N» m. ts*B eding» ftfij n; • P«iz prSnumer-md« i N?-SÄMt«q 88 Pf«, frei WS Hau». Wwjebii Jlummet 5 Pfg. Sonntags» miminet mit Multricrtcr Sonntag»« Ncitogo»Die Neue Weif 10 Pfg. Post- «bonnemcnti 140 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung«- Preisliste. Unter Kreuzband stir Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für da» übrige iluziand 8 Marl pro Monat. VIid«I»t Ugllch»itliet lllsbt-g». 31. IspS» Vevlinev VolksblÄkk. W liikertiSiiz-SMk ksKAgi M die sechszsspiiNene KSlüN�e zeile oder deren Raun,>10 Pfg,, M politilqs Uli» gswerkschnststche Berffli»- un» ZiersaillltilNllgS-Änzeige» 28 Pfff; „Kleine Snreig-n", da» erste lsetst gedruckte) Wort io Pfg„ jede» Keiler« Wort 6 Psg, Warle UP ff in Viichstabeu zflpidt für zwei Worte, Jui-raie slli- die niichile Nuiuniek Wilsten bi« S Uhr nachniitlag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition Ist an Woche»- tagen bi« 7 Uhr abend», an Sonn- un» Festlagen bis s Uhr vormittag» geöstnel. Zelegranim-AdrestS! ..ZsÄbliltmolirlil Silstn". Tentralorgan Äer fo�islckemokratifcden Partei Daitfcblatida. Rcdahtion: 8 Cd. 68, Lindenstrasse 69. xxernstirccher: Amt IV, Nr. lS8Z. Da» Urteil. Auf Grund des 8 128 des Strafgesetzbuches(Geheimbund) wurden verurteilt: Nowagrotzki zu 2 Monat 2 Wochen Gefängnis; davon wird l'/a Monat als durch die Untersuchungshaft verdutzt erachtet; Kugel 3 Monat Gefängnis, als verbützt erachtet; Klein 8 Wochen Gefängnis, davon 6 Wochen als der- bützt erachtet; Treptau 2 Monat 2 Woche» Gefängnis, davon 1 Monat als verbützt erachtet; McrtinS 3 Monat Gefängnis; Pätzel 3 Monat Gefängnis. Brann, Kögst, Ehrenpfort wurden freigesprochen. Bon der Anklage des Hochverrats gegen das russische Reich und der Zarenbeleidigung wurden alle Angeklagten steigesprochen. *•* Wir haben den politischen Sinn des Prozesses bereits im SonntagSblatt gewürdigt. lieber die Vorgänge der Urteilsverlündigung und das Urteil werden uns aus dem Gerichtssaal telegraphisch die folgenden Be- obachtungen und Bemerkungen übermittelt. Der Tenor des Urteils findet sich auf der vierten Seite dieses Blattes. „Namhafte Richter mochten sich zu dem verhatzten Geschäfte der Demagogenverfolgung nicht hergeben. Daher mutzte man die Untersuchnng fast überall unfähigen juristischen Handlangern an- vertrauen. Plump und roh, mit frevelhafter Leichtfertig- keit hatte Kamptz seine Meute gegen alle losgelassen, die nur möglicherweise in einer entfernten Beziehung zu der Burschenschaft stehen konnten, eine ganze Schar junger Leute ward monatelang wegen einzelner thörichten oder auch ganz harmlosen brieflichen Aeutzerungen von einem Verhör in das andre geschleppt. Kamptz trug kein Bedenken, zahlreiche zum Teil entstellte Sätze aus den Briefen der Verhafteten sofort zu veröffentlichen, er suchte sogar in den„Jahrbüchern der Gesetzgebung" die preußischen Richter darüber zu belehren, daß sie, selbst wenn nur verbrecherische Theorien vorlägen, auf Hochverrat erkennen müßten." Das sind ein Paar Sätze aus des konservativsten und reaktiv närsten Historikers Heinrich v. Treitschkes„Deutsche Geschichte". Sie spiegeln seine Auffassung über die Demagogenverfolgungen, die nach der Ermordung des russischen Agenten K 0 tz e b u e einsetzten. Die Stellen lietzen sich beliebig hänfen, die die angeführten an Schärfe und Bitterkeit noch übertreffen. Und doch gab damals ein wirk- licherMord den Anstoß, deutsche Angelegenheiten wurden von der nationalen Jugend aktiv behandelt, ein Deutscher war der Mörder. Wie groß und bedeutsam wirken selbst die damaligen Demagogen- Verfolgungen neben dem heutigen Königsberger Prozeß, wo Deutsche drangsaliert werden, weil sie mit oder ohne Grund verdächtig find. zurAufklärungRutzlandsbeizu- t r a g e n I Wie wird das Urteil der Geschichte über dieses Verfahren lauten? Wird die Kraft der deutschen Sprache ausreichen, um der Kritik gerecht zu werden? Das Urteil über den Prozeß stand bereits fest. Ihm konnte durch den Urteilsspruch nichts mehr abgehandelt werden. Nur um eines handelte es sich noch: würde sich die preußische Justiz außer- halb dleies beispiellosen Verfahrens stellen oder innerhalb? Das KönigSberger Gericht hat sich zu einer Verurteilung entschlossen. Und das ist gut. Das prentzisch-russische Justizdrama verlangte diesen natürlichen, aber um so aufrüttelnderen Abschluß. /J nicht die Schlippernick, Abel, Ruhkopf, nicht der russtlche Generalkonsul von der preußischen Justiz verurteilt werden, sondern die Noivagrotzki, Mertins und Pätzel. Man hatte auch gar keinen andern Ausgang erwartet. Irgendwie mußte etwas geschehen, schon deshalb, um die Ber- treibung nicht verbotener Schriften, die aber nicht nach dem Herzen Vaterchens find. m Deutschland als strafbar erscheinen zu lassen. 5? w?!? durfte nicht ganz umsonst sein. Nur auf -K iondere wwo seine Begründung war man gespannt. insbesondere etwa»och darauf, ob man auch Braun vor- urtcilci'. fe§r icbcr überzeugt war, daß die ganze An- klage formell unv materiell in nichts zerstoben war, so wenig glaubte jemand m eine Freisprechung. Wir haben eben Fortschritte se,t der Demagogenzeit gemacht. Kein preußischer Staatsanwalt weigert sich, solche.!9tcr™"0 entgegenzunehmen. Kein preußischer Richter suhlt eme andre Pflicht, als jeden Staat, und wäre es der russische, zu retten. Auch in dem ruhig temperierten Königsberg herrscht heute einige Aufregung. Vor dem Gericht harrte eine zahlreiche Menge des Urteils. In dem glühenden Saale drängten sich die Zuhörer Die Polizei rechnete sicher auf eine Verurteilung, sonst wäre das große Aufgebot von nmformlerten und bürgerlich gekleideten Polizei- beamten nicht zu verstehen gewesen, die offenbar bei der Urteils- verlündung eine Demonstration des Mißfallens erwartete und gleich bei der Hand fem � wollte,� um die Schuldigen fest- zustellen. Aber sie fanden keine Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu beweisen. Auch die Königsberger Arbeiterschaft hat keinen Justiz- opttmismus. Nachdem kurz die Beweisaufnahme aus Anlaß des inzwischen eingelaufenen Briefes des Justizministers mit der russischen Auskunft wiedereröffnet und sofort wieder geschlossen war, zog sich das Ge- richt zur Beratung zurück. Nach einer halben Stunde kehrte es wieder und der Vorsitzende Schubert, der als Staatsanwalt in Erfurt lange Zeit sich als erbitterter Gegner der Socialdemokratte bewährt hat und der von dem glücklichen Zufall betroffen war, gerade zur Zeit dieses Prozesses als Landgerichts- Direktor nach Königsberg zu kommen, verlas auS der genau fixierten, wohl von dem dazu berufenen Hilfs- richter, Assessor Seelmann, ausgearbeiteten Niederschrift äußerst rasch. Ein Wunder: eine halbe Stunde hatte die Beratung nur gedauert, die Urteilsverlesung währte trotz des geschwinden Tempos fast eine Stunde, und das ihr zu Grunde liegende Manuskript war unter drei bis vier Sttinden normal nicht anzuferttgen. Das Gericht hatte das alles einschließlich der Debatte in einer halben Stunde geleistet und war dabei noch so umsichtig verfahren, daß keines der während der Verhandlung hervorgetretene Momente, das den Zorn des Vorsitzenden erregt hatte, keine der Personen, die ihn geärgert hatten, ohne eine spitze Bemerkung blieb. Jedem wurde das seine zu teil. Die Beriesung begann nicht mit dem Tenor des Urteils, sondern wider die Gewohnheit mit der Begründung. Fast eine Stunde blieben die Angeklagten im Dunkeln, wer verurteilt würde, und auf Grund welcher Delikte. Zeitweise hatte man selbst den Eindruck, daß auch die Anklage auf Hochverrat anstecht erhalten würde. Und erst gegen den Schluß der ausführlichen Abhandlung wurde klar, daß sich das Gericht hinsichtlich des Hochverrats und der Zarenbeleidigung den Argumenten der Verteidigung angeschlossen hatte. Die doppelt und dreifach vorhandene formale Unmöglichkeit mußte zum Verzicht führen. Es wurde vom Gericht bestättgt, daß die vom russischen Generalkonsul beratene Staatsanwaltschaft den eigentlichen Hochvcrratsparagraphen fälschlich herangezogen hatte, nachdem der Russe ihn obendrein gefälscht hatte. Die Gegenseitig- keit ist nicht verbürgt und deshalb können nicht einnral die terrori st ischen Schriften eingezogen werden. Die notgedrungene Freisprechung in dieser Hinsicht bedeutet das Ein- geständnis, daß das Verfahren eingeleitet und fortgeführt worden ist, ohne daß die erste Vorbedingung erfüllt war. Um so nachdrücklicher wurde die Schuld der Geheim- bündele! erörtert. Nach der Begründung ist es für niemanden in Deutschland mehr möglich, den Maschen des Geheimbunds- Paragraphen zu entrinnen. Es genügt schon, daß man eine solche geheime Verbindung annimmt und die eventuelle Absicht zu er- kennen giebt, ihr gelegentlich möglicherweise Hilfe zu leisten. Es genügt schon, um die Tendenz der Geheimhaltung festzustellen, daß man, wie bei Pätzel betont wurde, die Rekognoscierung der Russen zu erschweren sucht. Wirklich steigesprochen worden ist nur Kögst, weil er als oller ehrlicher Schiynggler die Vertreibung ans reinen Gewerbsrücksichten Betrieben hat. Dagegen wurde es Kugel schwer verdacht, daß er die dummen Leute in Rußland klug machen wollte. Nur die idealisttschen Motive sind strafbar. Am härtesten verurteilt wurden Mertins und Pätzel, also diejenigen gerade, die rein social- demokrattsche Schriften ohne terroristischen Charakter verbreitet hatten, die allerdings auch durch Untersuchungshaft noch nicht vor bestraft waren. Braun und Ehrenpfort wurden freigesprochen� nur weil der hinreichende Verdacht sich nicht vollständig be gründen ließ. Ganz besonders auffällig ist die Art der Anrechnung ber Untersuchungshaft, die ja durch das Ergebnis des Prozesses als durchaus unbegründet erwiesen wurde. Nowagrotzki und Klein haben b1/� Monate in Untersuchungshaft gesessen. Trotzdem wurden Nowagrotzki nur ein Monat zwei Wochen abgerechnet, so daß er noch einen Monat eingesperrt wird. Er überschreitet das Höchstmaß für Geheimbündelei um einen halben Monat und er ist thatsächlich fast dreimal so hoch bestraft, als das Urteil lautet. Klein wurden nur ö Wochen abgezogen, so daß er noch 14 Tage ins Gefängnis wandern muß. Ebenso wurden bei Treptau nur ein Monat und zwei Wochen als verbüßt erklärt, auch er muß bei seinen öl/z Monaten Untersuchungshaft noch einen Monat sich einsperren lassen. Nur bei Kugel, dcr seit Anfang November in Haft fitzt, ließ man die neun Monate für drei gelten. Er wurde freigelassen, nachdem er in der langen Haft schwer gelitten. Das Urteil kennzeichnet den„Geheimbund" als Unternehmung der Socialdemokratte. DaS notwendige Kriterium der Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten wurde darin erkannt, daß die Welle dcr russischen Revolution auch nach Deutschland hinüberwogen werde. Sonach ist eS für sträflich erklärt, daß Kulturfortschritte andrer Länder auf uns hinüberwirken. Da mutz es natürlich ein Verbrechen sein, solchen Kulturfortschritten Dienste zu leisten. Erlaubt ist nur ein Geheimbund für den Zarismus, erlaubt der Hoch verrat gegen die Freiheit, erlaubt die Beleidigung der Majestät der Menschheit. Das Urteil bedroht, wenn es in der Revision nicht um- gestoßen wird, hinfort jeden mit Strafe, der auch nur einen russischen Brief als Deckadresse weitergiebt. Weil aber der Geheimbund als socialdemokratische Unternehmung charakterisiert wurde, so hat das Gericht selbst das Mittel angedeutet, das dieser Gefahr abhilft: Die Socialdemokratie muß in irgend einer Form die Verbreitung erlaubter russischer Schriften als eine ihrer Aufgaben öffentlich zur Anerkennung bringen. Saarbrücken hat das sociale, Königsberg baS poki-. ttsche Regime in Preußen- Deutschland unter daS Mikroskop gerückt. Die in beiden Fällen erfolgte Verurteilung hat nur die Belichtung des Objekts verstärkt. Heute abend bereits wird in einer Königsberger Volksversamm- lung, in der Genosse Haase spricht, dein Königsberger Prozeß und seinem Urteil dasUrteil gesprochen werden- Tiefer als Saarbrücken und Königsberg kann der Weg nicht gehen. Wir zwingen zur Höhe l Expedition t 8M. 68» Lindcnatraaoc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. politifche Qeb er Ficht. Berlin, den 25. Juli. NußliMds Rückzug. Der Sturm der Entrüstung, der sich gegen Rußlands freche Räubereien allenthalben erhoben hatte, der in den englischen Noten scharfen und in den Protesten der deutschen Regierung einen ge- dämpften Widerhall fand, hat die russische Regierung denn doch ver- anlaßt, schleunigst Konterdampf zu geben. Die Abbitte, die man vorher bereits England wegen der Schiffsbeschlagnahmungen ge- leistet hatte, hat man nun auch Deutschland geleistet. Man hat die „Scandia", den beschlagnahmten Frachtdampfer der H a m- burg-Amerika-Linie, am Sonntagabend in Port Said freigegeben. Gleichzeitig hat Rußland der deutschen Regierung die Erklärung abgegeben, daß auch die Affaire des„Prinz Heinrich" schleunigst geregelt werden und überhaupt in Zukunft kein derartiger Zwischenfall mehr vorkommen solle. Die deutsche Diplomatie hat trotzdem kaum ein Recht, diesen Erfolg auf Conto ihres Vorgehens zu setzen. Rußland konnte schlechterdings nicht anders handeln. Nachdem es England gegen» über den Kotau gemacht hatte, konnte es Deutschland in der völlig) gleichen Sache unmöglich durch Weiterungen brüskieren. Das Vor- gehen Englands hat Deutschland diesmal die Kastanien aus dem Feuer geholt. Speciell die Erklärung Rußlands, künftig seinen Freiwilligen- Schiffen im Roten Meere jede Piraterie untersagen zu wollen, ist durch das Vorgehen Englands erzwungen worden, das von Rußland mit aller Energie verlangt hatte, daß die Schiffe der Freiwilligen-Flotte, die unter friedlicher Maskierung die Dardanellen passiert hatten, nun auch diesen stiedlichen Charakter zu wahren hätten. Wohl oder übel mußte die russische Regierung das unbequeme Zugeständnis machen. Der Rußland so unangenehme Entschluß kam folgenderweise zu stände: London, 25. Juli. Dem„Reuterschen Bureau" wird ans Petersburg gemeldet: Gestern fand unter dein Vorsitz des Großfürsten Alexis ein Ministerrat statt, an dem Großfürst Alexander, Graf Lambsdorff, der Marincmimster Avellan und andre hohe Marinebeamte teilnahmen. Die Stichhalttgkeit der englischen Note über die Unrechtmäßigkeit der Stellung der S ch i f f e der Freiwilligen-Flotte wurde insofern anerkannt,. als der Ministerrat beschloß, ihr Recht auf Durchsuchung von Schiffen aufzuheben. Nach einer langen Debatte entschied sich der Ministerrat dahin, daß der gegenwärtige Status der Frei- willigen- Flotte vom Standpunkt des Völkerrechts nicht ge- nügend definiert sei, um die Durchsuchung und Beschlagnahme von Schiffen zu rechtfertigen. Infolgedessen entziehe Rußland den Schiffen der Freiwilligen-Flotte das Recht, Schiffe zu beschlagnahmen«ud zu durchsuchen, da es bemüht sei, steundschaftliche internationale Beziehungen aufrecht zu erhalten. Die deutsche Regierung, die kein Zusammengehen scheut, wenn sie ihre Forderungen gegen Venezuela und Haiti durchsetzen will, hatte es stolz abgelehnt, mit England gemeinsam in Petersburg Protest zu erheben. Sie wird aber nichtsdestoweniger heilfroh sein, daß Englands Schneid ihr russische Zugeständnisse gesichert hat, die sie durch ihre eigne zahme und lahme Aktion nie« mals erreicht haben würde I * Mit einem Knalleffekt hat übrigens die nunmehr militärisch abgetakelte Freiwilligen-Flotte ihre kurze Thätigkeit im Roten Meere beendet. Bevor sie die russische Kaltstellungsorder erreichte, hat sie sogar noch einmal scharf geschossen I Port Said. 24. Juli. Dem„Reuterschen Bureau" ist über die Aufbringung des englischen Dampfers„Ardova" durch den Dampfer „Smolensk" der russischen Freiwilligen-Flotte folgender Bericht zu- gegangen: Die„Smolensk" feuerte drei blinde Schüsse ab. Als aber die„Ardova" daraufhin nicht abstoppte, gab die „Smolensk" zwei scharfe Schüsse auf sie ab, von denen der eine sie in der Mitte, dcr andre am Heck traf. Die„Ardova" ivurde dann beschlagnahmt und ihre Mannschaft auf die„Smolensk" übergeführt. Die Russen werden jetzt noch tiefer in den leeren Staatssäckel greifen müssen, um die Entschädigungsgelder' aufzubringen.— Der Fall v. Asch. Die Angelegenheit des bayrischen Kriegsministers ZreiHerm v. A s ch wächst sich zu außergewöhnlicher politischer Be» deutung ans. Die wohlunterrichtete Korrespondenz Hoffmnim meldet nämlich aus München: Der Prinz-Regent hat die Aniiahme des von dem Kriegs« mini st erFreiherrnv. Asch ein gereichtenAbschiedS» g e s n ch s abgelehnt und dem Minister unter Bersichernng seines fortgesetzten Vertrauens den Wunsch ansgesprochc», daß er sein Portefeuille beibehalten möge. Dieser Allerhöchsten Kund« g e b u n g jy; m a ß wird Freiherr v. Asch tn seinem Amte verbleiben. Zur Würdigung der Situation sei der Hergang des Falles rekapituliert. Der bayrische KriegSmlnister v. Asch hat, wie jetzt bekannt wird, bereits am LI. Luit sein EntlassuiigSgesnch eingereicht. Asch wollte ohnehin im kommenden Herbst in Pension geben,«m IS. Juli brachte, wie wir schon berichtete», der Emtrams-Mgeorbnets Dr. Heim den Duellerlaß aus dem Jahr» tSSS, den der Minister anfänglich ableugnete, zur Kenntnis der Oeffentkichkeit- Am W. Mite Lab v. Asch zu, daß der Erlaß, den Dr. H S i m nur bkilchstiickz weise verlesen habe, ergangen ist, Noch Habe diesse Erksh keinen ändern Zweck gehabt» m zum Umtmä zu.fetofifft bch es öer Münster begreifen würde, wenn der in seiner Ehre gekränkte Lieutenant Pfeiffer den Major S e i tz gefordert hätte. Am 21. Juli führte Dr. Heim den Nachweis, daß er den Erlaß vollinhaltlich verlesen hatte, soweit er ihm bekannt Ivar. Der Kriegsminister verlas daraufhin den vollständigen Erlaß und es ergab sich dabei, daß dein von Dr. Heim verlesenen Teil allerdings noch eine längere Einleitung vorausgegangen war. Es hat sich herausgestellt, daß das General- kominando des II. Armeecorps nur den zweiten Teil des Erlasses au die Regimentskommandeure Iveitergegeben hatte und so war auch Dr. Heim nur in den Besitz dieses Teiles gekommen. Der Kriegsminister hielt nun, nachdem er die Existenz seines Erlasses zugegeben hatte, an der Behauptung fest, das Duell Pfeiffer- Seitz sei dadurch nicht verursacht worden. Ob das richtig ist, darauf kommt es nicht einmal so sehr an: viel mehr ins Gewicht fällt der Umstand, daß die Kundgebung des Ministers ihrer ganzen Form, ihrem Tone nach als ein Befehl inifgcfnsit werden nmßtc. Man weiß ja zur Geniige, was gerade beim Militär„Wünsche" von hohen Vorgesetzten zu bedeuten haben. Darüber war sich sicherlich niemand im Zweifel, daß der Erlaß einen entschiede»?» Tadel enthielt für den Kommandeur deS 5. Chevaulegers- Regiments, der»rspriinglich das Duell verhindert hatte. Noch mehr belastet wird aber der Minister durch den ersten Teil seines Erlasses. Daraus geht näm- lich hervor, daß der Major Seitz, der die Gattin seines Kameraden verführt hatte, die Erlaubnis erhielt, mich nach seiner Bcradschicdnng noch die Uniforni zu trage», während das Generalkommando gleichzeitig noch den Auftrag erhielt, den b e- leidigten Lieutenant Pfeiffer vom Dien st e zu suspendieren und gegen ihn das ehrengerichtliche Verfahren zu eröffnen, weil er den Verführer scincr Frau nicht gefordert, sondern als Schuft bezeichnet hatte. Pfeiffer wurde denn auch»nt schlichte»! Abschied eiltlasse». Die Bekanntgabe dieser Thatsachen hat in der bayrischen Ab- geordnetenkammer bei allen Parteien die heftigste Entrüstung er- zeugt. In erster Linie war es unser Parteigenosse V o l l m a r, der die völlige Haltlosigkeit der Position des Mi- nisters mit großer Schärfe bloßlegte. Er stellte fest, daß dieser der Volksvertretung die Unwahrheit gesagt hatte und man wisse nun nicht, wie uian in Zukunft noch mit ihm verhandeln könne. Und zum andren habe der Minister, der doch ganz speciell zur Aufrechterhalt un g der Gesetze verpflichtet sei. in Bezug auf das strafgesetzliche Dnellverbot dirclt de» Gesetzen entgegen gehandelt. Auch die liberale Fraktion ließ erklären, sie vcr- lange, daß ein NegierungSvertreter auf eine Anfrage unter allen Umständen die Wahrheit zu sagen habe und daß auch ein Kriegsminister nicht zur Verletzung der Gesetze auffordern darf. Besonders empört sei man jedoch über die Behandlung deS Majors Seitz. Ein Offizier, der sich in solcher Weise gegen einen Kameraden vergehe, müsse unter allen Uniständen als ein Ehrloser aus der Armee ausgestoßen werden. Nach dieser unzweideutigen Aussprache blieb dem Kriegsministcr allerdings nichts weiter übrig, als sein Abschiedsgesuch einzurichten.— Nun kommt die Mitteilung, daß das Abschiedsgesuch nicht ge- nehmigt worden ist. Sie ist überraschend, obschon es in deutschen Landen nicht üblich ist, Minister zu entlassen, sobald politische Parteien und die öffentliche Meinung es fordern. Offenbar will der bayrische Prinzrcgent dem altgedicnten Minister nicht dem unrühm- lichen Ende preisgeben und durch vorläufige Belassung im Amte die unvermeidliche Abschiednahme erleichtern. Ueberraschend ist der Vor- gang auch, da die Verfehlungen des Herrn v. Asch so offenbar und schwer sind, daß nicht abzusehen ist, wie dieser Kriegsnnnister noch einen Tag vor dem Parlanlent bestehen soll. Der monarchistische Scheingrundsatz, einen Minister nienials der Ueberzeugung des Parlaments zu opfern, muß in diesem Falle zur Verstrickung der Monarchie in die Angelegenheit des Ministers führen. Ueber die ministerielle Personenfrage hinaus beleuchtet der Vorfall unübertrefflich die innerliche Nnwahrhnftigkcit, in der die Dnellfrage allgemein von den regierenden Stellen behandelt wird. Ein höchster Beamter, welcher die Pflicht hat, dem Gesetze Nachdruck zu geben, welcher stets erklärt, daß das Duell ungesetzlich ist und beseitigt werden muß, er selb st befördert das Duell durch Gcheimerlafle. Er befördert es, indem er den Offizier, der dem Gesetze folgend das Duell verweigert, schimpflich aus der Armee entläßt, während der andre, der die Ehre des Kameraden zerstört, mit dem Recht, weiter die Uniform zu tragen, geehrt wird. Daß ein Kriegsminister, der im übrigen mancher guten Eigen- schaft nicht entbehrt, so handeln konnte, und daß der Prinzregent von Bayern dennoch sein Entlassungsgesuch ablehnte, zeigt ein- dringlichst, wie unausrottbar jene„Standesvorurteile" wurzeln, die dem staatlichen Gesetz und der Religion, deren man sich rühmt, Hohn sprechen. Ueber die Persönlichkeit des Herrn v. Asch wird uns aus München geschrieben: Herr v. Asch, der jetzt im 65. Lebensjahre steht, ist seit zehn Jahren Kriegsminister. Als großes Verdienst wird ihm sein Vorgehen gegen die Soldatenmißhandlungen angerechnet. Daß es' in dieser Beziehung in Bayern besser bestellt ist, als z. B. in Preußen, ist schon oft zugegeben worden. Doch dürfen dabei zwei Momente nicht übersehen werden. Das ist einmal der Umstand, daß in Bayern schon seit jeher die Oeffentlichkeit des militärgerichtlichen Verfahrens bestand und daß der Landtag, veranlaßt durch die socialdemokratische Fraktion, mit immer sich steigerndem Nachdruck die Militärverwaltung an- gespornt hat, gegen die Soldatenschindercien vorzugehen. As ch hat übrigens noch in diesem Landtage zugeben müssen, daß cS ihm unmöglich war, die Mißhandlungen völlig aus der Welt zu schaffen. Viel gerühmt wurde auch die Fürjorge, die der Kriegs- minister in Bezug auf die in den Militärbctrieben beschäftigten Arbeiter an den Tag legte. Wenn man nach den Reden urteilen dürfte, die er in dieser Beziehung im Landtage gehalten, so könnte man, mit entsprechenden Einschränkungen, tvohl in dieses Lob einstimmen. Leider haben sich nur allzuviele Leute durch die Reden und Zusicherungen des Herrn v. A s ch täuschen lassen und die wenigsten haben sich darum gekümmert, ob und wie die ministeriellen Versprechungen auch in die That umgesetzt wurden. In den Kreisen der beteiligten Arbeiter ist man über die praktische Socialpolitik des Herrn v. A s ch durchaus nicht so sehr entzückt und das wurde u. a. auf unfrein letzten bayrischen Parteitage, der im vorigen Monat in Augsburg stattfand, ziemlich unzweideutig zum Ausdruck gebracht. Also auch von diesem Gesichtspunkte aus wäre der Rücktritt des Herrn v. A s ch nicht zu be- dauern.—_ Die öffentliche Meinung über Königsberg. Nachdem in den letzten Tagen der Königsbcrger Verhandlungen bereits zahlreiche Blätter kritische Stellung genommen haben, liegen über das heut gefällte Urteil erst wenige Aeußerungen vor. Die„Tägliche Rundschau" bringt diese vorläufige Bemerkung: „Für einen Prozeß, dessen Vorbereitung nahezu dreiviertel Jahre gedauert hat, der vierzehn Tage lang die kostbare Zeit preußischer Richter in Anspruch nahm und auf den— darin hatte der Erste Staatsanwalt gewiß recht— ganz Europa blickte, ist das Ergebnis recht geringfügig. Wären wir Königs- bergcr Staatsanwaltschaft, so würden wir vielleicht sagen: Be- schämen d." Die„Berliner Volks-Zeitung" sagt: „Durch dieses Urteil kann sich daS Rechtsgcfühl des Volkes nicht befriedigt fühlen. Zwar, daß eine Be- strafultg wegen Hochverrats und Majestätsbeleidiguug nicht ein- treten durfte, das lag nach dem Gange der Verhandlungen auf der Hand. Aber daß nicht auch in der Geheimbündeleianklagc auf Freisprechung erkannt worden ist, wird man weder nach dem, was die Verhandlung an Thatsachcnmatcrial ergeben hatte, noch nach der juristischen Seite hin verstehen. Wir wollen indes die Be- gründung des Urteils genauer prüfen, che wir uns über diesen Gesichtspunkt weiter verbreiten. Das Eine ist leider nach dem Ausgange des Prozesses zu konstatieren: Das Vertrauen des Volkes zu unsrer deutschen Rechtspflege hat durch das ganze Verfahren mit seiner eigentüm- lichen Vorgeschichte wie mit seinen verschiedensten charakteristischen Episoden abermals einen schweren Stoß erlitten. Daß der russische Absolutismus bei dem Prozeß als moralisch Hingerichteter auf dem Schauplatz g e- blieben ist, darüber ist in allen unabhängigen Kreisen Europas nur eine Stimme." Die„Berliner Zeitung": „Also doch verurteilt I Freilich nicht wegen der Zaren- bclcidigung. Die gab ja schon der Staatsanwalt preis. Auch nicht wegen Hochverrats gegen Rußland. Da hat sich der Gerichts- Hof doch nicht entschließen können, die haarsträubende Rechts- dcutung des Staatsanwalts mitzumachen. Nur wegen Geheim- bündelei. Einer der überflüssigsten, um nicht zu sagen lächer- lichsten Kautschukparagraphen unsres Strafgesetzbuches hat der Bülowschcn Regierung wenigstens die größte Blamage erspart, die der völligen Freisprechung der Angeklagten. Blamiert genug ist sie freilich ohnedies. Dem Zaren zuliebe wurde der Prozeß geführt, und der Zarismus geht mit Unheil- baren Wunden aus ihm hervor. Einen Liebesdienst wollte man Rußland erweisen, und Liußland wurde vor aller Welt an den Pranger gestellt. So blamierte man Rußland und sich selbst. Und das von Rechts wegen!" Das„Berliner Tageblatt": „Der Königsbcrger Prozeß ist ein schwarzes Blatt d e r p r e u ß i s ch e n I u st i z. So viel wir auch schon an Liebe- dienerei gegen Rußland geleistet haben mögen, diesen Prozeß hätte man doch nicht für möglich gehalten; daß er ergebnislos verlaufen ist, genügt noch nicht; man muß auf das bestimmteste fordern, daß sich ähnliche Vorgänge nie wiederholen. Wir wollen mit dem russischen Nachbar in Frieden und Freundschaft leben, so weit es eben geht; aber wir wollen nichts thun, was mit der nationalen Ehre unverträglich ist. Der 5lönigsberger Prozeß hat die zu- lässige Grenze weit überschritten." Das sind Aeußerungen der minder oder mehr linksstehenden bürgerlichen Presse. Die„Post" schweigt noch und sucht, wie sie sich aus der erschütterten Autorität herauswirrcn könne. Die„mittclstandsfcindliche"„Krenz-Zcitnng". Wir bewillkonmmen die„Krenz-Zeitung" als eifrige Schützcrin der Konsumvereine. Es ist nötig, ihre„mittelstandsfeindliche" und dazu beinahe socialdemokratisch hetzerischen Aeußerungen festzu- halten. Die„Krenz-Zeitung" erklärt zum Budde- Erlaß: „Wir können uns nicht damit befreunden, daß die Beamten, die doch auch zum Mittelstände gehören, plötzlich nicht mehr das Recht haben sollen, sich ebenso zum gemeinschaftlichen Ein- kaufe ihrer Lebensbedürfnisse zu organisieren, wie die Detailisten sich zum gemeinschaftlichen Einkäufe ihrer Waren organisieren. Der Vorteil mag gering sein, aber er spielt bei der durch die Notwendigkeit gebotenen knappen Besoldung der Staatsbeamten doch immerhin eine Rolle im Haushalt einer Bea in tenfamilie. Man scheint ganz zu vergessen, daß es konservative Männer waren, die es sich einst zur Lebens- aufgäbe machten, das Beispiel der Pioniere von Rochdale auf deutsche Verhältnisse zu übertragen.... Gerade die Beamten, die von dem Schalten und Walten der freien Konkurrenz doch ausgeschlossen sind, insofern ihre Bezüge sich bei Hoch- und Tieskonjunktnr, bei Teuerung und in fetten Jahren gleich bleiben. möchte» wir nicht von einem Rechte ausgeschlossen sehen, das von Arbeitern, Privatbeaniteu, Gewerbetreibenden inmier ausgiebiger benutzt wird. Wenn Minister v. Budde nicht dulden will, daß seine Beainte» leitende Stellungen in Konsumvereinen einnehmen, so ist das eine Maßregel der Disciplin, gegen die wir uns nicht mit einem einzigen Worte wenden mögen: er wird seine Gründe dafür haben. Aber wenn er ganz allgemein den Befehlswunsch ausspricht, daß seine Beamten nur beim Kleinhändler kaufen, so fürchten wir, er kommt damit zu keinem guten Ende. Ueber den Kleinhandel selbst wollen wir keinen Tadel aussprechen. Gut ausgebildete, reelle Detailisten haben vor den Konsumvereinen und ihren Laienvorständen in vieler Hinsicht einen Vorsprung: manche Waren wird man bei ihnen besser und darum billiger als beim Konsumverein bekommen. Aber die wirk- lichen Fachleute dieses Standes werden uns zugeben, daß sich neben ihnen eine fachunkundige, auch wohl mit verwerflichen Listen arbeitende Konkurrenz breit macht, vielfach gerade in den Außen- bezirken der Städte, wo die Beamten(der billigeren Wohnungen Ivegen) wohnen müssen, und daß der moderne fachmännisch ge- leitete Warenhaus- und Filialbetrieb ihnen weit schädlicher ist als sämtliche Konsumvereine. Wir fürchten, die Eisenbahnbeamten, die nun aus den Konsumvereinen austreten, werden Ersatz suchen bei diesen Großbetrieben des Kleinhandels, die ja auch ein schwunghaftes Versandgeschäft unterhalten; denn der Etat einer Beamtenfamilie zwingt a e r ä d c z u, für alle Bedürfnisse die billigste Einkanföqurlle zu suchen, wenn sie auch nicht die beste ist. Wer für ein Paar Stiefel nur sieben Mark zur Verfügung hat, geht dahin, wo sie 7 M. kosten, und er kann nicht Rücksicht darauf nehmen, daß sie nur den vierten Teil eines Paares zu 14 M. wert sind. Er braucht Stiefel und hat nur 7 M.; Stiefel, die mehr kosten, existieren für ihn einfach nicht. Er hofft, sie da besser zu bekommen, wo die Geschäfts- Unkosten geringer sind, und darum geht er entweder zum Konsumverein oder zum Allerweltsbazar und zum Schleuder- ausverkauf. Wir fürchten, die Eiscnbahnbeamten werden es nicht anders machen." Die„Krenz-Zeitung" entwickelt Anschauungen, wegen deren die konservativen und antisemitischen Herrschaften oft genug die Socialdemokratie als Feind des Mittelstandes beschimpften. Wenn aber die„Kreuz-Zeitung" sagt, den Eisenbahnbeamten solle das nicht verwehrt werden, was den Arbeitern gestattet sei, so ist anzumerken, daß die konservativen Politiker alles gethan haben, um gerade den Arbeitern die Schaffung von Konsum- vereinen zu erschweren. Was durfte nicht alles gegen die Vereine des gemeinsamen Warenbezuges seitens der Behörden unternommen werden ohne den geringsten Widerspruch der konservativen Presse, vielmehr unter ihrer hitzigsten Antreiberei, so lange es um die Konsumvereine der Arbeiterschaft ging! Wir erinnern uns nicht, daß beispielsweise die„Kreuz-Zeitung" Widerspruch er- hoben hätte, als vor kurzem die Stadtverwaltung zu Dresden den städtischen Arbeitern strikte die Zugehörigkeit zu Konsumvereinen untersagte, und diese Stadtverwaltung ist in kon- servativ-antisemitischen Händen. Jetzt, da das Recht billigeren und besseren Warenbezuges auch den Eisenbahnbeamten geraubt wird, entivickelt selbst die„Kreuz-Zeitung" Anschauungen, die sie sonst als socialdemokratische Hetzereien verpönt. Was wird die„Deutsche Tageszeitung" und die befreundete „Staatsbürgerin" zu der konservativen„Mittelstandsfeindschaft" sagen?— Für die Reichstags-Ersatzwnhl im Wahlkreise Schaumburg- Lippe ist seitens der freisinnigen Volkspartei Dr. Hans Krüger, der Anwalt des Verbandes der Erwerbs- und Wirtschaftsgenosscn- schasten, als Kandidat aufgestellt. Bei der Wahl im vorigen Jahre fiel der Freisinn bekanntlich aus der Stichwahl gänzlich auS.— München, 25. Juli. Kammer der Abgeordneten. In der fortgesetzten Beratung des Eisenbahn- Etats wendet sich der Staatsminister der Verkehrsangelegenheiten von Frauendorffer gegen Bemerkungen des Abg. E h r h a r t- Speyer(Soc.) in der Sitzung vom Sonnabend, als ob die Staatsgewalt vor den Aktionären der pfälzischen Eisenbahnen bezüglich der Verstaatlichung kapituliert habe. Der Minister betont, die Regierung könne zur Wahrung finanzieller Staatsrechte gegenüber den pfälzischen Bahnen durch Steuer- und Finanzgesetze eingreifen, dürfe aber die verbrieften Rechte der Aktionäre nicht antasten. Eine Neubildung der pfälzischen Vahngesellschaften könne die Re- gierung nicht erschweren. Durch die bisherige Hinausschiebung der Verstaatlichung habe die Regierung dem Staate einen Vorteil gesichert. Die Rechte des Staates in betreff der pfälzischen Bahnen seien nach allen Seiten hin gewahrt worden. Der Minister bittet schließlich, die Etatsberatung nicht durch eine jetzt vollkommen zwecklose Debatte über die pfälzischen Eisenbahnen aufzuhalten. Im weiteren Laufe der Beratung kommen trotzdem mehrere Redner auf diesen Gegen- stand zurück.— Huöland. „Niissisizicrnng" Finnlands. Das Juliheft der„Reviews of Review" bringt eine Unter- redung zwischen dem Herausgeber der Revue, Mr. W. T. Stead, und einem hervorragenden Russen über die Ermordung Bobrikows. Die Unterredung ist so charakteristisch, daß sie der Weiterverbreitung wohl ivert sein dürfte. Stead schreibt:„Ich traf ihn(den Russen) am Tage nach der Ermordung Bobrikows. Auf meine Frage, ob er mir Näheres über das Ereignis mitteilen köimte, rief er aus: „Endlich I Endlich I Die Nussifizierung Finnlands hat wirklich be- gönnen. Es hat lange gedauert, aber nun sind wir mitten darin." „Sie meinen—" begann ich. „Meuchelmord war bis jetzt eine spccifisch russische Einrichtung, die wir in Finnland nicht akklimatisieren konnten. Wir wunderten uns oft über die Immunität der Finnen gegen diese Krankheit, die doch so heftig an ihren Grenzen wütete. Aber jetzt zeigen sie die Symptome ihrer Nussifizierung. Dies ist wirklich ein Triumph Plehwes." „... War denn bis jetzt kein polltischer Mord in Finnland vorgekommen?" „Nie, nie. Die Finnen hatten inmier einen so felsenfesten Glauben an die Gerechtigkeit, daß sie ihre Hände nie mit Blut befleckten. Meuchelniord ist immer die Zuflucht der Verzweiflung. Es hat lange gedauert, ehe es Plehwe und Vobrikow gelang, den Glauben der Finnen zu zerstören; schließlich haben sie es doch zu stände gebracht." „Sie betrachten also die Ermordung Bobrikows als ein Zeichen, daß die Finnen die russischen Abwehrmethoden angenommen haben?" „Ganz gewiß. Meuchelmord ist eine russische Pflanze, die sich jetzt in Finnland akklimatisiert hat. Allerdings mit gewissen Modifi- kationen. Schauman tötete sein Opfer und dann sich selbst. Russische Meuchelmörder begnügen sich mit der Rolle der Scharf- richter; sie streben nicht nach der Märtyrerkrone, oder wenn sie sie schon tragen müssen, so ziehen sie es vor, daß man sie ihnen in feierlicher Weise aufsetzt: Verhaftung, Gerichtsverhandlung, Hin- richtung. Jeder dieser Schritte giebt ihnen Gelegenheit, Protest zu erheben und Zeugnis abzulegen. Der Finne ist praktischer und hat weniger Vorliebe für Verbatproteste." ..... Glauben Sie, daß das Schicksal Bobrikows die russische Regierung veranlassen wird, ihre finnische Politik einer Revision zn unterziehen?" Mein Freund schüttelte den Kopf.„Alles spricht dagegen. Die Politik oder Unpolitik, deren Instrument Bobrikow war, wird mit noch größerer Strenge angewendet werden.... Man wird sagen, die russische Regierung könne sich nicht von einem Meuchelmörder terrorisieren lasten." „Und wo wird das enden?" fragte ich. „Wer weiß! Ich kann nur wiederholen, was ich früher gesagt habe. Die Russifizierung Finnlands hat endlich begonnen."— Frankreich. Ministerium CombcS im eignen Urteil, Carcassoniie, 24. Juli. Heute fand hier zn Ehren des«Mnifter- Präsidenten C o m b e s und des Kriegsmiuisters Ä n d r ö ein großes~ Festmahl statt, an dem gegen 3600 Personen teilnahmen. Der Ministerpräsident hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er die innere Politik der Regierung rechtfertigte,. auf die bei den Gemeindcwahlen trotz der gewaltigen Anstrengungen der Opposition und der großen Macht der Kongregationen erzielten Erfolge hinwies und die jüngsten Vorgänge erwähnte, die geeignet wären, die Lösung der Beziehung zwischen Staat und Kirche nach den Wünschen der Republikaner herbeizuführen. Die Regierung habe es verstanden, die Ordnung und die Freiheit zu schützen und gewaltige A u s st ä n d e einzudämmen, deren häufiges Vorkommen den Interessen der Arbeiter ebenso schädlich sei wie der Entwicklung der Industrie. Im lveiteren Verlaufe seiner Rede führte Ministerpräsident CombeZ sodann auS: Wenn demnach unfre innere Politik es mit jeder unparteiischen Kritik aufninimt, so ist u n s r e ä u ß e r e P o l i t i k ein Gegenstand des Neides und der Bewunderung für die ganze Welt. Allerdings haben wir keine kriegerischen Abcn- teuer und kolonialen Eroberungen aufzuweisen, aber wir haben die patriotische Freude, festzustellen, daß Frankreich zu keiner Zeit ein größeres Ansehen und größere Achtung genossen hat. Niemals ist die Freimütigkeit und Loyalität seiner Diplomatie lauter anerkannt worden, und niemals sind seine von beständiger Sorge ftir den Weltfrieden eingegebenen Rat- schlüge mit mehr Entgegenkommen aufgenommen worden. Wenn die früheren Ministerien auch rechtmäßigen Anteil an dieser Lage haben, so darf doch das gegenwärtige Ministerium ohne Ueberhebung auf seinen überwiegenden Anteil an der Gestaltung dieser Lage zurückblicben. Gerade das gegenwärtige Ministerium hat das Verdienst, die ersten Schiedsgerichts- Verträge unterzeichnet und dabei die Gelegenheit wahrgenommen zu haben, alte und neue stets zu befürchtende Streitfragen mit England aus der Welt zu schaffen. Unser Ver- bündeter Rußland ist im Vertrauen auf die Festigkeit der Bande, die uns mit ihm verknüpfen, der erste gewesen, der über unsre Bemühungen, uns andren Mächten zu nähern, Freude empfunden hat. England hat in Anerkennung des seinem Könige bereiteten würdigen und herzlichen Empfanges unsre Ab- kommen mit ihm der Welt kundgegeben. Und noch klingen in unsren Ohren die begeisterten Zurufe wieder, mit denen in Rom der vcr- ehrte Präsident unsrer Republik begrüßt worden ist, den die klerikale Reaktion den Italienern als geheimen Feind ihrer nationalen Einigkeit hinzustellen sich bemühte. Am meisten freuen wir uns darüber, daß die inneren Gefühle der Völker sich in vollem Einklang mit den Absichten der Diplomatie befinden, die neuen Abkommen nicht nur als ein gesichertes Unterpfand, sondern auch als ein wirksames Werkzeug zur Aufrechterhaltung des Welt- friedens zu betrachten; denn trotz des aus der Ferne ertönenden Kriegslärmes bleibt der Friede unsre erste Sorge und unser fester Entschluß.—_ Italien. Die freigesprochene Maffia. Florenz, 23. Juli. In dem Prozeß gegen den früheren Ab- geordneten Baron P a l i z z o l o und Genossen wegen Ermordung des Marchese Notarbartolo wurden heute sämtliche Angeklagten frei- gesprochen und sofort auf freien Fuß gesetzt.— England. London, 25. Juli. Unterhaus. Laurie stellt eine An- frage an die Regierung bezüglich des Vorgehens des Schiffes„Peters- bürg" von der russischen Freiwilligcn-Flotte. Gibson Bowles befragt die Regierung über die Angelegenheit des Dampfers „Malacca" und über verschiedene Punkte des Völkerrechts, die dural die Beschlagnahme englischer Dampfer und das Vorgehen von Schiffen der russischen Freiwilligcn-Flotte Gegenstand der Er- örtcrunz geworden seien. Preimerminister Balsour erwidert, dw fecpcllcn Anfragen beziehen sich auf Fragen sehr verschiedenen Charakters. Einige dieser Anfragen beziehen sich auf allgemeine Fragen des Völkerrechts und andre auf besondere Fragen, die aus der Thatsache entstanden sind, daß Schiffe der russischen Freiwilligen- Flotte englische Handelsschiffe im Roten Meer weggenommen haben. Die in Verbindung mit dieser Angelegenheit angestellten Be- trachtungen haben nur mittelbare Beziehung zu der die Wegnahme von Schiffen betreffenden allgemeinen Frage des Völkerrechts. Die Schwierigkeiten, ja, ich kann sagen, die großen Schwierigkeiten— ich wünsche sie durchaus nicht zu verringern—, die aus den Weg- nahmen entstehen, behandeln ein besonderes Problem, das der eng- lischen Regierung große Sorgen gemacht hat und noch macht, hin- sichtlich dessen aber, wie ich erklären kann, Anzeichen vorhanden sind ,die eine günstige Lösung andeuten. Mehr als das zu sagen, halte ich für unzweckmäßig. Bezüglich der Frage über die Stellung des Suczkanals, die die Frage der Freiwilligen-Flotte nicht besonders berührt, glaube ich sagen zu können, daß meinem Urteil nach Gibson Bowles den Inhalt der Suczkanalkonvention irrig aufgefaßt hat. Soweit ich weiß, ist keine kriegerische Handlung im Suczkanal be- gangen worden und die Konvention sieht ausdrücklich vor, daß eine Prise wie ein Kriegsschiff behandelt werden soll und daß Kriegs- schiffe freies Recht zur Durchfahrt durch den Kanal haben; ich glaube daher nicht, daß die Frage in dieser Beziehung besondere Schwierig- leiten bietet oder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Mächten Anlaß giebt. Meiner Ansicht nach besteht keinerlei Zweifel, daß wir verpflichtet sind, Prisen die Durchfiihrt durch den Kanal zu gestatten. Wenn ich sage wir, so habe ich das Haus und das .Publikum an die Thatsache zu erinnern, daß der Suczkanal unter internationaler Leitung steht und es daher nicht an uns ist als individuelle Macht zu sagen, wie die Gesetze, welche die ägyptische Regierung hinsichtlich des Suezkanals binden, auszulegen sind. Unserer Ansicht nach darf eine legitime Prise den Kanal passieren. L a u r, e fragt hierauf, ob Balfour den Teil seiner— Laurics— Anfrage nicht gestellt zu sehen wünsche, der sich darauf bezog, daß ein Schiff zu einer Zeit die Handelsflagge führt und zu einer andern Zeit die Autorität eines Kriegsschiffes ausübt. Balfour erwidert: Dies ist eine Frage des allgemeinen Rechts und ich bin sicher, daß nichts durch einen Versuch, meinerseits darauf zu antworten, ge- Wonnen würde. Gibson Bowles stellt hierauf folgende Fragen: Sind eng- lische Handelsschiffe verpflichtet, irgend etwas mehr über sich er- gehen zu lassen, als die Durchsuchung, die Vernehmung ihrer Mann- schaft und die Prüfung ihrer Papiere zum Zwecke der Feststellung der Nationalität des Schiffes, seiner Bestimmung und seiner Ladung und ini Falle, daß sich aus dieser Prüfung ein Verdacht ergiebt die AnHaltung und Beförderung des Schiffes durch Prisenmannschaf't an ein Prisengericht? Ferner sind englische Handelsschiffe gehalten, sich der Wegnahme und der Fortschaffiing eines Teils der Ladung nach Gutachten des Konimandanten des durchsuchenden Kriegsschiffes ohne anderweitige� Entscheidung bczw. Entscheidung eines Prisengerichts zu unterwerfen? Premierminister Balfour erwidert: Nach An- ficht der Kronjuristen ist das Völkerrecbt in der ersten Frage richtig aufgefaßt. Bezüglich der zweiten Anfrage glaube ich nicht, daß das Völkerrecht, wie es geübt wird, ein solches Verfahren zuläßt. Auf eine weitere Anfrage Gibson Bowles betreffend die Durchfahrt der Freiwilligen-Flotte durch die Dardanellen erklärt Balfour: Diese Anfrage berührt das, was ich für den gegenwärtigen Augen- blick als verbotenes Terrain betrachten mutz. Sie wirft eine Kontra- vcrsc auf, die, wie ich glaube, besser gelöst werden wird, wenn das Saus sich für den Augenblick mit dem zufrieden giebt, was ich gesagt habe. St. Goarshausen, 25. Juli.(W. T. B.l Heute schlug der Blitz in die neu ausgebaute Burg Maus bei Wellmich und setzte sie in Brand._ GewcrkfchaftUcbcö. Der Zweck heiligt das Mittel! Dieser herrenlose Grundsatz, dessen Urheberschaft die Jesuiten mit Heftigkeit von sich weisen, hat jetzt in der„Arbeitgcber-Zeitung" Willkommen und Unterschlupf gefunden. Diese hatte es beklagt, daß sich Brauereien, die in das Absatzgebiet der gcboykottetcn Hamburger Fachgenossen eindringen, gegen Vorwürfe wie den der Gcsinnungs lunrperei durch Anrufen der Gerichte verteidigen. Wir hatten dazu bemerkt: „Wenn die„Arvcitgebcr-Zeitimg" eS für recht erklärt, daß un- solidarische Arbeiter vom Gericht vor dem Vorwurf der Gc- sinnimgsluinperci geschützt werden, dann muß sie dies auch für die Arbeitgeber zugestehen. Und wenn sie den Hamburger Brauereien das Recht zugesteht, gegen diejenigen ihrer Kollegen vorzugehen,„die ihnen bei diesem schweren Kampfe in den Rücken fallen", dann kann sie dies auch den Arbeitern nicht versagen." Die„Arbeitgeber-Zeitung" kann oder besser darf dies als Dertreterin der Arbeitgeber aber nicht einsehen. Sie faßt am Schlüsse eines Artikels mit der Spitzmarke„Ein kleiner Unterschied" ihre Meiining über die Sache s o zusammen: „Der Tcrrorismns gegenüber den Arbeitswilligen ist m i t Recht zurückzuweisen, weil es sich hierbei um einen Akt ungesetzlicher Freiheitsbeschränkung handelt, deren Gewährung den Unlernehnier schutzlos der Willkür der Arbeiterorganisationen preis- geben würde. Der Versuch aber, auf die Berufsgenosscn einzn- oj n' um nn der Unterstützung eines rechtswidrigen 7?''Ladens zu verhindern, als welches der Wirtschaft- ta v0 m0tt. s'ch darstellt, ist so lange ein vollauf berechtigter, s.t*. 1 Behörden keine Veranlassung nehmen, zu Gunsten der "�.Boykott geschädigten Unternehmer einzutreten. Es UM zwei völlig unterschiedliche Vorgänge, die « r?0' in Vergleich zu stellen sind." i.-a> einmal den„kleinci, Unterschied" auch für das Ver- staudnn �"„Arbeitgeber-Zeitung" durch ein Beispiel beseitigen, welchem c"ternehnierblatt das Kneifen nicht mehr möglich macht. 7M0 Arbeiter sperrten die Crimmitschauer Unternehmer sRivffirm 5W Vi Arbeiterinnen ans, um durch einen Akt der milasfen Die BcHisid"� 3m" Wiederaufnahme der Arbeit zu ver- �""h'nen keine Veranlassung, dieses rechts- . � verhindern oder zu Gunsten der durch die Aus- Die-�-ttge�img" sollte doch, ohne lange Ausflüchte zu suchen, zugestehen daß'hr Grundsatz ist� Der Zweck für das Unter- nehmcrtnm einzutreten heiligt zedes Mittel; das edelste Mittel aber das man zu Gunsten der Arbeiterschaft anwendet F verwerflich- zum Jammer der„Arbeitgeber-Zeitung" leider nicht in jedem Falle strafbar I__ Berlin unck Clmgegend. Der Streik der Steinsetzer und Ranimer ist nun beendet Eine Versammlung derselben, d'e gestern un..Gewerkschaftshaus" statt- fand, beschloß einstimmig, den Streik für beendet zu erklären Die- lemgen, die im Laufe diefer Woche noch keine Arbeit crbalten sallten werden unterstützt, haben sich jedoch zur Kontrolle zu melden. Stcinarbeiter. In der„Volks-Zeitnng" vom Sonnabend sucht me Firma Gebr. Friesecke Steinmetzen,„tüchtige Scharriercr" Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Firma nicht ne,»' Tarif bez°hltz sondern 1° Pf weniger pro Stunde Es wiL�fA. daß STarft Steinmetz bic|c Firma so lange meldet, bis auch dort nach -�arif bezahlt lvird. � Der Vorstand des Verbandes der Steinarbeiter. Die TSpfertragcr(Sektion des Bauarbeiter- Verbandes) be- schloffen in ihrer gestrigen Versanimluilg gegen wenige Stimmen, a u S dem Centralverband der Bauarbeiter auszutreten und einen selbständigen F a ch v e r e i n zu gründen. Motiviert wurde dieser Beschluß mit der allgemeinen Unzufrieden- heit der Töpfcrträger mit der Ortsvcrlvaltiiilg des Verbandes. Be- sonders wurde darüber Klage geführt, daß der an sich kleinen Sektion nicht genügend Selbstverlvaltnngsrcchte eingeräumt seien. Die Vertreter der örtlichen Lerbandslcitung wiesen die Angriffe gegen die Ortsverwaltung zwar entschieden zurück und rieten von dem Austritt ab, trotzdem kam der Beschluß zu stände. Achtung, Kiipfvschmiede.' Die Lohndifferenzcn bei der Firma Schmidt und Söhne in Nauen sind in Folge Entgegenkommens der Firma als beigelegt zu betrachten. 17 Kollegen erhielten eine Zu- läge von 10— 15 Pf. die Stunde.— Der Werkführcr machte seinem Unwillen darüber durch folgende Worte Luft:„Wenn ich andere Leute bekomme, schmeiß ich Euch alle raus."— Die arbeitslosen Kollegen ersuchen wir, diese Redensart zu beachten. I. A.: Die Verwaltung der Filiale Berlin des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands. Deutsches Reich. Die Steinsetzer und Rnmmcr in A n g e r m ü n d e sind wegen der Maßregelung der Lohnkommissionsmitglieder in einen Abwehr- streik eingetreten. Eine Intervention des VcrbandSvorsitzcndcn hatte keinen Erfolg. Bemerkt sei, daß die Lohnforderung selbst im vorigen Monat ohne Kampf zugebilligt wurde. Der fünfte Delegicrtcntag dcS deutschen Photographcngehilfen- Verbandes tagt gegenwärtig in Frankfurt a. M. unter Teil- nähme von Delegierten aus Deutschland, Oesterreich, Holland, Frankreich und der Schweiz. Unter anderm liegt ein Antrag vor, den Verband unverzüglich bei der G e n e r a l k o n>»i i s s i o n der Gewerkschaften Deutschlands als Mitglied an- zumeiden. Fast sämtliche Gelvcrkschaftcu sind durch Redner ver- treten. Dreihundert Bildhancr, Drechsler und Tischler der Schlcsischcn Hokziiidustrie-Aktien-Gesellschaft vormals Ruschcweyh und Schmidt in Langenöls haben gestern morgen die Arbeit eingestellt und verlangen eine Kürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde und zehn Proz. Lohnerhöhung. Im Aussperrungsgebicte des Mitteldeutschen Arbeitgebervcrbandcs spitzt sich, ivie uns geschrieben wird, die Situation zu. Nach den Berechnungen, die der zweite Vorsitzende des Maurerverbmidcs, Efftingcr-Hambiirg. in einer großen Protestversammlung am Sonn- abend in Offcnbach anstellte, find bis jetzt in Frankfurt. Offcnbach, Hanau, Wiesbaden und einigen andren kleineren Orten S200 organisierte Maurer, 600 Zimmerer und 250 sonstige Bauarbeiter ausgesperrt worden. In Frankfurt wurden jedoch am Sonnabend noch ungefähr 200 nicht organisierte Arbeiter ausgesperrt. Wie weit die Unternehmer der übrigen in Betracht koinmenden Orte die keiner Organisation an- gehörenden Arbeiter noch aussperren werden, bleibt abzuwarten. Bestimmt abgelehnt haben es bisher die Hanauer Unternehmer. Auch die Offenbacher Arbeitgeber scheinen davon absehen zu wollen, da sie durch Inserate bekannt niachen, daß sie nur organisierte Arbeiter aussperrten. In Offenbach sind am Sonnabend die ersten Italiener importiert worden. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die Unternehmer in wahrhaft unglanblicher Weise mit dem Feuer spielen. Mögen sie sich hüten, daß sie sich nicht die Finger verbrennen. Von den Arbeitern ist zu erwarten, daß sie die unerhörten Provokationen unbeachtet lasse».— Eine Besprechung zivischen einer Ver- tretnng de-s Arbeitgeber- Verbandes und den Vertretern der Bauarbeiter— Efftinger und Hüttmann— fand am Sonn- abend in Frankfurt a. M. statt. Die Arbeitervcrtreter verlangen, daß auf Grundlage gegenseitig anerkannter Gleichberechtigung ver- handelt wird. Die Unternehmervertreter machten allerlei Änsflüchte, so_ daß selbst ein bürgerliches Blatt, die„Kleine Presse", schreibt, daß sich, wer schon bei de» Vorverhandlungen solche Schwierig leiten mache, leicht in den Verdacht brächte, daß er die Verhand lungen selbst nicht will. Es steht fest, daß die Maßnahmen des Arbeitgebcr-Verbandes von langer Hand vorbereitet sind und daß ein„Aderlaß" beabsichtigt ist, an dem sich die Arbeiterorganisationen verbluten sollen. Ein kapitalistisches Organ ist schon so ehrlich gewesen, ziemlich deutlich zu werden: der bestens bekannte„Rheinische Courier" in Wiesbaden, der beglückt und beseligt von einem„lvohlthuenden Aderlaß" spricht. kZuslanck. Der Gesamtverband der dänische» Gewerkschaften giebt seit dein 1. Juli d. I. unter dem Titel„Ar des de reu"(„Der Arbeiter") ein Nachrichtenblatt heraus, das jeden Sonnabend erscheint und an sämtliche Hauptvorstandmitglieder der angeschlossenen Gewerkschaften gratis versandt wird. Das Blatt erscheint in 1500 Exemplaren Es ist nicht für die Oeffentlichkcit bestimmt, sondern soll Haupt sächlich ein Bindeglied zwischen dem Gesamtverband und den ein- zclnen Organisationen bilden und den Vorständen Aufklärung geben über die Verhältnisse, die für die Stellungnahme der Centralleitung der dänischen Gewerkschaftsbewegung zu den gerade vorliegenden Fragen maßgebend find. Ferner sollen in dem Blatt, soweit es möglich ist, bei Streiks und Aussperrungen die zwischen den Haupt- organisationen gewechselten Schreiben veröffentlicht werden, und außerdem wird es Artikel über gewerbliche Verhältnisse im In- und Ausland bringen. Die Vanarbeiter-AnSsperrniig in Stockholm. Nach einer Depesche von Ritzaus Bureau sind am Sonnabend die Vertreter des Centralen Arbeitgeber-Verbandes und der Arbeiterverbände über eingekommen, den streitenden Parteien vorzuschlagen, ein Ver Handlungskomitee einzusetzen, das aus Vertretern der Ar heiter der 5 Baufächer, darunter auch der Maurer, Vertreter der Baumeistervcreinigung und je einem Vertreter des Hauptvorstandes der Landesorganisation der Gewerkschaften und des Centralen Arbeit- geber-Verbandes bestehen, und unter einem unparteiischen Vor- sitzenden sofort über die Bedingungen zur Beilegung des Konfliktes beraten und Beschluß fassen soll, ohne daß zuvor von irgend einer Seite Bedingungen für die Aufnahme der Ver- Handlungen gestellt werden._ Es bleibt nun abzuwarten, ob die Parteien auf diesen Vorschlag eingehen.— Der Centrale Arbeitgeber-Verband und ebenso Stockholms Lieferantenderband, der sich auch in seiner Weise um die Schlichtung des Streites bemüht, hatten übrigens vordeni den Vorschlag gemacht, die Entscheidung über die in Frage stehenden Tarifverträge gänzlich einem Schiedsgericht zu überlassen. Das lehnten aber die Arbeiter ab, indem sie verlangten, daß mindestens die durch Verhandlungen bereits festgesetzten Punkte der Tarife von den Unternehmern als bindend anerkannt würden.„,, Bis zum Freitag hatten 61 Arbeitgeber die Tarifverträge unter- schrieben Seitens der Unternehmerpressc wird zwar behauptet, es handle sich hier größtenteils um Unterschriften von Werkmeistern, das ist aber nicht der Fall. Thatsachlich sind nur 3 Unterschriften von Werkmeistern darunter, die wegen Krankheit oder Abwesenheit des eigentlichen Arbeitgebers die Vereinbarung mit den Arbeiter- organisationen treffen muhten. Zum Arbcitermord in Cluses. Paris, 23. Juli.(Eig. Ber.) Die weiteren Nachrichten aus CluseS lassen die unternehmerliche Mordthat in immer gräßlicherem Lichte erscheinen. Es war ein vorbedachter Ueberfall aus dem Hinterhalt. Nach der Meldung des arbeiter feindlichen„Figaro" dauerte das Golvehrfeuer ununterbrochen z lv a n z i g Minuten, und die Wüteriche schössen selbst a»f diejenigen, die die Verwundeten wegzuschaffen suchten. Auch Kinder wurden getroffen, die sich gerade auf de», Heimwege von der Schule befanden. Daß ferner die Arbeiter nicht den geringsten Vorwand zur Schlächterei geliefert haben, wird bezeugt vom H a u p t m a n n L a p i e r r e, der den Militärposten bei der Fabrik Crettiez befehligte. Er erklärte dem Berichterstatter der„Hmnanitö":«Die Arbeiter waren noch etwa zwölfMeter von der Fabrik entfernt, als sie mit einem heftigen Gewehrfeuer empfangen wurden. Meine Soldaten haben mir erklärt, daß kein einziger Stein aus den Reihen der Streikenden geworfen wurde. Einer meiner Korporale wird in diesem Sinne vor dem Untersuchungsrichter aussagen." Letzteres ist bereits geschehen. Gemordet haben die vier Sohne Crettiez und ein gewisser V c i l l e t, ein ehemaliger Ingenieur, der beim Fabrikanten ein- gemietet war. Wenigstens wurden nur diese fünf ans frischer That erwischt. Die Beteiligung des Veillet verstärkt den Beweis für den Vorbedachts-Charakter der Metzelei. Trotz alledem treibt die reaktionäre Presse frech und munter ihr gewissenloses Handwerk. Nach den ersten Tagen eines bestürzten Schweigens hat sie den Mut zur Lüge wiedergefunden. Der Sach- verhalt wird von ihr wider besseres Wissen entstellt und die Haupt- schuld ans das Ministerium abgewälzt, weil es— man höre!— die Ordnung, das Privateigentum, die Unternehmer und die Arbeits- frcihcit gegen die Ausschreitungen der Streikenden nicht schützen wolle.... Der Uhrmacherstreik von Cluses ist nunmehr beendet. Die Arbeiter haben in allen Betrieben folgende Forderungen durchgesetzt: Bevorzugung der organisierten Arbeiter bei der Anstellung deS früheren Personals der Fabrik Crettiez vor den Streikbrechern(diese Fabrik existiert ja nicht mehr»nd wird wohl nicht wieder erstehen, die übrigen Fabrikanten haben sich daher verpflichtet, das Personal von Crettiez so zahlreich als möglich anzustellen); keine Maßregelung wegen des Streiks. In den einzelnen Betrieben wurden außerdem manche kleine Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse er- langt. Die Cafökellncr in Bordeaux sind am Sonntag früh in den Ausstand getreten und durchziehen die Straßen, um die Angestellten der Gasthäuser zur Niedcrlegung der Arbeit zu veranlassen. Fast alle Restaurants, Hotels und Cafes haben ihre Räume geschloffen. Der Streik der Schlachthausarbciter in Chikago ist anfs neue ausgebrochen. Man schätzt die Zahl der jetzt im Ausstand befind- lichen Schlächter ans 54 000, der Arbeiter in den der Schlachtindnstrie verwandten Geschäften, die am Montag in den Ausstand traten, auf 35 000 und die Zahl der sonstigen Ausständigen auf 52 000. Soziales. Hungerlöhne in der Koiifckti»,,. Ueber die außerordentlich traurigen Arbeitsverhältnisse und Arbeitslöhne in der Konfektions- brauche sind schon viele Artikel und Notizen geschrieben worden, ohne daß bisher an den elenden Zuständen sich wesentliches geändert hätte. Das in diesem Gewerbe mehr als in jedem andern florierende Zwischeumeisterwesen und die unter den Zwischenmeistern bestehende Konkurrenz, die den Fabrikanten erlaubt, nach Belieben auf den Herstellungspreis zu drücken, da, wenn der eine Zwischenmeister die Arbeit zu den gestellten Bedingungen nicht übernehmen will, sofort ein andrer sich dazu anbietet; vor allem aber die Not unter den Arbeiterinnen(bielfach Witwen und älteren Frauen), die sie in steter Angst um ihr täglich Brot erhält und sie jede Arbeit zu dem vom Zwischenmeister willkürlich festgesetzten Preis übernehmen läßt, selbst wenn sie sehen, daß sie sich dabei kaum satt essen— alle diese Verhältnisse verhindern eine Besserung. Dazu kommt noch die Schmutzkonkurrcnz, die den armen Arbeiterinnen von sogenannten Damen aus dem Mittelstand, vielfach Bcamtenfraueu, gemacht wird. Weigert sich eine Arbeiterin, eine ihr angebotene gering bezahlte Arbeit zu liefern, so übernehmen diese„Damen" sie. Sie haben sich von dem Erlös nicht zu ernähren. Das, was sie an Lohn er- halten, betrachten sie als ihr Taschengeld— zum Ankauf von Handschuhen, Parfüms, kleinen Pntzsachen usw. Wie erbärmlich, fast unglaublich niedrig die Löhne sind, hatten wir erst dieser Tage wieder Gelegenheit zu sehen. Wir sahen ein wollenes Jackett, gefüttert, mit modernen Aermeln, mehrfach ge- steppt; ilnd als wir, bekannt mit den niedrigen Löhnen in der Konfektionsbranche, ans die Frage, wie hoch wir den Arbeitslohn taxierten, 1,50 M. nannten, wurde uns nachgewiesen, daß der Arbeitslohn nur 70 Pf. beträgt. Hiervon muß die Arbeiterin aber noch verschiedene kleine Auslagen bezahlen, so daß sich der N e ttolohn ans 58— 60 Pf. stellt— für eine Arbeitsleistung, wie uns Sachverständige versicherten, von mindestens 4'/- bis 5 Stunden. Es stellt sich also der Lohn für eine Stunde angestrengtester Thätigkeit nur auf 12— 13 P f. Leider war es uns nicht möglich, den Namen des Fabrikanten und den von ihm an den Zwischenmeister gezahlten Stückpreis zu erfahren, als Zwischenmeistcriu wurde uns jedoch Frau Caldarola, Lausitzer Platz 4, genannt. Die politische polnische Kinderkrippe. Der shstematische Kampf gegen die Polen in den Ostmarken treibt eigenartige Blüten. Eine der eigenartigsten ist es wohl, die in Gnesen aufgegangen ist. Es lvirkt dort ein Krippenverein mit einem polnischen Namen, an dessen Spitze die Damen v. Matowska, Josepha JanowSka und Josepha Czarmatzka stehen, während als Patrone zwei Geistliche fungieren. Der Zweck des Vereins ist die Unterstützung derjenigen Familienmüttcr, die außerhalb ihrer Wohnung Arbeit nehmen müssen. In einem Bereinshause werden tags- über die Kinder jener Familienmntter verpflegt. Bei einem Kind ist ein tägliches Pflcgegeld von 15 Pf., bei mehreren ein solches von 10 Pf. pro Kind zu zahlen. Sehr armen Eltern wird die Ver- pflegung ihrer Kinder ohne jode Zahlung gewährt.— Der Vorstand des Vereins hatte nun dessen Eintragung in das Vereinsregister be- antragt. Der Landrat zu Gnesen erhob jedoch dagegen Einspruch gemäß 8 61 des Bürgerlichen Gesetzbuches, weil der Verein politische und socialpolitische Zwecke verfolgt. Der Herr Landrat meinte, der Verein sei als politischer anzusehen, weil seine Thätigkeit im Grunde lediglich darauf gerichtet sei, unter dem Deckmantel des K l e i n k i n d c r s ch u tz e s die polnischen nationaleii Bestrcbnngen zu fördern, welche in letzter Linie auf die Wiederherstellung eines selbständigen polnischen Reichs abzielten. Dafür spreche schon, daß der Verein als Patron an der Spitze zweiGeistliche habe, die im Interesse der grotzpolnischcn Propaganda zu jeder staatsfeindlichen Handlung fähig und bereit seien. Die gegen den behördlichen Einspruch erhobene Klage des Vor- stands wurde vom Bezirksausschuß abgewiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt: Zunächst frage sich, ob der Verein politische Zwecke verfolge. Das wäre dann der Fall, wenn er mit Absicht Ein« flnß ausübe ans die Beziehungen verschiedener Bevölkernngsgruppen zu einander, in diesem Fall auf die Beziehungen zwischen dem polnischrcdenden und dem dcutschredendcn Teil der Bevölkerung. Hier sei anzunehmen, daß die Vorteile, die der Verein gewähre, nur bestimmt seien für die preußischen Staatsangehörigen, deren Mutter- spräche die polnische sei. Die Fernhaltung der Kinder der deutschsprcchen- den arbeitenden Bevölkerung sei aber von Einfluß auf die Beziehungen zwischen diefer und den unterstlitzteii polnisch- redenden Arbeltern. Der Gegensatz zivischen Polen und Deutschen werde dadurch geschürt. Also verfolge der Verein einen politischen Zweck. Außerdem verfolge er auch noch socialpolitische Zwecke, indem er es den Frauen der arbeitenden Klaffe ermöglichen wolle, tags« über auf Erwerbsarbeit auszugehen. Der Vereinsvorstand legte beim Ober- VerwaltungSgcricht Be- rufung ein und betonte, daß man mit kleinen Kindern doch nicht über Politik spreche. Von politischen Zwecken könne keine Rede sein. aber auch nicht von socialpolitischen, denn die hier geübte Mild- thätigkeit gehöre nicht zu den socialpolitischen Zwecken im Sinne des 8 61 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Vor dem Obcr-Verwaltungsgericht wurde festgestellt, daß sich neben meist polnischen Namen in der Mitgliederliste auch zahlreiche deutsche Namen,«vte: Jäger. Westfal, Wagner. Walter, Pauli k. stnden. Der erste Senat des Ober-Verwalwngsgerichts hob die Vorentscheidung aus und erkannte dahin, daß der Einspruch des Landrats gegen die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister aufzuheben sei. Das Gericht habe nicht feststellen können, oast der Knppenverein politische oder socialpolitische Zewecke ver- Das Königsberger Urteil. Königsberg, 25. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Zwölfter Verhandlungstag. Der Vorsitzende eröffnet 10 Minuten nach 12 Uhr die Sitzung tind teilt mit, daß das Schreiben des Auswärtigen Amtes über die Auskunst bezüglich des russischen Rechts ans Petersburg in Urschrift borliegt. Der Wortlaut entspricht dem bereits telegraphisch mit- geteilten. Danach wird die Beweisaufnahme endgültig geschlossen. Der Gerichtshof zieht sich wieder zur Beratimg zurück. Um 12 Uhr 50 Minuten erscheint der Gerichtshof wieder. Der Vorsitzende verkündet: Die rechtlichen Unterlagen sind folgende: 8 128 des Strafgesetzbuchs bestimmt, daß die Teilnahme an einer Verbindung, deren Dasein, Verfassung oder Zweck bor der Staatsregierung geheimgehalten werden s o l l, strafbar ist. Der Gedanke, der dieser Bestimmung zu Grunde liegt, ist der, daß jede geheime, organisierte Verbindung gefährlich ist. Es kommt nicht auf den Zweck der Verbindung an, wie im 8 120. Immerhin muß nach der feststehenden Rechtsprechung des Reichsgerichts die Verbindung eine Einwirkung auf die öffent- lichen Angelegenheiten des Deutschen Reiches bezwecken. Das beweist die Stellung der Strafbestimmungcn in dem Abschnitt über„Verbrechen und Vergehen gegen die öffentliche Ordnung". Der Begriff der Teilnahme im§ 128 ist nicht identtsch mit dem im ß 47 des Strafgesetzbuches. Zum Thatbestand genügt, daß jemand an der Verbindung überhaupt teilgenommen hat; der Nach- weis einer besonderen Thätigkeit für die Verfolgung der Zwecke einer Verbindung ist nicht erforderlich. Schon die E x i st e n z einer Verbindung im Sinne des§ 123 bedeutet eine im staatlichen Interesse nicht zu duldende Gefahr, und von diesem Gesichtspunkte aus ist die bloße Zugehörigkeit unter Strafe gestellt. Für das Vorliegen einer Verbindung sind zwei Merkmale er- forderlich: die Unterordnung des Willens des Einzelnen unter den irgendwie kundgegebenen Willen der Gesamtheit und die Vereinigung auf längere, allerdings stets nur in oonoreto zu bemessende Dauer. Die Dauer ist etwa hier ebenso zu bestimmen, wie beim Unterschied zwischen Verein oder Versammlung. Ferner ist erforderlich eine irgendwie erkennbare Absicht der Geheimhaltung und zwar der Verfassung, des Daseins oder des Zwecks der Verbindung vor der Staatsregierung. Nicht erforderlich ist dagegen, daß die Verbindung ihren Sitz ausschließlich in Deutschland hat. Es wäre mit dem Grund und dem Zweck der Strafbestimmung unvereinbar, wenn in Deutschland bestehende und thätige, geheim zu haltende Ver- bindungen deshalb straffrei sein sollten, weil sie auch im Auslände bestehen und dort nicht geheim gehalten werden. Nicht erforderlich ist ferner eine ausdrückliche Erklärung über den Eintritt oder eine Verabredung über die Geheimhaltung. Es kann ein stillschweigendes Einverständnis der Mitglieder über die Geheim« Haltung bestehen und die Beteiligung ist auch in andrer Weise als durch die aktive Mitgliedschaft möglich, durch Förderung der Zwecke der Verbindung, durch Thätigkeit zu ihrer Ausdehnung usw. Der Begriff der Teilnahme verlangt also nicht aktiven Eintritt, sondern nichts weiter als Vollbringung irgend welcher Thätigkeit für die Verbindung oder irgend welcher Mitwirkung. Die sonst noch in Betracht kommenden einschlägigen Gesetze?« bestimmungen finden sich im zweiten Teil des Strafgesetzbuches unter Hochverrat und Landesverrat. Dort behandelt§ 80 den Mord und Mordversuch am Landesherrn, Z 81 andre Akte des Hoch- Verrats usw.§ 85 bestimmt, daß wer öffentlich vor einer Menschen« menge oder wer durch Verbreitung oder öffentlichen Anschlag oder öffentliche Ausstellung von Schriften oder Darstellungen zur Aus- fiihrung einer nach Z 82 strafbaren Vorbereitungshandlung zum Hochverrat auffordert, mit längerer Strafe belegt wird, und§ 86 stellt jede andre hochverräterische Vorbereitungshandlung unter Strafe. Unter Verfassung ist in diesem Paragraphen nicht die Verfassungs- Urkunde konstitutioneller Staaten zu verstehen; gemeint sind nur die Fundamental« Einrichtungen des Deutschen Reiches und der Bundesstaaten. Die Anwendung der Gewalt ist die äußere Erkennungsform des in diesem Paragraphen gedachten Unrechtes. Unter Gewalt ist sowohl vis absoluta wie vis compulsiva zu verstehen. Auch die Drohung mit Gewalt fällt darunter, weil bei ihr die Gewalt noch immer als letztes Mittel im Hintergrunde steht und weil im letzten Augenblick die Entscheidung das Verbrechen als ein durch physische Gewalt zu bewirkendes gedacht ist. Wenn § 85 von der Aufforderung zum Hochverrat spricht, so muß eS sich um eine bestimmte st rasbare Handlung handeln, muß die Aufforderung ein bestimmtes Hochverratsunternehmen betreffen. Nicht erforderlich ist, daß Art, Ort und Zeit sowie die Mittel der Ausführung im voraus bestimmt sind. Ferner beweist die Zu« sammenstellung der Schriftverbreitung mit dem öffentlichen Anschlage oder der Auslegung der Schrift oder der Darstellung vor einer Menschenmenge wenigstens insoweit das Vorliegen einer Ver- breitungshandlung, eines Jndenverkehrbringens. daß die Schriften dem Publikum zugänglich gemacht werden sollen, mögen auch nur bestimmte Personen dabei ins Auge gefaßt sein. Im wesentlichen kommt die Absicht des Thäters in Betracht. Die Gefährlichkeit ist auch hier das Motiv des Strafbaren, es be- darf des Bewußtseins des Angeklagten, daß der Inhalt der verbreiteten Schriften geeignet ist, den Willen zur VerÜbung der strafbarenHandlung, zu welcher die Schriften auffordern, in den Personen, in deren Händen sie gelangen oder nach der Vorstellung des Verbrechens ge- langen sollen, hervorzurufen. Ebenso wie§ 85 setzt aber auch§ 86 ein bestimmtes hochverräterisches Unternehmen voraus, das aller« dings nicht dadurch ausgeschlossen wird, daß die Vorbereitungen nicht zum Abschluß gelangen, oder daß es nur als Einleitung weiterer vorbereitender Handlungen gedacht war. So bestraft das Reichsgericht in ständiger Rechtssprechung das Hin- bringen von Paketen, welche Schriften mit der Aufforderung zum Hochverrat enthalten, zur Post ebenso, wie die in der Absicht der Verbreitung erfolgte Herstellung eines zum Hochverrat aufteizenden Plakats. Nun bestimmt§ 102, daß die in den§§ 81—86 unter Strafe gestellten Handlungen auch dann strafbar sind, wenn sie gegen einen befreundeten Staat ausgeübt werden, sofern in dem andern Staat dem Deutschen Reiche die Gegenseitigkeit verbürgt ist und der Antrag auf Bestrafung gestellt worden ist. Ebenso bestraft§ 103 die Majestätsbeleidigungen gegen- über auswärtigen Monarchen. Außer durch das Vorliegen des Thatbestandes des Delikts wird in diesen beiden Paragraphen die Strafbarkeit bedingt dadurch. daß a> die Gegenseitigkeit verbürgt ist; b) die Gegenseitigkeitsverbürgung bereits zur Zeit der Begehung der Handlung, nicht erst zur Zeit des Beginns der Verfolgung in Kraft getreten ist; c) der ausländische Staat befreundet ist und d) der Strafantrag gestellt ist.— In letzter Beziehung hat das Gericht bereits durch den einen Antrag der Verteidigung ablehnenden Beschluß festgestellt, daß der Strafantrag vom russischen Botschafter, dem Organ des ausländischen Staats, dem nach internationalem Recht die Vertretung des Staates obliegt, frist- und formgerecht gestellt worden ist. Ruß- land ist ferner ein befreundeter Staat, denn er ist von Deutschland als solcher anerkannt und es werden zwischen beiden Ländern diplomatische Beziehungen unterhalten. Was nun die Verbiirgtheit der Gegenseitigkeit anbetrifft, so ist abweichend vom deutschen Strafgesetzbuch im russischen Strafgesetzbuch die thätliche Beleidigung des Herrschers mit dem Mord und Mordanschlag zusammen im 8 241 auf- genommen worden, der im übrigen unserm§ 80 entspricht. Werantw. Redakteur: Pgus Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw. Hingegen finden sich unsre wörtlichen Majestätsbeleidigungen noch weiter abgestuft, je nachdem sie durch Worte erfolgt sind, im s 246. Nun verbürgt 8 260 des russischen Strafgesetzbuchs die Gegenseitig- feit, selbst wenn besondere Verträge oder ein besonders publiziertes Gefetz vorliegt, nicht auch für die wörtliche Majestäts- b e I e i d i g u n g. Da nun straftechtlicher Schutz den ausländischen Fürsten nur gewährt werden kann bei verbürgter Gegenseitigkeit, so kann wegen der Beleidigungen gegen den russischen Kaiser auf Strafe nicht erkannt werden. Die in einem Teile der beschlagnahmten Schriften enthaltenen Aufforderungen zum Hochverrat würden, wenn sie in Rußland zur Ab- urteilung kämen, nicht nach den§8 211. 2�2, 249, sondern nach§ 251 zu bestrafen sein, ebenso wie in Deutschland die 8Z 80 und 81 nur Anwendung finden auf Handlungen, durch welche das Vorhaben des Hochverrats unmittelbar zur Ausführung gebracht werden foll. Die Aufforderungen in diesen Schriften sind aber so allgemein gehalten, daß die Ausführung derselben als unmittelbare Folge nicht ins Auge gefaßt ist. Der 8 24:9 des russischen Strafgesetzbuches betrifft Aufftände, Zusammenrottungen und Ver- schwörungen zum Zwecke des Hochverrats, kann also hier ebenso wenig in Betracht kommen, wie die 8s 241 und 242, 8 251, der denjenigen bedroht, der durch Verbreitung von Schriften zum Ungehorsam gegen die höchste Gewalt auffordert, ist aber auch nicht unter denjenigen Paragraphen, für welche 8 260 die Berbürgung der Gegenseitigkeit für zulässig erklärt hat. Deshalb ist nach deutschem Recht 8 102 nicht anwendbar, obwohl mindestens das im 8 86 getroffene Hochverrats- Unternehmen vorläge. Aber selbst wenn nach russischem Rechte 8 249 anwendbar wäre, gelangt man zu derselben Entscheidung der Nichtanwendbarkeit des 8 102 aus folgenden Er- wägungen: Das Deutsche Reich, die deutschen Bundesstaaten, der deutsche Kaiser und die deutschen Bundesfürsten haben nach dem Wortlaut des 8 260 nur dann Anspruch auf strafrechtlichen Schutz in Rußland, wenn die Gegenseitigkeit durch Staatsvertrag oder durch verkündetes Gesetz ausdrücklich gewährleistet wurde. Das russische Gericht könnte also auf Grund der Gesetzesbestimmungen nur bei Vorliegen eines Staatsvertrages oder eines publizierten Gesetzes verurteilen. Ein solcher Staatsvertrag liegt aber nach amt- sicher Auskunft des Reichskanzlers ebensowenig vor, wie gemäß der von der russischen Regierung amtlich erteilten Auskunst ein in Rußland publiziertes Gesetz. Die Zusicherung der russischen Botschaft, En cas aualogues(in ähnlichen Fällen) Gegenseitigkeit zu gewähren, kann gegenüber den klaren Bessimmungen des Gesetzes höchstens als Versicherung für die Zukunft, nicht aber als Bestüsigung der verbürgten Gegenseitigkeit zur Zeit der strafbaren Handlung in Betracht kommen. Letzteres aber war Vor- aussetzung ftir die Anwendung des 8 102. Demnach mußte hinsichtlich der in den§8 102 und 103 unter Strafe gestellten Handlungen Freisprechung erfolgen. Aber auch auf Ein- ziehung bezw. Unbrauchbarmachung der beschlagnahmten Druckschriften konnte nicht erkannt werden, weil nach 8 42 Voraussetzung dieser Maßnahmen ist, daß, wenn ein Thäter zu ermitteln wäre, dieser zu bestrafen sein würde, was beides nicht der Fall ist. Das Bestehen einer Verbindung behufs Einführung von rcvo- lutionären Schriften nach Rußland ist hingegen unzweifelhaft erwiesen, wenn auch die Organisation nicht bis ins einzelne aufgedeckt worden ist. Nach den eignen Aus- sagen der Angeklagten und den Bekundungen der Zeugen Wynen und Quessel und nach dem Inhalt der beschlagnahmten Briefe ist die Leitung dieser Verbindung in London und der Schweiz und ein großer Teil der Schriften geht durch Deutsch- land. Hier bestehen Sammel- und Versand st eilen, von wo aus die Schrifen an die Grenze weiter verbreitet werden, um dort durch Schmuggler hinübergeschafst zu werden. All dies geschah nach einem einheitlichen Plan. Ohne das Be- stehen einer solchen Verbindung wäre es ganz unerklärlich, wie in London wohnende Leure die Adresse des Tilsiter Schuhmachers MertinS und des Memeler Schuhmachers Treptau nicht nur kannten, sondern auch wußten, welche von der Schweiz aus verschickten Schriften bei jedem lagerten. Es ist auch kein Zufall, daß die Angeklagten bis auf einen Socialdemokraten sind. Die Angeklagten haben selbst ausgesagt, daß man sich an sie als an die Vertrauensmänner der socialdemokratischen Partei ge- wandt habe. Auch daß eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezweckt war. unterliegt keinem Zweifel. Abgesehen davon, daß die Thätigkeit unmittelbar gegen die jetzige Staats- ordnung Rußlands gerichtet war, wußten die Mitglieder der Verbindung, die sich unmittelbar gegen das Nachbarreich richtete, daß ihre Thätigkeit notwendig zu einer Entfremdung zwischen Rußland und dem Deutschen Reich«, wenn nicht zu ernsteren Differenzen führen müßte. Die Angeklagten wollten aber bei der Jnternasionalität der Socialdemokratie zugleich die auf voll- ständige Umänderung der Gesellschaftsordnung abzielenden inter- nationalen Bestrebungen der Socialdemokratie fördern und dadurch unmittelbar auf die öffentlichen An- gelegenheiten des Deutschen Reiches einwirken. Sie mußten sich sagen, daß die Flammen einer revolutionären Bewegung auch nach Deutschland hinübergreifen konnten, wie das bei allen Umwälzungen der Fall ist. Nun ver« wirft zwar die Socialdemokratie die Gewalt g r u n d- s ä tz l i ch; aber nach den Aeußerungen des Verteidigers des Angeklagten Ehrenpfort, der die russischen Meuchelmörder als Heroen feierte, kann die Gelvalt wenig st ens eine neben- sächlicheRollespielen. Die Verbindung besteht auch bereits seit längerer Zeit, wenn auch die Beteiligung der Einzelnen von verschiedener Dauer ist. Die Angeklagten haben sich den Anordnungen einer ihnen meist persönlich unbekannte» ausländischen Leitung gefügt, indem sie Schriften nach Anordnungen ihnen wiederum unbekannter Abgesandten dieser Leitung aufbewahrt haben, bis andre Unbekannte, zum Teil nur durch ein Stichwort legitimiert, sie abgeholt und iveiterbefördert haben. Daß im Auslande und im Inlands falsche Namen und Deckadressen verwendet wurden, beweist die Absicht, die Verbindung vor den deutschen Behörden geheim zu halten, die auch dadurch nicht widerlegt wird, daß diese Behörde wußte, daß die einzelnen Angeklagten Schriftsendungen empfingen und daß überhaupt ein Schristenschmuggel statt- fand; ebensowenig widerlegt der Einwand über deutsche Polizei- und Zollämter diese Absicht, denn zweifellos hat die Verbindung damit gerechnet, daß bei der ungeheuren Menge sonstiger Arbeiter und mit den geringen Hilfsmitteln die Zoll- behörde nicht im stände sein würde, jede Sendung zu prüfen. In der That sind denn auch an Weber zwei Pakete und an Nowagrotzki gerade die aufreizendsten Schriften ausgehändigt worden. Die Absicht der Geheimhaltung'be- weist nicht nur die Errichtung von Lager- und Umpaaungs- stellen, nicht nur die falsche Bezeichnung als Schuhwaren, sondern auch die Vernichtung des Adressenverzeichnisses durch Krassikau und die verschiedenen Ratschläge in den vorgefundenen Briefen. Die Behauptung, daß die Angeklagten den russischen Genossen nur vorübergehende Gefälligkeiten haben erweisen wollen, ist durch die Beweisaufnahme vollständig widerlegt worden. Wenn nun das Vor- siegen einer geheimen Verbindung zweifellos ist, so bleibt nur zu prüfen, inwiefern die einzelnen Angeklagten sich der Teilnahme schuldig gemacht haben. Nowagrotzki hat°/, Jahre nach seiner Unterredung mit Quessel von einem unbekannten Absender neunzehn Pakete aus drei verschiedenen Orten mit vier verschiedenen Adressen ohne weiteres in Empfang genommen, auch sonst zahlreichen Verkehr mit Russen gehabt, über deren Person er sich nicht ausgelassen hat. Auf eine einfache Anweisung Brauns hat er die Schriften an den ihm völlig unbekannten Klein gesandt und dessen Namen zu nennen sich geweigert, weil er gefürchtet hat, auch ihn strafbar zu machen. Der Angeklagte Braun hat nach seinen und Borchardts Briefen Kenntnis von dem Verkehr Kugels und Treptaus mit den Russen gehabt und um den Vertrieb russischer Schriften gewußt. Wenn er zwei Monate später den Nowagrotzki auffordert, die Schriften an Klein zu senden, so ya! der Angeklagte Klein zunächst behauptet, daß er nur durch ihn über- Haupt Kenntnis von diesen Schriftenlagern hatte. Jedenfalls deutet die Antwort, daß die russischen Genossen gleich die Hälfte mit- genommen haben, auf eine gewisse Vertrautheit hin. Wenn ferner Braun in einem Briefe sagt: Was Du für die russischen Genossen thust, thust Du für die Partei, so besteht allerdings ein erheblicher Verdacht, daß auch er um die Verbindung und den Schriftenvertrieb gewußt hat. Da aber der Angeklagte Klein seine Angabe später widerrufen hat und auch sonst mehrfach von der Wahrheit abgewichen ist, so reichen die Belastungsmomente nicht zur Ueberführung Brauns aus. Kugel hat zweifellos den Schriftenvertrieb nicht nur als Schmuggler des Erwerbes wegen gefördert, sondern auch zur Unterstützung des Verbindungszweckes als agitatorisch thätige Persönlichkeit. Das beweist seine Aeußerung zu Karol, daß die vielen dummen Leute in Rußland durch diese Schriften klüger werden sollten. Seiner ganzen Stellung nach war er zum Schmuggel hervorragend geeignet, er warb die Schmuggler an und lohnte sie ab und war andrerseits mit Skubbik genau bekannt. Er ist auch keineswegs der gedächtnisschwache, einfältige, schwerhörige, der russischen Sprache, des Schreibens und Lesens unkundige Mensch, den er hier zu spielen versucht hat. Auch er hat seine Thätigkeit als Parteisache betrachtet. Auch Klein hat Verkehr mit Russen gehabt und bei der großen Menge von Schriften, die bei ihm auf dem Boden versteckt gefunden wurden, ist es klar, daß sie nicht nur aus dem einen Postpaket im Mai und aus der Sendung von Nowagrotzky her- rühren können. Klein sollte auch den ständigen Seeweg nach Ruß- land herstellen; er hat für den Vertrieb russischer Schriften Geld eingenommen. Linde hat als Zeuge den Brief an Klein so zu deuten versucht, als habe er sich nur auf die Polizei- liche Vernehmung bezogen, aber im Briefe steht davon nichts und bei früheren Vernehmungen hat Linde aus- gesagt, er hätte diesen Rat gegeben. weil Klein als Beschuldigter seine Angaben nicht hätte zu beschwören brauchen, und weil er noch wenig mit dem Gericht zu thun ge- habt hätte. Nun, jedenfalls hat Klein den Rat noch von andrer Seite erhalten; denn er hat uns den Einblick möglichst zu er- schweren gesucht. Wie an diesen hat man sich auch an Treptau als Vertrauens- mann der socialdemokratischen Partei gewandt. Treptau hat seit langen Jahren Schriftenseudungen aus London, Genf und Zürich erhalten, duzt sich mit Skubbik und hat in seinem Besitze zahlreiche Adressen von Russen gehabt, über deren Herkunft er die widerspruchsvollsten und unglaubwürdigsten Angaben ge- macht hat. Auch Mert ins war Vertrauensmann der Socialdemokratie. Er hat die verschiedenen Schriften in großen Mengen bezogen und nicht nur unter der falschen Bezeichnung„Schuhwaren" empfangen, sondern auch weitergesandt und diesen Inhalt ausdrücklich angegeben. K ö g st hat nachweislich nur vier Sendungen empfangen. Den Inhalt der drei ersten will er nicht gekannt haben. Die vierte wurde beschlagnahmt, als er sie öffnete. Hätte Kögst für die Verbindung wirken wollen, so hätte er die Schriften, die noch wochenlang bei ihm lagerten, später verbreiten können. Er hat aber die Herausgabe verweigert und da er selbst angiebt, gewerbsmäßige Mittelsperson für den Schmugglervertrieb zu sein, so ist ihm geglaubt worden, daß er nicht, um für die geheime Verbindung thatig zu sein, die Schriften abgeholt und aufbewahrt hat, sondern lediglich um den Fuhrlohn und das Lagergeld zu verdienen, Daß die Haussuchung bei Ehrenpfort fruchtlos war, entlastet diesen nicht, denn er wußte seit langer Zeit von dem hiesigen Verfahren durch den„Vorwärts". Er stand in regem Verkehr mit Russen, die er zahlreich als Aftermieter hatte und hat sich auf die Aufforderung eines ihm un- bekannten Polytechnikers, den er in einer Versammlung traf, zum Schriftenversand bereit erklärt, dann aber merkwürdigerweise als die Pakete bei Weber beschlagnahmt waren, sich um nichts mehr gekümmert. Es ist ihm auch geglaubt worden, datz ex hei seiner dauernden Abwesenheit von Hause nichts davon gewußt hat, daß sein Name als Deckadresse benutzt wurde, wie er glaubhaft versichert hat, und deshalb reichen trotz des dringenden Verdachtes die belastenden Momente zu seiner Ueberftihrung nicht aus. Pätzel hat offenbar als Angestellter deS„Vorwärts" und genauer Kenner der internattonalen socialdemokratischen Bewegung sich bewußt in den Dienst der Verbindung gestellt. Nicht nur Abel, sondern die Angestellten des„Vorwärts" selbst haben bekundet. daß die Russen von der Hofseite aus in den nur wenigen Angestellten zugänglichen Keller gegangen sind. Die Absicht der Geheim- Haltung wird auch dadurch erwiesen, daß die Ruffen die unter Leitung des später ausgewiesenen Dr. v. Wetscheslaff die Schriften im„Vorwärts"keller verpackten, häufig wechselten. um ihre Feststellung zu erschweren. Schließlich hätte auch er und der Expedient Glocke sonst nicht den Versuch ge- macht, die Sache auf das Ladengeschäft abzuschieben oder voll- kommene Unkenntnis vorzugeben. An diese Begründung schließt sich das folgende Urteil: Demnach sind die Angeklagten Braun, Kögst und Ehrenpfort von der Anklage vollständig freizusprechen, die Angeklagten Nowagrotzki, Kugel, Klein, Treptau, Mertins und Pätzel auf Grund des§ 128(Geheimbündelei) zu verurteilen, wegen der ihnen aus Grund der 88 102 und 103(Hochverrat) zur Last gelegten Handlungen dagegen ftei- zusprechen.— Es werden verurteilt: Nowagrotzki zu 2 Monaten und 2 Wochen Gefängnis, wovon 1 Monat und 2 Wochen durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet werden, Kugel zu 3 Monaten Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet werden, Klein zu 8 Wochen Gefängnis, von denen 6 Wochen durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet werden, Treptau zu 2 Monaten und 2 Wochen Gefängnis, von denen 1 Monat 2 Wochen durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet werden, Mertins und Pätzel zu je 3 Monaten Gefängnis.— Soweit die Freisprechung erfolgt ist, fallen die Kosten der Staatskasse zur Last, soweit Ver- urteilung erfolgt ist, den Verurteilten.— Kugel ist sofort guS der Hast zu entlasten. Genosse W. B u ch h o l z- Charlottenburg ersucht unS um Mitteilung: Die Berichterstatter im Königsberger Prozeß hatten einen sehr schweren Stand. Sie hatten es mit einem für Deutsche ganz ftemd- artigen Stoff zu thun, so daß Verwechselungen einzelner Ereignisse und Namen nur zu begreiflich sind. Auch war bei der Fülle des zu behandelnden Materials eine Abkürzung unumgänglich, leider auch in Fällen, wo durch dieselbe das Gesagte in einer etwas verschobenen Beleuchtung erscheint. Ich begreife das gewiß sehr gut und behalte mir eine Berichtigung einiger für mich unliebsamen Fehler in der Wiedergabe der von mir an Gerichtsstelle gemachten Ausführungen für andre Gelegenheit vor. Eins fühle ich mich allerdings genötigt jetzt schon zu berichttgen. Der Bericht läßt mich nämlich sagen, Fürst Obolensky habe den Soldaten bei Niederwerfung von Bauernrevolten gesagt, sie sollten sich an die Frauen heranmachen. In der That habe ich gesagt. eine solche Anweisung habe laut dem Berichte des in der Aufnahme seiner Korrespondenzen sehr vorsichtigen„Osswoboschdenje" ein dem Fürsten Obolensky untergeordneter Offizier, auf dessen Namen ich mich nicht besinnen könne, gegeben. Mittlerweile habe ich die be- treffenden Nummern des„Osswoboschdenje" nachgesehen und kann mitteilen, daß der von mir erwähnte Otfizier ein Oberst Namens Ziegler ist.--- Letzte IVachnchten und Dcpefchcn. Eine Protest-Versammlung. Königsberg, 25. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Eine überfüllte Versammlung nahm nach einem Referat des Genossen H a a s e eine Protest-Resolution gegen den Zarismus an. : Tb.«Nocke, Berlin. Drucku.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. ValagsanstaltPaul Singer öiCo.,VerlinZ\V. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltungSblaft Nr. 173. 21. Jahrgang. m«ck" Sttlintt Bollisliliitl, Dienstag, 26. Juli 1904. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die Räumung Niutschwaugs durch die Russen. Die seiner Zeit bereits gemeldete Besetzung NmtschtvangS hatte sich nicht bestätigt. Heute liegen indes abernials Nachrichten über die unmittelbar bevorstehende Besetzung Niutschwangs vor, die offenbar Glaubwürdigkeit verdienen. Daß die Japaner lanolan?, aber stetig, wie es das Terrain und die Etappen des öst- lta�nitnegSschauPlatzeS bedingen, gegen Niutschwang vorrückten, war bekannt. Sie sollen sich nunmehr, nach einem für die Russen un- glücklichen Gefecht, so weit genähert haben, daß die Russen die Stadt verließen. Die Telegramme lauten: Tientfin, 24. Juli. Meldung des„Reutcrschen Bureaus".) Nach einem Telegramm aus Niustchwang hat am Sonnabend bei dem sechs Meilen von dort entfernten Tahsuitong ein für die Japaner erfolgreiches Gefecht stattgefunden, in dem die Russen 700 Mann verloren haben sollen. Die Japaner nähern sich langsam Niutschwang, wo infoloedessen große Aufregung herrscht. „ondmi, 25. Mit., Dem„Reuterschen Bureau" wird heute 5)� Ttentstn gemeldet: Auf Befehl Kuropatkins hatten die Russen gestern Niutschwang zu räumen begonnen. Der russische Bahnhos sei gestern morgen niedergebrannt. Tientfin, 25. Juli.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Japaner sind noch nicht in Niutschwang eingerückt. D,e russische Civilverwaltuug hat die Stadt in der letzten Nacht verlassen. Man hat heute morgen auf Veranlassung der Ver- waltungs-Behörden begonnen, die russischen Verwaltungsgebäude zu zerstören. Amerikas StiMnmg gegenüber Rußland. Unverhohlen nimmt die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten Partei für Japan und gegen Rußland. In der TageSpresse, wie in den periodischen Schriften und in den vielen Aenßerungen der Stimmung in einem Volte zeigt sich deutlich die Befriedigung. daß Rußland Niederlagen erleidet, und je schwerer die Niederlagen, desto großer die Freude. Offiziell geschieht natürlich nicht das mindeste, was Rußland kranken konnte, aber das Volk hält mit seiner Meinung nirgends zurück. Der Amerikaner steht in dem Russen nur den Halbwilden. In einem Artikel' der„North American Review wird gefragt, ob Rußland überhaupt die Civilisation der indogermanischen Volker vertrete. Der Artikel kommt zu dem Schlüsse, daß die Rilssen den Mongolen weit näher ständen und am allerwenigsten das Recht hätten, von einer„gelben Gefahr" zu sprechen. In emem andern Artikel derselben Zeitschrift wird aus- geführt, daß es eine Mythe sei, daß Rußland während des Bürger- krieges 1863 seme Hilfe angeboten habe, um eine Intervention Eng- lands und Frankreichs gegen die Vereinigten Staaten zu verhüten: Amerika habe gar keinen Grund zu freundschaftlichen Gefühlen ftir Rußland.— In ähnlicher Weise äußert sich die Tages- presse, in der mit Fingern auf die Grausamkeiten der Russen im gegenwärtigen Kriege hingewiesen und die humanere Kriegführung der Japaner lobend hervorgehoben wird. Für den Amerikaner wird der Reiz in diesem Kriege noch besonders da- durch erhöht, daß der Kleine den Großen unterkriegt. Das verstärkt die Verachtung noch, die im Volke instinktiv gegen Rußland besteht. Große Zeitungen nehmen die außerordentliche Rücksicht, daß die neuesten Nachrichten vom Kriegsschauplatze nicht nur in eng- lischer, sondern auch in japanischer Sprache vor den Zeitungsgebäuden auf weithin sichtbare Weise bekannt ge- geben werden. Das geschah zum Beispiel in San Francisco, wo die Japaner sehr zahlreich sind. Von Washington aus ist durch russische Einflüsse mehrfach versucht worden, dieser Strömung ent- gegen zu wirken, aber ohne jeden Erfolg; im Volke ist keinerlei Sympathie für Rußland zu erwecken. partei-j�ackrickten. polirelUcsteo, OerlAtHebee uto. — DaS Wahlplakat in der Kneipe. Während der Zeit der vor- jährigen Wahlen hatte der Genosse R. in einer Gastwirschaft zu Steckerade ein Plakat angeheftet, welches den Arbeiterkandidaten empfahl. Er wurde wegen Nichteinholung einer polizeilichen Er- laubnis dazu auf Grund der 8§ 10 und 41 des preußischen Preßgesetzes angeklagt. Das Landgericht sprach ihn jedoch in zweiter Instanz frei, indem es die Vorschrift des§ 43 der Gewerbe- Ordnung anwandte, wonach in der Zeit der Wahlen zu gesetz- gebenden Körperschaften nach Bekanutgabe des Wahltermins Stimm- zettel und Druckschriften zu Wahlzwecken ohne behördliche Erlaubnis an öffentlichen Orten verteilt werden dürfen.— Das Kammergericht hob jedoch das Urteil wieder auf und ver- wies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz. Begründend wurde ausgeftihrt:§ 43 der Gewerbe- Ordnung sei hier nicht anwendbar, denn das„Verteilen" im Sinne seiner in Betracht kommenden Bestimmung sei etwas andres als ein „Anheften", wie es hier stattgefunden habe. Das Anheften von Wahlplakaten an öffentlichen Orten, zu denen auch die jedermann zugänglichen Räume von Gastwirtschaften gehörten, bedürfe auch während der Wahlzeit der behördlichen Erlaubnis gemäß dem zum Teil noch rechtsgültigen 8 ll> des alten, preußischen Preßgesetzbuches. Hus der frauenbcwegung. Znm Pattcitog veröffentlicht die Vertrauensperson der social- demokratischen Frauen Deutschlands folgenden Aufruf: „..��uossinnenl Der Aufruf des Parteivorstandes wendet sich ebenso wohl an Euch als an die Genossen. Das Stattfinden einer Konferenz der social, strschen Frauen berührt in nichts Eilre Pflicht und Euer Recht, wre an ,edem ftüheren Parteitag, so auch an dem zu Bremen teilzunehmen. D,e Frage der Kommunalpolitik, welche auf seiner Tagesordnung steht, ist von größter Wichtigkeit ftir die proletarische Frauenwelt, ebenso die der Organisation der Partei, die dank der rückständigen Vereinsgesetze für die Genossinnen noch besondere Tragweite erhalt. Aber auch allen übrigen Verhandlungs- gegenständen kommt eine schwerwiegende Bedeutung ftir den doppelten Befreiungskanchf l>er. Prolelarierm zu. Mögen deshalb die Ge- nossinnen in allen Mittelpunkten unsrer Bewegung rechtzeitig dafür sorgen, daß dem Partenag als Delegierte auch Frauen beiwohnen. die in treuer Pflichterfüllung alle Arbeiten und Kämpfe der Social» demokratie teilen. Wo es angängig ist. sollten die Genossinnen sich sofort mit den Genossen ihrer �üalstlreise über die Wahl eines gemein- samen Delegierte» verständigen. Wo die Möglichkeit eines gemein- samen Vorgehens ausgeschlosten ist, haben sie das statutengemäß gesicherte Recht auszunützen, in ostentncher Frauenversaminluiig .eine eigne Delegierte zu wählen. Die Genossinnen sollten ferner daftir eintreten, daß den auf die eine oder andre Weise gewählten Delegierten gleichzeitig ein Mandat zur»�rauenkonfereliz übertragen wird. Die erfolgte Wahl weiblicher Delegierten ist der Unter- zeichneten mitzuteilen. Berlin. 20. Juli 1904. � t Mit socialdemokratlschem Gruß Ottilie Baader, Vertrauensperson der socialdemokratischeil Frauen Deutschlands Berlin S. 53. Blücher, tr. 4». Hof II. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Ein dänischer Dienstmädchen-Vervand ist dieser Tage ge- gründet worden. Bisher bestanden Fachvereine der Dienstmädchen in Kopenhagen. Aalborg, Aarhus und Odense. Diese haben am 20. und 21. Juli im Lokale des Studontenverbandes in Kopen- Hagen einen Kongreß abgehalten, wo beschlossen wurde, einen Ver- band dieser Vereine unter dem Namen„De samwirkende banste T j e n e st e P i g e f o r e n i n g e r" zu gründen. Als Zweck des Verbandes wurde die Hebung und Verbesserung der Lebensbedingungen und der Stellung der Dienstmädche« innerhalb der Gesellschaft bezeichnet. Als Mittel zl»n Zweck werden erwähnt: 1. Errichtung lokaler Dienstinädchen-Vereine in den Städten und auf dem Lande; 2. Herstellung einer Verbindung zwischen diesen Vereinen und gemeinsame Thätigkeit unter ihnen; 3. Abhaltung von Versammlungen und Vorträgen; 4. Herausgabe eines Mitglieds- blattes als Bindeglied zwischen den einzelnen Vereinen und den Mitgliedern;.5. Errichtung von Dienswiädchen-Schulen zur Aus- bildung junger Mädchen in Hausarbeit und Speisebereitung: 6. Er- richtung von Heimstätten für ältere und ausgediente Dienstmädchen. Es wurde ferner beschlossen, im nächsten Winter im ganzen Lande eine Agitation gegen das Dienstboten- Gesetz zu entfalten. Außerdem wurde über eine Bewegung für Abschaffung der schlechten Mädchenzimmer beraten. Das bisher von der Dienstmädchen-Vcreiiiigung in Kopenhagen allein heraus- gegebene„Tjenestepigernes Blad" wurde zum gemeinsamen Organ für alle angeschlossenen Vereine gemacht. Als Redakteur und als Verbandsvorsitzende wurde Fräulein Marie Christensen, Kopenhagen, gewählt. Die erste Wundärztin an einem staatlichen Institut in New Dork ist Dr. Emilie Dunning. Sie bekam ihre Anstellung am 1. Juli vom Gouverneur selbst, nachdem sie ein Jahr lang als Wundärztin im Ambulanzdienst thätig war. Als sie letzteren Dienst antrat, hieß es unter? den Aerzten, das sei keine Stellung für eine Frau, weil zu schwere Arbeit damit verbunden sei. Aber Fräulein Dunning erwies sich als so tüchtig und fähig wie irgend einer der Herren Kollegen, und ihre Verdienste wurden anerkannt und belohnt. Der Berein für Frauen und Mädchen iu AdlerShof hält fein ge- mütliches Beisammensein mit Kaffeekochen nicht am 7. August, sondern am 31. Juli ab. lokales. „Dienstmädcheu-LoS". Man schreibt uns: Daß es unsre Dienstmädchen in manchen Fällen nicht gerade gut haben, gebe ich zu, daß recht vielen unsrer Hausfrauen das sociale Verständnis für die Lage der Dienstmädchen fehlt— stimmt auch— recht vielen— aber wirklich nicht allen, nicht einmal den meisten. Wir Hausfrauen sind bei dtm herrschenden Dienstbotenmangel wirklich schon heilsroh, wenn wir mal ein einigermaßen brauch bares Mädchen bekommen— nur einigermaßen soll sie sein, dann werden wir uns schon die größte Mühe geben, sie so lange wie möglich zu behalten, nicht aber ihr das Leben unnütz schwer machen. Sie schreiben: Esj giebt bekanntlich Hochherrschaft- liche Hausfrauen, die nicht müde werden— ihre Dienstboten zu tadeln; die vielleicht selber keinen Handschlag thun, um mitzuarbeiten, aber immer hinter dem arbeitenden Dienstmädchen stehen und es zu noch eifrigerer Arbeit anspornen, die nach jedem liegengebliebenen Stänbchen lorgnettierenj und es höhnisch mit der Spitze ihres wohl gepflegten Fmgers auftippon. Darauf läßt sich! recht viel erwidern. Also: 1. Nehmen wir HauSftauen unsvon vornherein Mädchen, damit sie uns die Arbeit machen, man kann also uns doch nicht vorhalten, daß wir nicht mitarbeiten. Wenn wir allein arbeiten wollten oder könnten (denn recht oft hängt doch auch das„Selberzugreifen" noch von andern Dingen ab), brauchten wir uns ja kein- Mädchen zu nehmen. 2. Kommen die allermeisten Mädchen so gut wie gänzlich unvorgebildet in den Dienst, das ist auch gar nicht anders zu ver- langen— dank unsrer be— rühmten socialen Zustände kommt das junge Dienstmädchen aus Verhältnissen, wo man ewig mit dem Kampf ums Brot zu thun hat, wo die Mutter also— die hart arbeitende, kaum vermag ihren Haushalt in Ordnung zu halten, geschweige denn die heranwachsende Tochter gründlich anzu lernen. Jetzt soll die Hausfrau das Mädchen anlernen,— manche hat Geduld und— Talent dazu, dann wird eben was aus dem jungen Ding— manche hat's nicht, dann giebt es Krach und unser Mädel versucht sich auf einem neuen Posten, wo es meistenteils nicht viel besser endet. Die, aus denen was wird, sind in der Minderzahl und jede vernünftige HauSftau segnet die Stunde, wo ihr eine solche ins HauS kommt— die andern aber!---- Und was soll denn nun die Hausfrau thun, wenn sie U» ordnung und Staub entdeckt?— Bitte, geben Sie doch freundlichst Rat. Soll sie ihn selbst nachwischen? Zu schade ist sie nicht dazu das stimmt schon, aber am Ende bezahlt sie doch hierzu ihr Dienstmädchen und kann infolgedessen ordentliche Arbeit verlangen. Oder soll sie den Staub einfach Jücgen lassen? Gewiß, sie kann dem Mädchen sehr nichtswürdig oder sehr ftenndlich ihre Fehler nachweisen, aber seien Sie sicher, sie thnt eS, so lange es geht, sehr ftenndlich. Sie ist viel zu froh, eine Hilfe zu haben, um ohne Grund„nichtswürdig" z» sein. Sie zieht bei einem Streit mit dem Mädchen ja doch nur den Kürzeren und ein Wechsel ladet ihr nur Unbequemlichkeit und Unkosten auf.— Ich sehe dabei natürlich ab von den raffiniert niederträchtigen und von vornherein schlechten Herrinnen, die doch aber glücklicherweise ebenso zu den Ausnahmen zählen, wie die von Grund ans ver- derbten Dienstmädchen.' Sie'sagen, das Dienstmädchen dürfe nicht„Persönlichkeit" sein. Ja, wer darf denn das, so lauge er sich in abhängiger Stellung befindet??? Das moderne Dienstmädchen ist vollkommen Persön- lichkeit. mehr oft als der Hausherr selber. Ich rate Ihnen mal in ein Verniietungscomptoir zu gehen— da bekommt man eiiienjBegriff vom modernen„Dienstmädchen-Los". Daß das Mädchen fragt, wie viel Stuben zu reinigen und wie viel Treppen zu steigen sind, ob Kohlen zu tragen und Wäsche zu waschen ist. halte ich für selbstverständlich. Auch daß sie ihre» acht- täglichen Ausgang verlangt und eventuell noch einige Abende in der Woche, und daß sie nicht gezwungen sein will, um zehn Uhr abends zu Hause zu sein, ist gerechtfertigt; aber hören Sie mal weiter—: „im O st e n wohnen Sie?— nein, in solche Gegend ziehe ich nicht"—(dazu ist sie zu hochherrschastlich!).„Um drei Uhr essen Sie erst? Nein, daS ist mir zu spät I"—„Sie haben.keine Central- Heizung? Was ist beim daS für ein Haus, in dem Sie wohnen?"— Ja, ganz gewiß keinS. daS für ein„hochhcrrschaftlicheS Dienst- Mädchen" patzt, ei» HauS. in dem eben Durchschnittsmenschen und sogar auch--- Proletarier wohnen. Nein, nicht die moderne Hausfrau tyrannisiert ihr Mädchen— der umgekehrte Fall liegt recht oft vor. und er trifft weit weniger die„hochherrschastliche" Hausfrau als die aus dem Mittelstand, die ein Dienstmädchen nicht zum Vergnügen hält, sondern weil sie leider muß. Weil entweder ihr von Kindergebären und Brotarbeit ab- gerackcrter Körper die häusliche Arbeit nicht aushält, oder weil sie selber noch im Kampf umS Dasein mitarbeiten muß. Sehen Sie einmal zu, mit welch herablassendem Mitleid und welcher Geringschätzung das„hochherrschaftliche Dienstmädchen" diesen Frauen gegenübcrtritt— dann bringen Sie vielleicht noch einen Artikel über— Herrschaften-Los.. Anmerkung der Redaktion: Wir glaubten die obige Zuschrift wiedergeben zu sollen, weil sie zweifellos richtige Einzelthatsachen enthält. Den Gesichtswinkel freilich, unter dem bie_ Einsenderin diesen Teil unsrer socialen Misere behandelt, halten wir für völlig falsch. Wir werden auf die Frage noch zurückkommen. Der Fall Jakob und feine erste Folge. Da?„Berliner Tageblatt" berichtet mit einer Delikatesse, die es stets in solchen Fällen ziert, an möglichst übersehbarer Stelle, daß der Geheimrat Prof. v. L e h d e n„sich ernsthaft mit dem_ Gedanken trage, von seinem Lehramt an der Universität zurückzutreten". Das genannte Blatt schließt daran zugleich die weitere Mitteilung, daß dem Prof. Jakob von der Direktion der Charitö sein zum 1. Oktober ablaufender Vertrag nicht erneuert worden sei. Dies letztere wird man als eine Selbstverständlichkeit betrachten dürfen nach allen den Vorgängen, über die wir hier wiederholt berichteten. Inwieweit auch die Niederlegung seines Amtes seitens des Prof. v. Lehden als eine Selbstverständlichkeit zu betrachten ist, wird hoffentlich die jetzt gegen Jakob geführte Unter- suchlliig klarstellen, weil sie sich selbstverständlich auch mit der Stellung seines Chefs, eben des Prof. v. Lehden, zu den„Ex- perimenten" beschäftigen muß. UebrigenS hat Herr Lehden einiges Pech mit seinen Assistenten, auch der berüchtigte Prof. Mendelsohn, der Sternbergjnnger, zählte zu der auSerwählten Schar seiner Assistenten. Mit Lysol vergiftet hat sich aus Sorge um die geschäftlichen Angelegenheiten ihres Ehemannes die 44 jährige Frau Anna des Marmorplatten- Fabrikanten Raffel aus der Gürtelstraße 24 zu -Friedrichsberg. Er hatte zur Vergrößerung seines Geschäfts einen Teilhaber gefunden und die Fabrik nach der Mariannenstratze ver- legt. Wie es bei jungen Unternehmungen oft der Fall ist, wurden in den ersten Monaten einige Mittel zugesetzt. Obgleich sich dann die Geschäftslage besserte, koimte sich die besorgte Frau über die ersten Verluste nicht hinwegsetzen. Slls der Ehemann mittags nach Hause kam, fand er sie angekleidet und besinnungslos auf ihrem Bett liegend. Da die Vergiftung klar zu Tage lag, ließ ein Arzt die Frau in ein Krankenhaus bringen. Dort ist sie gestern der Wirkung des Giftes erlegen. Die diesjährige Liste der Gcmcindewähler Berlins, die noch bis zum 30. Juli zur Einsichtnahme ausliegt, zeigt eine eigentümliche Verschiebung der Grenzen der drei Wähler-Ab- t eilungen. Zur ersten Abteilung gehören diesmal diejenigen, die mit mindestens 4117,00 M. Steuern in der Liste-stehen, zur zweiten Abteilung diejenigen, deren Steuerbetrag mindestens 181,13 M. erreicht; wer an Steuern weniger zahlt, gehört zur dritten Abteilung. Gegenüber dem vorigen Jahre ist die Grenze zwischen erster und zweiter Abteilung nach oben, dagegen die zwischen zweiter und dritter Abteilung nach unten gerückt. Im vorigen Jahre ge- hörte man zur ersten Abteilung schon mit 3779,87 M. «Steuern, andrerseits aber mit weniger als 190,61 M. bereits zur dritten Abteilung. Nach 1900 hatten— durch die Ein- führung des neuen Verfahrens für die Abteilungsbildung— die Grenzen für die erste wie für die zweite Wählerabteilung sich sehr stark nach unten verschoben. In 1900 hatte myn erst mit 9726,00 M. Steuern zur ersten Abteilung und mit weniger als 1135,80 M. bereits zur dritten Abteilung gehört. In 1901 sank dann der Mindestbetrag der Steuerleiftung für die erste Abteilung sofort auf 4748,60 M., und die Grenze zwischen zweiter und dritter Ab- teilung wurde 219,80 M. In den nächsten Jahren sanken, wie die oben mitgeteilten Zahlen aus 1903 zeigen, die Mindestbeträge noch etwas weiter. Erst das Jahr 1904 brachte für die erste Abteilung wieder eine Erhöhung, während— in auffälligem Gegensatz hierzu— für die zweite Abteilung der Mindestbetrag noch mehr herunter- gegangen ist. Der frühere Stadtverordnete ftir den 17. Bezirk der dritten Abteilung, Herr Schern, ein Vertreter des Freisinns und Mitglied der„Alten Fraktion der Linken", ist gestorben. Schern war Stadtverordneter bis Ende 1903. Bei den letzten Stadtverordneten- wählen war er in seinem Bezirk wieder aufgestellt worden, war aber unserm Genossen Kerfin unterlegen. Da Genosse Kerfin nur mit einer ganz knappen Mehrheit gesiegt hatte, so glaubte der Freisinn noch einen letzten Mandatrettungsversuch mit den Mitteln unter- nehmen zu sollen, die in solchem Falle üblich sind: Wahlprotest, Ungültigkeitserklärung, Nenivahl. Die Sache ist erst bis zur Ungültigkeitserklärung gediehen, die im Winter von der frcisiimigen Mehrheit der Stadtverordneten-Vcrsammlung beschlossen wurde. In dem Strcitverfahren, das von socialdemokratischer Seite gegen diesen Beschluß beim Bezirksausschuß anhängig gemacht worden ist, steht die Entscheidung noch aus. Das Verfahren wird selbst- verständlich durch den Tod des freisinnigen Gegners nicht berührt und nimmt seinen Fortgang. Formell stand übrigens Schein bis zur Be- endigung des Verfahrens das Recht zu, sich noch als Stadtverordneten zu betrachten. Sein Mandat reichte bis Ende 1903, aber gemäß der Vorschrift der Städte-Ordnung verblieb eS ihm über diesen Zeitpunkt hinaus bis zur Einführiiiig des neugewählten Vertreters für den 17. Bezirk. Herr Echem erschien auch zu Anfang des Jahres 1904 zunächst in der Stadtverordneten-Versammlimg und nahm gleichmütig seinen alten Sitz ein, aber in einer der nächsten Sitzungen blieb er aus und seitdem ließ er sich nicht wieder blicken— wohl nur deshalb nicht, weil er krank war. Auch dem wiedergenesencn Herrn Schern wäre es, wenn etwa die UngülttgkeitSerklärimo auf- recht erhalten wird und eine Neuwahl nötig wird, voraussichtlich nicht mehr beschieden gewesen, in das rote Haus zurückzukehren. Bei der Neuwahl wird, so hoffen wir, der 17. Bezirk der Socialdemokratie verbleiben. Die südwcstafrikanische Telegraphen-Compagnie ist hier in der Kaserne des Telegraphen-Bataillons Nr. 1 in der Köpnickerstraße zusammengetreten. Sie wurde gebildet aus Mannschaften der drei Bataillone Berlin, Frankfurt a. O. und Koblenz und steht unter dem Befehl des Hauptmanns Böthke vom Eisenbahn-Regiment II. Die Compagnie besteht aus 5 Offizieren, 1 Feldwebel, 22 Unteroffizieren lind 133 Man». Am Dienstag erfolgt die Euikleionng in Döberitz. am 6. August die Abreise von Hamburg aus. Der EntschcidimgSkampf im Milchtriege wurde von dem Vor- sitzenden des Verbandes deittscher Milchhändler, Stadtverordneten Lulay- Schöneberg, in einer Milchhändler- Versammlung füP den kommenden Herbst angekündigt. Nur die uiigenügende Vorbereitimg und Organisation der Milchhnndler habe die lange Dauer des Milch- krieges veranlaßt. Am 1. Oktober d. I.«verde der durch die in- zwischen ins Leben gerufenen Genossenschaften wesentlich gestärkte Milchhandel seine ganze Kraft zusammennehmen, um der Milch- centrale imd den HerrschastSgelüsten der agrarischen Milchproduzenten eine endgültige Niederlage zu bereiten. � Die Sterblichkeit der Säuglinge hat, so wird von ärztlicher Seite geschrieben, nach den wöchentlichen Veröffentlichungen des Statistischen Amts wieder zugenommen, so daß sie eine besonders hohe ist Es kann deshalb nicht dringend genug empfohlen werden, die als Säuglingsnahrung dienende Milch imt größter Vorsicht zu behandeln. Um sie vor der in der jetzigen heißen Zeit so schnell erfolgenden Zersetzung zu hüten, muß sie nach vorhergehenden? Aufkochen dauernd möglichst kühl, am besten in Wasser stehend, aufbewahrt werden. Tritt trotzdem bei den Säuglingen Magen-Darinkatarrh auf, so ist es am ratsainsten, die Milch auf einige Tage ganz aus- zusetzen und statt dessen die in allen Apotheken rmd Droguen- geschäften erhältlichen Kindernährmittel Ivie Odda, Mellinsfood, Soxhlets Kindernahrung oder desgl. zu geben, außerdem ist für ärztliche Si>fe baldmöglichst Sorge zu tragen, da ausgesprochener Brech- durchfall recht häufig den Tod der Säuglinge herbeiführt. Beerdigung des Genossen Trage. Am Sonntag, den 24. Juli, nachmittags WL Uhr, fand von der Leichenhalle des neuen Schöne- berger Kirchhofes in der Maxstraße die Beerdigung des Genossen Maurer Richard Trage statt. Ueber 20(10 Genossen und Genossinnen waren erschienen, tim dem Genossen, dem Freund, dem Kollegen und Sangesbruder, der durch die That eines Verblendeten so früh aus unfrei? Reihei? gerissen wurde, ein letztes Lebewohl zu sagen. Man m?lß dabei gewesen sein, um den Schmerz, den diese That verursacht hat, ermessen zu können. Im Alter von ca. 32 Jahren, im Vollbesitz männlicher Kraft, umgeben von einer liebenden Frau und Kind, von Elteri?, Geschwistern und Verwandten, die nur in Liebe rmd Verehrung zu ihm emporsahen, wurde der Verstorbene durch das Bubenstück eines Sinnlosen dahingerafft. Mitten aus seiner Thätig- keit für die Partei, für den Verband der Maurer, Zweigvereu? Berlin, dessen Mitglied der Verstorbene seit dem September 1891 war, aus seiner Thätigkeit für den Gesangverein„Freiheit West", welcher er sich in seinen Mußestunden widmete, gerissen, bleibt der Verstorbene stets ein Vorbild für die Bestrebirngen der um ihre Befferstelluirg ringenden Arbeiterschaft. In bewegten Worten sprach der Genosse N. Küter dem Dahingeschiedelren einen warmen Dank aus für seil? Wirkei? in? Dienste der Arbeiterbewegung. Als der Sprecher die liebevollen Bestrebungen des Vaters um die Familie, des Sohnes und Bruders um die Eltern rmd Geschwister und die Verwandten würdigte und dieses den Teilnehmern und der gesamten arbeitenden Bevölkerung zur Nach- ahmung anempfahl, blieb kein Auge trocken. Von den zur Ehrung des Verstorbenen am Grabe niedergelegten Kränzen seien erwähnt: der des Verbandes deutscher Maurer, Zloeigverein Berlin, und des Bezirks Schöneberg, von? Wahlverein des Kreises Teltow-Beeskow- Charlottenburg, Wahlverein des zweiten Berliner Reichstags- Wahl- kreises lind des Bezirks Schöneberg, ii? welchem der Verstorbene zuletzt thätig war. Der Gesangverein„Freiheit West" legte ebenfalls einen Kranz nieder; die Mitglieder des Vereins sangen am Grabe zwei ergreifende Lieder. Eine Musikkapelle ging dem Zuge voran, indem sie das Lied„Ich hatf einen Kameraden" intonierte. Dem Zuge folgten die Leidtragenden und in unendlicher Reihe die Teilnehmer. Schwere Juugen haben in der Nacht zum Sonntag den Cigarren- laden der aus Rußland stammenden Schwestern Palatowskh in der Alexanderstr. 27 einen Besuch abgestattet. Das Geld hatten die Inhaberinnen nach der Wohnung am Zionskirchplatz mitgenommen. Den Einbrechern, die mit Nachschlüsseln eingedrungen sind, sind an- geblich für 600 M. Cigarren und Cigaretten zugefallen. Außerdem haben sie eine schwarze Schürze und einen seidenen Damenschirin mit silberner Krücke mitgenommen und ein Stemmeisen zurückgelassen. Auffallen mutz, daß niemand gesehen hat, wie der große Vorrat, der doch mit der Hand nicht fortz?lschaffen war, beiseite gebracht wurde. Die Bestohlcnen sind gegen Einbruch versichert. Die verhängnisvolle Rose. Auf der Landpartie einer hiesigen Goldleistenfabrik verteilte ein Angestellter blühende Rosen unter die Arbeiterinnen. Eines der Mädchen, die zwanzigjährige Elfriede R. aus Reinickendorf, Scharrnweberstraße, stach sich beim Anfassen der Rose an einen? Dorn so heftig ii? den Zeigefinger, daß eine blutende Rißwunde entstand. Ohne i?tehr auf das Vorkommnis zu achten. ging die R. tags darauf in die Fabrik und arbeitete wie gewöhnlich. Dabei müssen wohl Säuren, die bei der Fabrikation benutzt werden, der noch nicht ganz verheilten Wunde zu nahe gekommei? und ins Blut gedrrmgen sein. Der Finger schwoll am Abend mächtig an?li?d das Mädchen litt fürchterlich. Ein rasch herbeigeholter Arzt stellte eine Blutvergiftung fest und nur durch sofortige Amputation des Fingers war es möglich, dem arinen Mädchen das Leben zu erhalten. In der Droschke zur Welt gekommen. Am Montagvormittag um 7 Uhr bestieg ein Ehepaar in der Admiralstratze die Droschke Nr. 8686. Die Frau sollte nach der Entbindungsanstalt in der CharitS gebracht werden. Ehe der Kutscher das angegebene Ziel erreichte, wurde die Frau von Geburtswehen befallen und als das Geführt am Eingang der Charits anlangte, hatte bereits ein Neu- geborenes das Licht der Welt erblickt. Ein trauriges Ende fand ein Ausflug, den gestern eine größere Gesellschaft nach dem Tegeler.See unternommen hatte. Zu den Teilnehmern gehörte der ISjährige Drechsler Karl Borchert aus der Wasserthorstr. 63. der mit mehreren Bekannten zusammen an abgelegener Stelle in? Tegeler See badete. Als nach einiger Zeit die jungen Leute das Wasser wieder verließen, bemerkten sie, daß Borchert fehlte. Eine sofort vorgenommene Absuchung des Wassers blieb erfolglos, und erst nach etwa dreistündigen Bemühungen wurde die Leiche des Drechslers in der Nähe des Ufers an einer kaum einen Meter siefen Stelle aufgefunden. Borchert ist anscheinend. ohne daß die übrigen Badenden es bemerkten, gleich??achdem er ins Wasser gegangen war, von? Schlaganfall getroffen worden und laut- los in den Fluten versimken. Ei» Kampf zwischen Schlächter» und Einbrechern fand gestern nachmittag in der Wielandstraße zu Wilmersdorf statt. Seit vier Wochen wurden in Wilmersdorf bei Hellem Tage Einbrüche verübt, ohne daß die Thäter ermittelt werde?? ko??nten. Gestern i?ach?nittag sah die Pfört??erfrau in der Wielandstr. 141 zwei Burschen die Treppe hinaufsteige» und folgte ihnen. Als sie die Bodenthür aufschloß, rannten die beiden Diebe ihr mit Bündeln Wäsche entgegen, so daß sie bei Seite springen mußte. A?lf das Geschrei der Fra?? erschie?icn rurten zwei Schlächtergescllen, mit Messer und Rauchspieß bewaffnet. Sie stellten die Diebe, die nun auch zum Messer griffen. Bei denz, kurzen Ka???pf Ivurde ein Ei??brccher durch ei?iei? Schnitt in eine Hand verwundet, bevor sie der Polizei übergeben wurden., Auf de??? Wege nach Berlin versiichte einer der Einbrecher durch ei??en Sprung auS dein Wagen zu entkommen, wurde aber von dem Begleiter lvieder ergriffen. Beide Diebe sind bestraft; der eine ist der Einbrecher Hermann Waingelt, der andre der a?is der Fürsorge-Anstalt entivichene Heii?rich Sauermann. Als sie in Berlin einträfe?? und Iveiter ver?ion?ii?ei? Iverden sollten, gäbe?? sie plötzlich kei?ie Antwort mehr und spielten die Unzurechnungsfähige,?. Drei Radfahrer sind gestern in de?? Straßen Berlins verunglückt, einer derselben w?irde lebensgefährlich verletzt. Der Hausdiener Ernst Grüser kam auf einem Dreirade aus dem Hause Preirzlauer- straße 7/8 heraiisgefahren. als vom Alexanderplatz her ei?? Straßen- bahnzug der Linie 60 herangesaust kam. G. bog kurz vor dem Wagen nach dem Nebengeleise hinüber, ohne darauf zu achte??, daß aus entgegengesetzter z Richtimg der Motorwagen 2531 der Straßenbahnlinie 60 herannahte und G. geriet zwischen beide Gefährte. Der Vorderteil des Dreirades stieß gegen den letztgenannten Straßen- bahnwagen, die Maschine wurde umgeworfen und ihre Hinterräder zertßümmerten eine Seitenscheibe des Personeirwagens. Grüser stürzte unter den Motorwagen 1385 der Linie 50 und mußte in besinnungs- losem Zustande nach dem Krankenhause FriedrichShaiu gebracht werden, wo ein doppelter Bruch des linken Unterschenkels, Quetschung des rechten Oberschei?kels und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Der in der Brunnenstr. 47 a wohnende Kaufmann Gustav Pietsch durchfuhr gegen 1 Uhr nachmittags die Kautstraße ui?d wollte dicht vor dem Motorwagen 237 der Charlottenburger Straßcnbahn-Ge- sellschaft das Geleise kreuzen. Er lvurde umgestoßen und geriet unter die Vorderplattforn?. P., der einen Beckenknochenbruch erlitt, wurde nach dem Krankenhaus Westend, gebracht. Der dritte Unfall ereignete sich in der Rosenthakerstraße. In der Nähe der Weinmeisterstraße stürzte der Radler Hantke unmittelbar neben dem Stratzenbahngeleise Plötzlich um, als gerade ein Straßen- bahnlvagen herankam. Um der Gefahr des Ueberfahrcnwerdens zu entgehen, warf er sich zur Seite und geriet dabei gegen die Räder einer vorbeifahrenden Droschke. Hantle wurde glücklicherweise nur leicht gestreift und erlitt geringe Verletzungen am rechten Arin. Ein Idyll in der Jungfernheide ist gesten? durch eine Razzia eines Gendarmeriekommandos in grausamster Weise zerstört worden. Der Streifzug war auf Anordnung des Landratsamtes des Kreises Niederbarnim unternommen worden, um das daselbst nächtigende Gesindel dingfest zu machen. Unweit Tegel bemerften die Beamten im Walde lodernde Feuer und leise hinzuschleichend, stießen sie auf zivei Pärchen, welche sofort die Flucht ergriffen, aber nach kurzer Jagd gefaßt und nach dem Tegeler Am? geschafft wurden. In einem der Pärchen wurde die 34 jährige Ehefrau eines im Norden Berlins wohnenden Tischlermeisters F. solvie der 23 jährige arbeitslose Schlächtergeselle Müller ermittelt. Die Frau war ihrem Gatten vor etlva acht Wochen ausgerückt und trieb sich seit dieser Zeit vagabondicrend in der Umgebung Berlins umher. Das zweite Pärchen bestand aus einem löjährigen Mädchen, welches bereits seit Anfang vorigen Jahres seiner Dienstherrschaft in Schulzendorf ent- laufen ist und seit dieser Zeit lvohnungSlos vagabondiert hat. Die junge Dirne wurde von der Behörde zwecks Zivangserziehung be- reits längere Zeit gesucht. Vorläufig aber mußte sie eiligst nach der Entbindungsanstalt der Charitö übergeführt werden. Ihr Galan war ein etwa 4gjähriger, obdachloser Arbeiter. Ein Unglücksfall ereignete sich am 22. Juli, als mehrere Maurer sich durch Abspringen von der Rüstung zu retten versuchten. Auf dem Nonnendamm(Spandauer Gebiet) wird ein neues Fabrikgebäude der Firma Siemens u. Halske aufgeführt. Die Maurerarbeiten sind vergeben an Maurerineister Puthe in Berlin, Friedrichstt. 72. Das Terrain ist ziemlich umfangreich, so daß über die dort beschäfttgten Maurer und Bauarbeiter drei Poliere die Aufsicht haben. Die Fabrikräume sind ziemlich hoch, so daß zweimal gerüstet werden muß. Der Unfall hat sich folgendermaßen zugettagen: An einer circa 50 Meter langen Hofftont in der zweitem Etage war das erste Gerüst zwei Meter hoch und ungefähr 2,50— 3 Meter breit errichtet. Auf diesem Gerüst lag ein Schienenstrang, worauf die Materialien befördert wurden. Neben den Schienen stand eine nur aus Cement- tonnen bestehende Kipprüstung, welche dermaßen belastet war, daß sie in sich zusammenbrach. Als die Maurer nachmittags um Iffz Uhr, ungefähr 18 an der Zahl, die Rüstung von neuem bettaten rind sich zunächst mit dem Mörteldurck, rühren beschäfttgten, hieß es mit einein Male: Runter von der Rüstung I Jeder versuchte sich zu retten, als gleich darauf das schwer beladene Gerüst in sich zusammen- brach. Die Marirer, welche sich bein? Mörteldurchrühren an der Mauer- seite befanden, retteten sich auf die Pfeiler. Die hinten stehenden dagegen mußten, we??n sie nicht?inter den Trümmern begraben sein wollten, etlva drei Meter in die Tiefe springen, wobei die Maurer Bittner, Richter und Räbiger Verstauchu??ge?i an Ar?nen und Beinen davon- trugen. In einer recht schlinimen Gefahr befand sich ein Arbeiter, welcher dermaßen zwischen Lowry und Gerüst geklemmt wurde, daß er nur mit Hilfe mehrerer Kollegen aus seiner fta??rigen Lage befreit werde?? konnte und mittels Krankenwagen nach dem Kranke??hause geschafft werden ml?ßte. Der Unfall selbst ist nur auf das schlechte Material, welches zum Rüstungbauen verwendet wurde, zurückzuführen. Bock oder Stangenrüstung gab es nicht, sondern man zog es vor, leere Cementtonnen hierzu zu verwenden. Ferner ist von Schutzvorrichttlngen auf dem Hof überhaupt keine Rede. Nachdem sich nun der Unglücksfall zugettagen hatte, war man schnell dabei, mit den Aufräumungsarbeiten zu beginnen, ebenfalls über die Eingänge nur die notdürftigsten Schutzvorrichtungen zu treffen. Wir glauben, es ist an der Zeit, daß auf derartigen Bauten eine bessere Kontrolle ausgeübt wird wie bisher. Das Arbeiter- Sportfest, das am Sonntag in Friedrichshagen abgehalten wurde, trug auch diesmal den Charatter'ei?ies proletarischen Massenfestes. Wohl 30 000 Personen mochten daran teilgenommen haben. Zug auf Zug, Dampfer auf Dampfer brachte Scharen von Festteilnehmern, die es sich an dem Gestade des u?nwaldeten Miiggel- sees oder in den Räumen und Waldpartien des Miiggelschlößchens sowie im Strandschloß, so gut es gehen wollte, bequem machten. An den sportlichen Veranstaltunge?? waren 38 Klubs resp. Vereine beteiligt. Die Segelklubs stellten sine Flottille von 36 Boote??, alle festlich beflaggt. Die R?!dervereine waren mit ei??igen 40 Booten vertreten, deren Wettfahrt das besondere Interesse des P?iblikums wachrief. Bei der Korsofahrt der Radfahrer- Vereine wurden etwa 1000 Räder gezählt. Sehr lebhaft wurden auch die Leistungen der Mitglieder des Arbeiter-Schwimmerb????des besproche??, vor allem das Dauerschwim???e?? über 2000 Meter. Auch in der Athletik und im Ringsport sowie im Fußballspiel zeigten die beteiligten Vereine ihr Bestes. Gesa?igsa??fführungen des Arbeiter- Sä?igerbu??des, die im Programm angekü??digt waren, fanden da- gegen nicht statt. Alles in allen? verlief das Fest durchaus be- ftiedigend. Für Unterhaltung und Volksbelustigungen aller Art war bestens gesorgt, und wer sich satt daran gesehen hatte, der„schlug sich seitwärts in die Büsche", u?n in passender Gesellschaft einen ge- mütlichen Skat zu. dreschen oder sonstige Unttrhaltung zu suchen Als dann am Abend das Gewitter aufzog, waren die »reisten Leute wohl der Mei?iu?rg, daß es nach so langer Dürre Wohl einen ganz gehörigen Nassauer geben Ivürde. Tausende drängten nach der Fähre. um noch vor Ausbruch des vernicintlichen Unwetters nach Hause zu kommen. Es wurde zlvar nicht so schlimm ivie erwartet; mir ein verhältnismäßig kleiner Regenschauer netzte den Boden. Aber jetzt zeigte es sich wieder, daß diese Fährverbindung zur Beförderung einer größeren Personcnzahl auch nicht entfernt ausreicht. Stunden- lang mußten die Leute eingekeilt stehen, ehe an sie die Reihe zum Einsteigen kam. Dabei duldete die Polizei noch nicht einmal, daß zlvei von der Festleitung gecharterte Motorboote an der Personen- beförderung teilnahmen. Das thäte dem Fährpächter zu viel Ab- bruch, hieß es; und die Polizei drohte sogar, die Motorboote fest- zuschließen, falls sie Ueberfahrten ausführen würden. Nur einige kleine Boote, die dem Fährpächter gehörten, wurden dazu noch zu- gelassen. Hoffentlich werden endlich einmal geeignete Schritte unter- nommen, um dieser Friedrichshagener Kleinigkeitskrämerei ein baldiges Ende zu bereiten. Volle Anerkennung verdient hierbei die Umsicht des Festkomitees, dessen Mitglieder ohne Schwierigkeit die Ruhe und Ordnung bei den? Andränge aufrecht erhielten, so daß die vielen Gendarmen wie gewöhnlich die Rolle höchst überflüssiger Zuschauer spielen konnten. Die Feld- und Waldbrände haben in der letzten Zeit ungeheuer zugenommen. Wie groß die Zahl ist, kann schon daraus ermessen lverden, daß am gestrigen Soi?ntag allein durch einen einzigen Zug, und zwar durch den Zug, der um 9 Uhr 42 Minuten den Schlesischen Bahnhof verläßt, zwischen-Berlin und Küstrin hunderte von solchen Bränden entstände?? sind. In Zwische??räume?? von hundert Schritten standen Männer?ind Knaben mit Schaufeln, die ununterbrochen thätig Ware??. Mit den Schaufeln schlugen sie die Flammen aus. Trotzdem konnten sie es nicht verhindern, daß Bäume und Sträucher, Hecken??nd Felder mit Hafer und Roggen in Bra??d gerieten und teilweise niederbrannten. Fast jeder Funken aus der Lokomotive zündete und nur dem Umstände, daß die Leute in den meisten Fällen die Flammen schon im Entstehen löschten und früher schon kahl gebrannte Flächen ein 'Umsichgreifen der Brände hinderte, ist es zuzuschreibe??, daß nur in einigen Fälle?? die Brände eine größere Ausdehn??ng erlangten und erst nach längerer Thätigkeit gelöscht werden konnten. All- gemeine Verwunderung erregte es, daß die Eisenbahnberwaktung ??icht mit größerer Strenge darauf Bedacht rnmntt, daß alle Lokomotiven ohne Ausnahme mit sogena???ite?? Funkenfängern versehen sind und diese dann auch von den Lokomotivführern benutzt werden. Bei der Rückfahrt konnten die Fahrgäste es de?ttlich wahr« nehmen, daß die Maschine ohne Funkenfänger fuhr. Dem Schorn» stein entflogen ganze Garben von Funken, daru??ter große Stücke glühender Kohle. Es kann daher nicht wunderneh?nen, wenn die Ersatzansprüche an den Eisenbahnfiskus immer größer werden. Grossfeuer kam heute mittag während der Schlafzeit der Feuerwehr im Norden, Oudenarderstr. 41, zum Ausbruch und be- schästigte die Wehr unter Leitung des Branddirettors Giersberg längere Zeit. Bei Ankunft der ersten Löschzüge stand der Dachstuhl des großen neuen Hauses schon in seiner ganzen Ausdehnung in Flammen. Diese hatten schnell reiche Nahrung gefunden und ge- fährdeten in hohe?n Grade die angrenzenden Gebäude. Die Lösch- man??schaften hatten unter der Einwirkung der enormen Hitze und des Qualms viel zu leiden. Trotzdem wurde mit großer Bravour der Angriff mit 5 Schlauchleitungen durchgeführt und der Brand aus den Dachstuhl des obersten Geschosses beschränkt. Ob Brandstiftung vorliegt, wie von beteiligter Seite angegeben wird, muß die Unter- suchung ergeben; unwahrscheinlich ist es nicht, nachdem von der Feuerwehr dort erst kürzlich zwei Brandstiftungen festgestellt worden sind. Der Schaden am Hause ist bedeutend. Feuerbericht. In der letzten Nacht kam auf einem Lagerhof in der Drontheimerstr. 13 Feuer aus. Es gelang die Flammen auf den Hof zu beschränken. In Alt-Moabit, Ecke der Krefeldersttaße,, brannten ferner Rüstbretter auf einem Bauplatz, Gnesenerstrasg: ohne I Nummer Käst en und Alexandrinenstraße 22 Kisten zc. Außerdem batte die Fe»erwehr in der Weberstr. 10, Blume??thalstr. 9, am Weidenweg 41, in der Joharniiterstt. 7 und anderen Stellen zu thun. Einen bedeutenden Verlust erlitt ein Soldat, der am Sonnaberrd- abend uin 10'/z Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße angekonrmen\ war und in einem gelben Briefumschlage die Surnme von 1460 M. I einem Offizier in Spandau überbringen sollte. Der Umschlag trägt den Namen des Offiziers; der Inhalt, bestand aus Fünfzigmark» schei??eu. Der Soldat hat vom Bahnhof Friedrichsttaße nach dem Lehrter Bahnhof den Weg durch den Schiffbauerdamm genommen und hier das Geld angeblich verloren. Der Finder wird gebete??, das Geld auf einem Polizeirevier oder auf dem Polizeipräsidium im Fundbureau abzuliefern. Das Gebrüder Herrnfcld-Theater eröffnet am Montag, den, 1. August d. I., nachjjdreimonatlicher Abwesenheit von Berlin sein! hiesiges lustiges Theater,?lm mit dem vielerprobten Humor und den allbeliebten Gaben seiner einzig dastehenden, unkoplerbaren M??se seine alten Freunde und Gönner wieder zu erheitern. Mit den bisher unübertroffenen großen Schlagern, welche in der letzten Saison eine so kolossale Anziehrmgskraft entwickelten, und welche l auch während der Herrnfeld-Gastspiele in Köln a. Rh. und Frank-; ftirt a. M. geradezu sensattonelle Erfolge erzielen ließe??, werden- Anton und Donat Herrnfeld auch die neue(die XIII.) Spielzeit ihrer- Berliner Wirksamkeit eröffnen. So werden denn am kommenden i Montag„Nur eine Nacht" und„Am andern Morgen" wieder für das lachende Berlin die Parole bilden. Der Vorverkauf für die Eröffnungsvorstellung begim?t bereits heute. Huö den Nachbarorten. Köpenick. Heute, Dienstag, abends 3 Uhr, hält der Wahlverein im Lokal K n? s e r h o f seine Vereins» versa in mlung statt, in welcher der Reichstags-Abgeordnete Fritz Zubeil einen Vorttag über den Kampf gegen die Social» demokraten im Reichstag und Herreichaus hält. Auch werden dort drei Delegierte zur nächsten Kreis-Generalversammlung gewählt. Frauen haben als Gaste Zutritt. Neu- Weißenfee. Die Gemeindeverttetung beschloß eine Ab- änderung der Grundsteuer-Ordniing. Nach der bestehenden Steuer« Ordnung können neuerbaute Gebäude erst von dem auf die Bollendung folgenden 1. April zur Steuer herangezogen werden. Nunmehr hat der betteffende Paragraph folgende Fassung erhalten: Die Besteuerung neuerbauter oder vom Grunde aus wieder auf- gebauter Gebäude sowie die Steuererhöhung infolge von Ber» besscrungen der Gebäude beginnt mit Ablauf des Steuerhalbjahres, in dem die Bewohnbarkeit oder Nutzbarkeit eingetteten oder. die Verbesserimg vollendet ist.— Aus dem Reichstagsbureau ist die Mitteilung zugegangen, daß es abgelehnt wurde, Weißensee in die Servisklasse 1 zu versetzen.— Eine längere, Debatte zeittgte die schon seit vielen Wochen außer Betrieb befindttche Kläranlage. Genosse Schumaim stellte den An- trag, daß bie Kläranlage, bevor weitere Arbeiten vorgenommen, durch einen tüchtigen Bainneister auf ihre Haltbarkeit zu prüfen sei. da nach Meinungen von Fachleuten diese nicht mehr instande zu setzen sei. Grund hierfür ist der aufgeschüttete Boden, auf dem die Anlage erbaut ist. Die angelegten acht Beete zeigten sich nach kurzer Zeit, schon als die Anlage noch nicht in Betrieb war, nicht Widerstands- fähig genug, um die hohe Belastung auszuhalten, so daß die Reparaturen nicht aufhörten. Die Risse und Spalten in den Wänden und Böden wurden mit der Zeit derarttg groß, daß sich bei Oeffnnng eines Beetes zugleich deren vier füllten. Ebenso hat sich herausgestellt, daß sich die Coaksschlacken-Filter nicht bewährt haben, so daß jetzt ein Versuch mit Steinen und ElbkieS gemacht wird. Jedoch herrscht schon. jetzt die Befürchtung. daß bei der Last des letzteren Filtermaterials die Anlage ei??- bricht. Die Kläranlage kostet der Gemeinde das nette Sümmchen von 120 000 M. Auch soll der Unternehmer Löblich (Nachfolger der Firma Bruch u. Schlee) die Garantte für ordnungs- gcinätzes Funktionieren der A??lage abgelehnt haben, da der ftühere Gemeindeverordnete und jetzige Straßenirispektor Swoboda eigen» mächtige Veränderungen auf den Oxydationsbeeten vorgenommen hat, indem er die Ablauftöhren, welche wagerecht auf dem Boden der Beete lagen, senkrecht stellte. Die Gemeindeverttetung beschloß, die hinterlegte Kaution im Bettage von 15 000 M. an den Unter» nehmer vorläufig nicht auszuzahlen. Rixdorf. Vor einem hiesigen Neubau schwer verunglückt ist der Zimmergeselle Johannes Ebhardt aus der Langestt. 31 in Berlin. Als E. im Begriff war, einen Balken auf den Bau zu tragen, wurde er von dem Geschäftsfuhrwerk des Kaufmanns Dor?? aus Steglitz angefahren, infolgedessen E. mit dem Balken fiel und erhebliche Ver- letzungen davontrug. Die UnfallstationjXII leistete dem Verunglückten die erste Hilfe. Britz. Eine jähe Unterbrechung erfuhr am Sonnabendabend das Stiftungsfest der hiesigen fteiwilligen Feuerwehr. Als man beim besten Vergnügen war, ertönte plötzlich Feuerruf und alles stürmte aus dem Festlokal. In der Nähe von Baumschulenweg war eine Baubude des Teltow-Kanals in Brand geraten und stand in hellen Flammen. Die Feuerwehr war baldigst zur Stelle. Nach etwa einer Stunde konnten die Löschmannschaften sich wieder zu ihrem Sttfttingsfest begeben. Johannisthal. Der Konflitt zwischen der Gemeindeverttetung und dem Gemeindevorsteher in der Angelegenheit der Unterbringung des Gemeinde- und KanalisatiouSbureaus spitzt sich weiter zu. Nach» dein gegen den Beschluß der Gemeindevertretung die genannten. Bureaus in? Lehrer- Wohngebäude unterzubringen, vom Ge» meindevorsteher Einspruch erhoben, beschäftigte sich die Gemeinde- verttetting in der letzten Sitzung abermals mit der Angelegen- heit. Der Vorsteher hatte sich hierzu ein Gutachten des Kreis» physikus Klein verschafft, um es zu seine?? Gunsten ins Feld zu führen. Der Gutachter hatte allerdings mit seinen Ansichten keinen Erfolg bei der Mehrheit der Gemeindevertretung, welche sich sagte, wenn die circa 4 Meter hohe Räuinlichkeiten jahrzehntelang als Klaffenräume und nun schon mehrere Jahre als Wohnraum für einen verheirateten Lehrer ihren Zweck erfüllten, so müssen sie als Bureau- rZmne ebenfalls zu verwenden fein. Treffend wurde hierzu von unsrer Seite bemerkt, wenn der Gutachter diese Forderungen als Mieter an die Berliner Hausbesitzer stellen würde, er jedenfalls Gefahr liefe, auf die schwarze Liste gesetzt zu werden und keine Wohnung mehr zu erhalten. Gleichfalls zurückgewiesen wurde die Ansicht, daß die Verlegung des Gemeindebureaus in den andren Ortsteil unzweckmäßig sei. Die Mehrheit der Vertretung, zu welcher in diesem Falle auch die drei socialdemokratischen Vertreter gehörten, hielt denn auch ihren früheren Beschluß aufrecht, worauf der Vorsteher erklärte, sich nunmehr an den Kreisausschuß wenden zu wollen.— Zu dem Antrag des Kanalisationszweckverbandes auf Ueberlassung des Grundstückes für die Pumpstation beschloß die Vertretung, dem Verbände nur das erforderliche Mitbenutzungsrecht einzuräumen. Ferner soll beim Verbände der Antrag gestellt werden, den Bau der Gebäude zur Pumpstation den einzelnen Gemeinden zu überlassen, und ferner die Kanalisationskommission, welche jetzt aus drei Gemeindevorstehern und dem Verbandstechniker besteht, um weitere drei Mitglieder zu verstärken, jedoch nicht durch Gemeinde- Vorsteher.* Das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr zu Nixdorf sendet uns eine längere Zuschrift, die wir in ihren wesentlichsten Teilen nachstehend zum Abdruck bringen. Die Zuschrift, die bittere Klage über eine unrichtige Berichterstattung erhebt, giebt zugleich der Meinung Ausdruck, daß es der Redaktion des„Vorwärts" jedenfalls ferngelegen habe, ein Institut, das auf eine 26jährige Thätigkeit zurückblicke, herabsetzen zu wollen. Die Zuschrift hat in dieser An- „ahme selbstverständlich recht. Wir hatten den Bericht einer Zeitungs- korrespondenz entnommen, deren Serausgeber der Offiziosus der Berliner Feuerwehr resp. des Branddirektors Girsberg ist Wir glaubten überdies gegen eine unrichtige Darstellung umsomehr geschützt zu sein, als der fragliche Offiziosus in früheren Fällen ver- schiedentlich die Brandberichterstattung des„Vorwärts" als unzuver- lässig anzugreifen für nötig fand. Die Zuschrift lautet: Das Morgenblatt des„Vorwärts" unter Nr. 167 vom 19. Juli 1904 brachte einen Bericht über den Dachstuhl- brand an der alten Treptower Landstraße zu Treptow, worin die brand an der alten Troptower Landstraße zu Treptow, worin die Thätigkeit der Freiwilligen Feuerwehr zu Ripdorf einer scharfen Kritik unterzogen wird. Das unterzeichnete Kommando stellt wahr- heitsgemäße Thatsachen zur Verfügung durch dieses Schreiben Und bittet um Berichtigung in einer der nächsten Nummern ihrer Zeitung. 1. In dem Bericht wird angegeben, daß die Rixdorfer Feuerwehr bald nach Eintreffen der Trevtower Wehr mit der Dampfspritze auf der Brandstelle erschien, konnte aber nicht in Thätigkeit treten, weil die Rixdorfer Standrohre nicht zu den Treptower Hydranten paßten, auch die mitgebrachten Schläuche nicht genügten,° um aus dem Karpfenteich Wasser zu entnehmen.- Dieser Berichterstatter mutz den mitgeführten Schlauch nicht gesehen haben, der zur Dampf- spritze gehört(400 Meter Dampfspritzenschlauch), ebenso die Schlauch- wagen, welche den Schlauchvorrat zur Brandstätte bringen, hin vom Hydranten Wasser zu entnehmen, auch 900 Meter, denn nachdem ein Rixdorfer Standrohr eingesetzt war, daran zwei Schlauch- leitungen mit Uebersetzung angekoppelt wurden, so daß mit drei Strahlrohren Wasser gegeben wurde, waren noch 600 Meter Schlauch zur Reserve vorhanden. Ferner st-nd die Dampfspritze unter Oampf, es konnte zu jeder Zeit zur Bekämpfung des Brandes Wasser aus dem Karpfenteich entnommen werden. Schläuche waren ge- nügend vorhanden, aber da die Treptower Feuerwehr ebenfalls drei Strahlrohre in Thätigkeit hatte, also vereint mit der Rixdorfer Wehr sechs Strahlrohre den Brandherd bekämpften, hielt es das Kom- mando für überflüssig, die Dampfspritze in Thätigkeit treten zu lassen. Von sachverständiger Seite wird festgestellt, daß nach Ein- treffen der Rixdorfer Feuerwehr der Dachstuhlbrand in IV, Stunde gelöscht wurde trotz der großen Hitze, welche schon mehrere Wochen anhält. Es muß deshalb ganz entschieden in Abrede gestellt werden, daß irgend ein technischer Fehler in der Ablöschung gemacht wurde, folgedeffen kann der Berichterstatter irgend welche Sachkenntnis nicht besitzen, sonst durfte der Bericht in dieser Weise in Ihre Zeitung nicht gelangen. Ferner schreibt der Berichterstatter, daß die Rix- dorfer Feuerwehr Gewehr bei Fuß gestanden hat und ruhig zusehen mußte, wie der Dachstuhl abgebrannt ist. Die Rixdorfer Feuerwehr kam erschlafft mit sämtlichen Fahrzeugen und Mannschaften nach 2V-stündigcr Thätigkeit in dem Feuerwehr-Depot zu Ripdorf an mit dem Bewußtsein, dem Nächsten geholfen zu haben, mutz sich aber trotz ihrer freiwilligen Opferwilligkeit von unrichtiger Berichterstat- tung öffentlich herunterreißen lassen. Da kommt das alte Sprich- wort zur Geltung:„Undank ist der Welt Lohn." 6cncbt9-Zeitung. AlS Berdreitung einer unzüchtigen Drtickschrist wurde es angesehen, als der Kaufmann Sonnenfeld in diesem Frühjahr an eine große Anzahl Studenten in verschlossenem Briefes je einen Prospekt versandte, worin ein neues Mittel zur Vorbeugung von Geschlechts- krankheiten empfohlen wurde. Viele von den Studenten fanden sich durch die Zusendung unangenehm berührt. In einer Versammlung wurde zu der Frage Stellung genommen und beschlossen, gegen den Absender des Prospektes Strafantrag zu stellen. Der Staatsanwalt hielt im gestrigen Termin den Strafantrag für durchaus begründet und beantragte gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 300 M. Der Verteidiger, Justizrat Sello, führte dagegen aus, daß der Inhalt des Prospektes keineswegs als unzüchtig anzusehen sei und ebenso- wenig könne in dem Versand in einem verschlossenen Brief eine Verbreitung gefunden werden. Das neue Mittel habe sich dermaßen bewahrt, daß es bereits bei der deutschen, wie auch bei der öfter- reichischen Marine eingeführt sei, auf den meisten Kriegsschiffen be- fanden sich Automaten, die das Mittel„Viro" feilhielten. Es sei den Studenten in der decentesten Form empfohlen worden. �chishof meinte doch, daß der Inhalt des Prospekts als unzüchtig angesehen werden könnte, beließ es aber bei einer Geld- strafe von 30 M. und Beschlagnahme des Prospekts. Ein kaum glaublicher Fall von Dummheit uud Aberglauben wurde ,n emer Verhandlung erörtert, die gestern vor der dritten Straf- kammer des Landgerichts I stattfand. Auf der Anklagebank befand sich die vlcrziginhrige unverehelichte Auguste M y s z k a. die zur Zeit eine Gefängnisstrafe wegen Betruges verbüßt und sich jetzt wegen /es gleichen Vergehens zu verantworten hatte. In der Relchenbergerstraße betrieb die verehelichte Wilhelmine Sch. ein Grünkramgeichaft. Zu ihren Kulldinnen gehörte auch die An- geklagte. MS diese so hansig von der Sch. Klagen über den schlechten GeschafGgang hvren inußte, beschloß sie, die Frau, deren grenzenlose �Emfalt und Dummheit sie durchschaut hatte. auszubeuten- Sie erznhlte ihr, daß ihre Großmutter Zigeunerin sei und in Adlershof wohne. Es ser eine außerordentlich kluge, mit und in Adlershos woyne. Es sei eine außerordentlich kluge, mit übernatürlichen Kesten ausgestattete Frau, welche der Sch. durch Anwendung von helfen könne, wie sie schon vielen andren zu einem blühenden Geschäft und Vermögen geholfen habe. Frau Sch. nahm das ckiierbleten mit Freuden an. Am folgenden Tage begann dann der Hokuspokus. Frau Sch. mußte zunächst drei Fünfzigpfennigstucke opfern, welche die Angeklagte angeblich auf der bloßen" Brust.trage» mußte. Sodann"hatte sich einen kleinen. � �®<5ar? abzuschneiden Frau Sch. und diesen ihrerseits an dem bloßen Busen aufzubewahren. Frau Sch. kam der Vorschrift getreulich nach, bei der Angeklagten wurden die drei Geldstücke aber nicht einmal„warm. Das Mittel„zog" noch nicht, es mußten stärkere Seiten angespannt werden. Frau Sch. inußte jetzt drei Einmarkstücke opfern und als ihr �aden nach wie vor leer blieb, mußte sie drei Thalerstucke hergeben. Alles vergeblich. Nun griff die Angeklagte auf Geheiß ihrer alten Zigeuner-Grotzmutter zu schärferen Mitteln. Es müsse, wie sie der Frau Sch. vor- redete, ein Frosch ans Kreuz genagelt werden und so sterben, wie es unserm Heiland beschieden war, sie müsse stch außerdem Leichenblut und Totenblumeii beschaffen und schließlich� drei Zehnmarkstücke auf� dem bloßen Busen "»o lchueßlich orei>jeynmarlii»ae uu, vch, vioven Busen tragen. Frau Sch. opferte die 30 M. und dann auch noch 60 M., oa die Angeklagte es mit größeren Goldstücken versuchen wollte. Frau Sch. hatte schließlich 270 M. geopfert. Die Angeklagte be- hauptete, daß mit den Goldstücken das„goldene Rad des Lebens" in Bewegung gesetzt werden müsse und hierzu sei nur ihre Groß- mutier im stanoe. Als die Zeugin Frau Sch. ihre Aussage abgab, erhob sich ein allgemeines Kopfschütteln darüber, daß dergleichen in Berlin vor- kommen könne. Die Betrügerin erhielt eine Zusatzstrase von sechs Monaten Gefängnis. SilbcrneHochzeit uudVerfrommungs-Bcrordnung. DasStürmersche Ehepaar feierte in einem Lokal im größeren Verwandten- und Be- kanntenkreise seine silberne Hochzeit, und zwar am Vorabend des Bußtags, für den die überall gleichen„Verordnungen über die äußere Heilighaltuug der Sonn- und Feiertage" öffentliche und private Tanzmusiken, Bälle und„ ä h n l i ch e" Lustbarkeiten verbieten. Bei der Feier wurde nicht getanzt. Eine kleine Kapelle spielte verschiedene Konzertstücke, zum Teil Bruchstücke von Opern, dazwischen auch mal einen Sttauhschen Walzer(Rosen aus dem Süden), während einige Festteilnehmer Gesangsvorträge darboten. Trotzdem wurde St. wegen verbotswidriger Veranstaltung einer tanzmusik- und ball- ähnlichen Lustbarkeit angeklagt. Das Landgericht als Berufungs- instanz sprach ihn jedoch frei. Es meinte, die Verordnung entbehre überhailpt der Gültigkeit, soweit sie private Lustbarkeiten ihren Besibränkungen unteriverfe. Aber selbst wenn das nicht zuträfe, könnte wegen der Feier der silberne» Hochzeit am Vorabend des Bußtags hier eine Bestrafung nicht eintreten, weil die Aehnlichkeit mit einer Tanzmusik oder einem Balle fehle.— Das Kammergericht verwarf die gegen dies Urteil eingelegte Revision der Staatsanwaltschaft. Es erkannte allerdings die Gültigkeit der ftaglichen Bestimmung an, war aber der Ueberzeugung, daß das Landgericht ohne Rechtsirrsilm festgestellt habe, daß es sich im vor- liegenden Falle weder um eine Tanzmusik, noch um einen Ball, noch um eine„ähnliche Lustbarkeit" handelte. Eingegangene Druckrcbnften. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 43. Heft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: Ludwig Feuerbach.— Der scrne Krieg und der nahe Osten. Von Janko Sakasost(Sofia).— Volksbildung oder Arbciterbildung? Von Heinrich Schulz.— Organisationsfragen der russischen Socialdemokratie. Von Rosa Luxemburg. II.— Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Rußland. Auszug aus dem Bericht der Delegation sür den zweiten Parteitag der socialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands über die Thätigkeit des Bundes nach seinem vierten Parteitage.— Litte- rarische Rundschau: Iwan Bloch, Das erste Austteten der Syphilis(Lust- seuche) in der europäischen Kulturwelt. Von A. Bl. Sara Rabinovitsch, Die Organisation des jüdischen Proletariats in Rußland. Von Ch. Rappa- Pott, Paris. Georg Brandes, Gestalten und Gedanken. Von F. M.— Notizen: Die Glasberufsgenossenschast im Jahre 1903. Von G. Link. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probcnummcrn stehen jederzeit zur Versügung. Von der„Gleichheit--, Zcitschttst sür die Interessen der Arbeitettnnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 16 des 14. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Ausruf des ParteivorstandeS.— Ausruf der Vertrauensperson.— Der Stand der gewerkschastlichen Arbeitettnnen-Organisation im Jahre 1903. — Die Ausbeutung der Arbeitskrast der Brunncnmädchen in Bad Neuenahr. Von Luise Zietz.— George Sand. Von H. Thurow.(Schluß.)— Muß Strafe sein? Von Julian Borchardt, Königsberg t. Pr. I.— Aus der Bewegung.— Feuilleton: Späte Rosen. Von Theodor Storm.(Fortsetzung.) — Notizenteil: Gewerkschastliche Arbeitettnnen-Organisation.— Kinder arbeit.— Verschiedenes. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen bettägt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Von den„Dokumenten deS Socialismus--, herausgegeben von Ed. Bernstein(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 7. Heft des IV. Bandes erschienen. Aus dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: 1. Ktttische Bibliographie des Socialismus.— 2. Aus der Geschichte des SocialismuS. Sankt Max. Aus einem nachgelassenen Werke von Marx- Engels über Max Stirncr.(Forsetzung.) Zu den KommissionSbettchten über das Agrarprogramm der holländischen socialdemokratie.— 3. Urkunden deS Socialismus. Programmentwurf der russischen Partei der Social revolutionäre.— 4. Der Socialismus in den Zeitschristen. Die„Dokumente des Socialismus" erscheinen inonatlich einmal und sind durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 2,25 M. pro Quartal zu beziehen. DaS einzelne Hest kostet 75 Ps Der„Wahre Jacob« hat soeben die 16. Nummer seines 2!. Jahr- gangS ettcheinen lassen. Aus dem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Der Ertrag unsrer Kolonien" und„Die Schlitzwehr gegen die Hochflut des Sottasismus", sowie die Illustrationen„Mirbach im See- bade",„Feudale Auffassung",„Besorgnis",„Der Reichskanzler ün Umher- ziehen",„Eine, die nicht tot zu kttegen ist",„Vom internationalen Frauen- kongreß in Berlin",„Drflassiert",„Himmclsanteil aus Aktien" und„In der Hölle". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Ein Held", „Hochsaison",„Gerettet"(von einem Nuhrbcrgmann),„Geistliche Schulaussicht",„Das beste Blatt"(Ein Mttcrnachtsspuk),„Guter Rat",„Am Abend" von Ludwig Lessen,„Tösf-Töff" und außer zahlreichen kleineren Beiträgen in Poesie und Prosa die größeren Feuilletons„Wie Satans Tücke zu schänden ward"(Eine moralische Erzählung für fromme Gemüter), „Begehrlichkeit",.Totschlag aus Gesinnungstüchsigleit" und„Sie sind der Mazzini!" Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Vermischtes. Ein furchtbares Familiendrama hat sich in der Nacht zum Sonn� tag in dem Hause Göllnerstratze 4 in Dresden zugetragen. Da selbst bewohnte der 3Sjährige Kaufmann Louis Sander mit seiner 37jährigen Ehefrau und einer 13jährigen Tochter ein Logis im zweiten Stock. Als das Mädchen, das in besonderem Zimmer schläft, am heutigen Sonntagsmorgen darüber beunruhigt ward, daß seine Eltern so lange ruhten, begab es sich in die benachbarte Schlafftube derselben. Ein grauenvoller Anblick bot sich dem armen Kinde dar. An der Thürklinke hing der leblose Körper seines Vaters, und im Bett lag, im Blute schwimniend, die Mutter mit durchschnittener Kehle. Wohl hatte das Kind in der Nacht einen kurzen Streit ver- nommen auch seine Mutter weinen und stöhnen gehört, aber diesem Vorgange in der Schlaftrunkenheit sowie um deswillen keine Bcach- tung geschenkt, weil in letzterer Zeit öfter zwischen den Eltern Zwistig- ketten vorgekommen waren. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß zwischen den beiden Ehegatten vor der Katastrophe ein Kampf stattgefunden hat, sodah anzunehmen ist, Sander habe seiner Frau den Hals durchschnitten. Nach der That hat er sich erhängt. Das Kind ist von Verwandten aufgenommen worden. Einem Raubmord ist in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag der Bankier Adam zum Opfer gefallen. Adam versah auf dem Thorner Hauptbahnhofe das Wechselcomptoir bis zum Einuhrnacht- zuge. Bei seiner Heimkehr zur Stadt wurde er auf der Bazarkämpe überfallen, beraubt und in die Weichsel geworfen. Die Leiche, die an den Beinen mit Steinen beschwert war, wurde am Fährhause der Bazarkämpe im Wcichsclwasser gefunden. Die Geldtasche lag leer im Fhrhause. Wieviel den Räubern zur Beute gefallen, ist bis- her noch nicht festgestellt. Waldbrände. Breslau, 25. Juli. Auf dem Dominium Bisch. dorf wurden 1 14 Morgen Roggen/und Weizen vom Feuer vernichtet. Der Brand dürste durch Funkenauswurf einer Lokomotive entstanden sein.— In den dem Fürsten Henckel von Donnersmarck gehörigen Forsten bei M o k o s ch a u ist wieder ein Waldbrand ausgebrochen. Vernichtet wurden gegen 30 Morgen Hochwald; ferner werden mehrere kleinere Wald- und Feld- brände gemeldet. Hier herrscht enorme Hitze. Ein Dampfer gestrandet. London. 25. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Am frühen Morgen strandete heute bei dichtem Nebel der Dampfer„Kaiser", der zwischen Ham- b u r g und W c st H a r t l c P o o l s ä h r t, auf den Bleawpkc-Felsen 7 Meilen nördlich von Scarborought. Die aus 30 Mann bestehende Besatzung und ungefähr 20 Passagiere kamen sicher an Land; man befürchtet, daß der Dampfer aufbrechen wird. Arnstadt, 24. Juli. Amtlich wird gemeldet: Heute nachmittag etwa 2 Uhr entstand in Kilometer 32 0 der Strecke Neubieten. dorf— Ritschenhausen zwischen Dörrberg und Gehlberg durch Funkenwurf einer Lokomotive Waldbrand, durch den etwa 4 Hektar Waldung vernichtet worden sind. Betriebs- störungen sind nicht vorgekommen. Programmwidngcs Stiergefecht. San Sebastian, 24. Juli. Während des Kampfes zwischen einem Stier und einem Tiger zer- trümmerten die Tiere eine Logcnthür. Die Zuschauer, von Schrecken ergriffen, flüchteten. Die Logendiener töteten mit Flintenschüssen den Tiger; einige Kugeln trafen indes Zuschauer. Unter den Verletzten befindet sich der Viceppäsident des Senats Marquis Pidal. Lriefkakten der Redaktion. �urirtifeber Cell. Sie Iilttstische Tprechstiiudc findet täalich mit Ausnahme des Sonnabend! vo»?>/, vis Oy, Uhr abends statt. Gciiffnet:? Ubr. E. H. 33. Eine bestimmte Zeit zum Aufführen einer neuen Rolle hat das Gesetz nicht sestgelcgt und konnte es nicht festlegen. Es ist angemessene Zeit zu gewähren. Können Sie sich mit dem Chef nicht darüber einigen, welche Zeit angemessen ist, so müssen Sie klagen.— Pictka. Die Berufs- qcnosienschast hat Ihnen ein künstliches Bein, nicht nur einen Stelzjup, zu gewähren, wenn das künstliche Bein Ihre Erwerbssähigkeit mehr erhöhen würde. Marktpreise von Berlin am 23. Juli. Nach Ermittelungen deS Iqk. Polizei-Präjidiums. Für 1 Doppel-Cenwer: Weizen»"), gute Sorte 17,35—17.34 M., mittel 17,33—17,32 M., geringe 17,31—17,30 M. Roggen""), gute Sorte 13,65— 13,64 M., mittel 13,63— 13,62 M., gettnge 13,61—13,60 M. Futtergerste"), gute Sorte 14,60—13,60 M., mittel 13ch0 bis 12 60 M, qeringe 12,50— 11,60 M. Hafer"), gute Sorte 16,00—15,30 M., mittel 15,20—14,50 M., geringe 14,40—13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speisebobnen, weiße 50,00—26,00 M, Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln, neue, 12,00—8,00 M. Richtstroh 4,50—4,00 M. Heu 7,50— 5F0 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60-2,00 M. Eier per Schock 3,80-2,40 M. ") Frei Wagen und ab Bahn,") Ab Bahn. Wasserstand am 23. Juli. Elbe bei Aussig-0,77 Meter, bei Dresden— 2,11 Meter, bei Magdeburg ff- 0,11 Meter.— Unstrut bei Straußsurt+ 0,80 Meter.— O d e r bei Nattbor— 0,54 Meter, bei BreSIan Ober- Pegel+ 4,14 Meter, bei Breslau Unter. Pegel— 1,32 Meter, bei Frankfurt+ 0,20 Meter.— SB e i ch j e l Bei Brahemündc+ 1,82 Meter.— W arth e bei Posen— 0,16 Meter.— N e tz e bei Usch+ 0,26 Meter. WitterungSüberstcht vom SS. Juli lSV4. morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franff.a.M. München Wien 753 758 757 757 761 759 •ö S .S H llä S NO NO SSO O SO Still Wetter ÖSS c 7- ä II lö bi io 2heiter 1 bedeckt Ilhalb bd. 3heitcr 2 wolkcnl! — heiter Stationen o*i c 5 83— Havaranda Petersburg Cork Slberdeen 753 758 760 756 ZK es NO SSW SSO SSW Weller wolkig heiter bedeckt Scheiter -SÄ -- Ä -»N z bi ü a> 13 15 13 20 Wetter-Prognose für Dienstag, den SS. Juli 1904. Warm und schwül, vielfach heiter, aber veränderlich mit Gewitterneigung und meist schwachen süddöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Verwsltaiiß-sstvllv Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Metallarbeiter! Mittwoch, den S7. Jnli, abends 8'/, Uhr, im Lokal vo« B. Böse« Badstrafte 58(grofter Saal): Bezirks- Versammlung für den Horden. Tages-Orchnung: 1. Der Bund der Arbcitgebcr-Verbände und die deutschen GeWerk« schaften. Referent: Adolf Cohen. 2. Disiusfion. 3. VcrbandSangelegen- heiten. 4. Verschiedenes. Kolleginnen und Kollegen! Sorgt sür zahlreichen Besuch dieser Ber» sammlulig, auch der Unorganisierten. Mittwoch, den S7. Juli, abends 8 Uhr, im Lokale von Cllewe. „Süd-Ost«, Waldemarstr. 75: ¥ ens�mmlung aller tu der Metallschraubeu- Branche beschäftigten Arbeiter tt. Arbeiterinnen. T a g c s- O r d n u n g: 1. Vottrag über„Dw»Arbeiter im Kampfe um bessere Erwerbsverhält« Nisse". Referentin: Frau Martha Tieft. 2. Diskussion. 3. Bericht der Ägitattonskommission und Ersatzwahl zu derselben. 4. Verschiedenes. Die Wichttgkeit l~'---■ und Kolleginnen, gai. Stelzner, Gebr. Roll, Louis, Mathcy u. Schulze,.......... Siemens-Berlin, Siemens-Charlottenburg eingeladen. Nochmals geben wir den Beschluß der Verttaucnsmänner-Konscrenz bekannt, daß die Morgen- spräche alle 4 Wochen stattfindet, welche jedesmal vorher in der„Metall- arbeiter-Zeitung" sowie im„Vorwärts" bekannt gegeben wird. Mittwoch, den S7. Juli, abends 8'/, Uhr. im Dresdener Garten, Dresdencrstr. 45: V ersainmlimg der Gold-«. Silberorlititer u. veriv. Serufsgenofftn. , Tages-Ordnung: I. Unsre Statistik. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenheitcn. Recht zahlreiches Ettcheinen der Kollegen wird erwartet. Mittwoch, den S7.Jnli. abends 8'), Uhr, in V»l«ts Festofilen. Ritterstr. 75- V ersammlung� der Schnittarbeiter und-Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Die Unternehmer im Kampse gegen die Arbeiter, Referent: A. Wuschick. 2. Ersatzwahl sür den Berttcter der Schnittarbeiter. 3. Ver« schicdenes, Zahlreiches Erscheinen der Kollegen ist notwendig. ll8/9____ Die Ortsverwaltung. Zimmerer! Mittwoch, den S7. Jnli, abends 8'/, Uhr, in den Incknatrlv- Festsaicn, Benthstr. 20: OeffentUebe Versammlung der Zimmerer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: Die Mißstände Iii unserm Berus und wie sind dieselben zu beseitigen. Referent: Kamerad Albert Jnppenlat». 254/19 Der Vorstand des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. mmmmmaBaammmm Kiir den Inhalt der Inserat« »bernimiut die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. X�beatcr. DienStag. den 26. Juli. Ansang?'/, Uhr: Neues königl. Opern< Theater. Die Pndp e. Bellc-Alliance. Gastspiel von Emil Winter-Tymians 15 Humoristen und Sängern.(Letzte Woche!) Vollständig neues Programm. Zum Schluß: Ein Polterabend- scherz bei Lieutenants. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner. Theater.) Martha, oder: Der Marli zu Richmond. Westen. Liebeshandcl. Ecntral. Olle Äamellen. Läuschen und Rimels. Hanne Nsttes W- schied. Joche» Päse!. Ein Neiner Beamter. Earl Weist. Der Weg zum Herzen. Metropol. Ein tolles Jahr. Apollo. VenuS aus Erden. Speciali. täten. Stab t-Theater Moabit. Großstadt- zaiiber. Reichshallen. Gastspiel von Oskar Junghühnels humoristisch. Herren gesellschast. Passagc-Theater. Terka Semmelosf. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Taubcuftrastc s8/4S. Die Weltausstellung m St. LouiS. !!ln den Seen Obcritaliens. Jnvalidenstraste 57/62. Sternwarte. Täglich geösjnet von 7 bis 11 Uhr. 8ediI!öi''7veAler V. (Wallner-Theater). Wtorwist-Oper. Dienstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. MavUio, ober: Der Markt zu Richmond. Romantische Oper in 4 Akt. v. Fladow. Mittwochabend 8 Uhr-: Oberon, Könls der Elfen. Donnerstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. I>cp Troubadour. Der Sominergarten ist eröffnet. gm Garten deS Schiller-Theatcr» dl. täglich grobes MilitSr-Kenzert. Centrai-Theater 8 Uhr: Einakterabend ans Frit» Reuters Werken: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschen und Riemeis. 3. Hanne NiUes Abschied. 4. Jochen Pasel. 5. Bräsigs letztes Stllndlcin. 6. Ein kleiner Beamter. Emil Richard, kgl. Hosschauspieler, a. G. Morgen und solgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Hetropol-Theater Der grösste Erlolg dieses Jahres; Or. dramatisch- satirische Revue in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. Uhr: Or. Gnrtcnkonzert. 8-g-/. Uhr: Das gr. luli-Specialitäten-Programm. Yenusäiüf Erden. Operette von Paul Lincke. Wlederauftreten von Robert Steidl. Carl Weiss-Theater. Große Franksurterstr. 132. Nur bis 31. Juli: Täglich 3 Uhr: Der Weg zum Kerzeu. Im Garten: Täglich Vorstellung. Ansang 5'/, Uhr. Mittwoch: Gr. Kinderferienfeft. Belle-Alllance-Theater. Gastspiel vod Winter-Tpians. 15 Humoristen und Sängern 15. hetute Woche t Vollständig neues Programm I Urkomische Scenen und Possen! Im Sommcrgartcn von 6 Uhr ab: Konzert und SpeclalitSten-Vorstellung allererster Künstler. Mittwoch, d. 27. Juli: Zweites großes Trunnloteup-llon-ept. Sonnabend, d. 30. Juli: Mitsinge» Abend und Soinmcrnachtsball. Tröhels Allerlei-Thealer sr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Konzert Theater,' Speeialltäten. gPF- 15 neue Nummern."VQ Arbeit bringt Segen. VolkSstück mit Ges. in 2 Akt. v. Braune. Extra- Tanz. Tanzlehrer P. Hoppe. Ansang 4 Uhr._ Entree 30 Ps. Bernhard Rose-Theater Gesundbruniien, Badslrahe 58. Täglich:' Die Reise durch Berlin in 80 Stünden. Paul Coradini. Powe! and Pawel. Clown Loisetmit seinen dreff. Störchen. 0. C. Schleids. Tosca Madri. Voltes Compagnie: Vagabondenftrclche. Im Saale: USllI, Ansang 4'/, Uhr. Ntree 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Unania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die WtWtellW in St Louis. Hierauf: An den Seen Obcritaliens. Sternwarte SIIS; <1 CASTANS ANOPTICUM. W.:'..1.' v.-. Friedrichstr. 165. Der ünyerwuaiüiare Fakir 2! Dia zusammengewachsenen Schwestern Rosa u. Josefa. Das Dhrcnweib, lebend. Der IGjährige Riesenknabe Der lange Josef 217 ctm gross. MWt- Nada und Mnemos,'HWW Gedankenleser. Derl-elchen f n n d. Aga, die schwebende Jrrngfrau. Alles ohne Extra-Entreo. Passage-Tlisalor. Terka Semmeloff russische Tänzerin. N»niva,japanisch8Truppe. Vierzehn erstklass. Nummern. am Königsth., am Friedrichs Hain 29/32. IlMl Thealer n. VttslieUgip uod Sali. Liesecke In ilalien. 10 U.:' Gesangsposse m. Tanz v. L.Elh. Mmwoch: Kinderfteudtufest. «!ntz»cc sa Pf, Sonnab., 13. Slug., ist für Vereine srei. Reichshallen-Theater. Gastspiel des berühmten Oslrar Innghähnel f mit seiner humoristisch. Herren- Gesellschast. Drossartiges, völlig origin. Programm. Ans. 8 Uhr, Sonntags _ 7 Uhr. ZOOlOCISCHEti GARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Doppel-Konzert Eintritt I M. ab S Uhr 5« Ps. Kmdcr unter 10 Jahren die Halste. Etabliffment Snggeühagen Zl«»ritzii»ii»t». Täglich von 12—4 Uhr:»iltagstised. Im grasten schattigen Natur- garten seden Abend 8 Uhr: IC o n z e r* t. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends im ikaisersaal:» nnXm �aussonei. Koitbnser Thor— Stnt. der Hochbahn Täglich im Garten: Hottmanns Norddeutsche Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. _ Wochentags haben Vor- zugskarten, auch die zu den Theater- übenden ausgegebenen, Gültigkeit. mzirostr. Täglich im Garten oder 8 aal: Jtorsts Korddeutsche ZinWrkisn und Quartett= Sänger. Ans.: Woche 3 Uhr. Sonntags 7 Uhr. vons haben liültigkeit._ rer n-M)e«7i9 Täglich: Vlneta. Pantomime: Ein ruhiges Zimmor zu vermieten. Satanello-Trio. Wardinis. Clown Steffi. Ball, Konzort, Specialitäten. Auf. 4 Uhr. Eintr. 30 Pf. Rum. PI. 50 Pf. V. Noacks Theater. Direktion: Roh. Olli. Brunnenstr. IS. Adel und Nadel, oder: Berlin W. und Berlin If. VolkSstück mit Ges. in 2 Akt. o. Leibold. Dazu die erstklassigen Specialitäten. Ansang 6 Uhr. Kassceküche von S Uhr ab. Entree 30 Ps. Ball,«ei schlechtem Wetter Vorstellung im Saal. Landes-Ausstelluiigs-Park. Täglich: Doppel- Konzert. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diner, und Soupers von 4 Mark an. Neu erbaut: Feste&Ie, gedeckte OartenhaUen, Fonteine luminense. Flotten-Sehauspiele KurfOrstendamm 153/158. Fernsprecher: Amt Wi. No. 343. Strassenbahn-Verbindung mit Linien 91, A, T, V, A/E. Wochentags Vorstellungen 4 und 8 Uhr, Sonntags 3, 5'/« und 8 Uhr. » Wassmüspüle Per Well Die Flotte im Frieden and im Kriege. Betehiestung von Port Arthur und In die Luftsproagen von Kriegsschiffen durch die japanische Flotte. ♦ Vollständig gedeckte Trihäne. ♦ Konzertmnsik. ♦ Preise der Plätze: Nachmittags M. 3.10, 260, 1,60, 1,10, 0,85, 0.40, abends M. 4,10, 3,10, 2,10, 1,60, 1,10, 0,56 einschließlich Programm. Tageskasse von 10 Uhr vormittags an geöffnet. Vorverlcaufskarten sind in den durch Plakate kenntlichen Geschäften von LiOeser& WoilT und im Warenhanse A. Wcrthelm zu haben. 17/3- * Max Kilera's Sommer-Theater Hasenhclde 18—15.— Artistische Leitung:.Paul MilhlU. Täglicli: 6r. Konzert, Ttiealer- u. Specialiföten-Vorstellung. Jeden Montag: Älommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. WXT Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. IWM 2 hochelegante Kegelbahnen, Würsclllitde», Konditorei, Blumenstaudzc. In den Sdicn:* Grossen* Bali. ii in ü MlsrSlsl Dienstag» den 26. Juli, abends S'/a Uhr, bei Leydecker, Sophieu-Strasze 64: WP- General TageS-Ordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Bericht der Vertrauensleute, Preß-, Agitations- und Lokal-Kommission. 8. Antrag: den erfolgten Ansschlust eines Mitgliedes«nfzuheben. 4. Partei- und Veremsangelegenheiten. b. Verschiedenes. Mltglitdsbttlij legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erwartet vor Vorstand. Sonnabend, den 36. Juli, im„Elyfium", Landsberger-Allee 46—41: 245/11» WU- Sosiumr-fest. Konzert. Gesang;. Harbnrger Sänger. Specialitäten. Kinderbelnstignngen. BilletS bei den BezirkSsührern und aus allen Zahlstellen. Eintritt 25 Ps. Für starke Beteiligung ist zu sorgen. LoeisläkmokrstisKkkr Wahtomiu für den 6. Berliner Heiehstags-Walilkrels. DienStag, den 26. Juli, abends 8'/z Uhr, in den Germaniasälen, Chausseestr. 103: MF" Cveraeralverssaaiiiiilnng'. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des ReichStagS-Abgeordneten Stadthagen über:„UnkenkurS-. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Bericht ___ des Kassierers und der Revisoren. glM- Mtgliedsbuch legitimiert.-VF Zahlreichen Besuch erwartet 218/1*_ Der Torstand. Centralverband der Schmiede. Mittwoch, den 27. Juli 1904, abends 8'/z Uhr: Große außerordentlilhe Mttgltkher-NkchmmlNg in Trösels Festsälen, Neue Friedrichstraste 33, großer Saal. i Tages« Ordnung: rechnung vom zweiten Ouartal 1304. 2. Die Einführung der Krankenimterstützung im Verband. tt: Kollege Heinrich Tchrader-Oamburg, Korreferent: Kollege Wilhelm Siering-Berlin. 3. Verschiedenes. Kollegen, sorgt für starken Besuch der Versammlung I Auch die Frauen haben Zutritt. 176/8* Zahlreichen Besuch erwartet_-_ Die Ortsverwaltnng._ Rummelsburg. Dienstag, 26. In!!, abends 8� Uhr, in Gergas Lobal. Nene prini-Albertstr. 71: Geattlll-Ncrsmiimlaag des jolieidfUglillltislhea Wchlmeiiis, TageS-Ordnung: 1. Delegierten zur KrciSkonserenz. 4. Anträge zur Gcncraloersaminlung Abhaltung der Zahlabende. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.— Zahlreichen Besuch erwartet Bericht deS Vorstandes. 2. Stellungnahme zum Parteitage. 3. Wahl der ' Mtr" a) cffs Hauskassierung; b) gleichmäßige 8/9* Der Torstand. Giriuis Sarraian). Grösster n. elegantester Zelt-Cirkus Europas. Täglich: SpMdeHkilsßt. Ostbahn-Park. Arn KQstrinerplatz. RDdersdorfersl. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Speciatitiiten- Narstellung. bm' 8peeiälit!!te!l-Mtei'. landsdorger Allee 76/79. Ring Iingbahnstatton. \ Ob Regen! 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Gcneral-Tcrtrcter: Bernhard Stämpel, Berlin ZllQ, Jmmanuel-Kirch stt. 21 Dkliteehsr Dliohhindor-Vorhsiill. Tnblstelle»erlln. Morgen Mittwoch, den 27. Juli, abends'/,g Ilhr, im grohcn Saale des GewerkschaftShauses, Engcl-Ufer 15: r-hnit TageS-Ordnung: 24/9 1. Bericht der Delegierten vom Bcrbandstag in Dresden. 2. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Wir erwarten von den Mitgliedern, daß sie in dieser Versammlung recht zahlreich und pünktlich erscheinen I Die Ortsvcrwaltuug. Steinsetzer Berlins u. Umgegend. Mittwoch, den 27. Juli, abends 7'/, Uhr, bei Witte, Brunnenstr. 188: \ ersammlimg/. Tagesordnung: 1. Bericht vom Einigungsamt. 2. Wahl der von dem» selben eingesetzten Fünser-Kommisston. 3. Wahl eweS StteiksondSfasfiererS. 4. Verschieden«». 174/(5 Die€tesellen-Aasschttsse. Ki«h>»iwttkfr-Kmllel>k»sst für Kcrlm und Umaegend. Eingeschriebene Hilsskasse Nr. 118. Donnerstag, de» LS. In», abends 8'/, Uhr, bei WHIre, Brunnenstraste 188: Ausserordentliche General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom ersten und zweiten Ouartal 1004 sowie Revistons- bericht. 2. Wahl sämtlicher tzilsSkasfierer. 3. Innere Kassenangelegenheiten. Die Bersammlung wird pünkttich eröffnet. 33/7* Mitgliedsbuch legitimiert. Kehre KSsesorte erführt eine solch glänzende Beliebtheit, wie mein DzMtengs-Mteiii'.l-llllss wegen seines sich stets gleich bleibenden, Jochscincn, fetten und nie entleid. Gr» chmackeS. ill,Sto. Netto.(6 Stück») Postkollo in Staniolpackung, fr. Nachnahme M. 5,—. 0. Maisch Nachf., Memmingen(baqer. Allgäu)._ 50 � 58/ pfuud Sret Ii(Vackware 6 Stck. 10 Ps.) Albrechts Bäckereien: Wrangclstr. 135, krautftraffe 19, Nalckenstelnstr. 28, Lanstverstr. 2. Markthalle Pücklcrstt., Stand 222,23. Martthalle Andrcasstt., Stand 16/18. Centrale: Boxhagcnerstr. 13. X Kücken X Kücken X in Bälde legend, mtch Glucken m. Kücken, Enten, Gänse. Pute». Tauben offeriert F. Weimer, Berlin, Mariannenstr. 34. Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager inBruchbandagcn, Leibbinden, Gsradchaltern, Spritzen. Suspensors, sowie sämtliche Artikel zur Krankenpfieae. WM- Kiene Werkstatt. Liejerants. Ort». u.Hilss-Krankenlassen Derlln>> e n Streik hineinge- trieben werden sollen. Die sächsischen Bergarbeiter stehen den Grubenverwaltungcn fast Wie mit gebundenen Händen gegenüber. Vorläufig bleibt ihnen nichts weiter ubr.g, als die Flucht in die Ocffentlichkeit. An maßgebender Stelle werde man vielleicht bald genug erkennen, wie falsch gehandelt worden ist, daß die Wünsche der Bergarbeiter unberücksichtigt geblieben fwd. Die Regierung sei bisher nur nachgiebig gewesen gegenüber den Wünschen der Kapi- talisten. Die Bergarbeiter rufen ihr zu, denen gegenüber hart zu werden und sich auf ihre Pflicht gegenüber den Arbeitern zu besinnen (Lebh. Beifall.) Durch»nichts wird die gedrückte Lage der sächsischen Berg- arbeiter so deutlich gekennzeichnet, als durch die Thatsache, daß in der langen nachfolgenden Debatte eine Anzahl Redner im Auftrage don Kameraden sprachen, die aus andem.Gruben als sie selbst thätig sind. Die Leute fürchten Maßregelung, wenn sie die Zustände auf den Gruben schildern, auf denen sie arbeiten. Durch die Debatte sowie durch den Referenten wurde ein schauder- Haftes Bild von den Zuständen im sächsischen Bergbau entworfen. Kein Redner weiß günstiges zu berichten. Die Antreiberei, vom Steiger an bis zum niedrigsten Fördermann geübt, wird immer stärker. Bergpolizeiliche Bestimmungen werden nicht beachtet. Da die Aufsichtsbeamten ihre Revisionen vorher anzeigen, bekommen sie in schlechtesten Oerter nicht zu sehen. Sonntagsarbeit, für die es höheren Lohn nicht giebt, wird besonders im Zwickauer Revier öfter gefordert. Für 2,S0 M. bis 3 M. mutz der Bergarbeiter den freien Sonntag drangeben. Infolge der schlechten Löhne ist un- genügende Ernährung die Regel. Fleischnahrung wird immer seltener. Die Verweigerung der Pension ist ein furchtbares Mittel, nicht ganz willfährige Arbeiter zu züchtigen. Die vereinbarte Schicht- dauer wird oft überschritten. Die Pausen werden nicht regelmäßig eingehalten. Holz zum Verzimmern ist auf manchen Gruben knapp, auf andern muß es weit hergeholt werden. Eine ganze Anzahl Redner erklärt, daß auf ihren Gruben Untersuchungen wegen der Wurmkrankheit nicht vorgenommen worden sind. Krankenwagen fehlen auf vielen Gruben. Im Leipziger Braunkohlen-Revier kommen oft sehr niedrige Löhne vor. Ueber die mangelnde Sicherheit wird Klage geführt. Meist fehlen Mannschaftsbäder. Die monatliche Lohnzahlung wird als schwerer Mitzstand empfunden. So zog sich die Debatte stundenlang mit einer gewissen schauer- lichen Monotonie dahim Nur Klagen, Beschwerden, ein un- endliches, trübes Bild, kein erfreulicher Ausblick. Die ganze Aus- spräche war fast nur ein stundendauernder Aufschrei des Schmerzes, der Empörung und der Wut einer auf das unerträglichste gequälten, nach Tausenden zählenden Arbeiterschaft. Weder von der Berg- inspektion, noch von der Regierung erwarten die sächsischen Berg- arbeiter baldige Hilfe. Auf die eigne Kraft, auf die Organisation sind sie angewiesen, wenn sie zu besseren'Verhältnissen gelangen wollen. Diese Erkenntnis bricht sich, wie die Debatte bewies, glück- licherweise auch bei den sächsischen Bergarbeitern immer mehr Bahn. Eine heilsame Lehre sollte die Debatte für die sächsische Re- gierung sein, die zum dritten Punkt der Tagesordnung(Beschluß- fassung über die einzuleitenden Schritte) stattfand. Derselbe sollte durch Annahme einer Resolution erledigt werden. Zwei Resolutionen lagen vor. In der ersten wurde eine Reihe von Forderungen an die Regierung und den Landtag ausgesprochen und dann die Not- wendigkeit der Organisation betont. In der ziveiten Resolution wird mit großer Schärfe zum Ausdruck gebracht, daß von der Regierung und den herrschenden Klassen nichts zu erwarten sei und daß die Bergarbeiter nur aus eine Besserung ihrer Lage rechnen können, wenn sie sich der eignen Kraft bewußt werden und sich organisieren. Die meisten Redner sprachen sich mit großer Schärfe gegen die arbeiterfeindliche Wirtschaft in Sachsen aus. Fast einstimmig wurde die letztere Resolution angenommen. Nach einem packenden Schlußwort Pokornys, mit einem Hinweis auf die Arbeiterpresse und mit der feurigen Aufforderung zum Ausbau der Organisation wurde um 7 Uhr abends die Kon- ferenz mit einem Hoch auf den Bergarbeitec-Verband geschlossen. 3. Generalverslunmllmg des Uerbimdes d. Wograpliell Stemdrucker und Derchgensssen DeuWtunds. Dresden, 23. Juli. Schlußsitzung. Es wird beschlossen, den Sitz des Hauptvorstanbcs in Berlin zu belassen. Als Vorsitzender wird S i l l i e r wiedergewählt. Da bei der geheimen Abstimmung 10 weiße Stimmzettel abgegeben worden sind, lehnt zunächst Sillier die Annahme dieses Postens ab, läßt sich aber, nach vielseitigen, wiederholten Bitten verschiedener Delegierten, zur Wiederannahme des Vorsitzendcnamtes bewegen.(Bravo.) Sein Gehalt wird auf 2400 M. und daß des Redakteurs auf 2300 M. pro Jahr festgesetzt. Der jetzige Kassierer Prall, der diesen Posten bisher imNebenamte versah, wird ständig angestellt und mit240aM. Jahres- gehalt besoldet. Die Frage der Anstellung von Gauleitern wird bis nach der Verschmelzung mit dem Sennefelderbunde zurückgestellt. Der Anfangsgehalt neu anzustellenderBcamter darf 2000 M. pro Jahr nicht übersteigen. Den Ausschutz zu verlegen, da oft Reibungen durch diesen verursacht seien, wird von einigen Delegierten beantragt. Andre wieder wenden sich hiergegen. Räch länger Debatte wird beschlossen, den Ausschuß am bisherigen Orte, Nürn- berg, zu belassen. Die Statutenberatungskommission hat zur Beitragserhöhung und Erweiterung der Unterstützungs- einrichtungen einen Kompromißantrag vorgelegt. Dieser wird nach kurzer Debatte, mit Ablehnung der Beitragserhöhung und Annahme eines Eventualantrages hierzu, angenommen. Die übrigen Anträge auf Aenderung des Statuts und der Beschlüsse der Kommission dazu, sind meist nur verwaltungstechnischer Natur. Nach längerer Debatte wird eine Erhöhung der am Ort verbleibenden Prozente der Ein- nähme von 12 auf 15 Prozent beschlossen. Ferner wird die Grenze der Mitgliedcrzahl, nach welcher die Delegierten zur Generalversamm- lung zu wählen sind, auf 200 erhöht. Mehr als 4 Delegierte dürfen aber von einer Zahlstelle nicht geschickt werden. Durch eine Aende- rung des Streikreglements wird den Mitgliedschaften die selbständige Beschlußfassung über Streiks genommen. Den Agitationskommis- sionen wird eine größere Bewegungsfreiheit für ihre Thätigkeit und für Ausgabe von Geldern gegeben. Nähere Bestimmungen sollen noch getroffen werden. Die nächste Generalversammlung wird in Hannover stattfinden. Die Tagesordnung der Generalversammlung ist damit an ihrem Schluß. Mit den üblichen Schlußworten und einem Hoch auf den Verband wird darauf die Generalversammlung geschlossen.__ Hua Indwftm und Ftandel. Die Lage des Nrbeitsmarktes im Juni hat sich, wie das„Reichs- arbeitsblatt" berichtet, wenig geändert. Abgesehen von den all- sommerlich eintretenden Einflüssen der Saison in einzelnen In« dustrien sowie der Saison in den Bädern und des Beginns der land- wirtschaftlichen Arbeiten in diesem Monat, welche dem städtischen Arbeitsmarkt eine Anzahl Arbeitskräfte entziehen, find bemerkens- werte Acnderungen der allgemeinen Konjunktur nicht hervorgetreten. Die Flauheit im Kohlenbergbau ist insbesondere im Ruhr- bezirk noch nicht überwunden. Die Konjunktur in der Metall- und Maschinenindustrie ist verhältnismäßig günstig, und auch in der e l e k t r i s ch e n I n d u st r i e hat die befriedigende Ar- beitslage im Monat Juni angehalten. Die Textilindustrie litt auch im Monat Juni unter starken Preisschwanlungen, in ein- zelnen Branchen(Krefelder Industrie) ist die Arbeitslage zur Zeit recht ungünstig. Die B a u k o n j u n k t u r in den einzelnen Städten war verschieden. Sie wird als gut bezeichnet für Köln und Berlin und wies eine Hebung auf in Magdeburg, Breslau, Braunschweig, Frankfurt a. O. Verschlechterung wird nur berichtet für Halle a. S. In den mit dem Baugewerbe in Zusammenhang stehenden Gewerben, insbesondere in der Cementindustrie, Steinindustrie, Zieglei, Tonröhrenindustrie lagen normale Verhält- nisse vor. Recht gut beschäftigt war in den meisten Bezirken die Bautischlerei, ebenso die H o l z s ä g e w e r k e. Von den holz- verarbeitenden Industrien besserte sich die Arbeitslaae in der Rahmenbranche, wogegen die Leistenfabrikation, Kistenfabrikation, i Holzdrechslerei, Fräserei und Holzbildhauerei flaue Beschäftigung zu ' melden hatten...... Der Verkehr bei den Arbeitsnachweisen gestaltete sich recht leb- hast. Sowohl die Ziffern der VermittelungSthätigkeit als auch die Bcgleitberichte der Arbeitsnachweise ergeben, dc.si �ex Arbcitsmgrkt für diejenigen Kreise, welche die Arbeitsnachweise benutzen, sich in diesem Juni günstiger gestaltet hat als im Juni des Vorjahres. Die Mitgliedsziffern der Krankenkassen weisen zwar anscheinend einen geringen Rückgang auf, jedoch erklärt sich derselbe teils durch einen erheblichen Rechenfehler bei einer Kasse, teils durch das Abströmen von Arbeitskräften in die Bäder und in die Landwirtschaft. In den an das kaiserliche Statistische Amt berichtenden Arbeiterfachverbänden waren am 30. Juni 1,2 Proz. der Mitglieder arbeitslos gegen 3,2 Prozent am 30. Juni des Vorjahres. Ter Einfluß des ostasiatischen Krieges auf die russische Industrie. Der russischen Regierung sind anscheinend die aus russischen Handels- und Jndustriekreisen ins Ausland dringenden Berichte über den schädigenden Einfluß des Krieges auf die Geschäftslage sehr un- bequem— recht begreiflich, da bekanntlich die russische Regierung das deutsche Volk mit einer neuen Anleiheaufnahme beglücken will. Deshalb läßt sie sich in letzter Zeit angelegen sein, nicht nur die russischen Ernteaussichten weit günstiger hinzustellen, als sie nach den Nachrichten unverdächtiger Berichterstatter sind, sondern auch die Lage der russischen Industrien als durchaus zufriedenstellend zu schildern. Erst heute läuft wieder eine Meldung des Russ. Handels- Telegraphcn-Bureaus durch die kapitalistische Presse, welche den deprimierenden Einfluß des Krieges auf die Industrie leugnet und zum Beweise dafür sich auf— die im russischen Fmanzministerium eingelaufenen Berichte der Fabrikinspcktoren beruft. Gegenüber diesen offenkundigen Vertuschungsversuchen verdient eine Meldung der„Köln. Volksztg." aus Lodz Beachtung, wonach die Aufträge aus Rußland diesmal weit spärlicher eingehen und die Regelung der Schuldverpflichtungen aus der vorigen Geschäftssaison auf ernste Schwierigkeiten stößt.„Was die Bestellungen anbetrifft," heißt es in diesem Bericht,„so waren dieselben um 30 Proz. geringer, als man gehofft hatte. Außerdem war es sehr schwer, die Kaufleute zu bewegen, Aufträge zu erteilen. Bei mittleren Abnehmern dürfte die bestellte Ware erst dann geliefert werden, wenn die früheren Verpflichtungen, wenn auch nur teilweise, gedeckt sind. Eine solche Vorsicht ist erforderlich; denn die Stockung in Handel und Gewerbe hat in der letzten Zeit UnPünktlichkeit in der Bezahlung nach sich gezogen, wie sie schon lange nicht da war. Die Umstände zwingen alle Hersteller, die Erzeugung wenigstens auf eine gewisse Zeit ein- zuschränken. Die außergewöhnliche Stockung hatte für die Besitzer derjenigen Unternehmungen, die auf großem Kredit beruhen, die Folge, daß ein Teil der Unternehmungen entweder den Besitzer wechselte, oder überhaupt aufhörte, zu bestehen. Unter den gegen- wältigen Umständen wird man auf eine baldige Besserung der Lage unsers Warenmarktes wohl kaum rechnen können.... Jedenfalls stekft es fest, daß die Hersteller unter dem Ddruck des gegenwärtigen Geschäftsstandes gezwungen sind, die Arbeitszeit zu verringern. Nicht nur kleinere Werke haben die Arbeitstage und-Stunden ge- kürzt, sondern auch größere, und den Plänen maßgebender Kreise zufolge soll der Arbeitstag noch mehr verkürzt werden, wenn der Stillstand fortdauert. Bayrischer Saatcnstanbsbericht. Nach dem amtlichen Bericht steht der Winterweizen, der Winterspclz, der Winter- und Sommer- roggen, sowie die Sommergerste in Bayern sehr günstig, während Klee, Luzerne und Wiesengras nur als mittelgut gelten können. Der Stand der einzelnen Sorten ist folgender(1_ sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 ungenügend, 5 schlecht): Wintcrweizen 1,87, Sommerweizen 2,41, Wintcrroggen 1,84, Sommerroggen 1,22, Sommergerste 2,00, Hafer 2,49, Raps 1,84, Winterspelz 1,68, Kar- toffeln 2,28. Klee 2,67, Luzerne 2,53, Wiesen 2,61. Tabak 2.13, Hopfen 1,99 und Wein 1,48. Norddeutscher Lloyd. Das schlechte Frachtgeschäft nach den Ver- einigten Staaten von Amerika veranlaßt nun auch den Norddeutschen Lloyd, seinen Frachtdicnst im Mittelmcer auszudehnen. Er wird vom November d. I. ab eine regelmäßige Verbindung zwischen Bar- celona, Marseille, Neapel und Alexandrien für Fracht- und Passagier- verkehr einrichten. Für die Fahrt wird der Doppelschraubendampfer „Schleswig" eingestellt werden. Zur Schiffahrtsstörung. Der durch die Trockenheit der letzten Wochen herbeigeführte niedrige Wasserstand der Flüsse hat vielfach zu gänzlicher'Einstellung der Binnenschiffahrt gezwungen. Beson- ders auf der oberen Oder. Die Breslaucr Schiffahrts-Aktien- Gesellschaft ist der„Schles. Ztg." zufolge durch den Wassermangel mit ihrem gesamten Fahrpark— 24 Personen» und Schleppdampfern und 53 Kähnen, die ein Aktienkapital von 1 900 000 M. repräsentieren— fast vollständig lahmgelegt; nur die Personen- dampser verkehren noch streckenweise. Der Frachtverkehr auf der Oder ist durch die zahlreichen Sandbänke und festsitzenden Kähne einfach gesperrt. Allein zwischen Kosel-Oderhafen und der Neisse- mündung liegen etwa 1500 beladene Kähne fest, davon einige schon seit Mitte Mai. Die Ausfuhr von Industriewaren aus den Ncreinigten Staaten von Amerika wird in diesem Jahre selbst die des Jahres 1900 über- steigen, das bisher die größte Ausfuhr hatte. Infolge des Rück- ganges des JnlandsabsntzeS haben die amerikanischen Fabrikanten versucht, ihren Export möglichst auszudehnen, und, wie die Zahlen beweisen, mit Erfolg. Zwar liegen nur erst Detailangaben siir die mit Mai er. beendeten ersten elf Monate des jüngsten Fiskaljahres vor. Doch sind in dieser Zeit bereits für 17 000 000 Dollar mehr Industrie- Produtte zur Ausfuhr gelangt als in der ent- sprechenden Periode des Jahres 1000, nämlich für 410 636 478 Dollar, gegen 393 039 579 Dollar. Verhältnismäßig am stärksten zugenommen hat die Ausfuhr von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten. llllusikinstrumentcn, Gummiwaren, Wagen und Waggons, Holz- fabrikaten und Papierwaren. Dagegen bleibt bis jetzt die Ausfuhr von Eisen- und Stahlwaren um rund 10 Millionen Dollar hinter der des Jahres 1900 zurück: ein Beweis dafür, wie sehr die Kon» kurrenzfähigkeit der amerikanischen Eisenindustrie während der letzten Jahre der Zollkänipfe bei uns überschätzt worden ist. Saatenstaud in Frankreich. Auch das französische Ackerbau- Ministerium kommt jetzt mit seinem Saatenstandsbericht heraus. Danach stand zu Beginn dieses MonatS: Winterweizen in 28 De» partements gut, in 49 ziemlich gut, in 6 leidlich, in 2 mittelmäßig, in einem schlecht. Sommerweizen in einem sehr gut, in 22 gut, in 27 ziemlich gut, in 4 leidlich; Mschgetreide(Weizen und Roggen) in 24 gut, in 37 ziemlich gut, in einem leidlich, in 2 mittelmäßig; Roggen in 41 gut, in 36 ziemlich gut, in 4 leidlich, in einem mittelmäßig; Winterhafer in 23 gut, in 31 ziemlich gut, in 2 leidlich, in einem mittelmüßig und in einem schlecht; Sommerhafer in 2 sehr gut, in 31 gut, in 42 ziemlich gut, in 6 leidlich; Wintergerste in 2 sehr gut, in 23 gut, in 28 ziemlich gut. in einem leidlich, in 2 mittelmäßig, in einem schlecht; Sommergerste in einem sehr gut, in 36 gut, in 35 ziemlich gut, in 3. leidlich, in einem mittelmäßig. Die Berliner Wcrkzengmaschinenfabrik vorm. L. Sentker, Aktien- gescllschaft, schließt ihr Geschäftsjahr mit einem Betriebsverlust von 32 828 M., der sich durch Hinzurechnung der erforderlichen Ab- schreibung noch um 68 000 M. erhöht. Im vorigen Jahre betrug der Verlust 149 749 M. Der Reservefonds beträgt nach Abzug dieses Verlustes nur noch ca. 70000 M. Kaufmännische Kranken- und Stervekasse von 1885(E. H. 71.) Dienstag, den 26. Juli 1904, abends 3 Uhr, im Restaurant Frädttch, Me Jakobstr. 89: Sitzung. Vortragsabend. Am Donnerstag, SS. d. M., abendS 3 Uhr, hält der Schriftsteller KarlSchncidt im Saale des Herrn Ernst Ob st zu Schönebcrg, Martin Luiherstr. 61, einen tritifch-satirischcn Vortrag. Frauen haben Zutritt. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am©cmnfagntovfien 4 Uhr verschied nach langem, qualvollem Leiden unser langjähriges, treues Borstandsmitglied 1S6/2 Mermaim Jolm. Die langjährigen treuen Dienste, tvelche der Verstorbene un- ermüdlich und mit stetem Eifer der gesamten Organisation geleistet hat, werden demselben ein ehrenvolles Zlndcnkcn bewahren. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Central-Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Uerl. Reiehstags-Mkreisesf (Osten). Stadtbezirk 190d. Todcs-An zeige. Am 24. d. Mts. starb unser langjähriges Mitglied, der Töpscr �ermann Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gcmeindesricdhoss in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 243/20 Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag mein lieber Gatte, unser Bruder und Schwager, der Töpfer tiermann iokn nach qualvoller Operation ent- schlafen ist. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 3 Uhr, von der Leichenhalle des Central- Friedhofes in Friedrichsselde statt. Berlin, 25. Juli 1904. 2944b Um stille Teilnahme bitten fnsdg lohn nebst Kind, Hugo John als Bruder nebst Familie, Varl lllllievs als Schwager. I'üpke!' Moabits! Zur Beerdigung»nsres Kollege» Hermann John gemeinschaftlicher Abmarsch von der Zahlstelle, Mittwoch l'/s Uhr. Zahlreiches und Pünktliches Er- scheinen wird vorausgeseht. Der Bezirksielter. Dr. Simmel, Specialarzt für[13/8* Kant- nnd Ilnrnlcldun. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Former Hernmim Maliselike am 24. d. Mts. an der Proletarier- krankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 27. Juli, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle de? Berliner Zricdhoses in Friedrichsselde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/10 vis Ortsvorwaltung. MEMgaB— MBIiIiWIIIH IMII Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 24. d. M., j verstarb unserMitglied, der Former> Hermann Malischke! F c n n st r. 45. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mitt- woch, den 27. d. Mts.. nachmittags 4�z Uhr von der Leichenhalle des StädtischcnFricdhoscsinFriedrichs- selbe statt. 248/2 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Dauksagttttg. Für die vielen Beweise der innigen Teilnahme und Kranzspenden bei dem Begräbnis meines geliebten Mannes und guten Vaters, des Maurers Kevksi'eZ Trage sage allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Centralverband der Maurer, dem Wahlvcrein von Schöne- bcrg und dem Gesangverein„Freiheit W." meinen tiesgesühlten Dank. 5845L Hoilwig Trage und Tochter. Rose Grabowsld Heinrich Placzek Verlob to Breslau I Berlin NW. King 37. Flonsburgerstr. 26, ferband d. Rürselmer Berlins u. Bing. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege rrledriLd Habeeker Donnerstagnacht freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Die Beerdigung sindet heute, Dienstag, den 26. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Heiligen Krcuzkirchhoscs, Marieudors, Kirchhosstrage, aus statt. 102/16 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. T'ades-Anzoige. Allen Kollegen und Bekannten! zur Nachricht, dag unser Kollege! und Mitarbeiter, der Kürschner Frilz Habecker plötzlich verstorben ist. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. DicBcerdigung findet amDiens- tag, dcn26.JuIi, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- kreuz- Kirchhofes in Maricndorf aus statt. 2945b Bio Kollegen und Kolleginnen der Firma G. A. Hoffmann, Gneisenaustrage Nr. 33. Von der Eciso zurück! Willy Eeiniiard Atelier für Zahnersatz (gesetzlich geschützt 176342) Prinzenstr. 103, Ecke Wasserthor-Strasse. Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn-»ud stzraueiileidc», Sez'delstr.». Wochentags V,!«-1/.«,'/jÖ-'/jS. Krav!- und Klunikiiblnderei urm Robert Meyer,. nur Uammieii-Straße 2. Bereins-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, Bouquets, Guirlandcn usw. werden sein u. preiswert geliesert KrizK-nottMem PurBluhirme Kranke ärzHich eopFohlen Fi.150 um lüberall zu haben in Apotheken, Eroguen- und Delikatessen-Geschäften, steht unter ständiger Kontrolle des Gerichts- Chemikers Dr. C. Bischaff.* Scheruchs Pestsäle Itüdersdorterstr. 45. 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Forststraße 17.+145 Schlosser aus Borsetzerbau sosort gesucht. Paul Sachse. Reinickcudors Residenzstraße 72.___ 29406 Cigarettcn-Arbciter und Arbeiterin verlangt Ben Schira, Greiscnhagcncr- straße 14._+61* Schreibmaschinen- Schule und Abschristcn-Burcau, Klostersh'aße 30. Junge Mädchen erhallen Unterricht im Maschinenschreiben, Stenographic, Richtigsprcchcn, Richtigschreiben, srcm- den Sprachen bei Dame. Von monat- lich 3 Mark an. Später Stellung. Karton-Arbeiterinnen, geübte, ver« langt Neiunann, Stalljchreiber- swaye 23a. 16/18* Arbeiterinnen zur Bestecks abri- kation, zunächst aus Lohn, tl Mark, später aus Accord, verlangen Hcnniger u. Co., Alte Jakobstraßc 106.+74 Stepperin und Handnähcrin aus Stofsboscn verlangt Becker, Christ- burgerstraße 39.+63* Mamsells aus Paletots im Hause, auch zum Lernen. Fischer, Gleim- straße 6 I, Ecke Grauuslraßc.+103 Flotte Stepperin, Zuarbeiterin, verlangt Wendel, Gubenerslraße 24. Im ArbeitSmarkt durch' besonderen Druck hervorgehobene Auzeigeu koste» 40 Pf. pro Zeile. Tüchtige< 58162* Bolzen- und Mutternpresser werden sosort gesucht. Reise wird ver- gütet. Offert, erbeten an Schrauden-, Mutlern- und NietenFabr., Aktienges. Hclicllniiibl/Danzig. Ein liundagist nach Barmen zum Anlegen von Bandagen und sür Werkstclle sofort gesucht(Allein- arbeitet. Offerten mit GchaltS- ansprüchen unter l.. M. 19336 an die Annon.-Exp. A. Baumgarten, Barmen. Musikinstrumenten-Arbeiter! Die Pianino-Fabrik von A. Gast& Co. Frankfurter Allee 117a ist wegen Lohndifscrcnzen sür alle Branchen gcspccH;. 144/17* Zuzug streng fernzuhalten! Fachvarein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Achtung! Infolge Differenzen haben sämtliche Kollegen bei der Firma J. C. Pffflff die Arbeit niedergelegt. Zuzug streng fernhalten! 21/19* Dia Drlsverwallung. tüchtige Srdarbeiter werden bei hohem Zlccordlohn für Kannlisa- tions- Arbeiten gesucht. Meldung ans den Baustellen in Charlottenburg bei dem Schacht- meister Berge mann, Suarezstrahe, Ecke Rönnestraße i. d. Nähe Charlottenb. Bahnhos. 583DL* Veranttv. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Lür den Lnstratenteil vercmtw,: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagscmstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.