Nr. 180. MonnementS'Bedlnaungen: KBonncmmlä> Preis privmmerani» i Bierteljährl. 3.Z0 Mk., monatl. uo Ml, wöchentlich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nununer K Pfg. Sonntags» rnmimer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Weif 10 Pfg. Post. Abonnement: I.ia Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für baS übrige Ausland S Marl pro Monat. vfötlirt tifellA auBtf Ontaafc S1. Jahrg. Devltnev VolktSblstk. vle Insertlonz-Sebahr letrSgt für die sechSgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche BereinS- «nd PersammluligS-Anzeigen 25 Pfg. «Hieine Hnzeigcn", das erste(fett» gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben «erden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Eonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geössnet. relegramm. Adresse: ..SstllalltilMrist StlUi". Zcntralorgan der fozialdcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Ltndcnatraaae 69. Ffernftttechet: Amt IV. Skr. 1983. Expedition: SM. 68, Lüidenatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Das schweizerische Fabrikgesetz. Zürich. 31. Juli. Die schweizerischen Aufsichtsbeamten aller drei Kreise widmen in ihren kürzlich für 1902 und 1903 erschienenen Amtsberichten dem verstorbenenFabrikinspektorDr. Schulerpietät- volle und ehrende Worte der Erinnerung, einen längeren Nachruf insbesondere sein Nachfolger Dr. Wegmann, der 10 Jahre lang als Adjunkt dem Verstorbenen zur Seste stand und der daher reiche Gelegenheit hatte, ihn als Beamten wie als Men- scheu näher kennen zu lernen. Dr. Wegmann erklärt es schließlich als sein eifriges Bestreben, den Weg zu gehen, den der Verstorbene borgezeichnet hat. Nach den Berichten hat in den lchten zwei Jahren in allen drei Kreisen eine industrielle Weiterentwicklung statt- gefunden. Die Vermehrung der dem Fabrikgesetz unterstellten Be- triebe ist auch auf das Vorgehen der Fabrikinspekioren zurückzu- führen, nicht revisionspflichtige Betriebe zu besuchen, um festzustellen, ob sie nicht unter das Fabrikgesetz gehören. So besuchte Dr. Weg- mann über 100 solcher Betriebe, von denen mehr als die Hälfte dann dem Fabrikgesetz unterstellt wurden. Speciell in Bezug auf das Buchdruckcrgewerbe sagt er, daß es eme Menge kleiner Betriebe giebt, die nicht unter dem Fabrikgesetz stehen, die aber zumeist die gleichen Arbeitsbedingungen einhalten, wie die größeren. Doch ist die Fach- presse immer voll Klagen über die Schmutzkonkurrenz. In zuneh- mendem Maße trifft man die Setzmaschine; es giebt Buchdruckercien, die auf einer fremden Maschine, ja sogar außer Landes, Satz her- stellen lassen. ES ist übrigens überall die Tendenz deutlich erkenn- bar, durch immer vollkommenere, mehr und mehr automatisch arbeitende Maschinen, Leute zu ersparen. Eine Mühle, welche in der Woche 30 Waggons Ge- treibe vermählen kann, braucht zum Bedienen ihrer Maschinen nur noch 6 Mann; ein Gerber von Specialitäten hat eine Maschine auf- gestellt, welche die Arbeit am Baum von 2 bis 3 Mann thut, es ist ihm dadurch möglich gewesen, mehr zu produzieren mit weniger Leuten und der Fabrikaufsicht zu entgehen. Bereits giebt es Schiffchen- stickercien, welche das Einlegen der Bobinen in die Schiffchen auf maschinellem Wege besorgm. In einer Fabrik mechanischer Speciali- täten bedienen 2 Mann 6 Automaten, die je nach Artikeln leisten, was sonst 10 bis 20 Mmm. In Teigwarenfabriken kommen, neu- artige Maschmen auf, von denen weg der Transport des Produkts in die Trockenstuben auf pneumatischem Wege erfolgt. Solcher Bei- spiele, sagt Dr. Wegmann, köimten noch viele angeführt werden. Eine größere Seidenweberei hat eine Neuerung eingeführt, wonach wie in England auf allen Webstühlen nur ein einziger Artikel her- gestellt wird. Auf der andern Seite werden noch öfters, namentlich in der Textilindustrie und hier wieder in den Spinnereien so alte Maschinen angetroffen, daß an eine erfolgreiche Konkurrenz mit den modernen Einrichtungen nicht zu denken ist..Einzelne dieser alten Geschäfte halten sich auf der Höhe durch Herstellung ganz feiner Speeialgarne. allein es wird immer schwieriger, Handspinner zu bekommen und so wird sich auch da über kurz oder lang geltend machen, was mir ein Zürcherischer Baumwollspinner sagte: Stillstand ist Rückschritt." Diese rückständigen Unternehmer, die aus lauter Habsucht keine Ausgaben für die Anschaffung neuer Maschinen machen, sondern mit den alten ausgelaufenen, für das alte Eisen reifen Maschinen fort- wursteln, leben von der maßlosen Ausbeutung der Arbeiter und ziehen dann italienische Arbeitskräfte heran,, wenn ihnen die ein- heimischen Arbeiter nicht mehr für die elenden Hungerlöhne die Arbeit verrichten. Diese rückständigen Elemente sind es auch in erster Linie mit, die sich dem fortschrittlichen Ausbau der Arbeiter- schutzgesetzgebung entgegenstellen, die nach hohen Zöllen schreien, damit sie vor der leistungsfähigen ausländischen Konkurrenz verschont bleiben und in ihrem alten Schlendrian verharren können. Geht es aber gar nicht mehr, dann sperren sie ihre Buden zu, werfen die Arbeiter beschäftigungs- und existenzlos auf die Straße und sie selbst setzen sich als reiche Rentiers zur Ruhe, derweil die armen Arbeiter ihrem Schicksal überlassend. In Bezug auf die Beschaffenheit der Arbeits- räume, die Ventilation. Beleuchtung. Heizung. Reinigung usw. werden immer Fortschritte gemacht, namentlich mit der Vermehrung der neuen und vorschriftsmäßig erstellten Fabrik- gcbäude, allein trotzdem bestehen noch immer zahlreiche Mißstände aller Art. Als auffällige Erscheinung erwähnt Dr. Wegmann, daß die Arbeiter selbst auf schöne Räume und gute hygienische Einrich- tungen durchaus nicht immer so großes Gewicht legen, wie man glauben möchte.„In erster Linie steht für sie der Verdienst, dann legen sie großen Wert auf gute Behandlung; erst in dritter Linie kommen Maßregeln zum Schutze von Gesundheit und Leben." So unnatürlich und unerklärlich ist diese Erscheinung nicht, sie erinnert vielmehr an das bekannte volkstümliche Sprichwort:„Was nützt ein schöner Teller, wenn nichts zum Essen darauf ist." Wenn der Arbeiter einen schlechten Lohn erhält, der auf keiner Seite langt und der nicht einmal die ärgste Not von ihm fernzuhalten v et mag. so hat er keinen Sinn für etwas Besseres und Srhöneres in seiner Umgebung, das er bielleicht eher als eine blutige Verhöhnung seines grauen Elends empfindet. Mit den schönen Arbeitsräumen sollten eben auch immer entsprechend gute Arbeits- und Lohnverhältnisse, ebenso befriedigende Behandlung verbunden sein. Recht interessante Mitteilungen werden wieder gemacht über die Erfahrungen mit der Arbeitszeitverkürzung. Unter dem Einflüsse der Wirtschaftskrise wurde in der Berichts- Periode vielfach zum Zwecke der Produktwnseinschränkung die Ar- beitszeit verkürzt, derselbe dadurch aber zunächst nicht erreicht. Es wurde während der Ivstündigen Arbeitszeit soviel geleistet, wie vorher während der 11 ständigen, und es wurden daher tägliche Arbeitszeitverkürzungen um 2 Stunden und noch mehr oder Reduk- tion der wöchentlichen Arbeitstage von 6 auf 5V, oder 5 Tage vorgenommen. Für den Zehnstundentag ist dadurch wirksame Propa- ganda gemacht worden, allein mit Recht verlangt Dr. Wegmann seine gesetzliche Festlegung, denn andernfalls wird er z. B. in der Stickerei» industrie nur so lange eingehalten, als es konveniert. Bemerkens- wert ist die neuerliche Feststellung der Unzweckmäßigkeit und Uner- giebigkeit der Ueberzeitarbeit, die einfach zur Folge hat, daß während der normalen Arbeitszeit entsprechend weniger geleistet wird, mit der Ueberzeitarbeit also nicht mehr als ohne sie. Erfreuliche Fortschritte machte die gänzliche oder teilweise Frei- gäbe des Sonnabend-Nachmittags von Mittags 12, 1, 3, 4 und 4Vt Uhr ab und zwar in den verschiedenen Industrien, so in Textil-, Maschinen-, Metall-, Uhrenfabriken usw. Ueberstunden wurden zwar in der Berichtsperiode wieder in vielen Fällen bewilligt, aber immer mehr gehen, die Behörden dazu über, die Bewilligungen nur für kürzere Frist zu erteilen, so daß bloß 4,5 Proz. derselben für eine mehr als einmonatige Dauer galten. Kritik wird geübt an der„geschäftlichen Konvenienz", mit der oft die Ueberzeitgesuche begründet werden und die die Behörden anerkennen und es wird die Aufstellung bezüglicher bestimmter Regeln durch die Bundesbehörden verlangt. Die städtische Fleischhackerei in St. Gallen, welche unter dem Fabrikgesetz steht, verlangt von, ihren Kunden, welche das Fleisch erst so spät bringen, daß es nicht ohne Ueberstunden gehackt werden kann, eine Extrazahlung, wodurch sie die Herren Metzgermeister nach und nach an Ordnung gewöhnen wird. Ueber denVollzugdesFabrikgesetzesim allgemeinen verbreiten sich alle drei Berichte in ausführlicher Weise. Dr. Weg- mann meint gegenüber den Klagen in der Presse über häufige Ver- letzungen des Fabrikgesetzes und schlechten Vollzug desselben durch die Behörden:„Eine Umschau und Vergleichung mit dem Vollzug andrer Gesetze würde höchst wahrscheinlich das Gegenteil darthun. Das könnte sehr wohl der Fall sein, ohne daß dadurch indessen jene Klagen entkräftet würden. Zugegeben wird aber von ihm, daß die Kenntnis des Fabrikgesetzes in allen Kreisen noch immer mangelhaft ist, bei den Arbeitern wie bei den, Unternehmern und den Behörden. Am schlimmsten wirtt die Unkenntnis bei den Behörden, die doch die Beobachtung und Jnnehattung des Fabrikgesetzes durch die Unter, nehmer kontrollieren sollen. Dr. Wegmann führt einige Musterchen zur Jllustrierung dieser behördlichen Rückständigkeit an. Dazu gesellt sich dann auch noch der böse Wille, die dreiste Mißachtung des Gesetzes, um den Kapitalisten gefällig sein zu können. So bewilligte eine Behörde im Kanton Graubünden, der freilich auf socialem Gebiete unsäglich ttes steht, einem Fabrikanten in zahlreichen Fällen Sonntagsarbeit, wobei fast regelmäßig vom Sonnabend zum Mpntag in zwei 18stündigen Schichten gearbeitet wurde, ohne davon der Fabrikinspettion oder der vorgesetzten Behörde Mitteilung zu machen. Den Protest des Fabrikinspektors gegen diese fabrikgesetzfeindliche Praxis einer untergeordneten Behörde hatte die gleichwertige Kan- tonSregierung bis zum Schlüsse der Berichtsperiode noch nicht ein- mal beantwortet. Einige geradezu skandalöse Fälle werden auch aus der G e- richtspraxis mitgeteilt. So wurde ein rücksichtsloser Ausbeuter, der Kinder bis über Mitternacht hinaus zur Arbeit zwang, zu einer Geldbuße von 10 Franken verurteilt. Die gesetzwidrige Beschäftigung von Arbeitern an zahlreichen Sonntagen wurde mit 20 Franken „gesühnt". Die Inhaberin eines Damenkonsekttonsgeschäftes in Bern, eine konsequente Verächterin des Gesetzes und deswegen schon vorbestraft, erhielt wegen neuerlicher Ueberttetung des Fabrikgesetzes eine„Buße" von S Fr. Ein Sttckereifabrikant im Kanton Thurgau entzog sich mittels eines fittiven Kaufvertrages zwei Jahre lang dem Fabrikgesetz, er kam mit 50 Fr. davon. Eine Bezirksbehörde ließ den Arbeiter, der durch den Arbeiterverein eine Beschwerde über gesetzwidrige Nacht- und Sonntagsarbeit in der Maschinenfabrik, in der er arbeitete, hatte übermitteln lassen, durch einen Gendarmen von der Arbeit weg zur Einvernahme abholen. Die Beschwerde er- wies sich als vollständig begründet, der Beschwerdeführer aber wurde entlassen. Der verächtliche Handlanger des Geldsacks, der dieses Bubenstück ausgeführt, erwiderte auf den Protest des Fabrikinspektors mit unglaublicher Frechheit:„Wenn die Arbeiterschaft Klage führen wolle, sollte sie auch den Mut haben, dafür einzustehen." Erfreu- licherweise kann man nach Lage der Tinge sagen, daß solche behörd- liche Perfidieu doch nur seltene Ausnahmen sind. Fabrikinspektor Dr. Wegmann kommt zum Schlüsse zu dem Wunsche, daß die Revision des Fabrikgesetzes bald in Angriff genommen, werden möchte. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die Schlacht bei Haitscheng scheint in vollem Gange zu sein. Die Japaner scheinen nicht eher nachlassen zu wollen, bis sie Kuropatkin zu der entscheidenden Schlacht genötigt haben. Sie dürfen auch dem russischen Oberkommandierenden unter keinen Umständen gestatten, der entscheidenden Schlacht aus- zuweichen und sich mit dem Gros seiner Armee nach Mulden zurück- zuziehen. Die heute vorliegenden Nachrichten bezeugen, baß schon die bisherigen Kämpfe recht ernster Nawr waren und möglicherweise den Anfang vom Ende der Kuropatkinschen Herrlichkeiten bildeten. So meldet das„Reutersche Bureau" aus Tokio vom 2. August: General K u r 0 k i hat nach zweitägigem Kampfe die Russen am 1. August in.tzvei gesonderte» Gefechten bei Aushulikyu und Banzuling(Janselin-Paßs geschlagen. Ein Telegramm Kuropatkius berichtet ferner, daß die russischen Verluste bei Jan selin, wo Graf Keller fiel. 5>00 Tote und Ber- mundete betrugen. General Bilderling, bisher Chef des 17. Corps, hat das Kommando Kellers übernommen. Sehr bemerkenswert ist aber eine Depesche, die Oberst Gacdtke aus Limijang vom 2. August dem„Berliner Tageblatt" hat zugehen lassen. Sie lautet: Liaujang, 2. August, 4 Uhr 18 Min. morgenS. Hier ist die Nachricht eingetroffen, daß am 1. August den ganzen Tag über südlich der Stellung von Haitschöng ein schwerer Kamps stattfand. Die Russe» hatten große Verluste, die Japaner waren ihnen anscheinend an Streitkräften sehr überlegen. Das Blatt bemerkt dazu mit Recht:„Wenn ein Telegramm in dieser Fassung von der russischen Censur durchgelassen wurde, so muß die Lage der Russen nach dem Gefecht noch schlimmer sein, als dieses Telegramm sie darstellen darf, und die Bezeichnung „Niederlage" für das Ergebnis der Gefechte dürfte kaum ungerechtfertigt sein." Oberst G a e d t k e meldet ferner: Liaoyan, 2. August. 4 Uhr 13 Minuten nachmittags. Am 31. Juli kam es östlich von Aupin zu einem schweren Gefecht gegen Kuroki, das noch ohne Entscheidung ist. Die Russen haben ansehnliche Verluste zu verzeichnen. Verstärkungen sind unterwegs. Es geht das Gerücht, daß Großfürst Nikolai Nikolajewitsch eine neu zu bildende Armee übernehmen soll. politflcke Gcberficht. Berlin, den 2. August. Die Zettelungen gegen daS ReichstagS-Wahlrccht. Die„Germania" hat bisher nicbt Gelegenheit gehabt, sich durch Herrn Dr. Spahn über die Parteiführer-Konferenz gegen das Reichstags-Wahlrecht erleuchten zu lassen. Wir erwarten jedoch, daß sie über diese wichtigste polittsche Angelegenheit bereits Er- kundigungen eingezogen hat und daß sie bald in der Lage sein wird, unsre Mitteilungen über die reaktionären Umtriebe zu bestätigen. Daß die konservative Presse unsre Aufdeckmig totzuschlveigen. versucht, ist nur allzu begreiflich. Sie hat das größte Interesse daran, daß die geheim gesponnenen Pläne geheim bleiben. Ist die Oeffentlichkeit erst alarmiert, so ist das Unternehmen von Anbeginn an gefährdet. Die„Frankfurter Zeitung" erklärt heute, an diese Pläne gegen das Reichstags-Wahlrecht nichtglaubenzu können. Sie schreibt: „An die übrigen Pläne aber, in deren Mttelpunkt eine Aenderung des Reichstags-Wahlrechts stehen würde, glauben wir nicht. Die mögen in den Köpfen mancher konservativer Parlamentarier und der Specialisten für die Bekänipfung der Socialdemokratie existieren. Das ist nichts Neues, und es ist auch begreiflich, daß diese nie die Hoffnung auf- gebenden Politiker von einem nach Erledigung der Handels- verttäge einttetenden parlamentarischen Gottesfrieden günsttgere Aussichten für ihre Wünsche erwarten. Das ist aber auch alles und die oben erwähnten Gerüchte sind nur Versuchsballons und sollen Eclaireurdienste leisten. Die R e t ch s r e g i e r u n g hat sich bisher den mehrfach hervorgetretenen Absichten auf eine Ab- änderung des Reichstags- Wahlrechts versagt und nach unsrer Ansicht über die Psychologie der dabei in Betracht kommenden Personen wird sie sich ihnen auch in nächster Zeit ver- sagen, wenn nicht irgendwelche besonderen Zwischen- fälle eintreten, die plötzlich Stimmung für staatSretterische Projekte machen. Die Hauptsache aber ist, daß die jetzige Mehrheit des Reichstages, wenn nicht ganz unerwartete, alle bisherigen Anschauungen über den Haufen werfende Zwischenfälle sich ereignen, für eine Aenderung des Wahlrechts oder ähnliche Experimente nicht zu haben ist. Das Centrum wäre dazu unentbehrlich und diese Partei macht, wie die Dinge jetzt liegen, nicht mit." Die„Frankfurter Ztg." ist also nicht unterrichtet und hegt reich- liches Vertrauen in die Reichsregierung. Nach der Haltung des Reichskanzler während der letzten ReichstagSsession und insbesondere nach seiner Stellungnahme zu den wahlrechtsfeindlichen Auf- forberungen der Herrenhäusler Mirbach und Manteuffel erscheint das Verttauen der„Frankfurter Ztg." allzu reichlich bemessen. U n- möglich aber ist selb st das gering st e Maß von Verttauen für denjenigen, der die T h a t s a ch e n kennt, welche hinter den Coulissen gespielt haben und noch spielen. Wir sind in der Lage, unsre bisherigen Ausführungen noch weiter zu vervollständigen. Der Plan, der unier den Parteiführern zur Erörterung gelangt ist. geht dahin, daß daS Reichstags- Wahl- recht sehr bedeutend verschlechtert und andrerseits daS preußische Landtags-Wahlrecht ein wenig verbessert werden soll, so dnß für beide Parlamente ein und dasselbe Wahlrecht besteht. Man hofft, durch Verbesserungen am preußischen Landtags- Wahlrecht d i e Opposition gegen die sehr erhebliche Ber- schlechterung beziehungsweise Beseitigung des bisherigen ReichstagS-Wahlrechts abzuschwächen. Dir preußische Regierung steht diesen Verhandlungen nicht nur freundlich gegenüber, fic sind sogar unter ihrer Mitwirkung geführt worden. Eine weitere Idee der Wahlrechtsfeinde geht dahin, daß, wenn es gelänge, für Reichstag und preußischen Landtag das gleicharttge Wahlrecht einzuführen, dann allmählich auch in den übrigen deutschen Landtagen dasselbe Wahlrecht zur Geltung gebracht werden soll. Würde daS geschehen, so könnte der alte Wunsch erfüllt werden, daß besondere ReichStags-Abgeordneten überhaupt in Weg- fall kommen und der Reichstag aus Delegationen der einzelnen Landtage zusammengesetzt wird. ES wird nunmehr Sache der gesamten deutschen Arbeiterschaft ohne Ansehen der politischen Richtung sein, die Augen offen zu halten und den im Dunkeln wühlenden Wahlrechtsminierern ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen.— Veutkkes Retcb. Königsberg und Attentat. Zu den Narreteien, die das Attentat gegen Plehwe in einigen deutschen Reaktionsblättern angerichtet hat, gehört auch die Be- hauptung, das Attentat sei durch die Vorgänge im Kömgsberger Prozeß veranlaßt worden. Wäre die Narretei wahr, so dürfte sich die russische Gewaltherrschaft bei den befreundeten Deutschen be- danken, die ihr den Königsberger Prozeß ausgchalst haben. Die Be- hauptung kann aber schon deshalb nur das Lachen reizen, weil der Kömgsberger Prozeß in Rußland selbst überhaupt keinerlei Wirkungen üben konnte! Und er konnte keine Wirkungen üben, weil die Väter- liche Censurkuute dafür gesorgt hat, daß dieser Prozeß in Rußland nicht existiert! Die„Wiener Arbeiter-Zeituug" schrieb vor einigen Tagen: «Gestern besuchte uns ein russischer Freund, der vor zwei Tagen von Kiew abgereist war. Als wir ihn fragten, welchen Eindruck der Königsberger Prozeß auf das russischePublikum gemacht habe, blickte er uns ratlos an. Er wüßte gar nichts von dieser Gerichtsver- Handlung, die in der ganzen civilisierten Welt Aufsehen ge- macht hat. Denn die russische Presse hat auf Befehl der Crnsnr kein Wort über den Prozeß bringen dürfen. Er überflog in fieberhafter Erregung die Blätter, die wir" ihm vorlegten, und brach dann in zornige und schmerzliche Klagen aus: In dieser infanien Absperrung von dein Leben der Kultur- länder, i>l dieser Kettenhast der öffentlichen Meinung in Rußland zeige sich die ganze entwürdigende Barbarei des Z a r i S in u s. Im Angesicht Europas sei das absolutistische Rußland verurteilt worden, aber nur die Russen dürften das nicht wissen." Zu Mitschuldigen an den Attentaten in Rußland machen sich in Wahrheit die deutschen Reaktionsblätter und die deutsche Regierung, indem sie alle Mittel aufwenden, um der verzweifelnden russischen Bevölkerung auch den Zustrom liberaler, socialdemokratischer Schriften abzusperren. Die Verbreitung dieser Schriften in Rußland bietet noch die letzte Ablenkung der russischen Jugend von dem Aeußersten. Diese Schriften entzünden die Hoffnung auf Herbeiführung besserer Zustände und verkünden die Organisation der Arbeiterklasse; wird auch die letzte Hoffnung und jede Organisations- Möglichkeit durch deutsche Helfershelfer geraubt, dann bleibt die blutige That der letzte Schluß der Verzweifelnden.— Tie Zusammensetzung der Strafkammer in Königsberg. Vom Präsidium des Landgerichts zu Königsberg i. Pr. geht uns Mit Bezug auf den Artikel unsres Blattes in Nr. 167(Die Zu- sammensetzung der Strafkammer in Königsberg) folgende Be- richtigung zu: „In diesem Jahre sind beim Landgericht Hierselbst drei Direktorenstellcn zu besetzen gewesen. Diese Besetzung ist bis zum 1. Juni erfolgt. Eine Stelle ist dem bisherigen Staats- anwaltschaftsrat Schubert in Erfurt verliehen. Es ist ferner in derselben Zeit eine der drei Hilfsrichtersrellen beim Landgericht eingezogen. Schließlich hat ein Wechsel infolge der Beförderung eines Landrichters zum Oberlandesgerichtsrat und infolge der Ein- berufung eines zweiten Landrichters als Hilfsarbeiter zum Ober- landcsgericht eintreten müssen. Diese zahlreichen Personalveränderungen in kurzer Auf- einanderfolge begründeten verschiedene Veränderungen des ur- sprünglichcn Geschäftsvcrteilungsplanes im Lanfe des Geschäfts- jahres,§ 62 Abs. 2 G.-B.-G. Bei der notwendigen anderweiten Verteilung des Vorsitzes in den Kammern wurde dem Landgerichtsdirektor Schubert der Vorsitz der 1. Strafkammer übertragen. Als regelmäßiger Stell- Vertreter der Mitglieder derselben Kammer für den Fall ihrer Behinderung ist für die D i e n s t a g s s i tz u n g e n Gerichts- • assessor Seelmann geschäftsmäßig bestimmt. Für die am Dienstag, den 12. Juli, begonnene Verhandlung contra Nowagrotzki u. Gen. mußte Gerichtschsessor Seelmann einberufen werden, weil das ordentliche Mitglied der 1. Straf- kammer, Landgerichtsrat Schimmelpfennig, wegen schwerer Hals- krankheit vom 1. Juli 1964 ab beurlaubt worden ist und seine Vertretung mangels eines besonderen Hilfsrichters nur durch die geschäftsplanmäßigen Stellvertreter bewirkt werden konnte. Danach ist diesseits gesetzmäßig verfahren worden. Königsberg, den 80. Juli 190-1. Das Präsidium des Königl. Landgerichts. (Name unleserlich.) Diese Berichtigung bestätigt lediglich unsre Notiz, die wir zum besseren Verständnis der Leser nochmals hier wiederholen: „Der Vorsitzende der Königsberger Strafkammer für den Russen-Prozeß, Landgerichtsdirekror Schubert, ist erst seit dem 1. Juni 190-1 in Königsberg. Vorher war er erster Staats- anwalt in Erfurt. Ter Referent ist ein Hilfsrichter, Assessor Seelmaun. Dieser Hilfsrichter ist für die andern Kammern durch folgende Präsidial-Verfügung für unabkömmlich erklärt: „Für die Zeit vom 5. bis 11. August steht Gerichtsassessor Seelmann, der voraussichtlich innerhalb dieser Zeit das Urteil in der Strafsache Wider Nowagrotzki zu verfassen haben wird und deshalb unbeschäftigt bleiben muß, nicht zur Verfügung." Ob diese Zu- sammensetzung des Gerichts den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht, möchten wir bezweifeln. Zur besseren Wahrung der Un- abhängigkeit der Gerichte und zur Vermeidung der aus der Reaktionszeit der fünfziger Jahre bekannten Zusammensetzung der preußischen Gerichte in politischen Prozessen nach dem Wunsch der Regierung durch eigens zu diesem Zwecke einberufene Hilfs- achter enthält das Gcrichtsverfassungs-Gesetz einige, freilich durchaus unzureichende Vorschriften. So sollen vor Beginn des Beschäftsjahres die ständigen Mitglieder der einzelnen Kammern Wwie für den Fall ihrer Verhinderung die regelmäßigen Vcr- treter bestimmt werden. Die getroffene Anordnung darf im Laufe des Geschäftsjahres nur geändert werden, wenn dies wegen eingetretener Ueberlastung einer Kammer oder infolge Wechsels oder dauernder Verhinderung einzelner Mitglieder des Gerichts erforderlich wird. Mag sein, daß die formellen Voraussetzungen des Gerichtsverfassungs-Gcsetzes geschaffen und beobachtet sind. Das kwfeiligt aber nicht das Auffällige der Erscheinung, daß gerade in dem viele Monate lang hingezogenen Prozesse, in dem falsche Citate, falsche Uebersctzungen von Gesetzen und eigentüm- liche Belastungszeugen und so manches andre eine für die Justiz beschämende Rolle spielen, die Zusammensetzung des Gerichts von dem Grundsatz nach mehreren Richtungen hin abweicht, die der Gesetzgeber als im Interesse einer unabhängigen Rechtspflege dringend erforderlich gekennzeichnet hat: ein Gericht, das nicht aus im voraus für das Geschäftsjahr bestellten, unabhängigen, fest angestellten, ständigen Richtern besteht, ist ein Ausnahme- gericht." Ob gegenüber der Mitteilung des Präsidiums des Königl. Landgerichts in Königsberg eine durch die Revision mit Erfolg anfechtbare Zusammensetzung des Ge- r i ch t s h o f e s vorliegt, wird durch das Reichsgericht entschieden werden._ Dreistesten Nnsinn über die Stellung socialdemokratischer Blätter zu der russischen Frage verbricht die„Deutsche Tagesztg.". Sie beginnt ihren Leiter über„Ruhland nach der Ermordung Plehwes" also: „Was soll nun werden? Diese Frage wird jetzt auf allen Seiten gestellt. Die Revolutionäre aller Schattierungen, insbe- sondere unsere socialdemokratischcn Blätter, sind schon längst mit der Antwort fertig: Es wird weiter gemordet, bis der Umsturz da ist. Denn ein schrittweises Reformieren, das die russischen Zustände wohl bessern, aber eben darum die Unzufriedenheit mildern und den Umsturz auf- halten kann, dürfen wir nicht dulden. Das ganze System muß weg!" Die„Deutsche Tagesztg." dehnt die ebenso dumme wie dennoch gemeingefährliche Lüge auf Rußland aus, daß die Socialdemokratie Reformen nicht will, weil sie angeblich den Zusammenbruch aller Dinge aufhalten können. In Wahrheit ivill stets das reaktionäre Völkchen der„Deutschen Tagesztg." durch solche blödsinnige Unter- stellung von Reformen abschrecken. Dabei hätte das Blatt wenn nicht früher, so aus dem Königsberger Prozeß lernen können, daß selbst die russischen Vertreter des Terror erklären, diese ihre furcht- bare Politik sofort aufgeben zu wollen, sobald nur in Rußland die geringste Möglichkeit gesetzlicher Bethätigung geschaffen werde. NotstnudStarife. Der durch die Dürre des letzten Monats in verschiedenen deutschen Gegenden, besonders in Schlesien, hervor- gerufene schlechte Saatenstand bietet den Großagrariern wieder mal einen willkommenen Milatz, allerlei Ansprüche auf Liebesgaben an den Staat zu stellen. In breitester Ueberireibung und Verallgemeinerung einzelner lokaler Verhältnisse sucht ein Teil der konservativen Presse den Anschein zu erwecken, als sei in Schlesien ein allgemeiner landwirtschaftlicher Notstand vor- Händen, der ein schnelles und gründliches Eingreifen des Staates er- fordere. Selbst manchem der schlesischen Großgrundbesitzer wird, wie verschiedene Zuschriften an die„Schlesische Volks-Zeitung" be- weisen, dieses Treiben zu bunt. So heißt es z. B. in einem Briese des Reichstags-Abgeordueten Grafen Haus Praschma:„Alles in allem sieht es recht trübe aus, besonders wenn die Kartoffeln sich nicht noch erholen sollten, aber von einem großen, noch nie dagewesenen N o t st a n d kann man doch nicht spreche n. Vor allem ist meines Erachtens das viele Geschrei mindestens zwecklos. Was soll insbesondere das Rufen nach Staats- Hilfe, und was sollen um alles in der Welt die Herren Minister? Ein Vergleich mit dem Vorjahre ist doch gar nicht angebracht, damals waren nur einzelne, aber diese nieist viel intensiver geschädigt.... Zu einer solchen außerordentlichen Maßregel liegt ivirklich noch kein Grund vor, und wie soll der Staat und vor allem die Kommunen denn ihre Be- dürfnisse befriedigen? Oder sollen die Steuern nur gestundet werden, um dann in einem andren Jahre doppelt erhoben und vielleicht noch drückender empfunden zu werden?" Thatsächlich hat das Geschrei der Agrarier auch bereits einen gewissen Erfolg gebabt, wenn auch nicht den von ihnen in ihrer Bescheidenheit erhofften: die Eisenbahn-Verlvaltung hat die schlesischen Frachttarife für Futtermittel um 50 Proz. ermäßigt. Dieses schöne Resultat hat jedoch wieder die Begehrlichkeit der nach Schlesien Waren verschickenden Händler und Industriellen aufgestachelt. Sie verlangen Wahrung der Parität. Unter der Begründung, daß die Dürre den Schiffahrtsverkehr auf der Oder lahm gelegt habe, fordern sie für ihre Sendungen gleichfalls die Einführung sogenannter Not- stands-Frachttarife. Dieses Ansinnen scheint der preußischen Eisen- bahn-Verwaltung aber denn doch allzu starker Tabak gewesen zu sein. In einer anscheinend aus dem Eisenbahmninisterium stammenden Notiz weisen die„Berliner Politische Nachrichten" solche Ansprüche energisch zurück. „Daß ein Bedürfnis zur Ermäßigung der Fntterlarife für Schlesien anzuerkennen ist," schreibt das Schweinburgsche Blatt,„hat die Eisenbahnverwaltung durch die Gewährung einer Frachtermäßigung von 50 Proz. für solche Güter ohne weiteres durch die That be- kräftigt. Es kann auch diskutabel sein, ob aus demselben Grunde nicht noch einige weitere Frachtermnßigungen insbesondere für Samen von Futtergewächsen in Erwägung zu ziehen sein werden. Um so entschiedener aber muß dem Gedanken entgegengetreten werden, daß, sei es in Bezug auf den Verkehr gewisser Landesteile oder überhaupt mit Rücksicht auf die Behinderung der Binnenschiffahrt niedrige Notstandstarife einzuführen sein würden. Geht man doch in den Anforderungen an die Eisen- bahnverwaltung soweit, zu verlangen, daß sie durch die Herab- setzung ihrer Gütertarife den Verfrachtern von sonst auf dem Wasser- wege beförderten Gütern einen Ausgleich dafür biete, daß sie sich jetzt dieses billigen Verkehrsmittels nicht bedienen können. Solche Ansprüche sind völlig unberechtigt und werben auf Berücksichtigung seitens der Staatseisenbahnvcrwaltung niemals rechnen können. Der Kaufmann muß die Verlust- wie die Gewinnchancen seines Geschäfts in Rechnung stellen. Er kann vom Staate nicht ver- langen, daß, während er die ersteren voll für sich ausnutzt, er für die letzteren auf Kosten der Steuerzahler schadlos gehalten werde."— Ausnahmsweise können wir in diesem Falle den„Pol. Nachr." zustimmen. Der Kaufniann oder Industrielle, der nach jenen Gegenden Waren liefert, hat nicht da? Recht zu verlangen, daß ihm zur Erhöhung seines Profits auf Kosten der Steuerzahler Fracht- tarife gewährt werden, welche die llnkosten der Eisenbahnverwaltung nicht Hecken. Anders denkt indes die„Vossische Zeitung", die sonst so schön die Lehre vom freien Wettbewerb der wirtschaftlichen Kräfte und von der Nichteinmischung des Staates in das Wirtschaftsleben zu verkünden weiß. Hier, wo es sich um kommerzielle Profitinteressen handelt, geht ihr sofort die Logik flöten.„Man sollte meinen", erklärt sie,„auch der Landwirt habe zu kalkulieren, indem er die„Verlust- und Gewinnchancen seines Geschäfts" in Rechnung stellt. Bisher ist sich alle Welt darüber einig gewesen, daß die Elemente der Natur außer jeder Kalkulation stehen. Fordert die tropische Hitze dieses Sommers, daß der Landwirtschaft geholfen werde— und unsres Erachtens muß der Staat für sie eintreten— so ist auch dem Handel und der Industrie zu helfen. Man muß das eine thun und kann das andre nicht lassen. So fordert es die Billigkeit, wenn agrarisch nicht Trumpf ist." Eine echt liberale Logik. Wenn jemand durch Naturgewalten in seinem Verdienst oder Gewinn geschädigt wird, hat ihn der Staat für seinen Verlust zu entschädigen. Eine Folge der Anerkennung dieser Weisheit wäre zum Beispiel, daß auch der Reeder, der im Sturm ein Schiff verliert, oder der Kähnschiffer, der wegen niedrigen Wasserstandes nicht fahren kann, vom Staat Entschädigungen erhalten müßte, denn Wasser und Wind sind doch auch wohl nach liberal-fortschrittlicher Anschauung„Elemente der Natur". Wir meinen, daß bei der Beurteilung weder in Frage kommt, ob Naturgewalten im Spiele sind, noch ob jemand unverschuldet Profit- Verluste erleidet, sondern unter den heutigen privatwirtschaftlichen Verhältnissen lediglich, inwieweit eine Entschädigung im Volks- interesse liegt und'inwieweit sie zur Aufrechtcrhaltung des nationalen Wirtschnftsgetriebes nötig ist.— Erblickst!„Volksvertreter". Wie aus Königsberg gemeldet wird, ist der Majoratsbesitzer Graf Hugo v. K e y s e r li n g, Graf zu Rautenburg, Mitglied des preußischen Herrenhauses, in Salegg (Südtirol) g e st o r b e n. Nach dem Tode seines Vaters trat er i'ni Januar 1886 als erbliches Mitglied in das Herrenhaus ein und wurde im folgenden Jahre zum königlichen Kammerherrn er- nannt. Das erbliche Recht seiner Familie auf Sitz und Stimme im Herrenhans ist an den Besitz der Grafschaft Rauten- bürg in Ostpreußen geknüpft und geht jetzt auf seinen ältesten Sohn, den Grafen Heinrich-Christian, Lieutenant der Reserve des 2. Garde-Ulanen-Regiments. über. Wer die Grasschaft Rautenburg ererbt, hat das Recht, Zeit seines Lebens preußischer Gesetzgeber zu sein. Die Frage der B e- f ä h i g u n g ist unerlaubt; sie ist durch den Erbbesitz hinreichend garantiert. Zur Bekämpfung des Vertriebes unzüchtiger Schriften haben zwischen Vertretern des Justizministers und des Ministers des Innern Verhandlungen stattgefunden über die aus nachdrückliche Bekämpfung der Zuwiderhandlungen gegen 8 184 Nr. 1 des Straf- gesetzbuches bezüglichen Fragen.(Wer unzüchtige Schriften, Ab- bildunge»?c. feilhält, verkauft, vertreibt...) Dabei ist Ein- Verständnis darüber erzielt worden: a) daß die Staatsanwaltschaft es sich auch ferner angelegen sein lassen solle, auf eine möglichst strenge Bestrafung der Händler mit unzüchtigen Schriften usw. und namentlich auch in den geeigneten Fällen neben der Verhängung hoher Freiheits- strafen auf die Verurteilung zu den zulässigen Nebenstrasen hin- zuwirken; b) daß insbesondere auch auf eine strenge Bestrafung der Verleger hingewirkt, und o) daß auf eine schleunige Benachrichtigung der Händler von der Beschlagnahme unzüchtiger Schriften usw. Bedacht genommen werden müsse, um ihnen den Einwand zu ent- ziehen, daß sie von dem unzüchtigen Charakter der Schriften keine Kenntnis gehabt hätten. Die Behörden haben Weisung in diesem Sinne erhalten. Der KönigSberzcr Oberbürgermeister Körte gehört nach einer Mitteilung der„D. Fr. Pr." nicht der Freisinnigen Volkspartei an, sondern ist„rechtsliberal". Die sachliche Kritik unsrer Notiz wird dadurch nicht Händert.— Agrarische„Unsitte". Ein vernichtendes Urteil über die Hab- gierigkeit der Agrarier fällte vor der Strafkammer in Halle der DepartemcntS-Tierarzt Dr. F e l i s ch- Merseburg. Angeklagt war ein Fleischermeister Heßler, der eine total kranke, an einer jauchigen Bauchfellentzündung leidende Kuh von einem Landwirt gekauft und dann an einen Fleischermeister als vollwertiges Fleisch weiterverkauft hatte. Dr. Felisch sagte:„Bei den Landwirten besteht leider Gottes die Unsitte, daß sie solch krankes Vieh, anstatt es der Abdeckerei zu überweisen, an Fleischermeister und deren Helfershelfer verkaufen. Die Landwirte thun dies, um ein paar Mark mehr für das kranke Vieh herauszuschlagen! sie wollen noch daran verdienen." Der saubere Fleischermeister, der das Vieh als„Hundefutter" gekaust hatte, wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Halle a. S., 2. August. Graf Nikolaus Pückler, Major a. D. der achten Kavalleriebrigade, wurde vom Kriegsgericht wegen Vergehens gegen§ 175 des Strafgesetzbuches und wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt mit 6 Monaten Gefängnis und Dienstentlassung bestraft.— München, 2. August. Die durch zahlreiche Blätter gegangene Nachricht, der Abgeordnete v. Vollmar habe im Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer den Antrag gestellt, dem Kamnierpräsidenten Dr. v. Lrterer eine monatliche Repräsentationszulage bis zu 1000 M. zu bewilligen, ist nach der„Münchner Post" darauf zurückzuführen, daß allerdings bei Beratung des Landtagsetats von den Ne- präsentattousansgaben des Präsidenten gesprochen wurde, der diese, obwohl er keine Diäten erhalte, aus eigner Tasche zahlen müsse, und doß auch Vollmar darauf hingewiesen hat, daß in Sachsen der Präsident bis zu 1090 M. Repräsentattonsentschädiguug für die Session bezieht. Von einem Antrag war indes keine Rede.— Zur Auslieferung des Lieutenants Wessel. Die in Genua erfolgte Auslieferung des Lieutenants Wessel seitens der italienischen Regierung erregt in Italien großes Aufsehen. In Deutschland ist man über den Fall sehr im dunkeln und es maugelt die Kenntnis der Thatsachen zu seiner Beurteilung. Wir haben bereits mitgeteilt, daß der socialistische Abgeordnete V i s s o l a t i beabsichtigt, in der italienischen Deputiertenkammer eine Interpellation über die Auslieferung einzubringen, und wir geben die folgenden Mitteilungen unsres römischen Korrespondenten wieder, die geeignet sind, einigermaßen Klarheit zu gewinnen. Er schreibt: „Den telegraphischen Berichten über die am 23. Juli erfolgte Auslieferung des Lieutenants Hellmuth Wessel ist noch nachzutragen, daß diese Auslieferung unter einem jämmerlichen V o r w a n d bewilligt wurde. Lieutenant Wessel ist bekanntlich in die Affaire Drcyfus verwickelt und hat vor allem die große Schuld, vieles zu wissen, was er nicht ausplaudern sollte. Vergebens hat Deutschland von Belgien, vergebens von Frankreich die Auslieferung gefordert. Nun giebt sich Italien dazu her, nachdem es Wessel mit Spitzcltunstcn nach San Remo gelockt und 14 Monate widerrechtlich in Üntcrsnchiingshaft gehalten hat. Bekanntlich besteht kein Auslieferungsvertrag für Hochverrats- Verbrecher zwischen Deutschland und Italien. Aber„gefällig" wollte man dem Bundesgenossen doch sein. Und so erfolgte die Auslieferung wegen vier angeblicher in Belgien begangener Vergehen: 1. Unterschlagung von 370 Frank zum Schaden eines gewissen Becker; 2. Urkundenfälschung(1899); 3. zwei andre Urkundcnsälschungen mit Betrug(1899) für einen Bcttag von 650 Lire im Jahre 1899. Für diese Verbrechen liegt weder ein Autrag des belgischen Staatsanwalts noch eine Privatklage vor. Der„gewisse Becker" ist tot! Die deutsche Regierung hat sich der italienischen verpflichtet, nur wegen dieser vier Verbrechen gegen Wessel vorzugehen und die 14 Monate Untersuchungshaft anzurechnen. W e s s e l sagte, als er von der bewilligten Auslieferung hörte, er werde nm.mehr im Gefäuguis verfaulen. Soll er recht behalten?"— Muoland. Jüdische AiiSwanderer über PlehwcS Ende. Ein mit den russischen Verhältnissen sehr vertrauter Mitarbeiter unsres Bruderorgans„Social-Demokraten" in Kristiania begab sich gleich, nachdem die Nachricht vom Tode Plehwes eingetroffen war, nach dem gerade im Hafen liegenden Auswandererdampfer„United States", der ungefähr 300 rujsisch-jüdische Auswanderer an Bord hatte, um zu erfahren, wie diese Leute die Neuigkeit aufnehmen würden. „Hört, was der Mann erzählt I v. Plehwe ist getötet!" ging es von Mund zu Mund.„Ist das wahr?"„Wie geschah es?" „War es ein Student, der die Bombe warf?"„Das war brav I" „Das hätte man schon lange thun sollen. Plehwe war es ja, der an den Judenverfolgungen schuld war. Er war ja Rußlands böser Geist."«Ein schlimmerer Mann, als Plehwe. ist schwerlich zu finden!"„Er ging also denselben Weg, wie Ssipjagin und Bobrikoff!"„Wann kommt die Reihe an Kruschewan?" (Er ist der Herausgeber des Blattes in Kischinelv, da? öffentlich Propaganda für Judenverfolgungen über ganz Rußland gemacht hat.) Mittlerweile strömten immer mehr Auswanderer, zum großen Teil Juden, herzu. Ein junger Jude rief wiederholt:„Das war prächtig, das war gut!" Ein alterer erklärte:„Hier auf dem Dampfer ist keiner, der über PlehweS Tod trauert." Der Journalist suchte nun den Grund für diese Stimmung aus� dem Munde der Auswanderer zu erfahren und vernahm dann, daß eS hauptsächlich die Judcuvcrfolguugen waren, die Plehlve so verhaßt gemacht hatten. „Sind es Ivirklich die Bauern und Russen, die an den Juden- Verfolgungen schuld sind?" fragte er._„Nein", lautete die Antwort von allen Seiten.„Es ist die Polizei, es war Plehwe, der die Bauern aufgewiegelt hat. In den Städten unter den Arbeitern ist die Stimmung eine andre. Es ist die Polizei, Redakteure wie Kruschewan und Skribenten wie„der Schurke" Menschikow von der„Nowoje Wrcmja". der Verbreiter von allen möglichen bösen Gerüchten über die Juden. Wir sollen den Japanern mit Geld geholfen, ihnen zwei Kreuzer,„Kischinew" und„Gomel", ge- baut und geschenkt haben, wir sollen Christcnkindcr getötet und ihr Blut getrunken haben. Und Plehwe fand keinen Vorwurf gegen diese Agitation." „Aber wißt Ihr", mischte sich nun ein alter Jude ins Gespräch, „wißt Ihr, was für ein Bild man neulich daheim am Thor bei ihm sei b st angeklebt fand?" „ Bei ihm s e l b st". fragte ich(der Journalist) verwundert. „Nun ja, bei ihm s e l b st, Sie verstehen mich doch?" Nun verstand ich.„Nun ja. das Bild stellte„ihn s e l b st" vor. Arm in Arm mit einem alten Juden. Unter dem Bilde stand:„Komin Vater! Dich jagt man ans der Mandschurei und mich jagt man aus Rußland: laß uns da zusammen auswandern nach dem freien Land."— „Als ich das Schiff verließ", sagt„Social-DemokratenS" Mit- arbeiter am Schluß feines Artikels,„war ich noch mehr überzeugt davon, daß Rußland nun am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ganz anders aussieht als in den achtziger Jahren. Damals war Plehwe nur bei einer verhältnismäßig kleinen Gruppe intelligenter Menschen verhaßt; nun aber konnte ich unter 300 schlichten Russen nicht eine einzige Stimme hören, die mit dem getöteten russischen Minister des Innern sympathisierte. Macht nur so weiter, Ihr Ruß- lands Tyrannen und Büttel, und Ihr könnt überzeugt sein, daß die Zeit bald erfüllet sein wird." � Ein Kongreß russischer Rcvolutionöre? Der„Franks. Ztg." geht aus Genf die folgende, nur mit größter Kritik aufzunehmende Nachricht zu: „lieber einen in größtem Geheimnis abgehaltenen Kongreß russischer Terroristen wird folgendes berichtet: Am 23. Juli bemerkte die hiesige Polizei das geheimnisvolle Treiben eines Fremden. Dieser wurde beständig bewacht, da er nicht im Hotel abgestiegen war. Am nächsten Tage begab sich dieser zum Chef des Polizeidcpartemeuts, und beklagte sich, daß er beständig von der genferischcn Polizei verfolgt werde. Er selbst, erklärte der Fremde, sei ein russischer Geheimpolizist und befinde sich in Genf, um einen Kongreß russischer Nihilisten zu überwachen. Dieser Kongreß werde aber nicht in der Stadt Genf oder deren Umgebung stattfinden, sondern in dem ca. 14 Kilometer von Genf entfernten savoyischen Dörfchen Chens. Chens ist einige Minuten von dem genferischcn Dorfe Hermance entfernt, wo sich die Villa eines russischen Nihilisten befindet.(Schon der Ausdruck„Nihilisten" deutet auf russische Polizeimache. Red. d.„Vorw.") Man gab dem russischen Polizisten zu verstehen, daß er hier nichts zu thun habe und daß die genferische Polizei ihren Pflichten ohne fremde Einmischung nachkommen könne. Seitdem ist der russische Spion verschwunden. Aus den weiter diskret gemachten Nachforschungen ergab sich, daß wirklich in dem Dorfe Chens vom 24. bis 29. Juli ein von ca. 50 bis 60 russischen Terroristen besuchter Kongreß stattfand. Nur wenige Teilnehmer kamen von Genf. Die meisten der Kongreßteilnehmer kamen per Bahn von Paris aus. Andre von Rußland oder Deutschland Gekommene stiegen an den schweizerischen Stationen des Genfersees aus und ließen sich abends durch Motorboote nach Chens bringen. Die Verhandlungen sollen fünf Tage und Nächte gedauert haben. Sie wurden plötzlich abgebrochen, als von Genf aus die Nachricht über den Tod Plehwes eintraf. So viel man über die Beschlüsse er- fahren konnte, sollen verschiedene revolutionäre Aufrufe in ganz Rußland verbreitet werden._ Oesterreich-Ungarn. Wie», 1. August.(28. T. B.) Aus Anlaß des Lins stand es der L a st f n h r w e r k- K u t s ch e r kam es heute abend im Bezirk Ottakring zu großen Ausschreitungen. Die Sicherheitswache, welche eine Verhaftung vornehmen wollte, wurde niit Steinen beworfen, wodurch ei>r Polizei-Jnspektor am Kopfe schwer verletzt wurde. Dieser zog den Säbel und verwundete uichrcre Personen. Die in- zwischen stark angewachsene Menge schleuderte fortgesetzt Steine auf die Wachmannschaften, von denen mehrere verwundet wurden. Da die Menge hierauf eine drohende Haltung annahm, wurden Hilfs- Mannschaften herbeigerufen, welche nach der Verhaftung von dreißig Personen die Menge zerstreuten. Später wiederholten sich vor der Wachtstube die Ausschreitungen, doch wurde nach kurzer Zeit die Ruhe wieder hergestellt.— Frankreich. Begünstigung der GcncralstnbSfälschcr.— Zum Fall Negrier. Paris, 1. August.(Eig. Ber.) Die alles heiligende Armee- Ehre kann auch unter Combes und unter dem schrecklichen „Dreyfnsistcn" General Andrö schöne Triumphe feiern, selbst im Machtbereich der kricgSministcricllcn Exekutivgewalt. Das ist die Bedeutung der Freilassung der vier GcncralstabSfälscher, Dautrichc und Konsorten, aus der Untersuchungshaft. Die sonst unbeugsame Vorschrift der Untersuchungshast in militärgerichtlicksen Prozessen wurde zu Gunsten der General- stäbler gebeugt, wie in den Glanzzeiten der Henry, du Paty de Clam und Estcrhazy. Nur daß die nationalistische Presse und die nationalistischen Verteidiger der vier Offiziere diesmal niehr Zeit, mehr Anstrengungen und mehr Jntrigucn gebraucht haben, um ihren Willen durchzusetzen. Die Freilassung wurde ver- fiigt vom Pariser Militärgouverneur, General Dessiricr, dessen Ernennung durch Kriegsminister Andre seiner Zeit scharse Proteste der ministeriellen Presse hervorgerufen hat. Zum Schaden der Spott. Die nationalistischen Blätter plaudern schadenfroh aus, daß der Militärgouverneur die Abwcsen- heit des KricgSmiiiistcrs benutzt hätte, um den„kecken Streich"(coup de tSte) zu begehen. Der militärische Untersuchungsrichter aber, Hauptniann Cassel, der sich durch die gewissenhafte Leitung der Unlersnchung nationalistische Verleumdititgen zugezogen, mußte auf die Dauer dem Druck des Militärgouverneurs nachgeben. Die Untersuchung dauert fort.?lber die freigelassenen An- geklagten haben nunmehr die leichte Möglichkeit, ihre Aussagen zu einem harmonischen Lügengewebe in gemeinsamer Verständigung abzurunden. Bisher ging das nicht so glatt, obwohl die nationa- listtschcn Verteidiger parteipolitisch eifrige Vernrittler zwischen den Angeklagten waren. Noch eins. Die ausnahmsweise, parteiische Begünstigung der Generalstäbler ist, desto weniger gercchtsertigt als sie bis zuletzt auf ihren lügnerischen, durch alle ermittelten Thatsachen widerlegten Aussagen verharrten. Ihre höherstehenden Hintermänner müssen ihnen wirksamen Schutz versprochen haben. Ihre Freilassung ist gewiß die erste Erfüllung dieses Versprechens. Jetzt darf die Armee- Ehre felsenfest auf die Schweigsamkeit der subalternen Werkzeuge bauen. Der Fall Nögrier ist vom Ministerium offenbar um des lieben Friedens willen vertuscht worden. Die bestinformiertcn und treuestcn Regierungsblätter hatten die rebellische Demission des Generals an die große Glocke gehängt. Kaum war das geschehen. als die Regierung halbamtlich die Demission dementierte: General Negrier, so hieß es nun, hätte lediglich pflichtgemäß auf gewisse Mißstände der Grenzverteidigung aufmerksam gemacht, welche die Regierung auch abzustellen bereit wäre. Alles löst sich in einem Idyll auf. Aber die bestinformierten und treuesten Regierungsblätter glauben daran nicht. Die„Humanite" bleibt im liiesentlichen bei ihrer ersten Enthüllung und spricht mißmutig von einem„ärgernden Geheimnis".—_ Die Gcueralratswahlen. Paris, 2. August. Das E n d r e s u l t a t der Generalratswahlen ergab einen Gewimi von 103 Sitzen für die Kandidaten der Regie- rung, während sie 40 Sitze verloren hat. Die regierungs- freundlichen Blätter geben ihrer Freude über den Ausfall der General- ratswahlcn Ausdruck und sehen in dem Ergebnis dieser Wahlen einen Beweis dafür, daß das Land die Haltung deS Ministeriums gegenüber dem Vatikan billigt. Die oppositionellen Blätter er- kennen an, daß die amtlichen'Wahlstatistiken wahrheitsgetreu sind, nieiiten aber, der Sieg des Ministeriums sei eigentlich doch nur schwach. � Zur Angelegenheit des Generals Negrier behauptet„Gaulois", in den Proviantmagazinen von Verdun sei eine große Menge Büchsen mit verdorbenen Konseryen aufgefunden worden. Auch seien in den Proviantmagazinen an der Ostgreuze die für den China- Feldzug entnommenen Vorräte an Lebensmitteln und Munition noch nicht ergänzt worden. Schließlich behauptet das Blatt noch, ein Panzerrurm in dem Fort Frouard befinde sich in ganz vernachlässigtem Zustande._ England. London, 1. August. Unterhaus.(Schluß.) Premierminister V a I f o u r tritt der Erklärung LytteltonS bei und erklärt, feine Sln- sichten über die Zollpolitik seien unverändert. Der Ministerpräsident drückt weiter seine Sympathie mit dem Ideal Chamberlains aus, berührt aber nicht die von diesem angeregte Einberufung einer Kon- ferenz von Vertretern der Kolonien. Das Tadelsvotum Campbell- Bannernians wird schließlich mit 288 gegen 210 Stimmen ab- gelehnt.— Ruhland. Die Freilassung des Senators Schanman. Viele Ouälereicn hat der nahezu 60jährige Vater des finnischen Attentäters auf Bobrikoff erduldet. Verhöre, Haussuchungen, beständige polizeiliche Ueberwachung. Ganz in unmittelbarer Nähe seiner Sommerwohnung ließen sich die Polizeibeamten häuslich nieder und am 28. Juni Ivurde er verhaftet und nach dem Polizeigefängnis in Helsingfors geführt, Ivo er in den ersten Tagen keinerlei Besuch empfangen durfte. Erst nach Verlauf von 10 Tagen erhielt seine Frau Zutritt, danach erst wieder nach 8 Tagen. Aerztliche Hilse wurde dem kranken, durch die Ereignisse und Verfolgungen schwer mitgen omnienen Mann zunächst verweigert; auf jeden Fall sollte es ein russischer und kein sinnischer Arzt sein. Endlich wurde ihm Freilassung versprochen, wenn er zwei Personen als Bürgen st e l l e n könnte. Dies lehnte Schauman ab und erklärte, daß sein Ehrenwort, Finnland nicht verlassen zu wollen, den Behörden genügen müsse. Unter dieser Bedingung wurde er nach vier Wochen Gefangenschaft dann doch freigelassen. Eine solche Behandlung wurde einem Manne zu teil, der 40 Jahre lang in Rußland und Finnland dem Zaren treu gedient hat in hervorragenden Stellungen: als Divisionsstabschef, als finnischer vortragender Rat beim Kriegsminister, als Stabschef für das finnische Militär beim Generalgouverneur, als Gouverneur und schließlich als Senator.—_ Ans Warschau wird uns geschrieben: Seit einigen Wochen mehren sich die Zeichen des Fortschreitens der socialistischen Propaganda. Seit dem 15. Juli haben allein vier große Straßcndcmonstrationen stattgefunden. Die Manifestanten zogen jedesmal unter dem Gesang der„Roten Standarte" und Rnfen:„Nieder mit dem Zarismus!"„Hoch das unabhängige socialistische Polen!" durch die Stadt— in ihrer Mitte zivei große rote Standarten, die eine mit den Buchstaben P. P. S.(Polnische Socialistische Partei), die andre mit der Aufschrist:„Hoch der Socialismus!" Ilm 25. Juli fanden zwei Demonstrationen statt— die eine davon in den Straßen der inneren Stadt. Am 22. Juli nahmen etwa 3000 bis 4000 Personen an der Kundgebung teil. Die Demonstration begann mit einer riesigen Volksversammlung auf der Straße. Ein Genosse hielt eine kurze Llnsprache, worauf die Manifestanten unter Absingung des polnischen Llrbeiterliedes weiter zogen. Im Lande tauchen die Nachrichten über die Mobilisation des V. Corps, das in Polen stationiert ist, immer öfter auf. Die Re- gierung wolle dadurch das revolutionäre Arbeiterelement ans der Heimat ziehen und auch den befürchteten Hungerrevolten vorbeugen. Die Arbeitslosigkeit und die Not im ganzen Lande wachsen ständig und lassen das allerschlimmste befürchten.— Hm Induftnc und ftandel. Zur Hibernia-Affaire. Der Vorstand und Aufsichtsrat der Hibernia veröffentlichen im Anzeigenteil verschiedener Börsen- und Handelsblätter eine Art Begründung ihres bereits in gestriger Nummer mitgeteilten Beschlusses, die Verstaatlichungsofferte der preußischen Regierung abzulehnen. Von dem energischen Widerstand der Verwaltung gegen jegliche Verstaatlichung, von der dieser Tage einige Börsenblätter zu erzählen wußten, ist in dieser Motivierung ebenso wenig zu merken, wie von den sogenannten„principiellen volkswirtschaftlichen Bedenken". Die Ablehnung wird einfach damit begründet, daß den Herren von der Verwaltung das Angebot der Regierung zu niedrig erscheint. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Gegenüber dem Zlugebot ist zu bemerken, daß nach dem Durch- schnitt der letzten 10 Jahre die Dividende unsrer Gesellschaft etwa 11 Proz. betrug, und daß ihre Gepflogenheit, starke Abschreibungen und Rückstellungen vorzunehmen, dem Bestreben entsprach, mehr noch für zukünftige als gegenwärtige Erträgnisse zu sorgen. Wir haben umfangreiche Erwerbungen von Zechen, Kohlenfeldern, Kuxen und Kontingenten borgenommen in dem Bewußtsein, daß diese Besitztümer die derzeitigen Ergebnisse noch erheblich belasten, aber in der Erwartung, daß sie, nutzbar gemacht, die Gefellschaft zu steigenden Einnahmen führen werden. In diesem Sinne hat der Fiskus einen für seine Zwecke günstigen Zeitpunkt gewählt, um so mehr, als in der gegenwärtigen Situation der Kohlenindustrie die Entwickelung, welche aus der Syndikatsverlängerung erwartet werden darf, noch nicht begonnen hat. Die vom Staate angebotene Rente gewährt uns für die Aufgabe unsrer ZukunftsauSsichicn keine Gegenleistung." Bei der Bescheidenheit der Herren ist es durchaus begreiflich, daß ihnen der hohe Kaufpreis, den die Regierung bietet, noch immer nicht hoch genug dünkt. Warum sollte man auch nicht versuchen, noch etwas mehr herauszuschlagen? Aber dennoch ist die angebliche Unzulänglichkeit der Rente nur ein Vorwand. Der Widerstand gegen die VerstaatlichnngSofferte geht von einigen Großindustriellen des Rheinlands und den mit ihnen koalierten Bank- instituten, vornehmlich der Berliner Handelsgesellschaft, der Darm- städter Bank, der Firma Bleichröder und der Firma C. G. Trinkaus zu Düsseldorf aus— und der wirkliche Grund der Ablehnung für diese ist, daß ihnen die Verstaatlichungsabsicht der Regierung zwischen ihre schönen profitablen Fusionsprojekte fährt. Das sind die ganzen „principiellen volkswirtschaftlichen Bedenken". Die deutsche Eisen- Ein- und Slusfuhr im letzten Halbjahr. Nach dem scharfen Rückgang, den die deutsche Ausfuhr an Eisen und Eisenwaren aller Art im Monat Mai aufzuweisen hatte, zeigt der Monat Juni zwar wieder eine kleine Anfwärtsbcwegung, aber eine durchgreifende oder auch nur einigermaßen bedeutsamere Be- lebung des Außenhandels ist nicht eingetreten. Verglichen mit dem Vorjahre ergiebt sich nach einer Zusammenstellung der„Köln. Ztg." folgendes Bild: Einfuhr Tonnen Aussuhr Tonnen Ausfuhrüberschuß To. ,903 1904, 903, 904, 903 1904 Januar. 20723 20727 303077 234065 282354 213338 Februar.. 16523 24089 277071 204831 260548 180742 März... 22439 29415 321308 251273 298869 221838 April.... 22658 34844 319761 255786 297103 220942 Mai..... 23206 34866 318150 230110 294944 195244 Juni.... 27907 37524 291434 239836 263527 202312 Zusammen. 133456 181465 1830801 1415901 1697345 1234436 In der ersten Hälfte des laufenden Jahres ist hiernach die deutsche Eisenausstlhr hinter der vorjährigen um 414 900 Tonnen zurückgeblieben, während gleichzeitig die Eiseneinfuhr um 48 009 Tonnen gestiegen ist. Der Ueberschuß der Ausfuhr über die Ein- fuhr ist infolgedessen um 462 909 Tonnen kleiner als in derselben Zeit des Vorjahres. Man mutz bei Beurteilung dieser Ziffern berücksichtigen, daß sie noch diejenigen Mengen enthalten, die auf Grund der kurz vor Begründung des Stahlwerks-Verbandes ge- thätigten umfangreichen Auslandsverkäufe ausgeführt wurden. Ohne diese Verkäufe würde die Ausfuhr noch niedriger sein. Was im be- sonderen den Monat Juni anbelangt, so zeigt er in der Einfuhr gegen den Vormonat eine Zunahme um 2658 Tonnen. Mit ins« gesamt 37 524 Tonnen erreicht er die höchste seil einer Reihe von Jahren dagewesene Einfuhrziffer. Anderseits zeigt allerdings auch die Ausfuhr gegen den Mai eine Steigerung um 9726 Tonnen, und der Ausfuhrüberschuß stellt sich für den Juni infolgedessen um rund 7000 Tonnen höher als im Monat Mai. Er bleibt aber auch damit noch über 60 000 Tonnen hinter dem Ausfuhrüberschuß des Monats Juni vorigen Jahres zurück, und nach den Klagen, die zu Beginn des laufenden Monats über unzulängliche Beschäftigung für die Ausfuhr von den großen Werken laut wurden, muß bezweifelt werden, daß der laufende Monat hierin eine Besserung bringen wird. Der Geldwert der Eisenausfnhr betrug in der ersten Hälfte des Vorjahres 318 185 000 M. gegen 306 269 000 M. in der ersten Hälfte des laufenden Jahres. Der Wert der Einfuhr stellte sich dagegen in der ersten Hälfte des Vorjahres auf 27 477 000 M. und in diesem Jahre auf 32 103 000 M. Berechnet man hieraus den Wert des Ausfuhrüberschusses, so ergiebt sich für das erste Halbjahr 1904 ein Ausfuhrüberschuß von 274 166 000 M. gegen 290 708 000 M. im Borjahre. Eine neue Schiffahrtsordnimg für die märkischen Wasserstraßen ist am 1. August in Kraft getreten. Der 8 1 der neuen Verordnung bezieht sich auf die Länge und Breite der Fahrzeuge. Als äußerstes Matz gilt eine Länge von 65 Metern und eine Breite von 3 Mietern. Die Fahrzeuge für die Havel-Oder-Wasserstrecke von Spandau auf- wärts bis zum Nicderneuendorfcr See und für den Tegeler See dürfen nur 6,60 Meter Breite haben. Der Spandauer Schiffahrts- kanal vom Tegeler See bis Schleuse Plötzensee ist dagegen nur mit Schiffen von 65 Meter Länge und 5,50 Meter Breite zu befahren. Die für zulässig erklärte Slliiffslänge für die übrigen Wasserstraßen sind noch geringer. Es kommen meist 65 Meter Länge und 8 Meter Breite in Betracht. Für die Wasserstraße der Dahme von Schmöckwitz bis Neue Mühle sind 55 Mieter Länge und 6,10 Meter Breite vorgeschrieben. Amerikanisches Eisenerz in Europa. Obgleich die zur Zeit in den Vereinigten Staaten von Amerika herrschende Eisenkrise einen starken Niedergang der Preise für Eisen und Eisenwaren bewirkt hat, ist doch der Export in diesen Artikeln nicht wesentlich gestiegen. Dagegen werden neuerdings beträchtliche Mengen von Eisenerz nach Europa ausgeführt— auch nach Deutschland. Nur selten wurden bisher Versuche unternommen, Erze aus der Union nach Europa zu ver- frachten, und dann waren die Sendungen meist von geringem Um- fange. In, Juni 1904 wurden aber von der Firma Witherbee, Sherman u. Co. 12 000 Tonnen Eisenerz nach Glasgow und Aut- Werpe» versandt und noch 13 000 Tonnen dazu bestellt. Bis vor kurzem wäre diese Versendung nach Europa infolge der hohen Frachtkosten nicht gewinnbringend gewesen, aber eine Abmachung mit den in Betracht kommenden Transportgesellschaften ermöglicht die Verfrachtung zu Sätzen, wie sie sonst nur bei der Getreidevcrsenduug vorkamen. Das Erz wird von der genannten Firma in ihren Gruben bei Port Henry gefördert und von dort aus, zunächst durch den Champlain Lake, dann durch die Kanäle nach New Uork gebracht. Die bisherigen Verschiffungen von New Aork nach Glasgow und Antwerpen geschahen mit Schiffen der Linien„Red Star" und„Phoenix and Äuchor" zu einem Satze von ungefähr 5 Schilling pro Tonne. Die für den Jnlandstransport ge- zahlte Frachtrate giebt die Firma nicht bekannt, aber man kann an- nehmen, daß sie billiger ist als jede bisher bei der ErzVersendung in Ausatz gekommene. Die Phönix-Linie befördert das Erz in Posten von 5000 Tonnen, die Red-Star-Üi»ie in solchen von 1500 Tonnen. Das noch im Juni bestellte Erz sollte vor dem 1. August geliefert werden, so daß sich die Versendung der einen Firma in knapp zwei Monate» auf mindestens 30 000 Tonnen stellen wird. Es verlautet, daß inzwischen schon wieder Aulträge zur Lieferung von weiteren 20 000 Tonnen eingegangen sind, und daß außer nach Glasgow und Antwerpen auch nach andren Häfen Verschiffungen erfolgen sollen._ Soziales» Aerztliche Urteile über die Wirkungen der freien Arztwahl. Dem Rostocker Aerztetage hat ein Situationsbericht vorgelegen, erstattet von den ärztlichen Vereinen, der sich auf über 100 Seiten Folio über die Verhältnisse in den einzelnen Bezirken äußert. Da die Aerzte-Organisation bisher gezögert hat. diese Urteile ihrer eignen Kollegen der Oeffentlichkeit mitzuteilen, erwirbt sich die„Kranken- kassen-Zeituug". das Verdienst, aus diesem Aktenstück einiges zu veröffentlichen. Aus den Urteilen der Aerztevereine über die Wirkungen der freien Arztwahl geben auch wir ein paar wieder, weil aus ihnen hervorgeht, daß die Begeisterung für dieses System auch unter den Acrzten durchaus nicht so groß ist, wie die Führer der Aerztebeioegung behaupten, und weil anderseits daraus hervor- geht, daß unsre Ansicht über die Wirkungen des Systems auch von» ärztlichen Organisationen geteilt wird. So schreibt der ärztliche Kreisverein K ar l s r uh e: Von den Landärzten kann man fast durchweg und von den Aerzten der Städte wenigstens von einem großen Teile sagen, daß sie sich für die freie Arztwahl nur dann interessieren, wenn dieselbe bei Kassen ein- geführt werden soll, an denen sie bisher nicht beteiligt waren; persönliche Opfer wollen jedenfalls nur wenige bringen. Ueberhaupt mußten die Vertragskommissionen des Vereins die Beobachtung machen, daß die Riehrzahl der Kollegen die Kassenarztfrage f a st nur vom rein materiellen Standpunkte aus auffaßt, daß die Zahl der socialdenkenden und handelnden Aerzte noch eine sehr geringe ist, und verschiedene Male waren die Kommissionen genötigt, den An- sprüchen eines gar zu krassen Egoismus energisch entgegenzutreten, da einzelne Kollegen, die vor dem Zustandekommen unsrer Organi- sation sich mit den minimalsten Verträgen begnügten, nun auf einmal glaubten, e i ne Art R au b zu g gegen die Kassen inscenieren zu können. Von einer G a g g e n a u e r Betriebskasse wird berichtet: Die Verteilung des Honorars geschieht nach Einzelleistungen, die genau auf den Scheinen eingetragen sein mußten, zumal in toller Weise Besuche gemacht wurden. Gleiches beklagt M a r i e n b e r g i. S.. das für Bon- und gegen Pointsystem ist, weil damit„eine wenig löbliche Sitte mancher namentlich jüngerer, weniger beschäftigter Kollegen vermieden bczw. verhindert lvird, die ich natürlich den Kasscnvcrmnltnngen gegenüber weder je erwähnt habe, noch erwähnen werde, die ich aber hier zu erwähnen nicht unterlassen will, nämlich das übermäßig häufige Besuchen der Kranken; es sind mir Fälle bekannt, daß ein junger Kollege es sich gerade zur Aufgabe machte, seine Zeit mit Besuchen Krankenkassenkranker unter allen Umständen auszufüllen, mochte» dieselben nötig sein oder nicht. Von G r ü n b e r g i. Schl. heißt es: Die größte der Orts- Krankenkassen hatte bis zum Herbst v. I. nach einer Karenzzeit von zwei Jahren unbeschränkte freie Arztwahl. Infolge inißbräuchlicher Ausnutzung seitens des jüngst angestellten Arztes wurde dieses Princip aufgegeben und die Anstellung neuer Aerzte der Bedürfnis- frage überlassen. Marburg schreibt:„Diese Zugeständnisse waren bedingt durch die finanzielle Lage der Kasse. Mit dem Zuzuge neuer Aerzte ist in den letzten Jahren' das gezahlte Arzthonorar erheblich gewachsen. Die Zahl der Kassenmitglieder stieg in den letzten 10 Jahren nur von 2501 auf 3338, rund 33 Proz., die Gesamtsumme der Arzthonorare in der- selben Zeit von 4178 M. auf 13 345 M., rund 300 Proz. Dem- entsprechend die Kosten für Arznei und Heilmittel von 3181 M. auf 8243 M., rund 250 Proz. Irgendwelche Kontrolle der ärztlichen Leistungen und Verschreibungen bestand vor dem 1. Januar 1904 nicht und es ist der Verdacht nicht ganz von der Hand zu weisen, daß von dem einen oder andren Kollegen die Kasse als zu melkende Kuh angesehen wurde." Auch Düsseldorf bekennt in einem Rückblick: „Das seit 1896 eingeführte System der freien Arztwahl hatte sich gar nicht bewährt. Von dem Rechte der Extraliquidationen wurde seitens einzelner Aerzte ein Gebrauch gemacht, der als Mißbrauch zu betrachten war. Die Höhe der Fuhrkosten stand bei einzelnen Kassen in keinem Verhältnis zum gezahlten Honorar. Jede Kontrolle der Aerzte fehlte, jeder liquidierte, da ja auch eine Taxe fehlte, was ihm gerade beliebte." Man wird uns hoffentlich nicht der Herabsetzung der Aerzte beschuldigen, wenn wir diese ärztlichen Urteile über ihre eignen Kollegen, deren sich noch mehrere ähnliche in dem Aktenstücke befinden, abdrucken._ DaS Wahlvcrfahren für Kaufmannsgerichte. Da? Gesetz über die Kaufmannsgerichte bestimmt, daß die Wahlen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl vorzunehmen sind. Die Stadt München hat bereits, wie wir der„Arbeitsmarkt- Korrespondenz" entnehmen) einen Entwurf zu einer Wahlordnung vorgelegt. Danach erfolgt die Wahl der Beisitzer auf drei Jahre. Im letzten Jahre jeder Wahlperiode sind Vorlchlagslisten für die sämtlichen zu wühlenden Beisitzer und Ersatzmänner ein- zureichen, die der Unterschrift von je 50 Wahlberechtigten bedürfen. Die Stimmabgabe ist aus die eingereichten Vorschlagslisten beschränkt. Nach Schluß der Stimmabgabe erfolgt in sedem Wahllokal sofort öffentlich die Feststellung der auf die einzelnen Vorschlagslisten gefallenen Stimmenzahl. Die einzelnen Wahlvorsteher haben lediglich die Stinimenzahl, die die einzelnen Listen enthalten haben, und die Gesamtzahl der in ihren Wahllokalen abgegebenen Stimmen fest- zustellen. Ein besonders vom Magistrat ernannter Wahlvorsteher hat dann am nächstfolgenden Tage im Vereine mit den» Wahl- auSschuß die als Beisitzer und Ersatzmänner gewählten Personen zu ermitteln. Von den auf den einzelnen Vorschlagslisten ent- haltcnen Personen gilt d i e Zahl als gewählt, die sich zu der Gesamtzahl der zu wählenden Beisitzer bezw. Ersatzmänner ebenso verhält, wie die Zahl der auf die Liste entfallenden gültigen Stinimen zu der Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen. Ergeben sich bei der Verteilung Bruchteile, so werden die noch übrig bleibenden Sitze den Listen zugeteilt, deren Stimmenzahl bei der verhältnismäßigen Verteilung die größten Reste aufweist. Bei gleich großen Resten entscheidet erforderlichenfalls das Laos. Unter den Personen einer Liste entscheidet die Reihenfolge, in der sie genannt sind._ Gegen die gesetzliche ArbritSlosen-Bersicherung hat sich ein- stimmig ein in Braiinschweig tagender deutscher Tischlertag aus- gesprochen. Grund: der belannte; zu hohe Belastung der Unter- nehmer. Eine blutige Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Der Klempner N. war eines Mittags von seinem Arbeitgeber Hiibner entlassen worden. Es kam dann zu allerlei Wortplänkeleien zwischen beiden, bei denen auch die Lohnberechnung eine Rolle spielte. N. begab sich schließlich nach dem Comptoir Hübners. EtwaS später sah ihn einer seiner Kollegen blutend auf dem Hofe „umhertaumeln" und den Brunnen aufsuchen, wo er sich vom Blute reinigte. Er entfernte sich dann und klagte beim Gewerbegericht auf Zahlung seines Lohnes in Höhe von 87, L0 M. und einer Lohnentschädigung wegen nicht rechtzeitiger Aus- händigung der„Papiere". Der Beklagte wollte den Lohn abzüglich des Betrags für den Nachmittag des Entlassnngstags zahlen, bestritt aber jede weitere Verpflichtung.— Der Kläger behauptete: Auf sein Verlangen nach dem Lohn habe Beklagter rhu aufgefordert, inS Comptoir zu kommen. Dort habe Beklagter die Thür hinter ihm zugemacht und fei, als N. von ihm Lohn und Papiere verlangte, gleich auf ihn zugesprungen und habe ,hn mit den Worten:„Da haben Sie Ihren Lohn!" ins Gesicht geschlagen.— Der Beklagte behauptete dem gegenüber, er habe nicht geschlagen, sondern ihn„höchstens" nach dem Ausgange„gedrängt", wobei N. wohl gegen die Thür„gerannt" sein möge. So sei wahrscheinlich die lutende Wunde entstanden. N. habe die Papiere nicht nehmen und auch nicht gehen wollen. Bei dem Vorfall war niemand zugegen. Beklagter macht sich anheischig, sogar zu beschwören, daß er den Kläger nicht geschlagen habe. Der Kläger blieb trotzdem auf das bestimmteste bei seinen Angaben und erklärte sich bereit, einen ihm vom Gewerbegericht auferlegten Eid zu leisten, daß Hübner ihn blutig geschlagen habe.— Hübner zahlte darauf vergleichsweise b0 M. an den Kläger._ GcwerkfcbaftUchcs« Berlin und Qmgcgend. Die streikenden Glaser hielten am Montag eine Versammlung ab, in welcher die Streikleitung mitteilte, daß die Innung zu ihrer Versammlung den Gesellenausschnß eingeladen habe und wurde Fiegel als Bevollmächtigter dahin delegiert. Ferner gab der Vorsitzende einen Bericht über den Stand der Bewegung. Im Streik befinden sich 300 Glaser. Bewilligt haben die Firmen Schnierler u. Co., Otto Zielte, C. F. W. Schneider u. Sohn, C. A. Lüders, H. Schmidt, Brunnenstraße, H. v. Ottowicz, E. Tell, Fuchs, Glowacz. Köther, Hübner, Fuß und noch zehn kleine Firmen, bei denen insgesamt 150 Glaser zu den neuen Bedingungen arbeiten. Nicht zur Streikkontrolle gemeldet haben sich die Glaser der Firmen Jachmann, Schelsky jun. und sen., Günter, Mutz u. Co. und Nau- schütz. Bei der Ein- und Verkaufsgenossenschaft selbständiger Glaser meifler Deutschlands verrichtet der Glasermeister Stampehl, der früher in der Glaserbewegung an erster Stelle stand. Streikbrecher� dienste. An alle besonders in der Schaufenster- und LadeneinrichwngS Branche thätigen Schlosser und Tischler richtet die Streik- leifamg das dringende Ersuchen, jede Arbeit, welche von Glasern zu verrichten ist, entschieden zu verweigern. Abgesehen von den Unfällen, die dabei sehr leicht möglich sind und die für die Beteiligten die schwersten Folgen haben könnten, würden dieselben auch die Glaser in ihrem gerechten Kampfe aufs empfindlichste schädigen. Da der Streikleitung bereits mehrere derartige Fälle gemeldet sind, so appelliert dieselbe an das Solidaritätsgefühl der in Frage kommenden Arbeiterkategorien. Wie nachträglich mitgeteilt wird, haben bereits 2g Firmen unterschriftlich beloilligt. Außerdem haben sich eine ganze Anzahl andrer Firmen bereit erklärt, den geforderten Lohn zu zahlen, doch sträuben sie sich im Hinblick auf voraussichtliche Unannehmlichkeiten seitens ihrer Unternehmerkollegen, den neuen Tarif zu unterschreiben. 360 Glaser stehen in den Streiklisten als Ausständige verzeichnet; die Zahl der Ausständigen ist aber noch im Wachsen begriffen. Die Streitenden sehen in dem Abschluß eines Tarifs von Organisation zu Organisation eine um so größere Gewähr für die Jnnehaltung der Arbeitsbedingungen, als sie leider die Erfahrung machen mußten, daß in der Schlichtungskommission zur Ueberwachung des alten ab- gelaufenen Tarifs seitens der Arbeitgeber tarifuntreue Firmen vertreten waren. Gestern abend befaßte sich auch eine außerordentliche Generalversammlung der Glaser-Zwangsinnung mit dem Streik. Die Ver- Handlungen wurden unter Zulassung der Vertreter aller Berliner Blätter in voller Oeffentlichkeit geführt. Außer dem bezahlten Scharfmacher der Abteilung II des Kühnemänner-Verbandes, dem bekannten Generalsekretär Nasse, blies vor allem der frühere Leiter der Glaserorganisation, der jetzige Glasermeister Stampehl, Brunnenstraße, in die Kriegstronipete. Dieser Mann zeigte recht augenfällig, was ein Renegat zu leisten vermag; er mußte es aller- dings erleben, daß ein erheblicher Teil der Arbeitgeber ihn nur sehr widerwillig mit anhörte. Sehr vorteilhaft von den Reden der ver- schiedenen Jnnungshitzköpfe stachen die Ausführungen des Meisters Schmidt aus der Brunnenstraße ab. Dieser empfahl, sich nicht an der modernen Gesellenorganisation zu stoßen, sondern im Ver- handlunaSwege eine Verständigung anzubahnen, da der Streik auch den Arbeitgebern enorme Opfer kosten werde. Obermeister Jost erklärte darauf: Es bestehe durchaus keine Abneigung gegen Verhandlungen. Doch da die Meister keine frei- willige Jnteressenorganisation, sondern eine gesetzlich geschaffene Zwcmgsinnung seien, so entspräche es auch nur der Billigkeit, wenn die Innung als Korporation nur mit dem ebenfalls gesetzlich ge- schaffenen Gesellenausschuß, nicht aber mit der freiwillig gegründeten Organisation der Gesellen in Verhandlung träte. Die Innung kümmere sich auch gar nicht darum, ob die Gesellen der Organffation angehören oder nicht. Deshalb habe es die Organisation auch völlig in der Hand, organisierte Gesellen in die Verhandlungskommission zu delegieren, nur müsse der gesetzlich gewählte Altgeselle Obmann dieser Kommission sein. Genau so, wie der alte Tarif mit dem Gesellenausschuß vereinbart worden sei, so könne auch der neue Tarif mit dieser 5iörperschaft für das ganze Gewerbe abgeschlossen werden. Allerdings seien die gegenwärtigen Forderungen der Gesellen nicht akzeptabel. Ueber die Lohnhöhe lasse sich sprechen, doch die übrigen Forderungen bedürften unbedingt einer Modifikation. Da wohl jeder Meister am liebsten seine alten Gesellen wieder habe, so glaube er. daß schon bis zum nächsten Freitag, wo eine neue Generalversamm- lung stattfindet, eine Verständigung erzielt werden könne. Beschlossen wurde sodann: Nur auf Grundlage des im Juni der Gesellenschaft vorgelegten Tarifs mit einer Kommission zu ver- handeln, deren Obmann der Altgeselle Fiegel ist. Einzelab machungen wurden als unzulässig erklart. Demgemäß erklärten sämtliche anwesenden Meister, die den neuen Tarif bereits unterschriftlich anerkannt hatten, ihre Unterschrift wieder zurück- ziehen zu wollen. Ausgenommen hiervon war nur Meister Schmidt in der Brunnenstratze, der sich den Gesellen gegenüber nicht wortbrüchig machen wollte. Die Lagerarbeiter der Ein- und Berkaufs- Genossenschaft selb- ständiger Glasermeister, Hallesches Ufer, legten Dienstag früh ein- mütig die Arbeit nieder, nachdem man an dieselben das Ansinnen stellte, Glaserarbeiten zu verrichten. Die schon schlechten Lohn- Verhältnisse gaben mit dazu Veranlassung, den streikenden Glasern nicht in den Rücken zu fallen, weil der Lohn in gar keinem Ver- hältniS zu der zu leistenden Arbeit steht. Arbeitswillige sind nicht zu verzeichnen, doch wurde das kaufinännische Personal gesehen, wie es Scheiben auf die Wagen der Lohnfuhrwerke lud. Die Situation ist günstig. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung I des Verbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands. Verhandlungen in der Vildhauer-Modellbranche. Auf Veranlassung der Freien Vereinigung der Stuckgeschäste hat kürzlich eine Besprechung zwischen Vertretern der Unternehmer und der Modelleure und Antrager stattgefunden, die dazu dienen sollte, Schäden des Berufs zu beseitigen. Besonders war es den Unter- nehmern darum zu thun, gegen die sogenannten Subunternehmer, Gehilfen, die auch selbständig Arbeiten annehmet,, vorzugehen, die ihrer Meinung nach hauptsächlich diejenigen sind, die Schmutz konkurrenz betreiben. Dagegen führten die Vertreter der Gehilfen an, daß auch von großen Firmen nicht minder schädliche Schinutz konkurrenz betrieben wird, und wiesen dann im weiteren Verlauf der Besprechung aus eine Anzahl andrer Mißstände hin, die am besten durch vestimmte tarifliche Vereinbarungen eingeschränkt und beseitigt werden könnten. Die Besprechung endete damit, daß man überein kam, nach vier Wochen eine neue Zusammenkunft ab zuhalten, in der über bestimmte Vorschläge verhandelt werden soll. Am Montagabend fand nun- eine Versammlung der Model- leure und Antrager im Gewerkschaftshaus statt, in der die Branchenkommisfion über den Verlauf d-r Besprechung berichtete und Vorschläge zu einem Tarif machte. Die Vorschläge wurden in der Versammlung diskutiert, die Beschlußfassung wurde jedoch auf eine über acht Tage stattfindende neue Versammlung verschoben. Oeutkches Reich. Die Ardeitsiilederlegung der Holzbildhauer in Breslau ist eine allgemeine, da die Meister sich auf eine Bewilligung der Forderungen nicht einlassen wollen.— Zuzug von Holzbildhauern ist von Breslau fernzuhalten. Mit einer Aussperrung drohen die Klcmpnermeister m D ü s s e l« d o r f. Seit etwa acht Tagen sind beim JnnungSmeister W. Täller zehn Gehilfen ausständig. Diesem Ausstand liegen folgende Ursachen zu Grunde: Herr Täller läßt sich seit vorigem Jahre von jedem Gehilfen eine sogenannte Werkzeugkaution im Betrage von S0 M. stellen, welche nach und nach vom Lohn einbehalten wird. Als vor einiger Zeit ein neuer Meister von Herrn Täller eingestellt wurde, welcher die Düsseldorfer Jnstallationsarbeiten in keiner Weise kannte, gab es fortwährend Streitigkeiten, weil kein Gehilfe dem neuen Antreiber genug leisten konnte. Nunmehr führte er auch noch eine Neuerung ein, indem er jedem Arbeiter einen Tag, den Sonn- abend, vom Lohn einbehalten wollte. Die„Kaution" würde sich dadurch auf ca. 5S M. erhöht haben. Hiermit waren die Gehilfen, welche sämtlich organisiert sind, nicht einverstanden. Sie wählten eine Kommission, welche bei Herrn Täller vorstellig wurde. Der Herr Jnnungsmeister hatte für die Kommission aber nur die Ant- wort:„Was ich einbehalte, ist meine Sache, wem es nicht paßt, kann gehen." Daß auf diese Antwort hin die Gehilfen die Arbeit niederlegten, ist wohl selbstverständlich. Die Innung erklärte sich nun mit Herrn Täller solidarisch und verlangt die Beendigung des Streiks bis Dienstag. Andernfalls droht sie mit Gegenmaßregeln. Bezeichnend für das Verhalten der Innung ist die Thatsache, daß sie das Verhalten des Herrn Täller gar nicht einmal verteidigt. Ob der Herr im Recht ist oder nicht, das läßt sie völlig kalt. Die Herren vertreten den Standpunkt, daß die Gesellen überhaupt kein Recht haben zu streiken. Die Geschäftskonjunkwr ist augenblicklich eine gute. Wenn der Zuzug ferngehalten wird, können die Arbeiter den Dingen mit Ruhe entgegensehen. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Su»l«»d. Amerikanische Riesenstreik». Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus New York: Die Pullmann- Wagenbau- Werkstätten sind auf unbestimmte Zeit ge- schloffen worden.— Tausend Telegraphisten an der Missouri- Kansas-Texas-Bahn streiken; der Verlehr ist erheblich gestört. Versammlungen. In den Streik gehetzt. Wir haben unfern Lesern schon mitgeteilt, in welcher Weise die Direktion der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. durch einen Ukas an die Arbeiter die Mißstände aus ihrem Betriebe zu be seitiaen unternahm. Sie verlangte von ihnen eine Bescheinigung darüber, daß alles gut und schön sei. Wer das nicht bestätigen könne oder wolle, der möge gehen. Der Herr Direktor rief und alle, alle— gingen I Die Arbeiter hielten eine öffentliche Versammlung ab und faßten einstimmig folgenden Beschluß: „Die heutige öffentliche Versammlung der gesamten Arbeiter- schast der Leverkusener Farbenfabriken erklärt sich mit dem Beschlüsse der Organisationen solidarisch und ver- spricht die Arbeit morgen früh nicht mehr aufzunehmen, bis die Forderungen der Arbeiterschaft: bessere Lohn- und Arbeitsbediligungen, Abschaffung der Mißstände, Anerkennung der gesetzlichen Staatsbiirgerrechte, anerkannt find. Zu diesem Beschluß sind wir nach reiflicher Erwägung gekommen, insbesondere nach den vollständig konstatierten entscheidenden Beweisen. Die heutige Versammlung unterwirst sich jedem Schiedsspruch einer dafür maßgebenden Behörde, weil sie die feste Ueberzeugung hat, daß diese Rechte ihnen anerkannt werden müssen." Nach den bisherigen Mitteilungen haben von ca. 4000 Be schästigten sich etwa 2000 dem Streik angeschlossen. Zuzug ist fern- zuhalten._ Achtung, Glaser k Wegen Ausbruch von Differenzen, trotz der Aussperrung durch Vergehen der Innung gegen ß SS des Hand- werkergeseyes, ist der Zuzug von Blei- und Blankgläsern nach Frank- furt a. M. streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Ortsverwaltung Frankfurt a. M. des CentralvcrbandeS deutscher Glaser. Zur Aussperrung im Maingebiet wird berichtet, daß die von den Unternehmern und Arbeitern ernannten Kommissionen gestern zum erstenmal zusammentraten, um über die Einigungsbedingungen zu beraten. In den Kreisen der Arbeiter bringt man den Verhandlungen wenig Vertrauen entgegen; man glaubt nicht, daß die Unternehmer einigermaßen annehmbare Be- dingungen vorlegen werden. Der Weggang der Arbeiter dauert fort. In Darmstadt führte die Aussperrung am Montagabend zu irößeren Ansammlungen von Ausständigen am Neubau deS Darm- lädter Hofes, wo eine größere Anzahl arbeitswilliger Zimmerleute beschäftigt sind. Als diese die Arbeitsstelle nach Feierabend verließen, wurden sie von der mehr als hundertköpfigen Menge mit Johlen und Pfuirufen empfangen mrd nach dem Bahnhof verfolgt. Auf dem Bahnhofe kam es erneut zu Demonstrationen. Bier Personen wurden verhastet._ Eine Bauarbeiter- Aussperrung in München? In München treiken die Maurer und Bauhilfsarbeiter auf verschiedenen Bauten. Der Arbeitgeberverband hat nun den Beschluß gefaßt, alle bei seinen Mitgliedern beschäftigten Maurer auszusperren, wenn die Streikenden nicht bis zum kommenden Montag ihre Thätigkeit wieder auf- genommen haben. Der Beschluß»st von 60 Baugeschäftsinhabern unterzeichnet. Zum internationalen Arbeiterkongress in Amsterdam nahmen die Berliner Parteigenossen gestern abend Stellung in einer Ver« sammlung, die im Feenpalasr abgehalten wurde. Der Refertznt Molkenbuhr verbreitete sich hauptsächlich über die Tages- ordnung des Kongresses. Dann folgte eine rege Diskussion, die sich ausschließlich um die Maifeier drehte. Angenommen wurde eine Resolution, welche ausspricht, daß die Delegierten in der deutschen Delegation dahin wirken sollen, daß am 1. Mai für die Ausdehnung der Arbeiterschutzgesetze, den Achtstundentag, den Völkerfrieden und die Forderungen der Socialdemokratie demonstriert wird, daß die Demonstration in allen Kulturlände un eine einheitliche sein soll und die Arbeitsruhe alss würdigste Demonstration betrachtet wird, und überall stattfinden soll, wo es ohne Schädigung der Wirtschaft- lichen Interessen der Arbeiter möglich ist. Als Delegierte wurden gewählt: Werner(2. Kreis). Büchner(4. Kreis), Ernst (6. Kreis)._ Letzte Nachrichten und Oepelchen. Berlin, 2. August.(SB. T. B.) Ablösungstransport-Dampfer der Ostasiatischen Besatzungsbrigade„Rhein" am 1. August von Tsingtau mit 59 Offizieren, Sanitätsoffizieren und Beamten und 886 Unteroffizieren und Mannschaften(darunter 31 Angehörige der Marine) Heimreise angetreten. Transportführer Major und Depot-Direttor Thiemig. Hongkong wird auf der Heimreise nicht angelaufen. Rom, 2. August.(W. T. B.) Von dem Palais der ftanzöfischen Boffchaft beim päpstlichen Stuhl ist heute das Wappenschild entfernt worden. Rom, 2. August.(B. H.) Der„Italic" zufolge beabsichtigt der Papst, über den französischen Ministerpräsidenten CombeS düi höheren Kirchenbann zu verhängen. Bom ostasiattschen Kriegsschauplatz. Tokio, 2. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Wie vertautet, haben die Japaner nach dreitägigem verzweifelten Kampfe Shantaikau, eine wichtige Verteidigungsposition bei Port Arthur, genommen. Tokio, 2. August.(W. T. B.)(Amtliche Meldung.) General Kuroki meldet folgendes: Unsre Armee begann am 31. Juli bei Tagesanbruch zum Angriff gegen den Feind vorzugehen, der Kushulintzu(vier Meilen von Heihoyen) und Janglzuling(sechs Meilen ostlich vom Motienpaß) besetzt hielt. Beide Orte liegen 2S Meilen von Liaujang entfenit. Die bei Kushulintzu stehenden russischen Truppen bestanden aus zwei Divisionen mit ent- sprechender Artillerie. Die Angriffsoperationen wurden nach einem vorher festgelegten Plane durchgeführt und bei Sonnen- Untergang waren beide Flügel des Feindes geschlagen. Da der Feind aber sehr stark war und in festen Stellungen stand, war es uns nicht möglich, seine Stellungen zu nehmen. Beim An- bruch des folgenden Tages wurde der Angriff wieder aufgenommen; es gelang uns, den Feind um die Mittagsstunde au§ seiner Stellung zu verdrängen und wir verfolgten den Feind, der in der Richtung auf Anping floh, vier Meilen weit nach Westen.— Bei gangtzuling standen Russen in Stärke von zwei und einer halben Division mit vier Batterien. Der Angriff wurde auch dort erfolgreich durchgeführt. Bei Sonnenuntergang nahmen wir die Hauptstellungen des FeindeS; ein Teil des Feindes leistete aber den hartnäckigsten Widerstand und wir mußten die Nacht über in Schlachtstellung bivakieren. Bei Tagesanbruch des 1. August gingen wir von neuem zum Angriff vor und um 8 Uhr morgens fielen alle Höhen in unsre Hände. Der Feind floh auf Tanghoyen zu. Ueber unsre Verluste werden Ermittelungen angestellt. Wir haben eine Anzahl Feldgeschütze erobert.— In diesem Gefecht hatten wir bei unsren Angriffsoperationen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da wir gegen schroffe Abhänge vorgehen mußten, ohne eine passende Stellung für unsre Artillerie zu haben; dabei war eine Hitze von gegen 40 Grad Celsius. Petersburg, 2. August.(W. T. B.) Ein Telegramm des Generals Sacharow an den Generalstab meldet unterm 1. August: In der Richtung Saimatei-Liaujang blieb unsre Vorhut nach einem hartnäckigem Kampfe am 31. Juli in ihrer alten Stellung. Auf der südlichen Front ging der Feind unentschlossen vor und begnügte sich mit einem Artilleriekampf auf weitere Entfernung. Am 1. August war alles ruhig. Am 30. Juli unternahmen die Japaner eine Rekognoszierung mit bedeutenden Stueitkrästen in der Richtung auf Föngwangtschöng und Haitscheng. Durch die russischen Bor- Posten wurde der Feind auf die Höhen von Zurintunia zurück- geworfen. Ein Angriff der Japaner bei Utunschugou wurde ebenfalls von den russischen Feldwachen aufgehalten. Auf Seiten der Russen wurden 2 Offiziere und 34 Untermilitärs verwundet. Am 31. Juli wurde japanische Infanterie, welche auf LaoHantst vorgegangen war. durch das Feuer russischer Batterien und sechs Compagnien zum Stehen gebracht. Teibei sind zwei russische Offiziere gefallen und einer verwundet worden. Von Untermilitärs sind 26 tot und ver- wundct. Am 31. Juli setzten zwei japanische Bataillone den Paß zwischen Sanschugou und Zutsiaputei. Auf Seite der Russen wurden 50 Offiziere und ungefähr 40 Untermilitärs verwundet. Petersburg, 2. August.(W. T. B.) Ein Telegramm des Admirals Skrydlow an den Kaiser meldet: Der von mir mit dem Kreuzer- geschwader, bestehend aus der„Rossija", dem"Gromboi" und„Rjurik", an die Ostküste Japans ausgeschickte Konteradmiral berichtet: Das Geschwader was bei seiner Ausfahrt aus der Meerenge von Sangar in den Ocean am 20. Juli auf einen kleinen japanischen Dampfer Okasima-Maru". Nachdem die Besatzung das Schiff verlassen hatte, wurde dieses versenkt. Die Besatzung fuhr auf Booten ans Ufer. Gleichzeittg wurde der englische Dampfer„Kamara" angehalten und einem Verhör unterworfen. Der Dampfer führte Kohlen nach Mororan. Obgleich Grund zu der Annahme vorhanden war, daß das Schiff fich mit der Beförderung von Kriegskontrebande beschäftigt. wurden wir doch durch das Fehlen direkter Indizien besttnimt, es freizugeben. Bald darauf stieß das Geschwader auf den japa- nischen Küstendampfer„Kioduniu- Mari»" mit S0 Passagieren, zum größten Teil Frauen. Dieser Umstand bestimmte uns, den Dampfer freizugeben. Auf der Weiterfahrt nach Süden trafen wir nach einander zwei japanische Dschunken. beide mit Fischen und Salz beladen. Die Dschunken wurden nach Uebernahme der Mannschaft versentt. Am 22. Juli wurden hundert Meilen von Dokohama der deutsche Dampfer„Arabia" angehalten. der eine bedeutende Ladung Kriegskonterbande führte. Die Konter» bände bestand in Eisenbahnmaterial und Mehl, das für japanische Häfen bestimmt war. Die„Arabia" wurde nach Wladiwostok geschickt. J.) Der Streik der Lastfuhrwerk»« größte Teil der Forderungen der Wien. 2. August.(S Kutscher ist zu Ende, da der' Streikenden bewilligt wurde. Wien, 2. August.(W. T. B.) Heute nachmittag ist zwischen den Fuhrwerksunternehmern und den Vertretern der ausständigen Kutscher eine Einigung zu stand« gekommen. Nizza, 2. August.(B. H.) In der Nahe von Kap Martin entgleisten an einer abschüssigen Stelle zwei voll besetzte Tramwah- waren. Drei Passagiere sind tot, zahlreiche wurden mehr oder minder schwer verletzt. Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck m Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer LiCo.. Berlin 51V. Hierzu 2Beilagenu.llnterhaltung»tlaU Nr. 180. 21. Iahrgaug. 1. Ktilsge te Jonoättü" Knlim loMIntt Mitwch, 8. Altguß 1904. Die Stadt Berlin gegen die Straßen- bahn. Dcr Protest gegen die Untergrundbahn. Der Einspruch der.Großen Berliner' gegen die Untergrund- K.r'.l Potsdamer Platz— Spittelniarkt ist bekanntlich in erster Instanz abgewiesen worden. In der Feststellungsklage der Stadt Berlin gegen die Große Berliner Straßenbahn-Gesellschaft ist jetzt das Urteil der 29. Civilkammer des königlichen Landgerichts I Berlin vom 39. Juni d. I. behufs Zustellung an den Prozeßbevollmächtigten der Klägerin abgegangen. Wie seiner Zeit gemeldet, hat das Gericht dein Klage-Antrage stattgegeben und die beklagte Gesellschaft der- urteilt, anzuerkennen, daß ihr ein Widerspruchsrecht gegen den Bau und Betrieb einer Unterpflasterbahn Potsdamer Platz— Spittelmarkt nicht zustehe. Aus den Urteilsgründen teilt das»Berk. Tageblatt" folgende Punlie mit:* Zunächst war die Frage zu prüfen, ob, wie der Magistrat be- hauptet, der mit der Gesellschaft abgeschlossene Vertrag Be- stimmungen enthält, aus denen sich eine Konlurrenzfteiheit im Bau von Straßenbahnen nachweisen oder folgern läßt. Diese Frage hat das Gericht verneint. Der Vertrag enthält keinerlei Bestimmungen über diesen wichtigen Punkt, der für die Beurteilung des zwischen den Parteien bestehenden Rechtsverhältnisses von gleichsain funda- mentaler Bedeutung ist. Da nun beide Kontrahenten behaupten und zum Beweise daftir sich erbieten, daß vor und bei Abschluß des Ver- träges ihr Wille darauf gerichtet gewesen sei, auf klägerischer Seite, das Wettbewcrbsrecht allgemein zuzulaijen, auf gegnerischer Seite da- gegen, jede Konkurrenz innerhalb des oer«traßenbahngesellschaft ver- ttaglich überlassenen Verkehrsgebietes auszuschließen, so muß sich dem Beurteiler notwendigerweise die Frage aufdrängen, ob bei diesem Widerstreit der Behauptungen und dieser grundverschiedenen Ansichten über einen so wesentlichen Punkt des stipulierten Rechtsverhältnisses überhaupt ein rechtsgültiger Vertrag zu stände gekonimen ist. K 154 des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmt diesbezüglich;.Solange nicht die Parteien fich über alle Punkte eines Verttages geeinigt haben, über die nach der Erklärung auch nur einer Partei eine Vereinbarung getroffen werden soll, ist in Zweifel der Vertrag nicht geschlossen. Die Verständigung über einzelne Punkte ist auch dann nicht bindend, wenn eine Aufzeichnung stattgefunden hat."(Auf eine nähere Prüfung dieser wichtigen Frage geht das Gericht aus dem Grunde nicht em, weil ja der Verttag als solcher, wie oben gesagt, mangels klarer Bestimmungen über Zulassung oder Ausschluß des Wettbewerbsrechts zur Beurteilung des gegenivärtigcn Rechtsstreites nicht herangezogen werden kann.) In Ermangelung vertraglicher Festsetzungen war nur dcr Wille dcr vertragschließenden Parteien aus den vor und bei Abschluß dcr Verträge gepflogenen VerHand- lungen zu erforschen. Die subsidiäre Prüfung ist zu Ungunsten der beklagten Gesellschaft ausgefallen. Zunächst konunen hier die Ver- Handlungen über neue Straßenbahnlinien, sodann über das Geleise- Mitbenutzungsrecht in Frage. Im Laufe der Berhand- lungen verlangte die Straßenbahn-Gesellschaft. die sich übrigens ge- legentlich einer städttscherseits erfolgten Ausschreibung um die damals geplanten Linien mit bewarb, daß die Stadtgemeinde ihr in gewissem Umfange das Recht einräume, innerhalb ihrer Verkehrssphäre neue Straßenbahnlinien ausschließlich bauen und betreiben zu dürfen. Dies Verlangen hat die städtische Verkchrsdcputatton mittels Schreibens vom 24. November 1393 ausdrücklich abgelehnt, und darauf ersuchte die Gesellschaft wiederum, ihr dann wenigstens das ausschließliche Recht zum Bau und Bettiebe gewisser, von ihr nam- Haft gemachter Linien gewährleisten zu wollen. Auch daraus, daß die Gesellschaft nach langen Verhandlungen schließlich das Geleise- Mitbenutzungsrecht auf Strecken von 409 Metern eingeräumt hat, folgert das Gericht, daß selbst noch bei Abschluß des letzten, jetzt geltenden Verttages<1897/98) die Gesellschaft sich dessen bewußt sein mußte, daß der Gegenkontrahent nicht willens war, all und jede Konkurrenz, auch nnicrhalb des vorhandenen Straßenbahnnetzes, auszuschließen, und daß die Gesellschaft sich über die ihr durch fremde Verkehrsunternehmungen mehr und mehr drohend«? Konkurrenz- gefahr noch nicht recht klar geworden war, beziehungsweise diese Gefahr damals noch unterschätzte. Dies zeigt sich besonders in der Thatsache, daß die Sttaßcnbahngesellschaft es unterließ, gegen die durch die Gitschiner- und Bülowstraße geführte Hochbahn, die der Straßenbahn unzweifelhaft, und zwar auf kilonreterlangen Strecken, scharfe Konkurrenz niachen mußte, Widerspruch zu erheben. So kommt auch dcr gegenwärtig zur Erörterung stehende Protest der Gesellschaft sehr spät, da der Plan der Fortsiihrung der Hochbahn vom Potsdamerplatz in das Stadttnnere schon vor Jahren feststand und in der Fach- wie in der Tagespresse wiederholt lebhaft diskutiert wurde. Wenn der Magistrat geltend macht, daß es sich bei der geplanten Unterpflasterbahn um ein ungleichartiges Berkehrsunternehmen handle, das mehr dem Schnellverkehr dienen solle und der Straßenbahn, der der lokale Verkehr zufalle, weniger Konkurrenz zu machen geeignet sei, so war ihm darin nicht beizupflichten es ist lediglich die wirtschaftliche Seite in Betracht zu ziehen, das heißt die Frage zu entscheiden, ob die Einnahmen der Straßenbahn- Gesellschaft durch die Konkurrenzlinie geschmälert werden loürden oder nicht. Daß aber der Straßenbahn ein gut Teil des Verkehrs durch die geplante Unterpflasterbahn entzogen und die Gesellschaft daher an ihren Einnahmen Einbuße erleiden würde, kann nicht be- stritten werden. Die vom Reichsgericht in den gegen die Stadt- gemeinden Bonn und Köln ergangenen Urteilen niedergelegten Grund- sätze könnten im gegenwärtigen Rechtsstteite nicht Anwendung finden. da in Berlin die Verhältnisse anders lägen als in jenen Städten; ober selbst, wenn man sich auf den Boden der reichsgerichtlichen Entscheidungen stellen wolle, so würde man doch zu urteilung gelangen, da die Stadtgemeinde habe, d«'.... W einer Ver Berlin den Beweis auf die Zulassung von erbracht habe, baß der Wille der Parteien Wettbewerbslimen gerichtet gewesen sei. Wie bekannt, hat die Straßenbahngesellschaft gegen dies Urteil beim königl. Kammcrgericht Berufung eingelegt; die Sachlage ist aber so klar gekennzeichnet, daß es kaum zweifelhast ist, daß die Stadt Berlin auch in den weiteren Instanzen ein obsiegendes Er- kennt, ns davontragen wird. partei-I�acbrickten. In schwarzen Revieren. Im Ahrthal, der starken Centrums- feste, fand am Sonntag, und zwar in Neuenahr, die erste social- demokrattsche Versammlung statt. Genossin Z i e tz sprach über die politischen Zustände und die Verrussung Deutschlands unter lebhaftem Beifall. Zum Schluß wurde die Gründung eines Arbeitervereins erwogen. Auch in Trier rühren sich die Parteigenossen recht leb- Haft. Aus Anlaß der Thatsache, daß die dortigen socialdcmokratischen Arbeiter bereits 12999 M. zur Swassung eines eignen Bersamm- luugshanses zusammengebracht haben und daß sich eine Brauer- Versammlung dieser Tage zu einer socialdeinokratischen Demonsttation gestaltete, bricht die Centtumspresse in lebhaftes Lamento aus. Wir haben mehrfach die Ansicht ausgesprochen, daß in den west- lichen Centtumsdonüinen durch nachhalttge Agitanon für uns sehr viel zu holen ist, daß aber für diese weiten und volkreichen Distritte die bis jetzt vorhandenen Kräfte nicht ausreichen, um die ersorder- �iche Arbeit zu leisten. Die thättgen Genossen jener Bezirke sind sich auch darüber klar; sie haben entsprechende Wünsche nach Hilfe auf ihren Tagungen oft genug zum Ausdruck gebracht. Dcr Provinzial-Parteitag für die Provinz Pommern wird auf den 23. August nach Stettin einberufen. Genosse v. Bollmar sollte nach einem Bericht der„Täglichen Rundschau" im Finanzausschusse der bayrischen Abgeordneten- kammer beanttagt haben, dem Kanunerpräsidenten v. Orterer eine monatliche Zulage von 999 bis 1999 Mark zu be- willigen, damit er in der Lage sei zu repräsentieren. Die .Münchener Post" bemerkt dazu, daß diese Mitteilung eine Ente sei. Im Finanzausschüsse wurde bei Beratung des Landtagsetats von den RepräsentationsauSgaben de? Präsidenten gesprochen, der diese, obwohl er keine Diäten erhält, aus eigner Tasche zahlen muß. Bei dieser Debatte wies Vollmar u. a. darauf hin, daß sogar in Sachsen der Präsident 999—1999 M. Repräsentationsentschädigung für die Session beziehe. Diese Bemerkung habe der Berichterstatter der „Täglichen Rundschau" in einen Antrag umgedichtet. Die Parttigriwsscn Adolf Hoffmann- Berlin, Enrico Ferri- Rom und Franz S«h u h m e i e r- Wien werden am 14. August auf einem internationalen Arbeiterfest in St. Gallen Borttäge halten. Fräulein Fanny Jmle, die einst vom Anarchismus zur Social- demokratie kam, sich aber bald so entwickelte, daß sie von der Agitationskommission für die Provinz Brandenburg bau der Rcfcrentciiliste gestrichen wurde, hat kürzlich öffentlich mitgeteilt, daß ihr Entwicklungsgang bereits vor einigen Wochen dadurch seinen vorläufigen Abschluß gefunden habe, daß sie zur katholischen Kirche übergetteten sei. Gott sei ihrer armen Seele gnädig. Wahlkreis Prenzlau-Angermünde. Die diesjährige Parteikonferenz tritt Sonmag, den 7. d. M., mittags 12 Uhr. in Schwedt a. O. im Gasthof zum deutschen Haufe zusammen. Slls provisorische Tages- ordnung ist festgesetzt: 1. Bericht der KreiS- Bertrauensper,on. 2. Diskussion. 3 Auttäge. 4. Agitation und Presse. 5. Wahl der Delegierten zur Provinzialkonferenz. S. Verschiedenes. 7. Wahl der Kreis-Verttauensperson. Der Verttauensmann. Ter dritte nationale Kongreß dcr„P. S. d. F."(Socialisttsche Partei Frankreichs) findet, gemäß den Beschlüssen des Kongresses von ReimS, in diesem Jahre in Lille vom 9. bis 11. August statt, also unmittelbar vor den, internattonalen Kongreß zu Amfterdam. An, Vorabend<8. August) findet eine große öffentliche Versammlung statt. Die Tagesordnung lautet, soweit sie als bereits feststehend betrachtet werden kann: Berichte des Sekretärs und des Kassierers. Bericht der socialisttsch-revolutionären Kammerfraktion. Bericht der Föderationen. Der internationale Kongreß zu Amsterdam. Die Beziehungen zwischen der politischen und der gewerkschaftlichen Or- ganisation des Proletariats. Die Volksschule. Proporttonal- System und geheinre Wahl. Erneuerung des Exekutivkomitees. Die socialistische Bewegung in der Republik Argentinien. Der„Almanaaue Socialista" von 1994 enthält eine längere ge- schichtliche Abhandlung über die socialistische Bewegung in der Repu- blik Argentinien, der wir folgende interessante Einzelheiten ent- nehmen: Das Centrum der socialistischen Bewegung ist Buenos Aires. nicht weil dies die Hauptstadt der Republik ist, sondern weil hier die kapitalistische Entwicklung am weitesten vorgeschritten ist. Deutfche Genossen waren es, die durch die Bismarcksche Gewaltpolittk aus ihrem Vaterlande verttieben, den socialisttschen Gedanken nach hier verpflanzten. Nocke und Mücke hießen die Braven, unter deren Initiative am 1. Januar 1882 der deutsche Klub„Vorwärts" mit 18 Mitgliedern begründet wurde. Die Vereinigung follte dem Zwecke dienen, die Principien des Socialismus. wie sie im Programm der deutschen Socialdemokratie niedergelegt sind, verwirklichen zu helfen. Der Klub wuchs nur langsam, im Anfang nur durch neue Zuzügler aus Deutschland, welche aus den gleichen Gründen auswanderten, wie die Gründer des Klubs. Als im Jahre 189S der Klub ein neues Heim bezog, zählte er 259 Mitglieder. Im Oktober 1886 war das erste Wochenblatt, der„Vorwärts" in deutscher Sprache herausgegeben worden; Herausgeber und Redak- teur war der Genosse Uhle. Dieses Blatt existierte bis zum Jahre 1991. 1899 wurde auch eine Genoffenschastsbäckerei gegründet, die bis zum Fahre 1893 existierte. Der Klub Vorwärts stellte feine Versammlungsräume allen Arbeitern, welche seit dem Jahre 1886 zwecks Herbeiführung besserer Lohnbed-ingungen sich zu vereinigen be- ganneu, frei zur Verfügung. Auch verbreitete der Klub Manifeste, Flugblätter usw. in spanischer Sprache und entfaltete eine rege Agita- tion für die Naturalisation der Ausländer, damit diese an der argen- tinischen Politik teilnehmen könnten. Nach dem Pariser Kongreß von 1339 bildete sich ein Komitee, um die Maifeier zu organisieren. An der ersten Feier im Jahre 1399 beteiligten sich gegen 3999 Personen. ' Der Klub ging nunmehr daran, auch die gewerkschaftliche Be- wegung zu fördern. Es wurde eine Federation der Arbeiter der Republik Argentinien gebildet und am 12. Dezember 1899 erschien die erste Nummer der Zeitschrift„El Obren,"(der Arbeiter). Am 15. August 1891 wurde der erste Arbeitcrkongreß abgehalten; an ihm beteiligren sich sowohl die gewerkschaftlichen Gruppen, wie auch die socialistischen Klubs von Buenos Aires, Santa Fe und einigen an- deren Städten. Noch gab es aber große Hindernisse zu überwinden; es kamen die Finanzschwierigkeiten des Landes, langa�dauernde politische und kriegerische Verwicklungen aller Art. sodaß die Federa- tion die Propaganda für längere Zeit ganz einstellen mußte und 1892 gänzlicb cmfgelost wurde; auch der„Obrero" stellte sein Erscheinen ein. Aber umer der Asche glimmte es weiter. Die Genossen A. Kühne und Hummel gründeten im Dezember 1892 eine neue socialistische Gruppe und gaben vom März 1893 ab den„Socialista" heraus, der aber auch bald wieder einging. Am 7. April 1894 begann die„Vanguardia" mit dem Genoffen Dr. Justo als Redakteur ihr Erscheinen. Im selben Jahre wurden außer der deutschen noch eine französische, eine italienische und eine Gruppe socialistischer Stu- deuten gegründet. Ein Centralkomitee, welches die Leitung der socialistischeu Gruppen übernahm, wurde gebildet. Es wurde ein Minimum-Programm angenommen und auf Grund desselben ttat die Partei im Jahre 1896 daS erste Mal in die Wahlbewegung ein. nachdem sie sich auf dem Kongreß im Juni konstituiert hatte. Seitdem hat sich die socialisttsche Partei Argentiniens unaufhalt- sam weiter entwickelt; der Belagerungszustand von 1992 konnte die Bewegung nicht mehr zerstören. Entsprechend der langsamen Ent- Wicklung der Industrie ist allerdings auch die Entwicklung der Partei eine nur langsame. Tie Zahl der Gruppen. Nxlche auf dem Kongreß 1893 vertteten waren, bettug erst 19, im Jahre 1898 13, im Jahre 1909 waren 18, im Jahre 1991 waren 21 und endlich im Jahre 1993 waren 39 Gruppen auf dem Kongreß vertreten. Wahlerfolge hat die Partei leider noch nicht zu verzeichnen; die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen ist aber ständig gestiegen. Tius der frauenbewegung. Die gewerkschaftliche Organisierung der Frauen. Die„Gleichheit" untersucht die Ergebnisse der diesjährigen Gewerkschaftsstatistik der Gcneralkommission im Hinblick auf die weiblichen Mitglieder, um dann, anknüpfend an die Thatsache. daß zwar die Zahl der organisierten Arbeiterinnen sehr erheblich ge- jriegen ist, aber doch im ganzen nur 4,36 Proz. aller organisiert sind. die Wege zur Gewinnung größerer Massen von Arbeiterinnen zu erörtern. In dieser Hinsicht schreibt sie: „Dem, ivas wir als die gcwerlschaftliche Propaganda der That unter dw Sibzütiinotn bezeichnen möchten, muß exbobte Aufmett- samkeit zugewendet werden. Es gilt Einrichtungen auszubauen und zu schaffen, welche den Gewerkschaften weibliche Mitglieder werben und sie an diese fesseln. Unseres Erachtens empfiehlt es sich, die beruflichen Zuschußkrankenkassen immer mehr unter Berücksichtigung der Arbeiterinneninteresscn durch Eingliederung der Krankenunter- stützung in die Verbandszwecke abzulösen. Der Organisation wird ficherlich die Einführung der Brautaussteuerung unter den ledigen, die der Wöchncrinncnunterstützung unter den verheirateten Arbeite- rinnen viele Mitglieder gewinnen. Daß größere materielle Leistungen der Gewerkschaften gegenüber den Arbeiterinnen höhere Mitglieds- beittäge derselben voraussetzen, versteht sich am Rande. Die Kampfestüchtigkeit der Organisationen werden sie nicht abschwächen. «ie bewirken vielniehr ein anderes: indem sie den Zustrom der Arbeiterinnen zu den Verbänden steigern, die starke Fluktuation des Mitgliederstandes veriniudern, schaffen sie eine breitere und festere Basis für den wirtschaftlichen Kampf des Proletariats. Jedoch noch eine weitere Neuerung wird unseres Dafürhaltens notwendig. Praktische Notwendigkeiten veranlassen die GeWerk- schasten immer mehr, die Leitung der Agitations- und Organisa- tiousarbeit in den einzelnen Bezirken in die Hand angestellter, be» soldeter Beamten zu legen. Die Thätigkcit derselben hat im allge- meinen sehr günstige Resultate gezeitigt. Die Schlußfolgerung drängt sich auf, in Jndustricbezirken, wo die Frauenarbeit eine her- vorragende, ja ausschlaggebende Rolle spiel», auch weibliche GeWerk- schaftsbeanite mit den einschlägigen Aufgaben zu betrauen, sei es allein, sei es neben einem Gauleiter. Dies um so mehr, als be- stimmte weibliibe Wesenszüge, als die Lebensgepflogenheiten der Arbeiterinnen, ihre Verpflichtungen im Haus, hier und da auch ihre politische Rechtlosigkeit bedingen, daß dcr Aufklärung und Organi- sierung der Proletarierinnen noch auf anderen Wegen nachgegangen werden muß, als sie bei den Männern zum Ziele führen. Unserer Meinung nach müßte in Berücksichtigung der angedeuteten Umstände unter den Arbeiterinnen die Hausagitation systematisch gepflegt und ausgedehnt werden. Je weiter die Entfernung zwischen Heim und Arbeitsstatt der erwerbenden Proletarierinnen ist, je mehr die Arbei- terinnen der Jndustriccentten jich aus Vororten, aus Dörfern in der Nachbarschaft rettutieren: um so schwerer hält es, sie durch öffent- liche Versammlungen, ja auch durch Werkstubensitzungen in den Bannkreis des gewerkschaftlichen Gedankens zu bringen. Die auf- klärende, werbende Agitatton muß wachsende Massen von Fabrik- arbeiterinnen den Heimarbeiterinnen gleich in ihrer Wohnung, am häuslichen Herde aufsuchen, sie muß dort um jede einzelne Seele ringen. Im allgemeinen ttnll ja die Frau von einer neue,. Er» kenntnis, einem neuen Ideal mehr persönlich als kolleftiv gepackt sein. Es liegt auf der Hand, daß die Gewerkschaftsbeamtin dank ihrer Eigenart als Frau weit eher als ein Mann die persönlichen An- knüpfungspunkte findet, den Ton, der das Herz gewinnt, den Aus- druck, der den Geist überzeugt, um die Arbeiterinnen durch Haus- agitation der Organisation zuzuführen. Die proletarische Frauenbewegung hat genügend Kräfte geschult, die der aufgezeigten Aufgabe wie den übrigen Verpflichtungen des Amtes gewiühsen sein würden. Die Bestrebungen für die geWerk- schaftliche Organisation der Arbeiterinnen sind von ihren Anfängen an von Frauen mitgetragen und entscheidend gefördert worden. Es sei an die gewerkschaftliche Arbeit der Genossinnen Weber, Ihrer, Steinbach. Hofmann. Kühler usw. erinnert. Frauen haben ihr Können, ja ihre hervorragende Leistungstüchttgkeit als gewerkschaft- liche Agitatorinnen und Organisatorinnen bewiesen, ihre Befähigung. selbständig eine Organisation zu leiten. Man gedenke des Wirkens unserer Genossinnen Zietz, Greifenberg. Thiede und anderer noch. Neben den längst bewährten. Kräften sind in vielen Jndustriecentren junge Kämpferinnen herangewachsen und haben arbeitend tüchtige Schulung empfangen. Kurz. a>. geeigneten Persönlichkeiten für das rw f"!..... ri- YXJ___ CW PY* �:f4- ¥/««•« HYJ'/W» S'O ccli schastsbeamtin,_.._ scheint uns ein praktisches Erfordernis für die weitere gewerkschaft- liche Organisierung der Arbeiterinnen. Ob jetzt oder später: die Gcwerkscl�ssten werden fich entschließen müssen, auch in der aufge- zeigten Richtung vorwärts zu gehen. Wer die Arbeiterinnenmassen als gleichgeschulte und gleichverpflichtetc Kämpferinnen habm will. der muß auch die gleichleisteude Arbeits- und Kampfgenossin als gleichberechtigte Beamtin und Leiterin zulassen." An der Universität Jena, und zwar in der philosophischen Fykultät, legte am 39. Juli zum ersten Male eine Dame das Doktor-Examen ab und bestand cum laude. Die Dame, Miß Morse, stammt aus Amerika. JkrUner partci-Hn�elcgenbeiteii. Achtung k Sechster Wahlkreis! Am Dienstag, den 23. August, findet die Generalversammlung des WahlveremS statt mit folgender Tagesordnung:„Stellungnahme zum Parteitag in Bremen und Wahl der Delegierten zu demselben". Charlottenbnrg. Heute abend um 8 Uhr findet im Volks- haus, Stosiiienstt, 3. eine Volks-Versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher Genosse Eduard Bernstein einen Vor- trag über„Russisches" halten wird. Wir machen alle Partei- genossen, sowohl Männer als Frauen, auf diese Versamnilung auf- merksam, die zu einem imposanten Protest gegen den schmachvollen Russenkurs in Deutschland werden muß. Königs-Wusterhausen und Umgegend. Mittwoch, den 3. d. M., abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins im Lokal des Herrn Lange. Siegeskrauz, TageS- ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. DaS Er- scheinen der Mitglieder ist dringend notwendig. lokales. „Herrschaften-Los". AlS wir kürzlich zu melden hatten, daß in der Martin Luther- straße beim KreisphysikuS Pape ei» Dienstmädchen durch einen Sprung aus dem Fenster sich aus ihrer für sie unerträglichen Lage zu befteien gesucht habe, fügten wir(in Nr. 179) ein paar Be- ttachtungen über das Los dcr Dienstmädchen hinzu. Wir bekamen darauf von andrer Seite eine Erwiderung, die in beweglichen Worten die Lage der auf Dienstmädchen angewiesenen Herrschaften schilderte und zum Schluß uns nahelegte, einmal einen Artikel über Herrschaften-Los zu bringen. Wir thaten das sofort, indem wir eben jene Erwiderung ab- druckten(in Nr. 173). Gern hätten wir dann auch ans Eigenem noch ettvaS über Herrschaften-Los gesagt, aber es hat uns bisher nicht so ganz gelingen wollen. Es fehlt uns nämlich die richtige Kenntnis und das rechte Verständnis der Lage jener ewig klagenden Herrschaften, die nie mit ihren Dienst- boten zufrieden sein können, die fortwährend wechseln und doch nie ein brauchbares Mädchen be- kommen. Wer dieses Elend i» all seiner Größe verstehen, wer es in voller Anschaulichkeit schildern will, der muß cS selber durchgemacht haben. Vielleicht erbarmt sich unser noch die Frau Kreisphyfikus, greift in den reichen Schatz ihrer Erfahrungen und schildert uns die Leiden, die sie mit ihrem oft wechselnden Gesinde schon hat erdulden müssen. So sehr viel braucht sie ja zu der von uns abgedruckten Erwiderung nicht mehr hinzuzuthun, aber ein paar wirksame Striche, die das Bild vervollständigen, werden ihr gewiß noch gelingen. Borläufig hat Frau KreisphysikuS an andrer Stelle niedergelegt, Was sie über ihr letztes Dienstmädchen zu sagen hat, im Gesindedieust- buch. Sie hat eingetragen:„Anna ist ein ehrliches Mädchen". Nicht mehr, nicht weniger. Sie lobt nicht; denn die Bescheinigung der Ehrlichkeit ist ja weiter kein Lob, da von einem Dienstboten, dem man sein Hauswesen anvertraut, Ehrlichkeit als etwas Selbstverständliches ge- fordert werden muß. Aber Frau Kreisphysikus tadelt auch nicht I Fand sie nichts ernsthaft Tadelnswertes an Anna? Vielleicht wird man hier einwerfen, Frau Kreisphysikus habe der Wahrheit zuwider den Tadel unterdrückt. Nicht wir sagen das; bei ihren V e r- teidigerinnen wird Frau Kreisphysikus sich gegen diesen Ver- dacht der Täuschung zu wehren haben. Wir glauben, daß sie die volle Wahrheit gesagt hat. Wir glauben das deshalb, weil die früheren Zeugnisse Annas noch besser sind. In dem einen wird bescheinigt, daß sie ehrlich und bescheiden war, in einem andern, daß sie ehrlich und freundlich war, in einem dritten, daß sie sich musterhast geführt hat, daß sie ehrlich, sauber und immer freundlich war. Das Los der Herrschaften, die sich mit solchem Mädchen behelfen mußten, kann wohl so schrecklich nicht gewesen sein. Warum aber fand gerade Frau Kreisphysikus nichts weiter an Anna zu loben? Und warum empfand Anna gerade die Behandlung durch Frau Kreisphysikus als unerträglich?„Wir Hausstauen," sagt jene Er- widerung,„sind bei dem herrschenden Dienstbotenmangel schon heilstoh, wenn wir mal ein einigermaßen brauchbares Mädchen bekommen, nur einigermaßen soll sie sein, dann werden wir uns schon die größte Mühe geben, sie so lange wie möglich zu behalten, nicht aber ihr das Leben unnütz schwer machen." Auch Frau Kreisphysikus war gewiß„heilstoh", ein Mädchen zu be- kommen, das als„ehrlich, sauber, freundlich, bescheiden" empfohlen wurde. Sie gab sich auch„die größte Mühe, sie so lange wie mög- lich zu behalten". Aber das Mädchen, das anderswo Jahre hin- durch geblieben war und im ganzen schon 14 Jahre Dienst hinter sich hatte, schrieb über Papes schon nach 14 Tagen dem Bruder, daß „die Behandlung nicht mehr zu ertragen" sei. Da Frau Doktor sie nicht sofort wieder ziehen lassen wollte und einer Flckcht durch Ab- schließung der Thür vorbeugte, machte das Mädchen den Versuch, sich durch einen Sprung aus dem Fenster zu besteien. Es ist eben das Los gewisser Herrschasten, daß kein Mädchen lange bei ihnen bleiben will, und daß bei ihnen selbst die beste die Lust verliert. Sie haben darin kein Glück! Allerdings gilt für das Herrschaften-Glück dasselbe, was sich vom„Glück" überhaupt sagen läßt. Es hängt nicht vom Zufall allein ab, sondern ebenso sehr oder noch mehr von Dingen, die im Menschen selber liegen. Man muß„Talent zum Glück" haben, und in Punkto Dienstbote fehlt das leider sehr vielen Herrschaften. Dauerndes Pech ist immer ver- dächtig. Sieht man von den Fällen gelegentlichen Pechs ab, so darf man getrost behaupten, daß jede Herrschaft die Dienstboten kriegt, die sie verdient. Dienstmädchen-Los und Herrschaften-Los erklären sich aus dem eigenartigen Verhältnis zwischen Herrschaft und Gesinde, das sich aufbaut auf der veralteten Anschauung, der Dienende sei ein Unter- gebener. Daß Herrschaft und Dienstbote sich als Gleich- berechtigte gegenüberstehen sollen, will gewissen Gnädigen nicht in den Sinn. Im Handel heißt es:„Hier die Ware, hier das Geld I" In der Industrie:„Hier die Arbeit, hier der Lohn!" Bei persönlicher Dienstleistung aber will man immer noch nicht abgehen von der mittelalterlichen Auffassung eines Untergebenen- verhältttdffeS. Wir haben ja auch immer noch das besondere .Gesinderecht", das sogar Prügel erlaubt. Das Ueble für die Herrschaften ist nur, daß bei persönlicher Dienstleistung auch dem Gesinde sein Stachel gegeben ist. Kein ungeschickter, lässiger Arbeiter kann einem Unternehmer soviel Aerger bereiten, wie der Herrschast ein schlechter Dienstbote. Es kann aber auch kein brauchbarer Arbeiter für erlittenes Unrecht sich so nach- drücklich rächen, wie ein Dienstbote. Das begreift selbst das dümmste, gefügigste Mädchen sehr rasch. So erklärt sich die Neigung der Dienstboten, die Herrschaft zu chikanieren, was schlechte Elemente dann auch ohne Grund thun. Wo Tyrannei ist, ist auch Auf- lehnung, namentlich dann, wenn die Gebietenden von ihren Unter- gebenen abhängig sind. Gegen den Achtuhr-Ladenschluß eifert ein Flugblatt des„Vorstandes des Vereins der Geschäfts- inhaber aller Branchen zur Abwehr des Achtuhr-Ladenschlusses". Ein Geschäftsmann unsres Leserkreises findet die Argumente dieses Flug- blattes nicht durchschlagend genug und bittet uns daher, die nach- stehende ausführlichere Begründung der Ablehnung des Achtuhr- Ladenschlusses unsrcn Lesern zugänglich machen zu wollen: „Den Sonntag, die ersten Feiertage gönnt man uns sonst so glücklichen Ladenbesitzern nur halb, die zweiten Feiertage wie die Abend- und Nachtzeit nach 9 Uhr ganz und gar nicht, und nun sollen wir an den sechs Wochentagen nur noch je 13 Stunden den modernen Warenverteilungsdienst ausüben dürfen! Jedes Tier, sagt man, verlangt seine Ruhe, wir aber wollen mit ihnen nicht auf eine Stufe gestellt werden I Und welche Folgen wird der Acht- uhrschluß haben? Nun. dieselben, die der Neunuhrschluß gehabt, in verstärktem Maße. Wahre Schreckenscenen werden die Oeffentlichkeit in ständiger Aufregung halten, denn wer sein Geld nach 8 Uhr abends in den geschlossenen Läden nicht los werden kann, der hat am andern Tage absolut keine Verwendung mehr dafür. Die Ver- zweiflung an seinem Dasein packt ihn, und kann er keine Waren mehr kaufen, so rast er in die Kneipe und kauft sich— einen Affen!— Weiter I Jeder Ladenbesitzer kennt aus seiner Praxis die Gewohn- heiten des konsumierenden Publikums. Hier stürzt bei Thoresschluß noch atemlos ein Dienstmädchen nach einem Briefbogen und einer neuen Feder herein, auch eine Briefmarke will sie noch kaufen, dort braucht ein Jüngling noch schnell einen Kragenknopf oder gar einen Papierkragen, wieder ein andrer bringt eine Reparatur, aber„so- fort", während irgendwo ein Vierter einen Gegenstand, der vor vier Wochen bestellt war, jetzt beim Herunterrollen der Jalousie abholt, mit der Motivierung, daß er täglich dreimal vorbeigeht. Und auf die Damen mit ihren dringenden Besorgungen, bei denen sie auf der Straße in Unterhaltungen verwickelt werden; sie haben ja noch Zeit,„es ist ja noch nicht 9 Uhr". Sollten wir diese Kunden alle durch den Achtuhrschluß in Verlegenheit bringen? Nein! das ist keine Ordnung!— Die Ordnung erfordert, daß wir die Zeit zum Abendessen dem öffentlichen Wohl opfern, und daß der Käufer es nicht merkt, wenn wir bei der Bedienung den Bissen im Munde herumwürgen; die Ordnung erfordert, daß unsre Kinder uns des Abends nicht mit erzieherischen Angelegenheiten belästigen und daß wir so etwa nach 10 Uhr sehen können, wie süß sie alle schlafe»; die Ordnung erfordert, daß auch wir nach Ladenschluß schnurstracks unter die Federn kriechen und unsren Nebenmenschen nicht die frische Luft fortnehmen. Am allerwenigsten aber wollen wir uns von einer sogenannten Kultur belecken lassen und gar an politischen oder socialen Bestrebungen— ausgenommen die gegen jeden Ladenschluß— teilnehmen, Bücher lesen oder Geselligkeit pflegen; Theater und Konzerte, selbst wenn wir das Nötige dazu einmal aufbringen könnten, Kunst und Wissen- schaft, die das Volk interessieren, überlassen wir ruhig denen, die um S oder um 7 Uhr frei sind. Müßiggang ist aller Laster Anfang! Wir aber wollen zwischen unsren vier Mauern Wacht halten, so lange sich noch ein Mensch auf der Straße blicken läßt— es könnte ein Käufer sein. Auch unfern jungen Mann oder das Ladenfräulein wollen wir vor den bösen Folgen des Müßiggangs bewahren, damit auch sie dermaleinst das Glück einer kleinen bürgerlichen Selbständigkeit genießen können. Das Gefährlichste aber bei dem drohenden Achtuhrschluß ist, daß es mit dem Neunuhr schluß dann Ernst werden könnte, denn bis jetzt ist diese Verordnung noch immer mit innigem socialen Verständnis gehandhabt worden, man behandelt uns als Stützen von Staat und Gesellschaft gottlob nicht etwa, wie man Streikposten behandelt, um Polizeiverordnungen energisch durch- zuführen. Stören wir also nicht das solide Geschäft und demonstrieren wir gegen die Warenhäuser, indem wir die Brosamen auf- lesen, die sie uns kleinen Ladenbcsitzern übrig lassen, dann werden wir schließlich im Kampf mit den Riesenbazaren den Sieg davontragen! Dazu genügt es aber nicht, nur 13 Stunden am Tage zur Disposition zu stehen, nein 14 Stunden müssen es wenigstens sein, und schließlich müssen wir uns auch die Nacht wieder erobern, den Sonntag und die Feier- tage!— Ja. stei wollen wir sein! Das hat schon Heinrich Heine uns Deutschen angesehen, indem er ganz in unsrem Sinne, im Sinne des bürgerlichen Mittelstandes begeistert ausrief„der Deutsche liebt seine Freiheit wie seine Großmutter!"— Legen wir deshalb allen Ladenbesitzern unsre Gründe gegen den Achtuhrschluß wann ans Herz, und der Pleitcgeier wird durch die Stunde von 3—9 am sichersten verscheucht werden. Auch ihr, Arbeiter im Handelsgewerbe, helft unS und euch gegen jede Reform — für die unbeschränkte Verlängerung der Arbeitszeit!" Die Versorgung Berlins mit Trinkwasser ist jetzt so geregelt, daß von der gesamten Wassermenge, die aus den Werken Friedrichs- Hägen und Tegel in die Stadt(einschließlich einige Vororte) hinein- gefördert wird, rund drei Siebentel auf das Tegeler Werk und vier Siebentel auf das Friedrichshagener Wert entfallen. Dieses Ver- hältnis ist im Winter wie im Sommer, bei geringem wie starkem Verbrauch, ziemlich genau festgehalten worden. Im Januar 1994 zum Beispiel, der im letzten Winter den geringsten Monatsverbrauch aufwies, wurden täglich 136 426 Kubikmeter, im ganzen Monat 4 229 201 Kubikmeter gefördert. Von dieser Wassermenge kamen aus dem Tegeler Werk 1 841 263 Kubikmeter, aus dem Friedrichs- Hagener Werk 2 387 933 Kubikmeter. Im Juni 1904, bis zu dem die Zusammenstellungen des städtischen Statistischen Amtes über die Berliner Wasserversorgung reichen, wurden täglich 192 981 Kubik- meter, im ganzen Monat 5 789 419 Kubikmeter gefördert, und an der Lieferung war das Tegeler Werk mit 2 460 893 Kubikmeter, das Friedrichshagener Werk mit 3 328 521 Kubikmeter beteiligt. Diesmal sind übrigens im Juni reichlich 425 000 Kubikmeter mehr geliefert worden, als in demselben Monat des vorigen Jahres. Auch diesen erhöhten Anforderungen hat das Tegeler Werk mit seinen Tiefbrunnen zu genügen vermocht; auf Tegel entfiel sogar der größte Teil der oben angegebenen Mehrlieferung. Der Fchrbelliner Kanal ist bei Km. 14,0 seit einigen Tagen auf mehrere Wochen für den Schiffahrtsverkehr gesperrt. Die Fahrt wird auf den märkischen Wasserstraßen immer schwieriger. Das Wasser ist immer noch im Fallen begriffen. Ei» schweres Straßenbahnunglück ereignete sich am Montagabend gegen 8 Uhr. Der„Berliner Zeitung" wird von einem Augenzeugen darüber berichtet: „Der Motorwagenzug der Linie 37(Reinickendorf— Kreuzberg), der dem Prenzlauer Thor zufuhr, begegnete an der Ecke der Alten Schützenstraße dem nach dem Alexander-Platz fahrenden Wagen der Linie 49(Pankow— Rixdorf). An der Ecke der Alten Schützenstratze hat die Linie 37 eine Weiche zu passieren. Hier verirrte sich der Anhängewagen des Zuges Reinickendorf— Kreuzberg und lief, anstatt seinem Motorwagen zu folgen, in das Geleis des entgegenkommenden Zuges 49. Da beide Züge mit voller Geschwindigkeit fuhren, war der Anprall ein furchtbarer. Der Anhängewagen wurde zerschmettert. Die Insassen waren unter den Trümmern begraben, und schreckliche Angst- und Wehrufe erschollen. Von Passanten und der sofort alarmierten Feuerwehr wurden die Unglücklichen aus ihrer furchtbaren Lage besteit." Nach einer weiteren Meldung wurden bei dem Zusammenstoß siebzehn Personen verletzt. Es haben erlitten: Quetschungen am rechten Oberschenkel: Karl Großmann, Provinzstr. 76, Franz und Ludwig Apel, beide Provinz- straße 84; Verletzungen am linken Auge: Emma Fleckcnstein, Große Frankfnrterstr. 63; Bruch des Nasenbeins: Ernst Schör, Skalitzer- straße 74; Quetschung der Nase und der linken Stirnseite: Richard Brandner, Joachimsthalerstr. IIa; blutende Fleischwunden an beiden Schläfen: Franz Voigt, Brunnenstr. 94; ferner leichtere Kontusionen und Hautabschürfungen: die Herren Karl Lange, Brunnenstr. 9, Willi Treptow, Putbuserstraße, Hans Schüler, Prenzlauer Allee 94, J�ius Pülccke, Drontheimerstr. Ick, Hermann Pohl, Bergmannstr.�31, Friedrich Wegener, Putbuserstr. 45, Otto Albertin, Provinzstr. 82, Wilhelm Kliem, Badstr. 21 und Frau Anna Gedanke, Biesenthaler- straße 15. Ferner erlitt der Schaffner des Anhängewagens 2623, Gritefin, Rißwunden im Gesicht, Quetschungen des linken Armes und der linken Hand und Kontusionen an beidon Schienbeinen. Wie uns auf unsre Anfrage seitens der Unfallstation mitgeteilt wird, er- wiesen sich sämtliche Verletzungen als solche leichterer Art. Alle Verunglückten konnten sich, nachdem sie ordnungsgemäß verbunden waren, nach ihren Wohnungen begeben. Eine einheitliche Neuregelung des Mcldewesens für den Landes- polizeibezirk Berlin soll am 1. Oktober d. I. in Kraft treten. Da durch die zu diesem Zwecke zu erlassende Polizei-Verordnung dem Vernehmen nach auch die zur Zeit gebräuchlichen Meldeformularc einige Abänderungen erleiden werden, wird es sich empfehlen, Neu- Herstellungen von Formularen nach altem Muster nicht mehr vor- zunehmen. Die neuen Formulare sollen rechtzeitig bekannt gegeben werden. Auf einen Gitterzaun gespießt wurde am Montagabend um 6 Uhr der 4 Jahre alte Sohn Albert der Arbeiter Krügerschen Ehe- leute aus der Wrangelstraße 57. Vor dem linken Seitenflügel be- findet sich ein kleines Vorgartengitter. Der Knabe war aus einem Fenster der im Erdgeschoß belegenen Wohnung auf das Brett hinaus- geklettert, glitt dort ab und fiel auf das Gitter. Der Knabe riß sich den Leib auf und wurde zunächst auf der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof verbunden, dann besinnungslos nach Bethanien gebracht. Die Mutter war während des Vorganges in einem Nebenzimmer beschäftigt, um für das Abendessen Vorkehrungen zu treffen. Am Sonnenstich erkrankte gestern nachmittag am Pappelplatz, an der Ecke der Invaliden- und Ackerstraße, der 32jährige Arbeiter Becker. Ein im Samariterdienst ausgebildeter Schutzmann brachte dem Zusammengebrochenen die erste Hilfe, und bei sachgemäßer Be- Handlung gelang es ihm auch, den Besinnungslosen ins Leben zurück- zurufen. B. wurde dann mittels einer Droschke dem Krankenhause zugeführt. Mutterliebe. Ein aufregender Vorfall alarmierte, wie uns nach- träglich mitgeteilt wird, am Sonntagnachmittag gegen 6 Uhr die Hunderte von Ausflüglern in der Kolonie Hirschgarten. Ein sieben- jähriger Knabe badete in der Spree, während seine Mutter am Ufer stand und darauf achtete, daß der Kleine nicht zu ttef ins Wasser ging. Dennoch geriet das Kind an eine ttefe Stelle und verschwand plötzlich in den Fluten. Ohne sich nur einen Augenblick zu besinnen, sprang die des Schwimmens unkundige, entsetzte Mutter in voller Kleidung ins Wasser, ging aber ebenfalls sofort unter. Die Zuschauer der schrecklichen Scene waren wie gelähmt, und niemand dachte daran, den in Erstickungsgefahr Befindlichen Hilfe zu bringen. Zufällig näherte sich in diesem Augenblick der Zimmer- mann Miersch, in Hirfchgarten, Berlinerstr. 6 wohnhast, der Unfall« stelle. Er übersah sofort die Situatton, entledigte sich seines RockeS und sprang in die Fluten. Obwohl die mit den Wellen Kämpfenden sich verzweifelt an ihren mutigen Retter anklammerten, gelang es diesem doch, mit großer Ansttengung und Gefährdung des eignen Lebens Mutter und Kind zu retten. Beide erholten sich nach kurzer Zeit. Einbrecher haben am Montag in den frühesten Morgenstunden das Bureau des Verbandes der Bäcker heimgesucht. Als die Frau am Morgen das Bureau behufs Reinigung betrat, war die Thür und ein Fenster geöffnet, fast sämtliche Spinde waren erbrochen, ebenso beide Kassetten. Glücklicherweise haben die Diebe nur etwa 130 M. erbeutet, da am Sonnabend Abend noch eine Rechnung von 700 M. bezahlt worden war. Außer einer wertlosen Nickeluhrkette haben die Gauner noch 200 Marken des Wahlvereins für den 6. Wahlkreis. die zufällig in einem Schrank aufbewahrt wurden, mitgehen lassen, verwerten können sie diese natürlich nicht. Weitere Verluste sind nicht festgestellt worden. Die Spitzbuben müssen sich sehr sicher ge» fühlt haben, denn sie haben vermutlich den Raub sofort geteilt. 10 einzelne Pfennige lagen nach aufgezählt auf dem Tisch, die sie geringschätzig liegen gelassen haben. Das nennt man Gaunerstolz.— Die Untersuchung ist auf Verdachtsgründe im Gange. Ausgesetztes Kind. Am 23. Juli cr.. abends gegen 10V, Uhr. wurde auf der Treppe des Hauses Krautstraste 26 ein etwa zwei bis drei Wochen altes Kind weiblichen Geschlechts aufgefunden. Das Kind war bekleidet mir einem weißleinenen Hemd und einem gestrickten Jäckchen und in zwei Wickeltücher und ein Wickelband ein- geschlagen. Personen, welche zur Sache irgend welche Angaben machen können, wollen sich im Polizeipräsidium, Zimmer 324, zn J. Nr. 7004 IV./27. 04 melden. � Der deutsche Arbeiter-Abstinentenbmid, Ortsgruppe Berlin, hat heute Mittwoch im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c, eine Versammlung, in der Genosse S. Katzenstein über„Kassenhygiene und Socialpolitik" spricht. Diskussion. Herren und Damen als Gäste willkommen. Das Gebrüder Herrnfeld-Theatcr hat am Montag seine neue Spielsaison eröffnet. Es ist die dreizehnte in Berlin.„Ich hatte nichts als diesen Stab, als ich über den Jordan ging, und jetzt sind unser neunundsiebzig l" Dies biblisch-klassische Citat könnte über der Thür des Hauses stehen, allwo sogar zur heißen Sommerszeit sich ein Publikum zusammenfindet, das die alten, oft gehörten Späße belacht, als ob sie von heute wären, und wo auch jemand, den die berühmten Schlager kühl lassen, an den selbst in der Uebertreibung noch echt jüdischen Charakterfiguren und ihrer famosen Darstellung seine Freude haben kann. Jüdisches Wesen und Unwesen wird seit Menschengedenken auf der Bühne verulkt, nicht ohne daß empfindsame Seelen in Israel darob ein mörderisches Geschrei erheben. Aber unter den Königskolonnaden giebt es keinen Streit über die Frage, ob das Judenthum bei den von den Gebrüdern Herrnfeld fabrizierten Stücken gut oder schlecht wegkomme; das Geheimnis dieser neutra- lisierenden Wirkung mag darin liegen, daß dem übertriebenen Blöd- sinn immer eine Messerspitze voll Sentimentalität beigemengt ist. Das stimmt den ohnedies zur Selbstironie neigenden Juden gemüt- lich, läßt dem Antisemiten die kindische Freude an dem vermeint- lichen Spott über die Schwächen der Kinder Israel und verschafft den Direttoren die unnennbaren Wonnen eines stets gut besetzten Theaters. Die Herren wissen sich jetzt ebenso sicher in der Gunst des Publikums wie die großen Zirkusdirektoren und sind wie diese längst Besitzer des Hauses geworden, in welchem sie ihre Künste vorführen. Das Theater ist mit den beiden Schlagern der vorigen Saison „Nur eine Nacht" und„Am andern Morgen" wieder eröffnet worden. Die Besetzung war die alte, der Beifall nicht minder lebhaft als bei der ersten Aufführung. Eine Unannehmlichkeit im Zuschauerraum giebt es zu rügen. Die Rücksichtslosigkeit vieler Damen, mit ihren mehr oder minder enormen Hüten anderen Leuten die Aussicht zu versperren, wird auch von ungezogenen Exemplaren des starken Geschlechts nachgeäfft. Das führt zu sehr unbehaglichen Aufttitten. Die Direttion braucht beileibe keinen Garderobenzwang einzuführen, wohl aber sollte sie anordnen, daß die Besucher ohne Unterschied des Geschlechts die Kopf- bedeckung abzunehmen haben. Im Gartenvariete des Belle-Alliancc-Thcaters stellten sich am Montag eine Reihe neuengagierter Specialitäten vor, die sich sämtlich des regen Beifalls des Publikums erfreuten. Der japanische Jongleur G o d a i g o verblüffte durch sein erstaunliches, müheloses Spiel mit Bällen. Höchst drollig wirtte der Malerathlet F i g l i o l a, der. während er allerhand athletische Kraftleistungen produzierte. als Schnellmaler Landschaften aufs Papier zauberte. Viola delaSera bewies als Excentrik-Soubrette ihre munteren Künste, während Mlle. Harold durch Vorführung ihrer brillant dressierten Möpse die vielfach verkannte Intelligenz dieser Hunderasse in hellstes Licht setzte. Ter Besuch des prächtigen Gartens ist durchaus lohnend. Niedliche Löwcn-Puppieö werden im Berliner Nord- Park, Müllerstraße 148, dem Publikum gezeigt. Die überaus niedlichen kleinen Bestten sind vor einigen Tagen von einer Löwin zur Welt gebracht worden, die den Dompttsten Gebrüder Bügler gehört, die in dem genannten Park mit ihrer dressierten Löwen- gruppe Vorstellungen geben. Wer sich gefahrlos den Genuß ver- schaffen will, lebendige Löwen streicheln und in den Arm nehmen zu können, findet im Nordpark dazu Gelegenheit. fluo den Nachbarorten. Friedrichsfelde. Von der letzten Gemeindevertreter« Sitzung ist noch folgendes nachzutragen: Da in der Mädchen- schule mit dem System der fliegenden Klassen nicht mehr aus- zukommen ist, stand zur Beratung: Aufbau eines Stockwerkes auf das Mädchenschulhaus Dieser Antrag wurde zum Beschlutz erhoben; die Arbeiten sollen sofort ausgeschrieben werden. Den leider chronischen Mangel an Lehrkräften sucht man dadurch zu mindern, daß Durchgangsthüren zwischen zwei Klassen angebracht werden sollen, damit eventuell ein Lehrer zwei Klassen beaufsichtigen kann. Genosse Pin fei er meinte sarkastisch:„Wenn ein Saal gebaut würde, der circa vier Klassen aufnähme, würden drei Lehrkräfte gespart." Vorher hatte letzterer den Antrag gestellt, an Stelle des Aufbaues ein neues Doppelschulhaus zu bauen, da in der Knaben- schule auch fliegende Klassen vorhanden sind, so daß die Aula schon ständig als Unterrichtsraum benutzt werden muß. Der Gemeinde- Vorsteher bestritt das, mußte sich aber von unser» genauer in-, formierten Genossen eines Bessern belehren lassen. Auf unsre An- srage teilte der Gemeindevorsteher noch mit. daß Verhandlungen mit Lichtenberg betreffend Zweckverband wegen Erbauung eines Krankenhauses noch nicht stattfinden konnten, da der dortige Ge- meindevorsteher verreist sei. Genosse B o r s d o r s regte an, auf dem Wilhelmsplatz Sitzbänke aufzustellen, damit Erholungsbedürftige nicht das Eiscngitter als Sitzgelegenheit benutzen müssen. Un- begreiflicherweise wurde ein Bedürfnis hierfür nicht anerkannt. Rixdorf. Eine Schießaffaire spielte sich in der Lauben- kolonie an der Herrfurth- und Weisestraße in Rixdorf ab. Der Axbeiter Max Walter, Steinmetzstraße 33 wohnhaft, besitzt in der bezeichneten Kolonie eine Laube, die er sich vor circa 2 Jahren ge- mcinsam mit dem Schlächter August Nathcr aus der Ziethenstraße 37 erbaut hatte. Später war die Freundschaft der beiden in die Brüche gegangen und so bewirtschaftete Walter das Laubenland allein. In einer der letzten Nächte nun war die Laube erbrochen und aus der- clben verschiedenes gestohlen worden, was den W. veranlagte, sich einen Revolver und Munition zu kaufen. Inzwischen stellte sich her- aus, daß der Einbruch in die Laube von Nathcr ausgeführt worden war, der sich noch als Mitbesitzer fühlte. Als N. nun vorgestern nachmittag wiederum in der Kolonie erschien, um weitere Sachen aus der Laube fortzuschaffen, kam es zwischen ihm und Walter zu einem Streit, in dessen Verlauf W. den Revolver aus der Tasche zog und aus demselben einen Schuß abfeuerte, nach seiner Angabe nur. um den gegen ihn tätlich werdenden Nather zu erschrecken. Als N. sich der Waffe bemächtigen wollte, lief W. davon und gab wäh- rend der Flucht noch 4 Schüsse ab, von welchen zwei den N. trafen, und zwar wurden ihm zwei Finger der rechten Hand und die Stirn verletzt. Durch die Schüsse wurde die ganze Kolonie alarmiert. Mehrere der Kolonisten nahmen Walter fest und brachten ihn zur Polizeiwache, während Nather nach der Unfallstation XII geschafft wurde, wo ihm die glücklicherweise leichten Wunden verbunden wur- den. Walter wurde wegen versuchten Totschlags der Kriminal- Polizei vorgeführt, die eingeleitete Untersuchung fiel aber so günstig für ihn aus, daß er gestern vormittag wieder aus der Haft entlassen wurde, da er in Notwehr gehandelt hat. Die Mutter des Nather gab auch die Erklärung ab, dach ihr Sohn keinerlei Anteil an der Laube habe, da sie dieselbe dem Walter, der lange Jahre bei ihr gewohnt hatte, geschenkt habe; mithin war N. gänzlich widerrechtlich in das Eigentum des W. eingedrungen. Gerickts-Leitung. Ein Bild aus dem Polizeistaat wurde gestern vor dem Schöffengericht entrollt. Die Grundzüge dieses Bildes, welche durch die Verhandlung festgestellt wurden, sind diese: Anläßlich der Stichwahl im Kreise Frankfurt-Lebus hatte Genosse Hoch, der Vertrauensmann des dritten Berliner Wahlkreises, durch eine Notiz im„Vorwärts" diejenigen Genossen, welche bei der Haupt- wähl in Frankfurt-Lebus thätig waren, zu einer Besprechung nach den Arminhallen eingeladen. Die Besprechung sollte lediglich darin bestehen, daß man sich darüber verständigte, in welchen Orten des Wahlkreises die erschienenen Parteigenossen am Stichwahl- tage zu arbeiten hatten. Ferner wurde den Wahlhelfern die Abfahrtzeit der Züge, die sie zu benutzen hatten, bekannt ge- geben, und jedem die von ihm auszuftihrende Arbeit zugewiesen. Eine Erörterung der Wahl selbst oder der dabei in Frage kommen- den politischen Gesichtspunkte war nicht beabsichtigt, hat auch nicht stattgefunden. Für die Einberufer lag also die Pflicht der Polizei- lichen Anmeldung nicht vor, die Zusammenkunst ist der Polizei deshalb auch nicht angezeigt worden. Wie das nun im Polizeistaate ist: Die Polizei hat von den Rechten und Pflichten der Staatsbürger, namentlich wenn dieselben Socialdemokraten sind, eine andre Auffassung, wie diese selbst. Bei der Aufmerksamkeit, mit der man auf der Polizei den„Vorwärts" liest, war den Beamten die Einladung des Genossen Hoch natürlich nicht entgangen. Zwar konnte aus der Einladung niemand ersehen, ob Genosse Hoch öffent- liche Angelegenheiten erörtern wollte, der Polizei war auch sonst keine Thatsache bekannt, die darauf schließen ließ, daß diese Ver- sammlung hätte angemeldet werden müssen. Gleichwohl hielt sie es für ihre Pflicht, gegen die vermeintlichen Uebertreter des Vereins- gesetzes einzuschreiten. Und das geschah, wie vor Gericht fest- gestellt wurde, so: Zwei Kriminalschutzleute setzten sich in den Garten der„Arminhallen". Durch die offenen Fenster des im ersten Stock liegenden Saales hörten sie Stimmen- gewirr, auf ein Glockenzeichen trat Stille ein, und das schien den Hütern der Ordnung der Beweis, daß jetzt die strafbare Handlung: Ab- Haltung einer der Polizei nicht angemeldeten Versammlung ihren Anfang nahm. Die beiden Kriminalschutzleute eilten zu dem auf der Straße harrenden Polizeilieutenant v. Schnorren- f e i I d und dieser zog an der Spitze von zehn Schutz- leuten, die in der Nähe bei einem Brande Dienst hatten, in das Lokal. Der Lieutenant betrat in Begleitung von zwei Schutzleuten den Saal. Er sah eine größere Menschenmenge an Tischen und auf einem erhöhten Podium unsre Genossen Hoch, Pohl und D immick sitzen. Diese Beobachtung genügte dem Polizei- lieutenant, um festzustellen: hier wird eine Versammlung abgehalten. Nun hat zwar jeder Preuße das Recht. Versammlungen nach Belieben abzuhalten, und die Polizei hat sich gar nicht darum zu kümmern, falls nicht in der Versammlung öffentliche Angelegenheiten beraten oder erörtert werden sollen. Ob dies beabsichtigt war, stellte der Polizeilieutenant nicht fest. Wie er vor Gericht sagte, war eS für ihn die Hauptsache, festzustellen, ob überhaupt eine Ver- sammlung stattfand. Letzteres hielt er für erwiesen, Iveil Menschen im Saale waren und drei Personen auf einem Podium saßen. Polizeilieutenant v. Schnorrenfeild fragte den Genossen Hoch nach der Anmeldebescheinigung. Eine solche war nicht vorhanden, der Polizeilieutenant erklärte deshalb die Versainmlung für auf- gelöst. Die Anwesenden äußerten wohl ihre Verwunderung über das polizeiliche Einschreiten, wozu sie umsoniehr Ursache hatten, als kurz vorher bei Gelegenheit der Hauptwahl in Frankstirt-Lebus eine ganz gleiche Zusammenkunst stattgefunden hat. die der Polizei keinen Anlaß zum Einschreiten bot. Uebrigens wußte auch Polizeilieutenant v. Schnorrenfeild von dieser vorhergegangenen Zusammenkunft. Eine Aussage über die Gründe, weshalb die Polizei nicht gegen jene Zusammenkunft ebenso wie gegen die zweite eingeschritten sei, lehnte er unter Hinweis auf das Amtsgeheimnis ab. Nach erfolgter Auflösung entfernten sich die Anlvesenden aus dem Saale. Ein Teil von ihnen ging jedoch in den Garten des Lokals, um den angebrochenen Abend beim Glase Vier zu beschließen. Als der Polizeilieutenant das sah, beorderte er seine Beamten in den Garten, denn es war ja, wie er sagte, seine Aufgabe, die Fortsetzung der aufgelösten Versammlung zu verhindern. Nun trat der Wirt des Lokals, Paul Mielitz, den Schutzleuten entgegen, er untersagte ihnen, sein Lokal zu betreten, weil die polizeiliche Be- setzung desselben eine schwere Schädigung seines Geschäfts bedeute. Der Polizeilieutenant legte sich ins Mittel und es kam infolgedessen zwischen ihm und Mielitz zu einem Wortwechsel, der sich innerhalb der Räume des Lokals abspielte. Mielitz soll dabei durch lautes Schreien einen Straßenauflauf verursacht und dadurch groben Unfug verübt haben, ferner soll er der auf der Straße im Interesse der Ruhe und Ordnung an ihn ergangenen Aufforderung eines Polizeibeamten nicht Folge geleistet haben. Wegen dieses Vorganges ist Paul Mielitz wegen groben Unfugs und Uebertretung der Straßenordnung angeklagt worden.— Wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes waren die Genossen Hoch, Pohl und D i m m i ck als angebliche Leiter einer nicht angemeldeten Versammlung, sowie die Wirte Paul und Richard Mielitz wegen Hergabe des Lokals zu derselben angeklagt. Von der besonderen Anklage wegen groben Unfugs und Ueber- tretung der Straßenordnung wurde Paul Mielitz freigesproch en, denn es erwies sich, daß die Menschenmenge auf der Straße nicht durch sein Schreien zusanimengelaufen war, sondern vielmehr infolge des Anmarsches von zehn Schutzleuten unter Führung eines Polizeilieutenants, stmd daß infolge eines Brandes in einem Nachbarhause ohnehin eine große Ansammlung vorhanden war. Da Mielitz die Straße gar nicht betreten hatte, konnte er sich auch nicht gegen die Straßenordnung vergangen haben. Hinsichtlich des angeblichen Vergehens gegen das Vereinsgesetz beantragte der Amtsanwalt gegen jeden der Angeklagten eine Geld- strafe von 20 Mark. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechts- anivalt Berend, beantragte Freisprechung. Wenn man auch zugebe, daß eine Versammlung stattgesimden habe, so sei es doch keine anmeldepslichtige gewesen, denn es habe sich nur um die Verteilung der Arbeiten, um die technische Organisatton der Wahl- Hilfe gehandelt, also nicht um öffentliche Angelegenheiten. Solche Zusammenkünfte zur Erledigung technischer Wahlarbeiten würden bei jeder Wahl von allen Parteien abgehalten und man habe noch nicht gehört, daß darin eine Ueberttetnng des Vereins- gesetzes erblickt wurde.— Das Gericht hielt eine Uebertretung des Vereinsgesetzes für vorliegend und verurteilte jeden der Angeklagten zu einer Geldstrafe von IS Mark. Entscheidend war für das Gericht, daß Hoch die Genossen, welche bei der Hauptwahl im Kreise Frankstirt- Lebus thätig waren. zu einer Be- s p r e ch u n g eingeladen hatte. Das Gericht nehme nicht an, daß alle auf die Wahl bezüglichen Angelegenheiten erörtert werden sollten, es halte aber schon die Besprechung über die Ver- teilung der Wahlarbeiten für eine öffentliche Angelegenheit, denn dadurch habe doch die Wahl des Kandidaten der Partei, welcher die Angeklagten angehören, unterstützt werden sollen. Ob solche Erörte- rungen thatsächlich stattfanden, daraus komme es nicht an, rechtlich sei nur erforderlich, daß sie beabsichttgt gewesen seien. Diese Msicht gehe aber aus der von Hoch im „Vorwärts" erlassenen Einladung hervor. Hoch sei als Leiter der Versammlung anzusehen, Pohl und Dimmick hätten ihn in der Leitung unterstützt. Das Schöffengericht hat den Begriff„öffentliche Angelegenheiten" so weit ausgedehnt, daß diese Rechtsauffassung sich nicht mit der des Kammergerichts deckt. Die Verurteilten werden deshalb selbst- verständlich die höheren Instanzen anrufen. Abgeordneter Dasbach sendet diese Zuschrift mit dem Er- suchen um Aufnahme: Der„Vorwärts" hat am 23. Juli in seinem Berichte über eine Gerichtsverhandlung gegen den Inhaber eines Privatlogis in Berlin, der wegen Kuppelei verurteilt wurde, erwähnt, daß der Angeklagte zu seiner Verteidigung angeführt hat, auch ich habe in dem Privat- logis gewohnt und Verkehr mit jungen Männern gehabt. Der An- geklagte wollte damit offenbar sagen, daß, wenn mir ein solches Treiben verborgen geblieben sei, das Gericht auch ihm glauben müsse, wenn er behaupte, daß er nichts davon gemerkt habe, und daß Be- suche von jungen Leuten nicht immer auf einen unsittlichen Verkehr schließen ließen. Dieses Privatlogis habe ich gekannt, ehe der jetzt verurteilte Inhaber desselben es bezogen hat; vor 5 Jahren wollte ich dasselbe für Mosterschwestern mieten und es war bereits der Mietspreis ver- einbart, aber während meiner Verhandlungen mit den Ordens- schwestern wurde dasselbe an den jetzt verurteilten Inhaber ver- mietet. Da dasselbe unter andern 3 ruhige, hinreichend große neben- einander liegende Zimmer, wie ich sie für mich und meinen Sekretär suchte, enthielt und nur 6 Minuten vom Abgeordnetenhause entfernt ist, bezog ich dasselbe im Sommer 1903 auf 14 Tage und vom 3. Dezember 1903 bis Ende Februar 1994. Selbstverständlich hatte ich vor dem Einzüge keine Ahnung davon, daß dort Ungeziemendes vorkomme, und habe auch während meines Aufenthaltes in dem Logis solches nicht wahrgenommen. Als mir die erste Meldung von Uuge- Hörigkeiten gemacht wurde, habe ich sofort anderswo gemietet und bin« baldigst dorthin gezogen. Besuch erhalte ich von Personen fast aller Altersklassen, welche meine Hilse erbitten, um eine Stellung, ein Darlehen, eine Befürwortung ihre- Beschwerde u. dgl. zu erlangen. Daß ich nicht den Charakter dieses Logis gekannt habe, hat der „Vorwärts" anfangs April gemeldet. Dadurch, daß er jetzt diesen Umstand verschweigt, daß er im Berichte über einen solchen Prozeß überhaupt meinen Namen nennt, und die Besuche junger Leute bei mir erwähnt, kann die Meinung erweckt werden, auch ich hätte mir Unsittliches zu Schulden kommen lassen.— Ich weise diese Meinung zurück. Dasbach, Abgeordneter. Wir haben hierzu zunächst nur zu bemerken, daß wir den Bericht aufgenommen haben, wie er aus dem Gerichtssaal an uns gelangt ist. Ein eigenes Urteil über die Angelegenheit haben wir nicht aus- gesprochen. Red. d.»Pflito.* Vermißtes. Unbegründete Choleragerüchte. Auf einigen Stationen der Strecke Eisenach— Berlin wurde mit großer Bestimmtheit das sensationelle Gerücht kolportiert, in Leipzig sei die Cholera aus- gebrochen. Die Verbreiter dieses Gerüchtes wußten sogar anzugeben, daß bereits vierzehn Personen der Seuche zum Opfer gefallen wären. Der Leipziger Stadtrat erklärt demgegenüber, daß von dem Auf- treten der Cholera in Leipzig keineswegs die Rede sei. In Alt- Leipzig herrsche nach ärztlichen Feststellungen lediglich die R u h r, die allerdings epidemisch auftrete.— Auch gegenüber den Gerüchten, die von dem Auftreten der Cholera in Hamburg etwas wissen wollten, teilt, wie ein Telegramm aus Hamburg meldet, die dortige Polizeibehörde amtlich mit, daß in Hamburg kein Cholera- fall vorgekommen ist, und daß der Gesundheitszustand dex Ve-> völkerung zu Befürchtungen in dieser Hinsicht nicht den geringsten Anlaß bietet. Riesenunterschlagungen in der Armenkasse. Aachen. 2. August. Das„Echo der Gegenwart" meldet, daß der Rendant der hiesigen städtischen Armenkasse, Kruecken, einen Fehlbetrag in Höhe von circa 85 999 M. zur Anzeige gebracht habe, der nach seinen Ver- sicherungen aus einem Diebstahl aus dem Jahre 1394 herrühren soll. Den Fehlbettag soll der Rendant, wie die Zeitung weiter meldet, durch Darlehen, die er sich von Privaten durch Deckung des ihm angeblich gestohlenen Geldes zu verschaffen gewußt hat, und in letzter Zeit durch unrichtige Buchungen verschleiert haben. Kruecken habe sich der Staatsanwaltschaft gestellt; das weitere wird die sofort eingeleitete Untersuchung ergeben. Infolge der anhaltenden Dürre ist der Wasserstand der Elbe immer noch im Fallen begriffen. Da von den oberen Elbstattonen noch kein Wuchs gemeldet wird, so ist ein weiteres Zurückgehen des Wassers noch zu erwarten. Bei dem niedrigen Wasserstande treten wieder die sogenannten„Hungersteine" zu Tage, in die man jedesmal, wenn sie sichtbar wurden, die Daten meißelte. Das ist auch in diesem Jahre wieder geschehen. In der Nähe von Rotensee bei Magdeburg ist bei dem niedrigen Wasserstande ein„Hungerstcin" zum Vorschein gekommen, auf dem geschrieben steht:„1631. Wenn Ihr mich wiederseht, dann werdet Ihr weinen." Ihre Namen erhielten die Steine durch den Um- stand, daß solche außerordentlich trockene Sommer Mißernten und Hungersnot mit sich brachten. In diesem Jahre wird zur Zeit in Schifferkreisen die Zahl derjenigen Personen, die durch das Fest- liegen der Frachtdampfer und Zillen auf den verschiedenen Wasser- stratzen gegenwärtig erwerbslos sind, auf etwa 14 999 geschätzt. Btarktpreise von Berlin am 1. AuguA Nach Ermittelungen des kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Centncr: Welzen"), gute Sorte 17,55—17,53 M.. mittel 17,51-17,49 M.. geringe 17,47—17,45 M. Roggen"), gute Sorte 13,85—13,83 M., mittel 13,81—13,79 M., geringe 13,77—13,75 M. Futtcrgerste"), gute Sorte 14,60—13,70 M., mittel 13,60 bis 12,70 M., geringe 12,60—11,80 M. Hafer"), gute Sorte 16,00— 15,30 M., mittel 15,20—14,50 M., geringe 14,40—13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speisebohnen, weiße 50,00—26,00 M. Lwsen 60,00—25,00 M. Karioffeln, neue, 12,00-7,00 M. Richtstroh 0,00-0,00 M. Heu 0,00-0,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. ') Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. Wasserstand am 1. August. Elbe bei Aussig— 0,79 Meter, bei Dresden— 2,21 Meter, bei Magdeburg-s- 0,01 Meter.— U n st r u t bei Sttaußsurt+ 0,80 Meter.— O d e r bei Rattbor— 0,63 Meter, bei Breslau Obcr-Pegel+ 4,44 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,58 Meter, bei Frankfurt+ 0,14 Meter.— Warthe bei Posen— 0,18 Meter.—Netze bei Usch+ 0,31 Meter. Wetter-Prognose für Mittwoch, den S. August 1SV4. Kühler, vielfach wollig mit etwas Regen und schwachen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Dem Schmatzcl-Bruder und Bollen- Züchter kYaii- Wnlezum ycutigcn 35. Geburtstage die besten Glück wünsche. 131b Mehrere Wasserträger. Für die vielen Beweise der Ver ehrung und der regen Teilnahme bei der Beerdigung unsrcs lieben Vaters, des Regierungs-Baumeisters kiusKsv Kvsslvn und für die kostbaren Blumen- und Kranzspenden, die am Grabe des Eni- schlasenen durch seine Freunde der „Freien Vereinigung deutscher Gewerk- schaften", sowie durch Deputattonen der socialdcmokratischcn Wahloereine, vom Partcivorstand und vom„Vor- wärts" niedergelegt wurden, auch den Einsendern der Bclleids-Tele- gramme, sage ich hiermit unsren aller- herzlichsten Dank. Im Namen der FamMe 192/7«loliann» Kessler. Englisch, linterrieht lKonversation u. Zlnfangs-Unter- richt) erteilt und Ucbersetmnge» übernimmt fS5162" Gertrud öwienty, SchOneberc, Sedanstraße57, HI Deutsclter Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzelge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker V. ksuedeeicer am 31. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 3. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von dem Hedwigs-Krankenhause aus auf dem Neuen St. Michael- Kirchhos am Mariendorser Weg statt. Rege Beteiligung erwartet 118/17 Die Ortsverwaltung Dmiksaglmg. Tics ergriffen sür das große Opfer der Liebe, welches die Kollegen durch Widmung eines Denksteines meinem Manne darbrachten, kann ich nicht umhin sür die überaus große Be> teiligung bei der Enthüllung des selben den Kollegen und Frauen meinen herzlichsten Dank aus- zusprechen. Ferner für die wunder- schönen Blumenspendcn und die er- greifende Rede des Herrn H. M. Barge, dem Centralvorftand der Zahl- stelle I und dem Gesangverein für den erhebenden Gesang meinen herz- Ilchsten Dank. 5913L Kau Jahns n. Kinder. titele taplr-fiiralalrtii von der Michaelkirchbrückc nach KUg�clwerdermit Musik. Abfahrt 9 Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags. Preis sür bleibende Gäste 30 Pf. hin und zurück. Sonst 40 Ps. Kinder die Hülste. Sonntags einfache Fahrt 40 Pf. 5765L» Jeden Dienstag u. 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Eine„Einleitung" giebi die Vorgeschichte des Prozesses und zugleich einen Rückblick über die socialpolitischen Verhältnisse des Saarreviers und die von Staats- und Privatkapital gemeinsam betriebene Ausbeutung und Knechtung der dorttgen Arbeiterklasse und ihre bisher unternommenen Befremngs- Ine9e Der Verlag. DM- Süss' Salon"ME 85 Grosse Franhfarter Strasse Bio. 85. Empfehle den geehrten Bereinen tc. meine Säle mit großem Naturgarten und Bühne zu Festlichkeiten und Versammlungen. Herbst-Sonnabende noch frei. Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Freitag: Grosser Ball! 5767L* H.oftP.lIdei%rDg»,\ Tabakfabrlk. 5660L* Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer in Cigarnen, Cigaretten, Ranch-, Kan- nnd Schnupftabaken. Amt 4, 3014. Deutscher Metallarbeiter verbanö. Verwaltungsstelle Berlin. : Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Arbeitsnachweis Amt IT, 3353. Perns|H�chcr Amt IV, 0670. Montag, den 8. August, abends 8Va Uhr, im gr. Saale der Brauerei Friedrichshain: General- Versammlung der Verwaltungsstelle BerUn. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl des Zweiten Bevollmächtigten, des Rendanten, zweier Revisoren, eines Beisitzers: außerdem Neuwahl von vier Beamten. 3. Anträge der Orts- Verwaltung und an die Verwaltung gelangte Anträge. 118/1S Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."MG __ Die Ortaverwaltnng._ Central-VerW der Maurer Sentsetdands. Iweigmem Eerlin. Sektion der(«ips- und Ccmentbranche. Donnerstag, den 4. August, abends L'/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 13(großer Saal): General BVersammluiig. Tages-Ordnung:' 148/13» 1. Mrcchnung des Kassierers vom 2. Quartal 1304. 2. Endgültige Beschluhfassung über die den Arbeit- gcbern zu unterbreitenden Forderungen. 3. Verschiedenes In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. - Mitgliedsbuch legitimiert, vhne dasselbe kein Zutritt.--- Der Vorstand. Ceotral-Verband der Zimmerer ZahirtcUe Berlin und Umgegend. Bureau: Engel-Ufer 18, Zimmer 32. Fernsprecher: Amt 4, Nr. 2789. SonnabeiKl, den(S. August 1904: Grosses Sommers Pest zur Feier des 2i. Stiftungs-Festes in der AUtien-Srauerei TFricdrkhshain(früher Lipps). Konzerl. Feuerwerk. � Lebeade Photographien. � Preiskegeln. In beiden Sälen: LsmBiivrnacM;s»ElaH. Herren, die daran tellnebmen wollen, zahlen 50 Pf. nach. Damen-Uebemfcbungen. Kinder-ßelurtigungen. fachel polonaiFe etc. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 3 Uhr ab zur Verfügung._ 255/1 Anfang 4 Uhr. «utree 30 Pf. Das Komitee. Zablotelle Berlin. Bureau: 80., Engel-User 15.— Fernsprecher: IV, 3578. Mittwoch, den 3. August 1904, abends 8'/» Uhr: r" Norden: Rosenlhaler- n. Sehönhauser-Yorsladl: bei Wernan, Dchwedterstr. 23—24. Tagesordnung: 1, Bericht der Werkstattkontroll-Kominission. 2. Werk» statt- Angelegenheiten. 3. Verbands-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. IBM Besonders eingeladen sind die Kollegen der Firma Uhlich, Jmmanuel-Kirchstr. 6. der Firma Bröse, GreisSwalderstr. 30, der Firma Mauste, Kastanien-Allee 75._ 87/9 Branche der Korbmacher. Dsnunerstag, den 4. d. Mts. abends 8'/, Uhr, im Lokale von Krause, Koppenstr. 4l: Ntttrl»iei>v>i!!!»i>tt-VtrsliM«ili»>g. Tagesordnung wird in der Versammlung bekamst gemacht.— Pflicht aller Vertrauensmänner ist es pünktlich zu erscheinen. __ Tie«ommissio». Parkettleger. Donnerstag, den 4. August, abends 8 Uhr, im Gelvertschafts- Hause, Engel-Ufer 15: m Jede Firma mich vertreten sein. Tie Kominissto«. II« tu- Wir ersuche« die Kollegen in der heute abend 8 Uhr bei Keller, Koppenstr. 29 stattstndenden Oeffenttiehe» Versammlung Dr. Schünemann Specialarzt filc Haut-, Harn- und ffraueuleiden, Seydclstr. U ochentags■/,!»-■/, 8,'/.«-'/.S. vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. 141/19 Pillale I. Berlin. Freitag. 5. August, abbS. 7»hr, im GewerkfchaftShanse(Saal VNI): General-Bersammlnng.'�WW Tages-Ordnung: 1. Quartals- und Kassenbericht. 2. Bericht der Delegierten von der General-Versammlung in Dresden. 3. Diskussion. Allseitiges Erscheinen der Mtglieder notwendig. 125d Die Verwaltung. I. A.: leb. Na»,. Achtung! Achtung! nr Zweigvercin Berlin. Mtioii der Gips- und Cementbranche. S. Der Bau Tchicvelbeinerstraste 4, Maurermeister Rabitz sämtliche Rabthpuher wegen Lohndifferenzen gesp *■ Wir ersuchen die Kollegen,"" 148/4 __ m. errt. den Bau zu meiden."MM Der Vorstand. ist für Gemeinschaft der Eigenen Kaplan Dasbach und die Treundesliebe. 20 Bs. Diese«eine Flugschrift i ein neuer interessanter Bei trag über das Wesen der rein psychischen Homosexua lität und ein wertvolles Dokument für die Abschaffung des K 173 des Strafgesetzes Sie»st von der Berliner Poli zct für den Strastenhandel verboten worden.— Karl Schneid» hat in der„Zeit am Montag- eine ausführliche Besprechung über sle gebracht. Pastor Philipps und dir Sittliehheit. 10 Bf. Eine Flut unflätiger Angriffe und Schimpfereien in der reaktio- nären Presse ist die einzige Ant- wort auf diese Schrift gewesen. Sie richtet sich gegen den bc- kannten Gattesstreiter, der jetzt den internationalen Sittlichkeits- Kongreß nach der Heiligen Stadt Köln berujcn Hat. 5878L* Tie Strajfteiheit der gieieiigesehleehtlieiien Liebe. 10 Pf. Sämtliche Schristen find direkt zu bezichen gegen Voreinsendung des Betrages und Portos von: Adolf Brand, Charlottenbnrg, Wilhelm- platz Nr. 1». —- Aiüi! Gewcrhfcbaftcn! NU! Heute, Mittwoch, den 3. August 1903, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung aller dem 3erliner Gemerhscbaftshartell und der Freien Vereinigung deutscher (jemerhsebaften angeschlossenen drganisationen von Serlin und Umgegend in Kellers Festsölen. Koppenstrassc 29. Tages-Ordnung: 1 Parlamentarismus und Generalstreik. Referent: Genosse l)r. B. Prledeborg. 2. Diskussion. 3. Der 1. Mai als Weltfeiertag und die Stellung der Freien Vereinigung deutscher Gewerk- schaftcn. Referent: Genosse P. Kater. 4. Diskussion. 292/3* Die Mitglieder obengenannter Gewerkschasren werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie in dieser Versammlung erscheinen müssen; es gilt der Arbeiterschaft der ganzen Weit zu bekunden, aus welchem politischen wie gcwerkschastlichcn Standpunkt unsre Vereinigung steht! Der Anssebnss des Berliner Ocwerkschaftskartells. I. A.: Jenny Hinrichsen. Die Gescböftskommisslon der Preten Vereinigung deutscher Gewerkschaften. I. 81.: Fr. Kater. Holzbildhauer! Donnerstag, den 4. JUtgust 1904, Engel-Ufer 15(Saal 7): Brancben-Hbend. Tages-Ordnung: Wie stellen wir uns zu durch die Holzindustriellen und die Tischlerinnuug'i m Das Erscheinen eines jeden Kollegen ist dringend notwendig. dem Llblehnen des Vertrages 22/2 Der Vorstand. Babybetten kaufe stets direkt nach Fabrikkätft* logseite 30/31 von J. Tnttar, brlmma 134 Dr. Simmel, Prlura- SIP. 4t, Specialarzt sür[19/1* Haut- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12 2—4. Knlim KrdeitelMMN-Nmiii Allemiger Bundesverem innerhalb Berlins des Arbeiter-Radfahrer-Bundes. ...Lolidsritai«.====1=� An die r ad fahre»de Arbeiterschaft Zerlins! Aus dem diesjährigen Bundestage(Pfingsten zu Erfurt) obengenannten Bunde? wurde beschlossen, daß zukünftig an jedem Orte nur ein Bundesverem bestehen soll. ES wurde dieser Beschluh deswegen gefaßt, um endlich der lächerlichen, lleinlichen BcreinSgründcrci und Vereinsmeierei entgegenzutreten. Wie gerechtfertigt dieser Beschluß war, das zeigen folgende Beispiele: Bis dato bestanden in Berlin 19 Bundesvcreine und zwar Vereine von 250, 130, 95 bis herab zu 10 Mitgliedern. Währenddem die größeren Bereine bemüht waren, bei einem niedrigen Eintrittsgetd von 75 Ps. und einem monatlichen Beitrag von 30—40 Ps. auch möglichst Gegen- leistung zu bieten: wie Arbeitslosen-Unterstützung Lei sonntäglichen Nussahrten, Enthebung Arbeitsloser vom Beitrage zc., damit es jedem radsahrenden Arbester möglich war, Mitglied des Bundes zu werden, handelten die kleinen Vereine entgegengesetzt und zwar indem sie bei hohen Eintrittsgeldern von 2—3 M. und einem monat- lichen Beitrage bis 1,50 SB. allerhand unnütze Vereinsabzeichcn, seidene Banner und dergleichen Firlefanz ihren Mitgliedern lieferten: es somit vielen unsrer radsahrenden Arbeitsbrüder unmöglich machten, sich unserm Bunde anzuschließen. Jahrelange Beobachtungen bewiesen, daß dementsprechend die großen Vereine an Mitgliedern zunahmen, während die lleinen Vereine knapp ihren Mitgliederbestand behaupteten resp. baldigst das Zeitliche segneten. Man sollte nun meinen, daß sämtliche Vereine, speciell die kleineren Vereine, obigen Bundestags- Beschlutz mit Freuden begrüßt hätten; dem ist aber nicht so. Während die größeren Vereine obigen Beschluß respektierten, ihre Vereine auslösten und sich dem am 1. Just d. I. gegründeten und momentan 700—300 Mitglieder starken„Berliner Arbeiter-Radfahrer-Berein* anschloffen, sahen sich die kleineren Vereine veranlaßt, ihre Vereinsmeierei weiter zu treiben und obendrein einen neuen Bund mit dem Namen„Freiheit* zu gründen. Die Zukimst wird ja lehren, wer cristenzsähig ist: der Slrbeiter-Radsahrer-Bund„Solidarität* mit 21 000 Mitgliedern, oder der Bund„Freiheit* mit— 125 Mitgliedern. Als unsre Ehrenpflicht erachten wir es nun, die Arbeiterschaft Berlins über die Machination des Bundes „Freiheit" etwas Ausklärung zu geben. In derselben Welse, wie es der Vorstand des Slrbciter-Radsahrer-BundeS „Solidarität" in der letzten Sonnabend-Slnnoncc des„Vorwärts" gethan hat, ebenso raten wir den Slrbelter-Rad- sahrcrn allerorts, die rcklamehaften Slnkündigungen des Bundes„Freiheit" mit Vorsicht auszunehmen und sie aus ihren thatsächlichen Inhalt zu prüfen. Folgende Zeilen sollen beweisen, daß der Bund„Freiheit" nicht daS leisten kann, was er verspricht. Der Bund„Freiheit" zählt zur Zeit 125 Mitglieder und erstreckt sich über Berlin und Rixdors, also nicht über ganz Deutschland, wie diese Leute schreiben. Bei 20 Ps. monatlichem Beitrag will dieser Bund seinen Mtgliedern bieten: Eine Unsallunterstützung von 0— 9 M. pro Woche. Woher aber dieses Geld nehmen, wenn in dem ach so schlaffen BundeSbeutel nichts vorhanden ist und zur Zelt eine gewaltige Unterbilanz herrscht. Eine kleine Ausstellung wird dieses beweisen: Der Bund„Freiheit" besteht seit Juni d. I., bei 125 Mit- glieder pro Monat 20 Ps. ergiebl für Juni und Juli eme Einnahme von ca. 50 M. Zlusgabe demgegenüber: 5 bis S Inserate im„Vorwärts" und auswärtigen Zeltungen ca. 120—130 M., PortiS»md Drucksachen ca. 30 bis 40 M. Gesamtausgabe ca. 150—170 M. Einnahme ca. 50M.—? Erkläre mir, Gras Ocrindur, diesen Zwiespalt der Natur I In derselben marktschreienden Weise verkünden die Führer der„Freiheit", daß daS erste Tausend Vundesabzeichen zur Slusgabe gelangt, währenddem nur 300 Stück angejertigt worden sind, und dieselben aber nur 125 Stück bedürfen. Wir können nun auch nicht gut umhin, daS interessanteste an der ganzen Sache den werten„Vorwärts". Lesern vorzuenthalten: Jeder beulende Mensch setzt seine Ehre darein, bei Neugründung irgend einer Sache auch etwas eignes Hirnschmalz zu verarbeiten, dieses trifft hier keineswegs z«; prahlerisch verkünden die Führer der Freiheit" w der letzten Sonntags-Annonce deS„Vorwärts", daß sämtliche Einrichtungen dem Arbeitcr-Radsahrer- Bunde„Solidarität" entnommen find. Diese Herren machen somit der Darwinschen Lehre alle Ehre. Nun, Berliner Arbeiter-Radsahrcr, wißt Ihr, wem Ihr Eure evenwelle Mitgliedschaft zuzuwenden habt. Schließt Euch dem„Berliner tzlrbeitcr-Radsahrer-Vcreln" an, resp. dem Bunde„Solidarität", hier wißt Ihr bestimmt, daß Eure Radsahrer-Jntereffcn aufs kräftigste vertreten und das, was man verspricht, auch gehalten werden kann, denn 21 000 Mtglicder des ZlrSeitcr-Radsahrer-Bundes„Solidarstäl" stehen hinter Euch. Der Vorstana des SerUner Arbeiter-Zadlakrer-Vereins I. A.: A. O. Bitter, Ghrlstlnenftrafte Nr. 33. NB. In dm nächsten Tagm«rsolgt ein weiterer Artikel von seitm unsreS BundeS» resp. GauvorstandcS. Der Berliner Arbeitcr-Radfahrer-Bcrei« ist zur Zell in neun Abteilungen geteilt und zwar folgcndermaßm: I. Abteilung: Eentrmn, Friedrichstadt, Westen und Südwesten. TlbteilungSführer: Gastwirt Knmkc, Bülowftraße SS. Versammlung i Jeden ersten und dritten Freitag im Monat bei Kumle, BAowstraß« 59. H. Abteilung t Abteilungssiihrer: Ad. Stransfeld. Zossen erstraße 4. Versammlung: Jedm ersten und dritten Donnerstag im Monat bei Voigt, Ritterstraße 75. III. Abteilung: AbteilungSjührer: W. Bogel, Muskauerslraße 36. Versammlung: Jedm ersten und drillen Mittwoch im Monat bei Tschaksch, Naunynstraße 6. IV. Abteilung: WteilunzSsührer: K. Wirth, Grüner Weg 64. Versammlung: Jedm ersten und dritten Mittwoch im Monat bei MerlowSky, Andrcasstraße 26. V. Abteilung: SlbleilungSsührer:«ich. Krohu. Jostystraße 3. Versammlung: Jedm ersten und dritten Freitag im Monat lin Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11/13. VI. Abteilung: Abteilungssührer: Wilh. Pecsch, Schliemannstraße 22. Versammlung: Jedm ersten und dritten Donnerstag im Monat bei Wernau, Schwedterstraße 23/24. VH. Abteilung: Abteilungssührer: Paul Kambeck, Usedomstraße 8. Versammlung: Jedm ersten und dritten Mtttwoch im Monat bei Raabe, Kowergerstraße 23. VIII. Abteilung: Mteilungssührer: Ernst Stark. Bremersttaße 53. Bersammlmig: Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat bei Fischer, Waldstraße 8. IX. Abteilung: Sektion der Bäcker. Versammlung: Jedm ersten und dritten DimStag im Monat, nachmittags 3 Uhr, Gipssttaßc 2. In den Versammlungen sowie bei sämtlichen Zlbteilungssührem werden Mitglieder aufgenommen. DaS Ein- ch reibegeld beträgt 75 Pf., hiersür wird daS Bundcsabzeühcn geliehen, monatlicher Beitrag sür männliche Mitglieder 35 Ps., sür weibliche Mitglieder 25 Ps. Dafür bieten wir resp. der Bund solgendes: 1. Uucntgcltliche Lieferung unsres BundcSorganS„Der Arbeiter-Radsahrcr". 2. Bei Radunsällen, wo Envcrbsunsähigkeit eintrttt, im ersten Jahre der Mitgiiedschast pro Boche 6,00 ÜB., im zweite» Jahre 7,50 M., darüber 9,00 M. 3. Zollfreie Grenzüberschreitungen nach dem Auslande. 4. Kostenlosen Rechtsschutz. Weiterhin kann den Mitgliedern auS der VercinSkasse gewährff werden: Bei sonntäglichen Aussahrtc» den arbeitslosen Mitgliedern nach halbjährlicher Mitgiiedschast 2M., resp.be halber TagcStour 1 M., Befreiung von Beiträgen nach vierwöchmllichcr Arbeitslosigkeit ic. DaS Unterstützungs- wescn wird nach dem Wachstum deS Vereins auch weiter ausgebildet werden. Die sonntäglichm Ausfahrten werden Freitags im„BortvärlS" bekannt gegeben. Die Gencralvevscmunlungen des Vereins finden jeden vierten Mittwoch im ersten Monat deS Quartals statt. _ Der Borstand._ Verantw- Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Dnick u. Verlag: Vorwärts Buchdrnckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Nr. 180. 21. Jahrgang. 2. KeilW te.Hwärls" Kttlim llallisiklt mmw iHUBiriiWBWTriTinMBMmiinBrMMM Mittlvoch, 3. August IM. Achter Uerbaudstag des Nerbaudes der Schneider, Schueiderlnuen u. verlvaudt.KernfsgenossenDentschlauds. Dresden, 1. August. Erster Sitzungstag. Im Saale des Volkshauses traten die Delegierten des Ver- Landes zur Beratung einer reichhaltigen Tagesordnung zusammen. Es sind 6g Delegierte anwesend. Außerdem die Vorstandsmitglieder und als Vertreter des Auslandes S m i t k a- Wien. B e u k e r- Bern, K o h n- Budapest und Arup- Kopenhagen. Für die Beratungen ist eine volle Woche in Aussicht genommen. Daran soll sich eine internationale Konferenz anschließen, die verschiedene internationale Organisationsfragen regeln soll. Aus dem Geschäftsbericht des Vorstandes ist ersichtlich, daß der Verband gegenwärtig 21 700 Mitglieder in 349 Filialen zählt. Danach ist eine Mitgliederzunahme gegen den Stand am Schluß des Jahres 1991 bis zum Schluß des Jahres 1993 um rund 6999 Mit- gliedern zu verzeichnen. Die Einnahmen des Verbandes betrugen während der letzten Geschäftsperiode 457 962,47 M., denen Ausgaben von zusammen 391 951,35 M. gegenüber standen, so daß ein Kassenbestand von 196 911,14 M. vorhanden war. Wenngleich der Verband eine Mehr- einnähme aufzuweisen hatte, standen dem derart hohe Altsgaben gegenüber, daß die Mehreinnahmen nicht iin richtigen Verhältnisse zur Zunahme an Mitgliedern stehen. Zwar waren die Ausgaben für Streiks gegen früher zurückgegangen; das wurde aber wieder ausgeglichen durch eine ganz ungewöhnliche Steigerung der Ausgaben für die Krankenunterstützung. Es ist im Beruf eine sehr starke Fluktuation im Ab» und Zugang der Mitglieder zu ver- zeichnen, die besonders aus der großen Zahl von weiblichen Berufs- genossen resultiert. Diese betrachteten den Beruf meist nur als ein UcbergangSstadium und wären aus diesem Grunde auch sehr schwer für die Organisation zu gewinnen. In dieser Beziehung bemerkt der Verbandsvorfitzende Stühmer in seinem mündlichen Bericht. daß für die Agitation noch ein weites Arbeitsfeld übrig bleibe. Zu den vielen Anregungen, Bezirks-Vertrauensniäuner anzustellen, habe er aber die Ansicht, daß man davon nicht allzuviel erwarten solle. Die Hauptsache bleibe die Kleinagitation. Für den Schneiderberuf lägen die Verhältnisse anders als bei den Metallarbeitern, Holzarbeitern usw. Dazu komme, daß nur ein Teil des Jahres zur Agitatton sich eigne. Die Taktik des Verbandes müsse nach Möglichkeit auf Abschluß von Tarifverträgen gerichtet sein. Der Arbeitgeberverband zeige sich in dieser Richtung 10. daß man gegen diesen nicht besonders optimistisch sein könne. Der Ver- bandstag müsse sich aber in principiellem Sinne bestimmt erklären, ohne sich bezüglich der einzuschlagenden Taktik festzulegen. Die weiteren Ausführungen des Redners behandelten zum größten Teil Vcrbandsintcrnes. Die übrigen Vorstandsmitglieder fassen ihre mündlichen Berichte sehr kurz. auf die gedruckt vorliegenden Berichte verweisend. Die Debatte weist große Meinungsverschiedenheit zwischen der Auffassung des Vorstandes über die Wichtigkeit angestellter Bezirksleiter und der der Delegierten auf. Zu diesem Punkt lvird dem Gauleiter für Rhein- land und Westfalen T r i l s e- Elberfeld unbeschränkte Redefteiheit gewährt, um bem Verbandstage ausführliche Klarheit über seine praktischen Erfahrungen zu geben. Redner steht auf einem völlig andern Standpunkt als der Vorstand.(Zwischen ihm und dem Vor- stände besteht eine Differenz über einen Vorgang in Köln. welche Angelegenheit zunächst einer Kommission zur näheren Prüfung überwiesen wird.) In längeren Ausführungen toeist Redner darauf hin, daß man bei der Beurteilung der Thätig- teil eines Gauleiters nicht bloß darauf sehen dürfe, wieviel neue Mitglieder durch dessen Thätigkeit dem Verbände zugeführt worden seien, sondern besonders sei zu beachten, welches ThätigkeitSgebiet zu bearbeiten sei. Gerade dem Gebiet Rheinland-Westfalcn müffe man große Aufmerksamkeit schenken, weil sonst dort die Christlichen uns vorkämen. Erst nach Jahren ließe sich nachweisen, welchen Er- folg eigentlich die agitatorische Thätigkeit aufzuweisen habe. Er habe in vollem Umfange seine Pflicht gethan. Stühmer, Vorsitzender, stellt dementgegen richtig, daß der Vorstand die von Trilse hervorgekehrten Momente nicht bei seiner kritischen Haltung im Auge gehabt hätte. Vor allem wolle der Vorstand mehr über die Thättgkcit eines solchen Gauleiters unter- richtet sein. Wenn dessen Arbeit bemängelt werde, so mir deshalb, um zu verhindern, daß nicht zwecklose, sondern zweckdienliche Agitatton betrieben werde. Die aufgebrauchten Gelder stünden eben in keinem Verhältnis zu dem, waS gethau und erreicht worden wäre. Daraus schließe der Vorstand, daß nicht genügend darauf Bedacht genommen worden sei, daß die Kollegen an den betteffenden Orten selbst mit nachhelfen und eine stabile Fortentwicklung sicherten. Ein Vorwurf gegen Trilse. daß dieser etwa seine Pflicht nicht erfüllt habe, solle das nicht sein. In der Debatte äußert sich Käming, Kassierer, im gleichen Sinne. Er verweist noch daranf, daß in andren Bezirken, wo kein besoldeter Beamter angestellt sei und ähnliche Schwierigkeiten vorhanden seien, doch auch dieselben Erfolge erzielt worden wären. Mehr Aufmerksamkeit müsse' man aber der vorhandenen Fluktuation zuwenden. Diese sei zum großen Teil auch mit auf Nachlässigkeit der organisierten Kollegen zurückzuftihren. Die Anstellung von Lokalbeamten hält Redner für wertvoller. Beides jetzt schon bei den vorhandenen Mitgliederbeittägen vornehmen zu wollen, gehe nicht an. Die Anttäge auf Anstellung weiterer Gaubeamten bittet Redner deshalb zurückzustellen. In der weitergehenden Debatte schildern wieder einige Delegierte Borkommnisse in ihren Orten zur Richtig- stellung der betteffenden Thatsachen, soweit dieser im Geschäftsbericht Erwähnung gethan ist._ Versammlungen. Verband städtischer Arbeiter. Die Sektion IV(Englische Gasanstalten Berlins und Umgegend) hielt am 25. d. M. ihre regel- mäßige Mitglieder-Versmumlung ab. Zum 1. Punkt der Tages- ordnung sprach unter lebhaftem Beifall der gut besuchten Ver» sammlung Kollege Bürger über„Staats-Romane". Nach dem Bericht des Vorstandes, den Polenskc gab, beträgt die Mitgliederzahl zur Zeit 661. In der Berichtszeit Mai-Juni fanden 11 Versammlungen und 4 Sitzungen des Vorstandes und der Vertrauensmänner statt. Bemängelt wurde der teilweise schwache Besuch der Versammlungen. Den Kaffenbericht erstattete Weiß. Die Einnahmen der Sektions- lasse bettugen inkl. eines Bestandes von 361,39 M. 754.84 M.. die Ausgabe 452,39 M., daruiner 315,99 M. für Krankenunter- stützung. Bestand 392,54 M. Der Antrag der Vertrauensmänner, das Zahlstellensvstem aufzuheben und dafür Beitragssammler mit der Einziehung der Beiträge zu betrauen, wurde angenommen. Als 3. Punkt der Tagesordnung stand die Bekämpfung der Organisation seitens des Inspektor Rehkopf auf der Tagesordnung. Hierzu referierte Kollege Polenske. Er führte aus. daß neuerdings dieser Herr jede Gelegenheit währnehme, um die Organisation zu be- kämpfen. So sei die Entlassung des Rohrlegers Hanschke ein reiner Willkürakt dieses Herrn. Tqr Betteffcnde sei auf eine Denunziation hin entlassen worden. Alle Versuche um Untersuchung wurden abgelehnt. Herr Inspektor R e h k o p f erklärte offen, daß seine. H a n s ch k e s. Entlassung mit dessen Thätigkeit für die Organisation zusammenlstinge. Geradezu unbegreiflich sei das Ver» halten der Direktion. Roch vor emcm halben Jahre sei seitens des Herrn Dftektors D r o r y der volle Gebrauch des Koalitionsrcchtcs zugestanden worden. Anderseits sei auch nach der Arbeits-Ordnung die Entlassung völlig unberechtigt. In der Diskussion wurde unter lebhaftem Beifall der Versammlung das Vorgehen des Inspektors Rehkopf auf das schärfste verurteilt. Folgende Resolution fand ein- stimmige Annahme: ..Die heut am 25. Juli in Gliesings Saal stattfindende Ver- sammlung der organisierten Arbeiter sämtlicher Englischer Gas- anstalten protestiert entschieden gegen die neuerlich durch Herrn Inspektor Rehkopf beliebte Bekämpfung der Organisation. Sie erblickt in der Entlassung des Rohrlegers Hanschke eine Maß- regelnng und bedauert, daß seitens der Direttion jeder Versuch um Untersuchung der Angelegenheit abgelehnt wurde. Die Ver- sammlung sieht darin eine Aufhebung des im vergangenen Jahr durch Herr Direktor D r o r y gewährleisteten Koalitionsrechtes sowie einen Verstoß gegen die Arbeits-Ordnung. Die Versammlung er- wartet, daß die Maßregelung rückgängig gemacht wird im Interesse einer friedlichen Verständigung beider Teile." Ter Fachverein der Tischler hielt am 29. Juli seine General- Versammlung im„Fürstenhof", Köpcnickersttaße 137, ab. Den Vorstaudsbericht gab der erste Vorsitzende Krüger. Es fanden im letzten Vierteljahr eine außerordentliche Mitglieder-Vcrsammlung, eine Gcneral-Versammlung, sieben Bezirks-Versammlungen und sechs Vorstandssitzungen statt. Rechtsschutz erhielt ein Kollege. Die Klage, welche dieser gegen einen hiesigen Unternehmer angesttengt hatte, war von Erfolg. Den Kassenbericht gab der erste Kassierer M. Deutschmann. Die Einnahme betrug einschließlich des Bestandes aus dem vergangenen Quartal 2929,68 M., die Ausgabe 1724,93 M., bleibt ein Bestand von 1293,75 M. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Der bisherige 2. Vorsitzende H a n e l wurde 1.. P o s s e l t 2. Vorsitzender, Revisor S i e v e r l i n g. Der Kassierer M. Deutschmann wurde wiedergewählt. In das Vergnügungs- Komitee wurden O. K u n i s ch, Lorenz und Ehrhardt gewählt. Den Bericht der Bibliothek und Arbeitsvermittlung gab der Obmann K l e s s e. Hierbei bemängelte Paul K u n i s ch die Bummlichkeit einzelner Kollegen, die bei Annahme von Arbeit es unterlassen, dem Arbeitsnachweis davon Kenntnis zu geben und somit die Kontrolle erschweren. Andre Diskussionsredner brachten auch die Mißstände innerhalb des Lokals zur Sprache, derentwegen ein großer Teil der Mitglieder den Nachweis meide. Derselbe soll daher verlegt werden. Die Unterstützung eines streikenden Kollegen wurde, da dieser erst einige Wochen Mitglied ist, ans 19 M. pro Woche fest- gesetzt.— Rod. Winkler gab dann einen ausführlichen Bericht der Werkstattsitzung der Bautischlerei von Nketz, Urbansttaße, und stellte hierbei fest, daß die Fachvereins-Mitglieder in diesem Betrieb ihre volle Schuldigkeit gethan haben, indem auch der Tarif die Unterschrift des Unternehmers hatte, während dies bei den Verbands- kollegen bis dato noch nicht der Fall war. Auch das Verhalten des Obmanns des Holzarbeiter-Verbandes vom Bezirk Süden. Gieß, wurde kritisiert. Derselbe sprengte das Gerücht aus, daß er i» Landsberg a. W. die Fachvereins-Mitglieder aus einer Werkstatt erst hat herausholen müssen. Das ist eine Unwahrheit. Als Gieß nach Landsberg kam, waren die Mitglieder aus diesem Betriebe schon heraus. Die Wiederaufnahme eines Kollegen, welcher dem Verein im vorigen Jahre ohne Grund den Rücken kehrte, wurde nach dem Vorstandsbeschluß geregelt, indem derselbe die resticrenden Beiträge bezahlen sowie eine Karenzzeit von 26 Wochen durchmachen muß, ehe er Sttcikunterstützung und dergleichen bezieht. Weißensee. Am 19. d. M. hielt der hiesige Socialdemokratische Wahlverein seine Generalversammlung im Lokal„Zum deutschen Kaiser" ab. Der Vorsitzende Quast gab in Abwesenheit des ersten Vorsitzenden den Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes. Es fanden statt 15 Sitzungen, lieber den Besuch der Versammlungen sowie der Zahlabende sprach sich Redner dahin aus, daß derselbe im großen und ganzen zufriedenstellend gewesen sei, nur be« mängelte er, daß die Mitglieder bei den Arbeiten in den einzelnen Abteilungen, z. B. Flugblattverbreitungen, zu wenig Energie be- zeigten. In der Diskussion schlössen sich mehrere Genossen diesen Ausführungen an. Taubmann ermahnte die Genossen zu pünkt» lichcrer Zahlung der Beiträge. Es sei kein richtiges Verhältnis zwischen der Zahl der Mitglieder und dem Beittagszahlen. Hierauf wurden auf Antrag Taubmann dem Kreisvertrauensmann 299 Mk. überwiesen. Nunmehr nahm die Versammlung den Bericht des Genossen Schillert über die Maifeier entgegen. Die Abrechnung ergab einen Ueberschuß von über 676,99 Mk. Beim Bericht der Bibliothekare wurde eine größer Specialisierung desselben gewünscht. Die Abrechnung des Kassierers vom April bis Juni ergab einen Mitgliederbestand von 844 Personen und eine Einnahme von 929,11 Mark, der eine Ausgabe von 486,62 Mk. gegenüber steht; mithin ergiebt sich ein Bestand von 433,49 Mk.— In den Vorstand wurden gewählt: als 1. Vorsitzender Genosse Schmutz, als 2. Vorsitzender Genosse O u a st, als Kassierer Z e i s e, als Schriftführer Fuhr- mann, als Revisoren Kaufhold, Sorren und K o o p- mann. In die Zeitungskommission wählte man die Genossen P e u k e r t und Taubmann. Zu Abtrilungsführern hat der Vorstand bestimmt die Genossen Liebenow, Walterskötter, Nerlich, Siebert und Rockfontain. Ferner wurden acht Delegierte zur Kreiskonferenz gewählt und schritt man nach Er- ledigung dieser Angelegenheit nunmehr zur Abänderung des§ 15 des Statuts. Nach längerer Debatte erhielt derselbe folgende Fassung: Alle Anträge, Streitigkeiten oder auch Ausschluß eines Mitgliedes sind dem Vorstand zu unterbreiten, welcher die Gründe zu prüfen hat. Ueber den Ausschluß selbst entscheidet der Vorstand. Gegen die Entscheidung des Vorstandes ist die Berufung an die nächste Generalversammlung zulässig.— Das Arrangement des Stiftungsfestes wurde dem Vorstand überlassen. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle z« unentgeltlicher»e- nnbiing für jedermann. Mexandttnenstt. 26, Gartenhaus. Geösfncl werktäglich von 5'/, bis 19 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen von S bis 1 und S bis S Uhr. Reichhaltige Bibliothek und 599 Zeitungen und Zeltfchttjten jeder Art und Richtung. Sitzung haben Mittwoch: Lese-«nd DiSkutterklubs.„Südost", Tolksdors, Görlltzerstr. 58.— Socialislenklub„Vorwärts", Kristiania, Mölbcrgaden 17. Jeden Mittwoch: Diskusston. Arbeiter-Raucherbund Berlins und Umgegend. Aenderungen Im Vereinskalender sind zu richten an Albert Licbettau, Putbuserstt. 44 IV. „Varinas", Jänicke, GuLenerstr. 7.—„Oualmbrüder". Votz, Rummelsburg, Kanlstt. 14.—„Kleeblatt", Vorgänger, Rummelsburg, Kantftr. 44.— „WaldeSgrün", Kunze, Forsterstt. 36.—„Sieben roocht", Fcchncr, Adlershos, Oppenftt. 56.—„Frohe Stund« I", Kcrstcn, Ewinaerslr. 15.—„Siedlest", Fourmond, Neu-Weistcnsee, Sedanftt. 18.—„Rosenblütc", Ladwig, Weiden- weg 78.—„Frei Weg I", tzoffmann, Schöneberg, Max. u. Ebersstraßen-Ecke. —„Frei weg", Hoppe, Schöneberg, Mcrseburgerstt. 7.—„Gemütlich- keil II SO.", Kurth, Wrangelstr. 165.—„Deutscher Michel", Gristel, Pankow, Kaiser griedrichstt. 15.—„Fidcle Brüder", Lasse, Friedrichslelde, Lulsenstt. 29.—„Glühlicht II", Drescher. Maxstt. 136.—„Gcmüllichkcn II", Gratzig, Wranaelstt. 22.—„Phönix", Häuser, Schöneberg, Sedanstv. 69.— „Die Dampfenden", Schick, Manleusselstt. 74.—„Intelligenz", Bosold, Manteusselstr. 66.—„Fllederdust", Böhm, Zorndorserstr. 9.—„Kein Ton", Dembowsky, Wcißenburgerstr. 47u.—„Fliederdust II", Stein, Samariter- und Schreinerstraßen-Ecke.—„Beichfelblatt", Zeidlcr, Franksurtcr Allee 176. —„Kornblume", Dillenberger, Zimmerstr. 59.—„illt- Schöneberg", Schieder, Schöneberg, Sedanftt. 51.—„Sumatra", Beicr, Lübbenerstraße 11.—„Collegia", Bcrgner, Rcichenbergerstv. 157.—„Fidelc Raucher", Krüger, Rixdors, Reuterstt. 15.—„Sumatta S0.", Krone, Licgnitzcrstt. 18. —„Konsequent", Becker, Köpnickerstt. 191.—„Gerade aus", Maaßen, Woldcnbcrgerstr. 14.—„Bruderbund", KolmS, Grünauerstr. 9.—„Veilchen- dust", Lehrend, Schwartzkopftstr. 8.—„Verzaget nie", Kirchhos, Schöneberg, Kumke, Bülowstr. 59. Abteilung HI, jeden 1. und 3. Mittwoch bei Tschauschk, Naunynstr. 6. Abteilung IV, jeden 1. und 3. Mittwoch bei Merkowski, AndreaSstt. 26. Abteilung VII, jeden 1. und 3. Mittwoch bei Raabc. Kolbcrgcrstt. 23. Abteilung VIII, jeden 1. und 3. Mittwoch bei Fischer, Waldstt. 8.—„FrohcS Ziel", jeden zweiten Mittwoch, Wilhelmsruh bei Schneider, Hauptstraße.—„Glück aus", Friedrichsberg, Franlsurter Chaussee 86.—„Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 8. und 22., Köpenick, Schönerlinderstr. 5.—„Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Alt-GIienicke bei LoLeke.—„Blitz", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Rudow, Bcndaftr. 52, Reime.—„Männer- Radsahrverein", Brandenburg, Bergstt. 29.—„Wanderer", Friedrichshagen, Fried richstr. 137. „Solidarität", Fürstenwalde, Schloßkellerei.—„Drisch aus", Guben, Restaurant Bcllevue.—„Hoffnung", Potsdam, Me Luisenstt. 32.— Frisch aus", Sarau, Restaurant Flora.—„Arbeiter-Radsahrverein Veiten", Luisenstt. 17.—„Tempo", Finsterwalde, nach dem 1. und 15., Spahn, Ringstraße.—„Frisch aus", Landsberg a. W., Kayser.—„Arbeitcr-Radsahrer- verein Nowawes", Priesterstt. 31.—„Greis", Prenzlau, nach dem 1. und 15, Schnelle 67 bei Poillion.—„Vorwärts", Schöneberg, nach d"m 1. und 15., Meiningcrstr. 8 bei Obst.—„Frei Weg", Schöneberg, Aluzien« straße 21.—„Wanderlust", Seisersdorf, nach dem 1. bei B. Schoter.— „Condor", Bcrghoiz. jeden dritten Mittwoch Landsbcrgerstr. 11/13. Arbeiter-ökadfahrerbund„Freiheit". Geschäftsstelle bei F. Li«, Weinstr. 3, I.„Courier", jeden t. und 3. Mittwoch bei Schütz(Berolina- Säle), Schönhauser Allee 28.—„Gloria", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. bei Besse», Kremmenerstt. 1. Arbeiter-Turnerbund. Mittwoch und Sonnabend: Turnverein „Fichte", Berlin, abends von 8—19 Uhr: 1. Männer-Abt. Friedcnstt. 37. 3. Männer-Wt. Bocckhstraße 17/29. 7. Männer- Wt. Äeicheuberger- straße 131/132. 8. Männer-Abt. Höchstestraße 36/37. 2. Lehrlings-Avt. Skaiitzerstr. 65/56. 4. Lehrlings-Wt. Siemensstt. 29(Moabit). 8. Lehrlings- Llbteilung Ackerstr. 67. 9. Lehriings-Wt. Müllerftr. 158. 19. Lehrlings-Abt. Petcrsburgerftr. 4. 2. Schüler-Abt. Mariannen-User 4a.— Arbeiter-Turnverein zu AdierShos. Männer- und Lehrlings-Wteilung turnt Mitttvochabend und Sonnabendabend 8'/,— 19>/, Uhr, Damen-Wteilung turnt Freitagabend 8'/,— 19'/, Uhr, Wöllsteins Lustgarten. Gäste willkommen. Arbeiter-Schwimmerbund. Ansragcn sind zu richten an F. Menschel, Wcißcnscc, Rölkestr. 131a.„Vorwärts", Pantziersche Badeanstalt, Sttaiauer Sillec.—„Vorwärts"(Abi. Rixdors), Stolzcnburgsche Badeanstalt, Canner Chaussee.—„Norden"(Männer-Abteilung), Seebad Ztcinickcndors.—„Hecht", Weißcnsec, im Seebad Wcißensee.—„Neptun 1894", Städtische Badeanstalt, Cuvrysttaßc.—„Freie Schwimmcrschast von Köpenick", in oer Städtischen Badeanstalt zu Köpenick, Gartenfttaße. Deutscher Arbeiter-Abstineuten-Bund. Ortsgruppe Berlin. Ver- sammlung jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat im Englischen Garten, Ällexanderstr. 21c. Berliner Volks-Chor. Uebungsstundc jeden Mittwochabend 8'/, Uhr: Steinstr. 3l. Gesellige ee. Vereine.„Nymphaea alba'-, Verein für Aquarien. und Tcrraricnkundc, Klubhaus Hinssche, Köpnickerstt. 62.—„Verein für Aquaricnfrciinde", KönigSgraben l4a.— Rauch klub„Grüne Quaste", Hermami, Ritterstt. 119.— Mundharmonika-Vcrcin„Vorwärts" bei Schulz, Bauhenerftt. 7.— Berliner Sportkub„Franco Alliance 1902", Wahnig, Fidicinstr. 43.— Theater- und Vergnügungsverein„Concordia", bei Hennig, Cadinerstt. 7.— Theater- und Vergnügungsverein„Ernst und Humor", bei Schuster, ElSboizftt. 19.— Theater- und VergnügungSvercin „Frohe Kunst", Lehmann, Barnimstt. 13.— Tambourvcrein„Wirbel 1899", Josthstt. 8.— Lottericllub„Klondhke", Gräsestt. 83.— Lotterte- und Slatllub„Ausdauer", bei Rabenau, Markusftt. 8.— B«Iiner Schwimm- klub„Neptun 1894", Städtische Badeanstalt, Cuvrysttaßc. Badctage: Mittwoch, Freitag und Sonntag.— Arbeiter-Turnverein„Froh uud Frei", Groß-Lichterselde(Damcn-Wteilung), bei A. Reiser, Chausseestr. 194, Eingegangene Druchfthrlfttn. „Kommunale Praxis", Zeitschrift für Kommunalpolitik und Gcmeinde-SocialiSmuS. Herausgeb« Dr.AIbert Südekum, Berlin W. 15. Verlag: Kaden u. Comp, Dresden.— In der soeben er- schienenen 15. Rummer des vierten Jahrgangs wird der Meinungsaustausch üb« socialdemokratische Genrcindepoiitil fortgesetzt durch einen Artikel von Paul Singer und durch die Fortsetzung der Artikelserie Dr. H. Lindemanns über: Unsre Kommunalpolitik. Ein Artikel F. WestmeyerS behandelt die hannoversche Städte-Ordnung. Ein reichhaltiger Notizenteil schließt fich dem an._ ßricfhaftcn der Redahtion. R. K-, Ktrchstraße. Feuchtigkeit und Sonne. Sedanstr. 48.—„Pseisendeckel", Marth, Fruchlstt. 69.—„Vorwärts", Wählisch, Adalbertstt. 4.—„Blau« Ring", Charlottenburg, Ganke, Schillerstt. 38/39. —„Regaiita", Leonhardt, Koionicstt. 147.—„Feigenblatt", Schmidt, Riste» straße 35.—„Rwgelwoike", Vetter, Bredowstr. 11.—„Sllpcnrose". Mendt, Reinickendorf, Jusmsftr. 55.—„Frohes Leben", Laue, Adl«Shos, Bismarck- straße 10. Arbeiter-Radfahrerbund..Tolidaritiit". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuschriften und Anfragen den Bund bettcffend sind zu, richten an den Gau-Vorsitzenden Karl Fischer, B«lin NW., Waldstraße 8. .Arbeit«- Radsahrerverein", Abteilung 1, jeden 1. und 3. Mittwoch bei Der Artkkel ist redaktionell.- R./, bis»Vi Mir abends statt. Geöffnet: 7 Nbr. — F. H. 100. Sie haben zu zahlen, wenn die geborgten Waren für Ihren Haushalt v«wendet ivarcn oder verwendet sind. Weiche Art Waren gc- borgt wurden, geben Sie nicht an.— L. 17. Die Verlobungszeichcn sind aus Verlangen eines der Vcrlobtgewesenen auszutauschen. Weigert sich der Teil, so kann innerhalb zwei Jahren geklagt werden.— K. St.«4. 1. Ein in Deutschland naluralisierter Ausländer muß wie jeder andre Deutsche seiner Militärpflicht hier genügen. 2. Ja.— F. S. War der Betreffende HandlungSreisender, so war die Zahlung gültig. Ihre weiteren An- suhrungcn sind unerheblich.— I. H. 100. Das Gericht würde zu Gunsten der Aussassung des ChcsS urteklcn, wenn es zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Pech kein unverschuldetes war. Sonst wäre zuJhren Gunsten zu entscheiden. — Brutus.§ 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist entscheidend. Der Paragraph ist aus S, 192 des dem Arbetterrecht beigefügten Führers an- geiührt.— D. K. Wonnemcnts-Vercin von Dienstherr! chaitcu für franke Dienstboten zu Berlin, Mobrcnstt. 34.— Durstig 33. Die Erlaubnis zum Ausschänken von Branntwein oder zum Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus ist von dem Nachweis eines vorhandenen BedürsnisseS ab- bängig. Die Erlaubnis zum Betriebe der Gastwirtschast od« zum Ausschänken von Wein, Bier od« andren nicht unter die Gattung von Brannt- wein oder EptrttuS sollenden geisttgen Gettänten ist in Mschasten mit weniger als 15 999 Einwohnern sowie in solchen Ortschaften mit größerer Einwohnerzahl, für die die» durch Ortsstawt scstgcsetzt wird, von dem Nachweis eineS vorhandenen Bedürfnisses abhängig. Kleinhandel mit denaturiertem Spiritus ist von kein« Erlaubnis abhängig. Kleinhandel ist in Preußen jeder Verttieb, der and«s als in Mengen von mindestens einem halben Anker(17,175 Ltt«) stattstndet. Für die Provinz Schleswig« Holstein gilt als Höchstgrenze die Menge von 9 Liter, sür die Provinz Hannover ein Stübchen(3.984 Liter), für die vormals landgräslich hessischen LandeStelle eine Menge von 29 Maß(39,668 Lit«), sür die Hohenzollern- scheu Lande die Menge von einer Matz(1,837 Liter). Schnaps, Liqueur, Tropscn u. dcrgl sind Bezeichnungen sür Branntwein, die ohne scharse BcgriffSunterschiede nach örtlichem Gebrauch, Geschmacksrichtung, Laune und Gewohnheit des Trinklustigen als Bezeichnungen sür Branntwein gebraucht werden. Fusel ist unreiner, Fuselöl haltigcr Branntwein. Fuselöl ist ein bei der Gärung des WcinS und der Branntweinmaische entstehendes, schlecht schmeckendes, brennendes, ungesundes Nebenprodukt, das als gemeingefährlicher, unlauterer Konkurrent des Branntweins diesen vergiftet und dem Arzt und Apotheker Kunden zuführt.— O. R. 100. 1. Nein. 2. Ja. — Bölling. Wenn der Vertrag nicht, wie In und um Berlin üblich, das Gegenteil festsetzt, so ist der Wirt zur Instandhaltung, also auch zur Jalousie- Reparatur, nach 535, 536 B. G.-B. verpflichtet. Konnnt er dieser Ver- pflichtung nach Aussorderung nicht nach, so drohe ihm der Mieter an, daß er die Reparatur aus Wirts Kosten ausführen lassen werde, falls sie nicht inn«halb einer angemessenen zusagenden Frist ausgeführt wird, und führe seine Drohung aus.— Jnnnngs-Krankenkassc. Der Bescheid ist zuttesscnd, falls Sie nicht etwa nur bei emcm Arbeitgeber gearbeitet haben. Ist das der Fall gewesen, so weisen Sie daraus hin und beantragen die Ver- urteiiung, in jedem Falle die Rückzahlung Ihr« Belttäge.— X. Nein. - I. D. 100. 1. und 2. Leider ja.- Tegel. H.. R. Rixdors. Ja. — H. F. ES ist unzulässig, zwei Zwangs tassen anzugehören. Die ge- zahlten und irrtümlich angenommene» Beiträge sind von der Kasse, der Sie nicht durch Gesetz angehören, zurückzuzahlen.— R. G.«««. Nicht das Bürgerliche Gesetzbuch, sondern Ihr Äcrttag, die Police und das Statut ist entscheidend. In der Regel ist eine stillschweigende Verlängerung, aber neue Policcgebühr vorgeschrieben.— Adebor.§§ 535 und 538 des Bürgerlichen Gesetzbuches.— C. Bs. Eine Beschwerde ist zulässig, wäre aber gegenüber den zweisclSsreien Gesetzesvorschristen völlig zwecklos.— — M. W. Ü3. Die Approbation als Arzt kann nach§ 53 der Gewerbe- Ordnung nur dann zurückgenommen werden, wenn die Unrichtigkeit der Nachweise dargethan wird, aus Grund deren die Approbatton erteilt worden ist jowie sür die Dauer der Aberkemmng der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Rücknahme«folgt in Preußen im Klagewege. Zur Erhebimg der Klage ist die OrtSpolizeibchördc dcS OrtcS, an dem die ärztliche Praxis betrieben wild, nach ergangener Ermächtigung des Regierungspräsidenten zuständig. G. F. US. Wenn Sie das Statut richtig bauen, ist wed« Anmeldung noch Genehmigung erforderlich. Ändernsalls unbedingt hie Kasse als Versicherungsverei» behörvlicher Genehmigung. Fiir den Inhalt der Inserate «hernimmt die Redaktion dem Publik» m gegenüber keinerlei Berantwortnng. UKeater. Mittwoch, den 3. A u g u st. Ansang 7'/, Uhr: Neues königl. Opern- Theater. Die Fledermaus. Belle-Zllliance. Gastspiel von Emil Winter- Tymians Humoristen. Zum Schluß: Ein Polterabend- scherz bei Lieutenants. Ansang 3 Uhr. Schiller<».(Wallner- Theater.) Die weiße Dame. Westen. Liebeshandel. Berliner. Zapscnstreich. Central. Olle Kamellen. Läuschen und Rimels. Hanne Nütes Ab- schied. Jochen Pasel. Ein kleiner Beamter. Neues. Einen Jux will er sich machen. Residenz. Die 300 Tage. Atetropol. Ein tolles Jahr. Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten. Stadt-Theater Moabit. Großstadt- zauber. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage-Theater. Terka Semmeloff. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Tanbenstrafte 48/49. Die Weltausstellung in St. LouiS. —'An den Seen Oberitaliens. Jnvalidenstrasie 67/«!!. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schiffbauerdaimn 4a— 5. inj Ansang 8 Uhr. Donnerstag; Einen Jux will er sich machen. Metropol-Theater Der grösste Erfolg dieses Jahres: Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Schiller-Theater 0. lWallner-Theater). Morwih-Oper. Mittwochabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. I>Iv weissv Diinie. Komische Oper in drei'Akten von F. A. Boicldieu. Sonne rStagabend 8 Uhr: vor ih-opket. Freitagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. I»cr Tronbadour. Sonnabendabend 8 Uhr: Zum 4. Male: Der polnische Jnde. Der Sommcrgarten ist eröffnet. Im Garten des Schiller-Theaters 17. täglich großes Militär-Konzert. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Ntavktas>I. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Frttnleln Jnlte. Central-Theater 8 Uhr: Einakterabend aus Frit, Reuters Werken: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschen und Riemels. 3. Hanne Nütes Wschied. 4. Jochen Pasel. S. Bräsigs letztes Stündlcin. 6. Ein kleiner Beamter. Emil llichsrö, kgl. Hosschauspieler, a. G. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. I- Heute u. solgcndc Tage: Die 300 Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gevault u. Robert Charwey. Deutsch o. A. Halm. Ansang 8 Uhr. Apelle-Theater. 7'/« Uhr: Gr. Gartenkonzert. 8-9-/. Uhr: I-etztcs Auftreten der Jnll- Specialitäten. Robert Steidl mit neuem Repertoire. 9'/3 Uhr: Venus auf Erden. Operette von Paul Lincke. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Veltäussteilimg in St Louis. Hierauf: An den Seen Oberltallens. Sternwarte lnyaliden Str. 57/82. Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- Doppel-Komert. Eintritt 1 M., ab« Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. In der Arena: Der 8ee-EIetant. Eintritt vom Garten 20 Pf., von der Straße 30 Ps., Kinder dieHälste. kröhel8 Mlerlel-Thester fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Heute: Sonderabend. Vollständig neue Spielfolge. Ansang 41/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Freitag, 5. August: Benefiz Ed. Wendt. Avis! Sonnabend, 27. August, für Vereine frei. RelchshÄllen-Thesler. Nun wieder täglich; Ostbahn-Park. Am KQstrinerplatz. Rüdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Tl/eater und Kpecialitiiten- Korstellung. Belle-Älliance- Thealer. Im Theater abends 7-/� Uhr: M£- Wegen deS unbestritten großen Erfolges bis 14. August:"OUS Winter-Tymians Hmnoristeu Urkomische Scenen und Possen! Zum Schluß: Ein Polterabend- scherz bei Leutnants. Im Sommergarten von 6 Uhr an: Curt Goldmann- Konzert. Von 8 Uhr an: Vollständig neues glänzendes Specialitäten- Programm. Gebräder Herrnfeld-Theater. (XHI. Berliner Winter-Saison.) Mr eine Mebt. Zwei Akte aus einer Ehe. km andern Morgen. Nachspiel zu„Nur eine Nacht". Beide stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Kassen-Eröffnung 7 Uhr. Vorverkaus täglich 11—2 Uhr. Der große Naturgarten ist geöffnet. Kottbnser Thor— Stat. der Hochbahn Täglich im Garten: Hoihnanns Norddeutsche Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Vorstellung: Tanz. Zum Schluß: Hans Tapps. Landes-Ausstellungs- Park. Täglich: Doppel- Konzert. Dejenner. von 8,50 Hark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners und Soupers von 4 Mark an. Neu erbaut: Festsäle, gedeckte Gartenhallen, Fontaine lumineuse. Das Bärenweib, lebend. Der 16jährige Rieser.knabe Der lange Josef 217 cfm gross._ Nada und Mnemos,"MM Ge dankenles er. DerLicichen f n n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. J CASTAN'S ANOPTICUM. Der unverwuatiliare italienisches Original-Orchester, Damen und Herren. Der Kampi um Port Arthur, gr. akt. Spektakel-Schauspiel. Ctablissriuent DuMuljagen Moritzplatz. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im großen schattigen Natur- garten jeden Abend 8 llhr: Konzert. Dienstags, Donnerstags, Sonntags; Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends T � m v im Kaisersaal:■«i■■ Z. Neue Welt. Hasenheide 108/114. Arnold Scholz. Mittwoch, den B. 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