Nr. 183. Ndonnemenk-kecklngungen: •OonncmeiüS> Preis pränumermid« i vierteljährl. SSO SKI, nionatl. 1,10 SKt, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- »Ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monate Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn S Marl, für da? übrige Ausland S Mark pro Monat 31. Jahrg. CiMillnt täglich«tBtr montags. Vevlinev VolkSblÄkk. Bk Inkrtions-GeblUjf betrügt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 10 Pfg, für politische und gewerlschasMche BereinS- und BersammlungS-Anzeigen 2S Pfg. »Kleine Bnzeigen", das erste(feU- gedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weiter, Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaden zühlen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festtagen bis 8 Uhr dormsttagS geöffnet Telegramm. Adresse: nSoiUMcmslint Btffla". Zentralorgan der roziatdemokratifcben Partei Deutfcblande. Redaktion: Süll. 68, Lindenstrasse 69. akernsprecher: Amt?V. Nr. 198». Sonnabend, den 6. August 1904. Expedition: SRI. 63» Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Koloniale Mißstände. Ein neuer Arenbcrg? Seit Jahren wird in der von Dr, Meineke in Berlin heraus- gegebenen»Kolonialen Zeitschrift' die jetzige deutsche Kolonialpolitil zum Gegenstande einer zumeist sehr abfälligen Kritil gemacht. Nicht als ob ihre Urheber, wie wir. dem ganzen neudeutschen Kolonialschwindel, der unsrem Volke unsinnige Opfer an Gut und Blut zu Nutz und Frommen weniger grosser Kapitalisten, einer Handvoll Ehrgeiziger oder auch ehrlicher Enthusiasten mit und ohne Portepee und verlotterter Söhne einflußreicher,„hochgestellter' Familien auferlegt: nein. Dr. Meineke und seine Leute sind be geisterte Kolonial s ch w ä r m e r, bemühen sich eifrigst. Kapital und Menschen in die deutschen Kolonien einzuführen und wollen lediglich ein andres System der kolonialen Verwaltung durchsetzen. Deshalb hat ihre Kritik besondere Bedeutung, daß die Kolonialvertreter vor ihr sich nicht durch die übliche, törichte Ausflucht drücken können, daß die Kritik von vorurteilsvollen Gegnern der Kolonialpolitik ausgehe. In einem Artikel der letzten Nummer der„Kolonialen Zeitschrift' werden nun über die Rechtspflege in den Kolonien ganz außer- ordentliche Dinge behauptet. Der Verfasser A. Herfurth beginnt mit dieser allgemeinen Einführung: „In unseren Kolonien vermag sich ein sonst ganz braver Mann mit Leichtigkeit gewichtige Anklagen zuzuziehen. Sehr verpönt ist dort eine freimütige Aeußerung über vor- handene Mißstände. In Acht und Bann wird erklärt, Iver darüber nach der Heimat berichtet... Nicht selten ereignet rS sich auch, daß aus persönlicher Ranküne Leute vernichtet werden sollen, nachdem man, wie es in den Kolonien heißt, Material gegen sie gesammelt hat.' Diese allgemeinen Sätze will der Verfassers des Artikels durch ein Beispiel aus Südwestafrika bekräftigen und beweisen. Er thut das an der Hand von Gerichtsurteilen, die gegen einen gewissen Groeneveld ergangen sind. Dieser Groeneveld wurde am öl). März 1903 vom Bezirksgericht zu KeetmanShoop wegen Ver» gehenS gegen§ 4 der Verordnung, betreffend die Einführung von Feuerwaffen, zu 6 Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe .sowie zur Tragung der Kosten verurteilt. Groeneveld hatte an Hottentotten Gewehre verkauft, wie behauptet wird: mit G e m e h m i g u n g des Distriktschefs, der auch für die Gewehre je Hv Mark Steuer verlangt habe. Groeneveld legte gegen das Urteil Berufung ein; eS wurde aufgehoben und er in einem neuen Ver- fahren wegen des Vergehens nur zu 4S0 Mark Geldstrafe und in die Kosten vemrteilt. Am 27. Mai 1903 stand Groeneveld schon wieder vor den Schranken des Bezirksgerichts in KeetmanShoop, diesmal der Ver- leitung zum Meineide angeklagt. Er würde zu drei Jahren Zuchthaus sowie zum Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre verurteilt. Die von ihm eingelegte Berufung hatte den Erfolg, daß dieses Urteil aufgehoben wurde; die Berufungsinstanz kam zu einem Freispruch und legte die Kosten des Verfahrens dem Staate auf. Nun, ein Irrtum ist bei jedem Gerichte möglich, und dazu haben wir Berufungsgerichte, daß sie die Fehler der unteren Instanzen verbessern. Man wird also an diesem einen Fall nichts Ab- sonderliches finden. Aber er blieb nicht der einzige! Am 30. Mai 1903, drei Tage nach dem eben besprochenen Urteile, fällte dasselbe Bc- zirksgericht in KeetmanShoop schon wieder einen Spruch gegen Groeneveld: er wurde wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei zu zwei Jahren Zuchthaus sowie zum Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren verurteilt, auch.wurde auf die Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt. Ueber den der Verurteilung zu Grunde liegenden Thatbestand wird mitgeteilt, Groeneveld habe an den Proviantmeister in Bethanien L'/z Sack Reis l offenbar schon früher) gegeben,„die dieser aus Er- sparniffen zurückerstattete'. Diese Geschichte klingt dunkel. Was ist das für eine Wirtschast, daß sich ein Proviantmeister 2,J3 Sack Reis »besorgt" und sie dann„aus Ersparnissen" zurückerstattet? So etwas muß wohl zum System kolonialer Verwaltung gehören, denn die«Koloniale Zeitschrist" bemerkt dazu wörtlich:„Der Distriktschef, Lieutenant von Stempel hatte dem Proviantmeister, da ihm dessen Fehlbettag be- kcmnt war, ausdrücklich erlaubt, bei guter Wirtschaft den Beständen Reis für sich zu entnehmen.' Hört I hört l Die höchst eigenartigen BudgetierungSkunststücke. mit denen das Kolonialamt des Herrn Stübel in den Verhandlungen des Reichstags in diesem Frühjahr brillierte, scheinen draußen rasch verständnisvolle Nachahmung ge- funden zu haben. Man darf begierig darauf sein zu erfahren, ob sich solche Machenschaften, solche„Manschercien", in den Kolonien auch noch auf andre Dinge als auf 2>/, Sack Reis erstrecken I Doch sei dem für jetzt wie ihm wolle; Groeneveld legte gegen das Urteil Berufung ein und erreichte, daß das Urteil aufgehoben wurde und man ihn nur wegen einfacher Hehlerei zu zwei Monaten Gefängnis verurteilte. Zwei Jahre Zuchthaus— zwei Monate Gefängnis. Aber damit waren feine Beziehungen zu der kolonialen Justiz noch nicht zu Ende. Am 27. Juni 1903 wurde er, immer vor dem Gerichte in KeetmanShoop, wegen Betrugsversuchs zu drei Monaten Gefängnis und in die Kosten verurteilt. Durch Berufung gelang eS ihm, auch dieses Unheil abzuwenden; das Urteil wurde aufgehoben und er wurde freigesprochen, die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. So war er denn in einem Vierteljahre vom Bezirksgericht zu KeetmanShoop zu 1000 M. Geldstrafe, neun Monaten Gefängnis und fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden, von denen die Berufungsinstanz nur 450 M. Geld- strafe und zwei Monate Gefängnis aufrecht erhielt. Das wirft ein höchst sonderbares Licht auf die koloniale Rechtspflege. Aber was man sich darüber auch für Gedanken macht, es wird überboten durch das, was die„Koloniale Zeitschrift' als den Grund zu diesen drakonischen Verfolgungen in dem Satze behauptet:„Alles das, weil er über die Ermordung eines Negers, nachdem eine Beschwerde an die Behörde fruchtlos verlaufen war, der Presse Nachricht gegeben hatte, die aber ebenfalls keine Notiz davon nahm". Mit andren Worten wird hier den Behörden in Keetmans- hoop vorgeworfen, daß sie einen unbequemen Menschen vernichten wollten. Ein Mord ist geschehen. Groeneveld wendet sich an die Behörde; er wird abgewiesen; er wendet sich an die Presse, die seine Meldung totschweigt: darauf wird er in einemViertel- jähr aus den verschiedensten Anlässen viermal vor Gericht gestellt. Hier haben wir Aufllärung zu verlangen über folgende Punkte: 1. Wer ist ermordet worden? 2. Wer war der Mörder? 3. An welche Behörde wandte sich Groeneveld mit seiner»Be- schwerde"? 4. Warum blieb sie fruchtlos? 5. Welcher Zeitung meldete Groeneveld den Vorfall? 6. Warum unterdrückte sie die Meldung? Der nächste, der Auskunft darüber gehen muß, ist der Verfasser des Artikels in der„Kolonialen Zeitschrift', Herr A. Herfurth, Schriftflihrer der Vermittlungscentrale für koloniale Arbeit und Kapital. Aber die Regierung sollte nicht warten, bis Herr Herrfurth spricht, sie muß sofort untersuchen, wie die Dinge liegen. Der Kampf, der in Südwestaftika tobt, ist mit zurückzuführen auf die Schändlichkeiten, die der Mörderprinz Arenberg verübte; hat es noch mehr Arcnbergs gegeben? Bestehl eine Verschwörung zur Unterdrückung von Nach- richten über koloniale Schensäligkeiten? Heraus mit der Sprache! Ueber die Kämpfe bei Lianjang liegen heute Nachrichten, die sich auf n e u e r e Vorgänge bezögen, nicht vor. Der sonst so geschwätzige russische Telegraph hat sich über die Vorgänge des 4. und 5. August völlig ausgeschwiegen. Fast könnte man daraus schließen, daß es etwas Günstiges nicht zu melden, wohl aber Ungünstiges zu verschweigen giebt. Dagegen wird jetzt russisch- offiziös näheres über Kämpfe am 31. Juli gemeldet. Das betreffende Telegramm lautet: Petersburg, 4. August. Ein Telegramm des Generallieutenants S a ch a r 0 w an den Generalstab vom 3. August besagt: Nach den von General Sassulitsch über die Kämpfe vom 31. Juli gemeldeten Einzelheiten begann der Kamps für die Russen außerordent- l i ch g ü n st i g; die Russen waren an Artillerie überlegen. Nachmittags mutzte sich jedoch der rechte Flügel zurückziehen, da er umgangen war, nachdem die Japaner durch Längsfeuer aus den äußersten linken Batterien große Verluste beigebracht hatten; sechs zerstörte Geschütze mußten zurückgelassen werden. Um die Auf- merksamkeit der Japaner vom rechten Flügel abzulenken, erhielt Oberst Popowitsch Lipowatz um 5 Uhr nachmittags Befehl, ohne Gepäck zum Angriff vorzugehen; gleichzeitig richteten die Batterien ein heftiges Feuer auf die von den Japanern eingenommenen Bergkuppen, dessen Wirkung furchtbar war. Einem mit großer Tapferkeit ausgeführten Bajonettangriff der russischen Schützenketten hielten die Japaner nicht stand und räumten unter großen Verlusten drei von ihnen besetzte Bcrgkuppen. Um 7 Uhr abends wurde Befehl gegeben zum Rückzug auf Haitscheng. Die russischen Berluste in den Kämpfen am 30. und 31. Juli be- tragen nach den bisherigen Feststellungen an Toten und Verwundeten etwa 290 Offiziere und mehr als 1000 Untermilitärs. Daß neue japanische Nachrichten nicht vorliegen, erklärt sich ohne weiteres aus den größeren Schwierigkeiten, Nachrichten nach Tokio gelangen zu lassen. Bemerkenswert ist eine Nachricht, die dem „Verl. Tagebl." aus Tokio über das Resultat der Kämpfe vom 31. Juli und 1. August zugeht: Tokio, 3. Angust, vormittags. Erst jetzt wird hier der große Erfolg unserer Kämpfe am 31. Juli und 1. August in seinem ganzen Umfange bekannt. Nach den Direktiven des Marschalls O y a m a griffen alle drei Armeen an und schlugen sich mit glänzender Tapferkeit an beiden Tagen. Die Armee des Centtums unter Nodzu hielt die ihr bei Schimutschöng gegenüberstehenden Kräfte der russischen Mitte; wahrscheinlich das zweite russische Corps unter Alexejew II, fest. Tie Armee Okus drückte unter weiterer Umfassung dcS russischen rechten Flügels daS Corps SarubajewS weiter ans Haitscheng zurück. Die Kavallerie LkuS geht bereits auf der Straße Jnkou- Niutschwang den Russen in den Rücken. Unterdessen führte Kuroki die verstärkte 1. Armee zur gleich- zeitigen Umfassung des russischen linken Flügels vor und warf diesen ttotz der heldenmütigsten Gegenwehr, bei der sein tapferer Führer, der General Graf Keller inmitten seiner von uns schwer bedrohten Artillerie den Heldentod starb, völlig über den Haufen. Hier fochten die besten russischen Regimenter, Dragomirowscher Schule, die frisch eingetroffenen Regimenter des X. Armeeeorps, verstärkt durch Teile des XVII. Moskauer Armeecorps. Sie wurden bis auf die Höhen von Liaujang zurückgeworfen und an- scheinend dort aufgenommen von frischen russischen Truppen. Kurokis Kavallerie soll bereits die Straße Liaujang-Mukden überschritten haben. Zahl- reiche Gefangene und auch Trophäen sind in unseren Händen. Unsere Berluste sollen nahe an 2000 Mann betragen, die Russen dürften über das Dreifache verloren haben, da sie wieder in dicht massierten Formen fochten, die den Anforderungen des heutigen Gefechts nicht entsprechen. Die Lage in Port Arthur. DaS russische Kriegsmini st erium hat, wie der Petersburger Korrespondent des„Daily Telegraph" dem „Bureau Lassan" zufolge meldet, Nachrichten erhalten, welche besagen, daß keine unmittelbare Gefahr bevorsteht, daß Port Arthur fällt, ob- gleich dieRussenbeidenletztenKämpfenumdie Festung megrereTausend Mann verloren haben. Die Mel- düngen, daß die Japaner die Haupt sächlich st enbefe st igten Stellungen genommen hätten, werden als voll- ständig grundlos bezeichnet. Die Stellungen im Norden und Nordwesten werden von den Russen gehalten, die den Japanern bei deren jüngsten Angriffen furchtbare Verluste beibrachten. Die Japaner werden für zu s ch w a ch gehalten, um den Angriff in der nächsten Zeit erneuern zu können.(?), « Ueber einen Artilleriekampf mit modernen Geschützen schreibt ein Arzt der Zoegeschen Kolonne: Es ist was Grausiges um die Wirkung dieser Geschosse. Ein platzendes Schrapnell überschüttet eine Strecke von 200 Metern mit Kugeln und bei Wafangou haben die Japaner in 2V, Stunden am 2. Juni auf die 3. und 4. Batterie 20 000 Schrapnells geschossen. Kein Wunder, daß die Geschütze ge- nommen wurden I Da könnt ihr einen Begriff von dem Spektakel bekommen, den wir dort in nächster Nähe genossen haben. Die reine Hölle muß es sein, da noch zu arbeiten und ein solches Feuer zu er- widern. So haben diese Batterien denn auch nur den Moment, wo die Japaner von neuem laden mußten, dazu benutzen können, zu ant- Worten. Die übrige Zeit hat alles an die Laufgräben gedrückt da- gesessen und ernst und bleich vor sich hingestarrt. Als Feuerwerk genommen, ist der Anblick von großartiger Wucht und Schönheit und wäre ein Genuß, wenn dies entsetzliche Heulen und Pfeifen nicht wäre, daS einen hindert, sich objektiv an dem gewaltigen Schauspiel zu freuen. Man wird dabei von einem unerträglichen Druck be- herrscht und echter, rechter Präkordialangst, wie viele sagen. In solchen Augenblicken sieht man an den Soldaten, toelche Erleichterung der Glaube an eine höhere Rlacht gewährt, die diesen nächsten Vor- gang leitet— thatsächlich verhält sich der gemeine Soldat wunderbar gleichgültig der greifbarsten Gefahr gegenüber, obgleich andrerseits unter ihnen die Panik eine stärkere ist. Ein Feuerwerker hat sich während der Schlacht und nachdem er das Geschütz stundenlang un- verletzt bedient hat, mit seinem eigenen Revolver erschossen. Er hat es nicht mehr ertragen können— und eine halbe Stunde darauf ist der Rückzug befohlen worden! Einige vereinzelte Fälle von Kriegs- pfychose sind beobachtet worden— fast alle haben mit Selbstmord- versuch ihren Anfang genommen. Unsere Soldaten aber sind von so bewunderungswürdigem Humor und einer Genügsamkeit, die jeder Beschreibung spottet; zerlumpt, durchnäßt und hungrig finden sie noch Zeit und Lust, sich einer über den andern lustig zu machen und schlechte Witze zu reißen. Sie haben nur leider alle zu viel Gepäck zu schleppen— zu schwere Stiefel— und oft zu wenig im Magen. Die Japaner ttagen am Schlachttage nichts bei sich außer Flinte und Patronen und haben Schnürstiefel mit Gamaschen— in den Bergen von unermeßlichem Wert. Und in die Ebene werden die nie gehen— dazu sind sie in den Bergen zu sehr zu Hause. Darauf aber wird sehr gehofft._ politifchc Gebcrficbt. Berlin, den 5. August. Ein Aufruf für Finnland. Der dänische Litteraturhistoriker und Krittler GeorgBrandeS veröffentlichte am Montag in„Politiken' einen„F i n'it l a n d" über- fchriebenen Leitartikel, der sich hauptsächlich mit den Gewalwiaß- regeln gegen die drei Helsingforser Universitätslehrer Baron W r e d e, Professor H 0 m s n und Dr. E st l a n d e r befaßt. Sie hatten eine iit sehr loyaler, aber bestimmter Form gehaltene Eingabe an das Kanzleramt der kaiserlichen Alexander- Universität, zu Händen v. Pl eh w es. gerichtet, worin sie gegen die schändliche Behandlung protestierten, der diejenigen finnischen Studenten ausgesetzt waren, welche der verfassungswidrigen Heerordnung von 1901 nicht Folge leisteten. Die Studenten wurden wie Verbrecher verfolgt, ins Gefängnis geworfen und schließlich in Strafcompagnien außerhalb Finnlands gesteckt. Die Eingabe hatte zur Folge, daß die drei Universitätslehrer gewaltsam nach dem Innern Rußlands geführt wurden. Brandes erklärt nun, diese Beleidigung der UniversitätHelsingforS sei auch eine Beleidigimg für alle andre» Universitäten. Der Artikel schließt mit folgendem Aufruf: „Was geschehen müßte, ist dies: Die studierende Jugend der drei nordischen Länder wid die Universitätslehrer dieser Länder sollten ihr Mitgefühl mit den Studenten und Lehrern der Universität HelsingforS aussprechen und Protest einlegen gegen die Gewalt und Mißhandlung, die gegen sie verübt wird. Dann darf man hoffen, daß die Bewegung sich weiter fortpflanzt, so daß die Universitäten andrer Länder, z u e r st und vor allem die Englands und Deutschlands, vielleicht auch die Frankreichs, sicherlich die Italiens, sich dem Protest an« schließen und er also weiter rollt über die Erde, immer mehr viel- stimmig. Daß eine solche Aeußerung der aufgeklärtesten Klasse von Männern Europas von dem Kanzler Plehwe nicht als etwaS angesehen wird, was er leicht nehmen kann, das hat er vollauf bewiesen, als er seiner Zeit selbst zur Feder griff, um hinsichtlich der finnischen Frage Stead entgegenzutteten, und das ist außerdem hinreichend bewiesen durch die Sorge der russischen Re- gierung, sich durch gewisse französische Blätter einen Zufluchtsort in der öffentlichen Meinung Europas zu sichern. ES ist die Aufgabe, die russische Regierung dahin zu bringen, daß sie sich isoliert fühlt. Sie wird eS immer mehr. Frankreich steht im Begriff, im Interesse der SchiedS- gerichtssache Mitglieder der Parlamente aller Länder nach Paris eistzuladen. Der Anfang wurde mit Mitgliedern des englischen Parlaments gemacht, nun kommt die Reihe an die nordischen. Aber es giebt ein Land, an das keine Einladung ergehen kann, weil es kein Parlament hat; das ist Rußland. Frankreichs einziger Bundes- genösse— daS Land, von dem selbst der Vorschlag zur Errichtung eines Schiedsgerichts ausging. ES ist ein ähnliches Gefühl des JsoliertseinS, das eS nun bei Rußlands leitenden Männern hervorzurufen gilt, das Gefühl, daß sie von Europas geistigem Adel außerhalb der Civilisatton gepellk werden. Diese Negierung hat Finnlands beste Mänoec aus ihrem Vaterlande ausgewiesen. Zur Wiedervergemmg weist Europa diese Regierung aus der Kultur ans." Georg Brandes, der zur Zeit in Karlsbad weilt, hat seinem Artilel folgende Nachschrift angefügt: „Indem ich nach Absendung Nieines Artikels aus dem Posthause trete, sehe ich iin Fenster des Nachbarhauses ein Telegramm an- geschlagen, welches mitteilt. daß Plehwe nicht mehr unter den Lebenden i st. DaS russische Regierungssystem hat aufs neue einen von den Stößen erhalten, die seine Gewaltsamkeit in Bewegung setzen, ohne seine Lebensfähigkeit zu erhöhen. Das, worauf der Artikel hinausgeht, bleibt ganz unberührt von dem Ge- schehenen." Die Arbeiterklasse Westeuropas, das ist dem Aufruf BrandeS' hinzuzufügen, hat läng st den Zarismus und russischen Korrnptionsabsolutismus außerhalb der Kultur gestellt. Wir sind nicht wenig gespannt, wie weit„der geistige Adel" der Mahnung, die Brandes an ihn richtet, folgen Ivird. In Deutschland hat bis jetzt der Denkeradel der Universitäten vielleicht hier und da darüber nachgedacht, ob ihm angesichts der russischen Mensch- heits- Schändung und der preußisch-deutschen Bedicntenleistung Pflichten erwachsen; g e t h a n hat er, bis ans den Artikel des Professors Delbrück über die Königsberger Geschehnisse, noch nichtsl—_ Zu den Wahlrcchtspliinen. Die„Germania" entschließt sich spät, auf die Zettelungen gegen das Wahlrecht einzugehen. Sie spricht jetzt von einem Be- dürfnis der Socialdemokratie nach„ein paar Sommersensationcn" und erinnert an unsre vor Jahresfrist erfolgten Mitteilungen über die Giesebrechterei. Die„Germania" scheint vergessen zu haben, daß die Giesebrechterei nichts weniger als eine„Sommersensation" war, sondern daß da- mals recht weitverzweigte Machenschaften gegen das Reichstags- Wahlrecht aktenmäßig nachgewiesen worden sind; es wurde er- wiesen, daß zahlreiche Großindustrielle und Kommerzienräte, darunter Reichs- und Landtags-Abgeorducte, auch Angehörige der national- liberalen Partei, erhebliche Beiträge gegeben haben zurFörderung der Giesebrechtschen Treibereien. Gerade durch unsre damaligen Enthüllungen ist diese hinterlistige Campagne durchkreuzt worden. Weiter will nun aber die„Germania"„auf Grund zuverlässiger Informationen" wissen,„daß die Behauptungen und Mitteilungen des„Vorwärts" falsch sind". Die„Germania" ist äußerst wort- karg in dieser Erklärung. Sie verschweigt, woher ihre„zuverlässigen Informationen" fließen. Wir haben allen Anlaß, anzunehmen, daß die Jiiiormatorcn der„Germania", wenn sie auch zuverlässig sein mögen, so doch un- unterrichtet sind. Wir beharren auf Grund der uns ge- wordenen Mitteilungen bei unsrer Darstellung. Und wen» jetzt niemand— außer den Konservativen— etwas gegen das Wahl- recht gezettelt haben will, so ist unser Alarm darum keineswegs unnötig gewesen. Niemand kann leugne», daß in den weitesten Kreisen der Reaktion der heiße Wunsch nach Wahlrechts-Aenderung besteht, daß ferner diese Kreise alles aufbieten wollen, um die Socialdemokratie zu irgendwelchen Scenen zu provozieren, die dann den Anlaß geben sollen, um die zögernden Mittelparteien mit fortzureißen, die Mittelparteien, die sich nur allzu gern fortreißen lassen, wie die Gelvaltthaten in den Zollkämpfen mit aller Eindringlichkeit gezeigt haben. Es sei jedoch noch festgehalten, daß auch die„Gerniania" jetzt die Erklärung abgiebt,„daß daS Ecntrum für eine Acndcrinig des Reichstags- Wahlrechts nicht zu haben sein würde". Bleibt das Centrum gegen alle Verlockungen fest bei dieser Erklärung. dann wird es dem Deutschen Reiche schwere Erschütterungen ersparen, die nach den Wünschen der wahlrechtsfeindlichen Reaktion unvermeidlich sind.— Italien im Dienste dcS Zaren. Rom, den 2. August. Wir haben unlängst mitgeteilt, daß der„ A v a n t i" die italienische Regierung beschuldigt hatte, zwei russische Flüchtlinge ausgeliefert zu haben. Vergebens hat man auf irgend eine Acuße- rung der Regierung gewartet: sie schwieg sich aus und war froh, daß der„Avanti" auch schwieg. Heute veröffentlicht nun unser Partci-Organ die Einzelheiten jener Schergenthat, die bereits im Jahre 1901 erfolgt ist: Die Aus- gelieferten heißen Gosirowsky und Filippowsky und ge- hörten der socialistischen Partei an. Gosierowsky, ein russischer Offizier außer Dienst, wurde auf Denunziation russischer Spitzel in den ersten Fcbniartagcn 1901 in Rom in Via Scossa Cavalli von italienischen Polizisten verhaftet, als er eben die Wirtschaft Tomasini verließ. Er hatte in Rußland toegen„revolutionärer Umtriebe" Festungshaft erhalten und war ihr entflohen. Die italienische Regierung rechnete es sich natürlich zur Ehre an, ihn seinen Peinigern toieder in die Hände zu liefern. Wenige Tage darauf wurde ein Freund des Gosierowsky, der Student Filippowsky, in seiner Wohnung Via Borgo Vecchio N. 12 in Rom festgenommen. Auch diese That war von russischen Spitzeln, deren Namen der Redaktion bekannt sind, borbereitet worden. Beide Verhaftete, russische Staatsangehörige polnischer Abkunft, wurden heimlich nach Pontebba übergeführt, dort österreichischen Polizisten übergeben, die sie in die Hände russischer Polizisten ab- lieferten. Beide Russen wurden nach Sibirien deportiert und sind dort vielleicht längst gestorben und verkommen. Aber die Enthüllungen des„Avanti" gehen noch weiter. Die Beziehungen zwischen Rußland und Italien beschränken sich nicht auf die weltlichen Herrscher. Auch der Vatikan ist dabeibe- t e i l i g t. Auf Denunziation hoher Prälaten in Rom wurde in PeterS- bürg der Bischof Stefan Zwierowicz von W i l n a verhaftet. Dieser Verhaftung wohnte der jetzt von seinem Schicksal ereilte P l e h w e bei. Desgleichen wurde in Rußland auf Denunziation derselben hohen kirchlichen Würdenträger Roms der Pater F. I. Giscard verhaftet und gleich dem Bischof nach Sibirien deportiert, obwohl er ein halb gelähmter Greis war. Es findet also ein liebevoller Austausch statt: Rußland ver- haftet, was Italien denunziert, und Italien revanchiert sich, indem eS seinerseits verhaftet, was die russische Polizei angiebt. Hinter der Verhaftung der beiden Geistlichen stecken Jntriguen kirchlicher und wirtschaftlicher Natur, die vielleicht nie ganz aufgehellt werden. Und diese Jntriguen dauern fort. Der„Avanti" veröffentlicht eine ganze Liste mit den Namen polnischer Geistlichen, denen von russischen Agenten Briefe unterschlagen werden. Das Blatt erklärt, der VerleumdungSklage der betroffenen Behörden mit Ruhe entgegen- zusehen. DeiitfcKes Reich. HanSliesitzer-Kamniern. Ter Verbandstag der Deutschen Haus- und Grundbcsitzer-Vcreinc in Breslau scheint sich das Ziel aesetzt zu haben, in der jetzigen Zeit der sauren Gurke für den nötigen Humor sorgen zu wollen. Ist schon die in gestriger Nummer charakterisierte Denkschrift des Perbandsdirektors Hartwich- Dresden eine höchst kuriose, die hausagrarische Weltanschauung in ihrer Mischung von Naivetät mit rücksichtslosester Profitsucht treff- lich illustrierende Leistung, so wurde sie doch vorgestern von einigen Herren noch bei weitem überboten. Nachdem nämlich die eigentlichen Perhandlungen mit dem 7. preußischen Hausbcsitzertage unter Vorsitz des Justizrats Dr. Baumert-Spandau begonnen hatten, referierte Stadtverordneter Oertel- Breslau über die Notwendigkeit der Errichtung von Hausbesitzer-Kammern, worunter er nicht etwa, wie der in die Geheimnisse der hausagrarischen Dialektik nicht ein- gedrungene Leser vielleicht annehmen könnte, besondere kleinere Appartements für notleidende Hausbesitzer verstand, sondern der- artige Interessenvertretungen, wie sie der Handel, das Handwerk, die Landwirtschaft in ihren„Kammern" besitzen. Wie die Kauf- leute, ländlichen Grundbesitzer, Aerzte usw. ihre offiziellen Ver- tretungen hätten, meinte er, so müßten auch die städtischen Haus- und Grundbesitzer ihre besonderen staatlich anerkannten Kanunern haben, die für ihre Rechte eintreten könnten. Verschiedenen Delegierten wollte diese geniale Idee nicht recht einleuchten, besonders ein Herr Küster-Hnnnover meinte, daß die natürliche Folge der Hausbesitzer-Kammer leicht die„Mieter- Kammer" sein könnte; auch gäbe es schon Kammern genug. Aber siegreich wußte diese Bedenken Herr Dr. Baumert aus Spandau niederzuschlagen, indem er erklärte, daß die Regierung die Haus- bcsitzer-Kammern ebensowenig zu entbehren vermöchte wie der Haus- besitzerstand, denn wenn die Regierung die Wohnungsfrage richtig lösen wolle, könne sie nicht ohne solche Kammern auskommen. Aber noch andre Gründe sprächen dafür: Wenn einmal das Wahlrecht geändert und auf die Grundlage der Berussstände gestellt werden sollte, so würde es gut sein, schon eingerichtete Kammern zu be- sitzen; zugleich aber würden diese Kammern auch ein Schutzmittel sein gegen die immer größer werdende Gefahr der Kartelle. Also im Jntercsic des Staates und des Gemeinwohls seien Hausbesitzer- Kammern zu fordern I Diese Beweisführung schlug ein. Der VcrbandStag beauftragte 'den Vorstand, für das nächste Jahr bestimmte Vorschläge zu machen, indem er zugleich einstimmig die Zweckmäßigkeit der Hausbesitzer- Kammern anerkannte.— TaS Organ PlehweS. die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", unterhält ihre russischen Leser über die„Ehrlichkeit" der deutschen Socialdemokratie. Sie schreibt: „Erst kürzlich hat sich der„Vorwärts" von dem socialdemo- kratischcn Rechtsanwalt Dr. Liebknecht über seinen tendenziös entstellten Bericht vom Königsbcrgcr Prozeß ein vernichtendes Urteil ausstellen lassen müssen. Liebknecht schrieb, daß die ihm vom„Vorwärts" in den Mund gelegten Aussprüche in dieser Form nicht von ihm vertreten werden können." Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" verschweigt mit russischer Ehrlichkeit, daß Liebknecht besonders auf die widrigen Um- stände hingewiesen hat, die die Ursache waren, daß sein Plaidoyer im Gegensatz zu denen der andern Anwälte unvollkommen wiedergegeben worden ist. Diese widrigen Unistände bestanden darin, daß ein erheblicher Teil der stenographischen Auszeichnungen in unauf- geklärter Weise verloren gegangen war und die unter dem Zwang telegraphischer Berichterstattung in äußerster Hast versuchte Rckonstrultion schon deshalb nicht ganz gelingen.onnte, weil auch— bürgerliche Berichte als Quellen herangezogen werden mußten. Gerade die„Vorwärts"-Berichte des Königsbergcr Prozesses geben ein vollkommen getreus, wortgetreues Bild der Verhandlungen und die kleinen Irrtümer, die hie und da untergelaufen sind, sind verschwindend. Daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" den Be- richt als„tendenziös" empfindet, liegt einfach daran, daß ihr die innere Tendenz des Prozesses, die sich niit Naturgewalt durchgesetzt hat, erklärlicherweise äußerst zuwider ist. Eine wirkliche Tendenz wahrheitsgemäß darstellen, heißt aber doch nicht tendenziös darstellen._ Bom russischen Staatsanwalt. Dieser Tage wurde der Redakteur der Königsberger „Volkszeitung" Genosse- Marchion ini vor den Königsbcrgcr Untersuchungsrichter citiert. Dort wurde ihm eröffnet, daß er in seiner Eigenschaft als verantwortlicher Redakteur den Herrn Erste» Staatsanwalt von Königsberg, der eine so hervorragende Rolle im Russenprozeß gespielt hat, beleidigt haben soll. Und zwar soll das entsetzliche Verbrechen in einem Leitartikel über den Russenprozcß begangen sein. ES ist da die Rede von der„märchenhaften Un- geschicklicbkeit" des Ersten Staatsanwalts, die er beim Russenprozeß an den Tag gelegt habe. Es scheint, daß der Herr Erste Staatsanwalt gar noch sein Auf- treten für„märchenhaft geschickt" erachtet!— Braunschwcig, 4. August. Der Rostockcr Aerztetag hat mit seinem bekannten Verhalten gegen die Presse bereits Schule ge- nmcht. Gestern hielt hier der Ä r b e i t g e b e r- S ch u tz v e r b a n d der deutschen T i s ch l e r m e i st e r und H o l z i n d u st r i e l l e n seine Generalversammlung ab. Kurz vor Eintritt der Mittags- pause trat der Vorsitzende des deutschen TischlertageS, H. S ch ö n i n g aus Berlin, an den Berichterstattertisch heran und überhäufte die Vertreter der Presse, die ans ausdrückliche Einladung der hiesigen Tischlerinnnng erschienen waren, in maßloser Erregung mit den beleidigendsten Ausdrücken, indem er von Un- Verschämtheit, Frechheit, Dummheit. RanSschmeißen der Kerle usw. sprach. Zu diesem sonderbaren Benehmen gegenüber geladenen Gästen will Herr Schöning dadurch veranlaßt sein, daß in die Berichte ver- schicdenes hineingebracht worden sei. Was er damit meinte, gab er nicht an, indessen scheint der Bericht der„Br. Neuesten Nach- richten" über die Beratungen des Tags zuvor hier ab- gehaltenen 21. deutschen Tischlertages das Mißsallen des Herrn Schöning erregt zu haben. Dieses Blatt hatte— ähnlich wie es beim Rostocker Aerztetag seitens der Korrespondenz Friedläudcr geschehen war— über eine rednerische Entgleisung etwas eingehender berichtet, als es den: Entgleisten lieb gewesen sein mag. Die Vertreter der Presse verließen natürlich sofort den Saal. Die„Braunschw. LandeSztg." deutet an, daß sie gegen Herr» Schöning gerichtlich vorgehen werde. Der nächste deutsche Tischlertag soll in Kassel abgehalten werden. Den Kasseler Journalisten wird es gewiß angenehm sein, vorher zu erfahren, wie es ihnen bei den deutschen Tischlermeistern ergehen kann.— Der König von Sachsen, der soeben von längerer Kur in Gastein nach Dresden zurückgekehrt ist, scheint in seiner Gesundheit andauernd schwer geschwächt. Es wird mitgeteilt, daß bei seinem demnächstigc» Geburtstage die üblichen militärischen Empfänge ausfallen.— Die Konflikte in Bayern. AuS der Sitzung der bayrischen Abgeordnetenkammer vom Donnerstagabend, über die schon kurz telegraphisch berichtet wurde, ist näheres mitteilenswert. Es kam, nach dem Bericht der„Frank- furtcr Zeitung", zu einer Aussprache über die vorgestrigen An- g'riffe der Kammer der Reich Sräte auf den Abgeordneten Dr. Heim und die Kammer der Abgeordneten. Abg. v. Bollmar führte ans, die R e i ch S r a t S k a in m e r habe in der letzten Zeit in fortlanfcnder Kette sachliche und persönliche Angriffe auf Personen der Zweiten Kammer sich erlaubt. Es scheine daS ein förm- licheS System zu sein. Es sei sogar zu einem Vorgang offizieller Kundgebung gekommen. Redner weist die Bemerkungen eines RcichSrats, der dein bayrischen Volke schon sehr viel Geld ge- kostet habe, energisch zurück. Er erwähnt die in der Reichskanuncr gefallenen Aeußerungen über die Beamten- und Abgeordneten- cigcnschaft und sagt, man gebe in der RcichSrntSkamincr d-r Abgeordnetenkammer Anweisungen über den Verkehr zwischen Kammer und Ministerium, man spreche von Denunziationen, beklage sich über die Redefreiheit und wende sich sogar gegen die Immunität. Man suche die Regierung scharf zu machen, mache der Regierung den Vorwurf, daß sie der Kammer Rede und Antwort stehe, während der Kriegsminister un- beanstandet blieb, als er erklärte, er werde im Notfalle sogar mit der Waffe sich verteidigen. Man verlange eine Beschränkung der Befugnisse der Zlveiten Kanuner und stelle die Behauptung auf, der Minister sei nur dem König, nicht auch der Kammer Ver- antwortung schuldig. Es sei ein Irrtum, zu glauben, die Reichsrats- kammer könne sich als Aufsichtsrat der Abgeordnetenkammer aufspielen. DaS gehe nicht an. Vollmar geißelt die liberale Presse, die solche Aeußerungen bejubele, man solle der Reichsratskammer zeigen, daß sie von solchen Dingen die Finger hinwcglasse, sonst könne sie sich dieselben verbrennen. Wenn man so fortfahre, s» komme die Frage über die Existenz- bercchtigung der Herrenhäuser überhaupt in Frage. Dr. v. Dallcr((£.): Er könne den Aeußerungen des Vorredners keinen sachlichen Widerspruch entgegensetzen, er könne nur hinweisen darauf, daß die Kammer der'Reichsräte eine verfassungsmäßige Institution sei und der Präsident abgemahnt habe, solche Kritik zu üben. ES zeige sich hier eine Rückständig- keit der Auffassung einzelner Herren der Reichsratskammer. Ivie solche im 18. Jahrhundert vorhanden gewesen sei. Die Abgeordnetenkammer habe keinen Streit angefangen, sie habe nur sachlich kritisiert und zwar mit vollem Recht, denn es seien schon öfters Beschlüsse der Reichsratskammer, so z. B. die Ab- lehnung des GebührengesetzeS, vorgekommen, die geradezu bedauert werden müßten. Er könne schon sagen, daß die Abgeordnetenkammer in solchen Dingen jedenfalls sachverständiger sei. Er bedauere die Vorkommnisse. Die beiden Kammern hätten gleiche Rechte, aber das müsse er sagen, in einem Konflitt mit der Reichsratskammer werde die Abgeordnetenkammer nicht unterliegen, denn hier stehe das Volk hinter der Abgeordneten- kammer. Abg. Wagner(lib.) verlangt jedenfalls das Recht der Kritik für beide Kammern, die gleiche Rechte besitzen, und verurteilt auf das entschiedenste die gestrigen Vorkommnisse. Abg. Heim, der sich in ganz ruhiger Form äußert, erklärt, daß ihm seine Beamteneigenschast keine weiteren Pflichten auferlege. So- bald er den Landtag betrete, bleibe der Beamte außerhalb des HauscS. Der betreffende Reichsrat solle sich doch die Verfassung an- sehen. Er(Heim) werde jetzt und in aller Zukunft so handeln wie bisher. Er verwahre sich gegen den Vorwurf des Haferankaufs und gegen die Unterstellung des persönlichen Angriffs und gegen den Angriff auf seine Integrität. Er wolle heute nicht Rache nehmen, sonst könnte er an einen Reichsrat erinnern, der dem bayrischen Volke durch seine Geschäfte schon sehr viel Geld gekostet habe. Abg. Vcckh lFrs. Vg.) erklärt, daß er nicht finden könne, daß man in der Reichsratskammer zu scharf war. Es drehe sich doch nur um persönliche Angriffe und er könne sagen, was sei in der Abgcoiduetcnkaimuer schon alles gesagt worden über die Reichsrats- kammer. Präsident Dr. v. Ortcrcr erklärt, daß er als Präsident und Ab- geordneter spreche. Er beklage die fraglichen Aeußerungen auf das äußerste. Solche Tinge trübten das Einvernehmen beider Kammern. Er wundere sich, daß'der Einwurf, daß die Regierung zu schwach sei, nicht sofort zurückgewiesen worden sei. Der in der ReichSrarskammer anwesende Kricgsminisier habe, wie es scheint, vergessen, daß er ei» Mitglied der königlichen Siaatsrcgieruug sei. ES sei sehr auffällig, daß die Abgeordneteukamiucr nie ein Wort des Schutzes von feiten der Regierung finde bei den schweren Angriffen, die in der Reichsratskammer in der lctztcn Zeit gefallen seien. Das sei für ihn ein sehr schwerer Verdruß. Er selbst sei ja grobe Augriffe gewöhnt, ohne daß man ihm einen Schutz gewähre. Er weise aber auf dos bestimmteste die Insinuation der„Allgemeinen Zeitung" zurück, daß er mit der Re- giernng ein Spiel getrieben uiio nicht das möglichste gethan habe, um die Geschäfte zu fördern. Er fordere direkt die Staatsrcgierung zur Aeußerung auf. Er habe innner nur dem Laude dienen wollen. Außerhalb deS Hauses werde er iu dieser Richtung noch deutlicher werden. Stnatsministcr v. Fcilitzsch erklärt: Die Regierung bedauere die gegenseitigen Angriffe beider Kannnern. Sie sei jederzeit bereit, die Hand zur Versöhnung zu bieten und Mißhelligkciten zu beseitigen. Man solle aber auch nicht vergessen, daß man hier in diesem Hause jetzt und früher schon sehr scharf gegen die Reichsratskammer vor- gegangen ist. Die Regierung werde stets die Wahrung der ver- fassungsmäßigen Bestimmung im Auge behalten. Sie Iverde keine Einschränkung der Lage der Kammern zugeben, aber auch die Rechte der Regierung den beiden Kammern gegenüber wahren. Ungerecht sei es, von einer Schwäche der Regierung zu reden. Sie müsse aber auch Halt machen vor dem Gesetze. Das sei keine Schwäche, daS sei eben Pflicht. Minister v. Asch habe jedenfalls sehr gute Gründe gehabt, als er gestern nicht sofort einttat in der Ver- teidigung der lliegicrung, da die Angriffe ja gegen die Gesamt- regierung gerichtet lvaren, also auch von dieser zurückgewiesen werden müssen.' DaS werde auch noch geschehen. Das müsse er übrigens konstatieren, daß der Präsident der Abgeordnelenkamnter, Dr. v. Ortercr, fortdauernd alles zur Beschleunigung der Geschäfte des Landtages gethan habe._ München, S. August. sW. T B.) Die Kammer der Abgeordneten nahm hellte bei der Beratung des Etats der direkten Steuern mit allen 98 abgegebenen Stimmen in nanientlicher Abstimmung einen Antrag Pichler sC.) an, daß die pfälzische» Eisenbahnen ihr bisheriges Steuerprivilegium vom 1. Januar 190S ab verlieren sollen. Hnsland. Schweiz. Lausanne, 5. August. Ter Lausanne!„Revue" zusokge ist die Antwort der russischen Regierung auf die Note deS Bundesrats betreffend die Abberufung des schweizerischen Obersten Audeond vom russischen Kriegsschauplatz heute der Bundesregierung durch den russischen Gesandten zugestellt worden. Rußland behaupte darin, Audeoud habe im Gespräch mit einem fremden Militärattache die Verwendung der russischen Artillerie kritisiert. Darin habe Rußland eine Ungehörigkeit erblickt. Das schweizerische Militärdepartement werde nun dem Obersten diese Antwort mitteilen und ihn zur Be- richtcrstattung auffordern._ Ein Fortschritt der schweizerischen Miliz. Aus Zürich wird uns geschrieben: In seinem auf dem social- demokratischen Parteitage in Winterthur von 1896 gehaltenen Vortrag über die Demokratisierung unsreS Heerwesens behandelte unser Genosse Karl Bürkli auch die Frage des zukünftigen Civil-Wehrklcides, worüber er folgendes ausführte: Ist denke, es dürfte nicht zu sehr vom Erdboden, von Wald und Flur, abstechen, jedenfalls nichts Schciniges, keine glänzenden Metallknöpfe, an sich haben, nicht hell, sondern dunkel sein, etlva dunkelgrau oder grün, ja nicht blau oder rot. wie der Feind. Als Kopfbedeckung empfahl er einen weichen, soliden Filzhut oder eine Mütze, für den Rock einen mehr bürgerlichen als militärischen Schnitt und Stoff von nur einer Farbe, einen Mantel oder Kaput für schlechtes Wetter, eine Bluse oder Joppe für heißes Wetter, bequeme Hose usw. Nun ist in der „Zür. Post" zu lesen, daß in der gegenwärtig in Zürich weilenden Rekrntenschule probeweise mehrere Gruppen nach dem neuen Bekleidungs modell ausgerüstet sind, daS stark an die Bor- schlüge unsres verstorbenen Bürkli erinnert. An Stelle deS Waffen- rockcs ist eine leichtere Joppe mit niederliegendem Kragen getreten, in Schnitt und Ausarbeitung derjenigen ahnlich, die manche Ge- bitgsbewohncr tragen. Der Hosenschnitt weicht insofern vom bis- hcrigen ab, als die Hosen sich unten stark verengen und, mit Knöpfen geschlossen, leicht in die hohen Schuhschäfte gesteckt werden können. Das Käppi ist durch einen leichtere» Tropenhelm ersetzt. Die ganze Bekleidung hat Kakifarbc, und zwar in zwei verschiedenen Nuancen. Die eine ist ein dunkles Grau, die andre ein schmutziges Grün. Alle schreienden Farben, wie Ivir sie im Not des ÄragenL und der PaSpole der jetzigen Kleidung haben, fehlen, ebenso die hellschimmernden Retalllnöpfe. Auch die Gradabzeichen sind viel Unscheinbarer und etwas versteckt angebracht. Infolgedessen ist die neue Kleidung nicht mehr so schmuck und sticht sehr von der alten ab. Die Urteile, die man über sie im Publikum hört, lauten sehr absprechend. Das hat aber wenig zu bedeuten. Unser Auge hält im Anfang manches für unschön, was nach längerem Ansehen ihm dann doch gefällt. Siehe die Damenmoden. Zudem tritt in der Militärkleidung nicht das ästhetische, sondern das praktische Moment in den Vordergrund. Dazu ist ergänzend noch zu bemerken, daß der Tornister durch den Rucksack, wie ihn die Touristen tragen, ersetzt ist, der viel be- quemer getragen werden kann als der erstere und auch leichter ist. Insgesamt soll durch die neue Ausrüstung die Belastung des Mannes um ca. 11 Pfund vermindert sein. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß diese Neuerungen sich be- währen und sodann allgemein in der schweizerischen Miliz ein- geführt werden. Frankreich. Paris, 5. August. Mehrere Blätter hatten hervorgehoben, daß das.Journal officiell' unter den Dokumenten über den Abbruch der Beziehungen zum päpstlichen Swhl eine vom 10. Juni datierte Depesche des Staatssekretärs Merry del Val an den Nuntius Lorenzclli nicht veröffentlicht habe. Eine Note der„Agence Havas" erklärt hierzu, der Text dieser Depesche sei deswegen nicht veröffentlicht worden, weil die ersten Zeilen dieses Dokuments an- nehmen ließen, daß der Vatikan die Veröffentlichung nicht wünsche. Der„Temps" meldet aus Rom: Wie es heißt, wird der Bischof le Nordez von Dijon auf seinen Bischofsitz verzichten und der Vatikan wird ihm seine Bischofsprivilegien belassen und für seine materiellen Bedürfnisse sorgen. England. London, 4. August. Unterhaus. Bei der Specialdebatte über den Mnrincetat betont Edmund Robertson(lib.) bei dem Kapitel Schiffbau die Vermehrung der Marineaus. gaben und weist auf die Verminderung der Marincansgnbe» in Frankreich hin. Obgleich es taktlos wäre, aus die Schiffs- Verluste Rußlands hinzuweisen, müsse England doch von den jüngsten Ereignissen Kenntnis nehmen. Redner fragt, ob die Admi- ralität irgend eine Hoffnung auf Verminderung der Ausgaben iu Zukunft machen könne. Dilke(lib.) führt aus England müsse die Vermehrung der Flotten Deutschlands und Amerikas in Betracht ziehen. Tic Vergrößerung der deutschen Flotte müsse England Besorgnis einflößen. Es sei gegenwärtig unmöglich für England, sich nach dem Vorschlage Frankreichs für eine Verminderung der Flotten zu richten. Parlamentssekretär P r e t y m a n erklärt, England halte an der „Zweimächtenorm" fest. Was die Anfragen Robertsons betreffe, so könne er gegenwärtig keine ausreichende Antwort geben; die von Robertson erwähnten Faktoren würden nicht aus dem Auge gelassen werden. Man werde in diesem Jahre mit dein Bau von zwei Schlachtschiffen zu je 16 500 Tonnen mit 18 Meilen Geschwindigkeit und von vier Kreuzern von je 14 600 Tonnen und 23 Meilen Ge- schwindigkeit beginnen. Im Laufe seiner Rede erwähnte der Redner, daß die Baurate in Deutschland in jüngster Zeit die Englands...er- troffen habe. Das Haus beriet dann in der Spccialdcbatte eine Vorlage, die von der Regierung eingebracht war, um die Schwierigkeiten zu be- scitigen, die durch die Weigerung der Grafschaftsräte von Wales, das Unterrichtsgesetz durchzuführen, veranlaßt wurden. Die radikalen Mitglieder bekämpfen energisch die Vorlage und nach fünfstündiger Beratung sind nur zwei Unteranträge erledigt. Premierminister B a l f o u r beantragt darauf den Schluß der Debatte über die ersten zehn Zeilen der Vorlage. Der Vorsitzende des Komitees L o w t h e r nimmt den Antrag an und läßt zur Abstimmung schreiten. Die wallistischen Radikaten protestieren dagegen und verweigern die Teil- nähme an der Abstimmung. L o w t h c r erklärt, er müsse über ihr Verfahren dem Sprecher Bericht erstatten. Da aber deA Sprecher durch Unwohlsein vom Häufe sernochalten ist, übernimmt Lomther als zweiter Sprecher den Vorsitz und berichtet unter den Zurufen Pfui! und Schande! sich selbst formell Bericht über das Verhalten der Radikalen und fordert diese zur Abstimmung auf. Nach einer stürmischen Scenc ruft Lloyd George(lib.) aus: Wir wollen nichts mehr mit der Sache zu thun haben. Asquith(lib.) er- klärt: Wenn die Mitglieder für Wales dieses Verfahren einschlagen, wird die ganze Opposition ein gleiches thun. Darauf verlassen sämtliche Mitglieder der Opposition das Haus. Die Spccialdcbatte wird darauf geschlossen. Kurz daraus kehrt die Oppositionspartei in den Sitzungssaal zurück und beantragt angesichts der jüngsten Er- eignisse die Vertagung des Hauses. Premierminister B a l f o u r erklärt nach weiterer Erörterung, er werde nur unbeanstandete Vor- lagen zur Diskussion bringen. Der Antrag der Opposition wird so- dann zurückgezogen und kurz nachher das Haus vertagt. London, 5. August. Die Blätter veröffentlichen ein Schreiben des Premierministers B a l f o u r an ein Unterhausmitglicd. Ter Minister betont darin, daß er eine Fremdengesehgebung für sehr wichtig halte und keine Zeit verlieren werde, die Schwierigkeiten zu bekämpfen, die einer derartigen Gesetzgebung im Wege ständen. London, 6. August.(Oberhaus.) Auf eine Anfrage Lord Newtons wiederholt der Staatssekretär des Auswärtigen die gestrige Erklärung Karl P e r c y s im Unterhanse betreffend die Gendarmerie- Offiziere, fügt aber hinzu, er glaube, daß die Pforte gegen eine Vermehrung der Zahl der Gendarmerie- Offiziere Einspruch erhoben habe. Gegenüber einer Behauptung Lord Newtons, daß die durch den russischen und den österreichisch-ungarischcn Botschafter hinsichtlich der Vermehrung der Offiziere unternommenen Schritte hinter dem Rücken der andren Mächte gcthan seien, erklärt der Staatssekretär, nach der Information der englischen Regierung liege kein Grund zu der Annahme vor, daß diese Schritte in derartiger Weise aethan seien. Was die allgemeine Sachlage in Macedonieu betreffe, so glaube er. es sei eine Besserung der Verhältnisse vorhanden, die langsam, aber wesentlich fortschreite.— Türkei. Konstantinopel, 5. August.(Meldung des Wiener I. k. Telgr. Korresp.- Bureaus.) Die Lage im S a n d s ch a k Müsch und i m B i l a j e t E r z e r u m hat sich in jüngster Zeit verschlechtert; neu aufgetauchte armenische Banden, welche die Kurden neuerdings erbittern, erschweren die Interventionen der Botschafter und die türkischen Maßregeln.(?) Die Botschafter Rußlands, Englands und Frankreichs erhoben bei der Pforte V o r st e l l u n g e n, um Ruöschrcitungcu gegen die Armenier zu verhindern. Die Civilagenteu und deren Stellvertreter konstatierten auf ihrer Jnspizierungsreise in der GebirgS- landfchaft Malesija, nördlich des OchridaseeS, daß die ZeitnngS- Nachrichten über dortige Hungersnot und Krankheiten unbegründet seien; dagegen fanden die Civilagenteu die Situation im öchrida- gebiete ungünstig und die Notlage ziemlich allgemein. Asien. Niederländische Kolonialmetieleien. Im verflossenen Halbjahr wurde von den niederländischen Kolonialtrnppen auf Sumatra ein Kriegszug nach den Gajoc- und Allasländcrn imteruommcn, und zwar war eS die Kolonne Van Daalen, die berufen war, die kriege- rischen Lorbeeren zu ernten. Die Berichte über die einzelnen Ge- fechte ließen erkennen, daß die Niederländer ihre„Siege" mit wenigen Toten und Verwundeten erkauften, während die Verluste der Feinde nach Hunderten zählten. Unser Brudcrorgan„Het Volk" bringt nun eine Ucbersicht über die Verluste auf beiden Seiten in den verschiedenen„Gefechten", die sich über die Zeit vom 14. Febniar bis zum 20. Juli erstreckt. Das Endergebnis ist, daß auf nieder- läu bischer Seite 20 Mann getötet und 182 vcrlvimdet wurden; dagegen wurden Eingeborene 3420 getötet und 17 6 V e r w» n d e t. Die Liste über die verwundeten Eingeborenen scheint jedoch unvollständig zu sein, da in den Berichten aus den Gajoeländern nur die Vcr- wundeten auf niederländischer Seite erwähnt werde». Vielleicht hat man aber dort nach der ja leider auch in Deutschland nicht un- bekannten Anweisung„Pardon wird nicht gegeben" gehandelt und alles uiedergeinacht, was einen: in den Weg kain, was um so wahr- scheinlicher ist, als unter den getöteten Eingeborenen auch 784 Frauen und Kinder find. Am geringsten scheint der Widerstand in den Allasländem gewesen zu sein. Hier waren die Verluste der Niederländer am geringsten, die der„Feinde" am furcht- barsten, so fiel z. B. am 10. Juni bei Kota Reh ein Nieder- länder und 15 wurden verwundet, von den Eingeborenen aber fielen 561 und 51 wurden verwundet; am 20. Juni bei Likat aber gab's auf niederländischer Seite weder Gefallene noch Verwundete, die Eingeborenen aber hatten 431 Tote und 54 Verwundete und in zwei folgenden „Gefechten" fielen auf niederländischer Seite je drei Mann, Eingeborene aber wurden 654 und 652 um- gebracht.— Nach diesen Zahlen zu urteilen, hat c5 sich nicht um einen Krieg und um Gefechte gehandelt, sondern um die Ab- schlachlung wehrloser und gar nicht zu ernstem Widerstand geneigter Menschen.— Amerika. Washington, 5. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Der amerikanische Gesandte in Caracas berichtet, er habe beim Präsidenten C a st r o energisch Einspruch gegen die Beschlagnahme der Asphaltgruben erhoben, die der New Jork and Vermudez Coiupany gehören. Der amerikanische Gesandte in Konstantinopel hat be- ricktet, er habe bisher die erlvartete zufriedenstellende Antwort des Sultans bezüglich der Rechte amerikanischer Bürger in der Türkei nicht erhalten. Während der Fortdauer der Verhandlungen werden möglicherweise die amerikanischen Kriegsschiffe in Gibraltar bleiben, uin zur Unterstützung des Gesandten bei den Ver- Handlungen bereit zu sein.— Der demokratische Ex-Präsident Grover Cleveland veröffent- licht in der„Fortnightly Review" einen Artikel, betitelt„Tbs American Government in the Chicago Strike of 1894."(Die amerikanische Regierung im Chicagoer Streik 1394.) Sonderbar, — nach vollen zehn Jahren kommt Cleveland mit einer Erklärung oder einer Rechtfertigung seines Verhaltens zu dem großen Eisen- bahncrstrcik von 1394. Mancher mag ein schlechtes Gewissen an- nehmen, welches nicht zur Ruhe kommen kann, aber es sollen poli- tische Gründe sein, welche die Veranlassung zu dem Artikel gegeben haben. Die demokratische Partei braucht die Arbcitermassen zu einem Erfolge. Die Aufgeklärten unter den Arbeitern mißtrauen aber den Demokraten nicht minder wie den Republikanern und haben als Beweis tausendmal darauf hingewiesen, wie der demokratische Prä- sident Cleveland sich 1394 als williges Werkzeug der Eisenbahn- gesellschaften gegen die streikenden Arbeiter gebrauchen ließ. An der Spitze der Streiker stand Eugen V. Dcbs, der Präsidentschafts- kandidat der socialistischen Partei für nächsten November. Debs führte den Streik in glänzender Weise, bis Clcveland mit seiner Macht eingriff, worauf der Streik sofort verloren ging. Durch die Militärmacht wurden die Strciker eingeschüchtert und die Führer wurden gefangen gesetzt. Wenn die letzteren auch unter Bürgschaft ihre Freiheit bald wieder erlangten, so waren ihnen doch durch so- genannte„Einhaltsbefehle" der Gerichte die Hände gebunden. Cleve- land sandte, Ende Juni 1894 Bundestruppen nach Chicago; das geschah gegen den Wunsch und unter dem Protest Altgelds, des da- maligen Gouverneurs von Illinois. In seinem Artikel will Cleve- land glauben inachen, daß damals die Vereinigten Staaten vor einer großen inneren Gefahr standen und daß es seine Pflicht gewesen wäre, mit der Macht der Bundesregierung einzugreifen. Die Ar- beiter werden ihm kein Wort glauben; sie wissen, daß damals nur die Eisenbahn-Gesellschaften in großer Gefahr standen, im Kampfe gegen die Streiker zu unterliegen. Für die Arbeiter wiegen die Worte Altgelds weit schwerer als die eines Cleveland. Altgeld war einer der besten Demokraten, den die Partei besaß. Aufrichtig und unbestechlich, ist er als armer Mann gestorben. Ehrlich in der Politik, wurde er von seiner Partei verlasse». Altgeld telegraphierte an Cleveland, daß die Truppen unnötig seien, daß sie im Gegenteil erst eine Gefahr schaffen und daß der Präsident gegen die Verfassung handle, wenn er unaufgefordert Truppen nach Illinois sende. Half alles nichts I Die Bahngesellschaften verlangten die Truppen und Cleveland gehorchte. Eugen V. Debs wird nicht versäumen, die Arbeiter über die Situation von 1894 aufzuklären. Debs ist angesehen und beliebt bei den organisierten Arbeitern und er ist überall bekannt. Die socialistischc Partei konnte sich keinen besseren Kandidaten missuchcn. Er ist ein sehr guter Redner und der Amerikaner ist ihm auf den ersten Blick anzusehen, was bei der Agitation für socialistischc Ideen, die noch vielfach als ausländisches Gewächs angesehen werden, von Vorteil ist. Die Partei entfaltet eine lebhafte Thätigkeit von New- Fori bis San Francisco und erwartet mit Sicherheit im November einen ansehnlichen Stimmenzuwachs. Ge�erKlcKaftUcKes. Streikposten und Strastenpolizel-Berordilimg. Wegen Nichtbcfolgung einer„zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung auf der öffentlichen Straße ergangenen polizeilichen An- ordnung" waren die Metallarbeiter Schwark, Baumbach und Leitow in zweiter Instanz zu Geldstrafen verurteilt worden. Das Landgericht führte in feiner Begründung des Urteils unter anderm aus: Als in der Feilenhauerei von Scharf zu Charlottenburg im vorigen Sommer ein Streik ausgebrochen gewesen sei, habe sich Scharf telcphonisch um Schutz an den Vorstand des 6. Polizeireviers ge- wandt. Zur selben Zeit sei in den nahen Mörtelwerkcn ebenfalls gestreikt worden und einen Mörtclkutschcr hätten„Streikende" vom Wagen heruntergeholt. Arbeitswillige hätten sich von Schutzleuten zur Arbeitsstätte geleiten lassen und hätten einem Schutzmann„er- zählt", Streikposten bedrohten sie, indem sie ihnen in Aussicht stellten, daß ihnen die Knochen gebrochen werden würden. Infolgedessen habe die Polizei den Streikposten be- sondere Aufmerksamkeit geschenkt. Einem Schutzmann seien die Angeklagten Schwark und Baumbach als Streikposten„be- zeichnet" worden, worauf er sie zum Weitergehen aufgefordert habe. Schwark sei von der Scharfschen Werkstatt weggegangen, habe sich aber nach 3/i Stunden wieder an derselben Stelle eingefunden. Baunibach sei nach ein paar Schritten wieder in der Nähe der Werk- statt Scharf« auf und abgegangen. Sie hätten also die Anordnung nicht befolgt. Diese sei aber zweifellos eine solche im Sinne der Straßenpolizei-Verorduung, sei„zur Ausrechteihaltimg" der Ruhe und Ordnung ergangen, was daraus besonders zu schließen sei, daß jene erwähnten Umstände(angeblich vom Bock ge- zogener Mörtelkutscher:c.) bekannt geworden waren. Dieser Schutzzwcck der Anordnung sei maßgebend. Unerheblich sei dem- gegenüber, daß es zwischen Streikenden und Arbeits- willigen der von den Angeklagten beobachteten Werkstatt Scharf nicht zu Thätlichkciten ge- kommen f e i. Was nun Leitow angehe, so möge dahingestellt bleiben, ob er Streikposten gewesen sei. Jedenfalls habe er fortwährend auf einen der andren beiden Angeklagten eingeredet, daß er sich nicht der An- ordnung des Schutzmanns fügen brauchte. Dies Verhalten drohte die öffentliche Ruhe und Ordnung zu gefährden, so daß der Schutzmann berechtigt gewesen sei, ihn ebenfalls fortzuweiscn. Auch er sei wegen Nichtbefolguug dieser Anordnung zu bestrafe». Die Angeklagten legten Revision ein, zu deren Begründung be- sonders geltend gemacht wurde, daß der Schutzmann einer all- gemeinen, sich gegen die Streikposten richtenden Anweisung des NebierborstandeZ gefolgt sei und es sich somit um ein g e s e tz» widriges polizeiliches Verhindern des Streikpostenstehens an sich handele. Die Leute seien weggewiesen worden, weil sie Streikposten waren, und nicht, weil sie die öffent- liche Ruhe und Ordnung gefährdeten. Das Kammergericht verwarf indessen die Revision als un- begründet. Es erachtete die„thatsächliche" Feststellung für bindend, daß die Anordnungen zum Weitergehen„zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ergangen" seien. Wir sind also glücklich bei der durch richterliche„thatsächliche Feststellungen" gemilderten Polizciwilllür mit Bezug auf die Aus- Übung des Koalitionsrcchts angelangt. Lertln und(lmgegenck. Wieder: Die polizeiliche Behandlung von Streikposten. Dieses Thema ist einfach unerschöpflich. Die Polizei behandelt die Streikposten trotz Koalitionsrecht und Reichsgerichtsentscheidcn nach wie vor, als wenn sie vogelfrei wären. Hier wieder ein markanter Fall: Bei der Finna Loofmann in der Manteuffelstraße streiken die Schlosser wegen vorgekommener Maßregelungen. Als nun am Donnerstag zwei der Ausständigen Streikposten standen, wurden sie polizeilich nach der Wache sistiert und zwar auf die Beschuldigung des Meisters Krieger hin, der da angab, sie hätten drei Arbeits- willige beleidigt, bedroht und gestoßen. Aus Grund dieser bloßen Beschuldigung hin, deren thatsächliche Unterlage von den beiden Streikposten auf das Entschiedenste in Abrede gestellt wird, wurden die Sistierten wie gemeine Verbrecher mit dem grünen Wagen nach dem Polizeigefängnis am Alexander- platz eingeliefert, woselbst man sie bis gestern nachmittag eingesperrt hielt. Bei ihrer Vernehmung meinte der Kommissar laut Aussage der beiden Ver- hafteten, wenn er wüßte, daß er den Beschuldigungen des Meisters Glauben schenken könne, dann würde er sie in Unter- suchungshaft abführen lassen. Eigentlich müsse er sie dabehalten, weil sie nach ihrer Freilassung wahrscheinlich doch gleich wieder auf Streik- Posten ziehen würden. Als beide darauf erwiderten, sie würden aller- dings wieder Posten stehen, da ihnen dies gesetzlich gestattet sei, sagte der Kommissar mit einer nicht mißzuverstehenden Handbewegung: „Ach was, gestattet!" Er verfügte schließlich ihre Entlassung mit der Bemerkung, sie sollten das Streikpostenstehcn nur bleiben lassen, denn wenn sie wieder eingeliefert würden, dann erfolge ihre Ueber» Weisung an das Gericht.— Vorläufig wird gegen das Vorgehen der in Frage kommenden Beamten der Beschwerdeweg betreten werden. Baiitenkontrolle des BcrcinS zur Wahrnnz der Interessen der Maurer. Am 26. Juli 1904 wurde auf Beschluß einer größeren Sitzung deS Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend eine Bautenkontrolle in Berlin und den Vororten auf- genommen. Das Resultat teilen wir hierdurch mit: Kontrolliert wnrden 1317 Baustellen inklufsive Brücken, Um-, Ausbauten und Schariverken. Auf denselben arbeiteten 12 322 Maurer. Von den 1317 Arbeitsstellen sind 103 Accordbauten. Darauf sind beschäftigt 1127 Maurer. 11 195 Maurer arbeiten in Lohn. Von diesen erholten 8481 pro Stunde 70 Pf, 780 72l/z Pf., 1212 75 Pf.. 55 77'/. Pf.. 327 80 Pf.. 152 70—80 Pf.. 33 80 bis 95 Pf., 70 weniger als 70 Pf., von 67 konnte der Lohn nicht er- mittelt worden. Außerdem erhalten 12 Maurer wöchentlich 3 M. Zuschlag, an 5 derselben werden pro Tag zwei Stunden a 70 Pf. extra gezahlt. Auf dem Bau Garten-Ufer, Unternehmer Heinicke aus Chemnitz, erhalten 3 Schornsteinmaurer pro Stunde 45 Pf. Dieselben arbeiten pro Tag 10 Stunden und erhalten eine Ver- gütigung von 1,50 M. pro Tag. 18 Maurer beschäftigen sich mit Putzarbciten, der.Lohn �beträgt von 80 Pf. pro Stunde bis 10 M. pro Tag. Was die kontrollierten Bauten anbetrifft, so befinden sich von denselben im Keller 118, Parterre 86, l. Etage 70, II. Etage 45, III. Etage 68. IV. Etage 61, Drempel 81. Brückenbauten, Ausbauten, Uinbauten, Scharwerk 730. Von 68 Bauten ist nicht angegeben, um was für Arbeiten es sich handelte oder in welchen» Stadium dieselben sind. Auf 391 Bauten waren Baudeputierte vorhanden. Die Baubuden waren auf 945 Bauten in Ordnung. 928 Aborte ivaren ebenfalls in Orb- mmg. Auf den andren Arbeitsstellen wurden Buden sowie Aborte gar nicht oder in ganz miserablem Zustande angetroffen. So tief einschneidende Mißstände zu beseitigen, bedarf eS, daß jeder einzelne mit Hand ans Werk legt. Der Vorstand des Verein« zur Wahrung der Interessen der Maurer. I, A.: Heinrich Metzle. Zum Streik der Lagerarbeiter der Firma I. E. Degner wird uns weiter mitgeteilt, daß sämtliche 31 aussläudigen Arbeiter ein- mütig den Betrieb verlassen haben unter Forderung ihrer Papiere sowie Zeugnisse. Die Verhandlungen führten zu keiner Verständi- gung, weil die Vertreter des Chefs kein Entgegenkommen zeigten. Jahrelang zahlte die Firma 30, 31 und 32'/z Pf. Stundenlohn. Im Frühjahr wurde durch Vorgehen der Arbeiter der Anfangslohn pro Stunde auf 35 Pf. erhöht, welcher nach ciuhalbjähriger Thätig- kcit auf 37>/z Pfg., nach zwei Jahren aus 40 Pf. und vier Jahren 42'/, Pf.'steigen soll. Die schwere Arbeitsleistung hat zur Folge, daß die im niedrigen Lohn stehenden Arbeiter sehr wechseln; daher beziehen jetzt augenblicklich 24 Arbeiter einen Lohn von 35 Pf.. 2 Arbeiter 37'/, Pf., 2 Arveiter 40 Pf., 3 Arbeiter 42'/, Pf, pro Stunde. Die besserbezahlten Arbeiter sind sogenannte Kolonnen- führer. Da man nun beim höchsten Gehalt anfing zu entlassen, so erregle dies bei den Arbeitern den Verdacht, daß die Firma schließlich bis Ausgang Sommer alle Besserbezahlten entläßt und dann im Winter Kolonnenführer für 35 Pf. hat. Auch die unpünktliche Jnne- Haltung der Pausen hat stets zu Klagen geführt. Der Expedient konnte sich nicht verstehen, kolonnenweise Frückstück und Vesper mache» zu lassen, sondern kam stets mit der Antwort:„Erst alle Wagen raus". So wurde es 10—11 Uhr bis zum Frühstück.— Alle diese Verhältnisse haben zum Ausbruch des Streiks wesentlich beigetragen. Die Holzbildhauer hielten am Donnerstag im Gewerkschaftshaus eine Branchenversammlung ab, um über ihre Stellung zur Ablehnung des Vertrages durch die Holzindustriellen und die Tischlee-nnung zu beraten. Die Beratungen dauerten bis nach Mitternacht und endeten damit, daß die Beschlußfassung auf eine nach ungefähr acht Tagen stattfindende Versmiimlung vertagt wurde.— Außerdem wurde in der Versammlung über den Streik der Bildhauer der Möbelfabrik von Pfaff berichtet. Die Ausdauer und Soli- darität der Streikenden ist musterhast. Streikbrecher hat die Firma keine, nachdem sich der eine, über den sie verfügte, krank gemeldet hat. Die Firma sucht nun ihre Arbeit bei Klcinmeistern anzubringen und giebt sich große Mühe, die Werkstätten, die, wenn möglich, für sie arbeiten sollen, vor den Streikenden geheim zu halten, was aber nicht recht gelingen will. In allen Werkstätten, wo Holzbildhauer thätig sind, wird streng darauf gesehen, daß keine Streikarbeit für Pfaff angefertigt wird. Achtung, Schuhmacher! Die Differenzen in der Betriebs- genossenschaft selbständiger Schuhmacher, Wilhelmstraße 30. sind bei- gelegt worden. Nach den getroffenen Abmachungen bleiben die bis- herigcn Lohnsätze bis zum 15. September d. I. bestehen. In der Zwischenzeit wird von der Betriebsleitung eine andere Arbeitsein- richtung geschaffen werden. Auf Grund derselben wird dann die Auf- stellung eines neuen Lohntarifes erfolgen und ist über denselben spätestens 14 Tage vor Ablauf obiger Frist mit den Arbeitern in Verhandlungen einzutreten. Ortsverwaltung des Vereins Deutscher Schuhmacher. Mit dem Glaserstreik befaßte sich gestern abend in den Industrie- Fcstsälcn eine gut besuchte gemeinschaftliche Versammlung der Ge- fellen und Meister. Stach einer sachlichen Richtigstelllmg von mehreren unzutreffenden resp. irrtümlichen Behauptungen, die sich in einem Rundschreiben des JnnungSvorstandeS sowie deS Glaser- meistcrS Salomonis befanden, drehte sich die sehr lebhaste Debatte hauptsächlich um die Form zu etwa anzubahnenden gegen- fettigen Verhandlungen. Die Meistervertreter legten nochmals die bereits bekannten Gründe dar, weshalb sie nur den Gesellen- ausschutz und nicht die OrganisationS- Bevollmächtigten als Vertreter der Gesellenschaft zu Verhandlungen anerkennen wollten. Ihnen wurde von den zahlreichen Rednern der Gesellen das Veraltete des Jnnungsstanopunktes vorgehalten und ganz besonders darauf hingewiesen, das; der Ausbreitungsbezirk der Innung bei weitem nicht die ganze Gesellenschast, die für den Tarif in Frage kommt, umschließt. Die Versammlung beschloß alsdann einstimmig, die Verhandlungen mit den Arbeitgebern nur durch die Vertreter der Gesellenorganisation nicht aber durch den Gesellenausschuß zu führen. Von diesem Standpunkte abzuweichen, liege um so weniger Veranlassung vor, als der Sieg bereits halb errungen sei. Mitgeteilt muß werden, daß trotz des JnnungSbeschlusses, den neuen Tarif nicht anzuerkennen resp. die gegebenen Unterschriften wieder zurückzuziehen, bereits eine weitere Anzahl Berichtigungen eingegangen sind, so daß jetzt 35 Firmen den Tarif anerkannt haben. Mit großem Beifall wurde auch die weitere Mitteilung entgegen- genommen, daß die Glaserstreiks in Dresden, Leipzig und Chemnitz zu Gunsten der Gesellen beendet seien. Der Streik bei Orenstein und Koppel in Spandau hat die.,be- rühmte" Vertrauenskommission des Kühnemänner- Verbandes veranlaßt, die Streikleitung mit einer Einladung nach dem„schwarzen Kabinett" in der Gartenstratze zu beglücken, um mit ihr daselbst über die Beilegung des Streiks zu„verhandeln" Da es nun schon in der ganzen. Metallarbeiterschaft hinlänglich 6c kannt ist, wie diese Art von Verhandlungen geführt werden, so teilte die Streikleitung der Direktion des Betriebes mit, daß sie ohne gleichzeitige Hinzuziehung von Vertretern des Metallarbeiter-VerbandeS auf Verhandlungen mit der Vertrauenskommission verzichte. Die Herren Kühnemänner, die in ihrem Dünkel bekanntlich nur ihre höchsteigene Scharfmachcrorga- nisation, nicht aber die Arbeiterorganisation anerkennen wollen, war teten zu der festgesetzten Zeit in ihrem„Allerheiligsten" also ver geblich auf eine Deputation der streikenden Arbeiter. An dem Stand des Streikes selbst hat sich bisher nichts geändert; der ganze Betrieb des bestreikten Werkes liegt völlig lahm. Arbeitswillige irgend welcher Berufsgruppe haben sich bislang nicht gefunden. Wie sehnsüchtig die Firma auf solche„nützlichen Elemente" wartet, beweist der Umstand, daß sie jetzt einen Kremser unter polizeilicher Bedeckung am Bahnhof stationiert, an dem ein tischplattengrotzes Plakat prangt mit der Auf- schrift: Nach Orenstein und Koppe ll Der Wagen stand fast den ganzen Tag am Bahnhof, ohne daß er Gelegenheit fand, auch nur mit einem einzigen Arbeitswilligen nach der Fabrik zu fahren. Zwar kamen mit den einzelnen Zügen Arbeitsuchende; doch als sie das schnurrige Gefährt ansahen, lachten sie und gingen ihrer Wege. Auch das Publikum im allgemeinen amüsiert sich höchlichst über den unbenutzten Streikbrecherwagen der Firma. Dir Lohnbewegung der Holzarbeiter in Spandau scheint einen friedlichen Verlauf zu nehmen. Der Holzarbeiter-Verband(Filiale Spandau) hatte sich vor einigen Woche» an die Spandauer Tischler- innung mit der Forderung gewandt, die gegenwärtigen Lohne um 10 Prozent aufzubessern und die jetzige zehnstündige Arbeitszeit um eine Stunde zu verkürzen; werter wurden noch einige Neben- forderungen erhoben. Daraufhin waren Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer Kommission nrit einander in Unterhandlung getreten, und ist demr auch eine Verständigung auf folgender Basis erreicht worden: Vom 15. August d. I. ab beträgt die tägliche Arbeitszeit L>/, Stunden und die gegenwärtig gezahlten Löhne werden durchweg um 5 Proz. erhöht; für Ueberstunden von 8 Uhr abends werden 10 Pf. und für solche nach 3 Uhr abends sowie für Sonntagsarbeit werden 20 Pf. pro Stunde als Zuschlag gezahlt. Die beiderseitigen Kommissionen werden weiter emen neuen Aeeordtarif, der am 1. April 1905 in Kraft treten soll, ausarbeiten, sowie eine von diesem Tage ab eventuell einzutretende Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden bei einer gleichzeitigen weiteren Lohnerhöhung von 5 Proz. beraten. Diesem Vergleich haben die organisierten Holzarbeiter in ihrer Ver- sammlung am Donnerstag ihre Zustimmung gegeben. Die Zu- stimmung der Innung steht noch aus. veulkebeo Reich. Achtung, Schuhmacher! Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Filzschuhfabrik von Jakoby in Storkow i. M., haben wegen Lohn- forderungen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen den Zuzug nach dort streng fernzuhalten. Die Agitationskommission der Provinz Brandenburg. Im Kampf ums Koalitionsrecht! Wegen wiederholter Ent- lassung organisierter Arbeiter legten gestern morgen sämtliche 25 in der Schuhfabrik von Badeke, Stettin, beschäftigten Arbeiter die Arbeit nieder. Die Bremer AnSstandSbewegirng im Baugewerbe ist nunmehr in die neunte Woche ihres Bestehens eingetreten und zeigt äußerlich noch kaum eine Aenderung der Situation nach der Richtung. daß in absehbarer Zeit an eine Wiederaufnahme der Arbeit zu denken wäre. Die Unternehmer verharren nach wie vor auf ihrem egoistischen Standpunkt und benutzen die bürgerliche Presse dazu, die öffentliche Meinung über den realen Thatbestand der Bewegung irre zu leiten. Sie täuschen vor, daß der Betrieb wenig durch die Bewegung beeinträchtigt sei, während in Wirklichkeit auf allen Bauten. welche nicht bewilligt haben, der Betrieb vollkommen ruht. Am besten wird die von uns konstatierte Thatsache dadurch erhärtet, daß die Unternehmer sich seit Wochen mit wenig Glück aus der ArbeitSwilligensuche befinden. Sobald die Agenten der Unternehmer eine willfährige Seele nach Bremen gelockt haben, wird ihnen diese sofort bei Ankunft wieder abgenommen und weiter expediert. In der Mittwochnacht kam eine Sendung von 30 Personen aus Holland an, die vorsichtigerweise schon auf einer Station vor Bremen ausgeladen war und per Möbelwagen in die Quartiere transportiert werden sollte. Da die Ausständigen aber über alles unterrichtet sind, so fingen sie auch diese Sendung ab und sandten die Leute wieder dorthin zurück, woher sie gekommen waren. An ver- schiedenen Stellen ist es durch Provokation der Unternehmer zu Schlägereien gekommen, die manchmal blutig ausliefen. Die Arbeiter beobachteten inusterhafte Ordnung. Trotz des neun- wöchentlichen Kampfes ist der Mut der Ausständigen ungetrübt, und jeder der Beteiligten ist sich voll bewußt, daß man sich erst am Anfang des Kampfes befinde, der noch lange, sehr lange währen wird. Wie schon ftüher berichtet, ist die Mehr zahl, etwa% aller Ausständigen, abgereist und an andren Orten unter gebracht, so daß die sich noch am Orte befindenden mit frohem Mut m die Zukunft blicken können, zumal in den letzten Wochen die Unterstützung noch wesentlich erhöht wurde. Die Situation bei den Tischlern ist noch fortgesetzt eine flute. Zahlreich find die Ausständigen abgereist und die Kämpfenden ehen mit frohem Mut der Entwicklung der Dinge entgegen. Allem Anschein nach wird es aber bei den Tischlern eher zu erner Einigung kommen als bei den Bauarbeitern, da die Unternehmer im ersteren Gewerbe bereits zu Unterhandlungen den Anlauf nahmen. Achtung, Former nnd Kernmacher! Auf der AscherSlebener Maschinenfabrik in Aschersleben streiken sämtliche Kernmacher. 32 Wann, weil ihnen mit jeder Lohnzahlung ein geringerer Ver- dienst ausgezahlt wurde. Sie fordern Garantie für einen Stunden- lohn von 32 bis 33 Pf. Die Direktion verweigert jede Sicherheit. Bringen die schwebenden Verhandlungen keine Verständigung, so treten samtliche Former und Hilfsarbeiter mit in den Streik. Das sind circa 100 Mann.— Alle Arbeiterzeitungen bitten wir, hiervon Not,z zu nehmen.— Zuzug ist fernzuhalten. Heber den Streik in der Farbenfabrik von Leverkusen wird berichtet: Die vorgenommene Zählung hat ergeben, daß 2010 Per- sonen auf der Fabrik noch arbeiten; unter diesen befinden sich 400 Meister und Beamte. Tie normale Zahl der Beschäftigten stellt sich auf 3800—4000 Personen. Es sind also im Streik(oder abgereist) 2000—2200 Arbeiterl Bürgerliche Blätter bringen die Nachricht, daß 250— 300 Arbeiter in den Ausstand getreten sind; die Gesamtzahl der Arbeiter wird jedoch auf über 3000 angegeben.— Aus dem oberen Kreise Solingen sind verschiedene Gendarmen zur Dienst- leistung nach Wiesdorf und Leverkusen beordert worden, und zwar wegen des Ausstandes. Der Streik der Stukkateure in Düsseldorf verläuft günstig. Be- willigt haben bis jetzt 33 Firmen mit 124 Mann. Abgereist sind 150 Mann, sodaß noch 175 Mann sich im Ausstande befinden. Ein eigentümliches Verhalten von den Christlichen muß hier festgenagelt werden. Wiederholt im Laufe des Sommers aufgefordert, mitzu- arbeiten in der Lohnbewegung, drückten sich die Herren auf alle mögliche Art davor. In letzter Stunde erklärten sie sich nun soli- darisch. Man sollte doch meinen, daß die Christlichen nun auch für denselben Tarif wie im Frühjahr eintreten würden. Doch weit gefehlt. Am Montagvormittag wurde noch schnell ein Lohntarif in Druck gegeben, der in den Punkten, die die eigentlichen Forderungen der Stukkateure bilden, weit unter jene geht. Eine Versammlung der Streikenden beschloß einstimmig, bei keiner Firma in Arbeit zu treten, die nur den christlichen Tarif unterschrieben hat. Zur Bauarbeiterausfperrung im Mainthal wird uns geschrieben: Die Unterhandlungen, die am Dienstagvormittag zwischen'Vertretern des Arbeitgeberverbandes im Baugewerbe und Vertretern der in Betracht kommenden Centraiverbände begonnen wurden, sind am Mittwochnachmittag wieder abgebrochen und auf nächsten Dienstag vertagt worden. Wie es heißt, um den Lokalorganisationen der Unternehmer in den einzelnen Städten Gelegenheit zu geben, zu den provisorisch stipulierten Lohnbedingungen Stellung zu nehmen. Vor- läufig ist über die Lohnfrage verhandelt worden; insgesamt soll aber über 300 Positionen eine Verständigung versucht werden. Aber auch bei Behandlung der Lohnfrage traten sofort die Gegensätze zu Tage. Was die großen Unternehmer für acceptabel erklärten, darein wollen die kleinen nicht einwilligen. So haben die Verhandlungen bis jetzt recht wenig greifbare Resultate gezeitigt. Die Arbeiter sind ttotzalledem besten Miltes, denn die Situation verbessert sich für sie mit jedem Tage. Infolge des großen Arbeitermangels in Rheinland- Westfalen werden noch immer möglichst viel ledige Leute dorthin ab- geschoben. Außerdem ist die erfreuliche Thatsache zu konstatieren, daß die Organisationen der Arbeiter in allen Orten jetzt stärker dastehen, als vor der Aussperrung. In Darmstadt z. B. gehörten vor der Aussperrung nur 180 Maurer dem Verbände an, jetzt sind es 10501 So kann der Zweck der Aussperrung: Zer- störung der Organisationen, heute schon als vereitelt angesehen werden. Die Unternehmer sehen heute schon mehr und mehr ein, daß sie sich mit der Aussperrung arg in die Nesseln gesetzt haben. zu Falle gekommen und habe gerufen:„Ich habe mir ein Bei» gebrochen!" Man habe ihm nicht geglaubt und sich nicht weiter um ihn gekümmert. Ganz anders stellte Wagner die Sache dar. Nach seiner Behauptung hätten die Angeklagten mit der fraglichen Frauensperson ihren Ulk getrieben und sich besprochen, daß sie ihr auf dem Nachhausewege die Röcke über dem Kopf zusammenbinden wollten. Das habe ihn geärgert und er habe sich der Person an- genommen. Als man das Lokal verlassen hatte und das Attentat gegen die Frau in Scene gesetzt werden sollte, habe er dies zu ver- hindern gesucht. Darauf sei er überfallen worden, habe eine Ohr- feige und drei wuchtige Schläge von hinten gegen den Kopf er- halten, daß er hinstürzte, und habe hierbei einen doppelten Knöchel- bruch des rechten Fußes erlitten. Als er am Boden lag, hätten alle auf ihn eingeschlagen. Dann hätte man ihn auf die Landstraße geschleppt und dort liegen lassen. Bei diesem Transport sei ihm der Revolver, ein Kinderspielzeug, das er seinem Sohne fort- genommen habe, aus der Tasche gefallen. Er habe mehrere Stunden Hilfslos an der Landstraße gelegen, bis ihn der Nachtwächter fand. der ihn in einer Droschke nach dem Krankenhause gebracht habe, wo er acht Wochen habe bleiben müssen. Das Schöffengericht hatte alle fünf Angeklagten freigesprochen, da die Sache nicht genügend aufgeklärt werden konnte. Gegen dieses Urteil legte Wagner als Nebenkläger Berufung ein. Er beantragte vor der 6. Ferien- strafkammer des Landgericht» I die Bestrafung der Angeklagten sowie Zuerkennung einer Geldbuße. Die Strafkammer gelangte indessen zur Verwerfung der Berufung, da auch sie die Schuld der Angeklagten nicht genügend festzustellen vermochte, wenn sie auch an- erkannte, daß starke Verdachtsmomente vorlägen. Versammlungen. Ein Tarifvertrag für das Münchener Baugewerbe. München, 4. August.(Eig. Mitteilung.) Die durch den Scharf macher-Verband für Sonnabend, den 6. d., in Aussicht gestellte allge- meine Bauarbeiteraussperrung wurde durch das Eingreifen des Ge- Werberichters Dr. Prcnner verhindert. Als der saubere Plan der Scharfmacher in der Presse mitgeteilt wurde, hat Gewerbe. richter Dr. P r e n n e r sofort unter Anwendung des H 65 des Ge- werbegerichtsgesetzes die maßgebenden Personen des Arbeitgeberver bandes und der beteiligten Arbeiterorganisationen behufs Herbei führung einer Einigung vor das Einigungsamt geladen und fand die Sitzung, zu der u. a. der 2. Vorsitzende des Centralverbandes der Maurer Deutschlands E f f t i n g e r- Hamburg beigezogen wurde, bereits heute vormittag 11 Uhr im Saale des Gewerbegerichts statt. Nach L'Astündiger Verhandlung wurde für die Dauer der diesjährigen Bauperiode zwischen dem Arbeitgeberverband für München und Um- gebung einerseits und dem Centralverband der Maurer Deutschlands und dem Verbände der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter Deutschlands, Mitgliedschaft München, andererseits, folgender Vertrag abgeschlossen: 1. Maurer, die im stände sind, im Kolonnenbetrieb 2 Kubikmeter gewöhnliches Mauerwerk fachgemäß herzustellen, erhalten einen Stundenlohn von 50 Pf. 2. Der Lohn für vollwertige Bau tag l ö h n e r über 18 Jahre, beispielsweise Erdarbeiter, Stein- und Bogel"träger erhalten einen Stundenlohn von 3» Pf. Ungeübte, schwächliche, ältere und invalide Arbeiter erhalten eine ihrer Leistung entsprechende Entlohnung. Durch vorstehende Vereinbarung darf keinerlei Verschlechterung seitheriger Lohn- und Arbeitsbedingungen eintreten. Die Beteiligten verpflichten sich, bis längstens 1. Oktober neuerlich in Tarifverhandlungen einzutreten. 3. Vorstehende Ver- einbarung hat Gültigkeit, bis ein neuer Tarif in Kraft tritt. Die Parteien erklären, die Annahme des Vertrages von der Zustimmung ihrer Versammlung abhängig zu machen.— Wird dem Vertrag. woran nicht zu zweifeln ist, die Zustimmung in den Versammlungen erteilt, dann dürste dank dem schnellen Eingreifen des Gewerberichters ein schwerer Kampf aus der Welt geschafft sein. Verlmer partei-�Zngelegenbeiten. Zur Lokal-Liste. Arbeiter! Parteigenossen! Gewerkschaften! Bereine! Achtet bei den Ausflügen am Sonntag genau auf die Lokalliste vom 3. Juli, verkehrt nur in den- jenigen Lokalen, welche der Arbeiterschaft zu Ver- sammlungen:c. z u r Verfügung stehen. Franz.- Buchholz. Den Parteigenossen. Gewerk s ch a f t e n zc., welche am Sonntag, den 7. August, zum Erntefest nach hier kommen, teilen wir hierdurch mit, daß nur die Lokale von Klimas, Restaurant„zum Storch", Haupt- straße, und Kühnes Festsäle, Berlinerstr. 39, zu Versammlungen«. zur Verfügung stehen, alle andren Lokale sind als gesperrt zu betrachten. Stahnsdorf- Kl.-Machnow. Da das bisherige Verkehrslokal Restaurant L a ck h a s e, jetziger Inhaber Krüger, Lindenstraße, seinen Saal zu Gewerkschasts-Versammlungen k. nicht mehr her- daSselbe als gesperrt zu betrachten und daher meiden. Die Lokalkommission. giebt, so ist streng zu Gericbts-Leitung. Das Erntefest in der Laubenkolonie an der Prenzlauer-Allee. welches der Schankwirt Karl Wunder am 9. August vorigen ' ahres veranstaltete, hat für eine Anzahl der Beteiligten recht üble Jolgen gehabt. Ter Registrator Gotthold W. agner hat dabei ein Bein gebrochen und ist arg verprügelt worden, toie er behauptet, von dem Schankwirt Wunder, den Brüdern Richard und Wilhelm Buchholz und den Arbeitern Paul Thiel und August Jauer. Diese fünf Personen erhielten eine An« klage wegen schwerer Körperverletzung. Der Anklage lag eine etwa? abenteuerliche Geschichte zu Grunde, über die die Angaben höchst verschieden lauteten. Die Angeklagten erzählten folgendermaßen: Der Zeuge Wagner habe sich der Festgesellschaft angeschlossen, ob- gleich er nicht eingeladen sei. Er würde aber gern gesehen worden ein, wenn er sich nicht an eine Frauensperson herangemacht hätte, welche bei den übrigen Frauen in einem schlechten Rufe stand. Wagner habe diese Person fleißig traktiert und sei zuletzt in eine animierte Stimmung geraten. Als mit Einttitt der Polizeistunde Wunder der Lust ein Ende gemacht habe, sei die ganze Gesellschaft aufgebrochen. Unterwegs sei es, des erwähnten weiblichen Wesens wegen, zu einer Auseinandersetzung gekommen, wobei Wagner eine Ohrfeige erhalten habe. Nun habe dieser einen Teschingrevolver aus der Tasche gezogen und gedroht, daß er jeden niederschießen würde, der ihm zu nahe komme. Darauf sei man von. allen Seiten über ihn hergefallen, um ihm die Waffe zu entreißen. Wagner sei Eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Freie« Ber- einigung der Bleiglaser, Glasmaler usw. beschäftigte sich mit der Lohnbewegung der Bauglaser. Der Vorsitzende Rätsch führte kurz aus, daß die Schlichtungskommission der Bleiglaser mit der Tarif- kommission der Bauglaser bereits eine Sitzung gehabt habe betteffs des Verhaltens der Bleiglaser während der Bewegung und führte aus, in welcher Beziehung evtl. die Bleiglaser bei dieser Bewegung in Mitleidenschaft gezogen werden können. Redner betonte, daß die Bleiglaser aus taktischen Erwägungen heraus nicht gewillt seien, zu gleicher Zeit in eine Bewegung einzutreten. Weiter führte Redner an, daß in der betreffenden Kommissionssitzung Meinungsverschieden- heiten in Bezug aus das Einsetzen von Äleiarbeit entstanden sind. Die Bauglaser wollten es als Streikbruch ansehen, wenn die Blei- glaser während der Bewegung ihre Arbeit einsetzen würden. Diese Wleinung wurde von den Bleiglasern ganz energisch zurückgewiesen. In der Diskussion nahm nun zunächst der Vertteter der Bauglaser. Jahn, das Wort und nach einigen Ausführungen in Bezug auf den Stand der Bewegung suchte er nachzuweisen, daß die Bleigläser unter allen Umständen verweigern müßten, dort Bleifenster einzu- setzen, wo die Bauglaser streitten. Sämtliche nun folgenden Redner traten dem ganz entschieden entgegen und waren der Ansicht, daß die Bleiglaser es sehr wohl mit ihrem Solidaritätsgefühl in Einklang bringen könnten, wenn sie die Arbeit, welche bisher immer von ihnen ausgeführt wurde, auch fernerhin thun. Die Versammlung gaö dieser Stimmung Ausdruck durch einstimmige Annahme folgender Resolution: „Die heutige in Frankes Festsälen tagende außerordentliche Mit- gliederversammlung der Freien Vereinigung der Bleiglaser und Glas- maler, sowie der in dieser Branche beschäftigten Personen beschließt in Anbetracht der bevorstehenden Lohnbewegung der Bauglaser Berlins in jeder Hinsicht strengste Solidarität zu üben. Ferner erachtet es die Versammlung für gerechtfertigt und hält es nicht für unsolidarisch, daß die Bleiarbeit, welche bisher von Bleiglasern ein- gesetzt wurde, auch während der Bewegung der Bauglaser weiter auS- geführt wird._ Letzte JVacbrlcbten und Depefcbcn. Der Typhus in Siidwestasrika. Berlin, 5. August.(Amtliche Meldung.) Gefreiter Friedrich Wilmes, geboren 5. April 1880 in Berenbrock, Kreis Lippstadt, früher Regiment 167, in Grootfontain an Typhus gestorben; Reiter Hardtke, Maschinengewehrabteilung, geboren 26. April 1883 in KöSlin, Kreis Köslin(Pommern), früher Jägerbattaillon 5, am 3. August in Otjosondu an Typhus gestorben. Gleiwitz, 5. August. Der Landtagsabgeordnete für Pleß-Rybnik, SanitätSrat Dr. Moritz, ist dem„Oberschlesischen Wanderer" zufolge in der vergangenen Nacht in Pilchowitz gestorben. Zur NenkralitätSfrage der drei nordischen Reich«. Kopenhagen, 3. Augufl.(W. T. B.) Zu dem Arttkel der„Käln. eitung" vom 5. August, in welchem gesagt wird, Dänemark, Schweden und Norwegen hätten sich für dauernd neutral erklärt, indem sie sich im April d. I. durch Bertrag gegenseitig verpflichtet hätten, in allen Kriegen ihre Neuttalität zn wahren, wird .Ritzaus Bureau" auS bester Quelle mitgeteilt, daß Dänemark einen Vertrag der genannten Art nicht abgeschlossen hat; die gemeinsamen NeutralitätS-Bestimmungen. über welche die drei nordischen Reiche sich im April geeinigt, hätten sich nur auf den japanisch-russischen Krieg bezogen. Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Tokio, 5. August.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Von der Armee, die Tomnlscheng angegriffen hat, wird berichtet, sie habe in diesem Kampfe insgesamt 194 Tote und 666 Verwundete gehabt und etiva 700 gefallene Russen mit den gebührenden mili» tärischcn Ehren■ begraben. Sechs Feldgeschütze, viele Gewehre und Granaten sowie große Mengen von Mehl, Gerste, Munition usw. ,eien erbeutet worden.— General Kuroki berichtet» daß er in den Kämpfen bei Juschulintschu und Jangtsuling einen Verlust von 906 Mann und 40 Offizieren gehabt habe. Die Russen hätten mindestens 2000 Mann verloren. Acht russische Offiziere und 149 Mann seien gefangen genommen, zwei Feld- geschütze, viele Gewehre, Zelte, Granaten usw. seien erbeutet worden. Nach KurokiS ausführlichem Bericht erlitten die Russen während des Kampfes um Jufchulintsu am 31. Juli besonders schwere Verluste bei Peysnling, 5 Meilen südlich von Juschulintsu. Die Japaner umgingen eine sich zurückziehende russische Abteilung, die aus drei Regimentern Infanterie mit vier Geschützen bestand, und richteten auS einer Entfernung von 200 bis 1000 Meter ein vernichtendes Feuer auf die ganze russische Linie. Am Nachmittag erschienen Russen unter der Flagge des Roten KreuzeS auf dem Kampfplatze. um ihre Verwundeten fortzuschaffen; die Japaner ließen dies zu und stellten während dieser Zeit ihr Feuer ein. Aden, S. August.(W. T. B.) Der Dampfer„Petersburg" der russischen Freiwilligen-Flotte passierte heute nachmittag Aden oft- wärtS steuernd. Baku, 5. August.(W. T. B.) Hier ist ein Cholerafall vorgekommen. Washington. 5. August.(Meldung deS Reuterschen Bureaus.) Wegen der Gestaltung der Beziehungen zur Türkei hat Staats- sekretär Hay seine Sommerferien unterbrochen und ist auf eine Woche hierher zurückgekehrt. In der heute unter Vorsitz Roosedelts abgehaltenen Sitzung des Kabinetts wurde das Verhältnis zur Türkei eingehend besprochen. In Regierungkreisen ist man über das dila- torische Verhalten der Pforte ungehalten._ Ver-mtw. Betafteur: Paul Büttner. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlagsanstalt Paul Singer Lr Co.. Berlin 5 W. Hierzu 2 Beilage». 9t. 181 A. mm. i Ktilsge des„Wmirls" Ktllim Nsldsdlsll.« Pp» lg«! Wirrnis. Die Ausfühnmgen. die Parteigenosse Dr. Friedeberg am Mittwoch in der Versammlung der lokalorganisierten Gewerkschaften gemacht hat, dürfen wir nichr unwidersprochen hinausgehen lassen. Die oieue Taktik", die dort vorgeschlagen wurde, ist sehr alt und die Zocialdemokratie hat früher mehrfach alle die Fragen, die angeregt wurden, gründlich behandelt und die Irrtümer dieser „neuen Taktik" überwunden. Fast alles, was Friedeberg vorbringt, sind Anschauungen aus dem Arsenal der einstigen„Unabhängigen", von denen sich der jetzige Erneuerer der Partei zwar nicht durch Klarheit, wohl aber durch das Bemühen angenehm unterscheidet, persönliche Verunglimpfungen einzudämmen. Was der Redner in dieser Person- liehen Hinsicht leistet, was er über Philisterhaftigkeit und Spieß- bürgerei sagt in welchen Eigenschaften die socialdemokratischen Ver- treter die Bürgerlichen überholt haben, das wftd unsre parlamen- tarischen Vertreter sicherlich veranlassen, sich in einem Kursus bei Friedeberg gegen Philisterhaftigkeit sichern und darüber belehren zu lassen, wie das Ideal einer„ganzen und freien Persönlichkeit" aussieht. Wir halten es nicht für erforderlich, auf die Fragen von Generalstreik und von Bewerhrng der Gewerkschaftsbewegung ausführlicher einzugehen. Die Generalstrcik-Frage ist jüngst in der „Neuen Zeit" ausführlich behandelt worden und diese Diskussion hat nicht an der feststehenden Anschauung gerüttelt, daß die Partei dieses Kampfmittel ebensowenig abschwört, wie sie in ihm entfernt nicht das Allheilmittel für alle Schwierigkeiten des proletarischen Befreiungskampfes erblickt. Mit dem Generalstreik als„leitender Taktik" ist'S noch immer so: wer darauf sein ganzes Sinnen legt, läuft— ganz abgesehen von der schließlichen Durchführbarkeit— Gefahr, die mannigfache Arbeit des Tag um Tag dauernden gewerkschaftlichen und politischen Kampfes, den nur allmählich möglichen Aufbau der wirtschaftlichen und politischen Organisationen zu vernachlässigen; wenigstens haben andre Länder, in denen die Arbeiter dieser„leitenden Taktik" huldigten, diese Erfahrung gelehrt; die Arbeiter harrten in erregter Begeisterung des Generalstreiks und ihre wirkliche Organisationsarbeit blieb dürftig. Es giebt nur das eine Rezept: mit aller Kraft die Organsiationen zu entwickeln, das proletarische Klassenbewußtsein zu stärken. Wenn dann die Organisationen stark genug sind, um einen Generalstreik wagen zu können, dann wird wohl Liebknechts Wort recht behalten: .Wenn die Arbeiter den Generalstreik machen können, dann brauchen sie ihn nicht mehr. Was Friedeberg über die Bewertung der Gewerkschaften sagt und über ihre Aufgabe, nicht allein die Verbesserung der momentanen Lebenslage zu verfolgen, sondern freie Persönlichkeiten zu entwickeln, so ist das sicherlich dre Ansicht aller Socialdcmokraten; nur ist das nicht die besondere Aufgabe der Gewerkschaften, sondern es ist dies die allgemeine Kulturaufgabe, an deren Lösung alle öffentlichen und genossenschaftlichen Organisationen sowie auch alle dazu be- fähigten Einzelpersonen wirken sollen. Ob in den Gewerkschaften in dieser Richtung nrehr und besseres geleistet werden kann, ist eine andre Frage. Wir glauben, daß im allgemeinen das geschieht, was unter den heutigen Verhältuisseu geschehen kann. Zahlreiche Männer mühen sich in den Gewerkschaften, diese Aufgabe zu fördern. Genug kann freilich niemals geschehen und diejenigen, die darüber sich be- unruhigen, daß nicht genug geschieht, haben die Pflicht, für mehr zu sorgen; dies zu thun ist sogar wichtiger als vom hohen Kothurn herab mit allgemeinen Schlagworten herabsetzende Kritik gegen viele Männer zu üben, die von den idealen Zielen der Arbeiter- bewegung sicherlich ebenso lebensvoll beseelt sind wie der Vertreter der„neuen Taktik". Genosse Dr. Friedeberg ist nun aber der Meinung, es könne viel mehr für die Entwicklung der Gewerkschaften und eines freien Geistes in ihnen geschehen, wenn nicht der böse Parlamen- t a r i s m u s die Arbeiterbewegung verderben würde. Sein Haupt- angriff richtet sich gegen die Ueberschätzung des Parlaments und sein Unwille über die dort verübte Kräftcverschwendung beflügelt ihn zu der Behauptung, die von einem Wunsch nicht weit entfernt ist:„Wir werden dem allgemeinen Wahlrecht keine Thräne nachweinen." Dieser Satz und seine Begründung sind so ungeheuerlich, daß wir ihn nicht duldsam Hingeheu lassen können, so wenig wir auch jetzt noch Neigung haben, die Agitation des Genossen Friedeberg tragisch zu nehmen. Wir kennen Genossen Friedeberg zu lange, um seuren kritischen Versuchen, die im kleineren Kreis ja alt bekannt sind, sehr zu zürnen. Aber wenn er mit solchem thörichten und verwirrenden Gerede in große Volksversammlungen geht, dann muß man sich entschließen, ihm zu sagen, daß nicht die Socialdemokratie den Parlamentarismus, sondern Genosse Friedeberg seine politischen Kenntnisse überschätzt. Neun Zehntel von dem. was im Parlamente verhandelt wird, habe mit den Klasseninteressen des Proletariats nichts zu thun, es diene vielmehr den Jntereffen der herrschenden Klasse,— sagt Friede- berg. Wir wisien nicht, ob er diese fabelhafte Ansicht, die der Bericht wiedergiebt, irgenwie zu begründen versucht hat. Wir müssen zunächst annehmen, er hat diesen durch nichts zu beweisenden thörichten Satz ebenso kühn hinausgeschleudert, wie ja seine Darlegungen allenthalben an chaotisch durcheinander- gewälzte Blöcke erinnern; die logische Klarheit und Schärfe steht im umgekehrten Verhältnis zum trotzigen Wagemut der wuchtig ge- schleuderten Behauptungen. Friedeberg mag doch nur wenige Bei- spiele bringen, wo die Socialdemokratie Kraft an Dinge ver- schwendet haben soll, die mit den Klasseninteressen des Proletariats nichts zu thun hahen. Wenn aber neun Zehntel von dem, was im Parlament beschlossen wird, den Jntereffen der herrschenden Klaffen dient, so beweist dies gerade, daß keine Mühe zu scheuen ist, um die Beschlüffe deö Parlaments noch weit mehr als bisher so zu gestalten, daß sie nicht den Interessen der herrschenden Klasse, sondern den Interessen der arbeitenden Klasse förderlich sind. Daraus, daß der Einfluß der Arbeiterpartei im Parlament, so bedeutend er auch schon ist— die Gegner bezeugen es täglich l—. doch für unser Wollen noch inuner viel zu gering ist, allgemeine Schlüsse gegen den Parlamentarismus zu ziehen, ist natürlich ganz unmöglich. Ebenso weisen wir oie Unterstellung zurück, als müßten unsre Vertreter im Reichstage„ihre revolutionäre Gesinnung oft ver- leugnen". Wir haben noch nichts so Revolutionäres aus dem Munde deö Kritikers vernommen, wa» nicht unsre FraktionSgenoffen in jeder Rede auch sagen. Und dann das alte Mätzchen:.Unfern Führern ist die Fühlung mit den Maffen verloren gegangen und die un- mittelbare Arbeit für das Volk_ hat dadurch gelitten". Etwas besseren Geschmack habe» wir schon dem Genossen Dr. Friede- berg zugemutet. Allerdings e i n Argument der Begründung bringt der Kritiker bei. Der Programmsatz. der von der Erklärung der Religion als Privat- fache handelt, paßt ihm nicht. Freilich hat dies nun wieder nichts mit dem Parlamentarismus zu thun. Aber Friedeberg steht, wie es scheint, darin, daß die Partei nicht den Satz„Es giebt keinen Gott" propagiert, ein besonderes Anzeichen von der„Rück- ständigkeit der Socialdemokratie". ES ist das gute Recht Friede- bergs. auch als Philosoph aufzutreten und seine Ansicht über Gott und Religion zu verkünden; aber das ist allerdings feine Privat- fache, eine Partei kann weder allen ihren Anhängern zumuten, daß sie alle religiösen mid philosophischen Probleme durch daS Zauberwort:„Es giebt keinen Gott", für erledigt halten, noch kann sie überhaupt irgendwelche religiöse oder antireligiöse Dog- matik zum Programm erheben. Das einzige verständliche Argument, das Fricdeberg gegen die Partei vorbringt, schlägt um in einen Be- weis für die Klarheit und Weitsicht der Partei, die nicht Aufgaben m ihr Bereich zieht, die sie nicht lösen kann. Die Socialdemokratie K»t qgr nichts damit zu thun, ob es«einen Gott" giebt; ihre Auf- gäbe ist allein, diejenigen Klassen zu bezwingen, welche Gott und Glauben zur Niedcrhaltung der Arbeiterklasse mißbrauchen. Friedebergs Angriff auf die parlamentarische Bethätigung beruht in dem falschen Vorurteil, als pflege die Socialdemokratie einen Parlamentarimus, der losgelöst ist vvn dem Volk. In Wahrheit ist für die Socialdemokratie das Parlament stets nur das Mittel, um einesteils die socialistischen Grundsätze von möglichst günstigem Platze zu propagieren und um andernteils unmittel- bare Förderung der materiellen und geistigen Jntereffen des Volkes zu betreiben. Fricdeberg redet zum' Ueberdruß von der Entwicklung fteier Persönlichkeiten, aber auch die staatliche Gesetzgebung ist ein entscheidendes Mittel, um durch gute Einrichtungen, beispiels- weise auf dem Gebiete des Schulwesens und der socialen Gesetz- gebung, dem Proletariat die Vorbedingungen zu schaffen, unter denen es durch die Not und Enge der heutigen Zustände zu höherer materieller Wohlfahrt und zur Möglichkeit aussteigt, ganze und freie Menschen zu entwickeln. „Wir werden deni allgemeinen Wahlrecht keine Thräne nach- weinen", ist ein so leichtfertiges Wort, daß— mir die Feinde des Proletariats daran Freude haben können. ES ist keine neue, sondern eine sehr alte Wahrheit, die gerade die Social- demokratie vertritt, daß die bloße Stimmenabgabe von ö zu ü Jahren noch keineswegs auf einen vollbewußten, das ganze Ideal erfassenden Socialdemokraiea schließen läßt; darum aber auf das Recht kühl verzichten, das sowohl ein elementares Grundrecht des Menschen als auch im höchsten Maße geeignet ist, volle Social- demokraten zu schaffen, das ist ausgemachte Unvernunft. In allen Ländern, wo die Arbeiterklasse kein gutes Wahlrecht hat, weint sie, um im Bilde zu bleiben, bitterste Thränen und setzt alle Kraft daran, es zu gewinnen. Und wenn einmal, was wir für ausgeschlossen halten, es der Reaktion gelingen sollte, in Deutschland das Wahlrecht zu kürzen, so wird die Arbeiterklasse mit elementarer Wucht in den dauernden Kampf für die Wieder- gewinnung eintreten und— über die Friedebergsche Rederei wird man nicht einmal mehr lächeln. Der Grund, aus dem die Friedebergschen Ansichten und noch mehr die Zustimmung einer großen Versammlung zu ihnen er- wachsen, liegt in der llnbeftiedigthcit mit dem, was die Arbeiterbewegung bisher errungen. Friedeberg geht ja davon aus, daß aller bisheriger Kampf wenig erbracht habe. Wir müssen demgegenüber fessstellen, daß neben manchen materiellen Fortschritten der Arbeiterklasse insonderheit auf demjenigen Gebiete ein ganz gewaltiger Fortschritt zu verzeichnen ist, das gerade Friedeberg bevorzugt. Das Bewußtsein, volle Menschen zu sein, Anspruch auf alles Menschliche zu haben, die ganze Menschenwürde erringen zu müssen, es ist in der Arbeiterklasse gewaltig ge- wachsen; das Geschlecht der unterwürfig sich bückenden und jede Eni- Würdigung stumm tragenden Arbeiterklasse ist im Verschwinden, ein neues Geschlecht ist im Erwachsen, und seine Vorkämpfer sind die tapferen Männer der Socialdemokratie und der Gewerkschaften. Also man mache die Arbeiter nicht mißmutig, indem man sagt: alles, was ihr bisher gethan, war verfehlt und hat zu nichts geführt. Das ist total unrichtig. Und was würden denn die Arbeiter erreichen, wenn sie diesen wirreu Deklamationen Gehör schenken wollten? Kann ein ruhig Ueberlegender glauben, daß durch die neue, alte Lehre das Proletariat schneller vorwärts gelangen wird? Wissen wir nicht längst, daß in anderen Ländern, wo das Evangelium des General- streiks und das„fteie Wort" borherrscht, das der Socialdemokrat Friedeberg nur in anarchistischen Schriften findet, die Arbeiterklasse weit weniger erreicht hat und daß höchstens der eine Erfolg vortrefflich erreicht wurde: die Arbeiterbewegung zu stören, zu zersplittern und ohnmächtig zu machen? Nun, in Deutschland ist nicht die mindeste Gefahr für solche Erfolge der„neuen Taktik", selbst wenn Genosse Dr. Friedeberg sie verkündet. Wir Socialdemokratcn allesamt ersehnen den möglichst schnellen Gang der Entwicklung zur Befreiung des Proletariats. Wir freuen uns icden neuen Kämpfers, der an dieser Beschleunigung mitwirkt. Auch Kritik kann dazu dienen und immer giebt es Fehler, die gebessert werden können. Doch eine Kritik, wie sie in der Ver- sammlung des letzten Mittwoch hervorgetreten ist, ist mit Unfruchtbar- keit geschlagen. Sie führt nichr ins Weite und Klare, sondern in Dunkel und Wirrnis._ pami-)Vacbncbten. Zum Internationalen Kongreß in Amsterdam wurde von den Breslauer Genossen Bernstein und von den Leipziger Genossen Kautsky und Pollender delegiert. Die Dresdener Genossen wählten Kaden. Der Provinzial-Parteitag für Ostpreußen findet am 4. September in Memel statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a.:„Die russisch« preußische Polittl" und»Das Kontraktbruchgesetz für die ländlichen Arbeiter"._ Sozialea« Um die Selbstverwaltung. Während Dr. Freund für seilte Forderung auf Ausschaltung der Selbstverwaltung aus der Arbeitervcrsicherung überhaupt keine Gründe angegeben hat, versucht RegierungSrat Düttmanu eine Art Begründung, jedoch ebenso kurz wie unstichhaltig. Sie erschöpft sich darin, daß der Staat nicht darauf verzichten könne, einen Einfluß auszuüben auf die Behörden, denen nach DüttmannS Vorschlag die Versicherungögcschäfte übertragen werden sollen, daß diese Geschäfte die volle Arbeitskraft einer mit allen Fragen der Socialwissenschaft vertrauten Person erforderten und nicht wahrgenommen werden könnten von einem ehrenamtlich thätigen, gewählten Vorsitzenden und auch nicht von einem von solchem Vorsitzenden abhängigen Beamten, wenn eine gleichmäßige, vom jeweiligen Ausfall der Wahlen unabhängige GeschäftSfiihrung gesichert sein soll. Zwar hätten einzelne Kranlenkasscn mustergültiges geleistet, aber doch nur wenige, und jetzt handle es sich nicht mehr bloß um die Krankenversicherung, sondern um die gesamte Arbeiterversicherung. Da müßten rein sachliche Erwägungen, nicht aber polittsche Rücksichten die Entscheidung bestimmen, sonst sei der große Fortschritt, der die Be- dcutung der Arbeiterversicherung in ungeahnter Weise fördern könne, unmöglich. Da haben wir den preußischen Bureaukraten, wie er im Buche steht. Dem RegierungSrate ist es unfaßbar, baß ein Arbeiter, ein Mensch, der in Preußen nie Regierungsrat werden kann, mit allen Fragen der Socialpolitik so vertraut sein kann, um die Geschäfte der Arbeiterversicherung ordentlich zu führen. Er sagt zwar, er wisse, daß viele Kassen vortrefflich geleitet werden, aber das will er nicht als Widerlegung gelten lassen, da er keine Gewähr dafür sieht, daß überall und zu jeder Zeit eine solche Geschäftsführung sicher sei. Was das„überall" angeht, so will uns bedünlen. daß ge- rade der Bureaukratismus schon überall Proben erstaunlichster Un- fähigkeit abgelegt hat. so daß eine gelegentlich gute bureaukratische Verwaltung gar keine Gewähr dafür bietet, daß sie überall gut sein werde. Das dürfte dem RegierungSrat auch nicht unbekannt sein und wir sind überzeugt, er wftd seine Hand nicht dafür ins Feuer legen, daß Bureaukraten überall, z. B. im preußischen Osten, die Geschäfte so tadellos führen, wie er eS wünscht. Es scheint unS auch, er lege größeres Geloicht auf die Ab- hängigkett der Geschäftsführung oder des Geschäftsführers vom Ausfall der wiederkehrenden Wahlen der Beteiligten. Daß darunter die ordentliche Buchführung leiden würde, braucht ,nan wahrlich nicht zu fürchten. Bis jetzt sind nur immer Beispiele be« kamit geworden, daß ein starker Umschwung im Ausfall der Wahlen in Arbelterversicheruiigs-Organisationen zur Beseitigung vorhandener Mißbräuche in der Verwaltung geführt hat. Und den ängstlichen RegierungSrat beruhigt es vielleicht doch, wenn wir darauf hin- weisen, daß anderwärts noch viel umfangreichere und wichtigere Verwaltungsgeschäste als die der Arbeiterversicherung unter dem Einfluß wechselnder Wahlmehrheiten stehen, ohne zu leiden; nämlich die gesamten Verwaltungsgeschäste parlamentarisch regierter Staaten. Die Sorge um die Beschaffung der nötigen geschulten Ver« waltungsmänncr durch die gewählten Selbstverwaltungskörper und um die Kontinuität der Buchführung ist ganz gegenstandslos; dagegen birgt die Bureaukratisterung der ganzen Arbeiterversicherung die Gefahr, daß die sociale Wohlfahrtseinrichwng zu einer Polizeianstalt wird und der Versicherte zu einer Art Almosenempfänger, der sich— eS ist heute bei der Invalidenversicherung schon meist so— im Bureau US Herrn Polizeischreibers scheu in die Ecke drücken muß, als ob ausgerechnet der Herr Schreiber sein gnädiger Wohlthäter wäre. Die Abhängigkeit der Beamten von den Versicherten dagegen erhält in jenen das Gefühl wach, daß sie um der Versicherten willen, nicht diese ihretwegen da sind. Wir sind im Gegensatz zu dem RegierungSrat überzeugt, daß die Bureaukrattsierung der Arbeiterversicherung zu ihrer Verknöcherung führen würde und daß der Fortschritt zu einer wirklichen Wohlfahrtseinrichtung nur möglich ist bei freudiger Mitwirkung der Versicherten an der Verwaltung. Das kann man sagen ohne politische Erwägungen, rein aus socialer Erkenntnis, obwohl wir nicht verlemien, daß diese sociale Er- kennwis von dem politischen Staiidpunkte, den man einnimmt, ab- hängig ist. Daneben können wir aber keineswegs zugeben, daß politische Erwägungen bei der Stellungnahme zu diesen Fragen aus- geschlossen sein sollten. Im Gegenteil: sie gehöre» notwendig dazu. AuS politischen Erwägungen fordern wie die Selbstverwaltung ebenso wie aus socialen. ES ist für uns eine grundsätzliche politische Frage, daß die Verwaltung aller öffentlichen Einrichtungen unter gesetzlichen Normen den Beteiligten überlassen wird. Wir wollen der Allmacht der Bureaukraten und Polizisten ein Ende machen, daS mündige Volk von der ewigen Bevormundung durch die sogenannte„von Gott eingesetzte Obrigkeit' befreien, selbst auf die Gefahr hin. daß die Buchführung davon einmal alteriert ivird. Dem Regierungsrat mag da« unfaßbar fein— uns ist das Selbstbestimmungsrecht aber wichtiger als die Polizeiwohlfahrt. Die Unternehmervertreter der Leipziger OrtSkrankenlasse haben zur Begründung der Genehmigung des Rücktritts der Unternehmer vom Vorstande der Kasse folgende Erklärung abgegeben: „Die Generalversammlungsvertreter der Arbeitgeber haben sich wiederholt einstimmig mit dem Vorgehen und den Maßnahmen ihreS Vorstandes einverstanden erklärt und sie haben dies durch eine Resolution zur Kenntnis der Königlichen Kreishauptmannschaft ge- bracht. In dieser Resolution wurde die genannte Behörde unter anderm ersucht, dem Kasscnvorstaude zum Ausbau des von uns als richtig erkannten Systems der festbesoldeten Kassenärzte genügende Zeit zu lassen, Die seitdem getroffenen Maßnahmen der Königlichen KreiS- hauptmannschaft lassen erkennen, daß letztere in erster Linie auf die Beseitigung der festbesoldeten Kassenärzte hinarbeitet und im Sinne der früheren Kassenärzte und ärztlichen Bezirksvereine für die freie Arztwahl wirkt; ihre Verfügungen und die durch sie erfolgte Ver- kümmerung des Rechts der Selbstverwaltung sind für die gedeihliche Fortentwicklung der Kasse ungeeignet. Dem Borstand ist durch die Verfügungen der Kreishauptmannschaft eine Rolle zugemutet worden, die der Gesetzgeber sicher nicht gewollt hat und welche den Vorstand in den Augen der Arbeitgebervertreter entwürdigt. Wir mußten uns daher mit schwerem Herzen dazu entschließen, unsre bewährten langjährigen, mit Aufopferung dem Wohle der Kasse dienenden Vorstandsmitglieder, ihren Wünschen entsprechend, von ihren Aemtern zu entheben. Da die Arbeitgebervertreter ferner der Ansicht sind, daß keinem Arbeitgeber, welcher die gedeihliche Fortentwicklung der Kasse als höchstes Ziel vor Augen hat, zugemutet werden kann, die Orts- krankcnkasse im Sinne der Verfügungen der Kreishauptmannschaft zu leiten, so empfehlen wir, bei der Neuwahl sich der Stimmen- abgäbe zu enthalten." Dies diene allen Lügenblättern, die nach dem Muster der „Berliner Neuesten Nachrichten" aus dem Rücktritt Kapital gegen die Arbeitervertreter in der Kassenverwaltung schlagen wollen, zur Nachricht._____ BerufSgtnossenschaftliche Wirtschaft.....- Die bayerische Baugewerks-Berufsgenossenschast hielt kürzlich in München ihre Generalversammlung ab, bei der auf Betreiben deS Vorsitzenden die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde. DieS hat die .Münchener Post" zu Nachforschungen veranlaßt und dabei hat sie er» fahren, daß die Wirtschaft in der Verwaltung der Berufsg 13 15 14 20 Wetter-Prognose für Sonnabend, den V. August 1904. Sehr warm und schwül bei ziemlich lebhaften� südlichen Winden, zu» nehmender Bewölkung und Gewitterregen; nachts kühler._ Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. 'Chcatcr. Tonnabend, den 6. Aug» st. Ansang Vj, Uhr: Neues königl. Opern< Theater. Das süße Mädel. Belle-Alliance. Gastspiel von Emil Winter- TymianS Humoristen. Zum Schlug: Unheimliche Gäste. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner» Theater.) Der polnische Jude. Westen. Liebcshandcl. hieb. Jochen Päsel. Ein kleiner Beamter. Neues. Einen Jux will er sich machen. Residenz. Die 300 Tage. Metropol. Ein tolles Jahr. Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten Herrenfeld-Theater Nur ewe Nacht. Am andern Morgen. Stadt-TheaterMoabit. Der reiche Pustekohl. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passagc-Theater. Terka Semmeloss. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Taubenstraste 48/49. Die Weltausstellung in St. LouiS. Der Gardasee. Jnvalidenstrafte 57/62, Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Sediller-TIlester 0. (Wallner-Theater). Morwib-OPer. Sonnabendabend 8 Uhr: Her polnische Jnde. Sonntagnachmittag 3Uhr: Die Entführung aus dem Serail. Sonntagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. Die Hugenotten. Der Sommergarten ist eröffnet. Im Garten des Schiller-Theaters dl. täglich groSes Miliiar-Konzert. Neues Theater, Schisfbauerdamm 4a— 5. Ansang 8 Uhr. Morgen: Linon lux will er sich machen._ Kleines Theater. Unter den Linden 44. NsvMsszfl. Anfang 8 Uhr. Morgen: X achtawyl._ Centrai-Theater 8 Uhr: Einakterabend aus Frist Reuters Werken: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschen und Riemels. 3. Hanne Nütcs Abschied. 4. Jochen Pasel. 5. Bräsigs letztes Stündlein. 6. Ein Neiner Beamter. Emil Richard, kgi. Hosschauspieler, o. G. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung. Ursnis. Tauhonstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater; Die Weltausstellung in St Louis. Hieraui; Der Gardasee. Sternwarte irÄ Trete Volksbühne P| CASTAN'S ANOPTICUM. Der uDverwundbare Fakir! Italieniseties Original-Orchester, Damen und Herren. Der Kamp! am Port Arthur, gr. akt. Spektakel-Schauspiel. I. Serie.m Berliner Theater Götz von Serliehingen von Goethe. liml DieMdiederÜiebe von Ibsen. Das Biirenweib, lebend. Oer 16jährige Riesenknabe Der lange Josef 217 clm gross. Nada und Mnemos, Gedankenleser. Derliclchen f n n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. il Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die 300 Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gevaull u. Robert Charwev. Deutsch v. A. Halm. Herr Richard Alexander in der _ Hauptrolle._ Metropoi-Theater Der grösste Erfolg dieses Jahres; Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. c\:09' Speeialitäten-Theater, HA Landsberger Allee 76/79. � Direkt Ringbahnstation. Ob schön I Täglich Ob Regenl im herrlichen Garten od. gr.Saal: Zum Totlachen das vollständig neue konkurrenzlose Riescnprogramm, ca. 35 Nummern. Unter anderm: Grebnieff-Troupe, 4 Personen, russische Tänze mit dem besten Tänzer. The Herwoods, American- Excentric. Hedy Brumien, der kleine Kobold. Bruno Gattron, der Drollige. Horves& Barlo, Excentrics q. Sarren. Mslr. John???, bester Manipulator. Elsa u. Paul Jescheck. Fritz Brand zc. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. Bis 2 Uhr:»»II. Entree 20 Ps. Sonntags 30 Ps. Dl« nonon Mitglkedwkarten für 190115 mUwwen anw den Zahlstellen abgeholt werden. Angnut-Beitrag 80 Pfennig, September- Boitrag 80 Pfennig. Alle Wit- Clledakarten, die bla zum 80. Angnst nicht abgeholt sind, werden an neue Mitglieder abgegeben. 1(JmHchrelbnngen ans der bisherigen Zahlstelle in eine andre können nur im August nach Begleichung von etwaigen Beitragsresten vorgenommen worden, jedoch muss die neue Karte(Or 1904/5 aus der alten Zahlstelle abgeholt werden. lllorwltz-Oner(Schiller-Theater O.). I. Parkett-Billets für dio Mitglieder der Freien VolksbDhne, ermäfiigt auf 1,60 M. inkl. Garderobe, zu allen Abend- Vorstellungen.(Sonntags 50 Pf. mehr.) 229/8* Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Max KUem's Sommer- Theater Hascnhelde 18-15.- Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglicii; Gr. Konzert, Theater- u. Specialitaten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfcst.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Xag. Die Kassecküchc ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-Mg 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand sc. In den 8illcn: Grosser Ball. ZOOIOCISCHER GARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- Doppel-Kon;ert. Eintritt 1 M., ab 9 Uhr 59 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälstc. In der Arena: 0er 8ee-Eielant. Eintritt vom Garten 20 Pf., von der Straße 30 Ps., Kinder die Hälfle. GirHus Sarrafani. Drösster und elegantester Zelt-Clrkns Europas. Täglich: Mr. Nelson Apollo-Theater. vi, Uhr: Garten-Konzert. 8— G'/j Uhr: DebUtS der neuen AuguMaktionen u. Robert Steidl mit neuem Repertoire. 9-/, Uhr: Tenus auf Erden. faul Sincke. Operette von Gebrüder Herrnfeld-Theater. (XIII. Berliner Minier- Saison.) Vnr eine Vacht. Zwei Akte aus einer Ehe. Am andern llorgen. Nachspiel zu„Nur eine Nacht". Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 3 Uhr. Kassen-Eröffnung 7Uhr. Vorverkaus täglich 11— 2 Uhr. Der große Naturgarten ist geöffnet. Belle-Anianee-Idealer. N n r noch b i S- 14. August: Mmter-Tymilms Humoristen Vollständig neues urkomisches Progr. Im Soinmcrgartcn von 6 Uhr an: Berliner Gassenhauer-Abend(zum Mitsingen) und Iommernachtssest. u.a.: Gurt Goidmann- Konzert und grobe Specialitäten- Vorstellung. Ver- losungspolonalse: 1 goldene Hcrren- und Damenuhr. Jcd. Teil». 1 Los. Passage-Theater. La belle Georgette, Flammen- und Radium-Tänzerin. NaniTa, japanische Truppe. Vierzehn erstklass. Nummern. Fröbels Allerlei-Thealer fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Heute Sommcrfest. Konzert Theater, Specialiien. DM- 15 neue Nummern.-HW mommernaehtstanr,. Ansang i'L Uhr. Eintritt 30 Ps. Avis! Sonnabend» 27, Aug.» für Brrcine frei. das menschliche Mnguruk. ReiebZliallen-Tdealer. Nun wieder tägileii; am Königsth., am Friedrichshain 29/32. Täaiieii: Theater II. pi Volksheiustigungen und Ball. Liesecke in Hallen. 10 u.:' Gesangsposse m. Tanz v. L EIH. Mmwoch: Kinderfteudenfeß. Entree 30 Pf. Sonnab., 13. Aug., ist für Vereine frei. Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn Täglich im Garten t Hotfinaims Norddeutsche Sänger. Sonnlag, Montag, Donnerstag: NachderVorstellung: Tanr Zum Schluß: Hans Tapps. Etablisstmtnt Knggetlhogen Iloritzplatx. Täglich von 12-4 Uhr: Mitlagstisch. Im grosse» schattigen Natur- garten jede» Abend 8 Uhr: Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends____ im Kaisersaal:■ M El Zs V. Noacks Thealer. Direktion: Roh. Dill. Brunnenstr. 16. Großer Premieren-Abend! Sie hat ihr Herz entdeckt. Lustspiel. Die Negimentsnuinmer. Posse. Nureddin u. Bereddin. Kom.Oper. Ansang 6 Uhr. Kaffeeküche n. 3 Uhr ab. Mff-« A I«"ms Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saal. leilineMk IdMiSi- KaziMKli ailee?'? Täglich: Vinot». Pantomime: Ein ruhiget Zimmer zu vermieten. Satanello-Trio. Wardinls. Clown Steffi. Ball, Konzert. Specialitäten. Aus. 4 Uhr. Eüitr.30Ps.Nuin.Pl.50Pf. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Keute: Grojies Sommerfest verbunden mit Garten-Konzert und Theatervorstellung. Austreten sämtlicher Specialitäten, u.a.: Paul Gcradini, Powel and Powel. DerNenbonmitHindermsskn Außerdem: Busch-Lies'l. oder: Die Mühle im Edelgrnnd. Im Saale: Gr. Sommernaehis-Ball. Ansang VI, Uhr. Eli Ire e 30 Ps. jßiitzorostr. 111/112. Täglich im Garton oder Saal: Horsts Korddeutsche Humoristen und Quartett-Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. kons haben liültlgkelt. Ostbalm-Park. Am KQstrinerplatz. RDderadorferst. 7t. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konxert, Theater und Sperialitäten- Norstellnng. Arbkitkr-SiingerbM Kerlws M Wgegknd. Sonntag, den 7. August 1904: dreizehnte! Sängerfdt im IMügcfelfchloß und Strandfchloß, frieäricbskagen. Vereine, die am Sänger-Fest,iug von Köpenick nach dem!> Restaurant Ruhwald, dicht am Bahnhof Spindlersfeld, sich beteiligen, versammeln sich im marsch von dort pünltlich 1 Uhr mittags. Die Fahrverbindung nach dem mit Damvfergesellschast.Stern" von der Jannowihbrücke und vom Schlestschcn Thor. Fahrpreis 35 Pf. Schulkinder bis zu 12 Jahren frei.— Dampfer- gesellschast Kahnt u. Herzer, Zlbsahrtstcllc siralanerbruckc, Ecke Waisendrücke. Vormittags 7, 9 und tt Uhr, gS l, 3 und 5 Uhr. Fahrpreis 30 Pf. Kinder ebenfalls frei.— Rückfahrt mit Kahnt u. Herzcr MT Achtmig!"WS ssentral-Kranken-v. Sterbe- Kasse der Tischler und andrer gewerblicher Arbeiter (E. H. Nr. 3, Hamburg) Verwaltung Berlin». Sonntag, d. 7. August, S'/, Uhr: Mitglieder-Nersammlnng bei MUhrlng, Admiralstr. 18 o. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1901. 2. Stellungnahme zu der am 11. Septbr. 1S04 stattfindenden Geueralverfammlung in Leipzig und Wahl eines Delegierten. 3. Verschiedene Kassen-Angelegen- heiten. 1S1,S Die Ortsverwaltung. von abends 6 Uhr ab, mit„Stern'.Gcsellichast von'1,10 Uhr ab.— Zum Uebecschen von Friedrichs. Hagen nach dem Müggclschloh sind auher der F-i' e noch ein Dampfer und ein Motorboot zur Stelle, welche im Brauereigarten anlegen. Preis 5 Pf. Der Vorstand. Deutscher Mtallarbelter Verbanä. Bcrwaltiixgsslelle Berlin. lanvt-Dnre««: Ungel-Vter 1 n, Zimmer 1—5. Fernsprecher Amt IV, 0070. gW- Arbeltsnachweis Amt IT, 8860."WS Montag, den 8. August, abends 8'/, Uhr, im gr. Saale der Brauerei Friedrichshain: gr General- Versammlung der Verwaltungsstelle Kerlm. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl deS zweiten Bevollmächtigten, deS Rendanrcn, zweier Revisoren, eines Beisitzers: augerdem Neuwahl von vier Beamten. 3. Anträge der OrtS- Verwaltung und an die Verwaltung gelangte Antrage. 119/2 DM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."Wg Sonntag, den 7. August, vorm. 10 Uhr, im Getver?schaftshause, Engel-Ufer IS, Saal 1: Bersmnmlnng der Bananschläger. Tagesordnung: 1. Verbands-, 2. Branchenangelcgenheiten. 3. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch lcgittmiert. __ Die Ortsrerwaltang._ Etickal-Kraakkn-u. Sterbe Kasse der Tischler Oertliche Verwaltung Rixdorf. Montag, den 8. August, abends 8 Uhr, im Lokale deS Herrn Thiel, Bergswahe 151(grotzer Saal): TageS-Ordnung: 1. Slbrechnung vom II. Quartal 1904. 2. Anträge des Vorstände» aus Er. höhung der Beiträge und Herab - sctzung de» Krankengeldes. 2. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung in Leipzig. 4. Wahl eines BeitragsammlerS. 5. Kasfenangelegenheitcn. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen wünscht S7S Die Ortsverwaltung. BrodsGeseüsetiaflsliaus am Dämrrihsee. Inhaber: M. Degebrodt vom Strandschlost am Müggelsee. Empschle Fabriken, Vereinen und Korporationen für Smmcrvergnügen und Ausflüge mein großartig gelegenes Lokal. Zwei große Säle, Hallen, ge- nügende Nebenräume, Belustigungen aller Art. Coulante Preise. _ M. Pegebrodt, Zahlstelle Berlin. Montag, den 8. August 1904, abends S'/j Uhr: Kmcheii-VcrlaiWliW der Drechsln im Köuiaftadt-Kafino, Holzmarktslr. 72(Ecke Alcxanderstrahe), oberer Tages-Ordnung: 1.»Die Grwerkschaftskämpfe einst und jetzt". Referent Genosse Brückner. 2. Diskussion. 3. Die am lt. September stattfindende Gau« konserenz der Drechsler und Wahl der Delegierten hierzu. 4. Bericht der Kommission. 5. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 87/12 Der wichtigen Tagesordnung wegen ist«S Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Tie Kommisfion. Verband der Mobelpolierer. Montag, den 8. August, abends 8'/» Uhr, Hussitenstrahe 40: Versanimluiig/-WU Arbeiter- Radfahrer- Bund „Solidarität� Sitz Frankfart am Hain, Schlensenstrasse II. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Kollegen II. Barenthin über: Lokal-«nd Central-Organisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedene». 'ür unsre Organisation von besonderer Kollegen! Da dies Thema Wichtigkeit ist, muß ein jeder zur stelle sein. Ein Damenjackett ist am Sonntag bei der Dampserpartte gesunden worden. Abzuholen bei W. Nitschke, KoPernikuSstraße S._ 147/5 Der Borstaud. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, de« 8. August, abends 8'/, Uhr, Orhentlilhe Gknelal-NkchWilung im großen Saale deS Grwerlschaftöhanses, Eugel-Nfer 16. Tages-Ordnung: 1. Wahl von fünf Mitgliedern zum BervandSvorstand und Wahl dreier Revisoren. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. 3. Ergänzunaswahl zur Ortsverwaltung. 4. Neuwahl der NcchtSschutzkommisflon. 5. Abrechnung von der Dampscrsahrt am 18. Jmrt. 6. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Wir ersuchen alle Mitglieder, in dieser wichtigen Versammlung voll- Hühl ig und pünltlich zu erscheinen. 24/12 Mttgltedsbnch legitimiert 1 Di« Ortsverwaltung. Sonntag, 14. Avg., beim„alten Frennd" in Pichtlsroerder: Geselliges Beisammensein. Zusammenkunft mit den Steglitzer und«harlottenbnrger ittiittdflvo Kollegen daselbst um 3 Uhr nachmittag Zahlreiche Beteiligung erwünscht «. O. W-IUii- g.Hks d. Tischler d. a. 9. Mler. Ortsverwaltung Berlin C. Montag, den 8. August. abendS 8 Uhr, bei Habel, Bergmannstr. S/7: MttKKtSdSK'-V«I'8»«KIuKUUK. Tage». Ordnung: 1. Kassenbericht vom II. Quartal 1904. 2. Anträge zur Statuten- Snderung. 3. Wahl eines Delegierten zur Generalversammlung am 11. September in Leipzig. 4. Verschiedene». 182/5 UW- Bei der wichtigen Tagesordnung erwarten wir, daß jedes Mit« glied zur Stelle ist.__ Die AUSVERKAUF. Wegen horrender Mietssteigerung— jährlich 1500 Mark— bin ich gezwungen, mew große» Lager in 5ö6SL' Hntku, Slhiriuea, Mutzt«, Krawatteu usw. zu verkaufen, e» kommen nur meine bekannt guten Qualitäten zum Verkauf und ist jeder be« rechtigt, bei Bezahlung 10°/, in Abzug zu bringen. UUi) Cerholdt, t Abzug zu orin vi'eÄeiierÄi'. I Ecke Skalitzerstraße. ES sind w letzter Zeit in mehreren Blättern Inserate erschienen, in welchen zum Beitritt zu dem sogenannten Arbettcr-Radfahrerbund.Freiheit" ausgcsordert wird. Der unterzeichnet« Vorstand deS 1896 gegründeten und jetzt 21 000 Mitglieder zählenden Arbeiter-RadsahrcrbundeS.Solidarität erklärt hierdurch, daß er mit diesem Bund.Freiheit" in lewcr Beziehung steht und daß der Bund.Freiheit" zu einer Täuschung und Jrresührung des Publikums Anlaß giebt, indem derselbe ein Abzeichen gewählt hat, welches dem imsren ähnelt und von Uneingeweihten sür das«nsnge gc halten werden kann, sowie dadurch, daß die Einrichtungen de» Bundes .Freiheit" samt und sonder» aus dem Arbeiter-Radsahrerbund.Solidarität" enwommen resp. diesem nachgeahmt find. Daß aber der neugebackene Bund.Freiheit" das halten kann, was er in den Inseraten anpreist, ist direkt zu verneinen. Die Milgllederzahl diese» Bundes dürste 150 nicht übersteigen. SS ergiebl dies bei einem Beitrag Pro Mitglied OTtd Monat von 20 Pf. die horrende Einnahme von 30 M. im Monat. Und von dieser gewaltigen Einnahme soll Unsallunterstützung von 6—9 M. pro Woche gel zahlt werden. ES dürste damit die Unmöglichkeit erwiesen sein, daß der Bund seine Versprechungen hallen kann. Wir fordern deshalb die Arbeiteo-Radfahrer aus zum veitritt In den Arbeiter-Radsahrerbund.Solidarität", welcher 1896 gegründet, heute 21 000 Mit« glieder zählt, im Jahre 1903 einen Umsatz von 42 890,59 M. und hatte in der« sewen Zeit 5014,20 M. an Unsallunterstützung an seine Mitglieder zur Aus- zahlung brachte. 13/13" Die Gefchästsleitung. Philipp«Ithaus. Heinrich Sachs. Ms ist der schönste Ort für Landpartien und ÄuS- flüge per Dampfer, Kremser und zu Fuß durch den Grunewald zu erreichen? Auf der Insel Bichels Werder, Wirtshaus»um Frennd. Bei«chlechtern Wetter Unterkunft(Dr 1500 Pertonen. Sonwog. 7. August: Bampfer-Sxtrafahrt Ziegenhais herrlich an,«rosfin-Gee gelegen. 59392 Msahrt 10 Uhr«on Stralauerbrücke, Ecke Waisenbrücke, Station Kahnt 4 Hertzer. Hin- und Rückfahrt 1 M., Kinder über 6 Jahren die Hälste. Sonnabeud, den 6 • kluguft: Gr. Mondschein Fahrt :n mit SommeruachtS-Ball. kwsabrt Jannowitzknückc mit Musik, verbunden mit SommeruachtS-Ball. Abfahrt Jannowttz! (Schuitheiß-Garten, Reederei Nobiling) abends 9 Uhr. Hin- und Rückfahrt 60 Pf. Billeis für beide Fahrten beim Gastwirt Lestmick«, Stralauerdrück« 1, und am Dampfer zu b.rbcn._ Max Marsche!. Tanz frei. i9lb m- Von der Michaelbrücke heute Sonnabend, den S. August, 9js, Uhr; Mondschewfahrt mt» Mufik nach Seebad Müggelwerder. � iK. Fikvt, Herren- unü Alnsdsn-tzarüerods«, ieizi 44, Prinzenstr. 44. Laden. Zeige meiner geehrten Kundschaft hierdurch ergebenst an, dass ich mein Ueschlkft von Prinzenstr. 77 in die bedeutend vergrOsserten Bttame 44 Prinzenstp. 44, SSÄohlS verlegt habe. 53641,» M onatn-Oarderobe. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mllglied, der Schlosser JUKapt Höigep am 4. d. MtS. an Gehirnschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. M.. nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Pws.Kirchhoses in Wilhelm»- beiA aus statt. Rege Beteiligung erwartet 119/2 Die Ortsverwaltung. Am Donnerstag, den 4. d. M., VPLnOTAVP. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. M., nachmittags 5 Uhr,»on der Leichenhall«, der St. Piusgemcüide in WilheuiSberg aus statt. Die Kollegen der Firma A. Herrmann u. Co. Zeuge« gesucht! Wer in der Nacht vom 1. zum 2. September� 1902 gegen 1 Uhr vor dem Lokal Sophie Charlottenstr. 80 den Streit eines Eivilisten mit einem Schutzmann gesehen hat. Unkosten w. vergütet. Kucdarski, Wiclcsstr. 39. Dr. Simmel, N""' Specialarzt sür slg/l' Alant- nnd Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntag» 10—12, 2—4. 72. CBub-Haaas Kommandanten• Strasse No. 72. Jeden Sonntag: 54832" Grosser Ball.■— Empschle meine drei Festsäle zu Bersammlungen u. Festlichkeiten. Habe noch Sonnabende nnd Sonntage frei. II. Ebert. Alte Jacobstr. 87. Telephon: Amt IV, No. 7687. Grosser Saal mit Bühne, für Vereine und Gesellschaften, Versammlungen passend, ist zu vergeben. 59191," Nur zu sprechen abends 8—10 Uhr. A. Maxfcldt. MV Gtastwlrtschaft mit Gewerkschaftsverkehr, flotter Betrieb, sichere Kundschaft sbisher üt eigner Regie der betreffenden Gcwerlschast), sogleich oder zum 1. Ottober d. I. zu verpachten oder zu verkausen. Zur Uebernahme etwa 1800 Mark erforderlich. Offerten unter P. 8 an die Expedition des „Vorwärts", Lindenstr. 69, erbeten." JH H■■ M w»a Torige Naebt! haben wir die Preise herabgesetzt u. verkaufen deshalb getrag. Herrenanzüge, Paletot», Hosen(von Kavalieren zurückgesetzt) stau- ja nend billig. j. Wand, Prinzenstrasse 17, Gr. Frankfurterstrasso 116. W P 1■ i■■■ Kolonie Schönbrück. Borort-Ver« kehr SteMner Bahn, noch etliche Land- und Waldparzellen billigen Preis von 7 Mark pro Quadratriuc abzugeben. Auch habe ein ca. 70 Ruten großes eingezäuntes Grundstück m. Sommer- Häuschen billig zu verkaufen. Krause, Zepernick, Pankschloß. 194b vi*. 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Ehre seinem And enkent Die Beerdigung findet am[ Sonntag, den 7. d.M., nachmittag», 3>/,Uhr, von derHallc desSebastiau- Kirchhofes in Rcinickendors(Hum- boidtstraße) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht s 248/4 Der Vorstand.| Central-Verband d. Zimmerer VeMjlauds! Zahlstelle Berlin«. Umgegend i Allen Kameraden zur Nachricht, j daß unser Mitglied Paul JaskiMi plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findetnm Sonn- 1 tag, den 7. d. M., nachm. 3'/, Uhr,' ans dem St. Scbastian-Kirchhof in j Rcinickendors.Sumboldtstraße, statt, j Um rege Teilnahme bittet 255/2 Der Vorstand. Ceßtral-Kpa!iken-B.S(8rbekasse der Zimmerer. E. H. Nr. 2. Hamburg. Oertliche yerwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mllglied, der Zimmerer Paul Jaskulski Schlegelstr. 9 wohnhaft, am Dienstag, den 2. d. M., verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d.M., nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des St.Sebaftwn-fttrchhoscs, Rcinicken- dors(Humboldtstraße), aus statt. Um rege Beteiligung bittet 259/13 0er Verstand Bor. II. Deutsober Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mllglied, der Former Adoir Wenzel am 3. d. M. gestorben ist. Ehre seinem AnbeuletU Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von dem Lazarus- Krankenhause aus nach dem Kirchhofe in Plötzensee statt. Den Kollegen zur Nachricht, haß unser Mitglied, der Gürtter Emil Wilhelm am 3. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andentent Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. d. Mi»., nach« mittags 2 Uhr vom Traucrhause, Proskauerstr. 15 aus, nach dem Städtischen Friedhose in Friedrichs- selbe statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Udert Klinger am 3. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. M., nach- mittags 4'/. Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Jatobi-Kirchhofes aus statt. Rege Betelligung erwartet, 119/1 Die Ortsverwaltung Deutseber Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern hiermit zur ! Nachricht, daß unser treue» Mlt- | glied, der Buchbinder H am 29. Juli plötzlich verstorben ist. Wir werden sein Andenke» ! stets in Ehren halten! 24/11 Die Ortsverwaltung. WdemotcMerValilsenilii liir ßelnickendorl u. ümgegenö. Den Genossen daß unser Mitglied zur Nachricht. 222/18 Otto ICpenzke Sonntagftr. 6, infolge eine» Unialle» am Sonn- abend, den 30. Juli, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. August, nach» mittag« 5 Uhr, von der Leichenhalle de» Reinickendorfer Friedhofes, Humboldtstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Genossen bittet 0er Vorstand. Skronta, Redakteur? Pgul Biijtncr» Berlin« Liir te» LnlWgwM ZH..VhoSe« Bttlio. Krück u. Berlag: BKrwgriS BuAdlu�rei u. KkrkaLssnstalt Kgul Krnfler&&„ Bslm S.W. die Arbeitsverhältnisse sich von Woche zu Woche ungünstiger gestalten. Der mangelnde Absatz nötigt die Zechen, wie der„Köln. Volksztg." von der Ruhr geschrieben wird, Feierschichten in grosser Anzahl ein- zulegen. Die Löhne halten sich dann auch nach wie vor auf einer niedrigen Stufe, denn dah bei den schlechten Absatzverhältnissen an eine Erhöhung derselben gedacht wird, ist ausgeschlossen. Der Durch- schnittslohn pro Mann und Schicht beträgt gegenwärtig keine 4 M. Wenn der Versand an Brennstoffen in Bälde nicht erheblich reger sich gestaltet, so steht zu befürchten, dass die Zechen, um ein weiteres Steigen der Selbstkosten zu verhüten, zu Lohnherabsctzungen schreiten. Auf den grossen neuen Zechen werden zahlreiche Arbeiter statt bei der Kohlengewinnung mit Vor- und Ausrichtungsarbciten beschäftigt. Es finden sich daher auf diesen Zechen ganze Strecken vorgerichtet, in welchen der Kohlenbau sofort aufgenommen werden könnte, wenn genügender Bedarf vorhanden wäre. Vor der Hand kosten diese Ar- beiten aber viel Geld, welches sich erst nach geraumer Zeit ver- zinsen wird. Die Vorräte in Kohlen und Koks haben in letzter Zeit bedeutend zugenommen. Im August des Jahres 1902, als ebenfalls der Absatz in Brennstoffen nach jeder Richtung hin stockte, betrugen allein die Vorräte in Kohlen auf den Zechenplätzen rund 7— 800 000 Tonnen. heute fehlt an dieser Riesenmenge auch nicht viel mehr. Es werden, vorausgesetzt, dass der Versand sich bald in einer flotteren Gangart bewegt, Monate vergehen, ehe die Bestände geräumt sind. Eine Wen- dung zum Bessern in den Arbeitsverhältnissen der niederrheinisch- westfälischen Zechen ist noch nicht abzusehen, und in massgebenden Kreisen rechnet nmn auch noch nicht damit. Der englische Eisen- und Stahlmarkt befindet sich, wie der „Frankfurter Ztg." aus London berichtet wird, noch immer in einem Zustande der Ermattung. Die Bestellungen laufen spärlich ein, man hört aber weniger Klagen über ausländischen Mitbcwerb. Die Fabriken in Barnsley sind ziemlich ausreichend mit Arbeiten versorgt, dagegen laufen aus Narrow, wo die Roheisenvorräte seit einer Woche wieder um 1000 Tonnen gestiegen sind und sich jetzt auf weit über 50 000 Tonnen belaufen, Klagen ein. In Schienen wurden einige Be- stellungen erteilt, doch haben die Hütten nicht so viel zu thun, um mit voller Kraft arbeiten zn können. Schiffbaumaterialicn werden wenig verlangt. Seit Jahresanfang sind aus Narrow nur 421 896 Tonnen Eisen und Stahl verschifft worden gegen 557 500 Tonnen in der korrespondierenden vorjährigen Periode. In den MdlandS ist das Geschäft ruhig. Tie Gefahr eines Ausstandes der Arbeiter, welche die in deir nördlichen Grafschaften gezahlten höheren Löhne ver- langten, ist abgewendet worden. In Schienen, wie im Eisenbahn- Material überhaupt, haben die Birminghamer Werke gut zu thun, und das Exportgeschäft mit Indien, Australien, Neuseeland, Kanada und Südamerika soll sich relativ befriedigend gestalten, während sich der Verkehr mit Südafrika innerhalb enger Schranken hält. Marktpreise von Berlin am 4. August. Nach Ermittelungen deS kgl. Polizei-Prüsidlums. Für 1 Doppel-Cenwer: Weizen"), gute Sorte 17,80-17,78 M., mittel 17,76-17,71 M.. geringe 17,72—17,00 M. Roggen"), gute Sorte 11,05—11,02 M., mittel 13,99—13,96 M., geringe 13,93-13,90 Äi. Futtergerstc'), gute Sorte 11,80-11,00 M., mittel 13,90 bis 13,10 M., geringe 13,00-12,20 M. Hafer»), gute Sorte 16,10-15,50 M.. mittel 15,40—11,80 M., geringe 14,70—14,20 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speiscbohnen, weihe 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln, neue, 12.00-7,00 M. Richtslroh 0,00-0,00 M. Heu 0,00—0,00 M Für 1 Kilogramm Butter 2,60-2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. •) Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. so lange der Vorrat reicht: Geld sparen Sie Pfund Pfund BERLIN N., Chaussee-Strasse 65-66. Gentzlioh geschützt D.R.G.M. 102681. Pfund Pfund ANWEISUNG Jeder Käufer omptangt aui Wunsch für jo 25 Pfg. des bezahlten Brirages eine ßparmarko Diese Marken klebe man in die auf der Innenseite der Sparkarte vorgedrucktenFelder. Sobald sämtliche Felder beklebt Hind,wird der Sparbetrag fällig u.mit 1 MARK f n har ausgezahlt. Bs ist gestattet, oie täliigen Sparkartun zu sammeln und den Sparoeirag jederzeit, auch erst am Jahresschlnss zu erheben. Pfund Pfund Pfund Pfund Pfund Pfund Pfund Aul einzelne Artikel werden keine Spermerken«ereblolgtl Pfund Dutzend 6934L Parfümerie- und Seifen-Abteilung Nr. 183. 21. Jahrgang. 2. KeilNe des Joimiitts" ßttlintt MMott Sit Et«insch«st dn Eigenen Kaplan Dasbach und die Treundesliebe. 80 Pf. von zu erhalten. ?astor Philipps und die Sitttiehheit. 10 Pf. Die Straffreiheit der gleiebpbleelitlietieii Liebe. 10 Pf. Sämtliche Schriften sind direkt zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages und Portos von: Adolf Brand, Charlottenburg, Wilhelm- platz Nr. la. m--- AA AAAA •JfäK Billigste Dampfer-Eiiralabrten von der Michaelkirchbrücke nach ZlOsesIvvi-elkrmit Musik. Abfahrt S Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags. Preis für bleibende Gäste 30 Pf. hin und zurück. Sonst 40 Pf. Kinder die Hälfte. Sonntags einfache Fahrt 40 Pf. S7KSL' nwmwmwwwwwmwwwmwwwww�wwwwwwmwwwmmwwwwwwww Die dritte Auflage ist soeben! vergriffen, die vierte, mit neuem Thatsachenmaterial, ist in Vor- bereitung. Der Sipene pflegt in Wort und Bild einen Kultus der FreundcSIicbe und JünglingSschönheit, wie er zur Blütezeit Alt-HellaS' Sitte war.— Das Januar-, Februar-, Mai» und Junihcst 1303 ist konfisziert: da» Julihest dagegen zum Preise 1,80 M. Es sind nicht die sebleebtesten Früchte, voran die Wespen nagen! 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