Nr. 184. BftonnementS'Bedlngungcn s Ilkonnements> Preis pränumerando z PicrteljShrl. S.S0 m., nionatl. LIO ÜW, wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzeln- Nummer S Psg. Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag». Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. 81. Jahrg. Die InlertlonS'GeNtyr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlfchastliche Bereins» und Verfammlungs-Anzeigen 2S Pfg. „Aleine Sn--lg«n", da» erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jede» weiter« Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag» geöfsnet. (ridKlnt tjgss» auBtr Blontaw, Verlinev VolkSlrlAkk. Telegramm-Adresse: »SozUlduMkral BtrUa". Zcntralorgan der fozialdemokrati fehen Partei Deutfdblande. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 7. August 1904. Expedition: SRI. 68, Lindcnetraoa« 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Internationale. Am 14. August tritt in Amsterdam der Internationale Socialistenkongreß zusammen, der sechste seit dem grund- legenden Pariser Kongreß von 1889. Nach den frühen Anläufen des Kommunistenbundes und der Internationalen Arbeiterastociation erhob damals die Internationale zum drittenmal ihr Haupt. Mt dem Worte«Proletarier aller Länder vereinigt Euch!* hatte das Kommunistische Manifest ge schlössen, in der Jnaugural-Adresse ward es wiederholt, in der Salle Petrelle prangte es abermals vom 14. bis zum 29. Juli 1889 über der Tribüne und seit IS Jahren leuchtet es, mählich zum Zenit auf- steigend, über der Welt des Proletariats als helles Taggestirn, als Wegrichter und Stundenzeiger. Seit dem Juli 1889 ist die Jnter- nationale des Socialismus wahrhaft aufgerichtet, ihre Tagungen haben sich ständig wiederholt, und unbeschadet ihrer besonderen Leistungen, sind sie zum Weltereignis geworden, durch die einzige Thatsache, daß sie waren. Ihre Entstehung und ihr Beharren bedeutet einen Wendepunkt in der Politik, die aus einer be- schränkten Nationalpolitik zur wirklichen Weltpolitik einer inter- ational organisierten Klasse wird. Der Internationale Arbeiterkongreß von Paris von 1339 war für seine Veranstalter und Teilnehmer kein geringes Unterfangen. Hinter ihrem Rücken tobte daheim die national- patriotische Entrüstung, wimmerte die Philisterangst, zeterte blasierte Zweifelsucht. Ihren Spuren folgten spürend und schnüffelnd die Sendlings der vaterländischen Polizeigewalt bis auf den Boden der Republik und in die glorreiche Metropole der Revolution. Theoretischer Streit, taktische Differenzen Hemmten die Arbeit. Reben dem Kongreß, den neunzehn Nationen beschickt hatten, tagte der Kongreß der Possibilisten; ein Versuch, beide Kongresse zu einem zu verschmelzen, mißlang. Das Problem, das die gesamte Arbeiter- bewegung auf ihrem Wege begleitet, stellte sich damit sogleich an die Wiege der neuen Internationale. Schien auf der einen Seite die notwendige Vereinigung der Arbeitermassen ein Hinwegsehen über Mei- nungsverschiedenheiten zweiter Ordnung gebieterisch zu erfordern, so mutzte fich andrerseits wieder nottvendig darüber Streit erheben, welche Gemeinsamkeiten der Ueberzeugung notwendige Voraus- setzungen der Zulassung wären. In der Salle Petrelle siegte der Geist der Versöhnlichkeit, die höchst inopportune UnVersöhnlichkeit der Opportunisten entschied am vierten Verhandlungstage gegen die Vereinigung. War damit durch Ersparung ausgedehnter Debatten Zeit gewonnen, so war damit fteilich auch eine Gelegenheit verloren, die Verständigung der französischen Genossen einen Schritt vorwärts zu bringen. Die Berichterstattung über den Stand der socialistischen Arbeiter- bewegung in den verschiedenen Ländern nahm den größteil Teil der Zeit in Anspruch. Anders als vordem auf den ftüheren Kongressen entrollte sich jetzt das Bild einer mächtig aufstrebenden inter- nationalen Parteibewegung. Es ergab sich auch ohne theoretische Debatte, daß die Parteien der einzelnen Länder längst zu lernen begonnen hatten, wie die schmale Fahrrinne zwischen dem parla- mentarischen und dem antiparlamentarischen 5lretinismus einzuhalten sei, wie wohl der bürgerliche Parlamentarismus zu Gunsten der Arbeiterklasse ausgenutzt werden könne, wie wenig von ihm die Er- reichung letzter und höchster Ziele zu erwarten sei. Eine«Mache" sollte die Freundschaft des Internationalen Kongresses für den Arbeiterschutz sein: die demokratische„Frankfurter Zeitung" schrie eS damals laut in die Welt. Der Säkularmensch Bismarck sollte nach' der Meinung andrer bürgerlicher Geister die Socialisten auf die Bahn der Socialreform gedrängt haben. Welche tolle Verwechselung von Wirkung und Ursache. Hatte doch schon Bebel lange bevor der erste Kanzler da? Zeitalter des socialen Königtums einleitete. im Reichstage den Plan einer Arbeiter- Versicherung entwickelt, hatte doch schon der Internationale Arbeiterkongreß von Genf im Jahre 1866 auf Vorschlag des Londoner Generalrats die Kardinalforderung alles wirklichen' Arbeiter s ch u tz e s, den Achtstundentag, verkündet I Solche Bestrebungen wurden jetzt vom Pariser Kongreß mit vermehrten Eifer aufgenommen. Ein ausgearbeitetes Programm des Arbeiterschutzes gelangte zur Annahme. Es wurde beschlossen, die Regierungen zur Teilnahme an dem Internationalen Arbeiterschutz- Kongreß in Bern aufzufordern, den die schweizer Regierung plante. Die Ersetzung der stehenden Heere durch Volksheere fand als eine socialistische Grundforderung allgemeine Anerkennung. Am 20. Juli, dem letzten Verhandlungstage, ward der erste Feiertag des internationalen Proletariats geschaffen und als Kampf- tag für die Forderung des Achtstundentages, am 1. Mai 1390 zum erstenmal begangen.„Die Arbeiter der verschiedenen Nattonen", hatte der Kongreß beschlossen,«haben die Kundgebung in der Art und Weise, wie sie ihnen durch die Verhältnisse ihres Landes vorgeschrieben wird, ins Werk zu setzen.".... An die Stelle der Berner Arbeiterschutz- Konferenz war die Konferenz von Berlin getteten. Der intcrnattonale Arbeiterschutz hatte statt der republikanischen die schwarzweißen Farben erhalten, an Stelle der ehrlichen Absicht, die Arbeiter vor den schlimmsten Gefahren des Kapitalismus zu behüten, war die minderehrliche ge- treten, den Kapitalismus durch Besänftigung der Massen vor den Gefahren einer klaffenbewußten proletarischen Bewegung zu schützen. Unter diesem Zeichen trat der Internationale Kongreß von Brüssel am 16. August 1891 zusammen. Er stellte fest, daß die Berliner Konferenz nur ein Zugeständnis an die wachsende Macht der Arbeiterklasse sei, und daß die Regierungen die not- wendigen vom Pariser Kongreß geforderten Reformen nicht wollten. Wer war es jetzt, dem die.Maske" vom Gesicht gerissen war!? wetteren beschloß der Kongreß-: 1. In jedem Lande eine permanente Enquete über die Arbeits- bedingungen und Lage der Arbeiterklasse zu organisieren. 2. Sich gegenseittg diejenigen Mitteilungen zu machen, welche notwendig sind, um die Arbeiterschutz-Gesetzgebung einheitlich zu gestalten. Auch sonst bewegte sich die Thättgkeit dieses Kongresse? im Gegensatz zur Berliner Konferenz durchweg auf Bahnen der«positiven Arbeit". Das Arbeiterschutzprogramm wurde durch einen Auttag auf Abschaffung der Stück- und Accordarbeit sowie des Schwitzsystcms erweitert. Das große Problem einer internationalen Gcwerkschafts- organisation wurde in Angriff genommen, und seine Lösung scheiterte nicht an der Verschiedenheit der Meinungen, sondern der der Ver- hälwisse, an dem reaktionären Hochdruck Osteuropas. Man mußte sich im Gegensatz zu französischen und englischen Wünschen darauf beschränken, die gewerkschaftliche Central- organisation der internationalen Arbeiterschaft als wünschenswert zu bezeichnen und die Errichtung nationaler Arbeitersettetariate zum Zweck der internattonalen Verständigung zu empfehlen. Zur Maifeier ward beschlossen: Dieser Festtag soll ein Ruhetag sein, soweit dies durch die Zu- stände der einzelnen Länder nicht unmöglich gemacht wird. Alle diese Beschlüsse wurden— ebenso wie einer, der die Gleichberechttgung der Frauen forderte— in gütlicher Vereinbarung gefaßt. Erst durch das Austreten von Domela Nieuwenhuis in der Frage des Militarismus trat die Debatte aus dem Rahmen einer fteundschastlichen Beratung heraus. Aber die Abstimmung zeigte, daßlhinter dem Anarchisteln des Holländers, der als Mittel zur Verhütung des Krieges das untaugliche Mittel empfahl, die Kriegserklärung mit dem Generalstreik zu beantworten, nur eine geringe Minorität stand. Eine Resolution ward angenommen, die die Arbeiter aller Länder aufforderte: Gegen alle Kriegsgelüste und denselben dienenden Bündnisse unabhängig und energisch zu protestieren und zu wirken. Die„Frage des Parlamentarismus" wurde gegen lebhaften Protest Domela Nieuwenhuis' von der Tagesordnung abgesetzt, wo- mit gleichzeittg manifestiert wurde, daß für den Kongreß diese Frage überhaupt nicht mehr bestand. Unter lebhhaftem Beifall konnte Singer erklären: Die Deutschen hätten wirklich keine Ursache, die Diskussion einer Frage zu scheuen, die von dem ganzen inter- nationalen Proletariat in ihrem Sinne entschieden worden und von der ganzen proletarischen Welt als gut und richtig anerkannt worden sei. Trotzdem sollte eine letzte, endgülttge Klärung über die parla- mentarische Aktion als Mittel des proletarischen Emancipations- kampfes nicht ausbleiben. Zürich entschied. (Schluß folgt.) Kirche, Schule und Proletariat. n.*) Aber allzu lange dauerte diese Schwärmerei der Bourgeoisie ftir Trennung der Schule von der Kirche, für allgemeine Volkslchule und ähnliche schöne Dinge nicht an. Genau so verräterisch wie sie sich nach der Märzrevolution in Bezug auf die übrigen freiheitlichen Forderungen benahm, wie sie sich zum Zwecke ungestörteren wirk schastlichen Raubbaues mit den absolutistischen und feudal-klerikalen Resten der ehemaligen herrschenden Klassen verband, genau so verlogen und zweideutig benahm sie sich der Volksschule gegen- über. Dem Volke gegenüber koketttert der Nationallibcralismus bis heute noch immer gern mit seiner Schulfreundlichkeit, in Wirklichkeit verhalten sich die nationalliberalen Fabrikanten auch dem kleinsten Fortschritt im gegenwärtigen Schulwesen gegenüber ebenso un- erbittlich ablehnend, wie die fteikonservativen Schlotbarone oder die konservativen Junker oder die Frommen voin Centrum. Besser als die Volksschulen heute sind, brauchen sie für kapitalistische Zwecke nicht zu sein. In dieser Anschauung begegnen sich heutzutage die Kapitalisten aller Konfessionen und aller Parteischatticrungen. Und die Konsequenz dieser Anschauung ist der Stillstand, ja der offensichtliche Rückschritt unsres Vollsschulwesens seit mehr als dreißig Jahren. Daß trotzdem die erhebliche wirtschaftliche Entivicklimg Deutschlands in diesem Zeitraum möglich war. ist ein Beweis dafür, daß die ohne Rücksicht auf das leibliche und geistige Wohl der breiten Masse vollführte Jagd nach dem kapitalistischen Profit keineswegs ein gediegenes Bolksschulwesen zur Voraussetzung hat. Keine Partei, die die kapitalistische Basis der heutigen Gesellschaft unangetastet lassen will, meint es ernst mit ihrer Fürsorge für die Volksschule. Das konservative Junkertum duldet die Volksschule nur widerwillig; wenn es nach seinen Wünschen ginge, könnte die Volks- schule lieber heute wie niorgen wieder abgeschafft werden. Das großkapitalistische Fabrikanteutum bedarf der Volksschule zur Aus- bildung der von ihm benötigten AusbeutungSobjckte. Doch darf diese Ausbildung eine gewisse Grenze nicht überschreiten, wenn sie nicht wieder unprofitabel werden soll. Da die heutige Volksschule längst diese Grenze erreicht hat, besteht die gesetzgeberische Thätig- keit der Großbourgeoisie in Bezug aus die Volksschule iin Bremsen. Die Kleinbourgeoisie bedarf auch nicht mehr ivie einst der Volks- schule. Für ihre Kinder sind die Bürger-, Mittel-, Realschulen und sonstige Zwischenanstalten eingerichtet worden. Bleiben nur die Ar- b e i t e r. die ein unmittelbares, lebendiges Juteresse an der Volks- schule haben. Alle wirklichen Fortschritte, die heutzutage hier und da im Volksschulwesen erzielt Iverden, sind deshalb auch ausschließ- lich direkt oder indirekt auf die Thätigkeit der klassenbewußten Arbeiterschaft in Reich, Staat und Gemeinde zurückzuführen. Waruni, so könnte man fragen, regen sich denn da die bürger- lichen Parteien, insbesondere die Liberalen, gegenwärtig wegen des Schultompromisses fo auf? Warum hat noch vor zwölf Jahren der Liberalismus wegen der Volksschule eine so lebhaste Bewegung entfesseln können? Nicht die Volksschule an sich war und ist dabei die Triebfeder, sondern die Volksschule wurde damals und des Liberalismus denzen haben sie war deshalb nur ein *) Siehe Nr. 182 des„Vorwärts". wird heute gern als Mittel zum Zweck benutzt. Die Volksschule dient den großkapitalistischen„Kulturkämpfern" als populärster Stnrmbock gegen das Centrum. Man hüllt sich in den Mantel der Bolksfreundlichkeit, man kämpft scheinbar für die Schule des Volkes, für ihre Befreiung von geistlicher Unter« drückung. In Wirklichkeit aber geht der Kampf nicht für die Volksschule, sondern gegen das Centrum. Vor zwölf Jahren waren die Kulturkampferinnerungen noch frischer bei den Nationalliberalen als heutzutage. Deshalb trat damals auch die Landtagsfraktion ge- schlössen in den lärmenden Kampf um die Volksschule ein. Inzwischen sind die kulturkämpferischen Neigungen abgeblaßt. die scharfmacherischen Ten- in den Hintergrund gedrängt. Es Ausfluß bewußter oder unbewußter Ehrlich- keit, wenn die nationalliberale Laudtagsftaktion durch ihre Zu- stimmuug zum Schulkompromiß erklärte: ivarum so viel Lärm um einen Eierkuchen! Was ist uns die Volksschule I Was ist uns Hekuba I Das„Volk" fangen wir durch unsre scheinbare Schul- freundlichkeit doch nicht mehr ein, das hat das Dreinüllionentum vom vorigen Jahre erneut bewiesen. Und zudem: dem Volke muß die Religion erhalten bleiben, ganz gleich, ob offen durch die Konfessionsschule oder von hinten herum durch die doch fast nirgends vorhandene Simultanschule. Die Arbeiterschaft kann dem bürgerlichen Froschmäusekrieg um die Volksschule mit kühler Gelassenheit zuschauen. Zwar geht es um die Schule, die von den Kindern des Proletariats besucht wird, und insoweit ist die Arbeiterklasse äußerst daran interessiert, ob diese Schule noch leistungsfähiger gemacht werden soll als sie es jetzt schon ist. Aber die klassenbewußte Arbeiterschaft hat keinerlei direkten Einfluß auf die maßgebenden Instanzen, die sich in_ Preußen um die Volksschule streiten. Durch das erbärmliche Dreiklassen-Wahlsystem Ivird sie aus dem preußischen Abgeordnetenhause fern gehalten. Sie muß deshalb ab- warten, was die bürgerlichen Feinde der Volksschule für die iveitere Verschlechterung' der Schule des Volkes für gut befinden. Sollte das Ziel der Volksschillbildung abermals zurückgeschraubt werden, so wird die Arbeiterschaft sich mit der beruhigenden That« fache zu ttösten wissen, daß die Volksschule nur einen der vielen erzieherischen und unterrichtlichcn Faktoren für die Heranwachsenden Menschen darstellt. Wer die Schule hat, hst damit immerhin noch längst nicht die Zukunft. Andrerseits wird aber jede von den bürgerlichen Feinden der Volksschule zu Ungunsten der vorwärts- strebenden Arbeiterklasse bewirkte Rückwärtsrevidierung der BildungS- ziele in zunehmendem Maße die revolutionäre Energie des Proletariats verstärken, bis eS Kraft genug gewonnen hat, um mit dem heutigen Bilduugselend gründlich aufzuräumen. Und nun noch ein Wort zur Stellung der Arbeiterschaft gegen- über der Kirche in Bezug auf die Schule. Im feudalen Mittelalter war die Kirche allmächtig, und sie herrschte auch unumschränkt in der Schule. Die in den Städten des Mittelalters begonnene Emanzipation des Staates und der Schule von der Kirche hat zu dem heutigen Kompromiß zwischen Staat und Kirche bezüg- lich ihrer Herrschaft über die Schule geführt. In der socialistischen Zukunft wird die Kirche weder herrschen, noch wird mit ihr auch nur die Herrschaft geteilt werden; sie wird Privatsache des Einzelnen werden. Iii der öffentlichen Schule der Zukunft ist deshalb für Kirche und Religionsunterricht kein Platz. Dieser principielle Bruch mit der Kirche ist im Nahmen der heutigen Gesellschaftsorganisanon nicht möglich. Dafür hat sich die Kirche zu fest an alle Erscheinungsformen des bürgerlichen Staates anzuklammern verstanden, so daß sie mit ihnen berwachfen erscheint. Die Befreiung des Staates und der Schule von der Kirche geht Hand in Hand mit der ökonomischen Befreiung des Proletariats von der bürgerlichen Gesellschaft. Wenn bis dahin der traute Bund zwischen Kirche und Bourgeoisie aus Furcht vor der beiden vom Proletariat drohenden Gefahr noch inniger als bisher werden sollte, auch in Bezug auf die � Volksschule, so muß sich das Proletariat damit abfinden:»Die Tyrannen reichen sich die Hände." Eine ctivaige gemeinsame Aktion des Proletariats mit den linksstehenden bürgerlichen Parteien gegen die weitere Verkttchlichung der Volksschule scheitert an der Unzuverlässigkeit des bürgerlichen Liberalismus. Die Linksfreisiunigen und die Jung-Nationalliberalen können diese Unzuverlässigkeit nicht erheblich vermindern. Die Befreiung der Arbeiter auch auf dem Gebiete der Schule kann nur das Werk der Arbeiter selb st sein. Die Kräftigung der Socialdemokratie auf allen Gebieten ist die einzig verläßliche und Erfolg versprechende Gegenaktion der Arbeiterschaft gegen die augenblicklichen und gegen alle zukünftigen schulfeindlichen Unitriebe des Bürgertums.— poUtifche deberfiebt. Berlin, den 6. August. Die innere Zersetzung. Der„ReichSbote" begrüßt die baldige Rückkehr des Kaisers von der Nordlandfahrt in schmerzensvoller Klage über die Zersetzung der deutschen Zustände: „Man darf der Wiederkunst deS Kaisers dieSmalmitbe- sondererSpannung entgegensehen; er steht vor verschiedenen persönlichen Entschlüssen, denn die Eindrücke, jdie er in der nordischen Ferne von den Zustände» im Reiche empfangen haben wird, dürsten ihn wenig erbaut haben. Wir unsrerseits haben kaum einen Hochsommer erlebt, wo u»S die innere Zersetzung derselben fühl- barer und schmerzlicher zum Bewußtsein gekommen wäre, obwohl die Keinie und Ansätze derselben von uns schon seit längeren Jahren empfunden und auch öffentlich behandelt worden sind. Damals hat man uns nicht selten der Schwarzseherei geziehen. heut denkt und spricht man vielleicht anders. Wollten wir ältere Urteile wieder abdrucken, so würde man feststellen können, daß sie. damals bekämpft, heute eine Art oommuuis opinio(allgemeine Ansicht) der polittschen Welt über die Schattenseitendes herrschenden Regimes bilden." Der Zusammenbruch der Kirchenbau- Frömmigkeit im Mrbach- Skandal hat die stamme„Reichsboten"-Seele tief getroffen. Es ist ein grausiges Geschick, das diese Fronimen im Lande ereilt: Frömmigkeit und Kirchenbau sollten die Not der Zeit bannen und den Aufruhr der Massen beschwichtigen; nun ist gerade aus dem rettenden Kirchenbau die Fäulnis furchtbar aufgestiegen. Den Hof- bank-Hochsommer vergessen sie nicht schnell wieder, die als höchsten Grundsatz verkündeten, daß„ d e_m Volke die Religion erhalten werden muß".— Schmutzigste Russcnfrciindschast. Es ist das Verhängnis der Nussenfreundschaft, vom offiziellen Rußland durch schnödesten Undank und peinlichste Blamagen ver- gölten zu werden, haben wir nicht nur in Europa beobachten können. Auch die bedauernswerten Herren Kriegs-Korrespondenten haben es erfahren. Ein bemerkenswertes Opfer seiner Russenneigung ist unter andren der Kriegs- Berichterstatter der Firma Masse, Herr Oberst a. D. Gaedtke, geworden. In glühendstem Knuten- enthusiasmus machte er sich an seine Arbeit. Schon im europäischen Rußland preßte er sich flammende Russenbegeisternug ab: was er über die grandiosen Kriegsvorbereitungen Rußlands zu verkünden wußte, erfüllte alle, die für Japan Sympathien empfanden, mit bangster Besorgnis. Und je weiter er nach Ostasien gelangte, desto russenfreundlicher wurden seine Schilderungen. Die sibirische Bahn war ein Muster von Leistungsfähigkeit, sie beförderte täglich Tausende von Mannschaften und unendliches Kriegsmaterial. Und welche Truppenmassen sah er erst in Eharbin und Mulden! In welch kriegerischer Stimmung befanden sich diese zahllosen Truppen. Arme Japaner, wie wollten sie diesen Armeen standhalten I Und welche Dummheiten begingen dann diese Japaner, statt den strategischen Ratschlägen des Herrn Gaedtke zu folgen. Je tiefer sie in die Mandschurei hineinrllckten, desto rettungsloser gingen sie ihrem todsicheren Verderben entgegen; je mehr sie ihre Operation ver- zettelten', desto kläglicher mußten sie aufgerieben werden. So schrieb und drahtete der Herr Oberst Tag für Tag, Woche fiir Woche— und alles, alles kam so ganz anders! Die Strategie der Japaner waren Musterstücke glänzender Berechnung, alle Schlachten Siege der Japaner, bis dann Kuropatkin völlig in der Tinte saß. Bis sich herausstellte, daß die ganze ungeheuere, von Herrn Gaedtke so gepriesene russische Kriegsvorbereitung und Kriegs- stärke nichts waren als jämmerliche Potemkinsche Coulissendörfer! Armer Gaedtke! Wäre er nie nach Ostasien gegangen, so wäre er ein ernsthafter Militärschriftsteller geblieben. Nun ist er das wehrlose Stichblatt aller Witzbolde geworden. Herrn Gaedtke ist es freilich nicht allein so gegangen. Auch andre Berichterstatter haben mit ihrer Russenfreundschaft bitterböse Erfahrungen gemacht. Ein gar wehmütiger Schmerzensansbruch über die Vergeblichkeit der Selbsteutwürdigung ist der Bericht, den der Kriegskorrespondent C. Baron B i n d e r- K r i e g l st e i n in einem Blatte über seine ostasiatischen Erlebnisse gieht. Er erzählt, wie die Korrespondenten nach Lianjang kamen und wie sie von dort wieder per Schub nach Mulden gebracht wurden. Doch lassen wir ihn selbst sprechen: „Inzwischen waren dort mehrere meiner Kollegen an- gekommen und saßen auf der Stein treppe— niedergeschlagen, vergrämt und übern äsch t i g auf ihre tadellosen Gamaschen starrend.„Nanu? Warum gehen Sie denn nicht hinein— ist der O b e r st L j u b o f f nicht d a h e i:n?"... „Doch! Aber er hat erklärt, er dürfe uns nicht em- p f a n g e n und keinerlei Auskunft erteilen. Wir müssen alle mit dem nächsten Zuge nach Mulden zurück und dort das Weitere erwarten." Der mit dem Verkehr der Presse betraute Offizier wollte uns also nicht einmal empfangen! Das war ja reizend, und NUN wußten loir, daß uns eine riesige Nase gedreht worden war. Aber so rasch wollte ich das Spiel nicht verloren geben. Wenigstens Sicherheit wollte ich haben, wann diese Sperre zu Ende sein lvürde, oder ob>mr immer hinter der Front bleiben müßten. Also schlich ich verstohlen zum Quartier des Generals Sacharow, des Generalstabschefs, und sendete ihm eine Karte mit der Bitte, mir einen Paß nach Schanhaikwan auszustellen, da ich den Kriegsschauplatz verlassen Ivollte. Ich rechnete mit Bestimmt- heit darauf, daß man mir dieses Verlangen rundweg abschlagen würde, und wollte dann meine weiteren Fragen stellen— denn die Absicht, den Feldzug auf russischer Seite mitzumachen, hatte ich seit Einsicht in die Bestimmungen aufgegeben und dachte nun daran, zu den Japanern, oder wenigstens auf neutralen Boden zu gelangen. Ein Adjutant brachte nur den Bescheid, mich wieder an Oberst Ljuboff zu wenden, und erst nachdem ich entschieden protestiert hatte, daß man von jenem Offizier ja nicht einmal vorgelassen würde, gab man mir einen Unteroffizier mit, an dessen Hand ich endlich in das Zimmer des Unsichtbaren gelaugte. In zwei Kammern, welche zusammen kaum sechzehn Quadrat- meter Bodenfläche aufwiesen, saß der Oberst mit fünf Schreibern, und es war nicht möglich, in das vollgepfropfte zweite Zimmer ein- zudringen. Wir sprachen durch die offene Thüre. Der Ober st — mit dem Verkehr der Journali st en betraut— sprach bezeichnenderweise kein Wort einer fremden Sprache, sondern einzig nur allein ein— jedenfalls fehlerloses Russisch. Er war über die neuerliche Störung sehr unwirsch und meinte, ich ginge ihn nichts an und möge mich an Oberst Rosario wenden...... Endlich zwölf Uhr mittags kam Oberst Rosario, ein schlanker, eleganter Offizier, aus dem Pavillon des Generalstabschefs und ging nach seinem Hause. Wir kamen in einer geschlossenen Gruppe an, sahen uns gegenseitig an und grinsten wie auf Kommando— wir waren doch schon zu begierig, zu erfahren, in welcher Art unsre Ausweisung erfolgen würde. Zwei Gendarmerieoffiziere brachten ein Telegramm. Ich trat als erster vor und nannte meinen Namen... sekundenlanges Suchen im Telegramm und dann„Kak familia?" Oh! B.-K. Eogeni Karlovitsoh?..."„Tak totschno!"„Genau so I d. h. Jawohl!" meine prompte Entgegnung. Daraufhin eine kurze ein- ladende Bewegung in der Richtung des Bahnhofes„Mukden pashalistje!"(Bitte nach Mukden z u r ü ck I"j„?U!itseimo gospodin!"„Ausgezeichnet mein Herr!..." Ich war fertig. Etivas länger dauerte es mit den Engländern, welche selbstredend viel zu stolz gewesen waren, um auch nur die gebräuchlich st en russischen Phrasen aus- wendig zu lernen. Ein Dolmetsch kam angetanzt.„Watb's your name?..."„Hands from the Daily mail!"...„Oh! yes! Hauds... Charles Hauds... Mukden pashalistje!" Fertig. Die russischen Offiziere thaten ihr Möglichstes, um uns jeden Groll zu verscheuchen, und man rief uns ein herzliches„Auf Wiedersehen!" zu, als wir losdampften. Bitter, unsagbar bitter war das Ganze aber doch. Denn jeder Tag, welchen man hier in aussichtslosem Warten verbrachte, kostete uns schweres Geld unter fünfundzwanzig Rubel täglich war ein halbwegs menschenlvürdiges Dasein ausgeschlossen und man erlebte und sah in einer Woche kaum genug, um fiir ein farbloses Feuilleton Stoff sammeln zu können.... Nachts kamen wir nach Mukden zurück und wurden auf der Station vom Gendarmerie- Kommandanten in Empfang ge- nommen... Nach langen Fragen wurde uns endlich der angenehme Be- scheid zu teil, daß wir uns wohl für zwei weitere Monate in Mulden einrichten müßten und vor Ablauf dieser Frist gar nicht daran zu denken sei, daß wir nach der Front dürften. Und trotzdem erst zwei von uns als Reporter offiziell anerkannt worden waren, zwang man uns, unsre Berichte der C e n s u r borzulegen. Von fünf Artikeln, welche ich ein- reichte, wurden zwei unter demBlaustifte des Baron v. Hoven so jämmerlich verstünrmelt, daß die eigne Mutter sie nicht wiedererkannt hatte, und mit den drei andern scheint man irgendwo ein Feuer an- g e ni a ch t z n haben. Und, wohlgemerlt, diese fünf Berichte waren für die Ceusur geschrieben und bestimmt gewesen, und ich hatte sie im schmutzigsten Nusscnfrcuiidschnftsstil geschrieben." Trotz„schmutzigster Nussenfreundschaft" so— russisch behandelt zu werden, ja, wir begreifen es, das ist sehr bitter! Das empfindet sogar die„Kreuz-Zcitung", ist es doch gerade dies Blatt, dem wir diese Stelle entnehmen, ist es doch gerade ihr Korrespondent, der sich des„schmutzigsten Russenfreundschaftsstils" vergeblich bediente. Herr v. Binder-Krieglstein bekam die Sache freilich dick und dampfte wieder heim. Die„Kreuz-Zeitung" selbst aber wird der schmutzigen Russenfreundschaft niemals über- d r ü ss i g werden I— Veutfckes Reick. Koloniale Mißstände. Einer besonders liebevollen Beachtung erfreut sich bei der „Kolonialen Zeitschrift", auf Grund deren Mitteilungen wir gestern die unglaublichen Zustände in der südwestnfrikauischen Rechtspflege veröffentlicht haben, auch der Gouverneur von Samoa, Dr. S o l f; ihm wirft die Zeitschrift vor, daß er durch ein auto- kratisches Regiment, durch Brüskierung aller der Kolonisten, die nicht in sein Horn blasen, und durch eine llmschmeicheluug der Eingeborenen die Interessen der Deutschen schädige. Wenn nun weiter nichts be- hauptct würde, dann wären wir die letzten, äne darauf irgend welches Gewicht legten: bei der genaueren Untersuchung würde sich vielleicht herausstellen, daß die„Umschmeicheluug" der Eingeborenen weiter nichts ist als ein verständiger Schutz der Widerstandsunfähigen gegen kapitalistische Ausbeutung. Aber in der neuesten Nummer der erwähnten Zeitschrift werden Dinge von dem Gouverneur behauptet, die, wenn sie wahr sind, die K o l o n i a l v e r w a l t u n g zu einer schleunigen Abberufung und einem Disciplinar- beziv. Strafverfahren gegen Dr. Solf veranlassen müßten. Ueberall, so meint die Zeit- schrift, glaubt die Verwaltung unsrer Kolonien es ihrem Ansehen schuldig zu sein, in häufig rein private Verhältnisse eingreifen zuj müssen, um vermeintliche Uebelstände abzu- stellen; dann geht es weiter:„Die unerhörten Ver- folguugen der Pflanzer in Samoa haben nicht zum mindesten ihren Grund darin, daß diese sich gegen die Einmischung des Gouverneurs iu�ihre Privatangelegenheiten zu wehren begannen, eine Gegenwehr, der mit Gefängnis ein Ende gemacht werden soll." Was heißt das? Soll damit behauptet werden, daß Dr. Solf die Macht, die vom Reiche in seine Hand gelegt wurde, rechtslvidrig mißbraucht? Wir stellen eine solche Behauptung nicht auf und würden die Andeutungen der„Kol. Zeitschr." von vornherein als unwahr erachten, wenn nicht aus den Kolonien nur allzu viele Fälle des Machtmißbrauches erwiesen worden wären. Aber Aufklärung auch über diese Vorgänge in Samoa ist dringend erforderlich.— Wann werden die neuen Handelsverträge in Kraft treten? Gegen die Wünsche der Agrarier, daß der deutsch-russische Handels- vertrag baldigst dem Reichstage vorgelegt und in Kraft gesetzt werden möge, richtet sich eine ersichtlich offiziöse Notiz der„Berliner Poli- tischen Nachrichten". Allerdings wird nicht direkt erklärt, daß vor- läufig an eine Einbringung der Verträge zu denken sei. Die Zurück- Weisung des Verlaugens der agrarischen Presse erfolgt vielmehr in diplomatischer Weise derart, daß allerlei besondere vorbereitende Arbeiten aufgezählt werden, die erst erledigt werden müßten, ehe die Bestimmungen der bisher abgeschlossenen Handelsverträge zur Aus- führung gelangen könnten. „Die große gesetzgeberische Aktion", heißt es in der betreffenden Notiz,„die durch das neue Zolltarifgesetz eingeleitet ist und durch die neuen Handelsverträge zum Abschluß gebracht werden soll, wird einige Gesctzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen im Gefolge haben. Dahin gehört zunächst eine Novelle zum Vereinszollgesetz vom Jahre 1869. Das Gesetz, das von der Zollerhebung, von Waren- Einfuhr,-Ausfuhr und-Durchfuhr, von der Behandlung der Reisenden, dem Warenverschbiß, von den Zollniederlagen, von den Verkehrs- erlcichterungen u. a. m. handelt, ist im Laufe der Jahre etivas ver- altet, die von ihm behandelten technischen und kommerziellen Ver- Hältnisse haben neue Formen angenommen. Es ist schon deshalb notwendig, es umzugestalten und auszubauen. Aber auch auf Grund der neuen zoll- und handelspolitischen Situationen, die in einer nahen Zeit zum Abschluß gebracht werden sollen, wird die Frage der Neuregelung verschiedener materiell wichtiger Punkte in dem Gesetze brennend. Seine Ausgestaltung ist denn auch schon vor einiger Zeit in Arbeit genommen. An der zuständigen Stelle hofft man, einen entsprechenden Entwurf dem Reichstage noch in seinem nächsten Tagungsabschnitte vorlegen zu können. Ob dies allerdings bei der Schwierigkeit der zu be- handelnden Materie und bei der großen Zahl der neu zu ge st altenden Einzelheiten möglich sein to i r d, bleibt abzuwarte n." Außerdem müsse aber auch das statistische Warenverzeichnis zum Zolltarif fertiggestellt werden, und schließlich machten die neu- abgeschlosseneu Verträge verschiedene Vertoaltungsmaßnahmen nötig, z. B. allerlei Vorschriften über die Einfuhr bestimmter Waren unter Verwcndungskontrolle.„Auch hier", heißt es dann in gesperrter Schrift,„wird es noch Arbeit in Hülle und Fülle geben, ehe die ini neuen Zolltarifgesetz und in den neuen Handelsverträgen geschaffenen Bestimmungen zur Zufriedenheit aller Beteiligten werden zur Aus- führung gelangen können." Ob die Agrarier sich durch derartige Gründe zur Geduld stimmen lassen iverden?— In Mirbach- Berteidignng versuchen sich seit einigen Tagen wiederum einige seiner Getreuen. Es lohnt sich nicht, diese Mohren- Waschartikel zu verzeichnen; es läuft allemal darauf hinaus. Frei- Herr v. Mirbach sei persönlich ein ehrenwerter Mann und hat so viel, ach so viel für fromme Werke vollbracht. Für das Wesen der Sache scheint diesen Verteidigern, von der Art des Ober- Hofpredigers Dr. Dryander, jedes Verständnis abzugehen— und das ist wiederum bezeichnend für die ganze Angelegenheit. Sie reden allerlei nebenbei und erkennen nicht den Grund des Nebels im Bunde der christlichen Frömmigkeit mit dem unchristlichen Reich- tum. Und noch immer fehlt die Aufklärung, wie Freiherr v. Mirbach Leuten wie Schultz und Romeick Kommerzienratstitel und Hofbank- firmen verleihen konnte. Alles Geschwätz Rettungsbeflissener rettet hier nichts mehr. Die weiteste Oeffentlichkeit weiß, was sie von der Religion, von der Ordnung, von den Sitten in den Mirbach- Kreisen zu halten hat! Nebenbei nur ein Beispiel, wie oberflächlich— um uns milde auszudrücken die Verteidiger verfahren, giebt die Be- hauptung des Oberhofpredigers Dr. Dryander:„den 23 den ver- schiedensten Kreisen angehörenden Unterzeichnern der Erklärung(ge- meint ist die Ehrenerklärung sämtlicher frommen Vereine) ist es eine Gewissenssache gewesen, auf Grund einer 16jährigen Gemein- s ch a f t die Arbeit mit Herrn v. Mirbach... für den schwer angegriffenen Mann und sein Werk öffentlich aufzutreten." Thatsächlich ist aber davon gar keine Rede, daß die hold verbundenen geistlichen und finanziellen Unterzeichner der Ehrenerklärung 16 Jahre lang mit dem Kirchenbau-Freiherrn gearbeitet haben. Beispielsweise ist der mitunterzeichnete Präsident der Seehandlung Herr H a b e n st e i n erst einige Jahre in seiner jetzigen Stellung und überhaupt erst fünf Jahre in Berlin; vorher war er simpler Amtsrichter und noch nicht der Gnade teilhaftig, mit dem Oberhofmeister der Kaiserin fromme Werke zu wirken. So stimmt es bei den Mirbachverteidigern ebenso- wenig wie beim Mirbach selbst.— Hauswirt und Mieter. Nach den kuriosen Debatten der vorauf- gegangenen Tage brachten die Verhandlungen des 26. Ver- bandstages der städtischen Hans- und Grund- besitzer- Vereine am Freitag endlich ein Referat, das etwas mehr bot als bloße Variationen der für den Verbandstag von Herrn Hartwig ausgearbeiteten schönen Denkschrift. Der freisinnige Land- tags-Abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Cohn-Dessau referierte über das Verhältnis des Hauswirts zum Mieter und forderte, daß dieses Ver- hältnis so ausgestaltet iverden müsse, daß es„dem socialen Empfinden gerecht" werde. Von so irgend etwas wie einem socialen Empfinden wollten jedoch die meisten Herren Haus- besitzer nichts wissen, und Herr Cohn stieß im Ver- laufe seiner Rede mehrmals auf sehr energischen Wider- spruch. Besonders als er ausführte, man dürfe die Wirt- schaftliche Lage der Mieter nicht ungebührlich ausnützen; der Hausbesitz dürfe kein Beruf sein, sondern nur eine Kapitalsnutzuug. Ferner als er gegen die überscharfen Mietskontrakte sprach und er- klärte:„Von zu weitgehenden Vorschriften muß abgegangen werden. ES ist manches gesündigt worden, es giebt Verträge, die von den Gerichten nicht anerkannt werden und die öffentliche Meinung un- günstig beeinflussen." Von den nachfolgenden Rednern sprachen sich die meisten für scharfe Mietskontrakte aus. Auf die öffentliche Meinung sei keine Rücksicht zu nehmen, die Hauswirte müßten sich, da das Bürgerliche Gesetzbuch- zu„socialpolitisch" sei, durch besondere Ver« träge schützen. Schließlich erklärte Verbands-Direktor Baumeister Hartwig-Dresden:„Die ö f f e n t l i ch e M e i nn n g i st i r r e« geleitet, die politischen Parteien sind einig in ihrer Feind« seligkeit gegen den Hausbesitzer. Die schlimmsten Hausbesitzer sind aber meist die, die noch vor ein bis zwei Jahren selbst Mieter waren." Damit war die Frage endgültig gelöst.— Ungesetzlichkeit gegen Boykott. Der Boykott, wenn er von Arbeitern geübt wird, mißfällt sächsisch en Behörden. Also erläßt dieAmtshauptmannschaftLeipzig diese interessante „Bekanntmachung": „Nach wiederholten Vorkommniffen der letzten Zeit sieht sich die königliche K r e i s h a u p tm a nn s ch a f t im Interesse der Anftechterhaltnng der öffentlichen Ordnung veranlaßt, hierdurch folgende Bestimmung zu treffen: Wer in Zukunft es unternimmt, den Gewerbebetrieb eines andern dadurch zu stören oder zu beeinträchtigen, daß er öffentlich vor einer Menschenmenge oder durch Verbreitung von Schriften oder durch öffentlichen Anschlag dazu auffordert, in einem bestimmten Gewerbebetriebe keine Waren an- zukaufen oder zu b e st e l l e n bez. in einem b e- st i m m t e n G e s ch ä f t s l o k a l nicht zu verkehren, wird mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft." Wäre der Erlaß so gesetzlich wie er ungesetzlich ist, so würde sicherlich die kgl. sächsische Behörde zunächst über die Militär- kommandeure Geldstrafen bis zu 150 M. oder Haft bis zu 14 Tagen verhängen, welche den Soldaten fortgesetzt befehlen, in bestimmten Gewerbebetrieben nicht zu kaufen und nicht zu verkehren. Die Militärkommandeure dürfen jedoch beruhigt sein, keine Amts- und keine Kreishauptmaunschaft hat das Recht zu derartigen Straf- Verfügungen. Was nach Reichs- und Staatsgesetzen nicht verboten ist, kann durch Polizei-Organe nicht zur strafbaren That um- gehext werden.— In Schaumburg-Lippe ist die durch den Tod des bisherigen V Vertreters nötig gewordene Reichstags-Ersatzwahl aus den 1. September angesetzt worden.— Ein Jubiläum. Am 7. August 1834 erfolgte die Hiffung der deutschen Flagge in Angra Pequena und die Erklärung der deutschen Hoheit über das ganze afrikanische Küstengebiet zwischen dem 26. Grad s. Br. und dem Kap Frio, mit Ausschluß der in englischem Besitz befindlichen Walfischbai. Aus diesem Schutzgebiet entwickelte sich die Kolonie D e u ts ch- S ü d w e st a f ri k a, die also jetzt ihr 20 jähriges Jubiläum begeht. Die Kolonie hat dem deutschen Volke viel Geld gekostet und viel Schande eingebracht. Sie gab den Schauplatz für die Mordthat des verrückten Prinzen und für die Aufreizung der Eingeborenen zum verzweifelten, blutigen Aufstand.— Der terroristische Kladderadatsch". Auch der„Kladderadatsch" ist unter die„Schnorrer und Ver- schwörer" gegangen, wie Reichskanzler Bülow sagt, unter die Hoch- Verräter und Verherrlicher des Hochverrats, gegen welche die deutsche Reaktions- und Abel-Presse flucht und hetzt und den Staatsanwalt anruft. Diese Presse wird in Entsetzen erkennen, daß die Satire des anerkanntesten Nationalliberalismus hochverräterisch verwildert ist. Die russischen Ereignisse und der deutsche Russendienst der jüngsten Zeit haben eS bewirkt. Wir verzeichnen die folgenden satirischen Bemerkungen und Ge- dichte des«5kladderadatsch": >» Der Gemütsmensch. P l e h w e war ein Mann von weichem Gemüt. Keinem Würmchen konnte er ein Leid anthun. Wenn er einmal etwas zertrat, waren es immer nur Menschen. Als der Königsberger Prozeß zu Ende war, atmete der Zar erleichtert auf.„Dank den Heiligen!" rief er.„Ein Vergnüge» ist es nicht, so lauge Zeit auf der Anklagebank zu sitzen." Plehwes Ermordung. Wohl schrecklich ist die That, doch denkt daran, Ihr, die ihr eilt, den Thäter zu verdammen: Wie viel Nnthaten hat vollbracht der Mann, Der, selbst getroffen, eben brach zusammen I Daß endlich voll das Maß ward seiner Schuld, Wie manches Jahr hat dazu beigetragen! Wenn endlich ist gerissen die Geduld Des armen Volks, wer will's deshalb verklagen 7 Ein Schauer geht durchs weite Russenland: Das war der Anfang nur, wie wird es enden? O, eine Göttin, N e in e s i s genannt, Steht da, die Sense haltend in den Händen. * Der Optimist Als von Norderney herüber Bernhard Bülow jüngst gekommen. Fand die Räte er in trüber Stimmung sichtlich und beklommen. Einem jeden sprach der Aerger Stets noch aus dem Angesichte, Den ihm schuf die Königsberger Hochverrats- und Mordgeschichte. Ja, noch stand's den Herren allen In den Zügen klar geschrieben: „Arg sind wir hineingefallen; Wären wir davon geblieben: Höchst erfreulich war das Ende Für die Mörder und Beleid'ger, Und es rieben sich die Hände Die geriebenen Verteid'ger. Ach. wie Hieb auf Hieb da krachte Auf die Petersburger Größen! Wie's den Kerlen Freude macht«» RMands kraule Scham zu bloßen! Und es muhte zu der Hörer Lust sich Schönstedt lassen sagen, Wie man s anfängt, wenn Verschlvörer Mit Erfolg man will verklagen!" Bernhard B ü l o w, den im Kinne Ziert das Grübchen, sah das heiter. In dem stets zufriedsien Sinne Dacht' er nicht der Sache weiter. Lächelnd hold aus guten: Herzen, Wie's erwünscht ist Photographen, Sprach er:„Das macht euch noch Schmerzen? Deshalb mögt ihr ruhig schlafen. Daß wir nichts herausgebissen, Ist das wirklich zu bedauern? Daß der Staatsanwalt mit Schmissen Heimkam, sollen drum wir trauern? Dies auch zu fruktifizieren, Ziehn wir gleich daraus die Lehre: Sich für Rußland zu blaniieren Ist noch immer eine Ehrel" HuslancL Und wieder im Kaukasus! Im vorigen Monat wurde in R u s si s ch- Ar m e n i en der Vicegouverneur A n d r e j e w in Jelissawetpol auf offener Straße erschossen. Jetzt kommt ans Moskau die Kunde, daß in der Nacht zum 24. Juli der Kreischef von Surmalu im Gouvernement Eriwan Oberstlieutenant v. Boguslawski ebenfalls auf der Straße erschossen worden i st. Und wie im Fall Andrejew ist der Thäter nicht ermittelt, die Sympathie des Volkes ermöglichte seine sofortige Flucht. Boguslawski, so teilt die„Vossische Zeitung" mit, der den Posten als Kreischef von Surmalu seit einigen Jahren bekleidete, hat sich von Anfang an als ausgesprochener Gegner der Armenier erwiesen. Auch er hat, gleichwie Andrejew, hervorragenden Anteil genommen an der Unterdrückung der vorjährigen Unruhen, die eine Folge der Beschlagnahme des armenischen Kirchenvermögens waren. Um die Absicht der Armenier von Surmalu, sich mit ihren Volksgenossen außerhalb des Kreises ins Einvernehmen zu setzen, zu verhindern, verhängte Boguslawski den Belage- rungs zustand über den ganzen Kreis und ließ alle Wege durch Kosaken absperren, so daß Handel und Verkehr gänzlich lahmgelegt wurden. Als am ö. September vorigen Jahres einige hundert Annenier den Kordon dennoch durchbrechen wollten, inn sich nach Etschniiadsin zu begeben und dort einen Protest zu überreichen, erfolgte ein Zusammenstoß mit der bewaffneten Macht und Boguslawski selb st tötete und verwundete an der Spitze seiner Kosaken einige Armenier. Seit jenem Tage war sein Schicksal entschieden. Das damals gefällte Todesurteil des„Armenischen Komitees" ist nunmehr vollstreckt worden.— Italien. Die Ansliefcrung der beiden Rnffen. Rom, den 4. August. sEig. Ber.) Nachdem der„A v a n t i" die von uns bereits berichteten Einzel- heiten über diese skandalöse Rechtswidrigkeit gebracht hat, rückt endlich die offiziöse„Tribuna" und der„Capitan Fracassa" mit einem langen Dementi heraus. Darin heißt es unter ander», Filippowsky sei wegen Betteins verhaftet und auf den Schub gebracht worden. Um sich recht gut informiert zu zeigen, spickt die„Tribuna" ihr Dementi mit zahllosen Einzel- heiten. Leider hat sie das Pech, daß der„Avant!" sie Stück für Stück widerlegen kann. Alle ihre schönen Einzelheiten über Alter, Wohnort usw. sind falsch, es sei denn, daß zwei Russen gleichen Namens gleichzeitig in Rom waren, die beide der Polizei in die Hände fielen, was doch nicht gerade wahrschein- lich ist. Gestern wurde ein Redakteur des„Avauti", Genosse G i o- V a n» i de N a b a, auf die Staatsanwaltschaft geladen. De Nava erklärte sich bereit, der Staatsanwaltschaft, die eine Verfolgung einzuleiten verpflichtet ist, alle Dokinncnte zur Verfügung zu stellen. Vorsichtshalber hat man sie allerdings erst photographieren lassen. Auch im V a t i k a n ist man durch die Enthüllungen sehr peinlich berührt. Abzuleugnen wagt man nichts, wohl weil man weiß, daß ohne vielsagende Dokumente der„Avant," seine Beschnldigungei, nicht erhoben hätte. Um nun die Beziehungen zivischen der römischen Kurie und den polnisch-national gesinnten Katholiken nicht noch mehr zu trüben, hat man man beschlossen, die geheimen Fonds, die für die Unterhaltung von Spionen in den Gesandtschaftspalästen und in der ?rovsZsncka liäs unter Rain Polln bestanden, fernerhin ab- z u s ch a f f e n. Wenn nian der guten Absicht die That folgen läßt, so werden manche Biedermänner in Rom brotlos werden. Weitere Enthüllungen des„Avanti" stehen bevor.— Rußland. Warschau, S. August. sPrivattelegramm.) Der Prozeß vor dem Kriegsgericht gegen Kasprznk und Grutzniaun ist auf nnbestimiutc Zeit vertagt worden. Der Grund der Vertagung ist noch un- bekannt.— Türkei. Konstantinopel, 6. August.(Meldung des Wiener K. K. Tele- graphen-Korr.-Bureaus.) Zur Richtigstellung unrichtiger Zeitungs- angaben sei festgestellt, daß nach der offiziellen Statistik des General- inspc..ors für die drei macedonischen Wilajets bis jetzt rund 600l) Emigranten, das Wilajet Adrianopel nicht eingerechnet, ans Bulgarien zurückgekehrt sind, was über 35 Proz. der bulgarischerseits angegebenen Gesamtzahl der Flüchtlinge ausmacht. Die Zahl der Amnestierten beträgt über 1800. Für die Rückkehr der Amnestierten ging der verlängerte Termin am 5. August zu Ende. Es wird aber wahrscheinlich eine Verlängerung bewilligt werden.— Afrika. Aus Pretoria berichtet„Morning Post", die Boerenführer weigern sich, dem Vorschlage der Regierung beizupflichten, daß ein Drittel des Glffetzgebcnden Rates ernannt und zwei Drittel ge- wählt werden sollen. Sie erklären, sie könnten nichts annehmen, als eine vollständig repräsentative Regierung.— Amerika. Washington, 5. August.(Meldung des Reutcrschen Bureaus.) Wegen der Gestaltung der Beziehungen zur Türkei hat Staats- sekretär H a y seine Sommerserien unterbrochen und ist auf eine Woche hierher zurückgekehrt. In der heute unter Vorsitz Roosevelts abgehaltenen Sitzung des Kabinetts wurde das Verhältnis zur Türkei eingehend besprochen. In Regierungskreisen ist man über das dilatorische Verhalten der Pforte ungehalten.— Ueber die Kämpfe bei Haitscheng liegt auch heute nur eine dürftige offizielle Meldung von russischer Seite vor, die über neuere Kämpfe nichts mitteilt, sondern nur einige Angaben über die japanischen Stellungen macht. Nach einer Meldung des Korrespondenten des„ B i r s h e w i j a W j e d o m o st i" dagegen haben vom 2. bis 4. August schwere Kämpfe stattgefunden, bei denen die Japaner zwar sehr schwere Verluste erlitten haben sollen, die Russen aber doch schließlich wieder ihre Positionen aufzugeben ge- zwungen waren. Die offizielle Meldung lautet: Petersburg, 6. August. Ein Telegramm Kuropntlins an den Kaiser vom 5. August besagt: Am 4. August umfaßten die Bor- Posten der Japaner in der Richtung auf Liaotsan-Haitscheng eine Strecke vor IS Werkt. Nördlich von Haitscheng marschieren im Gebirge bedeutende Streitkräfte des Feindes in der Richtung auf Pahoutsai vor. Eine der feindlichen Kolonnen ist mit ihrer Hauptinacht bis Schaninwo und mit ihrer Vorhut bis Takantsi 20 Werst östlich von Haitscheng vorgedrungen. Auf der Ostfront stand der Feind am 4. August auf dem Wege nach Lianjang in der Umgegend von Kholsungon und seine Vor- Hut in Erdahe fünf Werst südöstlich von Liaudiasiania und auf den, Bergrücken zwischen Dandiagou und Sanpu, der im Osten an Landiasinu heranreicht. Die Japaner haben auf dem rechten Ufer des Taytoyhe bei Bersihou bedeutende Streitkräfte zusammen- gezogen. Die feindliche Vorhut hält noch immer das linke Ufer des Taytsyhe und die in das Thal übergehenden Bergschluchten besetzt. Der Feind hat Siaosyr geräumt und hält Tsanschan mit einer kleinen Abteilung besetzt. Der Bericht des Korrespondenten des Petersburger Blattes da- gegen wird folgendermaßen wiedergegeben: Petersburg, 6. August. Ein Korrespondent der„Birshewija Wjedomosti" meldet aus Liaujang vom 4. abends. Am 2., 3. und 4. d. M. fand ein erbitterter Kampf statt. Die Japaner griffen das Centrum der russischen Stellung bei Hudsiadsh heftig an. Die Japaner waren 54 Bataillone stark, von denen 36 ans regulären Truppen, die übrigen je- doch aus Reservisten bestanden. General Knroki verwandte die Reservisten zum Angriff, während er die regulären Truppen Schein-Manöver ausführen ließ. Die Reservisten griffen die Russen verzweifelt an. Die Reihen der Feinde wurden durch unser Feuer dezimiert, jedoch drei- bis viernial sofort wieder ausgefüllt. Unsere Truppen zogen sich dann langsam zurück und wählten geeignete Stellungen, von denen sie aus dem Feinde durch ein hefttges Artilleriefeuer große Verlu st e beibrachten. DieVer- luste derJapaner beiHudsiadsy werden auf 10 bis 13 000 Mann geschätzt. Die russischen Verluste sind in, Vergleich damit unbedeutend.— Der Lieferant lebenden ViehS für die Garnison von Port Arthur ist hier eingetroffen. Nach seiner Aussage ist die Festung für drei Monate mit Vieh versehen. Er erzählt ferner, daß die Stellungen der Japaner 20 Kilometer von den äußeren Forts entfernt sind, und daß die Japaner in Jnkau eine Proklamation erlassen haben, nach der jeder, der sich mit den Russen in Verbindung setzt oder der russischen Armee irgend etwas liefert, mit der Todesstrafe bedroht wird.— Die Regenzeit hat heute eingesetzt. Eine„Offensive" Kuropatkins. Der bekannte Mitarbeiter des„Echo de Paris", Marcel Hutin, telegraphiert aus Petersburg, General Kuropatkin habe gestern beschlossen, die Offensive nach Süden zu ergreifen und selbst das Kommando der Südtrnppen zu übernehmen, die gegen die Armeen Nodzus und Okus vorgehen sollen. Gleichzeitig habe er de» Generälen Kutschewsky und Bilderling befohlen, mit dem zehnten und siebzehnten Armeecorps K u r o k i in Schach zu halten. Hittin, der bisher bemüht war, die Situation optimistisch dar- zustellen, ist, wie er selbst sagt, gründlich pessimistisch ge- Iv o r d e n. Er glaubt, wenn Kuropatkin die Offensive ergreife, gehorche er einzig und allein de» a»S Petersburg gekommenen Weisungen. Der Zar habe in der vorigen Woche an Kuropatkin telegraphiert und ihn gefragt, warum er dauernd zurückweiche, ob- wohl er»un frische Truppen erhalten habe. Kuropatkin habe ge- antwortet, die Truppen seien durch Hitze und An- strengung erschöpft. Die zu schweren sibirischen Soldaten seien für den Kampf in, Gebirge ungeeignet, außerdem fehle es an Gebirgsartillerie. Kuropatkin habe dagegen protestiert, daß ihm Reservisten von 32 bis 40 Jahren gesendet würden. H u t i n fügt hinzu:„Ich selb st habe gefternderAb- fahrt solcher Reservisten beigewohnt. Es war jammervoll, zu sehen, wie diese Männer von ihren Familien fort- gerissen wurden, während in Rußland an jungen Leuten kein Mangel ist." Der Petersburger Korrespondent des„Mattn" telegraphiert, der Eindruck, den man von den Bureaus des Generalstabes gewinnt, ist gerade wegen der anbefohlenen Schweigsamkeit kläglich. Ein General hat mir anvertraut, die Truppen Kurokis schlügen sich bei Liaujang mit den Truppen KuropatkinS. Ruq Induftne und Handel. Wo ist Nomeick? Wie das Banter„Tordd. Volksblatt"— nach seiner Angabe aus zuverlässiger Quelle— erfährt, ist Herr Romeick, der Verurteilte der Pomniernbank, schon vor der Urteilsverkündung für die Zeit nach Ablauf seines Prozesses als Direktor einer großen Aktiengesellschaft in Schottland enga- giert worden. Es erregte allgemeines Erstaunen, daß der Antrag des Staats- anwalts auf Verhaftung des Herrn Romeick nach seiner Verurteilung vom Gcrichr abgelehnt wurde. Wunderbar wäre es jedenfalls, wenn Herr Romeick nicht vor der Entscheidung des Reichsgerichts seine glänzend besoldete schottische Stelle antreten würde, um nach Deutsch- land nicht mehr zurückzukehren. Es ist nicht anzunehmen, daß Romcick lieber auf ein volles Jahr ins Gefängnis geht, als daß er es sich in seinem neuen Thätigkeitsgebiet Wohlsein läßt, zumal er nur 30 000 M. Kaution gestellt hat. Herrn Romeick dürften übrigens einflußreiche Kreise zur Flucht verhelfen, denn wer die Mirbach-Affaire verfolgt hat, wird nicht im Zweifel sein, daß die Anwesenheit des Herrn Romcick in Deutschland und seine Pflicht, gegebenenfalls als Zeuge vor Gericht zu erscheinen, manchen Leuten sehr unbequem wäre. Vom oberschlesischen Eisenmarkt. Auch der oberschlesische Eisen- markt beginnt merklich abzuflauen. Die oberschlesischen Eisenhütten- betriebe sind, schreibt die„Brest. Ztg.", mit dem vorliegenden Arbeits- quanium nicht mehr zufrieden, für eine vollständige Besetzung reichen die Orders nicht mehr aus. Voll beschäftigt sind nur wenige Werke, die besonders von der Bauthätigkeit in Anspruch genommen werden, aber auch hier läßt sich erkennen, daß es nicht aufwärts geht. Es handelt sich hierbei aber um alljährlich wiederkehrende Erscheinungen, und im Vergleich mit den Vorjahren kann die Situation nicht als ungünstiger bezeichnet werden. Wenn vielfach behauptet wird, daß die Walzeisenbcstände sehr reduziert wären, so ist das nicht ganz richtig; es giebt gegenwärtig auch in Oberschlesien Hüttenanlagen, die ganz beträchtliche Vorräte abgeben könnten. In der Hauptsache war es in den letzten Monaten das Inland mit seinem regen Bedarf, das die Belebung herbeiführte, während die Auslandslieferungen durch den Rückgang in England und Amerika spärlicher wurden. Jetzt ist der Export nur nach den Donauländern einigermaßen bemerkens- wert, auch sind die erzielten Erlöse befriedigend, während nach Ruß- land nur Specialitäten und auch diese nur in beschränktem Maße gehen. Die Schmiedewerkstätten bei Huldschinskh und Borsigwerk sind durch namhafte Aufträge der Schiffswerften flott besetzt, doch ist die Preislage immer noch keine befriedigende, weil die Konkurrenz zu groß ist und es an der Einigkeit unter den beteiligten Anlagen mangelt. Mit dem Bau der neuen Kettenfabrik, die vornehmlich der Herstellung schwerer Schiffs- und Ankerketten, dient, ist das Borsig- werk schon so weit, daß im Spätherbst die Fabrikation wird auf- genommen werden können. Es handelt sich um die Erzeugung naht- loser Ketten nach einem belgischen Patent, ein Verfahren, das sonst in Deutschland nirgends eingeführt ist. Der Kampf auf dem Petrvlenmniarkt. Seitdem die Deutsche Bank und die Diskonto-Gesellschaft begonnen haben, sich an der rumänischen Pctrolcumindustrie zu beteiligst, ist bekanntlich die amerikanische Standard Oil Company dazu übergegangen, ebenfalls! Anrechte auf rumänische Petroleumfelder zu erwerben. Sie hat zu! diesem Zweck in Rumänien eine Tochtergesellschaft, die Rumänisch- Amerikanische Petroleumgesellschaft gegründet. Jetzt hat diese Ge-- sellschaft, wie der„Vossischen Zeitung" aus Bukarest gemeldet wird, ihr erstes größeres Geschäft in Rumänien abgeschlossen, indem sie sämtliche im Distrikt Prahova gelegenen Petroleumterrains der eng- tischen Firma„European Petroleum Co. Ltd." gegen Zahlung von Grundzins in Pacht nahm. Gleichzeitig pachtete sie auch den Petroleumkondukt, den diese Firma zwischen Buschtenar und der Station Gageni besitzt, sowie alle ihr gehörigen Reservoire im Fassungsraume von etwa 10 000 Tonnen. Die Rumänisch-Ameri- kanische Petroleumgesellschaft verpflichtet sich, wenigstens 15 Sonden während dreier Jahre in Thätigkeit zu erhalten und an die Eng- länder 10 Proz. vom Bruttoerträgnis als Grundzinsen zu bezahlen. Die Exploitierungsarbeiten werden schon Ende dieses Monats be- ginnen. Die Getreideernte Ungarns stellt sich nach der Schätzung des ungarischen Ackerbauministeriums etwas günstiger, wie fast allgemein angenommen sein dürfte. Nach dieser Schätzung dürste sich die dies- jährige Ernte in Ungarn an Weizen auf 35,62 Millionen Doppel- centncr gegen 34,82 Millionen im Vorjahre, Roggen auf 11,67 Millionen gegen 11,65 Millionen, Gerste 10,40 Millionen gegen 10,36 Millionen und Hafer 8,85 Millionen gegen 8,35 Millionen Doppel- centner im Vorjahre stellen. Nach dem Ausweis vom 15. Juli steht Mais schlecht; die verdorrte Pflanze wird vielfach als Futter ver- wendet. Hülsenfrüchte stehen sehr schwach, doch sind die Qualitäten gut. Die Zuckerrübe ist infolge der Dürre in der Entwicklung ganz zurückgeblieben. Futtergcwächse werden, da ihr Einernten flicht lohnend ist, abgeweidet._ 6cwerkrchaftUcbc9. Berlin und Llmgezend. Ein abgefangener Arbeitswilligen-Transport.- Bekanntlich ist in den Elberfeld- Leverkusen er Farhwerken vorm. Friedrich Beyer u. Co. ein großer Streik ausgebrochen. Die Direktion der Werke sucht nun allerorts nach Arbeitswilligen, besonders in den östlichen Provinzen, wo sie durch Inserate in der bürgerlichen Presse und durch Agenten Metall- und Hilfsarbeiter an sich lockt. In den Annoncen wird den Arbeitern aber keineswegs mitgeteilt, daß sie Streikbrccherdienste verrichten sollen, sondern die Sache wird so dargestellt, als handle es sich um Anwerbungen von Arbeitern für eine neu errichtete Fabrik. Unter solchen Umständen gelang es den Werbeagenten der Firma denn auch, in Danzig und Marienburg eine Anzahl Arbeitskräfte auf» zutreiben und diese zur Reise nach den bestreikten Werken zu be- wegen. Am Freitag wurde nun den Vertretern der Berliner Getverk- schaften signalisiert, daß der in Danzig angeworbene Arbeitswilligen- Transport nach Berlin unterwegs sei. Sofort trafen die Ge« werkschaften ihre Maßnahmen, um die Arbeitswilligen von dem Stand der Dinge zu unterrichten. Eine Anzahl Gewerkschafts- Vertreter fuhren den Ankömmlingen bis Strausberg entgegen, stiegen dort in den signalisierten Zug zu den Angeworbenen und machten ihnen klar, daß sie als ehrliche Arbeiter ihren streikenden Arbeits- brüdern in Leverkusen nicht als Streikbrecher in den Rücken fallen dürften. Die Wirkung war eine für die Firma und ihre Agenten keineswegs angenehme. Den Arbeitern waren nämlich während der Fahrt schon selbst Bedenken über ihre Verwendung aufgestiegen, da man ihnen im Zuge folgenden Revers zur Unterschrift ausgehändigt hatte: Für Fabrikarbeiter. Organisierte, irgend einer Gewerkschaft(fluch Hirsch-Dffncker)> angehörende Arbeiter werden unter keinen Umständen eingestellt. weil unter den organisierten Arbeitern in Leverkusen ein Streik ausgebrochen ist. Der Anfangslohn für unverheiratete Arbeiter beträgt 3 M., für verheiratete 3.20 Mi Außerdem erhält der neu einzustellende Arbetter nach 6 vollen Arbeitstagen eine einmalige Prämie von 5 M. Die Fahrt bis Leverkusen wird vergütet; dagegen Rück- fahrt nicht. Gelesen und einverstanden. Als nun der Zug in den Schlesischen Bahnhof eingelaufen war, stellten sich von den 56 Angeworbenen sogleich 45 an die Seite der Gewerkschaftsvertreter. Jetzt rochen die begleitenden Agenten Lunte. Sie schimpften in allen Tonarten bald auf die Gewerkschaftsvertreter, bald auf die ihnen abspenstig gemachten Arbeiter. Eine Anzahl der letzteren wurde auch wirklich wieder wankelmütig. Es entstand ein regelloses Hin und Her bald in und bald aus den Wagen, bis es schließlich der Energie der Gewerkschaftler gelang, die Agenten zu „beruhigen" und die 45 Arbeiter durch einige Kollegen nach dem Gewerkschaftshause zu geleiten. Mit dem Rest ihrer Arbeitswilligen- truppe fuhren die geprellten Agenten nun nach dem Bahnhof Friedrichstraße: die Gewerkschafter natürlich hinterher. Auf dem Bahnhof entspann sich nun ein Zwischenfall, der bei allen Passanten und Reisenden Aufsehen erregte. Es waren dort nämlich emige Betriebsleiter der Leverkusener Werke anwesend, um in höchsteigener Person die Arbeitswilligen in Empfang zu nehmen. Doch wie lang wurden die Gesichter der Herren, als die 7 Agenten mit ganzen 11 Arbeitswilligen dem Zuge entstiegen! Die Agenten entschuldigten sich ihren zürnenden Aufttaggebern gegenüber und jammerten, die Berliner Strcikmenschcn hätten ihnen ihre Schutzbefohlenen auf dem Schlesischen Bahnhof vor der Nase weg„mit Gewalt" aus den Waggons geholt. Schon aber nahten die s-sff Berliner GeWerk- schafter. um ihnen auch die letzten Getreuen noch wegzukapern. Da ein wüstes Rufen nach Polizei. Im Handumdrehen waren auch gleich ein Dutzend Schutzleute zur Stelle, die die Arbeitswilligen nebst den Agenten und Direktoren unter ihre Obhut nahmen, indem sie dies« Truppe von den Gewerkschaftern isolierte. Später wurde die Kolonne dann auf Hintertreppen ins Freie geleitet und nach dem Lehrter Bahnhof transportiert. Doch die unerbittlichen GeWerk» schafter kamen auch dorthin und suchten mit den Arbeitswilligen zu sprechen, als diese von ihren Transporteuren mit Brot und Knoblauchswurst gespeist wurden. Wieder gabs Aufregung der Agenten, wieder Polizei. Doch die überlegene Ruhe der GeWerk- schafter nahm den Beamten von vornherein jeden Anlaß, einzu- schreiten. Mittlerweile kam vom Gewerkschaftshause ein Kollege, dem die entführten 45 Mann Vollmacht gegeben hatten, ihre Invaliden- karten von den Agenten zurückzufordern. Die Agenten ver- weigerten jedoch deren Herausgabe, und keiner der Schutzleute fühlte sich veranlaßt, hier zu Gunsten der Arbeiter einzugreifen und ihnen die Karten zustellen zu lassen, obwohl sie darum ersucht wurden. Schließlich gelang es noch, weitere 4 Mann der Arbeitswilligentruppe zu Verstand zu bringen, und mit ganzen 7 Mann dampften die Agenten dann ab. Die gekaperten Leute wurden alsdann im Ge- Werkschaftshause beherbergt und verpflegt, auch wurden ihnen Rat- schlüge zu ihrem weiteren Fortkommen gegeben. So kläglich endete dieser Arbeitswilligenzug für die Leverkusener Firma._ Achtung, Organisationen der Glaser und Glasarbeiter des Iii- und Auslandes! Da im Glasergewerbe Berlins Differenzen mit den Unter- nehmern ausgebrochen sind, ist Zuzug nach hier streng fernzuhalten. Die Unternehmer versuchen, durch Agenten und Annoncen in hiesigen und ausländischen Blättern unter allerlei Versprechungen Arbeitswillige heranzuziehen. Wir teilen noch mit. daß in Berlin jedes Jahr eine andauernde Beschäftigungslosigkeit herrscht, so daßß sich selbst für die tüchtigsten Arbeiter selten eine Aussicht auf längere Beschäftigung findet. Diesbezügliche Nachrichten bitte dem Unter- zeichneten einzusenden. Alle arbeiterfreundlickien Blätter werden um Abdruck gebeten. OrtSvcrwaltung Berlin des Centralverbandes der Glaser Deutschst I. A.: Jahn, Nieder-Schönhausen-Berlin, Eichenstraße 9. Vom Glaserstreik. Die Streikleitung erinnert nochmals alle Bauarbeiter daran, die Arbeitsberechtigungs k'a-rft-»tt�»er auf den Bauten thätijfen Maser einer tvachsamen Kontrolle zu unter- ziehen. Für die kommende Woche mutz jeder arbeitende Glaser in seiner Karte zwei rote und eine grüne Marke geklebt haben, widrigenfalls die Karte ungültig ist. Am heutigen Sonntag erfolgt die Aus- gäbe und Regulier, mg der Arbeitsbercchtigungskarten von 8— 11 Uhr im Gewerkschaftshause, soweit dies nicht bereits geschehen ist. Gestern abend hielt auch die G l a s e r i n n u n g wieder eine Versammlung ab, in der auch der Gesellenausschutz zugegen war. Hier lietzen sich die Meister nun zu einem Trick verleiten, der die Gegensätze in diesem Lohnkampfe woyr noch wesentlich verschärfen dürste. Nach unwesentlicher Debatte wurde nämlich plötzlich an den Gesellenausschuü die Frage gerichtet, ob er jetzt mit der Innung über den neuen Tarif verhandeln wolle oder nicht. Als der Ausschutz erklärte, er sei von der Gesellenschaft zu Verhandlungen nicht auto- risiert, sondern nur die Tarifkommission des Glaserverbandes, da erklärte der Obermeister die Versammlung für geschlossen. Der Zweck dieses Tricks war, den Gesellenausschutz für den Abend loszuwerden, denn nach Schlutz der Versammlung blieben die Jnnungsherren wie vorher beisammen, um sich, wie der Obermeister meinte, in„privatem" Kreise über die weiteren Matznahmen schlüssig zu werden. Eine Tarifbewegung der Marmorstukkateure ist seit längerer Zeit vorbereitet worden. Gestern abend wurde nun der Tarifentwurf von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Branche endgültig durchberaten und e i n st i in m i g gutgeheißen. Ferner wurde beschlossen, den Unternehmern den Tarifentwurf nebst einem Cirkular am Montag zu übersenden und bis zum nächsten Sonnabend A n t Iv o r t zu verlangen. Ueber die weiteren Schritte wird am nächsten Sonntag in einer Mitgliederversammlung der Branche beraten, die bei Franke in der Sebastianstraße morgens 10 Uhr stattfindet. Die Grundforderungen des Tarifs sind: ein Minimallohn von 7 M. pro Tag und eine Arbeitszeit von S'/a Stunden. Wie eine Umfrage in der Versammlung ergab, wird der ge- forderte Lohn und zum Teil noch höhere Löhne von den meisten Firmen schou bezahlt und auch die verlangte Arbeitszeit wird jetzt bereits von vielen Firmen innegehalten. Da außerdem fast alle Arbeiter der Branche organisiert sind, so wird dre volle Durch- führung des Tarifs wahrscheinlich keine großen Opfer kosten. Di« Ktihncmknner an der Arbeit. Der Verband Berliner Metall-Jndustrieller macht durch Rundschreiben bekannt, daß Arbeiter aller Art der Firma Orenftein u. Koppel, Spandau, sowie Former der Firma Akt.-Ges. vorm. L. Schwartz- kopff von Benutzung des Arbeitsnachweises ausgeschlossen sind und daher in den Betrieben ihres Verbandes nicht eingestellt werden dürfen. Die Firma Orenstcin u. Koppel sucht in aller Welt Arbeits- willige. Sie hat in der Provinzpresse folgendes Inserat los- gelassen: Tüchtige Schmiede. Schlosser. Dreher, Maschinenarbeiter. Stellmacher, Lackierer, Anstreicher und Platzarbeiter für Waggon-, Feldbahn-, Weichen-, Bagger- und Signalbau„bei hohem Lohn und Accord" werden sofort gesucht. Akt.-Ges. vorm. Orenstcin u. Koppel, Spandau. Auch unser Dortmunder Partei-Organ ging ein solches Inserat zu, dessen Aufnahme natürlich abgelehnt wurde.— Es sei dringend darauf hingewiesen, daß jeder Zuzug von der Firma Orenstcin u. Koppel ferngehalten werden mutz. Eine uierkwürdige Tarifvereinbaning streben, wie uns der Verein der Badeanstaltsbesitzer mitteilt, die Interessenten deS Badeanstaltsgewerbes vor dem Berliner Gewerbegericht an. Die Vertreter der Arbeitnehmer wie Arbeitgeber sind dahin übereingekommen, daß künftighin den Bademeistern und den Badefrauen in den Dampf- und Wannenabteilungen feste Lohneinkünste garantiert werden. Das Publikum ist sonach gehalten, künftighin ein festes Bedienungsgcld an das Personal zu entrichten, so daß also an Stelle der freiwilligen Zuwendungen eine kleine, feste Abgabe tritt. Dieselbe betrügt bei Wannenbädern 10 Pf., bei Dampfbädern wie bisher 60 Pf. Für besondere Handreichungen und Verrichtungen(Hühneraugenschneiden, Abseifen) besteht ein besonderer Tarif. Das Personal ist berechtigt, diese Bedienungsgelder selbst zu kassieren. Weiter- hin regelt der Tarifvertrag die Arbeitszeit. Der Geschäfts- schluß soll allgemein um 9 Uhr stattfinden. Eine halbe Stunde zuvor dtirfen keine Annahmen mehr erfolgen. Freitags und Sonnabends finden hiervon Ausnahmen statt. Krankenkassen- Mitglieder haben keine Bedienungsgelder zu zahlen, dieselben erhalten an der Badeanstaltskasse sogenannte Bedienungsmarken, welche in Zahlung gegeben werden. Das Personal der Badeanstalten unter- liegt weiterhin noch einigen nebensächlichen Bestimmungen hinsichtlich der Ausführung dieses Vertrages. Dieser sonderbare Tarifvertrag schafft also den Angestellten der Badeanstalten kein fixes auskömmliches Gehalt, sondern verweist sie lediglich auf den T r i n kg e l d z w a n g, der jetzt an die Stelle des freilvillig geleisteten Trinkgeldes treten soll. Dieser Trinkgeldzwang aber soll angewendet werden reinlichkeitsbedürftigen Proletariern gegenüber, die sich den Luxus eines eignen Bades leider nicht leisten können. Daß Krankenkassenmitgliedern gegenüber dieser Zwang nicht geübt werden soll, macht die Sache nicht besser. Dieser Ausweg legt die Befürchtung nahe, daß Kassenmitglieder auch in den Badeanstalten zu Menschen zweiter Klasse werden, wie sie es anderwärts vielfach schon sind. Veutkcsieg Reich. Bon der BauarVeitcr-AuSsperrung im Mainthal sind nach den neuesten Feststellungen des Maurerverbandes allein rund 14 000 Peronen im Maurergewerbe betroffen, Frauen und Kinder der Ausgesperrten natürlich mit einbegriffen. In dem Zweigvereins- Gebiet Frankfurt a. M.. zu dem die Städte Frankfurt. Offenbach, Hanau, Höchst, Griesheim, Friedberg und Nauheim gehören, sind insgesamt ausgesperrt worden 2599 Maurer, welche sich in die Streik- listen eingetragen haben. Von diesen sind 1517 Familienväter mit zusammen 3101 Kindern unter 14 Jahren. Abgereist sind 093 Maurer und 420 sind in andre Arbeit oder in den kleineren Orten des Aussperrungsgebietes in Arbeit getreten. 58 Unternehmer mit 423 Beschäftigten haben bis jetzt die Forderungen bewilligt. In Darmstadt sind 279 Maurer ausgesperrt, welche bis auf 60 ab- gereist oder in andre Arbeit getreten sind. In Wiesbaden beträgt -die Zahl der Ausgesperrten 371. Hiervon sind 565 Familienväter mit 878 Kindern unter 14 Jahren. In Wiesbaden sind fast 300 ab- gereist oder in andre Arbeit getreten. Rechnet man zu diesen Zahlen noch die von Aschaffenburg und Mainz, so ergeben sich insgesamt 4825 Ausgesperrte oder Streikende mit zusammen 5502 Kindern. Frauen und sonssige Familienangehörige hinzugerechnet, ergiebt schätzungsweise die Zahl von 14 000. Von den Zimmerern und sonstigen an der Aussperrung beteiligten Arbeitern liegt leider keine genaue Aufstellung vor. Doch hat sich nach den Feststellungen des Maurerverhandes die Gesamtzahl der Ausgesperrten resp. Streikenden bedeutend verringert. Am Schlutz der letzten Berichts- Woche waren nur noch 2271 Personen in den Streiklistcn verzeichnet. Von diesen sind im Laufe dieser Woche mindestens 300 wieder ans- geschieden. Die Zahl wäre jedenfalls noch größer, wenn nicht die hessischen Gemeinderatswahlen die Maurer in Sprendlingen, Drei- eichenhain, Egelsbach, Vilbel usw. von der Abreise zurückgehalten hätten. In den nächsten Tagen werden auch sie das Aussperrungs- gebiet verlassen und in den rheinisch-westfälischen Jndustriebezirken Arbeit suchen. Man ist seitens der Streikleitungen aufs eifrigste bemüht, die Zahl der Ausgesperrten möglichst zu reduzieren, um, wenn eS zu keiner Verständigung kommt, den Kampf noch wochenlang fortsetzen zu können, ohne allzugrotze Opfer für die Organisation. Die Organisation der Ausgesperrten ist eine vorzügliche. In allen Zahlstellen, deren Zahl 70 übersteigt, wird täglich die genaueste Kontrolle über die Ausgesperrten geübt. Ein erfreuliches Zeichen in diesem Kampfe ist das Zusammen- gehen der christlichen Gewerkschaften mit den freien. In gemein- samen Versammlungen auf dem Lande wird die Situation erörtert Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw. und zum Ausharren aufgefordert. Die christlichen Maurer haben eben schon zu sehr am eignen Leibe erfahren, daß die christlichen Unternehmer so ausbeuterisch sind, wie die„liberalen", deren oberster Scharfmacher Lüsche» sich sogar zu den extremsten Frei- denkern. zählt. Die Kämpfe in Fulda, Limburg und jetzt in Aschaffenburg sind für die christlichen Arbeiter eine harte Lehre ge- Wesen. Der ultramontanen Hetzpresse ist die gegenwärtige Situation freilich unbehaglich genug, und mancher Pfarrherr mag sich bedenklich hinter den Ohren kratzen, wenn er liest, daß christliche Arbeiter- führer jetzt davon reden, daß die christlichen Arbeiter leider(I!) noch viel zu wenig vom Klassenkampfgeist erfüllt seien und die social- demokratischen Organisationen ihnen als Musterorganisationen vor Augen führen. Aber einstweilen macht die ultramontane Presse des Maingaues, insbesondere das„Franks. Volksblatt", gute Mikae zum bösen Spiel und zieht kräftig vom Leder gegen das ausbeuterische Unternehmertum, das so wenig Entgegenkommen zeigt. So werden durch diesen Kampf auch im schwarzen Lager die Köpfe revolutioniert. Zu dem Streik in den Elberfelder Farbwerken vormals Bayer u. Co. wird uns berichtet, daß am Freitagabend, als die Arbeits- willigen die Fabrik verließen, ihnen beim Abnehmen der Kontroll- numnier im Portierhause dicke Stöcke überreicht wurden. Jedem wurde, ohne daß er es wünschte, ein solcher Stock, von denen zwei Lowries voll herbei- gefahren worden waren, in die Hand gedrückt. Da man nicht annehmen kann, daß die Firma die Arbeitswilligen als Herren mit Spazierstöcken ausstatten will, so kann in diesem neuesten Unternehmerstückchen nur eine Provokation gegen die Aus- ständigen erblickt werden. Man reizt die Arbeitswilligen ja geradezu zu Gewaltthätigkeiten. Wenn es jetzt zu gewaltsamen Zusammen- stößen kommt, so weiß man, von wem sie ausgehen und wen die Schuld trifft.— Am Donnerstag hatte die Finna den Arbeitswilligen Dankschreiben für ihr treues Weiterarbeiten in die Hand gedrückt. So viel Mühe giebt man sich sonst mit den Arbeitern nicht: da peinigt man sie so lange, bis auch die Lang- mütigsten die Arbeit hinwerfen und in den Streik treten. Die Leitung der Farbwerke hat an das Uiitemehmertum der- trauliche Schreiben, die mit der Schreibmaschine hergestellt sind, versandt. Ein solches hat folgenden Wortlaut: Vertraulich! Elberfeld, den 4. August 1904. (Werk Leverkusen.) Wir machen Ihnen die höfliche Mitteilung, daß die nach- stehenden Gewerkschaften: Deutscher Gewerkverein der Maschinenbauer und Metall- arbeiter(Hirsch-Duncker), Deutscher Gewerkverein der Schreiner (Hirsch-Duncker), Deutscher Gewerkverein der Hand- und Fabrik- arbeiter(Hirsch-Duncker), sowie sämtliche dem socialdemokratischen Gewerkschafts-Kartell angehörenden Verbände über uns zuerst die Sperre verhängt und dann den Streik erklärt haben. Von den 3098 Arbeitern, welche wir bei Beginn der Bewegung an: 22. Juli beschäfttgten, haben bis heute ca. 330 Metallarbeiter, Schreiner und Handarbeiter die Arbeit bei uns niedergelegt. Für heute möchten wir Sie bitten, kein«Leute, die seit dem 22. Juli bei uns entlassen sind, anzunehmen. Von der Beendigung des Ausstandes iverden wir Sie benach- richtigen. Indem wir Ihnen im voraus unsren besten Dank für Ihre freundliche Unterstützung übermitteln, geben wir Ihnen die Versicherung, daß Sie uns jederzeit zu Gegendien st en bereit'finden werden. Hochachtungsvoll Farbenfabriken vorm. Friede. Bayer& Co. (gez.) Prof, Dr. C. Duisberg. xxa. Girtler. Dafür, daß die Firma durch ihre miserablen Arbeitsverhältnisse und schlechten Löhne die Arbeiter in den Streik getrieben hat, sollen die Arbeiter jetzt durch Existenz- und Brotlosigkeit an ihrer Gesund- heit und ihren Familien gestraft werden. Die Elberfelder Farbwerke sind aber derart„berühmt", daß die Fabrikleitung noch lange nicht bei allen Unternehmern Gegenliebe findet. Die«Bergische Arbeiterstimme" berichtet sogar, daß eine Beamtenkonferenz beschlossen habe, die Betriebscheffs der Firma m i t Revolvern auszurüsten!— Die Streikenden bekundeten ihre Friedensliebe, indem sie das Gewerbegericht als Einigungsamt an- riefen. Was die Firma darauf antworten wird, bleibt abzuivarten. An einzelne Streikende erging seitens des Arbeitgeber-Verbandes im bergischen Jndustriebezirk folgende Aufforderung: Elberfeld, den 3. August 1904. Herrn.— Die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. zu Elberfeld haben wegen Arbeitsniederlegung in ihrem Betriebe inLeverkusen den Schutz unseres Verbandes angerufen. Gemäß den Satzungen unseres Ver- bandes ist ein Prüfungsausschuß berufen, die Sachlage unter An- hörung beider Teile zu untersuchen. Als Vorsitzender dieses Aus- schusses bitte ich Sie um Ihr Erscheinen zu einer Sitzung am Freitag, den 5. August 1904, nachmittags 3 Uhr, im Wartesaale 2. Klasse des Eisenbahnhofes zu Leverkusen.(Folgen die Namen der übrigen Geladenen.)— Hochachtend. Der Geschäftsführer des Verbandes von Arbeitgebern im bergischen Jndustriebezirk. I. V, (gez.) Alfred Roß." Die Streikleitung antwortete darauf wie folgt: „Wiesdorf, den 4. August 1904. An den Verband von Arbeitgebern im bergischen Jndustriebezirk, Elberfeld. z. H. des Geschäftsführers Herrn Alfred Roß. Auf Ihr Geehrtes vom 3. August erlauben wir uns Ihnen ■ mitzuteilen, daß nachbenannte Personen als Vertreter bestimnit sind, da die Mehrzahl der von Ihnen bestimmten bereits abgereist sind: Jakob Fittgen vom Verband der Fabrik- und Hilfsarbeiter. Karl Will vom Verband der Fabrik- und Hilfsarbeiter. Paul Ziegler vom Gewerkverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter. Franz Becker vom Gewerkverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter. Karl Spiegel vom Deutschen Metallarbeiter-Verband. Heinrich Brand vom Deutschen Metallarbeiter-Verband. Wilhelm Müller vom Gewerkverein der Tischler. Dieselben werden sich, wenn Sie nichts Gegenteiliges bestimmen, zu der von Ihnen anberaumten Sitzung einfinden. Mit der Versicherung vorzüglichster Hochachtung zeichnet i. A. der Streikleitung H. Brand, pr. Adr. Gießen, Wirtschast zur Rheinwacht, Wiesdorf.' Die auf Zersplitterung der Streikenden gerichtete Takttk des Unternehmerverbandes dürste also mißlingen! Totales. Die Prämie beö Lehrlings. Der Bater des Lehrlings M. verlangte nach Auflösung des Lehrverhältnisses seines Sohnes von dessem bisherigen Lehrherrn Schmidt als Kostgeldrest 35 M. Nach seiner Darstellung sind jede Woche vom vereinbarten Kostgeld 50 Pf. als Spargeld zurück- behalten worden, die nach Ablauf der Lehre ausgezahlt werden sollten. Der Beklagte Schmidt erklärte das Geld jedoch für eine Prämie für gutes Verhalten, die nicht ein Teil des Kostgeldes gewesen, sondern unabhängig von diesem aufgesammelt worden sei. 2,50 M. davon habe er zum Ersatz eines vom Lehrling angerichteten Schadens mit Beschlag belegt. Auf den Rest glaubte Beklagter nach den Be- stimmungen des Vertrags ebenfalls Anspruch zu haben. Danach sollte die Prämie nur beim Fehlen jeder Widerspenstigkeit, gleichsam nur bei absolut tadelloser' Führung innerhalb der vier Jahre Lehrzeit, zur Auszahlung kommen. Der Beklagte bettachtete als Grund, die Auszahlung zu verweigern, daß der Lehrling M. gleich feinem Kollegen ihm eines Tages, als sie länger dableiben sollten, vorge- spiegelt habe, er müsse in die Fortbildungsschule, was nicht der Fall gewesen sei. Thatsächlich haben die Junge» die so eroberte freie Zeit für sich ausgenutzt. � Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Der Vorsitzende, MagistratZrat Dr. Schalhorn, riet drin« gend zu einem Vergleich auf Zahlung von 16 M. Nach dem Vertrag solle es ja nur eine Prämie sein, deren Auszahlungsbedingung er indessen sehr eigentümlich finde, denn nach den Vertrags- bestimmungen käme diese Prämie ja fast nie zur Auszahlung. Während vier Lehrjahren mache doch jeder Lehrling mal eine Dumm- heit, die als Widerspenstigkeit oder Ungehörigkeit im Sinne des Lehr- Vertrags angesehen werden könne. Ein"Vergleich rechtfertige sich deshalb. Es kam dann auch ein Vergleich auf 10 M. zustande. Gerichts-Zeitung Eine„Spitzel"-Affaire. Der Redakteur des Organs des Verbandes der Bäcker, Karl H e tz s ch o l d, hatte in der Februarnummer der genannten Druck- schrift einen Bericht über eine Gerichtsverhandlung gebracht, die kürzlich gegen den Bäckermeister D. vor dem Schöffen- gericht stattgefunden hatte. D. sollte sich einer Ueberttetung der Ge- Werbeordnung schuldig gemacht haben, indem er seinen Gesellen und seinen Lehrling etwas über die vorgeschriebene Arbeitszeit hinaus beschäftigt habe. Dies sollte durch den Bäcker Nachtigall, welcher im Auftrage des Verbandes eine Reihe Bäckereien kontrolliert hatte, festgestellt worden sein. Der damalige Angeklagte, der von dem Syndikus der Berliner Bäckerinnung, R.-A. Löwe. verteidigt worden sei, sei in beiden Instanzen freigesprochen worden, da der Gerichtshof annahm, daß Nachtigall sich doch in der Zeit geirrt haben könne, zumal es sich nur um einige Minuten handelte. Hieran anknüpfend wurde in dem Bericht weiter erzählt, daß der Verteidiger während der Vernehmung des Zeugen N a ch t i- galt diesen gefragt habe, ob er bezahlter Spitzel des socialdemokratischen Bäckerverbandes sei. Der Zeuge habe es abgelehnt, diese Frage zu beantworten, worauf der Verteidiger den Antrag stellte, die Frage an den Zeugen durch den Mund des Vorsitzenden richten zu lassen. Nachdem dies geschehen, habe der Zeuge halb und halb zugegeben, daß er für seine Thätigkeit bezahlt werde. Der Angeklagte Hetzschold griff m dem Artikel den R.-A. Löwe wegen seiner Frage st ellung an und schloß mit den Worten:„Nun frage ich Sie, Herr Löwe, sind Sie bezahlter Spitzel der Bäcker- in nun g?"— In der Aprilnummer des„Bäcker" erschien ein zweiter Artikel mit der Ueberschrift:„Der klagende Löwe", worin mitgeteilt wurde, daß R.-A. Löwe gegen den Redakteur des„Bäcker" klagbar geworden sei. R.-A. Löwe stellte Strafantrag wegen Be- leidigung in zwei Fällen. Im gesttigen Termine erklärte der An- geklagte, dem R.-A. Dr. Liebknecht als Verteidiger zur Seite stand, daß er den R.-A. Löwe nicht persönlich habe beleidigen wollen, er habe die Frage nur ge st eilt, um dem Rechtsanwalt zu Gemüte zu führen, wie schwer dieser de» Zeugen Nachtigall durch seine Frage gekränkt habe. Der als Zeuge vernommene R.-A. Löwe glaubte fast mit„Bestimmtheit" versichern zu können, daß er in dem früheren Termine nicht den Ausdruck„Spitzel" gebraucht habe, er werde wohl„Denunziant" gesagt haben. Der Zeuge Nachtigall blieb bei seiner Behauptung. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten zu einer Geld- strafe von 150 M. zu verurteilen, der Gerichtshof belieh es mit Rück- ficht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten bei einer Geldstrafe von 100 Mark._, Die Leidensgeschichte eines Kindes beschäftigte gestern die Ferien- strafkammer des Landgerichts II. Die Arbeiterfrau Auguste Knop geb. Bugert zu Lübars war beschuldigt, in den Jahren 1903 und 1904 in einer das Leben gefährdenden Weise ihr leibliches Kind, den 9jährigen Paul Knop. körperlich mißhandelt zu haben. Paul Knop war im Alter von IV, Jahren zu seinen Großeltern nach Pommern ff gebracht worden, wo er bis zu seinem schulpflichtigen Alter verblieb. Als er in das Elternhaus zurückkam, wurde er behandelt, als wenn er nicht zur Familie gehöre. Sowohl hinsichtlich der Ernährung, Kleidung, der ganzen Lebenshaltung wurde er auffallend vernach- lässigt. Die Verhandlung ergab eine ganze Reihenfolge von tragischen Einzelheiten aus dem Leben eines stiefmütterlich behandelten Ktndes. Beim Mittagessen mutzte der Knabe abseits von dem Tische, an welchem seine Eltern und seine übrigen vier Geschwister saßen, auf dem Kohlenkosten Platz nehmen. Kaffee wurde ihm verweigert, anstatt Semmel wie die andern Kinder, erhielt er ein Stück trockenes Schwarzbrot. Der Junge erhielt so wenig Nahrung, daß er Hunger litt und mitleidige Nachbarn ihm bisweilen ein Stück Brot zusteckten. Andere Jungen lietzen sich von ihren Eltern für den armen Schul- genossen Frühstück mitgeben, da dieser von seiner Mutter nichts er- hielt. Als der Bruder dem Paul einmal von seinem Frühstück abgab, erhielt der Letztere von seiner Mutter dafür fürchterliche Schläge. Einmal erschien Paul— es war im Februar d. I.— mit nassen Kleidern in der Schule. Er wurde vom Lehrer in Begleitung zweier Mitschüler nach Hause geschickt, die Frau Knop ersuchen sollten, ihrem Sohn trockene Kleider zu geben. Die Mutter beschränkte sich darauf, ihren Jungen durchzuhauen, dann schickte sie ihn mit denselben nassen Kleidern zur Schule zurück. Als eine Nachbarin der Frau Knop eines Tages Vorhaltungen machte, erhielt sie die Antwort:„Mein Mann hat gesagt, ich soll den Jungen einsperren und erfrieren lassen!" Zu- letzt wurde der bedauernswerte Knabe auf Beschwerden dir Nachbarn den Rabencltern fortgenommen und dem Paul Gerhardtstift überwiesen. Die ärztliche Untersuchung gab ein bettübendes Bild. Der Körper des Knaben starrte von Schmutz. Hände und Füße waren erfroren und zeigten eiternde Frostbeulen. Gesäß und Schultern waren infolge Mtzhandlungen grünlich gefärbt. Mit nassen Klei- dern zugedeckt, hatte der Junge in einem Korb voll Heu schlafen müssen. Als Züchtigungsmittel war zumeist ein lederner Riemen benutzt worden. Das Schöffengericht hatte die Ehefrau Knop wegen aller dieser Grausamkeiten zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Sttaf- kammer verwarf die von der Angeklagten eingelegte Berufung. Letzte JNfachnchten und Depefchen« Zum Rationalitütenfireit in Oesterreich. Wien, 6. August.(W. T. B.) Einem Kommunique zufolge erschienen in Ausführung des Beschlusses des Vollzugsausschusses der deutschen Parteien die Abgeordneten Groß und D e g r- schatta Derschatta bei dem Ministerpräsidnten v. Koerber, um ihm zu erklären, die deutschen Parteien erblickten in der Er- richtung slavischer Parallelklassen an den deutschen Lehrer-Bildungs- anstalten Schlesiens eine Erfüllung unberechtigter slavischer Wünsche auf Kosten der Deutschen. Die Deutschen müßten in diesem Falle in Bezug auf ihre Stellung zur Regierung ihre Konsequenzen ziehen. Der Ministerpräsident erklärte, seine bisherige Geschäfts- führung biete genügende Belege für den Grundsatz der Regierung, die poilitsche Stellung keiner Nationialität zu tangieren und tan» gieren zu lassen. Die Regierung könne in der Errichtung slavischer Parallelklassen eine Bedrohung der Deutschen nicht erblicken. Sie sei bemüht gewesen, die nationale Leidenschaft von der Angelegenheit fern zu halten, was sie auch die Deutschen zu thun bitte. Das Kammunique besagt schließlich, die beiden Vertreter der deutschen Parteien muhten sich darauf beschränken, die Antwort des Minister- Präsidenten zur nicht befriedigenden Kenntnis zu nehmen. London, 6. August.(W. T. B.) Bei der Ersatzwahl zum Unter. Haus icn Reading wurde Rufus Jsaacs(lib.) mit 4770 Srimmen gewählt, während K a y s e r(cons.) 4540 erhielt. Bei der Wahl im Jahre 1900 erhielt P a l m e r(lib.) 4592 Stimmen, während K a y s e r(cons.) 4353 erhielt. Washington, 0. August.(Meldung des Reutcrschen Bureaus.)� Die Befehle, sich mit dem europäischen Geschwader in die türkischen Gewässer zu begeben, sind an den Konteradmiral Jewell ergangen. der mit den Schissen„Olympia",„Baltimore" und.Cleveland" in Nizza liegt. Bestimmungsort ist Smhrna wegen der direkten Verbindung mit Konstantinopel. Paul Singer ScCo.. Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen«. UnterhaltungSblatt Kr. 184. 21. 1. KeilU des Jstmätfs" Kerlim WsdlsII. Sonntilg, 7. August 1904. Parteigenossen! Mittwochabend Zahlabend in allen Bezirken Berlins! Wohnungswesen. Im„ReichS-Anzeiger' wird der„Entwurf eines Ge- setzes zur Verb esserung der Wohnungs-Verhält- nisse"(für Preußen) veröffentlicht. Der Entwurf ist zuerst vor Jahresfrist bekannt geworden, als er den Regierungspräsidenten zur Begutachtung übersandt wurde. In seiner jetzigen Gestalt stellt er sich dar als Abänderung des preußischen Gesetzes über„die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen in Städten und ländlichen Ortschaften", vom 2. Juli 1870. Er enthält Bestimmungen über die Festsetzungen von Fluchtlinien, Beschaffenheit von Baublocks, An- legung und Ausbau von Straßen, Ermäßigung der Anliegerbeiträge. Ferner über die Bebauungsdichtigkeit. Ausschluß gewisser industrieller Betriebe aus einzelnen Ortsteilen. Dann über die Rechtswirkungen des Kommunalabgabengesetzes hinsichtlich der Bau- und Grundabgaben, über die Benutzung der Gebäude, beziehungsweise die Beschaffenheit und Belegung der Wohnräume und über die Wohnungsaufficht. Also in der Hauptsache Polizei- maßregeln. Von mehr ist auch in der dem Entivurfe beigegebcnen, mit reichlichem statistischen Material über Wohnungsmißstände aus- gestatteten umfangreichen Begründung nicht die Rede. Und diese Polizeimaßregeln sind in ihren Einzelheiten nicht einmal besonders einschneidend. Das in der Begründung anerkannte dringende Be- dllrfnis nach Vermehrung kleiner, preiswerter und guter Wohnungen hofft man befriedigen zu können, indem man die„private Bau- thätigkeit", das heißt also die Bauspekulation in dieser Richtung durch Polizeimaßregeln fördert. Um auf die Einzelheiten des Entwurfs einzugehen, so sollen die Polizeibehörden ihre Maßregeln bei Festsetzung der Fluchtlinien und Baublöcke, der Straßenbreite und des Ausbaues der Straßen auch mit der Rücksicht auf das Wohnungsbedürfnis begründen dürfen. Hinsichtlich der Anliegerbeiträge lautet der Entwurf: „Die Beiträge sollen in der Regel nur zu einem Teile, und zwar höchstens zu drei Vierteln erhoben werden, wenn sie wegen der Errichtung solcher Wohngebäude zur Hebung gelangen, welche vor- wiegend dazu bestimmt sind, mmderbemittelten Familien gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen zu gewähren. Als solche Wohngebäude gelten insbesondere diejenigen der 1. Aktiengesellschaften, Genossenschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung, deren satzungsmäßig bestimmter Zweck ausschließlich daraus gerichtet ist, minderbemittelten Familien gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten oder angekauften Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen, und deren Satzung den an die Gesellschafter zu verteilenden Jahresgewinn auf höchstens vier vom Hundert ihrer Anteile beschränkt, auch den Gesellschaftern für den Fall der Auflösung der Gesellschaft nicht mehr als den Nennwert ihrer Anteile zusichert, den etwaigen Rest des Gesellschafts- Vermögens aber für gemeinnützige Zwecke bestimmt; L. Arbeiter und diesen wirtschaftlich gleichzustellenden Personen, wenn die Wohngebäude dazu bestimmt sind, von ihnen aus- schließlich oder außer von ihnen nur von höchstens zwei andren derartigen Familien bewohnt zu werden." Ueber Bau- und Grundabgaben wird bestimnrt: „Die ZK 7. 20, 27 des Kommunalabgaben- Gesetzes vom 14. Juli 1893(Gesetzsamml. S. 152) stehen einer Abstufung der Gebühren- und Steuersätze nicht entgegen, insbesondre nicht einer Begünstigung der in Artikel 1 Ziffer 5 unter a bezeichneten, für minderbemittelte Familien bestimmten Wohngebäude bei Festsetzung von Gebühren für Kanalbenutzung, Wasserbezug, für Genehmigung von Neubauten, Umbauten oder andren baulichen Herstellungen sowie bei der Heranziehung zur Steuer vom Grundbesitz. Ebensowenig schließt ß 27 aus, daß die einzelnen Arten von Grundstücken in der Gemeinde nach verschiedenen Nonnen zu den Steuern vom Gnmdbesitze herangezogen werden." Für Gemeinden mit niehr als 10 000 Einwohnern müssen, für kleinere Gemeinden können Wohnungsordnungcn erlassen werden. Für die Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern müssen die Wohnungsordnungen den gesetzlichen Mindestanforde- rungen entsprechen. Die hauptsächlichsten dieser Vorschriften sind die folgenden: 8 3. Als Wohn- oder Schlaftäume(auch Küchen) dürfen nur solche Räume benutzt werden, welche zum dauemden Aufenthalt von Menschen baupolizeilich genehmigt sind. Mietwohnungen. 8 4. Mietwohnungen, die nach Inkrafttreten der Wohnungsordnung bezogen werden oder deren Mietverhältnis nach diesem Zeitpunkte verlängert oder trotz Zulässigkeit der Kündigung fortgesetzt wird. müssen, unbeschadet der Vorschrift im§ 3, folgenden Anforderungen genügen: 1. Die Wohn- und Schlaftäume(auch Küchen) dürfen nicht baulich verwahrlost und nicht in gesundheitsschädlicher Weise feucht sein; sie müssen einen durch keine fremden Wohn- oder Schlaftäume (auch Küchen) führenden verschließbaren Zugang haben: 2. Wohnungen für eine gemeinschaftliche Haushaltung von zwei oder mehr Personen(Familienwohnungen) müssen den ortsüblichen Anforderungen entsprechende eigne Kochstelle, einen eignen verschließ baren Abort und, soweit in dem Gebäude Kanalisation oder Wasser> leitung eingerichtet ist, einen eignen Ausguß und einen eignen Wasserhahn besitzen; 3. die Wohn- und Schlaftäume(auch Küchen) müssen insgesamt den Bewohnern so viel Raum bieten, daß auf jede Person mindestens 10 Kubiknieter Lustraum und 4 Quadratmeter Bodenfläsche entfallen; für Kinder unter 10 Jahren können geringere Anforderungen festgesetzt. auch kann vorgesehen werden, daß die infolge der Geburt oder des Heranwachsens von Kindern während der Dauer des Mietsverhält- nisses eintretende Erhöhung des erforderlichen Mindestluft- und -Flächenraums außervBetracht bleibt; 4. die Wohnung muß so viel Räume enthalten, daß, abgesehen von Ehepaaren, die über 14 Jahre alten Personen nach dem Geschlecht getrennt in besonderen Räumen schlafen können. 8 6. Sofern von einer Eigen- oder Mietswohnung ein Teil vermietet oder weiter vermietet wird, muß auch die dem Vermieter verbleibende Wohnung den Anforderungen des§ 4 genügen. 8 6. Als Wohnung im Sinne der 8Z4, 6 gelten auch die zum Wohnen besonders vermieteten oder weiter vermieteten Teile einer ursprünglich nur für eine Familie bestimmten Wohnung, sofern die Vermietung unmöbliert erfolgt. Für Dien st boten und Gewerbegehilfen werden die- selben sanitären Anforderungen gestellt. Für S ch l a f l e u t e zc. wird bestimmt: „1. die Schlaftäume der Zimmermieter, Einlicger und Schlafgänger müssen von denen des Wohnunasgebers und seiner Familien- »ngehöriaen baulick nde- j,, einer sonst geeigneten Weise, die den unmittelbaren Verkehr ausschließt, getrennt sein; alleinstehenden Männern und Frauen ist es gestattet, Einlieger oder Schlafgänger gleichen Geschlechts in ihre Schlaftäume aufzunehmen) 2. die Schlafränme der Zimmermieter, Einlieger und Schlaf- gänger müssen, unbeschadet der Vorschrift im§ 3, den Anforderungen des 8 7 Ziffer 1, 2, die Schlafräume der Einlieger und Schlaf- gänger außerdem auch den durch die Wohnungsordnung fest- zusetzenden Mindestanforderungen hinsichtlich der Einrichtung, Ans- stattung und Unterhaltung entsprechen; die dem Wohnungsgeber für sich und seine Familienangehörigen verbleibenden Räume müssen den Anforderungen des§ 4 genügen; 3. Einlieger oder Schlasgänger verschiedenen Geschlecht» dürfen gleichzeitig nur mit Genehmigung der Ortspolizeibehörde und nur dann ausgenommen werden, wenn die Schlafräume der Einlieger oder Schlafgänger verschiedenen Geschlechts von einander baulich oder in einer sonst geeigneten Weise, die den unmittelbaren Verkehr ausschließt, getrennt sind; diese Bestimmung findet insoweit keine Anwendung, als Ehepaare oder Eltern oder Voreltern mit ihren Ab- kömmlingen(auch Pflegekindern) aufgenommen werden, jedoch müssen in diesem Falle, abgesehen von Ehepaaren, die Einlieger oder Schlaf« gänger über vierzehn Jahre nach dem Geschlechte getrennt in be- sonderen Räumen schlafen. Die vorstehenden Bestimmungen finden auf den Betrieb der Gastwirtschaften, der sogenannten Nachtherbergen(Pennen) sowie auf die Aufnahme von Pensionären zu Erziehungszwecken keine An- Wendung." Endlich wird über die Wohnungsaufsicht vorgeschrieben: 8 1- Die Aufsicht über das Wohnungswesen liegt, unbeschadet der allgemeinen gesetzlichen Befugnisse der Ortspolizeibehörden, dem Ge- meindevorstand ob. Er hat sich von den Zuständen im WohnnngS- Wesen fortlaufend Kenntnis zu verschaffen, aus die Fernhaltung und Beseitigung von Mißständen sowie auf die Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse, namentlich der Minderbemittelten, hinzuwirken und die Befolgung der Vorschriften der Wohnungsordnung zu überwachen. Für Gemeinden init mehr als 100 000 Einwohnern ist zur Durchführung der Wohnungsaufsicht ein Wochnungsamt zu errichten, das mit dem erforderlichen, in geeigneter Weise vorgebildeten Per- sonal, insbesondere mit einer genügenden Anzahl beamteter Wohnungsaufseher, besetzt sein muß; dem Wohnungsamte können auch ehrenamtlich thätige Personen als Mitglieder angehören. Für kleinere Gemeinden kann durch Anordnung der zuständigen Minister die Errichtung eines den vorstehenden Bestimmungen entsprechenden Wohnungsamts oder die Anstellung besonderer, in geeigneter Weise vorgebildeter beamteter Wohnungsaufseher vorgeschrieben werden. Mehrere Geineinden können sich mit Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörde zur Errichtung eines gemeinsamen Wohnungsamts für ihre Bezirke vereinigen. Unter der gleichen Boraussetzung kann auch ein weiterer Äonimimalverband für seinen Bezirk oder Teile seines Bezirks ein gemeinsames Wohnungsamt errichten. Dem Wohnungsamte können von der Gemeinde, sofern sich mehrere Gemeinden zur Errichtung eines gemeinsamen Wohnungs- amts vereinigt haben, durch übereinstimmende Beschlüsse der beteiligten Gemeinden und, sofern die Errichtung durch einen weiteren Kommunal- verband erfolgt, durch Beschluß des letzteren andre verwandte Aus- gaben übertragen werden. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten, für Berlin des Oberpräsidenten, ist die Thätigkeit des Wohnungs- amts auf die Nachweisung kleinerer Wohnungen zu erstrecken. 8 2. Die mit der Wohnungsaufficht beftauten Personen sind berechtigt, bei Ausübung der Wohnungsaufsicht alle Räume, die zum dauernden Aufenthalte von Menschen benutzt werden, sowie die dazugehörigen Nebenräume, Zugänge, Aborte zu betreten. Sie haben den Wohnungs- inhaber oder dessen Vertreter bei dem Beginn der Besichtigung mit dem Zweck ihres Erscheinens bekannt zu machen und sich unaufgefordert durch öffentliche Urkunde über ihre Berechtigung auszuweisen. Die Besichtigung muß so vorgenommen werden, daß eine Be lästigung der Beteiligten thunlichst vermieden wird. Sie darf nur in der Zeit von 9 Uhr morgens bis S Uhr abends, bei Wohnungen, in die Einlieger oder Schlafgänger aufgenommen werden, nur in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends erfolgen. Der Wohnungsinhaber oder sein Vertreter ist verpflichtet, über die Art der Benutzung der Räume wahrheitSgeniäße Auskunft zu erteilen. 8 3. Soweit sich bei Ausübung der Wohnungsaufsicht ergiebt, daß die Wohnung hinsichtlich ihrer Beschaffenheit oder Benutzung den an sie zu stellenden Anforderungen nicht entspricht, ist Abhilfe in der Regel zunächst durch Rat, Belehrung oder Mahnung zu versuchen. Läßt sich auf diese Weise Abhilfe nicht schaffen, so ist das Erforder- liche wegen Herbeiführung polizeilichen Einschreitens zu veranlassen. Schließlich wird noch angeordnet, daß zur Beaufsichtigung der Thätigkeit der Gemeinde- und Orts- Polizeibehörden auf dem Gebiete der Wohnungsaufsicht den Regierungspräsidenten nach Be- dürfnis besondere Wohnungs-Aufsichtsbeamte beizugeben sind. Dies die wesentlichen Bestimmungen des Entwurfs. Aus der Begründung teilen wir noch einige Stellen mit, die, wie bereits augedeutet, zeigen, daß man sich zwar der Mißstände bewußt ist, aus Rücksicht auf die private Vauspekulation aber jede einschneidende Maßregel vermeidet. So heißt es in der Begründung: „Die Maßnahmen zur Abhilfe der hervorgetretenen Mißstände werden entsprechend den dargelegten hauptsächlichen Ursachen der unbefriedigenden Wohnungszustände in erster Linie darauf abzielen müssen, daß dem Bedürfnisse entsprechend die Herstellung kleiner, in gesundheitlicher, sittlicher und socialer Beziehung einwandfreier Wohnungen thunlichst gefördert und daß der Mietspreis dieser Wohnungen in angemessenen Grenzen gehalten wird. Die Befriedigung des Bedarfs an kleinen Wohnungen, wie die Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses überhaupt, ist namentlich in den größeren und in den schnell wachsenden Gemeinden heute vor- wiegend auf die spekulative Thätigkeit der gewerbsmäßigen Bau- Unternehmung angewiesen, welche die Wohnhäuser auf Vorrat her- stellt, um sie demnächst weiter zu veräußern. Zur Erreichung des angegebenen Zieles erscheinen daher vornehmlich Maßnahmen geboten. welche die beute der Errichtung kleiner preiswerter Wohnungen durch die private Bauuntcrnchmung erschwerend entgegenstehenden Ursachen nach Möglichkeit beseitigen und auf die Bauunternehmer einen nach- haltigen Anreiz ausüben, mehr als bisher Häuser mit kleinen Wohnungen herzustellen. In Frage kommen in dieser Beziehung in erster Linie Maßnahmen zur Bekämpfung der ungesunden Boden- spekulation. Die durch diese hervorgerufenen hohen Bodenpreise ver- hindern die Herstellung von Wohngebäuden mit kleinen Wohnungen und treiben die Mieten der Wohnungen auf eine für die ärmeren BevöllerungSllassen unerschwingliche Höhe hinauf. Die Mittel, um einer ungesunden Bodenspekulation entgegenzuwirken, liegen, abgesehen von Maßnahmen der Besteuerung, wesentlich auf dem Gebiete des Bebauungsplanes und der Fluchtlinicnfestsetzung sowie der Straßen- Herstellung und auf dem Gebiete der Bauordnung. Demgemäß wird in Artikel 1 Ziffer 1 bis 4 des Entwurfs eine zweckentsprechende Er- gänzung der Bestimmungen des Gesetzes betreffend die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen in Städten und länd- lichen Ortschaften vom 2. Juli 1875(Gesetz-Sammlung S. 661) sowie in Artikel 2 eine Ergänzung des geltenden Baupolizeirechts dahin vorgesehen, daß für den Erlaß abgestufter Bauordnungen eine rechtlich völlig zlveifelsfteie Unterlage geschaffen wird. Durch Artikel 3 Absatz 2 soll serner gegenüber einzelnen in rechtlicher Be« ziehung hervorgetretenen Bedenken der zweckmäßige Ausbau der, Kommunalbestcuernng vom Grundbesitze, der sich als ein wertvolles Mittel zur Bekämpfung der ungesunden Bodenspekulation erwiesen hat, in der wünschenswerten Weise sichergestellt werden. Häuser mit Kleinwohnungen für Minderbemittelte sind trotz verhältnismäßig größerer Bruttoerftäge heute um deswillen weniger beliebt, iveil sie stärkerer Abnutzung unterliegen, ihre Verwaltung mit mancherlei Unannehmlichkeiten verknüpft ist und der Mietseingang, namentlich in wirtschaftlich ungünstigen Zeiten, Iveniger sicher erscheint. Um der hierdurch hervorgerufenen geringen Neigung der privaten Bauunternehmung, solche schwerer absetzbaren Häuser zu errichten, nach Möglichkeit entgegenzuwirken und einen Anreiz zur Herstellung von Häusern mit gesunden und zweckmäßig eingerichteten Klein- Wohnungen zu geben, sieht Artikel 1 Ziffer 5 eine Begünstigung solcher Häuser hinsichtlich der Straßenkostenbeiträge vor, die in der Regel für alle diejenigen Gemeinden in Aussicht genommen werden soll, für welche nach näherer Prüfung der Verhältnisie die ausreichende Herstellung guter kleiner Wohnungen nicht anderweit dauernd gelvähr- leistet erscheint. Zugleich sollen durch Artikel 3 Abs. 1 des Entwurfs einzelne rechtliche Bedenken beseitigt werden, die der Gewährung weitergehender Begünstigungen für solche Häuser hinsichtlich der Ge« bühren für Kanalbenutzung, Wasserbezug, Baugenehmigung, sowie bei der Heranziehung zur Steuer vom Grundbesitz entgegenstehen." Zur Beruhigung der Hausagrarier heißt es im weiteren Verlauf dieses Teiles der Begründung: „Ein nachhaltiger Einfluß auf die Bethätigung des privaten Baugewerbes zur vermehrten Herstellung von Kleinwohnungen ist nach den bisherigen Erfahrungen von der in Aussicht genommenen Erstreckung der Begünstigung auf die gemeinnützigen Bauvereine nicht zu erwarten. In' dieser Beziehung kommt namentlich in Betracht, daß bei der Schwierigkeit, die geeigneten organisatorischen Kräfte und eine Bethätigung des Interesses der Nächstbeteiligten zu finden sowie das erforderliche Kapital zu beschaffen, die gemeinnützige Bauthätigkeit erfahrungsgemäß nur dort ergänzend einsetzt und fortgeführt wird. wo das Bedürfnis nach guten kleinen Wohnungen nicht in andrer Weise befriedigt wird. Trotz der bisher schon den gemeinnützigen Bauvereinen durch die Gesetzgebung gewährten Begünstigungen hat sich daher ihre Thätigkeit im allgemeinen in engen Grenzen gehalten. Stach einer von der Centralstelle für ArbeiterwohlfahrtL-Einrich- tungen im Jahre 1900 veranstalteten Erhebung waren bis Ende des Jahres 1899 in Deutschland im Wege der gemeinnützigen Bau- thätigkeit im ganzen nur 8478 Häuser mit 24 075 Wohnungen fertig- gestellt. Für das Baugewerbe bilden die gemeinnützigen Bauvereine einen zahlungsfähigen soliden Abnehmer, so daß auch in dieser Be- ziehung Bedenken gegen ihre Förderung nicht erhoben werden können." Also, habt keine Sorge, ihr HauSagrarier und Bauspekulante,i; was die preußische Regierung thut, das— wird dem Volke nicht viel nützen. Von einer Bodenpolitik zur Bekämpfung des Wohnungs- Wuchers ist natürlich in der Begründung mit keinem Worte die Rede. So etwas kann man von der preußischen Regierung nicht verlangen._ Berliner partei-Hngelegcnbeitcn. Partei-Konferenz für Berlin nnd die Provinz Brandenburg. Ailf Sonntag, den 4. September, mittags 12 Uhr, berufe ich hiermit die Provinzial- Konferenz für Berlin und die Provinz Brandenburg nach dem Gewerkschaftshause in Berlin, Engel- Ufer 15, ein. Als stimmberechtigte Mitglieder dieser Konferenz sollen gelten: 1. Bis zu je drei Delegierten aus jedem Wahlkreise Berlins und der Provinz Brandenburg, 2. Die Reichstags-Abgeordneten und Reichstags-Kandidaten der Wahlkreise, 3. Die Mitglieder der Agitattons-Kommission für die Provinz Brandenburg, 4. Je ein Vertreter der Redaktion und des Verlages der in Berlin und der Provinz erscheinenden Parteizeitungen:„Vorwärts", „Brandenburger Zeitung",„Märkische Lolksstimme",„Fackel", 5. Weibliche Delegierte, die in einer der Organisation ,nt« sprechenden Weise gewählt sind. Als vorläufige Tagesordnung fetze ich fest: 1. Bericht der Agitationskommission und der Wahlkreise, 2. Agitation und Organisation, 3. Presse. 4. Verrufscrklärung der Landarbeiter, 5. Anträge, die aus der Mitte der Versammlung oder von Wahlkreisen gestellt werden. Atfträge sind spätestens bis zum 29. August an mich einzusenden. _ August in, Lindenstr. 69. Parteigenossen und Genossinnen! Behufs Stellungnahme zum diesjährigen Parteitage und Wahl von Delegierten finden am Dienstag, den 23. August, in allen Berliner Wahlkreisen Versammlungen statt. Die Versammlung der Frauen findet zu diesem Zweck am Dienstag, den 30. August, statt. Wir bitten alle Genossen und Genossinnen, sich recht zahlreich an den Ver- sammlungen zu beteiligen. Die Berliner Vertrauensleute. Dritter Wahlkreis. Dienstag, den 9. August, abends 8l/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15(großer Saal): General- Versammlung des socialdemokratischen Wahlvereins für den dritten Kreis. Tagesordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Vorttag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Dr. Südekum über: Ludwig Feuerbachs Leben und Lebenswerk. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legittmiert. Damen haben auf der Galerie Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mitglieder werden in der Versammlung, jeden zweiten Mittwoch im Monat auf dem Zahlabende, sowie in den folgenden Zahlstellen auf- genominen: Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a(Kottbuser Platz). Wilhelm Börner, Ritterstr. 15. Emil Götte, Brandenburgstr. 18. Adolf Flick, Simeonstr. 23. O. Blum, Alte Jakobstr. 119. Franz Krüger. Naunynstr. 54. Weißensee. Die Parteigenossen feiern am 13. August in den Gesamträuinen des«Schloß Weißensee" ihr diesjähriges Sommer- fest und bitten um recht rege Beteiligung.(Siehe heutiges Inserat.) Das Komitee. Britz. Am Dienstag, den 9. August, findet die Wahl- vereins-Versammlung statt im Lokal von G. Weniger, Werderstr. 27, mit folgender Tagesordnung: Vortrag des Genossen Baege über:„Die Entstehung des Christentums." Aufnahme neuer Mitglieder, Vereinsangclegenheiten und Fragen. Karlshorst. Montag, den 8. August, abends 8'/» Uhr, findet bei Kupsch der Zahlabend des Wahlvereins statt. Des interessanten Vortrages ivegen ist es Pflicht aller Mitglieder piinttlich zu erscheinen. Gäste willkommen. Der Vorstand. Friedenau. Mittwoch, den 10. d. Mts., abends gl/» Uhr, findet im Gesell schaftshause, Rheinstr. 14, eine öffentliche Versammlung statt. Neichstags-Abgeordnetcr Fritz Znb eil hält einen Vortrag über„Nussisches". Die Genosien werden ersucht, Dienstagabend 8 Uhr bei Grabe zu einer Handzettelver- breitung zu erscheinen. Der Vorstand. Der Schmargendorfcr Wahlverein hält am- Dienstagabend gl/z Uhr im„Wirtshaus Schmargendorf" eine auszer- ordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt Vortrag: Fortsetzung der Erläuterung des Parteiprogramms(politischer Teil). Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet Der Vorstand. Dber-Schöncwcide. Der hiesige Wahlverein hält am Mitt- woch, den 10. August, abends g'/z Uhr, seine Mitglieder- Versammlung ab bei Ernst K a u f h o l d, Wilhelmincnhof- straße 18. Tagesordnung: Diskussion über den diesjährigen Parteitag. Vcreinsangelegenheiten. Eine rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Spandau. Im Einverständnis mit dem GewcrkschaftSkartell hat die örtliche Parteileitung beschlossen, den Mittwoch für politische Versammlungen, Zahlabende usw. festzusetzen. Die Zahlabende finden infolgedessen in allen Bezirken einheitlich jeden Mittwoch nach dem IS. im Monat statt. Die Generalversammlung des socialdemo- kratischen Arbeitervereins findet am Mittwoch, den 10. August, abends 8'/» Uhr beim Genossen K ö p n i ck, Pichels- dorferstrasze 39 statt. Vortrag des Genossen Fr. Z u b e i l- Berlin. Gäste willkommen. Der Vorstand. Socialdcmokratischer Agitationsverein für de» Reichstags- Wahlkreis Schniiebus, Znllichau, Krosscn, Somincrfcld. Dienstag, den 9. August, abends 8>/� Uhr, Versammlung bei Grosser, Dircksen- straße 30, vorn I(früher an der Stadtbahn.) Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. In dieser Versammlung werden die Billets zum Stiftungsfest ausgegeben. Tagesordnung: 1. Berichterstattung des Delegierten von der Krciskonferenz ans dem Wahlkreise. 2. Diskussion. 3. Vereinsallgelegenheiten. 4. Verschiedenes und Aufnahme neuer Mitglieder. Es wird ersucht, daß jeder Genosse ans dem Kreise in dieser Versammlung erscheint. Der Vorstand. lokales. Ein netteS Stück Bureaukratismus. Die Orts- Krankenkasse für das Barbier- g c w e r b e befindet sich seit einigen Wochen in k o m m i s s a r i- scher Verwaltung und die Geschäfte werden mit denen der Dachdeckerkasse zusammen in der Waldemarstratze erledigt. Der dortige Rendant ist ein sehr kurz angebundener Herr, der über die freie Zeit der Kassenmitgliedcr merkwürdige Ansichten haben muß. So sagte er z. B. einein B a r b i e r l c h r l i n g, der ihn um Ausstellung eines Scheines ersuchte, um sich zwei Zähne beim Zahnarzt ziehen zu lassen, kurz, er brauche dazu keinen Schein. Das war nun also der erste Weg, den der Lehrling von seiner im dl.O. belegenen Lehrstelle nach dem im S.O. befindlichen Kassenlokal machte. Nun geht er getrost zum Zahnarzt, um seine Schmerzen los zu werden. Der frägt natürlich nach dem Schein.„Wenn Sie keinen haben, müssen Sie selbst zahlen und das Geld von der Kasse zurückfordern." Das war der zweite Weg. Der Lehrling geht zurück zum Meister und läßt sich 1,50 M. für das Ziehen von zwei Zähnen geben; geht wieder zum Zahnarzt und wird endlich von seinen Schmerzen befreit. Dort bekommt er eine Bescheinigung mit aufgedruckter Firma des Zahnarztes Th. über gezahlte 1,50 M. Das war der dritte Weg. Nun pilgert er froh zur Waldemarstraße. Dort ist der Herr etwas gesprächiger.„Die Sache hat einen Haken!"„So was gicbt's nicht!" klingt's mysteriös aus seinem Munde.„Sie müssen zu einem Kassenarzt gehen und sich bc- schcinigen lassen, daß die Zähne gezogen sind. Hier ist das Ver- zeichnis," beliebte er lakonisch hinzuzufügen. Das war der vierte Weg. In diesem Verzeichnis steht aber der Zahnarzt Th. als zu- gelassen verzeichnet. Der Meister, dem die Sache zu bunt wurde, fährt nun selbst zuni Kassenlokal und bekommt auf seine Vor- stellungen zur Antwort:„Ein Kassenarzt muß nochmals bescheinigen, daß die Zähne gezogen sind, denn die Barbiere lassen sich mehr Zähne ziehen, als es in Berlin überhaupt giebt." Der Einwand, daß doch niemand sich Zähne zum Vergnügen ziehen läßt, verfehlt ebenso seine Wirkung wie die nochmalige Vorlegung der Be- scheinigung und Quittung des Zahnarztes. Das war der fünfte Weg. Nun geht der Lehrling zum nächsten Kassenarzt, bei dem er natürlich eine geraume Zeit warten mutz, ehe er die be- deutungsvollcn Worte:„2 Zähne sind extrahiert" unter die Quittung geschrieben bekommt. Das war der sechste Weg. Und nun noch einmal zum Kassenlokal, um die vielumstrittcncn 1,50 M. in Empfang zu nehmen. Das war der siebente Weg. In Summa: 7 Wege gleich 9— 10 Stunden Zeit- Versäumnis waren nötig, um von einem bei der Kasse zugelassenen Zahnarzt zwei Zähne gezogen und das dafür eigentlich unnötig ausgelegte Geld endlich zurückzube- kommen. Solche Vorkommnisse waren, solange die Kasse in Selbst- Verwaltung war, wohl doch unmöglich. Es ist dringend zu wünschen, daß baldigst von den Kassenmitgliedern gewählte Personen die Per- waltung wieder übernehmen, ehe— sich der letzte Barbier seinen letzten Zahn ziehen läßt._ Anskunfts- und Fiirsvrgestellen für Lungenkranke in Berlin und Bororten. Die Bekämpfung der Tuberkulose, so heißt es in einem uns zugegangenen Cirkular, beginnt in eine neue Phijje ihrer Entwicklung zu treten. Während die bis jetzt ergriffenen Maß- nahmen hauptsächlich die Errichtung von Heilstätten, Erholungs- stätten, Kinderheilstätten usw. zuin Ziele hatten, wendet man sich nunmehr der Bekämpfung der Schwindsucht innerhalb der Stadt und Wohnungen zu, und will den in den Wohnungen verbleibenden Kranken eine sachgemäße Fürsorge zu teil werden lassen. Diese Art der Tuberkulosefürsorge ist von um so größerem öffentlichen Interesse, als nach den neueren Erfahrungen über die Verbreitungsweise der Tuberkulose die Wohnungen Schwind- süchtiger, in welchen die Grundsätze der Hygiene nicht durchgeführt werden, eine große Ansteckungsgefahr für die gesunde Umgebung bilden. Um eine einheitliche Organisation dieser Tuberkulosefürsorge in Berlin und Vororten durchzuführen, hat sich ein Komitee gebildet, welches die Errichtung und Unterhaltung von Auskunfts- und Für- sorgestellen für Lungenkranke unter Heranziehung der praktizieren- den Aerzte in den einzelnen Stadtbezirken Berlins und seiner Vor» orte bezweckt. Die Centralstelle und Kasse, die Beiträge gern entgegennimmt, befindet sich in der Königlichen Charite, Schumannstraße 21.— So löblich an sich das Unternehmen sein niag, so dürfte sich doch bald herausstellen, daß seine Thätigkeit gegenüber dem großen Um- fange der Tuberkulose eine unzulängliche sein wird. Da jährlich etwa 4000 Personen in Berlin an Lungenschwindsucht sterben, greift man wohl eher zu niedrig als zu hoch, wenn man die Zahl der Lungenkranken in Berlin auf 25 000 veranschlagt. So nützlich nun auch Vorkehrungsmaßregeln gegen eine Uebertragung der Tuber- kulose sind, so läßt sich doch nicht verkennen, daß die Hauptursache der Tuberkulose nur unsre socialen Zustände sind, die nur durch durchgreifende sociale Maßregeln beseitigt werden können. Sollte die Thätigkeit der an dem Unternehmen beteiligten medizinischen Kreise diese Erkenntnis eindringlich fördert, so wäre allerdings auch das schon ein Erfolg der Auskunfts- und Fürsorge- stellen. Die illustrierte Roman-Bibliothck„In Freien Stunden" ist jetzt bis zum 32. Heft erschienen. Es bringt die Fortsetzung des Spindlerschen Romans„Der Jesuit", der gerade jetzt zeitgemäß ist. schildert doch der Verfasser, wie„der Zweck die Mittel heiligt". Das Heft bringt ferner die Fortsetzung der Erzählung»Ein Rekrut" von Erckinann-Chatrian, sowie aus Victor HugoS„Historische Notizen":„DaS Gänseblümchen". Daneben„Dies und Jenes", „Witz und Scherz". Wöchentlich erscheint ein Heft, 24 Seiten stark, für 10 Pfennig, das in allen Partcibuchhandlungen zu haben ist. Mit dem 27. Heft begann der neue Roman, von dem die bisher erschieneneu Hefte nachgeliefert werden. Wir empfehlen unsren Lesern das Abonnement. Infolge des niedrigen Wasserstandes ist der Verkehr mit Ueber- sctzungSbootcn auf Spree und Havel wesentlich erschwert, weil die Landungsstege, nach dem normalen Wasserstande gebaut, viel zu hoch liegen und besonders Frauen und Kinder kaum noch in der Lage sind, von der Brücke in das Boot zu steigen. Verschiedentlich haben sich Fährleute dadurch bereits genötigt gesehen, Treppenanlagcn her- zustellen, um den Ein- und Ausstieg von den llcbcrsetzungsbooten zu erleichtern. Der Verkehr der Vergnügungsdampfer zwischen Erkner— Berlin— Spandau und Spandau— Potsdam— Nedlitz resp. Werder hat bisher keinerlei Einschränkung erfahren und wird auch aufrecht erhalten werden, wenn der Wasserstand auch noch weiter fallen sollte. Die Vergniigungs- Dampfer haben durchschnittlich nur einen Tiefgang von 40 bis 70 Centi- meiern, während die Wassertiefe an den Rändern der Landungsbrücken noch 1,10 Meter und mehr beträgt. Aus den gleichen Gründen wird auch der Frachtverkehr auf den genannten Strecken nicht zu leiden haben, während er ans dem mittleren Spree- lauf bereits hat eingeschränkt werden müssen. Die von oberhalb Erkner hier eintreffenden Zillen fahren seit einigen Tagen nur mit drei Viertel Belastung. Aus diesen Gründen werden Bau- Materialien, Steine, Mörtel, Kalk usw. noch immer in ausreichender Menge nach Berlin eingeführt, während allerdings die Kies- licfernngen aus den Oder- und Elbgebieten ausbleiben. Der für den Tagesverbrauch erforderliche KieS für Pflasterungsarbeiten usw. wird per Bahn angefahren. Bezüglich des im Spreekanal bei Trebatsch aufgefundenen Steines erfahren wir, daß es sich um einen sogenannten Hungerstein handelt, wie ähnliche Steine bereits an verschiedenen Stellen in der Elbe aufgefunden worden sind. Das interessante Fundobjekt wird wahrscheinlich dem Märkischen Museum überwiesen werden. Waldbrände werden aus der Umgebung Berlins jetzt täg- lich gemeldet. Sie nehmen jedoch znmeist keine größere Ausdehnung an weil stets ausreichende Hilfskräfte zur Lokalisierung derselben vorhanden sind. Gestern fanden Waldbrände bei Hirschgarten und an der Bahnstrecke bei Rahnsdorf statt. Eine größere Ansdehnung nahm ein F�ner im königlichen Forst und Tegel au, welches ani Donnerstag früh zum Ausbruch kam und eine zehnjährige Schonung vernichtete. In eine Wafferkalamität sind die Bewohner des Städtchens Gransee an der Nordbahn geraten. Eine Anzahl der Brunnen sind infolge der anhaltenden Dürre versiegt, während das Wasser in der Mehrzahl der übrigen Brunnen durch die starke Wasserentnahme, die durch den Brand der Elektricitätswerke noch wesentlich vermehrt wurde, stark getrübt und im rohen Zustand ungenießbar ist. Ein Unglücksfall ereignete sich am 1. August nachmittags gegen 4 Uhr auf dem Bau Katzbachstraße, Unternehmer Wurl. Der Maurer Karl Kleiner, wohnhaft Adolfsrraßc, war beschäftigt, einen in der zweiten Etage befindlichen Pfeiler aufzuführen. Beim Schnur- anstecken verlor der Kollege das Gleichgewicht, stürzte in die Tiefe und war auf der Stelle tot. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und 6 Kinder. War das Unglück zu verhüten? Jedenfalls hätte der Unfall nicht solche traurigen Folgen gehabt, wenn an der be- treffenden Stelle ein Schutzdach vorgesehen geivescn wäre. Wenn auch in einzelnen Fällen die baupolizeiliche Vorschrift es nicht für notwendig erachtet, daß Schutzdächer hergestellt werden, so sollte doch jeder Leiter eines Baues, dem das Leben und die Gesundheit seiner Arbeiter am Herzen liegt, auch über die baupolizeilichen Vorschriften hinaus seine Maßnahmen treffen. Eine grösicre Verkehrsstörung im Strapenbahnbetricbe ent- stand gestern morgen kurz nach 7 Uhr am Mühlendamm. Von dem Motorwagen 1833 der Linie 62 hatte sich der Radkasten gelockert, fiel hinunter, klemmte sich im Straßcnpflafter fest und der Waggon sprang aus den Schienen. Durch Mannschaften des Rettungs- Wagens vom Bahnhof XII wurde der Wagen eingegleist und der Kasten gehoben. Während der Dauer der 22 Minuten währenden Störung mußte der Verkehr in der Richtung nach dem Molkcnmarkt abgelenkt werden. Ein rätselhafter Todesfall beschäftigt gegenwärtig die Polizei. Am Freitagabend wurde die 32 Jahre alte Bauarbeiterfrau Johanna Singer in der Metzerslraße 51 belegenen Wohnung tot auf dem Sofa sitzend aufgefunden. Das Paar lebte seit zwei Jahren in linder- loser Ehe, und die um 6 Jahre ältere Frau wurde von einer ebenso grundlosen ivie maßlosen Eifersucht geplagt. Daraus entstanden Zänkereien und Schlägereien, und die Eheleute mußteil oft die Wohnung wechseln. In der Metzerstraße waren sie erst vor einigen Tagen zugezogen, und am Freitag morgen gab eS wieder einen lauten Auftritt. Ob nun die Frau infolge dieses Vorganges in der Wut von einein Schlaganfall getötet wurde oder ob sie sich etwas angethan hat, muß die Untersuchung ergeben. Eine dritte Möglich- keit dürfte nicht vorliegen. Als Leiche aufgefischt wurde gestern an der Marschallbrücke der 20 Jahre alte Handlungsgehilfe Max Sturmläufcr, der seit einer Woche aus dem väterlichen Geschäft in der Jnvalidenstr. 136 verschwunden war. Bei seinem Fortgehen äußerte er die Absicht. Bekmmte aufsuchen zu wollen, die Eltern wissen aber angeblich nicht, wo er gewesen ist. Sie wollen auch keinen Anhalt haben zur Ent- schciduilg der Frage, ob ein Unglücksfall oder ein Selbstmord vorliegt. Nach einem siebenjährigen Mädchen wird allerorts eifrig ge- sucht. Der Regierungspräsident in Stettin hat auch die hiesige Kriminalpolizei ersucht, möglichst scharfe Nachforschungen nach dem sieben Jahre alten Mädchen Käthe Berndt anzustellen, dessen Mutter, Witwe Bertha Berndt geborene Bartz, in der Mellingstr. 2 zu Stettin wohnt. Das Kind verließ am 23. Dezember vorigen Jahres die mütterliche Wohnung, um auf der Straße zu spielen, und ist seitdem spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen blieben bisher ohne jeden Erfolg. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Kleine entführt ist und verborgen gehalten wird oder daß sie einer umherziehenden Zigeunerbande, wie solche um die Zeit in jener Gegend bemerkt wurde, in die Hände gefallen ist, oder aber daß vielleicht ein Verbrechen an ihr verübt wurde. Der Re- gierungspräsident setzt für die Ermittelung der Käthe Berndt eine Belohnung von 500 M. aus. Sie trug damals ein kurzes, grün- und graukariertes Reformkleid, eine weiß- und rosafarbige Hänge- schürze, ein rosagestreiftes Leibchen, einen wollenen Unterrock mit Languette, einen braunen Flanellrock, schlvarze Strümpfe und Knöpfschuhe. Eine kleine Liebestragödie spielte sich gestern morgen um 4 Uhr an der Weidendammer Brücke ab. Tort versuchte die 30 Jahre alte Witwe Emma des ungarischen Musikers Vörös sich vor den Augen ihres Geliebten durch einen Sprung in das Wasser zu töten. Als das Trauerjahr nach dem Tode des Mannes vergangen war, zog die Liebe von neuem in das Herz der Frau Vörös ein, die in einer dreijährigen kinderlosen Ehe gelebt hatte. Sie knüpfte mit einem Buchhalter ein Liebesverhältnis an. Da nun auch andre Männer am Tage in der hofwärts zu ebner Erde in der Mittenwalder- straße 47 belegenen Wohnung gesehen wurden, so entstand daraus eine der Frau Vörös nicht günstige Nachrede, die auch dem Liebhaber zu Ohren kommen mußte. Daraus entstand eine Spannung zwischen beiden Personen. Am Freitagabend um 8 Uhr ging sie fort, um ihn aufzusuchen und geriet später mit ihm in Streit. An der Weidendammer Brücke, wo beide angekommen waren, sprang sie vom Schiffbatterdamm äus plötzlich in die Spree. Ter Bräutigam in Gemeinschaft mit Schutzleuten machten sich an das Rettungswcrk und brachten die erregte Frau in einem Rettungskahn wieder an das Land. Zu ihrer Beruhigung wurde sie vorläufig in der Charite untergebracht. Mit Lysol zu vergiften versuchte sich am Sonnabendabend die Frau des Maurers Otto Kromer, Schillingstraße 2, welche seit einiger Zeit mit ihrem Manne in Unfrieden lebt. K. wird von den Hausbewohnern als roher Mensch geschildert, der sich viel in Kneipen aufhielt. Am Sonnabendabend gab es wieder Streit, K. ging in die Kneipe, während die aufgeregte Frau sich Lysol verschaffte. Sie riß in der Aufregung die Gardinen herunter und trank eine ziemliche Menge Lysol. Durch ihr Stöhnen aufmerksam gemacht, eilten die Hausbewohner herbei und dem schnell herbeigerufenen Arzt Dr. Gutt- mann, Blumenstr. 6, gelang es, nach vieler Mühe die Selbstmörderin am Leben zu erhalten. Sie wurde nach dem Krankenhause Fricdrichshain geschafft. Bei dem Brande am Maybachnfcr, über welchen wir gestern berichteten, hat der Besitzer des ausgebrannten Zimmerplatzes. Zimmermcister Klieme, erhebliche Brandwunden davongetragen. K. lief während des Brandes noch einmal in das brennende Kontor- gebäude zurück, um seinen Rock herauszuholen, in welchem sich eine Brieftasche mit 300 M. und wertvollen Papieren befand. Als er glücklich mit dem Rock herauskam, bemerkte er vor dem Eingang des brennenden Gebäudes den angeketteten Wachhund. Sofort warf K. den Rock zu Boden, um zunächst das Thier aus seiner schrecklichen Lage zu befreien. Bevor ihm dies jedoch gelang, kam eine Stich- slainme, die seinen rechten Arm traf. Um nicht selbst zu verbrennen, mußte K. schleunigst fliehen unter Zurücklassung von Hund und Rock, die beide verbrannten. K. wurde zunächst von den Samaritern der Rixdorfer freiwilligen Feuerwehr verbunden und suchte dann einen Arzt auf. Feuerbericht. In den letzten Stunden hatte die Feuerwehr wieder eine große Zahl von Bränden zu löschen. In der Neuen- burgerstraße 23 hatte die Wehr um 1 llhr nachts einen Brand zu löschen, der durch Unvorsichtigkeit auf einem Hängeboden ausge- kommen war. Durch kräftiges Wassergeben gelang es, den Brand bald zu löschen. Ein größerer Brand beschäftigte die 5. Compagnie in der Kürassierstraße 9, wo vor mehreren Jahren die Sargfabrik von Solan in Flammen stand. Dort brannten Werg, Pack- materialen u. a. auf dem Hofe und mußte die Feuerwehr längere Zeit mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben, um die Gefahr für die Hausbewohner zu beseitigen. Abends wurde die Feuerwehr nach der Ecke der Leipziger- und Friedrichstratze gerufen, wo durch Kurz- schluß im Verteilungskasten der elektrischen Leitung Feuer in einem Keller ausgekommen war, das auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Durch Fahrlässigkeit kam gestern in einem Laden in der Roßstraße 5 Feuer aus. Spiritus, Kleider, Tische u. g. wurden dort ein Öiaub der Flammen. Preßkohlenbrände wurden auf der Albrcchtstraße 10 u. a. Stellen gemeldet. Ferner brannten die Eiscnbahnbrückcn an der Gerichtstraße und am Südufer. Außerdem hatte die Wehr in der Jnvalidenstraße 10 und Greifenhagener- straße 74 zu thun. Das 13. große Sängerfest des Arbeiter-Sängerbundes findet am heutigen Sonntag in Friedrichshagen statt. Da diese Ver- cinigung sich seit Jahren einer großen Beliebtheit in allen Kreisen der Arbeiterschaft erfreut, so ist wohl anzunehmen, daß, wie all- jährlich, auch in diesem Jahre wieder viele Taufende nach den prächtigen Ufern des Müggelsees pilgern werden, um den brausenden Massen-Chören des Bundes zu lauschen. Diese Chöre werden schon seit Monaten von den Sängern eifrigst studiert, um exakt zum Vortrag gebracht zu werden. Der instrumentale Teil des Pro- gramms wird ebenfalls nur von tüchtigsten Kräften aus- geführt. Drei große Kapellen sind vorgesehen. Auch haben die � Köpenickcr Gesangvereine wie im Vorjahre einen Sängerfestzug von Köpenick nach dem Fcstplatz(Müggelschloß) arrangiert. Die Vereine werden spcciell darauf hingewiesen, denn an ihnen liegt es, den Fcstzug zu einer großen und imposanten Kundgebung zu gestalten. Das Konzert beginnt schon früh 8 Uhr. DaS Müggelschlötzchen und Strandschloß mit angrenzendem Walde bieten herrliche Abwechslung. Durch Vereinbarungen mit den Dampfergesellschaften„Stern" und Kahnt u. Hertzer wird die Be- sörderung eine geregelte und schnelle sein. Von morgens früh 7 Uhr fahren Dampfer je nach Bedarf nach dem Festort für den Preis von 35 Pf. bei der.,Stern"-Gesellschaft, Abfahrt Jannowitz- brücke und Schlesischcs Thor, und 30 Pf. bei Kahnt u. Hertzer, Ab- fahrt Waiscnbrücke. Schulkinder bis zu 12 Jahren sind frei. Um den Andrang beim Uebersetzen in Friedrichshagen nach dem Müggel» schloß zu vermeiden, werden außer der Fähre noch ein Dampfer und ein Motorboot die Festteilnehmer übersetzen. Diese Fahrzeuge legen im Garten der Brauerei an. Die Arrangements sind vom Vor« stände so getroffen, daß einem jeden Teilnehmer eine angenehm« und abwechselnde Unterhaltung geboten wird. Siehe heutig« Annonce. Zu den Sittlichkeitöbcstrcdungen unsrer Zeit wird am Montag« abend 8//» Uhr Herr cand. med. Edwin Bab in einer öffentlichen Versammlung im Lokale Englischer Garten, Alexanderstr. 27/,•/,'j, 1 IV, Zl.tr. Einmachehafen 5 6 7 9 1 2 1 5 pr. Einmachegläser— 25— 304045 pr. „„Fefekt" 35 40 45 50 60 63 pr. »teiofirut Milchtöpfe riir'««'s, 33. wau 38 pt. Salatieren Sa,z 6«.�75, blau 1.35 Mk. Brotplatten«au 1 5 pr. Kaffeebecher wau 7, 9, 11 pr. Tassen biau 1 2 pr. Satztöpfe°-*ig. 6 Stück 1 Mk< u. 1.50 Mk. Satztöpfe en8!l- Äe" 1.85 u. 1.95 Mk. Salatschalen 1 0 pr, satr« stück 1 Mk. Runde Schüsseln 15, 20 u. 25 pr. Frühstücksbretterbuml 5 pt Blumentöpfe farbig 50 Pf->>. i.05 Mk. Blumenkübel Major 18,23,27 t. 1.50 Waschgarnituren grosse Perm 3.75, 4.75, 5.75«h. Emaillierte Geschirre WUCI soweit der Vorrat reicht: Wirtschafts- Artikel Gasplätten 2 Stück mit Erhitzer 4.50 Mk. Gaskocher 2 Brenner 6.50 u. 9,75 Mk, PetroleumkocherrochS.SO u. 4.50 Mk. PetroleumkocherLoch6.75 u. 9.50 mu. Plätteisen für Bolzen 1.50 b. 2.50 Mk. Wringmaschinen Waschfässer Giesskannen lackiert Brotkasten lackiert Kirschentkerner 9.50b. 1 0.50 Mk. 7.75b 1 3 Mk. 40 b. 1.10 Mk. 1.35 b. 2.35 Mk. 15 und 60 pr. fxll OdldllfxCiTICI I und OU pr, Tafelbestecke-"chwz.40b.70, n"k42 Pt Esslöffel BIDtzh 50 Pf., Me'taU1' Dtz. 1.30 Mk. Hosenstrecker lackiert 50 pr. Teppichkehrmaschin.6.75 u.9.75«k. Gemüseschneider 55 n Kaffeekannen«'baueh,#"�.»n 30 n.». 1 Mk. Kaffeekannen gorade Fonn4 Grössen 30 pf. v. 1 Mk. Ml'lchtÖpfe 6 Grössen 20 bis 65 Pf. Wasserkessel und"TgÄ 75 rt. b. 1.50 Kasserollen ohne Ring 10 Grössen 25 bis 60 Pf. Kasserollen mit Ring 7 Grössen 50 bis 95 Pf. Schmortöpfe Ohne Ring 8 Grössen 45 Pt. b. 1.05 Maschinentöpfe 12 Grössen 1 0 bis Kinderbecher dekoriert s Grössen 1 5 bia Teller flach und«ei Flache Schüsseln Tiefe Schüsseln Eckige Schüsseln Essschüsseln bis 4 Grössen 1 2 12 Grössen 1 2 bis 5 Grössen 42 bis 4 Grössen 30 bis 60 pf. 25 p« 20 pr. 70 pr. 80 pr. 45 pr. 20 und 30 Pf. Wasserkrüge 95 pf. u. 1.45 Seifenhalter mit Haken 1 3 pt Scheuergarnituren l�.rn 1.65 und 1.75 Waschgarnituren 1 1.50 Mk. Toiletteneimer?-kn?-İ' 4.75, heiibiau 3.40 Toiletteneimer SarSorfeV. 3.75, weiss 1.60 Wannen 1.60 u. 2 1 ' Mk. In der Lebensmittel-Abteilung: Weintrauben PM. Mk. Frische Früchte sind■von der Zusendung ausgeschlossen. Pfirsiche pm. 30 pf. I Italienische Birnen p«. 23 p* Kchlosspark �ühelminenlioi an der Oberspie». JnHnber: Chr. FenncL_! WD? Heute Tonntag: vrosses Nilitär-Koviert mul Elite-Ball. 59452* y Zwapps MorctrunilbahiB. 7r 54592* Restaurant zur Mntergruuilbahn. Treptow. Grosses FamilieB-Reslaurant S-ÄrSÄ" ♦ Familieii-Kaffeeküche. 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Der Charalter des neuen deutsch-russischen Tarisvertrages.— Deutsche Konzessionen.— Die neuen russischen Jnduftriezölle.— Bülowsche Staats kunst.— Der neue Bertrag und die agrarische Presse.— Welche Aussichten aus Annahme hat der neue Vertrag im Reichstage.— Russische Filialen der deutschen Eisen- und Eleltricitätsindustrie.— Der russische Vertrag und die Socialdemokratie. Seit der vor acht Tagen erfolgten offiziellen Meldung, daß die Nordernehcr Konferenzen zwischen dem deutschen Reichskanzler und Herrn v. Witte von Erfolg„gekrönt" worden feien, d. h. beide ihre Unterschrift unter einen neuen deutsch-russischen Handelsvertrag gesetzt hätten, bildet die Frage, welche Konzessionen sich beide Mächte in diesem Bertrage zugestanden haben, den Gegenstand leb- Hastester Erörterungen der Presse. Formell gilt allerdings der Vertrag noch als tiefstes Geheimnis, das nach offizieller Versicherung sorgfältig gehütet werden mutz, da sonst die schwebenden VerHand- lungen mit andern Staaten gefährdet oder doch mindestens er- schwert werden könnten. Thatsächlich sind jedoch, wenn auch nicht die Einzelheiten des Vertrages, so doch seine wichtigsten Charalter- züge so weit durch die verschiedenen Mitteilungen deutscher und russischer offiziöser Blätter enthüllt, das; man sich von dem Aussehen des neuen Tarifvertrages ein im ganzen richtiges Bild machen kann. Verträge, an deren Kenntnis weite Kreise aufs höchste interessiert sind und um deren Inhalt mehrere Dutzend Personen wissen, sind nicht geheim zu halten, und so sicher es ist, datz trotz aller Ge- heimnisthuerci die Diplomatie Oesterreich-Ungarns und der andern Staaten, mit denen_ Unterhandlungen schweben, über die wesent- lichsten Bcstimmungeh des deutsch-russischen Tarifvertrages genau unterrichtet sind, so zweifellos ist andrerseits, datz die meisten An- gaben und Andeutungen, die in der letzten Woche die konservative und nationalliberale Presse über den Inhalt des Vertrages gebracht hat, auf mehr als blotzen Vermutungen beruhen, haben doch diese Blätter zum Teil anerkannt gute Beziehungen zu Regierungs- kreisen. Nach den Auslassungen dieser Blätter kann es nun kaum mehr als zweifelhaft gelten, datz die russische Regierung die Getreidemindestzölle des deutschen Zolltarifs acceptiert hat— der bitteren Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe. Für Weizen ist demnach ein Zollsatz von 6,50 M. pro Doppelcentner, fürRoggen und Hafer von 5 M. im neuen Vertrag festgesetzt. Nur für Gerste ist nach den Angaben einiger Blätter insofern ein Zugeständnis an den russischen Getreide- Export erfolgt, als auch die Gerste besserer Qualität nicht nach Z 1 des neuen deutschen Zollgesetzes als„Malzgerste" mit 4 M. pro Doppelcentner, sondern als„Futtergerste" mit 2 M. verzollt werden soll. Als Gegenkonzession für die Annahme der deutschen Getreide- Mindestzölle durch die russische Regierung sind deutscherseits Er- leichterungen des russischen Viehexportes nach dem deutschen Zoll- gebiet zugestanden. Welcher Art jedoch diese Erleichterungen sind, ist bisher noch nicht bekannt geworden; nur scheint es sich weniger um allgemeine Zollherabsetzungen, als um Aufhebung verschiedener veterinär-polizeilicher Matzregeln, welche bisher die russische Vieh- ausfuhr nach Deutschland einschränkten, zu handeln. Das schlieht natürlich nicht aus, datz einzelne der Viehzölle, z. B. der Schweine-, Pferde- und Gänsezoll, herabgesetzt und vertragsmähig gebunden worden sind; für die meisten Viehzölle ist aber, soweit sich ersehen lätzt, eine Herabsetzung nicht erfolgt. Anscheinend hat man von russischer Seite folgendermatzen kalkuliert:„Die hohen deutschen Viehzölle, besonders die Zölle auf Rindvieh, werden bei den Ver- Handlungen mit andern Staaten, vornehmlich Oesterreich-Ungarn. ohnehin beträchtliche Herabsetzungen erfahren, und diese Vertrags- mätzigen Reduktionen werden infolge des Meistbegünstigungsrechtes dann auch uns ohne weiteres zu gute kommen. Weit rationeller, als die Erwirkung allgemeiner Viehzollermähigungen, ist also für uns eine Beschränkung auf jene Fälle, wo ganz specielle Interessen der russischen Viehausfuhr in Frage kommen, vor allem eine Auf- Hebung der Viehsperre an der russisch-deutschen Grenze. Auf diese Weise erlangen wir die gleichen Zollennätzigungen, wie die andern Staaten, mit denen Deutschland noch Verträge abschlietzt; außerdem aber noch für uns im besonderen eine Verminderung jener Grenz- sperrmahnahmen. durch deren schärfere Anwendung alle Viehzoll- Ermäßigungen leicht hinterher wieder ausgeglichen werden könnten." Außer zur Aufhebung bezw. Abschwächung solcher„sanitären" Sperrmatzregcln, von deren Aufrechterhaltung nach den Versiche- rungen der Regierungsvertreter und der offiziösen Presse bisher das leibliche Wohl und Wehe der ganzen deutschen Bevölkerung ab- hängen sollte, hat aber die deutsche Regierung, um die Zustimmung Rutzlands zu den Gctreidemindestzöllen zu erkaufen, sich ferner zur Genemigung beträchtlich erhöhter russischer Zölle auf jenen Teil der deutschen Exportartikel verstehen müssen, der vornehmlich für die Einfuhr in Ruhland in Betracht kommt, besonders auf Eisen-, Stahl- und andern Metallwaren, ferner Maschinen, Lcder, Drogerie- und Farbwaren. Aus diesen Artikeln bestand aber in den letzten Jahren weit über ein Drittel der deutschen Ausfuhr nach dem Zaren- reich. Es lieferte die deutsche Industrie nach Rußland in den Jahren: 1900 1901 1902 1908 Mill.M. Mill.M. Mill.M. Mill. M. 324,9 318,4 343,7 373.S Davon kommen auf: Drogerie-, Apotheker-, Färb- waren....... Eisen- und Eisenwaren.. Instrumente, Maschinen.. Kurzwaren u. Ouincaillerien Leder und Lederwaren.. Kupfer und Kupferwaren. 1900 Mill.M. 25.1 44,7 31.8 10,8 6.3 14,3 1901 Mill.M. 26,9 42,3 49,7 11.3 8,3 12,4 1902 Mill. M. 30.9 37,0 43,3 12,9 10,0 10,7 1903 Mill. M. 31.8 35.9 46,0 13,4 12.1 12,5 Kaum war der neue deutsche Zolltarif im Reichstage zur An- nähme gelangt, als bekanntlich auch schon die russische Regierung mit einem Gegenkamvftarif hervortrat. In diesem wurde zunächst auf eine Reihe wichtiger Waren(Eisen- und Metallfabrikate, Maschinen, Instrumente, Papierwaren. Textilfabrikate) ein Zu- schlagszoll von 20 Proz. gelegt, wenn sie nicht zur See, sondern zu Lande über die östliche Grenze in das russische Gebiet eingehen: eine Matzregel, die sich direkt gegen den deutschen Export richtete und nur als Drohung aufgefaßt werden konnte. Außerdem aber fanden sich in diesem Tarif die Zollsätze für eine Reihe Artikel be- trächtlich erhöht, besonders für Stahl-, Blei- und Kupferwaren .(Erzeugnisse der Elektricitätsindustrie), Maschinen, Instrumente, Uhren, chemische Präparate, Textil-, Papier- und Lederwaren. Besonders sind Metallwaren. Maschinen und Instrumente mit hohen Zollaufschlägen bedächt worden, vielfach in der Höhe von 30 bis 50 Proz.. in verschiedenen Fällen jedoch über 100 Proz. hinaus. Diese Differenzierung der Einfuhr zur See und zu Lande hat nun allerdings die russische Regierung wieder fallen lassen, aber sie war von vornherein nichts als eine bloße Drohung, die nur den Zweck (hatte, dem„lieben, einzigen Freund" im Westen zu Gemüte zu führen, datz, was er sich leiste, Ruhland sich zweimal leisten könne. 'Dagegen hat, wie bisher unwidersprochen geblieben ist. die deutsche 'Regierung sich dazu verstanden, eine ganze Reihe dieser erhöhten russischen Jnduftriezölle kurzweg zu acceptieren; d. h. sie hat nicht nur auf die meisten wichtigeren Vertrags- mätzigen Reduktionen des heute geltenden Handelsvertrages Verzicht geleistet, sondern vielfach Zollsätze in staut seaammea, Die noch beträchtlich über den heutigen russischen Generaltarif hinausgehen. Die Annahme der Getreidemindestzölle durch die russische Re- gierung ist also sehr teuer erkauft, nämlich durch eine autzerordent- liche Verengerung des russischen Absatzmarktes für deutsche Industrie- Produkte. Es hat sich augenscheinlich der ganze Kampf bei den Vertragsverhandlungen auf die Minimalzölle konzentriert. Um diese zu retten und sie den Agrariern als Trophäe aus der Kam- pagne heimbringen zu können, war Graf Bülow auf allen andern Gebieten zu jeglichen Konzessionen bereit. Als Parole galt ihm: „Zuerst und um jeden Preis die Getreide-Mini- malzölle; alles andre ist Nebensache!" Die Jnter- essen der nach Rußland exportierenden Industrien sind einfach den Interessen des ostelbischen Großgrundbesitzes aufgeopfert: des Groß- grundbesitzes, denn an hohen Kornpreisen im Osten ist vor allem das feudale Junkertum interessiert, während die Interessen des kleineren und mittleren Grundbesitzes weit mehr mit der Viehzucht zusammenhängen. Deutlich wird wieder mal demonstriert, wie der sogenannte ,.B a u e r n s ch u tz" im Grunde genommen doch nur Grotzgrundbesitzerschutz ist. An den Minimalzöllen für Getreide darf nicht gerüttelt werden; aber bei den Zöllen für Vieh, das vor- wiegend der mittlere und kleinere Landwirt produziert, ist man zu Konzessionen bereit. Aus diesem Charakter des neuen Zolltarifs ist auch erklärlich, warum die agrarische Presse, protestantischen wie katholischen Be- kcnntnisscs, den Bülowschen„E r f o l g" trotz so mancher Aus- stellungen, die sie sonst gegen die Politik des gräflichen Causeurs hat als einen handelspolitischen Sieg feiert und billige Vorschutz- lorbeercn um die Dcnkerstirn des Reichskanzlers flicht. Und doch ist selbst dieser höchst zweifelhafte Erfolg Bülowscher Staatskunst in Wirklichkeit doch nur ein Erfolg von Japan Gnaden: ein Erfolg der Hiebe, die sich das offizielle Zarenreich in Ostasien holt, und der zerrütteten Rückwirkung der empfangenen Niederlagen auf seine Wirtschaftslage. Das sieht sich selbst das Hauptblatt des Cen- trums, die„Kölnische Volkszeitung", genötigt, zuzugeben, die sonst den agrarischen Freudenrausch mitmacht. Während sie in ihrer Nummer 625 im zweiten Leitartikel freudestrahlend ankündigt: „Nun sind hunderttausend der„schönsten" freisinnigen und socialdemokratischcn Leitartikel, in denen mit blendender Logik „nachgewiesen" war, datz Graf Bülow mit diesem Zolltarif und diesen Getreide-Mindestzöllen nie und nimmer einen Handels» vertrag werde abschließen können, ganz und gar wertlos ge- Ivorden.... Das bedeutet einen schweren Schlag für dei Parteien der Linken, um so mehr, als sie während der vorjährigen Reichs- tagswahlagitation die Opposition gegen den Zolltarif in den Mittelpunkt ihrer politischen Thätigkeit gestellt hatten." heißt es im ersten Leitartikel derselben Nummer: „Man hat ja auch den Eindruck, als wenn der Erfolg zum guten Teil dem russisch-japanischen Kriege und den Verlegenheiten zu verdanken ist, in die Rußland durch ihn geraten ist. Wenn Herr von Witte ziemlich unerwartet selbst herüberkommt und dem Grafen Bülow sogar bis in die Sommerfrische nach Norder- ney nachreist, um den Vertrag zu stände zu bringen, und dies in wenigen Tagen gelingt, so mutz doch wohl das wirtschaftliche, finanzielle und politische Bedürfnis Rutzlands danach ziemlich groß sein. Den Eindruck gewinnt man erst recht, wenn man da- mit die frühere Haltung des Herrn v. Witte vergleicht. Wenn nun aber einmal Rutzland die Notwendigkeit erkannt hatte, einen Vertrag abzuschließen, eine Notwendigkeit, die natürlich auch der deutschen Regierung nicht entgangen ist, so war die Verständigung kaum noch sonderlich schwer." Sicherlich werden denn auch die beiden konservativen Parteien und das Centrum dem Vertrage im Reichstage zustimmen, wahr- scheinlich mit Ausnahme einiger hochagrarischen, landbündlerischen Elemente. Man wird voraussichtlich gegen die Erleichterung der Vieheinfuhr eine Kannonade aufführen, schließlich aber doch mit Thränen in den Augen und unter den Versicherungen, daß man für den Schutz dcS Bauern energisch weiter kämpfen werde, den Handelsvertrag annehmen, da nun einmal das Wohl des teuren Vaterlandes gebiete, sich vorläufig mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Auch der größere Teil der Großindustrie dürfte schließlich nach allerlei Lamentationen und Protesten zustimnien; denn wenn ihr auch durch den Vertrag der Absatz nach Rußland geschmälert wird, so wird ihr andrerseits doch durch den neuen Dezember-Zoll- tarif der innere deutsche Markt um so gründlicher zur Monopoli- sierung und Ausbeutung ausgeliefert und ihr dadurch die Gelegen- heit geboten, sich für die Verminderung der Exportgcwinne an inländischen Konsumenten schadlos zu halten. Außerdem aber kommt in Betracht, daß viele der industriellen Unternehmungen Rutzlands, besonders in der Eisen-, Elektricitäts- und in der chemi- schen Industrie nichts andres als Tochtergesellschaften und Ableger deutscher Werke sind. Sowohl die größeren Etablissements der schlesischen Eisen- und Stahlindustrie, als die größeren deutschen Unternehmungen der Elektricitätsindustrie haben ihre Zweignieder- lassungen jenseits der russischen Grenze. Was also die deutschen Unternehmungen an Export durch die russischen Zollerhöhungen ein- büßen, das gewinnen ihre Filialen in Rußland an Ausdehnung ihres inländischen Absatzgebietes. Mag aber auch die Großindustrie sich aus diesen Gründen mit dem Vertrag abfinden; die socialdemokratische Ar- beiterpartei lehnt ihn ab, und zwar auch dann, wenn nicht noch, wie fast sicher ist, die deutsche Regierung sich nebenbei der russischen gegenüber zu allerlei Liebesdiensten auf politischem Gebiet verpflichtet hat. Für uns ist ein Tarifvertrag unannehmbar, der nicht nur eine enorme Mehrbelastung des Lebensunterhalts der Arbeiterklasse bedeutet, sondern der zugleich durch seine Erschwerung der deutschen Jndustriewarenausfuhr die Arbeitsgelegenheit für einen großen Teil der Arbeiterschaft künstlich vermindert.__ Tat. Achter Kerbaudstag des Verblnides der Schneider, Schneiderinnen u. verwandt. Serufsgenossev Deatschiands. Zum Punkt„Bericht vom Heimarbciterschutz-Kongretz und Vor- schlüge über die zukünftige Taktik in der Konfektton" referiert S t ü h m e r. Verbandsvorsitzender. Er bedauett, datz auf dem Heimattoeiterschutz-Köngreß die Reichsregierung einen Vertreter nicht entsandt habe. Redner bespricht dann kurz die bekannten Er- gebnisse des Kongresses. Bezüglich der Taktik in der Konfektion ist er der Ansicht, datz es sehr schiver sei, präcise Vorschläge zu machen. An irgend welche Lohnbewegung sei zur Heit nicht zu denken. Man müsse zu...i.ist rsuchen, durch rührige Agitation etwas mehr Boden unter den Heimarbeitern zu gewinnen. Das sei äußerst schwierig. Man habe es hier nicht mit Kollegen zu thun, die in größerer Anzahl zusammenarbeiten, sondern die Heimarbeiter wären schwer zu fassen und zu halten. Durch öffentliche Versamm- lungen sei bei diesen wenig zu erreichen; man müsse da Haus- agitation treiben. Bestimmte iveiiere Vorschläge könne er(Redner) zur Zeit noch nicht niachen. Der Vorstand werde aber alles thun, um auch unter den Konfektionsarbeitern bessere Lohn- und Arbeits- bcdingungen zu erringen. Die vom Referenten empfohlenen spcciellen Vorschläge bewegen sich in der Richtung von Tarifen für die Herren- und Damenkonfektion, Errichtung von_ BctriebS- werkstätten. Verlangen nach besserer Behandlung, wöchentlicher Lohnzahlung usw.— In der Debatte erklärt Timm- München. daß leider die socialdemokratische ReichstagSfraktion in diesem Punkt (gesetzlichen Heimarbeiterschutz) bisher ihre Pflicht nicht erfüllt habe. Ferner bezeichnet Redner es als einen schweren Fehler der Re- gierung, daß diese den überaus wichtigen Heimarbeiterschutz- Kongreß völlig ignoriert habe.— Mahlte- Flensburg, Reichs- tags-MLeordmIer, erklärt gegenüber Timvi. daß schon vor dem Kongreß die socialdemokratische Fraktion einen Entwurf für ein Heimarbeiterschutz-Gcsetz ausgearbeitet habe. Zu diesem Zwecke sei eine Kömmission thätig gewesen. Als der Entwurf fertig war. habe sich die socialvenwkratische Fraktion damit beschäftigt, die ihr an- gehörenden Juristen hätten daran aber Ausstellungen gemacht, so daß die Angelegenheit nochmals zurückgestellt worden sei. Nach dem Kongreß sei die gewählte Kommission aber gleich wieder zu- sammengetreten und habe an dem EntWurfe zu dem Heimarbeiter- schutz-Gesetz der Fraktion weiter gearbeitet. Es wäre also bald ein solcher Entwurf zu erwarten.— Fräulein Grünberg- Berlin schildert die Verhältnisse der Heimarbeiterinnen der Kostümbranche in Berlin, dabei diejenigen Gesichtspunkte hervorkehrend, die bxj der Heimarbeiterschutz-Frage für die Arbeiterinnen in Betracht kommen,— In der weiteren Debatte kommt die Gründung von Produktivgenossenschaften wieder in Anregung, wogegen von andrer Seite wieder betont wird, daß besser als dies die Produktion der Konsumvereine sei. Die letztere sei erst in der Entwicklung be- griffen und solle mau erst diese beobachten, ehe man weiter an die Gründung von Produktivgenössenschaften gehe.— Smitka-Wien (Vertreter des österreichischen Bruderverbandes) schildert die Erfahrungen, die man dort mit der Kontrollmarke und bei dem letzten großen Kampfe gemacht habe. Mit den Kontrollmarken wie auch mit den Tarifabschlüssen habe man dort wenig erfreuliche Erfahrungen gemacht. Die Unternehmer zeigten wenig Tariftreue. ES sei nur von der Stärkung der Organisation etwas zu erwarten. In der ferneren Debatte kritisiert man wiederholt das Zwischenmeister-Systcm in der Konfektion, zugleich aber auch die Schwierigkeiten immer wieder hervorkehrend, die einer Beseitigung dieses Systems entgegenstehen. Gegen den Ausschluß der Zwischen- ineister aus dem Verbände, was angeregt wird, werden ebensoviel Bedenken geltend gemacht, als Gründe für den Ausschluß angeführt werden.— T r i l s e- Elberfeld bleibt trotz der Erklärung Mahlkcs dabei, daß die socialdemokratische Reichstagsfraftion mehr bezüglich des gesetzlichen Heimarbciterschutzes hätte thun müssen..Aber auch in der Arbeiterschaft im allgemeinen habe das Interesse für den Heimarbeiterschutz gefehlt, und dieser Vorwurf sei auch den eignen Kollegen zu machen. Den Umstand, daß jetzt die Regierung und weite bürgerliche Kreise ihre Aufmerksamkeit allmählich der Heim- industrie zuwenden, solle man nicht ungenützt vorübergehen lassen.— G ö t k e- Wilhelmshaven schildert die Arbeitsverhält« nisse der Arbeiter, die das Reichs-Marin.«!- Amt beschäftigt. Die Lage'dieser Arbeiter sei tieftraurig und fordere zur schärfsten Krittk heraus. Das müsse einmal der Oeffentlichkeit unterbreitet werden, weil es auf dem Heimarbeiter- schutz-Kongreß nicht genügend habe erörtert werden können. Man werde diese Zustände in nächster Zeit einmal speciell der Oeffentlich- keit unterbreiten. Statt der Heimarbeit entgegenzuwirken, fördere das Reichs-Marine-Amt dieselbe und drücke durch sein Verhalten die Lage der betreffenden Kollegen immer tiefer. Dresden, ö. August. Fünfter Sitzungstag. Die Debatte über den Heimarbeiterschutz wird fortgesetzt. Von den gemachten Ausführungen sind zu erwähnen die K ä m i n g s, Verbandskassierer, der bemerkt, die socialdemokratische Reichstags- fraktion habe schon seit langer Zeit Veranlassung gehabt, sich mit dem Heimarbeiterschutz zu beschäftigen. Sei es der Fraktion, nicht möglich, das Rechte zu treffen, so könnten doch einige Sachverstandige herangezogen werden. Es sei doch nötig, daß die Fraktion die Regie- rung dränge. Die aufgestellten Forderungen bürgerlicher Social« reformer seien radikaler gewesen, als der erste Entwurf der social- demokratischen Fraktion. Kommerzienrat Mannheimer in Berlin habe von sich gesagt, daß es seinem Einfluß gelungen sei, daß von der Berliner Polizeibehörde die Bestimmungen über die Lohnbücher nicht so streng gehandhabt würden. Das ließe sehr tief blicken und müsse ganz besonders betont Iverden. Die Grotzkonfektionäre wollten nicht, datz durch die richtige Handhabung der Lohnbücher die Schand- Wirtschaft bezüglich der Löhne ständig zur öffentlichen Kritik fest- gestellt werden könnte. Redner verteidigt lebhaft die Bestrebung zur Einführung des Zeitlohnes gegen die Bedenken, die in der Debatte gegen den Zeitlohn vorgebracht werden könnten. Dieses Ziel sei durchaus kein solches, datz nicht oder vielleicht erst in später Zukunft erreicht werden könnte. Die Produktion werde dadurch nicht verteuert und dann könne auch den großen Warenhäusern, die für Reklame- zwecke geradezu fabelhafte Summen ausgeben, ein kleines Opfer für die Konfektionsarbeiter abverlangt werden. Ebenso müsse auch einmal energisch mit den Konsumvereinen geredet werden. Diese könnten weit mehr für geordnete Verhältnisse. Einführung von Be- tricbswerkstätten usw. leisten, als das bisher zu verzeichnen sei. Man dürfe dort eben nicht alles vom Standpunkt des Dividenden- gewinns ansehen. Auch die Parteipresse müsse mehr die Kon- fektionsarbeiter bei der öffentlichen Kritik von Konfektionsgeschäften unterstützen. In dieser Hinsicht bleibe jetzt manches zu wünschen übrig. Nachdem noch einige weitere Redner zu diesem Tagcsordnungs- punkte gesprochen, die andre als bereits skizzierte Gesichtspunkte aber nicht berührt haben, wird ein Schlutzantrag angenommen. Es erfolgt darauf die Abstimmung über sämtliche zu diesem Punkte gestellten Resolutionen und Anträge. Von den gefaßten Beschlüssen sei erwähnt!*r Antrag Berlin. Dieser lautet:„Der Verbandstag ivolle beschließen: Der Hauptvorstand wird beauftragt, den Reichstag sowie den Bundesrat davon in Kenntnis zu setzen, daß der Z 4 der Bundesratsverordnung vom 31. Mai 1897(Z 137 der Gewerbeordnung) von den Unternehmern in der Konfektionsindustrie dadurch ständig umgangen wird, daß sie die ihnen im s 6 der Verordnung gestatteten 30 Ausnahmetage auf die Sonnabende verlegen, an denen nach§ 137 der Gewerbeordnung die Beschäftigung von Arbeiterinnen nach 6Vt Uhr nachmittags überhaupt nicht gestattet ist. Reichstag und Bundesrat sollen ersucht werden, ihren Einfluß auf die auS- führenden Behörden und unteren Verwaltungsorgane geltend zu machen, damit der zweifelsfreien Absicht des Gesetzgebers Rechnung aettagen wird." Nach einem andren Beschlutz dürfen nur solche Zwischcnmeister Mitglieder bleiben beziehentlich werden, die alle diejenigen Forderungen erfüllen, welche vom Verband gestellt werden. Darauf folgt die Specialberatung und Entschließung der zum Statut gestellten Anträge, die von der dazu eingesetzten Kommission durchberaten sind. Die wichtigeren von der Kommission empfohlenen Aenderungen find: Eine Aenderung über den statutarischen Zweck des Verbandes, nach der dieser alle Arbeiter und Arbeiterinnen der in der Schneiderei und verwandten Berufe zu orga- nisieren. Ferner wird dem Recht des Vorstandes zugestimmt, unter Zustinimung des Ausschusses Extrabciträge auszuschreiben. Die An- träge auf Beitragserhöhung werden abgelehnt. Die Paragraphen 7 und 32 des Statuts bezüglich Urabstimmungen empfiehlt die Kommission zu streichen mit der Begründung, datz ja die Verbands- tage da feien. Wenn diese zu einem bestimmten Punkt beschlössen, denselben einer Urabstimmung der Mitglieder zu unterbreiten, so sei das seine Sache. Besondere Bestimmungen darüber brauche man im Statut deshalb nicht. Es müsse mit diesen Bestimmungen, die veraltet seien, gebrochen werden. Nach kurzer Debatte entscheidet sich der Verbandstag für die Streichung dieser beiden Paragraphen. Ein Antrag, der den Kollegen, die schon wiederholt Mitglieder der Organisation waren, den Wiedereintritt erschweren soll, wird eben- falls angenommen. Zur Gehaltsfrage wird von der Kommission die durch den Beschlutz des Gewerkschaftskongresses festgelegte Gehalts- skala empfohlen(Anfangsgehalt 2000 M. und Höchstgehalt 3000 M. pro Jahr). Es entspinnt sich darüber eine lebhafte Debatte. Ver- schiedene Redner verwundern sich, daß man noch höher gehen wolle mit dem Anfangsgehalt(2100 M.) als der Gewerkschaftskongreß. Gegen diese Gehaltssätze werden die bekannten Gründe geltend ge- macht, datz die meisten Kollegen nicht so viel verdienten usw. Oft sind es recht eigenartige Gründe, die man gegen die Gehaltsrcgelung vorführt. Die nicht angestellten Ortsbeamtcn müßten mit viel mehr vdealismus für im Arbavd wirkrn. alz die ansMeM». Wr die GehattSregelung wird geltend gemacht, daß man bei angemessener Bezahlung auch eine tüchtige Leistung beanspruchen könne. Bürger- liche Unternehmungen zahlten für ähnlich qualifizierte Posten ganz andre Gehälter. Nach einem angenommenen Schlußantrag wird bei namentlicher Abstimmung der Gchaltsstaffcl nach dem Vorschlag der Kommission mit 47 gegen 25 Stinnnen zugestimmt. Lebhafte Debatte ruft ebenfalls die beantragte Verlängerung der Zeitperioden zwischen den einzelnen Verbandstagen hervor, die, statt wie bisher alle 2 Jahre, jetzt alle 3 Jahre stattfinden sollten. Die Mehrheit entscheidet sich für die Beibehaltung des jetzigen Zustandes. Bei der Festsetzung der Diäten kommen wiederum gegensätzliche Ansichten zum Ausdruck. Einige Delegierte geben der Befürchtung Ausdruck, daß eine Erhöhung der Diäten von den Mitgliedern in den Filialen scharf kritisiert werde. Man beschließt, für die Delegierten statt 9 M. 19 M. pro Tag Diäten(einschließlich des entgangenen Arbeitsverdienstes) zu gewähren. Rückwirkende Kraft dieses Be- schlusses wird abgelehnt. Es wird ferner beschlossen, daß für die Zukunft nur 400 Mitglieder einen Delegierten zum Verbandstag zu wählen haben. � 250 Mitglieder wählen weiter einen Delegierten. Eine Anzahl weiterer Anträge sind ohne öffentliches Interesse. Be- anwagte Aenderungen zum Unterstützungswesen werden zul�ickgestellt bis zum nächsten Berbandstage, zu welchem der Borstand dann Vor- schlüge machen soll. Ferner werden einige Aenderungen zum Reise- und Streikunterstützungsreglement beschlossen. Genossin Ihrer ersucht uns um Aufnahme folgender E n t- g e g n u n g: Im gestrigen Bericht vom Verbandstag der Schneider läßt der Berichterstatter Stühmer sagen: Ter Verbandsvorstand würde die bekannte Agitatorin Frau Ihrer zur Agitation nicht mehr benutzen. Fernstehende müssen aus dieser Aeußerung schließen, daß der Schneiderverband durch Besoldung oder ähnliches ein Anrecht habe, über die Arbeitskraft der Agitatorinnen zu verfügen. Es hat bisher lediglich in unsrem freien Ermessen gestanden, inwieweit wir nnsre Arbeitskraft den darum ansuchenden Gewerkschaften zur Ver- fügung stellen konnten oder wollten. Und sehr erfreut würden wir sein, wenn recht bald jede Gewerkschaft ihre Mitarbeiterinnen in den eignen Reihen fände und wir dadurch etwas entlastet würden. Es wird mir die Mitbegründung des Wäschearbeiterverbandes zum Vorwurf gemacht, weil die Schneider meinen, es sei dadurch eine Zersplitterung herbeigeführt. Es kann dies aber nur so scheinen bei der gänzlich einseitigen Darstellung der Sache. Bisher hat noch keine Gewerkschaft beansprucht, daß eine Kategorie von Arbeitern und Arbeiterinnen, deren Arbeitsart von der ihren sehr verschieden ist und für deren Organisierung sie selber nichts gethan hatte, dann zu einem Verband herüber schwenken soll, wenn die schwierigste Arbeit für den Zusammenschluß von den Arbeitern des betreffenden Berufs geleistet worden ist. Emma Ihrer. Hus der frauenbewegung. Adlershof. Der Verein für Frauen und Mädchen in AdlerShof hält Montag, den 8. d. Mts., abends, im Lokal von Oskar Wöllstein seine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: Vortrag des Stadtverordneten Dr. Borchardt-Charlottenburg über: Arbeitslosen« Versicherung. Aufnahme neuer Mitglieder. Verschiedenes. Zahl- reiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Oder-Schöneweide. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen zu Ober-Schöneweide veranstaltet Donnerstag, den 11. d. Mts., einen Familienausflug nach.Tabberts Waldschlößchen"(Dampfer- station). Um 3 Uhr gemeinsames Kaffeekochen.— Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß die Sitzung im Monat August ausfällt und die nächste ordentliche Sitzung im September stattfindet. Näheres hierüber wird zur Zeit bekanntgegeben. Emgegangene vruckfckriften. Sociale Gesetzgebung und Socialdcmokratie. Erster Tell: Arbeiter- Versicherung und Arbeiterorganisationen. Von F. v. Jag witz, General- major z. D. Verlag von Sl. 28. Hayns Erben, Berlin. lgnio ariiens. Von Dr.«t. Ulbrich. Protesteingabe in Sachen per modernen Lcichenveraschung an die latholischen Kirchendehörden. Berlin, Verlag des Vereins sür Feuerbestattung. Für de» Jntznlt der Inserate iiberniinmt die Nedaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei Berautivortung. Ubeater. Sonntag, den?. August. Ansang?'/, Uhr: NeueS königl. Opern- Theater. Die Geisha, oder: Eine japanische Theehausgeschichte. Nachin. 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag: Der Bettclstudent. Belle-Alliauce. Gastspiel von Emil Winter- Thmians Humoristen. Zum Schluß: Unheimliche Gäste. Montag: Dieselbe Vorstellung. Slnsang 8 Uhr. Schiller v.(Wallner- Theater.) Die Hugenotten. Nachm. 3 Uhr: Die Entführung aus dem Serail. Montag: Der polnische Jude. Weste». Licbeshandel. Nachm. 2'/, Uhr: Alt-Heidelberg. Montag: Liebeshandel. Berliner. Zapfenstreich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues. Einen Jux will er sich machen. Nachm. 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Montag: Einen Jux will er sich machen. Residenz. Die 300 Tage. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Nachtasyl. Montag: Dieselbe Vorstellung. Aietropol. Ein tolles Jahr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Venus aus Erden. Specialis täten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Herrenfeld-Theatcr. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stadt-Theater Moabit. Der reiche Pustekohl. Montag: Diesewe Vorstellung. Rcichshalleu. Stettiner Sänger. Passage-Ttz eater. La belle Georgette Specialitäten. Slnsang 5 Uhr. Urania. Tanbenstraste 48/49. Die Weltausstellung in St. Louis. — An den Seen Oberitaliens. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jnvalidcnstraste 57102. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. ii Heute und solgende Tage 8 Uhr: Die ZOO Tage. Schwant in 3 Akten von Paul Gevault u. Robert Charwey. Deutsch V.A.Halm. Herr Richard Alexander in der Hauptrolle. Apollo-IMs. vi, Uhr: Garten-Konzert. 8— gst, Uhr: Die phänomenalen Attraktionen des iDpst-SpecMten-Propm. 9'/, Uhr: Tenus auf Erden. öperett6 Z�kKe. Schiller-Theater 0. (Wallner-Theater). Morwitz-Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben Preisen: Die Entführung au» dem Serall. Sonntagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Botel. Die Hugenotten. Montagabend 8 Uhr: Der polnische Jude. Dienstagabend 8 Uhr: Vorletztes Gastspiel Heinrich Bötel. Der Postillon von Lonjumeau. Der Sommergarten ist eröffnet. Im Garte» des Schiller-Theatcrs dl. täglich grobes Uilitär-Konrert. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl. Anfang 8 Uhr. Morgen: Nachtasyl._ Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Eineii Jux will er sieb machen. Anfang 8 Uhr. Morgen: Einen lux«III er sieh machen. Centrai-Theater 8 Uhr: Einakterabcnd ans Fritz Renters Werke»: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschen und Riemcls. 3. Hanne Nütes Abschied. 4. Jochen Päsel. S. Bräsigs letztes Stündlcin. 6. Ein kleiner Beamter. Emil lllohard, kgl.Hoffchauspicler, a. G. Morgen und solgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Hetropol-Theater Der grösste Erfolg dieses Jahres: Gr. dramatisch-satirische Kevue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauches überall gestattet Belle-Alliance-Theater. Nur noch v t s 14. August: Winter-Tymians Hnmoristtn Vollständig neues urkomisches Progr. Im Sommergarten von 4>/, Uhr an: Curt Goldmann-Konzert. Von K'/zUhr ab: Glänzend neues 8peoislitälen- Programm nur allererster Attraktionen. Cicbcndcc Herrnfeld-Theater. (XIII. Berliner Winter-Saison.) Snr eine hiacht. Zwei Akte aus einer Ehe. .4.ni andern Horben. Nachspiel zu.Nur eine Nacht". Beide stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Kasscn-Eröffnung 7 Uhr. Vorverkauf täglich 11— 2 Uhr. Der große Naturgarten ist geöffnet. Ilrama. Tauhenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltausstellung ia St. Louis. Hierauf; An den 8een Obeeitallens. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte Passage-Theater. La belle Georgette, Flammen- und Radium-Tänzerin. jfaniva.japanischeTruppe. Vierzehn erstklass. Nummern. Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn Täglich im Garten: Hoffmatms Norddeutsehe Sänger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Van�Iertin-elien. Neu I Zum Schluß: Neu l Unser Kind. RelehshAlleii-Thesler. Nun wieder täglich; ir Siimer. Cirkus Sarralani. Orösstep und elegantester Zelt-Cirkns Europas. Täglich: Mr. Nelson das menschliche Känguruh. Stteiiirttidi am Königsth., am Friedrichshain 29/32. Täjüch: Theater Ii. pam VdsMislipiip und Ball. itl! Liesecke in llalien. 10 11.: 1 Gesangspossein. Tanz v. L.Ely. MUwoch: Kikdersttudtichst. Entree SO Di. Somiab., 13. Aug., ist für Vereine fiel. her uuverradhsre Fakir! Italienisches Original-Orchester, Damen und Herren. Der Kamp! um Port Arthur, gr. akt. Spektakel-Schauspiel. Das Dlircnweib, lebend. Oer 16jährige Riesenknabe Der lange Josef 217 clm gross._ 3�" Nada und Mnemos, Gedankenleser. D e r I. e 1 c h e n f n n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Itoblilffiiiftit Kuggenhagen iflorltzplatx. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im grofte» schattigen Natur- garten jeden Abend 8 Uhr: IConzert. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führma nn— Waide-Sänger. Sonnabends T»»o im Kaisersaal:■«8 ßi ä« Speeialitäten-Theater, Landsberger Allee 76/79. Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! im herrlichen Garten od. gr.Saal: Znm Totlachen das vollständig neue konkurrenzlose Riescnprogramin, ca. 35 Nummern Unter anderm: Grebnieff-Troupe, 4 Personen, russische Tänze mit dem besten Tänzer. The Herwoods, American- Erccntric. 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In der Arena: Der See-Elefant. Eintritt vom Garten 20 Ps., von der Straße 30 Ps., Kinder dieHälste. Alhambra Wallncrtheater-Sitr. 15. Jeden Sonntag: |W Großer Extra-Ball. Entree inkl. Tanz: Herren 50 Pst, Damen 25 Ps. Ans. 5 Uhr. Empfehle mein Lokal sür Vereine und Versammlungen. 5655L' A. Zamcitat. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhimann. Schönhauser Allee 148. teert Theater, Speeialitäten. 15 neue Nummern._ Mr. Hopkins Miniatur-Cirkus. Sensations-Tableau: Der Weltfriede. Arbeit bringt Segen, Bolksstück. Ansang i'l, Uhr. Eintritt 30 Ps. Avis! Sonnabend, Ü7. Aug., für Bereine frei. IhäAtrir KasstaajWAIIee 7*9 Täglich: Vineta. Pantomime: Ein ruhiges Zimmer zu vermieten. Satanello-Trio. Wardinis. Clown Steffi. Ball, Konzert, Specialitäten. Ans. 4 Uhr Eintr. 30 Pf. Num. PI. 50Ps. V. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Durchschlagender Erfolg des erstklass. August-Programms! Lustspiel! Posse! Komische Oper! Dazu die erstklassigen Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. IM- D A 1- Ii.-MV Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saal. Hasenheide 108/1 14. Arnold Scholz. Heute Sonntag sowie täglich: Große 59102 Specialitäten« Vorstellung. Das neue, sensationelle August-Programm. Im großen Festsaale: Ball-Me bei stark besetztem Orchester. Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf Avis! Freitag, den 12. August Seneß; Hans Hoffman«. Urania. Wrangelstrasse 10/11. Grosser Sommergarten. Jeden Sonntag:* Grosser Ball. Ansang 4 Uhr. Tanz frei. Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. „yi/urstmyer„ hat die beste Wurst Berlin X., Brunnenstr. 6. 57788* ITeue freie Volksbühne. Morwitz-Oper(Schiller-Theater 0.) Sonntag, den 7. Angnst 1004, nachmittags 3 Uhr: Die Gntfübrung aus dem Serail. Komische Oper von Mozart. Billets a 90 Pf.(Parkett-Fauteuil, I. Rang, I. Parkett und Logenplätze) sind heute bei den Ordnern Im Theater zu haben. 150/16 I. A.: Heinrich Heft, Kassierer, Veteranenstr. 6. " Utax KHettTs Sotniner- Theater Hasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Somnierfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. UDM- Die Kasfeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-MA 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbuden, Konditorei, Blumenstand sc. In den Sälen: CTrosser Ball. 1 Flotten- Schauspiele KurfDrstemlamm. Straßenbahn-Verbindung: Linien A, T, V, A/E, 91. Größte Wasser-Schauspiele der Welt aut 6000 qm groOem See. v.'"»uu.S": SJS'f ÄVüh. Vollständig gedeckte Trihllne. X 19/13 Konzertmnslk. y&g&Ph&USf Schönhaufer HUce 103. 4*i'. Brei- Konzert, i Jeden Sonntag ausgeführt von einer 20 Mann starken Mnsik-K apelle. Morgen Montag Grosses Ernte-Fest wi Leitung des berühmten Onkel Knesebeck statt.[59322*! Hierzu lade! ergebenst ein W. Schmidt. unter 1 Xöfliehs SaU-Salott Frankierter Chaussee 120 Srnst Konzert-darten FrieiiriehsJierg Heute Sonntag; Konzert u. Specialitäten-Vorstellung. UBfr- Im Saale: Grosser Ball.-WG 58802* Jeden Mittwoch: T& 11 Z- R 6 U 11 i O II* Küche und Keller in bekannter Güte. Hierzu ladet freundlichst ein_ Ernst Häfllch. M'ents's Volks-Garten 4 Jll' Liehleiiherg, Roeilerstr. Mf öet �bciaet Jeden Sonntag: Mttlter-Konzert> Uardui'ger Sänger, I-Sf Ball. Specialitäten und erstklassige Schaunummern. Anfang 4 Uhr. Eintritt 20 Ps. Kinder srei. 26ö3b* Jeden Dienstag Walter-Frel-Koniert ab 5 Uhr. Jeden Donnerstag Harbnrger Sänger, ab 6 Uhr frei. NEU-TIVOLI _, Nene Krug- Allee 59-. NU Grosseri«,. Ä! wozu ergebenst einladet Erltss Prenss. 5651L* Bade* Volksgarten Itnrbftrnlie Haltestelle d. elektrischen piUn|UU|ii. strassenbahn(Siemens), Sonntag: ßt. SpttlMijttll-ZliNßtttllllg. AntogVuHr. Im Saale: Gr. Dan.— Vereinen bestens empfohlen. Amt IV 1278. ZltM. s? Kloster=Garten � am Tpandauer Tchissahrtskanal, direkt am Jungfernste Stadt- und Ringbahn-Staiion Bahnhos Beusselstraße. elekwi' I- und Ntngbahn-Station Bahnyo, Beniirmrasr, ci Swaßenbahn Nr. 12 Görlitzer Bahnhos-Plotzensee. -tt,«rosses pär-Honzärt"KÄS1" Jeden Mittwoch: Kr088e5)!iul!er-freulleule8t. ' � miter Leitung des Tanzmeisters Herrn Dax Ens». ....„III Große verdeckte Hallen Die Kaffeekuche ist von 2 Uhr an Zwei Kegelbahnen. geöffnet. 568oL s Bolksbclustignngö-Platz Amt 2 Nr. 2604.__ W. Pasternackl Im Riesen- Rfall Parlett-saal: j Die K Am en. lab. nU . Wahlkreis. Dienstag, den 9. August, abends 81/, Uhr. im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15(grosser Saal): General- Versammlung des solialdkmokratischen Wilhivereins für den 3. Kreis. Tages-Ordnung: l. Bericht und Abrechnung vom letzten Quartal, 2. Vortrag des Reichs- tags-Zlbgeordneten Genossen Öi*. Südeknm über:„Ludwig Feuerbachs Leben und Lebenslvert', 3, Diskussion, 4, Verschiedenes, 240/4* agp- Mitgliedsbuch legitimiert,-im Damen haben aus der Galerie Zutritt. Zahlreichen Besuch der Mit- glleder erwartet vvi» Vorstand. Mitglieder werden in der Versammlung jeden zweiten Mittlvoch im Monat auf dem Zahlabende sowie in den folgenden Zahlstellen aus- genommen: Gottfried Schulz, Stbmiralftr. 40 a(Kotlbuser Platz), Wilhelm Börner, Ritterstr. 15. Emil Götte, Brandenburgstr, 18. Adolf Flick, Simeon« ftraße 23. 0. Blume, Alte Jakobstr, 119. Franz Krüger, Naunynftr. 54. ir ir Zahlstelle Kerlin. Vureau: SO., Engel-Ufer 15.— Fernsprecher: IV, 3578. Osten und Nordosten! Zur Beachtung! Heute, Sonntag, den 7. August, mittags I Uhr: KelucK«ler ModlfaKrtsausIteUung. Treffpunkt 12 Uhr im Volkshause, Rosinenstr. 3(Charlottenburg).— Zahlreicher Beteiligung sieht entgegen _ Der Bezirksleiter. Montag, den 8. August 1904, abends 8Vs Uhr: Sezirks-Versatnintoipi. Wedding und Gesundbrunnen: Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wollheim über: Die ge- schästliche Entwicklung des Menschen. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Werkstatt-Angelegenheiten. DV Auch Damen habe» freien Zutritt.-MK Rosenthaler und Scliönliauser Vorstadt: bei Wernan, Schwedterftr. 23' 34. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Baege über: Das alte und neue Testament. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beitragsammlers. 4. Ver- bands.?lngclcgenheitcn. 5. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Stock* und Gelluioid'Hrbeitcr Montag, 8. August, abends 8'/, Uhr, in den»Andreas-Festsälen«, Andreasstr. Uli Sranehen-Versammlnng. TagcS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten A. KUrsten über: Das Alters- und Invnlidengesetz. 2. Diskussion. 3. Unser allgemeiner Fonds und wie stellen sich die Kollegen dazu? 4. Wcrkstatt-Äugelegenheiten. 5. Verschiedenes. DM- Kollegen I Bei der Unklarheit, welche noch über da» Gesetz und dessen Nutzanwendung unter den Arbeitern herrscht, ist es notwendig, daß alle Kollegen, auch die Frauen, anwesend sind. 87/13 Der Obmann. Modell�Tischler. Heute, Sonntag, den 7. August: Sejlchtiguug der Aibriter- Wohlfahrts- Ausstttlnug in Nharlottenburg. Fraunhoferftraste. Treffpunkt 12'/, Uhr bei Hamann, Marchftr. 23. Zahlreiche Be- teiligung erwartet Die Kommission. Narkettbodenleger Berlins nnd Umgegend. Montag, den 15. Angust, findet in der Bronen-Branerel, Alt-Moabit 47/48 ein Grosses Sommerfest verbunden mit Konzert nnd Theater-Vorftellnng statt. Im Saale:«Zrosser Somnicrnachts-Ball. Fackelpotonaise, wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält. Bonbonregen und sonst dergleichen mehr..Anfang des Konzerts 4 Uhr. Die Kaffeeküche ist den geehrten Damen von 3 Uhr ab geöffnet. Blllets sind bei sämtlichen Vertrauensleuten unsrer Branche sowie an der Kasse zu haben. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet 196B Die Kommission. Holzbildhauer! Montag, den 8. August, abends 8 llhr, bei Wilke, Brunnenstr. 188: Oesfentliche Bezirks- Versammlung für deu Norden. TageS-Ordnuna: Unsre wirtschastliche Lage und das Verhalten der Holzindustriellen und Tischlerinnung. 22/4 Dienstag, de» 9. August 1904, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Zimmer Nr. 10: ggl Branchen- Versammlung für die Kollegen der Treppen- Branche. Zahlreiches Erscheinen notwendig. Die Kommission. IMMkll- l>.M>lW S. fMw>1. S. g. NM Eingeschriebene Hilsskasse Nr. 3(Hamburg). Verwaltung Berlin G. Dienstag, den 9. August, abends 8 Uhr, in Flechs Fcstsälen, Fruchtstraße 36a: Mtglieeler» Versammlung. Tagesordnung: 1. Statuten- Beratung. 2. Wahl der Abgeordneten zur General- Versammlung nach Leipzig. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.— Die Sprechstunden des Bevollmächtigten und Kassierers fallen an diesem Abend aus.— Beiträge werden in der Versammlung vom Kassierer entgegengenommen. Um recht zahlreiches und Pünltltches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die Ortsverwaltung. Ckickal-KMken-u. Sterbe- baffe der Tischler und andrer gewerblicher Arbeiter (E. H. Nr. 3, Hamburg.) Verwaltung Berlin B. Dienstag, deu 9. August, abends 8 Uhr, 184/10 im Lokale des Herrn Tolködorf, Görlitzerstr. 58: Mitglieder-Uersaminlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1004. 2. Stellung von Anträgen zu der am 11. September zu Leipzig stattfindenden General-Versamm- tung der Kasse. 3. Wahl eines Abgeordneten für die Verwaltung Berlin H., Friedrichshagen, Fürstenwalde, Adlershof und Baumschulenweg. Zahlreiches Erscheinen wünscht Die Ortsverwaltung. Gewerkschaft sucht zum 1. Oktober 1904 Bureau- räum, möglichst Centrum. Nähe Stadtbahn, cvcntl. Slbvcrmietung in Gastwirtschaft. Gest. Offerten er- beten unter Central-Berband der Töpfer, Neue Friedrichstr. 20. 22Kb � Oastwirtschaft"AB® mit Öewerkschaftsverkchr, flotter Betrieb, sichere Kundschaft (bisher in eigner Regie der betreffenden Gewerkschaft), sogleich oder zum 1. Oktober d. I. zu verpachten oder zu verlausen. Zur Ucbcrnahme etwa 1800 Mark erforderlich. Offerten unter?. 8 an die Expedition des Vorwärts", Lindenstr. 69, erbeten.* Deutscher Metallarbeiter-Verband. Berwaltungsstelle Berlin. Hanpt-Barean; Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher Amt IV, 0079. JjajT" Arbeitsnachweis Amt IV, 3353. Montag, de» 8. August, abends 8'/z Uhr, im gr. Saale der Brauerei Friedrichshain: General- Versammlung � der Verwaltungsstelle Berlin. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl des zweiten Bevollmächtigten, des Rendanten, zweier Revisoren, eines Beisitzers; außerdem Neuwahl von vier Beamten. 3. Anträge der Orts. Verwaltung und an die Verwaltung gelangte Anträge. 119/5 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Wchj VI. berliner Reiehstags-Wahlkreis. Schönhauser Vorsiadt. Sonntag, den 14. August: WtT Sommers Fest'Vi arrangiert von den Parteigenossen der Schönhauser Uorstadt im„Sclionhanser Volksgarten", Schitnhanser-Allee 101/109 und im ,, Jägerhaus", Schönhanser-Allee 103. Konzert, turnerische Avfföhrnngen, Rndfahrer-Keigenfahten, Fenerloerb. Kinder-Fackelpolonaise, theatralische Umzüge u. Vorstellaugen a la Preciota. In den Sälen: rjr£IIlZ. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. 219,20 Billets im Vorverkaus 30 an der Kasse 35 Ps. Ansang nachmittags 2 Uhr. Bas Komitee. Verband der Tapezierer (Filiale Berlin.) Donnerstag, den 11, August, abends SlU Nhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Nfer 15: Versammlung;. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Wollheim über: Flüssige Luft kussion. 3. Vcrbandsangelegenheitcn. DaS Erscheinen der Kollegen ist unbedingt notwendig. _ Die Ottsverwaltung 2. Dis- 177/7 Verband der Sattler. Ortsvcrwaltung Berlin. Donnerstag, den 11. August er., abends Sff, Uhr, im Restaurant Arminhallen, Kommandantenftr. 30(großer Saal): Allgcmcinc Mitlsliedtr-Nersaiittliluiig. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Wahl eines Beisitzers zur Gauleitung. 3. Vortrag. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. 157/8 .Kollegen! Da unter Punkt 1 der Tagesordnung„Geschäftliches" eine für die Organisation außerordentlich wichtige und einschneidende Angelegen- hcit verhandelt werden soll, ist das Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. IMe«rtsverwaltnng. Achtung!$5{i|er~7rä(|er Mtungi Berlins nnd Umgegend. Verband der Kau-, Erd- u. geiverbl. Hilfsarb. Deutsch!. Montag, de» 8. August, abends 8 Uhr, im Lokale von Ffelfer, Rosenthalerstraste 57: ZM" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Kollege» O. Böttcher. 2. Diskussion. 3. Ver- bandsangelegcnhciten. 34/3 Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend notwendig. Mit- gliedsbuch legitimiert. Die Ortsvcrwaltung. Sehlldermaler. Dienstag, den 9. August 1904, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause (Saal 7). Engel-Ufer 15: Oeffentliehe Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Redakteur Fritz Zietsch über das Thema: Vom Wesen und Zweck der Organisation. lS8b 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es liegt im eignen Interesse der Kollegen sür zahlreiches Erscheinen zu wirken. Die Berwaltung. Achtung! Kistenmacher Achtung! Montag, den 8. August, abends S1/. Uhr, in de» Andreas-Festsälcn, Slndreasstraße 21: General-Bersammlung. TageS«Ordnung: 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Bekanntgabe des Resultats der Urabstimmung. 3. Treten wir in diesem Jahre in eine Lohnbewegung ein? 4. Verschiedenes. sl03/Uj»BS- Mitgliedsbuch legitimiert."OMB Montag, den 8. August er., abends U/z Uhr,• BV hei K r a n m» n n, Vannj n- Strasse 27:-M(Z Vlerkstatt-Detesierten-Versamnilnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag und Diskussion über:„Die Idee des Generalstreiks". 2. Der Stand des Streiks bei A. Gast u. Co. 3. Werlstattangelegenheiten. NV Wir ersuchen die Mitglieder, dasür zu sorgen, daß jede Werk- statt vertreten ist._ Sonnabend, den 17. September 1904, im Luckauerstr. 15: .Deutschen Hof 22. Siiftnngs-Test des Fachvereins der Musikinstrumenten-Arbeiter Berlins u.Umg. Glänzendes frogranun: ÄlfÄÄ Nelson- Truppe. Mitwirkung des„Sängerkrcises der Musik- iustrninenten-Arbeiter"' Dirigent: Herr Richard lange. Nach der Vorstellung: G t 0 3 S 6 t 3 3 1 1. Billet 30 Pf. Programm frei. Anfang präcife 8'/, Uhr. Billets sind in der Versammlung, in den Zahlstellen, sowie bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. Regen Besuch erwartet vor Vorstand. Sommer-Fest, Sonntag, den 14. August 1904 in den Gesamträumen der Arminhallen, Kommandantenstraste 30, veranstaltet vom Soeialdemokratischen Wahlverein für den 3. Berl. Reichstags-Wahlkreis. Cfr. Garten-iConzert. Ball. Komische Vorträge. VW" Entree inkl. Garderobe 30 Pf. 240/15* Die Kaffeelüche ist von 2 Uhr an geöffnet._ Der Borstand. Sehloss Weissetisee. Sonnabend, den 13. August 1904 (ir. Lornrner-k�est veranstaltet von den Parteigenossen WeiLZSNLSSS. Grosses Gartenkonzert. Speciaütäten-Vorsteüung. Sonünernaehts-Ball, Jedes Kind erhält eine sreie Karussellfahrt. Kasperle-Theater. Die Katfeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. Anfang nachmittags 4 llhr. Billets im Vorverkauf 30 Pfennig, an der Kasse 35 Pfennig. Zahlreichen Besuch erwartet_ 222/17__ Das Komitee. Wilmersdorf'. Sonntag, den 14. August 1904, in Salomons Bolksgarten, Berlinerstraße 40: Großes Sommerfest arrangiert von den Parteigenossen Wilmersdorfs. Karten- Konzert. Komische Verträge. Theater- Autführungen. Mitwirkung des Gesangvereins der Maurer. Eintritt im Vorverkauf 20 Pf., an der Kaffe 25 Ps. Tanz 50 Ps. MW- Jedes Kind erhält et» Geschenk."MB 203/8_ Pas Komitee. Schöneberg;. Verein für Frauen u. Mädchen Schönebergs und Umgegend. 203/17 Sonnabend, den 13. August, in„Wilbelmshof", Ebersstr. 80: 4. Stifitung/islesi. �'Cbeater und"Canz. � � Festrede gehalten von Herrn Pr. Manrenbrccher. Anfang 9 Uhr. Entree 30 Ps. Freunde und Gönner des Vereins werden hiermit freundlichst| eingeladen. Per Vorstand. Central-Verband der Äsphaltenre, fappdaohdeeker und Hilfsarbeiter(Verwaltung Berlin). Sonnabend, den 13. August, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 18, großer Saal: »I. Stiftungs-Fest. ßerangsauffübrungen. Vorträge. Anfang S'/j Uhr. Billets sind für Herren a 50 Pf. und Damen a 25 Pf. inklusive Tanz In allen bekannten Zahlstellen sowie bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. 292/9 Per Vorstand. derliinr i Peutschlands. Dienstag, den 9. August 1904, abends 8'/-, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 20: Kombiliinte Gklierill-VttsliMlmig sämtlicher Filialen Berlins. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Sah», über Ersahmngen in der Tarissrage. 2. Diskussion. 3. Wahl des Hanptvorstandes. Mitgliedsbuch legitimiert. Pflicht aller Kollegen ist es, in dieser sür unser ferneres VereinSleden so wichtigen Versammlung zu erscheinen. 292/8* Ple Verwaltungen. WAARENHAUS HERMANN UETZ Montag Dienstag Mittwoch Leipzigerstrasse 46-49.— Krausenstrasse 46-49. Vorzugs-Preise Glas Weingläser Rot- u. Rheinwein, crystall 25 Pt- Weingläser Porter, crystall 28 Pf- Weingläser Madeira, crystall 20 Pf. Weingamitur Tiflis, cristall geschliffen Porter 2, Sectsciwile, Rotwein, Rheinwein, Madeira, Champagner, hoch 60 60 50 50 38 55 Pf Römer 16, 25, 32 pi Weingläser graviert 22 Pf Stürzflaschen mit cias 22, 32, 45 Pf. Käseglocktm geschliffen 45, 65 pf. Compotienen geschMen 45, 70, 85, 95 Pf. Glasteller geschaffen Zuckerschaden geschaffen Kinderseidel mit Figuren Citronenpressen Wassergläser gepresst Glasteller gepresst Butterdosen mit Teller Käseglocken mit Teller Viktoriabecher mit Goldrand Theebecher graviert Becher mit Goldrand Weissbiergtäser gepresst Bierseidel Pilsener Seidel Carlbecher mit Goldrand v. i Römer geschaffen„cristall graviert- 18, 22 Pf. 35 Pf. 18 Pf. 10, 12 Pf. 5 Pf. 5, 6 pi 20, 25 Pf- 38 Pf. 0,2 u. 0,3 30 20 Pf." 0,3 0.4 0,5 18 2Ü~23PE~ 0,3_ 0,4 0,5 27 30 32 PT 18 Pf. 75 Pf. Porzellan. Zuckerdosen decoriert gross 1 5 Pf. Rahmkannen decoriert 12pf Milchtöpfe mit blauen Streublumen 35, 45, 75 Pf- Teller massiv flach 12 Pf Teller tief und flach, engl. 15 Pf. Terdnen oval und rund, gross l25 Ragoutschüssel gros, 95 Pf. SaUCl'eren sort. Formen gute Quahtät 55 Pf Platten oval, gross 65, 80, 90 Pf Teller tief und flach mit blauem Rand 28 Pf Dessertteller 22 Pf. Compotteller 18pf. Dejeneur decoriert, 5 teüig mit Tablett l75 Caffeeservice für e pers., decorw, 225, 275, 350 SatztÖpfe 6 teilig, rococo, farbig sortirt 1 25 Tafelservice fem decorirt, Ein Posten weisser TaSSCH 8 Pf- EifemerSdranneren TaSSCH m. Goldr. statt 35 Pf. nur 22 Pf. Po�ff'mer MOCCataSSCIl dec-, statt 45 Pf. nur 25 Pf. Ein Posten dec. OeSSCrtteller 19 cm, statt 45 Pf. nur 28 Pf- Ein Posten fein dec. Speinäpfe statt 2,25 nur 95 Pf. Soweit der Vorrat reicht Emaille Ein �SchlifieDer WemgläSeP crystall 25 Pf. Ein Posten geschliffener KürüffGH für Hotels 75 Pf. Em Posten lZIäZ-VäZGO 22, 40 Pf. Eimer-8 cm 65 pf. 26 cm 55 Pt Eimer 28 cm fein dekoriert mit Deckel J76 228 Eimer engl. Form mit Ventildeckel weiss 22 Wannen, ovai 35 Pf. I16 l26 Iss ws 2% Schüsseln weisse, flache und tiefe v. 25 Pt bis l50 Schüsseln M- Seifnapf 35 Pf. emsill. Esslöffel Dtz. 75Pt Teller, weiss emailliert flach und tief 6 3pf. Wasserkessel fem dekoriert bunt|80|60|90 Wasserkessel braun � l30 � l60£?/|rl75 Maschinentöpfe 7pf ws 38 Pf. GaSSChmortÖpfe mit tieflieg.DeckelTSPf. I00 i30 Gasserollen 30 36 40 48 Pt Kaffeekannen 20-40 Wasserkrüge 25-50 Pt WaSSerkrÜge Kugelform für Waschgarn. 60 Pt Nachtgeschirre 15-35pf. Seifnäpfe X«" lOpt Einkochkessel ca.? Liter pro Stück _, statt 1,06 1,20 1,30 Bratpfannen mnge- 65 Pf. 1,60 75 85 95 Pf. I10 ca. 200 Dutzend Alpacca-Esslöffel �'wRÄ& statt 5,60 pro Dutzend 4 00 Bestecke polirte Edenholzhefte, fein polirt, mit polirter vierzinkiger Stahlgabel statt 1,00 pro Paar ZZ Pf Dtz. Paar Q00 Deutsche Bierbrauerei AktiennQesellschaft (Absatz im letzten Oescbäftsjabre ca. 190000 Hektoliter) empfiehlt ihre aus bestem Malz und Hopfen hergestellten Biere in Fässern und Flaschen. Adresse für Passbier: Alt Hoablt««. Telephon: Amt H, 1615 u. 1616. Adresse für Flaschenbier: Kaiserin Aagusta- Allee 1.5/10. Telephon: Amt U, 3066. Sinderwagen-Bazar„Bab3r" S. Kaliski. 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Rosemann, Mitglied des Gesellenausschusscs, wies die Unterstellung der Meister, der Ge- sellenausschuß habe bei der Lohnbewegung versagt, energisch zurück und gab den Vorständen der Innungen, welche sich von ihren Mit- gliedern die strikte Ablehnung der Forderungen und besonders des Tarifs hatten erteilen lassen, die ganze Schuld am Streik. Dann kennzeichnete er trefflich die Komödie der Moabiter Meister mit ihren Schäfchen, welch letztere überhaupt keine Forderungen, sondern nur lediglich einige Wünsche haben, die sie mit ihren Meistern im friedlichen Wege zu erreichen trachten. Doch sind diese Wünsche so unklar, daß sie selbst nicht wissen, was sie wünschen. Interessant waren die Ausführungen des Sekretärs Schmidt, daß er den Gesellen das Recht zur Verbesserung ihrer Lage nicht abstreite, nur sollen sie sich dabei von den Meistern und nicht von dem socialdemo- kratischen Verband leiten lassen. Meister G ä d e gab auch zu, daß er für alles, was die Boykott-Abwchrkommission gethan hat, nicht aufkommen kann, aber dafür sei es ja Krieg I Dann führte Hetzschold aus, daß der Obermeister B e r n a r d mit den Moabiter Meistern nicht einverstanden ist, da ja die Meister den Sieg hätten und sie jetzt überhaupt mit den Gesellen sich nicht zu einigen brauchten. Na, wir gönnen ihnen diesen Sieg und werden dafür Sorge tragen, daß bald mehrere dazu kommen. Auf die Bekannt- machungen Bernards in den Leitungen Bezug nehmend, die auffor- dern, keine Vcrbandsgesellen emzustellen, führte Redner aus, daß es den Meistern unmöglich ist, die Berbandsgesellen von den andern zu unterscheiden, da sie ja keine Stempel trügen. Dann kam er auf die Rechte, die den Gesellen durch den Tarif erwachsen, zu sprechen, und warnte die Gesellen, etwa mit den Meistern Sonderverträge abzuschließen, die Verschlechterungen enthalten. Um einem neuen Lohnkampf besser gerüstet gegenüberzustehen, müßten die Gesellen jetzt ihre Bezirkseinteilung und das Vertraucnsmänner-Systcm durchführen. Aehnlich waren die Ausführungen Nachtigalls bezw. Schneiders bei Buggenhagen. Eine Bersammlung der Töpfertriiger, einberufen vom Verband «er Bauarbeiter, beschäftigte sich am Montag mit dem von den Töpferträgern gefaßten Beschluß, einen Fachverein zu gründen. Wie Böttcher ausführte, hat dieser Beschluß bis jetzt wenig Beachtung gefunden, denn von den S1 Töpferträgern, welche dem Verbände an- gehören, sind nur IS ausgetreten, um zu dem neuen Fachverein über- ,ugehen. In seinen weilerm Ausführungen bezeichnete Böttcher die geplante Vereinsgründung als das Resultat fortgesetzter Quertreibe- reien der Mitglieder Beutler und Lukas. Diese dagegen führten rus, daß die Gründung des Fachvereins lediglich deshalb beschlossen worden sei, weil die Töpferträger im Verbände nicht genügend be- »ücksichtigt würden. Ihr Wunsch, das Fachblatt durch die Sektion .u vertreiben und die Beiträge nur im Verkehrslokal der Sektion zu bezahlen, fei nicht erfüllt worden. In der langen und teilweise sehr heftigen Debatte nahmen auch einige Mitglieder der Ortsverwaltung des Töpferverbandes das Wort. Sie traten der Gründung des Fach- Vereins entgegen und versicherten, daß sie denselben in keiner Weise anerkennen würden. Als später der Vorsitzende über den gewünschten Schluß der Diskussion abstimmen lassen wollte, entstand heftiger Lärm, eines Teils der Versammelten hatte sich eine Erregung be- mächtigt, die ein parlamentarisches Verhandeln fast! unmöglich machte. Schließlich ertönte der Ruf:„Die Lokalisten verlassen den Saal." Etwa 15 bis 20 Personen folgten dieser Weisung, die große Mehr- heit blieb im Saale und nahm nach weiteren Verhandlungen eine Resolution an, welche besagt: Die Versammlung erblickt in dem Vor- gehen der Kollegen Beutler und Lukas eine Zersplitterung der Orga- nisation sowie eine Zugrunderichtung des Arbeitsnachweises. Die Versammlung ist der Meinung, daß die Interessen der Töpferträgcr nur durch eine einheitliche Organisation gewahrt werden können und daß die Töpferträger deshalb dem Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter angeschlossen bleiben müssen. Ferner er- blickt die Versammlung in dem Vorgehen der Kollegen Beutler und Lukas einen Rückgang der Arbeitsbedingungen, welche durch den zwischen dem Verband und der Töpferinnnng abgeschlossenen Tarif festgelegt sind. Aus diesen Gründen beschließen die Versammelten, die Mitgliedschaft im Verbände der Vau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter beizubehalten und als Gruppe der Töpferträgcr im Verbände zu bleiben.— Hierauf wurde eine neue Sektionsleitung gewählt und zwar Fritz Schneider als Sektionsleiter, Karl Schulz als Stellvertreter und Seifert als Kassierer. Mit dem internationalen Tabakarbeiter-Kongreß, der gelegent- lich des internationalen Arbeitcrkongresses in Amsterdam abgehalten wird, beschäftigte sich am Sonnabend eine öffentliche Versammlung der Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen Berlins. Genosse Molkenbuhr hielt das einleitende Referat. Er besprach unter andrem die Tages- ordnung des Kongresse j, der vom Internationalen Komitee der Tabakarbeiter einberufen ist. Der Kongreß soll den Rechenschafts. bericht des Internationalen Komitees, sowie die Berichte der Dele- gierten über die Lage der Tabakarbeiter in den verschiedenen Län- dern entgegennehmen, außerdem soll die Krankenversicherung, die Lehrlingsfrage und die Heimarbeit erörtert werden. Ein von Belgien gestellter Antrag will die Frage erörtert wissen, ob die Organisation der Tabakarbeiter den Anschluß an eine politische Partei und an welche für notwendig hält. Nach einem andern Anttage soll auch die Auswanderung der Kollegen nach Amerika erörtert werden. Ein wichtiger, besonders auch für die deutschen Kollegen bedeutsamer Punkt der Tagesordnung ist die Stellung der Tabakarbeiter zum Staatsmonopol. Schließlich besprach der Redner die Notwendigkeit des internationalen Zusammenschlusses der Arbeiter und die dadurch begründete Bedeutung des Kongresses. Nach einer regen Diskussion beschloß die Versammlung, den Kongreß durch die Tabakarbeiter Berlins zu beschicken. Als Delegierter wurde Börner mit großer Mehrheit gewählt. Der Arbeitervertretcr-Berein hielt am Donnerstag seine Generalversammlung für das abgelaufene Geschäftsjahr ab. Dieselbe diente ausschließlich der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. Der Vorsitzende P ü s ch e l bemerkte in seinem Jahresbericht, daß die Versammlungen— es fanden deren 12 statt— zufriedenstellend besucht waren, jedoch sei eine regere Beteiligung aller Arbeiter- Vertreter erwünscht. Der Vorstand hielt 12 Sitzungen ab. 1574 Post-Ein und-Ausgänge waren zu verzeichnen.— Der vom Kassierer S t u m p e gegebene Kassenbericht weist eine Jahrescinnahmc von 423,94 M., eine Ausgabe von 176,86 M. auf. Das Vereinsvermögen beträgt 1257,23 M. Am Beginn des Jahres zählte der Verein 261, am Schluß des Jahres 277 Mitglieder.— Aus Beschluß der Versammlung wurden 62 Restanten, die schon sehr lange mit den Beiträgen im Rückstände sind, ausgeschlossen.— Der bisherige Vorstand und die Revisoren wurden en bloc wiedergewählt. Nur der zweite Schriftführer, Bär, konnte wegen Arbeitsüberhürdung nicht wieder annehmen, an seine Stelle wurde Arend gewählt.— Die regelmäßigen Vereinsversammlungen sollen wie bisher am ersten Donnerstag eines jeden Monats abgehalten werden. Generalversammlung des Verbandes des Technischen Bühnen- Personals. Der Kassenbericht des ersten Kassierers ergab einen Be- stand von 886,89 M. Den Bericht vom Verbandstage gab Gallasch. — In einem Theater ist eines der tüchtigsten Agitations-Mitglieder auf eine ganz plötzliche Art entlassen worden. Um den Sachverhalt klar zu stellen, wurde eine Kommission von 4 Mitglicderit gewählt, die zu prüfen hat, was der betreffende Kollege sich hat zu Schulden kommen lassen. Debattiert wurde ferner noch über das Kranken- kassenwesen. Steglitz. In der letzten Wahlvereins-Versammlung sprach an Stelle des durch Familienverhältnisse verhinderten Genossen Z u b e i l Genosse G r e m p e. Redner streifte kurz die Reden und Absichten der Herrenhäusler und war der Meinung, daß die Wühlereien gegen das Reichstagswahlrecht seitens dieser Herren von unserer Partei zu wenig in der öffentlichen Agitation verwertet worden sei; dasselbe sei nach seiner Meinung der Fall mit dem preußischen Volksschulgesetz und dem Königsberger Prozeß. Unschätzbares Agitationsmaterial hätten diese drei Ereignisse der letzten Zeit geliefert, welches es verdient hätte. bis in die entferntesten Winkel unseres Vaterlandes getragen zu werden, und zwar mit Hilfe des lebendigen Wortes, welches viel wirksamer agitiere, als die beste Broschüre. Der lebhafte Beifall ließ erkennen, daß die Parteigenossen die Ansicht des Referenten teilten. Als Delegierte zur Generalversammlung des Centralwahl- Vereins wurden Dräger und Leimbach gewählt.- BHefharten der Rcdafttfotl* 3furirt»fcher Cell. Die iurlstische Sprechstunde findet täglich mitglusnahm« de? SomiabeNdS von?-/, bis»?, Uhr abeudS statt. tS-Sfsnet: 7 llbr. K. L. KS. Nein.— H. B. 100. Die Kinder sind Mecklenburger. — I. G. 23. Sie können für die beiden letzten Jahre nachkleben. — W. H. 100. DaS Testament wäre nicht gültig. Ein selbstgeschriebenes, dem Gericht nicht übcrgebenes Testament mutz unter Angabe des OrteS und Tages eigcnbänoig ge- und unterschrieben lein. Der Name muß unter dem Testament, also unter, nicht neben dem Damm oder der letzten Leite stehen. Zu berücksichtigen sind serner MMMfl..... Form ist z. B.:.Berlin, den 3. uns gegenseitig als alleinige ändig ge- und unterschriebenen Testament folgt von der Ehesrau eigen- ändig geschrieben:„Berlin den 3. August 1904. DicS Testament soll auch als mein Testament gelten." Dann folgt die Unterschrift der Frau. Bei- spiele und Anleitung stndcn Sie S. 238, 239 des Anhanges zu dem in den öffentlichen Lesehallen ausliegendcn„Arbeiterrecht". P. Mass zu obigen Preisen. 5762L* 3 Anzüge chemisch reinigen und aufbügeln Mk. 2,50._ Sonnenschein5 Cliansseostr. 54 I— Lindcnstr. 95 I. 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Im„Lokal-Anzeiger" und.Volks-Zeitung" annonciert die Firma nach Arbeitsttästen.— Wir erwarten, daß kein Haus- diener oder Packer bei der Firma in Arbeit tritt. Die Verwaltung Berlin I des Cenlralverhandes d. Handels-, Transport- u. Verkehrsarhoitor Deutschi. Engel-User 15, Zimmer 16 II. Telephon Amt IV, Nr. 3348. Berantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Ber in. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.