Mr. 172. Hbonnements-Bcdingungen; BSonnsmentS> Preis pränumerando I vierteljährig Z,Z0 Tit., monaH. 1,10 9Rf., WSchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags« mimmer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement. 1,10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband ffit Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daZ übrige Ausland 8 Marl pro Monat. 21. Jahrg. ««tili Uigll» iiiScr Olsatttt. Devlinev VolksblÄkk. Zentralorgan der fozialdemokratifchen parte! Die Tnfertlons-Gcböljr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., sür politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 26 Psg. „Kleine Hnzeigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmlltagS in der Expeditton abgegeben werden. Die Expcditton ist an Wochen- tage» die 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vornilltags geöffnet. Zelegramm-Adresse: „SozIalKmokrat Rtrlin". Deutfcblanda. Redahtiom 8CQ. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: 9Xmt IT, Rr. 1083. Königsberg. Wir haben zwei Wochen hindurch die dramatisch sich steigernden. mächtig erregenden Scenen des Königsberger Prozesses erlebt. Wir sahen die Angeklagten, zum Teil unpolitische Leute, die nicht wissen, wie sie zur Ehre dieses politischen Heldentums ge- langten, dann aber diese schlichten, offenen Männer der kämpfenden Arbeiterschaft, die ebenso tapfer ihre Ueberzeugungen vertraten, wie sie sich gegen die Zumutung eines russischen Anklageverfahrens der- wahrten. Wir sahen die Ankläger, die lange Monate deuffche Bürger in Hast hielten, ohne sich über die elementaren Voraussetzunaen ihres Verfahrens zu unterrichten; die ruffisch-staatSretterisch einen Geheimbund erspürt zu haben glaubten, während die Thal fachen, die ihren Verfolgungseifer reizten, seit Jahren der Berliner Polizeibehörde und der Berliner Staatsanwaltschaft bekannt waren die ledes Verlangennach einer konstitutionellen Fortentwicklung in Ruh land als Hochverrat erklären; die in der Vertretung dieser An klage übermäßig den Beweis erbrachten', daß auch in der f s Vertretung reaktionärer Ideen diejenigen Eigenschaften erforderlich sind, die Herr v. Kröcher für seinen Staatsmann fordert. Wir sahen die Verteidigung, die überragend an juristischer Schulung wie ,n großer Erfassung des politischen Altes, zu dem sie berufen war, die Sache ihrer Klienten führte. Wir sahen die G u t a ch t e r. die Söhne des zertretenen Rußland. vte das Elend und die Entwürdigung ihres Vaterlandes in herz brechender Klage vor aller civiliflerten Welt offenbarten. Wir sahen endlich den Gerichtshof, dessen Vorsitzender— soeben erst aus der Abteilung für Anklageführung herbeiberufen— butch manche Bemerkung zeigte, wie stark er von Anfang an die Augeklagten belastet erachtete.» Die Meinung, welche nun am Montag die fünf Richter bekunden werden, so wichtig sie ist, nicht nur für das persönliche Geschick der Angeklagten, sondern vor allem für den Ruf der putschen Justiz, sie kann der Bedeutung und den Lehren von Königsberg nichts Wesentliches hinzufügen.... Es wäre die Angelegenheit aller Deutschen gewesen vom ersten Augenblick der Einleitung dieses Prozesses die volle Aufmerksamkeit auf ihn zu wenden und ihm allen Widerstand olle Empörung entgegenzusetzen. Davon war nichts zu verspüren: uur vereinzelte Zeitungen thaten, oft schleppend, ihre Pflicht- Die Menge der politischen Blätter, so weit sie nicht als konservative Dienstlinge jedes Russenttims die Anstrengung des Prozesses e« jubelten, erhofften doch ein e n S ch lag gegen die®oci Demokratie und hielten sich darum zumindest m feig ö Wartung zurück. Seit dem socialdemokratischcn Jumsleg darf d» journalistische Troß der�llrg-rl�Patte.en�m Mittel des Totschweigens, einen Richtlinie schleichen, daß der SM, i.iwCetgmalligimfl»l.b i demokratische Aktion wird verworfen und abgethan ES wurde vte Lowg der a'ttisoeialdemokratischen Verschworung: ftden Erfolg der Socialdemokratie zu vereiteln— mag dabei Anstand und Recht, Menschlichkeit und Würde zu Grunde gehen I So sollten auch die Königsberger Geschehnisse verschwiegen und verschüttet werden. Aber Königsberg hat sich die Oeffentlich. keit erzwungen. Wider den Willen aller haben die izber- wältiaenden Thatsachen dieses Prozesses sich emporgereckt. Im Winkel des öffentlichen Lebens sollte gegen die Socialdemokratte ein Schlag geführt werden und Königsberg ist zur weitreichenden, mach- vollsten, in all ihren Folgen noch unabsehbaren Demonstration für die deutsche und für die russische Socialdem-kratte gew wenn der Prozeß zunächst fast ausschließlich die Arbeiterklass Innersten erfaßte und zu glühender Teilnahme fortriß, so ist er nun das geworden, was er seinem Wesen nach sein mußte: cm Justiz- akt, in dem die gesamte p 0 liti s ch e M 0 r al d e S gegen- wältigen Zeitalters, in dem alle innere und äußere Reaktionspolitik des heutigen Preußen-Deutsch- land unter Anklage gestellt ist,� unter Anklage gestellt und verurteilt! Nicht hervorragende politische Persönlichkeiten standen vor diesem Gericht, deren Namen allein die Bedeutung des Prozesses anzeigen könnte. Es ist nicht wie in jenen andern Prozessen, die gleich ragen- den Meilensteinen den KampfeSweg der modernen Arbeiterklaffe be- zeichnen: es ist nicht wie im Kommunistenprozeß von 1849, da ein Marx vor den Geschworenen stand, nicht wie im Hochverratsprozeß von 1872 wider Bebel und Liebknecht, nicht wie in den Geheim- bundsprozessen des SocialistengesctzeS wider die Führenden der socialdemokratischen Partei. Die Angeklagten find von den zahl- losen schlichten Männern der Arbeiterklasse, die still dem großen Ideal dienen, von deren Existenz Deutschland bisher nichts wußte. Wenn ihr Prozeß sich dennoch den großen historischen Justizakten aus der ruhmreichen Vergangenheit unsrer Partei ruhmreich an- reiht, wenn er so überwältigende Bedeutung gewann, so darum, weil die wirklich Angeklagten andre sind als unsreFreunde auf der Anklagebank. Rußland stand vor Gericht, das heilige Rußland, das Ruß- land Väterchens, das Rußland des Absolutismus und der Gewalt, das Rußland eines niedergetretenen und vergewaltigten edlen Volkes, das Rußland der Peitsche und aller blutigen Un- Menschlichkeit. Und mit diesem Rußland Preußen-Deutschland. Das regierende Preußen, das über deni Wollen und dem Streben des Volkes anmaßlich herrschende, das durch Klaffenwahlunrecht erhaltene Preußen, das Preußen der I u n k e r, die, seit eine moderne freiheit- li»e Volksentwicklung in Preußen keimte, im Anschluß an Rußland die Sicherung ihrer Klassenherrschaft betrieben. In Königsberg kulminieren alle Russendienste des JunkerstaateS Preußen; Königs- b-ra bat dieses Preußen an den Russenpranger gestellt! Rußland erwartete von dem Dienst, den ihm Preußen selbst- schänderisch antrug. Erfolg gegen die Feinde des Absolutismus, es e�M- Re Festigung deS absolutistischen Systems. Der Verlauf des Vrozesses hat alle russischen Erwartungen zermalmt, das absolnkiktische System ist niemals vor allen Nationen so erbarmungs- los nebrandmarkt worden als in Königsberg. Und Rußland hat mit ikntseßeu bemerken müssen, daß in Preußen der angebotene Dienst .'n nnlliübrt wurde, wie russische Anschauungen es erwarten: Solch Sl.ckwond um einige armselige Gesellen, Schmuggler und Socialdemo- w™ 1 Rußland macht man das anders, in Rußland giebt es nicht offenes Gericht gründliche Untersuchung. Abwehr und Verteidigung unteraeordneten Rechtsgarantten. Wie durfte das gefällige Preußen -1, lollen daß das Gericht gegen die Helfer der Regierungsfeinde sich �um Gericht über den Zarismus verivandelt? Vielleicht ist man in Vetersbura bereits auf die Vermutung gekommen, daß die Herbei- ttibruna dieses fiir das offizielle Rußland vernichtenden Prozesses auf aebeime Abrede des Reichskanzlers Bülow mit der social, demokratischen Partei beruht! Vielleicht ist die Erkenntnis dieser böllischen Jntrigue die Ursache des gewaltthätigen Vorgehens Ruß- wnds gegen deutsche Schiffe im Mittelmeer. In diesen russischen Zeitläuften muß man es schon zu würdigen wissen, daß in unsrem Lande nicht Unschuldige durch rohe Fäl- schlingen zu Grunde gerichtet werden, ohne daß sie Widerstand leisten können, wie es in Rußland Uebung ist. Und werden dennoch Nichtschuldige in Königsberg verurteilt, so wird die Verurteilung -um höch st en moralischen Sieg! Mit dem russischen Absolutismus ist der ewig schändliche Dienst, den Preußen ihm zu leisten gedachte, gerichtet. Der Prozeß ist das Wahrzeichen einer preußisch-deutschen Politik, die unter der Politik der Karlsbader Beschlüsse und der Tage von Olmiitz steht. Man rühmt sich„moderner" Staatsmannskunst, man läßt sich nach England und Amerika verschiffen, um die freien Verfassungen freier Länder zu erkennen. Aber in der Stadt Immanuel Kants wird das Tribunal errichtet für den Preußen, welcher der Ewigkeit deS zarischen Unheils widerspricht. Die preußische Justiz erklärt die Staatsgewalt zum Schutze der barbarischten Freihcitswidrigkeit Rußlands. Es ist das Geschick des deutschen Bürgertums, daß alle Ideale, die es verrät, leuchtend wiedererstehen in der deutschen Arbeiterklasse; so auch das Ideal der politische» und moralischen Sympathie für die Unterdrückten des russischen Despotismus. Wenn einst die Burschenschaften im Verlangen nach freierem Deutschland das Reich, das die Kotzebues entsandte, als den Feind Deutschlands und der europäischen Kultur glühend haßten, so hat die neuere Bourgeoisie ihren Frieden ge- macht mit Rußland, das neben dem Schutz aller rllckwärtsstrebenden Tendenzen den Vorteil einträglicher Finanzoperationen gewährt. Wenn also das deutsche Bürgertum das junkerliche Preußen schmählich im Russeuhaß sich prostituieren ließ, so trat auch hier die Arbeiterklasse in das verlassene Erbe des bürgerlichen Idealismus. Diese Erbschaft zu wahren und die aus ihr erwachsenen Pflichten zu erfüllen, dazu gab der große Königsberger Prozeß den gewalttgstcn Anstoß. Niemals ist stärker in das Bewußtsein deL deutschen Volkes die kulturelle Aufgabe gehämmert ivorden, dem vcr- gewaltigten, unter unsäglichen Opfern heldenmütig ringenden Rußland jede moralische und jede thatkrästige Hilfe zu leisten. Niemals ist so wirksam und so machtvoll die Ueberzeugung verbreitet worden, daß der zarische Absolutismus der Exkommunizierte der Kultur ist und daß alle Kulturellen Westeuropas die heilige Aufgabe haben, diese gewaltthätigste aller Gewaltherrschaften zu bändigen und zu beseitigen. Der preußische Justizminister vertrat den Königsberger Prozeß, indem er in reaktionärer Zuvcrsichtlichkcit das Wort sprach: Du» r 0 s a a 1 t n r! Deine Sache wird geführt I In Königsberg ist diese Sache der Reaktton und Unkultur enthüllt und der europäischen Ver- achtung überliefert worden. Wir aber nehmen die Losung auf und stellen sie in den Dienst des menschheitlichen Fortschritts: Russische Freiheitssache ist deutsche Sache, ist Sache aller Kulturmenschen! In O st a s i e n bricht der russische Absolutismus militärisch zu- summen. In K ö n i g s b e r g ist er zusammengebrochen vor dem Kulturgewisscn Europas. Das reaktionäre Preußen gedachte den Zarismus zu bedienen, es hat der befreundeten Macht klaffende Wunden geschlagen und zugleich sich selbst! poUtilcke ücbciTicbt. Berlin, den 23. Juli. Russischen Dank für Königsberg. Der englisch-russische K 0 n f l i k t hat. wie wir bereits gestern im Depeschenteil meldeten, mit dem Kotau Rußlands ge- endet. Die„Malacca" wird keinem Prisengericht unterstellt, viel- mehr glatt an England zurückgegeben werden, nachdem noch, um Rußland den Rückzug nicht allzu blamabel zu machen, unter eng- lischer Assistenz eine Prüfung der Ladung stattgefunden hat. Daß Rußland dann auch eine nicht zu knapp bemessene Ent- schädigung zahlen wird, versteht sich von selbst. Aber Rußland hat sich noch zu mehr bequemen müssen, es hat bereits das kate- gorische Versprechen abgegeben,„daß Ähnliche Fälle sich künftig nicht mehr ereignen sollten". Rußland hat also erklärt, daß eö künftig die englischen Schiffe ungeschoren lassen wolle. Das alles hat das nachdrückliche Vorgehen der englischen Regierung erreicht. Damit aber giebt sich England noch nicht zufrieden. Es ver- langt, daß die Schiffe der russischen Frei w illi g e n f l 0 t t e überhaupt ihres Charakters als Kriegsschiffe entkleidet werden. Es verlangt ferner, den„Daily News" zufolge, daß kein russisches Kriegsschiff mehr, in welcher Verkleidung es auch sei, die Dardanellen passieren dürfe. Und England hat endlich seinen Forde- rungen auch sofort dadurch Nachdruck verliehen, daß es den Kreuzer „Furions" mit zwei Torpedobooten nach Port Said ent- sandte, um im Roten Meere die Handelsschiffe zu eskortieren und, wenn nötig, den russischen Raubschiffen das Handwerk zu legen. Während so Rußland vor England schleunigst zu Kreuze ge- krochen ist, während es seinen Respekt vor Amerika, das ja be- lanutlich ebensowenig mit sich spaßen läßt wie John Bull, dadurch bewies, daß es ein amerikanisches Schiff ungeniert das Rote Meer passieren ließ, hat es jetzt Deutschland seinen Dank für den unmög- lichen Königöbcrgrr Prozeß dadurch erwiesen, daß es trotz oder gerade wegen Bülows schüchternen Protestes den Frachtdampser „Scandia" der Hamburg- Amerika- Linie neuerdings beschlagnahmen ließ! Ueber diesen neuesten frechen Streich der russischen Briganten wird gemeldet: London, 28. Juli. Aus Suez wird telegraphiert:„Der Hnniburg-Amerika-Dampfer„Scandin", der von de» russische» Volontär-Schiffe» im Roten Meer mit Beschlag belegt wurde, traf dort nnter riissischcr Marincflagge und kommandiert von russischen Mariiic-Offiziere» mit russischer Besatzung ein; er wird in den Kanal einlaufe», sein Bestimmungsort ist unbekannt. Hamburg, 23. Juli. Die Hamburg-Ainerika-Linie erklärt zur Aufbringung ihres Dampfers„Scaudia", Kapitän Behrens, der am 29. Juni Hamburg über Bremerhaven, Rotterdam und Ant- werpen nach Ostasien verlassen hat, daß die Beschlagnahme und Einbringung unter russischer Kricgsflagge und mit russischer Be- satzung ihr unerklärlich ist, da nach vorliegenden Manifesten keinerlei Kriegsmaterial für Japan sich an Bord befindet. Die Gesellschaft hat schon bei Beginn des Krieges ihren Vertretern zur besonderen Pflicht gemacht, aller Kriegskonterbande die Beförderung zu verweigern. Die Gesellschaft hat sich au das Auswärtige Amt mit dem Antrage gewandt, Schritte unverzüglich einzuleiten, die zur Aufklärung dieses unliebsamen Zwischenfalles notwendig erscheinen. Hamburg, 23. Juli. Die„Scandia" nahm am 29. Juni von Hamburg nach Antwerpen Kurs, am 14. d. M. ging sie von Suez nach Japan, China und den Strait- Settlements. Sie hatte für den Bedarf der deutschen Regierung in der Südsee bestimmte Munition geladen, ein andrer Teil der Ladung war nach Shanghai und für die chinesische Regierung besttmmt. Sonst hatte die„Scandia" nur Kaufmannsgüter an Bord, und nichts war darunter, was als Kricgskonterbande hätte betrachtet werden können. Die Einsichtnahme der an Bord geführten Papiere hätte zur Genüge darthnn müssen, daß keinerlei Grund zur Beschlag- nähme des Dampfers vorlag. Die R e k l a m a t.i 0 n e n an Ort und Stelle sind dadurch wesentlich erschwert, daß der deutsche Kousul in Port Said zugleich russischer Konsul ist.(!) Statt also Deutschland für den ersten Gewaltstreich schleunigst Genugthuung zu geben, führt Rußland mit der es auszeichnenden Unverfrorenheit schleunigst den zweiten, noch unverschämteren Streich. Zur gleichen Zeit, wo es vor England kleinlaut die Segel streicht, behandelt es Deutschland mit provozierendem Hohn! Und Deutschland, das ja„ i n d e r W e l t v 0 r a n" ist, wenn es gilt, das Kricgskanoe irgend eines lächerlichen Operetten- staatcs in den Grund zu bohren, wird sich vermutlich wiederum zu einer so„heroischen" That aufraffen, wie sie der letzte„Protest" des Grafen Bülow darstellte! Deutschland hat sich die ihm von Rußland zu teil gewordene ver- ächtliche Behandlung ja überreichlich verdient. DaS traurige deutsche Marinc-Abenteuer im Schwarzen Meer hat ja niemals eine Ahndung gefunden, von den frechen russischen Grenzverletzungen ganz zu schweigen. Die unverschämten russischen Mißhand- lungen deutscher Unterthanen— die Fälle Kugel und Buchholz— hat man durch die Duldung des unerhörten zarischen SpitzeltumS in Deutschland beantwortet, zuletzt durch den Königs- berger Prozeß! Wie man die Königsberger Richter behandelte— indem man ihre telegraphischen Bitten ent- weder ganz ignorierte oder ihnen Antworten zu teil werden ließ, die wie unverblümtester Hohn klangen— so behandelt man jetzt auch den deutschen Reichskanzler! Selbst der„Post", dem Organ der Herren Max Lorenz und Hermann Abel, wird die russische Frechheit nachgerade zu toll. Sie schreibt: „Es ist klar, daß diese zweite Rücksichtslosigkeit der Russen von neuem in Deutschland viel böses Blut machen und die ohnehin nicht besonders günstige Lage der russischen Diplomatte weiterhin verschlechtern wird. ES ist beim besten Willen nicht einzusehen, welche Gründe russischer- seits vorliegen, um sich die noch vorhandenen Sqm« pathien gründlich zu zerstören. Dieses ganze Ver- fahren bedeutet entweder eine grobe Mißachtung des neutralen Auslandes, die sich bitter rächen kann, oder eine Direktions- und Jnstruktionslosigkcit, für die außerhalb Rußlands jedes BerständuiS mangeln dürfte. ES ist höchste Zeit, daß von oben herab diesem Treiben Einhalt geboten wird, wenn man russischerseits nicht einen ähnlichen Sturm in der öffentlichen Meinung Deutschlands heraufbeschwören will, wie in England. Die not- wendige Folge einer derartigen Bolksstimmung würde eine merkbar veränderte Halttmg der deutschen Diplomatie sein." Es macht sich, notabene, famos, daß gerade die„Post", das Blatt, aus dem der Königsberger Staatsanwalt seine politischen Inspirationen schöpft, die Bolksstimmung als das höchste Gesetz der Diplomatie proklamiert! Ob die deutsche Regierung sich endlich auf den nationalen Stolz besinnen wird? Oder ob noch immer das Wort gelten wird: Deutschland voran— imBauchrutschen vor dem Zaren! Französische Urteile ftßcc die russische Sceriiubcrei. Paris, 22. Juli.(Eig. 33er.) Man kennt die lakaieichafte Ge- tfnmmg der großen Mehrheit der französischen Presse gegenüber Rußland, eine Gesinnung, die in der Behandlung der Ereignisse des ostasiatischen Krieges häufig bis zur zynischen Verachtung des Lese- Publikums geht. Doch auch diese sicher mit Rubeln genährte Ge- sinnnng hält nicht Stand vor den russischen Uebergriffen ini Roten Meere. Die unberechenbaren Gefahren, die im Falle eines russisch-englischon Konflikts für Frankreich heraufbeschworen werden wurden, hat dem gut russischen Teil der französischen Presse dnS Gewissen geschärft. Die einen mißbilligen die Nebergriffe durch verlegenes Schlveigen, die andern thun es in der Form einer Hoffnung oder eines Rates zur friedlichen Schlichtung des Zwischenfalles. Am bezeichnendsten ist die Haltung des„Temps", des maßgebendsten franko» russischen Blattes. Er betont, daß die Immunität der Postdampfer durch den französisch-englischen Vertrag von 1838 selbst zu Gunsten k r i e g s- führender Länder anerkannt wurde. und schreibt ferner: „Uebrigens kommt es in erster Linie nicht an auf die Frage der Beschlagnahme der„Malaeca", eine Thatsachenfrage, über welche sich zu verständigen den beteiligten Regierungen gelingen wird. sondern auf die Frage der B e r m u m m u n g smagnilla�e) der russischen Schiffe und ihrer Durchfahrt durch die Dardanelle n." Die Gefühle der von Petersburg und vom französischen Ans- wärtigen Amte unabhängigen Presse werden am kräftigsten in der „Hmnanits" zum Ausdruck gebracht. In einer redaktionellen Notiz heißt es: „.... Was will, was erstrebt die russische Regierung? Ist das Kopflosigkeit oder Berechnung? Sucht sie, weil sie sich in Ostasien verloren fühlt, die tollen asiatischen Abenteuer durch ver- rückte Konflikte in den europäischen Gewässern zu komplizieren? lDieser, Gedanke wird auch in der„Aitrore" angedeutet. Der Berichterstatter.) Sucht sie durch die wahusinnigsten Herausforderungen, durch die offeukimdizste Verletzung der inter- nationalen Vertrage, in ihren Dienst die Nationen zu zwingen, die friedliche Zuschauer deS Krieges, in welchen sie engagiert ist, bleiben ivollen, und ihren Zweikampf mit Japan in einen» so entfesselten iVeltlriege aufgehen zu lassen? Ungereimte Vermutungen,— aber man kann alles erwarten, alles befürchten von der Notlage und der verzweifelten Tücke i» ihrer eignen Falle gefangenen Abenteurer..." Die gütige Versicherung, daß die französischen Postdampfer vor den russischen Krenzern sicher wären, könne uns nicht befriedigen:„Wir kennen den Wert eines Wortes der russischen Negierung und unser Vertrauen wird stärker sein, wenn unsre eigne Regierung nach dem Roten Meer zwei oder drei Schiffe geschickt haben wird mit dem Befehl, sich mit allen Mitteln derartigen Spaßen zn wider- setzen. Es handelt sich aber noch um etwas andres. In dieser Frage von eminenter internationaler Bedeutung unS in Schweigen hüllen, uns nicht dem Protest von ganz Europa anschließen— das hieße uns mit den Handlungen Rußlands solidarisch und daran mitschuldig erklären, das hieße an unsrem Teil die Verantwortlichkeit übernehmen für die möglichen Berwicke- lungen und Konflikte, das hieße durch unsre schweigende Zustimmung eine tolle, verbrecherische und gefährliche Hartnäckigkeit ermuntern. Eine Regierung, die aus Schwäche, aus verbrecherischem Zögern sich weigern würde, sofort laut zu sprechen und Rußland zu erklären, daß sie nicht gelvillt ist, ihm in diesem Abenteuer zu folgen,— eine solche Regierung würde morgen die Empörung der ganzen Nation gegen sich erregen." Der symptomatische n n d praktische Wert dieser Kundgebung der„Humanitö" ist desto höher anzuschlagen, als sie zu den treuesten und einflußreichsten Organen der ministeriellen Presse gehört.— Ein Missionar über de» Hercro-Anfstand. In Neunkirchen, einem Dörfchen im hessischen Odenwald, fand bor einigen Tagen ein evangelisches Missionsfest statt, bei welchem mehrere Missionare Vorträge über ihre Thätigkeit unter den Heidenkindern hielten. Im nationalliberalen„Darmstädter Täglichen An- zeig er" ist darüber zu lesen: Im NachmittagsgotteSdienst folgte der mit Spannung er- wartete Vortrag vom Missionar Dassel über:„Die Ursachen des Herero-Ausstandes". Das Hererovolk habe, nachdem 18Sg das erste Hereromädchen getauft worden war, in steigendem Maße sich der Christiani- fierung erschlossen. Leider habe aber die Politik der deutschen Regierung nicht immer das Richtige getroffen. Vier Fünftel ihres Landes fl'/o mal so groß wie Deutschland I) habe man den Hereros abgenomnien. Major Leu t w ein zwar sei ein trefflicher Beamter und habe stets ein Herz für die Leute gezeigt. Nicht so seine Unterbeamten. Es sei doch empörend, wenn ein Offizier der deutschen Schuytruppe, Lieutenant I o b st, mit Bezug auf das Nachbarvolk der Hereros, die Bondelz warts, den Ausspruch habe thun können:„Je eher sie sich totsaufen, um so besser für uns"(!) Es fehle den dortigen Europäern vielfach an S e l b st z u ch t. Man sei gleich bereit, seine sittliche Laxheit mit der � sogenannten „ T r o p e n k r a n k h e i t" zu entschuldigen. Die Missionare wüßten nichts von jener„Tropenkrankheit". Es gäbe aber schwache Naturen, bei denen sich diese sogenannte„Tropenkrankheit� auch am Nordpol einstellen würde. Am schlimmsten hätten es die Händler getrieben. Vielfach verkrachte Existenzen, Abenteuerer, die in Europa nicht fertig werden konnten, haben sie die Kauflust des leichtsinnigen Volkes gereizt und es zum Schuldenmachen ver- leitet, um es dann schändlich auszubeuten. sZ. B.: Wer die Ware aus Borg nimmt, bezahlt nur(30 M. Will er bar bezahlen, so ist die Kaufsumme dreimal so hoch I Konnte dann der leichtsinnige Schuldenmacher nicht zur rechten Zeit bezahlen, so ging man ein- fach in seinen Krahl und nahm ihm einige Ochsen iveg I Die Hereros sind wie die Kinder: Was sie sehen, wollen sie haben. Diesen kindischen Hang haben die Händler in der schnödesten Weise ausgebeutet. Durch ihr frevelhaftes Treiben gereizt, hat schließlich das Hererovolk nichts andres gethan, als waS Hermann der Cherusker einstmals auch gethan hat. Leider haben viele Unschuldige mitleiden müssen. Bis jetzt seien 140 Deutsche ermordet worden, darunter aber nur 3 Frauen, da der Oberhäuptling S. Maherero von vornherein die Losung ausgegeben hatte, die Frauen, Kinder. Missionäre, Engländer mrd Boeren zu schonen. Viele verfolgte Ansiedler hätten gerade in den Missionsstationen Zuflucht und Rettung gefunden. Auch die Mission habe schwer gelitten: Von 14 Missionshäusern seien ö völlig zerstört. Dazu kommen die Anfeindungen der Mission durch eine gewisse Presse in Deutschland. Man wolle sso die Kreise des deutschen Kolonialbundes, nicht der deutschen Kolonialgesellschaft) oft in den Kolonialländern lediglich die Interessen des Kapitals vertreten, und da sei die Anwesenheit der Missionare unbequem. Missionar Dassel, der jedenfalls seine eignen Er- f a h r u n g e n in dem Vortrage niederlegte, bestätigt hiermit voll- inhaltlich, loas von den» Genossen Bebel im Reichstage ausgeführt wurde. Die ungeheuerliche Mißwirtschaft deutscher Kolonialpolitik hat die HereroS zur Verzweiflung gelrieben. Und schließlich hat, nach Ansicht des Misstonars Das', el, das Hererovolk nichts andres gethan, als was Hernrann der ChernSkerfurst Anno 9 n. Chr. im Teutoburger Walde auch that.— Glänzender kann jeden- falls die Stellungnahme der Soeialdeinokratte gegen den kolonialen Rachefeldzug nicht gerechtfertigt werden.— Deutfcbes Rekb. Norddeutsche kontra Bülow und PosadowSky. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ist mit dein fünften christlichen Gewerkschafts- kongreß nicht zufrieden. U. a. schreibt sie: Wir sehen davon ab, daß in den Referaten und Diskussionen über die einzelnen Themata, wie die Arbcitsloseminterstütznng, über den gesetzlicher Schutz der Heincarbeiter und Heimarbeiterinnen und die gesetzliche Einführung von Arbeiterausschüsse» mancherlei schwer oder nicht erfüllbare Wünsche geäußert wurden, da wir deir in diesen Besprechungen zu Tage getretenen guten Willen, auf allerlei Mißstände in unserem ivirtschaftlichen Leben aufs neue aufmerksam zn inachen und den gesetzgebenden Faktoren Anregungen zur Abstellung solcher Mißstände zu liefern, keines- Wegs verkennen möchten. Dagegen scheint uns der Ton, in dem insbesondere der Arbeitersekretär Schiffer-Krefeld sich über die Bestrebungen der Arbeiter im Kampfe um ihre Gleichberechtigung äußerte, sich mit den... Tendenzen der christlichen Gelverlschafts- belvegung nicht recht im Einklang zu befinden. Gehört doch wahr- lich schon ein bedeutendes Maß oratorischer llebertreibnngssucht dazu, um angesichts der unablässigen Bemühungen der Reichs- regiermig wie des Reichstages um die Verbesserung der socialen Lage der Arbeiterklasse noch die Behauptung zu wagen, daß man über die Arbeiter zur Tagesordnung übergehen wolle. lind nach einigen tiefsinnigen Erörterungen über die Klassen- gegensätze, die„es iininer gegeben" hat, und die socialdemokratischen „Gleichbeitsutopien" fährt sie' fort: Mag der Prozeß der allmählichen socialen Annäherung der verschiedenen bürgerlichen Gesellschaftsklassen auch zu einem großen Teil auf die allgemeinen geistigen und sittlichen Fortschritte der Menschheit überhaupt zurückzuführen sein, so ist daran doch die social ausgleichende Tätigkeit des Rechtsstaats hervorragend beteiligt gewesen. Insbesondere auch der moderne preußische und deutsche Staat unter Leitung der Hohenzolleru ist seiner Pflicht des Schutzes gegenüber den social schlvächeren Bevölkerungsschichten in großherziger Weise nachgekommen: und an fortgesetzten ernsten Bemühungen in dieser Richtung hat es nicht gefehlt, und wird es nicht fehlen, dafür bürgen'schon die Zusicherungen, die Se. Majestät der Kaiser selber in verschiedenen Kundgebungen, insbesondere in den Febrnarerlnssen, den Arbeitern gegeben hat. Da klingt es aber nicht gut, wenn von dem erwähnten Redner auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß bittere und heftige Klagen über einseitige Klassenherrschaft, ja Klassenjnstiz, über Unterdrückung und Mißachtung der Arbeiter geäußert worden sind. Sicherlich wird die Erstarkung der christlichen wie überhaupt der in ihrer politischen Tendenz auf dem allgemeinen Rechtsbodcn stehenden Gewerkschaften der Arbeiterbewegung dadurch in hohem Maße zu gute kommen, daß das Vertrauen' des Staates� und der Unternehmer zu den Arbeiterorganisationen wächst. Dieser Effekt wird aber um so sicherer erreicht werden, je mehr sich die Wort- führer solcher Verbände von Einseitigkeit und Uebertreibung fern zu halten suchen. Es bleibt imnier beim alten. Großmäuliges Gerede von„Groß- Herzigkeit"— warum nicht gar Herablassung?—, elende Prahl- hänserei ohne jeden Willen zur ernsten„positiven Arbeit"! Im Dezember vorigen Jahres hat der Reichskanzler offiziell in seinem schönen socialpolitischen Dilettantismus die Arbeits- l o s e n- V e r s i ch e r n n g angekündigt, und Graf Posadowsky, den bei dieser Ankündigung eine Gänsehaut überlaufen haben mag, hat gegenüber den Wünschen der braven Kinder aus Frank- furt a. M. etwas von wohlwollender Berücksichtigung geredet— jetzt erklärt die„Norddeutsche" alles das für„schiver ober nicht er- füllbare Wünsche" und stellt damit selber ihre Arbeitgeber als un- reife Schwätzer hin. Diese offiziöse Untergrabung der Staats- autorität wird die christlichen Arbeiter schwerlich auf den Weg staats- frommer Besserung bringen.— Arminins gleich Bnsserman»? Das Slrminius-Traktätchen gegen das Reichstags-Wahlrecht wird von der„Kreiiz-Zcitimg" mit der Be- Häuptling verteidigt, daß Armiiiins eigentlich nichts sage, was der Adoiiis des Liberalismus nicht schon längst gesagt hätte� e>ie meint: Bemerken möchten wir übrigens, daß der Verfasser der Flug- schrist sich auch mit vollkommenstem Recht aus einen„erstklassigen" natiomilliberalen Parteiführer, auf den Abg. Baffcrmai»,, hätte berufen können. Wir erinnern nämlich daran, daß Herr Basser- mann ans dem Delegiertentage, der am 3. Mai v. I. in Berlin zur Beschlußfassung über den nationalliberalen Wahlaufruf stattfand, eine sehr scharfe Rede�cgen die Socialdemokratie hielt, in der nach den offiziellen Berichten der nationalliberalen Presse von dem Treiben der Socialdemokratie gesagt war,„es gefährde den Bestand der Verfassung und damit das Wahlrecht". Genau dieser Bassermannsche Standpunkt wird nun in der vorliegenden, zur Massenverbreitung bestimmten Flugschrift in einer einfachen und klaren, allgemein verständlichen Sprache nud mit guten Be- legen ans der socialdemokratischen Presse versehen, in eindring- licher Weise ins Bewußtsein der Volksmasse� gehoben. Wir haben also keineswegs ein speeifisch parteipolitisches Interesse daran, wenn wir der Flugschrift ein förderndes Geleitwort auf den Weg geben, was, gleich uns, auch andre nationale Zeitungen in den letzten Tagen vielfach gethan haben. Herr Bassermann wird mit gewissem Empfinden erkennen, wie überaus groß das Vertrauen geworden ist, das die„Kreuz-Zeitnng" in ihn setzt. Er muß es sich bieten lassen, daß seine Politik mit der trivialen Reaktionsbrntalität einer kleinen Sudel- schrist gleichgestellt wird. Aber im Grimde geschieht ihm recht! Das ist ja immer das Argument der Reaktionäre gewesen, daß die Freiheit vom Volke„mißbraucht" werden könnte. Daß die Freiheit eben dort aufhört, wo man dem Volke ihren richtigen Gebrauch vor- schreiben möchte, den„Mißbrauch" des Rechts aber mit dessen Ent- ziehung zu bestrafen droht, ist eine alte Wahrheit— so alt, daß die Nationalliberalen. einst ihre Verfechter, sie längst wieder vergessen und sich die reakttonäre Bcweismethode lange zu eigen gemacht haben. Wer ein auftichtiger Freund des allgemeinen und gleichen Wahlrechts ist, wird das Volk auf alle Fälle als die über- geordnete Instanz betrachten, auch dann, wenn es g e g e n ihn ent- scheidet.— Das Centrum gegen die Nörgler. Die„Kölnische VolkSzeitnng" wendet sich in einem ans Berlin datierten Artikel heftig gegen die „nationale Nörgelei". Manches sei ja nicht ganz in Ordnung, aber trotzdem schreibt sie: „Immerhin entschuldigt das fehlerhafte Verhalten der Ne- gierung nicht die Ungerechtigkeit der konsequenten„nationalen Nörgelei", welche es liebt, in allen Dingen die Schattenseiten hervorzuheben. Es giebt unziveifelhafte„Patrioten", die bei einem Echec Deutschlands sich geradezu �kindisch freuen, was sie damit motivieren, ihre Behauptung, die Ncichspolitik blamiere sich in allen Punkten, habe sich wieder einmal als gerechtfertigt er- wiesen. Das Peinliche solcher Erscheiiningen wird durch die Art und Weise verstärkt, lvie man solche Kritik zu adressieren beliebt. Ohne daß Namen genannt werden, versteht der Zuhörer geilnu, wer gemeint ist.... Die ganze Agitation ist höchst charakteristisch für das heute herrschende Bestreben, alles und jedes zu benutzen, um sowohl gegen die Neichspolitik, wie gegen den Kaiser selbst Stimmung zu machen. Es ist wahr, daß unter Umständen gerechtfertigter Gnind zur Kritik besteht, und wir pflegen dann selbst nicht damit zurückzuhalten, allein es ist ein Maß in den Dingen und man kann auf die Dauer nicht ungestraft in dieser systematischen Weise gegen die Spitze des Reiches Hetzen. Das Centrum scheint die S w i n e m ü n d e r D e p e s ch e schon ganz vergessen zu haben. Aber erstens ist Verzeihen christlich, und ziveitenS ist es auch für die politischen Geschäfte unter Umständen höchst angezeigt. Es ist höchst ergötzlich, diese bürgerliche Gesellschaft einschließlich der„Kölnischen Volkszeitung" über den Zickzackknrs der Regierung janunern zu hören. Wie treiben sie es selbst? Einmal heißt es, inau dürfe der Socialdemokratie das Kritisieren nicht allein über- lassen und dann kritisiert man auf Distanz. Dann aber heißt eS wieder: O weh, wohin sind wir geraten I Wie soll das enden? Auf den Rausch folgt der Katzenjammer und auf jeden Katzenjammer ein neuer Naüsch.— Ministerwechsel? Als Nachfolger des Justizministers Schön- sie dt, der nach unverbürgten Gerüchten auch müde sein soll, werden der Breslaner Oberlandesgerichts-Präsident B e s e l e r und der Kieler Präsident V i e r h a u s genannt. Nach der„Lib. Korr." soll auch Herr v. Ha mm er st ein schon von der Axt gezeichnet sein. Graf Bülow, heißt es, soll von seinem Aliftreteii im Abgeordnetenhause wenig erbaut gewesen sein. Der Abgang Schönstedts und Hainmersteins wäre für die Social- demokratie, der sie unschätzbare Dienste geleistet haben, tief be- klageiiswert. Ein Glück dabei ist nur: Leute ihrer Art sind nicht so selten, daß sie nicht durch durchaus gleichwertiges Material ersetzt iverden könnten.— Zu dem Erlast des Herrn v. Budde gegen die Konsumverri«« schreibt die„Sociale Praxis": Wenn die Eisenbahner sehen, daß sie mit ihrer bisherigen Unterwürfigkeit iind bedingungslosen Disciplin nur erreichen, daß lila» über ihre Rechte und Freiheiten von oben her beliebig, ohne Rücksicht ans ihre eigensten Interessen, verfügt, dann kann es auch einmal dahin kommen, daß die loyale Stinimnng in trotzige Ver- bitterung umschlägt. Und weil» der„Verband deutscher Eisen- bahner" auf 100(XX) Mitglieder anschwellt, dürfte es schiverhalten, sie alle durch die Bank zu maßregeln. Schließlich bleibt noch eine Frage bei dieser Koiisiiiiivereiiis-Bekänipfilng offen:„Hat der Herr Minister bereits den höheren Eiscnbnhn-Bcnuitcn den Austritt aus den Offiziers- und Bcaulteil-Kanfvereinen befohlen?" Es ist nur eine Frage der socialen Gerechtigkeit. Daß er daS nicht gethan hat, ist unsren Lesern bekannt.— Ein geheimer Fürstiiinen-Kougrest. Der„Verein Deutscher Fürstinnen zur Hebung der Sittlichkeit, der im Jahre 1902 in Berlin begründet wurde, hält seit einigen Tagen in Wiesbaden seine Be- ratungen ab. Die Sitzungen lverdcn von der Frau Gräfin-Mutter zu Er'bach-Fürstenan geleitet. lieber den Inhalt der Beratungen, die unter dem strengsten Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden, ist nach dem„Rhein. Cour." voll den beteiligten Herrschaften nichts zu erfahren. Standesa u gelegenheiten lassen sich ja auch nicht gut öffentlich behandeln.— Die schwarze Parade. Der nächste Katholikentag wird vom 21. bis 25. August in Regensburg abgehalten werden. Sein Programm weist den allbeliebten, amiuitigen Wechsel von geschlossenen und öffentlichen Versammlungen auf.— AuS dem Kaserneillebeii. Ein umfangreicherRekrutenmißhandlilugZ« Prozeß kam dieser Tage vor dem Königsberger Kriegs- g e r i ch t zur Verhandlung. Angeklagt waren si e b e n K ür a s s i er e, darunter zivei Gefreite, vier Staniuileute und zwei Rekruten, die auf Besch! des Haupt-Uebelthäters, des Gefreiten Otto Theophil, die andern Rekruten hatten schlagen müssen. Dem Gefreiten Theophil wurde zur Last gelegt, vom Dezember 1903 bis März 1904 Rekruten in(31 Fällen mißhandelt zu haben. Er befindet sich seit März in Untersuchungshaft. Auch sollte er sich des Mißbrauchs der Dienst- gewalt, uni die Mißhandlungen durchführen zu können, schuldig ge- macht haben. Der Angeklagte war geständig, die Mißhandlungen begangen zu haben, er habe aber damit„nur die Rekruten zum strammen Dienst anhalten" ivollen. Der W a ch t m e i st e r habe zu ihm gesagt, dast er zu schlapp im Rekruten ausbilden sei. Die Miß- Handlungen bestanden in Ohrfeigen, Schlägen mit dem Deckengurt, Vorderzeug, Steigbügelrieinen und ähnlichen Dingen. Wenn der Angeklagte die Rekrinen nicht selbst schlagen wollte, schickte er sie nach dem ersten Beritt. Hier s»llten sie sich ansehen, wie Pferde geputzt werden. Das letztere aber war nur ein 3lorwaiid. Sobald die Rekruten den Stall betraten,« wurden sie von den Stammleute« geschlagen. Der Augeklagte gab zu. daß er da« gewußt habe auch habe er die Rekruten dorthin geschickt, aber das sei so üblich, er sei s e l b st in diesem Beritt aus diese Weise geschlagen iv o r d e n. Einem Rekruten ist auf Befehl des Angeklagten die Hose in der Weise geflickt worden, daß er auf einen Tisch hat steigen lind hier„Knie beugt" machen müssen. Mittelst eines RohrstockeS und einer Klopfpeitsche hat man ihn dann bearbeitet. Mehrere Re- kruten habeil der Mißhandlungen wegen ins Lazarett ge- bracht werden müssen. Einem ist das Trommelfell durch- löchert worden. Ein Rekrut ist so zugerichtet worden, daß er nach seiner Entlassung aus dem Lazarett aus dem Militärdienst als Invalide scheiden mußte. Die Zeugen waren in ihren Aussagen sehr zurückhaltend. Der Verhaudlungsführer meinte, die Angst vor dem Iii cht Hause müsse doch größer sein, als vor den Prügeln durch die alten Mannschaften: und selbst wenn sie geschlagen würden, müßten sie doch den Mut haben, die Wahrheit zu sagen, damit der Prügelei ein Ende gemacht iverden kann. Der Verteidiger des Angeklagten Theophil, Lieutenant Graf Kanitz, leistete sich eine bemerken§ w er t e V e r te i d igungs- r e d e. Zuerst wandte er sich gegen die Presse, die jeden Fall von Mißhandlung„aufbausche". Dann meinte er, in diesem Falle könne von Misthandlung keine Rede sein! Der Angeklagte habe die Leute nilr aufmuntern wollen und es läge darin keine Kränkung des Ehrgefühls. Er möchte gern d e n H a n p t m a n n sehen, der behaupten tönne, daß bei seinen Truppe» nicht geschlagen wird. Auch seien diese Mißhandliingen nie auszurotten trotz allerGesetze. Die Anforderungen an die Rekruten werden immer größer, deshalb mache sich auch der D r u ck nach unten bemerkbar. Die schlechtesten Elemente sind es nicht, die sich zum Schlagen hinreißen lassen. Der Angeklagte sei kein gewohnheitsmäßiger Leuteschinder, er ist nur von Ehrgeiz beseelt, und den niöge man nicht unterdrücken. Man solle daher nicht durch das Verhängen einer Gefängnisstrafe sein Ehrgefühl töten und ihn nur zu einer Arreststrafe verurteilen. — Das Gericht folgte jedoch diesen Allsführungen nicht, sondern verurteilte Theophil zu insgesamt siebe» Monaten Gefängnis. Drei Monate wurden auf die Uiitersuchungshaft angerechnet. Vier Angeklagte kamen mit emeni Monat und ztoei kamen mit 14 Tagen Gefängnis weg.— Die„militärische Disciplin" im Gerichtsverfahren. Einen weiteren Beitrag zur Oeffentlichkeit des Militär- gerichtsverfahrens erbringt der folgende Fall. Das Oberkriegsgericht in P j l l a u verhandelte am Donnerstag gegen den Lieutenant M a n i e g e l und gegen den Vice-Feld- webel Kroß von der 11. Compagnie des Feldartillerie-RegimentS von Hindersen Nr. 2 wegen Mitzhand-lung, Beleidigung, Be- drohung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener. Be- sonders übel behandelt hatten die Angeklagten den jetzigen Reser- visten Kablau, der eine lange Leidensgeschichte hat durchmachen müssen. Er ist wegen fortgesetzter schwerer Mißhandlungen desertiert und kam deshalb auf die Festung Spandau, wo er 11 Monate zu- brachte. Jetzt hat man ihn wegen eines Blasenleidens aus dem Heeresdienst entlassen. Er wird wahrscheinlich Invalide bleiben. Durch die Desertion Kahlaus sind eine ganze Reihe verübter Mißhandlungen an Untergebenen ans Tageslicht gekom- men. Auch sind eine Anzahl Soldatenschinder abgeurteilt worden. Dem Lieutenant Maniegel wurde unter anderm folgendes zur Last gelegt. An einem recht strengen Wintertage hat er den Wunsch aus- gesprochen, Kahlau möge den Schraubenschlüssel eines Geschützes im Gewicht von 3 Pfund in den Mund nehmen und damit zu einem Unteroffizier gehen, der 15 Meter weit entfernt war. Kahlau that das auch, dabei ging ihm das Fleisch von der Zunge ab. Dem Kroß wurde vorgeworfen, mit dem blanken Degen auf Kahlau losgegangen zu sein. Das Kriegsgericht hatte Lieutenant Maniegel zu 3 M o- n a t e n F e st u n g und Feldwebel Kroß zu 3 W o ch e u g e l i n- den Arrest verurteilt. Die Zlngeklagten sowohl wie der Gerichts- Herr hatten gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Vor dem Oberkriegsgericht am Donnerstag beantragte nun der An- klüger den Ausschlust der Oeffentlichkeit während der ganzen Ber- hnndluiig. Er behielt sich auch die Begründung dieses An- trageS in nicht öffentlicher Sitzung vor. Diesem Antrage wurde stattgegeben und gleich nach Aufruf der Zeugen die Oeffentlichkcit ausgeschlossen. Natürlich mutzten die Vertreter der Presse sofort das Sitzungszimmer verlassen. Selbst die Begriindung des Urteils sollten sie nicht erfahren. Auch sie wurde in geheimer Sitzung bekannt gegeben. Es wurde endlich bekannt gemacht, datz das Urteil des Kriegsgerichts I. Instanz ausgehoben, die Berufung des Gerichts- Herrn dagegen verworfen worden ist. Lieutenant Manicgcl wurde wegen Mitzhandlung in sechs Fällen und wegen vorschrifts- widriger Behandlung in einem Falle zu 4 Wochen Stubenarrest verurteilt. Der Vice-Feldwebel Krotz erhielt wegen Beleidigung, Bedrohung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener zwei Wochen gelinden Arrest. Nach Verkündigung des Urteils beantragte der Vertreter der Anklage, die Begründung des Urteils in nicht öffentlicher Sitzung bekannt zu geben. Das Gericht schloß sich diesem Antrage an und verkündete, daß es unmöglich sei, die Urteilsbegründung in öffentlicher Sitzung vorzutragen, da sie derartig mit den Verhandlungen zusammen- hänge, datz eine Trennung ausgeschlossen sei. Es b e st e h e so- mit eine Gefährdung der militärischen Dis- c i p l i n.— München, 23. �>uli. Die K a m in e r der Abgeordneten beriet heute den Elscnbahn-Etat. Im Lauf- der Erörterung er- klärte der Staatumnnster der Verkchrs-Angclegenheiten v. Frauen- dvrffer auf Anregungen der Abgg Dr. H a m m c r s ch m i d t slib., er,j-atte den Gedanken der Schaffung eines Ausglelchsfonds für die Eiieubahnverwaltung für einen ge- �''d�Gedau cn. Der Ausführung desselben stehe aber ebenso wie � n1"" plamnag, gen Tilgung der Eisenvahnschuld Pin J" 3e allgemeine Finanzlage entgegen. Der Eriverbung »ä/A J; 8" e.." Kohlenbergwerks stehe er persönlich shm- Ürr-l! yl. gegenüber> lnde�en �eien die Schwierigkeiten groß, da man nach Aachen oder Westsalen würde gehen müssen. Solange er das nötige Entgegenkommen ,n industriellen Kreisen finde wolle er auch rie Lieferung von Schienen der Privat-Jndustrie belassen und nur nn entgegengesetzten Falle ein staatliches Walzwerk errichten. Was die Umleitungsfrage angehe, sei er bereit, das möglichste zu thun. ■icro" iet ,ec lurzeste Weg nicht immer der billigste. Insbesondere S.Württemberg hoffe er zu einem günstigen Ergebnisse zu kommen. Bezuglich der Verstaatlichung der Pfälzischen B a h n e n bemerkte der Minister, er persönlich erachre die Beschlüsse der Generalversainmlung der Pfälzischen Bahnen für acceptabcl und hoffe, auf eine schlietzliche Verstaatlichung. Sodann wandte wek-�? a r i f f r a g e zu und bemerkte, das Tarif- !p�n.. werde einheitlich weiter entwickelt werden. Ob sich freilich .Einheitlichkeit der Pcrsonentarife für ganz Deutschland !?rner �lsen. sei fraglich. In den Personentarifen hoffe s- 7- A" niedrigeren Taxen zu kommen und xtss'nrie, datz die süddeutschen Staaten diesem Beispiel folgen würden. Echtietzlich präzisierte der Minister seine Stellung zur Betriebs- Iss-n f.yl��nschaft dahin, dieselbe sei erstrebenswert; sie mupe sich auf die Maschinen und die Werkstätten beziehen; dann hatten alle Staaten Vorteile davon. Nach weiterer Debatte wurde vie Verhandlung auf Montag vertagt.— HuslancL England. Chamberlains Triumphe. London. 21. Juli. lEig. Ber.) Mr. Chamberlain, der vor wenigen Wochen seinen 69. Geburtstag feierte, setzt seine Zoll- kampagne mit ungeminderter Thatkraft fort. Am 14. d. M. wurde er an Stelle des Herzogs von Devonshire zum Präsidenten des Liberal Unionist Council gewählt. Der Liberal Unionist Council ist die Organisation derjenigen Liberalen, die sich im Jahre 1886 von Gladstone trennten und sich der konservativen Partei an- schlössen, um tzomerule zu bekämpfen und die Union zwischen Grotzbritannien und Irland aufrechtzuerhalten. Die liberal- imiomstische Organisation wurde bis vor wenigen Monaten vl?.n Herzog von Devonshire geleitet. Dieser ist aber für die Aufrecht- erhaltung des Freihandels, während die Mehrheit seiner Organisa- tion den imperial-ökonomischen Plänen Chamberlains zuneigt. Der Zwiespalt führte bald zu einer Krisis, aus der Chamberlain siegreich hervorging. Der Sprötzling kleinbürgerlicher Nonkorformisten schlug den vornehmsten Vertreter des englischen Adels und wurde ein- stimmig zum Präsidenten der liberal-unionistischcn Organisation ernannt. Zu Vicepräsidenten wurden Lord Lansdowne(Staats- sekretär des Aeutzern und Nachkomme des berühmten Oekonomen Sir William Petty) und Lord Sclbourne(Marineministcr und Schwiegersohn des verstorbenen Lord Salisbury) gewählt. Cham- berlain hielt bei dieser Gelegenheit eine seiner heftigsten Kampf- reden und wurde von Lansdowne und dem Kolonialsekretär Mr. Lyttleton unterstützt. Lansdowne erklärte in seiner Rede, datz der Premierminister Mr. Balfour sich in voller Sympathie mit Cham- berlains Plänen befindet. Das heitzt, datz das gegenwärtige konservative Kabinett gegen den Freihandel ist. Diese Thatsache gab dem liberalen Führer Sir Henry Campbell- Bannerman den Anlatz, am 18. d. M. folgendes Tadelsvotum j|M beantragen:„Das Haus bedauert, datz einige Minister offizlellc Stellungen in einer Organisation angenommen haben, die sich für Vorzugszölle und mithin für Besteuerung von Lebensmitteln erklart hat. Das Tadelsvotum wird am 1. August zur Diskussion gelangen.— � Dänemark. nmM Zur Socialdemokratie bezeugte die Ergänzungs- «nHmnh A�ething. die am Mittwoch in N o s k i l d e auf Seeland SX; �wählt wurde zwar der Kandidat der Linken, Bauern- �vkratie» mit 1124 Stimmen; der Kandidat der Social- demokratte Tabakshändler Nielsen erhielt jedoch 1009 St, m- m vorigen 983- Bei den allgemeinen Folkethingswahlen erhielt 942 bie Sinte nut 1344 Stimmen, die Rechte seitdem einen®?vrC a oIratie 863 Stimmen. Die Linke hat also Zuwachs von Ti f 220 Stimmen erlitten, die Rechte e,ne>, 146 Stimmen crf»rtT+iC Sozialdemokratie aber einen Zuwachs von Weise weiter so Hi �utwickeln sich die Verhältnisse in derselben IST gchchert. bei der nächsten Wahl wr politische Interesse des v- Übrigens ein Beweis für das lebhafte gtnzungswahl ca So �"0�" Volkes, datz sich an dieser Er- beteiligten und beinahe cbcns/vipi r-Ö.e 1 W a h Iber e ch t l g e i bei der Hauptwahl.' bleIe Stimmen abgegeben wurden als Schweden. Bedrohung des Asylrechts?-r» r. r n- c- w-pMI, stellt haben sollte, daselbst ansäsw'��b-n das Verlangen ge- zuweisen. Weiter wurde behaupte? v""b" Gesandtschaft in Washingto n h�» lt schwedisch- norwegische schwedischen Sänger-sGesellschaft v e /b"/! messenden ländisch patriotisches Lied***" zu singen. Die Stockholmer Zeitung D»».? �"�organas mar,ch hin eine Anfrage an den Minist dks �us."��� bat darauf- richtet, der dann die Gerüchte als unwahr vSV Lagerheim. g � langen, wie das oben erwähnte, könne nur fn„rn-• i,-« unglaublichen Falle vorkommen, datz hier' anw-i.n� �r' m cwer Thal schuldig gemacht hätten, die nach der Ufr clvilisierten Länder verbrecherisch sei. Er seinerle?»- � datz die hier anwesenden Finnen keinen Anteil überzeugt, Finnland verübten Verbrechen hätten. Die Anaraii»�-� beziehe sich nur auf„reine" Anarchisten und enthalt"- stnnmung, die über das hinausginge, was schwedische umstimmte». Die Geschichte Xis Washington wolle er hi-, l als reine Erfindung stempeln." Zum Schlutz beklagte d-M- wmteres die Verbreitung der Gerüchte und erklärte, der Teil der An Mt, der solchen Gerüchten Glauben schenke, huldige im Ausf°ssung, datz eines fremden L°n"es'� 9 crung Schweden beinahe alles bieten könne, was es auch"sei Eigentlich sollte sich die schwedische Regierung gar nicht darüber wundern daß ihr ein gewisses Mitztrauen entgegengebracht wird. Hat man doch auch in Schweden bereits die Justiz zum Schutz der russischen Despotie aufgeboten I— Türkei. Saloniki, 23. Juli.(„Frankfurter Zeitung".) Bei Floriua wurde eine 40 Mann starke bulgarische Bande von türkischen Truppen -erwrenat Die Bulgaren ließen fünf Tote, zwei Sacke Dynamit und mehrere Schranbeiischliissel für Schienenschranbeii zurück. Koiistailtinopel, 22. Juli.(Meldung des Wiener k. k. telegraph. Korrespondcuzblireaus.) Der a r m e n i s ch- g r e g o r i a n i s ch e oi i i ch o f von Müsch. K y ii d e l. wird noch nnmer ,n Trapezunt ziiriickaebalten. Die Pforte erklärte offiziell dem armcnisch-grego- rianischen Patriarchat, datz diese Maßregel durch die Untersuchung „vtwciidia geworden sei. die bezüglich eines von revolutionären Armeniern aus dem Auslände an den Bischof gerichteten Schpeibens einaeleitet worden sei. Geriichtiveise verlautet, daß der,Komniaudeur des 7. Armeecorps A b d u l l a l, Pascha, der zugleich Bali von Deinen ist, seines i-ktereii Postens cuthoben worden sei. weil er sich unfähig gezeigt habe, ciiicn kaiserlichen Befehl bezüglich der Verwaltung des Wilajets pünktlich auszusühreii.— Zlfic». s-kinuaai 23 Juli.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Gerüchte aus Jchang werden laut, daß der französische Bischof ein Pater und zwei Bekehrte getötet und ein Pater zum Gefanaenen gemacht, seien; drei Kapellen seien in Lichuan bei Sinanfu verbrannt. 200 Soldaten seien von Jchang hin- beordert.—_ Vom ostasiatischen Kriegsschanplatz. Kuroki im Vormarsch. Tokio 22. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) In dem Kamps bei Kinotung haben die Japaner 420 Mann verloren, der Verlust der Russen wird auf 1000 Mann geschaht. General K u r o k i zwang die Russen, eine befestigte Stellung am Tschiflusse. nordlvestlich vom Motienpaß und östlich von Anping, aufzngeben, wobei er ihnen schwere Verluste bei brachte.' Der Kampf begann am 13. Juli und dauerte bis zum nächsten Tage. Kuroki rückte am Morgen des 18. vor und folgte den Russen längs des Laufes des Tschi. Die Russen schienen sich nach Norden zurückzuziehen, allein plötzlich machten zwei Bataillone mit acht Geschützen kehrt und richteten einen heftigen Angriff auf die japanische Vorhut, welche schwere Verluste erlitt. Die Russen besetzten daraus eine durch die Flußfälle geschützte Anhöhe. Um Mitternacht gingen die Japaner wieder zum Angriff über. Nach eine», vorbereitenden Artilleriefeuer ging die japanische Infanterie -uni Sturme vor: trotzdem sie durch ihre Artillerie geschützt wurde, erlitt sie dabei durch das kräftige Feuer der Russen schwere Verluste. Der Sturinangriff war indessen erfolgreich. Um 41/2 Uhr früh traten die Russen den Rückzug an; ihre Mannschaften" wurden dabei teilweise von der Hauptabteilling abgeschnitten und aufgerieben. Die Russen, welche 7 Bataillone und 1 Kosaken- regln, ent stark lvaren, ließen 131 Tote und etwa 300 Gewehre auf dem Kampfplatz. Am 19. Juli begannen die Japaner ein Gefecht mit einem Bataillon feindlicher Infanterie und 1000 Mann Kavallerie bei Tschotschiapo, nördlich von Schaotientse, und zwangen die Russen, sich über den Fluß zurückzuziehen; die Japaner halten dabei 17 Ver- mundete. Tokio, 23. Juli. Amtliche Meldung. General Kuroki meldet, daß eine Kolonne des japanischen Heeres am 18. Juli den Vormarsch begann, um Hsihoyeng(an der Straße nach Liaujang, nördlich von Lienshankivan) zu besetzen, wo der Feind starke Verteidignngs- werke errichtet und auf den den Patz und den Abhang nach Osten beherrschenden Anhöhen Stellung eingenommen hatte. Die Haupt- macht unsrer Kolonne ging gegen die Front der feindlichen Stellung vor und begann bei Tagesanbruch des 19. d. M. eilt Geschützfeuer, das der Feind aus 32 Feldgeschützen erwiderte. Inzwischen bedrohte eine Abteilung, die den steilen Bergpatz überschritten hatte, die rechte Flanke des Feindes. Der Feind leistete hartnäckigen Widerstand, und es folgte ein mörderisches Gefecht. Bald nach 6>/s Uhr nachmittags drang die Hauptmacht in die Stellung des Feindes auf den Höhen im Nordwesten von Hsihoyeng ein, während die Abteilung gegenüber dein rechten Flügel des Feindes dessen Rückzug abschnitt. Um 8 Uhr abends ivar Hsihoyeng mit seiner Umgebung in den Händen der Japaner. Die Hauptmacht des Feindes floh in Unordnung in der Richtung auf Anping. Die Verluste der Japaner betragen 72 Tote, darunter zwei Offi- ziere und 452 Verwundete einschließlich 10 Offizieren. Der Feind ließ 131 Tote zurück; seine Gesamtverluste werden auf über 1000 Mann geschätzt. Die Streitkräfte des Feindes iir diesem Ge- fecht bestanden ans dem 34. und 36. Jnfanterie-Regiment und einem Kosaken-Regiment mit 32 Feldgeschützen. London, 23. Juli. Dem„Reuterschen Bureau" wird auS General KurokiS Hauptquartier über Fusa» vom 22. Juli gemeldet, daß das Resultat von Kurokis fünftägiger Thätigkeit darin bestanden habe, daß die Japaner sich bessere strategische Linien zum Vormarsch gesichert und daß die Russen ihre besten Verteidigiingsstellungen auf beiden Straßen Liaujang-Mukden verloren hätte». Ein russischer„Erfolg". Petersburg, 23. Juli. Wie General Kuropatkin dem Kaiser unterm 21. d. M. meldet, erhielt die Abteilin, g des Obersten Zibulski in der Nackit auf den 17. Juli den Auftrag, sich des Sibeilinpasses zu bemächtigen, vier Werst nördlich vom Sidokaolin- paß. Um vier Uhr früh besetzte die Abteilung den kleinen Sibeilin- patz und rückte gegen den gleichnannge» Hanptpaß vor. den ausgedehnte feindliche Schützenketten besetzt hielten. Diese eröffneten ein heftiges Gcwehrfeuer und gnigen hierauf selbst zum Angriff vor. Trotz der bedentcnden lleberzahl des Gegners empfing Oberst Zibulski ihn mit einem Gegenangriff. Die Japaner hielten nicht stand und gingen wieder m den Hauptpaß zurück. Um 7 Uhr früh griffen die Japaner den lmken Flügel der Abte, lung an. wurden aber wiederum mit großem Verlust zurückgeworfen. Em zweiter Angriff der Japaner auf die Front gelang ebenfalls nicht und sie zogen sich abermals i» den Hauptpaß zurück. Die Luisen behaupteten die eingenommene Stellung und Oberst Zibulski führte seine Abteilung erst zurück, als an alle Truppenteile der Befehl erging, zurückzugehen. Die Abteilung verlor in die,em Kampf einen Offizier Schützen an Toten und vier Ofstztere und 182 Mann deten. Sechs Mann werden vermißt. Also wiederum ein spezifisch iiiissttcher„Sieg Rückzug der Russen endete I Von der japanischen Süd-Armee. London, 23. Juli. Dem Daily Telegraph wird auS Mulden vom 21 Fiili aemeldct, die Japaner setzten die allgemeine Fla nke übe weg»>- g% trotzdem ls h-iße daß General Oku vor Taschitschao sich zum Ruckzug gewandt habe. fSiiiacae» besaat eine Depelche der Daily Mail aus Niutschwang Bwm 21. b8 General D'1' habe am 20. die Frontalbe lv e a u n a wieder aufgenommen und am Nachmittage T s ck i n a s u l i n g besetzt, nachdem eine schwache russische Ab- wilima den Platz vor dem Feuer zweier Geschütze geräumt hatte. Den weiteren Vormarsch habe öOstündiger Regen aufgehalten. Die und 46 "an Verwun- der mit dem russische Stellung bei Taschitschao sei sehr stark und an allen wichtigen Punkten durch Batterien verteidigt. Ein Gefecht mit den Wladiwostok-Krcuzer»? Tokio, 23. Juli.(Meldiing des Reuterschen Bureaus.) Heute nachinittag 3 Uhr wurde aus See auf der Höhe von U r a g a. das am E i n g a n g e der I o k o h a m a- B a i liegt, Kanonen- donner gehört._ 6ewerkrcbaftUcbe9. Der„Regulator" der Körperkonstitution. Unser jüngster Hinweis auf die„diskreten" Niinoncen in einem GewerkvereinSblatt hat das davon betroffene Hirsch- Dunckersche Organ„Der Regulator" ü, eine fabelhafte Wut versetzt und wie ein hysterisches Dämchen zetert und schimpft das Harmonie-Organ auf den„infamen, gemeinen, heuchlerischen und dummen"„Vor- wärts". Sicherlich kann man jene Notiz in der letzten Nummer des „Regulators" nicht ohne Amüsement lesen. Denn in der Hitze des Schimpfelis übersah daS„Organ des Gewerkvereins der deutschen Maschinenban- und Metallarbeiter" eine weitere interessante Annonce in seinen, Inseratenteil. Die„Metallarb.-Ztg." soll nämlich für unsre kürzliche Notiz büßen. In diesem Blatte befände sich unter andern auch eine Annonce, durch welche mageren Leuten vollere Formeiibildnng versprochen wird. Das verleitet den„Regulator" zu folgendem Wutausbruch:„Ja, ja, Ihr Herren vom„Vorwärts", wenn die deutscheu Arbeiter infolge Eurer elenden VerhetzungSarbeit nicht wie es notivendig und auch möglich wäre, für Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage eintreten können, wenn die Frauen der Arbeiter infolge ungenügender Ernährung„hohlwangig werden, magere und eckige Körperformen besitzen", dann wird denselben von der unter dem Patronat des„Vorwärts" stehendeli„Metallarbeiter- Zeitung" ein Mittel gegen Magerkeit, welches„streng reell, kein Schwindel ist", empfohlen."— Nun ist das originelle, daß auch diese Annonce einen ständigen Platz i m„Regulator" hat! Aber auch sonst erkennen wir gern an, daß dieses Blatt der „Metallarbeiter-Zeitung" in dergleichen Annoncen weit über ist. Denn in gleicher Nummer des„Regulators" finden wir von derselben Firma, die ein Allheilmittel gegen magere Formen empfiehlt, eine Anzeige, in der sie gegen die Fettleibigkeit zu Felde zieht und den mit starken Leib und starken Hüften Geplagten die Erlaiigung einer jugendlich-schlanken, eleganten Figur verspricht!— Ob freilich die Harmonieduselci(in ehrlicher Erkenntnis nennt der„Regulator" die Bestrebnngen der Gewerkvereine selbst so) dazu beiträgt, daß sich seine Fettleibigkeits-Annonce durch ihre Verbreitung in den Kreisen der Gewerkvereinler besonders bezahlt macht, mochten wir billig bezweifeln. Selbst auf die Gefahr hin, deswegen einen neuen Wut- ausbruch des„Regulators" über uns ergehen lassen zu müssen. Berlin und Llmgcgenci. Achtung! Charlottenburg! Die zweite obligatorische Arbeits- losenzählung in Charlottenburg findet am Dienstag, den 26. Juli dieses JalireS statt. Eine Aenderung gegen die erste Zählung findet iiisofern statt, als diesmal die Zählkarten am Sonntag, den 24. Juli, früh 7>/z Uhr ausgetragen und am Dienstag, den 26. Juli, abends 0>/z Uhr, wieder eingesammelt werden. Von folgenden Stellen erfolgt Austragung und Einsammlung der Zählkarten: 1. Ferd. Pasche, Potsdamerstr. 44, 2. Bade, Nehringstr. 25, 3a. E. Müller, Rosinenstr. 3, 3b. Kai,OSnabrückerstr.4, 3(3. Fritz Lindstedt, Erasmusstr 5, 4. Dörre, Wallstr. 90, 5. A. Bartsch, Sesenheimerstr. 11, 6. Carl Sellin, Krummestr. 43, 7. A. Grafunder, Wielandstr. 4, 8. I. Hoff- mann, Kleiststr. 15. Da die Arheitslosenzählung im Interesse der Arbeiter eingerichtet ist, fordern wir dieselben auf, sich an beiden genainiteii Tagen der Sache zur Verfügung zu stellen, um durch massenhafte Beteiligung das Resultat der Zählung der Wahrheit so nahe als möglich zu bringen. Der Ausschuß der Charlottenburger GewerkschaftSkommissiou. Der Tischlerstreik in Kottbus nimmt einen günstigen Verlauf. Von den am Montag in den Streik getretenen 70 Tischlergesellen befanden sich bis zum Donnerstag noch 22 im Ausstaude. Don 10 Meistern mit 44 Gesellen, welche schon vor dem Ausstände die Forderungen bewilligt hatten, sind im Laufe der Woche die andren fast alle gefolgt. veutkebes R-eiek. Der Kampf der Mühlenarbeiter der Wesermühlen in Hameln um menschenwürdige Lohn- und Arbeitsverhältnisse dauert nunmehr sieben Wochen. Auf beiden Seiten wird der Kampf mit einer Er- bitterung und Hartnäckigkeit geführt, die wiederum so recht deutlich die Klassengegensätze innerhalb unsrer heutigen Gesellschaftsordnung erkennen lassen I Dieselbe Firma, die ihren alten, langjährig gedienten Arbeitern nicht einmal 50 Pf. pro Tag mehr geben konnte, gicbt jetzt seit sechs Wochen den sogenannten Arbeits lvil- ligen über das dreifache pro Tag an Arbeits- lohn mehr. Die Arbeitswilligen, ca. 30 an der Zahl, erhalten in der Mühle Kost und Logis, dazu einen Tagelohn von 2,50 M. Rechnet man Kost und Logis 1,60 M. pro Tag, dazu noch Gratifikationen, z. B. an Bier, Cigarren, Dampferluftfahrten, so kann man bestimmt rechnen, daß jeder Arbeitswillige, der in der Mühle einquartiert ist, der Firma täglich 5 M. an Tagelohn kostet. — Und wie bescheiden ist demgegenüber die Forderung der Streiken- den! Diese fordern einen Minimaltagelohn von 2,75 M., steigend bis zu 3,50 M. für ungelernte Arbeiter, für gelernte 3,50—4 M. pro Tag und 10stündige Arbeitszeit. Letzteren, den gelernten Arbeitswilligen, zahlt die Direktion heute pro Monat 90 M., dazu täglich 1 M. an Prämiengeldcr, so datz auch diese ca. 5 M. pro Tag verdienen. Das ist die Arbeiterfreundlichkeit des Kapitals I Den alten Arbeitern, welche Jahrzehnte dort in Arbeit standen und oftmals mit einem Wochenverdienste von 4, 5, 6 und 7 M. entlohnt wurden, wollte man freiwillig die bescheidene Lohnforderung nicht bewilligenl Aber den zum größten Teil auf der Landstraße aufgelesenen Arbeits- willigen zahlt man das Dreifache an Tagelohn luehr! Auch heute erklärt die Firma mit großer Naivität, für uns besteht kein Streik mehr, unsere Arbeiter sind in aller Form entlassen worden, und doch jagen die Agenten, diese traurigen Seelcnläufer, im Lande umher und werben an alles, was ihnen in den Weg läuft und nur mit will. Ja sogar Dänemari hat man nicht verschont! Und wenn man in diesem Lande nur fünf Arbeitswillige fand, so sollte diese Thatsache doch endlich einmal der Firma die Augen öffnen, nämlich, daß für die Arbeiter trotz alledem noch ein Streik auf den Hamelner Wesermühlcn besteht und thatsächlich existiert.— Am 12. Juli haben die Streikenden abermals der Direktion die Hand zum Frieden geboten. Man hat gegenseitig verhandelt. Die Arbeiter gaben sich um des Friedens halber mit den gebotenen Lohnaufbesserungen zufrieden. Als ehrliche Männer hatten sie Vertrauen zu der Direktion, daß auch letzterer nunmehr endgültig die Streitaxt begraben werde. Aber auch diesmal sollten die Streikenden abermals bitter enttäuscht werden! Denn wiederum hat die Direktion den Beweis erbracht, daß sie den Frieden zum Schaden der Stadt Hameln noch nicht will! Die Parteien waren sich soweit einig, bis auf die Einstellung sämtlicher Streikenden. Die Direktion konnte am 12. Juli nur„15" der Streikenden ein- stellen und am 13. Juli, da sollte Wassermangel sein!!! Da konnte die Direktion gar keinen einzigen Arbeiter aus den Reihen der Streikenden einstellen, und am Mitt- woch, sowie am Donnerstag schleppen die Meierschen Agenten wieder drei Arbeitswillige in die Mühle II— Am 14. Juli verließen 23 der Arbeitswilligen die Mühle, und anstatt die Abziehenden ruhig und in Frieden ziehen zu lassen, damit die Hauptforderung der Arbeiter, Einstellung von miedcstens 40— 50 Arbeiter, sofort erfüllt werden konnte, laufen die Herren von der Direkt ien bei den Arbeitswilligen umher, bitten und betteln und versprechen noch SV Pf. an Tagelohn mehr, wenn sie nur bleiben, denn von den Streikenden würden doch nur 16 Mann wieder eingestellt. Als alles nichts helfen wollte, waren die Herren so erbittert, daß sie nun kurzweg jegliche Verhandlungen ablehnten. Aber das Manöver war zu plump, als daß es nicht von den Streikenden von Anfang her durchschaut wäre. Die Direktion wollte auf eine verschleierte Art und Weise die ihr so lästige und stramme Organisation der Mühlenarbeiter am Orte zerstören. Man wollte nur 16 der Streikenden einstellen, damit glaubte man den Betrieb wieder aufrecht erhalten zu können, und die übrigen sollten auf der Strecke bleiben. Damit wäre es gelungen, die Organisation zu zersprengen. Und so dauert der Kampf fort, wie lange, ist eine Frage der Zukunft. Möge die gesamte arbeitende Bevölkerung Deutschlands den Müblenarbeitern beistehen in diesem mir allzu berechtigten Kampfe! Möge man allenthalben auf die Agenten und Seelenkäufer achten, die im Lande umherziehen und Arbeits- willige anwerben! Sogar an die Gefängnisverwaltung in Hameln hat die Direktion sich gewandt und um Zusendung der entlassenen Sträflinge gebeten.— Noch steht der Kampf günstig für die Arbeiter! ES sind ca. 30 Arbeitswillige in den Mühlen, beim Vollbetrieb sind ca. 1<ä0 Mann erforderlich. Gelingt es uns, nur noch einige Wochen bis zur neuen Ernte den Zuzug fern zu halten, dann werden wir zu einem ehrenvollen Frieden gelangen! Alle Geldsendungen für diesen schweren und hartnäckigen Kampf sind zu richten an: H. Käppler, Altenburg S.-A., Zwickauer- straße Nr. 12. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten! Ueber den gegenwartigen Stand der Aussperrung im Maingebiet machte in einer überfüllten Versammlung der Maurer, die im Gewerkschaftshause zu Frankfurt a. M. stattfand, der Genosse Estinger folgede Mitteilungen: Der Verband hat mit 3200 ausgesperrten Kollegen bis jetzt zu rechnen. Es muß aber konstatiert werden, daß da, wo zum Teil ausgesperrt wurde, immer noch 182 Kollegen in Arbeit stehen, die gemäß der ausgegebenen Parole der Streikleitung die Arbeit hätten einstellen müssen. Diese Leute sind als Streikbrecher zu betrachten. Bei nicht organisierten Unternehmern sind noch 840 Arbeiter bc- schäftigt. �n Offenöctch, Wiesbaden und Frankfurt ist die Aus- sperrung seitens der organisierten Unternehmer ziemlich einmütig erfolgt. Im Bezirk Offenbach sind es 370, in Wiesbaden 900; mit den Streikenden in Mainz und andern Orten hat der Verband 3600 Kollegen zu unterstützen. Obgleich schon eine große Anzahl Kollegen abgereist ist, liegt noch viel Arbeitsgelegenheit vor. In Köln, Siegen, Oberstein, St. Johann werden noch ca. 600 Arbeiter gesucht. Die ledigen Kollegen müßten. noch mehr, als es bisher der Fall war, ihre Arbeitsstellen aufgeben, um den Verheirateten Platz zu machen. Die Kalkulation der Unternehmer, daß die Kasse die Unterstützungen nicht leisten könnte, sei verfehlt; aber immerhin könnte gespart werden, wenn die jungen Kollegen das Aussperrungs- gebiet verlassen. Der Verband hat zur Zeit mit 45 größeren Streiks und Aussperrungen zu rechnen. Die noch in Arbeit stehenden Kollegen haben nach dem Statut pro Tag 35 Pf. in der Unter- stützungskasse zu zahlen. Einige 100 000 M. spielen bei dieser Aus- sperrung keine Rolle, wenn für die Arbeiter etwas herausgeschlagen wird. Der Kampf zieht sich anscheinend in die Länge, denn im Augenblick ist noch keine Aussicht auf baldigen Frieden vorhanden. Beim Centralverband der Zimmerer ging folgendes merk- würdige Schreiben ein: Frankfurt a. M., 18. Juli 1904. An den Centraiverband der Zimmerer und verw. Berufe Deutschlands. Hamburg 22, Fetzlerstraße 28. Wir bestätigen den Empfang Ihres Schreibens vom 12. Juli a. c., welches am 13. Juli a. c. in unfern Besitz gelangte. Da die von unserm Schreiben vom 25. Juni a. c. gewünschte zustimmende Aeutzerung Ihrerseits nicht erfolgt ist, so sind die in unsrer Generalversammlung vom 20. Juni a. c. gefaßten Beschlüsse inzwischen zur Ausführung gekommen. In die mit Ihrem Schreiben vorgeschlagenen Unterhandlungen über die übersandten Arbeitsbedingungen sind wir bereit einzu- treten, unter der Voraussetzung, daß die Unterhandlungen nur zwischen dem zu diesen Zwecke gewählten Ausschusse des Mittel- deutschen Arbeitgeber-Verbandes und dem Vorstand des C e n- tralverbandes der Maurer Deutschlands geführt werden, und daß vorher von Ihnen Ihre Beanstandungen zu den einzelnen Arbeitsbedingungen uns schriftlich mitgeteilt worden sind. Hochachtungsvoll Mitteldeutscher Arbeitgeber-Verband für das Baugewerbe mit dem Sitze in Frankfurt a. M. K. Lüscher. Die merkwürdige Zumutung an die Zimmerer, für sich durch den Centralverband der Maurer unterhandeln zu lassen, ist augenscheinlich in der Absicht gestellt, zwischen beiden Organisationen Reibungsflächen zu schaffen. Das wird natürlich den Unternehmern nicht gelingen. Vorläufig hat den Centralverband der Zimmerer folgendes geantwortet: Hamburg, 19. Juli 1904. An den Mitteldeutschen Arbeitgeber-Verband für das Baugewerbe in Frankfurt a. M. Nach Ihrem Schreiben vom 18. d. M. sind Sie unter der Voraussetzung bereit, in Unterhandlungen über die uns übersandten Arbeitsbedingungen einzutreten, daß diese nur von dem von Ihnen gewählten Ausschusse und dem Vorstand des Central- Verbandes der Maurer Deutschlands geführt werden. Indem wir nun gewöhnt sind, unsre Verhandlungen stets selbst und nicht durch die Vertreter andrer Organisationen zu führen, müssen wir es auch ablehnen, Ihnen unsre Beanstan- düngen zu den einzelnen Arbeitsbedingugen mitzuteilen. Hochachtungsvoll I. A.: Fr. Schräder. Man kann wohl neugierig sein, was die„friedliebenden" Unter- nehmer darauf antworten werden. HuslRIlck. Bom Streik in Boryslaw tultd gemeldet, daß der Fachverein der Streikenden behördlich auf- gelöst worden ist. Zwei Polizeikommissare erschienen im Lokal des- selben, verjagten alle Anwesenden und legten Siegel an.— Der Wiener städtische Arbeitsnachweis vermittelt Streikbrecher, denen vorgespiegelt wird, sie würden für ein Unternehmen„eine halbe Stunde von Leniberg" gesucht. Eine Anzahl von Maschinisten und Heizern, die man unter dieser Vorspiegelung auf die Reise lockte und unterwegs ihre Reiseroute änderte, verweigerten in Boryslaw die Aufnahme der Arbeit._ Die Stcinhauer-Ausfperrnng in BohnslSn wird noch immer un- verändert aufrechterhalten. Dieser Tage haben Besprechungen zwischen dem Landeshauptmann und den Vertretern des Schwedischen Stein- Hauer- Verbandes stattgefunden. durch die Verhandlungen mit den Unternehmern angebahnt werden sollten. Es wurden jedoch von den Unternehmern Bedingungen gestellt, die nach Meinung der Arbeiter unmöglich als Grundlage für die geplanten Verhandlungen dienen können, und danach scheinen denn auch die Bemühungen des Landes- hauptmanns vergeblich geblieben zu sein. Der Prozeß des Zaren. Königsberg. 23. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts"). Nach dem Abschluß der Plaidoyers ging heute die Antwort der russischen Regierung ein. Das besondere Gesetz, das nach dem Ge- richtsbeschluß und der Auskunst deS Auswärtigen Amts in Berlin im§ 260 des russischen Strafgesetzbuches vorausgesetzt wird als Vorbedingung der verbürgten Gegenseitigkeit, existiert nicht. Aber, so wurde überflüssigerweise ungestagt hinzugefügt, der russische Justizminister sei der Meinung,§ 260 genüge in Ver- bindung mit dem Versprechen des russischen Botschafters vollkommen, um die Gegenseitigkeit zu verbürgen. Die Auskunft der russischen Regierung war so stilisiert, daß ein ununterrichteter Gerichtshof leicht hätte annehmen können, das neue russische Strafgesetzbuch sei schon in Kraft getreten. Da man es aber besser wußte, konnte die zweideuttge Form kein juristisches Unheil anrichten. Niensand legte Wert auf die nicht erbetene Privatmeinung des russischen Justizministers, und man verzichtete von allen Seiten darauf, über diese Auskunft wieder in die Beweisaufnahme einzutreten. Niemand zweifelt mehr daran, daß die Gegenseitigkeit nicht rechtsgültig verbürgt sei, und die wieder- holten Beinühungen des Staatsantvalts bewiesen nur, wie un- abhängig bisweilen preußische Staatsanwälte sein können, unabhängig von allen juristischen Autoritäten und selbst von Entscheidungen des Reichsgerichts. Sämtliche Dedukttonen der Anklage befinden sich in Widerspruch mit den angesehensten Kommentatoren des Sttafrechts und mit den Entscheidungen des Reichsgerichts. Von der Anklage ist formal und materiell nichs übrig geblieben, als die ungeheuerliche Bloßstellung des deutschen Russendienstes. Der Zufall wollte es, daß gerade heute von dem Verteidiger Heinemann festgestellt wurde, daß selbst offizielle russische Juristen die Auffassung vertreten, daß es nicht die Aufgabe des nattonalen Rechtes sein könne, ohne weiteres politische Jnstituttonen anderer Staaten zu schützen. Aber die bösartige Fassung des deutschen Sttafgesetzbuches giebt jedem uncivilisierten Staat den Rechtsanspruch auf Schutz seiner barbarischen Institutionen in Deutschland und auf eventuelle Ver- folgung deutscher Reichsangehöriger, so lange nur etwa der König von Dahomey erklärt, er verbürge die Gegenseitigkeit. So reaktionär ist selbst das russische Strafgesetzbuch nicht, es ver- weigert vielmehr principiell andren Staaten den Schutz seiner politischen Institutionen, sofern nicht Ausnahmen gesetzlich festgelegt sind. Der bedeutende russische Jurist und Senator Kaganscheff führt in den amtlichen Motiven zu dem neuen russischen Strafgesetzbuch wörtlich aus:„Soweit irgend ein Interesse der Person ein aus- schließlich lokales und nationales ist, verliert es auch den An- pruch auf einen völkerrechtlichen Schutz der polittschen Jnstitutton, kann ihm ein absoluter internattonaler Charakter nicht zuerkannt loerden. Die Gruudbestimnumg der Staatsverfassung, die Organi- sation der Gewalten, die Verwaltungsprincipien, das Verhältnis der Bürger zu den Gewalten in den einzelnen Staaten weisen Unterschiede nicht nur in den Einzelheiten der Form, sondern auch in ihrem Wesen auf. Die Norm, welche die Un- antastbarkeit einer gewissen Staatsform schützte, schließt durchaus nicht den Schutz der Unantastbarkeit einer andern Regiernngsform ein, die mit der ersteren nichts gemeinsam hat und ihr sogar entgegengesetzt sein kann. DaS politische Interesse hat ein nationales und folglich auch ein relattves Interesse, das nicht auf einen völkerrechtlichen Schutz rechnen kann. Auch in prakttscher Hinsicht würde eine solche Gleichstellung zu äußerst ungerechten und unzweckmäßigen Schlußfolgerungen führen. Wie kann ein Staat seine Bürger zwingen, den anders gearteten Regierungen dieselbe Achtung und Liebe wie seinen eigenen Volksgenossen entgegenzubringen? Der Staat kann einen gewaltsamen und sogar auch einen nicht ge- waltsamen Anschlag gegen seine Jnstitutton verbieten. Er kann jede Mißachtungsbezeugung gegenüber seinen politischen Institutionen bestrafen. Aber er kann dieselben Bürger nicht zwingen, sich zur Zeit eines revolutionären Kampfes in einem andren Lande, zur Zeit eines Krieges zwischen zwei Mächten, sich beiden kämpfenden Parteien gegenüber gleich zu verhalten, die Kund- gebungen der Sympathie gegenüber der einen oder der andren von ihnen nicht verbieten, und zwar nicht mir die Kundgebungen einer rein abstratten Sympathie, sondern auch einer solchen, die auch konkreten Charatter hat." Was hier der offizielle russische Straftechtskommentator ablehnt, nämlich die Gegenseittgkeit zum Schutz ungleichartiger polittscher Staats- formen und-Interessen, das drängt uns Deutschland dem russischen Absolutismus gegenüber auf Kosten seiner eignen Staatsbürger auf. Und als einziges Motiv, da alle juristischen Anfragen unmöglich sind, erklärte der Erste Staatsanwalt, wenn das Haus des Nachbars brennt, ist auch das eigne in Gefahr. Deutschland soll sich bedroht fühlen dadurch, daß Rußland eine westeuropäische Verfassung erhält. Wenn diese Solidaritätserklärung einen Sinn haben soll, so kann sie nur bedeuten, daß das äußerlich konstitutionelle Deutsche Reich in Wirklichkeit einen Geheimbund mit dem russischen Absolutismus bildet. Das mag sein, aber das ist kein ausreichender Grund, deutsche Reichsangehörige wegen solcher Handlungen zu bestrafen, die nach deutschem Recht erlaubt sind. Nach scharffinnigen formalen juristischen Darlegungen des Verteidigers von Pätzel, Heinemann, über die staatsanwaltliche Kon- sttuktion eines Geheimbundes ohne Verbindung, ohne Geheimhaltung, ohne Gefährdung öffentlicher deutscher Angelegenheiten, und eines Hochverrats, der in der Weitergabe oder Aufbewahrung nicht verbotener Schriften oder in der Benutzung als Deckadressen oder in gar nichts besteht, legte Liebknecht in feurigen Worten und ergreifenden Schilderungen die polittsche Bedeutung des Prozesses dar, der sich auf dem Hintergrunde der russischen Barbarei erhebt. Die beiden Staatsanwälte versuchten das verfitzte Knäuel ihres Rechtszwirns noch einmal zu entwirren, indem der Erste Staats- anwalt wieder die großen Gesichtspunkte, die Verteidigung der falschen Aussagen Kleins und der falschen Uebersetzung des General- konsuls, vortrug, während der Zweite Staatsanwalt Rechts- Philosophie und sonstige Wissenschaft vorbrachte. Haase widerlegte in einem eindringlichen Schlußwort nochmals die letzten Rettungsversuche der Anklage. Was hätten denn die An- geklagten, so rief er aus, thun sollen, um zu vermeiden, daß das, was im Lichte voller Oeffentlichkeit geschah, nicht von irgend jemand als Geheimbund ausgelegt würde? Sollten sie davon die Polizei benachrichttgen? Die hätte sich jeden- falls solche Belästigung verbeten. Die Staatsanwälte blieben die Autwort auf die Frage schuldig, wie man in Deuffchland etwas so öffentlich unternehmen kann, daß man selbst in Königsberg sich nicht einer geheimen Verschwörung hinreichend verdächtig macht. Vielleicht verdient das bereits ernsthaft vorgeschlagene Btittel reifliche Erwägung: in da? OrganisationS- statut der socialdemokratischen Partei die Bestimmung aufzunehmen, es sei die Pflicht eines jeden Genossen, russische, in Deutschland nicht verbotene Schriften nach Kräften zu verbreiten. Das wird wohl gegen den Verdacht der geheimbündlerischen Thättgkeit schützen. Die Verhandlungen sind zu Ende gegangen, ohne daß trotz der langen Dauer und obwohl die Arbeit der Voruntersuchung eigent- lich erst jetzt geleistet wurde. auch nur der objekttve Thatbestand festgestellt wurde, ob und welche Schriften von den einzelnen Angeklagten verbreitet worden sind. Denn der Herr Generalkonsul, der für alle Fälle paßt, hat für die Staatsanwaltschaft die nöttgen Feststellungen ersetzt. Montag Mittag soll das Urteil gefällt werden. Das Urteil über den Prozeß ist bereits klar. Rußland und russische Dienste sind für immer gebrandmarkt. ES handelt sich eigentlich nur «och um daS Urteil, das das Königsberger Gericht über sich selbst fällen wird. Die Angeklagten find ftei, auch wenn sie verurteilt werden, ftei vor dem Recht und der Geschichte. Wird das Gericht gleichfalls für sich einen solchen Freispruch bewirken? Soziales. Ueberfüllung des ärztlichen Berufs. Obgleich der größte Teil der Aerzte, wie die Rostocker Vorgänge aufs neue erwiesen haben, es als eine Verletzung seiner„Standeswürde", wenn nicht gar als eine schmähliche Beleidigung betrachtet, daß jemand die Möglichkeit annimmt, es könnten sich Mitglieder des ärztlichen Berufes" zu socialistischer Gesinnung bekennen, so gebraucht er doch zur Abwehr der beruflichen Konkurrenz Mittel, wie sie manche Arbeiter-Gewerk- schaft nicht anwendet. So hat zum Beispiel der Geschäfts- ausschuß des Deutschen Aerztevereins- Bundes eine Warnung an die Direttoren von 482 Gymnasien und 131 Realgymnasien mit der Bitte um Verteilung an ihre Abiturienten versandt, in der energisch vom medizinischen Studium abgeraten wird. Die Schrift enthält eine Aufklärung über die ungünstigen Erwerbsverhältniffe eines sehr großen Teils der deutschen Aerzte. Der Stand befindet sich, wie nachzuweisen versucht wird, in einer ernsten und bedrängten Lage. Die wirtschaftliche Notlage vieler Aerzte Deutschlands ist zur bitteren Wahrheit geworden. Als Ursachen hierfür werden be- zeichnet: 1. die Ueberftillung des Aerztestandes, 2. die Aufhebung des Kurpfuschereiverbots, 3. die Krankenkassen-Gesetzgebung. Die Steigerung der Aerztezahl ist eine ganz außergewöhnliche. Während 1876 nur 13 728 Aerzte vorhanden waren, gab es 1887: 15 824, 1893: 24 225, 1902: 29 133 Aerzte. Seit 1876 hat sich also die Zahl mehr als verdoppelt. Als Erwerbsstudium kann das medizinische zur Zeit nicht mehr betrachtet werden, und die Aussichten für Mediziner werden sich in den nächsten Jahren noch weit ungünstiger gestalten. Die Zulassung der Realgymnasial-Abiturienten und Frauen zum medizinischen Studium spricht kaum für eine wesentliche Ab- nähme der Medizinstudierenden. Durch die Einführung des praktischen Jahres wird das ohnedies schon viele Gcldopser erheisihende medizinische Studium noch wesentlich verteuert. Möge ein zeder, heißt es, der die Universität bezieht, erwägen, daß der Arzt in Zu- kunft manches Jahr verbringen muß, ehe er den für seinen Lebens- unterhalt nöttgen Verdienst sich erringen kann. Versammlungen. Centralverband der Schuhmacher. In der Generalversammlung, welche die Zahlstelle Berlin am Montag abhielt, erstattete Weber den Kassenbericht für das 2. Quartal. Die Abrechnung der Haupt- lasse schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3655,45 M. ab. Die Lokalkasse hatte einschließlich des Bestandes vom vorigen Quartal von 524,14 M. eine Einnahme von 3693,46 M., eine Ausgabe von 2793,66 M., so daß ein Ueberschuß von 894,80 M. erzielt wurde. Das Vermögen ist von 5283,94 M. auf 5654,60 M. gestiegen. Die Zahlstelle hatte am Schluß des Quartals 1840 männliche und 97 weibliche Mitglieder. Infolge strenger Aussonderung der Restanten hat eine geringe Abnahme der Mitglieder stattgefunden. — Aus dem von Hermann erstatteten Bericht der Agitattons- kommission ist hervorzuheben: Die Kommissionsmitglieder waren an 64 Fabrik- und Werkstatt-Konferenzen beteiligt, die von 1247 Personen besucht waren. 13 Differenzen mit Arbeitgebern wurden ohne Streik erledigt, und zwar 5 zu Gunsten und 6 zu Ungunsten der Arbeiter, in 2 Fällen wurde ein Vorgehen abgelehnt. An 4 Streiks, die im Laufe des Quartals geführt wurden, waren 144 Personen beteiligt. Der kürzeste Streik dauerte 1 Tag, der längste 24 Tage. Die Streikkosten beliefen sich auf 1249 M. Von den Streiks hatten 3 Erfolg, während einer ergebnislos verlief. Außer diesen Lohnbewegungen wurde die Tarifbewegung der Schoß- arbeiter zum Abschluß gebracht. Ferner fand je ein Streik statt in Frankfurt a. O.. Luckenwalde und Nowawes. Hieran waren 85 Personen beteiligt, die Kosten betrugen 1041 M.— Nach Schluß der Diskussion, die sich auf Einzelheiten der Berichte erstreckte, wurde der Kassierer entlastet. Vor der Erstattung seines Berichts hatte Hermann ein Schreiben des Hauptvorsitzenden Simon verlesen, welches eine Acußcrung berichtigt, die in dem„Vorwärts"-Bericht über die Ver- sammlung enthalten ist und folgendermaßen lautet:„Ferner stimmten sie übercin in der Verurteilung der Thatsache, daß der Vorsitzende Simon ein Darlehen vom Verbandskassierer erbeten und erhalten habe, und dies jahrelang den Mitgliedern verheimlicht worden sei." Da diese Aeußerung von gegnerischen Blättern, mit hämischen Bemerkungen versehen, verbreitet worden ist, so legt Simon Wert darauf, festzustellen, daß er das Darlehen auf ein- stimmigen Beschluß des Vorstandes und Ausschusses erhalten und nach seiner Wahl zum Vorsitzenden mit dem Vorstande vereinbart hat, das Darlehen von Ostern 1904 ab ratenweise zurückzuzahlen. und daß er auch bereits mit der Rückzahlung begonnen habe. Letzte Nachrichten und Depefchcn. des Herero-Krieges. T. B.), Einjährig Gefreiter Freidhos Opfer Berlin, 23. Juli.(2 2. Compagnie Marine-Expedition, geboren am"22. Oktober"1881 in Rüdigheim, Kreis Kirchhain, Hessen-Nassau, am 21. Juli an Typhus gestorben. Gefreiter Franz Piechnick, geboren in Gricslack, Kreis Angerburg, Ostpreußen, früher im 2. Garde-Dragoner-Regiment, am 13. Juli in Otjosondu an Typhus gestorben. Gefreiter Franz Michael Schubert 2. Feldcompagnie, geboren am 20. September 1879 in Laube, Kreis Lissa, Provinz Posen, am 19. Juli in Otjosondu an Typhus gestorben._ Die Demission des Herrn v. Asch. München, 23. Juli.(W. T. B.) Wie die«Korrespondenz Hoff- mann" meldet, hat der Kriegsminister Freiherr v. Asch seine Eni« lassung erbeten._ Wieder eine Dampferbeschlagnahme durch die rnssischeFrriwilligen-Flotte. London. 23. Juli. Dem„Reuterschen Bureau" wird aus Petersburg gemeldet: Heute ist hier die Nachricht eingegangen, daß der englische Dampfer„Ardova", der sich auf der Fahrt von New Aork nach Manila und Japan befand, durch einen Dampfer der russischen Freiwilligen-Flotte im Roten Meere beschlagnahmt worden ist. Der Minister des Aeußern Graf Lambsdorff hat dem englischen Botschafter erklärt, die Kreuzer der Freiwilligen- Flotte hätten die an sie abgesandten Instruktionen noch nicht erhalten._ Bom ostasiatischen Kriegsschauplatze. Petersburg,«3. Juli.(W. T. B.) Wie General Kuropatkin dem Kaiser von gestern meldet, herrscht auf der Südftont und auf � den Straßen von Ssiujan Ruhe und eS traten keine Veränderungen ein. Auf den Befehl Kuropattins wurde am 21. Juli ein Bormarsch von Thawuan nach Osten und nach Süden unter- nommen. Am Morgen des folgenden Tages zogen sich die japanischen Vorposten nach ihren Feldbefestigungen auf den Bergen östlich von der au« Makumensa zum Laholinpaß führenden Straße zurück. Um 9Vz Uhr morgens eröffnete eine russische Battens das Feuer auf den Paß. Weitere Meldungen über das Gefecht lagen am Nach- mittags des 22. Juli nicht vor. Bombay, 23. Juli.(W. T. B.) Dampfer„Persia" hat heute hier die Post aus„Prinz Heinrich" abgeliefert, die der russische Hilfs- fteuzer„Smolensk" im Roten Meer beschlagnahmt hatte. Die Post wird sofort nach Colombo weitergesandt, um von oa den Anschluß an den Messagenes-Dampfer„Polynesien" zu erreichen, der auf dem Wege nach Japan am 1. August Singapore anläuft. Vermitw. Redakteur: Pank Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer äcCo.. Be rlin LW. Hierzu4Beilageilu. Unterhaltungsblatt St. 172. 21. 1. KkW te.Hmiirls" Krlim WsdlM Sonntag, 24. Juli 1904. es Kern das psychologische dah seine früheren Heute können wir Königsberger Geheimbnnds- und Hochverrats-Prozeß Königsberg. 23. Juli. Elfter Verhandlungstag. Um v Uhr werden die Verhandlungen eröffnet und die PlaidoyerS fortgesetzt. Verteidiger Schwarz: Nach den ausführlichen, sachlichen und rechtlichen Ausführungen meines Kollegen Haase würde ich den Gerichtshof langweilen und ermüden, wenn ich das erschöpfend vorgetragene Matena! oder die rechtlichen Gesichtspunkte noch einmal darlegte. Ich will des- halb im Interesse meiner Klienten Kugel und Klein nur auf einen Gesichtspunkt hinweisen, die Frage der Glaubwürdigkeit. Kugel ist Litauer. Von einem Litauer kann man nicht verlangen, dast er in jedem Punkte die Wahrheit sagt. lGroße Heiterkeit.) Ja Herr Staatsanwalt, geradeaus Ihrer Prarrs sollten Sie wissen, daß es eine Stammeseigen. r U ml ichkeit der Litauer ist, bisweilen selbst unter ihrem Eide üm der Wahrheit abzuweichen. Und nun ist hier Kugel 018 Angeschuldigter. �Heiterkeit.) In einer wesentlichen Hmstcht aber nn., L doch die Wahrheit gesagt. Er hat immer erzählt, daß er �fische Grenze geschleppt werden sollte. In dieser Erzählung waren zweifellos Dichtung und Wahrheit- gemischt «w*?>lichkeit. die sich uns aufdrängte, als Buchholz und andre on dem Eindringen russischer Agenten in intimste Kreise er- zahlten, als wir von zwei und drei Zeugen unter ihrem Eid be- «inden hörten, daß preußische Staatsangehörige unrechtmäßig lange •wonate in Rußland festgehalten worden sind. Das alles macht uns sehr wahrscheinlich, daß auch Kugels Angaben im richtig sind. Bei Klein hat der Staatsanwalt Moment herausgesucht, um zu beweisen, Angaben richtig und seine jetzigen falsch sind. die Probe aufs Exempel machen. Die Intelligenz Brauns soll den einfachen Arbeiter Klein veranlaßt haben, von seinen urspriinglich richtigen Angaben abzuweichen. Nun, wenn das wahr ist. müßte eine noch höhere Intelligenz ihn zu seiner ursprünglichen Angabe zurückbringen. Auf Grund der energischen Vorhaltungen des intelligenten Staatsanwalts müßte Klein aufstehen und sagen, daß seine ersten Angaben richtig waren. Thut er das, so ist die Deduk- tion des Staatsanwalts richtig, wenn nicht, falsch. Dami kann ich schließen. Verteidiger Heinemann: Meine Herren Richter I Die Fragen, die wir hier zu behandeln haben und die binnen kurzer Zeit von Ihnen beantwortet werden müssen, können leicht dazu verleiten, das rechtliche Gebiet zu verlassen und sie auf das politische G e- biet auszudehnen. Um so mehr werde ich mich in diesem Saale. in dem alle politische» Leidenschaften schweigen sollen, wie sie bisher geschwiegen haben und schweigen werden, auf ganz kühle juristische Deduktionen beschränken, schon deshalb, weil mir so die Freisprechung PätzelS am sichersten gewährleistet erscheint und weil die Anklage, unter die Lupe scharfer juristischer Begriffe genommen, nicht bestehen kann. Pätzel soll Schriften verbreitet haben, welche zum Hochverrat gegen den Zaren auffordern und den Zaren beleidigen. Wir wenden ein. das rechtliche Fundament fehlt, weil daS russische Strafgesetzbuch für die Gegenseitigkeit die Be- dingung eines in Rußland publizierten Gesetzes oder eines Staatsvertrage« vorschreibt. Nun hat gestern Herr Staatsanwalt- fchastsrat Caspar entgegengehalten, daß die Auslegung, eS sei ein in Rußland publiziertes Gesetz erforderlich, trotz ihrer Unterstützung durch die amtlichen Motive nicht zutreffend sei. da diese Auslegung doch gar keinen Sinn habe. Gegen eine derartige Behauptung läßt sich von feiten der Ver- teidigung, die durch Gerichtsbeschluß bereits unterstützt ist, sehr viel einwenden. Schon Kollege Haase hat darauf hingewiesen, daß die Motive des russischen Strafgesetzbuches ganz klar mit dürren Worten sagen: ein in Rußland publiziertes Gesetz. Und dabei sind es nicht gewöhnliche Motive, sondern eine Er- klärung des Justizdepartements, an dessen Spitze der Zar selb st steht. Sie stellen also eine authentische Interpretation mit Gesetzeskraft dar. Haben denn nun diese Deduktionen der Motive, die das Gericht schon durch Beweisbeschluß angenommen hat, keinen Sinn? Zum Beweise für die Trefflichkeit des Sinnes berufe ich mich auf Bindings .Handbuch des Strafrechts". Da heißt es, nachdem ausgeführt ist, dah auch die bündigste Versicherung der Gegenseitigkeit durch einen Botschafter nicht ausreicht, besonders nicht, wenn sie sich nur aus einen einzelnen Fall erstreckt. Weiter:„Ueberhaupt ist der Beweis der Gegenseitigkeit sehr schwer. DaS deutsche Gericht wird vor die kaum lösbare Frage gestellt, über ausländifcheS wohnheitsrecht Beschluß zu fassen. Bei der Verschlechterung der Fassung des Strafgesetzbuches im Jahre 187S ist leider das Er- fordernis � eines Staatsvertrages weggelassen worden. Nun wissen wir. was§ 260 des russischen Strafgesetzbuches mit der Forderung eines Staatsvcrtrages oder eines in Rußland publizierlen Gesetzes will. Der russische Richter soll wissen, wonach er sich zu richten hat. Er soll nicht frei wählen, er soll nicht nach Willkür sein Urteil fallen dürfen, sondern er soll wissen, daß eine Verurteilung nur möglich ist, wenn ein Staatsvertrag oder e i n P u b l izierteS Gesetz vorliegt. Der erste russische Strafrechtslehrer K a g a n s e f f sagt in seinemjüngsten Werke:„Gerade Rußland mutz sehr vorsichtig sein, wenn eS die Gegenseitigkeit gewährt. Die Verhältnisse m den auswärtigen Staaten sindsoverschieoen vondenen Rußlands, daß es nicht verlangen lann, daß die Angehörigen seines Staates besondere Liebe zu andren haben z ja eS kann ihnen frei stellen, im Falle eines Krieges oder einer Revolution sich auf die eine oder andre Seite zu stellen. E i n e B i n d u n g für Rußland ist nur in I e hr g e r, n g em M a ß e möglich." Darum hat das russische Strafgesetz diese ftotm der Bcrbiirgung gewählt. Aber wir brauchen naä? den Ausfichrungen der Staatsanwaltschaft darauf aar nicht einzugehen. Ich möchte sogar bitten, den Be- schlutz aufzuheben, die Antwort aus Petersburg abzuwarten. Denn über das Wegfallen der Anklage_ wegen Majeftätsbeleidigung find wir uns klar. Uder ebenso klar ist, daß auch daS Delikt des Hochverrats sallcn muß, denn für das. was allen Angeklagten zur Luit• aelegt werden kann, ist ferne Gegenseitigkeit verbürgt. Ich habe mir eine amtliche Uebersetzung des russischen Strafgesetzbuches besorat die genau mit der ausgezeichneten Uebersetzung unsreS Sachverständigen überelilstlmmt. Danach verlangt§ 241 des russi- scheu Strafgeietzbuchs— in Uebereinstlmmung mit fünf deutschen Reichsaerichts-Sntsche'dung-n� Übet den Äegriff der Vor- bererluna zum Hochverrat. daß zu riiiem ganz bestimmten Hvchverrat aufgefordert werde; mit größter Deutlichkeit wird hier ein bestimmtes lchchverrätensches U-tternehmen verlangt. Darüber ÄrÄÄ d Ä?'S'S lä n,l|llfn SMÄSuJ,., Bt&'jl, Geaenseitiakeit nicht verbürgt ist. Der Staa sanwalt stritt das ab und bebauvtete diese Paragraphen entsprachen nur uiisrem hPi.«Xn r iin h« die Aufforderung zum Ungehorsam betrifft. Dem w?dersprich't abe-'-inma? dsi n.sstschen�z.51 und 2�2 anroaU�Aaft�ü�M�nniuffH�Uebetsctzung dc§ russischen Strafgesetz. buNAchSsen Schatte si�.andrerstits gefm.den, d«e Bestimmung, die sie meint, sich'» einem ganz be- sonderen Abschnitt befindet, der von§ 262 an über die „Widersetzlichkeit gegen Anordnungen der Regierung" und Ungehorsam gegen die von ihr eingesetzte Gewalt handelt. Das sind der deutsche§ 110 u. ff. Es kommen somit für den Thatbestand, der den Angeklagten zur Last gelegt wird, die§§ 251 und 252, nicht§ 241 des russischen Strafgesetzbuches in Betracht, der auf konkrete, hochverräterische Unternehmungen sich bezieht. Gleich- viel, wie die russische Auskunft ausfällt, so ist die Gegenseitigkeit in keinem Falle verbürgt, selb st wenn in Rußland ein besonderes Gesetz besteht. Nunmehr erhebt die Staatsanwaltschaft den zweiten Einwand, die Specialerklärnng des Gesandten genüge. Die juristischen Ausführungen dagegen sind Legion. Zunächst spricht der Strafantrag nur von analogen Fällen. Nun ist es unstreitiges Recht, daß nur wegen genau gleicher Handlungen Gegenseitigkeit gewährleistet sein soll. Der Strasautrag ist so vage und unbestimmt, daß er nicht einmal für dieselben Fälle Gegenseitigkeit verbürgt. Denken Sie einmal, die deutsche Negierung stellte demnächst in Rußland Straf antrag wegen hochverräterischer Schriften. Sofort müßte eine Flut juristischer Streitschriften in Rußland entstehen, ob denn dieser Fall dem Fall Nowagrotzki und Genossen analog ist, und wenn solche Zweifel vorhanden sind, so kann man von einer Verbürgung der Gegenseitigkeit nicht sprechen. O l s h a u s e n steht mit seiner Au ficht von deriZulänglichkeit einer solchen Specialversicherung allein, dagegen stehen alle übrigen Rcchtslchrer, voran Biuding und Liszt, auf einem ganz andren Standpunkte. Zudem sagt Olshausen etwas ganz andres, als die Staatsanwalffchaft meint. Er fügt es nur nicht ausdrücklich hinzu, weil die Hiuzufügung sinnlos wäre. Die Erklärung des Gesandten g e n ü g t nur, wenn das Gesetz seines Landes ihn dazu bevollmächtigt. Wenn aber das Gesetz seines Landes ihm entgegensteht, so ist schon deshalb seine Er> klärung null und nichtig und rechtlich bedeutungslos. Das i st hier der Fall. Wenn die deutsche Regierung auf Grund dieser Er klärung vom russischen Staat verlangen wollte, gegen russische Unter thanen einzuschreiten, so würden russische'Richter, welche pflichtgemäß das Gesetz zur Anwendung bringen wollten, antworten:„Wir können nicht einschreiten. Der Erklärung des Botschafters steht das Gesetz entgegen, dem allein wir verantwortlich sind. Olshausen sagt wörtlich:„eine Erklärung des dazu legitimierten Gesandten", und Sie werden jetzt wissen, was er meint. Daß der StantsanwaltschaftSrat das übersehen hat, liegt daran, daß seine Auffassung von der Verbürgimg der Gegenseitigkeit nicht mit dem gesetzlichen Grundgedanken übereinstimmt. Er will aus der Entstehungsgeschichte des Gesetzes herleiten, daß der Grundgedanke der sei, jeder Staat verfolge nur sein Interesse, wenn er einem andern Staate Schutz gewähre. Vielleicht hat das jemand bei der Entstehung des Gesetzes gesagt. Der Gedanke unsres Ge- setzeS aber, wie es endlich zu stände gekommen ist, ist ein ganz andrer. Das Mittel der Reziprozität erscheint da als ein politisches Mittel. Man will nur die eigne Verfnffung schützen, und um das zu erreichen, sagt man: Wenn du es ver- langt, schütze ich deine Interessen, aber du mußt auch meine Jiitereffen schützen. Der Gedanke des Staatsauwaltschaftsrats, ä tout pn»(um jeden Preis) Angehörige seines Staates ins Gcfängnih zu bringen, ist nicht der des Gesetzes. An und für sich hat Deutschland an einer fremde» Verfassung gar kein Jutcrcsse. Nun erwarte ich noch einen dritten Eventualeinwand der Staatsanwaltschaft: der Botschafter habe den Strafantrag im Namen seiner Regierung gestellt. Regierung sei gleichbedeutend mit Zar, und eine Aeutzerung dieses gesetzgebenden Faktors genüge, um das russische Strafgesetzbuch außer Kraft zu setzen. Daß das falsch ist, beweisen nicht nur die Aussagen der russischen Sachverständigen, fondern auch die hier verlesene Stelle ans Engel- nianns„Handbuch des Staatsrechts". Sie besagt, daß mündliche Befehle nicht ausreichen, um schriftliche Gesetze außer Kraft zu setzen. Auch in Rußland könne ein Gesetz nur in der Weife aufgehoben werden, in der eS erlassen worden ist. ein Ukas z. B. durch einen Ukas. Mündliche Befehle deS Zaren feien kraftlos und es sei ver- boten, ihnen zu folgen, weil gerade in einem absoluten Staate die Regierungsorgane sich leicht mit der Majestät selbst identificieren. Deshalb Werve auch der Grundsatz streng befolgt, die Rechtsgrund- ätze unter allen Umständen durchzuführen. Wenn also in dieser Erklärung des Gesandten das Gesetz für den vorliegenden Fall aufgehoben werden sollte, so kämen wir zu dem Ergebnis, daß alle Angeklagten wegen des Mangels der Gegenseitigkeit straffrei ind und daß der, der sich eigentlich strafbar gemacht hätte, der Mann wäre, auf dessen Erklärung hi» das Verfahre» eingeleitet worden ist. Ich denke aber, so war die Erklärung des Botschafters !lar nicht gemeint. Sie sollte zweifellos nur riue nichtssagende Er- Klärung der Konnivenz sein. Aber wir brauchen uns gar so weit in das russische Staatsrecht nicht zu vertiefen. Es wird als zweifellos anzusehen sein, daß die Gegenseitigkeit zur Zeit der Strafthat verbürgt sein muß. Der Staatsanwaltschaftsrat berief sich auf eine Stelle bei dem Lehrer des Strafrechts Liszt. Dem gegenüber telle ich alle andren Autoritäten, ihnen voran Olshausen. Danach ist das Gesetz durch das Erfordernis der Gegenseitigkeit bedingt und tritt erst in Wirksamkeit mit der Gewährung der Gegenseitigkeit, die nach Z 2 des Strafgesetzbuches schon zur Zeit der That vor- liegen mutz. Diese von B i n d i n g herrührende Deduktion ist deS� halb so wichtig, weil sie vom Reichsgericht angenommen worden ist. Der Staatsanwalt hat gemeint, die Entscheidung treffe unfern Fall jnicht. Allerdings ist die Entscheidung bei einer andren Gelegenheit getroffen worden, aber sie umfaßt dieseFrage vollständig. Das Reichs- zericht sagt:„Ohne Gegenseitigkeit ist die normwidrige Handlung tem Verbrechen. �'----...... dann ein Delitt, ist und beim anspruch"."Danach ist die Gewährung der Gegenseitigkeit die Bedingung der Erhebung einer normwidrigen Handlung zum Veo brechen. Sie ist eines der Thatbcstandsmerkmnle und die Voraus� etzung der Strafverfolgung. Dieser Standpunkt de« Reichsgerichts ist um so bemerkenswerter, als es nur die Begriffe„THat beslandsmerkmale" und„Voraussetzung der Strafverfolgung" kennt, und die Auffassung des Reichsgerichts ist die allein richtige. Jede andre Auffassung steht, wie Biuding und Olshausen sagen, mit dem Eckstein der Strasgesetzgebung, der schon in der Verfassimg steht, dem§ 2, in Widerspruch. Eine derartige Strafe aus dem Hinterhalt kennt unser Gesetz nicht. Auch alle übrigen Thatbestand» Merkmale, die dem Angeklagten Pätzel zur Last gelegt werden, ind nicht vorhanden.— In der Empfangnahme von Schriften kann wiederum nach der Entscheidung des Reichsgerichts ein Ver- breiten und ein I n d e n v e r k e h r b ri n g en nicht gefunden werden. Demnach liegen die Voraussetzungen der Vorbereitung zum Hochverrat, die eine bestimmte hochverräterische Handlung verlangen, nicht vor. Ich verweise noch darauf, daß Pätzel auch nicht fiir die entfernteste Zukunft an die Gewalt gedacht hat. Der Staatsanwalt hat nichts gegen ihn finden können, und so hat er sich mit der allgemeinen Deduklion beholfen, daß er gesagt hat, es mag zwar nicht darin stehen, daß in Rußland auf gesetzlichem Wege ein srfolg nicht zu erreichen wäre und daß der Zar nicht frciivillig ver- zichten werde. Aber es bleibt nichts andres übrig, als anzunehmen. >aß die Angeklagten das gewußt und deshalb zur Gewalt auf- gefordert haben. Jede Seite der Geschichte könnte den Staatsanwalt eines andren belehren. Ist die Stein- Hardenberg ische Reform mit Gewalt durchgeführt worden? !gr:«Ohne Gegenieirigreir ip oie normwidrige Handlung rechen. Die angeschuldigte Handlung wird objektiv nur Delikt, wenn die Gegenseitigkeit verbürgt eim Fehlen dieser Bedingung entsteht kein Straf- Ist unter Alexander II., bis zu dem Rußland ein asiatisch-despotischer Staat war, mit Gewalt die Lcibeigeuschast aufgehoben und Schwur« gerichte sowie eine Art Selbstverwaltung eingeführt worden, oder nicht vielmehr durch den unglücklichen Krimkrieg? Und ist F r a n k- reich mit Gewalt Republik geworden oder mcht vielmehr durch die Schlacht bei Sedan? Und ist nicht in Oesterreich die Jahr« hunderte alte Verfassung durch die Schlachten bei Solferino und König- grätz beseitigt worden und durch die recht nüchterne Thatsache, daß die Bankiers dem absolutistischen Staate kein Geld mehr borgen wollten? Gerade in dem letzteren Punkt liegt die Parallele zu Ruß- land außerordentlich nahe. Der Wiener Staatsrechtslehrer Auto n M e n g e r hebt in seiner„Neuen Staatslehre" ausdrücklich hervor, daß absolute Staaten bei der heutigen Entwicklung des Militärs nicht durch Revolutionen, sondern durch unglückliche Kriege beseitigt werden; und die Socialdemokratie will nur, daß, wein» der große Moment in Rußland eintritt, es kein kleines Geschlecht findet. Bis dahin soll das Klassenbeioußtsein so erstartt, die Fähigkeit, eine Verfassung entgegenzunehmen, so vergrößert sein, daß von Gewaltanwendung dann ebensowenig die Rede ist, wie jetzt. Der Herr Staatsanwalt ist also recht sehr an der historischen Oberfläche geblieben. Auch das subjektive Moment fehlt vollständig. Der Staats- anwalt hat s e l b st zugegeben, daß die Angeklagten als gute deutsche Socialdemokraten die Gewalt perhorreszieren und sich in einer Selbsttäuschung befunden hätten. Damit ist der DoluS(die Absicht) in präciscstcr Weise verneint. Ich komnie nun zum zweiten Delikt, daS der Angeklagte Pätzel begangen haben soll. Er soll einer Verhindung, deren Verfassung. Dasein oder Zweck der Staatsregierung geheim gehalten werden sollte, angehört haben. In Wahrheit beslbränkt sich seine ganze Thätigkeit darauf, daß er de» russische» Parteigenossen seine Adresse zur Verfügung gestellt hat. Diese Gefälligkeit muß er jetzt ans der Anklagebank büßen. Der Zeuge Bruns hat unter seinem Eide ausgesagt, er wisse nicht, wie viel und wie lange russische Schriften unter seiner Adresse angekommen seien. Ebenso steht es mit dem Angeklagten, der auf emem andern Hofe arbeitete als dem, auf dem die Pakete lagen. Sie wurden offen in den Keller geschafft, zu dem alle Angestellte» Zutritt hatten, wo die Garderobe war i»id die RedaktionS- und Kassciibiichcr lagen. Die Aufforderung an Pätzel war von einer ihm sehr gut bekannten Stelle ausgegangen, von Plechanoff und von Axelrod, Namen besten Klanges. Konnte er annehmen, daß diese Leute, ernsthafte Politiker von Weltruf, andre zum Hochverrat veranlassen und damit ihr eignes Lebenswerk zerstören ivürden, für das sie im Exil schmachten? Der Staatsanwalt hat eine Aeußerung Plechanoffs zittert; es ist weder sicher, wann, noch ob die Aeußerung gefallen ist. Was Ivird nicht alles geschrieben! Die Behauptung, daß Plechanoff irgend eine Aeußerung gethan haben soll, die absolut nicht nach- gepriift werden kann, darf inan nicht gegen den Angeklagten an- führen. Man muß sich doch an das hallen, was objektiv erwiesen ist. In meiner nicht lurzen und nicht kleinen Strafpraxis ist mir ein Fall, in dem das Nichtvorlicgen der Strasbarkeit so klar war, wie in diesem, noch nicht vorgekommen, und in keinem habe ich s» sicher erwartet, daß deutsche Richter nicht zu einer Verurteilung kommen werden. Das kann ich offen und ohne Uebertreibung sagen. Lag nun überhaupt irgend eine Verbindung vor? Es wird vermutet, ist aber bis heute nicht nach- gewiesen, daß irgendwelche Leute in der Schweiz mit einander rn Verbindung gestanden haben. Da man es nicht weiß, muß zu Gunsten der Angeklagten vermutet werden, daß die Leute nur als bestimmte einzelne Parteigenossen zu ihnen kamen. Aber selbst wenn sie Repräsentanten einer politischen Partei waren, so ist doch in derJudilatur und Litteratur unstreitig, dah eine Partei keine Verbindung ist. Ich verweise hier nur auf die Schriften von Liszt und Krückmann und wieder auf die Entscheidung des Reichsgerichts. Krückmann hat ja nachgewiesen, daß, wenn ein intensives Band vorhanden ist wie bei den Corps und Burschen- schaften. der Deutsche von„Verbiiidungen" spricht, bei Turnvereinen und wissenschaftlichen Vereinen dagegen stets von„Vereinen". Wenn also die Russen als Vertreter der russischen Soeialdemokratte zu Pätzel kommen, so ist damit doch der Nachweis einer Verbindung nicht erbracht. Noch weniger ist das subjektive Moment erwiesen, daß Pätzel in diesen Leuten etwas andres gesehen hat als bestimmte einzelne Parteigenossen, die um Gesälligkeiten bitten, oder schlimmstenfalls Vertreter der russischen sozialdemokratischen Partei. Große Worte wie.Centraidepot" und„Organisation in Zürich" sollten deshalb dem Staatsanwalt den Begriff der Verbindung er« setzen. In Zürich war einfach der socialdemokrattsche Verlag, und woher soll man Schriften beziehen, wenn nicht vom Verlag, wie wir unsre Schriften vom Äorivärrsverlag beziehen. Damit sind alle Thatbestandsmerkumle der Verbindung gefallen. Wie steht eS nun mit der andren Voraussetzung der Geheimbündelei? Zur Teilnahme an einer Verbindung gehört Unterordnung, gehört, daß man Pflichten übernimmt und auch Rechte erhält, seine Jndi» vidualität und Selbständigkeit bis zu einem gcioissen Grade für die Zwecke der Verbindung anfgiebt", so sagt das Reichsgericht im 17. Bande seiner Entscheidungen. Von alledem ist bei Pätzel keine Rede. Schließlich wird verlangt,„daß die Verbindung eine solche sein muß, die auf öffentliche Angelegenheiten einwirkt"(Reichs- gerichts-Entscheidnng Band 13, Seite 327). Dieses Erfordernis steht nicht im Gesetz, aber das Reichsgericht hat es hineingelegt wegen der Stellung dieses Paragraphen im ganzen Strafsystem. Denn daS Objekt des Rechtsschutzes ist in diesem Abschnitt der Staat und zwar die Sicherheit des deutschen Staates. Nun will ich nachweisen, daß sämtliche bei Pätzel gefundenen Schriften bei Asher in Berlin, Unter den Linden ausliegen, daß also dir deutsche Regierung kein Interesse an ihnen nimmt. Dem Staatsanwalt ist die Schwäche seines StandPuntteS zum Bewußtsein gekommen. Er hat für sich nichts anführen können, als den Beschluß des Oberlandesgerichts in Königs» berg, und der ist doch mir so aufzufassen, daß im Sinne der Voruntersuchung der Verdacht in Bezug auf aus« l ä n d i s ch e öffentliche Angelegenheiten in Betracht kommt und daß das Endurteil dem erkennenden Richter vorbehalten werden soll. Sie aber, meine Herren Richter, sollen nicht entscheiden, ob Pätzel verdächtig, sondern ob er schuldig ist. Und dafür müssen wir den strikten Nachweis verlangen, daß durch den Schristenversand dir Interessen des Inlandes berührt werden, da hilft keine allgemeine Deduktion, daß durch eine russische Revolution die deutschen Per- hältnissr berührt werde». Der Angeklagte hat nur das erstrebt, was er in Deutschland unter dem Schutz und Schirm des allgemeinen Strafrechts thun durfte. Und mit einem Male soll, was im Jnuland erlaubt ist, staatsgefährlich sein, wenn rö sich gegen das Ausland richtet? Als die Angeklagten sich auf den Mlawa-Fall beriefen, erwiderte der Staatsanwalt, auch der Höhere Beamte könnte irren. Mir ist das nur deswegen interessant, weil der Irrtum eines höheren Beamten Grund sein soll. 15 Monate aus dem Leben eines unbescholtenen Mannes hinweg- zustreichen. Solche Strafen beantragt der Staatsanwalt, wenn ein hochgestellter Beamter dir Angeklagten irregeführt hat. Der letzte Puutt der Geheimbündelei ist die Geheimhaltung. Wenn ich bedenke, was mein Klient alles gethan hat, um seine Handlmigen nicht geheim zu halte», so muh ich an eine Cjicr denken, in der drei Leute über die Bühne laufen und so laut wie möglich sagen: Dieses sind drei Verschwörerl (Große Heiterkeit,) Eine komische Bühneufigur würde auch Pätzel als Verschwörer darstellen. Ich glaube, denEindruck hat er mcht auf uns gemacht. Die Behörde wußte von dem Gcheimbnnde, sie hatte nicht nur dunkle Vermutungen, und wenn sie im Mlawa- Fall Fischer und Bruns nicht gehängt hat, so that sie es nicht aus dem Grunde der Nürnberger, sondern weil sie ihr Thun nicht für strafbar hielt. Auch Abel war ein Teil von jener Kraft, die stets dasBösrwill und stets das Gute schafft. Der Eifer, mit dem er zur Polizei gelaufen ist, und die Nonchalance, mit der die Polizei ihn behandelte, beweist, daß sie längst von allem Kenntnis hatte. Auch Kriminalloinmissar W y n e n hat bekundet, daß der„Vorwärts" nie auch nur den geringste» Versuch einer Geheimhaltung gemacht hat. WaS die Angestellten des„Vorwärts" gethan haben, haben sie im Licht der Sonne gethan. Wenn unter diesen Umständen Pätzel die Absicht der Geheimhaltung gehabt haben sollte, so müßte ich seine Freisprechung auS einem andren Grunde beantragen. Dann wäre er nämlich unzurechnungsfähig.(Große Heiterkeit.) Schließlich konnte er doch nicht glauben, daß in der Steuerbehörde lauter Blinde sitzen, noch dazu bei der Unmasse der aus Rußland einlaufenden Sendungen. Was ist alls den Artikeln der„Post" geworden? Abel hat hier zugeben müssen, daß seine Mitteilungen an Ruhkopf unwahr gewesen sind. Der ., Vorwärts"-Keller, in dem die Schriften aufbewahrt wurden, stand allen offen, auch dem Nichtsocial- demokraten Abel; dieser mußte täglich hinein. Aus allen diesen Momenten folgt, daß niemand auch nur eine Sekunde lang daran gedacht hat, das geheim zu halten. Welchen Grund hätte Pätzel dafür haben sollen? Er hätte müssen Verschwörer spielen und Komödie ausführen wolle»! sonst lag kein Grund vor, da sein Thun nach deutschem Strafgesetzbuch erlaubt ist. WaS veranlaßt in diesem Falle den Staatsauwalt, fast das gesetzliche Strafmaximum zu be- antragen? Der einzige Umstand, daß die Schriften als S ch u h- waren verschickt worden sind. Dabei ist kein Schatten eines Beweises dafür erbracht, daß Pätzel und nicht vielmehr die Russen die Sachen als Schuhwaren deklariert haben. Im Gegenteil, alles spricht dafür, bor allem die eidliche Aussage von Bruns. Wenn also gegen den Angeklagten Pätzel Strafantrag gestellt wird, so kann man nicht einmal behaupten, er ist mitschuldig im Sinne des Gesetzes. Man kann nur sagen: Mit- gefangenl Aber das ist keine Justiz mehr, daS ist dir Aufhebung des Rechts, das heißt die Anarchie in Deutschland herauffiihrcn. Die Angeklagten sagen aus, daß sie den Versand der Schriften vor der russische» Polizei geheim halten wollten. Der Staatsanwalt behauptete, sie hätten auch mit der Möglichkeit gerechnet, daß die preußische Polizei es den russischen Spitzeln mit- teilte. Ich weiß nicht, wie er dazu kommt, den Angeklagten eine so beleidigende Jnfiimatio» gegenüber der deutschen Polizei untcr- zuschieben. Aber selbst, wenn die Angeklagten das geglaubt haben, so haben sie ihre Absichten nicht vor der Staatsregierung geheim gehalten, soweit diese pflichtgemäß in den Grenzen ihrer Macht handelte. Wenn deutsche Polizeibeamte sich zu Amtsdelikten, z u pflichtwidrigen Handlungen verleiten lassen, wenn sie ihre Amtsverschwiegenheit brechen und schwere Diseiplinarvcrgehcn auf sich laden, zo sind daS nicht Beamte der Staatsregierung. Nicht vor dieser erfolgte die Geheimhaltung, sondern vor einigen ver- brecherischen Organen derselben. Aber wir weisen im Namen der Angeklagten es zurück, überhaupt jemals diesen Gedanken gehabt zu haben. Hier hört daS Auslegen auf und fängt das Unter- legen an. Ich schließe mit der Bitte, den Angeklagten nicht ungünstige Motive unterzuschieben, bloß um sie verurteilen zu können und mit dem Antrage, meinen Klienten Pätzel freizusprechen. Bert. Liebknecht: Am 4. November vorigen JahreS wurde bei dem Angeklagten Treptau Haussuchung gehalten. Es wurden einige Briefe gefunden, unterzeichnet„Ehrenpfort". Am 21. November fand dann bei Ehrenpfort eine Haussuchung statt. Es wurden nur einige Nummern des„Vorwärts" und des„Neuen Leben" sowie einige harmlose Bilder gefunden, obgleich man zweifellos entsprechend der aktenmäßiqen Anweisung des Ersten Staatsanwalts im Falle Öuessel sehr zuverlässige Beamte damit beauftragt hatte, weil ötr Herr Justizminister diesem Prozeß sein ganz besonderes Interesse entgegenbringt. Ehrenpfort ist der einzige Fall der reinen Deckadresse. Er hat ganz offen zugegeben, daß er erlaubt hat, seine Adresse als Deckadresse zu benutzen. Das ist das Ungünstigste, das festgestellt werden konnte, daß zwei Briefe an Ehrenpfort gekommen find, die für Russen bestimmt waren. Ehrenpfort braucht aber von diesen Briefen keine Kenntnis gehabt zu haben. Er hat auch keine Kenntnis davon gehabt. Es ist uns ja geschildert worden, wie Russen die Adressen ihrer Wirte ohne besondere Anfrage als Deckadressen zu be- nutzen pflegen. Der zweite ihm zur Last gelegte Thatbestand ist der: Ein junger Russe Namens Gabriel hat an Ehrenpfort das Er- suchen gestellt, für ihn russisch-socialdemokratische Schriften in Empfang zu nehmen. Das ist ein durchaus verständliches Verlangen, welches wiederholt an mich gestellt worden ist und welches ich anstandslos erfüllt habe. Der Staats- anwalt sagt, Ehrenpfort werde sich doch mit den Russen über Politik unterhalten haben und da müsse ihm der Inhalt des Briefwechsels bekannt geworden sein. Damit wird versucht, die Gesinnung des Angeklagten heranzuziehen und den subjektiven mit dem objektiven Thatbestand zu vermischen. Wenn aber auch Ehren» pfort von dem Briefwechsel Kennttus gehabt hätte, so könnte doch daraus noch nicht auf das Bestehen einer geheimen Verbindung ge- schlössen werden. Die Angeklagten müssen ja jeder einer besonderen und einer gen, einsamen Verbindung zugleich angehören, denn die Angelegenheiten der lettischen Socialdemokratte, der„Jskra" und Burzeffs werden doch nicht von einer Stelle geregelt. Die Versuche, eine solche Geheimverbindung zu konstruieren, müssen zurückgewiesen werden, weil diese Geheimverbindung ein öffentliches Geheimnis war. welches die Spatzen von denDächern pfiffen, vor allem von den Dächern der Ministerien und des Polizeipräsidiums, und die dem Reichstage und aizch den Strafbehörden bekannt war. Ich möchte nun auf die Frage des Sttafantrages eingehen. DaS Gericht hat ja beschlossen, daß der gestellte Strafantrag als genügend anzusehen ist. Der Botschafter vertritt seine Regierung nach außen hm, aber n u r st a a t s r e ch t l i ch. Die Stellung eines Strafantrages ist doch aber keine staatsrechtliche Hand- l u n g und liegt außerhalb des Maximums der Befugnisse, die das Völkerrecht für die Gesandtschaft vorschreibt. Das russische innere Staatsrecht, das danach zur Anwendung kommt, verlangt, wie Herr Professor v. Rcußner bestätigen wird, in einem solchen Falle eine besondere Order der Regierung. Was den Hochverrat anbelangt, so hat der Herr Staatsanwalt mit der Anklage sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Ange- klagten für alle Schriften, welche bei einem von ihnen gefunden worden sind, verantwortlich zu macken sind, weil sie bereit ge» wesen feien, alle russischen Schriften, welche ihnen unter die Finger kamen, zu verbreiten. Das ist eine Art von zum objektiven Thatbestande kristallisierten äolus eventualis! Der Staatsauwalt hat jetzt diesen Standpunkt verlassen und meinte heute, daß die Angeklagten schon wegen der Verbreitung von socialdemokratischen Schriften ver- urteilt werden müßten, weil doch diese den Umsturz der gegen- wältigen politischen Verhältnisse in Rußland herbeiführen wollten. Ist denn aber jeder, der eiue Verfassungsänderung anstrebt, ein Hochverräter? Herr Professor v. Jagcmann erstrebt gleichfalls eine Verfassungsänderung für Deutschland. Er hat in seiner Schrift es für ganz selbstverständlich gehalten, daß die Bundes- fürsten sich zu dem Zwecke associieren. Rußland, das in den Balkanstaaten mit Dynamit und Zugentgleisungen arbeitet, das dort gewaltsam die Verfassung zu ändern sucht, muß ganz anders beurteilt werden, wenn gegen seine eigne Regierung ebensolche Mittel angewendet werden, als irgend ein Rechtsstaat. Rußlands Verfassung ist einst auch eine stäiidisch-parlamentarische gewesen. Die Romanows sind im Jahre 1613 auf dem Reichstag in Moskau auf den Thron gekommen. Sie haben ihre Macht erst durch das Volk erhalten. Der russische Absolutismus ist nicht etwa durch einen Beschluß des Reichstages, sondern durch eine Revolution von oben eingeführt worden. Wird er sich da etwa ent- rüsten dürfen, wenn sich die Schärfe des Schwertes einmal gegen ihn kehrt, wenn sich das Sprichwort an ihm er- fiillt, das so alt wie die Welt: Wie Du mir, so ich Dir l? Es wäre ja für den Absolutismus sehr bequem, wenn er jede Ent- Wickelung beseitigen könnte, wenn er einfach dekretieren könnte: jedermann wird zum Sklaven degradiert, jede freie Regung ist strafbar. Aber so einfach läßt die geschichtliche Entwickelnng nicht über sich hinweggehen. D i e r u s s i f ch e Geschichte ist wie in keinem andern Lande mit Blut geschrieben, mit dem Blut der Bauern, Arbeiter, Sektierer, der jüdischen Be- völkerung und anfftändischen Soldaten, welche zuerst die Forderung der Verfassungsänderung erhoben haben. Und all' dies Blut ist von Herrschern Rußlands vergossen worden. Die Bestrebungen auf Aenderung der Verfassung sind nicht von Petersburger Studenten im Jahre 1899 ausgegangen, sie sind viel älter. Wenn jetzt die Augen der ganzen gebildeten Welt auf diesen Prozeß gerichtet sind, so nur deswegen, weil hier der erste Versuch gemacht wird, die deutsche Socialdemokratie oder überhaupt eine freiheitliche Richtung dafür zu strafen, daß sie an den Leide» und Kämpfen des russischen Volkes Anteil nimmt. Der Herr Staats- anwalt sagt, es gäbe nichts Schändlicheres, als die vor uns liegenden Schriften. Ich kenne etwas Schändlicheres: das find die russischen Zustände, auf die sich diese Schriften beziehen. Jeder Mensch mit menschlichem Empfinden muß sich sagen, daß in einem Lande wie Rußland, das in Finnland Hochverrat treibt, das die Mandschurei untcr dem Bruch des Völkerrechtes raubt, das kein Mittel in den Balkanstaaten verschmäht, eine freiheitliche Bewegung notwendig und berechtigt ist, und daß die RechtSverfassung durch derartige Akte ohne weiteres aufgehoben wird. Ich wünschte, daß jeder von Ihnen einmal Gelegenheit hätte, einem der russischen Feste beizuwohnen, eines der dort am meisten gesungenen Lieder zu hören, wie das Lied von der Kosakenpeitsche, von der Hagaika. Da heißt eS: „Peitsche, Peitsche, wirst du vergessen, was du am 8. Februar gethan hast?" Das bezieht sich auf die Auspeitschungen der Studenten in Petersburg, das ist auch eine der zahllosen Roheiten der russischen Regierung und, wenn wir die schrecklichen Bilder an uns vorüberziehen lassen, die Rechtlosigkeit im Gerichtsverfahren, die Durchpeitschungen, die Metzeleien, so sehen wir, daß über der Geschichte Rußlands zwei Worte geschrieben stehen: Sibirien und Schlnssclburg. Ohne diese beiden wäre das jetzige russische System unhaltbar und undenkbar. Die Blüte der russischen Jugend fällt da dem Zarismus zum Opfer. Wer erinnert sich nicht an die er- greifenden Schilderungen Dostojewskis in seinen„Memoiren aus dem Totenhause"? In der Einleitung dieses Werkes schildert Dostojewski in seiner bitter-sarkastischen Art, wie der Rtlsse sich niit der russischen Barbarei abfindet: Man möchte mit Nadeschdin von einem System der Raserei sprechen. Peter der Große hat einmal gesagt:„Ich habe es nicht mit Menschen zu thun, sondern mit wilden Tieren, die ich zu Menschen erziehen will", heute aber hat man es mit Menschen zu thun, aus denen man Tiere mache» will. Mancher, der Mensch sein will, wird nach Sibirien oder Schlüsselburg gebracht und nur derjenige, der Tier sein will, gehört zu den staatserhaltcndcn Elementen. Gerade die Leute, die die Attentate verübt haben, sind durch die Empfindlichkeit ihrer Seelen dazu getrieben worden, denn alle diese Attentate sind nur SchreckenSthaten, Thaten der Verzweiflung und der Desperation. Jene Leute glaubten, daß sie sich im Interesse der Menschheit opfern müßten. So sehr wir auch diese Attentate als verwerflich und unklug bezeichnen müssen: wer wird, wenn er auf ihre Motive blickt, ihnen ein strenger Richter sein und ihnen das Mitgefühl versagen wollen. Es sind Heroen und wir müssen sie als Heroen anerkennen. Heimtückisch hat der Zarismus ein schwaches Land, wie Finnland, vergewaltigt, sie aber treten ihm mit offener Brust entgegen und bieten ihre Heldenleiber zmn Opfer dar. Auch die russische Litteratur bedarf sie als Helden. Das ergreifendste Dokument hierfür ist das Turgenjewsche„Prosagedicht" an die Perowskaja, die Mörderin Alexanders II. Die Perowskaja, ein junges, schönes Mädchen, steht vor einem Vorhang, im Begriff, ihn aufzuschlagen. Eine Stimme ruft ihr zu:„Willst Du Deine Gefährten verlassen?" Sie antwortet:„Ja".„Willst Du die Heimat verlassen?" Sie antwortet:„Ja".„Willst Du Vater, Mutter, Schwester und Bruder verlassen?" Sie antwortet:„Ja". „Willst Du auch das Leben verlassen?" Sie antwortet:„Ja". Dann schlägt die Perowskaja den Vorhang auf und schlüpft hindurch, und eine Stimme des Himmels ruft:_, �Heldin, Heldin!" Ich habe für alle diese Akte bei den Zuständen in Rußland kein Wort der moralischen Entrüstung. Die Verhandlungen hier haben ja auch einen trefflichen Anschauungsunterricht über die russischen Zustände dargeboten, insbesondere über die Zuverlässigkeit der russischen Burcaukratie. An der U e b e r s e tz u n g des Konsuls haben wir gesehen, wie man sich nicht gescheut hat, ein deutsches Gericht in schmählichster Weise irrezuführen. Uebcrall ist der Name Nikolaus II. und die Person des Zaren in Verbindung mit der Aufforderung zum Morde gebracht, ohne daß in der Schrift auch nur ein Wort davon steht, und gerade diejenigen Stellen sind herausgesucht, die eine solche Entstellung zulassen. Der Konsul hat alle möglichen Kraftausdrücke erfunden. Ich glaube, wenn er sich Mühe giebt, wäre er selbst befähigt, noch blutrünstiger zu schreiben als Burzeff. Und bei einer so hochwichtigen Aktion, wie dieser Prozeß ist. kann man wohl von einer Fahrlässigkeit, noch dazu wenn sie sich so einseitig giebt, nicht mehr sprechen. Aber noch schwerwiegender ist das Verfahren bei der Uebertragung des Z 269 gewesen, bei der uns eine beglaubigte Urkunde und doch eine gefälschte Uebersetznng vorgelegt worden ist. Es ist wohl kaum jemals in der Welt ein Prozeß von so weittragender Bedeutung vorgekommen, in dem man sich noch mitten in der Verhandlung über die primitivsten rechtlichen Grundlagen der Anklage erst Klarheit verschaffen mußte. Und wer ist Schuld daran, daß sich die deutsche Justiz hier in diesem Prozeß vor der ganzen Welt blamiert? Nicht die vor- sichtigen deutschen Gerichte. Die Blamage haben wir dem befreun- detcn, verbündeten Rußland und seinen offiziellen Vertreter» zu ver- danken. Für die Art, wie wir mit der Uebersetzung des K 269 ge- täuscht wurden, fehlt mir jeder parlamentarische Ausdruck. Und dann kommt die absonderliche Erfahrung, die wir mit der Vernehmung SkubbikS gemacht haben. Auf unser Ersuchen, eine kommissarische Vernehmung vorzunehmen, ist der Termin nach dem Schluß dieses Prozesses festgesetzt worden. Man hat es den Angeklagten freigestellt, nach Rußland zu gehen, aber den Verteidiger» hat uian es verboten. Natürlich würde es Nußland sehr lieb sein, wenn die Angeklagten sich dahin begäben, denn für eine russische Justiz würde auch das hier vorgebrachte Belastungsniaterial ausreichen. Die Augeklagten könnt«: sich dann darauf gefaßt machen, auf Lebe«?- zeit nach Sibirien gebracht zu werden. Dieser Prozeß, der ein Akt der Courtoisie deutscher Behörde» gegen die Russen ist und der im Interesse Rußlands geführt ist, hat das merkwürdige Bild geboten, daß deutsche Behörden hinter Rußland herlaufen, um Material zu erhalten zum Schütze Rußlands und dadurch die eigenen Bürger ins Gefängnis zu bringen. Ich habe auch eine Er- klärung für das Verhalten der russischen Regierung. Rußland Wirt wohl die Empfindung haben, daß man ihm mit diesem Prozeß keinen Freundschaftsdienst erwiesen hat. Ich glaube dieser Prozeß hat drüben recht schmerzlich berührt. Rußlan! weiß, daß sein Absolutismus sich nicht dem öffentlichen deutschen Gerichtsverfahren aussetzen darf. Noch nie sind dem russischen Absolutismus vor den Augen der ganzen Welt so schwere Wunden geschlagen worden, wie in diesem Prozeß. Wahrhaftig, Nußland wird sich sagen müssen: „Gott schütze uns vor unsren Freunden!"(Große Heiterkeit.) Darüber sind sich auch konservative und nationalliberale Blätter einig, daß die jetzigen Zustände in Rußland unhaltbar sind. Ich will zugeben, daß das ans legalem Wege nicht möglich sein wird, aber darum braucht doch nicht immer gleich Hochverrat statt- zufinden. Die russische Socialdemokratte wäre zufrieden, wenn sie ihre Schriften verbreiten und Versammlungen abhalten könnte. Das ist zivar verboten, aber auch in Rußland kein Hochverrat. Früher hat es ja in Rußland auch ein öffentliches Gerichtsverfahren für diese Materie gegeben aber als man einsah, daß das mehr agitatorisch wirkte, als ab» schreckend, schaffte man die Oeffcntlichkeit nicht nur für die politischen, sondern auch für die socialpolitischen Prozesse ab. Jetzt hört man nur noch den VerzweiflungSschm nus der Schlüsselburg und der Peter Pauls-Festung. Aber das freie Wort läßt sich nicht in Ketten schlagen, noch weniger die wirtschaftliche Entwicklung. Der Zarismus mag mächtig sein, aber die kapitalistische Entwicklung vermag er nicht aufzuhalten, im Gegenteil, er hat sich mit dem Kapitalismus gegen die Arbeiter verbündet. Früher bestand in Rußland nur eine Organisation der Bauern. Sie wurde bluttg unterdrückt. Dieses Rußland ist ein unglückseliges Land. Es setzt sich zusammen aus Teilen von ganz ver- schiedener Kultur. Worauf soll sich der Zar da stützen? Das ist der entsetzlich tragische Konflikt, in dem sich der russische Aar befindet, der s e l b st mein Beileid hat. Aber noch entsetz- sicher ist die Lage der vorgeschrittenen Elemente in Rußland. Sie wünschen die westeuropäische Kriltur, aber die rückständigen Verhältnisse in Rußland halten sie zurück. Nicht die Volksmassen, sondern dieKamarilla hat die Reform Alexanders II. und Louis Melikoffs nicht inS Leben treten lassen. Nachdem die Vcrzweifsimgstaksik eine Zeitlang benutzt worden war, sah man wieder deren Nutzlosigkeit ein und so begann die friedliche Bewegung der- Socialdemokratte. die bei den fortgeschrittenen Elementen jetzt Boden findet. Darum ist es auch ganz logisch. daß die Socialdemokratie die schärffte Gegnerin dieser Ver» zweifluugspolitik ist. Auch die Taktik Burzeffs ist ja nicht einmal eine radikale. Ihm gegenüber ist der liberale Peter Struve sehr ausschweifend. Bezeichnend ist auch, daß die.Jskra"-Partei, die reine Socialdemokratie, die social-revolutionäre als eine bürgerlich» radikale und nicht als eine echt socialdemokratische Partei ansieht. Die Gewalt gilt eben der Socialdemokratie niemals für radikal, sie kann nur für verzweifelte bürgerliche Gruppen in Betracht kommen. Wir glauben, daß der Absolutismus ganz von selbst verworfen werden wird. Erst ganz allmählich können in Rußland die Vorbedingungen zu einer Uniwälzung geschaffen werden. Und derjenige Socialdemokrat, der eine vorzeittge Rcvolntion propagierte, wäre ein Narr. Könnte in Rußland die' Socialdemokratie sich einigermaßen frei bewegen, so würde es bald keinen Terroristen mehr geben und schon jetzt ist es bewundernswert, daß terroristische Akte und Attentate so relattv selten geworden find. Denn die Unterdrückung der Arbeiterbewegung und der Intelligenz ist heute viel schärfer als Ende der 79er und Anfang der 89er Jahre. Die Roheiten, die Arbeitermetzeleien, die Auspeitschungen sind alle im letzten Jahrzehnt vorgekommen und trotzdem sind die politischen Morde seltener geworden. Die Socialdemokratte hat dem Terrorismus vor- züglich entgegengearbeitet und nur ihr ist es zu ver- zeichnen, daß die russischen Grausamkeiten nicht mehr Attentate, Ausbrüche der Verzweiflung und Empörung der getretenen Menschenwürde, hervorgerufen haben. Kennan hat die Vorurteile gegen Sibirien und Rußland zerstreuen wollen, als er seine Reise nach Sibirien unternahm. Er zog auS, um zu segnen, und kehrte zurück, um zu fluchen. Auch Ihnen, meine Herren Richter, könnte es gehen, wie einem umgekehrten Bileam. Auch Sie sind ausgezogen, um den Zarismus zu segnen, und werden jetzt das barbarische Rußland verfluchen. Selbst wenn die Angeklagten alles gethan hätten, WaS die An- klage ihnen zur Last legt, sie hätten immerhin Akte der Knlttir gethan. die für Deutschland in der Weltgeschichte nach ein paar Jahr» zehnten, wenn eine Aenderung in Rußland eingetteten ist, ein Ehrcnblatt bedeuten werden, und daß die deutsche Jugend, die deutsch-fteihcitlich gesinnten deutschen Parteien und die deutschen Behörden mit beigetragen haben zur Ueberwindung der furchtbaren Brutalität in Rußland, wird ein Ehrenblatt in der deutschen Ge- schichte sein. Tolstoj sagt in seinem jüngsten Manifest, daß er jetzt weniger die Schrecken des Krieges empfinde, als den Schrecken des Spreckens: das Bcwnßffein von der Machtlosigkeit des mensch- lichen Geistes. Der große Kampf der Gegenwart sei nicht dazwischen Rußland und Japan, nicht mehr der mit Bomben, Minen und Dynamit. sondern der Kampf zwischen dem sich mehrenden Menschheits- bewnßtsein und der Dunkelheit, die die Menschheit bedrückt. Ein Teil dieses Kampfes, meine Herren Richter, wird hier in diesem Saale gekämpft, und es wird sicher nicht zur Ehre der deutschen Gerichte beitragen, wenn Sie sich in diesem Kampfe auf die Seite der Unvernunft und der russischen Barbarei stellen. Treten Sie auf die Seite der menschlichen Vernunft, die sich verkörpert in dem Bestreben auf Besserung der russischen Verhältnisse. Gaschuni hat in seiner Verteidigungsrede nicht mit einem Wort um seine Frei- sprechung gebeten. Er hat seinen Richtern zugerufen«Hängt mich auf, bringt mich ums Leben, ich wollte für meine Idee sterben!" Nur eine Frage wollte ich Ihnen vorlegen, meine Herren Richter: Was wäre aus der glückverheißenden Jugend, die in Sibirien, in der Peter Pauls-Festung und in der Schlüsselburg schmachtet, was aus den Idealisten im Auslande geworden, wenn sie in einem Lande mit europäischer Kultur aufgewachsen wären? Wenn daS Urteil im Sinne der Anklage ausfällt, werden sich die Zu- stände in Rußland noch verschlimmern. Wenn erst ein festes Bollwerk»m die Zitadelle des Zarismus gezogen wird, werden sich die für eine friedliche Entwicklung des inneren Rußlands günstigen Verhältnisse noch mehr vermindern, und das Gefühl, daß die glückverheißende Jugend auf die Eisfelder Sibiriens geschickt wird, daß die besten Männer in der Schlüsselburg schmachten und die Peter Pauls-Festung mit ihrem Blute tranken, daß alle, die ihr Vaterland sieben, aus den russischen Grenzen gejagt werden, in viel größerem Maße sich verstärken. Ich bitte Sie, meine Herren Richter, das blutige und doch erhebende Bild der russischen Verhältnisse an Ihren Augen vorüberziehen zu lasten, mit theilnehmendem Herzen den Angeklagten gegenüberzu- treten. Und wenn Sie mit dem Herzen urteilen, wenn Sie mit Sympathie diesen Vorgängen gegenüberstehen, werden Sie das juristische Spinngewebe zerreißen, das die Anklage um die An- geklagten gewebt hat. �# Es folgen die Repliken und Dupliken. Erster Staatsanwalt Dr. Schütze: Eine ausführliche Antwort würde ins Uferlose führen. Ich will deshalb nur auf die Ausführungen des Rechtsanwalts H a a s e antworten, in denen er mich angegriffen hat. Er hat geglaubt, daß ich für das Attentat des Karpowitsch Verständnis hätte. Das ist 6 olfto mitten irrig. Ich habe rein resümierend über seine akademischen Unthaten berichtet. Ich verabscheue diese Attentate, wie alle andern, und wenn Herr Rechtsanwalt Liebknecht moralische Entrüstung über die Attentate bei den russischen Verhältnissen nicht empfinden kann, so teile ich seinen Standpunkt nicht. Gerade der Fall Karpowitsch Zeigt uns, aus wie sinnlosen und kleinlichen Momenten sie hervor- gehen. Die Studenten hatten damals in Petersburg keinerlei Recht, sich empört zu fühlen, als sie den akademischen Festakt vereitelten. -wer wie auch immer die Zustände Russlands sein mögen, ich halte es nicht für möglich, daraus eine Entschuldigung für die Morde zu gewinnen. Skubbik hat zweifellos auch terroristische Schriften ver- sandt, und die Memeler Angeklagten geben zu, Skubbiks Sendungen verbreitet zu haben. Auch in der socialdemokratischen„Jskra" finden sich direkt hochverräterische Stellen.� Die Gegenseitigkeit scheint mir genügend ver- bürgt. Für die Art der Vcrbürgung stehen Olshausen und viele andere, für die Zeit Liszt und wiederum Olshausen auf meinem Standpunkt. Es liegt keinerlei Inkonsequenz darin, den Dolus bei der Majestätsbeleidigung zu verneinen und beim Hochverrat anzu- nehmen. Beim Hochverrat brauchten die Angeklagten nur zu wissen daß die Schriften darauf abzielten die Selbstherrschaft zu stürzen, bei Majestätsbeleidigung ist eine Verurteilung ausgeschlossen ohne Kenntnis der einzelnen Beleidigungsausdrücke. Zur Frage des G e. h e i m b u n d es bin ich überzeugt, dah hier öffentliche Angelegen- heiten des Deut scheu Reiches verhandelt worden sind. Der Gerichtshof:st nicht beschränkt, er kann öffentliche Angelegenheiten im Deutschen Reiche konstatieren, wie sie sich ihm nach der Ver- Handlung darstellen. Die Einrichtung einer demokratischen Republik in Rutzland muhte auf Deutschland in empfindlichster Weise ein- ? i-Ä U-JJ ,um e'ne Konstitution, sondern um eine demo- kratische Republik handelt es sich bei der„Jsira". Darum nehme ich hier Hochverrat an, bei Peter von Struve aber nicht.„Brennt meines Nachbars Haus, so ist auch das meinige gefährdet." Herr Liebknecht hat das Versprechen seiner Mitvcrteidiger, die Politik bei Seite zu lassen, nicht erfüllt, und doch sollte die Politik im Gerichtssaal schweigen. Ich will mit ihm nicht darüber streiten. Als der russische Generalkonsul die Inhaltsangabe anfertigte, war von dem Aufsehen erregenden Prozeh noch keine Rede. Darum ist auch an eine absichtliche Fahrlässigkeit nicht zu denken. Ich wiederhole, dah auch bei der Uebersetzung des Herrn Dr. Rost das Verfahren eingeleitet worden wäre. Im Falle Braun halte ich noch immer die erste Aussage Kleins für die richtige. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Caspar: Auch ich will nicht mit Herrn Liebknecht über Politik streiten, aber das eine will ich ihm doch entgegen halten, dah die Angeklagten Kugel und Kögst von weitgehenden hochfliegenden Idealen die er hier entwickelt hat. sicherlich keinen Schimmer von Ahnung ge- habt haben. Sollten sie sich aber berufen gefühlt haben, zur Ver- änderung der Zustände in Ruhland beizutragen, so hatten sie sich sicher über die Grenzen ihrer Kompetenz getäuscht. lHeiterkeit.) Ich halte es für ausgeschlossen, dah Kugel sich einen Lorbeerkranz für später verdienen ivollte. sHeiterkeit.) Auf die Berichtigung aller thatsächlichen Unrichtigkeiten in den Ausführungen der Herren Verteidiger muh ich verzichten. Ich will nur hervorheben, dah Selbsttäuschung und Dolus der Angeklagten sich auf ganz verschiedene Punkte bezogen hat. Getäuscht haben sie sich über die Ziele der russischen Socialdemokratie, und ihr Dolus liegt darin, dah sie bewuht socialdemokratische Schriften verbreitet haben, die eben, auch wenn sie auf dem Standpunkt der deutschen Socialdemokratie stehen, in Ruhland Hochverrat involvieren. Die angezweifelte Rede Plechanoffs ist Gegenstand der Beweisaufnahme gewesen. Von dem Central- Schristenversendungs- Komitee haben uns Kugel und Ouessel übereinstimmend berichtet. Herr Rechtsanwalt Haase fragte ironisch, ob ich auf dem Standpunkte stände: alles, was ist, ist vernünftig. Im philosophischen Sinne ist dies Wort seit Spinoza� unbestritten; politisch aber steht jeder soweit auf materialistischem Boden, dah er weih, dah alles Menschliche wird und vergeht, abstirbt und sich verändert. Es fragt sich nur, wie weit der Einzelne berechtigt ist, in die Entwicklung einzugreifen. In jüngeren Jahren hat ja jeder eifrig über das Recht auf Re- Volution debattiert, aber jetzt haben wir das längst überwunden. Dah Kant cittert werden würde in diesem grohen Prozeh in Königsberg, war mir von vornherein zweifellos. Aber dah gerade er das Recht auf Revolutton verteidigt haben soll, ist doch etwas merkwürdig. In seiner„Metaphysik der Sitten" spricht er sich aufs schärsste gegen jeden Versuch des Hoch- Verrats aus. Wenn der russische Konsul über den Inhalt der Schrift so ausgesagt hätte, wie Herr Haase hier Kant citiert hat, so liehen sich die scharfen Ausdrücke, die die Verteidigung darauf angewendet hat, gewiss nicht über- trumpfen. �Heiterkeit.) Juristisch wollte die Verteidigung uns mit Autoritäten erschlagen. Binding. Binding und nochmals Binding I Binding ist ja der geistreichste Rcchtslehrer, aber zugleich der, der am wenigsten Anklang gefunden hat. Aber das Reichsgericht I Da sitzen auch nur Juristen wie hier und ich gestehe ganz offen, dah ich vom Reichsgericht in der Frage der recht- zeitigen Bcrbürgung der Gcgenscitigkctt ebenso abweiche wie in der Auslegung des Begriffes„öffentliche Inte r- esse n". Nun gar Krückmann mit seinem Unterschiede zwischen Verein und Verbindung ist das Unklarste und Verschwommenste, was sich denken läht. Uebrigens ist es natürlich auch von erheblichem Einfluß auf Deutschlands«ffrntliche Interessen, ob das Bollwerk des Absolutismus bestehen bleibt»der nicht. Unzweifelhaft können die Flammen einer revolutionären Bewegung leicht nach Deutschland hinüberschlagen, ins- besondere bei den Polen und Litauern, und durch Verbreitung auf- ruhrerifcher Schriften können die guten Beziehungen Deutschlands zu Ruhland schon jetzt gestört werden. W,.. Verteidiger Haase: H hier e,n Brief von mir an Treptau zur Sprache ge- kommen, in den, ich von russischer Unvorsichttgkeit ge- e. Ich meinte damit die Verschickung zoll- sprachen "Deutschland" Die Schriften habe' ich Nowaarakti t*8*" faer Vorenthaltung der Schriften hat »äl-t diele m �9ftC 6cim Pr-»ii,zial- Steucramt beschwert. frl, lieben? K» noch auf einen Geheimbund aus 25 Verschiedemen w f�0n 9C'tern' wie ich glaube. m.rhinhima naAn�i?C8umenten das Nichtbestehen einer geheimen gnnd di v°lle A�°m �. den Paketen an Mertins und Kögst + /«lnot die©ArifJn"!? i?" Nowagrotzki hat auf dem Steuer- "wt Pe�gi. dle Schrfften fmd nicht für die Heilsarmee. Damit hat " AnIIn� n,l6eL0nber§ darauf aufmerksam gemacht. Dah die Anklage gegen Braun aufrecht erba ten wird, läht �"b'raiwtnurpsychologischdaraus erkläre? dah die Staats- anwaltschast lhn monatelang m Untersuchunasliaft aekalten hat und nun nach Argumenten sucht, um seine Schuld zu beweisen Aber den übereinstimmenden Aussagen Brauns und Nowagrotzkis kann man doch mehr als den sich oft widersprechenden Kleins. Ich frage»un. was hatten die Angeklagten thun sollen, um den Geheimbund z u e, n e mos'entlichen zumachen? Hätten Treptau oder Klein oder Pntzel zur Polizei gehen und sagen sollen,«ir haben rnspiche Schriften? Die Beamten würden sie einfach �Ausgewiesen und gesagt haben, sie sollten sie nicht mit solchen Bagatellen belastigen.(Grohe Heiterkeit.) Die Berliner Polizei wuhte ja übrigens längst von dem Versandt. Von dem Geheimbund bleibt also gar nichts übrig. Nun meinte der Staatsanwalt, wenn das Haus unseres russischen Nachbarn brennt. müssen wir löschen. Ich aber glaube, wir haben weder kulturell noch sonst irgendwelche iuternattoiialen Grunde dazu. Ist nun die G e g en s e i ti g ke i t verbürgt? Die Erklärung des Botschafters entspricht nicht einmal dem russischen Gesetz Die Staatsanwaltschaft ist ja sonst nicht so abgeneigt, sich ans Autoritäten Zi stützen; ihr Unglück ist nur. dah sie diesmal keine Autorität für Nch hat. ES giebt in der ganzen Judikatur und Litteratur keinen, der den Standpunkt der Staatsanwaltschaft verttitt. Jetzt soll auf einmal die Verbreitung socialdemo- tätlicher Litteratur Hochverrat feilt. Aber die russischen «ocialdemolraten wären für den Anfang mit einer bescheidenen Ver- faffnng genau so zustieden wie die Liberalen. Dann mühten ja auch die Liberale» strastechtlich verfolgt werden und Hochverräter sein. Uebrigens hat das Reichsgericht entschieden, dah wenn man Ansichten verbreitet, die vielleicht einmal später zur Gewalt führen könnten, damit der Thatbestand des Hochverrats noch nicht gegeben ist. Bedenken Sie. dah nach den Verträgen Deutschlands mit andren Staaten selbst die Terroristen, die lediglich die Zustände in ihrem Vaterlande ändern wollen, nicht ausgeliefert werden: Und hier will man eigene Staatsangehörige die weiter nichts gethan haben, als dah sie schlimmstenfalls terroristische Schriften in Empfang genommen haben, verurteilen. Der Staats- anwalt glaubte, mich mit Citaten aus Kant aus dem Felde schlagen zu können. Aber er hat seinen Kant nur halb gelesen. lHeiterkeit.) Sonst hätte er gefunden, dah Kant im„Streit der vier Fakultäten" die französische Revolution ein Phänomen nennt, das die Welt niemals vergessen wird, und sich ganz auf den Boden der Revolution gestellt hat. So bleibt von der ganzen Anklage in der That nichts zurück. Bedenken Sie, wie das Niitersiichiiiigsvcrfahrm geführt worden ist! Man hat uns nicht Gelegenheit gegeben, Licht in die Sache zu bringen. Heute kann man nicht mehr sagen, was bei Klein, Kugel und Treptau gefunden worden ist. Wir haben hier unter Zugrnndelegung des thatsächlichen Materials zu prüfen, was die Anklage gewollt hat. wie das jedes Gericht thun soll, und wenn Sie, meine Herren Richter, das auch thun, werden Sie zu einem Freispruch gelangen. Verteidiger Schwarz: Vom Herrn Staatsanwalt ist die Frage erörtert worden, ob deutsche Angelegenheiten beeinflnht werden könnten. Er sprach von dem brennenden Hause des Nachbarn, und weiterhin, Deutsch- land könne eine demokratische Republik an der Grenze nicht ertragen. Aber Deutschland erträgt ja an seiner anderen Grenze die demokratische Republik Frankreich schon seit 3b Jahren. Der Staatsanwalt wollte ferner die Angeklagten herabwürdigen, indem er für sie die neue' Bezeichnung Kugel, Kögst und Genossen fand. Aber auch Kugel hat in seiner einfachen Art ganz treffend gesagt, dah er Ruhlands Verhältnisse verbessern wollte, als er meinte, in Ruhland gäbe es noch soviel dumme Leute, die durch socialdemokratische Schriften klüger werden sollten.(Grohe Heiterkeit und Beifall für die Verteidiger.) Der Vorsitzende bittet noch um wenige Augenblicke Ruhe. Er teilt mit, dah auS Petersburg durch Vcrmittelung des Auswärtigen Amtes folgende Mitteilung eingegangen ist: An das Königl. Landgericht Königsberg, Strafkammer. In der Strafsache Nowagrotzki und Genossen hat die russische Negierung Auskunft dahin erteilt, dah es in Ruhland kein besonderes Gesetz giebt, wodurch die Gegenseitigkeit hinsichtlich der strafrechtlichen Verfolgung der in den§§ 241, 243, 249, 250 und 253 des russischen Strafgesetzbuchs unter Strafe ge stellten hochverräterischen Handlungen verbürgt ist. D o ch i st d e r russische In st i z m in i sie r der Ansicht, dah durch den 8260 des zur Zeit geltenden Strafgesetzes, dah durch die Bestinimungen des von Sr. Maj. dem Kaiser von Ruhland am 22. März v. I. be- stättgten neuen Strafgesetzbuches dem Deutschen Reiche die Gegen seitigkeit in einem solchen Falle gewährleistet worden ist. Die Zusicherung der Gegenseittgkeit ist in dem Ew. Excellenz in beglaubigter Abschrift mitgeteilten Schreiben vom 5. Dezember vorigen Jahres enthalten, worin der russische Botschafter in Berlin den Strasantrag im Namen der russischen Regierung gestellt hat. gez.: Der Reichskanzler. � I. V.: von Mühlberg. Darauf veriagi der Vorsitzende die Verhandlung(Urteils fällung) auf Montag 12 Uhr. Euq Induftrle und Handel. H arpcner Bergbau- Aktiengesellschaft. In der heutigen auher- ordentlichen Generalversammlung der Harpener Bergbau-Aktien- gesellschaft wurde beschlossen, das Vermögen der Gesellschaft Kannengieher, Mülheim a. d. Ruhr gegen Gewährung von fünf Millionen Mark Aktien der Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft und gegen eine Barzahlung von 500 000 M. zu erwerben. Ferner wurde beschlossen, das Grundkapital von 60 Millionen Mark auf 70 Millionen Mark zu erhöhen. 6 Millionen Mark sollen zur Er- Werbung des Vermögens von Kannengieher dienen, während die weiteren 5 Millionen zur Erhöhung der Betriebsmittel bestimmt sind. Diese zweiten 5 Millionen sollen zum Kurse von 130 Proz. an ein Bankkonsortiuni gegeben werden. Die Nohstahl-Ausfuhr deS Stahlwerksverbandes. Die vor einigen Monaten bei der Gründimg des StahlwerksverbandeS von der syndikatsosfiziösen Presse ausgestellte Behauptung, nun iverde sich die Ausfuhr von Halbzeug nach dem Auslande durch das Aufhören der gegenseitigen Unterbietung beträchtlich heben, wird durch die jüngst bekannt gewordenen AuSfuhrziffern völlig ack absurdum geführt. Bei den Werken des ehemaligen Halbzeugverbandes hat sich der Versand an Rohblöcken, vorgewälzten Blöcken, Knüppeln, Platinen und Halb- zeug- Enden in den beiden ersten Monaten deS laufenden Jahres wie folgt gestaltet: Inland Ausland Januar.... 63 795 Tonnen 37 016 Tonnen ' Februar... 72 372„ 38 772. Am 1. März begann, wie erinnerlich, der Stahlwerksverband seine Thätigkeit und nunmehr gestaltete sich, wie der„Köln. Ztg." aus Düsseldorf gemeldet wird, der Versand an den obengenannten Er- Zeugnissen, verglichen mit den entsprechenden Monaten des Vorjahres, wie folgt: Inland Ausland 1903 1304 1903 1904 März. 77 496 79 723 61 787 33052 Tonnen April.. 72 285 73 339 60 293 32 385 Mai.. 76 863 38 473 48 324 23 249 Für die Monate Januar bis Mai des laufenden Jahres ergiebt sich somit ein Jnlandversand don 377 707 Tonnen gegen 353 929 Tonnen in demselben Zeitraum des Vorjahres und nur ein A us lan d v er san d von 170474 Tonnen gegen 291658 Tonnen im Vorjahr. Der starke Abfall des Ausland- geschäfts ist soinit unbestreitbar, und er ist auch durch den um annähernd 24 000 Tonnen höhern Jnlandversand nicht ausgeglichen worden. Allerdings bleibt bei Beurteilung der Ausfuhrziffern zu beachten, dah die vorjährige starke Halbzeugausfnhr zum Teil nur zu sehr schlechten Preisen möglich war und dah der Verband jetzt bessere Preise erzielt haben dürfte. Der deutsche Eisenbahnverkehr im ersten Halbjahr 1334. Ueberblickt man die Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen während der ersten sechs Monate des laufenden Jahres, so zeigt sich eine deutliche Scheidung zwischen dem ersten und zweiten Quartal. In den Monaten Januar bis März waren nach den vom Reichs- cisenbahnamt veröffentlichten Monatsausweisen die Betriebs- einnahmen stark steigend. Es trat sogar der regelwidrige Fall ein, dah die Fcbruarergebnisse günstiger waren als die des Januar. Bis zu einem gewissen Grade, aber doch nicht ausschliehlich ist freilich diese Mehreinnahme pro Kilometer durch den Umstand zu erklären, dah der Februar in diesem Jahre wegen des Schaltjahrs 23 Tage zählte. Aber dah auch auherdem die Verkehrssteigerung noch erheblicher war als in andern Jahren, zeigte die Fortsetzung der günstigen Bewegung im März. Auch in diesem Monat war die Steigerung stärker als in den beiden Vorjahren. Ganz im Gegen- satz zu der günstigen Verkehrsgestaltung in den drei ersten Monaten im Personenverkehr 1903 1904 693 743 653 729 859 890 998 1026 1113 1234 1146 1123 stand die Bewegung in den Monaten April, Mai und Juni. Während in den beiden Vorjahren sowohl der April wie der Mai eine weitere Verkehrssteigerung im Verhältnis zum März zeigten, lieh im laufenden Jahre der Vcrkehrsandrang von April ab nach. Auch der Mai und Juni blieben im Verhältnis zu den beiden Vor. jähren ungünstig. Die monatliche Bewegung der Verkehrseinnahmen, die ein Spiegelbild des Eisenbahnverkehrs geben, sind für das erste Halbjahr 1904 im Vergleich mit den beiden Vorjahren aus nach- stehender Ziffernreihe zu entnehmen, zu deren Verständnis zu be- merken ist, dah die Verkchrseinnahme pro Kilometer für den Januar eines jeden Jahres gleich 100 gesetzt und danach die Zu- resp. Ab» nähme der folgenden Monate des betreffenden Jahres prozentual be- rechnet ist: �~. Januar Februar März April Mai Juni 1902' 100 95,96 115,20 116,63 123,23 113,66 1903: 100 97,03 114,42 115,09 122,49 119,90 1904: 100 100,86 116,23 112,22 120,49 116.37 Die absoluten Einnahmen der deutschen Eisenbahnen zeigen trotzdem aus zwei Gründen in jedem Monat eine Steigerung gegen- über dem Vorjahre: einmal deshalb, loeil die Januareinnahme, die gleich 100 gesetzt ist, 1904 beträchtlich höher war als in den beiden vorhergegangenen Jahren; sodann aber ist gegenüber dem Vorjahre auch die Gesamtlänge der Bahnen gewachsen, die im Monat Juli 1902 45 184, im entsprechenden Monat 1903 46 247 und am Ende des ersten Halbjahres 1904 47 031 Kilometer betrug. Die abso- lutcn Einnahmen betrugen nämlich während der ersten sechs Monate deS laufenden Jahres Gegenüber dem Vorjahr mehr M. M. Januar 123 221 745 6 964 186 Februar 130 331 830 12 020 274 März 150193 446 10 313 696 April 145 489 533 6 197 335 Mai 156 311025 6 945 783 Juni_ 151809 922 5 611443 Erstes Semester 1304 363 357 506 47 052 717 Trennt man die Gesamteinnahmen nach dem Personen- und Güterverkehr und berechnet dann die Einnahme für den einzelnen Kilometer, so ergiebt sich folgende Gestaltung des Verlehrs im laufenden Jahre. Es wurden bei sämtlichen deuffchen Eisenbahnen pro Kilometer vereinnahmt in Mark: im Güterverkehr 1903 1904. Januar 1971 2043 Februar 1928 2086 März 2194 2354 April 2065 2106 Mai 2146 2129 Juni 2043 2134 Bei den Einnahmen ans dem Güterverkehr war der Rückgang von März ab im lausenden Jahre viel erheblicher als 1903, während die Gestaltung der Einnahmen aus dem Personeuvcrkehr in diesem Jahre mit Ausnahme des Monats Juni günstiger war als im Vorjahr._ Deutschlands Kohleitproduktion. Nach der Zusammenstellung im Reichsamt des Innern über die deutsche Kohlenproduktion im ersten Halbjahr 1904 ergiebt sich für ganz Deutschland eine Produktton von 58 825 710 Tonnen(55 469 018) Steinkohlen, 23251206 Tonnen (21 440 541) Braunkohlen, 5 989 402 Tonnen(5 544 694) Cooks und 5 489 463 Tonnen(4 848 201) Briketts. Die Einfuhr des deutschen Zollgebietes beträgt seit dem 1. Januar 3 121 076 Tonnen (3 087147), die Ausfuhr 8 503 695 Tonnen(8 187 421). Die Preispolitik des Verbandes deutscher Drahtwalzwerke ist in den Verhandlungen der Kartellenquete- Kommission, deren steno- graphischer Bericht vorgestern veröffentlicht worden ist, äusserst knapp behandelt worden. Der Vorsitzende selbst sprach sein Erstaunen über die geringe Ausbeute der Erörterung aus. Keiner der Teilnehmer ging auf die Frage des Verhältnisses zwischen Inlands- und Aus« landspreisen näher ein. Die Ausführungen des Direktors der Ver« kaussstelle des Verbandes deutscher Drahtwalzwerke gingen zwar dahin, dah es einen Weltmarktpreis in dem Sinne, wie man vielleicht von einem Marktpreise des Inlandes spreche, nicht gäbe. Um die Fest- stellung dieses sogenannten Weltpreises handelt es sich jedoch bei.der Erörterung der Preispolitik des Syndikats gar nicht, sondern um die Ermittelung der Preise, zu denen der Verband seine Auslands- abschlüffe gethätigt hat. Diese Preise sind sehr leicht dadurch zu ermitteln, dass für einen bestimmten Zeitraum der Erlös aus den Abschlüssen mit dem Auslände durch die Zahl der gelieferten Tonnen dividiert und dadurch ein Tonnenpreis ermittelt wird, der dem ge- suchten durchschnittlichen Auslandspreise entspricht. Jedenfalls darf man annehmen, dass der wirkliche Auslandspreis niedriger ist, als es nach den Preisnotierungen iin Auslande erscheint. Augenblicklich stellt sich die Preisnotierung in England für deutschen Walzdraht auf 105 bis 106 M., während er in Deutschland 120 M. beträgt. Der Auslandspreis ist also um etwa 12 Proz. niedriger als der Inlandspreis. Um wieviel während der letzten Jahre die Verkäufe nach dem Auslande in Wirklichkeit, pro Tonneneinheit berechnet, weniger eingebracht haben als der Verlauf einer gleich grossen Menge auf dem inländischen Markte, das auch nur annähernd zu ermitteln, wäre eine wichtige Aufgabe der Verhandlungen über das Walzdraht-Syndikat gewesen. Feinblechverband. Die gestern in Köln abgehaltene General- Versammlung des Feinblech-Verbandes genehmigte das Abkommen mit der Aktiengesellschaft Charlottenhütte, wonach diese dein Ver- bände für den Rest der Vertragsdauer bis zum 31. Dezember dieses Jahres beitritt. Der Antrag auf Auflösung des Feinblech-Verbandes, welchen die Hüstener Gewerkschaft und die Siegerländer Eisenwerke gestellt hatten, wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Vom englischen Arbcitsmarkt. Nach dem Bericht der„Labour Gazette" hat sich gegenüber dem Mai die Lage des englischen Arbeits- Marktes im Juni etwas gebessert. In 271 Trabes Unions(Gewerk- schaften) mit einer Zahl von 573 373 Mitgliedern waren im Juni nur 34 066, also 5,3 Proz. unbeschäftigt, dagegen im Mai 6,3 Proz. Im Vergleich zu früheren Jahren ist jedoch die Zahl der Arbeits- losen noch immer eine sehr grosse, denn im Juni vorigen Jahres waren nur 4,5 Proz. der Gewerkschaftsmitglieder unbeschäftigt und im Durchschnitt des Jahrzehnts von 1804—1903 gar nur 3,8 Proz. Am ungünstigsten ist der Beschäftigungsgrad in der Baumlvoll- industrie, dem Schiffsbau, der Maschine�- und der Stahlindustrie. Auch im Baugewerbe ist die Lage nicht günstig. Versammlungen. Centralverband der Maschinisten und Heizer. In der General- Versammlung, welche die Zahlstelle Berlin am Sonntag abhielt, wurde Holz als erster Vorsitzender, Schwittau als Gauleiter und Engel als dessen Stellvertreter gewählt. Als Ersatzmänntr zum Kuratorium des Arbeitsnachweises wurden F r e e s e und Hesse bestimmt. Hierauf erstattete der Kassierer Paschen den Kassenbericht. In dem Halbjahr vom 1. Januar bis 30. Juni wurden eingenommen 8708,25 M., ausgegeben 8361,05 M., bleibt ein Ueber- schuss von 347,20 M., dazu Vortrag vom 31. Dezember 1303 ergiebt einen Kassenbestand von 8839,01 M. Der Bericht des Arbeitsnach- weises für das Halbjahr zeigt folgendes Ergebnis: Eingeschrieben 580, Nachfragen 410, in Arbeit gebracht 318. Die beiden Delegierten zur Gewerkschaftskommission gaben einen Ueberblick über die Thätig- keit der Kommission und vertraten die Ansicht, dass die kleinen Ge- werkschasten in der Kommission gegenüber den grossen Organisationen im Nachteil seien. Die kleinen Gewerkschaften seien nur da, um Geld zu geben, zu sagen hätten sie nichts.— Mit Bezug auf einen Verbandstagsbeschlutz nahm die Versammlung einen Antrag an, wo- nach die aus andren Zahlstellen oder Gewerkschaften Uebertretenden kein Eintrittsgeld zu bezahlen haben. Für Neueintretende blewt das Eintrittsgeld von 2 M. bestehen.— Den streikenden Steinsetzern wurden 50 M. bewilligt. . 9 CONRAD & Original- Entwsrl Kichdr. veTt>ot«i) 1 Deutschlands bedeutendste SCHUHWAREN-FABRIKEN BURG bei Magdeburg. Zweckmässige Beschuhungen für Reise, Strand, Gebirge, Sport u. s. w. in besonderer Reichhaltigkeit in»»» Auffallender Beliebtheit erfreuen sich: Herren-Schnürstiefel Prima Chanean, hoohletn.. Herren-Schnait-Stiet Prima CheTrean, das Beste für empfindliche Passe..... Herren-Zagstiefel Boeter CheTresa,«ehr elegant Herren-Zngstiefel la. 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Seht die Wählerlisten z« den Stadtverordneten-Wahlen nach! Dieselben liegen nur noch bis Sonnabend, den SV. Juli, und zwar heute Sonntag von 11—1 Uhr und an den übrigen Tagen von 2—3 Uhr für ganz Berlin im Wahlbureau. Poststr. 13 II, Zimmer 57, zur öffentlichen Einsichtnahme aus. Da nur derjenige, der in den Wählerlisten eingetragen ist, sein Wahlrecht ausüben darf, ist es die Pflicht aller Wähler, sich davon zu überzeugen, ob ihr Name in der Wählerliste verzeichnet ist. Wer nicht verzeichnet ist. reklamiere sofort! Parteigenossen! Sind in diesem Jahre auch keine allgemeinen Wahlen, so ist es doch von größter Wichtigkeit für jeden, sich zu überzeugen, daß sein Name mit verzeichnet ist. Bei allen Nachwahlen hat sich als arger Mißstand herausgestellt, daß viele unsrer Genossen nicht wahlberechtigt waren, weil sie nicht in der Liste standen. In dem Glauben, es finden doch keine Stadtverordneten-Wahlen statt, haben sich viele um die Auslegung der Wählerlisten nicht gekümmert und sind dadurch ihres Wahlrechts verlustig gegangen. Deswegen er- suchen wir alle Genossen recht dringend. Einsicht in die Wählerlisten zu nehmen oder einen Bekannten, der Zeit hat, damit zu be- auftragen. Erfülle jeder seine Pflicht und überzeuge fich, ob sein Recht gewahrt und er eingetragen ist. Dritter Wahlkreis. Achtung! Parteigenossen! Die Wähler des 17. Kommunal- Wahlbezirks ersuchen wir be- sonders, sich zu überzeugen, ob sie in der ausliegenden Wählerliste verzeichnet sind, damit sie nicht, falls wir infolge des durch freisinnige Niedertracht diktierten Wahlprotestes zu einer Nachwahl gezwungen werden, ihres Wahlrechtes verlustig gehen. Für diejenigen, welche verhindert sind selbst einzusehen, sind die unterzeichneten Genossen bereit, die Einsicht vorzunehmen: W. Börner, Cigarrenhandlung, Ritterstr. 18; E. Götte, Restaurant, Branden- burgstr. 18; O. Blume. Restaurant, Alte Jakobstr. 119; G. Ladewig, Restaurant, Kommandantenstr. 65; St. Fritz, Spedition, Prinzen» straße 31; Jestram, Restaurant, Prinzen- und Sebastianstraßen-Ecke; Lepke, Restaurant, Prinzenstr. 59. Der 17. Kommunal-Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke: ISZ. Prinzenstr. 17—29 und 91—192, Ritterstr. 19—29 und 93-115. 194:. Fürstenstr. 2—28, Luisen-Ufer 37—46, Ritterstr. 1—9 und 116-126. 125. Luckauerstr. 17, Luisen- Ufer 23—36, Oranienplatz(West- sicher Teil), Oranienstr. 42—58 und 159—165, Prinzessinnenstraße. 12V. Brandenburgstraße 37—46, Moritzplatz, Oranienstr. 58 a bis 69 und 137—149, Prinzenstr. 39—38 und 82—99, Stallschreiberstraße 3—15 und 52—64. 131. Alexandrinenstr. 44—63 und 66—86, Sebastianstr. 12 bis 24 und 63—76, Stallschreiberstr. 16 und 48—51. 132. Luckauerstr. 1—16, Prinzenstr. 89—54 und 69—81, Sebastianstr. 1—19 und 77—88, Stallschreiberstr. 1—2. 133. Buckowerstraße, Dresdenerstr. 21— 39 a und 118— 118, Kaiser Franz-Grenadier-Platz, Luisen-Ufer 1— 22. 134. Alexandrinenstr. 64 und 65, Annenstr. 1— 19 und 41 bis 53, Dresdenerstr. 31—54 und 98—112, Neanderstr. 17 und 18, Prinzenstr. 55—68. Die Berliner Vertrauensleute. berliner partci-Hngclcgcnbeltcn. Nicder-Schönhausen. Bezirk Pankow. Dienstag, den 26. Juli, gl/z Uhr, Wahlvereins-Versammlung, Lindenstr. 43. 1. Vorlesung. 2. Diskussion und Verschiedenes. Wir setzen pünkt- liches Erscheinen voraus. In Schönholz hfindet heute Sonntag im Parkrestaurant von Lange, stüher Bermann, das diesjährige Sommerfest des Wahl- Vereins für Reinickendorf und Umgegend statt. Das Programm kann man ein reichhaltiges und gutes nennen, und machen wir auf das Auftreten der beliebten Gesangsduettisten Gebr. Riedel besonders aufmerksam. Für Kinderbelustigungen, wobei Geschenke verteilt werden, ist bestens gesorgt. Zum Fackelzug erhält ein jedes Kind eine Stock- laterne trotz freiem Eintritt gratis. Der Eintrittspreis ist wie üblich 29 Pf. Die Kaffeeküche ist schon von 2 Uhr an geöffnet. .„ Lichtenberg. Heute findet bei Mente, Röderstr. 35/86, das von �«Ungenossen Lichtenbergs veranstaltete Volksfest statt. ftl nr?"0,1}1*-~ Dienstag, den 26. Juli, findet bei Höflich, Frank- Ii« 129, die Versammlung des Wahlvereins statt. Gaste, auch Frauen, haben Zutritt. av nhr®|�orßtnJ>«fer Wahlverein hält am Dienstag, abends mJiter'aihl Restaurant Sanssouci, seine ordentliche 1 V o rst a n dz- jJsn" rf l"" g mit folgender Tagesordnung ab: und Abreckimin» � Kassenbericht. 2. Bericht des Vergnügungskomitees GmemlNmmlu»? Stiftungsfest. 3. Wahl der �Delegierten z..r Das Erschew?» Central-Wahlvereins. 4. Verschiedenes. wird daher zahlreiche�Besuch'�rwattet.'� kofealea. 2toftftjcnbcr. JHetnanb sollte einem Pastor nachlaufen. Mzuost geschieht das >a auch nicht, und in der Regel ist eS nicht einmal nötig. Meist lausen die Pastoren oder ihre Helfer den Leuten nach und sie sind herzensfroh. wenn bei diesem oder jenem ihr Liebeswerben Erhöhrung findet. Wenn Du eme Ehe schließest, ohne einen Pastor dazu zu rufen, wenn Dir e,n Kind geboren wird und Du es nicht taufen läßt, dann kommen die Sendboten der Kirche ungebeten in Dein Haus, dann bearbeiten sie Dich nach allen Regeln der Kunst und suchen Dich zu bewegen, daß Du nachholst, was Du versäumtest ES giebt aber auch Ausnahmen. Ist Dir ein lieber Angehöriger g e st o r b e n, den Du zur Ruhe bestatten willst. dann findet sich von dort aus kein Mensch freiwillig bei Dir ein. Kein Geistlicher tritt ungerufen an das Grab der Deinen, keiner drängt Dir seine unerbetene Leichen- predigt auf. Wenn etwa in solchem Falle Deine bessere Einsicht untergeht in Deinem Schmerz, wenn Du noch einmal zurücksinkst in jenen Zustand der Einfalt, den Du schon überwunden zu haben glaubtest, wenn es angesichts des offenen Sarges Dich noch einmal nach dem Gotteswort verlangt, dann mußt Du selber zu dem Herrn Pastor gehen und ihn schön bitten, daß er Dir seinen Trost spende. uoer gerade jetzt, wo Du weich und willig bist und gefügig, wo die Kirche ein leichtes Spiel mit Dir hat und Du selber Dich vor ihr beugen willst, wo nicht Dir der Pastor nachläuft, sondern Du ihm— gerade jetzt erlebst Du eine bittere Enttäuschung und mußt erfahren, daß ei» Pastor auch ein recht strenger Mann sein kann. Wehe Dir, wenn der, den Du der Erde übergeben willst, durch Selbstnwrd geendet hat l Wehe den Hinterbliebenen, wenn es in der Familie des Verstorbenen nicht immer ganz friedlich zugegangen ist! Einem Pastor, so sagten wir, sollte niemand nachlaufen. Wir fügen hinzu: auch nicht dann, wenn ihm selber kein Pastor nach- läuft. Wir haben das oft genug gesagt, aber es giebt immer noch Leute, die nicht hören wollen und erst durch Schaden klug werden müssen. Schweres Lehrgeld hat in dieser Woche eine alte Frau zahlen niüssen, eine W i t w e F., die draußen vorstn Königsthor wohnt. Ihr war ein Sohn gestorben, und auch sie meinte, daß er nicht ohne Pastor zu Grabe getragen werden könne. Vor zwei Jahren hatte der schon damals unheilbar kranke Sohn gegen den Willen der Mutter geheiratet. Zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter war es zu keiner Eintracht gekommen, zumal da die junge Frau der Schwiegermutter die geforderte Ehrerbietung versagte. Trotzdem unterstützte die alte Frau F. ihren Sohn in seiner Krankheit und gab Zuschüsse zur Miete sowie zum Lebensunterhalt für ihn und seine Fannlie. Als er im Krankenhause Friedrichshain seinen Leiden erlag, ging die Mutter mit der Schwiegertochter in ein Sargmagazin und ließ die Beerdigung vor- bereiten. Die Rechnung wurde ihr selber ausgestellt, und die Kosten wurden auch größtenteils von ihr getragen. Sie begnügte sich damit, daß die Schwiegertochter etwa ein Viertel der Kosten aus dem von der Krankenkasse erhaltenen Sterbegeld bezahlte. Auch die Kutsche für die nächsten Angehörigen und den Pastor wurde mit- bestellt und mitbezahlt. Zum Pastor gingen die beiden Frauen jede für sich, erst die Schwiegertochter und dann die Schwieger- mutier. Sie hatten sich den Prediger Pfeiffer von der A u f e r st e h u n g L g e m e i n d e als Trostspender auserschen. Als die alte Frau F. zu ihm kam, wußte er bereits von dem Unfrieden. Er suchte sie zu überreden, daß sie sich in aller Form mit der Schwiegertochter aussöhne, doch Frau F. lehnte dies ab. Sie gab auch die Gründe an, aber der Trostspender entließ sie sehr un- gnädig. Am Beerdigungstag holte die Kutsche die junge Frau und den Pastor ab. Die alte Frau hatte, um den Preis nicht zu verteuern, gleich bei der Bestellung auf ein Abholen verzichtet und begab sich zu Fuß nach dem Krankenhaus. In der Leichcnpredigt, die es hier zu hören gab, mahnte der Pastor noch immer zur Versöhnung. Als dann der Zug aufbrechen und die alte Frau F. im Wageu neben der jungen Witwe und dem Pastor Platz nehmen wollte, erklärte dieser feierlich, s i e dürfe hier nicht hinein. Der Gedanke, daß gerade im Wagen das VersöHnungswerk noch einmal versucht werden und hier vielleicht gelingen konnte, scheint dem Herrn Pastor in der Unversöhulichkeit seines Versöhnungseifers nicht gekommen zu sein. Frau F. hätte zwar vor der ganzen Trauerversammlung den Pastor samt der jungen Witwe aus dem von ihr selber bestellten und bezahlten Wagen herausholen können, aber sie war anständiger, trat zurück und ging hinter dem Sarge her. Auf dem Friedhof entstiegen der Kutsche der Pastor nebst junger Witwe und traten hinter den Sarg. Als Frau F. sich in dieselbe Reihe stellen wollte, wies Herr Pastor Pfeiffer die Mutter von diesem Ehrenplatz hinter dem Sarge des Sohnes hinweg. Auch jetzt blieb Frau F. noch ruhig und geleitete ihren Sohn, neben dem Sarge schreitend, zu Grabe. Der Trauerversammlung hatte sich schon am Krankenhause und noch mehr jetzt auf dem Friedhof große Erregung bemächtigt, die sich auch am offenen Grabe nicht legen wollte. Als der Sarg eingesenkt war und der Geistliche noch seine paar Worte gesprochen hatte, trat die Mutter an die Gruft und rief hinab. „Ich wünschte, Du wärest schon vor 2 Jahren hierhergekommen." Herr Pfeiffer verwies sie zur Ruhe, verließ dann mit der jungen Witwe die Gruft, bestieg mit ihr die Kutsche und fuhr davon. Teilnehmer des Leichenbegängniffes haben fich uns gegenüber in scharfen Worten über diesen Pastor geäußert. Wir sehen indes nicht recht einen Grund, sich aufzuregen. Wenn wir recht unterrichtet sind, so hat Herr Pfeiffer gar nicht anders handeln können. Ein christlicher Pfarrer muß unerbittlich sein, wenn er als strafender Richter auftreten zu sollen meint; wir bitten das zu beachten. Es ist ja nicht nötig, einen Pastor als Troftspender zu be- mühen. Alle, die es angeht, sollten beherzigen, was wir am Ein- gang dieser Betrachtung sagten: Einem Pastor soll niemand nach- laufen!_ . Zurückgezogene Eisenbahnermahregelung. Kürzlich waren einige dreißig Eisenbahnangestelltc, meist Handwerker und Betriebshilfs- beamte, wegen angeblicher Zugehörigkeit zum Hamburger Eisen- bahner-Verband gekündigt worden. Bis zum letzten Tage der ab- laufenden Kündigungsfrist waren die Betroffenen der festen Ueberzeugung, daß es ein Zurück nicht mehr gäbe. Doch siehe da, am letzten Tage nachmittags wurde ihnen eröffnet, daß laut Ver- fügung der königl. Betricbsinspektion die Wieder-Jndienststellung der Gemaßregelten angeordnet sei. Auf was mag nun diese Zurück- nähme sich gründen? Sollte die Eisenbahnverwaltung endlich zu der Einsicht gekommen sein, daß es unschön ist, wenn man harmlose Leute ohne jeden Anhalt, höchstens auf die Angaben eines traurigen Denunzianten hin, auf das Pflaster setzt? Wurde die Entlassung aber nur deshalb zurückgezogen, weil der Denunziant so not- dürftiges und zum größte Teil� auch derartig falsches Material geliefert hat, so war der Angriff kein schneidiger und durfte auf keinen Fall unternommen werden. Die Aufregung der Gekündigten und ihrer Familien wäre unterblieben. Was mögen die harmlosen Leute wohl in ihrem Innern von der Eisenbahnverwaltung gedacht haben, welchen Eindruck werben sie zurückbehalten! Werden sie nicht erst recht neugierig geworden sein, was der Hamburger Eisenbahner- Verband eigentlich bezweckt? Und wird sich deren Neugier nicht noch weit über die betroffenen Kreise hinaus erstrecken? Wir wollen hoffen, daß den Wiedereingestellten keinerlei Nachteil entstehen möge, daß sie vor allem in ihrem Dienstverhältnis nicht geschädigt werden! „In Freien Stunden". Illustrierte Wochenschrift für da? arbeitende Volk. Heute gelangt Heft 39 dieser in Arbeiterkreisen beliebten Zeitschrift zur Ausgabe. Es bringt die Fortsetzung des Romans„Der Jesuit" von C. Spindler und der tief ergreifenden Erzählung„Ein Rekrut" von Erckmann-Chatrian, außerdem eine naturgeschichtliche Skizze„Das Tote Meer", sowie„Dies und Jenes", „Witz und Scherz", die den Inhalt des Heftes vorteilhaft ergänzen. Die Wochenschrift„In Freien Stunden" soll belehrend und unter. haltend wirken. Diese Aufgabe sucht das Unternehmen nach Kräften zu erfüllen durch den Abdruck guter Romane und Erzählungen, sowie durch die kleinen Artikel und Notizen, die allen Gebieten menschlichen Wissens entnommen werden. In jeder Woche erscheint ein Heft, 24 Seiten stark, für 19 Pfennig. Bestellungen nehmen alle Buch-- Handlungen jeder Kolporteur und auch die Post entgegen. Durch die Post bezogen kostet die Wochenschrift 1,29 M. pro Quartal. Der Verlag bittet die Parteigenossen um rege Agitation für dieses Parteiunternehmen. Die gesundheitsschädigende Wirkung des Feuerwehrberufs, die bei den letzten größeren Bränden in die Erscheinung getreten ist, wird aber besonders durch den hohen Krankenbestand des Berliner Feuerwehrcorps illustriert. Im letzten Rechnuiigsjahr 1993/94 wurden folgende Beobachtungen gemacht: 135 Mann muhten an allgemeinen Erkrankungen behandelt werden, 119 an mechanischen Verletzungen, 91 wegen Krankheiten der Bewegnngsorgane, 86 wegen Krankheiten der Ernährungsorgane, 39 wegen Krankheiten der Atmungsorgane, 29 wegen Krankheiten der äußeren Bedeckung, 29 wegen Erkrankung des Nervensystems, 12 wegen Erkrankung der Augen, 3 wegen Krankheiten der Kreislauforgane und 13 wegen Harn-, Ohren- und andren Krankheiten, zusammen 652 Mann von 850 der Etatsstärke. Diese 552 waren dienstunfähig. Außerdem wurden noch 379 Mann, die leichteren Dienst thnn konnten und 16 Offiziere, 2 Bureaubeamte, 52 Chargierte und 311 wegen leichterer Gesundheits- störnngen, die die Ausübung des Dienstes nicht behinderten, arz- neilich verpflegt. Der Monat Februar 1994 zeigte den größten Zugang an Kranken, nänrlich 72 dienstuntaugliche. Die Vermehrung der Eheschließungen, die in Berlin zum crstent mal im Jahre 1993 wieder bemerkbar geworden ist, dauert fort. Im Jahre 1994 wurden hier in den sechs Monaten Januar bis Juni 9999 Ehen geschlossen, während in denselben sechs Monaten des vorigen Jahres nur 9363 Eheschließungen vollzogen worden waren. Die Zunahme gegenüber dem vorigen Jahre stellt sich schon für die erste Jahreshälfte auf 627 Eheschließungen. Wenn nicht m der zweiten Jahreshälfte ein Rückschlag eintritt, dann ist diesmal für das ganze Jahr auf ein Mehr von 1299—1399 Eheschließungen zu rechnen. Das ganze Jahr 1993 hatte 29 141 Eheschließungen ge- bracht, um 1993 mehr als das Jahr 1992. Der Sprccwald hat durch die anhaltende Dürre seinen eigen- artigen, durch die zahlreichen Sprcearme hervorgerufenen landschaft- lich reizenden Charakter fast vollständig verloren. Wie allenthalben, ist auch hier der Wasserspiegel gefallen, und zwar so bedeutend, daß die Kahnfahrten durch den Spreewald fast gänzlich aufgehört haben und die ausgedehnten Partien nur noch zu Fuß unternommen werden können. In einigen Kanälen ist die Wassermenge teilweise so ge- ring, daß man trockenen Fußes in dem Bett entlang wandern kann und nur leichte Rinnsale einige Furchen in dem Grunde ziehen. Falls sich die Verhältnisse nicht bald ändern, dürsten in ganz kurzer Zeit mehrere der Kanäle vollständig ausgetrocknet sein.— Wie bereits mitgeteilt worden ist, sind bei Erkner wieder- holentlich Zillen auf den Grund aufgefahren, und erst ain Donnerstag wurde dadurch eine große Verkehrsstörung herbei- geführt. Da nun der Spreespiegel noch immer weiter gefallen ist, hat gestern, Freitag, die Wasserbau-Verwaltung Maßnahmen getroffen, um die Schiffahrt' an diesem wichtigsten Punkt des mittleren Spree- laufes aufrecht erhalten zu können. Mehrere Baggermaschinen sind in Thätigkeit gesetzt worden, um die Fahrrinne so weit zu vertiefen, daß die Schiffahrt fortgesetzt werden kann. Eine Unterbrechung des- selben an jener Stelle würde zur Folge haben, daß die Rüdersdorfer Kalkberge, die Ccment- und Mörtelwcrke, die ihre Baumaterialien fast nur per Schiff nach Berlin bringen können, ihren Betrieb stark ein- schränken resp. einstellen müßten. Die Baggerungsarbeiten werden derartig gefördert werden, daß eine Unterbrechung des Schiffahrts- Verkehrs bei Erkner unbedingt vermieden wird. Auf der Löcknitz haben die großen, neugebauten Motorboote, die in diesem Jahre zum erstenmal aus dem Gewässer verkehrten, des niedrigen Wasser- standes wegen die Fahrten einstellen müssen. Dem Verkehrsbedürfnis der Ausflügler ist durch die Einlegung einer größeren Zahl kleiner Motorboote Rechnung getragen.— Vor einigen Tagen wurde die Mitteilung verbreitet, daß die Maschinen der nach Erkner fahrenden Vorortzüge bereits in Friedrichshagen Wasser nehmen müßten, weil die Wasserkräne auf der Endstation infolge des niedrigen Wasser- standes fast vollständig versagten. Dies ist unzutreffend. Die Wasser- entnähme in Erkner ivar gesperrt, weil der Sauger defekt geworden. Nachdem nunmehr die Reparatur beendet ist, findet die Füllung der Kessel wieder auf der Endstation statt. Zwei ausgedehnte Waldbrände werden wiederum vom gestrigen Tage gemeldet. In der königlichen Forst, zwischen Alt-Buchhorst, Riidersdorf und Erkner, entstand mittags ein Brand, der sich mit unheimlicher Schnelligkeit ausdehnte. Obwohl die Feuerwehren, Ortsbewohner und Sommergäste von Grünheide, Alt-Buchhorst und Herzfelde sofort versuchten, die. Brandstätte abzugrenzen, griff das Element derartig um sich, daß im Lause des nachmittags noch die Wehren und Bewohner von Woltersdorf, Rüdersdorf und Erkner mit eingreifen mußten, und erst nach mehrstündigen Bemühungen man des Feuers Herr werden konnte. Ein großer Waldbrand, der vermutlich durch die Funken einer Lokomotive veranlaßt worden ist, wütete vormittags zwischen Münchs- berg und Küstrin an der Ostbahn. Durch den Brand, an dessen Ablöschung sich sämtliche Bewohner der umliegenden Ortschaften beteiligten, wurde eine ausgedehnte Strecke hochstämmigen Waldes vernichtet.— Auch brennende Getreidefelder konnte man an der genannten Bahnstrecke in letzter Zeit beobachten. In allen Fällen »st das Feuer nachweislich durch Funken der Lokomottven verursacht worden. Einen merkwürdigen Grund zum Selbstmord hat der 36 Jahre alte Zuschneider Wilhelm Habecker aus der Zossenerstraße 42 hinter- lassen. Während feine Ehefrau mit den drei Kindern zu ihren Eltern verreist war, ging das Gerücht um, daß H. mit einer ver- heirateten Frau aus dem Görlitzer Stadtteil ein Liebesverhältnis unterhalte. Gestern erschien er nicht in der Fabrik, wo er schon 16 Jahre beschäftigt wurde; man ließ die Wohnung gewaltsam öffnen und fand den Gesuchten tot in seinem Blut auf dem Fußboden liegen. Er hatte sich in die rechte Schläfe geschossen. In einem Abschiedsbrief teilt er mit, daß er zu Unrecht eines unlarlteren Verhältnisses beschuldigt wurde. Die Fainilie lehrte in der letzten Nacht nach Berlin zurück. Durch einen Schuß in daS Herz tötete sich gestem vormittag um 19 Uhr die 25 jährige Büffettkcllnerin Anna Drieschel aus der Neuen Schönhauserstraße 12. Vor fünf Jahren machte sie in einer Wirt- schaft der Kochstraße Bekanntschast init dem Sohn eines reichen Brauereibesitzers, der an dem hübschen Mädchen mit schwarzem Haare und großen braunen Augen Gefallen fand und ein Liebesver« hältnis mit ihm anknüpfte. Obgleich er ihm reichliche Mittel zuivandte, konnte das Mädchen nicht auskommen, da es für Putz- und Schmuck- fachen unverhältnismäßig viel Geld verausgabte. So kam es, daß Anna Drieschel bei den Wirtsleuten und be» bekannten Mädchen An- leihen machte, die sich auf etiva 299 M. belaufen. Sie glaubte, das Geld von ihrem Liebhaber eines Tages flottmachen zu können. Uin so schwerer traf sie der Schlag, als sie am 12. dieses Monats von ihrem Bräutigam einen Absagebrief erhielt, der ihr Untreue als Grund für den Abbruch der Beziehungen angab. Das wirkte derart drückend auf sie, daß sie sich zum Selbstmord entschloß. In der vor- letzten Nacht schrieb sie sechs Briefe an die Mutter, die Wirtsleute, den Geliebten und an Bekannte. Zufällig traf die Mutter am Frei- tag vormittag zu Besuch bei der Tochter ein und begab sich mit der Wirtin in die Stube. Dort fand man Anna halbbekleidet tot iin Bette liegend auf. Neben ihr lag ein Revolver, aus dem sie sich in das Herz gettoffen hatte. Die Wirtin hatte von dem Vorgang nichts gehört. Ein Arzt konnte nur noch den bereits vor mehreren Stunden eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde von der Polizei be- schlagnahmt, die auch die hinterlassenen Briefe an sich nahm. Folgende Berichtigung geht uns zu:„In Ihrer Zeitung vom 15. d. M. war im 1. Beiblatt unter Lokales ein Bauunfall ver- zeichnet, deren falsche Angaben ich richtig stellen will. Unter anderm heißt eS'" die in gewesen und vorschriftsmäßig und"steht noch in derselben Verfassung jedem zur Besichtigung. 2. heißt es weiter: Als schändlich ist es außerdein zu bezeichnen, daß mgn m der Mittggszeit, bevor die Pesichtigungs- fömmiffion den Thatbestand festgestellt hatte, versuchte, die Spuren des Unglücksfalles au verwischen. Diese Behauptung ist infam und beleidigend. Jeder auf dem Bau Beschäftigte weiß, daß ich sofort das Ivo. Pollzeirevier von dem Unfall in Kenntnis setzen ließ und niemand die Unglücksstelle betreten durfte, bevor nicht der That- bestand von den Beamten festgestellt wurde; erst nachdem alles genau besichtigt war, ließ ich weiter arbeiten und den beschädigten Teil der Schutzrustung reparieren. Daß sich Ihr Gewährsmann einer Kritik über Ausführung der Maurerarbeit enthält, wird seinen guten Grund haben, denn derselbe kann unmöglich ein Fachmann sein. Zu dieser Darstellung wird uns geschrieben: Erstens ist es nicht Wahr, daß ein Passus im Bericht der Nummer vom 15. Juli unter Bauunfall lautet: Auch� dieser Unglücksfall hätte sich nicht ereignen können, wenn die in Höhe der vierten-Etage angebrachte Schutz- rüstung abgedeckt gewesen wäre, sondern es heißt u. a., wenn die in Hohe der vierten Etage angebrachte Schutzrüstmig vorschriftsmäßig abgedeckt gewesen wäre. Und dies war leider nicht der Fall, denn grade an der Stelle, wo der Arbeiter Reinicke herunterstürzte. fehlten die Abdeckbretter. Wäre der Belag vollständig gewesen, hätte Reinicke nur bis auf die Rüstung der vierten Etage, nicht aber bis auf den Hof hinabstürzen können.— Zu Punkt 2 sei bemerkt, daß hier der Einsender das in Höhe der ersten Etage befindliche Schutzdach, welches von dem herabstürzenden Arbeiter durchschlagen wurde, weil die Ausleger viel zu weit auseinander lagen, mit der in Höhe der vierten Etage angebrachten Schutzrüstung verwechselt. Auch ist in dem Bericht nicht die Rede davon, daß die Unglücksstclle zu früh betreten wurde, sondern die Arbeit hätte sofort und so lange ruhen müssen, bis die Besichtigungskommission die Ursachen des Unfalles festgestellt hatte. Dies wäre unbedingt notwendig gewesen, um speziell den Beamten Gelegenheit zu geben, die Herstellung der Accordmaucrarbeit kennen zu lernen. Im übrigen muß man sich wundern, daß der Herr Maurerpolier unter diesen Umständen sich noch„getroffen" fühlt. Eine Panik entstand am Sonnabendnachmittag in der vierten Stunde infolge eines Kellerbrandes in der Schönhauser Allee 74a. Aus unbekannter Ursache waren dort in dem Keller des großen unmittelbar an den„Ringbahnhof Schönhauser Allee" an- grenzenden Hauses Kisten und Packmaterialien in Brand geraten. Im Nu brannten auch die Treppen und bald waren auch die Aufgänge verqualmt. So schnell wie möglich stürztenZ alle Hausbewohner über die verqualmten Treppen ins Freie. Als der 3. Dampfspritzenzug unter Leitung des Brandmeisters Siunge an der Brandstelle erschien, war die Situation schon recht bedrohlich. Ohne Verzug wurden Schlauchleitungen vorgenommen und kräftig gelöscht. Der Offizier ließ ferner sofort die Mann- schaften, die durch den ersten Zug verstärkt wurden, über Haken- leitcrn in das zweite und dritte Geschoß durch die Fenster eindringen und alle Räume, die bereits verqualmt waren, nach Personen absuchen. Die meisten hatten die Flucht ergriffen. Den Zurückgebliebenen wurde Hilfe geleistet und für den Abzug des Rauches gesorgt. Schließlich gelang es durch Löschen der Flammen die Gefahr zu beseitigen. DaS 13. große Säiigcrfest des Arbeiter-Sängcrbundes findet am Sonntag, den 7. August, in Friedrichshagen statt. Da diese Ver- einigung sich seit Jahren einer großen Beliebtheit in allen Kreisen der Arbeiterschaft erfreut, so ist wohl anzunehmen, daß, wie all- jährlich, auch in diesem Jahre wieder viele Tausende nach den prächtigen Ufern des Müggelsees pilgern werden, um den brausenden Massen-Chören des Bundes zu lauschen. Diese Chöre werden schon seit Monaten von den Sängern eifrigst studiert, um exakt zum Vortrag gebracht zu werden. Der instrumentale Teil des Pro- gramms wird ebenfalls nur von tüchtigsten Kräften aus- geführt. Drei große Kapellen sind vorgesehen. Das Konzert be- ginnt schon früh 8 Uhr. Das Müggelschlößchen und Strandschloß mit angrenzendem Walde bieten herrliche Abwechselung. Durch Ver- einbarungen mit den Dampfergesellschaften„Stern" und Kahnt u. Hertzer wird die Beförderung eine geregelte und schnelle sein. Von morgens früh 7 Uhr fahren Dampfer je nach Bedarf nach dem Festort für den Preis von 35 Pf. bei der„Stern"- Gesellschaft, Abfahrt Jannowitzbrücke und Schlesisches Thor, und 30 Pf. bei Kahnt u. Hertzer. Abfahrt Waisenbrücke. Schulkinder sind frei. Die Arrange- nients sind vom Vorstande so gettoffen, daß einem jeden Teilnehmer eine angenehme und. abwechselnde Unterhaltung geboten wird. Siehe heutige Annonce. Arveiter-Bildungsschnle Berlin. Am nächsten Dienstag haben die Kurse für das verflossene Vierteljahr ihr Ende erreicht, dann treten Ferien ein bis Mitte Oktober. Während dieser Zeit ist die Bibliothek jeden Donnerstagabend von 8—9 Uhr geöffnet.— Sonntag, den 31. August: Zille'nfahrt mit Musik nach Neue Mühle bei Königs-Wusterhausen. Viele originelle Ueberraschungen zu Wasser und zu Land. Abfahrt früh 7ftz Uhr von der Schlesischen Brücke. Billets a 1,30 sind bis Donnerstag in den Zahlstellen der Schule und dann nur noch in beschränkter Zahl bei Horsch, Engel- Ufer 15 und bei den Komiteemitgliedern zu haben. Frühzeitige Billet-Entnahme geboten. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der Vortrag über „Die Weltansstellung in St. Louis", welcher mit zahlreichen Bildern, die das Leben und Treiben auf der Ausstellung deutlich vor Augen führen, am Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Sonnabend wieder- holt werden und zwar wird am Sonntag und Sonnabend im An- schluß der Vorttag„Der Gardasee" gehalten und am Dienstag und Mittwoch im Anschluß an den Weltausstellungs-Vortrag der Vortrag „An den Seen Oberitaliens" gegeben werden. Am Montag und Freitag findet eine Wiederholung des Vortrages„Von der Zugspitze zum Watzmann" statt und am Donnerstag eine Wiederholung des Bortrages„Die Insel Rügen". Im Zoologischen Garten bettägt der Eintrittspreis am heutigen Sonntag 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder unter zehn Jahren. Am Nachmittage findet ab 4 Uhr großes Militär-Doppel- konzert statt. Im Aquarium wurden durch die neuesten Zuführungen vor- nehmlich die Bestände der Reptilienabteilung bereichert. Die Gruppe der Panzerechsen erhielt durch Herrn Serbin-Schöneberg zwei junge Exemplare einer amerikanischen Krokodilart überwiesen, die ein possierliches Wesen zur Schau tragen und gegenüber ihren er- wachsenen Vettern ivie Zwerge erscheinen. Noch nie hier ausgestellt war eine Schildkröte aus Madagaskar, welche jetzt in vier Exem- plaren erworben wurde. Die madagassischen Tierformen erregen immer erhöhtes Interesse, da viele von ihnen ein besonderes Ge- präge tragen. Die neuen Gäste kennzeichnen sich durch ihr nur flach gewölbtes Rückenschild, die stark entwickelten Schwimmhäute der Ruderfütze und die schlammgraue Färbung oberseits, die nur an den Seiten des Halses durch graugelbe Längsstreifen hübsche Abwechslung erhält, als Bewohner der Süßgewässer, und sie entwickeln denn auch in der Schildkrötengrotte hier große Behendigkeit mit Schwimmen und Tauchen und im Dahinlaufen auf dem Grunde. Im Sportpark Friedenau hält heute nachmittag um 4 Uhr das Hauptkonsulat Mark Brandenburg-Acrlin der Allgemeinen Rad- fahrer-Union seine ersten diesjährigen Bahnrennen ab, an welchen die hervorragendsten Herrenfahrer Berlins teilnehmen, und die aus diesem Grunde recht interessante Kämpfe versprechen. An den ver- schiedenen Konkurrenzen, die u. a. aus einem Hauptfahrcn über 1000 Meter, Meisterschaft der Mark Brandenburg über 1000 Meter, Mannschaftsfahren über 7500 Meter, einem 50 Kilometer-Rennen mit Straßenmotorführung und einem Schrittmacherrennen über 10 Kilometer bestehen, nehmen u. a. folgende bekannte Berliner Amateure teil: Hansen, Tadewald, Goetzke, Böhm, Truschinski, Kitzerow, Kelbcl, Bruno und Max Goetze, Klopfer, Kresin, und an dem Schrittmacherrennen: Willy Wolfs, Ncckzch, Thiele, Bahnemann, Manthey, Härtung, Schröder usw. Die Rennen versprechen also sehr interessant zu werden, so daß der Besuch derselben in Anbetracht der billigen Eintrittspreise(Stehplatz 50 Pf., alle anderen Plätze, mit Ausnahme des Jnnenraumes, 75 Pf.) sich wohl lohnen dürfte. Die Rennen beginnen pünktlich um 4 Uhr, und findet während derselben Militärkonzert statt. ßue den Haebbarorten. Charlotteuiurg. Am Dienstag, den 26. Juli, findet eine vom Magistrat veranstaltete Arbeitslosen-Zählung statt. Die Zählung wird in der Weise vorgenommen, daß die Zählkarten heute den Arbeitern in die Wohnung getragen werden und am Dienstag von den Arbeitslosen auszufüllen sind; Dienstagabend werden sie abgeholt und nach dem städtischen Statistischen Amt gebracht. Wir fordern die Arbeiter auf, sich heute an dem Austragen und Dienstag an dem Wiedereiusammcln der Karten recht zahlreich zur Verfügung zu stellen. Die Geiverkschafts-Kommission. Der Vorstand des Wahlvereins. Neu-Weißensce. Die Errichtung einer höheren Lehranstalt stand wieder einmal auf der Tagesordnung der Gemeindevertretcrsttznng. Und zwar hat das königliche Provinzial-Schnlkolleginm vom I.Juli verfügt, daß das am 1. April 1904 errichtete Reform-Realgymnasium einzugehen hat und als Ersatz dafür eine Realschule errichtet wird. In der Begründung heißt es: Der Herr Regierungs-Präsident er- achtet die Gemeinde zur Zeir nur für leistungsfähig genug, um eine sechsklasstge höhere Lehranstalt zu errichten und dauernd zu unterhalten. Den Interessen der Gemeinde wird zunächst eine Real- schule entsprechen, deren dauernde Beibehaltung nach der Zusammen- setzung der Bevölkerung unter allen Umständen ein Bedürfnis ist. Da die Steuerkraft der Gemeinde stetig, wenn auch langsam sich hebt, so wird sich voraussichtlich in absehbarer Zeit ebenfalls das Bedürfnis nach Ängliederung eines Realgymnasiums oder Reform- Realgymnasiums ergeben. Zur Zeit empfiehlt es sich aber, eine abwartende Stellung ein- zunehmen, bis die Entwicklung der Frequenzverhältnisse der Real- schule und der Steuerverhältnisse der Gemeinde sich klar übersehen läßt. Außer unsren Genossen hatte keiner der bürgerlichen Herren den Mut, gegen den Eingriff des Provinzial- Schulkollegiums zu protestieren, das Selbstverwaltungsrecht in der Gemeinde scheint ihnen als überflüssig zu gelten. So ivnr es denn weiter kein Wunder, daß die Vorlage ohne große Diskussion angenommen wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde von unsren Vertretern die Unrentabilität der Vorschule gekennzeichnet, da nach dem Voranschlage auf eine Schülerzahl von 90 gerechnet wurde, jedoch wird dieselbe nur von 26 Schülern besucht. Ein Antrag, die Voxschule, welche provisorisch besteht, wieder eingehen zu lassen, wurde' gegen sechs von sieben socialdemokratischen Stimmen abgelehnt. Johannisthal. Der bisherige unbesoldete Schöffe Knape ist von der Gemeindevertretung auf 6 Jahre wiedergewählt worden.— Im Anschluß an die Wahl war von dem Gemeindevorsteher eine Sitzung anberaumt, dieselbe wurde indes auf den Einspruch unsrer Ge- nassen, denen sich auch einige bürgerliche Vertreter anschlössen, ver- tagt, um den Vorsteher daran zu gewöhnen, sich nach den Beschlüssen der Gemeindevertretung zu richten, durch welche bestimmte Sitzungs- tage festgelegt sind.— In dem Eingemeindungsvcrtrage der Gemeinde Johannisthal mit dem Forstfiskus ist dem letzteren für sein Terrain Befreiung von der Gruudwertsteuer zugestanden; hier- gegen ist von dem Vertreter der Trütschlerschen Erben der Klagewcg beschritten worden.— Ein umfangreicher Civilprozeß seitens des hiesigen Malermeisters Müller gegen den Gemeindevorsteher Kober von hier ist jetzt zu Ungunsten des letzten entschieden, nachdem nicht weniger als 11 Termine stattgefunden haben. Es handelt sich um eine Forderung von 100 M. für Malerarbeiten in der Dienstwohnung des Gemeindevorstehers, welche dieser seinen Wünschen entsprechend hatte ausführen lassen in der Voraussetzung, daß die Gemeinde- Vertretung 50 M. dazu bewilligen würde. Dies wurde jedoch ab- gelehnt und der. Vorsteher verweigerte daraufhin die Bezahlung, zu welcher er jetzt verurteilt wurde. Daß die hiergegen beabsichtigte Revision Erfolg haben wird, ist, nachdem die Sachlage in so vielen Terminen klargestellt, mehr als unwahrscheinlich.— Als Folge dieses Prozesses steht nun auch noch eine Beleidigungsklage in Aus- ficht, da der Rechtsbeistand des beklagten Gcincindcvorstehers gegen den Zeugen, früheren Gemeindevertreter Schmidt, Bemerkungen machte, welche diesen zur Erhebung der Klage veranlaßten. Hoffent- lich giebt diese Klage nicht die Veranlassung zum Ausbruch einer neuen Aera von Beleidigvngsprozcssen, nachdem die vorige zwischen dem Kläger, damaligen Vertreter Schmidt und dem Gemeindevor- steher Kober, der wegen einer angeblichen Aeußerung des Klägers am Biertisch, die ihm von dritter Seite hinterbracht worden war, die Wiederklage erhoben, vor dem Schöffengericht in Köpenick in Gegenwart der gesamten Gemeindevertretung und einer Anzahl andrer Zeugen durch einen Vergleich ihren Abschluß fand. Gerichts-Zeitung. Schweinereien in der Backstube. Außerordentlich schwere Be- schuldigungen wurden gegen den Bäckermeister Emanncl Hirsch- feld erhoben, welcher gestern wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz sowie wegen Vergehens gegen die Gewerbe- ordnung vor der vierten Ferien-Strafkainmer des Landgerichts I stand. Des letzteren Vergehens bekannte er sich ohne weiteres schuldig; er hatte sein Personal am Karfreitage weit über die zulässige Zeit ar- betten lassen. Bei dem Angeklagten, der in der Zinzendorfer straße in Moabit seit einigen Jahre eine Bäckerei betteibt, ist der Werkführer Wagner eine Zeitlang in Stellung gewesen. Dieser ist in Unfrieden von dem Angeklagten geschieden, er hat dann Anzeige gegen ihn erstattet und ihn der Haarsträubendsten Dinge bezichtigt. Der eine Lehrling habe einmal einen bösen Finger gehabt, durch die Entzündung sei der Nagel im Begriff gewesen, sich abzulösen. Der Lehrling habe dem Meister den Finger gezeigt und darauf hingewiesen, daß er damit unmöglich den Teig kneten könne. Der Meister habe darauf erwidert, er solle nur ruhig weiter kneten, er brauche ja nicht gerade die schwerste Teigmasse zu verarbeiten. Nun habe der Lehrliug ein Pflaster auf den Finger gelegt und damit geknetet. Dabei sei es vorgekommen, daß das Pflaster sich losgelöst, ani Teig sitzen geblieben und mit ver- backt worden sei. Es sei auch einmal eine Kundin in den Laden gekommen und habe eine Schrippe gezeigt, welche im Innern ein Pflaster enthalten hätte. Der zweite Fall— es standen deren zwei zur Anklage— wurde von dem Zeugen Wagner in folgender Weise geschildert: Der Angeklagte habe eines Tages den neben der Backstube belegenen Kellerraum betreten. Hier befanden sich mehrere offene Kästen, in denen das sogenannte „Futzmehl" aufbewahrt wurde. Es ist dies das Mehl, welches vom Fußboden und von den Tischen zusammengekehrt und zumeist an Tapezierer zur Bereitung des Kleisters verkauft wird. Der Meister habe in einem dieser Kästen einen ziemlichen Posten Mehl vorgefunden, und, unwillig hierüber, dem Lehrling be- fohlen, das Mehl durchzusieben und es dann m i t d e m Roggen mehl zu verbacken. Dies sei auch geschehen. Das Mehl müsse stark verunreinigt gewesen sein, denn der Keller sei ein Tummelplatz für Katzen und Mäuse gewesen. Von der Pflastergeschichte wollte der Angeklagte gar nichts wissen, in betreff des Mehles behauptete er, er habe angenommen, es sei das Mehl gewesen, welches nachträglich aus den geleerten Säcken herausgeklopft werde. Dieses sei anstandslos zu verwenden. Den Belastungszeugen, die fest bei ihrer Aussage beharrten, stellte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Schöps, als Entlastungszeugen frühere Angestellte des Angeklagten gegenüber, welche bekundeten, daß früher in dem Betriebe alles ordnungsmäßig und einwandsfrei zugegangen sei. Der Staatsanwalt hob hervor, daß sich dadurch die erwiesenen Ungeheuerlichkeiten nicht aus der Welt schaffen ließen. Der Angeklagte habe sich schwer gegen die Allgemeinheit vergangen, er beanttage gegen ihn wegen Verg.chenS gegen das Nahrungsmittel- Gesetz zwei Monate Gefängnis, wegen des Vergehens gegen die Gelverbe-Ordnuug 3 M. G e l d st r a f e. Der Gerichtshof erkannte nach dem Autrage des Staatsanwalts. Der Begriff der„Versammlung". Unanwendbarkcit des Bereinsgesetzes auf eine religiöse Er- bauungsstunde. Etwa 10 Mitglieder einer christlichen Sekte waren in der Behausung eines der Beteiligten zusammengekommen, indem sie der Einladung eines Herrn Zimmermann folgten. Man sang gemeinsam religiöse Lieder, worauf die Herren Brung und Liebreich einige Bibelstellen besprachen. Eine polizeiliche Anmeldung war nicht erfolgt. Die genannten Personen wurden deshalb in zweiter Instanz auf Grund der 88 1 und 12 des preußischen Vereinsgcsetzes zu Geldstrafen verurteilt, wobei das Gericht davon ausging, daß es sich hier um eine Versammlung handelte, in der öffentliche Angelegenheiten hätten erörtert werden sollen und erörtert worden seien.— Der Straffenat des Kammergerichts hob jedoch dies Urteil auf und sprach die Angeklagten mit folgender Begründung frei: Das Landgericht habe den Begriff der Versammlung verkannt. Das Verein sgesetz ver st ehe unter einer Versamm- lung nur eine solche Zusammenkunft, wo Vor- st eher, Ordner oder Leiter erforderlich oder doch gebräuchlich seien. Das treffe bei der fraglichen Zu- sammenkunft nicht zu, und es würde auch nicht zutreffen, wenn nicht bloß 10, sondern 20 Leute beisammen gewesen wären. Schon deshalb hätte Freisprechung zu erfolgen. Es wäre aber auch nicht zu erkennen, wieso hier öffentliche, Angelegenheiten hätten erörtert werden sollen und erörtert worden seien. Im Absingen religiöser Lieder und in der Besprechung eines Bibeltcxtes finde das Gericht keine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten. Ter Photograph auf Geschäftsreisen. Der Photograph und Provisionsreisende N. hatte im Umherziehen in verschiedenen Orten Bestellungen auf photographifche Ausnahmen aufgesucht. Er fertigte auf erfolgte Bestellung sogleich die Negativplatte an, die er dann dem Chef zusandte. Reisende, die Warenbestellungen aufsuchen, bedürfen einer Legitimationskarte. Eine solche führte N. bei sich. Den Behörden genügte diese nicht. N. wurde angeklagt wegen Ucber- tretung der Gcwerbe-Ordnung und des Hausiersteuer-Gesetzes. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, daß es sich hier nicht bloß um ein Aufsuchen von Warenbestellungen, sondern um ein Feilbieten gewerblicher Leistungen handele, weil N. gleich die Aufnahmen gemacht und Negativplatten angefertigt habe. Die Legitimations- karte für Reisende reiche deshalb nicht aus; N. hätte einen Wandergewerbeschein haben müssen und sei auch zur Zahlung der Steuer vom Gewerbebetrieb im Umherziehen verpflichtet gewesen. DaS Landgericht als Berufungsinstanz stellte sich auf denselben Stand- Punkt und verurteilte N. zu einer Geldstrafe. Das Kammergericht, bei dem N. Revision einlegte, billigte dies Urteil. Ohne Rechts- irrtum habe das Landgericht ein Feilbieten gewerblicher Leistungen und nicht bloß ein Aussuchen von Warenbestellungen angenommen. Versammlungen. Vierter Wahlkreis(Südost). Der socialdemokratische Wahl- verein hielt am Dienstag in der„Drachenburg" eine Mitglieder- Versammlung ab. Zunächst ehrten die Anwesenden das Andenken der verstorbenen Genossen Rathmann und P i e ch o ck e durch Er- heben von den Sitzen. Sodann sprach Genosse G r e m p e über„Die technischen Fortschritte im Verkehrswesen". Der interessante Vor- trag wurde mit allseitigem lebhaften Beifall aufgenommen.— Im „Verschiedenen" bemängelte Genosse K i r sich nick die in den Zahl- abenden bekannt gegebene Resolution der Partei-Ver- trauensleute zum Amsterdamer Kongreß und be- dauert, daß dieselbe einseitig unter Hintansetzung der Gewerkschaften abgefaßt worden sei. Wie ihm bekannt, haben der Parteivorstand und die Generalkommission der Gewerkschaften gemeinsam eine R-. solution ausarbeiten wollen. Es hätten auch bereits Sitzungen beider Körperschaften dieserhalb stattgefunden, doch sei es dort wegen der Maifeier-Frage noch zu keiner definitiven Verständigung ge- kommen. Um so auffälliger müsse es ihm jetzt erscheinen, daß die Vertrauensleute plötzlich mit einer selbständigen Resolution hervor- treten, die, wie ihm glaubhaft mitgeteilt worden sei, den Partei- sekretär Genossen Molkenbuhr zum eigentlichen Verfasser habe. Molkenbuhr habe damit über die Köpfe der übrigen Mitglieder des Parteivorstandes hinweg und wohl auch ohne deren Wissen und Willen die Generalkommission bei der endgültigen Abfassung der Resolution ausgeschaltet, was jedenfalls in den Reihen der Gewerkschaften keinen besonders günstigen Eindruck machen würde. Genosse Hackelbusch erwiderte darauf, es hätten allerdings Besprechungen zwischen dem Parteivorstand und der Generalkommission wegen Abfassung einer gemeinsamen Resolution stattgefunden; doch da sie ohne Resultat geblieben seien, so haben sich die Vertrauensleute ohne weiteres für berechtigt gehalten, selbständig eine Resolution auszuarbeiten und diese den Parteigenossen vorzulegen. Es sei wohl nach wie vor das gute Recht der Parteigenossen, selbständig eine Resolution zu fassen, ohne daß es dazu erst gewissermaßen einer Einwilligung der General- kommission der Gewerkschaften bedürfe. Da nun in der betreffenden Sitzung der Vertrauensleute eine vom Genossen Eugen Ernst vor- gelegte Resolution nicht acceptabel gewesen sei, so wäre die jetzige Resolution unter Mitwirkung des anwesenden Genossen Molkenbuhr zu stände gekommen.— Auf eine Anregung des Genossen Peter hin, der eine Vorbesprechung zum Parteitag in einer Wahlvereins- Versammlung wünschte, bemerkte der Vorsitzende, Genosse Hoff- mann, daß hierzu, wie bisher üblich, den Genossen in der kommenden öffentlichen Parteiversammlung, woselbst die Delegierten- wähl stattfindet und die Anträge zur Erörterung gelangen, hinreichend Gelegenheit gegeben sei. Damit erklärten sich alle An- wescnden einverstanden. Die Generalversammlung des Centtalverbandes der Asphalt- und Pappdachdcckcr fand am Sonntag, den 17. Juli, statt. Nach dem Bericht des Kassierers betrugen die Vierteljahres-Einnahmen 577,50 M., die Ausgaben 526,40 M., bleibt ein Bestand von 51,10 M. Unter Punkt 2 der Tagesordnung wurde auf einen Antrag B o r m a n n hin das Mitglied Kampmann ausgeschlossen. Ccntralverband der Dachdecker. Die Filiale Berlin hielt am Mittwoch bei Feind, in der Weinstraße, ihre Generalversammlung ab. Wie der Vorsitzende Görnitz berichtete, haben im verflossenen Quartal 4 Versammlungen und 4 Vorstandssitzungen stattgefunden. Tie Abrechnung, die der Kassierer H a u s s ch i l d verlas, weist ein- schließlich eines alten Bestandes von 1316,13 M. eine Einnahme von 3502,68 M. auf, die Ausgaben betrugen 1601,10 M- Von den übrigbleibenden 1901,53 M. sind 1574,67 M. an die Hanptkassc zu senden, so daß ein Kassenbestand von 326,91 M. vorhanden ist.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Decharge. Darauf hielt Arbeitersekretär Link einen Vortrag über„Einiges aus der Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung", der großes Interesse erregte und zu einer längeren Aussprach« über verschiedene einschlägige Fragen Anlaß gab.— Unter Verbandsangelegcnheiten wurde bekannt gegeben, daß, wie ein Schreiben des Gewerbegerichts-Vorsitzenden v. Schulz bestätigt, der neue Paragraph 10 des Tarifvertrages der Dachdecker, die Fahrgcldcntschädigung betreffend, für alle Arbeitgeber des Berufs bindend ist, die Arbeiter also ein klagbares Recht auf diese Entschädigung besitzen.— Es wird noch bekannt gemacht, daß das Mitgliedsbuch Nr. 529 des Kollegen Otto Mehls verloren gegangen ist. Wer von dem Verbleib des Buches Kenntnis erhält, möge dafür sorgen, daß es an den Vorsitzenden Görnitz, Schinkestraße 25, ab- geliefert wird. Eine öffentliche Versammlung der Bauanschläger, einberufen vom Deutschen Metallarbeiter-Verband, tagte am 20. Juli in den Andreassälen, Andreasstraße 21. Ucber die Notwendigkeit eines ein- heitlichen Tarifes sprach Los. Nach seinen Darlegungen hat die Agitationskommission der jetzt im Metallarbeiter-Verband organi- sierten Anschläger wiederholt Versuche gemacht, die Schlossermeister- Innung zum Abschluß eines Tarifvertrages zu bewegen. Die Innung 8i.3dfe sich aber um Verhandlungen herum. Der Obermeister Heinrich schütze vor, er habe mit der Angelegenheit den stellvertretenden Ober- meister Stahl betraut, der leider krank und im Bade sei. Dagegen sollen der kleinen Sonderorganisation, die noch bestehe, von der Innung Verhandlungen zum Abschluß eines Tarifs zugestanden sein. Die Innung wolle aber den kleinen Berein mit seinen etwa 80 Mit- gliedern gegen die siebenmal st ä r k e r e Zahl der im Verband organisierten Kollegen ausspielen. Natürlich könnten jene 80 nicht einen für weitere 000 organisierte 5zollegen maßgebenden Tarif abschließen. Es wäre ihre Pflicht, dies nicht ohne die übergroße Mehrheit der organisierten Bananschläger zu thun. Wenn sie es doch thäten, könne es die Versammelten kalt lassen. Die Hauptsache wäre jetzt, zu agitieren und zu organisieren, damit im geeigneten Moment geeignete Schritte gethan werden könnten, einen Tarif zu erlangen, der für die gesamte Kollegcnschaft von Nutzen sei.— Es entspann sich eine lebhafte Debatte, in der die Sonderbündelci des Lokalvereins, der sich nach dem Uebertritt des früheren Lokalvereins zum Verband neugebildet hat. mehrfach verurteilt wurde. Ein Redner regte an, daß die Kommission noch einmal mit den Arbeitgebern über die Heran- ziehung der 600 im Verband organisierten Bauanschläger zu Tarif- Verhandlungen Rücksprache nehmen solle, und daß bei abschlägigem Bescheid schleunigst in eine Lohnbewegung eingetreten werden möge. Von andrer Seite wurde dagegen vor übereilten Schritten gewarnt. Für die Entfaltung einer lebhaften Agitation sprachen sich alle Redner aus. Ein Beschlutz wurde nicht gefaßt. Arbeiter- Samariterkolonne. Morgen. Montag. 9 Uhr abends, UebungSstunde Brunnenstr. 154. Vortrag über Ertrinken, Ersticken vcr- schicdene Formen der Bcmutztlosigkcit. Nachher praktische Ucbungeu. Gäste willkommen. Neue Teilnehmer können jederzeit eintreten. Einschrcibcgcld sowie Monatsbeitrag je 25 Ps. Bibliothek steht unentgeltlich zur Verfügung. — Heute nachmittag Ausflug nach Treptow. Treffpunkt 3 Uhr Restaurant Ronnenberg. Allgemeine Familien-Sterbckasse. Heute Zahltag: Ackerstratze 123 bei Diele und Mariannenstr. 48 bei Liebehenschel von 3—6 Uhr. Mocken- Spielplan der Berliner Cheater. Neues königl. Opern- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Die Fledermaus. Sonntagabend: Der Prinzgemahl. Montag: Die Geisha. Dienstag: Die Puppe. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag: Der Prinzgemahl. Freitag: Madame Sherry. Sonnabend: Der Zigeunerbaron. Sonntagnachmittag: Die Geisha. Sonntagabend: Die Fledermaus. Montag: Unbestimmt. Schiller-Theater O.(Wallner-Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Sonntagabend: Fra Diavolo.(Botel.) Montag: Die Entführung aus dem Serail. DienStag: Martha.(Botel.) Mittwoch: Oberon. Donnerstag: Der Troubadour.(Botel.) Freitag: Der polnische Jude. Sonnabend: Fra Diavolo.(Bötel.) Sonntagnachmittag: Der Freischütz. Sonntagabend: Der polnische Jude. Montag: Postillon von Lonjumeau (Bötel.) Neues Thcnter. Geschlossen. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Alt-Hcidclbcrg.(Anfang 2'l, Uhr.) Sonntagabend: Liebeshandel. Montag: Mamzclle Nitouche. DienStag: Liebeshaudel. Mittwoch: Mamzelle Nitouche. Donnerstag: Liebeshandel. Freitag: Mamzelle Nitouche. Sonnabend: Licbeshandel. Sonntagnachmittag: Alt-Heidelbcrg. Sonntagabend: Licbeshandel. Montag: Unbestimmt. Kleines Theater. Geschlossen. Belle-Alliancc-Theater. Allabendlich: Wintcr-Tymian. Carl Weih- Theater. Sonntagnachmittag: Der Weg zum Herzen. Wabendlich: Der Weg zum Herzen. Central» Theater. Allabendlich: Einakter aus Reuters Werken." Stadt-Theater Moabit. Allabendlich: Großstadtzauber. Ansang S Uhr. Apollo-Theater. Allabendlich: Venus aus Erden. Specialitäten. Ansang 8 Uhr. Metropol> Theater. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Edith Helena. Heloise Titcomb. Specialitäten. Ansang 8 Uhr. Pafsagc-Theater. Terka Semmeloff. Ansang 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Urania-Thcater. Taubcnstraße 48/49. Sonntag: Die Weltausstellung in St. Louis. Der Gardasee. Montag und Freitag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Dienstag und Mittwoch: Die Weltausstellung in St. Louis. An den Seen Oberitaliens. Donnerstag: Die Insel Rügen. Ansang 3 Uhr._ Vermirchtcs. Wieder ein Blindgänger. Aus Posen wird gemeldet: Ein Schmied, der von Thorn nach dem Rittcrgute Parchanie gezogen war, hatte von dort eine Granate(Blindgänger) mitgebracht. Einige Kinder spielten an dieser so lange herum, bis eine Explosion erfolgte. Ein Kind wurde in Stücke gerissen. Mehrere andre wurden, nach den„Pos. N. N.", schwer verletzt in das Jnowratzlawer Krankenhaus gebracht._ Bon den geheimen Secverhören über„Norgcs" Untergang hat nun der Vorsitzende des See- und Handelsgerichts in Kopenhagen einige ProtokollauSziige veröffentlicht, darunter auch Aussagen des Kapitäns. Das Veröffentlichte reicht, wie zu erwarten war, bei weitem nicht aus, um Klarheit über die Ursachen des Unglücks zu geben. Bemerkenswert ist, daß der Kars des Schifics morgens um 7>/z Uhr, also zehn Minuten vor der Katastrophe, verändert wurde, womit man wahrscheinlich geradezu auf das vcr- hängnisvolle Riff zusteuerte. Die Rettungsarbeit wurde dann noch dadurch erschlvert, daß eigentlich keiner von der Mannschaft genau wußte, zu welchem der Boote er gehörte. Irgendwo im Schiff hing wohl ein Verzeichnis, aber es war nicht dafür gesorgt, daß die Seeleute die Nummer des Bootes, das sie in Notfällen führen sollten, im Kopfe hatten. Wie wenig übrigens„Det forennde" für die Sicherheit der Passa- giere sorgt, das beweist ein Vorfall, der sich am Montag bei den Wettsegeln gezeigt hat. die der„Königlich dänische Dachtklug" jetzt in Ocresund veranstaltet und woran auch schwedische, norwegische, deutsche und amerikanische Sportslente teilnehmen. Als Preisrichter- schiff fungiert an diesem Tage der Dampfer„Oernen" der genannten Gesellschaft. Als eins der Rettungsboote des Dampfers in See ge- lassen werden sollte, brach das Gestell, woran das Boot hing, her- unter. Die Untersuchung zeigte dann, daß das Holz, wo es dem Gestell einen Halt bieten sollte, vollständig verfault war. Am andern Tage übernahm denn das Kanonenboot„Falstcr" den Dienst als Preisrichterschiff', der Kapitän ließ vorher Uebungen mit den Rettungsbooten vornehmen und es zeigte sich, daß auf dem Kriegsschiff alles in bester Ordnung war. Bei der Marine werden derartige Uebungen regelmäßig vorgenommen, auf den Auswanderer- schiffen von„Det forenede" scheint man das nicht für notwendig zu halten und man sorgt nicht einmal dafür, daß die Rettungsboote m gutem Stand sind. Esten a. d. Ruhr, 23. Juli. In Neheim brach eine Typhus- Epidemie aus. 5 Fälle verliefen bisher tödlich. Ruhrort, 23. Juli. Auf Zeche Neumühl bei Hamborn wurden vier Reparaturschlosser durch hereinbrechendes Gestein verschüttet. Einer blieb tot, die übrigen wurden lebensgefährlich verletzt. Saalfcld, 23. Juli. Seit heute mittag wütet in der umfang- reichen Maschinenfabrik von Adam Schmidt Großfeucr. Feldberg, 23. Juli. Im nahen Roßbach drangen Donnerstag nachmittag der Bäckermeister Friedrich Stuck, der Feldschütz Laun- Hardt und der Nachtwächter des Ortes unbcfugtcrweise in das Schul- Haus ein. überfielen und mißhandelten mit Lattenstücken die Lehrer Harth und Presser, sowie die Frau des letzteren in roher Weise ohne jeglichen stichhaltigen Grund. Das Kreisamt in Feldberg wurde um Unterstützung gebeten und beorderte sofort die Gendarmerie nach dem Thatort. Es wurde die sofortige Entlassung des beteiligten Gemeindedieners verfügt. Salzburg, 23. Juli. Der Wiener Gymnasialprofessor Alexander Straubinger wird seit Mittwoch vermißt. An diesem Tage unter- nahm er von Berchtesgaden aus eine Partie auf den Untcrberg und wollte den Abstieg nach Hallturm machen. Mehrere Rettung»- expeditioncn sind unverrichteter Sache zurückgekehrt. Feuersbrünste i» Ungarn. Budapest, 23. Juli. In der Ortschaft Mojttn(Komitat Trencsi») wurden in der Nacht 3V Wohn- Häuser nebst Nebengebänden durch eine Feuersbrunst vernichtet. Ein Kind kam in den Flamme n u m.— Auch in der Ort- schaft Torna(Komitat Abanj-Torna), deren einer Teil vor drei Monaten durch einen Brand vernichtet wurde, wütete gestern ein heftiges Feuer, dem zahlreiche Gebäude zum Opfer fielen. Infolge von Wassersnot waren die Löscharbeiten sehr erschwert. Budapest, 23. Juli. In einem großen Teile Ungarns ist er- gicbiger Gewitterregen niedergegangen, so daß in der Bevölkerung Beruhigung eingetreten ist. Die Räuber des Mutter-GotteSbildes von Kasan sind entdeckt. Der Diebstahl hat, wie uns aus St. Petersburg geschrieben wird, in ganz Rußland außerordentliches Aufsehen erregt und ist gewisser- maßen als nationales Unglück angesehen worden. Die Polizei hat die umfassendsten Untersuchungen angestellt und jetzt ist es ihr ge- lungen, die T h ä t e r f e st z u n e h in e n. Einer der Teilnehmer an dem Raube, der Goldschmied Maximow in Kasan, legte das Geständnis ab. daß das Verbrechen von einem gewissen Tschaikin, der sich zeitweilig in Kasan aufhält, begangen worden sei. Tschaikin sei mit seiner Geliebten, die um die That wisse, nach Nishni Nowgorod entflohen. Die Polizei in Nishni Nowgorod wurde sofort in Kenntnis gesetzt und es gelang ihr, Tschaikin und seine Geliebte auf zwei berschiedenen Dampfern zu derhasten. Die Verbrecher wurden nach Kasan gebracht und ins Gefängnis gesetzt. Bei der Untersuchung der Wohnung fand man im Ofen und in einem ausgehöhlten Tischfuß Edelsteine und die zerschnittene Bekleidung des Heiligenbildes. Bei einigen Personen ermittelte inan Perlen und Kleinodien, die zu dem Bilde gehörten. Von den Nachbarn Tschaikins wurde festgestellt, daß er vor der Abreise euuge Gegenstände an die Grenzmark der Stadt in eine Schlucht gebracht habe. Bei einer sorgfältigen Untersuchung der Schlucht, an der sich mehr als tausend Personen beteiligten, wurden, in der Erde vergraben, die Instrumente gefunden, mit denen der Diebstahl verübt worden war. Die Mutter der Ge- liebten sagte aus, daß das Heiligenbild zerhackt und verbrannt worden sei. Tschaikin ist rückfälliger Dieb und leugnet die That. Man hofft, daß das Bild nicht verbrannt ist. sondern irgendwo versteckt gehalten lvird. Bis zum Jahre 1012 wurde das Kasansche Muttergottcsbild nur in Kasan am 8. Jutt perehrt; nach der Besiegung und Vertreibung wurde dem Bilde noch ein zweiter Gedenktag geweiht, der in ganz Rußland gefeiert wurde. Die Kaiserin Katharina stiftete den, Heiligenbitde eine Brillant» kröne, die ans 16 großen und 19 kleineren Brillanten besteht. Cingegangene vruckfcdriften. Berlin bei Tag und Nacht. Ein Führer. Willy KrauS' Verlag. Berlin SW., Lindenstr. 3. Preis 1 M.... Dr. H. Remer. Unsre Herren Rechtsanwälte, wie sie zu den hohen Einkünsten kommen. Leipzig 1904. Verlagsanstalt„Gliche". � Menzinger-Prenuer: Gesetz, betreffend die Kausmannsgerichte. Preis 1,80 M. München 1904. C. H. Becks che Verlagsbuchhandlung(O. Beck). -W- Briefkasten der Redaktion. „Blaumeise." Dr. Karl Ruß:.Lehrbuch der Stubenvogelpflege, richtung und-Zucht." Juriftifcher CcU. Ti-I»rlftisch- Sprechstunve find-» täglich mitAuSiiahmede» Solutab««»» vo»?>/, bis»>/, Illir abends statt. Gci'ssuct: 7 Ubr. S. P. 1904. Wenn Sie die Anerkennung und Umschreibung bei der Eheschließung verabsäumt haben, so müssen Sic dies durch notariellen oder aettchllichen Akt nachholen und aus Grund dieser Urkunde Umschreibung bcanttagen.— Frciburg i. Br. Sie haben übersehen, daß die Post den Adressaten mit 20 Ps. Sirasporto belegt, wenn Absender an Marlenscheu leidet, cS sei denn der Adressat verweigert die Annahme.— Ein gewerblicher Arbeiter ist nach der jetzt herrschenden aus§ 612 B. G.-B. abgeleiteten Ansicht Gewerbegehilsc. In Ihrem Falle handelt cS sich ja trotz der Bezeichnung nicht um einen Volonteur, sonder» um einen gegen Entgelt angestellten Gewcrbeaeyikfen, aus den mangels andrer Abrede die 14tngige Kündigung zutrifft. Für seine Entschädigungsllage ist das JnnnngS-Schieds- aericht und, falls solches nicht besteht oder zu bummelig den Termin an- berauint, das Gewerbegericht zuständig.— K. M. T. S7. Die Post ist zur strengen Wahrung des Postgeheimnisses verpslichtet. Beschwerde bei der Oberpostdirektion wäre zulässig und hat Aussicht aus Erfolg.— S. 2. Nein. — 2 Streitende. Es ist entschieden davon abzuraten, der sranzösischen tcemdcnlegion sich einreihen zu lassen. Wollen Sie es dennoch, so wenden ie sich an die fraiizösischen Behörden.— P. S. 100. Sic können den Antrag auf Bestrasung wegen HauSsriedcnSbruch und Körperverletzung gegen die Sttcstnutter stellen.— Bremerhaveu. t., 2., 3., 6. Ja. 4., 5., 7. Nein. Beide Eheleute können wegen Ehebruchs aus Scheidung klagen.— Reinicken- dorfcrstraffe. Sie müssen sich schrisilich an die Waiscnverwaltung wenden, können außerdem es auch mündlich anbringen.— H. S. 1.— 3. Wenn Sie volljährig sind, nein. 4. Ja.— 123 Schucider, C. K. 1. und 2. Nein.— E. N. 00. 1. In der Regel ja; die Beantwortung hängt von der Frage ab, welches Entgelt zu zahlen ist. 2. Nein.— Z. 400. 1. und 2. Ob bestimmte Gegenstände psändbar sind, ist von Fall zu Fall danach zu entscheiden, ob sie unentbehrlich sind. Gegen die Psändimg ent- scheidet das Amtsgericht. 3. Nein. 4. Solcher Vertrag ist ungültig und sttasbar. — F. S. War der Durchbrenner Reisender der auswärtigen Firma, so war er ohne Vollmacht nach Artikel 55 Handels-Gesetzbuchs den Kaufpreis in Empfang zu nchmeil. War er in einem Laden der Nürnberger Firma an- gestellt, so ttifst dasselbe nach§ 56 Haiidels-Gesctzbnchs zu. War er .Handlungsagent, so war eine besondere Vollmacht erforderlich. Die ständig bcthätigte Uebung ersetzte aber eine solche Vollmacht(§ 86 HaiidelS-Gesetzbuchs). Ebenso war er nach§ 370 Bürgerlichen Gesetzbuchs ermächtigt, die Zahlung ln Empsang zu nehmen, wenn er quittierte Rechnung der Firma vorlvie«. Die Entscheidling in Ihrer Frage hangt also davon ab, welcher Art Ver- trctcr der Durchgebrannte war; nach dieser Richtung haben Sie Angaben nicht gemacht.— Bruiineustrafte, 1000. csie sind im Irrtum. Bös- willige Verlassung berechtigt noch nicht zur Scheidung, sondern nur(von den in Ihrem Falle nicht zutreffenden Ausnahmen abgesehen) zur Klage aus Wlederherstellung des ehelichen Lebens und, falls nach Rechtskraft deS dahin gerichteten Urteils ein Jahr sruchtlos verstrichen ist, zur Scheidung. — P. F. 129. Was Ihre Frau als Mädchen besessen oder während der Ehe aus eigenem Gclde(Verdienst, Erbschast, Vermögen) nachlveislich für sich angeschafft hat, gehört ihr. Gegen Psändungen an ihr Eigentum wegen Schulden, die Sie gemacht haben, kann sie intervenieren. Sogenannte Um» schrcibungen sind wie jede Schiebung zwecklos, weil ungültig und sttasbar. Geiiti'ill-Vel'Itöiill der Maurer Zweleverein Berlin. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Mitglied, der Maurer Hermaim Rathmann wohnhast Sorauerstraße 7 seinen tödlichen Verletzungen er- legen ist. 144/19 Ehre seinem tklndeuken! Die Beerdigung findet am f°""'°?n«chmi,,ng 3-/. Uhr �chinhalle des Emmaus- Kirchhoses aus statt ��/Beteiligung ersucht «erbandslcituna. Wand der Fahft- Fand- Hdlsarjeitep und Arbeiterinnen Deutsehlands obJih'rie„ Allen Kollegen zur am 21. Ju«. mittags?2°Wnl b braver Kollege''er Wilhelm Käbert nach �wöchentlichen Leiden an der Proletarierkrankheit sanst ent. schlasen ist. Die Beerdigung findet heute. Sonnlag, den 24. Juli, nach. mittags 5 Uhr, vomGemeindcsricd. hos in Obcr-Schönewcide aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Kollegen ersucht lZieOrUvenviiltiiiig stiitzunperein der Seiuniede. Berlin V. Allen Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Mitglied, die Frau Clara Hetze! am 20. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonn- mg. den 24. Juli, nachmittags 2'< sihr, von der Leichenhalle der K�rchhos statt. Um rege Beteiligung ersucht "5/9 Die Ortsverwaltung, Freie Bills-Krankenkasse der Sattler u. verw.Berufsgenossen E. H. Ho. 64. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß das langjährige Mitglied B. Wohlfahrt im Alter von 75 Jahren am 23. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet DienS- tag, den 26. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Kreuz-Kirchhoses in Marien- dors aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Danksag»« Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters EErml Jaehner sage ich hiermit den Mitgliedern vom 525. Bezirk des VI. Berl. Reichstags- Wahlkreises, sowie dem Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend meinen herzlichsten Dank. 2915b Wwe. Jaehner nebst Kindern. Danksagung. »Jlij1' Ne vielen Beweise herzlichster Gvin.£mei kowie für die zahlreichen 4™ni;s cn'n8C11 allen Verwandten, Irhtr» u"(,uni).:öerir de« Inhalt der Inserate ubernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Brrantnwrtnng. Theater. Sonntag, den 2t. Juli. Ansang VI, Uhr: Neues königl. Opern< Theater. Der Prinzgemahl. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Die Geisha. Belle-AIliauee. Gastspiel von Emil Winter-Thmians in diesem Genre einzig dastehenden sächsischen 15 Humoristen nnd Sangern. Zum Schluß: Ein Polterabend- scherz bei Leutnants. Montag: Dieselbe Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Fra Diavolo. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Die Entsiihrung aus dem Serail. Westen. Liebeshandel. Nachm. 2'/, Uhr: Alt. Montag: Mainzelle Nikouche. Eentral. Olle Kamellen. Läuschen und Rimels. Hanne NüteS Abschied. Jochen Pasel. Ein kleiner Beamter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Earl Weih. Der Weg zum Herzen. Nachm. 3 Uhr: Der Weg zum Herzen. Montag: Der Weg zum Herzen. Metropol. Ein tolles Jahr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. VenuS auf Erden. Speclall- täten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Etadt-Dheater Moabit. Großstadt- zauber. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichshallcn. Gastspiel von OSkar JunghähnelS humoristisch. Herren- gesellschast. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage-Tbeater. Terka Semmeloff. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Danbenstrahe 48/19. Die Weltausstellung in St. Louis. Der Gardasce. Montag: Von der Zugspitze zum W atzmann. Jnvalideustraste 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bi» 11 Uhr. Zediüer-Tdester 0. 'Wallner-Theater). Morwih-OPer. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei Halben Preisen: Die Fledei-mann. Sonntagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Fra Diavolo. Montagabend 8 Uhr: Die Entführung aus dem Serail. Dienstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Hartha, oder: Der Markt zu Richmond. Der Sommergarten ist eröffnet. Jm Garten des Schiller-Theaters!7. täglich grelles MilitSr-Kenzert. Jentral-Theater Uhr: Einakterabend ans Fritz IteutcrS Werken: 1. Olle Kamellen. i. Lauschen und RiemelS. 3. Hanne .iäteS Abschied, i. Jochen PSsel. . Bräsigs letztes Stllndlein. ll. Ein kleiner Beamter. inil Richard, tgl. Hosschauspieler, a. G. Morgen und solgcnde Tage: Die- ebbe Vorstellung._ üetropol-Theater ier grisste Erlolg liieses Jabres: ii. dramatisch- satirische Revue n 5 Bildern von Julius Freund. vlusik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. '/«Uhr: Gr. Gartenkonzert. 8-g'/. Uhr: as gr. Juli-Specialitäten-Programm. 9»/, Uhr: f enus auf Erden. Operette von Paul Lincke. MrauMn von Rotiert Steidl. Mlissement Kuggenhagni Horltzplatz. ,äglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. Jm grohen schattigen Natur- garte» jede» Abend 8 Uhr: Konzert. Dienstags, Donnerstags, Sonntage: Fährmann— Waide-Sänger. Sonnabends T s m v im Kaisersaal;■«■■■ Reichshallen-Theater. Gastspiel deS berühmten Oskar Iunghähnel mit seiner humoristisch. Herren- Gesellschaft. Drossartiges, völlig erigin. Programm. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Urania, Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltausstellung in St Louis. Hierauf; Der Gardasce. Montag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte SIIS; ) CASTANS A NOR TIC UM. Friedriohstr. 165. Der unverwuniare Fakir!! Die zusammengewachsenen Schwestern Rosa u. Josefa. Pmp-Panopiii. Das JBärenweib, lebend, Oer 16jährige Riesenknabe Der lange Josef 217 ctm gross. Nada und Mnemos,"OMB Gedankenleser. Derl-eichcn f n n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Passage-Theater. Terka Semmeloff russische Tänzerin. ManiTa, japanische Truppe. Vierzehn erstklasa. Nummern. Carl Weiss-Theater. Grotze Frankfurterstr. 132. Nachmittags 3 Uhr u. abends 8 Uhr: Der Weg zum Kerfen. Noch bis 31. Juli: Der Weg zum Herzen. Jm Garten: Theater und Dpeciail- täten-Vorstellung. Ansang 4 Uhr. f�anssonet. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn Täglich im Garten: Hofkinmms Norddeutsche Sänger. Sonnlag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Danz. _ Wochentags haben Vorzugskarten, auch oie zu den Theaterabenden ausgegebenen, Gültigkeit. JWtzowsfr. M/M. T Ii s 1 1 c h 1»* Garten oder Saal: Korsts Korddentsebe ftimoristen und Quartett- Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Bons haben Oültlgkelt. Girhus Sarrafani. Grossler u. elegantester Zelt-Clrkus Europas. Täglich- SmndeHkNgßk. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Konzert Theater, Specialitäten. JMT* 15 neue Nummern. 9Ut Arbeit bringt Segen. VolkSstück mit Gej. in 2 Akt. o. Braune. Extra- Tanz. Tanzlehrer P. Hoppe. Ansang 4 Uhr. Entree 30 Pf. BllRZ Landsberger Allee 76/79 ** Direkt Ringbahnstation. Ob schön I Täglich Ob Regen! im herrlichen Garten od. gr.Saal: DaS neue u. beste Programm Berlins, u. a. mit stürmischem Beisall: R Wnlenno bie besten Akrobaten v nkillSUNo» der Welt, prolongiert. Der Weltfriede, Dressur und Ver- einigung von Todseinden zu emem Tablcau. Tho 2 Benares, sens. Lustsangreck-Akt. F. Brand, Rennert-Stange, Senor 4 Berard I Die sesche Nannon. Der Bäckerstreik. Große aktuelle Pantomime. ,c. jc. Kasfeektiche. Bolksbelufttgunge». BtS 2 Uhr:»all. Entree 20 Pf. Sonntag? 30 fricdridishagcn. „I�üggelfcblökcben" und„Strandfcbloß� mit angrenzendem CClatd. Sonntag» den 7. Angust 1904: Dreizehntes Sänger-fest des )Zrbeiter-8ängerbundes Kertms u. dmgcgend. M Gesangvereine. 3 Mvßkhapeiten. Sängerfchvg. Massengesiinge. gen unter Leitung des Bundesdirigenten Herrn Blobel. Jnstrumental-Konzert von srüh 8 Uhr ab, ausgesührt vom Neuen Berliner Tonknnstler-Orchester, Dirigent Herr Hollfelder, und zwei Kapellen der Civil-Berussmusiker. Beim Eintritt der Dunkelheit aus dem Müggelsee: Großes KMant-Feuermrh. Billet vorher SV Pf. Fnhrverbtndnng: Dampsergesellschast„Stern-, ab Jannowitz- brücke und Schlesisches Thor. Fahrpreis 35 Ps. Dampsergesellschast Kahut u. Hertzer, Absahrtstelle Waisenbrücke. Fahrpreis 30 Pf. Bei beiden Gesellschaften Kinder frei. Die Dampser fahren von früh 7 Uhr je nach Bedarf. Rückfahrt von abends 6 Uhr ab mit Kahnt u. Hertzer,„Stern- von'1,10 Uhr ab. Bei der Eisenbahn ist für Extrazüge gesorgt. Sonntag, den 31. Juli, vormittags 11 Uhr: Von 4Uhr nachmittags ab in beidenLokalen: Tanz, s? Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Ps. Die Kaffeeküchen stehen den Damen bis abends 6 Uhr zur Verfügung. Volksbelustigungen aller Art. Billet an der Kaffe 30 Pf. Billets sind in den mit Plakaten versehenen Handlungen zu haben: außerdem bei I. Meyer, Urbanstraße 131, vorn TV; P. Hilgert, Oderbergerstraße 39, im Lokal: A. Seikrit, Fidicin» straße 16: H. Naetebusch, Graudenzerftraße 4: M. Sinnecker, Rixdorf, Fuldastraße 59, II, und G. Schöntal, Annenstraße 10. BW Für Vereine nur bei Naetebusch.-H» ltundo im®aaIe � Brauerei Friedrichshain. .Der Menschheit Erwachen",.Liedeslust-,„Empor zum Licht",.Mutterherz- und„Abends". Lieder:„Stolz und kühn................ Jm Nebensaale präeise 10 Uhr: AttSschuhlthUNg. Tagesordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten.— Es ist Pflicht jedes Vereins, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. öoiocMttck 2M13J Heute Sonntag ESA Fl-C Eintritt: ÖÖ rl. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär- Doppel-Kouzrrt. Morgen u. folg. Tage ab 5 Uhr: Heppel-ITeiuEert. Belle-Alliance-Theater. Im Theater abends V/, Uhr: Gastspiel von Eniil Winter-Tpians 15.Humoristen und Sängern 13. Jm Sommergarten von 41/, Uhr ab: Curt Goldmann-Konzert. Von 61/, Uhr ab: Grolle Specialitäten-Vorstellung allererster Künstler. W. Noacks Theater. Direktion: Rod. Dill. Brunncnstr. 16. Adel und Nadel, oder: Berlin W. und Berlin Zl. Volksstück mit Ges. in 2 Akt. v. L-ibold. Dazu die erstklassigen Specialitäten. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saal. Bernhard kose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute: 0!e Reise durch Berlin in 80 Stunden. Panl Coradlnl, Berlins Liebling. Clown Golnvt» dreff. Klapperstörche. O. C. Shlelds, lom. Jongleur. Tosca Madra. Merita Holld. Im Saale: Bali. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Thäfitzr min KdstfflprvAlke 7-9 Täglich: Vlueta. Pantomime: Ein ruhiges Zimmer zu vermieten. Satanello-Trio. Wardinis. Clown Steffi. Ball, Konzert, Specialitäten. Ans. 4 Uhr. Eintr.30Ps.Num.Pl.50Ps. am KönigSth., am Friedrichshain 29/32. weiii Theater uj Lieseekeln Italien. 10 u.: l Gesangspossem. Tanz v.L.Ely. ÄoV Kinderftendenfest. Fntreo»O PC. Sonnab., 13. Aug., ist sür Vereine frei. 0sthahll'?arh. Arn KUstrinerplatz. RUdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Kouzertz Theater und Specialitäten- Norstelluug. iiasenheide 166/114. Arnold Scholz. Heute Sonntag sowie täglich: Große 5837L« ILpecialiMen- Vorstellung. Das sensattonelle Juliprogramm. Jm großen Festsaale: sw'lSall'« bei stark besetztem Orchester. Anfang 4 Uhr. Entree 26 Pf. Uehteuhorg Roeierstr. 6. Sonntag, den 24. Juli 1904: Gartenkonzert Specialitäten-Vcrstellung Teuerwerh, Sali. Kaffeeküche X 4 Kegelbahnen Ruderboote X Vergnüg.-Park Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Inh.: Comm-Ges. Alfried Walter. »!• Kinder-Freuilenlest Konzert, Vorstellung und Ball. Anfang 4 Uhr. Entree: Erwachsene 10, Kinder 10 Pf. Urania. Wrangelstrasae 10/11. Grosser Sommergarten. Jeden Sonntag:* Grosser Ball. Ansang 4 Uhr. Tanz frei. Empsehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. Gesellsdmkts-Haus. Richard Felach, Rixdorf, Knesebeckstraße 48— 49. Heute Sonntag: Grosse Theater- u. SpeetalitSten- Vorstellung. 5836L» Jm Saale: Famiiienkrilnzchen. 4 Uhr.— Entree 20 Pf. wei elegante Kegelbahnen. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr ab zur Verfügung. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. KL. Vereinen und Gewerkschasten stehen meine Räume jederzeit zur Versügung. Der Wirt. Schlosspark Vilbelmiiieiibol Oberspree. Station Nieder-Schöneweide. Jeden Sonntag, Mittwoch, Donnerstag: Brosser Elite-Sali Kaffeeküche v. 2 Uhr an geöffnet. Ausspannung. Volksbelustigungen aller Art. Dhr. Fennel.[49122* Utax Xliem's Sommer-Theater" Hasenheide 18-13.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. | Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Speciaütäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. IMr Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet."MG 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand ie. In den 8illen: GTrosser Ball. Flotten- Sehauspiele KurfOrstendamm 153/156. Fernsprecher: Amt Wl. Mo. 343. Strassonbahn-Verbindung mit Linien 91, A, T, V, A/E. Wochentags VorstoUungen 4 und 8 Uhr, Sonntags 3, 5'/, und 8 Uhr. CA ttnfianspiele fler m. Die Flotte im Frieden und im Kriege. Beschiessung von Port Arthur und in die Luftsprengen von Kriegsschiffen durch die Japanische Flotte. + Vollständig gedeckte Tribüne. ♦ Konzertmusik. ♦ Preise der Plätze: Nachmittags M. 3,10, 2,60, 1,60, 1,10, 0,85, 0,40, abends M. 4,10, 3,10, 2,10, 1,60, 1,10, 0,55 einschließHch Programm. Tageskasse von 10 Uhr vormittags an geöffnet. VorverKaufskarten sind in den durch Plakate kenntlichen Geschäften von I-oescr dt Wolff und im Warenhause A. Werthelm zu haben. 16/19 »99 Scbönbaufcr HUee 103. Jeden Sonntag: Swkes iFrd» Konzert, führt von einer 20 Man» starken Musik-K» 55442" ausgeführt Musik-Kapelle. Jeden Montag findet daS allbeliebte � � � Kindcr-feft unter Leitung des berühmten Onkel Knesebeck statt. Hierzu ladet ergebenst ein W. Schmidt. Lrnst Konzert-Barten Friedriehslierg Köfliehs 3aU-Salo9i Franklurter Chaussee 129 Beate Sonntag: Konzert u. Speeialitäten-Vorsteilung. Unter gütige „Vorwärts „Treu und Fest" und er Mitwirkung der Gesangvereine IV", Direktion Rudolf Kummer(Mitgl. d. A. 8.-B.) _ r Im Saale: Grosser Ball. 53932* Jeden Mittwoch: T a 11 Z* R€ U 11 I O lle Kücbe und Kelter in bekannter Güte. Hierzu ladet freundlichst ein Ernst HttfUch. NEU-TIVOLI Neue Krag- Allee 59 Jeden Sonntag; Grosser Ball wozu ergebenst einladet Frlts Prenss. (ui I Kloster=Qarten � am Tpandauer Tchiffahrtskanal. direkt am Jnngfernsteg. Stadt- und Ringbahn. Station Bahnhof Beuss�sttaße, elektrische Straßenbahn Nr. 12 Görlitzer Bahnhos— Plötzensee. Sonntag hwttrt MklSIIZett «»»» grosses Ktader-Jreiideiilest. Jm Riesen- n Ida 1. Vortrag der Genossin bedingungen eingeha 261/6 Aitmann: ... fesigeseht 2. Diskussion. »Wie werden die vor dem Berliner Einigungsamt feftgesehten Lohn- und Arbeits- ' Uten?'*....... 3. Verschiedenes. Die Bevollmächtigte. 1'öpSsP'tpZgsp. ».MillMMM Montag, den 25. Juli, abends 7-/2 Uhr, bei Pfeifer, Rosenthalerstr. 57: Vor Sammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Mißstände in unsrem Berufe. 2. Diskussion. DaS Erscheinen ämtlicher Kollegen ist unbedingt notwendig. SS/IS Der Vertrauensmann. Vefdanll der an Holzbearbeitungs- Maschinen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 25. Jnli 1904, abends 81/. Uhr AußcMbeutlilljt KcumI-veriWiuluuz in Kusfins Festsälen, AndreaSstraße 21. Tagesordnung: 76/36 Fortsetzung der Tagesordnung von der letzten Generalversammlung(An- schlnst an den Holzarbeiterverband und Gewerkschaftliches). Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. HS. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. D. O. 1 l Montag, de« 25. Jnli, abends 8'/, Uhr, bei Graumann, Naunhnstr. 27 General-Uersammlung Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal. 2. Bekanntgabe der neuaufgenommenen Mitglieder. 3. Ersatzwahlen des Vorstandes. 4. Der Streik in de» Pianoforte- Fabrik von A. Gast u. Co., Frankfurter Allee 417». 6. Vereinsangelegenheiten.— dlitgliodsbuoh iogitimiort. In der Versammlung gelangen die Billets zu dem am 17. September im „Deutschen Hos", Luckaucrstr. 15 stattfindenden 22. Stistungsscst zur Ausgabe. 141/18_ Der Borstand. Ccntrl>t-Kranl!kll-ii.Stnbtbiijstd.Tislhlcr und andrer gewerdl. Arbeiter(E. H. 3) in Hamburg. VsrWsUntigsLteUe Weissensee.. Dienstag, den 26. Juli, rtbcnbä 8'/, Uhr, im„Prälaten", Lchdcrjtraße 122: Außerordknttilhe Pitglirbfr�frfnininlung. Tages-Ordnung: 1. Beschlutz des KasscnvorstandeS in Hamburg betreffend Neuwahl der Ortsverwaltung. 2. Das Verhalten des seitherigen Kassierers zu diesem Beschluß. Mitglieder, seid alle am Platze! Mitgliedsbuch legitimiert. 2901b Der Vorstand In Hamborg. Blume, Vorsitzender. Zweigvcrcin Köngis-OUuater häufen. Sonntag, den 31. Juli, im L-ohale des Hrn. Bl edel, IM- Nene Mühle: �5 fünftes Stiftungs-fest verbunden mit turnerischen AnffUhrnngcn und Gesang. Anfang 3 Uhr. 148/1______ Das Komitee. Zur Königsbank. Grosse Frankturterstr. 117. Inhaber: Fr, Walter. Empsehle den Vereinen und Gewerkschaslen meinen Saal und Garten zur Abhaltung von Festlichkeiten jeder Art unter günstigen Bedingungen. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Humoristische Vortrüge der berühmten Original Norddeutschen Ouartett-Sänger. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Großer Ball. S67SL' Ilrbeiter-Bildungssehule Berlin Sonntag, den 31. Jnli 1904: Zillenfahrt mit Mnsik Heb Nene Hie. Restaurant„Zur Sebleuse" w. um«/ Originelle Deberraschnngen zo Wasser nnd zn L-ande Konzert nnd Tanz< Spiele Im Walde etc. Abfahrt früh V,» Uhr von der Schlesischcn Brüche. Eillets ä 1.30 M.(Kinder frei) sind zu haben bei Goltfr. Schulz, Koftbnser Dllör; Reul, Barnimstrasse 42; HaucK, hngol-Ufer 15, sowie Dienstag und Donnerstag in der Schulo. 4/18 Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. 177/16* Sonnabend, den 30. Juli 1904 t Grosses Sommer-Vest im Schweizer Garten, am Friedrichshain. Anfang 5 Uhr. Entree SO Pf. Billets sind bei den Vertrauensleuten und im Bureau. Engel-User 15, Zimmer 36, ,u haben... Die Ortsverwaltung. ReztAUfsnt Pferdebucht m Köpenick empfiehlt. sich den Vereinen, Parteien, Gewerkschaften, Gesellschaften, Fabriken und Schulen zu Landpartien.— Herrlich im Eichenwald gelegen, gemütlicher Ausenthalt, solide Preise.[56292«] W. 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Oer Kampf im Oäebergewerbe Wir machen das geehrte Publikum hiermit aufmerksam, daß die nächste Liste am Sonntag, den 21. August erscheint und werden wir in der Zwischenzeit nur diejenigen Bäckermeister veröffentlichen, welche den Tarif iweMfWdl» untersehrieljen und andrerseits die Forderungen tatoto resp. zurückgezogen haben. An die brotkonsumierende Bevölkerung Berlins u. Umg. richten wir die dringende Bitte, bis zu oben genanntem Tage sich diese Liste ausznbewahren, ileuu nur in diesen aufgeführten Säckereien ist uns die Garantie gegeben, dajl hier die Jordernngen aufrecht erhalten werden. Helft mit, die Bäckerei-Arbeiter wirtschaftlich frei und selbständig zu machen! Dies ist nur dann möglich, wenn es gelingt, das Kost- und Logiswesen dauernd aus allen Bäckereien zn beseitigen. Erst dann werden die Bäckerei-Arbeiter genau wie andre Arbeiter da wohnen und essen können, wo es ihnen gefällt, und erst dann sind sie in der Lage, sich ein eignes Heim gründen und sich verheiraten zn können. Unterstützt nns in dem Kainpfe, das Errungene zu erhalten, und kauft nur Brot uud andre Backwaren ans folgenden geregelten Bäckereien: NorSe». Im Norden werden ni» Tarif- Bäckereien aufgeführt. Ackerstr. 16, Eduard Goldacker. 68, Eduard Goldacker. , 153. O. Schumann. . 5, Dahlkc. 171, P. Nentwig. Adolfstr. 11, Tennigkcit. 1, E. Batble. i, 12b, Hönisch. Anklamerstr. 19, Eduard Goldacker. Artillericstr. 3, Eduard Goldacker. 36, St. Graul. Badstr. 37a, lachimcdei. Bernauerstr. 47, Schiweck. . 35, H. Schröder. 97, O. Marx. Biesenthalerstr. 2, Mensina. Boyenstr. 11, Leopold Jhle. Borsigstr. 18, O. Zschoch. Brunnenstr. 41, Herm. Sorge. , 95, Hanke. 3, Th. Mollweide. , 66, D. Pirwitz. „ 27, O. Hanke. „ 95, O. Hanke. 96, Eduard Goldacker. 129,. 48, Rothe. Buttmannstr. 20, Hirsch. BuraZdorfftr. 15, O. Kratockwill. Buchholzerstr. 16, E. Vogler. Carmen Shlvastr. 163, E. Feist. Chausseestr. 38, Eduard Goldacker. Chorinerstr. 55, F. Hanke. CöSllnerstr. 3, E. Schmidt. �. 1. H. Tschoke. Cremmenerstr. 15, Adols Morlot. Dalldorscrstr. 33, Tzschctzsch.« Danzigerstr. 70, C. Rink. 76, O. Schmidt. „ 94, Atzmns. „ 21. W. Singer. „ 72, G. Vondran. Demminerstr. 18, Neue Berliner Ge« nossensch.-Bäckerci. 23. F. Gutsch. „ 25, Grund. Dunckerstr. 2, Czcrwenk. „ 73, C. Jaenke. 78, F. Deinert. Drontheimerstr. 6, H. Schröder. Elsasscrstr. 82, Brotsabrik Berolina. Exerzicrstr. 19, Koschcl. �. la, Volcy. Fehrbellinerstr. 27, M. Hösclbarth. Franseckiftr. 45. Joh. Thiel. 51, K. Wittkops. .... 53. Ed. Goldacker. ?«?I?,ergerstr. 12, Brotfab. Berolina. Gerichtstr. 14. Schwcmlcr. S- Schröder. Gleimstr. 19, Stracke . 60, Mötsch. Graunstr. 22, Dohrm-mn. 5c'§' H°nke. » schenk. . 32, � Hanke. 28, Wolfs. 37, Eduard Wuttke. Grenzstr. 13, Ziegelski. Grünthalerstr. 61, F. Altrock. 5, P. Jambor. Gartenstr. 61, E. Viehweacr Gaudyslr. 9, Joh. Bauer Grcisenhagenerstr. 15, A. Nillasch. Hagenaucrstr. 1a, Fritz Hanke H-nnigSdorserstr. 25, Volel,' Hochmeisterstr. 1, E. Elbinaer . 3, L. Rapp. 20. P. Meyer. Hochstr. 31, O. Fcnske. Neue Hochstr. 18, Berk. Gen.-Bäckerei » 35, Stratmeyer. ". 24. H. Schulz. „„ 28, O. Korherr. Ho'chstädterstr. 23, P. Jambor. Hussiienstr. 43, Kichlin�� Jasmunderstr. 18, A. Döring. Jnvalidenftr. 144, Ed. Goldacker. Kastanien-Allee 13/14. Pape. 103, Adamch. ' 57, Aug. Künscher. 10, Eduard Goldacker. ' 46. Bing. Koloniestr. 28. A. Schneider. 71, C. Richert. 34. E. Muche. 151. Otto Scheer. Kolbergerstr. 27. I. Braun. Kopenhagencrstr. 74, P. Schon Köslinerstr. 1, Tschöcke. 3, C. Schmidt. Kuglcrstr. 8, W. Ziebell. Lhnarstr. 4, Kadak. . 14. Pawlick. „ 1, Marquardt. Liebenwalderstr. 60, Th. OuaZnIca. 69, H. Schröder. 3t. M. Jockel. o• 16. Voley. Lortzlngstr. 36. F. Hanke. » 17, F. DahmS. Lüderitzstr. 60, P. Gärtner Lhchenerstr. 17, P. BorowSky. . 4, Walter vorm. Schwede. , 105, H. Schröder. Maxstr. 17, E. Schulze. Metzerstr. 2, Sachwitz(vorm. Zeitlcr). Müllerstr. 32, Wwe. Blum. . 11, Brotfabrik Berolina. .. 33, Wittlers Brotsabrik. 37, Friedrich Beyer. „ 166a, Hanke. Odcrbcrgerstr. 49, Böhme. ,. 46, Schönherr. n 38, Baldin. » 21, Wagner. Oudenardcrstr. 44, P. König. Oranienburgerstr. 60/63, Simons Brotsabrik. Pappel-Allee 24, Ernst Pfeifer. 21. Fehse. . 18, I. Goeken. „ 14, M. Höselbarth. 104, Stich. Müller. 136, E. Drehler. Pankstr. 61, F. Klang. , 21, H. Schröder. .. 45ä. G. Göller. Pflugstr. 3. I. Kosellek. Prenzlauer Allee IIa, Ed. Goldacker. „ 24, Ed. Goldacker. „ 203, M. Herrmann. Putbnserstr. 21, P. Hanke. 14, H. Jaape.* 37, I. Bauer. 46. Zt. Block.» „ 24, Kundt. „ 48, H. Schröder. Prinzcn-Allee 53, Schmidt. „ 57, M. Schwendh. 61, H. Mehls. Prinz Eugenstr. 10, O. Senff. , 16, H. Oswald. 6, Jonscher. „ 8, H. Reiche. 20, D. Härder. Ramlerslr. 36, G. Haehn. » 24, G. Seidel. „ 31, Th. Dahlenburg. Raumerstr. 55, K. Scharlock. Ravensstraße 1, Ernst. Reinickcndorferstr. 20, P. Hanke. 69, Frau Petsch. 69. Pitzsch. 41, R. Wenzel. 64 a, W. Hcrberg. 47, tz. Bloch. Rheinsbergerstr. 13, 81. Scholz. 26, M. Lorenz. „ 48, Seidel. Rhinowerstr. 2, O. Schwienhagen. Ruppinerstr. 8, F. Baackc. 12, O. Hanke. Rügenerstr. 3, Heublein. 16, Höhn. Rykestr. 24, Georg Sy. „ 34, E. Vogler. Swinemünderstr. 27, Osw. Großmann. 66, R. Becker. 80, Getzner. 106, C. Kunze. 64. Paulischeck. 82, M. Mannel 93, Schubert. 74. F. Hanke. Schönh. Allee 177, Eduard Goldacker. Schulstr. 20, Hugo Stolzmann. 37, F. Jonscher. 25, Th. Schmidt. , 51, P. Krumbach. 110, Stritzke. Schlicmannstr. 24, C. Reisewitz. Schwedterstr. 52, 8l. Hübner. , 230, O. Kumm. 48. A. Löchel. 240, Kurth. Sparrstr. 6, Eisner. Slettinerstr. 64, P. Zeschmann. Stolpischcstr. 64, Babtkc. Strelitzcrstr. 4, I. Hcntschel. 46, Georg Witt. 31, P. Scheunemann. _„ 64, Brauner. Stargarderstr. 78, Bark u. Walter. 63, E. Burger. „ 74, F. Haute. » 12a, Zl. Ebcrt. " 70, Langnickel. Sttstr- 68a, 81. Mindt. Schönholzerstr. 5, Mittelbach. Schwartzkopssstr. 7. G. Thoma«. Schulzendorserstr. 14, O. Agnkola. Triststr. 2. M. För" Ti-ckstr. t fletu?teSßae5r- Tresckowstr. 44, iL Lehmann. , 6I: � Mörschner. TcQlciftr. 11 H. finur Usedomstr. 4, Stollberg. , ��'„Hr.Schröder. Utrechterstr. 8, Kerslen. Watlstr. 21, F. Riebenstahl jr Willdenowstr. 29, I. Breier Weißenburgerstr. 55, ß. Nobilina. » 42, A. Aßmus. » 16, A. 8lßmus. Wiefenstr. 31, I. Schneemann. . 19a. P. Schardien. , 28, Seeger. Wolgastcrstr. 13, Wwe. Dreier. Wollinerstr. 50, Nicol. . 58, F. George. 44, E. Raddatz. „ 23, I. Dahlen. 31, R. Bordajch. Wcddingstr. 7, H. Brendel. Weinbergswcg 7, Hanke. Wichcrtstr. 5, H. Langwinkel. Wörtherstr. 34. Bührig. Zionskirchstr. 2, Regen. 26, E. Förster. Zionskirchplatz 1, Th. Mollwcide. Norckosten. Barnimstr. 17, C. Dorendorp. Büschingstr. II, F. Schütze.» 18. A. Alsert. 29. B. Roloss. Elisabcthstr. 15, W. Porath. Franksurterstr. 103, Büttner. Kl. Franksurterstr. 14, F.Mittelstadt.» Georgenkirchstr. 48, Äeitzcck. Greisswalderstr. 29, Kaschel.» . 76, G. Wegner. „ 12, O Hanke.» „ 202, H. Förster. Hcinersdorserstr. 12, H. Lamler.» Höchstcstr. 11, C. Dzienian.» Jmmanuelkirchstr. 10, K. Krause. , 33, R. Kleiner.» 21, I. Kreil. 30, Zt. Baldin. „ 39, H. Dönile. Kuglerstr. 8, W. Ziebell» Landsbergerstr. 94, A. Bludau. „ 146, O. Schwarze. Landsberger Allee 157/58, G. Eggert. . 123, P. Rohwisel.- ., 43, Gruschka. „ ,. 57, A. Ramin. Landwehrstr. 12, H. Oeck. Lippehnerjtr. 2, H. Hast.» .' 8, H. Kruse. Marienburgerstr. 7, A. Seemann.» 24, L. Schmidt. Mcndclssohnstr. 9, Neumann.» Neue Königstr. 23, P. Nitschke. . 60, Ed. Goldacker.» •„ 55/56, I. Schultasch. Pallisadcnstr. 44, P. Marlin. « 84, K. Kinzel. 9. R. Schäle. . 20, H. Kähne. . 58, H. Hecht.» Woldenbergstr. 17, P. Bleh. KW. Moabit. Zllt-Moabit 77, O. Blottner.» Bandelstr. 34, Brostabrik Berolina.» Beusselstr. 24. H. Graf. 42. A. Schmidt.» „ 44, R. Schwämmlein.» 74. Th. Krull. 50. W. Wesche.» 59, I. Sieg. Berlichingcnstr. 1, W. Freyer.» 12. R. Mittelswaße.» Bredowstr. 20, M. Schubert. „ 16, Th. Kühner. Birkenstr, 32, R. Wackerhagen.» Bremerstr. 56, O. Vesterling. „ 60, I. Begier. ClaudiuSstr. 10, A. Tacke. Dreysestr. 12, P. Bänsch.» Emdcnerstr. 21, F. Folzing. „ 17, H. Blume. 44, �>. Linke. Gotzkowskystr. 6, G. Müller. 33, F. Drenske. Huttenstr. 41, 8l. Slernsdorst.» „ 4, F. Rechenberg.» Jagowstr. 10. F. Bartel.» Kirchstr. 12, O. Fliegncr.» Lübeckerstr. 47, E. Schmidt.» Melanchthonstr. 18, Brodsbr. Berolina.» Oldcnburgstr. 14, C. Peickcrt.» Perlebergerstr. 7, E. George. Putlitzstr. 16, E. Schumann. Rostockerstr. 31, F. Kügler. . 61, O. Hering.» 40, Th. Beyer.» Siemensstr. 17, F. Heyden.» 7, C. Laads.» Sickingenstr. 41, R.König. Stendalerstr. 5, Corts u. Co.» Stcphanslr. 55. F. Handtke.» Tunnstr. 67, Hanke. 47, Ed. Goldackcr.» Utrechterstr. 8. W. Kersten.» Waldstr. 25, E. Jglisch» , 42, R. Heinrich.» 36, F. Bureck. 46, Müller. Waldenserslr. 23. F. Treskow.» Wicleststr. 66. G. Spieckennann. 36, E. Asivaldt.» , 69, W. Wcrdermann.» 21, Otto Heinrich. Wittstockerstr. 7. C. Giesmann. 25. V. Lukowskl.» Wilsnackerstr. 33. P. Hanke. 15, Ed. Goldacker.» WilhclmShavenerstr. 17, MattheS. 33h, Rinke.» ' 27, R. Topp. 16, 81, Danelzik. Osten. AndreaSstr. 4, G. Fischer. , 16, Hanke.» 23, Probst. „ 32, Wilhelm«, Brotsabrik.» Kleine Zlndrcasstr. 7, Chrislall.» Zlndreasplatz 3, L. Böttcher. Blumensrr. 13, Berolina Brostabrik.» , 50a, Junkers Erben.» 51a. E. Krause.» 59, W. Donrbrowsly. Brcelauerstr. 32, C. Bradcmann. Boxhagencrstr. 13, Sllbrechts Bäckerei. Cadincrstr. 26, Max Geisler. 14, O. Bäsch. Ebclingstr. 5, M. Blender.» Elbingerstr. 86, H. Hast.» 97. S. M» 76, Fritz Bark.» „ 90, Herm. Trapp.» Eldenaerstr. 2, I. spöttlich.» Eckertstr. 1, 8l. Scheer. „ 13, E. Hertig. Friedenstr. 47, G. Jackisch.» . 44, O. Hartniann. 67, E. Rolle.» Friedrlchsbergerstr. 16, W. Schorrig. „ 20, W. Behrend.» FriedrichZselderstr. 17, K. Kauze. 26, Hering. 39, F. Bröge. Fruchtstr. 36, Zl. Gerland. . 37, Schernickau.» 29. B. Nicbisch. 46. Polenz. „ 73, Zl. Grüneberg. Fürstenwalderstr. 7, R. Schützendübel.' Franlfurter Allee 75, M. Baustch. ., 108, Büttner. . 145, SS. Engel. „ 179, Horstmeyer. „ 173, Berolina Brods.» Gr. Franksurterstr. 2, tz. Prager. » 85, Ed. Goldacker.» GabelSbergcrftr. 8, A. Weise. Graudcnzerstr. 12, G. Sperrling.» Grüner Weg 54, Sehne. «'. 03, Hanke.» . 75. E. Wolff. „„ 115, Spüllmann. Gubenerstr. 42, K. Darmstädt. , 49, C. Hönle. 67, Deuß. HauSburgstr. 5. I. Mehl.» 26, Schneider. Heidenseldstr. 21, Kalm.» Holzmarktstr. 50a. F. Stock. 55, I. Rieboldt. Hübnerstr. 6, Ricgler.» 14, G. Treu. Jstlandstr. 2, F. Stachowsll. Jnslcrburgerstr. 12. A. Maschke. Kochhannstr 34, W. Brüse. 43, Joseph Grogowski. Koppcnstr. 23, G. Wemer. 58, Zt. Woblick.» 15, C. Zabel.» . 49, Ladislaus Starosta.» „ 99, O. SiederSIeben. Kopcrnikusstr. 3, Vorwärts-Brostabr. . 9, A. Wicmann. Königsbergerstr. 9, P. Zimmer. 18. O. Lucka.» . 30, O. Lohndorf. 35, I. Sommerseid. Krautstr. 10. Albrecht. 22, Arndt.» 25, Julius Freudenhammcr. . 41, Paul Brehmer. 3, Eduard Goldacker.» Kreuzigerstr. 1, Hanke.» Langenbeckstr. 12, O. Rehwaldt.» Langestr. 21, G. Hildebrandt. 36, Brotsabrik Berolina.» , 40, M. Kohling. „ 46, Zl. Rappmann. 13, Ed. Goldacker.» „ 106, H. Hartmann. Lichtenbergerstr. 6, F. Scheel. Liebigstr. 3s, Hanke. . 15, Bauer.» Lithauerstr. 14, F. Hildebrandt. Löwestr. 1. Kahlmß.» 18, Ernst.» Lebuserstr. 11, R. Bienert.» Markusstr. 9. K. Keil. 1t, M. Schneeberger. . 27, Mohlnau. 38, L. Köppe. 15. W. Stütze. Kleine MarkuSstr. 12/13, Lehmann. Memelerstr. 4, Estler.» , 7, Knocke.» 20, L. Holbe.» 47. Nikisch.» 52, F. Mchlbose.» 59. G. Donitze. MIrbachstr. 14, Gcnossensch. Volksbrot.» 29, Schulz.» Mastern str. 2. W.Zeplin.» 13, H. Dörner.» Münchebergcrstr. 15, O. Lau. . 32. E. Sllbrccht. Mühlenstr. 35, Sl. Müller.» „ 51, J. Schön.» 68. Gäckel. Muskauerstr. 28, P. Heinzelmann.» Am Ostbahnhos 1, R. Zldam. Petersburgerstr. 2. E. Wiedekind. 32, C. Schwarzba.» 66. Alb. Thiel. 21, P. Mertens. Pofencrslr. 2, St. Cymer. 16. H. Vietsch. PInstchstr. 4, R. Goigens. Proskauerstr. 28, Bloch. Richthosenstr. 5, R. Zelm. 33, H. Neumann. Rigaerstr. 138, B. Burkat. Romintenerstr. 20, I. Stower. 44, E. Küster.» 57. M. Gorgar.» Rüdersdorserstr. 20, W. Bödner.» „ 62, Heinr. Büttner. 67, Anna Krocker. Samariterstr. 2, F. Fischer. , 11, Fr. Hanke. Schreinerstr. 57, Louise Ramisch. . 60, R. Steffen. Straußbergerstr. 1, C. Realin. , 33, C. Schiecke. 17, A. Pirfchel. 5, F. Schubert. 46, Fr. Müller. StraßmaNNstr. 8, Ernst Feller. 24, Hein.» Stralauer Platz 18/19, Heida. Stralauer-Allee 23, H. Winnenberg.» 17. A. Lipski» Thaerstr. 11, Fr. Rcinike. Tilsiterstr. 26. A. Gegner.» , 34, Köpig. „ 77, Ferd. Stahnsdorf.» 91, Hanke. .„ 12, K. Bietinger.» Thornerstr. 67, P. Reich. Wallnertheatcrstr. 10, L. FrZnkel. Warschauerstr. 1, Heinr. Godike. ' � Rülke. . Lüda. Oerr. . Schulze. . Lieb ig. 76, F. Knals. 82, W. Biewe. Webcrstr. 36, Ed. Goldacker. Weidenweg 7, Herm. Müller. 25, Moltrccht.» „ 30, Berolina, Brostabrik.» 67, Hause. 74, Klose.» 82, O. Bertzau.» , 87, R. Kirchmeyer.» Wilhelm Stolzestr. 2, O. Schachsal. , 35, R. Bachmann. Zcllcstr. 2, Franke. Zorndorserstr. 8, L. Gövel.» . 27, Nicstching. „ 34, Maaß. 55, Richter.» StUlest. Adalvcrtstr. 93, R. Finger. 66, F. Hoppe. Admiralstr. 10, Hanke.» 22. C. Blümcl» „ 30, Max Hctnroth.» , 37, Rabatt-Sparverein.» Annenstr. 41, F. Niemeyer. . 6, E. Kadelbach. Britzcrstr. 7, I. Targatsch. . 41, L. Osterhagen. . 21. E. Fritz. Caprivisst. 25, Hanke.» Cuvrystr. 5, W. Ficbig. , 22, O. Schörnig. , 42, C. Müller. ,' 37, G. Kaaz. , 44, F. LebuS. 28, Jsmer.» Falckcnsteinftr. 47, A. Manthey.» 43, C. Weber. „ 45, Hanke. „ 20, Kulinsky. 28, Albrecht. Forstcrstr 42, Protz eck.» „ 20, Rabatt-Sparverein.» „ 48, B. Scharfenberg.» 3, G. Marks. Görlitzerstr. 63, Diesenbach. », 68, Rabatt-Sparverein.» » 36, Sehnert. », 65, Fischer.» G-irlitz-r User 32. Nowosadko. Grünauerstr. 21, P. Maiwald. 12, H. Büß.» . 20, Wagner.» Glogauerstr. 2, M. Kotzan.» . 26, H. Großmann.» . 28, Rabatt-Spar-Verew.» Gubenerstr. 32, R. Ladewig. Kottbuscr Damm 35, C. Müller. „ 20, G. Böhme.» Kottbuser User 21, G. Wenzel.» „ 44, Rabatt-Spar-Ver- ein.Süd-Ost'.» Kottbuserstr. 2, R. Halbauer.» 6a, Beckmann.» 21, G. Wenzel.» Köpni'ckerstr. 23, Hanke.» 114, S. Weil. 172, Laudahn.» 90, Babel.» 31b, F. Pflugk. Lausitzerstr. 16, C. Städler. 25. Zl. Kails.» „ 47, Schmidt.» 2, Albrecht. Licgnitzerstr. 7/8, M. Janthe. . 22, Rabatt-Sparverew.» 28, G. Mieth. Lübbenerstr. 10, Hanke» 24. C. Witschel.« 29. Gierz.» Manteuffelstr. 45, Bobcl.» 67, A. Lippert.» 87, L. Schirrmcister.» 90. E. Lclleik.» 99, Zl. Brauer.» 103, L. Ratzmann.» Manteuffelstr. 61, Zl. Stolla.» (beschäftigt nur Lehrlinge.) „ 5, W. Bergmann.» „ 100, Laugwitz.» Mariannenstr. 5, W. Toerlitz.» 27, R. Lutosch. MuSkauerstr. 6, P. Tews.» „ 18, Kanatkowskt. , 28, Heinzelmaim.» 34, C. Schulz.» Michaelkirchstr. 29. Jstri-Brotfavl«. Naunynstr. 1, 7. E. Barth.' "iielitz.» Weber.» cilmann.» euman». tojaczyk.» IS. 84. «8.. 73,.. 90, Hanke. Ohmgasse 9, Nowosadko.» Oppelnerstr. 4, Schenk. 20. S. Stephan.» 24, C. Röder. 35, A. Krause.» 46, Rabatt-Sparverew.» „ 49, Naß. Oranicnstr. 11, R. Moritz. 196, F. Thieme.» „ 4, W. TremuZ. 110/111, Zl. Tacke. . 186, Hanke.» Prinzenstt. 99, Wieske. 59, Ed. Goldackcr.» Pücklerstr. 42, E. Frombcrg.» 17. H. Weber.» , 48, O. Diettrich.» Plan-Uscr 92a, Otto Grigoleit. Reichenbergerstr. 40/41, H. Weber.» 51, Babel.» „ 58, Meyer.» 61, C. Schulz. 64, P. Gehricke. 82, A. Mayer. 95a, F. Tschcntke.» 101, Wagner.» III, Eh. Schrein.» 114, A. Hülsberg.» 138, A. Rost.» 146, Bergmann.» 153, G. Zenker. 158,Z!abatt.Sparvrr.» „ 168, H. Weber.» 185, I. Nudnick. Natiborftr. 2, Rabatt-Spar-Verew.» „ 6, Joh. DictschmonS.» , 17, I. Rücker.» 59. C. Schulz. Skalitzerstr. 1, Fritz Richter. „ 59o, HI Rieger.» „ 63, Dehmcl.» „ 95, H. Stammwitz.» „ 101, C. Plenert.» „ 109, A. Köhler. . 124, E. Huth.» 138, Sahlmann. Sorauerftr. 1, H. König.» , 8, O. Wngenknecht.» „ 12, Sl. Jsmer.» 13, M. Eule.» Schmidstr. 8a, C. Lange. Schlcsischestr. 19, C. Tcnnert.» Waldemarstr. 66, P. Hamel.» Wienersir. 8, Zobel. 32.& Klammck.» 36, Joh. DielschmonS.» . 56, A. Laugwitz.» 58, F. Bachstem.» Wrangelstr. 9, A. Wohler.» LI, G. Gumtau.» 45. R. Heß. - 77, E. GentzmaNN.» „ 82, F. Meister.» 91, Hanke.» Zeughofstr. 8, 21. Hclbich. Süden. Adalbertstr. 66, F. Hoppe. Alte Jakobsir. 79, Eugen Mosch. 7, H. Lllck. „ 88, Klautfch. Blüchersir. 16, O. Blostucr.» , 69, Brotfabrik Berolwa.» Bergmannstr. 14a, Polenz. 104, O. Blottner.» Boeckhstr. 37, Wodetzki. .. 46, H. Schulze. Bärwaldstr. 47. P. D-hmekt. Brandenburgstr. 21, A. Becker.» Camphausciistr. 6, I. Zmdler. Dieffenbachstr. 6. I. Zinder. . 27, L. Pritzkar. ' 52, C. Kelch. DreSdenerstr. 81, 5. Stockmann. » 6, Ed. Goldacker.* IM, St. Herse. Fürsten slr. 8, R. Loudwin. Gneiscnaustr. SS, Ullbrich.* Gräjcstr. 67, I. Brendel. , 12, Rabatt-Ipar-Vereln." , 36, Rabatt-Spar-Berein.* „ 25, Böttcher u. Co. 4, 81. Kaddh. Grlnimstr. 1, Hentsch. Hascnhcide 49, O. Hartmann. Älinstr. 21, Köhler. Prinzenstr. 64, Brotfavrlk Bcrostna.* Ritterstr. 15, Hcrm. Trapp.* Stallschreiberstr. 32», Hanke. Schmidstr. 8a, C. Lange. Schönleinstr. 27, O. Hollunder. , 21, C. 8lnders. » 6, E. Drauschke. SolmSstr. 27, S. Kranz. Urbanstr. 1, Neubarth.* , 83, R. Schnecklein. Wasserthorstr. 16, Lautcnschläaer. . 21. Bobel.* 8US«'o»tvn. Mexandrinmstr. 46, Riebenstahl. 28. M. Hilbig* Bergmannstr. 10, Knosius.» . 14a, Wilh. Polenz.* Fidiclnstr. 14, Aug. Preutz. Friesenstr. 27, Brotfabrik Berolina.* Jerufalemerstr. 3/4, R. Richter. Kreuzbergstr. 38, K. Hesse. Mitlenwalderstr. 30, Franz Dohna!.* Möckernstr. 124, O. Blottner* Marlgrafenstr. 73, R. Richter. 74, Gust. Rothe* Mariendorserstr. 3, I. Steinke. Mittenwalderstr. 44, G. Schröder. Noslizstr. 9, 81. Bockisch.* . 49, Aug. Micheli.• SImeonstr. 28, W. Bergmann.* Wilhelmstr. 133, R. Richter. Uorkstr. 40, O. Blottner* „ 65, 81. Trümpler. Zimmerstr. 84, R. Richter. Zossenerstr. 41, O. Blottner.* Westvii, Blumenthalstr. 6a, Gerd Witz. Dennewitzstr. 4, Elias Radanovitz* Dennewitzstr. 6, O. Blottner.* 33, M. Jahn. Friedrich Wilhelmstr. 20, A. Zabp. Frobenstr. 20, Brodfabrik Berolina.* Kirchbachstr. 14, O. Äaedicke* Neue Sleinmetzstr. 1, Karl Zealin. Nürnbergerstr. 29, G. KakowSkh. Steglitzerstr. 71, O. Schaper. Stcinmetzstr. 27, M. Poche. „ 43, O. Hoher. Gövenstr. 18, Brotsabrik Berolina.* Grotz-Görschenstr. 8, O. Gaedtcke.* . 9, Elias Radanovitz.* Rursürstenstr. 9, O. Blottner.' Centram. Mexanderstr. 28, W. Hittig. „ 21, Eduard Goldnckcr.* 8luguststr. 26, Brotsabrik Berolina.» Kleine Alexanderstratze 26, F. 8lrnold.* Dragonerstr. 15, O. Hanke. „ 36, N. Neumaim. Elsasserftr. 92, H. Vetler. 19, Thuiges. GIpSstr. 7, L. Lisken.» Grenadicrstr. 47, E. Hannisch. Kreuzst. 17, R. Skibbe.* Linienstr. 56, E. Schneider.» 65, P. Hanke.» Loihringerstr. 16, I. Schmitz. Mulackslr. 10, 81. Briste. Oranienburgerstr. 39, M. Struck. „ 84, Hanke. Sophienstraße, Aschingcrs Bierquelle. Steinslr. 13, Otto Äitnuth. AlteSchönhauserstr. 33, Ed. Goldacker.* Charlottenbnrg. AnSbacherstr. 25, 81. Kühnast. Cauerstr. 17, G. Schulz. Courbierestr. 9, K. Dunker. Christstr. 18, B. Liebe.» Danlclmannstr. 46, Lehmann. Erasmusstr. 12, Schmidt u. HamcrSki. Florastr. 10, Maaß. Friedrich Karlsplatz la, W. Nitsche. Goethestr. 25, G. Schott.» „ 79, W. Wcigand. Guerickestr. 40, P. Torgeier. Huttenstr. 82/33, C. Schaffet. Kantstr. 24, Görnig. ,. 40. 81. Ludtke. „ 61, L. Förster. Kanalstr. 15, G. Lenke. Kaiser Friedrichstr. 59, S. Larisch. Kirchstr. 35. E. Knorr. Knobelsdorssstr. 8, H. Schmidt. 42. P. Bl-y. Krummestr. 20, O. Schulz. Leibnizstr. 5, Hcmpel. 62, O. Wörbe. Motzstr. 19, O. Blottner.» Nehringstr. 4, C. Brand.» Nettelbcckstr. 14, O. Blottner.» Pcstalozzistr. 76, I. Spitzbart. Zläckertslr. 3, O. Wilde.» Plötzensecstr. 12, 81. Thiele. Sophie Charlottenslr.l5a,PauIDähne.» ., 80, H. Proell.' 93, H. Gramm. Spandaucrstr. 20, B. Lück. Spreestr. 46, Porath. Schillerstr. 83. R. Roth. Scharrcnstr. 23, 81. Karsch.» Schlüterstr. 17, E. Kraus. Stuttgarter Platz 15, 81. Nitsche. Tauroggenerstr. 10, G. Jandke. Wallstr. 8. P. Reiche. .. 85, A. Ulbrig. WilmerSdorserstr. 59, M. Funk. 70. W. Gaidke. 153, O. Gcisler. <8vI»vilvI»vi'S. 8ln§bacherstr. 8, O. Blottner.* 8lkazicnstr. 12, Wtve. Herbst. 81lbcrtstr. 12, 81. Borbet. AugSburgerstr. 36, O. Blottner.» Bahnstr. 21, 81. Lehman». , 40, O. Sterling* , 46, O. Blottner.» „ 47. N. Schwämmlein. Barbarossastr. 78, Wetze!.* Brunhildstr. 9, Fach. Belzigerstr. 61, P. Kernchen. Ebersstr. 85, Rauchschnabel. Feurigstr. 67, E. Morscrt.» 54. fr Michaelis.' Frankenftr. 7, P. Neumann. „ 2, Eduard Hanke.» Fritz Reuterstr. 9, H. Gork. Golhenstr. 11, O. Blottner.» 21, E. Brauer. Goltzstr. 2, g. Wurst, sr. Hanke.» Goltz str. 31, O. Blottner.» Goltzstr. 68, Brotsabr. Berolina.» Gustav Frcytagstr. 9, H. Beck. Grunewaldstr. 129, O. Blottner.* 110. , 120, 81. Lehmann(Jnh. Schäfer). Hauptstr. 53, F. Kaiser. „ 85, K. Hettgen.» , 126, R. Steuer.» Hohenfricdbergstr.21, Friedr. Tempstn.» , 5, E. Obiglo. 19, O. Blotwer* Hohenstauffenstr. 7, 81. Lehmann.» Kaiser Friedrichstr. 14, F. Pietschmann. „ 11, Peter. „ 4, Brots.Berolina.» Kolonnenstr. 46, E. TotzlowSky. Krimhildstr. 1, O. Reincmann. Kysshäuserstr. 9, G. Schwemmer. 11, Bohndorf. Maxstr. 27, H. Zobel. Meintngerstr. 9, 67. K. Richter. , 59. E. Gehrltng. 70. H. Polen,. 79, L. Richnow. Kaiser Friedrichstr. 62, H. Wientcke. Lankwitzerstr, 4, B. Knops.* Tempelhof. Berttnerstr. 34, Br. Wilde. , 38, W. Rönnpagel. , 45, I. Niemczewski. Gross-Beeren(Kr Teltow). SB. Hertel Nachs. Schuh mann. Bileln-Beeren. Fr. Thieme. Teltow. Berttnerstraße, E. Hartmann. BlchstUdt bei Velten. Dorsstraße 26. H. Bivke. Borsigwalde. Ernststr. 6, E. Etzal Heinersdorf. Prenzlauer Chaussee 2, 81, Neumann. Rothenbachstr. 61, O. Neumann. Hcrmadorf. Haupsttr. 34, K. Herrmann. Rothenbachstr. 51, Otto Neumann. Stolpe a. b. Nordbahn. Dorsstr. 3, A. Gütschow. Lübars a. d. Nordbahn. H. Kügow. Bosenthal. A. Zickow. Heiligensee. M. Lahrmann. Kühne. Die mit einem* versehenen Bäckermeister haben den Tarif des Einigungsamtes anerkannt, und bitten mir die Konsumenten, diese besonders zu unterstützen. festgelegte» Tttrtf lUterftlltNt haben. Alle diese Bäckermeister müssenden mit unserm Berbandsftempel verseheneu und vom Bäcker- meister eigenhändig unterschriebenen Tarif als Legitimation dem Publikum vorlegen können oder denselben aushängen. Der Bevölkerung im Norden und Osten Berlins hiermit zur Nachricht, dast wir durch die fortwährenden Durchbrechungen nnsrer Forde- rNNgeN seitens eines Teils der Bäckermeister im 9tordeN Und Osten gezwungen sind, nur noch diejenigen Meister dem Publikum empfehlen, die den vor dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts Diese Bäckermeister müssen für nns als die zuverlässigsten gelten. Hausfrauen! Arbeiter! Bürger! Berücksichtigt daher in erster Linie die taristrenen Bäckereien! Der Vorstand des Verbandes der Bäcker und Bernfsgenossen Deutschlands. (Mitgliedschaft Berlin.) KL. Unser Bureau befindet sich jetzt Gipsstr. S, Hof parterre.— Telephon: Amt IH, Nr. 1243. 297/4 fßamito, Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW* Nr. 172. 21. Jahrgang. 4. IMInp des, Amiirls" Zonntag, 24. Juli 1904. BS2B Jer Streik der Steinseher und Ranilucr vor dem Einignngsamt. Am Sonnabend verhandelte das Einigungsamt unter dem Vor- sitz des Gewerberichters Dr. Leo über den Ausstand der Steinsetzer und Nammer. Als Beisitzer im Einiaungsamt fungierten die Arbeitgeber Ingenieur Bernhard und Hnlfabrikant Lucht, sowie die Arbeitnehmer Massini und Körsten. Die Parteien waren vertreten durch die Vorstände der Innungen von Berlin. Steglitz, Potsdam und Eberswalde, sowie durch die Gesellenausschiisse der Innungen. DieJmiungsvertreter hatten ihren Sekreetär, der kein Berussangehöriger ist, zu de» Verhandlungen hinzugezogen, �sic verzichteten jedoch ans diesen Vertreter, nachdem der Altgeselle Schenke beantragt hatte, dasi die Meister entweder auf die Teilnahme ihres Sekretärs verzichten, oder daß auch auf der Seite der Arbeitnehmer der Vertreter ihrer Organisation ziigelassen werde. Vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung ersuchte der Alt geselle Schenke die Vertretung der Meister, die Kommission der Rammer zu den Verhandlungen hinzuzuziehen, da doch die ganze Bewegung durch die Forderungen bezw. den Streik der Rammer entstanden sei.— Die Meister lehnten dies Ersuchen ohne weiteres ab. indem sie sagten, sie wollten nur mit den Gesellen, aber nicht mit ungelernten Arbeitern verhandeln. Aus Wunsch des Vorsitzenden wurde der seitherige Verlauf des Konfliktes, weil dessen Einzelheiten dem Einigungsamte bekannt seien, aus den Verhandlungen ausgeschieden und nur der gegen- wärtige Stand der Bewegung erörtert. Schenke, der hierzu das Wort erhielt, erinnerte daran, dag die Meister behaupten, die Steinsetzer hätten den bestehenden Tarif gebrochen. Er wünsche,� daß die Meister darlegen, wodurch der Tarif gebrochen sei. Seiner Meinung wollten die Meister diese Ge- legenheit nur benutzen, um den Gesellen einen neuen ungünstigeren Tarif aufzudrängen. Auf eine Frage des Vorsitzenden, ob denn die Arbeitgeber den bisherigen Tarif weiter anerkennen wollen, antworteten diese mit einem entschiedenen«Nein I*— Zunächst wollte das Einigungs- aint festgestellt wissen, durch welche Thatsachen die Behauptung: die Steinsetzer hätten den Tarif gebrochen, begründet werde. Aus den hierüber gepflogenen Verhandlungen ging hervor, daß der Tarif, der bis zum 31. März 190S gilt, auf der einen Seite die Löhne und auf der andern Seite bestimmte Arbeitsqnanten festsetzt welche die Steinsetzer täglich zu leisten haben. Die Meister be- haupteten, dieser Tarif sei ihnen von den Gesellen aufoktroyiert. Der Tarif müsse beseitigt werden, weil die Gesellen nicht mehr wie das tarifmäßige Arbeitspensum liefern, obwohl sie in der festgesetzten Arbeitszeit noch mehr leisten könnten. Demgegenüber führte Schenke aus, der Tarif sei das Werk ein- gehender Beratung des Jnnungsvorstandes mit dem Gesellenausschuß. Die Festsetzung der Arbeitsleistung beruhe auf ganz genauen Unter- suchungen und habe eine tadellose Ausführung der Arbeiten znr Voraussetzung. Wenn mehr als das tarifmäßige Quantum fertiggestellt werden solle, dann könne nur sehr Mangel- hafte Arbeit geliefert werden. Daß der Tarif nicht von den Ge- seilen den Meistern aufgezwungen sei, beweise der Umstand, daß die Innung ihren Mitgliedern die strenge Jnnehaltnng des Tarifs gegen eine Konventionalstrafe von 100 M. zur Pflicht gemacht habe. Daß die Steinsetzer gegen den Tarif verstoßen hätten, sei nicht nach- gewiesen. Aufs neue befragt, durch welche Thatsachen der Tarifbruch begangen sein soll, wurde von den Meistern geantwortet: Die Steinsetzer hätten den streikenden Rammern in einer Versammlung ihre Sympathie erklärt, fie hätten zu Gunsten der Rammcr bei sechs Firmen die Arbeit niedergelegt.— Die Arbeitervertretcr bemerkten dazu, bei diesen Firmen sei die Arbeit nur deshalb niedergelegt worden, weil die an Stelle der Streikenden mit Rammen beschäftigten Arbeiter so schlechte Arbeit geliefert hätten, daß es die Steinsetzer nicht verantworten konnten, bei solcher Arbeit weiter mitzuhelfen. Die Organisation sowie der Gescllenausschuß hätten aber diese Arbeitsniederlegung der Steinsetzer nicht gebilligt und die Betreffenden aufgefordert, weiterzuarbeiten. Ehe das geschehen konnte, sei jedoch der Jnnnngsbeschlnß bekannt geworden, wonach alle Steinsetzer ausgesperrt werden sollten, wenn bei den sechs Firmen die Arbeit nicht wieder aufgenommen werde Lediglich dieser Jnnungsbeschluß habe den Konflikt bis zu feiner derzeitigen Schärfe zugespitzt. Wenn von einem Tarifbrnch die Rede sein könne, dann hätten sich die Meister zuerst dessen schuldig gemacht, indem sie nach dem Ausbruch des Rammerstreiks eine Anzahl von Steinsetzern entließen. Wenn jetzt die Meister behaupteten, der bisherige Tarif sei für sie so ungünstig, daß er beseitigt werden müsse, so sei darauf hinzuweisen, daß jetzt bereits LOO Steinsetzer unter den Bedingungen des alten Tarifs wieder em- gestellt seien, womit ja die Meister ihre Behauptung, es ginge nicht mehr mit dem alten Tarif, selbst widerlegt hätten. Nach längerer Beratung machte daS Einigungsamt folgenden Vergleichsvorschlag: . i; Der zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern des �Ärgewerbes vereinbarte Tarifvertrag vom 29. Januar 1904 behalt für beide Teile seine Gültigkeit bis 31. März 1905.— Die Rammer werden zu den früheren Bedingungen wieder eingestellt, en"och nicht anderweitig besetzt sind. Bevor andre Arveltsrrafte neu eingestellt werden, werden die alten Rammer in erster Lime berücksichtigt. m /-"�elnng des Arbeitsnachweises hat nach 8 95 der Gewerb�Ordnnng zu geschehen. finden nicht statt. - T f Zwei Wochen eine Schlichtungskonimission. bestehend" suuf Arbeitgebern und fünf Arbeitnehmer«, unter vi-"'smkoobe fSm«�arteiitchen gebildet. Diese Kommission hat Ramm-?,, und bie zwischen Stein etzern und Streiks und Ansu" Arbeitgebern entstehen und eventuell zu Wenn die Pa? ie��''2°n führen können, zu begleichen. kommission nicht berrlhmeu �ab,? r der SchlichtungS- «-»„ioiinaSamt hos f«' ,!;3"' hoben sie mnerhalb acht Tagen das � Z a Einiauno7��"chts Berlin anzurufen. Die Ent- bat endli»'st endgültig. Die Schlichtungs- vertraa für die Swiuftü»'fitere Aufgabe, einen neuen Tarif- i flinrck lOOü ab in Kraft tr t zu entwerfen, der vom 1. April 1005 ao m straft treten soll. Dieser Tarifvertraa ist den Parieren zur Genehmrgung vorzulegen. Wen» sich Re Parteien b's zum 1- M°rz 1�5 über den neuen Tarifvertrag nicht geeinigt haben, rst das Emigungsamt des Gewerbegerichts Bcrliir anzir- rufen, bannt dieses den neuen Vertrag festsetzt 5. Die Arbeit wird am Dienstag, den 26. Juli, wieder aufgenommen.. Nach Verlesung dreses Vorschlags kehrten die Meister tvieder den Standpunkt hervor: Dre Ranrnrer sind nicht als mit den Steinsetzern gleichberechtigte Arberter zu bewachten. Demnach verlangten sie daß in der Schlichtungskommrstron nicht Steinsetzer und Rammer nebeneinander sitzen sollen, sondern für jede Kategorie eine besondere Kommission gebildet werden solle,- Das Einigung, amt?Ke den Meistern dringend nahe, dre gemernsame Kommission fckioit aiis rein praktischen Gründen anzunehmen. Alle diese Vorstellungen batten aber nur den Erfolg, daß die Meister schließlich erklärten � wog en von einer Vertretung der Rammer überhaupt nichts wissen sondern nur den Steinsetzern Sitze in der Kommission zugestehen. Schenke �starte diese Forderung für unannehmbar, denn die Arbeitsteilung 1"*° durchgeführt, daß die Steinsetzer nicht die Aiigeleqeirbeitcn �,.-1, mer vertreten könnten. Auf einer Vertretung der Rammer "'kterr die Steinsetzer bestehen.— Die Meister sträubten sich weiter dnl vL- Einbeziehung der Rammer in die Kommission; sie meinten aus wäre eine Zurücksetzung der übrigen Hilfsarbeiter. Run schlug der Vorsitzeirde vor, diesen Einwand dadurch zu beseitigen, daß auch den Hilfsarbeitern Sitz in der Konunission eingeräumt werde und eine Kommission stir Steinsetzer, eine arrdre für Rammer und Hilfs- arbeiter gebildet werde. Davon wollten die Meister aber auch nichts wissen. Das Einigungsamt hatte sich bereits zurück- gezogen, um einen Schiedsspruch zu formulieren, da die Einigrmg aussichtslos schien. Ehe der Schiedsspruch publiziert wurde, ersuchte der Vorsitzende die Arbeitgeber nochmals dringeird, die Einigung nicht wegen einer rein formalen Sache an ihrer ver- altetcrr Zunftauffaffung scheitern zu lassen. Nachdem sich die Meister nochmals untereinander beraten hatten, erklärten sie sich schließlrch für die Bildung von zwei Kounnissioneu. eine für die Steinsetzer und eine für die Rammer ohne Hilfsarbeiter.— Mit dieser Aenderuug wurden die Einigungsvorschläge von beiden Parteien an- genormrrerr.__ 5. Generlllverslmillltttlg des Verbandes d. Lithographen, Zttiudrncker und Kerufsgenossen Dentschlands. Dresden, 22. Juli. Vormittags-Sitzung. Zur Beratung kommt die..Beitragsfrage". Hierzu referiert B a u k n e ch t- Stuttgart. Er begründet die beantragte Beitrags- erhöhung von 50 auf 60 Pf., dabei eine Erweiterung der Arbeitslosen- Unterstützung und die Kräftigung des Kampffonds besonders hervor- hebend.° Bei den praktischen Erörterungen der Unterstützungs- cinrichtungen bespricht Redner auch das Verhältnis des Verbandes zum Senefeldcr-Bund. Es sei eine baldige Verschmelzung beider Vereinigungen zu einer dringenden Notwendigkeit geworden. M ö s i n g e r- Hanau als Korreferent bemerkt, im Princip sei er ja mit der Notwendigkeit der Beitragserhöhung einverstanden. Es komme aber darauf an, ob bei einer Beitragserhöhung auch die Masse der Kollegen für den Verband zu gewinnen sei. Das würde bei 60 Pf. sehr schwer sein und doch komme es in erster Linie darauf an, möglichst alle Kollegen zu organisieren. Besonderer Wert sei auf die Verschmelzung mit dem Scncfelder-Bund zu legen. Gerade das werde aber durch die Erhöhung der Beiträge erschwert. Die Verschmelzung müsse als das wichtigere Werk bezeichnet werden. Deshalb solle man die Beitragserhöhung zurückstellen, bis die Ver- schmelzung durchgeführt worden fei. Dieser Ansicht stimmen im wesentlichen alle folgenden Redner zu. Lange- Frankfurt a. M. spricht sich zugleich als Beauftragter des Scnefelder-Bundes zur Verschmelzungsfrage aus, dieser zustimmend, und giebt folgende Er- kläruna im Auftrage des Hauptvorstandes des Scnefelder-Bundes ab:„In der Frage der Umgestaltung des Deutschen Senefeldere Bundes zu einer neutralen Organisation und damit in Verbindung stehend der Vereinigung des Vereins der Lithographen, Stcindrucker und Berufsgenossen Deutschlands mit dem Deutschen Senefelder- Bunde, stellt sich der Hanptvorstand desselben zunächst auf neutralen Boden. Er erklärt jedoch, falls die Generalversammlung in Kassel die Zusammenlegung der beiden Vereine beschließen sollte, dann steht der Hanptvorstand nur allein dem Antrag Stettin, jedoch nur in Verbindung mit dem Frankfurter Antrage, namentlich dem arr- gefügten Absatz 6 desselben, unter allen andern zu diesem Punkte gestellten Anträgen sympathisch gegenüber." Die folgenden Redner treten ebenfalls für die Verschmelzung ein und lassen, mit Ausnahme von Dürr- Stuttgart, die Beitrags- erhöhung in den Hintergrund treten. Die beiden Referenten haben sich inzwischen geeinigt, mit Rücksicht auf die Verschmelzung, die übrigen Fragen zurückzustellen, so daß ihre Schlußworte sich in diesem Sinne und sehr kurz halten. Tarauf werden einstimmig folgende Resolutionen beschlossen: „Die heutige Generalversanrmlung spricht sich im Princip für eine Vereinigung mit dem deutschen Senefelder-Bund aus und hofft, daß die im August dieses Jahres stattfindende Generalversammlung des Bundes einen dahingehenden Beschluß fassen wird. Der Haupt- vorstand und Ausschuß werden beaustragt, mit dem Hauptvorstand des Deutschen Sencfeldcr-Bundes in Verbindung zu treten zwecks Ausarbeitung eines Normal-Statuts. Dasselbe ist darauf einer außerordentlichen kombinierten Generalversammlung vorzulegen." Die Bremer Kollegen hatten das Verlangen gestellt, daß die Verschmelzung nur so vor sich gehen dürfe, daß die Geschlossenheit der Bewegung darunter nicht leide. Eine von ihnen in diesem Sinne gehaltene Resolution wird zurückgezogen. Zum Ersatz dafür erhält die hier wiedcrgegebene Resolution folgenden Zusatz:„Die Ge- neralversammlung beauftragt die Vertreter des Verbandes, bei den Verhandlungen im Sinne der Bremer Resolution zu wirken." Die zweite Resolution lautet:„Die Generalversammlung be- schließt, unter Zugrundelegung einer Beitragserhöhung von 10 Pf. pro Woche, eine Urabstimmung unter den Mitgliedern Deutschlands vorzunehmen. Dieser Urabstimmung sind die möglichen Unter- stützungssätze bei 10 Pf. Erhöhung anzufügen. Diese Urabstimmung ist jedoch bis nach der Generalversammlung des Senefelder-Bundes zurückzustellen und fällt dann, wenn dort die Verschmelzung mit dem Senefelder-Bund beschlossen wird." Beim Punkt„Schleiferfrage" ist als Referent A u st- Berlin der Ansicht, daß die Schleifer zur Lithographen-Organisation ge- hören. Ziedner beschuldigt den Hilfsarbeiter-Verband, unter den Schleifern eine unschöne Agitation, gestützt auf die niedrigeren Bei- träge, veranstaltet zu haben. Diesen Vorwurf weist als Kor- referentin Frau Thiede- Berlin zurück. Rednerin vertritt den Hilfsarbeiter-Verband und stellt fest, daß früher dein Hilfsarbeiter- Verband die Schleifer zugewiesen worden seien. Sie bittet, diesen Beschlutz zu erneuern. In der Debatte gehen die Meinungen darüber sehr auseinander. Von einigen Rednern werden gegen die Uebcr- Weisung der Schleifer an die Hilfsarbeiter praktische Bedenken geltend gemacht. Besonders wird auch der Umstand hervorgehoben, daß schon sehr viele Schleifer dem Senefelder-Bund angehören. Nachmittags-Sitzung. Nach längerer Debatte, an der sich besonders auch die Vertreter des Hilfsarbeiter-Verbandes beteiligten, wurde unter Ablehnung eines Antrages Kaiser-Leipzig, die Verhältnisse beim Alten zu lassen, ein Antrag Lange angenommen, nach dem es den Schleifern, die Mitglieder des Bundes sind, überlassen bleibt, darin zu verbleiben, Neuaufnahmen aber dem Hilfsarbeiter-Verbande überwiesen werden sollen. Darauf erstattet die eingesetzte Kommission Bericht über den Streitfall T i s ch e n d ö r f e r. Die Kommission erkennt den Frank- furter Schiedsspruch gegen Tischendörfer, trotz einiger formeller Irrtümer, als gerecht an und bedauert, daß er abermals in seiner Broschüre über den Frankfurter Schiedsspruch einen solch scharfen Ton /angeschlagen hat. In der Debatte über das Ergebnis der Kommissionsberatung bezeichnet T i s ch e n d ö r f e r in erregtester Weise und unter großer Unruhe der Generalversammlung die Arbeit der Kommission als eine unglaubliche Leichtfertigkeit, als eine ober- flächliche Arbeit, als eine höhere Kinderei.(Lebhafte Psui-Rufe und große Unruhe.) Eine solche Thorheit räche sich selbst. Er ser kein stummer Hund, er stehe im öffentlrchen Leben und werde ferne Konsequenzen daraus ziehen. Des weiteren greift Tischendörfer aufs schärfste die Mitglieder des Frankfurter Schiedsgerichts an, denen er vorlvirft, gegen ihn voreingenommen gewesen zu sein. Der Schiedsspruch sei eine Blamage und ein Schmutzfleck für die ganze moderne Arbeiterbewegung. Die Bestätigung dieses Schiedsspruches würde in Berlin einen bösen Sturm aufwühlen.(Starke Unruhe.) Er verlange ein unparteiisches Schiedsgericht, bestehend aus von beiden Teilen gestellten Schiedsrichtern unter einem unparteiischen Vorsitzenden. M ö s i n g e r- Hanau und Lange- Frankfurt a. M.(Mit- glieder des Frankfurter Schiedsgerichts) verwahren sich scharf gegen die Beleidigungen Tischendörfers. Rieß- Nürnberg. Dürr- Stuttgart gehen ebenfalls scharf mit Tischendörfer ins Gericht. Nach einer Replik Tischendörfers, in der er seine scharfe Aus- drucksweise mit seiner Erregung entschuldigt und nochmals bittet, ein unparteiisches Schiedsgericht zu bilden, wird auf Antrag Müller- Bremen beschlossen, die Sache Tischendörfer einem Berliner Schiedsgericht, gebildet aus von beiden Seiten zu gleichen Teilen ernannten Schiedsrichtern unter einem unparteiischen Vor- sitzenden, zu übergeben. Sämtliche Mitglieder des Schiedsgerichts müssen, mit Ausnahme des Vorsitzenden, Mitglieder der Organi- sation sein. �...„ Es wird dann über den Münchener und Düsseldorfer Streufall von feiten der Kommission berichtet. Die Erkenntnisse der Kom- Missionen rügen zum Teil den Vorstand, in schärferer Weise aber die Münchener Kollegen, die ja bekanntlich so weit gingen, einen Ausschlußantrag gegen den Vorsitzenden zu stellen. In energischer Weise wird von verschiedenen Seiten dieses Vorgehen der Münchener Kollegen aufs allerschärfste verurteilt. Die cntstandenen Streik- kosten werden bewilligt._ II. deutslher Abstintutentag und Großlsgen-Fest des I. V. G. T. Altona-Hamburg, 19. Juli. Vormittags erfolgte nach Referaten Herren Franziskus H ä h n e l- Bremen, Dr. Strecker- Berlin und Warmrn g» Hamburg die Gründrurg eines„Deutschen Central- verbau des gegen den Alkoholismus" mit 19 Ver- bänden und 11 Zeitschriften, die gegen 60000 Mitglieder bezw. Leser hinter sich haben. Den Vorstand bilden die Herren H ä h n e l, Dr. Strecker, Pastor R o h l f s. Max W arming und Dr. Kraut- Hambnrg als Geschäftsführer. Abends hielten Lehrer Petersen- Kiel» Frau vr. xftrl. Weg- scheider-Ziegler--Berlin und Schularzt Dr. Strecker- Berlin Vorträge über„Jugenderziehung und Alkohol." Petersen hält das gute Beispiel der Lehrer, also die eigne Abstinenz, für den wichtigsten pädagogischen Einfluß auf die Slinder. Freilich könne auch der nicht abstinente Lehrer mit gutem Willen vieles erreichen, doch seien diese Erfolge jedenfalls problematische. Man müsse an alle Schulanstalten— ob höhere oder niedere— herantreten, um die Leitungen derselben für die Abstinenzsache zu gewinnen. Anlehnung dieses Themas an arrdre Unterrichtsstoffe, besonders aber im Anschluß an einen erst noch einzuführenden obli- gatorisckren Unterricht in der GesundheitStehre, sei äußerst wünschens- wert. Hier könne inan übrigens zusanuireugehen mit einer Anzahl andrer Vereine, die ähnliches bezwecken. Frau Dr. Wegs ch eider bemerkt, daß sie besonders als Mutter zu den auwesenden Müttern spreche» ivolle. Es sei so ungeheuer wichtig, die werdende Mutter auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die der Alkoholgenutz für ihr Kind bedeute. Für kleinere Kinder sei es selbstverständlich, daß ihre nächste Umgebung, Mutter oder Pflegeriunen, abstinent lebe, damit sie rricht schon irr dieser Zeit Schaden nähmen. Später habe mau dem schulpflichtigen Kirrde das Bewußtsein von der Schädlichkeit dieser Getränke beizubringen, und den reifere« Kindern solle man zeigen, daß der Kampf für diese Sache eine große und heilige sei, um auf diese Weise den erwachenden Schwärnrereien der Mädchen und dem Wagemute der Knaben eine zu bethätigende Aufgabe zu stellen. Die Jugend brauche Gelegen- heit, sich in Idealen zu üben und die überschießenden Kräfte nutzbar zu machen. Die Abstinenzsache sei eine solche Gelegenheit. Dr. Strecker wies darauf hin, daß die gesamte Aerztewelt längst von der unbedingtcrr Schädlichkeit des Alkohols für Slinder durchdrungen sei. Die Schulärzte aber— von denen es zur Zeit etwa 800 in 250 deutschen Gemeinden gäbe— hätten die besondere Pflicht, als Beirat in der Schulhygiene diesen Standpunkt immer wieder zu betonen, ganz gleich, od es sich nun um schlvachbefähigte oder sogenainrte normale Kinder handle. Verschiedene Umfrage» in den Scbulen hätten das Ergebnis gehabt zu zeigen, daß der größte Teil aller Kinder von etwa neun Jahren au r e g e I r» ä tz i g Alkoholikas zu sich nähnren, daß das aber auch schon häufig genug in einem niederen Alter der Fall sei. Die Schulärzte Berlins hätten ein kleines Büchlein herausgegeben, in dem in Form von Leitsätzen derartige hygienische Fragen behandelt werden. Sache der Pädagogen sei es, diese Leitsätze den Kürdem in der richtigen Weise zu Gemüte zu führen. In der Diskussion vertraten die Aerzte Dr. Rötger und Dr. M e i n e r t- Dresden denselben Standpmrkt. Der letztere betonte, daß man die angehende Lehrerschaft in den Senrirraren in dieser Frage aufklären müsse. Freilich sei ein großer Teil der Aerzte der Meinung, daß auf diese Weise der Kurpfuscherei Vorschub geleistet werde, in welcher uackr deren Ansicht ohnehin be- sonders die Lehrer sich übten. Lehrer S ch arr e lm an n- Bremen stellte vier Leitsätze auf, in deren Befolgung es den Lehrern ge- lingeu werde— im Gegensatz zu dem heutigen öden Kasernendrill der Schulen— scharfgeprägte, selbständige Persörrlichkeiten aus den Kindern zu erziehen. Alle folgenden Redner, u. a. die Pfarrer Neumann und Goldbeck, sowie Dr. Weinelt, Professor W e n d t sprachen sich in ähnlichem Sinne aus, während ein abstirrerrter Arbeiter außerdem zu bedenken gab, daß das heutige privatkapitalistische System und die oft ungeheure Ausbeutung der unteren Volksschichten durch eine rücksichtslose, ungesunde Industrie es unmöglich mache, die gehörten Gesichtspunkte in größerem Umfange durchzuführen, so wünschens- wert das sei und so viel auch der cinzelue thun könne, um, unabhängig von andren Faktoren, alles das auf eigne Faust zu unter- nehmen. Erst lange nach Mitternacht erreichten die Verhandlungen ihr Ende. Damit zugleich wurde der zweite derrtsche Abstineutentag geschlossen.__ Marktpreise von Berlin um 23. Juli. Nach Ermittelungen des kgl. Polizei-PräsidiumS. Für t Doppel-Centner: Weizen"), gute Sorte 17,40—17,39 M., mittel 17,38—17,37 M., geringe 17,36—17,35 M. Roggen»»), gute Sorte 13,65—13,64 M.. mittel 13,63-13,62 M.. geringe 13,61-13,60 M. Futtergerste»), gute Sorte 14,60—13,60 M.. mittel 13,50 bis 12,60 M., geringe 12,50—11,60 M. Haser»), gute Sorte 16,00-15,30 M., mittel 15,20—14,50 M., geringe 14.40—13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-28,00 M. Speisebohnen, weiße 50,00-26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln, neue, 12,00—8,00 M. Richtstroh 4,50-4,16 M. Heu 7,30—5,60 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60-2,00 M. Eier per Schock 3,80-2,40 M. ») Frei Wagen und ab Bahn,»») Ab Bahn. Wasserstand am 22: Jrcki. Elbe bei Aussig- 0,70 Meter, bei Dresden— 2,14 Meter, bei Magdeburg+ 0,80 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt st- 0,80 Meter.— Oder bei Ratibor st- 0,53 Meter, bei Breslau Ober- Pegel st- 4,16 Meter, bei Breslau Unter> Pegel.— 1,80 Meter, bei Franksurt st- 0,24 Meter.— W e i ch s e l bei Brahemünde st- 1,82 Meter.— Warthe bei Posen— 0,16 Meter. WitterungSnberstcht vom 23. Juli 1904, morgen» 8 Uhr. Stationen Swincmde. Hamburg Berlin Frankf.a.M. München Wien Lg |a q■£ c 5 »=• i# B C Wetter §" M S- Stattonen 765 W Lbedeckt 15 Haparanda 766> SSO iheitcr 15 Petersburg 765 NB 2!wolkenl 16 Cort 765 NO 2'wolkig 19 Merdcen 767 S 2hciter 20 Paris 764 Still— jwoltenl Wetter- Prognose für Sonntag, den 24. Juli 1904. Trocken und vielfach heiter, nachts zrerirltch kühl, nur mittags warm bei schivache» nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburea» weller i-isi Ä II H 33 2halb bd. lbedeckt 2b-deckt — wollenl 12 11 12 19 Neder sunge Mann, der zum Soldaten ausgehode» worden ist, «ersaume Ulcht, das Buch ,,kli8 lim l.sbsn eines Rekruten" zw lesen und daraus seine Lehren zu ziehen. Preis M. 2,—, _ Zu beziehen durch die VeHagz./instalt„Clichi", Leipzig. 28846 Lebens- Versicherung. VICTORIA zu BERLIN. Lebans-Versicherungsbestand: Uber 1 Milliarde u. lOOMill. Mk. Gesamt-Vermögen: Uber 440 Millionen Mk. Prämien- und Zinsen-Einnahme in 1903: 95 080 296 Mark. 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Moack, Restaurant, WuSkauerstraße 12. 4/17 Einsetzer verlangt Herrn. Schutt Akt.- Michaelkirchstr. 17. 58382 Ge».. Musikinstrumenten-Arbeiter! Die Pianlno-Fabrik von A. Gast& Co. Frankfurter Allee It7a ist wegen Lohndifferenzen für alle Branchen gcispcrrt. 144/17* Zuzug streng fernzuhalten k Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Achtung! Holzbildhauer! Infolge Differenzen Haben sämtliche Kollegen bei der Firma I. C. Pfaff die Arbeit niedergelegt. Zuzug streng fernhalten l 21/19* G!e Ortsverwaltung. Tüchtige Srdarbeiter werden bei hohem Aeeordlohn für Kanalisa« tions- Arbeiten gesucht. Meldung auf den Baustellen in Charlotteuburg bei dem Schacht« meister Bergemann. Suarezstraße, Ecke Rönnestraße i. d. Nähe Charlottenb. Bahnhof. 58308* Ver-Mtw. Redakteur; Paul Büttner. Berlin. Ar deo Meratenteil vkrölltw.: Th. Glocke. Berlin. Dnick u. Verlag Vorwärts BuKdrutei u. VerlagsanMt gtcrol Singer& Co., Berlia SWr