Nr. 187. HbonnementS'Bedlngunsen: tffionnemenls- Preis pränumerando i Bierteljährl. ZLV MI., monatl. l,I0 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit Mustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Poft-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» L Marl, für daS übrige Ausland 8 Mark pro Monat. 21. Jahrg. erfdKint Uiglich auficr dontagt. Devlinev Volksblatk. Die TnfertionS'GebQIir Betrögt für die sechsgespaltene KolonS» zeile oder deren Raum 40 Pfg, für politische und gewerlschastliche Vereins- und BerfammlungS-Anzeigen SS Pfg. „Ulewe Anreizen", das erste tsett- gedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zühle» für zwei Worte. Jnlerate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochm- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr doruüttags geöffnet. Zelegramm-Adresse: ..SttUIiUBMllra» Rem»". Zcntralorgan der foztaldcmohrat» feben parte» Deutfchlands. Rcdahtlon: SM. 68» Llndcnatraaae 69. Kernsprechcr: Amt IV. Nr.»»88. Donnerstag, den II. August ISl)4. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Socialdemokratie und der Terrorismus. .Mit der Gründlichkeit der geschichtlichen Mtion wird... der Umfang der Masse zunehmen, deren Aktion sie ist." Karl Marx. Der Prozeß des Zaren, der in Königsberg seinen Abschluß ge- funden hat, konnte infolge des Eifers der Staatsanwaltschaft in den Reihen unsrer westlichen Genossen eine nicht ganz richtige Vorstellung verbreiten darüber, wie wir— die russischen Socialdemokraten— uns zu dem sogenannten Terrorismus verhalten. Dadurch sehe ich mich veranlaßt, in kurzen Worten jedwede Möglichkeit eines Mißverständnisses darüber zu beseitigen. Bekanntlich hat sich der Herr Staatsanwalt mit Nachdruck auf einen Satz bezogen, den er aus meinem Buche:„ U n s r e Controversen" aufgefischt hat. Dieser Satz besagt, daß die ehr bedeutendem Maße vermehren werde. Es erfordert dies eine Erläuterung. Bevor ich Socialdemokrat geworden bin, gehörte ich der sogenannten P artei d er N a r 0 d ni ki. deren Ansichten sich unter anderm auch unter dem Einflüsse Bakunins gestaltet haben. In diesem Sinne enthielten die Anschauungen unsrer Narodniki viele a n- a r ch i st i s ch e Elemente. In diefem Sinne— aber auch nur in diesem Sinne— stand ich damals auch auf einem an- archisttschen Standpunkte. Jedoch wer daraus den Schluß ziehen würde, daß das anarchistische Element meiner damaligen Anschauungen mich Au einem Anhänger des.Terrorismus" gemacht hätte, wäre in einen großen Irrtum verfallen und würde damit be- weisen, daß er die Geschichte unsres NarodnikertumS sehr schlecht kennt. Da ich weder die Absicht noch die Möglichkeit habe, hier diese Geschichte darzustellen, will ich nur sagen, daß ich bereits im Sommer des JahreS 1879 auf dem geheimen Kongreß in Woronesch aus der revolutionären Organisation der Narodniki:„Semlja i W 0 lj a"(»Sand und Freiheit) aus den, Grunde ausgetreten bin, weil sie den Terrorismus nicht nur nicht der- urteilt hat, was ich und einige meiner Genossen ihr vor- geschlagen hatten, sondern sich entschieden auf seine Seite gestellt hat. Da» zeigt, wie ablehnend ich mich bereits damals dem TerroriSmuS gegenüber Verhalten habe, und seitdem hat sich meine Stellung ihm gegenüber nicht verändert. Welche Bedeutung hat aber der quasi terroristische Satz, der seitens der Anklagebohörde aus meinem Buche:„Unsre Controversen" aufgefischt worden ist? Um diesen Satz zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß zu jener Zeit eine socialdcmokratische Partei in Ruß- land wohl nur im Keime bestanden hat. Ich, Paul Axelrod, Wera Sassiilitsch, L. Deutsch und zwei— drei andre Gc- nossen waren die ersten russischen Socialdemo- kraten, die von allen damaligen russischen Revolutionären für ihren Verrat gegen das Narodnikerwm streng verurteilt wurden, ja, man betrachtete uns sogar mit einem gewissen Verdacht. So hat mir z. B. ein„Terrorist" später eingestanden, daß. als er zum erstenmal das Buch„Unsre Controversen" gelesen batte, vergessen Sie nicht. Leser, dasselbe, dem die Staatsanivaltschast meinen quasi terroristischen Satz entnommen hat, er eine Zeitlang geglaubt habe, daß ich mich der russischen Regierung verlauft habe und daß die Propaganda socialdemokratischer Ideen für mich nur ein Vorwand gewesen sei für den Kampf gegen die Revolutionäre. Das war der Eindruck, den auf einen der damaligen„Terroristen" meine angebliche Sympathie ftir den Terrorismus gemacht hatte. Das allein zeigt, wie überzeugend die sonderbare Bezugnahme dcS Staatsanwalts auf einen einzelnen Satz ist, der aus einem Buche herausgegriffen ist, das mehr als 300 Seiten hat. Da es damals noch keine socialdemokratische Partei gegeben hat. konnte ich noch nicht von ihrer Taktik sprechen. Ich sprach von der Taktik, die im Interesse ihrer eignen Sache die Partei des „TerroriSnms", die damals die Partei der„Narodnaja Wolja" ge- heißen hatte, hätte einschlagen sollen. Da ich die Psychologie dieser Partei, die zu jener Zeit unter den Schlägen der Regierung sehr geschwächt war, sehr gut kannte, verstand ich, daß sie keinesfalls ganz bereit sein werde, auf das.terroristische' Kampfmittel zu verzichten. Daher machte ich nicht einmal den Versuch, ihr das vor- ziischlagen. Da es aber für mich sehr wichtig war, wenigstens eine» Teil der Kräfte dieser Partei auf die Thätigkeit innerhalb der_ Arbeiterschaft zu lenken, sagte ich, die Revolutionäre könnten sich dieser Thätigkeit zuwenden, ohne auf den„Terrorismus" zu verzichten. Der Zweck dieser meiner Worte war nicht der, die revolutionären Kräfte dem „Terrorismus" zuzuwenden, sondern der, einen Teil derselben ab- zulenken für die Propaganda und Agitation in den Reihen des Proletariats*). DaS ist der wahre Sinn des inkriminierten Satzes. So der- hielt ich mich damals dem Terrorismus gegenüber. Ich würde nicht sagen, daß meine damalige Anschauung jetzt überholt sei, sondern daß sie infolge der in den Verhältnissen eingetretenen Aenderungen nicht mehr zeitgemäß ist. Gegenwärtig, wo die Socialdemokraten die enorme Majorität aller russischen Revolutionäre ausmachen, haben wir es gar nicht mehr nötig, so zu sprechen, wie wir damals svracken als die Socialdemokraten quantitativ ein kleines Häuflein waren und als die Fragen ihrer eignen Taktik nicht Fragen der nut 3*1�0� bet ttJQrcn. Ich will mich nicht des längeren auslanen über andre Ansichten, die von mir in dem Buche.llnsre Kontroversen" aus- *) Allerdings wird an dieser Stelle meines Buches das Fürwort „wir" angewendet, infolgedeffen kann man glauben, daß bei mir die Rede von der Socialdemokratie sei. Aber es war das eine einfache faqon de parier, die in unsrer damaligen revolutionären Presse nicht selten vorkam und auch bis jetzt auS ihrem Sprachgebrauch nicht ganz verschwunden ist. Dieses„wir besagte, daß trotz eines fundamentalen Gegensatzes in unfern Anschauungen ich mich den da- maligen Revolutionären gegenüber nicht für ganz fremd hielt, da wir miteinander moralisch verbunden waren und verbunden sein mußten durch unfern gemeinsamen Haß gegen den Despotismus. zwar der Ein- Volksmasse Zur Uebcr- sehr vieler gesprochen worden sind: Dieses Buch war hauptsächlich gerichtet gegen die ökonomischen Vorurteile der Partei der Narodniki, welche sich vor der Entwicklung des Kapitalismus in Rußland wie vor Feuer fürchteten, da sie annahmen, daß sie bei uns die socia- listische Revolution auf lange aufschieben wird. Ich bin der erste, der in unsrer Presse gegen dieses absurde Borurteil aufgetreten ist und auch dadurch habe ich mir heftige Angriffe zugezogen. Jetzt aber bezweifelt— mit Ausnahme einiger Utopisten, die sich Socialisten- Revolutionäre nennen, aber eher die Bezeichnung: Socialisten- Reaktionäre verdienen— niemand mehr die Richtigkeit meiner Auffassung über die geschichtliche Rolle des Kapitalismus in Rußland. Indem ich auf den„Terrorismus" zurückkomme, wiederhole ich noch einmal, daß gegenwärtig unsre Partei ihn auf das entschiedenste ablehnt. Wir glauben natürlich nicht, daß der russische Zarismus„von selbst" zusammenbrechen wird:„von selbst" ist noch kein einziges politisches Regiment gefallen. Mit dem Zarismus müssen wir einen hartnäckigen und unversöhnlichen Kampf führen. Aber gerade im Interesse dieses Kampfes lehnen wir den Terrorismus ab. Der Zarismus kann nur unter dem Anprall einer M als enbewegung fallen, deren Erfolge zweifellos durch den„Terrorismus" aufgehalten worden wären. Und aus dem folgenden Grunde. Unsre gegenwärtige politische Ordnung stellt Wirkung der zielbewußten Socialisten auf die außerordentlich viele Hindernisse in den Weg. Windung dieser Hindernisse ist der Aufwand materieller Mittel und moralischer Anstrengungen erforderlich. Das Leben hat bei uns eine ganze Schicht sogenannter berufs- mätziger Revolutionäre herausgearbeitet, das heißt von Leuten, die der revolutionären Thätigkeit ihre ganze Leben und alle ihre Kräfte widmen. Diese berufsmäßigen Revolutionäre sind das hauptsächliche und schwer zu ersetzende Ferment der revolutionären Gärung in der Masse. Und wenn sie sich mit dem„Terrorismus befassen würden, statt Propaganda und Agitation in der Arbeiter« masse zu beweiben, so würde dadurch die Ausbreitung revolutionärer Ideen in dieser Masse gewiß nicht aufhören, aber sie würde zweifellos schwächer und langsamer vor sich gehen. Daher verurteilen wir besonders streng gerade die terroristische Thätigkeit der„berufsmäßigen Revolutionäre". Die terroristischen Aktionen einzeln dastehender Leute, wie der Finnläuder Schauman einer war, der den General Bobrikow getötet hat, könnten auf unsre revolutionäre Bewegung nur insofern einen schädlichen Einfluß haben, als sie. den„weißen Terrorismus" hervorrufend, neue Polizei liche Hindernisse für unsre agitatorische und propagandistische Arbeit in den Massen schaffen würden. Doch ist es jedenfalls nur ein in- direkter Einfluß, daher verhalten wir uns solchen Aktionen gegen« über bei weitem nicht so streng. Aber auch sie halten wir eher für schädlich, als für nützlich, selb st vom Standpunkte der Leute aus, die sie begehen: die BobrikowS werden durch Obolenskys ersetzt und die Reaktion wird noch stärker, noch kühner, noch cynischer. Um die Freiheit zu erlangen, mutz man daS gesamte bei uns herrschende politische System stürzen, und das ist nur möglich durch eine breite Massenbewegung. Es ist bemerkenswert, daß mit dem TerroriSmuS bei unS nur diejenigen sympathisieren, die entweder die Bedeutung einer Massenbewegung für den politischen Kampf nicht verstehen, oder die den Glauben an eine solche Bewegung ver- Ooren haben, nachdem sie auf zahlreiche Hindernisse gestoßen waren, die von der Polizei für die revolutionäre Thätigkeit in den Massen geschaffen worden sind. Ein überzeugter Social- demokrat, der vom Glanben an seine Arbeit durchdrungen ist, wird niemals ein„Terrorist" werden. Aber mit dem Terrorismus müssen sympathisieren jene Kämpfer, die den Glauben an die Massenbewegung verloren haben, oder jene liberale „Intelligenz", die es nur bis zum revolutionären Dilettantismus bringt. Es ist z. B. bekannt, daß noch Alexander Solowjow, der im Frühling 1879 ein Attentat auf das Leben Alexanders II. begangen hat, sich früher nnt revolutionärer Propaganda unter den Bauern beschäftigt und dann, als er den Glauben an die Bauernschaft verloren hatte, sich entschloß, den Zaren zu töten, um dadurch sein revolutionäres Gestihl wenigstens in irgend einer Weise zur Entladung zu brinaen. Sophie Perowskaja, die an der Verschwörung gegen das Leben desselben Zaren teilgenommen hatte, schloß sich der Verschwörung erst an, nach dem sie sich überzeugt hatte, daß sie für sich keine passende Thätigkeit „auf dem Lande" d. h. auch unter den Bauern finden könne, die früher, vor denr Auftreten der Socialdemokratie bei uns, von unfren Revoluttonären für die thatfächliche revoluttonäre Kraft Rußlands gehalten wurden. Der Theoretiker des russischen Terra- riSmuS, Nikolai Morosow, bewies die Notwendigkeit des„Terra- rismus" bei unS gerade durch die Erwägung, daß unser Volk un- fähig sei. sich zum Kampfe für die politische Freiheit zu erheben. Endlich, um vom mehr oder minder Großen zum sehr Kleinen und sogar Lächerlichen überzugehen, unser unvergleichlicher Burzew, der entschiedenste„Terrorist" ßmit den Worten, hat gar nichts Gemeinsames mit dem SocialismuS: noch im Jahre 1889 gab er in Genf die Zeitung„DaS freie Rußland" heraus, in der er die russischen Socialisten überredete, in das liberale Lager überzugehen. Aber eins muß zugegeben werden. Die Propaganda und die Agitatton in der Arbeiterschaft machen keinen solchen Lärm, welchen gewöhnlich selbst das unbedeutendste Attentat verursacht. Daher sind die Leute, die fern von unsrer Bewegung stehen, geneigt, seine Erfolge gerade durch Attentate zu messen und die Terroristen als die selbstlosesten Vertreter der russischen revoluttonären Bewegung zu preisen. Diese Leute wissen nicht, daß unter den russischen Polizeiverhältnissen die Thätigkeit eines Propagandisten und Agitators viel mehr Selbstlosigkeit erfordert, als das kühnste Attentat. DaS vergeffen manchmal selbst die westeuropäischen Socialisten, die— ohne den Terrorismus als Kampfesmittel zu billigen— doch zuweilen von unfern Terroristen als von Helden par excellence sprechen. Dadurch schädigen sie nicht wenig unsre Sache, die Sache des Pro- letariats, die Sache der Erziehung der Masse für den entscheidenden und radikalen Kampf mit dem Zarismus. „Mit der Gründlichkeit der geschichtlichen Aktion wird... der Umfang der Masse zunehmen, deren Aktion sie ist." Wer diesen bemerkenswerten Satz von Marx nicht vergessen hat— und der Socialist der Gegenwart darf ihn nicht vergessen—, der wird niemals unsren Terrorismus für ein ernsthaftes Mittel des revolutionären Kampfes anerkennen— unsren„Terrorismus", der immer gewesen ist und bleiben wird das Werk einzelner Personen, oder im besten Falle das Werk einzelner und notwendigerweise kleiner revolutidnürer Organisationen. Lapieuti sat. G. Plechanow. •• Der obige Artikel PlechanowS ist bereits vor dem Attentat auf Plehwe verfaßt worden. Nach dem Attentat hat Genosse Plechanow das folgende Nachwort hinzugefügt: Es ist vielleicht überflüssig hinzuzufügen, daß daS geglückte Attentat auf das Leben von Plehwes meine Ansicht über die Rolle des Terrorismus in unsrem Befreiungskampfe keines- falls verändert hat. Ucber dieses Attentat haben sich viele ftei- finnige Elemente Rußlands außerordentlich gefreut. Aber es muß bemerkt werden, daß sich am meisten gerade diejenigen von diesen Elementen gefreut haben, welche selbst keinen aktiven Anteil an der Bewegung nehmen: für sie sind solche Ereignisse etwaS in der Art von politischen Feiertagen, die in ihr politisch. passives Dasein einige Abwechselung bringen. Sie fragen sich nicht, wie solche Ereignisse auf die Arbeit zurückwirken, weil sie keine andre Arbeit haben, als die Sympathie mit s o l ch e n E r e i g n t s s e n. In einer andern Lage befinden w i r uns, die wir uns unaufhörlich mit der unter unsren politischen Verhältniffen schwierigen Arbeit der Propaganda und der Organi« sation in den Reihen des Proletariats beschäftigen. Für unS ent» steht die Frage, ob ein solches Attentat nicht die Gewaltthätigkeit de» Zarismus noch weiter vermehren und die Schwierigkeiten für die Arbeiterbewegung steigern wird. G. P. •• Bemerkung der Redaktion. ES ist sehr dankenswert, daß Genosse Plechanow Gelegenheit nimmt, den Standpunkt der russischen Socialdemokratie zum Terrorismus völlig klar zu stellen. Sesn Standpunkt ist in allem wesentlichen auch der Standpunkt der deutschen Socialdemokratie. Jedoch können wir nicht umhin, unser von demjenigen Plechanows abweichendes Urteil über die Kräfte, die sich dem TerroriSmuS widmen, zum Ausdruck zu bringen. So sehr wir uns der Schwierigkeit bewußt sind, die russischen Zustände richtig zu beurteilen und so gern wir uns in allem, was wir nicht selb- ständig beurteilen können, dem Urteil derer anschließen, die mit unS auf dem Boden des Klassenkampfes als einer Massenbewegung stehen, so vermögen wir dennoch der Polemik gegen die terroristische That als solche nicht zu folgen. So gewiß die Socialdemokratie die terroristische That al» politisches Kampfmittel verwirst, so erscheint uns dennoch eine der- artige That, wie sie gegen Plehwe verübt wurde, als ein mit Notwendigkeit aus den furchtbaren Zuständen Rußland» hervorbrechendes Geschehnis. Es scheint uns, als sei eS nicht gerade der verlorene Glaube an die proletarische Arbeiterbewegung, die in der Gegenlvart Attentate erzeugt, sondern die Erfahrung, daß die Arbeiterbewegung, wenn sie nicht auch dieses Mittel benutzt, keine Möglichkeit einer wirklichen Entwicklung unter dem zaristischen Absolutismus habe. Es scheint uns, als bewege die Männer, die zu solcher That sich entschließen, neben dem verzweifelten Ingrimm über vollführte Schandthaten der Zarenschergen, die Erwartung, daß so endlich Bahn geschaffen werden müsse und nur so geschaffen werden könne für eine wirkliche Arbeiterbewegung. Es ist auch nicht zu verkennen, daß, wie die Dinge in Rußland sind, solche That. wenn sie auch allein für sich sicherlich nicht für die Dauer Erlösung sichert, so doch im Augenblick den furchtbaren Bann, der auf allen Gemütern lastet, erleichtert und die Hoffnungslosen zu neuer Hoffnung, die Entwürdigten zum Gefühl der iviederzugewinnendcn Würde erhebt. Wenn die Socialdemokratie den Terrorismus verwirst, so hat sie doch keinen Anlaß, diejenigen, die in Rußland ihm anhängen, zu verdammen. Wenn die Socialdemokratte sich scharf und klar vom TerroriSmuS scheidet, so kann sie doch ihre Bewunderung denen nicht verweigern, welche in heroischem Opfermut ihr Leben emsetzen. politifche deberfiebt. • Berlin, den 10. August. DaS„beste Mittel" gegen die Socialdemokratie. Einige Blätter leisten sich die jubelnde Behauptung, der„Bor- wärts" habe erkennen müffen, daß seine Nachrichten über die W a h l« rechtsumtriebe falsch gewesen seien. Es sei diesen Blättern bemerkt, daß der„Vorwärts" in einer politischen Situation wie der augenblicklichen, wenn solche Mitteilungen glaubwürdig an ihn herantteten, die Pflicht hat, sie der Oeffentlichkeit zu übergeben, selbst auf die Gefahr hin, daß die Mitteilungen sich schließlich doch als unrichtig herausstellen könnten. Es ist auch im Falle der Zweifelhaftigkeit solcher Mitteilungen der dringendste Anlaß, Klärung der Situation herbeizuführen. In Wahrheit aber haben wir nicht den mindesten Anlaß, unsre Mitteilungen in ihrem Kern als irrig zu erkennen. Keiner von denFührern der konservativen Parteien des Reichstages, des Abgeordnetenhauses und des Herrenhauses hat die seit Wochen über ihre Pläne gemachten Mitteilungen in Abrede zu stellen vermocht. Und in welchem Maße fort und fort in der Reaktionspresse an der Förderung dieser Pläne gearbeitet wird, zeigt wiederum ein Artikel der„ P o st":„Zum Kampfe gegen die Socialdemokratie." Es wird„offensives" Vorgehen gegen die„große Gefahr" der Social- deniokratte gefordert. Es wird ausgeführt, daß durch den festen Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien der Socialdemo» Imtte vierzig Reichstngs- Mandate entrissen werden sollen. Da man offenbar dieses Werk von vornherein als nicht sehr anssichtSreich erkennt, so gelangt man zu einem andern Mittel, das„zweifellos das beste" sei:„die Acndcrnng unsrcs Wahlrechts". Die Regierung solle voran gehen und„von oben her" solle„Ernst gemacht werden". Wollte eine Regierung leichtsinnig genug sein, um das„beste Mittel" der„Post" zu erproben, so würde sie das Reich in uniiber- sehbare Kämpfe stürzen. Es ist aber unzweifelhaft, daß starke Kräfte der Reaktion vor und noch mehr hinter den Coulisse» daran arbeiten, diese Kämpfe herbeizuführen. Diese Reaktion glaubt noch immer, die Geschichte lasse sich gewaltsam zurückstauen, und darum scheut sie nicht vor den Umtrieben, auf die wir wiederholt warnend gewiesen. Jeder Tag zeitigt neue Zeichen der reaktiv- nären Ungeduld, und es ist hohe Pflicht, diese Zeichen sorg- sam zu beachten. Die Herrschaften von der„National- Zeitung", welche unsrer Sorgsamkeit zu spötteln sich anmaßen, haben das deutsche Volk nicht vor dem Kardorff-Bund bewahrt, den« auch ihre Partei sich verschrieb. Wären die politischen Rechte des deutschen Volkes nur ihrer Hut anvertraut, so wäre es nicht gut darum bestellt!— Eine CenwumSfälschnng. Die„Germania" warf jüngst der Socialdcmokratie vor, daß sie eine waschecht russische, knutokratische Partei sei, welche GewissenSknechtung und unerhörte Tyrannei auf ihre Fahne ge- schrieben habe. Warum der Lärm? Das Organ des Centrums macht die erschütternde Entdeckung, daß der Abg. Kunert vor etwa drei Jahren bei den Verhandlungen über den Toleranz- Gesetzentwurf des Centrums nachstehenden Antrag gestellt habe: „Der Religionsunterricht kommt in allen Schulen des Deutschen Reiches ausnahmslos in Wegfall; unter die vorgeschlagene gesetz- lichc Bestimmimg sollen alle Schulen, auch die Prihatschulen fallen, damit nicht durch ein Hinterthürchen wieder einschleiche, was man hier beseitigen wolle." Leider entspricht diese angeblich wörtliche Wiedergabe der Wahr- heit nicht. Vielmehr liegt die Sache in Wirklichkeit so, daß der Abg. Kunert die nachstehenden Anträge Albrecht und Genossen, also die Anträge seiner Fraktion, in der Kommission, beziehuugs- weise im Plenum des Reichstages begründete: 1.„Die Ncligionsunterweisung kommt in allen Schulen des Deutschen Reiches als Unterrichtsgegcnstand auZnahmelos in Fortfall." 2.„Der Unterricht in der Religon kommt in allen, der all- gemeinen Erziehung dienenden öffentlichen Schulen und in den diesen gleichgestellten Anstalten als Unterrichtsgegenstand in Fortfall. Unterricht in der Religion erteilen zu lassen, steht den Er- ziehungSbercchtigten frei." Diese Anträge waren allerdings für das Parlament neu; allein sie enthielten nichts, was man nicht mit Nottvendigkeit ans dem Aktionsprogramm Titel 6 und Titel 7 unsrer Partei folgern müßte: nämlich die Abschaffung aller Auflvendungen aus öffentlichen Mitteln zu religiösen Zwecken, sowie die volle Weltlichkeit des gesamten Unterrichts- und Erziehungswesens. Die vollständige Ausrottung und Vernichtung des Christentum», die nach der„Germania" die Socialdemokratte erstrebt, ist nichts weiter als eine phantasievolle Erfindung im Hinblick auf den Satz unsres Antrages: Unterricht in der Religion erteilen zu lassen st cht den Erziehungsberechtigten frei. Gin socialdcmokratischer Antrag, wie ihn die„Germania" ihren Lesern vorgaukelt, ist niemals gestellt worden. Wenn die„Germania" behauptet, daß wir„hinter den un- möglichsten Ausreden" unsre„eigentlichen Ziele in Sachen der Schule »u verstecken suchten", daß wir„nicht Farbe bekennen" wollten ans dem Gebiete des Schulwesens, so ist das eine weitere Unwahrheit. Denn unsre Stellungnahme zu Schule und Kirche, zu Religion und Proletariat, haben wir mit aller Deutlichkeit bekundet, und zwar, abgesehen von den letzten Leitartikeln in den Nummern 182 und 184, vordem in den Nummern 116, 126, 121, 122, 13S des letzten Jabr- gangeS des„Vorwärts" usw. Ob uns die„Germania" nach alledem für Demokraten oder Knutokrateu hält, bleibt sich füglich gleich.— Der terroristische„Reichsbote". Wenn von der russischen Schand- Wirtschaft in Finnland die Rede, so mildert sich bei nnsren deutschen Ordnungsbeflissenen der wilde Zorn gegen den sonst ab- scheulichen Terrorismus. So erreicht auch heute wieder selbst der gottselige.Reichsbote" in einer Besprechuug der neuen Ver- gewaltigungcn Finnlands genau die � Grenze, auf der in der Sprache, welche die Realtionspreffe sonst gegen die Socialdemokratie führt, die Ermutigung und Unterstützung der Gewaltthat beginnt. Der„Reichsbote" sagt: „So zertritt die russische Despotiedie Rechte und Freiheiten s einer besten und loyal st en Provinzen und wundert sich dann, wenn die Nihilisten und Anarchisten das für ihre revolutionären Zwecke ausnutze n." Es ist zwar der alte blöde Unsinn, von„Nihilisten und Anarchisten" zu reden, interessant aber ist, daß selbst der„Reichs- böte"— wohl in unbedachter Ausschüttung eines wahren Empfindens — erklärt, die russische Despotie könne sich nicht wundern, wenn ihre barbarische Politik gewaltthätige Antwort heraufbeschwört.— Die Politik der Hinausgeworfenen. Die„Post" wird immer mehr zum Asyl von Mitarbeitern, die in anständigen Betrieben nicht geduldet werden konnten und deren Polisik nun von der einzigen Tendenz geleitet wird, durch elende Demmziationen Rache für die erlittene Unbill zu nehmen. Neben Abel, dem Specialisten der Russenpolitik, und seinem Gönner Dr. Ruhkopf, treibt dieses Geschäft mit besonderem Eifer Herr Max Lorenz. Wir wissen nicht, von wem aus dem Dreibund die gestern besprochene Denunziation der „Post" gegen den Prof. Delbrück stammt, aber sie fällt zeitlich ziemlich genau mit dem Umstand zusammen, daß Herr Max Lorenz in den letzten Heften der von Delbrück herausgegebenen„Preußischen Jahrbücher"— wo er über Kunst neurasthenisierte— nicht mehr zu finden ist. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß es unverständlich sei. wie ein angesehenes Organ sich von einem berufsmäßigen Denunzianten bedienen lassen könne. Aber Herr Max Lorenz wurde weiter im Hinterteil der„Preußischen Jahrbücher geduldet. Neuer- dings scheint aber nun doch das Verhältnis gelöst zu sein, und nun entdeckt die„Post", welch einem Umstürzler ihr Max Lorenz jähre- lang Hilfe geleistet hat.— Zur Aufstellung des nächstjährigen ReichshaushaltsctatS schreiben die„Berliner Politischen Nachrichten": „Es darf als sicher angenommen werden, daß bei der Aufstellung deS ReichshaushaltsctatS, wie sie seit dem Anfang August von der Reichsfinanzverwaltung in die Hand genommen ist, ebenso wie in den letzten Jahren mit der größten Sparsamkcit(d. h. soweit unter dem Militarismus und Marinismus das Wort Spar- samkeit einen Sinn haben kann. Die Red. d.„Vorw.") verfahren wird. Dazu zwingt schon der durchaus nicht günstige Stand d e r R e i ch s f i n a n z e n, bei dem nicht bloß in Betracht kommt, daß die Einnahmen zur Deckung der Ausgaben nicht ausreichen, sondern auch Fehlbeträge aus früheren Jahren zu decken sind, während noch im Etat für 1961 beispielsweise aus derselben Quelle noch ein Ucbcrschuß von 32,6 Millionen Mark unter die Einnahmen eingesetzt werden konnte. Das Princip der Sparsamkeit wird aber nicht verhindern können, daß einzelne Etatsposten Steigerungen gegenüber dem Etat von 1964 erfahren werden, und zwar handelt es sich dabei um alle jene Etatspositionen, die ihrer Natur nach oder in Konsequenz früher gefaßter Beschlüsse von Jahr zu Jahr eine Erhöhung erfordern. Hierunter ist zunächst der Zuschuß für die Invalidenversicherung zu zählen. Wie schon mitgeteilt, wird sich voraussichtlich seine diesmalige Steigerung aus der Durchschnittshöhe der letzten Jahre bewegen. Im Etat für 1904 hatte er die 46. Million yahezu erreicht. Er dürste im Etat von 1965 sich um 66 Millionen Mark herum bewegen. Ein weiterer Posten, der stetig anwächst, ist der der Verzinsung der Neichsschuld. Früher konnten wenigstens in einzelnen Jahren Tilgungen der ordentlichen Neichsschuld, wenn auch nur im geringen Umfange, vor- genommen werden. In der letzten Zeit kann auch davon keine Rede, wenigstens nicht im früheren Sinne, sein. Höchstens die außer- ordentliche Anleihe erfährt kleine Ermäßigungen, wie in- folge des llehcrschusscs der Ucberweisungsstcuer über den Etat im Jahre 1963. Steigt aber die Reichsschuld, so müssen auch die Zinsen anwachsen. Damit muß man sich abfinden. Auch der Etat des Allgemeinen Pensionsfonds hat von Jahr zu Jahr Er- Weiterungen in den Ausgaben aufzuweisen gehabt. Es ist kaum an- zunehmen, daß hierin für 1965 eine Aenderung eintreten wird. Auch hier liegen die Ursachen der Ausgabensteigerung auf der Hand. Im vorigen Jahre betrug die Steigerung allein aus diesen drei Posten nicht weniger als 12 Millionen Mark. Man ersieht, daß es sich schon hier um Summen von beträchtlicher Höhe handelt. Die Reichs- finanzvcrwaltung wird sich anstrengen müssen, diese und andre Aus- gabesteigerungen im Etat derart unterzubringen, daß nicht ein allzu schlechtes Etatsbild herauskommt." Soldatenschindcr gemeinster Art. Selbstmord auf de» Eisenbahnschienen beging infolge Mißhandlungen eines Unteroffiziers und des stellvertretenden Stubenältesten am 25. März d. I. der Musketier Klemmt von der 7. Conipagnie des 58. Jnfanterie-Regiments in G l o g a u. Wegen der in der letzten Zeit vor diesem traurigen Ereignis auf der betreffenden Stube an den Leuten verübten fortgesetzten Mißhandlungen hatte sich am Dienstag der Unteroffizier E. Lux und der Gefreite Kwasnig vor dem Kriegsgericht daselbst zu verantworten. Zunächst wurde den: Unteroffizier zur Last gelegt, den Klemmt in 81 Fällen mißhandelt, in 56 Fällen vorschriftswidrig behandelt und in zwei Fällen beleidigt zu haben. Fast täglich, oft sogar mehrmals am Tage, hatte der Unter- offizicr den Klemmt wegen Unregelmäßigkeiten im Dienste geohrfeigt, mit der Faust derart ins Gesicht geschlagen, daß Klemmt mit dem Kops an de» Schrank flog. Die Ohrfeigen wurden hinter- einander und in einer Stärke verabfolgt, daß die Kameraden des Klemmt glaubten, diesem miiffe das Trommelfell platzen. Oftmals nahm der Unteroffizier den Klemmt im Verschlage allein vor, vorher hatte er die übrigen Leute ans der Stube nach dem Flur geschickt. Hierbei wurde Klemmt mit der Faust auf den Kopf und in das Gesicht mit dem Gewchrricmc» geschlagen. Die übrigen Leute der Stube wurden ebenfalls beim Vorzeigen der Sachen oder in der Jnstruktionsstunde täglich in derselben Weise wie K. behandelt. Einen Musketier stieß Lux mit dem Kopfe gegen den Schrank, daß die Thür- süllung einbrach. Einige Leute wurden dadurch gestraft, daß sie Schemel, Tische und Eimer waschen mutzten, während die andren das Mittagbrot einnahmen. Diese„Scheuer"- Prozedur wurde einmal dreimal täglich 14 Tage lang hindurch vorgenommen, weil sich ein Mann am Sonntag auf das Bett gelegt hatte. Beim Appell an einem Sonntag riß der Unteroffizier das Futter einige Male auö dem Rocke und befahl dem betreffenden Musketier, das Futter wieder einzunähen und sich alle zwei Stunden zu meiden. Da ein andrer Musketier die Knöpfe schlecht geputzt hatte, schnitt L. die Knöpfe los, damit dieselben„einzeln" besser geputzt werden möchten. Als eines Tages die Leute nach Ansicht des Unteroffiziers die Fenster der Stube schlecht geputzt hatten, mußten sie die ganze Stube gründlich reinigen, obgleich die Stube noch sauber war. Wenn die Leute abends nicht schnell genug zu Bett gingen, wurden sie mit der Klopfpeitsche geschlagen. Wie der Unteroffizier mit den Musketieren umsprang, so that es auch der Gefreite, auch in Gegenwart des ersteren. Klemmt durfte z. B. auf Befehl des Gefreiten mehr- mals das Mittagbrot nicht essen, er mußte es vielmehr abends um 6 Uhr vorzeigen. Das letzte Kommisbrot deS K. hatte der Gefreite durch Kreidestriche in acht Teile geteilt und ihm be- fohlen, daß K. täglich nur das Brot zwischen zwei Kreidestrichen essen solle, damit er nicht zu dick werde; das auf diese Weise ein- geteilte Brot sollte K. allabendlich vorzeigen. Ein Musketier mußte, in der Kniebeuge stehend, am angeheizten Ofen so lange Stiefel einschmieren, bis ihm übel wurde. Einem Befehl des Unter- offiziers, einen Musketier„mit Dampf herbeizuholen", führte der Gefreite so aus, daß er den Mann mit Fußtritten anspornte. Ueber- Haupt gab der Gefreite in der Verhandlung an. zumeist auf An- ordnung des Unteroffiziers in dieser sträflichen Weise gehandelt zu haben, zum mindesten habe der Unteroffizier darum gewußt. Der Gefreite hatte auch den Unteroffizier im Laufe des Untersuchungs- Verfahrens wegen weiterer Mißhandlungen denunziert, die Lux an den Leuten seiner früheren Korporalschaft verübt hatte. Lux denun- zierte daraufhin einige andre Unteroffiziere. Gegen den Vicefeldwebel B. von der gleichen Compagnie schwebt ein Unter- suchnngSversahren wegen mangelhafter Beaufsichtigung der Unter- offiziere. Der tragische Ausgang der Mißhandlungen auf Stube 37 wurde dadurch herbeigeführt, daß der Unteroffizier dem Klemmt eine besondere Demütigung in Aussicht gestellt hatte. Da K. angeblich schmutzige Füße hatte, befahl der Unteroffizier, daß K. mit bloßen Füßen durch die sämtlichen Stuben der Compagnie geführt werden sollte, während die andren gerade Abendbrot essen würden. Der Unteroffizier hoffte von dieser Prozedur auch, daß K. von den Kameraden wegen Erregung dieser Ekelei geschlagen werden würde. Der Gefreite K. erbot sich, diese Exekution zu vollziehen, der Unter- offizier betraute jedoch einen Tambour damit. Dieser schickte den Delinquenten kurz vorher in die Kantine nach Cigaretten, denn der Tambour wollte bei diesem Rundgange rauche», damit ihm nicht der Appetit verginge. Klemmt begab sich auch nach der Kantine, kehrte aber nicht nach der Stube zurück. Er war vielniehr»ach der Bahnstrecke gelaufen und hatte sich in der Nähe der Kriegsschule vor den aus Breslau kommenden Schnellzug geworfen, von dem er auf der Stelle getötet wurde. Die Be- leidigung des Klemmt war dadurch erfolgt, daß der Unteroffizier zu den Leuten gesagt hatte, als K. später zum Essen kam:„Schnickt doch den Hund, daß das Aas überhaupt nicht niehr zum Fressen kommt." Zur Verhandlung waren 31 Militärpcrsonen. die Mutter des Selbstmörders und ein Schriften- Sachverständiger als Zeugen geladen. Ein Antrag des Vertreters der Anklage, die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu führen, wurde— mit Vorbehalt— vom Gericht abgelehnt. Die Angeklagten gaben die Sttafthaten zu, sie wollten aber die Zahl derselben nicht an- geben können. Beide wurden von ihren Kameraden und den Vorgesetzten als sehr tüchtige und st rebsame Soldaten bezeichnet. Der Musketier Klemmt war ein zwar be- schränkter, aber gutmütiger und williger Mensch. Vor dem Unter- offizier, der ihm gedroht hatte, er wolle schon dafür sorgen, daß er (Klemnit) nach Neisse sauf Festung) kommen würde, hatte Klemmt eine solche Angst, daß er vor ihm mit den Händen zitterte. Der Vertreter der Anklage bezeichnete die Angeklagten als„Soldatcnschinder gemeinster Art", die ein blühendes Menschenleben aus dem Gewissen hätten infolge ihrer unmenschlichen Handlungsweise. Es sei höchst wahrscheinlich, daß viel, viel mehr von ihnen be- gangen worden sei, als das in der Verhandlung Erwiesene. Nach langer Beratung verkündete der Gerichtshof das Urteil: Lux wurde wegen Mißhandlung Untergebener in miudestcns 223 Fällen, wegen vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen in zwölf Fällen, wegen Körperverletzung in zehn Fällen, wegen Beleidigung in zwei Fällen, wegen Anmaßung der Dienstgewalt und Mangel- haster Beaufsichtigung in je einem Falle zur Degradation und einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, der Gefreite Kwasnig wegen Mißhandlung Untergebener in mindestens 116 Fällen, Körperverletzung in 31 Fällen und vorschriftswidriger Be- Handlung von Untergebenen in mindestens 96 Fällen zu einem Jahr Gefängnis. HiiöUncL Waldeck-Rousseau. Paris, 16. August. Waldeck-Rousseau. in dessen Befinden eine Verschlimmerung eingetreten war und dessen Krästezustand be- deutend abgenommen hatte, unterzog sich heute mittag einer neum Operation der Leber, die zwei Stunden dauerte und seineu Tod zur Folge hatte. Die Operation wurde ausgeführt von Professor Kehr-Halberstadt und Professor Armour-Loudon unter Assistenz von zwei französischen Acrzten. Der Tod trat um 2� Uhr ein.— Waldeck-Rousseau hat ein Alter von 58 Jahren erreicht. Er wurde 1346 zu Nantes geboren, studierte Jurisprudenz und wurde zunächst Advokat in Reimes. Im Jahre 1881 begann seine politische Laufbahn, als er in die Dcpntiertenkammer gewählt wurde. Er war bereits vom November 1881 bis Januar 1882 Minister des Innern im Ministerium Gambetta sowie vom Februar 1383 bis März 1885 im Ministerium Ferry. 1886 siedelte er nach Paris über und wurde einer der bekanntesten Anwalte, der in den hervorragendsten Prozessen thätig war. 1894 wurde er in den Senat gewählt; 1395, nach dem Rücktritt Casimir PerierS, war er Kandidat für die Präsidentschaft der Republik uud trat nach dem ersten Wahlgauge zu Gunsten Felix Faures zurück. In den Wirren der Dreyfus-Affairc, da der Staat der vollständigen Zerrüttung entgegentrieb und die klerikal-militaristisch-monarchistischcu Unttriebe den nahen Triumph erhofften, übernahm Waldeck-Rousseau das Ministerpräsidiuin. Er bildete eine Regierung der Linken unter Zuziehung des Socialisten Millerand. Mit Energie trat er der Militär- Revolte entgegen und vollführte die Revision des Dreyfus- Prozesses. Er begann dann die Gesetzgebung gegen den Klerikalismus durch das Vereinsgesctz vom 1. Juli 1961. Nachdem er die Aufgabe, die Feinde der Republik zurückzuwerfen, gelöst, trat er nach den Neuwahlen zur Deputiertenkammer im Mai 1962 mit»seinem gesamten Kabinett von der Regierung zurück. Für die radikalere Durch- führung der von ihm selbst begonnenen Politik, wie sie der nachfolgende Ministerpräsident Combes betrieb, hatte Waldeck-Rousseau keine Neigung, durch verschiedene Reden im Senat verscherzte er einen Teil des Ansehens, das er sich bei den republikanischen Parteien zuvor erworben. Schon seit längerer Zeit war der Gesundheitszustand Waldeck-RousseauS ein mißlicher geworden und er mußte wiederholt schwere Operationen ertragen. Viele sahen in ihm den zukünfttgen Präsidenten der Republik, aber der Tod hat allen Plänen des energischen Politikers das Ende bereitet.— Frankreich. Paris, 16. August.„Gaulois" schreibt: Der Grund, weshalb General Negrier darauf besteht, zur Disposition gestellt zu werden, liegt darin, daß seinen Bemängelungen über den traurigen Zustand der Vogesenfeftungen und des Bclforter verschanzten Lagers keine Rechnung getragen worden ist, und daß keine Magregel ergriffen werden sollte, den Zustand unscrs Verteidigungssystems im Osten wieder zu heben.— England. Die Frage der Sce-Abrüstn»g. Im Oberhaus lenkte am Dienstag B r a s s e y die Auf- merksamkeit auf das Schiffsbau- Programm und die Marinepolitik im allgemeinen. Der Erste Lord der Admiralität E a r l o f Selborne erklärt, das von Goschen gemachte An- erbieten, daß, falls die andern Nationen einwilligen würden, die Rate des Schiffbaues zu vermindern, England nicht zögern würde, sstch der Bewegung anzuschließen, sei nicht zurückgezogen worden; aber die Berhältnisse seien jetzt verwickelter als damals. Vor einigen Jahren würde eS genügt haben, wenn Frankreich und England übereingekommen wären, ihren Schiffsbau zu vermindern; der Fall sei jetzt ein andrer. Es gebe fast ein halbes Dutzend Marinemächte. Weder Frankreich noch England, so sehr sie wünschen könnten, ihre Ausgaben zu ver- mindern, könnten dies thun, ohne die Ausgaben andrer Länder ebensowohl wie ihre eignen in Erwägung zu ziehen. Was die „Zweimächtenorm" betreffe, so sei diese eine bequeme Norm hin- sichtlich der Schlachtschiffe; aber sie habe nie eine numerische An- Wendung auf Kreuzer und Torpedoboote gefunden. Selborne ging sodann auf neuerliche ungünstige Kritiken ein, in denen die Armierung der britischen Schiffe der Kanalflotte und der heimischen Flotte der Armierung der deutschen Flotte gegen- übergestellt wird, und hebt hervor, daß die Kritiker die Thatsache betonten, daß die deutschen Schiffe 18 zehnzöllige Geschütze, die britischen aber gewöhnlich nur 12 solcher Geschütze führten; sie hätten aber die Thatsache übersehen, daß jedes Schiff des Kanal- gcschwaders 4 zwölfzöllige Kanonen habe und daß die Schiffe der heimischen Flotte 13>/j,zöllige, 12zöllige und 16zöllige Geschütze -ührten, während es m der deutschen Flotte nicht eine einzige Kanone von mehr als 9,4 Zoll Kaliber gebe. Nach Ansicht der Admiralität sei der Wert der Unterseeboote für Ver- teidigungszwecke reichlich erwiesen und das Unterseeboot ein großer Zuwachs der britischen nationalen Kraft. Er könne nicht sagen, welche weitere Entwicklung es in der Unterseebootfrage geben könne. AuS dem Krieg im fernen Osten zu ziehende Lehren feien die Wichtigkeit des Personals und die Thatsache, daß ohne Schlachtschiffe keine Macht die Seeherrschaft halten oder gewinnen könne. Nichts sei weiter von der Wahrheit entfernt, als die Behauptung, daß Minen und Torpedos das Schlachtschiff aus der Stellung gedrängt haben, die es einst besessen. Damit wurde der Gegenstand verlassen.— London, 16. August. Unterhaus. Auf eine Anfrage be- treffend die angeregte Zusammcnberufung einer kolonialen Konferenz zur Erörterung der fiskalischen Frage drückt der Premierminister B a l f o u r seine Anerkennung über den Wert der zwei Konferenzen, die bereits stattgefunden haben, aus und hofft, daß diese Konferenzen häufig stattfinden werden; er erklärt aber, er beabsichtige nicht, gegenwärtig Schritte hinsichtlich des in der Anfrage erwähnten Gegenstandes zu thun.— Glasgow, 16. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die englische Admiralität forderte von den Schiffswerften am Clyde Offerten für 2 Schlachtschiffe ein, die in Bezug auf Armierung und Panzerung alles übertreffen sollen, was die Schiffskonstruktion bis- her erreicht hat. Die Linienschiffe sollen 16 500 Tonnen groß sein und eine große Geschwindigkeit haben. Amerika. Buenos Aires, 9. August. Den hiesigen Blättern aus A s u n- cion(Paraguay) zugegangenen Telegrammen zufolge hat dort die Kammer aus Besorgnis vor einer Revolution die Verhängung des Belagerungszustandes auf 14 Tage beschlossen. Nach einem weiteren Telegramm bestätigt sich die Nachricht von der Proklamation des Belagerungszustandes. Die Regierung von Paraguay hat danach energische Maßnahmen ergrissen, um jede Umsturzbcwegung zu ver- hindern.— Partei-)Vachr lebten. Urteilsspruch des Schiedsgerichts in Sachen Koch gegen Wels. An der Sitzung haben teilgenommen: Als Vorsitzender: Eugen Ernst(nach Z 2 unsres Organisationsstatuts vom Parteivorstand ernannt). Al§ Beisitzer seitens deS Klägers gestellt: W. Kath-Merseburg, H. Maaß-Berlin. R. Werner-Kottbus. Ms Beisitzer seitens des Verklagten gestellt: G. Davidsohn-Berlin. S. Liepmann-Berlin. A. Stadthagen-Berlin. Die Anklage lautete auf Ausschluß des Genossen Wels aus der Partei, da er ohne Unterlage schwere ehrenkränkende Behauptungen gegen den Genossen Koch verbreitet haben soll� In der Sitzung am 8. August hat das Schiedsgericht folgendes Urteil ein st immig gefaßt: Gegen Genossen Wels liegt nicht das geringste vor, was auch nur den Verdacht eines ehrlosen Verhaltens zu rechtfertigen ver- möchte. Genosse Wels hat lediglich seine Parteipflicht erfüllt, von der zuständigen Instanz aufgefordert, seine Ansicht zu äußern. Der Antrag des Genossen Koch wird einstimmig ab- gelehnt.__ Die KreiSkonferenz für den Wahlkreis Königsberg N.-M. findet am Sonntag, den 14. August, bei A. Wasewitz, Friedrichs- bergerstraße, statt. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: t. Bericht der örtlichen Vertrauensleute und des Kreis-Vcr- trauensmanns sowie Neuwahl derselben. 2. Anträge zur Provinzialkonferenz und Wahl der Delegierten zu derselben. 3. Wahl der Delegierten zum Parteitag eventuell Anträge zu demselben. 4. Organisation und Agitation im Kreise und Presse. Referent: H. Borgmann. 5. Verschiedenes. Der Vertrauensmann. Auf der KreiSkonferenz für Jütcrvog-Liickcnwalde, die am Sonn- tag in Beelitz stattfand, wurde berichtet, daß die Zahl der organi- sierten Genossen iin abgelaufenen Geschäftsjahre von 1124 auf 1483 gestiegen ist. Die vorhandenen Wahlvereine weisen mit einer einzigen Aus- nahnie allesamt Fortschritte auf. Der Kassenbericht stellt sich in Einnahme auf 1458,76 M., in Ausgabe auf 928,81 M., so daß ein Bestand von 529,95 M. verbleibt. Daneben wird noch ein Fonds zu Wahlzwecken angesammelt, der die Höhe von etwas über 1799 M. erreicht hat. An den Parteivorstand und an die Agitations- kommission hat die Kreiskasse 250 lvi. abgeliefert. Die 19 999 ver- breiteten Agttationskalender haben nicht ausgereicht; es sollen dies- mal 14 999 bis 15 999 verbreitet werden. Zur Organisationsfrage wurde beschlossen: 1. In Erwägung, daß die politische Organisatton der ziel- bewußten Arbeiterklasie, welche in der Socialdemokratte ihren AuS- druck findet, bisher sich noch in zu losen Formen bewegte, in fernerer Erwägung, daß die Feinde der Arbeiterklasse mit stets vermehrter Energie an der Arbeit sind, dem arbeitenden Volke seine Rechte zu schmälern, erachtet es die Kreiskonferenz für notwendig, daß neben vermehrter Agitation für die Partei auch eine festere Form für die Organisation Platz greift, und begrüßt deshalb mit Anerkennung den Vorschlag der BreSlauer Genossen, die bisherige Form der politischen Organisation in eine Centralorganisation der socialdemokratischen Partei umzuwandeln. 2. Die Kreiskonferenz beschließt die Umwandlung der bisherigen Organisation der Partei innerhalb unsres Wahlkreises in eine Centralisation durch Gründung eines Kreis-Wahlvereins und be- auftragt die Luckenwalder Parteigenossen, der nächsten Kreiskonferenz den Entwurf eines diesbezüglichen Statuts vorzulegen, welches zwei Monate vorher in der„Brandenburger Zeitung" bekannt gc- geben wird. Zur Provinzialkonferenz wurden die Genossen L ö h n e l- Brück, Jahn- Luckenwalde und Sasse- Werder delegiert, zum Partei- tage nach Bremen Jahn und Ewald. Die Delegierten sollen dafür eintreten, daß die Schulfrage auf die Tagesordnung des Partei- tageS gesetzt wird. Als Kreisvertrauensmann wurde Jahn wiedergewählt. Em der Frauenbewegung. Der Allgemeine Niederländische Dienstboten-Verband„Allen boor Elkander" hielt am Sonntag zu Haag seine Jahres- Versammlung ab. Es waren verttcten die Ortsabteilungen Haag. Leiden, Zwolle, Leeulvarden, Amsterdam, Utrecht, Haarlem und Middelburg. Der im Jahre 1991 gegründete Verband ist dem Landes- Unterrichtskomitee. dem Komitee für Sonntagsruhe, dem für allgemeines Wahlrecht und dem für das Arbeitsgesetz und den Arbeitskontrakt angeschlossen. Bei der Debatte über das monatlich erscheinende Verbandsorgan„Ons Streben" wurde von einer Dele- giertin erwähnt, daß die Meinung bestehe, das Blatt nähme einen f o c i a l i st i s ch e n Standpunkt ein, wodurch Widerstand bei den Arbeitgcberinnen Hervorderufen werde. Es stellte sich jedoch heraus, daß dieser Einwand sich auf einen aus dem„Katholisch- Socialen Wochenblatt" übernommenen Artikel stützte. Die übrigen Delegiertinnen waren mit der Haltung des Fachblattcs durchaus einverstanden.— Die Jahres-Versammlung sprach sich für Errichtung von Fachschulen für D i'e n st b o t e n aus. Der Verbandsvorstand soll untersuchen, ob es möglich ist, einen Fonds für diesen Zweck zusammenzubringen. Es wurde als erste Pflicht des Verbandes bezeichnet, dafür zu sorgen, daß die Die n st boten in Zukunft als Facharbeiterinnen angesehen werden und das volle Recht auf ein Dasein ais freie Arbeiterinnen erhalten. Ferner soll dahin gewirkt werden, daß das Gesetz über die Arbeits- kammern auch auf die Dienstboten ausgedehnt werde, ebenso das Unfallgesetz. Sodann wurde eine Resolution gegen die Beschränkung des Vereinigungsrechtes durch die Arbeitgeberinnen und gegen den Zwang, besondere Dien st mädchenkleidung zu tragen, angenommen. Außer- dem wurde beschlossen, daß der Verband dahin wirken soll, daß Dienstboten so viel wie möglich als T a g d i e n st b o t e n, das heißt als solche, die nicht bei der Arbeitgcberin wohnen, in Stellung treten; ferner dahin, daß das Trinkgeldsystem abgeschafft und dafür höherer Lohn gezahlt wird.— Die bisherige Präsidentin des Ver- bandes Fräulein E. G. Auwerda wurde wiedergewählt, ebenso die andern Vorstandsmitglieder. Der Sitz des Verbandes ist in Haag._____ GewcrkfchaftUcbce. Ein mißglückter Fischzug. Die Bauarbeiter der Untcrweserorte sind ausgesperrt und in aller Herren Länder werden„nützliche Elemente" gesucht. So kamen auch Werber nach Prag, haben aber dort die Rechnung ohne den Wirt, d. h. die organisierte Arbeiterschaft, gemacht. Der Fischzug dortselbst endete mit einer großen Blamage, welche ihnen die organisierten Ziminerleute Prags bereiteten. Einer der Werber kam aus Bremen nach Prag und geriet zu seinem Unglück in das Lokal der Prager organisierten Zimmcrleute. Als er mit seinem Begehren herausrückte, stellte sich ihm ein organisierter Zimmermann sofort zur Verfügung, und das„Werbe- geschäft" begann. So leicht war dem Werber die Arbeit noch nie gewesen, denn in Prag sind zur Zeit die Zimmerleute ebenfalls aus- gesperrt und da hatten sie Muße, dem verächtlichen Subjekt von Streichbrecher-Agentcn einen Streich zu spielen, den er so bald nicht vergessen wird. Die Ausgesperrten wurden insgeheim verständigt und strömten in hellen Haufen in das Gasthaus, wo die Werbung stattfand. Innerhalb einer halben Stunde waren 299„Arbeits- willige" angeworben— leider nicht allzu„nützliche Elemente", wie die nachfolgenden Ereignisse beweisen sollten. Der Werber, mit seinem so leichten Erfolge zufrieden, ließ etwas springen. Am Sonnabendabend zahlte er den„Arbeitswilligen" 590 Gläser Bier, zudem erhielt jeder 2 Cigarren. Die Stimmung war also eine sehr gehobene. Tann ging es ans Packen. Aber die„nützlichen Elemente" »raren sehr unnütze Elemente, und trotz aller Beaufsichtigung packten sie in die großmächtigen Kisten, die ihre Habseligkeiten aufnehmen sollten— Ziegelsteine. Die„teuere" Bürde wurde dann als Eilgut nach Bremen aufgegeben, wo sie wohl schon angelangt sein dürfte. Am Sonntagabend sollte die Abreise stattfinden. Die„Arbeitswilligen" fanden sich vollzählig ein und es ging an ein feuchtfröhliches Ab- schiednehmen und wieder floß, von der freigebigen Hand des Werbers gespendet, das Bier in Strömen. Aber dann erfolgte das Schreckliche — denn als sich die Geworbenen genügend gestärkt hatten, stellten sie sich in Reih und Glied und der Sekretär der Holzarbeiter- Organisation enthüllte dem Unglücksmenschen von Werber, mit was für„unnützen Elementen" er es zu thun hatte, und bat wegen des kleinen unschuldigen Scherzes, den sich die Prager Zimmerlcute mit ihm gestattet hatten, in wohlgesetzten Worten um Entschuldigung. Die Zimmerleute jedoch benutzten die Gelegenheit, dem Werber ihre Meinung zu sagen, und was der Herr zu hören bekam, verleidete ihm sein ehrenhaftes„Geschäft" auf lange Zeit. Draußen auf dem Geleise warteten drei Waggons auf die„Streikbrecher", die indessen unter Hochrufen auf die internationale Arbeitersolidarität das Bahn- Hofsgebäude verließen. Mutterseclen allein dampfte dann der Werber gegen Bodenbach; vielleicht hat ihn der Gedanke getröstet, daß in Bodenbach auf ihn 299 Portionen Rostbraten, die er für die Arbeits- willigen bestellt hatte, warteten, die er sich, nachdem ihm so der Magen geputzt worden war, gewiß gut schmecken ließ. Berlin una vlmgegencl. Lohnbewegungen der Holzarveiter der Provinz Brandenburg. /z Jahre verflossen. Große Erfolge konnten während dieser Zeit wegen der andauernd schlechten Geschäftslage nicht erzielt werden, doch wurde in der Provinz auf friedlichem Wege, in Kopenhagen nach 17wöchentlichem Streik ein neues llebereinkommen mit den Arbeitgebern getroffen, das geringe Verbesserungen der Arbeitsbedingungen enthält. Schwer schädigend wirkt die Einführung fremder Fabrikate, die von den Arbeitgebern rücksichtslos betrieben wird. Der s ch l i m m st e Konkurrent ist Deutschland, das über 60 Prozent der Cigarren liefert, die inDänen, ark eingeführt werden. In Kopenhagen wurde im vorigen Jahre bei 63 Fabri- kanten eine Lehrlingsskala durchgeführt.— Von den Be- schlüssen des Kongresses ist besonders die Einführung von Reise« und Arbeitslosen-Unterstützung erlvähnenswert, ferner die Gründung eines eignen Fachorgans. Außerdem wurde dem Verbandsvorstand aufgetragen, auf Abschaffung der Heimarbeit hin- zuwirken, wozu eine Reihe besonderer Maßregeln beschlossen wurden. Als Geschäftsführer des Verbandes wurde Ferdinand Möller wiedergewählt. Der Streik in Petroleumarbeiter in BorySlaw ist beendet. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" schreibt dazu: Vor einer Woche sah die Regierung endlich ein, daß das, was die Streikenden„Unerfüll- bares" verlangten, da es von den Unternehmern eben nicht erfüllt werden konnte, von ihr erfüllt werden müsse. Die Regierung vor- bürgte sich dafür, daß sie die Unternehmer veranlassen werde, Arbeiterhäuser bis zum 1. Januar zu erbauen und eine Badeanstalt bis zum Oktober fertigzustellen. Sie verbürgte sich dafür, daß eine Wasserleitung und ein Spital errichtet werden und daß die Kranken- kasse nach Boryslaw verlegt werde; und damit die Gemeinde ihre Pflicht erfülle, versprach die Regierung, die Gemeindevertretung auf- zulösen und das Versprochene durch einen Regierungskommissar durch- führen zu lassen. Weil aber die Unternehmer die Arbeitszeit nicht um vier Stunden verkürzen wollten, verkürzte sie die Regierung selbst um zwei Stunden, indem sie eine zweistündige Ruhepause inner» halb der zwölfstündigen Arbeitszeit vorschrieb. Diese Zugeständnisse hätten sogleich angenommen werden können, wenn die Streikenden nicht zu befürchten gehabt hätten, daß die Unternehmer an ihnen Rache nehmen würden. Die Unternehmer wollten nicht darauf eingehen, daß alle Streikenden wieder auf- genommen werden müßten, und deshalb wurde der Streik fortgesetzt. Noch eine Woche dauerte es, da gaben zuerst die kleinen Unternehmer nach, indem sie den Arbeitern das Zugeständnis machten, keinen zu entlassen, und jetzt haben auch die großen Unternehmer, das so- genannte Produzentcnkomitee, dem Vertreter der Regierung— mit den Arbeitern wollen sie auch jetzt noch nicht verhandeln— die Zusage gemacht, keine Rache zu nehmen. Und so hat denn das Streik- komitee beschlossen, den Arbeitern die Beendigung des Streiks vor- zuschlagen._ Arbeiterunruhen in Toulouse. Wolffs Bureau meldet: Toulouse, 10. August. In der ver- gangenen Nacht kam es zwischen zahlreichen Manifestanten, die sich den streikenden Cafehaus-Kellnern angeschlossen hatten und dem Militär zu Zusammenstößen, bei welchen neun Gendarmen und sechs Polizisten Verwundungen davontrugen. Zwanzig Personen sind in Haft behalten worden.__ Versammlungen. Russisches behandelte eine Volksversammlung in Charlottenburg, in der Genosse Eduard Bernstein referierte. Der große Saal des Volkshauses war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Tische mußten entfernt werden, um für die beständig Zuströmenden Platz zu schaffen, es waren wohl über 1200 Personen, welche sich zum Protest gegen die russische Wirtschaft in Rußland und Deutschland zusammenfanden. In großen Zügen entwarf Bernstein ein Bild des Systems, das durch preußisch-deutsche Liebesdienste gestützt und gefördert wird. Lauter Beifall durchbrauste den Saal, als er ausführte, daß in Eng- land zur Ausweisung eines Fremden ein Parlamentsbeschluß not- wendig sei; bei uns betrachtet man wie bei Barbaren jeden Fremden gleichsam als Feind, den wir nach Belieben ausweisen, ja, es kommt vor, daß russische Flüchtlinge gezwungen werden, über die russische Grenze zurückzukehren, daß sie direkt an Rußland ausgeliefert werden, wo die Beamtenwillkür herrscht, wo jedes Recht der Person, der Freiheit, des Lebens beständig mit Füßen getreten wird. Gegen den Despotismus giebt es nichts andres als den Meuchelmord; als der Adel allein politisch thätig war, hat er ihn skrupellos geübt und gelegntlich einen Zaren beseitigt; nachdem andre Volksschichten in das öffentliche Leben eingetreten sind, und man sie mit Gewalt unterdrückt hat, mutzten auch sie zu dem übergehen, was die Adligen ihnen vorgemacht haben. So herrschen in Rußland der Despotismus und der politische Mord, und niemand hat weniger ein Recht, sich darüber zu beklagen als gerade die russischen Gewalthaber. Das russische System wird in Deutschland von allen reaktionären Mächten gestützt, denn sie wissen sehr wohl, daß Rußland das Bollwerk aller Reaktion auch in Deutschland und der gesamten westeuropäischen Kulturwelt ist. Wenn die elementarsten Rechte in Rußland er- kämpft sind, dann ist der Alp von der Welt gerissen, dann gehen wir dem Fortschritt entgegen. Es war daher ein richtiges Gefühl, das die Volksversammlung im Feenpalast geleitet hat, zu sagen: Wenn die Verbreitung aufklärender Schriften in Rußland bei unS als die Thäti gleit eines Geheimbundes betrachtet wird, so wollen wir dem ein Ende machen, indem wir einen öffentlichen Bund zur Verbreitung solcher Schriften schließen. In England besteht eine solche Vereinigung(Free Russia), schon seit fast 20 Jahren; dort gehören auch Liberale und Konser- vative derselben an. Auch wir wollen einen Bund„Frei- Rußland" stiften in dem Bewußtsein, daß Frei-Rußland eines Tages auch heißt Frei-Deutschland, eine freie und glückliche Menschheit. Als der Beifallssturm sich gelegt, ergriff Genosse Bu ch h o l z- Charlottenburg, der uns aus dem KönigSberger Prozeß bekannte Zeuge, das Wort. Den Prozeß streifend bedauerte er, nicht als Sachverständiger, sondern als Zeuge vernommen worden zu sein, der in seinen Ausführungen an die gestellten Fragen gebunden war. Bei der zu erwartenden Neu-Auflage des Prozesses, für die, wie man sagt, die Regierung noch weitere Sachverständige herbei- schaffen wolle, werde das dann zu erwartende Bild der russischen Zustände das bisher entworfene an Entsetzlichkeit noch übertreffen. Bernsteins Ausführungen möchte ich eine Ergänzung hinzufügen. Bernstein sagte, eS seien Fälle von Ausweisungen vorgekommen, die einer Auslieferung gleichkamen. Das sind jedoch keine vereinzelten Fälle, sondern solche ereignen sich jeden Tag. Es bestehen nämlich be- sondere Bestimmungen über den Verkehr von russischen Aus- Wanderern in Deutschland, wonach Leute, die nicht im Besitze von Geldmitteln sind, die zu einer Reise bis nach Amerika ausreichen, ohne weiteres nach Rußland zurückgebracht werden. Beim ersten Fall dieser Art, den ich kennen lernte, glaubte ich, es handle sich um einen Erpressungsversuch seitens des Agenten der Hamburg— Amerika-Linie oder des Norddeutschen Lloyd, doch sehe ich jetzt, daß es eine von der Behörde genehmigte Erpressung ist. Zahlreiche politische Flüchtlinge und Deserteure, die als Auswanderer aus Ruß- land kommen und weder Lust noch Geld haben, nach Amerika zu reisen, werden nach Rußland zurückgeschickt und dort in die Gc- fängnisse gebracht, wo Jahre hindurch niemand von ihnen etwas erfährt. Gegen diesen skandalösen Zustand muß das Proletariat lauten und energischen Einspruch erheben. Die Ermordung Plehwes ist vielfach als eine Erlösung aufgefaßt, und an sie sind große Erwartungen geknüpft worden. Ich muß diese leider für verfrüht halten. Von Attentaten wird das Heil nicht kommen. Auch bei den Raubrittern, welche die russische Regierung bilden, giebt es tapfere Leute, die bereit sind, für den Raub als Opfer zu fallen. Bisher ist immer Ersatz gefunden, der sich auch für Plehwe finden wird, ds giebt viele Leute, die ihm moralisch gleichwertig sind und sich bemühen werden, ihn noch zu übertrumpfen. Das Ende des Absolutismus wird erst eintreten, wenn die Masse des Volkes dagegen auftritt, und das Volk beginnt, sich zu regen; socialdemokratisch gesinnte Arbeiter sind fast überall schon in Ruß- land vorhanden, und ihre Ideen dringen in die Bauernschaft ein. Doch ist es erst ein Beginn, der uns zeigt, daß noch ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden sind. Wir in Deutschland unter- schätzen sie, weil wir unter dem Eindruck des Königsberger Pro- zesses stehen. Die russische Bevölkerung hat aber gar keine Ahnung von dem Prozeß. Ebenso kann sie über den ostasiatischcn Krieg kein auch nur einigermaßen zutreffendes Urteil gewinnen. So wird in einer Odessaer Zeitung den Bauern allen Ernstes vorgeredet, den Japanern sei deshalb so schwer beizukommen, weil sie ja Mücken seien, die den braven russischen Soldaten beim Schlafen in die Nase und Ohren kriechen. Um bis zum russischen Volke zu dringen, ist noch viel mühsamere Arbeit notwendig, als seiner Zeit in Deutsch- land unter dem Socialistengesetz. Kein Führer kann Erfahrungen sammeln; wer 4— 5 Monate in der Bewegung steht, muß entweder ms Gefängnis oder ins Ausland gehen; kehrt er unter anderm Namen zurück, so muß er einen andern Ort mit wesentlich andern Verhältnissen aufsuchen. Kaum hat man tastend den richtigen Weg gefunden, auf welchem man für die Bewegung wirken kann, so wird man plötzlich um Mitternacht aus der Wohnung geholt und muß für lange Jahre aus der Bewegung verschwinden. Unter viele Ge- nossen kann man die Arbeit nicht verteilen, denn das öftere Zu- sammenkommen mehrerer erregt sofort Verdacht. Will man sich Litteratur verschaffen, so darf man sie nicht offen bestellen, jeder Brief mutz chiffriert sein, so daß das bloße Schreiben und ebenso wieder das Lesen 3— 4 Stunden in Anspruch nimmt. Um zu einer Besprechung zusammen zu kommen, sind Umwege von 4— 5 Stunden notwendig, damit die Spitzel irre geführt werden, und nicht immer gelingt das, so daß die Besprechung häufig verschoben werden muß. Dazu kommen die elenden Finanzverhältnisse: jeder russische Revo- lutionär ist aus seinem Beruf herausgerissen, es ist schon sehr schwer, für ihn nur ein Obdach zu finden, geschweige einen Beruf, in dem er sein Leben fristen kann. Ist den Leitern der Bewegung sub- jektiv alles erschwert, so thut objektiv die russische Regierung alles. um die Bewegung zu fördern, wenn ihre Thaten der Masse bekannt werden, können sie nicht ohne den heftigsten Protest bleiben. Könnten die russischen Revolutionäre ihre Kraft verzehnfachen, verHundert. fachen, vertausendfachen, so wäre auch die Nähe des Sieges verzehn- facht, verhundertfacht, vertausendfacht. Nach dem Königsberger Prozeß muß es eine Ehrenpflicht jedes Genossen auf dem ganzen Erdenrund sein, die revolutionären Kräfte in Rußland zu fördern. Eine Anregung des Genossen G o e r k e, daß die Befreiung des der Tellersammlung zu Gunsten der russischen Flüchtlinge zu der- wenden, fand begeisterte Zustimmung. Im Schlußwort betonte Bernstein, daß die Befreiung des russischen Volkes nicht von außen geschehen könne, die Bewegung muß von innen kommen; sie kann auch nicht durch die That eines einzelnen hervorgezaubert werden, sondern muß das Resultat einer tiefgehenden Volksströmung sein. Wohl aber kann eine solche Be- wegung durch die Sympathie des Auslandes mächtig gesteigert werden. Was in unfern Kräften steht, müssen wir hierzu thun. Nachdem der Vorsitzende auf das Zusammenfallen dieser Pflicht mit der thatkräftigen Unterstützung der socialdemokratischen Organi- sationen hingewiesen, wurde die imposante Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die völkerbefreiende internationale Socialdemo- kratie geschlossen._ Centralverband der Konditoren. In der letzten Mitglieder- Versammlung wurde beschlossen, fiir die in Bäckereien arbeitenden Konditoren bezirksweise Persammlungen einzuberufen und hierbei besonders die Bäckereien in Betracht zu ziehen, in welchen das Kost- und Logiswesen tarifmäßig beseitigt ist. Ebenso sollen für die Fabrikbetricbe Arbeiterinnen-Versammlungen veranstaltet werden, um den erbärmlichen Lohn- und Arbeitsverhältnissen durch die Organisation eine Besserung zu verschaffen. Im Arbeitsnachweis waren 63 Arbeitgesuche und 52 Arbeitsangebote eingelaufen, besetzt wurden 14 feste und 29 Aushilfsstellen. In die Arbeitsnachweis- Kommission wurden Walter, Herting und Lattermann, als Ersatz in den Vorstand Paul Stark gewählt. Der Kassenbericht für die Lohn- bewgung ergab eine Gesamtausgabe von 1248,50 M., von welchen 931,50 M. auf Streikunterstützung entfielen. Beschlossen wurde, daß solche Kollegen, welche die notwendig gewordene Strciksteucr(5 Proz. vom Lohn 4 Wochen lang) nicht zahlen, und deshalb gestrichen werden müssen, vor dem 1. Juli 1906 nicht wieder aufgenommen werden, wenn sie diese Steuer nicht vorher entrichten. Die Mit» gliederzahl betrug am 1. Juli 317. Ablershof. Am Donnerstag, den 21. Juli, hielt der Socialdemo» kratische Wahlverein zu Adlershof seine ständige Mitglieder- Versammlung im Lokale von Fechner, Oppenstraße 56, ab. In ein- stündigem Referat stellte Genosse I. Hildebrandt die Programme Bernsteins und Kautzkys gegenüber und kam zu dem Schluß, daß die herrschende Klasse es nicht dazu kommen lassen wird, daß wir auf gesetzlichem Wege, d. h. durch Beteiligung an Wahlen, Erringung neuer Mandate usw. zum Ziele kommen. Darüber reden die Manteufelin und Mirbachiaden eine zu deutliche Sprache. Redner ging dann zum Bremer Parteitag über und nahm die einzelnen Punkte der Tagesordnung durch. Zuletzt sprach er die Meinung aus, daß der nächste Parteitag wohl in Ruhe verlaufen wird, da ja die Fragen der Taktik und die Meinungsverschiedenheiten in der Partei auf dem Dresdener Parteitag genügend behandelt worden sind. Genosse T o st als Korreferent war in Fragen der Taktik etwas andrer Meinung. Auch führte er aus, daß die Tagesordnung des Bremer Parteitages eine äußerst einförmige sei. Er erwartete mindestens die Ernennung eines Berichterstatters über die Land- tagswahl, auch die Schulfrage hätte mit auf die Tagesordnung gesetzt werden können. An der Diskussion beteiligten sich S ch u bert, Reichert, Arndt, Panzram und Grüne- berg. Genosse Tost gab bekannt, daß von feiten des Vorstandes der Antrag beim Central-Wahlvcrein vorliegt, die nächste General- Versammlung des Kreises in Adlershof abzuhalten. Als Delegierte zu dieser General-Versammlung wurden die Genossen Hermann Hildebrandt, Arndt und Löwenthal gewählt. Darauf gaben der Kassierer und der Spediteur ihre Berichte. Dem Spediteur wurde auf Antrag der Revisoren Dccharge erteilt; betreffs des Kassierers erklärte Genosse Löwenthal im Namen der Revisoren, daß die Kasse revidiert und alles in bester Ordnung befunden worden ist, bat aber von einer Dechargeerteilung noch abzusehen, da die Abrechnung des gesamten Ouartales noch nicht vollständig vorliegt. In der darauf folgenden Debatte stellte sich denn heraus, daß die Kasse in vollständigster Ordnung war, die Revisoren jedoch eine andre Form der Abrechnung wünschten. Es wurde auf Antrag des Genossen Beck die Dechargeerteilung bis zur nächsten Mitglieder- Versammlung zurückgestellt. 9 Genossen wurden in den Wahlverein aufgenommen. Die Abonncntenzahl des„Vorwärts" ist im letzten Quartal um 24 gestiegen. Centralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Teutschlands(Bezirk Berlin). Heute Donnerstanabend 9 Uhr in deck Arminhallen, K ommandantrnstr. 20: Sitzung. Gäste sind willkommen. Die OrtSoerwaltung. Letzte INfachncbten und Depefeben, Ausfuhrverbot von Futtermitteln. Wien, 10. August.(W. T. B.) Im„Gesetzblatt" erscheint morgen eine Ministerialverordnung betreffend Verbot der Ausfuhr von folgenden Futtermitteln: Gerste, Mais, Pferdebohnen, Lupinen, Wicken, Kartoffeln, frische und getrocknete Futtcrkräuder, wie Heu, Klee und dergleichen, Stroh, Häcksel, Kleie, Mälzkeime. Oelkuchen, Schlempe, Treber und Rübenschnitzel. Die Regierung ist zu diesem umfassenden Verbot einerseits durch den im größten Teil des Reichs bedeutenden Ausfall an Futterstoffen, wodurch eine schwere Schädigung der Landwirtschaft, insbesondere bedeutende Schwierig- leiten bei der Verpcoviantierung des Heeres befürchtet werden mutzten, sowie durch den weiteren Umstand veranlaßt, daß wegen da? gleichen Ursache ein ausreichender Nachfluß von Futterstoffen auS der jenseitigen Reichshälfte nicht zu erwarten ist. Die Situation wird verschärft durch die von ausländischen Staaten ergriffenen ähnlichen Mahnahmen, sowie durch den Umstand, daß aus einzelnen inländischen Produktionsgebieten namhafte für Rechnung des Aus- landes effektuierte Aufkäufe von Futterstoffen gemeldet werden. Die ungarische Regierung wird ebenfalls eine ähnliche Verfügung treffen. Das Verbot tritt an dem Tage in Kraft, an welchem es den Zoll- ämtern bekannt gegeben wird und bleibt bis auf Widerruf in Kraft. Ausgenommen sind Sendungen, welche bis zum 12. August d. I. zum Transport mittels Eisenbahn oder Schiff aufgegeben sind. Die beider» festigen Regierungen sind übereingekommen, keine Ausnahmen zu- zulassen. Ermäßigungen, welche nach Artikel 7 des Zollgesetzcs statt- haben, sind nicht ins Auge gefaßt. Hingegen wurde in Aussicht genommen, der Landwirtschaft nach Abschluß der eingeleiteten Er- Hebungen durch Notstandstarife den Bezug von Futterstoffen zu erleichtern und hierdurch einen Ausgleich von Bedarf und Angebot herbeizuführen._ Paris, 10. August.(W. T. B.) Ministerpräsident CombeS, der nach PonS zu fahren gedachte, hat wegen des Ablebens Waldeck. Rousseaus seine Reise aufgegeben. Morgen wird ein Ministerrat abgehalten werden, in der über die Begräbnisftierlichkeiten beraten wird. Die Regierung beabsichtigt, daS Begräbnis Waldcck-Rousseaus auf Staatskosten stattfinden zu lassen. Marseille, 10. August.(W. T. B.) Infolge von Meinungs- Verschiedenheiten mit einem Offizier eines Postdampfers der msssaxorisr maritirneB haben die eingeschriebenen Seeleute be» schlössen, ihre Stellungen bei der genannten Gesellschaft aufzugeben. Spitzeldienste des Vatikans. Rom, 10. August.(B. H.) Der„Avanti" bringt heut« Einzelheiten über die vatikanische Polizei und behauptet, auf eine Denunzierung deS Vatikans hin sei der Bischof von Wilna seiner Zeit verhaftet und mit noch einem Bischof nach Sibirien gebracht worden, der Minister Plehwe habe der Verhaftung persön- lich beigewohnt._ Petersburg, 10. August.(W. T. B.) Gegenüber der Meldung auswärtiger Blätter, daß in Petersburg die Cholera aufgetteten sei, ist die russische Telegraphen-Agentur in der Lage, aus zuverläßlichfter Quelle feststellen zu können, daß dort kein Cholerafall vor» gekonunen ist. Washington, 10. August.(Meldung des„Reuterschen DureanS'.) Man ist hier der Ansicht, daß die Signatar-Mächte des Pariser Vertrages ihren Einfluß bei der Pforte dahin geltend machen werden, daß der Sultan den Forderungen der Vereinigten Stauten nachgebe, um die Sache nicht dahin kommen zu lassen, daß die Vereinigten Staaten sich zur Anwendung von Gewalt gezwungen sehen. EsopuS(Staat New Dorf), 10. August.(29. T. 23.) In einer Ansprache an eine Abordnung des demokratischen NattonallonventS, die Parker feine Nomination für die Präsidentschaft mitteilte, betont» letzterer die Notivendigkeit einer angemessenen Tarifherabsetzung und trat der Ansicht entgegen, daß die Vereinigten Staaten sich in alle Angelegenheiten, die sich zwischen andren Mächten abspielten einmischen müßte; ebenso bedürfe eS nicht der Schaffung einer Militärmacht, die für solche Zwecke notwendig würde. Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerlagSanjtalt Paul Singer LcCo.. VerlinLW. Hierzu 3 B eilagen u. Nntcrhaltungsblatt Kr. 187. 21. laljrptg. filüOt te„Dawäck" Kttlim NckslilM Dovuerstilg, 11. August 190�. Vom Kriegsschauplatz. Ueber einen Kampf vor Port Arthur liegt folgende Meldung vor: London, 10. August. Dem.Daily Telegraph" wird auS T s ch' f u, den 9. d. M., gemeldet, daß bei Pari Arthur eine neue Schlecht stattgefunden habe. Zwei von Port Arthur in Tschifu eingetroffene Kuriere, welche die Stadt am 5. abends verließen. berichten, die Japaner hätten am.'bend des 4. d. Mts. den Angriff auf die H a u p t l i n i e n der russischen Be- fcstigungen, die sich über den linken Flügel der Russen er- strecken, begonnen. Beide Flotten seien dabei in Thätigkeit gc- Wesen und der Kampf habe bis zum frühen Morgen gedauert. Die Japaner hätten verschiedene Sturmangriffe gemacht, seien aber mehrfach mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden. Ihre Verluste sollen oie bei den Kämpfen um den Wolfshügcl und Grünhügel erlittenen noch übersteigen. Auf feiten der Ruhen sollen«der 1000 Mann in dem Kampfe gefallen sein, der als der bisher schwerste des Krieges bezeichnet" toerde. Die russischen Truppen seien durch die Civilbevölkerung von Port Arthur unterstützt worden. Ueber die Beschädigung der Flotten sei noch nichts bekannt. Bekanntlich war bereits in einer russischen Meldung von diesem Kampf die Rede. Als zuverlässig können freilich die Tschifuer Nach- richten nicht angesehen werden. Ein japanisches Urteil über die Kämpfe vor Port Arthur. Der japanische Botschafter in London, Baron H a j a s ch i. hat sich zu folgender Weußerung bewogen gesehen: .Die von General Stössel gemeldeten Kämpfe'vom 23. bis 28. Juli vor Port Arthur waren nur die Einleitung des eigent- l i ch e n A n g r i s f s auf die Festung. Die von den Japanern an diesen Tagen erlittenen Verluste betrugen nach den längst vorliegenden amtlichen Meldungen einschließlich der Verwundeten gegen 1800 Ätann. Inzwischen haben die Japaner drei Außenwerke Port Arthurs eingenommen, und ijegenwlirttg findet die Beschießung der zweiten Forts-Linie tatt. Verluste in Höhe von 10000 bis 30 000 Mann seien ganz ausgeschloffen. Die Taktik der Japaner bei dein jetzigen Vorgehen gegen Port Arthur sei genau vorgeschrieben und bestehe darin, daß «in Fort nach dem andern durch schweres Belagerungsgeschütz so lange beschossen werde, bis der Gegner unfähig fei, länger Wider- stand zu leisten. Für die Japaner sei eS deshalb ganz gleichgültig, ob diese schrittweise erfolgende Eroberung noch zwei Wochen oder zwei Monate in Anspruch nehmen würde. Die nutzlose Opferung größerer Truppen massen durch einen vorzeitigen Sturm liege somit außerhalb des Be- reiches der Möglichkeit." General Ok« über russische Grausamkeiten. Nach der Schlacht von Telissu oder, wie die Russen sie nennen, W a f a n t i e n. hatte, wie berichtet, Don Jaime von Bourbon, der alsKavallerie-Offizier in russis chen Diensten steht, vor seinem Abzüge� von jenem Orte auf die Mauer des dortigen Bahnhofsgebäudes die an die japa- nischen Truppenbefehlshaber gerichtete Mitteilung niederschreiben lassen, daß er Augenzeuge gewesen sei, wie japanische Soldaten die Leichen einzelner auf dem Schlacht- selbe liegender Russen verstümmelt hätten. Auf diese Anklage hat General Oku am 5. Juli folgende Antwort erteilt: .Die von einem französischen Blatte veröffentlichten Mir- teilungen, die von österreichischen Blättern weiter verbreitet wurden. sind reine Erfindungen. Sie schlagen der Wahrheit direkt ins Gesicht und sind darauf berechnet, den guten Ruf unsrer wohldisciplinierten Truppen zu besudeln. Sie sind ein niedriges und gemeines Mittel, das die Russen anwenden, um die von ihnen selbst begangenen Barbareien zu verbergen. Was die Mitteilung des französischen Blattes anbelangt, so haben unsre Truppen am 12. Juni überhaupt nicht gefochten. Nicht einmal Plänkeleien der Vorposten fanden statt. Und was die österreichischen Zeitungen betrifft, so ist wahr, daß die Russen in der Schlacht vom IS. Juni unsre Toten und Verwundeten empörend behandelt haben, daß aber auf unsrer Seite keinerlei Vergeltung geübt worden ist. Wir haben die Verwundeten mit jeder möglichen Sorgfalt, so vieler Auf- merksamkeit behandelt, daß einzelne von ihnen uns unter Thränen gedankt haben. Wir samnielten die Leichen der Gefallenen, be- statteten sie nach vorausgegangener sorgfälttger Untersllchung unter Achtungsbezeugungen und verfuhren in keinem Falle schlecht mit ihnen. Rollt man aber die Frage des barbarischen Verhaltens der Russen auf, so will ich einige Beispiele dafür anführen. Am 16. Juni wurden vier Mann eines aus sechs Leuten bestehenden Doppelpostens von 16 Mamr umzingelt. Nach kurzem Handgemenge waren jene vier getötet. Die Russen durchstachen den Leichen Augen und Mund, schlugen ihnen die Brustkasten ein, stahlen alles, was die Toten bei sich hatten, sogar die OrdenSauSzeichuungen, die später im Besitze von Gefangenen vorgefunden wurden. Das ist das bei russischen Soldaten übliche Benehmen. Wir haben darüber be- sonderen Bericht bisher nicht erstattet, Iveil wir die Nutzlosigkeit aller unserr Beschwerden eingesehen haben. Am 27. Juni beobachtete der Gefreite Kobajaschi einen Hügel, der vier Kilometer nord- östlich von Hönjoschin liegt. Er bekam Feuer und zog sich in der Richtung auf Tschingpehtschi zurück. Als eine Kugel in die Brust ihn vom Pferde geworfen hatte, kamen bald darauf 20 russische Armeedragoner herangeritten. Sie versttimmelten den Körper des inzwischen Verschiedenen in scheußlicher Weise; die Einzelheiten lassen sich nicht wiedergeben. Eine Schwadron unsrer Reiter, die die Russen angriff und verjagte, fand die Leiche in unsagbarer Weise geschändet. Am IS. Mai ritt der Kavallerist Goto nach Jangkiajuen. Ein Schuß verwundete ihn an der rechten Schulter und er stürzte vom Gaul. Er zog darauf seinen Säbel und durch- stach sich die Kehle. In diesem Augenblick kamen die Russen heran, enttisjen dem Sterbenden die Waffe und spalteten ihm den Schädel bis aus die Nase. Es könnten noch zahlreiche derartige Beispiele aufgeführt werden. Bon jetzt an werden wir genau darüber be- richten. Zu einer andern Art von schändlichem Benehmen gehört das einer russischen Reitcrabteilung bei Tafanschin am 16. Juni. Als sie von unsrer Kavallerie hart gedrängt wurde, geriet sie auf der Flucht in das Feuer unsrer Infanterie. Darauf schlvenkte sie eine japanische Flagge und erreichte dadurch, daß die Infanterie nun die eigene, die Russen ver- folgende Kavallerie zum Ziel nahm. Den Russen aber gelang eS, unter dem Schutze der japanischen Flagge zu entkommen. Aehnlich war das Verhalten einer nissischen Abteilung bei Huafungkan. Sie entfaltete die weiße Flagge und benutzte die Sicherheit, die ihr diese gewährte, zum Zurückgehen. Als sie dann auf diese Weise un- belästigt einen Höhenkamm erreicht hatten, machten sie Front und eröffneten ein Feuer auf unsre Leute. Es ist natürlich, daß russische Soldaten, die die Vorschriften der Ehre soweit vergessen können, daß sie sich im Felde solcher Dinge schuldig machen, auch nicht davor zurückschrecken, grobe Lügen zu verbreiten, um den Ruf ihrer Gegner zu schädigen." Der Parteitag von Lille. Lille, 9. August.(Eig. Ber.) Straßenumzug und Vorversammlung. Die Arbeiterbevölkerung von Lille, Männer und Frauen, hat den Parteitags-Delegierten am Vorabend des Kongresses einen un- vergeßlichen Empfang bereitet. Das Wahlglück, korrigiert durch einen fast saarab-schen Unternehmer-Terrorismus, wie er überall im hoch- industriellen Nordsrankreich wütet, mag den Gemeindcrat von Lille dem kleukal-melinifftschen Ordnungskartell in die Hände gespielt haben. Alle proletarischen Herzen der Stadt aber schlagen nach wie vor in treuer Hingebung für die socialistische Partei und in sicherer Hoffnung auf ihre nahe Revanche, einer Hoffnung, die durch die Generalrats- Wahlsiege sin der Sonntagsstichwahl) von Ghesquisre-Lille mit Briffant-Roubaix sich zur jiegeSsicheren Stimmung gesteigert hat. Die enthusiastische Straßenkundgebung, die sich hinter der frei wehenden roten Fahne, hinter leuchtenden Fackeln und Laternen, unter Musik und besang, unter stürmischen revolutionären Hochrufen und ebenso stürmischen Niederrufen gegen den klerikalen Feind, massen- hast durch die ganze Stadt vom Bahnhofe bis zum Gebäude der blühenden Produktivgeuossenschaft hinwälzte,— sie hat den offiziellen Beherrschern der Stadt die Vergänglichkeit ihrer usurpierten Herrschaft in die Ohren geschrien.„Wir sind die Herren von Lille, trotz alledem!" rief ein Liller Arbeiter dem Genossen Lafargue zu, mit freudestrahlendem Gesicht aus die prächtige, von Begeisterung übersprudelnde Volkskuudgebuug weisend. In der That. Wer die Kundgebung sah. konnte keinen Augenblick denken, daß sich in der Stadt seit den Gemcindcwahlen vom Mai etwas geändert hat. Es wäre zu wünschen, daß die Pariser Arbeiter bei den Proletariern von Lille in die Schule gingen, um zu lernen, wie man dem herrschenden gehässigsten kapitalistischen Feind die Freiheit der Straßenkimdgebung abzwingt. Der Gegensatz zwischeu der gestrigen Liller Kundgebung und d er vorgestrigen Pariser antiklerikalen Kundgebung drängt sich von selbst ans. In Paris mißhandelte die Polizei des Herrn Combes mit Fäusten und Pferde- Hufen die harmlose antiklerikale Kundgebung der— treuesten Anhänger deS Ministeriums, die sich in Hochrufen ans CombeS nicht genug thun konnten. In Lille wurde die revoluttonäre Kund- gebung durch keinen Mißton gestört, denn die kapita- listische Municipalität hat es nicht gewagt, die ihr zur Verfügung stehende Polizei gegen die manifestierenden Arbeiter loszulassen. Man sah überhaupt keinen einzigen Polizisten auf dem Wege des Straßenumzuges. So versteht eS eine momentan „besiegte", aber selbstbewußte und fest organisierte Arbeiterschaft, dem siegreichen Feind Respekt einzuflößen. Dieselbe enthusiastische Stimmung sund doch gelten die Nord- franzosen in Frankreich für kühle, zurückhaltende Naturen!) durchwehte die öffentliche Vorversammlung des Parteitags, die sich an den Straßenumzug anschloß. Die prächtigen, in der Form eines TheatcrsaaleS gebaute, mehrere tausend Personen fassende Festhallc der Genossenschaft„Union de Lille" war gedrängt voll. Die Ver- sammlung wurde eingeleitet durch Absingen der„RoteN Fahne", deren Refrain vom gesamten Publikum initgesungen wurde. Abgeordneter Dclory, ehemaliger Maire von Lille, niit Applaus empfangen, eröffnet die Reihe der durchweg mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ansprachen mit einem Dank an den Centralrat der Partei für die Wahl der Stadt Lille zum Kougrcßort: Die Knud- gebung dieses Abends hat bewiesen, daß die Maiwahl bloß eine vorübergehende Ueberraschung war. Das arbeitende Volk ist und bleibt von ganzem Herzen eins mit der Partei. Wir werden aus der Niederlage lernen, künftighin wachsam zu sein. Wir wären nicht unterlegen, wenn wir uns nicht durch die früheren Siege hätten ciululleu lassen. Gegen den kapitalistischen Feind muß man stets in voller Waffenrüstimg stehen. Auf DcloryS Vorschlag wird zum Vorfitzenden per Acclamation GheZquiire gewählt. Als er seinen Platz einnimmt, wird ihm und Delory, dem Sieger von gestern und dem von morgen, den beiden ruhmreichen Organisatoren deS nordfranzösischen Proletariats, je ein Blumenstrauß verehrt unter tosendem Beifall der Versammlung. ÄheSquiöre begrüßt die Parteitags- Delegierten und die zwei ausländischen Gäste, De Leon, den Vertreter der Socialist Labor Party von Nordamerika, und Roubilnowitsch, den Vertreter der russischen Partei der Socialisten- Revoluttonäre: Die Liller Reaktionäre haben in der jüngsten Wahlcampagne auch damit gekrebst, daß das hiesige Partei-Organ„Le T'rcwaillenr" da« Attentat gegen P l c b lv e nicht als..Mord" qualifiziert hat. Es half ihnen nichts! Der russische Absolutismus erzeugt notwendig derartige Akte der Empörung. Hoch das revolutionäre und socia- listische Rußland! Dubreuilh, Parteisekretär, führt aus: Lille wurde zum Kongreßort gewählt nicht nur, weil es auf dem Wege nach Amsterdam liegt, sondern auch und vornehmlich deshalb, weil eS die wahre Hauptstadt des socialislischcn Frankreich ist. Hier ist daS Proletariat mustergültig organisiert auf politischem, gewerkschaftlichem und genossenschaftlichem Boden. Hier wurden seit 20 Jahren die schönsten Siege davongetragen. Wäre nicht der Abfall gewisser Elemente, die inS ministeriell-socialistische Lager übergingen, so würden wir heute nicht bloß einige wenige Generalrats-Wahlsiege zu verzeichnen haben. Dr. Greffier-Grenoble verspricht namens der Jsere-Föderation, unermüdlich auszuharren im schweren Kampfe gegen den Verräter Z s v a s S, der hinter sich nur die unbewußten Elemente der Wähler- schaft habe. Marcel Cachin- Bordeaux bespricht die ungünstigen Ver Hältnisse, die in seiner Stadt geschaffen wurden durch den Bund der von der Partei abgefallenen Elemente mit den bürgerlichen Parteien. Dieser Bund ist aber in den Maiwahlen der Reaktion unterlegen, während die selbständige, rein proletarische Lifte der Partei eine imposante Stimmenzahl vereinigte. Wir hoffen auf Amsterdam! Die auswärtigen Kameraden werden wohl diesmal, im Unterschied vom Pariser Internationalen Kongreß 1900, unzweideutig Stellung nehmen gegen die falschen Socialisten, da sie jetzt angewidert sein müssen von den Scheußlichkeiten des ministeriellen, offiziellen Socialismus. Sie werden ihn aus dem inter nationalen Socialismus hinauswerfen I(Andauernder, demonstrativer Beifall.) Abg. Piger-St. Etienne ftihrt Klage gegen die ministeriellen Socialisten seiner Stadt. Vor zwei Jahren gehörte noch Redner zur ininisteriell-socialistischen Partei. Der Kongreß von Bordeaux, wo Millerand gerettet wurde, hat ihm die Augen geöffnet. Er warnt vor dem reformerischen Socialismus. der nach der Weise der bürger- lichen Parteien mit Reformversprechungen arbeite. Groussier- Paris, ehemaliger Deputierter, spricht über die Aufgaben des Kongresses in Amsterdam im Sinne des Ver- treters von Bordeaux: Im französischen Parlament giebt� es nur eine Stimme: die ministeriellen Socialisten sind die schlimmsten Opportunisten. Von Verrat zu Verrat sind sie tiefer gesunken als die Bourgeoisparteien. Wo sind die von ihnen immer wieder verkündeten sociale» Reformen? Wo ist ihr gesegneter Einfluß auf die Regierung. da sie nicht einmal die Pariser Polizei zu bändigen im stände sind? Sie haben nicht einmal das Recht der freien Bewegung der Pariser Arbeiter auf der Straße durchzusetzen vermocht. Wir sind auch gewiß für Reformen, aber sie müssen erzwungen werden. Die Revolution kann von einem verelendeten Proletariat nicht gemacht lverden, aber sie ist nicht auf dem Wege der allmählichen Reform jn erreichen. Zur socialen Revolution wird die Bourgeoisie niemals rhre Zustimmung geben. Lafont/ Föderation der Lorraine, der Grenzdepartements Meurthc-et-Moselle und Meuse, betont den schloercn Stand der dortigen noch jungen. Organisation insbesondere gegenüber dem wütenden NattoilaliSinuS. Dieses Hindernis wird aber von ihr nicht umgangen, sondern direkt und schroff bekämpft. Wir in der Lorraine verherrlichen nicht die dreifarbige Fahne, wie Gabriel Deville das in Sedan gethan hat, wir rufen nicht, wie derselbe Dcville auf dem jauresistischen Kongreß von Saint Etienne:„Hoch Frankreich— und bannt genug!" Wir bekämpfen scharf den Patriotismus. Te Löon von der„Socialist Labour Party", mit lebhaftem Bei- fall empfangen, betont die Solidarität seiner Partei mit der P. S. de F. und bemerkt kurz, daß das amerikanische Proletariat in der socialen Revolution seinen Mann stellen wird: wie die amerikanische Bourgeoisie 177ö das Signal zur bürgerlichen Revo» lution in Frankreich gegeben hat, so wird das amerikanische Proletariat das Signal geben zur proletarischen Revolution in der ganzen kapitalistischen Welt. Rvubanowitsch, mit lebhaftem Beifall und Rufen:„Nieder mit dem Zaren!" empfangen: Die Partei der russischen Socialisten- Revoluttonäre hat es sich zur Ehre angerechnet, der Einladung der P. S. de. F. zum Kongreß Folge zu leisten. Es herrscht eine voll- ständige Jdeengemeinschaft zlvischen der socialrevolutiouären Partei Rußlands und Frankreichs, und das seit 30 Jahren. Desgleichen in Bezug auf den ostasiatischen Krieg. Wenn die französischen Ge» nassen mit Vaillant das Losungswort ausgeben:„Lieber den Lluf- stand als den Krieg!"— so deshalb, weil sie wußten, daß Rußland unfähig ist, dem„kleinen" Japan stand zu halten. Diese richtige Ansicht ist der P. S. de F. zunächst durch den wissenschaftlichen Socialismus eingegeben worden. Sodann sah sie die russische Niederlage voraus, wodurch Frankreich bedroht lvurde, in den Krieg verwickelt zu werden. Jetzt sehen wir bereits da? militärische Prestige des Zarenreichesj tief gesunken, und wir hoffen,_ daß der Zarismus im auswärtigen Krieg fallen wird. Aber Rußland er- lebt auch einen inneren Krieg, der von der svcialistischen Partei und nur von ihr geführt wird gegen den Äapitalwmus und den Absolutismus zugleich, da eS in Rußland keine cebolutiouäre Bourgeoisie giebt. Der socialistische Kampf stützt sich auf alle, sonalen Schichten in Stadt und Land, die sämtlich in einem Zustand der Empörung sich befinden. Gewiß bestehen bei uns verschiedene Fraktionen, aber niemand wird sagen können, daß irgend eine Fraktion nicht auf dem Bo�en des Klassenkampfes steht. Marx, EugelS und Lawroff haben uns de- socialismus gelehrt.— Zu den Attentaten übergehend, bemerkt Redner: Nur Unkenntnis der russischen revolutionären Bewegung kann behaupten, daß die Attentate Thaten einzelner Männer ivären. Wir antworten auf den Regierungsterror mit unsrem Terror. Ihr aber habt die Pflicht, uns zu unterstützen. Wir sind alle solidarisch im terroristischen Kampfe, der eine Er- scheinungSform des ständigen inneren Krieges ist.(Lebhafter Beifall.) Vorsitzender GheSquidre versichert den Vorredner der Solidarität der Partei mit den russischen Revolutionären: der Fall des Zarismus wird die Morgenröte der socialen Revolution in Europa sein. Es folgen noch Ansprachen des Bcrgarbeiter-Deputierten von Montceaux-leS-Mines B o u v e r i, der Genossin S o r g u e, des Maire von Jvry Rons seile, ferner von Delaporte, Drey« fuS-Bclfort, Mhreus, Abg. Constans, sowie von Lafargue und G u e s d e. Lafargue, mit Hochrufen empfangen: Der Sieg der Reaktion in Lille ist eine vorübergehende Erscheinung. Die Bourgeoisie hatte gleichfalls viele Niederlagen durchgemacht, ehe sie zum endgültigen Siege gelang. Die Leistungen der Partei in Lille sind unvergänglich. Unser Gemeinderat hat vor acht Jahren die Stadtfinanzen von der bourgeoisen Verwaltung in zerrüttetem Zustande über» nommen, in einem Zustande, der den verantwortlichen Maire ins Zuchthmls hätte bringen müssen, wenn die Justiz ihre Pflicht gethan hätte. Unsre Partei hat den Gemeinderat verlassen mit voll- kommen geordneten Finanzen. Dann bespricht Redner die Reformen deS socialistischen Gcmeinderates, besonders die Einrichtung von Schnlkantinen.— Die letzte Niederlage kann uns also nicht ent- mutigen. Wenn in Deutschland die socialdemokratische Partei seit 15 Jahren und mehr ununterbrochen von Sieg zu Sieg schreitet, so deshalb, weil sie nicht nur eine socialistische Partei, sondern auch eine allgemeine Oppositionspartei ist, hinter der sich alle unzufriedenen Elemente scharen. Das ist auch das richtige. Die socialistische Partei hat alle vorwärtsstrebenden Elemente der Nation zu vertreten. Unsre Lage in Frankreich wird sich in dem Maße bessern, wie die Partei zu einer solchen Vertretung wird. Der r u s s i s ch- j a p a n i s ch e K r i e g ist in dieser Hinsicht ein glück- liches Ereignis. Es ist ein Befreiungskrieg— auch für Frankreich. Wird Rußland geschlagen, was bleibt dann von der patriottschcn Verherrlichung der russischen Alliance, die uns stets zwischen die Beine geworfen wird? Es wird sich dann zeigen, daß wir die wahren Interessen Frankreichs vertraten, als wir gegen die Alliance kämpften. Ferner wird die russische Niederlage den Fall des Zarismus beschleunigen und damit den Staatsbankrott Rußlands. Die russische Revolution wird gewiß, wie die französische, den Bankrott erklären. DaS bedeutet aber für Frankreich infolge seiner Milliarden-Anleihen an den Zarismus den Ruin unzähliger klein- bürgerlicher Existenzen. Dann werden diese Geprellten des franko- russischen Patriotismus erkennen, daß die Socialisten in ihren Warnungen gegen die russischen Anleihen eine klare Einsicht be» wiesen haben. Ueberhaupt kann der Fall des Zarismus unmöglich ohne tiefe Folgen für den Westen bleiben. Dann werden wir uns nicht nur des Rathauses bemächtigen, sondern der politischen Macht und sämtlicher Produktionsmittel.(Lebhafter Beifall.) Jules Gueödc, mit lebhaftem Beifall begrüßt, schließt die Rednerliste mit einer wegen der borgerückten Stunde kurzen An- spräche: Mit Freuden habe ich konstatiert mit Euch allen die voll- ständige Uebereinstimmung der Ansichten in den Lieben der Vertreter aller Föderationen, der Vertteter von Stadt und Land. Die socia- liftische Einigkeit ist wieder hergestellt. Die Krise der letzten 4— S Jahre ist überwunden, die Krise des Socialismus, die dadurch herbeigeführt wurde, daß sich ehemalige Kameraden gefunden haben, Verräter ihrer Partei, die sich dazu her- gegeben, die Herrschaft der Bourgeoisie zu verlängern. Die Klassenkampf-Dottrin ist aus der Krise geläutert und gefestigt hervorgegangen. Wir waren früher hart wie Eisen, jetzt sind wir stahlhart. I» Amsterdam werden wir sehen, ob die gleiche Klä- ruug sich im Ausland vollzogen hat. Ich hoffe, daß die Lage sich überall im Vergleich mit 1900 geändert hat. Es ist mit den da- maligen Illusionen in Bezug auf die„neue Methode" vorbei. Die opportuniitische Phrasenmusik hat ihren Zauber verloren. Weil man 1900 nicht den Mut gehabt hat, den ministeriellen Sirenen zu widerstehen, hat sich die Krise seither aus alle Länder ausgebreitet und man mußte Gegenmaßnahmen treffen, so in Dresden und ebenso in Italien. Die auswärtigen Genossen werden also nach Amsterdam kommen in andrer Stimmung als nach Paris 1900. Daher ist zu hoffen, daß der Amsterdamer Kongreß sich entschieden auf den Boden der socialen Revolution stellen wird. Stürmischer Beifall.) Bracke, Parteisekretär fürs Aeußere, verliest folgende Be- grüßungSschreiben und-Depeschen: vom Internationalen socialistischen Bureau, von Ferri namens der itatienischen socialistischen Partei, von JglesiaS namens der spanischen, von der bulgarischen socia- listischen Partei und vom deutschen Parteivorstand. Erster VerhandlungStag. Der Kongreß tagt im großen Saale des Gewerkschafts« Hauses, der mit reichem roten Fahnenschmuck geziert ist. Vormittags-Sitzung. 10 Uhr. Vorsitzender: Delory, Beisitzer: Delaporte und Drion- Chapelle. Zunächst wird die MandatsprüfungS-Kommission gewählt. «uf G u e s d e s Borschfag wird eine Kommission betraut mit der Abfassung einer Sympathie-Adresse an die russischen Socialiste», an die italienische Partei. Aus Delorys Antrag wird die gleiche Kommission eine Adresse abfassen an die Opfer des Justizverbrcchens von Neuvilly und an die Arbeiter von Clnses und Cosomene anläßlich der dort von den Unternchniern verübten Arbeitennorde. Delorp schlägt vor, die Beiträge der Kammerfraktion an den Centralrat in der Weise fest zu regeln: die Fraktion soll IVO Fr. monatlich entrichten. Angenommen ohne Debatte. Die Berichte der Tepartcmcntsföderationen zeigen im allgemeinen eine zähe und erfolgreiche Agitations- und Organisationsarbeit. Als wichtigstes Hindernis wird vielfach die Aktion der ministeriellen Socialisten betont. Insbesondere im Norddepartement hat die Mit- gliederzahl seit der Mai-Niederlage sehr erheblich zugenommen, ebenso in Montlu?on. Im Gironde-Departenwnt sind die Ministeriellen im Rückgang, sie haben einige Gruppen nur in Bordeaux, während im Departement die organisierten Socialisten in Masse"der P. S. de F. beigetreten sind, besonders seit der Bankettrede von Jaurss in Lesparre, die durch ihren bürgerlich-radikalen Inhalt die proletarischen Elemente abgeschreckt hat. Im Pas-de-Calais macht sich eine anarchistische Strömung bemerkbar, eine Folge des Ministerialismus. Eine Ausnahmelage wird in Lyon gekennzeichnet: Die gründliche und erfolgreiche Reformthätigkeit des ministeriell-socialistischen Lyoner Maires, Augogneur, der viele kommunale Programmforderungen der P. S. de F. verwirklicht hat, hat bewirkt, daß die Lyoner Organisation sich gezwungen sah, in den letzten Gemeindewahlen mit der Augogncur-Liste gemeinsame Sache zu machen, nachdem ihr eine gerechte Anzahl Mandate ans dieser Lifte angeboten worden waren. Schluß der Sitzung IL'/z Uhr. Berliner partei-�Zngdegenbeiten. 6. Wahlkreis, Schöuhaiiser Vorstadt. Sonntag, den 14. August, feiern die Genossen der Schönhauser Vorstadt ihr Sommer'fest in den Lokalen I ä g e r h a n s, Schönhauser Allee 103, und Volksgarten, Schönhauser Allee 101/102, mit reich- haltigem Programm, Konzert, Radfahrer-Reigenfahren, turnerische Aufführungen, Feuerwerk, Kinderfackelpolonaise sowie theatralische Umzüge und Vorstellungen.(Siehe Inserat am Sonntag.) Zu zahlreichem Besuch der Genossen des 6. Kreises ladet ein Das Komitee. Pankow-Schönhausen. Sonnabend, den 13. August, nachmittags 4 Uhr: Großes Sommersest bei Ebersbach, Berliner- straße 102. Konzert, Specialitäten-Vorstellung, Tanz, Kinder- belustigungen. Eintritt 25 Pf. Zehlendorf. Am Sonntag, den 14. August, nachmittags b'/g Uhr, findet bei B e l l r i ch, Alsenstr. 80, eine V o l k s- V e r s a m m- I u n g statt. Referent Reichstags-Abgeordneter Dr. S ü d e k u m spricht über„Die Aufgaben der Socialdeinokratie in den Gemeinden". Diskussion. Verschiedenes. Rege Beteiligung erwartet _ Der Einberufer. Lokales* Sprceschiffcr. Wenn man von dem enormen Verkehr Berlins spricht, so denkt man gewöhnlichhin meistens nur an den gewaltigen Personen- und Frachtgüter- Verkehr, der durch die Eisenbahnen vermittelt wird. Ein aufmerksamer Blick auf die Spree und die mit ihr verbundenen Kanäle aber zeigt uns, daß auch der Klein- Schiffahrtsverkehr von und nach Berlin eine keineswegs zu unterschätzende Bedeutung in dem vielverzweigten Wirtschaftsleben der deutschen Reichshaupt- stadt erlangt hat. Zu Hunderten sieht man die Lastkähne, Zillen und Leichterfahrzenge eng aneinander gereiht an den verschiedenen Lösch- und Ladeplätzen der Hafcnbassins oder an den Liegestellen des Flusses und der Kanäle angetäut liegen, um ihres Ladegutes, das hauptsächlich aus Mauersteinen, Kies, Pflastersteinen, Holz oder Brettern usw. besteht, entledigt zu werden. Lange Schleppzüge oder auch Einzelfahrzeuge laufen nach Ost und West fortwährend ein und aus. Kurz, es ist ein äußerst reges Leben auf der Spree und ihren natürlichen und künstlichen Nebenwässern, und tausende �.fleißiger Hände sind thätig, die hier entstehenden Arbeiten zu bewältigen. Ja, Fleiß und Arbeit! Wenn irgendwo, so sind sie hier kennen zu lernen. Eine harte und schwere Arbeit ist's, die der Sprceschiffer zu Verrichten hat. Beobachten wir ihn einmal in seiner Thätigkeit. Langsam kommt ein Schleppzug zu fünf, sechs tief beladenen Lastkähnen die Oberspree hinab. Der Schiffer steht ruhig und gleichmütig an dem ungefügen Steuerruder, die Pfeife im Munde. Seine Frau sitzt auf Deck, das weiße Kopftuch zum Schutze gegen die sengenden Sonnenstrahlen weit übers Gesicht gezogen und macht eine weibliche Handarbeit, während der Schifferknecht oder Hilfs- mann mit der Reparatur irgendwelcher Schiffsgerätschaften beschäftigt ist. Wer so den Schiffer bei schönem Wetter dahingondeln sieht, glaubt meistens, wunder wie gemütlich das Leben auf solchem Kahn ist. Doch bald ändert sich das idyllische Bild. Die Stadt mit ihren Türmen und Brücken kommt in Sicht. Der Schleppdampfer tutet und legt bei: die Trossen werden losgeworfen und eingeholt! der Schleppzug löst sich auf. Jeder Kahn ist sich nunmehr selbst über- lassen, der eine muß die Spree hinunter, der andre in einem Kanal entlang, bis er seinen Löschplatz erreicht hat. Jetzt heißt es für den Schiffer und seinen Hilfsmann: anfassen, denn beide sind bei der Fortbewegung des schwer belasteten Fahrzeugs lediglich auf ihre eigne Körperkraft an- gewiesen. Die Frau stellt sich jetzt ans Steuer, und die beiden Männer ergreifen die„Kludstaken". lange Stangen mit einer Krücke oder einem Knopf am oberen Ende, die dann zu beiden Längsseiten des Kahns bis auf den Grund des Wassers gestoßen werden. Mit ganzer Kraft legen sich nun die Männer vornübergebeugt auf die Stange, den Knopf derselben fest gegen die Schulter gestemmt. In dieser Stellung gehen sie unter äußerster Anstrengung an den Bord- feiten entlang, so das Fahrzeug langsam vorwärts schiebend. Es ist dies eine außerordentlich schwere und anstrengende Arbeit, eine wahre Tretmühlenarbeit, die um so ermüdender wirkt, als sie bis- weilen stundenlang ohne Unterbrechung fortgesetzt werden muß. um den bielleicht noch eine Anzahl Kilometer weit entfernten Löschplatz rechtzeitig zu erreichen. Wer diese Arbeit als angemusterter Hilfsmann nicht gewohnt ist, der drückt sich in den erstcnTagendieSchulterund obere Brustseite braun und blau; später bilden sich dort dann handgroße Schwielen. Vielfach stehen nun an den Ufern der Kanäle zahlreiche Leute und sehen den Schiffern beim Staken zu. Die Vernünftigen unter ihnen wissen die schwere Arbeit der Schiffer sehr wohl zu würdigen. Leider giebt es aber auch eine große Zahl blasierter Nichts'thuer, die sich die Durchfahrt von Lastkähnen lediglich aus purer Langeweile anschauen, beim Anblick der hart arbeitenden Schiffer aber so gut wie nichts empfinden. Ja von ihrem er- habenen Standpunkte als geborne und privilegierte Faulenzer be- trachteten sie bekanntlich jede Arbeit wenn sie von andren verrichtet wird, auch die des Schiffers, als etwas selbstverständliches, der gesell- schaftlichen Ordnung durchaus entsprechendes. Ein geradezu schreiender Kontrast ist es, wenn man am Kanal entlang in das vornehme Westviertel kommend etwa einen Blick aus das Wasser und dann auf die„hochherrschastlichen Wohnungen" des Karlsbader-, Schönebergcr- und Liitzow-User oder der Königin Augustastraße wirft. Tort auf den plumpen Lastkähnen die schwer arbeitenden Schiffer, keuchend, schweißtriefend, abgemattet. Hier in den vornehmen Loggias und auf blumengeschmnckten Balkons Herren und Damen der„besten Gesellschaft" bei Wein und Whist, blasiert, gelangwcilt, angeödet. Wohl nirgends empfindet man den schroffen Gegensatz zwischen Fleiß und Faulheit so sehr wie in dieser Gegend, und es verschärft sich noch mehr in der Zeit, wo die Herrschaften von Berlin„Wild-West" in den Bädern weilen unk? man vorn Kanal her die heruntergelassenen Jalusien der Prachtwohnungen erblickt. Da zieht man unwillkürlich Vergleiche zwischen dem Leben der reichen Faulenzer und dem Leben derjenigen, die durch ihrer Hände Arbeit jenen die Mittel zu mühelosem Genuß erst verschaffen, ohne selbst Anteil am Genuß zu haben. Arbeitsbienen und Drohnen.— Liegt nun der Schiffer endlich ani Löschplatz, so erwartet seiner neue schwere Arbeit. Laufplanken werden gelegt und der Kahn löschklar gemacht. Schiffer und Hilfsmann spannen sich in eine plumpe Schiebkarre, die mit ungefähr 80—100 Mauersteinen oder mit einer Last Kies zc. beladen ist. Auf der meistens ziemlich steil zum Ufer aufwärts gehenden Laufplanke fällt es dem einzelnen Manne in der Regel zu schwer, die Karre allein vorwärtszubringen. Da hilft denn die Frau des Schiffers, indem sie dein Manne die Hände in den Rücken stemmt und kräftig mit vorwärts schiebt. So geht es ununterbrochen nur mit den notwendigsten Pausen bis der Kahn geleert ist. Erst dann gönnt sich der Schiffer ein wenig Ruhe, um dann nach kurzer Erholung sein Fahrzeug wieder in das größere Fahrwasser zurückzustaken und wenn möglich neue Ladung einzunehmen. Glückt alles, das heißt, ist Ladung da und sind Wind und Wetter halbwegs günstig, so schlägt sich der Kahnschiffer mit den Seinen leidlich durchs Leben, obwohl er unter der Konkurrenz der modernen kapitalkräftigen Fluß- und Schlepp- schiffahrts-Gesellschasten von Jahr zu Jahr mehr zu leiden hat. Der Einfluß des Kapitalismus auf die Klein- und Binnenschiffahrt hat denn auch bereits das frühere patriarchalische Verhältnis zwischen den, Schiffer und seinem Hilfsmann geändert. Auch sie stehen jetzt zu einander wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wenn auch die Gegensätze nicht so deutlich hervortreten wie etwa in einer Fabrik, weil hier, wie wir sehen, der„Arbeitgeber" nebst seiner Frau noch ebenso schwer arbeiten mutz wie der„Arbeitnehmer". Soviel ist aber sicher: Beide, der Spreeschiffer und sein Hilfsmann müssen ihr Brot in redlicher Arbeit sauer verdienen. „Bisuiarckwarten" sind in der letzten Zeit an verschiedenen Orten im Deutschen Reich errichtet worden. Sie sollen der Nachwelt das Andenken des Mannes überliefern, der das Schandgesetz gegen die Socialdemo- kratic auf sein Gewissen nahm und dann selber von der trotz alledem siegreich vordringenden Socialdernokratie zermalmt wurde. Die Dinger, die ihm seine Verehrer da auf Bergeshöhen hinbauen, sind meist so klobig, daß sie auf den Beschauer wie eine Brutalität wirken. ES ist aber nicht künstlerisches Unvermögen, aus dem dieser Bismarckwarten-Stil erwuchs. Er wurde vielmehr in bewußter Ab- ficht gewählt, weil gerade er das Wesen des„großen Kanzlers" am besten veranschauliche. Das kann am Ende stimmen, aber den Naturfreund muß es empören, daß diese plump aufgetürmten Stein- Haufen just dahin gestellt werden, wo sie durch den Gegensatz zu der Anmut ihrer Umgebung noch abstoßender wirken müssen. Auch Berlin hat jetzt seine Bismarckwarte. Sie ist selbst- verständlich nicht vor dein Königsschloß als ftcundnachbarlicher Schmuck errichtet worden, auch nicht im denkmalgesegneten Tier- garten, sondern ein paar Meilen weiter hinaus, in den Miiggel- bergen. Wer mal nach Friedrichshagen oder nach Grünau fahren will, der kann sich davon überzeugen, was für einen Kachelofen sie auf den Gipfel des großen Müggelberges gestellt haben. Er ist jetzt fersig und soll nächstens eingeweiht werden. Im September oder im Oktober wird zum erstenmal da oben das Feuer angemacht werden, das„weithin über die Lande leuchten" soll. Eigentlich sollte diese Berliner Bismarckwarte längst fertig sein. Der Plan dazu wurde schon vor Jahren gefaßt, aber freilich ließen sich die nötigen Moneten nicht so rasch zusammenbringen. Denn auch Bismarckverehrer sind krumm, wenn sie sich bücken. In der Verlegenheit kam man auf die Idee, den Turm so zu gestalten, daß er zugleich als ein Wasserreservoir für die Stadt Köpenick dienen könnte. Der Vorschlag wurde verworfen. Er war aber so übel nicht; denn dann hätte der Bismarckturm doch wenigstens einen vernünftigen Zweck gehabt. Um die noch fehlenden Baugelder zu beschaffen, wurde der Versuch gemacht, auch die Stadt Berlin zu einem offiziellen Beitrag heranzuziehen. Der Magistrat war auch bereit, einige Tausend Mark herzugeben, aber diesmal versagte die Loyalität des Kommunal- freisinns, und die Zussirnrnung wurde verweigert. Wenn von der Bismarckwarte der Miiggelberge das erste Feuer zum herbstlichen Abendhimmel auflodern wird, dann wird den Machern in ihren Freudenkelch ein Wermuts tropfen fallen. Es wird sich ihnen die bange Frage aufdrängen, wie und wann die Schulden bezahlt werden sollen. Wird es den märkischen Bisrnarck-Verehrern ein Trost sein, daß es kürzlich wenigstens an andrer Stelle geglückt ist, Berlinern ein Bismarckopfer abzuringen? Aus dem Ostseebad Herin gsdors, das ja in den Sommerferien fast ebenso von Berlinern überschwemmt ist. wie an Sonn- und Feiertagen Grünau und Friedrichshagen, wird uns gemeldet, daß am letzten Sonntag ein großes Fest statt- gefunden hat zum Besten der freiwilligen Feuerwehr und vor allem des Baufonds für den dort projeksierten Bismarck-Ehrenturm. Da dürfte es diesen gnictschigen Berlinern wohl weniger leicht ge- worden sein, die Taschen zuzuhalten. Wer im Badeort für voll gelten will, der muß schon die Veranstaltungen„zum Besten" dieser oder jener„guten" Sache mitmachen. Im übrigen waren die Genüsse, die den BiSmarck-Mußverehrem in Aussicht gestellt wurden, so verlockend, daß es gewiß nicht erst des Röttgens bedurfte. In der uns vorliegenden Festzeitung verspricht ein Bierlokal„Ausschank durch freundliche Hand". Von einer„Kaffeewirtschaft der lustigen Weiber von Heringsdorf" wird„aufmerksame Bedienung von zarter Hand" angekündigt. Ein„Cigarren-Jmporthaus zum Sarastro" annonciert sogar:„Auch ist es mir gelungen, die reizendsten Back- fische aus der See zu angeln und zur Bedienung meiner Kunden zu gewinnen". Nun also, was will man mehr l Angesichts solcher Genüsse sollte den Heringsdorfer Berlinern das Portemonnaie nicht lockerer geworden seink__ Aiissteiierstiftimg. Aus der Therese Wölfischen Stiftung sind an zwei in Berlin ortsangebörige unbescholtene Mädchen, von denen eines christlicher, das andre jüdischer Religion ist, je 600 M. als Aussteuer zu ihrer Verheiratung zu verleihen. Bewerberinnen haben ihre Gesuche bis zum 30. September d. F. bei der städtischen Stiftungsdeputation. Poststraße 16. Zimmer 48, einzureichen. Den Gesuchen sind beizufügen: 1. Der Geburtsschein; 2. eirn polizeiliches Führungsattest der Bewerberin sowie auch des Bräutigams der- selben; 3. ein Attest des Bezirksvorstebers über die Erwerbs- und Vermögensverhältnisse der Bewerberin und ihrer Eltern; 4. ein gleiches Attest über die Erwerbs- und Vermögensverhältnisse des Bräutigams und dessen Eltern. Die Aussteuer wird an die Benefiziatinnen nach erfolgter Eheschließung ausgezahlt. 25 000 Tote und Kuropatkin gefangen hatte der„Redakteur" Siedeleben. Neue Hochstraße 36, der seine Neuigkeit durch ein Extra- blatt verkündete und in den Straßen der Stadt ausbrüllte. Das Ertrablatt verkündete einen am 5. August stattgehabten Sttirm auf Port Arthur, bei welchen, die Japaner sämtliche Forts bis auf eins eroberten, dabei jedoch einen Verlust von 10 000 Soldaten erlitten, von den Russen waren gleich 15 000 gesallen. lieber Kuropatkin wußte der Extrablatt-Schwmdler aus Tokio zu melden, daß der russische Heerführer mit seinem ganzen Generakstab gefangen worden ist, fügte"jedoch vorsichtigerweise hinzu, daß die Richtigkeit seiner Meldung zu bezweifeln sei. Schließlich hatte der Extrablatt-Unter- nehmer noch die Mitteilung über die angebliche Verhaftung des srauzöfischen Konsularagenten in Niutschwang abgedruckt. Zu den Fleijchstcmpel-Fälschungcn. Die kriminalistische Untersuchung über die falschen Fleischstempel zieht noch weitere Kreise. Eine Reihe von Tierärzten der Unter- suchnngsstelle und des Schlachthofes wurden durch die Kriminal- Polizei vernommen. Dabei hat sich ergeben, daß in der Dircksen- straße vor der Markthalle auf Schlächterwagen Fleisch gefunden wurde, das krank und untauglich war, aber trotzdem den„amtlichen" Untersuchungsstempel trug. In einem Falle hob ein Tierarzt zufällig eine Decke hoch, die auf dem Wagen des Schlächtermeisters Finke ein Rinderviertel verhüllte. Das Fleisch war gestempelt, obgleich es mit eitrigen Abscessen versehen war. Das Fleisch wurde damals an» gehalten. Meister Finke, dem die Sache sehr teuer hätte zu stehen kommen können, zog sich dadurch aus der Verlegenheit, daß er ein- fach bestritt, Eigentümer des Rinderviertels zu sein. Er meinte, daß ihm das ungesunde Fleisch von einem ihm feindlich gesinnten Kon- kurrenten auf seinen Wagen geworfen worden sei. Man könne hieraus entnehmen, in wie umfangreicher und grober Weise die Täuschungen mit den falschen Stempeln betrieben wurden. Für die Tierärzte war eine Prüfung und Feststellung der unverantwortlichen Schmuggeleien um so schwerer, als sie nicht jeden Wagen an der Markthalle durchsuchen können, dazu auch nicht verpflichtet sind; dann aber weil die falschen Stempel sehr gut ausgeführt sind, so daß ihre Abdrücke von den amtlichen nur in den wenigsten Fällen zu unterscheiden sind. Der Schlächter Wiebccke aus Rixdorf, der gestern festgenommen und heute nochmals einem Verhör unterzogen wurde, hat jetzt ein umfassendes Geständnis Über den Absatz falscher Kautschuckstempel abgelegt, deren noch fünf bei ihm gefunden wurden. Wiebecke und Schalnat wurden heute dem Untersuchungsrichter zugeführt. Uebrigens ist in dem gestrigen Bericht an einer Stelle durch eine Verwechselung der beiden gleichlautenden Namen Korp und Koch dem letzteren Meister Unrecht geschehen. Nicht bei Koch, sondern bei Korp wurde der große Herd von Unrat entdeckt. Meister Koch hätte infolge der Verwechselung, die übrigens leicht zu erkennen war, heute morgen in der Markthalle von andren Fleischern beinahe die Prügel erhalten, die eigentlich dem gemeinten Korp zukommen. Zu einem erbitterten Kampf mit einem Wahnsinnigen kam es in der gestrigen Nacht in der Münzstraße. Ein Schutzmann bemerkte, wie ein etwa 30jähriger Mann einen großen Pflasterstein in die Schaufensterscheibe dcrMöbelhandlung von Sttelitz, Miinzstr.2 schleudert, wodurch die acht Quadratmeter große Scheibe total zerlriimmert wurde. Der Schutzmann wollte den Excedcnten festnehmen, fand jedoch nicht nur Widerstand, sondern wurde von dem vor Wut schreienden Mann thätlich angegriffen. Auch mit Hilfe von hinzu- kommenden Passanten gelang es nicht, den Rasenden zu über- wältigen, so daß der Beamte sich genötigt sah. Notsignal zu geben. Es kamen darauf noch drei Schutzleute hinzu, und nunmehr konnte der zweifellos Irrsinnige geknebelt und nach der Polizeiwache ge- brachr werden. Er wurde gestern früh nach der Irrenanstalt Übergeführt. Ein mifrcgcndes Rettnngswerk vollbrachte gestern nachmittag der Kapitän Stellmacher von der Stern-Gesellschaft. Als er mit dem fahrplanmäßigen Tourendampfer auf der Havel bei Sakrow vorbeifuhr, bemerkre er ein gekentertes Segelboot, dessen drei In- saffen sich am Bootsrande festgeklammert hatten. Der Kapitän fuhr sofort der Unfallstelle zu und es gelang ihm, mit Hilfe des Schiffs- Personals die Verunglückten, die die ihnen zugeworfenen Taue und Rettungsringe ergriffen, zu retten. Ucbcr einen Totschlag in einem Tanzlokale geht uns aus dem Dorfe Hirschfelde bei Strausberg folgende Mitteilung zu: Am Sonntag fand im Hirschfelder Gasthause öffentlicher Tanz statt, an welchem auch der Bauernsohn Otto Heller teilnahm. H. geriet mit einem Schweizer in Streit, verließ das Lokal, kehrte jedoch nach wenigen Mnutenmtt einem Messer in der Hand zurück. Da Heller als ein geivaltthätiger Mensch bekannt ist. befürchtete man, daß er den Schweizer angreifen werde, und verschiedene Personen umringten H., in der Absicht, ihm die Waffe abzunehmen. Heller schlug nun blind- lings mit dem Messer um sich herum und versetzte dem ihm zunächst stehenden, an dem Streit aber völlig unbeteiligten Großknecht Karl Scbeer zwei Messerstiche, deren einer das Herz traf und den augenblicklichen Tod des jungen Mannes herbeiführte. Heller wurde sofort verhaftet und nach dem AmtSgerichtsgefängnis in Strausberg gebracht. Durch Morphiumeinspritzungen getötet hat sich die 71jährige Schlosferswitwe Malwine Westphal aus der Gleimstraße 29. Die Greisin war seit 30 Jahren mit einem schmerzhaften Leiden behaftet und wandte dagegen ebenso lange die Morphiumspritze an. Sogar im Theater und in Konzerten, die die kunstliebende Frau häufig be- suchte, griff sie in den Zwischenpausen zu Einspritzungen. Infolge häufiger Anwendung der Spritze war die Frau W. an Armen und Beinen wie tätowiert. Endlich war das Maß voll: Frau W. starb nach einem zweitägigen Krankenlager. Tie Leiche wurde zunächst beschlagnahmt. Da aber ihre Oeffnnng Blutvergiftung durch Morphiumeinspritzung ergab, wurde die Tote gestern zur Beerdigung fteigegeben. Selbstmord. Am 8. d. Mts., vonnittagS gegen 10 Uhr, ist am Nordufer in der Nähe der Eisenbahnbrücke ein den besseren Ständen angehörender, ca. 50 Jahre alter Mann in selbstmörderischev- Absicht in den Berlin- Spandauer Schiffahrtskanal gesprungen und ertrunken. Die Leiche konnte bisher nicht gefunden werden. Der Unbekannte war bekleidet mit schwarzem Gehrockanzug, trug flachen, weihen Strohhut und Kneifer. Etwaige Mitteilungen werden von den Polizeirevieren und der Kriminalpolizei zur Jonrnal-Numnier 7308 IV/27. 04 entgegengenommen. Beim Baden ertrunken ist der Arbeiter Jäntsch au§ Nieder- Schöneweide, der vorgestern abend gegen 11 Uhr in der Nähe des Klubhauses„Wikking" in der Spree ein Freibad nahm. Gestern früh wurde die Kleidung des Arbeiters am Ufer aufgefunden. Hu9 den Nachbarorten. Pankow. Die Gemeindevertretung beschloß die Auf- nähme eines bereits im Etat festgelegten Darlehns in der Höhe von 630 000 M. für die Zwecke der Umwandlung des Klärverfahrcns in Ricselbetrieb, nämlich für die Ausarbeitung des Projektes 4500 M., zur Herstellung einer Druckrohrleitung von der Pumpstasion nach dem Ricsclgule Mühlenbeck einschließlich des Standrohrs 385 000 M., für die Herrichtung von 80 Hektar Gutsterrain zu Rieselland 85 000 M., zur Errichtung einer neuen Pumpstation einschließlich des Erwerbes des erforderlichen Grundstückes 150 000 M., Beschaffung der erforderlichen Maschinen und Druckpumpen 60 000 M. Das Darlehn wird bei der Ober-Barnimer Kreis-Spar- lasse aufgenommen und mit 3-/, Proz.. verzinst. Die Gemeindevertretung nimmt Kenntnis von einem Schreiben der Großen Berliner Straßenbahn, in welchem dieselbe mitteilt, sie könnte den Endpunkt der Linie 48 zur Zeit nicht nach Pankow vcr- legen und ersuche, den zweigelcisigen Ausbau der Schloßstraße nicht davon abhängig zu machen. Die Vertretung beschließt, nur unter der Bedingung den zweigeleisigen Ausbau vornehmen zu lassen, daß die Linie 43 in Pankow hält. Die Klage Pankows gegen Rosenrhal. welches sich weigerte, das Druckrohr über den Dalldorfer und Liibarser Weg legen zu lassen, ist zu Gunsten Pankow? entschieden. Gleichzeitig scheinen die Rosenthalcr z» fürchten, daß sie von ihrer Eutschädigungssorderung in der Hohe von 60 000 M. gar nichts be- kommen, denn sie lassen nunmehr durch den Landrat vermitteln, welcher dorschlZgt, Rosenthal 15 000 M. zu bewilligen. Der Vorschlag wurde einstimmig abgelehnt.— Die bürgerlichen Vertreter beschwerten sich über die mangelhaste und falsche Berichterstattung des„Lokal- Anzeigers", der neuen„Vorort-Zeitnng" und der„Pankower Zeitung", uiid wünschten, dah die Kommissionsfitzungen überhaupt nicht veröffentlicht werden sollten, da nur die Gesamtheit Beschlüsse zu fassen habe und die Kommissionen der Vorberatung dienen. Von unsrer Seite wurde gegen den Antrag gesprochen und betont, daß die Gemeinde ein Recht hätte, zu wissen, was ihre Vertreter verhandeln und beschließen. Es wurde beschlossen, daß nur dann von den Arbeiten der Kommission die Oeffentlichkeit erfahren solle, wenn die betreffende Kommission es selbst wünscht. Neu-Weißensce. Die Gemeinde-Organe der Kirchcngemeinde Weißensee haben beschlossen, für das Rechnungsjahr 1904 eine Um- läge mit 12 M. vom Hundert der Staats-Einkommenstener unter Freilassung der Einkommen bis 1200 M. zu erheben. Als Fälligkcits- Termin gilt der 1. September 1904. Diese Umlage wird nur einmal im Jahre und zwar gleich im vollen Jahresbetrage erhoben. Von dem Ertrage werden bezahlt: Kosten für die Synoden und die Provinzialkirche 243,05 M., Kosten für den landeskirchlichen Witwen- und Waisenfonds 3909,95 M., Entschädigung der Stolgebühren für die Küsterei 721,49 M., Kosten für die Gottesdienste in der Bethanien- kirche 3080 M., Unkosten der Steuererhebung dieser Umlage, 4 Proz., 331,20 M., Aufstellung der Hebelisten 120 M., zur Deckung von Ans- fällen 154,31 M. In Summa 8560 M.— Wer zu diese» Kosten nichts beitragen will, veranlasse seinen Austritt aus der Landeskirche. Nixdorf. Die W ä h l e r I i st e zu den Stadtverordnetenwahlen liegt vom 15. bis 30. August wochentäglich von 8—3 Uhr, Sonn- tags von 3—10 Uhr vormittags im Nathanse, Erkstr. 29, 1 Treppe, Zimmer 11 sWahlbureau) zur Einsicht der Wahlberechtigten öffentlich ans. Es versäume daher niemand, sich von seiner Aufnahme in die Liste zu überzeugen, da dieselbe für die ini November dieses Jahres stattfindenden Stadtverordnetenwahlen maßgebend ist.— In der Wahlliste sind insgesamt 13 543 Wähler verzeichnet, wovon 16 802 auf die dritte, 1635 auf die zweite, und III auf die erste Ab- teilung entfallen. Der Durchschnittsstenerbetrag pro Kopf der Wahl- berechtigten beläuft sich auf 90,81 M. Der letzte Wahlberechtigte der ersten Abteilung zahlt 1431,40 M., derjenige der zweiten Abteilung 91,20 M. Steuern. Eine Erholungsstätte für Lungeir kranke will der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Rixdorf im nächsten Frühjahr in der Königsheide errichten.— Auf dem Tempel- hoser Felde gefleddert wurde der Arbeiter Karl Kaufmann aus Rixdorf. Er hatte sich in der Mittagstunde zu einem Schläfchen niedergelegt und diese Gelegenheit benutzte ein Dieb, ihm Uhr und Kette zu stehlen. Schöncbcrg. Wie alljährlich, so gelangt diesmal die Lifte der stimmfähigen Bürger in den Tagen vom 15. bis einschließlich den 30. Aiigiist zur Auslegung, und zwar wochentags von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, an den Sonntagen von 11— 1 Uhr. Die Wählerlisten liegen diesmal nicht im Rathaus, sondern im Bureau des S t a t i st i s ch c n Amtes, B a h n st r. 1/2, drei Treppen, Zimmer 34, zur Einsicht ans. Die Parteigenossen werden wiederholt die Erfahrung gemacht haben und eS hat sich dies auch wieder bei den jüngsten Stadtverordneten-Wahlcn gezeigt, daß die einzelnen aufgewandten Opfer leider oft vergeblich gewesen sind, indem mancher bei der Stimmabgabe erfahren mußte, daß er nicht in der Wählerliste verzeichnet stand und so seines einzigen Rechtes verlustig ging, znm Schaden unsrer Partei. Darum Partei- genossen. seht beizeiten die Wählerli sie nach.— Wie herrlich dieses kommunale„Wahlrecht" beschaffen ist, zeigt ein Blick auf die Höhe des Steuersatzes, den diese Klasseneinteilung mit sich bringt. Um Wähler der ersten Klasse zu sein, muß man m i n d e st e n s einen Steuerbctrag von 830 M. zahlen— zu dem jedoch nur wenige herabgesunken find, die Mehrzahl ist bedeutend höher veranlagt—; von der genannten Summe an bis herab zu 154,40 M. müssen diejenigen Steuerpflichtigen zahlen, die wenigstens in die zweite Klasse gehören wollen, und alles, was darunter ver- anlagt ist— und das sind etwa 90 Prozent der gesamten Wähler— muß, sich mit der dritten Klasse begnügen, die natürlich zusammen nicht mehr Rechte hat oder Vertreter ins Stadt- Parlament senden kann, als jede der beiden ersteren Klassen. Die Gesamtsumme der die drei Abteilungen bildenden Stenern beträgt 2 953 804 M. Zum Konkurse der Wohnungs- Genossenschast Damenheim, die infolge der Verfehlungen ihres einstigen Direktors Kurze zusammen- gebrochen ist, schreibt das„Schöneberger Tageblatt", daß sämtliche Grundslücke der Genossenschaft jetzt nach und nach zur zwangsweisen Versteigerung kommen. Eines der Terrains. Akazienstraße 5, wurde dieser Tage meistbietend für 3l5 000M. verkauft. Bei einem in der Hauptstraße gelegenen Grundstücke mußte daS Verfahren wegen Nicht» erreichnng des McistgeboteS eingestellt werden. Ein größeres Schadenfeuer wütete vergangene Nacht auf der Domäne Dahlem bei Steglitz. Dort gingen gegen Vsl2 Ahr zwei große mit Getreide gefüllte Scheunen in Feuer auf. Eine mächtige Feuersäule schoß znm nächtlichen Himmel empor und in kurzer Zeit hatte sich das entfesselte Element, das in dem trockenen Getreide reichliche Nahrung fand, über beide Gebäude verbreitet. Als die Steglitzer Wehr, die man zur Hilfe gerufen hatte, eintraf, war an ein Retten der Scheunen nicht mehr zu denken. Dagegen richtete sich die Aufmerksamkeit auf den in der Nähe befindlichen Vichstall, in dem 60 Stück Rindvieh untergebracht sind. Die massiven Umfassungsmauern waren bereits derartig erhitzt, daß das daran gespritzte Wasser heftig aufzischte. Ucberhaupt hatten die Feuerwehrleute unter der gewaltigen Hitze viel zu leiden und konnten nur unter deni Schutze vorgeschobener Thüren ingenügendeNähe kommen, um die Wasserstrahlen in das Feuer zu richten. Dem Leiter der Löschaktion, Oberführer Dnbbert- Steglitz, stellte das Groß-Lichterfeldcr Garde-Sckützcnbatallion ein Feuerpiquet zur Ver- fügung; ferner waren neben der Steglitzer die Wehren aus Schmargendorf, Grunewald, Zehleudorf. Friedenau, Groß-Lichter- felde, Halensee, Wilmersdorf, der Neuen Photographischen Gesellschaft- Steglitz. Lankwitz und Britz an der Brandstätte erschienen. Die beiden Scheunen sind vollständig niedergebrannt, nur von einer stehen noch die massiven Umfassungsmauern. Man vermutet Brand- stiftung. Obcr-Schöncweide. Die am Dienstag stattgefundene Gemeinderats- sitzung erklärte die Wahl des Genossen Kaufholt als Ansässiger für u n g n l t i g. Nach der Ansicht des kommissarischen Gemeindevorstehers, Rechtsanwalts Bergmann, wäre Kaufholt— der Teilhaber eines unbebauten Grundstückes ist und in dieser Eigenschaft ca. 10 M. an kommunale r Grundwertsteuer zahlt— nicht Ansässiger im Sinne des Gesetzes, da für diese Voraussetzung die vom Staate veranlagte, jetzt nicht mehr erhobene Grund- und Gebäude- steuer in Ansatz käme in der Höhe von mindestens jähr- lich drei Mark. Fragliches Grundstück sei aber nur mit sechs Pfennigen veranlagt. Es entspann sich hierüber eine erregte Debatte. Genosse G r u n o w führte aus, daß man gar nicht Jurist zu sein brauche, um den maßgebenden klaren Wortlaut der Landgemeinde-Ordnung in dieser Frage definieren zu können, und dieser fordere klipp und klar die Entrichtung von drei Mark Grund- oder Gebäudesteuern. Ueberdies besage ein Kommentar des Gesetzes, daß nur in solchen Gemeinden, welche keine lonimur. ale derartige Steuer erheben, die vom Staate veranlagte als Maßgabe gelte.— Aber es galt hier, den Socialdemokraten ein Mandat abzujagen und deshalb wurde für llngiiltigkcit erkannt. Bemerkt fei noch, daß auch die katholischen Gcmcindcwähler gegen die Wahl Protest erhoben haben aus Gründen, ivelche gar nicht gewürdigt wurden. Gegen den Beschluß der Gemcindeverttetung wird Klage erhoben werden, und man darf auf den Ausgang gespannt sein. Schcnkcndorf bei KönigS-Wnsierhaustn. Am Sonntag veranstaltete der socialdcmokratische Wahlverein S ch e n k e n d o r f und llmgegend sein erstes Sommerfest. bestehend in Konzert, Kinderbelustignngen und Fackelzug, welches trotz der anfangs ungünstigen Witterung von ca. 300 Genossen und Gästen besucht war. Genosse Reichstags- Abgeordneter Fritz Z n b e i l hatte in liebenswürdiger Weise die Festrede übernommen und uns dadurch unser Fest verschönern helfen. Zunächst richtete er eine herzliche Ansprache an die ca. 200 Kinder, welche sich an dem Fackelzug beteiligten, wobei er sie zum Gehorsam gegen Eltern und Lehrer, zum Fleiß in der Schule anfeuerte. Die vom Genossen Znbeil angestimmten Lieder wurden von den Kindern mit Begeisterung gesungen. Danach hielt Genosse Zubeil die Fest- rede, welche nnt Begeisterung aufgenommen wurde und mit einem Hoch auf die Socialdemokratie schloß.— Für Abwechselung sorgte auch der Humorist Herr Schmeltzcr-Berlin durch heitere, dem Verein passende Vorträge. Ein gemütliches Tanzkränzchen hielt die meisten Festteilnehmer bis zum hellen Morgen beisammen. Spandau. Die„Milchfrage", d. h. die Frage der Beschaffung von einwandsfreier S ä u g l i n g s m i l ch, bereitet den städtischen Körperschaften seit gerannier Zeit einiges Kopfzerbrechen. In den letzten Jahren find in Spandau eine große Anzahl Molkereien er- richtet worden(zur Zeit bestehen etlva 35), jedoch die von diesen ihren Abnehmern gelieferte Milch ist von streng gesnndheitlichein Standpunkt durchaus nicht unbedenklich, da diese Molkereien fast ausnahmslos keine Trockenfütterung durchführen, sondern die Milch- kühe zumeist mit dem von den Charlottenburger Rieselfeldern stammenden Grünfutter, Rüben zc. füttern. Die städtische „Gesundheitskommission" hat in dieser Beziehung Erhebungen an- gestellt, was zu dem Gerücht Anlaß gab, die Stadt beabsichtige eine st ä d t i s ch e Molkerei zu eröffnen. Leider ist aber hieran bei dem hinlänglich bekannten Standpunkt der städtischen Körperschaften in derlei Fragen nicht zu denken. Immerhin aber soll die Absicht bestehen, eine oder mehrere Privatmolkereien eventuell zu subventionieren, sofern sich ihre Be- sitzer verpflichten sollten, in ihren Kuhställen streng die Trocken- fütterung anzulvenden und in eine Kontrolle seitens städtischer Beamten zu willigen. Dem Publikum soll auf diese Weise eine gewisse Garantie dafür geboten werden, daß dasselbe aus diesen Molkereien eine allen hygienischen Anforderungen entsprechende Sänglingsmilch erhalten kann._ Gerichts-Zeitung. Eines verschmitzten Betruges war der Schornsteinfeger Karl Drenkhaus beschuldigt, welcher gestern vor der zweiten Ferien- strafkammer des Landgerichts I stand. Der Angeklagte hatte er- fahren, daß der Eigentümer eines Hauses in der Oranienburger- straße dieses durch den Vicewirt verwalten ließ, während er selbst in Schöneberg wohnte. Am 27. April d. I. begab Drenkhaus sich zu dem Vicewirt, stellte sich als Schornsteinfeger vor und gab an, daß er von dem Eigentümer beauftragt sei, das Dach des Hauses nach- zusehen. Der Vicewirt wußte zwar nichts von einer Schadhaftigkeit des Daches, fand aber in dem Auftrage nichts Auffälliges. Der An- geklagte stieg aufs Dach und hielt sich oben eine Zeit lang auf. Als er dann wieder herunter kam, übergab er dem Vicewirt eine Quittung über erhaltene 7 M. 50 Pf., die auch bezahlt wurden. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß die ganze Sache Schwindel lvar. Es gelang, den Thäter zu ermitteln. Da der Angeklagte schon vielfach vorbestraft ist, so wurde dieser Betrug mit einer Ge- fängnisstrafe von nenn Monaten geahndet. Eine Anklage wegen Störung des Gottesdienstes wurde gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II gegen den 58jährigen Cigarrenmachcr Christian Lücke verhandelt. Der Angeklagte hielt sich im Dezeniber v. I. in Köpenick auf. In der dortigen evangelischen Kirche fand kurz vor Weihnachten ein KindergotteSdiensi statt. Während der Predigt des Pastors Wolf hatte sich der ziemlich stark angetrunkene Angeklagte Eingang in die Kirche verschafft und ging nun, stark taumelnd, den Mittelgang entlang. Dann blieb er stehen und ahmte nun in verschiedener Weise die Beivegung des auf der Kanzel stehenden Geistlichen nach, insbesondere machte er mit ausgebreiteten Händen die Bewegungen eines den kirchlichen Segen spendenden Predigers nach. Infolge dieser häßlichen Scene unterbrach der Pastor seine Rede. Als der Kirchendiener den Angeklagten auf- forderte, die Kirche zu verlassen, warf dieser sich zu Boden und nur mit größter Anstrengung konnte er entfernt und der Polizei über- geben werden. Vor der Strafkammer gab der Angeklagte den ge- schilderten Sachverhalt zu und entschuldigte sein Benehmen nur mit Angettunkenheit. Der Staatsanwalt wollte die gemeine Aus- schreitung mit einer Gefängnisstrafe von 3 Wochen geahndet wissen, das Urteil des Gerichtshofes lautete auf 2 Wochen Gefängnis. Vermischtes. Friedrich Ratzel t. In Ammerland am Starnberger See, wo er Linderung seines Herzleidens suchte, ist gestern Friedrich Ratzel am Herzschlage gestorben— ein schwerer Verlust fiir die deutsche Wissenschaft; denn die Erd- und Völkerkunde verliert in ihm einen ihrer bedeutendsten Führer, der nicht nur in seinen Fachkreisen, sondern in der ganzen gebildeten Welt sich als Geograph, Ethno- graph und in gewissem Sinne auch als Sociologe einen glänzenden Ruf erworben hat. Ratzel hat seine Lausbahn als Journalist be- gönnen, und auch später noch trieb es ihn, wenn neue bedeutende Forschungsergebnisse auftauchten, diese in kurzen, populären Artikeln durch die Presse einem weiteren Lesepublikum bekannt zu geben, als ihn wissenschaftliche Fachzeitschriften besitzen. Am 30. August 1844 in Karlsruhe lVadcn) geboren, wurde Ratzel erst Apotheker, studierte aber dann in Karlsruhe, Heidelberg, Jena, Berlin, Moni- pellier Naturwissenschaften, besonders Zoologie, und darauf in München Geographie und Geologie. Nachdem er 1868 in Heidel- berg zum Doktor promoviert hatte, unternahm er gewissermaßen als geographischer und ethnographischer Berichterstatter der„Köln. Ztg." ausgedehnte Reisen durch verschiedene südeuropäische Länder, sowie durch Nordamerika und Mexiko. 1876 folgte er einem Ruf als Professor an die Technische Hochschule zu München, übernahm 1882 bis 1884 die Redaktion des„Auslands", der bekannten Wochenschrift für Erd- und Völkerkunde, die vor einigen Jahren mit dem„Globus" verschmolzen worden ist, und siedelte dann nach Leipzig über, um an der dortigen Universität sein Lehramt als Professor der Erdkunde anzutreten: eine Stellung, in der er bis an sein Lebensende ge- blieben ist. Die Zahl seiner Werke, die bei aller Wissenschaftlichkcit durchweg allgemeinverständlich geschrieben sind, ist sehr beträchtlich. Hervor- zuheben sind: seine.�Wandertage eines Naturforschers" und seine „Städte- und Kulturbilder aus Nordamerika", in welchen er die Beobachtungen und Studiencrgebnisse seiner amerikanischen Reifen niederlegte, ferner das Werk„Die Vereinigten Staaten von Nord- amerika", seine„Anthropogcographie" und„Politische Geographie". Am populärsten aber hat seinen Namen wohl seine 1385— 88 erschienene dreibändige„Völkerkunde" gemacht(1894 neue Ausgabe in 2 Bänden). Mehr für Fachkreise bestimmt sind seine ischriften: „Das Meer als Quelle der Völkcrgrößc",„Der Lebensraum" und „Die Erde und das Leben", in der er seine Theorie, daß die Lebens- Verhältnisse der Völker durch das geographische Milieu bestimmt seien, zu beweisen suchte. Ter Spuk in Neustettin. Aus Neustettin wird dem Stcttiner „Volsboten" folgende amüsante Historie berichtet, für deren Wahr- heit der Einsender einsteht: In der Nähe von Neustettin liegt schön gelegen ein größeres Gut, das sich neben andern schönen Sachen auch eines Spukes zu erfreuen hatte. Eine ganz eigentümliche Art von«puk war es. welche das Mädchengclaß unsicher machte. Dieses Mädchengeiaß bestand für die vier Mädchen aus einer Stube und Kammer, letztere führte den schönen Namen„Ritterburg". Es war bekannt, daß diese Mädchenzimmer fast allnächtlich von dem Spuk heimgesucht wurden und der Spuk dadurch seine Anwesenheit kund- gab, dah in dem Zimmer ein donnerähnliches Geräusch, als ob jemand mit einem schweren Gegenstand schlug, zu hören lvar. Manchmal blieb der lärmende Gast in dem ersten Zimmer, manchmal verschwand er in der Ritterburg, wo er dann nach einer kleinen Weile herauskam und durch die Stubenthüre endgültig verschwand. Ein ganzer Sagenkreis hatte sich schon um diese Geistererscheinung verbreitet, mancher wollte ihn ohne Kopf gesehen haben, ein andrer behauptete fest und steif, er habe deutlich Sporen klingen hören. Was Wunder, wenn neu zuziehende Mädchen mit Zittern und Zagen an die erste Nacht ii. der Schlafstube dachten. Sobald sie ihre Kolleginnen nach der rätselhaften Erscheinung fragten, so lautete die Antwort stets:„Ihr werdet ja sehen!" So stand die Sache, als Schäfers Hanne aus dem Nachbardorf auf dieses Gut als Stubenmädchen zog. Auch ihr hatte man von dem Spuk erzählt, und zwar Geschichten, die bei einem normalen Menschen richtige Gänsehaut hervorriefen. Ich sagte, normalen Menschen, Hanne war nämlich nicht für normal angesehen, denn erstens glaubte sie an keinen Spuk und dann sollte sie einmal behauptet haben, daß nicht der liebe Gott die Erde geschaffen, sondern dieselbe auf eine ganz andre Art entstanden sei. Einen Gott gäbe es nicht. Dazu hatte sie den andächtig Zuhörenden ein langes und breites erzählt, was sie nicht verstanden. Seitdem bekam sie den Spitznamen:„Die gelehrte Hanne", und dieser Grund war es auch, um dessentwillen das äußerst resolute Mädchen nicht für normal angesehen wurde. In der Ritterburg sollte Hanne die erste Nacht zubringen. Zu- fällig war ihre Schlafgenossin die erste Nacht abwesend und so mußte sie allein in dem Zimmer schlafen. Es mochte 11 llhr fein, als Hanne aus ihrem Halbschlummer gestört wurde; sie hatte deutlich die Thür gehen hören. Mit einem Male gab es einen Knall. Hanne erschrak, faßte sich aber gleich, als sie bemerkte, daß ihre Kammerthür aufgemacht wurde und sich schleichende Schritte ihrem Bette näherten. Tann kam es ihr vor, als ob eine weiche Menschen- Hand ihr übers Gesicht fuhr. Ein Ruck, dann saß sie aufrecht im Bette, um abzuwarten, was nun geschehen würde. Nun wollte die Geistererscheinung ihr die Decke wegziehen und gestattete sich dabei recht derbe Handgreiflichkeiten, was unsre„gelehrte Hanne" dadurch abivehren wollte, daß sie nach der ötichtung, in der sie den Spuk vermutete, zuschlug. Es klatschte; sie hatte also getroffen. „Donnerwetterl" tönte es halblaut aus dem Gcistermunde.---— Die Hanne war starr. Konnte denn ein Spuk sprechen? Sie wartete, was jetzt weiter kommen würde. Da hörte sie dann im schönsten Hochdeutsch Schmeichelworte, Versprechungen, und durch ihr Schweigen kühner gemacht, wurde der Spuk wieder handgreiflich. Mit einem Satz war sie ans dem Bett. Auf dem Tisch stand eine Schüssel mit Grütze, diese ergreifen und sie dem Spuk ins Gesicht gießen, war das Werk eines Augenblicks. Ein Ton, wie ihn ein Ertrinkender ausstößt, wird hörbar. Resolut nimmt die gelehrte Hanne die Schüssel und schlägt sie dem Spuk auf dem Kopf entzwei. Der Spuk will sich wehren, Hanne geht aber endgültig zum An- griff über. Der Spuk versucht sie niederzuringen; Hanne fängt an zu kratzen und zu beißen. Jetzt schlägt er mit der Faust auf sie los, sie greift zum Stuhl und nun bläst der Spuk zum Rückzug. Er flieht durch die Thür, verfolgt von der Siegerin..... Am andern Tage erzählte man sich, daß der Spuk doch Sporen trüge und gewöhnlich„junger Herr" genannt werde. Singegangene vrucksckriften. Annale» des Deutschen Reichs für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft. Nr. 8. Herausgegeben von Dr. Karl Theodor Ehebcrg und Dr. Anton Dvroff. Inhalt: Zur Würdigung des Erbbaurechts von Dr. Paul Oertmann. Nochmals die Oldcnburger Thronfolgesrage»on Dr. Herrn. Rehm. Die Auseinandersetzung zivifchen den Handelskammern und der Handwerksorganisation von I. Kuckuck. Das Vermögen von Dr. jur. Fritz Berolzheimer. Zur Frage der obligatorischen Alobiliarbrandversicherung und deren Verstaatlichung mit besonderer Berücksichtigung des GroßhcrzogtumS Hessen, von Regierungsassessor Dr. Köbke. Beitrag zur Geschichte des bayr. Stnatsschuldenwesens von Karl Seifert. Skizzen und Notizen. Aus den Gesetzblättern. MiScellen. Jährlich 12 Hefte. Halbjährlicher AbonnementS- preis 8 M. 12 Hefte bilden einen Band. Verlag I. Schweitzer(Arthur Sellicr), München._ Bneffuften der Redahtton. G. W. 1904. Wir bitten um Ihren Besuch zwischen 11 Uhr vor- mittags und 3 Uhr nachmittags. �irnftifchei- Ceti, Tie luristischc Tprcch stunde finde» täglich mit Ausnahinc de? Sonnabends von t'l, bis»'/, Uhr abends statt,(«eöffiict: 7 Nbr. Nt. M. Ihnen kann wegen der angeführten Delikte die Konzession versagt werden, nicht aber Ihrer Frau.— Caniphanscnstr. 4. Sie können gegen den Wirt auf Befreiung von dem Lärm, gegen den Mieter auf Unterlassung deS Lärms beim Amtsgericht klagen. Die von Ihnen ge- meinte Eingabe ist an das Polizeipräsidium zu richten.— Schulz, Zossen. Sie können eine Strafanzeige au die Staatsanwaltschast wegen Bedrohung richten; viel Erfolg wird sie leider kaum haben.— SP. 42. Die preußische Gesetzsammlung.enthält die preußischen Gesetze. Die Gesetzsammlung er» halten Sie läuslich durch einen Buchhändler und können sie in den össent- lichen Lesehallen einsehen.— Standesamt 100.§ 193 bezieht sich nicht aus das Personenstands- Gesetz. Berusung wäre zwecklos. — Br. S. Das können Sie halten wie der Pfarrer Aßmann. Der that, wie er wollte. Am praktischten ist es auszurechnen und die Ausrechnung Ihrem Gläubiger mitzuteilen, daniit die Differenz mal erledigt wird.— A. K. Sie müssen das Armenrecht erwirken und aus Grund desselben klagen. Ob Ihr Anspruch berechtigt ist, ergiebt Ihre Schilderung nicht.— Wahlvereinsmitglied. Seite 359 bis 362 des in den öffentlichen Lese- hallen ausliegendcn Arbeiterrechts finden Sie den Kreis der unpsändbaren Gegenstände dargelegt.— A. O. M. Wird nach dem Bürgerlichen Gesetz» buch geerbt, so erhält die kinderlose Witwe die Hälste des Nachlasses und als voraus alle Gegenstände, die zum ehelichen Hausstand gehört haben, und die Hochzeitsgcschcnke. Wird nach märkischem Recht geerbt, so ist die Teilung eine andre. Wie in Ihrem Falle die Ver- hällnisse liegen, ergiebt Ihre Anfrage nicht.— Th. V. 8. Nein. — Robert. 1. bis 3. Geisteskranke können ein gültiges Testament nicht errichten: eine Vertretung zwecks Testamentsmachung gicbt es nicht. 4. Ihre Ansicht, daß Sie in Gütergemeinschaft gelebt haben, dürfte eine irrige sein. Haben Sie nach dem 31. Dezember 1899 geheiratet oder vordem, aber in einem nicht gülcrgemeinschastlichcn Teil Deutschlands und haben Sie nicht etwa einen Gütergemeinschastsvcrtrag geschlossen, so leben Sie außerhalb Gütergememschast. Wiederholen Sic die Frage, wie die lcstamentSlos und kinderlos verstorbene Frau beerbt wird unter Darlegung: Wann ist die Heirat geschlossen? Wo? Wo war der erste Wohnsitz nach der Heirat? Liegt ein Ehevcrwag vor?_ Wasserstand am 9. August. Elbe bei Aussig— 6,84 Meter, bei Dresden— 2,18 Meter, bei Magdeburg-p 0,07 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt— Meter.— Oder bei Ratibor ff- 0,50 Meter, bei Breslau Ober-Pegel ff- 4.14 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,86 Meter, bei Franksurr+ 0,20 Meter.— Weichsel be! Brahcinünde-ß t,70 Meter.— Warthe bei Posen— 0,22 Meter.— N e tz e bei Usch+ 0,25 Meter. Marktpreise von Berlin am 9. August. Nach Ermittelungen des kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Centucr: Weizen*'), gute Sorte 17,70-17,66 M., mittel 17,62-17,58 M., geringe 17,54—17,50 M. Roggen"), gute Sorte 14,00—13,99 M., mittel 13,98—13,97 M., geringe 13,96-13,95 M. Futtergerste'), gute Sorte 14,80-14,10 M.. mittel 14,00 bis 13,30 M., geringe 13,20-12,50 M. Haser'), gute Sorte 16,40-15,70 M., mittel 15,60—15,00 M., geringe 14,90—14,30 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-28,00 M. Spciscbohnen. weiße 50,00-26,00 M. Linsen 60.00—25,00 M. Kartoffeln, neue, 12,00-8,00 M. Richtswoh 4,66—4,16 M. Heu 7,80—6,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. ') Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. Wttternngsnbersicht vom 10. August 1904, morgens 8 Uhr» Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien V S I C s= .= a s■? Woller jZi- 758 W 760! WSW 761 IS 763 j 91 763|D 762 N 4 heiter 3 heiter 2heiter 2wolkeul Iwolkig 1 heiter e» K eil S? Hfo Stationen L S s: 2 »=■ -Ö B c 3 i« taparandw746!NO etersburg 749iN Cork Aberdeen Paris 764 W 763 9k Weller tä« li% ö II r ai 2Regen Iwolkig Ihalb bd. 2 halb bd. 9 IL 1» 16 Wetter-Prognose für Donnerstag, den II. August 1904. Vorwiegend trübe und regnerisch mit mäßigen wejllichen Winde»; Temveratur wenig verändert. Berliner Wetterburerru. Kür den Jnbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Zhcxtcr. Donnerstag, 11. August. Anfang 7-/, Uhr- Neuss königl. Opern- Theater. Die Fledermaus. Belle-Alliance. Gastspiel von Emil Winter- TymianS Humoristen. Ansang 8 Uhr. Ilchillcr«.(Wallner- Theater.) Der polnische Jude. Westen. Liebeshandcl. Berliner. Zapfenstreich. Neues. Einen Jux will er fich machen. Rcsiden;. Die 808 Tage. Kleines. Nachtasyl. Metropol. Ein tolle? Jahr. Apollo. Venus aus Erden. Spcciali« täten. Herrn feld-TH eater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Stadt Dheotcr Moabit. Der reiche Pustekohl. Reichshallr». Stettiner Sänger. Pnsfage-Tycater. La belle Georgette. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Nrania. Taubenstraste 48/4». Die WcltanSfeaung in St. LouiS. — Der Gardasee. Jnbalidenstraste S7/KS. Stern- warte. Täglich geöfsnet von 7 bis 1t Uhr. Ilrania. Taubonstr. 48/49. Cm 8 Uhr im Theater: Dls ieltaasstellung in St. Louis. Hierauf: Der Gardasee. Sternwarte T™. Treie Volksbühne im Sehilisr-Tliealer 0. sWallner-Theater). MorwiU-Opcr Donnerstagabend 8 Nhr� Der pelniselie d»de. VolkSoper von Karl Weis. Freitagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. Der kI><>aI>adoar. Sonnabendabend 8 Uhr: Der polnische Jade. Der Sommergarten ist eröffnet. Im Garten des Schiller-TheaterS H. täglich groBes Militär-Konzert. Neues Beater. Schifsbauerdamm 4a— 5. Eineg Jux will er M madien. Ansang 8 Uhr. Morgen: Einen Jux will er eicb machen. Centrai-Theater 8 Uhr: Einnkterabend aus Frich Neuters Werken: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschen und RiemcIS. S. Hanne Nütes Abschied. 4. Jochen Päsel. b. Bräsigs letztes Stündlein. ö. Ein kleiner Beamter. Emil Riehard, tgl. Hosschauspieler, a. G. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl, Anfang 8 Uhr. Morgen; Xachtawyl._ ill Heute und folgende Tage 8 Uhr: vie 300 laxe. Schwank in 3 Akten von Paul Gcvault u. Robert Charwey. Deutsch V.A.Haim. Herr Richard Alexander in der _ Hauptrolle._ Apollo-Theater. uhr: Garten-Konzert. 8 ühr; Venns auf Erden. Operette �gyl SltlCUe. S'/j Uhr: Die phänomenalen Attraktionen des grandiosen Belle-Alliance- Theater. Letzte Woche I Anfang 7>/, Uhr. Im Garten, Ansang 6 Uhr: Curt Goldmann-Konzert und groBe Specialitäten- Vorstellung allererster Künstler. Freitag, den 12. August: Benefiz für Kapellmeister Curt Goldmann. Melropol-Theater Der grösste Erfolg dieses Jahres: Gr. dramatisch-satirische Kevue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor HoUaender. Anfang 8 Uhr. Hänchen überall gestattet. Gllbtisstment Kuggtuhagkn Doritzplatz. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im großen schattigen Natur. garten jeden Abend 8 Uhr: Nonaant. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waldc-Sanger. Sonnabends T£1 H Za im Kaisersaal: Her umiDiiliäre lanm Italienisches Original- Orehester, Damen und Herren. Der Rampi um Port Ärtiinr. gr. akt. Spektakel-Schauspiel. OOIOCISCHER CARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: MWr-Doppkl-Klin;trt. Eintritt 1 M.. ,.b G Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hülste. In der Arena: Der 8ee-Elokant. Eintritt vom Garten 20 Pf., von der Straße 30 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hülste. (MU5 Sarrafani. GrOsater and eleg-aiiteatep Zelt-Clrkns Europas. Täglich: Mr. Ralphs 5 StSchweine. W. Noaeks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brunnenstr. 16. Durchschlagender Erfolg deS erstklasf. August-Programmsl Lustspiel! Posse! Komisch« Oper! Dazu die erstklassigen Specialitäten. Ansang S Uhr. Kaffeeküche v. 3 Übt ab. Bei schlechtem Wetter Borst, im Saal. «edi-ttdvi« Herrnfeld-Theater. (XHI. Berliner Winter-Saison.) Mar eine Macht. Zwei Akte auS einer Ehe. Am andern IMorsen. Nachspiel zu.Nur eine NachtA Beide Stüde mit den iilutoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Slnfang 8 Uhr. Kaffen-Eröffnung 7 Uhr. Borverkaus täglich 11— 2 Uhr. Der große Naturgarten ist geöffnet. Zemhanl Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute: Elite�Tcigs Lumpllcivagalmndus oder: Das liederliche Kleeblatt. Große Zauberposse mit Gesang in S BUdern von Neftroy. Außerdem: EmNenbaumitHindtrmssetl und vieles andre mehr. Im Saale: GposseP.EIlte-DnlI. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Ps. Numerierter Platz 50 Ps. flio«' Speeialitäten-Theater, IHK/ Landsberger Allee 78/79. � Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob RegenI im herrlichen Garten od. gr.Taal: Zum Totlachen das vollständig neue konkurrenzlose Riesenprogrnmm, ca. 35 Nummern. Unter anderm: Grobnlelt-f raupe, 4 Personen, russische Tänze mit dem besten Tänzer. Bio Herwoods, American. Excentric. Hedp Brumien, der Neine Kobold. Bruno Gattron, der Drollige. Horves 4 Barla, Excentrics a. Barren. Mstr. lohn???, bester Manipulator. Elsa u. Faul lesohock. Fritz Brand ic. Kasfeeküche. Volksbelustigungen. Bis 2 Uhr: D n 1 1. Entree 20 Ps. Sonntags 30 Pf. Fröbels Allerlei-Theater Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Konzert Theater, Speeialifc Vollständig neue Spielsolge. «ntpn-'rnn-!. linll'eehUohe. Ansang 4'/. Uhr. Eintritt 30 Ps Donnerstag, 18. August: Benefiz sür Ivkosa, Böllstein, lleunert. Sonnabend, der 27. August, für Bereine frei. Mm Theater QgtzuonBerliehingett von Goethe, Das Härenweib, letend. Oer 16jShrige Riesenknahe Der lange Josef _ 217 ctm gross. aW Nada und Mnemos,-MM Gedankenloser. DcrKielehen f n n d. Aga, die schwebende. Jungfrau. Alles ohne Extra-Entreo. H-SerieimMetropol-Theater BleMdieMehe von Ibsen. ggjpgjg'' Die nenon WktjrHedskarten für 1904/5 znlisscn aus den Zahlstellen nb- seliolt werden. Angnst-Beitrag 80 Pfennig, »eptember- Beitrag 80 Pfennig. Alle ÜHt- gltedskarten, die Ms znm Ltt. Angnst nicht abgeholt sind, werden an neue Mitglieder abgegeben. Umsohrclbnngen aus der bisherigon Zahlstelle in eine andre können nur im August nach Begleichung von etwaigen Beitragsresten vorgenommen werden, jedoch muss die neue Karte für 1304/5 aus der alten Zahlstelle abgeholt werden. Uforwitz-Oper(Schiller-Theater 0.). I Parkett-BiMets für die Mitglieder der Freien VoIksfcDbne, ermäBigt auf 1.60 M. inkl. Garderobe, zu allen Abend- Vorstellungen.(Sonntags 50 Pf. mehr.) Passage-Theater. La belle Georgette, Flammen- und Radium-Tänzerin. Maniva.jspanischeTruppe. Vierzehn erstklass. Nummern. Trianon-Tb eater. Wieder-Eröffnung Sonnabend, 13. August. Die Notbrücke. am KöuigSth., am Friedrichshain 29/32. Täglich: Theater 229/8* Der Vorntand. I. A.: G. Wtnkker. Heue freie Volksbühne. orwite- Oper(Schiller-Theater 0.) Sonntag, den 14. Angnst 1004, nachmittags 3 Ohr: Der polmfcbc Jude* Volksoper von Karl Weis. Billets für Mitglieder a 90 Pf., für GSste a 1,10 M.(Parkett- Fanteuil, I. Parkett, I. Rang und Logenplätze) sind an den Zahlstellen von Dobslcn, Kommandantenstraße 62; Kanfhold, Wrangelstraße 52; Becker, Gotzkowskystraße 9, sowie beim Kassierer zu haben. 160/17 I. A.: Heinrich Neft, Kassierer, Veteranens tr. 6. Mnr noch knrze Zeit! Flotten=Schauspiele Kurfilrsfendamm 153—156. StraBenbahn-Verbindung; Linien A, T, V, A/E, 91. Größte Wasser-Schauspiele der Welt auf 6000 qm großem See. In die Luft sprengen von Kriegsschiffen. Vfirctollnrnynr.. Wochentags 4 und 8 Uhr. Jeden Mittwoch: Vorstellungen. Sonnt � 5,fi u 8 Uhr Billiger Tag!) 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Füntzehnter internatioualer Kergarbkiter-Kongrest. Paris. 8. August. Er st er Verhandlungstag. Im großen Saale der Arbeiterbörse traten heute die Vertreter der Bergleute der verschiedenen Länder zu gemeinsamer Beratung ihrer Berufsfragen zusammen. Vertreten sind folgende Nationalitäten: Belgien. Deutschland. Frankreich. England, Oe st erreich, und zum ersten Mal haben auch die N m e r i- k a n e r Delegierte entsandt. Die Tagesordnung enthält außer den bekannten Fragen, die schon seit mehreren Jahren die internationalen Kongresse beschäftigten, noch den Antrag der Engländer und Deutschen: „Bekämpfung der Wurmkrankheit" und den Antrag der Deutschen: „Tie Errichtung eines ständigen internationalen Sekretariats." Die andern Punkte betreffen den Achtstundentag, Schaffung eines Minimallohnes, Verstaatlichung der Gruben und Einführung resp. Anstellung von Grubenkontrolleuren aus den Reihen der Arbeiter und einige andre Fragen, die aber nur der Regelung der inneren Verhältnisse der internationalen Or- ganisation dienen. Edward-England eröffnet den Kongreß und geht auf die Vorkommnisse und Aenderungen innerhalb der Bergarbeiter- bewegung im letzten Jahre ein. Zunächst beklagt er den Tod des internationalen Sekretärs und Präsident der Miners Föderation of England, Mister P i ck a r d. Pickard habe ein Menschenalter der Organisation geopfert und sei nicht nur her- vorragend thätig gewesen zur Förderung der englischen nationalen Gewerkschaft, sondern er sei aucb ein Hauptförderer der internationalen Bewegung gewesen und habe 14 Jahre den Posten des internationalen Sekretärs bekleidet. Wenn man auch nicht in allen Fragen mit Pickard übereinstimmte und nickt immer mit ihm auskam, so dürfen wir dennoch nicht verkennen, daß er es sehr ehrlich meinte. Er war der Einberufer des ersten internationalen Kongresses, der vor nunmehr 15 Jahren in Jolimont stattfand, und wenn auf dem Gebiet der internationalen Bestrebungen nicht das erreicht wurde, was wir damals zu erreichen hofften, so lassen sich die großen Fortschritte, die wir gemacht haben, doch nicht abstreiten. Dieses Jahr begrüßen wir zum ersten Male die Kameraden Mitschell undDo r s ch alsVertreter der amerikanischenBergleute unter uns und haben unser internatwnalesBündnis damit bereits vervollständigt. Wir dürfen uns aber keineswegs damit zufrieden geben, sondern müssen unermüdlich arbeiten an dem Ausbau der weiteren internationalen Solidarität der Bergleute. Wir sehen heute, daß der Militarismus in allen Ländern gewaltig gefördert wird. Selbst in den noch etwas freien Staaten England und Amerika sucht man die Militärmacht gewaltig zu stärken, um gleichzeitig die Macht der Kapitalisten zu vermehren, damit sie da» Volk besser plündern können. Dieser Macht müssen wir eine andre entgegensetzen, die internationale Arbeitersolidarität.(Bravol) M a r o i l l e-Belgien: Die internationale Bergarbeiter- bewegung hat durch den Tod Pickards viel verloren, aber wir wollen hoffen, daß diese Lücke recht bald ausgefüllt wird. Pickard hat sich zweifellos größere Verdienste um die Menschheit erworben, als irgend ein Scklachtenlcnkcr, dem man nachher auf Kosten der Steuerzahler große Denkmäler errichtet. Wenn die englische Regierung Pickard auch kein Denkmal errichtet, so hat er sich selbst ein solches errichtet in den Millionen Bergmannsherzen aller Länder. Wir müssen das begonnene Werk vollenden und die Millionen Schwachen organisieren. damit sie eine Macht bilden gegen die hunderte Starken, die die Schwachen ausbeuten. Der Kapitalismus und der Militarismus werden immer stärker, um so mehr müssen die Bergleute aller Länder ihre Reihen immer fester schließen, um diesem Volksfeinde eine immer größere Macht entgegen zu stellen.(Bravol) L a m e n d i n-Franlreich gedenkt im Namen der französischen Delegation der Verdienste Pickards und schließt sich in Beurteilung des Militarismus den Vorrednern an. Sachse-Deutschland erkennt ebenfalls die Verdienste Pickards an und fordert die deutsche Delegation auf, sich zum Andenken des Verstorbenen von ihren Sitzen zu erheben, was auch geschieht. Auch wir Deutschen haben einen tüchtigen Kämpfer durch den Tod ver- loren, unfern Kameraden G l a d e w i tz. Er hatte sich als schlichter Arbeiter bedeutende Sprachkenntnisse angeeignet, so daß er unS als Uebersetzer sehr schätzbare Dienste geleistet hat. Zur Förderung der internationalen Verständigung sind wir Deutsche stets bereit ge- Wesen und stehen darin auch heute noch unfern Mann, obwohl man uns in Deutschland gerade deshalb eine„vaterlandslose Rotte" nennt. Als der erste internationale Kongreß in Jolimont stattfand, hatten wir in Teutschland noch eine schwache Organisation und herrschte in unfern Reihen überall Mutlosigkeit. Tann traf, kurz nach dem ersten Kongreß, der 1894 in Deutschland stattfand, unsre Organisation ein harter Schlag durch das bekannte Essener Meineids- verfahren, bei welchem mehrere Fuhrer unsrer Organisation auf Jahre hinaus unschuldig ins Zuchthaus mutzten. Die Unternehmer triumphierten und glaubten uns besiegt, vernichtet zu haben, aber heute mustern wir eine Armee von über S0 OOO Knappen. Der Kapitalismus ist durchaus international und hat sehr starke Organisa. tionen, die vorzügliche internationale Verbindungen haben. Er kümmert sich den Teufel um das Wohl der Gesamtheit im eigenen Vaterlande, wenn das seinen Interessen nicht entspricht. Der Militarismus ist nur das Werkzeug des Kapitalismus, und folglich muß er von allen Menschenfreunden bekämpft werden. Den dies- jährigen Kongreß haben wir mit Freuden besucht, nicht etwa darum. unfern französischen Brüdern«inen Besuch abzustatten, sondern weil wir hoffen, daß, nachdem wir diesmal auch die amerikanischen Kameraden unter uns begrüßen können, endlich unser Antrag An- nähme findet und das so notwendige internationale Sekretariat er- richtet wird, damit unsre internationale Thätigkeit endlich von einem Erfolg gekrönt wird.(Bravol) E b e r t-Oesterreich tritt dafür ein, daß sich die Kongresse mehr gegen die Staatspolitik richten müßten, die ja nur Unternchmerpolitik sei. Der österreichische Staat habe den Petroleumunternehmern durch die Einführung von Schutzzöllen Millionen in den Rachen geworfen, als aber die Arbeiter einige Pfennige Lohn mehr haben wollten. schickte die Regierung d-n 0000 streikenden Arbeitem 3000 Soldaten entgegen.(Pfuirufe I) Mitschell-Amerika: Wir sind hauptsächlich nach hier ge- kommen, zu lernen Wir haben die englischen, französischen. belgischen und deutschen Kohlendistrikte besucht und gefunden, daß wir über die wirkliche Arbeiterlage durch die amerikanischen Zeitungen sehr irregeführt worden sind. Die Situation der europäischen Berg- lcute ist eine traurige, eine menschenunwürdige. Man ist nur ' bestrebt, eine hohe Produktion zu bekommen, kümmert sich dabei aber nickt um die Arbeiter. d,e anscheinend keine Menschen mehr sind. 'Xn England s-i es etwas besser wie in Deutschland. Frankreich. Belgien, aber trotzdem noch schlecht. Tie Situation für die Berg- leute sei in Amerika thatsächlich besser als in Europa, obwohl der amerikanische Kapitalismus genau von demselben Kaliber sei. Die amerikanische Bergarbeiter-Organlsation se, noch sehr jung, umfaßte aber doch schon 60 Proz. aller dortigen Bergleute. Für einzelne Vunktc der Tagesordnung kann er sich mcht erklaren, da sie eine geseblicke Regelung der Arbeiterverhaltnisse fordern. In Amerika Hab« man keine einheitliche Legislatur, sondern 00 verschiedene Körperschaften, die Gesetze schmiedeten, und da halte es ungeheuer r r, etwa« Einheitliches zu schaffen, wenn das überhaupt möglich Nach seiner Meinung müssen die Gewerk, chaften die Arbeiter- frage ohn« Hülfe der Gesetzgebung regeln, wenigstens in Amerika. Er hofft, daß er eine reiche Lehre auS den Verhandlungen mit nach Amerika nehmen kann und daß du Arbeiten von Erfolg gekrönt find.(Bravol) ES werden dann die üblichen Formalitäten erledigt und L a m e n d i n.Frankreich zum Tagespräsidcnten für morgen gewählt. Tarauf vertagt sich der Kongreß und wird erst morgen die eigentlichen Arbeiten beginnen. Hub Industrie und ftandd. Ernteberichte aus fremden Staaten. Die amtlichen Berichte aus den südöstlichen Ländern Europas über den Saatenstand und die bisherigen Ernte-Ergebnisse zeigen deutlich, daß mit Ausnahme einiger wasserreicher Gegenden, der ganze Südosten vor einer Miß- ernte steht. Nach dem letzten Bericht des ungarischen Acker- bauministeriums wird sich allerdings voraussicktlich der Ertrag an Winter« und Sommerweizen etwas höher stellen, als vor einigen Wochen allgemein angenommen wurde, doch werden Gerste, Hafer, Mais und Kartoffeln dafür wahrscheinlich um so geringere Ernte- mengen ergeben. Nach vorläufiger amtlicher Schätzung dürfte der W e i z e n e r t r a g sich insgesamt auf 35,02 Millionen Doppelcentner stellen gegenüber 44,07 Millionen Doppelcentner im Vorjahr. Der Strohertrag ist im allgemeinen bedeutend kleiner als im vorigen Jahre. Hinsichtlich der Qualität des Weizens wird an- geführt, daß er in kaum einer Gegend weniger als 70 bis 78 Kilo- gramm wiegt, in zahlreichen Gegenden aber 80. 82 und sogar 83 Kilogramm. W i n t e r r o g g e n, Halbfrucht und Sommerroggen sind bereits überall abgeerntet. Der Ertrag ist mittel, die Qualität überwiegeud befriedigend, hie und da soll sie sogar sehr gut sein. Das Erträgnis wird pro Katastraljoch auf 5,89 Doppelcentner, ins- gesamt also auf 11,07 Millionen Doppelcentner gegen 12.91 Millionen im Vorjahre geschätzt. Die Wintergerste ist bereits gedroschen. Das Erträgnis ist mittel. Dagegen verspricht Som merger st e, die in Ernle und Drusch noch im Zuge ist, ein Schwachmittel-, teil- weise Mittelergebnis. Gerste wurde auf einer Fläche von 1,81 Mill. Katastraljoch gebaut! wie viel infolge der Dürre ausfallen wird, ist jetzt noch nicht festzustellen. Der Ertrag wird pro Katastral joch auf 5,72, insgesamt auf 10,40 Millionen Doppelcentner gegen 14,00 Millionen im Vorjahr geschätzt. Hafer wurde überall geschnitten. Im allgemeinen hat er von sämtlichen Körnergattungen sowohl qualitativ als quantitativ den schwächsten Ertrag geliefert. Seine Anbaufläche betrug 1,79 Mill. Katastraljoch. das Durchschnitt« erträgnis pro Katastraljoch wird mit 4,95 Doppelcentner angenommen, insgesamt mit 8,84 Mill. Doppelcentner. 12,07 Mill. im Vorjahr. Mais leidet ständig unter Trockenheit und intensiver Hitze. Die Aussichten der Maisernte sind geringer als seit einer langen Reihe von Jahren. Die verdorrte Maispflanze wird in vielen Gegenden als Futter verwendet. Die Kartoffel Pflanze bietet in den Ge- birgsgegenden. wo inzwischen Niederschläge vorkamen, noch einige Hoffnung. Im Landesdurchschnitt steht jedoch die Pflanze sehr schwach. Sowohl Blätter als Stengel sind verdorrt. Garten- gewächse und Krautarten stehen sehr schwach, Hülsenfrüchte imd Bohnen versprechen ebenfalls nur sehr schwachen Ertrag; die Qualität ist jedoch gut. Auch in Rumänien hat der W e i z e n unter der Dürre dieses Jahres sehr gelitten. Ueber den Entte-Ertrag in dieser Getreideart liegen amtliche Angaben noch nicht vor. Die Schätzungen gehen sehr auseinander, da das Ernte-Ergebuis in den einzelnen 32 Be- zirken des Landes ein verschiedenes ist. In Fachkreisen nimmt man als DurchschnittSertrag für das Land 00 höchstens 05 Proz. einer Mittelernte, letztere zu 15 Hektoliter vom Hektar gerechnet, an. DieS würde bei der Anbaufläcke für Weizen von 1 003 585 Hektar im Herbste 1903 einen Gesamtertrag von rund 15, höchstens 10,3 Millionen Hektolitern ergeben. Die Frühjahrsaussaat ist hierbei nicht in Bcttacht gezogen, weil amtliche Angaben über ihren Um« fang nicht bekannt sind. Sie ist indessen für Weizen in der Regel sehr gering und nicht geeignet, das Gesamtergebnis wesentlich zu be- einflussen. Ueber die Qualität der diesjährigen Weizenfrucht lauten die Nachrichten allgemein günstig. Das Gewicht ist sehr hoch; es schwankt zwischen 79—84 Kilogramm für den Hektoliter. Die Mais- frucht hat unter der fortgesetzten Trockenheit schwer gelitten. Sie muß schon jetzt in einer ganzen Anzahl von Distrikten, die für die Ausfuhr besonders in Bettackt koinmen, als verloren, in andern Distrikten als gefährdet angesehen werden. Nur aus den Distrikten der Moldau und den bergigen Teilen der Distritte der Walachei lauten die Berichte über den Stand dieser Frucht günsttger. Ebenso ist im südlichen Rußland durchweg nur auf ge ringe Getreideernten zu rechnen mit Ausnahme einiger Flußgebiete. besonders an der Wolga: doch fehlt e« an zuverlässigen Gesamt Übersichten. Die offiziellen russischen Meldungen können nicht als glaubwürdig gelten, da sie das Bestreben verraten, die Lage möglichst günstig erscheinen zu lassen. Es ist ganz unzweifelhaft, daß Ruß- land demnächst sich zur Aufnahme einer neuen großen Anleihe im Auslande gezwungen sehen wird, und das Bekanntwerden der ivirklichen Notlage würde seinen ohnehin geschwächten Kredit noch tiefer herabdrücken. Im Gegensatz zum Südosten Europas wird au§ K l e i n a s i e n meist günstig über den dortigen Saatenstand berichtet. Nach dem Bericht des deutschen Vicekonsuls in Konia soll dort z. B. im ganzen Vilajet seit sieben Jahren der Saatenstand nicht so gut gewesen sein wie jetzt. Der Ertrag der nächsten Getteide-Ernte im Vilajet Konia wird um 200 Proz. höher als im Vorjahre geschätzt. Nach den ungünstigen Nachrichten über den Enite-Ausfall in der europäischen Türkei. Rumänien und Südrußland kann eine größere Getreide- Ausfuhr aus Kleinasien erwartet werden. Beschäftigung im Braugewerbe. Der bedeutende Bierverbrauch während der letzten Wochen hat die geschäftlichen Aussichten des Braugewerbes wesentlich verbessert. Augenblicklich ist die Thätigkeit in den meisten Brauereien äußerst lebhaft. Charakteristisch ist die Zunahme des Biersicdens an den Sonntagen, die aus verschiedenen großen Brauereien berichtet wird. Aus einer Brauerei, die an den Wochentagen oft bloß sechs Süden machte, werden gegenwärtig nicht nur Werktags, sondern auch Sonntags acht Süden Bier gekocht. Auch in der Kellerei und beim Transport an die Kunden werden augenblicklich viel Ueberstunden gemacht. In den meisten größeren Orten ist denn auch, wie aus einer Umfrage der„Arbeitsmarkt-Korrespondenz" hervor« geht, der Beschäftigungsgrad sehr lebhast. In Kiel sind sämtliche Arbeiter täglich zehn Stunden beschäftigt. Ungefähr die Hälfte»nacht noch Ueberstunden. Arbeitslose sind nicht vorhanden. In Berlin und Magdeburg fft zwar die Zahl der Beschäftigten nur wenig größer als während des Winters, aber die Arbeitskräste werden mehr angestrengt. Tag- und Nachtschicht ist regelmäßig durch- geführt, und auch Sonntags drängen sich oft die Arbeiten. In Dresden und Umgebung, wo sämtliche Arbeitskräfte voll be- schäftigt find, werden vielfach aushilfsweise Leute eingestellt. um die Leistungsfähigkeit des Betriebes für einige Zeit möglichst noch zu steigern. In Dessau müssen namentlich Bierfahrer u»id Flaschenkellerarbeiter sehr viel Ueberstunden machen, während in den Sudräumen die Arbeitsschichten regelmäßig sind. Seit dem 19. Mai d. I. sind die Arbeitsverhältnisse in sämtlichen Brauereien mit Ausnahme der Schultheiß- Brauereien durch eine Tarif- Vereinbarung geregelt. Sehr gut beschäftigt sind die Brauereien in Düsseldorf, wo die Arbeiter viel Ueberschichtcn machen müssen. Auch in München ist der Geschäftsgang gegenwärtig ein sehr flotter, obwohl Neueinstellungen nicht stattfinden. Biel Ueberstunden müssen nament- lich von den Hilfsarbeitern gemacht werden. Eine starke Zunahme der Beschäftigten findet erst von September ab statt, da dann die Saison im Mälzereibci riebe beginnt. Eine neue Jnveiiturfälschuug. Der Affaire de Hesselle ist als- bald eine ähnliche im Osten des Reichs gefolgt. Die Elbinger Aktien-Gesellschaft für Leinenindustrie, die 1902 einer tiefeinschneidenden Sanierung unterzogen werden mußte, in der ihr Akttenkapital auf 440 000 M. reduziert wurde, bereitet ihren Aktionären eine neue schmerzliche Ueberraschung. Die Bilanz per 30. Juni 1904. mit deren Prüfung augenblicklich die Deutsche Treuhand-Gesellschast beschäftigt ist, ergiebt, wie da».Berliner Tageblatt" meldet, einen Verlust von ca. 300 000 M. Der Verlust ist etwa zur Hälfte auf unrichtige An- gaben über die Warenbestände zurückzuführen. Diese falschen Angaben sollen sich auf mehrere Jahre zurückerstrecken. Die Verwaltung beruft eine Generalversammlung ein, auf deren Tagesordnung außer den Regularien die Beschlußfassung über die Auflösung des Unternehmens steht. Der Generalversammlung soll semer ein Bericht über die vorgenommene Revision vorgelegt werden. Die Aktiengesellschaft für Ledcrfabrikation de Hcssclle u. Cie., Aachen, die bekanntlich durch die Schwindeleien ihres ersten Direktor de Hesselle in bettächtliche Verluste geraten ist, ver- öffentlicht endlich ihren Rechenschaftsbericht. Nach diesem schließt die Bilanz mit einem Verlust von 1 349 534 M. ab. Die btsherigcn Bilanzen wiesen einen Bruttogewinn von rund 1 450 000 M. auf. Berücksichtigt man, heißt es im Bericht, die durch die falschen An- gaben hervorgerufenen höheren Zahlungen an Steuern, Ver- sicherungen, Provisionen, Zinsen, so ergiebt sich als Gesamtergebnis der bisherigen Geschäftsjahre nach Deckung der erforder- lichen Abschreibungen noch ein geringer Uebcrschuß, jeden- falls aber trotz der vielfach vorgekommenen Fehlpartien kein Betriebsverlust. Zur teilweisen Deckung des Bilauzverlustes dient das der Gesellschaft übertragene Vemiögen des bisherigen ersten Direktors, das sich nominal auf rund 350000 M. Beziffert. In der Bilanz ist dasselbe noch nicht berücksichtigt, weil sich noch nicht über- sehen läßt, welche Beträge daraus zu erzielen sein werden. Zur Beseitigung der Unterbilanz und zur Beschaffung der er- forderlichen Betriebsmittel gedenkt der Vorstand nach einer ent- sprechenden Reduktion des Aktienkapitals die Herausgabe einer angemessenen Anzahl von Vorzugsaktten in Vorschlag zu bringen. Bestimmte Vorschläge nach dieser Richtung will derselbe sofort nach Beendigung der Arbeiten durch die oben erwähnte Revisions- kontmission formulieren und nach Genehmigung durch den Aufsichts- rat möglichst noch vor der Generalversammlung den Aktionären unterbreiten,_ Soziales* Die Leipziger DisttiktSärzte haben einstimmig beschlossen, einen ihnen von der Kreishauptmannschast vorgelegten Sonderverttag anzunehmen. Der Inhalt des Vertrages ist uns noch nicht bekannt. Die Schneidcrinncnlehre. Gegen die selbständige Schneiderin Frau B u ch h o l z in der Blumenstraße klagten zwei junge Damen beim Gewerbegericht auf Entschädigung wegen Nichtausstellung eines Lehrzeugnisses. Sie behaupteten im Termin vor der Kammer I folgendes: Sie hätten bei Frau Buchholz die Schneiderei erlernen wollen und seien vom 1. Februar bis zum Juli bei ihr in der Lehre gewesen, wofür sie je 30 M. Lehrgeld zahlen mußten. Frau Buchholz habe sich verpflichtet gehabt, ihnen die Schneiderei perfekt beizubringen, einschließlich des ZuschneidenS und Schnittezeichnens. Ferner sei ihnen weitere Beschäftigung nach Beendigung der Lehrzeit versprochen worden. Nach dieser Zeit hätten sie auch noch vier Tage bei Frau Buchholz gearbeitet, es dann aber vorgezogen, zu gehen, nachdem ihnen auf ihr Verlangen nach einem Lehrzeugnis das Hinauswerfen angedroht worden sei. Thatsächlich hätten sie das Zuschneiden und Zeichnen nicht gelernt und auch sonst sei ihnen nicht viel beigebracht worden. Eine der Klägerinnen behauptete, sie hätten nicht mal so viel gelernt, um sich ein Kleid selbst machen zu können.— Die Beklagte war zum Termm nicht erschienen. Sie wurde von der Kammer I, der MagistratSrat Dr. Leo vorsaß, verurteilt, jeder Klägerin bis zum Tage der Ausstellung eines Lehrzeugnisses eine Entschädigung von 2 M. pro Tag zu zahlen._ Die verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit im Sinne des ß 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Stcmplerin K., die bei der Firma Hesse tbättg war, hatte Urlaub genommen, weil sie nach dem Gut- achten des praktischen Arztes Dr. Neumann an hochgradiger Blut» armut und Nervenschwäche litt und dringend eines Landaufenthalts von drei Wochen bedurste. Innerhalb der drei Wochen wurde ihr schriftlich gekündigt. Die Kündigungsftist lief gerade mit dem Schluß der drei Wochen ab, für welche eine Weiterzahlung des Lohnes nicht verabredet war. Fräulein K. beanspruchte nun durch Klage beim Gewerbegericht den Lohn für jene drei Wochen. Der Vertreter der Firma lehnte jede Verpflichttmg ab. Das Gewerbegericht unter dem Vorsitz des MagisttatsrateS Dr. Leo verurteilte die Firma, an die Klägerin den Lohn für vierzehn Tage mit 31 Mark zu zahlen. Mit der Lohnforderung für die dritte Woche wurde Klägerin abgewiesen. Der Vorsitzende führte unter anderm zur Begründung aus: Die Kündigungsfrist lief mit dem 2. Juli ab, wo Klägerin drei Wochen lang dem Geschäft fern geblieben war. ES fragt sich, ob Klägerin angesichts ihrer Krankheit den Lohn für die drei Wochen ihrer Abwesenheit beanspruchen kann. Zur Anwendung kommt§ 010 Bürger!. Gesetzbuchs. Danach ist dem Arbeiter im Erkrankungsfall ftir eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit der Lohn weiter zu gewähren. WaS eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit ist, hat das Gericht unter Berücksichttgung allgemeiner Er- wägungen und der Sachlage des konkreten Falles zu entscheiden; es müsse indessen versucht werden, eine Art übereinstimmender Praxis auszubilden, um nicht zu große Verschiedenheiten eintteten zu lassen. Die gewerbegerichtliche Praxis berücksichtigt deshalb die Vorschriften der Gewerbe-Ordnung über die Lösung des Arbeits- Verhältnisses<§§ 122, 123 je.). Wenn nicht ganz besondere Merkmale einer besonderen Art gegeben sind, wird man als nicht erhebliche Zeit im Sinne des§ 010 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die Kündigungs- trist ansehen dürfen. Der Klägerin ist daher eine Lohnentschädiqung für 14 Tage zuzusprechen und ihr Mehranspruch muß abgewiesen werden. Yerbnnd der Möbelpolierer. Tode«» Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege "Tlieodor Möckel verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitagnachmiltag 6 Uhr von der Leichenhalle des Friedttchsberger KirchhojeS(Krugstege) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 147/0 ver Yoratand. Die Beerdigung des am 7. August verstorbenen Steindruckers Robert kleil findet statt am Donnerstag, den tl. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- KirchhoseS M Rixdorf. 277b Das Komitee. Allen Freunden und Bekannten B die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau 034049 Antonie Nowottnick geb. Brlngecn nach kurzem Leiden am Dienstag. nachmittag 21/. Uhr im Alter von St Jahren sanst entschlasen ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. d. Mts., nach» mittags 4 Uhr. von der Halle des Emmaus-Kirchhoses aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. A. Wowottnlck. Von der Reise zurück. 20/3 tanwt Dr. Taendler, Alexanderstraße 42. Kran;- und Klumenbinderei von ködert Meyer,. nur Marianntn-Straße 2. VereinS-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, BouqurtS, Guirlanden usw. werden sein u. preiswert geliefert Roh.Dabak üax Jacoby, Strelitzerstr. SS. Alt bekannte billige Preise. PF" Achtniift! Kattrer und Bauhilfsarbeiter! Da von feiten der Manrermeister Lindner sowie Schreiber in Buch(Irrenanstalt) versucht wird, nach dort Arbeitskräfte zu lotsen durch Kartensenden an einzelne Personen, welches den Anschein erwecken kann, daß der Streik der Bauhilfsarbeiter aufgehoben sei, so sei hierdurch mitgeteilt, daß die Differenzen noch nicht beigelegt sind, und obige Arbeiter ersucht werden, vor wie nach die dortigen Bauten zu meiden. 3t/4 Verband der Bauarbeiter. I. St.; Otto Rennthaler. Dr. Schünemann 1 Dr. Simmel, Specialarzt für Haut-, Harn- und Araiienleide», Sie�detatr. 9. Wochentags 8. PHnrsn- Str. 41, Specialarzt für[19/1* Unat- and Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12 2—4. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Donnerstag, abends 8-/2 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: (Zeneral-Versaminlunx. Tages-Ordnung: 87/14 Kassenbericht. Bericht des Vorstandes. Bericht der Arbeitsvermittler nnd der Kontrollkommission. Ersatzwahlen der Ortsvcrwaltung. Wahl des Gauvorstandes. Unsre Stellung zur Feier des 1. Mai. Anträge. Verbandsangelegenheiten. - Eintritt nur mit Mitgliedsbuch.===== Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsrer�valtanx. Haben Sie Wanzen oder Schraaiien dann ist es Ihre Schuld Verwenden Sie HofferS' echtes Epezial- miitel. welches Wanzen n. Schwab«» neb!» Brut sofort»ölet,«eine Flecken! Volle Eara-Itle. Bei Behörden»c. tm Gebrauch. Flasche 0 0.60, 1.— oder 3.— Spripapparate leihweise. Nur echl tu den Droaerien von: 0 itnfrore Reichenbergerstr. 65 und j\. jlUJJCld«oppenstr. S. Fernsprecher. 2. Ziehung 2. Klasse 211. Kgl. Preilsf. Lotterie. Ziehlüifl rem 10. August 19M, vonuillagS. Am die Eewiuue über SS Ml. find den detreüendea Nummern in Klammer« beigelügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten' 227 334 859 1300 33 57 86 455 573 93 626 62 67 99 814 955 2121 577[200] 95 813 3020 503 715 4213 48 373 587 94 696 5015 21 103 240 45 76 315 407 82 827 6552 754 802 7172 359 515 622 885 943 1500] 52 8146(10001 93 376 603 700 77 916 9243 420 31 49 587 693[2001 10013 185 360 446 607 756 916 11040 157 206 45 12046[200] 62 135 64 360 507 45 693[3000] 866 1 3020 29 195[200] 731 964 99 1 4029 377 476 570 668 860 924 1 5167 462 590 1400] 688 814 27 1 6175 86 214 17[300] 634 71 711 822 39 46 72 1 7032 125 233[300] 336 647 48 750 923 1 8248 351 526 61 629 35[200] 702 [500] 66[2001 826 1 9435 45 594 20196 418 641 915 70 2 1 004 8 26 469 889 942 22137 431 695 044 23043[200] 70[200] 118 81 1300] 343 408 621 41 734 343 938 74 24123[200] 59 452 890 25367 437 81 578[2001 673 756 833 902 2 6049 156 218 38 355 475 555 662 75 759[200] 80 809 72 27133 275 508 607 86[200] 742 58 864 971 28454 81 591 701 836 2 9072 143 384 88 489 970 30Ü34 389 695 867 902 37 3 1099 136 211 303 640 712 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Ziehung 2. Klasse 211. Kgl. Preuh. Lotterie. Liehmtg vom 10. August 1904, iiachmiNagS. N« die Gewinn« über 96 Ml. und den belrelienden Nummern in«lammern deigesüg!. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verbalen. 922 67[200] 1081[200] 205 71 364 970 83 2011 73 172 200»7 382 446 585 826 918 3375 410 609 788 823 4014 184 618 733 887 5169[2001 359 80[300] 400[300] 529 637[200] 831 82 6020 24 132 40 79 233 368 469 703 887 950 7093 109 276 87 527 611[200] 77 96 722 8046 131 421 574 653 899 9201 392 522[300] 747 985 10304 479 11055 149 380 446 598 1 2043[300] 69 105 598[3001 660 813 1 3041 303 407 532 673 877 918 57 1 4105 382 597 614 43 764 1 5085 288 409 55 734 843 903 1 6075 95 503 38 692 1 7123 324 430 520 [300] 682 729 40 1 8045[2001 55 235 524 42 722 70 801 904 61[200] 19095 161 373 534[200] 733 99 806 20067 122 331 400 85 912[300] 63 21052" 283 [500] 772 891 970 85[ 200] 22040 110 207 34 39 527 56 57 650 23090[400] 245 Sil 24072 467 78 88 575 729 57 839 942 58 25145 273 411|3oU| 5<7 26039 201 632 2 7022 54 89[2001 710 957 2 8263 359 874 949 29065 107[200] 81 232 35 63 657[1000] 92 708 [200] 851 940 30264 394[200] 427[200] 48 85 665 758 3 1001 72 345 485 87 781 32155 277 328 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Breukt [che««lassenlotterle finde» Natt am 6. med 7. Gcvlemder 1904, WS irMA fCIeine /Inzeigen. r als IS Buchstaben zählen doppelt. r Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 1 2 Uhr, in der Hauptexpedition Linden- Strasse 69 bis S Uhr angenommen. ebste � terden zrlln Verkäufe. Pfandleihhans Weidenweg 19 verkauft spottbillig verfallene Pfänder. Ferner: Betten, Bettwäsche, Bett« inlettc, Herrenuhren, Damcnuhren, Herrcnketten, Damenketten, Schmuck- fachen, Trauringe. Jackettanzüge, Damenstiesel, Steppdecken, Gardinen, Teppiche, Regulateure, Freischwingcr, Spiegel.* Gardinenhans Große Franksurter. straße 9, parterre._ 737' Hochvornehme Herren- Slnzüge, Paletots, Beinkleider, vorjährig, aus feinsten Matzstoffen, spottbillig. Deut- sches Veriandhaus, Jägerswatzc 63, eine Treppe..' 2355K* Neste zu Mädchcnkleidern, reine Wolle, verkaust schleuingst Rester- Handlung Lichtenbergerftratze 9. 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Verlagsanstalt Paul Singet Co., Berlin S\V.