Nr. m. Bbonnements-Bedingungin: NdonnementS- Preis pränumerand» i «ierteljährl. Z.Z0 Mk, monafl. 1,10 Kf., wöchentlich 28 Pfg. frei WZ Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonncment: 1,10 Mar! pro Monat. Ewgetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Rar!, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. LI. Jahrg. Sie Infertlons'Gebtfyr betrügt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche BereinS- und BersammlungS-Anzeigm 25 Pfg. »Kleine anieigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. CridKint täglich inBtr montags, Vevlinev Volksblcrkk. Telegramm-Wresse: „Soslaldcmohrat BtrllB". Zentralorgan der foztaldcmokratifcben parte! Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Dienstag, den 2* August 1904* Expedition: SQL 68» Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Quittung. Im Monat Juli gingen bei dem Unterzeichneten folgende Partei beitrüge ein: Alt-Warthau. vom socialdemokratischen Verein 30,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 2. Kreis 2400,—(darunter Dampferpartie d. D. B. G. durch I. Meyer 4,50, Wintervergnügen und Landpartie, Süden 127,—). 4. Kreis Ost 3000,—(darunter Sechserkasse der Polierer von Heim u. Gerken 22,—, Möbelfabrik von Schuster u. Böhm 15,—, Möbelfabrik Kukulenz, Kochhannstr. 39 19,—, Möbelfabrik Kümmel 50,—, Fassadenputzer Al. L., Bau Hertzig 5,—.) 4. Kreis Südost 2000,—(darunter Sparverein Kottbuser Kietz 7,10, Tischlerei von Wolf, Waldcmarstr. 27 25,—, M. Sch., Rcichenbergerstraße für„Vorwärts"-Zinsen 5,—.) 6. Kreis 10 000,— (darunter von Kachelbauern für Verarbeitung von Panzer platten 4,—, Ueberschuß d. Kranzsp., Bez. Gesundbr., Central- verband der Töpfer 4,30, W. G. B. 14 3.—, Gesangverein.Unverzagt". Ueberschuf; v. Kaffeekochen b. Schadotv. Plötzensee 20,—, A. B. Mister 1,—, Gen. Starke für Agitation 2,50.) Berlin, diverse Beiträge: Verband deutscher Hoteldiener 3,—. L. u. H. B. 10,—. Bonskasse d. Arb. v. Pardemann u. Co., Neue Königstr. 10, 25,50. Ges. b. R.-Budiker, Kopernikusstraße, 1,10. Von den Tagschneidern der Firma Peek u. Cloppenburg 10,—. Rechnungsüberschuß Ouitzow- straße 5 5,—. B. A. 5,—. Die Contobucharbeiter vom Wedding 5.—. Gesellenfeier G. Lehmann, Buchbinderei Frydrychowicz 5,15. C. D., Guhrau 1,—, Tischlerei Bauke, Krautstr. 19 5,—. Honorar vom Sparverein„Glückauf" d. Koeppen 6,—. Patienten v. Grabowsee 10,—. K. H. in Grabowsee 2,—. Ges. auf einer Hochzeit v. A. Wittig, Mariendorf, eingez. d. Zander 6,10. Buße A. K. 8,60. A. V. 50,—. P. S. 50,—. Brandenburg a. H., Wahlkreis Brandenburg- Westhavelland 200,—. Bern 50,—. Bochum, Wahlkreis 535,26. Breslau, socialdemokr. Verein 200,—. Barmen, socialdemokratischer Verein 300,—. Cöln a. Rh., socialdemokratischer Verein 2. Quartal 122,60. Chemnitz, 16. sächsischer Wahlkreis 3000,—. Chenmitz, ohne Namens- angabe 5,—. Dortmund, Drucker- und Setzerpersonal der„Arbeiter- zeitung" 50,—. Dortmund, Wahlkreis Dortmund- Hörde 550,— Essen a. Ruhr, Rückzahl. von Wahlschulden 1000,—. Elberfeld, socialdemokratischer Verein 800,—. Frankfurt a. M., socialdemokr. Verein 1000,—. Falkenberg(O-S.) 5,—. Franz.-Buchholz, für einen Vortrag im Wahlverein 3,50. Fürth, Wahlverem 20,—. Freiburg i. SB., socialdemokr. Verein 50,—. Freiburg i. Schlesien, socialdemokr. Wahlverein 5,—. Freisina, H. S. 5,—. Greiz, Wahlkreis Reuß ä. L. 200,—. Gutschdorf b. Striegau 5,—. Gotha, durch den Vertrauensmann 30,—. Gießen, E. K. 50,—. Heidelberg, vom Agitationskomitee des 12. badischen Kreises 10,—. Kattowitz (Oberschl.), Wahlverein zwei Raten 10,—. Kiel, R. 5,—. Krefeld, socialdemokr. Volksverein 100,—. Königsberg i. Pr., Partei Beitrag 3. Quartal 100,—. Lübeck, socialdemokr. Verein 300,—. Luckenwalde. Rufus 5,—. Luckenwalde, socialdemokr. Wahlverein 100,—. Mylau, Ueberschuß vom Schlachtfest 20,—. M.-Gladbach, Beitrag des Wahlvereins 12,—. München, socialdemokr. Verein 1/KX),—. München, Waldläufer 5,—. München, Gau Südbayern, 2. Quartal 04 153,45. Nürnberg, Gau Nordbayern, 1. u. 2. Quartal 04 829,74. Nürnberg, socialdemokr. Vereins. Quartal 04 250,—. Nürnberg, S. 4,—. Offenbach a. M., Landesorganisation Großh. Hessen 500,—. Oberstein a. N., Volksverein 2. Quartal 04 9,40. Peilau, vom socialdemokr. Wahlverein 5,—. Ronsdorf, allgemeiner Arbeiterverein 25,—. Straßburg i. E.. Altvaters 5,—. Statzfurt, Wahlkreis Calbe- AscherSleben 100,—. Stuttgart, G. U. 10,—. Sachsen- Weimar, Landesorganisation 40,—. Bogtsberg b. Oelsnitz i. V., Sängerlust, aufgelöst 5,—.„Vorwärts", 2. Quartal 1904 26 109,30. Württemberg 100,—. Werdau i. S., H. 1»—. S 0 n st i g e, bisher noch nicht quittierte Eingänge im letzten Rechnungsjahre: Frankfurt a. M., durch G. M., 4 Handbücher v. Schippe! 20,—, 60 Handbücher für focialdemokratifche Wähler 120,—, Summa 140,—. Königsberg i. Pr., v. C. M., 2 Handb. v. Schippe! 10,—. Braun- schweig, durch St., in der Expedition des„Volksfreund" für die Laurahütter Inhaftierten eingegangen 20,20. Oberlangenbielau, durch A. K., aus Löwenberg i. Schi, für die Familien der Brom- berger Verurteilten 6,60. Magdeburg, durch R. P., 20 Handbücher für preußische Landtagswähler 40,—, Summa 216,80. Berlin, den 1. August 1904. Für den Parteivorstand: A. Gerisch, Kreuzbergstr. 30. Der ostasiatische Entscheidungskamps hat nunmehr begonnen. Nach offiziellen russischen Meldungen fanden am 31. Juli schwere Kämpfe statt. Ein Teil der Russe» wurde zum Rückzug auf Haiffcheug gezwungen, andre Teile behaupteten am Abend deS 31. noch ihre Stellungen. Doch haben die Russen den Tod eines ihrer tüchtigsten Generale, des Gräfe» Keller zu beklagen. Die Verlustliste mehrt sich unheimlich: Admiral Makarow tot, General Keller tot und General Rennenkamp schwer verwundet. Wahrscheinlich haben die Japaner am 1. August ihre Angriffe erneuert. Wahrscheinlich werden schon die nächsten Tage das Schicksal der russischen Hauptarmee entscheiden! Die russischen Telegramme lauten: Petersburg, 1. August. Wie General Kuropatkin dem Kaiser von gestern meldet, emeuerten die drei japanischenArmeen am 31. Juli den Vormarsch auf der Südfront. Die russischen Arrieregarden verteidigten sich hartnäckig, bis der Gegner bedeutend überlegene Streitkräfte vor- schob, und zogen sich dann allmählich in der Rich- tung auf Haitscheng zurück.— Auf der Ostfront begann ain Morgen desselben Tages der Vormarsch der Japaner gegen die Stellung bei T h a w u a n.— In Jnkou werden zahlreiche japanische Truppen unter Deckung mehrerer Kriegsschiffe gelandet. Petersburg, 1. August.(Meldung der Russischen Telegraphen- Agentur.) Vom Kriegsschauplatz kommt dir Meldung, daß General Graf Keller gestern abend durch ein» Granate getötet worden ist. Petersburg, 1. August. Ein Telegramm Kuropatkins an den Kaiser von gestern besagt: Auf der S ü d f r 0 n t ging die linke Vorhut uach einem hartnäckigen Kampfe beim Dorfe S a n t s ch e n in der Richtung auf Haitscheng zurück. Gegen die rechte Vorhut hat der Feind keinen Angriff unternommen, sondern sich auf ein Artillerie- g e f e ch t beschränkt. Nach Meldungen aus S i m u t s ch e n war dort der Kampf am 31. Juli um 73/4 Uhr abends eingestellt worden. Die Russen behaupteten alle ihre Stellungen. Meldungen über die Vorgänge auf dem äußersten rechten Flügel sind jedoch noch nicht eingegangen. Die russische O st a b t e i l u n g hat ebenfalls alle ihre Stellungen behauptet. Im Janselinpaß wählte General Graf Keller, der Führer dieser Abteilung, die am meisten dem Feuer ausgesetzte Batterie als Beobachwngspunkt und wurde um 3 Uhr nachmittags tödlich verwundet. 20 Minuten darauf starb er.— Auf der Linie Saimatsi-Liaujang haben die Japaner anscheinend große Streitkräfte zusamnien- gezogen, die Verluste in dem dort am 31. Juli statt- gehabten Kampfe sind noch nicht festgestellt. Die russischen Truppen haben sich auf ihren Stellungen behauptet. Graf Keller» seiner Abstammung nach ein Deutscher, ivar eitler der verdientesten russischen Heerführer, der auf eine glänzende Laufbahn zurückblickte. Nachdem er zuerst bei der Garde-Kavallerie gestanden hatte, kam er in den General st ab und fand Gelegenheit, sich im türkischen Kriege besonders auszuzeichnen. Er machte den berühmten Balkan Übergang im Stabe Skobelews mit, wurde in der Schlacht am Schipkapaß schwer verwundet und erhielt für persönliche Tapferkeit vor dem Feinde den Sankt Georgs-Orden. Im Jahre 1887 schied er aus nicht ganz aufgeklärten Gründen aus dem aktiven Dienst, wurde aber 1894 von Nikolaus II. wieder mit einer hohen Stellung im Seere betraut. Im Frieden bekleidete er zuletzt den Posten des ouverneurS von Jekaterinoslaw. AlS er zum Kriegsschauplatz ab- ging, folgten ihm die größten Hoffnungen. General Kuropatkin stellte ihn den Offizieren mit dem Bemerken vor, sein Name sei vor allem geeignet, die Erinnerung an Skobelew wieder aufleben zu lassen. In Ostasien war er dann besonders an den Känrpfen beim Motienpaß und dann jetzt an der Verteidigung der Südfront beteiligt. Die japanischen Verluste bei Taschitschiao. Tokio, 30. Juli. Die Verluste der Japaner bei Taschitschiao betragen der endgültigen Aufstellung zufolge: 12 Offiziere und 136 Mann tot, 47 Offiziere und 848 Mann verwundet. London, 1. August.„Daily Telegraph" meldet vom 29. Juli aus Tokio: Nach einem Telegramm des Berichterstatters der eitung„Asagi" verließen am 24. Juli zwei große russische ' a m p f e r von je 6000 Tonnen unter dem Schutze des Nebels und in Begleitung eines Torpedoboots-Zerstörers Port Arthur; sie hatten viele Civilpersonen an Bord. Japanische Torpedoboots-Zerstörer vom Blockadegeschwader entdeckten jedoch die Schiffe, als der Nebel sich verzog. Die Russen hißten die weiße Flagge. Beide Dampfer und der russische Torpedoboots-Zerstörer wurden nach der japanischen Flottenbasis gebracht. Tokio, 31. Juli. Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Ein ver spätet eingelaufener Bericht des Admirals Togo erwähnt ein Gefecht zwischen Torpedobooten und andren kleineren Fahr- zeugen, das am 24. Juli stattgefunden hat. Die Japaner schössen dabei drei Torpedos ab, die auch explodierten. Das Er- g e b n i s des Kampfes ist unbekannt, da Nebel herrschte. Togos SBericht fchemt das von Chinesen verbreitete Gerücht zu bestätigen, daß drei russische Torpedobootszerstörer gesunken seien. Niutschwang, 30. Juli.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Das russische Kanonenboot„S i w u t s ch" soll auf dem Linn Flusse 30 Meilen oberhalb der Stadt z e r st ö r t worden sein. Die Kriegslage in japanischer Beurteilung. London, 30. Juli.(Eig. Ber.) Gestern war ich mit meinen japanischen Freunden zusammen, um den Tod Plehwes und die Kriegslage im allgemeinen zu besprechen. Das erfolgreiche Attentat gegen den allmächtigen Minister Rußlands hat nach Ansicht der Japaner den psychologischen Moment beschleunigt, an dem der Haupt- schlag gegen Kuropatkin und Port Arthur geftihrt werden soll. Kuropatkin verfügt jetzt über 160 000 Mann, die zwischen Haitscheng und Mulden stehen, mit starken Vorschiebungen gegen den Motienpaß. Wie stark die Armeen Kurokis, OkuS und Nodzus sind, konnte ich nicht er- fahren. Sie können zusammen ebenso gut aus 200 000 wie aus 300 000 Mann bestehen. Die Siegeszuversicht der Japaner, die von Anfang an groß war, ist nach den Erfahrungen der letzten Monate unerschütterlich geworden. Und was noch wichtiger ist, die japanischen Offiziere in der Mandschurei sind, wie aus ihren Briefen an ihre Londoner Freunde zu ersehen, von derselben Zuversicht getragen. Das nächste Treffen wird bei Haitscheng oder bei Anfantsen, etwa 15 Kilometer südlich von Liaojang, erwartet. Die Russen haben an diesen beiden Ortschaften sehr starke Postttonen inne, die leicht zu verteidigen sind. Auf meine Frage, warum Admiral Kamimura, der im japanischen Meer so viel Mißerfolge hatte, noch immer seinen Posten behält, wurde mir geantwortet:„Unsre Heerführer, Admirale und Civil- Beamten werden nicht durch kaiserliche Gunst oder Hofeinflüsse ernannt und befördert. Ihre Ernennung geschieht stets auf Grund der Tüchtigkeit und Kenntnisse, die sie bewiesen haben. Kamimura wurde nach reiflicher Ueberlegung auf seinen Posten geschickt. Und wenn er Mißerfolge hat, so ist dies einzig und allein den ungenügenden Mitteln zuzuschreiben, die ihm das Reich zur Ver- fügmig stellte. Sein Unglück ist, daß unsre Flotte nicht die erforder- liche Zahl von Kreuzern besitzt, um Wladiwostok blockieren zu können. Dieser Hafen hat zwei Eingänge. Angesichts der Stärke des Wladiwo- stoker Geschwaders hätten wir noch acht Kreuzer haben müssen, um eine Blockade vornehmen zu können. Unsre Flotte ist noch sehr jung und kann nicht alle Aufgaben lösen. Aber die Aufgaben, die uns der Krieg stellt, sind nicht gleichwersig. Die große Aufgabe ist, das Port Arthur-Geschwader zu paralysieren und schließlich aufzubringen und zu vernichten. Und dieser Aufgabe weihten wir unsre Flotte. Alle andren maritimen Aufgaben sind untergeordnet� und wir müssen sie vorläufig unberücksichttgt lassen. Und wenn das Wladiwostoker Geschwader noch so viele Verheerungen anrichten sollte, würden wir von unsren Plänen nicht ab- gehen. Kamimnra hat nur die Aufgabe, die Straße von Korea zu bewachen, was er auch gewissenhast thut. So lange Port Arthur nicht gefallen ist, hat Skrydloff freien Spielraum. Nach einem Siege Togos bei Port Arthur wird Wladiwostok an die Reihe kommen. Und je mehr Siege Skrydloff über Kauffahrteischiffe erringt, desto stärker wird sich die Ueberzeugung in Japan festsetzen, daß Rußland aus dem Pacifischen Ocean vertrieben werden muß.— Die japanische Bombe. Der Tod Kellers hat für die russische Regierung nicht nur militärische, sondern auch inncrpolitische Bedeutung. Er wurde als Gouverneur von Jekaterinoslaw im Jahre 1901 berufen; sein Vor- gänger hatte sich als treffsicher Plehwe- Geselle bewährt, indem er bei friedlichem Stteik fürchterliche Arbeiterauspeitschungen veranlaßte, er wurde belohnt, indem er zum Chef der Gendarmerie und danach als Gehilfe Plehwes in dessen unmittelbare Nähe versetzt wurde- Keller zeigte sich dieses Vorgängers würdig. Als in Charkow 1901 die Studenten in Verfolg einer Demonstration gegen die Einreihung ihrer Kameraden in das Militär furchtbar mißhandelt wurden, da fanden in andren russischen Städten, so auch in Jekaterinoslaw seitens der Studenten der dortigen Bergakademie sowie seitens der Arbeiter Sympathiekundgebungen statt. Keller übernahm das Oberkommando gegen die durchaus friedliche Demonstratton und ließ durch seine Kosaken fürchterliche Sceuen anrichten; zahlreiche Männer und Frauen wurden mit Nagaikas geschlagen, viele wurden auf lange Zeit in das Gefängnis geworfen. Im Jahre 1902 wurde wiederum eine Demonstration von Arbeitern und Studenten veranlaßt, wiederum ließ Keller einhauen, 40—50 Menschen verhaften. Diese Verhasteten, darunter auch Frauen und Mädchen, wurden auf dasbrutalste gepeitscht. Keller hat allerdings den mildemden Umstand seiner Schand- thaten, daß er ein notorischer Trunkenbold war. Er, der Arbeiter und Studenten wegen ihrer freiheitlich edlen Ziele mißhandelte, ließ in der Stadt, die seinem Befehl unterstellt war, jeder Unsittlichkeit freien Lauf; er befahl die Einrichtung von Schanklokalcn niedrigste! Art und er selbst trieb sich auf der Straße mit Dirnen umher. Das waren die Heldenthaten dieses Generals im Frieden! Er war noch zu„großem" ausersehen. Aber die japanische Bombe hat ihn zu seinem Meister Plehwe geworfen.— Der diplomatische Bruch mit dem Vatikan. Paris, 31. Juli.(Eig. Ber.) Pius X. und sein Staatssekretär, der Spanier Merry del Val, haben sich um den französischen Anttklerikalismus verdient gemacht. Ihrer herausfordernd aggressiven Taktik ist es in erster Linie zu ver- danken, daß der halbe diplomattsche Bruch zwischen der Republik und dem Vatikan nunmehr zu einem ganzen geworden ist. ES war ein hartes Stück Arbeit, die papstfreundliche Minderheit des Kabinetts Combes, die angesehenen und einflußreichen Minister Delcasss, Rouvier und Chaumiö, wie übrigens auch den schwankenden Ministerpräsidenten selbst für eine radikale Lösung, fei eS auch nur auf diplomatischem Gebiete, zu gewinnen. Das war desto schwerer. als die ministeriellen Wortführer im Parlament und in der Presse— mit ein paar Ausnahmen, darunter namentlich Clömenceau— in allen Stadien des Konflikts eZ für das beste hielten, sich eng an die Haltung und die Entschlüsse des Ministerpräsidenten anzupassen, anstatt ihn vorwärts zu treiben. Nur die draufgängerische In- transigcnz der römischen Kurie konnte jene schwere Leistung voll- bringen. Aeußerlich betrachtet, ist der Verlauf des Konflikt« unlogisch bis zur Lächerlichkeit. Der päpstliche Protest gegen LoubetS Romreise, obendrein in der Form eines Rundschreibens an die katholischen Mächte, war die denkbar schwerste Herausforderung an die Adresse einer auf ihre Selbständigkeit und Ehre haltenden Nation. Wie wurde aber der Protest beantwortet? Mt einem halben, heuchlerischen Bruch mit dem Vattkan: der französische Botschafter wurde abberufen, aber die Botschaft beibehalten,— noch mehr, die Ab- Berufung dem Vatikan offiziell nicht zur Kenntnis gebracht, so daß der päpstliche Nuntius in Paris ruhig bleiben konnte. Dann kam der Streit um die Bischöfe, eine Lappalie im Ver- gleich mit der päpstlichen Anmaßung, in die aus- wärtige Politik Frankreichs dreinzureden. Im Bischofsstreit handelt eS sich formal doch nur um eine Verletzung des Konkordats seitens des Vattkans, die nicht die erste und nicht die schwerste ist. Zudem war der„Heilige Stuhl" in der Lage, dem Disciplinarvergehen gegen die Bischöfe von Laval und Dijon rein geistliche Gründe unterzuschieben. Auf diesem Boden kamen die Proteste der französischen Regierung in den ketzerischen Geruch des Gallikanismus. Was ferner die konkordat- widrige Form ihrer direkten Aufforderungen an die Bischöfe betrifft, so erinnerte die römische Kurie daran, daß sie niemals die sogenannten„organischen Artikel" anerkannt hätte, die Napoleon I. dem eigentlichen Konkordat einseitig angehängt hat. Mit einem Wort, der Bischofsstreit war für die französische Regierung ein ebenso nachteiliger und Heister Anlaß zum Bruch wie die päpstliche Beleidigung Frankreichs ein vorteilhafter und fest be< flrflnbetcr Anlaß dazu war. Und doch ist der wirkliche Bruch aus dem Bischofsstreit entstanden. Dieses komisch anmutende Mißverhältnis zwischen der kleinen Wirkung einer großen Ursache und der großen Wirkung einer kleinen Ursache ist die Wiederspiegelung jenes andren Mißverhältnisses zwischen der Logik der Thatsachcn, die zum Bruche treibt, und der Unlogik der regierenden Menschen, die vor dein Bruche zurückschent. Der Bischofsstreit mag so der bekannte letzte Tropfen gewesen sein. der die Schale zum Ueberlaufcn bringt. Das erste wirklich wertvolle Resultat des Konflikts ist nun da. Es ist keineswegs gleichgültig. wie das Resultat herbeigeführt wurde. Der Wert einer fertigen Errungenschaft wird im Hinblick auf die weitere Entwicklung nicht allein durch ihren Inhalt bestimmt, sondern auch— nntunter sogar in erster Linie— durch die Art und Weise, wie sie zustande kam. Eine von oben octroyierte freiheitliche Verfassung kann sich gar bald minderwertiger erweisen als eine weniger freiheitliche, aber von unten erkämpfte, aufgezwungene Verfassung. Im gegebenen Falle verliert der Bruch mit dem Vatikan an Enttvicklungs- oder Zukunftswert im Verhältnis zu seinen ungünstigen Entstehungsbedingungen. Der vollständige diplomatische Brnch braucht nicht definitiv zu sein. Und noch weniger läßt er sich ohne weiteres als die Einleitung der Trennung zwischen Kirche und Staat ansprechen. Auch solche stramm katholischen Länder wie Oe st erreich und Belgien haben ihren diplomatischen Bruch mit dem Vatikan durchgemacht. JnFrankreich liegen die Dinge gewiß anders, so lange es bei der derzeitigen politischen Konjunktur bleibt. Aber man muß sich noch immer fragen, ob der Bruch eine vorübergehende Demonstration oder eine Etappe auf dem Wege zur Kündigung des Konkordats und zur Trennung zwischen Kirche und Staat sein wird. Herbeigeführt durch die päpstliche Jntransigenz, trotz des bösen Willens der einen und trotz des schwankenden, schwachen Willens der andren Vertreter des weltlichen Staates, birgt der Bruch in sich die beiden Möglichkeiten. Da ist es bezeichnend, daß D e l c a s s v und die ihm gleich- gesinnten Minister im letzten Ministerrat sich in der Abstimmung über den Bruchantrag Combes' der Stimme enthalten haben. Noch wichtiger ist der Umstand, daß der Bischofsstreit unlogisch zum verspäteten diplomatischen Bruch benutzt wurde, anstatt sachgemäß zum Ausgangspunkt der Kündigung des Konkordats benutzt zu werden. Die heute veröffentlichten Dokumente über den Streit zeigen übrigens, daß CombeS selbst sich durchaus bewußt ist, wie die richtige, sachgemäße Antwort hätte aussehen müssen. So schreibt er am 13. Juli an Deleasss, daß das Vorgehen deS Vatikans gegen die beiden Bischöfe»eine Art Kündigung des Konkordats" bedeute,„indem da- durch die auf dem Konkordat beruhenden Rechte der französischen Regierung öffentlich mißachtet werden". Die Regierung konnte zwar von sich aus die Kündigung nicht beschließen. Das ist Sache des Parlaments. Wohl aber hätte sie— nach der Ablehnung ihres Ultiniattinis durch die römische Kurie— beschließen können, die Kündigung des Konkordats im Parlament zu beantragen. Die Demonstration des diplomatischen Bruches hätte daneben einher- gehen oder auch— in diesem Falle ohne besonderen Schaden— unterbleiben können. Dem rechten Flügel des Ministeriums war freilich diese Demonstration, die wieder rückgängig gemacht werden kann, noch immer lieber als der unwiderrufliche KündigungSanttag. Unmittelbar nach dem letzten Ministerrat, in dem mit dem Vatikan gebrochen wurde, sind Combss und Loubct in die Sommer- frische gegangen. Und der nächste Ministerrat wurde bis September aufgeschoben. Die klerikale Welt stellt sich entsetzt über diese leicht- fertige Behandlung der grausigen Folgen des Bruches. Nicht anders haben von jeher die konservativen Geister unter den Republikanern und auch unter den gegenwärtigen Ministern die Abschafstuig der Botschaft am Vattkan für ein landesgefährliches Beginnen ausgegeben. Die vollendete Thatsache des Bruches wird die Lächerlichkeit der mehr oder minder aufrichttgen konservativen Aengste aufzeigen. Vielleicht wird dann mancher antiklerikale Aengsterling auch die Furcht vor der reinlichen Scheidung mit der Kirche los werden. Gleichzeitig mit dem Bruch wurde dem Bischof von Dijon daS Gehalt gesperrt, nachdem er sich aus dem Schutze Combes' eigen- mächtig in den päpstlichen Schutz geflüchtet hatte. Ferner wurde die Sulpizier-Kongregation von Dijon aufgelöst wegen ihrer Umtriebe gegen den nunmehr wieder papstfronnn gewordenen Bischof. Paris, 1. August.(2B. T. B.) Das„Journal offiziell" ver- Lffentlicht den zwischen der französischen Negierung und dem Päpst- lichen Stuhle gepflogenen Schriftwechsel betreffend die Bischöfe von Laval und von Dijon. Darunter befindet sich ein Brief Combes', in dem er Delcasse Mitteilung davon macht, daß der nächste Ministerrat die zur Wahrung der Würde der Regierung nötigen Maßregeln besprechen werde. Er betont die Inkorrektheit des Briefes des Kardinals Vannutelli an den Bischof von Laval, durch den er den Bischof unter Androhung der Enthebung vom Amt nach Rom beruft. Combes legt dann dar, daß dieser Brief und diese Drohung erneuert wurden. Er ist der Ansicht, daß diese Treibereien darauf abzielen, die Regierung zu vrovozieren und »ine Kündigung des Konkordats herbeizuführen, und giebt den Ent- schluß kund, die Beziehungen zum Päpstlichen Stuhle abzubrechen, wenn die Briefe nicht zurückgezogen würden. Der Schriftwechsel enthält ferner ein Telegramm D e l c a s s e s an den französischen Geschäftsträger beim Vatikan, in dem er ihn mit der Ueberreichung einer Note beauftragt, in der er dem Kardinal-Stäatssekretär mitteilt, daß Frankreich sich entschlossen habe, wenn der Päpstliche Stuhl die ohne Wissen Frankreichs vorgenommenen Akte aufrecht erhalte, die Beziehungen abzubrechen, da sie nach dem Willen des Päpstlichen Stuhles gegenstandslos seien; Delcasse fügt hinzu: Wir betrachten die Mission des apostolischen Nuntius als beendet. Die radikal-socialistischen Blätter beglückwünschen sich zu dem Bruch zwischen Frankreich und dem Vatikan. Sie geben der Hoffnung Ausdruck, die Regierung werde dabei nicht stehen bleiben, und ver- sprechen ihr ihre Unterstützung zur Erreichung der völligen Trennung von Kirche und Staat. Tic oppositionellen Blätter zweifeln, daß Combes bis zur Trennung von Kirche und Staat gehen werde und beschuldigen ihn, er wolle vor allem die Dauer seines Ministeriums verlängern.„Soleil" sucht nachzuweisen, daß der Bruch mit dem Papste unheilvolle Folgen haben werde, und spricht sein Erstaunen darüber aus, daß das Parlament nicht zusammcnberufen worden sei.— politifchc dcberficbt. Berlin, den 1. August. Reaktionäre Umtriebe. Wir haben auf die„wichtigen politischen Ent- s ch e i d n n g e n" hingewiesen, die von den Reakttonsparteiei: für die baldige Zukunft geschürt werden. Zu unsren Andeutungen sagt die„Germania": „Wozu diese versteckten Andeutungen? Fühlt der„Vorwärts" angesichts des bevorstehenden Parteitages vielleicht das Vedürstiis, die Genossen etwas graulich zu machen? Eine Abänderung des Reichstags-Wahlrcchts, das weiß der„Vorwärts" so gut wie wir, wird das Centrum nicht zulassen. Wozu also der Lärm?" Wir haben lediglich das, worüber uns zuverlässige Nachricht zu- ging, der Oeffentlichleit übergeben. Wenn die.Germania" durch ihre Fragen besagen will, daß sie von jener Konferenz der Führer der großen Parteien des Reichstages und deS Abgeordnetenhauses nichts weiß, so ersuchen wir sie, bei Herrn Dr. Spahn anznfragen. Wenn dieser das ihm so nahestehende Blatt erleuchten will, so kann es die Bestätigung unsrer Andeutungen und sonst mancherlei Jnter- essantcs erfahren. Eine wichtige Bestätigung unsrer Ausführungen findet sich im„ H a in b u r g i s ch e n Korrespondent". Das rechts- liberale Blatt schreibt, nachdem es gleichfalls die Notiz der„Neuen Polit. Korrespondenz" cittert hat: „Zunächst ist es ein starkes Stück, zu behaupten, daß hinter den agrarischen Schutzzöllnern im Reichstage die Mehrheit des Volkes stehe... Dann aber die Hauptsache. Welches sind den» die„wichtigen politischen Entscheidungen", deren Bevorstehen die „Korrespondenz" ankündigt? Ist das nur eine allgemeine Redens- art, wie wir sie gerade in den letzten Monaten bis zum Ueber- druß hören mußten, oder handelt es sich hier u m ganz bestimmte Anträge und Gesetzentwürfe, niit denen in absehbarer Zeit die Volksvertretung befaßt werden soll? Wir sind fast geneigt, das letztere anzunehmen, da auch uns ganz bestimmte Gerüchte über Pläne zu Ohren gedrungen sind, die wohl nicht ganz ohne Borwissen der verbündeten Regierungen im Schosse einzelner Parteien reifen sollen. Ob die uns zu Ohren gekommenen Nachrichten zutreffen, mag vorläufig dahingestellt sein, wir erwarten aber, daß die Herren von der K a r d o r f f- M a j o r i t ä t in der Freude ihres Herzens über die Wiederherstellung des Vertrauens der„staatserhaltenden Elemente" zur Regierung bald mehr ausplaudern. In welchem Zusammenhang die ersehnten Beschlüsse mit der Unter- zeichmmg des Handelsvertrages stehen sollen, wird uns allerdings auch dann noch unklar sein, aber man sieht doch aufs neue, unter welchem Gesichtspunkt die andre Seite die Zolltarifcampagne be- trachtet und wie sehr sich die Hoffnung, die Kardorff- Mehrheit in Permanenz zu erklären und sie für politische Zwecke zu fruktifizieren, sich bei ihr festgesetzt hat. Der verhängnisvolle Gedanke eines Kartells der„Ordnu nasparteien", bei dem selbstverständlich die mitwirkenden Liberalen die Zeche bezahlen müßten, scheint ihnen in den letzte» Tagen seiner Ber- wirklichung wieder um einen Schritt näher gekommen zu sein." Die„Germania" wird nicht annehmen, daß der„Hamburgische Korrespondent" das Bedürfins habe,„angesichts des bevorstehenden ssocialdemokratischen) Parteitages die Genossen etwas graulich zu machen" I Wenn aber die„Germania" die absolute Zuverlässigkeit des C e u t r u m s in Wahlrechtsfragen eifrig betont, so kann sie sich ein stattliches Verdienst erringen, indem sie die im Dunkeln schleichenden Umtriebe der Reaktton vollends an das Licht des Tages bringt. Allzu schwer könnte gerade ihr diese Aufgabe nicht sein; wie gesagt, sie befrage zunächst einmal ihren Parteisührer Dr. Spahn!— Ballin-Dicnst nnd Zaren-Dienst. Die Zurücklieferung russischer Auswanderer und Flüchtlinge nach Rußland wird an der deutsch-russischen Grenze eifrig weiter betrieben. Ein junger Russe schrieb am 20. Juli an einen Bekannten in Deutschland einen Bries, worin er mitteilte, daß er aus Rußland geflüchtet sei, nicht etwa wegen eines begangenen Verbrechens; er habe über Deutschland nach Paris fahren wollen, sei aber in Prostken in der Kon troll st ation fe st gehalten worden. Man wolle ihn nur loslassen, wenn er nach Amerika fahre. So weit reichte sein Geld aber nicht. Man wollte nicht warten, bis er Hilfe aus seiner Heimat bekam und drohte ihm, ihn nach der russischen Grenze zu bringen und auszuliefern. Er bat um Rat, was er nun thun solle. Der um Rat Gefragte sagte dem Russen Hilfe zu und verlangte nähere Auskunft. Auf den Umschlag dieses Briefes war die Adresse des Absenders geschrieben. Als nach vier Tagen weder Antwort eintraf, noch der Brief zurück kam, fuhr der Bekannte selbst nach Prostken und wollte in der Kontrollstatton den zurückgehaltenen Russen sprechen. Dort wurde ihm gesagt, daß der- selbe am Montag, den 25. Juli, a b g e r e i st sei. Auf die Frage wohin? erhielt er zur Antwort, dass von der Konttollstation darüber, sowie auf jede andre Frage keine Auskunft erteilt werde. Der also Abgefertigte erfuhr nun aber an andrer Stelle näheres über das Treiben auf diesen von der Hambnrg-Amerika-Linie eingerichteten Kontrollstatione» oder, wie sie genannt werden, Ouarantäne-Anstalten. Noch in keinem Jahre sollen so viele Russen über Deutschland ausgewandert sein wie in diesem. Die Auswanderer werden an den Grenzstattonen von Agenten in Empfang genommen und nach den Kontrollstationen Prostkcn, Jnsterburg usw. gebracht. Haben äe nach beendeter Untersuchung nnd Desinfektion Geld genug, um von der Hamburg- Amerika- Linie eine Schiffskarte nach Amerika zu lösen, so werden ihnen keine weiteren Schwierigkeiten gemacht, ganz gleich, ob ihre Papiere in Ordnung sind oder nicht. Zu dem Preis für die Schiffskarte kommen natürlich auch gleich die Kosten für den Agenten, für Ver- pflegung sowie für die Fahrt nach der Kontrollstation und von dieser nach dem Ort der Einschiffung. Wer aber nicht Geld genug für eine solche Schiffskarte hat, oder wer nach einem andren Lande fahren will, wird entweder den um die Stationen herumlungernden Agenten überlassen, die diese Russen für die ostpreußischen Guts- besitzer als Arbeiter anwerben; oder wenn es Flücht- linge oder Militärpflichtige sind, werden sie der preußischen Polizei übergeben und von dieser nach der russischen Grenze geschafft. Von diesem Schicksal wurden auch die von uns kürzlich erwähnten 20 Russen in Prostken ereilt. Wie man uns mitteilt, soll ein Arzt der dortigen Kontrollstation dieselben dem Gendarm»zur weiteren Veranlassung" übergeben haben I Die Angestellten und Agenten der Ballin-Dampfschiffahrts- Gesellschaft arbeiten also mit der preußischen Polizei Hand in Hand. Dadurch ergeben sich höhere Profite für die Gesellschaft und neue Liebesdienste für den Zarismus!— Die erschütterte„Norddeutsche". Die„Nordd. Allgem. Ztg." ist über unsre Erwartung eilig auch zu einer Beurteilung des Plehwe-Attentatcs gelangt. Sie schreibt erschütterten Herzens: „Eine erschütternde Kunde brachte der Telegraph am 28. Juli aus Petersburg: Der russische Minister des Innern v. Plehwe ist durch eine Sprengbombe, die von einem Anhänger der terroristischen Rcvolutionspartei unter den Wagen des Ministers geschleudert wurde, auf fürchterliche Weise getötet worden. Das blutige Er- eignis hat auch in Deutschland die weitgehendste Beachtung und Erörterung gefunden, und vielfach wurde in der liberalen, und noch prononcierter in der radikalen Presse der Versuch unter- nommen, für die entsetzliche That im Hinblick auf innere Verhältnisse in Rußland wie auf die Amtsführung des Verstorbenen mildernde U m st ä n d e anzurufen. Davon kann aber unsres Erachtens in keinem Betracht die Rede sein. Die au Herrn v. Plehwe begangene llnthat charakterisiert sich, wie man auch die Dinge wenden will, als gemeines Verbrechen, als ruchloser, verdammenswerter Mord. Und als das grausam hin- geschlachtete Opfer einer mit Bombe, Dolch und Revolver arbeitenden verbrecherischen Propaganda verdient der ermordete Minister unser Mitleid, und das befreundete Nachbarland, das in Herrn v. Plehwe einen thatkräftigen, hochbegabten und Pflicht- treuen Beamten verlor, die aufrichtige Teilnahme aller Freunde der gesetzlichen Ordnung." DaS letzte Wort der„Norddeutschen" könnte die Meinung er- wecken, als wolle sie sich verstohlen auf die Seite der liberalen und radikalen Presse schleichen. Wer von Plehwe spricht und an„gesetzliche Ordnung" erinnert, setzt sich dem Verdacht aus, als wolle er„das befreundete Nachbar- land" hämffch glossieren. Die„gesetzliche Ordnung" Plehwes „charakterisiert sich, wie man auch die Dinge wenden will", als eine endlose Steche gemeiner Verbrechen, als blutige Kette ruch- loser, verdammenswerter Mordthaten. Und die Zehntausende von hingeschlachteten Opfern einer mit Galgen, Gefängnisqualen, Sibirien arbeitenden verbrecherischen Willkürherrschaft verdienen das tiefste Mitgefühl aller Freunde der Gesetzlichkeit und der Mensch- lichkeit.— . Veutlcdes Reich. Mirbach am Montag. Die Woche fängt gut an I Die„Zeit am Montag" kündigt neue Enthüllungen an. Vorläufig erzählt sie nur soviel, daß ein Rittmeister a. D., der dem Freiherr» v. Mirbach verwandt sei, Ordens- und Titelhandel in einem Maße gettieben hätte, in dem er ohne die B e i h i I f e des Frhrn. v. Mirbach nicht möglich gewesen. Fortsetzung nächste Woche. So kommt der arme Freiherr stückweise in den Straßenhandcl!— „Die Welt am Montag": Die Frau eines Fabrikbesitzers, die ftüher als Mädchen eine„edle Thätigkeit" geübt haben soll, ist für ein Kirchenfenster<20—30 000 M.) der Kaiserin vorgestellt worden und hat den Luisenorden erhalten.— Das„Kleine Journal": Der Staatsanwalt sei damit beschäftigt. die Rätsel des Conto X. zu entwirren. Es hätten schon Vernehmungen stattgefunden. Man müsse auf Ueberraschnngen gefaßt sein. Dafür bringen die Abendblätter eine neue Ehrenerklärung der Mirbach-Vereine für ihren Herrn und Meister. Sie ist in der Tonart imm e r h in kühler, als es die erste war. Nachdem die Segnungen des Kirchenbaues geschildert sind, fährt die Er- l lärmig fort: Die Mittel zu dieser umfassenden Liebesthättgkeit sind durch Sammlungen beschafft worden, bei denen sich Freiherr von Mirbach in hervorragender Weise beteiligt hat. Die Einzelheiten seiner Sammelthätigkcit sind uns nicht vollständig bekannt und sind daher von uns nicht zu vcrttcten, aber wir können als berufene Zeugen dafür eintreten, daß in den sechzehn Jahren lenger Arbeitsgemeinschaft uns kein thatsächlichcr Anhalt für das Urteil vor Augen getreten ist, daß den zahlreichen, unsren Vereinen durch ihn zugewendeten Gaben ein Makel anhafte, ins- besondere, daß dieselben teilweise durch Zusagen von Auszeichnungen erlangt worden seien. Wir beklagen es, daß die öffentliche Meinung fort und fort eine persönlich verletzende Haltung einnimmt und wünschen im Interesse unsrer Vereiusarbeit dringend, daß über einige in der Oeffentlichleit besonders scharf betonte Fragen gerichtlich»der antt- lich sichergestellte rasche Klärung, soweit dies nicht bereits geschehen ist, herbeigeführt werde. Hierzu rechnen wir insbesondere den Ber- bleib des nicht zur Abhebung für den Kirchcnbanverein gelangten Teiles des Guthabens bei der Pommernbank, worüber Freiherr v. Mirbach selbst Auskunft zu geben nicht im stände ist. Gegenüber der von den verschiedensten Sttmmen in drängendem Tone ausgesprochenen Meinung, daß das öffentliche Wohl das Ausscheiden des Frhrn. v. Mirbach aus seiner bis« herigen Wirksamkeit erfordere, sprechen wir auf Grund unsrer umfassenden Kenntnis der Sachlage den Wunsch und die Hoffnung aus, daß der hochverdiente Mann, welcher zur Linderung der äußeren und inneren Not unsres Volkes so viel geleistet hat, dieser Thätigkeit noch lange erhalten bleibe. Schade nur, daß die Erklärung keine Antwort auf die wieder- holt gestellte Frage giebt, wie Herr v. Mirbach nach eignem Gut- dünken über ein dem Kirchenbauverein gehöriges Vermögen durch Verzicht verfügen konnte.— Kirchenban-Konzern. Ueber die Organisation der Mirbachvereine geben die Unterschriften der neuen Ehrenerklärung recht interessanten Aufschluß. In Betracht kommen: der Evangelisch-kirchliche Hilfs- verein, dessen Berliner Zweigverein, dessen Brandenburgischer Pro- vinzialverband, serner der eigentliche Kirchenbauverein, die Auguste Victoria-Psingsthausstiftung und die Rummelsburger Gemeinde- anstalten. Zunächst stechen unter den unterzeichneten Vorstandsmitgliedern einige glänzende Namen auf. Wir nennen den berühmten Herren- Hausagitator für die Socialdemokratie Frhr. v. Manteuffel. Landrat v. Stubenrauch, Graf v. Z i e t e n, Frhr. v. Goltz. Neben dieser Aristokratie ist das Bankenelement stark vertreten, und zwar ist es unter die einzelnen Vereine so verteilt, daß jedes Aquarium seinen Goldfisch hat. Im Engeren Ausschuß des Evati- gelisch-kirchlichen Hilfsvereins sind beispielsweise die Deutsche Bank vertreten durch Direktor R. Koch als„Schatzmeister". Im Ber- liner Zweigverein: Die Rcichsbank(Präsident Dr. Koch, Schatz- mcister) und die Dresdener Bank(Müller, Schriftführer). Der Kirchenbauverein ist seiner Wichtigkeit wegen besonders reich bedacht. Den Vorsitz führt hier die Diskonto- und Schantung-Eisenbahngesell- schaft(Deutsche Bank!) in der Person des Postdirektors a. D. Fischer. Die Seehandlung— Havenstein— ist erster Schatzmeister und das Bankhaus v. MendelSsohn-Bartholdy ist Rechnungs- revisor. Die Auguste Victoria-Stiftung hat die Landbank zugeteilt bekommen— Herr v. Tiedemann präsidiert-— während sich die Rummelsburgcr Gcmeindeanstaltcn mit der Firma Stobwasser be» gnügen müssen. Auch die Sandenbanken haben diesem Kirchenbau-Konzern an- gehört. Auch die Schmidt und S a n d e n hätten mit Wonne unterschrieben. Aber das war einmal und alles kann nicht klappen. Sicher aber ist die geistreiche Strategie des Herrn v. Mirbach zu bewundern, die so gut wußte, wo der Barthcl den Most holt und den jetzt die Presse als einen geschäftsunkundigen Naivling hinstellt, der über Hunderttausende quittiert, ohne eigentlich zu wissen, was er unterschreibt. Zur Brausteuer-„Reform" schreibt die„Deutsche Freie Presse": „Die genannte Reform soll auf eine Steigerung der Erträge der Brausteuer hinzielen. Daß die kleineren Brauereien sich für die Staffelung begeistert haben, weil sie vermeinten, sich dadurch gegen die Konkurrenz der größeren Brauereien schützen zu können, die ver« möge ihrer technisch vollkommenen Einrichttmgen eine größere AuS- beute aus dem Rohprodukt erreichen, ist ja eine bekannte Thatsache. Die geplante Staffelung mag ja auch in großem Umfange dem verkehrten Grundsatze entsprechen, technische Fortschritte steuerlich zu b e st r a s e n. Sie soll aber, wie gesagt, auch einen und keinen geringen Mehrertrag der Brausteuer erbringen, so daß die kleineren Brauereien, die nach der Staffelung geschrien haben und nun der Staffelung vorgespannt werden, mit dem Zauberlehrling sagen können:«Die ich rief, die Geister, wcrd' ich nun nicht los!"— Hüsscner in Ferien? Der„Rheinischen Zeitung", unsrem Kölner Parteiblatt, wird von zuverlässiger Seite berichtet, daß der Fähnrich Hüssener, der zur Zeit auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz die ihm wegen des Totschlags an dem Essener Hotelierssohn Hart- mann zudiktierte Strafe abbüßt, am Dienstagabend ohne militärische Begleitung im Sportanzug in Köln gewesen sei und sich dort längere Zeit aufgehalten habe. Hüssener sei zum Besuch seiner in Neuwied weilenden Mutter beurlaubt gewesen und habe die Gelegenheit zu einem Abstecher nach Köln benutzt. Trotz der Zu- verlässigkeit der Gewährsleute will die„Rheinische Zeitung" die Nachricht für unglaublich halten, weil es im allerhöchsten Maße unerhört erscheine, daß man jemand, der unter so empörenden Umständen ein Menschenleben vernichtet hat, in dieser Weise begünstige.— Wilhelmshaven, 1. August. Zwei Franzosen, die kürzlich unter dem Verdacht der Spionage hier verhaftet waren, sind nach Vor- fllhrung vor dem Amtsgericht freigelassen worden.— München, 1. August.(W. T. B.) Der Berichterstatter der Kammer der Reichsräte für den Militär-Etat, General Ritter v. Haag, äußert sich über die Angelegenheit des Kriegs- Ministers v. Asch folgendermaßen: Beim Kapitel„Kriegsministerium" wurde eine vertrauliche Entschließung des Kriegsministeriums in einer ehrengerichtlichen Angelegenheit eingehend besprochen. Ich werde auf die Streitfrage, die nur zu viel Staub auf- gewirbelt hat, nicht näher eingehen, da ein Ausgleich der bestehenden Meinungsverschiedenheiten auch durch die ein- gehendste Besprechung nicht herbeigeführt werden kann; es sei mir aber doch die Bemerkung gestattet, dast unser Offizierkorps dem Kricgsminister zum Danke verpflichtet ist für die sorgsame Art und Weise, wie derselbe auf die-Wah- rung der Standesehre hält und bei jedem Anlasse für ritterliches Verhalten der Offiziere eintritt. Ich kann aber bei diesem Anlasse ein schweres Bedenken nicht unterdrücken. Dasselbe richtet sich gegen die unbefugte Veröffentlichung geheimer Erlasse. Wenn das Kriegsministerium Verfügungen als vertraulich bezeichnet, so ist dasselbe sich bewußt, daß die Geheimhaltung eine Notwendig- keit ist, sei es im Interesse von Persönlichkeiten, sei es im Interesse der Landesverteidigung. Nach meinem Empfinden müßte jeder, der auf irgend einem Wege in den Be- sitz eines sckreten Schriftstückes gelangt und dasselbe allen- falls zur Wahrnehmung berechtigter Interessen verwerten will, vor- her demjenigen, der dasselbe ausgestellt hat, davon Kenntnis geben, damit er die Tragweite erfahre, welche die öffentliche Besprechung des Inhalts eines derartigen Schriftstückes hat: denn unter Um- ständen kann sonst eine schwere Schädigung persönlicher Interessen, ja eine Gefährdung des Interesses der Landesverteidigung herbei- geführt werden. Für die Kriegsverwaltung wird dieser Vorfall wohl Anlaß bieten, neuerdings Vorkehrungen zn treffen, um der Ver- öffentlichung sekreter Schriftstücke entgegenzutreten. Der Herr General dankt dem Kriegsminister für„Wahrung der Standesehre" der Offiziere, da derselbe gegen das Gesetz die Förderung des Duells in geheimem Erlaß betrieben hat! Widerwärtig ist dem bayrischen Herrenhäusler nicht die geheime Ungesetzlichkeit, sondern allein die Thatsache, daß die Ungesetzlichkeit an den Tag gebracht worden ist. Feudaler kann der Fall Asch nicht behandelt werden.— Kluslanck. Vom Attentat gegen Plehwe. Petersburg, 31. Juli./z Uhr in der Dieffen- bachstratze 32 ein Kellerbrand gelöscht werden. Um Mitter- nacht kam in der Dalldorferstr. 6 in einer Wohnung Feuer aus, das auf ein Zimmer beschränkt werden konnte. Küchengeräte, Fußboden u. a. gingen in der Oraniensw. 171 in Flammen auf. Möbel, Kleider, Gardinen, Betten, Decken sc. brannten in der Watt- straße 76, Oranienstr. 5, Kirchbachstr. 9, und andren Stellen. In der Manteuffelstr. 88 brannte das Dach, in der Pallisadenstr. 26 der Keller, in der Graunsw. 33 Teer, die Waschküche und andres auf dem Boden, und am Koppenplatz 12 ein Bauzaun. Auch in der Britzer- straße 16 brannte Teer. Kohleubrände wurden aus der Swinemünder- straße 83, Marienburgerstr. 21, am Moabiter Güterbahnhof, aus der Marienstr. 32. Jnvalidenstr. 157, Neuen Königstr. 56, Kolberger- straße 26, Wrangelstr. 132 und andren Orten gemeldet. waren Mitglieder des Partei- der Stadtvcrordnetcn-Fraktion Uhr wurde der reich mit den Klängen eines Trauer- Die Beerdigung Keßlers. Auf dem Schöueberger Gemeindefriedhof hatte sich gestern nach- mittag ein zahlreiches Trauergefolge versammelt, um dem ver- torbene» Genossen Keßler das letzte Geleit zu geben. Die Mehrheit der Leidtragenden bildeten die Vertreter der gewerkschaftlichen Richtung, die in dem Verblichenen ihren geistigen Führer betrauert. Außer diesen hatte sich eine nicht geringe Zahl von Parteigenossen eingefunden, die den Verstorbenen als Kämpfer für die Social demokratie ehrten. Unter andern Vorstandes, der Reichstags- und anwesend.— Kurz nach Ve5 Blumen geschmückte Sarg unter morsches zur Gruft getragen. Ihm folgten zunächst Familien ungehörige des Verstorbenen, denen in langer Reihe die Deputationen, welche mit Kränzen gekommen waren, sich anschlössen. Die Gewerk- chaften der sogenannten lokalen Richtung, soweit sie in Berlin und den Vororten domizilieren, waren vollzählig vertreten. Ferner waren Vertreter dieser Richtung aus Königsberg i. P. und aus Hannover erschienen. Die Geschästskommission der Freien Ver- einigung deutscher Gewerkschaften sowie das Gcwerkschaftskartell ür Berlin spendeten je einen schönen Kranz. Von politischen Organisationen hatten die Wahlkreise Teltow- Becskow und Niederbarnim, denen der Verstorbene als socialdemokratischer Agitator nahe gestanden hafte, sowie die Parteigenossen von Velten Deputationen rnit Kranzspenden entsandt. Die Redaktion und Ex- pedition des„Vorwärts" hatte ebenfalls einen Kranz gespendet. Als der Sarg in die Gruft hinabgesenkt wurde, ließ ein Gesang- verein stimmungsvolle Weisen ertönen. Kleinlein, der den Kranz der Geschäftskommission niederlegte, widmete dem Verstorbenen eineir �___________ kurzen Nachruf. Er gedachte des Wirkens Keßlers als eines Kämpfers I Korbmachers Nentwig hat an Lungenschwindsucht gelitten und ist für die Befreiung des Proletariats und versicherte, daß alle, welche infolge einer hinzugetretenen Lungenentzündung gestorben. Zeichen ßue den Nachbarorten« Charlottenburg. Feuer im Rathaus wurde um 2 Uhr in der Feuerwache am Lützow gemeldet, und sofort rückte ein Zug mit Dampsspritze und mechanischer Rettungsleiter nach dem nahen Rat- haus, Lützowerstratze 11/12, wo aus zwei Kellerfenstern ein erstickender Qualm drang. Nachdem festgestellt war. daß es sich um einen unbedeutenden Brand einiger alter Kisten im Keller handelte, konnten die Dampfspritze und die mechanische Leiter wieder abfahren. Das Feuer wurde mit geringer Mühe abgelöscht. DaS Rathaus, dessen Vorderftont in der Berlinerstraße der Vollendung entgegengeht, hat eine nennenswerte Beschädigung nicht erlitten. Pankow. Die Vorortgemeinden werden in der Forderung von Entschädigungsansprüchen, welche sie anderen Gemeinden gegenüber stellen können, immer unverschämter. Zu wiederholten Malen kann- ten wir berichten, welchen Schwierigkeiten die Gemeinde Pankow mit der Legung ihres Druckrohrs nach ihren Rieselfeldern begegnet, trotz- dem das Rohr in den Schutzstreifen der Eisenbahn verlegt wird. Die Gemeinde Roseirrhal schießt nun mit ihrer Forderung den Vogel ab, indem sie 60 000 M. Entschädigung verlangt und zwar aus dem Grunde, weil auf einer Strecke von 1100 Metern die ausgehobene Erde während der Legung des Rohres auf einem parallel der Bahn liegenden Feldweg zu lagern kommt, ohne daß irgendwie der der Gemeinde gehörige Feldweg selbst zur Legung des Rohres benutzt wirdl Verschiedene Verhandlungen haben dazu geführt, daß bis Forderung auf 20 000 M. herabgesetzt wurde, Pankow bot 7500 M,» vergebens I Als vor einigen Tagen die genannte Strecke in Angriff genommen werden sollte, schwärmte ganz Rosenthal nach dem Ge- lande. Der stellvertretende Gcmcinde-Vorsteher Schmidt, unterstützt von der Ortspolizei, inhibierte die Arbeiten. Man soll den Bogen bekanntlich nicht zu straff spannen I Auch die Rosenthaler werden wehmütig ihren Trotz bedauern. Pankow hat dem Unternehmer 5000 M. bewilligt, weil nunmehr sogenannte Arbciterzüge auf dem Geleise aufgestellt werden, welche die ausgehobene Erde aufnehmen. Nach Legung des Rohres wird die Erde direkt vom Wagen in die Baugrube befördert. Die Arbeiten können nur des Nachts vorge- nommen werden und werden etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen. Friedrichsfelde. In ihrer letzten Sitzung hatte sich die Gemeinde- Vertretung mit einer außerordentlich großen Tagesordnung zu be- schäftigen. Die Prüfung der Jahresrechnung pro 1903 ergab eine Einnahme von 367 132,13 M., dem stand eine Ausgabe von 361 075,11 M. gegenüber; mithin ein Ueberschuß von 6356,69 M. Verschiedene Vertreter machten Ausstellungen an einzelnen Posi- tionen. Genosse Pinseler erbat Auskunft über 386 M., die angeblich für Reinigung der Düngergrube im Armenhause verausgabt wurden. Tie Antwort ergab, daß auf dem Armenhausgrundstück die Dunggrube bei Regen als Sammelbassin benutzt werden muß. Hoffentlich wird dies bald geändert. Herr Vertreter Bube stellte die Frage, ob es wahr sei, daß der Berein für Hindernisrennen für die Konzerte auf der Rennbahn keine Lustbarkeitssteuer zahle. Der Gemeindc-Vorsteher mutzte dies zugeben; will aber nun das weitere veranlassen. Eine für Extraarbeiten an Bureaubeamte verausgabte Summe fand seine Erklärung in den Worten des Gemeinde-Vor- 'tehcrs:„Die Regierung verlangte die Fertigste!- lung der Reichstagswählerlisten innerhalb fünf Tagen. Später hatten diese Listen keinen Wert mehr, da die Wahl erst im Juni stattfand."— Die Besitzer des Oberfeldes hatten eine Abänderung des Bebauungsplanes für dieses Terrain nachgesucht, weil die geforderte Entwässerung zu viel Linsten verursacht._ Zu bemerken ist, daß der Entwässerungsplan schon verschiedene Projekte zeitigte. Das erste Projekt wurde vom Landrat v. Treskow be- anstandet. Das zweite scheiterte, weil der Rittergutsbesitzer von Treskow, dessen Ländereien berührt werden mußten, unentgeltliche Mitbenutzung der Entwässerung bei späterer Bebauung seines ziemlich großen Terrains verlangte. Das dritte Projekt war den Interessenten zu teuer, weil große Rohre erforderlich waren. fCementrohre von 1,20 Meter.) Beim jetzigen Projekt sollen die Rohre mit einem Durchmesser von 1 Meter direkt vom Oberfeld durch die Treskow- wiesen nach dem Bruchgraben geleitet werden. Nach längerer Dis- kussion wurde dem zugestimmt. Falls der Herr v. Treskow in seiner Eigenschaft als Kreis-Landrat wieder die Genehmigung verweigert. wollen die Interessenten den Klageweg beschreiten.— Bei der Beschlußfassung über Erbauung eines Gebäudes für Fleischbeschau. Freibank, Desinfektionsanstalt usw. schlug die Kommission bedeutende bank, Desinfektionsanstalt usw. schlug die Kommission bedeutende Aenderungen vor. Die Dcsinfektionseinrichtung sollte gänzlich fort- allen. Vergebens betonte Genosse Pinseler, daß bei Eintritt einer Epidemie die Berliner Desinfektionsanstalten überfüllt seien, es zur Erbauung einer eignen dann aber zu spät wäre. Die Mehrheit chloß sich dem Kommissionsanftage an.— Die freiwillige Feuerwehr im Ortsteil Karlshorst verlangt ein Dienstgebäude mtt Ver- ammlungsraum. Kommandozimmer, Dienstwohnungen, Pferdeställen ür 6— 8 Pferde usw. Da die Sache einer Kommission zur Vor- Prüfung überwiesen werden soll, beantragt Genosse Pinscler eine tändige Baukommission zu wählen. Dieses wird abgelehnt, die Sache elbst aber der Kommission für das Weglassen� der-�smfemons- anstalt überwiesen. Unsere Genossen sind in dieser Kommission nicht vertteten. Sollte im Plenum die Kritik schärfer werden, so hat die bürgerliche Mehrheit die Schuld. Rixdorf. In der von uns am Sonntag erwähnten Waisen« ausaffäre veröffentlicht der Mogistrat jetzt die versprochene Darstellung des Falles. Es heißt in dem Bericht:„Das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Ermittelungsverfahren hat keinen Anhalt für die Anschuldigungen ergeben und ist eingestellt worden. Nach dem Einstellungsbeschcide der königlichen Staatsanwaltschaft ist folgender Sachverhalt ermittelt worden: Ter jüngere Sohn des einer Gewalteinwirkung, also Mißhandlung, einer Vernachlässigung oder mangelnden Nahrungszufuhr haben sich bei der Leichenbesich- tigung und Leichenöffnung nicht ergeben. Ebensowenig sind durch die ärztliche Untersuchung des älteren Sohnes des Nentwig Spuren von Mißhandlungen oder schlechter Ernährung, schlechter Wartung und Pflege festgestellt. Die an dem Knaben wahrgenommenen Flecken und Striemen sind nach dem Gutachten der Aerzte die Folgen einer Blutkrankheit. Auch die Nachforschungen in dem Armenhause haben zu einer Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten und Pflichtwidrigkeiten, welche zu einem Einschreiten Anlaß geben könnten, nicht geführt." Zu dieser Darstellung schreibt uns Genosse Dr. S i l b e r st e i n: Ich wurde im März dieses Jahres von dem Korbmacher Nentwig zu seinen Kindern gerufen, die er soeben aus dem Waisenhause geholt hatte; ich fand 2 Kinder in geradezu entsetzlichem Zustande vor. Das jüngste, ein Säugling von einigen Monaten, machte einen schwertranken Eindruck, war zum Skelett abgemagert und zeigte an den verschiedensten Stellen Hautgeschwüre, die durch Wundliegen ent- standen waren; dieses Kind war, wie sich durch die Sektion heraus- stellte, an Lungenentzündung und Tuberkulose erkrankt, aber trotzdem im Waisenhause geblieben, wo für schwerere Krankheiten keine Für sorge getroffen ist. Die ärztliche Pflege wird daselbst von einem der beschäftigsten Aerzte Rixdorfs ausgeübt, der viel über Land reist und außerdem auch das Siechenhaus, Armenhaus und die Armenpraxis des Bezirks mit ärztlicher Thätigkeit versorgt. Dieses Kind starb bald nach der Entlassung aus dem Waisenhaus und ich gab sowohl im Totenschein, als in der Stadtverordnetenversammlung der Meinung Ausdruck, daß der Tod des Kindes vielleicht zu verhindern gewesen wäre, wenn es in ein Krankenhaus gebracht wäre mit genügender ärztlicher Pflege und Beaufsichtigung. Ter Obduktionsbefund hat nun keine Vernachlässigung feststellen können; ich bleibe dabei, daß es ein Zeichen von grober Vernachlässigung ist, wenn bei einem Säugling an vielen Körperteilen wundgelegene Stellen vorhanden sind. Das zweite Kind, ein Knabe von circa IV»— 2 Jahren, zeigte nun eine Reihe von Verletzungen. Zunächst war ein ein 5(1 Pfennigstück großes, scharf die Kopfhaut durchschneidendes Loch mit stinkendem, jauchendem Eiter belegt, ganz mangelhast verbunden, zu konstatieren. Äuf der einen Wange zeigte sich ein gelbschwärzlict�r Fleck und an den verschiedenen Körperstellen, Armen, Schenkeln usw., waren mehr oder weniger frische, mehrere Centimeter lange rote und bläuliche Striemen vorhanden, einige machten sogar den Eindruck, als ob sie mit einem scharfen Gegenstand, Rute oder Strick, entstanden waren. Ich sandte dieses Kind, da zu Hause nichts damit anzufangen war. behufs Ueberweisung in ein Krankenhaus zum nächsten Armenarzt Dr. Paetsch, der mir auf telephonische Anfrage sofort erwiderte, auch er sei der Ansicht, die Kinder seien mißhandelt. Diesen Befund brachte ich in der Stadtverordneten-Versammlung bor, es entstand das bei solchen Gelegenheiten übliche Reden und das Gc- schimpfe auf die Socialdemokratie. Schließlich wurde die Sache ein fach dem Staatsanwalt übergeben. Dieser hat nun nach bmonailicher Untersuchung das Versahren eingestellt. Bei dieser Untersuchung bin ich als derjenige, der die Verletzungen zuerst, noch dazu als Arzt. gesehen hat, nicht vernommen worden. So viel ich weiß, hat auch der Staatsanwalt den Armenarzt Dr. Paetsch nicht vernommen, sondern Dr. Paetsch ist nur von dem Decernenten in Rirdorf verhört worden, wobei er zwar seine frühere Aussage etwas eingeschränkt hat, aber doch dabei blieb, daß die Striemen von Mißhandlungen herrühren. Wer die abhängige Stellung eines Armenarztes von der städtischen Verwaltung kennt, wird begreifen, daß dieser Herr etwas zurückhaltender wurde. Eine Wärterin des Waisenhauses gab ferner zu. daß sie zwar häufig Kinder schlage, aber gerade diese habe sie nicht geschlagen, und das glaubte man ihr auch. Während man all dies Belastende ignorierte, gab man umsomchr auf das Gut- achten des im Nebenamt thätigen Waisenhausarztes, der dann noch unterstützt wurde durch den Krankenhausarzt Dr. Riese in Britz, die einmütig die Striemen für eine Blutkrankheit I und das Loch im Kopfe für ein Geschwür erklärten. Eine herrliche Perspektive eröffnet sich für alle prügellustigen Kindererzieher, seitdem die Striemen für eine Blutkrankheit erklärt sind.— Infolge dieser Gutachten steht nun der Magistrat glänzend gerechtfertigt da und die bösen Socialdemokraten sind wieder hereingefallen. Aber im Ernst, — es war ja leider anzunehmen, daß nichts bei der Sache heraus- kommen würde, nachdem sie so lange hingezogen war, hoffentlich wird sie den Nutzen bringen, daß der Magistrat in Zukunft etwas schärfer aufpatzt und dafür sorgt, daß arme Waisenkinder von solchen Blut- trank heiten verschont bleiben. Gerichts-Zeitung. Der Raturheilkundige Heinrich Kramer hatte sich gestern vor der dritten Ferienstrafkammer des Landgerichts I wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten. Zu einem hiesigen praktischen Arzt kam eines Tages ein junger Mann, welcher sich in einem be- denklichen Zustand befand. Brust und Rücken waren ihm vollständig wund. Er gab an, daß er Schmerzen in der Brust gehabt und dieserhalb den Angeklagten in Anspruch genommen hätte. Dieser hätte ihn durch Anwendung von Baunscheitismus zu heilen vec- sucht, das Uebel aber nur verschlimmert. Der Patient wurde durch sachgemäße Behandlung bald geheilt, gegen den Naturheilkundigen aber Anzeige erstattet. Der medizinische Sachverständige begut- achtete im Termin, daß das Verfahren des Angeklagten durchaus unzweckmäßig und widersinnig gewesen sei und dem Patienten fast unerträgliche Schmerzen bereitet habe. Der Staatsanwalt be- zeichnete das Verhalten des Angeklagten als ein frivoles Spiel mit der Gesundheit seiner Mitmenschen, er beantragte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Der Gerichts- Hof beließ es mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten bei einer Geldstrafe von 100 M. Vermischtes. Zugentgleisungen. Langenfelde(bei Altona), 31. Juli. (Amtliche Meldung.) Am 30. Juli engleiste neben dem Güter- bahnhof Langenfelde der von Neumünster nach Altona fahrende Schnellzug 21. Ursache war die Entgleisung eines Wagens eines Materialzuges im Nebengeleise. Der entgleiste Wagen hatte sich zur Seite geneigt, so daß der im selben Augenblick vorbeifahrende Schnellzug gestreift wurde. Personen sind nicht verletzt worden. Die Reisenden wurden von dem nachfolgenden Zuge 33 auf- genommen und langten mit 30 Minuten Verspätung in Altona an. Weitere Betriebsstörungen sind nicht eingetreten, da der zwei- geleisige Verkehr durch Umlegung über den Güterbahnhof in kurzer Zeit wieder aufgenommen wurde. Osnabrück, 31. Juli. Von dem v-Zug 93 Köln— Hamburg entgleisten gestern mittag auf dem Einfahrtsstrange der Station Hafbergen vier Personenwagen, die noch 400 Meter mitgeschleift wurden. Nennenswert verletzt ist niemand. Der Rest des Zuges fuhr mit einer halben Stunde Verspätung in den hiesigen Bahn- hos ein. Waldbrände. Dessau, 31. Juli. In den preußischen und anhalti- schen Forsten zwischen Oranienbaum, Sollnitz und Moehlau wütet ein heftiger Waldbrand. Bis zum Abend waren 3000 Morgen in Flammen, ohne daß das Feuer zum Stillstand kam. Bei der Löschung sind 400 Mann Dessauer Militär, Feuerwehren und freiwillige Mann- schaffen thätig. Ter Güterbahnhof in Ouakenbrück ist durch eine Feuersbrunst eingeäschert worden. Das im Kreise Rendsburg gelegene Dorf Pleifjen ist gestern nacht zur Hälfte niedergebrannt. Etwa 20 Häuser wurden ein Raub der Flammen. Menschenleben sind keine zu beklagen. Hamburg. Beim Baden in der Elbe sind gestern drei Personen, ein Heizer und zwei Kinder, ertrunken. Mainz. In der vergangenen Nacht wurde der erst kürzlich aus Amerika zurückgekehrte Privatier H. Keller aus Marburg mit einer Schußwunde im Kopfe in den Anlagen aufgefunden. Er selbst gab an, überfallen und beraubt worden zu sein. Er wurde in das Rochus-Hospital gebracht. Radautz(Bukowina). Eine aus 30 Personen bestehende Ge- sellschaft von Ausflüglcrn unternahm mit der Zahnradbahn eine Partie nach Falken. Als der Zug gerade an einer steilen Stelle eine Schlucht passierte, versagte die Bremse, ein Wagen wurde aus den Schienen geschleudert; von den Ausflüglern wurde eine Dame ge- tötet, während die übrigen Personen mehr oder minder schwer ver- letzt wurden. Andre-Fund. Kristiania, 1. August. Einem Privattelegramm der Zeitung„Verdens Gang" zufolge hat ein Kapitän aus Tromsö eine Flaschenpost von Andres Polarerpedition gefunden. Die Flasche, die bei einer kleinen Insel nördlich von Spitzbergen gefunden wurde, enthielt einen von 1893 datierten Brief. Näheres über dessen Inhalt ist erst nach einem Monat zu erwarten. Eingegangene DrueKfeKntten. Von der„Neuen Zeit*(Stuttgart, Dich' Verlag) ist soeben das 44. Heft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Hcstes heben wir hervor: Der KönigSberger Prozejz.— Aus einem Kleinstaaten-Parlament. Von Emil Eichhorn.— DaS Verhältnis zwischen der socialdcmokratischen Partei und der GcwerkschastSbewegung. Eine historische Darstellung und Auseinandersetzung vom gewcrkschastlichen Standpunkt. Von August Bring- mann.— Zur Maifeier. Von Albert RudolpH-stuttgart.— Literarische Rundschau: Max Apel, Immanuel Kant. Max Adler, Immanuel Kant zum Gedächtnis. Georg Simmel, Kant. Von F. M. Fritz Brubpachcr, Arzt in Zürich, Kindersegen und kein Ende? Von H. 0. Mar Büchler, Marxismus und Arbeiterschutz-Gesetzgebung. Von K. K. Dr. Hermann Beck, Recht, Wirtschast und Technik. Von I. German.— Notizen: Zu einer intcr- nationalen socialistischen Wahlstatistik. Von e. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalicn und Kolporteure zum Preise von 3,2ö M. pro Quartal zu bezichen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummcrn stehen jederzeit zur Verfügung. ßnefhaften der Redafttfoa Ei«„Bo rw ärts*-Leser. Wir haben den Artikel des„Börsen-Courier* vom 2S. Juli über die Socialdemokratie nicht übersehen, es ist aber weder möglich noch nötig, ans jede der zahllosen Polemiken gegen die Social- demokratie einzugehen. Dh. F., Werder. Nein, eine Zeitung, die regelmäßig vollständige Listen derartiger Subhastalionen bringt, giebr es nicht. E. Schulz, Strasienabonnent. Ist Ihnen denn jetzt erst ausgesallen, daß Sonnabends keine Unterhaltungsbeilage erscheint?— Sch.«. G. 18. Für Materialtransport 1880, sür Personenbesörderung 1881 dem Verkehr übergeben.— W. R. 28. Eine solche Broschüre ist nicht erschienen.— Freimaurer.„Die Freimaurer* von I. Sassenbach, Preis EO Ps., Buchhandlung„Vorwärts", Lindenstr. 89. Furiktikcber Cell. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit gluSnahme des Sonnabends bou 7'la bis»'/i Nhr abends statt. tSeöfinet: 7 Ubr. F. H. 10. 1. und 3. Eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit für Handlungsgehilfinnen besteht nur so weit, daß nach Beendigung der tag- lichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Rtchezest von mindestens zehn Stunden und eine angemessene Mittagspause zu gewähren ist. Im übrigen gilt die allgemeine Vorschrist, daß der Ches sür die Arbeits- und Erholungs- zeit die Anordnungen zu treffen hat, die mit Rücksicht aus die Gesundheit der Gehilfin crsorderlich sind. In Ihrem Falle würde eine Klage aus Herab- setzung der Arbeitszeit schwerlich, ivohl aber eine Klage aus Ausdehnung der Pause aus 2 Stunden Ersolg haben. Mehr Erfolg und schnellere Abhilfe erreicht Ihre Tochter, wenn Sie Mitglied des Cenwalverbandes der Handlungsgehilsen und Handlungsgehilfinncn(Neue Friedrichstr. 20) wird und diesem den Sachverhalt schildert. 2. Kündigungsfrist 6 Wochen zum Ouartalsersten. 4. Das Geschäst kann sowohl Fabrikbetrieb wie Laden- geschäst sein: die Begriffe schließen sich nicht aus. Die Expedientin ist Sandlungsgehilfin. 5. Die Arbeitszeit, nicht aber den Lohn darf der hes einseitig herabsetzen.— N. 2. 33. Nein.— X, D. Z. Ja. — Lenchcn. Der Passus des Statuts, daß restierende Mitglieder aus- geschlossen Das Mitglied sein. Ob Ihre„. tritt genügte, läßt sich ohne Kenntnis des Statuts nicht beantworten. Uebertragen können Sie Ihre Rechte nicht. Sind Sie nicht rechtmäßig ausgetreten und waren Sie beim Eintritt in den Verein volljährig, so ausgetreten und waren Sie beim Eintritt m den Verein vouiatiril müssen Sie die gesamten restierenden Beiträge nachzahlen.— H. A> c'v_ i:.r.. crr..„. t t*: rvci«. �„ i.... o r... v t � �~...—•> i l �14.« aTTa«. 1 1.> 1-.. Ihnen zu■WP,_. nehmen.— Mietsvertrag. Die Ansicht, man könne innerhalb 12 oder 24 Stunden von einem Vertrage einseitig zurücktreten, ist ebenso weit verbreitet, wie irrig.— Tausend. Ja. — L. B. Die Reisen wurden im Staatsinteresse unternommen und von Staatswegen bezahlt.— L. K. Sie könnten in einer nochmaligen Vor- stellung darlegen, daß die Erwerbsmöglichkeit vielleicht durch den künstlichen Stiesel geschaffen werde. Die Eingabe wird aber schwerlich Ersolg haben, weil die Landesversicherungsanstalt davon ausgeht, daß nur dann der- gleichen zu gewähren ist, wenn durch die Gewährung die Erwerbsunsähia- teit verhütet oder wieder ausgehoben wird. Würde letzteres eintreten, so siele die Rente sort. Ihrer Tochter wird leider nur übrig bleiben, sich an die Armcndirektion zu wenden.— Karl H. 1. Ja. 2. Sechs Wochen zum Ouartalsersten. 3. Innerhalb eines Jahres ist der Antrag aus Rückerstattung zu stellen. Wird weiter geklagt, so verliert die junge Frau ihre etwa ein- tretenden Ansprüche aus Rente nicht und kann im Erkrankungssall einer Heilstätte überwiesen werden. 4. Geburtsurkunden, Militärpapiere, Ein« willigung des Vaters, falls die Braut minderjährig ist.— Max 21. 1. Ja. 2. Nein. Aus Antrag des Landarmcnverbandes, das ist der Bromberger, muß leider die Mutter dorthin zurückkehren, falls nicht in unanfechtbarer ~" für sie auskömmlich gesorgt wird Weise von andrer Seite Marktpreise von Berlin am 30. Juli. Nach Erm'stelungen des kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Ccnwer: Weizen**), gute Sorte 17,55-17,53 M.. mittel 17,51-17,49 M., geringe 17,47—17,45 M. Roggen**), gute Sorte 13,80—00,00 M., mittel 00,00—00,00 M., geringe 00,00-00,00 M. Futtcrgerste*), gute Sorte 14,60-13,70 M.. mittel 13,60 bis 12,70 M.. geringe 12,60-11,70 M. Haser*), gute Sorte 16,00-15,30 M.. mittel 15,20—14,50 M., geringe 14,40—13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speisebohnen, weiße 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln, neue, 12,00-8,00 M. Richtstroh 4,32-4,00 M. Heu 8,00-5,60 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.'*) A WitternngSllbcrsicht vom 1. August 1904. morgens 8 Uhr» Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Franki.a.M. München Wien L 3 zS Ii o n »=■ 766 765 766 766 768 766 .5 H ® s SSO NW SSO O Still Still Wetter 3 wölken! 2�volkig 2wolkenl 2wolkig halb bd. wölken! »K b* s« s? W io Stationen aranda ersburg Cork Aberdeen 761 770 762 767 E B 2 i« S SSW SW ONO Wetter 2 wölken! 1 wölken! 2haw bd. 2woMg Ii N& 16 14 10 18 Wetter-Prognose für Dienstag, den 2. August 1904. Etwas kühler, zeitweise wolkig bei schwachen westlichen Winden; keim oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. DI« Geburt eines Sonnt»g«Itind»8, genannt Haida, zeigen an 59052 Georg und Jenny OavideoHn. Deutscher Holzarheiter-Yerhand. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Klavierarbeiter .lakok Peters am Sonntag, den 31. Juli, nach wrzem Krankenlager verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-Kirchhoses in Rixdorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/8 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die ttaurige Nachricht, daß unser treusorgender Vater, Groß, und Schwiegervater, der Tischler .lakeli Peters im Wer von 50 Jahren nach kurzem Leiden durch Schlagansall verstorben ist. ö906L Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um stilles Beileid bstten Oie trauernden Hinterbliebenen. Kautschuk Stempel< Fabrik von[43702* Robert Hecht, Berlin S., Oranienstr. 142. liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester . Ausführung. Dhpen„Perfekt* »um Zusammensetzen einzelner Wörter fttvit ganzer Sätze von 1,60 M.an Toltes-�iueixe. Am Sonnabend, den 30. Juli, entschlief nach langem, schwerem Leiden unser braver Kollege und langjähriger früherer Mitarbeiter, der Buchdruck-Maschtnenmeifter Paul Helimann im 51. Lebensjahre. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Mit- woch, den 3. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Sophien-Kirchhoss, Freien- walderstraße, aus statt. Das Personal Paul Singer& Co. 5s/i!S!50» Albrechls Bäckereien: Wrangelstr. 135, Krautstrafte 19, Falckensteinstr. 28, Lausifterstr. 2. Markthalle Pücklerftr., Stand 222/23. Markthalle Andrcasstr., Stand 16/13. Centrale: Boxhageuerstr. 13. 57791,* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Daclpt Mocquettes. Ptäfch,. jJCSie� Satteltaschen. Muster b. näher. Angab e franco. Emil Lefevre,frÄ. 158. Herein Berliner BneiflrnMasinennielsler. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, dass unser langj ähriges Mitglied Paul Hellmann nach langem schweren Leiden im 51. Lebensjahr am Sonnabend, den 30. Juli, gestorben ist. Ehre meinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Sophien-Kirchhofes, Freienwalder- strasse, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Unübertroffen bel:l Brcehdupchfail Diarrhoe Darmkatarrh | Vorrätig in Apotheken, Drogerien. Colonialw.| iKur tiS jede Uhr i bei mir zu reparieren u. reinigen unter Garantie des Gut- fenens(ohne Bruch), kleine Reparaturen billiger. Grosse uswahl in Uhren u. Goldwaren zu billigsten Preisen. Goldene Oamen-Remontoir, 10 Steine, v. 18,—, Goldene Herren-Doppel-1 kapsel-Remontoir v. 60,—, Silberne Remontoir v. 9,—, Regu- 1 lateure, Freischwinger, Wecker- u. Wanduhren. Goldene Herren- u. 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KKKKKHHKH JiS bei mir unter Garanüe nur 1,59 Mb., ansier Bruch. Kleine Repara- wren billiger. Traaringe in jedem Gold und Doubls zu billigsten ''tage l Fa Vorschlag auch für verfehlt. Seiner Ansicht nach hätte man viel- mehr die Abgeordneten verpflichten sollen, auf den Parteitagen an- wesend zu sein. Anwesend waren auf der Landeskonferenz 82 Delegierte, die zusammen 92 Orte aus ganz Hessen vertraten. Außerdem waren anwesend die gesamte Landtagsfraktion, das Landeskomitee und als Vertreter der hessischen Parteipresse Mendel-Mainz, Scheidemann- Offenbach und Vetters-Gießen. Ueber die Thätigkeit der hessischen Landtags- Fraktion referierte Cramer-Darmstadt. In den Mittelpunkt seiner Erörterungen stellte er die Kämpfe um das direkte Wahlrecht. In der Diskussion wurde getadelt, daß Cramer und Berthold im Gegensatz zu den übrigen Abgeordneten für die Forderungen für den Theaterumbau in Darmstadt gestimmt hätten. Cramer rechtfertigt daS Verhalten der beiden Darmstädter Abgeordneten, diese wären von dein Gesichtspunkt ausgegangen, eS handle sich um eine Forderung für Kunst und Wissenschaft: die vier übrigen Kollegen gingen von dem Standpunkt aus, daß das Land keine Verpflichtung habe, für das Hostheater Gelder zu bewilligen.— Es wurde anerkannt, daß die Fraktion ihre Pflicht und Schuldigkeit vollauf gethan habe. Ueber die Kommunalwahlen in Hessen sprach Ge- nosse Ulrich. Sein Standpunkt ist der: selbständiges Vorgehen bei Bürgermeislerwahlen sBestätigungsrecht der Regierung I) empfiehlt sich ei» selbständiges Vorgehen nur tu ganz besonderen Fällen; bei den Gemeindcratswahlen l k e i n BestätigungSrecht) müssen zu- verlässtge ausgesprochene Genossen aufgestellt werden.— Die Konferenz teilte die Ansicht Ulrichs und verzichtete auf eine Diskussion. Zum Schluß wurden zahlreiche Antröge erledigt. Zur Entwicklttngsgeschichte der christltcheu Gewerkschaften. Die..Kreuz-Zeitung" empfand über einige Reden auf dem chrfft, lichen Gewerkschaftskongreß lebhaftes Unbehagen. Jene christlichen Reden, meinte das Junkerorgan, unterschieden sich in nichts von socialdemokratischen. Die fromme Zeitung mag sich beruhigen, die christlichen Redner meinen es nicht so ernst, wie ihre Worte klingen. Man muß sich notgedrungen etwas radikal nach außen geben, sonst versiegt das Bächlein der klerikalen Geiverkvereinsmache vollends. Was verborge» vor den Augen der breiten Oeffentlichkeit ge- schieht, ist das gerade Gegenteil dessen, was in„radikalen" Worten angedroht wird. Dafür bietet derzeit die Bewegung der Ruhrbergleute ein klassisches Beweismaterial. Demnächst finden die Wahlen der Arbeitervertreter(Aeltesten) im Allg. Knappschaftsverein für das Ruhrgebiet statt. Um diese Aeltestensitze herrscht seit 12 Jahren ein heftiger Kampf. Zwei Parteien haben sich schon vor 1392 gebildet: Die der„oppositionellen" - organisierten) und die der„mäßigen"(zechenfreundlichen) Aeltesten. Tie„Mätzigen" sind stets von den Grubenkapitalisten unter st ützt bezw. mit terroristtschen Mitteln den Kassenmitglie- dern aufgenötigt worden.„Mätziger" ist darum hier gleichbedeutend mit Unternehmerkandidat. Als 1894 der christliche Ge- werkverein der Ruhrbergleute von Geistlichen, Fabrikanten und Centrrimsanhängern in der Belegschaft gegründet war, konkurrierte er m i t dem Aergarbeiterverbandgegen die„Mähigcn", allerdings auf eigene Faust. Bei der allgemeinen Aeltestenwahl 1898 (alle 6 Jahre wird gewählt) wurde die Majorität der„Mätzigen" gestürzt, von den circa 260 Aeltestensitzen erhielten der Verband und der Gewertverein etwa 200. Beide Gruppen der organisierten Aeltesten strebten wohl die gleichen Kasscnreformen an, aber die organisatorische Zersplitterung verschaffte doch den Zechenfreunden mehr Einfluß wie ihrer Zahl entsprach. AIS dann 1899 die beiden Verbände ihr be- kanntes Vertragsverhältnis eingingen, gründete sich dies in erster Linie auf gemeinsames Vorgehen für die Knapp- schaftsreform gegen die„M äßige n". Damals wurden mehrere Aelteste, die das Reformprogramm nicht unterschrieben, von B r u st aus dem Getoerkverein gestoßen und der„Bergknappe" trat mindestens so radikal auf gegen die„Mätzigen" und dir„Weidt- mann und Genossen"(Werksbcsiher) wie die„Bergarbeiter- Zeitung". Das war die Zeit(1899 und 1900), wo einige Centrumsblätter scharf gegen Brust Stellung nahmen, er schriebe im„Bergknappen"„socialdemokritisch-anar- chistisch"(I) sagte das Organ des Centrums-Abgeordneten F u s- a n g e l. Dann aber kam dieZollwuchcrvorlage der Reichs regierung und machte den bekannten Ritz zwischen dem christlichen Metallarbeitervcrband(Wieber) und dem christlichen Gesamtverband der Hauptzerreitzer war B r u st. jetziger ultramontaner Landtags- Abgeordneter, der für die Lebensmittelverteuerung agitierte. Wieber war dagegen. Natürlich war auch der Bergarbeiterverband gegen die Nahrungsmittelverteuerung, und das nahm Brust zum Anlaß, das ihm von seinen Parteigenossen sehr verdachte Vertrags- Verhältnis mit dem„alten Verbände" zu lösen. Das war 1901, seitdem wütet der„Bergknappe" immer toller gegen die„roten Ge- nassen im alten Verband". Während aber die zwei Verbände 1899, 1900 und auch noch 1902 wenigstens bei den Ersatzwahlen zum Knapp schasts-Vor st ande noch den Vertrag inne hielten, keine„Mätzigen" wählten, hat es Brust am 11. Juni d. I. fertig bekommen, daß sich die Gewerkvereinsältesten mit den Zechenältesten verbrüderten und infolgedessen wurden, was direkt gegen das 1899 vereinbarte Knappschaftsreformprogramm verstößt, Zechenbeamte als„Arbeitervertreter" in den Kassenvorstand gewählt! Der christliche Gewerkverein hat diese „Mätzigen" mit auf seine Kandidatenliste gesetzt. Die nächste That des nunmehr„Zechen gewerkverein" genannten Brust-Ver- bandes war, daß seine Anhänger im Kassenvorstand zum 2. Vorsitzenden den heftigsten Gegner der Kassenreform. Geh. Oberberg- rat und vielfachen Grubenbesitzer Dr. Weidtmann wählten, wäh- rend dieser Posten laut Reformprogramm einem Arbeiter zusteht. tn derselben Sitzung nutzten die„christlichen Aeltesten" ihre mit ilfe der Zechcnpartei erlangte Majorität(9 gegen 6 Aelteste des Verbandes) aus und vergewaltigten die Aeltesten des Verbandes! Statt diesen die ihnen stahlt» und gewohnheits- gemätz zustehenden Stellen in den Ausschüffen und im Schiedsgericht für Arbeiterverstcherung zu belassen, wählten die Zechen- gewerkvereinsältesten fast ohne Ausnahme stramme Ultramontane, durchweg ihre eigenen Leute l Von einer Berücksichtigung der anderen Gruppe, die ein starkes Drittel der Sitze inne hat, war keine Rede und es ist auch von der Leitung des Zechengewerkvereins die Parole ausgegeben, keinen Verbandsältesten mehr in irgendwelchen Ausschutz zu delegieren l Ein Spiegelbild von der„Toleranz" des Ultramontanismus, wenn er das Heft einmal in Händen hat. Inzwischen hat die Agita- tton für die im Herbst stattfindenden Aeltestenwahlen eingesetzt. Der „Gcwerkverein christlicher Bergleute" alisz Zechengcwerkvercin hat sichmitderZechenparteiverbündet, bezw. e r n i m m t nun auch die bekannten Führer der„Mätzigen" als Mitglieder auf, was früher strikt abgelehnt wurde! Der Kampf um die Aeltestensitze wird sich also abspielen zwischen dem freien Bergarbeiterverbaude und dem Gewerkverein, hinter dem nun die Grubenbesitzer stehen. Ein Zweifel an der totalen Rechtsschwenkung des christlichen Zcchengewerk- Vereins ist nicht mehr möglich. Die Werkspreffe beginnt denn auch den einstmals so schnöde behandelten Centrumsabgeordneten Brust so wohlwollend wie nur möglich zu beurteilen. Auf ihn und seinen Verein setzen die Werksbesitzer ihre Hoffnung; denn wenn Brust die Majorität der Aeltesten(Gesamtzahl etwa 310) gewinnt, bringen die Unternehmer ihr Schäfchen ins Trockne. Allerdings wird das nicht gelingen, denn die Arbeitermasse weiß nun. daß nur der Berg- arbeiterverband die Sache der Arbeiter gegen die Knapp- schaftshemn vertritt. Der Kampf wird aber ein heftiger werden. Die„Kreuz-Zeitung" darf also beruhigt aufatmen: Die„christlichen Gewerkvereine" sind nur arbeiterfreundlich mit Worten, mit Thaten unterstützen sie das rücksichtsloseste Unternehmertum. Versammlungen. Die 2. diesjährige Konferenz des 2. AgitattonS-Bezirks des Verbandes der Friseurgehilfen Tentschlands fand am 27. Juli zu Berlin Rosenthalerstratze 57 statt. Anwesend waren der Obmann des Bezirks Schobert, 7 Delegierte, der Vertreter des Verbands- Ausschuffes W e r m k e und als Vertreter der Genossenschaft Liese. Der Obmann Schobert gab alsdann seinen Bericht. Er tadelte die Lauheit der Mitglieder, durch welche die Agitation sehr gehemmt sei. Kollegen, die etwas leisten können, träten aus dem Agitations- Ausschutz. Im 1. Halbjahr sei mehr geleistet worden. Besonders die Köpenickcr Angelegenheit hätte viel Arbeit beansprucht. Doch auch andre Arbeiten seien nicht minderwertig gewesen, z. B. die Freigabe der 2. Feiertage haben viel Arbeit gekostet usw. In der Diskussion wurden die Arbeiten des Obmannes resp. deS Ausschusses von sämtlichen Rednern einer herben Kritik unterzogen. ES hätte mehr geleistet werden müssen, da zur Zeit eine günsttge Konjunttur herrsche. Der Rixdorfer Vertreter hatte sogar einen Antrag gestellt. aus dem Bezirksausschutz ausgeschieden zu werden, welches jedoch nicht statutengemäß ist. Der Obmann hätte planmäßiger arbeiten müssen. Aus den Berichten, den die einzelnen Delegierten gaben, war zu ersehen, daß zum Teil traurige Zustände herrschten. Die Mitgliederzahl des Berliner Zweigvereins beträgt 162 von über 2000 Gehilfen. Die Löhne sind allgemein in Berlin zurück- gegangen. Der Nachweis des Verbandes vergebe aber unter einen bestimmten Tarif nicht. Mit dem 9 Uhr-Ladenschlutz sieht es trübe aus, desgleichen wird der 2 Uhr-Schlutz Sonntags dadurch illusorisch gemacht, daß die Kunden von hinten hereingelassen werden. Es mutz Wandel geschaffen werden; unbedingt sollen die Arbeitgeber gemeldet werden, welche den Ladenschlutz nicht innehalten. Das Publikum möchte sich aber auch eher einrichten und nicht erst kurz vor Geschäftsschlutz kommen. Die Arbeitszeit geht hinauf bis 15 und 16 Stunden, Sonnabends 17 Sttinden. Der Nachweis hat sich etwas gehoben. In Brandenburg sind von 33 Gehilfen 13 organisiert. Der 9 Uhr-Ladenschluß wird strikte innegehalten, die Frei- gäbe der 2. Feiertage steht bevor. Der Durchschnitt des Lohnes ist M., von den Unorganisierten erhalten verschiedene 5 M. und darunter. Köpenick hatte einen Mitgliederbestand von 15 Kollegen. Nach statistischer Aufnahme beträgt der Durchschnittslohn 7 M., die Arbeitszeit 14 Stunden, Sonnabend 15 Stunden. Die Schlaf- Verhältnisse sind zum teil schlechte. Der Rixdorfer Zweigverein hat 17 Mitglieder von 50 Kollegen. Lohn derselbe wie in Berlin. Die Arbeitszeit von 7— 9 Uhr wird innegehalten, wo organisierte Gehilfen beschäftigt sind. Aussicht auf die Freigabe der 2. Feiertage ist vor- Händen; von 100 Geschäften haben 76 unterschrieben. In Frank- furt a. O. wird ein Beschluß der Innung durchgeführt, keinen organi- sierten Gehilfen zu beschäftigen, darum sind nur wenige Gehilfen organisiert. Die Charlottenburger organisierten Gehilfen sind dein Berliner Zweigverein angegliedert. In der Diskussion wurde bemerkt, daß die Lage der Gehilfen zum größten Teil cine traurige ist, niedrige Löhne, lauge Arbeitszeit, schlechte Schlafgelegenheit sind vorherrschend. Da bald der Winter vor der Thür steht, so soll von der allgemeinen Einführung des alten Tarifs Abstand genommen werden bis zum Frühjahr, da der Versuch einer Lohnbewegung gleich käme. Es soll in den einzelnen Städten ein Massenflugblatt ver- breitet werden, welches die Arbeiter auffordere, sich nur von organi- sierten Gehilfen bedienen zu lassen. Auch sollen die Geschäfte periodenweis veröffentlicht werden, wo organisierte Gehilfen be- schäftigt werden, damit der Stand der Mitglieder ein gröherer wird. Daß er größer sein kann, ist schon bewiesen. Den Delegierten wird es zur Pflicht gemacht, dahingehend zu wirken. Die Kartelle sollen zu Hilfe genommen weren. In Nixdorf und Köpenick wird viel gethan von dieser Seite. Verschiedene Anträge agitatorischer und geschäft- sicher Bedeutung fanden Annahme. Die Wahl des Obmanns fiel wieder auf Schobert mit 5 Stimmen gegen 4, welche auf Linke ent- fielen und einer Stimmenthaltung. Aach den üblichen Schlußworten und einem Hoch auf den Verband wurde die Konferenz geschlossen. Die Arbeiter der Finna Borsig befaßten sich am Mittwoch in einer bei Trapp in Tegel abgehaltenen, stark besuchten Fabrik- Versammlung mit der Erörterung von Betriebsmitzständen auf dem Werk. Dem Referenten Wiesenthal war aus allen Ab- teilungen des Borsigwerkes ein sehr umfangreiches Beschwerde- Material übermittelt worden, dessen Besprechung mehrere Stunden in Anspruch nahm. Es handelte sich unter anderm um eine Kritik der mangelhaften hygienischen Einrichtungen, wie Venttlatton, Waschgefäße usw., ferner um das auffällige Sparsamkeitssystem bei Lieferung von Werkzeug, die häufigen Unglücksfälle, die vielfach unwürdige Behandlung der Arbeiter durch die Fabrikbeantten, das Strafsystem und das Ueberstundenwesen. Haben doch in der letzten Zeit Leute aus mehreren Abteilungen 160— 170 Stunden in vierzehn Tagen arbeiten müssen. Einzelne davon arbeiteten 36 Stunden in einer Tour, ein andrer brachte es auf über 200 Stunden in zwei Wochen. Und das, trotzdem sich Herr Direttor Dohrn dem Arbeiterausschutz gegenüber als Gegner der Ueberstundenarbeit be- zeichnet hat. In andern Abteilungen wieder müssen die Leute in- folge Mangels genügender Austräge verkürzt arbeiten. Besonders getadelt wurde das willkürliche Benehmen einer Anzahl Meister, die den Anordnungen der Direktion zum Schaden der Arbeiter geradezu zuwider handeln. Auch die häufigen Preisreduktionen erregen den starken Unwillen der Arbetterschaft, wie auch die nicht seltenen Entlassungen von Arbeiterausschutzmitgsiedern und Ver- trauensleuteu böses Blut machen. Hervorgehoben wurde, daß infolge. der Mißstände in einigen Abteilungen unter den Arbeitern eine ernste Gärung vorhanden ist. An der Aussprache beteiligten sich autze4 Mitgliedern des Metallarbciter-Verbcmdes auch Vertreter der Metallarbeiter- Gewerkschaft und des Hirsch-Dunckerschen GeWerk- Vereins. Alle waren sich darüber einig, daß sich die Arbeiter des Borsigwerkes die Zustände in dem Betriebe auf die Dauer nicht gefallen lassen könnten. Eine demenffprechende Resolutton, die außerdem die Arbeiter auch auf ihre Organisationspfticht aufmerksam machte, fand einstimmige Annahme. Oesscntlichr Bibliothek und Lesehalle z« unentgeltlicher Be> Nutzung für jedermann, Mexandrinenstt. 26, Gartenhaus. Geöffnet iverktäglich von 5'/, bis 10 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen von 9 bis 1 und 3 bis 6 Uhr. Reichhaltige Bibliothek und 509 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung. Sitzung haben Dienstag: Arbeiter-Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungm im Vcreinskalender sind zu richten an Albert Liebctrau, Berlin, Putbuser- swaße 44, TV.„Gemütlichkeit IV', Friedrich, Frankfurter Allee 193.— „Ambalema", Uckel, Forfterstr. 19.—„Edelweitz I", Letz, Steglitz, Florastr. 2. —„Eldorado", Märker, Grüner Weg ILO.—„Feste Brüder Moabit", Schätz, Bremerstt. 7t.—„Freie Männer", Kramer, Steglitz, Markstcinstr. 2.— „Veilchenblau", Düffcrt, WinSstr. 66.—.Deweis Eiserne Pseise", Engler, Schulsir. 5.—„Zukunst", Ncuendors, Neu-Wetßensee, Friedrichstt. 6.— „Neuer Berliner", Beckmann, Reichenbergerstt. 146.—„Gesundbrunnen", Klinge, Sellcrftt. 14.—„Volldamps", Wachs, Münch ebcrgerstt. 8.— —„Domingo", Nohloff, Waldcmarstt. 16.—„Victoria", Heider, Boxhagener- sttahe 2t.—„Wcichseldust", Krabbenhöst, KSSllnerstr. 3.—„Rauchlos", Stein, Rixdors, Zicthcnstr. 3.—„Unverzagt", Gruder, Friedensttahe, Ecke Koppensttahe.—„Neuer Hain", Techtmeier, Langenbecksw. 7.—„Excelfior", Eiffert, Lübbenerstr. 23.—„Rubiga", Herzog, Britzerstt. 46.—„Gloria", Schulz, Pankstt. 3b.—„Wcichseldust Hl", Schultz, Neu-Weißensee, Sedan- sttaße 24.—„Gemütlichkeit I", Gläser, Mantcustelsw. 10l.—„Geknickte Rippe", Krüger, AndreaSstr. 42.—„Tabak zur Asche", Jäckel, Charlotten- bürg, OSnabnickerftr. 27.—„Freie Stunde", Grundmann, Pücklerstr. 18.— „Kern Streit". Schmidt, Tilsiterstr. 32.—„Blaue Wolle IV", Pennwg, Butbuscrsw. 26.—„Einfach", Polack, Falckensteinstr. 19.—„Gramum", Heine, Littauerstt. 12.—„Maryland", Wree, Kastanien-Allee 75.— „Blaue Wolke II", Fromm, Zorndorserstr. 44.—„Lange Pseisc-Moabit", Strötzel, Huttenstr. 8.—„Bulgarien", Marth, Fruchtstr. 69.—„Osten". Rietzcnhausen, Proskauerstr. 27.—„Frohsinns Heimat", Schößler, Strom- straße 28.—„Einigkeit VII". Poschmann, Dunckerstr. 22.—„Columbus 80.". Hecke, Oppelnerstt. 19.—„Wiedersehen", Weber, Neu-Weitzensee, Friedrich» straffe 35.—„Hand in Hand". Ewald, Wienerstt. 41.—„Graue Asche", Brandt, Graudenzerstr. 2. Arbetter-Radfahrerbund„Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg.) Alle Zuschristcn und Ansragen. den Bund betreffend, sind zu richten an den Gau-Vorsitzenden Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8.„Berliner Arbeiter-Radjahrer-Verein", Abteilung 9, Sektion der Bäcker, jeden t. und 3. Dienstag, nachmittags 3 Uhr, Gipsstt. 2,—„Vorwärts", Wilmersdorf, Berliner 40.—„Frisch aus", Dienstag nach dem t. und 15., Baum- schulenweg, Baumschmenstr. 14.—„Stern", Luckenwalde, bei Hclau.— „Stern", nach dem t. und 15, bei Jordan, Ait-Landsberg.--» „Germania", Woitersdors- Stolpbrück, nach dem 1. bei Lehmann. Arbeiter-Radfahrerbund„Freiheit". Geschäftsstelle bei F. LIehr, Weinstr. 3, I.„Norden 1900", Löhrig, Pankstt. 32ä.—„Komet", Nixdors, KarlSgartenstt. 6/10. Arbeiter-idurncrbnnd. Dienstag und Freitag! Turnverein„Fichte", Berlin, abends 8—10 Uhr: 2. Männerabt.: Skalitzerstt. 55/56; 4. Männerabt.: Moabit, Siemensstr. 20; 5. Männcrabt.: Wattstt. 16: 6. Männerabt.: Stallschreib erstt. 64; 9. Männerabt.: Müllcrstr. l6s; 10. Manncrabt.: Peters- burgerstraffe 4; lt. Männerabt.: Fürbringcrstraffc 33; 1. LehrlingSabt.: Fricdenstt. 37; 3. LehrlingSabt.: Bocckhstr. 17/20; S. Lehrlingsabteilung: Reichenbergerstt. 67/70; 8. Jugendabt.: Söchstestt. 36/37- 1. Damen« abtcilung: Mariannen-Ufer la. 2 Damenabt.: Ackerstr. 67; 3. Schüler- abtellung: Moabit, Siemensstr. 20,—„Arbeiter-Turnverein Neu-Weißensee" im Prälaten, Lehderstr. 122.„Freie Turnerschast Sttalau-Rummeisburg". Von 7—>/,9 Uhr für Zöglinge; von'/,9— 11 Uhr: Männer- Abteilung, RummelSburger Vollsgarten, Haiiptstr. 4. Zlrbeiter-Schwimiiierbniid. Ansragen an F. Mensche!, Weißensee, Röllestr. 131a.„Vorwärts" und„Welle", Pantziersche Badeanstalt, Skalauer Allee.—„Norden"(Jugend- und Damen-Abteiliing),„Aegir"(Jugend- Abteilung) Seebad Reinickendorf.—„Vorwärts"-Steglitz, Pantzieriche Badeanstalt in Steglitz. Bahnsttaße.—„Neptun"«Weißen!ee im Seebad Weißensee. Gesellige w. Bereine.„Männer-Chor der Freidenker", Neuer Königshos", Neu« Königstr. 73.— Gesangverein„Arion", EHIing, Danzigerstt. 15.— Zitherverein„Einigkeit", Hilscheid BierhauS, Mariannen- straffe 19,— Theaterverein„Pegasus", Eichner, Strelitzcrstr, 10.— Lotterie- verein„Pech", jeden Dienstag nach dem 1. und 15. bei Metzlow, Markus- straffe 16.— Spar- und Lottcrieverein„Hertha I", im Ltegnitzer Garte», Liegnitzerstt. 3V.— Lotterieverein„Fee", Göriitzerstr. 73.— Loiteriellub „Humor", Sielaff, Schönhauser Allee 36.— Lotteriellub„Dalles", Voigts Festsäle, Rutcrjtr. 7ö.—„Freie Turnerschast", Steglitz, Birkenwäldchen, Schützen- sttaffe.— Arbeiler-Turnvcrein„Froh und Frei", Groß-Lichterfeide /Männer- Abtcilung), Restaurant Reisen, Chausseestr. 104,— Athietlk- und Ringspott- Verein„Athen". Schöneberg, Gruncwaldstt. 110.— Schwimmklub„Hecht". Seebad Reinickendorf. Freie Bereinigung selbständiger Fensterputzer jeden DicnStag »ach dem Ersten bei Hennig, Seydelstt. 11. Sfüt den Jttftalt der Inserate bernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Dienstag, den 2. A u g u st. Anfang?'/, Uhr: Neues königl. Opern- Theater. Orpheus in der Unterwelt. Belle-Allimice. Gastspiel von Emil Winter- Tymians Humoristen. um Schluß: Ein Polterabend- erz bei Lieutenants. Anfang S Uhr. Echiller O.