Nr. 174. fftonntmenfS'Bcdlngnngen- HSonnemeiüS- PrelZ prSnum« gang noch nicht zur Besinnung gelangt. Die. P o st' hat sich durch Herrn Abel einen Arttkel anfertigen lassen. Gerade als das Blatt durch Lorenz- Denunziattonen den Versuch gemacht hitttt, die Königsberger Staatsanwaltschaft zu stützen, ereignete sich der Zusammenbruch des Prozesses, und im be- sonderen die.Post'-Abelei wurde zum allgemeinen Gelächter offenbar; seitdem hat die.Post' das Wunder geleistet, eine Woche lang keinen einzigen Hetzartikel gegen die Socialdemokratte zu verbrechen. Herr Abel und andre Schmutz-Finke, von denen sich das Denunziantenblatt mtt Borliebe bedienen läßt, hatten keine Arbeit zu verrichten und keinen Verdienst. Jetzt muß das Handwerk letie wieder am- genommen werden. Und der Neubeginn der fast entwöhnten Thatig- keit zeugt denn auch in seiner Zaghaftigkeit noch gar sehr von den brennenden Wunden, die den Flug des Scharfmachertums hemmen. Der Arttkel, den die.Post' leistet, ist ein noch zehnfach ver- dünnter Abguß deS Gebräus, das der Königsberger Staatsanwalt zusammengerührt hat. Kläglich bedauert die.Post', daß der Gerichtshof der Verteidigung zu weiten Spielraum gelassen habe,„indem er ein so ausgedehntes Eingehen auf die polittschen und rechtlichen Zustände im Innern des russischen Reiches gestattete'. Die„Post' fühlt, wie das von ihr verehrte Russensystem bis in den Grund aufgedeckt und gebrandmarkt ist. Schließlich schwingt sich das Abel-Organ zur Feststellung dieses Erfolges des Prozesses auf: „Vom nattonalen Standpunkte aus ist es mit Genugthming zu begrüßen, daß einem geheimbündlerischen Treiben der llmsturzpartei, das eifrig einer flotten Verbreitung revolutionärer und auch anarchistischer Schriften diente, ein Ende gemacht ist." So erheuchelt man Scheintrost über den fabelhaftesten Reinfall, den die Scharfmacherei je erlebte. In Wahrheit wird von nun ab erst recht flott die Unterstützung der russischen Freiheitsbewegung durch alle anständige» Menschen Deutschlands vor sich gehen. Gerade der Prozeß hat Tausende an die Pflicht gemahnt, die sie bisher nicht sahen. Indem man die bisherigen Bemühungen Einzelner durch unglaubliche Auslegung des Strafgesetzbuches zum Geheimbund stempelte, wird nun unter ausdrücklicher Inanspruchnahme der vollsten Oeffentlichleit das geschehen, was die„Post' ängstigt. Nicht„ein Ende ist gemacht,' jetzt wird der„Geheimbund" erst recht sich be thättgen vor den Augen aller! Die„D e u t s ch e T a g e S z e i t u n g' ist, wie es dem Junker- sprachrohr gebührt, an der Seite der„Post". Sie erklärt es als .unbegreiflich,' daß ein großer Teil der bürgerlichen Zeitungen der Socialdemokratte sekundieren und nachplappern und nachkauen was der„Vorwärts" vorgekaut und vorgesagt hat. ES ist„unbegreiflich", daß Zeitungen— wider ihre Neigung— sich den zwingenden Er- gebnissen von Königsberg fügen, die„Deutsche Tagesztg." verfährt begreiflicher, indem sie, ohne Rücksicht auf Vernunft und politische Gerechtigkeit, die Ergebnisse des Prozesses unterschlägt und für die preußisch-russische Reaktton zu retten sucht, waS nicht zu retten ist. �Dieses vortteffliche Blatt, daS möglichst hohe Brotzölle liebt, wünscht möglich st niedrige Rechtsordnung. Es hätte eine Verurteilung wegen russischen Hochverrats gewünscht und es erscheint ihm„allerdings genügend",„wenn die Gegenfeittgkeit zu dem Zeitpunkte ausdrücklich verbürgt wird, in dem die Frage erst eigentlich akut wird." Das Junkerrecht der„Deutschen Tageszeitting' verwirft die Rechtsprechung gemäß dem Gesetz und fordert Ber- urteilung nach reaktionärem Bedürfnis. Diesem hochentwickelten Rechtsempfinden gesellt sich würdig der „Tagcszeitungs'-Jnttllekt, der zu dem Ergebnis gelangt: „Der Prozeß hat also bekundet und bewiesen, daß die deutsche organisierte Socialdemokratte mit daran arbeitet, in Rußland den Zarismus durch die Revolution, da es anders nicht möglich erscheint, zu stürzen. Mögen die im Prozesse Angeklagten und zum Teil Verurteilten auch nur Handlanger ge- Wesen sein, sie haben sich doch, wenn man die Dinge unbefangen beurteilt, schuldig gemacht und Strafe verwirkt. Aber nicht sie saßen eigentlich in Königsberg auf der Anklagebank, sondern die o r- ganisierte Socialdemokratie. Das macht auch d i e Nervosität der socialdemokratischen Presse verständlich, mit der sie sich bemühte und immer noch bemüht, die Aufmerksamkeit von dem eigentlichen Wesen und d»r eigentliche» Bedeutung des Prozesses abzulenken. Nicht die juristischen Formfragen waren und find die Hauptsache, sondern die Symptome der Revolution, die in Königsberg enthüllt worden sind." Also: die nervöse Socialdemokratte hat die Bedeutung von Königsberg in den„juristischen Formfragen' gesucht I So stürzt das Blatt des Dr. Oertel die Wahrheit um. Thatsächlich haben wir in der Unüberlegtheit, die den Staatsanwalt in dem Prozeß verführte, ohne daß er die oberste formale Vorbedingung für seine Möglichkeit genügend prüfte, nur ein Zeichen mehr der blind reaktionären Leidenschaftlichkeit dieses Verfahrens gesehen. Und die politische Bedeutung des Prozesse» wurde vom Anfang bis zum Schluß gerade von unsrer Seite aufs schärffte herausgestellt. Freilich, der agrarische Oertel« Intellekt sinkt in die Lächerlichkeit, da er stolz kündet, in Königsberg seien„die Symptome der Revolution" enthülst worden. Das Maß der bewußten Wahrheitswidrigkeit wirkt nur noch humoristisch, da die Enthüllten des Königsberger Prozesses für das allgemeine Be« wußtsein die russisch- preußischen Gewaltherrscher und ihre Be- dienten sind. « Außer der konservativen Junkerei vermag fast die gesamte Zeitungswelt sich der Thatsache nicht zu verschließen, daß Königs« berg für die Veranstalter des Prozesses zur schweren Niederlage, für die Socialdemokratte zum moralischen Triumph geführt hat. Selbst die konservativen„Berk. Neuesten Nach- richten' fällen ein überaus scharfes Urteil gegen die Anstifter des Prozesses! wahrlich nicht, um, nach der Meinung der„Deutschen Tageszeitung", der Socialdemokratte gefällig zu sein, sondern weil das Blatt es als schädlich für die konservativen Interessen er- achtet, wenn hier der kindisch unsinnige Versuch gemacht wird, auch diesen Fall noch gegen die Tocialdeinolratis zu kehren. Die«Berk. Neuest. Nachr.' schreiben: „Unter einer Reihe von peinlichen Prozessen der letzten Zeit — Kwilecki, Pommernbank, MeyerS, Gelsenkirchen usw.— ist der Königsberger HochverratS-Prozeß der schlimmste, und heute sagen sich sicherlich f a st alle Stellen, die bei seiner Jnscenierung mitgewirkt haben: man hätte besser gethan, den Fall nicht vor die Gerichte zu bringen. Die weitaus vor- herrschende öffenttich« Meinung ist durch de» Verlaus der Sache nur in der Ansicht bestärkt worden, daß es sich um einen politischen Prozeß handelt, daß übereisrtg die Anklage gestellt wurde, um Rußland einen gute» Dienst z« erweisen. Das Gegenteil ist eingetreten: es ist ihm ein sehr schlechter Dienst erwiesen. Der Socialdemokratte, den wütendsten Feinden Ruß- lands, ward die Gelegenheit gegeben, öffentlich kulturwidrige, beschämende und entrüstende Zustände des Zarenreiches in den allerschwärzesten Farben der Welt auszumalen.... Zieht man viel ab, es bleibt doch noch genug übrig, um den Triumphruf des „Vorwärts" zu rechtfertigen:„Rußland stand vor Gericht, das heilige Rußland, das Rußland der Peitsche und aller blutigen Unmenschlichkeit.' Leider ist auch etwas Richttges daran, wenn der„Vorwärts" fortfährt:„Und mtt diesem Rußland Preußen- Deutschland." Ehe man einen solchen heiklen Prozeß begann, hätten unsre maßgebenden Stellen sich wenigstens über seine unumgänglichen Grundlagen im klaren sein müssen... Die deutsche Anklagebehörde hat sich also in sehr ern st er Sache nicht genügend informiert. Sie und Mitglieder der deutschen bezw. preußischen Regierung haben russischen Beamten und Quellen zu viel Vertrauen geschenkt; auch teilweise unrichtige Uebersetzungen sind produziert worden... Wären die verantwortlichen Stellen von vornherein über die Grundlage des Prozesses, über die mangelnde Gegenseitigkeit. gehörig unterrichtet gewesen, so hätte man gewiß bloß unter der Anschuldigung geheimer Verbindung die Angeklagten nicht so lange vor dem Urteil der Freiheit beraubt. Es wird auch nach wie vor mancke Leute, nicht bloß Social- demokraten, geben, welche der Meinung sind, die Anklage und die Beweise betreffs der geheimen Verbindung stände» auf schwachen Füßen. ... Justizminister Schönstedt hat schon vor Jahren im Parlament selbst zugegeben, daß die deutsche Rechtsprechung im Volte nicht das Vertrouru genießt, welche» sie besitzen müßte. Der Königsberger Prozeß kann leider in dieser Beziehung weiter deprimierend wirken.„Königsberg ist zur weitreichenden, machtvollsten, in all ihren Folgen noch unabsehbaren Demonstratton für die deutsche und für die russische Socialdemokratte geworden." Diese Faniare deS„Vorwärts" entbehrt leider weniger der Grundlage, als das bei diesem verfehlten Hochverrats- Prozeß der Fall war I Er hat sicherlich der Socialdemokratte mehr Freude und Nutzen gebracht, als Rußland und der d mischen Justiz." Von den nationalliberalen Blättern hat die„National- Zeitung" die überaus erheiternde Idee, sich über den ihr wider- wärtigen Erfolg unsre Partei durch die Bemerkung zu trösten, daß auch ohne Znthun der Socialdemokratte die Reformbedürftigkeit der russischen Zustände bekannt war. Wir hoffen, daß die „Rattonal-ZeitungS'-Leute durch die Herabwürdigung der ruffischen Zustände, die bekanntlich nach dem Staatsanwalt auf gesetzlichem Wege nicht zu reformieren sind, sich nicht die Anklage des Hoch- Verrats zuziehen. Die„National-Zeitung" hat allerdings für den Fall dieser Anklage schon dje Freisprechung verheißende Verteidigung bereit, daß man nicht Iveiß, ob der Zarismus schlimmer ist oder— „die Gewaltherrschaft eines auf der deutschen Republik zun: Diktator emporsteigenden Soeialistenführers von heute". Im schweren Kummer um den socialdemokratischen Gewinn krönt die„National-Zeitung" die mißgelaunte Kritik am Königsberger Verfahren durch eine Albernheit gegen die Socialdemokratie. Ueber den Prozeß selbst sagt das Blatt u. a.: „Wesentlich ist der Freispruch wegen Hoch- Verrats. Er läßt den ganzen, langwierigen Prozeß als Schlag ins Waffer, als eine unvorsichtig eingeleitete Aktien erscheinen, bei der mit großen Mitteln nichts erreicht ist. Eine Schmuggler- gesellschast, die aufteizende Schriften nach Rußland vertrieb, ist wegen geheimer Verbindung zu einigen Monaten Gefängnis ver- urteilt. Aber der Hochverratsprozeß als solcher ist in sich zusammen- gebrochen. Er war unbedacht in Seme gesetzt, indem seine recht- liche Grundlage nicht rechtzeitig geprüft worden ist... Wir müssen wiederholen, daß der Vorwurf der unbedachten Einleitung des Prozesses nicht nur die Staatsanwaltschaft trifft, sondern besonders auch das Justizministerium, unter dessen erheb- sicher Mitwirkung nach Minister Schönstedts eignen Aussagen das Verfahren eingeleitet worden ist. In der Geschichte der preußischen Justiz wird der Königsberger Prozeß wahrlich kein Ruhmesblatt bilden. Daß der Socialdemokratte der Tr.iumph des Königs- berger Freispruchs iiifolge der begangenen Fehler bereitet worden ist, kann im übrigen nur lebhaft bedauert werden...." Ohne törichtes Nebengeschwätz spricht sich die„ K ö I n i s ch e Zeitung' also aus: „Durch das jetzt ergangene Urteil im Königsberger Prozeß hat die Staatsanwaltschaft ein» Niederlage erlitten, wie sie empfind- sicher kaum gedacht werde» kann. Daß einige der Angeklagten wegen Geheimbündelei verurteilt worden sind, hat keine nennenS- werte Bedeutung und steht in gar keinem Verhältnis zu dem politische» Schaden lfllr die russisch-preußische Reaktion. Red. des „Borw."), den der Prozeß angerichtet hat..;. Die Bilanz der Verhandlungen kann demnach dahin gezogen werden, daß man Rußland nicht nützte, sondern schadete, daß da« Ansehe» unserer Justiz nicht gr- fördert und schließlich nur dadurch vor besonderer Schädigung bewahrt wurde, daß die Richter in den wesentlichen Punkten zu einem freisprechenden Erkenntnis kamen. und daß endlich die deutsche Socialdemokratie allen Anlaß hat, den Veranstaltern de« Prozesses, der für sie zu einer großen Reklame wurde, dankbar zu fein. Das gesamte Ausland hat diesen Prozeß mtt großer Aufmerksamkeit verfolgt. Wäre, wie es den Wünschen der Anklagebehörde entsprochen haben würde, eine Ver« urteilung wegen Hochverrats erfolgt, so würde da« sicherlich nur gl sehr dazu beigetragen haben, uns in den Augen des Auslandes erabzusetzen, uud es würde damit ein Schaden angerichtet worden k s- >eravzusetzen, uuo es wuroe vannr ein l-scyaoen angericylel woroen .ein, der zwar nicht in Zahlen ausgedrückt werden kann, der aber zu den Imponderabilien gehört, die für daS potttische Ansehen eines Volkes von größter Bedeutung sind.' Aus der linksliberalen Presse haben wir gestern bereits einige Aeutzerungen entnommen: Das„Verl. TagebL" ergänzt seine Ausführungen heute, indem eS sich gegen die Konstruktion der Geheimbündelei wendet: „Man wird nicht behaupten können, daß diese Argumentation des Gerichtshofes sehr überzeugend wirkt. Es kommt zuletzt dar- auf an, was unter einer geheimen Verbindung zu verstehen ist. Der Gerichtshof hat diesen Begriff sehr weit gefaßt. Aber immerhin mutz doch bei einem strafbaren Geheimbunde eine Einwirkung auf die öffentlichen Angelegenheiten des Deutschen Reiches bezweckt iverden. Es bedarf unsres Erachtens einer sehr künstlichen Interpretation, um in dem Schristenschmuggel nach R u tz l a n d die Merkmale einer solchen Einwirkung ans deutsche Verhältnisse zu finden.... T Pudels Kern ist doch nichts andres als eine Schmugglerorganisation, die diesmal keine niateriellen, sondern ideelle Ziele hatte. Das ist aber eine Angelegenheit, die nur Rußland angeht, nicht das Deutsche Reich. Im übrigen freuen wir uns, daß der Gerichtshof wenigstens den Mut hatte, das Netz der Hochverrats- Argumente zu zerreißen. Es bestand thatsächlich nur aus juristischen Spinneweben. So ist es gekommen, daß man der Socialdemokratie zu einem billigen Märtyrer- erfolge verholfen hat. Man muß die preußische Staatsbehörde fragen: War das der Zweck derllebung?" DaS„Tageblatt" überschätzt den Gerichtshof, da es annimmt. er habe den Mut gehabt, das Netz der Hochverrats-Argumente zu zerreißen. Dies ist nicht der Fall. Im Gegenteil, das Gericht bekundete deutlich die Neigung, auch wegen Hochverrat zu verurteilen; lediglich die durch keinen juristischen Hilssgriff übersteigbare Schranke der nicht verbürgten Gegenseitigkeit hinderte daran. Wenn das liberale Blatt den„Märtyrererfolg" billig nennt, so ist die Frage erlaubt, warum nicht auch Liberale solche Er- folge, wenn sie so billig zu erwerllen find, erreichen? Wer den Kampf dieser Zeit nicht in aller Ernsthaftigkeit führt, sondern tausend Vorbehalte und Rechnungsträgereicn betreibt, wird zwar nie zum Märtyrer, hat aber auch niemals politische Wirkung. Die„Vos fische Zeitung" läßt sich auch durch diese Vor- gänge nicht aus der beschaulichen Ruhe des liberalisierenden Beobachters erheben. Sie beschließt ihre Betrachtung über den Prozeß also: „Handelt es sich nun um Vergehungen, die so schwerer Art sind, daß sie das Aufsehen der Welt erregen mußten? In einer Beziehung: Ja. An der russischen Grenze schmuggelt jeder. Wenn es sonst nichts zu schmuggeln giebt, wird mit Makulatur geschmuggelt. Die Welt wird sich das merke». Aber die Erwartung ist getäuscht worden, daß man anarchistischen, nihilistischen, auf Mord abzielenden Handlungen auf die Spur kommen würde. Es handelt sich um Schriften, in denen Unzufriedenheit mit ruisi- scheu Zuständen an den Tag gelegt wird. Und in Rußland sind Unzufriedenheit und Hochverrat ziemlich gleichbedeutende Begriffe. Die Zeugenaussage des Professors v. Reußner ist daS Ergebnis des Prozesses. Wir sind nicht unzufrieden damit, daß diese Zeugenaussage abgelegt worden ist. Aber daß ein Verfahren vor dem preußischen Gerichts- Hofe diese Aussage hervorgezogen hat, kann nicht die Abficht der preußischen Justizverwaltung gewesen sein. Und so scheint es uns, der Prozeß war« besser unterblieben." In einem weit schärferen Artikel behandelt der„Berliner Börsen-Courier" did Angelegenheit sehr eindringlich. Wircitieren nur, was das Blatt gegen die Annahme des Geheimbundes sagt: „Bedauerlicherweise ist aber das Gericht von der Ansicht des Reichsgerichts in dem dritten Anklagepunkte abgewichen. Die Gründe liegen zwar noch" nicht klar genug vor, um erkennen zu lassen, ob bewußt das Erfordernis aufgegeben ist, das das Reichs- gericht zum Thatbestande des§' 128 Str.-G-B. sür nötig erachtet hat, daß nämlich die geheime Verbindung Einfluß auf öffentliche Angelegenheiten des Deutschen Reiches bezweckt. Aufgegeben muß es aber sein. Denn nie und nimmer lvird die probatio diabolica idiabolische Annahme) der Anklage platzgreifen dürfen, daß eine Verfassungsänderung eines auswärtigen Staates eine deutsche öffentliche Angelegenheit sei, weil möglicherweise auch Deutsch- land davon in Mitleidenschaft gezogen iverden könnte. Wäre das richtig, dann wäre die vom Reichsgericht doch gemachte Unter- scheidung zwischen deutscher und ausländischer öffentlicher Angelegenheit der bare Unsinn, weil eben jede öffentliche Angelegenheit der Erde auch eine deutsche wäre. Unser Vaterland wäre in die Rolle des Hans Dampf in allen Gassen gejagt und der national-abgeschlossene Sinn, der doch sonst so gepflegt und gehegt wird, müßte aufgegeben werden zu Gunsten der schlechtesten Erscheinung der kosmopolitischen Weltanschauung, der Liebedienerei in fremdem Polizei-Jnteresse." Die„Volks-Zeitung" nennt den Königsberger Prozeß ein zweites Olmütz. Die„Berliner Zeitung" erklärt. die Socialdemokratie habe sich in diesen Vorgängen„vor aller Welt als die Vorkämpferin der Kultur präsentiert": „Wenn hier Geheimbündelei angenommen wird, könnte schließlich jeder Spediteur, der Sendungen aufbewahrt, auch wegen Teilnahme an einer geheimen Verbiiidung verfolgt werden. Diese Verurteilung kann vor der Nachprüfung durch das Reichsgericht unmöglich standhalte»!. Der Königsberger Prozeß bedeutet nach seiner ganzen Vor- bereitung eine schwere Schädigimg unsrer Rechtspflege. Daß keine der Jnstanzep, die damit vor der Hauptverhandlung befaßt war, an eine Klarstellung der rechtlichen Grundlagen über- Haupt dachte, ist kein Ruhm s ü r u n s r e I u st i z, und ganz von selbst erhebt sich die Frage, wie weit denn die Leitung der preußischen Justizverwaltung sich da- init befaßt hat, wie weit sie eine Mitverantioortnng für das»in- verantwortlich voreilige Handeln der Staatsanwaltschaft trifft. Wie will man es verantworten, daß die Angeklagten bis zu neun Monaten Untersuchungshaft haben erdulde» müsse», während das Höchstmaß der erkaimten Strafen nur drei Monate betrug? Soll hierfür und für alle dle bedenklichen Nebei»erscheinungen des Prozesses keine Remedur eintreten? Wenn die hier so kraß hervorgetretenen Unzuträglichkeiten zu keiner Reform führen, dann darf man sich über das Sinken der Autorität der Justiz nicht weiter wundern." Seit dem socialdemokratischen Siegestage des 16. Juni 1903 überbieten sich die Regierungen und ihre Parteien in unsäglichen Bemühungen, die Socialdemokratie herabzusetzen und zu schädigen. Der Kanzler des Reiches verbrauchte zehnfache Beredtsainkeit in Unternehmungen gegen die Socialdemokratie»»nd schlug sich an die Seite Mirbach und Manteuffel, der offnen Feinde des Reichs- grundrechts des deutschen Volkes. Alle Parteien sollen sich einigen gegen die socialdemokratischen Widersacher, alles Unternehmertum soll zu einer Phalanx zusammengeschmiedet werden, alle Zeitnngen sollen ohne Unterlaß„die Gefahr des UinsturzeS" abwehren. M diese Liebesmühe hat sich alS vergeblich erwiesen und heute ist sie es mehr denn je. Je hitziger die junkerlich-kapitalistische Ge- sellschaft den großen Erneucrungsfordcrungen der Arbeiter- klaffe sich entgegenwirft, um so mehr wird sie ins Unrecht gesetzt durch alle die Korruptionserscheinungen, die in ihrem Innern aufbrechen. Eine„Staatsordnung", die in kurzer Frist vom Saarabischen Arbeitertrutz zum Mirbachschen Kirchenskandal und zur Königsberger Russendemütigung führt, ist moralisch gerichtet. Ein Volk, das sich selbst achtet. wird dieses Systein von Unterdrückung, Fäulnis und nationaler Würdelosigkeit nicht ertragen. Die Ereignisse der jüngsten Zeit müssen machtvoll in alle Volkslreise wirken, auf daß gründlicher Wandel der deutschen Zustände erzwungen werde!— Der Vormarsch der Japaner gegen die russische Hauptarmee ist ein unaufhaltsainer. Nachdem in den letzten Tagen die Armee Kurokis einen siegreichen Vorstoß gegen die russische Rückzugslinie Liaujang-Mukden unter- nonunen hat und offenbar ihre Absicht, der Armee Kuropatkins den Rückzug abzuschneiden, als gesichert ansieht, erfolgte am Sonntag ein energischer Borstoß der Armee Okus. Auch dieser Vorstoß endete mit einem vollen Siege der Japaner. Die Bahn- station Taschitschino, wo die Russen überaus starke Berteidigungs- stellnngen eingenommen haben sollten, befindet sich jetzt in den Händen der Japaner, die nunmehr den weiteren Vormarsch gegen Haitschoug antreten werden. Die russische Hauptarmee ist auf eine Strecke von circa achtzig Kilometer der Bahnlinie Haitschoug— Mukdcn zusammengedrängt. Die entscheidenden Schlachten mjisse» in den nächsten Wochen geschlagen»verde», da jetzt die Japaner von drei Seiten, vom Süden, O st e n und Norden her ihren konzentrischen Angriff gegen die Armee Kuropatkins richten können. Sollten die Japaner zögern wollen, so müßten die Russen zun» letzten großen Angriff übergehen, sobald ihnen Kuroki die Verbindung mit Mukden abgeschnitten hat. Denn da die Japaner nach heute gleichfalls eingegangenen russischen Meldungen nunmehr Riutschwang faktisch besetzt haben, wäre den Russen jede Verbindui,g init der Außenlvelt abgeschnitten! Der eiserne Ring der Japaner ist nunmehr ge- schlössen. Mehr als 200 000 Japaner— man schätzt jede der drei Armeen Okus, Nodzus und Kurokis auf 80 000 Mann— haben die Russen, die schwerlich mehr als 120 000 Mann sein dürften, derart umstellt, daß jedes Entweichen unmöglich ist und das einzige Heil der Rrlssen nur noch in einem gewaltigen Durchbruchsversuch nach Norden bestehen könnte. Aber die Russen sind auf einer 80 Kilo- meter langen Linie derart verzettelt, daß sie schloerlich mit einein überr aschenden Schlage ihre Hauptstärke einsetzen können. Je»veiter sich aber die Russen gegen Liaujang hin konzentrieren, desto»veiter werden ihnen die Trnppen Okus und Nodzus auf dem Fuße folgen, so daß die Russen es in der That bei»»» ent- scheidenden Schlage n»it der ganze n japanischen Armee zu thun haben werden. Die Lage der russischen Hauptarince ist also eine verzweifelte. Ihr Sedan stebt aller Berechnung nach dicht bevor. Die un- sinnige russische Taktik, einerlei ob sie auf Kuropatkins oder des Zaren Conto zu schreiben ist, dürfte sich in allernächster Zeit durch eine furchtbare russische Katastrophe rächen! Ueber die Gefechte bei Taschitschiao liegen folgende Telegramme vor: Mukden, 26. Juli. sMeldungder Russischen Telegraphen Agent»» r.) Nach hier eingegangenen Meldungen nahmen an dem Artilleriekampfe un» Taschitschiao ain 24. d. M. auf russischer Seite gegen 100 Geschütze teil» ihr Feuer war sehr erfolg- reich, fügte dem Feinde ernstliche V e r I u st e bei und zer- störte viele seiner Geschütze und Munitionslvagen. Im C e n t r u m der Aufstellung gingen die Japaner zum Angriff vor, wurden jedoch zurückgeschlagen. Am 25.»vurde den russischen Truppen besohle», zurückzugehen und die Höhen sieben Werst nördlich von Taschitschiao zu besetzen,»vas auch in voller Ordnung geschah; die russischen Verluste in dem Kampfe am 24. beziffern sich nicht über äv Mann. Petersburg, 26. Juli. Die Russische Telegraphen- Agentur meldet aus Mukden: Heute passierte hier ein nach Norden gehender Sanitätszug der Kaiserin mit 314 Verwundeten aus den» Kampfe bei Taschitschiao am 24. d. Mts. Bei Abgang des Zuges dauerte der Kampf,»velcher von früh 6 Uhr bis zum späten Abend wütete, fort. Die Russen behaupteten ihre Stellungen 10 Werst südlich von Taschitschiao. Ain 25. wurde der Kampf, der auf beiden Seiten hauptsächlich von der Artillerie gefiihrt»vurde, wieder anfgenonimen. Ucber seinen Ausgang und die Verluste ist noch nichts bekannt. Das erste dieser beiden Telegramme der offiziösen russischen Telegraphenagentur ist»vieder geradezu klassisch. Die Russen siegten, brachten den Japanern s ch lv e r e Verluste bei und— erhielten dann den Befehl zum Rückzug! Die russischen Telegramme sind ganz nach dem Muster der famosen Meldung jenes österreichischen Generals gemacht:„Ich marschierte heute nach schwerem Kampfe nach X. Der Feind folgte in großer Eile!" Und die Verluste betrugen nicht über 50 Mann, trotzdem ein einziger Bahnzug 314 Verivuudete nach Norden schaffen! Ein in Petersburg eingetroffenes Telegraimn Kuro- p a t k i n s kommt den wahren Thatsachen schon näher, obgleich es offenbar die japanischen Verluste überschätzt: Ich habe nach zweitägigem harten Kampfe den Befehl gegeben, T a s ch i t s a o zu r ä u in e n. Die Stadt»vurde sofort von den Japanern besetzt, nachdem Nodzu und Oko ihre Streit- kräfte vereinigt hatten. Die Verluste auf russischer Seite belicsen sich auf 2000 Tote und Lcrwundclc, diejenigen der Japaner werden auf 3000 geschätzt. Die Japaner besetzten Niutschwang. Die Meldungen hierüber lallten: Petersburg, 26. Juli. Der„Russischen Telegraphen- Agentur" wird aus Mukden von heute gemeldet: In Sicht von Jnkau kreuzt ein japinrischeö Geschwader, das zwanzig Truppentraiisport- schiffe eskortiert. London, 26. Juli. Nach einer bei Lloyds eingegangenen Depesche aus Niutschwang von heute sind 50 Mann von der japanischen Kavallerie dort eingerückt. Auf den russischen Gebäuden weht die französische Flagge. Die Vorhut der Japaner ist heute früh eingetroffen. In der Stadt ist alles ruhig. Der Vorinarsch Kurokis. Petersburg, 26. Juli. Die„Russische Telegrophen-Agentur" meldet aus Mukden von gestern: Gerüchten zufolge rücken kleine japanische Abteilungen nach B e n s i h u, 60 W e r st ö st I i ch der Station I a n t a i und n a ch S i n s i n t i»» vor. Diese Gerüchte würden, falls sie begründet sind, die Absicht der Japaner verraten, Liaujang in der Richtung nach Mukden zu umgehen. Diese Nachricht soll jedenfalls schlimmeres vorbereiten! Ein englisches Schiff vom Wladiwostokgeschwader in den Grund gebohrt. Tokio, 25. Juli.(Meldung des„Neuterschen Bureaus".) Das Wladiwostok- Geschwader hat gestern bei Jdzu den von Nelv Dork über Manila und Schanghai nach Vokohama bestimmten britischen Dampfer Knight Commander in den Grund gebohrt. Der Dampfer hatte Ladung verschiedener Art an Bord. Die Mannschaft ist auf dem Dampfer Tsinan heute in Aokohaina angekommen. D i e europäischen Passagiere wurden von den Russen zurückbehalte n.— Wie verlautet. hat das Wladiwostok- Geschwader auch zwei japanische Schuner versenkt. Dieser neue Brutalitätsatt der Russen wird schwerlich ge- eignet sein, die Entrüstung Englands gegen Rußland zu dämpfen. Allerdings dürfen neutrale Schiffe, die einer kriegsführenden Macht Kriegsbedarfsartikcl, Kriegsproviant zc. zuführen, beschlagnahnit werden. So sind denn auch mehrere englische Schiffe, die Rußland derarttge Ladungen zuführten, von den Japanern mit Beschlag belegt worden. Der Dampfer„Knight Commander" ist dagegen in den Grund gebohrt worden, vielleicht weil er nicht rasch genug beilegte. Ob zu diesem Gewaltstreich genügend Anlaß vorhanden war, wird ja die Untersuchung des Falles ergeben. Einstweilen aber wird das Vorkommnis die Erbitterung Englands gegen Rußland nur steigern. „Lassans Bureau" nieldet bereits aus London: Die Versenkung des englischen Schiffes„Knight Commander" wird von der Presse als außergewöhnlicher, unerträglicher Bruch des Völkerrechts,»vie er seit nahezu einem Jahrhundert ohne Beispiel sei, verurteilt. Die„Morning Post" erklärt in einem Leitartikel die Versenkung des Schiffes als eine kriegerische Handlung und fragt spöttisch, wozu England seine Flotte auf der „Zwei-Mächte-Basis" halte, und wozu die britische Regierung eigentlich da sei.„Standard" sagt, die Lage sei äußerst ernst und könne, wenn sie sich nicht ändere, Rußland neue schwere Verlegenheiten zu den bereits vorhandenen bereiten. Zur Dardanellen-Frage. Konstaiitinopel, 25. Juli.(Meldung des„Wiener k. k. Telegr.- Korresp.-Bureaus".) Infolge der Schritte Englands bei der Pforte bezüglich der Durchfahrt der Schiffe der russifchen Freiwilligenflotte durch die Meerenge, besuchte der Minister des Aeutzern den eng- tischen und den russischen Botschafter und bat sie, ihre Regierungen zu ersuchen, sie möchten sich diesbezüglich n» i t einander v e r st ä n d i g e n. In Dildiz- nnd Pfortekreisen »vünscht man sichtlich, daß der Konflikt beigelegt und die Meerengen- frage nicht aufgerollt»verde. London, 26. Juli, ltiitcrhans. Gibson Bolvles fragt an, Ivelche Schritte die Regierung bei der Pforte gethan,� mn einer Verletzung der Verträge von 1856 und 1871 seit der Note wegen der Durchfahrt von russischen Torpedo- booten durch die Dardanellen am 1. Januar 1903 vorzubeugen. Balfour erividert, bis zur Durchfahrt der„Petersburg" und der „Smolensk"habe die Regierung seit deröbenerwähntenNote keine Schritte gethan, da sie nicht über irgend eine Verletzung der Verträge in der Zwischenzeit gehört habe. B o>v l e s fragt an, ob die Regierung »viffe, daß 1901 eine Konvention zlvischen Rußland und der Türkei abgeschlossen sei, lvouach besondere Bestiinmungen betreffend die Durchfahrt besonderer russischer Schiffe vorgesehen iverden. Balfour erwidert, der Regierung sei von.irgeild einer derartigen Konvention nichts bekannt. poUtilcke CleberftcKt. Berlin, den 26. Juli. Zu einer gewaltigen Protestkundgebung gegen den Zaren-Prozeß kam es in Königsberg am Montag in einer überaus stark« besuchten Versaminlung. Der Reichstags- Abgeordnete Genosse Rechtsanlvalt H a a s e hielt einen oft von stürmischem Beifall unter- brochenen Vortrag. Die Angeklagten, erklärte ihr Verteidiger, seien »vohl von einen» preuhischen Gerichtshofe verurteilt Wörde»», aber viel schwerer als sie sei der fluchwürdige Zarismus getroffen, dessen schinachvolles Systein von der ganzen civilisierten Welt verurteilt »vorden sei. Wohl habe der Staatsanivalt die deutsche Social- demokratie über den grünen Klee gelobt. Aber das Urteil.richte sich gar nicht so sehr gegen die einzelnen Angeklagten als�egen die Socialdcmokratte in ihrer Gesaintheit. Durch die Urteilsbegründung klinge die Meinung durch, als ob die deutschen Socialdemokratcn alle Ber- schwörer und Geheimbündler wären. Jetzt aber sei es Zeit, vor aller Welt zu erklären: Es ist Pflicht aller Mitglieder der Socialdemokratie, von jetzt ab noch viel mehr für die Verbreitung r>»sfischer Schriften, die hier rn Deutschland erlaubt sind, Sorge zu tragen. Das werde man jetzt sogar dem Reichskanzler mitteile»»,. Man »verde vielleicht noch zu dem Zivccke eine Verbindung gründen und den Parteitag mit diesen Fragen beschäftigen. Wer aber habe denn den Prozeß eigentlich ver- schuldet? Die„freisinnige"„ H a r t u»r g s ch e Z e i t u n g" sei es gewesen, durck» die der RussenkiirS eingeleitet wurde I Sie faselte von einen»„nihilistischen Aktionskomitee", das in der Schlveiz be- stcheu und Schriften durch Deutschland über die Grenze schaffen sollte. Von der Schlveiz aus»vurde dein Königsberger Staatsanwalt der Bescheid zu teil, daß dort kein derartiges Koinitee existiere. Dann brachten das„Äönigsberger Tageblatt", ein Ableger der Hartungschen, und das„liberale"„Memeler Dampfboot" die Nachricht, daß in Memel bei verschiedenen Genossen Schriften lagerten. Und auf Grund dieser Zeittmgsnottz fanden in Meinel auf Veranlassung des LandratS Haussuchungen statt, worauf dann die Genossen verhaftet wurden. Und diese Zeitungen, die Schergendienste geleistet haben, feierte» Kant in überschlvenglichen Artikeln. Schließlich wurde folgende Resolution einstimmig angenomnien: Die heute i»»» Reformgasthause tagende öffentliche Volks- Versammlung spricht unter dem Eindruck der durch den Russenprozeß vor aller Welt aufgedeckten barbarischen Zustände des Zarismus ihren mn die Freiheit känrpfenden russischen Brüdern erneut ihre unerschütterliche Sympathie, aus und erklärt, ihnen gegenüber die Pflichten iitternationaler Solidarität unbeirrt weiter erfüllen zu »vollen, bis auch Rußland der»vestcuropäischen Kultur erschlossen und im Geiste eines modernen Rechtsstaates umgewandelt sein wird.. So hat das socialdemokratische Königsberg den Ausgang des denkivürdigen Prozesses gewürdigt. Es»var eine Siegesfeier.— J»r Zeichen des RnsscnkurseS. In Ostpreußen finden noch imnier Houssuchiiiigen statt. Allem Anscheine nach dürstet die Staats- anwaltschaft nach neuen Lorbeeren. Die„Tilsiter Allgemeine Ztg." schreibt, daß man bei dem Genossen Mcrtins, einem der Angeklagten im Königsberger Prozeß, Iviederun» nach politischen Schriften ge- haussucht habe. Eine neue Sendung russischer Schriften soll der Polizei in die Hände gefallen sein. Wie erfreut teilt das„freisinnige" Blatt seinen Lesern init, daß diese Haussuchung„Erfolg" hatte. Ferner wurde ttirzlicki in, Dorfe Stathausen, Kreis Goldap. bei einem Besitzer nach politischen Schriften gehaussucht. Zwei Gendarmen nahmen dieses staatöerhaltende Geschäft vor und durchwühlten die ganze Wohnung, ja sogar die Betten. Es wurde aber nichts ge- suuden. Die Gendarmen erklärten, daß der Besitzer doch Schriften von dein Postamt Gurnen bekommen haben müsse. Darauf sagte der Besitzer zu ihnen, sie möchten sich dann doch bei der Post erkundigen. Ist denn die Post jetzt auch in den Russenkurs hineingezogen? „Der Zar in Deutschland voran!" Die Anklage der Breslauer „taatsaiiioaltschaft gegen die Genossin Klara Zetkin wegen Auf- reizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthättakeiten in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise ist vom Gericht abgelehnt»vorden. Wie wir sei», er Zeit mitteilten, war eine Stton'nmmlimQ. in?>f»r fi�rrr...Der �ar in Deuffchland voran" sprach, aufgelöst und dann geg-" d,e Rednerin die Anklage erhoben, sie habe gegen§ 130 Str.-G.-B. ll�ehlt. Denn sie habe Schiller und Fichte cttiert. dadurch aber verschiedene Klassen der Bevöllerunq»»ämlich die Bourgeolste,»deren berufener Vertreter der Reichskanzler Graf v. Bülow" ,e» und die Versammlungsbesuchcr zu Gewaltthätigkeiten aufgeretzt. DaS sei aber m einer den öffentlichen Frieden gefährdenden We»,e ge,chehen Die Angeklagte habe die heutigen Zustände»n agtta onfcher und aufre,zei»der Weise dargestellt; dadurch se» aber der vffciitliche Frieden gefährdet. Die Sttaftaimner des Breslauer Landgerichts hat den Einwand der Angeklagten, daß die Anklage n, rechtlicher und that- sächlicher Beziehung vage, unhaltbare Konstrukttonen enthalte, für berechtigt erachtet und deshalb beschlossen: � r ijt auf(iJnuib öntcniuljfllty criicijuidj, böß die Beschuldigte in einer ain 10. März 1904 iit dem hiesige» Gewerkschaftshause in öffentlicher Versammlung gehaltenen Rede über das Thema:„Der Zar in Deutschland voran" der- schie d en e Klassen der Bevölkerung gegen einander zu Gewaltthätigkeiten aufgereizt hat, es kann auch nicht anerkannt werden, das; die von der Reduerin in jener Versammlung ge- brauchten Citate von Schiller und Uchte geeignet sind, in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise die damalige Versammlung zu Gewaltthätigkeiten anzureizen. Es war daher der Antrag auf Eröffnung des Hauptverfahrens wegen Aufreizung zum Klassenhatz aus rechtlichen und thatsächlichen Gründen abzulehnen und über die Kosten des Verfahrens gemäß ZZ 496, 499 Str.-Pr.-O. zu befinden." _SBon der Anklage bleibt demnach nur das staatsanwaltliche Zu- geständnis übrig,„der Reichskanzler ist Vertreter nur einer Klasse" und die heutigen Zustände in Deutschland find so schlimm, daß ihre lebhafte Darstellung den öffentlichen Frieden gefährdet. Mit diesem Ergebnis des eingeleiteten Feldzuges kann die Socialdemokratie zu- frieden sein.— Vom Bundcsratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten ist wieder einmal en ferner Läuten zu hören. Nicht etwa daß sich dieser zu Recht bestehende Ausschuß wegen der kritischen Weltlage irgendwie in Bewegung gesetzt hätte. Vielmehr hat einer jener ganz alten Leute, die sich noch daran erinnern können, die Rede auf ihn gebracht. Der frühere württembcrgische Ministerpräsident v. M i t t- nacht schreibt von ihm in seinen eben bei Cotta erschienenen„Er- innerungen an Bismarck": Er verdankt seine Entstehung einzig und allein Bayern. Daß eine weitere Regierung mitgewirkt hätte, ist nicht bekannt. Württemberg gegenüber kam seine Einsetzung niemals zur Sprache. weder in München noch in Versailles. Die Regierung, die mit dem Vorsitz betraut ist und dies als eine Errungenschast betrachtet, hat, obwohl sie eigene Gesandte im Auslande unterhält, dem Ausschuß Leben und Kraft einzuflößen nicht vermocht, weil er eben von Haus aus keine glückliche Schöpfung war. Gegenüber den Prärogativen, welche hinsichtlich der auswärtigen Angelegenheiten die Verfassung dem Kaiser zuweist, mußte ein Bundesratsausschuß für diese An- gelegenheiten von Anfang an in einer sehr prekären Lage sich befinden. Auch verträgt sich die Natur und die gebotene Bchand- lungsweise der Beziehungen zwischen auswärtigen Staaten nur schwer mit ihrer Besprechung in einem Ausschuß, in welchen fünf Regierungen beliebige Bundesbevollmächtigte entsenden. Je größer die Zahl der Mitglieder ist, und je ferner dieselben den auswärtigen Angelegenheiten stehen, um so mehr Vorsicht und Zurückhaltung wird dem Ausschutz entgegengebracht werden, und insofern hat die vom Bundesrat mit Zustimmung Bayerns beschlossene Erhöhung der Zahl von drei auf fünf Mitglieder eine Verbesserung nicht gebracht. Auch die Ausschließung Preußens vom Vorsitz und von t�r Mit- gliedschaft im Ausschuß wirkte nicht günstig. Nach einer geschichtlichen Darlegung über die Fälle, in denen der Zusammentritt des Ausschusses erfolgte, schließt dieser Teil mit dem Urteil, daß der Ausschuß wenn überhaupt eine Rolle, so doch jedenfalls keine gefährliche oder doch nur für die politische Leitung unbequeme Rolle gespielt hat, und so wird es voraussichtlich auch bleiben. Der Vertrag mit Bayern vom 23. November 1870 hat Mängel und würde heute unter dem günstigen Einfluß des längeren Zusammen- lebens im Reich in derselben Weise nicht wieder geschlossen werden. In der Anwendung hat er sich weit weniger bedenklich erwiesen, als bei seinem ersten Bekanntwerden befürchtet wurde. Das Geheimnis der Ungefährlichkeit des Ausschusses für aus- wältige Angelegenheiten besteht in seiner Nichtcinberufung. Die deutsche auswärtige Politik ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen fo gut besorgt und aufgehoben— nian denke nur an Prof. Mar Webers klassisches Urteil— daß die Einzelstaaten auch ohne ihre verfassungsmäßige und sachkundige Mitwirkung sicher doch die Mit- blamierten sind.— Die Mirbach-Clique glaubt noch immer ihrem Herrn und Meister große Dienste zu leisten, ivenn sie die Oeffentlichkeit mit seinen Thatcn beschäftigt und sein Lob in hellen Tönen singt. Herr C r e m e r, Schriftführer des Evangelisch-Kirchlichen Hilfövereins, pnmkt in einer Zuschrift an den Grandenzer„Geselligen" mit Zahlen, aus denen hervorgeht, daß Herr v. Mirbach für den Berliner Kirchen- bau 6 203000 M. von„einzelnen Gebern" gesammelt habe. Orden habe Herr v. Mirbach nur selten vermittelt, und was die Juden betreffe, so hätten sie selbst darum gebeten, mitbeitragen zu dürfen. Der Verteidiger fährt fort: Und schließlich noch die Sammlungen für die Vollendung der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche. Ist wirklich eine Spur von Un- recht dabei, für� die Vollendung eines großen und schönen Denk- mals sich die freundliche Hilfe der Oberpräsidenten zu erbitten? Wer die Arbeit uusrer großen Vereine kennt, weiß, daß sie nicht so erfolgreich wirken könnten, wenn ihnen nicht auch seitens der Staatsbehörden Beistand geleistet würde. Jeder Verein ist darauf angewiesen, und jeder Verein sucht diese Förderung zu erlangen. Diese Enthüllung ist das Interessanteste, was Herr Cremer zu sagen hat. Schade nur, daß er die großen Vereine nicht nennt, die das Vorrecht besitzen, behördliche Stellen als Agenturen und Zahlstellen benützen zu dürfen. Er könnte damit Einblicke in das Wesen der preußischen Verwaltung eröffne», die den Steuer- zablern wenn nicht gerade willkommen, so doch sehr interessant wären.— Ein Notschrei aus Oberschlesien. In einer öffentlichen Gewerk- schaftsversammlung der Arbeiter aus Laurahüttc, die am Sonntag in dem Gewerkschaftshause zu Kattowitz stattfand, wurde die Ab- sendung nachstehender Resolution an die Regierung zu Oppeln be- schloffen: „In Anbetracht der Teuerung, welche infolge der Trockenheit in diesem Jahre entstanden, hat das Hauptnahrungsmittel der hie- sigen Bevölkerung, die Kartoffel, einen Preis erreicht, der für die armen Leute fast unerschwinglich ist. Dazu tritt noch verschärfend ins Gewicht, daß die Löhne in diesem Jahre noch weiter gesunken sind. Diese Kalamität wird von den Händlern noch dadurch ver- größert, daß sie die wenigen Kartoffeln, die auf den Markt gebracht werden, in, ganzen ankaufen und dann die Preise nach eignem Er- messen in die Höhe treiben. Ten Ausfall des Kartoffelverbrauchs durch Brot und Fleisch zu decken, ist bei den Preisen der letzteren ganz unmöglich. Anbetracht deffen ist es zu befürchten, daß der vor 2 Jahren aufgetretene und wohl noch nicht vollständig erloschene Typhus bald wieder an Ausdehnung gewinnen und als Voltsseuche breite schichten der Bevölkerung decimieren wird, wenn die Regierung nicht sobald als möglich durchgreifende Abwehrmaßregeln an- ordnet.— Hualand. Geheime Militärdokumente werden im„Krakauer Naprzod" der Oeffentlichkeit übergeben. Im ersten dieser �.okumente, das von einem Divisionskommando ausgeht, und vom-1. �anrmr 1904 datiert ist, wird auf die unauf» hörlichen Veröffentlichungen von Geheim dokumen- ten in der ausländischen Presse hingewiesen. Es werden strenge Maßregeln angeordnet, um derartige Verösfent» lichungen in Zukunft unmöglich zu machen. Das zweite Dokument hat folgenden Wortlaut: Stab des Wilnaer Kriegsbezirks. Geheim. Verwaltung des Quartiermeistcrs 25. März 1904. Nr. 1195. Stadt Wilna.. � In der letzten Zeit wurden m der Garnison R. und in Teilen der Eisenbahnbrigadc die Kennzeichen der revolutionären Propaganda unter den Gemeinen entdeckt, wobei die Verbreiter der ver- brecherischen Gedanken vorwiegend Gemeine waren, jüdischer Abkunft und zum Teil freiwillige. Zum Zwecke der Verhinderung einer Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse ,n der Armee des Bezirks wiederhole ich den Befehl, daß die Abtcilungskommandantcn mit aller Strenge die dienstliche Erfüllung aller Borschriften des inneren Dienstes überwachen— speziell durch die diensthabenden Offiziere und die Diensthabenden in den Rotten, Eskadronen, Batterien und allen andern Abteilungen. Außerdem'schlage ich vor: 1. Die Ab- teilungskommandanten zur strengen Bewachung der Gemeinen ihrer Abteilungen, speziell aber der Juden und der Letten, zu veranlassen; 2. den Bataillonskommandanten und den entsprechenden Führern in der Artillerie, Kavallerie und der Militäringcnierie auf- zugeben, unerwartet und persönlich nächtliche Haus- s u ch u n g e n bei den Gemeinen und in Koffern und Sachen durch- zuführen; 3. an den Festtagen geiftig-moralische Besprechungen mit den Gemeinen zu veranstalten. Eine nur formale Behandlung dieser Angelegenheit wird keinen Nutzen bringen; deshalb müssen die Kommandanten darauf achten, daß die Besprechungen auch in inter- cssanter Weise geführt werden. Außerdem empfehle ich den höheren Vorgesetzten, möglichst oft die ihnen untergebenen Mannschaften zu besuchen, um festzustellen, ob die Erforderniffe des inneren Dienstes dort entsprechend behandelt werden. DieS mitteilend, weise ich darauf hin, daß im Falle der Aufdeckung der revolutionären Propa- ganda in irgend welchem Teile des Heeres, die Führer desselben zu strenger Verantwortung gezogen werden. Der Militärkommandant General der Infanterie Grippenbcrg. Noch bemerkenswerter ist das dritte Dokument. Es beweist, welche niederträchtige Mittel die Militärverwaltung anwendet, um dem revolutionären Ucbel zu steuern. Das Schriftstück lautet: Stab des... Armcc-Corps. An den Kommandanten 16. März 1904. der... Division. N... Geheim. Stadt... Als Cirkular. In Ergänzung der Verordnung vom 27. Februar des lausen- den Jahres, betreffend die Notwendigkeit der Verstärkung der Auf- ficht über die Gemeinen, ordne ich das Folgende an: 1. In allen eiligen und außerordentlichen Fällen, speziell aber in denjenigen mit politischer Grundlage, muß die Meldung sofort an's Kommando erstattet werden.... 2. Um das Uebertragen der Seuche auf das Militär zu ver- hindern, soll man die Briefe, welche die Gemeinen erhalten, achtsam beobachten, besonders die Briefe der Juden. Den letzteren soll verboten werden, Briefe in jüdischer Sprache zu empfangen. Die in dieser Sprache empfangenen Briefe sollen den Adressaten nicht übergeben und dem Divisionsstab und der Verwaltung des Artilleriecorps zwecks Aufbewahrung bis zum eventuellen Bedarf vorgelegt werden; die Ge- meinen, bei denen Briefe in jüdischer Sprache gefunden werden, sollen streng bestraft werden. Briefe in polnischer Sprache sollen einem in jedem Corps speziell ernannten Offizier mitgeteilt werden, der die polnische Sprache beherrscht. Genau so soll mit den Briefen in andern fremden Sprachen verfahren werden. Wenn in den Briefen, welche die Gemeinen erhalten, etwas Verbrecherisches gefunden wird, so sind sie der Gendarmerieverwaltung des Gouvernements unter gleichzeitiger Mitteilung an die Militärbehörde zu übergeben. 3. Damit solche Briefe durch Verwandte und Bekannte nicht an die Gemeinen ohne Kenntnis der Behörde gelangen, damit überhaupt unter den Gemeinen keine verbrecherischen Schriften sich befinden,— sollen öfter, aber nicht periodisch, sondern zu verschiedenen Tages- zeiten genaue Durchsuch ungen in den Koffern der Gemeinen veranstaltet werden; außerdem an ihnen selbst. Man muß sie hierbei zwingen— z. B. unter dem Vorwand der Besichtigung der Fußlappen und der Rein- lichkeit des Fußes— die Schuhe abzunehmen, in denen ver- botcnc Schriften versteckt sein können; man muß auch die Uniformen, die Taschen, sowie verschiedene Verstecke in den Kasernen, wie Dach- stuben, Kasten und Säcke mit schmutziger Wäsche usw. besichtigen---- 4. Die Genauigkeit der Erfüllung des inneren Dienstes zum Zweck der Verhinderung der Einführung verbrecherischer Aufrufe in die Kasernenhöse und die Kasernen ist zu erhöhen, denn die Möglich- keit des Erscheinens der letzteren ist Schuld der Diensthabenden in den Rotten, Schwadronen, Batterien, Bataillonen und in den andern Abteilungen. 5. Ueber die Soldaten, die sich unter Polizeiaufsicht befinden, und ihrer Korrespondenz soll ein besonders strenger Beobachtungs- dienst— speziell über die Freiwilligen— eingerichtet werden. 6. Gegen das willkürliche Verlassen der Kasernen sollen strenge Matzregeln ergriffen werden, wofür wieder die Schuld und die Ver- antwortung die Diensthabenden bis zu den diensthabenden Offizieren in den einzelnen Abteilungen zu tragen haben. Ein Mittel, das willkürliche Verlassen der Kasernen zu verhindern, sind die uner- warteten Nacht-Haussuchungen. Hierbei bracht man die Leute nicht zu wecken, nur muß man sich überzeugen, ob alle Gemeinen an ihren Plätzen schlafen. Solche Revisionen sollen zu verschiedenen Nacht- zeiten veranstaltet werden. 7. Der Urlaub aus der Kaserne soll beschränkt werden, denn eine Menge Gemeiner treibt sich auf den Märkten und in der Stadt herum; speziell soll die Beschränkung für die Juden gelten. Beim Führen der Juden in die Synagoge sollen sie unter Kommando eines Aelteren geschickt werden, welcher die Pflicht hat, sie alle zurückzuführen und dem diensthabenden Beamten zur angc- gcbenen Zeit zuzuführen. Wenn auch nach Durchführung dieser Vorschriften und Instruktionen in den Rotten, Eskadronen und Batterien verbrecherische Schriften gefunden werden und das will- kürliche Verlassen der Kaserne sich wiederholen wird, so sollen die der geringen Aufsicht wegen schuldigen Unteroffiziere zu Gemeinen degradiert, die über den Termin hinaus Dienenden zur Reserve oder Entlassung gestellt und die Führer der Rotten und Eskadronen des Kommandos über diese Teile entkleidet werden. Der Kommandant des... Corps 'ishef des... Stabes. Frankreich. Die vatikanische Abbitte. Paris, 26. Juli. Eine hier aus Rom eingegangene Depesche besagt, daß die Antwort des Vatikans auf die Note der französischen Regierung gestern abend abgegangen sei. Es heißt. der Vatikan halte in derselben zwar die Befugnisse der un- geschmälerten Gerichtsbarkeit des heiligen Offiziums für die Bischöfe ausrecht gebeaberinderThat zu. daß der SinntiuS Unrecht gehabt habe, persönlich in den Prozeß gegen die Bischöfe von Laval und Dijon einzllgreifen. Die Kurie würde somit wie verschiedene Blätter ausführen, eingesehen haben, daß'dieses Borgehen bis zu einem gewissen Grade inkorrekt gewesen sei. Wenn die französische Regierung dieses Zu- geständnis als ausreichend ansehen würde, könnte der Konflikt auf friedlichem Wege beigelegt werden. Die beiden Bischöfe von Laval und Dijon würden andre Diözesen erhalten, selbstverständlich auf Grund eines Einvernehmens zwischen der franzosischen Regierung und dem Heiligen Stuhle.— Ein römisches Telegrainm des„Figaro" berichtet jedoch� daß die Stimmung der Kurie über den Ausgang des Konfliktes sehr pessimistisch /ei. besonders infolge der Rede des Münsterpräsidenten in Carcassonne. Paris, 26 Juli. Amtlich wird erklärt, es sei unzutreffend, be- züglich des Konflikts mit dem Vatikan von Verhandlungen zu sprechen. Der"egationssekretär de Courcel habe seit der Uebergabe der Note und dem Ersuchen um prompte Antwort keine weiteren Schritte unternommen. Diese Antwort sei erst Ende dieser Woche zu erwarten. Die endgüliige Entscheidung werde in dem am 25. August statt- findenden Ministerrat getroffen werden.— Zwei Kammer-Nachwahlen. Paris, 25. Juli. fEig. Ber.) Im 14. Pariser Bezirk spielte sich eine in mancher Hinsicht interessante Kammer-Nachwahl ab. Der seit 1898 radikal vertretene Wahlkreis war gegen den Nationalismus noch immer nicht gefeit. Der überwiegende Teil des Kreises hatte noch bor zwei Monaten seinen nationalistischen Vertreter un Pariser Gemeinderat beibehalten. Zudem erschwerte die Personenfrage. die ja in solchen zweifelhaften bürgerlichen Wahlkreisen besonders wichtig ist, die Stellung der Radikalen. Ihr Kandidat Steeg, Lehrer an einer privaten weltlichen Mittelschule und Mitglied des ExekutionskomiteeS der radikalen und linksradikalen Partei, war den Wählern, wie auch überhaupt. ganz unbekamit. und dieser ulibekannte Name eines jungen Lehrers hatte einen— deutschen Klaiig! Die Familie Steeg ist nämlich elsässischen Ursprungs. Der Kandidat wurde zwar in Versailles ge- boren und schon sein Vater war französischer Deputierter. Thut nichts I Die Nationalisten bekämpften ihn als einen„Preußen". Andrerseits wurde der antiklerikale und freidenkerische Kandidat der katholischen Wählerschaft als prote st antischer Klerikaler denunziert, denn sein Vater war protestantischer Pfarrer. Nebenbei, die Klerikal- Nationalisten Hetzen immer und überall gegen die teuflische Dreieinigkeit: Juden— Freimaurer_— Protestanten, darunter auch gegen die rassenreinsten französischen Protestanten, die übrigens in der Politik und der Verwaltung der dritten Republik eine hervorragende Stellung einnehmen. Der Gegenkandidat Dr. Doyen, ein durch amerikanische Reklamekünste bekannt gewordener Chirurg, ist ein Neuling in der Politik. Er hat es aber verstanden, mit einer» Schlage die Untiefen der nationalistischen Wahlmache zu erreichen. Seine Wahlcampagne war ein Muster materieller und moralischer Korruption. Dem nationalistischen Maskenspiel getreu, gab er sich für einen „unabhängigen republikanischen Socialisten" aus. Bis zur Hauptivahl verriet er sein wahres Gesicht hauptsächlich durch die persönliche Hätz gegen den„Preußen" und„Protestanten" Steeg. Auch legte er sich, wie üblich, ein paar fiktive Kandidaten zu, die in seinem Solde und mit seinem Geld den schmutzigsten Teil der Hätz zu besorgen hatten und durch die Zersplitterung der Stimmen eventuell eine Stichwahl herbei- führen helfen sollten. Sein großes Vermögen erlaubte ihm ferner, Unsumnien für Mauer-Plalate zu verschwenden, die in den franzö- fischen Wahlkämpfen eine wichtige Rolle spielen. Die wenigen Plakate des unbemittelten und von Parteiwegen nur kärglich unter- stützten radikalen Kandidaten wurden augenblicklich und systematisch durch die Plakate Doyens überklebt. Endlich übte der abenteuerliche Chirurg auch den Wählerkauf in mehr oder minder versteckter Form. Resultat der Hauptwahl: 3385 Stimmen für Steeg, 3380 Stimmen für Doyen, 688 Stimmen für den Guesdisten Courtois und etwa 200 Sttmmen für die von Doyen gemieteten fiktiven Kandidaten. Dabei aber über 3000 Stimmenthaltungen. Also eine ungewisse Stichwahl. Doyen mußte nun seine Maske lüften und schließlich sie ganz fallen lassen. Der„republikanische Socialist" entpuppte sich als offener Schützling der nattonalistischen Komitees des Wahlkreises und des nationalistischen Gemeinderatsmitgliedes des einen Stadtviertels des 14. Bezirks. Zugleich führte er nunmehr eine schon ganz durchsichtige klerikale Sprache. Er spekulierte nach der Gewohnheit der Reaktionäre aller Länder auf die Stiinmen der Wähler, die im ersten Wahl- gang der Urne ferngeblieben waren. In letzter Stunde führte er noch ein patriotisches Garde-Fähnlein ins Feld: wirkliche oder angebliche Elsässer beschworen die„Franzosen" in einem flammenden Ausruf, das Vaterland vor der Invasion des„Preußen" Steeg zu retten. Ach! eS half alles nichts I Steeg siegte, dank der guesdistischen Stimmen, in der Stichwahl mit 4223 gegen bloß 3520 Stimmen, die auf Doyen fielen. Unter den skizzierten Umständen bedeutet dieses Ergebnis ein weiteres recht sprechendes Zeichen des Zerfalls der nationalistischen Demagogie. Dafür spricht gleichfalls die gesttige Ersatzwahl in Sceaux (Seine-Departementj. Der bisherige nationalisttsche Abgeordnete H ö m a r d, dessen Wahl wegen Korruptionsmanöver kassiert worden war, kommt in die Sttchwahl mit 7406 gegen 7377 Sttmmen des ministeriellen Republikaners D e l o n c l e. 1903 aber hatte er mit 6728 gegen 6541 Stimmen gesiegt.— Holland. Haag, 26. Juli. Die Leiche des ehemaligen Präsidenten der Transvaal-Republik Krüger ist heute hier eingetroffen. Auf dem Bahnhof überreichte im Auftrage des Hofes ein königlicher Kammer- Herr der Familie Krügers einen Kranz. Die Regierung tvar durch' zwei Minister vertreten.— England. London, 26. Juli. Unterhaus. Dille fragt an, ob eS wahr sei, daß das britische Schiff„Knigth Commander" von den Russen in Grund geschossen sei. Premierminister B a l f o u r er- widert, der Regierung seien entsprechende Gerüchte zu Ohren ge- kommen, doch habe die Regierung bis jetzt nicht die Möglichkeit, die Wahrheit festzustellen. Er brauche kaum zu sagen, daß alle mög- lichen Nachforschungen angestellt würden. Bis diese aber ein Er- gebnis gezeitigt hätten, sei es äußerst unzweckmäßig, irgend etwas weiteres zu sagen.— Im weiteren Verlauf der Verhandlung fragt G i b s o n B o w l c s an, ob dem Premierminister bekannt sei, daß nach Z Ü der Pariser Deklaration von 1856 die privilegierte Kaperei ab- geschafft sei und nach Arttkel 2 die neuttale Flagge feindliche Waren, Kriegslonterbande ausgenommen, decke. Redner fragt weiter, ob Lord Clarendon seiner Zeit im Namen der englischen Regierung erklärt habe, daß er Artikel 2 nur unter der Bedingung zustimmen könne, daß die Kaperei abgeschafft werde, und ob Fürst Orlow er- klärt habe, daß er ermächtigt sei, die Deklaration zu unterzeichnen, aber hinzugefügt habe, daß Ruhland sich nicht verpflichten könne, im Princip die Abschaffung der Kaperei aufrechtzuerhalten. Er lRedner) stelle nun die Frage, ob angesichts dieses Vorbehalts von feiten Rußlands und angesichts der jüngsten Vorgänge die Re- gierung die Erklärung abgeben werde, daß sie sich nicht länger durch die Deklaration gebunden erachte und sich wieder das Recht nehme, Eigentum des Feindes unter neutrttler Flagge wegzunehmen. Premierminister B a l f o u r erwidert, er halte es zur Zeit nicht für angebracht, über diese Frage durch wechselseitiges Fragen und Antworten zu diskutieren, auch könne er nicht in Aussicht stellen, daß die Regierung die jüngsten Ereignisse zum Gegenstand von Vorstellungen bei andern Mächten machen werde. Auf eine weitere Anfrage erklärt der Premierminister, er sei sehr abgeneigt, Schrift- stücke vorzulegen. Selbstredend könne aber das Haus in Fragen von Wichtigkeit mit Recht darauf bestehen, daß es über alle Vor- gänge völlig unterrichtet werde, lieber die gegenwärtigen An- gelegenheiten aber Schriftstücke vorzulegen, halte er im Augenblick nicht für richtig, zu versprechen. Türkei. Konstantinopel, 25. Juli. jMeldung des„Wiener K. K. Tele- graphen- Korrespondenz- Bureaus.) Uebereinsttinmende Konsular- Meldungen stellen die Bandenkämpfe bei Avret-Hissat in Wilajet Saloniki in Abrede und berichten, daß eine Militär-Patrouille irrtümlich zehn bewaffnete bulgarische Bauern, die mit Tragetteren vom Markt in Knekutsch kamen, beschoß, indem sie die Bauern ver- dächtigte, daß sie einer Bande Proviant zuführten. Bier Bauern ivurden getötet. Suleiman- Pascha ist zur Untersuchung dorthin gesandt worden. Von den Soldaten wurde einer getötet, sieben verwundet. Es ist nicht festgestellt, ob es sich um eine bulgarische oder serbische Bande handle. Nach Angaben der Pforte wurde in jüngster Zeit schon bei einer zweiten Bande festgestellt, daß sie kurz zuvor aus Bulgarien gekommen ist. Bei einer Bande, die viel Dynamit mit sich führte. wurde der getötete Bandenchef als bulgarischer Genie-Offizier re- kognosciert.— Asien. Schanghai, 26. Juli. Der b e l g i s ch e B i s ch o f von Jffchang ist auf einer Inspektionsreise in Ltchuan, Provinz Hupe, halbwegs zwischen Jtschang und Chungking nebst Bruder und noch einem Missionar ermordet worden.— Die australische Arbeiter-Regierung. Von Herrn G. Hutchinson, einem Führer der australischen Arbeiterpartei und Mitglied der Parlamentsfraktion, zugleich einem alten Freunde des jetzigen Premierministers I. Ch. Waffon, erhalten wir folgenden Artikel über die parlamentarische Lage in Australien und die Bestrebungen der Arbeiterpartei� Um die Leistungen der alistralischen Arbeiterpartei recht ber stehen und würdigen zu können, der nach einem so kurzen Zeitraum seit der Entstehung des Bundes die Regierung des Landes anvertraut wurde, dürste eine gedrängte Zusammenstellung der Ereignisse nötig sein, die zur gegenwärtigen Lage geführt haben. Am Neujahrstage 1901 traten die sechs Staaten, in die Australien geteilt ist, zu einem Bunde auf der Grundlage einer vereinbarten Verfassung zusammen. DaS Gesetz, das die Union begründete, wurde den Wählern zur Abstimmung vorgelegt und mit großer Majorität angenommen. Da eS sich um einen Bund unter Oberhoheit der Krone handelte, so mußte das Gesetz die kaiserliche Zustimmung haben. Ein Parlament mit zwei Häusern wurde geschaffen. Im Senat, der aus 36 Mit- gliedern besteht, ist jeder Staat mit 6 Mitgliedern vertreten. In das Unterhaus werden 7o Mitglieder entsandt, und zwar richtet sich die Anzahl der Abgeordneten jedes einzelnen Staates nach seiner BevöllerungSziffer. Für den Senat ist jeder Staat ein Ganzes, für die andre Kammer dagegen sind die Staaten in 75 Wahlbezirke eingeteilt. Das erste Bundesparlament setzte fest, daß jeder, Mann oder Weib über 21 Jahre, das Stimmrecht für beide Häuser habe. Die Machtsphäre des Bundesparlaments wurde genau umschrieben und begrenzt, da die StaatSparlamente sich das souveräne Recht der Gesetzgebung in allen Materien vorbehalten hatten, die nicht in die BundeS-Konstitution mit einbegriffen waren. Bei den ersten allgemeinen Wahlen Ende 1900 schickte die Arbeiterpartei acht Mitglieder in den Senat und sechzehn in das Unterhaus. In diesem, das aus seiner Mitte die Ministerien bildet, saßen die Arbeiterpartei-Genossen als dritte Partei auf den Quer- bänken. Sie waren fast zu gleichen Teilen in Freihändler und Schutzzöllner geteilt, und es war ihnen freigestellt, bei der Tarif> berawng nach dem persönlichen Ermessen zu stimmen. Als die erste Regierung, die nur eine Minorität hinter sich hatte, einen großen Teil deS Arbeiterprogramms in ihre Polisik aufnahm, wurde sie von der Arbeiterpartei, die den Ausschlag gab, unterstützt. Zunächst wurde ein Mindestlohn von 7 Schilling(7 Mark) pro Tag für alle StaatSarbeiter über 21 Jahre, die mehr als drei Jahre im Dienst sind, festgesetzt, ferner daß die Frauen bei gleicher Arbeit denselben Lohn wie die Männer bekommen fsollen. Außerdem wurde ein Gesetz, das Farbigen, Ausländern und unerwünschten Einwanderern die Einwanderung in AuSstralien verwehrt, an« genommen zugleich mit einem Verbot des Imports von Ein geborenen der Südsee»Inseln als Kontrakt« Arbeiter für die Zuckerrohrfelder. So wurde die Forderung der Arbeiterpartei: ein »Weißes Australien" verwirklicht. In der Militärstage gelang es der Partei, alle Gruppen des Parlaments für ein Miliz- shstem zu gewinnen. Australien hat also kein stehendes Heer. Auch stemmte sich die Partei energisch gegen das Verfahren, mit erborgtem fremdem oder englischem Kapital die nötigen öffentlichen Arbeiten auszuführen, wodurch schon jetzt ein enormer Teil der Staats einkünfte jährlich für Zahlung der Zinsen verloren geht. Mit Hilfe der Liberalen wurde eine Vorlage zur Aufnahme einer neuen Anleihe von einer halben Million Pfund Sterling zu Fall gebracht, und zwar mit dem Ergebnis, daß jetzt die öffentlichen Arbeiten aus den Staatseinkünften unternommen werden. Nach der Bundesverfassung gehört zur Kompetenz des Bundes- Parlaments auch der Erlaß von Gesetzen über die schiedsgerichtliche Entscheidung, Verhinderung und Beilegung gewerblicher Streitig- keiten, die sich über die Grenzen eines der sechs Staaten hinaus erstrecken. Für Ssteitigkeiten innerhalb eines und desselben Staates sind meist bereits Schiedsgerichte eingerichtet, die zufriedenstellend arbeiten. Wo diese Gerichte existieren, da gilt ein Streik oder eine Aussperrung als ungesetzlich. Im Falle einer Gesetzesüberstetung kann auf strenge Strafen erkannt werden. EinZwangs-Schiedsgerichts-Gesetz wurde dem Repräsentantenhause 1903 vorgelegt. Die Regierung weigerte sich jedoch, das Gesetz auch auf die Seeleute auszudehnen, und als diese Maßnahme lebhaft kritisiert wurde, legte Mr. Kingston, die stärkste Persönlichkeit deS Ministeriums, sein Amt nieder. ES gab eine hitzige Debatte um das Gesetz. Als es jedoch der Arbeiter- Partei gelang, mit großer Majorität auch die Unterstellung der An- gestellten der StaatS-Eisenbahnen unter das Gesetz durchzusetzen, da ließ die Regierung da» Gesetz fallen. Bei den allgemeinen Wahlen im Dezember 1903, als die Hälfte der Senatoren und alle Unterhaus-Mitglieder neu zu wählen waren. wuchs die Partei von acht Sitzen im Senat auf vierzehn. In der Senatskammer ist also jetzt eine starke demokratische Majorität. Auch im Unterhanse wurden acht neue Sitze gewonnen, so daß die Partei 24 Sitze oder nahezu ein Drittel der gesamten 75 Mitglieder stark ist. Beim Zusammentritt de» neuen Parlaments war die Schicds- gerichtS-Bill das erste, was zur Diskussion stand. Ein Mitglied der Arbeiterpartei— nicht der Führer— beantragte, sämtliche StaatS- angestellten unter dieses Gesetz zu bringen. Dem widersetzte sich die Regierung mit der Begründung, daß dies verfassungswidrig, un- zweckmäßig und ein Eingriff in die Staatsrechte sei. ES mag er- wähnt werden, daß der High Court von Australien der Interpret der Verfassung ist, so daß durch ihn die Staaten gegen jeden wider- rechtlichen Eingriff in ihre Gewalt von feiten der nattonalen Gesetz- gebung geschützt sind. Bei der Fragestellung hatte die Arbeiterpartei eine Majorität von neun Stimmen und das Ministenum D e a k i n trat sofort zurück. Da eS recht zweifelhast war, ob alle öffentlichen Angestellten dem Gesetz unterstellt werden konnten, so bestand seitens der Arbeiterpartei nicht der Wunsch, das Amendement absolut durchzubringen. Sie war bereit, die Regierung im wesentlichen weiter zu unterstützen. Sie drängte sich nicht nach Regierungsämtern! man bot sie ihr an. Der Ex-Premierminister meinte, jetzt müsse die Arbeiterpartei auch die Verantwortlichkeiten der Verwalwng auf sich nehmen und gab dem Generalgouverneur den Rat. John Christian Watson mit der Bildung eines neuen Ministeriums zu beauftragen. Und er unterzog sich dieser Aufgabe. Unter diesen eigenartigen und ziemlich außergewöhnlichen Um- ständen ergriff die Arbeiterpartei, obwohl nur eine Minorität im Hause, die Zügel der Regierung. Aber die beiden andren Parteien waren in derselben Lage und noch bedeutend schwächer. Mr. I. C. Watson, Premierminister und Schatzmeister, ist ein Organisator und ein Mann von diplomatischem Geschick. Als Führer bewies er Takt und Geschicklichkeit und errang sich die Achtung aller Klassen. Mr. W. M. HugheS, Minister de» Aeußeren, von außerordentlicher Gewandtheit in der Debatte, hat eine sehr wechservolle Laufbahn hinter sich. Er arbeitete in Schafzüchtereien, auf Küstenschiffen, war Journalist und Schullehrer. uud wurde schließlich Advokat. Mr. E, L. Batchelor war Leiter der Staatsarbeiterpartei und anderthalb Jahre lang Minister für Erziehung und Ackerbau sowie General- Postmeister in dem Staate, den er vertritt. Mr. A. Dawson, Minister der Landesverteidigung, verdiente seinen Lebensunterhalt durch Land- und Bergwerksarbeit sowie durch seine Feder. Er war eS, der das erste britische Arbeiterministerium in Staate Queensland bildete, das jedoch nur wenige Tage bestand. Mr. A. Fisher. Minister für Handel und Zölle, verließ die Beschäftigung eines Bergmannes, um zu� Politik überzugehen und wurde Mitglied von Mr. Dawsons kurzlebigem Mnisterium. Er steht bei seiner Partei in hohem An- sehen. Mr. H. Mahon, General-Postmeister. ein tüchttger Journalist. wurde in Irland eingekerkert wegen seiner Teilnahme an„politischen Umtrieben". fMr. G. McGregor, Vicepräsident deS Exekutive Council, ist einer der bedeutendsten Männer im Parlament. Er ist fast blind, besitzt aber ein phänomenales Gedächtnis und den durch- dringendsten Verstand. Er hat sich von einem einfachen Bauarbetter emporgeschwungen. Mr. W. H. Wiggins, Borsteher des Justizwesens, ist Gerichtsrat und Gerichtsvorsitzender im Staate Victoria. Im ganzen fehlt es den Ministern nicht an Geschick und Talent Sie unterscheiden sich darin mehr als vorteilhast von ihren Vor- gängern im Amte. Ihr Programm für die gegenwärtige Session ist von gemäßigtem Charakter, da«S im wesentlichen da» der Vor- gänger ist. Ob es dem Arbeiterministcrinm vergönnt sein wird, eine Probe seines Könnens abzulegen, ist zur Zeit für den Schreiber dieses noch ungewiß. Erfolglose Versuche einer Koalition zwischen der Opposition und der Partei des früheren Ministeriums sind bereits gemacht worden. Man wird verstehen, wie schwer es ist, eine wirkliche Vereinigung zum Sturze des jetzigen Ministeriums zusammenzubringen, wenn man bedenkt, daß eine Vereinigung von Konservativen und Liberalen, Hoch-Schutzzöllnern und extremen Freihändlern dazu nötig ist': von Elementen, die nichts aneinander bindet als der Wunsch, selbst ans Ruder zu kommen und den Fortschritt der Arbeiterpartei zu verhindern. Im Falle eines Angriffs würde sicher die Furcht vor der Auflösung der Regierung verschiedene Unter stützungen von solchen eintragen, die fürchten, ihre Sitze zu ver- lieren. Die Richtung der Arbeiterpartei führt zinn SocialismuS hin. doch begnügt sich die Partei vorläufig damit, eine Gesetzgebung von palliativem Charakter gutzuheißen, die den bedrückteren Schichten der Arbeiter sofortige Erleichterung gewährt. Es sind aber im Senat mit großer Majorität Resolutionen angenommen worden zu Gunsten der Nationalisierung der Tabak- und Eisenindustrie. Ferner mutz man sich erinnern, daß die sämtlichen Eisenbahnen deS ganzen Landes und einige Straßenbahnen sowie die Wasserwerke, Post, Telegraph, Telephone und viese andre Unternehmungen schon jetzt Nationaleigentnm sind und unter der Kontrolle der Staats- regierung oder der Kommunalbehörden stehen. Folgende Forderungen sind die wichtigsten des KanipfprogrammS der Arbeiterpartei: Erhaltung eines weißen Australiens. Zwangs- Schiedsgerichte zur Beilegung von gewerblichen Streitigkeiten. Alterspensionen aus sichergestellten Einkünften(in den beiden größten Staaten werden bereits jetzt solche gezahlt). Nattonalisierung der Monopole. Landesverteidigung durch die Bürger. Beschränkung der staatlichen Anleihen. Schiffahrtsgesetze zum Schutze der Seeleute und der austta lischen Schiffsbesitzer. Die Errichtung einer Staatsbank und einer staatlichen Leben»- und Feuerversicherung wird gleichfalls geplant. Ein Gesetz betreffend wohlfeile Patente ging in der vorigen Session schon durch. Ferner ist in Aussicht genommen, daß der Grund und Boden der Bundes- Hauptstädte für unveräußerlich erklärt werden soll. Es ist eine beklagenswerte Thatsache» daß wir nicht eine einzige Arbeiter-Tageszeitung in Australien haben. Einige sehr gute Wochenschriften sind vorhanden, von denen aber nur je eine in den Hauptstädten erscheint. Die Arbeiterschaft hat Triumphe errungen trotz der Angriffe einer skrupellosen und feindseligen kapitalistischen Presse, die Tag für Tag unsre Zwecke und Ziele und die Thaten unsrer Partei falsch darstellt. Ihren Erfolg dankt die Partei hauptsächlich der allgemein an- erkannten Berechtigung ihrer Ansprüche, ihrer Organisatton und ihrem Freimut. Die Trabes Unions sind das Rückgrat der Bewegung, aber jeder ist als Mitglied willkommen, der bereit ist, unser Programm zu unterschreiben. Da die Beteiligung noch gering ist, so war die Partei in Geldverlegenheit, denn in ihren Reihen be- finden sich keine wirklich reichen Mitglieder. Ein Faktor, der den Fortschritt sehr begünsttgt, ist die absolute Redesteihett. Keine Behörde bekümmert sich um politische Versammlungen. Im Staats Parlament von Victoria, wo soeben allgemeine Wahlen stattgefunden haben, betrug die Zunahme der Partei 100 Proz. und diese bildet nun dort eine starke Opposision. Ein andrer Staat steht ebenfall» vor den Wahlen und allen Anzeichen nach wird sich dort ein ähn- liches Resultat ergeben. ES ist über jeden Zweifel erhaben, daß die Arbeiterpartei, bei einer Auflösung des Parlaments eine Anzahl neuer Sitze gewinnen würde. Wenn es der Arbeiterregierung ver- gönnt ist, ein Jahr lang im Amte zu bleiben, so ivird sie für immer mit dem alten Borurteil aufgeräumt haben, daß nur die privilegierten Klassen im stände sind zu regieren. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. Partei- l�ackncdten. Zum Internationalen Kongreß z« Amsterdam. Das Internationale Socialistische Sekretariat erlätzt folgende Bekanntmachungen: Die Delegierten zum Kongreß zu Amsterdam werden gebeten, an den Genossen I. F. Ankersmid, Redaktion»Het Volk", Amsterdam, Geldersche Kade 117, möglichst umgehend Mit- teilung gelangen zu lassen, ob sie in ein Zimmer a zwei Personen einlogiert sein wollen. In diesem Falle haben sich die Betreffenden mtteinander zu verständigen. Den Delegierten werden gegen Hinterlegung von 10 Fr. als Beitrag zu dem Kongreß am Vorabende des Kongresses pro- visorische Teilnehmerkarten ausgehändigt. Diese Karten erlangen erst nach der Gültigkeitserklärung durch die nattonalen Delegationen oder, im Falle des Einspruchs, durch den Kongreß ihre volle definitive Gültigkeit, Die Sekretäre der einzelnen Landesparteien werden ersucht, an den Kongreß einige Exemplare der Broschüren, Werke und Zeitungen der socialistischen Litteratur zum Zwecke der Ausstellung beziehentlich des Verkaufs auf dem Kongretz einzusenden oder mit- zubringen, Der Punkt:»Die internationalen Regeln der socialistischen Politik" wird vorauSsicktlich zu sehr lebhaften Debatten auf dem Amsterdamer Kongretz fuhren. Zu diesem Punkt liegt dem Kongretz bereits die Resolution vom Dresdener Parteitage vor. Dieselbe ist von der socialistischen Partei von Frankreich auf ihrem Kongretz zu Reim? zu der ihrigen gemacht und von derselben dem Kongreß unterbreitet worden. polireUictas. Sericbtlicbes üb». — Das sächsische„Juwel" von Versammlungsrecht ist um«ine neue Auslegung bereichert worden, bei der allerdings diesmal die beabsichtigte Wirkung ausblieb. Am Sonntag, den 24. d. Mt»., war für Mylau i. V. eine öffentliche Volksversammlung um 4'/, Uhr nachmittags angemeldet. Da aber gegen 4 Uhr ein schweres Gewitter heraufzog, war die Versammlung sehr schwach besucht und der Einberufer wollte die Versammlung um 2 0 Minuten ver- tagen. Da nun die überwachenden Beamten einer Vertagung schon wiederholt Schwierigkeiten entgegengesetzt hatten, fragte er vorsichtig den Beamten um Erlaubnis und erhielt die Antwort:„Das dulde ich nicht. Ich Hab« Order von der Amt»- hauptmannschaft, das nicht zu erlauben," Hierauf eröffnete der Einberufer die Versammlung, teilte derselben die Aus- kunft des Beamten mit und ging zu der nach sächsischem VereinS- und Versammlungsrecht vorgeschriebenen Bureauwahl über. Als er um Vorschläge zu einem ersten Vorsitzenden bat, wurde aus der Versammlung der Antrag gestellt, die Wahl desselben mittel» Stimmzettel schriftlich vorzunehmen, ein zweiter Antrag verlangte. dazu ein Komitee von drei Personen zu wählen. Das itomiiee wurde gewählt: die Wahl des ersten Vorsitzenden, ebenso des zweiten und des Schriftführers wurde mittels Stimmzettel in musterhafter Ruhe vollzogen, und als die Wahlen zu Ende waren, erhielt um 5'/, Uhr der Referent, Genosse Adolf Hoffmann, vor dicht- besetztem Hause das Wort zu seinem Vortrage. Es ging also auch ohne Vertagung i Versammlungen. Die Glaser hielten am 18. Juli eine stark besuchte Versammlung ab. An Stelle Ketzners wurde L o w i tz k i zum Delegierten der Bauarbeiterschutzkommission gewählt. Sodann wurde der Antrag angenommen, vom 1. August ab nur noch 60 Pf,-Marken zu ver- kaufen. Für die den Rammern gewährte Unterstützung erteilte die Versammlung die Genehmigung. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Tarifkommission, gab der Vorsitzende Jahn den Bericht und verlas ein Schreiben der Innung an den Altgesellen, worin dem- selben mitgeteilt wird, daß die Innung nicht mit dem Central» verband verhandeln wolle. Ein Antrag, eine gemeinschaftliche Kommission zu bilden, bestehend auS dem Gesellenausschuh und der gewählten Fünferkommission, wurde abgelehnt. Dann wurde be» schlössen, bis zum Ausbruch des Streiks eine wöchentliche Extra- steuer von 1 M. zu erheben, und zwar von Beginn dieser Woche.— Suchfort teilte mit, daß die Ein- und Vcrkaufsgenosscnschaft Bücher ausgegeben hat, in denen die Glascrgescllen auf Bauten den Ver- tretern bescheinigen sollen, wann dieselben angekommen und wieder abgefahren sind. Die Versammlung lehnte dies entschieden ab, da sich die Glaser nicht zu Spitzeln hergäben. Es wurde eine ent- sprechende Resolution angenommen und Suchfort beauftragt, diese Maßnahme dem Vorstand des Handels», Transport- und Verkehrs- arbeiter-Verbandcs zu unterbreiten. Ferner wurde der Haupt- vorstand beauftragt, zum Internationalen Kongretz in Amsterdam einen Delegierten zu entsenden. Die Zahlstelle Berlin schlägt den Hauptvorsitzonden Eichhorn vor. Letzte l�achnchten und Vevefcben. vom ostasiatischen Kriegsschauplatze. Petersburg, 26. Juli.(W. T. B.) General Kuropatkin meldet dem Kaiser von gestern: Erkundungen, die in letzter Zeit täglich in der Richtung aus Kaitschou und Lraohotan ausgeführt wurden, er- gaben, daß der Feind den Kamm und die Abhänge der Höhen im Norden von Kailschou zwischen der Eisenbahnlinie und dem Thale des Tsinsahe starr befestigt hat. Bei Hotsiatun ging der Feind am 23. Juli um 5 Uhr morgens mit etwa 8 Divisionen auf der Front zum Angriff vor auf dem zwischen der Eisenbahn und dem Thale des Tsinsahe liegenden Gebiet. Ferner entwickelte der Feind im Süden eine Division Infanterie zwischen der Eisenbahn und dem Dorf Hotsiatun. Seine Hauptmacht zog er in der Richtung auf Daffchapu, 13 Werst südlich von der Station Taschitschiao zusammen, während sich die japanische Reiterei auf dem linken Flügel oei der Eisenbahn befand. Der Bormarsch geschah ziemlich langsam und mit Unter- brechungen. 30 Geschütze deckten ihn mit ihrem heftigen Feuer, das von den Baterjen unsrer Nachhut erfolgreich erwidert wurde. Das Feuer der japanischen Batterien war anfangs auf die Höhen bei Mahuntsuitjt und Jaolintsi, 10 Werst nördlich von Kaitschou, ge- richtet, die allmählich von den Posten unsrer Feldwache geräumt wurden. Auf die vorrückende japanische Infanterie eröffnete unsre Nach- Hut ein Gewehrfeuer. Oberst Lösch führte die Nachhut rechtzeitig auf eine neue Stellung bei Datschapn weg. Hierbei fuhren unsre Batterien, die mehrere Male ihre Stellung wechselten, fort, da» feindliche Artilleriefeuer zu erwidern, und richteten ihr Feuer auch auf Infanteriekolonnen des Feindes. Gegen SV, Uhr morgens rückten zuerst 3 Bataillone auS dem Thale des Tsinsahe in der Rich- tung auf Taschitschiao vor. Auf dieser Linie hielt eine von unsren Abteilungen zwischen Tantschi und Taschitschiao befestigt« Stellungen besetzt, sowie eine Stellung 7 Werst südöstlich von Taschitschiao. Im weiteren Verlaufe des Kampfes entwickelten die Japaner in der Richtung auf Taschitschiao etwa eine Brigade Infanterie und sandten außerdem ein Regiment längs der Tsinsahe nach Tantschi aus. Um 4 Uhr nachmittags stellte der Feind den Vormarsch ein. Seine Haupt- macht zog der Feind bei MaHuntsuitsi zusammen. Am Abend bezogen unsre Truppen die ihnen angewiesenen Biwaks, nachdem Abteilungen auf der befestigten Stellung zurückgelassen worden waren. Unsre Verluste sind noch nickst festgestellt; wie gemeldet wird, find sie jedoch unbedeutend. Da der Tag aber heiß war, kamen Fälle von Hitzschlag und Sonnensttch vor. Bei Einbruch der Dunkelheit besetzte unsre Vorhut wiederum Tantschi. Die Nacht mif den 24. Juli verlief ruhig. Um 5 Uhr früh begann ein Vorpostenscharmützel ia der Umgegend Tantschis. Weitere Meldungen liegen nicht vor. Petersburg, 26. Juli.(W. T. B.) Wie General Kuropatkin dem Kaiser von gestern meldet, besetzte eine russische Abteilung am 21. Juli den Pchanlinpatz. Am Nachmittage des folgenden Tages begann in der Umgebung des Paffes ein Gefecht, in welchem die Japaner, die etwa«ine Brigade stark waren, die Russen in der Front bedrängten und sie auf beiden Flügeln umgingen. Die Russen zogen sich langsam zurück. Um 7 Uhr abends stellten die Japaner, nachdem sie den Pchanlinpatz eingenommen hatten, den Angriff ein. Auf russischer Seite wurden 1 Offizier und 4 Mann verwundet. Die Zahl der Gefallenen ist noch nicht festgestellt. Petersburg, 26. Juli.(W. T. B.) Ein andres Telegramm KuropatkinS an den Kaiser von gestern besagt: Auf der Südfront er- neucrte der Feind am 24. Juli den Vormarsch. Der Kampf begann auf dem linken Flügel bei Tagesanbruch in der Nähe von Tantschi. Hierauf unterhielt der Feind 12 Stunden hindurch ein sehr heftige» Artilleriefcuer. Das Artilleriegefecht verlief günstig für uns: die apanischen Batterien, 7 Werst südlich von Taschilschiao, verstummten um 4 Uhr nachmittags. Um dieselbe Zeit unternahm der Feind einen energischen Angriff bei Dafanschen, um da» Centrum unsrer Stellung zu durchbrechen. Unsre Truppen schlugen alle Angriffe deS Gegner» zurück und alle unsre Stellungen wurden von uns behauptet. Der Kampf endete um SV, Uhr abend». Einzelheiten des Kampfe» und die Verluste sind noch nicht bekannt. Der Abteilungschef, der den Vormarsch des Feindes 2 Tage lang aufgehalten und all« Angriffe der Japaner zurückgeschlagen hat, hat nach kurzer Rast, ohne vom Feinde behelligt zu werden, begonnen, allmählich nach Norden zurück- zugchen. Russische SeerSuSereien. London, 20. Juli.(W. T. B.) Nach einer bei„Lloyds" ein- gegangenen Mitteilung erhielt die Reederei des Dampfers„CalchaS" n Liverpool ein Telegramm aus Honkong, wonach der Dampfer von der russischen Flotte beschlagnahmt sei.„Calchas" war auf der Fahrt von Pugetsound(Nordamerika) nach Japan und Honkong. Suez, 26. Juli.(Meldung de«„Rcuterschen BureauS".) Der Dampfer„Formosa" der Peninsular and Oriental Linie wurde von den Russen im Roten Meere aufgebracht und kam hier unter russischer Flagge und mit russischer Bemannung an. Tokio, 26. Juli.(Meldung deS„Reuterschen Bureau»".)' Der englisckie Gesandte Macdonald hat eine eingehende Untersuchung über die Versenkung des Dampfers„Knigt Commander" eingeleitet. Budapest, 26. Juli.(W. T. B.) In Eisenstadt wütete heute ein großer Brand, durch den 63 Gebäude, darunter das Stadthaus und eine Kirche, eingeäschert wurden. Ebenso wurden in dem Dorfe Kaptol bei Pozsega durch ein Feuer 50 Gehöfte mit großen Getreide- Vorräten zerstört. Baku. 26. Juli.(W. T. B.) Wie aus Rescht gemeldet wird. find sämtliche Orte der Eisenbahnlinie Teheran— Rescht cholerafrei. ebenso TäbriS. Enseli und Mendjil. «erantw. Redakteur: Paul«üttner, Berlin. Inseratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Verlag»aaitaltPaulSlnae'-chSo..BerlinLV/. Hierzu 2 B eilagen p. UnterhaltungSblatt Ir. M. 21. Ichrgavg. 1. Keilazt des Joraiitts" fttlinre NcksM WW-ch.Z7.ZMlM. 6cwcrkrcbaftlicbc3. Wie man Mißständen abhilft. Eilte wenn auch nicht ganz originale, so doch immerhin originelle Art, Mißstände aus der Welt zu schaffen, hat die Direktion der Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer in Leverkusen in Anwendung gebracht. Die Arbeiter derselben hielten jüngst eine Versammlung ab, in welcher sich dieselben über die Zustände ans dem Werk be- klagten. Zunächst maßregelte die Firma emige der Redner. Außer- dem abier schlug sie nach der Solinger«Bergischen Arbeiterstimme" am schwarzen Brett folgenden Mas an: Au unsre Schlosser, Dreher. Klempner zu Leverkusen. Wie uns mitgeteilt wird hat am vergangenen Montag eine, der Behauptung nach«gutbesuchte" Versammlung von Schlossern, Drehern und Klempnern unsrer Fabrik zu Leverkusen stattgefunden, um über die„Miß- und Uebelstände" wie sie zur Zeit auf der Fabrik herrschensollten.Klage zuführen. Da wir nun nach sorgfältigster Unter- suchuwg und Prüfung derartige Miß- und Uebelstände auf unfern Leverkilsener Fabriken nicht ausfindig machen konnten, aber auch nicht gesonnen und gewillt find unzufriedene Elemente unter uniern Arbeitern zu dulden, so ersuchen wir alle Arbeiter, welche mit den bei uns herrschenden Zuständen nicht zufrieden sind, s o- fort ihre Entlassung zu nehmen. Die andern aber fordern wir hierdurch auf, ihre Zufriedenheit und Geneigtheit, bei uns zu bleiben, durch nachstehende Unterschrist zum Ausdruck zu bringen. Die Direktion der Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer u. Co. Bezeichnung der Werkstatt. Hiermit bescheinige ich, daß ich mit den auf den Werken der Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer u. Co. zu Leverkusen herrschenden Zuständen zufrieden bin und deshalb keine Veranlassung habe, die Arbeit niederzulegen. Leverkusen, den 23. Juli 1904. Unterschrift. Wer also zustieden ist oder sich zufrieden stellt, kann bleiben. Wer aber der Betriebsleitung seine Zustiedenheit nicht attestieren will oder kann, muh gehen oder erleidet im andren Falle das Schicksal der schon Gematzregelten; denn die Fabrikleiwng ist«nicht gesonnen und gewillt unzufriedene Elemente unter ihren Arbeitern zu dulden". Wenn die Klagen aufhören, meint die Fabriklcitimg, dann existieren natürlich auch die Ursachen derselben nicht mehr. Die Mißstände sind so auf die einfachste Art und Weise aus der Welt geschafft. Schade nur, daß die Arbeiter mit dieser Art der Beseitigung von Mißständen nicht einverstanden sind. Sie kennen eine andre, wirksamere Mechode, die heißt: Organisation! Sind die Arbeiter alle einig, dann werden sie nicht einzeln nach dem Willen der Fabrikleitung, sondern zur geeigneten Zeit geschlossen die Arbeit niederlegen. Diese Methode der Abhilfe von Mißständen ist zwar weniger bequem für das Unternehmertum, aber erprobter- matzen die einzig wirksame! Kerlin unä Omgegencl. An die Tabakarbcitcr Berlins und Umgegend! --' Laut Beschluß deZ internationalen �abakarbertcr-Kongresses, von Paris im Jahre 1900 findet am 21. August und folgende Tage der diesjährige Internationale Tabakarbeiter-Kongreß in Amsterdam statt. Zu diesem Kongreß sind seitens der Tabak- arbeiter Berlins und Umgegend Vorberatungen notwendig und findet behufs dasseit am Sonnabend, den 3 0. Juli, abends 3V- Uhr, ein», öffentliche Versammlung bei Fritz Wilke. Brunnenstraße 183(nahe dem Rosenthaler Thor), statt. Anträge zu diesem Kongreß sind dort einzu- reichen. Näheres siehe die Tagesordnung im Inserat der heutigen Numpter. Die Vertrauensleute. Wilhelm Börner. Karl Butrh. Deutsches Reich, Monra. In Kattowitz befinden sich zur Zeit die Maurer bei zehn Afibeitgebern im partielle» Streik, in Frage kommen hierbei 145 Mann. Die Streikenden sind bei andren Arbeitgebern des Industriegebiets in Arbeit gebracht. Außerdem haben gegen 100 Mauren, die bei nicht gesperrten Arbeitgebern in Arbeit standen, das Streikgxbiet verlassen. Am Ende der ersten Woche bewilligten zwei Arbeitgeber die Forderung, resp. sie einigten sich mit der Leitung. Vertraglich wurde festgelegt, daß bei 10>/zstündiger Arbeitszeit 34 Pf. Lohn pro Stunde gezahlt werden. Außerdem ist Stunden- löhnung, wcichentlicheLohnzahlung und Ausschluß derKündigung verein- bart. Die Behörde geht ziemlich scharf gegen die Streikenden vor und verhastet die Streikposten. Nachdem aber die Streikleitung beim Polizeichef vorstellig ivurde und ihm die Ucbergriffe der Unter- beamten vorttug. scheint es, als ob eine Mäßigung eingetreten sei.— Der Arbeitg.eberverband hatte sich an die Regierung mit der Bitte gewandt, gruizifche Bauhandwerker zuzulassen. Bekanntlich besteht eine Verordnung wonach Galizier sich im Industriegebiet nicht aufhalten dürfen, und von KönigShiitte wird vom 22. Juli gemeldet, daß 20 Bau- Handwerker ausgewiesen und per Schub über die Grenze gebracht wurden. Diese Maßnahme hängt mit der P o l e n p o ltti k zu- sammen. Da die Deutsch-Polen nach Meinung unsrer Staatsleiter staatSgefähttkiche Bestrebungen verfolgen. so könnte durch Ein- Wanderung von galizischen Polen die Gefahr noch vermehrt werden. Run aber!>er Geldbeutel der paar Bauunternehmer in Gefahr ist, wird die Regierung angebettelt, zum Schutze der Unternehmerinteressen und zur Unterdrückung der deutschen Steuerzahler diese sonst als staats gefährlich angesehenen Galizier ins Land zu lassen. Das ist gewiß eine Glanzleistung des Patriotismus, die verdient als Beitrag zur Natur- geschichte des deutschen Unternehmertums der Nachwelt erhalten zu bleiben. Die sonst immer sehr gut unterrichtete«Äattowitzer Ztg.", die in der Clermanisationspolitik obenan steht, berichtet am Sonnlag, daß ein Vertreter der Regierung schon am Donnerstag in Kattowitz war und zwar, um die Bitte der Bauarbeitgeber zu erwägen. Es bleibt abzuwarten, ob die preußische Regierung der Welt kund thnn wird, daß ihre Taktik in der Polenpolitik solcher Ursachen wegen geändert werden muß. Luch in Z a b r z e traten die Maurer in den partiellen Streik. Die Löhne bettagen 3—3,30 M. pro Tag bei llstllndiger Arbeits- zeit. Auf die Forderung der zehnstündigen Arbeitszeit und eines Stundenlohnes yon 40 Pf. antwortet auch hier kein Unternehmer. «In Oberschlesien machen wir das so!" Hier glaubt eben noch jedermann, bdZ aus die organisierten Arbeiter, daß es ein sehr großes Verbrechen ist; wenn der Arbeiter es wagt, eine Forderung zu stellen. Demgemäß>«erden dann die, welche den Mut haben die Forderung ihrer Kollegltn zu vertreten, behandelt. Ein Versammlungslokal giebt es nicht. Die Maurer waren aber nicht faul. Sie machten sich eines' herrlichen Wochentagnachmittags auf die Beine, fuhren nach dem 1'/, Stunden entfernten Gleiwitz und berieten da ihre Lage. Die Zabrzer Polizei wollte auch gerne wissen, was da passieren würde und sandte einen Kriminulbcamtcn. Der Herr war furchtbar entrüstet und seine Gleiwitz er Kollegen mit. als er an die Luft befördert wurde. Es war an diesem Tage sehr heiß und er konnte eigentlich der Leitung dankbar sein, daß er dein Dampfbade entgehen konnte. Bei drei Arbeitgebern traten«2 Mann in den Streik. Beschäftigt find im Lohngebiet 392 Maurer auf 43 Arbeitsstellen bei 19 Arbeit- gebern. Der Stteikleiter wurde am Montagnachmittag verhaftet, als er ruhig die Straße passierte. Doch das nehmen die Streikenden nicht tragisch, damit hatten sie gerechnet und es springen bei jedem solchen Vorfall sofort andre in die Bresche. Die Konjunktur ist im ganzen Industriegebiet sehr gut und die Maurer werden gesucht. lieber die Ursachen des Streiks in der„Schlesischen Holz- indilstric-Gcscllschaft" zu Langenöls(Bezirk Liegnitz) wird uns geschrieben: Schon öfter hat die Firma durch verschiedene Manipulationen die Verdienste der Ärbciter geschmälert und jedesmal ist es der Direktion gelungen, die dadurch erregten Gemüter durch Ver- sprechungen zu beschwichtigen, die niemals erfüllt wurden. Anstatt daß die Uebelstände beseittgt worden wären, wurden dieselben noch vernrehrt. Die Arbeiter hatten sich immer so leicht beschwichtigen lassen und so ging man seitens der Fabrikleitung wohlgemut daran, durch vermehrte Teilung der einzelnen Arbeiten der T fchlerbranche die Verdienste der betteffenden Arbeiter bis zu 50 Prozent zu kürzen. Alte Arbeiter, die ein halbes Menschenalter in der Fabrik arbeiten, sagen, daß sie mit solch geringein Verdienst noch nie zu Hanse gegangen sind. Dieses Verfahren schlug denn auch dem Faß den Boden aus. In einer am 13. Juli er. stattgehabten Versammlung wurde beschlossen. den ewigen Preisdrückereien mit Einreichung von Forderungen zu be- gegneu und der Arbeiterausschuß solvie die Vertreter beider in Betracht kommenden Organisationen(Hirsch- Dunckerscher Gewerk- verein und Deutscher Holzarbeiter-Berband) mit der Vertretung der gestellten Forderungen beauftragt. Gefordert wird an Stelle der jetzt neuneinhalbstündigen eine neunstündige Arbeitszeit, Abschlag- zahlung bei Accordarbeiten in Höhe des vereinbarten Wochenlohnes, Sicherung des Vereinbatton Lohnes bei Neuarbeiten, wöchentliche Lohnzahlungen, 10 Proz. Aufschlag auf alle Löhne u..d Accordpreise und Sicherung eines Wochenlohnes von mindestens 15 M. für alle handwerksmäßig beschäftigten Arbeiter. Für diejenigen Zweige der Tischlerbranche, die mit Lohnreducierungen bedacht worden sind, be- wegen sich die Forderungen in Höhe der gemachten Abzüge.— Eine Antwort auf die eingereichten Forderungen war bis Freitag, den 22. Juli, erbeten worden, die aber erst eingeholt iverden mußte, und zunächst dahin lautete, daß alles rundweg abgelehnt werde Bis Sonnabendnachmittag hatte sich die Direktion eines andern be- sonnen und bot als Bewilligung neunstündige Arbeitszeit sowie 26 Prozent Zulage für Ueberstunden mit dem Zusatz: «Schlechte Löhne werden aufgebessert". Mit den Vertretern der Organisationen zu verhandeln, wurde abgelehnt. Die darauf am Sonnabendabend abgehaltene Bersammlung der Arbc.ter war jedoch der Ansicht, daß auf Versprechungen hin nichts zu geben sei, wie die Erfahrung schon fo häufig gelehrt hat und beschloß demzufolge mit 320 gegen 3 Stimmen in geheimer Abstimmung die Arbeit von Montag ab einzustellen. Da voraussichtlich die Firma versuchen wird, in Berlin Streikarbeit anfertigen zu lassen, werden die dortigen Holzarbeiter ersucht, im gegebenen Falle die Anferttgung von Streikarbeit zu verweigern. Im Bremerhavener Bliiiardeitcr-AiiSstailde ist eine weitere Aus- dehrning der Bewegung zu verzeichnen. Auf sämtlichen Bauten, die mit Arbeitswilligen besetzt sind, sind am Montag alle Klempner ausgesperrt worden. Ein Streikposten freigesprochen. In St. Johann-Saarbrücken stand dieser Tage der Maurer P e t e r s e n vor dem Schöffengericht. Derselbe hatte am Bahnhof Streikposten gestanden und mar ohne jede wettere erkennbare Ursache verhaftet und bis zum andern Morgen festgehalten worden. Die Anklage gegen ihn stützte sich auf einen Paragraphen der Straßenpolizei-Verordnung, der die Polizei zum Einschreiten ermächtigt, wenn durch das Benehmen der Passanten der öffentliche Verkehr, die Reinlichkeit oder die öffentliche Ruhe ge- fährdet ist. Das Verfahren endet« mit Freisprechung des Sünders. Zum Entsetzen des Amtsanwalts erklärte sogar der Vorsitzende dem Polizisten, daß es sich bei der Verhaftung des Streikpostens um einen Uebergriff gehandelt habe und daß er, der Richter, sich ein solches Vorgehen, wie das gegen Petersen ge- übte, auch nicht gefallen ließe. Hustaiid. Amerikanische Streiks. Chicago, 25. Juli. Die Viehknechte und Fuhrleute, die auf den Viehhöfen der Union angestellt sind, haben sich dem Schlächter- ausstände angeschlossen, ebenso die Arbeiter der Transportgesellschaft. Ferner sind die Arbeiter verschiedener Gewerbe in den allgemeinen Ausstand getteten, um die SchlachtbanS-Aiigestellten zu unterstützen, darunter fast alle Maschinisten, Maschinenbauer und Handlanger, die von den sieben großen Konservenfabriken angestellt sind. Fallriver(Massachusetts), 25. Juli. Die Baumwollfabrikarbeiter sind, wie angekündigt war. heute in den Ausstand getreten. Sämt- liche Fabriken der Union sind geschlossen worden. Em der frauenbnvegung. Baumschulenweg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs und Umgegend hält am Donnerstag, den 23. d. Mts., abends 8V- Uhr, im Lokale von Christ, Marienthalcrstraße, Ecke Ernststtaße, eine Wanderversammlung ab. Frl. Ida Altmann wird über„HypnotismuS und Suggestion in physischer und moralischer Hinsicht" referieren. Um zahlreichen Besuch bittet _ Der Vorstand. Berliner partei-Hn�elecjenbeiten. Seht die Wählerlisten zu den Stadtverordneten-Wahlen nach! Dieselben liegen nur bis Sonnabend, den 30. Juli für ganz Berlin im Wahlbureau, Poststr. 16 II, zur öffent- lichen Einsichtnahme au». Und zwar von 0—3 Uhr(nicht wie es in unsrer Sonntagsnummer infolge eines Druckfehlers i r r t ü m- l i ch hieß von 2-3 Uhr). Ueberzeuge sich jeder, ob sein Recht gewahrt und er eingetragen ist! kü Zossen. Den Genossen zur Mitteilung, daß am Mittwoch- abend 3 Uhr bei Rüffer die M o na ts Versammlung statt- findet. Wichtige. Tagesordnung. Zahlreichem Besuch sieht entgegen Der Vorstand. lokales. Endlich Regen. Die anhaltende Dürre der letzten Zeit ist endlich durch einige wohkthuende Regengüsse unterbrochen worden. Wie sehnlich wurde der Regen aber auch schon erwartet. Feld, Wald und Flur litten gleichermaßen unter der wochenlangen Trockenheit. Ueberall in der Natur machten sich die erschlaffenden Wirkungen der sengenden Hitze fühlbar. Des«heiligen römischen Reiches Stteusandbüchse" eignet sich nun einmal nicht für einen»ewig wolkenlosen Himmel". Der magere brandenburgische Sandboden bedarf eben einer reichlichen Anfeuchtung, wenn anders er nicht die Kraft zur Ernährung der Vegetation verlieren soll. Und diese Kraft schien wirklich schon bedenklich erschöpft zu sein. Wie sah es z. B. in den Laubenkolonien auS l Unendliche Mühe gaben sich die Kolonisten, um ihre so sorgsam ge- hegten Gartengewächse vor dem Vertrocknen zu bewahren. Glücklich, wer eine kleine Handpumpe besaß, die noch mit knapper Not das zum Begießen erforderliche Wasser lieferte. Die übrigen aber mußten tagtäglich oft weite Wege zurücklegen, um aus Straßenbrunnen, Häusern, Gräben und Tümpeln das nötige Gießwasser herbei» zuschaffen. Und trotzdem reichte es bei weitem nicht aus, die durstigen Pflanzen genügend zu tränken. Die so sympathischen Rankengewächse machten einen verkommenen staubig-braunen Ein- druck; gelb und fahl neigten sich die Blätter vieler Gemüse- und Vlumenarten. zur Erde, und manche Früchte blieben klein und saftlos. Einen ziemlich trüben Eindruck machten auch bereits die„Lungen der Großstadt", die öffentlichen Park- anlagen, obwohl fleißige Wärter ständig die Rasenflächen und kleineren Vaumgruppen besprengten. Das Laub'vieler Bäume schrumpfte zusehends zusammen und fiel in Mengen ab, so daß man sich im Juli schon in den Spätherbst versetzt glauben konnte, wenn der Fuß aus den Parkwegen da? raschelnde, vorzeitig abgefallene Laub berührte. Nicht minder trostlos sah eS in den Waldpartien der Umgegend von Berlin aus. Besonders die Lisieren und die Baumgruppen zu beiden Seiten viclbenutzter Wege waren von einer dicken Staubschicht bedeckt, und dem Ausflügler, der auf seinen Landpartten auch nur kurze Zeit eine solche„Fegend" genoß, malte sich nicht nur der„grüne" Wald, sondern auch seine eigne Person bald grau in grau. Da fiel am Sonntag« nachmittag der erste erquickende Regen nach langer Zeit. Es war, als wenn sich die Natur plötzlich neu zu beleben begann. Und doch wurde durch den lauen Gewitterregen nur wenig mehr als der Staub gebannt. Nach halbstündigem Regenfall war der aus- gedörrte Boden kaum zolltief durchfeuchtet. Erst am Montag, als sich nachmittags ein neues Gewitter entlud und der Regenfall mit einigen Unterbrechungen bis zum Abend anhielt, konnte das belebende Naß des Himmels tiefer in das Erdreich eindringen und den Wurzeln die lange entbehrte Feuchtigkeit spenden. Die Folgen der bisherigen Dürre in der Feld- und Gartenwirtschaft aber dürsten in diesem Jahre wohl kaum wieder auszugleichen sein. Trotz der Gewitter. Die Spree ist vom Sonnabendmorgen bis heute ftüh um weitere fünf Centimeter gefallen und hat zur Zeit den niedrig st en Wasserstand, der bisher festgestellt worden ist. Die Gewitterregen am Sonntag und Montag dürften, obwohl sie einen ausgedehnten Bezirk berührten, auf die Wasserhöhe der Flüsse von geringem, nur für wenige Stunden bemerlbarcn Einfluß sein, da die Gebirgsgegenden keinen Regen er- halten haben. Nur ans dem Harz wird vom Sonntagabend das Auftreten von Gewittern gemeldet, welche vorübergehend den Ge- birgSbächcn größere Wassermengen zuführten. Unsägliches Elend dürfte die durch die anhaltende Dürre herbei« geführte Unterbrechung der Schiffahrt zur Folge haben. In Stoinemünde und Stettin sind etwa 2000 Bollwerksarbeiter beschäftigungslos, weil die Zillen, welche die Frachtgüter für den Ueberfee-Verkehr bringen und holen, nicht herankommen können. So liegen gegenwärttg in Swinemünde nicht weniger als 33 eng- lische Kohlenschiffe, welche zum Teil schon seit Wochen auf Entladung harren. In Schifferkreisen wird die Zahl derjenigen Personen, die durch das Festliegen der Frachtdampfer und Zillen gegen- wärtig erwerbslos sind, auf etwa 14000 geschätzt. Die Berliner Krahngesellschast hat zur Zeit nur zwei Frachtdampfer flott, die den Verkehr auf Dahme, Spree und dem schiffbaren Teil der Havel bewirkten. Die übrigen Dampfer liegen sämtlich mit Ladung auf Havel, Elbe und Oder fest. Aus S a l z b r u n n wird uns mitgeteilt, daß die Bäder infolge der verminderten Wasserabgabe der Heilquellen täglich vier Stunden geschlossen bleiben müssen. Der Flaschenversand des OuellwasserS ist um etwa"It reduziert worden. Ein ErwerbS-Jnstitut. Ein„ErwerbS-Jnstitut"?! Was kann das sein? Doch jeden« falls ein Institut, das seinem Inhaber Erwerb schafft? Also wohl ein Geschäft, das um des Profites willen betrieben wird? Du hast falsch geraten, lieber Leser. Du hast vergessen, daß heutzutage nicht nur Hunderttausende ohne Erwerb umherlaufen, Hunderttausende nach Arbeit und Brot suchen, sondern glück- licherwcise auch noch hochgesinnte Menschenfreunde existieren. die uneigennützig diesen Hundcrttausendcn zu helfen bemüht sind. Wir haben uns so oft sagen lassen müssen, das Elend der Armen und Notleidenden habe doch auch sein GuteS, denn eS wecke in dem Mitmenschen die edlen Triebe des Helfens und deS Gebens, das bekanntlich seliger sei als das Nehmen. Wir haben an solche Wirkung deS Elends nie recht glauben wollen; aber jetzt glauben ivir daran. Denn das ErwerbS-Jnstitut, das wir keimen ge- lernt haben und mit dem ivir heute auch Dich, lieber Leser, bekannt machen möchten, ist ein Institut, das nicht seinem Inhaber, sondern andren Leuten Erwerb schaffen will. Wer das bezweifelt, den bitten wir, unter dem Kennwort„Existenz" einen postlagernden Brief nach Dortmund zu schicken und dann der Dinge zu harren, die da kommen werden. „Existenz" I Nicht wahr, wie verlockend daS klingt I Verlockend für eben jene Hunderttausende, die nach Arbeit und Brot suchen! Der Wackere, der sich umer diesem Kennwort Briefe nach Dort- mund erbittet, annonciert in Berlin und vermutlich auch anderswo für schweres Geld:„Nebenverdienst durch Verbreitung einer Broschüre im Hause durch Inserate. Garantiert in einer Abendstunde drei Mark. Offerten unter„Existenz", Dortmund postlagernd." So stand es kürzlich zu lesen in der„Vossischen Zeitung". Einer, der den erbetenen Brief schrieb, bekam aus Dortmund umgehend eine Antwort, die der Post durch den Vermerk„Eilt!" zu schleunigster Beförderung empfohlen worden war. Unser Menschenfreund mag keiiien, der Hilfe heischt, lange warten lassen. Der Brief war auf nicht schlechtem Papier sauber gedruckt— der Mann läßt sich's was kosten— und lautete: ErwerbS-Jnstitut„Westfalia", B. Menchau, Dortmund. Dortmund, Datum deS Poststempels. Ew. Hochwohlgeboren! Im Besitze JhreS Werten teilen Ihnen mit, daß eS sich um den Vertrieb deS m unsrem Verlage erscheinenden„Erwerbs-Anzeigers" durch Inserate handelt. Durch den Vertrieb obiger Broschüre könne» Sie sich ein bedeutendes Nebeneinkommen in den Abend- stunde» verschaffen. Hierzu benötigen Sie ein Kapital von ca. 10 M., welches sich in kurzer Zeit verdoppelt und verdreifacht. Ein Risiko übernehmen Sie absolut nicht, da wir erstens für ein Gelingen nach unsrer Anleitung garantieren, zweitens im Nichtfalle nehmen lvir sämtliches gelieferte Material zu bezahlten Preisen retour und verpflichten uns, den Schaden, welchen Sie fiehabt haben, wieder zu ersetzen. Wir empfehlen Ihnen um- tehenden Prospekt zur gefälligen Onentierimg, auf welche Weise der „ErwcrbS-Anzeiger" vertrieben wird, und bitten um poftweudenden Bescheid, da noch mit mehreren dortigen Herren in Verbindung stehen. Inzwischen zeichne hochachtend B. Menchau. Du siehst, lieber Leser: der Dortmunder Menschenfreund will nicht nur Dir selber Erwerb schaffen, sondern Dich auch in den Stand setzen, ändreu den gleichen Liebesdienst zu erweisen. Du sollst seinen„Erwerbs- Anzeiger" vertreiben, aus dem der Erwerbsuchende sich darüber belehren kann, wie er zu Erwerb kommt. Die„Anleitung znm Vertrieb" findest Du auf der Rückseite des Briefes, gleichfalls sauber gedruckt.„Sie geben", heißt es da,„folgende Annonce in mittleren Zeitungen von 10—40 000 Auflage im ganzen deutschen Reich, sowie auch Ausland, auf: „„Herren und Damen aller Stände können sich an allen Orten Nebenverdienst bis 300 Mark monatlich verschaffen durch Ver- tretungen, schriftliche Arbeiten, Handarbeiten, Adressennachweis usw. Näheres sJhr Name)."" Das Inserat nimmt sieben Zeilen ein und kostet durchschnittlich 1 M. bis 1,S0 M." Du scheust die Ausgabe? Ach, Unsinn I Ein Risiko übernimmst Du„absolut nicht". B. Menchau verpflichtet sich, den Schaden zu ersetzen, den Du etwa hast. Im übrigen garantiert er ja für ein Ge- lingen nach seiner Anleitung". Und die Anleitung fährt fort:„Auf obige Annonce einlaufende Offerten werden folgender- maßen behandelt. Sie senden den Bewerbern Prospekte, welche wir Ihnen liefern, zu und einen Tag später den„Erwerbs-Anzeigcr" unter Nachnahme von 2,10 M." Die Prospekte kosten 100 Stück 2,00 M., das ist doch gewiß billig. B. Menchau, Dortmund, läßt sie sogar gleich mtt Deinem Namen anfertigen.� Den„Erwerbs- Anzeiger" bezahlst Du 1 Stück mit 1,20 M., 10 Stück mit ö,00 M., 50 Stück mit 20,00 M. und so fort bis 1000 Stück mit 150,00 M. 1000 Stück wirst Du nicht gleich kaufen wollen, denn Du hast ja selber keinen Erwerb. Aber vielleicht versuchst Du es zunächst mit 10 Exemplaren oder auch mit einem einzigen. Du hast Angst, daß die Annahme des nicht bestellten Buches verweigert werden könnte? Sei überzeugt, der Dortmunder nimmt Dir„im Nichtfalle" alles, Ivos Dn bezahltest, wieder ab. Denke nur nicht, daß es Dein Geld ist, was er Dir abnehmen will. Du brauchst auch nicht zu fürchten, daß Dich jemand für einen Schwindler halten könnte, wenn Du ihn unaufgefordert mit Menchaus„Erwerbs-Anzeiger" beglückst. Es ist wahr, diese Erwerb- suchenden lassen nicht mit sich spaßen. Sie werden leicht ungemllt- lich, wenn sie sich enttäuscht sehen, und ihr Mißtrauen ist rasch ge- weckt, weil sie wissen, daß es in der That schlechte Menschen giebt, die aus der Er w er b s l o si g keit a n d r e r sich selber e i n e'n m Ü helosen Erwerb zu schaffen suchen. Aber das kann Dir mit B. Menchaus„Erwerbs-Anzeiger" nübt passieren. Deshalb krame Du nur getrost Deine letzten paar Groschen zusammen, setze Dich auf die Hosen und schreibe an B. Menchau, Dortmund, um Uebersendung des„Erwerbs-Anzeigers". „Auf ewige Zeiten." Das alte Spritzenhaus auf dem Grundstück Zimmerstraße 15, das seit Jahrzehnten noch als Straßen- reinigungS-Depot dient, wird jetzt wieder ausgeflickt. Es ist in der Straßenfront überbaut von einem zweistöckigen Wohnhause, so daß von hier aus nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, was sich hinter dein breiten Thorwcge verbirgt. Auf dem Hofe setzt sich noch jetzt die Halle des ehemaligen Spritzenhauses als niedriger Schuppen fort, und auch das Innere erinnert noch an die frühere Bestimmung. Das Grundstück ist im Privatbesitz, auch derjenige Teil, auf dem das Spritzenhaus steht, aber das Verfügungsrecht über diesen Raum hat die Stadtgemeinde. Es handelt sich hier nni eine alte Real- verbindlichkeit, die seit langer Zeit auf dem Grundstück haftet. Eine Ein- ttagung in das Grundbuch, die zu Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte, besagt, daß der Besitzet„das Spritzenhaus mit dem dazu nöttgen und schon vorhandenen Thorweg im Hause, auch den auf dem Hof stehenden Brunnen, zu ewigen Zeiten als ein einem hoch- edlen Magistrat gehöriges Eigentum darin belassen muß". In neuerer Zeit hatte ein Eigentümer des Grundstücks diese Verbind- lichkeit ablösen wollen und sich zur Zahlung von 30 000 M. an die Stadtgemeinde erboten. Der Versuch scheiterte an dem Umstand, daß die Stadtgemeinde in dieser Gegend andre Räume für ein Straßenreinigungsdepot schwer beschaffen könnte. Zwei Hitzschlage! In einem Abteil der Stadtringbahn wurde am Montagabend ein unbekannter Mann in mittleren Jahren vom Hitzschlag betroffen. Er wurde auf dem Bahnhof Wedding einem Schutzmann überliefert, der den Bewußtlosen nach der Charite brachte, wo er noch am Leben ist.— Gestorben ist dagegen im Krankenhause am Urban der 36 jährige Arbeiter Paul Schöuknecht aus der Swine- münderstraße 59. Er wurde auf einem Gerüst in der Gitschiner- straße in Höhe des vierten Stockes vom Hitzschlag befallen, stürzte infolgedessen einen Stock tief hinab und zog sich eine Kopf- wunde zu. Mit doppeltem Schädelbruch in das Krankenhaus Moabit ein- geliefert wurde der Schlosser Otto Pätzold, welcher beim Aufspringen chuf einen in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen schwer zu Schaden kam. P. wollte gestern abend gegen S Uhr den Motorwagen 2318 der Straßenbahnlinie 11 in der Huttenstraße besteigen, glitt hierbei vom Trittbrett des in voller Fahrgeschwindigkeit sich bewegenden Waggons ab und fiel so unglücklich zu Boden, daß er besinnungslos liegen blieb. Er hatte, wie bereits erwähnt, doppelten Schädelbruch erlitten und liegt in fast hoffnungslosem Zustande im Krankenhause. Schwer verunglückt ist gestern früh gegen 6 Uhr der Ruheplatz- straße 18 wohnende Maler Brückner. B. glitt, als er an der Nazareth- kirche an der Bordschwelle des Bürgersteiges stehen bleibend, sich umwandte, aus und stürzte auf den Fahrdamm. Er erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels, eine schwere Verletzung des Kugel- lagers und wurde, nachdem ihm auf der Unfallstation in der Lindowerftraße ein Notverband angelegt worden lvar, nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Selbstmordversuch oder Unglücksfall. Mit abgefahrenen Beinen wurde am Montagabend 9 Uhr auf dem Gelände der Stettiner Bahn unweit der Haltestelle Pankow der 32 Jahre alte Schuhmacher August Runge besinnungslos aufgefunden. Ein Zug brachte ihn nach Berlin auf den Stettiner Bahnhof, von wo ihn ein Koppscher Krankenwagen der Klinik in der Ziegelstraße zuführte. Wie R. auf die Schienen gekommen ist, weiß man bisher nicht, so daß nicht be- urteilt werden kann, ob er sich vor einen Zug geworfen hat oder durch einen Zufall überfahren wurde. Auf eine empörende Roheit ist eine schwere Körperverletzung zurückzuführen, die sich der Schustergeselle Oskar Ristau in der Nacht zum 25. d. M. zu Schulden kommen ließ. Er begegnete auf der Moltkebrücke dem Kellner Albert Beischneider, der in Begleitung einer Frau in einer offenen Droschke fuhr. Ohne daß irgendwie ein Anlaß vorlag, stürzte Ristau auf die Droschke zu und schlug mit seinem mit einer Hirschhornkrücke versehenen Spazierstock über den Wagen hinweg auf den Kellner Beischneider ein. Dabei führte er so wuchttge Hiebe, daß die Hirschhornkrücke absprang und später in der Droschke gefunden wurde. Beischneider wurde so unglücklich von Ristau getroffen, daß sein linkes Auge verloren ist. In der Universitats-Augenklinik, wohin er gebracht wurde, tvird ihm keine Hoffnung gemacht. Nach VerÜbung der rohen That suchte Ristau zu entfliehen, wurde aber von Zeugen des Vorganges verfolgt und nahe am Lehrter Bahnhof ergriffen. Er wurde im Hinblick auf die zu erwartende harte Sttafe dem Untersuchungsrichter zugeführt. Schwerer Einbrnchsdiebstahl. Zwei Platinschalen im Werte von 37 000 M. sind Einbrechern in der Kaiserin Augusta-Allec zu Charlottenburg in die Hände gefallen. Dort liegt einsam da� Laboratorium einer Berliner Aktiengesellschaft für chemische Ver- suchszwecke. Nach der Straße zu schützt ein Bretterzaun über Manneshöhe, der mit Stacheldraht versehen ist. nach rückwärts liegt der Spandauer Schiffahrtskanal, Wie die Charlottenburger Kriminalpolizei feststellte, sind die Einbrecher von der Straße her- gekommen, obgleich ein Wächter mit zwei scharfen Hunden das Grundstück sichert. Nach Ueberkletterung des Zaunes besttegen sie das Dach eines Schuppens, der vor dem Laboratorium errichtet ist, und gelangten von hier durch ein zertrümmertes Fenster itl das Innere. Hier standen die Platinschalen, 30 Centimcter hoch, 50 Eentimeter im Durchmesser und 2,25 Millimeter stark, die mit Flußsäure gefüllt waren. Bei dem Entleeren der Schalen von den atzenden Säuren gingen die Diebe sehr vorsichtig zu Werke und be- nutzten alles, was an Wäsche vorhanden war. Dann packten sie die Schalen in graues Packpapier. Nun muß irgendwelche Störung eingetreten sein, denn die Einbrecher ließen drei kleinere Schalen und einen Trichter von Platin im Werte von 23 000 M., die sie auch schon zusammengepackt hatten, zurück und nahmen den Weg wieder durch das Fenster, um den weiteren Rückzug nach der Wasser- seite anzutreten. Auf dem Kanal sind sie entkommen. Eine Spur, die die Flüssigkeit in den Schalen an dem wasserwärts belegenen Zaun hinterlassen hat und die chemisch festgestellt wurde, beweist dies. Einer der Thäter mutz sich beim Zertrümmern der Fensterscheibe verletzt haben, da sich auf dem Dach des Schuppens Blut befindet. Gewarnt wird vor dem Ankauf von Piatin. Möglicher- weise haben die Einbrecher die Schalen zertriimmert, um das Metall in kleineren Mengen abzusetzen. Die ganzen Schalen sind wegen des hohen Wertes zweifellos sehr schwer unterzubringen. Die geschädigte Firma hat eine Belohnung von 3000 M. für die Ermittelung der Thäter und der Schalen oder des Platins in Aussicht gestellt.— Angaben zn dieser Sache nimntt die Charlottenburger Kriminal- Polizei im Zimmer 63 des dortigen Präsidialgebäudes entgegen. Spednlistcn ans Geldschränke haben in der Nacht zum Dienstag dem Hause Kronenstt. 33 einen lohnenden Besuch abgestattet. Das in allen seinen Teilen von Geschäften besetzte Haus wird zur Nacht- zeit von einem Pförtner bewacht. Während dieser seinen Kontroll- gang unternahm, sind Einbrecher mit Dietrichen in das Haus und in die im zweiten Stock belegenen Räume des Damen- Mäntelgeschäfts von Jakob Barcinski eingedrungen. Dort war nnbegreiflichcrweise die äußere Thür des Geldschranks nicht geschlossen, so daß den Dieben nur die Sprengung des Tresors übrig blieb. Hier setzten sie einen Diamantbohrer an und sprengten mit einem Brecheisen die Thür, nachdem sie eine Unterlage von Holz hergestellt hatten. Sie erbeuteten 2500 M. in Hundert-, Fünfzig-, Zwanzig- und Fünfmarkscheinen und 100 M. in klingender Münze. Niemand hat etwas gemerkt, bis der Hausdiener am Dienstagmorgen eintrat. Zurückgelassen hatten die Einbrecher nur das bei ihnen übliche Mittel gegen Entdeckung. Auf der Treppe ausgesetzt wurde am Montagabend in dem Hause Alexanderstr. 27b ein etwa drei Tage altes Mädchen. Haus- bewohner hörten es schreien und nahmen sich zunächst seiner an. Das Kind, das dem Waisenhaus zugeführt wurde, war eingewickelt in ein rot und weiß karriettes Inlett und mit einem dunkelbraunen Taillentuch bedeckt. Die Mutter war bisher unauffindbar. Gefunden auf dem allgemeine» Arbeiter-Sportfest am Sonntag in Friedrichshagen wurden drei Spazierstöcke, 2 Frühstücksrollcn aus Blech, eine mit roter Umhüllung, eine mit Heller Umhüllung und Handstickerei, und ein Paar Manschetten ohne Knöpfe. Abzuholen von Eduard Möller, Reichenbcrgerstr. 16. Verloren ist ein Portemonnaie mit circa neun Mark Inhalt an der Kaffceküche und ein roter Chenilleshawl. Der ehrliche Finder wird ersuchr, die Gegenstände an obige Adresse abzugeben. Am 124. Brobachtungsabend des„Vereins von Frcnndcn der Treptow- Sternwarte sE. V.)" hält heute, Mittwoch, abends Uhr auf der Treptow- Stern wärte Herr Professor Gustav Arnberg einen großen Experimentalvortrag über„Licht und Farbe und Spektralanalyse". Es sollen noch einige opttsche Täuschungen experimentell vorgeführt werden und die neuesten Versuche über Dar- stcllung der Photographie in natürlichen Farben. Nach dem Vortrage wird mit dem Rieienrefraktor der Saturn beobachtet. Feuerbericht. Am Dienstag wurde die Feuerwehr nach der Prenzlauerstraße 6 alarmiert, wo in einem Keller Feuer aus- gekommen war. Gleichzeitig mutzte in der Elbingerftratze 8 ein Wohnungsbrand gelöscht werden. Ferner brannte es in der Hennigsdorferstratze 26, am Nordbahnhof und andern Stellen. Wegen der Rettung eines Pferdes wurde der 16. Zug nach der Wildenowsttatze 4 gerufen.— Das Befinden der bei dem letzten großen Brande in der Mühlenstraße 6 verletzten Mannschaften hat sich in den letzten Tagen wesentlich gebessert. Ein Teil der Ver- letzten kann schon wieder leichteren Dienst thun. Die übrigen werden voraussichtlich in einigen Wochen wieder Dienst thun können. Einige sind durch den Verlust ihrer Barthaare recht entstellt. �lus den Nachbarorten. Rixdorf. Zwei Kutscher verunglückt. Der bei dem Landwirt Jansa in Rixdorf beschäftigte Kutscher Oskar Langhammer stürzte in der Hermannstratze von dem von ihm geführten Wagen herab, dessen Räder dem Unglücklichen über Brust und Schulter gingen. Schwerverletzt wurde L. nach der städttschen Krankenanstalt transportiert.— Der bei der städttschen Straßenreinigung angestellte Kutscher Josef Kaczmarek verunglückte in der Neckarstraße in Rixdorf dadurch, daß die Pferde seines Wagens scheu wurden und durch- gingen. K. hatte die Leine um die Hand geschlungen und versuchte die Tiere anzuhalten, kam dabei aber zu Fall und wurde eine Strecke mitgeschleift. Er erlitt so erhebliche Verletzungen, daß er nach dem Lkrankenhause geschafft werden mußte. Sie lassen es nicht! Bei dem Versuch, einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen zu besteigen, kam in der Bergstraße in Rixdorf der Stukkateur Ernst Weigt schwer zu Schaden. W. sprang fehl, stürzte zur Erde und wurde von dem Anhänger erfaßt, welcher den Bedauernswerten eine Strecke mitschleifte. W. erlitt Verletzungen am Kopf, an beiden Händen und am linken Oberschenkel. Die Unfallstation XU leistete ihm die erste Hilfe, worauf er nach seiner in der Lenaustratze 10 belegenen Wohnung geschafft wurde. GeneKts-Deining. AuS dem Berbrecherleben. Wegen schweren Einbruchsdiebstahls standen gestern die drei Arbeiter Friedrich E b e r st e i n, Paul K ü n z e l und Johann Mispel vor der zehnten Strafkammer de? Landgerichts I. Im Laufe der letzten zwei Jahre ist in dem Damenkonfektionsgeschäft von Joseph Bernstein, Linienstr. 247, nicht weniger als viermal eingebrochen worden. Erst beim vierten Ein- bruch gelang es, die Diebe auf der That zu ertappen und fest- zunehmen und zwar infolge des Umstandes, daß die Kriminalpolizei von dem beabsichtigten Einbruch vorher genau unterrichtet worden war. ES war am 8. Mai d. I. niorgens gegen 4 Uhr, als die drei Angeklagten im Bernsteinschen Laden, in den sie eingebrochen waren, überrascht wurden. In ihrer Gesellschaft befand sich auch der Photograph Otto Dobert, welcher der Polizei Vigilantendienste leistet. Dieser hatte sich aus dem Staube gemacht, als er seine drei Genossen in der Falle wußte, die er ihnen gestellt hatte. D. wurde jetzt als Kronzeuge vernommen. Vor seiner Vernehmung beantragte or den Ausschluß der Oeffentlichkeit mit der Begründung, daß die Angeklagten ihm Rache geschworen hätten und daß er seines Lebens nicht sicher sei, wenn über seinen Verrat Kunde in die Verbrecherkreise dringe. Nachdem dieser Antrag abgelehnt worden war, machte D. folgende Aussage: Während er in den Jahren 1897/98 eine zweijährige Gefängnisstrafe in Plötzensee verbüßte, habe er dort den Eberstein kennen gelernt. Später seien beide in Berlin wieder zusammen getroffen. Eberstein, der nicht gewußt habe, daß er jetzt Vigilant bei der Polizei sei. habe ihn zur Teilnahme an verschiedenen Einbruchsdiebstählen zu überreden versucht. Eberstein habe sich gerühmt, ein Konsortium an der Hand zu haben, welches tadellos arbeite und schon manche Dieb« stähle ausgeführt habe. Jetzt sei ein neuer Einbruch bei Be« istein geplant worden. Dem Juden solle der ganze Laden ausgeräumt lverden. Er, D., habe sich anfänglich geweigert daran teilzuivehmen, da die Polizei ihm davon abgeraten hatte. Da er aber fürchtete, daß der Einbruch auch ohne ihn zur Ausführung gelangen würde, so habe er sich scheinbar einverstanden erklärt, der Polizei aber von allem Mitteilung gemacht. Nach vorangegangenen Be- sprcchungen sollte der Einbruch morgens vier Uhr aus- geführt werden. In einem gegenüberliegenden leer stnhendeir Laden sei die Polizei versteckt gewesen, der ebenfalls unterrichtete Benfftein habe mit Hilfstruppen in einer gegenüberliegenden Kneipe die Ankunft der Einbrecher erwartet. Pünktlich um 4 ilhr sei er mit den drei Angeklagten eingetroffen. Künzel und Mispel waren mit großen Tüchern versehen, um darin die zu stehlenden Waren fort« zuschaffen. Eberstein habe die Thür zum Geschästslokal erlirochen und alle vier seien sie dann eingetreten. Während die drei An- geklagten sofort mit dem Einpacken der Sachen begänne.««, sei er auf deren Wunsch wieder hinausgegangen, um d«.außen Schiniere zu stehen. Diese Gelegenheit habe er benutzt, um der Polizei ein Zeichen zu geben und dann zu verschvoinden. Der Zeuge, der zur Zeit wieder in Plötzensee eine Sttafe v erbüßt, ist wiederholt in Straf- und Irrenanstalten untergebracht gi'wes««. Nach dem Gutachten der medizinischen Sackiverständigen ist er>geistes- krank und dieserhalb entmündigt, er soll demnächst wieder in die Jrrenabtcilung der Moabiter Strafanstalt übergeführt werden. Trotz des Einspruchs des Verteidigers, Rechtsanivalt Arndt, wurde Dobert vereidigt. Der Verteidiger wies darauf hin, dcctz nach einem Bericht des Kriminalschutzinanns Richter der Zeuge Dobert als Vigilant höchst unzuverlässig sei und häufig Anzeigen nrftatte, die nicht auf Wahrheit beruhten', nur um sich eine Belohnung zu verdienen. Die Ängeklagten behaupteten denn auch, daß die ganze Erzählung Doberts freie Erfindung sei. Der Gerichtshof schenkte dem Zeugen Dobert dagegen Glauben und verurteilte E b e r st e i n zu zwei Jahren sechs Monate««, Künzel zu zwei Jahren und Mispel zu eine in Jahr sechs Monaten Zuchthaus, außerdem zu dreijährigem Ehrverlust und Stellung uiiter Polizei-Aufficht. Kindesunterschicbunz. Aus keineswegs unedlen Beweggründen hatte sich die MaurerSehefrau Bertha M e l z e r zu der Strafthat einer Kindesunterschiebung verleiten lassen,«velche sie gestern vor die neunte Ferien-Strafkammer des Landgerichts I führtt. Die 17jährige Marie Schulze, welche ebenfalls auf der Ancklagebant Platz zu nehinen hatte, sollte sich der Anstiftung schuldig gemacht haben. Die beiden Angeklagten waren seit längerer Zeil bekannt. Anfang dieses Jahres vertraute die Schulze der Frau Melzer an, daß sie einen Fehltritt begangen habe. Sie würde die Schande, die sie ihren Angehörigen mache, nicht überleben, sondern müsse sirh das Leben nehinen. Vergebens bemühte sich Frau Melzer, die Unglückliche aufzurichten, ihre Stiminung-wurde immer verzweifelter. Schließlich faßte Frau Melzer den Plan, der beide auf die Anklagebank brachte. Die Schulze genaß eines Knaben, der sofort zur Frau Melzer ge- bracht lvurde, diese gab ihn als ihr eignes Kind aus und meldete es als solches auch auf dem Standesamt an. Die Täuschung konnte nicht unentdcckt bleiben. Beide«oaren im Termine rückhaltlos ge- ständig. Der Staatsanwalt verkai«nte nicht, daß der Fall äußerst milde liege, er beantragte gegen Frau Melzer eine Woche, gegen die Schulze 3 Tage Gefängnis. Der Gerichtshof ging noch unter den Antrag herunter, die An- geklagte Melzer wurde zu 3 Tagen, die Angeklagte Schulze zu einem Tage Gefängnis verurteilt. Versammlungen. Der Lokawerein der Zimmerer hielt am Sonntag in den „Jndustrie-Festsälen" seine nur schwach besuchte Generalversammlung ab. Laut Kassenbericht beläuft sich die Einnahme dos. zweiten Quartals auf 8596,45 M., der eine Ausgabe von 6890,94 M. gegenübersteht, darunter 2829,80 M., die noch aiiff Grund des früheren ltmlageverfahrens an die Geschäftskommission der freien Vereinigung deuffcher Gewerkschaften abgeführt worden sind. Das Vereinsverinögen bettägt 41 213,48 M. Dem Kassierer M e tz n e r lvurde einstimmig Decharge erteilt. Es erfolgte sodann eine rege Aussprache über Mißstände auf den Bau- und Arbeitsplätzen. In, wesentlichem wurde auch hier alles bestättgt, was in letzter Zeit wiederholt in Maurerversmnmlungen über diese Dinge gesagt worden ist. Es sei eine bedenkliche Gleichgültigkeit unter den" Zimmerern gegenüber der Organisatton eingerissen. Ein Redner schildert o diesen Zu- stand drastisch etwa folgendermaßen: Während der Pausen«vr rd nichtmehr wie früher über Organisationsangelegcnheitei« und Berufs««« ißstän de ge- sprochen; solchen Erörterungen geht man vielmehr geflissentlich aus dem Wege. Das Gesprächsthema bildet jetzt dnelfach das Saufen. Wer an« besten saufen kann, czilt als besonders tüchtiger Kerl. Häufig sehen die' Kameraden eine Ehre darin, wenn sie mit den Polieren zusammen kneipen und Billard spielen können. Unter solchen Üinständeu «vürden dann die Organisattonsinteressen nafairgemä ß vernachlässigt. Redner sieht in der jetzigen Lauheit und Gleich- gültigkeit der Berliner Zimmerer gewerkschaftlichen und politischen Dingen gegenüber lediglich eine Folge des Tarif- verttages mit den Unternehmern. Fische r hielt die Aus- führungcn des Vorredners als zu sehr verallgeineinert. Wenn auch große ilebelstände auf den Bau- und Arbeetsplätzen besteisen, so seien Elemente, deren hauptsächlichstes Denken und Fühlen sich um den Alkohol drehe, glücklicherweise doch nur Ausnahme-Erschein nngen unter der Masse der Ziminerer. Einem Antrage entsprechend beschloß die Versammlirng, auf allen Bau- und Arbeitsplätzen Platzdele» gierte zu wählen, die nach Bedarf geineinsame Sitzune,en abhalten sollen, um Berufsinißstände zu erörtern und zweckmäßige Vorschläge zu deren Beseittgung zu machen. Die Delegierten sind als Mittelspersonen zwischen dem Lorstande und den Mitgliedern gedacht, um eine bessere Fühlung in der Organisation herzustellei«. Zum Schluß teilte Juppenlatz«nit, daß am 27. Juli eine öffentliche Zimmerer- Versammlung stattfindet, in der über Mißstände auf den Bauten und iin Beruf gesprochen werden soll. Ferner wird die Gsschäftskommission zum 3. August nach Kellers Saal eine große öffentliche Versainmlung einberufen, die zu dem Ä m ssie r d a in e r Kongreß Stellung nimint. Zur Besprechung gelangst u. a. die Frage des 1. Mai sowie das Thema. Parlamentanismus und Generalstreik". Referent ist Dr. Friedeberg. Berein zur Wahrung der Interessen der Maurer. In der am Sonntag abgehaltenen Generalversammlung gab der Lttssierer den Kassenbericht für das zlveite Quartal. Eiugenoinnven wurden 14 407,05 M., ausgegeben 7297,47 M., so daß ein Ueber- schuß von 7109,58 M. bleibt. Der Kassenbestand bettug am Schlüsse des ersten Quartals 72 912,16 M., am Schlüsse des zweiten Quartals 80021.74 M.— Nachdem der Kassierer entlastet worden war, wurde Wicsei«er mit dem statuten- mäßig freigewordenen Amt eines Revisors betraut.— Hierauf schritt die Versainmlung zur Erledigung verschiedener voin Vorstande und Allsschuß beratener Anträge. Angenommen wurde ein An- trag, der die Abrechnung bei Vergnügungen rcgelr. Ferner fand ein Antrag Annahme, welcher besagt, daß Vereinsmitglieder, die nach den geltenden Beschlüsse«« dem Verein der Fliesenleger bei- treten müssen, Mitglieder des Vereins der Maurer bleiben können. Sie haben 25 Pf. Wochenbeittag z»« zahlen und dürsrn dafür die Bibliothek benutzen sowie in den Versami««lungen mitstimmen.— Bezüglich der Mitglieder, welche vorübergehend Putzarlieit verrichten, tvurde beschlossen: Die Accordarbeit im Putzfach schädigt die Maurerbewegung und kann nur dadurch abgeschafft werden, sie seitens der Putzerorganisatton ernstlich bekämpft Wird. Da aber die verschiedenen Putzergruppen auf dem �Standpunkt stehen, die Lohnarbeit aus reiner Habsucht nicht einführen zu wollen, können einzelne Mitglieder unsres Vereins die Accordarbeit im Putzfach nicht abschaffen. Diejenigen Mitglieder des Vereins, welche durch die Verhältnisse gezwungen sind, in Accord zu putzen, bleiben Mitglieder des Vereins..Sie zahlen wöchentlich 50 Pf. Beitrag und können nicht gezwungen werden, sich einer Putzergruppe anzuschließen. Bei Differenzen erhalten sie die für die Vereinsmitglieder geltenden Unterstützungen. Vereinsmitglieder, welche in Rabitz- und Lugino-Putzgeschäften thätig sind, dürfen nicht unter dein festgesetzten Stundenlohn arbeiten. Bei Fassaden- und Innenputz müssen die Mitglieder mindestens 10 Pf. pro Stunde mehr erhalten wie den Maurerlohn.— Ein andrer gleichfalls angenommener Antrag desagt: Es ist keine Verletzung der Solidarität, wenn die Kollegen eines Baues wegen schlechten Wetters oder Störung des Betriebes aussetzen müssen und einzelne Kollegen währenddessen mit Arbeiten beschäftigt werden, wo sie gegen Witterungseinflüsse und Unfälle geschützt sind. Streitigkeiten wegen solcher Vorfälle haben die Kollegen zu vermeiden. Wenn jedoch ersichtlich ist, daß der Unternehmer durch das Aussetzen einzelnen Kollegen die Arbeitsstätte verleiden will, so ist das dem Vorstande zu melden, der die Angelegenheit auf der Arbeitsstätte zu regeln hat.— Ausgeschlossen wurden: Zadow wegen unsolidarischen Verhaltens, Mogel und Butschke wegen Accordarbeitens, Hasche! und Timm wegen Streikbruchs. Centralvervand der Maurer. Am Mittwoch fand im Hotel Alexandcrplatz eine Versammlung der Baudeputierten und Per- bandsfunktionäre statt, die ausschließlich der Besprechung des Bildungswesens diente. Den einleitenden Vortrag über Bildung und Bildungsmittel hielt Genosse S t r ö b e l. Er gab praktische Fingerzeige, wie ein Arbeiter, trotz der durch die Verhältnisse be- dingten Schwierigkeiten, seine mangelhafte Volksschulbildung ver- vollkommnen könne, und nannte eine Anzahl von Quellen, aus denen das für die gewerkschaftliche, socialpolitische und politische Be- tbätigung erforderliche Wissen geschöpft werden kann.— In der Besprechung, die dem Vortrage folgte, wurde unter anderm darauf hingewiesen, daß die Bildungsbestrebungen, welche der Maurer- Verband pflegt, einen merklichen Einfluß auf die Mitglieder aus- geübt haben, daß die Biblibthek des Verbandes bedeutend stärker benutzt werde wie vor Jahren, und daß sich das Bildungsniveau der Berliner Maurer infolgedessen in erfreulicher Weise gehoben habe. Allgemein wurde betont, daß an der Vervollkommnung der Bildung der Verbandsmitglieder mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln weiter gearbeitet werden müsse. Tegel. Der socialdemokratische Wahlverein hielt am 19. Juli seine ordentliche Generalversammlung im Lokale von Rob. Schmidt ab. Die Mitgliede�zahl beträgt 100, der Kassenbestand 205,41 M. In den Vorstand wurden gewählt die Genossen S ch e i d e m a n t e l als Vorsitzender, H e n s e l als Kassierer, Schirrmacher als Schriftführer und die Genossen Kramp, Köhler und Winkel als Revisoren. Zu Bezirksleitern wurden gewählt die Genossen Willsdorf, Lichtenberg, H. Krüger und G a- g o l s k i, Zu Bibliothekaren Wilh. Lorenz und Kohl, als Lokal- kommissionsmitglied Genosse T h u r o w, in die Bibliothek- kommission die Genossen Timm, Hille, Gotzmann und K a r g i u s.— Die Diskutierabende finden jeden Dienstag bei Krause, Berlinerstr. 92, und die Vereinsvcrsammlungen jeden Dienstag nach dem 15. bei Rob. Schmidt, Schlieperstr. 64, statt. Der Verband der Möbelpolicrcr hielt am Montag im GeWerk- schaftshause seine Generalversammlung ab. Dem Bericht des Vor- standcs, den der Vorsitzende N i t s ch k e gab, ist zu entnehme», daß im verflossenen Quartal 13 Differenzen vorgekommen sind, wovon >11 günstig und 2 ungünstig für die Kollegen endeten. Größere Kämpfe haben nicht stattgefunden. Der Bericht über den Arbeits- Nachweis zeigt, daß in diesem Jahre etwas mehr Arbeitsgelegenheit vorhanden ist als im vorigen. Auf 100 Arbeitsangebote kamen im April dieses Jahres 112 Arbeitslose, im selben Monat des Vor- jahres 180, im Mai dieses Jahres 133, im Vorjahre 157, und im Juni dieses Jahres 161, im Vorjahre 182 Arbeitslose. Im ganzen meldeten sich im Laufe des Quartals 1243 Arbeitslose; offene Stellen wurden 939 gemeldet, wovon 766 besetzt wurden.— Der Kassenbericht lag den Mitgliedern gedruckt vor. Die Einnahmen beliefen sich auf 9876,45 M., die Ausgaben, darunter 1502,25 M. für Arbeitloscn-Unterstützung, 1247 M. für Kranken- und 245, 5E Mark für Strcik-Unterstützung, betrugen 4807,35 M. Einschließlich eines alten Bestandes von 25 375,90 M. verblieb am Quartals- schluß ein Kassenbestand von 30 445 M. Tie Generalversammlung erteilte dem Kassierer S ch u n k e einstimmig Decharge.— Es kam dann zu einer längeren Aussprache über die Di a i f e i e r, sowie über die Idee des G c n e r a l st r c i k s. Sämtliche Redner er- klärten sich gegen irgend eine Abschwächung der Maifeier und dem- entsprechend wurde folgender Beschluß auf Antrag von Heinrich Schulz einstimmig gefaßt:„Die Generalversammlung der Möbel- Polierer erwartet, daß die deutschen Delegierten auf dem Jnter- nationalen Arbeiterkongreß gegen jede Abschwächung der Maifeier in ihrer bisherigen Form stimmen werden." Die Frage des Generalstreiks wurde allgemein als noch nicht genügend geklärt bezeichnet; man erklärte sich damit einverstanden, daß Genosse Dr. Friedeberg in dieser Sache auf dem Internationalen Kongreß als Vertreter des Gewerkschafts-Kartclls fungieren soll. Als Delegierter zum Holzarbeiter-Verband wurde Schwöbs- dal gewählt; als Revisor wurde Gebhardt von der General- Versammlung bestätigt. Centrolverband der Töpfer. Der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung der Filiale Berlin lag der 5lassenbcricht für das 2. Quartal vor. Derselbe weist für die Lokalkasse einen über- nommenen Bestand von 24 126,75 M., eine Einnahme von 7329,40 Mark, eine Ausgabe von 376,70 M. auf. Am Schluß des Quartals betrug der Bestand 31 079,45 M.— Hagen teilte als Bau- kontrolleur mit, daß er auf 83 Bauten Differenzen zu regeln hatte, was meist ohne Schwierigkeiten gelang. Es besteht zur Zeit nur eine Sperre und zwar über das Geschäft von Groß, die von dem Lokalverein nicht beachtet wird.— Ter Arbeitsnachweis vermittelte im April 793, im Mai 1087, im Juni 749 Stellen. Am Schluß des Quartals waren 75 Arbeitslose eingeschrieben. Nach kurzer Debatte über die Berichte wurde dem Vorstande ein Antrag über- wiesen, der die Vertrauensleute verpflichtet, jeden Bau auf dem Arbeitsnachweise anzumelden.— Als zweiter Kassierer wurde Bvhmhmnmel gewählt. Ecntralvcrbnnd der Bau- und Erdarbeiter. In der am Sonntag tibgehalreiien Generalversammlung der Filiale Berlin gab Böttcher den Kassenbericht für das II. Quartal. Der Bestand vom vorigen Quartal betrug 53 118,69 M., die Einnahme 34718,89 M., die Ausgabe 31 241,61 M., bleibt ein Bestand von 56 594,97 M.— Die Zahl der Mitglieder ist von 4107 am Schluß des Vorjahres auf 4517 am Schluß des II. Quartals 1904 gestiegen.— Nachdem der Kassierer entlastet worden war, erstattete Heidemann den Bericht über die Bautenkontrolle, welche vom 20. bis 25. Juni stattgefunden hat. In Berlin und den Vororten sind 1326 Bauten kontrolliert worden und zwar 535 Roh-, 340 Putz-, 370 Aus-, 81 Kanal- und Brückenbauten sowie Scharwerke. Auf den kontrollierten Bauten waren 10 563 Arbeiter beschäftigt und zwar 6321 Lohnarbeiter, 1728 Steinträger, 912 Fahrstuhlarbeiter, 881 Putzerträger, 226 Töpfer- träger. Die 6821 Lohnarbeiter erhielten folgende Stundenlöhne: 1-- 80 Pf.. 2— 75 Pf.. 31 70 Pf.. Ig g7>/g Pf.. 313 -- 65 Pf., 134=- 60 Pf.. 151==55 Pf.. 1287= 50 Pf.. 198 = 471/3 Pf.. 4400--- 45 Pf.. 55--- 42-/3 Pf.. 157= 40 Pf.. 12— 371/2 Pf., 50== 35 Pf.; 15 gaben keine Auskunft. Auf den Neubauten wird im allgemeinen ein höherer Lohn gezahlt, lvie auf den Ausbauten, wo meistens der Stundenlohn von 45 Pf. maß- gebend ist. Von den 1728 Steinträgern arbeiten 1695 zu tarif- mäßigen Löhnen. Von den 881 Putzerträgern erhalten 736 den Lohn vom Unternehmer, 106 werden von den Putzern, 39 von Unteniehniern und Putzern gemeinschaftlich' be- zahlt.— Von den 10 568 kontrollierten Arbeitern wurden �folgende Arbeitszeiten innegehalten: 51— 12—13 Stunden, drei 12 Stunden, 127— 1 h Stunden, 6089= 10 Stunden, 200= O'/o S runden, 4098— 9 Stunden. Von den kontrollierten Arbeitern sind 6251 organisiert, davon 5365 im Centralverband, 623 in der Freien Ver- einigung, die übrigen in andern Berufsorganisationen.— Von den 4305 Unorganisierten sind 3340 Lohnarbeiter, 648 Fahrstuhlarbeiter, 237 Steinträger, 73 Putzerträger, 7 Töpferträger, 12 machten keine Angabe».— Den folgenden Punkt der Tagesordnung bildete die Be- sprechung von Mißständen im Gewerbe. Es wurde über die Schäden der Accordarbeit gesprochen, zur Erfüllung der Organisations- pflichten aufgefordert und beschlossen, daß auf jedem Bau ein Deputierter gewählt Iverden muß.— In die Schlichtungskommission wurden gewählt: Heidemann, Kriebow, Böttcher, Heinemann, Renner, Gräber, Dräger. Es wurde noch darauf aufmerksam gemacht, daß am Mittwoch, den 8. August, die nächste Baudeputierten-Versammlung abgehalten wird und daß jeder Bau in der Versammlung vertreten sein muß. Sattler. Am 14. Juli fand in den Arminhallen die regelmäßige Mitgliederversammlung der Sattler statt, in ivelcher die Abrechnung gegeben wurde. Nach derselben beliefcn sich Einnahme und Ausgabe auf 7195,95 M. Für die örtliche Verwaltung wurden von den ihr zustehenden 1439,19 M. 1399,79 M. ausgegeben, so daß ein Kassen- bestand von 181,71 M. verbleibt. Ter Lokalfonds beläuft sich auf 5121,75 M. Der Mitgliederbestand betrug am Schlüsse des Quartals 1403, somit betrug die Zunahme gegen das vorige Quartal 171 Mit- glieder. Der Vortrag des Genossen Georg Engelbert über „Japanische Ltultur" wurde von der gut besuchten Versammlung mit großem Beifall aufgenommen. Uebcr den Abivehrstreik bei der Firma David berichtete Weyher. Die dort beschäftigten 27 Kollegen legten die Arbeit nieder, da sie sich Abzüge, die einen Verlust an Arbeitsverdienst in der Höhe von 6 bis 3 M. betragen, nicht gefallen lassen wollten. Eine Verhandlung mit den Fabrikanten soll noch- mals angebahnt werden. Die Wahl eines Beisitzers zur Gauleitring wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Für die streikenden Rammcr und Steinsetzer wurden 100 Vi. bewilligt und die Ver- trauensmänner wurden verpflichtet, von den ausgegebenen Listen Gebrauch zu machen. Eine Anfrage des Kollegen Grimm, ob sein in voriger Versammlung gestellter Antrag vom Centralvorstand ver- handelt worden ist, beantwortet ein Mitglied des Centralvorstandes, das erklärt, daß diese Angelegenheit nur durch eine Generalversamm- lung erledigt werden könne. Der Arbeiter-Sängerbund hielt am 10. Juli bei Lipps eine Ausschstßsitzung ab. Einstimmig in den Bund aufgenommen wurde der Verein„Luftige Sänger"(Berlin). Zum Punkt„Bundes- angelegenheiten" übergehend, führte der Porsitzende aus, daß die Ver- eine vielfach im unklaren sind, was sie zu verlangen haben. Von Bundesliedern bekommen die Bereine nur diejenigen, welche während ihrer Mitgliedschaft herausgegeben sind. Lieder, die extra angeschafft werden(zu Sängerfesten), haben alle Vereine zu entnehmen. Ein Antrag wird angenommen, zum Sängcrfest in Friedrichs- Hagen nur zeimal zu singen, und zwar jedesmal drei Lieder. Vom Programm wird das Lied„Zukunftsblüten" gestrichen, und an dessen Stelle„Empor zum Licht" gesungen. Die Vereine, welche im Wahlkreis Teltow-Bceskow domicilieren und am Parteifcst in Steglitz mitgewirkt haben, beschweren sich über die Arrangeure des Festes. Ter Wahlverein brauche sich nicht an Berliner Vereine zu wenden, denn die im Kreise tagenden Vereine find stark genug, um an einem solchen Tage etwas Gutes leisten zu können. Den dortigen Vereinen wollte man zuerst keine Freikarten geben, den Berlinern bot man sie bereitwilligst an. Der Vorstand erhielt den Auftrag, die Sache zu untersuchen und dem Ausschutz dann Bericht zu er- statten. Als letzter Punkt werden dem Verein„Frohsinn"(Zehdenick) 43 M. bewilligt zur Deckung feiner Unkosten, die durch das Pro- vinzial-Sängerfest dort entstanden sind. Charlottcnburg. Genosse Dr. Borchardt referierte hier am 20. d. M. über das Thema:„Arbeitslosen-Versicherung" in der gut besuchten Generalversammlung der Vereinigung der Maler, Lackierer usw. Dies Thema war in Rücksicht auf die hier im Orte am 26. Juli von feiten des Magistrats vorzunehmende Arbeitslosen- Zählung gewählt worden, um eine genügende Propaganda an der Teilnahme derselben(Austragung und Einsammlung der Zähl- karten) auch bei dieser Gewerkschaft zu ermöglichen. Genosse Borchardt entledigte sich seiner Aufgabe in zufriedenstellender Weise und forderte am Schlüsse seines Referats zu einer regen Beteiligung an der Zählung durch die Gewerkschaften auf. In der darauf folgenden Diskussion geschah dies noch besonders durch die Kollegen Jost und Flemming. Nach der verlesenen und genehmigten Kassen- abrechnung vom 2. Quartal gab der Bevollmächtigte nebst einigen andern Mitteilungen bekannt, daß am 31. Juli eine Hausagitation vorgenommen werden soll und bittet um rege Beteiligung an der- selben.- Der Fall Malermeister Hassel kontra Anstreicher Diecke wurde nochmals einer eingehenden Kritik unterzogen. Dieser erst- genannte Herr hat gegenüber dem zweiten nicht die tarifmäßigen Vereinbarungen innegehalten, was um so bedauerlicher ist, als Herr Hassel Beisitzer am Gewerbcgcricht wie auch Parteigenosse ist. Vermiscktes. Ein„St»benten-Ulk". Aus Leipzig berichtet eine Kor- respondenz: Eine durchzechte Nacht, die mit einem Studenten-„Ulk" abschloß, müssen die Studierenden Werner und Kühne schwer büßen. In früher Morgenstunde auf dem Heimweg durch die innere Stadt begriffen, hielt Kühne dem Bierappäratreiniger Treff den Stock vor und verlangte, daß er darüberspringen sollte. Als dieser sich weigerte, erhielt er von Kühne einen Schlag mit dem Stock ühcr den Kopf, der mit zwei schallenden Ohrfeigen erwidert wurde. Jetzt griff Werner ein und machte von dem Messer Gebrauch. Er ver- setzte Treff einen Stich in den Nacken, so daß diesem das Blut den Rücken herunterrann. Beide flüchteten dann, wurden aber von Zuschauern eingeholt, und nun erhielt Werner zunächst eine gehörige Tracht Prügel. Dann brachte man die Excedcntcn zur Wache. Das Landgericht verurteilte Werner zu acht Monaten und Kühne zu drei Monaten Gefängnis. Beide müssen außerdem an den Verletzten eine Buße von 100 M. zahlen.— Es wäre doch recht inter- essant, festzustellen, was das für„Studenten" sind, die mit Messern stechen. Tie Schlacht von Oberroßbach. Ans Friedberg wird der „Franks. Zeitung" berichtet: Im nahen Oberroßbach drangen am Dovnerstagnachmittag der Bäckermeister Friedrich Spuck, der Feldschütz Lau n Hardt und der Nachtwächter B l e ch e r unbcfugterweise in das Schulhaus ein, überfielen und mißhandelten mit Lattenstücken die Lehrer Harth und Presse r sowie die Frau des letzteren in roher Weise ohne jeglichen stichhaltigen Grund. � Ein im Orte zufällig anwesender Arzt leistete den Mißhandelten die erste Hilfe. Das Krcisamt in Friedberg wurde um Unterstützung gebeten und beorderte sofort die Gendarmerie nach dem Thatort. Es wurde die sofortige Entlassung der beteiligten Gemeindcdiener verfügt. Drei Personen abgestürzt. Zell am See, 26. Juli. Am Sonntag stürzten drei Bah narbeiter beim Edellveißpflücken vom Bären- kogel ab und wurden tot aufgcfnnden. Eiscnbnhn-Unfall. L i e g n i tz, 25. Juli. Heute nachmittag gegen 1 Uhr 35 Minuten fuhr auf Station Arnshof bei Liegnitz Güter- zug 7505 durch Uebersahren des Haltesignals dem ausfahrenden Güterzug 6560 in die Flanke. Entgleist 6 Güterwagen, 8 Wagen stark beschädigt, Personen nicht verletzt. Schnellzug 7 nackp Breslau erhielt 21/, Stunden Verspätung, Reisende von Licgnitz wurden durch Zug 221 befördert. An der Unfallstelle mußte umgestiegen werden. Beide Hauptgeleise Richtung Kohlfürt aus ungefähr vier Stunden gesperrt. Südliches tzauptgeleis abends gegen 7 Uhr, nörd- ljches Havvtgeleis etwa abends 9 Uhr wieder frei. Lemberg, IM. Bei dem Brande in Brtzko wurden 330 Se» bände, darunter das Rathaus mit sämtlichen Dokumenten, die Kirche, die Synagoge ec. völlig eingeäschert. Touristcn-Nnfälle. Innsbruck, 25. Juli. Der Bahnbcamte Karl Hitzeubüchcl stürzte bei einer Partie auf die Ritscherspitze 60 Meter tief ah und blieb tot.— Linz, 25. Juli. Beim Edelweiß- pflücken stürzte der Beamte der Union-Baugesellschaft Markswohl vom Bärnkogel ab und war sofort tot. Fiume, 26. Juli. Seit Donnerstag werden zwei deutsche Touristen vermißt, die in einem Boot von Kukari aus ins Meer hinausfuhren, ohne bisher zurückzukehren. Die Behörden trafen Maßnahmen, um die Vermißten aufzufinden. ' Borislnw, 26. Juli. Das seit drei Tagen wütende Feuer in der Grube der Firma Perutz und Mikucky konnte heute nacht ge- löscht werden. Uneinlösbare Wechsel auf den Namen eines dänischen Prinzen. Das konservative Kopenhagener Blatt„Vort Land", das gute Ver- bindungen mit Hofkreisen hat, teilte am Freitag mit, es sei ein neuer Wechsel oder Schuldschein mit dem Namen des Prinzen Harald im Umlauf. Ein hekannter Rechtsanwalt habe sich vor einigen Tagen an den K r 0 n p r i n z- R e g e n t e n mit dem Ersuchen um Einlösung des Wechsels gewandt, aber der Kronprinz habe dem Rechtsanwalt wissen lassen, daß er nichts mit der Sache zu thun habe. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß die Frau des Obersten Munthe, die vor einiger Zeit einen aus den Namen des Prinzen Harald lautenden Wechsel von 20 000 Kronen einzulösen suchte und dann zur Beobachtung ihres Geisteszustandes in die Irrenanstalt zu Middclfahnt gebracht wurde, nun von dem Oberarzt Lange für geisteskrank er- klärt lvorden ist, und daß ihr Aufenthalt in der Irrenanstalt unbestimmte Zeit dauern wird.— Der großes Aufsehen erregende Skandal ist damit selbstverständlich nicht im mindesten aufgeklärt. Ist der Wechsel echt, so müßten der Prinz oder seine nächsten An- gehörigen ihn unbedingt einlösen; ist aber die Unterschrist gefälscht, so liegt ein Verbrechen vor, das durch das Straf- gesetz mit mindestens 18 Monaten Zwangs- arbeit bedroht wird. Liegt nun Geisteskrankheit des Wechsel- sälschers vor, so genügt es natürlich nicht, wenn ein Arzt als Privatmann die Krankheit konstatiert, sondern es müßte in jedem Fall ein Gerichtsverfahren eingeleitet werden und die Prüfung des Geisteszustandes des Angeklagten hätte durch einen vom Gericht bestellten Sachverständigen zu erfolgen. Aber auch in Dänemark ist ein königlicher Prinz offenbar eine so hohe Person, daß um seinetwillen andre als die im Gesetz vorgeschriebenen Wege beschritten werden können. Der dritte Mann. Aus dem Leserkreise der„Franks. Zeitung" wird folgender artige Scherz erzählt: In der vergangenen Woche machte ich wieder einmal die Ueberfahrt von Harwich nach Vlissingen. Es war während einer zauberhaft schönen Sommernacht. In dem breiten Sweifen des Kielwassers tanzte der Mondcnschein in tausend Reflexen. Nicht das leiseste Lüftchen wehte. Kein Laut war ver- nehnwar als das gleichmäßige Arbeiten der Schraube und das leise Anklatschen der Wogen an die Schiffswandung. Kein Wunder, daß mehrere der Passagiere es vorzogen, die herrliche Nacht auf dem Verdeck oder in dem eleganten Rauchsalon zu verbringen, als in den schier tropische Glut ausatmenden Kabinen einen unruhigen Schlaf zu suchen. Auf dem Deck bildeten wir, in den bequemen Liegestühlen zurückgelehnt, eine recht schweigsame Gruppe. Ein Franzose mit nachtschwarzem Haar, ebensolchen Äugen und einem Ge- ficht, das unbestimmte Erinnerungen in mir erweckte, versuchte ziemlich vergeblich, eine natürlich französisch geführte Unterhaltung in Fluß zu bringen. Rechts und links von uns saßen Engländer, die entweder nicht französisch verstanden oder nach der Sitte ihres Volkes sich ohne Not einer fremden Sprache nicht bedienen wollten. Mir gegenüber stand, an einen Deckaufbau gelehnt, ein kleiner, gelber, klug blickender und überdies durchaus nicht schlitzäugiger Japaner. Plötzlich sprach der Franzose mich deutsch an:„Mein Herr, Sie sind Deutscher, und ich glaube Sie zu kennenl" Mit wenig Worten war festgestellt Ivorden, daß wir zusammen das Gymnasium in der kleinen norddeutschen Residenz Bückeburg be- sucht hatten. Wir rückten näher zusammen und tauschten frohe Erinnerungen an gemeinsam verlebte Stunden aus.'So kamen wir auch auf die Abende zu sprechen, die wir �— obgleich uns das damals streng verboten war— beim Skatspiel zugebracht hatten. „Wie schade." meinte mein Fkanzose,„daß uns heute abend der dritte Mann fehlt; ein tüchtiger Dauerskat wäre das beste Mittel, die Nacht hinzubringen." Da löste sich die zierliche Gestalt des Japaners von der Wand los. Er trat auf uns zu und begann nach höflicher Verbeugung in einwandfreiem Deutsch:„Wenn die Herren gestatten, würde ich mich gern an Ihrem Spiel beteiligen. Karten habe ich bei mirl" Auf unsre etwas verdutzten Fragen erfuhren wir bald, daß unser so unerivartct gefundener„dritter Mann" in Berlin studiert hatte und sich dort neben der deutschen Sprache auch eine gründliche Kenntnis des edlen Skatspiels angeeignet hatte. eingegangene vruckfckriften. I. Tews. Schultompromitz, konfessionelle Schule, Simultanschule. Preis 26 Pf. Bcrlin-Schönebcrg 1304. Buchverlag der„Hilfe". H. S. Slrt'l. Richard R 0 e s i et e. Sein Leben und Wirken. Preis brosch. 1,50 M. Berlin 1904. Verlag Georg Reimer, Lützolvstr. 107/8. KnefKaften der Redaktion. �funftifcher Cell. Die jnriftlfrfjc Tdrcchstiiiwe finde» täglich mit Zlnsnabnic de? SolinabeudS Vo» 7'lt biS l»1/, lllit abends statt. Geüssnet: 7 Nbr. C. N. 81. In den Fällen der Ziückerstatlimg von Klebcmarken wird die Hülste des für den Betreffenden geklebten Betrages zurückgezahlt.— Nuinmclsburg 101. Militärdienst, Arbeitslosigkeit, Krankheit usw. befreien nicht von der Pflicht, Steuer zu zahlen. Wohl aber kann in dem Einzel- falle ein Antrag aus Erlag oder Stundung der Steuer an die Steuer- behörde gerichtet werden.— W. BS. 100. Nein. Oranienstr. 30. 1. Ist in Ihrem Mietsverwage nicht das Gegenteil vereinbart, so ist der Wirt zur Reparatur verpflichtet. 2. Solche Art Nachtleben ist unzuIWg. — ZiilSdorsf. Zum Abzug sind Sie nirR berechtigt. Sie können lediglich ans Unterlassen des Gebrauchs und aus Schadensersatz Ilagen oder durch Sondcrschlog Ihr Recht wahren.— G. I. III. Nach dem Leben trachten ist Scheidungögrund. Den Grund muß der Kläger aber belveiscn. Eine dumme Redensart beweist noch nicht die Absicht der Lebcnsnachstelluny.— L. BS. 100. 1. Die Ueberweisung der Rente in Höhe der von der Armenverwaltung verauslagten Bewäge an diese entspricht leider dem Gesetz. 2. Ten Irrtum könnten Sie nur durch Rechtsmittel gegen den die Höhe der Rente festsetzenden Bescheid redrcfficrcn. — E.®. 4. 1. In Berlin ist jeder Gewerbebetrieb bei der Verwaltung der direkten Steuern anzmneldcn. glaschenbicrhandel erfordert keine KonMefsion, noch besondere Anmeldung. 2. Punzenstraize 60, Hinz.—(£. 60. Der Antrag aus Pfändung des 1500 Mark überschießenden Betrages ist zrrlässig. Er ist an das Amtsgericht in ähnlicher Weise wie der Antrag 69 aus S. 434 des von Ihnen angcsührtcn Büches zu sormuliercn.— Max W. Nein. — Sch. 757. Ehemals Verlobte können innerhalb zwei Jahren nach Auf« lösung der Verlobung Auswechslung der Verlobungszcichcn und der Ge- schenke verlangen. So weit ersichtlich, liegt in Ihrem Falle keine Verlobung, sondern lediglich eine Liebschaft vor. Ein RücksorderungSrecht steht Ihnen, falls diese Annahme zutrifft, nicht zu.— H. 3. 38. Im Vertrage vom 19. Januar 1898 der Swaßcnbahn-Gcsellschasl mit der Stadt ist erstew verpflichtet worden, innerhalb drei Jahren den Zehnpscnnig-Taris cinzusühren. — N. S« 14. Sie müssen ein wechselseitiges Testament errichten. Bei- spiele uno Anleitungen sinden Sie aus Seite 238 des dem«Arbeiterrech t* Beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— W. B. Es ist ein ebenso weit verbreiteter wie groger Irrtum, daß man einseitig innerhalb 24 Stunden von einem VerWage zurücktreten könne. Ein Rücktritt ist nur unter Zustimmung der andren Partei gültig.— I. F. Ja. — 3. 1000. 1. Die Leistungen der Kasse ergeben sich aus dem Kasscnstatut, das für die verschiedenen Kassen verschieden lautet. Sehen Sie Ihr Statut ein. 2. Ein Ausländer hat lein Recht aus Naturalisation. Der Antrag aus Naturalisation ist aus dem Polizeirevier zu stellen. Die Kosten der Naturalijationsurtunde jür einen Ausländer betragen 50 Mark. äOLOCTSCHERl ANQP�ICUM WetterPrognofe für Mittwoch, den 27. Juli 1904. Ziemlich warm und schwül, zeitweise heiter, aber veränderlich bei mätzigeR südwefUichen Winden, etwaS Regen und Gewitterneigung. Marktpreise von Berlin am 25. Juli. Nach Ermittelungen deS kgl. Polizei-PrästdiumS. Für! Doppcl-Ccnwcr: Weizen»'), gute Sorte 17,35— 17,34 33?., mittel 17,33-17,32 2»., geringe 17,31—17,30 M. Roggen"), gute Sorte 13,70—13,68 M.. mittel 13,66—13,64 M., geringe 13,62-13,60 M. Futtergerste'), gute Sorte 14,60-13,70 M.. mittel 13.60 bis 12,70 M., geringe 12,60—11,70 M. Haser'), gute Sorte 16,00-15,30 M.. mittel 15,20—14,50 M., geringe 14,40—13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40.00-28.00 M. Speisebohnen, weiße 50,00-26,00 M. Linsen 60.00—25.00 M. Kartoffeln, neue, 12,00-8,00 M. Richtstroh 0,00-0,00 M. Heu 0,00— 0,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 3,80—2,40 M. •) Frei Wagen und ab Bahn.") M Bahn. Wasserstand am 25. Juli. Elbe bei Aussig— 0,7S Meter, bei Dresden— 2,19 Meter, bei Magdeburg 4- 0,05 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt-s- 0,80 Meter.— Oder bei Rattbor— 0,53 Meter, bei Breslau Ober» Pegel-f 4,14 Meter, bei Breslau Unter- Pegel— 1,83 Meter, bei Franksurt-f 0,18 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde+ 1,79 Meter.— W a r t h e bei Posen— 0,16 Meter.— N e tz e bei Usch 0,28 Meter. Urania Für den Inhalt der Inserate «beruimnit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. 18—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglicli; Gr. Konzert, Theater- u. SpeciaiEtäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebte« Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Dag. IHIP Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-Mg 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstands. _ In den Stilen: HisF" C* rosscr Ball. Taubonstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater Täglich nachmittags ab 5 Uhr: MiMi*- Doppel-Konzert Eintritt 1 M.. ab 6 Uhr 30 Pf Theater. Mittwoch, den 27. Juli. Ansang?>/, Uhr: Neues kiw.igl. Opern> Dheater. Die Fledermaus. Belle-Alliance. Gastspiel von Emil Wintev-Thmians 15 Humoristen und Sängern.(Letzte Woche I) Vollständig neues Programm. Zum Schluß: Ein Polterabend- scherz bei Lieutenants. Ansang 8 Uhr. Pchiller O.(Wallner- Theater.) Oberon, König der Elsen. Weste». Mamzelle Nitouche. Central. Olle Kamellen. Läuschen und Rimcls. Hanne Nütes Ab- schied. Jochen Päses. Ein kleiner Beamter. Carl Weist. Der Weg zum Herzen. Metropol. Ein tolles Jahr. Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten. Cwadt-TheaterMoabit. Großstadt- zauber. ReichShalle«. Gastspiel von OSkar JunghähneK humoristtjch. Herren Passage-Xheater. Terka Semmeloff. Spcciatttäten. Anfang 5 Uhr. Urania. Taubeustraste 48/49. Die Weltausstellung in St. Louis. An den Seen Oberitaliens. Juvaltdenftrafte 37/02. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr._'_ Seliiller-Thealer 0. (Wallnrr-Theater). Morwist-Oper. Mittwochabend 8 Ubr: Öderen, KUnle der Elfen. Große romantische Feen-Oper m vier Akten von Carl Maria v. Weber. Donnerstagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. He« Vrendndenr. Freittagab end SUHrs Zum 1. Male: Oer polnische Jude. Bolksoper von Karl Weis. Der Sonuncrgarten ist eröffnet. Im Garten de« Schiller-TheaterS I?. täglich große» Wilitar-Konzert. Centrai-Theater 8 Uhr:«iuokterabend a»S Frist Reuters Werke«: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschen und Riemeis. 3. Hanne RüteS Slbschied. 4. Jochen Pasel. 5. Bväftgs letztes Stündlein. 6. Ein kleiner Beamter. £m!l Richard, kgl Hosschauspieler, a. G. Morgen und sorgende Tage: Die- selle Vorstellung._ Metropol-Theater Der psste Erfolg dieses Jahres: Hierauf: An den Seen Oberitalicns. Sternwarte Eintrit_____._J_ Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Welt Friedriohstr. 165. W Der imyemite Fakir 12-MW Die zusammengewachsenen Schwestern Rosa u. Josefa. Sarrafani. Grösster u. elegantester Zeit-Cirkus Europas. Täglich: KoMkHensßt. Eentral-Nerbaud d. Zimmerer Aeutschlauds Zahlstelle Berlin«. Umgegend Allen Kameraden zur Kenntnis, daß unser Mitglied Ons Kttrenweih, lebend. Oer 16jährige Riasenknabe Der lange Josef 217 ctm gross. DSF* Nada und Mnemos, Mjg Gedankenleser. Der I-elctacn f n n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. d. M., nach- mittags 4 Uhr, aus dem Danfes- Kirchhos in Reinickendorf statt. Um rege Teilnahme bittet 257/13 Der Borstand. Gabliffment SnUenhagen IHorftisplatiE. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im grasten schatdge« Naturgarten irden Abend 8 Uhr: EConzert. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends TT— im Kaisersaal:"**■" Fröbels AIlerlel-Tlieater sr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Gr. Garten-Komert. Theater nub Specialitäten. SßF" 15 neue N:nnmern.*98 lllrbeit bringt Segcn. Volksstück mit Ges. in 2 Akt. v. Braune. llztra- tanz. Tanzlehrer P. Hoppe. Anfang 4'/, Uhr. Entrce 30 Ps. Bernhard Hose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Das Senfattons-Juli-Progrannn und ?sul Lorsäini vle keiss liurch keM in Sil Mp. Anfang i'l, Uhr. Im Saale: Ball. «nhet 30 Ps., numerierter Platz 50 Ps. llurkltrstendamm 153/156. Fernsprecher: Amt Wl. No. 343. Strassenbahn-Verbindung mit Linien 91, A, T, V, A/E. Wochentags Vorstellungen 4 und 8 Uhr, Sonntags 3, 5'/, und 8 Uhr. Belle-Alliance-Theater. Im Theater abends 7'/, Uhr: Winter-Tötuians Humoristen und Sänger. Urkomische Semen und Possen I Im Sommcrgarten: Heute Mittwoch: Zweites gp. Traosiateur- Konzert unter persönlicherLeitung des beliebten Vkalzerkomponistsn 3. kransialeur. Anfang K Uhr. Entree 80 Pf. Morgen: Lr. SpecialitSIen- Vorstellung und Durt Goldmann-Konzert. Sonnabend, d. 30. Juli: Mitfinge- Abend und Sommernachts-Fest. «m gestrigen Tage starb nach langen, schweren Leiden mein Mann, unser guter Bater und Großvater 58558 Adolf Loeper. Die Beerdigung findet Freitag, den 29. Juli, 6'/, Ubr, von der Leichenhalle de« St. Thomas- ttrchhofes aus statt. Die trauernden HlnterWiebenea. V. Hoacks Theater. Direktton: Rod. Dill. Brunnenstr. 16. Adel und Stadel, oder: Berlin W. und«erliu K. Volksstück mit Ges. in 2 Akt. v. Leibold. Dazu die erstklassigen Speeialitäten. Ansang k Uhr. Kaffeeküche von 8 Uhr ab. Entree 80 Ps. Ball. Bei schlechtem Wetter Vorstellung im Saal. i�lcxcnllnl», am Croeeinsee. Bahnstation Zeuthen. Fernsprech-Amt Königs-Wusterhausen No. 75. Jeden Tonnerstag: Groctac Dampfer- Kxtrafahrt mit Mustk. Abfahrt 2 Uhr nachmittags an der Stralauer Brücke, Ecke Waisen-Brücke, Dampieretation Kaimt 4 Hertzer. Hm- und Rückfahrt nur 30 Pf., Kinder die Hälfte.— Freunde und Bekannte lade ergebenst dazu ein.— NB. Für Fabriken J Sonnabend, den 16., 23. und 30. d. M., ist mein großer Saal(700 Personen sassend) noch srei. 57532' amKönigsth., am Friedrichshain 29/32. Danlzaasane. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen sür die vielen Beweise herz- llcher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben grau Klara Hetzet meinen innigsten Dank. 2961b_ David Hetucl. Dankaagnng:. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes und unsreS guten VaterS 58642 Hermann Rathmann sagen allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem 4. Wahlveretn(Südost), dem Central- oerband der Maurer und dem Gesang- oerein.Deutsche Sch leise' sür den erbebenden Gesang unsren tiesge« sühllen Dank. Die trauernde Witwe Sophie Hathmann und Kinder. Gr. dramatisch- satirische Revue in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. von der Michaelkirchbrücke nach MüBKclwerdermit Mustk. Abfahrt 9 Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags. Preis für bleibende Gäste 30 Ps. hin und zurück. Sonst 40 Pf. Kinder die Hälfte. Sonntags einfache Fahrt 40 Pf. 57652' Tf« Uhr: Gr. Gartenkonzert, 8-8'/, Uhr: Ose or. Juli-Specialitäten-Programm. 9'/, Uhr: Venns auf Erden. Operette von Paul Lincke. WietterauftPfiten m Robert Steidl. Monatsraten von 2 Mk an liefern wir Musikwerke wKmjBßäB selbe tepielende sowie Drehtnstrumente aaiwecbscl- : Metallnoten von 18 Mk. anfwarts. Phonographen nur iJjtjlÄ erstkUssiee, /TSBr| vonüglich fnnkUonierea- do Apparate von 20 Mk. aufwärts. Bespielte und itai-. II untespielte WaUen I*.(Juallmt. In eehr reicher Aaewahl, sehr preiswerte Inetnunente In allen Preislagen. Zithern aller Arten, wie Aceord-, Harfen-, Duett-, Konzert-, Ghütane. Zithern et«. Nr. 174. 21. Iichrglwg. 2. Kkilxgc des JotiuWs" Scrlim ilolliühlntt. Mittwoch. 27. Juli 1904. LaudesKonftreuz der sociuldemokrutischtn Partei im Großheriogtum Sachsen. E i s e n a ch. 25. Juli. Auf parteihistorischen Boden kamen gestern die Delegierten der Partei aus dem weimarischen Lande zur 7. Landeskonferenz hier zu- sammen. Aus dem Geschäftsbericht des Landesausschusses ist zu enMehmen, daß sich die neue Organisationsform gut bewährt. Seit neun Monaten haben sich unsre Genossen eine straffere Organisation geschaffen. Es kommen im ganzen Lande einheitliche Beitragsmarken zu 10 Pfennigen zur Verwendung, von welchen in zedem Monat pro Mitglied mindestens zwei Stück zu entnehmen sind. Der Landesausschutz giebt diese Marken a zu 3 Pfennigen, bei sofortiger Zahlung an die Kreisleitungen, diese geben diese Marken pro Stück zu 5 Pfennigen an die örtlichen Or- ganisationen ab. Der Landesausschutz bat von jeder verkauften Marke einen Pfennig an den Parteivorstand abzuführen. Trotz der grotzen Ausgaben, die die Einführung der neuen Or- ganisation erforderte und trotzdem die Organisation erst 9 Monate besteht, konntevon einem erfreulichenKassenverhältnis, gegenüber dem früheren Zustand, berichtet werden. Vertrieben sind in den neun Monaten 23 000 Marken, so datz an den Parteivorstand 230 Mark abgeliefert werden konnten. Autzerdem sind 13b Mark Extrabeiträge und ca. 300 Mark für den Delegiertenfonds zur Beschickung des inter- nationalen Kongresses in Amsterdam, zu welchem der Abg. B a u d e r t delegiert wurde, eingegangen. Der Kassierer L e u t e r t betonte in seinem Bericht, es sei Pflicht eines jeden Kreises, für einen noch grvtzeren Markenumsatz zu sorgen, um die Landespartei- lasse für die kommenden Wahlen zu stärken und um dem Parteivorstande die bei den früheren Wahlen erhaltenen Zuschüsse nach und nach wieder zurückzuerstatten.— Die Zerrissenheit des Landes in drei räumlich weit von einander gelegene Kreise und mehrere Exklaven war bisher immer ein Hindernis der einheitlichen Organisation ge- Wesen, dazu kam vor allen Dingen, datz im ganzen Lande nur eine Stadt mit über 30 000 und drei Städte mit über 20 000 Einwohner vorhanden sind, die Partei-Organisation daher nur auf Landorte und kleine, weniger industriereiche Städtchen ausgedehnt werden kann. Bei dem Bericht über die letzte Landtags Wahl wird be- schloffen, auch in Zukunft an dem schon früher gcfatzten Beschlüsse, mit keiner bürgerlichen Partei Abmachungen zur Landtagswahl ein- zugehen, festzuhalten. Da sich an der Landtagswahl aber nur die- jenigen beteiligen können, die autzer der Staatsangehörigkeit auch das Bürgerrecht in einer Gemeinde des Landes besitzen, wird der LandeSausschutz beauftragt, eine ununterbrochene Agitation zur Erwerbung des Bürgerrechts in die Wege zu leiten. Ferner wurde dem Landesausschutz darin zugestimmt, keine Mittel zu scheuen, um dort, wo dies bisher noch unmöglich war, poli- tische Vereine zu bilden, da im Lande kein Gesetz besteht, welches die Gründung irgend welcher Vereine erschwert. Der Punkt: Presse war schon Gegenstand der Beratung in zwei Kreis- konferenzen gewesen und ftihrte auch hier zu einer längeren Debatte. Schliehlich wurden folgende Anträge angenommen:„Der Landes- ausschutz wird beauftragt, in Aubettacht des Vorgehens der Erfurter Pretzkommission bezüglich der Anstellung der Redakteure, sowie über- Haupt der Behandlungsweise der Thüringer Parteigenossen. eine anderweite Regelung der Pretzverhältnisse, eventuell mit Hilfe des Parteivorstandes, herbeizuführen.— Der Landesausschutz wird beauftragt, die Interessen der Partei im allgemeinen und der Landesorganisatton im besonderen, wie solch« durch unsre Partei- preffe, die.Tribüne', zu vertreten' sind, gegenüber der Geschäfts- leilnng und der Pretzkommission der.Tribüne' wahrzunehmen und deshalb die geeigneten Schritte einzuleiten.'— Den Parteitag in Bremen betteffend wurde einstimmig folgende Resolution angenommen:.Die Landeskonferenz der socialdemokratifchen Partei im Grotzherzogtum Sachsen spricht die Erwartung auS, datz nach wie vor m der entschiedensten Weise an der alten bewährten Taktik der Partei festgehalten werden muh, da die gesellschaftliche Eni- Wicklung mehr beim je dazu drängt, auf dem Boden des Klaffen- kampfes die Befreiung des Proletariats aus den Fesseln des Kapita- lismuS herbeizuführen. Aus diesem Grunde spricht sich die Landes- konferenz dahin auS, mit aller Entfchiedenhett dafür einzutreten, datz auf dem deutschen Parteitage in Bremen jeder Versuch, die Partei zum Tummelplatz persönlicher Streitigkeiten einzelner Akademiker und zu unnöttgen theoretischen Socialexperimenten zu machen, energisch zurückgewiesen wird.'— Zum Sitz des Landesausschusses wird Apolda wieder bestimmt. Gewählt werden als Vorsitzender B ändert, als Kassierer Leutert und als Beisitzer Petermann; außerdem gehören dem Landes- ausschutz die Vorsitzenden der drei Kreisleitungen an, welche bei wichtigen Anlässen zu den Sitzungen des Landesausschusses zugezogen werden müssen. Die nächste Konserenz soll in Weimar abgehalten werden. Hiia Induftne und ftendcU Nachwehen de? Crimmitschauer Streiks. Als wir im Winter zur Zeit des Crimmitschauer Streiks auf die schwere Schädigung der dorttgen Textilindustrie, besonder? der Spinnerei, durch die Halsstarrigkeit des Crimmitschauer Fabrikantenklüngels hinwiesen, wurden unsre Darlegungen von der kapitalistischen Presse als leere Behauptungen bezeichnet. Unsre Meldung, datz die Lausitzer und die rheinländischen, vornehmlich die München-Gladbacher und die Aachener Textilindustrie, mit Eifer daran sei, sich die durch den Herrendiinkel der Crimmitschauer Fabrikanten heraufbeschworene Notlage der dortigen Spinnereien und Webereien zu Nutze zu machen und in deren bisherige Absatzgebiete einzudringen. wurde als total falsch hingestellt. Eine solche Handlungsweise. hietz eS, widerspräche nicht nur dem ausprägen Solidaritätsgefühl des deutschen FabrikantentumS, sondern es vermöge auch die Lausitzer und rheinländische Textilindustrie die in Crimmitschau hergestellten Erzeugniffe gar nicht in gleichen Qualitäten zu liefern. Nun hat vor einigen Tagen die Plauener Handelskammer ihren Jahresbericht erscheinen lassen, der unsere damaligen Angaben nach jeder Richtung hin bestätigt und zugleich beweist, datz das.Niederzwingen' der Arbeiter diesen weniger geschadet hat, als ihren noblen.Brot- Herren'. .Die Folgen dieses AuSstandeS waren,' heißt es in dem Bericht der Handelskammer,„für die Crimmitschauer Industrie in Tuchen und BuckskinS außerordentlich unheilvolle. Bedeutet schon der ProduktionsauSfall für die Fabrikanten, der Lohn- auSfall für die Arbefter einen schweren Verlust, so kommt noch hinzu, datz der Stillstand der Betriebe Schäden für die Maschinen und Zinsverluste mit sich brachte: vor allem aber hat auch die bestehende Ungewißheit über den Ausgang und die Dauer des Streiks eine grotze Unsicherheit in der Musterung einersetts und in der Versorgung mtt den Rohstoffen andrerseits hervorgebracht. die weitere Schädigungen nach sich zog, und so ist nicht nur die Wintersaison 1003/04, sondern zum Teil auch die Sommersaison 1904 verloren ge- gangen, und manche Nachwehen des Streiks werden sich auch für die kommende Wintersaison noch geltend machen. Immerhin ist aber trotz des Eindringens der Konkurrenz, namentlich der Werdauer, zum Teil auch der Kirchberger von den sächsischen Textilbezirken. sodann aber der Lausitzer und rheinländischen, besonders der Aachener Industrie, in den Kunden- kreis der Crimmitschauer Weberei Aussicht vorhanden, datz es dieser, dank ihrer Konzentration, bei welcher gewöhnlich Färberei, Spinnerei, Weberei und Appretur in einem Betriebe vereinigt sind, aber auch dank der in Crimmitschau auch in andrer Zeit durchgeführten scharfen Preisberechnung, welche die Gründung von Konkurrenzunter- nehmungen wenig nutzbringend erscheinen lätzt, gelingen wird, ihren Absatz wieder voll zu erobern und damit wenigstens fiir die Zukunft Schädigungen zu vermeiden. „Waren so bedeutende Schädigungen der Crimmitschauer Weberei festzustellen, welche allerdings für die Kammgarnweberei dadurch etwas gemildert werden, das hier die überaus starke Beschäftigung des ersten Halbjahres eine Ueberproduktion gezeitigt hatte, welche vermutlich auch ohne den Streik zu Betriebseinschränkungen gezwungen hätte, so hat der Ausstand doch auch günstige Folgen gehabt, vor allem die durch grotze Opfer bewiesene Solidarität der deutschen Arbeitgeber. welche später in der Gründung der Hauptstelle deutscher Arbeitgeber-Verbände und damit der dauernden Vereinigung der deutschen Arbeitgeber ihren Ausdruck gefunden hat. dann aber auch die Herstellung der Ordnung in den Betrieben selbst, sowie überhaupt die Regelung der Arbeiter- Verhältnisse in Crimmitschau, welche der inzwischen in Crimmitschau begründete Arbeitsnachweis für die Textilindustrie, sowie der nattonale ArbeiterunterstützungSverein für Crimmitschau auch für die Zukunft aufrecht zu erhalten bestimmt ist. „Die Verluste, welche dieser Streik der Crimmitschauer Spinnerei geschlagen hat, sind ganz bedeutend, nicht allein in- folge des Stillstands der Betriebe und der damit verbundenen diretten Schäden, sondern auch infolge der während des Streiks bestehenden Ungewißheit über dessen Dauer, welche einen Teil der Fabrikanten in der Hoffnung auf einen Rückgang der Baumwoll- preise veranlatzte. ihre Verträge über Bauniwolllieferungen mit einem kleinen Aufschlag den unbeteiligten(meist Werdauerj Fabrikanten abzutreten und andrerseits in die Vorbereitung für die nächste Saison eine gewisse Unsicherheit hineintrug. Autzerdem hatte auch die zum Teil mangelhafte Beschaffenheit der von ungeübten Arbeitern von Oktober an hergestellten Garne Reklamationen seitens der Abnehmer zur Folge, welche ebenfalls Verluste mit sich brachten. Noch bedeut- samcr ist, datz infolge des während des AuSstandcs eintretenden GarnmangelS die Errichtung von Konkurrenz-Unter- nehmungen geplant und auch begonnen wurde, insbesondere in der Rheinprovinz, in Gelsen- kirchen und Münch« n-Gladbach, wo im Lause dieses Jahres neue grotze Vigognespiunereien errichtet wurden.' Zur Entwicklung deS deutschen Bankwesens. Wie alljährlich im Monat Juli/August veröffentlicht auch diesmal wieder der„ D e u t s ch e Oekonomist' eine Uebcrsicht über die Lage der deutschen Banken während des letzten Jahres im Vergleich zu früheren Geschäftsjahren. Einbezogen in die Statistik sind die Banken mit mindestens 1 Million Aktienkapital. Es sind dies 170 Banken, und zwar 3 Notenbanken, 40 Hypothekenbanken und 124 Kreditbanken. Dieselben besaßen an eignen Mitteln: Aktienkapital 2869,5 Millionen Mark, Reserven 712,7 Millionen Mark gleich 24,8 Prozent des Aktienkapitals. Die den Banken anvertrauten fremden Mittel betrugen 15 715,9 Millionen Mark und zwar: Kreditoren 3022,2 Millionen Mark, Depositen 2058,4 Millionen Mark, Accepte 1402,4 Millionen Mark, Banknoten 1742.2 Millionen Mark und Pfandbriefe 7490,7 Millionen Mark. Die Verwendung der in den Banken zusammengeflossenen Kapitalien war folgende: Kassabestände 1335,9 Millionen Mark, Debitoren 4633,3 Millionen Mark, Wechsel 2972,9 Millionen Mark. Effekten 1184,6 Millionen Mark, Lombards 1027,2 Millionen Mark und Hypotheken 8144,0 Millionen Mark. Interessanter als diese Zahlenübersicht ist der Vergleich mit früheren Entwicklungsstufen. Die Stattstik des.Oekonomist' reicht bis 1883 zurück. In diesem Jahr gab es in Deutsch- land erst 113 Banken mit einem Aktienkapital von mehr als einer Million Mark, heute hat Deutschland 170 solcher Banken: aber während das Gesamt-Aktienkapital damals nur 1249 Millionen Mark betrug, belief eS sich Ende 1903 auf 2870 Millionen. Es ist also weit schneller gewachsen als die Zahl der Banken. Ebenso haben die Reserven zugenommen; sie betrugen 1833 erst 174, 1903 dagegen 712 Millionen Mark. Ferner stieg die Summe der Kreditoren von 769 auf 3022 Millionen Mark, der Depositen von 515 auf 2058, der Accepte von 375 auf 1402 und der Banknoten und Pfandbriefe von 2769 auf 9233 Millionen Mark. Das sind nur einige wenige Zahlen aus der EntWickelung des Bankwesens, aber trotzdem zeigen sie, welchen Aufschwung seit 1883 das Geld- und Kreditgeschäft genommen hat, und zugleich, mit welcher Schnelligkeit sich die Konzentration in diesem Zweige des Wirtschaftslebens vollzieht. Die Kartcllenquete und der Centtalverband deutscher Industrieller. Die Ergebnisse der Kartellenquete sind zwar im ganzen recht mager; immerhin haben sich in den Verhandlungen, wo die Vertreter der einzelnen Interessengruppen in der Hitze des Gefechts sich zu gegen- seiligen Vorwürfen verstiegen, besonders bei den Erörterungen über die Preispolitik der Roheisensyndikate und des Halbzeugverbandes so manche faulen Praktiken herausgestellt, daß einem Teil der um ihre„Würde' und ihr Ansehen besorgten rheinischen Grotzindustriellen der Wunsch ausgestiegen zu sein scheint, ihre an den Kartellsitzungen teilnehmenden Standesgeiiosse» möchten bei ihren Aussagen sich vor« sichtiger zurückhalten. So hat sich denn der Centralverband deutscher Industrieller den Auftrag erteilen lassen, eine sogen. Syndikats- kommission einzurichten, welche die zwischen den verschiedenen Jnteressentengruppen bestehenden Differenzen vor den Verhandlungen der Enquetekommission möglichst ausgleichen soll, damit von dielen inneren Profitstreittgkeiten nicht zu viel an die Oeffentlichkeit dringt. Vor den Verhandlungen über die Drahtwalzwerke hat bereits eine solche„Vorbesprechung zur Schlichtung� der Gegensätze" stattgefunden, wodurch sich zur Genüge der magere stenographische Bericht über die offiziellen Enqueteverhandlungen erklärt. Der„Köln. Ztg." wird nämlich berichtet:„Der Centralverband deutscher Industrieller hat am 25. Juni an alle an der Drahtindustrie als Erzeuger und Verbraucher beteiligten Kreise, die zur Teilnahme an der Kartellenquete aufgefordert waren, eine Einladung ergehen lassen, in der es heitzt: daß er eS für wünschenswert halte, etwaige geschäftliche Gegen- sätzezwischen den verschiedenen Syndikaten oder zwischen den sy nd i z i ert en Erz e u g e rn von Waren und deren Verbrauchern möglich st durchper- sönliche Aussprache auszugleichen und er halte es daher für richtig, zu versuchen, unbeschadet der allseitige» Auf- klärung über die für die Entwicklung der Syndikate wichtigen That- fachen der Vergangenheit durch die Kartellenquete des Reichsamtes des Innern, durch eine verttauensvolle Aussprache der Interessenten unter sich auch für die Zukunft freundliche und stabile Beziehungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern syndizierter Waren zu schaffen. Ein echt Bueckscher Kniff I Neue Kapitalserhöhung der Hibernia. Die Börse wurde heute von der seltsamen Meldung überrascht, datz die Bcrgwerksgesellschast Hibernia, die erst im vorigen Jahre ihr Aktienkapital um 11,6 Millionen Mark erhöht hat, eine neue Kapitalsvemiehrung plant. Die Verwaltung der Hibernia hat nämlich folgende offizielle Mit- teilung versandt: 1 „In der am Dienstag, 26. d. M., in Berlin abgehaltenen Auf- sichtsratssitzung der Bergwerksgesellschaft Hibernia wurde die Be- rufung einer autzerordentliche» Generalversammlung auf den 27. August in Düsseldorf beschloffen. In der letzteren soll behufs Beschaffung von Betriebsmitteln über die Erhöhung des Kapitals um 6l/g Millionen Mark Beschlutz gefatzt werden, so datz dieses alsdann 60 Millionen Mark betragen würde. Die Aktien sollen vorerst mit 25 Proz. Einzahlung ausgegeben werden und im Laufe der nächsten Jahre, entsprechend dem Geldbedarf der Gesell- schaft, zur Vollzahlung gelangen. Die neu zu beschaffenden BettiebS- mittel sind zu Grundankäufen und mit diesen Erwerbungen zusammenhängenden Aufwendungen sowie dazu bestimmt, die Schachtanlagen der Bergwerksgeiellschaft Hibernia auf einer, den Anforderungen des modernen Berg- und Maschinenbaues, ins- besondere der Elekttotechnik entsprechenden Höhe zu halten. Ueber das Geschäft des abgelaufenen Semesters wurde mitgeteilt, datz es den Erwartungen in vollem Umfange nicht ent- sprochen habe. Insbesondere hat die mit außergewöhnlich lange anhaltender Hitze verbundene trockene Jahreszeit Verkehrs- stockungen auf den Wafferstratzen mit sich gebracht, welche die in gewissem Umfange vorhandene Geschäftsstille noch gesteigert haben. Vom zweiten Halbjahr, insbesondere vom Eintritt winter- sicher Jahreszeit darf eine Belebung und Besserung des Geschäfts mit Wahrscheinlichkeit in Aussicht genommen werden. Alle Gerüchte, welche den Ankauf von Kuxen oder die Angliederung der Gewerk- schaft„Ewald' an.Hibernia' betteffen, wurden als vollständig er« funden und grundlos erklärt.' Was die Ankündigung bedeutet, ist rätselhaft; jedenfalls steht sie mit den jüngsten an der Berliner Börse erfolgten starken An- käufen von Hibernia-Aktien(Siehe letzten„Wirtschaftlichen Wochen- bericht') zusammen. Vielleicht ist der Zweck der Kapitalsvermehrung lediglich der. den Ankäufer der Aktien matt zu setzen, d. h. seinen Besitz an Aktien im Verhältnis zum Gesamt-Aktienkapital zu ver- ringern, um ihn nicht den erhofften Einflutz auf die Gesellschaft er- langen zu lassen. Die Auferstehung des Thalers als Dreimarkstück. Die Re- gierung scheint sich nun doch zur Prüfung der Frage, ob es nicht ratsam sei. neben den silbernen Zweimarkstücken auch Dreimarkstücke auszuprägen, entschlossen zu haben. In einem Rundschreiben des Reichskanzlers an die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten werden diese zur Aeutzerung darüber aufgefordert, ob ein„dringendes Verkehrsbcdürfnis" für die Ausprägung eines Dreimarkstückes vor- Händen sei.„Bei der Beurteilung der Frage des Bedürfnisses nach einem Dreimarkstück.' heitzt es in dem Rundschreiben,„wird nicht lediglich die in einem Teile Deutschlands an dem Thaler haftende Gewohnheit zur Richtschnur dienen dürfen. Da der Thaler nach den Vorschriften der Münzgesetze ungeachtet seiner Ausstattung mit unbeschränkter Zahlungskraft von vornherein gleich den andern Lar.dcssilbermünzen zur Einziehung bestimmt war, indem seine Außerkurssetzung of/.t die infolge deS Fallens der Silberpreise am 13. Mai 1879 verfügte Einstellung der deutschen Silberverkäufe längst erfolgt wäre, so mutz von der Frage ausgegangen werden. ob die Verkebrsverhältnisse als solche ohne Rücksicht auf den Thaler- umlaus und die mit diesem verbundenen örtlichen Gewohnheiten neben dem Fünf-, Zwei- und Einmarkstück noch ein Drei« m a r k st ü ck unbedingt erheischen. An sich hat jede Münzgattung, die nicht einem wirklichen Bedürfnis entspricht, erhebliche Nachteile für das Münzwejen zur Folge. Es kommt daher auch in Bettacht, ob nicht, wenn das Dreimarkstück zur Ausprägung gelangt, das Zwei- oder das Fünfmarkstück zu beseitigen wäre, weil alsdann für eine dieser Münzgattungen das Bedürfnis nicht mehr anzuerkennen sein würde. Angesichts der erheblichen Prägemengen (Ende Mai 1904: 196,6 Millionen Mark in Fünf-, 203,1 Millionen Mark in Zweimarkstücken) wird man sich zu einer solchen Mahnahme, die mit vielen Weiterungen und Kosten verknüpft wäre, nur aus ganz zwingenden Gründen entschließen können. Ferner tritt das Bedenken auf, ob nicht das Dreimarkstück, namentlich wenn es in der vom Reichstage beschlossenen Form(33V. Stück aus einem Pfund fein und in der Zusmnmensetzung von 900/1000) ausgeprägt wird, zu Verwechselungen mit dem Zweimarkstück Anlaß bieten würde, welche vom Standpunkte des Münzwesens wie des allgemeinen Verkehrs als ein großer Uebelstand empfunden werden müßten. Endlich bedarf der Erwägung, ob nicht dem Verlangen nach einem Drei- markstück dadurch wirksam begegnet werden kann, daß dem wegen UnHandlichkeit anscheinend weniger beliebten Fünfmark st ück durch Verkleinerung des Durchmessers in Ver- bindung mit der Riffelung des Randes eine für den Geldverkehr brauchbarere Gestaltung ge» geben wird.' Soziales. Erhebung über Kinderarbeit. Zum Entwürfe des Gesetzes betreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben hatte der Reichs- tag in der Sitzung vom 23. März 1903 folgende Resolutton gefatzt: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zum Zwecke von Er» Hebungen über den Umfang und die Art der Lohnbeschäftigung von Kindern im Haushalte(Aufwartung, Kinderpflege u. dergl.) sowie in der Landwittschaft und deren Nebenbettieben, ihre Gründe. ihre Vorzüge und Gefahren, insbesondere für Gesundheit und Sitt- lichkeit, sowie die Weg« zweckmäßiger Bekämpfung dieser Gefahren mit den Landesregierungen in Verbindung zu treten und die Er- gebnisse der vorgenommenen Ermittelungen dem Reichstage mit« zuteilen.' Gemäß dem Beschluffe deS Bundesrats vom 23. Juni 1904 hat der Staatssekretär des Innern nunmehr den Bundesregierungen, wie das„ReichS-Arbeitsblatt' bettchtet, vorgeschlagen, der Re- solution des Reichstages Folge zu geben und zunächst über den Umfang und die Art jener Kinderbeschäftigung eine Ausnahme durch die Lehrer(Lehrettnnen) an den öffentlichen Volksschulen unter Zugrundelegung eines einheftlichen Formulars am 15. November dieses Jahres stattfinden zu lassen. Die Erhebung soll sich auf diejenigen volksschnlpfsichtigen Kinder erstrecken, welche im Laufe des Jahres vom 15. November 1903 bis 14. November 1904 im Haushalt oder in der Landwirt- schaft und deren Nebenbetrieben gegen Lohn beschäftigt wurfcen. Durch die Ermittelungen soll festgestellt werden, in wieviel Wochen die Kinder beschäfttgt waren, sowie ob sie in den einzelnen Wochen bis zu drei Tagen oder über drei Tage und an den einzelnen Tagen bis zu drei Stunden oder über drei Stunden beschäftigt waren. Autzerdem ist besonders zu ermitteln, wie viele von den Kindern außerhalb der Ferienzeit zeitweise mehr als sechs Stunden täglich beschäftigt waren, an wieviel Tagen durchschnittlich in der Woche, in wieviel Wochen durchschnsttlich und mtt welchen Arbeiten vor« zugsweise. Bei der Beschäftigung von Kindern mit land- und forstwirt- schaftlichen Arbeiten wird ferner«ine Angabe darüber verlangt, zu welchen verschiedenen Arbeiten die einzelnen Kinder im Laufe deS Jahres vom 15. November 1903 bis 14. November 1904 verwendet wurden. Endlich wird eine Sonderung der Angaben nach dem Ge- schlecht und nach Altersklaffen gefordett, wobei zwischen Kindern im Alter von unter 10 Jahren, solchen im Alter von 10 bis 12 Jahren und solchen über 12 Jahren unterschieden werden soll. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 27. Juli, abends S'/2 Uhr, im Gcwerkschaftshimse, E»gcl-Ufcr 15,'Saal 5: ßrancben-Verfammlung der auf kienene löbel besehäftigten Tischler. Tages-Ordnunff: 1. Vortrag über: Die Lohn- und Arbeitsbedingungen in dieser Branche. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 87/3 Vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. 0er lZKmann. Donnerstag, de» 28. Juli, abends 8V2 Uhr: firanetansrsatanhmg der Steihnactier im Lokale des Herr» Pfeffer, Nosenthalcrftr. 57. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangeleaenheiten. 4. Ver- schicdenes.__ Die Koinmission. Deutscher Metallarbeiter-yerband. Vernaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Donnerstag, de» 28. Juli, abends 8V3 Uhr, im Gewcrkschaftshausc, Engel-ttfcr 15, großer Saal: JUlgemeine Klesnper-'Vsrssmnüiig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen NeichStags-Abgeordneten llUiiinr.l Bernstein über: Arbeitszeit und Arbeitslohn. 2. Diskussion. 3. Ver- bands-Angelegcnheiten und Bericht von der Schlichtungskommission. 118/11 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. in t Hir Tervi'altiins/ssteUe Berlin. Donnerstag, den 28. Juli, abends 8'/. Uhr, im Gcwerkschafts- hause, Engel-ttfer IS, Saal III: Ordkiitlichc GctimiGcrsmUliiiig. Tages-Ordnung: 1. Entgegennahme des Rechenschastsberichts. Ersatzwahl zweier Revisoren. 2. Die Stellung der Holzindustriellcn und die Innung zu unsrem Vertrage. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 21/20 Zahlreichen Besuch erwartet Ber Vorstand. Central-Verband der Maurer Deutseblands Zweigverein Berlin. Da die Inventur der Zweigvereinsbibliothe! beendet ist, machen wir hiermit bekannt, daß jetzt wieder Bücher verliehen werden, und zwar während der Bureauftundcn von 8—1 und von 3—7 Uhr, außerdem Montags bis 9 Uhr. Gleichzeitig ersuchen wir alle Obmänner und Bevollmächtigten dies in den Versammlungen und Sitzungen bekannt- zugeben. 148/2 Die Verbandsleitnng. _ SQ., Engel-Ufer 15. III, Zimmer 89. Dampter tür Vereine und Gesellschaften empfiehlt Mökt RiCCk,»«W. An die radfahrende Ardeiterschaft Kerlins! Auf dem diesjährigen Bundestage(Pfingsten zu Erfurt) obengenannten Bundes wurde beschlossen, daß zukünftig an jedem Orte nur ein Bundesverein bestehen soll. Es wurde dieser Beschluß deswegen gesaßt, um endlich der lächerlichen, kleinlichen Vereinsgründerei und Vereinsmeierei entgegenzutreten. Wie gerechtfertigt dieser Beschluß war, das zeigen folgende Beispiele: Bis dato bestanden in Berlin IS Bundesvereine und zwar Vereine von 250, 130, 95 bis herab zu 10 Mitgliedern. Währenddem die größeren Vereine bemüht waren, bei einem niedrigen Eintrittsgeld von 75 Pf. und einem monatlichen Beitrag von 30—40 Pf. auch möglichst Gegen- leistung zu bieten: wie Arbcitslosenunterftichung bei sonntäglichen Aussahrten, Enthebung Arbeitsloser vom Beitrage ec., damit es jedem radsahrcnden Arbeiter möglich war Mitglied des Bundes zu werden, handelten die kleinen Vereine entgegengesetzt und zwar indem sie bei hohen Eintrittsgeldern von 2—3 M. und einem monat- lichen Beitrag bis 1,50 M. allerhand unnütze Vereinsabzeichen, seidene Banner und dergleichen Firlejanz lieferten; es somit vielen unsrer radsahrcnden Arbeitsbrüder unmöglich machten, sich unsrem Bunde anzuschließen. Jahrelange Beobachtungen bewiesen, daß dementsprechend die großen Vereine an Mitgliedern zunahmen, während die kleinen Vereine knapp ihren Mitgliederbestand behaupteten rcsp. baldigst das Zeitliche segneten. Man sollte nun meinen, daß sämtliche Vereine, spcciell die kleineren Vereine, obigen Bundestags-Beschluß mit Freuden begrüßt hätten; dem ist aber nicht so. Während die größeren Vereine obigen Beschluß respektierten, ihre Vereine auflösten, und sich dem am 1. Juli d. I. gegründeten„Berliner Arbciter-Radfahrer-Verein" an- schlössen, sahen sich die kleineren Vereine veranlaßt, ihre Vereinsmeierei weiter zu treiben, und obendrein einen neuen Bund mit dem Namen„Freiheit" zu gründen. Die Zukunft wird ja lehren, wer existenzfähig ist: der Arbeiter-Radfahrer-Bund„Solidarität" mit 20 000 Mitgliedern oder der Bund„Freiheit" mit— 12S Mit- gliedern. Wir wenden uns nun an Euch, Berliner Arbeiter-Radsahrer, helft uns das Ziel erreichen, welches wir uns gesteckt haben: die Verciniguug aller Radfahrer und Radfahrerinnen der arbeitenden Bevölkerung Berlins im Berliner Arbeiter-Siadfahrer-Verein resp. im Arbeiter-Radsahrer Bund„Solidarität". Frisch auf, ans Werk! Se? Vorstand des Berliner Arbeiter-Badfahrer-Vereins I. 21.: A, O. Kitter, Christinenstrasje Nr. 33. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68• Lindenstratze 69 Wir empfehlen den Genossen zum Abonnement: Mkl i>lt UH Mkilhmschast ; Gastwirt Knmke, Monat bei Kumke, ersten und Jeden ersten ttnübsi'ti'ofksn bei:! > osrmkstsrrkl Votratig in Apotheken, Drogerien, Colonialw. Villen-Kolonie Kieder-Scfaönhansen Baustellen in schönster Lage Niedrr-Ichänhausens an vollständig! | regulierten Straßen mit Gas- und Wasserleitung; nur hochliegendes, trockenes Land. Pev Hj-R. V0N 85 NN. �lSL' I Auskunft jederzeit im Bureau, Kaiserweg 3, Nieder-Schfinhausen. reww wwvifii Der Berliner Arbeiter- Radfahrer- Verein ist zur Zeit in neun Llbteilungen geteilt und zwar folgendermaßen: I. Abteilung: Centrum, Friedrichstadt, Westen und Südwesten. SlbteilungSführer Bülowstraße 59. Versammlung: Jeden ersten und dritten Donuerstag im Bülowstraße 59. II. Abteilung: SlbteilungSführer: Ad. Slransfeld, Zossencrstraße 4. Versammlung: Jeden ersten und dritten Freitag im Monat bei Voigt, Ritterstraße 75. III. Abteilung: SlbteilungSführer: W. Vogel, Muskaucrstraße 36. Versammlung: Jeden und dritten Mittwoch im Monat bei Tschaksch, Naunynftraße 6. IV. Abteilung: SlbteilungSführer: K. Wirih, Grüner Weg. Versammlung: Jeden ersten dritten Mittwoch im Monat bei Merkowsky, Ändreassiraße 26. V. Abteilung: SKteilungssührer: Rich. Krohn, Jostystraße 3. Versammlung: Jeden ersten und dritten Freitag im Monat im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11/13. VI. Abteilung: SlbteilungSführer: BSilh. Peesch, Schliemannstraße 22. Versammlung und dritten Donnerstag im Monat bei Wernau, Schwedterstraße 23/24. VII. Abteilung: Abtcilungssührer: Paul Lambeik, Usedomstraße 8. Versammlung: Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat bei Raabe, Kolbergcrstraße 23. VIII. Abteilung: Abtcilungssührer: Ernst Stark. Bremerstraße 53. Versammlung: Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat bei Fischer, Waldstraße 8. IX. Abteilung: Sektion der Bäcker. Versammlung: Jeden ersten und dritten Dienstag im Monat, nachmittags 3 Uhr, Gipsstraße 2. In den Versammlungen sowie bei sämtlichen AbteilungSsührern werden Mitglieder ausgenommen. DaS Ein- fchreibegeld beträgt 75 Pf., hierfür wird das Bundcsabzeichen geliehen, monatlicher Beitrag sür männliche Mitglieder 35 Ps., sür weibliche Mitglieder 25 Ps. Dafür bieten wir resp. der Bund folgendes: 1. Unentgeltliche Lieserung unsreS Bundesorgans„Der Arbeiter-Radsahrer", 2. Bei Radunsällen, wo Erwerbsunfähigkeit eintritt, im ersten Jahre der Mitgliedschast pro Woche 6,00 M., im zweiten Jahre 7,50 M., darüber 9,00 M. 3. Zollfreie Grenzüberschreitungen nach dem Auslande. 4. Kostenlosen Rechtsschutz. Weiterhin kann den Mitgliedern auS der Vereinskasse gewährt werden: Bei sonntäglichen Ausfahrten den arbeitslosen Mitgliedern nach halbjährlicher Mitgliedschast 2 M., resp. bei halber Tagestour 1 M., Befreiung von Beiträgen nach vierwöchentlicher Arbeitslosigkeit zc. Das Untcrstützungs- Wesen wird nach dem Wachstum des VerciuS auch weiter ausgebildet werden. Die sonntäglichen Aussahrten werden Freitags im„Vorwärts" bekannt gegeben. Die Generalversammlungen des Vereins finden jeden 3. Mittwoch im ersten Monat des Quartals statt, daher heute abend S Uhr, in den Arminhalleu. Kommandantenstr. 2v: Kuliurbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts Bon Lmil liosenow 30 Lieferungen reich illnsniert -» Lieferung 20 Pfennig» Der Verfasser entwirft vom Standpunkt des historischen Ma> terialismus das Kulturbild der mittelalterlichen Pfaffenherrschaft. Er zeigt wie inmitten der zu- summen brechenden römischen Gc- sellschast die urchriftlich-kommu- niftische Zlgitariou beginnt, aus der sich die Kirchenherrschaft eM> wickelt. Der Leier sieht wie das Papsttum entsteht und wie es den Gipfel seiner Macht, bis zur Welt» Herrschaft ersteigt, bis die wach- sende kapitalistische Wirtschaits- weise die Pfaffenherrschaft in Blut und Kriegsgetünimel erstickt. Das Werk ist ein danern- de?, wertvolles«zildunas- mittel für die deutsche Ar- beiterklafsc. DicGeiüeinschastdkrEigtUtU Kaplan Vasbach und die fmindesliebe 20 Pf. OrdentUche Qeneral-Versammlung mit sehr wichtiger Tagesordnung. Mitglieder werden daselbst ausgenommen. pünkttich eröffnet.-Mffl Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Versammlung wird Her Vorstand. NB. Allen früheren und ausgetretenen Bundesmitgliedern zur Nachricht, daß vom Bundesvorstand für dieselben eine Karenzzeit bis I. Oktober d. I. bewilligt ist. Wer bis zum 1. Oktober den Weg zum Bunde zurückfindet, tritt nach Nachzahlung der Beiträge in seine früheren Rechte ein. Diese kleine Flugschrift ist ein neuer interessanter Beitrag über das Wesen der rein psychischen Homosexualität und ein wert- volles Tokuoient für die Ab- schasfung des§ 175 des Straf- gescttes. Sie ist von der Berliner Polizei für den Strastenhandcl verboten tvorden.— Direkt zu beziehen gegen Voreinsendung des Bettagcs in Briefmarken von: Adolf Brand, Charlottenburg, Wilhelm- platz Nr. la. 58445* Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn- und Frauenleiden, Seydelstr. 9. Wochentags I/21Ä-1/,S,'/.«-'/.S. Das letzte Sommerhäuschen, billig, 70 Quadr.-Rutcn groß, cingez. Grundstück, nur 1300 Mk., verkauft Krause, Zepernick. Näheres im Pank- schloß Zepernick(Stett. Vorortbahn). Sportwagen auffallend billig, direkt� aus Fabrik. Sportwagen rum Liegen einstellbar� zugleich Kinderwagen, i Luxussportwagen edels-r tcr Rohrgebildarbeit und � einfachste Sportkarren. 4 J. Trotbar, Grimma 134-— größte, ält. 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Fachvercin der Musikinstrumenten- Arbeiler. Leranttv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin SW.