Pr. 190. WDonnemenfS'Bedfngungcn: WionnementS> Preis prünunierando> «ierteljährl. 3,30 DU, mono«. 1,10 DU. WSchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welte jq Pfg. Post, Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige UuSIan» 3 Mark pro Monat. 2t Jahrg. Crfditlti Ugll» auBtr Rlonta«. Vevlinev Volksblatk. Die TnfertlonS'GebiiDr betrügt für die sechsgespaltene Kolonek» zeile oder deren Raum 40 Psg, für politische und gewerlschastliche Verein!» und VersamnllungS-Anzeigen 2ö Psg. „Kleine Hnitigtn", da! erste(sett- gedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi! 7 Uhr abends, an Sonn- und fgejitagen bis 8 Uhr vormittags gehffnet, Telegramm-Adreff»! „SozialdtmoHrM Rtrllo".' Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SSI. 68, Linden otraasc 69. Kernsprechrr: 91mt IV. Nr. 1983. Sonntag, den 14. Ztngnst 1904. Expedition: SSI. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher:«int IV. Nr. 1984. Amsterdam. Ein Blatt aus einem neuen Wschmtt der Weltgeschichte ist der internationale Socialistenkongreh, der heute in Amsterdam seine Arbeit beginnt. Alle Fragen, die die flüchtige Stunde bringt und nimmt, verschwinden gegenüber der großen Antivort, die der Zusammentritt dieser Versammlung für das einheitlich-gewaltige Problem unsres kapitalistischen Zeitalters bedeutet. Was immer der einzelne Kongreß thun oder lassen mag, sein bloßer Bestand ist die Manifestation von Millionen gleichgerichteter Erkenntnisakte, der lebendige Ausdruck eitles weltunispannenden einheitlich gerichteten freien Willens, ein Zeugnis fiir die ungeheure, stetig wachsende. geistig, moralisch und physisch begründete Machtorgauisatton des inteniattonalen Proletariats. Unter den Hunderten, die als Vertreter von Millionen in Amsterdam zusammentreten, gicbt cS keine Meinungsverschiedenheit über daS Ziel ihres Strebens, die Aufrichtung der socialisttschen(Sie- sellschaft. Es gießt keine Meinungsverschiedenheit unter ihnen auch darüber, daß dieses Ziel nur von den Mehrheiten der kapitalistischen Frohnvölker erkannt zu sein braucht, um auch erreicht zu werden, keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß nicht roh „mechanisch" wirkende Kräfte, sondern wirtschaftliche Notwendigkeiten. die das menschliche Gehirn zu logischen Notwendigkeiten umschafft, die Triebkräfte weltgeschichtlichen Werdens sind. Und darum ist für sie alle das erste Mittel zur Erreichung ihres gemeinsamen Zieles die Lehre von seiner menschlichen Notwendigkeit. Daß sich diese Lehre nicht— wie es der utopistische Socialismus wollte— an die Mächtigen der Erde, nicht an erleuchtete Fürsten, einsichtsvolle Unter- nehmer, großherzige Bourgeois und inenschenfreundliche Bischöfe, sondern an die Masse der Enterbten und Unterdrückten wenden müsse. auch darin sind sie alle einig. Jahrzehnte der tastenden Versuche, der zähen Arbeit, des Opfer- vollen Kampfes haben ihnen allen aber noch mehr der gemeinsamen Erkenntnis gegeben. Als sie zum erstenmal in den großen geistigen Erobererkrieg zogen, waren sie alle von der Gewalt ihrer neuen Wahrheit so tief durchdrungen, daß manch einer wohl glaubte, diese Wahrheit müffe bloß ausgesprochen werden, um auch schon erkannt zu sein. Sie, die lieber heute als morgen eine große Entscheidungs- schlacht schlagen wollten, sahen sich bald in tausend Vorgefechte ver- »vickelt. Da richtete die Behörde des Klaffenstaates zwischen freudigen Lehrern und willigen Schülern schier unüberwindliche Scheidemauern auf, dort schreckte der Einfluß unwissender, fanatisierter Diener der Kirche die Herde in die sichere Hürde zurück, dort kommandierte tyrannische Unternehmerwillkür, die Hungergeißel in der Faust über willenlose Sklavenscharen. Schlaffe, ausdruckslose Gesichter, die den hoffnungsvollen Propheten begegneten, verrieten von Hunger entkräftete, in Ueberarbeit erschlaffte, vom Uebermaß häuslicher Sorge ersttckte Geister. Aus solchen Erfahrungen haben die Socialisten aller Länder die gemeinsame Ueberzcugung geschöpft, daß zwar da» volle ökonomische und politische Bewußtsein der Arbeiterklaffe der Baumeister der socialisttschen Gesellschaft sei. daß aber dieses Bewußtsein nicht er- reicht mid nicht geschaffen werden könne ohne den mühselig vor- oringenden Klassenkampf. Hindert eine rückständige ÄaatS- form die Proletarier an der Verbreittmg gewonnener Erkennttusse unter ihren Klaffengenoffen, dann dieser Staatsfonnkampf bis aufs Messer! Pfropft eine im Klassenintereffe der Herrschenden geleitete Schule Vorurteil und Aberglaube in die kindlichen Gehirne, dann Kampf gegen diese Schule I Maßt sich der Unternehmer an, nicht bloß den Arbeitsprozeß seines Betriebes, sondern auch die geistigen Prozesse in den Köpfen seiner Arbeiter kontrollieren zu dürfen, dann Kampf gegen dieses Uebermaß der Kapitalistenmacht l Vernichten Not und lieberarbeit die Aufnahmefähigkeit der Gehirne, dann Kampf un, besseren Lohn und um kürzere Arbeitszeit! So konnten die Socialisten aller Länder nicht ausschließlich Verkünder einer kommenden Gesellschaftsordnung bleiben, sondern sie mußten, um es bleiben zu können, auch wirkende Politiker des Gegen- wartsstaates werden. Es giebt keinen Socialisten, der sich in diesen Grilndauffaffungen von seinen Genossen unterschiede! Selbst die unendliche Ver- schiedenheit der Bedingungen, unter denen der intemattonale SocialismuS in allen verschiedenen Gebieten der Erde um die Frei- heit zu kämpfen hat, die die Borbedingung seines Erkanntwerdens und damit seiner Herrschast ist, vermag eS nicht, in diese Gleich- förmigkeit der Ueberzeugungen auch nur geringfügige Nuancen zu tragen. In dieser geisttgen Einigkeit spiegelt sich die unendlich gleich- förmige große wirtschaftliche Notwendigkeit der kapitalistischen Welt. Das Proletariat der ganzen Erde ist als wirtschaftliche Kategorie so vollkommen gleich geartet, daß seine denkenden Vertreter nicht bloß einig seiu müssen in ihrem Willen nach dem Ziel, der socialistischen Gesellschaft, sondern auch in der Wahl des WegeS, des proletarischen KlaffenkampfeS. ES ist erst ein Problem dritter Ordnung, daS die Geister dcS Socialismus in unaufhörlichen Kontroversen beschäftigt und auf- einander platzen läßt. Was man gemeinhin die„Takt! k" nennt, ist immer das Wichttgste für den Augenblick, immer das Untoichtigste für den großen Gang der Entwicklung. Die Beteiligung oder Nicht- beteiligung an einer Wahl, die Annahme oder Ablehnung eines ver- antwortlichen Postens innerhalb eines bürgerlichen Staates, das Eingehen in Kompromisse mit bürgerlichen Parteien oder die Zurück- Weisung jedes Bündnisses, die Genehmigung oder Nichtgenehmigung eines Gesetzentwurfes mögen für den Augenblick hemmend oder fördernd wirken— aber die falschen Berechnungen einiger im Augenblick der Entscheidung einflußreicher Politiker ver- mögen den großen Strom der socialistischen Massen- bewegung weder dauernd aufzuhalten, noch entscheidend abzulenken. Wo Ziel und Weg durch Notwendigkeit vorgeschrieben ist, vermögen individuell, örtlich oder zeitlich begrenzte Irrtümer und Fehler keinen Schaden anzurichten, der sich nicht von selbst wieder berichtigen müßte. So wenig die bürgerliche Gesellschaft an falschen Augenblicks- entschlüffen ihrer Leiter zu Grunde gehen kann, so gewiß ihr viel- mehr der Keim des Todes viel ttefer sitzt, so wenig ist zu befürchten, daß taktische Fehler einer socialdemokratischen Kammerfraktion für die mächtig anschtvellende proletarische Bewegung zum dauernden Hemmnis werden könnten. Nttt so großem Interesse man darum auch den bevorstehenden Debatten entgegensehen mag, die in Amsterdam über die Fragen der „Taktik" geführt werden sollen, so wird man über diese Spannungen doch nicht vergessen dürfen, daß von den Entscheidungen, die der Kongreß über diese Fragen fällen wird, das festgegründete Wesen der Arbeiterbewegung doch nur in seinen Einzelheiten gettoffen werden kann. Die Freiheit in der Wahl der taktischen Mittel steigt mit der wachsenden Erkenntnis der Massen. Nicht minder aber ist das Maß des tattisch Zulässigen von dem besonderen nationalen Charakter des Klassengegners abhängig. Nicht überall wird die Arbeiterklasseso zur Klarheit gezwungen wie in Deutschland, wo ihr engherzige und politisch rohe Herrscherkasten die Takttk des Klassenkampfes in ihrem reinsten Typus auf gut Preußisch vorexerzieren. Sind auch die herrschenden Klassen der ganzen Welt einig in ihrem Ziel, die bestehende Gesellschaftsordnung zu schützen, so lehrt sie doch ihr Selbsterhaltungstrieb, da und dort zu so verschiedenen Mitteln zu greifen, daß ihnen gegenüber. wohl das einheitliche Princip, der Klassenkampf, unverrückbar bestehen bleibt, eS aber-unsagbar thöricht wäre, auch so verschiedenen Waffen gegenüber die vollkommen gleiche Anwendung eines einfömiigen Kampfmittels zu empfehlen.( sicher ein russischer und ein amerikanischer Genosse zwei Socialisten und zwei proletarische Klassenkämpfer sind, sowenig kann ihnen beifallen, sich gegenseitig eine Marschorder vorzuschreiben, die auf so ungleichem Terrain in ungleicher Art angewendet werden sollte. So gerät ein internattonaler Soclalistenkongreß, der berufen wird, in nationalen Fragen, wie es Fragen der reinen Takttk immer sind, auf ein Gebiet, das nur mit Vorsicht betreten werden kann und auch bisher von allen internattoiialen Kongreffen nur mit großer Vorsicht betteten worden ist. So mußte sich der Pariser Kongreß von 1900 mit einer Frage Beschäftigen, deren bloße Aufwerfung für die Mehrzahl der dort verttetenen nattonalrn Organisationen eine platte Un Möglichkeit war: der Frage deS„MinisterialiSmus". Und doch bewies er durch die Aunahme der Resolutton K a u t S k y die große politische Einsicht, daß der Eintritt eines Socialisten in ein bürgerliches Ministerium unter ganz besonders gelegenen Umständen mittelbar zur Waffe des proletarischen Klassen� kampfes werden könne. Hier war an einem Schulbeispiel gezeigt, wie ttotz aller Einheit der Grundlinien die Möglichkeiten der Polittk so unendlich vielgestaltig, die taktischen Ouerzüge einer raffinierten bürgerlichen Klaffe so mannigfach sind, daß selbst das scheinbar Absurde zur Möglichkeit, ja zur takttschcn Notwendigkeit werden kann. Ebenso kann in konstituttonell regierten Staaten eine socialistische Fraktion unter Umständen gezwungen sein, ein rein bürgerliches Ministerium parlamentarisch zu unterstützen. Theoretische Wirrnis wird jede Erscheinung solcher Art wirklich zum Beginn einer Ausgleichung der Gegensätze und einer Versöhnung der Klaffen werden laffen, indes ein wahrhaft socialisttsch gesinntes, im Feuer des Klassenkampfes gehärtetes Proletariat sich von der Sonne der Demokratte ebenso wenig entwaffnen lassen wird, wie von Wind und Wetter der Reaktion. Die deutsche Socialdemokratie, die in allen inneren Meinungs- kämpfen ihre Einheit als kostbares Gut gehütet hat, wird in Amster- dam abermals zu ihrem Bedauern innerhalb der socialistischen Einigkeit gespaltene nationale Gruppen erblicken, die einander heftig befehden und auf dem Kongreß eine über die andre Recht zu be- halten wünschen. Wiewohl sich solche Spaltungen aus lokalen Besonderheiten erklären lassen mögen, so wird man doch nicht in ihnen etwa eine allgemeine geschichtliche Notwendigkeit erblicken dürfen, deren Umgehung auf dem Wege zur proletarischen Klassenherrschaft unmöglich wäre. Für die Annahme, daß die Spaltung der Arbeiter- Parteien, sobald sie etwa einen besttmmten Grad der Machtentfaltung erreicht haben, aus Gründen einer gesetzmäßigen Notwendigkeit er- folgen müffe. spricht keine Erfahrung, vielmehr spricht alle gegen sie. Gespalten oder einig finden wir mächtige und schwache Arbeiter- Parteien in hochentwickelten und in rückständigen Ländern. Nicht im Wesen des Klassenkampfes, sondern in seinen nationalen Besonderheiten sind auftretende SpaltungStendenzen begründet. Soweit wir Deutschen aus unsrer eignen Erfahrung sprechen dürfen, liegt das beste Mittel zur Erhaltung der Einigkeit in der Kraft fest organisierter und denkend mitthätiger Massen, die in Diskussionen der Führer sachlich entscheiden, nicht persönlich Partei ergreifen. Das intemattonale Völlerparlament von Amsterdam ist bor eine Reihe schwieriger und verantwortungsvoller Fragen gestellt, von denen die schwierigste und verantwortlichste die ist, wie weit eigent- lich der Kreis seiner Entscheidungen reichen kann. Niemand wird von ihm verlangen, daß es, das nach vier Jahren zum erstenmal wieder zu kurzer Tagung zusammentritt, der vielgestaltigen Arbeiterbewegung der Welt ein goldene» Buch der Regeln gäbe. in dem für jede Frage die richtige Antwort verzeichnet steht. ES kann viel- mehr die fortlaufende Aufgabe der internattoiialen Kongresse nur sein', die Grenzlinien richtig zu stellen, die den proletarischen Klassenkampf um die socialistische Gesellschaft von den Bestrebungen herrschender Klassen scheiden. Der Kongreß von Amsterdam kann nur ein Kongreß von Socialisten, er mutz aber der Kongreß aller Socialisten sein, die sich in ihm angesichts des Waffen- starrenden Europa zu einer gewalttgen Kundgebung proletarischer Völkerverbrüderung zusammenfinden. Alle Unterdrückten der Erde grüßen ihn als den lebendigen Ausdruck ihrer eignen wachsenden Befreiermacht. politileke GebeiTickt. Berlin, den 13. August. Ein Neutralitätsbruch Deutschlands. Bereits gestem wiesen wir nach, daß Deutschland nach der all- gemeinen Allffassung der Bölkerrechtslehrer einen Neutralitätsbruch begehen werde, wenn es den nach T s i n g t a u geflüchteten russischen Kriegsschiffen, statt sie sofort zu entwaffnen und für die Dauer des Krieges zu beschlagnahmen, gestatten würde, Kohlen einzunehmen und den Hafen wieder zu verlassen. Heute liegt nun die Nachricht vor, daß die deutschen Behörden in Tsingtau thatsächlich den russischen Schiffen erlaubt haben, Kohlen einzunehmen n»d den Hafen wieder zn ver- lassen! DerKreuzer.N o wik' speciell ist wieder aus Tsingtau auS- gelaufen und entkommen. Die Presse hatte gestern bereits die Pflicht der Neutralität er- örtcrt und zum Teil behauptet, daß eS diese Pflicht nicht verböte, die russischen Schiffe nach 24 Stunden wieder auslaufen zu lassen. Besage die NcutralitätSpflicht doch nur, daß Kriegsschiffe einer kriegführenden Macht einen neutralen Hasen nicht länger als 24 Stunden auf- suchen dürften. Diese Ailffaffung ist, wie wir gestern bereits be- tonten, völlig falsch. Sie übersieht absichtlich, daß diese Bestimmung nur für Kriegsschiffe der kriegführenden Macht in Betracht kommt, die nicht dirett in kriegerische Aktionen verwickelt waren. Träte zum Beispiel die russische Ostseeflotte ihre oft angekündigte, aber schwerlich jemals zur Ausführung gelangende Reise nach Ostasien an, so hätten neuttale Häfen Englands, Deutschlands, FrantteichS usw. das Recht, diese Schiffe auf 24 Stunden zu beherbergen. Ganz andre völkerrechtliche Bestimmungen treten aber für solche Schiffe einer KriegSpartci in Kraft, die sich direkt an einer kriegerischen Aktion beteiligten, die durch eine Seeschlacht gezwungen wurden, sich in einen neutralen Hafen zu flüchten. Alle Truppenteile, die vom Feinde gezwungen wurden, die Grenze eines neutralen Staates zu überschreiten, sind, einerlei ob eS sich um Landtruppen oder Teile der Kriegsmarine handelt, von der neutralen Macht sofort z» ent- waffnen! Es wäre ja auch ein unglaublicher, geradezu blödsinniger Be- griff der„Neuttalität", daß die geschlagenen Schiffe einer Partei sich 24 Stunden lang in einem„neuttalen" Hafen ausruhen, Kohlen und Proviant einnehmen dürften, um dami eventuell wieder den Kampf gegen den Gegner aufzunehmyi, der durch sein Kreuzen vor dem Hafen seinen Kohlenvorrat noch weiter auf- gebraucht hat! DaS Völkerrecht geht denn auch sogar noch weiter. Es ver- langt nicht nur die Entwaffnung der llebcrgetretenen, sondern sogar, daß die neuttale Macht diesen Neberttitt verhindert. Erst tvenn eine solche Verhinderung unmöglich, soll wenigstens die Entwaffmmg und völlige Unschädlichmachung erfolgen! Auf diese völkerrechtliche Forderung wiesen wir bereits vor mehreren Wochen hin, als die japanische Regierung ostentativ erklärte, sie sei davon überzeugt, daß Deutschland in jedem Falle sttikt die Neutralität beobachten werde. Leider hat die deutsche Regierung diese Hoffnung ttotz unsrer Warnung und der japanischen Erklärung nicht erfüllt. Es galt ja wieder ein- mal, Rußland einen Freundschaftsdienst zu erweise»! Unsre gestern geäußerte Auffassung über die wirklichen Pflichten der Neutralität erhält heute eine Bestätigung durch den sachverständigen Berliner VölkerrcchtSlehrer Professor v. LiSzt, der bei einem Interview mit einem Vertreter der„Verl. Ztg." seine Auffassung folgendermaßen präcisierte: „Im Landkriegsrecht ist es anerkannter Grundsatz, daß neutrale Staaten Truppen kriegführender Mächte, die bei ihnen Schutz suchen, aufzunehmen haben. Doch müssen sie diese Truppen alsbald entwaffne» und von der weitereu Beteiligung am Kriege abhalten. So machte es ja z. B. die Schweiz mit den Truppen Bourbakis. Genau parallel mit diesen Regeln gegenüber Land- truppen laufen die Grundsätze ftir Kriegsschiffe. Pflicht des Deutschen Reiches als»euttaler Macht ist es daher, die russischen Kriegsschiffe im Hafen von Kiautschou sofort zu deSarmieren und die Besatzliug zu iutcruieren. Will man so weit nicht gehen, direkt diese beiden Forderungen aufzustellen, so muß man auf alle Fälle fordern, daß Deutschland mindestens daftir Sorge trägt, daß die russischen Schiffe und ihre Besatzungen während der ganzen Dauer des Krieges nenttal bleiben. Da sich das aber ohne jene Maß- regeln der DeSarmierung und Jnternierung kaum garantieren läßt, wird man eben diese Maßregeln fordern müssen." Wie da» Entkommen des Kreuzers. N 0 w i k" beweist, hat Deutschland die gebotene Neutralität nicht geübt. Es hat einseitig die Russen begünstigt, es hat den Operationen der russischen Flotte Vorschub geleistet und Japan geschädigt! Das ist ein Bruch der so oft und so emphattsch— noch gestern von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"— zn- gesicherten Neutralität, der vom ganzen Bolke in der schroffsten Weise venirttilt zu werden verdient! Es ist genug und übergenug der russischen Freundschaftsdienste Deutschlands I DaS tölpelhaste Eingreifen Deutschlands zu Gunsten Rußlands im Jahre 1893, das den jetzigen Kriegsbrand mitverschuldet, hat Deutschlands tvirtschaftliche Interessen in Ostnsien wahrhaftig genug geschädigt. Mutz sich denn Deutschland durch seine Völkerrechts- widrige Bcschützerrolle Rußlands den unauslöschlichen Haß des mächtig emporstrebenden Japan unter allen Umständen zuziehen? Haben wir durch den Krieg in Oflasien des Haffes nicht über- genug gesät?! Londoner Blätter kündigen bereits eine Protestnote Japans an. Unsre Ordnungspresse schweigt sich trotzdem über den kritischen, in seinen Folgen vielleicht unendlich verhängnisvollen Zwischenfall vollständig aus. Und selbstverständlich hat auch unsre offiziöse Presse kein Wort der Auftläriing oder Entschiildigmig dafür übrig! Unsre gloriose Diplomatie hat ein neues Meisterstück geliefert. Sie hat sich durch ein völkerrechtliches Königsberg mit neuem Ruhme bedeckt I_ Junker-Wnnsch. Die„National-Zeitung" kommt von einem thörichten oder gleich- gültigen Anfang eines„Hundstags-Komplottes gegen das Reichstags- Wahlrecht" zu der vom liberalen Standpunkt richtigen Bemerkung, es sei nicht Aufgabe der Staatsgewalt und der Gebildeten, an der Aenderung und Schmälerung des Wahlrechts zu arbeiten,»sondern für seine verständige Handhabung durch die Massen, in deren Hand es gelegt ist". Weiter:„Das allgemeine Wahlrecht hat zu seiner Voraussetzung allgemeine staatsbürgerliche Erziehung und Bildung". Es erheitert, wie nun die„Kreuz-Zeitung" diese Erziehung ver- steht. Sie schreibt: „Zu dieser Erziehung ist uusres Erachtens nötig, der zu immer maßloseren Ansprüchen aufgehetzten socialdemokratischen Arbeiterschaft bei jeder Gelegenheit zu Gemüte zu führen, daß eine Gescllschastsschicht, die den bestehenden Staat verneint, auch keine Rechte an den Staat geltend zu macheil hat, daß durch die Verweigerung der nötigen Einnahmen und Ausgaben eine Partei sich selb st außerhalb des Staates stellt, und daß über ihre Wünsche grundsätzlich zur Tagesordnung übergegangen werden müßte l" Die„Erziehung" des Junkerblattes beginnt mit der brutalen Bestreitung jeder Vertretung der Interessen der Arbeiterklasse. Leider ist nicht nur die Arbeiterklasse, sondern die gesamte deutsche Politik über den liebenswürdigen Wunsch, über die Wünsche der Arbeiter- Ilasse zur Tagesordining überzugehen, zur Tagesordnung über- gegangen. Die„Kreuz-Zeitung" verhüllt ihr feudalistisches Wünschen hinter„die Verweigerung der nötige» Einnahmen nnd Ausgaben". Sie übersieht, daß die nötigenKultnrausgabenvon der konservativen Partei verweigert werden— siehe: Kanalvorlage—, während die Socialdemokratie umgekehrt nur unnötige Ausgaben verweigert. Die Staatsgewalt und die Gebildeten, welche die„National- Zeitung" anruft, werden viele Mühe haben, wenn sie die Junker staatsbürgerlich zu erziehen wagen.— Mirbach. Eine Korrespondenz teilt mit, Freiherr v. Mirbach habe zur Zeit, da zuerst Angriffe gegen ihn und seine Kirchenbau- thätigkeit erfolgte, um Enthebung von seinen Aemtern gebeten. Der K a i's e r habe dies jedoch abgelehnt. Nach den Mitteilungen der Wiener„Zeit" soll sich ferner eine Unterredung auf die Mirbach- angelegenheit bezogen haben, die der Kaiser unniittelbar nach der Rückkehr von der Nordlandreise im Berliner Schloß mit dem Oberstkämmerer Fürsten zu Solms-Baruth hatte. Es wird in der„Zeit" hinzugefügt, daß Fürst zu Solms-Baruth in seiner Eigenschaft als Obersikämmcrer schon einmal wegen der Asfaire Mirbach zum Kaster beschicden worden sei. Vor etwa einem Monat fand, so wird erzählt, beim Reichskanzler Grafen Bülow ein Diner statt, dem der Kaiser beiwohnte. Zu diesem Diner waren auf Wunsch des Kaisers Fürst zu Solms-Baruth und der Landwirtschaftsininister v. Podbielski geladen. Eine Folge der Unterredung, die der Kaiser bei diesem Diner mit den beiden genannten Herren hatte, war, daß am nächsten Tage der Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach sich in dem Pommern- bank-Prozeß als Zeuge vernehmen ließ. Wir haben stets gemeint, daß die weiteren Volkskreise kein besonderes Interesse daran haben, ob Freiherr v. Mirbach noch weiter Oberhofmcister der Kaiserin bleibt und den Hofkirchenban besorgt oder nicht. Ein Interesse daran hat nur der Hof s e l b st.-_ Kasernen-Unzucht. Die„Volkszeiiung" in Mainz berichtet dieses widerwärtige Geschehnis: „Das 17jährige, recht leichtsinnig veranlagte Dienstmädchen Eva Käs ans Nierstein war in der Zeit von 19>i2 bis zum Juli 1904 hier in Stellung. Hierauf kehrte sie zu ihren Eltern zurück. Nach ihren Angaben ist sie dort von ihrem Vater, einem Winzer, bedroht und von ihren Geschwistern geschlagen worden, weshalb sie das elterliche Haus verließ und wieder nach Mainz kam. Eines Abends trieb sie sich am Centralbahnhof herum, woselbst sie ein Husar ansprach und mit in die Kaserne nahm. Der Weg mußte über die Mauer genommen werden, weil das Thor bereits geschlossen ivar. Das Mädchen wurde am andern Morgen von ihrem Galan an einen Fnttermeister abgegeben, der sie drei Tage in seinem Zimmer behielt. Für ihre„Gefälligkeiten" erhielt die Käs Essen und Trinken. Der Futtermeister führte sie einem andern F u t t e r m e i st e r zu, der sie ebenfalls drei Tage bei sicki auf- nahm. Von hier wurde sie an die zweite Eskadron abgeliefert, die sie in eine Stube einschloß. Der Schlüssel zu dieser Stube wanderte von Hand zu Hand, bis die Mehrzahl der Husaren das Mädchen in Anspruch genommen hatte. Damit noch nicht genug, ging die Schweinerei weiter, in- dem das Mädchen wie ein Stück Vieh an andre verkalkst wurde. Die K. wurde 14 Tage in der Hnsarcnkaserne behalten. bis sie von der Polizei, die durch einen Zufall Kenntnis erhielt, verhaftet wurde. Auf Grund der kreisärztlichen Untersuchung wurde die Käs in das Spital verbracht, woselbst sie vier Wochen zu ihrer Heilung zubrachte. Am vorigen Dienstag hatte sie sich vor dem Schöffengericht wegen„Gewerbsunzucht" zu verantworten, da sie ja für ihr„Entgegenkonimen" Speise nnd Trank erhalten hatte, was durch einen Futtermeister festgestellt wurde. Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu zwei Wochen Haft. Sie wird dem Kreisamt Oppenheim überwiesen, das die K. mit deren Einverständnis in ein Asyl, in dem sie besser als in der Husarenkaserne aufgehoben ist. verbringen wird." Was soll man zu dem schweinischen Treiben in der Kaserne sagen? Haben nicht die uniformierten Männer, die diese scheußliche Entwürdigung des Mädchens betrieben haben, sich der Freiheits- beraubung und Nötigung schuldig gemacht? Wie war solch Treiben möglich, ohne daß ein Vorgesetzter es bemerkte? Der Fall zeigt, welcher Grad der sexuellen Verwilderung in der Kaserne erreicht wird. Und doch finden sich Verherrlicher unsrer militärischen Einrichtungen, die da fabeln, der junge Mann werde in der Armee auch zu guter Sitte erzogen.— Der Mann der„Antisocialdemokratischen Korrespondenz" ver- kündigt, daß er das Gericht gegen den„Vorwärts" anrufen wird. Er will Strafantrag wegen der Beleidigungen, deren sich der„Vor- wärts" innerhalb der letzten zwei Monate ihn gegenüber„schuldig gemacht hat", stellen. Es wird also Gelegenheit sein, Herrn Max Lorenz in der Fülle seiner Qualitäten gerichtlich festzustellen. Herr Lorenz jammert, daß wir ihn als Denunzianten einschätzen. Anscheinend als Beweis, daß er kein Denunziant ist, veröffcnt- licht er im Anschluß seiner Klageankündigung einen Artikel, der sogleich würdig befunden ist, die„Post" zn zieren, der unter der verheißenden Aufschrift„Verhöhnung der Polizei und des Reichskanzlers" folgende Nicht-Denunziationen enthält: „Einer unerhörten Verhöhnung der Polizei und des Reichs- kanzlcrö hat sich die Socialdemokratie in Frankfurt a. M. schuldig gemacht."(Es folgt eine Wiedergabe des Berichts über die Ver- jamnilung, in der P e r n e r st o r f e r nicht sprechen durfte.) Durch diesen Vorgang ist die Polizeibehörde als die Vertreterin staatlicher Ordnung aufs gröbste verhöhnt und bloß- gestellt. Indem sie sich in die Rolle der lächerlichen Figur hat hineinzwingen lassen, ist sie geradezu der socialdemokratischen Agitation dienstbar geworden. Es ist aufs höchste zu mi, willigen, daß der überwachende Beamte nicht sofort zur Ver- Haftung des Pcrnerstorfer geschritten ist, der unverzüglich zwangs- weise über die Grenze abzuschieben mar. Es ist tadelnswert, daß der Beamte sich— wie es scheint— durch die Pfuirufe des s o c i a l i st i s ch e n Pöbels hat abhalten lassen, das zu thun, was er hätte thun müssen." Ein weiterer Artikel derselben Nummer der„Antisoc. Korresp.", die Herr Lorenz wöchentlich nicht weniger als dreimal zur Nicht- dennnzierung der Socialdemokratie vollbringt, befaßt sich mit dem internationalen Kongreß in Anisterdam. Der Schluß dieses Artikels lautet: „Gewiß wird von den Beschlüssen des Kongresses Notiz zu nehmen sein nnd gewisse charakteristische Vorgänge und Aeußerungen werden der Festnagelling bedürfen. I m besonderen ab er w i r d d a s A u g e n m e r k d a r a u f zu richten sein, wie sich die Führer der deutschen Socialdemokratie, die ja konkurrenzlos an der Spitze der internationalcn Revoliitionsbetvegmig marschiert, in Amsterdam wieder einmal als die Feinde und Ver- räter des Baterlandes bloßstellen." Herr Max Lorenz, einst nach Führerposten strebsames Mitglied der Socialdemokratie, ist— kein Deuunziant!— An Rußland ausgeliefert. Ans Posen wird der„Volkszeitmig" temeldet: Der frühere Chefredakteur des politischen Blattes„Praca", )r. R a k o w s k i, ein russischer Pole, wurde»ach Berbüßmig seiner GefäugniShaft im Centralgefängnis zu Wronke von de» preußischen Behörden an die russischen Behörden ausgeliefert. Wenn die Nachricht der Uebergabe des Dr. RakowSki an die russische Behörde sich bestätigt, so ist Aufklärung dringend erforderlich, ob hier eine wirkliche Auslieferung im völkerrechtlichen Sinne und nach ordentlichem Verfahren vorliegt, oder wieder eine Aus- Weisung, die einer unberechtigten Auslieferung gleich kommt.— Unter den Begnadigte», denen sich ans Anlaß des Geburtstags des sächsischen Königs die Pforten des Kerkers erschlossen haben, bc- findet sich auch, wie die„Sächsische Arbeiter-Zeitung" meldet, einer der Löbtau er Verurteilten, der Bauarbeiter Schmieder. Als letzter der von jenem ftirchtbaren Urteil Betroffenen schmachtet nur noch der damals zur höchsten Strafe verurteilte Bauarbeiter Zwahr im Zuchthanse zn Waldheiin. Er wird also noch länger die Härte jenes Urteils durchkosten müssen.— Ai s der Kaserne. Mildes Urteil. Ans Naumburg wird uns berichtet: Vor dem Kriegsgericht der 33. Division hatte sich der Viccwachimcister Anton K u s k a von der 2. Batterie des Artillerie-Regiments Nr. 55 zu ver- antworten. In einer kalten Wintcrnachr kam K. angeheitert nach Hause. Ehe er sich zu Bette legte, ging er auf eine Rckrntenstubc, forderte die Leute auf, sofort anfzustchc» und ihm nach dem Korridor zu folgen. Im Hemd und barfuß mußten dann die Rc- kruten Marsch- und Wendeübungcn ausführen. Das Gericht sühnte diese frivole That mit vierzehn Tagen ge- lindem Arrest. Der Unteroffizier Karl M i h a t s chjtou derselben Batterie ist ein Meister in.der Soldatendrcssur. Schon als Gefreiter wüßt» er den Rekruten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Von den Rekruten verlangte er, daß sie sich im Henid auf die Schemel stellten und mit zwei gefüllten Wasserkriigen in den Händen Kniebeuge machten, bis sie zusammenknickten. Ein andermal mutzten die Rekruten seiner Stube barfutz und im Hemd auf den Hof marschieren und mit den Händen einen Kasten voll Schnee füllen. Diese Arbeit mutzten sie vielmals wiederholen. Jedesmal, wenn der Kasten gefüllt war, mutzten sie nach der«tube zurück und dann wieder hinaus. Später als Unteroffizier wurde er noch üppiger. Tie Rekruten muhten im Pferdestall den Dünger mit den Händen aus den einzelnen Pferde- ständen ausräumen. Strohhalme, die aus den mit Schnee bedeckten Misthausen hervorstanden, mutzten die Soldaten mit den Fingerspitzen herausziehen und sammeln. Wenn er den Soldaten eine besondere Lektion erteilen lassen wollte, kommandierte er sie in den Pferdestall und hier schlugen die alten Mannschaften er- barmnngslos auf die Rekruten ein. Damit die Rekruten sich nicht „dumm schlafen" sollten, trennte M. ihnen in ungehörigster Weise die Nähte der Kleidungsstücke auf, und wenn sie bis in die Nacht hinein geflickt hatten, mutzten sie an sein Bett kommen und die Sachen vorzeigen. Zwischen den Betten stehend, mutzten die Leute im Finstcrn die Stiefel schmieren und weich reiben. Dazu feblte es nicht an Knüffen und Püffen. Dieser Menschenouäler, der von Is einem Hauptmann die Crnsur�„Recht gut l" bekam, will sich an nichts mehr erinnern, weil die Fälle aus den Jahren 1899 bis 1901 datieren. Durch einen zur Reserve e n t- lasse neu Kanonier kamen die Sachen zu Ohren der Vor- gesetzten. Und was ist die Strafe für diesen Menschenquälcr? Sechs Wochen Mittelarrest. Seitens der Verteidigung wurde verlangt, dah der Kanonier, der die Anzeige erstattet hatte, gefragt werde, ob er Socialdeinokrat sei. Das Kriegs- gericht lehnte aber diese Fragestellung ab. Hartes Urteil. Meß. 10. Angnst. Der Kanonier Berwanger der 3. Compagnie des Rheinischen Futzartillerie-Regiments Nr. 8 wurde vom Ober- Kriegsgericht wegen thätlichen Angriffs auf einen Vor=* gesetzten zn 2 Jahren 1 Tng Gefängnis verurteilt. Berwanger hatte einen Obcrgefreiten. welcher die Abteilung zur Kammer führte und ihn auf verschiedene Verfehlungen aufmerksam machte, in einen Graben gestotzen. Mit diesem Urteil hob das Ober-Kncgsgerichl das Urteil des Kriegsgerichts auf, welches den Fall viel milder gelagert ansah und Berwanger zu vier Monaten Gefängnis ver- urteilt hatte. IZuslanck. Frankreich. Paris, 13. August. Die Trauerfeier für Wakdeck-Ronsseau in der Kirche St. Clotilde gestaltete sich sehr einfach. Die Witwe des Verstorbenen, die Angehörigen, alle Minister, der Präsident des Senats Fallieres, der Präsident der.Devutiertcnkammer Brist'on, das diplomatische Corps, darunter der Botschaftssekretär v. Flotow als Vertreter des deutschen Kaisers, der Botschaftssekretär de Bunsen als Vertreter des Königs von England und Graf Waldbnrg als Vertreter des Kaisers von Rutzland, viele hervorragende Politiker, zahl- reiche berühmte Anwälte u. a. wohnten der Feier bei. Nach der- selben begab sich der Tranerzng, von einer grohen Menge ehrfurchtsvoll begrüßt, nach dem Montmartre-Ktrchhof, wo die Beisetzung erfolgt.— Ruhland. Eine Scene ans dem Warschauer Kriegsgericht. Ueber die näheren Umstände und Gründe der überraschenden Wendung in dem Warschauer kriegsgerichtlichen Prozeß gegen den Gen. Kasprzak schreibt nian uns: Warschan, den 8. August. Die ganz unerwartete Vertagung der Verhandlungen war nicht bloß für das Publikum, sondern auch für die Rechtsanwälte eine große Uebcrraschung. Alle Welt ist hier er- stannt. Doch hat derselbe VerhnndlnngStag nicht nur eine, sondern ir w e i große Ueberraschungen gebracht. Im Folgenden das Wichtigste. Wie ich bereits geschrieben, war die Haltung der beiden Angeklagten eine betoundernSwerte. Kasprzak saß die ganze Zeit ganz ruhig und gleichgültig, und auf die Fragen nach den näyeren Umständen des bewaffneten Widerstandes gab er mit lauter und fester Stimme nur die eine Antwort:„Ich habe das gcthan, ich allein und ohne jede Hilfe." Der Ingenieur Glirtz- mann erklärt ebenso fest und ruhig, daß er an dem Kampfe Kasprzak« mit den ihn überfallenden Polizisten gar nicht beteiligt war. doch betont er zugleich seine Angehöngkeit znr Socialdemokratie und seine politische Stellung der zarischen Regierung gegenüber. Die Eiter» Gurtzmainls, durch die ihm drohende Todesstrafe erschüttert, suchten ihn durch die Rechtsanwälte zur R e u e b e z e u g u n g vor dem Gericht zu bestimmen, doch erklärte er rundweg, nicht nur nichts davon hören zu wolle», sondern verbat sich im voraus jede ähnliche Wendung in den Plaidoyers seiner Verteidiger, für welchen Fall er mit einer öffentlichen Desavoniernng der eignen Verteidiger vor dem Gericht drohte. Und nun geschah während der Verhandlung etwas unerwartetes: der einzige belastende Zeuge gegen Gurtzmann, der Schutzmann Bowbicl zieht seine Aussage zurück und erklärt, im Gegensatz zu seiner Aussage im Laufe der Untersuchung, daß Gurtz- mann ihm nicht an den Schultern gepackt hatte, um Kasprzak zu befreien, sondern daß er ihn bloß angestoßen hätte,— unter welchen Umständen dies aber geschehen war, ob vielleicht niir unversehens, beim Hinauslaufen Gnrtzmanns aus dem Zinimer, kömie er nicht sagen, er wisse es nicht mehr! Die einzige Stütze der Anklage wider Gurtzmann bricht zusammen, der Staatsanwalt ist wütend. Er stürzt sich förmlich auf den Schutzmann: warum dieser seine Aussage ändere? Warum er früher anders ausgesagt hätte? Der Zeuge antwortet: „er wisse nicht, w a r u m I" Diese kurze Antwort erklärt aber das„Warnm" mit zwingender Kraft!... Der Staatsanivalt gerät ob dieser Treulosigkeit seiner einzigen Stütze außer sich und vergißt sich derinaßen, daß er erklärt, die Familie des Angeklagten Gurtimauu hätte den Zeugen dcstochc»! Die Ver- teidigung legt Protest ein und erklärt, eine Beleidigungsklage gegen diese Aeußeiiing des Staatsanwalts im Namen der Familie Gurtz- mann einreichell zu wollen. Doch nicht genug, es geschieht das Un- erhörte, das in keinem Gericht der Welt außer dem russischen AbsollitismilS möglich wäre: der Staatsanwalt, aller Schuld- beweise und des geringsten belastenden Zeugnisses gegen Gurtzmann beraubt, bleibt bei seiner Anklage und forder» für ihn nach wie vor Todesstrafe!! Dan» folgt der andre dramattsche Moment des Prozesses. Vor seinem Plaidoper stellt der Rechtsanwalt P a t e k den Anttag, seinenKlienten Kasprzak einer psychiatrischen Beobachtung zn unter- ziehen. Die Verteidigung formulierte diesen Antrag ohne jede Hoff- nnng ans Erfolg, sozusagen bloß von Amtswegen, weil Kasprzak» bereits während seiner Untersuchungshaft einmal auf seinen Geisteszustand untersucht und von den Gerichtspshchiatern als ganz gesund erklärt worden war. Der Staatsanwalt protestiert auch sofort energisch gegen diesen Antrag und fordert den Gerichtsherrn ans, die Stellung solcher Anträge zu verbieten. Schon in seinem Plaidoyer lvics er ans die Ver- gangeiiheit Kasprzaks, auf seine revolutionäre Thättgkeit hin, sagte, daß Kasprzak bereits eimnal, im Jahre 1895(nachdem er in der Warschauer Ciladelle 2'/z Jahre in Untersiichnngshast gehalten war)„den Wahnsinn simuliert bätte" und zwar mit Virtuosität, um dann aus dem Irrenhaus zn entlaufen; Kasprzak sei ein zu gefährlicher Feind des bestehenden Staates, er würde aus jedem G e w a h r sa m entlaufen und nur die Todesstrafe könne den Staat von ihm befreie»! Also in offenster Weise eine Begründung der Todesstrafe aus Zweck» niäßigkeitsgründen, vom Standpunkt der Sicherheit der bestehenden politiichen Ordnung l Das Gericht erlaubt jedoch dem Rechtsanwalt. trotz der Proteste des Staatsanwalts, seinen Antrag eine Stunde lang zu begründen und zieht sich nach dem Schluß zu einer Be- ratiing zurück. Die Vertetdignng war so sehr auf die Erfolglosigkeit ihres Antrages gefaßt, daß sie in der Pause bereits Nottzen zum Plaidoyer machte. Nu» kehrt aber das Gericht zurück— alle mit auffallend lächelnden Mienen— und erklären, daß der Anttag angenonluien und die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Em Donner aus heiterem Himmel hätte keine größere Bc- stürzuiig bei dem Staatsanwalt hervorrufen können. Leichenblaß, mit verzerrtem Gesicht, schnaubt er die Richter laut an:„Was habt Ihr gethan? Was ist geschehen?" Der Vorsitzende antwortei lächelnd mit Betonung:„Einstimmig haben wir dies bc- schlössen, einstimmig." Darauf der Staatsanwalt wütend:„Ihr werdet mir das z» verantworten haben!"... Die charakteristische Frage des Staatsanwalts:„Was ist geschehen?" war nicht nur höchst bezeichnend für die Stellung der „unabhängigen Richter" im heiligen Knuten- Rußland überhaupt. sondern traf auch in diesem besonderen Fall den Nagel auf den Kopf.„Geschehen" ist zweifellos etwas nnd zwar nach der ganzen Sittiatton offenbar ein telegraphischer Wink aus Petersburg, daß das in diesem Augenblick für den Absoluttsmus höchst ungelegene Blutgericht in irgend einer Weise hinausgeschoben werden möge. Daraus ein schroffer Frontwechsel des Gerichts in wenigen Stunden, der Vorhang der Tragödie wird plötzlich heruntergelassen. Hinter den Coulissen werden neue unsichtbare Schiebungen vorgenoinmen mid man läßt das Opfer über dem Todes-Abgrund noch eine Zettlang schweben.... Ain Sonntag hat bor dem Gebäude dcS Kriegsgerichts eine Demonstration der socialdemokratischen Arbeiter stattgefunden. Circa 209 organisierte Arbeiter versammelten sich in der Sttaße Nowy Swiai bei der Heiligenkreuzstraße und marschierten im geordneten Z»ge mit entfalteter Fahne zum Gebäude des Kriegsgerichts. Der Zug gelangte bis an die Krakauer Vorstadt. Unterwegs kamen immer mehr Arbeiter hinzu. Die Demonstranten riefen: Fort mit dem Kriegsgericht! und verteilten im Publikum ein Flugblatt in Sachen Kasprzaks. Afrika. Aus Tauger widr den„Times" gemeldet, daß der Sultan be- absichtige, Abdesalam Taste zum Wesir zu machen. Da dieser Reaktionär ist, würde seine Ernenming zum Wesir das Land be» friedigen und die Rückkehr des Sultans zur konservative» Politik bedeuten. Ter Bruder El-Menebhis und dessen erster Sekretär wurden verhaftet. Da beide englische Unterthanen sind. erhob der eiiglischc Gesandte Einspruch gegen ihre Verhaftung. Die Besitzungen El-Menebhis im Süden des Landes wurden von Re- gierungsbeamtcn verwüstet. Weiter wird über Paris gemeldet: Die britische Negierung sei bemüht, zu Gunsten des bisherigen Kriegsministers El-Menebhi, der sich im britischen Konsulat aufhält, beim Sultan Schritte zu thun in dem Sinne, dah dem Kriegsministcr ein Teil der beschlag- »ahmten Güter zurückerstattet werde. Die britische Regierung erweise sich El-Menebhi dankbar, weil er früher ein eiftiger Ver- fcchter des britischen Protektorats über Marokko gewesen ist.— Tanger, 13. August.(Meldung des Rcuterschen Bureaus.) Die Antwort, die die marokkanische Regierung auf den Protest des englischen Gesandten, der sich auf die Beschlagnahme von Menebbis Eigentum bezog, gegeben hat, ist im höchsten Grade ungenügend. Sie besieht nur aus lächerlichen Anschuldigungen gegen Menebhi; sein Sekretär Jaipa ist trotz des Protestes der englischen Gesandtschaft noch im Gefängnis.— Amerika. Lima, 12. August.(Meldung des Rcuterschen Bureaus.) Die Präsidentenwahl ist heute zum Abschluß gekommen: die Demokraten enthielten sich der Abstimmung. Zum Präsidenten wurde I o s e P a r d o, zum Vicepräsidenten Jose Salvador C a v e r o gewählt.— parte!- achr lebten. Parteitagsberichtt. In dieser Nummer unsres Blattes beginnt der Abdruck des Berichtes, den der P a r t e i v o r st a n d an den Parteitag zu Bremen erstattet. Es schließt sich daran der Bericht über die parlamentarische Thätigkeit der socialdeinokratischen Reichs» tagsfraktion für die Neichstagstagmig vom 3. Dezember 1903 bis 16. Juni 1904. Die Berichte sind als besondere Beilagen gegeben und so gedruckt, daß die Parteigenossen sie zu einem Heft zusammen-« legen nnd aufbewahren können. Zum Parteitage beschloß der socialdcmokratische Verein in Spandau: „Die General-Versammlung des socialdemokratischen Arbeiter- Vereins zu Spandau richtet an den Parteitag zu Bremen den Antrag: 1. Die Frage des Generalstreiks, zum Zwecke der Diskussion, auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages zu stellen. 2. Zur Maiscierfrage beschliehen zu wollen: es ist Pflicht jedes klaffen- bewuhten Arbeiters, den 1. Mai durch vollständige Arbeitsruhc zu feiern I" Tie Parteigenossen der Provinz Schleswig Wolstein, des Herzogtums Lauenburg, des Fürstentums Lübeck und Hamburgs halten ihren Provinzial-Partcitag am 4. September in Neumünster ab. Auf der Tagesordnung steht unter anderm:„Schleswig- Holsteins Beitrag zur Verbesserung der Organisation der Gesamt- Partei". Die socialistischc Partei italienischer Sprache in Oesterreich nnd die italienische Partei-Einhcit. Rom, 11. August. Die seit Monaten bestehende und sich täglich verschärfende Spannung zwischen den offiziellen Kreisen Oesterreichs und Italiens nnd die drohende Ver- stärkung der irredentistischen Agitation hat unter den italienischen Genossen den Gedanken auftauchen lassen, der offiziellen Mache durch eine anti-irredentistische nnd Friedensagitation entgegenzutreten. Der Gedanke wurde zuerst von einem der jugendlichen Zirkel in Genua gefaßt, dann machte M u s a t t i einen Vorschlag im „Avanti", indem er eine Zusammenkunft österreichischer und italienischer Socialistcn anregte. Das Exekutivkomitee des Partei- Vorstandes hatte sich mit der Frage beschäftigt, als der Ausschuh der autonomen r e f o r m i st i s ch e n G r u>1 p e n Mailands einen Aufruf an die Socialistcn italienischer Sprache in Oesterreich erlieh und sie zu einer Zusammenkunft in der Schweiz einlud. Heute veröffentlicht nun der„Avanti" einen Brief des Exekutivkomitees der österreichisch-italienischen Genossen au den Parteivorstand. Die Schreiber erklären, sich nicht in unsre innerparteilichen Streitfragen mischen zu wollen. Sie könnten aber nicht dem Vorschlage der Mailänder Gruppen folgen, ohne vorher zu wissen, ob er die Billigung des offiziellen Partcivorstandes habe. Stünde der italienische Parteivorftand der Sache sympathisch gegenüber, fo würden die weiteren Vorverhandlungen direkt mit ihm, nicht durch die Mailänder Secessionistcn erfolgen. Der Vorstand wird vor Ende August nicht zusammentreten. polireilicbcs. GcnchtUcbes uFw. Der Rechtsstaat. Ein Parteigenosse im Bezirke der Amtshauptmannschaft Chemnitz ist mit einer Strafverfügung bedacht worden, weil er die Minderjährigcnvorschrift des sächsischen Vcreinsgesetzes verletzt hat. Es ist vorgeschrieben, daß der Vorsitzende einer Versammlung vor Beginn derselben die Minderjährigen zum Verlasse» der Versammlung auffordern muh. Das hatte der Genosse als Vorsitzender einer Versammlung unterlassen: er hat das starre Reckt verletzt und muh bestraft werden. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht Stollberg, das sich auf seinen Einspruch mit dein ernsten Rcchtsfalle zu beschäftigen hatte, machte er zwar geltend: die Versammlung, der er präsidiert hatte, war eine Konferenz von 15 Geuicinderats-Mitgliedern, die zu dieser Würde nur gelangen können, wenn sie 25 Jahre alt sind! auher diesen waren noch einige Genossen als Gäste anwesend, die ihm persönlich als sehr volljährig bekannt waren und auch von keinen, Menschen als minderjährig an- gesehen werden konnten. Der Amtsrichter belehrte den Angeklagten jedoch, dah es darauf nicht ankomme. Was Recht ist, muh Recht bleiben. Es steht einmal im Gesetze, dah die Minderjährigen jum Abzüge aufzufordern sind— auch wenn sie nicht da sind.-- Darauf zog der Angeklagte feinen Einspruch zurück.— Huö InduPtrie und Handel. Ein Moiitanrrust. Wiederholt hat in den letzten Wochen die mit den rheinisch- westfälischen Gruben- und Hüttcnmagnatcn liierte Presse versichert, dah alle Gerüchte über Trustbestrebungen im rheinischen Industrie- revier barer Unsinn seien, und nun giebt plötzlich die Diskonto- Gesellschaft, die Bank der Gelsenkirchencr BergiverkSgesellschaft, be- kannt, dah der Schalker Gruben- und Hüttenvcrcin vorbehaltlich der Genehmigung des AufsichtSrates und der Generalversammlung der Gelsenkirchencr Bcrgwerks-Aktiengesellschaft das Anerbieten gemacht hat, eine Interessengemeinschaft der beiden Gesellschaften herbeizuführen und gleichzeitig den Aktionären von Schalke den Um- tausch von nominal KXX) M. Schalker-Aktien gegen 2500 M. Gelsenkirchencr Aktien mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1905 zu gewähren. Für die Zeit vom 1. Juli 1904 bis 31. Dezember 1904 sollen 4 Prozent pro rata tsmxoris auf die einzutauschenden Gelsen- kirchener Aktien vergütet werden. Das von uns schon vor drei Wochen, am 24. Juli, erwähnte Gerücht, dah eine Vereinigung der Zeche„Rheinpreuhen" mit der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser", dem Schalker Gruben- und Hütten- verein und der Gelsenkirchencr Bergwerksgesellschaft zu einem Riesen- trust geplant sei, tvar also doch nicht ganz unbegründet. Vorerst handelt es sich zwar nur um die beiden letztgenannten Gesellschaften; aber derselbe Mann, der in diesen dominiert und den Zusammen- schlnh eingeleitet hat, Herr August Thyssen, hat auch beim„Deutschen Kaiser" und bei der Zeche„Rheinpreuhen" das Heft in der Hand. Der Schalker Gruben- und Hüttenverein wurde 1839 mit einem Kapital von 4 Millionen Mark begründet; jetzt beträgt das Aktien- kapital 10 200 000 M. Das Unternehmen umsaht vier Abteilungen: 1. Abteilung: Hochöfen in Gelsenkirchen. 2. Abteilung: Gießerei in Gclsenkirchen. 3. Abteilung: Vulkan in Duisburg- Hochfeld und 4. Abteilung: Kohlengrube Pluto in Wanne. Die Hochofenanlage Vulkan in Duisburg- Hochfeld wurde 1897, die Zeche Pluto 1899 erworben. Am Kohlensyndikat ist der Verein mit einer Million Tonnen und am Coakssyndikat mit 222 150 Tonnen be- teiligt. Die Anleiheschulden betragen nach der letzten Bilanz 10 800 000 Mark. Die Gelscnkirchener Bergwerks-Aktien- gesellschaft wurde 1873 mit 13,5 Millionen Mark Kapital gegründet. Das Kapital beträgt heute 09 Millionen Mark. Sie besitzt die Zechen Rhcin-Elbc, Anna, Vereinigte Stein und Hardenberg, Hansa, Zollern, Germania, Monopol, Westhausen, Vereinigte Bonifacius, Vereinigte Hamburg und Francisca und Prinz Schönaich. Die Syndikatsbeteiligung der Gesellschaft beträgt 0 754 000 Tonnen fiir Kohlen und 1 079 320 Tonnen für Coaks. An der Börse hatte die Nachricht ein bedeutendes Steigen der Schalker Aktien zur Folge. Von 495 Proz. stieg der Kurs bis auf 540, fiel dann aber wieder bis auf 530 Proz. Der KassakurS wurde auf 522 Proz. festgesetzt. Nach dem Angebot berechnet sich der Kurswert der Aktien auf etlva 540 Proz. Regierung und Kohlensvndikat. In der bekannten bcrg- und hüttenmännischen Zeitschrift„Glückaus" veröffentlicht der Bcrgmeistcr Engel in Essen— jedenfalls auf Veranlassung des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Obcrbergamtsbezirk Dortmund— einen Artikel, in dem er nachzuweisen sucht, dah es nichts als leeres Gerede sei, wenn behauptet werde, die preuhische Regierung verfolge mit dem Ankauf der Sibcrnia den Zweck, Einfluß auf das Kohlen- syndikat und die Preisbewegung im Ruhrrcvicr zu gewinnen. „Der vom Fiskus durch den Ankauf der Hibernia nunmehr an- gestrebt? Einfluß im Kohlensyndikat," schreibt er,„hätte ihn auch ohnedies schon fast seit Jahrcssrist zur Verfügung gestanden, wenn er den wiederholten Anregungen zum Eintritt ins Syndikat im Herbst v. I., als dessen Neugründung in Frage stand, nachgekommen wäre. Damals haben die Unterhändler des Syndikats dem Fiskus sogar angeboten, ihm ein Vetorecht gegen Preiserhöhungen auszuwirken; gleichwohl wurde der Beitritt mit Rücksicht auf die Erklärungen bei Beratung der Feldes- ankaufsvorlage abgelehnt und damit die Erneuerung des Syndikats eine Zeitlang schwer gefährdet. Durch den Ankauf der Hibernia allein würde der Fiskus keinen größeren Einfluß im Syndikat erlangen, als er ihn schon durch den Beitritt mit seinen Gerechtsamen gehabt hätte. Denn, ähnlich wie im Kalisyndikat, wird die Stellung des Fiskus in solchen Vcrkaufsvercinigungen sich nicht ausschließlich nach der Höhe seiner Beteiligungszifser gestalten, umsomehr, als ihm, wie. eben gesagt, damals trotz seines kleinen Besitzstandes ein Veto gegen Preiserhöhungen angeboten war." Die Mitteilungen bestätigen, was wir schon vor 14 Tagen beim Auftauchen des Verstaatlichungsprojektes schrieben: daß die offizielle Motivierung, der Ankauf sei nötig, damit die Regierung Einfluß auf das Kohlensyndikat zu gewinnen vermöge, nur darauf berechnet sei, dem preußischen Dreiklassenparlainent die Suppe schmackhafter zu machen. Will die Regierung ernsthaften Einfluß auf die Preis- bewegung gewinnen, so braucht sie nur neue Schächte auf ihren ausgedehnten Kohlenfeldern anzulegen und mit dem Syndikat, wenn dieses Preiserhöhungen vornimmt, in Konkurrenz zu treten. Außer- dem aber ließe sich durch ein entsprechendes Kartellgesetz und eine Reform der Berggesetzgcbung(Einschränkung der Bcrggerechtsame) weit mehr erreichen, als durch Verstaatlichungen der geplanten Art. An der Macht dazu fehlt es der Regierung nicht, nur an dem Willen, den Grubcnbaronen und der mit ihr koalierten Hochfinanz energisch auf den Leib zu rücken. Zum Schiffahrtskricg. Wie die„Franks. Zeitung" aus Budapest meldet, kündigen die Ungarische Sceschiffahrts-Gcsellschaft Adria und die mit ihr kartellierte Navigazione Generale Jtaliana für den Verkehr von Trieft und Fiume nach Spanien, Holland und England die Herabsetzung der Frachten um 40 Proz. an, um dem Wettbewerb der Hamburg-Amerika-Linie sowie der Dampfschiffahrts- Gesellschaft Jtalia zu begegnen. Auch die Cunardlinie soll sich den neuen Tarifen angeschlossen haben. Zugleich kündigt nach Meldung aus Liverpool dort die?lmerika-Linie an, daß. sie vom 15. d. Mts. ab den Preis für Zwischendcckreisen nach'Philadelphia auf 30 Schilling(30 M.) herabsetzen werde. Tos Ruhen der Frachtfchiffahrt auf der Elbe macht besonders starken ungünstigen Eindruck auf die Beförderung von Kohlen aus Böhmen nach Sachsen. Der Kohlenbezug Dresdens ist im Juli gegen das Vorjahr enorm zurückgegangen. Während 1903 in diesem Monat 20 758 Tonnen— a 1000 Kilogramm— böhmische Braunkohlen in Dresden eingingen, waren es in diesem Jahre nur 10 548 Tonnen, also nur reichlich halb so viel. Das Manko ist auch nicht durch Bahnbezug ersetzt worden, wie angenommen werden könnte, denn dort hat sich die entsprechende Ziffer von 19 548 auf 21 052, also nur um 1504 erhöht. Da gleichzeitig auch etwas weniger Steinkohlen nach Dresden kamen, der Verbrauch aber bei der besseren wirtschaftlichen Lage der Industrie eher gestiegen als ge- fallen sein dürfte, so ist anzunehmen, daß man im Juli mit allen nicht ganz dringlichen Bezügen auf die Wiedereröffnung der Schiff- fahrt wartete. Bus der frauenbexvegung. Rixdorf. Am 3. d. M. fand die Vicrtcljahrsversammlmig des Vereins gewerblich thätiger Frauen und Mädchen von Rixdorf und Umgegend im Lokale Zibell, Reutcrstrahe, statt. Genosse W. Micthke hielt einen Vortrag über„Alkohol und die Arbeiterbewegung". Redner wies in seinem interessanten Vortrage auf die vielen Schäden hin, die der Alkoholgenuh erzeugt, nnd forderte die Anwesenden auf, sich lebhafter den Bestrebungen der Abstinentenvereine zuzuwenden. Alsdann ivurde der Vorstandsbericht gegeben und es konnte die erfreuliche Mitteilung gemacht werden, daß iin letzten Ouartale dem Vereine 31'neue Mitglieder zugeführt wurden. Der Bericht des Ver- gnügungSkomitees vom Stiftungsfeste brachte leider ein Defizit. Ein Erfolg der socialistischen Fraucnagitation. In Bad Neuenahr im Ahrthale hat die Frauenagitation jüngst einen schönen Erfolg erreicht. Genossin Zietz sprach dort in einer öffentlichen Bersamnilung mit großem Erfolge und in Zu- sammenhang damit wurden 1000 Exemplare der Nummer 10 der„Gleichheit" verbreitet, die einen ausführlichen Artikel über die Lage der Brunnenmädchen in diesem Badeorte ent- hielt. Diese Mädchen, die meist zwischen 14 und 10 Jahren alt sind, müssen unter sehr ungünstigen Bedingungen arbeiten. Früh SVs Uhr müssen sie antreten und bis 8 oder 9 Uhr abends arbeiten. Nur eine einstündige Mittagspause unterbricht die Arbeit, dabei muh ein Teil der Mädchen dauernd stehen. Und das Wochen- tags und Sonntags den ganzen Sommer hindurch ohne Unterbrechung. Eine so lange Arbeitszeit ist an sich schon unter allen Umständen für jedermann schädlich. Für junge, in der Entwicklung begriffene Mädchen ist sie doppelt schädlich Dazu kommt die besondere Berufsgefahr. Neuenahr hat ein stark kohlensäurehaltiges Wasser; die Mädchen atmen bei ihrer Thätigkeit dauernd große Mengen Kohlen- säure ein und es bleibt ihnen nicht Zeit genug, durch reichliche Be- wegung in freier Luft den Ueberschnh an Kohlensäure auszuscheiden. Ihr Lohn beträgt 00 M. im Monat. Dabei sind sie ver- pflichtet, etwaige Trinkgelder abzugeben. Da sind die Gläser- mädchen. Die müssen von den Schöpfmädchen die Trinkgelder ein- ziehen, auch die ihrigen zusammenwerfen und von diesen Einnahmen müssen sie erstens der Direktion für jede Kurkarte 05 Pf. abgeben, dann die Wischtücher kaufen, die zerbrocheneu Gläser bezahle», darauf den Lohn der Schöpfmädche» bezahlen und der Rest ist ihr Lohn. Es werden also von den Trinkgeldern nicht nur die Mädchen bezahlt, die auf diese Weise der Direktion nichts kosten, sondern die Direktion hat aus den Trinkgeldern noch eine ErUa-Einnahme, ob- wohl jeder Kurgast 23 M. für eine Kurkarte zu zahlen hat. Das Bekanntwerden dieser Zustände hat unter den Kurgästen eine lebhafte Entrüstung hervorgerufen und die„Gleichheit" kann mitteilen, daß sich die Direktion in der Folge dazu verstanden hat, wenigstens die Arbeitszeit der Mädchen um circa sechs Stunden zu verkürzen. Es soll nunmehr um 3 Uhr eine Ablösung eintreten. Wenn sie sich aber nicht zu einer gründlichen Aenderuug der Be- zahlungSwcise der Mädchen versteht, kann das nur zu einer Lohn- kürzung für die Gläscrmädchcn führen, da doch wohl anzunehmen ist. daß zur Durchführung der Ablösung mehr Mädchen eingestellt werden müssen._ GewerhlchaftUchee. Die Kiihnemiinner wollen den Krieg! Tie Situation hat sich seit gestern wesentlich verschärft. Schon gaben sich die Former der berechtigten Hoffung hin, daß es zwischen ihnen und der Firma Schwartzkopff zu einer Einigung kommen würde. Alles sprach für eine baldige Erledigung der ganzen Differenz, und sie wäre auch sicher erfolgt, wenn sich hier nicht wieder ini letzten Augenblick der unbeilvolle Einfluß des Kühnemänner- Verbandes geltend gemacht hätte. Die Firma Schwartzkopff war in den letzten Tagen einem für beide Teile ehrenvollen Frieden geneigt gewesen. Sic hatte, obwohl die ursprüng- lichcn Forderungen der Streikenden von ihr abgelehnt worden waren, die Strcikkommission nochmals um Verhandlungen ersucht und neue Vorschläge zur Einigung gemacht. In der darauf am letzten Freitag stattgcfundencn Formcrvcrsammlung formulierten die Streikenden ihre Gegenvorschläge wie folgt: 1. Die Betriebseinrichtungen sollen so verbessert werden dah des Abends pünktlich zu der in der Arbeitsordnung angegebenen Stunde Feierabend ist. 2. Die Zeit, die der Former wegwt Betriebsstörungen warten muß nnd jede angefangene Ueberstundc wird, wenn die Warte- oder Arbeitszeit eine halbe Stunde übersteigt, mit 00 Pf. pro Stunde bezahlt. 3. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Formern und der Gießcreileitung über Ansschußstücke soll eine Komniission von zwei Ingenieuren aus andren?lbteilungen entscheiden. Auf Vor- schlag der beteiligten Former müssen von dieser auch andre, Former gehört werden. Gelingt eine Einigung nicht, dann soIH der Spruch des Gewerbegerichts für beide Teile gelten, ohne daß die Anrufung des Gcwcrbegerichts als Entlassungsgrund gelten darf. 4. Ansschußstücke müssen, bevor sie beseitigt werden, i�m be- treffenden Former zur Prüfung gezeigt werden. Geschieht dieses nicht, so mutz die Arbeit dem Former unter allen Umständen be- zahlt werden. 5. Der Preis muß, bevor die Arbeit begonnen wird, mit dem Former vereinbart werden. 0. Die Firma ist berechtigt, Former, die in vier Wochen jede Woche für 30 M. und mehr Arbeit angeformt haben, davon aber in allen vier Wochen unter 24 M. gute Arbeit abgeliefert haben, als minderwertig zu entlassen. 7. Zur Bedienung der Kräne, zur Instandhaltung der Trockenkammer und zur Aufräumung der Gießerei sind genügend Hilfskräfte anzustellen. 8. Es sollen bessere Waschcinrichtungen und staubdichte Kleider- spinden beschafft werden. 9. Die Former können jederzeit nach Anmeldung bei der Direktion vorstellig werden. Die Entlassung von Kommissions- Mitgliedern soll nur mit Wissen der Direktion erfolgen können. 10. Um den Vereinbarungen in allen Punkten Geltung zu verschaffen, weist die Direktion den jeweiligen Formermeister an, sich den Formern und Gicßereiarbcitern anständig und höflich gegenüber zu betragen. 11. Alle Streikenden kehren an ihre Arbeit zurück, bevor neue Arbeiter eingestellt werden. Auch wird die Firma dafür Sorge tragen, daß der Former Hildebrand in keiner Berliner Gießerei gemaßrcgelt wird." Nachdem die Streikkommission diese Forderungen der Direktion überreicht hatte, erklärte die Direktion, die Forderungen sämtlich anerkennen zu wollen; ersuchte jedoch die Kommission, der Oeffentlichkcit noch so lange keine Mitteilungen davon zu machen, bis die Bewilligung unterschriftlich vollzogen sei. Vereinbart wurde sodann, daß die Kommission den endgültigen Bescheid am Sonnabend von der Direktion abholen solle. Nach diesem VerhandlungscrgcbniS hatten die Former keinen Anlaß mehr, an der definitiven Einigung mit der Firma Schwartzkopff irgendwie zu zweifeln. Mit der Einigung wäre ja auch gleichzeitig der Grund zu der vom Kühne- männerverbande inseenierten Aussperrung weggefallen.(Bekanntlich hatten die Former der übrigen Gießereien die ihnen auf Be- schluß der Metallindustriellen angebotene Anfertigung Schwartzkopff» scher Streikarbeit verweigert und waren ca. 800 an der Zahl aus- gesperrt worden.) Doch in demselben Moment, wo durch die Nachgiebigkeit der Firma Schwartzkopff der Friedensschluß so gut wie gesichert schien, griff die Vertrauenskommission der Kühncmänncr ei», und mit einem Schlage drehte sich daS Blatt. Als nämlich die Streikkommission am Sonnabend, im Vertrauen auf das Ergebnis der Freitagsvcrhandlung, wie vereinbart, die endgültige Antwort der Direktion einholte, sah sie zu ihrem Er- staunen, daß alle wesentlichen Punkte der noch tags zuvor als accep- tabel bezeichneten Forderungen abgeändert resp. gestrichen waren. So lautete jetzt Punkt 1 der Forderungen:„Die Firma wird dafür sorgen, daß des Abends in der Regel pünktlich zu der in der Arbeitsordnung angegebenen Stunde Feierabend ist und Betriebs- störungen möglichst vermieden werden." Punkt 2 war ganz- l i ch g e st r i ch e n. Vom Punkt 3 war der Absatz, der von der Anrufung des Gewerbegerichts handelte, g e st r i ch e n. Punkt 0, den die Firma ursprünglich selbst in Anregung gebracht hatte, war ebenfalls g e st r i ch e n. Wahrscheinlich haben die Kühnemänner in diesem Passus so etwas wie Garantierung eines Mindest- Verdienstes für Former gewittert. In Punkt 11 hatte der zweite Satz folgende Acdcrung erfahren:„Der Former Hildebrand, welcher von der Firma nicht gemaßrcgelt, sondern ordnungsmäßig entlassen ist, wird von Benutzung der Nachwcisstclle und von Ein- stellung bei Verbandsfirmen nicht ausgeschlossen."— Die Kühnemänner leugnen also die Maßregelung ab. Bei der Empfangnahme dieses„revidierten" Bescheides wurde der Streikkommission gleichzeitig eröffnet, daß w e i t e re Ver- Handlungen mit den Formern nur durch den Verband der Mctallindustriellen, nicht aber mehr durch die Firina erfolgen könnten. Natürlich lehnte die gestrige Formcrversammlung diese von den Kühnemännern verhunzten„Zugeständnisse" mit Entrüstung ab. Wie sich die An- gclcgenheit weiter entwickeln wird, bleibt einstweilen abzuwarten. So haben denn die Kühnemänner die Sache aus purem Macht« kitzcl auf die Spitze getrieben. Sie haben erstens der Firma Schwartz- kopff gezeigt, daß diese nicht„Herr im Hause" ist, sondern zu thun hat, was die Vcrtrauenskommission will. Zweitens aber haben sie der Welt offenbart, daß sie den Friedensschluß zwischen Arbeit- gebcrn und Arbeitnehmern nicht nur nicht fördern, sondern direkt hintertreiben, wenn ihnen die Zugeständnisse eines Arbeit- gebcrs an streikende Arbeiter in irgend einem Punkte als zu weit- gehend erscheinen. Ehe die Kühncmänncr eine auch für Arbeiter halbwegs ehrenvolle Einigung bei Streiks zulassen, eher sperren sie womöglich Taufende von Arbeitern kaltherzig aus. Doch, auch die„Herren aus der Gartcnstraße" werden sich einst die Hörner ablaufen, wenn die Metallarbeiter ihren Mann stehen. Bei einem Kampfe gegen die verhaßten Kühnemänner haben sie die gesamte Arbeiterschaft auf ihrer Seite! Das Ge- wicht einer solchen Unterstützung sollte man auch in der Gartenstraße nicht unterschätzen! Lerlin und Olmgcgenck. Zum Glaserstreik. In der gestrigen Glaservcrsammlung wurde mitgeteilt, daß der Arbcitgebcrbund zu Verhandlungen mit der Or- ganisation geneigt sei, sobald er sich über die den Gesellen zu machenden Angebote betreffs der Tarifbedingungcn schlüssig geworden ist. Eine scharfe Kritik wurde sodann an den Kleinmeistern geübt, die sonst nur mit einem Lehrling kümmerlich dahinvegetieren und jetzt Arbcitswilligendienstc verrichten. Die Gesellen werden sich diese Herren merken, falls sie später wixklich einmal in die Lage kommen sollten, Gesellen zu benötigen. Bekannt gegeben wurde ferner, daß in die Arbeitsbcrechtigungökarten für die kommende Woche 3 rote und 2 grüne Marken geklebt sein müssen, falls sie als gültig be- trachtet werden sollen. Auch wurde beschlossen, künftig nur an solche Mitglieder Bcrechtignngskartcn auszugehen, die ihre Beiträge voll entrichtet haben. Zur Bnusperre am Nonneiida»»». Wie bereits mitgeteilt, be- schloß die Generalversammlung der Maurer am Freitag über den Bau des Unternehmers Küthe am Nonnendamm die Sperre zu verhängen. Die Ursachen dieser Matzregel sind folgende: Schon seit dem Frühjahr sind die Maurer dieses Baues(es ist eine Fabrik der Firma Siemens u. Halske), init dem Unternehmer resp. dessen Policren in ständige Differenzen verwickelt gewesen. Die Firma Küthe gehört nicht dem Bund der Baugeschäft? an und glaubt es infolge dessen auch nicht nötig zu habe», die Bestimmungen des Tarifvertrags der Maurer zu beachten. Vor allem ist die Behand- lung der Maurer durch die Poliere einfach eine unwürdige, und will-i kürliche Mahregelungen von Baudcputicrten oder organisierten Maurern, die irgendwie gegen jene Zustände opponierten, sind an der Tagesordnung. Zu wiederholten Malen mutzten die Organi- sationsvertretcr ans jenem Bau regelnd und schlichtend eingreifen; ja es kam sogar soweit, daß man Vertreter der Organisation, die sonst auf jedem Bau Zutritt haben, von der Baustelle polizeilich herunterbringen ließ. Infolge dessen legten am Mittwoch samt- liche 200 Maurer des Baues die Arbeit nieder. -- Sic Tarifbewegung der Marmorstuttateurc. Bis gestern nach- Wittag waren die Forderungen der Marmorstukkateure von der größten der in Betracht kommenden Firmen und von einer kleineren Firma unterschriftlich bewilligt. Eingereicht wurden die Forde- rungen bei lö Firmen. Welche Antworten im übrigen erteilt wurden, darüber wird in der heute bei Franke in der Sebastianstraße statt- findenden Versammlung berichtet, die auch über die weiteren Maß- nahmen beschließen wird. Deiitlcstes Reich. Ter Lohnkampf im KönigSberger Baugewerbe dauert unverändert fort. Schon über 20 Wochen befinden sich die Bauhilfsarbeiter und Maurer im Streik. Von letzteren sind ungefähr 280 im Ausstande. Weit über 700 sind abgereist, meist nach Berlin und deren Vororten, weil dort viel Arbeit vorhanden sein soll. Die hiesigen Scharf- macher des Baugewerbes haben schwarze Listen dorthin ge- schickt, hoffentlich ohne Erfolg. Sie behaupten,, daß sie Arbeits- krüfte genug haben. Es sind ungefähr 300 Italiener sowie einige Dutzend Arbeitswillige aus der Stadt und Provinz zu ihrer Ver- fügung. Auf vielen Bauten werden die Arbeiten von Invaliden, Arbeitern und Lehrlingen ausgeführt. Letztere bauen vier- bis fünf- etagische Häuser. Die Bauhilfsarbeiter sind durch den Lohnkampf der Maurer in den Hintergrund gerückt worden. Es ist ganz klar, daß durch diesen großen Lohnkampf die übrigen Arbeiter des Bau- gewerbes in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Tapezierer und Dekorateure in Königsberg sind in eine Lohnbewegung getreten. Sie fordern die neunstündige Arbeitszeit, 40 Pf. Minimallohn und für Ueberstunden von 6— 9 Uhr 10 Pf., für Nachtarbeit 25 Pf. pro Stunde Aufschlag. Sonntagsarbeit soll als Nachtarbeit gelten. Akkordarbeitern ist ein Wochenlohn von mindestens 24 Mark zu garantieren. Die Tapezierer sind gut organisiert. Polenpolitik und Unternehmerinteressen. Die auch von uns unter obiger Ueberschrift gebrachte Mitteilung, daß der Regierungs- Präsident von Oppeln oberschlesischen Arbeitgebern im Baugewerbe die Erlaubnis gegeben habe, an Stelle ihrer streikenden Maurer galizische Arbeitswillige zu beschästigen, bestätigt sich nicht. Wie uns aus Kattowitz mitgeteilt wird, hat der RegierungspräMent auf eine Anfrage der Leiter des dortigen Maurerstreiks geantwortet, daß eine solche Erlaubnis nicht erteilt worden sei. Sehr bezeichnend ist aber, daß sämtliche bürgerlichen Blätter Oberschlesiens, ins- besondere auch jene, deren gute Beziehungen zu den Behörden be- kannt sind, jene falsche Nachricht brachten. Man kann nur an- nehmen, daß das geschehen ist, um die streikenden Maurer durch die Nachricht von den in Aussicht stehenden Ersatz durch ausländische «Streikbrecher zu entmutigen. Thatsache ist ferner, daß der Führer des Arbeitgeberverbandes im Baugewerbe, Baugewerksmeister Frantzioch in Kattowitz, wirklich galizische Maurer auf seinen Bauten beschäftigte. Der davon durch die Streikleitung verständigten Polizei gelang eS zunächst nicht, die von Herrn Frantzioch geschickt ver- steckten Galizier ausfindig zzu machen, erst mit Hilfe findiger Streikender konnten dieselben entdeckt und dann von der Polizei ausgewiesen werden._ Die Bauarbeiteraussperrung im Mainthal endete, wie uns ein Privattelegramm aus Frankfurt meldet, mit einem Erfolg der Arbeiterl Dieselben erreichten einen Stundenlohn von 50 Pf bei lOstündiger Arbeitszeit. Der Lohn soll während der Dauer des abgeschlossenen Tarifes allmählich bis auf 54 Pf. pro Stunde steigen. Der abgeschlossene Tarif gilt bis zum März 1908. ' Eine unvorhergesehene Wendung. Wie schon gemeldet, stehen in Düsseldorf die Bäckereiarbeiter im Streik. Zur Unterstützung der Streikenden ist von feiten des Gewerkschaftskartells der Boykott über die Bäckereibetriebe verhängt worden, die die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligt haben, die Streikleitung plant jetzt die Er- richtung einer Genossenschastsbäckerei und trifft schon alle Vor- bereitungen, um einen Ofen so schnell als möglich in Betrieb zu setzen. Einen solchen Ausgang der Lohnbewegung haben die Protzen im Bäckereigewerbe wohl nicht erwartet. Die Lackierer Leipzigs verlangen die Beseitigung des Aeeord- lohnsystems und einen Mindestlohn von 53 Pf. pro Stunde bei neun- stündiger Arbeitszeit. Für diejenigen, welche bisher in Aeeord arbeiteten, soll der bis jetzt verdiente Durchschnittslohn, mindestens aber ein Stundenlohn von 50 Pf. gelten. Soziales. Die ewige Knechtschaft der Aerzte. In der Generalversammlung der Ortskrankenkasse München eitierte der Vorsitzende einen charakteristischen Ausspruch eines Arztes dieser Kasse: Die Aerzte haben sich durch Einführung der freien Arztwahl zwar der Kikechtschaft des Kassenvorstandcs entzogen, sich aber dafür der Knechtschaft der Patienten in die Arme geworfen. Die Armen sind also verdammt, ewig Knechte zu bleiben: es giebt nur ein Mittel, sich dieser Knechtschaft zu entziehen: Sie müssen mit ihren Herren die Rollen tauschen.--- Nur ein Arbeiter ist ein Herr l?--- Oder liegt nicht doch eii; tiefer Sinn in dem VerzweiflungS- ausspruch des Arztes? Wer ist wohl kein Knecht in der heutigen Klassengesellschaft? Anders wird's erst in einer socialistischcn Gesell- schaft Freier und Gleicher werden. Wer sich selber aus der Knecht- schaft befreien will, muß mitarbeiten an der Befreiung des Volkes aus der Knechtschaft des Kapitalismus. Es wäre keine üble Beigabe des Kampfes der Aerzte gegen die Krankenkassen, wenn er etlichen die Einsicht beibrächte, daß ihre Be- rufsknechtschaft unabhängig ist von der Frage, ob freie Arztwahl oder angestellter Arzt, sondern daß sie.zusammenhängt mit dem allgemeinen Gesellschaftszustande und daß es diesen zu ändern gilt, um frei zu werden._ Einhaltsbefehl gegen Boykott. AuS einem Lohnkampfe resultierte ein Boykott gegen die Mlimmertsche Brauerei in Erimniitschau. Gegen den Boykott hatte der Besitzer Mummert einen Einhaltsbefehl des Amtsgerichts Erimmit- schau erlangt, der den Boykottierenden die Fortsetzung des Boykotts unter Androhung einer Geldstrafe von je 1500 Mk. verbot. Das Landgericht Zwickau hatte den Einhaltsbefchl aufgehoben, das Ober- landesgericht Dresden aber hat ihn durch Urteil vom 6. Juli wieder für zulässig erklärt. Jetzt wird die Begründung des oberlandes- gerichtlichen Urteils veröffentlicht. Danach geht das Oberlandes- gericht davon aus. daß die§8 1S2, 153 der Gewerbe-Ordnung zunächst in Frage kommen.-An sich sei danach auch der Boykott durch Vereinigung mehrerer erlaubt. Der Beklagte sei aber weiter ge- gangen, indem er die Gastwirte und Bierhändler, welche Mummert- sches Bier führten, mit Boykott„bedroht" habe. Er habe damit andre durch Drohungen zu bewegen versucht, einer Vereinigung zur Erlangung günstiger Lohnbedingungcn beizutreten. Nachdem diese Konstruktion gemacht, die in Wirklichkeit nur eine Fiktion ist, ergiebt sich alles übrige unter Anwendung der§§ 823, 820 B. G. G. sSchadcnzusiigung gegen die guten Sitten und Unterlassungs- anspruch) und Z 940 Z. P. O. ganz von selber. Nach der Auffasiung des Lberlandesgerichts hatten nun eigentlich hie Boykottierenden noch Strafe aus 8 153 der Gewerbe-Ordnung zu gewärtigen. Denn es heißt in der Begründung wörtlich: „Nach alledem erachtet es das Berufungsgericht für ausreichend glaubhaft, daß der Beklagte Köhler andre, an dem zwischen ihm und dem Kläger auszufechtenden Lohnkampfe ganz unbeteiligte Per- sonen(die Gastwirte und Flaschenbierhändler) durch Drohungen bestimmt oder zu bestimmen gesucht hat, an einer Verabredung teil- zunehmen oder ihr Folge zu geben, welche von einem Teile der Arbeiterschaft Crimmitschaus zum Zwecke der Wiedereinstellung der vom Kläger entlassenen Arbeiter in die Wege geleitet worden war. Damit hat er die Schranken des Koalitionsrechts überschritten und eine nach§ 153 der Gewerbe-Ordnung verbotene und mit Strafe bedrohte Handlung begangen. Diese gesetzliche Bestimmung dient in erster Linie dem Schutze derjenigen, die am Lohnkampfe nicht beteiligt sind und sich nicht daran beteiligen wollen. Sie sollen dagegen geschützt werden, daß nicht mit unzulässigen Mitteln auf sie eingewirkt, daß sie nicht durch Zwang, Drohung. Ehrverlust oder Verrufserklärung genötigt werden, an einer Verabredung teilzunehmen, der sie nicht freiwillig beitreten wollen."_ Ein nettcS Stück kapitalistischer Steuerpolitik wurde in einer Konferenz socialdemokratischer Gcmcindevertreter in Dortmund aufgedeckt. Die Zechen haben unter bestimmten Voraus- setzungen an die Gemeinden eine Berg-Gewerbesteucr von 2 Proz. zu zahlen. Die Gemeinden können aber mit diesen Zechen auch ein für allemal_ die Zahlung dieser Steuer in Forin einer Pauschal- summe vereinbaren. Unsre famosen Gemeindeordnungen geben nun den großen Grundbesitzern ein solches Uebergewicht in der Gemeinde- Verwaltung, daß sie diese direkt oder indirekt meist beherrschen. Es wird deshalb von dein System der Pauschalzahlung reichlich Ge- brauch gemacht. Der Gemeindevertreter Brockhaus erwarb sich das Verdienst, an Zahlen nachzuweisen, was die Zechen bei dem Ge- schüft verdienen. Es hätten zu zahlen Es haben gezahlt Zeche gehabt nach der Pro- nach Pauschal- zcnt-Bercckumug Vereinbarung Bickefelder Tiefbau....»4 870 M. 9 000 M. Bommerbanko Tiefbau.. 21 595„ 10 000„ Sperkhövel....... 13 846„ 2 500, Marianne-Steinbank... 46 528„ 23 000„ Eiberg Hemann..... 55 367„ 8000„ Alstaden........ 38 874„ 27 000„ Insgesamt hätten die sechs Zechen zu zahlen gehabt 211080 M. sie haben gezahlt 79 500 M., also nur stark ein Drittel der eigent- lichen Steuersumme. Es ist dann kein Wunder, wenn die dortigen Gemeinden mit Kommunalsteuer-Zuschlägen wirtschaften, die bis nahe an 300 Proz. gehen._ Zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Gärtner werden von der preußischen Regierung Schritte unternommen. Den in Betracht kommenden Organisationen der Unternehmer und der' Arbeiter, dem Verbände der Handclsgärtner Deutschlands und dem All- gemeinen deutschen Gärtner verein ist eine Vorlage für Erhebungen über die Berufsgliederung und die Betricbsverhält- nisse im Gärtnergewerbe zur Begutachtung zugegangen. Die Vor- läge wird von der„Allgemeinen Deutschen Gärttierzeitung" sehr günstig beurteilt. Die erste Gcwcrbcgcrichtswahl im Plauensche» Grunde bei Dresden hat den Gewerkschaften einen glänzenden Sieg gebracht. Es wurde nach dem Proportionalshstem gewählt, das von vornherein eingeführt wurde, um den Christlichen gnd Hirsch-Dunckerschen eine Vertretung zu sichern. Es wurden nun 5175 Stimmen abgegeben. Davon gaben die Christlichen und Hirsch-Dunckerschen ans ihre Liste ganze 125 Stimmen, so daß sie von den 20 Mandaten nicht ein einziges bekommen. Sämtliche übrige Stimmen wurden auf die Liste der freien Gewerkschaften abgegeben. Diese eroberten überdies noch vier Unternehmcrmandate. Das Ende einer Schwindelkassc. Vor etwa zwei Jahren gründeten der frühere Versicherun�sbeamte Friedrich Wilhelm Jakob und der ftühere Sattlermeister Arno Heinrich Beck in Leipzig die Krankenkasse S a n i t a s. Sie machten init einigen Agenten eine„Vorstaudssitzung". ließen sich zu„Direktoren" wählen und dann wurden kautionsfähige Bureaubeantte gesucht. Sie fanden auch solche, die insgesamt 5840 M. Kaution einlegten. Diese Kautionen dienten der Kasse als„Betriebsmittel" und der Betrieb bestand darin, daß Jakob und Beck das Geld verbrauchten. Jetzt sind beide wegen der Schwindeleien verurteilt worden und zwar Beck wegen wiederholten Rückfallbettuges zu drei Jahren Zuchthaus und 1500 M. Geldstrafe oder noch 100 Tage Zucht- haus, Jakob unter Einrechnung einer bereits rechtskräftig erkannten andern Strafe Ivegcn gleicher Schwindeleien mit einer Kassen- gründung L i p s i a zu vier Jahren zwei Monaten einer Woche Ge- fängnis. Beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre aberkannt. Die S a n i t a s war die Nachfolgerin der auf ähnlicher Grund- läge errichtet gewesenen Sächsischen Centraikrankenkasse in Chemnitz, an der die beiden Schwindler beteiligt waren. Versammlungen. Mit dem Bremer Parteitag beschäftigte sich fast ausnahmslos die letzte Mitgliederversammlung des Socialdemokratischcn Wahlvcreins R i x d o r f. In seinem ein- leitenden Referat bemerkte Bocske, daß er die Tagesordnung zum diesjährigen Parteitage, wie sie der Partcivorstand veröffentlicht habe, etwas zu trocken fände, es läge daher die Befürchtung nahe, daß sich Sccncn, wie in Dresden, wiederholen könnten, und dies müsse man zu vermeiden suchen. Er cnipfchlc daher der Versamm- lung einen Antrag, welcher die Schulgesctzfrage auf die Tages- ordnnng des Parteitages zu setzen fordert, anzunehmen. Nun seien ja sehr oft derartige Anträge, wenn sie auf dem Parteitage selbst gestellt worden, an der Verhandlung gescheitert, weil es unmöglich war, die dazu erforderlichen Referenten zu stellen. Diesem Hebel- stand sei diesmal vorgebeugt, indem sich Genosse Dr. Leo Arons bereit erklärt habe, das Referat für diesen Punkt eventuell zu über- nehmen. Der parlamentarische Bericht dürfte von feiten der Rix- dorfer Parteigenossen keinerlei Ausstellungen erfahren. ES sei denn, daß sich der Parteitag zu den von Dr. Fricdcbcrg gemachten Acuße- rungen, welcher den Parlamentarismus als etwas Nebensächliches und Ueberftüffiges betrachtet, zu äußern habe. Es sei traurig genug, wenn ein Parlamentarier, wenn er auch nur einem Stadt-Parlament angehöre, den Ausspruch thuc, daß er dem allgemeinen Wahlrecht keine Thräne nachweine, noch dazu zu einer Zeit, wo unsre Gegner bei der besten Arbeit sind, uns das Wahlrecht zu rauben. An solchen Aeußerungen müßten ja die Wahlrcchtsfcindc ihre helle Freude haben. Darum werde es notwendig sein, den Parteigenossen Dr. Friedeberg gehörig in die Schranken zu weisen,«ni zu ver- hindern, daß er die Irreführung der Massen weiter betreibe. Zum Punkt Maifeier hätten wir alle Ursache, ein Wort mitzureden, denn es könne keine Rede davon sein, den von einzelnen Gewerk- schaften, wie z. B. den Buchbindern und Metallarbeitern, geäußerten Bestrebungen, die Feier des ersten Mai in der bisherigen Weise ab- zuschaffen bezw. abzuändern, entgegenzukommen. In andern Ge- werkschaften wie z. B. bei den Holzarbeitern, wo die Maifeier schon in Fleisch und Blut übergegangen sei, habe man keine Lust, von der Feier des 1. Mai in bisheriger Weise Abstand zu nehmen. Darum empfehle er die Resolution des Parteivorstandes. Nicht minder not- wendig sei es, der K o m m u n a l p o l i t i k mehr Aufmerksamkeit zu widmen, um die Schaffung eines einheitlichen Kommunal- Programms der Verwirklichung näher zu rücken. ES sei ein un- haltbarer Zustand für unsre Gemeindevertretcr, daß sie oft durch die örtlichen Verhältnisse gezwungen sind, in derselben Frage, selbst in benachbarten Orten wie z. B. Berlin und Nixdorf, ganz entgegengesetzte Ansichten zu vertreten. Zu dem vom Parteivorstand veröffentlichten Abänderungsvorschlag des Organisationsstatuts äußert sich Redner zu� 1 und 2 zustimmend. Den Punkt Delegation zum Parteitag würf�ht er jedoch gestrichen zu sehen. Beim parlamentarischen Bericht sei auch zu er- warten, daß der Fall Schippe! aufgerollt werde und sei es notwendig, daß Schippe! seine Ansicht äußere. Die für die Pro- vinzial-Konferenz bestimmten Anträge aus den Probinzkreisen, welche darauf hinauslaufen, den Berliner Genossen wohl die Be- schaffung der Mittel, jedoch das Bestimmungsrecht den Genossen in den betreffenden Kreisen zu überlassen, bekämpft Redner, insofern es einmal ungerecht wäre, und die nötigen agitatorischen Kräfte in den verschiedenen Kreisen nicht vorhanden wären. Darum sei es besser, es bei dem jetzigen Passus zu belassen. Dagegen sei die Forderung der Anstellung eines besoldeten Beamten für Berlin und die Provinz, welcher die Agitation und Organisation in den einzelnen Orten zu leiten habe, als berechtigt und annehmbar zu erklären.— Aus der Mitte der Versammlung liegen verschiedene Anträge vor. Ein Antrag der Genossen des 14. Bezirks, welchen auch der Vorstand des Wahlvereins stellt und empfiehlt, verlangt, die Schul- gesetzfrage auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen. Vom Genossen Conrad liegt folgender Antrag vor:„Der Parteitag möge beschließen, daß unsre Fraktion im Reichstage dahin wirken möge, daß ärmeren Gemeinden zur Unterhaltung der Schulen bestimmte Zuschüsse aus Mitteln des Reichs oder der Einzel st aaten ge- währt werden. Genosse Franke beantragt zu dem vom Parteivorstand empfohlenen Organisationsstatut, dem§ 1 folgenden Zusatz bei- zufügen: Jeder Parteigenosse, welcher als Funktionär in der Partei thätig ist oder sein will, ist verpflichtet, seiner Berufsorganisation anzugehören, soweit solche in seinem Berufe besteht. Ein Antrag Müller bezweckt, daß Sachen, wie der Fall Abel, vermieden werden, indem bei Anstellungen zunächst Parteigenossen berücksichtigt werden, da doch in den Reihen der älteren und thätigen Genossen solche zu finden sein würden, welche zur Ausübung eines solchen Postens befähigt seien. Eine von H o f f m e i st e r eingebrachte Resolution verlangt unter Hinweis des billigen Abonnemcntspreises der gegnerischen und parteilosen Presse eine baldige Verbilligung des„Vorwärts". Ein Antrag der Genossen des 7. Bezirks, welcher jedoch mehr auf die Provinz-Konfcrenz Bezug hat, verlangt einheitliche Regelung von Vertrieb und Festlegung des Preises für sämtliche Partei- und AgitationS- s ch r i f t e n. In der Diskussion wendet sich Klar gegen die Ausführungen Boeskes, als seien die Gewerkschaften für die Agitation gegen die Feier des 1. Mai verantwortlich zu machen. Wenn einzelne Mit- gliedcr der Gewerkschaften z. B. in den„Socialistischen Monats- heften" hierzu Stellung genommen haben, so seien diese doch nicht für die Gesamtheit maßgebend. Der von Friedeberg propagierte Generalstreik dürste keine allzu lebhafte Debatte zeitigen, stehen doch die Massen dem Generalstreik höchst unsympathisch gegenüber. Die Erörterung des Kommunal-Programms sei unbedingt notwendig, jedoch werde es unmöglich sein, dies auf einem Parteitag zu er« lcdigen. Für unumgänglich notwendig halte er es, die Schulgesetz- frage auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen, denn nur durch die Hebung der Volksschule sei'es möglich, daß die Bildung der Massen und somit die Förderung unsrer Ziele weitere Fortschritte mache. Die Anstellung eines.besoldeten Beamten für die Provinz halte auch er für notwendig. Ebenso stimme er dem vom Partei- vorstand empfohlenen Organisationsstatut, im besonderen dem§ 1 zu.— Dr. Silber st ein spricht Boeske gegenüber seine� Ver- wunderung aus, daß derselbe es sich nicht habe verkneifen können, bei Besprechung des Organisationsstatuts den Akademikern eins auszuwischen. Demnach müsse man ja annehmen, daß die Akade- miker Parteigenossen zweiter Klasse seien; die akademisch gebildeten Genossen müßten sich geradezu fürchten, sich der Partei anzu- schließen. Entweder man sei Parteigenosse oder keiner. Man solle doch nicht schon längst abgethane Sachen, wie die angeführten Fälle Braun und Heine immer wieder vorbringen. Die Schippelsche Sache sei ja eine sehr heikle und wäre es daher gut, endlich einmal eine klare und bestimmte Antwort zu erhalten. Die Kommunal- und Schulgesetzfrage bedurften der eingehendsten Beratung und dürften sehr leicht gemeinschaftlich behandelt werden können. Zu den Ausführungen Friedcbergs äußert sich Redner dahin, daß diese schlimm seien, aber noch schlimmer sei es, daß sie in einer so großen Versammlung unwidersprochen geblieben sind, noch dazu in einer Zeit der politischen Krisis, wie wir sie jetzt zu verzeichnen haben. Wohl haben wir bis jetzt noch nicht allzu viel durch den Parla- mcntarismus erreicht, aber damit was Friedeberg empfiehlt, würden wir noch viel weniger erreichen, ja wir würden dadurch unfern Gegnern direkt in die Hände arbeiten. Im übrigen seien ja seine Ausführungen nicht einmal neu, und, trotzdem diese Ansicht von einer Anzahl von Leuten schon längst verfolgt und betrieben würde, hätten dieselben noch nicht den geringsten Erfolg zu verzeichnen. Er hoffe, daß Fricdcberg auf dem Parteitage eine gründliche Absage zu teil werde. Genosse Ebel meint, daß selbst die trockenen Tagesordnungen auf den Parteitagen niemals erschöpft worden seien, und man solle sich dagegen wenden, daß durch allzu breite Behandlung des Be- lichtes des Parteivorstandes die Anträge der Partei-Organisationen unter den Tisch fallen. Die Friedebergsche Versammlung könne noch weitere Folgen zeitigen; darum sei es an der Zeit, Friedeberg einmal ordentlich über den Schnabel zu fahren. Betreffs der Mai- feier ist Redner der Meinung, daß ein etwaiger Beschluß des Jnter« nationalen Kongresses, die Maifeier anders als bisher zu regeln, auch für die deutschen Genossen bindend sein müsse, es könne darum keine Rede davon sein, trotz Beschluß des Internationalen Kongresses der Maifeier eine andre Form zu geben. Für die Resolution Hoffmeistcr traten außer dem Antragsteller, welcher dieselbe begründet, noch die Genossen Rohr, Franke und. Ebel ein, wogegen die andern Genossen die Herabsetzung des AbonncmcntspreiseS des„Vorwärts" als undurchführbar und un- klug bezeichneten. Das Organisationsstatut, wie es vom Parte, vorstand vorge- schlagen, fand auch im allgemeinen die Zustimmung der nachfolgen- den Diskussionsredner. Ebenso traten fast alle für die Beibehaltung des 1. Mai als Feiertag in der bisherigen Weise ein. Volkmann beantragt des weiteren noch, sich dem Vorschlage der Breslauer Parteigenossen, eine gemeinschaftliche Ccntralisierung herbeizuführen, anzuschließen. Nachdem noch Bocske sich zu den einzelnen Anträgen geäußert und Franke seinen Antrag begründet hatte, wurde be- schlössen, die Verhandlung über diese Debatte in einer demnächst einzuberufenden außerordentlichen Mitgliederversammlung weiter zzu führen. Zum Schluß erfolgte noch die Aufnahme von 32 neuen Mit- gliedern._ Letzte I�achrichten und Depefchen. Eisenbahn-Unfall. Figeack(Departement Lot), 13. August.(W. T. B.) Ein nach Aurillac gehender Personenzug entgleiste bei Buzac. Die Lokomotive und zwei' Kohlenwagen stürzten 15 Meter in den Fluß hinunter. Der Heizer wurde getötet, der ZugftiHrer und ein Bahnbeamter ver- letzt. D,e Reisenden blieben unverletzt. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatze. Shangbai, 13. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der russische Kreuzer„Askold" und de- Torpedobootszerstörer „Grosoboe" find hier eingetroffen. Ersterer ist schwer beschädigt und beanspruch: das Recht, im hiesigen Hafen zu bleiben, da er manöverunfähig sei._ Zum amerikanisch-türkischen Konflikt. Washington, 13. August.(Meldung des Reuterschen Btzrcaus.) Staatssekretär Hay erklärte, die Pforte habe in dem amerikanisch- türkischen Zwischcnsalle in allen Punkten nachgegeben und die An- gclcgenhcit fei damit beigelegt. Perantw. Redakteur: Pank Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: VottvärtsBuchdr.u.Verlagsanstalt Paul Singer L-Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhallungsblatt Nr. 190. 21. Jahrgang. 1. WIM des Joraiirlü" Minet ilolbliktt. Sanntag, 14. August 1904. Der Parteitag von Lille. Lille, 11. August.(Eig. Ber.) Dritter BerhandkungStag. Vormittags 8V2 llhr. Schlußsitzung. Vorsitzender: Abg. P i g e r- Saint-Etienne, Beisitzer: Delaporte und Lafont. Proportionalvertrctung und die geheime Wahl. Cachin-Bordeaux begründet kurz einen Wunsch der Gironde- Föderation zu Gunsten der Proportionalvertretung. Dieses System würde der Partei einen doppelten Vorteil bringen: die Zahl unsrer Abgeordneten würde auf Grund der bisherigen Stimmeuzahl bereits zweimal so groß sein wie jetzt, andrerseits wäre die Partei die Stichwahlen mit ihren Schwierigkeiten und Kompromissen los. In der Partei herrscht Uebereinstimmung in dieser Frage. Die Kammerfraktion hat bereits mehrfach Anträge zu Gunsten der Proportionalvertretung und der Wahrung des Wahlgeheimnisses ein- fiebracht. Nach kurzer Debatte wird beschlossen, die Fraktion möge ür das schleunige Votum jener Anträge in der Kammer sorgen. Allianz mit Rußland. Levasseur: Die Föderation von Seine-et-Oise will die Kammer- fraktion beauftragt wissen, eine Interpellation über die Natur uird die Grenzen des franko-russischen Allianzvertrages einzubringen. Baillant: Eine solche Interpellation wäre ziveckwidrig, sie würde lediglich eine russenfreundliche Kundgebung der bürgerlichen Parteien zur Folge haben, trotzdem die Russenbegeisteruug gesunken ist, be- sonders seit den russischen Niederlagen in Ostasien. Die Fraktion wird aber nach wie vor bei jeder Gelegenheit Protest erheben gegen jede reaktionäre oder den Frieden gefährdende Rückwirkung der Allianz.— D e l 0 r y spricht im gleichen Sinne.— Damit ist die Frage erledigt. Schulfrage. Bracke, Berichterstatter: Gemäß dem Beschluß des Kongresses von Reims hat der Centralrat über die Frage eine Enquete bei den Föderationen und Gruppen veranstaltet auf dem Wege eines detaillierten Fragebogens. Es sind eingelaufen öS Antworten von 16 Föderationen. Die Meinungsunterschiede zeigen sich in diesen Antworten viel unerheblicher als erwartet werden mochte. Ein- stimmig haben sich die Föderationen für die vollständige Abschaffung des kongrcganistischeu Unterrichts erklärt. Desgleichen für den Unterhalt der Schulkinder auf öffentliche Kosten, was eine not- wendige Folge des Schulobligatoriums ist. Die dritte Frage: soll die Volksschule staallich oder kommunal sein?— wurde verschieden beantwortet: die Einen erklären sich für die ausschließlich staatliche Volksschule, die andren für das Nebenbestehen von staatlichen und kommunalen VoUSschulen, keine einzige Antwort für die ausschließlich kommunale Schule. Die vierte und wichtigste Frage betrifft das staat- liche Schulmonopol: Soll dem Staat die Leitung der Volksschule an- verttaut werden oder aber hat der Staat bloß für die Funktionierung des Primarunterrichts zu sorgen ohne jede Leitungsbefugnis?— 11 Föderationen unter 16 haben sich im letzteren Sinne, also gegen das staatliche Schulmonopol ausgesprochen. Die privaten Schulen sollen bestehen bleiben und derselben Regelung unterstehen wie die öffentlichen. Die Frage der Schulkontrolle wurde ver- schiedeutlich beantwortet: teils für die Kontrolle durch die Bäter und Mütter der Schulkinder, gemäß dem Antrage Lafargues in Reims, teils für die Sicherung der Kontrolle durch das Lehrpersonal selbst, teils für die Konttolle seitens eines gewählten kommunalen Schulrates. Der Berichterstatter beantragt eine Resolution, die eine Zu- sammenfassung der Ergebnisse des Parteireferendums ist, wobei die Kontrollfrage, die das Referendum unentschieden gelassen hat, durch die allgemeine Bestimmung gelöst wird, daß die Kontrolle durch eine aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgehende Körperschaft zu sichern wäre. Nach kurzer Debatte wird die Resolution Bracke einstimmig votiert. Generalstreik. Dnbrcuilh, Berichterstatter: Die Kommisston hat sich dahin geeinigt, in der Resolution die Punkte zusammenzufassen, über die sich in der Kongreßdebattc llebcreinstimnmng ergeben hat. Die beantragte Resolution kann daher selbstverständlich nicht die einen und die andren vollständig befriedigen. Trotzdem hofft die Kom- Mission auf die einstimmige Annahme der Resolution. Die Resolution lautet: „In Erwägung, daß die kollektive Arbeitsverweigerung oder der Streik die einzige Waffe ist, die die kapitalistische Gesetzlichkeit den Proletariern auf dem Boden des Lohnsystems zur Verfügung ge- lassen hat für die Verteidigung ihres Brotes oder ihrer Würde: „In Erwägung, daß der Streik, indem er den die kapitalistische Ordnung kennzeichnenden Interessengegensatz den Blindesten auf- zeigt und den Klasseninsttnkt der Arbeiter erweckt, geeignet ist, diese letzteren zum Klassenbewußtsein zu bringen, welches sie zu Socialisten machen kann und muß.— „erinnert die P. S. de F. alle ihre Mitglieder an die Pflicht, sowohl den Gewerkschaften ihres Berufes beizutreten wie sich mit den streikenden Kameraden zu solidarisieren und mit aller Kraft an dem Sieg ihrer Forderungen mitzuwirken. „In fernerer Erwägung, daß ein mehr oder minder allgemeiner Streik unter Beihilfe der proletarischen Organisation und unter günstigen Umständen einen revolutionären Ausbruch herbeiführen kann und daß andrerseits dort, wo die Proletarier polittsche Aktion?» mittel nicht besitzen oder mit dem Verlust derselben bedroht sind, diese nmssenhafte Arbeitseinstellung sich ihnen aufzwingen kann, um jene Aktionsmittel zu erringen oder zu bewahren,— „erklärt sich die P. S. de F. bereit, in solchen Umständen ihre ganze Pflicht zu thun, ohne die Verantwortung für Konflitte zu übernehmen, die ihrer eignen Aktion sich entziehen. „Zugleich aber erklärt die Partei energischer denn je, daß die Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel von der Uebernahme der politischen Macht durch das Proletariat abhängt und daß folglich alle klassenbewußt gewordenen Arbeiter sich um den revolutionären Socialismus scharen müssen, der einzig im stailde ist, durch die politische und ökonomische Expropriatton der kapitalistischen Klasse den Wohlstand und die Freiheit aller zu sichern." Tanger-Paris beantragt namens der Seine-Födcration die Worte der Resolution:„ein mehr oder minder allgemeiner Streik", die einen spöttischen Beigeschmack hätten, durch die Worte zu ersetzen:„ein partieller, verallgemeinerter oder allgemeiner Streik". Dieser Antrag erregt eine längere, zum Teil leideuschaftlichc Debatte, an der sich Journaud, Baillant, Lafont, Levasseur, Groussier, Lafarguc, Cachin, GueSde, Chauvin und andre beteiligen. Im Laufe der Debatte ändert Tanger seinen Antrag dahin, die bezeichneten Worte der ursprünglichen Resolution so zu modifizieren:„ein mehr oder minder ausgedehnter oder allgemeiner Streik". Die Kom- Mission stimmt dem abgeänderten Antrag Tanger zu. Es entspinnt sich eine neue Debatte. Die Gegner des Generalstreiks erblicke» auch in diesem Antrage eine für si� unzulässige Anerkennung des Generalstreiks. Chauvin protestiert gegen den Frontwechsel der Kommission und meint, daß das Votum des Antrages Tanger eine«ileberstimmung der generalstreikfeiudlichen Mehrheit durch die geiwralstreiklerische Minderheit bedeuten �vürde. Tie Abstimmung über den Antrag Tanger und die ganze Resolution wird nach Maudaten vorgenommen. Sie ergiebt die Annahme der so abgcänderten Resolution mir 114 gegen 3» Mandate bei zwei Enthaltungen. Ferner wird votiert G u c s d e s Antrag auf Veranstaltung von Vorträgen im ganzen Lande mit dem Thema: Organisation des Proletariats. Gewerkschaften und Partei. Auf den Antrag der Kommission lvird eiustiminig und ohne Debatte diese Resolution augeuommen: „In Erwägung, daß die Organisation und der Kampf auf dem gewerkschaftlichen und dem politischen Gebiete für die Befreiung der Arbeiterklasse unentbehrlich sind, daß folglich jeder seiner Interessen bewußte Arbeiter der Gewerkschaft seines Berufes beizutreten und jeder Gewerkschafter der socialistischcn Partei sich anzuschließen hat; „In fernerer Erwägung, daß die gewerkschaftliche Organisation in Frankreich auf dem Wege ist, sich immer mehr in der Allgemeinen Konföderation der Arbeit zu vcrciuheitlicheii, „erinnert die P. S. de F., die einzige politische Organisation des Proletariats, alle ihre Mitglieder an die Notwendigkeit, der Ge- werkschaft ihres Berufe-? nicht nur beizutreten, sondern auch sich an derselben aufs energischste zu bethättgen, und ladet zugleich alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ein, sich baldigst der Revo- lutionär-Socialistischen Einigkeit anzuschließen." Die Tagesordnung ist damit erledigt. Bracke verliest unter Beifall ein Begrüßungsschreiben von Rosa Luxemburg. Nach Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten bringen Pariser Delegierte, Chauvin, Doczis, Lafont und andre, den Fall Chauviöre zur Sprache. Chmiviere, Mitglied der Kammcrfraktion, gehört keiner Parteiorganisation an. Die Seine- Föderation bat daher beschlossen, jede Beziehungen mit diesem Pariser Deputierten abzubrechen und verlangt dessen Ansschluß aus der Fraktion. Baillant erklärt, daß Chauviere versprochen hat, seine Parteisituation zu regeln, und bcantragt daher, den Fall dem Centralrat zur Entscheidung zu überweisen. Lafont bekämpft diesen Antrag: Chauviäres Haltung wäre überhaupt von jeher parteiwidrig, er habe selbst Parteikandidaten während des Wahl- kampfes bekämpft. D e l 0 r y spricht im Sinne Vaillants. Schließlich wird Vaillants Antrag angenommen. Der Tagungsort des nächsten Kongresses wird, wie bisher, vom Centralrat bestinimt werden. Die ständige, aus lö Mitgliedern bestehende Exekutivkommission des Centralrats wird in geheimer Zettelwahl gewählt. Vorfitzender Piger schließt den Parteitag mit einem Dank an die Liller Genossen für die vorzügliche Organisatton des Kongresses und betont die vollkommene Einigkeit der Partei, die in Lille neu be- kräftigt wurde.(Beifall.) Der Kongreß schließt mit dem Gesang der„Internationale" und des„Jnsurgve". Schluß 12Vä Uhr. Fliilfjthnttr internationalkr Kergarbeitkr-Kongreß. Dritter Verhandlungstag. Paris, 16. August. Der Kongreß fährt in der Verhandlung über die Wurmkrank- hcit fort. Eaelnwactt- Belgien geht auf die Entwicklungsgeschichte des Wurmes näher ein und weist nach, daß die Unternehmer die Schuld an der Einschleppung, sowie Verbreitung der Krankheit tragen, weil sie nicht genügende Vorkehrungen zur Verhütung getroffen haben. Darum müsse die Regierung einschreiten, müsse aufilärende Broschüren herausgeben, damit alle Arbeiter genau über die Gefahr, die ihnen droht, aufgeklärt würden. Dann sollen die Vorschriften in so viel Sprachen ausgehängt werden, als auf der Grube unter der Berg-Belegschaft vorhanden sind, damit sie jeder in seiner Mutter- spräche lesen kann. Die, Aborte müssen so angelegt werden, daß sie von den Arbeitern ohne viel Zeit- und Lohnvcrlust erreicht werden können. In der belgischen Kammer brachten die Socialisten die Wurmkrankheit zur Sprache und forderten, daß die Regierung Vor- kchrungen zur Bekämpfung derselben treffen solle. Der Minister habe sehr viel versprochen, aber geschehen sei n i ch t s. Redner ist der Meinung, daß die bösartige Krankheit nicht eher verschwinden werde, bis die Bergarbeiter durch gute Organisationen die Bekämpfung der Krankheit selbst in die Hand nehmen. H u fe m a n n- Teutschland: Es kann meine Aufgabe nicht sein, hier nochmals die Geschichte der Wurmkrankheit vorzutragen, das hat unser Redner im vorigen Jahre in Brüssel ausführlich gcthan. Ich will mich darauf beschränken, Ihnen das mitzuteilen, was wir im letzten Jahre zur Bekämpfung der Krankheit gefordert und er- reicht haben. Der englische und französische Delegierte haben darauf hingewiesen, daß die Krankheit in Deutschland mit. Erfolg bekämpft worden sei, und sehr im Abnehmen wäre. Es soll nicht bestritten werden, daß die Krankheit bei uns zurückgeht, aber warnen möchte ich doch noch die ausländischen Kameraden, nicht allzu optimistisch zu sein. Wir, als Kenner der Verhältnisse, sehen die amtlichen Be- richte mit Mißtrauen an.(Sehr richtig bei den Deutscheu.) Die Berginspektorenberichte und auch der„Rcichsanzeiger" teilen aller- dings mit, daß die Krankheit sehr im Schwinden begrifsen ist, aber dabei muß festgestellt werden, daß die Bergleute in Deutschland nur zum Teil untersucht worden sind. Selbst im Ruhrrevier, dem stärkstverseuchtcu, sind nicht viel mehr als die Hälfte aller Bergleute untersucht worden, während man in Sachsen von 36 666 Bergleuten nur 2666 unter- sucht hat; in Mitteldeutschland bat noch gar keine Unter- s u ch u n g stattgefunden, ebenfalls nicht im Saargebiet, auf den Staatsgruben, die doch nach Aussage des deutschen Kaisers Muster- betriebe sein sollen. Wie kann man bei einer so mangelhaften Untersuchung mit bestimmten Zahlen an die Oesfcntlichkeit treten? Welchen Wert die offiziellen Zahlen und Berichte bei uns haben, geht aus einer Denkschrift des Vorstandes der Wurmknappschafts- lasse hervor. In diesem Revier sollte die Krankheit im vorigen Jahr noch nicht existieren, wie der Handclsministcr in einer Denk- schrift dem Reichstag mitteilte. Bei späterer Untersuchung stellte es sich jedoch heraus, daß die Krankheit in dem betreffenden Revier in hohem Maße verbreitet ist. Kürzlich hat eine Kommission dort getagt, der eine genaue Untersuchung vorangegangen war, die fest- gestellt hat, daß 56 Proz. aller dortigen Arbeiter wurmkrank sind, und was noch charakteristischer ist, daß die Krankheit seit 1883 in dem Revier noch nicht ausgestorben war, also wird hier gerade das Gegenteil von dein behauptet, was der Minister in seiner Denkschrift sagt. Solche' Konferenzen haben in Teutschland schon mehrere ge- tagt, aber die Hauptbetciligten, die Arbeiter, hat man nie zuge- lassen. Wir freuten uns, heute von den englischen Kameraden zu hören, daß dort die Arbeiter und Besitzer in einer gemeinsamen Konferenz über die Bekämpfung der Krankheit beraten haben. Bei uns läßt es der bonicrte Hcrrenstandpunkt nicht zu, daß Arbeiter und Millionäre zur Verhandlung einer so wichtigen Sache auch nur kurze Zeit ein- und dieselbe Luft atmen. Auch im Reichstag wurde unsrc Forderung von der kapitalistischen Mehrheit abgelehnt und uns der Vorwurf gemacht, wir trieben mit der Wurmkrankhcit politische Agitation. Wir sind uns aber bewußt, daß wir nur das Beste für unsre schwer bedrohten Brüder gethan haben, und können auch die Genugthuung aussprechen, daß durch unser Borgehen vieles besser geworden ist. Wir werden aber nicht eher ruhen, bis die Bergarbeiter von dieser Plage befreit sind.(Lebhafter� Beifall.) Eb c r t- Oesterreich: Bei uns hat sich der Wurm im letzten Jahre auch in den Revieren eingebürgert, wo man ihn früher nicht kannte. Der Minister hat eine Verordnung erlassen, nach der alle Bergleute, die innerhalb der letzten 5 Jahre aus einem fremden Lande eingewandert oder zurückgekehrt sind, untersucht werden müssen.- Die Kosten der Untersuchung trägt die Knappschaftskasse. Während der 5 Jahre können die Leute, falls sie wurmkrank waren, eine ganze Belegschaft angesteckt haben. Die Verordnung verlangt auch die Aufstellung von Aborttübeln. Leider aber fehlen die näheren Be- stimmungcit darüber. Dann sollen Bäder gebaut und dgö Gruben- Wasser nicht zur Berieselung benutzt werden. Die sämtlichen Ver- ordnungen stehen jedoch nur auf dem Papier, denn an die Be- folgung derselben denken die Unternehmer nicht. Oeffentlich begrüßen die Unternehmer die Verordnungen und renommieren damit, daß sie die„Lasten" gerne tragen wollten, um sich so den Anschein zu geben, als seien sie wunder wie arbeiterfreundlich. Redner fordert von der Regierung, daß diejenigen Unternehmer, die die Vorschriften nicht befolgen, bestraft würden. Mitchell teilt mit, daß für morgen vormittag der Saal ander- weitig besetzt sei und folglich die Verhandlung vormittags ausfallen müßte. Darauf wird S a ch s e-D eutschland zum Tagespräsidmten gewählt und vertagt sich der Kongreß bis morgen mittag 1 Uhr. Der Dnrchbrnchsversuch der Port Arthnr-Flotte gescheitert. Es zeigt sich jetzt immer deutlicher, daß der Dnrchbrnchsversuch ber Port Arthur-Flotte als gescheitert anzusehen ist. Abgesehen von den Kreuzern„Askold" und„Novik", denen nur die Verletzung der Neutralität durch Deutschland einstweilen zum Entkonnnen ver- Holsen hat, scheint kein größeres russisches Schiff kampffähig ent- konimen zu sein. Das Schlachtschiff„Zessare witsch" liegt schwer beschädigt bei T s i n g t a u, wo es ja nun wohl fraglos entwaffnet werden wird. Die übrigen Schlachtschiffe und der Rest der Kreuzer sind höchst wahrscheinlich nach Port Arthur zurückgekehrt. Das geht aus folgender Nachricht heröor: Paris, 13. August. Ueber das Seegefecht am 16. d. M. wird folgendes gemeldet: Den Kreuzern„Askold",„Diana" und zwei andren Kreuzern sowie den Kanonenbooten, O t- w a s ch n i" und„ G i l j a k" gelang eS, begleitet von den Torpedobooten, ein Schein Manöver auszuführen, als ob diese Flottille während des zwischen den beiderseitigen Panzern engagierten Kampfes den Japanern in den Rücken fallen wollte. In Wahrheit aber hatten die Kreuzer, Kan-ncnbootc und Torpedo- boote nur den Auftrag, nach dem Süden Japans zu cntkommcnund durch die so den Japanern aufgenötigte Frontverüudernng die Verfolgung zu vereiteln. Der russische Plan gelang auch teil!v eise, wozu wesentlich die von russischen Panzern künstlich erzeugte außerordentlich starke Rauchentwicklung beitrug. Diese Halb- invalide», wie Admiral Skrhdlow die Panzer von Port Arthur nennt, harrten aus, bis dieKreuzer und Kanonenboote außer Sehweite gelangt waren. Die Kanonade, welche die nach Port Arthur zurückkehrenden Panzer vornahmen. galt, Ivie sich später herausstellte, dem„Askold" und einem andern der Kreuzer, die beide starke Verluste an Offizieren und Mannschaften erlitten. Ueber die Seeschlacht bei Port Arthur liegen folgende eingehendere Meldungen vor: Tokio, 12. August. Amtliche Mitteilung. Admiral Togo meldet, das russische Geschwader nabin, nachdem es Port Arthur am 16. August verlassen hatte, einen südlichen Kurs. Unsre vereinigte Flotte griff die russischen Schiffe 25 Seemeilen südlich von Port Arthur an und verfolgte sie in östlicher Richtung. Ein scharfes Gefecht entspann sich von 1 Uhr nachmittags bis Sonnen- Untergang. Der Feind erlitt anscheinend schweren Verlust und späterhin ließ sein Feuer bedeutend nach, während seine Schlachtordnung vollständig in Unordnung geriet. „Askold",„Nowik",„Zessarewitsch",„Pallada" und einige Torpedo- bootszerstörer flohen nach Süden zu und der Rest ging wahrschein- lich nach einem Nachtangriff durch unsre Torpedobootsflottille und -Zerstörer nach Port Arthur zurück. Unsre Flotte erlitt keinen ernsten Schaden; der Totalvrrlnst an Menschenleben wird auf 170 geschäht. Petersburg, 12. August. Die Russische Telegraphen- Agentur meldet aus Mulden von gestern: Während des Kampfes am 26. Juli beschädigte der Panzer„Retwisan" zwei feindliche Schiffe, welche sich sogleich entfernten; wahrscheinlich sind es diejenigen, welche Chinesen aus Tschifu am 2. d. Mts. haben sinken sehen. London, 13. August. Wie die Abendblättcr aus Petersburg melden, berichten amtliche Einzelheiten über die Seeschlacht vom 1V. d. Mts., daß das P a n z e r s ch i f f„Zessarewitsch" die Linie der japanischen Schiffe durchbrach und Kiautschou mit starker Beschädigung erreichte. Sein Verlust b e t r u g 210 Tote, ein- schließlich des Admirals Withöft, und 60 Ber- mundete. Tokio, 13. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Wie Admiral Togo meldet, sollen in dem Kampfe am 16. ds. Mts. fünf russische Kriegsschiffe schwer beschädigt worden sei».„P 0 b j e d a" habe zwei Masten verloren, außerdem sei ein schweres Geschütz des Schiffes gebrauchsunfähig gemacht worden.„Retwisan" habe aus einer Entfernung von 3566 Bieter mehrere Treffer erhalten und scheine s e h r s ch w e r b e sch ä d i g t z u s e i n. Die Kreuzer hätten verhältnismäßig geringere Beschädigungen erlitten, der Kreuzer „Bajan" scheine unversehrt geblieben zu sein. Die Japaner hätten einstweilen alle erhaltenen Schäden ansgebessert. Die deutsche„Neutralität" in Tsingta«. Tokio, 12. August.(Anitliche Mitteilung.) Aus Tsiugtau, den 12. August, vormittags 16 Uhr wird gemeldet: Die russischen Kreuzer „Nowik" und„Askold" kreuzen, nachdem sie in Tsingtau Kohlen ge- iiomnien, außerhalb des Hafens; zwei weitere russische Torpedobootszerstörer sind soeben in den Hafen eingelaufen: daZ Panzerschiff„Zäsare witsch" liegt noch im Hafen. Tschif», 13. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Nach einer heute hier eingegangenen Meldung ist der russische Kreuzer„Nowik" nach Ablauf der Frist von 24 Stunden aus dem Hafen von Tsingtau entkommen; von einem Kamps mit japanischen Schiffen wird nichts berichtet. Frankfurt a. M.» 13. August. Ein Privattelegramm der„Frank- furter Zeitung" aus Shanghai von gestern abend meldet: Der russische Kreuzer„Askold" und„Wiisung" angelaufen. Das Schiff ist über der Wasserlinie beschädigt und der fünfte S ch 0 r n st e i n i st zertrümmert. Neue Landkämpfe um Port Arthur? Tokio, 13. August. Um Port Arthur fand während der ganzen Nacht von Dienstag auf Mttwoch(9./16. August) ein heftiger Kampf statt, der bis 11 Uhr am nächsten Vormittag dauerte. Die russischen Verluste sind enorm. Ferner wird aus Tientsin gemeldet, daß seit zwölf Sttmden die Belagerer von Port Arthur von allen Positionen gleich- zeitig vorrücken. In einer Bastion, die nahe dem Wolfshügel gelegen ist, entspann sich ein besonders erbitterter Kampf. Tokio, 13. August. Der Kaiser hat durch den Marschall Jamaaata dem Marschall Oyauia den Befehl zugehen lassen. den Frauen, Kindern, Priestern, Kaufleuten und den Offizieren der neutralen Mächte zu erlauben, Port Arthur zu verlassen und ihtten in Dalntsi Unterkunft anzubieten; er hat ferner Oyama die Er- mächtigung erteilt, auch andre Nichtkombattanten als die auf- geführten aus Port Arthur heranszulassen. vorausgesetzt, daß es nicht die militärischen Operationen bceiiistuffe. In der von Jama- gata erlassenen Order heißt es: Der Kaiser wünscht aus Humanität, die Nichtkombattanten in Port Arthur vor der durch Feuer und Schwert hervorgebrachten Verwüstung zu bewahren. Ueber die Fortnahme der„Retschitelny" durch die Japaner wird noch gemeldet: Tschif», 12. Slugtiff. Melduiig des„Reuterschen BiireanS"�) Chinesische Marine-Offiziere geben an: Als der erste hier ein- gelaufene japanische Torpedobootszerstörer an den chinesischen Kriegs- schiffen voriibersiihr, wahrend der andre Zerstörer die„Netschitelny" nach Norden zu schleppte, machte das chinesische Flaggschiff„Hai-tschi klar zum Gefecht und teilte dem japanischen Kommandanten mit, dag die„Netschitcluy" zurückgebracht werden müsse, da die Neutralität in offenkundiger Weise verletzt sei. Der Japaner versprach, er werde den TorpcdobootSzerstörer znr Rückkehr nach Tschifu ver- anlassen. Der chinesische Admiral nahm das Ehrenwort des Ja- pnners an und lieg den Zerstörer passieren. Dem japanischen Kommandanten Ivar beim ersten Einlaufen in den Hafen von dem chinesischen Admiral persönlich die Zusicherung gegeben worden, daß die.Retschitelny" entwaffnet ivordcn sei. Die Japaner hatten darauf erklärt, dag sie keinen Angriff auf die Russen beabsichtigten. Bei dem Kamps, der sich bei der Besetzung der.Retschitelny" entspann, hatten beide Teile viele Lerluste, Sechzehn Russen werden ver- migt. Der russische Kapitän ist am Bein verwundet, wurde aber gerettet, London, 13, August, Dem„Daily Telegraph" wird aus Tschifu gemeldet: Die Verluste der Russen bei der Retschitelny-Affaire waren nur gering. Die über Bord gesprungenen Leute trugen Rettung»- gürtet. Der Kapitän und mehrere Verwundete befinden sich iin Hospital, Die Offiziere sind Gäste an Bord eines chinesischen Kreuzers, während sich die Mannschaft bei Landsleuten in Tschili aufhält. Ein russischer Matrose warf mehrere Japaner über Bord, bevor er erschossen wurde. Ein Schiffsfähnrich befahl den Leuten, den nutzlosen Kampf einzustellen und über Bord zu gehen. Aber erst als er einen Bootsmannsmaat ins Wasser gelvorfen hatte, sprangen die andren Leute nach. Die Russen versichern, die Japaner eröffneten sofort den Kampf mit Salven, Dann entstand eine Pause, während welcher sich das chinesische Wachtschiff aus dem Kampfbereich zurückzog,_ Berliner partei-Hnc[elegenbeiten. Erster Berliner Wahlkreis. Dienstag, deu 16, August, abends 8'/z Uhr; W a hlvereins- Versammlung in den A r in i n- hallen, Kommandantenstr. 20. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Dr. Albert S ü d e k u m über„Ludivig Feuerbachs Leben und Lebenswerk". Diskussion. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand, Zweiter Wahlkreis, Süden. Dienstagabend Vz9 Uhr findet in Schnegelsbergs großem Saal, Hasenheidc 21, eine Wabl- Vereins- Versammlung für den Süden statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Socialdemokratischcr Wahlverein für den vierten Berliner Reichs- tags-Wahlkrcis sOstrn). Am Dienstag, den 16, August, abends 8>/2 Uhr, in Fiebigs Salon, Große Frankfurterstr, 36: Versaininlung. Tagesordnung: 1. Vortrag, 2. Diskussion, 3, An den Vorstand gelangte Anträge. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Zu der heute Sonntag, mittag? 1 Uhr, stattfindenden Vorstellung in der„Urania" sind noch Billets bis kurz vor Beginn der Vorstellung �am Eingange der„Urania" zu haben. Charlottcnburg. Heute findet das S o m m e r f e st des W a h l v e r e i n s im V o l k s h a u s e. R o s i n e n st r. 3 statt. Wir erwarten die regste Beteiligung seitens der Mirglieder. Der Vorstand. Charlottenburg. Am Dienstag, den 16. August, abend» um 8>/z Uhr, findet im Volkshause, R o s i n e n st r. 3, eine Mit- g lr e d er- V e r s a inm l u n g des Wahlvereins statt, in welcher Stellung zum Bremer Parteitag resp. zu der Generalversammlung des Kreises zn nehmen ist. Das einleitende Referat lyird das Mitglied des Partei- Vorstandes, Genosse G e r i s ch über: Die Organisation der Partei halten. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung darf kein Mitglied der Versammlung fernbleiben. Für die G ä st e, unter denen wir auch die socialistischen Frauen Charlottcuburgs er- warten, ist die Tribüne reserviert. Der Vorstand. Fricdrichsfelde-Karlshorst-MahlSdorf. Dienstag, den 16, August, abends 8>/z Uhr, findet bei Schulz(Ltndenpark), Wilhelnistraße eine Versammlung des Wahlvereins statt. Da wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen, ist das Erscheinen aller Mir- glieder dringend geboten. Gleichzeitig wird den Genossen bekannt gemacht, daß bei A, Scholz. Berlinerstratze 163, eine Zahlstelle ein- gerichtet ist. Reinickendorf. Am Dienstag, den 16, August, abends pünktlich 8>/z Uhr, findet bei Gebr. Leeder in Reinickendorf jOsy, Residenz- straße 1—2 die außerordentliche G e n e r a l v e r s a m m- lung statt, Tagesordnung: 1. Bericht der Zwölser-Kommission. 2, Wahl einer Schiedskommission. 3. Wahl des gesainte» Vor- standes, der Revisoren, Bibliothekare, Tegel. Ain Dienstag, den 16, August, findet bei Rob, Schmidt. Schlieperstr. 64, abends pünktlich Uhr, die ordentliche Mit- glieder-Versaminlung des Wahlvercins statt, Referent Genosse Max Kiesel spricht über:„Der geplante Wahlrechtsraub", Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend nötig. Der Vorstand, Rixdorf. Die W ä h l e r l i st e zu den Stadtverordnetenlvahlen liegt vom 1ö. bis 36, August wochentäglich von 8—3 Uhr, Sonn- tags von 8— 16 Uhr vormittags im Rathause, Erkstr. 29, 1 Treppe, Zinnner 11 sWahlbureanj zur Einsicht der Wahlberechtigten öffentlich aus. Es versäume daher niemand, sich von seiner Aufnahme in die Liste zu überzeugen, da dieselbe für die in, November dieses Jahres stattfindenden Stadtverordnetenwahlen maßgebend ist.— Außerdem werden in den bekannten Zahlstellen Adressen derjenigen Genossen, welche keine Zeit haben, die Wählerlisten einzusehen, entgegen- genommen. In der Wahlliste sind insgesantt 18 548 Wähler ver- zeichnet, wovon 16 862 auf die dritte 163S ans die zweite, und III auf die erste Abteilung entfallen. Der DnrchschnittS-Steuerbetrag pro Kopf der Wahlberechtigten beläust sich auf 96,81 M. Der letzte Wahlberechtigte der ersten Abteilung zahlt 1431,46 M,. derjenige der zweiten Abteilung 91,26 M, Stenern. Ferner sei den Genossen zur Nachricht, daß in der am Dienstag, den 16. August, abends 8'/z Uhr. im Lokale des Herrn Thiel, Berg- straße 151/152 stattfindenden außerordentlichen Wahlvereinsversamn,- lung die Fortsetzung der Diskussion über den Bremer Parteitag stattfindet. Es erwartet zahlreichen Besuch Der Vorstand. SchSnebcrg. Am Dienstag findet bei Obst, Meininger- straße 3, die Versammlung des W a h l v e r e i n s statt. Auf der Tagesordnung steht: Der Bremer Parteitag und die Branden- bnrger Provinzialkonferenz. Ein zahlreiches Erscheinen der Mit- glieder wird wegen der Bedeutung der Tagesordnung erwartet. Schöncberg. Parteigenossen! Vom Montag den 15. August bis zun, Dienstag den 36, August liegen die Kvmiiiimalwählcrlisten aus und zwar an den Wochentagen von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags, an den Sonntagen von 11 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags im Bureau des Statistischen Amts. Bahn- straße 1/2, 3 Treppen. Zimmer 34,— Die regelmäßigen Er- gänzungswahlen finden zwar in diesem Jahre nicht statt, doch ist es trotzdem Pflicht eines jeden, um auf unvorhergesehene Neuwahlen gerüstet zu sein, sich von seiner Eintragung in die Wählerliste zn überzeugen; vor allem auch darauf zu achten, ob der Name richtiges ngetrageni st. Ganz besonder» möchten wir aber die Wähler de? 7. Bezirks auffordern, nicht das Einfehen der Wählerlisten zu versäumen. Der Protest gegen die Wahl unsreS Genossen Wollermann hat noch nicht seine Erledigung gefunden und es ist nicht ausgeschlossen, daß wir eventuell mit einer Neuwahl zu rechnen haben. Wiluiersdorf. Am Sonntag, den 14. August, findet in Salon, ons Volksgarten, Berlinerstraße 46, ein Volks- fest statt, arrangiert von den Parteigenossen Wilntersdorfs, Das Komitee hat alles aufgeboten, den Besuchern angenehmste Unter- Haltung zn bieten: Gartenkonzert, Vorträge, Gesang und Theater. Eintrittskarten a 26 Pf. im Vorverkauf, an der Kasse 25 Pf., Tanz 56 Pf. Fricdenan. Dienstag, den 16. August findet die Monats- Versammlung des hiesigen Wahlvereins bei Grube, Kaiser Allee statt. Gäste willkommen. Grüna». Der Wahlverein hält am Dienstag, den 16. August, abend»>/z9 Uhr in der Grünen Ecke seine Mitgliederversammlung ab. Da ivichlige Punkte auf der Tagesordnung stehen, so ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Trcptow-Baumschiilciiweg. Am Dienstag, den 16. August hält der Wahlverein im Restaurant Ackermann seine regelmäßige Mit- gliedcrversammlung ab. Auf der Tagesordnung stcht'unter ander»,: Fortsetzung der Diskussion über Anträge zum Parteitage." Französisch-Buchholz. Die Versammlung des Socialdemo- krati scheu Wahlvereins findet diesmal ausnahmsweise nicht Dienstag, sondern Montag, den 15. August, abends S'/ä Uhr bei Kähne statt. In derselben wird Genosse Bern st ein- Berlin einen Vortrag halten über:„Leo Deutsch, 16 Jahre in Sibirien". Gäste willkommen. AdlrrSh»f. Der Socialdeniokratische Wahlverein hält am Donnerstag, den 18. August, abend» 8>/z Uhr, im Lokale des Herrn Fechner. Lppeifftr. 56, seine Mitglieder-Veriammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag des Genossen M. H. B a e g e über„Bibel und Babel". 3. Dis- kuision. 4. Kassenbericht. 5. VcreinSangelegenheiten. Die Ver- sainmlnng wird pünktlich eröffnet, das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend notwendig. Adlcrshof. Ein großes Wald- und Sommerfest, ver- anstaltet von der Arbeiterschaft Adlershofs findet an, Sonntag, den 14. August, in den Gesamtlokalitätcn von Wöllsteins Lustgarten tatt. Für gute Uuterhallung durch daS Mitwirken von Mitgliedern der Turn-, Gesang-, Radfahrer- und Artistenvereine ist»eben andern Vorstellungen Sorge gelragen. Großes Garten- Konzert. Kinder- und V o l k s b e l u st i g n n g e n aller Art. Anfang 3 Uhr nachmittags. Programm a 26 Pf. sind in den mit Plakaten versehenen Geschäfte», sowie bei den Komitcemitgliedern zu haben. Tanz von 5 Uhr nachmirtags an, Herren zahlen 56 Pf. nach. Zahl- reiche Beteiligung erwartet Das Komitee. Zchlendors. Am Sonntag, den 14. August, nachmittags 3l'z Uhr, findet bei B e l l r i ch, Alsenstr. 86, eine Volksversammlung statt. Referent Rcichstags-Abgeordnetcr Dr. S ü d e k u m spricht über:„Die Aufgaben der Socialdemokratie in den Gemeinden". Diskussion. Verschiedenes. Rege Beteiligung erwartet Der Einbernfer. Central-Wahlverein für den ReichStagS-Wahlkreis Kalau-Lnckaii. Ortsgruppe Berlin. Dienstag, den 16. d. M., abends 8 Uhr: Sitzung bei Georg Weihnacht, Grünftr. 21. Gäste willkommen. lokales. Ein Wuiidcrpfcrd ruft gegenwärtig durch seine Leistungen außerordentliches Staunen hervor. In der Griebenowstr. 16/11 im Norden Berlins zeigt ein Herr v. Osten einen achtjährigen Hengst, den er seit vier Jahren »ach seiner Angabe nicht dressiert, sondern in regelrechter Weise unterrichtet hat, in der Art. wie auch ein junges Menschenkind regel- mäßigen Schulunterricht empfängt. Die Erfolge sollen denen, welche bei Menschen in den ersten Schuljahren erreicht werden, vollständig gleich sein. Das Pferd löst mit Leichtigkeit Rechenaufgaben im Zahlenkreise von 1 bis 166, und zwar nicht bloß Addition?- und Silblraktionsanfgaben. sondern auch MultiplikationS- und DivisioiiSanfgaben, selbst daS Rechnen mit einfachen Brüchen fällt ihm nicht schwer. Die Antlvorten auf die vorgelegten Fragen erteilt es durch Hufjchläge. da es nicht schreiben kann. Wohl aber kann es vollständig sicher lesen, so daß man ihm die Aufgaben auch aufschreiben kann. Vorgesprochene Worte buchstabiert es„ach, wobei nach einen, besonderen System jedem Buchstaben eine Anzahl Huf- schlage entsprechen. Weiter ivird berichtet— selbst haben wir das Wundertier noch nicht sehen können— daß es Farben gut unterscheidet und mit ihrem richtigen Namen zu bezeichnen weiß. Ferner soll es sehr musikalisch sein und zun, Beispiel auch anzugeben verstehen, welcher Ton von einer Disharmonie fortgelassen werden muß, damit eine Harmonie entsteht. Daß das Pferd bei seinen Fähigkeiten auch ein Verständnis für die Monarchie und die Bedeutung ihrer Träger bat, und daher die Geburtstage des Kaisers und Kronprinzen ans dem Gedächtnis an- giebt, wird nicht Wunder nehmen: erstaunlicher ist schon, daß es von jede», Kalendertag des Jahres den Wochentag anzugeben weiß, auf welchen er fällt resp. gefallen ist. Leider ersehen wir ans den vorliegenden Berichten nicht, ob sich diese Angabe nur auf das laufende Jahr bezieht oder auch auf vergangene und zukünftige bis über mehrere Jahrhunderte und Jahrtausende. Die Berichterstatter behaupten, daß eine B e e i n f l u s sun g des Pferde? durch seinen Herrn bei den Autworten auf die Fragen, die sie selbst de», Tiere vorlegten, völlig ausgeschlossen war, und schließen daraus, daß sie nicht vor einem dressierten Tiere standen, sondern vor einem scharf und logisch denkenden Wesen, das bestimmte Wissensgebiete beherrscht und Aufgaben aus diesen selbständig durch- denkt. Trotzdem erlauben wir uns erhebliche Zweifel daran zu hegen. Das bloße Nichterkennen des Verkehrs, der zwischen de», Pferde und seinem Herrn bei den Vorführnngen besteht, seitens der in Dressnr-Angelegenheiten doch sicher nicht geschulten Anwesenden ist durchaus kein Beweis dafür, daß nicht doch Herr v. Osten die vorgelegten Aufgaben löst, und das Pferd nur nach den Angaben des Herrn v. Osten mit den Hufen stampft und seine Operationen an der Rechenmaschine ausführt. Dieser Zweifel würde auch dann nicht behoben werden, wenn wir etwa selbst die Leistungen des Tieres sähen, ohne seine Be- einflnssung durch den Herrn v. Osten zu erkennen, so wenig, wie wir Taschenspielerkunststücke für Zauberei halten, wenn wir den Zu- sammenhang auch nicht erkennen. Gerade die zuletzt angeführte Fähigkeit der Wochentagsbestimmung für beliebige Daten verstärkt unsre Zweifel, weil dieses mnemotechnische Kunststück außerhalb des gewöhnlichen Rechnens und Lesens liegt. Der Zweifel ist übrigens leicht zu beseitigen. Die Berichte sagen, HanS— dies ist der Name des TicreS— giebt seine Antlvorten jedem, der sich mit ihm beschäftigt, und besonders arbeitet er dann ruhig und sicher, wenn er erst mit den, Frage- stellcr vertraut geworden ist. DemuachbrauchtdaSTiervonHerri, v. Osten nur einem ernsten Manne übergeben werden, an den es sich in einigen Tagen gewöhnt, und dann ist sehr leicht zu erkennen, ob cZ auch in Abwesenheit seines Lehrers zu rechnen und zu lesen. sowie auf gesprochene Fragen zu antworten versteht. Vermutlich wird eS dann heißen: «Ich finde nicht die Spur Von einem Geist, Und alles ist Dressur." Auch in diesem Falle handelt es sich übrigens um eine er» staimliche Leistung seitens des Dresseurs, und vermutlich auch um einen höheren Grad von Intelligenz bei dem Pferde, als diesen Tieren für gewöhnlich eigen ist. Denn daß die höheren Tiere Intelligenz besitzen und hierbei individuelle Verschiedenheiten zeigen, ist eine Thatsache, die von der Frage unberührt bleibt, ob die Intelligenz eines Pferdes die normale eines Menschen erreichen kann oder nicht. Die illustrierte Roman-Bibliothek„In Freien Stunden" ist jetzt bis zum 33. Heft erschienen. Es bringt die Fortsetzung des Spindlerichen Romans„Der Jesuit", der gerade jetzt zeitgemäß ist. schildert doch der Verfasser wie„der Zweck die Mittel heiligt". Das Heft bringt ferner die Fortsetzung der Erzählung„Ein Rekrut" von Erckmann-Chatrian. Daneben„Dies und Jenes", �Witz und Scherz". Wöchentlich erscheint ein Heft, 24 Seiten stark, für 16 Pf., das in allen Parteibuchhandlungcn zu haben ist. Mit dem 27. Heft begann der neue Roman, von dem die bisher erschienenen Hefte nachgeliefert werden. Wir empfehlen unsren Lesern das Abonneinent. Der Polizeipräsident giebt bekannt, daß nach einer Mitteilung des Magistrat» zu Schwerin i. M. über das Vermögen der Krankenkasse„Regina" lEingeschricbene Hilfskasse) zu Schwerin i. M. vom Großherzoglichen Amtsgericht daselbst am £2. Juli d. I. das Konkursverfahren eröffnet und der Rechtsanwalt . Kolbow zn Schwerin i. M. zum Konkursverivalter bestellt worden ist. j Vertreter der Kasse für Berlin war der Agent Paul Prietzel, hier, Große Frankfurterstr. 72 IL Eine interessante Baliarbeit wird gegenwärtig am Bahnhof Jungfernheide ausgeführt. Die Eisenbahnbrücke über den Spree- Kanal muß zum Teil erneuert werden, und aus diesem Grunde ist die Brückcnlagc für das Geleise I abgetragen. Das neue Brücken- lager wird jedoch nicht auf den Pfeilern, sondern auf dem Bahn- körvcr zusammengestellt und erst nach Fertigstellung des Bauwerks wird die gesamte Konstruktion mittels Winden und Walzen ans die Träger gelegt und dort verankert werden. Durch diese Einrichtung wird der Umbau wesentlich beschleunigt, da die Aufstellung eines schtveren Gerüstes im Wasser, dessen Verankerung allein schon einen oedeulenden Zeitraum in Anspruch nehmen würde, erspart wird. Ei» Rassenkanipf im kleinen spielte sich am Freitag gegen 6 Uhr nachmittags zwischen eineni Neger und einem etwa 26jährigen jungen Manne an, Stadtbahnbogen in der Prinz Lonis Ferdinand- straße vor dem Einfahrtsthore der Internationalen Automobil- Centrale„Dr. Menge,» u. Bellmann" ab. Die beiden Kämpfer sind als WagenMitzer bei der erwähnten Firma beschäftigt. Nach kurzem Ringkampfe stießen sie sich gegenseitig heftig mit den Fäusten ins Gesicht, so daß der Schivarze blutete und ihm sein künstliches Gebiß ans dem Munde geschlagen irnirde. Mit gesteigerter Wut griff er blitzschnell seinen Gegner von neuem an, docb als er sich in die Finger seines Gegners sestgebissen, ergriffen die Zuschauer Partei für den Weißen. Nachdem der Schwarze von den Zuschauern einige recht derbe Hiebe mit Stöcken auf seinen Kopf erhallen hatte, gelang es einem Droschkenkutscher, ihn von seinem Gegner loszureißen. Der Weiße hat außer einem etwas zerkratzten und zerbeulten Gesicht keine»eunenswerten Verletzungen davongetragen. Ein gcwerbsuiäßiger Fahrrndviarder wurde gestern vormittag gegen 11 Uhr in der Schillerstraße festgenommen. Ein Bäcker- lehrling hatte in dem Hause 46 der genannten Straße Ware abzu- liefern und ließ daS von ihm benutzte Zweirad auf der Straße stehen. Als er zurückkehrte, sah der junge Mann, wie sich ein Fremder auf das Stahlroß schwang und davonjagte. Vorüber- fahrende Radfahrer nahmen die Verfolgung auf und es gelang ihnen auch, den Dieb einzuholen nnd festzunehme». Der Verhaftete ist. wie sich anf der Polizeiwache heransstelltc, ein bereits wegen Fahrrad- diebstahl vorbestrafter 19 Jahre alter Tapezier Henschel, der erst kürzlich aus der Strafhaft enllasseu wurde. Auf frischer Thal ertappt. Als in der vorgestrigen Nacht der Tischlermeister K. auf dem Heimweg begriffen, die Neue König- straße passierte, bemerkte ex auf den Stufen vor dem Laden des Porzellanwarcnhändlers Sarno, Neue Königstraße 19, dessen In- Haber ein Verwandter des K. ist, zwei Männer, die sich in ver- dächtiger Weise dort zu schaffen machten. Ter Tischlermeister sprach die beiden an, die nunmehr eiligst aufsprangen und fortliefen. Bei der Flucht ließen sie ein Stemmeisen, mit welchem sie die Roll- jalousie der Thür bereits angehoben hatten, liegen. Die Einbrecher flüchteten, von einer größeren Menschenmenge verfolgt, durch die Neue König- nnd Mcycrbcerstraße, woselbst der eine der Burschen durch entgegenkommende Passanten gestellt und festgenommen wurde. Auf der 18. Polizeiloachc, wohin der Verhaftete gebracht wurde, legte sich dieser den Namen eines Schlächtergescllen Linke bei. Er bchanprete, das Opfer des cntlommenen zweiten Einbrechers zu sein, dessen Bekanntschaft er erst kurz vorher in einer Kaschemme ge- macht haben will. Merkwürdigerweise ist auch dem Schlächter- gesellen der Name seines neuen Freundes vollständig unbekannt. Da der festgenommene Einbrecher vermutlich noch mehr auf dem Kerbholz bat, wurde er gestern morgen nach dem Polizeipräsidium eingeliefert. Ein verhängnisvolles Ende fand eine Landpartie, welche der Nestaurateur Kasten aus Tegel gestern unternommen hatte. Er war mit einem von ihm selbst geleiteten Break die Chaussee nach Herms- dors entlang gefahren, als plötzlich die Pferde scheuten und zur Seite sprangen. Ter leichte Wagen wurde gegen einen Prellstein geschleudert und umgeworfen. Kasten fiel so unglücklich mit dem Kopf auf einen scharfkantigen Stein, daß er einen schweren Schädel- bruch erlitt. Tie übrigen Insassen des Wagens kamen mit leichten Kontusionen davon. Einen traurige» Abschluß hat ein Liebesverhältnis gefunden, daS ein 19 Jahre altes Mädchen hinter dem Rücken der Eltern an- geknüpft hatte. Emma Gotting, deren Eltern im Norden der Stadt eine Schankwirtschaft betreiben, befand sich vor einem Jahre bei einem Arzt in Steglitz in dienender Stellung und lernte den um 4 Jahre älteren Mechaniker Richard Krüger kennen, der damals in Wilmers- dorf wohnte. Ihre Eltern hatten keine Ahnung von dem Verhältnis. Vor vier Monaten tviirde das Liebespaar örtlich getrennt, indem Krüger in Lübeck Beschäftigung erhielt, Emma G. aber nach der Wattstr. 3 zog. wo sie in Abwesenheit der erkrankten Mutter die Pflege von vier Kindern übernahm. In der ersten Zeit erhielt sie hänfig Nach- richten von dem Geliebten, der ihr die öffentliche Verlobung zu Weihnachten in Aussicht stellte. Plötzlich und unvermittelt sollte eine für das junge Mädchen verhängnisvolle Wendung eintreten. Am Freitagnachmittag erhielt es iii einem Schreiben die nieder- schmetternde Nachricht, daß Richard K. sich in Lübeck mit einem be- mittelten Mädchen verlobt habe. Nach einem lauten Aufschrei schickte Emma G. ihre Pfleglinge auf den Hof und kaufte sich>n einem Drogengeschäst Lysol. Durch den Geruch der Fliissigkcit wurden Hausbewohner aufmerksam i sie fanden daS junge Madchen schwerkrank auf seinem Bett. Anf de», Tisch lag ein Zettel, aus dem Emma G. den Eltern mitteilt, daß sie Gift genoinn,en habe, weil ihr Richard sich mit einer andren verlobt habe, ne aber ohne ,hn nicht leben könne. Sie wui�e nach einem Krankenhause gebracht. Der Vorfall ist für die Eltern um so betrübender, a s sie vor mcht langer Zeit zwei Töchter in, Alter von 16 und 14 Jahren durch den Tod verloren haben. Im Kr-impf-iiifall überfahren wiir� der 61 Jahre alte Schuh- machermeister Rudolf Höhle, der als W.twer für sich allem m der Bergstr. 66 wohnte. Er fiel infolge se.ncS Krampfle.denS ,n der Großen Hamburgerstraße lind wurde von cinem tn der Fahrt be- griffenen GeschäftSwagen erfaßt. Er starb im �azaruS-Kraiikenhaus infolge von Rippenbrüchen. Lungenzerreivung und Brustquetschung. Die Leiche mußte behufs Erörterung der Schuldfrage beschlagnahmt werden. Einen tiefen Todessturz unternahm in der letzten Nacht die 57 Jahre alte Kaufmannswittwe Marie Pinkoff, die ans Schievel- Hein stammte und in der Magdebnrgerstratze Ii bei einer Frau S, wohnte. Während diese abwesend war und nur das Dienstmädchen zurückgelassen hatte, schlich sich die nicht immer ganz zurechnungs- fähige Witwe Pinkoff aus der im hohen Erdgeschoß belegenen Woh- nung heraus und begab sich, mit einem Hammer Verseheu, auf den Hausboden des vierten Stockes. Dort schlug sie mit dem Hammer das Bodenfenster aus und stürzte sich durch die Oeffnung auf den Hof hinab. Sie blieb mit zerschmettertem Schädel liegen und war gleich tot. Selbstmord verübte der 37 jährige Hilfsarbeiter des Magistrats Arthur Eder ans der Hussitenstr. 28. Er wurde zuletzt bei der städtischen Bauinspektion III beschäftigt und war ein sehr leicht erregbarer Mensch. Wegen eines kleinen Fehlers, auf den man ihn aufmerksam machte, geriet er in Wut und lief aus dem Dienst fort. Zu Hause lärmte er, ließ seine Frau, die ihn beruhigen lvollte, hart an und verließ die Wohnung, als die Frau ihre Arbeit auf einer Aufwartestelle besorgte. Seine Leiche wurde später aus dem Nord- Hafen gelandet. Bei ihm fand man zwei Blätter eines Notizbuches mit Abschiedsworten an Frau und Kinder. Auf dem einen stand: „Lebe wohl, Minna; es grüßt Dich Dein stets kranker und gereizter Mann"; der andre enthielt die Worte:„Lebet wohl, Kinder". Die aus der Witwe und vier Kindern im Alter von 14 bis 1l> Jahren bestehende Familie befindet sich in bedrängter Lage. Bon der Straßenbahn totgefahren wurde gestern abend um M/,, Uhr der 8 Jahre alte Sohn Willy des Arbeiters Jachmann ans der Wienerstr. 31. Er befand sich in dieser Straße in Begleitung eines älteren Bruders und lief auf dem Straßendamm wahrscheinlich in seiner Kopflosigkeit gerage in einen Wagen der Siemens u. Halske- Bahn Treptow— Behrenstraße hinein. Er erlitt einen Bruch des Genicks und vieler Rippen und starb gleich, nachdem man ihn nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof gebracht hatte.— Ebenfalls totgefahren wurde von einem entkommenen Radfahrer der 21l2 Jahre alte Knabe Alfred Lipske, der am Michaelkirchplatz in Pflege war. Er wollte gestern mit der Pflegerin die Mutter in Neu- Weißensce besuchen. Vordem Hanse Melchiorstr. 14 überfuhr ein rücksichtsloser Rad- fahrer das Kind. Die Pflegen, utter hielt den Zustand des Knaben anfangs nicht für gefährlich und wollte mit ihm in einer Droschke nach dem Bahnhof Warschauerstraße fahren, um von dort Weißensee zu erreichen. Unterwegs aber wurde der Znstand des Kleinen bedenklich, so daß sie mit ihm die Unfallstation in der Warschauerstraße aufsuchte. Dort starb der Knabe unter den Händen eines Arztes vermutlich an Verletzungen, die durch den niit dem Ueberfahrenwerden verbundenen Fall auf den Straßendamm entstanden waren. Vor den Augen von Frau und Kindern ertrunken ist gestern in Potsdam der Kohlenarbeiter Hermann Kühne, Weißcnburger- straße 31 wohnhaft. K. hatte sich am Abend nach dem Havelufcr begeben und nahm daselbst ein Bad. Er durchschwamm den Fluß bis zum Babelsbergerstrandc, versank jedoch auf der Rücktour etwa zwanzig Meter vom Ufer entfernt vor den Augen von Frau und Kindern. Die Leiche des Ertrunkenen konnte erst nach einhalb- stündigem Suchen gelandet werden. Zu dein Toppclmordversuch auf der Weisienseer Pumpstation erfahren wir, daß der durch den Arbeiter Reips verwundete Maschinenmeister Mohr sich jedenfalls noch einer Operation wird unterwerfen müssen. Die Kugel ist im Mustelfleisch der rechten Schulter stecken geblieben und hat sich zwischen den Adern fest- gesetzt. Frau Mohr, die leichter verletzt war, ist bereits wieder völlig hergestellt, auch der Zustand des Arbeiters Reips, der bc- kanntlich sich selbst zu töten versuchte, hat sich wesentlich gebessert. Eine Gefahr für sein Leben ist nicht mehr vorhanden. Ter Hausdiener Max Wolff, Berlin W. 62, Wormserstraße 61, verlor am Sonnabendvormittag'/�11 Uhr auf dem Wege von der Deutschen B a n k sOrauicnstrage 146) bis zwei oder drei Häuser davon ab 200 Mark in zwei Hundertmarkscheinen. Finder wird gc- beten, diese gegen Belohnimg abzugeben bei Gebr. Wassermann, Sattlerwarenfabrik, Sebastianstraße 74. Der Verlierer befindet sich in dürftigen Verhältnissen und ist für den Verlust haftbar. Die ArbeiterbilduiigSschnle veranstaltet am Sonntag, den 21. d. M., eine Partie nach Pichelsivcrder. Abfahrt: Schlesischer Bahnhof 10<"(von den folgenden Stadtbahnhöfen je drei Minuten später) bis Eichkamp. Picknick im Walde. Für Nachzügler von nachmittags 3 Uhr ab Treffpunkt in«Freunds I n sclgarten", Pichelswerder. Das Bcllc-Alliancc-Thcatcr bleibt auch während der ani 16. August beginnenden neuen Saison unter Leitung der Direktoren Kren und Schönfeld. Heute Sonntag verabschiedet sich das W int er- T Y m i a n s ch e Ensemble in einer ganz besonders interessanten Vorstellung; morgen Montag bleibt das Theater geschlossen und von Dienstag an geht mit den ständigen Kräften des Theaters die Militärposse„Kamrad Lehmann" wieder jeden Abend in Scenc. Apollo-Thcater.„Venus auf Erden" von Paul Vincke, die lustige und niclodiöse Operette, hat im vierten Bilde eine hoch- interessante Bereicherung erfahren, durch ein witziges Duett zwischen Jupiter und Leichtfuß. Der Verfasser ist Robert Steidl. der liebenswürdige Darsteller des Fritz Leichtfuß, welcher mit dem ihm eignen Humor das Duett mit Satiren auf aktuelle Tages- ercignisse gewürzt hat. Ter vortreffliche Specialitätenteil, ivelcher jetzt nach der Operette um 9>/� Uhr beginnt, enthält nur aller- erstklassige Eelebritäten des Varietes— und die große Fülle des Gebotenen in diesem A u g u st- Programm ist unübertrefflich zu nennen. Fenerbericht. Wegen eines großen Brandes wurde gestern früh die Feuerwehr nach der Wallncrthcatcrslraße 37 gerufen. Bei An- kimft der ersten Löschzüge hatte das Feuer, das auf dem Boden ailSgckommen war, schon eine große Ansdchming erlangt. Da die Bodenräume total verqualmt waren, mußte die Wehr das Dach an mehreren Stellen durchschlagen, um dem Rauch einen Abzug zu ver- schaffen. Die Flammen, die an den Bodenvorräten reiche Nahrung gefunden hatten, konnten mir durch kräftiges Aassergeben aus mehreren Schlaiichleitungen gelöscht werden. Der Dachstuhl muß erneuert werden. In einer Holzleistcnfabrik und Schneidemühle kam gestern früh Feuer aus, das zum Glück gleich bemerkt wurde. Es brannte das Kefielhaus am Elisabeth-Ufer li. Ecke des Wasscrthors. Die Flanmien hatten schon die Dachkonstruktion erfaßt und an den f olzvorräten reiche Nahrung gefunden. Trotzdem gelang es. die lammen auf das Kesselhaus zu beschränken. In der Schönhauser Allee 58 hatte die Feuerwehr längere Zeit mit der Löschung eines größeren Kellerbrandes zu thun. Das Haus, an der Ecke der Gneist- straße belegen, gehört der Berliner gemeinnützigen Ballgesellschaft und ist von vielen kleinen Parteien bewohnt. Die Wehr fand schon einen ausgedehnten Brandherd vor und konnte die Flammen, die durch den Hausrat der Mieter genährt wurde», erst nach längerem Wasser- geben löschen. Ferner hatte die Feuerwehr in der Bülowstr. 40 zu thun, wo' das Dach brannte. Um Mitternacht stand in der Trifistr. 42a im dritten Stock des rechten Seitenflügels die Balken- läge der Fußboden«. in Flammen. Die Hausbewohner stürzteil infolge des Feuerlärms ans de» Betten und beruhigten sich erst, als die Feuerwehr erschien und erklarte, daß keine Gefahr vorliege. Das Zwischengebnlk mußte aufgerissen werden. Fast gleichzeitig mußte in der Elsafserstr. 6 ein WohnnngSbrand gelotcht werde», der durch Un- Vorsichtigkeit entstanden war. In der Andreasstr. 70 gingen in der Nacht in einem Kellergeschäft Eierklsten. Stroh u. a. in Flammen auf. Gleichzeitig entstand durch die Explosion einer Petroleum- lampc in der Lübbenerstr. 3 Feuer. In der Rciuicken- dorferstr. 7 kam j», Schaufenster eines SchnhwarengeschäftS Feucr aus und in der Putbuserstraße 13 i» einer Waschküche. Außerdem hatte die Feuerwehr noch in der Köpnicker- straße- 9a„„j, Potsdomerstr. 127 zu thun. Hier war der Fahrstuhl- Wärter Franz Wiedemann bei der Bedienung eines Fahrstuhls der Firma Tippelskirch u. Co. tödlich verunglückt. Die Feuerwehr holte die Leiche heraus und übergab sie der Polizei. Gestern abend wurde der 19. Zug nach der Leipzigerstr. 20/21 gerufen. Dort ivar in dein Geschäft für Zimmereinrichtungen von Thierichens Herr Fritz Thierichens bei einer Explosion von Magnesiumlicht im Gesicht nud an den Händen verletzt worden. Von den Angehörigen ivurde der Verletzte nach der nächsten Unfallstation gebracht und dort verbunden. SericKts-Leitung. Ein Justizmord. Am 28. April d. I. wurde der Heilgehilfe Hugo W a l t h e r von den Berliner Geschworenen des Mordes an seiner Gattin schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Das Reichsgericht hat bekannt- lich die Revision des Angeklagten verworfen und damit ist ein Urteil rechtskräftig geworden, das wegen der Schtväche seiner sachlichen Begründung sowohl in Juristcnkreisen wie in weiten Kreisen der Bevölkerung mit Schrecken aufgenommen wurde. Jetzt wird uns ein Brief zur Verfügung gestellt, dessen An- gaben, soferne sie sich bewahrheiten, geeignet erscheinen, eine schlennige Zviederaiifiiahiiic des Verfahrens herbeizuführen. Der Verfasser dieses Briefes, Werkmeister F. Grelllm an n, Köln-Sulz, Salzburg- straße 217, schreibt: Den Wallher kenne ich und meine Frau seit 1. Januar 1901 ganz gennll. Er nnd ich waren in einem und demselben Werke thätig, er als Magazinverwalter, ich als Modellschrcinermeister. Ich maße mir nicht an, ein Urteil darüber zu fällen, wodurch er ge- zwungen wurde, seine Zerstreinuig außerhalb der Familie zu suchen. Doch dies behaupte ist fest»»d»icinc Frau wird es nötigenfalls beeiden, daß Frau Walther sich schon im Herbst 1901 mit Selbstmordgedanken trug. Als man im Herbst vorigen Jahres die Frau Walthcr in einem Gehölz erhängt vorfand, schienen alle äußeren Umstände aus Selbst- mord zu deuten. Von den Sachverständigen hat keiner beziveifelt, daß die Annahme eines Selbstmordes die einfachere und näher- liegende sei. Ihre Tötung durch fremde Hand könnte vielmehr nach den Gutachten dieser Sachverständigen nur in der Weise erfolgt sein, daß das Opfer zunächst betäubt und dann erhängt worden wäre. Es hat sich aber kein Anhaltspunkt ergeben für die Annahme, daß die Frau wirklich betäubt worden sei. Die Annahnie eines Selbstmordes erschien den Geschworenen aber offenbar deshalb als unwahrscheinlich, weil die Zeugen die verstorbene Frau als überaus lebenslustig schilderten und ihr Selbst- mordgedanken durchaus nicht zutrauen wollten. Wenn nun die Walther sich im Herbst 1901, das heißt zn jener Zeit, als die Trennung von ihren» Gatten erfolgte, mit Selbstmord- gedanken trug, so ist es psychologisch vollkommen verständlich, daß sie diese Absicbten zwei Jahre später— da ein neuer Annähernngs- versuch ihres Mannes abermals mit einein Zerwürfnis endete— zur That iverden ließ. Was liegt, wofern sich die Angaben Grellmanns bewahrheiten, noch zu Ungunsten des Verurteilten vor? Er ist mit gefärbtem Schnurrbart nach Berlin gefahren, hat seine Frau, die ihm in keiner Weise im Wege stand, mit einer anonymen Karte zu einem Nendezvons bestellt, er ist von einem Ansfltlg nach Dallgow ohne ihre Begleitung zurückgekehrt, er bc- hauptet, nachdem er des Mordes beschuldigt worden war, er hätte sie noch am Tage nach ihrem vernnitlichen Todestage in Berlin gesehen. Das aber kann unmöglich genügen, uin einem Menschen den Kopf abzuschlagen, oder ihn lebenslang im Zilchthanfe zu begraben! Mit der Aussage Grellmann fällt die stärkste Stütze eine? ohnehin schwächlichen Indizienbeweises. Mit ihr sind im Sinne dcS§ 399 Alinea 5 der Strafprozeßordnung„neue Thatsachen oder Betveis- niittel beigebracht, welche allein oder in Verbindung mit den früher erhobenen Bctveisen(Sachverständigen-Gntachten I> die Frei- sprechung des Angeklagten... zu begründen geeignet sind". Es darf demnach wohl erwartet werden, daß eiue Wiederaufnahme des Verfahrens erfolgen lvird._ Ein großer Streikprozeß sollte gestern vor dem Schöffengericht in Moabit verhandelt werden. Angeklagt waren 21 Metallarbeiter, weil sie als Streikposten beim vorigen. Gürtler- und Drückerstreik den Aufforderungen von Schutzleuten, sich. vor den bestreikten Fabriken zu entfernen, nicht sofort nachgekommen waren. Auch hier handelte es sich um die altgewohnten Vorgänge: Postenstehen, Wegweisen durch Beamte, Weigerung unter Berufung auf das Koalitionsrccht, Sistierung, Strafmandat wegen Vergehens gegen die Straßen- ordnung und gerichtlichen Einspruch dagegen. Es waren zur Ver- Handlung nicht weniger wie 32 Zeugen geladen, darunter 15 Polizei- beamtc und ein Polizeilieutenant. Der Termin wurde jedoch vertagt, weil die vorgesehene Zeit zur Erledigung desselben als nicht ausreichend betrachtet wurde. Bemerkt sei hierbei, daß der Termin zu 9 Uhr angesetzt war, � aber erst um 11 Uhr beginnen konnte, weil ein Schöffe fehlte. Das Gericht-behielt sich auch vor, die einzelnen Sachen, weil örtlich und zeitlich nicht im Zusammen- hang stehend, von einander zu trennen. Versammlungen. Vom Verband der Wäsche- und Krawattenbranche geht uns folgende Zuschrift zu: Die auf dem Vcrbandstag der Schneider und im Geschäftsbericht desselben aufgestellte Behauptung, sowie die in Nr. 188 des„Vorwärts" gebrachte Entgegnung, der Verband der Wäschcbranche habe bekannte Agitatorinnen veranlaßt, gegen den Schneiderverband zu agitieren, müssen wir als völlig unwahr bezeichnen. Der Verband der Wäschebranche, der schon seit dem Jahre 1891 besteht, doch im vorigen Jahre nur seinen Titel änderte, wird stets für sich das Recht in Anspruch nehmen, in allen Orten Deutschlands für die für ihn in Betracht kommend-.-» Kategorien von Arbeiterinnen zu agitieren und zu diesem Zwecke Agitatorinnen hinaus schicken. Damit fällt zunächst die kühne Behauptung, der Verband hätte sich im vorigen Jahre erst gebildet. Daß nun der Schneiderverband, der doch sein Arbeitsfeld in reichem Maße in der Konfektion suchen sollte, sich auch auf uyserm Gebiete ausbreitete, die für uns in Betracht kommenden Mitglieder bei sich aufnahm, ist ein Verfahren, das selbst von einigen Vorstandsmitgliedern des Schneiderverbandcs nicht gebilligt wird. Wir enthalten uns jeder weiteren Entgegnung, da wir solche Kampfeswcise einzelner Gewerkschaftsführer für schädigend betrachten, sowie den Raum des„Vorwärts" für nützlichere Sachen sparen möchten, doch hoffen wir, daß der im nächsten Jahre stattsindendc Gewerkschaftskongreß in dieser Sache Klarheit schaffen wird. Der Vorstand des Verbandes der. Wäschcbranche I. A.: R. Pasewaldt. Zlllgemcine Familien-Sterbrkaffr. Heute Zahltag: Ackerstraßc 123 bei Dicke und Marianncnstr. 48 bei Liebchenschcl von 3— K Ubr. Arbeiter> Tamariterkolonne. Morgen, Montag, 9 Uhr abends, Uebiinasstunde Drcsdenerstratze 45. Vortrag über Dcrgistungen und gefahrdrohende Krankheitsziiständc. Nachher praktische Uebungen. Gäste will- kommen. Neue Teilnehmer können jederzeit cinlretcn. Einschreibegeld sowie Monatsbeitrag je 25 Ps. Bibliothek steht unentgeltlich zur Per- sügung._ Vermilektes. Eine Oelfabrik niedergebrannt. Besigheim, 13. August. Heute nacht 11 Uhr brach infolge Warmlaufens eines Lagers im Saat- magazin der Bremer-Besigheimer Oelfabrik Feuer aus, dem der ganze Fabrikkomplcx sowie 6 Wohnhäuser und 2 Scheunen zum Opfer fielen. Bis gegen 1 Uhr glaubte man, daß der ganze so- genannte Stadtteil Bühl verloren sei, doch war gegen 2 Uhr weitere Gefahr ausgeschlossen. Das Wohnhans des Direktors wurde gerettet. 150 Eisenbahnwagen mit Saaten und 50 Eisenbahnwagen mit Oel- Vorräten find mit verbrannt. Eine Flngmafchine, die sich p:der für 40 Ml kaufen und mit der er 80 bis 150 Kilometer in der Stunde zurücklegen kann, ohne sich mehr anzustrengen als beim Gegen——— das wäre doch wirklich einmal eine Um- wälzung in allergrößtem Stil. Wer sollte sie aber zu hoffen wagen? wer gar ihre Erfüllung schon in nächster Zukunft voraussetzen? —--- Nichtsdestoweniger ist es eine Thatsache, daß ein auf andren Gebieten bewährter Erfinder der Menschheit einen solchen Flug- apparat verspricht oder sogar, wenigstens nach seiner eignen Ansicht, schon jetzt in vollendeter Konstruktion anbietet. Es ist in den letzten Wochen schon einiges von der neuen Klugmaschine des Amerikaners I. P. Holland über den großen Teich zu uns herübergeklungen. Jetzt aber veröffentlicht die L o n d o n e r Zeitschrift„Eng- l i s h M e ch a n i c" den Inhalt eines Interviews, das kürzlich Holland in seinem Heim zu Neivark im Staate New Jersey über sich hat ergehen lasse». Während über die Einzelheiten seiner Erfindung das strengste Geheimnis beobachtet wird, bis die Behörden in Washington eine genaue Prüfung vorgenommen nnd dem Erfinder einen vollkommenen Schutz gewährt haben, ist Holland gegen seinen Interviewer recht redselig gewesen. Da diesem Erfinder, der mit seinen Unterseebooten einen großen, allseitig anerkannten Erfolg errungen hat, bisher nichts Nachteiliges nachgesagt werden kaiin, so wird man gerechterweise abwarten, was sich von seinen Ausführungen bethätigcn wird. Tie nene Flugmaschine wird ans 4 Flügeln bestehen. Die Apparate, mit denen die ersten öffentlichen Versuche demnächst aus- geführt werden sollen, werden ein Paar Flügel von je 7 und ein zweites von je 10 Fuß Länge besitzen, so daß eine Spannweite von etiva 4'/, bis 6 Meter von Spitze zu Spitze erreicht wird. Die Flügel werden unmittelbar an dem Körper so zu befestigen sein, daß die in Frage kommenden Muskeln sie ohne mehr Anstrengung werden regieren können, als sie bei einem gewöhnlichen Spaziergang auf- gewendet wird. Thatsächlich wird nach der Ansicht von Holland das Fliegen mit seiner Maschine noch weniger anstrengeiid sein als das Gehen, weil eine starke Muskelarbeit nur zu Anfang und am Ende eines Flugs oder beim Aufsteigen und Absteigen erforderlich sein würde. Beim ersten Auffliegen würde man als Ausgangspunkt am besten eine kleine Bodenerhebung wählen, um so frei von Hinder- nissen eine gewisse Höhe zu erreichen, Ivo der Schwebeflug beginnen kann. An sich besteht jedoch kein wesentlicher Grund, warum man nicht auch vom ebenen Boden sich in der Luft sollte erheben können, iiiid nach wenig Uebung wird angeblich jeder Mensch fähig sein, sich mit wenigen schnellen Schlägen der künstlichen Flügel so hoch in die Luft zu schnellen, daß er weiter gleich einem Vogel dahinsegeln kann. Holland hat seit 34 Jahren an der Aufgabe des menschlichen Flugs gearbeitet und will seinen jetzt endgültigen Erfolg durch sorg- same Beobachtung des Vogelflugs erreicht haben. Holland sieht in dieser Art des Vogclflngs nichts Geheimnisvolles mehr, sondern nur eine Demoiistralioii mechanischer Grundsätze. Der Vogel ist schwerer als die Luft und segelt doch in ihr. Ter Mensch ist schwerer als die Luft und kann, wie Holland sagt, auch in ihr schwimmen, wenn eis recht anfängt, nämlich ebenso wie der Vogel. Seine Muskeln sind vergleichsweise ebenso stark, und er ist dadurch auch den ersten Anstrengungen gewachsen, um sich zu genügender Höhe zu er- heben. Das aber ist der schwerste Teil der Muskelarbeit, das Fliegen selbst ist leicht. Holland hat übrigens eine merkwürdige Achnlichkeit zwischen den beiden Aufgaben der nntermeerischen Schiffahrt und des Menschenflugs in der freien Luft herausgefunden und demgemäß auch für beide eine Lösung auf gleicher Grundlage entdeckt. Es kommt danach erstens darauf an, daß der Schwerpunkt immer genau unter der Mitte des ganzen Apparates liegen muh, und zweitens darauf, daß der Antrieb genau gegen das Widerstandscentrum er- folgen muß. Das Princip sei das gleiche in der Luft wie im Wasser, und der einzige Unterschied bestehe in der größeren Dichte des Wassers. Nun beschreibt Holland die Art des Menschenflugs genauer: „Anstrengung wird nur nötig sein, wenn eine bedeutende Ge- schwindigkeir erzielt werden soll. An dem Flugapparat ist kein weiterer Mechanismus angebracht, der selbst Kraft liefert. Die Flügel werden direkt am Körper befestigt, und zwar an den Schultern, Armen und Hüften. Die Befestigung wird für einen Mann leicht und bequem sein, für eine Frau bei der gegenwärtigen Mode aller- dings kaum geeignet. Tie Flügel werden hergestellt aus einem Bambusgcstell von besonderer Güte des Materials. Einfachheit ist das Hauptmerkmal der ganzen Erfindung, und daher wird es auch möglich sein, sie für einen niäßigen Preis herzustellen, der für jeden erschwinglich ist. Bei der Bewegung wird nach den ersten wenigen Schlägen des Aufstiegs der Flieger in eine bequeme Lage mit dem Gesicht nach unten kommen. Er wird sein Gewichr zwischen den beiden Flügclpaaren verteilen und in dieser Stellung schweben. Der Abstieg wird in den meisten Fällen in einem Winkel zur Erdober- fläche bewerkstelligt werden, nnd man wird sich ohne den geringsten Stoß zu Boden senken können. Indem man die Flügel in entgegen- gesetzter Richtung wie beim Aufstieg bewegt, würde ein Abstieg in fast senkrechter Richtung bewirkt werden. Nach einiger Uebung wird es für einen Mann ganz leicht sein, geraden Wegs in ein offenes Fenster seines Hauses zu fliegen oder sich mitten auf der Straße vor seiner Thür niederzulassen. Ter ganze Apparat wird etwas weniger als 25 Pfund wiegen und nicht über 40 Mi. kosten. Zum Stenern ist kein Ruder notwendig. Man hat behauptet, daß der Vogel den Schwanz zur Steuerung benutze. Man beobachte aber einmal eine Mövc beim Flug, die in schnellster und genauester Weise steuert, obgleich sie n»r einen ganz unansehnlichen Schwanzstummel besitzt. Thatsächlich steuert ein Vogel mit seinem Kopf. Wo der Kopf und der obere Teil des Körpers hingewandt ist. dahin folgt der Rumpf nach. Es wird für den fliegenden Menschen ganz ebenso leicht sein, mit seinen künstlichen Flügeln zu steuern, als er beim Gehen die Richtung mit seinen Füßen verändert. Ein starker Gegen» wind könnte den FUeger allerdings etwas behindern, indem er ihn dazu nötigt, wie ein Segelschiff zu kreuzen. Unter gewöhnlichen Umständen aber würde der Wind nur dazu beitragen, daß der Mensch sich leichter in der Luft erhält und schneller vorwärts kommt. Falls der Flugapparat in einem seiner Teile während des Flugs zerbricht, so würde der Mensch deshalb noch immer nicht zu Schaden kommen, sondern in einem sanften Winkel langsam und sicher zur Erdober. fläche gelangen, und selbst wenn zwei Flügel unbrauchbar würden. würde noch immer kein jäher Fall dadurch veranlaßt werden. Ein Mann von gewöhnlicher Körperkraft würde 80 bis 160 Kilometer in der Stunde ohne besondere Anstrcngnng zu fliegen vermögen, wenn er erst einmal die richtige Höhe über dem Erdboden erreicht hat." Holland schließt seine merkwürdigen Ausführungen:„Ich er- warte, daß die Leute über meine Flugmaschine gerade ebenso lachen werden wie seinerzeit über mein Unterseeboot, und ich erwarte, daß die Gelehrten nnd die Theoretiker mir vorhalten werden, ein Mensch könne nicht ohne einen hebenden Ballon in die Luft steigen, da er' um so vietes schwerer sei als die Luft. Wenn die Zweifler aber erst eine» Menschen zwischen den Wolkenkratzern herumfliegen und ihn so leicht wie einen Sperling sich auf dem Boden niederlassen sehen werden, so werden sie möglicherweise daran glauben, daß er es doch kann. Ich bekümmere mich nicht darum, was sie denken. Ich habe früher warten müssen, ich kann auch jetzt warten." Hoffentlich läßt uns der Erfinder aber nicht gar zu lange warten I Beim Edelweißsuchen vom Sticlkogl abgestürzt ist der 42jährige Schneidermeister Karl Bühler aus Hengersberg in Bayern und jofort tot geblieben. Wasserstand am 12. August. Eide Sei Aussig— 1,02 Meter, de! Dresden— 2,22 Meter, bei Magdeburg+— Meter.— U n st r u t bei Straußfurt+ 0,70 Meter.— O d e r bei Ratibor+ 0,50 Meter, bei Breslau Ober-Peael-f- 4,16 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,84 Meter, bei Franlsurt+ 0,14 Meter.— Weichsel bei Brahemünde+ 1,68 Meter.— Warthe bei Posen— 0,22 Meter.— N e tz e bei Usch-s- 0,36 Meter. Wtttermigsiibersicht vom 13. Nugnst 1904. morgens 8 Nhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin ksranls.a.M. München Wien Z i gäf 764 767 767 770 771 768 SO O WAW Wetter »ffi c H& 4 wolkig 3 halb bd. 3 wolkig Äwolkenl 3 wolkenl Zwolkenl Stationen L S S S Se c 3 Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 756 763 = c B? SO 768, SB SSW Wetter 4 wolkig Regen 1 wolkenl & SS B% w s> 15 Wetter-Prognose für Sonntag, den 14. August 1994. Zunächst heiter und etwas wärmer bei mäßigen Südweftwinden; später Regenschauer. Berliner Wetterbureau. ßHcffcaften der RcdahHon. Schulze VII. Ruhe erste Bürgerpflicht. Es war am 2. September 1883. Ihre erste Nachricht ist nicht zu uns gelangt.— H. H. 1. Ja. 9. Nein.— (f. B. 100. sOffenbachcr Frauenkasse.) Schreiben Sie an Herrn W. Hinz, hier, Prinzcnstr. 66.— X. lt. Langsam voran I— Amerika. Das er- fahren Sie in jeder größeren Berliner Buchhandlung.— Z. 99. Rem.— Konfiskation. Jesaias Kapitel 60, Vers 14. �uriltilefier Ceti. Dir iurifttfifje Tpreihstunde findet täglich mit Sliisnahme des Sonnabends von 7'/, bis»Vi Uhr abends statt. G-iiffu-»: 7 Uhr. G. 61. 100. Eine Privatklage wegen Beleidigung gegen die eifer- süchtige Ehefrau ist zulässig und aussichtsvoll. Ein richtiges Mittel zur Heilung der Eifersuchtskrankheit dürste aber solche Klage nicht sein. Uebcr- dies kann die etwa verurteilte Ehefrau verlangen, daß die Strafe und Kosten von ihrem Ehemann ersetzt werden. Einen Vorteil hätte also lediglich der Gerichtsfiskus. Beseitigung der Vereinsamung der Ehefrau, Erfüllung der ehelichen Pflichten nach jeder Richtung hin und Beseitigung ungerechtfertigter Vcrdachtsgründc beseitigen die Ursachen der Licbese�ccß- krankheit und damit ihre Symptome. Eheleute pflegen doch in der Regel sich nicht zu dem Zwecke zu heiraten, um einander das Leben zu verbittern. Zur ehelichen Pflicht geHort auch Rücksicht aus die Ehefrau und liebevolle Aufklärung.— A. F., Lindow. Für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit der Behinderung ist der Lohn unter Abzug des Krankengeldes zu zahlen. — Spandau 17. 1. und 2. In beiden Fällen müßte Ihre Frau zunächst weiter zahlen, kann aber um Niederschlagung bei der Steuerbehörde eüi- kommen. Ihr etwaiges Einkommen wird Ihrem eignen zwecks Steuer- Veranlagung zugeschlagen.— A. B. Ihre Wirtschafterin ist klebevflichtig, nicht aber krankcnkassenversicherungspflichtig.— W. Ich. 33. Wird ein Kassenmitglied gesund geschrieben, wiewohl es krank ist, und wird eine Weiterbehandlung später notwendig, so ist die Kasse auch dann zur Weiter» behandlung beziehentlich zur Erstattung der Kurkosten verpflichtet, wenn daß Mitglied der Kasse inzwischen ausgeschieden ist. Die Kurdauer erstreckt sich aus mindestens 26 Wochen(das Statut kann eine längere Frist bestimmen) von der ersten Behandlung ab. Wenden Sie sich an die Gewerbedeputation (Stralaucrstr. 1/3) mit dem Antrag, die Kasse zu verurteilen, die ärztliche Behandlung zu bewilligen und die Kosten zu übernehmen.— M. A. Ja. — G. L. Nein.—(?. 911. 44. 1. Ist eine Stadt zur Erbin eingesetzt, so ist landesherrliche Genehmigung zur Annahme ersorderlich. Ein Ein- spruch von Verwandten findet in der Regel Berücksichtigung. 2. Ihre Forderungen, zu denen auch das Recht aus Rückzahlung der Ihrer Mutter schuldigen Sunune gehört, sind gegen die Erbin geltend zu machen.— Sociatdemokatiselier'Wahtverein für den i Berliner Beielistags-V ahlkreis Dienstag, in Fiebigs Salon, (Osten.) den 16. Angnst, abends 8'.., Uhr, on, Gr. Franksurterstr. 30: V e r s a m m 1 ii n g. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. An den Vorstand gelangte Anträge. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 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Den Beweis dafür findet Schippe! seltsamerweise in der Thatsache, daß der Londoner Internationale Arbeiterkongreß 18S6 folgende Resolution angenommen hat: „Ein internationales Zusammenwirken der Arbeiterklafle in Bezug auf den gewerkschasrlichen Kampf, wie besonders auch in Bezug ans die Arbeiterschutz-Gesetzgebung wird desto mehr zur Iiotwendigkeit, je mehr der wirtschaftliche Zusammenhang des kapitalistischen Weltmarkts und damit zugleich die Konflikte der nationalen Industrien sich entwickeln. Für die nächste Zeit ist ein internationales Vorgehen des Proletariats nach folgenden Rich- tungen notwendig: 1. Abschaffung der Zölle, Verbrauchssteuern und Aussuhr- Prämien. 2. Durchftihrung einer internationalen Arbeiterschutz- Gesetzgebung... Man könnte fragen, inwiefern denn dieser internationale Beschlutz gerade eine specielle Hinwendung der deutschen Social- demokratie zur Freihandelslehre bekundet; indes soll nicht bestritten werden, daß, wenn auch heute noch unsre Partei keineswegs die englische Freihandelsdoktrin acceptiert, sie doch weniger„schütz- zöllnerisch" ist, als nach dem großen Krach in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Allerdings gegenüber den Agrarzöllen hat sie st eis denselben Standpunkt eingenommen, auf de«, sie heute steht; nur in Bezug aus die Jndustriezölle war man früher teilweise zu größeren Zugeständnissen geneigt. Auch heute gilt in der Partei die Freihandels- und Schutzzoll- frage nicht als Principienfrage, sondern, wenn man so sogen darf, als„eine Frage der Umstände"— nur ist heute die große Mehrheit der Partei der Ansicht, daß jetzt die Umstände andre sind, als zu Beginn der Bismarckschcn Wirtschastsära d. h. daß seitdem die deutsche Industrie enorm erstarkt ist und heute eine weit mächtigere Stellung auf dem Weltmarkt einnimmt. That- sächlich wurde die Londoner Resolution denn auch nicht ni i t irgend welchen Freih and el- Argumenten be- gründet, sondern mit der Notwendigkeit eines Zusammenwirkens der internationalen Arbeiterschaft bei ihren gewerkschaftlichen Kämpfen, mit der veränderten Lage des Weltmarktes, der zu- nehmenden Konflikte der internationalen Industrie, den modernen Kartellierungsbestrebungen sc.— also mit der Veränderung der „Umstände". Und dasselbe gikt von der auf dem Stuttgarter Partei- tag angenommene» Resolution, durch welche die Stellungnahme der deutschen socialdemokratischen Partei zu den letzten Zollkämpfen ein- geleitet wurde. Alle Befürworter dieser Resolution, auch Kautsky selbst, begründeten ihre Stellungnahme mit dem Fortschritt der deutschen Industrie usw. Und in der schließlich angenommenen Resolution wurde denn auch keineswegs alle und jede Schutzpolitik abgelehnt, fondern nur die im Deutschen Reich und in den„Staatswesen entwickelter Großindustrie" heute übliche Schutzzoll- Politik; und motiviert wnrde diese Stellungnahme nicht mit irgend welchen Freihandelsthcorien, sonden, mit der Thatsache, daß in Deutschland infolge seiner eigenartigen Parteiverhältniffe die In- duftriezölle notwendigerweise stets mit Lebensmittelzöllen zusammen- fallen, sowie mit dem hohen Entwicklungsstand der deutschen Industrie und der Begünstigung der modernen Kartell- und Trustbildungen durch die Schutzzollpolitik. Schippe! braucht jedoch zu seinem langen anti-freihändlerischen Räsonnement die Fiktion, man wolle die FreihandrlSftage zur Principienfrage stempeln,— und so erfindet er sie kurzweg. In er- müdender Breite und ewigen Wiederholungen erzählt er. daß 1834 Jaurös, Cluseret, BaSly für den französischen Wcizenzoll von 7 Fr. pro 100 Kilogramm gestimmt hätten, daß verschiedene österreichische Parteigenossen sich auf dem Wiener Parteikonareß vor drei Jahren für Schutzzölle ausgesprochen hätten, und daß ferner im gleichen Jahr Genoffe Greulich auf dem schweizerischen Arbeitertag für Getreide- und Viehzölle eingetreren sei. Auch verschiedene englische socialistische Politiker(Chainpion, Lee, Hyndman, Blatchford) hätten sich mehr oder weniger bestimmt für Schutzzölle ausgesprochen. Die Liste ließe sich ohne Mühe noch bedeutend vermehren. besonders wenn man bei der Aneinanderreihung ebenso kritiklos verfährt, wie Schippel, der Politiker wie Blatchford und Champion zu Parteigenosfen steinpelt. Fast alle Führer der australischen Arbeiterpartei, darunter auch der jetzige Ministerpräsident Watson, sind z.B. Schntzzöllner. Aber darum, weil in andren Ländern unter ganz andren politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen einzelne Socialisten oder Gewerkschaftsführer sich für Schutzzölle aus- gesprochen haben, deshalb ist doch Schippel noch nicht berechtigt, entgegen unsren Parteitagsbeschlüssen Zollpropaganda zu treiben oder, um seinen eignen Ausdruck zu gebrauchen,„zum Gaudium der Gegner" geflissentlich Meinungs- abweich ungen„an die breiteste Oeffentlichkeit zerren". Außerdem sind aber die Schippelschen Angaben zum größten Teil nicht stichhaltig. Die österreichischen Genossen baben sich nur für In duftriezölle, nicht für Agrarzölle aus-. gesprochen, und zwar meist nur für sogenannte Listsche Erziehnngs-' zolle. Lee und Hyndman aber find überhaupt keine Schutzzöllner, wie denn auch der letztere einer der rührigsten Vekämpfer der Chamberlainschen Zollprojekte ist. Sie verlangen nur Kampfzölle für England, die unter gewissen Garantien ausschließlich dann zur Anwendung kommen sollen, wenn England trotz der von ihm gewährten zollfteien Einfuhr von einem fremden Staat ungünstiger behandelt wird, als andre zollgeschützte Länder. Agrarzöllner sind unter den von Schippel genannten Personen nur einige franzöfische socialistische Parteiführer und Genosse Greulich. Aber auch dem letzteren fällt es nicht ein, den Schippelschen Agrar- und Grundrentenschutz zu unterschreiben. In seinem Referat auf dem Berner Arbeitertag(am 31. März 1002) tritt er allerdings für einen Getreidezoll ein, aber nur für einen Zoll von IS Centimes(12 deutsche Reichspfennige) pro Centner, also für einen Zoll, der n o ch nicht den z w a n z i g st e n T e i l der im neuen deutschen Zolltarif festgesetzten Minimalzölle(2,50 M. pro Ctr. Roggen, 2,7S M. für Weizen) beträgt— und als Motiv für die Bei- beHaltung dieses schon seit 1891 in der Schweiz bestehenden Zolles macht er nicht etwa die Notwendigkeit deS Gruudrentcnschutzes geltend, sondern die außerordentliche Unbedeutendheit des Zollaufschlages, die sich im Brotpreis gar nicht bemerkbar macht, aber der Bundes- lasse eine ausschließlich von den Getreide-Jmporteuren getragene Steuer von 3 Millionen Frank pro Jahr eintrage.(Vcrgl. S. 71 des Protokolls). Und was die übrigen wichtigsten landwirtschaftlichen Zölle anbetrifft, so will Greulich zwar den Bauern Wein- und Bich- zölle bewilligen; aber einen Weinzoll von 12 M. pro Doppelcentner hält er z. B. selbst als bloßen„Kampfzoll" schon für u n a n n e h m- bar(der Zollsatz des neuen deutschen Tarifs beträgt 24 bis 160 M.) Dabei verwahrt sich aber Greulich entschieden dagegen, Schutzzöllner aus Princip zu sein; er begründete in Bern seine Stellungnahme zum Schweizer Zolltarif mit der Eingeschlossenhcit der Schweiz zwischen hochschutzzöllnerischcn Staaten und erklärte, daß er, wenn er Deutscher wäre, den Standpunkt der deutschen socialdemokratischen Partei einnehmen würde. „Die Verhältnisse in unsrer Schweiz sind nach mehreren Rich- tungen von denen Deutschlands grundverschieden. Erstens haben wir keine großgrundbesitzenden Junker und Standesherren... ziveitenS steht bei uns das Hauptnahrungsmittel, die Brotfrucht, ganz außer jedem Streit.... Also die schweizerischen Verhältnisse sind von den deutschen grundverschieden; wäre ich in Deutschland, dann würde ich so sprechen, wie die kämpfende Arbeiterschaft Deutschlands." (S. 64 des Protokolls.) Soweit also Greulich agrarzöllnerisch ist, reicht er entschieden an Schippels Größe nicht heran. Während Letzterer sich über die Bezeichnung der Getreidezölle des neuen deutschen Zolltarifs als Wucherzölle nach Rühles Zeugnis lustig macht, gelten Greulich der- artige Zölle als„wahnsinnige"(Protokoll S. 88). Aber möge» auch unter ganz andern politischen und Wirtschaft- lichen Verhältnissen einzelne Arbeiter- und Gewerkschaftsführer andrer Länder über Agrarzölle gedacht und geschrieben haben, was sie ivollen: für uns ist nicht entscheidend, wie Jaures, Millerand, Basly, Shaw usw. sich ausgesprochen haben, sondern aus- schließlich unser Programm und unsre Partei- tagsbeschlüsse. Doch Schippel hat noch zwei weitere Zeugen: Marx und Engels. Sie haben sich in den vierziger Khren für deutsche Industrie- Schutzzölle ausgesprochen— und daneben zugleich trotz aller Verhöhnung der englischen Freihandelsargumente für die Durch- führung des Freihandelssystems in England. Die Gründe werden von Mehring(Aus dem litterarischen Nachlaß von Karl Marx, II. Band S. 376) in folgende Worte gefaßt: „Marx und Engels beurteilten und entschieden diese Frage rein vom proletarisch-rcvolutionären Standpunkt aus. Sie gerieten deshalb in keinen Widerspruch mit einander, sondern stimmten vielmehr vollkommen überein, wenn Engels in dem Artikel vom 10. Juni den deutschen Arbeitern riet, den schutzzöllnerische» Flügel der deutschen Bourgeoisie zu unterstützen, während Marx in seiner tncilig später gehaltenen Freihandelsrede in revolutionärem Sinne für den Freihandel stimmte und die englischen Arbeiter lobte, weil sie den Freihändlern zum Siege vcrholfen hätten. Der e n t« scheidende Gesichtspunkt in beiden Fällen war eben der, daß die Arbeiterklasse in höchstem Grade interessiert Ivar, der Bourgeofie zum Siege über historisch rückständige Klassen zu verhelfen, um nur noch einen Gegner sich gegenüber und das Feld zum letzten Kampfe frei zu haben. Auf der damaligen Stufe ihrer Entwicklung bedurfte die deutsche Industrie der Schutz- zölle, wenn sie die Kraft zur Besiegung des König- und Junkertums erlangen sollte, während die englische Industrie auf der damaligen Stufe ihrer Entwicklung den Freihandel als Bahn- brechcr ihrer Alleinherrschaft brauchte." Diese Auffassung Mehrings wird mehrfach direkt durch Aeuherungen von Engels bestätigt; so z. B. durch einen Aufsatz in der„Deutschen Brüsseler Zeitung" vom 10. Juni 1347, in welchem es nach gleichmäßiger Verspottung der Zoll- wie der Freihandels- argumcnte heißt: „Dem Proletarier, dem Besitzlosen könnte es also dem An» schein nach sehr gleichgültig sein, ob die Schutz- oder Freihandelsmänner das einschneidende Wort führen. Da aber, wie oben gesagt, die Bourgeoisie in Deutschland des Schutzes gegen das Ausland bedarf, um mit den mittelalterlichen Ueberresten einer Feudalaristokratie und dem modernen... von„Gottes Gnaden" aufzuräumen und ihr eigenstes, innerstes Wesen rein und lauter zur Entfaltung zu bringen, so hat auch die arbeitende Klasse ein Interesse an dem, was der Bourgeoisie zur un- geschmälerten Herrschaft verhilft." Für Schippel ergicbt sich aus dieser politischen Berücksichtigung der verschiedenartigen Situationen beider Länder durch Marx und Engels nicht etwa, daß auch heute die politischen Verhältnisse und ihre Beeinflussung durch die Zollpolitik bei der Entscheidung der Ar- beiterschaft für das eine oder andre System in Betracht gezogen werden müssen. Für ihn ergiebt sich aus dieser verschiedenen Stellungnahme unsrer Altmeister zu den Zollkämpfen in den ver- schiedenen Ländern nur die Folgerung, daß, wenn Marx und Engels keine generelle Entscheidung getroffen hätten, auch wir uns heute in Teutschland nicht generell nach der einen oder andern Seite ent- scheiden dürften, und daß, wenn beide sich damals den Luxus ge- statteten, zugleich für Schutzzoll und Freihandel einzutreten, er (Schippel) doch wohl für das Schutzzollsystem allein plädieren dürfe. Schippels Gedankengang kreist in stetigen Wiederholungen immer von neuem um dasselbe Grundmotiv. In seinem sechsten Artikel spottet er über die überkommene Parteigenössische Schablone, die er „lange Jahre hindurch alltäglich und allwöchentlich" in der gleichen Weise„gehandhabt" habe, wie Kautsky. Er schätzt sich glücklich, diese „parteitraditionelle" Schablone überwunden zu haben und es muß zugegeben werden, er fft auf seiner eigenartigen Entwicklungsfahrt weit über sie hinausgelangt: allerdings nicht nur über sie, sondern zugleich noch über manche andere alte Tradition. Leider gleicht nur sein Entwicklungsgang ganz dem jener Mystiker, die den Ideengehalt der christlichen Religion dadurch überwinden, daß sie sich in den Occultismus flüchten. Auch Sstippel ist nur dadurch über die Partei- schablone hinaus in seinen jetzigen glücklichen Zustand des Sichfrei- fühlens vom Traditionellen gelangt, daß sich sein seelisches Ich glaubensinbrünstig in die vulgärste Schutzzolltheoretik versenkte. Aeutzerst charakteristisch dafür ist, daß er in seinen 47 Spalten, in denen er die nebensächlichsten Fragen in die Diskussion zieht, nicht ein einziges Mal die Frage aufwirft: Welche politischen Gründe sprechen für oder gegen eine Schutzzoll« Politik der deutschen socialdemokratischen Ar- beiterschaft,— wie würde die Erhöhung der Schutz-, speciell der Agrarzölle, auf die inneren politischen Machtver- hält nisse des Deutschen Reichs und auf dessen weitere politische Entwicklung zurückwirken? Und doch ist diese Frage von höchster Bedeutung bei der Entscheidung für die eine oder andre zollpolitische Richtung. Es ist ganz zweifellos, daß, wenn 1848 die Rücksicht auf eine freiheitliche EntwickUmg die socialistische Arbeiterpartei zur Unterstützung der Schutzzoll- forderungen der industriellen Bourgeoisie nötigte, heule die Rücksicht auf dieselbe Entwicklung sie zur Unterstützung der freihändlerischg« Forderungen zwingt. Bedeudete zu jener Zeit das Eintreten der Ar- beiterklasse für die Schutzzölle der Bourgeoisie gegenüber dem damaligen Freihändlertum des preußischen Feudalismus sine Begünstigung der Bourgeoisie in ihrem wirtschaftlichen und politischem Aufstreben. eine Schwächung der politischen Machtstellung. des Junkertums, so bedeutet heute das Eintreten für die Schutzzöllnerei eine Förderung der reaktionären Jnteressenkoaktion zwischen Schlot- und Krautjunkertum, eine Stärkung ihre? retar- dierenden Einflusses auf unsre gesamte politische Entwicklung, vor allem auf dem Gebiet der sogen. Arbeitcrgesetzgebung. Speciell die Agrarzölle sind unter den heutigen Ver« hältnisscn nichts andres als- ein künstliches Konservirungs mittel der Machtposition des Junkertums, die mit eiserner Wucht auf dem politischen Leben des neuen Deutschen Reichs preußischer Nation lastet. Wären deshalb auch alle jene wirtschaftlichen Motive, welche uns zum Kampf gegen die Agrarzölle zwingen, nicht vorhanden, so mühten wir schon aus Gründen der politischen Machtkonstellation gegen Agrarzölle kämpfen, denn höher ließe sich die politische Naivität kaum treiben, als daß wir im Parlament und in der Preffe die Machte stellung des Junkertums bekämpfen, andrerseits aber die wirtschaftliche Basis dieser Machtstellung auf Kosten des Volks durch Hohe Agrarzölle stützten. Mag das auch Schippel vielleicht noch so spaßhaft vorkommen: wir betrachten auch den Zollkampf vom Gesichtspunkt deS Klassenkampf«. VI. Berliner Reiehstags-Vahlkreis. Schönhauser Vorstadt. Sonntag, den 14. August: Sommer= Fest-WU arrangiert von den Parteigenossen der Schönhanser Mörstadt im ,»v«4»önlmu«er Volk.jearten", Schönlianser-Allec 101/10% und im„Jttgerhaus", MchonhaaseivAllee 103. KonM. tnrumsche Aufführungen, Kudfahrtr-Reigkufahren, Feuemerk. Klndeivli'ackcIpokoniitGe, theatralische Umzüge u. Vorstellnngen ä la Preoim. In den Sälen: VsUZx. Herren, die daran tellnehmen. zahlen S0 Pf. nach. aM» BilletS im Vorvcrlauf SV Pf., an der Kasse SS Pf.- Anfang nachmittags 2 Uhr."MM 210/20_ Das Komitee. Hasenheide 108-114. Hasenheide 108—114. Neue Welt Lonnadenä, den 80. August: Grosses Sommer«Pest bestehend aus Charlottenburg."WR So»11 tag, ben 14. August 1004, im„Volkshaus", Rosinenstraste Nr.»: Grosses Sommer=Fest veranstaltet von den Parteigenossien Charlottenburgs. 6ssfen-Knlt der Inserate überninimt die Redaktion dem Publikniil gcitcitiiber keinerlei Verantwortung. Theater. sich Sonntag, den 14. üluguft. Ansang 7'/, Uhr: Neues königl. Oper»- Theater. Die Fledermaus. Nachm. 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Montag: Die schöne Helena. Belle-Alliaiice. Gastspiel von Emil Winter- Tymians Humoristen. Montag: Geschlossen. Anfang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Robert der Teufel. Nachm. 3 Uhr: Zar und Zimmer- mann. Montag: Der Postillon von Long- jumeau. Weste». Licbeshandel. Nachm. 2'/i Uhr: Alt-Heidelberg. Montag: Liebcshandcl. Berliner. Zapfenstreich. Montag! Dieselbe Vorstellung. Neues. Einen Jux will er machen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Die 300 Tage. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Nachtasyl. Montag: Dieselbe Vorstellung. Triano». Die Notbrücke. Montag: Dieselbe Vorstellung. Metropol. Ein tolles Jahr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Venus aus Erden. Special!- täten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Herrnseld-THeater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ttadt-Zcheater Moabit. Der reiche Pustetohl. Montag: Dieselbe Vorstellung. ReichShalle». Stettincr Sänger. Pnjsngc-Tbcater. La belle Georgette. Specialiläien. Ansang 3 Uhr. Urania. Tanbeiistraste 48/4!). Die Weltausstellung in St. Louis. — Der Gardasee. Montag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Jnpalidenstrasje 57/Gti. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. 8edil>er-7vester 0. (Wallncr-Theater). Morwist-Oper. S o n n t a g n a ch m i t.t a g 3 II h r bei halben und ermäßigten Preisen: Zar nnd Zlninternianii. Sonntagabend 8 Uhr: Robert der Teufel. Montagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Botel. Der Postillon von Lonjurnean. Letzte Opernwoche im Schiller- Theater O. Im Garten deS Schiller-Thcatcrs N. täglich groBes Militär-Konzart. Neues Theater. Schisfbauerdamm 4a— 5. Einen Jux will er sieh machen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Einen Jux will er sich machen.______ Central-Theater 8 Uhr: Eiuakterabend ans Frist Renters Werten: 1. Olle Kamellen. 2. Läuschcn und Riemels. 3. Hanne Nütes Abschied. 4. Jochen Päsel. b. Bräsigs letztes Stündlein. 8. Ein kleiner Beamter. Emil Richard, tgl. Hosschauspieler, a. G. Morgen und solgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Belle-Alliance-Theater. Ans. Tlt Uhr! Letzte Vorstellung von Minttr-Tymimls Hnmoristk« Montag: Geschlossen. Dienstag, den 18. August: Erüffnungsvorst. der Winter-Saison. Kam'rad Lehmann. Im Sontmergarten Ans. i'l, Uhr: Curt Goldmann• Konzert und grosso Specialitäten-Vorslellung._ Trianon-Thealer. Georgenstraße zwischen Friedrich- und Universitätsstraße. Die Notbrücke. Lustspiel in 3 Akten von Fred Gresae und Francis de Croisset. Ansang 8 U h r.-MO Kleines Theater. Unter den Linden 44. MM- Zum 400. Male:~WU5 Nachtasyl. Anfang 8 Uhr. Morgen:>itctit»».vl._ Sehweiier-Carteii cmflönigsth., am Friedrichs Hain 29/32. Täyiicb: Theater o. Speciiin-Mlliij, Voiksheiustigungen und Ball. ÄiLieseekein Hallen. 10 U.:' Gesangsposse m. Tanz v. L.EIy. Mmwolh: Kitthrrftttidtiifek. Rntree 30 Pf. Gomtab, 13. Aug., ist sür Vereine frei. Unania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltaussteliiing in St. Louis. Hierauf: Der Gardasee. Montag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte irÄ ANOPTIClfM Der uiiverwumihare Ftikir! Italieiiisches Original-OFdiester, Damen und Herren. Der Kampi um Port Arthur, gr. akt. Spektakel-Schauspiel. Was Kürenweib, lebend. 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Crillliiiing der Saison Der Vorverkauf findet täglich an den Tageskassen von 10 bis 4 Uhr statt. iSsi II SSO HCl. Slütlfiujcr Thor— Stat. der Hochbahn Taglich im Garten: liotfmgnns Wileulseho Säuger. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Va»?. I» r Ji» v. e b e n. Neu I Zum Schluß: Neu! Unser Kind. Etllhlifftmrnt Suggenhageu Marltziplatv,. Täglich von 12—4 Uhr: klillagsllsch. i> groffen schattigen Na!•< garten jeden Abend 8 Uhr: Konzert, Dienstags, Donnerstags. Sonntags; Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends 1* a n-v im Kaisersaal;■ m■■ 4t■ Gesellschafts-Haus. Kicliard Felxcli, Nixdors, Knesebeckstraße 48—49. Heute Sonntag: Groste Theater- u. Speeialitaten BorsteAnng. 58362* Im Saale: Familienkränzchen. Ansang 4 Uhr.— Entree 20 Ps. Zwei elegante Kegelbahnen. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr ab zur Verfügung. Bei ungünstiger Witterung sindet die Vorstellung im Saale statt. RR. Vereinen und Gewerkschasten stehen meine Räume jederzeit zur Verfügung. Der H'irt. Club-Haus 72. Kommandanten• Strasse No. 72. Jeden Sonntag: 5483L* ____ Gi'OffAcr Ball..„ Empsehle meine drei Festsäle zu Bersammlnugen n. Festlichkeiten. «abe noch Zonnabendr nnd onntage frei. II. Edert. Ii! > i Hasenheide 108/1 14. Arnold Scholz. Heute Sonntag sowie täglich: Gala- SpecialiMen- Vorstellung. Im grossen Saale: w Ballte bei stark besetztem Orchester. Anfang 4 Uhr. Enlree 25 Pf. www rwwvMH J, Th.Cväter f: Kastzirifön-Alkz7*9 Täglich: Der rechte Weg. Pantomime: Ein ruhiges Zimmer zu vermieten. Satanelio-Trio. Wardinis. Grigolati-Truppe. Konzert, Bali, Specialit. Ans. 4 Uhr. Eiuir. 30 Ps. Ninn. PI. 50 Ps. Fröbels Ällerlel-Theater fr. Ruhlmann, Schönhauser Allee 148 Konzert Theater,' Speeiallten. Vollständig neue Spielsolge. Ansang 4'/. Uhr. Eintritt 30 Ps. Donnerslag. 13. August: Benefiz für lokosa. Boftstein, Baunsrt. Sonnabend, der 27. August, für Bcreine frei. Lüttmzlr. TU/llL. T ii g 1 1«i l> in, Garten oder «aal: Vorsts Korddeutsche Kumoristen imd Quartett=Sänger. 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Fl'Cl- KOIlZCl'tj ausgeführt von einer 2O Mann starken Musik-Kapclle. Morgen Montag Grosses Ernte-Eest unter Leitung des berühmtenMemmitige», bayer.Allg. „Wursdneyer,, hat die beste Wurst. Berlin Brnnnenftr. 6. 57782» Erster Berliner Wahlkreis. Dienstag, de» 16. August, abends S'h Uhr, in de» Armiuhallen, Kommaudantenstr. ZV: Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Mgeordneten 0r. hlbort Lüllekum: „Liidwig Jeuerbachs Leben und Lebenswerk". 2. Diskussion. 236/12 Gäste, auch Frauen haben Zutritt.'TjpQ Zahlreichen Besuch erwartet_ Bcr Vorstand. Soeialdnnokatiseher laltlverein f. d. i 3er!. HekHstags-laMkreis(SO.) Dienstag, de» 16. Zlngnst, abends 8'/. Uhr: USS'TKenmIumg im Tanle dcö Herrn Glcbe,»Südost", Waldemarstr. Ts. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Koiils über: Pflichten und Rechte. 2. Diskussiou. 3. Verschiedenes. 244/1 Zahlreichen Besuch crwertct Ter Vorstand. SoeisIdsmeKlÄkeker Mlverein ftrden K.3erZmer WeKziAgZ-MIKreis. Dienstag, den 16. Zlngnst 1661, abends 8'l2 Uhr: IUP VerfaMimliitig �HAK im„Swincinnnder GesettschastShauS", Swinemnuderstraste Nr. 1Ä. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen liatzienstv!» über:„Das schweizerische Parteiprogramm". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 248/8» ■ Gäste— auch Damen— haben Zutritt Zahlreichem Besuch sieht entgegen IZor Vorstand. Charlottenburg. Sociaidemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 16. August, abends S'/o Uhr: Mitglieder Nersammlung im Volkshause, Nosinenftrahe lt. Tages-Ordnung: i. Nie Organisation der jlartei. GeV Abg. Gerisch. 2. Diskussion. 3. Anträge zur Generalversammlung des Kreises am 28. August. 4. Ausnahme neuer Mitglieder. 250/13 5. Verschiedenes. Es ist Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. Für Frauen und Gäste ist die Tribüne reserviert._ Ter Vorstand. Sehoneberg. Sociaidemokratischer Wahlverein. Dienstag, den IG. August, abends S'/o Uhr, im Obst'schcn Lokale, Meiningerstrahe'3: V ersammliing'* Tages-Ordnung: 1. Der Bremer l'arteltas und Anträge zu demselben. 2. Die Brandenburger Probinzialkonferenz. 3. Vcrcinsangelegcnheitcn. Neue Mitglieder werden ausgenommen.— Frauen haben Zutritt. 26/1 Einen zahlreichen Besuch cnvartct Ter Vorstand. Modelleure. Montag, den lö. August, abends 8Vz Uhr, im Gcwcrkschaftshause, Engel-User 15: WP Branchen-Abend."Wff Hohbildhalltl kr(Tttpcnliiiiilitüiiilic. Montag, den 15. August, abends 8>/2 Uhr, im Gcwcrkschaftshansc, Engel-Ufer 15, Zimmer 10: MP Branchen-Abend. Steindildhaner. Montag, den 15. August, abends S1/« Uhr, im Gcwerkschaftshause, Engel-User 15; 22/5 MP Branchen-Abend."WD Filiale Berlin. Stukkateure! 173/9 Heule, Sonntagvormittag 10 Uhr, bei Franke, Sebastianstr. 39» kleiner Zaal: Versammlung der Marmor-Stukkateure. TagcS- Ordnung: t. Die Antwort der Unternehmer zu unsrcm Taris- Vorschlag. 2. Unsre weitere Stellungnahme. Montag, den 15. August, abends Uhr, bei Franke, Sebastianstr. 39, groger Saal: Regelmäßige Mitglieder-Bersammlung. Tages-Ordnung: 1.„Kapital und Arbeit." Letzter Vortrag des Gen. Slrödol. 2. Gewcrlschastlichcs. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen in beiden Versammlungen erwartet _ Ple Ortwverwaltnng. Deutsclier Holzarbeiter- Verband. Kommissiotts-SttifgUeiler der Bautischler, Einsetzer und farhettbodenleger. Mittwoch, den 17. August, abends 8 Uhr, findet im Gciverk- schaftshausc, Zaal 7, eine iiomdinierte Sitzung der drei genannten Branchen statt. Die Obleute. 8t«vk- mul Cellnloid- Arbeiter. Montag, de» 15. d. M., abends S1/* Uhr, bei Varrinz, Briickcnstr. 7: Xommiesivns- Sitzung. Deutscher tfletallarbeiter-Derband. Verwaltungsstelle ßerltn: Sngel-Üfer 15. Arbeltsnaohweis: Zimmer 34. 5lmt 4, 3353. Hanptbnrean: Zimmer 1—5. Amt 4, 9070. Unsren Mitgliedern zur Nachricht! Die Ortsverlvaltung hat beschlossen:„Jeder Kollege und Kollegin, soweit sie organisiert sind, ist verpflichict, zu den Werlstatthesprcchungen das Mitgliedsbuch mitzubringen, um den anwesenden Vertvaltungsnntglicdern oder sonstigen Vcrbandssunkttonärcn die Möglichkeit zu geben, die Mitgliedsbücher zu kontrollieren.______[U9/11]_ i»ie Ortsvcru altnng. Soeialdemokratischer Wahlverein RIxdorf. Dienstag, den 16. August, abends 8'/.-, Uhr, im Lokale des Herrn Thiel, Bergstraße 151/152: Versammlung. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion über den Bremer Parteitag und Beschlusisassung über die gestellten Anträge. Zahlreichen Besuch erwartet Iber Vorstand. Achtung Z PlltiBGrl Achtung! Mittwoch, den 17. August, abends 8 Uhr: Sezirks- Versammlungen der Nutzer in de» folgenden Lokalen: Norden I: Gottl. Hoffmann, Swinemünderstr. 47. Norden II; Aug. Kurzrock, Zionskirchplatz 5. BSedding; Hoffmann, Pasewalkerstr. 3. Vlekundbrunneii-Paiikow: Enders, Prinzen-Allee 21. Schönhauser Vorstadt: Schmidt, Pappel-Allee 114. Nordosten: Siebert, Börtherstr. 15. Osten: Franke, Zorndorserstr. 8. Sndoste»: Biallas, Skalitzerstr. 51/52. Südwesten: Kumke, Bülowstr. 59. Moabit: Bachsfein, Salzwedelerstr. 10. trharlottenbnrg: Volkshaus, Rosinenslr. 3. Friedrichsberg: Zimmermann, Nummelsb urg erstr. 49. Ripdorf: Kröger, Falk- und Stcinmetzstrasten-Ecke. Steglih-Friedena»: Schellhase, AHornstr. 15. Gleichzeitig gebe ich bekannt, dah ven jetzt ab diese Versammlungen regelmäßig jeden dritten Mittwoch im Monat in obenbezeichneten Lokalen statisinden und ersuche die Mitglieder, recht pünktlich und zahlreich in denselben zu erscheinen. 134/5 Hie»rtiiehe Verwaltung. I. 81.: H. Neumann. Central= Verband der Maurer. Zweigverein Berlin. (Sektion der Putzer), C., Rosenfhalerstrasse 57. Verband der Kürschner Berlins nnd lluigcgcud. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis: Mendelssohnstr. 9. Tel. Amt 7a. 6071. Täglich geöffnet von 9—1 vormittags und von 3—7 Uhr nachmittags, Sonnabends bis 9 Uhr abends. Mittwoch, den 17. August, abends 8V2 llhr» im Alten Schntzenhause, Linienstraße 5: Oeffentliche Versammlung aller in der Kürschnerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Welche Vorteile bietet uns die Gewerkschoftsorganisation, und ganz besonders durch den Arbeitsnachweis? Reserent: Kollege A. Hegge. 2. Diskussion. 3. Die Anrusung der Schlichtungskommission wegen Kürzung der Pausen am Sonnabend. 4. Verschiedenes. 162/17 Um zahreiches Erscheinen ersucht Her Vorstand. W ». ) MHWlllWl VI f Filiale Berlin. Dienstag, den 16. d. M., abends 8'/. Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-ttfer 13: Mitglieder Uersammlttug. w Tages-Ordnung: Vereintangelegenheiten sFortsetzung der Diskussion vom 11. August). BaF* Mitgliedsbuch legitimiert. Regen Besuch erwartet 124/14 Hie Brtsverwaltnng. Achtung! S/tF" Achtung! Verband der Portefeuiller. Montag, den 15. Angnst, abends 8'/, Uhr, in Granmauns Festsiilen, Naunynstr. 27: Mitglieder-Uersammlung. � Tages- Ordnung: 1. Festsetzung der Höhe der Erwerbslosen-Unterstützung. Referent: Kollege Weinschild aus Offenbach. 2. Diskussion. 3. Verschiedene Verbandsangelegenheiten. Wir ersuchen alle Mitglieder bestimmt und pünktlich zu erscheinen. 169/15 Die Ortsverwaltnng. Am Sonnabend, den 26. August, findet in der„Kcncn Welt", Hasenheide 168/114, unser diesjähriges W Sommerfest statt.— Billets a 25 Pf. sind bei den Vertrauensleuten sowie im Bureau, Engel-User 15. Zimmer 24, zu haben. Um zahlreiche Beteiligung bitiet Blc Ortsverwaltnng. « Donnerstag, den 18. August 1964, abends 8 Uhr: Delegierten-Bersammlung im Lokale„Märkischer Hof", Adunraljtr. 18 c. Tages-Ordnung: 126/3 Anschluß der Spar- und Produktiv-Genossenschaft «Berliu-Rirdorf" an unfern Berein. Der Bor st and. Sparbuch und Einladungskarte dient als Legitimation. VM Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Am Montag, den 15. August 1664, abends 8'/, Uhr: WtrlikMtlellitrtkn-zikrsamihlims im Gewerkschaftshause(Saal I), Engel-Ujer 15. Tages-Ordnung: 1. KoininisfionSwahlen. 2. Werkstatt- disferenzen. Z. Gewerkschaftliches. 76/6 Jede Werkstatt m» st vertreten sein!"NlA Die Kollegen werden ersucht, die Delegierten auf die Versammlung ausmerljam zu machen. Die Mstgliederversammlnng fällt in diesem Monat aus. Ter Vorstand. ssentrol-KrilnIien- u. Sterbe- Kasse der Maler. E. H. 71. Filiale II(Ost). Montag, den 13. August 1964, abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Merkowski, Andreasstraße 26: Zlntzerordentliche venera!-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kaffenangelcgcnheiten. 2. Diskussion. 124/15 Der Vorstand. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied Hermsim Bock am 12. d. Mts. plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den t4. d. Mts., nach- mittags 4',, Uhr, vom Trauer- Hause, Reinickendorserstraße 43a, aus nach dem Nazarethkirchhose in Ncniickciidors-West, Berlinerstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 31/7 Die Ortsverwaltnng. Statt besonderer Anzeige! Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß der Stcinträgcr Hermann Bock am 12. d. M.. nachmittags 5 Uhr plötzlich gestorben ist. 5389L Die trauernden Hinterhliehcnen. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. d. M., von der Wohnung, Reinickcndorserstr. 43a, ans nach dem Nazareth-Kirchhos statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Bkuttcr Antonie Nowottnick geb. Bringeza 59882 sagen wir allen lieben Verwandten. Freunden und Bekannten hiermit unfern tiefcmpsundcnen Dank. Fainiiie Xowottnick. Dr. Simmel, s»rjn""; Spccialarzt für[19/1* Hant- und Harnleiden. 16—2, 5—7. sonittagS 16—12 2— 4. Centrai-Verband der Dachdecker (Filiale Berlin). Mittwoch, den 17. Angnst, abends S'/a Uhr, bei Feind, Wcinstr. 11: IW Versammlung."WU Tages-Ordnung� 1, Bericht des Vertrauensmannes vom Streikfonds. 2. Verbands- angelegcnhciten.* 56/2 DÜM- Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse zu saffen sind, so cht um vollzähliges Erscheinen Ber Torstand. cvfui r IM Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Cementbranche, Gruppe ftabitzputzer. Mittwoch, de» 17. August, abends 8'/, llhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 26: JViitglkdsr-Vcrsamiiitiiiig. TageS-Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 148/3 Her Vorstand. Montag, 15. August, abds. 81/. Uhr, in den Industrie-Sälen, Beuthstr. 26/21: Schossai'beiter-Yei'lammluug. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Grenipe über„Bclcuchtungs- und Heizsragen im Haushalt des Arbeiters*. 2 Berichterstattung über die Durchführung des vereinbarten Lohntariss in den Maßgeschästcn. 3. Verschiedenes. 176/16 Hie Ortsverwaltnng. Sommer- Fest. Heute, Sonntag, den 14. Zluguft 1664 in den Gesamträumen der Arminhalle», Konimandantenstraste 26, veranstaltet vom Soeialdemokratischen Wahlverein für den Berk Reichstags-Wahlkreis. Gr. Garten-Konzert. Ball. Austreten d. Bert. Nolkssängkrgtsejlschnst„Lkwnudoivgky". BHr- Gntree inkl. Garderobe 26 Pf.-Wg) 246/15« Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Der Vorstand. P arkettdodenleger Berlins iumV Umgegend. Morgen Montag, den 15. Angnst er., findet in der Hronen. Brauerei, Alt-Moabit 47/48, ein Grosses Sommerfest verbunden mit Konzert und Theater-Vorftellnng statt. Im Saale: tZrosser Sommernnchts-Ball. Fackelpolonaise, wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält. Bonbonregen und sonst dergleichen mehr. Anfang des Bonv.erts 5 llhr. Die Kaffee« tüchc ist den geehrten Damen von 3 Uhr ab geöffnet. Billets sind bei sämtlichen Vcrtraucnslculen unsrer Branche sowie an der Kasse zu haben. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch billct 316b Die Kommissto». Reinwollen. Cheviot wtr. I.20, 1.35, 1.85 Mk. Reinwollen. 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Redakteur: Psul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. »«-"»->> 3. fitilnjf i>ts Jotmärts" Knlim ildlblldtt. 4. Internationaler Hotjarbeiter-Kongreß. Amsterdam, 12. August. Es sind 10 Nationen durch 23 Delegierte von 16 Verbänden vertreten. Es wird beschlossen, daß die Verhandlungen öffentlich sein, aber die von dem Buchdruckerverband boykottierte niederländische Zeitung„Telegraaf" ausgeschlossen sein soll. Ueber die Notwendigkeit und Möglichkeit einer dauernden internationalen Verbindung der Holzarbeiter referiert Leipart-Stuttgart. Er führt aus: Die Notwendigkeit die internationalen Verständigung ist schon von den früheren Kon- grossen unumwunden anerkannt worden, sie crgiebt sich ohne weiteres aus dem Gang der wirtschaftlichen Entwicklung, der Thatsache der Organisation selbst, die von der Verständigung innerhalb einer Werkstatt, über örtliche Verbände und nationale Centralvcrbände hinaus zur internationalen Verständigung ihren Weg nimmt. Trotz- dem haben die bisherigen Versuche, eine dauernde Verbindung zu schaffen, obwohl sie so alt sind wie die internationalen Kongresse, nur ein einziges geringes Resultat ergeben, die Herausgabe einer internationalen Statistik der Organisationen im Jahre 1834. Seit 10 Jahren haben dann diese Bestrebungen völlig geruht. Wenn trotz dieser entmutigenden Erfahrungen Teutschland heut wieder eine dauernde internationale Verbindung zu schaffen vorschlägt, so hat ihr den Mut dazu die Thatsache gegeben, daß alle lokalen Verbände bedeutende Fortschritte in Mitgliedcrzahl und jeder andern Beziehung gemacht haben. Freilich ist für den Augenblick an eine enge Vencinigung nicht zu denken, nur eine Ver- ständigung der nationalen Organisationen muß erreicht werden. Nicht auf die reicheren Geldmittel der englischen Organisationen ist es abgesehen, nicht einmal ein internationaler Streikfonds soll jetzt schon geschaffen werden. Spätere Kongresse können die jetzt noch unent- schieden gelassenen Schwierigkeiten lösen, das Programm nach allen Richtungen vervollständigen. Heute kommt es nur darauf an, dass der Amsterdamer Kongreß im Gegensatz zu den früheren etwas Positives und Dauerndes schaffe. Redner legt der Versai.'.mlung demnach folgenden Entwurf vor. den er im einzelnen erläutert: Internationale Union der Holzarbeiter. Die Gewerkschaften der Holzarbeiter der verschiedenen Länder bereinigen sich zu einer internationalen Union, um die gemeinsamen Interessen zu fördern. Insbesondere soll es Auf- gäbe der Union sein: Die Verbindung zwischen den einzelnen Landesorganisationen herzustellen; eine gegenseitige Benachrichtigung und Verständigung über wichtige Fragen herbeizuführen; bei Lohnkämpfen den Zuzug fremder Arbeitskräfte abzuhalten; wenn möglich die finanzielle Unterstützung besonders grosser Streiks zu vermitteln; den Abschluss von— deutscherseits schon bielfach abgeschlossenen — Kartellverträgen über den gegenseitigen Uebertritt und ev. Unterstützungen der Mitglieder im Ausland anzuregen und zu unterstützen; im allgemeinen ein solidarisches Zusammenarbeiten der Landesorgan isationcn der Holzarbeiter zu erstreben. Alle Landcsorganisationen der Möbelarbeiter, Tischler, Bau- tischlcr und Zimmerer, Klaviermacher. Stuhlbaucr, Polierer, Drechsler. Stockarbeiter, Korbmacher, Stellmacher, Bürstenmacher. Tapezierer, Bildhauer, Böttcher, Glaser usw. können der Organisation beitreten; doch kann die Aufnahme verweigert oder rückgängig gemacht werden, wenn ein begründeter Widerspruch gegen die Aufnahme einer Organisation erhoben wird. Der Jahresbeitrag der an- geschlossenen Verbände soll 1 Frank für Ilil) Mitglieder betragen. Ein internationaler Sekretär soll die Union leiten und die Kassen- geschäfte führen. Beschliessendes Organ ist der internationale Holz- arbeiterkongress. Jede Landesorganisation hat alljährlich einen Be- richt einzureichen, wichtige Vorgänge in der Landesorganisation, ins- besondere grosse Streiks, aber sofort mitzuteilen. Die Publikationen des Verbandes erfolgen in deutscher, französischer und englischer Sprache. Nach halbstündiger Mittagspause wird in die Diskussion dieser Vorschläge eingetreten. Zunächst sollen die Nationen sich principiell für oder gegen Schaffung eines internationalen Sekretariats aus- sprechen. Der Delegierte der französischen Tischler erklärt, er habe ein gebundenes Mandat, nicht schon heute formell dem Anschluss an eine internationale Union zuzustimmen, da dieser nur durch Referendum beschlossen werden könnte, giebt aber zugleich die Ver- sicherung ab, daß er alles thun werde, um auch seine Organisation zum Anschluß an das Sekretariat zu bewegen. Der belgische Delegierte teilt mit, daß er nur wegen dieses Sekretariats auf den Kongreß gekommen sei. Dessen Schaffung erscheine seinen Freunden als die bedeutsamste und wichtigste Frage. Die geforderten Mittel würden das Sekretariat ja nicht gerajbe üppig ausstatten, aber es sei immerhin ein Anfang. Gegner und Freunde des hier vorgeschlagenen Schrittes seien seit Monaten von ihm benachrichtigt, überzeugen werde man niemanden mehr. Darum sollte man jetzt über diese Principienfraae einfach abstimmen. Der Delegierte des deutschen Holzarbeiter-Ver- lni n d e s bittet, wenn man die Schaffung des internationalen Sekretariats beschließe, auch die moralischen und finanziellen Ver- pflichtungen zu erfüllen, die damit übernommen werden würden. Die deutsche Holzarbeiter-Organisation habe als weitaus größte die weit- aus größten Lasten zu tragen und das weitaus größte Interesse an ihm. Trotzdem fordere sie es gerade im Interesse der kleineren Nationen. Der Delegierte Englands betont, daß es endlich Zeit sei, aus der Periode der Sympathien in die der That überzugehen. Endlich müsse die Schaffung des Sekretariats formell beschlossen werden, nachdem man ihr 14 Jahre lang„sympathisch gegenübergestanden" habe. Schlimm genug, daß man solange Zeit zum Entschluß gebraucht habe. Entschließe sich auch dieser Kongreß nicht dazu, das Sekretariat einzurichten, so sei es schade um die Kosten dieser internationale Zusammenkünfte. In der Abstimmung wird die Schaffung des Sekretariats mit 13 Organisationsstimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Italien fehlt noch. In der Einzelberatung wird zunächst die Beitragshöhe be- sprachen. Der belgische Delegierte L o o p e m s hält den vor- geschlagenen Beitrag für viel zu niedrig. Was könnte die Union mit den 20 Frank jährlichen Beitrages von den 2000 organisierten Holzarbeitern Belgiens beginnen? Woher sollte der Sekretär besoldet werden? Wenn die Streiks mit französischer Begeisterung, englischer Zähigkeit und deutschem Geld geführt würden, wäre ihre Wirkung viel größer.(Heiterkeit und Beifall.) Der französische und englische Delegierte wenden sich gegen die Anregung. Ter erste Beschluß dürfe nicht auf Anstellung eines besoldeten Beamten gehen; dieser Sekretär müsse sowieso über ein gewisses Matz von Selbstaufopferung und Hingabe verfügen. Höhere Beiträge würden bei stärkerer In- anspruchnahme der Kasse eines Verbandes durch wirtschaftliche Kämpfe leicht unbezahlt bleiben. Der englische Delegierte erwähnt noch, daß seine Organisation jährlich 600 Pfund für die Verbindung mit andern Verbänden schon jetzt ausgebe. Röste-Deutschland verwahrte sich gegen die Folgerungen, die man aus dem Schlußsatz Loopems über materielle Unterstützung von Streiks ziehen könnte.— Die Beschlußfassung wird ausgesetzt, bis über die Aufgaben des Sekretärs eine Entscheidung getroffen ist. Modi en- Bpidplan der ßcrUner Cbeater. Neues königl. Öpern-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Sonntagabend: Die Fledermaus. Montag: Die schöne Helena. Dienstag: Die Geisha. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag: Ter Zigcunerbaron. Freitag: Der Bcttclswdent. Sonnabend: Die Fieder- maus. Sonntagnachmittag: Der Rastelhinder. Sonntagabend: Die Geisha. Montag: Nnbeslimmt. Schiller-Theater O.(Wallner-Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Sonntagabend: Robert der Tcusel. Montag: Postillon von Lonjumeau.(Botet.) Dienstag: Oberon. Mittwoch: Martha. (Bötel.) Donnerstag: Figaros Hochzeit. � Freitag: Der Troubadour. (Bötel.) Sonnabend: Robert der Teufel. Sonntagnachmittag: Geschlossen. Sonntagabend: Oberon. Montag: Geschlossen. Neues Theater. Von Sonntag bis Dienstag: Einen Jux will er sich machen. INittwoch: Logik des Herzens. Salome. Donnerstag: Einen Jur tvill er sich machen. Freitag: Kabale und Liebe,«onnabend: Einen Jur will er sich machen. Sonntag: Logik des Herzens. Salome. Montag: Kabale und Liebe. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 2'/, Uhr: Mt-Heidelberg. Sonntag und Montag: LicbeShandel. Dienstag und Mittwoch: Mamzclle Nitouche. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Liebrshandel. Sonntag« nachmittag 2'/, Uhr: Alt- Heidelberg. Sonntagabend: LIebcshandel. Montag: Mamzelle Nitouche. Berliner Theater. Von Sonntag ab allabendlich: Zapfenstreich. Kleines Theater. Sonntag und Montag: Nachtasyl. Dienstag und Mittwoch: Des Pastors Rieke. Donnerstag und Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Elcktra. Sonntag: Des Pastors Rieke. Montag: Nachtasyl. Rcsidenz-Theater. Von Sonntag ab allabendlich: Die 300 Tage. (central« Theater. Allabendlich: Einakter aus Reuters Werken. Belle- Rlliance- Theater. Sonntag: Winter-Tymian. Montag: Geschlossen. Von Dienstag bis Montag allabendlich: Kam'rad Lehmann. Dtadt-Theater Moabit. Allabendlich: Der reiche Pustekohl. Apollo-Theater. Allabendlich: Venus aus Erden. Specialitäten. Gebrüder Herrnfeld-Theater. Allabendlich: Nur eine Nacht. Au: andern Morgen. Mctropol- Theater. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Rcichshallen-Theater. Allabendlich: Stctttner Sänger. Passage-Theater. La belle Georgette. Ansang 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Urania-Theater. Taubenstraße 48/40. Sonntag: Die Weltausstellung in St. Louis. Der Gardaste. Montag: Von der Zugspitze zum Watzmanu. Dienstag, Mittwoch und Sonnabend: Die Insel Rügen. Donnerstag und Freitag: Die Weltausstellung in St. Louis. An den Seen Oberitaliens. Ansaug 8 Uhr._ Marktpreise von Berlin am 12. August. Nach Ermittelungen deS ckgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-CenMer: Weizen*"), gute Sorte 17,60— 17,56 M., mittel 17,52—17,48 M., geringe 17,44—17,40 M. Roggen**), gute Sorte 13,90—00,00 M., mittel 00,00—00,00 M., geringe 00,00—00,00 M. Futtcrg erste*), gute Sorte 14,80—14,20 M., mittel 14,10 bis 13,50 M., geringe 13,40— 12,80 M. Haser*), gute Sorte 16,40— 15,70 M., mittel 15,60—15,00 M., geringe 14,90—14,30 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-28,00 M. Speisebobnen, weiße 50,00—26,00 M. Linsen 60,00-25,00 M. Kartoffeln, neue, 12,00-8,00 M, Richtslroh 4,50-4,00 M. Heu 8,80-6,20 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. ») Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. 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Kollegen, die der Gcwerkschasts« bewegung besonderes Interesse cnt- gegenbringen und oben skizzierte Thätigkeit ausüben zu können glauben, wollen ihre Bewerbung unter Angabe der Dauer ihrer ZNitgliedschast und ihrer bisherigen Thätigkeit in der Gewerkschastsbewegung, sofern jedoch eine solche nicht vorhanden ist, ihre Ansicht über die Ausgaben der GeWerk- schasten bis zum 1. September an die Adresse des ersten Bcvollmäch- tigten, Theoelor tilocke, Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, Zimmer 8, mit dem Vermerk„Be- »verbung« richten._ 87/16 Sattler. Ein tüchttger Sattler, speciell sür Koffer und Rciseartikel, wird sosort gesucht. Mustcrkoffer- Arbeiler vor- gezogen. Prima Zeugnisse werden verlangt. Offerten an Ii. Larsen, Klaredoderne 5, Kopenhagen. 598411 Musikinstrumenten-Arbeiter! «Die Pianino-Fnbrik von A. Gast& Co. Frankfurter Allee 1t7a ist wegen Lohndifftrenzen sür alle Branchen sr«perrt. 144/17» Zuzug streng fernzuhalten! 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