Pr. 197. nbonnementS'Bedlngungin: BSonnemcntS- Preis JjtflnumctanlWJ Vierteljährl. SL0 SKt, monall. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag». Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. kwonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige tluSland 5 Mark pro Monat. Tl. Jahrg. ktlchelol lZgllch Zill!« M»»va» Devlinev Volksblatt. IN» Tnlertlons'GebQBr »«trägt für die scchSgespaltene Nolonel» zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschastNche LereinS- und BerfammlungS-Anzeigen 2S Pfg. „Uleine Snreigen", das erste fsett- gedrulkte) Wort 10 Psg., jedcS weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. rclegramm-ildreffe: „SozUldttnoKrit Berlin". Zentralorgan der fozSaldemokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8Äl. 68» Lindenstrasse 69. Kernfprecher: Amt IV, Nr. IS8Z. Dienstag, den Ä3. August 1904. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Denunzianten und Faselauten. Die bürgerliche Welt kann den SocialismuS nicht verstehen, sie darf ihn aber auch nicht verstehen. Niemand, der als Be auftragter der kapitalistischen Ordnung in der Oeffentlichkeit das Wort ergreift, darf Verständnis für die Internationale der Social- demokratie äußern, selbst wenn er es besäße. Eine ganze Klasse hat nicht die Einsicht und nicht den Mut des einzelnen Weisen, der seinem Tode ruhig ins Auge sieht. Keine Gesellschaftsklasse will sterben und deshalb ist ihre einzige Aufgabe, nachzuweisen, daß es keinen Tod giebt, wenigstens nicht für sie selbst. So müssen denn die Zeitungspastoren der Kirche des Kapitalismus ihre amtlichen Katechismussprüchlein hersagen, zu denen sie von Amtswegen verpflichtet sind. Und deshalb bricht zwar gelegentlich in einer feuilletonistischen Wendung die Bewunderung dieses neuen Weltbundes durch, der in Amsterdam tagte, aber die, Politiker der bürgerlichen Presse haben nur das eine Bemühen, eine Ver- ständnislosigkeit zur Schau zu tragen, die je nach den Parteitendenzen der von ihnen journalistisch vertretenen Interessengruppen an Stumpf- heit und Bösartigkeit verschieden abgestuft ist. ES würde sich sonach kaum lohnen, von dem bürgerlichen Preß- gerede zum Amsterdamer Kongreß Kennwis zu nehmen, wenn die Blätterstimmen doch nicht wieder ein halb widerwärtiges, halb ergötzliches Bild, zwar nicht der internationalen Socialdemokratie, wohl aber der bürgerlich-feudalen Seelenzustände geben würden. Gerade diesmal spiegelt sich prächtig die klägliche Ratlosigkeit und Gedankenarmut in dem einen, die verleumderische Niedertracht in dem andren Quartier des öffentlichen Hauses der bürgerlichen .Weltanschauung'. Jedes Argument der einen Clique schlägt das der andren tot. Sie denken und urteilen in tollen ebenso unver einbaren Widersprüchen, wie die sociale Verfassung innerlich zerrissen ist, deren Vernunft sie preisen müssen. Die deutschen Preßerörterungen über den Amsterdamer Kongreß beschäftigen sich ausschließlich mit der Taltikdebatte und hier wieder mit ein paar Aeußerungen, die in dem leidenschaftlichen und be- deutenden Rededuell zwischen Bebel und JaurdS gefallen sind. Seht, rufen die einen, selbst Bebel hat sich jetzt zum Verständnis und zur Würdigung der socialen Monarchie entwickelt; hier vor dem Ausland mußte er die Vorzüge des Vaterlandes anerkennen, die er sonst leugnet. Seht, schreien die andren, vor der ganzen Welt hat Bebel wieder seine freche Vaterlandslosigkeit zur Schau gestellt; kein Social» demokrat beschimpft so sein eigenes Vaterland wie der deutsche. Selbst vor dem Hochverrat und dem Wunsch eines unglücklichen Krieges schreckt er nicht zurück I Und es trifft sich hübsch, daß sogar im gleichen Parteilager die von den kapitalistischen Dresseuren zu fast menschlicher Intelligenz abgerichteten klugen Hänse bald mit dem einen, bald mit dem andern Huf scharren. Die parteiamtliche„Konservative Korrespondenz" stellt folgende Betrachtungen an: „Begreifliches Aufsehen hat da? Auftreten Bebels in Amsterdam gemacht. Der socialdemolratische Führer hat es fertig gebracht, m einer Rede zu erklären, ohne das bestehende Wahlrecht habe der Bestand des Reiches für die Socialdemokratie keinen Wert mehr, und in einer andern Rede die Monarchien über die Republiken zu stellen. Selbstverständlich meinte Bebel damit die„Bourgeois"- Republiken; aber auch in diesem Sinne ist das Eingeständnis Bebels nicht ohne Bedeutung. Die„Kons. Korresp." citiert dann Aeußerungen eine? national- socialen Kongreßbesuchcrs in der freisinnigen„Nation": Bebel habe das„revolutionäre Feuer verloren", er habe es fertig gebracht, „sogar die Gefährlichkeit des feudalen Junkertums zu übersehen und selbst dem persönlichen monarchischen Regiment einige an- erkennende Worte zu sagen". „Bebel erkannte gewisse Vorzüge der deutschen Monarchien vor den Republiken an. Er lobte die Bestrebungen der kaiserlich deutschen Socialreform. So ungenügend diese Resultate wären, so sei wenigstens das richtig, daß eine Monarchie nicht rein mit den Interessen des Bürgertums sich identifiziere, sondern auch für den Arbeiter etwas thun müsse, schon um des Prestiges willen. Ferner stünde z. B. die preußische Steuerpolitik turmhoch über die Frankreichs und Amerikas. Es fehlte bloß noch, daß Bebel geradezu den Ausdruck„Sociales Kaisertum" gebraucht hätte.... Bebel verurteilte ferner scharf die deutsche Klassen- justiz, aber anderseits hob er hervor, daß in Deutschland auch bei den größten Streiks niemals die bürgerliche Dretheit: Infanterie, Kavallerie und Artillerie, mobil gemacht worden wäre, wie das in Frankreich zweimal unter Millerand und auch in der Schweiz und in ähnlicher Weife in Amerika geschehen sei... Dazu bemerkt dann die„Konservative Korrespondenz man bei.... WM..... «in andrer als draußen im Auslände. Hier kommt es ja den socialdemokratischen Schürern vor allen Dingen darauf au, den Arbeitern weiszumachen, daß sie im Deutschen Reiche nur Ungerechtigkeit und Knechtung zu erwarten hätten. Hier malen die„Genossen" die Zustände im Auslande als be- neidenswert aus. Dort aber wollen fle die„Genossen" davor bewahren, in den BourgeoiS-Republiken zuftiedcn- stellende Institutionen zu erblicken. Immerhin könnten Bebel» Amsterdamer Auslassungen der deutsche» Arbeiterschaft die Augen öffnen; aber in Bremen wird man wohl dafür sorgen, daß daraus ein starker Dämpfer gesetzt wird." Das offizielle Organ der konservativen Partei ist also dermaßen von dem Bekenntnis Bebels zum socialen Kaisertum überzeugt, daß öS ärgerlich vom Bremer Parteitag erhofft, er solle Bebel wieder zur revolutionären, republikanischen Gesinnung zurückrufen. Auch die„Kreuz-Zcitung" behauptet, daß Bebel der deutschen Monarchie den Vorzug vor der bürgerlichen Republik gegeben habe, wenn sie auch seine Motive nicht im monarchistischen Sinne deutet „Wir sind weit entfernt, aus der Rede Bebels etwa den Schluß zu ziehen, daß er auf seine alten Tage noch sein monarchisches Herz entdeckt habe. In den 37 Jahren seiner parlamentarischen Thätigkeit, auf die er sich ja auch in seiner Rede beruft, hat er sich stets als der erbittertste und gehässigste Feind des monarchischen Staatswesens gezeigt, und er wird es bleiben bis an das Ende seines Lebens. Wenn er trotzdem der deutschen Monarchie den Vorzug vor Frankreich und Nordamerika gebe» möchte, so will der alte revolutionäre Fanatiker damit lediglich seiner bitteren Enttäuschung über die Entwicklung dieser Bourgeoisie- Republiken Ausdruck geben, in denen sich die Herrschaft des Kapitalismus in der unbeschränktesten Weise etabliert hat." Zu gleicher Zeit aber hat Herr Abel einen Artikel abgefaßt, den die„Post" offenbar wieder fast unverändert veröffentlicht hat. Hier erscheint der soeben zum Bekenner des socialen Kaisertums proklamierte Bebel als ein Hochverräter, der Deutschland in einen blutigen und unglücklichen Krieg verwickelt sehen möchte, damit das Reich in eine Republik verwandelt werden könne. Man lese: „Eine neue Schmach ist von dem obersten der„Vaterlands- losen Gesellen" in Deutschland auf dem internationalen Socialistcn- kongrcsse in Amsterdam dem deutschen Namen angethan: Bebel hat sich nicht gescheut, vor den aus aller Herren Ländern zusammengeströmten Zuhörer» offen dem Wunsch Ausdruck zu geben, daß dem Deutschen Reiche eine Niederlage beschieden sein möge wir Frankreich 1870, und daß es bei dieser Gelegenheit zur Republik werden möchte. Er wünscht also eine Entthronung des Kaisers und aller deutschen Fürsten nnter den denkbar traurigsten Umstände», und ihm, der wie die Socialdemokratie überhaupt, den Krieg principiell als einen Rest aus barbarischen Zeiten verwirft, wäre ein Krieg, der zu solchen für Deutschland entsetzlichen Resultaten führte, hoch willkommen! Wohl zollten auch die frcmoländischen Deutschfeinde den schändlichen Worten Bebels tosenden Beifall, da auch ihnen natürlich Deutschlands Fall nur willkommen sein kömite, aber im Herzen mögen doch ftan- zösische und englische sowie andre Socialdemokraten, die im Gegen- satze zu den deutschen„Genoffen" immer noch einen Funken nationalen Bewußtseins in sich tragen, gedacht haben, es sei nur gut, daß in ihren Reihen«ine so erbärmliche Gesinnungslumperei und Nichtswürdigkeit nicht möglich sei." Herr Abel hat sich, wie wir gestehen, diesmal selbst über- troffen, aber sein weite? Gewissen befähigt ihn noch nicht zur Intelligenz. So ist eS ihm und der„Post" ähnlich gegangen wie im Königsberger Prozeß. Sie hatten die beste Absicht zur Denunziation, aber sie wurde so dumm und so gemein gemacht, daß sie ihre eigne Sache tödlich trafen. Auch in diesem Falle hat die„Post"- Abelei, die doch dem socialen Kaisertum einen Dienst erweisen wollte, in ihrer Dummheit und Denunziantengier einen Angriff gegen das deutsche RegierungS- system gerichtet, wie es kein deutscher Socialdemokrat in solcher Schärfe tun könnte. Was hat Bebel in Amsterdam gesagt? JaurdS hatte davon gesprochen, daß daS französische Volk sich das allgemeine Wahlrecht erkämpft, dagegen daS deutsche Proletariat es geschenkt erhalten hätte. Dagegen bemerkte Bebel, auch die Franzosen hätten das Wahlrecht von Kaisers Gnaden, und nicht die revolutionären Arbeiter hätten die politische Freiheit erobert, sondern die sei die Folge deS Zusammenbruchs des verlotterten Kaisertums» das nach Sedan führte. Und Bebel fügte hinzu: „wenn nnter ähnlichen Voraussetzungen in ähnlichem Gegensatz zwischen Volks- und Kulturinteressen einerseits und dynastischen Interessen andrerseits wir das Kaisertum verlieren würden, so wäre das kein Schade für das deutsche Volk und seine Kultur- Interessen." Bebel hat mit dieser Aeußentng keine kühnere Bemerkung gemacht, als sie selbst der zahmste konservative Historiker jeden Tag wagt. Es ist eine der festesten geschichtlichen Erfahrungen, daß gerade Niederlagen zur Erhebung aus tiefster Korruption führen. Jedes patriotische Schulbuch nennt die Zeit nach dem Zusammenbruch von Jena„die Wiedergeburt Preußens". 18SS erachtete Heinrich Treitschke die sächsische Dynastie für so verfault, daß er in einer wilden Schmähschrift erklärte, es gäbe nur eine Rettung für das sächsische Volk: die Annexion durch Preußen. Im Friedens- vertrag von 18SS zwang Bismarck Sachsen zu der Verpflichtung. keine HochverratSprozeffe einzuleiten, um die Treitschke und seine Gesinnungsgenossen vor dem Zuchthaus zu bewahren. Vaterlandslos, ein Vaterlandsverräter, wäre nur, wer unter der Voraussetzung, daß daS deutsche Kaisertum je zu der Fäulnis der Zeit Napoleons III. entarten könnte, gegen dieses Verhängnis sich nicht auflehnen würde. Ist denn das nicht auch die Meinung der„Post"? Bebel hat keinen Krieg, er hat nicht den Sturz der Hohenzollem in zerschmetternder Niederlage gewünscht, er hat nur die einfache Wahrheit ausgesprochen, daß im Zusammenbruch eines verrotteten Systems die Erlösung geboren wird. Die Denun- ziation der„Post" hätte nur dann einen Sinn, wenn daS Blatt annimmt, das deutsche Kaisertum sei so verkommen wie daS französische, das bei Sedan das gerechte Verhängnis ereilte. Der Ver- leumdungswahnstim des Blattes hat eS in diese beispiellose Schmähung der deutschen Zustände gehetzt. Wir glauben schon, daß die„Post"- Patrioten Abelscher Richtung auch unter einem napoleonischen Regime die Lakaientreue so lange bewahren würden, bis das Geschäft nicht mehr rentiert, Leute mit Nationalbewußtsein aber würden u n t e r diesen Voraussetzungen nicht anders reden und handeln wie Bebel, der aber diesen Vergleich zwischen dem Frankreich von 1870 und dem Deutschland von 1904 nicht gezogen hat. Wie die„Pvst" tobt auch die„Deutsche Tageszeitung", die in der Angst um den Wucherzoll mit wachsendem Eifer im Plehwe- Stil auf die Gegner des agrarischen Raubzuges die Häscher zu hetzen sucht: „Wir haben femer einige Aeußerungen des Abgeordneten Bebel „beinahe hochverräterisch" genannt. Ist diese Bezeichnung zu stark, wenn ein deutscher Reichstags- Abgeordneter sich dazu hin- reißen läßt, auf einer internationalen Versammlung zu sagen. es wäre ihm nicht unangenehm, wenn Deutschland auf dieselbe Weise zu einer republikanischen Verfassung käme wie Frankreich 1870? Sagt er damit nicht, daß er eine schimpfliche Niederlage seines Volkes mit in den Kauf nehmen würde, wenn dadurch die Republik herbeigeführt werden konnte? Solche Aeußerungen grenzen, wenn sie auch nicht strafrechtlich zu fassen sind, sehr nahe an Hochverrat. Sie bedeuten allermindestens den Gipfel der Vaterlandslosigkeit, zumal wenn sie in einer internationalen Versammlung gethan werden. Wenn wir das fest- halten, so haben wir lediglich unsere Pflicht und etwas ganz Selbst- verständliches gethan. Wirkt eine solche Feststellung scharf- macherisch, so sind wir nicht die Scharfmacher, sondem diejenigen, welche derartige Beschlüsse gefaßt und solche Aeußerungen gethan haben. Der Staat würde einen Akt der Selbstvernichtung begehen oder doch beginnen, wenn er aus den Amsterdamer Borgängen und Reden nicht die notwendigen und natürlichen Konsequenzen zöge." Und als Dritter im Bunde schreibt der„ReichSbote", der ja allen Anlaß hat, die Aufmerksamkeit von dem Mirbach- Skandal ab- zulenken: „Bebel würde sich also fteuen, wenn Deutschland eine eben- solche Niederlage erleiden würde, wie die Franzosen bei Sedan und Kaiser Wilhelm ebenso in die Gefangenschaft des Feindes geführt würde und in Deutschland dann die Socialdemokraten die Republik proklamieren könnten. Das wagt ein Mann zu sagen, der einen deutschen Namen trägt, deutsches Brot ißt und sogar im deutschen Reichstage sitzt." Natürlich sollen auch diese denunziatorischen Fälschungen als Material für die reaktionäre Wahlrechtsverschwörung dienen. Die„Deutsche Tageszeitung" hat ja wiederholt die Parteien ge- warnt, sich durch einen Wahlrechts-Antrag zu kompromittieren; die Verantwortung eines Umsturzes des Wahlrechts müsse die Regierung auf sich nehmen. Und damit die Regierung die Initiative ergreift, ermuntert man sie durch ebenso läppische wie bübische Fälschungen. Für das Proletariat aber sind derartige Denunciationen höchst willkommen; sie reißen die Maske von seinen Feinden und beflügeln sein« Energie und Wach- samleit. Lobredner des socialen Kaisertums— vaterlandslofe Hoch- Verräter: das Preßgesinde erhebt längst keinen Anspruch mehr, nur einerlei Unsinn zu schreiben. Ueber daS ohnmächtige Geschwätz und Gekläff aber braust gewaltig hinweg der Weltchor der socialistischen Einheft und Zukunft. politische CUbersiedr. Berlin, den 21. August. Bo« südwestafrikanischen Kriegsschauplatz. Es scheint wirklich, als ob die pessimistische Aeußenmg des Oberst L e u t w e i n— der sich übrigens in aller Kürze, natürlich gesundheitshalber", nach Europa begeben wird— daß eS bedeutend leichter fei, zu siegen, als den Frieden wieder herzustellen, sich in Südwestafrika bestätigen sollte. General Trotha hat ja nun, nach monatelangen Vorbereitungen und unter einem gewaltigen Truppenaufgebot am Waterberg gesiegt. Aber hat er damit die Herero» vernichtet? Keineswegs. Die Hereros find in ihrer großen Mehrzahl entkommen und zwar unter Mitnahme ihres Viehes, wie Hauptmann Dannhauer in einem ausführlichen Bericht aus dem Bezirk Hamakari mitteilt. Hauptmann Dannhauer meldet allerdings auch, daß die nach Osten fliehenden Hereros verfolgt und hoffentlich von neuem gestellt würden. Aber diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt, da ja Trotha selbst inzwischen gemeldet hat, daß die Verfolgung aufgegeben worden sei. Nun liegt heute eine weitere Meldung Trothas vor, daß starke Hererohaufen urplötzlich wieder weit im Süden der Waterberge aufgetaucht feien, in jenen Gegenden, in denen sich seiner Zeit der Major Glasenapp seine schweren Schlappen geholt hatte; bei Otjosundo, Owilolorero usw. Infolgedessen sind 'chleunigst starke Detachements wieder nach Süden abgezweigt worden. um diese verwegenen Banden zu verfolgen. Es ist auch bereits zu einem erfolgreichen Zusammenstoß mit einer dieser Banden ge« kommen. Die Meldung Trothas lautet: „Feind ist mit st a r k e n Teilen auf Rückmarsch über Linie Omeihei-Okahitua— Okosongo(am Omuramba und Omatako) nach Südosten auf Otjekongo-Otjomaso. E st 0 r f f folgt von Ombujo— Ratanga, M ü h l e n f e l s, der am 19. Vley Erindi— Endeta, nördlich Okosongoho, nahm, über Orutiwa. Deimling geht in zwei Kolonnen über Otjire und Otjikururume Owikokorero, um Feind den Weg nach W e st e n zu verlegen. Hauptmann Heydebreck ver- hindert mit ö. Compagnie 2. Regiments Ausweichen des Gegners auf Epikuro. W i n k lc r brachte bei Otjekongo feindlichen Banden Verluste bei und erbeutete zahlreiches Vieh, deckt Etappenort Otjofondu. Nach Gefangenenauösage am 11. d. MtS. Großleute Banjo und Mutate gefallen. Bei Gefecht von Mühlenfela am 19. d. Mts. hatten Herero erhebliche Verluste. Haupt- quartier 21. Otjire." Nun geht also zur Abwechslung wieder einmal die Hätz nach dem Süden. Da das Gelände auf diesem Teil des Kriegsschauplatzes bekanntlich infolge des vielfach auftretenden Buschwaldes für die Herero» ein günstiges ist. so dürfte eS einem erheblichen Teil der HereroS wohl glücken, der Verfolgung zu eilt- gehen. Ihre Haufen werden sich dabei immermehr zer» splittern. Sie werden nach Westen, nach Osten, nach Süden flüchten. Möglicherweise erreicht ein Teil von ihnen wiederum die schützenden Onjaliberge, den ersten Zufluchtsort der Hereros, in denen sich ohnehin noch einige Banden finden dürften. Durch diese Ver- folgungen, die bei dem Wasser- und weidearmen Gelände ihre he- kannten Schwierigkeiten haben, wird der ganze kunstvolle Aufmarsch der Truppen über den Haufen geworfen und den nach Norden und Osten geflohenen Hcreros erst recht der Nückziig erleichtert. Zu alledem meldet ein englisches Tclegrannn noch die allizcmcine Erhebuliz der OvamdoS: Einer Rentenneldung zufolge sind in Kimberley aus U p i n g t o n fBetschuanaland) aintliche Nachrichten eingetroffen, wonach 30 000 s?) wohlbewaffnete Ovamboleute sich den aufftändischcn Hereros angeschlossen haben. Der Damarahäuptling Jakob Maringo sei mit 60 Mann in der Nähe des B a- F l u s s e S, plündere Farmer und nehme ihnen die Waffen weg. Ob die Meldung sich jetzt bereits bestätigt, bleibt abzu- warten. Aber daß die Ovambos, die allerdings statt der angeblichen 80 000 wohl nur 10 000 Bewaffnete ins Feld stellen können, schließlich auch zu den Waffen greifen werden, sobald der Kriegsschauplatz weiter nach Nordwesten verlegt wird, ist mehr als wahrscheinlich. Die Verlustlisten stnd nunmehr zum großen Teil eingetroffen. Sie lauten: Es fielen am Nordwestrand von Waterberg Lieutenant b. B o d e n h a u s e n aus Burgkemnitz. Unteroffizier Franz K a h s e r- l i n g aus Grondowke», Post Groß-Schweikpowen, Gefreiter Oskar Z e i n aus Piskorsine, Gefreiter Karl Liborius aus Rathenow. Einjahrig-Freiwilliger Bosse aus Peine, Reiter Robert Kruppa aus Hadra, Reiter Franz Wollenbera aus Morainen, Reiter Ernst Laaser aus Bollensdorf, Reiter Joieph Fitzke aus Friede- walde. Es wurden leicht verwundet am 6. August am Nordwestrand von Waterbcrg: Gefreiter August Balz aus Werder, Schuß durch linken Fußrücken z am 10. August bei O m u w e r o u m u e: Reiter Karl B a t t i g e aus Wangerow bei Nenstettin, Schuß durch Arm; Reiter Karl K r e m m e r aus Krefeld, Schuß durch beide Ober- schenke! und Mittelfinger der linken Hand! ferner am(5. August bei Okateitei: Reiter Willy W i r tz aus Aachen, Schuß durch linke Hand. Es wurde schwer verwundet am 11. August bei Waterberg: Reiter Albert Zöllmer aus Schleusendorf, Kreis Bromberg. Es werden vermißt s e i t 6. A u g u st von Patrouille am Nord- Westrand Waterberg der Gefreite Franz W i p p e r aus Wormsdorf, angeblich schwer verlvundet; Reiter Paul Ni e r o b i s ch aus Neudcck. ES fielen im Gefecht am Waterberg am 11. August Hauptmann Rudolf G a n s s e r aus Stuttgart sKopfschuß), Licute- nant Graf v. Arnim, Lieutenant Friedrich L e p l o w ans Dresden (Schuß rechter Oberschenkel). Sergeant Anton Lingk aus Arnsdorf (Schutz durch Kopf und Brust), Sergeant Adolf Leopold aus Kuppcnheim(Brustschuß), Gefreiter Otto Seifert aus Reisicht in Preußen(Schuß in die Brust), Gefreiter Karl V i z e n t y aus Groden(Schuß in den Unterleib), Gefreiter Johannes K r i st l aus Gundfingen(Kopfschuß), Reiter Wilhelm H ä u ß l e r aus Buttstadt (Schuß in den Hals), Reiter Alfons R o h r b a ch aus Wittelsheim (Schuß in den Unterleib), Reiter Karl Latusek aus Ellguth in Preußen(Kopfschuß). Reiter Franz Beutele aus Engelsbolzhofen (Schuß in die Brust). Schwer verwundet sind: Oberlieutenant Alfred Streccius aus Mülhausen i. Elf.(Schuß in rechten Oberarm), Lieutenant Freiherr v. Walther aus Heidenheim-Württemberg(Schuß linke Schulter), Unter- offizierHermann Schatz aus Kumm(Schuß in die Brust), Gefreiter Emil K o n i tz e r aus Alt-Rognitz(Schuß ins rechte Knie), Reiter Zlaver B u ch n e r aus Landshut, Bayern(Schuß ins Bein), Reiter Johannes W i n tz e k aus Branitz(Schuß ins Bein), Reiter Michael P o n e l i o aus Pojagcn(Schuß ins Bein), Reiter May D r e ß l e r aus Berlin(Schuß ins Gesäß). Gefreiter Wilhelm Lange au-Z Erdeborn(Schuß linker Mittelfinger), Reiter Adolf Radtke aus Reetz, Kreis Arnswalde(Schuß linkes Fußgelenk), Reiter Richard R e s k e aus Loppow, Kreis Landsberg(Schuß linke Schulter, rechte Hand), Reiter Anton B a b i l a s aus Radthcin, Kreis Neustadt (Streifschuß Kopf und Schuß in die Brust). ES wurden leicht verwundet: Major v. MühlenfelS (Streifschuß hinterm Ohr). Sergeant Albert K r o e ch e r aus Khritz(Weichteilschuß rechter Oberarm), Unteroffizier Bernhard Hoppe aus Tolkcmit, Kreis Elbing(Schuß in den Rücken!, Unter- offizier Nikolaus Sturm aus Büschfeld(Schuß rechtes Handgelenk), Unteroffizier Heinrich Rosen zweig aus Niedcrlausig(Bajonett- stich linkes Knie), Gefreiter Arthur C u r t aus Leipzig(Hüstschuß), Gefreiter Otto Busch aus Hamburg(Schuß durch Nacken), Gesteiter Heinrich Fehlings aus Altstaden(zwei Schüsse rechten Arm), Reiter Hermann K o s ch o rr e k aus Rominten(Schuß rechten Fuß), Gestciter Hermann K u r p j n h n aus Astrawischken (Schutz rechte Hand), Gefreiter Franz Heinrich aus Kroplainen (Schuß rechte Hand), Reiter Dietrich Hashagen aus Bremen (Schuß rechten äußeren Knöchel), Gefreiter Richard Stadt- haus aus Fürstenau(Schutz Oberschenkel), Reiter Richard Arendt aus Dessau(Schuß rechter Oberschenkel), Reiter Otto Schulz aus Spandau(Schuß Unterschenkel), Gefreiter Fritz T h i m m aus Arwocken(Quetschung rechtes Auge), Reiter Georg D i t e w i g aus Niedersanlheim(Prellschuß rechter Fuß),� Reiter Wilhelm Kemper aus Hamm(Prellschuß rechter Oberschenkel), Reiter Robert T h a m m aus Kittlitztreben(Streifschuß am Halse). Ober st lieute nant Müller mit Pferd gestürzt, Gehirn- erschütterung und Bruch des linken Schlüsselbeins. Namcuaugabe Gefallener und Verwundeter der Abteilungen Estorff und Hcydc folgen.—_ Die CentriimSparade. Die 51. Generalversammlung der Katho- liken Deutschlands wurde am Sonntag in Regens bürg eröffnet. Am Nachmittag fand eine Demonstration katholischer Arbeitervereine statt, die sich nach einem Umzug nach der Festhalle begaben, wo als- dann eine.Arbeiterversammlung" stattfand. Zum Vor- sitzenden wurde der Domherr Dr. S ch ä d l e r gewählt, der nach einer salbungsvollen Ansprache das Wort dem Borsitzenden des Centraikomitees der Generalversammlung, dem Grafen Droste- V ischering, erteilt, der am Ende einer gemeinplätzlichen Rede die Aufhebung des Z 1 des Jesuitengesetzes forderte. Nach dem Domherrn und dem Grafen kam in dieser.Arveiter- Versammlung" noch immer kein Vertreter der Arbeiter zum Wort,, sondern der Weihbischof Dr. von Old, der viel von der christlichen Arbeit aber wenig vom Schutze dieser Arbeit gegen' die kapitalistische Ausbeutung sprach. Er apostrophierte schließlich] die versammelten Arbeiter als ivahre Vertreter der Religion und Sittlichkeit und spendete ihnen alsdann den bischöflichen Segen.� Alsdann kam— immer noch kein Arbeiter oder Gewerkschafts-! beamter zum Wort, sondern zunächst nochmals der Herr Doktor � S ch ä d l e r und nach ihm abermals ein Geistlicher, Prof. Hilgen-! r a i n e r, der eine Stunde lang über die Stellung des katholischen j Arbeiters zur Socialdemokratie redete. Der Herr schloß mit der: mehr als gewagten Prophezeiung, daß die Arbeiterstage entweder l „mit Christus" oder gar nicht gelöst werden könne. Dann endlich vergönnte man auch einem wirklichen Arbeiter- Vertreter gnädigst das Wort. Ter ArbeitersekretärKangS-! b a u r aus München begann seinen Bericht zu erstatten, hatte aber: nach all den geistlichen Reden mit einer solchen Unruhe der ermüdeteu> Versammlung zu kämpfen, daß er mit seinen Ausführungen nicht, durchdrang. Der Saal leerte sich, der Berichterstatter sprach je länger i je mehr vor leeren Bänken. So endete— stimmnngsvoll I— die! .Arbeiterversammlnng" I In der ersten Abendversammlung mamfestierte sich i die schwarze Internationale. Im Namen des spanischen katholischen PrcßvereinS bringt. Herr Angel Caro, ein junger spanischer Professor, Grüße Spaniens,' ein französischer Priester Grüße der Katholiken Frankreichs. Er betrauert die Lage der Kirche in Frankreich und wünscht, seine Landslepte möchten dem Beispiele der deutschen Katholiken folgen und wie diese einst Bismarck ein Kanossa bereitet haben, die französische Kirche zum Siege führen. Professor Dr. Lenz-Regens- bürg danlt in französischer Sprache den Katholiken Frankreichs und bringt ein mit brausendem Jubel aufgenommenes Hoch ans auf die Zukunft der katholischen Kirche in Frankreich. Auch O e st c r r e i ch hatte seine Grüße entboten, unter denen namentlich der des Wiener Bürgermeisters, des famosen Dr. L u e g e r, besonderen Beifall entfesselte. Dann ivurde die Parade vertagt.— Der Kolonialkriminalist. Wie da?„Kleine Journal" meldet, ist Polizcirat Bösel, der derzeitige stellvertretende Chef der Riydorfer Polizei, dem Gouvernement in Windhuk in Deutsch-Südwestafrika zur Verwendung iin höheren Verwaltungsdienst überwiesen worden j er verläßt bereits am 30. d. M. Europa. Herrn Bösels Spccialität war die Ueberwachnng der in Deutsch- land nicht existierenden„anarchistischen" Bewegung. ES wirkte in dem furchtbaren Fall Koscheinann mit, dessen Leben im Zuchthaus der- wüstet wird, obwohl er nach der Ueberzeugung Unzähliger un- schuldig ist. Bösel soll auch den Sicherheitsdienst bei Anslandreisen des Kaisers organisiert haben. In seinen Händen lagen auch, so schreibt das.Kleine Journal", das eS aus seiner Mirbach-Zeit wissen muß, die ziemlich komplizierten polizeitechnischen Arrangements der Jerusalenifahrt des Kaiscrpaares. Wenn man jetzt den Kriminalbeamten nach Südwestastika schickt, so geschieht das wohl aus der Erwägung, daß wirkliche „Anarchisten"— Anarchisten im Polizeisinne— nur in den deutschen Kolonien vorkommen und daß es hohe Zeit ist, diese gesetzlosen und blutdürstigen Pciniger und Räuber, die die Eingeborenen schinden und ausrauben, sorgsam zu überwachen. Wir glauben, daß die ganze politische Polizei in Deutschland ebenso überflüssig wie in Afrika nützlich ist.— Eine frühere Einberufiiug des Reichstages hält die„Denffche Tageszeitung" nicht für ausgeschlossen: man hofft die meisten und wichtigsten Handelsverträge bereits im Oktober oder Anfang November vorlegen zu können.— Tie obcrschlesischen Arbeiter über den Königsberger Prozes). In einer polnischen Volksversammlung, die am Sonntag, den 21. August, von der Kattowitzer Organisation der Polnischen SocialistischenPartei nachdem dortigen Gewerkschaftshause einberufen war, wurde nach einem Referat des Genossen Georg Haase eine Resolution einstimmig angenommen, der nachstehende Sätze ent- nommen seien: „Der Königsberger Prozeß hat wiederum die gräßliche Barbarei des russischen Zarats, die allem Menschlichkeitsgefühl Hohn spricht. enthüllt. Der Königsberger Prozeß hat außerdem die Politik der preußischen Regierung, die der barbarischen Regierung des Zaren Schergendienste leister, in greller Weise beleuchtet. Angesichts dessen erklären wir: Das russische Zarat ist der größte, gefährlichste und barbarischte Feind des ganzen polnischen Volkes und jedes Gedankens der Freiheit, des Fortschritts und der Demokratie. Das russische Zarat bedrückt das polnische Volk und die Bevölkerung aller andern Nationalitäten, vor allem aber die Arbeiterklasse, im ganzen russischen Reich, alle Volksbestrebungen in unmenschlicher Weise mit der Kugel, der Bajonette, der Knute, dem Gefängnis und Sibirien unterdrückend. Mit der größten Entschiedenheit protestieren wir gegen die Gendarmendienste, welche die preußische Regierung den russischen Henkern leistet, selbst vor der Auslieferung von Deserteuren und Revolutionären aus Rußland nicht zurückscheuend. Den heldenhaften Revolutionären in ganz Rußland, vor allem den unermüdlichen Kämpfern der Polnischen Socialistischen Partei, die um die Freiheit, Unabhängigkeit und den Wohlstand des Volkes kämpfen, übersenden wir unsre glühendsten Sympathien. Schließlich brandmarken wir mit Verachtung die Hand- lungsweise der polnischen Fraktion und damit auch des Abgeordneten Korfanty gegenüber der russischen und der preußischen Regierung— eine Handlungsweise, die am grellsten durch das Schweigen der polnischen Fraktion während der parlamentarischen Debatten über die preußischen Dienste für Rußland beleuchtet worden ist— ein Schweigen im Augenblick, als man sprechen mutzte— wo Schweigen ein Verbrechen war." Die Versammelten gingen unter stürmischen Rufen:„Nieder mit dem Zarat! Hoch die internationale Socialdemokratie!" aus- einander. Ein Erstklassiger. München, 22. August.(Eig. Ber.) Heute Montagvormittag wurde dem Kriegsgerichte der ersten Division der 40 Jahre alte Rittmeister und Chef der Eskadron der Jäger zu Pferde, Maximilian Freiherr von Horn, durch einen Offizier aus der Untersuchungshaft vorgeführt, um sich wegen eines militärischen Vergehens der Fahnenflucht nach Z 64 des Militärstrafgesetzbuches, Mißbrauch der Dienstgcwalt, je zweier Vergehen und Verbrechen des Betrugs und 11 Verbrechen der Privaturkundenfälschung zu verantworten. Wie seiner Zeit im„Vorwärts" mitgeteilt, wurde der edle Rittmeister in Berlin, wo er sich in der Paulstraßc als ein reicher Kaufmann aus Afrika unter den falschen Namen Paltin einmietete, verhaftet und an die Militärbehörde in München abgeliefert Freiherr v. Horn, der seit°/, Jahren fahnenflüchtig ist und steckbrieflich verfolgt wurde, spielte in der Münchener Gesellschaft eine große Rolle. Er stand in dem Rufe eines tüchtigen Offiziers und war ein hervorragendes Mitglied der Münchener Sportwelt. Er lebte auf großem Fuße und über seine Verhältnisse; durch seine perversen Leidenschaften(es ist gegen ihn am Militärgericht auch ein fortgesetztes Vergehen gegen§175 R.-St.-G.-B. anhängig), geriet er in die Hände von Erpressern und so ging es rasch mit ihm abwärts. In seinen Vermögcnsverhältnissen vollständig zerrüttet, kontrahierte er eine Masse Schulden, die er nicht mehr zu decken vermochte. Nun wurde er zum Verbrecher. Es wird ihm zur Last gelegt, daß er unter unwahren Schilderungen seiner Vcrmögensverhältnisse und unter Vorzeigung des auf seine Frau lautenden Depotscheines über deren angelegtes Vermögen, sowie unter Verschweigung des Um- standcs, daß er mit seiner Ehefrau in Gütertrennung lebt, dem Lieutenant des 2. Ulancn-Regiments Max Bomhard 23 000 M. und dem prakt. Arzt Dr. Hofbrühl 40 000 M. herauslockte. Das militärische Vergehen des Mißbrauchs der Dicnstgewalt wird darin erblickt, daß er die in seiner Eskadron stehenden Offiziere, Obcrlieutenant v. K i l i a n i und Lieutenant v. Kuhlmann zur Eingehung von Wechselverbindlichkeiten durch Hingabe ihrer Namensunterschriften veranlaßte; außerdem ließ er sich von den beiden Lieutenants Blanko-Wechsel aushändigen und setzte dann höhere Summen ein, als vereinbart war. Endlich hat Freiherr v. Horn in 11 Fällen Wechsel gefälscht und die Namen der Lieutenants Deiglmaier, v. Kiliani, v. Kuhlmann und des Rittmeisters Nimbser sowie die Unterschrift des Gutsbesitzers Kriß mißbraucht. Als dem Freiherrn v. Horn der Boden in München zu heiß wurde, ließ er sich, angeblich zur„Kräftigung seiner zerrütteten Nerven" Urlaub geben, den er in Meran zu verbringen vorgab. Dort ließ er Weib und Kinder im Stiche und wurde flüchtig. Um die Spur seiner Flucht zu verwischen, schrieb er an seinen Regiments- kommandenr, daß er beabsichtige, sich das Leben zu nehmen. Nun begannen seine Irrfahrten; nahezu mittellos,.wandte er sich nach London, wo er unter Verschweigung der hauptsächlichsten Umstände von einem deutschen Magnaten eine Unterstützung von 1000 Mk. erhielt; damit schiffte er sich nach Afrika ein, wo er nach Deckung der Reisekosten fast mittellos ankam. Seine Hoffnung, in der e n g- l i s ch e n Armee unterzukommen, erfüllte sich nicht. Hierauf wandte sich Freiherr v. Horn nach Südwestafrika in der Absicht, am Kampfe gegen die Hereros teilzunehmen; auch hier erlebte er eine Ent- täuschung, er konnte keine Aufnahme finden. Nun erlebte er die größte Schmach, die einem Freiherrn widerfahren konnte: er mußte seinen Unterhalt durch seine Hände Arbeit erwerben und sein Leben in den niedersten Stellungen fristen. Zuletzt wurde er Geschäfts- führer eines Rcitinstituts und erhielt als solcher den Austrag, et» Gespann Pferde nach Europa zu bringen. Und so kam er nach Berlin, wo er am 23. Mai eintraf und unter falschem Namen sich bei einem Fräulein einmietete. Von hier aus bat er brieflich seinen Regimentskommandeur um Rat, was er nunmehr beginnen sollte. Dieser übergab den Brief der Militärbehörde, die auf tele- graphische Requisition die Verhaftung des Rittmeisters v. Horn veranlaßte. Die Verhandlung, die den ganzen Montag in Anspruch nimmt, wird unter t e i l w e i s e m Ausschluß der Oeffentlichleit geführt. Wie uns ein Telegramm meldet, wurde v. Horn zu 6 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Entfernung aus dem Heere verurteilt._ Ein Rckniteiinbrichtcr. Aus München wird uns geschrieben- Vor dem Kriegsgericht der 1. Division hatte sich der Unteroffizier Karl Lauer der 0. Compagnie des Jnfantcrie-Leib-Regiments wegen Mißhandlm. g Untergebener zu verantworten. Lauer, der wegen Soldatenmißhandlung das dritte Mal vor dem Kriegs« gericht stand, hatte im Oktober v. I. Rekruten abzurichten. Den Rekruten Andreas Schutzmann, ein schwach angelegter und geistig zllrückgcbliebencr Mensch, nahm sich der Herr Unteroffizier besonders aufs Korn, er drillte und zwickte ihn bei jeder Gelegenheit, stieß ihm bei Gewehrübungen die Mündung des Gewehrs wiederholt derart an die Brust, daß Schutzmann aus Reih und Glied taumelle. Damit nicht genug, der Peiniger drohte dem Schußmann, datz er ihn so lange ererzieren lasse, bis er die Schwindsucht kriege und nach dem Friedhof komme, er, der Herr Unteroffizier, werde dafür sorgen. datz er keine frohe Stunde mehr beim Militär habe. Sauhammel, Dreckkerl, Bauernrammel, das waren die landläufigsten Titulaturen deS„gebildeten" Rckrutenschinders. Trotz alledem nahm das Kriegs- gericht einen minderschweren Fall an und verurteilte den Unteroffizier zu-- 21 Tagen Mittclarrest!— Kuslancl. Ruhland. De» Henkern entgangen? PcterSinrg, 21. August. Es verlautet, datz der Mörder des Ministers Plehwe vor vier Tagen gestorben ist. Die Person des Mörders ist als Sohn eines Kaufmanns Namens Sazanoff aus Ufa festgestellt(?).— Bon der Arbeit der Spitzel. Der Redaktion der„Jskra" ist ein Brief eines Dorflehrers in der Ansiedelung Surebo, Namens Tutbcridse, an einen Angestellten der Landespolizei Kandeloki über- mittelt worden, aus welchem zu ersehen ist, ivie die freiwilligen und die im polizeilichen Dienste stehenden russischen Spitzel politische Prozesse fabrizieren. Der Brief lautet wörtlich:„Bruder Victor, wenn Du willst, datz Deine Angelegenheit einen günstigen Ver- lauf nehmen soll, so fahre gleich zum Bezirkshauptmanir und sage ihm, datz Du mit Deinen eignen Ohren gehört hast, wie Romischwili die Bauern zu überreden suchte, ihre Rädelsführer nicht auszuliefern, geschlossen für ihre Sache zu stehen usw., und datz ich auch dasselbe gehört habe. Der Bezirks« Hauptmann hat mich über Dich ausgefragt. Ich sagte ihm, datz Du eifrig dienst, die Dörfer des Nachts durchwanderst, ordentlich nach« spürst und ähnliches. Er war sehr erfreut und hat Dich viel ge- lobt. Außerdem mutzt Du dein Bezirkshauptmann anzeigen, daß, als der Dorfälteste die Bauern zum Gehorsam mahnte, Romischwili «ritten in der Menge stand und sie aufhetzte, keine Rädelsführer auszuliefern, denn sonst würde man ja gleich den Verräter ent« decken, der am Leben nicht bleiben werde. Du mutzt auch ganz be- sonders die Bauern Baramidses im Auge behalten. Vergiß aber nicht dem Bezirkshauptmann genau solche Aussagen zu machen, wie ich Dir geschrieben habe: sonst könntest Du die ganze Sache ver- derben. Dein W. Tutberidse." Hinzuzufügen ist noch, datz auf Grund dieser Anzeige der Verwalter der Landesbank in der An- siedelung Surebo(im Kaukasus), David Romischwili, verhaftet wurde. Die Mobilisation m Rostow. Vor der bevorstehenden all- gemeinen Mobilisierung wurden in Rostow am 17. Juli hundert Marinereservisten eingezogen. Aus dem Bahnhofe hat das Murren der Eingezogenen solche Dimensionen angenommen, datz der Militär« chef eingreifen mutzte.„Womit seid Ihr unzufrieden?" ftagte er in väterlich mildem Tone die Reservisten, worauf letztere er« widerten:„Wozu schickt man uns zum Kriege? Wozu brauchen wir fremde Länder? Wir haben ja zu Hause Land genug." Diese schlichten, aber äußerst unangenehmen Fragen veranlatzten den Militärchef, beruhigende Worte zu gebrauchen: „Ihr werdet ja nicht»ach dem Kriegsschauplätze versendet; dorthin schickt man nur die Soldaten vom stehenden Heere, und ihr werdet ihre Stelle in Scbastopol vertreten." Aber auch diese beruhigenden Erklärungen hatten keine Wirkung, denn es war den Reservisten klar, datz sie der Wahrheit nicht entsprechen. Da ging man schnell zu den üblichen Mitteln über. Bald erschien der Stadthauptmann mit einem Hundert Kosaken, welche das Publikum vom Bahnhof fortjagten und die unzuftiedenen und murrenden Reservisten auf eigne Weise„beruhigten".— Amerika. Die amerikanische Socialdemokratie zur Negerfrage. Angesichts der in der letzten Zeit sich häufenden Lynchverbrechen an Angehörige der schwarzen Rasse dürfte es angebracht sein, die Stellungnahme der amerikanischen Socialdemokratie zur Negersrage nochmals zu kennzeichnen, und es sei deswegen in folgendem die auf dem letzten Kongreß angenommene Ncger-Resolution in Erinnerung gebracht. Dieselbe lautet: In Erwägung, datz die Neger der Vereinigten Staaten infolge ihrer langen Sklaverei, von der sie erst seil kurzem befteit sind. eine besondere Stellung innerhalb der arbeitenden Klassen und imierhalb der Gesellschaft im allgemeinen einnehmen; in fernerer Erwägung, datz die kapitalistische Klasse diese besonderen Umstände aufrecht zu erhalten sucht, um die Vor- eingenommenheit und den Rassenhaß zwischen den weißen und schwarzen Arbeitern zu befestigen und zu vergrößern und damit die socialen und ökonomischen Interessen beider Rassen als getrennte und einander entgegenstehende erscheinen zu lassen, wodurch sie die Arbeiter beider Rassen leichter und vollkommener ausbeuten kann; in Erwägung schließlich, daß beide der"'alten politischen Parteien sowie die Erziehungs- und die kirchlichen Institutionen die Neger in ihrem gegenwärtigen hilflosen Kampfe gegen Un« frcihcit und Gewalt verraten, um der Gunst der kapitalistischen Klasse teilhaftig zu werden, beschließen wir, die Socialdcmokraten von Amerika, vereinigt auf dem Nationalkongreß, dem Proletariat der schwarzen Rasse hierdurch unsre Sympathie auszusprechen und versichern ihm, es in seinem Kampfe gegen Ungesetzlichkeit und Unterdrückung zu unterstützen. Fenier erklärt der Kongreß, daß die Interessen und die Kämpfe der Neger-Arbeiter identisch sind mit den Interessen und Kämpfen der Arbeiter aller Länder, ohne Unterschied der Nassen oder Farbe; datz die Ursachen, welche den Neger zu einem Opfer socialer und politischer Ungleichheit gemacht haben, eine tfvlge der langen Ausbeutung icincr Arbeitskraft find; daß alle socialen und Rassen- Vonirteile ftüheren okonomsschen Uriachcn entspringen, welche zum Unglück der ganzen menschlichen Geiell- schaft noch heute fortbestehen, und daß der einzige Gegensatz, der in der That existiert, derjenige zwischen den Produzenten und den Besitzern der Produktionsmittel— also der zwischen Kapital und Arbeit ist. v t:_•.. Der Kongreß beschließt denn, daß wir, die amerikanische socialistische Partei, die Neger einladen, mit uns an dem großen Kampfe für ökonomische Befreiung der Arbeit teilzunehmen, durch welche allen Menschen volle Gleichheit und Freiheit gesichert werden und allgemeine Brüderlichkeit die Welt beherrschen wird. EZ zeigt sich auch hier wieder, wie die Socialdemotratie oyne Rü.'Isicht auf alle hergebrachten Vorurteile sich der Bedrückten aller Nationen und Nassen annimmt, wie sie alles, was Menschenantlitz trägt, in dem Kampfe gegen Unterdrückung und Gewalt verteidigt und unterstützt.—_ S?cn einer„neuen Einwanderung" spricht und schreibt man in den Vereinigten Staaten seit einiger Zeit sehr viel. Man versteht darunter die sich in den letzten Jahren ungeheuer mehrende Ein- ivanderung aus O st- und S ü d- E u r o p a. Im vergangenen Jahre landeten in New Dork allein 200 000 Italiener, russische Juden und Polen. Es erheben sich viele waruende Stimmen in der Presse, in Versammlungen, von Statistikern aus dem CensuSamt, von der Einwauderungsbehörde, aus wissenschaftlichen Kreisen usttr. dast diese Einwanderung eine große Gefahr für Amerika bedeute. Eine Haupt- schuld wird den Dampfer- und Eisenbahn-Gesellschaften beigemessen, welche des Gewinnes halber diese Massen von Italienern, Ungarn, Jlldcn,_ Polen, Russen, Türken, Griechen zc. ins Land locken, Auch die amerikanischen Arbeiter werden beunruhigt durch die .neue Einwanderung", welche ihnen die gefährlichste Konkurrenz bringt. Handelt es sich doch unt Leute, die sich als Arbeitsvieh ge- brauchen lassen, die weder lesen noch schreiben können und vom Ge- werkschaftsprincip keine Ahnung haben. In einem Artikel der«North American Review" wird gesagt, daß es sich hier um eine N a s s e n f r a g e handele. Die Assimilation dieser fremdartigen Völker durch die amerikanische Nation sei un- möglich und die Geburtsrate der Amerikaner sinkt beständig. Es handele sich um die Söhne und Töchter Amerikas, die ungeboren bleiben, weil durch die Fremden der amerikanische „StÄnäarck ol Life"(die Lebenshaltung aus einer gewissen Höhe) herabgedrückt wird.— Das Einwandernngsproblem hat den Amerikanern schon viel Kopfschmerzen gemacht. Sie finden sich leicht ab mit den Einwanderern aus Großbritannien, Deutschland und Skandinavien und schätzen und würdigen sogar den Nutzen, der ihnen daraus erwächst, aber vor den Russen und Türken-c. bekommen sie das Gruseln. Das sind moderne Probleme, von denen sich die Vor- Väter nichts träumen ließen. In den Jahreil von 1820—1830 kamen 128 393 Einwanderer ins Land, was als ziemlich hoch galt. Jetzt geht es in die Millionen wahrend eines Zeitraums von zehn Jahren.—_ partci-IMachncbten. Zum Parteitage in Brcnien stellen die Parteigenoffen von Dresden-Altstadt folgende Anträge: 1.„Der Parteitag möge den Partcivorstand beauftragen, in den jährlichen Geschäftsbericht eine Statistik aufzunehmen, die ein Bild über die Bewegung in den einzelnen Wahlkreisen, die Zahl der politisch Organisierten, die Bcitragshöhe in den Vereinen und die Abonncntcnzahl der Parteiblättcr geben soll." 2.„Bei Aufstellung von Rcichstagskandidatcn ist die Zustimmung der Provinzial- und Agitations-Komitees, eventuell des Partei- Vorstandes erforderlich." Tie General-Versammlung des Eentral-Wahlvercins für de» Kreis Ealau-Luckau fand am 21. August in Finsterwalde statt. Sehr eingehend wurde über den Punkt„Organisation und Agitation" verhandelt. Allseitig wurde konstatiert, daß die seit dem 1. April eingeführte feste Organisationsform sich gut bewährt habe. Steht auch die Anzahl der Wahlvcrcinsmitgliedcr(480) zu der Zahl der bei der letzten Reichstagswahl abgegebenen Stimmen (9163) in gar keinem Verhältnis, so darf doch die Eigenart des ganzen Wahlkreises nicht außer acht gelassen werden; von den 292 Ortschaften des Kreises sind mit Ausnahme des Kohlenreviers und weniger Städte die übrigen landwirtschaftlichen Charakters. Hier hält die Agitation äußerst schwer. Der Geist Manteusfcls hat in seinem Wirkungskreise den stärksten Rückhalt. Nicht minder schlecht liegt es im Kohlenbezirk. Man kann sich keine Vorstellung davon machen, in welch terroristischer Weise die Kohlenmagnaten ihre Herrschaft üben. Aber dieler Druck erzeugt Gegendruck, und so besteht gerade hier die beste Aussicht, daß sich zu den jetzt bestehenden 9 Ortsvcreinen bald neue zugesellen werden. Durch den Wegfall allzu häufiger Versammlungen soll eine intensivere Kleinarbeit er- möglicht werden, die durch Schaffung von Agitationsbezirken ge- fördert werden soll.— Auf der diesjährigen Provinzialkonfercnz soll die Agitations-Kommission gehalten werden, größere Agitations- touren einzurichten und die Kreise gleichmäßiger zu bedenken. Es würde dadurch eine erhebliche Ersparnis herbeigeführt und den Wünschen verschiedener Kreise Rechnung getragen. Eine gewisse Reorganisation der Bearbeitung der Provinz sei notwendig, die Vor- schlüge von Sorau-Forst und �schwicbus dorläufig nicht durchführbar. Als Delegierte wurden gewählt: Knoche-Finsterwalde, Koblenz- Senftenberg II und Kerstan-Vettchau. Mit der Vertretung des Kreises auf dem Parteitag wurde der Kandidat desselben, Genosse Schubert, beauftragt. Die KrciSkonfcrenz für Brandenburg-Westhavelland nahm eine größere Resolution an, die sich für den Ausbau der Organisation des Kreises ausspricht. Für einen Kreiswahlverein sind zwar die Vorbedingungen noch nicht vorhanden, doch soll dahin gestrebt werden, möglichst bald zu einer solchen geschlossenen Organisation zu kommen. Einstweilen sollen die Statuten der beiden im Kreise bestehenden Lokalvereine gleich gestaltet werden und auch alle ncuentstchenden Vereine sollen dieselben Statuten haben. Um inzwischen alle Partei- genossen auch äußerlich zusammenzufassen, sollen Parteikarten mit Beitragsmarken ausgegeben werden. Eine Kommission soll ein Kreisstatut ausarbeiten. Außerdem wurde beschlossen: „Die Konferenz beauftragt die Kreisleitung, sowie die Land- agitations-Kommissionen der beiden Agitationsbezirke, als Mittel zur Agitation die Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel da, wo uns Lokale nicht zur Verfügung stehen, mehr als bisher ins Auge zu fassen. Ungerechtfertigten Verboten ist mit aller Konsequenz bis in die höchsten Instanzen entgegen zu treten." Die Reaktion im Goethelänbchen. Auf die rechtlichen Zustände in demjenigen deutschen Bundes- staat, der den Ruhm genießt, auf der konstitutionellen Bahn vor- angegangen zu sein, werfen wieder einmal ein paar V e r- sammlungs verböte ein grelles Licht. Am 3. Juli wurde in Nimritz(dritter wcimarischcr Wahl- kreis) eine Konferenz socialdemokratischcr Vertrauensmänner ab- gehalten. Diese wurde vom Gemcindevorstand gestattet, aber eine öffentliche Versammlung verboten,„weil dieselbe eine dringende Gefahr für die öffentliche Ruhe und Ordnung in sich zu schließen geeignet ist." Am 7. Juli sollte Frau Helma Steinbach aus Hamburg in Blankenhain in einer öffentlichen Porzellan- arbeiter-Versammlung über„Unsre Waffen im proletarischen Klassenkampf" sprechen. Die Versammlung wurde verboten, da das Thema zur Aufreizung geeignet und daher zu befürchten ist, daß die öffentliche Ordnung gestört werde. Am 14 Juli sollte dieselbe Rednerin über das gleiche Thema in Martinroda sprechen. Der Gemeindevorstand verbot die hierzu einberufene öffentliche Porzellanarbeiter-Persammlung und verfügte wörtlich:„Gründe sind, daß es einer Aufreizung erscheint, und zu befürchten steht, daß die öffentliche Ordnung gestört werde." In Ilmenau und Roda bei Ilmenau gingen die Ver- sammlungcn ungehindert von statten. Nun erschien dieser Tage eine andere Frau— erzittere. weimarische Ordnung und Sicherheit I— auf dem Plan: Frau Auguste L o s s e-Bremen. Während Frau Steinbach vom Por- zcllanarbcitcr-Verband ausgesandt war, erhielt Frau Boße ihre Mission vom Tcrtilarbciter-Verband. Ihr Th�ma für Behufs- und öffentliche Gewerkschaftsversammlungen war:„Die Thätigkeit des Mannes und der Frau in der Industrie." Das Thema muß aber nicht weniger staatsgefährlich gewesen sein als„Uiisre Waffen im proletarischen Klassenkampf", denn auch Frau Boise blieb von eines Verbot nicht verschont. Während man sie in Neustadt a. O., wo fast alle Ver- sammlungen verboten werden, ruhig sprechen ließ, wurde ihr Auf- treten in Weida untersagt, weil— nun man höre und staune: Die Rcfercntin, Frau Bosse, sei eine eifrige socialdemokratische Agitatorin und rede sehr erregt, wodurch eventuell die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdet wird! Um Gründe ist man also nicht verlegen und das Gesetz vom 7. Januar 18ö4, auf welches sich die Verbote stützen, läßt der Polizei- lichen Willkür den weitesten Spielraum. Beschwerden nützen nichts und deshalb wird lustig weiter verboten, politische Versammlungen, Gewerkschaftsversammlungen— mic's trifft I Hebet eine Kandidatur Göhres in Hof berichteten dieser Tage bürgerliche Blätter. Jetzt teilt die in Hof erscheinende„Ober- frankische Volkszeitung" dazu folgendes mit: „Nachdem im hiesigen Wahlkreise die Aufstellung eines Kan- didaten aktuell geworden war, kamen hauptsächlich zwei Genossen in Betracht, Gen. Haller und Gen. Göhre. Eine Konferenz der Ver- trauensmänner beschloß einstimmig, daß im Falle Haller ablehnen würde, dem Genossen Göhre die Kandidatur angetragen werden soll. Dieser Beschlutz wurde von den einzelnen soc. Vereinen gutgeheißen. Leider lehnte sowohl Gen. Haller wie auch Paul Göhre ab, crsterer deshalb, weil er priucipiell gegen ein Doppelmandat ist und Göhre deshalb, weil ihm bereits das Mandat eines andern Wahlkreises angetragen wurde. Die Parteigenossen des Hofer Wahlkreises hatten keine Ursache, sich bei ihrem Vorgehen von den Dresdener Vor- kommnisscn beeinflussen zu lassen, sie betrachten nach wie vor Göhre als Socialdemokraten und haben diesen ihren Standpunkt auch dem Hauptvorstand mitgeteilt. Nachdem nun aber die Sache durch die Ablehnung vorläufig gescheitert ist, hat sie sich auch für die Hofer Genossen bis auf weiteres erledigt." Victor Renou. Paris, 20. August.(Eig. Ber.) Victor Renou, ehemaliger socialistischer Abgeordneter, ist im Alter von 56 Jahren an einer Leberkrankheit gestorben. Steinmetz von Beruf, hat er von früher Jugend bis zu seinem vorzeitigen Tode unermüdlich für den Socialismus und das Pro- letariat gekämpft. Schon gegen das Ende des zweiten Kaiserreichs findet man ihn unter den thatbereiten Streitern, die sich um den alten Vlanqui scharten. Er stellte seinen Mann während der Pariser Kommune. Der Rache der Versailler Bluthunde durch die Flucht nach Brüssel entkommen, gründete er dort einen Verein französischer Flüchtlinge:„Gleichheit". Nach seiner Rückkehr in die Heimat in- folge der Amnestie von 1879 schloß er sich der eben entstandenen revolutionär-socialistischcn Arbeiterpartei an. In den mannigfachen Spaltungen, die die Partei seither durchmachte, hielt er es bis zu den letzten Jahren mit der allemanistischen Gruppe, die jenen ursprünglichen Parteinamen bisher beibehalten hat. Vor ein paar Jahren verblieb er in der?. L. L.(Jauresisten), nachdem die Allemanisten aus derselben ausgetreten waren. 1893 wurde er in den Generalrat des Seine-DepartementS gc- wählt. 1896— 1902 war er Deputierter für Clichh-Lcvallois(bei Paris). In den letzten Kammerwahlen unterlag er einem antisemitisch-nationalistis chen Kandidaten. Renou besaß ein höchst sympathisches, anziehendes Wesen. Aus seinen unter dichten Brauen hcrvorsunlclnden Augen leuchtete eine sanfte, konzentrierte Energie, wie sein Charakter sanft und energisch zugleich war. In seiner schlichten Rede fand er stets vom Herzen kommende und zum Herzen dringende Töne. In der Misere der französischen Parteiverhältnisse mag er mit so vielen andren Socialisten proletarischen und bürgerlichen Ursprungs in der Frage nach Weg und Mittel hie und da geirrt haben. Das Herz des ehe- maligen Steinmetzen aber schlug immer heiß und rein für die große Sache des Proletariats. Er wird zu Grabe getragen werden wie er gelebt und gekämpft hat— still bescheiden. In seiner letztwilligen Verfügung hat er sich jedes Bcgräbnis-Ceremoniell verbeten: weder Grabreden noch Blumen und Kränze. Er konnte aber nicht verhindern die wohl- verdiente Ehrung, die seinem Andenken die zu Amsterdam ver- sammelten Vertreter des internationalen Proletariats erwiesen haben._ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Der Kreuzer„Nowik" in den Grund gebohrt. Der Kreuzer„Nowik", der in Kiautschou Kohlen ein- genommen und dann versucht hatte, nach Wladiwostok zu entkommen, ist von den Japanern bei der Insel Sachalin ereilt und in den Grund gebohrt worden. Die Meldungen besagen: Tokio, 21. August.(Amtliche Mitteilung.) Der russische Kreuzer„Nowik", der auf der Fahrt nach Wladiwostok war, wurde durch japanische Kreuzer bei K o r s a k o w auf der Sachalin-Jnsel heute zum Sinken gebracht. Einzelheiten fehlen. Tokio, 21. August.(Meldung des„Nenterschen Bureaus".) Die japanischen Kreuzer„Tschitose" und„ T s ch u s ch i m a" griffen gestern den in Korsakowa� liegenden russischen Kreuzer „Nowik" an und zwangen das Schiff, auf den Strand nnfzulanfen. Der Kreuzer„Diana" hat sich bekanntlich in den französischen Hafen Saigon geflüchtet. Er soll havariert sein und mindestens acht Tage znr Ausbesserung bedürfen. Frankreich wird nun ebenfalls zu zeigen haben, ob e-Z die Gebote der Neutralität respektiert! China ist in der Neutralitätsfrage in eine böse Lage geraten. Die in S h a n g a i eingelaufenen russischen Schiffe leisten den chinesischen Befehlen, den Hafen zu verlassen oder die Schiffe zu übergeben, keine Folge. Nach einer Meldung soll China den Schiffen als äußersten Termin des Auslaufens den 23. August be- stimmt haben. Liefen die russischen Schiffe auch dann nicht auS, so Iverde sie China mit Gewalt entwaffnen. ES ist fraglich, ob die russischen Schiffe dies Ultimatum rcspek- tieren werden. Wahrscheinlich werden sie es auf die gewaltsame Entwaffnung ankommen lassen. Und wenn China, wie das ja wahrscheinlich, vor der Anwendung der Gewalt zurückschrecken wird, so kann man eS Japan nicht verdenken, wenn es auch seinerseits unter Ignorierung der ja doch nicht existierenden chinesischen Neutralität weiter keine Skrupel kennt und die russischen Schiffe selbst völlig unschädlich macht. Wie sich in einer solchen Situation die übrigen Mächte verhalten werden, ist schloer vorauszusagen. Bereits wird gemeldet, daß Amerika Japan bedeutet habe, daß es eine Verletzung der Neutralität des Hafens von Shanghai unter keinen Umständen dulden werde. AIS am Sonntag ein japanisches Torpedoboot in Shanghai eingelaufen sei, sei ihm unmittelbar ein amerikanisches Kriegsschiff gefolgt, das gefechtsklar gemacht babe, um jeder japanischen Feindseligkeit gegen die russischen Schiffe zu begegnen. Die be- treffenden Telegramme lauten: Shanghai, 22. August.(Meldung des„Nenterschen Bureaus".) Die Mitglieder des hiesigen Konsnlarcorps hatten heute vormittag eine lange B e s P r e ch u n g über die Angelegenheit der russischen Kriegsschiffe„ A s k o l d" und„Grasovoi"; ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Der T a o t e i gab den Russen auf Befehl des chinesischen Auswärtigen Amts die Erlaubnis, bis zum 23. A u g u st mittags im hiesigen Hafen zu bleiben. Der amerikanische Admiral bot den Russen an, sie bis zur Dreiseemeilen-Grenze zu geleiten. Shanghai, 21. August.(Meldung des„Nenterschen Bureaus'.) Ein japanisches Torpedoboot passierte nachmittags, vom Süden kommend, in voller Fahrt W n s u» g, gefolgt von dem amerikanischen Torpedobootszerstörcr„Chann- cey", und ankerte am Dock, der den russischen Kreuzer„Askold" birgt. Alsbald machte der„Chauncey" sich zum Kampfe bereit und ankerte zwischen dem Dock und dem japanischen Torpedoboot. Der Saotok verlangte telcgraphisch, daß ein chinesischer Kreuzer und zwei amerikanische Torpedobootszerstörer Befehl erhielten, sich bereit zw halten, um die Neutralität Chinas zu schützen. Der Dampfer„Hniping", der hier eintraf, meldet, er habe gestern ein japanisches Geschwader mit abgeblendeten Lichtern in der Höhe der Insel G ü tz l a f f gesehen. Der russische Konsul lehnt es kategorisch ab, B e• fehl z u geben, daß der„Askold" und der„Gro- s o V o i" abfahren. Der Taotai teilte dem amertkanychen Konsul mit, daß China die fremden Niederlasstmgen nicht schützen könne. Demgegenüber betont aber ein neueres Telegramm aus Shanghai, daß es den Amerikanern gar nicht eingefallen sei, ficb zuni Beschützer der russischen Schiffe aufzuwerfen: Shmighai, 22. August.(Meldung des Nenterschen Bureaus.) Der a in e r i k a n i s ch e A d in i r a l S t i r l i n g erklärte, daß der amerikanischeTorpedobootsze r st ö r e r„C h a u n c e y" Depeschen von Wusung nach Shanghai gebracht habe. Seine Fahrt habe mit dem hier eingetroffenen japanischen Torpedoboot m keinerlei Beziehnnz gestanden. Ein ncncs Seegefecht vor Port Arthur? Wie„Daily Chronicle" ans Tschifu vom 20. August meldet, traf dort am Abend ein Telegranmi vom Admiral Fürsten U ch t o m s k i aus Port Arthur ein. wonach in einer Seeschlacht der „Retwisan" 11 Granatschnsse, die„Pallada" 15 Löcher erhielten. Die Japaner verschossen 60 Torpedos erfolglos. 13 Torpedorohre wurden zerstört. Die Zahl der Toten wird nicht angegeben. Ver» wund et seien 50 Offiziere und 280 Mann. Der Admiral meldet ferner, daß Mangel an Munition und Lebens- Mitteln eintritt. Nur Schwarzbrot und Reis feien noch vorhanden. Sturmangriffe ans Port Arthur. Petersburg, 21. August. Einer Depesche dcS Generals Stoffel aus Port Arthur vom 16. August zufolge griffen die Japaner zwei Tage lang die Berge bei der L u i s e n b u ch t a n. Alle ihre Angriffe wurden zurückgeschlagen. Der dortige Hohe Berg und der Divisionsberg befinden sich in den Händen der Russen. Die Verlufte des Feindes sind sehr groß. Am Morgen des 16. Aligust erschien bei den russischen Vorposten ein japanischer Parlamentär, Major Jamaoki, mir einem Schreiben, deis von General Nogi und Admiral Togo unterzeichnet war und die Auffordcriiiig enthielt, die Festung zu übergeben. Der Vorschlag wurde abgelehnt. Die Truppen, die sich in ausgezeichnetem Zustande befinden, kämpfe» heldenmütig. Petersburg, 21. August. Die„Russischs Telegraphen- Agentur" meldet aus Tschifu von heute: Nach Mitteilungen aus chinesischer Quelle haben die Japaner am 19. abends und am 20. morgens von neuem S t u r nr a n g r i f f e auf Port Arthur gemacht. Sie wurden aber unter Verlusten zurückgeichlaaen, die diejenigen vom 17. und 1 3. d. Dt. übersteigen. Es heißt, daß an diesem Sturm Teile der japailischen Garde teilnahmen. Zu gleicher Zeit beschossen japanische Schiffe ohne Ergebnis Port Arthur. Weder an den FortS noch in der Stadt tvurde Schaden angerichtet. London, 22. August. Dem„Daily Telegraph" wird aus Tschifu vom 21. d. M. abends gemeldet, daß der Sturm auf Port Arthur Tag und Nacht fortgesetzt werde: die Japaner behaupteten, wichtige Höhen genommen zu haben. Dasselbe Blatt meldet aus Kupangtse, den 21. d. M.: Am 19. rückte eine japanische Kolonne bis aus 5 Kilometer an die nächste rju s s i s ch e Stellung im Osten von Lianjang heran; der Anmarsch weiterer japanischer Kolonnen vom Osten und vom Süden her wird gemeldet. Die Witterungs« Verhältnisse find für die militärischen Operationen günstiger geworden. Aus Lianjang wird dem„Nenterschen Bureau" gemeldet, daß eine japanische Kolonne den Liaho entlang aufwärts marschiere und in der Nähe von Schakotsu stehe, dem Punkte, wo derTaitzefluß und der Liaho zusammentreffen. Klus Itiäuftrie und Handel Ter Kampf der rheinischen Großindustriellen gegen den langen Möller. Das Verstaatlichnngsprojekt des Handelsministers hat die Großindustriellen Rheinland-Westfalens zu wilder Wut auf- gestachelt. Gern haben sie sich gefallen lassen, daß die lange Excellenz aus Brackwede im Verein mit dem Freiherru v. Rhein- babcn ihnen Weihrauch streute und den Nutzen der Syndikate für die vaterländische Industrie pries; aber daß Herr Möller sich als etwas mehr denn ihr gehorsamer Agent im Ministerium fühlen will. hat alle Erinnerungen an seine früheren„Verdienste" um das Wohl des Syndikatswesens ausgelöscht. Nachdem ihm neulich schon ver- schiedene einflußreiche Jnteressenverbände des rheinischen Industrie- Vereins ihre Mißbilligung ausgesprochen habe», folgt nun auch Geheimrat Kirdorf, der Leiter der Gelscnkirchener Bergwerks- Gesellschaft und Vorsitzender des Kohlensyndikats, mit einem kleinen Angriff. Im„Glückauf" hatte jüngst der bekannte Verein für die bergbaulichen Interessen des Oberbergamies Dortmund eine Notiz veröffentlicht, daß früher bereits der Negierung vom Kohlen- shndikat unter der Bedingung, daß sie mit ihrem westfälischen Grubenbesitz dem Syndikat beitrete, ein Vetorecht gegen Preiserhöhungen des Syndikats angeboten se i. Möller ließ die Nachricht durch die Schweinburgschen„Polit. Nachr." dementieren. Nun aber wird er dafür in einem öffent- lichen Brief des Herrn Kirdorf folgendermaßen abgefertigt: „Die„Berliner Politischen Nachrichten" sagen in einer am 17. d. Mts. veröffentlichten Auslassung:„Wenn nun behauptet wurde, daß man seiner Zeit dem Handelsminister ein Vetorecht in Bezug auf die Preisbestimmung des Syndikats angeboten hat, so muß festgestellt werden, daß diese Behauptung unrichtig ist." Dazu bemerke ich das Folgende: Der Paragraph 12 des neuen Syndikatsvertrages sieht folgende Bestimmung vor:„Dieser Ver- trag wird bis 31. Dezember 1915 abgeschlossen unter der Be- dingung, daß sämtliche außenstehenden Zechen(insbesondere auch Hürtenzechen) mit mehr als 120 000 Tonnen Jahresförderuug bis spätestens 31. Dezember 1903 dem Vertrage beitreten.... Erfolgt der Beitritt nicht rechtzeitig, so findet der Vertrag am 31. Dezember 1905 sein Ende." Danach war der Beitritt des Fiskus erforderlich, wenn nicht jeder der vertragbereiten Zechen- besitzer, die sich vorläufig gebunden hatten, für sich einen Grund zum Rücktritt haben sollte. Diese Gefahr veranlatzte mich gegen Ende 1903, eine Unterredung mit dem Herrn Handclsminister zu suchen, um die für den Abschluß des Syndikats beim Fernbleiben des Fiskus eintretenden Gefahren darzulegen. Dieser Unter- rcdung wohnte auch der Herr Oberberghauptmann b. Velsen bei. Hier betonte der Handelsminister, daß angesichts der beim Felder- ankauf 1902 vor dem Landtag abgegebenen Erklärung, wonach mit diesem Ankauf ein Gegengewicht gegen das Kohlensvndikat ge- schaffen werden sollte, und, trotz aller Wichtigkeit der neuen Gründung des Syndikats, dieser Beitritt nicht erfolgen könne. Meinen Einwurf, das Gegengewicht sei doch ausschließlich zur Be- einflussung der Preispolitik gesucht, fügte ich den Vorschlag bei, dieses Ziel in ausschlaggebender Weise zu erreichen durch Er» languug eines Vetorechts gegen Preis- erhöhungen. Falls der Fiskus diese Be- ding u ng von sich aus stellte, würde ich meinen Einfluß zur Gelvährung des Rechtes in der Zechenbesitzer-Versammlung aufbieten. Auf das Bedenken deS Herrn Oberberghauptmanns, es werde dieser Vor- schlag bei einzelnen Personen unüberwindliche Gegnerschaft finden. habe ich daran erinnert, daß bei der Bedeutung der zu treffenden Entschließung dieser Widerstand sich werde beseitigen lassen. Gleichwohl waren die beiden Herren nicht Cetefl, Lei» Etntttil tn Las Shn dilak unter dieseq Voraussetzung h erbeizuführen. Die Feststellung der„Berliner Politischen Nachrichten" mutz ich somit als unzutreffend zurückweisen." Diese Zurückweisung mag Herrn Möller die Verdauung etwas stören, aber er hat die Behandlung reichlich verdient. Keiner hat mehr die Syndikate verhätschelt, als er. Saatenstand in Preußen. Nach der„Statistischen Korrespondenz' ergab sich auf Grund der amtlichen Ermittelungen um die Mitte August in Preußen folgender Saatenstand 3«= mittel, 4— gering): August 1904 1= sehr gut, 2--- gut, Winterweizen Sommerweizen Winterspelz Winterroggen. Sommerroggen Sommergerste. toser... artoffeln.. Klee.... Luzerne... Wiesen 2,7 2,9 2,2 2,6 3,3 3,0 8,2 3,5 4,1 4,0 3,9 Juli 1904 2.7 2,9 2,2 2,6 8,2 2.9 3,1 2,8 8.5 3,3 3,3 August 1903 2.8 2,6 2,2 2,5 2,8 2.6 2,6 2,7 2,5 2.8 2,6 In den Bemerkungen der„Statistischen Korrespondenz" heißt eS, selten hätte Norddcutschland so allgemein wie im gegenwärtigen Sommer unter einer Dürre zu leiden gehabt. Wenn auch die seit dem 6. August eingetretenen Niederschläge den Körnerfrüchten keinen Nutzen mehr hätten bringen können, so hätten sie doch die aller- dings nur schwache Hoffnung auf eine Besserung des Wachstums der späten Kartoffeln gestärkt. Ebenso werde besonders auf den niedrig gelegenen Wiesen noch etwas Nachmahd erwartet, wenn bald weitere ergiebige Befeuchtung komme. Allgemein werde über Futter- mangel, ja vielfach schon über Futternot geklagt; man hätte bereits hier und da, wo nichts mehr zu weiden war, zur Trockenfütterung übergehen müssen. Mit verhältnismäßig wenig Ausnahmen werde der Körnerertrag, namentlich derjenige der Sommcrfrüchte, als wenig lohnend bezeichnet. Das Korn, besonders der Winterfrüchte, solle aber gehaltvoller sein als sonst; in einigen Strichen der West- lichen Provinzen(ohne Rheinland) schienen jedoch auch die Sommer- flüchte zu befriedigen. Abgesehen von der beim Weizen sehr ver- breiteten Rostbildung werde über Pflanzenkrankheitcn und Schäd- linge selten ge-lagt. Der Stand der Futterpflanzen zeige gegen- über normalen Zeiten die schlechtesten Noten. Im Jahre 1904 seien in Preußen angebaut gewesen Hektar Wintcrweizen 1 039 879, Sommerweizen 95 671, Winterspelz 19 605, Winterroggen 4 589 642, Sommerroggen 60 618, Sommergerste 870 259, Hafer 2 733 990, Kartoffeln 2 254 893, Klee 1297 988, Luzerne 85 812. Oberschlesische Eisenbahnbedarfs-Aktien-Gcsellschaft. Der Auf- sichtsrat hat beschlossen, das Aktienkapital um 5 Millionen Mark auf 25 Millionen zu erhöhen. Ein Konsortium, bestehend aus der Bank für Handel und Industrie, der Nationalbank für Deutschland, der Berliner Bank, Herren Georg Frombcrg u. Co. in Berlin sowie der Breslauer DiSkonto-Bank und Herrn S. L. Landsberger in Breslau, hat sich erboten, von diesen Aktien vier Millionen Mark zum Kurse von 132V. Proz. zu übernehmen mit der Verpflichtung, dieselben -zum 5kurse von 136 Proz. den Aktionären im Verhältnis von 5 zu 1 zum Bezüge anzubieten. Die restliche eine Million Aktien soll der Bank für Handel und Industrie zum gleichen Kurse von 132'/, Proz. als Entgelt dafür überlassen Iverdcn, daß sie der Obcrschlesischen Eisenbahnbedarfs-Aktien-Gesellschast- das Recht einräumt, über die ihr zustehende Beteiligung an unten genannter Option zu günstigen Bedingungen zu verfügen. Bestimmt ist das neue Kapital zur Ueber- nähme von acht Maximalfeldern gleich 17 512 000 Quadratmeter des Fürstlich Pleßschen Regalcs auf die Gewinnung von Steinkohle bei den Ortschaften Neudorf, Smielowitz und Althammer nebst Er- Werbung der Erdoberfläche von ca. 1750 Hektar einschließlich aller darin etwa vorkommenden Fossilien sowie des darauf befindlichen Waldbcstandes. Deutsche Roheisenproduktion. Nach den Ermittelungen des Ver» eins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisen- erzeugung in Deutschland und Luxemburg im Juli insgesamt 847 327 Tonnen gegen 836 785 Tonnen im Vormonat und 865 343 Tonnen im Juli 1903. Die Gesamterzeugung an Roheisen während der ersten sieben Monate des JahreS 1904 betrug 5 846 740 Tonnen {(1903 5 799 875 Tonnen). Oesterrelch-NngarnS Außenhandel. Nach dem amtlichen AuS- weis über den Außenhandel Oesterreich-Ungarns betrug die Einfuhr im Juli 142,2 Millionen gegen 143,9 Millionen des Vorjahres; die Ausfuhr 155,9 gegen 181. Die Einfuhr betrug in den ersten 7 Monaten 1152,6 gegen 1091,6; die Ausfuhr 1178,1 gegen 1169 Millionen im Vorjahre, somit ist eine aktive Handelsbilanz vor- handen im Juli von 13,7 Millionen gegen 32,1 im Vorjahre, ,n den ersten 7 Monaten 25,5 gegen 77,4 Millionen im Vorjahre. GcwerklchaftUcbcö. ßcrKn und dnigegend. Der Streik und die Aussperrung der Former. In den letzten Tagen fanden die Ausgesperrten und Streikenden in mehreren Fabriken folgende Bekanntmachung angeschlagen: „Sämtliche ausgesperrten Arbeiter der Gießerei werden hiermit aufgefordert, die Arbeit bis spätestens den 22. August, morgens 7 Uhr, wieder aufzunehmen, widrigenfalls sie als entlassen be- trachtet werden. Der rückständige Lohn und die Papiere können beim Portier in Empfang genommen werden." Diese Aufforderung ist im Grunde genommen, wie auch in der gestrigen Streikversammlung ausgeführt wurde, eine Aufhebung der Aussperrung. Stun sind es aber die Arbeiter überdrüssig, sich nach Belieben der Unternehmer aussperren, und wenn es den Herren paßt, wieder einstellen zu lassen, und sie verlangen, "daß, ehe sie die Arbeit wieder aufnehmen, gewisse Garantien dagegen gegeben werden, daß sie nicht wegen irgend einer Lappalie, wie die Lei Schwartzkopff, wieder auf die Straye geworfen werden können. Deswegen haben sie sich entschlossen, heute vormittag sämtlichen 'in Betracht kommenden Gießereien die bei Schwartzkopff gestelltenForderungen vorzulegen. Dort, wo die Forderungen unterschrieben iv erden, kann die Arbeit wieder aufgenommen werden. Die Aufforderung der Unternehmer, die Arbeit gestern morgen wieder aufzunehmen, ist, wie bei der Einmütigkeit der Ausgesperrten und Streikenden zu erwarten war. erfolglos geblieben; sie haben tem Anschlag so viel wie gar keine Beachtung geschenkt. Die Zahl der Ausgesperrten und Streikenden bewägt nach der in der gestrigen Versammlung gemachten Mufstellnng jetzt 1537, die Zahl der Firmen 24. nicht wie am Sonntag irrtümlich berichtet Es kam in der Versammlung auch ein in der neuesten Nummer der„Arbeitgeber-Zeitung" erschienener Artikel über den„Formersweik in Berlin" zur Sprache, der an Entstellung und Verdrehung der That- fachen Unerhörtes leistet. Daß der„Streik vom Zaun gebrochen ist", „Wider den Willen der Streikenden provoziert worden ist" und„wiederum das Beispiel einer terroristischen Vergewaltigung der Arbeiterschaft durch die Gewerkschaftsleitung liefert" sind standig bei solchen Gelegen- heiten wiederkehrende, offenbar auf unheilbaren Wahnvorstellungen beruhende Redensarten dieses Hetzblattes der Kühnemänner. Wundern muß man sich aber doch, mit welcher Unverschämtheit das Blatt dann eine total falsche Darstellung der Ereignisse giebt, wo es doch offenkundig ist, daß es gerade der unheilvolle Einfluß der Kühne- männcr war, der bei Schwartzkopff den formellen Abschluß der bereits erzielten Einigung verhinderte, der eS der Firma geradezu verbot, sich mit ihren Arbeitern zu verständigen und damit diesen die ge- famte Industrie schwer schädigenden Kampf heraufbeschwor. „Lächerlich" nennt das Blatt die Forderung, daß der Meister Schade bei der Firma Schwartzkopff versetzt werden sollte, und schreibt: „Unter einer solchen Versetzung konnte nichts andres gemeint sein, als eine Entlassung I Und welche Firma wird einen Meister, der sich als tüchtiger und schneidiger Vertreter ihrer Interessen bewährt hat, auf Befehl der Arbeiter aus dem Hause jagen? Ganz sinnlos war ferner eine von den Arbeitern ausgestellte Forderung, die dem Wortlaute rnnfi heißt:„Die Firma ist berechtial, Former, welche in vier Wochen lede Woche für 39 M. und mehr Arbeit eingeformt haben, davon aber in allen vier Wochen pro Woche unter 24 M. gute Arbeit abgeliefert haben, als minder- wertig zu entlassen." Hiernach hätte eine Gießerei nur noch in seltensten Fällen das Recht, einen Former zu entlassen, und es war geradezu ein Gebot der Selbsterhaltung, daß der Verband Berliner Metallindustrieller diese Forderung als unannehmbar swich. ES ist sonderbar, daß diese für unannehmbar erklärte Bestimmung, die doch eigentlich nur dem Unternehmer ein Recht zuspricht, auch bei einem Mitglied des genannten Verbandes durchgeführt ist. Die „Arbeitgeber-Zeilung" verschweigt ihren Lesern ferner die Thatsache, daß die Ringfirmen gezwungen worden sind, ihren Arbeitern in allen Gießereien die Streikarbeit zu einem b e st i in in t e n Zeitpunkt vorzulegen und dadurch den Streik zu provozieren, und behauptet da- gegen, die Modelle von Schwartzkopff seien„ o r d n u» g S g e m äß den übrigen V e r b a n d s g i e ß e r e i e n zugewiesen worden". Wenn es im Sinne des Blattes ordnungsgemäß ist, a l l e A r b e i t e r, die eventuell die Arbeit ausführen könnten. indieZwangslage zu bringen, Streikarbeit zu machen oder entlaffen zu werden, dann ja, andern- falls ist eS eben eine höchst unnötige und thörichtc Gewaltmaßregel, als Iva? sie übrigens auch von den schwer geschädigten Firmen empfunden wird. Die Bemerkung im„Vorwärts" von Ersatz- ansprüchen der Arbeiter nennt das Blatt eine„kühne Fatamorgana". Würde der Artikelschreiber einmal die näheren Umstände genau prüfen und mit den Bestimmungen der Gewerbe-Ordnunq vergleichen, so könnte er wohl zu einer andern Ansicht kommen. Dann werden in dem Artikel noch rührselige Geschichten von Formern erzählt, die bittere Thränen vergießen über die Gewaltherrschaft des Metall- arbeiter-Verbandes und dergleichen mehr. ES verlohnt sich nicht, ans diese Märchen weiter einzugehen. Bei den Arbeitern und auch bei den einigermaßen Einsichtigen unter den Arbeitgebern werden sie ebensowenig wie die übrigen Schwindeleien des BiatteS Glauben sinden._ Mit dem Streik der Bildhauer bei der Firma Pfaff befaßte sich gestern abend eine öffentliche Vildhauerversammlung. Da es sich hier um die für diesen Beruf kapitalkräftigste Firma handelt und da außerdem versucht wird, die Arbeit bei einer großen Anzahl von Kleinmeistern fertigstellen zu lassen, hat dieser Streik eine viel größere Bedeutung erlangt, als das sonst bei Werkstubenstreiks der Fall ist. Bemerkenswert ist auch, daß die Namen der Streikenden bereits auf eine schwarze Liste gesetzt worden sind, die sogar jedem kleinen Bildhauermeister inS Haus geschickt worden ist. Die Ver« sammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die in den Industrie-Festsälen versammelten Bildhauer Berlins sprechen den Streikenden der Firma I. C. Pfaff ihre vollste Sympathie auS. Sie verpflichten sich, die Streikenden in jeder Weise zu unterstützen. Falls in ihren Werkstätten Arbeiten für die Firma Pfaff vorkommen sollten, erklären die Kollegen, diese energisch zurückzuweisen und sofort die Arbeit niederzulegen. Auch dort, wo die Prinzipale die Arbeiten selbst herstellen und die Kollegen die sonstigen Arbeiten anfertigen, erklären sich diese bereit, ebenso zu verfahren. Anders handelnde Kollegen sind als Arbeits- willige zu betrachten, die nur die Gelegenheit benutzen, um ihren Kollegen in den Rücken zu fallen." Zahl...„_________._. wurde 27, da die Firmen Hausschild, Aichele u. Bachmann und Wehrend(Rixdorf), obgleich sie dem Ring angehören, nicht be- teiligt sind. Am Sonntag fand eine Versammlung der noch in Arbeit stehenden Former und Berufs genossen statt, die durch einstimmig« Annahme folgender Resolution ihre Solidarität mit den Streikenden und Ausgesperrten kundgab: „Die Versammlung der arbeitenden Eisen- und Metallformer und Gießerei-Arbeitcr erklärt, daß sie mit den bisherigen Beschlüssen der Ortsverwaltung und der Agitationskommission der Former vollständig einverstanden ist. Sie erwartet von den Ausgesperrten, daß sie festhalten an den gefaßten Beschlüssen, wie auch die Stellungnahme der Metallindnstriellen vor sich geht. Dem un- sauberen Gebahren der Metallindustriellen, der Willkür und Brutalität, welche sie auch bei der diesmaligen Aussperrung wieder angewandt haben, muß einmal ein Ende bereitet werden. Ferner erklären sich öie Versammelten bereit, wenn es nöttg werden sollte, besondere Mittel aufzubringen, um während der Aussperrung ihre Kollegen thatkräslig zu unterstützen."_ Am Bau des kaiserlichen Patentamtes in der Gitschinersttaße ist eS zu Konflikten gekommen. Nachdem schon am Sonnabend, dem 13. August. 12 Mann mit der Motivierung entlassen waren, eS seien zu viel Leute, wurden im Laufe der vorigen Woche wieder neue ein- gestellt. Am Sonnabend, den 20., wurde nun mittags den Putzern ein Revers zur Unterschrist vorgelegt, wonach sie sich verpflichten und anerkennen sollten, daß sie den Kolonnenführer Emil Kube als ihren Arbeitgeber anerkennen und irgend welche Lohnansprüche an das Konsortium. also die ausführenden Firmen, nicht haben. Da nun der Kolonnenführer Kube seinen mit den Baufinnen geschlossenen Ver- trag den Putzern noch nicht vorgelegt, auch dem kontrollierenden KommissionSmitgliede die Einsichtnahme in den Revers seitens des leitenden Bauführers verweigert wurde, sahen sich die Putzer ge- zwungen, geschlossen die Arbeit niederzulegen, wenn sie nicht möglicherweise eine Woche ohne Lohn arbeiten wollten. DeutTedes Reich. Di» Lohnbewegung der Holzbildhauer in Breslau kann, soweit die Jnnungsmeister in Betracht kommen, als beendet an- gesehen werden. Die Beseitigung der Accordarbeit sowie die 8'/, stündige Arbeitszeit find durchgeführt, ebenso ist ein Minimal- lohn von 35 Pf. gewährt worden.— In wenigen Tagen läuft nun auch die Frist ab, in welcher die Inhaber der Fabriken und Tischlereien sich über den eingereichten Tarif äußern sollen. Zuzug von Bildhauern ist deshalb von Breslau nach wie vor fern- zuhalten. Steinsetzer. Bei der Firma Kuppe in Breslau haben die Stein- setzer wegen wiederholter Verletzung des Tarife« durch den Unter- nehmer in kurzer Zeit zum ziveitenmale die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fernzuhalten. Die streikenden Bäcker in Düsseldorf machen Ernst mit der Gründung einer Genossenschaftsbäckerei. Sie haben nämlich, nach» dem die Unternehmer sich zu Verhandlungen nicht geneigt zeigten, eine große, modern eingerichtete Brotfabrik in Neuß erworben. Es stehen in der Fabrik außer den zum Betrieb gehörenden modernen Maschinen 3 Barbecker Oefen mit 5 ausziehbaren Herden, mit welchen jährlich für eine halbe Million Mark Brot hergestellt werden kann. Ein solch moderner Betrieb stand in Düsseldorf nicht zur Verfügung, deshalb wurde dieser in Neuß erworben. Die Trans- portkosten sind nicht hoch, weil Neuß vor den Thoren Düsseldorfs liegt. Anteilscheine zu 50 M. sollen ausgegeben werden, doch kann man dieselben auch in Ratenzahlungen erwerben. Die erste General- Versammlung, die die Beschlüsse noch gutzuheißen hat, findet am 23. August statt. Eine große Anzahl Geichäfte in Düsseldorf hat schon Bestellungen auf das Brot aus der Genossenschaftsbäckerei gc- macht. Bemerkenswert ist, daß sich unter den Mitgliedern auch einige Bäckermeister, die mit dem Verbände sympathisieren, be. finden. Die GaSanstaltSarbeiter in Erfurt, die sich erst seit wenigen Wochen fast ausnahmslos ihrer Organisation angeschlossen hatten, erzielten ohne Streik einen schönen Erfolg. Zunächst ist von Wich- tigkeit, daß die Organisation offiziell von der Direktion anerkannt wurde. Weiter wurde der Stundenlohn um 2 Pf. erhöht, den Außenarbeitern werden die eintretenden Regenstunden vergütet. Ferien werden den Arbeitern gewährt von 3— 5 Jahren 3 Tage, von 5— 10 Jahren 4 Tage und über 10 Jahre eine volle Woche. Maß- regelungen dürfen nicht erfolgen. Die Bewilligungen wurden den Arbeitern schriftlich garantiert. Die Betriebsleitung der„Thüringer Maschinen- und Möve- Fahrradsabrik" Otto Walter u. Co. Mühlhausen i. Th. be- absichtigte, die Organisation, den Deutschen Metallarbeiter-Verband, im Betriebe zu vernichten. Aus ganz nichtigen Gründen wurden Kollegen entlassen, gemaßregelt. Diese Maßnahmen werden von der Betriebsleitung unternommen, um die schon geschriebenen Accord- Abzüge ausführen zu können. Einmütig forderten die Arbeiter die Einstellung der Gemaßregclten. Jede Verständigung und Ver- einbarung lehnte der Betriebsleiter ab. Den 160 Aroeitern blieb nichtsandres übrig, als die Arbeit niederzulegen. Am 19. August traten 155 Metallarbeiter in den Streik. Zuzug streng fernhalten. Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes m Mühlhausen in Thüringen. Achtung, Hafenarbeiter und vermandtc Berufsgcnossen! Ge- trieben durch die schlechten Wasservcrhältnisse und die übergroße Zahl von Arbeitswilligen, haben die Kohlcn-Accordschauerleute in Hainburg nach lOwöchentlichcm Kanipfe um die ihnen aufgedrungene Unterstützungskasse beschlossen, dieselbe wieder anzuerkennen. Die Importeure englischer Kohlen haben versprochen, ihre alten Leute nach Bedarf wieder einzustellen. Da nun statt dessen noch neue eingestellt werden, bittet der Unterzeichnete, den Zuzug nach Hamburg streng fernzuhalten. I. A.: C. Marquard. Arbeiterblätter und Fachorgane werden um Abdruck gebeten. Die Maurer in Karlsruhe nahmen am Montag die Arbeit zu den von Herrn Bürgermeister S ie.gr ist gemachten Einigungs- vorschlagen auf. Sie erwarten jedoch, daß die Unternehmer in aller- nächster Zeit den Lohn von 45 Pf. zahlen werden. Wo dieser Lohn vorher erreicht ist, soll daran festgehalten werden. Klusland. Droschkenkutscher-Konflikt in Kopenhagen. Die Droschkenkutscher Kopenhagens haben den Hanptbahnhof der Stadt boykottiert. Ani Sonnabend fanden sich bei der Ankniift der großen Fernzüge nur neun statt der sonst vorhandeneii 150 Drosckiken ein. Es handelt sich bei dem Boykott um einen Kampf gegen Vorrechte, die einzelnen Droschkenbesitzeni durch die Behörden erhalten werden. Die Böttcher der Gironde sind in der Zahl von 1500 in den Streik eingetreten. Sie hatten vor einigen Wochen durch einen kurzen Streik durchgesetzt, daß ihnen pro Faß 2,50 Frank gezahlt werden. Sie wissen aber aus Erfahrung, daß die Unternehmer den Lohn im Winter um fast die Hälfte herabdrücken und so verlangen sie nun feste Tarife, die ihnen auch für den Winter den gleichen Lohn sichern.__ Englische Streiks im Monat Jnli. An Streiks beteiligt waren nach den Berichten de? englischen Arbeitsamts im Monat Juli 16 322 Personen, die insgesamt 262 800 Arbeitstag« verloren. Von den 15 Konflikten, deren Resultate im Juli bekannt wurden, endeten 4 mit 3751 Personen zu Gunsten der Arbeiter, 8 mit 1404 Personen zu Gunsten der Unternehmer und 3 mit 824 Personen endeten durch Kompromiß. Von einer Ver- änderung in der Lohnhöhe wurden 5300 Personen betroffen, von diesen erhielten 1500 eine Erhöhung und 3800 mutzten eine Lohn- Herabsetzung über sich ergehen lassen. Das Nettoresultat der Lohn» Veränderungen ist ein Verlust an Arbeitslohn von nahezu 2600 M. pro Woche._ In den Reisfeldern von Molinella(Italien) ist wieder ein großer Streik der Reisarbeiter ausgebrochen. Ein Teil der Streiken- den ist durch Streikbrecher ersetzt, die ganze Gegend ist mit Militär besetzt und die Gendarmerie nimmt zahlreiche Verhaftungen vor. Der socialistische Bürgermeister von Molinella, Genosse Planer, der nach dem Gefetz für die öffentliche Sicherheit aufkommen muß, ver- langte von dem Präfckten, beziehentlich dem Minister die Erlaubnis, zu den fremden Arbeitswilligen sprechen zu dürfen, um diese davon zu überzeugen, daß sie die Ursache der Not der ansässigen streiken- den Arbeiter seien, und ferner, daß ihre Anwesenheit zu gefährlichen Konflikten führen könne. Der Minister hat darauf telegraphisch geantwortet, daß die Freiheit der Arbeit unter allen Umständen aufrecht erhalten werden müsse, ebensogut, wie die Freiheit deS> Streiks. Die Arbeitsfreiheit sollte aber in keiner Weife gefährdet werden, sondern der Bürgermeister wollte nur seine Pflicht erfüllen, indem er ausilärend wirken und den Konfliktstoff möglichst beseitigen wollte. Das ganze Gebiet von Molinella gleicht dem BelagerungS» zustande._ Amerikanische Löhne. Man schreibt unS aus New Dork: In seiner Annahmerede bei der offiziellen Mitteilung seiner Nominatur als Präsident» schaftskandidat hatte Rooscvelt nicht nur, wie schon früher mitgeteilt,� von einer„prosperity at home" geschwafelt, sondern auch behauptet, die Arbeitslöhne hätten noch nie so hoch gestanden, wie unter der gegenwärtigen republikanischen Administration. Abgesehen davon, daß dies selbst nach den Zahlen deS CenfuS von 1900— die zwar derart gruppiert sind, daß sie den erwünschten Anschein hierzu erwecken— nicht ivahr ist, da diese bei richtiger„Behandlung' eine Verminderung deS Durchschnittslohnes gegen 1890 um 2 Proz. er- geben, haben sich im Verlauf deS letzken Jahres die wirtschaftlichen Verhältnisse derart verschlechtert, daß jene Zahlen durchaus nicht mehr in Betracht gezogen werden können. Hier nur zwei Beispiele r In den Berichten über den Rückgang im Lokomotivenbau hieß eS bezüglich der großen Baldwinschen Werke in Philadelphia, daß die- selben im Dezember noch 15 800 Arbeiter beschäftigten, welche Lödne in Gesamthöhe von 250 000 Dollar wöchentlich bezogen, während sich dort jetzt nur noch 9727 Arbeiter befinden, welche 116 000 Dollar beziehen. Dies ergiebt also für damals einen Durchschnittswochen- lohn von 16 Dollar, für jetzt von 12 Dollar(wobei übrigens in Betracht gezogen werden muß, daß darin mindestens auch die hohen Gehälter der Vorleute usw. eingerechnet sind. In den Mitteilungen eines Maschinenschlossers, der eine Zeitlang in jenen Werken ge» arbeitet hat, an den hiesigen„Daily People ist gesagt, daß eS die- Mehrheit der ungelernten Arbeiter dort nicht über 7,50 Dollar pro Woche bringt). Ferner: die Anzahl der Angestellten in den Werken und Reparaturwerkstätten der Pennsylvania-Eisenbahn zu Altoona war am 1. Juni 9500 mit einer monatlichen ZahMste von 260 000 Dollar: im Jahre 1902 betrug die Zahl der Angestellten 12 000, die Zahlliste 575 000 Dollar. Danach ist jetzt der dortige durchschnitt- liche Monatslohn 27,30 Dollar, oder wöchentlich 6,50 Dollar, gegen 47,91 Dollar resp. Nicht ganz 12 Dollar in jenem Jahr. DaS klingt anders wie die Roofeveltsche Phrase I Letzte JVachnchtcn und Depefcben. Eisenbahnunfall in Siidwestafrika. Berlin, 22. August.(Amtliche Meldung.) Am 9. d. MS. erfolgte bei Khan ein Eiscnbahn-Zusammenstoß zwischen einer Lokomottve nnd bergherabrollenden leeren Wagen, wodurch Lokomotivführer Wilhelm Dieckmann, geb. 29. August 1873 in Soest, und Heizer Hermann Klein, geb. 20. März 1880, getötet wurden. Beide sind in Swakopmund begraben worden. vom«staflatischen Kriegsschauplätze. Shanghai, 22. August.(Meldung des„Reuterschen BureanS'.) In einer heute nachmittag stattgehabten Versammlung des hiesigen Konsularcorps wurde beschlossen, die ganz« Angelegenheit der russischen Kriegsschiffe„Askold" une.Grosovoi" der»iegienmg in Peking zu überweisen. Die Reparaturarbeilen am.Askold" sollen 48 Stunden eingestellt werden._ Petersburg, 22. August.(28. T.©.) Die gestern in Nmlan� gewesenen Gerüchte, nach denen der Mörder PlehweS. Sasonow- gestorben sei, werden heute au« amtlicher Quelle für unrichtig erklärt. Sasonow ist nicht gestorben, sondern befindet in voller Genesung. iggrantw. Redakteur? Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verautw.: Xh. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer L-Co.. Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterjaltungsisgtt Nr. 197. 21. Jahrgang. 1. SkiliM des Joraiiete" Dienstag, 28. Angnst 1904. Internationaler foeialistischer Kongreß. Siebenter Verhandlungstag. Amsterdam, 20. August.(Eig. Ber.) Dem Präfidenten Ban Kol stehen heute Dr. V. Adler-Oesterreich, DaSczynsky- Polen und Tompson-Englische Kolonien(Südafrika, Kanada und Australien) zur Seite. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Frage der Einwanderung und Auswanderung. Die holländische, amerikanische und australische Delegation schlagen folgende Resolution vor: .Unter voller Berücksichtigung der Gefahren, welche mit der Einwanderung fremder Arbeiter verbunden sind, indem diese ein Sinken der Lohne, die Gewinnung von Streikbrechern und zuweilen selbst blutige Zusammenstöße zwischen den Arbeitern herbeiführen können, erklärt der Kongreß: daß unter Einwirkung der soeialisttschcn und gewerkschaftlichen Agitasion die eingewanderten Arbeiter sich nach einiger Zeit auf die Seite der eingebornen Arbeiter stellen und denselben Lohn wie diese verlangen werden. Der Kongreß verurteilt daher jede Gesetzesmaßregel, welche die Einwanderung fremder Arbeiter, die das Elend zur Aus- Wanderung zwingt, verbietet oder verhindert. Der Kongreß, in fernerer Erwägung, daß Arbeiter rückständiger Rasten(wie Chinesen, Neger usw.) oft von Kapitalisten importiert werden um die eingebornen Arbeiter durch billiges Arbeits- angebot niederzuhalten, und daß diese, die ein williges Ausbeutungs- objett bilden, in einer nur mühsam verdeckten Sklaverei leben, erklärt, daß die Socialdemokrasie die Anwendung dieses Mttcls, das dazu dient, die Organisationen der Arbeiter zu vennchten, und dadurch den Fortschritt und die feventuelle Verwirklichung des SocialiSmus aufzuhalten, mit allen ihren Kräften zu be- kämpfen hat." Dagegen schlägt die Mehrheit der Kommisston folgende Re- solution vor: .Der Kongreß erklärt, daß der auswandernde Arbeiter das Opfer der kapitalistischen Herrschast ist, die ihn zwingt, daS Vater- land zu verlassen, um sich mühsam sein Leben zu fristen oder seine Freiheit zu sichern. Der Kongreß leugnet nicht, wie gefähr- lich für das Einwanderungsland der Zuzug schlecht bezahlter, gefügiger und arbeitswilliger Elemente ist, die von gewistenlosen Kapitalisten herbeigelockt werden, um die eingeborenen Arbeiter durch billiges Arbeitsangebot zu unterbieten, um Streikbrecher zu stellen und stellenweise blutige Zusammenstöße zwischen den Arbeitern verschiedener Länder herbeizuführen. Der Kongreß verurteilt jedoch jede Gesetzesmaßregel, welche die Aus- Wanderung hindern oder fremde Arbeiter im EinwanderungS- lande ausschließen oder schlechter behandeln wollte. Er erklärt vielmehr, daß in allen diesen Fällen eine Agitation geboten ist, welche Aufklärung unter den von Unternehmern unter falschen Vorspiegelungen herbeigelockten Arbeitern verbreitet, er ist über- zeugt, daß sich unter der Einwirkung dieser Agitation von socia- listischer und gewerkschaftlicher Seite die eingewanderten Arbeiter nach einiger Zeit auf die Seite der eingeborenen und organisierten Arbeiter stellen und denselben Lohn wie diese verlangen werden, und er verurteilt die kurzsichtige Politik zurückgebliebener Arbeiter- organisationen, die den Eingelvanderteu den Zutritt zu ihren Reihen versagen. _ Der Kongreß erklärt außerdem, daß cS nützlich ist, wenn die socialissischen Vertreter in den Parlamenten verlangen, daß die Regierungen die zahlreichen Mißstände, welche jener Lohndrücker- Import hervorruft, durch eine strenge und wirksame Kontrolle be- kämpfen, und daß die socialissischen Vertreter zu gleicher Zeit für eine Reform der Gesetzgebung eintreten sollen, nach welcher die Einwanderer in kurzer Frist die politischen und bürgerlichen Rechte im Einwanderungslande erwerben, dieselben Rechte wieder- erwerben, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, sowie daß die verschiedenen Länder den Einwanderern diese Rechte durch Gegen- seittgkeitserklärungen zusichern. Der Kongreß fordert schließlich die socialissischen Parteien und die Gewerkschaftsorganisationen aller Länder auf, noch energischer als bisher unter den einwandernden Arbeitern die Agitasion für Arbeiterorganisation und internationale Solidarität zu ent- falten." Berichterstatter der Kommission ist Abschied von Amsterdam. Amsterdam, 21. August.(Eig. Ver.) Eine Woche schwerer, oft bis in späte Abendstunden ausgedehnter Arbeit ist abgeschloffen. Die Abschiedsreden, die.Internationale", die Hochrufe auf den SocialismuS sind verklungen— nun dürfen die Delgierten ein paar Tagesstunden der gemeinsamen fröhlichen Rast widmen. Die Amsterdamer Genossen haben auch hier ihr Organisationstalent in der liebenswürdigsten Weise bethätigt. Eine Dampferfahrt soll die Kongreßmitglieder mit der eigenartigen holländischen Landschaft bekannt machen und ihnen gleichzeitig das Wirken der Arbeit vorführen, daS hier noch deutlicher als anderswo das Antlitz der Natur verändert, seine Zeichen ihr dauernd auf- geprägt hat. Nach einem gemeinschaftlichen Mahle im Garten des Konzert- geboulv fuhren die Delegierten in mehreren Zügen der elektrischen Straßenbahn nach der Sarphati-Kadc, wo zwei Schiffe, die„CercS" und der„Mercurius", schmale, langgebaute Dampfboote, ihrer warteten. Trompetenklänge tönten ihnen entgegen: die„Jnter- nationale", von den Bläsern der aus beiden Schiffen postierten Orchester intoniert. Ain Ouai standen Hunderte Amsterdainer Ge- Nossen, um von den fremden Freunden Abschied zu nehme»!. Während der Einschiffung spielten die Musikanten immer neue socialistische Weisen auf, so den„Achtstundenmarsch" der holländischen Arbeiter, ihr Lied:.Die Waffen nieder", dann die„Marseillaise", und bald fiel der Chor der dichtgedrängten Menge auf den Schiffen ein. Die.CereS" fuhr zuerst ab, der„McrcuriuS" folgte. Noch einmal Hochrufe, dann Abschiedwinken, so lange der Blick die Fahrenden und die Zurückgebliebenen verbinden konnte. Wir fuhren zuerst auf der Amstel, die hier breit und stattlich ist und von blinkenden Häuserzeilen eingefaßt wird. Hier ist der schönste Teil des neuen Amsterdam. An manchen Gebäuden zeigen sich nwdcrne Motive, die mit den» alten holländischen Stil sein- fühlig verbunden sind. Ueberall stieß das Auge auf grüne Plätze, Alleen, Gärten, Baumgruppen, die sich im Wasser spiegelten. Wir fuhren unter einer breiten Brücke durch, deren mittleres Glied emporgezogen werden mußte, um uns durchzulassen. Noch immer sahen wir, bald rechts, bald links, unbekannte Freunde uns zu- winken. Der Schall der Musik und der Lieder sagte jenen ja, wer wir seien. Dann waren wir auf einmal zwischen weiten grünen Wiesen. Amsterdam hat nicht wie unsre Großstädte vorgeschobene Vororte, in denen die Arbeiter wohnen und die industriellen Unternehmer billiges Terrain für ihre Fabriken suchen. Hier geht die Stadt Plötz- lich»n das Land über, freilich in ein Land, dem die Kultur überall ihren Stempel aufgedrückt hat.' Die Wasserläufe entlang führen prächtige Wege, auf denen Radfahrer dahinsausen. Wir hatten jetzt die Amstel verlassen und fuhren in einem schmalen Äingkanal, der die Verbindung Amsterdams mit Weesp, der Stätte des berühmten Van Hauten, darstellt. Die Ufer an beiden Seiten sind mit dichtem Schilf bewachsen, dahinter strecken sich bis in unendliche Weiten Wiesen, die in frischem Grün leuchten. Mgnchmal liegt ein riesiger Heuschober wuchtig da. einzelne Häuser Monuel Ngartc-Argentinien. Er führt auS: Die Einwanderung hat in der Gegenwart Dilnensionen angenoinmen, daß mit ihr unzweifelhaft Gefahr für einzelne Länder verbnnden ist. Trotzdm» hat sich die Arbeiterschaft nicht auf den engherzigen Standpunkt gestellt, der durch die Ent- Wicklung längst zertrümmert ist. daß der Arbeiter in seinem Lande bleiben müsse, sondern hat für ihn daS Recht in Anspruch genommen, die ganze Welt zu seinem Vaterlande zu machen. Andrerseits mutz die ganz bestimmte Erscheinung einer Masten-Ein- und Auswanderung und zwar einer künstlich erzeugten beurteilt werden. Von manchen Regierungen wird eine künstliche Auswanderung breiter Massen der Bevölkerung dadurch provoziert, daß sie zu Nutz und Frommen der herrschenden Klassen die politische Freiheit des»verkthätigen Volkes aufs äußerste beschränken oder ihnen die ökonomische Existenz unmöglich machen. Andre Re- gierungei» lassen sich bei der Förderung der Massen- answandernng von der imperialistischen Auffassung leiten, daß die massenhafte Entsendung von Volksgenossen in jung- frauliche Gebiete ihnen neue Herrschaftsgebiete sichern könnte. Aber alle diese Regiernngen fragen nicht daiiach, unter welchen Be- dingungen sich die Massenauswaiiderung vollzieht,»vis die Auswanderer in scheußlicher Weise auf den Auswandererschiffen aus- beuterischer Transportgesellschaften zusammengedrängt,-gepfercht befördert werden, welcher Ausbeutung, Unterdrückung, welchen Leiden sie in dein erstrebten Lande ausgesetzt sein werden. Aber die Massenauswanderling kann nur durch durchgreifende Reformen be- kämpft»verden, die die einzelnen Länder wirklich zu einem Vaterland für die werkthättge Masse des Volkes machen. Deshalb müssen wir jetzt auf Maßregeln siuuen, welche den Aus- Wanderern auf ihrem Leidenswege menschliche Ueberfahrt, Schutz gegen Betrug sichern. Ferner müßten die Einwanderer, um ihre Rechte wahren zu können, sofort nawralisiert werden, ohne das Bürgerrecht in ihrer alten Heiinat zu verlieren. Bon diesen Gesichts- punkten geht die Ihnen vorgelegte Resolution auS.(Beifall.) Hellquith- Amerika begründet die Resoliltion der Amerikaner, Holländer und der Delegasion ans den englischen Kolonien. Alle diese Länder seien gezlvungen, einen Unterschied zu machen zwischen Arbeitern civisierter Länder und uncivilisierter, zwischen Arbeitern, die im Klassenkampf begriffen sind oder wenigstens im Entwicklungs- Prozeß des Klassenbewußtseins begriffen sind und solchen, die dazu auch noch nicht die geringste Vorbedingung aufweisen. Das ist ein Lebensinteresse unsrer Arbeiterbewegung, die Kulis und Neger fern- zuhalte»:. Thompson protesttert im Namen der Minderheit der amerika- nischen Delegierten gegen diese Auffassung, die dem Satze:„Prole- tarier aller Länder, vereinigt Euch I und der ganzen socialislischen Gedankenwelt widerstreite. Mache»»an eimnal Unterschiede zwischen den Nationen, so»uüsse man auch die Italiener, Pole» usw., von Amerika fernhalten. Paeplow-Hambnrg kann diese Auslegung des Marschen Wortes nichtanerkeime». Niemals hätte Marx verlangt, die rückständigsten Arbeiter ohne jede Rücksicht auf die konkreten Verhältnisse des eignen Landes hineinzulassen, zu verlangen, daß zum Beispiel die deutschen Bau- arbeiter sich ihre Lage durch schrankenlose Einwanderung der italienischen Arbeiter bedelltend verschlimmern lassen. Trotz dieser Ausfaffung sei es ihm unmöglich, für den Antrag Hellquith zu stimmen; dem» dieser verabsäume es, auszusprechen, daß die Gcwerk- schaften jedes Landes die Pflicht hätte»», die eingewanderten Arbeiter aufzuklären und in die Gewerkschaften hineiiizuziehen. Das verab« säumten auch die englischen Gewerkschaften, die durch ihre Statuten den auSlüudischei» Arbeitern den Eintritt sehr erschwerten. Dagegen sollten die Arbeiter aller Länder ihre Stünme erheben.(Lebhafter Beifall.) Keir Hnrdie(England) beantragt, diese offenbar noch nicht gründlich genug vorbereitete Frage abz»lsetzen. Die Engländer könnten für keine der hier vorgelegten Resolutionen stimmen,»oeil beide von ihrem schlinunsten Gegner gegen sie ausgespielt werden könnten. Die Frage der Ein- und AnSivaiiderung«siisfte auf dein nächste» Kongreß eingehend behandelt werden. Inzwischen sollte das internationale Bureau Material sammeln. Der Antrag wird durch Zuruf angenommen; doch bemerkt der Borsitiendc, daß die Anregung Paeplow als Wunsch aller Nationen dem Protokoll cingefügt»verde.(Bravo!) Der internationale Sekretär teilt den Einlallf mit: Glückwunsch- telegramme aus Wien, Basel usiv,, eine Erklännig zu Protokoll über die gestrige Ssiminenthaltung der belgischen und schwedischen Dele- gierten und eine Protestresolntion gegen dir maßlosen Verfolgungen der ungarischen Socialistcn.(Beifall.) ragen über die Fläche, dann wieder eine Molkerei, und dicht neben ihr, ebenso appetitlich anzusehen, eine Fabrik für— chemische Produkte. Das Land liegt tiefer als der Spiegel des Kanals, Manche von den Windmühlen, die wir sahen, haben den Zweck, das Wasser wieder hinauszupurnpen,»venu es in die Niederungen dringt. Auf den Grasffächeu weiden riesige Herden von gepflegten Rindern. Neben uns im Kanal tunimeln sich in Boten lustige Buben, aber wir bcgegnch» auch Zügen jener schwergeplagten Menschen, die sich ihr Brot mit der Sklavenarbeit des Schiffsziehens verdienen »nüssen. Vor einer Eisenbahnbrücke gab es für beide Schiffe einen längeren Aufenthalt. Wir hatten hier ohne Absicht die Gelegenheit gefunden, hie Dichtigkeit des Eisenbahnverkehrs von Amsterdam kennen zu lernen. In Abständen von höchstens zehn Minuten kamen die Züge über die Brücke. Wir hatten wohl eine Stunde zu warten, ehe der Durchlaß für uns freigemacht wurde. Aber die Stockung bringt nun aus den Schiffen in die Geselligkeit einen besonderen Zug. Man hat jetzt draußen weniger zu sehen und schließt sich enger aneinander an. Auf dem Mitteldeck des „Mercurius" ist bald eine Art internationaler Bühne etabliert. Auf unser» Schiffen sind die meisten Holländer, viele Deuischc, die Oesterreicher, die Russen und etliche Franzosen versammelt. Holländer und Franzosen beginnen mit der feurigen„Carmagnole", Dann folgen andre Parteiliedcr in verschiedenen Sprachen. Auf einmal ruft jemand: Katat)ama soll singen! Ter kleine Japaner in graugelber Reisemütze und graugelbem englischem Reisekostü»n, aus dem der weiße Battistshlips hervorleuchtete wie ein weißer Fleck, der wehrt sich mit lächelnder Lebhaftigkeit, aber es nützt nichts. Er wird in den Kreis geschleppt, das riesige Broschürenpaket, das er beständig in der Hand hält, wird ihm abgenommen, und nun singt er eines jener kurzen seltsamen Rezitative, die wir bei dem Gast- spiel des Sada Jacco gehört haben. Man applaudiert heftig. Uebersetzenl ruft einer unter allgemeiner Heiterkeit. Und von da an wird es immer lustiger. Bebel und K a u t s k y stimmen das alte Lied voin Bürgermeister Tschech an, die andern Deutschen singen mit. Bei der Ausführung giebts eine Schwierigkeit. Ein Teil singt an eiiier Stelle„Wauwau", wo nach Meinung der andern ein„Schrumin-Schrumm" hingehört. Leicht ist das Witzwort gefunden, daß auch hier die„beiden Methoden" schon zur Geltung kämen, die„revolutionäre Wauwau-Taktik" und das„revisionlstische Schrumm-Schrumm". Als„Mahre de plaisir" ist der prächtige, nun auch schon Weiß gewordene Van Kol unermüdlich, von unerschöpflichem Humor, der iminer Neues zu erfinden weiß. Mit jugendlichem Frohinut er- sinnt er einen Ulk nach dem andern. Er selbst führt mit köstlich parodistischer Grazie einen javanischen Schleiertanz auf. Katayama soll die Dame»nachen, aber da er sich sträubt, springt Kautskh ein und offenbart ein außerordentliches Geschick für höhere Ballettkunst. Wer aber an rein ästhetischen Genüffen, und seien sie selbst so seltener Art lvie diese, sein Genüge nicht findet, der braucht bloß unter Deck zu klettern und sieht neue Horizonte vor sich ausgebreitet. Eine fliegende Küche ist dort etabliert, die die verschiedenartigsten Der Internationale Sekretär macht ferner die Mit- teilung, daß das Protokoll des Internationalen Kongresses in drei Sprachen(deutsch, englisch, französisch) erscheinen soll. Als nächste Kongrcsiorte sind vorgeschlagen Stuttgart(seitens der deutschen Delegasion), Genf, Briiffel, Wien, Rom. Die Engländer beantragen den nächsten Kongreß in 2 Jahren, die Deutschen in 4 Jahren stattfinden zu lasse». Der Vorsitzende Van Kol schlägt als Vermittelungsantrag 3 Jahre vor. Hyndman verlangt, daß das Internationale Bureau nicht mehr das Recht habe, den Kongreß zu verschieben. Longuct- Paris bittet, den nächsten Kongreß in 2 Jahren stattfinden zu lassen. Gerade im Interesse besserer Fühlung der Parteien untereinander, zur Vermeidung von Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten und zwecks leichterer Ausgleichung seien möglichst kurze Fristen an- zusetzen. Scmbat tritt für 3 Jahre ein, weil 1903 die Wahlen in Frankreich stattfinden. Die Abstimmung ergiebt: Der nächste Kongreß findet 1W7 statt. Der Kassenbericht des Jnternattonalen Sekretariats ist ge« prüft und gebilligt worden. Holland, Italien, Dänemark bitten ihre Jahresbeiträge von 800 Fr. herabzusetzen. Holland und Italien sollen künftig nach Vorschlag des Bureaus 400 Fr., Dänemark 300 M., Serbien, Japan, Luxemburg 100 Fr. Jahresbeitrag leisten. Die Wahl des Kongrcßortes ftihrt zu einer Debatte. Zu Gunsten Stilttgarts haben die andren Kongreßorte verzichtet. Hyndman verlangt Garantie für fteie Tagung in Stuttgart, der Vorsitzende habe dies wohl erklärt— und früher sei das auch schon ver- sichert worden—, dann aber hätten die politische Situation, mangelnde Redefreiheit»c. doch die Verlegung des Kongresses notwendig ge- macht. Bebel: Wir hätten nicht gewagt, Stuttgart vorzuschlagen, wenn wir nicht felsenfest überzeugt»vären, daß»vir jede Garantie für volle Redefreiheit und Sicherheit für jeden Delegierten übernehmen könnten. Dasselbe Maß von Freiheit und Sicherheit so wie hier in Amsterdam können wir auch für Stuttgart gewährleisten.(Lebhafter Beifall.) Ohne Widerspruch wird Stuttgart angenommen. Zu erledigen sind noch: 1. die Maifeier- Rasolnsion, welche von der Kommission, in die deutscherseits Genosse E r n st- Berlin und Genossin Z i- Hamburg entsandt worden sind, in folgendem Wortlaute vorgelegt wird: SD! aifeier-Resolution. „Ausgehend von der Erwägung, daß die Arbeiterdemonstrasion am 1. Mai den Zweck hat, an euiem bestimmten Tage in allen Ländern mit nioderner Arbeihwbewcgung einheitlich für die Forde- rilngen der Arbeiterschaft, insbesondere für den Arbeiterschutz, den Achtstundentag, die Klasscnforderungen der Arbeiterschaft und den Weltfrieden einzutreten und damit die Einheitlichkeit der Bewegung und der Forderungen der Arbeiter aller Länder zum Ausdruck zu bringen, »i» fernerer Erwägung, daß die Einheitlichkeit der Demonsttasion noch nicht gegeben ist, weil in einzelnen Ländern nicht am 1. Mai, sondern an» ersten Sonntag i>n Mai demonstriert wird, beschließt der Kongreß: Im Anschluß an die Beschlüffe der Internationalen Kongresse zu Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1393 und Paris 1900 fordert der Internationale Kongreß zu Amsterdan» die socialdcmokrasischen Partei-Organisattonen und die Geiverkschaften aller Länder in der nachdrücklichsten Weise auf, alljährlich am 1. Mai für die gesetzliche Einführung des acht- stüiidigen Arbeitstages, für die Klaffeiiforderungen des Proletariats und für den Weltfrieden zu demonstrieren. An» ivirksamstm» kommt die Demonstration am 1. Mai in der ArbcitSruhe zum Ausdruck. Der Kongreß macht cS deshalb sämtlichen proletarischen Orgaliisasionen aller Länder zur Pflicht, die Arbeitsruhe am 1. Mai anzustreben und überall dort, wo es ohne Schädigung der Arbeiterinteressen möglich ist, die Arbeit ruhen zu lassen." Resolution über das Frauen-Stimmrecht. (Eingebracht von den deutschen Genosfinnen.) „Bei den Kämpfen, welche das Proletariat für die Eroberung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in Staat und Geineinde führt, müssen die socialistische!» Parteien das Frauen-Wahlrecht in den gesetzgebenden Körperschaften beanttagen, in der Agitasion grundsätzlich sesthalten und mit allem Nachdruck vertreten." Rcsolutton über die Trusts. „Die Trusts in ihrer vollkommenen Enttvicklung sind die Be- seitigung der Konkurrenz zwischen den Herren der Produktton. Sie'haben sich entwickelt aus losen Vereinbarungen unabhängiger Labsale nach kommunistischen Principien austeilt: Jedem nach seinen Bedürfnissen I Dieses Stück Zukunftsstaat in der Gegenwart zieht natürlich eine starke Einwanderung an. Dies verheißungsvolle Ge- memwesen unternimmt aber auch häufige bewaffnete Expeditionen auf Deck, und die Segnungen, die es verbreitet, versöhnen selbst hie leidenschaftlichsten Gegner kolonialer Expansionspolitik. Aber bei all der übermütigen Heiterkeit bleibt man sich doch der ernsten Ziele, die die Herzen bewegen, bewußt. Die Oesterreichcr und die Tschechen, stürmisch berbeigerufen, singen das„Lied der Arbeit". Sie lassen den Socialiitenmarsch folgen, die Deutschen und die Holländer singen mit und das Orchester fällt ein. Nun wird die Stimmung wieder feierlicher. Die Holländer tragen alte Lieder aus ihrem nationalen Freiheitskampfe vor. Ii»»nanchen dieser Melodien erkennen die Deutschen die Weisen alter Volkslieder unsrcs Volkes wieder. Unterdessen haben wir den Merwede-Kanal passiert, der Amsterdam mit dem Rhein verbindet, und nähern uns wießer der Hauptstadt. Die geplante Ausdehnung der Fahrt bis zum Zuidersee mutzte wegen der vorgerückten Zeit unterbleiben. Wir fahren durch eine Schleuse in das Amsterdamer Hafengebiet ein. Schon sehen wir wieder Mützen und rote Tücher vom Ufer herunterwinken. Bei den Dock- und Lagerhäusern stehen die Arbeiter in den blauen Leinenanzügen dicht geschart. Auf den Schissen, die vor Anker liegen, steht die Mannschaft auf Deck und schickt uns, unablässig die Mützen schwenkend, Grüße herüber. Unsre Musik spielt nun ununterbrochen socialistische Lieder, alles singt mit. Wir kommen an einem französischen Schulschiff vorbei. Die„Internationale" er- tönt. Die Matrosen und Seesoldaten konnten unter dem Auge der Vorgesetzten nicht erwidern. Doch sieh, eine Luke öffnet sich im Schiffsrumpf in»d ein Matrose erscheint, der mit aller Kraft die Mütze kreisen läßt. So sind wir von unsrer Fahrt zurückgekommen. Socialistische Proletarier hatten uns bei der Abfahrt Abschied zugewinkt, socialistische Proletarier hießen uns nun willkommen. Konnte es bessere Anerkennung für die auf dem Kongreß vollbrachte Arbeit geben? Da es aber nun für uns galt, Abschied von einander zu nehmen, fiel es so schwer, daß man noch einmal ein paar Stunden dem neidischen Schicksal abgewinnen mußte. Im Saal des„Hotel Americain" kamen am Abend noch ein paar hundert Delegierte und Amsterdainer Parteigenossen zusammen. Es war eine Abschieds. feier, deren herzhafte Fröhlichkeit die in diesen Tagen geschlossenen Beziehungen besiegelte. Bevor man auseinanderging, hielt Dr. Adler eine kurze Dankrede an die Amsterdamer Genossen. Er sagte:„Wir haben euch immer als' gute Parteigenossen gekannt und haben euch schon immer mit einer— ich mächte sagen abstrakten Freundschaft geliebt.(Heiterkeit.) Jetzt aber haben wir euch persönlich kennen gelernt und scheiden von euch als von guten, tapferen, lieben, persönlichen Freunde n." Der allgemeine Beifall, der diesen Worten folgte, bewies, daß der Redner allen aus der Seele gesprochen hatte.„Auf Wiedersehen in Stuttgart!" Mit diesem herzlichen Zuruf schüttelte man sich die Hände. Otto Pohl. Kapitaliften zu riesenhaften und fest organifiertcn, nationalen und sogar internationalen Unternehmerverbänden, welche oft eine ganze Industrie monopolisieren. Sie sind die unvermeidliche Konsequenz der Konkurrenz in einer auf Lohnarbeit im Dienste des Kapitalprofits sich stützende Wirtschaftsordnung. In diesen Verbänden werden die Grohkapitalisten aller Länder und aller Industrien schnell zu einer kompaften EinHeft auf Basis gemeinschaftlicher Interessen zusammengefügt. So wird der Konflikt zwischen Kapitalisten- und Arbciterklasie immer schärfer. Die Produftion wird reguliert, die Verschwendung der Konkurrenz wird umgangen und die Leistungsfähigkeit der Arbeit vergrößert. Aber der ganze Vorteil fällt den Kapitalisten zu und die Ausbeutung der Arbeiter wird intensiver. Angesichts dieser Thatsache und der vielfachen Erfahrungen, wonach sich eine Antitrust- Gesetzgebung im Nahmen unsrer Wirtschaftsordnung als aussichtslos herausstellt, erneuert der intcrnattonale socialistische Kongreß von Amsterdam die Pariser Resolution von 1900 und befestigt dieselbe mit folgender Er- Aärung: 1. daß die socialistischen Parteien aller Länder sich von jeder Beteiligung an Gesetzgebungsversuchen, welche das Aufkommen der Unternehmervcrbände zu verhindern oder ihr Wachstum einzu- schränken suchen, fernzuhalten haben, weil solche Versuche imnier aussichtslos und manchmal reaktionär sind. II. Dat die Bestrebungen der socialistischen Parteien auf Socialisierung der Produftionsmittel und deren Auwendung aus ollgemeinen Nutzen und nicht auf Profit gerichtet sein müssen. Die Weise, in der diese Socialisation zu stände kommt, sowie die Reihen- folge dieser Socialisation wird von der Macht, über die wir ver- fügen, bestinimt. III. Der wachsenden Gefahr, welche ihre ökonomische Organi- sation durch die Befesttgung der Macht der Kapitalisten bedroht, müssen die Arbeiter der ganzen Welt ihre organisierte Macht gegenüberstellen, als ihre einzige Waffe gegen die kapitalistische Unterdrückung und als ihr einziges Mittel, um den Kapitalismus zu stürzen und die socialistische Gesellschaft zu schaffen." Die Berichterstatter zu diesen Punkten der Tagesordnung ver- zichtcn auss Wort. Es wird beschlossen, sofort zur Abstimmung zu schreiten. Die Resolutionen über die Maifeier und das Frauen- stimmrecht werden einstimmig, die Resolution über die Trusts gegen wenige Stimme« angenommen. Vorsitzender Ba» Kol: Heute abend findet in Amsterdam eine Versammlung statt, die von den schlimmsten Feinden der socialistischen Arbeiterbewegung, den Anarchisten einberufen ist. Tie socialistische Arbeiterpartei Frankreichs sGncSdistcnl gießt die Erklärung ab, daß aus ihrer Fraktion kein Mitglied an dieser Anarchistcnvcrsammlung teilnehmen wird. Nehmen Sie auch Rück- spräche mit einem sachverständigen Gärtner.— N. M. 1. 1000. 2. Nein. — Kl. M. Der Bericht der Delegation der Soc. Arbeiterpartei Rußlands an den Int. Kongreß ist unter dem Titel:„Die Socialdemokratie in Ruß- land" zum Preise von 30 Ps. in der Vorwärts-Buchhandlung zu haben. Ebenso: M. Lydin, Material zur Erläuterung der Partei- krise in der Sociald. Arbeiterpartei Rußlands. Preis IM.— 444. Nein. — H. F. 30. Maximale Schisssgeschwindigkeit per Stunde etiva 45 Kilo- mctcr. Wenn z. B. gesagt wird, ein Schiff läuft so und so viel Knoten, so wird damit sestgestellt, daß es thatsächltch in der Stunde die gleiche Anzahl von Seemeilen laust. Die Seemeile ist ein Viertel der geographischen resp. der deutschen Meile. Durchschnittliche Schnell- und v« Zug-Geschwindigkeit beträgt 70 Kilometer, Steigerung bis aus 100 Kilometer.— Der neue elektrische Wagen nach dem System von Siemens u. Halske legt in der Stunde 200 Kilometer zurück; höhere Steigerung möglich.— Der Wind läuft in der L-ckunde bis 20 Meter, der Sturm 20 bis 30, der Orkan über 30 Meter.— Alles weitere wollen Sie in geeigneten Svecialwerken nachlesen.— Zl. Z. 03. 1. Mg., Magnettsche Kraft auch in tierischen Körpern, zuwcllen magneto-clektrische Kraft. 2. IT., Lehre vom Hypnotisieren, von der Erzeugung schlasähnkicher Zustände, vom Halbwachen, vom Handeln im Unbewußtsein. 3. Ms., nach Meßmer, dem Entdecker des tierischen Magnetismus; der Ms lehrt die Versetzung in magnetischen Schlaf und unterwirft den Willen andrer dem tierischen Magnetismus. 4. Zauberei läuft niemals, wohl aber Selbsttäuschung und oft auch gröblichster Schwindel mit unter.— 888. Rem. >rirtUcher Ceti. Die lurifttsch« Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme dei Sonnabends von?>/, vi? 9'f2 Uhr abends statt. Geöffnet- 7 Uhr. A. S. 1. Der Vorsitzende fragt nicht.— 3. Wedding. 1. Lassen Sie die Sachen von einer guten Schneiderin ändern, möglichst nachdem Sie sie vorher auch noch von einer andern sachverständigen Person haben besichtigen und die Fehler feststellen lassen. Die Kosten klagen Sie dann ein. 2. Sechs Monate. 3. An den Armenvorstehcr wegen eines Armutszeugnisses, dann mit diesem an die Anmeldestubc, Gcrichtsgebäude Neue Friedrichstraße.— Ilmenau. Nein.— Sinnig. Ihre Schwägerin soll vorläufig nicht zahlen.— Otto 153. Die Forderung ist nicht verjährt.— P. R. 18. 1. Kommt aus die Höhe des Verdienstes an. Bei bis 120 M. würde eine Unterstützung wohl nicht zu zahlen sein. 2. Bis zum 24. Jahre. — G. K., Rixdorf 15. Ihre Braut hat trotzdem Anspruch aus die Hülste der Beiträge.— Platschcb. Klagen Sie aus Rückzahlung �dcr Hälfte des Honorars.— Gdelweift 1. Ihre Mutter soll Sie bevollmächtigen, für sie auf Hcrnusgabe des Beiles zu klagen. Die Klage ist ausfichtsvoll.— Tonbein. Er kau» nicht festgenommen, aber ausgewiesen werden.— Robert. Innerhalb sechs Wochen nach deni Tode Ihrer Frau müssen Sie aus dem Amts- gerichte Ihres Wohnsitzes erllärcn, daß Sie Ihre Frau nach neuem Recht beerben wollen. Sie erben dann sämtliche Wirtschastsgegenstände und Hochzeitsgeschenke im Hanse und vom Reste die Hälste.— Loos 1. 1. Da müssen Sie sich selbst helfen. 2. Das Gericht kann nicht angerufen werden.— N. K. 10. 30 Jahre nach der letzten Psändung. — Hasse. 1. Nicht verjährt. 2. Klage wird beim Amtsgericht I, Neue Friedrichstraße, Aiimeldestube ausgenommen. 3. Die Kosten richten sich nach dem Wert des Streitgegenstandes.— H. F. 19. 1. Mutz so transportiert werden, daß er die Treppen nicht beschädigt. Am besten tragen. 2. Wenn die Treppenbeschädigung vorsätzlich ist, ja.— Schulz. 1. Ja. 2. und 3. Unbekannt.— Nuttbe. 1. Der Abzug ist berechtigt. 2. Eine höhere Instanz wie das Reichs-Vcrsichcrungsamt giebt es nicht. 3. Nein.— Meffmanu 85. 1. Kommt ganz aus den Sachverhalt und Ihren Mietsvertrag an. Wahr- scheinlich steht im letzteren, daß Sie für den Schaden aufkommen müssen. 2. Mietsstempel ist alljährlich zu zahlen,— Daimo. Sie können die Sache» einlösen, dem Schuldner hiervon Mitteilung machen und ihm gleichzeitig anzeigen, daß Sie, wenn er die— genau anzugebende— Forderung nicht bezahlt, die Sachen nach Ablauf von 1 Monat durch den Gerichtsvollzieher verkaufen lassen werden. Nach Ablauf des Monats lassen Sie dann den Verlaus vornehmen.— 31. B. Sie haben sicher Erfolg mit der Beschwerde. — A. K. Muß 25 Jahre alt sein.— B. Ri. Läßt sich nicht ausführlich im Brieskasteu besprechen. Kommen Sie in die Sprechstunde.— M. B. 100. Da die Sachen Ihrer Frau gehören, so ziehen Sie am l.�Oltober ruhig aus,— wenn der Wirt die Sachen Ihrer Frau nicht herausläßt, klagt diese auf Einwilligung in die Fortschassung.— Fischer. Klagen Sie gegen die Kasse aus Anerkennung der Fortdauer Ihrer Mitgliedschast bei der Ge- werbedcputation des Magistrats.— R. R. 74. Wenn die Umstände nicht ergeben, daß die Führung der Wiry'chast unentgeltlich erfolgen sollte, wie es z. B. der Fall wäre, wenn ein Liebesverhältnis den Anlaß zum Zuzug ge- geben bättc, dann kann Lohn für die Zeit seit 1. Januar 02 in üblicher Höhe gefordert werden,— Schmidt, Gubener 6, 1. Sic müssen zahlen. 2. Für Rummelsburg gilt daS nicht.— W. O. Ja.— R» S. 3. Nein. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortliug. Zhcater. Dienstag, den 23. Angl» st. Ansang 71/, Uhr: Opernhaus. Cavalleria rnsticana. (Bauernchre.)— Das Mädchen von Navarra.— Slaviiche Braut- Werbung. Neues königl. Opern- Theater. Der Bettelstudent. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner< Theater.) Geschlossen. Schiller M.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Der Trou- badour. Westen. Liebeshandel. Berliner. Zapfenstreich. Reues. Einen Jux will er sich machen. Reftdenz. Die 300 Tage. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Die Notbrücke. Metropol. Ein tolles Jahr. Bellc-Zllliance. Kam'rad Lehmann. Apollo. Venus aus Erden. Spcciali- täten. Herrnfeld-Theater. Nureine Nacht. Am andern Morgen. Stadt-Theater Moabit. Der reiche Pustekohl. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallcn. Steltiner Sänger. Pasiage-Theater. La belle Georgette. Specialitäten. Anfang 5 Uhr. Urania. Tanbenftraffc 48/40. Im Theater: Von der Zugspitze zum Watzmann. Jnbalidenstraffc 57/03. Stern- wart«. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. km Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Einen Jnx wiil er sieh maelen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Salome. Logik des Herzens. Belle-Allianee- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Kam rad Lehmann. Militärposse mit Gesang und Tanz in 4 Akten. Im Sommergarten Ansang 6 Uhr: OroLss Max Schmidt-Konzert und glinzendes Specialitäten- Programm. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nsclrtsszkl. Anfang 8 Uhr. Morgen: Oes Paslers Rieke. Apollo-Theater. Dienstag, den 23. August 1904: »V Zum 300. Male; 9'/.: Venus aur Erden unter persönlicher Leitung des Komponisten Panl liiucke. Vorher 8 Uhr: Das glänzende August-Specialitäten-Programm. Scli iller-Tlieater. Schiller- Theator O. (Wollner-Tbeater). Geschlossen bis inkL Freitag. Sonnabendabend 8 Uhr: Eröffnung der Schaufpiel-Saison. Zum erstenmal: Mcdea. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Schilier-Theater K. (Fricdrich-Wilbclmitädtitches Thealer) Morlvttt-Lper. Dienstagabend 3 Uhr Gastspiel Heinrich Bötel. .Oer Xfonbadonr. Große Oper in4 Akten von G. Verdi. Mittwochabend 8 Uhr: Slohert der Teufel. Donnerstagabend 8 Uhr: Flgraros Hochzeit. Im Garten: Grosses Milltärkonzort Nur noch knrzc Zeit! PlottemSchauspiele I Kurfürstendamm 153—156. SlraBenhahn- Verbindung: Linien A, A/E, T, V, 91. Größte Wasser-Schauspiele der Welt auf 6000 qm groScm See. 23/5 In die Luft sprengen von Kriegsschiffen. Vorstellungen: Wochentags 4 und 8 ühr. Mittwoch: Sonntags 3, 51/, u. 8 Uhr. Billiger Tag! Donnerstag: Ellte-Tajf.——— Max KHetn's Sommer-Theater Hnsenhcide 18—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommcrfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. stMS Die Kaffeeknche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.'T&ti 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand-c, _ In den Stilen: Grosser Ball."WD M I 2. fadjausftellung för die 5chuh- und Z&WAtäuftm Veranstaltet vom Neue Welt(Hasenhaide) 25.— 30. August a. er. GEÖFFNET von 9— 9 Uhr TÄGLICH KONZERT Eintritt Pfennig. niilltär«StiefeIs1Pettbeiperb Verband Deutscher Schuhwarenhändler M :ö: m MscMmerikanischeS " Theater. Köpnickcrstr. 67, Stat. Jannowitzbrücke. Sonnabend, d. 27. Aug., abds. 8 Uhr: Wieder- Ernffiinng»MI Gastspiel Adolf Philipp. UM- Zum 314. Male.-MU „Ueber'n grossen Teich" Der Vorverkauf beginnt am Donners- tag, d. 2ö.Aug.,b. Wcrtheim, Invaliden- dank und an der Theaierkasse. W. Noaeks Theater. Direktion: Hob. Dill. Brunnenstr. 16. Ein Kerlintr Taugenichts. Bolksstück mit Gesang v. Max Koch. stach Mitternacht. Geschw. Kaiser. Ansang 6 Uhr. Kaffeeküchc v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saal. Passage-Theater. La belle Georgette, Flammen- und Radium-Tänzerin. Bioskop. Ringkampf: Hackenschmidt-Jenkins. Vierzehn erstklass. Nummern. Trianon-Theater. Georgenstraße zwischen Friedrich- und Universitätsftraße. Die Notbrücke. Lustspiel in 3 Akten von Fred Gresac und Francis de Croisset. WW Ansang 8 Uhr. Taiibenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater; Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte Das Bärenweih, lebend. □er 16jährige Riesenknabe Der lange Josef 217 clm gross._ 39" Nada und Mnemos, TB® Gedankenleser. OerLicichenfnnd. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extr,vEntroe, ÄNOPTICUM Friedriohstr. 165. Das grösste Ehepaar"Höf der Welt"MU die grösste Sehenswürdigkeit des 20. Jahrhundorts. GirHus Sarrafanl. Grttastcr nnd elegantester Zelt-Clrkns Kuropas. Täglich: 5 St Schweine. Metropol-Theater Josef Giampielro a, D. Henri Bemler, Jose! Jsseplii. Anton Griinfeltl, Fritl Tritt. Der grösste Erfolg dieses Jahres Gr. dramatisch-satirisohe Kevue in 5 Bildern. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Clebrüder Herrnfeld-Theater. (Xm. Berliner Winter-Saison.) Mar eine Sfacht. Zwei Alte aus einer Ehe. .An, andern Morgrcn. Nachspiel zu„Nur eine Nacht". Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donal Herrnfcld in den Haupirollen. Anfang 8 Uhr. Kaslcn-Erössmmg 7 Uhr. Vorverkaus täglich t t— 2 Uhr. Der große Naturgarten ist geöffnet. Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär-Doppel-Konzert. Eintritt 1 M., ab 9 Uhr 59 Ps. Kinder unier 19 Jahren die Hälste. In der Arena: Der 8ee-Elekant. Eintritt vom Garten 26 Pf., von der Straße 30 Ps.. Kinder unter 10 Jahren die Hälslc. I- Heute und soigende Tage 8 Uhr: vie ZW Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gcvault u. Robert Ebarweh. Deutsch v. A.Halm. Herr Richard Alexander in der _ Hauptrolle._ Fröbels Allerlei-ThealeF fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Heute: Konzert, Theater, Specialitäten. Das alte Lied. Sensal.- Voltsstück, u. 15 Attraktionen ersten Ranges. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Ps. Sonnabend, 27. August: Benefiz für das Hauspersonal. SsrnM Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich das Sensation«< August- Programm. Die Blitzfahrt im TodeSring. O' Kntonre et Angela. Lius Trio. X Marino Trio. EinNeubnumitHiudernifftU Arthur Wulff. Paul Eoradini. Im Saale:»all. UM- Ansang 4'/, Uhr."MK Entree 30 Ps. NumerierterPlatz50Ps. Siez' Speeialitäten-Theater, Landsberger Allee 76/79. Direkt Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob NcgenI im herrlichen Garten od. gr.Saal i das neue konkurrenzlose Programm, ca. 35 erstklassige Nummern. stürmischem Beisall: Mit Orig Les trois Daflls, die Fahrt im kleinsten Todcsring. Beste Äotor-Renn-Compagnie mit unkopierbaren Original-Tricks. Orig.»»hlez'-Trlo, sensat. Leiter- Akrobaten und Hochturnkünstler. sted> Brumien, der kleine Kobold. Elsa u. Paul Jescheck, urkomisch. Orim Luigia e don Glgilo, konkurrenzloser Melange-Akt. Max Tripps, der beliebte Fritz Brand ic. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. Bis 2 Uhr:«all. Eniree 20 Ps. Sonntags 30 Pst_ Etnblisskmnt KiWruhogen Moritzplatz. Täglich von 12—4 Uhr: Mitlagstisch. Im großen schattigen Natur- garten jeden Abend 8 llhr: Konzert, Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waldc-Sänger. Sonnabends T n mm-m im Kaiserjaal:■ H 2a JEützowstr. 111/112. T Ii g 1 i c h im Garten oder Saal: Korsts Korddeutsehe Kumoristen und Quartett- Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Kons haben llültigkeit. Thßfäter Kast£pßnAll£z7-9 Täglich: Der rechte Weg. Pantomime: Ein ruhiges Zimmer za vermieten. Satanello-Trta. Wanffnis. Grigolatl-Truppe. Konzert, Ball, Specialit. Am. 4 llhr. Eintr. 30 Pst Num. Pst 50 Ps. Eröffnungs-PFografflffl. Pas de Deux oricntal. Tilly B6b6 mit ihren 12 Löwen Paula Worm, Operettensängerin. llal.Harfenorchost8r,23Harfenistinn. Rudolf Segammer, Ventriloquist. Severin und Mlle. Dorville in der Pantomime„Der Trunkenbold". Die Klefn-Familie, Radfahrer. Die 8 Cocktails, Tanz-Ensemble. Die Baggesens, komische Jongleure. Die 3 Meteors, Hochturner. Marcell Salzer, Vertragskünstler. Biograph, darsteUend d. Kingkampf zwisch. Hackensohmidtu. Jenkins. Sanssoitct. Kottbnser Thor— Stat. der Hochbahn Täglich: tlokkmaans Wileutselie Sänger. Sonnabend, 27. August: ßencflz. Extra-Yorstellüng um! Tanzkränzchea. Gustav Behrens Specialitäteih Theater, Frankfurter- Allee 85. T&gllch: Das grossartige jlipst- Programm. Erstklassige Kräfte, auserlesenes Programm Anf. Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr, Arbeiter-Bildungsschule zu Berlin. Klttwoch, den 84. August 1004. abends'/.O Uhr: Generalversammlung. im Gewerbschaftshanse, Engel-Ufer 15(Saal 8). Tages-Ordnnng: 1. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und des Lehrer- Kollegiums. 4/19* 2. Sohul-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Dl?- Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Hesenlener! Mittwoch, den 24. August, abends 8>/„ Uhr, in FranfeZ Festsälen (früher Orschcl), Sebastianstr. 39: VeffenMek« Versammlung der Fliesenleger Kerlins und Unrgegend. Tages-Ordnnng: 1. Die Mißstände in unsrem Berufe und die Stellung der Werlsührcr w den Geschäften uns gegenüber. 2. Diskussion. 292/11* BV Samtliche Werkführer sind zu dieser Versammlung eingeladen. Ver Einbernfer. Centrai-Kranken- nnd Startiekasse der Tischler und andrer gewerbl. Arbeiter Oertl. Verwaltung Berlin G. Donnerstag, den 25. August, abends S1/. Uhr: Außembeiitt. Mitgtitbcr- llttftiiiiiiliiiig i« Flechs FestsSlen(früher„Freischütz*), Fruchtstr. 26 a. Tagesordnung: 1. Stichwahl der Kandidaten zur General« Versammlung in Leipzig. 2. Verschiedene Kassenangelcgcnheiten. 184/11 Die Mitalieder sind verpflichtet, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. ........"uch legi/"- Mitgliedsbuch legitimiert.__ Ble Ortsverwaltung. n Dienstag, den 33. August, abends 8 Uhr: K?artei-Versammlungen. Wahlkreis: Armm-Hallen» Kommandantenstraße 20. Ä. Wahlkreis: Hofjiiger-Palast» Hasenheide 52/53. (Generalversammlung des Wahlvereins. Mitgliedsbuch legitimiert.) 3. Wahlkreis: Ressource, Kommandantenstraße 57. 4. Wahlkreis: Oewerkschaftshau», Engel-Ufer 15, gr. Saal. (Gemeinsame Versammlung für Osten und Südosten.) F. Wahlkreis: Alte» Kchutzeuhau», Linienstraße 5. (Generalversammlung des Wahlvereins. Mitgliedsbuch legitimiert.) 6. Wahlkreis: Germama-Käle, Chausseestraße 102/103. (Generalversammlung des Wahlvereins. Mitgliedsbuch legitimiert.) Tagesordnung in allen Versammlungen: i. Die brnndenbnrzischc Nrnuiipl-Kenstm?. 2. Anträge und Wahl von Delegierten zu derselben. 3. Dn Krtmr Pnrttitez 1904. 4. Anträge zu demselben; Wahl der Delegierten. 5. Partei-Angelegenheiten und Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ersuchen wir um allseitiges Erscheinen 209/3* Die Vertrauensleute von Berlin. Mittwoch, den 84. August, abends 8'/« Uhr: Mitglieder- Uersammlong im GcwerkschaftShanse, Engel-Ufer 15, Saal 3, Hof pari. TageS-Ordnung: über daS Kranken- der Heim- _________ �______ �___________ hicdenes. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 163/6 Ble OrteTerwaltnng. amKonigSth., am FriedrichShain 29/32. IMMl Theater, Ball n. SieciaiWfirsleiliii Das Liscri.«-W DnsDnilieiiresliiiciil. Große Posse mit Ballett u. Svolutton von EIY. Kinderfest. Ostbahn-Park. Am KUstrinerplatz. RQdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich i Gr. Konzert, Theater und Kpeeialitiiten- Dorstellung. K Hohlweins egler-Schlösschen. (H. Redlich.) Treptow, Köpenlcker Landotr. 27. DM" Grohcr schattiger Garten J cdeit Sonntag: Frei-Konzept Grosser lall. Kafseetüche'/, Liter 7V,>/, Liter 46 Pf Glas Bier 16 Pf. Klein« Weihe 16 Ps. Gute Speisen zu soliden Preisen. 5779L* Sofastoffe Rfesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Raelol Mocquettes. «vlüsch- ncalCi Satteltasshen. Muster b. näher. Angabo franoo. Emil Laftwe, fr« Ä 15B. erlinerillk-Trio. Felix Scheuer U Sirtlngdentr. L Kabatt-Spar-Verein„lllä-öst". Donnerstag, den 25. August 1904:, abends 8 Uhr: 3 Mitg/lieder- Versammlimaren für Berlin im Fokal„M- Ost", Maldemarstr. 75.\ imFokal„UärkischerHos',Admiraljlr.18l; Für Rixdorf im Lokal„Viktoria-Säle", Hermannstr. 49. TageZ- Ordnung in allen 3 Versammlungen: „Die Aufgaben unsres Vereins als Konsumenten- Organisation". Referenten: Herr Rechtsanwalt Max Steinschneider, Herr Simon Katzenstein, Herr L. Breslaucr. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung bittet um recht zahlreichen Besuch Ber Vorstand. � � lenilä Cigaretten! 14L* A Jede Mir zu reiuigenkostet bei mir unter Garantie nnr 1,50 Rh., aufter Bruch. Kleine Repara turen billiger. Tz-nnrlnge in jedem Gold und DoublS zu billigsten Faeonprcisen in Zeder Preislage und Rummern stets am Lager. Grostes Retten-I,nger zu allen Preisen. 4712L* Lmil Kstkert, Uiiititsokel ünU Goldarbeiter, Androns-Strasse 62.— Frnnkftarter Allee 118. Willy Reinhard Dciliisl, pühcr Tech», i. d. hies. königl. Universitäts-Klinik, BeTlIii 8.. rr!iiM-8tra8R M, Ecke Wassertborstraße. Sprechft. 3— 1, 3—7, Sonnt. 9—1. Zahnersatz eig. ges gesch. Verfahren Nr. 176,312, sestsitzend— haltbar— naturgetreu! sowie bis zur feinst. Ausführung in jeder Methode u. Preislage. Umarbeitung, Reparatur sofort. Plomben, Zükne und Zahnziehen für Unbemittelte z. Klinikpreisen. Steine Kösesorie erführt eine solch glänzende Beliebtheit, wie mein BM!!il!tuM-lkgs!Aur.j-!l!ise wegen seines sich stets gleich bleibenden, hochfeinen, fetten und nie entlsid. Ge- jinackes. 4'/�Ko. Netto.(6 Stück») osttollo in stanlolpackung, fr. Nach» nähme M. 5,—. B. Maltch Nachr., Memmingen(daher. Allgäu). Albreehts Bäckereien: Wrangelftr. 135, Krautstraste 19, Kalckensteiustr. 28, Lansttzcrstr. 2. Martthalle Pücklerstr., Stand 222/23. Markthalle AndrcaSstr., Stand 16/18. Centrale: Bo�hagcnerstr. 13. Niederlage der 56762* Hautabak-?abrik Nottrodt& Comp., Kleinwerther bei Nordhausen. General-Vertreter: Semharil Sfömpet, Berlin MO., Immanuel-Kirch str. 21. 200 Mark Belohnung l Ein Brillant, Gold gesastt. Sonn- abend verloren vom Kuriürstendamm, Ubland- bis Meicr-Ottostrage. Finder erhält obige Belohnung Shirsürsten- dämm 30, Portier. 540b Deutscher Metallarbeiter-Verband. Terwaltnngsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15. Zimmer t— 5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt lV, 3353. Mittwoch, 24. August, abends 8'/, Uhr, im Dresdener Garte«, Dresdrnerstr. 45: der V ensammlnngr Gold-««6 Silberarbeiter nnb verwandten Berufskollegen. TageS-Ordnung: 1. Unsre Statistik. 2. Diskusfion. 3. VcrbandSangeicgenheiten. Da in dieser Versammlung die Einziehung der Fragebog«» stattfindet, werben die Kollegen ersucht, recht zahlreichen erscheinen. 119/18 1c Ortsvcrwaltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Kroilche der Modell- mid Fobribiisililn. Donucrsiag. 25. August, abendö 8'/, tthr, Gnrtenstr.«: bei Herrn Schnzldt, Braiicheii»Versaitimltin£. TageS-Ordnung: 1. Die AuSiperrung der Former und ihre Folgen für die Berliner Eisenindustrie. Referent: Genosse A. Hörsten. 3. Wcrkstattdisserenzen. 3. Verschiedenes. 88/12 Da bereits auch einige untrer Kollegen von der SluSsperrung vetrossen, erwartet die Kommission daS Erscheinen säinilicher Kollegen. Mittwoch, den 24. Bnnor, panhow* August, abends 7 1 Schloff ftraste 2 Geiientliche Rolzarbeiter-Versammltmg. TagrS. Ordnung: Stand unfver Lohnbewegung. Sämtliche in Pankow wohnende»md arbeitende Kollegen sind hierzu eingeladen. I. A.: DerObmann. Sit sdsloftil rilhig, wenn Sie gegen Wanzen nebst Brut Reicheie„Verstlrktes Wanzenfluid" anwenden. Einziges Specialmittel von untahlbarer Wirkung, worüber tausende Anerkennungen. Nur echt u. wirksam in Lrig.-Fl. mit ,, Tod u. Teufel" 50 Pf., 1,—, 2,— u. Literfl. 5,—. Sprüh- ap parat 50 Ps. Erfolg garantiert. Otto Bclchcl, Lieferant für Armee und Marin«. Berlin, Eisenbahnftr. 4. T.-Ql. IV 646 u. 8190._ Aclitong! AM" Putzer!"MW Aclitang! Centratoerband der Maurer Deutsehlands. Zweigverein Berlin —............ Sektion Pntzer. Sounabend, den 27. August, in den Grsam träumen deS„Berliner Prateri", Kastanien-Allee Nr. 7— S: XIV. Stittunxs-�est bestehend Konxert, Theater unä Lpecialitäten-Vorstellunx. Im großen Saale ESiULL.«_ 1' Die Pansen«erden durch Gesangsoort.igr des Gcsnngrerolns der rnt�er ausgefüllt. Ble HoKcchitehQ ist von S llhr nn geöffnet. __ Ist von 8_____ BilletS für Herren a 50, für Damen a 25 Ps. Inllufice Tanz find bei Rosenthaierstt. 57 zu haben.— Um zahlreichen Besuch bittet den Bezir'kSsührern und im Bureau Bns Komitee. • mVi chinai«v l�n�vonef Der»im KaUerliclies Patentamt, Gltschinerstraßr, stjs auf weiteres für orgauisterte Putzer gesperrt. Ble örtllehc Verwaltung, g. A.: B. ffenmann. Central-ferliaiiil der Maurer Zweigverein Berlin. Hachrnf. Am Freitag, den 19. August 1964, verstarb nach langem schweren Leiden unser treuer Kollege, der Maurer Trih Fischer im Alter von 29 Jahren an der Proietarier-KrankheiL Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 148/11 Der Borstand. Am Sonntag früh um 1'/,'Uhr enischiies nach langem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann, der Rostaurateur Riietolf Ihloff im 48. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen: Frau Auguste Ihloff. Die Beerdigmrg findet Mittwoch- nachmittag 5 Uhr von der Leichen- halle des HL Kreuz-Kirchhoses in Mariendorf aus statt. 559b Danksagung. Für die herzliche Teilnahme an meinem Schmerze und der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich allen Freunden, Belannten und Verwandten, besonders den Kollegen der Firma Lüben u. Buhse und dem Gesang- verein.Norddeutsche Schleife' meinen herzlichen Dank. 48L Die trauernde Witwe Ann» Kuhnert. Banksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung des infolge eines Unglücks so früh aus dem Leben ge- schiedenen Bauarbeiters Gnstav Hobelt sagen wir allen Freunden, Bekannten, sowie der Firma Boswau u. Knauer und den Mitgliedern des Bau- und Erdarbeiter- Verbandes misren innigsten Dank. 556b Im Namen der Hinterbliebenen Heinrich Hobelt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unsre» guten Vaters, des BnchdruckereibesttzerS Robert Arneiung lagen wir allen Freunden und Be» kannten und den Vereinen, insbesondre dem Gesangverein.Freie Liedertafel* unsren herzlichsten Dank. Clara Arneiung, geb. Kiesewetter, nebst Kindern. 5396 Danksagung. Für die rege Beteiligung und Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau Karle Döslerhöft sage allen Verwandten, Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Schwintzer u. Gräff, sowie Kramme einen besten Dank. fiai Der trauernde Gatte Brnno Bttsterhöft. me Kranz- nnb gllntnrnbtnM von Robert Meyer,. nnr Mariannkn-Straße 2. Vereins-Kränze, Painien- u. Blumen- Arrangements, BouquetS, Guirlanden -usw. werden sein u. preiswert gelieserij Migmio„Mr M. d.«rb.-S.-B. Der Zahlabende wegen haben wir unsre UebungSstunden von Mittwoch aus Donnerstag verlegt. Stimm- begabte Herren, welche gewillt find. dem Berein beizutreten, finden freund- Itche Ausnahme DmmerStag« von 9—11 Uhr in der UebungSswnde bei Lehmann, Usedomstr. 27». 466b «-»-» KenGiißen ist Reichels Keiichhuften- Saft au» der wildwachsenden schwarzen Johan» niSbeere daS wirksamste und unschäd» Ilchste Mittel. Echt nur w a 56 Ps. u. 1,— bei Otts Berlin 43, Eisenbahnftr. 4. elchsl, Verantw. Nedakteur: Pa»l Büttner, Berlin. Für den Jnstratenteil verantiv.: TH. Glocke, Berlin. Dnick u. Verlag: Vorwärts KuKdru�erei u. Berlagscmftalt Uyul Kmger& Co., Berlin SW, 1. 197. 21. 2. Jrilnp te.lontiitts" Strliiict WliÄR Dienstag, 23. August 1904. Parteigenossen! Der Bercin socialdemokratischcr Gast- und Schankwirte Berlins und Umgegend hat beschlossen, zur Gründung eines Verbandes socialdemokratischer Gast- und Schaukwirte Deutschlands eine Konferenz am Mittwoch, den 7. September 1904, vormittags 9 Uhr, in Berlin bei B. Franke, Sebastianstr. 39, einzuberufen. Provisorische Statuten- Entwürfe sowie Flugschriften find Euch allen, soweit uns Adressen zur Verfügung standen, zugegangen. Wir bitten Euch nun, unverzüglich zu unserm Aufrufe Stellung zu nehmen und den Unterzeichneten Eure Beschlüsse sofort mit- zuteilen. Kollegen allerorts! Thut Eure Pflicht und Schuldigkeit, agittert für uusre Besttebungen und versucht, alle Kollegen, die sich Social- demokraten nennen, für unsre Sache zu gewinnen. Wir bitten Euch, uns so bald wie möglich mitzuteilen, ob Ihr gewillt und in der Lage seid, unsre Konferenz zu beschicken. Alle Anftagen find zu richten an Karl Hoffmann, Berlin W.— Schöneberg, Maxstr. 25. Die deutsche Arbeiter- und Gewerlschastspreffe wird um gefälligen Abdruck gebeten._ Schutzzollpolitik und soeialdemokratische Arbeiterpolitik. VI. Ter grohe Rückzug. sSchlufiartikel.) Nachdem wir Schippeis Darlegungen in ihren Hauptzügen kennen gelernt haben, konunen wir zum Schluß. Resümieren wir nochmals, zu welchen Ergebnissen er in seinen Ausführungen gelangt: !. Schippel tritt für industtielle Schutzzölle ein, begründet aber selbst in längeren Ausführungen die Ansicht, daß nach der Ent- Wicklung, welche die mitteleuropäische Zoll- und H jr ndelSpolitik während der letzten Jahrzehnte genommen hat, ein Jndustrieschutz ohne Agrar- schütz nicht möglich ist, daß vielmehr beide eng .erkunden sind, ja daß heute, im Gegensatz zum früheren Protektionismus, die Lebens- und Triebkraft des Schutzzollsystems gerade in den Agrarzöllen ruht und der»Agrarschutz den festen Mittelpunkt unsrer sd. h. der mrttel- europäischen Handelspolitik) überhaupt' bildet. Und diese Tendenz der neueren Zollpolitik, dieie Vereinigung von Industrie- und Agrarzöllen gilt ihm unter den heutigen Umständen — innerhalb der bürgerlichen Gesellschafts- ordnung Mitteleuropas—.als eine Notwendigkeit und darum eine Politik v o n enormer Lebenskraft, keine vergängliche Laune des Zufalls und kein flüchtiges Erzeugnis der- gänglicher personeller Einflüsse"(Nr. 159 der„Volksstimme" vom 12. Juli 1904, 4. Spalte). 2. Schippel erklärt, indem er sich zugleich selbst für die Ab- schließung von Handelsverträgen sTarifverttägen) erklärt, daß wer Handelsverttäge will, auch für Zölle sein muß, und flvar unter besonderen Umstanden auch für Agrarzölle. Und diese be- anderen Umstände, unter denen auch Agrarzölle erforderlich sind, charakterisiert Schippel in der„Bolksstimme" vom 10. August, zweite Spalte, folgendermaßen: .In der gesamten Parteipreffe war stets durchgängig zu lesen, Handelsverttäge mit Agrarstaaten wie Rußland, den Balkanländcrn, auch mit Oesterreich-Ungarn, Italien, den Vereinigten Staaten. Teufel oder gar andre„böse Geister" es waren, welche sie ausstießen! Viele sollen sich diese günstige Gelegenheit der freien Meinungsäußerung nicht haben entgehen lassen. Als die Geister einmal durch Ver- Mittelung eines Mädchens sich höchst ungünstig über eine Schwester äußerten, wurde diese entlassen...." „Der Ton unter den Mädchen war meist ein höchst gemeiner und frivoler. Bessere, kindlichere Mädchen wurden sehr bald mit angesteckt. Es waren unter den vielen Schwestern nur einzelne. die im stände waren, etwas bei den Mädchen durchzusetzen. Im übrigen wetteiferten die Schwestern gewissermaßen um den größten Anhang unter den Mädchen. Es herrschte allgemein starke Be- vorzugung der einzelnen. So hatten sich recht sonderbare Ver- Hältnisse herausgebildet: man nannte sich„Muttchen" und „Kindchen".„Muttchen" war die Schwester,„Kindchen" daS Mädchen. Man saß sich gegenseitig auf dem Schoß, liebkoste sich. und war unzertrennlich.„Muttchen" sorgte unbedingt für ihr „Kindchen",„Kindchen" hingegen gehorchte außer der Oberin keiner andern Schwester, sondern nur ihrem„Muttchen".— Sonntags erging man sich paarweise fest umschlungen im Garten und sprach vom Heiland und sonstigen erbaulichen Dingen." „Die Zeit am Montag' teilt noch mit, daß die frühere Oberin Cäcilie Peters in Lichtenrade ein neues Heim für ge- fallene Mädchen begründet habe. Hoffentlich werden in dem Falle, daß die Meldungen des BlatteS sich bewahrheiten sollten, dieser Dame, von der Stadt Berlin keine Mädchen als Besserungs- objefte zugewiesen. Die Teufelsaustreiberei kann an sich ja kaum noch Verwunderung erregen in einer Zeit, wo die höchsten Kreise der Gesellschaft in Gesundbeterei machen, wo der bedenklichste Kirchenbau spart in Blüte steht und die Religion von ge- wissen frommen Leuten zu einem Zerrbild verkehrt wird, das in seiner Fratzenhaftigkeit an das dunkelste Mittelalter erinnert. Die Polizei für die Große Berliner. Der kürzlich erschienene Verwaltungsbericht de» Magistrats, dessen Inhalt, wie wir be- merkten, total veraltet und längst überholt worden ist(die von einigen Blättern mitgeteilten Verhandlungen und Beschlüsse der Verkehrsdeputation datieren aus dem Jahre 190011), enthält doch ein N o v u m, über welches seier Zeit merkwürdigerweise keinerlei Mitteilungen in die Oeffentlichkeit gelangt sind: es ist dies eü» Ergänzungsvcrfahrcn, welches die Straßenbahn-Gesell- schaft gegen die Stadt beim Obcrpräsidentcn beantragte, weil die letztere zur gänzlichen Beseitigung des Accumulatoren-Betriebes ihre Zustimmung nicht erteilen wollte. Infolge der winterlichen Betriebsstörungen war der Gesellschaft städtischerseits gestattet worden, die Accumulatoren-Streckcn erheblich abzukürzen und Ober- leitung zu benutzen. Angesichts dieses der Gesellschaft gezeigten Entgegenkommens, so heißt es nun in dem Bericht, mußte um so mehr die Mitteilung überraschen, wonach ohne Rücksicht auf die entgegenstehenden Bestimmungen des Vertrages und ohne daß den Gemeindebehörden auch nur Gelegenheit zur Aeutzerung gegeben worden wäre, auf Anordnung des Kaisers der Gesellschaft durch landespolizciliche Verfügung aufgegeben worden war, den Accumulatorenbetricb wegen seiner Unzulänglichkeit und Unwirt- schaftlichkeit zu beseitigen und durch direkte Stromzuführung zu er- setzen. Der Magistrat sah ein, daß das allein zulässige Rechtsmittel einer Beschwerde über die polizeiliche Verfügung an den Minister der öffentlichen Arbeiten ohne jeden Erfolg bleiben würde, um so mehr, da sachlich anerkannt werden muhte, daß das Accumu- latorensystem nach dem heutigen Stande der Technik billigen An- forderungen nicht genügt; man trat daher in Verhandlungen darüber ein, welche Gegenleistung die Gesellschaft für die Mehrbelastung der Straßen(durch Oberleitungsmasten usw.) gewähren wolle; eine Einigung kam aber nicht zustande; die Gesellschaft berief sich auf die Kosten der Accumulatoren und auf die Tatsache des Polizei- lichen Zwanges zur Acnderung des Betriebs- f y st e m s,„obwohl sie doch selbst die Aenderung veranlaßt hatte". Es kam zu einem Ergänzungs-Verfahren, in welchem schließlich unter dem Drucke der durch das Eingreifen der Staats- behördc geschaffenen Zwangslage die Gxmeittdebehörden sich zu einem Vergleich ensschlossen, nach welchem sie der Aenderung des Betriebssystems zustimmten, während die Große Berliner Straßenbahn eine Gebühr von einer Mark für den laufen- den Meter der vertraglichen Accumulatorenstrecken jährlich zu zahlen sich verpflichtete; es entspricht dies einer Jahresabgabe von rund 20 OOOMark. Der Bericht bemängelt einerseits, daß in der Polizeiverfügung auf die llnwirt schaftlichkeit verwiesen werde:„in einer Frage des Ausgleichs der einander widerstreitenden Interessen der beiden im Vertragsverhältnis stehenden Parteien hatte die Staatsbehörde, ohne auch nur die Stadtgemeinde zu hören, zu Gunsten der Straßenbabn-Gesellschaft entschieden." Andrerseits hebt der Bericht hervor, daß nicht die Betriebsänderung an sich, sondern die„Form des Vorgehens der Straßenbahn- G e se l l s ch a f t und die Form des auf die Bestimmungen des Kleinbahngesetzes gestützten Eingreifens der St a a t s- b e h ö r d e" es war, welche in den Gemeindebehörden und der Bürgerschaft Unwillen und Mißtrauen im höchsten Grade erregte n." Zwei Hafenprojckte sind von d«: Berliner VerkehrZdeputation in Angriff genommen worden. Das eine bettifft die Anlage eines großen Hafens mit Speicher, Geleisanschlüssen zc. am Stralauer Anger am Oberbaum und das andre die Anlegung eines großen Hafens im Westen, in der Gegend der Plötzenseer Schleuse. Dieser würde notwendig werden, sobald der geplante Ausbau eine? Groß- fchiffahrtskanals Berlin— Stettin zu stände käme. Die wegen der Erwerbung des erforderlichen Geländes angeknüpften Verhandlungen sind aber au den übertriebenen Forderungen der Grund- besitzer gescheitert und muß evenwell ein andres Projekt ausgearbettct werden. Dies Projekt hat eine weitere Förderung mit Rücksicht auf die Behandlung der Kanalvorlage im Landtage nicht erfahren. DaS andre ist dagegen seiner Verwirklichung näher gerückt. Die Ver- Handlungen mit dem Stromfiskus sind zu einem günstigen Ergebnis geführt.— Der Fiskus hat sich mit dem Hafenprojekt einverstanden erklärt und insbesondere sich bereit gefunden, die für das Unter- nehmen in Anspruch zu nehmenden Sprccflächen zu angemessenem Preise der Stadt zu überlassen, lieber die Art des Anschlusses— entweder direkt an die Ringbahn oder an den Schlesischen Güter» bahnhof— fanden Besprcchimgcn zwischen den Vertretern der städtischen Behörden, der Kaufmanschaft und der Eisenbahnverwaltung statt. Man entschied sich schließlich für den Geleisanschluß an die Ringbahn, der eine schnellere Beförderung der Güter ohne weiteres Umrangieren verspricht. Bei diesen Verhandlungen wurde auch darauf hingewirkt. daß der Hafenbahnhof zu einer Tarisstation gemacht werde und nicht noch eine besondere UebcrführungSgebühr erhoben werden kann. Die Eisenbahnverwaltung hat einen alle diese Ver- Hältnisse berücksichttgenden Kostenanschlag für das Anschlußgeleis:c. ausgearbeitet. Ferner wurde vom Stadtbaurat Krause ein Hafen- Projekt mit umfangreichen Speicher- Anlagen vor- gelegt und sowohl den Acltesten der Berliner Kaufmann- schaft als auch der Berliner Handelskammer zur Prüfung und Aeußerung hinsichtlich des Unifanges und der Lage der Speicher sowie der finanziellen Beteiligung vorgelegt. Diese Verhandlungen sind so wett fortgeschritten, daß ein günstiges Endergebnis mit Sicherheit zu erwarten ist. Der Umstand, daß die Stadtgemelnde nur geringe Flächen für diesen Hafen zu erwerben nötig hat. weil sie den sogenannten Stralauer Anger, längs der Stralauer Allee zwischen dem Oberbauni und der Ringbahnbrücke, ein ausgedehntes und geeignetes Ufergelände von Alters her befitzt, kommt diesem Projekt ganz besonders zu statten. Professor Albert Landerer ist am Sonntag zu Gargellen in der Schweiz g e st o r b e n. Der bekannte Chirurg war von Schöneberg auserseheu worden, das dort geplante städtische Krank« nhauS zu leiten. Erst 50 Jahre alt ist er nach zehntägigem Krankenlager einer Nierenschrumpfung erlegen. Als Sohn des Professors der Theologie Landerer zu Tübingen geboren, begann er im Jahre 1874 seine medizinische Laufbahn als Assistenz am Anatomischen Institut zu Leipzig. Vom Jahre 1879—82 arbeitete er unter ThiersÄ am Städtischen Krankenhause in Leipzig, wo er sich dann als Prwat- docent habilitierte und 1389 außerordentlicher Professor winde. Fünf Jahre später wurde Landerer nach Stuttgart berufen, um die Leitung des Karl-Olga-Krankenhauses zu übernehmen. Als im Jahre 1902 Schöneberg die Stelle eines Direktors für sein neues Kranleichaus ausschrieb, fiel die Wahl unter 81 Bewerbern auf Landerer. Er siedelte alsbald nach Schöneberg über, um bei der Einrichtung des Krankenhauses dem Magistrat mit seinem Rat zur Seite zu stehen. Die Eröffnung der Anstalt wird erst im Frühjahr nächsten Jahres stattfinden. Landerer hat aus dem Gebiete der Chirurgie auch eme große litterarische Thätigkeit entfaltet und einige 40 Schriften tragen seinen Namen. Dem großen Publikum ist er iedoch erst bekannter geworden, als er mit einem Mittel zur Bekämpfung der Zungen- tuberkulöse, der Hetol-Behandlung, hervorttat, em Mittel, das ui der medizinischen Welt zu lebhaften Kontroversen stchete..Jtn Krematorium zu Zürich wird die Leiche verbrannt und c ic Ume m Gargellen, dem Besitztum der Familie, beigesetzt werden. Städtische Miistcrbettiebe. Der Verband städtischer Arbeiter schreibt uns: Wie mitunter Beamte der Stadt Berlin das gute Einvernehmen zwischen Arbeiter und Arbeitgeber zu fördern suchen. wurde in einer Versammlung der stadttschen Gasarbeiter der Anstalt M ü l l e r st r a tz e recht drastisch gezeigt. In diesem Betriebe besteht M««n sich löbliche Einrichtung, baß während der stillen Geschäfts- Periode täglich eine Anzahl Arbeiter aussetzt, wodurch weitere Ent- lassungen längere Aeit dort thätiger Arbeiter verhindert werden. Da aber eigentümlicherweise von dieser Maßregel nur ungefähr die Hälfte der weiterbeschästigten Arbeiter betroffen wurde, veranlaßten diese den Arbeiterausschutz, beim Dirigenten dahin vorstellig zu werden, daß alle Arbeiter gleichmätzig zum Aussetzen herangezogen werden. Dieser berechtigte Wunsch hatte zur Folge, datz, während bisher 20 Mann aussetzten, jetzt Plötzlich gegen 40 Mann nach Hause ge- schickt wurden und damit auch der Zweck, datz der Einzelne seltener zum Aussetzen gelangt, vereitelt wurde. Aber damit nicht genug. Den Arbeitern wird jetzt bei jeder passenden Gelegenheit vom Platzmeister bis herab zum Kassenboten und Klosett- reiniger vorgeredet:„Seht, das habt Ihr dem Arbeiteransschutz zu verdanken I" Diese schon häufiger beobachtete Taktik, die Arbeits- kollegen gegen den Ausschutz aufzuhetzen und die Arbeiter gegen ein- ander auszuspielen, hat auch diesmal ihren Zweck erfehlt. Die Ver- sammelten sprachen dem Arbeiteransschutz einstimmig ihr Vertrauen aus. Bestärkt wurden die Arbeiter noch darin durch die Art und Weise, wie der Dirigent des Betriebes jetzt wieder die„Bestrafung" der Verfehlungen vornimmt. So wurde ein Ausschutzmitglied mit 1 M. Strafe belegt, während drei an jener Missethat Beteiligten nur 2S Pf. berappen mutzten. Ueberhaupt bildet der„Straf- Vollzug" eine der beliebtesten und gangbarsten Matznahmcn auf den Berliner Gasanstalten, und während man sich in den miserabelsten Privatbewicben jener durch die Gewerbenovelle zulässigen,„un- würdigen Behandlung" mehr und mehr entledigt, schietzt diese Gift- pflanze in den Betrieben unsrer Stadt gar zu üppig empor. Die Spree- Havel- TampfschiffahrtS- Gesellschaft„Stern" be- abfichtigte, einen Schnellverkehr mit kleinen Motorbooten auf den Wasserläufen innerhalb Berlins einzurichten. Da alle Vor- bedingungen für einen fast das ganze Jahr hindurch flotten Verkehr gegeben sind, so war der Magistrat bereit, das Unternehmen zu fördern, Anlegestellen zu errichten und der Gesellschaft gegen eine angemessene AnerkennnngSgebühr zu überlassen. Das Projekt mutzte scheitern, als der Fiskus und die Strompolizei Schwierigkeiten, be- fonderS in Bezug auf die Schnelligkeit der Boote bereitete. DaS Elend der Schiffer. Unterhalb Brandenburg hat der Wasserstand der Havel so bedeutend abgenommen, datz die Schiff- fahrt abermals hat eingeschränkt werden müssen. Die Kähne kömien nur noch bis zu SO Centimeter Tiefgang beladen werden. Sehr diele Kähne mit grötzerem Tiefgange mutzten unterwegs leichtern; andre blieben liegen und sind infolge der Hitze, da sie fast ganz auf dem Trockenen liegen, infolge. SpackwerdenS" in Gefahr, bei plötzlichem Hochwasser leck zu werden. Ein Teil der Schiffer ist ruiniert. Vierhundert Berliner Reservisten der Jahrgänge 1898 bis 1300 wurden gestern vom Bezirkskommando II auf vier Wochen dem XVIL Armeecorps zugeführt, bei dem sie auch am Herbstmanöver teilnehmen sollen. Zwei Wechsclschwindlcr treiben gegenwärtig ihr Unwesen in den westlichen Stadtteilen und bringen einen alten Trick mit gutem Erfolge von neuem zur Anwendung. Sie besuchen meist Cigarren- geschäste, in denen sich nur ein Verkäufer befindet. Zunächst betritt nur der eine der beiden Schwindler das Geschäft, kauft eine Kleinigkeit und giebt ein Zwcmzigmarkstück in Zahlung, sich dabei mir dem Verkäufer unterhaltend. Während letzterer auf das Geld- stück herausgiebt, kommt der zweite Betrüger hastig in das Geschäft herein, läßt sich mehrere Sorten Cigarren zeigen und plaudert dabei ebenfalls mit dem Verkäufer. Während dieser Zeit nimmt der zuerst Eingetretene sowohl das herausgegebene Geld, als auch das Zwanzigmarkstück an sich, um dann schleunigst zu verschwinden. Der eine Schwindler ist etwa 24 bis 27 Jahre alt, schlank gebaut, hat hellblondes Haar und blonden Schnurrbar; der andre ist etwa in demselben Alter und dunkelblond. Durch einen Zufall erwischt ist der schon vielfach vorbestrafte „AbHänger" Karl Bock, dessen Festnahme am Sonnabend in einem Versteigerungssaale der Städtischen Pfandkammer erfolgte. In der vorigen Woche war, wie wir bereits meldeten, dem Handelsmann Linum aus Charlottenburg eine goldene Taschenuhr im Werte von ca. 300 M. gestohlen worden. An demselben Tage wurde einem Bekannten des L., dem Handelsmann K., als dieser den Koppen- platz passierte, von einem ihm begegnenden Manne eine goldene Uhr für 60 M. zum Kauf angeboten. K. kannte zwar den Ver- käufer dadurch, datz er ihn schon mehrfach auf der Städtischen Psandkammer gesehen hatte, ging jedoch auf das Geschäft nicht ein, weil er die Uhr für gestohlen hielt, und thatsächlich stellte sich dann auch später heraus, datz es sich um das abhanden gekommene Eigen- tum des L. handelte. Ter Dieb lieh sich nun eine Zeitlang nicht mehr sehen. Am Sonnabend jedoch wollte er wieder einen Beutezug in der Städtischen Pfandkammer unternehmen und wurde bei dieser Gelegenheit von K. gesehen, der sofort die Kriminalpolizei des 13. Polizeireviers benachoichtigcn ließ. Mehreren Beamten der letzteren gelang es denn auch, den Dieb in der Person des oben erwähnten Bock festzunehmen. Der Briefmarkenhändler Surft. Die nunmehr von der Staats- anwalffchaft geleiteten Ermittelungen gegen den Bricfmarkenhändler Surh fördern immer neues Belastungsmaterial zu Tage und die Voruntersuchung gegen den belgischen Schwindler dürste jedenfalls noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Sury hat allem Anscheine nach den Handel mit den Falsifikaten schon seit Jahren betrieben und scheint eine förmliche Fabrik zur Herstellung von Fälschungen besessen zu haben. Es liegen bis jetzt einige dreißig Anzeigen gegen ihn vor, darunter auch von Fachleuten, die bei ihrer polizeilichen Vernehmung günstig für Sury ausgesagt hatten. Erst nachträglich hatten die Betreffenden erkannt, datz sie ebenfalls von dem Händler bineingelegt worden sind. Zweifellos hat mich der in Brüssel zurückgebliebene Compagnon Kenntnis von den Betrügereien Surys gehabt, jedoch ist leider die hiesige Behörde nicht in der Lage, gegen jenen vorzugehen, weil abgestempelte Wertzeichen von den belgischen Behörden nicht als Handels-Wertgegenstände. sondern lediglich als wertlose Bilder angesehen und aus diesem Grunde Fälschungen von Sammlermarken nicht als solche betrachtet werden. Die gestohlene GanS. In der Laubenkolonie„Samoa" kam vor acht Wochen einem Arbeiter Ratsch aus einem Verschlage nachts eine Gans weg. Da in jener Nacht nur der Kolonist Franz Blatz- mann, ein früherer Steinsetzer, der zuletzt in der Pappel-Allee 101 einen Lumpenhandel betrieb, in seiner Laube geblieben war, so be- schuldigte man ihn. sie gestohlen zu haben. Vergeblich beteuerte er seine Unschuld. So oft er sich in der Kolonie sehen lictz, zeigte man mit Fingern auf ihn und nannte ihn laut und offen einen Gänse- dieb Als ihn gestern nachmittag der Arbeiter Rossin wieder be- schuldinte verbat sich Blatzmann das und es gab nun wieder, wie schon öfter, einen lauten Streit. Hierauf ging der Beschuldigte. während seine 60jährige Mutter und seine Wirtschafterin in seiner Laube blieben, allein in eine unbewohnte Nachbarlaube und schotz si-b aus seinem Revolver eine Kugel in den Hals. Jetzt liefen die Nachbarn zur Polizei und holten einen Arzt. Dieser lictz den Sckwerverwundeten mit einem Lückschen Rettungswagen nach dem �anwnhause an, Friedrichshain bringen, wo er gleich nach seiner Aufnahme starb. Der Einbrecher". Eine große Auftegung gab es gestern- Montag früh in dem Hause Elsasserstr. 3. Im dritten Stock wurde die Frau des Kaufmanns Henlsch durch ein Geräusch am Schlüssel- loch der Wohnungsthür aufgeweckt. Sie weckte ihren Mann und beide schrieen vom Balkon hinunter„H'lfe, Einbrecher! Droschken- kuffcher, die dem Hause gegenüber hielten, holten den Schutzmailn vom Posten am Rosenthaler Thor, dem s'ch bald andre Beamte. Wächter und eine große Menge Nachtschwärmer zilgesellten. Nachdem alle Ausgänge sorgfältig beletzt waren, suchte man das ganze Haus ab und fand endlich einen betrunkenen Handlungsgehilfen, der im vierten Stock ein möbliertes Zimmer ve- wohnt, sich im Stockwerk und in der Wohnung geirrt und etwas Lärm gemacht hatte, weil der Schlüssel durchaus nicht passen wollte.' Nach dieser Entdeckung löste sich die aufgebotene beamtete und frei« willige Sicherheitsmacht wieder auf. der„Einbrecher" legte sich in seiner„richtigen" Behausung zur Ruhe, und auch Herr Hentsch und Gattin versuchten noch einmal einzuschlafen. Traurige Folgen hatte ein Scherz, den Sonntagnachmittag der Tischler K. aus der Falckensteinstratze mit seiner Frau machte. Im Begriffe, mit ihr und seinem eineinhalb Jahre alten Söhnchen Kurt seine Schwiegermutter zu besuchen, nahm er den Knaben an der Hand, zeigte auf seinen Sonntagsstaat und sagte:„Jetzt sind wir beide hübscher als Mama." Die 24 Jahre alte, etwas nervöse Frau nahm diese ganz harmlos gemeinte Aeutzerung sehr übel, fragte ärgerlich, ob sie denn so hätzlich sei, und weigerte sich, den Besuch bei ihrer Mutter noch mitzumachen. Jetzt ging K. mit dem Knaben allein. Nach zwei Stunden kam er zurück. Seine Frau sprach den ganzen Tag kein Wort mehr. Nachdem er sich um zehn Uhr zur Ruhe gelegt hatte, näherte sie sich ihm mit einer Flasche, um ihm Karbol ins Gesicht zu gießen. Er merkte die Absicht noch zeitig und sprang auf, um ihr die Flasche aus der Hand zu schlagen; bevor er jedoch dazu kam, trank sie den Inhalt ans und brach zu- sammen. Der als ordentlich und besonnen geschilderte Mann ließ die innerlich schwer Verbrannte mit einer Droschke nach der nächsten Rettungswache und von dort nach dem Krankenhaufe Bethanien bringen. Spitzbuben haben in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag der Verkaufsstelle Grotz-Lichterfelde der Spar- und Produktiv-Genossenschaft Berlin— Rirdorf einen Besuch abgestattet. Es fielen ihnen ca. S00 M. an barem Gelde in die Hände und außerdem nahmen sie noch einige Kistchen Havannas mit. Da die Genossenschaft gegen Diebstahl und Einbruch versichert ist, erleidet sie leinen Schaden. Beim Spielen mit Streichhölzern die Wohnung in Brand gesetzt haben gestern, Montagnachmittag, in der Gitsckinerstratze 88 mehrere Kinder. Im vierten Stock dieses Hauses hat die Witwe C. Bischof mit ihren vier im Alter von zwei bis neun Jahren stehenden.Kindern eine kleine Wohnung inne. Um den Lebensunterhalt zu erschwingen, ist die Frau gezwungen, den ganzen Tag über außer dem Hause zu arbeiten, und so sind sich ihre vier Kindex während dieser Zeit ganz allein überlassen. So war es auch gestern. Dabei machten sich zwei derselben niit Streichhölzern zu schaffen und im Nu hatten sie ein Sofa in Brand gesetzt. In wenigen Minuten stand nun die ganze Hinterstube in Flammen; die Fensterscheiben flogen klirrend auf den Hof hinab. Bestürzt eilten Hausbewohner herbei und brachten noch glücklich die Kinder aus der brennenden Wohnung ins Freie, während andre für die sofortige Alarmierung der Feuerwehr sorgten. Diese rückte in großer Stärke an. Der elfte Löschzug aus der WilmSstratze errichtete sofort an der Häuserftont eine große mechanische Leiter und sorgte durch Einschlagen der Vorderfenster für Abzug des erstickenden Qualms. Die Flammen Ivaren auch schon auf die Hinterstube und Küche übergesprungen, konnten aber innerhalb einer halben Stunde erstickt werden. Die beiden Zimmer sind zum größten Teil allSgebrannt und ist der Schaden für die Witwe B. sehr empfindlich, da sie nicht versichert ist. Fcuerbericht. Sonntagabend gegen 8 Uhr wurde die Wehr nach der Kaiserftratze 23 gerufen, weil hier in dem Laden eines Putzgeschäftes auf noch nicht ermittelte Weise ein Feuer aus- gekommen war, das einen größeren Umfang anzunehmen drohte. Es entstand in einem hinter dem Laden liegenden Raum und wurde erst bemerkt, als die Flammen bereits den größten Teil des Laden inventars ergriffen hatten. Da der Geschäftsinhaber nicht anwesend war, mutzte sich die Feuerwehr durch Einschlagen der Thören Ein- gang in den brennenden Raum verschaffen. Mit einer Schlauch- leirung gelang es dann, das Feuer auf den Laden zu beschränken.. Kurz darauf mutzte in der Marienstratze 26 ein größeres Feuer beseitigt werden, das auf dem Boden des Hauses entstanden war und bei Ankunft der Wehr auch schon auf die Dachkonstruktion übergesprungen war. Es mutzte tüchtig Waffer gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen.— In der Secstratze war eine allein- stehende Pappel und in der Triftstratze ein Haufen Heu auf freiem Felde in Brand geraten.— Allerlei Gerümpel und alter Hausrat hatte später in der Swinemünderstratze 70 in einem Keller Feuer gefangen.— Ein zweiter Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Kopernikusstratze 6 kurze Zeit.— Nach der Markthalle II in der Lindenstratzc wurde die Wehr gerufen, weil dort Kurzschluh in einer elektrischen Bogenlampe erfolgt war.— Ein Posten Müll brannte zur selben Zeit auf dem städtischen Müllabladeplatz in der Gotzler stratze, während in der Krautstratze 7 ein Feuer abgelöscht werden mutzte, das den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Die übrigen Alarmierungen, die noch im Laufe der letzten 24 Stunden einliefen, waren auf„blinden Lärm" zurückzuführen. Die Briefmarken-Ausstellung, die am Donnerstag im Architekten- Hanfe eröffnet wird, hat aus aller Herren Länder Postwertzeichen hierher gelockt. Was ein solches Wertzeichen ist und in welch' aus- schweifendem Sinne ihm sein Name zukommt, das kann derjenige. der keine Marken sammelt oder diesen Sport nur nebenher in Ge< mcinschaft mit seinen Kindern treibt, gar nicht begreifen. In so einer ausstellungsreifen Briefmarkensamnilung steckt ein Stück Lebensarbeit. Die Menge geht stumm an den Sammler und seinem Werk vorüber; und eine blasse Ahnung von den schlaflosen Nächten, die eine einzelne Marke in sich schließt, haben vielleicht nur die wenigen, die ihre Kraft ausschließlich in den Dienst einer großen Idee stellen, einem nützlichen Ziel ihre Lebensarbeit weihen. Mögen auch diese Erlauchten dem Sammler mit dem Lächeln des Muleids begegnen, so sind sie allein doch befähigt, ein Wirken einzuschätzen, das dem ihrigen entfernt ähnlich ist. Kann ein gewöhnlicher Mensch sich aber vorstellen, datz eine Briesin arkensammlung, und dazu noch eine, die sich nur auf ein cinzelneS kleines Land konzentriert, ihre achzigtausend Mark gekostet haben kann? Am Sonnabend zeigte ein Herr Koning aus Amsterdam seine auf sechs Albums verteilten Schätze, die ihm oder vielmehr seinem Auftraggeber, einem fabelhaft reichen Millionär, die erwähnte Summe gekostet haben. Aber was ist auch alles in dieser Sammlung vertreten! Sie beginnt mit Briefen vom Jahre 1600 an, enthält weiter ein Objekt, daS als untrügliches Zeichen dafür gilt, datz man bereits im Jahre 1757 die Briefe auf der Post abstempelte und zeigt dann allmählich die Briesinarken des Landes und seiner Kolonien, deren erste 1852, also erst zwölf Jahre»ach der Einfiihrung der Briefmarken in England erschienen sind. Was aber ist dafür auch alles in die dicken Bände eingeklebt worden l Unser Holländer schilt auf die PostVerwaltung seines Vaterlandes; er hält sie für nach- lässig und ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Nicht etwa, daß ihr an- vertraute Briefe verloren gingen. Aber sie sorgt nicht dafür, daß die blauen Marken ünmer das richtige, ursprüngliche Blau auf- weisen, und da hält denn der Sammler eS für seine Aufgabe, der Behörde, auf zwanzig verschiedene Nüanceli von Blau gestützt, gehörig den Standpunkt klarzumachen. Holland ist durch sein Phlegma be- kannt, und dieser gewiß auch auf der Post zu findenden Eigenschaft hat Herr Koning es zu danken, datz ihm nicht der Ouerulanteiwrozetz gemacht wurde und er ohne amtliche Beschädigung davonkam. Zur ewigen Schmach Hollands sind aber die zwanzig Nuancen von Blau dem großen Album einverleibt worden Es geht nicht an. alle die Kuriositäten aufzuzählen, die von Herrn Koning gesammelt worden sind und die 300, 500, ja 1200 Gulden das Stück gekostet baben und dazu noch etliche Reisen nach London. DaS einzige Land nämlich, wo man den Wert von Briefmarken-Kuriositäten zu schätzen weiß, ist England. Dort wird der philatelistische Fetischdienst am inbrünstigsten geübt; was Deutschland betrifft, so müssen die nächsten Tage erst lehren, ob es der Ehre, die ihm mit der Postniarlen-AilSstellung bereitet wird, auch wirklich würdig ist. Auf der Rad-Rcnnbah» in Friedenau ging es am Sonntag hoch her. Schon bald nach Mittag wagten sich mutige Männer und Frauen in die Bahn und in der vierten Stunde war ein Gedränge gleich Mord und Totschlag. Wohl nie vorher war es draußen bei schönem Wetter so voll wie borgestern, wo der Große Pr«i> von Berlin nicht allein für Steher, sondern auch für Flieger ausgefochten wurde. Vorweg sei bemerkt, datz im Steher-Rennen um 100 Kilometer abermals R o b l Erster wurde. Mühelos machte er in der siebenten und achten Abendstunde einen neuen Rekord für die Friedenauer Bchn mit einem Stundenergebnis von 74 Kilometer 415 Meter und schlug damit glänzend seine Gegner Denike, Champion und Hall. DaS Flieger-Rennen brachte dem Amerikaner L a w s o n den Sieg. Dieser hatte in einem Rennen am Mittwoch sich mit Arend die Startberechtigung erworben; zu beiden gesellte sich am Sonntag noch Huber, der Ellegard, Rütt und Bader schlug. War es etwas Neues, auf der Friedenauer Bahn nach langer, langer Pause auch wieder einmal ein Flieger- Rennen grötzeren Stils zu erleben, so wurde die Freude doch durch die Weitläufigkeit des Programms beeinträchtigt, das sich auf 15 Nummern für die Flieger verzettelte, wobei die Entscheidungen sich auf drei Läufe verteilten und so eine gewisse Teilnahmslosigkeit beim Publikum hervorriefen. Zum Glück liefen die Rennen ohne Unfall ab; die Samariter jedoch hatten allerdings Hilter den Zu- schauerinnen bei etlichen Ohnmachtsanfällen mehrfach Hilfe zu leisten. Im einzelnen verliefen die Rennen wie folgt: Großer Preis von Berlin für Flieger. 2000, 1000, 500 M. Hoffnungslauf: 1. Huber. 1. Endlauf: 1. Lalvson; 2. Arend, Hand- breite; 3. Huber, dichtauf. 2. Endlauf: 1. Lawson; 2. Huber, 1/2 Länge; 3. Arend, aufgerichtet. 3. Endlauf: 1. Lawson; 2. Arend, 1"Länge; 3. Huber. dichtauf. Gesamtresultat: 1. Lawson, 3 Punkte. 2. Arend, 7 Punkte. 3. Huber. 8 Punkte. Entschädigungsfahren. 1. Bader, 4 Punkte. 2. Ellegard, 6 Punkte. 3. Rütt, 8 Punkte. Hauptfahren für Klasse 2. 1. Scheuermann. 2. Theile. 3. Wegen«. 4. Hellcmann. Handicap. 1. Wegener(30). 2. Krause(40). 3. Scheuermann(0). 4. Theile(30). Trostfahren. 1. Möder. 2. Freudenberg. 3. Axel Hansen. Tandem-Rennen der Extraklasse. 1. Huber-Rütt und Scheuer» mann-Bader mit je 3 Punkten. 3. Arend'Lawson mit 6 Punkten. Prämienfahren. 1. Theile. Prämien erhielten Hellemann, Krause, Axel Hansen, Freudenberg, Wegener. Tandemfahren. 1. Krause-Althof. 2. Axel Hansen-Hellemann. 3. Jähnel-Wegener. Großer Preis von Berlin für Steher. 4000, 3000, 2000, 1000 Mark. 1. Robl 1: 20: 552. 2. Demke, 5620 Meter, 3. Champion, 6180 Meter. 4. Hall, 14 500 Meter. Gerichts-Leitung. Ein ostelüisches Kulturbild. Der Racheakt einer Polin be» fchäftigte Ende voriger Woche die Potsdamer Ferienstrafkammer, vor welcher sich, aus der Haft vorgeführt, die Diensrmagd Anna Mierzejowska wegen Diebstahls zu verantworten hatte. Sie diente in Beelitz gemeinsam mit dem Kutscher Kukowski bei dem Guts- besitzer Simon und knüpfte mit dem Kutscher ein Verhältnis an, das nicht ohne Folgen blieb. Ms dies die Mierzejowska ihrem bis« herigen Liebhaber erklärte, wandte sich derselbe von ihr ab und suchte sich eine andre Geliebte, mit welcher er des Sonntags aus- ging. Ju ihrer Eifersucht wurde nun die Mierzejowska von Rache- gefühleu erfüllt, drang in die Schlafftube Kukowskis ein und stahl diesem sämtliche Sonntagskleider, damit er nicht mit der Neben- buhlerin ausgehen könne. Die Anzüge verbrannte sie unter dem Kessel, in welchem das Viehfutter gekocht wurde. Dort fand man später die unverbrannten Hosenknöpfe und Schnallen. Vor Gericht bestritt die Angeklagte sehr lebhaft die That und rief dem Kutfckter Knkowski zu. er solle das Kind bezahlen, während dieser seme Vaterschaft in Wrede stellte. Die heißblütige Polin wurde zu drei Monaten drei Wochen Gefängnis, wovon drei Wochen verbüßt sind, verurteilt. Der Staatsanwalt hatte sechs Monat beantragt. VernriscKtes. Der Zweite Internationale Philosophen-Kongreß wird in diesem Jahre in Genf vom 4. bis 8. September stattfinden. Die hervor» ragendsten Philosophen haben ihr Erscheinen zugesagt. Wir er» wähnen unter andren Professor Bergson, Mitglied des Philosophischen Instituts, Professor Bouttoux-Paris, Professor Cohen-Marburg, Professor d'Ercol-Turin und Profeffor Windelband-Heidelberg. Unwetter in Nordamerika. In St. Paul und MinncapoliS find Sonntag durch einen Zyklon viele Personen getötet oder verletzt worden. Der Materialschaden wird auf zwei Millionen Dollars ge» schätzt; das Tivoli- und daS Empire-Theater sind zerstört; die Brücke über den Mississippi ist unpassierbar gemacht; das katholische Waisenhaus wurde zerstört, wobei 25 Kinder verletzt wurden. Russisches von der ftanzösischen Grenze. Am Freitag waren einige Leute aus Grotz-Moyeuvre, Männer, Frauen nnd Kinder, in den Wald gegangen, um dürres Holz zu sanimeln, und auf ftan- zösisches Gebiet geraten. Ms sie in einer Gruppe beisammen waren, fiel plötzlich ein Schutz, den. wie es heißt, der Förster der ftan- zösischen Forst abgegeben hatte. Eine der Frauen stürzte, von mehreren Schrotkörnern in den Unterleib, den Oberkörper und den Kopf getroffen, zu Boden. Außerdem wurden zwei Männer verletzt. Die Verletzungen der Frau gelten als schwer, die Verletzungen der Männer sind leichterer Art. Prinzessin ChimayS neue Ehr. Nun ist die Prinzessin Thimah. die„Gattin" des Zigeunerprimas Rigo, wieder in den Hafen einer neuen Ehe eingelaufen. Die Trauung der vielgenannten Frau mit dem Lokoniolivführer Guillermo Ricardo, den sie vor kurzem auf einer Reise kemieii lenite, hat in London stattgefunden. Vor der Hochzeit überreichten die Vertreter der Braut Rigo 10000 Mark unter der Bedingung, datz dieser ein Dokument unterschreibe, in dem er die Exprinzessin aller Verpflichtungen ihm gegenüber entbindet. Das neuvermählte Paar wird seine Flitterwochen in Paris ver« bringe». Die junge Frau Ricardo ist reichlich mit Geldmitteln ver- sehen, so datz ihr neuer Gatte seine Arbeit bei der Eisenbahn nicht wieder aufzunehmen nötig hat. Großfeuer ist in der Fabrik photographischer Apparate von Heinrich Ernemann in Dresden ausgebrochen, das bis Mittag noch nicht gelöscht war. Tonristen-Unfälle._ Wie dem„Neuen Wiener Tagblatt" gemeldet wird, wurde der Mailänder Maler Frederigo Ashton in einein Wild- bach nahe am Simplonhospiz tot aufgefunden. Man glaubt, datz Ashton verunglückt sei.— Am Säntis ist gestern der 21jährige Zeichner Schwendeiier aus St. Gallen 200 Meter tief abgestürzt und tot geblieben. Zusammenstoß zwischen Streikenden und der Polizei. New York, 22. August. Die Stadt Cripple« Creek war gestern der Schauplatz bluttger Unruhen. Die ausständigen Bergarbeiter sttetzen mit der Polizei zusammen. 40 Bergarbeiter wurden tödlich ver« wundet. Nachher kam es zwischen Arbeitswilligen und Ausständigen nochmals zum Zusammenstotz. wobei ebenfalls viele Personen verletzt wurden. Die Polizei konnte schlietzlich, nachdem sie Verstärkung erhalten, die Ruhe wieder herstellen. «itterungSüberficht vom SS. August 4004. morgen» 8 Uhr. Stationen Swlnemde Hamburg Berlin rankf.a.M. ftünchen Wien 761 762 76l Ii a e u-c Still SO ONO 759:910 760 SSO 757 WSW Vetter — bedeckt INcvcl 1 bedeckt «bedeckt 1 wolkig 2heiter s H L» «S> 13 12 14 14 17 20 Stationen taparanda cterSburg Cork Swerdee» Paris iE »l 7513k 752.30$® 761 NNW 760 NNW Vetter vd. edeckt ZwolRg 1 wölken! «si xi 0 I«« HS. 12 13 11 12 Wcttcr-Prognose fiir Dienstag, den SZ. August 1904. Ein wenig wärmer, vorwiegend heiter, zeitweise wolkig, mit schwach«! nördlichen Winden. Keine oder unerhebliche Niederschläge, msegnungs- in den neuesten fa�ons in blau and schwarz Kammgarn and Cheviot. Sülms mckenlismn, Große Frankfurterstraße 141, Ecke FruchtstraBe. i3L* Größtes Etablissement des Ostens, lordostens und Südostens. X Anerkannt reellste und billigste Bezugsquelle. X bei mir zu reparieren u. reinigen unter Garantie des Gut- Bruch), kk ren u. Gold« >lr, 10 Stein kapsel-Remontoir v. 60.—, Silberne Remontoir v. 9,—, Regu fehens(ohne t Da ka)J9«.-i.V.IIV,l,WM r.-, W..MWI.IV T. W,-,"•«»" lateure, Freisohwinger, Wecker- u. Wanduhren. Goldene Herren- Bruch), kleine Reparaturen billiger. Grosse Auswahl in Uhren u. Goldwaren zu billigsten Preisen. Goldene Damen-Remontoir, 10 Steine, v. 18,—, Goldene Herren-Doppel Bruch-Pollmann «npstchlt sein Lager in Bruchbandagen, lelbbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors, sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. mV Klguo Werkstatt. Lieserant f. Orts- u-Hilis-Krankenkass en «crl?» C., 39. Linien-Straße 39. HT». Alle Bruchbänder mit elasli- schen Pelotten, angenehm und weich am Körper. 58632» KTtur iWMeMirH ■ eren u. reinigen unter Garantie des Gut- n. Damen-Ketten. Ringe, Schmucksachen in modernsten Facons für jeden Geschmack. Für jede bei mir gekaufte Uhr& jrfiv••• A leiste 3 Jahre Garantie. 3897L» ® Karl Lux,..'„X., Chausseestr. 8». G Dr. Schünemann! Dr. Simmel, Prln"n Specialarzt für Haut-, Harn» nnb Franciileiden, Sejdelstr. 9. Wochentags'/,xa-'/,8, ,8. Höchste Leistung!"AL Str. 41, Specialarzt für(19/1» Hant- and Harnleiden. 10—2, 5— 7.«onntagS 10— 12 2— 4. H.& P. Uder, le„Ä� Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. ü: Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Preison. 5659L* Amt 4, 3014. Verlangen Sie ausdrücklich den so vorzüglich schmeckenden Sätuseken Unket- Kautabak. Echt nur, wenn in jedem Stück— Schieisen oder Rollen— der Kirnienzcttcl mit Anker liegt. Nachgeahmten Tabaf ohne Zettel weise man zurück. Zu beziehen für Wiederverfäuser nur durch 56612» Carl Racker, Berlin, Grüner Weg IIS, Amt VII, 3861. SSmtl. Schnupf- n. Rauchtabake, Norbh. Kautabak— en gros. DUr» Jasetti-, Garbäty- u. a. Cigaretten zu Original-Preisen. Ausser nebenstehend abgebildeter Specialmarke empfehle ich I noch als besonders beliebt: Jockey-Club...... Mk. 5,— Vorstenland u. Specialllät„ 6,— Original-Grösse: 10O Stück 91k. 5,30. Kl. He*lco-Cioarre,unsort. Uk. 3, dieselbe sortiert„ 3.50 Fortuna II....... 3,50 Vorstenland II. Sortg...„ 4.30 Fortuna I........ 4.50 Hexico-Ausschuss.... 4,50 Cigaretten von Mk. 1,00 an.-_ KV Ausführliche Preisliste gratis und franko. wM «ersand nach auswärts gegen Nachnahme, von 500 Stück an portofrei. Reinhard HellmiehÄ™8; Berlin W. 64, lÄ»; 1 Kein Liaden.— Eingang Flur rechts— neben Passage. Ib. Mexico, grau,,., 6,— Ausschuss Ho. 60...„ 6,— El Arges 6,——| Cara Mia....... 6,— — Clgarlllos von Mk. 2.50 an. EinsegnunBS-illIil!|l! m 12-27"k- .Anzüge>«°b vod 25 Mk.» M. Schulmeister, m Kotthüser Thor. Schneidermeister. /(leine /inzeigen. 1- als IS Buchstaben zählen doppelt. jSefäSSS Mm 'Anzeigen in den AnnahmestelUn für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis l3Ubr, In der Hauptexpedition Linden Strasse 69 bis 5 Uhr angenommen. :bsie � Verden jäM trlln Rrchtsbureau(Alexander-Plag), Kurzestrahe achtzehn! Erfahrener Prozehbeistand l Ehcllagcsachen, Jnter- ventionen, Strafsachen! Eingaben- gesucht I Raterleilung._ 118/13* Rechtsbureau!(AndrcaSplah), Grünerweg vierundneunzig. Lang- jähriges l Ersolgreichstes l 544b» [ Verkäufe. PfandleihhauS Weidcnweg 19 berlaust spottbillig verfallene Pfänder. Ferner: Betten, Bettwäsche, Bett- Inlette, Hcrrcnuhren, Dmnenuhren, Herrenfetien, Damenlettcn, Schmuck- jachen, Trauringe, Jackettanzüge, Damensticsel, Steppdecken, Gardinen, Teppiche, Regulateure, Freischwinger, Spiegel. Teilzahlung. Tcppiche, Betten, Gardinen, Steppdecken, Portieren, Remontoiruhren, Regulatoren, Bilder, Spiegel, Möbel, spottbillig. Leihhaus Neanderstrahe 6._ 22/10» Teppiche, Gardinen, Portieren, Tischdecken, Bilder spottbillig Leihhaus Neanderstratze 6._ 22/11' Betten, Steppdecken, Remontoir Uhren, Regulatcure, Uhrketten, Spie- gel, Möbel spottbillig Leihhaus Neanderstrage 6._ 22/12* Hochvornrhute Herren- Anzüge, Paletots, Beinkleider, vorjährig, aus feinsten Maßstosscn, spottbillig. Deut- fches BersandhauS, Jägerslrahe 63, eine Treppe. 2355K» Teppiche l(fehlerhafte) in allen Gröhen für die Hälfte deS Wertes im Teppichlager Brünn. Hackescher Markt 4. Bahnhos Börse. 142/12' Teppiche mit Farbenschiern Fabrik. Niederlage Grogc Franksurterstrabe 0, parterre.+31» SosaS, größte Auswahl, von 21 Mark an. direkt in der Fabrik Blumcnstrahe 35 b._ 236 1K» Fahrrader, Teilzahlungen, hundert. fünfzehn Mark, Jnoalidenstrahe 148 (Eingang Bergstrahe), Slaliher- straße 40, Große Frankfurterstraße 56. Steppdecken billigst Fabrik Große Frankfurterstraße 9, parterre.+37» Baustellen, Quadratrute von 4 Mark an. Genehmigter Bauplan in schönster Parklandschast, an herrlichem Laub- und Nadelwald und fließendem Wasser. Monatlich lOMarkAbzahlung. Straus- berg II, Hegermühle bei Vincenz. Möbeleinrichtung. Billig verlause sofort meine sämtlichen eleganten, auch einfachen Möbel, passend Brautleuten. Auch Pianino, Bilder, Spiegel, Paneel- sosa. Gartenstraße 85, 1 links. Kann stehen bis Oktober.+124» Ecklokal, 12 Jahre bestehend, wegen andrer Unternehmungen zu verkaufen. Preis 4000 Mark, Miete 1800 Mark. Charlottenburg, KnobelSdorssstraße, Ecke Nehringsttaße._+436* zrindcrbettstelle, Sportwagen. Kinderwagen, gebraucht, zurückgesetzt, spottbillig. Schneider, Kurfürsten. straße 172. lllb» Ringschifschr», Bobbin, Schnell. näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Kopuickerstrabe60/61, Prenzlauerstraße 50/60 und Große Frankfurterstraße 43+97» Gaökocherhaus! EinlochgaS- kocher 1 0,80. ZweilochgaSkocher! 3,00. DreilochgaSkochert Gasbratösen I 6,00 Gasbügel apparat I Gasplätteisen spott- billig! Wohlauer, Wallnertheater- straße 32. 2457K» fltronzegaSkronen! dreiflammiz I 6,00. GaSlyren 1'/,. Schaufenster- Gasbeleuchtung spottbillig. Wohlauer, Wallnertheatersttaße 32. 245841» Möbeltischlerei liefert geschmackvolle Wohnimaseinrichwngen sowie einzelne Möbel. Moderne Küchen. Große Auswahl. Kein Laden, nur Keller und Hinterräume. Teilzahlung. Harnack, Tischlermeister, Dresdener- straße 124. 2461K» Grünkramgeschäft billig zu ver- lausen Charlottenbnrg. Grolman- straße 17.+136» Kolonialwaren, Obst, Gemüse, Rolle, gutgehend, sofort verläuslich Große Franksurtersttatzc 10.__ 412b» Möbel. Ganze WohmmgS-Ein- rtchwngen auf Teilzahlung sicheren Leuten bei ganz geringer Anzahlung zu billigen Preisen, liefert die Möbel- sabrik August Krause, Schützcnstr. 72, kein Laden, Verkauf vorn I und im Fabrikgebäude. 2321 K» Wringmaschinen, Gummiwalzcn, 36 Centtmeter, unter Garantie, 18,00. Teilzahlungen Woche 1,00. Postkarte genügt. Kottloff, Skalitzerstraße 108. Zintwaschsässer, Sitzwannen, Zober, in nur bester Ware. Teil- Zahlungen gestattet. Kottloff, Skalitzcr- straße 108. 2242K» Teppiche, Gardinen, Plüschporticren, Steppdecken, Dtwandecken, Läuser- stoffe, spottbillige Räumungspreis«. Conrad Fischer, Potsdamersttaße 100. Hochelegante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Stoffen 25—40 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 2439K' Frettchen, Maulkörbchen, Netze billig. Schnelle, Große Frankfurter- straße 13. 2447«» Nähmaschine». Vergüte bis l0M., wer Teilzahlung Nähmaschine kaust oder nachweist. Alle Systeme, Woche 1,00. Postkarte genügt. Liescrung sofort. Borchcrt, Zorndorserstraße 50. 118/12» Tofabczüge, Reste, enorm billig. Teppichhaus Georg Lange, Chaussee- sttaße 68/69(Weddwg.) 2456K» Nähmaschinen aller Systeme, ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Fünf Jahre Garantie. Unterricht im Sticken. Stopfen gratis. Postkarte genügt. Wienerstraße 6, Acker- straße 113, Bcllcalliancestr. 73. 556b Steppdecken billig. Fabrik, Köp- nickcrsttaße 62. 541b» Eine neue Ladeneinrichtung krank- heitShalber dillig zu verkaufen Simeon- sttaße 8. 549b Bett, hochfein, 18,00. Michel, DrcSdcnersttaße 38._ 545b Selten wiederkehrende Gelegen» heit, Polsterstühle 2,50, Goldspicgel 4,—, Äüchcnrahmcn, 2 Kasten 2,—, elegantes Taschcnsosa 45,—, Bilder, seidene Steppdecken, Handarbeit 6,50, Perscrtcppich 5,—, Kleiderschränke, Vertiko, Tische, Rohrlehnstühle 4,50, geschliffener Trumeaux 33, Pianino 150,—. Gelegenheit für Brautleute. Bcsichttgung empfohlen, auch Sonn- tag. Gekauftes kann stehen. Köpnickcr- sttaße 126a, I. 546b Umständehalber Nußbaumwirt- schaff dringend verkäuflich. Spott- billig. Darunter Taschengarnitur, Paneelsosa. Rosenthalcrsttaße 32, I, links. 557d Junge Stieglitze, Hänflinge 1,50, Kreuzschnäbel, Zeisige 1,00, Staare 1,25. Mariannenstraße Restauration. Verkaufe mein Ge- schäst umständehalber preiswert. Quast, Voltastraße 16.+104» Restaurattons- Mensilien(alte) zum 1. Oktober 1904 billig verkäuf- ckich: Regal mit 47 Kluckerslaschen, Bierapparat mit Ladenttsch, Tische und Stühle, Faßregal mit 11 Fässern, Billard mit Zubehör, Spielautomat (Brandenburger), Beleuchtungsanlage (Auersche), Transparent. Kegeler, Prmzenallee 14.+104» Parteilokal, Vereinszimmer, zwei- mal Wochenmartt, Miete 108,"l, Bayrisch-,'/, Weißbier monatlich, wegen Krankheit zu verlausen. Rummelsburg, Türrschmidtsttaße 37. Lindner. 5Z8b» Möbelverkauf in meiner Möbel- sabrik Wallstraße 80—81, nahe Spittel- markt. Infolge des großen Umzugs befinden sich am Lager viele zurück- gesetzte und verliehen gewesene Möbel, die wie neu find. Kleiderspind, Vertito 27 Mark, Ausziehtisch 16, Muschelbettstellcn mit Fedcrmatratzcn und Keilkissen 36, Taschcnsosa 50, Paneelsofa 70. Waschtollctte 20, Ruhe. bett 25, ganze Einrichtungen billigst. Transport frei._ 23/6» Gelegenheitskäufe: Paletots. Anzüge, Hofen, Kessel, Schirme. Letten, Teppiche, Steppdecken, Gardinen spott- billig. Lücke, Oraniensttaße 131. Operngläser, Koffer, Revolver, T-schingS, Zithern. Harmonikas. Geigen spottbillig. Lücke, Oranicn- straße 131._ 537b Reißzeug«. Uhren. Ketten, Ringe, Brillanten, Geldsachen, Regulatoren, spottbillig. Lücke, Oranienstraße 131. Gardinenhaus Große Frankfurter- straße 9, parterre._+37» Wirtschaft verlause umzugshalber billig, darunter Paneelgarnitur.Paneel- sosa mit meterhohem Spiegel 48,00, Salongarnitur, Schränke, Bettstellen, noch neu, passend Brautleute. Haertel, Friedrichsttaße 113. Kann stehen bis Oktober. 118/14 Eigarren-Geschäst hochfeinster Ein- richtung, gangbar, sofort oder später zu verkaufen. Nähere» Neumann, Rügenersttaße 21.+13? Versdiiectenes. Kräftiger Knabe angekommen. Dies allen Freunden und Bekannten zur Nachricht. E. Böhm nebst Frau, Wicnersttaße 57 a._+15 Jahrräderankanf. Möbel, Pianino- Bclcihung. Ratzlaff, Schönhauser Allee ISßo. 2395K« Aufpolsterung! Sosa 5,00, Matratze 4,00, auch außerm Hause. Bachmann, Bwmensttaße 35b. 2358K» Bandwürmer mit Kops, frisch in Spiritus eventuell Wasser, kaufen a 2 Mark Linnaea, Invaliden sttaße 105. Bereinszimmer, ren oviert, vierzig Personen, Pianino Kommandanten- sttaße 65._ 23G6Ä* Nähmaschinenreparaturen werden schnell und billig in memer eignen Werkstatt ausgeführt. Bell- mann, Gollnowstraße 26, nahe der Landsbergersttaße. 2372K» Pfandleihe, Prinzensttaße 63, Ecke Anncnsttaße, täglich 8—8, Sonn- tagS bis 2 Uhr geöspict. 2445K» Schreibmaschine. Buchführung, Stenographie, Sprachen. Karlsttaße 26. alomon, 2996b» Patentanwalt Dammann. Ora- niensttaße 57, Moritzplatz. Rat in Patentsache»._ 399b» Rechtsbureau. Rntcrteilunqen, Strafsachen, Eingabengesuche, Unfall- fachen. Petsch, Brunncilstraße 97. Pfandleihe Rlartussttaße 27. 505b» Rechtsbureau, früherer Gerich ts- beamier, Schulstraße 2.+91» Rechtsbureau. Vorsteher, ffühcrer, Pücklerstraßc 15(Lausitzer Platz).+14» Rechtskonsulent Hoppe, Elsasser- straße 96(Rosenthaler Thor), seit Jahren anerkannt zuverlässigste, billigste Bedienung. 470b. Alhnmbra- Festsäl«, Wallner- theatersttaße 15. Sonnabend, der 1. Oktober, ist noch an Vereine zu vergeben. A. Zamcitat. 548b» Tauicnklcider. Blusen fertigt billig und sauber Frau Stechcrt. OrOnienstraße 204.+13 Vermietungen. Wobnangeiu Soldiner< Sttaße 16 im neu- erbauten Hause Wohnungen von 2—3 Zimmern und Zubehör zum 1. 10. 04 zu vermieten. Näheres im Bau. 527b ltiuständchalbrr ffeundliche Woh- nung, zwei Vorderstuben, Pappel- Allee 21. I.+63 Zimmer, Kleines möblierte» Zimmer, separat, für Herrn. Winkler, Maybach. User 25. 533b» Eine möblierte Stube für zwei Herrn, Nähe Moritzplatz. Offerten unter A. 1 an die Expedition dieses Blatte» bis 25. dieses Moi.atS. 536b Möbliertes Zimmer, Alleinmicter, eventuell Bad, Schönebcrg, Cherusker- sttaße 30, Witwe Loohner. 547b Möbliertes Zimmer, Teilnehmer wird gewünscht; mit Kassee 13 Mark, Dresdencrsttaße 19, 4 Treppen links (Oranienplatz).+15 �rbeitsmarkt. Stellengesuche, BolkSsänger< Gesellschaft Lewan- dowSky, Beuiselsttaße 28.__+84» BolkShumorift Rügenersttaße 10. »Schmeltzer», __+104» Stellenangebote, Einen Stellmacher auf Schlächter- blöcke verlangt Schirop, Eldenaer- straße 8. 2459K» Schlossergcscllen verlangt R.Blume, Charlottcnvurg, Schillcrslraße 97.» Kuuftschmiede, tüchtige, selbständige, verlangt Schlosserei R. Blume, Char- lottenburg, Schillerstraße S7. 555b» Sassianfärberci Zurichter. Aus- stteicher gesucht Schönhauser Allee 71a. Btlderrahmenmacher verlangt F. Brandtner, Neu-Weißcnsee, Heiners- dorser Weg 13/14, W» Farbigmacherin vorlaugt Palli- sadcnsttaße 14._ 33/7 50 Stepperinnen, Handnühcrinnen Hosensabrik Gormannstraße 30, I. Taillen- und Rockarbeiterinnen ver» langt Modesalon Tarnowski, KrauSnIck- strape 5. 543b Blnsen-Arbeiterinncn finden gegen Vorlage sofort Beschäftigung. Blusen- Fabrik Georg Haase, Brücken- straße 1011._ 4646* Mamsells aus Jacketts verlangt Schubert, Swinemündcrsttaße 68.» gm Arbeitöinarkt durch besonderen Druck hervorgehoben« Anzeigen koste» 40 Pf. pro Zeil«. Spandau. Die Stelle eines Lagerhalters unfrer hiesigen Partei- Buchhandlung und ZeiwngS- Spcditton ist neu zu be- setzen. Bewerber, welche in Spandau wohnhaft sind, und sich über ihre Zugehörigkeit zur Partei ausweisen können, und welche gewillt find, sich persönlich und thathssttg dem Schristenverttieb u. der ZeitungS-Spe- dilion zu widmen, werden gebeten, schriftliche Offerten nebst GehaltS-An- gäbe-c. spätestens bis zum 27. d. MtS. an E. Rieger, Spandau, Jagow- sttaße 9, zu richten. 422 Tüchtige Farbigmacher finden lohnende und dauernde Be- schästigung 472» Goldleisten- Fabrik B. Gross, A B., Leipzig-R., Obere Münstert. 1/8. Tüchtige Maurer und Putzer aus CoakSasch-GipSwände zu dauernder Beschäftigung gesucht. Meldungen früh 6—8 Uhr bei Wittenbocher, Charl., Spandauerstt. 31, abends 7— 8 Uhr Kleistftr. 39, Bureau. 5516» Musikinslrumenten-Arbeiter! Die Pianino-Fabrik von A. Gast& Co. Frankfurter Allee 117a ist wegen Lohndiffercnzen für alle Branchen gesperrt. 144/17» Zuzug streng fernzuhalten l Fachvereia der Musikinstrumenten- Arbeiter. Willig, Tischler! In der Genossenschaft»Union», Fruchtstraste 35, herrschen Disfe. rcnzen. Zuzug scritZuhaltcn. 189/1» Der Fachverei» der Tischler Berlins. Kermtio. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Wr den Inseratenteil verafltw.:TH.Glycke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer Lc Co., Berlin SW,