Nr. 198. ilbonnementS'Bedinaungen: Abonnements- Preis pränumerando t Sierteljährl. 3,30 Mk., monatl. l,l0 Mb, iväch entlich 28 Pfg. frei inS Hau». Emzelne Nummer S Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonnemcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. 21. Jahrg. CrWjcint täglich auQer Blontagi. Sevlinev VolksblAtk. Die Infertlons-Gebfllir beträgt für die scchSgespaltene Kolon» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Perein»- und Bcrsammlungs-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Hmeigen", da» erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm. Adresse: „Sozlaldemolint Berlin". Zcntralorgan der rozialdcmokrattfcbcn parte» Deutfchlands. Redaktion: 831. 68» Lindenstrasse 6g. Kernsvreclier: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 831. 68, Lindcnatrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Wiederhall von Amsterdam in Frankreich. Paris, 22. August.(Gig. 83 er.) Kein internationaler socialistischer Kongreß hat die französische Oeffentlichkeit in so hohem Grade interessiert wie der Amsterdamer. Selbst der Pariser Kongreß von 1900, in dessen Mittelpunkt der Fall Millerand stand, hat hier keinen so mächtigen Wiederhall ge- sunden wie die Amsterdamer Debatten über den Jaurssismus. Der Grund davon liegt auf der Hand. Die Millerand-Debatte von 1900 konnte von vornherein keine unmittelbaren praktischen Rückwirkungen auf die innere Politik Frankreichs ausüben, nachdem schon der bezügliche Ausgleichsbeschluß des französischen Einigungs- kongresses von 1899 Millerands Verbleiben im Ministerium nicht verhindert bezw. von dieser Verhinderung abgesehen hatte. Anders in Amsterdam. Die Debatte über den JaurösismuS, die sich aus der Einbringung der Dresdener Resolution notwendig entwickelte, konnte von vornherein keinen andern Sinn und Zweck haben, als dem Jaurösismus, dieser praktischen Verkörperung eines der- bürgerlichten Soeialismils, praktisch Einhalt zu gebieten. Der Amsterdamer Kongreß, dessen Kompetenz JaurdS ja anerkannt hatte, griff so direkt ein in die französischen socia- listischen Parteiverhältnisse und damit— bei dem großen parlamentarischen Einfluß von Jaurös und seiner Fraktion — auch in das allgemeine politische Leben Frank- reich». Zur richtigen Einschätzung der bürgerlichen Preßurteile über Amsterdam sei vorausgeschickt, daß der ministerielle Soeialismus von jeher nur die Sympathien der gleichfalls ministeriellen bürgerlichen Linksparteien besitzt. Entscheidend ist dabei die handgreifliche ministerielle Waffengemeinschaft, nicht etwa allgemeine Fernsichten über die Vorzüge des Jaurösismus vom bürgerlichen Standpunkte aus. Diese Fernsicht fehlt aber oder wenigstens wird verheimlicht auch von den rechtsstehenden Bourgeoisparteie», die ihrerseits in Jaurös und in seiner Richtung den gefährlichsten Feind erblicken. Insofern mit Recht, als ihre augenblicklichen Partei- und Klüngel-Jnteressen in Betracht konimen. Jaurös und die Seinen thun ja unzweifelhaft sehr viel, wenn nicht das meiste, für die Aufrechterhaltung einer festen Disciplin innerhalb deS RegierungSblocS. Unter dem früheren Kabinett war das große persönliche Prestige Waldeck-Rousseaus der feste Kitt, der die diseiplinlosen Parteien, Gruppen und Personen zusammenhielt. Combes hingegen wäre ohne Jaurös wohl schon längst über die eingewurzelte Disciplinhosigkeit der französischen Parlamentarier gestolpert. Daher und nur daher der intensive Haß der Reaktion gegen den ministeriellen Soeialismus. Daher mich ihre Freude über das Amsterdamer Votum. Das paßt ja vortrefflich zur gewohnten Uebung der ministeriellen Bourgeoisparteien, den Jaurösismus— sei es aus Verftändnislosigkeit, sei es aus heuchlerischer parteipolitischer Berechnung— für die gefährlichste Form des Soeialismus auszugeben. Andrerseits aber geht eS beim mehr oder minder auftichtigen reaktionären Jubel über die internationale Niederlage des Jaurösismus ohne einen kleinen heiteren Widerspruch nicht ab. Um jubeln, d. h. beim Lesepublikum den nötigen Eindruck hervorrufen zu können, muß die antiministerielle Bourgeoispresse mit dem Amsterdamer Kongreß die Gefährlichkeit der jaurösistischen Methode für den Soeialismus betonen, nachdem sie selbst jahrelang über ihre Gefährlichkeit für die bestehende Ordnung gezetert hatte. Dem armen Lesepublikum wird also zugemutet, das. was ihm als die gefährlichste Art Soeialismus vorgemalt wurde, auf eimnal für unsoeialistisch, für antisoeialistisch zu halten. Im bedächtigen„TempS' wird dieser Widerspruch notdürftig durch allerlei„Wenn— Aber' verdeckt. Der Leserkreis des .Figaro' bedarf dieser Schonung uicht. Dieses Blatt kann daher in einem Atem„die Herrn Jaurös in Amsterdam erteilte Lektion" bejubeln,„daß es nicht genügt, sein Land unterst zu oberst zukehren, um Soeialist genannt zu werden'— und zugleich die gueSdistische„Jn- transigenz' für die bestehende Gesellschaft„weniger gefährlich' zu erachten„als die kleinliche Politik der geschickten Manöver und der geheimen Aktion, wodurch die RegierungSsocialisten alltäglich schaden." Alltäglichl DaS ist die Hauptsache für die durch Jaurös und Combes von der alltäglichen Negierungsgewalt und ihren alltäglichen Vorteilen ferngehaltenen Reaktionsparteien..., Auf dem gleichen Blatte steht das affektierte Lob, das die anti- ministerielle Presse dem GuesdiSmuS und GueSde auf Jaurös Kosten zu spenden beliebt. Innerhalb dieser Presse sucht jede einzelne Richtung auS dem Amsterdamer Kongreß für sich, wie überall, einen Extravorteil und eine Extrafreude herauSzukommentieren. So namentlich die Monarchisten, die Bebels Aeußerungen nach dem Beispiele der deutschen Bourgeoispresse für der Monarchie auszuschlachten suchen. Die Nationalisten aller Schattierungen betonen ihrerseits wieder einmal den in ihrem Sinne waschechten Patriotismus Bebels. Einen Mißton in die allgemeine reaktionäre Freude bringt das Journal des Döbats". dessen Mitarbeiter Bourdeau zu den wenigen sachkundigen bürgerlichen Beobachtern des Soeialismus gehört. Er meint zunächst zutreffend, daß Jaurös sich bis auf weiteres„zwischen zwei Bloes besinde, zwischen dem inter- nationalen und dem ministeriellen Bloe. Der Umstand aber, daß seine Tasiik aus Amsterdam mttAi einem blauen I'Iiiqc und einem verletzten Arm' zurückkehre, dürfe„ims nicht zur Freude verleiten. Denn Jaurös werde sich aus seiner Zwicklage dadurch zu helfen suchen, daß er„seinem ersten Minister, Herrn CombeS. und seiner Mehrheit den Befehl erteilen wird, eine noch entschiedener socialistische Politik zu befolgen...."*) Bourdeaus Sachkundigkeit ist mit seiner gegen Combes gerichteten polemischen Absicht durchgerannt. Wahr ist, daß die reaktionäre Freude über Amsterdam gegen- standslos oder mindestens verfrüht ist, aber aus einem ganz andren Grunde, als der„Döbats"-Mitarbeiter meint. Jaurös und die Seinen denken nämlich gar nicht daran, auf das kategorische„Halt!" zu achten, das die Internationale ihrer Taktik zugerufen hatl... Schon unmittelbar nach dem Votum der Dresdener Resolution in der Kommission depeschierte Jaurös aus Amsterdam:„In diesem Votum ist bereits ein bemerkenswerter Umstand zu Tage getreten, der denen zu denken geben mutz, die dem Votum der Dresdener Resolution eine allzu große Bedeutung beimessen sollten." Dieser Umstand sei das Eintreten„der fteiesten. der demokratischesten Länder" für die Resolution— Adler-Vandervelde(„Humanitö", 19. August). Und Görault-Richard depeschierte an die„Petite Röpublique" aus Amsterdam in einer an Deutlichkeit nicht zu übertreffenden Sprache: „Auf seine wahren Folgen zurückgestihrt, wird der Beschluß des Kongresses die Archive der verschiedenen Parteien bereichern. Das ist ein Resultat." Neben diesem ironischen Resultat weiß aber Görault-Richard dem Kongreßbeschlutz noch ein von ihm ernst gemeintes Resultat abzugewinnen, nämlich das, daß es um das„kindische" Streben nach einer einzigen Denk- weise, nach einer einzigen Taktik vielleicht geschehen sei—„zum großen Leidwesen des einzigen soeialistischen Bulgaren und des einzigen soeialistischen Japaners, die daran dachten, uns ihre Auffassung und ihre Taktik aufzuztvingen, denen sie ihre bekannten glänzenden Erfolge verdanken."(„Pet. Röp.", 20. August.) In der nächst- folgenden Nummer der„Pet. Röp." erzählt Görault-Richard seinen Lesern, daß die Stimniengleichheit im Votum über die Resolution Adler-Vandervelde und die mindere Qualität mancher gegen jene Resolution stimmenden Nationen das schließliche Votum der Dresdener Resolution für die Jaurösisten zu Lust gemacht hätte: „Wir bleiben die Herren unsrer Taktik. Wir wären eS übrigens so wie so trotz alledem geblieben. Aber es ist wünschenswerter, daß in der internationalen Versammlung des Soeialismus der gesunde Verstand über den Schlendrian und die Eitelkeit obgesiegt hat.' In andern, gewundenen Worten besagt dasselbe der ausführliche Kommentar von Jaurös in der heutigen Nummer der„Humanitö". Der Artikel beginnt mit diesem Satz:„Das gegen uns von GueSde und Vaillant versuchte Manöver ist vollständig gescheitert", trotzdem der internationale SocialiSmus über die französischen Ver- Hältnisse minder gut unterrichtet sei als das französische Proletariat und trotzdem er seit langem zu Ungunsten der Jaurösisten„von einer sehr aktiven Clique'(ooterio) bearbeitet worden sei.„WaS war die Wirkung dieser kindischen Jntrigue und dieses Ansturms?" DaS Votum der Dresdener Resolution werde wieder auf- gewogen vor allem durch die Stimmengleichheit und die qualitative Stimmenverteilung im Votum über den Antrag Adler- Vandervelde I Dieser Antrag„bedeutet ja gewiß keine Zustimmung zu unsrer Methode; aber er war von einem viel weiteren Geiste getragen als die Dresdener Resolution. Adler hat ausdrücklich erklärt, nicht nur daß der internationale Kongreß keine Taktik ausschließen könne und dürfe, daß er, ohne die größte Un- Vorsichtigkeit zu begehen, nicht an Stelle der Landesparteien treten könne in der Leitung der alltäglichen Politik und in der Anwendung der Taktik, sondern auch daß die Bedingungen der soeialistischen Aktion sich nach Zeit und Milieu änderten und daß man den neuen Methoden die Freiheit lassen müsse, ihre Wirkungen zu entfalten. Das ist das einzige, was wir unsrerseits vom internationalen Soeialismus zu verlangen hatten. Wir hatten keineswegs seine Verantwortlichkeit für unsre soeialistische Politik zu engagieren. Aber wir forderten das Recht, sie fortzusetzen— ich sage: nicht nur ohne Zwang, sondern auch ohne Mißgunst. Dies war der wahre Sinn des Antrages Adler-Vander- Velde.'(Hier wie überall vom Berichterstatter unterstrichen.) Nach einer derartigen Auslegung dieses Antrages wird eS verständlich, wenn Jaurös ihm— unter den erwähnten AbstimmungS- bedingungen—„eine ganz überwiegende moralische Autorität" zuschreibt,„die durch die zwei Stimmen des Genossen Katayama keineswegs wieder aufgewogen werden kann". Das Votum der Dresdener Resolution aber mit 28 gegen bloß 5 Stimmen wird von Jaurös nicht berücksichtigt.� Dafür wendet er die Hälfte feines Kommentars an den Uebersetzungsfehler im französischen Text der Dresdener Resolution und an die von der deutschen Delegation zu- letzt beantragte Ersetzung des Wortes„verurteilen" durch das Wort: zurückweisen". Das eine wie das andre sollen nach JauröS eben- falls am Fiasko der„kindischen Jntrigue' mitgewirkt haben.... *) Das reaktionäre Blatt, das den Sturz des Ministeriums Combes und das Ende der radikalen Kirchenpolitik stürmisch herbei- sehnt, meint— eS ist interessant, seine Aeußerung etwas ausführlicher wiederzugeben— höhnisch, Jaurös wüßte, was internationale Be- schlüsse wert seien und würde ihretwegen keineswegs mit dem inter- nationalen Soeialismus brechen: „Er wird vielmehr nun s e i n e m Ministerpräsidenten, Herrn Combes, und seiner Mehrheit den Auftrag geben, eine mehr soeia- listische Politik zu treiben, und sie anweisen, den Syndikaten und Streikbrüdern bei ihren revolutionären Demonstrationen noch größere Freiheit zu gewähren.... Aber in Frankreich bleiben die Dinge nicht lange aus derselben Stelle. Nichts ist ewig, nicht einmal das Ministerium Combes. Das Ministerium Combes wird stürzen und Herr Jaurös. in die Opposition zurückgeschleudert, wird Bebels Gunst ...«K /-»fÄ'TriumVilirttn»«»>«•( Und noch einen weiteren Erfolg bringt Jaurös aus Amsterdam heim:„Die französischen Soeialisten haben in weitem Maße die Voreingenommenheit zerstreut, die gegen sie geschaffen worden war durch eine unaufhörliche und systematische geheime Verleum- d u n g(calomnie oooults) innerhalb des internationalen Soeialismus." Es scheint, daß die weltbekannten Handlungen und Unterlassungen der Jaurösisten einschließlich der im„Journal Offieiel" verzeichneten Abstimmungen der jaurösistischen Fraktion lauter Erzeugnisse jener „geheimen Verleumdung" wären. Desgleichen wird wohl auch Clemeneeau zu jener Ver- leumdungs- Clique gehören. Denn er schreibt in der heutigen „Aurore" über die Jaurösff'chen Beteuerungen in Amsterdam,„den tiefen, Ivesentlichen, irredentistischen Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat" voll und ganz anzuerkennen:„Das sind hohle Nüsse, mit denen er die Menge abspeist, während der„unversöhnliche Interessengegensatz" sich bei ihm in einen überschnappten Combismus umsetzt." Was die Folgen von Amsterdam für die soeialistischen Parteiverhältnisse Frankreichs betrifft, so ist zunächst eine Verschärsiing des Parteistreits zu erwarten. Jaurös schließt ja seinen heutigen Artikel, der mit keiner Silbe die Einigkeits- Re- solution von Amsterdam erwähnt, mit diesen deutlichen Worten: „GueSde und Vaillant aber waren gezwungen, um den Kampf gegen uns auSzuhalten, sich in die für sie abscheulichste und gefährlichste Lage zu setzen. Hierüber nun wollen wir uns sogleich mit ihnen auseinandersetzen vor der französischen Arbeiterklasse, da sie es so gewollt haben." Görault-Richard hatte seinerseits aus dem Votum zu Gunsten der soeialistischen Einigkeit nur die Folge gezogen, daß die revolutionären Soeialisten dadurch«entwaffnet' worden wären in der Ausnutzung der Dresdener Resolution. »« • Die in dem Brief unsreS Pariser Korrespondenten erwähnten Auslassungen der französischen reaktionären Presse verdienen, so blödsinnig sie sind, doch deshalb eine kurze Erwähnung, weil sie wieder einmal zeigen, daß die Bourgeoisie aller Länder in gleicher Weise immer die Socialdemokratie der andren Länder als rühm- liche Patrioten hinstellt im Gegensatz zu den soeialistischen Vater- landsverrätern des eignen Landes. Man lese— wir folgen der Zusammenstellung eines bürger- lichen Blattes— die folgenden Sätze: Die royalistische„Gazette de France" meint: «Die Wahrheit ist, daß der„große Deutsche", Bebel, den„ganz kleinen Franzosen", Jaurös, mit seiner Geringschätzung zermalmt hat, die ftanzösische Republik mit seiner Verachtung. Bebel hat diese Republik, die man nicht kritisieren darf und zu deren Rettung man alles opfern müsse, entkleidet und entehrt:„Was diese bürgerliche Republik angeht, Bismarck dankt Ihr sie und keinem andern." Wir haben aufgehört, den wahren Ursprung der Republik in die Erinnerung zurückzurufen, da sie von Bismarck zu den Lasten unsrer Niederlage hinzugefügt wurde; Bebel kommt mit seiner ganzen Autorität zur Bekräftigung dieser Wahrheit, die der Geschichte angehört. Bismarck war'S, der den Franzosen die Republik aufgenötigt. Man sollte hinzufügen:„Es ivar Gambetta, dem Bismarck geheim die Ausgabe anvertraute, diesen Verrat durchzuführen!" Der„Gaulois": „Bebel sagte: Sie danken das allgemeine Stimmrecht dem Dezember-Mann und die Republik Bismarck." Dies ist in der That der Ursprung de« Regimes, das CombeS hervorgebracht. Durch Krieg und Revolution hat er sich uns aufgedrängt. Die Deutschen haben ihn von Kopf bis zu Fuß geschaffen, indem sie unser Vaterland, wo» ging, zur Ader ließen und die Leute der Kommune haben ihn stark gemacht, indem sie unsre Soldaten und Priester füsilierten. Mit dem edelsten Blute Frankreichs hat man ihn ge- tauft; mit der Erschöpfuug aller lebenden Kräfte unsres Lande? erhält man ihm das Dasein." Cassagnae in der„Antoritö" singt einen wahren„Lobgesang auf Bebel, der im Gegensatz zu Jaurös oft wiederhole, daß die Socialdemokraten zur Stelle wäre», wenn das Land in Gefahr käme, der zugebe, daß ihm eine kaiserliche Regierung lieber wäre, als eine verfaulte Kapitalisten-Republik, und der den Beweis erbracht, daß wirkliche sociale Fortschritte, wie Arbeiterverflcherung, Einkommensteuer und nicht von Truppen umzingelte Streiks allein in einem Staate möglich wären, den eine feste Hand wie die Wilhelms ll. lenke." Zur gleichen Stunde haben die deutschen GesinnungSgenoffen der genannten Pariser Reaktionsblätter Bebel als Hochverräter und die französischen Soeialisten als nationale Tugendmuster hingestellt. Wie jammervoll armselig ist doch das Repertoire der internationalen Scharsmacherei gegen den Soeialismus! poUtifcde(leberfickr. Berlin, den 23. August. Die Unabhängigkeit der Militär-Richter. Der im„Vorwärts" veröffentlichte kaiserliche Erlaß gegen die Oeffentlichkeit der Militärgerichte, die Maßregelung der am Bilse« Prozeß richterlich beteiligten Offiziere, die erfolgte, weil sie daS Unglück hatten, nicht die allerhöchsten Intentionen zu treffen, hat bei den zahlreichen aktiven und nichtaktiven schriffftellernden Offizieren im Deutschen Reiche unsres Wissens bisher nirgends eine abwehrende Kritik gefunden. Jene kaiserliche Order gegen die schriststellernden Militärs a. D. hat offenbar seine Wirkung gethan und die Rebellen, die den Mut hatten, über neue Litzen grob zu raisonnieren, schweigen still, wo es sich um die Lebensfrage der Militärjustiz überhaupt handelt, sofern sie die den Beschlüssen und den Absichten des Parlaments widersprechenden Auffassungen deS unverantwortlichen Militärkabinetts nicht gar diensteiftig verteidigen. Die Socialdemolratie verwirft die besondere Militärgerichts- Karle it überhaupt, die nichts ist wie ein Ilcberrest aus einer bar- barischen ständischen Jnstizpflege. Wenn irgend ein Ereignis die innere Unmöglichkeit dieser Sonderjnstiz unwiderleglich zu beweisen im stände war. so die Bilscordre Wilhelms II. Der Richter muß unabhängig und unabsetzbar sein, oder der Richter hört ans Richter zu sein und wird statt Vollstrecker des Rechts ein Geschöpf fremder Einflüsse. Eine Verwirrung der Justiz mit der militärischen Disciplin hebt das Recht selbst auf. Die geltende Militär-Straf- gcrichtsordnung bestimmt denn auch ausdrücklich im§ 18:„Die rrkciuiendcn Gerichte sind unndhiingig und n»r dem Gesetze unter- warfen." Nur hat die bürgerliche Kritik stets eine solche Vermischung ent- schieden bestritten. Die Bilse-Order verabschiedet diese from.me Legende endgültig. Sie stellt principiell die Militärjnstiz unter die miliärische Disciplin und sie macht den Militär- lichter abhängig von dem Willen des vorgesetzten Militärkabinetts und zieht den Richterspruch vor die Strafinstanz der Verwaltung. Die Justiz unter die Disciplin stellen, heißt die Disciplin an die Stelle der Justiz setzen! Das liegt im Wesen aller Militär-Sonder-Justiz, und diese innere Unverträglichkeit zweier gegensätzlicher Funktionen kann nur so lange notdürftig verhüllt werden, als die Eingriffe der militärischen DiSciplinargewalt in die richterlichen Befugnisse unter- lassen oder zum mindesten nicht offenkundig werden. Die ans Anlaß des Bilse-Prozesscs ergangene Order reißt diese Verhüllung ab und die wahre Natur der Militärjustiz, ihr Gegensatz zu den elementaren Grundsätzen moderner Rechtspflege tritt allen sichtbar zu Tage. Die Angelegenheit ist in der That von entscheidendem schweren Ernst. Die aufgeregten Tressen- Kritiker aber rollen ihren Soldatenmut zusammen und senken ehrfurchtsvoll die loyale Feder. Hier steht ja nur die sittliche Existenz der Militärjustiz selbst auf dem Spiele. Man muß ins Ausland gehen, um die Stimme militärischer Kritik an der Bilse-Order zu vernehmen; und dort klingen die mili- tärischen Kritiken deutlich und schrill genug! Das angeschene österreichische militärische Fachblatt„Dauzcrs Armee-Zeitung" bespricht in der Nummer vom 11. August die An- gelegenheit unter dem Titel: Die Unabhängigkeit des Militärrichters. Wir entnehmen dem Blatt die folgenden Darlegungen: „Als unmittelbar nach den beiden letzten vor den deutschen Militärgerichten verhandelten Sensationsprozessen Mertens(Mord am Rittmeister Krosigk) in Gumbinnen und Bilse in Metz die als Vorsitzende zur Schlußverhandlung kommandierten Offiziere und die andren als Beisitzer der Schlußverhandlung beigezogenen Stabsoffiziere in den Rahestand versetzt wurden, wurde vielfach der Verdacht ausgesprochen, daß diesen Maßregeln nicht militärische Motive zu Grunde lägen, sondern daß es sich um Maßregelungen handle, um die Betroffenen für ihr Verhalten als Richter zu strafen. Selbst die Gemäßigtesten, die diesen Verdacht von der Hand wiesen und an ein zufälliges Zusammentreffen glaubten, hielten das Vorgehen der obersten Heeresleitung für unklug, indem sie darauf hinwiesen, daß sich die Regierung die llnvermeidlichkeit einer solchen, das Vertrauen in die unbeeinflußte Gerechtigkeit der Militärrechtspflege gänzlich untergrabenden Deckung hätte bor Augen halten und deshalb ein Arrangement treffen müssen, das die Pensionierungen nicht in einen aufdringlichen Zusammen- hang mit der richterlichen Thätigkeit der betreffenden Offiziere gebracht hätte. An einen bloßen Zufall war schon von Anfang an nicht leicht zu glauben.... Beim Bilse-Prozeß in Metz, beziehungsweise bei den bald daraus folgenden Pensionierungen schien der Zu- sammenhang zunächst zweifelhaft, bis der Berliner„Vorwärts" vor wenigen Tagen nachstehende kaiserliche Kabinettsorder an den kommandierenden General des 16. Armeecorps veröffentlichte... folgt der Abdruck). „Ob nun die betroffenen Offiziere außerdem von amtswegen in den Ruhestand versetzt worden oder ob sie nach dieser Maß- regelung von allerhöchster Stelle selbst gegangen sind, eventuell unter sanfter Mithilfe der„Erläuterung" durch den Corps- lommandanten, ist gleichgültig.... „In der kaiserlichen Verordnung vom 28. Dezember 18gg heißt eS, daß die Oeffentlichkeit im militargerichtlichen Verfahren aus- zuschließen sei, wenn der Grundsatz gefährdet sei, daß auch im Gerichtsverfahren„das Ansehen.. der militärischen Einrichtungen, Verordnungen und Gebräuche erhalten... und dem berechtigten Ehrgefühle aller Beteiligten, insbesondere der- jcnigen des Offiziersstandes, Rechnung getragen" werden müsse. Vergeblich fragt man sich, nach welchem Punkte der kaiserlichen Verordnung die Oeffentlichkeit der Hauptverhandlung auszu- schlichen gewesen wäre. Sollen die in Forbach vorgekommenen Ehebrüche, Unterschlagungen, Trunkenheitsexcesse usw. zu den „militärischen Einrichtungen und Gebräuchen" gehören, deren „Ansehen erhalten" werden muß, haben die Verüber dieser moral- und gesetzwidrigen Schandthaten ein„berechtigtes" Ehr- gefühl?... „Wollen die Zeiten der Kabinettsjustiz Friedrichs des Grossen und seines Vaters in Teutschland wieder aufstehen aus ihrem anderthalb Jahrhunderte altem Grabe? Wir halten es für aus- geschlossen durch den ehrenhaften und gerechten Sinn der deutschen Richter im Talar und im Waffenrocke. Gumbinnen und Metz sind die Wegmarken, die das deutsche Heer nach Sedan weisen und nicht nach Jena,— trotz Forbach! „Wie jedes halbwegs moderne Prozeßgesetz enthqlt auch die geltende deutsche Militärstrafgcrichtsordnung den Hauptgrundsatz: „Die erkennenden Gerichte sind unabhängig und nur dem Gesetze unterworfen." Die vorzeitig aus der Aktivität in den zukunfts- losen und schmal besoldeten Ruhestand versetzten Offiziere haben in ihrem nunmehrigen Verhältnisse hinreichende Muße, über den praktischen Wert derartiger Grundgesetze nachzudenken, deren unter allen Umständen gesicherte Durchführung nicht durch eine ausführende weitere Gesetzesbestimmung gewährleistet ist. Was nützt und wo bleibt die„Ilnabhängigkeit", wenn man zwar nach bestem Wissen und Gewissen stimmen kann, aber befürchten muß, für seine Abstimmung pensioniert oder strafweise versetzt zu werden. In dieser Erkenntnis enthalten die Gcrichtsorganisations- Vorschriften aller Rechtsstaaten den weiteren Grundsatz, daß die Richter anf Lebensdauer ernannt und gegen ihren Willen— den Fall strafbarer Handlungen ausgenommen— weder in den Ruhe- stand noch auf einen andren Dienstort versetzt werden können. Auch für den Bereich der deutschen Militärjustiz gilt dieser Satz, aber natürlich, wie überall, nur für die Berufsrichter und nicht auch für die fallweise beizuziehenden Laienrichter.... Aus diesen Betrachtungen crgiebt sich ein beachtenswertes Dilemma: Einerseits wird die Beiziehung von Truppenoffizieren (Offizieren des Soldatenstandes) zu den militärischen Erkenntnis- gerichten nicht nur als wünschenswert, sondern geradezu als un- umgänglich notwendig angesehen, jä sogar noch die weitere For- derung aufgestellt, daß ihnen der offizielle Vorsitz und die weitaus überwiegende Majorität im E>pruchgcrichte zufallen müsse. Andrerseits zeigen die hier besprochenen Vorkommnisse und die daran geknüpften Erwägungen, daß kaum jemand der unent- behrlichen Eigenschaft des Richters, der Unbceinflußbarkcit und der Unabhängigkeit so sehr crmangle, als der Offizier des Soldaten- standes, denn niemand kann für sein Verhalten auf der Richter- dank so prompt und so gründlich gcmaßregclt werden wie er, und wenn die Sache nur ein bißchen politisch angepackt wird, braucht der Zusammenhang zwischen der Maßregelung und der Richter- thätigkeit gar nicht erkennbar zu werden. Vom Compagnie- kommandanten aufwärts kann man bald um die Ecke inspiziert sein, ganz abgesehen von der Zahl jener, die auf das Wohlwollen ihrer Vorgesetzten besonders angewiesen sind. Ob sich dann Maß- regelungen von Offizieren wegen ihrer richterlichen Thätigkeit wirklich ereignen oder nicht, ist vollkommen gleichgültig." Das Fachblatt macht dann den Reformborschlag, den Vorsitz und die Mehrheit in den Spruchgcrichten militärischen Berufs richtcrn einzuräumen, die ja der militärischen Disciplin unmittelbar ent- zogen sind. Eine solche Reform wäre allerdings eine Besserung, sie bedeutete eine Annäherung an die civile Gerichtsbarkeit und würde in der Konsequenz die militärische Sonderjustiz überhaupt über- flüssig machen, die auch unter der Voraussetzung militärischer, lebenslänglich und unabsetzbar angestellter Berufsrichter immer noch verhängnisvoll abhängig wäre von dem besonderen militärischen Kastengeist. Nene Auslieferungen. Von der schlesisch-niffischc» Grenze wird uns geschrieben: Russische Deserteure passieren täglich die oberseblcsische Grenze. Wenn sie nicht auf Grund gefälschter Pässe die russischen Kontroll- stationen passieren können— in Rußland beschäftigen sich viele Leute mit der Anfertigimg und dem Verkauf gefälschler Pässe, die teuer bezahlt werden nnisseu—, dann suchen die Flüchtlinge an ver- botenen Stellen heimlich die Grenze zu überschreiten, ein Vorhaben, das gegenwärtig infolge des sehr niedrigen Wasserstandes des Grenz- flnsses Przcmsa häufig gelingt. Oft genng fällt freilich auch so ein unglücklicher Deserteur den Kugeln der stets wachsamen Kosaken zum Opfer. Diejenigen, welche den russischeil Grenzwächtern entgehen, sind damit aber keineslvegs geborgen, sondern falle» in den meisten Fällen den preußische» Häschern zum Opfer. Es ist eine Thatsache, daß jetzt täglich rnssjschc Deserteure von preußischen Beamten ans den Bahnhöfen des Jndnstriebezirks angehalten werde», von Ivo aus sie die Reise nach England oder Amerika antreten wollen. Tie Beamten suchen die Wngenabteile vierter Klasse in der gewissenhaftesten Weise ab und wer dem Spürsinn der Herren in Myslowitz, Kattowitz, Bcuthen oder Gleiwitz entgeht, wird sicher in Kandrzin gefangen, Ivo eine ganz besonders gründliche Revision der Wagen zc. erfolgt. Die Erwischten, die meist nicht das zur Reise nach Euglmid oder Amerika erforderliche Geld haben, werden als mittellose Ausländer ausgewiesen, d. h. sie werden an die russische Grenze»ach Sosnowice gebracht nnd dort von russischen Bcamtcn in Empfang genommen. Auf diese Weise wurden am Sonnabend»eu» russische Flüchtlinge ausgewiesen." Wer von den Unglücklichen über die galizische Grenze zu flüchten vermag, hat das bessere Teil erwählt, da die dortigen Behörden die Armen, auch wenn sie ganz mittellos sind, nicht ausweisen. Soweit unser Korrespondent I Wir werden auf diesen abscheulichen europäischen Skandal an der Hand reichhaltigen Materials zurückkommen.— Boi» südwcstasrikanischcn Kriegsschauplatz liegt nunmehr auch eine Meldung des Hauptinaiin a. D. Dannhauer vor, die vom 20. August datiert ist. Sie lautet: Heute nahm Hauptmann Franke auf dem Marsch einige Hereros gefangen, die das Gefecht bei H a m a k a r i mitgemacht haben, und welche aussagten, die Mamboleute seien rnisre Gegner dort gewesen. Tie Häuptlinge M u t a t e und Banjo seien gefallen, ein Teil der Hereros, auch Samuel, seien südöstlich nach O tj i k o n g o gegangen. Mail vermutet, daß die Tetjolcute nach ihrem Hcimatgebiet Gobnbis abgezogen seien. Mühlenfels nahm gestern die Wasserstelle Erindi-Endeka mit vielein Vieh nach kurzem Kämpf. Die Gefechtskraft des Feindes scheint gebrochen. Das Detachement Winkler stieß vor einigen Tagen nördlich von Otjosondu auf sehr überlegene Hererohaufen und brachte ihnen zahlreiche Verluste bei. Alle Abteilungen folgen dem Feinde zur Umfassung der Flanke. Das Haupt- quartier geht zunächst nach Owikokorero. Auch diese Meldung, so optimistisch sie gefärbt ist, bestätigt nur den Mißerfolg Trothas am Waterberg. Man muß sich immer wieder vor Augen halten, worin der Feldzugsplan Trothas eigentlich bestand. Er wollte die am Südrand des Waterberg lagernden starken Hererohaufen derart einkreisen, daß sie völlig vernichtet nnd zur Ergebung genötigt würden. Bevor er jedoch seine Vorbereitungen beendigt hatte, inachten die Hereros Miene, ihre Lagerplätze zu ver- lassen. Trotha beschleunigte nunmehr seine Operationen»nid unternahm am 10. und 11. seinen großen konzentrischen Angriff. Aber der Schlachtplan mißlang, die Masse der Hcrcros brach durch. Sie floh zunächst nach Osten, wo sie in der ftir unsre Truppen inipassicrbaren wasserlosen Steppe e n t k a in. Hier scheinen sich die flüchtigen Haufen getrennt zu haben. Wenig- stens spricht auch Dannhauer nur von einem Teil der Hereros, der sich nach S ü d o st e n gewendet habe. Ein andrer Teil scheint nach Osten oder Nordosten weitergeflohen zu sein. Die nach Südosten fliehenden Haufen wurden von den Truppen Trothas ver- folgt.„Alle Abteilungen folgen dem Feinde zur Umfassung der Flanke." Man wird abwarten müssen, welchen Erfolg diese Aktion haben wird. Vermutlich nur die, daß sich die Hereros wieder einmal nach einem andern Teile des Landes, nach dem Gebiete um G o b a b i s abgedrängt sehen, wo der Krieg dann so lange seinen Fortgang nehmen dürste, bis die Hereros sich genötigt sehen, über die Grenze nach Britisch-Betschuana- land zu flüchten, wohin ja schon ein erheblicher Teil vor Monaten geflüchtet sein soll. Damit wären die HereroS aber nicht besiegt, sondern man hätte lediglich das Land von Einwohnern und Vieh entvölkert! Inzwischen würde sich dann im Nordosten der andre Teil der Hereros irgendwo festgesetzt haben, bis er auch dort von den Truppen weitergcdrängt wird I Der Satz„Die G e f e ch t S k r a f t des Feindes scheint g e- brachen" will nicht allzu viel bedeuten. Wirklich standgehalten haben ja die Hereros von Anfang an nicht. Sie sind eigentlichen Angriffen immer ausgewichen und haben nur kleinere Abteilungeii überfallen. Angriffe auf größere Abteilungen, z. B. die Kolonne Glaseuapp, Huden sie nur dann unternommen, wenn ihnen das Gelände besonders günstig war. Die Hereros wären auch schön dumm, wenn sie sich auf wirk« liche Gefechte mit einer starken Truppe einlassen wollten. Ihre Stärke beruht ja gerade im Guerillakrieg, in ihrer Beweglichkeit und geschickten Ausnutzung kleiner strategischer Vorteile. Diese Taktik loird aber aller Voraussicht nach unsern Truppen noch manchen herben Verlust beibringen.— «• veutlckes Reteb. 15 Groschen-Hochverrat. Wir haben gestern auf Grund genauer Jnsormatiouen mitgeteilt, was Bebel in Amsterdam über Sedan und den Sturz des Napoleonismus gesagt hat. Die„Deutsche Tages- zeitung" behauptet empört, wir beschuldigten sie der Fälschung, und sie hält die Aiigelcgeiiheil für wichtig genng. um den Wortlaut— sie meint wohl gerichtlich— feststellen zu lassen. Wir haben nichts dagegen, wenn die„Deutsche Tageszeitung" die Gelegenheit bietet. vor der breitesten Oeffentlichkeit das elende Denunziautcnhaiidwerk der reaktionär-agrarischen Staatsstreichler zu entlarven. Bebel hat ausgeführt, was wir gestern festgestellt haben. Aber selbst wenn er gesagt hätte, was ihn die„Deutsche Tages- zeitung" auf Grund ungenauer Berichte hat sagen lassen— wie harmlos wäre verhältnismäßig auch diese Wendung gegenüber den „hochverräterischen" Drohungen der Landwirtsbündler. die einst— wegen IS Groschen Zolldifferenz—„mit dem Schwerte in der Hand", also durch einen euroväischen Krieg, die Handelsverträge zu zerreißen aufforderten, und erst jungst für den Fall, daß die Junker nicht die 13 oder 20 Groschen mehr als Wuchergewinn erhielten, die „Throne krachen ließen". Bebels Aeußerung selbst in der g e f ä l s ch t e n Form würde die Katastrophe um eines gewaltigen idealen Zieles als„keinen Schaden" betrachten. Die Anarchisten des Dreschflegels aber drohen mit jeglicher hochverräterischen Gewalt, bloß wenn die Taschen einer kleinen Sippe nicht genügend gefüllt werden. Tie Jllnker-Eainorra arbeitet seit jeher mit denselben Mitteln. Fürchten sie die Znrückdrängung ihres Einflusses, so suchen sie Krone und Regierung dadurch einzuschüchteni, daß sie selbst mit der Re- volntion drohen. Sind ihnen gegnerische Parteien im Wege, so denunzieren sie diese wegen derselben Handliingen, mit deren An- lündigung sie zuvor selbst erpresserisch gearbeitet haben!— Zum neuen Fall Arcnberg. Wie uns ein Privat-Telegramm ans Kiel meldet, hält sich der von Herrn Herfurth des Mordes eines Schwarzen angellagte ehemalige Sanitätsunteroffizier K o s s a k dortselbst auf. Er war dort erst Stellmachergeselle und erhielt dann anf Grund vorzüglicher Zeugnisse(auch vor- z ü g l i ch e r militärischer FührnngSpapiere?!) bei der Kieler Gewerbe-Jnspektion eine Anstellung. Er behauptete, daß er wegen H e r z s ch lv ä ch e den Tropeudienst habe aufgeben müssen. Nach den Meldungen über seine südwestafrikanische Vergangenheit wurde er von der Gewerbe-Jnspektion sofort entlassen. Es liegt also auch im Interesse des Kossak selbst, daß die Regicri'.ng sobald als möglich völlige Klarheit über den „neuen Fall Arenberg" schafft. Die Centmms-Parade in Regcnsburg. Der Katholikentag hat an den Kaiser das Bekenntnis seiner ehrfurchtsvollen Huldigung telegraphiert:„Folgend dem Befehle, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und ebenso Gott, was GotteS ist, geloben wir von neuem freudigen Herzens, daß alle unsre Verhandlungen der Ehre und dem Wohle des deutschen Vaterlandes dienen sollen. Wir wollen, gemäß dem erhabenen Beispiele Ew. Majestät, dahin arbeiten, daß das deutsche Volk gefestigt werde in Ehrfurcht zu Gott nnd seiner Religion und in Treue, Anhänglichkeit und Liebe zu seinem Herrscherliause und seinem Vaterlande." In der ersten öffentlichen Versammlung besprach der Vor- sitzende das Wesen der Katholikentagge, die nicht von den parlamen« tärischen Centrumsfraktionen geleiter würden, sondern von selbst aus dem Empfinden des katholischen Volkes heraus geschaffen worden seien. Redner mahnte zur Ailfrechtsrhaltiilig des konfessionellen Friedens und erklärte, die Katholiken ivollten lediglich die Rechte und Freiheiten, welche Andersgläubige in den Bundesstaaten ge- nössen. Prof. Esser- Bonn sprach über„die Erneuerung der Welt durch Christus", R o e r e n über„Papsttum und Ultramontanismus".— Eine schncidcnde Satire. Als wir am Sonntag die angebliche Deiiksckirift der b r a n n s ch w e i g r s ch e n Regierung gegen den Großherzog von M eckte nburg-Strelitz mitteilten, wie sie ein ivelfisches brauuschweiger Blatt veröffentlicht hatte, bc- merkten wir, daß die Denkschrift, sofern sie eine Mystifikation sei. „die Erfindung eines die Zeichen der Zeit klug deutenden Spatz- Vogels wäre". Das Blatt erklärt nun, daß die Denkschrift in der That eine Sattre wäre, und daß sie durch diese Form die Absicht verfolgt hätte, die Aufmerksamkeit auf bemerkenswerte maßgebende Auffassungen zu lenken. Es erklärt: „Die Zeitung hat sehr oft in ernstester Form auf die un- geheuren Konsequenzen hingewiesen, welche das von der braun- schweigischen Staatsregierung gegenüber der Thron- folge Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs Ernst August beobachtete Verfahren haben müßte, wenn einnial damit begonnen würde, die in diesem Falle acceplierten Grundsätze bei jeiiem andren Thronwechsel in einem deutschen Bundes- staate anzuwenden. Die Ausführung dieser Konsequenzen zeigt zugleich am deutlichsten, lvie verhängnisvoll für die gesamte d e li t s ch e M o n a r ch i e die Anschauungen der Denkschrift von 1902 sein würden, wenn sie über BrannschweigS Gebiet hinaus anerkannt würden."— Ohne anf die besonderen weifischen Landesvaterschmerzen ein- zugehen, darin hat das Blatt recht, daß die Satire nur ausspricht, lvas ist. Wenn einige Blätter über den„Unsinn" der Satire spotten, so ist das bewußte Heuchelei oder völlige Urteilslosigkeit. Mau braucht nur an die Affaire des Biesterfelders zu denken, um zu er- kennen, daß die Satire ins Schwarze trifft. Preußen erstrebt g-uiz zielbewußt politisch-wirtschaftlich— Eisen- bahnpolitik!— das R e i ch S m o n o p o l. Daß daneben ähnlich dynastische Bestrebungen gehen, gehört zum System!— Die glückliche Geburt eines Gesetzgebers wird wieder angezeigt. Der kaiserlich deutsche LegaiiouSsekretär im Haag. Graf Wilhelm v. Mirbach-Harff, Fideikommißbesitzer auf Harsi iin Kreise Bergheim, ist an Stelle des am 8. Februar verstorbenen Grafen Droste zu Vischering von Nesselrode- Reichenstein(Herten) auf Präsentalion des Verbandes des alten und des befestigten Grund- besitzeS im Landschaftsbezirk Cleve-Geldern mit Nieder-Berg und Nicder-Jülich durch allerhöchsten Erlaß vom 13. August anf Lebens- zeit in das Herrenhaus berufen worden.— Lehrer, Pastoren und Agrarier. Ans Gr. Ottersleben berichtet die„Magdeb. Volksstimme*: Im Laufe des vergangenen Jahres war es den Mitgliedern der evangelischen Schulsocietät Gr. Ottersleben-Benneckenbeck dank der zahlreichen Beteiligung unsrer Genossen gelungen, die Dienstalters- zulagen von 150 anf 180 M. und den Wohuungsgeldzilschuß von 200 auf 240 M. jährlich zu erhöhen. Diese Erhöhungen waren nun unsren Agrariern, die in der Gemeindevertretung— leider— eine große Rolle spielen, ein Dorn im Auge, und kein Mittel blieb unversucht, diesen Beschluß wieder umzustoßen. Ja, es winde sogar in der vor- letzten Versammlung an unfern Genossen Klotsch von einigen Großgrundbesitzern(!) das Ansinnen gestellt, dahin die Versammlung zu beeinflussen, daß es zu keinem endgültigen Beschluß komme! Diese Zumutung wurde von unserm Genossen selbstvciständ- lich ganz entschieden zurückgewiesen. Als nun die in Frage stehende Gehaltserhöhung von der Regierung bestätigt und den beteiligten Gemeinden das mitgeteilt wurde, erhob der Gemeindevorsteher Georg Kühne in Benneckenbeck Beschwerde beim Ministerium! Um nun diese Beschwerde recht wirksam zu gestalten, wurden zwei Lehrer mir nichts dir nichts beschuldigt,„mir der Socialdemokratie einen Kompromiß geschlossen" zu haben I Am Montag. den IS. August, erhielt»un Genosse Klotkch nachstehendes Schriftstück: Königl. KreiSschulinspektion Bahrendorf. Nr. 1066. Beyendorf, den IS. August 1004. Sehr geehrter Herr! Was ich Ihnen hier mitteile, bitte ich streng vertraulich zu halten. Der Lehrer. Herr Teudeloff. ist beschuldigt, mit Ihnen als dem Vertreter der Socialdemokratie in Groß-Otterslcben einen Kompromiß geschlossen zu haben, um dadurch Ihre Stimmen für die Erhöhung der Alterszulagcn von 180 Mark zu erlangen. Die Angelegenheit kann nur dadurch urkundlich aufgeklart werden, daß Sie Ihre Aussage geben, �ch Sie im Interesse der Wahrheit(!) nun bitten, am Mittwochabend im Rektoratszimmer der neuen Schule. Benneckenbeck, erscheinen zu wollen. Ein Recht steht mir nicht zu, Sie zum Termin zu laden, aber ich meine, Sie werden einer freundlichen Bitte meinerseits Folge geben und erscheinen. Erg eben st Krüger, Pastor, Königlicher Kreisschulinspektor. Der also Eingeladene kam der ttenndlichei, Bitte des geistlichen Herrn auch nach und hierbei wurde ihm dami bekannt gegeben, daß diese gewiß recht wohlgemeinte— Beschuldigung ebenfalls eine Leistung des Gemeindevorstehers von Benneckenbeck, Georg Köhne, sÄi Genosse Mötsch konnte dem Kretsschulinspektor denn auch ganz frei- mutig erklären, daß das Eintreten der Socialdeinokraten für die Schule in dem socialistischen Parteiprogramm niedergelegt und es demnach Pflicht eines jeden Socialdemokraten sei, dieses Pro- gramm zu erfüllen. Im übrigen betrachte er diese Denunziation gegen die Lehrer als eine persönliche Beleidigung für sich und die gesamte socialdemokratische Einlvohuerschaft von Grofl-OtterSleben und Benneckenbeck, hervorgegangen aus häßlichem Groll und aus der Wut über die in der Schulangelcgenheit erlittene Niederlage, „Urkundlich" ist also aufgeklärt, daß kein„Kompromiß" bestand, daß die Verdächtigung der Lehrer eine häßliche Denunziation war und daß der Herr Kreisschulinspektor in dein Kampfe der Agrarier gegen die Zulagen der Lehrer eine— sagen wir vorsichtig— höchst seltsame Rolle spielt!—_ Aus dein Harz wird uns geschrieben: Die anhaltende Dürre hat in Deutschland in weiteren Kreisen das Bewußtsein einer Wirt- schaftlichen Vernachlässigung wachgerufen. Die Wassernot hat be- sonders auch iin Harz zu vielfachen Kalamitäten geführt. In manchen Orten war die Versorgung mit Trinkwasser sogar sehr erschwert, oft mußte das Wasser aus entfernten Brunnen geholt werden, das wurde nur in beschränkten Quantitäten abgegeben. Bade- Orte haben stark darunter gelitten, daß die Bade- Anstalten ivegen Wassermangels ganz geschlossen oder nur wenig in Betrieb gehalten wurden. Daß unter diesen Umständen die industriellen Anlagen schwer betroffen worden sind, liegt auf der Hand. Alle die Schäden und Beschwernisse hätten aber auf ein ganz kleines Maß reduziert werden können. Zum Teil sind die Vorkommnisse auf die Kurzsichtigkeit von Kommunalverivaltungen zurückzuführen. So besteht z. B. in Gernrode eine Wasserleitung, ivelche die Stadt und zum Teil das anschließende Bad Suderode zu speisen hat. Die Wasserleitung ist in Privat- besitz und mit einem Aufwände von ca. 100000 Mark erhaut worden. Da neben der Wasserleitung noch zahl- reiche Brunnen vorhanden sind, ist die Wasserentnahme aus der Leitung nicht groß genug, eine übliche Verzinsung deS Anlagekapitals zu ermöglichen: es werden nur 2 Proz. erzielt. Während in normalen Zeiten die Leistungsfähigkeit des Wasserwerkes noch Über die Bedürfnisse hinansgeht, reichten die Anlagen unter den veränderten Umständen infolge der Dürre nicht ans. Wenn nicht einzelne Brnnncnbesitzer bereitwilligst Wasser abgegeben hätten, dann mußte sich der Wassermangel zu einer direkten Wassernot auswachsen, jetzt konnten die Leute sich wenigstens noch not- dürftig mit Trinkwasser versorgen. Von eigentlichem Wassermangel kann dabei gar nicht die Rede sein, denn es ist genügend Wasser vorhanden, es bedürfte nur einer entsprechenden'Erweiterung der Anlage. Der Privatunternehmer hat jedoch keine Lust, bei der niedrigen Verzinsung weiteres Kapital hineinzustecken, nmsowcniger als die Stadt nach 60 Jahren laut Vertrag ohne jede Entschädigungs- leistung Eigentümerin der Anlage lvird. Unter solchen Umständen müßte die Kommunalverwaltung sich ohne Bedenken zur Kosten- deckung der notwendigen Erlveitcrungsanlage verstehen oder aber die Anlage zu dem in Aussicht stehenden, iveit unter Anlagekosten stehenden Preis, erwerben. Das ist man dem größeren Kreise der Bevölkerung schuldig, die größeren Besitzer haben ja ihre eignen Brunnen, aber die kleinen Leute, Arbeiter, Wohnmigsinietcr sind meist auf die Wasserleitung angeiviesen. Die Wasserkalainität dieses JabreS drängt weiter mit Energie auf den Bau von Thalsperren hin. Wie schon bemerkt, ist der Harz nicht wasserarni, im Gegenteil meist kann man schon eher über Uebcrfluß klagen; klagen darum, weil der Ueberfluß nicht gezähmt und bewacht, oft genug verheerend wirkt, das Gebild der Menschenhand zerstört. In regenreichen Seiten stürzt das Wasser in den steilen Gebirgsbächen hernieder, ergießt sich ins Thal, zerstört, was ihm im wilden Lauf hindernd in den Weg kommt. Soweit die Natnrkrakt nicht zerstörend wirkt, verpufft sie nutzlos. Ohne übergroße Kosten und Schwierigkeiten könnte hier durch Menschenwerk die Naturgewalt gehemmt werden, zum Segen der Menschheit, ohne daß die landschaftlichen Schönheiten vernichtet. der Reiz der Natur vermindert würde. Im Bodethal zum Beispiel ließen sich an einzelnen Stellen, wo die Bode 30— 50 Meter tief unter dem Niveau der Touristenpassage dahinbraust, leicht Sperren an- bringen. Man gewänne dadurch vielleicht 4—0 kleine Seen, in denen man Millionen Kubikmeter Wasser sammeln könnte, einmal um das Zerstörungswerk ungehemmt niederbrausender Wassermassen zu be- hindern, ferner um zur Abwendung ev. drohender Notstände dasselbe im Reservoir zur Verfügung zu haben. Der Schaden, den die Dürre dieses JahreS angerichtet hat, jst größer als die Anlagekosten solcher Sperren sein können. Nach dieser Richtung ist bisher viel vernach- lässigt worden-, hoffentlich kommt der Talsperrenbau nun flott in Fluß. Das wäre eine gesündere Wirtschaftspolitik, als das Land mit Zollmauern zu umgeben.— Ein Erstklassiger. München, 22. August.(Eig. Bcr.) Ter Angeklagte Rittmeister Frhr. v. Horn wurde in Civil- kleidung durch den Rittmeister Frhr. v. Steinling aus der Unter- suchungshaft vorgeführt. Er nahm nicht auf der Anklagebank, wo sonst Verbrecher seines Schlages Platz nehmen müssen, Platz, er placierte sich anstandslos aus einen Stuhl neben seinem Verteidiger. Während man vor dem LfricgSgerichte gewöhnt ist, daß der Ver- handlungsleiter mit gewöhnlichen Angeklagten im Käser n e n- ton zu verkehren pflegt, wurde der Angeklagte v. Horn in der , schonendsten Weise behandelt; die Frage des Verhandlungsleiters nach jeder Zeugenvernehmung lautete stereotyp:«Haben Herr Ritt- Meister hierauf etwas zu erwidern?" Ueber seine persönlichen Verhältnisse befragt, erklärte der An- geklagte v. Horn, daß er Sohn des Generallieutcnants z. D. Excellenz v. Horn sei. Im Laufe seiner Carriere sei er zum Kammerjunkcr, später zum königlichen Kämmerer ernannt worden. Auf Antrag des Vertreters der Anklage wird während eines Teiles des Verhörs die Deffentlichkeit der Verhandlung wegen Gefährdung der Sittlichkeit und Preisgabe dienstlicher Verhältnisse ausgeschlossen. Bei der Vernehmung des Angeklagten über die Be- trugsrcate und Wechselfälschungen wurde die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Der Angeklagte gab an, daß er bei seiner Verehelichung mit seiner Frau Gütergemeinschaft vereinbart habe. Eine bedeutende Schuldenlast, die später sein Schwiegervater bezahlen mußte, führte auf dessen Veranlassung zur Gütertrennung mit seiner Ehefrau. Diese mutzte bei Abschluß des Vertrages ihrem Vater das bindende Versprechen geben, von ihrem Vermögen ihm(V. Horn) irgend etwas zukommen zu lassen. Im Jahre 1901 sei er infolge seiner krankhaften Neigungen in die Hände von Erpressern geraten. Er sei unter Drohungen zur Beschaffung größerer Mittel gedrängt worden. Das Geld hierzu habe er sich erst auf Schuldscheinen, später auf Wechseln beschafft. Dabei sei er auch noch in die Hände von Wucherern geraten. Die Valuta erhielt er nur in geringem Teile in bar für den Rest mußte er Bilder, Uhren und sonstigen Tand an- nehmen- für einen vierteljährigen Jahreswechsel habe man 20 Proz., sonst aber 80 Proz. pro Anno abgezogen; dazu mußte er einmal V'-etioien im angeblichen Werte von 2000 M. annehmen, er habe daraus aber nur 200 M. erlöst. Seine Geldgeber habe er fast nie ertabren neben den 40 Proz., die diese beanspruchten, mußte er noch 20 Proz den Vermittlern bezahlen. Die Wechselfälschungen und die Betrugorcate zum Nachteile der Lieutenants v Kiliani. v. Bomhard. Thalmeyer gab der An- geklagte zu lieber sein Vcrhältnts zu dem prakt. Arzt Dr. Hof- brückt in Pasing gab v Horn an. daß er durch Lieutenant v. Kiliani mit Hofbrückl bekannt wurde. Von diesem erhielt er zunächst ein Darlehen von 17 000 M.. mußte aber einen Schuldschein von 23 000 M. unterschreiben.(1) Einige Zeit später sei er wieder zu Dr. Hofbriickl gegangen und habe diesem emen Depotschein über das von der Deutschen Bank verwaltete Vermögen seiner Frau in der Höhe von 300 000 M. vorgezeigt, v. Horn bestritt, daß er das Wort„Frau" mit dem Daumen bedeckt habe. Er habe aber- mals ein Darlehen von 3000 N. gegen Hingabe eines Schuldscheines von 13 000 M.. zahlbar in einem Jahre, ausgehändigt erhalten; welcher Zinsfuß ausgemacht war, könne er nicht mehr angeben. Später erhielt er noch ein Darlehen von 2000 M. Die Höhe der von dem Angeklagten lontrahierten oder heraus- geschwindelten Wechselsumme beträgt rund 108 000 M. Der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Main, brand- markte in scharfen Worten das Gebaren des Angeklagten Freiherrn v. Horn und beantragte eine Gesamtstrafe von 7 Jahren 6 Monaten Zuchthaus. 10 Jahren Ehrverlust und Ent- fernung aus dem Heere. Das Urteil lautet, wie schon gestern durch Privattclegramm gemeldet, auf 0 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehr- Verlust und Eiitseriiuug aus dem Heere. Hueland. Frankreich. Verbesserung deS Soldatenloscs. Der französische Kriegsminister General A n d r s hat im Laufe seiner Amtsthätigkeit mancherlei Reformen geschaffen, unter andern auch solche, denen man den guten Willen, das Los der Soldaten zu verbessern, nicht ab- sprechen kann. Auch kürzlich hat er wieder an die Regiments- koinmandeure ein Cirkular erlassen, in welchem er auf frühere Ver- ordnimgen verweist und Bericht über dieselben einfordert. In jenen, schon vor längerer Zeit erlassenen Dekreten hat der Mmister angeordnet, daß die R e g i m e n t s k o m m a n d e n r e nicht bloß für militärische, sondern mich für bürgerliche Ausbildung der Soldaten sorgen sollen. Sie haben dabei die Mithilfe von Gesellschaften oder auch Privat- Personen in Anspruch zu nehmen. Neben der militärischen Ausbildung sollen die Soldaten Unterricht durch Vorträge ans dem Gebiete der Volkswirtschaft, Moral, der K u n st usw. erhalten.„Man bemühe sich, den Soldaten die Idee der Solidarität und der Toleranz beizubringen." Ferner soll durch Errichtung von Bibliotheken, Lese- und U n t e r h a ltu ii g s- S ä l e n, durch Arrangierung von Theateraufsührunge n usw. für die Erholung der Soldaten gesorgt werden.— Ist dies auch nicht all zu viel, so sind diese Maßnahmen, vorausgesetzt, daß sie von den Herren Regimentschefs auck wirklich in vernünftiger Weise durchgeführt werden, doch geeignet, einige Abwechselung in den monotonen Kasernendrill zu bringen, das Leben der Soldaten etwas heiterer zu gestalten und den engen Blick des militärischen Geistes etwas zu erweitern.— Rtchland. Der Zar hat über 2000 Junker zu Offizieren ernannt. Da der jüngst geborene Thronfolger Alexei zum H e t m a n aller Kosakenregimenter ernannt worden ist, sollte doch eigentlich gar kein Bedarf für so viel neugebackene Offiziere sein. Der feierliche Taufakt deS ungewöhnlich jugendlichen Kosaken- hctmans findet am Mittwoch in Petershof statt. Der deutsche Kaiser wird dabei durch den Prinzen Heinrich vertreten sein. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" widmet der Feier folgende Ans- führnngcn: „Zahlreiche Kundgebungen anS Anlaß der Geburt des Großsürsten-Thronfolgers haben erneut beiviesen, daß das Bewußtsein mit dem Herrscherhause gemeinsam durchlebter Tage des Glücks und der Prüfung im russischen Volle in voller Kraft lebendig ist und daß das Volk des großen Nachbarreichcs in dem jüngsten Sproß seines erlauchten Kaiserhauses ein neues Pfand glücklicher Weiterentwicklung erblickt. Auch in Deutschland, dessen Fiirstengeschlechter mit der russischen Dynastie durch enge Bande des Blutes verbunden sind, nehmen weite Kreise an der niorgigen Feier warmen Anteil und wünschen dem Hause und dem Reiche des russischen Herrschers Segen und Gedeihen." Es ist das Glück der offiziösen Phrasendrescher, daß sie die Wahrheit nie zu künden brauchen.— Amerika. Grovcr Elcvelaiid will für den Präsidentschaftskandidaten Parker „ans den Stnnip" gehen und fünf große Reden halten. Anfang September will er vor einer Massenversammlung in Chicago sprechen. Ein Teil der demokratischen Partei sieht es nicht gern, daß Clcveland sich in den Vordergrund drängt, weil er nicht gut angeschrieben sei bei den organisierten Arbeitern, mit denen es die Demokraten nicht ganz verderben möchten, aber Clevcland besitzt noch Einfluß und Anhang in der Partei, er gilt der konservativen Richtung als ihre beste Stütze. Eine Gruppe der Demolraten, die sich radikal gcberdet, will selbständig auftreten. Es sind die„Jefferson-Demokraten", die zum 29. August eine Parteikonvention„wahrer" Demokraten nach Chicago einberufen haben. Sie erwarten, daß jeder Staat der Union ver- treten sein wird; sie hoffen auf Zuzug von den Arbeiter- orgauisatioiieii, aus den Reihen der Farmer und von Reform- Elementen aller Art.— Vom oftasiatischen Kriegsschauplatz. Nnssische Verluste bei der Seeschlacht vor Port Arthur. Paris, 23. Augnst.„Echo d e Paris" meldet ans Petersburg: Admiral A l e x e j e w berichtet in seinem Rapport an den Zaren, daß sich die Verluste in dem Seegefecht vom 10. d. M. auf 5 Offiziere und 350 Mann tot und 20 Offiziere und 300 Manu verwundet belaufen. Wie dasselbe Blatt weiter berichtet, ist der in den Haien von Saigon eingclanfene russische Kreuzer„Diana" stark beschädigt. Russische Nciitralitätöverleftniigen. Shanghai, 23. Angnst. sMeldimg des„Reitterschen Bureaus".) Das Urteil des Marine-GerichtShofes in der An- gelegenheit des Dampfers„ H i p s a n g" ist heute morgen gefällt worden. Nach demselben näherte sich der russische Torpedoboots- zerstörer, von dem man jetzt weiß, daß es der„Rastoropny" ge- loesen ist, dem englischen Dampfer„Hipsang", dessen Lichter hell brannten und der am Tage die englische Flagge zeigte. Der Torpedobootszerstörer feuerte Granate«, die einige Passagiere tötete», andre verwundete», worauf die„Hipsang" sofort hielt; aber das russische Schiff schoß noch einen Torpedo ab und brachte so den Dampfer zum Sinken. Die„Hipsang" hatte weder Konterbande noch Japaner an Bord. Der Gerichtshof macht den Bord of Trade und das Auswärtige Amt darauf auf- merksam, daß der Dampfer, obgleich er mit der nötigen Borsicht und mit einem einwandfreien Kurs gefahren ist, beschossen und zum Sinken gebracht wurde ohne einen rechtlichen Grund oder Bcr- anlassnng. Große Erbitterung ruft in England auch das neuerliche Anhalten eines englischen Schiffes, des Handelsdampfers„Comedian", durch ein russisches Schiff in den südafrikanischen Gewässern hervor. Das russische Schiff soll ein in einen Schiffskreuzer verwandelter ehemaliger deutscher Schnelldampfer gewesen sein. Londan, 23. August. In den Schiffahrtskreisen von Kapstadt erregt die Durchsuchung eines englischen Dampfers durch ein russisches Schiff— wie man dort fest glaubt, von der Freiwilligen-Flotte— E r st a u n e n und B e st ii r z u n g. Mehrere Dampser haben in den letzten Tagen auf dem Wege nach Japan Kapstadt angelaufen. Man befürchtet, daß diese dem russischen Schiffe in die Hände fallen lverden, und erwartet, daß die britische Regierung euer- zischen Protest einlegen werde. Im Lager der Tschuntschusen. Ein amerikanischer Oberstabsarzt Namens Seaman, der soeben aus der Mandschurei nach Tschifu zurückgekehrt ist, hatte mit dem amerikanischen Rittmeister Boyd vom 10. ainerikanischen Kavallerieregiment einem Tschuntschiisenlager einen Besuch abgestattet. lieber ihre Erlebnisse bei diesem räuberischen Reitervolke, das den Russen jetzt mancherlei ernste Schwierigkeiten bereitet, wird dem„Reuterschev Bureau" berichtet: Die beiden Herren waren Gäste deS TschuntschusenhäuptlmgS Tschungtsonlin in der Nähe von Sinminting. Die dort lagernden Tschuntschusen waren etwa 2000 Mann stark. Oberstabsarzt Seaman stellte fest, daß diese Tschuntschusen in dem Dienste der Japaner stehen, die dem Fußvolk dieser mandschurischen Räuber 15 Taels für Mann und Monat und den Berittenen 25 Taels be- zahlen. Seaman fand auch viele japanische Offiziere in dem Lager dieser Leute. Da Oberstabsarzt Seaman offenbar den Japanern freundlich gesinnt ist, dürften seine Angaben nicht zu be- zweifeln sein. Während des Aufenthalts im Lager der Räuber kamen tschuntfchusische Patrouillen zurück, die die Köpfe von fünf Kosaken ans ihren Lanzen trugen. Diese Kosaken gehörten einer Kosaken- abteilmig von 35 Mann an. die 1000 Stück Vieh zusammen- getrieben hatten, das nunmehr in die Hände der Räuber gefallen war. Die Tschuntschusen sind sehr stolz ans ihre Reitlunst und eigneten sich sofort einige neue Tricks an, die ihnen der amerikanische Rittmeister Boyd zeigte. Der Angriff ans die Kosaken hatte übrigens zur Folge, daß der Anmarsch eines Kosaken-Detachements von 3000 Mann gemeldet wurde. Der Häuptling der Räuber teilte dies seinen Besuchern mit und machte. sie darauf aufmerksam, daß er nicht in der Lage sein werde, ihnen in genügender Weise Schutz zu gewähren. Die beiden Amerikaner verstanden den Wink und verließen schleunigst das interessante Räuberlager._____ Gcwerklcbaftlicbeö. Streiks und Aussperrungen im Jahre 1993. In der letzten Nummer des„Correspondenzblatt" der General- kommission veröffentlicht Genosse Legten einen interessanten Artikel über die Streiks im Jahre 1903, dem wir aus Raummangel leider nur die thatsächlichen Mitteilungen entnehmen können. Das Jahr 1903 war für die gewerkschaftlichen Organisationen ein Kanipsesjahr, wie keines je zuvor. Es waren 1200 Streiks und 82 Aussperrungen(davon 4 Maiaussperrungen), zusammen 1232 Kämpfe mit dem Unternehmertum zu verzeichnen. Die höchste in einem der früheren Jahre erreichte Zahl der Kämpfe war im Jahre 1898 mit 985. An den Streiks waren 75 830, an den Aussperrungen 45 703, insgesamt 121 593 Personen beteiligt. Nur im Jahre 1896 war die Zahl der Beteiligten größer als im verflossenen Jahre. Sie erreichte damals 128 808, doch muß das Jahr 1890 als ein Ausnahmcjahr angesehen werden, weil in diesem mehrere besonders umfangreiche Kämpfe geführt wurden. An dem Streik der Kon» fcktionsarbeitcr waren allein 30 000, an den Streiks der Hafen- arbciter 23 280 und an denen der Holzarbeiter 25 401 Personen beteiligt, eine Ziffer, die in diesen Gewerben nicht wieder erreicht worden ist. Den größten Prozentsatz erfolgreicher Streiks finden wir in der Gruppe Baugewerbe mit 54,4, dann folgt die Holzindustrie mit 53,8 und die Metallindustrie mit 47,7 Proz. Angriffs st reiks wurden im Jahre 1903 003=- 47,0 Proz. aller Streiks geführt. Beteiligt waren 53 703 Personen, darunter 2841 weibliche. Die Kosten für diese Streiks betrugen 2 539 098 Mk. Für 42 050 an den Streiks Beteiligten ist der Verlust an Arbeits- zeit mit 805 870 Tagen festgestellt, von denen aus die weiblichen Beteiligten 00 430 Tage entfallen. Diese Streikenden hatten einen Verlust an Arbeitsverdienst von 3 778 041 Mk. Von den Streiks waren 281— 46,0 Proz. erfolgreich, 154= 255 Proz. teilweise erfolgreich und 148— 24,5 Proz. erfolglos."TT Streiks waren am 1. Januar 1904 noch nicht beendet. A b w e h r st r e i k s und Aussperrungen brachte das Jahr 1903 079— 53 Proz. aller Streiks. Beteiligt waren hieran 07 830 Per» sonen, darunter 9809 weibliche. Für 40 308 dieser Beteiligten ist der Verlust an Arbeitszeit mit 1 750 422 Tagen und der Verlust an Arbeitsverdienst mit 3 897 890 Ml. festgestellt. Auf die weiblichen Beteiligten entfallen 013 073 Arbeitstage. Die Kosten der Abwehr» streiks und Aussperrungen betrugen 2 541 280 Mk. und sind somit annähernd gleich hoch, wie die für die Angriffsstreiks. Von den Streiks und Aussperrungen waren 342— 50,4 Proz. erfolgreich, 85— 12,5 Proz. teilweise erfolgreich und 211— 31,1 Proz. erfolglos. 15 Streiks und 30 Aussperrungen waren am 1. Januar 1904 noch nicht beendet, doch sind in der Statistik 20 Aussperrungen als ab- geschlossen geftihrt, weil sie in den ersten Tagen des Jahres 1904 endeten. Der Prozentsatz der erfolgreichen Abwchrstreils war im Jahre 1903 höher, als der der erfolgreichen Angriffsstreiks, ein Beweis dafür, wie wenig berechtigt das Vorgehen der Unternehmer gegen die Arbeiter war. Bemerkenswert ist, daß auch im verflossenen Jahr mehr als die Hälfte, nämlich 079— 53 Proz. aller Kämpfe zur Abwehr gegen Maßregeln und Drangsalierungen seitens des Unternehmertums von der Arbeiterschaft geführt werden mußten. Im Jahre 1902 waren 00,4 und 1901 00,0 Proz., im Durchschnitt der Jahre 1890 bis 1903 50,3 Proz. aller Kämpfe Abwchrkämpfe. Des weiteren übte sich das Unternehmertum in den letzten Jahren besonders in der Aus- sperrungstaktik. Im Jahre 1900 wurden 40 Aussperrungen mit 14 030 Beteiligten, in den folgenden 3 Jahren 35 mit 8400, 56 mit 0791 und 82 mit 45 703 Beteiligten von dem Unternehmertum durchgeführt. In den letzten vier Jahren waren also nicht weniger als 219 Aussperrungen mit 75 044 Beteiligten, von denen 51901 einen Verlust an Arbeitszeit von 1 937 108 Tagen und einen Verlust an Arbeitsverdienst von 4 833 700 Mk. hatten, zu verzeichnen. Für die Jahre vor 1900 lassen sich so detaillierte Angaben nicht machen, weil bis zu dicscin Jahre die Statistik nur summarisch geführt und die Einzelheiten nicht angegeben wurden. Im Jahre 1903 betrug der Verlust an Arbeitszeit für 32 036 Ausgesperrte 1 512 771 Tage. Ausgesperrt wurden auch 7825 Ar» beiterinncn, auf die 580 040 Tage Arbeitszcitverlust entfallen. Die Kosten der Aussperrungen belicfcn sich auf 1 798 801 Mk., worin die Ausgabe für Aussperrungen der Maurer nicht enthalten ist. Diese Ausgabe ist in der für Abwchrstreils mitverrechnet. Von den Aussperrungen endeten 32— 39 Proz. erfolgreich für die Arbeiter, 13— 15,8 Proz. teilweise erfolgreich und 24— 29,3 Proz. erfolglos. In den letzten vier Jahren wurden die Arbeiter in 219 Fällen, davon 20 Fälle wegen Feiern des 1. Mai, ausgesperrt. Ueber die Maiaussperrungen wird von den Gewerkschaften nur ganz aus» nahmsweise für die Statistik berichtet, weil die Sache in den meisten Fällen ohne Inanspruchnahme der Centralverwaltnng ihre Er» ledijjuug findet. Die in der Statistik angeführte Zahl der Mai» aussperrungen erreichte nicht annähernd die Zahl der thatsächlich am 1. Mai erfolgten Aussperrungen.. Ueber die persönlichen Verhältnisse der an den Streiks und Aussperrungen Beteiligten ist zu bemerken, daß von diesen 42 002 männliche und 3437 weibliche verheiratet waren, die 97 427 Kinder zu ernähren hatten. Es sind also trotz amtlicher Statistik keine unreifen Elemente, von denen die Streiks geführt werden. Beigelegt wurden die Differenzen in 458 Fällen direkt zwischen den unmittelbar beteiligten Arbeitern und Unternehmern, in 152 Fällen durch Vermittelung der Lokalverwaltung der Organisierten, in 218 Fällen durch Vermittelung des Centralvorstandcs, in 47 Fällen durch Vermittelung dritter Personen und in 55 Fällen vor dem Gcwerbcgerichr. Bemerkenswert ist noch, daß bei den Kämpfen insgesamt 1098 Mal von den Arbeitern Verhandlungen anzuknüpfen versucht wurde und daß die Unternehmer die Verhandlungen 811 Mal rundweg ablehnten. Ein Beweis für die geringe Friedensliebe vieler Unternehmer. Die gesamten Kosten für die Streiks und Aussperrungen be- liefen sich im Jahre 1903 auf 5 080 934 Mk. Davon kamen 4 511 021 Mark— 88,8 Proz. aus Mitteln der beteiligten Organisationen, 131 559 Mk. durch freiwillige Beiträge der Mitglieder, 01471 Mk. durch Beiträge andrer Gewerkschaften, 330 799 Mk. durch Samm- lungcn und 40 348 Mk. vom Auslande. In den Jahren 1890 bis 1903 verursachten die Streiks und Aussperrungen eine Ausgabe von 24 173 004 Mk., wovon 70 Proz. aus den Kassen der Organisationen kamen. Vom Auslande wurden insgesamt 387 834 Mark an Unterstützungsgeldern gesandt. Der Prozentsatz der Ausgaben, der aus der Verbandskasse kam, war im Jahre 1903 geringer als im Vorjahr. Es ist dies durch die Unterstützungen, die für die grösseren Aussperrungen gesammelt wurden, herbeigeführt. Gewaltige Opfer wurden in wenigen Jahren von der Arbeiter- schaft ini Kampfe um ein menschenwürdiges Dasein gebracht. Gegen- wärtig zeigt sich das Unternehmertum rücksichtsloser denn je. Der im allgemeinen günstige Ausgang des wirtschaftlichen Kampfes im letzten Jahre wird aber das Selbstvertrauen der Arbeiterschaft stärken und diese zu erhöhter Thatkrast anspornen, so dass sie auch dem erneuten Ansturm der Untcrnehmer-Organisationen gewachsen sein wird. Berlin und Qmgcgcnd. Der Streit und die Aussperrung der Former. Dem Beschluß entsprechend sind gestern vormittag die bei Schwartzkopff gestellten Forderungen, die wir seiner Zeit' veröffcnt- licht haben, allen in Betracht kommenden Firmen vorgelegt worden. Diesem Vereinbarungsvorschlag ist jedoch noch folgender Passus als Punkt 13 hinzugeftigt worden: „Zur Ueberwachung dieser Vereinbarung, zur Verhütung von Streits und Aussperrungen ist bis zum 1. Oktober 1904 eine paritätische Schlichtungskommission unter dem Vorsitz eines Un- parteiischen zu bilden. Die Schlichtungskommission soll sich zu- sammensetzen aus fünf Arbeitgebern und fünf Arbeitnehmern." Die Bestimmung gilt nur, wenn eine größere Zahl von Firmen der Vereinbarung beitritt, andernfalls, gilt die im Punkt 3 der Vor- schlüge angeführte Bestimmung, wonach das Gewerbegericht die letzte Instanz bei Streitfragen bildet. Charakteristisch fiir das Ziel, das die Arbeiter sich bei diesem ihnen aufgezwungenen Kampfe gestellt haben, ist die folgende Anmerkung auf dem Vereinbarnngsentwurf: „Die oben angeführten Forderungen halten wir im I n t e r- esse einer ruhigen Produktion für not In endig, damit nicht aus ähnlichen, verhältnismäßig kleinen Anlässen, Ivie bei Schwartzkopff, in andern Gießereien Differenzen entstehen, die dann wieder zu einem Kampf auf der ganzen Linie auswachscn." Der Satz sagt deutlich, was übrigens für jeden, der nicht durch die Hetzartikel der Scharfmacherpresse verblendet ist, selbstverständlich ist, daß die Arbeiter den ruhigen Fortgang der Produktion sichern wollen, daß sie den Frieden wünschen, freilich nicht den Frieden um jeden Preis, nicht den Frieden, der sie zu willenlosen Sklaven der Unternehmer erniedrigt. Wie sollte es auch anders sein? Sind es doch die Arbeiter, die am schwersten unter den Erschütterungen der Industrie, die solche grossen gewerkschaftlichen Kämpfe mit sich bringen, zu leiden haben! Es bleibt nun abzuwarten, welche Antloort die Unternehmer geben, ob sie beiden Teilen zum Vorteil gereichende vernünftige Vereinbarungen wollen oder Fortsetzung des Kampfes, der auch ihnen bereits schwere Opfer gekostet hat und noch schwerere kosten würde. Ihre Antwort wird innerhalb dreier Tage erwartet. Gester» haben sämtliche 30 Metallformer der Firma Schwartzkopff die Arbeit niedergelegt. Im übrigen ist keine größere Veränderung der Lage eingetreten. Zum Streik der Bildhauer bei der Firma I. C. Pfaff ist mit- zuteilen, dass die Firma versucht, durch Annoncen in Provinzblättern Arbeitswillige nach Berlin zu bekommen. Bis jetzt mit negativem Erfolge. Da die Lage in Berlin überhaupt eine gespannte ist, ist jeder Zuzug nach hier fernzuhalten und sind Berliner Annoncen nicht zu beachten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Agitationskommission der Bildhauer Berlins. Die Backofcnmaurer und Hilfsarbeiter können über einen mit Erfolg durchgeführten Kampf berichten. Seit Jahrzehnten sind unter den Berliner Maurern eine Anzahl vorhanden, die sich ausschliesslich nur mit Ausführung von Backofenbau beschäftigen. Es war unter den Berliner Maurern aber auch altbekannte That- fache, daß sich unter dieser Kategorie nicht immer die besten Elemente befanden, sondern es scharten sich dort gerade meistenteils diejenigen zusammen, die das Zusammenarbeiten auf den Bauten scheuten, weil ihre Organisationspapiere nicht in Ord- nung oder aber auch die Betreffenden gar nicht im Besitz solcher waren. Es war altbekannte Thatsache, dass in den Bewegungs- jähren 1896— 1899 die Berliner Backofenmaurer nebst ihren Hilss- arbeitern unter dem ortsüblichen Stundenlohn arbeiteten. Sic versuchten auch durch übermässig lange Arbeitszeit einen noch höheren Lohn zu erzielen, als die auf den Bauten beschäftigten Liollegen. In einzelnen Geschäften war noch im Jahre 1904 die Ivstündige Arbeitszeit üblich. In neuerer Zeit haben sich nun unter den Backofcnmaurcrn etliche Kollegen gesunden, die es sich zur Auf- gäbe machten, mit aller Kraft und Energie gegen die in diesem Fach eingerissenen Mißstände aufzutreten. Um dieses zu erreichen, wurde im März dieses Jahres in eine Agitation unter den Backofenmaurern eingetreten und ist es auch gelungen, ziemlich alle Kollegen nebst Hilfsarbeitern der Organisation zuzuführen. Nachdem dies ge- schehen, wurde mit Hilfe der in Betracht kommenden Organisationen im Juli dieses Jahres in eine Lohnbewegung eingetreten. Da eine Einigung auf friedlichem Wege nicht zu erreichen war, blieb den Backofenmaurern und ihren Hilfsarbeitern nichts übrig, als in den Streik zu treten. Es legten am Montag, den 1. August, ca. 70 Maurer und 2ö Hilfsarbeiter die Arbeit nieder und ruhte dieselbe bei allen in Betracht kommenden Backofen-Baugeschäften. Nach zwei- tägigem Kampfe konnten die Streikenden auf einen wirklich an- erkennenswerten Erfolg zurückblicken. Es wurde mit den Unter- nehmern ein Vertrag vereinbart und durch Unterschrift anerkannt, der in der Hauptsache folgende Lohn- und Arbeitsbedingungen cnt- hält: Der Stundenlohn soll 77V- Pf. betragen bei 9stündigcr Arbeitszeit. Der Stundenlohn von 80 Pf. tritt vom 1. September 1904 in Kraft.— Die Arbeitszeit beginnt um 7 Uhr morgens und endet um 6 Uhr abends. Pausen sind von 8V. bis 9 Uhr Frühstück, von 12— 1 Uhr Mittag und von 4— IV- Uhr VcSper. In den Wintermonaten regelt sich die Arbeitszeit nach den Abmachungen der Berliner Maurer. An den Sonnabenden ist eine Stunde früher Feierabend als gewöhnlich. Wird der Lohn im Comptoir gezahlt, so wird soviel früher aufgehört, dass man zur Zeit des Feierabends im Comptoir ist. An den Tagen vor den drei hohen Festtagen ist 3 Stunden früher Feierabend, als vorstehend festgesetzt ist, ohne Lohnabzug.— Fahrgeld, welches über 90 Pf. beträgt, wird ver- gütigt. Liegt die Arbeitsstelle ausserhalb der Ringbahn, so auch die mehr erforderliche Zeit, jedoch darf dieselbe unter einer halben Stunde nicht berechnet werden. Bei Arbeiten, welche ausserhalb des Vorortverkehrs liegen, soll pro Stunde 10 Ps. Zuschlag sowie Kost und Logis gewährt werden. Wird solches nicht gewährt, so werden 3 Mk. Entschädigung pro Tag gezahlt. Betreffs des Fahr- geldes wird Rückfahrtbillct entschädigt. Die Fahrzeit gehört zur Arbeitszeit.— lieber stunden, Nacht- und Sonntagsarbeiten sind, wenn irgend möglich, zu vermeiden. Sind dieselben jedoch er- forderlich, so ist für dieselben von 6— 10 Uhr abends ein Zuschlag von 25 Pf. pro Stunde zu zahlen, dasselbe bezieht sich auf so- genannte schwarze Arbeit. Nachtarbeit von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens ist mit 75 Proz., Sonntagsarbeit mit 100 Proz. Zuschlag zu entschädigen. Die Waschzeit gehört zur Arbeitszeit.— Zur Arbeit müssen von feiten des Arbeitgebers geliefert werden: Stemmzeuge, Pinsel, Schnur, Säge, Beil usw. �as Tragen des Handwerkszeuges von einer Arbettsstelle zur andern gehört zur Arbeitszeit. Zum Aufenthalt während der Pausen sowie zum Auf- bewahren der Kleider ist den Arbeitern eine vcrschliessbare Bude mit Sitzgelegenheit zur Verfügung zu stellen. Im Accord darf nicht gearbeitet werden.— In denjenigen Geschäften, wo bereits ein höherer Lohn gezahlt wird und bessere Bedingungen bestehen, dürfen dieselben nicht zurückgezogen werden.— Für die Hilfs. a r b e i t e r bestehen dieselben Bestimmungen wie bei den Maurern. Der Lohn soll betragen: Die ersten 4 Wochen bei 2 Maurern b2V, Pf. die Stunde, bei mehr als 2 Maurern 57'/, Pf. die Stunde und nach 6 Wochen soll 60 Pf. Stundenlohn gezahlt werden.— Massregelungen derjenigen Arbeitnehmer, die innerhalb dieser Perantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Inseratenteil verantw. Bewegung thätig waren, sind nicht zulässig. Dieser Tarif tritt am 1. August 1904 in Kraft und behalt seine Gültigkeit bis zum 1. Juli 1905. Soll derselbe von einer der beteiligten Seiten gelöst werden, so ist dies der betreffenden andern Partei 4 Wochen vorher mitzuteilen. Es wird nun Aufgabe der Backofenmaurcr und Hilfsarbeiter sein, durch Anschluß an die zuständigen Organisationen und Fest- halten an denselben dafür Sorge zu tragen, daß sie jederzeit in der Lage sind, die errungene Position auch zu verteidigen. Die Papier- und Ledergalanteric-Arbciter und Arbeiterinnen nahmen am Montag einen Bericht Brückners über die von der provisorischen Lohnkommission aufgestellten Forderungen entgegen. Sie machten die vorgelegten Forderungen zu den ihrigen und bc- auftragten die von den Delegierten gewählte Lohnkommission, die- selben den Unternehmern zu überreichen. Die Versammelten ver- pflichteten sich, für die strikte Durchführung der Forderung einzu- treten und dafür zu sorgen, daß die noch fernstehenden Kollegen und Kolleginnen der Organisation zugeführt werden. Zur Wahl einer Lohnkommission stellte Rohr den Antrag, 4 Kollegen vom Buchbinder-Verband, und zwar Gens icke, Hoff mann, Schubert und Voigt und 3 vom Portefeuille-Verband, und zwar Hauptmann, Ladewig und H e n n i g zu wählen. Der An- trag wurde einstimmig angenommen und die Genannten wurden gewählt. Mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß der Borsitzende die Versammlung. Sämtliche Schlanchmacher der Norddeutschen Gummi- und Gutta- perchawaren-Fabrik vorm. Fonrobert u. Reimann jAktien- Gesellschaft), Tempelhofer Ufer 17, haben am gestrigen Tage wegen sortgesetzter, bedeutender Accordabznge einmütig die Arbeit niedergelegt.— Wir ersuchen alle Schlauchmacher und Gummi- Arbeiter, bis auf weiteres streng obige Finna zu nzeiden. Arbeiter- freundliche Blätter werden um Abdruck ersucht. Deutkcstes Reith. Die Tapezierer in Königsberg streiken bei der Firma K l e p p e. Der llnternehmcr sucht Arbeitswillige in Berlin.— Zuzug ist fernzuhalten. Hustanck. Streik der französischen Seeleute uud Dockarbeiter. Wolffs Telegraphenbureau meldet aus Marseille unter dem 23. August: Heute früh wurde auf den Ouais, Docks und Molen allgemein die Arbeit eingestellt. Alle Kohlenträger haben gleichfalls die Arbeit niedergelegt. Sämtliche Werften sind geschlossen. Die gesamten Offiziere der Handelsmarine haben die Mannschaftsmuster- rollen abgegeben. „Matin" meldet aus Marseille: Infolge des AuSstandes in der Handelsmarine hat der Seepräfekt von Tonlon Befehl er- halten, vier Transportschiffe auszurüsten, die nach Marseille ge- schickt werden sollen, um den Postverkehr mit Algier und Tunis zu sichern._ Die Lohnkämpfe der südschwedischen Landarbeiter. Am Sonntag tagte in Istad eine Generalversammlung des Schonischen Land- arbeiterverbandes, auf der die Arbeiter von nicht weniger als 115 Gütern durch 200 Delegierte vertreten waren. Es wurde dort berichtet, daß auf 20 Gütern Tarifverträge abgeschlossen wurden und zwar mit voller Anerkennung des Vereinigungsrechies. Auf weiteren zehn Giitern sind die Tarife ganz oder teilweise an- erkannt worden. Die Frage, ob in einen allgemeinen Streik eingetreten werden soll, wurde den verschiedenen Ortsabteilungen zur Entscheidung durch Urabstimmung, die in den nächsten Tagen vorgenommen werden soll, überwiesen. Ferner wurde beschlossen, daß ein polnischer Student als Agi- tator für d i e v o n d e n A r b e i t g e b er n i m p o r t i e r t e n G a l i z i e r angestellt werden soll.— Aus der Generalversammlung waren auch zwei Galizier als Vertreter galizischer, in Schonen thättger Landarbeiter anwesend.— Es wurde weiter beschlossen, daß noch zwei neue Agitatoren an- gestellt werden sollen. Wie aus Svalöf mitgeteilt wurde, find am Sonntag 20 deutsche Arbeiter(Galizier) auf Kosten des Schonischen Landarbeiter-Berbandes nach ihrer Heimat abgereist.— Der Kampf der Landproletarier wird von den schwedischen Industrie- Arbeitern thatkräftig unterstützt. Der zur Zeit tagende Verbandstag des Schneiderverbandes hat fiir diesen Zweck 500 Kronen bewilligt, die Arbeiterkommune von Malmö hat bereits 1000 Kronen gesandt, die Holzarbeiter- Organisation derselben Stadt 500 Kronen, und ebenso toerden die Landarbeiter von den übrigen Gewerkschaften nach Kräften unterstützt. Gewerkschaftsbewegung in Bulgarien. Nach Mitteilungen von Sofia ist dort vor einiger Zeit durch sieben Gewerkschaften der Grundstein eines Nattonalbundes der Gewerkschaften Bulgariens gelegt worden. Heute sind dem Bunde beinahe zwei Drittel der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter des Landes angeschlossen. Allerdings ist die Gesamtzisfer der organisierten Arbeiter, entsprechend der ökonomischen Rückständigkeit des Landes, noch eine sehr geringe; sie dürfte nicht mehr denn 3000 betragen. Vom 19. bis 21. August hat in Sofia der erste Konstituierungskongreß des Bundes statt- gesimden. Die neue Centralorganisation ersucht um Zusendung von Statute» und sonstigen Drucksachen der Gewerkschaften, um sich daraus über die Theorie und Praxis der Gewerkschasts- bewegung in Westeuropa unterrichten zu können. Die Adresse des Sekretärs ist: Gr. Wassilew, ul, Tzar• Sarnonil 18 Sofia (Bulgarien)._ Die Berliner Parteiversammlungen. Erster Wahlkreis. Die Parteiversammlung des ersten Berliner ReichStags-Wahl- kreises in den Arminhallen delegierte zum Bremer Parteitage die Genossen Dr. A r o n s und Fischer. Als Ersatzmann wurde Ge- nosse Bolzmann gewählt. Für die Brandenburger Provinzial- konferenz wurden die Genossen Lucht, Bolzmann und Dressel als Delegierte gewählt. Zweiter Wahlkreis. Die Generalversammlung des zweiten Kreises im„Hofjäger" erfteute sich eines außerordentlich guten Besuches. Nach ruhiger und sachlicher Diskussion der Tagesordnung und der bez. Anttäge fpeeiell zum Bremer Parteitag lvurden zur Brandenburger Konferenz dele- giert die Genossen Reimann, Henzel und Hinze, Stell- Vertreter: Witte; für den Parteitag m Bremen die Genossen Schneider, Fritz Karl und A n t r i ck, Stellvertreter: G. Möbis. Dritter Wahlkreis. Die Parteiversammlung für den dritten Berliner Reichstags- Wahlkreis, welche in der Berliner Ressource tagte, wählte als Delegierte zur Brandenburger Provinzialkonfertnz diö Genossen Wilhelm Hinz, August Warte nberg und Karl Lange. Bei der Stellungnahme zum Parteitag kam es zu einer lebhaften Debatte über den Generalstreik, nachdem Genosse Dr. Friedeberg einen Antrag gestellt hatte, welcher bezweckte, daß auf die Tagesordnung des Parteitages von 1905 dst Frage des Generalstreiks gesetzt werde. Dieser Antrag wurde gegen 23 Stimmen abgelehnt. Vorher war einstimmig beschlossen worden, dass auf dem diesjährigen Parteitage als Punkt 6 noch die Schul- frage verhandelt werden möge. Gegen eine erhebliche Minorität abgelehnt wurde ein Antrag, der Parteitag möge beschließen, auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages die Alkoholfrage zu setzen. In einer Resolution sprach sich die Versammlung dafür aus. daß bei Stichwahlen zwischen gegnerischen Parteien stritteste Sttmmenthaltung zu üben sei. Zu Delegierten für den Parteitag wählte man die Genossen Paul Hahn, Emil Rosin und Karl König sotvie als Ersatzmann Genossen Wuscht!. Th.Glncke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstalt Vierter Wahlkreis. Im vierten Wahlkreise war der erste Punkt der Tagesordnung schnell erledigt; gewählt wurden zur Brandenburger Konferenz die Genossen Ulm, Mermuth und L e f e b r e. Ueber die Anträge zum Bremer Parteitage fand eine sehr eingehende Diskussion statt. die bis Mitternacht dauerte. Als Delegierte zum Parteitage wurden die Genossen Jentsch, Hermann Vogt und Jansen gewählt. Fünfter Wahlkreis. Die Generalversammlung des fünften Wahlkreises wählte als Delegierte zur Provinzialkonfcrenz für die Provinz Brandenburg die Genossen Lier, Stange und Bern st e i n. Nach einer langen Diskussion über die Tagesordnung des Bremer Parteitags wurden die Genossen Leo Zucht und H a n i s ch als Delegierte zu demselben gewählt. Sechster Wahlkreis. Im sechsten Wahlkreise wurden nach einem kurzen Referat Laukants die Genossen Mars, Trapp und Arendsee als Delegierte zur Provinzialkonferenz gewählt.— Ueber den Bremer Parteitag referierte Ledebour. Mit Rücksicht darauf. daß die Sicherung des Wahlrechts wohl in irgend einer Form auf dem Parteitage zur Sprache kommen werde, wandte er sich ent- schieden gegen die vom Genossen Friedeberg vertretenen anti- parlamentarischen Anschauungen. Im Anschluß hieran gingen die Diskussionsredner fast ausschliesslich auf den von Friedeberg vertretenen Standpunkt ein. Einige Redner nahmen die Person Friedebergs gegen die scharfe Krittk Ledebours in Schutz, andre Redner sprachen gegen Friedebergs Ansichten. Ledebour hielt unter starkem Beifall der Versammlung die scharfen kritischen Aus- führungen gegen Friedeberg aufrechst— Zum Parteitag wurden Bittorf. Anders und Freythaler gewählt.— Angenommen wurde ein Antrag, die Schukfrage auf die Tagesordnung de? Parteitages zu setzen. Versammlungen. Metallarieiter-Vervlnid. In der am Montag abgehaltenen sehr stark besuchten Generalversammlung der Verwaltung Berlin erstattete der Rendant P e tz o I d den Kassenbericht für das II. Quartal. Die Abrechnung der Hauptkasse schließt in Einnahme und Ausgabe mit 188 139,74 M. Unter den Ausgaben sind: 2960 M. Reisc-Unter- stützung, 24 278,50 M. Orts-Unterstiitzung, II 198,10 M. Streik- Unterstützung, 8140 M. für Gematzregelte, 2226 M. Unterstützung nach 8 2 o, 11 625,19 Mark für Rechtsschutz.— Die Lokalkasse trat in de« II. Quartal mit einem Bestände von 72 327,66 M.. sie nahm 73 963.90 M. ein und gab 32 382,10 M. aus, und schloß das Quartal mit einem Bestände von 113 909,36 M. Unter den Ausgaben sind 4950,85 M. Streikunterstützung, 1361,50 M. für Gemaßregelte, 145 M. sonstige Unterstützungen, je 590 M. für zwei Streiks andrer Gewerkschaften.— Die statutenmäßig ausscheidenden Ortsvcrwaltungs- Mitglieder und Beamten wurden nach den Borschlägen der Vertrauensmänner- Konferenz wiedergewählt mit der einen Aenderung, daß an die Stelle des bis- herigen Revisors Fiedler der Kollege Hartmann tritt.— Mit Rücksicht daraus, daß fiir wichtige Generalversammlungen ein hinreichend großer, günstig gelegener Saal nicht zu haben ist. schlug die Orts« Verwaltung für die Erledigung von Wahlen folgende Neuerung vor: Ortsvcrwaltuug und Vertrauensmänner- Konserenz schlagen einer allgemeinen Generalversammlung Kandidaten vor, die General« Versammlung macht gleichfalls Vorschläge und diskutiert über die Kandidaten. Die Abstimmung findet dann einige Tage später in Bezirksversammlungen statt, die zu diesem Zweck gleichzeitig in ver« schiedenen Stadtgegendcn abgehalten werden.— Dieser Anttag wurde gegen 15—20 Stimmen angenommen. In einer außerordentlichen BerbandSversammlung der Bäcker, die im„Neuen Konzerthaus" am Alexanderplatz stattfand, hielt Genosse B u ch h o l z an Stelle des durch den Kongreß in Amsterdam verhinderten Genossen Zubeil einen Vortrag über die Zustände und die revolutionäre Bewegung in Rußland. Im Anschluß an den Vortrag, der lebhaften Beifall und Begeisterung für den Helden- mütigen Kampf der russischen Genossen erweckte, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Versammelten sprechen den russischen Arbeitern ihre vollste Sympathie auS und wünschen der russischen Arbeiterbewegung einen baldigen und vollständigen Sieg über den Absolutismus, über dg� sich im Zarismus verkörpernde Ausbeuter-Verbrechertum." Hierauf machte der Vorsitzende Hetz- s ch o l d einige Mitteilungen über Maßnahmen zum Ausbau der Organisation. Es soll das Vertrauensmänncrsystem besser aus- gebaut werden, eine genauere Ucbersicht über die Mitglieder durch» geführt werden und außerdem auch ein? umfassende Uebersicht über die Zustände, sowie Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Bäckereien geschaffen werden.— Zum Slchuß wurde auf die am Donnerstag stattfindende öffentliche Versammlung des Diskutierklubs des Ver- bandes der Bäcker aufmerksam gemacht. Letzte Nachrichten und Depcfchcn. Katholikentag. Regensburg, 23. August.(SB. T. B.) Zu Beginn der zweiten öffentlichen Versammlung, die heute nachmittag tagte, verlas der Präsident Dr. Porsch das Antworttelegramm des Kaisers. Die Mitteilung des Antworttelegramms des Kaisers wurde von der Versammlung mit dem lebhaftesten Beifall ausgenommen, ebenso das Antworttelegramm des Prinzreaenten Luitpold und das im späteren Verlauf der Sitzung eingettoffene Telegramm des Papstes, worin dieser seine Freude über die neue Bekundung der Anhänglichkeit ausdrückt und der Versammlung den päpstlichen Segen spendet. Darauf folgten eine Reihe von Vorttägen, u. a. sprach ReichStagS-Abgeordneter Dr. Schädler über die Schulftage. indem er sich für die Konfessionsschule erklärte und die Simultan- schule bekämpfte._ Ein BiStum unter Sequester. Budapest. 23. August.(W. T. B.) Wie die Blätter melden, er» folgte die Verhängung des Sequesters über das Rosenauer Bistum wegen sehr bedeutender Schulden, welche sich auf IV» Millionen Kronen belaufen. Der Rcligilmsfonds hat bereits Schulden von mehreren 100 000 Kronen für den Bischof bezahlt. Nachdem diese Sanierung jedoch die materielle Ordnung nid)i herzustellen vermocht� wurde der Bischof Jvankovicz aufgefordert, seine Entlassung zu nehmen. Jvankovicz reichte seine Abdankung darauf bei dem Könige ein, zog dieselbe jedoch nach wenigen Tagen zurück, angeblich weil eine Einigung bezüglich des Gnadengehalts nicht zustande ge- kommen war. Von zuständiger Seite war man mithin genötigt, den Sequester zu verhängen. Bischof Jvankovicz dürfte sich in ein Kloster zurückziehen. Budapest. 23. August.(W. T. B.) Die ausständigen Mühlen- arbeiter meldeten sich ohne Rücksicht auf die Weisungen der Streik» leitung in großer Anzahl zur Wiederaufnahme der Arbeit, so dass heute mittag in sämtlichen Mühlen der Stadt der Betrieb wieder aufgenommen wurde. Sofia, 23. August.(Meldung des Wiener k. k. Telcgr. Korresp.. Bureaus.) Nachdem die Vorarbeiten für d,e Erneuerung der be. stehenden Handelsverträge bereits beendet worden sind, hat die bulgarische Negierung den Vertretern aller Machte Vertrags. entwürfe mit dem umgearbeiteten Zolltarif ubersandt. London, 23. August.(SB. T. 33.) Der bisherige englische Botschafter in Rom. Bertie. ist zum Bot,chafter in Paris ernannt worden._____ Paul Singer LcCo.. Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSSKtt *-m-*■ 1. Seilllge des Jormörtö" Idinet Alksdlslt. 24« 1901 partci-)Vacbnchtcn. Die Kreiskonferenz von Brandenburg-Westhavelland nahm ferner cin Referat des Redakteurs Meyer über die Aufgaben der Partei- presse entgegen und nahm sodann ein neues Statut für die Pretz- kommission, in welchem auch den übrigen Kreisen die Beteiligung an der Kommission eingeräumt wird, einmütig entgegen.— Zur Provinzialkonferenz legte Genosse K r a t s ch den Standpunkt der Brandenburger Stadt-Agitationskommission dar; dieser erscheine es nicht als wünschenswert, in der Agitationskommission für die Provinz Brandenburg eine Körperschaft zu schaffen, welche sich ouffichtfuhrend über die Provinzkreise stellt, es ist vielmehr besser, wenn die einzelnen Kreise ihre Selbständigkeit behalten. Dies kann und darf die Berliner Genossen nicht abhalten, soiveit ihnen Mittel und Kräfte zur Verfügung stehen, die weniger vorgeschrittenen und materiell schwachen Kreise zu unterstützen. An der Debatte beteiligten sich Genosse Weber und Genosse Schuster-Berlin. Letzterer ist als Delegierter der Provinzial- Agitationskommission anwesend. Während sich Genosse Weber im wesentlichen den Ausfiihrungen des Referenten anschließt, auch die Beschickung der Konserenz empfiehlt, legt Genosse Schuster den ursprünglichen Zweck der Kommission klar, er weist es weit von sich, daß die Kommission in die Verhältnisse der einzelnen Kreise ein- greisen wolle. Die Anstellung eines Beamten einpfehle er auch nicht, da dessen Thätigkeit für die Arbeitskraft eines Mannes nicht aus- reichend sei. Die Beschickung wird beschlossen und werden die Ge- nossen Kratsch, Neudeck und Eckermanns als Delegierte gewählt. Der Genosse Roßmann wird zum Ersatzmann ernannt. Zum Parteitage liegen Anträge von feiten der Konferenz nicht bor. Der Genosse Meyer beantragt Beschlutzfassung über folgende Resolution: „Die socialdemokratische Konferenz des Kreises Brandenburg- Westhavelland spricht die Erwartung aus, der Parteitag zu Bremen werde es als feine einzige Aufgabe betrachten, den taktischen und organisatorischen Fragen des Parteilebens seine Zeit zn widmen und keinen Versuch— er komme, von welcher Seite er wolle— zuzulassen, persönliche Auseinandersetzungen in der Art und dem Umfange, wie es auf dem Dresdener Parteitage der Fall war, vor- zunehmen. Der Delegierte des Kreises zum Parteitage möge gegebenen- falls mit alleni Nachdruck der Wiederholung der erwähnten Vorfälle entgegenwirken." Die Resolution wird nach kurzer Debatte mit großer Majorität angenommen. Zum Parteitagsdelegierten wurde Genosse Kratsch gewählt. Derselbe wird auch als KreiS-Vertrauensmann wieder- gewählt. Im Wahlkreise Ottensen-Pinnebcrg haben die 16 socialdemo- kratischen Vereine jetzt 4532 Mitglieder(13 144 socialdemokratische Wähler) gegen 44S2 Mitglieder am Beginn des Geschäftsjahres. Es sind 3122 Abonnenten auf das„Hamburger Echo" und 1438 auf die „Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" vorhanden. Eine Kreis- konfcrenz, die am Sonntag stattfand, wählte eine Kommission, die ein Statut zu einem Kreisverein ausarbeiten soll. Die Parteigenoffen von Rruß j. L. hielten am Sonntag ihren Parteitag. Der im Jahre 1363 gegründete socialdemokratische Landesverein, der mit 356 Mitgliedern begann, zählt deren jetzt 1636. Die neue Organisation hat sich soweit gefestigt, daß der Parteitag beschließen konnte, in Zukunft alle Geschäfte durch den Verein zu erledigen, so daß kein Kreisvertrauensmann mehr gewählt lourde und auch keine Parteitage mehr abgehalten werden. An deren Stelle tritt die Generalversammlung des Landesvereins. Aus dem Bericht über den Stand des Parteiblattes crgiebt sich, daß diesmal trotz Erweiterung des Blattes ein Ueberschuß von 2376 M. erzielt wurde. Im zehnten sächsischen ReichstagSwahlkrcise lDöbeln-Roßwein) ist die Gründung eines KreiSvcreinS beschlossen worden. Der Verein ivird seine Thätigkeit am 1. Januar 1965 beginnen und in Hartha seinen Sitz haben._ Die socialistische Jugend. In Belgien und Frankreich existieren unter dem Namen„Junge socialistische Garde" Jugendvereine, deren Aufgabe es ist, die Jugend zum Socialismus zu erziehen und deren Mitglieder besonders bei der Propaganda große Dienste leisten. Eine specielle Aufgabe finden die belgischen Jugendvereine darin, die jungen Rekruten über das Kulturwidrige des Militarismus aufzuklären. Auch in England sind Ansätze solcher Jugendvereine vorhanden; dort ist es namentlich der Genosse Archie MÄrthur in Glasgow, der sich unter anderm durch Herausgabe einer Jugendschrist besonders verdient macht. Ans Anregung der belgischen Genossen hat nun während der Tagung des Amsterdamer Kongresses auch ein Sonderkongreß der socialistrschen Jugend stattgefunden. Auf diesem waren durch Delegierte vertreten: Belgien, Holland, Frankreich, England, Deutsch- kand und Polen; Schweden, Italien und Oesterreich Ivaren ent- schuldigt. Der Genosse Polak(Holland) berichtete, daß in Holland Ins jetzt vier socialistische Jugendvereine bestünden; die Haupt- aufgäbe derselben sei, unter der Jugend gegen den Militarismus zu agitieren. Der englische Delegierte teilt mit, daß dort socialistische Schulen bestehen; bis jetzt sind 17 Ortsgruppen vorhanden und die Jugeudzeitung ist in bestem Aufschwünge begriffen. In Norwegen bestehen 56 Gruppen, die Zeitung zählt 3666 Abonnenten. Am weitesten ist die Bewegung in Belgien vorgeschritten, wo die„Junge Socialistische Garde" bereits 13 666 Mitglieder zählt. Bon Oesterreich und Italien liegen Berichte und Zustimmungsschreiben vor. Der deutsche Delegierte(Frank) erklärt, daß nunmehr auch in Deutschland die Bewegung in Fluß kommen werde. DaS Resultat des Kongresses ist dre Gründung eines internattonalen Bundes der socialistischen Jugend. Der Prä- sident Bolkaert(Belgien) schließt den Kongreß, indem er u. a. sagt: „Den Tag, an dem die Jugend aller Länder im Geists_ des Socialismus organisiert ist, mag die Bourgeoisie ruhig Krieg erklären, die Arbeiter werden den Frieden dittieren. poli-eilicbe», vericbtllcbes ulw. Verfolgungen der Parteipresse. Der fteisinnige Magisttat der Stadt Breslau erhob Anklage gegen den Redakteur Mehrlein von der dortigen„Volkswacht" wegen Beleidigung des Wasserwerk- Direktors Debusmann. Der Vorwurf, daß inehrere Arbeiter aus den städtischen Betrieben wegen ihrer Verbandszugehörigkeit gemäß- regelt seien, stellt die Beleidigung dar. Herr D. versichert, die betreffenden Arbeiter seien entlassen, weil sie die„Gewerkschaft" während der Arbeitszeit verteilt und Beiträge einkassiert haben. Andre Arbeiter hatte Herr D. unter Erinnerung an ihren Soldaten- charakter über die Verbandszugehörigkeit zur Rede gestellt. Die Richter hielten eine Maßregelung rncht für erwiesen und erkaimten auf 366 Mark gegen Mehrlein. 56 Mark gegen einen beteiligten Arbeiter. Der Staatsanwalt hatte 1666 M. Sttafe beantragt. Soziales. Lerufsgcuosscuschastliche Kniffe. Die„Deutsche Krankenkassen-Zeitung" ist in der Lage, einen Schriftwechsel zwischen einer Krankenkafie, dem Reichs-Verficherungs- amt und der Rheinisch-Westfälischen BaugewerkS-Berufsgenossenschaft in Elberfeld zu veröffentlichen, der einen intereffanten Einblick in die Auffassungen der Berufsgenosseuschaften von ihren gesetzlichen Pflichten gewährt. Es handelt sich um nichts weniger als darum, daß die genannte Berufsgenossenschaft den Versuch gemacht hat, die gesetzliche Ausdehnung der Krankenunterstützungspflicht auf 26 Wochen für sich zu eskamotteren. Auf eine Anfrage der beteiligten Ortskasse hat das Reichs-Versicherungsamt die Berufsgenossenschaft zur Bericht- erstattung aufgefordert und auf eine ziemlich hochnäsige Erklärung derselben folgende deutliche Antwort erteilt, aus der alles übrige hervorgeht: Das Reichs-Versicherungsamt. Abteilung für Unfallversicherung. Berlin, den 28. Mai 1364. I. 8661. So richtig die Ausführungen des Berichts im allgemeinen sind, so ist doch die dortige Darlegung insofern grundsätzlich unzutreffend, als sie im Eingang davon ausgeht, daß die Berufsgenossenschaften „das Recht, aber nicht die Pflicht" hätten, mit Beginn der 14. Woche die Fürsorge für Unfallkranke zu übernehmen und damit den Kranken- lassen abzunehmen. Wie bereits in der diesseitigen Verfügung vom 18. Februar 1364 — I. 1843— angedeutet, hat die neueste Novelle zum Kranken- Versicherungsgesetz' die Erweiterung der Leistnngsp flicht der Kranken- lassen nicht eingeführt, um die Berufsgenossenschaften zu entlasten, sondern aus andren Griinden. Die Berufsgenossenschaften haben daher vom Beginn der 14. Woche ab nach wie vor an erster Stelle auf Grund der Unfallversicherungsgesetze die Fürsorge und Entschädi- gung für Unfallverletzte zu leiste,:,' ohne daß es ihnen fteisteht, von einem Eintreten aus irgend welchen Gründen(der Fall des§ 11 Abs. 1 des Gewerbe-Unfallversicherungsgesetzes bildet keine Ausnahme von diesem Grundsatz) abzusehen und dadurch mittelbar sich unter Umständen zu Lasten der Krantenkassc einen Brrmögensiwrteil durch Grsparung von Ausgaben zu verschaffen. Der Vorstand wird ergebenst ersucht, diese Gesichtspunkte in Zukunft bei der Durchführung der Aufgaben der Berufsgenossenschast zu beachten. An Goebel. den Vorstand der Rheinisch-Westfälischen Baugewerks-Berufsgenossenschast in Elberfeld. Bon der Rcnttnentzirhnngs-Methode der Landesversichernngs- Anstalt Provinz Sachsen teilt die„Volksstimme" in Magdeburg einige weitere Fälle mit, in denen gleichfalls Rentenempfänger zur Unterschrift von Vcrzichterklärungen gedrängt worden sind. Auch einem Kreisblatte sind mehrere derartige Fälle mitgeteilt worden. Unter den Rentenempfängern des Anstaltsbezirks soll eine erhebliche Aufregung herrschen. Wir wiederholen, daß wir es selbstverständlich für durchaus un- anfechtbar halten würden, wenn Renten entzogen würden in Fällen, wo die gesetzlichen Voraussetzungen für die Rentengewährung weggefallen sind. Das muß aber im geordneten Rcchtsverfahren geschehen, so daß die Betroffenen Zeit haben, unter Ausnützung der gesetzlichen Fristen ihre Einwendungen geltend zu machen. Die Einspruchs- fristen und die Rechtsmittel sind gegeben, um die Versicherten in den Stand zu setzen, mit der nötigen Ruhe und Ueberlcgung die Beweismittel für ihre Ansprüche zu beschaffen und sie gegen un- gerechte Entscheidungen, namentlich gegen das fiskalische Interesse der Versicherungsanstalten zu schützen. Wenn man, wie es hier geschieht, unerfahrene, meist ängstliche, verschüchterte Leute vor eine Kommission ladet, sie dort anfährt und in sie dringt, nach raschem Verlesen einen Verzicht zu unterschreiben, so möchte solches Verfahren wohl bei einem gerissenen Advokaten begreiflich erscheinen, für die Organe der staatlichen Invalidenversicherung ist daS Verfahren aber unwürdig. Indessen: wir verstehen das vielleicht nicht so recht; es mag wohl eine neue Methode der Krönung der Socialreform sein, be- stimmt, die Zufriedenheit zu fördern und— der Unznftiedenheit stiftenden Socialdemokratte das Wasser abzugraben. Christliche Misibräuche in Ortskassen. In Mülhausen im Elsaß wurden am Sonntag die Wahlen zur Generalversammlung der Orts-Krankcnkasse vorgenommen. In dieser Kasse herrschten bisher die christlichen Gewerkschaften. Bei der Wahl entbrannte ein heftiger Kampf zwischen den christlichen und den freien Gewerkschaften. Das Resultat deS Wahlkampfes war ein glänzender Sieg der fteien Gelverkschaften, deren Liste durch- schnittlich 1436 Stimmen erhielt, während die christliche Liste sich mit 666 Stimmen begnügen mußte. In einer vor der Wahl von den Christlichen einberufenen Versammlung mußten diese sich vorhalten lassen, daß sie mit Zustimmung des Kasscnvorstandes für Rechnung der Orts-Krankenkaste sich 12 666 Delegiertenlisten der „christlichen" Kandidaten drucken ließen, um sie im Wahlkampfe zu verwenden. Es wurde ferner festgestellt, daß an einem Abend der letzten Woche bis spät 11 Uhr die„christlichen" Führer Franz Fischer und Edinund Moffard in den Bureauräumlichkeiten der Orts-Krankenkasse, unter Benutzung des Schreibmaterials und der Briefumschläge der Orts-Krankenkasse, die Tausende von Exemplaren ihrer Kandidaten- liste zur Verschickung per Post bereit stellten. Einer der Bureau- beamtet, der Kasse, der dieses Gebaren nicht für recht fand, meldete nachher die Sache dem Kasfenvorfitzenden Bleyer, der vorher davon wußte und den Vorgang billigte. Ueberdies nahmen die Christlichen auch die Hilfe der Unter- nehnrer in Anspruch durch folgendes Schreiben: An die Herren Arbeitgeber der Orts-Krankenkasse Mülhcuifei,-Stadt! Wir gestatten uns, mit der Bitte an Sie heranzutreten, bei- liegende Kandidatenliste zur Delegierteuwahl der Orts-Krankenkasse Ihrem Personal, soweit dasselbe stimmberechtigt ist, aushändigen zu lassen. Da sowohl Arbeiter wie Arbeitgeber Interesse an einer tüchtigen Verwalttmg der Kasse haben, so geben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, daß Sie unsre Bitte benickfichtigen werden. Hochachtungsvollst Franz Fischer. Die christlichen Herrschaften haben ihre Niederlage reichlich verdient. Angestellter»der Unternehmer. Der Maurer Orth war eine Zeitlang bei der Banfirma Richter u. Schmidt als sogenannter Postengeselle(Geselle in bevorzugter Stellung) thätig. Er üben, ahm dann vertragsmäßig für dieselbe Finna die Maurer- und Putzarbeiten auf einem Neubau zu einen, Preise von 22,56 M. pro 1666 zu vermauernde Ziegelsteine. Er verpflichtete sich, innerhalb dreier Wochen den gesamten Rohbau und innerhalb weiterer 14 Tage die Putzarbeiten fertig zu stellen. Es wurden gewisse Abschlagszahlungen vereinbart. O. ließ später die Arbeit liegen, weil nicht 56 M. pro Woche auf ihn entfielen, worauf er einen Anspruch zu haben glaubte. Unter Zugrunde- lcgung diese? Satzes beanspruchte O. nun die Fehlbettage durch Klage beim Gewerbegericht, indem er zunächst behauptete, es sei ihm pro Woche ein Minimu», von 56 M. für seine Person garantiert worden. Im Laufe der Verhandlung sprach er jedoch davon, daß ihm gesagt worden sei, man werde schon einig werden.— Die Beklagten betonten, sie wären keine Special- Verpflichtung eingegangen. Im übrigen sei O. doch hier als Unternehmer anzusehen, der gegen einen bestimmten Preis pro 1666 Steine die Arbeit übernommen habe. Bei den von ihnen ge- leisteten Zahlungen handle es� sich lediglich um Abschlagszahlungen. Die von O. beschäftigten Personen habe die Firma allerdings bei der Krankenkasse angemeldet, aber nur aus Gefälligkeit, weil O. kein Bureau hatte. Er habe der Firma mitgeteilt, wen er annahm. Die Beklagten hätten das Geld für die Beitragsmarken nur als Vorschuß auslegen wollen.— Die Kammer III unter dem Vorsitz des Magistratsrats Dr. Schalhorn wies den Kläger mit folgender Be- gründung ab: Der Gerichtshof habe den Kläger nicht als Unter- „ehmer angesehen, sondern angenommen, daß er, der solange Posten- geselle war, auch bei den fraglichen Arbeiten Angestellter bleiben sollte. Aber er nüisse materiell mit seinem Ansprüche auf Erfüllung eine? Wochenlohnminimums abgewiesen werden. Nach dem Vertrage handle es sich um eine Accordarbeit. Weitere Ansprüche daraus könne er nur stellen, wenn er rechnerisch im einzelnen nachweise, daß er weniger bezahlt erhalten habe, als der Accordpreis für die geleistete Arbeit betrage. Das sei nicht geschehen. Be- züglich der erst behaupteten Specialabmachuug sei Kläger schließlich nur„och dabei geblieben, daß ihm lediglich gesagt worden sei, man werde schon einig werden. Das sei indessen keine Bindung, darauf könne O. keinen Anspruch stützen. Hud Induftrie und Fjandel. Der Kampf der rheinischen Jndustricmagnaten gegen die Hibcrnia. Verstaatlichung. Herr Möller beantwortet die von dem Leiter des Kohlensyndikats, Herrn Geheimrat Kirdorf, gegen ihn erhobene Beschuldigung, daß er das ihm angebotene Vetorecht gegen die Preiserhöhungen des Kohlen- syndikats ausgeschlagen habe, in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" mit einer langen Gegenerklärung, in der es heißt: „Die vom Geh. Kommerzienrat Kirdorf gegebene Darstellung der fraglichen Unterredung ist nicht in allen Punkten zutreffend. Geheimer Kommerzienrat Kirdorf hat vielmehr in der fraglichen Unterredung nebch, dem Anerbieten einer sehr ausgiebig zu bemesieuden Be- teiligungsziffer lediglich in allgemein gehaltenen Wendungen betont, daß sich vielleicht Mittel und Wege finden lassen würden, die fiskalischen Interessen gegen ctlvaige ungerechtfertigte Preis- crhöhungeu ausreichend zu sichern. Ein Vetorecht ist dem Fiskus iveder angeboten, noch ist demselben nahe- gelegt, ein solches zu verlangen. Der Handelsminister hat Herrn Kirdorf gleich bei Beginn der Unterredung erklärt, daß der Zutritt des FiSttis zum Syndikat für die erworbenen Zechen und Felder wegen der bei deren Erwerb abgegebenen Erklärungen aus politischen Gründen unmöglich sei. Den in seiner Gegenwart weiter gefallenen Aeußerungen tonnte daher überhaupt eine Bedeutung nicht zugemessen werden." Möglich, daß das Gedächtnis des Handelsministers und des Herrn Ober-Berghauptn,anns v. Velsen, der die Darstellung des Ministers bestätigt, besser ist als das des Herrn Kirdorf, obgleich für dessen Behauptung, wenn man die Verhälttrisse vor der Er- Neuerung des Kohlensyndikats in Bettacht zieht, die größere Wahr- scheinlichftit spricht. Jedenfalls bleibt aber soviel bestehen, daß die- selbe Regierung, die heute ihr Verstaatlichungsprojekt mit der Notwendigkeit einer Einflußnahme auf daS Kohlensyndikat begründet und zu solchem Zweck ca. 146 Millionen Mark verlangt, diesen Einfluß vor 3 oder 16 Monaten bei einigermaßen geschicktem Manöverieren hätte umsonst haben können. Wir wollen damit nicht sagen, daß wir einen Eintritt der Regierung in das Kohlensyndikat für richtig halten. Unsrer Ansicht Nach hat die Regierung nichts in einem Syndikat und Kartell zu thun, um dort als großinduftrielle Unternehmerin mit den übrigen zum Syndikat gehörenden Unternehmern um die Festsetzung der Preise und Absatz- bedingungcn zu feilschen. Gegen die Preispolitik der Syndikate muß auf gesetzlichem Wege vorgegangen lv erden, nicht durch freundliche Ermahnungen und Einsprachen. Aber nach- dem die Regierung schon im Kalisyndikat vertteten ist, wäre es von ihrem Standpunkt aus jedenfalls rationeller gewesen, schon damals dem Kohlensyndikat beizutreten und sich den gewünschten Einfluß zu sichern, als ihn sich heute durch Verstaatlichung eines Bergwerks erst erwerben zu wollen, ganz abgesehen davon, daß nach den Statuten des Kohleusyndikats keineswegs bei dem Verkauf eines Bergwerks die diesem durch den Syndikatsvcrttag eingeräumten Rechte ohne weiteres auf den neuen Besitzer übergehen. Aber kommende Eni- Wicklungsstufen vorauszusehen: diese Fähigkeit hat die jetzige Re- gierung nie besessen. Noch vor fünf, sechs Monaten sang man der Politik der Syndikate, die heute in Herrn Möllers Gemüt allerlei Bedenken weckt, schöne Loblieder. Gerade so wie die Regierung heute wieder, statt Vorbereitungen für die Schaffung gesetzlicher Garantien gegen die gefährlichen Praktiken der allzu mächtig gewordenen großen Unter'nehmerverbände zu treffen, sich in zärtlicher Besorgtheit um die Syndikate darauf beschränken will, durch fteund- liche Ermahnungen aus deren Verwaltungen einzuwirken. Doch suchen die Großindustriellen Rheinland-Wcstfalens nicht nur durch allerlei kleine Enthüllungen und Anzapfungen Herrn Möller Verlegenheiten zu bereiten; sie lassen auch zur Verstärkung ihres Kampfes gegen die Hibcrnia-Verstaatlichung von ihren Interessen- verbänden und den von ihnen abhängigen Industrie- Ortschaften lange Resoluttonen und Protesterklärungen annehmen. So hat z. B. eine vom nationalliberalen ReichSvercin in Herne einberufene Versammlung eine Resolution gefaßt, in der es heißt:„Die heutige, von nahezu 1666 Bürgern der Stadt Herne aus allen Ständen be- suchte Vcrsamnilung erklärt sich einstimmig gegen die geplante Ver- staatlichung der Bcrgwerksgesellschast Hibernia wie gegen die drohende Verstaatlichung des ganzen Ruhrkohlen-Bergbaues. weil sie in diesen Maßnahmen eine schwere Schädigung der Entwicklung des gesainten wirtschaftlichen und kommunalen Lebens unsrer Gegend er- blickt." Größere Bedeutung hat eine Erklärung der Handelskammer zu Bochum. Die für die Verstaatlichung der Hibernia offiziös mitgeteilten Gründe werden darin als nicht stichhaltig und aus- reichend bezeichnet wird und dann hinzugefügt: „Die Fusionsbestrebungen bewegen sich keineswegs in der Richttmg auf Bildung eines den gesamten Bergbau umfassenden Trusts, sondern bezwecken nur die schon längst als wirtschaftlich zweckmäßig erkannte Bildung so- genannter gemischter Großbetriebe. Wenn aber in diesen Verschmelzungen von Unternehmungen eine Gefährdung der allgemeinen Interessen— nach unsrer Meinung zu Unrecht— ge- sehen wird, so würde die Verstaattichung der Hibcrnia dem Staat noch kein ausreichendes Mittel an die Hand geben, einer solchen Gefährdung wirklich vorzubeugen, ioen» anders die Regierung nicht die Absicht verfolgt, noch weitere umfassende Verstaatlichungen vor- zunehmen. Wenn das bloße Bekanntwerden der Verschmelzuugspläne die Regierung zu dem folgenschweren Schritt bewogen hat, innerhalb der Zeit von nur wenigen Monaten mit ihrer bisherigen Polittk der Montanindustrie gegenüber zu, brechen, so mutz damit ge- rechnet werden, daß eine weite reEntwicklung der ge- mischten Großbetriebe den'Staat veranlassen wird, auf dem einmal beschrittenen Wege der Verstaatlichung von Zechen weiter fortzuschreiten." Die Handelskammer, der auch Geh. Kommerzienrat Kirdorf an- gehört, gesteht hier offen zu, daß noch weitere„Verschmelzungen" im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk in Aussicht genommen sind, also der Vereinigung Gelsenkirchen- Schalke- Aachener Hüttenverein bald weitere sogenannte„Interessengemeinschaften" folgen werden. Der ArbeitSmartt im Juli. Der Monat Juli hat eine Aenderung in der Gesamtkonjunktur des Arbeitsmarktes nicht gebracht. Es kam wie regelmäßig in diesem Monat eine gewisse sonimerliche Sttlle in einer Anzahl von Gewerben zun, Ausdruck. Diese Erscheinung trat in dielen, Jahre noch stärker auf wegen der ungewöhn- lichen Trockenheit des Monats Juli, welche erhebliche Störungen der Sttomschiffahrt und der auf diese angewiesenen Industrien V'.i Folge hatte. Insbesondere litt unter diesen Verhältnissen die sohlen- und Eisenindustrie sowie die Materialbeschaffung für das Baugewerbe. Die Konjunktur in der Kohlenindustrie und der Roheisenindustrie hat im Juli eine Besserung nicht erfahren, die Ver- Hältnisse in der elektrischen und chemischen Industrie waren weiter normale, dagegen scheint es, als ob die Textilindustrie lBaum- Wollenindustrie) unter den Rückwirkungen der starken'Preis- schwankungeu ihres Rohstoffes zu leiden beginnt. Der Verkehr an den Arbeitsnachweisen war lebhaft und stärker als in dem gleichen Monat des Vorjahres: landwirtschaftliche Arbeitskräfte wurden sehr begehrt, ivareir aber nur in ganz unzulänglichein Maße vor- Händen. Zur Lage der Maschinellindustrie. Innerhalb der letztcil zwei Monate hat der Geschäftsgang im Maschinengewerbe durch eine beträchtliche Zunahme der Aufträge eine deutliche Besserung erfahren. Noch im Juni klagte man über den schleppenden Eingang von neuen Aufträgen, augenblicklich wird der Auftragbestand meist als aus- reichend für eine nornlale Beschäftigung erklärt. Eine Ausnahme macht nur der Dampftnaschinenbau, der vor allem darunter leidet, daß die Konkurrenz der Sauggasanlagen immer schärfer wird, und auch die Erfolge des Dampsturbinenbaues viele Industrielle davon abhalten, in ihren Betrieben neue Danipf- inaschinenanlagen ausführen zu lassen. Je mehr die Aus- sichten für die Einführung der Dampfturbine in den industriellen Betrieb in letzter Zeit gewachsen sind, desto schwieriger wird es, neue Aufträge auf große Maschinenanlagcn zu erhalten. Fabriken, die ausschließlich oder in der Hauptsache auf die Herstellung von Dampf- Maschinen angewiesen sind, befinden sich daher zur Zeit in einer wenig befriedigenden Situation. Im Gegensatz zum Dampfinaschincnbau zeigt der Geschäftsgang bei der Herstellung von Specialmaschinen für einzelne Gewerbe ein fteundlicheS Gepräge. Die Fabriken, die Maschinen für die Landwirtschaft liefern, find normal beschäftigt. Maschinen für den Bergbau und das Eisengewerbe werden gleichfalls reichlich verlangt. Weiter nehmen die inaschinellen Neuanschaffungen der Zuckerfabriken wieder zu, nachdem man die Gewißheit erhalten hat, daß die Wirkungen der Brüsseler Zuckerkonvention keineswegs nach- teilig für den Geschäftsgang der deutschen Zuckerindustrie ausgefallen sind. Weniger lebhaft, aber doch immerhin besser als noch vor einigen Monaten ist die Nachfrage nach Specialmaschinen für das Textilgewerbe. Auch im Werkzeugmaschinenbau dürfte sich für die meisten Betriebe der Auftragsbestand gehoben haben. Die Lokomotiv- fabriken und Wagenbau-Anstalten waren schon im Juni beftiedigend beschäftigt und arbeiten, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, normal. Zum Kampf der Schiffahrts-Gesellschaften. Der„Daily Mail" zufolge drückt die Schiffahrtskrise außerordentlich auf die Fahr- preise der ersten und zweiten Klasse. Die Cunard- und White Star Linie setzten den Salonpreis für nach Osten gehende Danipfer auf Ist Pfd. Sterl. herab, die Leyland-Linie ermäßigte den Preis von Boston nach Liverpool auf 7 Pfd. Sterl., die Amerika-Linie kündigt ebenfalls weitere Ermäßigungen an. Sie hat die Kabinenpreise zweiter Klaffe von Philadelphia nach Liverpool jetzt auf 6 Pfd. Sterl., von New Jork nach Southampton erster Klasse auf 11, zweiter Klasse auf 7 Pfd. Sterl. herabgesetzt. Die Fahrpreise nach Westen bleiben noch unverändert. Nach einem Londoner Telegramm soll zwischen Lord zznverclyde und dem Generaldirektor Ballin vereinbart worden sein, daß die Ausgleichsvcrhandlungen zwischen den am nordatlantischen Tarif- kriege beteiligten Schiffahrtsgesellschaften am 29. August in Frank- ftirt a. M. wieder aufgenommen werden. Bus der frauenbcweguitg. Treptow-Baumschulenweg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs und Umgegend hält am Donnerstag, den 2ö. d. Mts., keine Wanderversammlung ab. Der Vorstand. Köpenick. Der Frauen- und Mädchcn-Bildungsvercin hielt Mitt- woch, den 17. August seine regelmäßige Vereinsversammlung ab. Da der in Aussicht genommene Referent wegen Krankheit nicht erschienen war, hielt Genosse Kegel einen Vortrag über: Ein Traum von zweitausend Jahren. An der Diskussion beteiligte sich hervor- ragend Frau Koppe. Unter Vereinsangelegenheiten wurde noch be- schloffen, zum diesjährigen Sriftungsfeft die Damenabteilung des Turnvereins und den Kraftturnverein„Einigkeit" zu bitten, mit- zutvirken._ ßcrliner partel-Hn�clcgcnbeiten. Sechster Wahlkreis. Zu der am Sonntag, den 28. August, statt- findenden Urania-Vorstellung sind noch Billets bei F a h r o w, Ravenöstr. ö, zu haben. Central-Wahlverein für Teltow-BecSkow-Storkow-Charlottcnburg. Sonntag, 28. August, nachmittags 1 Uhr, findet die Generalver- sammlung in Zossen statt mit der Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes. 2. Die Brandenburger Provinzialkonferenz.(Au- träge betreffend anderweitige Zusammensetzung der Agitations- kommission und betreffend die Lokalfrage. Wahl der Delegierten.) 3. Der Bremer Parteitag. jAnträge betreffend Aenderuug der Tagesordnung, betreffend die Maifeier, betreffend das Organisations- statut, betteffend Herausgabe einer Jugendzeitschrift und betreffend Schullasten, Wahl der Delegierten.) 4. Verschiedenes. Anträge, welche auf der Generalversammlung ihre Erledigung finden sollen, sind bis spätestens am 25. August an den Ccntralvorstand, Char- lottenburg, zu Händen des Genossen W. Eberhardt, Rosinenstr. 3, einzureichen. Auf Grund des§ 11 dcS Statuts ist jeder Verein berechtigt, bis zu drei Delegierte zu entsenden. Pflicht jedes Wahlvereins ist auf der Generalversammlung ver- treten zu sein. Der Centralvorstand. Maricndorf- Tempclhof. Im„Tivoli". Tempelhof, Berliner- straße 5V, spricht Genosse Z u b e i l am Freitagabend 8 Uhr über „Innere und äußere Politik". Mittwochabend 7 Uhr ist Flug- blattverbreitung. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. lokales. Ueber ein freudiges Ereignis meldet der Magistrats- Bericht- erstatter aus deni Rathause: Eine sehr erfreuliche Nachricht kommt aus dem Roten Hause. Das Defizit im Stadthaushalts-Etat ist ver- schwanden. Der Jahresabschluß der Stadthanptkasse ergiebt einen Ueberschuß von rund 4'/4 Millionen Mark. Der Etat für 1903/04 schloß mit einem Fehlbetrage von rund 1 Million Mark, weshalb bekanntlich besondere Einnahmequellen �Umsatzsteuer) erschlossen iverden mußten. Um so erfreulicher ist es nun, daß noch vor der Erhöhung der Umsatzsteuer, die erst für den laufenden Etal zur Geltung kommt, ein Ueberschuß alles Suchen nach neuen Stcuerquellen überflüssig erscheinen läßt. Dieser erfreuliche Umstand ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die städtischen Gas- und Wasserwerke einen Mehrüberschnß von etwa 2V4 Millionen Mark lieferten und die Stadthauptkasse selbst mit einem Plus von rund einer Million Mark abschließen konnte. Hierzu kommt noch, daß die Kanalisation gegen den Etat einen Minderzuschuß von 700 000 Mark brauchte. Auch für das laufende Jahr ist, ob- gleich die Aussichten für das Erwerbsleben infolge der abnormen Dürre und der daraus entstehenden Teuerung nicht gerade günstig sind, eher ein Ueberschuß als ein Fehlbetrag zu erwarten. Die Steuern sind bis jetzt in den ersten fünf Monaten des laufenden Etatsjahres reichlicher eingegangen, was zum Teil auf den Mehr- ertrag der seit März d. I. erhöhten Umsatzsteuer zurückzuführen ist. Der laufende Etat ist mit größter Vorsicht aufgestellt, schon um den Kommunalsteuerzuschlag von 100 Proz. nicht zu überschreiten. Die Gerechtigkeit gebietet eS zu erwähnen, daß die Recht behalten haben, die sich einer Erhöhung dcS Koinmunalstenerzuschlagcs von 100 Proz. mit Erfolg widersetzten, der Erhöhung der Hundesteuer widersprachen und die Wiedereinfiihrimg der Besteuerung der Einkommen unter 900 M. ablehnten, wobei sie eine Besserung der städtischen Finanzen in nahe Aussicht stellten. Dem nächsten Etat kommt nun nicht nur dieser recht ansehnliche Ueberschuß von 4'/4 Millionen Mark, sondern auch voraussichtlich die Zurückzahlungen aus den Kirchenbau-Prozessen mit über 2 Millionen Mark und weitere 450 000 Mark, die für Kirchcubciuzwecke schon in dem letzten Etat eingestellt worden sind und nun verfügbar werden, zu gute, was die Balancierung bei einem Steucrzuschlag von 100 Pröz. wesentlich erleichtert. Allerhand Verkehrsstatistisches. Wie der Verkehr in Berlin in den letzten Jahren gestiegen ist, ergiebt folgende Zusammenstellung, lvobei aber leider d,c kleineren Dampfschiffahrts- Gesellschaften, der Droschken-, Automobil- und Kremserverkehr wegen Mangel an zuver- lässigem Material nicht berücksichtigt werden konnte. Auf den Ber- liner Straßenbahnen wurden 1895 167'/� Millionen, 1900: 2801/3 Millionen und 1903 schon über 325 Millionen Personen befördert. Ans der Hochbahn werden jährlich 30 Millionen Personen befördert. Ganz besonders bemerkenswert ist die Verkehrssteigerung bei dem Omnibus- verkehr. Dieser stieg von 37>/z Millionen im Jahre 1895 auf SO1/� Millionen Personen im Jahre 1900 und ist seitdem auf rund 100 Millionen gestiegen. Auf der Stadt- und Ringbahn wurden 1895/96 insgesamt 671/., Millionen Fahrgäste abgefertigt, 1900/01 schon 80 Millionen und 1903/04 bereits 82 Millionen. Auf de» Personen- dampfern der Spree-Havcl-Dampffchiffahrts-Gesellschaft„Stern" stellte sich der Verkehr im Jahre 1895 auf 725 000 Personen, 1900 auf 963 000 und 1903 auf rund IVi Million. Insgesamt wurden»ach einer Schätzung rund 500 Millionen Menschen in Berlin befördert. Die Zahl der Droschken, Kremser, Omnibusse und Straßenbahn- wagen ist von 9022 im Jahre 1896 auf 11 761 im Jahre 1901 und 12 340 im vorigen Jahre gestiegen. Die Gleise der Straßenbahnen erreichten 1900 eine Länge von 629 397 Meter, die Einnahmen der Straßenbahnen stellten sich 1900 auf 29 Millionen Mark und sind inzwischen auf rund 34� Millionen gestiegen. Die Betriebs-Krankenkaffe der Stadtgemeinde Berlin ver- öffentlicht soeben ihren Geschäftsbericht für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1903. Danach stieg die Zahl der Mitglieder von 11 156 auf 11 626 oder um 4,2 Proz., während die Zahl der Er- krankungsfälle um 29,8 Proz., nämlich von 5404 auf 7017 gestiegen ist. Im Berichtsjahre kamen auf 100 Mitglieder 60 Hauskranke— gegen 48 im Vorjahre und 43 im Jahre 1901. Gestorben sind im Berichtsjahre 105 männliche und 8.weibliche Mitglieder. Bei 25 männlichen oder 22,1 Proz. aller Verstorbenen war ein Lungen- leiden die Todesursache, während bei den weiblichen Mitgliedern ein Sterbefall infolge Lungcnleidens nicht vorgekommen ist. In 158 Fällen gewährte die Kasse Aufenthalt in Heimstätten und Kur- orten oder Landaufenthalt. Die große Steigerung der Erkrankungsfälle hatte zur Folge, daß die Ausgaben für Arznei aus 34 649,03 M. stiegen(gegen 28 219,93 M. im Jahre 1902). Für sonstige Heilmittel wurden im Berichtsjahr 19 764,37 M. verausgabt, für ärztliche Behandlung 55 643,21 M. An Krankengeld wurden 255 785,73 M. gezahlt, darunter 7 496,46 M. an Angehörige erkrantter Mitglieder. Die gezahlten Sterbegelder beziffern sich auf 11 983,12 M. Die Unter- stützung der Wöchnerinnen erforderte eine Ausgabe von 1084,65 M., die Kur- und Verpflegungskosten in Krankenanstalten 65 869,29 M. Die persönlichen Verwaltungskosten betrugen 5792,53 M., die sächlichen 1616,79 M. Tie gesamte Einnahme(inkl. des 17 053,22 M. betragenden Bestandes vom Vorjahre) stellte sich auf 554 766,01 M., während die Summe der Ausgaben 545 182,06 M. betrug, so daß am Jahres- schlusse ein Kassenbestand von 9583,95 M. verblieb, das sind 7469,27 M. weniger als im Vorjahre. Auch der Reservefonds ging um 21 000 M. zurück; er betrug am Schlusse des Berichtsjahres 17 580 M., gegen 38 580 M. im Vorjahre.— Die ungünstige finanzielle Entwicklung der Kasse bedingte, daß seit Beginn des neuen Geschäftsjahres eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge von 3V- Proz. auf 4 Proz. stattfinden mutzte. Tie Sterblichkeit in Berlin ist in der ersten Woche des August, bis zu der jetzt die bezüglichen Zusammenstellungen des Berliner Statistischen Amtes vorliegen, noch sehr viel höher gewesen als in den letzten Wochen des Juli. Während in der Woche vom 24. Juli bis 30. Juli hier 662 Personen gestorben waren(ohne Totgeborene), wurden aus der Woche vom 31. Juli bis 6. August 903 Sterbefälle gjemeldet(ohne Totgeburten). Wieder ist die Erhöhung der Gcsamtstcrblick'kcit zum größten Teil durch eine weitere Zunahme der Säuglingssterblichkeit zu stände gekommen. In der letzten Woche des Juli waren 275 Kinder des ersten Lebens- jahres gestorben, in der ersten Woche des August dagegen starben 430 Kinder dieses Alters. Am 5. und 6. August starben allein 151 und 166 Personen, darunter 72 und 90 Kinder des ersten Jahres. Der 5. August hatte eine Tenipcratur gehabt, die der- jcnigen des 16. Juli, des heißesten Tages dieses Sommers, beinahe gleichkam. Tie bedeutende Zunahme der Säuglingssterblichkeit ist das Ergebnis einer weiteren Mehrung der Erkrankungen der Ver- danungsorgane, die der August gebracht hat. Es starben in der letzten Juli-Woche z. B. an Durchfall 72, an Darmkatarrh 91 Kinder des ersten Jahres, dagegen in der ersten August-Woche an Durchfall 154, an Darmkatarrh 131 Kinder dieses Alters. Die erste Sibmig der Stndtverordnetcii-Bersammlung nach den Ferien ist auf Donnerstag, den 8. Septeinber, anberaumt worden. Drei Millionen Mark Schulden. Im gestrigen zur Prüfung der bisher angemeldeten Forderungen anberaumten Termin des Kon- kurses Sllphons Roehll berichtete der Verwalter Brinkineyer, daß bis- heran vorrecbtlosen Forderungen 3 000 000 M. angemeldet seien, von denen 1 600 000 M. znr Feststellung gelangen dürften. Die Dividende wird nicht mehr als 1,40 Proz. betragen und im ungünstigsten Falle sich etwa auf nur 0,70 Proz. ermäßigen. Der Aufenthaltsort des steckbrieflich verfolgten Lebemanns Roehll ist noch nicht ermittelt. Die Biimenschiffahrtsstraße Berlin— Stettin, die seit Wochen allein»och den Wasserverkehr zwischen der Reichshauptstadt und der See vernuttelt, gewinnt von Tag zu Tag an Bedeutung. Sie weist jetzt einen Güterverkehr auf, wie er in solchem Umfang auf dieser Strecke noch nicht dagewesen ist. In fast ununterbrochener Reihenfolge be- wegen sich die Schleppzüge von der Oder her bezw. von der Havel durch den Finowkanal, der auch jetzt, trotz der Dürre, noch eine Fahrtiefe von 1,40 Meter hat, während die Elbe auf der Strecke zwischen Magdeburg und Hamburg höchstens eine Wassertiefe von 75 Centimeter aufweist. Viele Seedampfer, die mit Gütern für das Binnenland sonst stets in Haniburg löschten, wende» sich jetzt nach Stettin, auch die Transportschiffe, die englische Kohlen für die Gas- anstaltcn Berlins und der Vororte bringen. Die Plötzenseer Schleusen, durch die der gesamte Verkehr von und nach Stettin geht, sind bis zu ihrer höchsten Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen: an manchen Tagen liegen Hunderte von Fahrzeugen vor den Schleusen, wartend, bis an sie die Reihe kommt. Die bisher auf der unteren Havel verkehrenden Schleppdampfer, die wegen des Stillstandes der Schiffahrt nach Hamburg vor Anker gehen mußten, haben daS Feld ihrer Thätigkeit wegen der Vcrkehrssteigerung auf der Strecke Berlin— Stettin nach der oberen Havel verlegt, wo sie reichlich Beschäftigung finden. Der Wassermangel. Das Wasser der Spree innerhalb Berlins ist zwar in den letzten Tagen nicht mehr gestiegen, hat jedoch den in der letzten Woche erreichten höhere» Standpunkt behalten. Der Wasser- spiegel befindet sich noch immer etwa 15 Centimeter unter dem gc- wohnlichen Tiefstands der gegenwärtigen Jahreszeit. Die Schiffahrt auf der mittleren Spree erscheint jetzt gesichert, da ein weiteres Fallen des Wassers nicht mehr zu erwarten ist und die vor- genonimenen Ausbaggerungen bei Erkner und in den oberen Strom- gebieten haben die Gesahren eines etwaigen Auflaufens beladener Fracht- kähne vollständig beseitigt.— Durch den niedrigen Wasserstand sind übrigens auch die zumeist mit der Havel in Verbindung stehenden Grunelvaldseen in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch hier ist da» Wasser so bedeutend gefallen, daß eS von den Ufern zurückgetreten ist und sich die Berliner Ausflügler teilweise ganz neue Uferwege bahnen konnten. Die Schilfflächen ain Schlachtensee liegen mehr als zur Hälfte trocken, so daß sie ohne jede Gefahr betreten werden können.— Nachdem der Oberlauf der Oder jetzt fast voll- ständig ttocken liegt, ist auch in der Odcrbruch-Gegend der Wasserstand noch weiterhin gefallen. Nach einer Meldung der „Oderzeitung" ist das Wasser bei Küsttin so niedrig, daß seit Donners- tag voriger Woche das Saugerohr der Wasserleitung versagt und die Festung infolgedessen ohne Wasser ist. Zur Speisung des Sauge- rohres muß nunmehr ein Pulsometer aufgestellt werden. In der alten Oder ist das Wasser so weit gefallen, daß die verschiedenen Betriebe, die die Wasserkraft benutzen, die Thätigkeit haben ein- stellen müssen. Das Berliner Konzcrthaus soll neu erstehen. Ein großes Etablissement nach deni Muster des seiner Zeit von Bilse geleiteten Konzerthauses in der Leipziger Straße wird, wie verlautet, an der Ecke der Königgrätzer und Prinz Albrechtstraße errichtet werden. Dort, wo früher eine Eisbahn eingerichtet war, wird ein großes Lokal erbaut mit einem Konzertsaal, der 2000 Personen faßt. Die Einrichtung soll dem früheren Konzerthause in jeder Beziehung nach- gebildet sein. Erpressungen an einem höheren Offizier. Eine Auffehen er- regende Verhaftung wird aus Kottbus gemeldet. Dort wurde der Vertteter einer thüringischen Farbenfabrik, Kaufmann Griesdorf, festgenommen. Der Verhaftete stammt aus guter Familie, die sich aber seit Jahren von ihin losgesagt hat. Griesdorf wird beschuldigt, Erpressungsversuche gegen einen in Posen ansässigen höheren Offizier unternommen zu haben unter der Drohung mit„Ent- hüllungen aus einer kleinen Garnison". In den Briefen, die er anonym an den Offizier richtete, wird die Bekanntgabe ver- schiedener Vorgänge für den Fall angedroht,_ falls sich d�r Empfänger nicht zu bedeutenden Geldopfern bereit finden würde. Der Offizier übergab die Schreiben der Polizei, die Griesdorf als Schreiber ermittelte und festnahm. Griesdorf lebte in Kottbus auf großem Fuße, verfügte über reichliche Geldmittel, verkehrte in einem der ersten Hotels und hatte eine elegante Woh- nung inne: auch besuchte er die Reitbahn und spielte in jeder Be- ziehung den noblen Herrn. Nach seiner Angabe hat er in Berlin, Schuniannstr. 5 ein zweites Logis gemietet. Wie die bisherigen Ermittelungen ergeben haben, arbeitete Griesdorf stark in Wechseln und hat eine ganze Anzahl von Bürgern in Kottbus zu Unter- schriften sich geneigt gemacht. Bei seiner Vernehmung gab er zu, die Briefe an den Offizier geschrieben zu haben, doch bestrettet er die Erpressungsversuche: er hat seinerzeit als Einjähriger bei dem Regiment gedient, in dem der Offizier damals in Garnison stand. Um zwei Glas Bier. Die Arbeiten am Rathausturm sind beendet und ist die Finna V. Altmann dabei, das große Leitergerüst zu entfernen. Die Arbeiter wetteten gestern um zwei Glas Bier. die der gewinnen sollte, der die 18 Meter hohe, mit einem ver- goldeten Teller gekrönte eiserne Fahuenstange bis zur Spitze er- klettert. Ohne langes Besinnen machte sich einer von den Arbeitern an das Werk und es dauerte auch gar nicht lange, da war der Wagehals bis zu dem Teller emporgestiegen. Mit einem Schwung überstieg er dies Hindernis, stellte sich oben drauf und schwenkte seine Mütze, während ein andrer auf der Plattform des Thurmes stand und„knipste", wodurch das Wagestück verewigt wurde. Ebenso schnell, wie der Mann die Fahnenstange des Ra'thauSiurmes erklettert hatte, ebenso schnell war er auch wieder unten, mn die zlvei Glas Bier nicht stehen zu lassen. Der Mann ist übrigens nicht der erste, der an dieser Fahnenstange, der höchsten in Berlin, emporgestiegen ist. Das Wagestück kann also nicht so schwierig sein, wie es von unten aussieht, und wird jeden- falls durch eine eiserne Kette, die zum Hissen der Fahne dient und die von unten nicht zu sehen ist, erleichtert. Der Mann kann sich an der Kette festhalten, muß natürlich aber vollständig schwindelfrei sein, sonst kann er trotzdem leicht abstürzen und das Genick brechen. In Kolberg verhaftet wurde auf Requisitton der Staatsauwalt- schaft beim Landgericht I der Berliner Handlungsgehilfe Arthur Fischer, der, wie wir seinerzeit berichteten, nach einem mißlungenen Einbrnchsversuch aus Berlin geflüchtet war. F., der vorbestraft ist, war in ein Geschäft der Leipzigerstraße, in dem er angestellt war, abends nach Schluß durch ein Hoffenster eingestiegen: er hoffte niemand mehr anwesend zu finden. Zu seinem Schrecken sah er sich indessen einer Verkäuferin gegenüber, die noch mit Auf- räumungsarbeiten zu tbuu hatte. Er sagte dem jungen Mädchen, daß er nur die Absicht habe, sich seine Legitimationspapier» zu holen. Als diese trotzdem Alarm schlagen ivollie, stürzte er sich auf sie, und es cutspann sich zwischen beiden ein heftiger Kampf, im Verlaufe dessen Fischer eine Bißivunde im Finger und mehrere Hauptabschürfungen im Gesicht erlitt. Da F. seinen Plan vereitelt sah, flüchtete er auf demselben Wege, den er gekommen war. Den Bemühungen der Kriminalpolizei gelang es, seinen derzeitigen Aufenthaltsort zu er- Mitteln, und so wurde er in Kolberg verhaftet. F. wurde zunächst in das dortige Amtsgerichtsgefängnis gebracht, von dort wird er nach Moabit übergeführt werden. Ter Kamps eines Schutzmanns mit einem Kutscher rief in der Nacht zu gestern am Ostbahnhof große Aufregung hervor. Ein Kutscher, der sein Gespann bei sich hatte, war in eine Damenkneipe eingekehrt und hatte sich dort und aus der Sttaße unangemessen be- nonmten. Als ein Schutzmann ihn sistieren wollte, weigerte er sich mitzukommen, indem er einwandte, daß er sein Fuhrwerk nicht ver- lassen dürfe. Es kam dann zwischen dem Kutscher und dem Beamten zu Reibereien, denen der Schutzmann damit ein Ende zu machen suchte, daß er den Säbel zog und seinem Gegner damit an der Stirn eine Wunde beibrachte. Jetzt klammerte dieser sich an einen Laternenpfahl fest und wehrte sich, worauf er von neuem einen Säbelhieb erhielt. Inzwischen waren mehr Schutzleute herbeigeeilt und selbstverständlich hatten sich auch zahlreiche Zuschauer und Zu- schancrinnen angesammelt, die entsetzt aufschrien, als der Beamte dem Widerspenstigen einen dritten Hieb beibrachte. Blutübersttömt brach der Mann zusammen, worauf er einer Unfallstation und dann der Polizeiwache zugeftihrt wurde. Der Lärm war inzwischen, immer mehr augewachsen und eine Anzahl Sistierungen bildeten den' Beschluß des schlimmen Vorfalls. Immer wieder Lysol. Die Ehefrau eines Hausdieners Müller, der wegen Teilnahme an einem großen Seidendiebstahl seit zwei Monaten im Gefängnis zu Tegel sitzt, knüpfte ein Verhältnis mit einem Buchhalter an, obwohl sie mit ihrem zwei Jahre alten Kinde bei ihrem Vater in der Kolbcrgersttaße ein sicheres Unterkommen gefunden hatte. Als ihr Pater, ein geachteter Handwerker, von ihrem Lebenswandel Kenntnis erhielt, machte er ihr Vorwürfe und verlangte, daß sie die Beziehungen abbreche. Die junge Frau spann sie aber hinter seinem Rücken sfort, bis er das Pärchen in seiner Wohnung überraschte. Der Buchhalter wurde vor die Thür gesetzt und als am Montagabend Frau Müller ihn in seiner Wohnung in der Chorincrstraße auffuchte. wollte er nichts mehr von ihr wissen. Die Verschmähte, die nach dem Auftritt in der Wohnung ihren alten Vater mißhandelt hatte, nahm jetzt vor den Augen ihres Geliebten Lysol und mußte in bedenklichem Zu- stände nach einem Krankenhause gebracht werden.— Die 26 Jahre alte Ehefrau des Buchdruckereibesttzers König aus der Limenstt. 3a, die seit fünf Jahre» verheiratet und Mutter eines vierjährigen Töchterchens war, nahm am Sonnabendabend zwischen 6 und 7 klhr in ihrer Wohnung Lysol. Ihr Mann, der um 7 Uhr aus dem Ge- schäfte kam, fand sie bewußtlos auf dem Sofa sitzen und ließ sie, nachdem ein Arzt aus dem Hause die erste Hilfe geleistet hatte, mit einer Droschke nach dem Krankenhause am Friedrichshain bringen. Dort erlag sie jetzt den Wirkungen des Giftes. Der Todesfall wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Ein Bcm-Unfall mit tödlichem AnSgang ereignete sich gestern nachmittag bei Wertheim in der Leipzigerstraße. Der 41 Jahre alte Arbeiter Josef Schmidt aus Leobschütz stürzte aus bettächtücher Höhe vom Gerüst und wurde schwer verletzt mit einer Droschke nach der Charits gebracht. Als man dort mit ihm ankam, konnte der Auf- nahme-Arzt nur noch feststellen, datz inzwischen der Tod schon ein- getreten war. Die Leiche wurde dem Schanhause überwiesen. Ein gefährlicher Einbrecher wurde in der vergangenen Nacht in der Person eines Kutschers Robert Kaftan aus der Pfarrstraße in Friedrichsberg festgenommen. Kastan war dabei, dem Hause Am Ostbahnhof Nr. 6 einen nächtlichen Besuch abzustatten, als HauS- bewohner ihn erwischten und am Kragen nahmen. Sein Mißgeschick versetzte ihn in eine solche Wut, daß er dem Schutzmann, der ihn nach der Revierwache bringen wollte, an die Kehle sprang, um ihn zu mißhandeln. Der Beamte zog jedoch blank und machte den Einbrecher durch einige Säbelhiebe über den Kopf kampfnnfähig. Der Verhastete mußte zunächst von der Unfallstation in ein Kranken- Haus gebracht werden. Straßensperruiige». Der Weidenweg von der Tilsiterstraße bis zum Baltenplatz wird behufs UmPflasterung vom 24. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Koch- straße von der Wilhelm- bis zur Friedrichstraße behufs Asphaltierung vom 25. b. M. ab und ferner der Große Weg von der Tiergarten- straße bis znr Hofjäger- Allee sowie der chaussierte Weg von der Tiergartenstratze bis zum Großen Weg(der Kleine Weg genannt) vom 2b. d. M. ab. Feuerbericht. Gestern nachmittag bald nach 3 Uhr wurde die Wehr nach der Kommandantenstr. lg gerufen, weil hier ans noch nicht ermittelte Weise auf dem dritten Hofe in einem im zweiten Stock des Ouergebäudes belegenen Lagerraum der Fabrik für Be- leuchtungsgegenstände von Karl Niemann u. Co. Feuer ausgekommen war. Bei Ankunft des 17. Löschzuges brannte schon ein erheblicher Teil des Lagers, weshalb sofort ein Rohr in Thätigkeit gesetzt wurde. Die Löscharbeiten stießen aber auf keinerlei Schwierigkeiten und so konnten die Flammen innerhalb einer halben Stunde er- stickt werden. Ein Teil des Lagers ist indeß völlig vernichtet und der entstandene Schaden daher nicht unbedeutend, doch ist derselbe durch Versicherung gedeckt.— Vormittags mußte ein zweiter Fabrikbrand beseitigt werden. Er entstand in der Nord- deutfchen Gumnii- und Guttaperchawarenfabrik vorm. Fourobert u. Reimann Akt.-Ges. auf nicht ermittelte Weise, konnte aber noch gelöscht werden, bevor nennenswerter Schaden entstanden war.— Möbel, Kleidungsstücke und Decken hatten in der Nacht zum Diens- tag in der Tresckowstr. 7 in einer Wohnung Feuer gefangen, während in der Naunynftr. 72 allerlei Geriimpel in Brand geraten war.— Gardinen gingen später in der Gubeiterstr. 61 in Flammen auf. Die übrigen Alarmierungen, die noch aus der Ratiborstr. 19, Manteuflelstr. 66 usw. einliefen, waren auf ganz geringfügige Anlässe zurückzuführen._ Damen Rudersport. Großes Aufsehen erregte am Sonntag auf der Spree ein von weiblichen Mitgliedern des bekannten Ruderklubs „Vorwärts" gefahrener„Dainenachter". Die Fahrt ging nach dem„Strandschloß" am Müggelsee. Die flotte„Mannschaft" weib- lichen Geschlechts wurde von den Sportsleuten, die ihr begegneten, als auch von dem Publikum lebhaft begrüßt. Das Boot ist nicht allein in Berlin, sondern überhaupt in Europa der erste Damen- achter. Mitglieder einer amerikanischen Frauen-Universität sollen die ersten gewesen sein, die gleiches leisteten. Das Berliner Aquarium ist durch die Liebenswürdigkeit eines in Siam stationierten deutschen Naturfreundes und Gönners in der glücklichen Lage, d"n Besuchern eine Tierart zeigen zu können, die vordem noch nie zr uns gelangte und auch in ihrer Heimat, weil nur selten beobachtet, wenig bekannt ist. Es ist«ine Schlangen- art aus der Gruppe der Warzenschlangen, zur Gattung LKersxdrus gehörig. Herr Apotheker Willems, der Chef des„Government Medical Depot" in Bangkok hatte zehn Stück gesammelt, welche in einer 2 Meter langen und breiten, durch Auskleidung mit Zink zu einem Bassin hergerichteten Kiste von Singapore aus durch den Norddeutschen Loyd kostenlos nach Bremerhaven überführt wurden und der Sorgfalt des Kapitäns des Dampfers„Scidlitz ist die lebende Ankunft' der seltenen Wasserschlmigen zu danken. Da sie ausschließlich im Wasser leben und hier auch der Jagd auf Beute- tiere, Fische und Amphibien, obliegen, so fanden sie auch im Aquarium entsprechende Unterkunft in einem der Glashäuser des Schlangenganges. Es sind giftlose Nattern, aber von allen ihren Verwandten unterscheiden sie sich namentlich durch die Art ihrer Bekleidung, welche in kleinen, warzenähnlichen, sich nicht deckenden Schuppen besteht. Auch der kurze, niedergedrückte Kopf und das nach vorn gerichtete Auge mit dem runden Augenstern sind charakteristisch und der Körper ist vermöge des leicht zusammen- gedrückten Hinterleibes usw. zum Wasserleben eingerichtet. Die prächtigen Tiere sind oberseits braun, an der Seite mit gelblicher Längsbinde und dunklen Flecken gezeichnet. Ter Berliner Zoologische Garten besitzt jetzt eine Sammlung kleiner südamerikanischer Krallenaffen, wie man sie bei der Hin- fälligkeit dieser allerliebsten Geschöpfe nur sehr selten zu sehen be- kommt. Da sind in ihren Abteilungen des sogenannten„alten Vogelhauses", gegenüber dem neuen Bärenzwinger, außer den häufigeren„Marmosets", d. h. dem W e i ß o h r- und Schwarz- ohrpinsel-Aefschen ein Paar Neger-Seiden- äffchen, ferner die Pinche mit ihrem weißen Kragen, ein Paar Löwenäffchen und drei äußerst lebhafte Totenköpfchen untergebracht. Alle diese eichhorngroßen, zum Teil sehr auffallend gefärbten Arten bestechen durch ihre Zierlichkeit, entpuppen sich aber bei näherer Bekanntschaft als äußerst ängstliche und unsaubere Gesellen. Ihre Nahrung besteht neben Früchten und dergleichen namentlich aus Insekten, Vogeleiern und kleinen Vögeln, mit Gier wird ein ihnen gebotener Spatz abgewürgt und eiligst verzehrt. Theater. Das Casino-Theater in der Lothringerstraße wird am Sonnabend, 3. September, wieder eröffnet.— Der Vor- verkauf zu Grillparzers„Medea", mit der das Schiller- Theater 0. am Sonnabend eröffnet wird, beginnt heute Mittwoch und findet täglich an der Kasse des Schiller-Theaters O. von 16'/» bis 2 Uhr statt. AbonnementS-Bestellungen werden täglich in den Bureaus der beiden Schiller-Theater von 16— 2 Uhr entgegengenommen.— Der Eröffnungs-Vorstellung folgt am Sonntagnachmittag„Die Ehre" und am Sonntagabend, aus Anlaß von Goethes Geburtstag,„Iphigenie auf Tauris". Auch zu diesen Vorstellungen ist der Vorverkauf eröffnet. Treptower Radrennen. Die anläßlich der Ankunft der Wettläufcr um die„Meisterschaft von Berlin" am nächsten Sonntag statt- findenden Rennen sind wie folgt festgesetzt: Stundenrennen mit Motorführung mit vier Teilnehmern: Fünfkilometer- AuS- fcheidungsrennen der ersten Amateurklaffe, Hauptfahren der dritten Klaffe und Zehnkilometer- Motorrennen. Durch die ankommenden Wettläufer, welche auf der im Jnnenraum belegenen Läuferbahn noch drei Runden zurücklegen müssen, werden die Radrennen nicht aufgehalten. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Montag, den 29. d. M., abends 8 Uhr, Herr Dr. P. Schmidt aus Petersburg, welcher im Jahre 1966 auf Veranlassung der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft eine Reise über ganz Mittel- und Süd- Korea unternommen hat, einen Vortrag:„Korea und die Koreaner" halten. Da der Forschnngsreisende zu Fuß mit einer kleinen Karawane von koreanischen Ponnie» von Gensan aus nach Fusan und von dort nach der Hauptstadt des„Landes der Morgenstille" — Soeul— ging und während dieser ungefähr 1266 Kilometer langen Reise die interessanten Ortschaften des Landes, des Zank apftls zwischen Rußland und Japan, besuchte, dürften seine Schilde rungen an Hand zahlreicher Projektionsbilder, die nach den Original� auftmhmen der Expedition angefertigt sind, von allergrößtem Intet' -sie sein."__ Hue den Nachbarorten. Achtzehntimsend Mark hat ein Dieb in B r a n d e n b u r g a. d. H. gestohlen. Am Montagnachmittag war bei einem Gastwirt in der Kleinen Münzenstraße in Brandenburg eine Kassette, welche 18 660 Mark in Wertpapieren nnd barem Gclde enthielt, verschwunden. Als Dieb konnte nur ein Fremder in Betracht kommen, der am Nach- mittag zwischen 4 und 5 Uhr in der Wirtschast weilte und zweitel- los Gelegenheit fand, sich unbemerkt in die Wohnung des GaftiuirtS zu schleichen und den Raub auszuführen. Wie die sofort verständigte Polizeibehörde festgestellt hat, war der Dieb sofort nach dem Bahn- Hof gegangen, traf jedoch dort zu spät ein, um noch den Berliner Zug benutzen zu können, und hat dann, die Kassette bei sich führend, verschiedene Lokale besucht. Er ist schließlich, nachdem er den Geld- behälter auf einem Abort des Bahnhofes geleert, mit dem Schnell- zuge um 8 Uhr nach Berlin zurückgefahren. Ein Handkoffer folvie die leere Kassette wurden später auf dem Aborte des Bahnhofes aufgefunden. In dem Koffer befand sich weiter nichts als ein Stemmeisen. Der Dieb ist etwa 26—28 Jahre alt, bartlos und war mit grauem Jackettanzug bekleidet. lieber einen Palmendicbstahl in Sanssouci giebt das Polizei- Präsidium folgendes bekannt: In der Nacht zum 16. d. M. wurden aus dem königlichen Park von Sanssouci zu Potsdam zwei Palmen- bäume— sogenannte Phönix— 1,36 Meter und 1,10 Meter hoch, gestohlen. Der Wert der Palmen beträgt 26 Mark. Der Thäter, Arbeiter Oskar Stephan, 23. Februar 1859 zu Schmolde geboren, ist mit den Palmen mittels der Bahn nach Berlin gefahren und wird sie wahrscheinlich hier verkauft haben. Personen, die über den Verbleib der Palmen bezw. des Thäters Angaben machen können, werden ersucht, dies entweder schriftlich oder mündlich in einem Polizeirevier oder bei der Kriminalpolizei zu Ztr. 1656 IV. Dep. 64, Zimmer 334, mitzuteilen._ Versammlungen. liebet Ludwig Feuerbachs Leben und Lebenswerk sprach am Dienstag Genosse Dr. Südekum in einer gutbesuchten Wahlvereins- Versammlung des 1. Kreises. Nach einer Schilderung der Persönlichkeit Feuerbachs, seines Verhältnisses zu feinem Vater, sprach der Vortragende über dessen hauptsächlichste Werke. Zu diesen gehöre seine Schrift über„Tod und Unsterblichkeit". Tiefe habe man ihm nie verzeihen können. Dann folge die Kritik der Hegel- schen Philosophie. Eine Einladung Ruges, am politischen Leben teilzunehmen, habe Feuerbach abgelehnt. Er habe offenbar die Freiheitsphrasen der deutschen Bourgeoisie erkannt. Das Jahr 18 4 8 sei an ihm spurlos vorübergegangen. Sein Hauptwerk „Kritik der Religion" beweise am besten das Wesen seiner Arbeit, in dem er den Glauben nicht ignoriere, sondern zu erklären versuche. Er bezeichne dort alle Religionen als wesensgleich und führe sie auf dieselbe Wurzel zurück. Besonders bedeutungsvoll sei das That- sachenmaterial, das er zur Bekräftigung seiner Ansichten ins Feld zu führen vermocht habe. Während die Gläubigen von ihrem Gott Wunder verlangten, fordere Feuerbach, daß der Mensch selbst Wunder thue, kraft feiner Macht über die Natur. Die Kultur fei die Vorsehung des Menschen. Durch die Bildung werde die Religion ersetzt und überflüssig— nicht aber un:gekehrt. Mit der religiösen Ueberzeuguug vertrügen sich in der That die größten Greueln— mit der Bildung jedoch nicht.(Sehr richtig!) Damit aber die Menschen gebildet würden, verlange Feuerbach auch die politische Freiheit. Alle Schriften Feuerbachs durchdringe tiefes sociales Empfinden. Seine„Sociale Ethik" sei durchaus socialiftisch. Ob- gleich der Philosoph zum Socialisten werden mutzte, seien die Vor- bedingungen zur f e l b st ä n d i g e n Entwicklung bei ihm nicht vorhanden gewesen. Er habe freie Bahn geschaffen, sei jedoch nicht eingetreten in eine sociale Forschung. Er habe nicht erkannt, daß die Gesellschaft ein Organismus mit eignen Gesetzen sei. Daß an den traurigen Zuständen geändert werden müsse, erkannte er auch an, aber er glaubte, daß diese Aenderung nur durch eine Besserung der einzelnen Menschen herbeigeführt werden könne. Der Klassen- kämpf habe für ihn etwas Abstoßendes gehabt. Die Entwicklungs- geschickte der menschlichen Gesellschaft erforscht zu haben, sei aus- fchließlich das Verdienst von Karl Marx. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag sprachen in der Diskussion noch Schriftsteller Ha lp e rt und Genosse G u t m a n n. Nachdem noch Genosse Opel zu regem Besuch der am 23. August siattfidnenden Parteiversammlungcn und der Vorsitzende zum Eintritt in den Wahlverein aufgefordert, erfolgte Schluß der Versammlung. In der öffentlichen Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend in Dräfels Festfälen, Neue Friedrichstraße, erstattete Metschke im Eingange seine? Referates Bericht über die von der Lokalorganisation am 26. Jpli veranstaltete Baukontrolle. Im Ver- gleich mit der am 3. Mai stattgcfundenen Baukontrolle deS Ver- bandes der Maurer sind eS jetzt 1317 Arbeitsstellen(also mehr 146) mit 12 322 Arbeitern(mehr 2319). Leider ist auch die Zahl der Accordbauten und Maurer gestiegen von 49 Bauten mit 668 Arbeitern auf 163 Bauten mit 1127 Arbeitern. Bei der aus diesen Zahlen hervorgehenden günstigen Entwicklung des Baugeschäftes ist die Zu- nähme der Accordbauten um so auffälliger. Ebenso auffällig ist, daß die hygienischen Zustände auf den Bauten sich wesentlich verschlechtert haben. Die Baubuden und Aborte sind vielfach in so traurigem Zustande, daß die Kollegen gezwungen sind, diese Einrichtungen zu meiden und in die Kneipen zu gehen. Auch die Ucberstundenarbeit hat auf einer Anzahl Bauten Eingang gefunden und wird der Neu- bau Vctcranenstraße, Ecke Brunnenstraße, dabei besonders erwähnt. Die Gleichgültigkeit unter vielen Kollegen leistet solchen Zuständen Vorschub, und auch die Aufsichtsbehörden würden Wunderdinge finden, wenn sie eine wirklich ernste Kontrolle dieser Accordbauten während des Baues ausüben würden. Die Sicherheit auf diesen Bauten läßt so gut wie alles zu wünschen übrig, die Unfall-Chronik giebt darüber deutlichen Bescheid. Es wird wohl aber nicht eher ander? werden, als bis einmal die Baukommission, die solchen Schwindclbau abzunehmen hat, unter seinen Trümmern begraben wird. Anläßlich des letzten Unglücks in Rummelsburg, wo beim Betonieren der ganze Jnnenbau zusammenstürzte, mutz die Frage nach einer wirksamen Bau-Jnspektion immer dringender gestellt werden. Redner kommt dann auf die demnächst bevorstehende Er- Neuerung des Vertrages mit den Meistern zu sprechen und bcfür- wartet, daß vor allen Dingen die Klausel von der Mindestleistung beseitigt wird, ebenso alle Ueberstundcn- und Accordarbeit, wogegen die Einführung der 8stündigen Arbeitszeit durchgesetzt werden muß. — In der Diskussion wird neben der Anführung von Mißständen auf einzelnen Bauten besonders der Accordmaurerei zu Leibe ge- gangen und der Antrag gestellt, mit dem Verband der Maurer, den Zimmerern und den Bauarbeitern in Verhandlungen zu treten, um gemeinschaftlich diese Zustände zu beseitigen. Ein Redner tadelt cS, daß viele Maurer ihre Kollegen zwar der Organisation zuführen, aber versäumen, diese Neugewonnenen genügend�ufzuklären, sie auch innerlich zu gewinnen. Die Folge ist, daß diese Leute stets unzu- verlässigc Mitläufer bleiben und bei der ersten passenden Gelegenheit der Organisation den Rücken kahren.— Metschke giebt in einem Schlußwort eine kurze Zusammenfassung der zur Sprache gebrachten Uebelstönde, und erzählt u. a., daß er versucht hat, mit den Polieren in Verbindung zu treten, um bessere Verhältnisse auf den Bauten und zwischen Maurern und Polieren anzubahnen. Die General- Versammlung der Poliere hat aber dergleichen kurz abgelehnt.— Metschke läßt' nun den vorher erwähnten Antrag zur Abstimmung bringen. Derselbe fand gegen eine Stimme Annahme. Unter„Ver- schiedeneS" wurden die Zuständc und Kämpfe auf den Bauten am Nonnendamm von verschiedenen Beteiligten geschildert, u. a. erzählt Schneider, daß er seitens der Streikbrecher mit dem Revolver bedroht worden ist, aber zur Feststellung des Revolverhelden keinen Schutz- mann finden konnte, während sonst bis 25 Beamte der Polizei dicht bei den Bauten postiert sind. Tie dem„Verbände der stäbtischen Arbeiter" angeschlossenen Kanalisationsarbeiter hielten Sonnabendabend bei Patt, Dragoner. straße, eine Generalversammlung ab, in der sie endgültig über auf- zustellende Forderungen, die den städtischen Behörden in Form einer Eingabe unterbreitet werden sollen, Beschlutz faßten. Die Forde- rungen lauten:„Einführung einer weiteren Lohnklasse nach zwei- jähriger Dienstzeit wie folgt: Kanalarbeiter: Anfangslohn 3,56 M., nach zwei Jahren 3,75 M., nach fünf Jahren 4 M., nach acht Jahren 4,25 M. Heizer: Anfangslohn 3,75 M., nach zwei Jahren 4 M., nach fünf Jahren 4,25 M., nach 8 Jahren 4,56 M. Putzer, Bassinorbeiter, Kohlenkarrer und Druck» rohraufseher: Anfangslohn 3,56 M., nach zwei Jahren 3,66 M., nach fünf Jahren 3,86 M. und nach acht Jahren 4 M." Es wird dann ausgeführt, ein Arbeiterausschutz sei ihnen nun endlich nach vierjährigem Petitionieren zugestanden worden und jetzt in der Bildung begriffen. Begründet werden die Forderungen u. a. mit folgendem: Seit Frühjahr 1961 haben sich die wirtschaftlichen Ver- Hältnisse der Berliner Arbeiter wesentlich verschlechtert, Wohnungs- mieten sowie Lebensmittel und Bedarfsartikel sind gestiegen. Die Eigenart des Betriebes bringt es mit sich, daß sie ihr Mittagessen, Frühstück usw. in Schankwirtschaften(Buden gäbe es bei ihnen nicht) einnehmen müßten, wodurch natürlich Mehrausgaben entstehen. Die Nachtwachen, die mit 1,56 M. die Nacht vergütet wurden, sind ihnen genommen worden. Für die Nachtarbeit, die abends 9V- beginne und 8 Stunden andauere, werde ihnen auch nur der gewöhnliche Tagelohn bezahlt, während andern Arbeitern— Handwerkern, Industrie-Arbeitern usw.— ein Zuschlag von 56 Proz. gewährt werde. Dazu komme noch die u n- gleiche Fe st legung im städtischen Etat, wonach den Kanal- arbeitern 356 Tage, allen andern Arbeitern dagegen 365 Tage im Jahre bezahlt werden sollen, ihnen(den Kanalarbeitcrn) jedoch in Wirklichkeit nur 326, im allergünstigsten Falle 335 Tage be- zahlt werden, entstehe für diese, je nach der Lohnklasse der Be- treffenden, ein Lohnausfall von 48 bis 126 M. jährlich. Diese Zurücksetzung erklären die Kanalarbeitcr für um so u n- gerechter, da sie doch die schmutzigsten und ungesundesten Arbeiten zu verrichten hätten; sie müßten häufig längere Zeit bis zum Oberkörper im Schlamm waten usw. Nun folgen eine ganze Reihe Beschwerden, von denen folgende hervorzuheben sind: Wer nur fünf Minuten zu spät zur Arbeit kommt, wird mit zwei Stunden Lohnabzug bedacht. Die langen Stiefel, die ihnen ge- liefert werden, sollen meist sehr mangelhaft sein, lassen das Wasser durch; wenn die Arbeiter dann krank werden, wundere sich die Ver- waltung. In Krankheitsfällen bekämen sie nur sscchs Wochen den vollen Lohn bezahlt, während die Charlottenburger Kollegeni 26 Wochen lang denselben bezögen. Einer äußerst scharfen Kritik wird ein Fall rigoroser Behandlung unterworfen: Ein Arbeiter, dem eine nahe Verwandte gestorben, habe um einen Tag Urlaub (Sonntag) gebeten, um der Beerdigung beiwohnen zu können; er sei dreimal in der höflichsten Weise darum eingekommen, aber der Betriebsinspektor habe ihn immer, zuletzt barsch abgewiesen mit dem Bemerken, der Betrieb leide darunter; dabei sei sehr leicht Ersatz für ihn zu beschaffen gewesen. Schließlich habe er, da ihm auch nicht einmal eine Stunde Urlaub gewährt worden sei, seine Mittagspause(eine Stunde) benutzt, um bei der Direktion den fraglichen Urlaub zu erbitten; jedoch auch hier sei er abschläglich beschieden worden. Centralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Die Verwaltung I hielt am 11. August ihre ordentliche General- Versammlung für das 2. Quartal ab. Eingangs der Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken von 9 Mitgliedern, die im Laufe des Quartals verstorben sind. Sodann berichtete der Bevoll- mächtigte Werner über die Verhandlungen mit dem Verein Berliner Hausdiener zwecks Anschlusses an den Verband. Die Entwicklung der modernen gewerkschaftlichen Organisation unter den Hausdienern und Packern leide außerordentlich durch das Bestehen des Vereins. Das Bemühen deS Verbandes auf Erzielung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen für diese Berufskollegen werde ebenfalls dadurch erschwert. Besonders sei dieser Uebclstand bei dem Vorgehen des Verbandes in den Warenhäusern zwecks Abschlusses günstiger Lohn- Verträge für die Hilfsarbeiter hervorgetreten. Die Unternehmer verhielten sich solchen Abmachungen ablehnend gegenüber, unter dem Hinweis, daß ungefähr die Hälfte ihrer Hilfsarbeiter dem Verein Berliner Hausdiener angehörten, und von diesem eine solche An- forderung bis dato nicht gestellt wurde. Um diesem unleidlichen Zu- stand abzuhelfen, habe die Verwaltung Annäherungsversuchs an den Verein angebahnt, die auch insofern ein Resultat zeitigten, als von beiden Seiten eine Kommission eingesetzt wurde, deren Aufgabe es war, Vorkehrungen dahin zu treffen, daß der Verein sich dem Ver- bände anschließen könne. In dieser Hinsicht habe der Verband dem Verein zunächst zugestanden, daß in solchen Waren- oder Verkaufs- Häusern, wo neben den Verbandsmitgliedcrn auch solche vom Verein beschäftigt sind, letztere auch mit in den Arbeitsausschüssen oder Be- schwerdckommissionen vertreten sein sollen. Nachdem nun verschiedene Sitzungen in dieser Angelegenheit stattgefunden, wurde zuletzt auch unter Hinzuziehung des Hauptvorstandes verhandelt. Bei dieser Verhandlung wurden von seiten des letzteren dem Verein die aller coulantesten Uebertrittsbedingungen gestellt. Unter anderm wurde demselben zugestanden, unter seinem bisherigen Namen als eigne OrtSvcrwaltung des Verbandes bestehen zu bleiben. Selbst das bisherige Vermögen dieses Vereins sollte dieser Verwaltung ver» bleiben, nur das Revisionsrecht sollte dem Hauptvorstand eingeräumt werden. Die Vertreter des Vereins hätten stets bei den Verhand- hingen die Ansicht vertreten, daß es nur von Vorteil für die Be- rufskollegen sein könne, wen eine Einigung erzielt würde, dieselben gaben das Versprechen auch ferner im Sinne der Verhandlungen für die Einigung in den Vercinsvcrsammlungen wirken zu wollen. DieS Versprechen aber hätten die Vertreter keineswegs gehalten. In der letzten Generalversammlung des Vereins sei in kaum 16 Minuten über die ganzen Verhandlungen berichtet und dann ein Antrag von einem Herrn Fritz Wappler auf Uebergang zur Tagesordnung an- genommen worden. Der Verein habe nunmebr aber auch noch fertig gebracht, bei der Berliner Gewerkschaftskommission den Antrag aus Entsendung von Delegierten behufs Vertretung des Vereins zu stellen. Hiergegen werde sich unser Verband mit allen Kräften wehren. Der Bericht wurde mit Entrüstungsrufen entgegen. geommen und beschlossen, daß die Kollegen, überall wo sie mit Partei» genossen zusammentreffen, diese auf die Handlungsweise des ge- nannten Vereins hinweisen.— Der Kassierer Steinike erläuterte hierauf den gedruckt vorliegenden Kassenbericht. Aus demselben geht hervor, daß inklusive eines Kasscnbestandes von 12 478,26 Mk. die Gesamteinnahme 31 722,86 Mk. betrug. Die Ausgabe betrug 29 593,84 M. An die Hauptkaffe wurden 15 596,65 M. abgeliefert. Der örtliche Kassenbestand betrug am 1. Juli 14 667,22 M. Der Aufschwung der Verwaltungsstelle war auch im zweiten Quartal ein sehr erfteulicher. 1627 Kollegen wurden als neue Mitglieder aufge» nommen.— Aus dem Arbeitsnachweisbericht ist folgendes zu ent» nehmen: Arbeitslos waren am Schlüsse des 1. Quartals 73 Kollegen. Im Laufe des 2. Quartals meldeten sich neu 632 Kollegen, zusammen 765 Kollegen. Besetzt wurden 442 Stellen. Am Schlüsse deS zweiten Quartals blieben noch arbeitslos 52 Kollegen. Mit der Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten und Entgegennahme von Berichten über stattgefunde kleine Lohnbewegungen erreichte die Versammlung ihr Ende. Landsmannschaft der Schleswig-Holsteiner. Mittwoch, 24. August, abends 8'/, Uhr: Versammlung mit Frauen in Feuersteins Festsälcn, Alte Jakobstr. 75. Ausnahme neuer Mitglieder. Abrechnung. Geschäftliches. Gäste willkommen. Slchtnng, Rixdorf! Am Sonntag, den 28. August, und Sonntag, den 4. September, nachmittags 2 Uhr, findet von feiten des Gewerkschasts- fartell« eine Besichtigung der Ausstellung für A r b e i t e r- W o h I s a h r t S- Einrichtung statt. Der Besuch ist unentgeltlich. BilletS in beschränkter Anzahl sind beim Obmann Hendrischke, Kirchhojstr. 2, zu haben. Vermiscktes. Der Wasserstand deS Rheins ist jetzt auf 1 Meter zurück- gegangen. Gestern zeigte der Kölner Pegel noch 1,67 Meter.— In Dresden hat die Elbe jetzt den tiefsten Wasserstand seit 1311. Der Pegel an der AugustuSbrücke steht 236 Centimeter unter Null. Das größte Hochwasser im September 1896 stieg fast 7 Meter über den jetzigen Stand. Die Elbe begnügt sich nun mit einem un- glaublich schmalen Flußbett. Bon den 15 Bogen der Augustus- brücke schlüpft sie durch zwei Bogen und läßt das Steingeröll alz weite Inseln und Landzungen hervortreten. Zur Verhütung von Waldbränden. Der Vorstand des Harz- klubs ersucht uns, folgende Mitteilung aufzunehmen: Am 17. August Hat im Bodetyale unweit der Prinzensicht ein umfang- reicher Waldbrand stattgefunden. Ter Brand ist unmittelbar am Pramenadenwege ausgebrochen und es liegt die Annahme nahe, daß et durch Touristen verursacht ist.— Der Vorstand des Harzklubs bittet alle seine Mitglieder und Freunde des Waldes ganz all- gemein, namentlich aber bei der jetzt herrschenden beispiellosen Dürre, aufs peinlichste vorsichtig im Walde mit Feuer umzugehen, das Rauchen entweder ganz zu unterlassen oder doch wenigstens keine glimmenden Streichhölzer oder Cigarrenreste wegzuwerfen. Be-- stehende Rauchverbote sind strengstens zu befolgen. Wir müssen darauf bedacht sein zu verhüten, dah aus einer Vermehrung von Waldfeueru in Touristengegenden ein Grund zur Absperrung der Wälder abgeleitet wird. Opfer des BergkraxelnS. Der Sonntag hat, wie aus Zürich gemeldet wird, in den Schweizer Bergen nicht weniger als fünf schwere Unglücksfälle gebracht. Am Säntis, der in diesem Sommer schon acht Menschenleben forderte, stürzte der sechsundzwanzigjährige Zeichner Schwendener zu Tode. Am Calanda verunglückte ein junger Churer Tourist Namens Büchler. Er wurde noch nicht gefunden. Am Tödi ist der junge Bergführer 5wbli abgestürzt. Er ritz zwei Begleiter vom Steinschlag zurück, bekam aber selbst das Ucbergewicht und stürzte in eine Gletscherspalte, wo er tot liegen blieb.— Am Selbsanft ist ein Technikerschüler aus Winterthur zu Tode gestürzt.— Endlich ist am Rigi am Sonnabendnachmittag ein Herr Löwenbach aus Wien beim Abstieg gegen Lützclau ausgeglitten und über drei Felsbänder hinabgestürzt, wo er rittlings auf einem Strauche hängen blieb. Am Abend wurden seine Hilferufe gehört, aber erst nach zweistündigem Suchen fand man ihn an einer fast unzugänglichen Stelle, so das} es nachts unmöglich war, ihn herunterzuholen. ES wurden ihm Decken und Lebensmittel gebracht und eine Wache bei ihm gelassen, bis am Sonntag früh die Bergung, die drei Stunden beanspruchte, stattfinden konnte. Er wurde in der Pension Lützclau untergebracht und seine in Luzern weilende Mutter herbeigerufen. Er hat eine Gehirnerschütterung, Rippenbrüche und Lungen- blutungen erlitten. Auf der Suche nach Paul Krügers Millionen ist, einem Tele- gramm aus Durban zufolge, der Dampfer„Penguin" zum Wrack geworden, und 25 Personen haben ihr Leben verloren. Diese „Millionen" sollen sich in der vor sechs Jahren bei Kap Vidal an der Küste von Zululand untergegangenen schwedischen Bark „Dorothea" befinden, und die soeben verunglücke„Pcnguin"- Erpedition ist bereits die fünfte derartige Goldsucher-Expedition, welche mehr oder weniger unglücklich verlaufen ist. Es wird be- richtet, das; vor 1893 geheime Agenten der TranSvaal-Regierung heimlich ganze Mengen Gold gekauft, davon aber 123 333 Unzen beiseite geschafft und an einer einsamen Stelle in der Dclagoa-Bai verborgen hätten, bis das Gold dann an Bord der Barke„Dorothea" geschafft und dort mit Cement überdeckt und unter Ballast gut ver- steckt wurde. Das Gold sollte nach Südamerika geschafft werden, aber die Bgrke strandete an einem Riff und ging unter. Ein Herr Ward-Hall hörte in Johannesburg im Jahre 1898 öon dem ver- suakenen Schatze rmd erwirkte von der Regierung von Natal die Erlaubnis, den Schatz zu heben, wofür sich letztere einen Anteil von 85 Prozent vorbehielt. Herr Hall fuhr dann in einem Dampfer, nachdem er Taucher engagiert hatte, zu der Stelle hin, an der die „Dorothea" untergegangen war, aber die heftige Brandung warf den Dampfer um, und zwei Europäer und vier Kaffern verloren dabei ihr Leben. Herr Hall versuchte sein Glück zum zweitenmal, und es gelang ihm wenigstens, das halb im Sande vergrabene Wrack zu finden. Sturm trieb ihn jedoch davon weg, und seitdem sind keine ernsteren Versuche mehr, die„Millionen Krügers" zu heben, gemacht worden. Königsberg i. Pr., 23. August. An dem Pulvermagazin bei Karschau wurde in der vergangenen Nacht ein Posten vom Grenadier- Regiment Nr. 3 von Civilisten überfallen und durch einen Schutz in den Unterleib verwundet. Der Posten ist heute früh im Garnison- lazarett gestorben. Innsbruck. Aus allen Teilen des Landes laufen Nachrichten über einen plötzlichen Wettersturz ein. Ueberall ist heftiger Regen niedergegangen und die Temperatur au vielen Orten bis auf 8 Grad gesunken. Die Berge sind bis auf tausend Meter in dichten Schnee eingehüllt. Viele Fremde reisen ab. Unwetter in Italien. S o r r e n t, 23. August. Infolge eines CyklonS stürzte heute ein Haus ein und begrub unter seinen Trümmern neun Personen. Sechs konnten gerettet werden, die andern drei wurden getötet. Dreihig weitere Häuser drohen mit Einsturz; die armen Bewohner derselben wurden in Militärzeltc untergebracht. Auch die Felder in der Nähe der Stadt erlitten viel- fachen Schaden.— Bari. Während eines heftigen Sturmes strandete der Dampfer„Lucia"; es gelang jedoch nach zwei Stunden, den Dampfer wieder flott zu machen. Ausserdem kenterten mehrere Barken, wobei zwei Personen umS Leben kamen. Budapest, 23. August. Heute ist ein Witterungsumschlag ein- getreten. Fast aus dem ganzen Lande wessen Berichte über aus- giebige Niederschläge ein. Neber den gewaltigen Cyklon, der vor einigen Tagen in Nord- amerika wütete, wird durch ein Kabeltelcgramm aus New Aork ferner gemeldet: Der durch den Wirbelsturm in St. Paul und Minneapolis angerichtete Schaden beträgt nach den letzten Schätzungen 2V, Millionen Dollar, abgesehen von dem Ernte- und Gebäudeschaden, der sich noch nicht annähernd berechnen läht. Bei dem Sturm wurden 15 Personen getötet und 433 verletzt. Der verhälwismätzig geringe Verlust an Menschenleben wird auf den Umstand zurückgeführt, datz die Bevölkerung des Sturmgebietes grösstenteils rechtzeitig in den Kellern Schutz suchte, als die Sturm- Warnung erging. Wie kann man Prenßen erklären?.Kurz nach dem Schulbeginn setzt der Lehrer den Schülern seiner Klasse den Ursprung des Wortes „Preussen" auseinander.„Die einen leiten es von dem altlitauischen Worte„Pruzzen" ab, die andern wollen es für„Prorussia",„das vor Russland Gelegene erklären".„Nun HanS", fährt der Lehrer einen Jungen an, der nicht recht aufgepasst hat,„wie kann man „Preussen" erklären? Man kann Preussen erklären— nun, als-- Pro—— russ--". Da zuckt es verständnisinnig in dem Gesicht des kleinen Hans auf, der während der Ferien oft gehört hatte, wie die Erwachsenen über den KvnigSberger Prozess sprachen. „Preussen kann man als Provinz RusslandS erklären", antwortete er freudestrahlend. Marktpreise von Berlin am 22. August. Nach Ermittelungen� beS kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Centner: Weizen'*), gute Sorte 18,30-18,24 M.. mittel 18,18-18,12 M.. geringe 18,06-18,00 M. Roggen"), gute Sorte 13,95—13,82 M.. mittel 13,89—13,86 M., geringe 13,83—13,80 M. Futtergerste»), gute Sorte 14,60—14,00 M., mittel 13,90 bis 13,30 M.. geringe 13.20-12.60 M. Hafer*), gute Sötte 16.50-15.70 M.. mittel 15,60—14,90 M., geringe 14,80—14,10 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speiscbokmcn. weisse 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln, neue, 12,00-8,00 M. Richtstroh 0,00-0,00 M. Heu 0,00-0,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,40 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.'*) Ab Bahn. Wasserstand am 22. August. Elbe bei Aussig— 0,93 Meter, bei Dresden— 2,30 Meter, bei Magdeburg— 0,08 Meter.— U n st r u t bei Sttausssurt-f 0,60 Meter.— Oder bei Ratibor-st 0,00 Meter, bei Breslau Ober-Pegel-st 4,08 Meter, bei Breslau Unter-Pegel 1,97 Meter, bei et— 0,04 Meter.— Weichsel bei Brahemünde-st 1,58 Meter.— a r t h e bei Posen— 0,28 Meter.— N e tz c bei Usch+ 0,28 Meter. WitternngSübersicht vom SZ. August 1904, morgcuS H Ilhr. Stationen L S d S Ii Swinenide. erlin Franks. aM. München Wien Z i 9 8 756 N 758 N 756 N 755 SW 757 i 33 752 W Settel (s* dtr o H z- 2 halb vd. 2balb bd. 3 bedeckt 2 Regen 5 bedeckt 4 Regen Stationen L S s 8 S= »■= i S Haparanda�bb N Petersburg 756 SW Cork Merdecn Paris 765 NW 759. NW WeUer 2 heiter 1 wolkig 2 heiter 3hcdeckt Ö s c Ä ll i» 11 fo Wetter- Prognose für Mittwoch, den 21. August 1904. Ziemlich kühl und vielfach wolkig, massige nordwestliche Winde, ---"' erschlage. Berliner Wette rburea erhebliche Niederschläge. 13 13 7 13 ohue u. Crnfbaften der Kedabtion. w x e I tv e r der mit Musik. Slbsahrt 9 Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags. Preis für bleibende Gäste 30 Ps. hin und zurück. Sonst 40 Ps. Kinder die Hälfte. Soimtags einfache Fahrt 40 Pf. 57652* Passage-Theater, La belle Georgette, Flammen- und Radium-Tänzerin. Bioskop. Ringkampf: Hackenschmidt-Jenkins. Vierzehn erstklass. Nummern. B-Iii. Heute und folgende Tage 8 Uhr: vis M Schwant in 3 Akten von Paul Gcvault u. Robert Eharwcv. Deutsch v. A.Hnlm. Herr Richard Rlerandcr In der Haupttolle. Tage. Eröffnungs-Programm. Pas de Oeux eriental. TiH)r B6b6 mit ihren 12 Löwen Paula Worm, Opcrettcnsöngerin. llal.HarfenoPohe8ter,23Harfenistinn. Rodelt Scgemmer, Ventriloquist. Severin und Mlle. Dorville in der Pantomime„Der Trunkenbold". Ninrana, lebende Bilder. Die Klein-Fairllie, Radfahrer. Die 8 Cocktails, Tane-Gnaemble. Die Baggesens, koroische Jongleure. Sie 3 Meteors, Hochturnor. Maresll Salzer. Vorlragskünstler. Bio|raph, darstellend d. Ringkampf ewisoh. Hackensohmidtn. Jenkins. am Königslh., am Friedrichshain 29/32. W«cd! sfizgfzs, M o. SpeciiiD-' Das Liserl, DlisDamtircsiiiicat. Grosse Posse mit Ballett u. Evolution von Elh. ÄoV Kinderfest. Liedcrspiel o. Kneiff. rliiiefidtüF Th.carer Kditaru'znAlke 7 9 Täglich: Oer rechte Weg. Pantomime: Ein ruhiges Zimmer zu vermieten. Satanello-Trio. Wardinis. Grigolati-Truppe. Konzert, Ball, Specialit. Ans. 4 Uhr. Eintt.30Ps.Num. PI. 50Ps. kusla? Lehrens ZpeeilllltZte!!- TbLZter. kranUllrier- Allee 85. TOcüeh: Das grossartige August-frogranun. Erstklassige Programm Krafie, auserlesenes Anf. Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Reiebshallen-Tbeater. Täglich: ir Sänger. Ostbahn-Park. Am KDstrinerplalz. RBdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Kperialitiiten- Aorstellung. Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- nnd Franenleiden, 8e>del«tr.». echentags'/.4H— Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrrickcrei u. Verlagscmstalt Paul Singer Lc Co., Berlin S1V. Nr. 198. 21. Jahrgang. 2. gfilijc to.lntBärts" grelintt liilMlalt Mittwoch, 24. August 1904. Nste Iahrts-Uersanmluug des Ceutralverbandes der Ortskraukeukassen im Deutschen Reiche. U. München, 22. August. Hauptversammlung. (Erster Tag.) Der große Saal der Centralsäle ist dicht gefüllt. Vorsitzender Leutner- Dresden eröffnet die Hauptversamm- lung und begrüßt die Delegierten sowie die erschienenen Gäste, nämlich die Herren Lberregierungsrat Krieg, Vorsitzender der Versicherungsanstalt in Oberbayern, Regierungsrat Meine! Vorsitzender der Landes-Versicherungsanstalt, und Rechtsrat Sickenberger und Magistratsmt Ed. S ch m i d als Vertreter des Stadtmagistrats München. Aus Oesterreich sind als Gäste er schienen die Herren Laurenz Wisholz, Walecka, Dr. Leo Verkauf, Math. E l d e r s ch, Jak. B r o d. Die socialdemokratische Landtagsfraktion vertritt Abg. Schmitt- München, den Verband der Central- Krankenkassen vertreten Simanowski- und B a u r- Berlin. Sodann begrüßen den Kongreß die Herren Seb. W i st i im Namen der Orts-Krankenkasse Minchen, Rechtsrat S i ck e n- b e r g e r im Namen des Magistrats München und— mit besonderer Wärme— Oberregierungsrat Krieg als Vertreter der Kreis- regierung von Oberbayern und als Vorsitzender der Verficherungs anstalt von Oberbayern, Bericht der g e s ch ä ft sf ü h r ein d e n Kasse über die Thätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahr. Der Bericht liegt gedruckt vor und behandelt schon in der Haupt fache die Streitigkeiten mit den Aerzten. Aus dem rein geschäft lichen Teil ist zu entnehmen, daß dem Centralverband gegenwärtig 123 Kassen und Verbände angehören. Riem- Dresden bespricht das Vorgehen der Aerzte in dem Kampfe um die freie Arztwahl. Diescin Kampfe seien von den Aerzten Formen gegeben worden, gegen die man nicht ankämpfen könne. Wenn verlaute, daß jetzt mitten im Kampfe hier in München eine Besprechung von Kafscnvertretern mit den Aerzten über die freie Arztwahl stattfinden solle, so könne er das nicht glauben. Ein Verhandeln mit den Aerzten sei erst möglich, wenn der Kampf zu Ende sei. Wenn von Vertretern von Krankenkassen und sogar von Arbeitervertretenr gesagt worden sei, man solle nur große Kassen gründen, dann könne die freie Arztwahl leicht eingeführt werden, so müsse das bestritten werden. Unter den jetzigen Umständen be- deute die freie Arztwahl eine schwere Schädigung der Kassen; die Erfahrungen, die gerade große Kassen damit gemacht hätten, z. B. München, seien ein Beweis dafür. Deshalb müsse man sich gegen die freie Arztwahl wenden. Wenn die Aerzte annehmen, daß die Kassen andren Sinnes geworden seien, weil diese Frage nicht auf der Tagesordnung des Kongresses stehe, so sei das ein Irrtum. Braun- Königsberg kritisiert den redaktionellen Inhalt des Verbandsorgans, der'„Deutschen Krankenkassen-fZeitung Zur freien Arztwahl müsse die nächste Jahresversammlung Stellung nehmen. G r ä f- Frankfurt legte die Gründe dar, die Veranlassung ge geben haben, nach dem gegenwärtigen Kongreß eine Besprechung mit den Aerzren über die Frage der freien Arztwahl abzuhalten. Es sollte nicht ein Vorgehen gegen die Gegner der freien Arztwahl inauguriert werden, sondern Bedingung sei gewesen, daß nur die technische Seite der Frage besprochen werde. Leider werde diese Besprechung nicht stattfinden. K o h n- Berlin kritisiert ebenfalls mit scharfen Worten die unnoble Kampfeslveise der Aerzte.(Zustünmung.) Eine Ver. ständigung mit den Aerzten könne man augenblicklich nicht herbei führen, und zwar schon deshalb nicht, weil die verständigen Elemente unter den Aerzten von den Heißspornen in Leipzig usw. majorisiert werden. Was die Vorgänge in Leipzig betreffe, so hätte es Redner begrüßt, wenn auch die Arbeitnehmervertreter angesichts des Vor- gehens der Aufsichtsbehörde genau so gehandelt hätten, wie die Arbeitgebervertreter. Gegen eine derartige Unterbindung der Selbst- Verwaltung, wie sie in Leipzig beliebt wurde, müsse entschieden pro testiert werden. B e n d i n- Leipzig führt aus, daß die Aerzte in Leipzig von der dortigen Kasse eine Honorarmehrleistung von 87 Proz. verlangt haben. Darauf habe die Kasse nicht eingehen können. Was die freie Ärztwahl betreffe, so seien die bis jetzt gemachten Erfahrungen nicht so, daß man daran denken könne, sie jemals in einer großen Kasse einführen zu können. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Als Vertreter des Ministeriums des Innern ist noch erschienen Assessor Graf S p r e t i. II. Sodann hält Hofrat Dr. May- München einen Vortrag über das Thema: Die Bekämpfung der Lungen- schwindsuch t. Redner schildert die Ursachen und die verheerenden Wirkungen der Tuberkulose. Was die Bekämpfung dieser Seuche betreffe, so gebe es ein specifisches Mittel dagegen nicht. Dagegen breche sich immer mehr die Erkenntnis Bahn, daß zur Tuberkulosen-Behand- lung Volksheilstätten errichtet werden müssen, deren jetzt 71 in Deutschland bestehen. Wer billige Anforderungen stelle, könne wohl auch mit den Erfolgen der Heilstätten zufrieden sein. Bei der Aus- dehnung der Heilstätten-Behandlung auf Unbemittelte habe es sich darum gehandelt, besseres als bisher zu leisten. Daran müsse man sich bei einer Kritik der Heilstätten-Erfolge erinnern, und dieses Ziel sei wohl auch erreicht worden. Nicht genug könne auch die er- zieherische Wirkung betont werden, die in den Heilstätten in Bezug auf die Behandlung der Krankheit auf die Patienten ausgeübt werde. Diese Aufklärung trage zweifeUos noch�zu einer Verminderung der Ansteckungsgefahr bei. Redner schilderr weiter die Einrichtung der Wäld-Erholungsstätten und der Fürsorgestellcn sowie die Vor- beugungsinahregeln gegen die Tuberkulose und betont nachdrücklich, daß es außer der Anstaltsbehandlung kein absolut sicheres specifisches Mittel gegen diese Krankheit gebe. Auf Antrag Cohn- Tarnowitz wird beschlossen, den Vortrag drucken zu lassen und ihn den Vorständen der einzelnen Orts- Krankenkassen zugängig zu machen. III. Bericht der in der Jahresversammlung zu Breslau 1903 gewählten Kommission zur Prüfung der Gehalts- und Anstellungs- Verhältnisse der Orts- Krankenkassen-Beamten. lieber den Bericht, der gedruckt vorliegt(Siehe„Vorwärts" Nr. 182 vom 5. August), referiert G r ä f- Frankfurt: Die Kom- Mission habe sich mit drei Punkten zu befassen gehabt, nämlich mit der Gehaltsfrage, dem Die nsw ertrag und der Alters- und Relikten- Versorgung der Beamten. Einstimmig sei die Kommission gewesen in der Verurteilung des sogenannten Pauschalshstems. das darin besteht, daß ein Rendant angestellt wird, der eine Pauschale erhält und davon das nötige Personal bezahlen muß. Dieses System, das zu einer Ausbeutung des Personals führe, könne nicht geduldet werden und es sei die Anstellung aller Beamten durch die Kassen- vorstände zu fordern. Was die Gehaltsfrage betreffe, so könne nicht zugegeben werden, daß kleine, schwache Kassen ihren Beamten schlechte Gehälter zahlen. Solche müssen selber ihre Scheinexistenz aus- geben und sich großen Kassen anschließen.(Zustimmung.) Schalem- Berlin erachtet die für die kleinen Schreibarbeiten borgesehenen Löhne für viel zu hoch. Der Entwurf sei viel zu spät vorgelegt worden. Redner beantragt, daß in den Dienstvertrag ein Passus aufgenommen werde, wonach Entlassungen von Beamten auch erfolgen könne, wenn dies durch dauernde Verminderung der Mit- gliederzahl nötig wird. Ein weiterer Antrag von I s e r l o h- Krefeld verlangt, daß die nebenamtliche Verwaltung der Kassen abzuschaffen und durch eine hauptamtliche Verwaltung zu ersetzen ist, wenn die volle Arbeits- kraft einer Person für die betr. Kasse erforderlich ist. Riem- Dresden ist nicht der Ansicht, daß Gehälter für die niedrigste Beamtenkategorie zu hoch angesetzt sind. Was die Schieds- gerichte betreffe, so warne er davor, sich an die Einrichtungen der Tarifgemeinschaft der Buchdrucker anzulehnen, da hier andre Ver- Hältnisse in Betracht kämen. Gassen- Köln-Ehrenfeld findet, daß der Anfangsgehalt für einen Rendanten in der 1. Ortsklasse mit 2340 Mk. zu niedrig ist. Einem tüchtigen Beamten dürfe man nicht unter 3000 Mk. geben. Chodizky- Breslau hält es schon deshalb für notwendig, daß für die Beamten sichere Existenzverhältnisse geschaffen werden, damit sie bei einer event. Verschmelzung aller Versicherungszweige nicht etwa durch Militäranwärter verdrängt werden. Auch die Regelung der Pensionsfrage sei dringend nötig. B r a n d i s- Magdeburg: In den Anstellungsbedingungen seien Rechte und Pflichten zu ungleich verteilt. Er beantrage: gegen- seitige dreimonatliche Kündigungsfrist; bei Entlassungen infolge der Verringerung des Mitgliederstandes sind die dienstjüngsten Beamten zu treffen, alle Kündigungen hat der Vorsitzende der General-Ver- sammlung zu unterbreiten. Letztere Bestimmung sei das Sicher- heitsventil gegen ungerechtfertigte Entlassungen. Giebel- Magdeburg erklärt, die Kommission habe gegen den Antrag Schalem(abgesehen von einer kleinen Einschränkung) im allgemeinen nichts einzuwenden. In der weiteren Debatte, die sehr in die Breite geht, bemerkt unter andrem I s e r l o h- Krefeld, die Sicherung der Beamten sei schon des- halb nötig, damit ihnen nicht durch Denunziationen von irgend welcher Seite geschadet werden könne, wenn sie außerhalb ihrer Bureauzeit in politischer oder sonstiger Beziehung hervortreten. Redner selbst ist einmal in einem solchen Falle von den Aerzten bei der Aufsichtsbehörde denunziert worden,„für die Zukunft", wie es geheißen habe.(Zuruf: Wie überalll) Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Die ganze Angelegenheit wird der zu diesem Zweck um 0 Mitglieder verstärkten Kommission überwiesen mit dem Auftrag, morgen noch mals Bericht zu erstatten. IV. Die Krankenkontrolle bei den Krankenkassen. Der Referent, Alb. K o h n- Berlin führt aus, es stehe nicht im Einklang mit den socialen Pflichten der Krankenkassen wie heute vielfach noch die Krankenkontrolle ausgeübt werde. Vielfach sind die Instruktionen so, daß die Thätigkeit des Kontrolleurs als die eines Spitzels betrachtet wird. Es muß daran festgehalten werden, daß die Simulation ein Ausnahmezustand ist und es darf nicht jeder Kranke von vornherein als der Simulation verdächtig behandelt werden. Es wird bei der Instruktion der Krankenkontrolleure viel zu wenig Rücksicht genommen auf die verschiedenen Arten der Krank- heiten, die Beschaffenheit der Wohnungen usw. Zu einer Kontrolle der ärztlichen Behandlung sind die Kontrolleure nicht geeignet, da- gegen sollten sie darauf achten, daß die Heilmittel auch in wirklich gutem Zustand geliefert werden. Rötig ist es, daß die Berichte der Kontrolleure zur Kenntnis der behandelnden Aerzte gebracht werden. Die Kontrolle muß Hand in Hand gehen mit den Aerzten. Als immer notwendiger stellt sich heraus, daß solche Kranke, die daheim nicht die richtige Pflege haben, den Krankenhäusern überwiesen werden und es ist erfreulich, daß bei den Kassen sich jetzt nicht mehr so sehr das Streben zeigt, die Krankenhausrechnungen möglichst niedrig zu halten. Vielleicht können die Kassen selbst für gewisse Arten von Krankheiten eigene Krankenhäuser einrichten, die ja keine kostspieligen Operations-Säle und-Einrichtungen zu enthalten brauchen. In Berlin sind die Kontrolleure durch Vorträge über Hygiene usw. belehrt worden und wenn das an allen größeren Plätzen geschieht, dann werden die Kontrolleure an der hygienischen Erziehung unsres Volkes mitwirken können und von den Kranken nicht mehr mit Mißtrauen empfangen werden.(Beifall.) Diener- Frankfurt a. M. spricht seine Genugthuung aus, von einem Kassenrendanten solche Worte vernommen zu haben. Es sei notwendig, daß man die Kontrolleure auf eine höhere Stufe hebe. Aber dann sei es auch nötig, daß man nicht die ersten Besten dazu nehme, sondern man müsse intelligente Leute nehmen, die auch die Fähigkeit besitzen, sich die nötigen Kenntnisse anzueignen. Wolle man überhaupt etwas erreichen, so müsse das Hauptaugenmerk auf die Krankheitsverhütung gerichtet werden, sonst würden die Kranken- kaffen ewig Einnahme- und Ausgabemaschinen bleiben. Dazu sei aber eine gründliche Umgestaltung der Krankenkontrolle nötig. Brückner. Berlin: Die meisten Kontrolleure glauben in jedem Kranken einen Betrüger entdecken zu können. Wir sollen unsre Kontrolleure erziehen, daß sie feststellen können, ob die Kranken in ihren Wohnungen auch gesunden können. Sie müssen die Woh- nungen vermessen event. auch die Werkstätten, in denen z. B. Klein- meister erkrankten. P r i n z- Kottbus: Kohn habe die verwaltungstechnische Seite der Krankenkontrolle leider nicht besprochen. Wichtig sei, daß am Schlüsse jeder Woche ein übersichtliches Bild der Kontrollthätigkeit gegeben werde. Ueber etwaige Bestrafungen solle nicht der Rendant, sondern der Kaffenvorstand entscheiden. Es solle nicht gleich mit Geldstrafen, sondern zunächst nur mit Verwarnungen vorgegangen werden; die Strafvollstreckung müsse eine würdige sein, man solle jedem Bestraften schriftlich mitteilen, weshalb er bestraft werde und gegen welche Bestimmung er verstoßen habe. Fischer- Weimar: Wenn man sich daran erinnert, daß wir Krankenkassen von 50 Mitgliedern haben, so muß man sich fragen, wie die Vorschläge Kohns durchgeführt werden sollen. Diese Zer splitterung der Kassen muß z u n ä ch st beseitigt werden. Die Ab neigung der Versicherten gegen die Kontrolleure ist vielfach ganz ungerechtfertigt groß und muß beseitigt werden. Die Kranken sollen freilich auch nicht wegen jeder Kleinigkeit bestraft werden. Völlig verkehrt ist es, den Beamten die Festsetzung der Strafen zu über- lassen. Für die Kontrolleure soll eine generelle Dienstanweisung ausgearbeitet werden, die es auch den kleinsten Kassen ermöglicht, die Kontrolle zu regeln. Ich beantrage, die geschäfts. führende Kasse zu beauftragen, dem nächsten Verbandstage den Entwurf einer derartigen Nor maldien st anweisung vorzulegen. Dieser Antrag wird angenommen. B i e b i g- Frankfurt a. M. plaidiert ebenfalls dafür, daß zwischen den behandelnden Aerzten, der Krankenkontrolle und der Vorstandschaft eine Verbindung hergestellt werde. Damit ist die Debatte über diesen Punkt erledigt. Die Ver- Handlung wird auf Dienstag vertagt. Der 7. Derbillldstag des Verbandes der Fabrik-, Fand-, Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen tagte in der Zeit vom 7. bis 14. August in H a m b u r g. Da der von uns vorgesehene Berichterstatter in letzter Stunde abschrieb, waren wir leider nicht in der Lage, einen fortlaufenden Bericht von den Verhandlungen zu geben und beschränken uns deswegen auf eine resümierende Wiedergabe. Vertreten waren 03 Delegierte und ein Mitglied der General- kommission. Seit dem vorigen Verbandstage(Offenbach) wuchs die Zahl der Mitglieder von 31 947 in 349 Zahlstellen auf 45 535 in 433 Zahl- stellen, nahm also einen recht erfteulichen Aufschwung. Leider gingen 89 Mitgliedschaften ein. Die Fluktuation war leider eine ganz gewaltige. In den beiden Berichtsjahren fanden 51 500 Aufnahmen statt; es sind also 37 978 Mitglieder wieder fahnenflüchtig geworden. Entsprechend der Mitgliederzahl stieg die Summe der für Unterstützungszwecke verausgabten Gelder. Die Einnahme betrug 755 000,80 M., die Ausgabe 501 852,01 M., so daß ein Bestand von 253 748,79 M. verblieb. Unter den Ausgaben sei hervorgehoben: Unterstützung reisender Mitglieder 9153,43 M., gemaßregelter 18 402,73 M.. Umzugsgeld 1'453,53 M., Sterbegeld 14151,15 M.. Rechtsschutz 2 890,01 M., Streikunterstützung 180 309,81 M., Agitation 19 290,95 M.. Gehälter 15 970,98 M.. Fachorgan 33 004,50 M. usw. Die Streiks verminderten sich, was die Zahl der Beteiligten betrifft, gegen die vorige Berichtsperiode. Die Zahl' der Angriffsstreiks war 47(1902: 25). Die Anzahl der beteiligten Personen war 2209<1902: 2929). Gefordert wurden: einmal Ver- kürzung der Arbeitszeit, 37lnal Lohnerhöhung, fünfmal Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhung, viermal andres. Die Resultate waren: erfolgreich 20, teilweise erfolgreich 0, erfolglos 17. Von vier blieb das Resultat unbekannt. Die Zahl der Abwehrstreiks belief sich auf 42(1902: 45). Daran beteiligt waren 1503(1902: 3013) Personen. Die Ursachen bildeten: Aussperrungen 15mal, Maß- regelungen 7mal, Lohnreduzierungen 19mal. Erfolgreich verliefen von den Abwehrstreiks 15, teilweise erfolgreich 9 und erfolglos 18. Breiten Raum nehmen die„Grenzstreitigkeiten" mit dem Bau- arbeiter- und Metallarbeiterverbande ein, die bisher nicht zum Ab- schluß gelangt sind. Gegen die beabsichtigte Rechtlosmachung der ländlichen Arbeiter nahm der Verbandstag einstimmig eine flammende Protestresolution an. Diese lautet: „Der Verbandstag erhebt flammenden Protest gegen den dem preußischen Landtag zugegangenen Gesetzentwurf zur Bestrafung des Kontraktbruches der ländlichen Arbeiter. Der Verbaiidstag erklärt, daß ein Gesetzwerden dieses Eni- Wurfs einer völligen Versklavung unsrer ohnehin minderberechtigten ländlichen Arbeitsbrüder und-Schwestern gleichkommen würde. Angesichts dieses neuen Entrechtungs- und Unterdrückungs- Versuches seitens der Agrarier gegen unsre ländlichen Kollegen erklärt der Verbandstag die Beseitigung der Gesinde-Ordnung und aller Ausnahmegesetze gegen ländliche Arbeiter und Arbeiterinnen und Gewährung des Koalitionsrechtes für unbedingt erforderlich." Der Vorstand schlug zum Ausbau der Organisation folgende Gau-Einteilung vor: Gau 1: Provinz Hannover, Herzogtum Braunschweig, Provinz Sachsen und Herzogtum Anhalt. Gau 2: Königreich Sachsen, Sachsen-Altenburg, Thüringische Herzogtümer und Provinz Schlesien. Gau 3: Brandenburg und Posen. Gau 4: Ost- und Westpreußen, Pommern und Mecklenburg. Gau 5: Bayern. Gau 0: Württemberg und Elsaß-Lothringen. Gau 7: Baden und die Pfalz. Gau 3: Großherzogtum und Provinz Hessen. Gau 9: Rheinlaud-Westfalen. Gau 10: Hamburg, Schleswig- Holstein, Oldenburg, Bremen und Lübeck.— Das Amt der Gauvorsitzenden ist ein besoldetes; ihre Anstellung erfolgt durch den Vorstand unter Zustimmung des Ausschusses. Der VerbanbStag nahm diese Anträge an, beschloß aber außer- dem noch, daß Zahlstellen init 1000 zahlenden B titgliedern einen be- soldeten Beamten anzustellen hätten. Mehrere Zahlstellen an einem Orte sollen bis zu einem Umkreise von 10 Kilometern zusammen- geschloffen werden. Der Verbandstag beschloß außerdem die Einführung einer Arbeitslosen-Unterstützung, durch welche mau die Fluktuation der Mitglieder zu verhindern hofft. Die Unterstützung soll am 1. Oktober 1905 in Kraft treten bei einer Beitragsleistung von 30 Pf. für männliche und 20 Pf. für weibliche Mitglieder. Die Unter- stützungsdauer ist aus 24 Tage im ersten Jahre der Bezugsberechtigung, für die Folgezeit auf 42 Tage in 52 aufeinander folgenden Wochen berechnet. Die Höhe der Unterstützung beträgt für männliche Mitglieder nach einer Karrenzzeit von 52 Wochen 1 M. pro Tag und steigert sich bis zu 1,50 M. nach vorangegangener Mitgliedschaft von 312 Wochen. Für weibliche Mitglieder betragen die Unterstützungs- sähe die Hälfte von dem, was den männlichen Mitgliedern gezahlt wird.— Hat ein Mitglied während einer Erwerbslosigkeit für im Höchstfälle 24 bezw. 42 Tage die volle Erwcrbslosen-Unterstützung erhalten, so kann eS erst wieder nach 52 Wochen, vom Tage der ersten Auszahlung an gerechnet, Unterstützung erhalten, wenn es während dieser Zeit dem Verbände ununterbrochen angehört und wiederum 52 Wochenbeiträge entrichtet hat. Unterstützungszeiteu unter 24 bezli� 42 Tagen werden auf die Karrenzzeit von 52 Wochen in Anrechnung gebracht.— Für auf der Reise befind- liche Mitglieder wird an den vom Vorstand bestimmten Zahlorten eine Reise-Unterstützung von pro Tag 1 M. gewährt, in der Gesamt- höhe und nach den Grundsätzen der Erwerbslosen-Unterstützung. Bemerkenswert ist folgende Aenderung im§ 9 des Statuts: „Beim Todesfalle eines Mitgliedes kann den Hinterbliebenen bei einer Leistung von 104 Wochenbeiträgen 20 M., bei 150 Beiträgen 30 M.. bei 203 Beiträgen 40 M.. bei 200 Beiträgen 50 M. Sterbegeld gewährt werden."— Dem Vorstand wurde ferner das Recht eingeräumt, unter Zustimmung des Ausschusses Hilfsarbeiter einzustellen. Beschlossen wurde weiter:„Zahlstellen von 100 Mitgliedern an aufwärts haben die einkassierten Gelder monatlich an die Hauptkasse abzuführen. Mit dem Betrage für den letzten Monat des Quartals ist die Quartalsabrechnung einzusenden" und„Das Statut soll von: Mitgliedsbuch getrennt herausgegeben werden". Zum Streik- reglement wurde die Bestimmung gefaßt, daß für jedes Kind 1 M. extra als Streikunterstützung gezahlt werden soll. Das Zeitungsreglcment wurde wie folgt modifiziert:„Sind mehrere Angehörige einer Familie Mitglieder des Verbandes, so ist ein Exemplar der„Gleichheit" zu liefern." Eine lange Debatte entspann sich über die Grenzstreitigkeiten zwischen den Organisationen. An dieser Debatte beteiligten sich Vertreter des Bauarbeiter-Verbandes und des Transportarbeiter- Verbandes. Um die Organisationsstreitigkeiten zu verhindern, machte der Vorstand des Fabrikarbeiter-VerbandeS folgende Borschläge: „An Orten, wo Fabrikarbeiter und Bauarbeiter in so großer Anzahl vorhanden sind, daß jede Erwerbsgruppe eine eigne Zahlstelle bilden kann, sollen Personen, die in der Regel und zur Zeit ihres Beitritts in die Organisation auf Bauten beschäftigt sind, in den Verband der Fabrikarbeiter nicht aufgenommen Iverden. Desgleichen sollen an solchen Orten Personen, die in der Regel und zur Zeit des Meldens ihres Beitritts in Fabriken Beschäftigung haben, nicht in dem Verband der Bauarbeiter Aufnahme finden. Unter Fabriken sind auch Ziegeleien verstanden. An kleineren Orten mit geringerer Einwohnerzahl und an Zahl schwacher Arbeiter- bevölkcrung, wo es die Verhältnisse mit sich bringen, daß die Ar- beiter abwechselnd einen Teil des Jahres in Fabrikbetrieben, der Landwirtschaft, in Ziegeleien und auf Bauten beschäftigt find, soll es so ge- halten werden, daß, wenn eine der vorgenantenOrtzanisattonen eine Zahl- stelle errichtet hat, die andre von der Gründung einer Zahlstelle Abstand nehmen soll.„Für bereits vollzogene Mitgliedschaft soll folgendes gelten: Scheidet ein Mitglied einer der beiden Organisationen aus dem Fabrikbetriebe oder aus der Arbeit an Bauten aus, um eine anderweitige Arbeit zu nehmen, so kann es Mitglied seiner ersten Organisation bleiben. Arbeitet es als Mitglied des Bauarbeiter- Verbandes auf einer Fabrik, so soll es von den Mitgliedern des Fabrikarbeiter-VerbandeS nicht veranlaßt werden, aus dem Bauarbeiter- Verbände auszuscheiden; vertauscht es die Fabrikarbeit mit der Arbeit auf einem Bau, so soll es von seinen neuen Mitarbeitern nicht veranlaßt iverden können, dem Banarbeiter-Verbande beizutreten. Nur ist die Anerkennung der jeweils geltenden Satzungen über Lohn- und Arbeitsbedingungen von solchen Mitgliedern zu fordern. Die im f abrikarbeiter- Verband organisierten, auf Bauten beschäftigten ollegen haben einen Extrabeitrag an die eigene Organisatton zu bezahlen, der nicht unter 15 Pf. pro Woche bettagen darf. Die Leitungen der Zahlstellen sollen sich gegenseitig verständigen über: a) Mitglieder, die wegen Beitragsreste gestrichen wurden; b) über Personen, die wegen Verstöße gegen die Interessen der Or- ganisation gesttichen worden sind. Solchen Personen ist in beiden Verbänden die Aufnahme zu verweigern." Die Vorschläge werden einstimmig angenommen. Ferner gelangte der Antrag zur Annahme: Der Vorstand wird beauftragt, zwecks Verschmelzung mit den in Bewacht kommenden Organisationen in Verbindung zu treten. Der Sitz des Verbandes soll in Hannober verbleiben. Gau konferenzen sollen nur alle zwei Jahre stattfinden. Das neue Statut soll am 1. Oktober in Kraft treten, doch soll die Anstellung der Gauleiter so schnell wie möglich erfolgen. Zur Aufklärung der Mit- glieder über die Erwerbslosen- Unterstützung soll ein Flugblatt herausgegeben werden. Der nächste Verbandstag wird in Leipzig Zum ersten Vorsitzenden wurde Brey einstimmig, zum zweiten Vorsitzenden Sack mit allen gegen zwei Stimmen, zum Kassierer Bruhns-Hannover einstimmig wiedergewählt. Als Vorsitzender des Ausschusses wurde Streb-Offcnbach wiedergewählt. Iuternatiolilller Handlungsgehüftn-fiongreß in Amsterdam. Am 17. August 1904 tagte in Amsterdam im Pavillon Vondel- park eine internationale Konferenz der auf dem Boden des Klassen- kampfes stehenden Handlungsgehilfen, die auf Veranlassung des Centralverbandes der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutsch lands, Sitz Hamburg, von der Gruppe der Socialdcmokratischen Handelsangestellten Hollands einberufen war. Es waren vertreten: Holland(Gruppe der Socialdemokratischen Handels- angestellten Hollands, 3 Delegierte), Deutschland(Eentral- verband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands Sitz Hamburg, 2 Delegierte): Oesterreich(Verband der Handelsangestellten Oesterreichs, 2 Delegierte); Italien (Federazione Jtaliana fra le Socicta d'Jmpicgati e Commessi d'Ariende private e viaggiatori di Commcrcio, Mailand, 1 Tele gierter). Ferner war anwesend als Gast der Sekretär der Federation Internationale des Employes, Sitz Gent(Belgien), Auguste Bruggeman. Folgende Organisationen hatten der Kon- ferenz schriftlich ihre Sympathien ausgesprochen, weil es ihnen aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, einen Delegierten zu ent. senden: Ungarn: Fachverein der Ungarländischen Handels- angestellten. Centrale Budapest; Frankreich: Federation Nationale des Employes, Paris; Belgien: Syndikat des Employes, Brüssel; Syndikat des Employes, Lüttich; Socialistische Bediendenvereeniging, Gent; Serbien: Kaufmannsgchilfenvcrcin in Belgrad; Schweden: Socialdemokratischer Handlungsgehilfenverein, Stockholm. In das Bureau der Konferenz wurden die drei holländischen Delegierten, Niermeyer, Wegerif und Van Bleyswyk Sombeek ge- wählt. Der Vorsitzende Niermeyer stellte die Präsenzliste fest, worauf in den ersten Punkt der Tagesordnung eingetreten wurde: Berichterstattung über den Stand der Gehilfen- organisation in den verschiedenen Ländern. Von Deutschland, Oesterreich. Holland und Serbien lagen schriftliche Vc richte vor. Sodann wurde auf Antrag Joseph söhn- Deutsch land beschlosien, daß bei allen Abstimmungen für jedes Land eine Stimme abzugeben ist.. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Gehilfen- organisation und Arbeiterbewegung" referierte I o s e p h s o h n- Deutschland. Er legte folgende Resolution vor: „Die wirtschaftliche Lage der Handlungsgehilfen(Laden- und Comptoirangestellten) wird durch die in allen Ländern fort- schreitende Konzentration der kaufmännischen Betriebe sowie durch die damit verbundene Arbeitsteilung, die es ermöglicht, ungelernte Kräfte in großer Zahl zu verwenden, immer ungünstiger gestaltet. Zugleich schwindet die Möglichkeit für den.Handlungsgehilfen, selbst- ständiger Unternehmer zu werden. Deshalb gleicht heute die Eristenz des Handlungsgehilfen, obwohl er in der Distribution(Güter- Verteilung) in mancher Hinsicht unter andern Bedingungen thätig ist, als der industrielle Proletarier bei der Produktion(Güter- erzeugung), mehr und mehr derjenigen des Proletariers, sie wird immer unsicherer und weniger lohnend. Die Handlungsgehilfen aller Länder müsien erkennen, daß sie in der heutigen Gescllschafts- ordnung zur Klasse der Lohnarbeiter gehören, der die Klasse der Besitzenden schroff gegenübersteht. Weiterhin müssen die Handlungs- gehilfen erkennen, daß von den Unternehmern im Hmidelsgewcrbe für die Angestellten nichts zu erwarten ist, sondern daß bessere Arbeitsbedingungen für die Handlungsgehilfen nur auf dem Wege des Kampfes gegen die Interessen der Unternehmet errungen werden können. Dieser Kampf kann mit Erfolg nur geführt werden von Organi- sationen, welche die Handlungsgehilfen ohne Unterschied der Re- ligion, des Geschlechts und der Abstammung vereinigen und welche sich der auf dem Boden des Klaffenkampfes stehenden Arbeiter- bcwegung anschließen, um mit- dieser gemeinsam für die Interessen aller Lohnarbeiter einzutreten." Pick- Oesterreich beantragt folgendes Amendement: „In Erwägung, daß die von den Unternehmern im Handels- gewerbe teils materiell, teils moralisch unterstützten Vereinigungen der auf dem bürgerlichen Standpunkte stehenden Angestellten für den notwendigen Kampf um Schutzgesetze für die Angestellten gänz- lich untauglich sind; in weiterer Erwägung, daß in diesen Vereinen nicht nur eine große Anzahl klassenbewußter Gehilfen vorhanden, sondern auch in den Leitungen der Vereine solche Kollegen thätig sind, die, bereits klassenbewußt, durch ihre Mitarbeit die verderbliche Tendenz dieser Vereine unterstützen, beschlieht die Konferenz: Die klassenbewußten Angestellten allerorts werden eingeladen, zu geeigneter Zeit selbständige Vereine aus gleichgesinnten Kollegen zu gründen oder solchen bestehenden Vereinen beizutreten und in bürgerlichen Vereinen Funktionen irgend welcher Art fortab nicht mehr auszuüben." Nach längerer Diskussion wurde die Resolution Josephsohn mit dem Amendement Pick einstimmig angnommen. Zum dritten Punkt der Tagesordnung:„Stellungnahme zur Internationalen Federation in Gent" gab deren Sekertär Bruggeman eine Darstellung des Entstehens der Federation, die allerdings noch sehr unvollkommen sei, aber trotzdem als Grundlage für eine internationale Verbindung aller An- gestellten dienen könne. Josephsohn- Deutschland stellte aus den Publikationen der Federation fest, daß dieselbe fast ausschließlich aus konservativen oder sogenannten neutralen Vereinigungen der verschiedensten Kategorien von Angestellten bestehe und deshalb gänzlich ungeeignet sei, die Interessen der auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Handlungsgehilfen zu vertreten. Er brachte folgende Resolution ein: „Die Konferenz erklärt, daß die Federation Internationale des Employes, Sitz Gent(Belgien), als eine geeignete internationale Interessenvertretung für die auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Handelsangcstellten nicht betrachtet werden kann, weil sie alle Arten von Angestellten, Vereinen der verschiedensten Richtungen umfaßt.'� Nachdem C a b r i n i- Italien erklärt hatte, daß er sich bei der Abstimmung über diese Resolution der Stimme enthalten müsse, weil seine Organisation zur Internationalen Federation noch nicht Stellung genommen habe, wurde die Resolution mit 3 Stimmen angenommen. Zu Punkt 4 der Tagesordnung:„Einsetzung eines internationalen Sekretärs" wurde auf Antrag Pick- Oesterdeich beschlossen, sich zunächst auf die Einsetzung einer Aus- kunftsstelle für alle auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Handlungsgehilfen-Organisationen zu beschränken. Dieser Aus- kunftsstelle sollen alle sich ihr anschließenden Organisationen alle Publikationen(Fachorgane, Berichte, Petitionen usw.) in drei Exemplaren zusenden. Der Auskunftsstelle sind die Barauslagen zu ersetzen. Als Sitz der Internationalen Auskuuftsstelle wurde Deutsch- land bestimmt; die Geschäfte sind von der Leitung der deutschen Organisation zu erledigen. Die Adresse der Auskunftsstelle ist: Max Josephsohn, Hamburg I, Valentinskamp 292. Die Organisationen aller Länder werden ersucht, ihre Adressen der Internationalen Auskunftsstelle umgehend mitzuteilen. Damit waren die Arbeiten der Konferenz erledigt und der Vorsitzende schloß dieselbe mit dem Wunsche, daß die gefaßten Be schlüsse eine Stärkung der klassenbewußten Gehilfenorganisation aller Länder herbeiführen möge. Serickts-Leitung. Zwei Italiener hatten sich gestern wegen Körperverletzung vor der ersten Strafkammer zu verantworten. Der erste der Angeklagten, der sich nur mit Hilfe eines Dolmetschers verständigen konnte, war der Arbeiter Giovanni Piaia, der zweite sein Arbeitgeber Baptist Z a m b o n zu Rixdorf. Beide waren wegen gegenseiiiger Körper Verletzung angeklagt, und zwar handelte es sich um einen Lohnstreit, der in ungewöhnlicher) echt südländischer Art zum Austrag gebracht wurde. Zambon betreibt ein Terrazzo- und Cementbaugeschäft und beschäftigte zwei Arbeiterkolonnen, darunter den Angeklagten Piaia, auf verschiedenen Bauplätzen. Eines Sonnabends erschien Zambon, durch Geschäfte aufgehalten, verspätet zur Lohnzahlung und hatte dadurch den Unwillen des Piaia erregt. Dieser hatte schon etwa eine Stunde vergeblich aus den Unternehmer ge- wartet und als letzterer dann auf der Bildfläche erschien, machte P. seinem Unwillen über die Verzögerung in deutlicher Weise Luft. Zambon verbat sich diese Vorhaltungen und machte dem Piaia Vor- würfe darüber, daß er so ungeduldig sei, obschon er bereits längere Zeit bei ihm arbeite und doch immer pünktlich seinen Lohn erhalten habe. Als Piaia mit Schelten nicht aufhörte, forderte ihn Zambon auf, in die Stollesche Restauration zu kommen, wo er sein Geld, aber auch gleichzeitig seine Papiere in Empfang nehmen könnte, da von einem Weiterarbeiten keine Rede sei. Im Stolleschcm Lokal kam es dann bei der Abrechnung zu weiteren Streitigkeiten, in deren Verlauf Zanibon dem sehr erregten Piaia das freundliche Wort„asiiro" an den Kopf warf. Piaia antwortete prompt in gebrochenem Deutsch:„Du sein größerer Esel als ich!" Als dann die Abrechnung immer noch nicht klappen wollte, verwies Zambon seinen Gegner auf das Konsulat, dieser wurde aber immer lauter, so daß schließlich Z. ihm zurief:„Du verdientest eigentlich eine Ohrfeige!" Mit verächtlichem Grinsen hielt Piaia seine Backe hin und fagte nur:„Bitte!" Dieser fteundlichcn Einladung kam Zambon ohne Besinnen nach und versetzte dem Gegner eine so ivuchtige Ohrfeige, daß dieser zu Boden siel und eine blutige Nase davontrug. Nunmehr griff der Wirt vermittelnd ein und es schien fast, als ob der Frieden wieder hergestellt sei. Da schnellte plötzlich Piaia mit katzenarttger Geschmeidigkeit um den Rücken des Wirts herum und stach mit einem scharf geschliffenen dreikantigen Stilet auf Zambon ein. denen er zwei Wunden in der Rippengegend und am Arni beibrachte. Mit dem Rufe:„Ich sterbe!" sank Zambon zu Boden, und das Blut-spritzte nur so aus seinem Körper.„Es lloß so viel Blut, als wenn ein Schwein geschlachtet würde", meinte ein Zeuge in etwas zu anschaulicher Weise. Glücklicherweise ist der Verletzte mit dem Leben davongekommen und hat nur ein ver- hältnismäßig kurzes Schmerzenslager durchgemacht. Der Staats- anwalt war der Meinung, daß für die Anwendung einer so gefähr- lichen Waffe, die die Gefahr dreier scharfer Messer darstelle, nur das höchste Strafmaß am Platze sei und beantragte deshalb gegen Piaia fünf Jahre Gefängnis, gegen Zambon 30 M. Geldstrafe. Piaia versicherte, daß er sonst ein friedferttger Mann ei und in Italien, Deutschland, Frankreich, Aegypten und in'der Türkei vielfach gearbeitet habe, ohne je in einen Konflikt zu geraten In diesem Fall sei er aber in eine blinde Wut geraten. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu 2'/z Jahren Gefängnis und erkannte gegen Zambon nach dem Anttage des Staatsanwalts. Zur Wnrnuug für Inhaber von Schuhwarcn-Gcfchäftcn sei«in alter Diebestrick erwähnt, der von der unverehelichten Fabrik- arbeitcrin Marie M a j e w s k i wieder aufgewärmt worden ist. An einem Sonnabendabend im Juli d. I. besuchte die Majewski einen Schuhwarenladen in der Alexanderslraße. Sie ließ sich von der Verkäuferin eine Anzahl Stiefel vorlegen, die sie der Reihe nach an 0adte, es Ivährte aber lange, bis sie ein Paar gefunden hatte, das hr zusagte. Die von ihr Verlvorfenen Paare hatte sie neben sich gestellt und ebenso die meisten Kartons, in denen je ein Paar ver- packt gewesen. Die Verkäuferin, die noch andre Kunden bediente, hatte die Majewski nicht immer im Auge behalten können, ihr war auch gar nicht der Gedanke gekommen, daß dies nötig sei. Sie that die gekauften Stiefel in den dazu gehörigen Karton, nahm den Kaufpreis in Empfang und wandte sich wieder einer andren Kundin zu. Erst nachdem der Laden leer war, räuinte sie auf und machte dabei die unliebsame Entdeckung, daß ein Paar Stiefel fehlte. denn es blieb ein leerer Karton übrig. Ihr Verdacht lenkte sich auf die Vkajewski, obgleich sie gesehen hatte, daß diese nur mit einem Karton in der Hand den Laden verlassen hatte. Die Thäterin wäre aber schwerlich ermittelt worden, wenn die Majewski nicht die Dreistigkeit gehabt hätte, nach zwei Wochen wieder in demselben Laden zu erscheinen. Die Verkäuferin erkannte die Besucherin sofort wieder, ließ sich aber nichts merken. Während die Majewski ein Paar Stiefel nach dem andern anprobierte, hatte die Verkäuferin die Thür eines Spiegelschranks soweit geöffnet, daß sie, obgleich sie der verdächtigen Kundin den Rücken zudrehte, deren Bewegungen genau zu beobachten vermochte. Sie bemerkte dabei, daß sich die Majewski, mit einem Stiefel in der Hand in auffälliger Weise an ihrem Unterrock zu thun»nachte. Jin nächsten Augenblick lvar der Stiefel verschwunden. Die Verkäuferin 'agte nun der Verdächtigen ans den Kopf zu, daß sie eine DiebeStasche unter ihrem Kleide berge, sie befühlte ihren Rock von draußen und fand richtig den Stiefel. Alls der Wache wurde fest- gestellt, daß die Majewski zwar nicht mit einer Diebestasche versehen war. aber sie hatte an beiden Seiten ihres Unterrocks Metallhaken angebracht, an welche die gestohlenen Stiefel mit den Anhängseln befestigt wurden. Zweifellos war auch der erste Diebstahl in gleicher Weife begangen worden. Obgleich die Angeklagte bisher unbestraft ist, verurteilte das Schöffengericht sie wegen der Verschinitztheit und Gemcingefährlichkeit ihrer Handlungsweise zu vier Wochen G e- ' ä n g n i s. Ein auf Abwege geratener„Erfinder" ist der Techniken Richard B i t h o r n, der gestern der zweiten Ferienstrafkainmer des Landgerichts II aus der Untersuchungshast vorgeführt lvurde. Die ihm zur Last gelegten Strafthaten— Betrug in 27 Fällen, Unter- chlaguug, Arrestbruch und Körperverletzung— liegen etwa zehn Jahre zurück; er ist länger als acht Jahre steckbrieflich verfolgt worden, aber erst Ende vorigen Jahres gelang es, seiner habhaft zu werden. Der Angeklagte hat eine bewegte Vergairgenheit hinter sich, er hat eine bessere Schulbildung genossen, sich in verschiedenen Berufs- zweigen versucht und ist schließlich unter die Erfinder gegangen. Er erlangte ein Patent für eine verschiebbare Leiter, er konnte letztere der kfaiserin Friedrich und dem Kaiser Wilhelm II. vorführen und hatte auch eine Bestellung für den �kaiserlichen Haushalt erhalte»». Wegen Mailgels an Mitteln zur Ausheutung des Patents verkaufte er dieses, vertrieb aber dessen ungeachtet doch noch selbst seine Konstruktion und zog sich eine Bestrafung wegen Patentverletzung zu. Dann siedelte er mit seiner Frau»lach Wien über._ Hier durfte er seine Erfindung der Kronprinzessin Stefanie vorführe»», erzielte auch einige materielle Erfolge und glaubte nun, daß ihn» die ganze Welt gehöre. Die Sucht, schnell reich zu werden, brachte ihn aber auf eine schiefe Ebene und er hatte das Malheur, wegen Untreue zu 3 Monaten schweren Kerkers verurteilt zu werden. Im Jahre 1891 tauchte er wieder in Berlin aus. Er hatte für Feuerwchrzwecke eine mechanische Rettungsleiter konstruiert, die das Interesse des Branddirektors Giersberg erregte, dein Erfinder aber sonst keinen großen Segen brachte. Bithon» ver- chaffte sich dann seinen Lebensunterhalt in schwindelhafter Weise. In prahlerischen Prospekten und Anpreisungen nahui er den Mund fo voll, daß Unemgeweihte glauben mußte»», er sei der Leiter eines große»», rentablen, technischen Instituts. In Pankow erwarb er mit lcinstcr Anzahlung ein mit Hypotheken bepacktes kleines Haus, gleichzeitig errichtete er daselbst eine Werkstatt und am Spittek- markt, und um sichren», aller Betriebsmittel baren„Unter- nehmen" ein glänzenderes Relief zu geben, eröffnete er an» Spittel- markt ein„Bureau" zur Annahme von Bestelllingen. Die Herrlichkeit dauerte nur kurze Zeit; bald kam das Haus zur Subhastatioi», der Gerichtsvollzieher lvurde täglicher Gast, die Hoffnungen auf die Gewerbe-Ausstellung von 1836 zerschlugen sich und die Geldverlegen- heften wuchsen von Tag zu Tag. Um ihnen zu entgehen, legte er sich auf den KautionZschlviudel, den er mit staunenslvertem Erfolge ausübte. Durch Inserate suchte er Buchhalter, Reisende, Hausdiener und engagierte flott darauf los, unbekümmert daruin, ob die sich meldenden Schreiber, Barbiere, Malergehilfen, Masseure, Musiker und dergleichen sich für den ausgeschriebenen Posten eigneten: die Haupt- fache»var, daß sie Kaution stellen konnten. Durch glänzende Schilde- rung seiner Geschäftslage und seiner VermögenSverhältniffe gelang eS ihm, einer ganzen Anzahl vertrauensseliger Personen recht hohe Summen— insgesaint 178 000 M.— abzunehmen. Eine ganze Reihe kleinerLeute wurden um ihre Spargroschen gebracht, bei andern arbeitete der Angeklagte„sn gros". Ein Charlottenburger Kaufmann, der durch falsche Kontoauszüge getäuscht»vorden lvar, lvurde mit emer Einlage von 9000 M.„Socius" des Angcllagten»md hat von seinein Gelde keinen Pfennig»viedergesehen. Besser kam ein ai»drer Char- lottenburger davon, der dichte daran war, 5000 M. Kaution zu stellen, aber noch rechtzeitig gewarnt und so vor Schaden bewahrt wurde. Einen Mann, der seine Kaution von 300 M. zurückverlangte, warf der Angeklagte im abgekürzten Verfahre»» einfach zur Thür hinaus und einen andern, der»eine 700 M. retten»vollte, hieb er mit einem Degen über den Kopf. Als ihin schließlich der Boden hier zu heiß wurde, flüchtete er ins Ausland. Seine Ehefrau wurde im Jahre 1897 wegen Teilnahnie an den Betrügereien des An- geklagten zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und hat diese Strafe auch verbüßt. Der Ehemann spielt, seitdem er ding- fest gemacht worden ist,»nit großer Grandezza den„wilden Manu" und hat durch diese Komödie schon mehrere Terniine vereitelt. Es lvurde die Beobachtui»g seines Geisteszustandes durch Sach- verständige angeordnet, sie hatte aber ein negatives Ergebnis. Gcrichtsarzt Dr. Hoffmann, Oberarzt Dr. Scoczynsky und Professor Dr. K o e p p e n beknirdeten gestern übereinstimmend, daß der Angeklagte zwar ein etwas nervöser Ma»»»» sei, von Anwendung des§ 51 Str.-G.-B. aber keine Rede sein könne. Als der An- geklagte sah, daß seine Spekulation auf den neuerdings so beliebten § 51 eine vergebliche war, verfiel er in eine Art Tobsucht, schlug mit den Fäusten um sich und schiinpfte laut auf die ganze Welt und a»lf den Gerichtshof besonders:„Das Gerichr ist eine»»»oderne Folter! Das will Christenliebe sein! Die Reichen und die vornehmen Prinzen kominen in eine Heilanstalt; dahingehöre ich auch und nicht ins Gefängnis!" In diesen» Tone ging es eine ganze Weile fort. Alle Versuche, den Angeklagten zu be- ruhigen, waren vergeblich und eme ruhige Verhandlung erschien gänzlich ausgeschlossen. Der Vorsitzende ließ deshalb eine einstuniige Pause eintreten. Nach deren Beendigung war die Situation unverändert. Der Angeklagte weigerte sich, das von dem Gefängnis- arzt Dr. Hoffmann verschriebene Beruhigungspulver zu nehmen und da somit eine Wiederholung der Lärmseene zu befürchten stand, sah sich der Gerichtshof gczwuiigen, die Verhandlung zu vertagen und eine erneute Untersuchung des Angeklagten anzuordnen. Versammlungen. Der Deutsche Biichbinderverband(Zahlstelle Berlin) hiel ain 8. Augllst im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine Generalversammlung ab. Da der Sitz des Verbandes auf dem letzten Verbandstage nach Berlin verlegt worden ist, so hatte die Zahlstelle fünf Beisitzer für den Verbandsvorstaud und drei Verbands- revisoren zu wählen, nachdem der Verbandstag die beiden besoldeten Vorstandsmitglieder ernannt bat. lieber die Kaudidatenfragc ent- spann sich eine lebhafte Diskussion, hervorgerufen durch einige Mit» glieder, die sich besonders dagegen wandten, daß dieOrtsvcrwaltung und die Vertrauensmänner-Sitzung Kandidatenvorschläge ftir die Wahl vorbereitet haben. Von andrer Seite wurde die Orts» Verwaltung verteidigt, weil sie nur ein gutes Recht ausgeübt habe. Im übrigen blieb es selbstverständlich der Versammlung»in- benommen, selbst Vorschläge zu machen.— Bei Noininierung der Kandidaten für die Revisorenwahl kan» es zu einem Zwischenfall. Der Vorsitzende Brückner hatte, da auch Paul Jahn vor» geschlagei» lvar, darauf aufmerksam gemacht, daß nach einem im vorigen Jahre gefaßten Beschluß Jahn auf zivei Jahre von Ehren- äintern auszuschließen sei. Jahn meldete sich darauf zum Wort und bezeichnete Brückner unter Bezugnahme auf die Ursachen jenes Beschlusses als einen Schurken uud Verleumder. Brückner legte darauf sein Amt nieder. Gleichzeitig entstand ein großer Tumult. Alles stürmte auf Jahn ein. Rufe:„Raus»nit ihin!" ertönten, während andre zu beruhigen versuchten. Die Verhandlungen mußten eine Viertelstunde vertagt werden. Es gab darauf lvicder eine sehr lebhafte Geschästsordnungsdebatte, in der auch diejenigen, die sonst in Oppositionsstellung zu Brückner siehe»», dafür einttaten, daß man Brückner als Vorsitzenden gegenüber jener Beschimpfung in Schlltz »ehinen müsse. Einstimmig»vurde beschlossen, Brückner ansznfordern, das Amt»veiterzuführen. Weiter beschloß die Versainmlung gegen Ivenige Stimmen, Jahn als in der Versaminlung nicht anwesend zu betrachten, das heißt ihm nicht das Wort zu verstattcn.(Jahn ruft:„Das nennt man demokratisch!") Unter lebhaftem Beifall be- trat Brückner zur Fortführung der Geschäfte lvicder daS Podium und dankte für da? einhellige Vertrauensvotum, das in dem Beschlüsse liege.— Aus den Wahlen ftir den Vcrbandsvorstand gingen hervor: Karl Schulze, Richter, Klar, Kremple und E r n st. Verbandsrevisoren wurden Freudenreich, Brucks und Richard Schneider.— Die notwendig gelvordcne Ergänzung der Ortsvertvaltung erfolgte durch die Wahl Haukes zum zweiten Bevollmächtigten und Kahlas zum ersten Schriftführer. In die Rcchtsschutzkoinmission wurden Lemser, Scholz, Bätzler, Bergmann und Hanke gewählt. Zu Revisoren für die Zahl- 'telle wurden Albert Hoffmann und Reitlinger ernaimt. Außerdem»vählte die Versammlung eine Anzahl Hilfskassierer und Hilfskassierer-Stellvertretcr. Die von B i t o m s k y gegebene Abrechnung von» Dampfervergi»ügen ergab einen Ueber- chuß von 392,60 M. Dem Kassierer wurde für diese Abrechnung Decharge erteilt.— Den Bericht der Bibliothckskommisslon erstattete Schmidt. Er teilte unter anderm mit, daß die Kommission dabei 'ei, eine Ucbersicht über die Benutzung der Bibliothek unter Berück- »chtigung der Art der ausgeliehenen Bücher ic. festzustellen. Für Neuanschaffungen belvilligte die Versainmlung die Ueberweisung von 100 Mark an die Bibliothekskominission. In diese wurde an Stelle eines ausscheidenden Mitgliedes die Kollegin Oppen- k o lv s k y gewählt. Die Versammlung entlastete auch die Kam- Mission.— Wegen der vorgerückten Zeit vertagte die Versammlung den Rechenschaftsbericht und die Abrechnung der Ortsverwalttina. Am Donnerstag fand die Fortsetzung der Generalversammlung tatt. Brückner berichtete über die Thätigkeit des Borstandes owie über die allgemeine Lage der verschiedenen Branchen. Die Agitationsarbeit ist zwar in demselben Maße wie bisher betrieben worden, steht jedoch in einem Mißverhältnis zu dem Erfolge, denn die Mitgliederzahl ist um 198 zurückgegangen. Sie verringerte sich bis zum Quartalsschluß auf 2591 männliche und 2284 weibliche Mitglieder.— In die Tarifkoinmission wurden sodann gewählt K i l ck und Frau Kozciclniack.— Die Abrechnung der Central- lasse balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 17 410,78 M. Die Einnahine der Lokalkasse belief sich auf 9787,82 M., der eine Aus- gäbe von 3150,53 M. gegenübersteht, mithin ein Bestand von 6637,29 M. verbleibt. Arbeitslosenunterstützung wurde gezahlt an männliche Mitglieder 1957.25 M. und an»veibliche 394,75 M. Für Gcmatzregcltenuutcrstützung mußten 302 M. und für Streikunter- tützung 660,50 M. aufgewendet werden. Der Extrafonds hat einen Bestand von 17 589,24 In dem paritätischen Arbeitsnachweis waren gemeldet 466 männliche und 520 weibliche Personen. Ver- langt Wurden 272 männliche und 755 weibliche Arbeitskräfte. Besetzt konnten werden 226 Stellen mit männlichen und 463 Stellen mit weiblichen Kräften. Auffallend ist die starke Nachfrage nach weiblichen Kräften, ein Beweis für die Ausdehnung der Frauen- arbeit im Buchbindcrberuf und der verwandten Branchen.— Zur Annahme gelangte schließlich noch ein Antrag, an den Centralverein für Arbeitsnachweis einen Zuschuß von 100 M. zu leisten, weil der- selbe trotz städtischer Subvention mit Unterbilanz arbeitet. „Die deutschen Fleischergcsellen-Vercine wie sie sind und wie sie sein sollen", war das Zlhema, über das am Donnerstag in einer recht gut besuchten öffentlichen Schlächtergesellen-Versammlung gesprochen wurde, die im Gesellschaftshause Berliner Musiker tagte. Ter Referent, Gustav Zarvas aus Frankfurt a. M., schilderte, wie die sogenannten Brüderschaften und die dem christlichen Bunde angeschlossenen Vereine darauf hinwirken und von den Meistern dazu ausgenutzt werden, die Gesellen von jedem ernsthasten Versuch, ihre Lebenslage zu verbessern, zurückzuhalten, so daß diese Vereine thatsächlich mehr die Interessen der Meister, statt die der Gesellen wahrnehmen. Deshalb empfehlen die Meister ihren Gesellen auch, diesen Vereinen beizutreten, während sie es sehr ungern sehen, wenn sie sich dem Centralverband der Fleischer anschließen. Das„gute Einvernehmen" soll eben nicht gestört werden, die Gesellen sollen in der alten Abhängigkeit erhalten bleiben, sich mit elenden Schlaf- stellen, mit der ungeregelten Arbeitszeit, der Uebertretung der ge- setzlichen Vorschriften über die Sonntagsruhe, den elenden Löhnen, dem Stellcnwucher und all den vielen andern Uebelständen im Berus zufrieden geben; sie sollen auch in Zukunft dankbar sein, wenn sie vierzehn Tage lang vor Weihnachten bis tief in die Nächte hinein arbeiten dürfen und der Meister oder die Frau Meisterin ihnen dafür am Heiligen Abend eine Krawatte, ein Paar Strümpfe und dergleichen nebst einem kleinen, recht kleinen Geldgeschenk beschert. Sie sollen aber nicht, wie es der Centralverband will, und wie es jeder andre selbstbewußte Arbeiter thut, einen bestimmten Lohn für ihre Arbeit und für ihre Ueberzeitarbeit verlangen. Das empfinden die Meister als Unverschämtheit und darum sollen die Gesellen hübsch in die Brüderschaften und christlichen Vereine gehen, wo sie die rechte, ihrem Stande angemessene Bescheidenheit lernen. Nun scheinen aber auch für das Fleischergewerbe die Zeiten vorbei zu sein, wo die Arbeiter mit solcher Auffassung ihrer Stellung behaftet und ein nur allzu willfähriges Ausbeutungsobjekt der Unter- nehmer waren. Das zeigten auch die weiteren Ausführungen des Referenten, die sich auf die Fortschritte der Fleischer- gesellen-Bewegung in Süddeutschland bezogen. Während es in manchen andern Berufen der Norden des Reiches ist, wo sich die Gewerkschaftsbewegung am besten entwickelt hat, ist im Fleischergewerbe gegenwärtig der Süden am weitesten vor- geschritten. In Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim. Darmstadt, Offenbach und nicht zum mindesten in Frankfurt a. M. hat die Be- wegung recht erfreuliche Fortschritte gemacht, trotz der großen Hindernisse, die den Vertretern des Centralverbandes fast überall von den Meistern und von solchen Gesellen, die sich berufen fühlen. Meisterinteressen wahrzunehmen, gemacht wurden.— Die Ausführungen des Referenten fanden allgemeinen, lebhaften Beifall.— Obgleich die Vorstände und Mitglieder der Vereine, die der Re- ferent und ebenso die nachfolgenden Diskussionsredner scharf an- griffen, besonders eingeladen worden waren, meldete sich keiner von chnen zum Wort.— Wie K e s I i n ke mitteilte, hat sich der Vor- sitzende der Freien Vereinigung selbständiger Schlächtermeister über die von der Berliner Mitgliedschaft des Centralverbandes der Fleischer aufgestellten Forderungen sehr entgegenkommend geäußert. Es soll jedoch, wie andrerseits mitgeteilt wird, eine Besorechung zwischen der Freien Vereinigung und der Innung stattgefunden haben, die zu Matznahmen gegen die Lohnbewegung der Gesellen führte.— Am Schlüsse der Versammlung berichtete K e S l i n k e über den Streik der Schlachthausarbeiter in Chicago. Verband der Schneider. In der letzten Mitgliederversammlung erstatteten die Kollegen Bohn, Kotsch und Ritter Bericht über den am I. August und folgende Tage in Dresden stattgefundcnen 8. Verbandstag. Hieran knüpfte sich eine kurze Diskussion, die sich namentlich um die Möglichkeit der Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung drehte. Eine Resolution, die den Vorstand beauftragt, dem nächsten Berbandstage einen Plan vorzulegen, war auf dem Verbandstage angenommen worden. Von den Berichterstattern wurde die äußerst mangelhafte Berichterstattung über den Ver- bandstag gerügt. Folgende Resolution gelangte hierauf zur An- nähme:„Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des 8. VcrbandStages einverstanden und verpflichten sich die Anwesenden, für die Ausführung dieser Beschlüsse nach Kräften Sorge zu tragen. Im Weiteren bedauert die Versammlung die äußerst mangelhafte und teilweise direkt unrichtige Berichterstattung des„Vorwärts" über den Vcrbandstag und spricht den Wunsch aus, daß in Zukunft seitens der Redaktion nur solche Berichterstatter verwandt werden, die über genügende Sachkenntnis und. Jnformationsvcrmögen ver- fügen."— Nach diesem gab der Kassierer Kotsch die Abrechnung für das II. Quartal. Es betrugen die Einnahmen der Centralkassc bei einem Bestände von 26,04 Mk. 9182,00 Mk., die Ausgaben 0146,31 Mk. An die Hauptkasse wurden 5950,00 Mk. abgeliefert; an Reise- und Krankenunterstützung wurden 44,73 Mk. bczw. 906,66 Mk. gezahlt. Die Lokalkassc hatte bei einem Bestände von 7402,27 Mk. eine Einnahme von 13 073,74 Mk. zu verzeichnen, die Ausgaben betrugen 4893,00 Mk., sodass fstr das III. Quartal ein Bestand von 8180,74 Mk. verbleibt. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer einstimmig entlastet. Der Mitglicderstand der Filiale betrug am Schlüsse des II. Quartals 3750, darunter 360 weibliche. Nachdem Ritter noch auf die am 2. Oktober und 12. No- vember vorzunehmenden Besuche der stäitdigen Ausstellung für Arbcitcrwohlfahrt in Charlottenburg hingewiesen und einige andre untergeordnete Angelegenheiten erledigt waren, erfolgte Schluß der Versammlung.(Zu der Frage der Berichterstattung möchten wir bemerken, daß wir den Bericht von einem ständigen Dresdener Berichterstatter erhielten, bei dem wir Sachkenntnis und In- formationsvermögen in genügendem Maße voraussetzen mutzten. Red. d. V.) Charlottenburger Gewerkschaftskommission. In der letzten Dcle- giertensitzung teilte zum 1. Punkt, Abrechnung vom 2. Quartal, Genosse Schulze mit, daß die Einnahmen inklusive Bestand vom 1. Quartal 687 M. betragen, die Ausgaben 338 M., darunter je 30 M. für die Diamantarbeiter, Vcrgolder und Mühlenbauer. Ten Jahresbericht der Charlottenburger Gewerbegerichts erläuterte Ge- nosse Lüdke. Er führte unter anderm aus, daß auch nach dem dies- jährigen Bericht die Anzahl der Klagen zugenommen habe. Die beiden beanstandeten von der Kommission aufgestellten Arbeit- g e b e r kandidaten warten bis heute auf Antwort auf ihre an den Regierungspräsidenten gerichtete Beschwerde, lieber die Handwerker- kammcrn referierte Genosse F l e m m i n g. Beschlossen wurde, von jetzt ab überall, wo Zwangsinnungen bestehen, sich an der Wahl der Gesellcnausschüsse zu beteiligen, ebenso an der Wahl der Hand- werkcrkammer. Unter Verschiedenem rügte Genosse Müller das Nichterscheinen des letzten Delegiertenberichts im„Vorwärts". Ter Antrag des Genossen Flemming:„Zwecks Einziehung der jährlichen Beisteuer im Betrage von 40 Pf. pro Kopf und Jahr sind zu Gunsten des hiesigen Volkshauses vom Ausschutz der Gewcrk- schaftskommission Marken i 10 Pf. herauszugeben. Diese Marken haben die einzelnen Gewerkschaften vierteljährlich an ihre Mitglieder als Quittung zu verabfolgen," wurde nach einer sehr regen Debatte abgelehnt. ES bleibt also der im Mai gefaßte Beschluß be» stehen, er lautet:„Die Einziehung der Gelder ist den Gewerkschaften selbst zu überlassen." Der vom Genossen Gräfling gestellte Antrag, im Oktober eine Versammlung nnt dem Thema„Der Generalstreik" abzuhalten und als Referenten den Gen. Dr. Friedeberg zu bestellen, wurde einstimmig angenommen. Es fehlten unentschuldigt: Plätte- rinnen, Maschinisten, Heizer, Putzer und Steinsetzer. Der Socialdemokratische Wahlverein Grohlichtcrselde- Lankwitz beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung mit dem Parteitag in Bremen. An der Hand der Tagesordnung beleuchtete der Referent, Genosse W e tz k e r, die Aufgaben des Parteitages. Der neue Programmentwurf auf dem Gebiete der Kommunalpolitik enthalte grundsätzliche Bestimmungen, deren Annahme im wesentlichen erfolgen werde. Die Debatten über die Maifeier würden diesmal wohl nicht so friedlich wie sonst verlaufen. Seitens mancher Gewerk» schaften würden bezüglich der A r t der Veranstaltung der Maifeier principielle Einwendungen gemacht. Insbesondere bezögen sich die- selben zur Begründung ihres Standpunktes auch darauf, daß sie die Opfer für eine von der Partei beschlossene Veranstaltung bringen müßten. Darüber ließe sich, wie Redner meint, diskutieren. Aber an eine Preisgabe der Maifeier sei nicht zu denken. Wenn der Redakteur der Gewerkschaftszeitung der Buchbinder die Maifeier unter dem Gesichtspunkte betrachte:„Wieviel kostet's und was bringt's ein?" so sei dies einfach ein Krämerstandpunkt. Wenn dieser Geist bei den Gewerkschaften der herrschende würde, könnte man der Arbeiterbewegung Valet sagen. Der größte Teil der Gewerk« schaftsführer betrachte die Maifeier jedoch auf Grund ihrer ethischen und idealen Motive. Der deutsche Parteitag werde jedenfalls im Sinne der Berliner Resolution beschließen. Die O r g a n i- sationsfrage werde hoffentlich erfreulichere Debatten zeitigen als in Dresden. Vor allem sei eine feste Centralorgani- s a t i o n ins Auge zu fassen. In dieser Beziehung liege bereits ein Antrag. der Breslaucr Genossen vor. Schon mit Rücksicht auf die notwendige Stärkung der Parteikassc sei eine bessere Organisation absolut notwendig. Auch der Parteivorstand müsse verstärkt werden, da die paar Sekretäre die dem Vorstande übertragenen Arbeiten nicht bewältigen könnten. Ferner werde die Angelegenheit Schippe! den Partcivorstand beschäftigen und leider bestehe die Befürchtung, daß die Debatten auf das persönliche Gebiet über- greifen. Schippels Standpunkt werde in der Partei kaum von zehn Leuten geteilt. Er werde dort endlich einmal— was er bisher noch nicht gethan— erklären müssen, welche persönliche Meinung er über die Agrarzölle denn habe. Die Kolonial» Politik werde umsowcniger zu ausgedehnter Diskussion Anlaß geben, als diejenigen Genossen, die im Reichstag aus Anlaß der verlangten Kredite gelegentlich des Herero-Aufstandes sich der Ab- stimmung enthielten, inzwischen eingesehen haben, daß ihr Stand- Punkt ein falscher gewesen sei.— An der regen Diskussion beteiligten sich die Genossen Geisen-Kerfting, Boxheim er, Platz und Wenzel, die im wesentlichen dem Referenten zustimmten. Auf eine Anfrage des Genossen G e i s e n» K e r st i n g wegen des Friedcbergschcn Referates über den Gcneralstreit, erklärte Wctzkcr den Generalstreik nach Auffassung Friedebergs als eine Utopie und bezeichnete dessen Aeutzerungen über das Wahlrecht als geradezu unerhört. Ein Antrag des Genossen Geiscn-Kersting an die Kreis-General- Versammlung: Ter Kreisvorstand möge erwägen, ob nicht ein höherer Bei- trag an die Parteikasse als bisher, vielleicht das Doppelte, abgeführt werden könne, fand einstimmige Annahme. Als Delegierte zur Kreis-General- Versammlung sind die Genossen Geisen-Kerfting und W e tz k e r bestimmt.__ Unsrem Freunde und Kollegen Oskar Geiler zum heutigen Wiegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch. 568o Die Organisierten bei Skviuvi»«, Charlottenburg. für den 2.BerlinerReiehstaiSwahH. Todes* Anzeige. Am 21. d. M. verstarb unser Mitglied, der Restaurateur Rudolf ihloff Chamissoplatz 4. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet Mittwoch- nachmittag 5 Uhr von der Halle deS Heil. Kreuz- Kirchhofes in Mariendors aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 238/12 Der Borstand. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68» L indenstrotze 69 Wir empfehlen de» Genossen zum Abonnement: Wider die iA MenhmsW «ulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts Bon ernil Rosenow 60 Lleterunaen reich iflufiriert •& Lieferung»0 Pfennig- Der Lerfasfer entwirft vom Elandpunlt des historischen Mo- terialismus das Kulwrbild der mittelalterlichen Pfaffenherrschaft. 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Socialisten- Kongresses zu Paris 1839 0,26. Protokoll des Internat. Sodaliftwp Kongresses zu Zürich 1893 0,60. Protokoll des Internat. Socialisten. Kongresses zu London 1896 0,20. Protokoll des Internat. Socialisten. Kongresses zu Paris 1900 0,20. Das Protokoll des diesjährigen Ko»gresses erscheint in Kürze Von der Reise zurück. 23/11 Or. J. Hirschfeld, Petersburger» Strasse 88. /«4 [ngwhpteVoitejj, g-eniesst jeder, der O- KsfTcc das � 01 70. 80. 90.«w Thee 110, 120 Pfg. und höher das Pfund zu ISO und höher, in Paketen zu 10, 20, 30, 45 Pfg. und höher Chocolade, Biscuits«,«. Malzkdffee das Pfimd nur 25 Plg. (■pnar Kaffee-Zusätze(siMeB-Es») in Dosen zu 20 Pfg., in Gläsern etc. zu 25 Pfg., lose das Pfund 60 Pfg. nur kauft in i Kaisers Kaffee-Geschäft Europas grösster Kaffee- Rösterei- Betrieb 1000 eigene Verkaufs-Filialen �••; r»k« V i-,«a, BtIiii,'lersl-d. HnAti-nn • i.rv-i-J* Ith.iv-afl-li..' < i'W'.l.' Wifc«''3h inffttüls. ~ j'rnboif pinit Proinlimou—— r««! i-m'is-mn! i.-! Centralverband der Handels-,| Transport- u. Verkehrsarlieiter Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. Hierdurch diene den Mitgliedern -zur Nachricht, daß unser Mitglied Robert Decker oerstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, nachmittags 6 Uhr, vom Trauerhause in Friedrichsberg, Kreuzigerstr, 19, aus statt. 68/16 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Filr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner unvergetzlichen Frau NLaria Müller sage ich allen den tiesgesühlteften Dank. 65L_ Cnst. Mailer. Gegen. Gallensteine, Kierenteiden, Gicht und � ZucUerkrankheit werden mit bestem Eftolg nur Dr.Hans Brackehuschs Neu-Karlsbader Krystalle genommen.— Drucksachen kostenlos durch d. Exped. Grcnzstr. 9. Unbemittelten Preisermässigung. Täglich 20 Hark n. mehr kann man verdienen durch hochlohn. Fabrikatton täglicher Massenartikel. Katalog gratts. 145/6 fleinr. Mm, Mnll�™.Rul*' Dr. Simmel, Specialarzt für l19/1» Haut- nnd Harnleiden. 10-.° 5—7. 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Donnerstag, SS. August, abends 8'/, Uhr, bei Herrn Schmidt, Gartenstr. 6: BranchensVersammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Aussperrung der Former und ihre Folgen sür die Berliner Eisenindustrie. Rcserent: Genosse A. Hörsten. 2. Werkstattdifferenzen. 3. Berschiedenes. 88/12 Da bereits auch ewige unsrer Kollegen von der Aussperrung betroffen, erwartet die Kommission das Erscheinen sämtlicher Kollegen. p a n h o tv. Mittwoch, de« 24. August, abends 7 Uhr, bei Herr« Raner, Schloffstrasse»: Oeffentliehe Kolzarbeiter-Versammlnng. Tages-Ordnung: Stand unsrer Lohnbewegung. Sämtliche m Pankow wohnende und arbeitende Kollegen find hierzu ewgeladcm_ I. A.: Der Obmann._ m .0. Veranstaltet vom 2. fadiausftellung für die 5chuh- und tedel'-lndustl'le t�lsus�/slt(Hasenhaide) 25.— 30. August a. er. GEÖFFNET von 9— 9 Uhr TÄGLICH KONZERT m Deutscher Eintritt 50 Pfennig, Schuhwarenhändler w o mnitär»Stiefel=lDettbeiperb M n 1 II Mv-BArtMMUll Sonntage 38. August, nachmittags 1 Uhr: GtNkrel-Dkchmllllmg in Zossen im Lofafc von NUert, Barutherstraße. TageS-Ordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes. 2. Die Brandenburger Provinzial- Konferenz.(Anträge betreffend anderweitige Zusammensetzung der Agitationskommission und betreffend die Lokalfragc, Wahl der Delegierten./ 3. Der Bremer Parteitag.(Antröge betreffend Aenderung der Tages- ordnung, betreffend die Maiseier, betreffend das Organisationsstatut, be- treffend Herausgabe einer Jugend-Zciischrist und betreffend Schullaften, Wahl der Delegierlen.) 4. Berlchiedenes. Anträge, ivelchc aus der Generalversammlung ihre Erledigung finden sollen, sind bis spätestens am 25. August an den Centralvorstand, Charlotten- bürg, zu Händen des Genossen W. Eberhardt, Rofinenslraffe 3, ewzureichen. Aus Grund des§ 11 des Statuts ist jeder Verein berechtigt, bis zu drei Delegierte zu entsenden. 203:20 Pflicht jedes Wahlverems ist, aus der Generalversammlung vertreten zu sein._ Der Central-Borstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Donnerstag, den 25. August, abends S'/o Uhr, im Lokale des Herrn Pfeffer, Rosenthalerstraße Nr. 57: Kriii>chen-Ntlsi»WlllW der Stcllinadicr. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Brückner über:„Das Kranken- versichernngsgeieN und seine Bedeutung für die Arbeiter.- 2. Dis- lussion. 3. Branchenangelegenheiten, i. Verschiedenes. 88/3 Die Kommission. Möbelfabrik � i V Jäl J I£JL IBJP 1 Die besten und billigsten Wohnimgs-dnidehtnngen kaufen Sie bei BERLIN SO., x>> gm__■ jm BERLIN SO., JUllUS ADGlTuTiscIilernieister, SUalitzerstrasse 6, W 7 am Kottbnser Thor. Mitglied des Zlrbeiter-Radsahrer-Bundcs.Solidarität". Mittwoch, den 24. d. MtS., abends pünktlich Uhr, in den Armin- hallen, Kommandantenstraffe 20: Antzerordentliche Gei»eralversamml»mg. TageS-Ordnung: 1. GeschöstlicheS. 2. Ergänzung des Etawis und Tourenordnung. 3. Anträge. 4. Wahl des Delegierten zur Bezirksleiter-Konserenz. 5. Ver- schiedenes. 28/2 Zahlreicher Besuch wird erwartet.— Mtglieder werden daselbst auf- genommen. Der Borstand. Villen-Kolonie Kieder- Schönhausen fi. MW H Baustellen in schönster Lage Rieder-Schönhausens an vollständig m regulierten Straffen mit Gas- und Wasscrlcitung; nur hochllegendeS, � trockenes Land, ptv IH-R. V0N 83 M. tttt. 4SlgL» � Auskunft jederzeit im Bureau, llaisorneg 3, Nieder-Schünhausen. /deine /Inzeigen. W als IS Buchstaben zählen doppelt. 4m— mBZP 'Anzeigen In den AnnahmesteUen für Berlin Isi bis I Uhr, für die Vororte bis 1 2 Uhr, in der Hauptexpedition Linden- Strasse 69 bis S Uhr angenommen. zbste A verden rlin "M Verkäufe. PfandleihhauS Wcidenweg 10 derlausi spottbillig verfallene Psander. jachen, Trauringe, Jackettanzüge, Damenstiesel, Steppdecken, Gardinen, Teppiche, Regulateure, Freischwwger, Spiegel. Teilzahlung. Tcppiche, Betten, Gardinen, Steppdecken, Portieren, iruhren, Regulator Möbel, spottbillig. 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