags haben Vorzugskarten. auch die zu den Theaterabenden ausgegebenen, Gültigkeit. Ettthlissktitettt StWenhagen Horltzplatz. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im grasten schattigen Natur. garte» jede» Abend 8 Uhr: ItonzoFt. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends f 3 ü Z im Kaisersaal: a ker n-Allee 7 9 Täglich: Vineta. Pantom.: Kalamitäten in der Küche. Sataneilo-Trio. Wardlnis. Clown Steffi. Romeos. Ball, Konzert, Specialitäten. Auf. 4 Uhr. Einw.30Pf.Num. PI. 50 Pf. Flotten-Schauspiele Knrfärstendanun 153/156. Hte MMkwW der Well Täglich zwei Vorstellungen, um 4 und 8 Uhr. Sonntags drei Vorstellungen, um 3, 5'/, und 8 Uhr. Die Flotte in» Frieden nnd in» Kriege. Beschiessung von Port Arthur durch die japanische Flotte. ♦ Vollständig gedeckte Tribüne. ♦ Konzertmusik. ♦ Preise der Plätze: Mittelloge M. 4,10, Seitenloge M. 3,10, Parkett M. 2,10, I. Platz M. 1,60, II, Platz M. 1,10, Stehplatz 55 Pf., in den Nachmittags-Vorstellungen Preisermäßigung. Die Tageskasse ist von 10 Uhr vormittags an geöffnet. 15/7» Eintrittskarten sind in allen Geschäftsstellen von I-oeser/,. Man wende sich an V. H. Kohwer in Friedrichstadt a/d. Eider._ 15/45 Düsseldopfep Lotterie zu Gunsten der St. Reehue-Klrohe. Ziehung schon£S. Jnll 1 5,379 Gewinne i. W. von Mk. 120000 Lose k 2 U.- II St. 20 M (Porto u. leite 30 Pf.) Osca[liäDerlto.llackf. Grat- H. Pankge-ohätt. Berlin W.. Frledrlcliatr. 181. Filialen: SW« Wltsnackerslrasse 03. O., AndrcaMstraese 40a. RENNABOR-, Neder Mrt�fnlirer ist cntjückt über öieSkuyeilayen be« Aren- nabor-Uftade» vril öle wltten fUflub/idjer sinö und im Saufe eine» Jahre» tmr einmal frt/dje» 9el nöthig haben. ___ Ueberall Vertretungen t�ataloge postfre». Filiale: Berlin W., K-fonen-Stras�e 11. Mr Ardtitcr, Jeder Handwerker sollte zur Hrbeit die Lederhose Herkules tragen. Allein-Verkaus. Sehr starkes Leder in prakttschen grauen u. braunen Streif«», auch cinsarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet. Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Greste Flicken umsonst. Die Hose Iba Entnahme von /f(vy,._ 6 Stück 26 Mk. Mk. SO Echtblaues Monteur-Jackett IM. 90 Echtblaue Monteur-Hose.. IM. 50 Echtblaues Monteur-"Jackett Prima Köper-Gewebe.. SM. 50 Echtblaue Monteur-Hose Prima� Köper-Goivebc..SM. 10 Manchester-Hose 8,75,5,50,4,50, 3 M. 50 Gefüttert. Mancheft-Jackett 14,50 8,75 Weiste Friseur-Jacketts 3,50, 2 M. 75 Konditor-Jacken, Lreihig.... 4M. 60 Maler-Kittel... 3,—, 2,50, 3 M.— Mechaniker-Kittel(braun) 3,—, 3 M. 40 Weiste Leder-Jacketts, 2reihig 7 50 3 M. 75 Weiste Lederhosen... 4, 50. 3 M. 90 Kesselrciniger- Anzüge, blau, nach Vorschrift...... 6 M. 50 Die Preise gelten sür normale Größen. Baei* Soltsi En gros. Export. En detail. Chnnffecstr.Sla/Sö.Brückeustr.ll. Gr. Frankfurtcrstr. 36. Die 23. Preisliste 1904 wird kosten« los und portofrei zugesandt. ■Sei Bestellung von Hosen ist die Bundweite und die Schrittlänge, bei Jacketts und Kitteln die Brnstweite anzugeben. 5640L* — Versand von 20 M. an franco.— Nachdruck Verbote»! �SosssFiseker� ' � Kohlen-Grosthandluna'* Kohlen-Grosthandlung Berlin 0. 84, Brombergerst.19/20. Preise ab Plast von 16 Ctr. an la Ilse, Salon-Briketts 7" p.Ctr. 85 Ps. la Henckels Werke, bo. 6u.7", 80, la Senftenberger, bo. 6u.7" Anna, Adler, Marie, Industrie-Briketts, Halbstelna Bruch-Briketts..... srei Keller pr. Ctr. 10 Pf. inehr. Steinkohlen, GascoakS, Anthracit.Holz zu billigsten Sonnncrpreisen. 60 Handwagen verleihe zu Kohlen. >* 65 60 IFathan Manck, 13» Skaliherstr. 139. Die schönsten 57212*| Herren-Sommer-Paietots und Anzüge �"7� Monats-Garderobej von Kavalieren getragene Sachen,! fast neu, sür jede Figur Pasiend,| Itzeciell Bauch anzüge sind ist» großer AuSlvahi stets zu staunend s billigen Preisen zu haben.| fatban 139 Dkaliherftr. 13».- zochbahnstation Kottbuscrtbor. Bitte aus Hausnummer zu achten. 1 Kinderwagen neu! hochel egant t _ unverwüstlich und beispielloe billig, weil direkt ▼. der ältesten# größten sächsischen Kinderwagenfabrik J. Tretbar, Grimma 134 MeinKatalog-DeinBab» geber. Sago beim Ka» oh gegen Bar mit 10% Babatt# od. bequeme Teilzahl. �-cwCmackU Leihhaus I frieilriElslr. 131 D Ecke Karlstrasse verlaust 2566b! zu enorm billigen Preisen.- 1 Aimize schon von 8 Mk. an bis 86 Mk.> Hocbeleg. Gehrock-Anzüge. Frttbjahrs- Palelots schon für 6 Mk. biS 36 Mk.! Gold., silb. Uhren, Ketten,! Ringe spottbillig. Cigarren 166 St. für 3Mt. bis 16 Mk. Piano billig zu oerlaufen. HL. Ankauf und Beleihung I von Waren aller Branchen, Gold, I Silber, Brillanten. Pfand- und I Lagerscheinen. WMÄM ZÜÄN ILxtrÄ-�nxebot kür~7— c/1"--""— Ofl�DDStSi�l 50 lanSe der Vorrat rdeht; ü« SlIl!DlUITSGGZi0°. Steinguit. Speiseteller, glatt, tief u. fiadi... stück Speiseteller, gerippt, tief u. flach... Stück Speiseteller, dlau, tief u. flach... stück Brotteller, weil.......... stück Brotteller, Wau......... stück Bratenschüssel, gross, wews, stück 38 u, Cssnäpfe, weiss......... stück Milchtöpfe, weiss.... i stück 5, 10, Kaffeekannen, weiss, stück 20, 33, 45, Mesten, blau Zwiebel........ Stück Salatschüsseln, weiss... Satz 38 U. Salatschüsseln, bunt... Satz 85 u. 1 7 Pf. 8 Pf. 10 Pf. 6 Pf. 8 Pf. 48 Pf. 15 Pt 1 3 Pf. 55 Pf. 35 Pf. 55 Pf. 20 Pt Geld sparen Sie Qutbnob gMthatd Compotschüsseln stück 30,25, 20, 1 5, 1 0 Pt Compotteller.......... Stüde 5 Pt Zuckerschalen......... stück 20 Pt Butterdosen.......... Stüde 20 Pf. Käseglocken.......... stuck 38 Pt Citronenpressen........ stück 1 0 Pt Milchsatten........... stück 6 Pf. Bierbecher V« U mit Ooldrand... 6 Stück 40 Pt Morte ANWEISUNO. 0. R3.il 102681 Jeder R&ufer empttiiKt»ai Wunaob für je«5 Ptg. det beuhlteD Brtruree eine Sparmarke. Diese Marken klebe man In die anf der Innenseite der Sparkarte rorgedr nckten Felder. Sobald samtliebe Felder beklebt sind, wird der Spar betrag(allig unlt .. 1 MARK In bar ansgeaablt Bs Ist gestattet, die t&lltgen Sparkarteu an sammeln and den Sparbeirag jederaeit, auch erst am Jabretsohlosa■■ erbeben Aal einzelne Artikel«erden keine Sparmarken«arebfelgtt bei Beflutznng unseres Sparkassen- Systems! ST Verloosungsgegenstände und Scherz-Artikel. Kasserofen, 5 Grössen;;; von 25— 48 Pf. Kasserolen mit Ring, 5 Grössen von 33— 80 Pf. Schmortöpfe, s Grössen.. von 35— 70 Pt SchmortÖpfem. Ring,50rössen v, 48— 95 Pt Maschinentöpfe, s Grössen von 1 2— 50 Pt Arbeiterkannen.... 30, 35, 45 Pf. Schüsseln, 10 Grössen... von 1 6— 45 Pt Müllschaufeln ans einem Stück.... 35 Pf Seifnäpfe für die Wasserleitung.... 1 4 Pf. Kaffeesiebe............ 1 4 Pt beuchter............. 20 Pt Löffel............... 7 Pt Vi V« FL Himbeer- u. Kirschsaft 87, 43, 28 Pt Erdbeersaft..... 1.10, 58, 32 Pt Oliven-Oel..... 37. 46, 24 Pt Braunschweiger Mettwurst Pfd 75 Pt Westfälische Bratwurst..Pfd. 85 Pt Schinkenspeck.....,. Pfd. 85 Pt Wo? ist der schönste Ort für Landpartien und AuS< finge per Dampfer. Kremser und zu Fust durch den Grunewald zu erreichen? Ruf der Insel ö Pichelö Werder. Wirtshaus zum Freund. * Bei schlechtem Wetter Unterkunft fDr 1500 Personen. W. Zand Hut-Fabrik, Skalitzerstr. 131. jmm Grösstes Speclal-Gesehäft h*. für Seiden- und Filz- Hüte. ifBSr Laffor In Hchirmen and nutzen.-W»[5567iJ+ f underte von blühenden Aindern sterben in jedem ommer an Brechdurchfällen. Einen Schutz gegen diese Krankheil bildet eine rationelle Ernährung deS Säuglings. wie fie am besten durch KufekeS Kindermehl mit Btilch erreicht wird. KufekeS Kindermebl macht die Milch im Magen des Kindes leichter berdaulich und bildet, weil es die Gärungen im Darm vermindert, einen wenig günstigen Nährboden für Krantheitskeime. Ueberhaupt macht das Kufeke-Kindermehl durch seinen Gehalt an Nährstossen den gesamten Organismus und damit auch den Magen und Darm des Kindes wider» standssähiger gegen die Krankheitskeime. Die meisten Brech» tmvchfälU betreffen Kinder mit ungenügender oder nicht rationeller Ernährung. 38342 S. Piket, Kerrett- und Knaben- Garderoben, jetzt 44, Prinzenstr. 44. Laden. Zeige meiner geehrten Kundschaft hierdurch ergebenst an, dass loh mein Geschürt von Prlnzenatr. 77 in die bedentond vergrttswerten UUume 44 Prinzenstr. 44, gegenü-bar d6m verlebt habe. alten Geschäft, 53641/ noimtM-Gardcrohe. Jedes Wort: als IS Buchstaben zählen dopoclt. Kleine /Inzeigen. M ihen zählen doppelt. ��WW>MDD Mm r Strasse 61 Verkäufe. Nnssteuerwäschr, spottbillig, PsandleihhanS Weidenweg ig. �41' Betken, Bellstücke, Beilwäsche, Bettinlette. spottbillig. Psandleihbaus Weidenweg 19�_ Hl* (f tflnrrc n, spottbillig. +41« Damenuljren, Damentetten, Damenringe, Trauringe, Schmuck» fachen, spotwillig, Psandleihhau» Weidenweg 19._+41* ErstannenSvoll spottbillig! Jackett. anzüge, Herrenhosen, Remontoir- uhren, Herrenletten, PsandleihhanS Weidenweg 19._+41* Aretschwinger, Regulatoren, spott. billig I Gardinen, spottbillig I +41« Steppdecken, Teppiche, +41« Handtücher, Hemden, einschütte, spottbillig I_+41* Jmmerwithrend empfehlen meine Kauskunden ihren Nachdarsleuten diese bevorzugte günstige Einkaufs. qmlle: Eentral-Psandleihe, Weiden» weg 19. Verkaufszeit bis neun.+41« Teppiche k(sehlerbaste) in allen Groden für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhof Börse. 142/12» Hochvornehme Herren« Anzüge PalelotS, Beinkleider, vorjährig, auS jeinsten Madstofsen, spotwilltg. Deut. sches BersandhauS, Lägerstrahe 63, eine Treppe. 23SSK« Sofas, größte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik Blumenstraße 35 d. 2361K« Fahrrader, Teilzahlungen, hundert» fünfzehn Mark, Jnvaltdenstraße 148 (Eingang Bergstraße), Skalitzer» straße 40, Große s+ranksurterstraße 56. Nähmaschinen, gebrauchte, Wheeler-Wilson von 8 Mark unb Langschiss von 1» Mark an. Bell» mann, Gollnowstraße 26. 2368K« GardinenhanS GroßeFranksurter» straße 9, parterre.__+37* vorjährige Hochelegante Herrenanzüge und PalelotS auS feinsten Maßstossen, 25 bis 4V Mark. Versand» Haus Germania, Unter den Linden 21. \ und Wringmaschinen. beste Bei Am Dualität, billigste Preise zaHIung roulante Bedingungen. S. Bellmann, Gollnowstraße 26, nahe der Landsbergerstraße. 2370K« Stück 95 Pfennige. Bessere Sachen enorm billig. Hntsabrik, Eomptoir Neue Friedrichstraße 81 1, Ecke König» straße, und Holzmarktstraße 37 a parterre, früher Kaiserstraße 2571. Sonntags geöffnet. 238351« Malztraftbier, blutbildend, für Blutarme, Brusttranke, Schwächliche, Gewichtszunahme, bessere Gefichts- sarbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark,'/,, Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschenzahi, Dualität ent- scheidet. Porter- Kellerei Ringler, Bernauerstraße 119._ 143/1* Ttriitmaschinen, auch Teilzah- .lungen, Bredereck, Engeluser 20.« Obst», Gemüsegeschäst, gut gehend, ohne jtonsummarken, wegen Krankheit sofort zu verkaufen Aorkstraße 52.« Gelegenheitskauf k Sumatra- deckblatt, Helles Vollblatt, schneeweißer Brand, verzollt 1,25 Mark daS Pfund. Java-Umblatt verzollt 1 Mark. Donnaier, Kaldenkirchen, Benloer- straße.__ 21286* Kiiiderwageu, elegante Gondel. orm, Sportwagen, K!" pottbillig. Schneider, traße 172._ Kurfürsten. 2329b« Parzellen jeder Größe, 2>/, Mellen vom Centrum Berlins, Duadratrute 6 Mark, idyllisch gelegen, verkauft b Rixdors, Li Schulz. Lenaustraße 12/13. Nähmaschinen sämtlicher Systeme ohne Anzahlung, Woche 1,00. Ge« brauchte 10,00. Postkarte genügt. Frankfurter Allee 10, am Ring« bahnhoß+141« Ringschiffchen. Bobbin. Schnell- näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Kcpnickerstraße60/6t, . renzlauerstrahe 59/60 Franksurlerstraße 43. und Große +98« Ueberzieher, Herrenanzüge, wenig getragene Monatsgarderobe von 6 Mark an, große Auswahl, für jede Figur, auch neue zurückgesetzte kaust man am billigsten direkt nur beim Schneidermeister Fürstenzelt, Rosen- thalerstraße 15, III._ 143/3« Eteppdeeken billigst Fabrik Große Frantiurlerslraße 9, parterre.+37« Wirtschaft, 9 Zimmer Möbel, auch uzet straße i28a, I. billig. Köpnicker- 27126 Petroleumkocher! Einstämmig 1,00, zweiflammig 2,00. Wohlauer, Wallnerlheaterstraße 32. 240155« Gaokocherhaus! EinIoch-IZaS- kocher I 0,80. ZwellochgaStocher I 2llr Dreilochgaskocher I 6,00. Gasbügel, apparat I Gasplättelsen spottbilug! WohIauer,Wallncr«Theaterstraße32.« Betten, spottbillig, 18,00. denerstraße 38, Michel. Damenfahrrad 75 Mark. Grüner Weg 91. Obstgeschäft Drei- 2713b Mchel, +41 zwei Gest für 350,00, wegen äste. Grüner Weg 120. 2700b Nähmaschinen aller Systeme ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Fünf tihre Garantie. Unterricht im ticken, Stopfen gratis. Postkarte genügt. Wiencrstraße 6, Acker» straße 113, Bellealliancestraße 78. Sofa, wie neu, 18,00, Annenstraßc 50, Keller. Schmitt, 15/16 Dame verkaust Paneelgarnitur, Trumeau, Teppich, Tisch, Ueber- gardwen, umständehalber, noch neu. Wiclesstraße 28, Hochparterre. Be- fichtigung biS 5. Hoppe._ 1/16 Abreisehalber verkaufen junge Leute Wirtschast, Pancelgarnitur, Bettstellen, Schranke, Säulen sofort, noch neu, Schönebergerstraße 7, Hos parterre.___ 1/16 Deppiche mit Farbensehlern Fabrtk- niederlage Große Franffurterstraße 9, parterre._+37* Obst-, Gemüse», Mehl-, Vorkost- Geschäft für 500 Mark mit Waren- bestand zu verlausen. Woldenbergen straße 12,_ 27216' Verschenke meine nachweislich gutgehende Destillation, wer meii Instrument kaust, passend für Prolei tarier. Näheres Schade, Köhnicken straße 126. Quergebäude Keller.+73 Restaurant. Parteilokal, drei Ver» eine, Zahlstelle, ist wegen 55rankheit zu verkaufen. Zu erfragen bei öpser, TreSckowstraße 59.+61 Eisspinde, Schlaffosa und mehrere Mahagoni- und Rutzbaum-Möbel ver- kaust Posenerstraße 5, Keller.+41 Verscliieäene«. Zlufpolsteruiig! Sofa 5,00, Matratze 4,00, auch außen» Hause. Bachmann, Blumenstraße 35 d. 235855« Kahrräderankauf. Möbel, Pianlno- Beleihung. Ratzlaff, Schönhauser Allee 163a. 239555« RechtSbnreau(Alexander-PIatz), Kurzestraße achtzehn! Gerichtssachen, Interventionen, Strafsachen, Ein- gabengesuchc. Raterteilung. 115/19« RechtSbnreau! lAndreasplatz), Grünerweg vierundneunzig. Lang- jähriges I Erfolgreichstes l 2631b« Patentanwalt Dammann, Ora- ntenstraßc 57, Moritzplatz. Rat in Patentsachcn._ 26286* RechtSbnreau, Kerichissetretär, früherer, AndreaSstraße 38. Sonn- tagsdienst.__ 27076* Parteigenossen, Freund« und Bekannten mache ich ans meine Restauration, Grüner Weg 23, aus- Paul KobuS. Gastwirt.• merljam.______ "Fahrräder-Ncparaturcn, sauberste Ausführung, billigste Preise, Große Fianisurterstraße 14, Kümmerest.+41 glahrräder-Berlcihung. Einsitzer, Zweisitzer, Dreisitzer, billigst. Große Franksurterstraße 14, Kümmerest.+41 Anzeigen den Annakmtstellen Jilr Berlin bist Uhr, /Ur die Vororr e bis 12 Uhr, der Hauptexpedition Lindtn- strasse69 bis S Uhr aneenommen. Komiker Elsholz. GropiuSstraße � ebste A werden erlin Vermietungen. Lagerkellcr. hell, groß, Gas. anschiuß, auch Werkstatt passend, Tilsiterstraße 25 a, monatlich 12,50, 7.50. 2705b' Wohnangeik Mühlenftraffe 8, nah« Station Warschauerslraße und Stralauer Thor, sind vom 1. Oktober billige Woh- nungen von 2 und 1 Stube mit Zu- behör zu vermieten. Nähere» da- selbst beim Verwalter, 8—10, 2—8.' 2 Stuben, Küche, allewiger Kor. ridor, 1 Stube. Küche, alleiniger Korridor billig Exerzierstraß« 3. Zimmer, Waterloo-User 2, viert« Etage links(Hallesche» Thor), zwei möblierte Zimmer, ein auch zwei Herren, preis. wert zu vermieten._ 27036 Schlafstellen« Teilnehmer für möblierte Schlaf» stelle sucht Witwe Jacobey, Kolberger» straße 26.__» Möblierte Schlafstelle, vorn, Bal» kon, 10,00. Zimmer, Litthauerstraße 13. Mletszesucha, Leere Stube sucht ruhige Mieterin. Gegend gleichgültig. Offerten mit PreiS: 101, Postamt 57. 2701b �rbeitsmarkt. Stellengesuche« Humorist Max S chmeltzer, Rügener straße 10.+102« Stellenangebote. Tüchtiger Barock-Vergolder sofort. Berg, Chauffeestraße 82. 2717b Schuhmacher wird verlangt Holl- mannstraße 39._ 27106 Tüchtige Maurer werden ein- gestellt Baustell« Pannierstraße 23/24, Rixdorf. 27ltb Perfekter Vieger gesucht. Kamm- sabrik, Thausseestraße 82._ 27166 »auanschliiger verlangt Schlosserei R. Blume, Charlottenburg, Schiller- straße 97._ Geübte Packerinnen auf waren sucht Heinrich Lewh, straße 45. Leder- Rilter- 2708b Tchulmädchen sucht Becher, Man» teuftelstraße 2.+9 I« RrbeitSmarkt durch besonderen Druck hervorgehoben« «nzetgen kosten 40 Ps. pro Zell«. 1 Maschinen schlolser welcher bereits auf Albumschnitte ge Z arbeitet hat, kann sich melden bei iRl«*«& Pohl, Lichtenberg, Herzbergstr. 105/06. Verband der llllöbelpolierer. DM- Der Arbeitsnachweis sür Sudost und Rixdors befindet sich nur beiZzschacksch.Naunynstr. 6.(Telephon» Amt IV Nr. 5729.) Bei Mohn, Heinrichsplatz, wird Arbeit für Möbelpvlterer nicht mehr vermittelt. ES ist Pflicht aller Kollegen, ihre Arbeitgeber aus obtgeS sofort aus- merksam zu machen. 146/20« vei- Voe-Mtaad. Verantw. N'dakt'vr: Pgiil� Büttner Berlin. Für den Inseratenteil ver-mtw.' Tb. Glocke, Berlin, kvruck u. Verlag: Vorwärts Buchdri'clcrei'i V�lggsanslalt Paul Singer Sc Co., Berlin