N». 167. RbpniKmeftli'SnUnannfin: Abonnements> Preis prSnmneranb» i BierteljShrl. S.Z0 SRI., monotl. tlO Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntag»« Beilage.Die Neue Welt- lv Pfg. Post« Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen tl« dt« Post. ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sllr Deutschland und Oesterreich- Ungarn jj Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. «rfchtim«glich»«II» mosl-g». 21* Jahrg. Vevlinev VolksblAtt. Ok Tnlortioni'Gebülir betrögt für die sechsgespallene Kolonel« zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewcrlschastNche BcreinS- und BersammlungS-Anzeigen 2b Pfg. „Kleine Hnrtlgen", das erste(fett« gedruckte) Wort 10 Psg., jede» weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zöhlen sür zwei Worte. Inserate für die nöchste Nummer müssen bis b Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Tonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormtttagS geössnrt. Telegramm-Adresse: „SozlaltUmokrat Rcrila". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfchlande. Redahtlon: SRI. 68» Lindenetrasse 69. Kernsprecher: Amt IV, Nr. I»83. Dienstag, den 19. Jnli 1994. Expedition: SM. 68» k.indenslrasse 69. Aerusprechert Amt IV. Nr. 1»84. Die Tagesordnung des Parteitages. Die Tagesordnung, die der Parteivorstand soeben für den bevor- stehenden Parteitag in Bremen veröffentlicht hat. nötigt zu einigen Bemerkungen und zu einem Borschlag. Der Parteivorstand hat sich fast völlig auf die alljährlich wieder- kehrenden Berichterstattungen beschränkt s darüber hinaus gehen lediglich Punkt 5 und Punkt 7 der Tagesordnung, deren elfterer einige Abänderungen des OrganisationsstatntS zur Beratung bringt, während der letztere die schon vor zwei Jahren in München vor- gearbeitete Kommunalpolitik fertig stellen soll. Diese Beschränkung erscheint uns jedoch nicht wünschenswert. Unsre Parteitage haben eine zweifache Aufgabe. Einmal sind die Angelegenheiten der Partei zu ordnen und der Parteiorganismus innerlich zu festigen. Andernteils sollen die Parteitage die Stellung der Socialdemokratie zu den jeweiligen, die deutsche Oeffentlichkeit allgemein berührenden Fragen bekunden und also propagandistisch in das ganze Volk hinaus politische Anregung und Belebung tragen. Keine dieser beiden Aufgaben soll durch die andre be- einträchtigt werden, und unsre früheren Parteitage haben stets mehr oder minder beiderlei Bedürfnissen Rechnung getragen. In der Tagesordnung des Borstandes für Bremen aber ist das agitatorische Wirken des Parteitages so gut wie nicht bedacht worden. Auch die„Kommunalpolitik" soll eine innere Parteifrage regeln und interessiert zunächst allein die engeren Kreise der Partei- genossen. ES ist also nichts auf der Tagesordnung, was die Massen draußen ergreift und begeistert. Der Parteitag könnte danach für die Regelung der internen Partei-Angelegenheiten wichtiges leisten, aber er würde sich der großen Oeffentlichkeit allzu- sehr verschließen. Die größte Partei Deutschlands hat aber auch auf ihrem Partei- tage die Pflicht, sich als Führerin und Wegweiserin aller deutschen Geschicke zu erweisen. So wenig wir wünschen, daß unsre Partei- tage irgendwie zum Parade- und Schaustück werden, so sehr ist eS erforderlich, daß sie die aktuellen Probleme der Politik umfassend und eindringlich behandeln. Millionen blicken auf unsre Partei und unsre Parteitage, sie erwarten von da Belehrung und Begeisterung. Nun kann eingewendet werden, eS sei die Dürftigkeit der Vor- standS-Tagesordnung sogar zu bewillkommnen, weil hierdurch eine ausgiebige Diskussion der aus der Partei kommenden Anträge ermöglicht werde. Wir zweifeln auch nicht, daß gerade diese vortreffliche Absicht unsre Genossen im Parteivorstand geleitet hat. Wir billigen eine solche Absicht im vollsten Maße, aber zu« nächst ist noch gänzlich ungewiß, ob überhaupt aus den einzelnen Wahlkreisen erhebliche Wünsche und Anträge an den Parteitag gelangen. Dann wäre eS auch verfehlt, jedem Wunsche und Antrage breitere Diskussion einzuräumen, vielniehr wird der Partei- tag selbst stets das Erhebliche vom Unerheblichen sondern müssen. In keinen, Falle aber darf man, weil aus den Wahlkreisen beachtliche Einzelwünsche an den Parteitag kommen können, dasjenige von vornherein unterlassen, was dringend er- forderlich ist. Zweifelsohne aber bietet die jetzige politische Si- tuation Deutschlands eine Fülle von wichtigsten Fragen, die eine Erörterung auf dem Parteitage dringend erfordern. Es bedarf keiner ausführlichen Darlegungen hierüber, da die Dinge selbst bekannt sind; einige Andeutungen können völlig genügen, um unsre Meinung zu verdeutlichen. Wir sehen in den Parlamenten fast aller großen Bundesstaaten außer Preußen Wahlrechtskämpfe. In Bayern sind die Be- muhungen, zu einem besseren Wahlrecht zu gelangen, wiederum ge- scheu irr, aber die nächste Landtags- Wahlbewegung wird unter dem Zeichen der Wahlrechtsreform stehen. In Hessen ist eine Wahlrechts- reform fast vollendet, in Baden ist sie gesichert. In Preußen dagegen bleibt alles in eisiger Starre. Bald aber nach dem vorigen Parteitage hatten wir die preußische L a n d t a g S w a h l und die crstma ge Beteiligung der Socialdemokratie an ihr. Drängt eS sich - �öebnis dieser Aktion im Zusammenhang mit den Wahlrech skampfen in den Bundesstaaten zu erörtern? Dieses Thema würde gipfeln'"der Feststellung der Gefahr, die auS Preußen dem Reiche droht, es wären die Treibereien der preußischen HerrenhauSler gegen das ReichstagS-Wahlrecht und die Bülowsche Bereitwilligkeit zu solchen Plänen zu behandeln. Ble zusammenfassende Darstellung dieser Vorgänge und die Lrientrerung der Partei zu ihnen würde eine ebenso auf- klärende wie agitatorisch wirksame Aufgabe- des Parteitages be- deuten. Wollte der Parteitag aber auch diese Frage der Wahlrechtsreformen und der preußischen �unkerrcaktion sei es in andrer Fonn als in einem besonderen Abschnitt der Tagesordnung behandeln, sei e» sie Ilm ein Jahr zurückstellen,>0 erscheint uns die Erweiterung der Bremer Tagesordnung unausweichlich hinsichtlich der deutschen Schul frage. Die Vermuckerung der VollSschule macht reißende„Fortschritte". Während in Frankreich d'e Schule vom Alp des kirch- lichen Dogmatismus befreit werden soll, wird in Preußen die kümmerliche Geistesbildung der unteren Volksklassen systemattsch mehr und mehr der Frömmelei überliefert. Die Vorgänge in der letzten Session de« preußischen Abgeordnetenhauses haben gezeigt daß keine einzige der dort entscheidenden bürgerlichen Fraktionen der Orthodoxisierung und K �ikalisiening der Volksschule Klassenherrschaft zu zähmen. Im nächsten Winter wird d.e Schul- frage weiter das Abgeordnetenhaus beschäftigen. Und in diesen elementar wichtigen Kämpfen um das höchste Gut des Volkes, um die Schule der proletarische» Jugend, sollte die Socialdemokratie nicht das erste Wort haben? Soll liberalen Gruppen, die doch stets in Halbheiten stecken bleiben, der Kampf gegen die Ver- kümmerung der Volksschule überlassen werden? Unsre Partei ist ausgeschlossen von der gesetzgeberischen Arbeit in Preußen, um so mehr müssen wir andre Gelegenheiten suchen, um unsre Ideen zu derartigen Fragen vor dem Volke zu verkünden. Wir haben Broschüren über die Schulfrage veröffentlicht, unsre Partcipresse bringt Artikel darüber und unsre Redner behandeln die Frage hier und da; aber wir dringen damit nicht in das Weite, nicht in die ganzen Massen derer, die ivir gerade durch die That- fache des Schulelends mächtig erfassen können. Wenn wir von der Gesetzgebung abgesperrt sind und wenn die konservative Reaktion diesen verbrecherischen Zustand gewaltsam erhalten will, so ist der Parteitag die Stätte, von der aus wir diese Frage in das Volk werfen inüffen. Diese Schulfrage ist wiederum keine nur preußische, sondern eine Frage für das Reich. Auch in andren Bundesstaaten gärt der Kampf um die Schule. In Württeniberg ist aus der Frage einiger Schulreformen ein bedeutsamer Verfassungskampf, ein Ansturm gegen die klerikale Erste Kammer geworden. Diese Schulftage hat die deutsche Oeffentlichkeit in den letzten Monaten stark beschäftigt, und die konfervativ-klerikalen Wünsche sorgen dafür, daß sie auf der Tagesordnung bleibt. Die Social demokratie hat dazu nichts principiell Neues zu fordern, aber sie hat die allerdringendste Verpflichtung, das deutsche Volk über die Dinge, die hier auf dem Spiel stehen, aufzuklären und im Kampfe gegen die reaktionären Tendenzen voranznschreiten. Wir schlagen darum vor. der Tagesordnung des Parteitages in Bremen den Punkt hinzuzufügen: Die Schulfrage in Deutschland. Mindestens eines Themas bedarf der Parteitag, das über die engeren Angelegenheiten nnsres Parteiwesens hinausgeht, das auch bei dieser Gelegenheit den weiten Massen des deutschen Volkes zeigt, daß allein die Socialdemokratie wie ihre materiellen, so ihre geistigen und kulturellen Interessen in aller Entschiedenheit wahrt. politifcbe debersickt. Berlin, den 18. Juli. Der Prozeß drS Zaren. Königsberg, 18. Juli.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die heutige Sitzung gestaltete sich zu einem hi st arischen Ereignis. Der russische Absolutismus wurde vor der ganzen civilisierten Welt unter den Zeugencid gestellt. In der schlichten Form eines mehrstündigen Zwiegesprächs zwischen Verteidigern und dem Sachverständigen, früheren russischen Professor des Staatsrechts, von Reußner, der seitens des Angeklagten geladen war, entblößten sich Stück für Stück die Schrecken eines Absolutismus, in dem der absolute Herrscher untergeht als Gefangener einer zügellosen, verworfenen, raubgierigen Bureaukratie, deren Willkür schrankenlos statt aller Rechte und Gesetze gilt. Ein Riesenreich entsetzlicher Anarchie, in der jeder Kulturfunke durch den Terrorismus der Gewalt erstickt wird, in der die modernen selbstverständlichen Grundrechte jedes civilisierten Staates utopische. verbrecherische Schwärinereien sind, in der es selbst verboten ist, ohne Erlaubnis lesen und schreiben zu lehren: so entstand das heilige Rußland vor unseni Augen. Auch das Gericht beugte sich ohne ein rauheres Wort als einem strengen, wissenschaftlichen Gutachten dem von einem charakterfesten, mehr klagenden als anklagenden russischen Patrioten und Gelehrten erstatteten Bericht über die russische Rechts- barbarei. Ungeduldig versuchte man wiederholt, die Feststellung dieser brutalen Thatsachen einzuschränken, die doch erst die Schriften erklären, wegen deren Verbreitung der ganze Prozeß eingeleitet worden ist. Mit jeder neuen Antwort, die ein wenig mühselig nach dem deutschen Ausdruck rang, brannte die Empfindung schmerzhafter, daß da« Undenkbare möglich geworden sei, deutsche Reichsangehörige zu drangsalieren, weil sie russischen Freiheitskämpfern bescheidene Dienste geleistet haben, auf die sie im Namen der Ehre, die man von jedem gesitteten Menschen fordern kann, unverbrüchlichen Anspruch haben. Und es gelüstete den Ersten Staatsanwalt im Gefühl der moralisch und rechtlich verlorenen Sache, nach dem Abschluß des Gutachten» seinen Groll besonders zu markieren. Er fragte den Sachverständigen, wie eS käme, daß er Professor a. D. sei. Er erwartete, daß er sich als einen davongejagten Redokutionär bekennen würde und hoffte dadurch den Eindruck seiner Aussagen zu verwirren. Mit derselben seltsam demütigen und doch optimistischen, selbstsicheren und stolzen Bescheiden- heit erzählte er, wie in Tomsk, wo er lehrte, die Studenten von Soldaten mißhandelt worden seien, wie das Professorenkollegium beim Ministerium der Volksaufklärung Protest erhoben habe, um von dem. Edlen' eine scharfe Rüge fttrsolch freche Unbotmäßigkeit zu erhalten. Da habe er freiwillig sein Amt niedergelegt und sei ins Ausland gegangen. Eine leise Ironie klang durch, als er dem Staatsanwalt mitteilte, daß er sogar noch Ritter des Andreasordens dritter Klasse — die Sehnsucht auch mancher Westeuropäer— sei. Die Auskunft hatte der Staatsanwalt nicht erwartet, und ratlos meinte er, er würde nicht gefragt haben, wenn er eine so ausführliche Antwort vermutet hätte. Das glaubt man ihm gern. Es konnte ihm wirklich nichts daran liegen, daß alle Welt erführe, wie gegenüber seinen Schwur- zeugen, den Karol, Schlippernick. Abel, Ruhkopf und dem russischen Generalkonsul, ein Vertreterder. Schnorrer und Verschwörer' gcartetsei, der Vaterland und Existenz opferte, um bei der freien Wissenschaft bleiben zu können und sich nicht selbst im Morast russischer Korruptton zu verlieren.— Bevor Reußner sein Gutachten abgab, hatte er als Zeuge bekundet, daß von der Verteidigung vorgelegte russische Kriegs- bilder in Rußland mit Erlaubnis der Censur massenhaft verbreitet würden. Man erinnert sich der Scene aus dem Anfang der Verhandlungen und der Vorsitzende hatte schon lange geheimnisvoll von den schreckensvollen Bildern gesprochen, die bei Klein gefunden seien. Dann wurde Klein an den Richterttsch gerufen, um eineö der bei ihm gefundenen Bilder anzuerkennen. Neben ihn traten die Anwälte, um das Entsetzliche anzuschauen. Der Vorsitzende überbot sich in Aus- drücken der Empörung über diese russisch-anarchisttschen Mißgeburten von seltener Scheußlichkeit. Unser trefflicher Klein wollte durchaus nicht einsehen, daß der gekrönte Mann auf dem Bilde der Zar sein könne, weil so eine Majestät doch sich nicht herbeilasse, eigen- armig seine Kinder herumzutragen. Als nun weiterhin der Vorsitzende sich bemühte, dem Angeklagten die Schwere seines Verbrechens darzulegen, klang aus dem Stimmen- gewirr halblaut und äußerst gleichmüttg die Bemerkung Haases: „Das ist ja aus dem Simplicissimus I'„Aus dem deutschen Simplicissimus?' fragte der Vorsitzende sehr verlegen. Er hatte plötzlich das Interesse an diesem hochverräterischen Beweisstück ver- loren, das in Wirklichkeit jene geniale Karikatur Theoder Thomas HeincS ist, die darstellt, daß„Väterchen" im Frieden mit seinem Volke erst dann leben könne, wenn die besten Männer Rußlands am Galgen hingen. Heute nun legte Liebknecht Bilder vor, die, wie er spöttisch meinte, anschaulicher seien als die SimplicissimuSzeichnungen. Diese grellen bunten Sudeleien, mit denen das russische Volk auf Befehl des Zaren vergiftet wird, sind nicht nur von schamloser Lügenhaftigkeit— sie malen glänzende Siege über das verächtliche japanische Ungeziefer—, sondern von grenzenloser Gemeinheit und Besttalität, die der Phantasie von Lustmördern Ehre machen würde. Auch solche erhabenen Güter müssen die preußischen Gerichte gegen die Zornkarikaturen im Dienste der Kultur und Humanität schützen I Reußner bestätigte als Autorität auf dem Gebiet des rufst- schen Staatsrechts die Auffassung der Verteidiger, daß die ganze An- klage wegen Hochverrats und Zarenbeleidigung formal hinfällig sei. Die Verteidigung hatte inzwischen eine neue Entdeckung bei der Nachprüfung des russischen Strafgesetzbuches gemacht. Nicht nur die MajestätsbeleidigungS-Paragraphcn sind in der Anklage falsch heran- gezogen, sondern auch der Hochverratsparagraph I Es gicbt eine be- sondere Bestimmung, die die Hochverratsaufforderung durch die Presse betrifft, und nur darum handelt es sich: und auch hier giebt es keine Gegenseitigkeit. Würde man aber selbst den Hochverrats» Paragraphen der Anklage anwenden, so ist hier zwar die Gegen- seitigkeit angekündigt, aber nicht erfüllt. ES muß ein StaatSvertrag oder ein besonderes russisches Gesetz— außerhalb des Strafgesetzbuches— publiziert sein, das die Gegenseitigkeit verbürgt. R e u ß- n e r hat erklärt, daß es ein solches Gesetz nicht giebt, auch von einem Staatsvertrag ist nichts bekannt. Das Gericht hat sich dieser Auf- fassung angeschlossen und beim Auswärtigen Amt um Auskunft er- sucht, ob ein Staatsvertrag oder ein besonderes russisches Gesetz existiert. Die Auskunft des Auswärtigen Amts kann nur verneinend lauten, es müßte denn einen geheimen StaatSvertrag geben, der aber, weil unbekannt, auch nicht rechtlich verpflichtend sein kann. Die Ausführungen Reußners unterstützte in eindrucksvoller Weise Buchholz-Charlottenburg. Aus seiner Kenntnis der russischen Partciverhältnisse heraus zerstörte er das Märchen von dem Terroris- muS der russischen Socialdemokratie. Eine starke Bewegung rief er hervor, als er die Mißhandlung seiner Frau, einer deutschen Reichs- angehörigen, in Rußland schilderte, wie sie, obwohl sie krank war und obwohl durch das Ministerium des Auswärtigen Amtes das Reisegeld tclcgraphisch geschickt war, auf dem Etappcnwege an die Grenze gebracht wurde. So dulde das Deutsche Reich jede russische Infamie und vergilt sie mit demütigen Diensten. Es deutet auf einen ge- wissen Stimmungsumschlag hin, daß Buchholz entgegen der bis- herigen Praxis vereidigt wurde. Der Minister des Innern hat der Beschwerde der Verteidiger stattgegeben und den Charlottenburger Polizeibeamten erlaubt, die Frage zu beantworten, wer sie von den an den Gastwirt Weber ge- sandten Schriften unterrichtet habe. Die Antwort lautete auch hier: Die Steuerbehörde. Mehr zu sagen, verweigerten sie, insbesondere blieb dunkel, wer es ihnen ermöglichte, den Postboten gerade bei der Aushändigung der Pakete abzufangen. Die Etablierung der Steuer- behörde als Schwarzes Kabinett muß nach den gleichen Vorfällen in Königsberg und Charlottenburg auf einer allgemeinen Weisung der preußischen Regierung beruhen. Diese russische Praxi» erreicht den Gipfel des Skandalösen dadurch, daß die Steuerbehörde sich nicht auf Zurückbehaltung der Schriften beschränkt, sondern sie erst an den Adressaten abliefert, damit ihn die Polizei dann ertappt. Sie macht das Delikt also erst möglich: ein Verfahren, das geradezu Lockspitzelei ist. Die„Vorwärts'-Zeugen bestätigten durchweg die Aussagen Pätzeis. Festgestellt wurde unter Eid, daß die„Geheimbündeleien" im„Vorwärts" seit 1835 gerichtsnotorisch sind. Axelrod, Plcchanoff, Mandelstamm und Dr. v. WetscheSlaff sind nicht erschienen. Der Staatsanwalt hat vergessen, sie von der Gewährung freien Geleits zu benachrichtigen. Daß unsre Genossen ohne solche Zusicherung dem preußischen Regime nicht trauen, hat Plechanoff in einem Brief dem Gericht mit solcher Deutlichkeit zu Gemüte geführt, daß der Vorsitzende nicht geneigt war, den Brief zu verlesen. Auch Lindes Erklärung gegen die am Sonnabend aus- gesprochene Insinuation brachte der Vorsitzende nicht zur öffentlichen Kenntnis. Um einen offenen Widerruf seiner schweren Be- leidigung wird der Landgerichtsdircktor aber nicht herumkommen als ehrlicher Mann. Dienstag beginnt nun endlich die eigentliche Feststellung deS Thatbestandes, welche Schriften die einzelnen Angeklagten verbreitet haben sollen. ES wird eine Heidenarbeit werde», denn eS scheint sast, als sei es nicht durchweg möglich, die„Frevel" reinlich zu sortieren und den„Sündern" zuzuteilen. Die Zarenmörderei ist offenbar ziemlich durcheinander geraten.— Die Zusammensetzung der Strafkammer in Königsberg. Der Vorsitzende der Königsberger Strafkammer für den Russen- Prozeß, Landgerichtsdirektor Schubert, i st e r st seit dem I.Juni 1904 in Königsberg. Vorher war er erster Staatsanwalt in Erfurt. Der R e- f e r e n t ist ein Hilfsrichter, Assessor Seelmann. Dieser Hilfs- richter ist für die andern Kamniern durch folgende Präsidial- Verfügung für unabkömmlich erklärt:„Für die Zeit vom 5. bis 11. August steht Gerichtsassessor Seelmann, der voraussichtlich innerhalb dieser Zeit das Urteil in der Strafsache wider Nowagrotzki zu verfassen haben wird und deshalb un- beschäftigt bleiben muß, nicht zur Verfügung". Ob diese Zu- sammensetzung des Gerichts den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht, möchten wir bezweifeln. Zur besseren Wahrung der Unab- hängigkeit der Gerichte und zur Vermeidung der aus der Reaktionszeit der fünfziger Jahre bekannten Zusammensetzung der preußischen Gerichte in politischen Prozessen nach dein Wunsch der Regierung durch eigens zu diesem Zlvecke einberufene Hilfsrichter enthält das Gerichtsverfassnngsgesetz einige, freilich durchaus unzureichende Vorschriften. So sollen vor Beginn des Geschäftsjahres die ständigen Mitglieder der ein- z eine n Kammern sowie für den Fall ihrer Verhinderung die regelmäßigen Vertreter bestimnit werden. Die getroffene Anordnung darf im Laufe des Geschäftsjahres nur geändert werden, wenn dies wegen eingetretener Ueberlastung einer Kammer oder infolge Wechsels oder dauernder Verhinderung einzelner Mitglieder des Gerichts erforderlich wird. Mag sein, daß die formellen Voraussetzungen des Gerichtsverfassungs-Gesetzes geschaffen und beobachtet sind. Das beseitigt aber nicht das Auffällige der Erscheinung, daß gerade in dem viele Monate lang hingezogenen Prozesse, in dem falsche Citate, falsche Uebersetzungen von Gesetzen und eigentümliche Be- lastungszeugen und so manches andre eine für die Justiz beschämende Rolle spielen, die Zusammensetzung des Gerichts von dem Grundsatz nach mehreren Richtungen hin abweicht, die der Gesetzgeber als im Interesse einer unabhängigen Rechtspflege dringend erforderlich gekennzeichnet hat: ein Gericht, das nicht aus im voraus für das Geschäftsjahr bestellten, unabhängigen, fest angestellten, ständigen Richtern besteht, ist ein Ausnahmegericht.— Ein Schuß in Kaukasien. Rasch hat der Schutz, der im Norden den finnischen Gouverneur B o b r i k o w traf, im Süden des russischen Reiches ein Echo ge- funden. Der Vicegouverneur des Gouvernements Jelissawetpol Andrrjew ist am Abend des 17. Juli in Agdschakent erschossen worden. Die That geschah auf der Promenade, auf der Sonntags infolge des Konzerts eine große Anzahl von Spaziergängern weilt. Andrejew, der in der letzten Zeit viele Drohbriefe erhalten hatte, pflegte stets in Begleitung eines Dieners auszugehen, den er dies- mal jedoch zur Beaufsichtigung der Wohnung zurückgelassen hatte. Als der Vicegouverneur von der ersten Kugel getroffen wurde, sank er zu Boden. Dann wurde er noch durch fünf Schüsse verletzt, so daß der Tod sofort eintrat. Der Thäter, vermutlich ein Armenier, entfloh und lud seinen Revolver wieder. Von einigen Spaziergängern wurde er vergeblich verfolgt. In der Nacht tvurde ein Verdächtiger verhaftet. So erzählt im wesentlichen der offizielle Bericht. Von den ver- mutlichen Urfachen der blutigen That weiß er aber nichts zu er- wähnen. Die Armenier kämpfen auf russischem Gebiet wie auf türkischem einen stirchtbar schweren Kanipf um ihre nationale Existenz, ihre religiöse Freiheit, ihre wirtschaftlichen Interessen. Die armenischen Schulen wurden in den letzten Jahren geschlossen, die armenischen Zeitungen unterdrückt, das Vermögen der armenischen Kirche, das persische, arabische und tatarische Eroberer unberührt gelassen hatten, konfisziert. Damals erklärte der oberste Fürst der armenischen Kirche, der KatholikuS, sich niemals dem zarischen Ukas unterwerfen zu wollen, und in den armenischen Kirchen fprachcn die Geistlichen den Bannfluch gegen den Zaren und seine Regierung aus. Schon einmal ist der Generalgouverneur von Kaukasien, Fürst G a I i tz i n, armenischen Dolchen nur mit knapper Not entgangen, jetzt Hut einen seiner Unterbeamten daS Schickfal ereilt. Daß der Thäter vom Schauplatze seiner That ungehindert entfliehen konnte trotz der großen Zahl von Spaziergängern, die Zeugen des blutigen Vorfalles waren, beweist, daß der Getötete keine Freunde in der Be- völkerung besessen hat. So erntet Rußland im Süden wie im Norden die blutigen Früchte seiner blutigen Saat!— Der russische Nebergriff gegen den deutschen Postdampfer hat den Grafen B ü l o w veranlaßt, wegen des Vorfalls bei der russischen Regierung formellen Protest zu erheben. Er hat in seinem Protest erklärt, daß sich die Untersuchung des Schiffes auf Kriegskonterbande sowie die D u r ch s i ch t der P o st an Bord des „Prinz Heinrich" vielleicht rechtfertigen ließe; völkerrechtlich unzulässig dagegen sei die B e s ch l a g n a h m e und Fort- führung der Po st sacke von Bord des deutschenPost- d a m p f e r s. Zu der Beschlagnahme der deutschen Post für Japan hat auch die Postbehörde bereits Stellung genommen und an die russische Regierung telegraphisch das Ersuchen gestellt, für die umgehende Herausgabe und Weiterbeförderung der Briefsäcke und Kisten Sorge zu tragen. Bisher hat sich jedoch die russische Regierung noch nicht geäußert. Ein ausführlicher Bericht über den Vorgang der Beschlagnahme selb st ist von dem Kapitän des Postdampfers eingefordert worden. Er dürfte jedoch, da er brieflich eingeht, erst in einigen Wochen zu erwarten sein. Der Protest des Grafen Bülow scheint uns der erforder- lichen Schärfe zu entbehren. Denn am 19. Januar 1909, als im Reichstag über die Beschlagnahme deutscher Schiffe durch England verhandelt wurde, stellte sich Graf Bülow auf einen minder toleranten Standpunkt. Er erklärte damals: „Drittens haben wir gefordert, daß die englische Regierung die Schiffskommandanten anweist, unsre deutschen Schiffe nicht ohne dringenden Verdacht und jedenfalls nicht von Aden ab nordwärts zu behelligen. Die englische Regierung hat dies für die Zukunft zugesagt. Viertens haben wir eine Weisung an die englischen Schiffskommandanten verlangt, die Postflagge nicht anzuhalten. Die englische Regierung hat den Befehl dahin erteilt, die Postdampfer nicht auf bloßen Verdacht hin anzuhalten." Man sieht, daß damals, England gegenüber. Graf Bülow klipp und klar verlangte, daß die deutschen Schiffe im Roten Meer überhaupt nicht behelligt würde» und daß deutsche Postdampfer ins- besondere von der Durchsuchiing verschont blieben. England hat die erste dieser beiden Forderungen in vollem Umfange, die letzte wenigstens in acceptabler Form zugestanden. Nun hat Rußland im Noten Meer einen deutschen Post- dampfer ohne jeden halbwegs zu begründenden Verdacht angehalten und, ganz gegen jeden völkerrechtlichen Brauch, 31 Postsäcke beschlag- nahmt. Den letzten Verstoß rügt ja allerdings Bülows Protest, allein die Behelligung des Postdampfers an sich, die der Reichskanzler sich England gegenüber 1900 so kategorisch verbat, erklärt er für völkerrechtlich allenfalls zulässigl Es mag ja sein, daß sich juridisch die Sache verschiedenartig beurteilen läßt, da, wie Graf Bülow in der erwähnten Reichstags- sitzui'g ebenfalls bemerkte, das„Seerecht vorläufig noch flüssig, dehnbar, lückenhaft" ist. Aber soviel ist doch sicher, daß Deutschland nicht die geringste Ursache hat, Rußland gegenüber gelindere Saiten aufzuspannen, als seiner Zeit England gegenüber! Oder denkt Graf Bülow anders?— Die Jagd auf Mirbach. Die bürgerliche Presse will den Oberhofmeister der Kaiserin zu Fall bringen. Frhr. v. Mirbach wird bald erkennen, daß die social- demokratischen Zeitungen, denen sein ganzer Haß sich einst zuwandte, milde Urteiler sind im Vergleich zu den gutgesinnten, staats- erhaltenden, monarchistischen Organen, die jetzt wie eine wilde Meute ihn hetzen. Die Socialdemokratie verkennt nicht, daß die Handlungen des Frhrn. v. Mirbach in der Korruption des kapitalistischen Kirchen- tnms wurzeln; die Einzelschnld erscheint auch hier geringer gegenüber der Kollektivschuld einer verderbten Zeit. Daher haben wir an der Person des Freiherrn verhältnismäßig geringes Interesse, denn sein Sturz ändert gewiß nichts an dem schmählichen System, dessen Ver- treter er ist. Die bürgerliche Presse hingegen jagt den Mann, den Einzelnen. Allen voran bläst Hallali die„Kölnische Zeitung". Das ehrbare Blatt, das noch niemals unsaubere Machenschaften gedeckt, ist von ungestümem Sittlichkeitsdrang erfüllt und erscheint als gc- strenger Säuberer des Hofbankunrats. Sie fordert erneut die strafrechtliche Verfolgung der Schultz und Romeick wegen der offenbar der Bank veruntreuten 32o 000 M., die Freiherr v. Mirbach quittiert, aber nicht empfangen hat und die in den Taschen der einstigen Bank- direktoren verschwunden sind, wenn sie nicht �zu andren sehr diskreten Zwecken Verwendung gefunden haben. Es würde, sagt die„Kölnische Zeitung", das allergrößte Befremden erregen, wenn man nicht gegen die beiden vorginge und wenn man ihnen die Möglichkeit lasse, sich durch die Flucht der Strafe zu entziehen. Sodann erklärt die„Kölnische Zeitung", auch die weiteren 60 000 M. müssen zurückgegeben werden, denn von „bankrotten Verbrechern soll sich niemand etwas schenken lassen, auch nicht die von Mirbach ver- tretenen frommen Stiftungen. Kirchen, die von solchen Geldern er- richtet werden, bleiben sicher besser unerrichtet, da sie, wenn ihre Entstehungsgeschichte bekannt wäre, von einem fromnien religiösen Menschen lediglich jeglichen Gottesdienstes für unwürdig erachtet und nicht betreten werden würden. Also zurjick mit den 60000 M. an die Konkursmasse der ungetreuen Knechte Romeick und Schultz! Wir können aber endlich nicht unser höchstes Befremden herüber unterdrücken, daß ein Mann wie Mirbach, dem es obgelegen hat, oder noch obliegt, für allerhöchste Personen Vermögensgeschäfte zu regeln. der also entweder eine gewisse Geschäftserfahrung besitzt oder mangels derselben für seinen Posten unfähig ist, unter so merk- würdigen Umständen über die große Summe von 323 000 M. ab- quittiert hat. ohne sie zu bekommen. Dieses Geschäftsgebaren ist ein so außerordentlich, sagen wir einmal unvorsichtiges, daß es selbst bei einem ganz geschästskiindizcn Manne sehr auffallen müßte und Zweifel daran erregen müßte, ob er in der Lage wäre, sein eigner Vermögensverwalter zu sein." Es ist unvorsichtig, daß die„Kölnische Zeitung" in Aussicht stellt, wirklich religiöse Menschen würden die Kirchen meiden, wenn ihre Entstehungsgeschichte so erwiesen würde wie im Falle der Pommern- Kirchen. Sie übersieht, daß auch in diesem Falle nicht viel mehr als ein Zufall den fauligen Grund aufgedeckt hat, auf dem die Pommern- Kirche erbaut ist. Wenn alle andern Bauten ebenso aufgeklärt werden könnten, wie viele Kirchen würden für die Inbrunst der Kirchengänger bleiben? I Aber das Vorgehen der„Kölnischen Zeitung" gegen die Person des Oberhofnieisters zeigt mehr noch als schon das erste unter dem Segen des Ministers v. Podbielski erfolgte Auftreten des Geheimrats Budde, daß Freiherr v. Mirbach Widersacher hat in Kreisen, welche die s e i n i g e n sind. Offensichtlich ist der Artikel der„Kölnischen Zeitung" keine private Redaktionsleistung, er sickert aus sehr offiziösen Quellen. Anscheinend aus andern Beweggründen setzen auch konservative Blätter, voran wieder der„Reichsbote", die Jagd auf Mirbach fort. Diese Frommen empfinden das verheerende Unheil, das durch die Mirbach-Enthüllungen ihrer kirchlichen Sache zugefiigt ist. Sie wünschen durch Opferung des Oberhofmeisters diö vor aller Welt bloßgestellte Kirchlichkeit zu retten. Sie geraten dabei in die interessante Situation, von der«Kreuz-Zeitung" der Aufhetzung gegen, die höchsten Stellen geziehen zu werden. Dies einstige Blatt des edlen Hammer- stein leistet nämlich die konservative Folgerichtigkeit, auch die Kirchenbaukorruption zu beschönigen und ihre Kritiker zu verdächtigen, als betrieben sie irgend einen„socialdemokratischen Lügenschwindel". Die„Kreuz-Zeitung" begeht dabei den Verhängnis- vollen Fehler, ihrerseits die Mirbachiade mit Persönlichkeiten in Verbindung zu bringen, die andre nicht wagen zu nennen, wenn solche Schmntzigleiten besprochen werden. Das Vertrauen aber, das Freiherr v. Mirbach bei seiner Herrin sich erworben hat, muß ungemein fest sein, wenn weder die offiziösen Zubiäser der„Köln. Ztg." noch der fromme Eifer der Kirchlichen es zu erschüttern vermag. Wie so vieles in dieser Hofbank-Historie geheimnisvoll ist, so bleibt in mysteriösem Dunkel gleicherweise das Uebermaß von Vertrauen, das den Freiherrn in seiner Herrlichkeit erhält, wie andrerseits das Uebermaß von Verfolgung, das die Preß- meute gegen ihn betreibt. Wer d a s. G a n z e des Falles durch- schauen würde, er könnte ein seltenes und seltsames Kapitel höfischer Geschichte schreiben.— » Veirtsckes Reich. Die„Post". Auf unsre Abfertigung erwidert die„Post": „... Das socialdemokratische Centralorgan sollte mit der- gleichen Beleidigungen und Verleumdungen um so vorsichtiger sein, als es selber das Gewerbe der litterarischen Fälschung und Unterschlagung mit ebenso viel Dummheit wie Skrupellosigkeit handhabt. Unsre beiden Artikel zum Königsberger Hochverrats- Prozeß haben den„Vorwärts" erklärlicherweise in eine an Wahn- sinn grenzende Bestürzung und Wut versetzt..." Es ist hinreißend schön, Herrn Abel über Fälschungen und Unterschlagungen sich entrüsten zu hören!— Eine Duellforderung des Prinzen Arenberg. Wir erhalten folgendes Schriftstück: Wien, 17. Juli 1904. Verehrliche Redaktion! Im Auftrage und in Vertretung des berüchtigten Prinzen Arenberg erhalte ich soeben von einem Grafen Dohna einen Brief, in welchem mir derselbe mitteilt, daß sich der Prinz durch meinen bei Ricljard Sattler in Braunschweig erschienenen Kolonigs-Roman „Tropenkoller" beleidigt fühlt und Genugtuung von mir fordert. Der Brief hat folgenden Wortlaut: „E. W. Im Austrage des Prinzen Arenberg, welcher erst jetzt Ihren„Tropenkoller" kennen gelernt hat, habe ich Ihnen mitzu- teilen, daß sich derselbe durch den Inhalt dieses Buches tief ver- letzt und beleidigt fühlt. Da der Prinz selbst momentan verhindert ist, so bin ich beauftragt, Sie zu fragen, ob Sie bereit sind, einem Vertreter des Prinzen Satisfaktion zu geben. In diesem Falle ersuche ich Sie, mir sofort Ihre Zeugen bekannt zu geben, und wird dann von den beiderseitigen Vertretern vereinbart werden, wann und wo die Sache ausgetragen werden soll.— Ich erwarte Ihre Antwort innerhalb der üblichen Frist und zeichne hochachtend Graf Dohna. Schloß Hartenstein bei Goslar a. H." Da mein genannter Roman in keiner Weise ein Pamphlet ist, und es denn doch wohl nicht angeht, daß irgend ein Mensch, der sich durch den Inhalt eines Buches getroffen fühlt, den Autor fordert, so fühle ich mich natürlich nicht veranlaßt, auf die Provokation irgendwie zu reagieren und bin vielmehr der Meinung, daß mir demgegenüber nichts andres übrig bleibt, als ein Appell an die Oeffentlichkeit. Sie würden mich sehr verbinden, wenn sie mir durch eine entsprechende Notiz, eventuell unter wörtlichem Abdruck des Briefes des Grafen Dohna, dazu verhelfen würden. Selbstredend bin ich vollkommen damit einverstanden, wenn Sie angeben wollen, daß Sic die Nachricht von mir direkt erhalten haben.— Indem ich Ihnen im Voraus bestens danke, zeichne ich hochachtungsvoll Henry Wenden." Wenn der Prinz Arenberg glaubt, diejenigen, die seine schouß- lichen Thatcn freimütig besprochen haben, standesgemäß über den Haufen schießen zu können, so entspricht das dem geistigen Zu- stände, den das Gericht bei ihm annehmen zu können geglaubt hat. Wenn aber ein Vertreter eines der ersten Adelsgcschlechtcr, ein Graf D o h n a sich zu seinem Anwalt aufwirft und den Schießhandcl für den'„momentan Behinderten" führen will, so beweist das, daß man in den Kreisen des Grafen Dohna den Prinzen weder für irrsinnig hält, noch die bestialische Abschlachtung eines unschuldigen Menschen für eine ehrlose Handlung betrachtet. Daß Prinz Ähren- bcrg seine Mutze in Ahrweiler zur eifrigen Lektüre benützen kann, läßt überdies hoffen, daß man dem„Genesenen" bald wieder— Unter den Linden begegnen wird. Und dann kann's ein fröhliches Schlachten geben!— Zeitnngö-Lcviathan. Das„Leipziger Tageblatt" teilt mit, daß die„Natioiial-Zeituiig" in den Besitz des Herrn August Scherl über- gegangen sein soll. Zu den Ausschrciwnge» in SeuS 1870. Die Mainzer„Volks- zeitung" macht in der bekannten Angelegenheit jetzt die folgende Mitteilung: Die Bemühungen der Staatsanwaltschaft, die Antrag- steller zur Zurücknahme der Klage gegen die Mainzer„Volks- zciwng" wegen Veröffentlichung der Kretschman-Briefe zu veranlassen, sind gescheitert. Die Mehrzahl der Antragsteller will„gerichtliche Feststellungen objektiver Art".— Wir brauchen wohl nicht zu erwähnen, daß wir dem Ausgang des Prozesses mit Ruhe entgegensehen, und es uns einesteils nicht unangenehm sein kann. wenn die Herren Antragsteller„geriastliche Feststellungen objektiver Art" wünschen. Ob aber diese Feststellungen gunz dem Geschmack der Antragsteller entsprechen werden, glauben wir zetzl schon ernstlich be- zweifeln zu dürfen.— Der„Zapfenstreich" ist für Militärohren noch immer unzuträglich. Wie uns aus Posen berichtet wird, ist den Offizieren und Mann- schaften der Garnison Posen durch Kommandanturbefehl der Besuch von Franz Adam Beycrleins„Zapfenstreich", der jetzt dort im Apollo-Theater zur Aufführung gelangt, verboten worden. Die Direktion weist in ihrer Bekanntmachung in den Zeitungen darauf hin, daß der„Zapfenstreich" vom deutschen Krön- Prinzen bis zum Schlüsse mitangehört wurde! Der Andrang aus dem Publikum ist um so größer. Die Posener Theaterdirektion vergaß nur hinzuzufügen, daß der Herr Vater mit des Kronprinzen Besuch im„Zapfenstreich" keines- wegs zuftieden gewesen ist.— Berichtigung. Herr Otto Hendel, der Verleger der„Saale-. Zeitung" in Halle a. S., fordert die folgende Richtigstellung: „Es ist unrichtig, daß das in Nr. 162 dieses Blattes unter der Spitzmarke„Von der liberalen Passion" erwähnte Inserat von der „Saale-Zeitung" ausgeschrieben ist, richtig ist vielmehr, daß dasselbe in keinerlei Zusammenhange mit der„Saale-Zeitung" steht. Es ist unrichtig, daß von dem namhaft gemachten Verleger der „Saale-Zeitung" eine gerichtliche Klage gegen einen Redakteur der „Saale-Zeitung" wegen Verrat von Geschäftsgeheimnissen angestrengt worden ist. Richtig'ist, daß derselbe überhaupt noch keinen Prozeß gegen einen seiner Redakteure angestrengt hat." Unser Korrespondent in Halle ist zur Zeit verreist und Wird sicherlich später die Angelegenheit ausklären.— Hudland. Der neue Streit mit dem Vatikan. Paris, 16. Juli. jEig. Ber.) Der Vatikan fährt fort, die französische Regierung herauszufordern. Nach dem päpstlichen Protest gegen Loubets Roinreise kommt jetzt, genauer wird jetzt be- kannt, eine konkordatswidrige Disciplinaraktion der römischen Kurie gegen einige Bischöfe und Erzbischöfe. Diese Aktion steht in direktem Zusammenhange mit der Kongregationsfrage, also mit der inneren Politik der französischen Regierung. Die betreffenden kirchlichen Würdenträger haben sich den Zorn des Vatikans zugezogen,, weil sie den Ansturm ihrer Aintskollegen mit dem Pariser Erzbischof an der Spitze gegen die Regierung und zum Schutze der Kongregationsschulen nicht mit- gemacht haben. Die Bischöfe von Laval und Dijon, Geay und Le Nordez, leben außerdem seit langer Zeit auf dem Kriegsfuße mit den kirchlichen Untergebenen, den Mönchsorden und den weltlichen Klerikalen ihres Sp'rengels— lediglich deshalb, weil sie die Be- stimmungen des Konkordats ernst nehmen und an ihrem Teil fiir die Durchführung gewisser gesetzlicher Verordnungen zum Nachteil der Mönchsorden pflichtgemäß gesorgt haben. So hat der Bischof von Laval unter anderm den ja„aufgelösten" Jesuiten das Predigen in den Kirchen verboten. Nebenbei zeigt sich bei dieser Gelegenheit. daß die Jesuiten, trotz aller Auflösungen, es nicht einmal für nötig gehalten haben, ihre Niederlasinng von Laval der Form halber zu verlassen, um in weltlicher Umlleidung fortzuwirken. Der Vatikan hat es nun in erster Linie auf die zwei genannten Bischöfe abgesehen, die von den Klerikalen als„Republikaner" und gottlose Freimaurer verketzert werden. Das neueste Vorgehen gegen den Bischof Geay wurde in Scene gesetzt sogar infolge einer Petition der klerikalen Parlamentarier, Generalrats- und Gemeinde- rats-Vcrtrcter des Mayenne-Departcments. Unter dem Vor- wand der Wiederherstellung des Friedens wurde Geay auf- gefordert, feine Demission einzureichen, während Le Nordez bis auf weiteres eines Teiles seiner bischöflichen Befugnisse enthoben wurde— eine teilweise Absetzung, die übrigens vom Dompfarrer in eine vollständige umgedeutet wurde. D'.e gemaßregelten Bischöfe appellierten gegen die römische Knrie an— C o m b e s, der auch das Äültu Sministermm leitet. Diese heitere Situation ist ja im Konkordat begründet, kraft dessen sowohl die Ernennung wie die Absetzung von Bischöfen nur das gemeinschaftliche Werk der Knrie und des französischen KnltnSministers sein kann. Die einseitige Aktion der Kurie bedeutet also eine grobe Verletzung des Konkordats. Um so mehr, als Combes erst vor kurzem einen langwierigen Streit mit dem Vatikan um die Ernennnngsformel, die mißbräuchlicher- weise im Sinne der Vorrangs-Ansprüche des Papstes abgeändert worden war, konkordatsmäßig zu Gunsten der Gleichberechtigung der weltlichen Macht auSgefochten bat— oder ausgefochtcn zu haben schien Der Konflikt um die Bischöfe entwickelte sich in den üblichen Formen. Die Regierung schickte nach Rom eine Protestnote, der Vatikan erwiderte mit einer„im Principe beruhigenden und be- sriedigenden Note, um thatsächlich seine konkordatswidrigen Hand- lungen fortzusetzen. Zweite Protestnote der Regierung. Die zweite .principicll" befriedigende Antwort deS Vatikans ist bisher aus- geblieben. Sie wird vorläufig gegeben in den römischen und fran- zösischen Preßorganen des Vatikans, welche die ganze Angelegenheit und specietl die gebieterische„Einladung" an den Bischof Geay und an andre Bischöfe, nach Rom zu kommen, in niöglichst harmlosem Lichte darzustellen und teilweise abzuleugnen suchen. Zuguterletzt hat die Regierung eine Abwechslung in den Ver- lauf des Konflikts gebracht. Sie hat sich in die Oeffentlichkcit ge- flüchtet, freilich erst hart vor dem nicht mehr aufschiebbaren Parlamentsschlnß. Es ivar übrigens eine zwieschlächtige Flucht, ent- sprechend den kirchenpolitischen Differenzen innerhalb des Kabinetts. Das Kultusministerium schüttete sein Herz aus in einein scharfei, Artikel des„Matin", in welchem die Trennung zwischen Kirche iliid Staat an die Wand gemalt wurde. D e I c a s s e, der papstfreundliche Minister des Aeußeren, inspirierte seinen, Offiziosus i»,„Temps" einen freundlich mahnenden Artikel, worin der„unverständige Schritt des Heiligen Stuhls" im gemeinsamen Interesse aller Gegner der Trennung zwischen Kirche und Staat bedauert wurde. Der Konflikt wird nun gegenwärtig ausgcfochten in der Form einer lebhaften Preßfehde in Paris, sowie zwischen Paris»nd Rom. Die hiesige» klerikalen Organe iverden, wie Clenienceau sagt, un- zweifelhakt vom päpstlichen Nuntius inspiriert, der ja nach wie vor auf seinem Posten bleibt, nachdem die Negierung bezw. Delcasss es absichtlich unterlassen hat, die Abberufung des französischen Bot- schafters dem Vatikan offiziell zur Kenntnis zu bringen. Der Bischofsstreit ist ein weiterer Beweis für die Unnatur des Konkordatsverhältnisses zwischen einem antiklerikalen Frankreich und dem Vatikan, wie der äußere Verlauf des Streites das Wider- sinnige des halben diplomatischen Bruches in grelle», Lichte zeigt. Trotzdem wird Delcassö im Bunde mit den Ministen, Ronvier und Chaumiö alles thun, um den neuen Konflikt in alter Weise zu verkleistern. Die sicherste Hoffnung auf die Trennung zwischen Kirche und Staat beruht noch immer in der draufgängerischen Politik des Papstes Pius�X. und seiner derzeitigen Ratgeber. Paris, 17. Juli. Der„Matin" sowie die„Humanits" melden, der gestrige Ministerrat habe beschlossen, von, Vatikan zu verlangen, daß die an die Bischöfe von Dijon und Laval ge- richteten Briefe zurückgezogen wiirden. Falls der Vatikan das ver- weigere, sollen alle diplomatischc» Beziehungen endgültig abgebrochen werden und der Nuntius seine Pässe erhalten. Delcasss fei beauf- tragt worden, den Beschluß deS Ministerrats dem Nuntius baldigst bekannt zu geben. Paris, 18. Juli. Dem„Figaro" wird aus Rom gemeldet: Der Papst wird sich durch die Androhung des völligen Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und der Kurie nicht einschüchtern lassen und den den Bischöfen von Laval und Dijon eb- teilten Befehl, vor der Kongregation des Heiligen Offiziums zu er- scheinen, aufrecht erhalten. Er sieht ihn als Akt der päpstlichen Ge- walt an, der sich kein Bischof der Welt entziehen könne. FallS die französische Regierung die Bischöfe von Laval und Dijon unter ihren Schutz nimmt und dem Nuntins die Pässe übersendet, wird der heilige Stuhl die Mächte über die Angelegenheit eingehend unterrichten und über die widerspenstigen Bischöfe dir große Exkommunikation vrrhängcn. Man findet in vatikanischen Kreisen, daß die französische Regierung als Anlaß für den Bruch kein günstiges Feld gewählt habe, do die Angelegenheit des Zwistes die innere Disciplin der Kirche angehe, und das Recht des Heiligen Stuhles unzweifelhaft sei. Was das Konkordat anlangt, so hat der Papst seft langem erklärt, daß es fiir die bürgerliche Gewalt zu giinstig sei, und daß er zwar nichts thun werde, um dessen Aufhebung zu fördern, aber auch nichts, um sie zu verhindern. Von andrer Seite wird berichtet, daß der Nuntius Lorenzelli wahrscheinlich nach der amtlichen Ueberreichung des UltimawmS nach Rom abreisen werde, ohne die Zustellung seiner Pässe abzu- warten.— Paris, 18. Juli. Nach halbamtlicher Mitteilung über die Angelegenheit der Bischöfe von Laval und Dijon ist der Sekretär bei der französischen Botschaft beim Vatikan, de Courcel, beauf- tragt worden, dem Kardinalstaatssekretär Merry de Val einen Protest der französischen Regierung und das Ersuchen um Ans- klärungen über diese Angelegenheit zu überreichen und eine prompte Antwort zu verlangen. Die Antwort dürfte jedoch kaum vor Ende dieser Woche eintreffen. Oesterreich-Ungarn. Trieft, 13. Juli. Die Statthalterei hat die Vereine Societa ginnastica und Vita bei Giovanni aufgelöst und ihnen bis zum Rechtskräftigwerden der Entscheidung jede Thätigkeit verboten. Diese Maßregeln' sind darauf zurückzuführen, daß in den Räumen der Societa ginnastica Bomben gefunden wurden.— Welcher Spitzel hat sie denn da hineingelegt?— England. Untcrhaus. London, 18. Juli. In Beantwortung einer Aufrage erklärte der Staatssekretär für Indien Brodrick, die russische Regie- r u n g sei. um Mißverständnissen vorzubeugen, Anfang Juni benach- richtigt worden, daß die britische Regierung an ihrer in der Depesche vom 9. Juni 1903 erklärten Politik bezüglich Tibets festhalte. Es sei aber augenscheinlich, daß ihr Vorgehen von der Haltung der Tibetaner selbst bis zu einem gewissen Grade abhängig sei und die Regierung sich daher nicht verpflichten könne, nicht eventuell von dieser am 9. Juni 1993 dargelegten Politik abzuweichen. Die Regierung habe jedoch erklärt, so lange sich keine andre Macht in die tibetanischen Angelegenheiten einzumischen versuche, werde die britische Regierung innen Versuch machen, Tibet zu annektieren, ein Protek- torat über Tibet zu errichten oder die innere Verwaltung von Tibet zu kontrollieren. Die Regierung beabsichtige nicht, deni Hause den weiteren Schriftwechsel gegenwärtig zu unterbreiten. Laune llonservativj fragt an, ob die Regierung ihre Aufmerksamkeit auf die Durchsuchung englischer Schiffe durch das russische Schiff „Petersburg" gelenkt habe und ob die„Petersburg" dasselbe Schiff sei, das durch den Bosporus unter russischer Handelsflagge ge- ��'�Unterstaatssekretär �rlPercv erwidert auf die Anfrage, daß der Geaenstand von großer Wichtigkeit sei und die Regierung ihm ihre besondere Aufmerksamkeit zuwende. Da sie aber noch nicht volle Kenntnis von dem Thatbestand erlangt hat. so möchte er bitten, daß Laurie seine Anfrage bis Donnerstag vertagen möge. Mc Neill lirischer Nationalist) fragt an, ob die Regierung die Ersülluna des Wunsches des sriiheren Präsidenten von Transvaal, K r ü a e r gestatten werde. die Zeiche in der Familiengruft zu Transvaal zu beerdigen. Mlmsterprastdent B a I s o u r erwidert, bis jetzt hätte die Regierung em solches Geiuch von der Familie.Krüger noch nicht erhalten! eS ser aber kaum nötig, zu erklären, daß. falls ein solches Gesuch einginge. die Regierung ,hr möglichstes thun ��Su�imAn�age'voVB o>v l e s(f.) über die englisch-französische Konvention erklärt Premierminister Balsour sobald die not- wendiaen Gesetze von beiden Landern durchgeführt seien. würden -nr Ratiükation der Konvention ergriffen werden. Von NÄgie�ng NÄmdwndS seien keine Vorstellungen wegen der «-Koben worden die Regierung der Kolonie habe ,m Gegenteil iin Laufe der Verhandlungen ihre Zustimmung zu der Konvention erteilt. Campbell-Bannerman slib.) richtet an den Premier- minister die Anftage, ob er Gelegenheit zur Erörterung des An- träges geben wolle, in der das Verhalten gewisser Minister ge- tadelt wird, die eine amtliche Stellung in der liberal- unionistischen Vereinigung angenonimeii und damit ihre Zustimmung zur Politik Chambcrlains ausgedrückt haben. Balsour erklärt sich bereit, Gelegenheit zur Debatte über den Antrag zu geben, er könne einen Tag dafür aber noch nicht bestimnien.— Im Laufe der Specialdebatte über die Finanzbill erklärt Schatzkanzler Austen Chamberlain, der Extrazoll von drei Pence pro Pfund auf entrippten Tabak sollte auf ein und ein halb Penich für Tabak, der vor dem 29. April im Zollspeicher war, herabgesetzt werden. Dadurch gingen dem Staatssäckel wahrscheinlich 200009 Pfd. Sterl. verloren.— Rnstland. Verhaftung eines finnischen Socialdemokraten. Durch einen Privatbrief erhielt unser schwedisches Bruderorgan„Social- Demokraten" Kenntnis von der Verhaftung eines langjährigen finnischen Parteigenossen, E t u Salin, von Beruf Schuhmacher- meister, der als einer der besten Redner der finnischen Arbeiter- Partei angesehen wird. Mit der Verhaftung war eine Haussuchung verbunden, worüber wie folgt berichtet wird: „Ungefähr 10 Polizisten fanden sich am 7. d. M., morgens 7 Uhr, in seiner Wohnung ein; man holte ihn aus dem Bett und befahl ihm, sich so schnell wie möglich anzukleiden und mitzugehen. Einige Polizisten blieben zurück und nahmen eine Haussuchung vor. Besonders genau wurde die Bibliothek untersucht, aber viel erntete man nicht. Einige Privatbriefe und Broschüren. Alle Postkarten, die Zeugnisse von Dienstmädchen und anderes wurden mitgenommen. Später wurde ein Teil der beschlagnahmten Sachen zurückgcliefert." Vom Polizeigefängnis in Ljörneborg wurde Salin nach dem Länsgefängnis in Abo überführt. Er wurde äußerst streng bewacht, erst durch das Eiscngittcr des Transportwagens wurde man seiner ansichtig. Niemand kennt die Ursachen der Verhaftung, doch weiß man, daß Salin seit langer Zeit unter scharfer Polizeiaussicht stand. „Jedenfalls steht seine Festnahnie im Zusammenhang mit der jetzt grassierenden Berhaftungsraserei", bemerkt„Social-Demokraten".— partei-J�aclmchterK Vorschläge des porteivorstondes auf Aenderung des Orgauisations-Statuts. Die vorgeschlagenen Aenderungen sind durch Fettdruck hervorgehoben Z 1. Zur Partei gehörig wird jede Person betrachtet, die sich zu den Grundsätzen des Parteiprogramms bekennt und die Partei dauernd durch Geldmittel unterstützt. Soweit nicht zwingend« Gründe es unmöglich machen, muß jeder Parteiangehörige Mitglied einer socialdemokratischen Bereinsorganisation sein. 8 2. Zur Partei kann nicht gehören, wer sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms oder die Be schlüffe der Partci-Organisation, oder wer sich einer ehrlosen Hand- lung schuldig macht. lieber die fernere Zugehörigkeit zur Partei entscheidet ein Schiedsgericht, das der Parteivorstand beruft. Ter Autrag auf Ein sctzung eines solchen Schiedsgerichts kann nur durch eine Partei organisation gestellt werden. Die Hälfte der Beisitzer wird von der Organisation bezeichnet, die den Ausschluß beantragt, die andre Hälfte von dem durch diesen Antrag Betroffenen. Den Vorsitzenden bezeichnet der Parteivorstand. In Orten oder Wahlkreisen, in denen die Geschäfte der Partei durch eine Bereinsorganisation geführt werden, ist der Ausschluß eines Mitgliedes aus der betresscnden Organisation dem Ausschluß auf Grund des K 2 des Organisations-Statuts Absatz I aus der Gesamtpartei gleich zu achten. Der Ausschluß darf daher nur im Wege deS vorstehend festgesetzten schiedsgerichtlichen Verfahrens er folgen. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Be- teiligten binnen vier Wochen nach Zustellung des schriftlichen Urteiles die Berufung an die Kontrollkommission und gegen deren Entscheidung an den nächsten Parteitag zu. Verzichtet ein Parteigenosse, gegen den ein Ausschlußantrag ge- stellt wird, aus schiedsgerichtliche Verhandlung, oder unterläßt er es, innerhalb einer vom Parteivorstand zu bestimmenden Frist von mindestens zwei VSochen Schiedsrichter zu ernennen, so gilt er ohne weiteres als ausgeschlossen. Mit dem Tode, dem Austritt oder der Ausschließung aus der Partei verliert der frühere Parteigenosse jedes Recht, das er etwa gegen die Partei, gegen den Parteivorstand, gegen die Kontroll- kommission oder gegen einzelne Parteigenossen aus seiner Partei- Mitgliedschaft erworben hat. K v. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung der Partei. Zur Teilnahme an demselben sind berechtigt: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstags- Wahlkreisen mit der Einschränkung, daß kein Wahl- kreis durch mehr als drei Personen vertreten sein darf. Insoweit nicht unter den gewählten Vertretern des Wahl- Ireiscs Frauen sich befinden, können weibliche Vertreter in besonderen Frauenversammlungcn gewählt werden. 2. Die Delegierten der Reichstagsfraktion, deren Zahl den vierten Teil der Fraktionsstärke nicht übersteigen darf. 3. Die Mitglieder des Partcivorstandcs und der Kontroll- kommission. Die Mitglieder der Reichstagsfraktion haben in allen die parla- mcntarischc und die Mitglieder des Partcivorstandcs in allen die geschäftliche Leitung der Partei betreffenden Fragen nur beratende Stimme. Der Parteitag prüft die Legitimation seiner Teilnehmer, wählt seine Leitung und bestimmt seine Geschäftsordnung selbst. Zur Gültigkeit der Beschlüsse des Parteitages ist eine Beschluß- fassung durch die Mehrheit der Anwesenden ausreichend. Königsberger Geheimbnnds- und Hochverrats-Prozetz. Königsberg, 18. Juli. Sechster Verhandlungstag. Erster Staatsanwalt Dr. Schütze teilt mit. daß auch das Polizripräfidium in Berlin seinen Beamten die Erlaubnis zur Ans- sage über dir Beschlagnahme bei Weber verweigert hat. Doch ist dieses Telegramm durch ein andres des Ministers deS Innern überholt worden, der auf die Beschwerde des Verteidigers Liebknecht nach der Aussage der Königsberger Polizcibeamten über ihre Beziehungen zur Zollbehörde und zum russischen Generalkonsulat auch den Charlottenburger und Berliner Beamten die Genehmigung zur Aussage erteilt. Ans Befragen des Verteidigers Liebknecht wird beschlossen, die in Frage kommenden Beamten zu laden. Die Zustcllungsurkunden von A x e l r o d und M a n d e l st a m m sind eingegangen. Plcchauow hat brieflich abgelehnt, zu erscheinen, er fühle sich in Teutschland nicht sicher. Verteidiger H a a s e: Durch die Vorgänge in der Sonnabend- Sitzung ist die Verteidigung veranlaßt worden, den ganzen Ab- schnitt des russischen Strafgesetzbuchs zu prüfen. Dabei haben wir eine hochwichtige Bestimmung geftmden, den§ 251 des russischen Strafgesetzbuches, der vo« der Auffordening zum Hochverrat handelt und die Gegenseitigkeit wiederum ausschließt. Auch diese Bestimmung ist uns von der russische» Botschaft vorenthalten worden.— Der Gerichtshof beauftragt die Sachverständigen, auch diesen Paragraphen zu übersetzen. Hierauf wird in der Zeugenvernehmung fortgefahren. Zeuge Professor Dr. Michael v. Reußner, von der Verteidigung als Sachverständiger geladen, hat in Heidel- berg, Tübingen und München studiert, ist dann Professor des Staats- und Straftechts in T o m s k gewesen, zur Zeit außer Diensten, 36 Jahre alt, griechisch-katholisch. Vert. Liebknecht legt in Rußland verbreitete Bilder vom Kriege mit Japan vor und fragt den Sachverständigen, ob ihm be- kannt sei, daß solche Bilder von hervorragender Scheußlichkeit, die nur der Roheit dienen und viel brutaler seien als das Simplicissismus-Bild, ohne wie dieses künstlerische Zwecke zu verfolgen, nicht in Rußland mit Genehmigung der Censur verbreitet würden? Sachverständiger Professor Dr. v. Reußner bejaht das. Die vorgelegten Bilder zeigen, wie ein Kosak einem Japaner den Kopf mit dem Fuß zertritt, so daß das Gehirn herumspritzt, ein andrer mit den Händen dem Japaner das Bein in zwei Stücke zerbricht, ein Dritter dem Japaner, wie die Unterschrift angiebt,„die Fresse zertvitt und alle Zähne ans dem Maule haut". Bert. Liebknecht: Wissen Sie vielleicht, Herr Sachverständiger, daß die russischen Bauern die Japaner vielfach nicht für Menschen, sondern im wörtlichen Sinne für Affen und Ungeziefer halten? — Sachvcrst. Professor v. Reußner kann nur angeben, daß die Japaner als wertlose Mcnschenrasse angesehen werden.— Ueber das russische Straf recht macht der Sachverständige folgende Mitteilungen: Es sei nur ein Teil des gesamten ReichSrechts, eines großen Werkes auf historischer Grundlage, in dem später alles Veraltete aus dem Text ausgeschieden und in An- merkungen untergebracht worden sei. Wenn der 8 241(Hoch- verrats-Paragraph) vom Leben, der Gesundheit und der Ehre des Zaren spricht, so sei unter dem Begriff„gegen die Ehre" der thätlichc Angriff z» vcrstchc». Hingegen sei in den 88 245 und 246(Majestätsbeleidigung) der Ausdruck „Nichtachtung" auch auf das Vergehen der„Mißachtung" auszudehnen. Er hätte als Richter die den Kaiser beschimpfenden polnischen Bauer» nicht zum Tode nach Z 241, sondern stets nach 8 245 und G 246 verurteilt. Der Wortlaut des russischen Strafgesetzbuches entspräche dieser Auffassung. Wider- spräche er ihr aber, so würde das wenig beweise». Denn das ganze Gesetz sei zufällig entstanden, so daß gewisse Delikte über- Haupt unter keiner Strafbestimmung ständen. Des- wegen bestrafe man z. B. die Straßeiidemonstrationc» als Majestäts« beleidignngen. Die 88 241. 245, 246 seien alle im Jahre 1845 ent- standen; die letzteren beiden, die Majestätsbeleidigungs- Para- graphen, seien aber in den Jahren 1863 und 1385 abgeändert lvorden. Der GegcnscitigkcitS- Paragraph 260 fei erst im Jahre 1358 entstanden und verlange ein publiziertes Gesetz oder einen Staatsvertrag. Es beständen nämlich außer diesem Straf- gesetzbuch noch geheime Ukase strafrechtlichen und kirchcnrechtlichcn Inhalts, von denen bisher drei Bände, davon einer durch den Sach- verständigen, zur Kenntnis der Oeffentlichkcit gebracht worden seien. Deshalb verlange 8 260 ein ausdrücklich publiziertes Gesetz oder einen Staatsvertrag. Keines von beiden bestehe seines Wissens. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Caspar: Aber im allgemeinen wollen Sie doch nicht bezweifeln, daß ein Ukas dieselbe recht- liche Bedeutung hat. Verteidiger Liebknecht: Herr Sachverständiger, Sie wissen, daß Hochverrat ein Vergehen gegen das Rechtsgut der Verfassung ist. Nun find diese Rechtsgüter meiner Meinung nach in Deutschland und Rußland so verschieden, daß eine Gegenseitigkeit überhaupt nicht verbürgt werden kann.— Vors.: Darüber loird der Sachverständige doch auch nichts sagen können.— Vert. Liebknecht: Ist den: Herrn Professor bekannt, daß, wie in den Schriften vielfach be- hanptet wird, die faktische Selbständigkeit des Zaren durch die Beamtenschaft beseitigt und die Rcgierungsgewalt aus seinen Hände» in die der Burcaukratie übergegangen ist?— Sachverständiger Prof. v. Reußner: Auch ftir den Absolutismus im alten deutschen Staate bestand ja bekanntlich diese Gefahr. Aber in Rußland ist der Zar völlig unbegrenzt »nd die Beamten haben unbegrenzte Gewalt. Ein berühmter Lehrer des Staatsrechts in Rußland sagt: An den obere» Stelle» herrscht der offizielle Klüngel, an de» unteren Stelle» grenzenlose Willkür. Er ncuut dir unteren Beamte» Paschas. Selbst sehr konservative Geschichtsschreiber haben das als Folge der Einführung des in i n i st e r i e l l e n Systems bezeichnet. Daß der Zar ohnmächtig und die Burcaukratie allmächtig geworden ist, dafür bestehen in Rußland noch besondere Gründe. Zunächst der M a n g e l eines f e st e n B e a in t e n r e ch t s. Die Beamten können entlassen iverden, wenn sie nur verdächtig werden. Das ist der berühmte dritte Abschnitt des Artikels 788 im dritten Bande des Reichsgesctzbuches. Ferner haben die Beamte» keine strafrechtliche Verantwortlichkeit, wenn nicht die vorgesetzte Behörde die Genchniigung zur Verfolgung giebt. Auch dann werden sie von einem hauptsächlich aus Verwaltungs- beainten bestehenden Gerichtshof abgeurteilt. Vert. Liebknecht: Welche Grundrechte bestehen in Ruß- land?— Sachverständiger: Es giebt in Rußland gar kein Recht des religiösen Bekenntnisses. Es istz. B. verboten, aus dem herrschenden religiösen Bekenntnis aus- zutreten, sogar der Uebertritt zu einer erlaubten Sekte ist nur mit Genehmigung des Ministers des Innern zulässig. Auf dru Uebertritt zu deutschen Sekten steht der Verlust aller Rechte und die Verschickung nach Sibirien. Tritt jemand aus der griechisch-katholischen Religion aus, so verliert er mindestens alle bürgerlichen Rechte, auch das aus die Erziehung der Kinder. Außerdem bestehen aber noch sehr viele andre a dm i n i st r a t i v e Maßregeln. Die geistliche Behörde kann jeden Verdächtigen auf Lebenszeit inS Kloster oder Gefängnis stecken oder nach Sibirien schicken; denn es giebt neben dem bürgerlichen auch ein kirchliches Berfchickungöverfahren. Vert. Liebknecht: Und nun über die Stellung der russischen Juden?— Erster Staatsanwalt Dr. Schütze: All daS gehört meines Erachtens nicht in den Rahmen dieses Strafprozesses hinein. Sachverständiger Prof. v. Reußner: Sie dürfen nicht an der Grenze wohnen, nicht in den Städten, sie dürfen bestimmte Gewerbe nicht treiben usw. Vert. Liebknecht: Und wie steht es weiter hin mit der Preßfreihcit? Sachverständiger: Der Minister des Innern hat jederzeit das Recht, jeder Zeitung die Annoncen und das Recht des öffentlichen Verkaufs zu entziehen oder die Erörterung gewisser Fragen zu ver- bieten. Der Minister für Volksaufklärung, der Minister des Innern, der Justizminister und der Prolurator des heiligen Synods könne» lebe Zeitung in jede« Moment unterdrücken. Außerdem gievt eS eine kirchliche Censur, eine Militärcensur, eine besondere Bibliothekscensur, eine besondere Bolksbibliotheks- censnr usw.— Vert. Liebkn echt: Wie steht es mit der Versammlungsfreiheit? Sachverständiger: Dir ist ganz in das Belieben der Polizei gestellt. Sie kann sie genehmigen oder verbieten, wie sie will. Vert. Schwarz: Kann ein bestimmtes Gesetz durch einen geheime» Utas aufgehoben werden?— Sachverständiger: Selbst gefällte Urteile können auf administrativem Wege abgeändert werden, wie z. B. wer zur Verschickung nach Sibirien verurteilt ist, kann auf Lebenszeit in die Schlüsselburg gebracht werden.— Vert. Schwarz: Sind richterliche Beamte etwa auch absetzbar?— Sachverstän- d i g e r: Nein, aber es werden meistens stellvertretende Richter ernannt, und diese sind ohne weiteres absetzbar. Vert. Liebknecht: Sind friedliche Streiks und Demonstrationen zulässig?— Sachverständiger: Nein. alles das ist in Rußland streng verboten. Erster Staatsanwalt Dr. Schütze: Ich habe gehört, daß in letzter Zeit friedliche Streiks, die rein auf Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gerichtet sind, erlaubt worden sind.— Such- verständiger: Ein hoher Ministerialbeamter Namens S u- b a t o w hat versucht, mit geheimer Erlaubnis der Negierung die Arbeiter in Moskau und anderswo in geheimen Organisationen zu vereinigen. Als aber ein Streik in Odessa ausbrach und ungeahnte Dimensionen annahm, wurde Subatow entlassen und die Bereine aufs strengste unterdrückt.— Vert. Liebknecht: Wie ist im all- gemeinen der BildungSzustand in Rußland? Vors.: Das ist doch bekannt, daß eS nur Verhältnis- mätzig wenig Alphabeten in Rußland giebt.— S a ch- verständiger: Ja, wer ohne besondere Erlaubnis des Ministers lesen und schreiben lehrt, wird hart bestraft. Die Regierung fürchtet den Mißbrauch dieses Unterrichts zu ungesetzlichen Zwecken. Erster Staatsanwalt Dr. Schütze(sehr laut): Ich bitte wiederholt, mir zu erklären, in welcher Ver- bind un g diese Frage mit dem Prozeß steht.— Vors.: Die Verteidigung will offenbar nachweisen, daß es ein Rechts- und Geistesleben in Rußland nicht giebt.— Vert. Lieb- k n e ch t: Es liegt mir in der That außerordentlich viel daran, alles dies gerichtsnotorisch zu machen. Wie ist das gerichtliche Verfahren in Rußland?— Sachverständiger: Die Voruntersuchung wird von einem Gendarmcrie-Untcroffizier unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft geführt. Der Bericht geht dann an die obere Instanz und der Justizminister entscheidet, ob das Verfahren oder der Prozeß im Verwaltungswege oder vom Ge- r i ch t geführt werden soll. Für Hochverratsprozesse werden besondere Senate aus Richtern, dem Adelsmarschall, dem Bürgermeister und dem Gemeindevorsteher gebildet. Auch für jeden besonderen Fall kann der Justizminister besondere Prozeß- formen oder Strafabmessungsregeln festsetzen. Schließlich ist seit mehr als zehn Jahren über ganz Rußland der BelagerungS- zustand verhängt. Infolgedessen können alle Delikte vom Gouverneur oder General- gouverneur den Kriegsgerichten zur Aburteilung überwiesen werden. Bert. Liebknecht: Wie steht es mit den Strafarten, be- sonders mit dem Durchpeitschen?— Sachverständiger: Zuerst wurde, wie aus den Veröffentlichungen der beteiligten Anwalte hervorgeht, das Durchpeitschen in großem Umfange bei dem Bauernaufstände in Charkow angewendet. Man hielt dieses Vorgehen für eine reine Willkür, aber es stellte sich heraus, daß es auf einem geheimen Erlaß Alexanders III. beruhte. Vert. Liebknecht: Ist Ihnen bekannt, daß auch politische Verbrecher und Frauen geprügelt und tot» gepeitscht wurden? Sachverständiger: Nicht aus persönlichem Augenschein weiß ich, daß Gefangene häufig durch Hungerstreiks gegen eine derartige Behandlung protestiert haben.— Verteidiger Liebknecht: Wissen Sie, daß politisch verdächtige Studenten zwangsweise ins Militär eingereiht wurden?— S a ch v e r st.: Ja, sie wurden ohne Unterschied, ob fie krank oder Krüppel waren, auf Lebenszeit in eine Armee gesteckt. Im Kriege gegen China haben sie sich dann nicht bewährt und nach dem Attentat Von Karpowitsch ist diese Verfügung aufgehoben worden. Verteidiger Liebknecht: Ist den Russen nicht auch das Studium im Auslände erschwert?— Sachverst.: Auf unerlaubtes Auswandern steht die Strafe der VermögenSkonfiskation. Besondere Maßnahmen sind jetzt gegen den Besuch der Freien Hochschule in Paris getroffen worden. Vert. Liebknecht: Wissen Sie etwas von dem russisch» asiatischen Departement, das alle politischen Angelegen- heiten im nahen und fernen Osten, auch in den Balkanstaaten, er- ledigen soll? Ist Ihnen ferner die im Jahre 1893 bei Wilhelm! in Berlw erschienene Schrift von R. L e o n o f f bekannt? Sie enthielt geheime Dokumente der rllssische» Orientpolitik und ist auf Veranlassung PetroffS, des Vorsitzenden der bulgarischen Nationalversammlung und Bürgermeisters von Sofia, erschienen. Sie enthält ungeheuere Vorwürfe gegen die russische Regierung und legt diesem afiatischen Departement zahlreiche Bombenanschläge in Bulgarien und Persien zur Last. Schließlich machen neuere Ver- öffentlichungen dieses Departement für die Ermordung des serbischen KönigSpaareS mit verantwortlich. Sachverständiger: Die Dokumente sind alle geheim, ich habe sie also nicht gesehen. Aber ich kenne das Buch, und die äußere Form der Dokumente ist die der echten. Vert. Liebknecht: Besteht in Rußland die Möglichkeit, auf legalem Wege wenn auch noch so geringfügig» Reformen zu betreiben? — Sachverständiger: Rein, es giebt nicht einmal ein Petitionsrecht. Die Gemeinden sind ausdrücklich auf örtliche Angelegenheiten be- schränkt und dürfen sich nicht an den Kaiser wenden. Die AdelSkörperschaften haben zwar dieses Recht, aber sie dürfen nicht allgemeine Fragen erörtern. Der Adel von Twer ist deshalb kürzlich getadelt worden. Vert. Liebknecht: Sind Ihnen die von LoriS Melikoff vor- geschlagenen Reformen bekannt?— Sachverst. Pros v. Reußner: Sie fordern eine ständige Verfassung auf Grundlage der SemstwoS mit beratender Stimme.— Vert. Liebknecht: Ich hebe das ausdrücklich hervor, weil, wie wir sehen werden, selbst ein so unsinniger Terrorist, wie Burzeff, den Terrorismus für unsinnig erklärt in dem Augenblick, wo auch nur diese Reformen verwirklicht werden.— Sachverständiger: Alexander I. hatte sich mit diesen Reformen beschäftigt, Alexander EL hatte sogar eine Verfassung in diesem Sinne, wie sie auch alle Russophilen wünschen, bereits unterzeichnet, als er er- mordet wurde.— Erster Staatsanwalt Dr. S ch ü tz e: Ich denke, in einer der verlesenen Schriften steht: Nikolaus habe beschworen. nicht einen Fuß breit von den Bahnen Alexanders El. abzuweichen? — Vert. Liebknecht: Das war Alexander Ell. Dem Zaren wird in diesen Schriften der Borwurf des Meineides in Hinsicht auf die Aenderuug der finnische» Brrfaffmig gemacht. WaS wissen Sie darüber?— Sachverständiger: In der That war nach der finnischen Verfassung eine Aenderung derselben ohne Zustimmung der Landesvertretung unzulässig. Daß sie trotz- dem vorgenommen wurde, war ein Verfassungsbruch, ein Staatsstreich. Finnland war früher ein besonderer Staat, auch nach der jetzt Herr- schenden Ansicht ist es noch ein eigner Staat, wenn auch nur ein fragmentarischer. Vert. H a a s e: Befinden sich in Rußland Personen in hohen Staatsämlern, die früher in Sibirien waren?— Sachverst.: Sehr viele!— Erster Staatsanwalt Dr. Schütze: Sie sind jetzt nicht mehr in russischen Diensten?— Sachverständiger: Ich habe mein Amt nach den Studentenunruhen in Tomsk niedergelegt. Zwei Studenten waren damals von der Polizei geprügelt»nd durch- gepeitscht worden. E i n st i m m i g beschloß der Senat der Uni- versität ein beschwerendes Telegramm an den Minister für Volks- aufklärung. Ich ging noch Petersburg. Der Minister gab»ns «»recht, schließlich führte der Gendarmerie-Komniandant v. Wahl die Untersuchung zu Ende. Ich legte mein Amt nieder, bin aber noch Inhaber des St. Andreasordens 3. Klasse.— Erster Staatsanwalt Dr. Schütze: Hätte ich gedacht, daß meine Frage eine so lange Erörterung hervorrufen würde, so würde ich sie nicht gestellt haben. Damit ist die Vernehmung des Sachverständigen Professor v. Rcnßner beendigt. Polizeisekretär Schwerz! nski, früher in Charlotten- bürg, jetzt in Berlin, sagt aus, daß die Polizei Mitteilungen von der Sendling an Weber durch dir Steuerbehörde erhalten habe. Gegenüber allen weiteren Fragen beruft sich Zeuge ans das A m t s- g e h e i m n i S, Schutzmann Pruzinowski aus C h a r- lottenburg weigert sich anfangs, überhaupt eine Aussage zu machen, erklärt dann dasselbe wie der vorige Zeuge und schweigt dann auf Befragen der Verteidiger unter Berufung auf das Amtsgeheimnis. Zeuge Buchholz aus C h a r l o t t e n b ii r g ist in Rußland geboren, hat dort 3'/» Jahre lang studiert, ist aber deutscher Uuterthan. Sein Name findet sich als Absender auf den Paketen an Mertins, er hat aber nie an diesen etwas abgeschickt. Zenge erklärt diesen Gebrauch seiner Adresse daraus, daß die Russen in Deutschland ans Schritt und Tritt von russischen Polizeibeamten sich beanf- sichtigt glaubten und überzeugt seien, daß ihre Wohnungen in ihrer Abwesenheit durchsucht würden. Er selbst nimmt das auch an; denn seine Frau, eine Russin, sei bei einem Besuche in Petersburg ver- haftet und vier Monate festgehalten worden, weil sie einige Nunimern der„Jskra" verkauft habe. Dabei seien ihr Aeußcrungen vorgehalten worden, die Zeuge im engsten Kreise gethan habe. Bert. Haase: Ich stelle fest, daß eine Deutsche wegen einer in Deutschland begangenen Handlung in Rußland verhaftet worden ist.— Vors.: Hat Ihre Frau nicht etwa auch Schriften nach Rußland mitgenommen? � Zeuge: Sie hatte bei ihrer Verhaftung einige Nummern der„JSkra" bei sich, aber begründet wurde die Verhaftung mit dem Hinweis auf die Borgänge in Charlottenburg. Zeuge hat sich dann, als er hörte, daß seine Frau mit gemeinen Verbrechern aus dem Etappenwege nach Deutschland zurückgebracht werden sollte, an das Auswärtige Anit gewandt, und dieses hat von der russischen Regierung die bestinunle Zusage erhalten, diese barbarische Maßnahme gegenüber einer kranken Frau aufzuheben. Er habe daraufhin die nötigen Summen nach Rußland abgeschickt, aber die russische Regierung habe ihre Zusage gegenüber dem Auswärtigen Amt nicht erfüllt, gu den revolutionären Parteien in Rußland übergehend, führt Zenge folgende» aus: Der Gegensatz zwischen der Socialdemokratie und den Socialrevolutionären ist ein äußerst scharfer. Burzeff steht mit seinen politischen An- schauungen völlig allein. Nur seine historischen Schriften werden von den Socialrevolutionären herausgegeben. Auch N a d g y hat sich energisch gegen ihn gewandt, in einem Nachwort zu seinem«Wieder- erwachen des RevolutionisniuS" vieles von seinen früheren Aus- fühnlngen zurückgenommen, und ist überhaupt immer mehr auf dem Wege, sich zu einem reinen Socialdemokraten zu entwickeln. Die russischen Parteien weisen alle großen Organisationsfanatismus auf, besonders die Richtung der„Jskra* steht die Souderorganisation sehr ungern. ES ist daher keineswegs unmöglich, daß McrtinS von den russischen Parteigenossen von der lettischen Socialdemokratie ge- warnt worden ist. Inzwischen haben die Sachverständigen Dr. B a l l o d und Pro- fessor Dr. R o st festgestellt, daß ein besonderer � 251 des russischen Strafgesetzbuches sich mit der wissentlichen Herstellung und Verbreitung revolutionärer Druckschriften, der Ankündigung von Schriftwerken oder der Darstellung � derselben beschäftigt, ohne noch hierfür Gegeuscitigkrit zu gewähren.— Staatsanwaltschaftsrat Dr. Caspar: Mir wird soeben mitgeteilt, daß kürzlich ein neues russisches Strafgesetzbuch in Kraft ge- treten i st.— Vert. Heinemann: Das ist allerdings be- stätigt und veröffentlicht worden; wann es aber in Kraft treten wird, weiß noch kein Mensch! Der Gerichtshof beschließt, durch Vermittelung des Justizminister« vom Auswärtigen Amt eine amtliche Auskunft darüber einzuholen, ob ein Staatsvertrag oder ein be- sondcreS in Rußland publiziertes Gesetz existiert, durch welches die Gegenseitigkeit verbürgt wird. Die Staatsanwaltschaft beantragt, als Sach- verständigen über russisches Staats- und Strafrecht den Privat- docenten Dr. Seeler onS Berlin zu laden. Sachverständiger Professor v. Reußner bemerkt, daß Professor Dr. Seeler lediglich Romanist sei.— Staatsanwaltschaftsrat Dr. Schütze zieht darauf- hin seinen Antrag zurück und bittet den Verteidiger Heinemann ihm einen andren Sachverständigen zu nennen.(Große Heiter- k e i t.) Dieser lehnt das ab. Nach kurzer Pause werden die Zeugen„Vorwärts"- Expedient Hoch-Berlin, Hausdiener im„Vorwärts" Alwin Schuster und Leiter der Buchhandlung des„Vorwärts". Stadt- verordneter Bruns-Berlin über den Berkehr der Russen im Geschäfts- lokal des„Borwärts" vernommen. Sie sagen aber nichts Neues aus.— Vert. Haase stellt durch Befragen fest, daß die angeblich dem Zeugen Abel abgeknöpfte Uhr Eigentum der Vorwärts-Buch- Handlung gewesen sei, der sie für ein Inserat in Zahlung gegeben wurde.— Aus den Zeugen Schuster hatte Vert. Heinemann verzichten wollen, Vert. Haase aber nicht, damit der Vorsitzende nicht wieder glaubte, daß die Socialdemokraten vor Gericht mit der Wahrheit zurückhielten. Zeuge Hinz aus Berlin teilt mit. daß er einmal eine Kreuz- bond-Sendung, aus der sein Name und seine volle Adresse als Absender standen, als unbestellbar zurückbekommen habe, ohne daß er sie abgesandt ober von ihrer Absendung gewußt habe. Sie ent- hielt mehrere Exemplare des„Vorwärts" mit der Russenrede des ReichsiagS-Abgeordneten Haase. Entgegen dem Antrage der Staatsanwaltschaft wird auch der Zeuge BrunS wie die vier andren Zeugen vereidigt. Nunmehr soll mit der Uebersetznng der beschlagnahmten Schriften begonnen werden. Vert. Liebknecht bittet festzustellen, welche Schriften bei jedem Angeklagten gefunden worden sind. Nur so könne man ein plastisches Bild von dem„Verbrechen" jedes einzelnen erhalten. Vert. Haase: Auch ich habe mich bisher vergeblich bemüht, mir aus den Akten ein klares Bild davon zu machen. Es mag das vielleicht daran liegen, daß ich etwas schwerfällig bin.(Äroße Heiterkeit, auch bei oen Richtern.) ES wird also beschlossen, zunächst morgen S Uhr durch d«, Aktuar Brandstetter feststellen zu lassen, welche Schriften bei jedem Angeklagten beschlagnahmt wurden. Schluß 2>/z Uhr. *• m Der Brief, durch den Plechanoff sein Erscheinen als Zeuge ablehnt, hat folgenden Wortlaut: „An Herrn Gerichtsdirektor Schubert, Königsberg. Beaten- berg, den 15. Juli 1904. Mein Herr I Ich bin aufgefordert worden, am 18. d. MtZ. als Zeuge im Prozeß Nowagrotzki und Genossen zu erscheinen. Indessen ist die Haltung der preußischen Regierung gegenüber der dsS Zaren derartig, daß ich glaube, so- bald ich den Fuß auf den Boden Ihres Vaterlandes setze, als russischer Verbannter an die Grenze Rußlands gebracht zu werden. Sie begreifen, mein Herr, daß ich unter diesen Umständen nicht nach Preußen kommen kann. Ich bin der Erste, das zu bedauern. Achtungsvoll Georg Plechanoff." Folgenden Brief hat Zeuge Linde ans Anlaß des Vorkommnisses am Sonnabend an den Vorsitzenden des Gerichtshofes gerichtet: „Geehrter Herr Landgerichtsdircftor l Wie mir mitgeteilt wurde, haben Sie am Soiinabeiid, den 16. d. M., in öffentlicher Gerichts- sitzuna die Aeiißeruna gethan. ein hiesiger Vertrauensmann der Social- demokratie— damit war ich gemeint— habe einem Parteigenossen den Rat erteilt:„Sage ja nicht vor Gericht die Wahrheit!" Sie haben dadurch öffentlich eine schwere Beleidigung gegen mich aus- gesprochen, die ich aufs entschiedenste zurückweisen muß. Ich habe niemals, weder mündlich noch schriftlich, diese Aeußerung gethan; ich habe vielmehr, wie Sie aus dem bei den Akten befind- lichen von Ihnen mir vorgehaltenen Brief und aus meiner Zeugen- aussage wissen. Klein auf dessen Frage, wie er sich bei der polizeilichen Vernehmung als Beschuldigter zu verhalten habe, geantwortet, er solle so wenig als möglich aussagen, er solle sagen, er wisse nicht oder könne sich nicht besinnen. Ich habe das im vorliegenden Falle bereits bekundet und habe es lediglich deshalb gethan, weil erfahrungsgemäß polizeiliche Vernehmungen häufig ungenau sind und den Sinn der Worte des Vernommenen nicht richtig wiedergeben. Ich wollte, daß Klein und Treptau in ihrer Auflegung nicht ein polizeiliches Protokoll genehmigen, welches den Thatjachcn nicht entspricht und später gegen sie verwendet werden kann. Ich darf wohl erwarten, daß Sie bei der ersten Gelegenheit die Beleidigung an derselben Stelle, an der sie sie ausgesprochen haben, zurücknehmen werden. Hochachtungsvoll Hermann Linde." Der Vorsitzende hat diesen Brief bisher noch nicht mitgeteilt. Berichtigung. Am vierten Verhandlungstage ist in der Wiedergabe des Gutachtens des Sachverständigen Professor R o st ein Irrtum vorgekommen. Nach unserm Berickt sollte Professor Rost gesagt haben:„Sachlich besteht der Unterschied, daß Leute wie Plechanoff und Axelrod sich nicht zur reinen Arbeiterpartei zählen, sondern ihre Kreise auch weiter auf die Bauern ans- dehnen wollen. Sie treten fiir bedingten Terrorismus ein, über den die Partei durch den„Kampfbund" die Kontrolle ausübt." In Wahrheit hat Prof. Rost folgendes gesagt:«Sachlich besteht der Unterschied darin, daß die Socialrevolutionäre entgegen Plechanoff und Axelrod sich nicht zur reinen Arbeiterpartei rechnen. Nur die Revolutionäre treten auch für den bedingten Terroris- mus ein." Letzte Naebnebten und DepeCcben« Hamburg, 18. Juli.(W. T. B.) Der heute abend hier ein- getroffene englische Dampfer„Hirondelle" hat auf der Reise von London nach Hamburg den englischen TorpedobootSzerstörer „Haughty" überrannt. Aus der Beschaffenheit de« Buges der „Hirondelle" kann man schließen, daß die„Haughty" dirett auf- geschnitten sein muß. An der linken Seite de» Buge« hat die „Hirondelle" oberhalb der Wasserlinie ein Loch, das mit Säcken notdürftig zugestopft wurde. Der erste Offizier erklärt, daß bei der Kollision niemand ertrunken sei. Die GeneralstabSfälscher. Paris, 18. Juli.(W. T. B.) Der Sachverständige Legrand überreichte heute dem Kriegsgericht sein Gutachten über die im Cassabuch des HauptinaimeS d'Autriche vorgenommenen Radierungen und Acndcriingen. Dem„TempS" zufolge geht aus diesem Gutachten hervor, daß die verhafteten vier Offiziere des Nachrichten-BureauS dem damaligen GenrralstabSchcf die Verwendung von 20000 Fr. verheimlichen wollten._ Paris, 18. Juli.(W. T. B.) Der Vorsitzende des republi- kanischen Handels- und Jndustriekomitees, M a S» u r a u d. hat an den Handelsminister ein Schreiben gerichtet, in dem er mit scharfen Worten gegen die Enthebung LagraveS von dem Posten des General- Kommissars der Weltausstellung in St. Louis protestiert. Der radikale Deputierte Biissidre erhebt in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten CombeS gleichfalls Einspruch gogen die Maß- regelimg Lagravcs und kündigt eine Interpellation hierüber an. Auch der Präsident der französischen Abteilung in der Welt- ansstellung zu St. Louis hat im Namen der französischen Aussteller ein Protestschreiben an den Ministerpräsidenten gerichtet. Russische Willkür. Aden, 18. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureau.) Um die an Bord des deutschen Reichspostdampfers«Prinz Heinrich" beschlag- »ahmte japanische Post dem britischen Dampfer„Persta" über- geben zu können, hielt der russische Hilfskreuzer„Smolensk" die �.Persta" gewaltsam eine Stunde ans. Die„Smolensk" hat zwei für Nagasaki bestimmte Postsäcke des„Prinz Heinrich" mit Beschlag belegt. London, 18. Juli.(W. T. B.) Die Peninsular and Oriental Linie erklärt es ftir unrichtig, daß ihr von den Russen im Roten Meere beschlagnahmter Dampfer„Malacca" Waffen und Munition fiir Japan an Bord habe. Der Dampfer sei ein Schiff, das mit Anlaufen von Zwischenhäfen regelmäßigen Dienst mit Reisenden und Ladung von London nach China und Japan mache. Er befördere wie alle Dampfer der Linie Güter der englischen Regierung und habe auch auf der diesmaligen Reise einen solchen nach Hongkong bestimmten Regierungstransport an Bord._ Haag, 18. Juli. Die Regierung hat die Auflösung der Ersten Kammer der Gcneralstaaten wegen der Ablehnung der Unterrichts- Vorlage durch dieselbe beschlossen. Di« Neuwahlen finden Mitte August statt; die ncugewählte Erste Kammer soll am 20. September zusammentreten.— Rom, 18. Juli.(W. T. B.) Der Ausstand der Bäckergesellen ist beigelegt worden._ Die Cholera in Persien. Baku, 13. Juli.(W. T. B.) Aus Teheran hier eingegangene Nachrichten besagen, daß die Cholera dort erschreckende Ausbreitung gewinnt. Die Europäer flüchten aus der Stadt ins Gebirge. Die Zahl der täglichen Sterbefälle soll bis zu neunhundert betragen, und die Toten vielfach in den Straßen liegen bleiben. In Mandschil und Enseli ist eine fünftägige Quarantäne eingerichtet, es herrschen dort schlimme Ziistände, den» es fehlt an Lebensmitteln, und die dort festgehaltenen Personen nächtigen im Freien. Da die unge- hinderte AnSsiihr von Früchten und Gemüsen eine Einschleppungs- aefahr bedeutet, hat die russische Verwaltung die Grenze bei Astara für Reisende und Waren gesperrt. In Dschiilfa ist eine Quarantäne für Herkniifte aus Tabris angeordnet worden. Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw. : Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanjtaltPauI Sinoer örCo., Berlin L W. Hierzu 2 Btilaoenu JirUt�nlU'w&W Nr. 167. 21. Jahrgang. 1. ßtilnjt»es Jotniirts" Serlim NcksdlM Dienstag, 19. Juli 1964. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Heber einen„. � schweren Kampf am Moteen-Pah berichtet General Kuroki: Tokio, 18. Juli.(Melimug des„Reuterschen Bureaus".) Gestern bei Tagcsaubruch wachten zwei russische Divisionen einen verzweifelten Angriff auf den Moticn-Paß, wurden aber zurück' geworfen, v.eber die Verluste ist nichts gemeldet. Tokio, 18. Juli. Amtliche Meldung. General Kuroki Be. richtet, dasi am 17. d. M. gegen 3 Uhr morgens der Kommandeur eines russischen Armcccorps, General Keller, mit über zwei Divisionen unter dem Schutze dichten Nebels einen heftigen Angriff auf den Motienpasi und die benachbarten Positionen zu machen begann, die von einem Teile der japanischen Armee besetzt waren. Die Japaner leisteten hartnäckigen Widerstand, warfen den Feind allerorten zurück und verfolgten ihn bis Kunkeapaotzu. Ueber die Verluste werden Erhebungen angestellt. Vermutlich suchten sich die Russen des wichtigen Paffes zu be' mächtigen, um die Japaner am Vormarsch gegen die Bahnlinie Liaujang-Mukden zu verhindern. Nach dem Bericht Kurokis ist dieser Versuch völlig mißlungen. Bei der großen Zahl der bei dem Kampf engagierten Truppen müssen die Verluste auf beiden Seiten, namentlich aber auf feiten der angreifenden Russen be- deutende gewesen sein. Eine neue russische Beschönigung. Petersburg, IS. Juli. Ein Telegramm des Generallieutenants Ssacharow an den Generalstab vom 16. Juij besagt: Anläßlich des amtlichen Berichts deö Generals Oku über das Gefecht vom 9. Juli bei Kaitschou, das er als einen Sieg über die russische Armee darstellt, meldet der Stab der Mandschurei-Armee folgende Einzelheiten dieses Arrieregardc-Gefcchts: In der Nacht auf den S. Juli nahmen kleine russische Abteilungen Stellungen, ein Werst nördlich von Kaitschou. sowie den Schuaulunsipaß, die Station Kaitschou und Tsiaotsiatnn ein. Um 4 Uhr morgens er- öffnete der Gegner eine Kanonade und ging auf der ganzen Linie zum Angriff vor. indem er bestrebt Ivar, den linken Flügel der Stellung bei Kaitschou zu umgehen. Seine Streitkräfte betrugen etwa vier Divisionen. Die russische Nachhut begann auf Befehl des Abteilungs- chefs sich langsam von Kaitschou auf die Stellung beim Schuanluusi» paß zurückzuziehen. Nachdem der Patz erreicht war, erhielten anch die Truppen, die die Station Kaitschou und Tsiaotsiatun besetzt hielten, den Befehl, sich zurückzuziehen. Um den Rückzug der Nachhut zu decken, Ivurde auf den Hohen bei Mahuntsuitsa eine Stellung besetzt. Unter dem Schutze dieser Abteilung zog sich die gesamte Nachhut nordlvärtS zurück. Ein irgendwie ernsteres Gefecht hatte nur ein Bataillon. Alle Truppenabteilungen vcranlaßten den ihnen rechtzeitig gegebenen Befehlen gemäß den Feind sich zu entwickeln und zogen sich hierauf, ohne sich in einen Kampf einzulassen, in voller Ordnung auf die ihnen für die Nacht angewiesenen Stellungen und Biwaks zurück. Die Russen sind also nicht aus Kaiping herausgeworfen worden. sondern sie haben diese Position nur wieder einmal fteiwillig auf- gegeben. Daß sie besonders heldenhaften Widerstand geleistet hätten, haben ihnen die Japaner übrigens auch gar nicht nachgesagt. Daß die Russen Kaiping ohne ernstlichen Widerstand aufgaben, ist umso schlimmer fiir sie. Denn Kaiping war als Schlüffel zu Niutschwang, das heißt der westlichen Zufuhr- basis der Russen, eine ungemein wichtige Position. Nach russischen Meldungen hätten die Japaner Niutschwang noch nicht besetzt. Aber daß sie eS in aller Bälde besetzen werden, steht außer Frage. Dann ist den Russen jede Ber« proviansierungsmüglichkeit vom Westen her abgeschnitten, während die Japaner sich die neu eroberte Bahnlinie jedenfalls sehr zu Nutze machen werden. Es ist geradezu lächerlich, wenn die Russen be- haupten, jedes weitere Vorrücken gegen Lianjang hin werde den Japanern immer große Verproviantiernngsschwierigkeiten machen. Nach dem Fall von Niutschwang stehen den Japanern zwei Eisenbahnlinien zur Verfügung, während die Russen nur über eine einzige Linie verfügen. Und über diese letzte Verbindung auch nur so lange noch, bis die Armee Kurokis auch diesen letzten Faden abgeschnitten hat. Glückt Kurokis offensichtlicher Plan, die Linie Liaujang— Mulden abzuschneiden, so sitzen die Russen bald hungernd in der trostlosesten Mausefalle. Ueber die Lage bei Port Arthur will der Washingtoner Berichterstatter der. M o r n i n g P o st" aus angeblich gut informierter amtlicher Quelle wissen, daß der An- griff auf Port Arthur nahe bevor st ehe. Feldmarschall Ojama, der in Da In y mit zwei Divisionen in Gesamt- stärke von 30 000 Mann gelandet fein soll, wodurch das Belagerungs- Heer auf 80000 Mann gebracht ist. werde den Sturmangriff auf Port Arthur in Person befehligen, weil er den Oberbefehl führte, als die Japaner Port Arthur im Kriege mit China einnahmen. Gleich- zeitig mit deni Angriff auf Port Arthur werde Kuroli gegen Liaojang operieren urd Kuropalkius Armee angreifen. . � Juli-(Meldung des.Reuterschen Bureaus".) Der japamfche T orpedobootszerstörer.Hayatori" hat eme � �'/.beschlagnahmt, lvclche die Post von Port Arthur ? s. l.« bringen sollte. Briefe, die sich auf Angelegen- Jrt".6 oder der Marine in Port Arthur bezogen und die Nachrichten enthielten, wurden einbebalteu: Briefe, die 7a Angelegenheiten beschäftigen, wurden überimtteln"ufgegeben mit dem Ersuchen, sie den Adressaten zu Die Ausweisung der schweizerischen Militärmisfion sw» 1«<£m Kriegsschauplatz. �>b-rst A u d c>?il d ist �. Militärdepartement teilt amtlich mit: und bat �&c,t 15- b- M- aus Rußland zurück- «-1.»-- u ü„» S ÄÄ!,"" ÄiS-Anit'' t rk/sii a'/nd e�Aeu�nma"&£" Borwurs. eine be- Icioiflcnöc JicußcrunQ iiocc biß ntfötifto npfTirttt au haben und erklärt des bestimmtesten, daß er nie die Absicht gehabt habe, etwas Unangenehmes oder aar Beleidigendes über die russische Armee zu sagen. Aus Mitteilungen fremder Offiziere � ruffischen Ha�tq�»laubt Oberst Audcoud schließen zu können, daß c- sich wahrscheinlich um eine mißverstandene oder entstellt weitergegebene Aeußerung handelt an die er selbst sich nicht erinnert, ivelche aber zedenfalls keinen beleidigenden Sinn baben konnte. Da Oberst Audeoudim russischen G-°neral"umtttt keine Gelegenheit gegeben wurde, sich �b« die gegen ihn erhobene An- schuld, gung zu äußern, da'hm darüber von russischer Seite über- ein Mißverständnis, eine unrichtige Interpretation oder ähnliches handelt, oder wie sonst der Oberst Audeoud gemachte Borwurf ent- standen ist. Gegenüber einzelnen Meldungen, st zu berichtigen, daß Oberst Audeoud in Petersburg kemen schriftlichen Protest aeqeu die Abberufung abgegeben, sondern sich wegen Abwesenheit de? «"egsministers schriftlich verabschiedet und bei diesem Anlaß für den schweizerischen Offizieren gewahrte Aufnahme bedankt hat. Gewerkrchaftllcbca. Arbeiterinnen-Agitation betreffend. Den Gewerkschaften hiermit zur Nachricht, daß sich in Berlin eine Frauen- Agitationskommission aus vorwiegend g e w c r k- s ch a f t l i ch thätigen Frauen gebildet hat, welche es sich zur Auf. gäbe macht, die Agitation unter den Arbeiterinnen planmäßiger als bisher zu fördern. Es war einem großen Teil der Gewerkschaften bisher nicht möglich, die sich auf die Arbeiterinncn-Agitation beziehenden Be- schlüsse des vierten Gewerkschaftskongresses(siehe Protokoll Seite 112, Resolution Tietz und 116, Antrag Rudolph) zu erfüllen. Zum Teil waren die beschränkten Mittel einiger Gewerkschaften daran schuld und andrerseits sind viel zu wenig agitatorisch thätige Frauen vor» Händen und mutzte daher die zu leistende Arbeit von den wenigen, die sich der Sache widmen, verrichtet werden. Da eine Einheitlichkeit im Arrangement der AgitationSvcrsamm- lungen usw. nicht bestand, so konnten oft dringende Fälle nicht erledigt werden, während wiederum zu verzeichnen war, daß in manchen Gegenden und Orten in einer Woche, ja oft an einem Tage, mehrere Referentinnen von auswärts zusammentrafen oder einander ablösten. Dagegen brauchte bei richtiger Einteilung der Arbeit niemals etwas zurückgestellt zu werden und Geld und Zeit der einzelnen Organisationen und Persoiien könnte gespart werden. Um den Uebelstand, der eine bedeutende Erschwerung der Ar» beiterinnen.Agitation ist, zu beseitigen, haben sich die Frauen zur gemeinsamen Arbeit vereinigt. Die Thätigkeit der Kommission soll sich aber nicht nur auf Abhaltung von Gewerkschaftsagitations- Versammlungen erstrecken, sondern jede Art der notwendigen Kleinarbeit umfassen. Die Gencralkommisston der Gewerkschaften Deutschlands hat bereitwilligst einen Raum zur Verfügung gestellt, in welchem die erforderlichen Materialien aufbewahrt und die schrift- lichen Arbeiten erledigt werden können. Hier wird auch an allen Wochentagen, mit Ausnahme des Sonnabends, von 5— 7'/, Uhr, ein Mitglied der Kommission anwesend sein, um an die Arbeiterinnen Auskünfte zu erteilen und Beschwerden und Aufträge für Agitation entgegenzunehmen. Wir hoffen, daß die Gewerkschaften die Kommission in ihrem Bestreben, die Arbeiterinnen-Agitation zu fördern, unterstützen werden und bitten, alle brieflichen Anfragen zu richten an das Gewerkschaftliche Frauen-AgitationSkomiter, B e r l i n 80. 16. Engelufer 15. lV. Das Komitee: Marie Hofmann, Emma Ihrer, Ida Altmann, Martha Tietz, Paula Thiede. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck ersucht. Serlln unkt Llmgegenck. Zum Streik der Steinsetzer und Rammer ist zu berichten, daß sich gestern, dem Antrage der Innungen entsprechend, die Gesellen- ausschüsse derselben der Anrufung des EinigungsamteS angeschlossen haben. Nach Mitteilungen, die der Stteilleitung aus JnnunaSkreisen zugegangen sind, glaubt die erstere allerdings Ursache zu haben, den Verhandlungen bor dem Einigungsantte nur mit recht gemischten Gefühlen entgegensehen zu können. Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß die Innungen in ihren Anträgen nur von den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der Steinsetzer, dagegen kein Wort von denen der Rammer erwähnen, obgleich doch die Differenzen nur in Lohnforderungen der Rammer ihren Grund haben. Man glaubt aus diesem Umstände schließen zu müssen, daß es den Innungen, insbesondere der Berliner, EberSwalder und Potsdamer, nur darum zu thun ist, mit Hilfe des EinigungSamtes von dem Lohntarif der Steinsetzer loszukommen oder doch lvescntliche Teile desselben außer Kurs zu setzen! ES wäre ja für die Steinsetzer ein leichtes, diesem dadurch entgegen zu arbeiten, daß sie Gegenforderungen aufstellten, um in den Verhandlungen Kompen- fattonsobjekte zu haben. Aber die Steinsetzer wollen von diesem Mittel keinen Gebrauch machen, um nicht auf diese Weise auch nur den Schein zu erwecken, daß sie zugeben, vertragsbrüchig geworden zu sein, wie eö die genannten Innungen behaupten und vielleicht auch behaupten müssen, um ihr Vorgehen beschönigen zu können. Man kann also auf den Ausgang der Verhandlungen gespannt sein. Inzwischen hat die Steglitzer Steinsetzer-Jnnung endgültig be- schlössen, sich von den Beschlüssen der vereinigten Innungen los- zusagen, und auch eine große Anzahl Berliner JnnungSmeister haben die Arbeit zu den alten Bedingungen aufnehmen lassen. Der Tarifvertrag der GipS> und Cementbranche erreicht, nachdem die Arbeiter beschlossen hatten, ihn zu kündigen, die Arbeitgeber ihnen aber mit der Kündigung zuvorkamen, am 1. Oktober diese« Jahres sein Ende. Am Sonntag befaßte sich nun eine gutbesuchte Mitgliederversammlung der Gruppe der Eementierer mit Verbesserungsvorschlägen, die bei den bevorstehenden Tarifverhand- lungen den Arbeitgebern gemacht werden sollen. Mehrere Redner sprachen sich für Vorschläge auf Erhöhung der Stundenlöhne sämt- licher in Betracht kommenden Gruppen aus. Nach längerer Diskussion überzeugte man sich jedoch davon, daß eS zweck- mäßiger sei, von diesen Vorschlägen Abstand zu nehmen, und die Versmnnilung stimmte folgendem Beschlüsse des Sektions- Vorstandes zu, der, um Gültigkeit zu erlangen, noch der Bestättgung der andren Gruppen und der Generalversammlung bedarf: «In Erwägung, daß ein großer Teil von Unternehmern unsrer Branche trotz des bestehenden Vertrages einen geringeren als den vertragsmäßigen Lohn zahlt, und in weiterer Erwägung, daß, ob- gleich unsre Organisation stäntzig an Mitgliedern und an Einfluß gewinnt, heute noch ein Teil Kollegen aus allen Gruppen, ohne dagegen zu protestieren und ohne die durch den Berttag garan- tterten Rechte zu vertreten, mit den geringeren Löhnen zufrieden sind, auf diese Weise fortgesetzt gegen den Vertrag verstoßen, und. ohne die Errungenschaften der Organisation zu verteidigen, den Unternehmern helfen, den Vertrag umgehen zu können, empfiehlt der SektionSvorstand den Mitgkiedern. ber den diesjährigen Verttags- Verhandlungen keine Lohnforderungm zu stellen, sondern daS Haupt- gewicht auf die nachfolgenden Punkte, die ebenfalls der Verbesserung bedürfen, zu legen:.- � 1. Alle Arbeiten werden m Zeitlohn ausgeführt. 2. Der von der Organisatton der Arbeiwehmer eingerichtete Arbeitsnachweis wird von den Mitgliedern deS Verbandes der Gips- Cemem- und Deckengeschäfte anerkannt und gilt als einzige ArbeitSvermittelungSstelle der Gips- und Cementbranche. 3 Regelung der Lohne für Angehörige aller Gruppen, auch soweit Arbeiten nach außerhalb in Betracht kommen. 4 Bessere Ausgestaltung der Baubuden und Aborte. S Korrektere Fassung de« Paragraphen über die Regelung der Ueberftunden-, der Nacht- und SonntagSarbeit." Achtung! Die Arbeiter der Vacuum-Werke haben wegen »ohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Der Bettieb steht voll- ständig. Zuzug von Arbeitern aller Art ist streng fernzuhalten. Centralverband der Handels«. Transport- und BerkehrSarbetter Deutschlands. Deutfcsiea Reich. � Die Aussperrung im Maiugebiet.- Die Zahl der Ausgesperrten läßt sich vorläufig noch nicht fest- stellen. Wenn die Schätzung richtig ist. daß im AuSspermngsgebiet t ettva 9—10 000 Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter beschäftigt sind, dann dürften lvohl einschließlich der Familienmitglieder der Aus- gesperrten 25—30 000 Personen direkt von der Aussperrung be- troffen werde». Die Scharfmacher arbeiten skrupellos mit allen Mitteln des Terrorismus nicht nur gegen die Arbeiter, sondern auch gegen die weniger berserkerhaften Unternehmer. Unter dem 14. Juli hat der Verband der baugelvcrblichen Unternehmer ein Rundschreiben an die Lieferanten gerichtet, in dem es u. a. heißt:.Weiter wurde ein- stimmig beschlossen, den Lieferanten Kennwis von dem Beschluß der Aussperrung zu geben und die Lieferanten aufzufordern, von diesem Zeitpunkte(23. Juli 1904) ab gemäß der Vereinbarung die Lieferung von Materialien irgend welcher Art einzustellen. In Bettacht kommen Maurer- und Zimmerergeschäste." Dieser Druck auf die Lieferanten hat nur den Zweck, die Unternehmer, welche sich unter Umständen mit ihren Aroeitern einigen, in Verlegenheit mit Baumaterial zu bringen. Natürlich arbeitet man gegen die ausgesperrten, nicht streikenden Arbeiter auch mit dem Mittel der Verrufserflärung. In einem vom Scharfmacher Liischer unterzeichneten, vom 14. �uli datierten Rundschreiben an die Verbandsmitglieder heißt es wörtlich: .In der Anlage überreichen wir Ihnen Listen, gesondert für Maurer, Zimmerer und Taglöhner. worin Sie die am 23. Juli a. o. zur Entlassung kon, inenden Arbeiter alphabetisch ge- ordnet einzeichnen und unter Benutzung des einliegenden FreicouvertS umgehend retournieren wollen. Die zur Ausfertigung dieser Ver- zeichmsse erforderlichen Angaben können aus den Ouittungskarten der bett. Arbeiter gemacht iverden." In einem andren Schreiben heißt es dann noch:.Wir ersuchen unsre werten Kollegen, von jetzt ab keinen Arbeiter mehr einzustellen, dessen im Juli d. I. eingeklebte Marke für Alters- und Invalidenversicherung den Stempel: Hessen- Nassau, Großherzogtum Hessen und Unterftanken trägt, und solche, die bereits eingestellt sind, sofort wieder zu entlassen." In einer überftillten Versammlung der Ausgesperrten beschäftigte man sich am Sonnabend mit Gegenmaßregeln. Die Lohnkommission schlug folgende Forderungen vor: Der Stundenlohn betrögt vom 1. August 1904 52 Pf.; vom 1. April 1905 55 Pf. Junggesellen unter 19 Jahren bekommen 5 Pf. die Stunde weniger. Die Ver- einbarungen sollen vorläufig bis zum 31. Juli 1906 gelten. Die übrigen Forderungen beziehen sich auf Lohnzahlungen, Arbeiterschutz- Vorrichtungen und dergleichen. Die gänzlich vom Zaun gebrochene Aussperrung kann also event. auch den von den Scharfmachern nicht beabsichttgtcn Erfolg haben, daß die Herren die Löhne ihrer jetzt übermütigerweise aufs Pflaster geworfenen Leute erhöhen müssen. Der fünfte Kongreß christlicher Gewerkschaften wurde am Sonntag in E s s e n a. d. R. eröffnet. Vorsitzender Schiffer-Krefeld sprach über die Bestrebungen der Arbeiter im Kampfe um Gleichberechtigung, Generalsekretär Behrens-Berlin über die Frage: Warum müssen sich die evangelischen Arbeiter den christlichen Gewerkschaften anschließen? Arbeitersekretär GieSberts über: Die Hindernisse der christlichen Gewerkschaftsbewegung._____ Der Berein der Lithographen. Steindrucker und Berufsgenosse» Deutschlands hält vom 19. d. MS. an im VolkShause in Dresden seine fünfte Generalversammlung ab. Der Mtgliederbestand dieses auS verschiedenen Berufsgruppen zusammengesetzten Verbandes ist ein verhältnismäßig giinstiger. Die Organisation umfaßt 67 Proz. der im Berufe beschäftigten 14 962 Arbeiter. Er zählte im Februar d. I. 10007 Mitglieder. Von 4512 beschäftigten Lithographen sind 2554 organisiert, von 7152 Steindruckern 5326, von 1381 Chemigraphen 1233, von 655 Lichtdruckeru 43Ü. von 196 Kupferdruckern 106, von 1066 Steinschleifern 275. Die Zunahme seit dem April 1901 bettug 3489 Mitglieder oder 56 Proz. Die Einnahme des Verbandes bettug in dem Zeitraum vom 1. Januar 1901 bis 31. Dezember 1903 insgesamt 578 331,57 M., die Ausgabe 402 411,28 M. Der Kassenbestand in der Hauptkasse am 31. Dezember 1903: 168 694,89 M.. in den Zahlstellen 7325,40 M. Es wurden ausgegeben für Reise-Unterstützung in demselben Zeitraum 48 390 M, für Arbeitslosen-Unterstützung 136 395 M., für Umzugskosten 13 120 M., für Unterstützung Gemaßregelter 10 024 M., für Rechtsschutz 817 M.. Lohnbewegungen kosteten 10 780 M., an andre Orgamsattonen wurden 3965 M. an Streikunterstützung gezahlt. Stach einer mit großer Sorgfalt zusammengestellten Statistik stellt sich die durchschnittliche Arbeitszeit für 2406 Chromo- Lithographen auf 50'/. Stunden. 1691 Merkantillithographcn 52 Stunden, 2368 Steindruck-Maschinenmeister 55'/|, 3309 Hand- pressendrucker 55'/4 und 1050 Steinschleifer auf 55'/, Stunden wöchentlich. Der durchschnittliche Wochenlohn beträgt bei 1747 Chromo- lithographen 27.80 M. 1209 Merkantillithographen 27,23 M. 1851 Maschinenmeister 27,11 M., 2647 Handpressen-Drucker 25,74 und Steinschleifer 18,41 M. Lohnbewegungen und Streik«. In 53 Orten konnten bei 114 Firmen Lohnbewegungen ohne Stteik erfolgreich durchgeführt werden. Von zehn AbwehrstteikS fielen drei zu Gunsten der Oraani- satton, von sechs Angrifföstreiks zwei teilweise, drei vollständig günstig für die Organisatton auS, einer ging vollständig verloren. Auf der Generalversammlung dürfte es zu scharfen Auseinander- setzungen kommen über die Angelegenheit Tischendörfer, der, obgleich er evangelischer Arbeitersekretär ist, doch ein Mandat als Delegierter erhalten hat. Auch die Vorsitzende de« Verbandes der Buchdruck- Hilfsarbeiter, Fr. Paula Thiede, ist erschienen, da es einige Grenz- streitigkeiten zwischen den beiden Verbänden zu erledigen giebt. HueUnd. Der Streik der ErdSl-Arbeiter. Die Arbeitgeber wollen die Arbeiter hintergehen und die Ein- tracht durch L i st brechen. Sie verlangen ein neues, ihnen passendes Streikkomitee. DonnerStagnacht wurde von Agenten der Grubenbesitzer folgendes plump gefälschte Plakat an- geschlagen: Genossen! Arbeitervolk I Fort mit parteiischen Partei- Privilegien! Winkelpolittk, fort! Fort mit der Politik der um ihre Macht zitteniden Clique! Verlaugen allgemeine, gleiche, freie, direkte, geheime Komiteewahl. Jeder von uns habe das Recht, Kandidaten aufzustellen und geheim zu stimmen. Nur ein allgemeines Arbeiterkomitee erkämpft uns Wasser. Wohnung, Konsumverein, Krankenkasse und Spital in Boryslaw. Es lebe die Achtstunden- schicht I ES lebe Abgeordneter DaözynSki! ES lebe allgemeines, gleiches, freies, direktes Wahlrecht! Das Komitee unabhängiger Arbeiter." Dieses Plakat, daS die Stteikenden irreführen sollte, wurde noch während der Nacht von Arbeitern heruntergerissen. Der nieder- trächtige Schwindel ist mißlungen und die schlauen Herren werden von den Arbeitern ausgelacht. Gleich in den ersten Tagen des Streiks haben zahlreiche Ar- beiter Boryslaw verlassen und find in die Heimat abgereist, wo sie jetzt bei den Feldarbeiten genügend Arbeit finden. Gestern sind wieder mehr als dreihundert Arbeiter weggesahren, so daß insgesamt schon mehr alö zweitausend Arbeiter Boryslaw verlassen haben. DaS Bataillon des 9. Jnfanteric-RegimentS mußte Boryslaw verlassen, da sehr viel Soldaten infolge de§ schlechten Wassers an Dysenterie erkrankten. Dieses schlechte Wasser aber müssen die Arbeiter das ganze Jahr genießen. An Stelle dieses Bataillons ist ein Bataillon des 89. Jnfanterie-Regiments angekommen. Der Statthaltereirat Piwocki hat den Vorschlag gemacht, es mögen Unternehmer und Arbeiter je vier Vertrauensmänner wählen, die die Verhandlungen führen sollen. Die Arbeiter sttnimten diesem Vorschlage sofort zu, die Unternehmer lehnten ihn ab._ „SchonenS Landarbeiter- Verband", die junge Organisation schwedischer Landproletarier, hat dieser Tage bereits auf mehreren großen Gütern durch kurze Streiks nennenswerte Lohnerhöhungen erzielt. Das hat die Gutsbesitzer veranlaßt, sich ebenfalls zu organisieren. Aber nicht zufrieden damit, wollen sie nun ihren Arbeitern das Koalitionsrecht nehmen und haben beschlossen, nur solche Leute in Dien st zu nehnren, die sich der- Pflichten, nicht dem Landarbeiter-Verband an- zugehören. Den schwedischen Landarbeitern steht also ein Kampf um ihr Koalitionsrecht bevor. Streik der französischen Schiffsoffiziere. Da die Schiffe der Messageries Maritimes infolge der Streitigkeiten zwischen dem Dock- arbeiter-Syndikat und den Arbeitgebern außer Dienst gestellt sind, haben die Offiziere der Handelsmarine beschlossen, ihre Schiffe zu verlassen, wenn die Offiziere der Messageries Maritimes nicht bis zum 18. Juli Anweisung erhalten haben, ihre Schiffe wieder in Dienst zu stellen. Der SchlachthnuSarbriter-Strcik in Chicago. Nach einer vier- stüudigen Besprechung wurden am Freitag die Verhandlungen zwischen den ausständigen Packhaus-Angestellten und dem Vollzugs- ausschuß der Vereinigung der Fleischer abgebrochen. KeHimr partei-�ngelegenbeiten. Charlottenburg. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet heute abend 8 Uhr im Volkshause, R o s i n e n st r. 3, statt. Genosse Z u b e i l wird über den„Kampf gegen die Socialdemokratie im Reichstage und Landtage" referieren. Außerdem sind Delegierte zu'der Generalversammlung des Kreises zu wählen, die sich mit dem kommenden Parteitag zu beschäftigen haben wird. Die Wichtigkeit der Tagesordnung verlangt gebieterffch das Erscheinen jedes Genossen. Das Mitgliedshuch legitimiert. Für Gäste und Frauen ist die Tribüne reserviert. Weißeilsee. Wir weisen die Genossen auf die heute abend statt- findende Generalversammlung hin. Siehe Annonce vom Sonntag. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Lichtenberg. Die Wahlvereinsversammlung, in der die Tagesordnung des Parteitages besprochen werden soll, findet nicht heute, sondern am Dienstag, den 26. Juli, bei Höflich. Frankfurter Chaussee 120, statt. Schönebcrg. Heute, Dienstagabend, findet im Obstschen Saale, Meiningerstr. 8, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht außer dem Kaffenbericht ein Vor- trag des Genossen Dr. Maurenbrecher:„Die preußische Ge- schichte in der Schule und in der Wirklichkeit" und Wahl der Dele- gierten zur Generalversammlung des Kreises.— Mitgliedsbuch legi- timicrt.— Frauen als Gäste haben Zutritt. Friedenau. Heute abend 8>MIHr findet die Monatsversammlung des hiesigen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch erwünscht. Gäste will- kommen. Adlershof. Die Mitgliederversammlung des Socialdemokratischen Wahlvereins findet am Donnerstag, den 21. Juli, abends 8>/z Uhr. im Lokale von Fechner, Oppenstr. 56, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Die Taktik der Socialdemokratie und der Dresdener Parteitag. Referent Genosse Jul. Hildebrand. Korreferent Genosse E. T o st. 3. Diskussion. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.— Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist das pünktliche Erscheinen sämtlicher Mitglieder unbedingt notwendig. Gäste, nur durch Mit- glieder eingeführt, haben Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet._ Lohaled. Der Mann mit der rote» Nelke. „Berlin und Potsdam" oder„Deutschlands Zukunft auf dem Wasser" könnte auch jene kleine Geschichte betitelt werden, die da zeigt, daß die an sich berechtigte Animosität gegen die Schnoddrigkeit der Berliner schon vor den Thoren von Potsdam anhebt, daß aber der verrufene RcichZhauptstädter diesen Widerwillen selbst dann ab- gebrühr und mit humorvoller Gelassenheit über sich ergehen läßt, wenn etwelche Unbequemlichkeiten ihn begleiten. Von Neichsgewalt gleich Seegewalt ist im verflossenen Jahr- zehnt gesprochen worden und von der Zukunft Deutschlands, die auf dem Wasser liegt. Mit diesem Wasser braucht ja nicht immer das Weltmeer gemeint zu fein; die Havel thuts am Ende auch schon. vor allem, wenn die Zukunft sich in Angehörigen von Potsdams Garde repräsentiert. So freute sich denn männiglich auf dem Sterndampfer, der Sonntagnachmittag um halb fünf Uhr von Moorlake nach Potsdam fuhr, als etliche jüngere Männer in mehreren Seegelbooten daher- kamen; und die Freude wuchs, als kundige Thebaner die Mär ver- kündeten, daß ein Wimpel diese Boote als solche aus dem Besitz des königlichen Hauses kennzeichnete. Junge Offiziere aus der Potsdamer Garnison, so hieß es, seien die Lenker der Schiffe, und in dem einen der Boote dort hinten säße sogar der Kronprinz von Preußen. Minder erbaut als die Passagiere war der Kapitän des Stern- dampfers von dem Zusammentreffen mit der Segelboot- Flottille. Denn der erfahrene Schiffer sah sehr wohl, daß auf dem ziemlich schmalen Wasser, wo ein Ausweichen nicht so leicht ist, das vordere Segelboot, in welchem übrigens der Kronprinz nicht saß, etwas un- geschickt gelenkt wurde. Plötzlich hieß es„Stopp"; das Dampfboot zitterte vom heftigen Rückwärtssteuern und dicht vor dem Bug sauste das Segelboot dahin. Alle Leute priesen die Geschicklichkeit und GeisteSgegen- wart des Kapitäns vom Sterndampfer; denn wäre der Koloß eine Viertelsekunde später zum Stehen gebracht worden, so hätte er das Segelboot überrennen müssen. Natürlich mischten sich in die Stimmen dieser Anerkennung auch solche lauten Tadels gegen die Segler, die aufs Haar ins Unglück geraten wären. Es ist ja unmöglich, in einem so kritischen Moment alle Umstände mit streng objektiver Gerechtigkeit zu würdigen. Die neugierige und von Unmut eingegebene Frage:«W at sind denn det for---, die d a so ungeschickt steuern?" wäre gewiß dem Fahrgast am Bug nicht entschlüpft, wenn er bedacht hätte, daß überall einmal ungeschickt gesteuert wird und daß die Angehörigen von Potsdams Garde, als welche die Segler nun einmal galten, ihrem König zwar Generationen hindurch zu Lande gedient haben, in der Nautik hin- gegen erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit versiert sein können. Andrerseits lehrt ein alter Erfahrungssatz, daß selbst ein ungerechter Tadel den Meister seiner Kunst kalt läßt, daß derjenige hingegen, der am Ende selbst noch zu lernen hat, sich zuweilen schon von einem gar nicht einmal böse gemeinten Wort getroffen fühlt. „Der Dampfer darf nicht weiterfahren!" schallte eS vom Segelboot herüber.„Und der Kapitän stellt mir erst den Mann fest, der sich die Beleidigung erlaubt hat! Es war ein Mann mit einer roten Nelke im Knopfloch. Kapitän, wo ist der Mann mit der roten Nelke?" Der Kapitän hatte seine ganze Geistesgegenwart bis dahin auf die Verhütung eines Unglücks konzentrieren müssen und gab dem Segler zu verstehen, daß er auf Nebensächlichkeiten nicht auch noch acht geben könne. „Gut! Der Dampfer kommt mir nicht von der Stelle! Ich übernehme für alles die Verantwortung! Zwei Mann an Bord des Dampfers, um den Beleidiger festzu- stellen!" Ein größeres Ruderboot fuhr hart an den Sterndampfer heran, zwei Mann kletterten an Bord und recherchierten unter den Hunderten Passagieren nach dem Beleidiger mit der roten Nelke im Knopfloch. Es muß dem Gesuchten offenbar an Selbstlosigkeit ge- mangelt haben, denn er meldete sich nicht; aber auch sonst gab sich niemand zum Denunzianten her, so sehr die beiden Männer aus dem Ruderboot auch suchten. Es läßt sich nicht behaupten, daß die Situation auf dem dichtbesetzten Dampfboot als Annehmlichkeit empfunden wurde. Das Schiff hatte bereits in Moorlake erhebliche Verspätung gehabt, und nun war auch schon auf offenem Wasser wohl eine Viertelstunde ver- strichen, ohne daß man vom Fleck gekommen war. „Schade, daß der R u h k o p f von der„Post" jetzt in Königsberg zu thun hat!" meinte einer,„der versteht das Denunzieren und hätte auch jetzt das Vaterland gerettet!" Andre Leute äußerten sich weniger humorvoll über die Sach- läge und auch die beiden Leute, die immer noch den Mann mit der roten Nelke suchten, schienen von ihrer Aufgabe nicht sehr erbaut zu sein, zumal sie resultatlos war und bleiben sollte. Endlich ein Seufzer der Erleichterung; die Fremden stiegen wieder ins Ruderboot, ohne den Gesuchten gefunden zu haben und das Schiff durfte weiter fahren. Zwar wurde noch manches Wort des Univillens laut, und der Laienverstand erging sich in juristische Betrachtungen über die Frage, ob denn eine einfache Beleidigung nach Z 185 des Straf-Gesetzbuchs den sich beleidigt fühlenden berechtige, ein Schiff mit Hunderten Passagieren an der Weiterfahrt zu hindern. Aber bald besiegte an dem sonnigen Sonntagnachmittag der gesunde Sinn des Berliners die juristischen Skrupel und Zweifel; der Humor brach sich Bahn und noch beim Aussteigen in Potsdam unterhielt man sich in drastischen Worten über das Abenteuer mit der Seglerflottille und den so geheimnisvoll verschwundenen Mann mit der roten Nelke im Knopfloch. Eine Bekanntmachung betreffend Achwhr-Ladenschlnß erläßt der Polizeipräsident: Aus dem Kreise der beteiligten Gewerbetreibenden ist bei mir der Erlaß einer Anordnung dahin angeregt worden, daß im Landespolizei-Bezirk Berlin sämtliche offene Verkaufsstellen mit Ausnahme derjenigen für den Verkauf von,Lebensmitteln seinschließ- lich Kolonialwarens, Konfitüren, Cigarren, Lichten. Seifen, Droguen und der offenen Verlaufsstellen der Barbiere und Friseure, an den Werktagen, jedoch mit Ausnahme des Sonnabends, in der Zeit zwischen 8 Uhr abends und 7 Uhr morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein müssen. Nicht erstrecken soll sich die neue Anordnung natürlich auf diejenigen offenen Verkaufsstellen, für welche(Nähmaschinen und Leder) bereits eine entsprechende Anordnung besteht. Auf Grund des§ 1 der Bestinimungen des Bundesrats vom 25. Januar 1S62(R.-G.-Bl. S. 38) habe ich zur Feststellung der gemäß Z 139 f. Abs. 1 und 2 der Gewerbe-Ordnung für einen entsprechenden Antrag erforderlichen Anzahl von Stimmen der be- teiligtcn Geschäftsinhaber den Vorsteher des Gewerbekommissariats königlichen Polizeidirektor Maurer Hierselbst 3W. 19, Krausenstr. 29, als Kommissar— für die Zeit seiner Abwesenheit dessen amtlichen Vertreter— bestellt. Ans der Haft entlassen wurde die verehelichte Olga Götsch in Rixdorf, welche, wie wir ausführlich berichteten, beschuldigt ward, gegen ihren Geliebten, den Bauarbeiter August Sikora, einen Gift- mordversuch verübt zu haben. Die G. hatte dies von vornherein bestritten und behauptet, daß S. im Bette wach gelegen und mit ihr gesprochen habe, als sie ihm ans Eisersnchl und Verzweiflung eine Tasse Lysol ins Gesicht goß. Diese Darstellung hat beim Unter- suchungsrichter Glauben gefunden, und da Sikora bereits wieder hergestellt ist, die G. mithin nur wegen Körperverletzung belangt werden kann, erfolgte ihre Entlassung aus der UntersuchungShast. Eine Brandkatastrophe, wie sie am gestrigen Sonntag unsrer Feuerwehr beschieden war, ist glücklicherweise in der Berliner Brand- chronik nur selten anzutreffen. Es brannte die Spritfabrik von Eisenmann in der Mllhlenstr. 6/7, und etwa ein Dutzend Feuerwehr- leute wurden bei den Löscharbeiten verletzt, darunter ztvei so schwer, daß sie vom Brandplatze weggetragen und bewußtlos nach dem Krankcnhause geschafft werden mutzten. Auch kamen sechs Pferde in den Flammen um. Das vom Feuer betroffene Grundstück zieht sich von der Mühlen- straße in einer Länge von mehr als 596 Meter bis zum Eisenbahn- gelände an der Warschauer Brücke und hat ztvei lang- gestreckte Seitenflügel, die in der Hauptsache zu Lagerzwecken sür Spiritus, Aether, Naphthalin usw. dienen. In ihnen werden enorme Mengen dieser Flüssigkeiten aufbewahrt und zwar teils in großen Reservoirs, teils in metallenen Behältern, oder auch in hölzernen Fässern und Glasballons. Etwa sechzig gefüllte Fässer und Metallbehälter nebst zahlreichen Glasballons stände» außerdem auf dem geräumigen Hofe. Kurz nach 12 Uhr mittags fuhr ein Kutscher mit einem mit vier großen Spiritussässcr» beladenen Wagen in den Hof und spannte aus. Kaum hatte er die Pferde in den Stall gebracht und sich nach dem Vorderhause begeben, als von allen Seiten Feuerrufe laut wurden. Von der Straße stürmten Leute herbei, die zu ihrem Schrecken in der Nähe des Pferdestalles hohe Flammen emporschießen sahen. Ihre Versuche, die gefährdeten sechs PferdeInoch zu retten, scheiterten an dem rapiden Umsichgreifen des Feuers, das zunächst nur aus dem freien Hofe wütete, aber fortwährende Explosionen im Gefolge hatte. Man mußte die armen Tiere ihrem Schicksal überlassen und sich darauf beschränken, die noch außerhalb des Feuergebietes auf dem Hofe liegenden Spiritusfässer nach der Straßenseite hin in Sicherheit zu bringen. Mittlerweile war die Meldung:„Großfeuer" an alle Wachen gelangt und sämtliche Züge der ersten, zweiten und fünften Compagnie eilten zur Brandstelle. Die Leitung übernahm Branddirektor Giersberg. Den zuerst an- kommenden Löschzügen bot sich ein grandioser Anblick dar. Der Hof glich in seiner gesamten Breite und in einer Länge von fast 106. Meter einem einzigen Feuermeer, dessen Flammen zeitweise vier Stockwerke hoch emporichlugen. Schrittweise mußte zunächst dem verheerenden Elemente Terrain abgewonnen werden, um die noch nicht explodierten Metallgesäße zu sichern und so großes Unheil zu verhüten. Unaufhörlich explodierten anfangs ans dem Hofe aufgestellte, mit Aether, Säuren und Spirittls angefüllte Glasballons und Holzfässer bis zu dem Augenblick, wo ein Massen- angriff mit acht Dampfspritzen erfolgte. Von jetzt an galt die Ge- fahr für die auf dem Hofe lagernden explosiven Flüssigkeiten für beseitigt, obgleich sie noch sorgfältig unter Wasser gehalten wurden. Nun aber begann auch erst die Hauptthätigkeit für die Wehr. Das Feuer war auf einen etwa 18 Meter langen, einstöckigen Lagerraum übergesprungen, in dessen Kellerräumen ein großes Spiritusrescrvoir lag, während sich im Erdgeschoß nach Angabe des Besitzers 69 Fässer bezw. metallene Spiritusbehälter befanden. Hier wütete nun das Feuer in verheerender Weise. Die Situation für die Löschmannschaften war ungemein kritisch. Vor sich hatten sie jetzt den Hauptbrandherd, an den sich aber rechts und links noch große Spirituslagerräume anschlössen, die allerdings durch Brandmauern gesickert waren. Aber auch im Rücken der Löschmannschaften, im rechten Seitenflügel, lagerte noch Spiritus. Dazu kam, daß unmittelbar an den Brand- Herd die große, mit Vorräten angefüllte Weizenmühle von Karl Solomon u. Co. stieß, die stark bedroht war und ständig unter Wasser gehalten werden mußte. Dieses war auch der Fall bei den noch im Brandgebiete lagernden Gesäßen aus dem Hofe. Brand- direktor Giersberg wurde von einer Seite darauf aufmerksam ge- macht, den rechts vom eigentlichen Brandherde liegenden Lagerraum besonders zu schützen, allein Herr Giersbcrg lehnte dieses Ansuchen zunächst mit Recht ab unter der Motivierung, daß er seine Leute nicht einer übergroßen Gefahr aussetzen könne. Er hatte übrigens sofort erkannt, daß eS mit Hilfe der vorhandenen Löschhilfe gelingen werde, die Weiterberbreitung des Feuers zu hemmen. Stundenlang sandten nun die vorhandenen Dampfspritzen gewaltige Wassermengen nach dem Brandherde, ohne indes lange Zeit wesent- lichen Erfolg erzielen zu können. In Zwischenräumen von etwa fünf Minuten erplodicrten einzelne Spiritusbehälter, wobei starke Stichflammen nach außen geworfen wurden. Gegen'/23 Uhr erfolgte eine heftige Explosion. Die Rohrführer— je vier bis sechs Mann an einem Rohre— wurden zurückgeworfen, wobei eine größere Anzahl der Leute Verletzungen erhielten. Zwei von ihnen, nämlich Landefeld von der ersten und Göke von der zweiten Compagnie, mußten be- Ivußtlos vom Platze getragen und sofort nach dem Krankenhause gefahren werden. Die übrigen konnten nach ihren Wohnungen ent- lassen werden. Die weitere Ablöschung bot das Bild einer fort- gesetzten Kanonade, die durch die Explosion der einzelnen Spiritus- behältcr verursacht wurde. Erst gegen abend galt die Gefahr als beseitigt. Die erschöpften Mannschaften wurden abgelöst, doch blieb auch die Nacht über noch eine große Brandwache mit Dampfspritzen zur Stelle. Während des Brandes war Polizeipräsident v. Borries längere Zeit anwesend. Die Ursache deS Brandes wird darauf zurückgeführt, daß ein auf dem Hofe im Sonnenbrande stehender Ballon Aether sich entzündet habe. Ein zweiter Brand, der ebenfalls viel Arbeit verursachte, wütete gestern in der Lehninerstr. 9 in der Hasenheide; dort stand der Dach- stuhl des Hauses in großer Ausdehnung in Flammen. Die dritte Compagnie unter ihrem Chef Brandinspeftor Reinhardt hatte � dort stundenlang zu thun und mußte mit vier Schlauchleitungen tüchtig Wasser geben, um die Flammen, die reiche Nahrung an dem Inhalt der Böden gefunden hatten, zu löschen.— Heute ftüh um 7 Uhr kam durch die Explosion einer Spirituslampe in der Alexandrinenstr 7o Feuer aus, wobei der Arbeiter Bruno Behm, Prinzen- straße, Brandwunden im Gesicht und an den Händen erlitt; der Verletzte wurde nach dem Krankenhause am Urban ge- schafft.— Ferner hatte die Feuerwehr noch an etwa zwanzig ver- schiedenen Stellen zu thun.— In Treptow stand gestern abend ein neues vierstöckiges Wohnhaus, ein Eckhaus an der alten Treptower Landstraße, wo 1896 die Ausstellung„Nordpol" sich befand, in Flammen. Das obere Geschoß ist unbewohnt, weil der Bau- Herr beim Bau des Hauses die Bauerlaubnis nur für drei Geschosse erhalten hat. Das obere vierte Geschoß konnte deshalb auf polizeiliche An- ordnung nicht vermietet werden. Gestern abend ist es nun nieder- gebrannt. Das Feuer ist in dem Dachstuhl ausgekommen. Als die Treptower Feuerwehr erschien, stand der Dachstuhl schon in hellen Flammen. Bald darauf erschien auch die Rixdorfer Feuerwehr mit ihrer Dampfsvritze, konnte aber nichts machen, weil die Rixdorfer Standrohre nickt zu den Treptower Hydranten patzten, auch die mit- gebrachten Schlauchleitungen nickt genügten, um Wasser aus dem nahen Karpfenteich zu entnehmen. Gewehr bei Fuß mußten die Rixdorfer unthätig zusehen, wie der Dachstuhl niederbrannte. Die Witze, die aus diesem Anlaß von den Ausflllglern gemacht wurden, wollen wir hier nicht wiedergeben. Viele davon waren nicht unberechtigt. Was nützen Dampfspritzen und Feuerwehren, wenn sie nicht löschen können. Wenn die Schläuche fehlen und die Geräte nicht passen, dann ist es besser, man bleibt hübsch zu Hause, setzt sich nicht dem Spott aus und schont die Pferde. Bier Opfer der Hitze. Der 34jährige Geschäftsführer Willi Kohn aus der Schönhauser Allee 84 betrat nach einem längeren Gang eine Wirtschast in der Frankfurter Allee. Nachdem er dort ein Glas Bier erhalten hatte, brach er tot zusammen. Der 56 Jahre alte Almosen- empfänger Karl Kutzner wurde vor der Thür des Hauses Colberger- straße 9, wo er wohnte, vom Hitzschlag getroffen und starb am Sonnabend in einem Krankenhaus. Auf seiner Arbeitsstelle in der Schönhauser Allee wurde am Sonnabenduackmittag um 2 Uhr der 39jährige Stukkateur Adolf Piodt aus der Schulsir. 65 von einem Hitzschlag getroffen und nach einem Krankenhanse befördert. Auch der Arbeiter Karl Bauer. 29 Jahre alt, fand dort Aufnahme. Er halte im Tegeler See gebadet, sich unbekleidet am Ufer hingelegt und einen Hitzschlag erlitten. Zu dem Morde an der kleine» Lncie Berlin kann mitgeteilt werden. daß sich das Belastungsmaterial gegen Berger derart verdichtet hat," daß die Eröffnung des HanptverfahrenS schon für die nächste Schwur- gcrichtSperiode erwartet wird. Die chemischen Untersuchungen ver- schiedener Gegenstände, die übrigens noch nicht abgeschlossen sind, haben bereits viel Beweismateriol gegen ihn erbracht. So wurde in beiden in Frage kommenden Körben Menschenblut mit positiver Sicherheit festgestellt; auch Stoffreste sind in dem kleineren Korbe gefunden. Eine Reihe von Zeugen, die diesen Korb früher von der Eigentümerin Liebetruth entliehen hatten, wurden ermittelt und haben ihn mit Sicherheit wiedererkannt. Berger leugnet die Tbnt hartnäckig nach wie vor. Seine Angaben, daß er den Korb zunächst an eine ältere Straßendame, dann aber an eine junge verschenkt habe, haben bisher nickt bestätigt werden können und iverden sich auch nicht bewahrheiten können. Andrerseits haben die Nachforschungen über Borgers Vorleben zu einem wichtigen Er- gebnis geführt.' Vor etwa einem Jahre hat er sich in Breslau auf- gehalten und hatte dort ein minderjähriges Mädchen in einen Keller gelockt. Bevor er aber seinen mutmaßlichen Plan durchführen konnte, wurde er von einem Gastwirte überrascht. Er entzog sich der Fest- nähme dadurch, daß er aus einem Revolver auf den Gastwirt schoß und ihn verschenchte. Rcvolverschicficrei. Ein böses Ende nahm eine Rücksprache, zu der der Laubenbesitzer Scheibe! den Stukkateur Otto Fritz aus der Lychenerstraße 18 eingeladen hatte. Fritz besuchte mit seiner Frau und seinem Bruder am Sountagnachniittag die Laubenkolonie hinter der Dnnckerstraße und wurde von Scheibe! zu einem Glas Bier nach der Duuckcrstraße 23 eingeladen. Scheibe! hat einen dritten verklagt und Fritz soll ihm als Zeuge dienen. Dieser wollte auch seine Aus- sage machen, Scheibe! wollte sie aber nach seiner Auffassung haben. Daraus entspann sich ein Streit, der in eine Prügelei ausartete, als Scheibe! Fritz vor die Brust stieß. Der Wirt, der geschlafen hatte und durch den Lärm und das Klirren zerschlagener Gläser munter wurde, erschien aus einem Nebenzimmer mit einem Revolver hinter dem Ladentische und schoß dann auf die beiden Gegner, die ihre Rauferei ans der Straße fortsetzten. Er gab vier Schüsse ab und traf Fritz zweimal in einen Arm und einmal in den Leib schwer, so daß er zusammenbrach; der vierte Schuß verletzte einen Unbeteiligten am Bein. Beide Verwundete erhielten auf der Unfallstation II in der Schönhauser Allee Verbände und wurden entlassen. Fritz, dessen Zustand sich verschlimmert hat, wurde heute morgen nach einem Krankenhause gebracht, wohin er anfangs nicht wollte. Das über die Schießerei aufgebrachte Publikum wollte das Lokal des Wirtes Kästner stürmen, so daß die Polizei es schließen mußte, bis sich gegen Abend der Schwärm verlausen hatte. Durch zahllose Messerstiche getötet wurde in der letzten Nacht der am 39. Oktober 1872 in Berlin geborene Maurer Richard Trage aus der Goltzstraße 14b zu Schöneberg. Er hatte einen Ausflug in Ab- Wesenheit seiner verreisten Frau unternommen und befand sich um ir/z Uhr auf dem Heimwege in der Michaelkirchstraße. Vor Nr. 26 fand eine Schlägerei statt. Der 39jährige Arbeiter August Bendig aus der Wrangelstr. 25 hatte seine Base, die 15jährige Helene Luczynski und deren Mutter von einem Dampfer abgeholt Sie gehörten einer zahlreichen Gesellschaft an, von der ein junger Mann die Helene Luczynski in der Laune umfaßte. Dadurch entstand die Reiberei, an der Bendig wohl viel Schuld trägt. Nun kam Trage hinzu, um zu schlichten, mochte den jähzornigen Bendig aber noch wütender, so daß dieser ein Messer ergriff und blindlings um sich stach. Außer dem jungen Mann, der die unschuldige Veranlassung gab und nur leicht am Ohr verletzt wurde, erbielr Trage am ganzen Körper Stiche und sank blutend zusammen. Sechs Schutzmänner schritten ein und brachten die Gesellschaft nach der Wache. Trage wurde nach der Unfallstation III am Mariannen-Ufer gebracht, wo er um 2'/« Uhr starb. Bendig, der festgenommen wurde, will in der Erregung ge- handelt haben.— Auch in einem zweiten Falle ist dem 28 Jahre alten Kutscher Georg Grosse eine Vermittlerrolle schlecht bekommen. Er sah in der letzten Stacht, wie sich in der Jnvalidenstraße zwei Männer feindlich gegenüberstanden, von denen der eine ein Messer in der linken Hand hielt. Grosse hielt ihm den linken Arm fest, als Jener das Messer in die rechte Hand nahm und dem unbeteiligten G. in den Rücken stach. Ein Schutzmann ließ den zusammengebrochenen Mann verbinden und nach einem Kranlenhause bringen. DerThäter ist entkommen. Z» einer wüsten Schlägerei ans einem Dampfer kam es bei einer Landpartie, die ein hiesiger Athletenklub nach Neue Mühle unter- nommen hatte. Im Laufe des Tages war es zwischen den Mit- gliedern zu Streitigkeiten gekommen, die sich am Abend bei der Rück- fahrt auf dem gecharterten Dampfer„Hoffnung" fortsetzten und schließlich zur Schlägerei ausarteten. Der Tumult nahm eine der- artige Ausdehnung an, daß das Deck des Fahrzeuges bald einem Schlachtfelde glich, und bei dem herrschenden Lärm und den vor der Kommandobrücke sich bildenden Gruppen der Kapitän den Neberblick über die Fahrrinne verlor und sich nur schwer mit dem Bedienungs- Personal des Dampfers verständigen konnte. Nunmehr versuchte der Schiffsführer Ruhe zu stiften, lief hierbei jedoch übel an, indem die Tumnltanten ihn bedrängten und drohten, ihn ins Wasser werfen zu wollen. So war der Dampfer bis nach Köpenick gekommen, woselbst der Kapitän an dem Toppensschen Lokale anlegen ließ. Die kämpfenden Athleten verließen, wohl in den, Glauben, daß sie ain Endziel seien, das Schiff, und als die Mehrzahl der Gäste gelandet Ivaren, stieß der Kapitän plötzlich ab. Den Rest der Teilnehmer an dem eigenartigen Vergnügungsausflnge brachte er nach Berlin, während die in Köpenick zurückgebliebenen dortselbst die Nacht über verbleiben mußten und morgens mit der Bahn nach der Reichshaupt- stadt zurückkehren mutzten. Eine furchtbare Blutthat wird wiederum gemeldet: Der 21jährige Schlosser Eduard Vogelreiter wurde von seinem Vater durch einen Messerstich in den Unterleib getötet. Der Vater wurde verhaftet. In der Apostel Paulusstr. 7 wohnte bis zum Freitag der 61jährige Schlosser Eduard Vogelreiter mit seiner Ehefrau und fünf Kindern im Alter von 8 bis zu 18 Jahren. Der älteste Sohn Eduard wohnte Winterfeldstr. 27. Er war im Begriff, sich zu verheiraten und mit den Eltern zusammenzuziehen. Deswegen hatte man in, Hause Wartburgstr. 4 eine größere Wohnung gemietet und am Freitag auch bereits bezogen. In der Familie herrschte im allgemeinen Eintracht; nur ab und zu gab es Streit, wenn der Vate'- Vogelreiter angetrunken war. Das war auch am Ziehtage der Fall. Vogel- reiter schimpfte und polterte in der neuen Wohnung und versetzte seiner Ehefrau einen Faustschlag in das rechte Auge, als sie ihm das Ungehörige seines Verhaltens vorhielt. Die beiden ältesten Söhne Eduard und Gustav hielten ihn von weiteren Aus- schreitungen zurück. Darüber wurde er so aufgebracht, daß er dem ältesten Sohn sein spitzes Taschenmesser in den Unterleib stieß. Der zusammenbrechende Eduard wurde von seinem Bruder Gustav auf- gefangen, der dritte Sohn Wilhelm lief zur Polizei, während der Vater der Wohnung den Rücken kehrte. Er wurde in dem Augen- blick, als er das Haus verließ, von dem Sohn Wilhelm einem Schutzmann als Thäter bezeichnet und ließ sich ohne weiteres fest- nehmen. Ein zweiter Schutzmann ließ den Verwundeten auf der Unfallstation verbinden und nach der Wohnung bringen. Sein Zu- stand verschlimmerte sich indessen derart, daß er am Sonnabendabend nach einem Krankenhaus übergeführt werden mußte und am Sonntag- morgen der Verletzung erlag. Die Kehle durchschnitte» bei der Verhaftung hat sich der 28jährige Hausdiener Arthur Rudolf aus der Alten Jakobstraße 30. Er war in einem Garderobengeschäst in der Kommandantenstraße beschäftigt, hatte dort ein zwölfjähriges Mädchen an sich gefesselt und war auch am Sonnabendabend mit ihm gesehen worden. Als das Kind nicht nach Hause kam, suchte die Mutter mit Hilfe der Polizei, konnte aber nirgends, auch nicht in der Schlafstelle des Hausdieners eine Spur entdecken. Um 4 Uhr morgens verfiel man auf das Geschäfts- lokal, dessen Thür nun durch die Polizei geöffnet wurde. Hier fand man Rudolf mit dem Kind, das beim Anblick der Mutter laut auf- schrie. Bevor sich die Beamten des verbrecherischen Hausdieners bemächtigen konnten, war er in ein Nebenzimmer gelaufen und hatte sich mit einem großen Messer, das zum Schneiden von Tuch benutzt wird, die Schlagader an der linken Halsseite durchschnitten. Schwer verletzt wurde er als Gefangener der Charits eingeliefert. Er gedachte sich im Herbst dieses Jahres zu verheiraten. Aus der Spree gelandet wurde gestern, Sonntagvormittag, die Leiche eines etwa 17jährigen jungen Mannes. Die völlig unbekleidete Leiche wurde zwischen Friedrichshagen und Hirschgarten bei dem großen Floß an Land gezogen und in das Leichenhaus zu Friedrichshagen gebracht. Wie vermutet wird, handelt es sich um einen jungen Mann, welcher am Sonnabend mit einer Kremserpartie von Berlin nach Friedrichshagen gefahren war und an dieser ver- botenen Stelle badete und dabei ertrank. Das Sommcrfest des sechsten Kreises, das am letzten Sonntag im Schützenhaus in Plötzensee stattfand, erfreute sich, begünstigt durch das herrlichste Wetter, eines überaus starken Besuches. Schon in den frühesten Morgenstunden kamen die Familien herausgepilgert, um sich ein möglichst günstiges Plätzchen in dem weiten Lokal zu sicherll. Geradezu unheimlich wurde der Andrang in den Nach- Mittagsstunden; die durch die Trockenheit erzeugte Staubentwicklung regte immer wieder zu der Frage an:„Nun also, was trinken wir?" Wie wir verraten können, war in den geleerten Gebinden zwar kein Thee enthalten, dafür wurde aber der alten Devise„Hier können Familien Kaffee kochen" wohl an allen Tischen eiitsprochen. Ver- schont wurde das Fest durch die Mitwirkung einer Anzahl Gesangvereine, des Berliner Radsahrervereins und des Turnvereins Fichte. Auch hatte es ftch der Arbeiter- Schwimnierbund nicht nehmen lassen, eine Rettungsmache �r Verfügung zu stellen, die jedoch glücklicherweise c/fc-f1"„Thätigkeit zu treten brauchte. Die gleichfalls vertretene urveiler-Samariterkolonne wurde des öfteren in Anspruch genommen, jedoch handelte es sich hier auch erfreulicherweise nur um leichtere Erkranlungsfalle. Für che Kinder war durch Gratisbons für Stock- laternen, Karussellfahren und Schaukeln gut gesorgt. Die OrtSpolizei inlu S'iirfoL-ge dafür gesorgt, daß durch das geplante Feuerwerk mcht etwa der See abbrenne und dasselbe verboten. ®te tui heiteren Gesichter der in langeii Zügen Heimkehrenden zeugten aber davon, daß das Komitee auch ohne Feuer- werk ein echtes und rechtes Arbeiterfest geschaffen hatte. "eue Ausstattungsvorträge auf ihr Pro- gramm gesetzt, die ,i, ihren Kontrasten den Abend recht interessant machen. Der eine behandelt die Weltausstellung in St. Louis. der andre den Gar da s ee. Hier in der unendlich weiten lind durch keme landschaftlichen Rerze hervorragenden Prairie ein Gebilde von Menschenhand, das alles zusammenfaßt, was die Kultur der Gegenwart geschaffen hat. Geben die Photographien und die sie begleitenden Worte auch nur ein schwaches Bild von den Herrlich- leiten, die alle Kulturvölker der Erde jenseits der grauen Wasser- wüste aufgestapelt haben, so erhebt der Vortrag doch, weil er von neuem zeigt, daß �5. Machten der Finsternis zum Trotz vor- wärts geht jenem Ziel entgegen, wo die Völker der Erde die Mord- kultur als hinter stch liegend betrachten und nur noch in den Werken des Friedens miteinander wetteifern. Es ist mehr als ein Zufall, daß sich von dem Wetteifer der Nationen in St. Louis nur ein Staat ferngehalten hat, nämlich Rußland, der mächtigste Hort der Barbarei. Als der Krieg begann, blieb der russische Ausstellnngs- Palast unvollendet liegen; er ist eine Ruine und fällt in sich zu- sammen. Japan hingegen hat trotz dem Kriege seine Ausstellung beschickt und sie so reichhaltig gestaltet, daß sie an bildendem Wert die manches europäischen Kulturlandes uberragt Und nun, nachdem die„Urania uns vom Schaffen der Mensch- heit Kunde gegeben, zeigte sie unS in sar gen Bildern, was die Natur zu leisten im stände ist. Die traumhafte Schönheit des Gardasees. die in bläulichem Schimmer verschwindenden Berge, das liebliche Riva mit seiner uralten Geschichte regten die Frage an, ob denn das wirklich eine Erde ist, die aus dem einen Punkte die Natur all ihre stille Lieblichkeit enthüllen heißt, auf dem andern hin« gegen zeigt, daß sie ihre Schätze in unendlicher Fülle der Menschheit zur Verfügung stellt und daß die Menschheit als ihr vornehmstes Produkt aus diesen Gaben in nimmer versiegender Rastlosigkeit ihre hohen Werke zu schaffen versteht. Die Flottenschauspiele am Kurfürstendamm sind jetzt in voller Pracht und Glorie zu sehen. Am ersten Abend mußte die Vor- stellliiig plötzlich abgebrochen werden, als gerade daS Wirken der Flotte im Frieden veranschaulicht worden war. Flotte und Frieden reimen sich aber nicht, denn was nutzt einem Kulturstaat ein mit einem Aufwände von Millionen hergestelltes Schlachtschiff, wenn es nicht auf dem Meeresgrunde den Haifischen von seiner letzten Herr- lichen Bestimmung Kunde giebt? So geht es denn jetzt dort draußen allabendlich mit lautem Geknatter und einem beträchtlichen Aufwand an Feuerwerk in den frisch- fröhlichen Seekrieg, und das Schauspiel ist so bunt und lärmvoll, daß es große und kleine Kinder in Fülle anlocken wird. Ist es nur ein Spektakel für Kinder? Blut und Leichen schwimmen dem Zuschauer ja nicht in dem stattlichen Wasser- becken entgegen, das als Weltmeer hinzunehmen ist. Mag auch der Aiischauungsunterricht nur in der Form des Spiels sich äußern; inan kann daraus doch entnehmen, daß die Menschheit zu Wasser und zu Lande noch manche zweckwidrigen Greuel zu beseitigen hat, bevor sie stch ihres Namens würdig nennen kann. Hua den Nachbarorten. Rixdorf. Auf der Straße von Geburtswehen überrascht wurde die unverehelichte Anna K. Man brachte dieselbe nach der Unfall- statton Xll, woselbst alsbald ein muntres Knäblein das Licht der Welt erblickte. Mutter und Kind wurden mit dem städtischen Krankenwagen nach der Charit« geschafft. Von einem Rollwagen, den er während der Fahrt besteigen wollte, wurde am Montagmittag in der Weserstraße der Kutscher Heinrich Naumann überfahren und schwer verletzt. N. rutschte ab, geriet mit dem linken Fuß unter das Hinterrad, welches ihm sämtliche Zehen zerquetschte. Der Verletzte wurde nach dem städtischen Kranlenhause geschafft. Auf einein Neubau der Vereinsbranerei verunglückte Montagfrüh der Steinträger Wilhelm Seiler. Rigaerstr. 16 in Berlin wohnhaft, dadurch, daß er beim Tragen von Steinen durch die Leiter trat und sich dabei den linken Oberschenkel brach. Der Verunglückte wurde in das Krankenhans Bethanien geschafft. Ein Schwimmklnb„Vorwärts" hat sich in Rixdorf als Zweig- verein des Berliner Klubs gebildet. Der Klub bildet Männer, Frauen und Kinder im Schivimmen, Springen und andren Wasser- künsten aus. Uebungsstunden finden Mittwochs von 7 Uhr und Sonntags von 9 Uhr an statt bei S t o l z e n b u r g. Gerichts-Leitung. Ter aus dem Leckert- Lütz-w- Prozeß unrühmlich bekannte Journalist Heinrich Leckert hatte sich gester» vor der dritten Straf- kammer des Landgerichts I wegen Diebstahls und Unterschlagung zu verantworten. Er hatte auch seinen Vater, den Kaufmann Bruno Leckert, mit in die Sache verwickelt, denn dieser sollte sich der Hehlerei schuldig gemacht haben. Im vorigen Jahre hatte der Angeklagte Heinrich Leckert das Glück, im Bureau der Firma Borsig Anstellung zu finden. Er wurde dort mit schriftlichen Arbeiten unter- geordneter Art beschäftigt. Leckert hatte die Stellung etwa zehn Monate inne, dann kamen seinem Chef Dinge über ihn zu Ohren, die ihn veranlaßten, ihm zu kündigen. Nachdem der Angeklagte ab- gegangen war, wurden zwei Preislisten vermißt, welche für die Firma Borsig von hohem Wert waren. Besonderen Wert hatte das eine Preisbuch, welches, wie der im gestrigen Termin als Zeuge ver- nommene Kommerzienrat Borsig bekundete, für Konkurrenzfirmen von hoher Bedeutung war, da darin die ganzen Ersahrungen, welche in den letzten Jahren bei der Firma Borsig über Lokomotiven, Maschinen usw. gemacht wurden, niedergelegt waren. Es waren Geschäftsgeheimnisse, die das Werk enthielt, und deshalb wurde es nebst andern Büchern in einem Räume aufbewahrt, zu dem der An- geklagte keinen Zutritt hatte. Würde eines dieser Werke in einem andern Teile des Betriebes gebraucht, so müßte darüber eine Empfangsbescheinigung ausgestellt werden.— Der Zeuge Kaufmann Jähne, dem die Bibliothek unterstand, bekundete, daß Leckert sehr wohl den Bücherraum unbemerkt betreten und sich eines der wichtigen Werke aneignen konnte, es sei aber auch möglich, daß ein Assistent, den er vertretungsweise zur Verfügung gehabt, dem Angeklagten Leckert leihweise ein Exemplar zur Verfügung gestellt habe. Beide Angeklagten bestritten ihre Schuld. Leckert jun. wollte die Bücher versehentlich mit seinen eignen mitgenommen und als ein Umzug bevorstand, den ganzen fast wertlosen Wust seinem Vater zum Ver- kauf übergeben haben. Leckert sen. behauptete, für sämtliche Druck- fachen nur zwei Mark erhalten zu haben. Keiner der Angeklagten wollte eine Ahnung von dem angeblichen Wert der beiden Preislisten gehabt haben, der Angeklagte Heinrich Leckert bestritt sogar, daß die Preisliste für Lokomotiven für die Konkurrenz irgend welchen Wert habe. Er beantragte, hierüber Sachverständige zu vernehmen. Der Gerichtshof lehnte diesen Antrag ohne weiteres ab. Der Staatsanwalt wies darauf hin, daß die Firma Borsig dem Angeklagten Heinrich Leckert ein nach seiner Vergangenheit un- berechtigtes Vertrauen geschenkt habe. Er sei im Leckert-Lützow- Prozeß mit anderthalb Jahren Gefängnis und später in Altona mit 14 Tagen Haft bestraft worden. Im vorliegenden Falle liege ein besonders schwerer Vertrauensbruch vor. Der Staatsanwalt meinte, daß der Angeklagte sich das eine Buch durch Diebstahl, das andre durch Unterschlagung angeeignet habe. Er beantragte gegen ihn 1 Jahr 3 Monate Gefängnis bei sofortiger Verhaftung, gegen den Vater wegen Hehlerei ö Monate Gefängnis. Der Gerichtshof hielt Unterschlagung in zwei Fällen für erwiesen und verurteilte Heinrich Leckert dieserhalb zu 1 Jahr Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlust, den Vater zu 6 Monaten Ge- f ä n g n i s._ Kaufmännische Kranken, und Sterbekasse von»88S(CS. H. 71.] Dienstag, den 19. Juli 1904. abends 9 Uhr, im Restaurant Frädrich Alte Jalobstr. 39: Sitzung.________ Vcrnrifcbtea. Opfer der Hitze. Die ungeheure Hitze der letzten Tage hat nicht nur großen Sachschaden durch Brände und Gewittergüsse verursacht sondern auch zahlreiche Menschenleben vernichtet. In Köln ertranken im Laufe des gestrigen Nachmittags beim Baden im offenen Rhein drei Personen. Einem vierten Mann hatte die Hitze so zugesetzt, daß er nach einem ehelichen Zwiste ein Dachzimmer aufsuchte und sich dort erhängte. Im gesamten Rheingebiete hatte die tropische Hitze, die bis auf 33 Grad Reaumur im Schatten stieg, zahlreiche Todesfälle im Gefolge. I» einer Fabrik bei Leverkusen stürzten zwei SchreinerzuBoden und st a r b e n alsbald a n H i tz s ch l a g. Dasselbe passierte zwei Heizern auf einem Schiffe oberhalb Koblenz. Auch zwei Touristen wurden auf einer Eifel- Wanderung vom Hitzschlag betroffen und sterbend einem Hospital zugeführt. Aus verschiedenen Teilen Bayerns laufen Meldungen ein über gestern niedergegangene schwere Gewitter, die mehrere Anwefen einäscherten. Im Deisenhofencr Walde wurde eine beeren- fuchende Münchener Familie, die aus drei Personen bestand, vom Blitz getroffen; die Frau wurde tödlich verletzt. München selbst blieb gestern bei 40 Grad Reaumur ohne Gewitter. Das„Regensburger Morgenblatt" meldet aus Wald- München: Gestern vormittag äscherte ein Großfeuer 23 Scheunen und das Bürgerhospital ein. Ein Teil der Insassen des Hospitals wurde herausgetragen, die übrigen be- fanden sich in der Kirche. Beim Baden in der Donau ertranken nachmittags zwei Knaben- Aus Schlesien wird gedrahtet: Ein großer Walk« b r a n d wütete gestern nachmittag in den Forsten des Prinzen Biron von Curland.— Im gräflich Henckel von Donnersmarckschen Forstrevier Radoschau sind über 160 Morgen 20- bis 30jährige Kiefern-Stangenhölzer abgebrannt.— Bei dem Brande auf dem Gute des Reichsgrafen von Oppersdorfs Grocholub verbrannten auch 143 Schafe und 6 Stück Rindvieh.— In Groß-ZygliN, Kreis Tarnowitz. sind außer vielen kleinen Wirtschaftsgebäuden acht Wohnhäuser und zwölf Scheunen niedergebrannt. Außerdem werden noch zahlreiche andre Feuersbrünste gemeldet. Eisenbahnzusammenstoß. Bergedorf, 16. Juli.(Amtliche Meldung.) Lokomotivführer des Personenzuges 389 von Hamburg nach Schwarzenbeck hat 2 Uhr 60 Min. nachmittags in Bergedorf das Haltesignal überfahren und ist in rangierenden Güterzug 6061 ge- fahren. 6 Passagiere aus Bergedorf und Heizer des Personenzuges sind leicht verletzt. Güter- und 3 Personenwagen sind stark be- schädigt. Hauptgeleise waren von 2 Uhr 60 Min. bis 6 Uhr 30 Min. nachmittags gesperrt. Von 5V bis 91/- Uhr abends wurde der Be- trieb eingeleisig geführt. Um 9'/- Uhr war die Strecke wieder frei und der zweigeleisige Betrieb wurde um diese Zeit wieder auf- genommen. Ein Boot in den Grund gebohrt. S t e t t i n. 18. Juli. Gestern abend gegen 10 Uhr überrannte der aus M i s d r o y zurückkehrende Stettiner Vergnügungsdampfer„P r i n z H e i n r i ch" in der Oder unweit Praundorf ein mit 4 Personen be,etztes Ruderboot, das kein Licht führte. Das Boot kenterte, drei Insassen wurden ge- rettet, einer ertrank. Rettung Schiffbrüchiger. Bremen. 18. Juli. Die RettungS- station Ziegenort der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiff- brüchiger telegraphiert: Am 18. Juli wurden von dem im Haff ge- strandeten Kahn Nr. 3, Schiffer Zimmermann, mit Mauersteinen von Ueckermiinde nach Stettin bestimmt, zwei Personen durch das Rettungsboot der Station gerettet. Wolkenbruch und Hochwasser. Chambery(Departement Sa- voyen), 17. Juli. Infolge eines mit einem Wolkenbruch verbundenen Wirbelsturmes trat ein Gebirgsbach über seine Ufer und zerstörte einen Teil des Dorfes Bozel. Elf Personen sind dabei ums Leben gekommen, sechzehn andre werden vermißt. Santiago de Chile. 16. Juli. Infolge beständiger Regenfälle ist hier und in der Umgegend Hochwasser eingetreten. Im Sturm sind an der Küste sieben Personen ertrunken. Der Verkehr ist seit acht Tagen lahm gelegt. Beim Baden ertrunken sind am Sonntag im Rhein bei Poll ein 44jäHriger Weichensteller, ein 27jähriger und ein 16jähriger Ar- beiter. Ferner fiel ein Soldat unterhalb des Pionierübungsplatzes in den Rhein und ertrank. In Moresnet bei E u p e n wurden gestern abend 6 Wohnhäuser durch eine Feuerbrunst zerstört. Braubnch. Infolge eines zu früh losgegangenen Sprengschusses in dem hiesigen Bergwerk wurden vier Bergleute so lebensgefährlich verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. In Köln wurde am Kaiser Friedrich-Ufer eine männliche Leiche gelandet, der ein großer Stein um den Hals gebunden war. Bisher ist noch nicht festgestellt, ob es sich um einen Mord oder Selbstmord handelt. Kassel. Die Ehefrau des Schuhmachermeisters Bulle im benach- barten Mönchhof wurde von ihrem Schwager ermordet und alsdann aufgehängt, um den Anschein zu erwecken, als liege Selbstmord vor. Bei der Beerdigung wurde das Verbrechen entdeckt und der Thäter verhaftet. Der Kongreß für internationale Mceresforschung wurde heute in Kopenhagen eröffnet; er dauert fünf Tage. Teilnehmer sind aus ganz Europa eingetroffen. Ein Schützenfest mit Hindernissen. In der„Berliner Schützen- Zeitung" lefen wir: Im vorigen Jahre hatte der Zimmer« mann K. das Glück, beim Schützenfest des L. Schützenvereins König zu werden. K. wurde nun dieses Jahr zu einer zwölf- tägigen Reserveübung einberufen, welch letztere gerade in die Zeit des diesjährigen Schützenfestes fiel. Ein Schützenfest, ohne einen Schützenkönig zu feiern, war den Herren vom Vorstande des Schützenvereins aber ein unwürdiger Zustand, sie beschlossen daher, für K. zu reklamieren, welches auch den gewünschten Erfolg hatte, da K. von der Uebung dispensiert wurde. Da erfolgte am 6. April die Aussperrung der Bauhandwerker, von der K. auch betroffen wurde. Jetzt hatte der Schützenverein einen Schützenkönig, der zu den Ausgesperrten gehörte, das war wieder für verschiedene Herren ein unwürdiger Zustand. Be- kanntlich wird der Schützenkönig mit klingendem Spiel von seiner Wohnung abgeholt. Da konnte man dann sehen, wie verschiedene Herren„Meister" in ihrer Eigenschaft als Schützen vor einem Aus- gesperrten unter präsenttertem Gewehr stehen mutzten, freilich mit zornesfunkelnden Augen, während unser Ausgesperrter stolz wie ein „König" die Parade abnahm. Eingegangene vruckschritten. Von der„Neuen Zeit"(Swttgart, Dieb' Verlag) ist soeben das 42. Hest des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Ein Tclcnramm des Kaisers.— OrganisationSstagcn der russischen Socialdemokratie.- Von Rosa Luxemburg. I.— Zu einer Herwegh« Biographie. Von Rcinhold Rüegg.— Zu einer internationalen Wahlstatislik der socialistischen Parteien. Von Dr. Robert Michels.— Die Vorgänge in Colorado. Von Hermann Schlüter(New Uork) III.(Schluß.)— Literarische Rundschau: Ottokar Lorenz, Kaiser Wilhelm und die Begründung des Reiches 1866/1871. Oskar KIcin-tzattingen, Bismarck und seine Welt. Hans Delbrück, Erinnerungen, Aussätze und Reden. Von b'. dl.— Notizen: Steigt die Ausbeutung der Arbeiter? Von K. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanslalicn und Kolportcure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quarta? abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Marktpreise von Berlin am 16. Juli. Nach Ermittelungen deZ kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Centner: Weizen"), gute Sorte 00,00-00,00 M., mittel 00,00-00,00 M., geringe 00,00-00,00 M. Roggen"), gute Sorte 13,60—13,58 M., mittel 13,56-13,54 M., geringe 13,52-13,50 M. Futtergerste'), gute Sorte 14,60-13,60 M.. mittel 13,50 bis 12,50 M., geringe 12,40—11,40 M. Haser"?), gute Sorte 16,00—15,30 M., mittel 15,20—14,60 M., geringe 14,50— 13,90 Äi. � Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-28,00 M. Speisebohnen. weiße 50,00-26,00 M. Linsen 60,00-25,00 M. Kartoffeln 12,00—8,00 M. Richtstroh 4,40-4,00 M. Heu 6,90-5,30 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 3,80—2,40 M. ') Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. Wasserstand am 16. Juli. Elbe bei Aussig— 0,69 Meter, bei Dresden— 2,06 Meter, bei Magdeburg-s- 0,29 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt-s- 0,80 Meter.— O d e r bei Ratibor-s- 0,59 Meter, bei Breslau Ober- Pegel-s- 4,22 Meter, bei Breslau Unter> Pegel— 1,68 Meter, Lei Frankfurt-s- 0,34 Meter.— Weichsel bei Brahemünde+ 1,92 Meter.— Warthe bei Posen+ 0,06 Meter. Netze bei Usch+ 0,30 Meter. WitternngSübersicht vom»8. Juli 1S04. morgen» 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wie» 764 767 765 766 767 B S B S g NNW NW N SW 762 W Wetter 3bedeckt 5 halb bd. 4vedeckt öhalb bd. öhciter 2)volkcnl US S N S? M Sj Stationen Q„ S 5 SJ— Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris Zz ss 749 SSW 756.WNW 772 SW 767, NO Wetter 2helter 2 Regen heiter wolkenl utsi «SÄ -» II i» wa> 16 18 Is Wetter.Prognose für Dicustag, de» 19. Juli!»»». EtlvaS kühler, vielfach heiter, aber veränderlich mit leichten Regenfallen und Irischen nordwestlichen Winden._.. Berliner WeUerbureau. Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktton dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Berantwortnng. mmammmmmmamm Tbcater. Dienstag, den 19. Juli. Ansang 71/, Uhr: Neues köntgl. Opern- Xheater. Der BettelsNident. Belle-Allianee. Gastspiel von EmU Winter-Thmians in diesem Geme einzig dastehenden sächsischen 15 Humoristen und Sängern. ZmnSchluh: Der geprellte Salontiroler. Anfang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner« Theater.) Der Postillon von Lonjumeau. Westen. Liebeshandel. lkentral. Olle Kamellen. Lauschen und Rimels. Hanne NüteS Ab- schied. Jochen Päscl. Ein kleiner Beamter. Earl Weist. Der Weg zum Herzen. Mctropol. Ein tolles Jahr Heloife Titcomb. Specialitäten. Apoll». Venus ans ürden. Speeialt- täten. Ttadt-Dheater Moabit. GroHstadt- zanbcr. Reichshallen. Gastspiel von Oskar Junghähnels humoristisch. Herren- gesellschast. Passage-Dheater. Terka Scmmeloss. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Danbenstraste 48/4S. Die Insel Rügen. Jnvalidenstraste.17/«!!. Stern- warte. Täglich geöjsnet von 7 bis 11 Uhr. Sehiller-Theater 0. lWallner-Tbeater). Alorwih Oper. Dienstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. ver postillon von l.onjumeau. Mittwochabend 8 Uhr: K>vi> Prophet. Donnerstagabend» Uhr: Gastspiel Heinrich BStel. Der Troubadour. Der Sommergartcn ist eröffnet. In» Garten de» Schiller-Theaters täglich grobs» lSUittir-lioarert. esntral-l'keater 8 Uhr: Einakterabend ans Fritz ReuterS Werken: 1. Olle Kamellen. 2. Lauschen und Riemels. 3. Hanne NüteS Abschied. 4. ssochen Päsel. 5. Bräsigs letztes Stündlein. K. Ein kleiner Beamter. Emil Riehard, tgl. Hosjchanlpielcr, a. G. Morgen und folgende Tage: Die» selbe Vorstellung._ Carl Weiss-Thealer. Große Franksurterftr. 132. Roch mehrere Aufführungen: Der Weg zum Herzen. Ansang 8 Uhr. Im Garten: Große Vorstellung. Ansang S'/j Uhr. Mittwoch: Großes Kinderferienfest. Metropol-Theater Der grösste Erfolg tos Jahres: Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall Apollo-Theater. Tl, Uhr: Gr. Garteukonzert. 8-gl� Uhr: Oos grolle Juli-Specia- litäten-Programm mit Gebr. Oarvas, Handvoltigeure, Emmi Kröchort, Exc.-Soubrette.»>/, Uhr: Venus auf Erden. Operette von Paul Lincke. Belle-Alliance- Thealer. Im Theater abends 7'/, Uhr: 15 Humoristen und Säugern 15. Im Sommergarten von 6 Uhr ob: Gurt GcWmann-Konzert. Bon 8 Uhr ab: Glänz. Specialitäten- Programm. 23. Juli: Volkst. Sommernacht?(est. Elablissemnit Suggeuhage» SlorJitxpIatTi. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im grasten schattigen Ratnr» garte« jede« Abend 8 Uhr: Konzert. Dienstags, Fütinnann Donnerstags, Sonntags: -Waide-Sänger. Sonnabends T« m•» im Kaisersaal:'« II Ä» Reiehshallss-Thealer. Gastspiel de» berühmte« Oskar mit sriner humoristisch. Herren- G-I-llschast. Grossartiges, »öllig origin. Programm. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Insei Rügen. Sternwarte • str. 57/82. ) CASTANS ANOPTICUM. Friedrichstr. 163. Fakir!! Die zusammengewachsenen Schwestern Rosa o, Josefa. SS9-Ml!l. Das Rttrenweib, lebend. Oer 16jährige Rlesenfcnahe Der lange Josef 217 etm an ' Nada und Mnemos, Gedankenleser. D e r Ij e 1 c h.e n f u n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Passage-Theater. Terka Semraeloff russische Tänzerin. sraniv», japanische Truppe. Vierzehn erstklass. Nummern. W. Koacks Thealer. Direktion: Roh. Dill. Brunncnstr. 16. Nur noch wenige Tage: Verbotene Wege, od.: Getreue Nachbarn». desgleichen. Elsen, lean. TheAmadoa. DonTolcdo. Ein ungeschliffener Diamant. Ansang Kühr. Jtaffeefuche 8. ZUhr ab. Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saal. Beruhard Rose-Thealer Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Die Reise M Berlin io 80 Stunden. Außerdem das SenfationS-Juli- Programm: Psul Corudlul, Berlins Liebling. Clown l.ol»«t» drefs.Klapperftörche. P0HV0I und Powvl, ExcentricS am Trmnpolin-Barren. Wolto.OoiupuguRo Pantomime Bagabunbenstreiche. Anfang 4'/, Uhr. Im Saale: Ball. Enlree 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. frSdels ziferfei-Thealer fr. Puhlmann, Schönhauser Zlllee 148. Gro»»«» Gapten-Koniiort. Theater und 8peclalltfiten. DM— 30 neue Nummern.-THj Bon der Galeere. Voiksslück. Arbeit bringt Segen. Bolksstück. Extra- Tanz. Tanzlehrer P. Hoppe. Ansang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn Täglich im Garten: Hofimstins Norddeutsche Sänger. Sonntag, Montag. Donnerstag: Nach dgr Soiree: Tanz. Wochentags haben Vor- zugskärten, auch die zu den Theater- abendcn ausgegebenen, Gültigkeit. Ilm Kfinlgsthor. Am Friedrichshain. Täglich: Thkiitn-Nirstkllalig mit wechselndem Programm. Am 1. und 15. jeden Monats Specialitäten- Wechsel. Zum Schluß: Zurück von den Hereros. Gr. GefangSposse mit Tanz V.M.Koch. Kntxee SO Pf. Täglich:| Jeden Mittwoch: Satt.| Kinderfest Klysiam Landsberger Allee 40/41. Heute sowie täglich: Vorstellung A der drei beliebten Sängergesellschasten bei freiein Entree. Jeden Sonntag. ijaii Montag, Mittwoch: UI. Dnll. Avis: Empfehle den geehrten Verewen meinen graßen Saal sowie Naturgarten zur Abhaltung von Sommerfesten unter sehr coulantcr Bedingung. Tel.: Am« VN 2vt?. SK34L* Carl Pioermann. Deutscher Holzarbeiter-Vorhand. IIUdorttlfnilcmtiadKro Mittwoch, de« SO. Juli er., abends a1/, Uhr. bei Voigt. Ritterstraste Rr. 75: Irsnehen-Verssmmlung. Tages-Ordnnng: 1. Bericht über die Lage der Branche in Leipzig. 2. Branchenangelegew heit. 3. Verschiedenes. 86/17 Zahlreichen und pünkilichen Besuch erwartet_ Der Obmann. MtDlotrM d. Stein lirdcittt Devtschl. Berlin II, Harmorarbeitei'. Mittwoch, den 20. d. M, abends 8 Uhr, im Engl. Garten, Alexanderstr. 27c; Mi tgUeder- V ersammluug. Tages-Ordnnug: 1. Biertcljahresabrechniing. 2 GewertschastlicheS. 3. Verschiedenes. _ Zahlreichen Besuch erwartet_[172/14]_ Der Vorstand. Achtung! Achtung! Maurerl Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins, nnd Vmgegend. Mittwoch, den 30. Juli. abeudS 8'!t Uhr. in den Andreassälen, Rudreasftr. LI loberer Saal): KezirKs-Nrrsammlnng. Tages-Ordnirng: 1. Wie betreiben wir die Agitation znr Grreichnng«nsrer BereinSbestrebuugeu? 2. Dislnssion. 3. Verschiedenes.. 123/18 Her Vorstand. Max Rliem's Sommer-Theater Basenheide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. ! Mit' Kr. Konzert, Theater- u. Speciaiitäten-Vorsteliung. j Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. WN� Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würjelbudcn, Konditorei, Blumenstand zc. _ In den Sälen: Grosser Ball. Flotten-Schauspiele Knrfilrstcndamm 153/156. Fernsprecher; Amt Wilmersdorf Mo. 343. 15/20 Strassenbahn-Verbindung mit Linien 91, A, T, V, A/E. Täglich zwei Vorst« Hungen, um 4 und 8 Uhr. Sonntags drei Vorstellungen, um 3, S'f, nnd 8 Uhr. MB Wmtaspiele der Well Die Flotte im Frieden und im Kriege. Beschiessung von Port Arthur durch die japanische Flotte. O Vollständig gedeckte Tribüne. ♦ Konzertmusik. ♦ Preise der Plätze: Mittelloge M. 4,10, Seitenloge M. 3,10, Parkett M. 2,10, I. Platz M. 1,60, II. Platz M. 1,10, Stehplatz 55 Pt, in den Nachmittags-Vorstellungen Preisermaüigung. Programm gratis. Die Tageskasse ist von 10 Uhr vormittags an geöffnet. VorverKaufskarten sind in den durch Plakate kenntlichen Geschäften von Loetter A WolIT zu haben. ZOOIOCISCHEK GARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- Doppel-Konzert Sinti itt 1 M.. ab 6 Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. (MU8 Sarrafani. Grösster u. elegantester Zelt-Cirkus Europas. Pferden Bären Löwen. Täglich: Am' Landsberger Allee 71/79. Direkt Rmgbahnflalion. Ob schön! Täglich Ob Regeiil im herrlichen Garten od. gr. Saal: Das nene u. beste Programm Berlins, u. a. mit stürmischem Beifall: e Wnlcnn« bic besten Akrobaten 9 WüljUUa, der Welt, prolongiert. Der Weltfriebe, Dressur und Ver» einigung von Todseinden zu einem Tableau. The 2 Benares, seiis. Lust- jangreck-Att. F.Brand.Rennsri-BIange, Senor d Berard I Die scsche Nannon. Der Bückerst�eik. Große akwelle Pantomime, zc. ze. Kaffeeküche. Bolksbelustignngen. Bis 2 Uhr: B» 1 1. Entree 20 Pf. Sonntags 30 Pf. Auf der Stelle getötet von«»fehlbarer Absolut flelkfrei, und wirksam in .Verstärkte« Wanzenfluid Wirkung, schützt dauernd gegen Specialmittel Einziges jede Wiederkc kein übler Geruch und nicht leuergesährlich. Nur echt.....—_ Originalst, mit Marke.Tod n. Teufel- ä 50 Pf., lt.—. S,-. u. Literfl. 5,—. Sprühapparat 50 Pf. Erfolg garantier». Otto Relcbel, Lieferant fOr Armee und Marine. ♦ BERLII Elsenliaiinstrasse 4. Telephon: Amt 1Y 646 nnd 8130. ♦ fützorostr. 111/112. Täglich Im Garten«der 8aal: Vorsts Korddentsebe taoristen und Quartett- Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sons haben liültlgkelt. SU AllEe7*9 Täglich: Vineta. Pantom.: Kalamitäten in der Küche. Satanetlo-Trio. Wardlnis. Clown Stetti. Romeos. Ball, Konzort, Specialitäten. Ans. 4 Uhr. Eintr.30Ps.Num.Pl.S0Pf. Ostbahn-Park. Am KOstrinerplatz. Rüdersdorf erst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Kouxertz Theater und Spermlitäten- Korstellung. Zoeiälllemoilrstizeker Vsblverein für üm h. Berliner Beiehtags-Wahlkreis sSüdosten). Dienstag, de» 49. Juli, abends SV* Nhr, in der Dracheuburg bot dem Schlesischen Thor: 243/17« W?" Vv�ssmanlung. Tages. Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Grempe über: Technische Fortschritte im Verkehrswesen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. V.Wahlkreis. Dienstag, den 10. Infi, abends 8V2 Uhr: 1 Volks-Versammlungen in den Lokalen: 8vImKja' fSalon, Belforterstr. 15, Altes Seit titzenh aus, Linienstr. 5. Tages. Ordnung: 1. Der Wortbruch der Vückermeister und welche Schäden er- wachsen den Konsumenten? Referenten die Genoffen Barth und Vaehtlgall. 2. Freie Diskussion. 207/2» Mg" Alle Genossen und besonders die �Genossinnen find zu zahl« reichem Besuche und lebhafter Agitatton für diese Versammlungen ver- pstichtet. Die Vertrunensleute, Dienstag, den 19. Juli 1904, abends 8Va Uhr: 4 Volks- Versammlungen in solgendcn Lokalen: Für dei» Osten: „KttnigsbunK", Gr. Franksurterftr. 117, „Elyslnm", Landsberger Allee 40/41. Für den Nordosten: „SchtttzenbanH". Linienstr. 5, 8chulz FoNtnäle, Belforterstr. 15. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: 1.»Der skrupel- lose Wortbrnch der Bäckermeister nnd welche Schäden erwachsen dadurch der konsumierenden Bevölkerung». Referenten: Barid, Nachtigall, Hetzschold und Schneider, Leiter der Berliner Bäckergesellen. 2. Freie Aussprache. 237/12 S&T Alle Männer und besonders die verehrten Hausfrauen find zu den Versammlungen sreundlichst eingeladen. Verxvaltnngnstelle Berlin. Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3358. Mittwoch, de« SO. Juli, abends 8'/, Nhr, im Lokale»Rosenthaler Hof». Rosenthalerftraffe 11-1»: Versammlung der Chirurg. Branche. Soges. Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Wueohlek über:„Die Unternehmer im Kampfe gegen die Arbeiter". 2. DiSlussion. 3. Berbandsangclegen« Helten unl «i mieden es. Mittwoch, den SO. Juli, abends 8',, Uhr, im Gewerkschaftshause. Engel'Ufer 15. Saal 8: Versammlung der Orahf-Arheifer. Tages. Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Dr. Ghaje». 2. Diskussion. 3. �Verbands. Zahlreiches und Pünktliches Erscheinen ist unbedingt notwendig. angelegcnhriten und Verschiedenes. Mittwoch, den»9. Juli, abends TU Uhr, im Lokale von Stechert, Andreasstraffe»1: Oef f e ntliche Versammlung der Bau-Anschläger. TageS-Ordnung: 1. Die Notwendigkeit eines Einheitstarifes in unserm Berufe, und welche Mittel führen uns zu diesem Ziel? 2. Diskussion. 118/3_ Die OrtBTcrwaltnng. Verband der Portefeuiller. Mittwoch, den 20. Juli 1904, abends 8 Uhr. in Graumanns Festsälen, Raunhustr.»7: Oenerat-Uersammtung. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Ortsverwaltmig, des Kassierers, dcS Arbcilsnachweisez und der AgitationS-Kommission. 2. Ersatzwahl der Orts- Verwaltung. 3. Wahl der Revisoren. 4. Wahl der AgitationS-Kouimisfion. S. Verschiedenes, Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.— Das pünktliche Erscheinen aller Kollegen erwartet, Die Ortsverwaltnng. lg, WWW._ der Verelnsbranerel Blxdorl.— Garten der Vereins brauerei Ripdorf. Hermannstraße. vormittags 19 Uhr: Benlehtlgnng T r e s s p u N k t 9'/, Uhr im 103/14 Lacklerer. in Mittwach, den»o. Juli ct., „W e n d 1 8 PracbtslUen", Am abends 81/, Uhr» Königsgraben Sir. Große«Ilgeiueillk Nnsommloug. 14,! Tages-Ordnung: I. Vortrag deS Genossen Dr. Zadels über:„Die Berufskrankheiten der Lackierer". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 107/11 Kollegen! Agittert rege für den Besuch dieser Versammlmig, ganz besonders unter den unorganisierten Kollegen, damit wir sehen, ob die Lackierer Berlins wirtlich das Elend ihrer Lage erkennen wollen! Ble üielltlonäleltnng. Tacberein der Tischler Berlins u, Umgegend. Mittwoch, 20. Infi, abends 8 Zlhr, im„Fiirjklcho�, Köpnicktrstr. 137/138: General-V ersa imiiliing*. I. VorstandSbcricht. 2. Tal Wahl deS ersten es- Ordnung: orsitzendcil. deS ersten Kassierers und eines Revisors. der NgltationSkonimilsion', Arbeiisvernlittelung und Bibliothek. 4. BercinSaiigeIegenheiten.�5. Verschiedenes. " unbedingt Pflicht eines jeden BereinStollegen, zu De 186,20 ES ist erb einen.— «ratand. 3. Bericht :neS. Mitgliedsbuch legittmiert. I. A.: G. Krüger, ' Vecantw. NMÜeur.: Pgul Büitner, Beplw. Für den Inseratenteil veranttv,: TA. Glocke,. Berlin. Krück u. Bcrlag: BerttgrtZ IMdruckeret u. LurlagsanstÄt �aul S-inger L- Cr>.. Bertiu 2� Nr. 167. 31. Ilchrglmg. 2. KrilW des„Botioirls" Kerlim Beltelilalt Dienstag, 19. Jali 1904. H. deutscher Abstiuevtentag und Großlogeu- Fest des I. O. G. T. Hamburg-Altona, 16� Juli 1904. kyer große Empfang im Eirkus Busch gestaltete sich zu einer ein- drucksvollen Kundgebung für die alkoholgegnerische Bewegung. Dieses größte Lokal Altonas war von schätzungsweise 5000 Personen in allen seinen Räumlichkeiten gefüllt. DieBehördenAtonas waren fast vollzählig vertreten, ebenso hatte Hamburg offiziellen Besuch geschickt. Dieser Umstand Ivurde von dem Großtempler Blume besonders betont und gegenübergestellt dem Verhalten der Berliner Behörden im vorigen Jahre, die von„diesen fanatischen Leuten" merklich abgerückt wären. Eine Wandlung in dieser Be- ziehung sei immerhin zu begrüßen, aber auch durchaus selbstver- ständlich, da vorwiegend die Stadtverwaltungen durch die Abstinenzbestrebungen in ihren Mittel,� gestützt würden. Oberbürgermeister Dr. G i e s e bekannte sich in längeren Ausführungen zu der Richttg- keit dieser Ansicht und wies darauf hin, daß in der heutigen Zeit eines rücksichtslosen materiellen Erlverbslebens dieser Ausdruck«ines ideellen Zuges um so höher zu bewerten sei. Er kenne die sociale Arbeit der Alkoholgegner und schätze sie hoch. Prof. Dr. B e r g m a n- Stockholm sprach über„Die Alkohol- frage der antiken Welt" in einem längeren Vortrage, in dem er nach- wies, daß es eine wirkliche„Alkoholsrage" bei den Alten in der Regel nur dann gegeben habe, wenn die einzelnen Völker sich auf eine ab- wärts führende Bahn begaben. Man gab Unsummen aus für Bacchanalien und Schlemmereien und vernachlässigte die hygienischen und andren socialen Einrichtungen, bis ein stärkeres, gesünderes Volk sich an die Stelle des degenerierten setzte oder bis dieses zu einer— Regeneration schritt. Für diese Möglichkeit gäben die s k a n- dinavischen Völker ein sprechendes Beispiel. Hier, wo nocki vor etwa 50 Jahren der Alkoholgenuß als ein Symptom des Nieder- ganges erschreckenden Umfang hatte, gäbe es heute schon 300 000 Erwachsene, die Alkohol grundsätzlich nicht mehr genießen. Der ganze Vorgang sei eine Warnung für andre Völker, gebe aber auch der Hoffnung Raum, daß diese ebenfalls eine Zeit der Renaissance herbeiführen könnten, wenn nur— der Wille vorhanden sei. Landrichter Dr. Hermann P o p e r t- Hamburg sprach über „Das nächste Ziel der Abstinenzbewegung", als welches er bezeichnete: die Trrnkunsitten und deren Vormundschaft zu brechen. Er wl-s an der Hand einer großen Menge unbestreitbarer Thatsachen nach, daß und w,e sehr besonders der Biergenuß in Deutschland seine AnHanger durch physische, psychische und intellekwelle Beglcit- und Folgezustande schädig«, daß andrerseits durch die Abstinenz die menschliche Leistungsfähigkeit ziffernmäßig steige, wie besonders die englischen Lebensversicherungs-Äesellschaften klar beweisen dadurch, daß sie Abstinenten mit einem Prämiennachlaß bis zu einem Drittel der gewöhnlichen Höhe versichern. Nach seiner Ansicht seien die Verfechter des Trinkzwanges meistens sehr minderwertige Menschen, die ihren Minderwert durch den Nebel des Alkoholsumpfes zu verdecken suchen, und die als Werkzeug dazu sich des gemeinen Spottes bedienen, von dem sie wissen, daß ihm mir Wenige wiederstehen könnten. Sache aller ernstdenkenden Menschen— ob Abstinent oder nicht— sei es. diesem gemeingefährlichen Treiben dadurch zu begegnen, daß man es als das bezeichne, was es in Wirklichkeit sei: als eme Pöbelhaftigkeit. Man müsse zum Ausdruck bringen und das auch mit Nachdruck bethätigen: Ehrlos der Mann, der einen andern durch Spott zum Alkoholtrinken nötigt I—(Großer Beifall.) Nach verschiedenen Ansprachen gab Oberingenieur Asmussen- Hamburg— lebhaft begrüßt— einen kurzen Ueberblick über das letzte Jahrzehnt, das eigentlich das erste in der deutschen Abstinenz- bewegung sei. Die Erfolge seien verhältnismäßig so überwältigend, daß man sie sich auch nicht einmal habe träumen lassen. Damals einige kümmerliche Anfänge von Abstinenzorganisation in Deutsch- land— heute Zehntausende von ernsten Menschen, die es wagen, dem Hute des Landvogtes Alkohol die Reverenz zu verweigern. Damals ein Häuflein meistens älterer Männer, traurigster Erfahrungen voll — heute die lachende, begeisterte Jugend, die diese Erfahrungen am eignen Leibe zu machen nicht gewillt ist. Konzert und Gesangsvorträge abstinenter Chöre gestalteten das Abendprogramm recht wirkungsvoll. » �....... Sonntag, den 17. Juli. Tagung von 8— 1 Uhr. Ucber 1000 Mitglieder empfingen den Großlogengrad des Ordens.— Fortsetzung um 3 Uhr. Verleihung des Weltlogengrades an d,e berechtigten Mitglieder.— Außerdem tagten vormittags die abstinenten Kaufleute, deren gut geleitete Organisation schöne Erfolge aufzuweisen hat. Ferner ist zu nennen der„Abstinentenbund an deutschen Schulen,„Germania", und der „Bund abstinenter Frauen". Diese Versammlung, unter Vorsitz der Frau Prof. Mendt, war ungemein besucht. Frau Dr. phil. Wegscheider-Ziegler- Berlin referierte über„Alkohol und sociale Reformarbett". ein Vortrag von großer Formvollendung, auf den wir wohl noch zurückkommen. .Die außerordentliche Hauptversammlung der Guttempler- Bereinigung„Bruderhilfe" und ein Festabend der„Alkoholfreien wmir schlössen die Reihe der Versammlungen am Sonntag. Hiig Xnduftnc und Handel. , bt<®i!|f-futn9 von Binnenschifssfahrten. Die anhaltende Hitze der Ül ho.St? �at im Verein mit dem Rcgenmangel in vielen Teilen die Binnenschiffahrt gezwungen, ihren Betrieb w fonff oder gar ganz einzustellen. Aus Schlesien, iink der AUff 1""' Hochwasser geplagten Provinz, wird berichtet, med r n n mlb der Oder dort seit Beginn des vorigen Monats bleiben und seit fo ba�"iele Schiffe unterwegs liegen zeugen von eww�9'"" dieses Monats die Schiffahrt mit Fahr- Auch auf der faft 0anä eingestellt werden mußte. mid selbst auf der* b,e Schiffahrt größtenteils aufgehört, eriaketten'"rd sie nur zum Teil und mit großen �bm?u ammen�� �balten. Im Hamburger Hafen und den ü1» s �"älen und Fleethen ist der Schiffs- � dt™* � bcS Wasserstandes behindert und "bin minftin tnn" aufgegeben werden müssen. Ver- �" noch die Verhältnisse für die Rhein-Sch'ffahrt. J uf dem C&ctrhcm und den zum Rhein führen«. den Flußlaufen hat zwar ebenfalls die Schiffahrt vielfach einge- schränkt werden müssen, aber auf den unteren Teilen fand noch immer ein ziemlich reger Verkehr statt. In letzter Woche ist jedoch das Wasser dermaßen zurückgetreten, daß aus Düsseldorf gemeldet wurde. cS stehe wahrscheinlich d.e Einstellung der gesamten Rhein- schiffahrt bevor. Demgegenüber w.rd amtlicherseits darauf hinge- wiesen, daß oer Kauber P-gelstand 210 Meter zeige und erst bei .inem Stande von 1,30 Meter die Reedereien von der Verpflichtung, oie übernommenen Transporte auszuführen, entbunden seien. Von einer bevorstehenden Einstellung der Schiffahrt könne deshalb keine Rede sein. Immerhin ist auch auf dem Unterrhcin der Betrieb erschwert. Neben dem Schaden, den Handel und Industrie durch oiese Verkehrsstörung erleiden, wird die kleinere Industrie auch noch insofern geschädigt, als die Flußläufe, vornehmlich die Nebenflüsse des Rheins, ihr vielfach die motorische Kraft liefern; am schwersten über haben natürlich, wie immer, unter der hervorgerufenen Stockung die in solchen Betrieben beschäftigten Arbeiter zu leiden. Der Stahlwerksverband veröffentlicht nachträglich einen längeren «encht über seine letzte Generalversammlung, in dem er auf die gegen seine Geschäftspolitik gerichteten Angriffe antwortet. Ueber die Geschäftslage wird mitgeteilt, daß im Halbzeuggeschäft Aen- derungen gegen früher nicht eingetreten sind. Die abgeschlossenen Mengen sichern die gewohnte Höhe der Beschäftigung. An den vom Verbände in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzu- nehmenden Mengen ist das Inland mit 74,39 Prozent, das Ausland mit 25,61 Prozent beteiligt. Im Auslande wurden etwas höhere Preise und zwar 5 bis 7 M. mehr erzielt. Amerika trat weiterhin als beachtenswerter Konkurrent auf. Infolgedessen sind die Halb- zeugpreise in England bis auf die Satze vor der Gründung des Verbandes zurückgegangen. Weiter heißt es, der Vorwurf, daß der Verband dem Auslandsgeschäft nicht die nötige Beachtung schenke, sei nicht berechtigt. Das Formeisengeschäst habe sich sehr lebhaft gestaltet. Im Auslandsgeschäft sei eine Preiserhöhung von 3 M. erzielt worden. An den vom Verbände abzunehmenden Mengen sei das Inland mit 72,23 Proz., das Ausland mit 27,77 Proz. beteiligt. Zum Kampf auf dem Pctroleummnrkt. Die Standard Oil Company verstärkt ihre Positionen zur Bekämpfung des russischen und rumänischen Petroleumabsatzes nach Deutschland. Als ihre Agentin in Deutschland fungierte schon bisher die Deutsch-amerika- nische Petroleum-Gesellschast; aber der direkte Einfluß Rockefellers auf diese Gesellschaft war trotzdem gering, da das Hauptaktienkapital in den Händen der beiden Familien Riedemann und Schütte war. Jetzt hat er den Aktienbesitz der Familie Schütte aufgekauft. Wie weit die Angaben über die Höhe des»och in deutschen Händen verbleibenden Restkapitals richtig sind, ist bisher nicht bekannt; doch läßt sich aus den Personalveränderungen im Vorstande der Gesell- schaft ein Schluß ziehen: Familie Riedemann bleibt; Schütte geht. Die D.-A. P.-G. ist hauptsachlich aus der Verschmelzung der beiden größten deutschen Petroleum-Import- und Recderei-Firmen Wilh. A. Riedemann in Hamburg und Albert Nie. Schütte u. Sohn in Bremen entstanden. Bei den Mitgliedern dieser beiden Firmen ver- blieb seiner Zeit ungefähr die Hälfte deSMktienkapitals. Aus der Thatsache, daß die Herren Franz Ernst Schütte und Karl Schütte aus dem Vorstände ausgetreten, während für den ausscheidenden Herrn Wilh« Riedemann die Herren Heinrich nnd Dr. T. Riedemann eintreten, läßt sich schließen, daß lediglich der in Bremer Händen befindliche Aktienbesitz in amerikanische Hände überging, während der Riedcmannsche Besitz im Besitz der Familie Riedemann bleibt. lieber die Lage des rheinisch-wcstsälischcn Eisenmarktes äußert sich in ihrein soeben erschienenen, die Monate April, Mai und Juni umfassenden Ouartalsbericht die bekannte Fachzeitschrift„Stahl und Eisen":„Die allgemeine Lage der Eisen- und Stahlindustrie war in den zwei ersten Monaten der Berichtszeit befriedigend, da die Nachfrage in verstärktem Maße anhielt und auch die Kauflust recht lebhaft war; zumal der Inlandsmarkt war fest, so daß auch bei den«preisen die im vorigen Vierteljahre bereits eingetretene Aufwärtsbeweaung andauerte und weitere Fortschritte machte. Im Beginn des Monats Juni machte sich dann aber infolge der ungünstig lautenden Berichte aus Amerika über eine stärkere Abflauung des dortigen Marktes auch auf dem einheimischen Markt eine Ab- schwächung bemerkbar, die sich in einem Nachlassen der Nachfrage und in spärlicherem Eingang von Abrufungen auf bestehende Ver- träge kundgab, so daß die Werke vielfach genötigt waren, die säumigen Abnehmer zur Einreichung von Ausführunsisanträgen aufzufordern. Gegen Ende des Monats trat dann allerdings wieder eine geringe Belebung des Marktes ein." Zu bemerken ist zum letzten Satz, daß die etwas bessere Lage des Marktes gegen den Schluß vorigen Monats nicht lange an- gehalten hat. Rohstahl in seinen verschiedenen Formen findet zwar relativ guten Absatz. aber die Nachfrage nach Stabeisen, Draht, Bandeisen, Bleche, Röhren und Kleineisenzeug läßt recht vieles zu wünschen übrig. Geschäftsbetrieb und Ergebnisse der preußischen Sparkassen im Jahre 1908. Die Verarbeitung des auf das Rechnungsjahr 1902 bezüglichen statistischen Stoffes über den Geschäftsbetrieb und die Ergebnisse der preußischen Sparkassen ist gerade zu Ende geführt. Die Zahl der Sparkassen betrug 1902 1507 gegen 1508 im Jahre 1901. Eingegangen waren Ende 1902 12 von den 1901 vorhandenen 185 Vereins- und Privat-Sparkassen; dagegen hatte sich die Zahl der Kreis- und AmtS-Sparkassen von 407 auf 412 vermehrt; die der Landgemeinde-Sparkassen war von 224 auf 227 gestiegen; des gleichen hatten die städtischen Sparkassen von 686 aus 639 zu« genommen. Zu den 1507 Sparkassen kamen noch 605 Filial- oder Nebenkassen und 2378 Sammel- oder Annahmestellen. An Spar kassenbüchern befanden sich 9 372 930 im Umlauf. Davon lauteten auf Bettäge bis 60 M. über 60— 150„ 150— 300„ „ 800— 600„ , 600— 3 000„ „ 3 000—10 000„ „ 10 000 1902 2 624 046 1 377 146 1 239 027 1 417 438 2 299 931 369 948 45 394 in Prozenten 28,00 14,69 13,22 15,12 24,54 3,95 0,48 Die Gesamteinlagen am Jahresschlüsse betrugen 6 727 707 642,80 Mark. Es war gegen 1901 ein Zugang von 500 450 585.70 M. zu verzeichnen. Auf jeden Kops der Bevölkerung Preußens kamen an Einlagen 188,66 M. gegenüber 177,76 M. im Vorjahre und 166.46 M. im Jahre 1900._ Huö der Frauenbewegung. Der Frauen- und Mädchen-BildungSverein für Köpenick hält Mittwoch, den 20. Juli, abends 8 Uhr im Lokal Helling, Schöner- linderstraße, seine Vereinsversammlung ab, in welcher nach einem Vortrag auch über das erste Stiftungsfest Beschluß gefaßt werden soll.— Männer haben als Gäste Zutritt. des Gesetze?, sowohl des Krankenversicherungs-Gesetzes als des Gewerbe-ÜnfallversicherungS-Gesetzes widerspricht. Eine Erhebung über die kleinen Wohnungen hat der Stadt- Magistrat Würzburg veranstaltet. Gezählt wurden die Wohnungen mit 1, 2 und 3 Zimmern. Die Erhebungen ergaben, daß 12 758 solcher Wohnungen vorhanden sind, wovon 235(1,34 Proz.) lce, standen. Von diesen 235 mutzten 123 ausgeschieden werden, da s« vollständig unbrauchbar sind. Auf die Beschaffenheit der Wohnunger wurde weder von den Vermietern noch von den Mietern die nötig« Sorgsalt verwendet. Sehr ungünstige Verhältnisse ergaben die Er- Hebungen in Bezug auf Größe und Preis. Für die kleinen Woh- nungen werden die höchsten Preise bezahlt. Entschädigung oder Strafe. Der Webereibesitzer Gustav Klemm in Neersen, Kreis M.-GIadbach, hatte das Zuspätkommen feiner Arbeiter mit Strafe belegt, das Geld aber als eine Entschädigung sür seine Verluste betrachtet, anstatt dasselbe im Sinne des§ 134h der Gewerbe-Ordnung zum Besten seiner Arbeiter zu verwenden. Vom Gewerbe-Jnspektor zur Anzeige gebracht, wurde Klemm vom Schöffengericht m Viersen zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Ans seine Berufung hin hatte sich die Strafkammer in Krefeld mit b-r Sache zu besassen; diese stellte sich auf den Standpunkt, daß Klemm befugt gewesen sei. die Gelder nicht als Ordnungsstrafen, sondern al? Entschädigungen für geschäftliche Verluste, die ihm durch die Un- Pünktlichkeit der Arbeiter entstanden seien, zu betrachten, und sprach ihn frei. Das Urteil wurde auf die Revision des Staatsanwalts vom Obcrlandesgericht in Köln aufgehoben und an die Strafkammer in Krefeld zurückverwiesen, die abermals ein freisprechendes Urteil fällte. Dieses Erkenntnis wurde auf Revision abermals mit Erfolg an- gefachten und die Angelegenheit der Düsseldorfer Strafkammer über- wiesen. Diese verurteilte den Klemm wegen Vergehen gegen§ 134b der Gewerbe-Ordnung zu 100 M. Geldstrafe. Das Gericht folgte den Ausführungen des Sachverständigen, Geheimen Regieruugsrat Theobald-Düsseldorf, der erklärte, daß das Verfahren des Klemm gegen die guten Sitten verstoße; selbst bei kleinen Arbeitgebern, die jeden Groschen dringend nötig hätten, habe er während seiner lang- jährigen Thätigkeit ein solches Vorgehen noch nicht gefunden. Es handle sich um eine Ordnungsstrafe und nicht um eine Entschädigung. Ungültige Polizei- Verordnung. Hausierer sollen nach einer Rcgicrungs-Polizei-Verordnung vom 3. Oktober 1883 die von ihnen benutzten Zugtiere in jedem Monat einmal einer amtlichen tier- ärztlichen Untersuchung unterziehen lassen. Die Untersuchungen sind in einem Buch, das der Hausierer stets bei sich zu führen hat, ein- zutragen. Ein Hausierer Herbke wurde wegen NichtUntersuchung seines Pferdes auf Grund der Verordnung angeklagt, in letzter In- stanz aber freigesprochen. Das Kammergericht erklärte die Ver- ordnung für ungültig und führte aus: Allerdings bezwecke die Verordnung die Abwendung einer Seuchengefahr. Indessen diese Materie sei durch die Reichs-Gesetzgcbung erschöpfend geregelt, so daß daneben für Verordnungen dieser Art kein Platz sei. Andrerseits setze sich die Verordnung mit dem Z 1 der Gewerbe-Ordnung in Widerspruch. Es stehe hier nicht in Frage eine generelle polizeiliche Anordnung, die auch andre Personen al' Hausierer treffe, sondern es handle sich lediglich um Beschränkungen des Hausierhandels. Solche seien aber nur zulässig auf Grund der Gewerbe-Ordnung oder andrer Reichsgesetze. Somit entbehre die Verordnung einer rechtlichen Stütze und sei u n g ü l t i g. Soziales. Eine Lücke im Unfallverficherungs-Gesetz. Im§ 25 Abs. 2 des Gewerbe-UnfallversicherungS-Gesetzes ist lediglich die Rede vom Ersatz der Renten an die Krankenkassen Leider kommt es nur zu häufig vor, daß die gewerblichen Unfälle den Tod zur Folge haben. Die Krankenkassen zahlen dann das Sterbegeld Wohl aus, fordern es aber gewöhnlich von den Berussgenossenschaften zurück, mit der Be- gründung, daß der Tod eine Folge des Unfalles sei. Die Berufs- genossenschasten weigern sich aber, diese Zahlung zu leisten, weil aus einem Versehen das Wort Sterbegeld in den 8 25 Abs. 2 des Gewerbe-Unfallversicherungs-Gesetzes nicht aufgenommen wurde. Die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaften. von denen man gerade nicht behaupten kann, daß sie in besonders rigoroser Weise die Rechte der Verletzten zu schmälern suchen, halten sich ebenfalls strenge an den Wortlaut des Gesetzes und weigern sich bis zur richter- lichen Entscheidung, Sterbegeld an die Krankenkassen oder an die Hinter- bliebenen der durch Unfall verletzten Arbeiter anzuweisen. Die Ge- richte, vor allen die Württemberger. und zwar in zwei Instanzen, haben zu Ungunsten der Krankenkassen entschieden. Ebenso ein preußischer Bezirks-Ausschuh. Dagegen hat sich daS preußische Ver- waltungsgericht mit dem Bemerken für inkompetent erklärt, daß das Schiedsgericht für Arbeiterverficherungen die Entscheidungen zu treffen hätte. Eine einheitliche Rechtsprechung ist leider auf diesem Gebiete nicht zu erwarten, da die Streitigkeiten wegen Ersatz von Sterbegeld endgültig von den Schiedsgerichten zu entscheiden sind und nicht der Rechtsprechung des Reichs-Versicherungsamtes unterliege». Es wird deshalb nötig sein, bald eine Aenderung der erwähnten Gesetzesbestimmung herbeizuführen, da sie unzweifelhaft dem Geiste Danksaauna. Allen Freunden und Bekannten, ins- besondere den Meistern und Kollegen der Allgem. ElektricitätS- Gesellschaft, Abteilung Ackerstraße, sür die rege Be- teillgung und reiche Kranzspende bei der Beerdigung unsres VaterS und Schwiegervaters Kiluard I-oosp, hiermit herzlichen Dank. 27g3b Im Namen der Hinterbliebenen: Karaowky. Danksagung. Hiermit sage ich allen Freunden und Bekannten, die an der Bcerdi- gung meines lieben Sohnes Robert teilgenommen haben, insbesondere dem Socialdemokratischcn Wahlverein Berlin 2, meinen iiefgesühltesten Dank. ködert Kaiser und Familie. vr. Limmel, siÄ Spccialarzt für st 3/8» Kant- aa«I Haralvidva. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12 2—4. tierdurch die traurige Nachricht, am 18. d. Mts. früh 2'/. Uhr, unser lieber Sohn, Bruder und Schwager, der Maurer Rielmnl Trage durch ruchlose Hand plötzlich ver- starben ist. DieS zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. NB. Die Beerdigung wird noch bekannt gegeben. 2776b Inssungs-KraliKtuKasse der Berlin, Hollmnnnstr. 1«. Stfl. II. MUweeli, den 27. Juli ds. Js., im 0e«erIuciiafUliau8e(Saal VII): General-Versammlung der Delegierten. Tages-Ordnung. 1. Statuicnänderung. 2. Verschiedenes. Die Herren Delegierten werden hierzu hoslichst eingeladen und ist es Pflicht eines jeden pünktlich zu er- scheinen. Hochachtungsvoll Der Borstand. I. A.: Albert Kirchmann, 291/14_ Teliowerstr. 13. Unerwartet verschied unser hoch- verehrter und geliebter Meister Herr Eduard Jacobl. Sein unermüdlicher Arbeitseifer, sein edler Charakter haben ihn uns zum unvergeßlichen Vorbilde gc- macht und sein Woblwollen sowie seine stete Fürsorge sür unS sichern ihm in uniren Herzen ein bleiben- des, ehrendes Andenken. 2777b Berlin. 18. Juli 1904. Das personal dar TolleNeeeiken- pahrik Spielhagen. Kran;- und Klumenbindtrei von Dobert Meyer,. nur Mariannen-Straße 2. Vereins-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangement», Bouqueis, Guirlanden usw. werden sein u. preiswert geliesert Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn- und Frauenleiden, Svz'ckvluti-.». Wochentags st,»«--/,».-/,»->/,«. Meiler- Daugenossenzeluist „Paradies" zu Berlin(®-©• m. b.§,). Sonntag, den 81. JuN 1904, vormittags 9'/, Uhr, im Ye«erkeel»sftsksuse» Engel-Ufer 15: TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht: a) des Vorstandes, b) des AussichlSraleS. 2. Jahresabrechnung. Bilanz, Decharge. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. ErgänzuiigSwahIen zum AussichiSrat. 5. Etwaige Anträge. 6. Verschiedenes. Etwaige Anträge der Mitglieder müssen bis spätestens Montag, den 25. Juli, in Händen deS Vorsitzenden, Genossen Ko»eka, Wienerstr. 29, sein. Ferner ist die Bilanz täglich, in den Kassenswnden von 8—8 Uhr, in unsrem Bureau von den Milgiiedcrn einzusehen. Genossen I Agitiere ein jeder sür zahlreichen Besuch der Versammlung. Rur Mitglieder haben Zutritt. SM- Ohne Mitgliedsbuch kein Einlast k k-MW Der Vorotand. g. A.: S. Koeiha, 1. Vorsitzender. 108/0 Die grossen Sagerbestände Der DerKmPsmMergclmbc! Folgende Bäckermeister haben am Montag, den 18. d. Mts., den Tarif anerkannt und unterschrieben, sind als geregelt zu betrachten und in der Sonntagsliste nachzutragen: Versehens nicht in das Flugblatt gelommen). Berichtigung aus der Sonntagsliste. Unter Köpenick muß es heißen: statt Paege— Darge, tzaase— Haut, Die Forderungen durchbrochen resp. folgende Bäckermeister und sind deshalb aus zu streichen: Kordosten. I„.. m m m»vi Cadmerstr. 4, O. �teddin. Jmmanuelkirchstr. 3l), R. Baldin. � Mühlensir. 32, Hornig. Die Verbancksleitung. _ Bureau: Gipsstr. 2, Telephon Amt III, 1243. Mfabrik-Niederlage Berlin C., BoSSStt. 2 KoeH St Seeland Herren-AnzugstofTen, Kinder-AnzugstoiTen, Damenluchen, Damenkostüm- stoffen, Billardluchen, Pullluchen-°uen direkt melerweise-u festen Kurspreisen an jedermann sofort verkauft werden.— Siehe Schanfenster- Ansstellong. Verbanfstänme«« Kossstr. 2->°m u-«»-« Zecke Nr v«tea. Straßmannstr. 24, O. Hein. Koppenstr. 58, R. Woblick. Friedens�. 47, Jackisch. Friedrichsbergerstr. 20, Behrend. Kordosten. Mendelssohnstr. 9, Ncumann(wegen statt Träger— Dräger, „ Gratzier— Gratias, „ Licher— Blücher, „ Hoppe— Kosse. Die unter Köpenick ausgesührten Meister haben sämtlich den Taris an- erkannt und unterschriebe». zurückgezogen haben der Liste der Bewilligten Samariterstr. 21, O. Schöning. Warschauerstr. 8. L. Precht. Wcidenweg 37, Keumütz. Scheruchs Pestsäle Rndersdorferstr. 45. Siile und Bereiuszimmer von 5v— Svov Personen fassend für Bersanimluugen und Festlichkeiten noch einige Sonnabende und Sonntage frei.— Coulanteste Bedingungen._ 56322* 10/12* Wir liefern frei Haus 30 grosse Flaschen Sellerswasser, filtriertes Wasser... 1.50 M. Sprudelwasser, filtriert u destil. Wasser 1.00„ SauerslofTwasser, mt- u- destu. Wasser 0,—, Erfrischungsgelränke, mtr.». destm. Wasser, mit llimbeer-, Cltronen-, Waldmeister-, Ananas-, Kakao-, Orangen-, Erdbeer-, Vanille- g Geschmack............. 01" BlUoholfrei. Hopfenmalzgetränh, Ersatz für Bier.. 3.—„ Antl, Ersatz für Süsswein........ 4.50 n exkl. 10 Pf. pro Flasche Pfand.-WE In einzelnenFlaschen auch in unsren 380 Niederlagen zuhaben. Hermann Meyer& Co. Tel. IH. 3524. Berlin K., Wattstr, 11/1«. Tel. III. 3524. Hühner, Tauben, Kücken, baldlegende, Pulen-Eulen-Gänse Glucken mit Kücken reell u. billigst. f. Wegner. Berlin, Marianncnstr. 34. 57ÄS50»(. Albrechls Bäckereien: Wraugelstr. 135, Krautstraste 19. Falckensteinstr.«8, Lansiberstr. 2. Markthalle Pücklerstr., Stand 222/23. Markthalle Andreasstr., Stand 16/18. Centrale: Boxhagenerstr. 13. Osten, Goßlerstr. 14/15, Wohnungen, von 2 Stuben u..Küche von 26,00 M. an, 1 Stube u. Küche 18,00 an. Zu vermieten 1. Okt. 27836 5443L* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dnefflt Mocquettes. Plüsch- ilCilC. Satteltaschen. Musterb. näher.Angabe franco. Emil Lefevre,"aÄ. 158. Keine Tafelbutter erreicht Güte, Feinheit Ausgiebigkeit und Aroma d. Allgäuer Butter, w.solche n. neuest. Erfahr, garant. reinst in m. Betrieben Hergest. wird. Postkolli 9Psd. netto, Nachn. z. Tagespr. G. Maisch Nacht., Memmingen(bayer. Allgäu). � Niederlage s? der 56762* KaufabaU-?abriU Nottrodt& Comp., Kieinwerlher bei Nordbausen. Genoral- Vertreter: Bernhard Stümpel, Berlin XO., Jmmanuel-Kirchstr. 21. Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Seuchbandagen, leibbinden, Geeadehalteen, Spritzen, Suspensces, sowie sämtliche Artikel zu reinige» kostet bei mir unter Garantie nur 1,50 Hk., ausier Bruch. Kleine Repara- turen billiger. Iranrinx« in jedem Gold und Double zu billigsten ssaponpreisen in jeder Preislage und Nummern stets am Lager. Grones Ketten-EaKer zu allen Preisen. 47122* Emil Rothert, Uhrmacher und Goldarbeiter, Andreas-Strasse 03.— Frankfurter Allee 114. Setcheif JruaMsgrup'Sxtrakte> das volle Aroma frischer Früchte enthaltend, in® originaift.-n]S Pf. geben 5 Pfd. feinsten Limonadesyrup f von wahrhaft natürlichem Frnchtgeschmack in Himbeer, Kirsch, Erdbeer, Citronen, W aid meister(Mai- Weisse), Eemon Squash, Eimetta etc. Zum Versnob'/j FI. 40 Pf. Die Ersparnis ist enorm! Ein Pfund stein sich ßi und fertig auf nur 25 Pf. Vorzüglich zu Puddings, Mehl- u. Eierspeisen etc. und j zur Bereitung köstlich erfrischender Eimonaden. In bunderttausenden Haushaltungen im Gebrauch! Wertvolle illustrierteBroschUro„Die Destillierung im Haushalte" gratis! Erhältlich in allen durch meine Plakate kenntlichen Niederlagen und bei j Otto Reichel, Berlin SQ., Eisenbahnstr. 4. Grösste Special fabrlk Deutschlands. Man verlange aus-■■■...„ und weise Nach-| drücklich Reichel- � j�|Cnlt||GItZ ahmungen ohne Essenzen mit dem -weiteres von sich. £0 Ranchflunder«, zur Krankenpflege. gac Werk Lieserants.Oris-m Eis ne Werkstatt. Krankenkassen Berlin C., 30. Linien-Straße 30. VB. Alle Bruchbänder mit elasti- scheu Pelotten, angenehm und weich am Körper. 56632* |pip Buss' Salon"HW 85 Grosse Frankfurter Strasse\'o. 85. Empfehle den geehrten Vereinen zc. meine Säle mit grostem Naturgasen und Bühne zu Festlichkeiten und Versammlungen. Herbst-Sonnabende noch frei. Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Freitag: Groster Ball l 57672* Verlosungs'Artikel zu Landpartien, für Vereine zc. Lampions, Stocklaternen. Papier- mützen, Jahnen. Guirlanden. Radausachen, Scherze und Präsente spottbillig im Engrosgesehüft 56222* LI■ Alte Jakobstrasse Xo. 03 ■ Vis WOHIIObhj(an der Seydelstraße). 3 Ranchaale.(12/17* 1 St. Rauchlachs. 1 Tose Oel-Sardinen und 1 Pfd.-Tose beste Sardellen alles für nur 3'/,?R.'ME Ernst Vapp Xachf., Swinemüude Nr, 56, Fischerei-Fmp, H.& P. Uder, Berlin SO. 16, engcl-üfer 5. Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 5659L* Amt 4, 3014. Mr 1 SledelUhr bei mir zu reparieren u. reinigen unter Garantie des Gut- fehens(ohne Bruch), kleine Reparaturen billiger. Grosse uswahl in Uhren u. Goldwaren zu billigsten Preisen. Goldene Damen-Remontoir, 10 Steine, v. 18,—, Goldene Herren-Doppel- kapsel-Remontoir v. 50,—, Silberne Remontoir v. 9,—, Regulateure, Freischwinger, Wecker- u. Wanduhren. Goldene Herren- u. Damen-Ketten, Ringe, Schmucksachen in modernsten Fapons für jeden Geschmack. Für jede bei mir gekaufte Uhr ««| leiste 3 Jahre Garantie. 3897L* Ml Lux, . in»eher, Chausseestr. 34. 1 /Cleine Anzeigen. U V als IS Buchstaben zählen doppelt.~____— An-rflrrpn für die nächste /inzeigen Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bist 2Uhr, • der Hauptexpedition Linden- Strasse 69 bis S Uhr aneenommen. Verkäufe. Gardinenhaiis GroheFranlsurlcr« ftrafee 9, parterre._ s-37» Hochvornehme Herren- Anzüge, Paletots, Beinlleider, vorjährig, aus seinsten Masjsiosten, spottbillig. Deut- sches Versandhaus, Jägersiraste 63, eine Treppe. 2355K* Teppiche!(sehierhasic) in allen Gröste» für die Hälste des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhos Börse. 142/12* Sofas, größte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik Blumenstraße 35 b._ 2361K* Fahrräder, Teilzahlungen, hundert- jünszehn Mark, Jnvalidenstraße 148 (Eingang Bergstraße), Sialitzer- straße 40, Große Franksurierstraße 56. Teppiche mit Farbenschlern Fabrik- Niederlage Große Franksurierstraße 9, parterre._+37* Möbel. Ganze Wohnungs-Ein- richiungen aus Teilzahlung sicheren Leuten bei ganz geringer Slnzahiung zu billigen Preisen, iieseri die Möbel- sabrik August Krause, Schützenstr. 72, kein Laden, Verlaus vorn I und im Fabrikgebäude. 23218* Vorjährige hochelegante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Maßstoffen, 25 bis 40 Mark. Versand- haus Germania, linier den Linden 2t. Herren- Garderobe nach Maß, saubere Arbeit, großes Stofflager. Paletot, Anzug 36 Mark an. Kaust beim Handwerker, lasset den Hand- werker verdienen. Teilzahlung ge- stattet. F. Dörge, Dresdenerstraße 109. " Malzkroftbier, blutbildend, für Blutarme, Brustkranke, Schwächliche, Gewichtszunahme, bessere Gesichts- sarbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark,'/., Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschenzahl, Qualität ent- scheidet. Porter- Kellerei Ringlcr, Bernauerstraße 110. 143/1* Wringmaschinen, Gummiwalzen, 36 Eentimeter, unier Garantie, 18,00. Teilzahlungen Woche 1,00. Postkarte genügt. Kottloff, Skaiitzerstraße 108. Strickmaschinen, auch Tcilzah- lungen, Bredcreck, Engeluser 20.* Zahle bis 10 Mark für jeden Kaus oder Nachweis Nähmaschinen s~ einer Nähmaschine aus Teilzahlung. Alle Systeme. Woche 1,00. Postkarle bitte. Lieferung sofort. Borchert, Zorn- dorserftraße 50._ 116/4* Petroleumkocher! Einstämmig 1,00, zwciflaminig 2,00. Wohlauer, Wallnertheaierstraßc 32. 2401K* Gaskocherhans! Emloch-Gas- kocher I 0,80. Zweilochgaskocher I 2'/,. DreilochgaSkocherl 6,00. Gasbügel- apparai! Gasplätieisen spottbillig! Wohlauer, Wallner-Theaterstraße 32.* Abessinier nach wie vor 8 Mark an, Werkzeuge umsonst, Lieferant des Bundes der Laubcnkolonisten. Wolff, Ackerstraße 113, Pump cnfabrik. 2403K* Obst-, Gemüsegeschäst, gut gehend, ohne Konsummarken, wegen Krankheit sofort zu verkaufen Jorkstraße 52.* Kinderwagen, elegante Gondel- form, Sportwagen, Kinderbeitstelle, spotwillig. Schneider, Kurfürsten- straße 172._ 23296* Näbinnschinen sämtlicher Systeme ohne Anzahlung, Woche 1,00. Ge. brauchte 10,00. Postkarte genügt. Frankfurter Allee 10, am Ring- bahnhost_ s-141* Zinkwaschfässer, Sitzwannen. Zober, in nur bester Ware. Teil- Zahlungen gestattet. Kottloff, Sialitzer- straße 108. 2242K* Steppdecken billigst Fabrik Große Franksurierstraße 9, parterre. st37* Kartoffeln aller Sorten find am billigsten und schönsten im Special- geschäfi Kürassierstraße 10 a.(Vorteil- Hasteste Bezugsquelle für Nestau- rateuae.)_ 2782b Nähmaschinen aller Systeme ohne Anzahlung, ivöcheniiich 1,00. Fünf Jahre Garantie. Unterricht im Sticken, Stopfen gratis. Postkarte genügt. Wienerstraße 6, Acker- straße 113, Bellealliancestraße 78. Zlbzahlung 0,50, Wäsche, Gardinen, Kleiderstoffe. Kadach, Mariannen- straße 24.(Postkarte.) st 120 Singermaschine 12,00. Münche bergerslraße 10, Nestauration. 2789b Ningschiffchen, Bobbin. Schnell näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Köpnickcrsirnßc60/6t, Prenzlauerstraße 59/60 und Große Franksurierstraße 43._ f90* Nähmaschiue. gut nähend, 12,00. Langestraße 25, vorn IB. Göke. Nähmaschinen Singer, Ring- schiffchen 20,00, Brunnenstraße 90. Garantie._ s-102* Restanration andrer Unter- nehmungen wegen sofort billig zu verkaufen. Kundk, Wcserstraße 208, am Kottbuscr Damm._ 2406a* Restaurant, drei Vereine, straße 47. Restaurant sofort lich, krankheitshalber, Wattstraßc 10._ 10 Jahre bestehend, billig. Koppen- s-42* billig verkauf- voller Schank. 277öb Seifengeschäft billig zu verkauscn, schöne Wohnung, billige Miete. Bredowstraße 22._. 2791b Herrenrad, tadellos, spottbillig, verkaust Neue Hochstraße 47, Vorder- haus III. 2787b Neue Musterzimmer-Möbcl sollen zu staunenerregend billigen Preisen, auch einzeln, verkauft werden. Braut- leuten passend, komplette Muschclbett- stellen 30,00, geschliffener Trumeaux 33,00, Rohrstühle 1,50, echt sour- nierten Muscholschrank, Muschelvertiko 38,00, elegantes Taschcnsofa 45,00, Saiongarnitur 95,00, Büffett 100,00, Bilder 2,00, Küchenmöbel, Schreib- tisch, Polstersiühle 3,50, Schiasfosa 25 00. Gekauftes kann bis Oktober stehen! Köpnickerstr. 126a L 27806 Verschiedenes. Zlufpolstcrung! Sofa 5,00, Matratze 4,00, auch außcrm Hause. Bachmann, Blumenstraße 35 b. 2358a* Fahrräderankauf, Möbel, Pianino- Bcleihung. Ratzlaff. Schönhauser Allee 163 a._ 2395a* Nähmaschinenreparaturen werden schnell und billig in meiner eignen Werkstatt ausgeführt. Bell- mann, Gollnowsttaße 26, nahe der Landsbergersttatze. 2372a* Vereinszimmer, renoviert, vierzig Personen, Pianino Kommandanten- sttaße 65, 2366K* Platin», alte Goldsachen, Bruch- gold, Silber, Gebisse, alte Uhren, Blatt- gold, Kehrgold, alte Tressen kaust Gold- schmelze Brok,WrangeIsttatze4. 2404K* Patentanwalt .ilsle Jk verden •rlin nienstraße 57, Paientsachen. Dammann. Ora> Moritzpiatz. Rat in 2628b* Rechtsbureau. Gerichtsklagen, Un- sallsachcn, Raterteilungcn, Eingaben- gesuche, Sttassachen, Peisch, Brunnen- straße 97._ fl02 Zwei Vereinszimmer mit Piano zu vergeben Sebastianstraße 37/38 RechtSbnrean Langjähriger, billigst). Brnnnenstraße 40. erfolgreicher(aller- 2749b* Rechtsbureau!(Andreasplatz), Grünerweg vierundlieunzig. Lang- jäbrigeS! Erfolgreichstes! 27865* Rechtsbnrca»(Alexander-Piatz), Kurzesttaße achtzehn I Gerichtssachen, Jnterventtonen, Sttassachen, Ein- aabengcsuchc. Raiertcilung. 116/9* Uhren zu reparieren empsiehlt sich Wilhelm Flade, Puibuscrsiraße 20. Vermietungen. Restauration, Baugegend, billig verkäuflich oder mit Inventar ver- mietbar. 1000 Postamt 65.-j-89 Laden, Urbanstraße 49. mehreren Jahren ein Plattcreibettieb, preiswert zu vermieten._ Seit und 1. 10. 04 2702b* Wohnungen. 3 Stuben. Küche, alleiniger Kor- ridor, 1 Stube, Küche, alleiniger Korridor billig Exerzicrsttaße 3.* Mühlenstraffe 8,�nahe Station Warschauerstraße und Sttalauer Thor, sind vom t. Oktober billige Woh- nungen von 2 und 1 Stube mit Zu- behör zu vermieten. Näheres daselbst beim Verwalter. 8—10, 2—8. Schöne Wohnungen, 2 Stuben, Küche, t, Oktober, Mariendors, Acker- sttaße 6, 55/10* Schlskstellen. Schlafstelle für Herrn am Friedrichs- Hain, Kniprodestraße 117,111, Spanne- mann,+96* Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Komiker Elsholz, GropIuSstraßc 7, Humorist Max sttaße 10.__ öchmcltzer. Rügener- _ f 102* Stellenangebote. Gürtlerlehrling verlangt Weise, Fabrik feiner Broncewaren, Sebastian- sttaße 71. 46/5* �Jüngeren leimen sucht sttaße 47. Tischler zum Ver- Mackensen, Ritter- 2774b Tüchtige Einsetzer für Bau und inneren Ausbau sowie tüchtige Bau- tischler sucht Tischlerei Teltower- sttaße 53. 27905 Farbigmacher verlangt Bathe, Eisenbahnsttaße 14. 2781b Schlaffer aus Blecharbeit verlangt Hille, Eharlottenburg, Rosinen- sttaße 7. 2773b Cigaretteu- Arbeiterin verlangt Ben Schira, Greisenhagenerstraße 14. Im Arbeits», arkt durch besonderen Druck hervorgehobene Aujeigen kosten IG Pf. pro Zeile. Gin Mtlljllliülcr und ein Schlosser, welche Beirieb selbständig leiten, finden mit Kapital- bcieiiigung ohne Risiko Lebensstellung. Offerten E. 8 Erp. d. BI. 2775b MM UM pe!i! für chirurgische Gummiwarcn in London. JW Reisevcrgütigung und dauernde Stellung. Offerten mit genauer Angabe früherer Thätigkeit und Gehaltsansprüchen an die Herren Davis& Ornsticn, 32, King William Street, London. E.E. NU VnMer gesucht zur Fabrikation nahtloser Sauger und Präservativs in London. Reisevcrgütigung u. dauernde Stellung. Offerten mit genauer Angabe früherer Thätigkeit und Gehaltsansprüchen an die Herren Davis& Ornstien, 32, King William Stteet.London, E. E. juWil ii. Berufspossen. Engel-User 15 II, Zimmer 18 (Gewerkschastshaus.) 1 Möbelvergolder, 1 Farbigmacher, 1 Versilberer verlangt. 226/18 Achtung! Achtung I ArdeitskllWkr Berlins und Vororte! Laut Versammlungsbeschluß ist über den Betrieb Bich. Hofflmann, Rixdorf, Richardftraffe, die 68/11 AI Sperre � verhangt. Zuzug ist fernzuhalten l Bie Ortsvcrwaltnng I Centraiverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschi. Verband der JtföbelpoUerer. |j(p- Der Arbeitsnachweis für Südost und Rixdors befindet sich nur bciTzlchacksch.Naunynstr. 6.(Telephon- Amt IV Nr. 5729.) Bei Mohn, Heinrichsplab. wird Arbeit für Möbclpolierer nicht mehr vermittelt. Es ist Pflicht aller Kollegen, ihre Arbeitgeber auf obiges sofort aus- merksam zu machen. 146/20* Ber Vorstand. Verantiv. Redakteur; Paul Büttner, Berlin. Für den Lnferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagscmjtalt.Paul Hinger Lc Co.. Berlin LVil,