Kr. 189. HbomKnuntS'Btdlnguiwn: CBonnemenB- Preis pränumerando! BierteljShrl. z�> Str., monolL tlO Ml. wöchenMch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nununer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- PreiSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Auslaad S Marl pro Monat. 21. Jahrg. dchell» tZgNch auBu montagj. Devlinev Volksbl�tk. Die TntertionS'Gcbüljr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschasMche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 26 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis L Uhr vormAags gchgnet, Telegramm. Adresse: ..Soaialüemslirst RtrllD". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68. Lindenstrasse 69. Kernsprcchrr: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den IB. August 1904. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der Königsberger Prozeß und die Reform der Strafprozeßordnung. Vor mehr als Jahresfrist hat das Reichs-Justizamt eine Kam- Mission einberufen, welche die Vorarbeiten zu der als notwendig anerkannten Reforin unsrer Strafprozeßordnung liefern soll. Den Arbeiten dieser Kommission könnte der Königsberger Prozeß die reichste Anregung bieten. Er hat blitzartig grell alle Mängel des in Deutschland geltenden Strafprozeßrechts beleuchtet. Geht aber die Kommission, wie nach ihrer einseitigen Zusammensetzung zu fürchten ist, achtlos an den Ergebnissen des Königsberger Prozesses vorüber, so wird es Sache des Reichstages sein, das, was dieser Prozeß uns gelehrt hat, nicht vergessen zu lassen. Weder hat es sich gezeigt, daß mit der Regelung, welche die Hauptverhandlung in unsrer Strafprozeßordnung erfahren hat, in großen und ganzen auszukommen ist, daß aber unser Vorverfahren. welches in seiner gesetzlichen Ausgestaltung an die finstersten Zeiten des mittelalterlichen Jnquisitionsprozesses erinnert, unerträglich ist. Die Voruntersuchung, welche der Gesetzgeber ursprünglich als Schutz für den Angeklagten gedacht hat, die ihm Gelegenheit zur Entkrästung der gegen ihn sprechenden Verdachtsgründe gewähren sollte, hat diese Aufgabe nicht erfüllt, vielmehr fich in eine die Jnter- essen des Angeklagten auf das schwerste gefährdende Maßregel ver- ivandelt. Schon der Name UntersuchungS richter ist ein Wider- spruch in sich selbst. Der Richter soll objektiv und unparteiisch auf Grund des ihm von den Parteien unterbreiteten Materials e n t- scheiden. Wird er dagegen mit der Untersuchung, also einer rein polizeilichen Aufgabe betraut, so muß er sich notwendig in ein Organ der Strafverfolgung verwandeln. Dem Angeklagten stehen mithin zwei Gegner gegenüber, der Staatsanwalt und dessenHilfsorgan, der Untersuchungsrichter, derineinemgeheimen.schriftlichenJnquisitionS- verfahren das Material sammelt, ohne daß der Angeschuldigte oder dessen mit äußerstem Mißtrauen behandelter Verteidiger von den gegen den Angeschuldigten unternommenen Schritten etwas erfahren. Und— was das schlimmste ist— das unter dem Namen des UntersuchungS r i ch t e r S von dem Gesetz mit den Aufgaben der Strafverfolgung betraute Organ soll zugleich unparteiisch über Eingriffe in die Rechte des Angeklagten, insbesondere die einschneidende Maßregel der Verhängung der Untersuchungshast entscheiden. Der Einfluß des Untersuchungsrichters beschränkt sich aber nicht nur auf das Vorverfahren, er greift tief in die Haupt- Verhandlung hinein. Der Vorsitzende und der Berichterstatter haben sich aus den Protokollen des Untersuchungsrichters ihre Ansicht ge- bildet. Die Aussagen der Zeugen sind festgelegt. Jede spätere Ab- weichung, die das eingeprägte Bild zerstört, wird ihnen vorgeworfen, und die Furcht, in den Verdacht eines Falscheides zu geraten, hindert die Berichtigung. Auf diese Weise ist es dahin gekommen, daß das Urteil weniger auf Grund der mündlichen Verhandlung, als der Protokolle des geheimen, schriftlichen Vorverfahrens gefällt wird, zu dessen abgeblaßter Wiederholung die Hauptverhandlung herab- gesunken ist. Daß dieser Zustand ein unhaltbarer ist, geben vorurteilslose und gebildete Praktiker neuerdings rückhaltslos zu. Erkannte doch ein Straßburgcr Staatsanwalt in seinem Gutachten für die letzte Versammlung der Internationalen kriminalistischen Vereinigung zu Stuttgart an, daß der Untersuchungsrichter im Zweifel, selbst da, wo es sich um die persönliche Freiheit des Angeschuldigten handelt, stets derjenigen Entscheidung den Vorzug geben wird,„welche den Jnter- essen der Strafverfolgung entspricht", und daß der UntersuchungS- richter,„der thatsächlich Partei ist", unmöglich unbefangen sein kann. Und in einer der letzten Nummern der„Juristen-Zeitung" redet ein andrer Staatsanwalt der völligen Ausschaltung des Unter- suchungsrichterS aus dem System unsreS Gesetzes daS Wort,„nach- dem man einzusehen beginnt, daß auch er der Subjektivität unter- warfen und den Versuchungen jedes Jnquirenten aus« gesetzt ist". Daß allerdings solche die hergebrachte Schablone durchbrechenden Anschauungen vereinzelt dastehen, wird niemand, der die rückschritt- lichen Ansichten unsrer praktischen Juristen kennt, wundernehmen. Welche Gefahren uns von dieser Seite bei der in die Wege geleiteten sogenannten Refonn der Strafprozeß-Ordnung drohen, dafür liefert eine vor kurzem von dem Berliner Landgerichtsrat Kode heraus- gegebene Schrift:„Der deutsche Richter" den besten Beweis. Verdient diese Schrift wegen ihrer völligen wissenschaftlichen Wert- losigkeit auch keiner Erwähnung, so ist sie doch beachtenswert, da fie von einem im Amt befindlichen Untersuchungsrichter herrührt und die Möglichkeit besteht, daß die vom Reichs-Justizamt berufene Kommission ähnlichen Ansichten zuneigen wird. Kade geht davon aus, daß der Untersuchungsrichter nicht ein Verfolger, sondern ein objektiver Ermitteler der Wahrheit ist. Und von diesem Standpunkte aus kommt er zu der Forderung, daß der Angeschuldigte und sein Verteidiger Einsicht von den UntersuchungS- alten stets, jedoch nur nach Ermessen dieses objektiven Ermittelers der Wahrheit nehmen dürfen, nämlich.nur, soweit dies nicht den Gang der Untersuchung stört". Das Recht des Angeklagten, Beweisanträge in der Voruntersuchung zu stellen, soll sich darauf beschränken, daß der Angeklagte dem Untersuchungsrichter Vorschläge machen darf. Beim Abschluß der Voruntersuchung endlich soll der Untersuchungsrichter seine Ansicht über den Sachverhalt äußern. Weitere Maßnahmen, so schließt Kade, sind zum Schutze des Angeklagten nicht erforderlich. Prüfen wir nun an der Hand des Königsberger ProzeffeS diese angeblichen Rechtsgarantien. DaS Gesetz schreibt vor, daß dem Be- schuldigten zu eröffnen ist, welche strafbare Handlung ihm zur Last gelegt wird, um ihm die Gelegenheit zur Beseitigung der gegen ihn vorliegenden Verdachtsgründe und zur Geltendmachung der zu seinen Gunsten sprechenden Thatsachen zu geben. Wie unzureichend diese gesetzliche Vorschrift ist, hat der Königsberger Prozeß gezeigt. Trotz zahlreicher Anträge der Verteidigung sind den Angeklagten während der ganzen Dauer der Voruntersuchung weder die inkriminierten Schriften vorgelegt, noch auch nur die Titel mitgeteilt worden. Eine wirksame Verteidigung war hiernach einfach unmöglich. Diese Thatsache, daß eine monatelange Untersuchungs- Haft über eine Anzahl deutscher Staatsbürger verhängt wurde, ohne daß sie die ihnen zur Last gelegten Strasthaten im einzelnen kannten, spricht mit bezwingender Wucht für die Beseitigung der geheimen richterlichen Voruntersuchung. Welcher der beiden von den Gegnern des heutigen Systems vorgeschlagenen Wege der bessere ist: die DurchfliHrung völliger Parteienöffentlichkeit oder die vollständige Abschaffung der richterlichen Voruntersuchung, soll hier nicht erörtert werden. An dieser Stelle kam es nur darauf an zu zeigen, was unter der Herrschaft des geltenden Rechtes möglich ist. Geht man nun noch einen Schritt weiter und läßt mit Kade die Afteneinficht für den Angeklagten stets nur dann zu, wenn dies nach dem freien Ermessen des Untersuchungsrichters den Gang der Untersuchung nicht stört, so heißt dies, den Angeklagten fiir völlig vogelfrei erklären. Ebenso wenig aber wie über die thatsächliche waren die Angeklagten auch über die rechtliche Seite der Beschuldigung in- formiert. Letzteres nicht, weil Staatsanwalt und Untersuchungs- richter hierüber selbst nicht zutreffend unterrichtet waren, weil ihnen das Bestehen einer amtlichen,„in der zweiten Abteilung Seiner Kaiserlichen Majestät Eignen Kanzlei" hergestellten deutschen Ueber- setzung des russischen Strafgesetzbuches unbekannt war. Das russische Gesetz aber war vorliegend integrierender Be- standteil des zur Anwendung zu bringenden deutschen Rechtes, das die Verfolgung lediglich unter der Voraussetzung einer nach russischem Gesetze verbürgten Gegenseitigkeit zu- läßt. Gab es von diesem eine amtliche Uebersetzung, so war nichts zweckentsprechender, als diese zu Grunde zu legen. Statt dessen operierten Vonmtersuchung und Anklageschrist mit einer von russischen Behörden gelieferten unvollständigen und falschen Uebertragung. Was würde man sagen, wenn der deutsche Richter an Stelle der Benutzung des deutschen Strafgesetzbuchs die unrichtige Wiedergabe desselben in irgend einem Buche wählen würde? Aehn lich aber ist in Königsberg verfahren. Aber nehmen wir einmal an, die amtliche deutsche Ausgabe des rusfischen Strafgesetzbuchs existierte nicht, so daß das russische Original die einzige, auch dem deutschen Richter zur Verfügung stehende Rechtsquelle wäre. Wie konnte man sich dann mit der Uebersetzung einer ausländischen, der Jurisdiktion der deutschen Gerichte nicht unterstehenden und ihnen nicht Rechenschaft schuldigen Behörde begnügen? Das GerichtSverfassungs-Gesetz bestimmt, daß, so- bald eine in einer fremden Sprache abgefaßte Schrift als Beweismittel benutzt werden soll, die Zuziehung eines Dolmetschers zu erfolgen hat, dessen Befugnisse und Pflichten vom Gesetz im einzelnen genau geregelt sind, dessen ganze Stellung, dessen durch Disciplinar- und Strafgesetze verschärfte Verantwortlichkeit die Garantien für eine ehrliche und sorgfältige Ausübung seines Amtes gewährt. Wie fach kundige und gewissenhaste.Dolmetscher dem Königsberger Gericht zur Verfügung standen, hat die Hauptverhandlung gezeigt. Die Folgen, daß man im Vorverfahren nicht diese, sondern die gewiß nicht unverdächtige russische Behörde über die entscheidende Frage zu Rate gezogen hat, ob die Gegenseitigkeit verbürgt ist, also der ganze Prozeß überhaupt ein rechtliches Fundament hat, sind bekannt. Eine Monate dauernde Voruntersuchung ist geführt, eine Monate dauernde Freiheitsentziehung ist über eine Anzahl Menschen ausgesprochen worden, während doch das ganze, den Hochverrat und die Zarenbeleidigung betreffende Verfahren in demselben Augenblick hätte eingestellt werden müssen, in dem man die Frage zutreffend beantwortete, welche von allem Anfang an und bevor man irgend einen Angeklagten in Untersuchungshaft steckte, unter Zuziehung eines gewissenhasten und sachkimdigen Dolmetschers von Amtswegen gestellt werden mußte. Deutlicher als aus diesen Thatsachen, die bei keiner Beratung über die Abänderung der Strafprozeß-Ordnung vergessen werden sollten, läßt sich wohl nicht, auch nicht für den verblendetsten Anhänger des geltenden Rechtes, klarlegen, daß die Rechtssicherheit eine Reform des Vorverfahrens an Haupt und Gliedern erfordert. Im Prozeß giebt es kein Heil außer in den Formen, keine heiligere Pflicht, als diese zu wahren. Unser Vorverfahren mit seinem geheimen, inquisi torischen Charakter aber macht es den Angeklagten unmöglich, sogar ihrerseits den Nachweis zu führen, daß die wesentlichste formale Voraussetzung fehlte, mit der der ganze Prozeß stand und fiel. Rechtsanwalt Hugo Heinemann. politifcbe deberfiebt. Berlin, den 12. August. Ein offener Brief an den Reichskanzler. Dem österreichischen ReichSrats-Abgeordneten Genossen Engelbert Perner st orfer wurde durch die Polizei in Frankfurt a. M. verboten, in einer.Versammlung als Redner zu sprechen. Der Russenkurs des Grafen Bülow ist um eine Großthat reicher. Nicht bloß jüdische„Schnorrer und Verschwörer" werden von Bülow und seinen polizeilichen Helfershelfern verfolgt und mit dem Bannstrahl der Ausweisung belegt; auch urgennanische Deutsche trifft dieses Schicksal. Am Mittwochabend wollte Genosse ReichsratS-Abgeordneter Perner st orfer aus Wien auf seiner Durchreise nach Amsterdam zum Internationalen Socialistenkongreß in Frankfurt einen Vortrag über„Die Entwicklung der Socialdemokratie in Oesterreich" halten. In letzter Stunde wurde aber dieses Vorhaben von der Polizei ver- eitelt. Jedenfalls erschien ihr Pernerstorfer als ein außerordentlich staatsgefährlicher Mensch. Denn Tags zuvor wurde dem Vertrauens- mann und Einberufer der Versammlung, Genossen Georg Meier, folgendes Schreiben des Frankfurter Polizeipräsidenten zu« gestellt: Der königl. Polizeipräsident. Sofort. Frankftirt a. M., 9. August 1904. Nach ZeiwngSankündigungen soll in der von Ihnen an- gemeldeten öffentlichen Versammlung am 10. d. M., Sll2 Uhr abends, im hiesigen Gewerkschaftshause der österreichische Reichs- rats-Abgeordnete E. Pernerstorfer aus Wien einen Vortrag über„Die Entwicklung der Socialdemokratie in Oesterreich" halten. Da Pernerstorfer Reichs-Ausländcr ist, so untersage ich ihm hiermit, in der vorerwähnten Versammlung als Redner aufzutreten. Ich ersuche Sie, hiervon dem Genannten, dessen zeitiger Aufenthalt hier nicht bekannt ist, Mitteilung zu machen. Bei der Nichtbeobachtung dieser Anordnung wird der überwachende Polizeibeamte in der Versammlung gegen Pernerstorfer sofort einschreiten und letzterer als lästiger Ausländer ausgewiesen werden. Scherenberg. » Genoffe Perner st orfer veröffentlicht nunmehr in der Frank« furter„Volksstimme" einen offenen Brief an den höchsten Borgesetzte» der preußische» Polizei, den Reichskanzler und preußischen Minister- Präsidenten Grafen v. Bülow. Der offene Brief kennzeichnet in würdigem Ernst und in feinem Spott die„nationale Politik", die in. Preußen- Deutschland unter dem glorreichen Regime dieses Reichskanzlers geübt wird. Genosse Pernerstorfer, der in unsren Kreisen oft ein elementares Empfinden für deutschnationales Wesen bekundete, hat durch seinen offenen Brief ein wertvolles Dokument zur deutschnationalen Reichsherrlichkeit unsrer Tage geschaffen. Herr Reichskanzler! Als ich DienStag früh vor Nürnberg im Eisenbahncoupö auf- Ivachte und in die dort nicht übermäßig reizvolle Gegend hinaus- schaute, überkam mich, wie jedesmal, wenn ich deutschen Reichs- boden betrete, ein wonniges Heimatsgefühl. DaS ist der heilige Boden, auf dem Dein Volk seine selbständige politische Existenz lebt— dieser Gedanke befiel mich wieder mit Macht, und ich freute mich, auf meiner Reise nach Amsterdam einige Tage in reichSdeutschen Landen verbringen zu können. Lange schon war es mein Wunsch, die alte Reichsstadt Frank« furt a. M., an der ich bis jetzt immer nur vorübergefahren war, einmal besuchen und besichtigen zu können, die Stadt Goethes und der Paulskirche, die Stadt, die jedem Deutschen doppelt teuer ist als die Stätte, an der das größte deutsche Genie geboren wurde und in der nach trübseligen Tagen politischer Zersplitterung zum erstenmal ein deutsches Volksparlament zu» sammentrat. Nun weiß ich freilich, daß weder Sie, Herr Reichskanzler, noch die preußische Polizei, deren oberster Chef Sie sind, mir nicht das geringste in den Weg gelegt hätten und in den Weg legen würden, hier und wo anders innerhalb Preußens mich Deutschlands zu freuen, wenn ich nicht die Absicht gehabt hätte, in Einlösung eines alten Versprechens, meinen Parteigenossen in Frankfurt in einer Ver« sammlung etwas über„die Entlvicklung der Socialdemokratie in Oesterreich" zu erzählen. Daß dieser Gegenstand der preußischen Polizei allzu bedenklich erscheinen würde, konnte ich in keiner Weise vermuten, denn ich habe über ihn schon 1901 in Berlin in einer großen Ver- sammlung gesprochen, ohne bei den überwachenden Polizei-Organen Anstand zu erregen. Außerdem war ich fest entschlossen, kein Wort über die innere Politik Deutschlands zu sprechen. Ich hätte bloß berichtet, wie die österreichische Socialdemokratie als Kind der deutschen Bewegung entstanden, wie sie groß geworden ist trotz der tausendfachen Verfolgungen österreichischer Regierungen und trotz der verabscheuungswürdigsten Versuche einer tückischen, österreichischen Polizei, sie durch Lockspitzelei innerlich zu korrumpieren. Ich hätte am Schluffe mitteilen können, daß die österreichische Socialdemokratie nunmehr ein anerkannter und respektierter Faktor im öffentlichen Leben geworden ist und daß bei uns in Oesterreich kein Politiker und Staatsmann von einiger Bedeutung zu finden ist, der ernsthaft glauben würde, die socialdemokratische Partei und ihre Bestrebungen seien durch schwatzhaste Reden oder durch brutale Polizeimaßregeln aus der Welt zu schaffen. Das hätte ich im wesentlichen ausgeführt. Ich bin nicht dazu gekommen, da mir Ihre Polizei verwehrt hat, in Frankfurt a. M. zu sprechen. Ist das, was ich da ausführen wollte, in Preußen zu sagen wirklich nicht erlaubt? Ich erinnere mich, Herr Reichskanzler, daß Sie sich einmal als einen Verehrer Johann Gottlieb Fichte? er- klärt haben. WaS hätte dieser große Deutsche zu dem Verhalten Ihrer Frankfurter Polizei gesagt, jener Polizei, für die Sie ver- antwortlich sind?! Oder gehören Sie. Herr Reichskanzler, zu jenen. die, um ein Wort Lassalles zu gebrauchen, die großen deutschen Dichter und Denker nur deshalb loben, weil sie sie nicht gelesen haben? Sie haben. Herr Reichskanzler, vor nicht langer Zeit russische Staatsangehörige ausgewiesen, weil fie sich erlaubt haben, preußische Regierungsmaßregeln zu kritisieren. ES mutete seltsam an, daß ein großer Staat so viel Furcht vor der Kritik einiger weniger hatte, hinter denen keinerlei materielle Macht stand. Noch verwunderlicher wirkte der Hohn, mit dem Sie. Herr Reichskanzler, diese machtlosen einzelnen Übergossen. Sie gehören einem„vornehmen" Geschlechte an, Herr Reichskanzler, ich bin bloß„proletarischer" Abstammung. Aber ich muß gestehen, ich wäre, wenn ich mich in Ihren Fall ver- setze, absolut außer stände, zum Schaden auch noch de» Spott zu fügen. Das war, nach ineinem Gefühl, durchaus nicht nett von Ihnen, Herr Reichskanzler. Wer immerhin möchte man �fiir diesen Fall im überquellenden nationalen Chauvinismus, wenn auch keine Entschuldigung, so doch eine Erklärung finden. Sie erbosten sich über die Russen, die noch dazu russische Juden waren! Bei mir aber, Herr Reichskanzler, steht die Sache ganz, ganz anders, und während Sie in jenen Opfern Ihrer Laune bloß die Dienschenwürde verletzten, beleidigen Sie in mir aufs äußerste mem nationales Empfinden. Es ist wahr— ich bin ein internationaler Socialdemokrat und fahre zum internationalen Socialistcnkongreß, aber ich habe es nie verhehlt, daß mich mit meinem Volke ein starkes und unzerreißbares Band nationaler Zusammengehörigkeit verbindet. Man kann internationaler Socialist sein und doch warm national empfinden. Man kann, ja man muß als inter- nationaler Socialist ein lebhaftes Interesse an dem Gedeihen und an der Freiheit andrer Nationen haben. Dieses Interesse ist mindestens ebenso berechtigt, als jenes, das die preußische Regierung mit der russischen verbindet, wenn es gilt, absolutistische und autoritäre Interessen zu verteidigen. Gegen den Bund der reaktionären Regierungen der Bund der freihcitsdnrstigen Völker! Sie würden, Herr Reichskanzler, Einsprache dagegen erheben, wenn Ihnen jemand vorwerfen wollte, Ihre internationale Dienstbarkeit gegen Rußland sei ein Ausfluß antideutscher Gesinnung. Sie müssen daher ganz gut begreifen, daß ein deutscher Socialdemokrat, der ans dem Boden der Jnternationalität sieht, sich den Vorwurf der Deutsch- feindlichkeit nicht gefallen zu lassen braucht. Ich bin ja nicht der erste, der sich gegen einen solchen AnWurf verwahrt. Ich thue es in diesem Augenblick, Iveil Ihr Verbot mich daran hindert, zu deutschen Volksgenossen zu sprechen. Ich thue es, um zu pro- testieren gegen das Niveau Ihrer nationalen Gesinnung. Ein großes, geeintes Deutschland, das einen Deutschen ans Oester- reich in Preußen als„lästigen Ausländer" zu erklären droht, weil er— nicht etwa die innere Politik Deutschlands in unliebsamer Weise kritisiert, nein, bloß weil er ein Socialdemokrat ist?! Glauben Sie in der That, Herr Reichskanzler, daß dies der Weg ist, auf dem Deutschland in der Welt voran und Preußen in Deutschland voran geht? Ich wende mich, Herr Reichskanzler, in voller Oefientlichkeit an Sie, nicht vielleirbt deswegen, weil ich niciner bescheidenen Person eine besondere Wichtigkeit beilege, sondern einzig deswegen, weil mich Ihr Polizeivcrbot in meinen nationalen Empfindungen ebenso gröblich wie schmerzlich beleidigt hat, und weil ich als Deutscher öffentlich Protest einlegen will gegen eine Polizeimaßregel, die ich als eine dem deutschen Namen angethane Beschimpfung fühle. Ich füge meinen Protest den tausend und abertausend Protesten bei, die von den deutschen Arbeitern schon erhoben worden sind gegen die Herab- ziehnng der deutschen Ehre. Neuerdings ist mir an diesem mich persönlich kränkenden Falle klar geworden, wo Deutschlands Größe und Zukunft liegt: nicht in Deutschlands Reichsregierung, sondern in Deutschlands Volke, in Deutschlands socialdemokratischer Arbeiterpartei. Empfangen Sie, Herr Reichskanzler, den Gruß Ihres aust'ichtigen Engelbert Pernerstorfer, Mitglied des österreichischen ReichsrateS. Frankfurt a. M., 10. August 1904. *• # Ueber den Verlauf der Versammlung, in der Pernerstorfer nicht sprechen durfte, wird uns aus Frankfurt geschrieben: Als Genosse Meier der überfüllten Versammlung das Schreiben des Polizeipräsidenten bekannt gab, wurden laute, langanhnltende Pfuirufe laut. Mehrfach hörte man auch die Rufe; Russenkurs! Es dauerte geraume Zeit, bis sich die Aufregung einigermaßen gelegt hatte. ES ist das zweite Mal, daß einem Ausländer hier das Sprechen in einer Volksversammlung verboten wird. Vor zwei Jahren traf das Verbot den Genossen Robert Seidel in Zürich. Inzwischen hat aber ein Wechsel im Frankfurter Polizeipräsidium stattgefunden, und man glaubte allgemein, daß der neue Polizeipräsident Sckerenberg eine objektivere Auffassung der Arbeiterbewegung gegenüber ein- nehmen werde, zumal er innerhalb des Präsidiums einen griind- lichen Personenwechsel vornahm und auch sonst eine Reihe von Reformen einführte, die etwas liberaleren Geist verrieten. Aber die Hoffnung war verfrüht. Es wird derselbe Faden fortgesponnen. Herr v. Müffling, ein Mann von der Kirchenfrömmigkcit des Herrn v. Mirbach, ist gegangen? aber das System Müffling ist geblieben, wie obige Order mit aller Deutlichkeit zeigt. Wie könnte es auch anders sein bei dem Kurs, der zur Zeit in Berti n gesteuert wird. An Stelle Pernerstorfers hielt GenosseJCr. O u a r ck ein Referat über die Entwicklung der österreichischen Socialdemokratie, wobei er in scharfer Weise die Mimdtodmnchuuq Pernerstorfers geißelte. Ein Norman«- Schumann, russische Spitzel dürfen nach Berlin kommen, aber ein Mann wie Pernerstorfer dürfe in Frankfurt nicht sprechen. Das kennzeichne unsre gegenwärtige Politik. Daß man jetzt in Frankfurt Pernerstorfer einen Maulkorb angelegt habe, sei um so beschämender, als er vor einigen Jahren, 1901, sogar in Berlin sprechen durfte. Ja, man habe ihn sogar in Sachsen sprechen lassen: nur in Frankfurt sei sein Austreten„staatsgesährlich" und„lästig". Man ersehe daraus, welche Fortschritte der Russenkurs bei uns niacht. Inzwischen lvar Pernerstorfer im Saal erschienen und wurde ans der Aufforderung des Genossen Onarck gebeten, wenn er auch nicht sprechen dürfe, sich wenigstens der Versannnlnng vorzustellen. Pernerstorfer that das, indem er das Podium betrat und nun spielte sich eine dramatische Scene ab. Ein minutenlanger Bcifallsorkan durchbrauste den Saal, stehend jubelten dem alten Kämpen die Massen von Frauen und Männern zu, es war eine Scene, wie ich sie nur einmal in Frankfurt erlebt habe: als Lieb- Inccht sprach. Als sich endlich der Beifallssturm gelegt, trat Perner« storfer vor und richtete einige Worte an die Versammlung: Es erfülle ihn mit Wehmut, daß es ihm nicht möglich sei, ein Bild von den österreichischen Parteiverhältnissen zu geben, lder Kommissar wird unruhig) denn er könne wohl in Anspruch nehmen, ein Kenner der österreichischen Verhältnisse zu sein.(Der Polizeikomnnssar lvird nervöser und macht Einwendungen gegen das Wciterreden.) Pernerstorfer beschwichtigt ihn mit den Worten: Fürchten Sie nichts, mir Oestreicher san die gemütlichsten Menschen der Welt, ich werde nicht zum Thema sprechen, ich will nur... da wendet sich plötzlich der Kommissar zu dem neben ihm sitzenden Schutzmann und giebt diesem einen Befehl. Dieser erhebt sich, setzt den Helm auf und— schreitet auf Pernerstorfer zu. Auch der Kommissar ist aufgestanden... im Saal herrscht lautlose Stille, dann bricht auf einmal ein furchtbarer Lärm los und viel hundert- stimmig ertönen die Rufe: Pfui! Russenkurs, Schmach, Schande! Dem Kommissar mochte wohl bei diesem Ausdruck des Volks- zornes ein gewisses Zaudern und Schaudern überkonnnen sein, er giebt dem Schutzmann einen Wink und dieser zieht sich wieder zurück. Nachdem die Versammlung wieder ruhig geworden, tritt Pernerstorfer nochmals vor und sagt: Ich wollte nur für die Grüße der deutschen Genossen danken und sie namens der öfter- reichischcn erwidern!(Donnernder Beifall.) Der Vorsitzende schloß darauf die Versammlung mit dem Hinweis, daß Pernerstorfer bei seiner Rückkehr vom Amsterdamer Kongreß in 14 T a g e n in Offenbach sprechen werde, wo die preußische Polizei nichts zu sagen habe.„Auf Wiedersehen in Offen- dach!" waren die letzten Worte, die Pernerstorfer unter allgemeinem Jubel der Versammlung nachrief.— Ein Beileidstelegramm des Kaisers. Aus Paris wird vom 12, August gemeldet: Das Beileidstelegramm des deutschen Kaisers an die Witnie Waldeik-Rousseaus lautet in der Uebersetzung wie folgt:«Empfangen Sie, gnädige Frau, den Ausdruck meiner aufrichtigen Teilnahme an dem schrecklichen Verluste, der Sie betroffen hat. Ich werde mich immer mit Vergnügen der Stunden erinnern, welche ich mit Ihrem Herrn Gemahl habe verleben könne», dessen Liebenswürdigkeit ich ebenso habe bewundern können, wie seine Geistesschärfe. Gott sei mit Ihnen in diesen Stunden der Trauer."— Waldeck-Rousseau haste vor zlvei Jahren Gelegenheit, mit dem deutschen Kaiser auf der Nordlandrcise zusammenzutreffen. Es wurde schon damals erzählt, daß der Kaiser und der vornmlige Ministerpräsident der französischen Republik sich gegenseitig als gar liebenswürdige Menschen kennen gelernt haben. Auch das jetzige Beileidstelegramm zeigt, daß der deutsche Kaiser voll Interesse und Teilnahme für Persönlichkeiten sein kann, die eine Regierungsform vertreten, deren Fürsprecher in Deutschland von den Monarchisten als abscheuliche Umstürzler und Feinde der Ordnung gelästert werden. Der Kaiser denkt anscheinend über Republikaner' humaner als die Kaiserlichen.—_ JndiSkretionS-Angst. In Königsberg scheint das Bewußt- sein der Justizbehörde stir„hinreichenden Verdacht" besonders ent- lvickelt zu sein. Insbesondere scheint man ein ganz merkwürdiges Mißtrauen gegen die eignen Beamten zu haben. Das hat sich nicht nur bei dem jetzigen Zeugniszwangsverfahren gegen Genossen Büttner, sondern auch während des Vorverfahrens des Königsbcrger Prozesses gezeigt. Am 26. April 1964 ging an den Genossen Braun nach Zürich folgendes Telegramm: Brann-Zürich. Haft Braun, Nolvagrotzki, Treptau auf- gehoben. Brief folgt. Reiher. Bei den intimen Beziehungen, die zwischen den Verkehrsbehörden und Polizei und Staatsanwaltschaft walten, wurde dies Telegrannn alsbald dem ersten Staatsanwalt Schütze überreicht, der erregt in die Akten schrieb: Man müsse prüfen„ob und event. durch welches Beamten JndiSkreston der gerichtliche Beschluß bereits vor 12 Uhr 40 Minuten dem Absender Reiher bekannt geworden ist". Der Staatsanwalt aber wurde sofort durch den Untersuchnngs- richter beschwichtigt, der ihm mitteilte,„eine Indiskretion irgend eines Beamten fei vollständig ausgeschlossen". Es sei alles mit rechten Dingen zugegangen. So wurde damals ein Disciplinarverfahren gegen Unbekannt verhütet. Merkwürdig nur, daß ans den geheimnisvollen„Reiher" nicht gleich das Verfahren wegen Geheimbündelei und Hochverrat ausgedehnt wurde.— Neber den Zeuqniszwang, der gegen unfern Redakteur Genossen Büttner verhängt ist, sagt die„Volks-Ztg.":„Auch diese Aktion wird so endigen, wie alle Zeugniszwangsverfahren vorher: mit einer Niederlage der Gerichtsbehörde. Für die Socialdemokratie aber würde sich auch diese Affäre wieder, wie alle ähnlichen Vorkommnisse dieser Art, zu einer vorteilhaften Parteircklame gestalten; denn es wird im Publikum keinen Menschen geben, der dem socialdemok ratischen Redakteur nicht rückhalt- lose Anerkennung dafür zollte, daß er ein journalistisches Ehrenpriucip standhaft hochgehalten hat".— Der geheime Erlaß dcS— Dr. Heim. Der Centrumsabgeordnete Dr. Heim hat jüngst in der bayrischen Abgeordnetenkammer einen geheimen Erlaß deS Kriegs- Ministers v. A s ch ans der Tasche gezogen, der die Ungesetzlichkeit des Duells förderte. Aber es zeigt sich, daß auch der sittlich ent- rüstete Dr. Heim seine kleinen geheimen Erlasse schreibt, die zivar nicht das Duell empfehlen, wohl aber unredliche Geschäfts- Praxis und unrechtmäßige Uebervorteiluug der Staatskasse be- treiben. Unter der Ueberschrist„StaatShilse und Staats- betrug" schreibt die bauernbündlerische„Neue Bayr. Landes- zeitung": „Herr Mg. Dr. Heim hat in der Zweiten Kammer der Not der Landwirtschaft, welche infolge der Dürre über einen Teil der Oberpfalz und Mittclfrankcn hereingebrochen ist, Erwähnung gethmi und den Verkehrsminister ersucht, für Futternnttel, besonders Heu und Stroh, billigere Ausnahmstarife zu gewähren. Gleichzeitig hat er die Warnung beigefügt, die Ausnahmstarife keinen andern als nur Inndwirtschaftlicheu Genosscnschaftc» und dergleichen zu bewilligen, denn sonst sei wieder dem Mißbrauch Thür und Thor geöffnet." Zu dieser sittenrcinen Mahnung wider den Mißbrauch hat Dr. Heim wahrscheinlich au§ einem Erlebnis Anlaß genommen, daS sich in folgender Korrespondenz spiegelt: Herrn Daumillers Nachfolger Kempten I Unter höfl. Bezugnahme ans Ihre geschätzte Zuschrift senden wir Ihnen heute zwei Muster von Fichtelgcbirgssaathafer. Beide losten ab Versandstation 7 M. Wenn Sie uns ein Mitglied des landwirtsch. Bezirksausschusses oder eines Darlehenskasse»Vereins als Adressat angeben können, so beträgt die Fracht für 200 Ccntner 95, Mark, ist dies nicht der Fall, so läuft die Ware zum Special- tarif I und ist der Frachtsatz alsdann 182 Mark. Gefl. Auftrags- erteilung sehen entgegen Hochachtungsvoll! Ergcbcnst Fichtclgcbirgs-Ver,toäifsgcnosscnschast (I. V. Dr. Heim) Steuer. Ansbach, 23. Februar 1904. Diese Zuschrift übersandte Herr Ludwig Küchle, Chef der Firma M. Daumillers Nachfolger in Kempten, an einen hohen bayrischen Beamten mit folgendem Begleitschreiben: Kempten, 26. Februar 1901. Euer Hochwohlgeboren l Dieser Tage fragte ich bei der FichtelgebirgS-Verkaufs- genossenschaft in Ansbach an, wie mir die Genossenschaft Saat- Haber liefern könnte. Heute nun erhalte ich von dieser Stelle Antwort und ich bin über den Inhalt insofern überrascht, als mich diese Genoffenschaft direkt auffordert, den Haber statt an meine Adresse an die Adresse eines Baucrnvereins oder an ein Mitglied des landw. Bezirksausschusses adressieren zu lassen, um dadurch den billiuen Frachtsatz zu genießen oder aber, mit andern Worten gesagt, den Staat um die Frachtdifferenz zwischen 182— 95 Mark, das ist 87 Mark zu betrügen. Ich für meine Person kann wenigstens die entsprechende Bemerkung auf inliegender Postkarte nicht anders deuten-, als daß die Genossen- schaften in Ansbach, als deren Vertreter Dr, Heim figuriert. durch Angabe einer Deckadresse die Bahn um die F r a ch t d i f f e r e n z zwischen Specialtarif I und III zu betrügen versucht. Nicht genug, daß die Genossenschaften vom Staat durch Geld und alle möglichen Ein- richtungen unterstützt werden, scheuen sich dieselben Genossen- schaften nicht, den Staat der Versendung ihrer Produkte um bei- nahe die Hälfte der Fracht zu hintergehen. Ich weiß zlvar nicht, ob diese Sache für Sie das Interesse hat, das ich vermute, immerhin kann ich nicht unterlassen, Ihnen diesen Fall zu unter- breiten. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergcbeustcr Ludwig Küchle. Diese Briefe sind Mitgliedern der bayrischen Staats- regierung zur Einsichtnahme unterbreitet und— nian staune!— mit der Andeutung zurückgegeben worden, daß da nicht leicht etwa? zu machen sei. ES heißt, man habe sich nicht getraut, gegen das mächtige Centrum und seinen lauten Rufer Dr. Heim etwas zu unternehmen. Jetzt, da Dr. Heim die geheimen Papiere des Kricgsininisters und der Regierung preisgegeben, wird man sich vielleicht eher an die geheimen Papierchen des Herrn Dr. Heim wagen._ Soldatenmißhandlungen. In der Nnteroffizierschnle. Aus Jülich wird der„Franks. Ztg." gemeldet: Gegen einige Unteroffiziere der hiesigen Unter- offizierschule wurde das Strafverfahren eingeleitet wegen Miß- Handlung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener und zwar von Unteroffizierschülern. Das Kriegsgericht der 15. Division erkannte gegen den Sergeanten Hclg wegen vorschriftswidriger Be- Handlung Untergebener auf drei Tage Mittelarrest, gegen den Sergeant Licht wegen Mißhandlung, vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung Untergebener auf vier Wochen Mittelarrest, gegen Vicefeldwebel Friem wegen Mißhandlung und vorschriftswidriger Behandlung auf drei Wochen gelinden Arrest. Auf die vom Gerichts- Herrn erhobene Berufung fand hier eine Verhandlung des Ober- kriegsgerichts des 8. Armeekorps statt, welche damit endete, daß der Berufung stattgegeben und die Strafen erhöht wurden gegen Sergeant Hclg aus 11 Tage Mittelarrest, gegen Sergeant Licht auf vier Wochen fünf Tage Mittelarrest und gegen Vicefeldwebel Friem auf drei Wochen fünf Tage gelinden Arrest.— * Aus Magdeburg wird berichtet: Eine häßliche Kasernenszene wurde in der letzten Sitzung des Kriegs- gerichts der 7. Division durch Zufall aufgedeckt. Ein Unteroffizier Pinkny der 1. Compagnie des 27. Jnfanrcrie-Regiments war vom Standgericht zu vier Wochen Mittelarrest verurteilt worden, weil er auf eine Rüge des Feldwebels Löw, der ihm befahl, „die Schnauze zu halten", erwidert hatte:„Ich habe keine Schnauze." Tarin lag die Insubordination! P. legte Berufung ein, gab vor dem Kriegsgericht die Aeutzerung zu und erklärte, er sei sehr erregt gewesen. Plötzlich sagte er zur größten Ueberraschung des Gerichts- Hofs:„Ich weiß, baß der Feldwebel mein Vorgesetzter ist, aber vom Standpunkt der Ehre muß ich diesen Mann verachten!" Auf die verwunderte Frage des Vcrhandlungsleiters nach dem Grunde erzählt nun der Unteroffizier, daß der Feldwebel sich einmal einer ganz scheußlichen Handlung schuldig gemacht habe: Er habe nämlich einen Putzer, der an epileptischen Krämpfen leidet, während eines epileptischen Anfalles roh geschlagen und dann den Aermsten mehrfach die Treppen heraus- und heruntergejagt. Ferner habe„dieser Feldwebel" zu einem älteren Sergeanten mit Bezug auf die— Unteroffiziere gesagt: „Schlagen Sie doch diese A... löcher in die Schnauze!" Das Kriegsgericht war über diese Charakteristik eines„Vorgesetzten" wenig erbaut. Allein es gab angesichts dieser Enthüllungen der Berufung P,s statt und setzte die Strafe auf die Hälfte, 14 Tage Mittel- arrest, herab. Jetzt wird wohl der Herr Feldwebel an die Reihe kommen.— * Der Fall des Sergeanten Bickcfeld in Trier, der als Sergeant des 29, Jnfanterie-Regimcnts zu längerer Zuchthausstrafe verurteilt wurde, zieht weitere Kreise, Seit einigen Tagen finden laut„Barm. Ztg." in mehreren Garnisonorten Vernehmungen von engen statt, die bei der 10. und 12. Compagnie des Infanterie- cgiments 29 gedient haben. Man greift zunächst nur auf die Jahr- gänge 1901, 1902 und 1903 zurück. Bisher haben die Ermittelungen schon wieder viele hundert Fälle von Mißhandlungen ergeben.—> Der Kriegsmini st er v. Einem wird noch sehr viel zu thun haben, bis er das Versprechen einlöst, daß die Soldaten- Mißhandlungen ganz gewiß ans der Armee ausgerottet werden.— Statisiischcs Jahrbuch. Der soeben erschienene 25. Jahrgang des Statistischen Jahrbuchs für das Deutsche Reich schließt sich in Form und Inhalt im wesentlichen den früheren Jahr- gängcn an. Abgesehen von Ergänzungen und Erweiterungen der strühcr gegebenen Ucftcrsichten sind neu hinzugekommen: Nach- Weisungen über den Holzertrag der Forsten und Holzungen, die Holz- arten des Hochwaldes und dessen Altersklassen, über das Lebend- gewicht des Viehbestandes, über Federvieh und Bienenstöcke, über Schaumweingewinnung, über die Hypothekenbanken, über die Recht- sprcchung der Gcwerbcgerichte, über die rechnungsmäßigen Ueber» schüsse und Fehlbeträge im Reichshaushalt, ferner über die Kranken» Versicherung in den Knappschaftskassen, über die gesamte Arbeiter- Versicherung in den Jahren 1885 bis 1902 und über Lebens- und Feuerversicherung, Ganz neu hinzugefügt sind ein Abschnitt über Genossenschaftswesen sowie Nachweisungen über die Heilanstalten und den Zugang der Krankheitsfälle in den allgemeinen Krankenhäusern. Die graphischen Beilagen zeigen in acht schematischen Karten den Ernteertrag der wichtigsten Feldfrüchte im Jahre 1903, eine weitere Beilage den Anteil der häufigsten Todesursachen an der Sterblichkeit in den deutschen Orten mit 15 000 und mehr Einwohnern in den Jahren 1877 bis 1901. So bewährt auch die neue Ausgabe des Jahrbuchs seinen alten Ruf als praktisches Nachschlagewerk. Interessant ist der Abschnitt über den Verbrauch wichtiger Nahrungsmittel. Der G e t r e i d e v e r b ra u ch ist, wenn man die gesamte zum Verbrauch für menschliche und tierische Ernährung und für gewerbliche Zwecke verfügbare Menge berücksichtigt, in dem mit dem 30. Juni 1303 beendete» Erntcjahr wesentlich größer gewesen als in einem der Vorjahre, eine Folge der guten Ernte. Der Bcr. brauch an Roggen beträgt 158,3 Kg, auf den Kopf gegen 137,7 i. I. 1901/02 und 149,3 im Durchschnitt der voranfgcgangenen 10 Jahre, der Verbrauch von Weizen und Spelz 100,1 Kg. gegen 85,0 i. I. 1901/02 und 89,5 im Durchschnitt vom 1. Juli 1893 bis 30. Juni 1902, der Verbrauch von Gerste 74,5 gegen 72,1 und 69,4 Kg., der von Hafer 124,6 gegen 112,8 und 111,9 Kg. Der Kartofselverbrauch blieb mit 636,1 Kg. hinter dem des vormifgegangenen Jahres(732,4 Kg.) zurück, übertraf aber noch den zehnjährigen Durchschnitt(595,4 Kg.).— Der Tabakverbrauch hat sich im Jahre 1902 mit 1,6 Kg. auf den Kopf gegenüber dem vorausgegangenen Jahre und dem Durchschnitt der letzten fünf Jahr» nicht geändert. Der Salzverbranch ist in fast intausgefetztein Steigen und war im Jahre 1902 mit 13,4 Kg. auf den Kopf größer als in einem der voraufgegangcnen Jahre. Im Jahrfünft 1872 bis 1876 hatte er 12,4, im folgenden 13,3, dann 13,1, 15,4, 16,3 und im Jahrfünft 1897 bis 1901 17,7 Kg. betragen. Der Zuckerverbrauch, der im Jahrzehnt 1871/72 bis 1880/81 5,9, im Jahrzehnt 1881/82 bis 1890/91 7.7. im Jahrfünft 1391/92 bis 1895/96 10,6, im Jahrfünft 1896/97 bis 1900/01 11,9 Kg. betragen hatte, ist im Durchschnitt der Jahre 1901/02 und 1902/03 auf 12,05 Kg. ge» stiegen. Der Einfluß der neuen Zuckergesetzgebung geht aus diesen Zahlen noch nicht hervor.— Husland. Zaren- Schurken. Wir erhakten aus I a k u t s k von einem zuverlässigen Partei« genossen die folgende Darstellung eines empörenden Verbannten- tranSports. Man sieht mit Schrecken, welchen Schurken Leben und Ehre von Männern und Frauen überliefert wird, die nichts andres gethan als ihr Vaterland besseren Zuständen entgegenführen zu wollen. Auf viele Jahre werden die Tüchtigsten der russischen Jugend nach Sibirien verbannt und schon der Transport dorthin ist ein cntsctzenSvoller Marterweg. Der Brief giebt diese Schilderung: Ende Juli. Am 28. Mai sollte aus dem Alexandrowschen Gefängnis ein VerbanntentranSport nach Jakutsk abgehen. Vor dem Abgang er» schien der Eskorte-Offizier und verlangte, daß es ihm möglich ge- macht werde, die Sachen der Verbannten anzusehen. Die Genossen lvilligten nicht darauf ein, und als der Offizier es hartnäckig ver- langte, verbarrikadierten sich die Gefangenen und der Offizier mußte auf die Ausführung feiner Absicht verzichten. Der erste Konflikt mit dem Offizier unterwegs fand in Manstirka statt, weil die transportierten Verbannten ihre am Orte lebenden Genossen sehen wollten. Dort wurden die Verbannten geprügelt und gebunden wciier gebracht. Man löste die Stricke, mit denen sie gebunden waren, erst, nachdem einer von den Verbannten. Michael Lnrje(der in der Simferopoler-Angelegenheit verhaftet worden war). ohnmächtig gefunden wurde. Noch tierischer geschlagen wurden die- selben Verbannten in Tschetschnisk: dort wurden einem Genossen schwere Wunden mit Kolbe» und Bajonetten am Kopfe beigebracht Fetzt befindet er sich im Kranienbcmse in Jeikntsk. Dasselbe wieder- holte sich in Ust-Ordhnsk; doch das schlimmste stand noch bevor. Vom Anfang der Fahrt an bemerkten die Genossen, daß der Offizier großes Interesse fiir eine Genossin, das Frl. Weinermann hat, jedoch legten sie dem keine Bedeutung bei, weil sie glaubten, sie könnten sich irren. Bis nach Katschuga kommt man per Wagen, dort setzt man sich in Pansoks sso heißen dort kleinere Schiffe) und fährt die Lena entlang bis Jakutst. Schimpfwörter, Beleidigungen, die Drohung alle niederzuschießen, Hagelten auf unsre Genossen nieder. Es geschah auch ein Unglück: einer von den Genossen, Schtschepotjew lder auch in der Simfcropoler Angelegenheit verhaftet worden war), fiel in der Nacht aus dem Pansok und ertrank. Die Genossen ver- langten, daß ein Boot herabgelassen werde, um ihn zu suchen, aber der Offizier willigte lange darauf nicht ein und schimpfte, da er annahm, Schtschepotjew sei entflohen. Als ein Boot endlich herab- gelassen war, fand man nur die Mütze des Ertrunkenen. Ich sagte schon, daß vom Anbeginn der Fahrt der Offizier der Genossin Weinermann den Hof machte, sie wies ihn aber stets sehr scharf zurück. Eines schönen Tages schickt er plötzlich zwei Eskorte- soldaten, um das Fräulein unter irgend einem Vorwand zu sich kommen zu lassen. Als die Soldaten sie zum Offizier in seinen Pausok gebracht hatten, schickte er sie fort, verschloß die Thür und die Genossin Weinermann blieb mit diesem Schurken unter vier Augen. Nicht nur hatte der Offizier die Thür verschlossen, sondern er befestigte noch die Thürklinke mit einer Leine. Die Genossin Weinermann verlor aber die Geistesgegenwart nicht und trotz seiner lviederholt an sie gerichteten Einladung, sich zu ihm aufs Bett zu setzen, stand sie an der Thüre und so lange er schimpfte, drohte und von Wut außer sich war, verstand sie es, unmerklich die Thüre zu öffnen und hinauszulaufen. In der Nacht um 3 Uhr hörten die Genoffen, die noch nicht schliefen, daß vom Pausok des Offiziers ein Boot herankam mit zwei Soldaten, die dem Unteroffizier das Verlangen überbrachten, das Fräulein Weinermann dem Offizier auszuliefern und mit dem Befehl, die Männer zu prügeln und auf sie zu schießen, wenn sie das Fräulein verteidigen würden, das Fräulein sollte aber, falls es Widerstand leisten würde, gebunden, jedenfalls aber hingebracht werden. Natürlich wurden alle Genossen geweckt und es wurde beschlossen, daß, um Fräulein Weinermann zu nehmen, der Weg über die Leichen ihrer aller führen müsse, und daß in diesem Falle selbst Frl. Weinermann nur tot in die Hände der Soldaten gelangen würde, denn alle Frauen hatten starkes Gift vorrätig. Zum Glück hatte der Unteroffizier Angst bekommen, er befürchtete, daß er für die Ausführung des Befehls zur Verantwortung gezogen werden könnte, da er nicht das Recht hat. nachts Frauen aus dem Transport abzuholen, umsomehr, als er wußte, zu welchem Zweck der Offizier sie haben wollte. Als die Soldaten dem Offizier die Antwort des Unteroffiziers überbrachten, wurde er ganz wütend und schickte sie noch einmal mit dem kategorischen Verlangen, ihm das Fräulein mitzubringen, aber diesmal kehrten die Soldaten nicht einmal mehr zu ihm zurück. Der Offizier ergab sich die ganze Zeit dem Trünke und vertrank sogar Gelder, die für die Ernährung der Verbannten bestimmt waren. Endlich kam es so weit, daß selbst seine Untergebenen nach Jrkutsk telegraphierten, man möge ihnen einen andren Offizier schicken. Die Genossen aber schickten dem Minister des Innern ein Telegramm von 114 Worten, in welchem sie verlangten, der Polizei- hanptmann des nächsten Bezirkes solle sie mit begleiten. Der Polizeihauptmann erschien auch, und solange er mitfuhr, war der Offizier ruhig. Als aber sein Bezirk durchgefahren war und er den Pausok verließ, fingen die alten Geschichten von neuem an. Noch in derselben Nacht, als die Pausoks bei Matscha hielten, erschien der Offizier auf dem Pausok unsrer Genossen, versammelte bei der Thür sämtliche Eskortesoldaten, ließ diese gewaltsam öffnen und stürzte zum Zimmer der Frauen, das vom andren durch einen Vorhang getrennt war. Er glaubte, daß alle Männer schlafen. Zum Glücke schlief einer der Genossen, Mark Minssi (Student der Tomsker Universität) noch nicht— er war noch auf und trank gerade Thee. Als er den zu den Frauen eingedrungenen Offizier sah. sprang er auf und gab auf ihn einen Schuß, mit dem er ihn in die Gurgel traf und auf der Stelle tötete. Die Soldaten vor der Thür dachten, die Gefangenen meuterten und schössen zwei- mal auf sie. Die erste Salve verwundete Minski ain Ohr, die zweite tötete den Genossen Raum Schatz, der sich von seinem Bette erhoben hatte. N. Schatz war ein Handlungsgehilfe aus Wilna. Er arbeitete früher für den Jüdischen Arbeitcrbund, später in der Jskra-Organi- sasion für das„Organisatiouskomitee", lebte eine Zeitlang in Kiew, wo er unter dem Namen„Michael" bekannt war, später wurde er mit einem Auftrag nach Krasnojarsk geschickt, hier wurde er als „Illegaler" verhaftet und zur Absolvierung der ihm früher zu- erkannten Strafe— 4 Jahre Sibirien für seine Arbeit im Jüdischen Arbeiterbund— nach Jakntsk transportiert. Genosse Schatz wurde in Olekminsk beerdigt. Die dortige Verbanntenkolonie veranstaltete bei der Beerdigung eine Demonstration. Der Verbanntcntransport kam, nachdem alle aufs schwerste körperlich mißhandelt worden sind, am 4. Juli in Jakntsk an. Zu seinem Empfang kamen wir aus uusren Ulusscn nach der Stadt zu- sammen, der Empfang gestaltete sich zu einen: demonstrativen, es wurden revolutionäre Lieder gesungen und zwei Fahnen wehten über uns, eine schwarze mit der Inschrift:„Ein ruhmvolles Andenken dem Jovie Matlachow und dein Raum Schatz" und eine rote mit der Inschrift:„Nieder mit dem Absolutismus, nieder mit den Cirkularen von Kutaiffow".*)_ Oesterreich-Ungarn. ÄuS Trieft wird der„Frankfurter Zeitung" vom 11. August gemeldet: Heute wurde beim Spediteur Rascowich, dein Sohn dcS jüngst verstorbenen Vi cebürgerme iste rs, wegen der lebten Bomben- affaire eine Haussuchung vorgenommen. Die Behörde erhielt Kenntnis von einer dritten Bombe, � die sich in der Soeieta ginnastica befank und auf ein auf der Ausreise befindliches italienisches Schiff gebracht wurde. Gegen die Offiziere zweier italienischer Dampfer ergingen Haftbefehle. In Anwesen- heit einer behördlichen Kommission wird von Tauchern der Meeres- grund im ersten Bassin des Triester Freihafens abgesucht. Die Polizei nahm drei weitere Verhaftungen in der Bomben- affaire vor.— Frankreich. Paris, 11. August. Die„Petite Republique" setzt eine Petition in Umlauf, welche in ganz Frankreich verbreitet wird. Sie be- trifft die Trennung der Kirche vom Staat. Eine klerikale Petition im gegenteiligen Sinne ist gleichfalls im Umlauf.— Schweden. Stockholm, 12. August. Das Schiedsgerichts abkommen zwischen Schweden und Norwegen einerseits und Großbritannien andrerseits ist gestern in London unterzeichnet worden.— Nuhland. Ter neue Herr von Finnland. Wenn vielleicht patriotische Finnen geglaubt haben, die That Schaumans würde ihr armes Vaterland vom Joche der Tyrannei befreien, wie der Sage nach der Schutz TellS die Schweizer befreite, so sehen sie sich jetzt schon bitter enttäuscht. Fürst O b o I e n s ki. der Nachfolger Bobrikoffs, handelt nicht besser und nicht milder als sein Vorgänger. Die Zahl der Personen, die ohne erkennbaren Grund ins Gefängnis gesteckt oder nach Rußland geführt werden, ist im Steigen begriffen. So wurden in der finnischen Stadt Kex- Holm der Bürgermeister S n e l l m a n, D r. K r o o k und ein Herr Halin plötzlich verhaftet und nach Wiborg geführt, ohne daß irgend jemand ahnt, was diese Leute sich haben zu Schulden kommen *) Matlachow ist ein Verbannter, der vor kurzem in Jakntsk von den Soldaten erschossen wurde, Kutaissow ist der General- Gouverneur von Ostsibiricil. lassen. In Salo in der Nähe von Brahestad ist der Vorsitzende der Kommnnalverwaltnng, Jsak Weisel, ein Mann, der durch- aus nicht politisch thätig war, verhaftet worden und nach dem Gefängnis in Uleaborg geführt worden. Ihm wird vorgeworfen, er habe„unterirdische" Litteratur verbreitet und versteckt, er sei gegen die Regierung agitatorisch aufgetreten und er habe von dem Attentat auf Bobrikoff ge- wüßt, ohne es den Behörden zu melden. Die russischen Schergen wollen offenbar um jeden Preis irgend einen Mitschuldigen an dem Attentat haben und da verfallen sie nun ans die sonderbare Idee, daß Schauman dem Vorsitzenden der Kommunal- Verwaltung einer 700 Kilometer von HelsingforS entfernten Stadt seinen Plan mitgeteilt habe.— In Helsingfors wurden noch ein Student und ein Zimmermann wegen Verbreitung ver- botener Litteratur verhaftet. Der Student soll außerdem gesagt haben:„Obolenski muß auch erschossen werden". Ferner wird durch„Ritzaus Bureau" unterm 10. August mit- geteilt, daß der M a g i st e r H e r m a n G u m m e r u s und der M a s ch i n e n k o n st r n k t e u r A. C o l l a n, die neulich von Helsingfors nach Petersburg gebracht wurden, nun in der Peter- PmilS-Festimg interniert sind, wo sich bekanntlich auch der Senator Schauman befindet.— Türkei. Konstantinopel, 12. August.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.-Korresp.-Bureaus.) Die Pforte gab heute in Beantwortung der amerikanischen Forderungen die mündliche Zusicherung, daß Genugthuung gegeben werden würde. Wiewohl diese mündliche Zusicherung als unzureichend angesehen wird, glaubt man doch, daß sich der Konflikt auf dem Wege der Beilegung im Sinne der Wünsche der Vereinigten Staaten befindet. Entgegen gewissen anderslautenden Nachrichten erklärt die hiesige Gesandt- schaft der Vereinigten Staaten, daß die amerikanischen Forderungen in keinem Znsammenhange mit den armenischen Angelegenheiten stehen.— Amerika. Buenos AireS, 12. August. Nach einem Gersicht nahmen die Insurgenten von Paraguay die Häfen Humaita, Villipilar und Concepcion und singen den Dampfer„Villarica" ab, der den Minister des Innern an Bord hatte, derselbe entkam aber.— 6cwcrkrchaftUcbc9. Streikboecherlohn. Zu den„nützlichen Elementen" zu zählen, die ihren Klassen- genossen in den Rücken fallen, ist bei allem Lob, das man von Scharf- machern, Abgeordneten der Rechten und Ministern erfährt, keines- Wegs immer beneidenswert. Da muß man sich scheu mit nieder- geschlagenen Augen an ehemaligen Arbeitsgcnossen vorbeischleichen. Nicht, daß man eine Handgreiflichkeit von ihnen zu fürchten hätte, — wie bürgerliche Proßschmocks ihrem urteilslosen Lcscpublikum gern Weißmachen— aber ein offener Blick aus ehrlichen treuen Augen in solcher Situation, wie that er Wehl Dann wird man von der Polizei transportiert und liest in den Augen der Vorüber- gehenden überall die stumme Frage:„Was ist wohl das für ein Verbrecher?" In besonderen Quartieren wird der Streikbrecher abgeschlossen, so daß die„Arbeitswilligen" in Leverkusen neulich zu skandalieren anfingen.„Ist denn das hier ein Gefängnis?"— Solche und noch andre Unanehmlichkeiten mutz jeder Arbeitswillige mit in den Kauf nehmen. Aber dafür ist ihm gewiß der Unternehmer für die geleistete Hilfe um so dankbarer? Die Erfahrung spricht nicht dafür. Es ist ganz allgemein Usus, daß nach Beilegung der Streiks oder der Aussperrung die„nützlichen Elemente" schleunigst wieder auf die Straße gesetzt werden. Teil- weise sind sie an sich schwache Arbeiter, die dieses Bewußtsein ver- anlaßt, die Arbeit da zu suchen, wo andre nicht arbeiten wollen, teils vergessen ihnen nach beendigtem Steik die übrigen Arbeiter ihre Treulosigkeit nicht und verweigern ihnen die kleinen kamerad- schaftlichen Hilfen, ohne die manchmal der Arbeitsprozeß sich nicht glatt erledigen läßt. Der Unternehmer aber betrachtet alles vom Standpunkte des Profites. Aus dem„nützlichen Element" während der Streikzcit ist nach dem Streik ein sehr unnützer kostspieliger Kostgänger geworden, dessen man sich bei der ersten besten Gelegen- heit entledigt. Gern geben das die Unternehmer freilich nicht zu. Da ist es jedenfalls gut, solche Fälle festzunageln, in denen auch von Unter- nehmerseite die Wahrheit des von uns Behaupteten offen zuge- standen wird. Ein Berliner Bäckermeister entließ bor einiger Zeit einen von ihm bis dahin beschäftigten Streikbrecher. Der Mann war so naiv gewesen zu glauben, daß sein unsolidarisches Verhalten gegen die eignen Kollegen seinem Meister irgend welche Verpflichtungen ihm gegenüber auferlegt hätte. Er fragte deshalb, ob denn das der Dank für die in der Not geleistete Hilfe sei. Mit cynischer Offenheit sagte der Meister:„Da können Sie sehen, wie dumm Sie w a r c n I" Ja, wie dumm!— Streikbrecher sind immer dumm, wenn sie meinen, das Unternehmertum schuldete ihnen Dankbarkeit. Sie sind dumm, wenn sie glauben, sie könnten ihre eigne Lebenslage durch Verrätcrdienste heben, während die Klassenlagc ihrer Berufsgenossen auf demselben Niveau bleibt oder gar sinkt. Es gicbt nur e i n Mittel, die eigne Lebenshaltung wirklich aufzubessern, das ist die Mitarbeit an der Hebung der Gesellschaftsschicht, der man angehört. Wie eine starke Welle hebt die in die Höhe strebende Klasse auch das einzelne Individuum empor. Klug ist nur, wer sein Klassenintcresse begriffen hat und soli- darisch für dasselbe einsteht. Dem aus seinen Himmeln herab» gestürzten Einzclstreber könnte passender wirklich nichts zugerufen werden, als das Wort dieses Berliner Bäckermeisters:„Da können Sie sehen, wie dumm Sie waren!" kerlin linei(lingegencl. Streik und Aussperrung der Former. Von der Streikleitung Ivird uns mitgeteilt, daß die Kommission der Streikenden gestern abermals mit der Direktion der Firma Schlvartzkopff verhandelt hat. Nach gegenseitiger Aussprache über einige bisher noch strittige Punkte wurde"der Kommission der Bescheid, daß sie sich das Er- gebnis der Verhandlungen am heutigtn Sonnabend, vormittags 10 Uhr, abholen möge. Ueber die mit der Aussperrung im Zu- sammenhang stehenden Angelegenheiten wird die heutige Forntec- Versammlung weitere Beschlüsse fassen. Zum Glaserstrcik erhalten wir von der Streikleitung folgenden Situationsbericht: Ein glänzendes Zeugnis von Solidarität haben die Bauarbeiter sämtlicher Branchen ans dem Bau M a a ß e n, Oranienstraße, Ecke Luisen-Ufer, abgelegt. Aus diesem Bau führte die Glaserarbciten die Firma E. Lüders, Köpinclerstr. 31, aus, welche ihre zum Tarif der Gesellen gegebene Unterschrift wieder zurückgezogen hat. Leider haben einige Gesellen nicht die nötige Konsequenz aus dem Verhalten der Firma gezogen, sondern weiter- gearbeitet. Der Streikleitung der Glaser war eö unmöglich gemacht, sich mit den Arbeitswilligen in Verbindung zu setzen, da dieselben unter scharfer Bewachung in verschlossenen Räumen arbeiteten. Jetzt legte sich die gesamte auf dem Bau beschäftigte Arbeiterschaft ins Mittel und legte am Donnerstagmiltag einmütig die Arbeit nieder. Die natür- liche Folge davon war, daß die arbeitswillige» Glaser zur größten Genugthmnig des angesammelten Publikums den Bau verlassen inußte». Die Bauarbeiter nahmen daraufhin die Arbeit sofort wieder auf.— Es sind noch einige Bauten, auf welchen die Streik« leitung keinen Einfluß ans die Arbeitswilligen ausüben kann; möchten die dort beschäftigten Bauarbeiter und Handwerker das gute Beispiel ihrer oben genannten Kollegen»achahmen und der end- gültige Sieg der Glaser würde bedeutend beschleunigt werden.— Wie es übrigens mit den statistischen Erhebungen der Glaserinnung aussieht, geht daraus hervor, daß auf diesem Bau Kutscher, Hans- diener und Lehrling, außerdem noch ein Kleinmeister als Glaser- gesellen beschäftigt waren; höchst wahrscheinlich sind auch diese in dem JmnmgSbericht unter den 178 zu alten Bedingungen arbeitenden Glasergesellen registriert. Daß auch die Angaben der Innung betreffs der zu neuen Bedingungen Arbeitenden(02 nach dem Jnnnngsbericht) nicht stimmen, hat seinen Grund darin, daß ein Teil der bewilligenden Firmen die Fragebogen der Innung entweder gar nicht ausgefüllt hat oder daß dieselben zum Teil falsche Angaben gemacht' haben. Die Firmen, welche bewilligten, haben schon die Streikleitung ersucht, ihre Namen geheim zu halten, werden sich demgemäß auch hüten, der Innung nun selbst die richtigen Angaben zu machen, jedenfalls hält die Streikleitung ihre Angaben voll und ganz aufrecht.— Von Berliner Kleinmeistern arbeiten bis jetzt bei Großfirmen als Aushilfsgesellen die Herren: B o h l a n n, Raven�str. 4; Zahl, Britzerstr. 4S; Nico lay, Pflngftr. 15; Petereit, Bülowstr. 45; Pfefferkorn, Memelerstr. 8, und Stampehl, Brunnenstr. 110. Die Arbeiter- schaft der betreffenden Stadtteile wird das Verhalten dieser Herren entsprechend zu würdigen wissen. Gasnncsser-Klempncr werden nach wie vor durch Inserat in der „VolkS-Zcitung" für die Firma H. Äron in Charlottenburg gesucht. Die Klempner dieser Firma sind, tvie bekannt, ausgesperrt und ist deswegen dem Streikbrechergesuch keine Folge zu geben. Ter Streik bei Orenstcin u. Koppel in Spandan scheint für die Finna recht erhebliche Schädigungen im Gefolge zu haben. Sie macht geradezu verzweifelte Anstrengungen, Arbeitswillige heran- zuziehen. So hatte sie sich unter anderm auch an den Central- Arbeitsnachweis in der Gormannstraße mit dem Ersuchen gewandt. alle verfügbaren gcleniten und ungelernten Arbeiter für sie an- zuwerbcn. Natürlich wurde den Streikenden hiervon Mitteilung gemacht, und die Folge war, daß, als gestern der Herr Betriebschef mit einem Schreiber auf dem Nachweis erschien, um etwaige Arbeits- willige abzuholen, niemand zu Streikbrecherdiensten geneigt war. Die Herren gingen hierauf nach dem Arbeitsnachweis der Metall- industriellen in der Gartenstraße, aber auch hier bekamen sie trotz aller Versprechungen nur ein arbeitsloses Individuum mit. Jhr'e Bemühungen, Arbeitslose zu gewinnen, wurden von der Solidarität der Metallarbeiter durchkreuzt, die die Arbeitsuchenden rechtzeitig von dem Stande der Dinge in Spandau unterrichteten. Hierbei wurde gestern noch ein Metallarbeiter polizeilich sistiert; er sollte den einen Arbeitswilligen, den die Vertreter der Firma Orenstein u. Koppel glücklich für sich gewonnen hatten, belästigt haben. Auch auf samt- lichen Fern-Bahnhöfen Berlins sind Bureau-Angestcllte der Firma postiert, ankommende Arbeitslose für den bestreikten Betrieb an- zuwcrben. Von Sistierungen dieser Herren ist bisher noch nichts bekannt geworden. Dieselben kennen offenbar das den Arbeitern noch immer verborgene Geheimnis, wie man Streikposten stehen kann, ohne sich gegen irgend eine Straßenpolizei-Verordnung zu vergehen.— Wenn nun auch trotzdem in Berlin selbst die Be» mühungen der Firma so gut wie nutzlos sind, so verlautet doch, daß es ihr geglückt ist, von auswärts ca. 70— 80 Arbeitswillige in den Betrieb hineinzubringen. Deutsches Releh. Ein Streik der Maurer und Bauarbeiter tobt schon seit vielen Wochen i» A n k l a m. Es handelt sich um eine Lohnforderung, die die Maurer stellten, die aber von den Unternehmern nicht bewilligt wurde. Am Orte selbst und in der Umgegend sotvie im übrigen Reiche ist es trotz vieler Mühe den Unternehmern nicht gelungen, Streikbrecher zu bekommen. Es bleibt einigen Berliner Accord- und L o h» in a u r e r n(!) sowie etlichen Steinträgern überlassen, für die Auklamer Unternehmer den Rausreißer zu machen. Für Elemente dieser Art können allerdings die Organisationen der Berliner Maurer und Bauhilfsarbeiter nicht verantwortlich gemacht werden. Es bleibt aber trotzdem ein Schandfleck in der Arbeiterbewegung, wenn bei einer so günstigen Arbeitsgelegenheit, wie sie jetzt in Berlin zu verzeichnen ist,„solche Brüder" sich zu Streikbrechern nach außer- halb hergeben. Daß' sich diese„Auch-Kollegen" in Anklam ziemlich wohl fühlen, geht ans dem Umstand hervor, daß sie am letzten Sonnabend im Stadt-Theater zu Anklam ein Vergnügen abgehalten haben, zu welchem die Unternehmer und sonstige Interessenten geladen waren. Allerdings haben sie bei diesem Vergnügen wieder ihren wahren Charakter gezeigt, denn es kani zu einer regelrechten Hauerei mit Gebrauch des Messers. Ein Teilnehmer soll nicht weniger als acht Messerstiche erhalten haben. Ein andrer wieder ist mit circa 80 M., die er seinen„Mitarbeitern" als Lohn auszahlen sollte, durchgebrannt. Diese„nützlichen Elemente" werden schon den Staat retten I Die Anssperrnng im Maingebiet beendet? Frankfurt a. M., 12. August. Nach mehrtägigen Verhandlungen ist heute mittag zwischen den Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter des Baugewerbes eine Einigung erzielt worden. Achtung, Former! Bei der Firma Waggon» und Maschinenfabrik A.-G. vor m. Busch in Bautzen wurden sämtliche Former ausgesperrt, weil sie sich einen 25prozentigen Lohnabzug nicht gefallen lassen wollten. Die Former sind gut organisiert und die meisten verheiratet. Die Former durften ihre angefangene Arbeit nicht fertigstellen, sondern mußten die Gießerei sofort verlassen. Eine Kommission wurde abschlägig beschieden, als sie wegen des Abzuges verhandeln wollte. Zuzug von Formern nach Bautzen ist streng fernzuhalten.—- Arbeiterfrenndliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Zum Drcchslerstrcik in Leipzig wird gemeldet, daß zu den neuen Bedingungen 25 Drechsler in 4 Betrieben arbeiten. 44 Drechsler sind noch ausständig. Die Situation ist günstig. In den Elbsandsteinbrüchen der A l t e n P o st a, Posta, Zeichen, Struppen. Liebethaler Grund und Herrenleithe sind die Steinarbeiter vom Verband der Bruch» besitzer ausgesperrt. Die Aussperrung erfolgte, weil die Arbeiter in mehreren Brüchen Forderungen gestellt haben und zur Er» reichmig derselben in eine Bewegung getreten sind. Tic Freilassung der Genossen Hecht und Schiller in C r i m- m i t s ch a u soll gegen eine Kaution von 20 000 M. erfolgen. Eine Einigung im Bremer Baugewerbe gescheitert! Auf Ver« anlassung des Vorsitzenden des Gewerbegerichts fand am Donnerstag» nachmittag zlvischen Vertretern der Ausständigen und der Unter- nehmer eine Konferenz zwecks eventueller Beilegung des Kampfes statt. Die Unternehmer verharrten auf ihrem krassen Standpunkt, lehnten alle Forderungen ab und erklärten, bis zum 1. April 1006 keine Lohnerhöhung bewilligen zu wollen. Ueber die Aussichten nach dem als Ultimatum festgesetzten Datum verlautete nichts. Die scharfmacherischen Arbeitsbestimmungen sollten im wesentlichen bestehen bleiben. Daß sich die Arbeiter unter diesen Umständen auch ans nichts einlassen konnten. versteht sich am Rande. Die Ausständigen würdigen diesen Standpunkt des Unternehmer- tums als das was er in Wirklichkeit ist: eine erneute Anfachung des Kampfes. Noch ist der Kampfesmut der Ausständigen ungebrochen, trotz der zehn Wochen erbitterten Kampfes. Die Arbeiter nehmen den Fehdehandschuh von neuem auf und werden den Kampf durchfechten zum endlichen Siege. Von Arbeitswilligen ist am Orte noch nicht die Rede. Täglich reisen mehr Berufskollegen aus dem Streikgebiet ab, so daß die ganze Situation sich für die NnSständigen andauernd günstig erhält und gute Aussichten für die Zukunft eröffnet. Achtung, Bauarbeiter aller Branchen! Seit nahezu 20 Wochen stehen in den drei Unterweser-Orten Bremerhaven, Lehe, Geestemünde die Bauhandwerker im Wwehr- streik. Sie kämpfen gegen die Anerkennung eines obligatorischen Arbeitsnachweises für das Baugewerbe, der von dem Arbeitgeber- Verband zu dem Zweck eingerichtet ist, die Organisationen der Arbeiter sämtlicher Bauberufe zu zerstören. Auf diesem Nachweis erhält nur derjenige Arbeit, der sein Verbandsbuch abgicbt und sich schriftlich verpflichtet, keiner geWerk- schastlichen Organisation anzugehören. Die Arbeitgeber machen die größten Anstrengungen, aus allen Gegenden Arbeitswillige nach hier zu locken. Hier angekommen, werden diese in elenden Baracken untergebracht und wie Gefangene bewacht. Jeder Arbeiter hüte sich, Verträge mit den Unternehmern oder Agenten abzuschließen, da sie dadurch schwer geschädigt werden. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Streikleitung der Maurer, Zimmerer, Tischler, Klempner und Bauarbeiter an den Unterweser-Orten. Husland. Ueber die Vorgänge in Briix meldet das Wölfische Telegraphen- Bureau unter dem 12. August: In einer gestern abend hier statt- gehabten Versammlung von etwa 1S0V Bergarbeitern wurde beschlossen, die Beschlußfassung über die Frage, ob man in den Aus- stand treten solle, auf Sonntag zu vertagen. Nach Schluß der Ver- sammlung wollten die Teilnehmer unter Johlen und Singen vor das Revierbergamt ziehen, wurden aber unterwegs von der Polizei zerstreut. Im Verlaufe der Kundgebung wurden mehrere Fenster- und Laternenscheiben eingeschlagen. Die Polizei nahm einige Ver- Haftungen vor.— In Bruch w,rd auf allen Werken gefeiert.' Zwei Compagnien Militär sind dort eingetroffen. Die Streikbewegung der siidschwcdischen Landarbeiter entwickelt sich immer weiter und Pflanzt sich fort von Hof zu Hof. Bon den schwedischen Jndustrie-Arbeitern wird gegenwärtig für die im Lohn- kämpfe stehenden Landarbeiter gesammelt; als erstes Ergebnis der Sammlung wurden bereits 2000 Kronen an die Streikkasse ab- geliefert. Achtung, Maurer! Die gestrige Generalversammlung des Maurer-BerbandeS hat vefchlofien» über den Bau des Unternehmers Küthe am Nonnen- dämm, woselbst ca. 200 Maurer die Arbeit niedergelegt haben, die Sperre zu verhängen. Der Borstand erhielt gleichzeitig Bollmacht, wenn nötig auch sämtliche übrigen Bauten des Unternehmers Küthe zu sperren. 8o2iales. Kapitalismus, LandcZ-Bersicherungsaustalten und Baugenossenschaften. In der letzten Nummer der„Socialen Praxis' ist zu lesen: Die Beschaffung der zweiten Hypotheken für gemeinnützige Bauten, die bisher oft unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnete und allgemein wohl nur durch Errichtung gemeinnütziger öffent licher Wohnungsbanken zu ermöglichen sein dürfte svergleiche „Sociale Praxis' XITT Sp. 1065), kann, wenn die Landes- Versicherungsanstalten ihre Aufgaben richtig verstehen, auch in geeigneten Fällen mit ihrer Hilfe unschwer erfolgen, wie das Vorgehen der Berliner Anstalt zeigt. Ihr Leiter, Dr. Freund, hatte bereits im Jahre 1901(. Sociale Praxis" X Sp. 977) die Forderung aufgestellt, daß die Landes-Versicherungsanstalten den Bau von Arbeiterwohnungen durch Garantieübernahme für Kapital und Zinsen der zweiten Hypothek unterstützen sollten. Nunmehr hat die Berliner Anstalt mit Genehmigung des Reichs- Versichcrungsamts eine derartige Garantieübernahme für die zweite Hypothek auf das Gewerk- Vereinsbaus der Hirsch-Dunckerschen Organisation beschlossen, so daß das Geld für diese vollkommen sichere Bauschuld zum Zins: fuße der ersten Hypothek jetzt leicht aufzubringen ist. Die Ver sicherungsanstalt erhält als Gegenleistung eine Jahresprämie von ',8 Proz., die in einen besonderen Garantiefonds fließt. Dieses scheinbar gemeinnützige Verfahren ist in Wirklichkeit ganz das Gegenteil davon. Es soll, wie wir erfahren, auch den Bau- genossenschaften gegenüber angewendet werden und bedeutet deren Auslieferung an das Privatkapital. Nicht den Genossenschaften, son- dern dem Kapital wird ein Dienst erwiesen durch dieses Verfahren. Bisher gaben die Landes-Versicherungsanstalten für Baugenossen- schaften und sonstige gemeinnützige Bauzwecke die erste Hypothek. Nach dem neuen Plan sollen sie das nicht mehr thun, sondern die Hergabe von Hypotheken dem Privatkapital überlassen, dafür aber für die zweite Hypothek, die allerdings bisher schwerer zu beschaffen war, die Garantie übernehmen. Unter dem Deckmantel, den Ge- nossenschaften die Beschaffung der erforderlichen Kapitalien zu er- leichtern, wird so dem Privatkapital die Anlegemöglichkeit er- leichtert, indem ihm die sichere erste Hypothek überlassen und die zweite sichergestellt wird. Die Baugenossenschaften werden damit wie gesagt dem Privat- kapital ausgeliefert. Dieses kann den Genossenschaften seine Be- dingungen stellen und es wird sie so stellen, daß dabei die Interessen des Kapitals ganz allein berücksichtigt werden. Es wird sich sichern, auf daß nicht das genossenschaftliche Bauwesen der Zunft der Grund- und Bodenwucherer gefährlich werde. Die Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses wird wieder gänzlich dem Privatkapital über- lassen. Für den Bau von Arbeiterwohnungen allein hatten die Träger der Invalidenversicherung bis Ende vorigen Jahres 118>/z Millionen Mark hergegeben. Dazu kommen noch eine Anzahl Millionen für sonstige gemeinnützige Bauzwecke. Es handelt sich also um ganz er- hebliche Summen. Dazu kommt, daß das Baugenossenschaftswesen im Aufblühen ist und daß durch Stärkung des socialen Geistes in der Verwaltung der Landes-Versicherungsanstalten noch ganz erheblich viel größere Summen, die jetzt in staatlichen Anleihen untergebracht sind, für diese gemeinnützigen Zwecke flüssig gemacht werden könnten. Dem würde, wenn das neue Verfahren allgemein wird, ein für alle- mal ein Ende gemacht und die Riesensummen, die zur Hälfte von den Arbeitern aufgebracht werden, kommen, anstatt dem Wohle der Arbeiter zu dienen, dem staatlichen Anleihebedürfnis zu gute. Wir halten es für unsre Pflicht, auf die Konsequenzen dieses Planes aufmerksam zu machen, damit seine Weiterverfolgung möglichst verhindert werde. Die Leistungsfähigkeit des Arztes. Zu der Frage, wieviel Kassenmitglieder ein Arzt mit ärztlicher Hilfe versorgen kann, werden uns aus Königsberg i. Ostpr. einige beachtenswerte Mitteilungen gemacht. Dort bestehen neben der Gemeinsamen Ortskrankenkasse mit ca. 17 000 Mitgliedern noch 19 Ortskrankenkassen und Käßchen für einzelne Berufe mit gegen 9000 Mitgliedern und 40 Betriebskrankenkasscn mit ca. 7000 Mit- gliedern. Der Gemeinsamen, die die freie Arztwahl am 1. Ja- nuar d. I. abschaffen wollte, haben die Aerzte sie auf weitere drei Jahre aufgezwungen. Die übrigen Kassen haben, mit wenigen Aus- nahmen, festangestellte Aerzte. Da die meisten bei den einzelnen kleinen Kassen festangestellten Aerzte auch auf der Liste für freie Arztwahl bei der Gemeinsamen stehen, hat sich ergeben, daß einzelne Aerzte eine recht umfangreiche Kassenpraxis zu bewältigen vermögen. So participiert ein Arzt unter 96 nach der Honorarverteilung allein mit 7,50 Proz. ai>l der Praxis bei der Gemeinsamen Kasse, es ent- fallen also ca. 1265 Mitglieder mit Angehörigen auf ihn. Ein andrer Arzt war mit 2,53 Proz. an der Praxis bei der Gemeinsamen beteiligt, es kamen also ca. 435 Mitglieder dieser Kasse auf ihn. Zudem war er aber noch Kassenarzt bei 4 andern Kassen, wo ins- gesamt 1146 Mitglieder auf ihn angewiesen waren. Der Herr genügte also zur Behandlung von 1531 Mitgliedern nebst Familien- ungehörigen. Auf einen weiteren Arzt aber entfielen 1035 Mit- glieder von der Gemeinsamen und 952 von drei andern Kassen, bei denen er fest angestellt war. Dieser genügte also für 1977 Mitglieder nebst Angehörigen. Ein andrer genügte sogar für 2012 Mitglieder nebst Angehörigen, denn es entfielen auf ihn von der Gemeinsamen Kasse 860 und von drei weiteren Kassen, bei denen er fest angestellter Kassenarzt war, 1152 Mitglieder. Sämtliche in Frage kommende Kassen gewährten auch freie ärztlich- Behandlung für Familienangehörige der Mitglieder. Zudem standen die an- geführten Aerzte noch auf den Aerztelisten zur freien Arztwahl bei 3 kleinen Ortskrankenkassen und 6 Betriebskrankenkassen mit zusammen 2754 Mitgliedern, auch trieben sie noch Privatpraxis. Die Ortskrankenkasse Leipzig hatte soviel Aerzte angestellt, daß neben mehreren ärztlichen Beratungsstellen etwa je 2000 Mitglieder auf einen Distriktsarzt kamen, und zwar ohne Familicnbchandlung. Trotzdem wurde ihr mit der Begründung, sie hätte nicht genug Aerzte angestellt, die freie Arztwahl aufgezwungen. Mit dieser für die Kassen überaus wichtigen Frage wird sich auch der Ortskassentag in München beschäftigen. Es liegt ihm bereirs ein Antrag vor, die Kassen zur Sammlung von Material über die Angelegenheit zu veranlassen._ Der Kussrnstreit in Leipzig. Der Aktionsausschuß für Aerztesachenes Lmöck" Knlim VilliMÄ Sonnabend, 13. August 1994. Der Parteitag von Lille. LiHe, 10. August.(Crig. Ber.) ,*> Zweiter Verhaiidlimgstag. Vorsitzender: O s m i n.: Räch mittags-Sitzung. Groussier, Beisitzer: M y r e n s und Bericht der Kauimerfraktion. Der gedruckt vorliegende Bericht enthält die Anträge und M- stimmungen der Fraktion. Ein mündlicher Bericht wird nicht er- stattet. � In v" Debatte hierüber fragt zunächst GhcSquidrc-Lille an, warum die Fraktion der Abstimmung enthalten hat in der Interpellation über den von der Zeitung„Matiu" veranstalteten militärischen Wettmarsch, dem mehrere Soldaten zum Opfer ge- fallen sind. Abg. Delory: Wir haben die nationalistische Resolution nicht bottereu wollen. Abg. Baillant: Der Kriegsminister hat versprochen, keine der- artigei, Wettrnärsche mehr zu gestatten. Das hat uns veranlaßt, uns der Stimme zu enthalten. Norange-Paris: Die Fraktion hat Furcht, ihre Stimmzettel mit den nationalistischen Stimmzetteln zu vermengen. Das ist dieselbe Taktik wie die der ministeriellen Socialisten. Ueberhaupt unter- scheiden sich die Haltung und die Abstimmungen unsrer Fraktion von denjenigen der ministeriellen nicht scharf genug. Die Genossen im Lande verstehen das nicht. Delory: Wir haben in der Kammer erklärt, weder ministeriell noch antiministeriell zu sein und uns nur durch die Interessen des Proletariats leiten zu lassen. Wenn die Ministeriellen gut stimmen, kann das für uns kein Grund sein, schlecht zu stimmen, um uns von ihnen zu unterscheiden. Uebrigens zeigt die im „Sodaliste" abgedruckte Zusammenstellung der Abstimmungen von Baillant und Jaurös einen bedeutenden Unterschied; in mehr als einem Drittel der Fälle sind die Abstimmungen verschieden. Cachin-Bordeaux: Die Fraktion sollte sich mehr an der Agitation im Lande beteiligen. Ferner müßte sie entschiedener als bisher sich vom Kabinett Combes loslösen. So aber hören wir stets im Lande Vorwürfe, daß unsre Fraktion der jaurösisttschen nahe stehe. Und Jaurös kann heute in der„Humanite" mit einigem Recht unsre Fraktion mit der seinigen auf eine Linie stellen. Abg. Dejcante: Wir können dem Kabinett Combes gegenüber nicht dieselbe Haltung befolgen wie selbst dem Kabinett Waldeck- Millerand gegenüber. In den Streiks hat diese? Kabinett doch sich im allgemeinen mehr oder minder einwandsfrei verhalten. Dann giebt uns dieses Kabinett die Garantie, daß Frankreich in den Krieg nicht hineingezogen wird. Auch ist seine allgemeine politische Haltung besser als selbst diejenige des Ministeriums Waldeck- Millerand. Andre- Drome et Ardöche: Warum hat sich die Fraktion mit Ausnahme SembatS, der allein gegen das Kabinett gestimmt, der Stimme enthalten in der Interpellation Sembat über die Pariser Arbeitermetzelei? Das derzeitige Kabinett ist nicht besser, vielmehr schlimmer als das frühere Ministeriuin. Wenn die Streikenden nicht so arg vergewaltigt werden, so weil sie gewaltsamen Wider- stand leisten. Das Wohlwollen des Kabinetts hat damit nichts zu thun. Abg. Consta«?: Möge der Kongreß ein für allemal der Fraktion eine feste Richtschnur geben. Wenn man keine Kompromißabstim- mungen zulassen will, so ist es besser, dem Parlament fernzubleiben. Die Abstimmung in der Interpellation Sembat erklärt sich daraus, daß Combes die Polizei getadelt und für die Zukunft Besserung ver- fprochen hat. In der Jnterpellatton Millerand gegen Combes haben wir für das Ministerium gestinimt und es so gcrcitet. Gewiß würde die Befreiung des Proletariats nicht darunter leiden, wen» Combes durch unsre anttnnnisterielle Abstimmung gestürzt worden wäre. Aber unsre Aktion im Lande würde darunter leiden: die demokratt- schen Schichten würden uns vorwerfen, mit der Reaktton gemeinsame Sache gemacht zu haben. Und dann, konnten wir die Geschäfte Millerands besorgen, der dem Socialismus den schwersten Schaden zugefügt hat? Ferner hat die Fraktion in der Kartäuser-Debatte sich gegen die klerikale Berleumdungstakttk erklärt. Man wirft das ihr vor. Run, auch die Partei hat unter Verleumdungen der Gegner zu leiden. Wir hatten also ein direktes Interesse daran, den Ge- brauch der Verleumdung als polittscher Waffe in der Kammer ge- brandmarkt zu sehen. Der Vorivurf, daß wir uns von den Ministeriellen nicht genug unterscheiden, ist unbegründet. In vielen wichtigen Abstimmungen, namentlich in Sachen der Militärkredite und des Budgets, hat die Fraktion anders als die Ministeriellen gestimmt. Zum Schluß verlangt Redner. der Kongreß möge sich prädse über alle bemängelten Abstimmungen der Fraktion aussprechen, was der Fraktton zur Richtschnur dienen könnte. Lafont-Paris moniert, daß der gedruckte Fraktionsbericht nur eine trockene Aufzählung der Abstimmungen enthalte ohne jegliche allgemeine Beleuchtung der Taktik der Fraktion. Der Eindruck ist gerechtserttgt, daß die Haltung der Deputierten allzu ministeriell, oder genauer— nicht antiministeriell genug war. Ferner kritisiert Redner einige weitere Abstimmungen sowie die verschiedenartige Ab- stimmung der Frattion in ein paar Fällen. Auch bedauert er, daß gewisse Abstimmungen nicht durch Erklärungen auf der Kammer- tribüne kommcnttcrt werden, was die Agitation im Lande erleichtem würde gegenüber den Ministeriellen, die die Haltung unsrer Fraktton gegen unsre Partei ausschlachten. Grados krittsiert ebenfalls die Haltung der Fraktton und ver- langt einen klaren Kongreßbeschluh sowie eine strengere Konttolle der Frattion durch den Centtalrat. Abg. Baillant: Die Haltung des Ministeriums StteikS gegen- über läßt sich nicht einfach nach der Zahl der Verwundungen beurteilen. In Deutschland giebt eS weniger Mißhandlungen von Streikenden als in Frankreich. Das ist aber kein Grund, die Re- gierung Wilhelms EL vorzuziehen. Gewisse Abstimmungen erklären sich durch die Notwendigkeit, einheitliche Abstimmungen herbei- zuführen: Die Minderheit stimmt dann mit der Mehrheit. In der Interpellation Sembat haben wir uns der Stimme enthalten, weil der Ministerpräsident sich verpflichtet hat. fortan das Gesetz von 1843(betreffs der dreimaligen Aufforderung an die Menge) zu beobachten. Ueberhaupt giebt es Fälle, wo es sich in der Kammer um einen Konflikt zwischen verschiedenen Jnttiguen handelt. Das kann man nur in der Nähe wahmehmen. Von außen sieht man das nicht. In diesen Fällen haben wir stets gesucht, unser Votum durch eine Erklärung vor dem Publikum zu begründen. Das gelingt aber nicht immer, indem wir infolge des Debatteschlusses nicht mehr zu Worte kommen können. Ich stelle keinen Vergleich an zwischen den verschiedenen Ministerien. Wir müssen aber die jeweiligen Um- stände berücksichtigen. So halte ich für das schlimmste Üebel die Verwickelung Frankreichs in den Krieg. Dieser Umstand hat gewisse unsrer Abstimmungen beeinflußt. Dann erhebt sich die Frage, ob wir nicht ein Interesse daran haben, eine Regierung am Ruder zu sehen, die den Unterdrückungs-MechaniSmus des Staates schlaffer als sonst handhabt. Aber stets bleibt unsre Richtschnur das Interesse der Partei und des Proletariats. Chauvin: Man verlangt von den Abgeordneten viel zu viel: sie sollen zugleich die Agitation im Lande betreiben und in der Kammer eme Menge Dinge thun,&ie_ ihre stete Anwesenheit in der Kammer nöttg machen würde. Man kann der Eraktton nicht vorwerfen. irgend einen Parteibeschluß ver- tzt zu haben. Dieser Kongreß muß einen Beschluß fassen, der der Fraktton eine Anleitting giebt. Es ist unmöglich, daß unsre Erwählten— nicht nur die Deputierten— Vertrauensvottim für eine Bourgeoisregierung abgeben. Das schädigt unsre Agitation. Die Fortdauer des Kabinetts Combes be- belltet die Festigung der Herrichenden Bourgeoisparteien und die Fortdauer der Herrschaft der antiklerikalen Phrase, die die Geister benebelt und die Klassenaktion lähmt. Chauvin beantragt eine Resolution, die den Deputierten aufgiebt, kein Verttauens- Votum für die Regierung abzugeben. sAbgg. Baillant und W a l t h e r: Wir haben niemals ein Vertrauensvotum abgegeben!) Doch I Es i st ein Vertrauensvotum, wenn die Fraktion die Er- klärungen der Regierung billigt. Ferner kntisiert Redner die Ab- stimmung in der Kartäuser-Debatte: Es ist naiv, mit dem Abg. ConstanS anzunehmen, daß die Brandmarkung der klerikalen Verleumdung die socialistische Partei vor den Verleumdungen der Gegner schützen werde.(Vaillniit erinnert Chauvin daran, daß er selbst als ehemaliger Abgeordneter wohl einen Unterschied machte zwischen dem radikalen Kabinett Bourgeois und dem reaktionären Kabinett Meline.) Chauvin: Ich habe aber niemals dem Herrn Bourgeois ein Ehrlichkeitszcugnis ausgestellt, welches die Fraktton dem Herrn Combes in der Kartäliscr-Debatte ausgestellt hat. Drivn-Bordeaux: In Bordeaux wurden die Streikenden niemals so mißhandelt, wie unter dem Kabinett Combes, selbst nicht unter dem Kabinett Meline. Weiter tadelt Redner die Beteiligung eines Fraktionsmitgliedes an einer antiklerikalen Kundgebung der spanischen Republikaner in Spanien. Desgleichen konnte Jaurös in Toulouse unsrem Redner erwidern, daß auch revolutionär-socialistische De- putierte sich an dem Besuch der bürgerlichen Parlamentarier in London beteiligt hätten. Abg. Delory rechtfertigt nochmals die krittschen Abstimmungen. Zur Vermeidung verschiedenartiger Abstimmungen möge der Kongreß beschließen, daß die Minderheit der Fraktton stets mit der Mehrheit zu stimmen hat. Chauvins Resolution ist unannehmbar. Die Partei hatte schon lange vor dem Kabinett Bourgeois Unterschiede gemacht zwischen den bürgerlichen Parteien und Personen— so in der Präsidentschaftswahl von 1887 zwischen Carnot und Ferry. Die Aehulichkeit unsrer Abstimmungen und derer der Ministeriellen er- klärt sich schon daraus, daß die Hälfte der Abstimmungen den Auti- klerikalismus betreffen: in dieser Frage konnte sich unsre Haltung selbstverständlich von der Haltung der Ministeriellen nicht unter- scheiden. Chauvin meinte, daß wir jedesmal das Ministerium ge- rettet haben, wenn es in Gefahr war. Thatsächlich war das ein einziges Mal der Fall— in der Jnterpellatton Millerand. Nun, angesichts der besonderen Umstände, die bereits besprochen wurden, wäre ich bereit, im gleichen Falle von neuem für das Ministerium zu stimmen. Abg. Dejeante rechtfertigt seine Beteiligung an der spanischen Kundgebung in Barcelona: Es handelte sich um die erste Stein- legung eines Volksbauses und ich habe dort, wie immer und überall, eine revolutionäre Sprache geftihrt. Ghcsquiöre: Wäre ich Deputierter, so wäre ich ebenso verlegen wie unsre Parlamentarier. Gegenüber dem Kabinett Combes muß man die Stimmung des Landes und der Arbeiter selbst berück- sichttgen. Ich beglückwünsche die Fraktion zu ihrem Votum für das Ministerium in der Jnterpellatton Millerand. Es ist nicht so leicht, zwischen den kämpfenden bürgerlichen Parteien ohne Gefahr hin durchzulavieren. Wir müssen die antiklerikale und dcmokrattsche Aktton Combes in Uebereinstimmung mit dem Proletariat und in dessen Interesse unterstützen. Rkan kann von der Fraktion nur ver- langen, das Ministerium vorwärts zu tteiben und im Falle anti- proletarischer Handlungen die Regierung anzugreisen. Bracke: Die Debatte ist über Gebühr ausgedehnt worden. Baillant hat bereits zutreffend die Haltung der Fraktion gerecht- ferttgt. Mit Lafont wünscht Bracke von der Fraktion in Zukunft einen ihre Haltung beleuchtenden Bericht. Rappaport billigt im allgemeinen die Haltung der Frattion. Nicht zu billigen aber ist die Stimmenthaltung der Fraktion in der Interpellation Sembat(über die Pariser Ärbeitermetzelei). Die Fraktton hätte mit Sembat gegen das Ministerium stimmen sollen. Zum Schluß beantragt Redner mit Ghesquiöre eine Resolution, die der Fraktion aufgiebt, im Falle von Repressalien gegen das Proletariat gegen das Ministerium vorzugehen, ohne jede Rücksicht auf die Existenz des Kabinetts. Abg. Constans: Die Fraktton kann nicht durch ihre Reden dem Mangel eines täglichen Partei-Organs abhelfen. Nur eine Tages- zeitung könnte die besondere Stellung der Partei scharf und klar vor aller Äugen prädsieren. Baillant rechtferttgt nochmals die Stimmenthalttmg in der Jnter pellatton Sembat durch das Zugeständnis, das die Fraktton von Combes erlangt hat. Ebenso hat Combes die stteikenden Landarbeiter in Schutz genommen gegen den bonaparttstischen Interpellanten Lasies. Wir konnten da nichts weiter thun, als in einer Resolution das Er- wachen der bäuerlichen Bevölkerung zu begrüßen. In der Debatte über die Abberufung des Botschafters beim Vattkan hat die Fraktion die sofortige Kündigung des Konkordats verlangt— im Gegensatz nicht nur zum Ministerium, sondern auch zu den ministeriellen Socialisten. Man wirst uns vor, die wirtschaftlichen Fragen nicht eifriger zur Sprache gebracht zu haben. Thatsächlich haben wir es bei jeder Gelegenheit gethan. Und dann habe ich eine Jnterpellatton über die Arbeitslosigkeit schon vor zwei Jahren eingebracht, aber es ist bisher nicht gelungen, sie zur Beratung zu bringen. Wir haben stets unsre Pflicht nach besten Kräften gethan. Die Fraktion accepttert mit Vergnügen die Kontrolle des Centtalrates und des Kongresses. Nur verlangt sie eine kameradschaftliche Behandlung, eine gerechte Beurteilung. Einen Tadel wegen unsrer Haltung in Stteikdebatten müssen wir als ungerecht zurückweisen. Damit schließt die Debatte. Auf Lafargues Antrag billigt der Kongreß die Haltung der Frattion. Auf C a ch i n s Antrag wird beschlossen, daß die Fraktton ihre Beschlüsse der gesamten Presse mitzuteilen hat. Die Resolution Rappaport-Ghesquiöre wird zurück- gezogen. Chauvins Resolution wird abgelehnt. Vorsitzender verliest eine Begrüßungsdepesche von Klara Zetkin.(Bravo I) Der Kongreß ninmtt die Beratung der Amsterdamer Tagesordnung wieder auf. Zum Puntt: Arbeiterversichcrung beantragt Bracke die Zu- stimmung zum ResolutionSentwurf MolkenbuhrS. Nach einem kurzen Meinungsaustausch zwischen Lafargue, Baillant und GueSde wird beschlossen, entweder der Resolution Molkenbuhr einen Zusatz hinzu- zufügen, der sich gegen jede Beitragsleistung der Arbeiter aus- spricht, oder eventuell diesen Zusatz als selbständige Resolution zu beantragen. In Bezug der Zollfragc wird eine Kommission mit der Aus- arbeitung einer Resolutton beauftragt, an Stelle des Resolutions- entwurfes der Jndependent Labour Party. Zum Punkt: Militarismus soll in Amsterdam beantragt werden, an Stelle des Resolnttonsentwurfes der Jndependent Lobour Party die bezüglichen Resolutionen des JnternationalenjKongresseS.von Brüssel zu erneuern. Lafont bringt zur Sprache den ResolutionSanttag der Lorraine- Föderation, der vom Amsterdamer Kongreß verlangt, er solle sich gegen die Vaterlandsidee erklären. Die Föderation der Haut-Vienne hat sich dem Anttag angeschloffen. Es wird hierüber zur Tages- ordnung übergegangen. Zum Punkt KlcrikalismuS und Schule verliest Bracke den bezüg- licheu antiklerikalen ResolutionSentwurf der englischen Socialdemo- kratischen Föderation. Gursde bcanttagt, dem Amsterdamer Kongreß vorzuschlagen, seine Tagesordnung auf die ersten 10 Punkte zu beschränken. An- genommen. Damit schließt die Beratung der Amsterdamer Tagesordnung. Die Beziehungen zwischen der politischen und gewerkschaftlichen Organisation. Cheradame-Paris trägt zwei Rcsoluttouen der Seine- Föde- ration vor, welche die gewerkschaftliche und die politische Aktton als gleicherweise berechtigt und einander ergänzend behandeln. Lafont verliest den Bericht der Lorraine-Födecatton, die die Autonomie der Gewerkschaften der Partei gegenüber verlangt, sowie die Annäherung an die revoluttonären Gewerkschaftler, und� im übrigen die gewerkschaftliche Aktion höher stellt als die politische: der Parlamentarismus habe bereits seine Ohnmacht bewiesen. Delory: Die Resolutionen der Seine-Föderatton können nicht ohne weiteres votiert werden. Sie erwecken den Eindruck, als ob die Partei sich noch niemals mit der Gewerkschaftsfrage befaßt hätte. Die Resolutionen sollen von einer Kommission ausgearbeitet werden. (Zustimmung.) Cachin-Bordeaux tritt ein für die eifrige Beteiligung der Parteigenossen an den Gewerkschaften. Das ist das beste Mittel, die Gelverkschaften zu gelvinnen. Beweis: die günstigen Folgen dieser Tattik in Bordeaux. Auf diesem Wege können wir am wirksamsten das parteischädigende Treiben der Anarchisten innerhalb der Gewerkschaften vereiteln. Baillcul verweist auf die Erfahrungen in Roubaix, wo die gewerkschaftliche und polittsche Organisation ver- schmolzen ist. Baillant tritt für die Selbständigkeit der beiden Or- ganisationen ein, gemäß einer früheren Resolution zur Zeit der Entstehung der revolutionär-sodalisttschen Einigkeit, empfiehlt den Beitritt der auf Parteiboden stehenden Gewerkschaften zur Konföde- ration der Arbeit und die zahlreiche Beschickung des gewerkschaftlichen Landeskongresses in Bourges(September). Guesde befürwortet die Veranstaltung einer Reihe von Vorträgen im ganzen Lande über dasselbe Thema: Organisation des Proletariats. In den Vorträgen müßten diese zwei Grundideen entwickelt werden: die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation und ihre Unzulänglichkeit, die politische Aktion als die notwendige Ergänzung der gcwerlschaft- lichcn. Schluß der Gewerkschaftsdebatte und der Nachmittagssitzung ? Uhr._ Das Schicksal der Port Arthur-Flotte mutz auch nach den neuesten Meldungen noch als ein ungewisses angesehen werden. Während einerseits gemeldet wird, daß der größte Teil der Flotte, namentlich die Schlachtschiffe, genöttgt ge- Wesen seien, sich wieder in den Hafen von Port Arthur zurückzuflüchten, behaupten andre Meldungen, der größere und wichtigste Bestandteil der Flotte sei bereits in der Straße von Korea gesichtet worden und im Begriffe, sich mit der abermals aus Wladiwostock ausgelaufenen Kreuzerflotte zu vereinigen. Petersburger Nachrichten wollen sogar glauben machen, daß eine solche Vereinigung bereits erfolgt sei. Was aMh aus dem Gros der russischen Flotte geworden sein mag, eine Anzahl der zersprengten Schiffe hat, wie jetzt fest» steht, nicht den Kurs nach Wladiwostock angenommen, sondern, wie wir gestern bereits vermuteten, neutrale Häsen angelaufen. Ein Torpedobootszerstörer ist in Ts chifu angekommen, zwei bis drei Kreuzer und ein oder zwei Torpedobootszerstörer haben sich nach dem deutschen Hafen Tfingtau geflüchtet und ein weiterer Kreuzer nebst einem Torpedobootszerstörer soll im Begriff sein, Shanghai anzulaufen. Die betreffenden Meldungen lauten: London, 12. August. Das„Reutersche Bureau" erfährt auS Tschisu: Die russische» Kreuzer„Askold" und „Novik" mit zwei T orpedoboots Zerstörer» sind iu de» Hafen von Tsingtau eingelaufen.(Diese Nachricht ist von der offiziösen„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" iu folgender Form bereits bestätigt worden:„Nach unfern In- formationen ist es richtig, daß russische Schiffe vor Kiautschou ein- gelaufen sind. Der Gouverneur wird streng nach den für solche Fälle geltenden völkerrechtlichen Be- stimmungen verfahre n." A»m. d. Red.) Tokio, 12. August.(Meldung des„Reuterfchen Bureaus".) Admiral Togo berichtet, das russische Kriegsschiff„Zessarewitsch" sei wahrscheinlich am 10. d. M. gesunken. Tokio, 12. August.(Amtliche Mitteilung.) Nach den hier ein- gelaufenen Nachrichten verließ das russische Geschwader den Hafen von Port Arthur und wurde südlich von Jentau von der japamschen Flotte angegriffen und zerstreut. Die Kreuzer.Askold" und .Novik", ein dritter Kreuzer und ein Torpedoboots» Zerstörer nahmen am 11. August Zuflucht in der Bucht von Kiautschou. ein andrer Torpedobootszerstörer in Tschifu. Die russischen Schlachtschiffe, fünf an Zahl, ein Kreuzer, wahrscheinlich„Diana", ein Hospitalschiff und mehrere Torpedobootszerstörer schienen am 11. August den Hafen von Port Arthur wieder aufgesucht zu haben. Die japanische Flotte ist, wie man glaubt, unbeschädigt. Tschifu, 12. Augllst, abends 7 Uhr.(Meldung des„Reuter- schen Bureaus".) Die Jdentttät der russischen Schiffe in Tsingtau ist noch ungewiß. Festzustehen scheint aber, daß eins das Linien- schiff.Zefsare witsch" oder ein Schiff vom gleichen Typ i st. Ein Kreuzer und ein Torpedoboots- Zerstörer nähern sich S h a n g h a i.— Es sind Anzeichen da- für vorhanden, daß die übrigen Schiffe der Flotte nach Port Arthur zurückgekehrt sind. Tschifu, 12. August.(Meldung des„Reuterfchen Bureaus") Die Nachricht von dem Einlaufen russischer Kriegsschiffe in den Hafen von Tsingtau wird bestättgt. ES sind die Kreuzer.Askold' und„Diana" sowie ein Torpedobootszerstörer; der Kreuzer„Novik" ist nicht in Tsingtau._ Zwei russische Torpedobootszerstörer sollen an der chinesischen Küste genommen worden sein. Der Versuch des russischen Geschwaders, nach Wladiwostok durchzubrechen, gilt als gescheitert. Das Anlaufen der russischen Kriegsflotte in Tsingtau stellt Deutschland vor die Pflicht, diesen Schiffen gegenüber strengstens nach den Geboten des Völkerrechts zu verfahren. Die offiziöse deutsche Nottz erkennt ja auch diese Pflicht durchaus an. Es fragt sich nur, was man unter diesen Pflichten versteht. Die.Berliner Neuesten Nachrichten" geben die Ansicht kund, daß der deutschen Regierung zwei Wege offen ständen. Entweder müsse sie die flüchtigen Schiffe veranlassen, nach Einnahme einer Kohlen- menge, die das Erreichen des nächsten Hafens ermögliche, binnen 24 Stunden den Hafen zu verlassen, oder aber sie müsse nach dem Verstreichen dieser Fdst die Schiffe entwaffnen und für die Dauer des Krieges mit Beschlag belegen. Nach unsrer Auffassung ist diese Ansicht des Blattes eine irrige. Wohl genießen Kriegsschiffe das Recht, auf der Reise in den Häfen einer neutralen Macht 24 Stunden Aufenthalt zu nehmen und sich mit Kohlen und Proviant für den nächsten Hafen zu versehen, allein die russische» Schiffe befinden sich eben nicht auf der Reise, sondern auf der Flucht, die sie nötigte, Tsingtau anzulaufen. Für geschlagene und fliehende Schiffe aber gelten dieselben Bestimmungen. die nach dem Völkerrecht für flüchtige Landtruppen gelten, die auf neutrales Gebiet übertreten: Sie sind zu entwaffueu! Das Anlaufen des deutschen Hafens ist durch die militärischen Erfolge der Japaner— das Bombardement des Hafens von Port Arthur und die Seeschlacht vor Port Arthur— verursacht worden. deshalb ist es die Pflicht Deutschlands, die russischen Schiffe zu ent» waffnen. Gestattet Deutschland den russischen Schiffen, nach 24 Stunden wieder auszulaufen, so hätte eS damit nach der ganzen Lage der Dinge den Schiffen gestattet, Tsiugtau zur Basis von Sriegsoperatione« z» mache», was völkerrechtlich verboten ist! Noch am Donnerstag behandelte das englische Unter- Haus diese wichtige Frage der Neutralität: Premierminister B a I f o u r gab eine Erklärung in demselben Sinne ab, wie LanSdowne im Obcrhan-Z, gab aber noch weitere Einzelheiten über gewisse Punkte und sagte: Was den Gebrauch neutraler Häfen als Basis für die O p e- r a t i o n e n von Kreuzern betrifft, so glaube ich, alle Nationen werden mit uns darin übereinstimmen, daß das Wesen dieser Frage darin liegt, daß neutrale Häfen nicht zur Basis von Operationen gemacht werben sollen. ES ist aber viel leichter allgemeine Grundsätze aufzustellen, als einen Fall zu be- handeln, der entstehen kann. Selbstverständlich sind hinsichtlich des Suezkanals besondere Bestimmungen getroffen. In gewissen Fällen könnte Frankreich von unsrer Meinung abweichen, aber ich glaube, die französische Regierung wird nicht zögern zu er- klaren, daß es ein feststehendes Princip ist, daß neutral Mächteden Gebrauch ihrer Häfen zur Erleichte rung kriegerischer Operationen nicht gestatten dürfen. Das sind Fragen von höchster Wichtigkeit nicht nur hinsichtlich des Handels Englands, sondern auch hinsichtlich des Weltfriedens und �der zukünftige» Beziehungen zwischen krieg führenden Parteien und Neutralen. Nach einer weiteren Er örterung wurde die zweite Lesung der Appropriationsbill an- genommen. China hat denn auch bereits in T s ch i f u den dorthin ge flüchteten russischen Torpedojäger gemäß den Forderungen des Völker rechts behandelt und sofort entwaffnet. Die Japaner, die jedenfalls daran zweifelten, daß China diese gebotene Energie bo künden werde, haben trotzdem den russischen Torpedobootszerstörer angegriffen und genommen, wodurch sie sich ihrerseits fraglos ins Unrecht gesetzt haben, ein Unrecht, das sie wohl schleunigst durch Wiederauslieferung des Schiffes gut zu machen suchen werden. Die Meldungen darüber besagen: London, 12. August. Dem„Reuterschen Bureau" wird aus Tschifu gemeldet: Zwei japanische Torpedobootszerstörer liefen in der Nacht ohne Lichter in den Hafen ein und legten eine viertel Meile von dem russischen Torpedobootszerstörer„Netfchitelntz' an. Um 4Uhrfrüh b e st i e g e n L a n d u n g s a b te i l u n g e n der Japaner das entwaffnete Schiff unter Ge wehrfeuer, wobei ein Russe verwundet wurde. Einige Russen schwammen ans Ufer. Bei Tagesanbruch sah man einen dritten japanischenZerstörer mit dem russischen Schiff im Schlepptau den Hafen verlassen, während die andern Torpedobootszerstörer folgten. Der japanische Konsul versichert, daß die Japaner nichts davon gewußt hätte», daß der„Retschitelnq" entwaffnet war. Tschif», 12. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus". Die japanischen Torpedobootszerstörer, welche den russischen Torpedobootszerstörer„Retschitelny" genommen haben, sind „Acaschimo" und„Kasumi". Die Japaner sandten einen Offizier an Bord des„Retschitelny" und forderten die Russen Gif, den Hafen zu verlassen und ein Gefecht anzunehmen. Der Kommandant Rostschakowski erwiderte,„Retschitelny" sei desarmiert und die Maschinen betriebsunfähig; die ganze Angelegenheit liege in den Händen der Chinesen. Als der japanische Offizier hierauf um die Erlaubnis bat, die Aussagen auf ihre Richtig- keit hin prüfen zu dürfen, gab' Rostschakowski eiligst mit leiser Stimme den Befehl, das Schiff in die Luft zu sprengen, da er zugleich mit dem Schiff sein und seines Gegners Leben ver- Nichten wollte. Unmittelbar hierauf stürzte sich der Kommandant auf den japanischen Offizier und sprang mit ihm über Bord. Nach einem Berichte soll der Konimandant um- gekommen, nach einer andren Meldung schwer verwundet, aber entkommen sein und von Freunden verborgen gehalten werden. Nach zehn Minuten Wurde dann die Kommandobrücke durch eine Explosion fortgerissen; der S ch i f f s r u ni p f blieb jedoch unversehrt. Für die ll» thätigkeit der Chinesen während dieser offenkundigen Verletzung der Neutralität durch die Japaner hat man hier keine Erklärung. Man glaubt, daß die Angelegenheit internationale Ver- Wickelungen zur Folge haben könne. „Cessarelvitsch" gesunken? Tokio, 12. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Ad- m i r a l Togo berichtet, das russische Kriegsschiff„Cessare- witsch" sei wahrscheinlich a ni 10. d. M. gesunken. Landkämpfe vor Port Arthur? Ucbcr neue blutige Kämpfe vor Port Arthur wird telegraphiert: London, 12. August. Die Japaner griffen, wie„Daily Telegraph" aus Tschifu meldet, am 8. August die Haupt- linre der Befestigungen von Port Arthur an. Sie unternahmen mit wilder Tapferkeit Bajonettangriffe auf die Russen, die ebenfalls mit dem Bajonett vorgingen. Ganze Regimenter wurden vernichtet. Die ermüdeten russischen Truppen fielen erschöpft neben ihren Geschützen nieder. General Stössel ritt die Front entlang und ermahnte feine Leute, sich tapfer für Gott und Vaterland zu schlagen. Bei Tages- anbruch zogen die Japaner Reserven zusammen und gingen zum Schlußangriff vor, wobei sie die Russen völlig zurückwarfen. Die Russen erlitten schwere Verluste. In einer der befestigten Stellungen bliebe» von 200 Mann nur zwei am Leben. Am nächsten Tage, dem 9. August.«lachten die Russen jedoch ihrerseits unerwartet einen Angriff und über- rannten die japanischen Vorposten, nnt denen sie ins H a n d- g e m e n g e kamen. Gleichzeitig feuerten die russischen Schiffe auf die Japaner. Schließlich gelang es den Russen, das Talus chan- Fort zurückzuerobern, und sie halten jetzt die Hauptlinie. Das Blutbad bei diesen Zusammenstößen wird als geradezu schauerlich geschildert. Diese Nachrichten bedürfen natürlich dringend der Bestätigung! Petersburg, 12. August. Wie General Kuropatkin dem Kaiser meldet, wurde gestern bei der S ü d f r o n t der Mandschurei- Armee bemerkt, daß kleine Abteilungen der japa- nischen Vorhut vorrückten. Im Gebiete des LiaufluffcS, oberhalb von Jnkau, beginnen Ehunchuscnbanden unter Führung von japanischen Offizieren sich bemerkbar zu machen. In einem Schar- mützel zwischen einer russischen Streifwache und einer japanischen berittenen Offizierspatrouille in Stärke von etwa SO Mann wurden IS Japaner getötet oder verwundet und die übrigen in die Flucht geschlagen. Die Russen erbeuteten Gewehre und Schicßbedarf. Auf russischer Seite wurde ein Mann getötet. Auf der Ostfront sind keine besonderen Veränderungen cuigetreten. Distrikte. gestiegen, In einzelnen Distrikten sei der Löhn seit 1888 um 30 Proz. während andre Distrikte nur eine Steigerung von Proz. aufweisen. Die höchste Lohnstcigerung findet man 7V, den Distrikten, wo der Minimallöhn eingeführt ist, während die Kohlenpreise dort nicht immer am höchsten ständen. Was aber in einem Distrikt durchgeführt ist, mutz sich auch in andern Distrikten durchführen lassen. Einen Minimallohn für das ganze Land ein heitlich festzusetzen, hält der Redner nicht für durchführbar, sondern wünscht, daß der niedrigste Lohn sich nach den Verhältnissen der einzelnen Distrikte richten soll. Wo bei ihnen der Minimallohn ein geführt sei, erhalte der Kohlenhauer S Schilling pro Schicht und je nach den Verhältnissen nach Prozente von der Kohle, die er austhut 00 Proz. aller englischen Bergleute arbeiteten aber auch im Gedinge und richte sich ihr Lohn nach dem Quantum Kohlen, das sie förderten. Das Gedingesystem lasse aber eine große Lohnschwankung zu und empfehle sich die Beseitigung desselben. E b e r t- Oesterreich: Im österreichischen Bergbau werden geradezu Hungerlöhne gezahlt, ganz besonders im Salzbergbau und in den Petroleumgruben. Im Salzbergbau steht der niedrigste Lohn für Erwachsene auf 1,00 Kronen oder 1,30 M. und der Höchstlohn auf 2,40 Kronen oder 2 M. pro Schicht. Namens der österreichischen Bergleute stimmt er für die Resolution. M i t ch e l- Amerika: Ein Minimallohn sei in Amerika au allen Gruben mit unreinem Gebirge eingeführt. Die niedrigsten Löhne betragen 2,25 Dollar pro Tag, während die höchsten auf 2,45 Dollar stehen. Dann haben sämtliche Tagearbeitcr einen festen Tage lohn, der allerdings in einer Region höher stände als in der andern. Die Mehrzahl aller amerikanischen Bergarbeiter arbeite jedoch im Gedinge und habe einen viel höheren Lohn. Das Gedingesystem halte auch er nicht für das richtige, sondern wünsche, daß überall ein fester Tagelohn eingeführt würde, der sich nach den Kohlenpreisen und nach den Lebensmittelpreisen richten müßte. Den Arbeitern müsse ein so hohes Einkommen garantiert werden, daß sie nicht nur ihr Leben fristen könnten, wie das bei den kontinentalen Berg arbeitern heute der Fall sei, sondern daß sie in der Lage wären, auch ihren Kindern eine anständige Erziehung angedeihen zu lassen. Er hofft, daß die kontinentalen Bergleute bald ebenso gestellt sind wie die amerikanischen. Die englische Resolution wird darauf einstimmig angenommen. Paris, den 10. August. Dritter Verhandlungstag. (Vormittagssitzung.) Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt: Die Wurmkrank heit. Dazu liegt von der Miners Federation von England folgende Resolution vor: „Daß jede im Kongreß vertretene Nation einen Bericht über die Wurmkrankheit abgebe und daß der Kongreß darüber einen Be- schluß fasse." Die Franzosen fordern Gesetze, durch die dem Fort schreiten der Krankheit Einhalt gethan würde. S m i l l i e- England wünscht, daß von jeder Nation ein aus führlichcr Bericht über den Stand der Wurmkrankheit gegeben würde, der dann von den nationalen Organisationen verbreitet werde. Die ausführliche Besprechung der Krankheit auf dem vorjährigen Kongreß in Brüssel habe den Engländern sehr gute Dienste gethan. Es seien sofort Konferenzen arrangiert worden, aus denen über Mittel und Wege zur Bekämpfung der Krankheit beraten wurde. Nach einer gemeinsamen Konferenz der Vertreter der Arbeiter mit den Werl besitzern sei man an die Regierung herangetreten, die dann eine Kommission zur Untersuchung aus Wurmkrankhcit eingesetzt habe. Die Untersuchung habe ergeben, daß im Distrikt Cornwall in zehn Zinngruben 42 Wurmkranke gefunden wurden. Auch auf einer Kohlengrube in Schottland habe man Wurmkranke gesunden, sonst habe die Untersuchung ergeben, daß die Gefahr im britischen Berg� bau nicht so groß sei, weil nicht diejenige Temperatur herrsche, die zur Entwicklung dieser Krankheit notwendig sei, aber immerhin müsse man die Augen offen behalten. Die französischen Delegierten fordern gesetzliche Mittel zur Bekämpfung der Krankheit und wollten die Engländer wissen, wie sie sich diese gesetzlichen Mittel dächten. Auch sie wollten an die Regierung herantreten, um Schutz gegen die Krankheit zu fordern. Man habe in England Angst, daß die Krankheit durch ausländische Bergleute eingeschleppt würde. Es müßte durch die weitgehendste Aufklärung der Arbeiter gegen diese Krankheit gewirkt werden. Redner fordert, daß jede nationale Organisation ihre Erfahrungen über die Krankheit den andern Nationen mitteile, damit alle aufgeklärt und so der Krankheit cnt- gegen gewirkt würde. Durch eine solche Gefahr würde das inter nationale Bündnis nur fester geknüpft, um gemeinsam gegen den gefährlichen Feind anzukämpfen. Er hofft, daß im nächsten Jahre die Krankheit so gut wie erloschen sei. La m endin- Frankreich verliest einen längeren Bericht, den B a s l y an das Parlament gerichtet hat. Baslh hat der Kammer einen Gesetzentwurf unterbreitet, der eine genaue Kontrolle in den Gruben verlangt; danach sollten über Tage Waschanstalten errichtet und Aborte gebaut werden, damit die Bergleute sich genügend reinigen könnten. Nach dem übereinstimmenden Urteil berühmter Aerzte sei die Hauptquelle und der beste Nährboden für die Krank heit der Schmutz. Ferner wurde in dem Gesetzentwurf gefordert, daß die Ventilationen auf den Gruben verbessert würden, daß pro Mann und Minute 80 Liter Luft in die Grube gefördert würden Weiter wurde in dem Gesetzentwurf gefordert, eine bestimmte Kommission einzusetzen, die genaue Untersuchungen veranstalte, um. die Zahl der Kranken authentisch festzustellen. Die Kommission sollte das Recht haben, selbständige Anordnungen zu treffen und zu jeder Zeit in die Gruben einfahren können. Der Entwurf wurde aller dings abgelehnt und machten die Unternehmer in ihrer Presse den Versuch, die Krankheit als fast harmlos hinzustellen, während sie in Wirklichkeit noch sehr grassiert. Auch die Regierung gebe offizielle Berichte heraus, die günstig über die Krankheit sprächen. Solche Berichte bedürften jedoch kaum einer ernsten Beachtung, da das ganze Material von den Unternehmern stamme, und folglich nichts an Einseitigkeit zu wünschen übrig lasse. Im Loirebeckcn lassen die Gruben in hygienischer Beziehung alles zu wünschen übrig. Die Schächte seien naß, die Strecken schlecht usw. Auch im Becken MontS ehe es traurig aus. Nach den Berichten der Kohlen-Compagnie soll in dem Becken Pas-de-Calais und Du-Nord die Krankheit nicht herrschen. Die Arbeiter seien andrer Meinung. Man verlangt gesetzliche Be- timmungen, daß Leute, die aus einem andern Lande zugewandert kämen, ein Gesundheitsattest vorzeigten. Im Pas-dc-Calais und Du- Nord kämen in kurzer Zeit 40 neue Schächte in Betrieb, und wo ölltcn die Arbeiter hergenommen werden? Jedenfalls aus Deutsch- land und Belgien, wo die Krankheit in so hohem Maße grassiert, und darum verlangten sie gesetzlichen Schutz. FiZilfsthnter interniltilillaler Kergarlmter-Klmgreß. Paris, den 9. August. Zweiter Verhandlungstag. (Nachmittagssitzung.) Zur Verhandlung steht die Forderung eines Minimal- l o h n e s, wozu zwei Resolutionen vorliegen. Die englische Reso- lution der Miners Federation von England lautet: „Daß jede hier vertretene Nation in allen Bezirken danach strebe, einen Minimum-Lohn zu erlangen, welcher hinreicht und den Ar- beitern ermöglicht, damit anständig leben zu können. Dazu bcan- tragen die Franzosen:„Einen Minimum-Lohn gesetzlich festzulegen." H a r r e y- England begründet die englische Resolution. Man habe im letzten Jahre in England gute Fortschritte bezüglich der Erlangung eines Minimallohnes gemacht. lieber 60 000 Bergleute haben heute schon einen Minimallohn. Die Höhe desselben ist sehr verschieden und richtet sich nach den Lebensmittelpreisen der einzelnen Partei- s�ackricbten. Zum Amsterdamer Kongreß. Der von uns gestern angekündigten ammlung der Resolutionen und Berichte für den internationalen Kongreß wird das internationale Bureau alsbald eine ErgänznngS- chrift hinzufügen. Die ganze Sammlung ist vom Sekretariat des intemationalen socialistischen Bureaus in Brüssel(Ruo üeyvaert 03) gegen Einsendung von 1 Fr. sowie Porto zu bezichen. Ebendort wird der demnächst erscheinende Band zu beziehen sein, der die Berichte der Nationalitäten an den Kongreß enthält. Der Preis dieses 400 Seiten starken Bandes ist 2,S0 Fr. und Porto. Der Parteitag für die Provinz Westprenßeu findet 11. September in Thorn statt. Auf der Tagesordnung andern, das Kontraktbruchgesetz für ländliche Arbeiter. Ans der Partcipresse. Aus der Redaktion des chweiger..Volksfreund" tritt der Genosse Herzberg aus, um in die Redaktion des Ludioigshafener Parteiblattes ein- zutreten, das am 1. Oktober ganz selbständig wird. Auch in der Redaktion dcS„Sächsischen Volks- l a t t e s" in Z w i ck a n geht wieder ein Wechsel vor sich. Genosse Huth wird demnächst austreten und die Leitung des Gewerkschafts- Hauses i» Plaue» i. B. übernehme». am steht unter iraun- „Nach zehn Jahrcu". Der Herausgeber der kürzlich im„Vor« wärts" besprochenen Denkschrift zum zehnjährigen Bestehen der Niederländische» Socialdemokratischen Arbeiterpartei ist nicht der Partei« vorstand, sondern, wie wir ersucht werden zu berichtigen, der Genosse A. B. S o e p in A m st e r d am. Der Parteiborstand wird jedoch in den nächsten Tagen auch eine Gedenkschrift herausgeben, und zwar in Form einer kleinen Broschüre, die zum Preise von 10 Cent(17 Pf.) verkauft werden soll. Das von Soep herausgegebene und verlegte Buch kostet nach deutschem Gelde 1,40 M. Hus Induftrie und Handel. Zur Lage des Holzgewerbes. Seit Ende Juli macht sich in den verschiedenen Branchen des Holzgewerbes eine erhöhte Lebendigkeit des Geschäftsganges bemerkbar. Namentlich nimmt die Arbeits- gelegenheit in den Betrieben der Möbeltischlerei zu, nachdem schon vorher die Bautischlerei äußerst flott beschäftigt war. Eine Um- frage der„Arbeitsmarkt-Korrespondenz" ergiebt, daß in sämtlichen größeren Orten mit Ausnahme Bremens fast alle in der Holz- industrie thätigen Personen zur Zeit voll beschäftigt sind. Die durch die Umfrage kontrollierten Betriebe beschäftigen ca. 54 000 Arbeits- kräfte. In D a n z i g zeigt sich der flotte Geschäftsgang nicht nur daran, daß ständig Tischler gesucht werden, sondern auch an den zahlreichen Ueberschichten, die von mindestens 10 Proz. der Be- schäftigten gemacht werden müssen. In Breslau finden gleich- falls fortgesetzt Neueinstellungen statt, sodaß der Zuzug von außer- halb sich gar nicht wie sonst nachteilig auf dem Arbeitsmarkt be- merkbar macht. Die Zahl der offenen Stellen am gewerkschast- lichen Arbeitsnachweis steigt von Monat zu Monat. In Leipzig ist der Geschäftsgang in allen Branchen mit Ausnahme der Fabri- kation automatischer Musikwerke, wo zahlreiche Entlassungen vor- genommen werden müssen, gut. Tischler und Stellmacher sind sehr gesucht. Bei 4800 dem Gewerbe angehörigen Personen waren im Monat Juli noch 214 arbeitslos. Das sind einige Personen weniger als der monatliche Zuzug von außerhalb beträgt, der auf 250 Köpfe pro Monat geschätzt wird. Nicht viel erheblicher ist die Arbeitslosen- ziffer in B e r l i n, obgleich hier nicht nur die Zahl der Beschäftigten um das Sechsfache größer ist als in Leipzig, sondern auch infolge von Differenzen an auswärtigen Orten ein starker Zuzug stattfindet. Bei den Tischlern beträgt der Wochenverdienst gegenwärtig durch- schnittlich ca. 20 M., bei den Einsetzern 30, bei den Bodenlegern 36, bei den Dreschlcrn 21, bei den Korbmachern 17 bis 18 und bei den Stellmachern 21 M. Aehnlich günstig liegen die Verhältnisse auch in Charlottenburg, wo augenblicklich sowohl die Bau- als Möbeltischlerei mit Aufträgen überhäuft ist. Sehr viel Ueberstunden werden in Magdeburg gemacht, wo in sämtlichen zum Holz- gewerbe gehörigen Branchen sehr viel zu thun ist. Zuzug findet fast gar nicht statt. Hannover hat dagegen starken Zuzug aus den Weserorten zu verzeichnen, aber trotzdem können alle Arbeitsuchenden in der Tischlerei und Stellmacherei gut untergebracht werden. Nur für die Drechsler ist der Geschäftsgang ziemlich flau. Voll beschäftigt sind auch die Tischlcreibetriebe in E s s e n a. d. R., obgleich im Juli ein ziemlich starker Zuzug von außerhalb stattfand, sind doch keine Arbeitslosen vorhanden. Freilich erschwert der Zuzug die Durch- führung der tariflich festgelegten Arbeitsbedingungen, insbesondere bei den Arbeitgebern, die keiner Organisation angehören. In Elberfeld-Barmen sind bis auf 50 Arbeitslose alle Arbeiter des Holzgewcrbes reichlich beschäftigt. Die Musikinstrumentenbranche verzeichnet momentan einen Auffchwung. In M c tz herrscht gegen- wältig sogar Arbeitermangel, da gegen 50 Stellen offen stehen. Karlsruhe meldet Neueinstcllungen in den größeren Betrieben. Bessere Arbeiter sind ständig gesucht. Ueberstunden werden indessen nur in wenigen Betrieben gemacht. Auch in M ü n ch e n ist die Lage des Holzgewerbes recht günstig. Voll beschäftigt sind namentlich Möbel- und Parkcttschreiner, Wagner und Bürstenmacher. In der Bauschreinerci hat sich der Geschäftsgang in den letzten 5 Wochen gleichfalls gebessert. Der Bau von zwei großen Warenhäusern.md des Krankenhauses zum Roten Kreuz ergaben große Aufträge. Eine Möbelfabrik, die die Ladeneinrichtung für eines der Warenhäuser übernommen hat, stellte die Einstellung von 40 bis 00 Schreinern für Mitte August in Aussicht. Wie überraschend sich in München die Konjunttur in den letzten Monaten, besonders aber im Juli gehoben hat, geht unter anderm auch aus der erheblichen Abnahme der Arbeitslosenziffer beim Holzarbeiterverband hervor. Sie betrug im April 141, im Mai nur noch 01, im Juni 05 und fiel im Juli auf 31. Deutsche Gummi- und Guttaperchawareufabrik, Akt.-Ges.. vor- mals Bolpi u. Schlüter, Berlin, lieber das Vermögen der Ge- sellschaft ist gestern das Konkursverfahren eröffnet worden. Zum Konkursverwalter wurde der Kaufmann Robert Lorentz/ Rixdorf, ernannt. Nach dem Verlauf der Generalversammlung am 30. Juli war dieses Ende zu erwarten. Die Verwaltung beantragte bekannt- lich eine Zuzahlung von 300 M. auf jede der vorhandenen Aktien a 300 M. Die Generalversammlung war indes der Ansicht, daß auch diese Zuzahlung das Unternehmen nicht mehr lebensfähig machen würde und beschloß deshalb unter Ablehnung des Ver- waltungsantragcs die Liquidation. Russische Schönfärbereien. Die aus dem Zarenreich herüber- dringenden Nachrichten über den lähmenden Einfluß des Krieges im fernen Osten auf das gesamte russische Wirtschaftsleben, über die Abnahme der industriellen Thätigkeit und die Zunahme der Konkurse und die Arbeitslosigkeit sind der russischen Regierung höchst unan- genehm, und zwar umsomehr, als sich nicht wegleugnen läßt, daß eine Reihe der südlichen und westlichen Gouvernements unter einer Mißernte leidet. Der Kredit Rußlands im Auslande wird durch solche Mitteilungen geschädigt, und doch sieht Rußland sich ge- zwungen, demnächst zur Aufnahme einer neuen Anleihe zu schreiten, so arbeitet denn die russische offizielle und offiziöse Presse mit aller Kraft, Beweise für die günstige Wirtschaftslage Rußlands und die Zunahme seines Volkswohlstandes zu finden. Dabei ist man wieder mal darauf verfallen, die Vermehrung der Spareinlagen als Be- weis für die Gesundheit des russischen Wirtschaftslebens anzuführen. Das Russische Handels-Telegraphen-Bureau veröffentlicht nämlich ölgende Mitteilung: „Im Januar, dem nach der Bewegung der Gcldoperationen der letzten Jahre besten Monat, betrug die Zunahme der Sparkassen- bücher ebenfalls 18 000«stück, der Februar ergab eine jähe Abnahme um 13 000 Stück, März und April dagegen eine Zunahme um 10'100 resp. 0000 Stück. Der Ueberschuß der Einlagen über die Abhebungen betrug im Mai 1 700 000 Rubel gegen 300 000 Rubel im April. Anfang Juni betrug die Summe der Geldeinlagen 854,7 Millionen Rubel, gleichzeitig stiegen die festverzinslichen Papiere der Depo- nenten um 3 Millionen auf 178,4 Millionen. Die Gesamtsumme der Volksersparnisse am 1. Juni betrug 1033,1 Millionen gegen 1 021,0 Millionen Rubel am 1. Januar 1904. Im Vergleich mit den Ziffern des Monats Mai 1903 läßt sich gleichfalls ein günstiger Schluß über den Gang der Sparkassenoperationen des laufenden Jahres ziehen, obwohl das Jahr 1903 das beste seit Gründung oer Sparkassen gewesen ist, so daß die im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr beobachtete geringe Abnahme der Depositen— im Verhältnis zu jenem hervorragenden Jahre— nur zu Gunsten der Stetigkeit der Volkssparkassen in Rußland spricht, insbesondere wenn man die schwere Lage in Betracht zieht, die Rußland gegen- wärtig durchmacht." Wie schon mehrfach hervorgehoben worden ist, bietot die Zu» und Abnahme der Spareinlagen absolut keinen Maßstab für die Be» urtcilung der Wirtschaftslage. Es ist eine allbekannte Erscheinung, daß in Zeiten wirtschaftlicher Abspannung, wenn die Kapitalbesitzer keine Gelegenheit zur Anlage ihrer Gelder finden, oder zu Zeiten einer Krise, wenn überall Zusammenbrüche drohen, sich die Spar- einlagen schnell mehren. Mancher Kapitalist, der sonst sein Geld im Handel und in der Industrie„arbeiten laßt, hält es eben dann für besser, sein Kapital in der sicheren Sparkasse unterzubringen. Auf diese Gründe dürste auch die Vermehrung der Spareinlagen, öweit sie überhaupt zutrifft, zurückzuführen sein. Ihr Mißtrauen veranlaßt russische Kapitalisten einfach, ihr Geld aus den geschäft« lichen Unternehmungen und privaten Bankinstituten zurückzuziehen und nach der Sparkasse zu bringen. Baumwollkultur in Spanien. Die Baumwollnot der letzten Jahre und die Preissteigerung der Rohbaumwolle ermuntert über- all in den südlichen Ländern zu Anbauvcrsuchen. In Spanien liegt den Cortes ein Gesetzentwurf zur Einführung der Baumwollkultur vor, zu welchem die gegenwärtigen Markt- Verhältnisse sowie der Umstand, das; bereits in früheren Zeiten die Baumwollkultur in Spanien mit Erfolg betrieben wurde, die Per- anlassung boten. Der Gesetzentwurf verfolgt den Zweck, die spanische Landwirtschaft zunächst bloß zu einem Versuche der Wiederbelebung der Baumwollkultur anzuregen, nach dessen Ergebnissen erst be- urteilt werden soll, ob der Anbau in größerem Umfange mit Rück- ficht auf die erzielte Güte der Baumwolle und die Produktions- Verhältnisse sich als wirtschaftlich lohnend erweist. Es sollen demnach jene Grundstücke, auf welchen der versuchsweise Anbau der Baum- Wollstaude erfolgt, durch drei Jahre von der Grundsteuer vollständig befreit sein und, soweit die Baumwollkultur dann auf denselben fortgesetzt wird, noch durch weitere zehn Jahre mit keiner höheren Grundsteuer als vor der Einführung der Baumwollkultur der- geschrieben war, belastet werden. Verlmer Partei-Angelegenheiten. Zur Lokal-Liste. Arbeiter! Parteigenossen! Gewerkschaften! Bereine! Achtet bei den Ausflügen und Partien am morgenden Sonntag genau auf dir Lokalliste vom 3. Juli, verkehrt nur in denjenigen Lokalen, welche der Arbeiterschaft zu Bcrsaminlniigen:c. znr Ber- sügung stehen. Nieder-Schonhausen. Bezugnehmend auf das Inserat am Sonntag, den 7. August, betreffend E r n t e f e st an: 1 4. und 15. A u g u st, unterzeichnet„Die vereinigten Gast- Wirte", teilen wir mit, daß dieses Erntefest lediglich von vier Gast- Wirten arrangiert wird und zwar befinden sich darunter die Gastwirte Donath, Liedcmit und Thiele, die ihre Lokale der Arbeiterschaft zu Versammlungen zc. nicht zur Verfügung st e l l e n. Wir ersuchen deshalb, nur die Lokale von Wenzel, Settekorn, Nlih und Sanssouci zu besuchen, weil diese Lokale als frei gelten. Hciliersdorf. Wir empfehlen den Parteigenossen. Vereinen k., das Erntefest am 14. und 15. A u g u st nicht zu besuchen, da der dortigen Arbeiterschaft kein Saal zu Brrsammlungei» zc. zur Verfügung steht. Die Besucher der Heilstätten weisen wir darauf hin, daß in Blankenburg nur das Lokal„Wirtshaus au der Pankc" frei ist, in Malchow desgleichen„Cafe Ticy". Roscnthal. Die Besucher zum Erntefest am 14. und 15. August ersuche» wir, nur das Lokal A. Kabelitz,.Gasthof zur Mühle', Haupt st r. 83, zu besuchen, weil die andren Lokale alle als gesperrt zu betrachten sind. Rciuickcndorf(Ost). In Anbetracht des Erntefestes am Sonntag, den 14., und Montag, den 15. August, bringen wir den P a r t e i g e n o s s e n zc. in Erinnerung, daß die Lokale von Brauns» Kaiser Friedrich-Garten, Kurmann, früher Sandhagen, und Mcinike, Residenzstraße, der Arbeiterschaft zu Versammlungen-c. nicht znr V e r- sügung stehen. Die Lokal-Kom Mission. Erster Verliuer Wahlkreis. Dienstag, den IS. August, abends S'/, Uhr: Wahlvercins-Versckmmlung in den Arminhallen, Kom- mandantcnstraße 20. Vortrag deS R e i ch s t a g S-?l b g c o r d n e t e n Dr. Albert Südeküm über.Ludwig Beuerbachs Leben und Lebenswerk"; Diskussion. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Zahl- reichen Besuch erlvartet Der Vorstand. Britz. Die Handzcttel-Verbreitung, welche am Sonntag, den 14. d. M., hier stattfinden sollte, fällt aus, ebenso die Versammlung, die für Dienstag, den 16. d. M., angesetzt war, weil der Genosse Zubeil den Vortrag in der Versammlung zu halten wieder ab- gesagt hat. Für die Ortschaften Maricnfeldc, Lichtenrade, Mahlow und Maricndorf findet am Sonntag, den 14. d. M., eine Volks- Versammlung statt, in welcher Genosse Albrccht Fülle über das Thema„Preußen in Deutschland und Deutschland in der Welt voran" referieren wird, außerdem gicbt Genosse Fritz Greulich seilten Bericht als Gemeindcvertreter. Männer und Frauen haben Zutritt. Stralan. Am Sonntag, den 14. August, nachmittags 2 Uhr, findet im Lokale des Herrn Gursch, Alt-Stralau 5, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Der Genosse M. Kiesel hält das Referat über„Der geplante Wnhlrechtsraub". Wir ersuchen die Mitglieder, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste sind willkommen. Der Vorstand des Socialdem. Wahlvereins von Stralau und Umg. I. A.: Herm. Hallwaß, Alt-Stralau 56, Quergeb. III. Nicder-Schöncwcide. Am Sonnabend, den 13. August, abends 8'/z Uhr, findet bei Franz die ordnungsmäßige Versammlung des Wahlvereins statt. Eichwalde. Der Wahlverein hält am Sonnabend, 13. August, abends Vzll Uhr, seine Mitgliederversammlung bei Heinrich, Hanckels Ablage, ab. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben._ Loyales. Berliner Freuidenlogis. Man schreibt uns: Ausgenommen den vornehmen Westen, giebt eS in Berlin eine große Anzahl sogenannter Fremdenlogis, die ein Mittelding zwischen Herberge und Gasthof bilden. Sie liegen zumeist im Osten und Norde» der Stadt, sind aber auch im Süd- viertel und Centrnm Berlins anzutreffen. Die Besucher dieser Fremdenlogis rekrutieren sich aus fast allen Schichten der Gesell- schaft. Arbeiter, Handwerker, Kellner. Künstler, Kaufleute zc., denen daS Geschick oder vielmehr die socialen Verhältnisse es unmöglich gemacht haben, ein Zimmer oder eine Schlafstelle zu mieten, und die die Asyle für Obdachlose nicht aufsuchen wollen, kehren in diese Fremdenlogis ein. Die Besitzer dieser beinahe aus- nahmslos in dürftigster Weise„ausgestatteten" Schlafstätten betreiben gewöhnlich auch eine Gastwirtschaft. In denjenigen Zimmer», wo die Betten eng zusanimengepfercht stehen, variiert der Preis für eine Nacht des Schlafens zwischen 40. 50. 60 und 75 Pf. Die Zimmer für 1 M.. die den zweifelhaften„Vorteil" haben, daß nur'zwei oder drei Personen darin schlafen, sind aber ebenso primitiv wie die billigeren. Im Verhältnis zu der wirklich be- jammernswerten Beschaffenheit der Mehrzahl der Berliner Fremden- logis sind das viel zu hohe Preise. Fragt nian sich im Anschluß daran, wie dort die hygienischen Verhältnisse liegen.so wäre es angebracht, daß die Aufsichtsbehörde öfter Revisionen abhalten ließe. Ein Blick in viele dieser Schlafränme erregt bei dem Besucher wahres Entsetzen. Das Zimmer starrt vor Schmutz, die Betten sind meistens im unsaubersten Zustande und werden erst nach längeren Wochen frisch bezogen. Zieht man in Bewacht, daß in jeder Rächt fast eine andre Person, deren Gesundheit und Reinlichkeit nicht festgestellt wird, auf dem Lager schläft so ist es nicht zu verwundern, wenn diese Stätten oft den Herd für Ungeziefer bilden und möglicherweise an- steckende Krankheiten verbreiten können. Zur Entleerung des UrinS sind größtenteils Eimer vorhanden, die sellen gereinigt oder desinfiziert werben und die Schlafräume des Nachts mit schlechter Luft erfüllen. In einem Freindenlogis in der Landsbergerstaße sind sogar, weil keine Klosetts vorhanden, iin Korridor vier Behälter aufgestellt, welche zur Aufnahme der Exkremente dienen. Eine wahrhast Pest- artige Atmosphäre herrscht daselbst. Rechnet man noch die kahlen schmutzigen Wände hinzu, an denen oft Ueberreste von einem ge- wesenen Spiegel oder einer ansrangierten blaligen Lampe hängen, so erhält man ein Bild, welches elender und trostloser nicht gedacht werden kann. In diesen Schlafftätten hausen nun gegen gewisser- maßen hohes Geld Menschen!_ Die Armcndirektion, Abteilliiig für Waisenverwaltimg, sendet uns folgende Berichtigung: Auf Grund des§ 11 des Pressgesetzes ersuchen wir mit Bezug- nahine ans den Artikel„Berliner ZwangStanfen" in der Nummer 175 Von« 23. Juli 1904 um Aufnahme folgender Berichtigung: 1. Das Kind Erna Müller ist nicht gegen den Willen und ohne Wissen der Eltern getauft worden. Die Mutter des Kindes hatte in der bei der Aufnahme des Kindes am 2. September 1993 aufgenommenen Verhandlung vielmehr ausdrücklich die Frage, o b die Taufe gewünscht Ivcrde. mit„ja" beantwortet. Mit Rücksicht auf diesen ausdrücklichen Wunsch der Mutter ist die Taufe erfolgt. 2. Es ist der Frau Klara Müller am 9. Juli 1904 nicht mit- geteilt worden, daß die Taufe„ans Anordnung" erfolgt sei. Ans die Anfrage der Frau Müller, ob und wo das Kind getauft worden sei, ist ihr vielmehr, ivie das richtig wiedcrgegebene Schreiben ergicbt, ans Anordnung der Waisenverivaltung mitgeteilt worden, daß das Kind in der Parochial-Kirche getauft worden sei. I. V.: M ü n st e r b e r g. Wir behalten uns vor, auf die Angelegenheit znrückzilkommen. Der Bau des Tcltow-Kanals macht auch im Osten gute Fort- schritte. Es handelt sich dort jetzt um die Ausführung der Ver- bindiingslinie Britz-Kanne, für welche die Enteignung ver- schiedener Grundflächen im Gemeindebezirk Treptow erforderlich ist. Unter den hierbei interessierten Eigentümern befinden sich nach öffentlicher Bekamitmachung: der Rittergutsbesitzer Robert Erwin W i l k i n s zu Berlin, der Rechtsamvalt Dr. Gustav Z e i d l e r, ebenda, und die verehelichte Frau Lieutenant von Jena. Der EnteignungSkommissar des Regierungspräsidenten, Regierungsrat von Usedom, hat Abschätzungstermin auf nächsten Mitttvoch an der Haltestelle Bamnschnlenloeg anberaumt. „Wider die Pfaffenherrschaft", Kulturbilder aus den Religion?- kämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts. Das soeben zur Ausgabe gelangte 18. Heft bringt die Fortsetzung des 10. Kapitels, in dem der Verfasser u. a. behandelt: Das Erwachen des Geistes.—„Es ist eine Lust zu leben!"— Oekonomische und politische Ursachen der geistigen Umwälzung.— Die Scholastik nnd über ivas sie sich den gelehrten Kopf zerbrach.— Der HlimaniSmus.— Dante Petrarca. Boccaccio.— Gutenberg, Columbus, KopernikuS u. a. und die großen Entdeckungen.— Die Menschen der Renaissance.— Das Wesen des Humanismiis.— Bürgerliche Franenemancipation in der Renaissance.— Sebastian Braut. Geiler v. KaiscrSberg. Aeneas Sylvins. Wimpfcling. Bebel. Pirkhcimer. Hutten. Renchlin. Erasmus v. Rotterdam u. a.. sowie zahlreiche Bilder aus jener Zeit. Jedes Heft des Werkes kostet 20 Pf. Die bereits erschienenen Hefte werden nachgeliefert. Jede Parteibuchhandlung sowie die Parteikolporteme liefern die Hefte. Beanstandetes Fleisch. Im Monat Juli d. I. wurden von den im Berliner Schlachthof geschlachteten Tieren wiederum eine große Zahl beschlagnahmt nnd der Polizei überwiesen. Die Zahlen be- weisen am besten, wie notwendig eine scharfe Kontrolle ist. Es wurden beanstandet 329 ganze Rinder, 67 ganze Kälber, 13 ganze Schafe und 575 Schweine. Ferner teilweise 3635 Rinder, 144 Kälber, 3766 Schafe und 9430 Schweine, die meisten wegen Tuberkulose, Finnen und Trichinen. Vier Schweine waren stark trichinös. Außer- dem wurden noch beschlagnahntt einzelne Teile und Organe von 4917 Rinder», 209 Kälbern, �272 Schafen und 11771 Stück Schweinen. Daneben wurden aber noch in de» städtischen Unter- s u ch u n g S st a t i o n e n für von auswärts eingeführtes frisch ge- schlachtetes Fleisch im Juli d. I. zurückgeiviesen bezw. beanstandet und der Polizei überwiesen: 16 Rindcrviertel, 21 Kilogramm Rind- fleisch, 8 Rinderköpfe, 10 Rinderzungen, 9 Kälber, 1 Schaf»nd 8 Schweine, darunter 5 Wildschweine und 38 Kilogramm Schweine- fleisch. Als bedingt tauglich wurden befunden: 16 Rinder- viertel, 2 Rindertöpfe, 3 Rinderzungen und 2 Schweine. Als minder- lvertig: 16 Rinder und 4 Schweine. Zwei Schlächter wurden an- gezeigt, weil bei ihnen Fleisch vorgefunden wurde, das mit einem Steinpcl nicht versehen war. Eine überraschende Meldung, die anscheinend auf amtlicher Information beruht, bringen heute verschiedene Blätter. Hiernach wäre die Höherlcgimg»ue noch auf sechs Bahnsteige», und ztvar Jnngferiiheidc, Eichkamp, Schmargendorf, Tempelhof, Treptow nnd Schönhauser Allee vorztlnehmen. Hieraus geht hervor, daß eine ganze Reihe von Bahnsteigen gänzlich in der alten Höhenlage ver- bleiben sollen, so auf den Bahnhöfen Ebersstraße, Hermannstraße, General Papestrasse. Benssclstraße, Putlitzstraße u. a. m. Wenn alle diese Bahnhöfe thatsächlich, wie es nach der erwähnten Notiz, welche ililire Mitteilung über die Unterbrechimg in den HöherlcguugS- arbeiten berichtigen soll, zutreffend ist, so iverden speciell im Nord- nnd Südringverkehr unhaltbare Zustände geschaffen. Die Ungleich- heit in der Höhenlage der Bahnsteige schaffte fiir die Fahrgäste beim Besteigen resp. Verlassen der Wagen nicht nur große Unbequemlich- leiten, sondern es würden zweifellos ernste Unfälle herbeigeführt werden. Es ist geradezu unverständlich, daß eine Anzahl Bahnhöfe, zum Teil mit starkem Verkehr, von der Neuerung ausgeschlossen bleiben sollen. Das Austrocknen von Seen in der Umgebung Berlins und daS Verschwinden der Schwalbe n infolge der Dürre wurde dieser Tage gemeldet. Wie wir dem gegenüber mitteilen können, ist in der Mark Brandenburg noch kein Bach, kein Fluß voll- ständig ausgetrocknet und sämtliche märkische Binnenseen haben noch einen reichlich hohen Wasserstand, wenn auch eine Herabsetzung der Höhe des Wasserspiegels zum Teil bis zu 75 Centimeter insolge der anhaltenden Dürre stattgefunden har. � Die Gefahr des Anstrocknens von Seen liegt bisher glücklicherweise nicht vor. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, daß die Schwalben verschwunden seien. Die Vögel hatten bei der eilornien Hitze, welche der Jnsektenentwicklung besonders dienlich ist, überreichlich Nahrung und es fehlte daher auch jede Veraitlassuiig für die Segler der Lüste, uns zu verlassen. Dreitausend Mark Belohnung werden auf die Herbeischaffung gestohlener russischer Papiere und auf die Ergreifung des Diebes Jossck Simmclmann ausgesetzt. Am 30. v. Mis. wurden in Warschau gestohlen von der vierprozentigen Rente über je 5000 Rubel Nr. 266 und 259 der Serie 161, Nr. 206 und 033 der Serie 121, Nr. 133 und 158 der Serie 212 und ein Stück über 5000 Rubel mit unbekannter Nummer, das aber den Namen „Myswoifski" trägt; ferner fünf Stück über je 1000 Rubel mit den Nummern 3017 bis 21 der Serie 251 mit Talons und Coupons. Der Thäter. der unzweifelhaft schon versucht hat. in Berlin einen Teil der Papiere uuizusetzen,»st 36 bis 38 Jahre alt. 1,65 bis 1,68 Meter groß, hat graugemischtes Haar und ebensolchen Bart und Blatternarben auf dem Kopf und im Gesicht unter dem Bart. Aus der Untersuchungshaft entlassc» ist der Handelsmann Milch, der, wie seiner Zeit gemeldet, im Verdacht stand, für„Athleten- Robert und Genossen" den Verkauf gestohlener Waren übernommen zu haben. Die Nachforschungen der Behörde haben allem Anscheine nach kein Beweismaterial gegen M. ergeben, der daraufhin wieder auf freien Fuß gesetzt worden ist. Milch war schon stüher einmal als der Hehlerei verdächtig verhaftet worden, mutzte jedoch auch damals wieder entlassen werden, da Belastungsmaterial gegen ihn nicht beizubringen war. Bei,» Aufspringen auf die Bordcrplattform eincS Straßenbahn- wagcils verunglückt ist gestern abend der Schlosser Ernst Klatt, Bernauerstr. i wohnhaft. K. wollte vor dem Hanse Kastanien- Allee 55 den in voller Fahrt befindlichen Motorwagen Nr. 1688 be« steigen, glitt jedoch vom Trittbrett ab und stürzte rücklings neben dem Wagen zu Boden. Mit einer schweren Wunde am Hinterkopf und Bruch des linken Ellenbogens wurde der Verunglückte in be- siimungslosem Zustande nach dem Lazarus-Krankenhause überführt. Zu erschießen versuchte sich in der letzten Nacht um 11 Uhr der 23 Jahre alte Studiosus der Medizin Fritz Köhler aus der Ticck- straße 37. Köhler ist der Sohn einer Eisenbahnbecrmten-Witwe aus der Provinz, betrieb sein Studium schon eine Reihe von Semestern und sollte in der vergangenen Woche eine Prüfung ab- legen. Dabei war er durchgefallen. Sehr niedergeschlagen kam er nach Hanse und verließ am Montag die Wohnung mit dem Be- merken, daß er sich erschießen möchte. Die Wirtin nahm die Worte nicht ernst und ließ ihn ohne Einreden fortgehen. Wo er sich in- zwischen aufgehalten hat, ist nicht bekannt. Um die angegebene Zeit hörte ein Schutzmann zwei Schüsse fallen und fand auch alsbald den Studenten, der sich zwei Schüsse in die rechte Schläfe abgefeuert hatte. Er konnte noch seinen Namen nennen und wurde in die Charite gebracht. Dort ist er noch am Leben, aber nicht ver- nehmungsfähig. Ein erschütternder Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in Nieder-Schöneiveide zugetragen. Der 13jährige Sohn der Witwe Gehr in Rmnmelsblirg hatte sich einer seiner Mutter befreundeten Familie C. bei einer Landpartie nach Nieder-Schöneweide an- geschlossen. Die Ausflügler begaben sich nachmittags in den Wald in die Nähe der Spree, woselbst sie sich lagerten. Frau C. wollte schlafen und forderte den kleinen Gehr sowie ihre eignen Kinder auf, zusammen zu spielen, jedoch nicht zu nahe an das Wasser heran zu gehen. G. entkleidete sich aber dennoch, um zu baden, und ging, da er ein ziemlich guter Schwimmer war, weit in die Spree hinein. Plötzlich verschwand der Knabe in den Fluten und ertrank. Seine Leiche, die erst am Abend aufgefunden wurde, ist Von der StaalSaiilvaltschaft beschlagnahmt worden. In den Tod gespielt. Die 11jährige Tochter des in der Solms- straße 23 wohnhaften pensionierten Feuerwehrmannes Herrn Klinnert spielte gestern mittag mit mehrere Kindern auf der Promenade in der Gneisenaustraße. Beim Haschen lief das Kind im Eifer des Spiels auf den Fahrdamm und unglücklicherweise direkt in einen eben vom Omnibus-Dcpot in der Gneisenaustraße kommenden schweren Futter- wagen. Die Räder des Wagens gingen dem armen Kinde über die Brüst. Man brachte die Kleine nach der Unfallstation am Tempel- hofer Ufer, doch konnte dort nur der bereits eingetretene Tod fest- gestellt werden. Die Leiche wurde in die Wohnung der Eltern ge- bracht. Nach Alissagen von Augenzeugen trifft den Kutscher gar keine Schuld: derselbe fuhr ganz langsam; das Kind achtete leider im Eifer des Spiels auf gar nichts in der Umgebung. Ei» entsetzlicher Fahrstuhl-Nnfall hat sich am Freitagnachmittag gegen 4 Uhr vor den Augen und in nächster Nähe des Prinzen Friedrich Leopold zugetragen und mit dem Tode eines blühenden Menschenlebens geendet. Der Prinz, der bekanntlich in wenigen Tagen Potsdam'verläßt, um sich nach dem russischen Hauptquartier nack Ostasien zu begeben, besuckite am Freitagnachmittag die Firma v. Tippelskirch u. Co. in der Potsdamerstr. 127/28, um daselbst seine öleise-Ansriistimg zu besichtigen. Er verabschiedete sich zur genannten Zeit von den Geschüstsinhabern und bestieg dann mit seinem Ädiutanten den Fahrstuhl der Firma. Die beiden Herren hatten bereits Platz genommen, ivährend der Fabrstnhlwärter gleichfalls einzusteigen versuchte und in demselben Augenblick den elektrisch betriebenen Motor in Bewegung setzte. In diesem Moment trat der Unglückliche fehl nnd geriet, während der Fahrstuhl noch fuhr, zwischen die eisernen Schienen. Nun blieb der Fahrstuhl zwischen der ersten und zweiten Etage stehen, da der Körper des Fahrstuhlführers, fest eingekeilt, ein weiteres Hinabgleiten des Gefährtes verhindert�. Ein gerade die Treppe herauf kommender Postbote alarmierte sofort das Personal der Firma Tippelskirch und ein Zug des Feuerwehr- Depots am Hafenplatz war in lvenigen Minuten zur Stelle. Vor allen Dingen versuchten die Mannschaften dem Verunglückten ihre Hilfe aiigedeihen zu lassen. Mit Acxten und Brechstangen wurde der Fahrstuhlwärter ans seiner enlsetzlichen Lage befreit, starb jedoch unter den Händen der inzwischen hinzugertifenen Aerzte ujid Samariter. Dann wurde der Prinz und sein militärischer Begleiter aus dem Aufzug herausgeholt. Beiden Herren wurden Stricke und Leitern zugereicht und sie konnten dann durch ein seitlich ge- legenes Glassenstcr nach �stündigem Bemühen der Feuerwehr hcransklettern. Der verunglückte Wärter war erst seit einigen Tagen im Dienst der Firma Tippelskirch und nur vertrewngs weise angestellt. Den Namen des Toten konnten wir leider nicht er- erfahren, weil ans höheren Wunsch die Angelegenheit möglichst wenig in die Oeffentlichkeit gelangen sollte. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Im Dienste gestorben ist der 55 Jahre alte Postschaffner Karl Dohms aus der Grenadierstr. 33. Er diente bereits 29 Jahre und war zuletzt auf dem Postamt 76 am Hackeschen Markt beschäftigt. Von dort sollte er gestern nachmittag um 6 Uhr eine Wertsendung nach dem Amt 54 in der Lothringerstraße befördern. Während er die Diensttasche in Empfang nahm, fiel er um und lebte nach fünf Minuten nicht mehr. Seine Leiche wurde vorläufig beschlagnahmt. Er lebte in kinderloser Ehe. Einen tödlichen Sturz von der Treppe that die fünf Jahre alte Tochter Gertrud deS Stratzenbahnschaffners Seemann aus der Guinea- straße 39. Sie spielte auf dem Geländer des fünften Stockes, wo die Mutter in der Waschküche beschäftigt war. Plötzlich hörte die Frau einen dumpfen Fall und fand ihr Kind auf dem Flur des nächsttiefen Stocklverks liegend auf. Die Kleine starb im Paul Ger» Hardt-Stift an einem durch den Sturz erlittenen Schädelbruch. Ei» ausgeraubter Bierfahrer wird von der Polizei gesucht. In der Nacht zu gestern hatte sich der Mann auf einer Bank in der Genthinerstraße niedergelassen und war eingeschlafen. Sofort waren, wie ein Privatwächter beobachtete, drei zweifelhafte Gestalte um ihn herum. Als diese endlich davon gingen, weckte der Wächter den Schlafenden, der denn auch augenblicklich die Summe von 300 M. einkassierter Gelder vermißte. Ein Schutzmann wurde verständigt, der mit den übrigen zusammen die Verfolgung der fliehenden Fledderer aufnahm und nach längerer Zeit ergreifen konnte. Alle drei sind wohnungSlos imd schon mehrfach bestrast. Als man darauf an den Thatort zurückkehrte, war der Geplünderte verschwunden. Da er sich bisher nicht gemeldet hat, so wird er ersucht, seine An- zeige über den Verlust bei der Kriminalpolizei oder einem beliebigen Polizeirevier niederzulegen. Die Eheleute Andree ersuchen unS um die Mitteilung, daß ihr Söhnchen Walter, von dem in Nr. 183 mitgeteilt war, daß es während der durch Arbeit bedingten Abwesenheit der Eltern in den Kissen erstickt sei, nicht den Tod durch Ersticken gefunden hat, sondern an Lungen- und Darmkatarrh gestorben ist. Vermißt wird seit dem 29. Juli er. der Handelsgehilfe Walter Hermann, 12. Mai 1882 Berlin geboren, zuletzt Kaiser Wilhelmstr. 2 wohnhaft� gewesen. Er ist 1,63 Meter groß, dimkelblond, etwas hellerer Schnurrbart, Augen grau; die Nase ist etwas dick und hat an der Spitze eine kleine Vertiefung wie ein Kerb. Im Oberkiefer durch einen verkrüppelten Schneidezahn eine Lücke. Bekleidet war er mit einem fast schwarzen, ein wenig weiß melierten Jackettanzug, olivenbraniiem Sornmeruberzieher, weichem schwarzen Filzhut, Zug- stiefeln. Die Wäsche sowie Strümpfe sind mit W. H. gezeichnet. Mitteilungen über den Verbleib des Hermann werden auf jedem Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 324, entgegen- genommen, eventuell wird um Nachricht zur Journal-Nummer 6592 IV/ 1104 ersucht. Die Wahlversammlung der OrtS-Krankenkasse der Konditoren, Pfeffcrküchler und verwandter Gewerbe zu Berlin hatte a,n 11. August auf Grund abgeänderten Statuts eine Neuwahl samt- licher Vertreter zur Generalversammlung vorzunehmen. Gebraucht wurden 82 Vertreter und wurde die Lifte des Verbandes, auf welcher auch mehrere weibliche Vertreter standen, mit großer Majorität ge- wühlt. Die Liste des Hirsch-Dunckerschen Gelverlvereins erhielt diesmc. l nur wenige Stimmen, während in früheren Jahren dessen Bertretr r fast unumschränkt die ganze Verwaltung der Kasse de- herrschte, t. Das Kassenlokal wird am 1. September nach Sebastian- strajze 72 verlegt. FcverVericht. Wegen eines Ladenbrandeö lunrde die 4. Kom- pagnie in d er letzten Nacht um 2 Uhr nach der Badstr. 62 gerufen. Durch energr fches Vorgehen und tüchtiges Wassergeben gelang es, das Feuer, de ssen Entstehung nicht ermittelt ist, auf den Laden zu beschränken. I n Neu-Weißenseo stand gestern abend eine gefüllte Scheune in Fla. mmen. Von der Berliner Feuerwehr wurde der dritte Dampfsprt tzenzug zur Hilfe entsandt. Im Verein mit den freiwilligen Feuer. wehren aus Weißensee, Pankow. HeincrSdorf konnte der Brand auf die Scheune beschränkt und die ichrigen Gebäude ge- schützt werden. Sdk- Ursache des Brandes ist unbekannr. Ferner hatte die Wehr in der Reichenbergerstr. 175 mit einem Wohnungsbrande zu thun. An der Ecke der Garten- und Bergstraße brannte gestern Teer und im Garten des Hauses Schönhauser Allee 101/102 Papier, Lumpen zc._______ Huö äcn Na�barortcu. FriedrichSfelde. Die fortlaufenden Zählungen das hiesigen Melde-Amtes haben für Anfang August eine Einwohnerzahl von 13 006 ergeben. Da zum 1. Oktober viele Neubauten bezogen werden, dürfte sich die Zahl zn diesem Zeitpunkt beträchtlich erhöhen» Zur Zeit macht sich ein Wohnungsmangel nicht sehr bemerkbar. Die Mieten., speciell in den neueren Häusern. geben denen in Berlin nicht Vit' nach. Rechnet man das Fahrgeld hinzu, so ist es erklärlich, daß viele aus Berlin Zugezogene bald wieder dorthin zurückkehren.— Da alles teurer wird, will an- scheinend die hiesige Kirche sich auch nicht unter den Scheffel stellen. Laut Bekanntmachung des Gemeimde-Kirchenrates wird im laufenden Kirchenjahr eine Kirchensteuer von 15 Proz. der Einkommensteuer von allen Einkommen von 000 W. aufwärts erhoben. Die dabei erzielte Summe dürft? 13 000 M. übersteigen. Vielleicht giebt dieser Aderlaß manchem zu denken und veranlaßt ihn. der teuren Kirche den Rücken zu kehren. Austrittsfoumulare find jederzeit beim Ge- nassen Brunk. Prinzen-Allce, zu hwben.— Anläßlich bei jüngsten Brandes und der bei solchen Geüegenhesten zusammenströmenden Menschenmassen kam es zu tumultuarischen Scenen. Die berittenen Gendarmen sollen er die auf den Bürgersteigen stehenden Neugierigen hineingeritten und hierbei mehrere Personen verletzt worden sein. Herr Architekt Schulz. Wilhelmstr. 11 er- sucht durch Aufruf in der Ortszeitnug alle zu Schaden Gekommenen. sich bei ihm zu melden, damit Beschwerde wegen dieser Borkommnisse eingereicht werden; kann. Rixdorf. Der Arbeiter Paul Brecker. welcher, wie berichtet. im Schiffahrtskanal eine Probe seiner Schwimmkunst ablegen wollte und dabei um ein Haar ertrunken wäre,, hat seinen Leichtsinn doch noch mit dem Tode büßen müssen. Er verftzarb in der städtischen Krankenanstalt an Herzlähmung.— Die bekannte Deutsche Gummi- und Guttaperchawaren-Fabrit vormals Volpi u. Sckilüter. Maybach- Ufer 7/9, ist in Konkurs geraten.— Eimen Selbstmordversuch machte der Magistrats afststent Otto Steinbach, Knesebeckstr. 65 hier- selbst, indem er sich mit einem alten Militärgervchr einen Schuß in der Herzgegend beibrachte. Schwerverletzt wurde St. nach dem Krankcnhause geschafft. Die Gründe der That sürd unbekannt.— In der Wohnung des Droguisten Franke, Hermannstr. 161, ex- »kodierte aus nicht ermittelter Ursache ein Poster Fenerwerkspulver. Durch den Luftdruck wurde eine Rabiywand eingedrückt. Das gleichzeitig entstandene Feuer konnte mit Leichtigkeit gelöscht werden. Ans Grnud einer Beschwerde von vier Berliner Schutzmännern, luelche kürzlich zur Kur in der Lungenheilstätte zu Rathenow untergebracht waren, hat dieser Tage dortsclbst eine unvermutete Revision durch den Generalsekretär des Vereins von, Roten Kreuz, Oberstabsarzt a. D. Dr. Nictner iBerlin) statt- gefunden. Die vier Schutzmänner hatten sich, so nieldet eine Pots- dmner Korrespondenz, beim Polizeipräfidium nicht mir über das Essen und die sonstigen Emrichtungen der Anstalt, sondern auch darüber bcfchlvert, daß sie aus ärztliche Anordmrng Hausarbeiten verrichten mutzten. Ganz besonders fühlten sie sich aber in ihrer SchutzmannSehre gekränkt, weil sie mit Socialdemakraten zusammen kuriert wurden. Was mm die Arbeiten anbelangte, welche die Schutzmänner täglich eine Stande lang verrichten mußten, so wurde festgestellt, daß dies lediglich angeordnet war, um die Rekonvales- centen gesundheitlich widerstandsfähiger zn machen. Im übrigen sprach sich der Inspizient äußerst lobend über die Lungenheilstätte aus und erklärte sämtliche Beschwerdepunkte für grundlos. Bon einem Berliner Nimrod angeschoffe» wurde bei einer Wasserjagd ans der Havel ein Flößer, welcher sich mit seinen Kollegen am Ufer in der Nähe der Kaltenhaufenschen Ziegelei bei Plaue zum Frühstück niedergesetzt hatte. Mehrere Berliner Herren, welche dort schon seit Jahren die Wasserjagd gepochtet haben, schössen nun von einem Kahn aus nach Wildenten, ohne die Flößer zn sehen. Einer derselben, welcher aus Havelberg gebürttg war. erhielt dabei ein Schrotkorn ins Auge, ein zweites in den Hinterkops und urnrde zunächst nach Plaue zu einem Zlrzt und dann in seine Heimat befördert. Man hofft, die Sehkraft des Auges zu erhalten. Einem zweiten Flößer wurde der Hut durchschossen. fängnis. Der Gerichishof berücksichtigte, daß der Angeklagte in angetrunkenem Zustande gehandelt und beließ es bei einer Ge- fängnisstrafe von sechs Wochen. Ein notleidender Hausbesitzer. Als der Schaffner B. an einem Maitage d. I. ans dem Bahnhof Groß-Görschenstraße die Fahr- karten abnahm, fiel ihm ein Mann ans, der in seinem Aenßern den Eindruck eines Arbeiters machte und auch auf eine Arbeiterkarte fuhr. Der Mann kam dem Schaffner bekannt vor, er wußte äugen- blicklich nur nicht, wer es war. Plötzlich kam ihm die Erkenntais, daß es sein Nachbar, der Hausbesitzer Conrad ans Schöne- bcrg sei, der vier Gespanne besaß und in dem Rufe stand, ein wohlhabender Mann zu sein. Dies reimte sich mit seiner Arbeiter- kleidung und der Arbeitersahrkarte schlecht zusammen. Der Schaffner ließ seinen Nachbarn feststellen, de, eine Anklage wegen Betruges erhielt, weil er zu Unrecht eine Arbeiterfahrkarte benutzt hatte. Conrad wurde vom Schöffengericht auch zu 30 M. Geldstrafe ver- urteilt, da erwiesen wurde, daß er thatsächlich ein wohl- habende. Mann war, der 300 M. Einkommensteuer zahlte. Conrad legte Berufung ein. Die erste Ferienstrafkammer des Land- gerichts II verwarf gestern die Berufung, da sie mit dem Schöffen- geeicht der Ansicht war, daß ein Mann in der Vermögenslage des Angeklagten keinen Anpnich auf die Preisermäßigung habe, die nur den Arbeitern zu gute kommen solle. Versammlungen. Gericdts-Leitung. Em Unhold, der hauptsächlich Kinder in schändlicher Wesse be- lästigte, stand gestern wegen Erregung öffentlichen Aergernisses vor der ersten Kerienstrafiammer des Landgerichts IL Es war der Arbeiter Ancnist G o« r i ck e, der bereits zweimal wegen des gleichen Vergehens mit vier bezw. sechs Monaten Gefängnis vorbestraft sst. Derselbe trieb fich am 10. Juni in der Nähe des HermSdorfer Sees umher. Beim Anblick einer Schar Kinder, die auf der Wiese spielte, überkam ihn wieder seine frühere strafbare Neigung, er entblößte sich in schamloser Wesse und erschien plötzlich unter der Kinder- schar, die schreiend anseinaaderstob. Der Angeklagte lief noch eine Strecke weit hinter einigen Kindern her, wurde dann ade, von zwei des Weges kommenden Personen festgenommen Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten ein Jahr Gefängnis und l�ei- jährigen Ehrverlust. Ter Gerichtshof erkannte auf neun Monate Gefängnis und zweijährigen Ehrverlust. Einen kritischen Tag erster Ordnung hatte der Schneider Max Teltow am 10. Januar d. I.. einem Sonntage. Er hatte sich gestern wegen Körperverletzung. Beleidigung und Sachbeschädigung vor dem Schöffengericht zu verantworren. An dem genannten Tage kam Teltow schon des Vormittags schwer betrunken nach Hause. Bald nach seiner Heimkehr erhob sich in seiner Wohnung ein fürchterlicher Tumult. Zunächst mißhandelte der Angeklagte seinen Hund in so starker Weise, daß die Klagelaute des Tieres das ganze sonntäglich stille Haus durchhallten und es noch Nachmittags wie leblos dalag. Nachdem der Angeklagte diese Arbeit verrichtet hatte, prügelte er seine Ehefrau in sa maßloser Weise, daß nun deren Geschrei und Hilferufe das Hans durchgellten. Die empörten Hausbewohner liefen nun zum Vertoalter, dem Kriminalschutzmann Saßmann, damtt dieser für Ruhe sorge. Als dieser an die Thür der Teltowschen Wohnung klopfte, stürzte der Angeklagte heraus. Auch Saßmann erhielt von ihm Prügel. Zwei Kinder eines andern Hausbewohners, lvelche gerade die Treppe herunterkamen und sich in die Sonntagsschule begeben wollten, fürchteten sich infolge des Tumults, das HauS zu verlassen, liefen vielmehr zu ihrem Vater zurück und erzählten diesem, daß Teltow auf der Treppe den Ver- walter schlage. Ihr Vater begab sich herunter, um Ruhe zu schaffen. Er erhielt seine Prügel und außerdem wurden ihm von dem Wütenden die Kleider zerrissen. Der Skandal erreichte erst sein Ende, cls Teltow endlich in seine Behausung zurückkehrte und bald darauf in einen wohlthättgen Schlaf verfiel. Der Staatsanwalt Berband der städtischen Arbeiter. Der Besuch der letzten Mit- gliederversammliing war ein mäßiger. Genosse Hermann Schubert hielt einen Vortrag über das socialdemokratische Kommunalprogramm und die Forderungen der städtischen Arbeiter. Ter Referent besprach eingehend die Vorgeschichte und den Inhalt des dem Parteitage zu Bremen vorgelegten Programm-Entwurfes. Er gab am Schlüsse seiner beifällig aufgenommenen Ausführungen der Hoffnung Ausdruck, daß die Bremer Verhandlungen mit dazu beitragen möchten, die kommunale Socialpolitik im allgemeinen günstig zu beeinflussen. Ebenso hoffe er, daß der Parteitag bei seinen Beschlüssen über das Kommunalprogramm auch des Koalitonsrechtes der Gemeinde-Arbeiter gedenken möge, das in dem bis jetzt vorliegenden Entwurf nicht berücksichtigt sei. An manchen Beispielen ans der Praxis konnte der Referent nachweisen, daß eine große, starke Organisation auch für die städtischen Arbeiter un- erläßlich ist. Das Thema des Abends gab ihm auch Gelegenheit, kurz nnsre Takrik und die in unscrm Verbandsgebiete aus- gebrochenen Grmrzjtreiligkeiten zn beleuchten, wobei er sich ans den Standpunkt des Verbandsvorstandes stellte. In der umfangreichen Diskussion wurde mehrfach die Notwendigkeit betont, den Gemeinde- Arbeitern mehr die Sicherheit ihrer Existenz zu verbürgen und die Arbeiterausschüsse zu respektieren. Zum Schlüsse wurde die Matz- regelung des Kollegen Hanschke von der Imperial Conttnental Gas Association erörtert und ein Schreiben der Direktion verlesen, in welchem diese abermals versicherte, daß wegen Ausübung des Koalitionsrechtes kein Arbeiter entlassen würde, und trotzdem, so führte der Sektionsführer der englischen Gasarbeiter aus, sei die Entlassung des H. unter Umständen erfolgt, die entschieden als Matz- regelung anzusehen sei. Die Hauptschuld an den Zwistigkeiten zwischen Direktion und Arbeitern trage der sattsam bekannte In- spektor Rehkopf. Dieser habe sich vorgenommen, alle organisierten Arbeiter aus Arbeit zu bringen. Die Anwesenden äußerten in nicht mitzzuverstehender Weise ihre Entrüstung über dies Gebaren. Tie Arbeiter-Baugenossenschaft„Paradies" zu Verlin hielt dieser Tage ihre 2. ordentliche General-Versammlung im Gcwerkschaftshause ab. Der Etat der Genossenschaft hat sich in einem Jahre von ca. 10 000 M'k. aus ca. 255 000 Mk. vermehrt.— Bei der Vorstands- wahl wurden einstimmig wiedergewählt Gen. G. Koßka 1. Bor sitzender. Gen. E. Liebe 1. Schriftsichrer, Gen. P. Stempel I. Kassierer und Gen. Schulz Beisitzer; neugewählt wurden Gen. Kreuer 2. Bor- sitzender. Gen. Mescha 2. Kassierer und Gen. Schmidt 2. Schrift- führer. Das Resultat der Ergänzungswahlen zum Aufsichtsrat ergab die Wiederwahl der Gen. Mitschewski und Franke und Neuwahl der Gen. Fleck und Peschel. Als Ersatzmänner wurden gewählt die Gen. Jaschinski, Pauli und Zimmermann. Freireligiöse Gemetade. Sonntag, den 14. August, vorm. 8>/,Udr, in der Schul-Aula. Kleine Frankfurterstt. 6: Bersammlung. Freireligiöle Vorlesung. Um lO*/, Uhr vormittags ebendaselbst: Bortrag des Fräulein Ida Ritmann:„Aus dem Seelenlande". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Verein ehemaliger Gütergotzer(zur Bekämpfung der Tuberkulose). Sitzung Sonnabend, oen 13. August, abends 9 Uhr, im Musikerhause, Kaiser Wilhelmstr. 18 m. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht der Borstand. VernrifcKtes. BHefhaftoi der Redaktion. T. Sch. 1. Heißt jetzt»Der sreie Arbeiter"; Naunvnstr. 68. 2. Anfragen bei dem Vertrauensmann oder Abgeordneten des Kreises.— C. SS. Beides richtig: Entweder Strang oder Sibirien.— Seestrafte. Die Adresse ist uns trotz vieljacher Bemühungen unbekannt geblieben, ebenso die von Ihnen erwähnte Verlagsanstalt. Etwas Aehnliches veröffentlichten zuerst kleine MissionSblätter und auch der.Reichsbote". Nähere AuSkuust können wir leider nicht geben— R. R. Nein.— H. M. SS. 1—4. Sie thun wohl, in einem guten Geschäft fich darüber direkt zu orientieren.— M. H. 4. Nein.— S. Z. Nicht bekannt; viell-icht in einzelnen Exemplaren da und dott vorhanden.— Schönhauser Allee. Diese Vereinigung kennen wir leider nicht.— St.®ch. Ja. — Basel. 1. Rein 3. Nein.— Trier. Sie haben den Ausschnitt nicht beigejügt. Wenden Sie fich an nnsre Buchhandlung. Adresse die gleiche. — laa, 31. 1. Nein. 2. Ja.— 3475. Wenden Sie sich gefälligst an aeeigucle Fachleute.— B. P. 3. Ganz sicher.— Japan. Knrokipacktin ist Ulknamc sür Ztaropatkin, weil er von Kirroki sottdauernd in unangenehmer Weife gefaßt wird.— Skatklub„Hoffnung"'. 1.— 5. Wenden Sie sich an den Statklub„Maiglöckchen", und zwar an Herrn Stenzel, Schwedterstraße 32. 6. Vier. 7. Fragen Sie nach in der Familie W. L. 8. Drechsler, lieber persönliche, private und samiliäre Angelegenheiten er- teilt der Briefkasten nicht Auskunft. Junkrikcfter C«il. Die juriftisch««»rechftnnd» findet täali» mitZiuSnatzm, de« Sonnadcud« von 7>t,»tS Sst, Uhr abend« statt,«eoffvet: 7»br. E. B. 200. Stirbt Ihr Mann ohne Tejtamettt, so find Sie und die Eltern, Geschwister oder Ecschwisterkind-r Ihres Mannes Erben. Sie erben die eine Oälfte, die andern Erben die andre Hälfte deS Nachlasses. Aber Sie erhalten überdies als Voraus alle Gegenstände, die zum ehelichen Haushalt gehört haben, und die HochzeitSgefchenke. Es empfiehlt fich, daß Ihr Mann eine testamentarische Verfügung trifft. Tieft hat zu lauten beantragte wegen der groben Ausschreitungen sechs Monate Ge,.Berlüi, den 12. August 1304. Hiermit setze ich meine Ehefrau als alleinige Ein russischer Thronfolger. Den, Zaren, dessen Ehe bisher nur vier Töchter entsprossen waren, ist am Freitag ein Sohn geboren worden, der bereits den Namen Alexis empfangen hat. Der Fluch des Selbstherrschers wird diesem Thronerben jedenfalls erspart bleiben. Einsturz eines Lmigrrnstes. Beim Neubau des Elbhofs am Steinhoeft in Hamburg erfolgte am Freitagmittag etwa um 12 Uhr 25 Minuten der Einsturz des ungefähr 30 Meter hohen Gerüstes. Es wurde durch den stürmischen Wind umgeweht und fiel über die Straße. Zwei Passanten wurden getötet, ungefähr 20 bis 25 Personen— Passanten und ans dem Bau beschäftigte Arbeiter— sind teils schwer, teils leicht verletzt. Ein größeres Unglück wurde dadurch verhütet, daß der Einsturz des Gerüstes gerade in der Mittagspause erfolgte, in der die Arbeiter nicht am Bau thätig waren. Mehrere Aerzte und andre Personen waren zur Hilfeleistung sofort zur Stelle. Die Feuerwehr traf mit mehrerei, Zügen ein und hatte nach etwa einstündiger Thätigkeit die Aufränmungsarbeiten soweit beendet, daß der bis dahin unter- brochene Straßenverkehr wieder aufgenommen werden konnte. Erbin ein." Folgt volle Unterschrift. Dies Testament ist gültig, wen» eS von Ansang bis zu Ende selbst ge- imd unterschrieben ist. Die Unterschrist hat unter dem Testament, also nicht etwa neben der letzten Zeile zu stehen. Beglaubigung, Zeugenunterschrist und dergleichen ist nicht erforderlich. — Zt. W. 52. Der zweiten Ehe eines Witwers oder einer Witwe muß eine Auseinandersetzung mit den Kindern erster Ehe nur dann vorangehen, wen» die Kinder minderjährig, oder aus irgend einem Grunde (z. B. wegen Schwachfinnigkeit) bevormundet find. Die Volljährigkeit wird ohne Unterschied des Geschlechts mit dem vollendeten 21. Lebensjahre er- worden. Stach kann man aus Antrag durch die Vormundschastsbehörde schon vom vollendeten 18. Lebensjahre ab für volljährig erklärt werden. — A. S. X. X. Die Kinder beerben in Gemeinschaft mit ihrer Sties- Mutter ihren Vater. Eine mündliche Anordnung des Vaters über die Art der Nachlaßregulierung u. dgl. ist mcht rechtsgültig. 2. Nein.— R. 23. Ja. Tffchlcrci gehört in Berlin zu den ZwangSinnungs-Gewerbcn. Der Zwangsinnung sind in Berlin folgende achtzehn Gewerbe unterstellt: Drechsler, Glaser, Goldschmiede, Korbmacher, Kupferschmiede, Maler, Posa- mentiere und Knopftnacher, Sattler, Riemer und Täschner, Schmiede, Schneider. Schornsteinseger. Schuhmacher, Steinsetzer, Stell- und Rade- macher, Tapezierer, Tischler, Töpser sowie Zeug- und Raschmacher. — Ungar. Der in Deutschland naturalisierte Ausländer hat alle Rechten und Pflichten wie ein Deutscher, also auch das Wahlrecht und die Militär- Pflicht. Der Antrag aus Naturalisation ist an die Polizeibehörde zu richten. Ein Recht auf Naturalisation steht einem Ausländer i Nichtdeutschen) nicht zu. Zur Heirat bedürfen sie des Ausweises, daß nach Ihrem Heimatsrecht Bedenken"gegen Ihre Ehe nicht obwalten. Wenden Sie sich an die Boss'chast Ihres Landes, diese bezeichnet Ihnen die Behörde, die den Ausweis erteilt. — G. 91. 52. eic haben lein Recht, über die von dem Mädchen zurück- gelassenen Sachen zu verfügen, müssen die Sachen vielmehr ausbewahren. Wird Ihr SchadcnSersatzanspruch von dem Mädchen nicht anerkannt, so haben Sie nur wie jeder andre Gläubiger das Klagerecht. Die Aneignung der Sachen kann als Unterschlagung betrachtet werden WttterungSubersicht vom IS. August 1004, morgen« 8 Uhr. Stationen 755 756 iS» Swinemde. Hamburg Berlin 758 NW Frnnkf.a.M. 763 SW München 765 W Wien s76l> W L S 5 c C-S c c 1 1 Sf SW Setter sbedeckt 5 heiter 5 wolkig 4wolkenl 4 bedeckt 2w olkig am S? H S- Stattonen SE 2 S 2= Haparanda Petersburg Cork Aberdeeu Paris - 3 SS 758 S 763| SSB 758 WNW 766 SSW B Wetter 4 heiter 1 wolkeul 3 heiter 2 wölken! am n ä II S t» w& 12 12 10 14 Wetter. Prognoir für Sonnabend, den 13. Augnst 1904. Ziemlich kühl, meist heiter, zeitweise ttübe bei müßigen Westwinden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WM tier Blieb- M Slein- ömekerei- Rillsarbeiter- mi Meiterinneii Deutsebianiis. Ortsverwaltung Berlin. Zahlstelle II(Hilksarbeiter). TodeHnnscixe. Am 9. d. M. starb nach schwerem Leiden unser langjähriges Mit- glied, der Hilfsarbeiter Emil Schulz Im Alter von 54 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 36/11 Der Borstand. Qeulscties Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todcn-Anzciecn. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglieo, die Metallarbeiterin Fmu Düsterhofft am 10. d. M. gestorben ist. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. halle»es Neuen Jakobi-KirchhoseS in Britz aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. r>teckruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Goldschmied K�mil Bartel am 7. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l 113/10 Die Ortsverwaltung Statt besondtrer Anzeige. Allen Freunden und Betannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Bildhauer 304b Richaril Kummer im 46. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden am 11. August sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. August, nachm. 2'/. Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalemer Kirchhofs in Rixdors, Hermann- sttaße 84—90, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen Bertha Kummer. Johanna Kummer. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unfres unvergeßlichen VaterS sagen wir allen Verwandten und Bekannten. insbesondere dem Moabiter Theater- und Sparverein Urania, den Partei- genossen des 632. Bezirks, sowie dem Hauswitt nebst Hausgenossen Witt- stockerstraße 18 meinen tiesgesühltestcn Dank. 313b Frau Marie Pawlowski nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Freunden und Genossen, besonders den Kollegen der A. E.-G. meinen herzlichen Dank. 5973L Frau Elise Barths. Wer-Stofi-hat, fertige Herrenanzug, feinste Zuthatcn, 2 Anproben. Für guten Silz bekam gold. Medaille, lindwlg Engel, Prenzlauerftr. 23, II.(Alexander- platz).— Gegründet 1892. 3116 Arbeiter- Radfahrer- Bund „Solidarität46 Sitz Frankfurt am Slaln, Schlcnscnstrasse 11. Es find in letzter Zeit in mehreren Blättern Inserate erschienen, in welchen zum Beitritt zu dem sogenannten Arbriter-Radsahrerbund.Freiheit" ausgesordett wird. Der milerzeichnete Vorstand des 1836 gegründeten und jetzt 21 000 Mitglieder zählenden Arbeiter-RadfahrerbundeS.Solidarität" erllätt hierdurch, daß er mit diesem Bund.Freiheit" in keiner Beziehung steht und daß der Bund.Freiheit" zu einer Täuschung und Jrresührung de« Publikum» Anlaß giebt, indem derselbe ein Abzeichen gewählt hat, welches dem unsren ähnelt und von Uneingeweihten sür da» unsrige ge- halten werde» kann, sowie dadurch, daß die Einrichtungen deS Bundes .Freiheit" samt und sonderS auS dem Hrbeiter-Radsahrerbund.Solidarität" entnommen resp. diesem nachgeahmt find. Daß aber der neugebackene Bund.Freiheit" daS halten kann, was er in den Inseraten anpreist, ist direkt zu verneinen. Die Mit gliederzahl dieses Bunde» dürste 150 nicht übersteigen. ES ergiebt dies bei einem Beitrag pro Mtglied und Monat von 20 Ps. die horrende Einnahme von 30 M. im Monat. Und von dieser gewaltigen Einnahme soll Unfallunterftützung von S— 3 M. pro Woche ge. zahlt werden. ES dürste damit die Unmöglichkeit erwiesen sein, daß der Bund seine Versprechungen halten kann.'' Wir fordern deshalb die Arbeiler-Radsahrer aus zum Bellritt in den Arbeiter-Radsahrerbund.Solidarität", welcher 1896 gegründet, heute 2l 000 Mit- glieder zählt, im Jahre 1903 einen Umsatz von 42 690,59 M. und hatte w der- selben Zeil 5014,20 M. an Unsallunterstützung an seine Mitglieder zur Aus. zahlung brachte. 13/13« Die Geschäftsleitung. Philipp Althaus. Heinrich Sachs. Pttanftv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin, Für den Inseratenteil vermstw.:Th. Glocke, scrlm. Druck u. Verlag: BorivärtS BuKdruckcrei u. Verla-zsanstalt Paul Stager&. Co., Berlin SW, Nr. 189. 21. 2, KeiW des JoriMtb" Ittliwi Holblilrt. Ssmabend, 13. August 1904. Schutzzollpolitik und soeialdemokratische Arbeiterpolitik. Endlich hat Schippe! die lange Artikelserie beendet, mit der er auf die Aufforderung unsrer Reichstagsfraktion, in„klarer, unaufecht- barer Weise" seine„grundsätzliche Stellung" zu den Agrarzöllen darzulegen, am 3. Mai in der Chemnitzer„Volks- stimme" begonnen hat. Die Mittwochs- Nummer des Blattes brachte den Schluß der sich durch ihren enormen Umfang aus- zeichnenden, 47 Spalten füllenden Auseinandersetzung. Zunächst zeigte bekanntlich Schippel weing Neigung, dem von der Reichstags- fraktion gefaßten Beschluß nachzukommen; noch am 6. April erklärte er auf der sächsischen Landeskonferenz zu Chemnitz: „Die Fraktion hat mich aufgefordert, mich über diese Zollfrage einmal gründlich auszusprechen; das ist nicht leicht, denn ich habe mich schon oft darüber ausgesprochen, und klarer als früher könnte ich es kaum thun. Aber ich will es doch versuchen. Zunächst muß ich mir aber doch überlegen, ob ich den Fraktionsbeschluß anerkenne; auch zu dieser Ueberlegung bedarf ich einiger Zeit. Ich kann auch verlangen, daß der Fraktionsbeschluß vom Partei- tage aufgehoben wird; ob ich das thun werde, weiß ich noch nicht bcltimmt." Die Aufnahme, die diese Aeußerung in der Parteipresie fand, veranlaßte jedoch Schippel schon nach einigen Tagen, seine Haltung aufzugeben. Unter dem 12. April richtete er an den„Vorwärts" eine Zuschrift, in der er erklärte:„Um weiterer, ganz überfliissiger Ereiferung vorzubeugen, möchte ich hiernnt an- kündigen, daß ich nächste Woche mit einer Artikelserie über die Zoll- frage in der Chemnitzer„Bolksstimme" zu beginnen gedenke"; eine Erklärung, an die er zugleich die nach den voraufgegangenen Dis- kussionen— speciell den Artikeln Kautskys im„Vorwärts"— befremdende Bitte knüpfte, die verschiedenen Parteiblättcr, die sich mit seinen Auslassungen beschäftigt hätten, möchten Punkt für Punkt bestimmt und klar sagen, welche seiner früheren Aeußerungen„sie eigentlich parteiwidrig" fänden, damit er nach dieser Aufforderung vielleicht endlich„etwas Greif- bares" erfahre. Einige Wochen später, am 3. Mai, begann Schippel dann that- sächlich mit seinem ersten Artikel über die„Arbeiterklasse und Handelspolitik" in der Chemnitzer„Volksstimme", dem in längeren Zwischenräumen weitere folgten. Einzelne Parteiblätter haben den Abschluß der Serie nicht abgewartet, sondern mit der Krittk bereits begonnen. Wir haben trotz mannigfacher Anzapfungen bürgerlicher Blätter damit bisher gezögert und uns auf einige kurze Zurück- Weisungen Schippelscher Ausfälle beschränkt— erstens weil wir den Vorwurf abschneiden wollten, Schippel ins Wort gefallen zu sein, ehe er noch zur abschließenden Darlegung seines Standpunktes gelangt sei, und zweitens, weil die von Schippel ver- öffentlichten ersten Artikel die Fratze, deren Beantwortung der Fraktionsbeschlutz forderte: nämlich die Stellungnahme Schippels zu den Agrarzöllen, kaum streiften, sondern sich als allerlei nebensächliche historische Reminiöcenzen, persönliche Ausfälle gegen frühere Wider- sacher usw. darstellten. Aus einzelnen in diesen erste» Arttkeln ent- haltenen Aussprüchen und Prämissen aber irgend welche Konsequenzen in Bezug auf die schließliche Stellungnahme Schippels zur Agrarzoll- frage zu ziehen, erschien uns in Anbetracht der Eigenheiten seiner Argumentationsweise als äußerst bedenklich. Nachdem Schippel in seiner vor vier Jahren erschienenen Schrift über die Grnndzüge der Handelspolitik fast 3o0 Seiten lang mit agrarischen Zollargumenten in einer Weise hantiert hatte, daß seine schließliche Anerkennung der Notwendigkeit hoher Getreidezölle als unausbleiblich er- schien, er dann aber zum Schluß diese Zölle doch, und zwar nicht aus irgend welchen wirtschaftspolittschen Gründen, sondern lediglich unter Berufung auf die Bersttmmnntz der Arbeiter abgelehnt hatte, vermochten wir nicht für ausgeschlossen zu halten, daß auch diesmal dcrarttge Ucberraschungen folgen könnten— und, wie die beiden letzten Artikel der Serie beweisen, mit Recht. I. Um was handelt es sich? Schippel beginnt seine Artikelserie mit einer Reihe„persönlicher Vorbemerkungen", in denen er es in Hinblick auf den Frattions- beschluß als„etwas Beschämendes" bezeichnet, von neuem einen Standpunkt darlegen zu müssen, den er schon vor sechs und sieben Jahren vertreten habe. Auch damals hätten zweifellos seine Anschauungen die Majorität in den Parteikreisen gegen sich gehabt, doch hätte man niemals gewagt,„auch nur anzudeuten", daß sie„den Rahmen der Parteigrundsätze" überschritten: „Was man beanspruchte, war vielmehr nur, was man im Partei- leben von jeder Minorität erwarten darf, die auch einmal Partei- mehrheit werden kann und naturgemäß stets iWehrheit zu werden strebt: Anerkennung der Verbindlichkeit von Mehrheitsbeschlüssen in Fragen der Handels- politischen Praxis— und kein geflissentliches, herausforderndes Hervorkehren auch an sich erlaubter MeinungS- abweichungen, so lange wie dadurch das von der Parteimehrheit, gleichviel ob irrttimlich oder zutteffend gewählte taktische Aorgehen durchkreuzt und vollkommen zerstört werden kann. Oder vielmehr, man sah früher nicht die geringste Ursache, überhaupt irgend etwas von mir zu beanspruchen, denn ich wüßte nicht, wann. wie. und wo ich mir in krittschen Momenten nicht selber und freiwillig die peinlichste Zurückhaltung auferlegt hätte. Manchmal glaube ich sogar, daß etwas weniger Reserve meiner- seitS für die parlamentarische und politische Stellung der Partei und der ReichstagSfrattion dienlicher gewesen wäre— so beim ersten Auftauchen der Obstruktionsempsehlungen und ihrer Be- gründung. Während gewisser krittscher UebergangSzeiten MeinungS- abweichungen nicht geflissentlich, zum Gaudium der Gegner, an die breiteste Oeffenllichleit zu zerren, sie nicht sofort in jedem Augenblick unter großem Spektakel auszuklopffechten, ihre Erörterung vielmehr bis zur Rückkehr normaler Zeiten zu vertagen oder vor- läufig aus engere Zirkel zu beschränken— diese Pflicht gilt selbstverständlich nicht minder für die Majorität und ihre Wortführer. Und hier möchte ich im voraus jede Verantwortlichkeit für die mir nunmehr aufgezwungene Diskussion ablehnen." Die Behauptungen, mit denen in dieser Weise Schippel beginnt, sind fast in allen Teilen unrichtig. Richtig ist nur, daß Schippel auch früher schon, vor sechs, sieben Jahren, fchutzzöllnerische Ansichten geäußert hat, wenn auch nieist in nicht deutlich feine Auffassung enthüllender Form. Diesen gelegentlich geäußerten Auffassungen Schippels entgegenzutreten und sie als im Widerspruch mit oen Partcigrundsätzen zu kennzeichnen, hatte aber weder die Parteipresse noch die Fraktton Veranlassung, da damals die Zollfrage für unsre Partei noch einen rein theoretischen Charatter hatte. Niemand ivußte, wie der neue Tarif ausschauen, welche Forderungen er erheben und mit welchen perfiden Mitteln die Ver- treter des Junkertums und der Großindustrie den Kampf führen würden. Es handelte sich also bei jenen Aeußerungen nicht un, bestimmte konkrete Tarif- und Zollfragen, sondern ganz all- gemein um die Frage, ob vielleicht eine gewisse Dosis Schutzzoll nicht unter bestimmten Verhältnissen auch der Arbeiterschaft nützlich sein könne. Die Bejahung dieser Frage aber als einen Verstoß gegen die Parteigrundsätze hinzustellen, wäre absurd gewesen. Wohl konnten Schippels gelegentliche Aeußerungen als verkehrt bekämpft werden. und thatsächlich sind sie, wie auch Schippel selbst zugesteht, schon damals auf starken Widerstand in den Parteikreisen gestoßen; als. p a r t e i w i d r i g", um Schippels Ausdruck zu gc- brauchen, konnten sie jedoch nicht gelten, wenigstens so lange nicht, als es sich bei jenen Erörterungen ledig- lich um die Frage industrieller Schutzzölle handelte, denn die Frage:„industrieller Schutzzoll oder reiner Freihandel?" ist keine socialdemokratische Principienfrage. Unser Programm verlangt absolut kein Bekenntnis zum reinen Freihandel. Das Eintreten für Agrarzölle ist allerdings ausgeschlossen, denn im Erfurter Programm heißt es deutlich:„Abschaffung aller indirekten Steuern, Zölle und sonstigen wirtschaftspolittschen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit opfern." Daß aber unter solchen Zöllen ganz besonders die Fleisch-, Vieh- und Getreidezölle usw. zu verstehen sind, ist zweifellos und überdies deutlich in den: von Kautskh und Schoenlank verfaßten offiziellen Kommentar zum Parteiprogramm(Seite S3) ausgesprochen. Für Agrarzölle aber hat in jenen Jahren Schippel nirgends plädiert. Im Gegenteil, auf dem Stuttgarter Parteitage, auf dem Schippel über die deutsche Zollpolitik referierte, beantragte er folgende gegen jegliche Agrarzölle gerichtete Resolutton: „Das Interesse der deutschen Arbeiterklasse erfordert auch für die Zukunft nicht nur die möglichste Sicherstellung unsrer Ausfuhr, durch umfassende vertragsmäßige Bindung der AuslandSzölle. sondern auch die weitere Ermäßigung und schließliche Aufhebung aller unsrer Lebens- mittelzölle, Ivelche gerade die ärmsten Schichten der Be- bölkerung am schwersten bedrücken und in der Erhöhung ihrer Lebenshaltung hemmen. Jeden Versuch der vereinigten Industrie- und Agrar-Hochschutzzöllner, die notwendige Revision unsrcs Zoll- tarifs zu neuen Zollsteigerungen zu benutzen, wird die Partei mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen als einen Beutezug gegen die deutschen Arbeiter und Konsumenten, der zu dem das Alisland zu feindlichen Gegenmaßregeln herausfordern und zu erbitterten Zollkriegen führen muß." Schippel sprach sich nur in seinem Korreferat für einen gewissen bedingten Jndustrieschutz aus, wie er denn auch selbst eine Abweichung seiner Resolution von der KautSkyschen ausschließlich darin fand, daß Kautskys Resolution die Partei allgemein gegen Lebensmittel- und Jndustriezölle festlegen wolle, seine Resolution aber nur allein gegen die Lebensmittelzölle.—„Meine Resolution", erklärte er damals(Protokoll S. 184),„unterscheidet sich dadurch, daß sie uns nur fe st legt gegen die Lebens- mittelzölle." Heute versichert Schippel, daß seine jetzigen Ansichten über die Grundrente und Agrarzölle bloße Erweiterungen der von ihm in Stuttgart verttetenen Gedanken sind,*) und demnach erscheint eS als nicht ausgeschlossen, daß Schippel bereits zu jener Zeit zur Ueber- zeugung gelangt war, die agrarischen Getteidezollforderungen seien mehr oder Iveniger als„Heilmittel im Rahmen der bürgerlichen Politik" berechttgt. Niemand aber durste und konnte damals an- nehmen, daß Schippel, wenn er theoretisch für Agrarzölle sei, in der Praxis sich dazu verstehen könne, eine Resolution gegen sie einzubringen. Zu solcher Folgerung war man um so weniger berechttgt, als noch drei Jahre vorher Schippel in seinem Korreferat über den Programm-Entwurf der Agrarkommission sich auf dem Breslauer Parteitag in heftigster~ man kann sagen rabiatester Weise gegen den sogenannten Bauernschutz ausgesprochen und die„socio listischen Agrarier"(Vollmar, Schoenlank, David. Ouarck, Katzen stein) als Charlatane verhöhnt hatte. Damals, also nur drei Jahre vor dem Stuttgarter Parteitag, hatte er noch gesagt: „Wenn nun die Leute, die hier an der Partei herumdoktern wollen, so wenig Ueberlegung und Gewissen- haftigkeit haben, daß sie so tiefeinschncidende Forderungen der Gegner ohne näheres Besehen sich aneignen— vielleicht sogar nicht einmal wissen, wessen Geschäfte sie in ihrer geringen Vertrautheit besorgen— dann glaube ich, ist es doch am Platze, der Katze die Schelle anzuhängen, um zu zeigen, wohin wir treibe n."(Protokoll S. 109.) Und weiter(Protokoll S. 110): „Gerade die jüngeren Genossen, die in kleinbäuerlichen Bezirken wirken und den Anschluß der Kleinbesitzenden an unsre Bewegung nicht erwarten können, möchte ich warnen, den Teufel der antisemitisch-agrarischen Bewegung mit dem Beelzebub eigner agrarischer Forderungen austreiben zu wollen. W i r wollen keine politische Charlatanerie; wir wollen nicht mit ausgeheckten Wundermitteln die erlrankte Menschheit von allen Gebrechen kurieren." Von diesen Anschauungen und der Charakterisierung der social demokratischen Partei als eine ausschließliche„Partei der besitzlosen Arbeiter", von der Verwerfung alles Bauern schutzes, jeglicher Konservierung der Zwergbetriebe(Vergl. S. 173 des Protokolls), bis zu der Ansicht, daß das ostelbische feudale Großgrundbesitzertum ein Anrecht auf die Steigerung seiner Grund renten und Güterpreise hat, ist für normal veranlagte Menschen ein so weiter Weg, daß in Stuttgart der Gedanke, Schippel hätte in- zwischen diesen Weg zurückgelegt, kaum auftauchen konnte. Seine Ausführungen auf dem Stuttgarter Parteitag über die Nützlichkeit eines Zollschutzes unter gewissen Bedingungen konnten als? nur auf den Jndustrieschutz bezogen werden, und in dieser Beschränkung ließ sich, falls man sich nicht auf den englischen Freihandels- standpunkt stellte, rein principiell nichts gegen sie einwenden, wenn man auch auf Grund der gegebenen Verhältnisse zu andrer Auffaffung wie Schippel kommen mochte. So sagte er z. B.: „Die Arbeiter(der verschiedenen Länder) müssen eine sehr ver- schiedene Stellung einnehmen. Wo die Industrie sich erst entwickeln soll, da sind die fortschrittlichen Elemente der Arbeiterklasse immer schutzzöllnerisch, wo die Industrie aber stark und mächtig ist, da werden sie immer freihändlerisch sein, aber internationale Frei- Händler können wir nicht sein. Wir können es den jungen Staaten, den kolonialen Freistaaten z. B.. nicht verloehren Ivollen, ihre Industrie mit Hilfe der Schutzzölle zu entwickeln, daher können wir keine Propaganda für den internationalen Freihandel treiben. Wir würden bei Erfüllung solcher Forde- rungen unsren ungarischen, polnischen, russischen, rumänischen Arbeiterbrüdern einfach die Hälse abschneiden. Da sind Interessen- gegensätze auch in der Arbeiterklasse vorhanden, denen wir ruhig ins Gesicht sehen müssen. Wir lehnen die Propaganda für den internationalen Freihandel ab...." Schippel selbst stellte denn auch noch in Stuttgart keineswegs die Forderung, der Parteitag solle sich für industrielle Schutzzölle aussprechen; er forderte nur, die Partei solle sich in dieser Frage nicht durch eine Resolution festlegen, sondern freie Hand be- halten. Diese Forderung mochte man für verkehrt und die„Fest- legung" zum Zweck einheitlicher Durchführung der damals heran- nahenden Zollkämpfe für durchaus notwendig halten; aber als„Partei- widrig" konnte sie nicht gelten. Das erste, selbstverständlich auch noch halb versteckte und ver« klausulierte Plaidoyer für Agrarzölle, das Schippel sich leistete, findet sich in seinen 1901 erschienenen„Grundzügen der Handelspolitik". Und diese Schrift stieß damals sogleich in unsrer Parteipresse, speciell im„Vorwärts"(Referat von H. 0. in der Nummer vom 30. Oktober 1901) und in der„Neuen Zeit"(Band XX, Heft 11, 12 und 13) auf schärfste Zurückweisung. In beiden Partei-Organen wurden damals die von Schippel geäußerten Ansichten über Agrarzölle und Grund- rentenschutz als unvereinbar mit dem wirtschaftspolittschen Stand- punkt unsrer Partei abgelehnt und zugleich Schippel des Versteck- spiels mit seinen Anschauungen bezichttgt. Im„Vorwärts" hieß eS: _*)„Bereits 1898— vor sechs Jahren?— habe ich öffentlich meinen Standpunkt in Stuttgart als offizieller Parteitagsrefrrent vertreten, mit alle» wesentlichen, nunmehr in der„Aolksstimme" von neuem dargelegten Einzelheiten."(Die fettgedruckten Stellen sind auch bei Schippel fettgedruckt.) „Entweder liebt er hypothetisch zu sprechen, oder er hängt mit Eifer verfochtenen Auffassungen hinterher einige Bemerkungen an, die es zweifelhaft erscheinen lassen, ob das Gesagte als seine eigne Meinung gelten soll, als bloße hypothetische Erwägung oder als Ansicht eines gedachten unbekannten Dritten." Und in der«Nenen Zeit" S. 40ö hieß es noch schärfer: „Aber warum verschließt er(Schippel) dann seine wirklichen Anschauungen nicht in seinem Busen? Wenn er schlau iväre, thäte er's. Aber vor einem Publikum, das er sich geneigt fühlt, ivird er des trockenen Parteitons satt, da will er auch einmal den lritischcn Teufel spielen, allerdings auch da so vorsichtig, daß er sich stets ein Hinter- thürchen offen läßt und stets beflissen, sich nicht erwischen zu lasten. So haben wir auf der einen Seite den biederen Abgeordneten für Chemnitz, der unentwegt unsre Parteigrundsätze in Partei- Versammlungen verficht, und auf der andern Seite den lauernden Isegrim..." Wenn Schippel also heute behauptet, daß er auch ftüher schütz- zöllnerische Ansichten geäußert habe, niemand aber auch nur„an- zudeuten gewagt" hätte, daß sie den„Rahmen der Partei- grundsätze" überschritten, so ist diese Behauptung total unrichtig. So lange seine Ausführungen nur auf einen gewissen Jndustrieschutz bezogen werden konnten, wurden zwar diese Ansichten meist in unsrer Presse nur einfach abgelehnt, nicht als„parteiwidrig" charakterisiert: als aber seine Aeußerungen die Form eines versteckten Plaidoyers für Agrarzölle und Grundrentenfteigerung annahmen, wurden sie sofort energisch als nicht vereinbar mit unsren Partei- grundsätzen zurückgewiesen. Außerdem aber hat sich die Situatton seit Stuttgart, wie Schippel übersieht, durch das Eintreten der Partei in den Kampf gegen den inzwischen von der Regierung im Reichstage eingebrachten neuen Zolltarif und die auf dem Münchener Parteitage einstimmig an- genommene Bebelsche Zollresolntton vollständig geändert. Mochte auch, fo lange eine feste Stellungnahme der Parter zu den Zollkämpfen durch Parteitags« und Fraktionsbeschluß nicht erfolgt war, die Frage, in welchetMichwng der Zollkampf geführt werden müsse und solle, strittig sein; nachdem ckber der Münchener Parteitag einstimmig die Resolutton Bebel angenommen hatte, die sich g e g e n jede Er- höhung der bestehenderr Zölle auf Lebensmittel ausspricht, war die Direktive und Kampfposition der Partei bestimmt. So lange dieser Anttag noch zur Debatte stand, mochte Schippel ihn be- kämpfen; nachdem er aber zum Parteitagsbeschluß geworden, mußte er ihn respektieren. Das erkennt Schippel selbst an, wenn auch wieder mit allerlei Klauseln, die ihm eine Hinterpforte offen lassen. Verlangt kann allerdings werden, meint er:„Anerkennung der Verbindlichkeit von Mehrheitsbeschlüssen in Fragen der handelspolitischen Praxis— und kein g e flis sent- liches, herausforderndes Herborkehren auch an sich erlaubter Meinungsabweichungen, so lange wie dadurch das von der Parteimehrheit, gleichviel ob irrtümlich oder zutteffend gewählte taktische Borgehen durchkreuzt und vollkommen zerstört werden kann." Aber hinterher schränkt er dann diese Anerkeimung gleich wieder dahin ein, daß nur ge« fordert werden dürfe:„Während gewisser kittscher Ueber- gangszeiten Meinungsabweichungen nicht geflissentlich, zum Gaudium der Gegner, an die breiteste Oeffentlichkeit zu zerren; sie nicht sofort in jedem Augenblick unter großem Spektakel auszuklopffechten. ihre Erörterungen vielmebr bis zur Rückkehr normaler Zeiten zu vertagen oder vorläufig auf engere Zirkel zu beschränken." Diese Bedingungen»oill Schippel eingehalten haben.*) Das stimmt nicht. Schon einige Monate, nachdem der Parteitag ge- sprachen, erschien Schippels Buch über die„Grundzüge der Handels- Politik", das geflissentlich allerlei Schippelsche Meinungsabweichungen „an die Oeffentlichkeit zerrte", zum„Gaudium der Gegner", die sofort seine Ausftthrungen in der Presse wie im Reichstag mit Wohlgefallen gegen die Stellungnahme unsrer Partei zu den Zoll- fragen ausschlachteten; oder will etwa Schippel geltend machen, sein Buch sei nicht in„breitester Oeffentlichkeit" erschienen, sondern nur im„engere n Cirkel" oder vielleicht unter Ausschluß der Oeffentlichkeit? Außerdem aber ist diese Schippelsche Unterscheidung, nach welcher Parteitagsbeschlüsse nur in breiter Oeffentlichkeit an- erkannt zu werden brauchen, nicht in engeren Cirkeln— z. B. zwar in Volksversammlungen, nicht aber in WahlvcreinS- versannnlungen— bisher für die Partei absolut unverbmdlich, da sie in ihrer Engherzigkeit diesen bequemen Moralgrundsatz bisher nicht adoptiert hat und, ohne sich selbst aufzugeben, nicht adoptteren kann. So wohlabgewogen diese„Vorbemerkungen" Schippels sind, be- weisen sie aber doch deutlich, daß er wohl weiß, welcher„Partei- widrigen" Handinngen man ihn beschuldigt. Ivenngleich er sonst in seiner Artikelserie immer wieder den Anschein zu er- wecken sucht, als handle es sich lediglich um die Stteitftage, ob die socialdemokratische Partei freihändlerisch sein müffe, und um einige aus dieser Frage zwischen ihm und andern Parteischriftstellern (Kautsly, Parvus je.) entstandenen Differenzen. Thatsächlich ver- langt niemand von Schippel das Bekenntnis zur Freihandelslehre. Worum es sich handelt, ist ersten?, wie Schippel sich zu den Agrarzöllen st e l l t, und zweitens, ob er unter Ignorierung eines oder mehrerer Parteitags- beschlüsse öffentlich zollpolitische Ansichten propagiert hat, die der von der Partei offiziell zu den Zollfragen eingenommene Stellung widersprechen und ihre Kampfpositton zu schwächen ge- eignet sind. Der Fraktionsbeschluß fordert von Schippel denn auch nicht, daß er seine Stellung zu den englischen Freihandels- oder irgend welchen Jndustticschutztheorien dar- legen soll, sondern daß er„auf klare, unanfechtbare Weise" der Oeffentlichkeit gegenüber feststellt,„welche grundsätzliche Stellung er den Agrarzöllen gegenüber einnimmt." *) Noch in, letzten Artikel des Gen. Schippel heißt eS wieder:„Andrerseits hat natürlich die Minorität die Pflicht. AktionS- beschlüsse der Mehrheit anzuerkennen und der noch unbeendeten Partei-Aktion nicht absichtlich Knüppel zwischen die Beine zu werfen— das heißt unter Umständen: sie hat mit über- flüssigen Bedenken und Einsprüchen zu warten und zurückzuhalten, bis eme geeignetere Zeit zum Reden wieder da sein wird. Ja, will mir jeniand nachsagen, ich hätte, wo die Dinge ähnlich lagen, diese Pflicht nicht geachtet? Ich hätte nicht die Zurück- Haltung geübt, die auch da und gerade da zur Pflicht wird, Ivo man sich vielleicht dieses und jenes anders hätte denken und wünschen können?"_ Wasserstand am 11. August. Elbe Lei Aussig— 0.85 Meter, de' Dresden— 2,22 Meter, bei Magdeburg+— Meter.— U n st r u t bei Straußsurt-f 0,75 Meter.— O d e r bei Ratibor+ 0,60 Meter, bei Breslau Ober-Pegel+ 4,14 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,86 Meter, bei Franffurt 0,14 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde 1,08 Meter.— W a r t h e bei Posen- 0,24 Meter.- N e tz e bei Usch ff-- Meter. Marktpreise von Berlin am II. August. Nach Ermittelungen des kgl. Polizei-PräsidiumS. Für 1 Doppcl-Centner: Weizen""), gute Sorte 17,60-17,56 M.. mittel 17,52-17,48 M., geringe 17,44-17,40 M. Roggen"), gute Sorte 13,35—13,04 M., Nüttel 13,33—13,32 M., geringe 13,31—13,90 M. Futtergerste'), gute Sorte 14,80—14,20 M., mittel 14,10 bis 13,50 M., geringe 13.40-12.80 M. Hafer»), gute Sorte 16,40-15,70 M.. mittel 15,60-15,00 M., geringe 14,90-14,30 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-28,00 M. Speisebobnen. weiße 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartosseln. neue, 12,00-8,00 M. Richtstroh 0.00-0,00 M. Heu 0,00— 0,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60-2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.") Ad Bahn. S-ür de» Inhalt der Inserate «berniuimt die Redaktion den, Publikum gegenüber keinerlei SZernntwortniig. Zheatcr. Sonnabend, 13 August. Anfang VI, Uhr: Neues königl. Opern- Theater. Die Geisha, oder: Eine japanische Thcchausgeschichte. Belle.Allianee. Gastspiel von Emil Winter» Tymians Humoristen. Ansang 8 Uhr. Schiller O. sWallner-Theater.) Der polnische Jude. Weste». Liebeshandel. Berliner. Zapfenstreich. Neues. Einen Jux will er sich machen. Residenz. Die 300 Tage. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Die Notbrücke. Metropol. Ein tolles Jahr. Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten. Herrnfeld-Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Stadt-Theater Moabit. Der reiche Pustetohl. Reichshallcu. Stcttiner Sänger. Passage-Theater. La belle Georgette. Specialiiätcn. Ansang 5 Uhr. Urania. Taubenstrasie Die Weltausstellung in St. Louis. — Der Gardasee. Juvalideustrasje 57/68. Stern warte. Täglich geöffnet von' bis ll Uhr. U b* si ü i si b Taubenelr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltaiissteliüiii in St Louis. Hierauf: Der Oardascc. Sternwarte[Tr%%2. Das Däremveib, lebend. □er 16jährige ßiesenknabe Der lange Josef _____ 217 ctm gross. ÜPgr" tiada und Mnsmos,~5®gs Gedankenloser. DepLielchcnfand. Aga, die schwebende Jungfrau. AUcs ohne Extra-Entree. Seliiller-Theater 0. (Wallncr-Theater). Morwih-Oper. Sonnabendabend 3 Uhr: Der polnische Jade. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben ermäßigten Preisen: Xar und ZUmiuennann. Sonntagabend 8 U h r: Robert der Tenfcl. Montagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. □er pestillon von henjunieau. Letzte Opernwoche im Schiller- Theater O, Im Garten des Schiller-Thcatcrs dl. täglich greöes Militär-Konzert. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Ilm Jux will er sieh maehen. Ansang 3 Uhr. Morgen: einen lux will er sich machen., Centrai-Theater 8 Uhr: Einakterabend ans ltzrih Reuters Werken: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschcn und ZiicmelS. 3. Hanne Nütes Abschied. 4. Jochen Pasel. 5. Bräsigs letztes Stündlein. 6. Ein kleiner Beamter. Emil Richard, kgl. Hoffchauspiclcr, a. G. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl, Anfang 8 Uhr. Morgen: Maehtasz'I._ Beile-iilianee-Theater. Vorletzte Vorstellung 1 Ans. VI, Uhr v. Wjnter-TymmnsHnmrljwl Dienstag, den 16. August: Erüllnungsvorst. der neuen Saison. Kam'rad Lehma««. Im Sommergarten Ansang 6 Uhr: Studentisches Sommernachts- Fest: •Alt-Reidelherjx. Apollo-Theater. vi, ühr: Garten-Konzert. 8 Uhr: Tenus auf Erden. 0pvront6 faul Sincke. Q'l, ühr: Die phänomenalen Attraktionen des grandiosen Inpst-Spcelalitäten-Propmins. Metropol-Theater Oer grösste Erfolg tlieses Jahres: » Gr. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr.. Rauchen überall gestattet. Italienisches Original-Orchester, Damen und Herren. Der Kampf am Port Arthur, gr. akt. Spektakel-Schauspiel. 1-1 JBützowstr. m/m. T ii s 1 i c h Im Garten oder Saal: Vorsts Korddeutsshe Humoristen und Quartett=Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Boas babea Gültigkeit. Z OOLOGISCHER ' Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär-Doppel-Kontert. Eintritt 1 M., ab« Uhr 30 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. In der Arena: vor 8oe-Elefant. Eintritt vom Garten 20 Pf., von der Straße 30 Ps., Kinder unter _ 10 Jahren die Hälfte. CMU5 Sarralani. Grösstcp und elegantester Zclt-Cirhns Ruropas. Täglich: Mr. Ralphs taSchweloe. 5 Heute und solgende Tage 8 Uhr: Die 300 Schwan! in 3 Alten von Paul Gevault u. Robert Charwcy. Deutsch v. A.HaIm. Herr Richard Alexander in der _ Hauptrolle. Tage. Trianon-Theater. Georgenstraße zwischen Fricdrich- UniversiiäiSstraße. Zum 1ö0. Male:"T&l Die Notbrücke. Äl n f a n g 8 Uhr. und W. Noaeks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brmmenstr. 16. Große Extra-Borstclliing zur Erinnerung an das 10 jährige Be- stehen des Theaters! Nur einmalige Ausführung: Das Stiftungsfest. Ansang 6 Uhr. Entree 30 Pf. -- Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute: Grosses Sommcrfest verbunden mit (onzert u. Theatervorstellung. Austreten sämtl. Specialitäten, u. a.: Paul Coradini. Arthur Wolsf. Außerdem: Ell! Nenbl!« mit Hiudernissen Im Saale: Sommernsohts-llail. Entrce 30 Ps. Anfang 4'/. Uhr. 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Extra-Tanz. Kafreckilche. Ansang ill, Uhr. Eintritt 30 Pf. Dounersiag, 18. August: Benefiz für Jokosa, Böllstein, Zeunert. Sonnabend, der 27. Angnst, für Vereine frei. Uerband der MöbelpoUerer. Montag, de» 13. Zlngust, abends S'l, Uhr, bei Keller, Koppenstraste 29(großer Saal) t ÄulZeZ'orÄentl. General-Versammlung. Tages-Ordnung: i- �lltlamentarismus oder Generalßreik. Referent: Kollege K. �ermntd. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! In dieser Versammlung sollen Sie entscheiden, ob Sie mit der von Herrn Dr. Friedehers in der letzten Versammlung des Gewerkschafts-Kartells vertretenen Taktik einverstanden sind oder nicht. Wie stellen wir tins zu den dort angenommenen Resolutionen für den Amsterdamer Kongreß? Unsre Stellungnahme in Zlikunft zum Gewerkschafts-Kartell. Kollegen! Wegen dieser wichtigen Fragen agitiere ein jeder für diese Versammlung. Alle müssen zur Stelle sein. Der Vorstand. Ich ersuche alle Ausschußmitglieder, eine Stunde vor Beginn obiger Versammlung zu einer Sitzimg daselbst zu erscheinen. A. Niese. Mittwoch, de» 17. August, abends S1!, Uhr, bei Schulz, 93 lumenfit. 38- 147/7 fCoRnbinierte Kommissions- Sitzung. Ein jedes Kommissionsmitglied hat zu erscheinen._ I. Ii: H. Barenthin._ Reiehshaiien-Thealer. Sun wiefler täglich: Gebrüder Herrnfeld-Theater. (Xlll. Berliner Winter-Saison.) JSnr eine Biacht. Zwei Alte aus einer Ehe. .Ani andern Morgen. Nachspiel zu„Nur eine Nacht". Beide Stücke mit den Autoren Anton und Benal Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 3 Uhr. Kasscn-Eröfstmng 7 Uhr. Vorverkaus täglich 11— 2 Uhr. Der groste Äaturgarten ist geöffnet. amKönigsth., ani Fricdrichshnin 23/32. iseiMK Thealer 0. NW IRQ Däll. ailieseeke in Italien. 10 IL:' Gcsangsposfe m. Tanz v. L.Ely.' Msttwo'ch: Kinderfttudenftst. Entree 39 Ek. Sonnab., 13. Aug., ist für Vereine frei. w ThMärer„ Kdsiariien-Alke 7 9 Täglich; Der rechte Weg. 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Sonntag, den 14. August, vormittags 10 Uhr, im Swinemiiuder Gesellschaftshause, Swinemünderstr. 43: TageSv4, abends 8 Uhr, im Lokal von Meistner, LldlcrShos(am Bahnhof): 126/2» Au88krorllent!ichk Kitglieder-Yersanunhmg. IS* Tage S-Ordnung: 1. Wahl von drei 2lufsichiSrats»MitglIedern. 2. Vortrag dcS Genossen l.. Brosiauor über„Unsre Gegner". 3. Geschäftliches. Der Vorstand. Hermann Hildebrandt. Wilhelm Kohl. August SQske. Freie Vereinigung a. Bauarbester Berlins und Ilmgegend.' Sonnlag, 14. August, vorm. 10 Uhr, im englischen Garten, 2llexandcrstr. 27c: p|r General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Wrechnung vom 2. Quartal 1304 und Bericht der Revisoren. 2. Bev« eins-AngelegcnHeitcn. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 34/16___ Per Vorstand. Sehloss Wetssensee. Sonnabend, den 13. August 1904 Qr. Sommer-Fest veranstaltet von den Parteigenossen WeiSSettSSSS. Grosses Gartenkonzeri. Specialitälen-Vorsleliung. Sommernachts-BalL Jedes Kind erhält eine freie Karnssellfahrt. Kasperle-Theater. Die Katfeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. Anfang nachmittags 4 Uhr. Billets 3v Pfennig. An der Kasse werden keine Billets verkaust. Das Komitee. AUSVERKAUF. Wegen horrender Mietsfteigerung— jährlich 1500 Mark— bin ich gezwungen, mein großes Lager in 56662» Wen, Schirmen, Mühen, Krawatten usw. zu verkaufen, es kommen nur meine bekannt guten Qualitäten znm Verkauf und ist jeder be- rcchtigt, bei Bezahlung 10°/» in Abzug zu bringen. _ Otto Gerholdt�Sli Sonnabend, den 13. Angnst, abends»Vs H von der Michael-Brücke mit Mnsih nach 299b SVSuggeSwerderz naseibst Sonrniernachts• Ball bis Sonnenaufgang.— Ein und zurück 50 Pf.— Tan® f r e& Leipzig erstrasse 50a Ecke Jerusalemerstrasse H. Esders& Dyckhofl Oranienstrasse 48 Ecke Luckauerstrasse und M- Garderoben fertig und nach Mass. 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