Ur. 178. Moonements-Vecklngunge«: HSonncmentä« PrciS prSnumerando! Bierteljährl. S,Z0 MI., monatl. 1,10 MI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Di» Neue Seif 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat, Eingetragen In die Post.ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungar» 2 Marl, für daS übrige Au-lan» Z Marl pro Monat, 21. Jahrs. Crfditlot IZgllch außer montags. Devlinev VolkSblakk. G �entralorgan der fozialdcmokrati fchen Parte» Deutfchlands. Bit TnTertlons'Gebflbr behSgt für die fechSgefpaltene Kolon«« zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaststche Vereins- und Verfammlungs-Anzeigen 2S Pfg. „Klein»»nieigen", da» erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen ti» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. »elegramm- Adresse: „Sozlaldtuiolint Btriln". Redaktion: 831. 68, Lindcnstrasac 69. Kernsprecher: 9Imt IV, Rr. 1983. Das verwüstete Rußland. Petersburg, 28. Juli.(Originalbrief de«„Vorwärts".) Ms der Arm Balmascheffs Rußland von dem leichtsinnigen und beschränkten Henker Ssipjagin gerettet hatte, eröffneten sich der Regierung zwei Wege: entweder das Recht des russischen Volks auf Ehre und Freiheit anzuerkennen und ihre Gewalt mit den Vertretern des Volkes zu teilen, oder aber die letzten Kräfte anzuswengen und im Reiche nicht nur die Opposition, sondern auch alles geistige Leben und jede öffentliche Bewegung zu erdrücken. Der letztere Weg wurde gewählt. Als Plehwe im Minister- komitee sein künstiges Programm entwickelte, waren alle erstaunt: dieses Programm war in der Tat ein grandioses. Der Staats� sekretär, der in den politischen Prozessen und in der blutigen Atmosphäre der„dritten Abteilung"(der geheimen politischen Polizei) seine Erziehung erhalten hatte, schlug nicht mehr und nicht weniger vor, als mit Hilfe der Polizei die Geschichte aufzuhalten! Das Selbstherrschertum um jeden Preis, ohne vor irgend welchen Mitteln zurückzuschrecken, das war sein Programm und eS verschaffte ihm nicht allein den Posten des allmächtigen Polizeiministers, sondern auch die abergläubische Verehrung der unentschlossenen und schwankenden Anhänger des Absolutismus. Judeffen waren mehr als genug Gründe für Schwankungen und Zweifel vorhanden. Der fatale historische Prozeh hatte bereits seine Arbeit gemacht. Der bereits erstarkte nlsfische Kapitalismus begann wie ein verwunschener Riese allmählig steine Kräfte zu entfalten. Er hatte unter seine Fittige Millionen von Proletariern gesammelt und unter ihnen das Gefühl der Brüderlichkeit, der Ehre und der Freiheit wach gerufen. Der auf dem Lande der körperlichen Züchti gung unterworfene Bauer, der vor jeder Obrigkeit gezittert hatte, wurde ein Mensch. In der Fabrik gewöhnte er sich, das Buch lieb zu gewimien, und aus diesem erfuhr er zum erstenmal, daß eS Länder giebt, in welchen die Menschen nicht mit Ruten gezüchttgt und wo sie nicht von Beamten geplündert werden, wo man im Menschen einen Menschen und nicht ein Stück Vieh sieht, wo eS ein Gesetz, ein Recht und eine Freiheit giebt I Und daS Sweben nach einer befferen Zukunft, der Glaube an die Ideale der Brüderlichkeit und der Gerechtigkeit hatten aus den russischen Arbeitern eine macht' voll anwachsende Armee geschaffen, Heren Fahne die Inschrift trug: EocialismuS und polittfche Freiheit. Aber auch die andren Klaffen der russischen Gesellschaft waren nicht abseits von dieser großen historischen Bewegung geblieben. Die russische Intelligenz, die in ihrer enormen Mehrzahl aus dem Volke hervorgegangen war. nahm auf ihre Schultern die schwere Ver pflichtung. für die Gedankenfteiheit, die Gewissensfreiheit, die Rede' freihett zu kämpfen. Indem sie die geringste sich darbietende Ge legenheit ausnutzten, unter dem schrecklichen Druck der Polizei- censur beinahe zusammenbrachen, täglich gegen Denunziattonen und Verrat zu kämpfen hatten, stürtzten sich die russischen Schriftsteller, Gelehrten, Juristen und Litteraten in den polittschen Kampf und untergruben langsam, aber sicher die ideellen Grundlagen des Absolutismus, überführten die überall herrschende Lüge, ebneten den Weg für eine demokratische und rechtliche Gesellschaftsform. Das Land war mtt einem ganzen Netz von geheimen Druckereien bedeckt, von Millionen polittfcher Flugblätter und Ausrufe über- schüttet worden und die studierende Jugend war in fteundschaftlichem Einvernehmen mit den Arbeitern auf die Swaße geweten» um friedliche, aber doch imposante polittfche Demonswationen zu ver- anstalten.„Nieder mit dem AbsoluttSmuS I" so lautete die Inschrift der roten Fahnen der Demonstrierenden. Aber auch daS platte Land hatte von sich hören lassen. Aller« dingS hatte der bis zum Ruin gebrachte hungernde Bauer, der von jedweder Bildung und Aufklärung ferngehalten war, lange Zeit nicht aus dem verwunschenen Kreise der„Macht der Finsternis�" herausweten können, welche geschützt war einerseits von der Geist lichkeit, andrerseits von dem allmächttgen und allwissenden Land- schastshauptmann(Semstt Natschalnik). Aber auch gegen diese zwei Bollwerke des AbsoluttSmuS hatte sich ein machtvoller Widerstand erhoben. Gegen die Pfaffen erhob sich das Sektierertum, insbesondere die religiös« sociale„Shmda". Entstanden im Süden unter dem Einfluß der deutschen Kolonisten, schlug sie wie eine Welle von enormer Größe hinüber nach dem Norden, nach dem Osten und nach dem Westen, schloß im Zeichen ihre« Glauben»- symbol« mehrere zehn Millionen Sekttcrer zusammen und entriß im Namen der evangelischen Gleichheit die geisttge Gewalt den verkäuflichen Pfaffen und dem fittenlosen Mönchentum. Der religiöse SocialiSmuS — das ist die neueste und zugleich die stärkste Swömung im russischen Sektierertum; er bereitet den Boden vor für eine rein socialistische Propaganda. Es verlangt die politische Freiheit im Namen des höchsten Rechts de» Menschen— der Gewissensfreiheit. Aber auch gegen die kleine Defpotte der Ortsbehörden und gegen das Wuchertum der Gutsbesitzer fand sich bei den Bauern eine Waffe-- die Agrarrevolten. Und wenn die städttschen Arbeiter sich friedlicher Sweiks bedient hatten, um ihre gesetzlichen Forderungen durchzu- setzen, so griffen die auf einer bedeutend niedrigeren Stufe stehenden Bauern zu einem einfacheren, elementarischen Mittel: auf die Defpotte und die Ausbeutung antworteten sie mit Totschlagen und Ruinierung ihrer Bedrücker. Und selbst in den rein adeligen Kreisen de» russischen Semstwo war man bald zu der Ueberzeugung gekommen, daß ohne eine ge« setzliche Garantierung der Rechte der Persönlichkeit, ohne eine Konstitutionelle Verfassung und ohne eine Volksvertretung weder ein wwtschastlicher, noch ein kultureller Fortschritt am Orte möglich ist und die örtliche Selbswerwalwng verurteilt ist zu einem unfruchtbaren und stetigen Kampfe mit der Unwissenheit und der Armut einerseits und einem beleidigenden Mißtrauen von oben andrerseits. Die örtlichen Angelegenheiten, die aufs engste mit dem allgemeinen Zustande des Reiches verknüpft sind, haben schwer gelitten unter dem Ruin bringenden Finanzsystem, unter der Polizeiwillkür, der totalen Un- sicherheit des privaten Güterrechts der bäuerlichen Bevölkerung. Von der Macht der historischen Entwickelnng mit fortgezogen, fiel der russische Adel aus seiner tteuunterthänigen Rolle und erstattete wiederholt dem Monarchen Bericht über den wirtschaftlichen Ruin, die Hungersnot und die vollständige Anarchie an den Einzelorten. Die Folge davon waren einerseits allerhöchste Reden, in denen dem Semstwo und dem Adel ein- ftir allemal verboten wurde, sich einzumischen in Angelegenheiten, die sie nichts angehen, andrerseits eine außerordentliche Erstarkung der Semstwo- und Adels- oppofitton, die zum festen Entschluß gekommen war. eine konstituttonelle Verfassung zu erreichen, sei es auch um den Preis einer unterirdischen Agitatton und Regierungsrepressalien. Derart waren die Elemente der Unzufriedenheit, als Plehwe den Posten des Ministers einnahm, mit dem festen Entschluß, jedwede Oppofitton zu ersticken. Seine Denkweise war sehr einfach. Da er den historischen Gang der Ereignisse und die Gesetze seiner EntWickelung für eine leere Erfindung beschäftigungsloser Ltöpfe hielt, sah er in der Gesell« schaft nichts außer einer Masse von Einzelfaktoren, die in ihrer Majorität schwach und schlecht und nur in ihrer Minorität standhast und sittlich sind. Der Klassenkampf, die materialisttsche Geschichts- auffassung erschienen ihm als Märchen, mit denen man Kinder erschreckt, vor denen aber sein eiserner Wille, der sich auf die ungeheuere Macht des abfoluttstischen Regimes stützte, nicht Halt machen kann, und zur Erreichung dieses Ziels hatte er eine Waffe, an die er glaubte wie an einen unüber« windlichen Talisman, mit dem er alles zu zerschmettern gedrohte, was gewagt hätte, sich ihm zu widersetzen; als eine solche Waffe sollte ihm dienen die prächtig organisierte, mit allen Mtteln und allen Reichtümern eines viele Millionen umfassenden Landes versehene die in der einen eisernen Faust des Machthabers vereinte, keine göttlichen, noch menschlichen Rechte anerkennende, je nach Bedarf bald heimlich, bald offen, bald mit List und Betrug, bald mit Grausam- keit und Gewaltthaten wirkende, allmächttge und allumfassende Polizei. Und man muß dem Mnister-Henker die Gerechtigkeit widerfahren lassen, er hat eS verstanden, aus dem Lande alle korruptesten, alle verbrecherischsten Elemente aufzusaugen und er hat aus ihnen eine Polizei geschaffen, wie sie die Welt bisher noch nicht gesehen hat. In den Dienst des Henkers stellten sich die von enormen Gehältern und von der Zusicherung, daß ihre Thätigkeit unbekannt bleiben wird, angelockten, wirtschaftlich heruntergekommenen Intelligenzen mit Universitätsbildung, es war ihm gelungen, durch Bettug— allerdings nur auf kurze Zeit— einige Richter der Petersburger Gerichte fzu sich heranzuziehen, ihm hat sich verkaust mit Haut und Haaren der bis dahin unbescholtene Lochuntin, in dessen Adern das Blut der Romanowschen Dynastie fließt, ein ganzer Stab hochgebildeter und auf menschliches Wild prächtig dressierter Schufte— darunter befanden sich auch ehemalige Revoluttonäre wie Subatow— umgaben den genialen Polizeiminister und gaben ihm ihre Ehre, ihren Verstand und ihre Bildung hin für das entsetzliche Werk der Tötung Rußlands, seines geistigen Lebens und seiner materiellen Entwicklung; und diesem Stabe wurden zur Verfügimg gestellte Millionen von den Volksgeldern, hunderttausende Polizisten, Gendarmen, Geheimagenten, Korrespondenten, sogar Vertteter der Votschaften Rußlands in den auswärttgen Staaten; und in Rußland sowohl wie im Auslände wurde die Organisatton geschaffen, welche die Welt bewundern muß: selbst der Jesuitenorden wird wohl in der Zeit seines Auffchwunges nicht eine so glänzende Verbindung von Intelligenz und Niedertracht, Lüge und Verbrechen dargestellt haben l Und nun begann dieser schreckliche Apparat seine Thättgkeit und in einer Hinficht haben sich die Berechnungen PlehweS bewahrheitet: es gelang ihm mtt der Hilfe von Schrecken und frechem Betrug, eine solche Demoralisation in weite Kreise der Bevölkerung hineinzutragen, es gelang ihm, die intelligenten und nichttntelligenten Kreise so zu korrumpieren, daß man seine Zeit ohne Übertreibung kennzeichnen kann mtt den Worten des russischen Poeten:„Es hat schlimmere, aber keine niederttächttgeren Zeiten gegeben." Die Spionage war in die UniverfitätSanditorien und selbst in den engen Familienkreis eingedrungen: die Bewohner Rußlands konnten sich weder im offenen Felde, noch in ihrem eigenen Schlafzimmer sicher vor den geheimen Agenten fühle». Di« Verleumdung und der Klatsch erreichte nie dagewesene Dimensionen: die Denunziation ging über in die Spalten der Zeitungen und begoß unter dem Schutz der Censur mit ihrem giftigen Schlamme alle, welche die Polizei in lächerlicher oder schmutziger Beleuchtung dargestellt haben wollte. Die Väter fingen an gegen ihre Kinder Anzeigen zu erstatten, die Studenten gegen die Professoren, die Gymnasiallehrer gegen die Schüler, die Pfaffen gegen die Kirchengemeinde-Mitglieder, die Fabrikanten gegen die Arbeiter; eS war als ob ein schmutziger Ocean auS Lüge. Verrat und Denunziattonen sich auS allen niedrigen Gcheimbehältern der menschlichen Seele ergossen und das ganze Land in einen Tummelplatz für Bacchanalien der Verkäuflichkeit und des Laster» verwandelt hatte. Aber auch an poflttven Maßnahmen hat eS das schöpferische Genie des Unterdrückers nicht fehlen lassen. Um den Hungersnöten in Rußland ein Ende zu bereiten, erfand er ein vorzügliches Mittel: er isolierte die Hungernden von irgend welcher Berührung mit der übrigen Welt und befahl zu schweigen; mit drakonischen Maßnahmen erstickte er das Geschrei und da». Stöhnen der Hungers Sterbenden, und jdann berichtete er aller- unterthänigst:»es giebt keine Hungersnot/ da lein Geschrei und kein Expedition: 83l. 68, Lindenetraeae 69. Fernsprecher: Amt IV. Str. 1984. Stöhnen der Hungernden zu hören sei. Und in der That, die Presse hatte den Befehl erhalten zu schweigen, daS Semstwo wurde von jedweder Hilfeleistung für die Hungernden ferngehalten und durch die Mauer von Polizeibehörden, mit denen die Bevölkerung umstellt wurde, drang kein einziger Laut; es schien, als ob ein Todesschweigen über allem throne: da erfolgten die Agrarrevolten. Aber auch jetzt verlor Plehwe seine Geistesgegenwart nicht: mit der Knute und mit Bajonetten stellte er das Schweigen wieder her und trieb die Leute in den Tod. Als gefährlichere Feinde erwiesen sich für Plehwe die Arbeiter: hier allein erlitt er einen vollständigen Mißerfolg; sein Versuch, mit Hilfe von Subatoff eine geheime Organisation des Polizei» socialismus einzuführen, brach mit großem Skandal zusammen. Es half auch nicht die Ueberführung der Fabrikinspektion aus dem Finanzministerium in das Ministerium des Innern, die Zunahme der Streiks, der Straßendemonsttattonen und der revolutionären Presse beraubte Plehwe seiner schönsten Lorbeeren. Er war ge- nöttgt, zu bewaffneter Macht zu greifen. Es wurden Massenerschießungen und Massendurchpeitschungen mit Nagaikas vorgenommen, die Gefängnisse waren überfüllt, Tausende wurden täglich verbannt oder ausgewiesen, Tausende wurden in Zuchthäusern zu Tode gequält. Tausende starben in den Polarwüsten Sibiriens, inmitten der stickigen Moräste TranskaukasienS. Von großem Erfolge waren die Versuche diese» BolksverführerS in den Reihen der Intelligenz und der Mittelklasse gekrönt; es gelang ihm, viele ehrliche, aber schwache Leute mit der Schmach einer mitunter unbeabsichtigten Teilnehmerschaft an Verrat und Denunziationen zu beflecken. In ihrer großen Masse war die Intelligenz genötigt, sich herauSzuwinden und zu lügen, und dieses Lügen wurde in chnischer Weise von PlehweS Agenten ausgebeutet; in die Mitte der Studentenschaft wurden patriotische Organisationen eingeführt; in der Presse-entstand bei Morstol die gute Gesinnung, viele Liberale(Arsenjew, Stassabwitsch) verloren in einem Augenblick die Achtung, die einem bis dahin ehrlich durchlebten, unbescholtenem Leben gezollt wurde... Wer diese Schande und diese Schmach nicht ertragen konnte, der ging ins Gefängnis, in die Verbannung, flüchtete sich ins Ausland, die Universitäten wurden leer, jedwedes geistiges Leben hörte auf, an Stelle der Wissenschast ttat patriottsches Gewinsel. Aber auch die SenistwoS(Provinzial- Selbstverwaltungen) blieben nicht intakt: nachdem sie selbst den Schatten ihrer ehe- maligen Selbständigkeit verloren hatten. von Spionen durch- setzt waren. das Recht der Selbstbesteueluug und den größten Teil ihrer Funkttonen(die Volksbildung, die Versorgung des Volkes mit Nahrungsmitteln in Notfällen) verloren hatten, konnten sie sich nicht nur demütigenden Revisionen seitens anmaßender und verkäuflicher Beamten unterziehen, sondern auch noch einen eigen- artigen Prozeß der Reinigung durchmachen von dem„dritten Elemente", daS heißt, von allen einigermaßen ehrlichen Aerzten, Lehrern und Statisttkern, die im Dienste der Selbstverwaltung ge- standen hatten. So hat das System Plehwe die ungeheuerste Verwüstung aus- gebreitet. Alle Möglichkeiten der Hebung des materiellen Wohl- standeS wurden ausgerottet, alle Möglichkeiten der Entwicklung und Vervollkommnung der menschlichen Persönlichkeit wurden erstickt.... Der Tyrann ist getötet. Aber nur durch den Untergang des despotischen System»., d-aS ihn ge« boren, kann die Wiederkehr all der unsägliche« Greuel, all der Marter, unter der Rutz-land blutet� ausgeschlossen werden. Möge die Tyrannei dem Tyrann« folg«! Die Stimmung in PeterSlurg. Selbst der„Lokal-Anzeiger" vennag die wahre Stimmung, welche das Attentat auf Plehwe in Rußland hervorrief, nicht zu verfälschen. Sein Korrespondent telegraphiert: „Eigentümlich ist die Stimmung in Petersburg: nur wenige» flößt Plehwes Tod aufrichtig ehrliche» Mitgefühl em, fei eS. daß die öfteren Attentate bereits die Bevölkerung abgestumpft, sei eS, daß die zwei Jahre drei Monate seiner AmtSthärigkeit als Minister des Innern ihm unzählige Feinde geschaffen haben. Seine Posttion war von vornherein eine sehr gefährliche, schon durch Uebernahme der Erbschaft SsipjaginS. Er selb st ver st and nicht, sich Liebe zu erwerben. Seine sprichwörtliche Strenge trug ihm endlosen Haß ein. Die Affaire Kischinew ist nicht nur der jüdischen Bevölkerung, sondern auch vicleit gerecht denkenden Russen fürchterlich gewesen; innner hieß eS, in jüdischem Blute wolle man die russische Revolution ertränken. Auch die Unzufriedenheit der Finnländer ist stark mit dem Namen Plehwe verknüpft. Zu den Gegnern flehweS zähle« auch alle, die zur Presse gehören. Die e n s u r waltete ihre» Amtes mit nie dagewesenelr Schärfe. Selbst harmlose Dinge durften nicht bekannt gegeben werden— die periodischen Blätter erhielten Strafe über Strafe. Selbstverständlich konnte da von einer Sympathie für den Minister des Innern nicht die Rede sein. Plehwe war gefürchtet, das charakterisiert alles, sehr gefürchtet von der revoluttonäre» "Zartei, der der Mörder sicher angehört— der erste Grund, ihn zu eseittgen. Die Gefängnisse sind überfiillt von intelligenten Männern wie auch Frauen. Der gering st«Verdacht führte schon dorthin. Plehwe war ein selten kluger Mensch, als Jurist hervor- ragend. Nur bei Anwendung der Mittel, sein Programm durchzu» jren, griff er zum äußersten. Wer sein Nachfolger sein wird, kann heute schwer angedeutet werden, doch dürfte seine Positton keine leichte sein." Jrgendlvclche Nachrichten, die geeignet wären, sichere Aufklärung über die Urheber des Attentats zu geben, liegen auch heute nicht vor. Nach einer Meldung des„B. T." habe der Attentäter erklärt, er gehöre zu den terroristischen Revolutionären und habe der Anweisung deS Komitee? Folge geleistet, das den Tod Plehlves verfügt hatte. Nach einer Meldung der„Frankfurter Zeitung" kursieren in Petersburg die widersprechendsten Gerüchte über das, was jetzt geschehen wird. Einige glauben. Witte werde das Ministerium des Innern, vielleicht mit besonderen Vollmachten übernehmen; allgemein glaube und hoffe man, sein Einflub werde jetzt wieder maßgebend werden. poUtifcbe Qcbcrricbt, Berlin, den 30. Juli. Ncaltionäre Umtriebe. Die„Neue Politische Corres pondenz", die aus dem Doppelqucll der Offiziosität und der Reaktion gespeist wird, bringt diese Notiz: „Wichtige politische Entscheidungen, für welche ein festes Zu« sammcngeheu der Regierung und der Mehrheit von größter Bedeutung ist, stehen im Reiche wie in Preußen bevor. Auch weist das iininer stärkere Hervortreten republikanischer nnd revolutionärer Bestrebungen mit Nachdruck auf das feste Zusammenhalten aller staatserhaltenden Elemente hin. Daß mit der Vorlegung und Genehmigung des deutsch-russischen Handelsvertrages mit einem Schlage Zweifel nnd Mißtrauen beseitigt nnd das volle Vertrauen der Regierung und der agrarisch-schutzzöllnerischen Mehrheit beider großen Parlamente und der hinter diesen stehenden großen Mehrheit des Volkes wiederhergestellt werden würde, bedarf der näheren Darlegung nicht. Es ist daher klar, daß gewichtige Rück- sichten staatscrhaltciidcr Politik für eine möglichst baldige Be- fassung des Reichstages mit dem deutsch-russischen Handelsvertrage sprechen." Die auffällige Notiz könnte zunächst dunkel und unverständlich erscheinen. Die Notiz wünscht die möglichst baldige Vorlegung und Durchführung der Handelsverträge, weil dadurch„mit einem Schlage" Zweifel und Mißtrauen schwänden. Das dürfte sich freilich als ver- fehlte Hoffnung erweisen, da umgekehrt Handelsverträge, welche auf Grund des neuen Zolltarifs zu stände kommen, vielfache Miß- stimmung erzeugen werden; jedoch wir haben in diesem Augenblick keinen Anlaß, über diese ferneren Dinge Vermutungen zu äußern. Auch erübrigt eS sich, der Lächerlichkeit der„Neuen Politischen Corresp.", daß die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter den Zolltarifsparteien stehe, ein ernsthaftes Wort zu widmen. Aber— und das ist interessanter— unvermittelt aus den Hoff« nungen auf Handelsverträge und auf Festigung des„staatserhaltenden" Vertrauens taucht die Andeutung von„wichtige» politischen Ent- schcidungen, für welche ein festes Zusammengehen der Regierung und der Mehrheit von größter Bedeutung ist" und noch mehr unvermittelt die Bemerkung,„daß das immer stärkere Hervortreten rcpnblikanischcr und revolutionärer Bestrebungen mit Nachdruck auf das feste Zusammenhalten aller staatserhalteuden Elemente hinweist." Diese künstliche und zunächst unverständliche Zusammenziehung scheinbar unzusammenhängender Dinge wird jedoch verständlich, wenn man weiß, daß„die wichtigen politischen Entscheidungen", von denen die Notiz spricht, nicht etwa auf die Vollendung der Handelsverträge deuten, daß vielmehr viele und einflußreiche Elemente eifrigst daran arbeiten, nach der Vollendung des Handelsvertragswerkes und auf Grund der erhofften Einigung der bürgerlichen Parteien die„wichtigen politischen Entscheidungen"'gegen das„immer stärkere Hervortreten republikanischer und revolutionärer Bestrebungen" herbeizuführen. Die„N. Pol. Corresp.", die mit den Zettclungen der reaktionären Elemente wohl vertraut ist, läßt nur undeutlich durchschimmern, was im Heimlichen ruht und worüber die Korrespondenz sicherlich einiger- maßen unterrichtet ist. Sie wird so gut wie wir wissen, daß vor einiger Zeit Führer der großen Parteien zusammenkamen, um zu beraten, wie„wichtige politische Entscheidungen" in Scene gesetzt werden könnten. Das Reichstags-Wahlrecht bildete einen wesentlichen Gegenstand dieser Beratungen. Vielleicht vermag die„Neue Politische Correspondenz" nähere Mitteilungen zu machen über diese Beratungen und ihren jetzigen Stand. Ihre Andeutungen sind interessant, mehr Offenheit wäre noch interessanter.— Deutsche Marinegeschütze für Rußland? Als in der Reichstags-Sitzung vom 14. April d. I. der Verkauf deutscher Schnelldampfer an Rußland zur Sprache kam, erklärte der Reichskanzler Graf B ü l o w, daß es sich um die Geschäfte deutscher Privatfirmen mit auswärtigen Privatfirmen handle, und daß völkerrechtlich gegen die Zulässigkeit dieser Verkäufe kaum etwas einzuwenden sein dürfte. Es sei ja nicht der Staat, der die Schiffe verkauft habe. Da also Graf Bülow etwaige vom Staat abgeschlossene Gc- schäfte als Bruch der Neutralität ancrknunt und da er auch nur den Gedanken eines solchen Neutralitätsbruchs seitens des Deutschen Reiches weit zurückgewiesen hat, so möchten wir den verantwortlichen Leiter der Reichspolitik auf einen Vorgang aufmerksam machen, der ihm, wenn er nicht gehörig aufpaßt, seinen völkerrechtlichen Standpunkt böse zu durchkreuzen geeignet ist. Ist der Reichskanzler davon unterrichtet, daß die Verwaltung der kaiserlichen Werft in Kiel bezw. das Reichs-Marine-Amt in diesen Tagen Kanonen an die Schichau-Werft in Danzig verkauft hat? Wen» er nichts davon weiß, wollen wir ihm weiter verraten, daß es sich um acht 15 Ccntimetrr-Geschütze handelt, die zur Armierung deS früheren Kreuzers„Prinz Friedrich Karl", deS jetzigen Torpedo-Versuchsschiffes „Neptun" gehörten, und die nicht etwa als altes Eisen an die Danziger Werft verhandelt worden find, sondern sich in vollständig gefechtsbereitem Zustande befinden. Diese Geschütze sind für die neue Bestimmung des„Neptun", der u. a. zur Funkentelcgraphie verwandt wird, überflüssig geworden. In den Kreisen der Angestellten der kaiserlichen Werft, soweit sie von diesem Handel wissen, herrscht darüber das größte Befremden, aber auch kein Zweifel, daß die Schichau-Werft bloß eine Durchgangsstation für die Geschütze ist. Freilich ist die Schichau-Werft' eine„Privatfirma". Aber diese Privatfirma steht in der engsten geschäftlichen Beziehung zum russischen Reich. Schichau erbaut für Rußland Torpedoboote und Torpedobootszerstörer, Schichau hat auch jene Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie, ehe sie an die russische„Privatfirma" abdampften. zu H i l f s- kreuzern hergerichtet. Und an die deutsche„Privatfirma" verkauft diesmal nicht eine andre Privatfirma Handelsschiffe, sondern da? Reich Kanonen I Wenn der Reichskanzler von diesem Vorgange nichts weiß, wird er unS gewiß dankbar sein, daß wir ihn rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam machen, die von einem ihm unterstellten Ressort seinem völkerrechtlichen Programm droht. UeberdieS ginge es am Ende doch vielleicht sogar dem deutschen Michel über die Hutschnur, wenn etwa im Roten Meer oder sonstwo deutsche Handelsschiffe von deutsche» Kanonen, die das Reich an Rußland geliefert hat, in den Grund gebohrt würden.— Conto X. Der Brief des Herzogs Ernst Günther hat eine „einwandsfreie Stelle", nämlich offenbar den Freiherrn v. M i r b a ch selbst, veranlaßt, die Scherl-Preffe folgendermaßen zu inspirieren: Nachdem die ersten ungünstigen Nachrichten über die Pomment bauk in die Oeffentlichkcit gedrungen waren, erschien Freiherr v. Mirbach, der davon Kenntnis erhalten hatte, am 28. Dezember 1901 im Privatcomptoir der Herren Schultz und Ronieick. Er sagte ihnen ohne Umschweife, was ihn hingeführt. Er habe gehört, daß es mit der Bank nicht mehr zum besten stehen solle, und er erkläre ihnen deshalb, daß er von dem ihm eingeräumten Guthaben keinen Pfennig mehr in Anspruch nehmen werde. Beide Direktoren baten Herrn v. Mirbach darauf, er solle jenen Mit- tcilungen doch kein allzu großes Gewicht beilegen. Allenfalls handle es sich um kleine augenblickliche Schwierigkeiten, deren die Bank zweifellos bald Herr sein werde. Zu irgend lvclchen Besorgnissen läge jedoch keinerlei Ursache vor und Herr v. Mirbach möge nur un- bedenklich über sein Guthaben— bekanntlich das Conto K— ganz nach Wunsch verfügen. Aber Herr v. Mirbach blieb fest. Er wiederholte, daß er von diesem Guthaben jetzt nichts mehr wisse» wolle und fernerhin keinen Pfennig davon annehmen werde. Darauf hielten die beiden Direktoren miteinander kurze Zwiesprache, nnd gaben dann nochmals ihrem Bedauern über den Entschluß des Herrn Oberhofmeisters, der von einer ganz unnötigen Sorge eingegeben wäre, Ausdruck. Da aber Herr v. Mirbach durchaus auf seiner Absicht bestehe, so wollten sie denn das Conto „K" löschen. Um dies kaufmännisch korrekt ausführen zu können, mußte Herr v. Mirbach über den Empfang von 325000 M.— dem auf Conto K stehenden Guthaben— quittieren. Herrn v. Mirbach leuchtete ein, daß die Bauk über den„Ausgang" dieser Snnime einen Beleg haben müsse. Die Direktoren fertigten abermals ein Ouittungsschema aus. überwiesen es Herrn v. Mirbach, nnd dieser unterschrieb, in dem scsten Glauben, mir einer Formalität genügt zu haben, und ftoh und beruhigt, daß er nicht mehr ein Guthaber der Bank sei. Diese Darstellung giebt nur in anschaulicherer Schilderung wieder, was Herr v. Mirbach vor Gericht ausgesagt hat. lieber das Rätsel der 325 000 M., das nach der Meinung des„Tag" jetzt durch eidliche Aussage der Herren Schultz und R o m e i ck gelöst werden soll, sagt sie nichts Neues. Sie lenkt nur abermals die Aufmerksam- keit auf den sehr interessanten Punkt, in welcher Weise von Herrn v. Mirbach Kirchengelder verwaltet werden. Man hat bisher kein Wort darüber vernommen, daß der Kirchenbauverein selber den Verzicht auf die 325 000 M. verfügt hätte. Wie kommt Herr v. Mirbach, der nach der Aussage des Staatsrats Budde auch„noch ein andres persönliches Conto hatte, auf dem er auch Geschäfte in Wohlthätigkeitssachen machte", dazu, dieses u n persönliche Conto nach eigenem Ermessen und auf die sonderbarste Weise der Welt auf- zulöse»?— Freiherr v. Mirbach will sich übrigens bei den Sammlungen fiir die Vollendung der Kaiser Wilhclm-Gedächtnis-Kirche an die Ober- Präsidenten gewandt haben nicht wegen ihrer amtlichen Eigen- schaft, sondern weil sie mit ihni befreundet und M i t- glieder des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins seien. Dazu bemerkt die„Neisser Zeitung": Die Behauptung ist unrichtig. Frhr. v. Mirbach hat sich an den Oberpräsidenten Fürsten H a tz f e l d t, Herzog von Trachenberg, gewendet, und da der Herzog katholisch und nicht Mitglied des evangelisch-kirchlichen HilfsVereins ist, liegt es auf der Hand, daß Freiherr v. Mirbach den Beamten für seine Zwecke requirierte." Post-Abel in der„Schule des Verbrechens". Der„Post", die in ihrer Bestürzung über das Petersburger Attentat auf die Unter- drückung Finnlands als dessen eigentliche Ursache riet, ist jetzt durch ihren Keller-Sachverständigen Abel doch die genügende Erleuchtung gekommen. In einem Artikel„Die Socialdemokratie als Schule des Verbrechens" schreibt sie: Die revolutionären Terroristen haben eben ihre Konsequenzen aus den PlaidoyerS der(Königsberger) Berteidiger gezogen, welche den politischen Meuchelmord in Rußland als Notwehr priesen, sowie aus den Entrüstungsartikeln offen und verkappt socialdemokratischer Blätter, welche Tag für Tag von den unerträglichen Zuständen Rußlands, die jedes Mittel zu ihrer Aenderung rechtfertigten, in der aufreizendsten Weise schrieben. Die terroristischen Mordsekten haben zugleich wieder einmal bewiesen, daß der Schriftenschmuggel nach Rußland seine Früchte gezeitigt hat. Wir haben es in der That herrlich weit gebracht, daß vor einem deutschen Gerichtshöfe ganz ungeniert der polittsche Meuchel- mord als eine Art Notwehr als berechtigt verteidigt werden kann, ohne daß das die Oeffentlichkeit in weitesten Kreisen aufs Tiefste empört. Post-Abel, der in dieser„Schule des Verbrechens" seine Seele rein erhalten hat, trauert an eines Polizeiministers Grab und flucht seinen Mördern— den Verteidigern„des politischen Meuchelmords". Bekümmert sieht er die„Vernichtung jeglicher Moral" herankommen. wenn sich deutsche Anwälte in ihrer Verteidigerpraxis nicht-auf Unterschlagungsfälle beschränken wollen. Für eine Reform des GegcnseitigkeitSvcrhältnisses in Fällen des § 102/103 St.-G.-B., die in Königsberg eine hervorragende Rolle ge- spielt haben, tritt in der„Nation" der Führer der Freisinnigen Ver- einigung, Reichstags-Abgeordneter Schräder, ein. Schräder wünscht, daß die Gegenseitigkeit nicht anders als durch fönnlichen Staatsvertrag zu verbürgen wäre, wozu die Einwilligung des Reichstags notwendig ist. Gingen die verbündeten Regierungen auf diesen Plan ein, so könnte es im Reichstage recht angeregte Unterhaltungen geben!— Mit einem„Wahlsälschungs"-Prozcß hatte sich am Montag die Strafkammer zu Wiesbaden zu befassen. Zwei Arbeiter aus Hasselbach i. T., die in Frankfurt a. M. arbeiten und in ihrem Wohn- ort wie in ihrem Beschäftjgungsort in die Wählerliste eingetragen worden waren, hatten bei der letzten ReichstagSwahl im vorigen Jahre bei der Hauptwahl ihr Wahlrecht in Frankfurt, bei der Stichwahl aber in Hasselbach, das zum Wahlkreis Höchst-Usingen gehört, ausgeübt. Durch irgend einen Denunzianten erlangte die Staatsanwaltschaft Kenntnis von dieser Thatsache und leitete gegen die beiden Arbeiter ein Strafverfahren ein. Denn sie erblickt darin eine„Wahlfälschung". In Frankfurt— so kalkuliert sie— war der socialdemokrattsche Kandidat seinem Gegner um 13 000 Sttmmen voraus, dort kam es daher auf einige Stimmen nicht an; in dem Wahlkreise Höchst aber war der gegnerische Kandidat mit 8000 Sttmmen gegenüber dem socialdenwkrattschen mit 13000 Stimmen nur um 5000 Sttmmen zurückgeblieben, es bedurfte also dort aller Anstrengungen der Partei, wenn es ihr gelingen sollte, sich in der Stichwahl zu behaupten. Deshalb hätten die beiden Arbeiter bei der Sttchwahl nicht in Frankfurt, sondern in Hasselbach gewählt. Die Strafkammer in Wiesbaden, die mit der Sache betraut wurde, konnte darin nichts Ungesetzliches erblicken, umsomehr, als die beiden Arbeiter sich vorher über die Rechtmäßigkeit ihrer Handlungsweise bei der städtischen Auskunftsstelle Rats geholt hatten, und lehnte die Er- öffnung deS Hauptverfahrens ab. Aber die Staatsanwaltschaft be- stand auf ihrem Schein und auf erhobene Beschwerde an das Ober- landesgericht Frankfurt wurde das Hauptverfahren gegen die beiden „Sünder" eingeleitet. Und zwar lautet die Anklage auf Bergehen gegen§ 108 des Strafgesetzbuches. Die Arbeiter bestreiten naturlich jede Schuld und behaupten, alles Mögliche gethan zu haben, um sich Gewißheit über die strittige Frage zu verschaffen und nur im besten Glanben gehandelt zu haben. Aber Arbeitern glaubt ein Staatsanivalt bekanntermaßen viel weniger wie einem kaiserlichen Hofmarschall. Er operiert mit dem dolus eventualis und sagt, die Leute seien sich ganz zweifellos des„Ungesetzlichen" ihres Thuns bewußt gewesen: sie hätten sich dessen bei objektivem Denken wohl bewußt sein können. Das Gericht hatte bereits fast eine Stunde über die Sache verhandelt und schien zu einem fteisprechenden Erkenntnis gekommen zu sein. da beantragte der Staatsanwalt die Vertagung der� Verhandlung und die Vernehmung des Wahlvorstehers in Hasselbach als Zeuge darüber, daß er die beiden Arbeiter bei der Stichwahl auf die Un- gesctzlichkeit ihrer Wahlausübung j» Hasselbach aufmerksam gemacht habe. Um diesen Antrag konnte der Gerichtshof nicht herumkommen und so mußte dem Vertagungsantrag stattgegeben werden. Man darf gespannt sein, wie dieser ,Wahlfälschungs"'Prozeß ausgeht.— Kostbare Erfahrungen des russisch-japanischen Kriege?. Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung", das Organ der Flottenlieseranten, kündigt an, die Regierung werde bei der nächsten Flotten« Vorlage auch Mittel für den Bau eines„ Werkstätten- s ch i f f e s" verlangen müssen, das fünf bis sieben Millionen kosten werde. Auch ein neues Schießpulver ist erfunden worden, das eine„bedeutend stärkere brisante Wirkung" hat und dem japanischen Schimose-Pulver ähnlich sein soll. Die österreichische Regierung macht jetzt Versuche damit, aber auch andre Staaten sollen der Wiener„Zeit" zufolge an die Einftihrung des neuen wirkungs- volleren Schießpnlvers denken. Das neue Pulver hat unter anderm die gute Eigenschaft, daß man bei seiner Einftihrung auch neue Gewehr läufe braucbt, mit deren Herstellung sichj die Firma Gebrüder B ö h l e r u. Cie. beschäftigt.— Freisinniger Antiscmitcndiciist. Ein bezeichnender Fall von der feigen Reckmungsträgerei freisinniger Kreise vor den schlechtesten Instinkten der Äntisemiterei hat sich jüngst in Königsberg zu- getragen. Die Frau des dortigen Oberbürgermeisters Körte schrieb dieses Brieflein: Sehr geehrte Frau Kirschner! Bei nochmaliger reiflicher Ueberlegung hinsichtlich Ihrer Anstellung muß ich Ihnen mitteilen, daß ich die Bedenken, die ich von Anfang an gegen die llebenjabe der Leitung a n eine Schwester jüdischer Konfessron hatte, nicht fallen lasten kann. Frau Dr. Stern hat sich bemüht, mich dazu zu überreden— sie meinte, ich kennte die Königsberger Verhältniste nicht—, was ja, da wir erst seit einem Jahre hier leben, sehr begreiflich ist. Ich hatte aber gestern und heute Gelegenheit zu verschiedenen Rücksprachen mit Männern, die seit Jahren hier im öffentlichen Leben stehen, dabei vor- urteilsfrei und erfahren sind. Sie bestätigen mir, daß meine Sorge, daß sich unsere neue Krippe in Arbeiter- kreisen schwerer einbürgern würde, wenn eine Dame Ihrer Konfession sie leitete, berechtigt sei, und das müssen wir natürlich bei einem neuen Unternehmen vermeiden. Ich bedauere furchtbar. daß wir eine so tüchtige Kraft wie die Ihre verlieren, bezweifle allerdings nicht, daß für Sie nnsre ärmliche Krippenstelle kein Verlust ist, da Sie wohl sicherlich bessere Anstellungen finden können. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Auguste Körte. Rührend ist die Sorge der Frau Oberbürgermeisterin um die „Arbeiterkreise". Diese werden die jämmerlich kleine Sorge der ftei- sinnigen Wohlthätigkeitsdame am allerletzten teilen. Das im Briefe gemeldete Verfahren kennzeichnet nur die Freifinnskreise, unter denen Oberbürgermeister Körte hervorragt; er ist Mitglied der Freisinnigen Volkspartei und Parteigenosse des Herrn Rettor Kopsch. Da gelten Männer als vorurteilsfrei, die den niedrigsten Vorurteilen des Antisemitismus scheue Dienstfertigkeit beweisen, an- statt ihnen aufrecht entgegenzutreten.— Die Kieler Reichswerft. K i e l. 23. Juli. Massenhafte Arbeiter-Entlassungen hoben in der letzten Zeit auf der kaiserlichen Werft stattgefunden trotz aller Lobgesänge, die kürzlich bei der Beratung des Reichsmarine-Etats von Beamten des Mprineamts zu Ehren der Socialpolitik dieser Musterwerften angestimmt worden sind. Allein in den letzten drei Monaten sind über 400 Mann entlassen worden, an einem Tage in dieser Woche wurde 180 Mann gekündigt, und weitere Kündigungen stehen bevor. Durchweg handelt es sich bei diesen Entlassungen und Kündigungen um Arbeiter des Restorts III, Schiffsbau. Unter den Betroffenen finden sich Leute, die seit langer Zeit, bis zu 12 Jahren, auf der Werft beschäftigt find; sogar ein Veteran, der seit 3 6 Jahren dort arbeitet, ist darunter. Ueber den Grund der Entlassung wird den Leuten nichts mitgeteilt. Es wurde sogar Einzelnen, die be- schcinigt haben wollten, daß sie wegen Mangels an Arbeit entlasten worden seien, dies rundweg abgeschlagen und chr Schein nur mit der Bemerkung„ordnungsgemäß entlassen" versehen. Die„Kölnische Zeitung", der über diese„umfangreichen Ent« lassungen" aus Kiel berichtet wird, teilt über die Veranlassung der harten Maßnahmen amtlich mit, daß die Reichswsrften,„um den Privatwerften die Schiffsneubauten zuzuwenden, und die An- forderungen. die die steigende Zahl der Kriegsschiff« stellt, zu befrie- digen", ganz überwiegend als Reparaturwerk st ätten ver- wandt werden sollen. Es sei deshalb nötig, das Schiffsbaurestort der Werft zu vermindern. Mit den Entlassungen sei die Arbetter- zahl erreicht, die das Ressort dauernd behalten werde. Die Entlastung sei stets mit sechswöchiger Kündigung erfolgt, damit die Schiffsbauer sich auf den Privatwerften Beschäftigung sichern könnten. In diesem Jahre habe das Reichsmarineamt den Reichswerften nur den Bau ziveier kleiner Kreuzer,„Ersatz Meteor"(Kiel) und„Ersatz Alexandrine"(Tanzig) zugeteilt. Daß aus Rücksicht auf die Privatwerften die kolossalen Reichs- betriebe zu Repararurwerkstätten degradiert werden sollten, begreife, wer kann. Allerdings haben die Privatwerften, wie auch in der Budgetkommission des Reichstags zur Sprache kam, über die hohen Löhne, die die Rcichswerften angeblich ihren Arbeitern zahlen. wiederholt beweglich Klage geführt. Aber diese hohen Löhne existieren, das wies die Denkschrift, die der Metallarbeiter-Verband anfangs dieses Jahres an den Reichstag richtete, ziffernmäßig nach, bloß in den amtlichen Lohnstaiisttken der Wcrftverwaltungen. Ueberdies er- innert man sich wohl noch der famosen Rede des Kieler Werftbaurats Hüllmann von der Zufriedenheit der Danziger Werftarbeiter bei Hering und Kartoffeln. Auf diese legendären hohen Löhne der Reichswerften berief sich auch stets das Marineamt, wenn ihm vor- gerechnet wurde, daß die Staatswerften teurer bauten, als die Privatwerftcn. Daß die in den Staatsbetrieben fertig gestellten Schiffe das Reich teurer zu stehen kommen, als die auf Privatwerften erbauten, ist übrigens richtig, aber der Grund liegt nicht in den hohen Löhnen, sondern in dem schwerfälligen Burcaukratismus der Ver- waltung, der Materialverschleuderung und der verfehlten Konsttuk- tionen, die auf den Rcichswerften an d«r Tagesordnung find. Aber diesen Klagen über die teuren Schiffe dadurch Rechnung zu tragen, daß man überhaupt keine Schiffe auf den Rcichswerften mehr baut, ist denn doch die reine Doktor Eisenbarth-Methode. Auch in dem jüngst erschienenen Jahrgang des„NauticuS" kommt ein Fachmann auf die Arbeiterverhältniste auf den Rcichswerften zu sprechen. Er deutet an, man habe in den Jahren der günsttgen Konjunktur mehr Arbeiter im Schiffbau angestellt, als man eigentlich brauchte, um so einen großen Stamm geübter Schifisbauarbeiter her- anzubilden. die man zur gegebenen Zeit den Privatwerften zur Ver- sügung stellen könnte. Zur Verfügung stellen— das heißt, daß man sie aus den„Mustcranstalten" herauswirst und sie auf dem Arbeitsmarkt die Löhne drücken läßt. So oder so— mag die Lesart des„Nauticus" richtig sein oder die des Ofiziosus der„Kölnischen Zeitung"—: liegt nicht in der unglaublichen Rücksicht auf den heiligen Profit des Privatkapitals, den beide dem N�lchsmarineamt unterstellen— einer Rückficht auf Kosten der Arbeiter" e,ne llauz ungeheuerliche Anschuldigung, welche die strengste Beachtung der Oeffentlichkeit erheischt? Di-„N-rddruffche". Da? Organ der in Königsberg verurteilten psseuwschen Regie« rung findet nunmehr Kraft zu einer Acußening über den Prozeß� In weiteren acht Tagen wird-S genua gettafttgt lem. � auch über das Attentat auf Plehwe das Sprüchlein zst sagen, bl-her hat eS noch keine Meinung zu den Lehren dieies EreigilisteS. Die„Norddeutsche" übernimmt ��Mtstelllmgen des Gerichtshofes, soweit sie sich gegen die schweigt dagegen über die vor aller Oeffentlichkeit festgestellte grenzenlose Blamage des preußischen JusttZMimsterS. der em außerordentliches Strafversahren mit semer Autontat deckt, ohne zu er» kennen, daß die juristischen Grundlagen dafür überhaupt nicht vorhanden sind. Sie schweigt über alle(onstigen rechtlichen und politischen Offenbarungen des Prozesses. ®!c„Norddeutsche" erfreut sich, daß ein Geheimbund festgestellt ist. Gie vergißt, daß sie durch ihre freudige Zustimmung die Berliner Polizeibehörde und die Berliner Staalsanwaltschaft aufs schwerste lonrpromittiert, welche seit Jahren diesen erschrecklichen Gcheimbund im„Vorwärts"- Keller duldeten und die Geheimbündler gewähren ließen. Die„Norddeutsche" betrachtet es auch als festgestellt, daß „die deutsche organisierte Socialdemokratie, welche die Angeklagten als ihre Werkzeuge benutzte", sich gegen Rußland bethätigt hat; that- sächlich aber hat selbst das Gericht diese Behauptung nicht erweisbar erachtet und thatsächlich ist sie ebenso unwahr wie es wahr ist, daß allerdings nach diesem Königsberger Prozeß nicht mehr nur einzelne Genossen, sondern die gesamte Socialdemokratie in aller Oeffcnt- lichkeit der russischen Socialdemokratie hilfreich sein mutz. Schließlich erfreut sich die„Norddeutsche", daß das Gericht, Wenn es auch aus den— im Interesse des Justizministers von der ».Norddeutschen" verschwiegenen— formell juristischen Gründen nicht verurteilen konnte, doch die Angeklagten objektiv schuldig der Vor- bereitung zu hochverräterischen Handlungen gegen Rußland erachtet habe. Die„Norddeutsche" unterschlägt hier, daß die Angeklagten ausdrücklich die Verbreitung von nicht- socialdemokratischen, dem Terror huldigenden Schriften abgelehnt haben, und daß sie, soweit solche Schriften bei einzelnen von ihnen ge- funden wurden, überhaupt nicht in der Lage gewesen sind, den In- halt dieser Schriften zu lesen. Schließlich wendet sich das offiziöse Organ, freilich der freisinnigen „Königsberger Hartungschen Zeitung" folgend,„gegen die Sucht der Socialdemokratie, aus dem Königsbergcr Prozeß e i n politisches Sensationsdrama zu gestalten und sich damit ein grandioses Agitationsmittcl zu verschaffen". Dazu ist lediglich anzumerken, daß die Socialdemokratie dieses grandiose Agitationsmittel nicht sich selbst, vielmehr dem Eiser der Polizei und der Justiz in Königsberg, dem preußischen Jnstizminister und dem Kanzler des Deutschen Reiches zu danken hat. Unsre Behörden sind stets überaus besorgt, daß der Socialdemokratie die grandiosen Agitationsnlittel nicht ausgehen.— Hudland. Der Bruch mit dem Vatikan. Paris, 3t). Juli. D e l c a s s s sandte noch gestern abend zwei Noten an den französischen Geschäftsträger beim Vatikan. Die erste derselben ist ftir M e r r y bei V a l bestimmt, und es wird darin mitgeteilt, daß der Ministerrat den Abbruch der diplomatischen Be- Ziehungen mit der Kurie beschlossen habe. In der zweiten Note wird der französische Geschäftsträger aufgefordert, nach Paris zurückzu- kehren, da seine Mission beendet sei. Sofort nach lieber- Mittelung der Note an den Vatikan wird die französische Regierung den Nuntius ersuchen, den Boden Frankreichs zu verlassen. Ein Gelbbuch mit den Telegrammen, welche zwischen dem Vatikan und der Regierung gewechselt worden sind, wird un- vcrzüglich veröffentlicht werden, damit die Mitglieder des Parlaments die Angelegenheit beizeiten prüfen können. Sämtliche Zeitungen betrachten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem päpstlichen Stuhle als vollendete That fache. „Figaro" meint, der Abbruch der Beziehungen sei nur eine vorläufige Lösung der Frage, die entweder die Trennung von Kirche und Staat oder die Wiederaufnahme der Beziehungen nach kürzerer oder längerer Zeit zur Folge haben müsse.. S o l e i l" erklärt, iil seiner Rolle als Verteidiger der Doktrin und Hüter der Disciplin könne der Papst nicht nachgeben, da er nicht abdanken kann. „Libre Parole" glaubt, die entschiedene Haltung des Papstes werde dem anmaßenden und herausfordernden To», den das Ministerium zunächst noch anschlage, allmählich ein Ende machen. „Aurore" giebt der Genugthuung über den, wenn auch spät eingetretenen Bruch Ausdruck. Der Papst sei wirklich über die ge« wöhnlichen Grenzen hinaus als Angreifer aufgetreten.„Lanterne" und„Action" sehen den Bruch als erste Etappe auf dem Wege zur Trennung an, die die notwendige Folge sein müsse.. P e t i t e Röpublique" beglückwünscht den Ministerpräsidenten zu seiner Festigkeit. Jedes Zögern hätte eine Zurückweichung bedeutet. „Humanitö" teilt mit, der Beschluß des Ministerrats bezüglich des Abbruchs der Beziehungen sei einstimmig gefaßt worden. Es wird ferner gemeldet, daß alle auf den Bruch mit dem Vatikan bezüglichen Schrift st ücke im „Journal officiel" veröffentlicht werden sollen. Es heißt, der Sekretär der Nuntiatur habe Paris noch nicht verlassen, er hatte den Auftrag, etwaige auf der Nuntiatur eingegangene Schriftstücke entgegenzmrehmen. Man glaubt, daß der Kardinalstaatssekretär durch den Botschaftssekretär de Courcel noch im Laufe des gestrigen Abends von dem Beschlutz des französischen Kabinetts durch eine Note Kenntnis erhalten habe. Gleichzeitig sollte er der Kurie mitteilen, daß die französische Botschaft beim Vatikan geschlossen worden ist. Aus Rom wird vom 30. Jnli gemeldet: Der Sekretär der französischen Botschaft beim päpstlichen Stuhl, de Courcel, hat sich heute früh zum Vatikan begeben und wird morgen nach Frankreich abreisen. Paris, 30. Juli. Ministerpräsident Combes hat in einem Schreiben an den Bischof von Dijon diesem erklärt, er habe eine schwere Verletzung des Konkordats begangen, indem er seine Diözese ohne Erlaubnis der Regierung verließ, und hat ihm die Sperrung seines Gehalts von dem Tage seiner Abreise ab angekündigt. Rom, 30. Juli. Der„Osservatore Romano" veröffentlicht heute abend folgende Note: Die französische Regierung hat in der That- fache, daß einige autorisierte Mitteilungen des Papstes, die lediglich disciplinarer Natur sind, an einige französische Bischöfe gerichtet wurden, eine Verletzung des Konkordats erblicken zu müssen ge- glaubt; daher hat die französische Regierung beschlossen, den offiziellen Beziehungen zum heiligen Stuhle ein Ende zu setzen und heute morgen den Kardinal-Staatsselretär von diesem Beschluß in Kenntnis gesetzt. Rom, 30. Juli.(W. T. B.) D«r Sekretär der französischen Botschaft beim päpstlichen Stuhle dcl Courcel ist heute abend nach Paris abgereist. Heute vormittag hatte er eine 20 Minuten währende Unterredung mit dem Kardinal-StaatSsckretär Merrh del Val, über welche sich der Papst sogleich von letzterem Bericht erstatten ließ. Alsbald nach der Unterredung traf dcl Courcel die Anordnungen zu seiner Abreise. Das Eintreffen des Nuntius Lorcnzelli in Rom wird unniittelbar erwartet._ Oesterreich-Ungarn. Ein kranker Erzherzog. Wien. 29. Juli. Eine mysteriöse, aber anschemcnd sehr schwere Krankheit hat den Erzherzog Otto, den zweiten Mffen des Kaisers Franz Joseph, befallen. Man erfährt dies aus dem gestrigen Verordnungsblatt für das k. und k. Heer, in welchem die Enthebung des Erzherzogs vom Kommando der Kavallerietruppen-Divlsion», Wien verlautbart wird. Die Enthebung, so ist in der Verordnung zu lesen, ist auf Grund des vom Erzherzog aus Gesundheitsrücksichten gestellten An- suchenS erfolgt. Welches schwere Leiden hat nun den Herrn Erzherzog gezwungen, auf seine militärische Verlvendung zu ver- ichten? Der Erzherzog ist bereits seit dem Fr»h,ahr von Wien abwesend, aber man hat nicht recht geglaubt, daß es wirklich nur.Gesundheitsrücksichten"»varen. die ihn bestimmt hatten. iuniitten des stärksten gesellschaftlichen Lebens Wien zu verlassen und die Riviera aufzusuchen. Vielmehr witterten die Leute, die sich für das Privatleben der Mitglieder der Dynastie interessieren, daß der Erzherzog zu der plötzlichen und so lang andauernden Reise veranlaßt worden ist— Ivas nämlich nicht das erstemal ge- wesen wäre. Der Erzherzog Otto hat eben das Pech, daß sich an seine Person so merkwürdig pikante Klatschgeschichten knüpfen. Die berühmte Geschichte von einem„hohen Offizier", der die bezechten Kameraden ins Schlafzimmer seiner Frau führte, das gar nicht leer war, ist seiner Zeit im Abgcordnetenhause sehr deutlich erzählt worden. Und über den Grund der letzten Riviera-Reise des Erz- Herzogs verbreiteten boshafte Leute ein Histörchen, das zwar nach einigen Monaten halbamtlich dementiert wurde, vielleicht seither aber erst allgemeinen Glauben gefunden hat. Danach soll der Herr Erzherzog in einem Cbarndrs söparee des für solche Unter- nehmungen sehr tanglichen Hotel Sacher mit zwei Damen— sagen wir: Damen— soupiert und zur Erhöhung der fest- lichen Stimmung den Nackt zwang proklamiert haben. Als er sich dann in der Toilette des biblischen Adams— wohlgcmerkt: der vor dem Sündenfall— befunden habe und das Zimmer verlassen mußte, habe er nur seinen Czako aufgesetzt und seinen Säbel umgeschnallt— was ihn zwar militärisch ausgerüstet, aber doch nicht ausreichend bekleidet erscheinen ließ. Auf dem Rücklveg habe er dann sein Zinnner verfehlt und sei in ein andres geraten— welches es war, darüber giebt es einige Versionen—, dessen Insassen durch das neuartige Kostüm recht verblüfft waren. Nach einer Angabe soll es ein ausländischer Diplomat mit Frau und Tochter gewesen sein.... Kurz, die Affaire wurde bekannt, kam dem Kaiser zu Ohren und der Erzherzog wurde in die Verbannung geschickt. Aber, wie gesagt, die Geschichte ist amtlich dementiert ivorden. Und woran leidet nun der Erzherzog? Das wissen wir nicht. Aber mitgeteilt wird, daß er sich jetzt in Bad Hall befindet, dessen Jodquellen von Aerzten oft ordiniert werden. Aber wie käme wieder der Erzherzog, der Gatte und Vater ist. dazu, solcher Ordinatton zu benötigen? Das ist das Rätsel, das nun alle guten Patrioten quält.... Frankreich. General Negrics Partherpfcil. Paris, 23. Juli.(Eig. Ber.) Die Hocharmee giebt wieder einmal Zeichen ihrer reaktionären Unzufriedenheit. Die Politik des Kabinetts Combes behagt ihr„ ebensowenig und aus denselben Ursachen, wie dem Papst, der Kirche und den Klerikalen. Dazu gesellt sich für sie eine specifisch berufliche Ursache des Grolls, die Affaire Dautriche und Konsorten, die Verhaftung der vier General- stabsfälscher, die Strenge der in alle Winkel des Fälschernestes hineinleuchtenden Untersuchung. Das Vaterland verlangt also von neuem heroischen Opfermut von seinen betreßten und besternten Söhnen. General de Negrier, Mitglied des Höheren Kriegsrates und Armee-Jnspektor, hat das Beispiel des patriotischen Martyriums gegeben— ganz im jesuitisch-krummen Geiste der Hocharmee. Eine wirklich rettende Schilderhebung hat unbedingt die Jnter- essen des lieben Vaterlandes vorzuschützen. Der General giebt dem- gemäß seine Demission unter dem Vorwande der Verwahrlosung der Grcnzvcrtcidigung an den Vogesen— an den Vogesenl Daß er, der jahrelange Armee- Inspektor, die angebliche Ver- Wahrlosung gerade erst jetzt gewahr worden ist, ist natürlich der reine Zufall. Ebenso zufällig ist der Umstand, daß der Held sich aufopfert just zwei Monate vor der gesetzlichen Altersgrenze, die ihn so wie so in den Ruhestand verweist. Billige Lorbeeren sind auch Lorbeeren. Und die echten Patrioten werden es schon verstehen, den Preis des zweimonatlichen Soldverlustes in schwindelnd erhobene Höhen hinaufzuschrauben. Es heißt noch, daß Negrier den Anspruch erhoben hätte, über die Altersgrenze hinaus im aktiven Dienste zu verbleiben auf Grund seiner Befehlshaberrolle„vor dem Feinde", nämlich in der Tonkin-Expcdition von 188S, während der schmählichen Niederlage von Langson. Nachdem dieser Wunsch ihm abgeschlagen worden war, hätte er seine vaterlandsretterische Demission eingereicht. Wie dem auch sei, Kriegsminister Andre hat den hinter- hältigen Hieb Negriers vollauf verdient. Denn er selbst hat dem reaktionären General zu seinem neuesten Streich Gelegenheit gegeben. Negrier hatte bekanntlich 1899, zur Zeit des Renneser Dreyfus- Prozesses, ein regelrechtes und umfassendes Pronunciamiento gegen das Verdienst Waldeck-Rousseaus organisiert. Er wurde deswegen vom Kriegsminister G a l l i f f e t gemaßrcgelt. General Andrte aber hat ihm wieder den hohen Posten in Gnaden zurückgegeben. Negriers Dank dafür ist der Parthcrpfeil der vaterlandsrettenden Demission. Nach der Versicherung der„Humanite" steht Negriers Streich in Verbindung mit einer Schilderhebung, die von zahlreichen Generalen geplant werden oll.— Italien. Die Auslieferung des Lieutenants Wessel. Rom, 28. Juni. Die Genueser Arbeiterzeitung„Lavolo" veröffentlicht eine Anfrage an den Oberstaatsanwalt des Appellhofes von Genua:„Ist es wahr oder nicht, daß auf dem Ihnen von der Regierung zugestellten Dossier Wessel folgende vom Jnstizminister eigenhändig geschriebenen Worte standen:„Man will der Affaire Wessel eine politische Färbung geben, um sie dem Publikum sympathisch zu machen. Der Beweis daftir liegt in der Wahl eines socialistischen Verteidigers, des Rechtsanwalts Orazio Raimando." Wahrscheinlich wird der Herr Oberstaatsanwalt rnif diese indiskrete Frage nicht antworten. Genosse B i s s o l a t i hat der Kammer- Präsidentschaft eine Interpellation über die Auslieferung Wessels zugesandt. Der„Avant i" behauptet, daß die italienische Regierung in diesem Jahre heimlich auch zwei russische Flüchtlinge ausgeliefert hätte, die nach Sibirien verschickt wurden. Was antwortet Giolitti auf diese Anklage? England. Die parlamentarische Nachwahl in Oswestry. London, 28. Juli.v erdet Euch doch nicht fürchten vor diesen drecki- gen, verfluchten Asiaten, die hergekommen find, um Euch zu quälen und zu schinden. Na das gicbt es nicht und Furcht, die kennen wir überhaupt nicht, wir Preußen. Drum auf Ihr Handwerker, nehmt den Ambos An der Karambolagen-Ecke Gollnow- und Neue Königstraße kam es gestern nachmittag wieder zu einem Zusammenstoß zweier Fuhr- Werke, welcher eine ausgedehnte Verkehrsstörung zur Folge hatte. Innerhalb weniger Minuten stauten sicli an der Gollnow-, Neue König- und Linienstraße einige vierzig Fuhrwerke, die einen fast unentwirrbaren Knäuel bildeten. Selbst der Straßenbahnbetrieb stockte. Um den Verkehr zu regeln, mußten Schutzleute nach der Karambolagen-Ecke beordert werden, dock, dauerte es nahezu fünf- zehn Minuten, ehe es gelang, den regulären Verkehr wieder aufzu- nehmen. Mit dem Leben bezahlt hat der 27 Jahre alte Postbote Karl Hagenstein aus der Gubcnerstraße 12a eine Ausschreitung gegen seine junge Frau. Hagenstein, der dem Postamt 18 in der Lichten- bergerstraße angehörte, war erst seit drei Monaten verheiratet. Am Donnerstagabend hatte er sich zum erstenmal während der kurzen Ehe betrunken. Die junge Frau machte ihm darüber Vor- Haltungen und erhielt von ihm eine Ohrfeige als Antwort. Als Hagensrein am Freitagmorgen in seinen Dienst ging, hatte er die itcberzeugung gewonnen, daß er seiner Frau Unrecht gethan habe und bat sie um Verzeihung. Die Frau entgegnete:„Daß Du mich geschlagen hast, kann ich Dir nicht verzeihen." Beide Eheleute ver- ließen nun die Wohnung: der Mann ging auf das Postamt, die Frau nach ihrer Arbeitsstelle in der Frankfurterstraße, wo sie Jacketts nähte. Nach seiner Bestellung verließ Hagenstein das Postamt, wurde vom Poslamtsvorsteher vermißt und in der Wohnung gesucht, da er einen auffallenden Zustand von Schwermut hatte er- kennen lassen. Die Wohnung wurde gewaltsam geöffnet, als H. sich nicht meldete, und man fand ihn leblos an der Thürklinke hängen. Turch ein durchgehendes Gespann getötet wurden gestern morgen um 8 Uhr zwei Personen, während eine dritte leichte Verletzungen davon trug. Der Kutscher Rudolf Crewel aus der ftastanien-Allee 20 lenkte ein vor einen leeren Geschäflswagen gelegtes junges Ge- spann des Steinsetzmeisters Dillos aus der Jnvalidensttaße 141 aus diesem Grundstück hinaus. Vor Nr. 11 gingen die jungen Tiere durch, der 43 Jahre alte Crewel wurde vom Wagen geschleudert, der ihm über den Kopf ging. Man trug ihn auf das Grundstück Nr. 11, wo er unter den Händen eines Arztes starb. Den nach westlicher Richtung wciterrasenden Pferden warf sich vor Nr. 41 der 27jährige Kur,cher Otto Preuske aus der Sonntagftraße 6 ent- gegen, dem das gleiche Schicksal wie Crewel beschieden war. Er wurde umgerissen und der Wagen ging ihm über die Brust. Schutz- leute brachten ihn nach der Unfallstation, wo er nach einigen Minuten starb. Die Tiere rannten weiter, Schutzmänner hinterher. und der Schutzmann 5241 wurde bei dem Versuch, sie anzuhalten. eine Strecke weit geschleift. Am Reuen Thor kamen endlich die wilden Tiere zu Fall und konnten eingefangen werden. Der Wagen wurde fast gar nicht beschädigt. Der Kutscher Crewel hinterläßt eine Frau mit zwei Kindern, Preuske war nicht verheiratet. Der Braut in den T-d gefolgt ist der 26 Jahre alte Bureau- gehilfe Arthur Gottschalk aus der Lüneburgerstt. 25. der bei einer Versicherungsgesellschaft beschäftigt wurde. Er und das 22jährige Mädchen Klara Niesar stammen aus Nimschau in Schlesien und sind Nachbarskinder. Aus dem kindlichen Zusammenspiel entwickelte sich bei einem späteren Zusammentreffen in Berlin ein Verlöbnis, das seit 2 Jahren bestand. In der vorigen Woche wurde das Mädchen von dem Dr. B. in der Westfälischen Straße, wo es m Stellung war. nach Halcnsee geschickt. Auf dem Rückwege wurde eS infolge eigner Unvorsichtigkeit von der Straßenbahn derart überfahren, daß ihm der Leib aufgerissen wurde. Diese Verletzung führte zum Tode. An diesem selben Tage wollte die Niesar mit dem Bräutigam zusammen« treffen. Er war schon erregt über das Ausbleiben und las schon am nächsten Morgen, daß ein Mädchen in Halensee verunglückte. Als er bei der Herrschaft die Gewißheit von dem Unglücks- und Todesfall erhalten hatte, packte ihn die Verzweiflung. Cr blieb dem Geschäft fern, schloß sich in seinem Zimmer ein und tötete sich im Bett am Freitagmorgen durch eine» Revolverschnß in das Herz. Als die Polizei gewaltsam in die Wohnung eindrang, fand sie den unglücklichen Mann bereits leblos auf. Die Eltern des Mädchens sind bereits hier eingetroffen und wollen die Leiche nach der Heimat bringen. Gottschalk hat keine Eltern mehr. Ein recht humaner Artcitgcbcr, der die Engen Richterschen Sparrezepte bei seinem ihm unterstellten Personal in die Praxis umzusetzen scheint, ist Herr Waldemar Meyer, seines Zeichens Direktor des im Verlage von Rudolf Mosse erscheinenden Reichs-Adretzbuches. Schon im vorigen Jahre konnten wir die enorm hohen Löhne, wie sie bei der Gesellschaft Reichs-Adrehbuch beliebt werden, einer Würdigung unterziehen. Auch heute möchten wir uns nicht versagen, dem socialen Verständnis des menschen- freundlichen Herrn Direktor gerecht zu werden. Im Betriebe der Gesellschaft ist seit dem Februar v. I. ein kaufmännisch gebildeter Buchhalter beschäftigt, der zu Anfang das königliche Einkommen von 2 M. pro Arbeitstag bezog. Durch mehrmalige Lohnforderungen gelang es ihm, seinen Verdienst bis zu dem in diesem Betrieb schon sehr hohen Satze von 2,75 M. pro Arbeitstag zu steigern. Als nun der Angestellte vor einigen Tagen, um die drückendsten Verpflichtungen erfüllen zu können, den Herrn Direktor um einen ev. Vorschutz von 10 M. ersuchte, wurde ihm von diesem die klassische Antwort zu teil: „Er sei der einzige im ganzen Haus, der mit dem Gclde nicht aus- kommen könne. Wenn er(der Menschenfreund Meyer) sehen würde, datz er sparsam sei und mit dem Gelde auskäme, würde er ihm eine Zulage in Aussicht stellen. Der ob so viel Menschenfreund- lichkeit ganz Verblüffte erlaubte sich freilich noch zu behaupten, datz er ein solches Rcchengenie sich nicht vorstellen könne, er wird jedoch im nächsten Winter einen Kursus in der höheren Rechenkunst belegen, um wenigstens der Aussicht auf Zulage nicht ganz verlustig zu gehen. Wir wollen noch bemerken, datz Herr Direktor Meyer es auch sonst sehr gut versteht, seine kaufmännischen Tage- löhner durch strenge Kontrolle nicht übermütig werden zu lassen. Doppelt verwerflich ist eine derartige Bezahlung der kaufmännischen Angestellten, da der in Frage stehende Betrieb eine Mehrbelastung des Contos Arbeitslohn bei seinen bisher erzielten lleberschüssen wohl verträgt.— Um solchen Praktiken ein Ziel zu setzen, hilft nur eines, und das ist die Organisierung der als Einzelne der Unternehmer- Willkür schutzlos Preisgegebenen. Gerade im Kaufmannsberufe findet man freilich noch immer eine grotze Indifferenz und teilweise Feindschaft gegen die Organisation, bis eben der Einzelne, vom Kapitalismus ausgemergelt und ausgesogen, zur Erkenntnis seiner Klassenlage kommt. Ei» großer Brand wütet seit Sonnabend nachmittag 3Vz Uhr in der Schulzendorfcr Heide bei Tegel. Bis jetzt sind schon ca. 5 Morgen den Flammen zum Opfer gefallen. Ein Mann aus Schulzendorf hat sofort die Tegeler Försterei davon verständigt, und in aller Eile haben sich die Tegeler Förster ausgemacht, um die nötigen Anord- nungen bezüglich der erforderlichen Löschungsarbeiten zu treffen. Auf welche Weise dieser Brand entstanden ist, ist nicht bekannt. Eine Denkmalsenthüllung. Der Verband der Buchdruckerei- Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen hat seinem ehemaligen Mitglied und Verbandsleiter Heinrich Jahns, welcher vor Jahresfrist verstarb, ein Denkmal setzen lassen, welches am Sonntag, den 31. Juli, vormittags 10 Uhr, auf dem Begräbnisplatz der Freireligiösen Gemeinde in der Pappell-Allee enthüllt wird. Der schriftliche Verwaltungsbcricht der„Arbciter-Bangenossen- schaft Paradies zu Berlin", der in mehrfacher Beziehung sehr inter- essant ist und die autzerordentliche Entwicklung der Genossenschaft im letzten Jahre erweist, erschien soeben. Derselbe gelangt in der heutigen ordentlichen General-Versammlung im Gewerkschaftshause zur Verteilung.__ Der Sternenhimmel im August. Das Bild der Fixsterne, das wir entwerfen, gilt, wie immer in unsrer monatlichen Uebersicht, für den 1. des Monats um 10 Uhr abends, für den 15. bereits um 9 Uhr und für den 31. schon um 8 Uhr abends; es entspricht dem Anblick, den der Fixstcrnhimmel vor einem Monat um Mitternacht darbot. Fast scheitelrecht über uns, nur schwach nach Süden geneigt (10 Grad), erblicken wir einen hellen Stern erster Grötze, die Wega, von der direkt nördlich der P o l a r st e r n steht. Oestlich von der Wega zieht die M i l ch st r a tz e vorbei, die nicht mehr eine nördliche, sondern eine schwach nordöstliche Richtung hat; sie be- ginnt bereits am südsüdwestlichen Himmel, schneidet südlich von der Wega den Meridian und zieht sich in nordnordöstlicher Richtung am Osthimmel entlang. Nordöstlich von der Wega, direkt in der Milchstratze, steht der helle D c n e b, ein Stern zweiter Grötze, der hellste vom Sternbild des S ch w a n s. Weiter nördlich, eben- falls in der Milchstrahe, stehen die IVförmig angeordneten fünf Sterne der C a s s i o p e j a, und ganz tief im Norden, am West- rand der Milchstratze, schimmert der Stern erster Grötze aus dem Sternbild des Fuhrmanns, Capclla. Zwischen Cassiopcja und Capclla steht in der Milchstratze und östlich von ihr je ein Stern zlveiter Grötze, die zum Sternbildc P e r s e u s gehören. Zwischen Cassiopeja und Pcrseus liegt eine vom 8. bis 12. August besonders bemerkenswerte Stelle am Himmel, der sogenannte Radiation s- oder Aus st rahlungspunktder Perseiden, ein Schwärm von Meteoren, der alljährlich in den Nächten vom 8. bis 12. August die Erdbahn kreuzt und sich durch zahlreiche Sternschnuppen be- merklich macht. Ihre Bahnen, rückwärts verlängert, schneiden sich sämtlich in dem Ausstrahlungspunkt, der im Laufe der Nacht höher und höher rückt und gegen 4 Uhr morgens scheitelrecht über uns steht. In den ersten Nachtstunden ist also der östliche Himmel be- sonders zu beachten; falls keine Wolken den Himmel verdecken, wird die Erscheinung der Thränen des heiligen Laurentius, wie diese Sternschnuppen im Volksmunde genannt werden, vcr- mutlich recht glanzvoll werden, da sie vom Mondlicht nicht be- einträchtigt wird; denn am 11. August ist Neumond, der Mond also während der ganzen Nacht nicht am Himmel. Oestlich vom Perseus, ganz tief im Nordosten, hat sich auch der hellste Stern des Widders, ein Stern zweiter Grötze, über den Horizont erhoben; noch tiefer, in den ersten Tagen um 19 Uhr noch nicht sichtbar, steht der grotze Planet Jupiter, der von Tag zu Tag früher aufgeht; am Ende des Monats ist dieses prächtige Gestirn fast die ganze Nacht, 8 Stunden lang, am Himmel sichtbar. Der schöne, helle Stern, dessen ruhiger Glanz die am hellsten funkelnden Fixsterne weit übertrifft, mutz sofort jedem auffallen. der seinen Blick zufällig nach der Gegend des Himmels richtet, an welcher er steht. Dieser Planet, der die Erde an Grötze 1280mal übertrifft, ist von fünf Monden begleitet, von denen vier schon in einem schwachen Fernrohr sichtbar sind; mit stärkeren Fernrohren sind auch Details(Einzelheiten) der Oberfläche zu erkennen. Richten wir den Blick von der Wega statt nach Nordosten nach Südosten, so stotzen wir am östlichen Rande der Milchstratze auf den A t a i r, gleich der Wega ein heller Fixstern erster Grötze im Stern- bild des Adle r. Weiter südöstlich stehen nur Fixsterne dritter Grötze am Himmel; zwischen ihnen schimmert aber ein überaus heller Stern, der zwar den Glanz des Jupiter nicht erreicht, im Fernrohr aber ebenfalls zu den interessantesten Objekten gehört: es ist der zweitgrötzte Planet, der Saturn. Im Fernrohr erblickt man an ihm eine einzig dastehende merkwürdige Erscheinung, ein System von Ringen, das sich um ihn herumzieht. Der Saturn steht jetzt die ganze Nacht hindurch am Himmel, um Mitternacht ist er im Süden zu finden, von wo er nach Südwesten hinüberrückt, wo er gegen Ende des Monats schon vor Tagesanbruch untergeht. Auch der drittgrötzte Planet, der II r a n u s. steht jetzt am Himmel; allerdings ist dieses astronomisch in mancher Hinsicht inter- essante Gestirn mit blohem Auge kaum noch zu erkennen; es steht um 19 Uhr abends tief im Süden, schon nach der westlichen Seite des Himmels hinübergerückt, direkt in der Milchstratze, für das un- bewaffnete Auge gerade noch als Stern sechster Grötze sichtbar. Mit einem kleinen Fernrohr ist der Uranus leicht zu finden; östlich von ihm, gerade im Süden, steht ein Stern zweiter Grötze, vom Sternbild des Schützen, und weiter westlich, alo� im Südwesten, steht der rot funkelnde Antares, ein Stern erster Grötze vom Sternbild Skorpion. Am Westhimmel fällt ferner der ebenfalls rötlich funkelnde Stern erster Grötze Arkturus auf, und im Nordwesten steht die bekannte Gruppe des Grohen Bären oder Wagen. Von Planeten wird autzer den schon genannten am Morgen- Himmel der Mars im Nordosten sichtbar, am Abendhimmel er- scheint gegen Ende des Monats im Westen auch für kurze Zeit noch die Venus als Abend st e r n. Ter Mond hat am 4. August sein letztes Viertel, am 11. August ist Neumond, das erste Viertel wird am 13. August erreicht, und Vollmond herrscht wieder am 26. August. Die Tageslänge nimmt im August mit der tiefer steigenden Sonne beträchtlich ab; am 1. August steht sie 15V- Stunden über dem Horizont, von V-5 Uhr früh bis 8 Uhr abends, am 31. August nur noch 13V. Stunden, von V.6 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Im Zoologischen Garten beträgt der Eintrittspreis am heutigen Sonntag 59 Pf.; 5linder unter zehn Jahren zahlen die Hälfte. Ab vier Uhr nachmittags konzertieren im Garten zwei Gardc-Kapellen. Auf dem bekannten„Arena-Terrain" beim Elefantenhause wird überdies heute zum ersten Male das Riesenexemplar eines See- Elefanten zu sehen sein, eines Ozcanungetüms, welches das Walrotz an Grötze und Schwere übertrifft und zu den grötzten Selten- heften des südlichen Polarmeeres zählt. Im Garten des Belle-Alliance-Theaters beginnt heute Sonntag das Konzert, schon um V-5 Uhr, die Specialitäten-Vorstellung um V-7 Uhr. Das Konzcrtprogramm sowohl wie das des Specialitäten- Teiles enthält nur die hervorragendsten Nummern. Am Montag tritt ein durchweg neues P r o g r a m in in Kraft, von dem ins- besondere Mdmlle. G e r a r d mit ihren Zwergponnies zu erwähnen ist. Das kleinste Pfcrdchen wiegt 98 Pfund. Im Passage-Panoptikum ist jetzt täglich eine Fülle von Sehens- Würdigkeiten zu sehen und ist für Abwechselung reichlichst gesorgt. Das Bärcnweib, das mit Recht das Naturwunder des 29. Jahr- hundert genannt wird, erregt das Interesse aller gesellschaftlichen Kreise. Tie geheimnisvolle Illusion Aga, der lauge Josef erfreuen sich andauernd des grötzten Zuspruches, auch die Gedankenleser Nada und Mnemos und der Zauberkünstler Huberti ernten lebhaften Beifall für ihre Darbietungen. Der Eirkus Sarrasani hat seinen Marstall jetzt um mehrere ganz hervorragende echte Seeländer Schecken und Tiger vermehrt, welche täglich in den vielbesuchten Vormittagsproben zur Vorführung gelangen. Die hinter dem Zelt aufgefahrene Wagenburg wird übrigens demnächst durch Aufstellung eines Restauration-Spezial- Wagens, den der Oekonom Herr Rieth mit seinem Zelt verbinden wird, einen besonderen Reiz erfahren. Augenblicklich steht wieder der Sprung des berühmten menschlichen Känguruhs Nelson über einen geschlossenen Landauer auf dem Programm, eine einzig da- stehende Sensation, die den Vorzug hat, ohne Konkurrenz dazustehen. Heute Sonntag finden zwei Borstellungen statt, für welche Direktor Stosch-Sarrasani ein Gala-Festprogramm bestimmt hat. Hus den Nachbarorten. Weißensee. Bei der Rechnungslegung für das Jahr 1993 kam es in der letzten Gemeindevertrcter-Sitzung zu grotzen Auseinander- setzungen zwischen einzelnen Vertretern und dem Gemeinde- vor st eher Klingender g. So wurde angefragt, ob es wahr sei, datz der Gemeindevorsteher seiner Zeit mit 599 M. Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung belegt sei, ob er durch seinen Posten auf der Rennbahn während der Dicnststundcn noch Nebeneinkünfte habe und ob er beim Verkauf eines Grundstücks an die Gemeinde dieses in Kommission gehabt und seine Prozente erhalten habe. Auf die erste Anfrage erwiderte der Herr Vorsteher, datz die 599 M. keine Strafe, sondern eine Nachbesteuerung gewesen seien, auf die dritte Frage antwortete er, ob der Fragesteller beim Verkauf eines Grund- stücks nicht auch seine Prozente erhalte, er habe in diesem Falle als Privatperson gehandelt. Auf den Einwand, datz der Gemcindevor- steher zugebe, Provision erhalten zu haben, verweigerte derselbe über jede weitere Frage die Auskunft. Ein Gcmeinde-Verordneter erklärt, datz der Herr Vorsteher dasselbe Grundstück 14 Tage vorher, bevor der Kauf mit der Gemeinde abgeschlossen sei, ihm zum Preise von 2499 M. pro Morgen angeboten, die Gemeinde aber beim Kauf 3999 M. pro Morgen habe zahlen müssen.— Es wird vorgeschlagen, die An- gelegenheit nicht auf sich beruhen zu lassen, sondern der vorgesetzten Behörde hiervon Kenntnis zu geben.— Tie Jahrcsrcchnung weist eine Einnahme von 129 924,73 M. und eine Ausgabe von 115 982,92 Mark auf, so datz ein Bestand von 13 941,83 M. verbleibt. Ripdorf. Großes Aufsehen erregte seiner Zeit ein Fall, welchen Genosse Dr. Silberstein im März d. I. in einer Stadtverordneten- Sitzung zur Sprache brachte. Der Arbeiter Nentwig aus der Lessing- stratze 69 hatte seine beiden Kinder im Alter von 2 bezw. 3 Jahren einige Wochen im Waisenhause unterbringen müssen, da seine Frau im Krankcnhause lag, er selbst aber arbcits- und mittellos war, mithin den Kindern eine angemessene Pflege nicht zu teil werden lassen konnte. Als N. dann wieder Arbeit bekam und die Kinder zurückholte, befanden sich dieselben in einem entsetzlichen Zustande. Das 2jährige Kind starb noch am selben Tage und Dr. Silberstein, der als Arzt zugezogen war, beantragte auf dem Totenschein gericht- liche Obduktion. Das zweite Kind wies Verletzungen und Striemen auf, die Dr. Silberstei» auf Mihhandlungen zurückführen zu müssen glaubte. Er forderte daher eine eingehende Untersuchung des Falles, die auch vom Magistrat zugesagt wurde. Seitdem hatte man von der Angelegenheit nichts wieder gehört, bis jetzt in der letzten Magistratssitzung mitgeteilt wurde, datz das in dieser Sache ein- geleitete Strafverfahren vor kurzem eingestellt worden sei. Der Magistrat will noch näheres hierüber veröffentlichen. Man darf gespannt sein, wieso die Untersuchung im Sande verlaufen ist.— Der neue R ix d o r fe r Gcmeinde-Friedhof liegt bekanntlich am Maricndorfer Wege auf Tempelhofcr Gebiet. Die grotze Entfernung von der Stadt macht den Besuch des Friedhofs recht beschwerlich, namentlich für die vielen Tausende, die zu Futz dahin wandern müssen, da eine Stratzenbahn nach dem neuen Kirchhos zwar längst vertraglich gesichert ist, aber nicht angelegt werden darf, weil dem Polizei-Präsidenten von Berlin hierzu die Breite des Mariendorfer Weges nicht genügt. Der Magistrat hat daher mit den Anliegern genannten Weges Verhandlungen eingeleitet, welche darauf abzielen, die Stratze zu verbreitern und neu zu pflastern. Ein Teil der Besitzer ist auch einsichtig» genug, das erforderliche Terrain an die Stadt auflassen und die' Regulierungskosten über- nehmen zu wollen, da dann natürlich auch der Wert ihrer Grund- stücke erheblich gesteigert wird. Ein andrer Teil der Anlieger ist aber für nichts zu haben und stellt im Gegenteil Forderungen an die Stadtgemeindc. Unter diesen Umständen wird wahrscheinlich das ganze Projekt des Magistrats scheitern und unsre Einwohnerschaft noch lange auf die ersehnte Stratzenbahn warten können. Tegelort. Profitgier. Man schreibt uns: Seit einigen Jahren ist die Gegend des Tegeler Sees und besonders die idyllisch gelegene Kolonie Tegelort zum Ausflugsort vieler Berliner geworden. Wasser und Wald bieten den in Fabrik und Werkstatt thätigen Bürgern die Möglichkeit, sich des Sonntags oder während der Ferien- zeit zu erholen, ohne datz grotze Ausgaben notwendig sind. Zur bequemeren Beförderung stehen am Hafen in Tegel Dampfer bereit; zwei verschiedenen Unternehmern ist die Konzession erteilt: der Span- dauer Dampfschiffahrts-Gesellschaft und Carl Holtz-Tegel. Letzterer hat schon vor 16 Jahren die Verbindung zwischen Tegel und Heiligen- see aufrechterhalten und damit wesentlich zum Emporblühen der dortigen Kolonieen beigetragen.„Vater H o l tz" ist auf den Gewässern der Havel und des Tegeler Sees eine bekannte und beliebte Persönlichkeit. Zwischen beiden Konkurrenten entstanden sehr bald Gegensätze, unter denen das Publikum zu leiden hatte._ Ein Hasten und Jagen der Dampfer, um sich gegenseitig die Kundschaft abzunehmen, hatte zur Folge, datz die Sicherheit der Beförderung schwer beeinträchtigt wurde. Eine Anzahl Zusammenstötze der Dampfer sind auf jenes Conto zu setzen. Durch die Vermittlung des Gemeindevorstehers von Tegel wurde dieser unhaltbare Zustand im vorigen Jahre insofern geändert, als ein beiderseitiges Ueberein- kommen bezüglich der Fahrten festgesetzt wurde. Trotz der vor« genommenen Erhöhung des Fahrpreises war das Publikum damit einverstanden, weil hierdurch die Sicherheit des Verkehrs gehoben und die Fahrzeiten innegehalten wurden. Jetzt scheint nun wieder die leidige Profitgier dazu führen zu sollen, datz der Verkehr eine Verschlechterung erfährt. Um sich der Konkurrenz zu entledigen, hat die Spandauer Gesellschaft an den Wirt des„Leuchtturm s" das Ansinnen gestellt, das Anlegen des andern Unternehmers nicht zu gestatten. Dieser hat im Interesse des Publikums diesem Wunsche nicht Rechnung getragen, und nunmehr hat die Gesellschaft diesen Wirt boykottiert und hat in unmittelbarer Nähe der-- B a d e- a n st a l t eine neue Anlegestelle geschaffen. Der Besitzer derselben sowohl wie die zahlreichen Sommergäste sind davon nicht besonders erbaut, da durch das Anlegen der Dampfer allerlei Fett und Unrat der Badeanstalt zugeführt wird. Aber hauptsächlich im Interesse des Publikums und des grotzen Verkehrs erscheint es unverständlich, wie ein polizeilich konzessioniertes Verkehrsinstitut einfach den für diesen Sommer aufgestellten Fahrplan ignoriert und aus Gründen rein materieller Art Aenderungen in der Beförderung beliebt. Hoffentlich lätzt sich das Publikum eine derartige Behandlung nicht gefallen. Von einer folgenschweren Gcwitterkatastrophe ist vorgestern das von Ausflüglern viel besuchte Dorf Lanke bei Bernau heimgesucht worden. Dem Gewitter voraus ging ein orkanartiger Sturm, durch welchen in den ausgedehnten Waldungen zwischen Lanke und Bernau einige Tausend Bäume entwurzelt oder geknickt wurden. Stellenweise ritz der Orkan förmliche Wege und Lichtungen in den Forst. Auch das Dorf selbst wurde schwer heim- gesucht, Fenster zertrümmert, Dächer beschädigt und Zäune um- gelegt. Die Obstbäume, soweit sie nicht gebrochen wurden, sind der Früchte beraubt, und die Obsternte ist so gut wie vernichtet. Kaum, datz sich der Sturm etwas gelegt hatte, folgte ein Wolkcubruch. Innerhalb weniger Minuten glichen die Felder, die infolge der Trockenheit nur schwer Wasser zogen, einer tosenden See. Auf einem Acker ritz das Wasser eine Grube von etwa 4 Meter Durch- messer und 2V- Meter Tiefe. Auf den Kartoffelfeldern wurden Früchte freigelegt und fortgeschwemmt, Ackerterrains vielfach der- artig verschlammt, datz die nächste Aussaat in Frage gestellt ist. Die Rüben- und Gemüsefelder sind ebenfalls durch das Wasser be- schädigt worden. Die Fluten ergossen sich von den Feldern ins Dorf und führten ungeheure Sandmassen mit sich. Sie drangen in die Kellerräume, die zum Teil bis zu einem Meter versandeten, und auch die Strassen wurden mit einer dichten Sandschicht bedeckt. Fnhrenweise mutzten die Sandmengen fortgeschafft werden. Die Wege sind von fuhtiesen Furchen durchzogen, zum Teil für den Fuhrvcrkehr, inpassierbar, und selbst der Futzgängervcrkehr wurde durch die Wirkungen der verheerenden Katastrophe erschwert. Es bedurfte und bedarf ununterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht, um die Folgen des Univetters zu beseitigen. Vermiscktes. Budapest, 39. Juli. Durch eine Feuersbrunst wurde gestern me Grotzgemeinde Madar im Komitat Komorn nahezu völlig vernichtet. Durch tolle und tollwiitvcrdächtige Tiere find nach einer Statistik des Kultusministeriums iin letzten Jahre in Preußen 397 Per« sonen verletzt worden, und zwar 211 männliche und 96 weib- liche. Die Verletzungen wurden durch 194 Tiere(183 Hunde, 6 Katzen, 2 Kühe und je 1 Pferd, Schwein und Schaf) hervorgebracht. 231 der Verletzten(— 91,5 Proz.) suchten behufs Vornahme der Schutz- impfung das Institut für Infektionskrankheiten in Berlin auf. Es starben von den Geimpften vier Perionen(=- 1,42 Proz.), von den 17 ärztlich Behandelten starb einer(---- 5,88 Proz.), ebenso von den 9 nicht ärztlich Behandelten(— 11,1 Proz.). Das Ergebnis der Behandlung der Verletzten init der Pasteurschen Lymphe ist demnach ein recht günstiges. Infolgedessen hat auch das Vertrauen der Be- völkerung zu der Schutzimpfung wieder eine weitere Zunahme gezeigt. (Höchen-Spielplan der Berliner Cheater. Neues königl. Opern- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Sonntagabend: Die Fledermaus. Montag: Der Zigeunerbaron. Dienstag: Orpheus in der Unterwelt. Mittwoch: JBIe Fledermaus. Donnerstag: Der Bettelstudent. Freitag: Die Geisha. Sonnabend: Tann- häuser-Parodie. Sonntagnachmittag: Der Zigeunerbaron. Sonntagabend: Tannhäuser-Parodie. Montag: Unbestimmt. Schiller-Theater tt.(Wallncr-Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Sonntagabend: Der polnische Jude. Montag: Postillon von Lonjumeau.(Bötel.) Dienstag: Der polnische Jude. Mittwoch: Die weihe Dame(Bötel). Donnerstag: Der Prophet. Freitag: Der Troubadour. (Bötel.) Sonnabend: Der polnische Jude. Sonntagnachmittag: Die Eni- sührung aus dem Serall. Sonntagabend: Die Hugenotten.(Bötel.) Montag: Der polnische Jude. Neues Theater. Sonntag: Geschlossen. Von Montag allabendlich: Einen Jux will er sich machen. Theater des WcsteuS» Sonntagnachmittag: M-Heidelbcrg.(Ansang 21li Uhr.) Sonntagabend: Liebcshandel. Montag: Licbeshandel. Dienstag: Mamzellc Nitouche. Mittwoch: Liebcshandel. Donnerstag: Liebes- Handel. Freitag: Mamzelle Nitouche. Sonnabend: Liebeshandel. Sonntagnachmittag: Alt-Heidelbcrg. Sonntagabend: Liebcshandel. Montag: Unbestimmt. Berliner Theater. Von Sonntag ab allabendlich: Der Zapfen- streich. Kleines Theater. Sonntag: Geschlossen. Montag: Nachtasyl. Dienstag: Fräulein Julie. Mittwoch: Märtyrer. Liebesträume ze. Donnerstag: Fräulein Julie. Von Freitag ab: Nachtasyl. Nesidenz-Thcater. Sonntag: Geschlossen. Von Montag ab all- abendlich: Die 399 Tage. Belle-Illliance-Thcater. Allabendlich: Winter-Thmian. Carl Weiß- Theater. Sonutagnachmittag: Der Weg zum Herzen. Sonntagabend: Der Weg zum Herzen. Von Montag bis aus weiteres: Geschlossen. Central- Theater. Allabendlich: Einakter aus Reuters Werken. Stadt- Theater Moabit. Allabendlich: Grotzstadtzauber. Ansang 8 Uhr. Äpollo-Theater. Mabendlich: Venus aus Erden. Specialitäten. Ansang 8 Uhr. Metropol- Theater. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Edith Helena. Hcloise Titcomb. Specialitäten. Ansang 8 Uhr. Passage-Theater. Terka Scmmelvff. Anfang 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Urania-Theater. Taubenstratzc 48/49. Sonntag: Die Weltausstellung in St. Louis. Der Gardasee. Dienstag und Mittwoch: Die Welt- ausstellung in St. Louis. An den Seen Oberitaliens. Ansang 8 Uhr. Töpfer■¥ räger Berlins and Umgegend. Verband der San-, Crd- a. gewerbl. Hilfsarb. Deutsch!. Montag, den 1. August, abends 8 Uhr, im Gcwerkschaftshause. Engel-Ufer 15. Saal 5: V ersammluiig sämtlicher bei Töpfern beschäftigten Träger. Tages-Ordnung: 1. Welche Vorteile bot uns bisher der Verband der Bauarbeiter und das Verhalten einzelner Kollegen betr. Gründung eines Fachvereins. 2. Diskussion. 3. Verbandsangeleoenheiten. Alle Kollegen, insbesondere die Kollegen Bentier und IN. Unens sind hierzu eingeladen. Ebenso ist die Leitung der centralorganisierten Töpscr hierzu eingeladen. Die Ortsverwaltnng 33/19» des Verbandes der Bauarbeite». Parteigenossen! DienStag, den S. Angust 1904, abends SV» Uhr, im Palast-Theater(friiher Feenpalast), Burgstraße(Ecke St. Wolfgaugstraße): PsrKvi»NsrssmnHinnF. Tagesordnung: I. Der internationale Kongreß in Amsterdam. Referent: Reichstags- Abgeordneter Molkenbnhr. 2. Anträge. 3. Diskussion. 4. Wahl von drei Delegierten. 2/380" Zahlreichen Besuch erwarten IM« Vertrauensleute. Ms! EemMhatten! M Mittwoch, den 3. Angnst 1903, abends 8 Uhr: Oeff entliehe Versammlung aller dem Berliner Qemerkschaftskartell und der freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften angeschlossenen Organisationen von Berlin und Umgegend in Kellers Festslilen, Koppenstrasse 39. Tages-Ordnung: 1. Parlamentarismus und Generalstreik. Referent: Genosse Dr. R. Frledeberg. 2. Diskussion. 8. Der 1. Mai als Weltfeiertag»nd die Stellung der Freien Vereinigung deutscher Gcwerk- schaften. Referent: Genosse F. Kater. 4. Diskussion. 292/3* Die Mitglieder obengenannter Gewerkschaften werden daraus aufmerksam gemacht, daß sie in dieser Vcr- sammlung erscheinen müssen; es gilt der'Arbeiterschaft der ganzen Welt zu bekunden, aus welchem politischen wie gewerkschaftlichen Standpunkt unsre Vereinigung steht I Uder Ansschnss des Berliner Gewcrkschaftskartells. I. A.: Jonny Hinricheen. Die Ocschaftskommlsslon der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften. I. A.: Fr. Kater. Achtung! Putzerl Achtung! Des am 7. August stattfindenden Sängerfestes wegen findet die für diesen Tag fällige ÜT Mitglieder- Versammlung der Lektion äer Nutzer des Central-Verbandes der Ma am Sonntag, den 31. Juli, vorm. 10 � Nhr, in den Arminhallen, Kommandantcnstr. 20, Mit folgender Tages-Ordnung statt: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1904. 2. Situationsbericht und Anträge des SektionsvorstandeS. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch der Versammlung ersucht 134/4*_ Die örtliche Verwaltung. I. A.: tl. tleumann. nrer Deutscher Metallarbeiter verband. Hanpt-Bnrean: Enj Verwaltungsstelle Berlin. el Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsi sy Arbeitsnachweis Amt IV, 3353. recher Amt IV, 9670. Achtung I Zwecks Renovierung bleibt die Bibliothek ewige Wochen geschlossen. Wir ersuchen, die entliehenen Bischer baldigst abliefern zu wollen. Je schneller dies geschieht, desto eher kann auch die Bibliothek nach der Renovierung wieder geöffnet werden. 113/14* Die Orts Verwaltung. Orts f Krankenkaff e de» JKanrergewerbes zu Serlin. Hierdurch giebt der unterzeichnete Vorstand auf Grund des§ 67 des Kassenstatuts den Mitgliedern und Arbeitgebern bekannt, daß die in der Generalversammlung vom 27. 4. 04 beschlossene erste Abänderung deS Kassenstatuts vom 24. 11. 03 und zwar§ 42,— betreffend Entschädigung der Vorstandsmitglieder sür den ihnen durch Wahrnehmung von Terminen und äußeren Kaffengeschäften entgehenden Arbeitsverdienst und Erstattung notwendiger durch die Amtsführung erwachsender barer Auslagen,— durch Beschluß des Bezirlsausschusses vom 12. 7. 04 genehmigt worden ist und mit diesem Tage w Kraft tritt. Druckexemplare dieser ersten Abänderung gelangen im Kaffenlolal zur Verteilung. Llb Berlin. 30. Juli 1304. Der Torstand. A> Daehne, Vorsitzender, A. Kelpln, Schriftführer, _ Pflugstr. 17._ Dcmminerftr. 25._ Restaurant Pferdebucht m Köpenick empfiehlt sich den Vereinen, Parteien, Dewerleecbaften, Gesellschaften, Fabriken und Schulen zu Landpartien.— Herrlich im Eichenwald gelegen, gemütlicher Auscnthall, solide Preise.[5629L*� W.Wolter. Sandpartie- Vereins- Verlosungsgegenstände, Lampions-, Papiermtitzen, Radau- Instrumente in hervorragend.'Auswahl. Aussergewöhnlich billig z. B. Transparente, Stocfclaternen Dutzend 45 Pf.[58022* Bernhard Keilich, Größt. Spielwarengeschäft Deutscht. Gr.Hambnrgerstr. 31/33 Ecke Oranienburgerstrasse. —— 19 Schaufenster.—— Die Gemeinschast der Eigenen Kaplan basbaeh und die Treundesliebe. 20 Pf. Diese kleine Flugschrift ist ein neuer interessanter Bei- trag über das Wesen der rein psychischen Homosexna lität und ein wertvolles Dokument für die Abschaffung des ß 175 des Strafgesetzes. Sie ist von der Berliner Poli- zei für den Straffenhandel verboten worden.— jlarl Schneidt hat in der„Zeit am Montag" eine ausführliche Besprechung über sie gebracht. Paatcr Philipps und die 10 Pf. Eine[ylut unflätiger Angriffe und Schimpsercien in der reaktio- nären Presse ist die einzige Ant- wort aus diese Schrift gewesen. Sie richtet sich gegen den be- kannten GottcSstrciter, der jetzt den internationalen Sittiichkeits. Kongreß nach der heiligen Stadt Köln berufen hat. 53782* Nie Straffreiheit der Ejleiciigeseiiieelitiielieii Liebe. 10 Pf. Sämtliche Schriften sind direkt zu beziehen gegen Boreinsendung des Betrages und Portos von:'Adolf Brand, Charlottenburg, Wilhelm- platz Nr. la. m-i Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltnngsstelle Berlin. Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5._ Fernsprecher: Amt IV, 3353. Montag, den 1. August, abds. 8'/, Uhr, im Kolberger Salon, Kowergerstr.23: Versammlung der Jormer und Bernfsgenosscn Tages-Ordnung: 1. Der Streik bei Schwartzkopff, Referent: Aug. Plath. 2. Diskussion.— 3. Verbandsangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet_ Tie Ortsverwaltuug. Achtung! ir i n.» Derband der Dan-, Erd-«. gtiverbl. Hilfsarbeiter Deutscht Mittwoch, den 3. August, abends«'/, Uhr: Saudeputierten-Versanrnihing im Gewerkschastshause, Engel-Ufer 15(Saal 7). Tages-Ordnung: 1. Die Mißstände in untrem Berus. 2. Die Notwendigkeit deS Bau- deputierten-Shstems. 3. Verschiedenes. Kollegen! Unsre heiligste Pflicht ist es, für Verbesserung der augenblick- lichen Verhältnisse auf den Arbeitsstellen ganz energisch einzutreten. Schüttelt die Gleichgültigkeit ab und sorgt dafür, daß bessere Zustände Platz greisen. Sorgt weiter dafür, daß jeder Bau in dieser Versammlurg ver- treten ist.__ Bio Ortsverwaltnng. jrrafbRofhwBln FurBlutarme u.Kpanke arzMich eipFohlen Fi.150 um flgUberilt zu stall»a in Apotheken, Droguen- und Deli- katessen-Geechäften, steht unter ständiger Kontrolle des Gerichts- Chemikers Dr. C. Bischoff.* Kraut- und Dlumeubinderei von Rohci't Meyer,. nur Mamnuen-Struße 3. VereinS-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, Bouquets, Guirlanden usw. werden sein u. preiswert geliesert Verein 6er Töpfer Berlins und Umgegend Tonntag, den 7. August litOI: Beslehttgima der Volksheüstätte vom Boten Kreiiz am Qrabowsee Abfahrt v. Bahnhof Gesundbrunnen früh 7'!, Uhr»ach Oranienburg. Frühstück in Sandhausen, Restaurant„Waldhaus" von Werdcrmann /früher Woyde). Abmarsch nach Grabowsee lO1/, Uhr. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ist erwünscht, da ew Besuch unsres Kollegen Alf. Pech damit verbunden ist. Der Vorstand. Bildhauer der KodeÜbranebe. Montag, den 1. Angust. abends 8 Uhr: n !r im tSewerkschaftshause» Engel-User 15. Tages-Ordnung: DaS Ergebnis der Besprechung mit den Vertretern der srelen Vfr- cinigimg der Swckgcschäste und Stellung der Gehilsenschast dazu. 22/1 Zahlreichen Besuch erwartet Die Kommission. Cbadottenburg Uolks- Uersammwng für pärcmr und f rauen Mittwoch, den 3. August, abends 8 Uhr, im„Bolkshaus", Rosinenstraße 3. l. Kussisokss, Nordnetrn G�Aen Umü BcniZlcin 2. Diskussion.— Wir erwarten zahlreichen Besuch Die Einberufer. Nmiii der Zimnll Berlius und Umgegend. Zur JVacbricht! Diejenigen Kameraden, welche an der Beerdigung des Genoffen Keßler teilnehmen» treffen fieb fVIontag- nachmittag um 3 Uhr bei Krüger, Vorbergftr. 9. Der Vorftand. Jeden Dienstag u. Donnerstag bis auf weiteres taaBMampför-Wön mit Musik nach Sporthaus Ziegenhals am Erossieu-See. Abfahrt morgens'/,9 und nachmittags 2 Uhr von der Stralauerbrücke, Ecke Waisenbrücke, Kahnt u. Hertzer. Fahrpreis hin und zurück nur 50 Pfennig. 587412' Bux Hörschel. iL CO. ( Veteranenstrasse 1-2) 1000 Blusen ( Brunnenstrasse 17-18) im Werfhe bis G Mk. jetzt IIS 750 Jt Mk. flgf Mk. Räumungs- Preise für Kurzwaaren. Hahnaiteffl Briet es st 1 pi Scblangoa-Räbnailelo�pf. Stecknadeln Brief. 3 8icbelbeIional!eInow.6?f StoMadeln Brw.. 5?. Haarcadeln 2?f. 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Nach jahrelanger Agitation, nach heißen Kämpfe? in Ver sammlungen, in der Presse und im Reichstage erhielten die Bäckerei- Arbeiter durch die Bundesrats-Verorduuiig vom 4. März 1306 den zwölfstündigen Maximal-Arbeitstag. So lange die Verordnung besteht, laufen die Arbeitgeber Sturm gegen dieselbe. Eine zwölf- stündige Arbeitszeit, die nicht einmal durch ein« Sonntagsruhe unterbrochen wird, sondern auf Grund von Ausnahmebestimmungen sogar noch überschritten werden kann, ist nach der Ansicht der Bäcker- meister schon viel zu viel des Guten. Die Bäckerei-Arbeiter da- gegen fordern mit vollem Recht weitergehende gesetzliche Be- stimmungen, welche sie vor der rücksichtslosen Ausbeutung schützen und namentlich die sanitären Mißstände mildern, unter denen die Bäckerei-Arbeiter in besonders hohem Maße zu leiden haben. Daß in den Bäckereibetrieben schreiende Mißstände bestehen, daS ist so- wohl amtlich wie von privater Seite längst festgestellt, aber die Bäckerei-Arbeiter warten immer noch vergebens darauf, daß ihre Arbeitsverhältnisse vom Reichstage etwas erträglicher gestaltet werden. Einzelne Bundesstaaten und Gemeinden sind zwar mit Verordnungen gegen einige der empfindlichsten Ucbelstände im Bäckereibetriebe vorgegangen, aber eilte durchgreifende Besserung kann erst dann eintreten, wenn diese Angelegenheit für das ganze Reich in entsprechender Weise geregelt wird. Es ist das eine Forderung, die nicht nur im Interesse der Bäckerei-Arbeiter, sondern auch im Interesse der Konsumenten erhoben wird, die mit Recht ver- langen können, daß ihnen eine saubere, hygienisch einwandfreie Herstellung ihres täglichen Brotes garantiert wird. Der Verband der Bäcker und Berufsgcnossen Deutschlands erhebt nicht nur seit Jahren die übrigens auch von Socialpolitikern verschiedener Richtung unterstützte Fo.verung auf Erlaß gesetzlicher Schutzbestimmungen, sondern er begründet diese Forderung auch durch unanfechtbare Thatsachen. Erst neuerdings, im Januar dieses Jahres, hat der Verband der Bäcker statistische Erhebungen über die Verhältnisse im Beruf veranstaltet. Die Ergebnisse dieser Statistik sind soeben veröffentlicht worden in einer 189 Seiten starken Broschüre:»Die Lage der Bäckerei-Arbeiter Deutschlands"(Verlag von O. Allmann, Hamburg. Mar- straße 6). Die Statistik stützt sich auf Angaben aus 3133 in 346 Orten Deutschlands verteilten Betrieben, in denen 19 594 Personen be- schäftigt sind. Davon sind 7753 Gehilfen, 225 ungelernte, mit Herstellung von Backwaren beschäftigte Arbeiter, 1115 sonstige Hilfsarbeiter, 1591 Lehrlinge. Es ist natürlich nur ein Bruchteil aller Betriebe von der Statistik erfaßt. In der Hauptsache sind es solche, wo organisierte Bäcker arbeiten. Diese befinden sich vorwiegend in größeren Städten, wo die Verhältnisse im allgemeinen günstiger liegen, wie in kleinen Orten. Dennoch dürfte das Gesamtbild in Wirklichkeit noch viel trüber sein, wie es in der Statistik erscheint. Nach der Bundesrats-Verordnung soll die Arbeitszeit «�cr Bäckerei-Arbeiter nicht mehr als 12 Stunden betragen. Die Statistik zeigt uns, daß diese Bestimmung in 2272 Betrieben inne- Behalten wird, während 869 Betriebe den Maximal- lrbeitstag überschreiten, und zwar bis zu b Stunden täglich. Ja, wir finden sogar 23 Betriebe, in denen täglich 17 Stunden und mehr gearbeitet wird.— Nach der Bundes- s rats-Verordnung soll die Arbeitszeit der Lehrlinge im ersten Lehr- 1 jähre 1 Stunde kürzer sein, wie die der Gehilfen. Diese Vorschrift wird auch nur in einem Teil der Betriebe mnegehalten. In den meisten Betrieben müssen die Lehrlinge ebenso lange, ja oft noch länger arbeiten, wie die Gehilfen.— Die Frage, wieweit Gehilfen und Lehrlinge außer der erlaubten Arbeitszeit mit Nebenarbeiten beschäftigt werden, wird dahin beantwortet, daß die Gehilfen in 276 Betrieben Brot austragen und in 619 Betrieben Holz spalten, Kohlen schaufeln. Mehl abtragen und andre Arbeiten verrichten müssen. Die Lehrlinge tragen in 354 Betrieben Brot aus und ver- richten in 262 Betrieben sonstige Arbeiten. Wohlgemerkt: Außer- halb deszulässigen Maximal- Arbeitstages.— Die Bäckerei-Arbeiter haben durchaus nichts dagegen, wenn sie ge- legentlich auch außerhalb der zulässigen Arbeitszeit Mehl abtragen und ähnliche notwendige Arbeiten verrichten müssen, wenn sie nur für solche besonderen Leistungen auch besonders bezahlt würden. Davon wollen aber die Bäckermeister nichts wissen. Es entsteht die Frage: Wie ist es möglich, daß die durch Ver- ordnung festgesetzte Arbeitszeit in 869 von 3133 Betrieben, also fast den vierten Teil der befragten Betriebe, überschritten werden konnte, da doch die Orts-Polizeibehörden angewiesen sind, in jedem unter die Verordnung fallenden Betriebe mindestens halbjährlich einmal eine ordentliche und nach Bedarf noch außerordentliche Revisionen vorzunehmen?— Die Orts-Polizewehörden befolgen eben nicht immer die Ausführungsbestimmungen der Bundesrats- Verordnung, und die Bäckermeister können in solchen Fällen die Verordnung übertreten, ohne daß sie fürchten müßten, deswegen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Nach den Erhebungen des Bäckerverbandes sind in 175 Orten, aus denen 333 Bäckereien be- richtet haben, überhaupt keine polizeilichen Re- Visionen vorgenommen worden, während auf die übrigen 179 Orte mit 2399 berichtenden Bäckereien insgesamt 3565 Revisionen entfallen. In manchen Orten kommen auf einen Betrieb 3. 4, 6 Revisionen, während in andern Orten wohl einzelne Betriebe revidiert worden sind, andre jedoch nicht. Es entfallen z. B. in Berlin auf 229 Betriebe 299 Revisionen, in K ö l n auf 46 Betriebe 13 Revisionen, in Dresden auf 91 Betriebe 79 Revisionen, in Halle a. S. auf 76 Betriebe 16 Revisionen. Andrerseits kamen in Breslau auf 32 Betriebe 196 Revisionen, in Hannover auf 85 Bettiebe 267 Revisionen, in Frank- f u r t a. M. auf 74 Betriebe 137 Revisionen, in Hanau auf 12 Betriebe 138 Revisionen, in München auf 315 Betriebe 595 Revisionen.— Die Verhältnisse in den einzelnen Orten zeigen, daß da, wo die Polizei die Bäckereien scharf kontrolliert, wenig oder gar keine Mißstände vorhanden sind. Der Bearbeiter der Statistik hält eine erneute Anweisung an die Polizeibehörden für notwendig, da es den Anschein hat. als ob die am 15. April 1896 vom Minister Berlepsch hinsichtlich der Kontrolle erlassene Verordnung in Ver- gessenheit geraten ist. Die Löhne der Bäckerci-Arbettcr stehen in gar keinem Ver- hältnis zu der langen und anstrengenden Arbeit. Bei voller Kost und Wohnung werden durchschnittlich 9,20 M. wöchentlich gezahlt. Rechnet man den Geldwert der vom Meister gewährten Kost und Wohnung mit 3 M. wöchentlich, so ergiebt sich bei einer täglichen Arbeitszeit von 19 Stunden ein Stundenlohn von 24,5 Pf., bei 11 Stunden 22,6 Pf., bei 12 Stunden 29,9 Pf., bei 13 Stunden 19,5 Pf., bei 14 Stunden 13,9 Pf.— Von den befragten Gehilfen sind 28.1 Proz. außer Kost und Logis. Ihr Durchschnittsverdienst beträgt wöchentlich 23,37 M. und stellt sich bei 19stündiger Arbeits- zeit auf 33,4 Pf., bei llstündiger auf 39,7 Pf., bei 12stündigcr auf 23.5 Pf., bei 13stllndiger auf 26,5 Pf., bei 14stündig-r Arbeitszeit auf 24.3 Pf. pro Stunde.— Der größte Teil der Gehilfen, nämlich 3656. erhalten volle Kost und Wohnung im Hause des Meisters und einen durchschnittlichen Wochenlohn von 9.29 M. 763 Ge- Hilfen erhalten halbe Kost und einen durchschnittlichen Wochenlohn von 12,62 M. 1979 Gehilfen bekommen nur Wohnung beim Meister und einen durchschnittlichen Wochenlohn von 13.75 M. 46 Ge- Hilfen, die nur die Kost vom Meister erhalten, beziehen einen Durchschnittslohn von 18,74 M. wöchentlich. 2179 Gehilfen, die sich selbst Kost und Wohnung besorgen, beziehen einen durchschnitt- lichen Wochenlohn von 23,37 M. Die Löhnungsmethoden, bei denen der Meister Kost und Wohnung nicht liefert, finden sich hauptfächlich in größeren Städten, wo did Organisation der Arbeiter festen Fuß gefaßt und auf die Beseitigung des Kost- und Logiswescns hingearbeitet hat. In Altona sind 63 Proz., in Hamburg 48 Proz., in Frankfurt a. M. 78,7 Proz. der Gehilfen außer Kost und Wohnung. In letzterem Ort ist die Abschaffung von Kost und Logis fast ganz durchgeführt, nur 3 Ge- Hilfen haben noch volle Kost und Wohnung beini Meister. Die gänzliche Beseitigung des Kost- und Logiswescns ist eine Forderung, um deren Durchführung die Bäckereiarbeiter in letzter Zeit manchen harten, zum Teil erfolgreichen Kampf geführt haben. Wenn die Meister sich dieser Forderung mit großer Energie wider- setzen, und wenn sie, wie wir das anläßlich des Bäckerstreiks in Berlin wieder gehört haben, behaupten, die Gehilfen seien nirgends besser aufgehoben wie am Tische und in der Behausung des Meisters, so zeigt uns die Statistik ein Bild, welches diese Behauptungen schlagend widerlegt. Daß eine wirkliche Hausgemeinschaft zwischen Meistern und Gesellen nicht besteht, erhellt schon aus dem Umstände, daß die Arbeiter in der Mehrzahl der Betriebe nicht am Tische des Meisters essen, sondern ihre Mahlzeiten in der Küche oder im Back- räum einnehnien müssen, wie das in 69,4 Proz. der befragten Be- triebe der Fall ist. Ans Mehlsäcken, umgestülpten Eimern oder auf dem Backtisch sitzend wird das Mahl eingenommen, wofür in vielen Betrieben nicht einmal eine festgesetzte Pause besteht. Das Fehlen jeder bequemen Sitzgelegenheit sorgt dafür, daß das Essen nicht zu lange dauert. Hinsichtlich derBeschaffenheitderSchlafräume stellt die Statistik fest, daß 3 Proz. derselben neben oder über dem Back- räum, 5,3 Proz. im Keller oder Souterrain und 28,7 Proz. unter dem Dache liegen. 198 Schlafränme werden als zu klein für die Zahl der gleichzeitig darin schlafenden Personen bezeichnet, 297 Schlafräumc sind aus andern Gründen ungenügend. In 173 Be- trieben müssen mehrere Personen in einem Bette schlafen und in 1139 Betrieben fehlt in den Schlafräumcn das notwendigste Mobiliar, worunter ein Tisch, ein Stuhl und ein Kleiderschrank ver- standen wird.— Zahlreich sind die Klagen über die Beschaffenheit der Betten, oder darüber, daß dieselben schlecht oder gar nicht ge- macht werden. Aus Schwerin wird berichtet, daß kein Bei» über- zogen wurde und deshalb viele Gehilfen, mit Krätze behaftet, die Arbeitsstätte verließen. Als in einem Betriebe in Hamburg der neu eintretende Gehilfe für die seit Monaten nicht gewechselte Bett- Wäsche frische verlangte, wurde ihm gekündigt.— Oft wird der Schlafraum als ein feuchtes Loch bezeichnet, in andern Fällen liegt er über dem Schweine-, dem Pferdestall, neben dem Abort, der Dungstätte usw. Während die vorstehenden Ausführungen in erster Linie das Wohl der Bäckerei-Arbeiter betreffen, zeigt uns die Statist! auf der andern Seite Zustände, deren Beseitigung ausschließlich im Jnter- esse der Konsumenten von Backware liegt. Es heißt da unter andcrm: „Wer sich unter einer Bäckerei nette, reinliche Räume borstellt, in denen die Nahrung deL Volkes mit peinlichster Sorgfalt und Reinlichkeit hergestellt wird, ist bitter enttäuscht, wenn er Gelegenheit hat, solche Räume einmal in Augenschein zu nehmen. Ein größerer Kontrast läßt sich wohl kaum denken, als der zwischen den Verkaufs- räumen der Bäckerei, in denen meist größte»Sauberkcit herrscht, und den Lokalen, in denen die Waren hergestellt werden... Aus zahl- reichen Orten wird berichtet, daß die Arbeitsräume verräuchert, die Wände mit Spinngeweben bedeckt, furchtbar naß, dreckig und speckig sind. Solchen Räumen entströmt ein Modergeruch, der durch die nächster Nähe liegende Abortc und Senkgruben noch vermehrt wird. (Königsberg, Königshütte, Goldberg, Altona, Chemnitz, Mainz, Mannheim, Braunschweig, Linden, Elberfeld, Dresden, Hcidel- berg usw.)." Wie die Erhebungen ergaben, liegen 34,4 Proz. der Arbeits- und Backräume im Keller, 5,3 Proz. im Souterrain, 59,0 Proz. im Parterre, der Rest in Anbauten. Eine gut ventilierte, mit ge- nügenden Fenstern versehene Kellerbäckerei wird fast gar nicht an- getroffen, in 443 derartigen Betrieben kann nur bei künstlicher Be- leuchtung gearbeitet werden. Die Zahl der Betriebe, welche Ven- tilationseinrichtungen besitzen, ist sehr gering, nur in 9,9 Proz. der befragten Betriebe sind solche vorhanden. Kleinbetriebe finden sich unter denen, die für Lufterneuerung Sorge getragen haben, nur sehr wenige, meist sind es die von Genossenschaften und Konsumvereinen geleiteten Betriebe, sowie einzelne Brotfabriken, die Wert auf aus- reichende Luftzufuhr legen. Oft werden die Backstuben als Trockenraum, namentlich für Kinderwäsche, benutzt, sie dienen gleichzeitig als Hühner- und Schweinestall, auf dem Backofen werden Kartoffelschalen und Holz getrocknet, in einzelnen Fällen dienen die Backstuben sogar als Küche und Wohnraum. Die Reinigung der Arbeitsräume ist in vielen Fällen eine sehr mangelhafte. Von 194 Bäckereien wird angegeben, daß die Arbeitsräume überhaupt nicht gereinigt werden, und daß Abfälle, Schmutz, Eierschalen, Mehlstaub usw. so lange liegen bleiben, bis einer Reinigung gar nicht mehr aus dem Wege zu gehen ist. In einem Räume, wo Eßwaren hergestellt werden, müßte doch mindestens einmal in der Woche der Fußboden naß aufgewischt werden. Eine solche Reinigung findet aber nur in 32,6 Proz. der befragten Betriebe statt, während in allen andren nur ausgekehrt wird. Eine tägliche gründliche Reinigung erfolgt nur in wenigen Betrieben.— Am stärksten ist die Schmutzerei in Schlesien und Posen, doch ist es auch in Brandenburg, Pommern, Rheinland, Westfalen und Hessen nicht viel besser. Zu dem Kapitel der Unsauberkeiten wird noch berichtet, daß die im Gebrauch befindlichen Brot- und Teichtücher in 1634, das ist 52,2 Proz. der Betriebe entweder nie oder im Jahre ein- bis zweimal gewechselt, beziehungsweise gereinigt werden. In verschiedenen Be- trieben werden als Tücher Mehlsäcke, in einem Betriebe sogar die abgelegten Hemden des Meisters benutzt. In 1499 Bäckereien werden die Brot- und Teigtücher im Durchschnitt zweieinhalbmal im Viertel- jähr gereinigt. Betriebe, die als reinlich gelten wellen, wechseln die Tücher wöchentlich einmal, andre dagegen ein- bis zweimal im Vierteljahr. Wenn schon so wenig Wert gelegt wird auf die Sauberkeit der Arbeitsräume und Geräte, dann darf man sich nicht wundern, wenn auch den Arbeitern nur selten Gelegenheit zu ordentlicher Reinigung gegeben wird. Genügende Wascheinrichtungen sind nur in 367, das ist 11,7 Proz. der befragten Betriebe, vorhanden. In den andern Betrieben steht den Arbeitern zum Waschen nur ein Wasch- decken oder ein Eimer zur Verfügung, worin sich oft 3, 4, 5 und mehr Personen waschen müssen. In 85 Betrieben waschen sich die Arbeiter sogar in Geschirren, die zu Betriebsarbeiten benutzt werden. Auch sonst werden durch die Statistik noch mancherlei Mißstände der verschiedensten Art aufgedeckt. Wir erfahren, daß in 294 Be- trieben der Abort dirett neben dem Backraum liegt, wodurch die Luft in letzterem natürlich nicht verbessert wird, daß der AuSguß der in der Backstube befindlichen Wasserleitung nicht selten als Pissoir be- nutzt wird, daß Spucknäpsc in zwei Dritteln aller Betriebe nicht vor- handen sind, und daß allerlei Ungeziefer, wie Ratten, Mäuse, Schwaben und Spinnen usw., in sehr vielen Backstuben ein unge- hindertes Dasein führen. Das Bild, welches uns die Statistik vor Augen führt, läßt die Verhältnisse in den Bäckereien im allgemeinen nicht besser erscheinen, als wie sie schon oft von berufener Seite dargestellt worden sind. Zum Teil ist es ja der Organisation der Bäckerei-Arbeiter gelungen, die schreiendsten Mißstände, soweit es sich um Löhne und um das Kost- und LogiSwesen handelt, zu beseitigen oder doch zu mildern. Aber wie wir gesehen haben, sind nicht nur die Bäckerei-Arbeiter, sondern das gesamte brotverzchrende Publikum daran interessiert, daß in den Bäckereien Verhältnisse geschaffen werden, die eine saubere und appetitliche Herstellung der Backwaren ermöglichen. Seit Jahren warten die Bäckerei-Arbeiter und mit ihnen die Bevölkerung vergebens auf den Erlaß einer Verordnung, wie sie Graf Posadowsky seinerzeit in Aussicht gestellt hat. Ate verwerflichen Zustände, welche uns die Statistik vor Augen führt, werden nicht eher ein Ende nehmen, als bis dem Schlendrian und dem gemeingefährlichen Eigen- nutz eines großen Teils der Bäckermeister gesetzliche Schranken ge- steckt sind. Es ist ein nicht zu unterschätzendes Verdienst des Ver- bandes der Bäcker, wenn er, um zu diesem Ziele zu gelangen, die bezeichneten Mißstände durch unanfechtbare Tatsachen aufs neue an das Licht der Oeffentlichkeit gebracht hat. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle z« unentgeltlicher Bc> mi im» g für jedermann, Alexandrinenstr. 26, Gattenhaus. Geössnct werktäglich von 5'/, bis 19 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen von 9 bis l und 3 bis 6 Uhr. Reichhaltige Bibliothek und 593 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung. Konsumgenossenschaften Berlins und der Umgegend. Verkauss- stellen: Norden: Swinemündcrstr. 44; Chottncrstr. 46; Buttmannstr. 19: Willdenowstr. 30; Gartenstr. 3.— Moabit: Wiclcsstr. 31; Emdenerstr. 45; Havclbergerstr. 6; Rostockerstr. 21. Schlächterei: Wittstockerstr. 8.— Nordosten: Winsstr. 64.— Osten: Ebclingstr. 14; Krautstr. 7; Liebigstr. 7; Zorndorferstr. 62; Munchcberuerstr. 32.— Osten: Stralauer Slllce 20a.— Südosten: Sorauerstr. 10; Pücklcfftr. 31; Fatckensteinstr. 6; Forsterstr. 4; Michaelkirchplatz 4. Grünkramgeschäste: Forsterstr. 20; Glogauerstr. 3. Mitchgeschäst: Glogauerstr. 27. Bäckereien, Kondttoreicn, Niederlagen: Liegnitzerstr. 22; Forsterstr. 20; Sldmiratstr. 37; Rcichenbergerstr. 153; Görlitzerstr. 68; Glogauerstr. 23; Ratiborstr. 2; Oppclncrstr. 46. Schlächtereien: Glogauerstr. 28; Falckenstcinstr. 18; Liegnitzerstr. 24; Mantcufselstr. 55; Slalitzerstr. 81; Oppelnerftr. 28.— Süden: Gräsestr. 40; Kottbuser Damm 9. Bäckereien: Gräsestr. 12; Gräsestr. 35. Schlächterei: Gräsestr. 13.— Südwesten: Arndtstr. 5; Hagelsbcrgerstr. 20.— Schöne» berg; Llpostel Paulusstr. 27; Gothcnstr. 1.— Charlottenburg: Wistners- dorjerstratze 27; Taurvggencrstr. 10; Polsdamcrstr. 12.— Steglitz: Am Merkt 2.— Groh-Lichtcrjelde: Dürerstr. 37.— Tempelhos: Berlmerstr. 76. Btttz: Werdcrstr. 33.— Rixdors: Zidhenstr. 31; Hobrechtstr. 82; Rosen« straße 4. Bäckereien: Stewmetzstr. 129; Falkstr. 3; Kirchhosstr. 2. Schlächterei: Kottbuser Damm 96.— Treptow-Vaunischulenweg: Banmschulcnstr. 36.— Ober-Schöneweidc: Edisonstr. 4.— Rohannislhal:.Köpnicker«. Ecke Fttcdrich- straße.— Zkummclsburg: Türrschmidtstr. 6.— Lichtenbcrg-FttedrichSberg: Mainzerstr. 4; Franksuttcr Chaussee 48/49.— Neu-Lichleuberg: Wilhelmstr. 9. — Wcißensee: Fricdrichstr. 12; LnnghanSstr. 60.— Adlershos: Hackenbcrg- straße 20.— Alt-Glicnicke: Köpnickcrstr. 32.— Grünau; Kömgftr. 2.— Fricdrichshagen: Fricdrichstr. 38.— Erkner: Königstraße.— Spandan: .tüdenstr. 9; Miltclstr. 13.— Tegel: Schlieperstr. 70.— Zehlendorf: Teltow erstr. 1.— Anmeldungen von Mitgliedern werden in jeder Verkauss- stelle entgegengenommen. Sitzung haben Sonntag: Agitationsverein Stralsund-Franzhnrg-Rngen« Sonntag nach dem Ersten. Verein der Wittstocker. Sitzung jeden ersten und dtttten Sonntag im Monat, abends 6 Uhr, in Mendts Klubhaus, Königsgraben 14 a. Lands- leute willkommen. Lese- und Distntierklub.Nordkante" vormittags 9'/, Uhr bei Bergemann, Gettchtstr. 74. Arbeitcr-Radfahrcrbund.Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuschttsten und Anfragen, den Bund betressend, sind zu richten an den Gauvorfitzenden Karl Fischer, Berlw NW., Waldstr. 8. „Vorwärts" in Ebcrswalde jeden ersten Sonntag, nachmittags 3 Uhr, Restaurant„Zur Kornblume".—„Blitz" m Zcbdenlck jeden ersten Sonn« tag, vormittags 9 Uhr bei Schlegel.—„Frisch aus" in Groß-Bcsten jeden Sonntag vor dem I. bei Witwe Rodominski.—„Hossnmig" in Beelitz, jeden Sonntag nach dem 1. und 15. bei Krüger.—„Vorwätts" in Biesen- thal, jeden Sonntag nach dem 15. bei Jrrgang.—„Tempo" in Jeschkendorf, nach dem 15. bei Krause.—„Frei Radier" in Kirchhain, jeden zweiten Sonntag im Monat bei Wieldes.—„Schwalbe" in Kl. Schönebeck jeden letzten Sonntag bei Clasen.—„Frisch aus" in Lehnin, vor dem 15. bei .Venn. Tage.—„Stern" in Martgraspieske jeden ersten Sonntag bei Wwe. Schneider.— Arbeitcr-Radsahrervereiil Teltow, jeden letzten Sonntag bei G. Krrpsch.—„Freie Radler" in Betschau, nach dem 15. in Seidels Hotel. —„Edelweiß" in Wannsec, nach dem 15. Arbeiter-Schwimmerbund. Ansragen find zu ttchten an F. Menschcl, Weißensec, Röltestr. 131 a.„Vorwärts", vormittags 10 Uhr Pantziersche Badeanstalt, Stralauer Alle«.—„Vorwärts", Zlbteilung Rixdors, vormittags 9 Uhr, Stolzcnburgschc Badeanstalt, Canner Thaufiee.—„Welle"» vor- mittags 10 Uhr, Pantziersche Badeanstalt, Stralauer Allee. Sitzung haben Montag: „Lese- und Diskutierklub Moabit", Bachstein, Salzwedelerstr. 16. —„Leopold Jacoby", Sitzung jeden Montag nach dem 1. und 15. des Monats bei Tabert, Markusstr. 14.—„Lese- und DiSkuiierverew Charlotten- bürg", von 8 Uhr ab VolkshauS, Rosinenftraße. Berei» für Gesundheitspflege des Volkes, Moabit. Jeden zweiten Montag bei Karl Fischer, Waldstr. 8. Arbeitcr-Nancherhnnd Berlins nnd der Umgegend. Aenderungen im VercinSlalender find zu ttchten an Mbett L i e b e t r a u, Berlin, Putbuserstr. 44, 4 Treppen.„Abguß", Rohde, Höchstestr. 30.—„Eintracht", Bleier, istraßnmnnftr. 4t.—„Blaue Schletsc", Bannier, Falckcnsteinstr. 7.— „Mexikaner", Müller, Landsberger Allee 36.—„Aroma", Reimann, Dront- beimerstraßc 5b.—„FidelitaS", Löhtta, Pankstr. 52a.—„Columbus", Blocklinger, Urbanstr. 29.—„Lebensblüte", Niest, Koppenstr. 17.— „Transvaal", Radsack, Ober-Schöneweidc, Edisonstr. 5.—„Brasil", Krebs, Bocckhstr. 2t.—„Lustige Rehberger", Hammer, Müllcrstr. 25.—„Freiheit H", Giese, Zchlendoff, Teltow erstr. 23(jeden 2. Montag im Monat).— „Freiheit I", Freund, Schulstr. 104.—„Grüner Hain", Rott, Sttaßmann- straße 23. Arbeitcr-Radfahrerbnnd„Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuschttsten und Ansragen, den Bund betressend, sind zu ttchten an den Gauvorsitzenden Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8. Arbeiter- Radfahrer- Verein„Rixdors", Bcrgstr. 151/152.—„Fttsch aus" in Spandau, jeden Montag nach dem 15. Frobenstr. 12.—„Kette" in Tegel jeden ersten und dtttten Montag bei P. Krause.—„Fttsch aus" in Kottbus, nach dem 1. und 15. RathauSgäßchen 2.—„Vorwärts" in Drosselt nach dem 1. und 15. bei K. Lcidicke.—„Solidatttät" Franksurt a. O., jeden 1. und 15. im Vorwärts, Brcitesttaße. Arbeiter- Schwimmerbund. Zuschttsten find zu ttchten an F. Menschcl. Weißensee, Röltestr. 131a.„Vorwärts", Damen tub„Vorwärts", „Welle"(Damen- Abteilung), Pantziersche Badeanstalt, Stralauer Allee.— „Aegir", Seebad Reinickendorf. Gesellige ic. Bcreine. Zithcrvcretn„Helvetta", Schöneberg,„Zum Eisenacher", Eisenacherstr. 67.— Vergnügungsverein„Medea",„Zum Schultheiß", Kastanien-Allee 23. Marktpreise von Berlin am 29. Juli. Nach Ermiitclungm des kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Cenwer: Weizen—), gute Sorte 17,50-17,48 M.. mittel 17,46-17.44 M.. geringe 17,42—17,40 M. Roggen—), gute Sorte 13,75—00,00 M., mittel 00,00—00,00 SD!., geringe 00,00—00,00 M. Futtergerste"), gute Sorte 14,60—13,70 M., mittel 13,60 bis 12,70 M., geringe 12,60— 11,70 SD!. Haser"), gute Sötte 16,00— 15,30 SD!., mittel 16,20—14,50 SD!., geringe 14,40—13,70 SD!. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Spcisebohnen, weiße 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 SN. Kartoffeln, neue, 12,00-8.00 M. Richtstroh 4.66-4.16 M. Heu 7,60-5,60 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 SD!. Eier per Schock 4,09—2,40 SD!. ») Frei Wagen und ab Bahn.-) Ab Bahn. Wasserstand am 23. Juli. Elbe bei Aussig— 0,76 Meier, bei Dresden— 2,15 Meter, bei Magdeburg 0,05 Meter.— Oder bei Ratibor— 0,58 Meter, bei Breslau Obcr-Pegcl+ 4,16 Meter, bei Breslau Unter- Pegel 4- 1,84 Meter, bei Franksurt+ 0,15 Meter.— Warthe bei Posen— 9,18 Meter. Witterungsüberflcht vom 30. Juli 199», morgens 8 Uhr. Swwemde. Hamburg Berlin Franfl.a.M. München Wie» 766 767 767 766 768 NW Still NW NO SO 766'W llwolkenl Iwoikenl Iwoitenl Iwoikenl Iwoitenl 2woltcnl Haparanda Petersburg Cork Aberdem Paris 4 halb bd. 1 bedeckt 761 765 OSO woikenl wolkenl 15 20 Wetter-Prognoie für Souutag» den 31. Juli 1994. Heiß und schwül, vorwiegend heiter bei schwachen südöstlichen Windest! Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Welterbureau. Für den Inhalt der Inserate iiberuimmt die Redaktion dem Publik»»« gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbcrtcr. Sonntag, den 31. Juli. Slnsang VI, Uhr: NeneS königl. Opern- Theater. Die Fledermaus. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha, oder Eine japanische Theehausgeschichte. Montag: Der Zigeuncrbaron. Nelle-Alltance. Gastspiel von Emil Winter-Tymians 15 Humoristen und Sängern. Zum Schlug: Ein Polterabendscherz bei Lieutenants. Montag: Dieselbe Vorstellung. Slnsang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Der polnische Jude. Nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Der Postillon von Long. jumeau.(Botel.) Weste». Licbcshandcl. Nachm. 21/, Uhr: Alt-Heidelberg. Montag: LiebeShandcl" Berliner. Zapfenstreich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central. Olle Kamellen. Läuschen und Rimcls. Hanne Nütes Abschied. Jochen Pasel. Ein kleiner Beamter. Dlontag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weis«. Der Weg zum Herzen. Nachm. 3 Uhr: Der Weg zum Herzen. Montag: Geschlossen. Metropol. Ein tollcS Jahr. Montag: Diesewe Vorstellung. Apollo. Venus aus Erden. Special!. täten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stadt-Theater Moabit. Grotzstadt- zaubcr. Montag: Diesewe Vorstellung. Reichshnlle». Gastspiel von Oskar Junghähnels humoristisch. Herren- gesellschast. Montag: Stettiner Sänger. Passage-Tbeater. Terka Seinmeloff. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Tanvenstraste 48/40. Die Weltausstellung in St. Louis. — Der Gardasee. Montag: Diesewe Vorstellung. Jnvalidenstraste 57162. Sternwarte. Täglich geössnet von 7 bis 11 Uhr. 8ekil!er-7dester 0. lWallner-Theater). Morwip-Oper. Sonntagnachmittag 3Uhr Populäre Vorstellung bei hawen und ermätzigten Preisen. vor Frclschtttz. Romantische Oper in 4 Akten von Carl Maria v. Weber. Sonntagabend 8 Uhr: Zum 2. Male: polntavii« Jade. Volksoper von Karl Weis. Montagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bökel. Oer postillon von l-onjumeno. Dienstagabend 8 Uhr: Zum 3. Male: Der poIiUscKe jade. Der grotze Sommcrgarten ist eröffnet. Im Garten des Schiller-Theaters dl. täglich groBos Militär-Konzert. Centrai-Theater 8 Uhr: Einakterabend ans Friü Reuters Werken: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschen und RiemelS. 3. Hanne NüteS Abschied. 4. Jochen PSscl. S. Bräsigs letztes Ständlein. 6. Ein kleiner Beamter. Emil Richard, tgl. Hosschauspieler, a. G. Morgen und solgende Tage: Die- sewe Vorstellung. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. JBontaf, den 1. Aagaat: hinen Jux will er sich machen. Ansang 8 Uhr. DtenStag: Einen tu»«Iii er sich machen. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Montag, den 1. August: Nscktaszkl. Ansang 8 Uhr. Dienstag: Fetlaleln Jalke. Montag nnd folgende Tage: Die 300 Tage. Ansang 8 Uhr. Belle-Ällianee-Theater. Im Theater abends 71/. Uhr: DM- Wegen des unbestritten großen Ersolges noch bis 14. August-- ftftfpiel von Winter-Tgmians Humoristen und Sängern. Urkomische Scencn und Possen I Zum Schluß: Ein Polterabend. scherz bei Leutnants. Im Sommergarten von 4'/, Uhr an: Cnrt Goldniann- Konzert. Von ü'/j Uhr an: Grosse Specialitäten■ Vorstellung nur allererster Attraktionen! DM- Donnerstag, den 4. August: Grosses Wohlthätigkeits-Konzert und Specialttäten-Vorstellung zum Besten de* Nationaldank. Entr« 50 Pjg. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theator: Die Weltausstellung in St Louis. Hierauf: Der Gardasee. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte S/IS: Der unverwunilhare Fakir!! H�SI Die zusammengewachsenen Schwestern Rosa u. Josefa. Passape-Palinii. Das Jtiircnireib, lebend. Der 16jährige Riesenknabe Der lange Josef 217 ctm gross. Nada und Mnemos,-Mg Gedankenleser. Derl-elchenfand. Aga, die schwebende Jungfrau. AUes ohne Extra-Entroe. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Strasse Na. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis; � 25 Pfg.-WU Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. Metropol-Theater Der grösste Erfolg dieses Jahres; Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. 7'/, Uhr: Gr. Gartcnkonzcrt. 8— 91/, Uhr: Lietzte. Aaftroton der Jall- Special Itilten. Robert Steidl mit neaeni Rcpcrtolr. 9'/, Uhr: Venus auf Erden. Operette von Paul Lincke. Carl Weiß-Theater. Große Franksurterstr. 132. Nachm. 3 Uhr halbe Preise. Letzte sonntagnachmittagS-Vorstellung: Der Weg zum Herzen. Abends 8 Uhr letzte Aufführung: Der Weg zum Herzen. Im Garten: Gr. Specialität.- Borstellnng. 4 Uhr._ Fröbels Allerlei-Theater sr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Jthschieds-VorstsIIung der gesamten erfolgreichen Kanst- Speclalttiltcn. Extra> Tanz. Tanzlehrer: Hoppe. Ansang 4 Uhr. Entree 39 Ps. Neue Spiclkoige. Sonnabend. 27. August, für Vereine frei. Morgen, U August; Avis' Gebrüder Herrnfeld-Theater. Morgen. Montag, 1. August: Wieder-Eröffnung. (Xm. Berliner Winter- Sai on.) Kur eine Kacht. Zwei Akte aus einer Ehe. km andern Morgen. Nachspiel zu.Nur eine Nacht-. Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Äassen-Eröffnung 7 Uhr. Vorverkauf täglich 11—2 Uhr. Der große Naturgarten ist geöffnet. amKönigsth., am Friedrichshain 29/32. Tiis»di- Theater VoUeMpp mit Ball. lläsUesecke in Italien. 10 u.:' Gesangsposse m. Tanz v. L.EIy. Mmwö'ch: Kiiiderfttndeitfest. Eatree 30 Pf. Somiab., 13. Aug., ist sür Vereine frei. fvudvicbshaqcn. �]VIUc[C[CircblÖßd)C11� und„StrandfcMoß" mit angrenzendem Älald. Konutug, den 7. August 1904: Dreizehntes Sänger-Test des Arbeiter-Sängerbundes Berlins u. dmgegend. 200 Gtsangvereme. 8 MuMtiptlleii. Sängerftstzug. Mtisstilgtsiinge. Gesangsaufführnngcn unter Leitung des Bundesdirigenten Herrn Blobcl. Jnstrumental-Konzert von früh 8 Uhr ab, ausgeführt vom Neuen Berliner Tonkünstler-Lrchester, Dirigent Herr Hollfelder, und zwei Kapellen der Eivil-Berufsmusiker. Beim Eintritt der Dunkelheit aus dem Müggelsee: Großes Knllailt-Feueriokrk. Von 4Uhr nachmittags ab in beidenLokalen: % Tanz. Herren, die daran tellnehmen, zahlen 50 Ps. Bittet vorher 2« Pf. zzahrverbindung: Dampfergesellschaft„Stern«, ab Jannowitz- brücke und Schlesisches Thor. Fahrpreis 35 Ps. Dampsergesellschast Kahnt u.Herher, Absahrtftelle Stralauer Brücke, Ecke Waisenbrücke: Vormittags: 7, 9 und 11 Uhr; nachmittags: 1, 3 und 5 Uhr. Rücksahrten finden statt, so lange noch Fahrgäste in FriedrichShagen sind. Fahrpreis 30 Ps. Bei beiden Gesellschaften Kinder srei. Rückfahrt von abends 6 Uhr ab mit Kahnt u. Hertzer,„Stern" von 1litO Uhr ab. Bei der Eisenbahn ist sür Extrazüge gesorgt. Die Kaffeeküchen stehen den Damen bis abends 6 Uhr zur Verfügung. Volksbttustigiiilgen aller Art. Bittet an der Kaffe 30 Pf. Billets sind in den mit Plakaten versehenen Handlungen zu haben; außerdem Lei I. Meyer, Urbanstraße 131, vorn IV; P. Hilgert, Oderbergerstraße 39, im Lokal; A. Seikrit, Fidiek» straße 16; H. Naetebusch, Graudenzerstratze 4; M. Sinnecker, Rixdors, Fuldastraße 59, II, und G. Schöntal, Annenstraße 10. DV Für Vereine nur bei Naetebusch."1» Sä ii ger- Festzug von Köpenick nach dem Müggelschloh. Abmarsch von Köpenick und Versammlungsort wird am Sonntag, den 31. Juli, in der Ausschußsitzung bekannt gegebm. Die Vereine werden ersucht, sich recht rege daran zu betelligen. Der Borstand. Heute Sonntag PI? Eintritt: öö Pl. Kinder unter 10 Jahren die Hülste. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär- Doppel-Kotnert. In der Arena: Der See-Eletant. Eintritt vom Garten 20 von der Straße 30 Ps., Kinder unter _ 10 Jahren die Hälfte._ (Mus Sarralani. Grttsster and elejpantester Zelt-Cirku» Europas. Täglich: EtMffement öltMuhtigt» Sloritzplat«. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im große» schattigen Natur- garte» jede» Abend 8 llhr: Konzert, Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends T n m 9 im Kaisersaal:■«a ff 8&n Mr. Nelson Das menschliche Känpruh. Passage-Theater. Terka Semmeloff russische Tänzerin. xaniva, japanische Truppe. Vierzehn erstklass. Nummern. Reichsliallen-Theater. Heute letztes Sommer-Fest. Sonntag, den 14. August 1904 in den Gesamträumen der Arminhallen, Kommandantenstraft« 20, veranstaltet vom Soeialdemokratischen Wahlverein für den 3. Berl. Reichstags-Wahlkreis, Kn. Gcwten-lltansenK. Bal3. Komische Norträge. mit i einer Gesellschaft. Ansang 7 Uhr. Morgen, Montag. Wiederbeginn der Soireen der ZIettiner Sänger. Reichshallen-Restaurant u. Garten: Täglich: Grosses Konzert. Entree inkl. Garderobe 29 Pf.-MF 240/15« Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet._ Der Borstand. Kax" Xliett s Sommer- Theater Hasenlieide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Yorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. ggf Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. MsH 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand sc. In den Sälen:_ Orosser Ball, �»aiissoiicl. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn Täglich im Garte»: Hotfingims Norddeutsche Sänger. Sonntag. Montag, Donnerstag: Nach der Vorstellung: Tanz. Zum Schluß: Mans Tapps. JulH A Landsberger Allee 76/79. Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! im herrliche» Garten od. gr. Saal: Das neue u. beste Programm Berlins, u. a. mit stürmischem Beisall: The 2 Herwoods, American-Exccntric. Tom 4 Bisley, Unbewachte Momente zweier Zulus. Der Wcltfriede, Dressur und Ver- cinigung von Todseindcn zu einem Tableau. The 2 Benares, fens. Luft. sangreck-Akt. F. Brand, Rennert-Stange, Sonor 4 Berard! Die fesche Nannou. usw. Kaffeeküche. Bolksbelustignngen. Bis 2 Uhr:»all. Entree 20 Ps. Sonntags 30 Pf. Ostbahn-Park. Am Kfistrinerplatz. Rüdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Taglich; Gr. Konzert, Theater und Sz»eeialitäten- Korstellung. Ltoroslr. 111/112. Täglich im Garten oder Saal: Vorsts Korddeutsche Kumoristen und Quartett-Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. kons baden tZültizkeit. V. Hösels Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Adel und Nadel, oder: Berlin W. und Berlin Bf. Volksstück aus dem Berliner Leben. Dazu die vorzüglichen Specialitäten. »Ins. 5 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Bei schlechten, Wetter Vorst, im Saal. Flotten-Schauspiele Kurtürstendamm. Strassenbaiin-Verbindung i Linien A, T, V, A/E, 91. Grösste Wasser-Schauspiele der Welt aor 6000 qm grossem See, Wtog..: KSj-f»VtÄ. ♦ Vollständig gedeckte Tribüne. 4 Konzertmnsik. 4 18/11 Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Die Reise darch Berlin in 80 Stuulen. Außerdem daS Sensations-Jnli-Programm. Powe! and Pawel. 4 Clown Loiset. MM- Bagabundrnftreiche"9� der Boitcs Compag/nie. Im Saale: Ball. Numerierter Platz 50 Pf. Sperrsitz 75 Pf. Ansang 4 Uhr. Morgen: Gala-Vorstellung mit Boll- ständig neuem Programm. Th&ater KasMDren-AIIgg 7*9 Täglich: VIneta. Pantomime: Ein ruhiges Zimmer zu vermieten. Satanello-Trio. Wardinis. Clown Steffi. Ball, Konzert, Specialitäten. Aus. 4 Uhr. Eintr.30Ps. Num. PI 50 Ps. 72. Kommandanten- Strasse No. 72. Jede» Sonntag: 54838* ___ GroH�er Bali. Empschle meine drei �estsäle zu Bersammlungen n. Festlichkeiten. Habe noch Sonnabende nnd Sonntage frei. H. Ebert. || BchönhauTer HUee ios. Jeden Sonntag: 55442' Großes frei'Konzert, ausgeführt von einet 20 Mann starken Musik-Kapelle. 8 Jeden Montag findet das allbclicbte � � � Kinder-feft&&# unter Leitung deS berühmten Onkel Knesebeck statt. Hierzu ladet ergebenst ein W. Schmidt. Ernst Köflichs Konzert-ßarten Ball-Salon Friedrichsberg Franklufier Chaussee 120 Hente Sonntag: Konzert u. Speeialiläten-Yorstellung. Im Saale: Grosser Ball."Wll# 58801;« Jeden Mittwoch: XäIIZ a R C II H I O He Küche und Keller in bekannter Güte. Hierzu ladet freundlichst ein Ernst Häflich, | ftgente's Volks- Garten ♦ A#8 v Lictuenlierg, Roeiierstp. Ml an UCL Allee.�"'" Jeden Sonntag: Walter-Konzeri, 7 Harburger Sänger, sST Ball. f Spi t im Riesensaale lanzmeister A. Bauer) 8pkl!lglitdten und sMIässIgö SehsunuinlNösn. Anfang 4 Uhr. Eintritt 20 Ps. Kinder srei. 2663b' Jeden Dienstag Waiter-Frei-Konrert ab 5 Uhr. Jeden Donnerstag Harbarger Sänger, ab 6 Uhr frei. Hasenheide 108/114. Arnold Scholz. Heute, Sonntag, sowie täglich: Gala-HenMAen NorstellW Im grossen Saale: bei stark besetztem Orchester.- Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf. Morgen, 1. August: Vollständig neues Programm. Oraniens Salon, Oranienstr. 170. Heute Sonntög«R. BAEE. Einige Sonnabende noch srei. 200 bis 300 Personen. 72b NEU-TIVOLI Xene Krug-Allee 59 Jeden Sonntag; Ca ro ss ei* Ball wozu ergebenst einladet Fritr Prenss. 5651L* Willy Crapps 54598* Restaurant zur Untergrundbahn. Treptow. Grosses Familien-Restaurant ♦ Famiiieu-Kaffeeküehe. äf- Aorziial. Speisen u. Getränke zu soliden Preis, ff. ZÄeisibier. helles Lagerbier d. Berl. Bockbrauerei, echt. Kulmbacher. Vollsbeluslig. aller Art. Schiebstand, Schaukel, Würselbuden;c. Willy Trapp. Bade's Volksgarten ■ftiti-bftrnfi» Haltestelle d. elektrischen plUnlllUKi. Strassenbahn(Siemens). s?nnt7g- Cr. ZpttilltiMtn-Vlirstellmlg.»��r. Im saale: 44 r. Bali.— Vereinen bestens empfohlen. Amt IV 1278. kltpl». «___ M. A A f Brandenburgische Strafte 100. Wlimersnorf. Restaurant Selbe. Angenehmer Famiiien-Aulenthalt. 4 Musikalische Unterhaltung. Tei-elnwaiinimer(SO Personen). ♦ BlilarOzlmmer. Warme Küche zu soliden Preisen.-MQ! 56528* J Kloster>Qarten a* am Spandauer Tchiffahrtskanal, direkt am Jungfcrusteg, Stadl- und Ringbahn-Slatlon Bahnhos Beusselstrage, elektrische Straszenbahn Nr. 12 Görlitzer Bahnhos— Plötzense» Ät Grosses»litär-Xonzert' KtÄ,!r.thr o.«™ grosses Xinder-Ireudenfest. Im Riesen- Rolf unter Leitung des Tanzmeisters Herrn Parkett-Saal: Max F n h s. -..1!» O iitv„„ III Gräfte verdeckte Hallen. D>e Jtoffcetßche ist Bon- l�r an I Zwei Kegelbahnen. geöffnet. o6So� � Bolksbclustsgungs-Plaft. Amt 2 Nr. 2694. Vi'. Pa.>«ternachi. . 2)ie er D Am! amv I F. KoliMig's Restaurant u. Garten Grosse Frankfarterstr.99, amStraussbergerplatz, empfiehlt seine Feftsäle u. Bereinszimmer zu Privat-, Vereins-Fesllichkeiten u. Versammlungen bis 150 Personen fassend, zu koulanten Bedingungen. Tbgl. musikal. Unterhaltung, ff. Weissbier. Speisen zu kl. preisen. Teleph. Amt?, 3591. Wilhelmsruh an der Nordbahn. tO Pf.-Tour. Station Reinlckendorf-Rosentbal. 10 Pf.-Tour. (Straßenbahnen nach Reinickendorf Nr. 32, 35 und 41.) ], des 31. Juli M inii. den I. Grosses Smtefest nach ländlicher Sitte und Gebrauch. == Näheres Anschlagsäulen.= Zue* GCönigsbank. Grosse Frankfurterstr. 117. Inhaber; Fr. Walter. Empfehle den Vereinen und Gewerkschaften meinen Saal und Garten zur Abhaltung von Festlichkeiten jeder Art unter günstigen Bedingungen. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Humoristische Vorträge der berühmten Original Norddeutsche» Ouartett-Sänger. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Grofter Ball. 56798* Ä Wilkes Testsäle, Säle, VereinSzimmer u. Garten, 40—500 Pers. sass., BQhne m. 28 Verwand!., noch an Wochentagen, Sonnabenden u. Sonntagen zu vergeben. j5859L* prima WcissMer. ♦ Vorzügliche Küche. H Koulanteste Bedingungen. Brunnenstr. 188, dicht a. Rasenthal. Thor. Amt III 6325. aZUk»Ä* aXUa Billigste Tampfer-Extrafahrten(Kyffhäuser-Dampfer) von Michaelbrücke ab nachmittags 2 Uhr circa halbstündlich nach Hasselwerder. Wochentags 10 Pf., Sonntags 30 Ps. Jeden Sonntag: Grosses(jarteti-Konzert u. Ball. Wochentags: 53238* Frei-Konzcrt n. Tanzkränzchen. Tolkobeiastlgnngen. Mein Lokal, 10000 Personen fassend, empfehle Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken-c. zur gefälligen Benutzung. Einige Sonnabende noch srei. Um geneigten Zuspruch bittet Rnstav Hempel. Zum Ausschneiden. Billigste A Billigste»rh� k Dampfer-Exlrafahrten�Be. mit Musik von Michaelbrücke direkt nach Woltersdorser Schleuse(Rlock-Wordor). vorm. 9'/� nachm. 2lli Montag Diensta! Mittwoch Donnerslag Freitag Sonnabend, den 20. Jnli: Einfache Fahrt ftüh 40 Ps. Nachmittags hin und zurück 40 Ps. Sonntags einfache Fahrt früh 0 Uhr 50 Ps. Grofte Korso-Pronienadeufahrt mit süns Salondampsern und Äiilitärniusik nach Woltersdorser Schleuse(Rieck Werder) und Rundfahrt aus dem Müggelsee. Abfahrt früh 0 Uhr Michaelbrücke. Einfache Fahrt 50 Pf.«g- Aus Wunsch des geehrten Publikums legen meine Dampfer jetzt direkt Woltersdorser Schleuse(Rieck-Werder) an. H. Tlsiner, Telephon Nieder-Schöneweide 14. Berlin Amt 7, 2841. T ödes-Anzeige. Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder! Hier- j durch die traurige Nachricht, dass der Genosse Gustav Kessler Eegierungs-Baumeister i in der Nacht vom 28. zum 29. Juli an den Polgen des vor| zwei Wochen erlittenen Schlaganfalles ruhig und still verstorben ist. 292/4| Die Beerdigung findet am Montag, den 1. August, nachmittags 4 Uhr, auf dem Schöneberger Gemeinde- Friedhof in der Maxstrasse statt. Seine ausserordentliche Thätigkeit für die Ausbreitung I , und Verwirklichung der Ziele der Socialdemokratie und! der politischen Gewerkschaftsbewegung lassen wohl den Schluss zu, dass eine rege Beteiligung der Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder zu erwarten ist. Die Geschäftskommission der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschatten. Todes- Anzeige. In der Nacht vom 28. zum 29. Juli entschlief sanft nach kurzen Leiden unser inniggeliebter Vater, der Rcgierungs-Baumeister Gustav Kessler. Dies zeigt tiesbettübt auch im Namen der übrigen Geschwister an Die trauernde Tochter Johanna. Die Beerdigung findet statt am Montag, den 1. August, um 4 Uhr nachmittags, aus dem Schöne- berget Gemeinde-Friedhof, Max. straffe. 292/5 AI.*»»».»»•»„ für Vereine und y llllt p 1 r t Gesellschaften empfiehlt Karl Krause, Alexanderstr. 13. • Fernspr.-Amt 7, 1669. Deutscher Holzarbeiter-Verbanil Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Tischler August Boehnke am Freitag, den 29. Juli, Plötz- lich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle de? Gemeinde-Fricdhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/6 Die Ortsverwaltung. Berlinerl Blk-Trio. Felix Scheuer ü Stnlnulentr. L Iranist. Wrangeistrasse 10/11. Grosser Sammergarten. Jede» Sonntag:* Grosser Ball. Ansang 4 Uhr. Tanz frei.| Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. AHismiIips Wailnertheatcr-Str. 15. _ Jeden Sonntag: Grofter Extra-Ball En free inll. Tanz: Herren Damen 25 Ps. Ans. 5 Uhr. Empfehle mein Lokal für Vereine und Versammlungen. 5655L* A. ZSamoltat. 50�f, Seeterrasse;i Lichtenberg, Röderstraffe 6. = Jeden Sonntag;= Konzert, Feuerwefkü Speoialitäten-Vorstellung u. Ball Ansang 4 Uhr. Entree 15 Ps. Jeden Dienst�: Kinder- Fest 1! Qesellschafts-Haus. Richard Fcisch, Rixdorf, Kiiescbeckstraße 48—49. llente Sonntag: Gräfte Theater- u. Specialitäten- Borstellnng. 58368* Im Saale: FamlllenkrSnzchen. Ansang 4 Uhr.— Entrce 20 Pf. Zwei elegante Kegelbahnen. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr ab zur Vestügung. Bei ungünsttger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. HB. Vereinen und Gewerkschaften stehen meine Räume jederzeit zur Verfügung. Ber Wirt. r- Zur Aufklärung! Der Kumps im Sitdimperdt! Folgende Bäckermeister haben den vor dem Einigungsamt festgelegten Tarif anerkannt und unterschrieben: »forden., Osten. Sagenauerstr. 13, Fritz Götze. Barnimstr. 4/5, Grosch. Lortzingstr. 5, Gustav Röffner.„. 35. Dzienian. | Grünauerstr. 26, Barack(hat den Nordwesten. I T°riNch°n vor längerer Zeft unter- Bcuffelstr. 56, R. Pohle. WtlhelmShavenerstr. 27, Richard Topp. schrieben). Mehncrstr. 2,_.W, Stratzmannstr. 24, H. Schubert. Folgende Bäckermeister haben Forderungen durchbroehen: Friedrichsfelde. Berlinerstr. 102, 0. Wölferf(war bis heute nur die einzige Bäckerei, welche den Tarif anerkannt hat). Pankow. Berlinerstr. 84. I. StalBoro. Rixdorf. Elbestr. 6, Kirstädter. den Tarif beziehungsweise die Dragvnerstr. �forden. 15, Hanke. Fcnnstr. 51 Kolbergerstr. 1, Wörtherstr. 34, Bührig. Osten. Friedrlchzbergerstr. 16, Liebigsw. 15, Bauer. Schorrig. Maxstr. 27. Zobel. Prinz Georgstr. 7, SchOneherg. Köpenick. Bahnhosstr. 5, W. Hartmann. Kaiserin Nugusta-Victorlastr. 23, Darge Marienstr. 13. Anna Stoffe. Müggelheimerstr. 2, Reppmann. 39, Grazius. Rosenstr. III, O. Scheibe. . Vokisch. Friedrichsfelde. Berlinerstr. 1, Meyer. Schloßstr. 19, Bewersdors. Rninineishnrg. Kantstt. 10, Spöttlich. •O" oem wtw««iai>, welches in den nächste» Tagen oberhalb der Danzigerstraste verteilt wird, haben sich zwei Fehler eingeschlichen: Unter bewilligten Bäckereien muh es nicht Demert, Dunckerstr. 7, sondern Teinert. Dunckerstr. 78, heitzen; und unter nicht bewilligten Bäckereien mutz es statt Kapp. Dunckerstr. 7. heitzen: Rausch, Dunckerstr. 7. l>ie Verbanclsleitung. Buren«: Gipsstr. 2, Telephon Amt III, 1243. In Nr. 171 und 174 erlassen der Gauvorstand des GaueS IX und der Vorstand deS neuen Arbeiter« RadfahrervereinS Berlin eine Bekanntmachung, durch welche wir uns veranlaßt fühlen, den wirklich Nassen« bewußten Arbeitern die Machinatton dieser Genossen vor Augen zu führen und zu zeigen, mit welchem ganz verwerflichen Mittel man gearbeitet hat, uin die(wie bekannt nicht gelungene) Verschmelzung der Berliner Vereine zu stände zu bringen. Die Frage Verschmelzung dattert ungefähr seit vier Jahren, und war den Berliner Vereinen auch bekannt. In einer kombinierten Sitzung des GauvorstandcS und sämtlicher Vereinsvorstände wurde den letzteren ausgegeben, die Verschmelzungssrage in ihren Vercinsvcrsammlungen zu diskutieren, und in einer kurz daraus folgenden BezirkSversammlung sollte dann daS Resultat bekannt gegeben werden. Und was geschah in dieser Versammlung? Sämtliche 18 Vereine lehnten die Verschmelzung ab. Dessen noch nicht genug, fühlte sich der Gauvorstand veranlaßt, die Angelegenheit nochmals auf dem Gautage zu KottbuS zum Antrage zu bringen. Und stehe! DaS gleiche Schicksal ereilte sie auch dort, indem einstimmig die Verschmelzungsfrage abgelehnt wurde. Mit dieser Mstimmung war den Delegierten eine Richtschnur gegeben, wie sie sich zu dieser Sache in Erfurt zu verhalten haben. ES wäre unsrer Meinung nach der Gautag als oberste Instanz des GaueS hinfällig, wen» sich die Delegierten über die dort gcjaßtcn Beschlüsse einfach hinwegsetzen können l Wir hofften nach dieser ewigen Abstimmung unsre Delegierten als Gegner der Verschmelzung auf dem Bundestage w Erfurt zu sehen, aber weit gefehlt, die Sache kam anders, nämlich so: Laut Anschreiben der Wahlkommission(Wahl der Delegierten zum Bundestage) mußten die Stimm» zcttel von den einzelnen Vereinen in geschlossenen CouvertS(welche fpeciell zu diesem Zwecke angeserttgt worden waren) zurückgesandt werden. Der Obmann aber(Befiirworter der Verschmelzung!) hat sich wdcffen wenig darum gekümmert, die gebebene Bestimmung einzuhalten, vielmehr die allerdings einlaufenden WahlkouvertS 1)11(1(1 ohne Ijupsieijung der übrigen Komtnission«mitgli-der, die ihm wohl überflüssig zu sein schienen, geöffnet und so gewissermaßen eine alleinige Vor(wahl)prüsung unternommen—? AnS der Wahl gingen nun Delegierte für die Verschmelzung hervor, welche vorher schon KennwiS hatten, daß sie gewählt find, ehe die Wahlkomintsfion die eigentliche Stimmenzühlung vorgenommen hatte. Das Urteil dieser Manipulasion überlassen wir getrost der Allgemeinheit. Eine Protestresolution, unter« zeichnet von 18 Vereinen(500 Mitglieder im Gau IX, wurde einfach aus dem Bundestage bis zum Schlüsse zurückgestellt und daun zur Tagesordnung übergegangen I War nun schon die Wahl unter diesen angegebenen Punkten zu stände gekommen, so war es doch Pflicht der Delegierten zu sagen, wie die Verhälwisse in ihrem Wahlbezirk liegen I Nein, sie haben nicht das geringste davon erwähnt(ich verweise aus den Arttkel der Genossen Gierl und Peter, Leipzig, Kleinzschocher, im„Arb.-Radfahrer" Nr. 191 vorn 15. Juli, welcher wörtlich sagt:»Ich muß als ehrlich kämpfender und ausrichttg denkender Mensch mein ttesstes Bedauern über den m jetziger Fassung angenommenen Bundestagsbeschluß, Centralisation betreffend, aussprechen. Ich erkenne darw kein Solidarttäts« gesühl, daß man. nachdem sich acht Redner mit aller Energie dafür ins Zeug gelegt hatten, w kaum 20 Minuten den wichtigsten Beschluß— wie geschrieben wird— zur Durchdrückung brachte, trotzdem ich mich klar genug gegen den Schlußanttag aussprach. Persönlich behauptete ich, es lag System in der Handlungsweise usw. Wir bemerke», daß das oben„Citiertc" die Meinung eines der tüchtigsten Parteigenossen Leipzigs ist. Wir fragen nun: Sind die Genossen in kleinen Vereinen keine Arbeiter-Rapsahrer? Haben nicht die Arbeiter-Radsahrcr aus den kleinen Vereinen prozentual bei ernsten Arbeiten das Gleiche und mehr geleistet, als die aus großen? Warum alles unter einen Pantoffel zwängen? Wir erklären, wir wollen leine Vereinsmeierei treiben, wir wollen auch den Bund in geschäftlicher Hinsicht nicht oerwerten, sondern wir wollen einzig und allein die„Freiheit* der einzelnen Vereine erhalten. Da wir nun das aus oben angeführte Art und Weise zu stände gekommene mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln verhindern wollten, aber nicht konnten, aber es unter unsrer Würde erachteten, länger unter einer der- artigen Leitung zu verweilen, so gab es für uns nur das eine, dem Bunde den Rücken zu kehren. Also im ganzen resümiert: Unsre Delegierten haben in Erfurt in ganz unverantwortlicher Weise gehandelt, und dem Gau IX resp. dem Gautag in Kottbus einen Schlag Ins Gesicht versetzt durch ihr Verhalten. Um nun allen Arbeiter-Radsahrervereinen und Arbeiter-Radsahrern, welche mtt uns denken und fühlen, Gelegenheit zu geben, sich zu verbinden, sich zu einem Ganzen zusammenzuschließen, haben wir den Arbeiter. Radsahrerbund„Freiheit* gegründet. Derselbe ist aus derselben Grundlage wie der Arbeiter-Radsahrerblmd „Solidarität* ausgebaut, nur mit dem Unterschiede, datz er den Vereinen seine Freiheit läßt, sich in ihrem Kreise nach Gefallen selbst zu verwalten und umzuthun. Derselbe bietet seinen Mitgliedern bei einem Eintrittsgeld von 60 Pf.(für welchen das BundeSabzeichen grattS geliefert wird) und einem Beitrag von 20 Pf. vorläufig bei Radunsällen, wo Erwerbsunsähigkeit Antritt, eine Unsallunterstützung und zwar im ersten Jahre der Mitgliedschaft 6,00 M., im zweiten Jahre 7,50 M. und im dritte» Jahre 9,00 M. aus die Dauer von 13 Wochen. Vereine, welche gewillt sind, dem Radsahrerbund«„Freiheit* beizutreten, können sich in der Geschäfts. stelle, Berlin, Weinstr. 3 I, bei F. Eichr melden. Wir erklären hiermit, daß wir unS aus weitere Zeitungspolemiken nicht einlassen. Ver Sunilesvorstanil. F. Elehr. O. Kesselring. O. Schobert. E. Fleblg. Eewln. Kanncngiesser. O. Menck. NB. Auf die naive Bekanntmachung der Geschästsleitung des Arbeiter-RadsahrerbundeS„Solidarität* in Nr. 177 kann man sich beim Durchlesen derselben eines Lächelns nicht erwehren und halten wir es darum nicht für nötig, näher aus dieselbe einzugehen. Veranlaßt durch die Artikel im„Arbeiter- Radfahrer*, können wir die erfreuliche Mitteilung machen, daß der Bund um mehrere Hundert Mtglieder gestiegen ist. Mustergiltig bezeichnet das kaufende Publikum unser Prinzip, durch 73 eigene, über das ganze deutsche Reich verbreitete Geschäfte, unsere Fabrikate direkt dem Konsumenten zuzuführen. Von enormer Wichtigkeit ist hierbei, dass Spesen aller Art, die der Zwischenhandel mit sich bringt, vermieden werden und diese gewaltige Ersparniss der verehrl. Kundschaft selbst in Form billigst gestellter Preise zu Gute kommt Ausserdem hat die Qualität und Ausstattung* unserer Erzeugnisse derartigen, allgemeinen Beifall gefunden, dass die Zahl unserer Kunden nach Millionen zahlt! 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Pries, Rudowerstr. 63.— Ohai-Iottenhnrx: Gustav Schar uberg, Sesenheimerstr. I, Ecke Goethestraße, vorn I— Dentsoh- Wilmersdorf: W. Nickel, Berlinerslr. 130, HI.— hVledrlchsherA- l<*rledrlchsfelde- WUhelmsbere- Hohenschönhausen: Dtto Seile!, O. 112, Kronprinzenstrasie 50, I.— Grünau: E. Pfeil, Königstratze 1.— Rlxdorf: M. Heinrich, Prinz HandjeNsttraße 7, im Laden.— Schöneherg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden.— Ober- Schöne- weide: Otto M ü n z e r, Ohmstraße In, 2 Treppen.— Tlcdcr- Schönewelde: Bonalowsly, Berlinerstr. 8.— Johannisthal: Paul Mann, Bismarckstr. 7.— Adlershof: Paul Schmidt, Blsmarckstrasie 7 II.— Rönlgs- Wnsterhansen: H. D i e tz e, Schuhmacher.— Köpenick: Friedrich W o i ck, Grünstr. 29.— Friedenau-Steglitz: H. B e r n s e e, Schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. M o h r, Düppelstr. 8, und Fr. S ch e l l h a s e, Ahornstr. 15».— Ranmsehnlen- weg: Stock, Ernststr. 2, II.— Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn ml.— Aen-Wcissensee: W. Resle, Gäolerstr. 4«, Part. — Rnmmelsbnrg: Forgbert, Prinz Albertstr. 5a.— Tegel, Rorslgwalde. Dalldorf und Waldmannslnst: Paul Kicnast, Borsigwalde, Schubarislr. 43.— Pankow: K. Kümmert, Florastr. 43. Auszerdcm ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. BM- Bitte ansschncidcn. TMB K i Ö 0 Od o 'o H VorMdepJBeHeainancesU�asse� Anzüge nach Mass Ä4 und SO Mark. Unter Garantie des tadellosen Sitzes bei peinlichst gewissenhafter Anprobe liefere ich von prima Partie-StolTresten mit guten Zuthaten Anzüge nach Mass zu obigen Preisen. 5762L* Anzüge chemisch reinigen nnd aufbügeln Mk. 2,50. Sonnenschein5 Cliansseeztr. 54 I— Lindenstr. 95 I. Von der Bellealtlanoestrasse 98»erzogen. r Nur noch einige Tage! ftforiendorfer Kochbau-Terrain! 1 äOO Bansteilen von M. 3000,— an, prachtvoll geschnitten M. 8,— und M. 4,— pro Quadrat. 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In einem andern Briefe habe der Direktor einen Teil des Tentes durch Ueberstreichen unleserlich gemacht und später wahrheitswidrig unter seinem Eide behallptet, die be» treffende Stelle habe eine Beamtenbeleidigung enthalten. Er verlange deshalb die Bestrafung dieses.Verbrechers" und „Scheusals" wegen Meineides. Wegen dieser Beleidigungen wurde der Angeklagte zur Verantwortung gezogen. Auch im Termin blieb er dabei, daß ihm schweres Unrecht geschehen. Er beantrage, den fraglichen Brief von einem Chemiker untersuchen zu lassen, es würde dadurch dargethan werden. daß unter dem unleserlich Gemachten etwas Beleidigendes nicht ge st an den hätte. Was die Aus- drücke„Verbrecher" und„Scheusal" betreffe, so habe er diese von dem Direktor selbst gelernt, dieser habe ihn während seiner Hastzeit wiederholt so tituliert. Der Zeuge Mielenz. der persönlich zum Termin erschienen war, bekundete, daß t h a t s ä ch l i ch ein Ermittelungsverfahren gegen ihn auf Grund der Anzeige des Angeklagten geschwebt habe, aber wieder eingestellt worden sei. Der Angeklagte habe während seiner anderthalbjährigen Hastzeit nicht weniger als 22 mal Schreiberlaubnis erhalten und davon in der ausgiebigsten Weise Gebrauch gemacht. Dem Direktor einer Anstalt würden gesetzmäßig sämtliche Briefe der Gefangenen zur Durchsicht vorgelegt; eS seien jährlich über 3000 Stück und daher sei es erklärlich, daß er sich nicht entsinnen könne, aus welchem Grunde er einen Passus in einem Briefe des Angeklagten unleserlich gemacht habe. Der Staatsanwalt hielt das Vorgehen deS Angeklagten für so frivol, daß er gegen ihn eine sechsmonatige Gefängnis- strafe beantragte, auf welche der Gerichtshof auch erkannte. LiebeSrriefe eines Pfarrers. Vor dem Schöffengericht in Saargemünd wurde dieser Tage gegen dem Zimmermann Bonchheit und den Maler- meister S ch e f f e r verhandelt, die angeklagt waren, einer Frau Müller Briefe des Pastors ColbuS entwendet zu haben- Die Angeklagten waren geständig, erklärten jedoch die Briefe nur genommen zu haben, um darin Einsicht zu nehmen, nicht um sie zu behalten. Sie haben in den Briefen Anhaltspunkte über angebliche Gcldunterschlagungen des Pastors ColbuS zu finden gehofft. Das Gesuchte fand sich nun allerdings nicht in den Briefen, wohl aber standen darin seit- same Zärtlichkeitsergüffe deS 69jährigen katholischen Geistlichen und früheren langjährigen Reichstags-Abgeordneten an die 28 jährige Adressatin. ColbuS behauptete, Bonchheit habe mit den Briefen Erpressungsversuche gegen ihn unternommen, was Bonchheit energisch bestritt. Die Angeklagten wurden zu 5 resp. 2 Tagen Gefängnis verurteilt. Als strafmildernd kam für sie in Betracht, daß Frau Müller die betreffenden Briefe dem Angeklagten S ch e f f e r früher bereits Einsicht in dieselben gewährt hatte. In den Briefen des ehemaligen CentrumSabgeordneten und Pastors, die Pastor ColbuS selbst als„Liebesbriefe", die ein Pfarrer an sein Pfarrkind schreibt, bezeichnete, befanden sich folgende Stellen: „Mein gutes, mein liebes Marie l Ich habe gezittert vor Freude, als ich Deinen Brief erhalten habe. Ich kenne ja Deine Schrift. Diesen Brief habe ich schon, ich weiß nicht wie oft gelesen. Es ist mir, als sähe ich Dich in meiner Nähe. Ich sehe Deine jugendliche Gestalt, Deine anziehende Brust, Deine rosenfarbigen Lippen, Deine schönen Augen, Deine wunderschönen Haare, Deinen ganzen reizenden Körper. Ich höre Deine Stimme, Du sagst mir so sanft: O, ich liebe Dich. Und dann drücke ich Dich an mein Herz, ich küsse und küsse Dich tausendmal, Du bist mein, ganz mein, und ich bin Dein, ganz Dein. O mein liebes Marie, Dir sagen, wie sehr ich Dich liebe, ist nicht möglich. Wärst Du nur mein, könntest Du nur bei mir bleiben, so wäre ich glücklich, niehr als glücklich, ich würde Neunkirchen und alles gern vergessen. Leider aber vergehen Tage, Wochen, Monate, und ich kann Dich nicht sehen. Es vergeht fast kein Tag, wo ich nicht an Dich denke, es vergeht f a st kerne Nacht, woichnichtvonDirträume, dannhalte ich DichinmeinenArmen. DeinenMund auf meinem Mund. Dein bloßes Herz auf meinem bloßen Herzen, ich in Dir und Duinmir. O schöner Trmnn 1 Doch soll es nicht immer ein Traum bleiben. Ich lade Dich also hiermit ein, zu mir zu kommen, die nächste Woche, Montag, den 16., oder Dienstag, den 17. Juni.— In einer andren Stelle heißt es: Es wird Dir nichts fehlen. Dein Korsett wir st Du sobald ausziehen, dann wirst Du mit gutem Appetit essen und dann wird auch Dein Herz für mich nicht wie eingesperrt sein. Bleibst Du ü b e r Nacht, so wirst Du ein nettes Zimmer und ein sehr gutes Bett bekommen. Du wirst nichtlalt bekommen. Dein Freund, Dein bester Freund auf Erden wird in der Nähe und an Deiner Seite sein und wir werden uns lieben so oft und wie wir wollen."_ Humoristisches ans dem Gcrichtssaal. Wegen Beleidigung und Bedrohung hatte sich der Händler Heinze vor dem Schöffengericht zu verantworten. Nach Feststellung der Personalien begann der Vorsitzende das Verhör:„Angeklagter Heinze, bekennen Sie sich schuldig, die Rentiere Fräulein Anna Meier beleidigt und mit Thät- lichkeiten bedroht zu haben?"— Angeklagter:«Jawoll, Herr Jerichts- Hof."— Vors.:„Weshalb thaten Sie das, waren Sie an dem betreffen- den Tage angetrunken?"— Angekl.:„Staubnüchtern war ick dabei. Uebrijens, wenn ick mich mal eenen antrinke, denn thu icks ooch jleich so jründlich, daß ick nachher keenen mehr beleidijen kann."— Vors.: »Nun also, was war die Veranlassung Ihrer Ausschreitung?"— Angekl.: »Die reenste Verzweiflung. Ick hatte det Unjlück, mit die Meiern uff eenen Flur zu wohnen. Sie hat Eijenschaften, die eenen tempera- mentvollen Menschen leicht aus det europäische Jleichjewicht bringen können. Erstens parfümiert sie ihr, und zweetens singt se. Wat for eene Sorte Parfüm sie jebraucht, weeß ick nich, aber et muß etwas janz Schlimmst sind, denn wenn sie zur Hausthüre hereintritt, denn riechen ste't oben vier Treppen hoch! For ihren Jesang finde ick eenen passenden Ausdruck überhaupt nich. Een Neufoundländer, der Magenschmerzen hat, oder een Siouxindianer uff'm Kriegspfade müssen dajejen die reenen Sirenen sind. Dabei paukt sie uff die Drahtkommode lauter Opernarien und Sonnaten. Et war manchmal wirklich herzbrechend, wenn sie so ihre musikalischen Anfälle kriejte. Als ick et jar nich mehr aushalten konnte, koofte ick mir eenen stoßen blechernen Topp-Deckel. Und jedet Mal, wenn sie anfing zu stöhlen, schlug ick an der Wand den Takt dazu, bat et man so krachte. Dieset Radikalmittel half zwar, aber nach eeniger Zeit kündigte mir der Hauswirt die Wohnung. Natürlich war ick darüber ärgerlich, zumal die Person alle möglichen musikalischen Anzüjlich« leiten jejen mir verübte. Eenmal sang sie: So leb denn wohl, du altes Haus.— Oder: Raus aus dem Tempel und nach Haus. Manchmal ooch: Morgen marschieren wir... Eenct Tages will ick jrade wejjehen, da rieche ick uff den obersten Treppenflur, bat die Meiern ruffkommt. Wie sie vorbeijeht, halte ick ihr am Aermel fest und sage zu ihr:„Sie wandelnde Mondscheinsonnate, Sie menschjewordenet Präludium, wenn ick Sie Ohdekolonnjeproppen mal im Dustern erwische, denn können Sie sich Ihre Knochen nnmmerieren, Sie..."— Vors.: Sie brauchen nicht das alles zu wiederholen. Jedenfalls geben Sie sowohl die Beleidigungen als die Drohungen zu?— Angekl.: Jewitz, Sie dürfen aber nich versessen, wie ick gereizt worden bin.— Vors.: Wir werden das bei der Strafabmessung berücksichtigen. Der Amtsanwalt brachte gegen den Angeklagten eine Woche Ge- fängnis in Anttag. Das Nrteu lautete aber wesentlich milder, nämlich auf 60 M. Geldstrafe. Hilfskaffe der Graveure, Eiseleure und verwandten Berufsgenossen Berlins tagt jeden 1. Montag im Monat im Restaurant Eltze. Luisen-Ujer 1. abends 8—10 Uhr. Arbeiter< Samariterkolonne. Morgen, Montag, s Uhr abends, Uebungsstunde DrcSdenerstr. 45. Bortrag über Ertrinken, Ersticken, ver- schiedene Formen der Bewußtlosigkeit. Nachher praktische Ucbungen. Gäste willkommen. Neue Teilnehmer können jederzeit eintreten. Einschreibcgttd sowie MonatSbeittag je 2b Ps. Bibliothek steht unentgeltlich zur Verfügung. Eingegangene 0ruckfckrlsten. Die„Soeialistischen Monatshefte"(Administration: Berlin SW. 19 Beuthslraßc 2) haben soevrn da« Auguft-Hest ihres 10. Jahrganges er- scheinen lassen. Dasselbe ist dem im August stattfindenden internationalen Socialisten-Kongreß in Amsterdam gewidmet. Aus seinem Inhalt heben wir hervor: Eduard Bernstein: Der internationale Kongreß in Amsterdam und die socialistische Taktik.— Max Schippe!: Auer.— Dr. Leonida visso- lati: Nach Bologna.— Henri van Kol: Ueber Kolonialpolittk.— Hjalmar Branding: Schweden vor einer neuen StimmrechtS-Campagne.— Allen Zankow: Der SocialiSmuS in Bulgarien.— Dr. Jakob Hertz: Jnter« nationaler Arbeitcrschutz.— Dr. Jvanos Bonomi: Die ländliche Arbeiter- bewegung in Italien.— Dr. Ladislaus Gumplowicz: DaS russische Regime in Litauen und der internationale Kongreß in Amsterdam.— Wirtschast von Max Schippe!.— Politik von Richard Calwcr.— Sociale Kommunal- Politik von Dr. Hugo Lindemann.— Socialistische Bewegung von Hugo Poetzsch.— Gewerkschaftsbewegung von Ernst Deinhardt.— Genossenschasts- bewegung von Gertrud David.— Frauenbewegung von Henriette Fürth.— Socialwissenschasten von I. Bloch.— Blldende Kunst von Anna Plehn.— Buchhesprcchungen von F. Lindheimer, Oda Olberg und Ida Häny-Lur.— AIS Beigabc bringt daS Heft ein Porträt von Janqz Auer, die Reproduktion deS soeben vollendeten Gemälde» deS dänischen Malers JenS Birkholm. Der Preis des HesteS bewägt 50 Ps.; vierteljährlich 1,50 M. flu beziehen durch alle Buchhandlungen. Kolporteure und durch jede Post- anstatt. Ferner direkt durch den Verlag der„Socialistischen Monatsheste", Beuthsw. 2. Berlin SW.(Zusendung unter Kreuzband oder i«geschlossenem Couvert). Probehefte stehen ans Verlangen jederzeit kostenstei zttr Verfügung. Victor Scholz. Hiex frohe Feste, dort Fouer und Blut I 32 Sellen. Leipzig tS»1. Verlagsanstatt„Cllchs", Kurzesw. 7. Bernard Shaw. The Common Sense of Mtmioipal Tradiag. Price 2/6. 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