Ur. 188. RbonnementS'Redl ngungen: «bonnemen»- Preis pränumerando z «ierteljährl. 3L0 Ml, monatl. 1.10 Mk., Niöchentlich 2S Pfg. frei WS HauS. einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. S1. Jahrg. Crldxlnt liiglich saget Dlontag». Devlinev VolkSblÄkk. Die Tnfertlons'Gebülfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Rauni 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bcrcins- und Versammlungs-Anzeigen 25 Psg. „Kleine Hmeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer inüssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geässnet. Telegramm-Adresse: ,,SoiIsIii«mol!tZt StkUb". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 6 Cd. 68, Lindenstrasae 69. Tvcnifltrerficr: Zlint IV. Nr. 1983. Freitag, den 13. August 1904. Expedition: 850. 68, Lindenstraaae 69. Zserusprecher: Slint IV. Nr. 1981. Militärkabinetts- Justiz. Bor einer Woche haben wir die aus dem Militärkabinett deS Kaisers hervorgegangene Order veröffentlicht, welche den Militär- richtern im Bilse-Prozetz ernstes Mißfallen aussprach wegen der Aufrechterhaltung der Oeffentlichkeit und welche weiter die vertrauliche Weitergabe dieser Beurteilung der Bilse-Richter an alle- andern zu Mitgliedern an Kriegsgerichten befähigten Angehörigen der Armee befahl. In der Presse wurden die Offiziösen bestürmt, den Erlaß als eine„Hundstagsphantasie- des„Vorwärts- zu entlarven, aber die Offiziösen haben bis heute geschwiegen. Der Erlaß des Militär- kabinetts, der seinem Inhalte nach allerdings ein Erzeugnis der Phantasie sein sollte, ist Wahrheit. Einige Blätter haben mit dem Erlaß nichts andres zu beginnen vermocht, als die gewohnte Schimpferei fortzusetzen, daß wieder einmal ein geheimes Aktenstück vom„Vorwärts- unrechtmäßig er- warben sei. Voran in dieser Schimpferei natürlich die„Post-, die selbst fast nur noch von Spitzeln und Denunzianten bedient wird, die Betrüger bezahlt, um sich angebliche Geheimnisse des politischen Gegners zuttagen zu lassen. Ein andres Blatt hat dann erzählt, die Order sei unter Vorsichtsmaßregeln versendet worden, wie sie nur für An- gelegenheiten allersekretester Art üblich sind; der Text sei im Militärkabinett durch Stabsoffiziere, ohne Zuziehung subalterner Hilfskräfte, in der erforderlichen Anzahl von Exemplaren vervielfältigt und die einzelnen Exemplare seien numeriert worden, den Empfängern sei befohlen worden, die Order den Offiziercorps sobald als möglich vorzulesen und das Exemplar postwendend an das Militärkabinett zurück- zuliefern. ES wurden dann weitere Betrachtungen daran geknüpft, daß der„Vorwärts- den Erlaß nur von sehr hoher Militärstelle erhalten haben könne. ES ist danach anzunehmen, daß die betreffende Zeitung, welche den„Vorwärts- unrechtmäßigen Erwerbes lügnerisch be- schuldigt, selbst den unrechtmäßigen Erwerb militärischer Heimlich« leiten betreibt; wie sollte sie sonst von jenen Vorgängen im Militärkabinett wissen? Uns ist von alledem nichts bekannt. Wir haben den Erlaß erhalten und, da wir seine Echtheit nicht bezweifeln konnten, haben wir uns verpflichtet erachtet, ihn der Oeffentlichkeit zu übergeben, welche bereits seit der plötzlichen Verabschiedung der Bilse-Richter die Vermutung hegte, daß Dinge vor fich gegangen seien, die der Kritik sehr bedürfen. Diejenigen aber, welche Klage führen über diese Veröffentlichung, hätten weit mehr Anlaß, sich dagegen zu wenden, daß wichtige Bestimmungen aus dem Militärgerichts- Verfahren, an besten Gestaltung alle Volkskreise das größte Interesse haben, in der Heimlichkeit gehalten werden. Da man nicht annehinen darf, daß das Mlitärkabinett sich der gesetzlichen Unzulässigkeit eines solchen Erlasses bewußt gewesen ist, da eS sicherlich den Erlaß für berechtigt hielt, so ist allerdings nicht zu verstehen, warum die Geheimhaltung, die allerpeinlichste Geheimhaltung angeordnet worden ist. Vermutlich hat das Militär- kabinett den Erlaß für einen Akt der Kommandogewalt deS obersten Kriegsherrn erachtet und darum seine Heimlichkeit für gesetzlich und angemessen gehalten. Dies aber gerade wäre ein schwerer Irrtum, der ftir den Bestand der Jusfiz im Militär höchst verhängnisvoll ist; und wer die Beseitigung dieses Irrtums durch Veröffentlichung eines irrtümlich ergangenen, ungesetz- lichen Erlasses herbeiführt, handelt verdien st voll. Einige Zeitungen, u. a. die Münchener„Allgemeine Zeitung-, haben zum Inhalt des Erlasses erklärt, er sei einwandftei, denn sie selbst, die betteffenden Zeitungen, hätten ebenfalls seiner Zeit bereits die Ansicht ausgesprochen, daß im Bilse-Prozeß die Oeffent- lichkeit hätte ausgeschlossen werden sollen; die Order auS dem Militärkabinett besage auch nichts weiteres und eS sei danim nichts gegen sie einzuwenden. Diese Beurteilung der Angelegenheit über- sieht alles, worauf eS ankommt. Ebenso wie die Münchener „Allgemeine Zeitung- können Offiziere und Generale, auch Mitglieder des Militärkabinetts der Ansicht sein, daß im Bilse-Gericht die Oeffentlichkeit auf Grund der bestehenden Bestimmungen hätte ausgeschlossen werden sollen. Der Erlaß des Militärkabinetts be- deutet aber nicht eine bloße Ansichtsäußerung, sondern e r b e st r a f t die Richter im Bilse-Prozeß, weil sie eine andre, gesetzlich ebenso berechtigte Austastung hatten, mit ernstem Mißfallen d e S höchsten Vorgesetzten und mit der daraus natürlich folgenden Verabschiedung; er giebt weiter an alle Offiziere der Armee bestimmte Weisungen über den Ausschluß der Oeffentlichkeit, die hinausgehen über die bisherigen gesetzlichen Be- stimm un gen. Beide Anordnungen find mit Sinn und Wortlaut des 8 283 des Reichs-MilitärsttafverfahrenS nicht vereinbar. In§ 283 Abs. 2 ist dem Kaiser die Befugnis beigelegt. Vor- schriften darüber zu erlaffen. unter welchen Voraussetzungen das Gericht die Oeffentlichkeit der Verhandlung wegen Gefährdung der DiSciplin ausschließen soll. Eine derarttge Vorschrift ist unter dem 23. Dezember 189S ergangen. Es ist klar, daß die in ß 283 Abs. 2 gegebene Befugnis nur allgemeine Vorschriften zuläßt, nicht aber Vorschriften für den besonderen, einzelnen Fall. Wie die allgemeine Vorschrift auf den einzelnen Fall anzuwenden ist, das ist durch daSGesetz allein und ausschließlich in daS Urteil der Richter ge- stellt. ES ist nötig zu erinnern, daß bei der Beratung des neuen Militärgerichtsverfahrens im Reichstag dieser Grundsatz auS- drücklich und ausführlich festgestellt wurde. In der Kommission deS Reichstags, welch« die zweite Lesung deS Entwurf» zum Militär- gerichtsverfahren vorbereitete, trat die Meinung auf. es sei unklar. „ob sseitens der Regierung) daS kaiserliche Recht zum Erlaß einer Verfügung im Einzelfalle oder eine generelle Verfügung hmjichtlich deS Ausschlusses der Oeffentlichkeit des Verfahrens gesetzlich festgelegt werden solle. Es erscheine nicht wünschenswer im Interesse der kaiserlichen Autorität, daß seine Person in eine gerichtlichen Verhandlung mit einbezogen würdr. Dies würde in sensationellen Prozessen und bewegten Zeiten viel Verstimmung hervorrufen. Deshalb sei es bester, wenn die Entscheidung über den Ausschluß der Oeffentlichkeit lediglich den Gerichten überlassen bliebe, die gesetzlich unan- greifbar seien.- Dazu gab nun der damalige Kriegsminister v. Goßler vor der Kommission diese Erklärung: „Diese Allerhöchsten Bestimmungen sollen sich auch nicht aus den einzelnen Fall beziehen, sondern nur Direktiven geben, ob und wie im Interesse der Auftechterhaltung der Disciplin die Frage des Ausschlusses der Oeffentlichkeit zu beurteilen bezw. zu handhaben sei. Die Disciplin sei nur ein Teil der militärdienstlichen Interessen. Da aber durch Z 8 des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 1874 die Handhabung der Disciplin bereits in die Hände Sr. Majestät gelegt sei, so müsse auch das Allerhöchste Kaiserliche Recht, in dieser Beziehung maßgebende Vorschriften zu erlassen, anerkannt werden. Daß etwa durch den im Entwurf vorgeschlagenen zweiten Absatz des§ 270(später 283) die Oeffentlichkeit wieder in größerem Umfange eingeschränkt werden solle, sei weder be- absichtigt, noch zu befürchten. Denn es wäre doch un- würdig, an den Worten des Kaisers zu zweifeln, welcher im§ 269 (später 282) die Oeffentlichkeit zugegeben habe und nunmehr auf einem Schleichwege dir Zurücknahme seines Wortes wiedercrrcichcn wolle." Nachdem dann aus der Mitte der Kommission noch besonders festgestellt wurde, daß es sich also„nur um den Erlaß einer generellen Verfügung handeln könne-, nahm die Kommission dann die Bestimmung an, wie sie darauf endgültig im K 233 Absatz 2 Gesetz wurde. Es ist unzweifelhaft festgestellt, daß das Gesetz dem Kaiser das Recht zu allgemeinen Vorschriften über den Ausschluß der Oeffentlich- keit im Interesse der Disciplin giebt, ebenso aber dem Richter daS Recht und die Pflicht, diese Vorschriften in unabhängigem freien Ermessen auf den einzelnen Fall anzuwenden. Das schließt aus, daß der Richter, auch wenn er nach Ansicht seiner Vor- gesetzten eine falsche Auslegung der allgemeinen Vorschrift gewählt hat. dafür gerügt, mit ernstem Mißfallen getadelt und zum Abschiedsgesuch gedrängt werden darf. Bekanntlich hat auch der Reichskanzler, der höchste verantwortliche Beamte des Reiches, die Auffasiung der Richter im Bilse-Prozeß gebilligt und ihr Verhalten gerade als förderlich für die Disciplin im Heere erklärt. Die Herren im Militärkabinett können abweichender Meinung sein, es ist aber wider das Gesetz, einen Erlaß zu ver- anlassen, der die Richter tadelt und in den Ruhestand versetzt. Die Order vom 1. Dezember 1903 ist darum als unzulässig zu erachten. Sie ist auch unzulässig, weilihr die Gegenzeichnung deS verantwortlichen Beamten der Regierung fehlt. Die Order enthält nicht bloß den Ausdruck der Unzuftieden� heit des obersten Kriegsherrn mit den Richtern im Bilse-Prozeß, sondern eine darüber gehende Anweisung über den Ausschluß der Oeffentlichkeit aus Gründen der Disciplin. Die Tragweite dieser Anweisung wird bekundet durch ihren Erfolg: die Oeffentlichkeit der Militärgerichte ist im äußersten Maße eingeschränkt worden. Eine Order, die diesen Erfolg hat, ist nicht eine Aeußerung der Kommandogewalt, sondern eine Vorschrift im Sinne des ß 283 Absatz 2 und sie hätte daher der Gegenzeichnung des Reichskanzlers bedurft, die dieser auf Wunsch des Kaisers gewiß auch geleistet haben würde trotz seiner entgegengesetzten Ansicht über den Ausschluß der Oeffentlichkeit vor den Militärgerichten. Die Vor- schrift vom 28. Dezember 1899 ist unter der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe ergangen, sie ist durch den Kriegsminister v. Goßler unter dem 20. Juli 1900 zur öffentlichen KennwiS der Armee gelangt. Wollte der Kaiser eine ergänzende oder erläuternde Vorschrift erlassen, so durste dies nicht durch das geheime Militärkabinett geheim geschehen, sondern offen durch Bekannt- gäbe im Militär- Verordnungsblatt und unter der Verantwortlich- keit des Reichskanzlers. Dann hätten alle Vertreter der Gerichts- öffentlichkeit diese Vorschrift ebenso bekämpft wie jetzt, aber es wäre ein offener und verfassungsmäßig geordneter Streit, während nun sich die geheime Nebenregierung Bestlgnijse des Reichskanzlers angeeignet und den höchsten Beamten des Reiches in die fatale Lage gebracht hat, Ansichten vor dem deutschen Volke feierlich auszusprechen, die im denkbar grellsten Widerspruch mit den Ansichten des Monarchen stehen. Das sind gänzlich unhaltbare Verhältnisse. Sie haben ihren tieferen Grund in der unklaren Vermischung der Kom- mandogewalt mit der richterlichen Gewalt, die das gesamte Militärstrafvcrfahren aufs schwerste schädigt. Offiziere, die in ihrer Thätigkeit als Richter jeder Zeit gewärtig sein müssen, bei abweichender Ansicht ihrer Vorgesetzten gerüffelt zu werden und sogar das jähe Ende ihrer ganzen Lausbahn zu erleben, sind völlig ungeeignet zur richterlichen Thätigkeit. In diesen Abgrund der Militärjustiz hat das Licht, das wir am Geheimerlaß des Militärkabinets vom 1. Dezember 1903 anzündeten, blendend hineingeleuchtet.__ Ein Durchbrnch der Port Arthur- Flotte? AuS T s ch i f u und Tokio sind heute bedeutsame Meldungen über einen Durchbrnchsversuch der Port Arthur-Flotte eingegangen. Freilich steht es zur Stunde noch nicht fest, ob es den russischen Schiffen in ihrer Mehrzahl gelungen ist, die offene See zu gewinnen. Admiral Togo selbst berichtet nur über das Auslaufen der russischen Flotte am Mittwoch und einen schweren Kampf mit der japanischen Flotte. Ueber den A u s g a n g des Kampfes macht er keinerlei Mitteilungen. Die aus japanischer Quelle stammenden Nachrichten lauten: Tokio, 11. August.(Meldung deS Rcuterschen BureauS.) Das Feuer der an der Küste bei Port Arthur aufgestellten japanischen Batterien trieb gestern die russische Flotte seewärts; sie kam aus dem Hafen heraus. Admiral Togo ging sofort zum Augriff vor. Der Kampf war sehr heftig und dauerte bis zum An- bruch der Nacht; später machten die japanischen Torpedoboote noch eine Reihe von Angriffen aus die russische Flotte. Die japanische Flotte zog sich dann zurück bis auf ein Wachtschiff, das den Hafen überwachen sollte. Das Wachtschiff berichtete dann, daß es in der Dämmerung die russischen Kriegsschiffe„Netwisan" und„Pobjcda" nach dem Hafen zu habe fahren sehe». Togo macht über das Ergebnis des Kampfes oder die Verluste keine Mitteilungen. Tokio, 11. August. Amtliche Mitteilung. Verschiedene Be- richte von Talirnwan zeigen, daß daS Port Arthur-Gcschwadcr am Morgen des 10. August aus dem Hafen herauskam, worauf sich eine heftige Seeschlacht bis zum Abend entwickelte. Während der Nacht schien unsre TorpedobootSzerstörer-Flottille das russische Ge- schwader angegriffen zu haben. Beim Morgengrauen des 11. August machte es den Eindruck, als ob sich die„Retwisan" und ein andres Linienschiff, vom Typ Pobjeda, nach Port Arthur fluchteten. So wichtig es wäre, Nachrichten über den Ausgang des Ge- fechtes zu haben, so müßig wäre es doch, allerhand Betrachtungen über die Gründe anzustellen, die Admiral Togo vcranlaßten, fich hierüber gerade auszuschweigen. Man könnte annehmen, die japanische Flotte habe bei dem Gefecht schlecht ab- geschnitten, so daß sich deshalb Togo in Schweigen gehüllt habe. Allein die japanischen Gefechtsberichte zeichneten sich bisher im Großen und Ganzen vor den russischen dadurch aus, daß sie weder errungene Erfolge übertrieben, noch erlittene Verluste zu vertuschen suchten. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß Admiral Togo zu der Zeit, als er seinen Bericht absandte, selbst über die russischen Verluste und den Verbleib des Gros deS GeschlvaderS im unklaren war. Immerhin erscheint es nicht ausgeschlossen, daß es einer Anzahl russischer Schiffe während der Nacht gelungen ist, vorläufig zu entkommen. Daß es diesen Schiffen gelingen sollte, nach Wladiwostok entkommen, ist kaum wahrscheinlich. Sie würden dabei höchst- wahrscheinlich auf die Schiffe Kamimuras stoßen, möglich«- weise auch von Togos Kreuzern eingeholt werden. In Betracht käme freilich auch die Flucht nach neutralen Häfen, z. B. nach K i a u t s ch 0 u. Man wird aber, bevor man diesen Gedanken weiter ausspinnt, erst nähere Nachrichten abwarten müssen. Könnte die russische Flotte doch auch in der Nacht einfach wieder in den Hafen von Port Arthur zurückgekehrt sein! Dieser Auffassung widersprechen allerdings folgende Telegramme aus T s ch i f u, die es so darstellen, als ob der russischen Flotte nach erfolgreichem Kampfe mit den Schiffen Togos die Flucht ins Weite gelungen sei: Tschifu, 11. August.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) Ein russischer Torpcdobootszerstörer, der 5 Uhr 30 Minuten morgens hier eintraf, meldet, daß sechs russische Linienschiffe, vier Kreuzer und die Hälfte der Torpedoboote aus Port Arthur entkommen seien. Der Torpcdobootszerstörer verließ Port Arthur am 10. abends. Er hatte fünf Passagiere an Bord, welche berichten, daß dir Japaner dir Russen verfolgen und eine Schlacht auf offener See zu erwarten fei. Tschifu, 11. August.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus-.) Drei japanische Torpedobootszerstörer, die sich außerhalb des Hafens befinden, warten auf den Torpedobootszerstörer„Retschi- telni-, der noch die russische Flagge führt. Die russische Flotte hat Port Arthur auf Befehl des Admirals Skrydloff verlassen. Nach einem halbamtlichen Telegramm wird die Nachricht. daß die russischen Kriegsschiffe„Pobjeda" und„Retwisan" beschädigt nach Port Arthur zurückgekehrt seien, für unbegründet erklärt. Weiter wird gemeldet, der japanische Kreuzer„Kasagi" sei in einem Gefecht aus der Höhe von RoundiS- land gesunken. Die russischen Schiffe hätten, bevor sie von Port Arthur abgefahren seien, große Vorräte sowie Maschinenersatzteile und Material zur Aus- besserung von Schiffen an Bord genommen. Sollte es den russischen Schiffen wirklich gelungen sein zu ent- kommen und sollte ihnen eine Vereinigung mit dem Wladiwostok-Ge- schwader glücken, so könnte das den Japanern sehr un- angenehm werden, sofern nichtbald dieEinnahme Port Arthurs erfolgt! Allerdings scheint eS, als ob der Fall Port Arthurs dicht bevor- stände. Das erste der beiden Telegramme auS Tokio behauptet ja, daß die russische Flotte durch das Feuer der japanische» Belagerungs- gcschühe genötigt worden sei. den Hafen zu verlassen. Hiermit stimmt folgende Londoner Meldung überein: London, 11. August. Nach einer Depesche aus Tokio von heute wird der Ring um Port Arthur täglich enger geschlossen. Die japanischen Belagerungsgeschütze sind so gut anfgestellt, daß alle russischen Befestigungen, die Stadt und Kriegsschiffe im Hafen durch hochwinkligcs Feuer mit einem andauernden Geschoß- Hagel bedeckt werden. Der fernere Aufenthalt der Kriegsschiffe im Hasen ist auf die Dauer unmöglich. Daher versuchten sie gestern früh, aus dem Hafen zu entkommen, aber Togos Wachsam- keit verhinderte die Flucht. Ein heftiges Gefecht entspann sich zwischen der russischen Flotte und den Forts einerseits und Togos Flotte andrerseits und dauerte den ganzen Tag. Darauf wurden heute nacht japanische Torpedoboote beordert, die russische Flotte anzugreifen. Bisher ist über das Resultat und die etwaige Be- schädtgung russischer Schiffe nichts bekannt, doch wurde gesehen. bah„Retwisan" und„Pobjeda" heute früh außerhalb des Hafens Waren. Fällt Part Arthur bald, so würde auch daS glückliche Entkommen der russischen Port Arthur-Flotte keine große Bedeutimg haben. Denn die japanische Flotte würde dann Wladiwostok ebenso blockieren, wie sie bisher Port Arthur blockiert hatte. pottttfdK QebcrHcbt. Berlin, den 11. Angust. Zuverlässige Justiz. Die Zusanimensetzmig der Königsberger Strafkammer für den Zaren-Prozeß hat großes und berechtigtes Aussehen e»regt. Allerlei Zufälle hatten es gefügt, daß die Znsammensetzung der Straf- kammer die ordnungsmäßige Norm weit verließ, daß ein Staats- anwalt, der jüngst zuvor noch in Erfurt eifrig gegen die Social- dcmokratie plädiert hat, mit auffälliger Plötzlichkeit Vorsitzender des Prozesses und ein sehr junger Assessor, der noch nicht die volle richterliche Unabhängigkeit genießt, Referent der Strafkammer wurden. Dazu kam das denkwürdige Wort des Staats- anwalts in den Gerichtsakten:„Bei dem Interesse, welches der Justizminister dem Prozeß entgegenbringt", bitte ich Sie, recht zu- verlässige Beamte mit der Untersuchung zu betrauen." Eigenartige Zufälle solcher Art sind aber keine Besonderheit Königsbergs und des Zarcnprozesses. Auch in Berlin erleben Angeklagte das seltsame Schicksal, daß sie gerade vor solche Richter gebracht werden, die den Ruf besonders harter Beurteilung in politischen Prozessen genießen. Bekanntlich ist wegen Beleidigung der Aerzte in Plötzensee ein Strafverfahren eingeleitet worden. Das Per- fahren ist zuerst gegen den Redakteur der„Zeit am Montag" Herrn Schnei dt eingeleitet worden. Als später das Verfahren ans die beiden Redakteure des„Vorwärts", unsre Kollegen Büttner und Kaliski sowie Herrn Ahrens ausgedehnt wurde, stand zunächst an der Spitze der Angeklagten noch immer, wie es dem Gang des Ler- fahrens entsprach, Herr S ch n e i d t. Es war ein Verfahren gegen Schneidt und Genossen. Ebenso hat der Staatssekretär des Reichs- Jnstizamts, Dr. Rieb er ding, als er, anstatt Besserung der traurigen Zustände in den Strafanstalten zu versprechen, Mitteilung machte, daß mit Strafanirag vorgegangen werde, an erster Stelle ganz korrekt die„Zeit am Montag" genannt, da dieses Blatt zuerst Veröffentlichungen über die Mißstände in Plötzeusee gemacht hat. Plötzlich aber wendete sich das Blatt. Als die Angeschuldigten den Beschluß aus Eröffnung der Voruntersuchung erhielten, nahmen sie wahr, daß das Verfahren sich wendet gegen 1. Kaliski, 2. Büttner, 3. Schneidt, 4. Ahrens. Aus Schneidt und Genosse» ist Kaliski und Genossen geworden. Wie konnte dieser Wandel in der Reihenfolge möglich werden? Es kommt hinzu, daß Genosse Kaliski keineswegs der„Haupt- thäter" ist, denn er hat nur einen der inkriminierten Artikel zu verantworten,'während Schneidt und Büttner mehrere Artikel zu verantworten haben. Auch ist der Artikel, den Kaliski zu ver- antworten hat, nur eine Wiedergabe aus der„Zeit am Montag", welche die betreffenden Mitteilungen zuvor ge- macht hat. Die seltsame Namenumstellung hat aber die Wirkung, daß sämtliche Angeklagte nicht vor die Nichter derjenigen Strafkammer gelangen werden, vor die sie ordnungsgemäß ge- hören. Statt vor die Strafkammern VII und IX gelangen sie auf diese Art vor die Strafkammern HI und IV. Und wieder will eS der Zufall, daß insbesondere die IV. Strafkammer in dem Rufe steht, in politischen Prozessen besonders eifrig und, um nach dem be- rühmten Worte Bismarcks zw reden, zuverlässig zu sein. Der Verteidiger eines der Angeschuldigten hat, wie wir hören, gegen dieses Verfahren bei der Obcrstaatsanwaltschast wie bei dem preußischen Justizminister und den, Staatssekretär des Reichs- Justizamtes dringliche Vorstellung erhoben. Es ist im Interesse der Justiz zu fordern, daß der unglückselige Zufall, der die Angeschuldigten dem ordentlichen Richter entzieht, schleunigst korrigiert und dem Verdacht in den Kreisen des Volkes nicht Nahrung geboten wird, als sei es in Preußen möglich, daß Angeschuldigte vor ein Ausnahmegericht von Richtern gestellt werden, die als besonders zur Verurteilung geneigt gelten!— Ein neneS ZengniszwangSverfahren. Auf Donnerstagvormittag wurde unser Redakteur Genosse Büttner zun« Amtsgericht bestellt, um in einem Ermittelungs- verfahren als Zeuge vernommen zu werden. Es zeigte sich, daß auf Antrag des Vorsitzenden der Königsberger Zaren- Strafkammer ein Disciplinarvcrfahren gegen Unbekannt ein- geleitet worden ist. Unbekannt soll die vom„Vorwärts" in Nr. 167 gemachten Mitteilungen über die Zusammensetzung der Strafkammer diScipliuwidrig der Oeffentlichkeit mitgeteilt haben. Unser Genosse Büttner soll nun als Zeuge auftreten, um Herrn Unbekannt bekannt zu machen. Da Büttner jegliche Aussage verweigerte, wurde vom Amtsrichter eine Geldstrafe von 20 M. gegen ihn verhängt. Ein neuer Termin ist auf den 30. August angesetzt worden. Selbst wenn es wahr wäre, was nicht wahr ist, daß jene Mit- teilung des„Vorwärts" auf eine Verfehlung gegen die Beamten- disciplin beruht, so liegt gleichwohl und in jedem Fall in der Zu- inutuug an den Redakteur unsres Blattes, Unbekannt zu nennen oder an seiner Aufspürung mitzuwirken, die Aufforderung, eine Handlung zu begehen, die in der ganzen deutschen Oeffentlichkeit als eine unanständige und pflichtvergessene Handlung gilt. Es kommt hinzu, daß ein Zengniszwangsverfahren in einem bloßen Disciplinarverfahren überhaupt nicht statthast ist. Wenn einige Gerichte die Statthaftigkeit eines solchen Verfahrens an- genommen haben, so ist ihre Annahme doch gegen den Sinn des Gesetzes. In keinem Falle aber wird der Versuch, durch ein Zwangs- verfahren unfern Redakteur zur Preisgabe irgend welcher interner Redaktionsangelegenheiten zu nötigen, von Erfolg sein. Man bemüht sich völlig nutzlos. Es wäre richtiger, solch- Bemühungen zu unter- lassen und dafür zu sorgen, daß die Zusammensetzung von Zaren- gerichten nicht zu Mitteilungen an die Presse Anlaß giebt, die den Zarenrichtern mißfallen. Die Sndwcstafrikaner bei dem Kaiser. Die Delegierten der südwestafrikanischen Ansiedler sind am Mittivoch vom Kaiser empfangen worden. Der Empfang hat lange auf sich warten lassen. Monatelang mußten sich die Delegierten gedulden, bis sie zur Audienz zugelassen wurden. In der kon- servativen Presse sogar erhob sich bereits vernehmliches Murren über die Hiuauszögerung des Enipfanges. Aber es scheint, als ob die Delegierten nun doch von dem Erfolge ihrer Mission vollauf befriedigt wären. Hat ihnen doch der Kaiser jede Unterstützung ihrer Forderungen zugesichert. Ueber den Enipfang wird gemeldet: „Der Reichskanzler, der seine Uniform als Oberst trug. stellte die Mitglieder der Abordnung, die Herren F. Erdmann, Albert Voigts, Karl Schlettwein, M. Kürsten und Otto Erhard, dem Kaiser. der in Generalsuniform war. vor. Der Kaiser begrüßte jeden niit einem Händedruck. Alsdann trug der Sprecher der Abordnung, Farmer F. Erdmann, die Wünsche und Forderungen der Ansiedler, die durch den Aufftand der HercroZ ja zum größten Teil um ihr Hab und Gut sowie die Früchte jahrelanger Pionierarbeit gekommen sind, in knappen Worten vor! er suchte kurz das zu begründen, worauf die An- siedler Ansprüche zu haben glaubten. Aus der sehr ein- gehenden Antwort des Kaisers ging hervor, daß der Herrscher über die einschlägigen Verhältnisse in unsrer so schwer heimgesuchten Kolonie v o l l st ä n d i g unterrichtet ist. Auch gewannen die sämtlichen Mitglieder der Abordnung die z u v e r- sichtliche II e b e r z e u g u u g, daß ihre Sache nicht nur an den Rcichsbehörden, sondern am Kaiser selber einen eifrigen und verständnisvollen Fürsprecher habe. B e s o n d e r e F r a g e n an die einzelnen Herren wurden nicht gerichtet. Nach ungefähr einer halben Stunde Ivar der Empfang beendet. Mit einem Händedruck und dem Wunsche „Glückliche Reise" verabschiedete sich der Monarch von den Farmern. Diese sind von dem Ergebnis dieses langersehnten Empfanges völlig befriedigt." Eine Zeitungskorrespondenz macht dann über die A u S- führungen des Kaisers folgende Mitteilungen: „Bei der Audienz am DonnerSlagmittag antwortete der Kaiser dem Sprecher der Deputation in längerer Erwiderung, worin er zunächst die Opfer des Anfstandes seiner tiefsten Teilnahme ver- sicherte. Was die Entschädigungsfrage betreffe, so stehe er an der Spitze eines koustitutiouellen Staatswesens, wo diese Frage ver- fassungsmäßig Sache der Legislative sei. Der Reichs- k a n z l e r werde aber in vollem Einvernehmen niit ihm sich bemühen, vom Reichstage weitere Mittel zur Entschädigung der Ansiedler zu erlangen. Wenn bald nach Ausbruch des Aufstandes unter den Farmern, nachdem ihre Existenz vielfach vernichtet und nicht ausreichende Mittel zum Wiederaufbau bewilligt worden wären, sich eine Bewegung gezeigt habe, das Land zu ver- lassen, so hoffe er, daß die Farmer sich das Beispiel ihrer Vorfahren in der alten Heimat, die auch viele schwere Kämpfe um ihre Existenz durchzuhalten hatten, ohne sich entmutigen zu lassen, zum Vorbild nehmen und als Pioniere deutscher Kultur auf ihrem vorgeschobenen Posten ausharren würden. In der großen militärischen Macht- entfaltung, die zur Niederwerfung des Anfftandes aufgeboten worden sei, könnten die Ansiedler eine Gewähr erblicke», daß Deutschland diese Kolonie, von deren sehr großem Werte er voll überzeugt sei, für alle Zeiten festhalten und dafür sorgen wolle, daß ähnliche Vorkommnisse lvie dieser Auf st and für alle Zu- kunft unmöglich sein sollen. Er würde einen Fortzug der Ansiedler sehr bedauern, weil dann die ganzen Kosten der jetzigen Militärexpedition und vor allem alle die beklagenswerten Opfer an Menschenleben umsonst gemacht worden wären. E r werde alles thun, was in seinen Kräften st ehe, um den An- siedler n zu ihrem Rechte zu verhelfen.— Hieran, überreichte der Sprecher der Abordnung, Herr Erdniann, ein Exemplar der von der Abordnung herausgegebenen Denkschrift und sprach die Ileberzeugung ans, daß jetzt von den Ansiedler» niemand mehr das Land verlassen würde, nachdem s i e wüßten, daß i h rK a i se r hinter ihnen stehe." Die Audienz dauerte, trotz der damit verbundenen Förmlich- keiten, nicht länger als eine halbe Swnde. Die Delegierten konnten ihre Forderungen nur„knapp" zu begründen„versuchen". Der Kaiser hielt dagegen eine längere Ansprache und zeigte sich, nach den Versicherungen der Presse, derart gut unterrichtet, daß er besondere Fragen an die Südwestafrikaner nicht zu richten brauchte. Er ver- sicherte, daß er ihren Forderungen sympathisch gegenüberstehe, ebenso wie der R e i ch s k a n z l e r, der bemüht sein werde, für die Ansiedler weitere Bewilligungen zu erlangen. Demgegenüber wäre es d o p p e l t e P f l i ch t des Reichstages, die Forderungen der Ansiedler seinerseits um so objektiver und sorg- licher zu prüfen. Das ist aber von vornherein ausgeschlossen, da man sich zu einer gründlichen Untersuchung der wahren Ursachen des Herero- Aufftandes niemals bequemen wird. Die Schuld der Regierung sowohl wie der weißen Bewohner ist so groß, daß eine gründliche Untersuchung ein geradezu abschreckendes Exempel der Kolonialpolitik statuieren würde. Sich selbst ein derartiges Sünden- register vorzuhalten, daran denkt natürlich die vom Kolonialkollcr befallene Mehrheit unsres Reichstages gar nicht. Sie, die alle Schuld den H e r e r o s in die Schuhe schiebt, kann deshalb auch gar nicht anders, als den Ansiedlern ihre Forderungen zu be- willigen. Die Ansiedler werden also vergnügt nach Südwestastika zurück- kehren, der Reichstag wird ihnen reichliche Entschädigungen be- willigen, und die deutsche Kolonialpolitik wird sich„Volldampf voraus" in immer neue, kostspielige Kolonialabenteuer stürzen!— Dcutfcbca Reich. Zu den Marinepläne» werden allerlei unsichere Nachrichten um getragen. Immerhin soll nicht»»verzeichnet bleiben, was die „Nordd. Reichskorresp." darüber wissen will: „Seit den Erklärungen im letzten Winter ist keine offiziöse Verlautbarung erfolgt, die auf eine Aeuderung in den Regierungs- entschliissen, soweit solche überhaupt schon vorliegen, schließen ließe. Wir haben also eine Novelle zu erwarte», die ein drittes Doppelgcschwader mit den dazu gehörige» Kreuzern fordern und den beschleunigte» Bau desselben neben den in den Flottengesetzen vorgesehenen Schiffsbauten verlangen wird. Eine Verquickung zwischen der neuen Marinevorlage und der ver- hältuismäßig unbedeutenden(?) Heeresforderung wird unter keinen Umständen stattfinden. Falsch ist es, wenn behauptet wird, man wolle noch länger zögern und die Erfahrungen des ostasiasischen Krieges abwarten. Diese Erfahrungen hat man bereits im ersten Teile des Krieges gemacht, neue Ueberraschungen auf maritimem Gebiete sind schwerlich mehr zu erwarten." Wenn die Regierung wirklich derartig ungeheuerliche Marine- Pläne wälzt, so möge sie sich zunächst überlegen, Ivoher sie bei der jämmerlichen Finanzlage des Reiches die Geldmittel hernehmen will. Bei allem„Vertrauen" in den herrschenden Marinewahn können selbst wir so tolle Pläne zunächst nicht glauben.— Gegen die Schmublittcratur. In Köln soll im Oktober ein„internationaler Kongreß gegen die unsittliche Litteratur" stattfinden. Der Veranstalter des Kongresses, Lic. Weber, hat ausdrücklich nur solche Persönlichkeiten eingeladen, welche auf dem Boden der„heutigen Staatsordnung" stehen. Wir haben von dieser Torheit nicht Kenntnis genommen, da der socialdemokratische Kampf gegen den Schmutz in der Litteratur und die Hebung der Volkslektüre jenes Kongresses nicht erst bedarf. Dagegen hatte die„Verl. Ztg." die parteiische und schädliche Haltung des Lic. Weber gerügt und ihre Verwunderung ausgesprochen, daß„auch ein frei gesinnter Geistlicher wie Dr. P f a n n k u ch in Osnabrück ein Referat für eine derartig gestempelte Versammlung angenomnien habe". Dr. Pfannkuch sagt jetzt in einer Zuschrift an die genannte Zeitung, er habe nicht voraussehen können, daß die Einberufer so falsch handeln könnten, und habe bereits sich dem Protest an- geschlossen, den AvinariuS im„ K u n st iv a r t" erhoben. Weiter aber macht Dr. Pfannkuch eine recht interessante Bemerkung. die den konservativen Sittlichkeitseifrigen nicht erfreulich sein wird: „Im übrigen huldige ich— politisch nach keiner Seite hin, engagiert— dem vielleicht etwas unmodernen Grundsatze, meine Ansichten über Volksbibliotheken und Lesehallen überall da vorzntrageir und zu verteidigen, wo man mich hören will, mag dies nun in konservativen oder socialdemokratische» Versammlungen sein. Willkommener sind mir freilich— ich wage es offen zu gestehen— konservative Versammlungen, weil ich in nieiuer jahrlangen Agitationsarbeit immer wieder die Be- obachtling gemacht habe, daß man in socialdemokratische» Kreisen von der Bedeutung großer freier öffentlicher un- parteiischer Bibliotheken und Lesehallen für die Hebung der Volks- bildung und die Bekämpfung der Schund- und Schmutzlitteratur längst überzeugt ist." Wenn unter Bekämpfung der Uiisittlichkeit in der Litteratur nicht scheinheilige und kunstfeindliche lex-Heinzerei verstanden wird, so darf allerdings die Socialdemokratie in Anspruch nehmen, daß sie für die Bekämpfung der Schund- und Schmutzlitteratur mehr gethan hat als irgend eine Richtung sonst. Die Konservativen dagegen haben stets die„socialdemokratische Unsitclichkeit" zu bekämpfen gesucht und lassen lveite Schichten des Volkes in Unwissenheit, in Schmutz und Schund verkommen.—_ Kein zweites Forbnch? Wie aus Meiningen gemeldet wird, ist gegen den Lieutenant H e m nt a n n vom 32. Infanterie- Regiment in Meiningen die kriegsgerichtliche Unter« s n ch u n g wegen Beleidigung � Vorgesetzter durch Verbreitung von Schriften eingeleitet worden. Lieutenant Hemmann hat nach dem Muster von Bilse einen Roman unter dem Titel„Erfahrungen einer Amerikanerin in einer kleinen preußischen Garnison", der bei Sattler in Braunschweig ersckneuen ist. ge- schrieben, in dem eine Reihe erster Familien ziemlich stark kompro- niittiert scheine». Der Verfasser des Buches, in dessen Wohnung eine Haussuchung belastendes Material ergeben hat, ist geständig. Da der Prozeß des Bilse Nr. 2 hinter verschlossenen T h ü r e n abgehandelt werden wird, so wird es—„kein zweites Forbach" geben.—_ Zur Fleischbeschau-Verschlechterung. Gegen die vom preußischen Landtage angenommene Novelle zum Fleischbeschau-Gesctz haben die Oberbürgermeister von Berlin. Breslau, Köln, Königsberg. Frankfurt a. M. und andrer Städte eine Eingabe an das Staatsministerium gerichtet, worin sie bitten, diesem Gesetzentwurf die verfassungsmäßige Zustimmung nicht zu erteilen. Die Petition faßt noch einmal alle die Bedenken zusammen, welche die Ober- bürgermeister gegen die agrarische Gesuudheitsgcfährdung der Städte geltend zu machen haben.— München, 11. August. Heute vormittag 11 Uhr wurde durch den Prinzregenten der bayrische Landtag mit dem üblichen Ceremonicll geschlossen. Der Landtagsabschied konstatiert, daß sämtliche Materien, über welche in sechsjähriger Legislaturperiode die beiden Kammern einheitliche Beschlüsse erzielt hätten, durch allerhöchste Sanktion erledigt wurden.— Eine dunkle Angelegenheit. Zum Fall Wessel wird uns weiter aus Rom geschrieben: Die durch die lviderrechtlich erfolgte Auslieferung des Lieutenants Hellmilt Wessel heraufbeschworene Agitation fängt an, dem Ministerium sehr unangenehm zu werden. Es hat daher dieser Tage einen Waschzettel in den Ordnnngsblättern abgelagert, in dem die Wessel zur Last gelegten gemeinen Verbrechen aufgezählt sind. Wessel hätte demnach in folgender Weise Unterschlagungen begangen und Unterschriften gefälscht. Er hätte in Erfahrung gebracht, daß der preußische Ulaneulieutenant Wladimir B e ck e r in Thorn dem Italiener Leouardi Sutti 1020 Lire für Spielschulden schuldig sei. Darauf hätte Wessel von Brüssel aus an Lieutenant Becker in Thorn geschrieben und in einem Briefe vom September 1899 mitgeteilt, daß er dem genannten Italiener 650 Lire als Teilzahlung auf seine Schuld für Becker gegeben habe. Becker hätte darauf die übrigen 370 Lire gesandt und Wessel gebeten, sie auszuzahlen. Wessel soll nun nicht bloß diese 370 Lire unterschlagen haben, sondern auch einen Brief auf den Namen Sutti gefälscht haben, worin über die 370 Lire quittiert wird und um den Restbetrag von 650 Lire ge- beten, mit dem Bemerken, die von Wessel erhaltenen 650 Lire feien nur zur Tilgung einer Privatschuld Wessels eingezahlt worden. Darauf hätte Becker auch diese 650 Lire bezahlt und für die Gesamtzahlung eine von Wessel auf den Namen Sutti gefälschte Ouittung erhalten, Aber selbst wenn diese Darstellung richtig wäre, blieben noch aller« Hand Frage». Zunächst ist ein deutsches Gericht für die in« Ausland begangene strafbare Handlung nicht zuständig. Ein Strafverfahren der belgischen Behörden liegt nicht vor. Dann, wie erklärt sich der fanatische Eifer in der Verfolgung Wessels, wenn es sich lediglich um einen gemeinen Verbrecher handelte? Wie kommt es, daß Italien beinahe 16 Monate lang Wessel im Gefängnis hielt und ihn dann auslieferte, in einer der italienischen Prozedur in AuSlieserungS« fachen widersprechenden Weise, d. h. ohne vorherige Prüfung der gegen den Angeklagten vorliegenden Thatsachen? Das ganze ist um so verdächtiger, als angenommen wird, daß Wessels Zeugnis dem Pariser KassationShof in der Assaire Dreyfus sehr wichtig wäre. Man glaubt, daß Wessel nicht nur ausschlaggebendes Entlastungsmaterial für Dreyfus besitze, sondern auch Auhaltepunkte über den wahren Schuldigen sowie über den Staat, in dessen Sold dieser stand. Wessels Doku- meute befinden sich in Brüssel, in Verwahrung des Dr. Drei» el, Rechtsanwalt am Appellationshof. Weiter tritt in der Londoner Presse die Behauptung auf, Wessel solle in Deutschland wegen Spionage prozessiert werden. Dann wäre also doch die Auslieferung unter einem Vorwand bewilligt worden und der Offizier würde für ein Verbrechen unter Anklage gestellt, für das er nun und ninnner ausgeliefert werden konnte! Geschieht das, so ist die offizielle Nachricht falsch, daß die deutsche Regierung sich verpflichtet habe. Wessel nur wegen der gemeinen Verbrechen abzuurteilen. Da die Kammer geschlossen ist, hat das organisierte Proletariat der Provinz Genua beschlossen, eine Protestkundgebung gegen die widerrechtliche Auslieferung Wessels ins Leben zu rufen.— HuslancL Niederländische Kolonialgreuel. Vor kurzem hat die niederländische Regierung in Nordostsumatra einige Beamte angestellt, die über die Durchführung der zuni Schutze der Eingeborenen erlassenen Kuliordonnanz wachen sollen. Wie not- wendig eine derartige Aufsicht ist, das haben besonders auch ver- schiedcne Veröffentlichungen des politisch durchaüs nicht oppositionellen indischen Advokaten I. van den Brand bewiesen, der sich um die Aufdeckung kolonialer Schandthatcn sehr verdient gemacht hat. Nun hat dieser Mann eine neue Broschüre unter dem Titel: „De praktijk der koclie-ordonantie" bei Hoveker u. Wormser m Amsterdam erscheinen lassen. Was in diesem Buche Abscheuliches berichtet wird, könnte man nicht für möglich halten, wenn man nicht schon wüßte, welche Gepflogenheiten europäische Kulturträger in den Kolonien entwickeln. Es handelt sich hier um Schandthatcn von Angestellten kapitalistischer Unternehmungen, aber die Kolonial- Verwaltung ist wohl insofern mitschuldig, als sie nicht mit der nötigen Strenge gegen die Unmenschen vorgegangen ist. Die Broschüre beginnt niit Auszügen aus drei Anträgen auf gerichtliche Verfolgung zweier Assistenten und eines Administrators privatkapitalistischer Unternehmungen. Tie Anträge gehen aus von dem Offizier der Justiz, Rh e m r e v, dem die Regierung auf- getragen hatte, an der Ostküste von Sumatra eine Untersuchung über die Arbeitsverhältnisse vorzunehmen. Bezeichnend genug ist es, daß Rhemrev, der erste Justizbeamte, der kraftvoll für die miß- Haudellen Eingeborenen eintritt, ein Halbblut ist, väterlicher» cits holländischer, mütterlicherseits ni a l a i i s ch e r Abstammung, In allen drei Anklageschristen findet sich die Bemerkung, daß die Betreffenden„vorsätzlich ohne Befehl der einge» setzten Behörden und ohne daß ein durch allge, JRefne Verordnung borgesehener Fall vorlag" gehandelt haben. Zunächst wird berichtet, wie ein Assistent zwei javanische Frauen, nachdem er sie ganz entkleidet hatte und sie sich mit dem Bauch platt auf die Erde legen mutzten, mit einem Leder- riemen auf das nackte Gesäß so heftig schlug, daß dieser Körperteil über und über mit Striemen bedeckt wurde. Aber damit nicht genug, ließ er ihnen durch seine Haushälterin Angesicht, Brüste und Scham- teile mit feingestotzenem Lombok(spanischem Pfeffer) einreiben, ließ sie dann an Pfähle anbinden und zwar so, daß jede mit aus- gebreiteten Armen und gespreizten Beinen zwischen zwei Pfählen zu stehen kam. In diesem Zustand mutzten sie, die eine von 7 Uhr vor- mittags bis 4 Uhr nachmittags, die andre bis 11 Uhr vormittags, dastehen und das an einem Platz, wo sie vom großen Weg aus ge- sehen werden konnten.— Van den Brand teilt hierzu mit, daß, laut einer unter Eid abgegebenen Erklärung, in dieser Sache bereits einmal Anzeige bei dem Kontrolleur von Modain erstattet worden war. Dieser, als Hilfsoffizier der Justiz, meinte jedoch, die Sache nicht verfolgen zu müssen, und begnügte sich damit, einen Brief an den Chef des Unternehmens zu schreiben.— In dem zweiten Schriftstück wird ein Administrator beschuldigt, nicht weniger als 6 Kontraktkulis in verschiedener Weise so grausam„bei straft" zu haben, daß mehr oder minder lang dauernde Krankheit, in einem Fall sogar der Tod des Opfers die Folge war. Man fesselte die Unglücklichen mit eisernen Ketten an Pfähle, ließ sie nächtelang oder tagsüber in der Sonnenglut mit wundgeschlagenem Körper dastehen. Als moderner Europäer bediente sich jener Administrator auch der Elektrisiermaschine, um die armen Kulis zu quälen, deren ganzes Verbrechen war, daß sie nach Meinung ihres Arbeitgebers kontraktbrüchig geworden waren. Im dritten Fall handelt es sich um einen Assistenten, der einen Kontraktkuli an sein Pferd band, ihn so eine Stunde Wegs in schnellem Trabe über die Erde dahinschleiste und ihn dann noch eine Stunde lang Spießruten laufen ließ, so daß der Aermste mindestens 3 Tage arbeitsunfähig war. In novellistischer Form, die der Verfasser vermutlich wählte, um Anklagen wegen Beleidigung vorzubeugen, schildert er dann eine Reihe andrer Greuelthaten und man gewinnt hier leider den Ein- druck, daß es sich nicht um einzelne bestialisch verkommene Subjekte handelt, sondern daß ein sehr großer Teil der Euro- p ä e r in niederländisch Ostindien entsetzlich verroht sein mutz. So erzählt z. B. der Verfasser von einem Arzt auf einer Plantage, der an dem Hauptadministrator eine gefährliche Operation vorzu- nehmen hatte, und der, um sich Ucbung zu verschaffen, zwei chinesische Kulis hernahm, die gar nicht an der Krankheit litten, und an ihnen die Operation probierte. Der Mann kam bei den euro- päischen Patienten in den Ruf ganz besonderer Gewissenhaftigkeit. Weiter folgt eine furchtbar ergreifende Schilderung von Mißhandlung dreier javanischer Mädchen. Ganz nackt waren sie aneinandergefessellt mit Stricken vereinigt in der Hand eines Javanen, der in der andern Hand eine Peitsche trug, mit der er sie wie Gäule vor sich her trieb und entsetzlich miß- handelte „Furchtbar schreiend vor Pein, fortwährend um Gnade flehend schnellten die Frauen dahin. Unbarmherzig fuhr die Peitsche pfeifend nieder auf die nackten Körper. Dreimal war der wüste Zug um das Emplacement vollbracht, als eine der Frauen strauchelte. und die andern über sie hinstürzten auf den staubigen Weg. Dort blieben sie liegen, und wie die Peitschenhiebe auch schmerzten auf ihren Leibern, sie erhoben sich nicht. Nur das Gejammer der Armen klang Herzzerreitzend herauf. Als das Blut sie überströmte, hielt der Javane an mit der Geißelung. Und der Administrator, in einem Anflug von Weichlichkeit, sagte:„Genug, sie können nach Hause gehen."—„Das soll die Bestien lehren, hier die Hure zu spielen," setzte der sittsame Verwalter sich an die Assistenten wendend hinzu. „Kommt, laßt uns einen kühlen Trunk nehmen." Der Administrator und seine Assistenten hatten sich die ganze Zeit über an der Exekution ergötzt. Anfangs waren auch Gruppen von Chinesen und Javanen anwesend gewesen; sie zogen es jedoch bald vor, den Schauplatz zu verlassen. Die drei mißhandelten Mädchen verschafften sich in der Nacht einen Strick, teilten ihn redlich in drei Teile und erhängten sich, gepeinigt von dem bei den javanischen Frauen in höchstem Matze entwickelten Schamgefühl und um Rache zu nehmen an ihren Herren. ,„Die Bestie n", schimpfte der Administrator, als er vom Tode der Frauen vernahm,„das ist ein Verlust von 30 Gulden." So viel hatten sie nämlich nach der üblichen Lohnzahlung Vorschuß erhalten!_ Frankreich. Zu Waldeck-NousseauS Tode. Paris, 11. August. Alle republikanischen Blätter sprechen ihr lebhaftes Bedauern aus beim Tode Waldeck-Ronsscaus; die Republik verliert in ihm, sagen sie, einen ihrer berühmtesten Advokaten und einen ihrer besten Verteidiger; sie machen die Be- merkung, wenn Waldeck auch Mäßigung gezeigt hätte, so hätte er doch die Notwendigkeit von demokratischen Reformen eingesehen; er zeigte dies besonders bei dem Zustandekommen des Gesetzes, das das Syndikatswesen organisieren sollte; die Organe der Majorität betonen auf der andern Seite die Wichtigkeit der Rolle, die Waldeck seit 1339 gespielt habe; sie sehen in ihm den Retter der Re- publik in der s ch w e r st e n K r i s i s, die sie jemals durch- gemacht habe. Die Organe der Opposition, Monarchisten und Klerikalen, erkennen, wenn sie sich auch gegen die Politik des früheren Konseilpräsidenten aussprechen, immerhin seine hohe Be- gabung und seine bewundernswerte Beredsamkeit an. Ministerpräsident Cowbes hat wegen des Mlebcns Waldeck-Rousseaus seine beabsichtigte Reise aufgegeben. Es wird ein Ministerrat abgehalten werden, der über die Begräbnis- seierlichkeiten beraten wird. Die Regierung beabsichtigr, das Be- gräbnis Waldeck- Rousseaus auf Staatskosten stattfinden zu lassen. Paris, 11. August. Das Leichenbegängnis Waldcck-RousscauS ist auf Sonnabendvormittag festgesetzt. Die Leichenfeier wird in der Kirche Saint Clotilde statthaben und sehr einfach sein. Reden werden nicht gehalten und auch keine Kränze an der Bahre nieder- gelegt werden, auch eine Erweisiing von militärischen Ehren findet nicht statt. Die Beerdigung erfolgt auf dem Ilirchhofe Montmartre. Morgen Wird der Leichnam nach Paris geschafft werden.— England. Eine Regicrungs'Nicderlage. London, 11. August. Bei der durch den Tod des bisherigen Vertreters nötig gewordenen Ersatzlvahl im Kreise L a n a r k (Schottland) wurde den Konservativen mit einer liberalen Mehrheit von 942 Stimmen der Parlamentssitz entrissen, obgleich durch Auf« stellung eines eignen Kandidaten durch die Arbeiterpartei die liberale Partei geschwächt war. Der Wahlkreis gehörte seit 1386 den Liberalen, fiel aber 1991 den Konservativen zu.— Türkei. Konstantinopel, 10. August.(Meldung deS Wiener k.?. Telegr.- Korrespondenzbureaus.) In den unmittelbar beteiligten Kreisen wird die im Ausland verbreitete Nachricht von Plänen betreffend eventuelle Aendcrung in dem Protektorat über die Katholiken deS Orient« für vollständig unbegründet erklärt. Die Absicht des heiligen Stuhls geht für den Augenblick dahin, den statug quo aufrecht zu erhalten. Die französische Botschaft gab denn auch dem apostolischen Delegaten die Versicherung, daß die Verhältnisse bezüglich des Schutzes, den man den Katholiken im Orient angedeihen läßt, dieselben bleiben wie bisher. Als Beweis für diese Haltung können zwei Fälle angeführt werden, die nach dem Bruch mit dem Vatikan vorgekommen sind. Asien. Die Engländer in Tibet. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus ist der Dalai Lama aus Lhassa entflohen, ließ aber sein Siegel zurück. Oberst foujxghusband betrat mit einer Eskorte Lhassa. wo ihn der mban mit großen Förmlichkeiten empfing. Iounghusband er- suchte den Amban, die Ernennung von drei bis vier tibetanischen Delegierten zu ertvirken, die aber nicht wechseln dürften. Die Tibetaner würden vielleicht die Verhandlungen abkürzen, wenn der Amban sie darauf aufmerksam machte, daß zu den Vertrags- bestimmungen auch die Zahlung einer Entschädigung gehöre, und daß mit jedem Tage des weiteren Aufenthaltes der Engländer die zu zahlende Entschädigung tvachse.— Ein Aufruf. Herr Dr. jur. Fritz Auer veröffentlicht den nachfolgenden Auf- ruf„Zur Psychologie der Gefangenen", den wir gern wiedergeben: „Das Aufsehen erregende Buch von Hans Lentz„Aus dein Zucht- hause" enthält zweifellos ivertvolles Material für den Krimiua- listen... Zur Gewinnung wissenschaftlicher Resultate auf diesem Gebiete ist leider noch sehr wenig Stoff vorhanden. Dostojewskys„Ans einem toten Hause" behandelt speciell russische Verhältnisse. Was sonst in Betracht kommen kvniste, ist wohl nur belletristisch, doch wäre Bezeichnung einschlägiger, vielleicht brauchbarer Arbeiten sehr erwünscht. Es seien nun alleFreunde der Strafrechtsreform dringend gebeten, solche Leute, welche die Wirkung der Untersuchungshaft sowohl wie der S t r a f- Haft am eignen Leibe, vor allem an der eignen Seele beobachtet haben und auch nur einigermaßen über die Gabe der Darstellung verfügen, zu veranlassen, bezw. seien alle die- jenigen s e l b st gebeten, den Einfluß dieser beiden Arten von Gefangenschaft auf ihr inneres geistiges und moralisches Leben zu schildern und diesen Bericht an die unterzeichnete Adresse zu senden. Es wird jedem Einsender auf Ehrenwort die Diskretion zugesichert, die er in seinem Interesse gewahrt wissen will; man möge deshalb eine diesbezügliche Angabe machen und nicht anonym einsenden, letzteres schon um deswillen nicht, weil eventuell zur Klärung und Erläuterung der Berichte nähere Anfragen notwendig werden. Es handelt sich darum, Beiträge zu liefern zur Beantwortung der Fragen, einmal, ob die Untersuchungshaft in ihrer heutigen aus- gedehnten Anwendung gerechtfertigt ist gegenüber den Opfern an seelischer Kraft, die der Verhaftete(und seine Angehörigen) dabei zu bringen haben, sodann, wie der heutige Vollzug der Freiheits- strafe auf den Charakter, auf die beruflichen und gesellschaftlichen Fähigkeiten des Verurteilten einwirkt. Dr. jur. Fritz Auer, München. Dachauerstr. 9." Weiter hat Dr. Auer die Fragen, die er beantwortet wünscht, wie folgt präcisiert: „Welche Wirkung hat die Haft auf Ihre geistigen und seelischen Eigenschaften: auf das religiöse Leben, auf die beruflichen Fähig- keiten, auf gesellschaftliche Neigungen, politische Anschauungen, auf Arbeitsamkeit, Sparsamkeitstrieb, Familiensinn, Liebesleben, auf Logik, schriftlichen Stil(Intuition?), auf von Ihnen zugegebene verbrecherische Anlagen, auch solche, die vielleicht mit dem vor- liegenden Straffall nicht in Verbindung gebracht werden können? Welche Wirkung hatte die Haft in körperlicher Hinsicht anf die Verdanungsorgane(Anstaltskost?), auf das Sehvermögen, auf die Atmungsorgane(Tuberkulose), auf Blutznsammcnsctzung(Anämie), auf das Geschlechtsleben? Wie ertrugen Sie die Entwöhnung von geistigen Getränken, von Kaffee zc. 2C. und Tabak? Wie wirkte nach Ihrer Ansicht die Einzelhaft, wie die Gemein- schaftshast, beide mit einander verglichen, auf Sie? Welchen Einfluß hatten der Anstaltsgeistliche, die Anstaltsbeamten, der Lehrer auf Sie, welche» die Behandlung durch das niedere Personal? Welche Förderung oder Nachteile brachte Ihnen die Anstaltsarbeit? Mit welchen Büchern und Schriften beschäftigten Sie sich in den Mußestunden? Was können Sie mitteilen über Reue, Flucht- drang, Langeweile, über Kunstfertigkeiten, die sich in der Einsamkeit bei Ihnen entwickelten? lieber die Wirkung und Umgehung des Schlvcigegebots(Klopftelegraphie)? Ueber Disciplinarstrafen?" Wir halten das Unternehmen des Herrn Dr. jur. Auer für sehr dankenswert und möchten wünschen, daß unser Leserkreis die Aus- führungen feiner Absichten mit allem Eifer unterstützt.— GexverkfcbaftUckes. Die höchste Instanz! In Königsberg ist bekanntlich das Strcikpostenstehen verboten; der Königsbcrger Polizeipräsident gestattet es nicht. Vor einige» Wochen bekundete ein Schutzmann vor Gericht unter seinem Eide, daß der Polizeipräsident von Königsberg eine Verfügung er- lassen habe,»ach welcher das Streikpostenstehen nicht geduldet werden soll!!! Die Maurer waren aber mit der Verfügung des Polizei- Präsidenten keineswegs zufrieden. Die Ausübung des durch Gesetz gewährleisteten Rechtes wurde ihnen fast unmöglich gemacht. Auch regnete es tagtäglich Strafmandate auf die Streikposten herab. Sie wandten sich deshalb an den Vorgesetzten des Polizeipräsidenten, an den Regierungspräsidenten, in der Hoffnung, daß dieser den Polizeipräsidenten auf die Gesetzmäßigkeit des Streikpostenstehens hinweisen wird. Doch sie hatten sich getäuscht. Kürzlich erhielten sie folgende Antwort: Anf die Eingabe vom 3. und 24. Juni erwidere ich, daß ich nach eingebender Prüfung der Sache und Rechtslage keine Ver- anlassung sehe, in die vom Herrn Polizeipräsidenten zur Aufrecht- erhaltnng der Straßeuordnung getroffenen Maßnahmen von Aufsichtswegen einzugreifen, z um al die bisher frei- gesprochenen Erkenntnisse des hiesigen Schöffengerichts sämtlich durch Rechtsmittel angefochten worden fi iid, über welche die richterliche Entscheidung abzuwarten bleibt. Ich stelle anHeim den Mituntcrzeichner dieser Einga.be von dieser Eni- scheidnng in Kenntnis zu setzen.. Der Regierungspräsident. gez. Werder. Also auch der Regierungspräsident fällt dem Herrn Polizei- Präsidenten nicht in die Arme, wenn dieser durch eine Verfügung da« gesetzlich zulässige Streikpostenstehen verbietet. Ablvarten will der Herr erst die richterliche Entscheidung! Weiß er denn nicht, daß die höchsten Gerichtshöfe längst entschieden haben, daß das Streik- postenstehen erlaubt ist? Oder ist in Königsberg die Polizei die letzte Instanz, die über die Grundrechte der Staatsbürger zu ent- scheiden hat?_ Zur Lohnbewegung des Centralvcrbnndes der Maurer Deutsch- lands, soweit sie den Gau Berlin betrifft, geht uns von der Gauleitung ein Bericht zu. Derselbe umfaßt die Lohnbewegung in den ersten 6 Monaten des Jahres 1994. Die Forderungen werden in der Regel der Arbeitgebcrorgani- sation und auch den einzelnen Arbeitgebern mehrere Monate vor dem Termin, an dem sie in Kraft treten ,„llen, mit dem Bemerken zugesandt, daß die OrganisationSlcitung oder sonstige beauftragte Kollegen jederzeit zur Unterhandlung bereit seien. Die Zahl der Orte, wo sich die Unternehmer auf Verhandlungen einlassen, ist von Jahr zu Jahr gestiegen. Doch der Wille zum Unterhandeln trat bei den Arbeitgebern erst dann ein, wenn die Maurer ihnen durch Stärke und Haltung der Organisationen— oft in recht harten Kämpfen— die Einsicht beibrachten, daß sie von dem eingenommenen Herrenstandpunkt a la Fetisch ablassen und die Organisation als gleichberechtigten Fakkor bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeits« bedingungen anerkennen müssen. Das Abschließen deS Berliner Vertrags hat auf die Meister manches Provinzortes mittelbar diese Wirkung ausgeübt. Potsdam und Spandau waren bisher die getreuen Eckeharts. der Richtung Felisch. Die Kollegen haben wiederholt, und, wie es dem oberflächlichen Be- obachter scheinen wollte, vergeblich, lange und heftige Kämpfe führen müssen. Als aber in diesem Frühjahr die Kollegen von neuem gerüstet dastanden, ging den Meistern wohl doch ein Grauen vor den früheren Siegen an. Sie verhandelten mit der Organisation und mutzten endlich den Neunstundentag und 69 Pf. Stundenlohn her» geben. In den Orten, wo längere Zeit Verträge bestehen, ist nicht zu verspüren, daß die Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Gesellen ab- nehmen; das Gegenteil mutz eher konstatiert werden. Mit Nachdruck sucht jeder Teil fein Recht zu wahren, und da der Unternehmer nur zu häufig geneigt ist, das Vereinbarte in irgend einem Punkte zu seinem Vorteil zu beugen, so zeigen die Schlichtungen dieser Differen- zen und insbesondere die Verhandlungen bei Verlängerungen der Verträge die Klassengegensätze in elektrischer Beleuchtung. Wohl ändert sich die Form, wie die Wünsche zum Ausdruck gebracht werden, in dem ruhigen und nüchternen Abwägen der Chancen und der Stärke der hinter sich und dem Gegner stehenden Macht, im Wesen aber zeigen sich keine Acnderungen. Und die Erfahrung lehrt, daß, wo es nach einem Vertragsvcrhältüis auch immer zum Kampfe kam, er an Schär fe den früheren nichts nachgab. Äußer den in nachfolgender Aufstellung bezeichneten Lohn« erhöhungen und Verkürzung der Arbeitszeit sind noch eine Reihe nicht unwesentlicher Verbesserungen durchgesetzt worden, die aber nur je nach dem Verhältnis des vorher am Ort Bestehenden eingeführt wurden. Als solche sind zu nennen: Verkürzung der Arbeitszeit an den Sonnabenden und an den Tagen vor den hohen Festen, Lauf- zeit an Montagen und Sonnabenden bei Ueberlandarbeit, Lohnzulage bei Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit usw., Putzzulage, Ab- schaffung der Accordarbeit, wöchentliche Lohnzahlung, Stunden» löhnung, Ausschluß der Kündigung, bessere Buden und Aborte, Vor- kehrungen zur Verhütung von Unfällen, angemessenes'Nachtlogis und andres mehr. Zunächst führen wir die Orte auf, wo die bestehenden Löhne und die Arbeitszeit auf dem Wege der Verhandlung oder durch stillschweigende Anerkennung der Forderungen geändert wurden: Lohn bezirk Lohn- erhöhung in Pfennigen. Verkürzung der Arbeitszeit in Stunden. Kam es zur Abschließung eines Vertrages? Berlin(Putzer)....— Buch........ 2Va Caputh....... 2 Cüstrin....... 2 Erkner....... 5 Friesnck....... 5 Fiirstenwalde..... 5 Grnnsee....... 5 Gr-Besten...... 10 Hcrinsdorf i. M.... 5 Lctschin- Gr.-Neuendorf- Zcchlin...... 5 Lychen....... 5 Michendorf..... 3 Rendamm...... 5 Nowawcs...... 5 Niemczyk...... 1 Posen....... 5 Potsdam...... 7 Prenden...... 2Vz Spandan...... 5 Strausberg..... LVa Teltow....... 5 Trebbin....... 4-7'/, Tcmplin...... 2'/z Wannsee...... 2 Wattersdorf- Schnlzendorf 2>/z Wilsnack...... 3'/z Wittenberg...... 1'/, Wittenberge..... 7 Wreschen...... 5 Zehdenick...... 2'/z Bei einzelnen Arbeitgebern in: Lehnin.......|| 5 Spremberg..... i|— Durch Streiks wurden in folgenden durchgesetzt: Driesen..... Golsien..... Senftenberg-Räschen* Gusow-Platkow., Dühringshof*... Jüterbog""... Rheinsberg,.. Wriezen a. O... Züllichau.... v. 1 1 Rein Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Nein Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Nein Ja Nein Ja Ja Ja Ja Nein Ja Ja Ja Nein Ja Ja 1 I Ja Orten obige Aenderungen Ja Rein Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja *) Es hat nur ein Teil der Arbeitgeber die Forderung und den Vertrag anerkannt. "") Es besteht nur eine mündliche Vereinbarung. 14 Bau- resp. Geschäftssperren mutzten verhängt werden, u» einzelne Arbeitgeber zur Anerkennung des Vertrags zu zwingen und den Versuch einiger andrer, die bestehenden Lohn- und Arbeits- bedingungen zu verschlechtern, abzuwehren. Der Streik in Schncidemühl ist nach achtwöchentlicher Dauer aufgehoben, da ein unmittelbarer Erfolg nicht mehr zu erwarten war, doch sind Aussichten vorhanden, daß das gesteckte Ziel dennoch bald erreicht wird. In Rathenow und Finsterwalde bestehen noch die Streiks, des- gleichen die Förster Aussperrung resp. der Streik. In den Orten, wo eine Lohnerhöhung eintrat, arbeiteten zur Zeit der Bewegung 5661 Maurer. Von der Verkürzung der Ar- hmtSzeit wurden 2713 betroffen. An der Lohnerhöhung und Ver» kürzung der Arbeitszeit zusammen sind beteiligt 6135 Kollegen, an den Sperren 113, an den bestehenden Streiks, Aussperrungen und in Schneidemühl 745.» Summa 7953 Kollegen. Berlin unck tlnigeg-enck. Streik und Aussperrung der Former. Seit gestern sind noch in mehreren Gießereien die Former wegen Verweigerung von Streik- arbeit ausgesperrt worden; u. a. wurden sämtliche 92 Former der Firma Keyling u. Thomas entlassen.— Die Firma S ch w a r tz k o p f f hat gestern nochmals die Streikkommission ihrer Former zwecks Verhandlung zu sich rufen lassen. Da aber wegen der vom Metallindustriellen-Vcrband angeordneten und erfolgten Aus- sperrung der Schwartzkopffsche Fabrikstreik zu einer Angelegenheit von allgemeiner Bedeutung geworden ist, so erklärte sich die Streik» kommission als zu Verhandlungen nicht mehr kompetent. Erst die heutige allgemeine Formervcrsammlung wird in dieser Sache zu entscheiden haben und ihre Beschlüsse dann der Firma Schwartzkopff übermitteln. Zum Glaserstreik wird uns von der Streikleitung mitgeteilt, daß auf dem Bau der LandeSversicherungs-Anstalt die Glascrarbeiten von der Firma Schneider, die ihre Unterschrift des neuen Tarifs lvicder zurückgezogen hat. ausgeführt werden. Es ist dies um so auffälliger, weil in dem Lieferungsvertrag für den Bau die Klausel enthalten ist, daß Arbeiten nur an solche Firmen hergeben werden, die mit ihren Arbeitern in einem geregelten Ver- jhältnis stehen. Eine kleine Aussperrung von 27 K I e m p n e r n hat gestern die A r o n s ch e Gasmesserfabrik in Charlottenburg, Wilmersdorfer- stratze, vorgenommen, weil die Klempner sich Abzüge und Maß- regelungen von Kollegen nicht länger gefallen lassen wollten. Die Firma sucht in der Berliner„Volks-Zeitung" Arbeitswillige, was sämtliche Klempner entsprechend zu beachten ersucht werden. Ter Nachweis der Tischler-Jnnnng in der Alexanderstraße wird andauernd durch Inserate in der„Volks-Zeitung" empfohlen. Es sei darauf hingewiesen, daß derselbe für organisierte Arbeiter gesperrt ist. Zum Streik bei Orenstein u. Koppel in Spandau ist mitzu- teilen, daß die Streikenden das Einigungsamt angerufen haben, um durch dessen Vermittlung die Beilegung des Ausstandes herbei- zuführen. In dem Betriebe selbst ereignen sich fast tagtäglich Vor- fälle, die ein höchst eigenartiges Licht auf die Werkleitung und einige Beamten derselben werfen. So ist ein früherer Schlosser, der jetzt als Bureauschreiber thätig war. Knall und Fall entlassen worden, weil er sich weigerte, in der Fabrik während des Ausstandes Streikbrecher- dienste zu verrichten und weil er auch ehrenhaft genug war, seinen mitstreikendem Sohn, Schwager und Cousin nicht zum Streikbrecher- dienst zu überreden, obwohl ihm dies von seinen Vorgesetzten nahe- gelegt worden war. Weiter hat der Meister Glaser den Lehrling Schmidt wegen geringfügiger Versehen kürzlich derartig miß- handelt, daß der Lehrling eine Anzahl blutunterlaufener Striemen auf dem Rücken hatte. Der Vater des Lehrlings hat gegen den Meister Strafantrag gestellt. Selbst der Direktion scheint die dem Lehrling widerfahrene„Züchtigung" zu stark gewesen zu sein, sie hat den Mister jetzt nach Westfalen geschickt.— Von den Streikende» ist jetzt auch einer abtrünnig geworden und als Arbeitswilliger thätig, und zwar der Arbeiter und Cigarrenhändler Rein- hold Moser, Schönwalderstraße 103. Da der Mann geld- bedürftig zu sein scheint, so werden seine sweikenden Kollegen wahr- scheinlich dafür sorgen, daß sein Cigarrengeschäft entsprechend in Anspruch genommen wird. Deutkches Reich. Bon der Cigarrenfirma I. Neumann werden wir ersucht, in Be- zug auf unfern gestrigen Artikel unter der Spitzmarke:„Da hilft nur Organisation!" folgendes richtig, zu stellen: Es ist nicht richtig, daß in Schwedt a. O. ein fortwährender Wechsel der Meister stattgefunden hat. An Stelle des bisherigen Meisters, der schon 30 Jahre bei der Firma, etwa 10 Jahre in der Fabrik zu Schwedt beschäftigt ist, trat lediglich ein andrer Meister, der schon früher lange Jahre dieselbe Stelle inne hatte, inzwischen aber an einer andern Stelle für die Firma beschäftigt war. Es ist auch nicht richtig, daß die Arbeiter entlassen wurden, sie haben vielmehr ohne vorangegangene Unterhandlung ihrerseits die Arbeit niedergelegt. Richtig ist, daß leider die Löhne der Cigarren- branche im allgemeinen niedrige sind. Sie sind aber bei der Firma I. Neumann keineswegs besonders niedrige— im Gegenteil, im Verhältnis zu den von der Konkurrenz gezahlten rechnen sie dort zu den besseren. Soviel wir aus diesen Richtigstellungen entnehmen, treffen also die Klagen der Arbeiter, namentlich über die Löhne, nicht die be- sonderen Verhältnisse bei der Firma I. Neumann, sondern die in der Cigarrenbranche überhaupt. Da bleibt es wohl bei unsrem in der ersten Veröffentlichung gezogenen Schluß: Dagegen hilft nur Organisation! Zum Maurerstreik in Gelsenkirchen. Im Arbeitgeber-Verband haben die Scharfmacher Oberwasser bekommen. Am 6. August beschloß die Arbeitgeber-Versammlung, allen organisierten Maurern das Arbeitsverhältnis aufzukündigen. Der Beschluß ist bis heute noch nicht allgemein durchgeführt. Verschiedentlich versuchen die Arbeitgeber, die Maurer zum Austritt aus dem Verband zu bewegen, bis jetzt ist dies bei zweien von Erfolg gewesen. Die Kündigung läuft am 20. August ab. Die Zahl der von der Kündigung Be- troffenen bewägt gegen 300, genaue Feststellungen werden jetzt gemacht.— Die Streikposten werden von allerlei lichtscheuem Gc- sindel umlungert und verschiedentlich bedroht. Ob dieses von andren dazu gedungen ist, konnte leider nicht festgestellt werden. RuaUnck. Achtung, Schneider! Der Schweizer Schneider- und Schneide- rinnen-Verband teilt dem Verband der Schneider mit. daß die Firma A. Weil-Einstein-Zürich(Schweiz. Kleiderfabrik, A.-G.), Tödistr. 61, am 30. Juli ihre Arbeiter wegen Lohndifferenzen gekündigt hat; die Kündigung ist am 13. August abgelaufen. Der Lohn beträgt bei zehnstündiger Arbeitszeit pro Tag 5 Frank für männliche und 2, SO Frank für weibliche Arbeiter. Die Firma will nun den Zeitlohn abschaffen und dafür die Accordarbeit einführen. Der vorgelegte Stücklohntarif bedeutet aber eine solche Verschlechterung der bis- herigen Löhne, daß der beste Arbeiter höchstens 3 Frank prs Tag verdienen würde. Me Firma hat in ihrem letzten Schreiben mit- geteilt, daß der erste Direktor verreist sei. weshalb vorläufig weitere Verhandlungen nicht geführt werden können. Die Züricher Schneider sind nun überzeugt, daß der betreffende Herr Direktor auf der Arbeitersuche ist und werden daher die Schneider Deutschlands dringend davor gewarnt, Arbeit nach Zürich an- zunehmen._ Ein neuer Bergarbeiterfireik. Dux, 11. August. Infolge einer neuen Dienstordnung ist in den Brucher Schächten ein Ausstand ausgebrochen; bei der Frühschicht sind 300 Mann nicht eingefahren. Die Lohnbewegungen schwedischer Steinhauer. Die Fein- steinhauer der Westküste Schwedens haben nun durch Urab» stimmung das von den Arbeitgebern bei den Verhandlungen ge- machte Angebot angenommen und damit auf friedlichem Wege ein Uebereinkommen erzielt. Die Aussperrung der Pflasterstein- Hauer von B o h u S lä n dauert dagegen noch unverändert fort. Tie ausständigen Cafe-Kellner in Toulouse warfen nach dem offiziösen Wolffschen Bureau mit Steinen in ein Cafe; ein Gendarm wurde verletzt. Die Polizei mußte von der Waffe Gebrauch machen, wodurch die Ruhe wieder hergestellt wurde. Versammlungen. Dritter Wahlkreis. Am Dienstag hielt der WaHlverein eine Generalversammlung ab. Vor EinWitt in die Tagesordnung ehrte man das Andenken des verstorbenen Mitgliedes L u h m. Dann er- stattete der Vorsitzende Fritz den Bericht des Vorstandes. Infolge eines Beschlusses der vorigen Generalversammlung hatte sich der Vorstand mit der Beteiligung an der Beerdigung verstorbener Mit- glieder zu befassen und machte in dieser Hinsicht folgenden Vorschlag: Zu jeder Beerdigung delegiert der Vorstand zwei seiner Mtglieder. Ein Kranz wird nur dann gespendet, wenn der Verstorbene dem Verein wenigstens zwei Jahre angehörte und wenn bei der Leichen- feier kein Geistlicher mitwirkt. Die letztere Bedingung wird lediglich deshalb gestellt, weil es schon oft vorgekommen ist, daß Geistliche aus Anlaß von Kranzspenden socialdemokrattscher Vereine störende Zwischenfälle verursacht haben. Die Versammlung stimmte dem Borschlage de« Vorstandes zu.— Ferner teilte Genosse Fritz mit: Das Mitglied K a r f u n k e l st e i n, das sich Daja nennt, hat in Parteiversammlungen Ansichten verweten, die mit den in unsrer Partei geltenden Anschauungen in Widerspruch standen und Anlaß zu entschiedenen Zurückweisungeu gaben. Mit Bezug auf eine der- artige Debatte hat Karsimkelstein beim Vorstande eine Entscheidung darüber beanwagt, ob die gegen ihn gerichteten scharfen Zurüti- Weisungen berechtigt waren. Als der Vorstand über diese Angelegenheit verhandelte, erklärte Karfunkelstein auf eine an ihn gerichtete Frage: Er stehe dem Anarchismus näher als der Socialdemokratie. Auf Grund dieser Erklärung beanwagt der Vorstand den Ausschluß Karfunkelsteins. Die Ver- I sammlung stimmte diesem Antrage zu.— Hierauf legte der Kassierer die Abrechnung vom verflossenen Quartal vor. Der Bestand betrug 1133,60 M., die Einnahme 1591,55 M., die Ausgabe 1137,45 M., der-ocftand am Schluß des Quartals 1537,70 M. Die Versammlung entlastete den Kassierer und überwies dem Vorstande 1200 M. zur Agitation. Dem Kassierer wurde für das abgelaufene Jahr eine Entschädigung von 50 M. zugebilligt.— Die Ergänzungswahl zum Vorstande ergab die Wiederwahl folgender Mitglieder: Pohl, zweiter Vorsitzender, Lange, zweiter Kassierer, Hirsch selb, zweiter Schriftführer; Revisoren H a h n, Rosin. Hoch wurde als Revisor neugewählt. Nunmehr hielt Genosse S ü d e k u m einen sehr lehrreichen Vor- wag über Ludwig Feuerbachs Leben und Lebenswerk, der mit leb- haftem Beifall und regem Interesse entgegengenommen wurde. Zum Schluß machte der Vorsitzende, einige geschäftliche Mit- teilungen. Nachdem diese erledigt waren, drückte Ritter seine Verwunderung darüber aus, daß ein Mensch wie der Denunziant Abel beim„Vorwärts" angestellt werden konnte, obgleich er weder der Partei �noch einer Gewerkschaft angehörte. Die Geschäftsleitung des„Vorwärts" müsse angewiesen werden, sich vor dem Engagement über das Vorleben des Anzustellenden zu informieren, überhaupt sollten beim„Vorwärts" nur zuverlässige Parteigenossen angestellt werden. Unter Bezugnahme auf das Austreten des Genoffen Friedeberg in der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften sagte ein Redner: Die Art, wie Friedeberg seine Ansichten vertrat und die Partei kritisierte, dürfe man nicht ruhig hingehen lassen. Da Friedeberg Mitglied des dritten Wahlvereins sei, werde dieser sich mit der An- gelegenheit beschäftigen muffen. Hoch stellte in Aussicht, daß der Kreis dieser Angelegenheit näher treten werde, denn man könne nicht dulden, daß Friedeberg den Parteigenossen die anarchistische Presse empfehle. Fischer verteidigte als Mitglied der Freien Ver- einigung deutscher Gewerkschaften die Ansichten Friedebergs und beantragte, Friedeberg zu einem Vortrage im Wahlverein aufzufordern und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Kahl, Mahle, Ritter und andre traten den Friedebergschen Ansichten entgegen und sagten, man babe natürlich nichts dagegen, daß Friedeberg seine Anschauungen vertrete, aber er dürfe das nicht in einer Weise thun, die für die Partei beleidigend sei; er dürfe nicht als Socialdemokrat Propaganda für anarchistische Schriften und anarchistische Bestrebungen machen.— Der von Fischer zurückgezogene, von andrer Seite wieder aufgenommene Antrag, Friedeberg zum Vortrage aufzufordern, wurde abgelehnt und ein Antrag angenommen, der den Vorstand anffordert, die Angelegenheit Friedeberg zu untersuchen. Aus dem Bureau des Verbandes der Schneider erhalten wir in Bezug auf die Entgegnung der Genossin Ihrer in Nr. 134 des„Vor- wärts" folgende Erklärung: Wir habe» uns weder auf unserm Verbandstage noch sonst irgendwo angemaßt, über die Arbeitskraft der Agitatorinnen nach freiem Ermessen verfügen zu können, aber es wird uns auch niemand verwehren wollen, daß wir den Grundsatz aufstellen, solche Agitatorinnen, die nach unsrer Ueberzeugung in bestimmten Fällen zu Gunsten einer andern Organisation gegen unfern Verband agitieren, nicht als Referenten verwenden zu können. Es handelt sich, wie aus unserm gedruckten Geschäftsbericht hervorgeht, um die Organisierung der Wäschenäherinnen, von denen in Bielefeld reichlich 100 unserm Verbände angehörten, die aber mit der Beihilfe verschiedener Agitatorinnen, die allerdings selber in dem Berufe nicht beschäftigt sind, dem sich im vorigen Jahre gebildeten Verbände der in der Wäsche- und Krawattenfabrikarion beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen zugeführt wurden. Eine derartige Abwendig- machung von Mitgliedern steht in der Gewerkschaftsbewegung bisher wohl einzig da und jeder andre Verband dürfte sich dies ebenso wenig gefallen lassen. Damit fällt auch die Behauptung der Genossin Ihrer, daß unsre Gewerffchaft für die Organisierung dieser Kategorie von Arbeiterinnen bisher noch nichts getan hat. I. A.: H. Stühmer. Charlottenburg. Eine öffentliche Versammlung der Maler, Lackierer und Anstreicher, einberufen vom Gehilfenausschuß, tagte hier am 3. d. Mts. im unteren Saale des Volkshauses. Der Alt- gehilfe F l e m m i n g gab einen umfassenden Thätigkeitsbericht, in welchem Redner im besonderen die Stellung der Innung zur Pfuscharbeit und zu der Bleiweißfrage kritisch beleuchtete. Der Bericht der Lehrlingskommission wurde von Grieß meyer gegeben, der bekunden konnte, daß man sich über eine sogenannte Lehrlings- züchterei hier nicht beklagen könne. Nach einer kurzen Debatte über die Berichte, an der sich M a tz k e und I a e g e r beteiligten, gab F l e m m i n g bekannt, daß vom 1. September d. I. ab die Ver- mittelungsstundcn für das Malergewerbe im hiesigen städtischen Arbeitsnachweis in Nachachtung eines von der Gehilfenschast ein- gereichten Anttages auf die Zeit von 9— 11 Uhr vormittags und von 4r— 5 Uhr nachmittags verlegt werden. Den Schluß der Ver- sammlung bildete eine rege Aussprache über den Lohntarif, den einige Meister und Berufskollegen nicht genügend innehalten. Es wurde auch bei dieser Gelegenheit getadelt, daß die Beschwerdeführenden nicht direkt an die Ueberwachungskommission, dem richtigen Ort, sondern an Biertischen oder anderswo ihre Beschwerden loslassen. Friedrichshagen. Am 16. Juli hielt der socialdemokratische Arbeiterbildungs-Verein von Friedrichshagen und Umgegend im Ver- einslokal bei Petznick seine ordentliche General-Versammlung ab. Der Vorsitzende Werkmann erstattete den Jahresbericht, aus dem Hervorgeht, daß die Mitgliederzahl von 179 auf 277 gestiegen ist. Der Kassierer hat einen Kaffenbestand von 163,57 Mk. Die Bibliothek hat eine ansehnliche Zahl neuer Bände aufzuweisen und wird rege benutzt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde als 1. Vorsitzender gewählt Gen. K a r o s s a t. als 2. Vorsitzender Gen. K o r s i n g, als Kassierer Gen. Max Grau, als 1. Schriftf. Gen. K ö r b e r, als 2. Schriftführer Gen. Reinhold Krüger, als Beisitzer die Gen. B ö g g e und Kühl, als Revisoren die Gen. Mewis, Kadue und Schulze, als Bibliothekare Z s ch o ck e, Arthur Sonnen. bürg und Ernst Pfeifer. Als Delegierte zur Kreiskonferenz wurden Max Grau, Winicke und Barth gewählt. WUmerSdorf. In einer gut besuchten Generalversammlung des Socialdemokrattschen Wahlvereins hielt Genosse Dr. Maurenbrecher einen Vortrag über: Der Kampf um die polittsche Macht. Den Generalstteik sowie die Steuerverweigerung verwirst Referent. Der Vorttag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Diskussion bewegte sich im Rahmen des Referats. Aus dem Bericht des Vor- tandes wäre hervorzuheben, daß im verflossenen Quartal eine Generalversammlung und zwei Vereinsversammlungen stattgefunden haben, zwei Flugblattverbreitungen für die Bäcker wurden vor- genommen und eine Landagitattonstour insceniert. Die Zahl der Mitglieder ist von 275 auf 301 gestiegen. Auf die Generalversamm- lung des Kreises wurden die Genossen Radtke, Kieser und Reiche delegiert.__ Letzte Nacbrichten und Depefchen. Berlin, 11. August.(23. T. B.) Amtliche Meldung aus Südwestafrika. Reiter Emil Schumann von der Maschinen- gewehr-Abteilung, geb. 18. August 1880 in Basel, stüher Dragoner im Dragoner-Regiment König(2. württembergisches) Nr. 26 ist am 8. August in Otjosondu an Typhus gestorben. Bremerhaven» 11. August.(W.T.B.) Die abgelöste Besatzung deS ostasiatischen Kreuzergeschwaders wurde von dem Lloyd- dampfer„Main" heute hier gelandet. Es sind 43 Offiziere, 31 Deckoffiziere. 1337 Unteroffiziere und Mannschaften. Opfer der Arbeit. Bad Harzburg, 11. August.(W. T. B.) In der vergangenen Nacht wurden an dem Hochofen der Mathildenhütte zwei Mann durch ausströmende Gase getötet, bei den Rettungsversuchen kamen weitere zwei Personen ums Leben, eine größere Anzahl Persc«e» wurde betäubt, aber wieder belebt. Wien, 11. August.(W. T. B.) Die heutigen Verhandlungen zur Beilegung des Ausstandes der Arbeiter am Handelsquai smd gescheitert. Wen, 11. August.(W. T. B.) Berichtigung. In der gestern gemeldeten Ministerial-Verordnung betreffend das Verbot der Aus- fuhr von Futtermitteln ist statt Gerste Melasse zu scheu und ferner Hafer mit aufzuführen._ Zum Tode Waldrck-RousseauS. Paris, 11. August.(W. T. B.) Die Witwe Waldeck Rouffeaus hat dein Ministerpräsidenten Combes ihren Dank ausgesprochen für die Absicht der Regierung daS Leickienbegräbnis für den Ver- storbenen auf Staatskosten zu veranstalten; ihr Gemahl habe wieder- holt den Wunsch zu erkennen gegeben, in einfachster Weise bestattet zu werden._ Marseille, 11. August.(23. T. 23.) Die eingeschriebenen Seeleute der MessagerieS maritimes werden, da die Meinungsverschieden- heften beigelegt sind, ihren Dienst wieder aufnehmen. Die Stellung der englischen Regierung zur Tardancllen-Frage und zur Angelegenheit der Kriegskonterbande. London, 11. August.(W. T. B.) Oberhaus. In Be- antwortung einer Anfrage des Marquis of Ripon erklärt der Staats- sekretär Marquis of Lansdowne: Ich bin gefragt worden erstens betreffs der Durchfahrt von Schiffen der Freiwilligen-Flotte durch die Tardanellen, zweitens hat Ripon auf die Art und Weise hingewiesen, in welcher die russische Regierung jüngst die Frage hin- sichtlich der Kricgskonterbande behandelt, und drittens berührt Ripon die Art und Weise, in welcher gewiffe neutrale Schiffe, besonders der„Knight Commander", von der russischen Regierung behandelt wurden. Was die Freiwilligen-Flotte betrifft und die Durchfahrt durch die Dardanellen, so weiß das Haus, wie diese Frage von der Regierung betrachtet wird. Wir haben auseinandergesetzt, daß unsrer Ansicht nach Schiffe dieser Flotte nicht berechtigt sind, die Dardanellen als Kriegsschiffe zu passieren, und da sie sie als f r i e d l i ch e Schiffe passierten, so waren sie nicht berechtigt, fast unmittelbar nachher in der G e st a l t von Kriegsschiffen zu erscheinen und in den neutralen Handel einzugreifen. Soweit die aus der Durchfahrt der„Petersburg" und„Smolensk" entstandenen Zwischen- fälle in Bettacht kommen, so glaube ich, wir können sagen, daß die Angelegenheit das akute Stadium verlassen hat. Diese beiden Schiffe sind aus dem Roten Meer zurückgezogen, und wir hören jetzt, daß die ihnen gesandten Weisungen, von ähnlichen Wegnahmen abzusehen, ihren Bestimmungsort erreicht haben. Wir nehmen daher an, daß keine weiteren Wegnahmen stattfinden werden. Hinsichtlich der Durchfahrt andrer Schiffe der Freiwilligen-Flotte durch die Dardanellen, glaube ich, daß die Zeitungsberichte darüber im wesent- lichen korrett sind. Die Darstellung der Bedingungen, auf welchen die türkische Regierung bestanden hat, entspricht den Thatsachen. Die türkische Regierung scheint von der russischen amtlich die Erklärung erlangt zu haben, daß diese Schiffe während ihrer ganzen Reise die Handelsflagge führen und weder Munition noch Armierung an Bord haben werden, und daß sie nicht in Kreuzer ver- wandelt werden. Betteffend die zweite und ernstere An» frage über die Art, in welcher die russische Regierung die An« gelegenheit der Kriegskonterbande behandelt hat. so hat die russische Regierung bei Beginn des Krieges Reglements über diese Frage erlassen, und ohne Zweifel haben diese Reglements die bisher von England und den meisten andern Ländern acceptierte Definition der Kriegskonterbande in sehr großem Matze erweftert. Die russische Difinierung umfaßte eine Anzahl Artikel, die wtt natürlich prima kacie als unbedeutlich, ohne Hinblick auf ihre schließliche Bestimmung, betrachteten, und diese erweiterte Difinierung war von einer amtlichen Erklärung begleitet, daß die gesamten im Reglement 6 aufgezählten Artikel nicht nur als Kriegskonterbande, sondern als bedingungslose Konterbande zu betrachten sind. Die Artikel, die uns besonders berühren, sind die in den Unterabschnitten 8 und 10 aufgeführten. Unterabschnitt 8 nennt jede Art von Feuerungsmatcrial, wie Kohlen, Naphtha, Spiritus usw. Unter- abschnitt 10 führt im allgemeinen alles auf, was zur Führung des See- und Landkrieges bestimmt ist, wie auch Reis, Mundvorräte, Pferde, Lasttiere und andere Tiere, die für Kriegszwecke gebraucht werden können, wenn diese Dinge für Rechnung des Feindes be- fördert werden oder für ihn bestimmt sind. Dieses Reglement an und für sich, ohne Angabe, daß alle diese Artikel als bedingungslose Konterbande betrachtet werden, würde keine so ernste Sache gewesen sein. Wer indem wir das Reglement zusammen mit der amtlichen Erklärung in Betracht zogen, schien es uns eine Sache von solcher Wichtigkeit, daß wir es als Pflicht ansahen, die Aufmerksamkeit der russischen Regierung auf die Schwere der Frage zu lenken. Wir wiesen besonders auf die Anführung der Mundvorräte in den Ar- tikeln über die bedingungslose Konterbande hin, wobei England sehr bedeutend interessiert ist, und hoben hervor, daß die Einbeziehung allen Proviants in diese Kategorie eine sehr ernste Neuerung ist. Wir fügten unsrer Depesche die Erklärung hinzu, daß wir uns verpflichtet fühlen, uns unsre Rechte vorzubehalten, indem wir sofort gegen die Lehre Einspruch erhoben, daß den Kriegführenden die Entscheidung darüber zustehe, daß gewisse Artikel ohne weiteres und ohne Rücksicht auf die guten Rechte Neutraler als Kriegskonterbande zu betrachten sind. Wir führten ferner aus, daß wir uns nicht gebunden erachten könnten, eine Entscheidung irgend eines Priscngerichtes als gültig anzuerkennen, die jene Rechte oder die anderweitig anerkannten Grundsätze des Völkerrechts verletze. Marquis of Ripon hat be- züglich dieses Punttes gefragt, ob wir an den von Lord Granville im Jahre 1870 ausgedrückten Ansichten hinsichtlich dieser Frage fest- halten. Unsre Politik in dieser Frage bleibt dieselbe wie damals. Marquis of Lansdowne geht dann auf die Frage der russischen Maßregeln zur Verhinderung der Ankunft von Konterbande in japanischen Häfen über und erklärt: Uns ist zu verstehen gegeben worden, daß es nach Ansicht der russischen Regierung innerhalb des Rechts der Kriegführenden liegt, ein weggenommenes neuttales Schiff zu zerstören, wenn es Konterbande an Bord hat. Das ist eine Ansicht, die die englische Regierung nie acceptiert hat.(Beifall.) Sie ist sicherlich auch nicht von den Vereinigten Staaten angenommen worden. Der Minister geht dann des weiteren auf die Bedeutung der von Rußland aufgestellten neuen und bisher beispiellosen Konter- bandedoktrin ein und führt dabei aus: Tie Maßregel, neutrale Schiffe in Grund zu bohren, kann nicht verfehlen, auf unser» Handel eine höchst nachteilige Wirkung auszuüben.(Beifall.) Ich glaube mich zu hoffen berechtigt, daß diese Handlungen der Zerstörung neu- ttaler Prisen wahrscheinlich nicht wiederholt werden. Die Er- Närung wurde mit Beifall aufgenommen und der Gegenstand sodann verlaffen._ Die Cholera im Kaukasus. Baku, 11. August.(W. T. B.) Der russische Konsul in Ästrabad hat dem Gouverneur von Baku mitgeteilt, daß in der Umgegend von Astrabad 29 Cholerafälle einen tödlichen Verlauf genommen habe». Nach einer hier eingegangenen Mitteilung ist die Cholera auch in Meschhed aufgetreten._ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatze. Rom, 11. August.(28. T. 23.) Die„Tribuna" meldet aus Mulden, daß ihr Berichterstatter Pardo wegen seiner Kriegsberichte an die„Tribuna" von den russischen Behörden aufgefordert worden ist. den Kriegsschauplatz zu verlassen. Tschifu, 11. August.(Meldung des Reutcrschen BureauS.) Do, aus Port Arthur hier eingettoffene russische TorbedobootSzerstör» „Retschitelni" ist auf Ersuchen des chinesischen Admirals Sah desarmiert worden. Es heißt, alle großen russitzhen Kriegsschiffe mit Ausnahme des„Bajan" hätten Port Arthur verlassen und dabei mit den Japanern aus großer Enffernung Schüsse gewechselt. Paul Singer LeCo., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen».Unterhaltung»»!»« Beranttv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstalt Kr. 188. 21. Jahrgang. 1. KeilM des Dmiirls" Kerlim WlllMIt. Freitag, 12. August 1904. Der Parteitag von Lille. Lille, 9. August.(Eig. Ber.) Erster Verhandlungstag. NachntittagS-Sitzung. V..sitzender: Lafargue, Beisitzer: Ragnon-Lyon und I o u r n o u x- Montceau-leZ.Mincs. Es ist eine BegrühungSdepesche von Plechanow eingetroffen, die unter Beifall verlesen wird. Dnbreuilh, Parteisekretär, giebt einige ergänzende münd- liche Erläuterungen zum Sckretariatsbcricht, der im „Socialiste" veröffentlicht wurde und dessen wesentlichen Inhalt ich bereits mitgeteilt habe: In Bezug auf die Agitation mußten die Föderationen in engerer Mitwirkung als bisher mit dem Ccntralrat stehen. Das wäre nötig nicht nur, um die Agitation intensiver zu gestalten, sondern auch im Interesse der geistigen Vereinheitlichung der Partei. In gewissen Föderationen machen sich beunruhigende Tendenzen zur revolutionären Nurgewerkschastlerei, ja zum An- archismus geltend. Das wäre unmöglich, wenn die Beziehungen zwischen den Organisationen und dem Centralrat intimer wären. Der briefliche Verkehr genügt nicht, vielleicht könnte man feste Agitatoren anstellen, die gewissermaßen die ständigen Besucher der einzelnen Gegenden wären. Die reichen Zahlenangaben des gedruckten Berichts sind doch nicht vollständig, da die Föderationen nicht immer die nötigen Mit- teilungen gemacht haben. Aus dem ganzen Bericht ergiebt sich, daß die Partei, trotz der ungünstigen politischen Situation, große Wider- standskrast bewiesen und werlvolle Erfolge erzielt hat. Dnbreuilh schließt unter lebhaftem Beifall mit dem Wunsch, der Parteitag möge recht eifrige Kritik an dem Bericht üben: Die Kritik der geleisteten Arbeit ist die Hauptaufgabe eines ernsten Parteitages. Vaillenl-Ronbaix regt an, zum Zwecke einer besseren Bericht- erstattung seitens der Föderationen jeweilen ihnen einen entsprechen- den Fragebogen zuzustellen. Die Anregung wird dem Eentralrat zur Durchführung überwiesen. Ziappaport vermißt im Bericht, der ja sonst vollständig ist, einen Ueberblick des Zustandes der Parteipresse. Das ist der schwache Punkt der Partei bezw. der Thätigkeit des Vorstandes. Namentlich sollte nochmals die Notwendigkeit einer Tageszeitung betont werden. Lafargue erwideri, daß diese Notwendigkeit dem Ccntralrat stets gegenwärtig wäre. Auch wurden im verflossenen Jahre dahingehende Versuche gemacht, aber sie sind an der Ungunst der Umstände ge° scheitert. Zur Frage der Anstellung von ständigen, die Partei-Organffationen bereisenden Agitatoren lvird zunäckst der Kostenpunkt besprochen. Baillant beantragt, mit der praktischen Lösung der Frage die Exekutiv- kommission des Eentralrats zu betrauen. Chauvin: Die Aufgabe der reisenden Parteibesucher sollte nicht die öffentliche Agitation sein, sondern vielmehr die innere Erziehung der Parteigenosten im Sinne unsrer Grundsätze. Dieser Erziehung bedürfen aber gerade die noch schwachen, mittellosen Föderationen und Gruppen. Die Kosten müßten daher von Partei wegen aufgebracht werden. Dreyfus-Bclfort beantragt, den Borstandspreis der jährlichen Mitgliedskarten von LS auf 50 Cts. zu erhöhen. Auf Gucsdcs Antrag wird zunächst im Princip be- schlössen, reisende Parteibesucher anzustellen. Was die Durchführung des Beschlusses betrifft, so sollen die Delegierten innerhalb ihrer Föderationen die Kostenftage zur Besprechung bringen. Die Ant- Worten der Föderationen sollen spätestens am 1. Oktober dem Centralrat eingeliefert werden, der das Weitere zu veranlassen hat. — Der Bericht des Sekretariats wird e i n st i m m i g g e- n e h nn g t. Bericht der MandatsprüfungS- Kommission: Auf dem Kongreß sind vertreten 44 Föderationen und Lokalgrrrppen durch 103 Mandate und 93 Delegierte. 10 Föderationen bezw. Lokalgruppen haben sich nicht vertreten lasten. Kassenbericht: Die Aktiva der Partei beziffern sich am 30. Juni auf 7295 Fr. 10 Cts., die Passiva auf 4039 Fr. 70 Cts., macht ein Netto-Guthaben von 32SS Fr. 30 CtS. Davon sind abzuziehen einige größere Spenden, darunter die von Baillant, Laudrin u. a., im Betrage von 1095 Fr. Auch die Situation des Wochenblattes der Partei.LeSocia- liste" hat sich gegenüber dem Vorjahre verbessert. Auf dem Kongreß von Reims ergab sich ein Deficit von 904 Fr., jetzt hat des Blatt einen Ueberschllß von 24,25 Fr. Unter Abzug der in ReiniZ zu Gunsten des Blattes veranstalteten Geldsammlung ergiebt sich jedoch noch immer ein Deficit von 320 Fr.— Die Parteibuchhandlung hat seit Reims erhebliche Fortschritte gemacht. Anstatt des damaligen DeficitS von 205 Fr. weist sie jetzt einen Ueberschuß von 433,85 Fr. auf. Roubanowitsch verliest unter Beifall immens der Partei der Socialisten-Revolntionäre und ihrer ausländischen Organisation eine Begrüßungsadresse. » Der Kongreß von Amsterdam. Bracke verliest folgenden Bericht der P. S. de F. zun, Jnter- nationalen Kongreß über die von der Partei für dessen Tagesordnung vorgeschlagene Frage:.Internationale Regeln der social i st ischcn Politik": .Die Krise, die sich zunächst in Frankreich 1899 offenbart hat und vom Internationalen Kongreß von 1900 geprüft wurde, hat sich seither auf alle socialistischen Parteien ausgedehnt. Sei es in theoretischer, sei es in praktisch-unmittelbarer Form, zwingt sich dem organisierten Proletariat dasselbe Problem auf: .Hat eS gegenüber allen bürgerlichen Regierungen die Haltung einer revolutionären Opposition zu bewahren, die von jeher die seinige war, oder aber kann es hoffen, an seiner Befreiung zu arbesien durch das Zusammenwirken mit bourgeoisen Fraktionen oder gar durch die gemeinsame Beteiligung mit diesen und zu ihren Gunsten nn der Regierung? Die Frage zloingt sich dermaßen auf. daß sie seit 1899 von den socialistischen Parteien aller Nationen geprüft werden mußte: selbst diejenigen Parteien, die zur Zeit die Folge» der Krise noch nicht empfinden, sind gezwungen, ihr Auftreten be, ihnen als mög- lich zu betrachten. Der gesamten internationalen socialistischen Partei, versammelt auf dem Kongreß von Amsterdam, muß es also daran liegen. daS zu bekräftigen, was ihr eigentlicher Existenzgrund ist— die Rot- wendigkeit deS unversöhnlichen Kampfes auf dem proletarischen Klassenboden gegen die Bourgeoisie bis zur vollständigen Eroberung der Macht durch die Arbeiter. Auf dem Dresdener Parteitage 1903 hat die deutsche Socialdemokratie zu», erstenmal die socialistische Pflicht in dieser Hinficht formuliert in einer Weise, die geeignet ist, jegliche Zweideutigkeit und jegliche Möglichkeit, die Bewegung vom geraden Wege abzulenken, zu beseitigen. Einige Wochen daraus, auf dem Kongreß von ReimS. hat die P. S. de F. die Dresdener R e- s o l u t i o n zu der ihrigen gemacht und jetzt schlägt sie dieselbe Resolution dem Internationalen Kongreß vor." In Bezng auf die Kolonialpolitik wird eine Kommission mit der Ausarbeitung eines ResolutionSvorschlageS für den Amsterdainer Kongreß beaustragt. In die Kommission werden gewählt: GueSde, Lafargue und Baillant. » Generalstreik. Baillant dringt auf eine klare Stellungnahme zu dieser Frage in dem Sinne, daß der Generalstreik als eines der revolutionären Mittel zu betrachten ist. Lakant-Paris begründet kurz diesen Resoluttonsvorschlag der Seine- Föderation:„Die„P. S. de F., eine revoluttonäre Klassen- Partei, die den Kampf gegen den Kapitalismus auf allen Gebieten führt, kann nicht anders als die Propaganda zu Gunsten des General- streiks zu ermuntern, der eine den modernen ökonomischen Bedingungen und der gewerkschaftlichen Organisatton deS Proletariats angepaßte Form der revolutionären Aktion darstellt". Der ResoluttonSvorschlag wird auch von der Lorraine-Föderatton unterstützt. Guesde: Ehe wir uns über den Generalstreik aussprechen, müssen wir wissen, was dieses Wort bedeutet. Der Generalstreik ist eigentlich unternehmcrlichen Ursprungs. Die Unternehmer haben in Eng- land zuerst teilweise Streiks der Gewerkvereine durch Aussperrungen in Generalstreiks verwandelt, gerade um die Arbeiter unterzukriegen. Bedeutet der Generalstreik einen verallgemeinerten beruflichen Streik, so darf die Partei dafür keinerlei Verantwortlichkeit übernehmen. Die Arbeiter haben das auf ihre eigne Beranttvortung zu beschließen. Bedeutet aber der Generalstreik eine socialrevolutionäre Waffe? Die holländischen Socialdemokraten haben darauf bereits geantwortet: Die allgemeine Unterbrechung der Arbeit wäre die Unterbrechung der Existenzmöglichkeit für die Arbeiter, die Verurteilung der Arbeiter zun, Hnngertode. In Frankreich wurde der Generalstreik zuerst, auf den, gewcrk- schaftlichen TourS-Kongres von 1895, fiir ein gesetzliches Mittel aus- gegeben, daß die polittsche Revolution ersetzen könnte. Der Generalstreik trat aber auf von Anfang an als ein Mittel gegen den politischen Kampf, als ein wahres Manöver gegen die polittsche Methode der socialistischen Partei, die Methode, die im Vergleich mit der Streikaktion die Artilleriewaffe des Proletariats darstellt. Später wurde der General« streik für ein revolutionäres Mittel ausgegeben, für ein Mittel der socialen Revolutton. Bier bis fünf Millionen Arbeiter, so hieß eS, würden die Werkstätten verlassen und so die überallhin zerstreuten 4 bis 500 000 Soldaten zur Ohnmacht verurteilen. Das ist eine Phantasie I Es ist unglaublich, daß Millionen Arbeiter für ihre Klasse vor Hunger zu sterben bereit sein sollten, während sie für ihre Klasse nicht einmal einen Stimmzettel abgeben wollen! Schließlich dachte man sich den Generalstteik als einen allgemeinen Streik eines einzigen wichttgen Berufes, der aber dann die Arbeiter der andren Berufe in die Bewegung hineinzwingen würde. Hütet Euch vor dieser Auffassung! Das hieße, das Proletariat vergewalttgen zu wollen. Die vergewaltigten Arbeiter könnten aber aus Unmut mit den Unternehmern gemeinsame Sache machen! sBeifall.j Sodann sind die B a u e r n zu berücksichttgen. Werden sie denn nicht, durch den Generalstteik geschädigt, ins Lager der Bourgeoisie gettieben werden? Ohne die Bauern können wir aber die Revoiution nicht machen. Der Generalstreik als Revolutions- mittel würde die Heugabeln der Bauen,„eben den Gewehren der Soldaten gegen die Revolutton in Bewegung setzen. DaS Wort Generalstreik hat bereits großen Schaden gestiftet. Generalstreik! und man organisiert sich nicht mehr! Generalstteik! und man stimmt nicht mehr ab! Generalstteik! und man verachtet die Politikaster, die von den Arbeitern leben tvollen! Das Wort Generalstreik dient als Waffe gegen alle Frattionen deS SocialismuS, gegen die P. S. de F. ebenso sehr, wie gegen die ministerielle P. S. F. Zur Zeit schädigt die Generalstreik-Phrase den SocialismuS stärker als der MinisterialismuS, welch letzterer sich täglich immer mehr in den Augen der Arbeiter diskreditiert. Der Generalstreik dagegen ist ein Phantom, eine wunderthättge ge heimniSvolle Macht, die die Arbeiter blendet und bezaubert. Jeder Arbeiter, der sich von der Partei abwendet, um auf den General- streik zu schwören, denkt sich dabei obendrein„och als der bessere Revolutionär. Und wir sollen nun durch die eigene Hand dieses ge- fährliche Phanton, stärken und unser Werl zerstören, unsre Partei untergraben, und das noch in Amsterdam auf internattonaler Stufen- leiter?! Ich kann den Gedanke» nicht fassen I(Lebhafter Beifall.) Auf einen Zuruf:.Wie denken Sie sich die Revolutton?" antwortet GueSde: Die Revoluttonen sind stets auf eine und dieselbe Weise gemacht worden, immer mit der Armee, nicht gegen sie. So werden auch wir siegen. Insbesondere haben wir die Wahlattion als eine Vorbereitung zur Revolutton betrachtet, als ein Mittel, die Hochburg der bourgeoisen Gesetzgebung von innen heraus zu unteo graben.(Stürmischer Beifall.)' Genossin Sorgue: Wenn der Generalstreik aus unsrer Taktik gestrichen wird, so werden sich die Arbeiter immer mehr von der Partei abwenden und zun, Anarchismus übergehen. Landrin spricht gegen Guesde: Auch ich verwerfe den General- streik als ausschließliches RevolutionSmittel, wohl aber ist er als eines der revoluttonäre,, Mittel anzuerkennen. Die Argumentation GueSdeS gegen den Generalstteik kann ebenso gut gegen die Re- volution überhaupt gerichtet werde». Die Bauern werden durch jegliche Form der Revolutton geschädigt. Dieselben Arbeiter, die nicht den Mut haben, einen socialistischen Stimmzettel abzugeben, setzen sich andrerseits dem Hunger aus, um gegen den llnter- nehmer zu streiken. Die polittsch rückständigen Arbeiter könnten wohl einen Generalstreik mitmachen. Erklären wir uns gegen den Generalstreik, so werden die An- archisten unS»och mehr und noch wirksamer als bisher mit den Ministeriellen in einen Topf werfen. Wir bedauern ja alle unsren geringen Einfluß auf die Masse. Dagegen kann helfen vor allem unsre Annäherung mit den Gewerkschaften. Die Berurteilung des Generalstreiks würde aber den Graben zwischen der Partei und den Gewerkschaften noch weiter vertiefen. Die anarchistische Aktton in der Arbettsbörse wird von einer Handvoll Leute betrieben. Wir können diese leicht verdrängen, wenn wir den Generalstreik als eines der revoluttonäre» Mittel erklären. Ein Generalstreik als die Aktion von 4—5 Millionen Arbeiter ist freilich undenkbar. Ivohl aber kann ein Generalstteik die Rc- Volution herbeiführen, z. B. im Gefolge eines Konflittes zwischen der Armee und den Streikenden. Revolutionen müssen nicht immer in derselben Form vor sich gehen. 1848 usw. gab eS noch keine Gewerkschaften, fast keine Streiks, damals und früher war das Gewehr und die Barrikade allerdings das einzige RevoluttonSmittel, anders ist es jetzt. Wir haben unS alle über den Beitritt der Föderation der Sa6ne-et-Loire zur Partei gefteut. Aber wie ist dort unter den Bergarbeitern die politische Organisation entstanden und zur Kraft gelangt? Im Gefolge einer Reihe Streik- akttonen. Die von GueSde bekämpften verschiedenen Formen des Generalstreiks beweisen nichts. So präciS die Entwicklungsmöglich- ketten voraus zu bestimmen, wie Guesde es gethan, ist unmöglich. Ebensowenig beweisend sind die Fälle gescheiterter Generalstreiks. Auch bewaffnete Revolten sind vielfach gescheitert und doch gab es siegreiche Revolten. Redner schließt unter Beifall mit der Befiir- Wartung deS Baillanffchen Vorschlages. GueSde verwahrt sich dagegen, durch die Bekämpfung deS General- ftteiks die Partei von den Gewerkschaften und der gewerkschaftlichen Aktton aettennt haben zu wollen. Baillant: Daß w,r als politische Partei die polittsche Aktton zu bevorzugen haben, darin stimme ich mir Guesde überein. Aber der Generalstteik kann unter gewerkschaftlicher Form eine tief- greifende revoluttonäre Volksbewegung veranlassen. Es ist unmög- lich, die Zukunft in genauen Umrissen vorherzusehen. Die Annahme ist zulässig, daß der Stteik als Mittel zur Erkäntpfung politischer Rechte, zur Abwehr reakttonärer Attentate dienen könnte. In jeder Epoche haben die Revoluttonäre mit verschiedenen Waffen gekämpft. Mit Landrin warnt Redner davor, durch Verurteilung deS General- streiks die Geschäfte der Anarchisten zu besorgen. Wir müssen den Generalstteik alS Allheilmittel bekämpfen, ihn weder für das einzige. noch fiir das wichtigste Mittel erklären, wohl aber als eines der mäglichen RevoluttonSmittel. Die bezügliche Resolution möge von einer Kommission ausgearbeitet werden. Um 7 Uhr wird die Generalstreik-Debatte auf morgen vertagt. * Lille. 10. August. VormittagS-Sitzung. Fortsetzung der Generalstteik-Debattt. Vorsitzender: G r o u s s i e r, Beisitzer: G r e f f i e r und L e- v a s s e u r. Die Rednerliste, die noch 10 Namen enthält, wird geschlossen. und die Redezeit auf 6 Minuten festgesetzt. Dreyfus-Belfort, Mitglied des Vorstandes der Arbeitsbörse von Belfort, spricht sich für eine Resolutton zu Gunsten des General« streiks aus. Doiziö-Paris erblickt in den Argumenten der Generalstteik- freunde die Furcht vor den revolutionären Nurgcwerkschaftlern. Keine Zugeständnisse an einen falschen und für die Partei gefähr- lichen Standpunkt I Uebrigcns ist die Generalstteik-Sttömung in der Pariser Arbeitsbörse ganz oberflächlich. Die Arbeiter sprechen vom Generalstreik, ohne sich dabei etwas zu denken. Es ist eine Phrase, nichts weiter I(Landrin ruft: Die Arbeiter sprechen in den Werk- stätten von der socialen Revolutton. Ist das auch eine Phrase?) Cachin-Bordeaux spricht im Sinne des Vorredners. Baillant stellt richttg. daß er nie von Zugeständnissen an einen fremden Standpunkt gesprochen habe. Es soll eine socialistische, keine anarchistische Resolution für den Generalstreik gemacht werden. Ghcsquidre-Lille verwirft den Generalstteik auf Grund der Er- fahrungcn des letzten Textilstteiks in Nordfrankreich: Warum übrigens gerade den Generalstteik und nicht etwas andres als revolutionäres Mittel erklären? Sind wir denn daran, konkrete Mittel der socialen Revolutton auszuarbeiten? Nötig ist, die Arbeiterschaft aufzuklären und zu organisieren gegen die StteikS, die so oft scheitern. Nöttg ist, die Arbeiter gewerkschaftlich zu organi- sieren— nicht um Streiks zu machen, sondern um auf die polittschen Faktoren einen wirksamen Druck ausüben zu können. Zum Schlug beantragt Ghesqniöre, über die Frage zur Tages- ordnung überzugehen. Chrradame-PariS spricht für den Generalstreik im Sinne von Baillant und Landrin: Die Frage ist durch unser Schweigen nicht ans der Welt zu schaffen, sie wird immer wieder sich uns auf- drängen. Wer für alle revolutionären Mittel ist, muß auch den Generalstreik anerkennen. Ans jedem Kongreß beschäftigen wir� uns mit dieser Frage. Sie muß endlich entschieden werden. Uebrigens hat der Parteikongreß von 1899 einstimmig den Generalstreik unter die rcvolntionnen Mittel aufgenommen. Lefargue: Cheradame hat eine Wahrheit konstatiert, indem er sagte, daß das Centrum der Generalstteik-Sttömung in Paris ist. In der Provinz spürt man davon nichts. Wer sind die Urheber der Idee? Die Herren Briand und Pellantter, Streber, die gegen die socialistische Partei ihre eigne Partei errichten wollten. Das Wort Generalstteik ist vieldeutig und daher gefährlich. Die Rücksicht auf die Sympathien der Arbeiter ist mir ebenso teuer wie den andren. Aber sie darf nur nicht verleiten, sich auf eine gefährliche Bahn zu begeben. Die Socialiste» dürfen dem Generalstreik ebensowenig einen revolutionären Wert beilegen, wie den tcillveisen Streiks. Wir haben stets die Streikenden verteidigt, ihnen geholfen, aber nie einen Stteik von unS aus in Scene gesetzt. Und jetzt sollen wir diese Taktik ändern zum Nachteil der polittschen Aktion?— Wenn gewisse Streiks günstige polittsche Folgen zeitigen, so dank der dahin abzielenden bewußten Aktion der socialistifchen Partei. Anders steht es um die Gcneralstteik-Jdee, die von Hause aus anti- politisch ist. WaS wir einzig in unsrer Resolutton sagen können, ist dieS: Wenn ein Generalstreik ausbricht, so müssen tvir den Ar- beitern zur Seite stehen, gerade so wie im Falle partieller Stteiks. Eine derartige Resolutton wäre ein Mittel der Verständigung unter unS, ein Mittel, zu einem einstimmigen Beschluß zu gelangen. GueSde: Es ist eine Thatsache, daß eine Stteikaktion revo« lutionäre Folgen haben kann, aber folgt denn daraus, daß wir die Streikaktion systematisieren und bewußt betreiben dürfen? Ein Bombenattentat kann ebenfalls unter gewissen Umständen in gewissen Ländern revolutionär wirken— folgt denn daraus, daß wir Bomben werfen dürfen? Generalstreiklerei und SocialismuS sind unvereinbar. Wo daS Proletariat keine polittschen Rechte hat, also keine polittsche Aktion betreiben kann, da ist allerdings der Streik ein nötiges Druckmittel. So in Belgien. Desgleichen in Deutschland im Falle der Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts, werden die Genossen gezwungen sein, den Stteik als Berteidigungsinittel an- zulvcnden, falls sie nicht stark genug sind, um die Revolutton zu machen. Der Generalstreik ist, wie man gesagt hat, die Barrikade der MchtSthuer. Er ist ein Surrogat der Barrikade. Unsre Pflicht ist, die Gewerkschaftler von der nebelhaften Generalstteik-Jdee los- zulösen. Eine Resolutton zu Gunsten des Generalstreiks würde der Partei den Zutritt zur Arbeitermasse nicht erleichtern, sondern ver- sperren. Sie wäre die Verurteilung der politischen Aktton. Wir haben uingekehrt die Arbeiterschaft zur polittschen Aktion zu erziehen und zu organisieren, und zu diesem Zwecke allein in die Arbeitsbörsen einzudringen. Der Erfolg ist möglich. Der Stuf:„Keine Politik m den Arbeitsbörsen I" ist vielfach auf die Subventionen der bourgeoisen Gemeinde- röte ftir die Arbeitsbörsen zurückzuführen, nicht auf die eigne tteberzeugung der Gewerkschaftler.— Die Argumente gegen den Generalstreik können gegen die Revolution nicht gekehrt werden. Die Revolution kann inan mit einer Minderheit machen, nicht aber den Generalstteik. Unsre Resolution sollte auf die gewalt- same, insurrektionelle Fonn der Revolutton hinweisen. Tanger-PariS erinnert an die generalstreikfteundlichen Beschlüsse der früheren Parteitage: Man kann also nicht sagen, daß wir die Taktik ändern wollen. Der Generalstreik ist unter ver Arbeiterschaft sehr populär und er hat auch zur Revoluttonierung der Gewerkschaftler beigetragen. Die generalstreikfteundlichen Gewerkschaftler sind nicht mehr d»e Subventionsbettler, von denen Guesde gesprochen hat. Wir dürfen keine Resolution fassen, die uns jeden Einfluß auf die Gewerkschaften unmöglich macht. Die Generalstreikidee ist anti- socialistisch, insofern sie von den Anarchisten gepredigt und aus- geschlachtet wird, keineswegs an sich. Die Partei kann sie in locialistischem Sinne benutze». Eine Resolution gegen den General- streik würde zur Folge haben, die Genossen, die in den GeWerk- schaften wirken, auf die gleiche Linie mit den Opportunisten zu stellen. Jouruiond-Moniceau-leS-Mines verlangt Aufklärung über den Sinn des Generalstteiks und die Mittel zu seiner Verwirklichung. Im industriellen Departement von SaSne-et-Loire war es unmöglich, einen allgemeinen Streik in einigen wenigen Betrieben zu organisieren. Dieiter ->Neb-l Hllparanda 750 Still 757 ONO 760 N 'Kerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. 17. Jahresbericht des leitenden AuSjchuffe» des Schioeiz. Arbeiter- blindes und des Schweiz, ülrbeitersekrctarints für daS�Jahr 1903 nebst dem Protokoll der Sitzung des Bundesvorstandes. 67 Seiten. Kommissions- oerlag der Buchhandlung des Schweiz. GrütlivercinS, Zürich. Düttmann, Regierungsrat. Umbau der Arbeiterversichernng. 17 S. Preis 0,60 M. Dr. Konrad Weymann. Die soeialpoliiische Wirkung der §§ 46 und 146 des Jnvalidenversicherungs-Gesetzes. Vorschläge zur Be- jertigung des Erlöschens der Anwarffchast. 20 S. Preis 0.60 M. Beide zu beziehen Verlag der Arbeiterversorgung A. Trojchel. Ärunewald-Berlin, Gillslrabe 5._ Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».'Zerlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. ßnefhaften der Redaktion. Erkelenz. Wenden Sie sich brieflich an den Verband. Berlin. Engel- Ufer 15.— St. W. 1. Fa. 2. Nein.— H. Bt. 13. Ja, höhere Schulen. Im übrigen erkundigen Sie sich bei dem Vorsteher cmes Postamtes mündlich. — B. R. Höchst unwahrscheinlich.— Pankow 48. Kennen wir nicht.— 7SS4. 1. Ja. 2. Gelegentlich. 3. Nein.— Z. N. 88. Ja, teurer. tjfuriftirchcr Cell. Die jurtftischc Sprechstunde findet täslich mitZlnsnahme deS Sonnabends von 7>/, bis»>/, Uhr abends stati. tl-öffnet! 7 Nbr. B. 26. 1. Ein Leicheiilräger ist dann invalidenversicherungSpflichlig, wenn er seine Thätigkeit als Gchilse der kirchlichen oder politischen Gemeinde ausübt, die alle zur Beerdigung ersorderlichcn Arbeiten aus ihre Rechnung durch Angestellte besorgen lägt. Zu diesen versicherungspflichtigen An- gestellten gehört der Leichenträger, der seine Thätigkeit nicht als selbständiges Gewerbe ausübt. Ob die Kirche oder Gemeinde ihm Accord- oder Zeitlohn zahlt, ist glcichaüllig. Hat der BestattungSunternehmer/(m Ihrem Falle die «irchengemeinde) seine Klebepflicht untcrlaffen, so kann er zum Rachklebcn für die letzten beiden Jahre gezwungen werden. Auch die Kirchcngemeinde ist für das Unterlassen der Klebepflicht voll schadensersatzpflichfig, das heißt sie hat sür den Fall, daß infolge der Außerachtlassung ihrer Klebepflicht eine Rente nicht bewilligt werden kann, die sonst zu bewillige» gewesen wäre, die Rente selbst zu zahlen und falls durch ihre Bummelei eine niedrigere Rente gezahlt wird, die Differenz aus Lebenszeit deS Renten- cmpsängers zu zahlen. Zweckmüßig ist es, neben der unpersönlichen Gc- meinde die verantwortlichen Beamten persönlich w solchem Fall zu ver- klagen. Der Leichenträger ist möglicherweise nicht versicherungstzliichtig, wenn er als Beamter angestellt ist und eine Anwarffchast aus mindestens eine Invalidenrente in Höhe der ersten Lohnklasse hat. Dieser Ausschluß von der Versicherungspflicht tritt jedoch nur dann ein, wenn solche Beamten- kaicgorien aus Antrag durch den Bundesrat von der Versicheruugspsticht be- reit sind. Soviel uns bekannt, hat der Bundesrat solche Besreiung nur ür die versorgten Kirchner und Unlcrbcamtcn der römisch-katholischen Kirche n einigen sächsischen LandeSteilcn gestattet. Die von Ihnen geschilderte Kategorie Leichcnträger in Berlin kann von einem Bundesrats- beschluß schon deshalb nicht getroffen sein» weil sie schwer- lich als Beamten- Kategorie zu erachten und sicherlich nicht in ausreichender Weise sür Invalidität- und Altersfälle bedacht ist. Stellen Sie bei der Invaliden- Versicherungs- Anstalt den An- trag, Ihren mit teurer Veimicwng unterirdischer Ruhestätten thätigen Arbeitgeber zur Versicherungspflicht heranzuziehen. 2. Sie hätten lediglich sür die beiden letzten Lohnperiodcn nachzukleben. 3. Ihr Peiisionsreglcmeiit ist uns nicht bekannt. Sie brauchen mit einem Abzug vom Lohn sür die PensionSkasse sich nicht einverstanden zu erklären, da solcher Abzug dem§ 2 des Lobnbeschlagnahine-Gesetzes widcrsprScbe, cS sei denn, daß von vorn- herein der Abzug nichi als Lohn bezeichnet ist. 4. Ein rechtskrästigcS Urteil ist selbstredend auch gegen das Konsistorium entscheidend. Die Nichtzahlung von Lohn ist keine �Unterschlagung". Sie sind wie jeder Gläubiger be- rechtigt, Ihren Lohn aus Grund Ihres Arbeitsvertrages einzuklagen. Das sollten Sie um so eher thun, als Ihre Arbeitgederin auch für die Fälle, in denen Bestattvngsverpffichtete Ihre Arbeit ablehnen, auf einen Entbehrungs- lohn(steilich zu Unrecht) Anspruch erhebt und alle Arbeiten mit Ausnahme der Sonntagsardeit recht schlecht bezahlt.— L. K. Es war im Jahre 1871. — P. Müller. Sie leben auch ohne besonderen Vertrag außerhalb Gütergemeinschast. Größerer Sicherheit der Ehestau entspricht der Abschluß eines notariell oder gerichtlichen Vertrages, in dem das Eigentum der Braut anerkannt wird und Vereinbarungen getroffen werden, wie sie das Beispiel aus S. 225 Nr. 22 des dem Arbeiterrecht beigesügten Führers enthält. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— D. S. A. 721». 1. u. 2. Eine unbescholtene Braut kann aus eine billige Entschädiamig wegen Ver- lustcS der Jungfräulichkeit auch dann klagen, wenn die mährend des Braut- slandes gewährte Beiwohnung ohne Folgen geblieben ist. Ein Beispiel sür solche Klage, die Sie durch einen Anwalt anstellen lassen müffen, da Sie mehr als 300 M. begehren, finden Sie S. 220 Nr. 11 des dem Arbeiter- recht beigesügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. 3. Schritte bei der Behörde, um den Bräutigam außer Diensten zu einem Beamten außer Diensten zu machen, zeugen von keiner steien Gesinnung und bleiben hoffentlich ohne Erfolg.— C. M. Ja. — K. G. Welche Schreibweise des Namens die richtige ist, erhellt aus Ihrer Darstellimg nicht. Sie müßten in erster Reihe jestftcllen, wie der Name Ihres Vaters im Kirchenbuch(Taus- und Heiratsurkunde) geschrieben ist, sodann wie Ihre und Ihrer Geschwister Geburtsurkunden lauten. Stimmt der Name überein, so liegt ein Grund zur Acnderung nicht vor. Stimmt er nicht überew, so wüßten Sie sich an das Gericht oder an den Regierungs- Präsidenten wenden. Welche Behörde zuständig ist, kann Ihnen erst mit- geteilt werden, wenn Sie jestgestelll haben, welche Urkunde Sie berichtigt haben wollen, von wann sie datiert und wo sie ausgestellt ist. Etwaige Abweichungen in den Militärpapieren, Verstcherungskarten usw. sind von der Militärbehörde beziehentlich der Polizei zu berichtigen: ersorderltch ist die Berichtigung nicht.— I. R. 33. Ja; suchen Sie sich zu einigen.— W. S., Rixdorf. Hinterlegen Sie die Miete. In allen Fällen, in denen mehrere Anspruch aus die Miete erheben, ist allein die Hinterlegung ratsam. — St. P. 20. 100. 1. Nur der im JahreSbetrag 1500 M. übersteigende Lohn ist wegen Forderungen mit Ausnahme der Sllimenten- und Steuer- sordramgen pfändbar. 2. Nein: sür eventuelle Stvassülle. 3. Ja. 4. Nein. 5. Als angemessen schwankt die Gerichtsschätzung zwischen 6 und 20 M. Wenden Sie sich an den Verein der Hebammen. 6. Im Falle 4: Ja.— E. P. 100. 1. Ja. 2. Ein persönliches Erscheinen in O. kann erforderlich werden. Der Vater ist bei dem Amtsgerichte seines Wohnorts zu ver- klagen.— M. P. Eheleute können gegen einander Diebstahl nicht be- gehen. Der Ehemann kann aus Herausgabe seiner und der seiner Ver- waltung unterliegenden Sachen seiner Ehefrau klagen.— W. M. Leider nicht. — H. G. 100. Sie sind persönlich sür Schadensersatz hastbar. Ein Rück- trittsrecht besteht nur, wenn es vereinbart ist.— I2jöhriger Abonnent. 1. Nein. 2. Eine Klage wäre erfolglos: Der Auktionator ist im Recht.— E. K. 17. In der Regel werde» derartige Akten 30 Jahre lang aus- bewahrt.— R. A. 86. 1. Der uneheliche Sohn beerbt seinen Vater nicht. 2. In der Regel nein.____ Wasserstand am 10. August. E I b e bei Aussig— 0,86 Meter, bei Dresden— 2,23 Meter, bei Magdeburg•+- 0,05 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt st- 0,75 Meter.'— Oder bei Ratibor st- 0,50 Meter, bei Breslau Ober-Pegel st- 4,20 Meter, bei Breslau Unter»Pegel— 1,81 Meter, bei Franksnrt st- 0,17 Meter.— Weichsel bei Brahemünde st- 1,68 Meter.— W a r t h e bei Posen— 0,22 Meter.— N c tz e bei Usch st- 0,30 Meter. WitternngSübersicht vom ll. August 1804. morgen» 8 Uhr. Stationen »eller »ei Ii w& Stallone» o 2 5 5 S)~ A| 3 e u LI Petersburg i 753� SW Eork Slberdeen Paris Wellet — Heller >1 wolkig Jbedeckt 2wolkenl »S! c% ä n L? ti S> 11 12 12 14 Wetter. Prognose für Freitag, den 18. August 1804. Wärmer, zunächst vorwiegend Heller mit schwachen jüblichen Winden: später wolkig und etwas Gewitterneigung. Nr. 188. 21. Jahrgang. 2. Stilmt des Jorniiitts" Knlim llolfolilatt. Freitag, 12. August 1904. FönOehuter iuternatwnaler Kergarbeiter-Kongreß. Paris. 9. August. Zweiter Verhandluugstag. Zum ersteu Punkt der Tagesordnung:„Der Kongreh erstrebt auf gesetzlichem Wege die Einführung des Achtstundentages" erhält das Wort Stanley- England. Er empfiehlt die vorliegende Resolution zur einstimmigen Annahme. Die Frage sei bis jetzt noch auf allen Kon- gressen besprochen worden, darum halte er heute eine ausführliche Besprechung für überflüssig. Wenn in England bis heute noch kein Erfolg bezüglich des Achtstundentages im Parlament erzielt wurde, so halten wir doch an dieser Forderung fest und werden sie all- jährlich von neuem stellen. Der Achtstundentag sei für die Berg- leute durchaus notwendig und auch durchführbar. Von der heutigen Regierung sei allerdings nicht viel zu erhoffen, aber die englischen Arbeiter haben die Hoffnung, daß das heutige Regierungssystem recht bald gestürzt werde, an dessen Stelle eine Regierung trete, die auch Gesetze für die Arbeiterschaft schaffe. Die letzten Wahlen in den Bergwerksdistrikten haben schon gezeigt, daß eine Wendung zum Besseren eintritt. Leider seien sich die beiden großen englischen Bergarbeiter-Organisationen in dieser Frage immer noch nicht einig, doch auch hier seien Fortschritte zu verzeichnen, so daß die definitive Einigung nur noch eine Frage der Zeit sei. Als besonderen Fort- schritt begrüßt er die jetzige Vereinigung der Bergleute zweier Kontinente, die. so vereint, keine zu unterschätzende Macht bildeten. Er hofft, daß alle nationalen Organisationen an ihre Parlamente herantreten, damit diese Forderung, die von den Bergleuten aller Länder erhoben wird, auch recht bald realisiert wird. E v r a r d- Frankreich hält eine ausführliche Besprechung dieser Forderung für nicht notwendig, da nun schon 1o Jahre über den Punkt diskutiert werde und in allen Ländern volle Einigkeit herrsche. Er freut sich, daß zwischen den beiden englischen Föderationen in der Frage des Achtstundentages eine einheitliche Anschauung Platz gegriffen hat und hofft, daß die englischen Berg- arbeiter-Abgcordneten im Parlament in Zukunft für die Acht- ftundenbill stimmen würden. In Frankreich ist ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Dem Senat liegt ein Gesetzentwurf vom 6. Februar 1002 vor, nach dem sofort nach Annahme durch den Senat und der Sanktion durch den Präsidenten direkt der Ncunstundentag für die Bergleute eintritt. Nach zwei Jahren wird die Arbeitszeit auf 8V. Stunden und nach wiederum zwei Jahren auf 8 Stunden verkürzt. Die Arbeitszeit beginnt, sobald der letzte Korb unten ist, und dauert bis zum Beginn der Ausfahrt, dauert also in Wirklichkeit immer noch mehr als 8 Stunden, aber dennoch ist das gegen heute ein großer Fortschritt. Bei der Beratung dieses Gesetzes haben die focialistischen Abgeordneten in der Kammer ihre volle Pflicht er- füllt. Die nationalen Organisalionen müßten danach streben, daß sie immer mehr Einfluß auf die Gesetzgebung in ihren Ländern be- kämen, dann würden sie den Achtstundentag auch bekommen. P o k o r n y- Deutschland: Die vorliegenden Resolutionen zwingen mich, trotz der kostbaren Zeit, noch einige Bemerkungen zu machen. Die englische Resolution sagt nur, daß der Kongreß sich für eine„angemessene Arbeitsverkürzung" ausspricht, während die französische den Achfttundentag fordert. Was heißt es:„eine angemessene Arbeitsvcrkürzung?" Mir erscheint die englische Re- solution nur ein Verlegenheitsprodukt. Man will etwas fordern, aber man traut sich nicht, den Achtstundentag unbedingt zu fordern. weil sie sonst mit ihren eignen Kollegen in Konflikt Lünen. Wir stimmen darum für die französische Resolution, die präciser ab- gefaßt ist. Die deutschen Kapitalisten halten eine Arbeits- Verkürzung von 3— 5 Minuten für„angemessen". Darum fordern wir für alle Bergleute, für die oberirdischen sowohl als für die unter- irdischen, den Achtstundentag. In Deutschland haben wir in jedem Revier eine andre Arbeitszeit, die zwischen 8V-— 12 Stunden schwankt. Hier kann nur durch eine gesetzliche Regelung Gleich- Mäßigkeit geschaffen werden. In den deutschen Parlamenten haben die Gegner unfern Vertretern, als sie den Ächtstundentag forderten, entgegengehalten, die„praktischen" Bergarbeiterführer von England seien gegen den Achtstundentag. Die englischen Bergarbciterführer im Parlament haben der internationalen Bewegung mit ihrer un- verständlichen Stellung zum Achtstundentage einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Um solcher Quertreiberei ein Ende zu machen, ersucht er die englische Delegation, ihre Resolution zurückzuziehen und ebenfalls für die französische Resolution zu stimmen. E b e r t- Oesterreich bespricht die Einführung des gesetzlichen Neunstundentages und weist nach, wie die Kapitalisten doch das Gesetz übertreten. Er hält eine starke Gewerkschaft für die beste Garantie des Achtstundentages. Marville- Belgien hält eine ausführliche Besprechung wohl für notwendig, da die Frage noch nicht genügend geklärt sei. Für die belgischen Bergleute sei die Forderung des Achtstundcn- tages die wichtigste von allen, denn in Belgien herrsche die längste Arbeitszeit. Belgien ist das Paradies der Liapitalisten. Es bestehe ein Gesetz, das die Frauenarbeit und die der Jugendlichen regelt, aber sonst keinerlei Beschränkung der Arbeitszeit kennt. Kinder von 12 Jahren werden auf den Gruben beschäftigt, wenn auch täglich„nur" 10 Stunden. Frauen unter 21 Jahren dürften heute nicht mehr einfahren und nehme die Frauenarbeit in den letzten Jahren auf den Gruben sehr ab. Vom gesundheitlichen Gesichtspunkt aus sei der Achtstundentag notwendiger als wie jede andre Reform. Berühmte Aerzte machten verschiedene Versuche, um die Ursache der hohen Krankenziffer festzustellen, aber daß die Haupturfache in der langen Arbeitszeit liegt, scheinen sie nicht begreifen zu wollen. Man sollte nur mal einen Versuch machen mit der Verkürzung der Arbeits- zeit, der Erfolg auf hygienischem Gebiete würde sicherlich nicht aus- bleiben. Darauf werden die beiden Resolutionen zum Achtstundentag gegen die Stimmen der Durhamer angenommen. Mittlerweile hat die Mandatsprüfungs-Kommission ihre Arbeiten erledigt und erstattet Bericht. Anwesend sind 77 Delegierte, die 2 969 000 Arbeiter vertreten. Auf die einzelnen Nationen entfallen: England 4S Delegierte, die 549 000 Bergleute vertreten, Deutschland 13 Delegierte(680 000 Arbeiter), Frankreich 7(190 000 Arbeiter), Belgien 9 Delegierte(130 000 Arbeiter), Amerika 2 Delegierte(500 000 Arbeiter), Oesterreich 1 Delegierter(12 000 Arbeiter). Es folgt dann noch die einstimmige Annahme einer Sympathie- resolution für die streikenden Bergleute in Kolorado. Darauf Schluß der Morgensitzung. Paris, 10. Juli.(W. T. B.) Der Internationale Bergarbeiter- Kongreß nahm den französischen Vorschlag an, betreffend verschiedene hygienische Matznahmen in den Bergwerken zur Bekämpfung der Wurmkrankheit._ Sozialed. Neber die Verteilung des ArzthonorarS bei der Orts-Krankenkaffe München im ersten Quartal seit Einführung der freien Arztwahl giebt der Verwaltungsbericht der Kasse an, daß 390 bis 400 Aerzte von den Kassenkranken in Anspruch genonunen wurden. ES bezogen aber 59 Aerzte zwei Drittel des Honorars und die übrigen mutzten sich �n daS letzte Drittel teilen. Eine genauere Scheidung würde wahrscheinlich ergeben, daß auch unter den 59 bevorzugten Aerzten nur ein kleiner Teil erhebliche Einnahmen aus der Kassenpraxis hat. Eine Ccntralkommission der Krailkenlassen ist in F o r�st L. bildet worden. Zunächst sind ihr fünf Kassen beigetreten. ge« Kirchensklnven. Seit vielen Jahren führt das in Köln erscheinende Organ des Allgemeinen Organistenvereins„Der Organist", Klage über die miserable Entlohnung der Kirchenproletarier. Wesentlich gebessert, so daß die Organisten zufrieden sein könnten, hat sich die Lage der Leute nicht. Dennoch wird das Blatt sein Erscheinen einstellen. Der Redakteur, Domorganist I. Rodenkirchen in Köln, teilt dieS den Mitgliedern in folgendem Rundschreiben mit: Allgemeiner Organistenverein. Köln, Datum deS PosfftempelS. Wegen eingetretener Schwierigkeiten besonderer Art sehen wir uns leider zu der Mitteilung veranlaßt, daß unser Verbandsorgan„Der Organist" nach neunjährigem Bestehen sein weiteres Erscheinen einstellen muß. F. A. des Vorstandes I. Rodenkirchen, Domorganist. Das ist kein natürlicher Tod, sondern eine Erdrosselung. Die „Schwierigkeiten besonderer Art" bestehen, wie die„Rheinische Zeitung", unser Kölner Parteiblatt, mitzuteilen in der Lage ist, darin, daß man dem Redatteur und Organisten am Dom zu Köln, Herrn Rodenkirchen, zu verstehen gegeben hat, daß er entweder die Redaktion oder die Stelle als Domorganist niederlegen müsse. Der Gemahregelte hat in dem Blatte die Interessen seiner geplagten und schlechtbezahlten Berufskollegen in einer Weise vertreten, die„oben", bei den Kirchengewaltigen, Anstoß erregte. So hat er die traurigen Verhältnisse eines Orga- nisten dargelegt, der— erst nach seinem Tode„pensioniert" wurde. So beraubt man die Organisten der einzigen Waffe, durch die sie sich gegen Ausbeutung und Mißachtung, wenn auch schüchtern, zur Wehr fetzen konnten. Durch Stockprügel auf den Magen macht man die Jünger der heiligen Cäcilia mundtot und wehrlos. Das ist katholische Socialpolitik.— Hus der frauenbewegung. Adlershof. Der Verein für Frauen und Mädchen hielt Montag, den 8. d. M., seine Mitgliederversammlung ab. Herr Stadtveroro« neter Dr. Borchardt- Charlottenburg hielt einen Vortrag über Arbeitslosen-Verfichcrung, woran sich eine längere Diskussion schloß. An Stelle der Frau Klinger, die ihr Amt niedergelegt hat, wurde Frau Driest als Beisitzerin und Hilfskassiercrin gewählt. Auf An- trag des Vorstandes wurde beschlossen, am 10. September einen Familienabend zu veranstalten, bestehend aus Konzert, Vorträgen der Norddeutschen Sängergesellschast und Tanz. lleber studierende Frauen an der Berliner Univcrfität wird be- richtet, daß im Sommer 308, im letzten Winter 507 Frauen als Hörerinnen zugelassen waren. Vier Damen wurden bei der philo- sophischen Fakultät zu Doktoren promoviert. gettnae ttel 14,00 Marktpreise von Berlin am 10. August. Nach Ermittelungen des kgl. Polizci-Präfidiums. Für 1 Doppel-Centner: Weizen"), gute Sorte 17,60-17,56 M.. mittel 17,52-17,48 M., geringe 17,44-17,40 M. Roggen"), gute Sorte 13,95-13,34 M.. mittel 13,93-13,92 M., gering 13,91— 13,90 MWMMM'"---- WM bis 13, f 1 mittel 40,00-28,00 M.' Speiseböhnen, weiße 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln, neue, 11,00-3,00 M. Richtstroh 4,50-4,00 M. Heu 8,50-6,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. •) Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. den Inhalt der Inserate t die Redaktion dem ftiir übernimmt Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Ubeater. Freitag, 12. August. Ansang 71/, Uhr: Neues königl. Opern< Theater. Der Vogcihändler. Belle, Allinnce. Gastspiel von Emil Winter- Tymians Humoristen. Anfang 8 Uhr. Schiller O.(Wall ii er. Theater.) Der Troubadour. Westen. Liebeshandel. Berliner. Zapfenstreich. Neues. Einen Jux will er sich machen. Residenz. Die 300 Tage. Kleines. Nachtasyl. Metropol. Ein tolles Jahr. Slpollo. Venns aus Erden. Specsali» töten. Herrnfeld'Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Stadt-TheaterMoabtt. Der reiche Pustekohl. Reichshalle». Stettiner Sänger. Passage-Theater. La belle Georgette. Sperialitäten. Ansang 5 Uhr. Nrania. Taubenftraste 48/49. Die Weltausstellung in St. LouiS. — Der Gardasee. Juvalidenftrahe 67162. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Seblller-Idester 0. (Wallner-Theater). Morwib-Oper. Freitagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. l»«r Troubadour. Sonnabendabend 8 Uhr: Der polnische Jude. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben Preisen: Zar und Zimmermann. Sonntagabend 8 Uhr: Robert der Tenfei. Der Sommergarten ist eröffnet. Im Garten de» Schillcr.TheaterS!7. täglich großoo biilitär-Konzort. Metropol-Theater Der grösste Erlolg dieses Jahres: Gr. dramatisch-satiriache Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfan"- 8 Uhr. KoucUea überall gestattet. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltausstellung in St Louis. Hierauf: Der Gardasee. Sternwarte Sd/SS: Das Ddrenweib, lebend. Der 16jährige Riesenknabe Der lange Josef _ 217 ctm gros«._ SV* Nada und Mnemos, TM Gedankenleser. Der Liclc henfnnd. Aga, die schwebende Jungfrau. AUes ohne Extra-Entree. ) CASTANS ANOPTICUM. Der ODTerwuiiiiliare Fakir! Italienlselies Original-Ordiester, Damen und Herren; Der Kampl um Port kfMr, gr. akt. Spektakel-Schauspiel. m ooiocischer! mm Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär-Doppel-Komert. 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Billets für Mitglieder a 90 Pf., für Gäste a 1,10 M.(Parkett- Fauteuil, I. Parkett, I. Eang und Logenplätze) sind an den Zahlstellen von Bobsien, Kommandantenstraße 62; Kanfhold, Wrangelstraße 52; Becker, Gotzkowskystraße 9, sowie beim Kassierer zu haben. 150/18 l. A.: Heinrich Nett, Kassierer, Veteranenstr. 6. - Jlax KHetn's Sotnmer- Theater Hasenhelde 18—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. TägUch: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Gommerfeft.— Jeden Mittwoch: Die beliebte» Kinberfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Dag. MT* Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-M» 2 hochelegante Kegelbahnen, Würselbiidm, Konditorei, Blumenstand:c. In den Sitlcn: Orosser Ball. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sieh machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Einen Jux will er sich machen. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich das ScnsaticnS- Programm: Kumparivagaduttdus Große Zauberpoffe mit Gesang in 6 Bildern von Nestroh. 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Das Erscheinen aller Kollegen erwartet 118/6» vle yrrbandslrltans. I. A.: Emil Thüns. !! Von 36 Mk. an!! Herrenanzug n. Maß, neueste Muster, großes Stofflager, seinste Zuthaten, 2 Anproben. Für guten Sitz bekam goldencMedaille. liiidwig Knjcel, Prenzlauerstr. 23 II(Alcranderplatz). Gegründet 1892. 293b Ostbatm-Park. Am KQstrinerplatz. Rüdersdorf erst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Kpeeialitäten- Norstellung. Uergolder! Filiale Berlin. Montag, den 15. August cr., abends präcise 8 Uhr, in den Armin- hallen(großer Saal), Koinmandaiitenstr. 20: l�itgUecUi-- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen.4.d. Ritter über: Tie kulturelle Be- deutung der politische» und gewerkschaftlichen Zlrbeiterbewcgüng. 2. Diskussion. 3. Abänderung des Regulativs der lokalen Arbeitslosen- Unterstützung für Berlin. 4. Verschiedenes. 227/1 Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, in dieser Versammlung zu er- scheinen. Her Verstand. Oeutsclier Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends 81� Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Nfer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Achtung! Einsetzer. Achtung! Sonntag, den 14. August, vormittags IV Uhr, finden in den bekannten Lokalen die Bezirks- Sitzungen statt.— Zu beachten! Es werden in allen Bezirken die ausgegebenen Fragebogen wieder eingezogen, und werden die Kollegen, die selbige noch nicht ausgesüllt haben, aufgefordert, dies bestimmt am Sonnabend überall nachzubolen. Rege Beteiligung erwartet Die Kommission. Montag, den IS. August, abends 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, _ Engel-User 15(Saal 2): WM" Kommifsions-Sitzung."WM 87/15 Der Obmann. Plüseh-PortiereD, gestickt, alle Farben, a Garnitur, bestehend aus zwei Shawls und einem Lambrequin a 25, 15 bis 10 M. bis Velvet-Portleren, mit Tuch appliciert, sehr preiswert. Vorjührlse Muster nnd Restbestände fast für Hälfte des Preises. 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August 1904, morgens 3/45 Uhr, nach langen, schweren Leiden im Alter von 45 Jahren sanft entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten die Hinterbliebenen. Rixdorf, Hermannstr. 53. Hrnno Werner als Gatte. Hans, Grcthe, Fritz als Kinder. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 13. August 1904, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Rixdorfer Gemeinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Hnnlisajxnns. Allen Verwandten, Bekannten und Kollegen für die herzliche Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsres guten Vaters, des Arbeiters •Job ann Trndnowski den ticjgesühllesten Dank. 59698 Witwe Trudnowski nebst Kindern. �ifilöt/misc�s�fauijaus. M Empfehlen unser helles u. dunkles TafelMer: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. Fass• Abteilung: liandsberger Allee 11/13. T. VII. 5088. Flaschen-„ Frieden Strasse 93. T. 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