Pr. 300. Nbonnementz-Kecklnglingen: KBonnementä» Preis pränumerando i Vierteljährü 3,30 SUif., monall. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Hümmer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Weit' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. LI. Jahrg. vi« TnltrtlonS'Gebflbr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 25 Pfg. „Aleine ZZnreigen", das erste ssett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. CridjciDt tZgttld außer montags. Vevliner VolkeSblAkk. Telegramm-Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte! Deutfcblands. Redaktion: 8Al. 68» Llndcnstrassc 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. IS8Z. Freitag, den Äß. August 1904. Expedition: 8M. 68, Lindcnetrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Russendienste und Ballin-Profite. Wir haben im Laufe der letzten Wochen wiederholt Mtteilungen gemacht über die Behandlung aus Ruhland kommender Reisenden. Aus jedem von Ruhland koinmenden Eisenbahnzug wird nach Er- messe» der Grenzpolizei eine Anzahl Personen herausgegriffen und, wenn die Beamten der Ansicht sind, die Leute beabsichtigen, nach Amerika auszuwandern, sogenannten Kontrollstationen, die von der Hamburg-Amerika-Linie und vom Norddeutschen Lloyd eingerichtet sind, zugeführt. Auch wird dieses Verfahren von der preuhischen Polizei ein- geschlagen gegenüber andren Russen, die von ihr überhaupt in der Nähe der russischen Grenze und selbst in Eisenbahnzügen, die von der Grenze nach dem Innern Deutschlands führen, angetroffen werden und ihr verdächtig erscheinen, russische Auswanderer zu sein. In den Kontrollstationen— die in einer Reihe von Orten in der Nähe der russischen Grenze von der Hamburg-Amerika-Liuie sowie vom Norddeutschen Lloyd errichtet sind, wird den zu- geführten Russen von den Agenten dieser Linien in Gegen- wart von Polizeibeamten angeboten, sich bei ihnen Schiffs- karten der deutschen(nur der deutschen) Linien nach Amerika(nur dorthin) zu nehmen. Eine Reihe von Russen, die auf dieses Ansinnen nicht eingehen können oder wollen, werden daraufhin nach Rußland zurilcktransportiert. Dieses Verfahren gründet sich auf Polizeiverordnungen, die von den Regierungspräsidenten der Grenzregierungsbezirke erlassen worden sind. Eine derselben, die vom Regierungspräsidenten des Bezirkes von Königsberg, bringen wir nachstehend zum Ab- druck: Bez. Polizeiverordnung betreffend den Uebertritt und die Bc förderung russischer Auswanderer im Regierungsbezirk Königsberg. Vom 12. April 1897. Z 1. Russischen Auswanderern ist im Regierungsbezirke Königs berg der Uebertritt nach Preußen nur bei den Uebergangsstellen in Bazohren und Jllowo resp. in Jllowo unter Benutzung der Bahn Mlawa— Jllowo gestattet und zwar auch diese« nur dann, wenn sie im Besitze sind entweder a) eines ordnungsmätzigen Passe?, einer Kajüten- fahrkarte nach einem auhereuropäischen Lande und so vieler Barmittel, daß dadurch ihre Reise bis nach dem Bestimmungs- ort und ihre Annahme daselbst gesichert erscheint. Hierzu ist bei gesunden und nicht gebrechlichen Personen, wenn sie mehr als zehn Jahre alt sind, etwa die Summe von je 409 M., bei jüngeren die Summe von je 199 M. erforderlich. Von diesem Nachweise des Besitzes ausreichender Barmittel sind nur diejenigen russischen Auswanderer befreit, welche cnt weder die Kajütenfahriarte einer d e u t s che n Reederei zur Ueberfahrt und vollständige Eisenbahnfahrkarte zur Reise nach dem Einschiffungshasen vorweisen oder eine Gewährleistung des deutschen Eentralkomitccs für die russischen Juden dafür nach- weisen können, daß sie kostenfrei ohne Aufenthalt in Deutschland nach einem auhereuropäischen Land und, falls sie dort zurück- gewiesen werden sollten, in ihre Heimat zurückgeschafft werden, oder b) einer Annahmeerklärung des Norddeutschen Lloyd oder der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft nach Mah> gäbe des Musters im Anhang 1 dieser Verordnung. § 2. Den in Bajohren oder Jllowo übergetretenen Aus Wanderern zu Z la ist zur Zeit nach Prüfung ihrer Papiere im allgemeinen die ungehinderte Weiterfahrt nach den Ein- schiffungshäfen gestattet. Dieselben dürfen sich jedoch zu dieser Weiterfahrt nur der Eisenbahn bedienen. Z 3. Die in Bajohren oder Jllowo übergetretenen Auswanderer zu§ 1b haben sich sofort nach dem Uebertritt bei den Annahme- stellen der dortigen Kontrollstationen des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft zu melden. Nach erfolgter Annahme haben sie allen in diesen Stationen nach Maßgabe des Betriebsreglements— Anhang 2 dieser Verordnung — an sie ergehenden Weisungen Folge zu leisten und dürfen ins besondere die Station erst wieder nach ausdrücklich erhaltener Er laubnis hierzu verlassen. Diese Erlaubnis gilt für sie als erteilt, wenn sie die ihnen bei Eintritt in die Station abgenommenen An- nahmeerklärungen— nach Abtrennung des Coupons— wieder zurückerhalten. 8 4- Nach dem Verlassen der Station dürfen die Auswanderer sich nur der Eisenbahn zur Weiterreise nach den Einschiffungshäfen bedienen und auch dieses nur mit denjenigen Zügen resp. in den- jcnigen Waggons(Wagenabteilen), welche ihnen zu diesem Zwecke seitens des Bahnpersonals werden angewiesen werden. 8 b. Die Beförderung von russischen Auswanderern mit Wagen oder Schfft"1 ist verboten. Ausgenommen von diesem Verbot sind die von den Polizeibehörden bewirkten resp. unter Begleitung von Polizeiorganen stattfindenden Beförderungen. s ß Die Beförderung von russischen Auswanderern mit der Eisenbahn ist nur behufs Fahrt nach den Einschiffungshäfen und nur betreffs solcher Auswanderer zulässig, welche sich entweder im Beiide der 8 la dieser Verordnung verlangten Requisite befinden oder aber den Nachweis führen, daß sie eine der vom Norddeutschen Lloyd oder der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft mit staatlicher Genehmigung errichteten Auswanderer-Kontroll- stationcn passiert haben. Dieser Nachweis gilt als geführt, wenn sie im Besitze einer am Orte der Kontrollstation visierten Annahme- erllärung gemäss Anhang 1 dieser Verordnung sind. Zur Zeit befinden sich in der Provinz Ostpreußen solch- Stationen in Bajohren, Eydtkuhnen, Proftken, Jllowo, Tilsit und Jnsterburg: Veränderungen in dieser Beziehung werden durch das Regierungs-Amtsblatt bekannt gemacht werden. Auf Eiscnbahn-Beförderungen russischer Auswanderer, welche gemätz polizeilicher Anordnung resp. in Begleitung von Polizei- Organen stattfinden, findet vorstehende Anordnung keine Anwendung. 8 7. Russische Auswanderer, welche verbotwidrig(8 1) über- getreten sind, haben sich unverzüglich nach dem Uebertritt und zwar in Jllowo bei dem dortigen Grenzkommissar, in Bajohren bei dem dortigen dienstthuenden Gendarmen, im übrigen bei der nächsten Ortspolizeibehörde zu melden. Den Anordnungen der letztgenannten, insbesondere auch wegen etwaiger Zuweisung an die nächstgelegene Auswanderer-Kontrollstation des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft haben die Auswanderer Folge zu leisten. 8 8. Die allgemeinen Vorschriften über den Betrieb der Aus- Wanderer-Kontrollstationen, welche dieser Verordnung als Anhang 2 beigegeben sind, bilden einen Bestandteil derselben derart, daß ins- besondere auch die Aerzte und sonstigen bei den Kontrollstationen angestellten Personen bei Vermeidung der in 8 18 angedrohten Be- strafung gehalten sind, diese Bestimmungen in Anwendung zu bringen. Abänderungen der allgemeinen Vorschriften— Anhang 2— erfolgen im Bedürfnisfalle durch den unterzeichneten Regierungs- Präsidenten, welchem außerdem weiter die Befugnis verbleibt, den Betrieb der Stationen im einzelnen genauer zu regeln. 8 9. Die Polizeiverordnung vom 28. August 1893(Extrablatt zu Stück 38 des Regierungs-Amtsblatts pro 1893) und ebenso die aus Grund dieser Verordnung erlassene Bekanntmachung vom 12. Januar 1895(Regierungs-Amtsblatt pro 1395 S. 19) treten außer Kraft. 8 19. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 99 M., im Unvermögcnsfalle mit entsprechender Haft bestraft, sofern nicht nach den Vorschriften des Reichs-Straf- gesetzbuches eine höhere Strafe verwirkt ist. 8 11. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Königsberg, den 12. April 1897. Der Regierungspräsident. Diese Polizeiberordnung ist geeignet, nach vielen Richtungen hin das größte Befremden zu erregen. Es soll zunächst offenbar durch sie bezweckt sein, einerseits Deutschland von. einer Einwanderung mittelloser Ausländer zu bewahren, andrerseits zu verhüten, daß durch eine Zurücktransportierung aus andren Ländern zurückkehrender Auswanderer dem preußischen Staate Unkosten entstehen. Die Verordnung giebt sich ferner den Anschein, als ob sie Ein- fchleppung von epidemischen Krankheiten aus Rußland vorbeugen wolle. Man muh sich aber sagen, dah jedenfalls die in der Ver- Ordnung verfügten Mittel zur Erreichung dieses angeblichen Zweckes jedenfalls dem Kulturbewuhtsein des gesitteten Teiles des deutschen Volkes schnurstracks zuwiderlaufen müssen, andrerseits die Verfügung auf eine Wahrnehmung von privaten Interessen hinaus- läuft, die mit denen des deutschen Volkes nichts gemeinsam haben. Zunächst fällt es auf, dah in der Verordnung der Begriff des „russischen Auswanderers" nicht näher präcisiert wird und keine Merkmale angegeben werden, auf Grund deren die Grenzbehörden eine bestimmte Person zum„russischen Aus- Wanderer" stempeln und als solchen behandeln dürfen. Anscheinend sollen damit Personen gemeint sein, die für immer Ruh- land verlassen, um in einem andern Lande sich dauernd nieder- zulassen. Da dies aber in der Verordnung nicht ausdrücklich festgelegt wird, steht es im Belieben der Polizei, ausnahmslos jeden Russen, der aus Ruhland kommt, dieser Verfügung gemätz zu behandeln— und in der That sind uns Fälle bekannt, die Leuten passierten, die durchaus nicht die Absicht hatten, Ruhland dauernd zu verlassen So ist uns bekannt, dah im Winter 1991/92 ein Petersburger Arzt, der lediglich eine Reise von kurzer Dauer nach Deutschland machen wollte, um in ein paar Wochen wieder in Ruhland zurück zu sein. einer Kontrollstation zugeführt wurde, aus der er erst nach vielen Widerwärtigkeiten entlassen wurde. Im Jahre 1992 gelangte einer unsrer russischen Genossen, der soeben dem Kiewer Gefängnis ent wichen war— er hatte auch die Absicht, bald wieder nach Ruhland zurückzukehren, um dort wieder für die Bewegung thätig zu sein nach Ankunft in Deutschland sofort wieder in neue Gefangenschast— in die einer Kontrollstation— auch um dieser Gefangenschast mit heiler Haut zu entgehen, muhte er viel Geschicklichkeit und Energie entfalten. Gleichfalls vor ein paar Jahren erschien bei unserm Gewährsmann ein junger Russe, der aus Ruhland nach der Schweiz — und zwar auch nicht zum Zwecke dauernder Niederlassung— fahren wollte. Auch er wurde einer Kontrollstation zugeführt, und dort wurde ihm angeboten, eine Schiffskarte nach Amerika zu nehmen, sonst würde er nach Rußland zurückgebracht. Auf sein Befragen wurde ihm mit geteilt, daß, wenn er eine Schiffskarte dritter Klasse nehme, er unter AbsperrungSmahregeln nach Hamburg gebracht würde, kaufe er aber Schiffskarte zweiter Klasse, so könne er unbehelligt fahren, wohin er wolle. Der junge Mann kaufte sich nun das Recht der freien Be wegnng in Deutschland um den Preis einer Schiffskarte zweiter Klasse, da er aber in Amerika nichts zu suchen hatte, bemühte er sich nun in Berlin einen Wiederläufer für diese Karte zu finden. Das weitere, was bei dem Studium der Verfügung sofort aus fällt, ist, daß in ihr mir die Rede von Auswanderern nach einem außereuropäischen Lande ist und es somit unklar bleibt, wie die Auswanderer nach einem europäischen Lande behandelt werden sollen. Dürfen die russischen Auswanderer sich unbehindert von der Polizei in Deutschland selbst ansiedeln, dürfen sie unbehindert Deutschland passieren, wenn sie sich in England, in Frankreich, in der Schweiz niederlassen wollen? Soweit uns die Praxis der Grenzbehörden nach dieser Richtung hin bekannt geworden ist, ist sie eine schwankende. Es sind uns Fälle bekannt, wo Leute, die man für„russische Auswanderer" hielt und den Kontrollstationen zuführen wollte, unbehelligt blieben, sobald es ihnen gelang, die Beaniten zu überzeugen, daß sie nach Deutschland, nach England oder nach der Schweiz fahren. Andrerseits sind von uns aber schon oben Fälle genannt worden, wo Leute, die zweifellos die Absicht hatten, nur eines von diesen Ländern aufzusuchen, trotzdem aber den von der Hamburg-Amerika-Linie und vom Norddeutschen Lloyd geleiteten Kontrollstationen zugeführt werden, also als Auswanderer im Sinne der von uns abgedruckten Verordnung behandelt wurden. Das unglaublichste an der Regierungsverfügung ist aber, daß durch sie zwei großkapitalistischen Privatgesellschaften behördliche Funktionen eingeräumt werden. Ms Bedingung für die Durchlassung der Auswanderer durch Deutschland ist die Einwilligung eines VersteterS der Hamburg-, Amerika-Linie oder des Norddeutschen Lloyds festgesetzt, sie in ihre Konstollstationen aufzunehmen und dort einer ärztlichen Untersuchung zu unterwerfen. Es muß als selbstverständlich angenommen werden, daß diese beiden deutschen Reedereien Verpflichtungen gegenüber der preußischen Regierung eingegangen sind lediglich in der Voraussetzung, dadurch für sich Kunden zu gewinnen. Run sind aber zum großen Teil die armen russischen Auswanderer, die nach Ainerika fahren wollen, schon von Rußland aus mit Schiffslarten englischer Dampferlinien, die dreimal billiger sind als die deutschen, versehen. Von England bringt ein Frachtschiff einen Auswanderer für 40 Akark inklusive Verpflegung nach Amerika, während die Hamburg-Amerika-Linie und der Lloyd, wenigstens bis vor kurzem, 129 M. nahmen. Die Agenten der von der preußischen Regierung bevorzugten Reedereien suchen nun die mit englischen Schiffskarten versehenen armen Teufel zu überreden, sie könnten ja die Karten in Amerika verkaufen, jetzt sollten sie sich aber die ihnen angebotenen Karten kaufen. Und sie sind in der Lage, sie dazu zu zwingen, denn übernehmen sie sie nicht in ihre Konstoll- stationen, so muß ihnen die Durchfahrt durch Deutschland ver- weigert werden. Selbstverständlich lassen sich viele daztt bewegen, ihre letzten Ersparnisse herzugeben, um nur der so gefürchteten Rück- kehr in die heimatliche Holle zu entgehen. Wir sehen also, durch die Verfügung wird zwei grohkapitalisti- scheu Gesellschaften die Möglichkeit gegeben, sich auf Kosten der Aermsten zu bereichern. Außerdem wird aber durch sie der Willkür der Grenzbehörden Thür und Thor geöffnet. Die Ver- fügung giebt ihnen das rechtlich bisher leider unanfechtbare Recht, einen jeden, der nicht das Geld dazu hat, um sich von einer der beiden großen deutschen Reedereien auspowern zu lassen, erbarmungslos nach Rußland zurückzuschicken. So werden denn zahlreiche arnte Menschen, die sich mühselig jahrelang ein wenig zusammengespart haben, um dem Elend in der Heimat zu entgehen, von unfern Be- Horden in die alten traurigen Verhältnisse zurückgeschleudert. Und was noch schlimmer ist— viele politische und insbesondere Militär« flüchtlinge werden auf diese Weise tagaus tagein in den Rachen des msfischen Absolutismus zurückgeworfen— die Mitteilung, die wir in den letzten Tagen aus Oberschlesten brachten, bestätigt sich das. Herr v. Hammerstein hatte es allerdings im Landtag als eine Verleumdung erklärt, daß Auslieferungen von Militär- flüchtlingen nach Rußland stattfänden— aber wie will er diese Er- klärung in Einklang bringen mit der von uns veröffentlichten Ver- ordnung, auf Grund deren alle Auswanderer aus Rußland, die nicht in der Lage sind, einer der genannten deutschen Groß- recdereien ihren Tribut zu bezahlen, nach Rußland ausgewiesen werden müssen? Was den Schutz Deutschlands gegen Krankheitsgefahr durch die Maßnahmen gegen die Auswanderer betrifft, so leuchtet es ein, daß er illusorisch ist. Ist in Rußland eine Epidemie vorhanden, so müssen sämtliche Passagiere, die aus Rußland ankommen, untersucht werden, auch die Kajütenpaffagiere nach Amerika, die durch die Ver- orditung ausdrücklich von einer ärztlichen Untersuchung befreit sind, aber auch daS übrige reisende Publikum aus Rußland inklusive des Finanzministers und der Großfürsten. Ist aber keine Epidemie vorhanden, so belästige man damit die armen Leute nicht und er- leichtere man sie nicht noch um das Geld, das sie für die Desinfektion zu bezahlen haben. Alles in allem, die Rechtslage und die Praxis lasten sich zu- sammenfaffen als unwürdige Dien st e einer Clique deutscher Großkapitali st en, die auf Kosten der Aermsten bereichert werden, als unwürdige Dien st e dem russischen Zarismus, dem polittsche und Militär-Flüchtlinge in den Rachen geworfen werden, und als Ausbeutung und Bedrückung der Aermsten. Es ist daS ein Zustand, dem sobald als möglich ein Ende gemacht werden muß. Bestände die Polizeiverordnung nicht, so würden die Agenten. die unter Androhung der Auslieferung an Rußland Personen zwingen, wider ihren Willen ein bestimmtes Reiseziel zu wählen und eine be- stimmte Fahrkarte zu kaufen, sich der Nötigung schuldig machen. Ohne die Polizeiverordnnng wäre die Art deS Transports der Auswanderer — der mehr einem Viehtransport gleicht als einer Eisenbahnfahrt steier Menschen— das Verbrechen der Freiheitsberaubung. Daß derartige russische Zustände bei uns möglich werden, daran ist die nahezu unbegrenzte Allmacht deS preußischen Polizeirechts schuld, das die wichtigsten Eingriffe in die persönliche Freiheit will- kürlich regelt und ganz absolutistisch den konstitutionellen Garantien entzieht. Die Verdrängung der Polizcibefugniffe durch ein aus- gestaltetes Reichsrecht, das insbesondere auch die geradezu Vogel- freien Fremden endlich unter gesetzlich geordneten Schutz stellt, ist eine der dringendsten Aufgaben. Aber auch der Mangel gesetzlicher Regelung, die diesem Skandal Vorschub leistet, entschuldigt keineswegs die politische Verwerflichkeit des preußischen Verfahrens. Die„Zurückweisung" an die Grenze ist in Wahrheit eine Aus- liefcrung. Bliiölieserimgen aber in der Form von„LluS- werden mit Recht als schlimmste Fremden- und Völlerrecht betrachtet. Bnlow ist emsig bemüht, unter der Civilisation, dem Zarismus Es verbindet mit dieser gewaltigen Mission noch eine zweite ebenso erhabene Aufgabe. Neben dem Zaren steht gleichberechtigt— Herr Ballin. Mit den Russen- diensten verbindet sich die Forderung privater Reederinteresien. Weisungen" an die Grenze Frevel gegen daS civilisierte Das Preußen deS Grafen Verletzung der Grundsätze Kanonenfutter zu liefern. Herr Ballin hat sogar den Vorrang bor dem Zaren. Denn diejenigen Deserteure entgehen der Auslieferung an Rußland, die Fahrkarten deutscher Ainerikalinien haben. Die russischen „Schnorrer" des Grafen Biilolv, so bettelarm sie sein mögen, so mittellos sind sie doch nicht, daß man nicht aus ihnen Aallin-Profit herauszuschinden versteht._ politische debcrficbt. Berlin, den 25. August. Die preußisch-hessische Polizei-Frcimdschaft. Die denkwürdige Verfügung der hessischen Rcgiennig gegen die Gefährdung des deutschen Vaterlandes durch eine Rede unsres österreichischen Genossen Pernerstorfer liegt uns seht im Wortlaut vor, das folgendermaßen aussteht: Großherzogl. Kreisamt O f f e n b a ch(Main), J.-Nr. 3ö»87 den 24. Aug. 1S04. Betreffend: Auftreten des österreichischen Reichsrats-Abgeordneten Pernerstorfer in einer Versammlung zn Offcnbach. Der österreichische Reichstags- Abgeordnete Pernerstorfer ist, nachdem ihni durch Verfügung des königl. Polizeipräsidenten zu Frankfurt a. Rt. untersagt worden war, einen vorher angekündigten Vortrag über die Entwicklung der Socialdemokratie in Oesterreich zu halten, in der betreffenden Versammlung in Frankfurt in demonstrativer Weise aufgetreten. Er hat nach der Versainnclung einen Offenen Brief an den deutschen Reichskanzler in der Presse veröffentlicht, in dem er die Politik des Reichskanzlers und der preußischen Regierung in abfälliger Weise kritisiert hat. Bereits am Schluß der Frankfurter Versammlung war be- kannt gegeben worden, daß Pernerstorfer den angekündigten Vor- trag nach dem Amsterdamer Socialistcnkongreß in Hessen abhalten würde. Dieser Vortrag soll imnmehr Zeitungsnachrichten zufolge in einer am 28. d. M. in Offenbach im Saalbau abzuhaltenden Volks- Versammlung stattfinden. Nach der Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 23. d. M. würde das Austreten Pernerstorsers in einer Versammlung in Offenbach oder an einem andren Orte des Großherzogtums nach Lage der Verhältnisse als eine Demonstration gegen die Maßnahmen der Regierung eines vcnach- harten Bundesstaates betrachtet werden müssen, die von einem Ausländer nicht geduldet Iverden kann. Hiermit würden die Voraussetzungen gegeben sein, unter denen Pernerstorfer aus dem Gebiet des Großherzogtums aus- zuweisen ist. Wir setzen Sie von dieser Verfügung Gr. Ministeriums mit dem Anfügen in Kenntnis, daß die Ausiveisimg des Reichstags- Abgeordneten Pernerstorfer durch die Polizeibehörde in Vollzug gesetzt wird, sobald derselbe den Versuch machen sollte, die an- gekündigte oder eine andre öffentliche Versammlung zu besuchen. An Herrn Gregor Schmitt. v. Hombergk." Dieses Dokument, das in die Akten deutscher Regiernngskunst des 20. Jahrhunderts übergehen wird, leistet ja alles mögliche an Polizeivasallentum gegen Preußen. Ganz gewiß, Hessen wird seine Gendarmerie und Regimenter aufbieten können, um mit Säbel und Spieß den gefährlichen Mann über die Grenze zu schleppen. Mehr aber vermag es nicht. Das Großherzogtum besitzt ein freies Versammlungsrecht. Dort bedürfen die Versammlungen keinerlei polizeilicher Beglaubigungen. Das Gesetz selbst schützt die Versammlungsfreiheit vor polizeilichen Eingriffen. Und so wird, Ivie wir annehmen, die Offenbacher Versammlung doch stattfinden und sie wird sich nur zu einer um so gewaltigeren Demonstration gegen die deutsche Polizei-Einheit gestalten, und der„offene Brief" des einzelnen„Ausländers", dessen überlegene Wahrheiten an- scheinend recht schmerzhaft ins Herz der aufgeklärten Dunkelmänner getroffen haben, wird sich in ein offenes, sehr offenes Wort des „angestammten" Volkes selbst steigern, das man ja immer noch nicht ausweisen kann.— Frankfurt a. M., 25. August.(Telegramm.) Der Versuch der preußischen Polizciccntralc, auch auf die badische Regierung einen Druck auszuüben, Pernerstorfer in Mannhciiu nicht sprechen zu lassen, ist nicht gelungen. Die badische Regierung soll, wie die„Franks. Volksstimme" meldet, erklärt haben, daß sie keine Veranlassung habe, das Auftreten Pernerstorsers am Freitag, den 26. d. Mts., zu vcr- hindern. Kapitalistischer Terror in der Geldsacksrcpuilik. In Colorado besteht der K r i e g s z u st a n d u n v e r- ä n d e r t f o r t. Am letzten Sonnabend wurden aus Cripple Creek wieder viele Bürger deportiert, nicht etwa nur Streiker, sondern auch wohlangesehene Bürger, Leute, die Haus und Hof besitzen, Geschäftsleute, Beamte. Sie hatten sich mißliebig gemacht und galten als gefährlich, weil sie aus ihren Sympathien für die Streiker kein Hehl machten. Die arbeiterfeindliche Citucens Alliance(Bürger-Vereinigung) herrscht unbeschränkt und verfolgt wütend ihr Ziel, alle Gewerkschaftler und deren Freunde aus den einzelnen Distrikten oder, wenn möglich, aus dem Staate Colorado zu verbannen. Den an, Sonnabend Ausgewiesenen lvurde aufs schärfste ein- geprägt, daß mauste unbarmherziglynchen würde, wenn sie sich je wieder blicken ließen. Die rechtmäßig erwählten Beamten in Cripple Creek sind gewaltsam abgesetzt und eine Kommission, gebildet aus Vertretern der Citizens Alliance und Bergwerks-Besitzern. beherrscht die Lage. In Denver, der Hauptstadt von Colorado, befinden sich über hundert Oberbeamte, die ihre Familien in Cripple Creek haben, aber die Rückkehr dahin nicht wagen. Der Gouverneur schaut ruhig zu und giebt auf alle Beschwerden die Antwort, daß zuerst der Streik auf- gehoben werden müsse. Die Arbeiter im Cripple Creek-Distrikt sind meist geborene Amerikaner, welche sich diese schimpfliche Behandlung gefallen lassen müssen. Auch Präsident R o o s e v e I t. an den appelliert wurde, hat es abgelehnt, sich da einzumischen. Die Citizens Alliance, ein Unternehmerverband der neuesten Zeit, der seine Verbreitung über die ganzen Vereinigten Staaten genommen hat, ist sehr mächtig und Zweck desselben ist der rücksichtslose Kampf gegen die Gewerkschaften. Roosevelt will sich da nicht die Finger verbrennen. Das Votum der organisierten Arbeiter wird als solches nicht so sehr gefürchtet, weil dieselben politisch nicht einig sind. Wohl aber müssen die Republikaner Wert legen auf das große unabhängige, unberechenbare Votum, das durch eine Bewegung in den Arbeitermassen leicht eine bestimmte, nicht gewünschte Richtung nehmen kann. Darum ist etwas Vorsicht immerhin geboten. Roosevelt wurde von Chicago aus aufgefordert, zu Gunsten der 66 060 streikenden Schlachthausarbeiter vermittelnd einzugreifen, ähnlich wie 1S62 bei dem großen Streik der Anthracit-Kohlengräber. Roosevelt will sich aber auf nichts einlassen und erklärt, er sei Ver- trcier der ganzen Nation und nicht einer bestimmten Klasse.— Diese großen Streiks beunruhigen die Politiker sehr. Der Präsident des Nationalverbandes der Schlachthausarbeiter hat kürzlich eine Erklärung erlassen, in welcher es heißt:„Der Streik hat im Westen viel zur Aufklärung über den Socialismus beigetragen, jetzt mehr als je. Die Arbeiter, oft unbewußt Socialisten, sehen, daß sie einen Teil der großen socialistischen Bewegung bilden. Die erbärmliche Be- Handlung, welche den Arbeitern von den Großschlächtern zu teil wurde, die entsetzlichen Zustände, unter welchen Männer, Frauen � und Kinder in den Schlachthäusern arbeiten und leben müssen, haben die organisierte Arbeiterschaft überzeugt, daß die besitzende Klasse sich durchaus nicht davor scheut, die Arbeitermassen einem Schicksal, schlimmer wie Sklaverei, zu überliefern. Aus solchen Klassen- unterschieden wird eine dritte große Partei, die socialistische er- stehen."— «« * Deutfcbcs Rcicb. Saarabischcr Terror. Aus St. Johann-Saarbrücken wird uns vom 22. August ge- schrieben: Die Jagd auf Rotwild wird zur Zeit im Saarrevier mit aller Energie betrieben. Schon lange bestand der Verdacht, daß einzelne Polizisten, die zur Versammlungsüberwachung kommandiert werden, ihre Pflicht so auffassen, daß sie die i» Gcwcrkschafts- und Pnrtciversaiiimluiigen redenden Arbeiter ihrem Arbeitgeber denunzieren müßten. Anders ließen sich die vielen Maßregelungen nicht erklären. Jetzt hat dieser Verdacht so greifbare Gestalt gewonnen, daß eine Beschwerde beim kgl. Landratsamt und eine Strafanzeige wegen Verrufserklärung und Mißbrauch der Amtsgewalt gegen einen Kriminalpolizisten die Folge war. Der betreffende Kriminalschutz- mann forderte den Arbeitgeber auf» einen Arbeiter zu entlassen, weil er in Gewerkschafts- und socialdemokratischen Pnrtciversamm- lungen als Redner austrete. Der Arbeitgeber lohnte aber den Dienst des Ordnungswächters schlecht, er machte dem Arbeiter Mitteilung von der Denunziaston, und eine Strafanzeige gegen den Denunzianten war die Folge. Und dieser Fall steht durchaus nicht vereinzelt da! In Dutweiler war ein Bäckergeselle Leser der„Rheinischen Zeitung" und verschiedene Bergleute naschten auch gelegentlich von der„verbotenen Frucht". Plötzlich kamen zwei Gendarmen, ohne sich zu legitimieren, um eine Haussuchung nach„verbotenen Schriften" vorzunehmen. Sie beschlagnahmten eine Anzahl Nummern der „Rhein. Ztg." sowie mehrere wissenschaftliche Bücher. Der Bäcker- »icistcr wurde von einem Gendarmen aufgefordert, seinen socialdcnio- kratischen Gesellen zu entlassen, was der auch zu seinem Bedauern thnn mußte, da er einen Boykott scitcus der Grube zu fürchte» hatte. Auch bei mehreren Bergleuten wurde gehaussucht. Der Staatsanwalt lehnte es ab, der erstatteten Strafanzeige Folge zu geben und verwies den Antragsteller an die Militär- gerichtsbarkeit. Die uniformierte Justitia fand aber gleichfalls nichts Strafbares an der Handlung der„Gesetzeshüter". In der Osterwoche wurde ein hiesiger Genosse von zwei Schutz- leuten in C i v i l a n z u g mit einer Haussuchung überrascht. Man suchte das Krämersche Flugblatt„ S a a r- B e r g n« a n n höre". Die Polizisten legitimierten sich noch nicht einmal als Schutzleute, kehrten das Unterste zu oberst, kümmerten sich nicht um den Protest unsres Genossen und gingen schließlich, da sie das Gesuchte nicht fanden, unter Wegnahme der verschiedensten Drucksachen, Zeitungen, Flugblätter usw., ohne daß das Mitgenommene dem Eigentümer bis jeht zurückgestellt worden wäre. Weder die ein- gelegte Beschwerde, noch die erstattete Anzeige wegen Hausfriedens- brnchs hatte irgendwelchen Erfolg. Das Versammlungsrecht wird durch unberechtigte lieber- wachungen und ewig drohende Auflösungen so gut wie aufgehoben. Kurz, in Saarabien hat das Gesetz abgedankt, es herrscht der Terror, es müsse denn sein, daß für Saarabien bereits das russische Strafgesetz und die russische Strafprozeßordnung in Kraft gesetzt sind I—_ „Socialdcmokratische Agitation unter den Rekruten" lautet die aufregende Ueberschrist eines Leitarstkels der„Konservativen Korrespondenz". Die Speise- Anstalt für die Krcisblätter sollte ihr Publikum nicht durch falsche Alarmtitel in Angst und Schrecken versetzen. Oben wird das Höllenbild von der Agitation in der Kaserne angeschlagen, im Text liest man aber nur davon, daß die Social- demokratie mehr wie bisher die soeialpolitische Erziehung der Jugend, also auch ihre Aufklärung über den kulrnrverwüstenden Militarismus fördern wolle. Also nichts von Agitation unter Rekruten, die wir ja auch als unsinnig und überflüssig verwerfen. Freilich: das amtliche Junkerorgan will der Socialdemokratie ja auch verbieten, die Kinder des Proletariats im Geiste der Humanität zu erziehen. Es schwingt sich darum zu folgender Forderung auf: „In dem Bestreben, die angekündigte Bewegung unter der socialdemokratischen Jugend in Fluß zu bringen, ist jedenfalls ein folgenschweres Unternehmen zu erblicken. Es wird also darauf ankommen, dieser Bewegung von Anfang an einen Damm ent- gegenzusetzen. Insonderheit aber stellt sich die Notwendigkeit immer dringender heraus, Zuchtmaßregeln für die schulentlassene Jugend zu ergreifen." Was heißt'das? Will das die„Familie" gegen den Umsturz verteidigende Blatt etwa den proletarischen Eltern verbieten, ihre Kinder locialistisch zu erziehen? Soll etwa die schulentlassene Jugend zwangsweise aufs Land geschafft werden und dort unter der Gesinde- Ordnung dem gnädigen Herren frondcn? Oder was will man sonst, um die socialistische Erziehung der Jugend zu verhindern? „Zucht" lernt die proletarische Jugend von selbst in ihrem harten Kampf ums Dasein. Will man durchaus Zucht- maßregeln gegen die„schulentlassene Jugend", so nehme man sich zunächst liebevoll der eignen Sprößlinge an, des rohen StudententumS, der austobenden jungen Insassen kleiner und großer Garnisonen, der Arenberge der Kolonien. Da giebt es in Hülle und Fülle zu thnn!— Katholikentag. In der Tonnerstagvormittag abgehaltenen öffentlichen Versammlung legte Generaldirektor Picper-M.-Gladbach in einer Rede die Grundsätze und Leitmotive der katho- tischen Socialpolitik dar. Kanonikus Mayenberg-Luzcrn sprach über das Thema: Die Sicherheit und Weitherzigkcit(I) der katholischen Weltanschauung. Darauf hielt der Präsident Dr. Pars ch die Schlußrede, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Beschlüsse des Katholiken- tages für Kirche und Vaterland segensreich sein mögen. Der Nuntius Monsignore Caputo spendete den apostolischen Segen. Zur Schulfrage wurde am Mittwoch der folgende Antrag angenommen: „In der Erwägung, daß das Ziel der Volksschule, die Kinder zu guten Menschen, zu treuen-und zuverlässigen Gliedern der Kirche und der menschlichen Gesellschaft und zu Erben des Himmels zu erziehen, nur in der konfessionellen Volksschule voll und ganz erreicht werden kann, da nur hier der Unterricht und die er- ziehlichen Maßnahmen den genannten hohen Zielen in möglichst vollkommener Weise angepaßt werden können und nur hier der Lehrer seine ganze Persönlichkeit ohne Einschränkung und ohne Rückhalt in den Dienst der Erziehung stellen darf, in der ferneren Erwägung, daß das ganze latholische Boll Deutschlands die Simultanschnlc verurteilt und nur der konfessionellen Volksschule und deren Lehrern sein volles Vertrauen entgegenbringt und sie in ihrem Wirken zu unterstützen bereit ist, fordert die 51. General- Versammlung der Katholiken Deutschlands alle katholischen beut- schen Männer auf, gegenüber den in letzter Zeit hervortretenden Bestrebungen zur Förderung der Simultanschule überall und mit aller Entschiedenheit für die Erhaltung bczw. Einführung kon- fessioneller Volksschulen und Lehrerbildung einzutreten." Gleich ein Beweis von der oben erwähnten„Weitherzigkeit der katholischen Weltanschauung!"—_ Edelste. Hannover, 24. August.(Eig. Ber.) Das blutige Renkonter zwischen drei Berliner Herren und Schutz- leuten, das sich am 3L Mai 1904 in Hannover auf dem Theater- platze ereignete, bildete am Mittwoch Gegenstand der Verhandlung vor der ersten Strafkammer in Hannober. Als Angeklagte saßen, wie wir tele graphisch mitgeteilt, auf der Anklagebank der 34 Jahre alte Bankier Freiherr Kurt von Bodenhausen- Berlin, der Kaufmann Albert Heye aus Berlin und der Haupt- m a n n a. T. von Besser, ebendaher, der erst im Vor- jähre aus Afrika zurückkehrte. Letzterer ist noch unbestraft, Heye hat wegen Körperverletzung vom Berliner Schöffengericht einmal 66 M. Strafe bekommen. Freiherr v. Bodenhausen ist Lieutenant a. T. und zweimal vorbestraft und zwar vom Kriegs- gericht der 6. Division mit 6 Wochen Festung und vom Landgericht Berlin wegen gefährlicher Körperverletzung'mit zwei Jahren Gefängnis. Davon ist ihm ein Jahr im Gnadenwege er- lassen. Die drei Angeklagten kamen in der Nacht zum 31. Mai um 12_ Uhr aus Berlin in Hannover an. In ihrer Gesellschaft befand sich noch der O b e r l i e u t e n a n t a. D. R e i n e l t. Alle vier begaben sich in das Weinrestaurant Tipp-Topp und tranken in Gemeinschaft zweier Damen vier Flaschen Sekt. Nachts um 3 Uhr traten sie auf der Straße zu einem Parade- marsch an und damit begann der Spektakel. Vom Schutzmann zur Ruhe verwiesen, gehorchten sie einen Augenblick und fingen von neuem an zu skandalieren, worauf der Schutzmann Glockemann, der schon einmal wegen Mißbrauchs seiner Dienstwaffe disciplinarisch vorbestraft ist, am Theaterplatz die Personalien des v. Bodcnhausen feststellen wollte. Der Freiherr v. Bodenhausen gab aber dem Schutzmann einen so kräftigen Stoß, daß er vom Trottoir bis in die Mitte der Straße taumelte, v. Bodenhansen lief ihm nach, faßte ihn an die Kehle und bearbeitete den Schutzmann mit seinem Spazierstock. Glockemann bekam Hilfe von dem Schutzmann Henkel. Beide erhielten von dem Freiherrn erhebliche Prügel und Ver- letzimgen. Schließlich zogen die Schutzleute blank und hieben mit ihren Säbeln solange auf Bodenhausen ein, bis er blut- überströmt besinnungslos zusammenbrach. Nach Aussage des Oberlieutenants Reinelt haben die Schutzleute noch auf den Angeklagten v. Bodenhausen eingeschlagen, als er schon am Boden lag. Der schwerverletzte v. Bodenhausen wurde nach der Bahnhofs- wache gebracht. Auf dem Wege dorthin hat v. Bodenhausen nach Meinung der Schutzleute noch Widerstand geleistet. Hauptmann a. D. v. Besser begleitete den Transport und schimpfte aus die Polizei- beamten. Er titulierte sie mit„Bluthunde",„Henkersknechte",„tot- schlagen müßte man die Beamten" und dergleichen. Auf der Wache schimpfte v. Besser weiter, v. Bodenhausen schlug um sich und wollte sich nicht von der Polizei verbinden lassen. Auf der Wache herrschte ein fürchterlicher Radau. Der �vacht- habende Schutzmann erklärte vor Gericht, er sei 16 Jahre Schutz- mann, aber so etwas, wie von Bodenhausen und von Besser sich betragen hätten, das habe er noch nie erlebt. Als der Arzt kam, um den verwundeten Freiherrn zu verbinden, stieß letzterer den Arzt vor die Brust, daß er zurücktaumelte, und schrie ihn an, ob er Polizei- arzt oder Privatarzt sei. Da das letztere zutraf, ließ sich von Boden- hausen verbinden und auf den Rat des Arztes, er möge sich wegen der schweren Verletzung doch in ein Krankenhaus begeben, antwortete der Freiherr höflich: Lecken Sie mich im A... Der Mitangeklagte Heye hat auf der Wache den Schutzmann G- beleidigt, indem er zu ihm sagte:„Sie sind ja blödfinnig". Der verwundete v. Bodenhausen mußte sich noch in derselben Nacht in eine Privatklinik begeben. Er hatte einen wuchtigen Säbelhieb über den Kopf erhalten und erst nach einigen Wochen war er soweit wieder hergestellt, daß er in Untersuchungshast abgeführt werden konnte, aus welcher er gegen Kaution freigelassen wurde. Der Staatsanwalt hob hervor, daß die Affaire großes Auf- sehen erregt habe wegen der dabei in Frage kommenden Persönlich- leiten, der Brutalität des Hauptangeklagten und des groben Excesses wegen. Er beantragte gegen den Freiherrn v. Bodenhausen ein Iahe Gefängnis, gegen v. Besser einen und gegen Heye zwei Monate Gesängiiis, sowie gegen jeden Angeklagten wegen ruhestörcnden Lärms 36 M. Geldstrafe. Die Verteidiger bemerkten, daß nicht die von dem Staats- anwalt angeführten Ilmstände, sondern daß die Schutzleute durch den rechtswidrigen Gebrauch des Säbels ein Menschenleben gefährdeten, der Affäre zu großer Sensation verholfen habe. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu den schon gestern telegraphisch mitgeteilten Strafen: von Bodcnhausen erhielt sechs Monate Gefängnis wegen Widerstand und schwerer Körperverletzung v. Besser wegen schwerer öffentlicher Beleidigung 266 M. Geldstrafe, Heye wegen einfacher Beleidigung 46 M. Geldstrafe. Wegen ruhe- störendem Lärm wurden sämtliche Angeklagte außerdem zu je 36 M. Geldstrafe verurteilt.— Vom südwestafrikanischeu Kriegsschauplatz meldet General Trotha: H e y d e ist mit E st o r f f vereinigt und steht unter dessen Befehl. Fiedler mit Compagnie Welk und 2. Batterie bildet Militär- station Waterberg. Brockdorf unter Fiedler deckt mit 66 Mann ehemaliger Besatzung Outjos Naidaus, Winkler mit 56 Mann, 1 Geschütz wird von O t j o s o n d n nach E p u k i r o aufbrechen, sobald Spitze Deimling Otjosondu erreicht. Heydebrcck rückt mit 5. Compagnie Regiments 2 und neu auf- gestellter Artillerie auf E p u k i r o, um sich den Hcreros vorzulegen. E st o r f f folgt den Feind ö st l i ch umfassend, M ü h l e n f e l s frontal, Deimling w e st l i ch umfassend. General Trotha versucht es also mit einem neuen Umfassungsmanöver. Wenn man aber bedenkt, daß die monatelang �rbereitete Umfassung der Hereros am Waterberge mißglückt ist, so wird mau auf dies neue Einkreisungsmanöver» das plötzlich improvisi-rt und auf noch ausgedehnterem Terrain ausgeführt wird, nicht allzu große Hoffnungen setzen. Der Erfolg könnte aber möglicherweise in einigen Schlappen unsrer Truppen bestehen, wenn man wieder in den Fehler unbesonnenen Draufgängertums verfallen sollte.— Husland. Belgien. Der Amsterdamer Beschluß. Nicht allein in Frankreich, so wird uns vom 23. August aus Amsterdam geschrieben, wird der Beschluß des internationalen Kon- gresies, der für die Regeln der socialistischen Politik aller Länder die Dresdener Resolution maßgebend macht, auf die NegierungS- Politik einen unmittelbaren Einfluß ausüben. In Belgien ist die Situation ganz die gleiche, welche sich in Frankreich ergeben wird, wenn die Gruppe der 46 Jauresisten sich vom Block loslöst. In Wirklichkeit weiß man, daß trotz des Ein- greifenS der socialistischen Partei, welche den Wahlkampf stets auf dein Boden des Klassenkampfes geführt hat, der unmittelbare politische Ertrag unsrer Wahlkämp'fc der gewesen ist, daß die latholische. ultramontane Regierung sich behauptete und erneuerte, die seit 26 Jahren unser Land beherrscht, trotzdem die Majorität des Volkes antiklerikal ist. Die letzten Wahlen haben gezeigt, daß sich die katholische Partei bedeutend im Rückgang befindet und die optimistischen Führer der Partei resigniert zu befürchten scheinen, binnen vier Jahren die Majorität zu verlieren. Aber wer wird der katholischen Regierung folgen? Die liberale Partei trifft Vorbereitungen, die Nachfolgerschaft zu übernehmen, aber sie darf) nicht hoffen, daß ihr radikales und demokratisches Pro- gramm ihr mehr als 56 Sitze verschafft. Die 46 oder 41 Sitze, die sie braucht, um die Majorität der Kammer zu bilden, gehören den Socialisten. Bis zu den letzten Tagen haben alle unsre Genossen, von Vandervelde bis zu Dcstrve, den man hier zu den Jntranfigenten im Kampfe gegen die Revisionisten zählt, öffentlich erklärt, däß sie eine Regierung unterstützen würden, welche für die Einführung des allgemeinen Stimmrechts, die obligatorische Schule, die Per- Minderung der militärischen Ausgaben und für Arbeiterversicherung eintreten würde. Seitdem der Amsterdamer Beschluß bekannt geworden ist, behaupten die Katholiken und die Liberalen, dah die socialistische Taktik sich vollständig geändert habe und daß die belgischen Genossen unter Respektierung der internationalen Disciplin den Kampf gegen den Antiklerikalismus aufgeben würden. Die katholischen Blätter stünmen ein Triumphgeschrei an. Seht, sagen sie ihren Lesern, es ist bewiesen, daß die katholische Partei die einzige regierungsfähige Partei ist. Die Liberalen können nicht regieren, weil sie die Konkurrenten der Socialistcn und die Socialisten verpflichtet sind, ihnen die Unterstützung zu versagen. Die Liberalen schlagen eine andre Tonart an. Sie sagen ihren Lesen:: Die socialistische Partei ist unfähig, uns unmittelbar eine demokratische Regierung zn geben. Sie wollen uns nicht helfen, die Klerikalen zu stürzen. Wenn die Arbeiter das allgenieine Stimm- recht, die Verminderung der Militärlasten und die obligatorische Schule wollen, so müssen sie für die Liberalen stimmen! Es ist das der reine Stimmenfang. In Wirklichkeit ändert der Amsterdamer Beschluß nichts an unsrer Taktik. Selbst die Guesdisten haben das Ministerium Bourgeois gegen die Melinisten unterstützt, selbst sie werden den belgischen Genossen nicht verwehren wollen, die klerikale Reaktion im Jnteresie der politischen Reformen und der ökonomischen Vorteile zn stürzen. Im stalle eines antiklerikalen Sieges wird deshalb die socialistische Fraktion zwar nicht den Block unterstützen, wohl aber ihren Willen denjenigen Parteien diktieren, die ihrer Unterstützung bedürfen. Ein Fall, der nicht eintreten kann, ist der Eintritt in ein radikal-liberales Ministerinin. Die Partei wird� übrigens keinen Augenblick in die Lage geraten, ein solches Portefeuille zurückzuweisen, weil es wenig wahrscheinlich ist, daß man ihr es bei unsrem monarchischen Regime anbieten wird.— Italien. Die nisfische Polizei in Italien. Seit den Veröffentlichnngen des„Ntmuti" über die lichtscheue Thätigkeit der Spitzel des Zaren in Rom werden immer mehr Einzelheiten bekannt, die sowohl die italienische Regierung, als auch die des heiligen Stuhles kompromittieren. Der Sitz der russischen Polizei befindet sich in einem obskuren Gäßchen in der Nähe des Capitol. Ueber dem Eingang liest man: Verwaltung der kaiserlich- russischen Niederlassungen' des hl. Stanislaus, in Wirklichkeit befindet� sich hier das Hauptquartier der russischen Spitzelei. Der Direktor dieser geheimen Polizei ist ein beim Vatikan beglaubigter russischer Diploniat. Die römische Kurie ist bei dem schmählichen Spitzcl-Handwerk dadurch beteiligt, daß sie den Russen behilflich ist. aufsessige russisch-polnische Priester in die Hände zu liefer». Dies ist besonders hervorgetreten in dem Falle Gieshard. Dieser, ein polnischer Patriot hatte aus seiner Hemmt flüchten müssen und in einem polnischen Kloster in Rom Zuflucht gefunden. Nur mit Hilfe des italienischen Klerus war es den Russen möglich, eine Photographie Gieshards in die Hände zu bekomme» und über dessen Reise nach Rußland unterrichtet zu sein; er wurde beim Ueberschreiten der russischen Grenze von den Schergen des Zaren in Empfang genommen. Andre Russen sind durch Hilfe der italienischen Regierung an Rußland ausgeliefert worden. In einem Falle wurde den italienischen Bc- Hörden vorgespiegelt, es handele sich um einen Geisteskranken, der in seine Heimat transportiert werden müsse. Die italienischen Behörden gaben die Erlaubnis, den Unglücklichen gefesselt bisVenedig zu bringen, wo er auf einem russischen Schiffe nach Rußland weiter befördert wurde. Der betreffende war natürlich nicht geistes- krank, sondern es handelte sich um einen russischen Flüchtling.— Allen: Anscheine nach handelt es sich hier um eine im Ein- Verständnis mit der italienischen Regierung errichtete Institution auf Grund der internationalen Abmachungen zur Be- kämpfung der Anarchisten. Dies ist wenigstens zu schließen aus einer Bemerkung des Mailänder Katholikenblattes, des „Osicrvatore Catollico", welches(es soll entschuldigend für den Vatikan sein) mitteilt, daß jener merkwürdige Diplomat sofort nach Beendigung der internationalen anti-anarchistische» Konferenz nach Rom gekommen sei. Anarchisten giebt es aber in Rom nicht zu überwachen; es giebt deren dort so gut wie gar keine, auch unter den russischen Flüchtlingen nicht. Da d:e geheimen Polizisten aber für das schwere Geld, das sie beziehen, auch etwas leisten wollen, so thun sie, was in solchen Fällen alle Spitzel thun, sie erfinden Ver- schwörungen und regen selbst Verbrechen an. So sind aus den geheimen Werkstätten der„Verwaltung des hl. Stanislaus" schon sehr blut- rünstige Manifeste und Flugblätter hervorgegangen. Diese wurden an bekannte, in Rußland lebende Socialisten und Liberale versandt, gleichzeitig wurden die russischen Behörden von der Absendung in Kenntnis gesetzt und die unglücklichen Empfänger wurden verhaftet und nach Sibirien deportiert.— Bei der Wiedereröffnung des Parlaments wird die italienische Regierung über die Wirtschaft der russischen Polizeispitzel Rechenschaft ablegen müssen.— Vom oftasiatischen Kriegsschauplatz. Die Abrüstung der russischen Schiffe in Shanghai ist nunmehr auf eine Anweisung ans Petersburg endlich erfolgt, nachdem die neutralen Mächte erklärt hatten, daß sie den Japanern nichts in den Weg legen würden, wenn sie die russischen Schiffe im Hafen unschädlich machen würden. Hinzu kam noch die Drohung Japans, sich selbst das Recht zu verschaffen, wenn China noch immer nicht für die Entwaffnung der Schiffe sorge. Angesichts dieser brenzlichcn Situasion hat man denn von Petersburg aus die Abrüstung befohlen, um die invaliden Schiffe wenigstens nicht in die Hand der Japaner fallen zn lassen. Die Meldungen lauten: Shanghai, 25. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Es verlautet, daß wegen der vom Waiwupu zugestandenen vier- tägigen Fristverlängerung für den Aufenthalt der im hiesigen Hafen liegenden russischen Kriegsschiffe der japanische Gesandte in Peking seiner Regierung empfohlen habe, entscheidende Schritte zu thun. London, 25. August. Der„Times" wird aus Shanghai von gestern berichtet: Konteradmiral Reitzenstein erhielt vom Kaiser den Befehl, den Kreuzer„Askold" und den Torpedobootszerstörer „Grosovoi" abzurüsten. Jnfolzcdcffen holten die Schiffe am Abend die Flagge ein. Zum Kampf um Port Arthur meldete der Statthalter Alexe jew dem Kaiser unter dem 24. August, daß folgender Bericht des Generallieutenants Stössel aus Port Arthur vom 19. August eingegangen sei: Heute früh 4�2 Uhr begannen die Japaner den Ualowaja- Berg zu stürmen und eröffneten ein heftiges Bombarde- ment auf die Befestigungen der Nordfront und eines Teiles der Ostfront aus ihren Batterien auf den Wolfsbergen. Gegenüber Siuschina und im ganzen Thale des Lunho führen die Japaner Laufgräben a u f. Ein russischer Torpedobootszcrstörer gesunken. Tokio, 25. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Zwei nissische Torpedobootszcrstörer stießen Mittwochabend beim Eingang zum Hafen von Port Arthur auf Minen; der größere von beiden, der vier Schornsteine hatte, sank; über die Rainen der Schiffe und Verluste an Menschenleben ist nichts bekannt. Eine japanische„�reiwilligen"-Flotte. Frankfurt a. M, 25. August. Wie die„Frankfurter Zeitung" aus Tokio von gestern meldet, hat der Marineverein die Vorschläge zum Bau einer freiwilligen Flotte angenommen. Es sollen zehn Schiffe zu je SOOO Tons, deren Kosten sich auf 15 Millionen Den belaufen, gebaut werden. Jede japanische Familie soll l'/z Den dazu beitragen. England und die rnssischen Schiffsbelästigungen. London, 25. August.„Daily Mail" zufolge herrscht in den Schiffahrtskreisen der City Erregung wegen des Austauchens russischer Kreuzer in den südafrikanischen Ge- wässern. Viele englische Schiffe seien mit solchen Waren nach Japan und China unterwegs, die nach russischer Auffassung Konter- bände seien. Die Schiffseigentümer ließen die Empfänger zwar unterschreiben, daß diese Waren nur friedlichen Zwecken dienen sollten, doch werde dies nicht als ausreichender Schutz betrachtet. London, 25. August. Dem„Daily Telegraph" wird aus Kap- st a d t von gestern gemeldet: Sämtlichen Häfen der Kap- kolonie wurde verboten, russischen Kriegsfchisfen ohne vorherige Genehmigung der Regierung Kohlen zu liefern._ Hus Induftric und Handel Depression im Kohlenbergbau. Das Gepräge des internationalen Kohlenmarktes im Monat Juli zeigt eine wesentliche Verschlechterung. In allen Ländern ohne Ausnahme war nicht nur gegenüber dem Juni dieses Jahres eine Abnahme des Absatzes wahr- zunehmen. In Deutschland war die Marktlage so un- günstig, daß die Förderung im Juli gegenüber der im Vergleichs- monat des Vorjahres um beinahe 4 999 999 Tonnen zurückblicb, ohne daß dadurch das Uebcrangebot wesentlich vermindert worden wäre. Ging doch bei der bedrückten Lage des Kohlenmarktes in den andren Ländern auch die Ausfuhr um fast 59 999 Tonnen zurück. Auch Großbritannien hatte im Juli beträchtlich weniger exportiert als im Vorjahre. Es betrug nämlich der Juli-Export des Vorjahres 4 341 998, dagegen der Juli-Export dieses Jahres nur 4 191 599 Tonnen. Der innere Markt Englands läßt gleichfalls viel zu wünschen übrig. Die zum Teil ungünstige Beschäftigung der Industrie, die völlige Stille im Verkehr mit Hausbrandkohlcn verminderten die Nachfrage derart, daß in vielen Bezirken die Gruben bei viertägiger Arbeitsleistung weit mehr als den Bedarf des Konsums decken können. Im ganzen vereinigten Königreich waren während des Juli die Bergleute durchschnittlich nur an 4,79 Tagen in der Woche beschäftigt gegen 4,95 im Juni dieses Jahres und 4,84 im Juli des Vorjahres. Am stärksten hat der Be- schäftigungsgrad in den Distrikten Cumbcrland, Nordwales, Salop, Worcester und Marwick mit zusammen 27 496 Bergleuten ab- genommen. In Süd-Durham könnte die Lage des Kohlcngeschäfts kaum schlechter sein, als sie gegenwärtig ist. Die Nachfrage bleibt so sehr hinter dem Angebot zurück, daß sich die bisherigen Preise nur mit großer Mühe aufrechterhalten lassen. Die Lage des b e l- Irschen und französischen Kohlenmarktes ist ruhig. Auch in Oesterreich ist der Geschäftsgang schwach und unbefriedigend. In der ersten Hälfte des August ist insofern eine leichte Besserung wahr- nehmbar gewesen, als das Herbstgeschäft dieses Jahr schon früh- zeitiger als sonst seinen Anfang nahm. Dies hängt mit der früheren Ernte zusammen, deren Ende stets den Anfang des Herbstgeschäftes für Kohle bedeutet. Deutschlands Außenhandel vom Januar bis Ende Juli 1994. Nach dem soeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebenen Juliheft der monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel des deutschen Zollgebietes bettägt in den Monaten Januar bis Juli dieses Jahres: 1. Die Einfuhr in Tonnen zu 1999 Kilogramm: 26 641 581 gegen 26 984 239 und 23 869 231 in den gleichen Monaten der beiden Vorjahre, daher mehr 557 351 und 2 772 359. An der Einfuhr- steigerung gegen das Vorjahr sind hervorragend beteiligt: Erden, Erze usw.(F- 771576), Holz(-j- 155 544), Eisen und Eisenwaren (+ 51 794), Droguerie-, Apotheker- und Farbewaren(-ff 45 461), während die Einfuhr von Getreide, Kohlen, Materialwaren zurück- gegangen ist. 2. Die Ausfuhr in Tonnen zu 1999 Kilogramm: 21 639 898 gegen 21 522 581 und 13 895 433 in den gleichen Monaten der Vor- jähre, daher mehr 153 316 und 2 785 464. Zugenommen hat die Ausfuhr von: Kohlen(-ff 445 526), Getreide(-ff 233 515), Erden, Erze (-ff 81 927), Instrumente, Maschinen, Fahrzeuge, Droguerie- usw. Waren, während die Eisenausfuhr(um 479 629), die Material- usw. Warenausfuhr(um 166 117), die Ausfuhr von Holz(um 27 861) »achgelassen hat. An der Abnahme der Eisenansfuhr sind nament- lich Roheisen(— 145 999), Rohschienen(— 143 099), Eisenbahn- schienen(— 123 000), schmiedeeiserne Platten, Stabeisen, Brucheisen beteiligt. Ein merkwürdiger„Erfolg" der königlichen Porzellan- Manufaktur. Das bekannte Kaiserwort:„Ich kann nur Amerikaner gebrauchen" scheint die königliche Porzellan-Manufaktur in einer inehr buchstabengetreuen als sinngemäßen Anwendung auf ihren Geschäftsbetrieb übertragen zu haben. Es läßt sich von einem ganz eigenartigen Erfolge ihrer Ausstellung in St. Louis berichten. Die Abteilung der Manufaktur auf der Weltausstellung ist je in künst- lerischcr und technischer Beziehung als ein Ereignis anzusehen, und so ist- es denn auch weiter kein Wunder, wenn von allen Seiten Angebote an die Verwaltung herantreten, diesem oder jenem Hause den Alleinverkauf ihrer Erzeugnisse für die Vereinigten Staaten zu übertragen. Um der Qual der Wahl ein Ende zu machen, über- trug man dem Hause L. Strauß u. Sons in New Dork den Alleinvertrieb sämtlicher Erzeugnisse der Manufaktur. Um so größer war aber das Erstaunen, als unmittelbar nach dem Ab- schlusse des gedachten Vertrages sich ständig wiederholende feiten- lange Inserate des New Norker Warenhauses R. H. M a c y u. C o. erschienen, worin dies Warenhaus sich rühmte, den Alleinverkauf der Berliner Porzellan-Erzeugnisse für Amerika zu besitzen. Gleichzeitig tauchten aber auch Beschwerden der feinsten New Dorker Special- Geschäfte wie Fiffany, Corham u. Mauser auf, die sich bei der Ver- waltung beschwerten, daß man sie so völlig beiseite geschoben habe. Die Aufklärung für diese anscheinend so rätselhaften Vorgänge hätte die Manufaktur aber sogar in Berlin haben können, denn in jedem Exportgeschäft ist es eine bekannte Thatsache, daß die Firmen Strauß und Mach dieselben Inhaber besitzen. Mutzten erst smarte Amerikaner der Manufaktur diese Kenntnisse beibringen? Stand der Banmwollpflanzungcn in den Vereinigten Staaten ponAmrrika. Der letzte Regierungsbericht über den Stand der Baumwoll- Pflanzungen der Vereinigten Staate:: von Amerika ist noch günstiger ausgefallen, als die früheren Veröffentlichungen vermuten ließen. Für das ganze Anbaugebiet wird darin der voraussichtliche Ertrag auf 91,6 Proz. einer Nornmlernte berechnet. Dieser hohe Prozentsatz wurde bisher nur im Jahre 1894 mit 91,8 Proz. übertroffen, während 1898 um dieselbe Zeit 91.2 Proz. angegeben wurden. In den bisher besten Erntejahren für Baumwolle, 1897 und 1898, waren die Prozentsätze 86,9 und 91,2. aber in diesen beiden Jahren war die Anbaufläche um ziemlich sieben Millionen Acres kleiner als im laufenden. Da nun die entscheidende Periode im Leben der Pflanzen eintritt, werden dis nächsten Berichte aus den: Baumwollgebiete von der größten Wichtigkeit sein. Der einzige Schatten, der die Aussichten für die Ernte jetzt verdunkelt, ist die Ungewißheit über den Umfang des Schadens, welchen der Wiebelkäfer(doli veovil) in Texas angerichtet hat. Einige Berichte ließen vermuten, daß die schädigende Macht dieser Insektenplage gebrochen sei, aber in der letzten Juli- woche kamen wieder mehr pessimistische Nachrichten an, so daß eine sichere Schätzung des Verlustes noch ausgeschlossen erscheint. Wenn dieser Verlust nicht zu bedeutend ist und andre erhebliche Schädigungen nicht mehr eintreten, scheint eine Ernte von 12 Millionen Ballen wahrscheinlich zu sein.__ Ter Eisen- Außenhandel der Vereinigten Staaten von Amerika hat infolge der auf dem inländischen Markt der Union andauernden Eisenkrise seit etwa einem Jahr eine wesentlich ver- änderte Richtung eingeschlagen. Bald nach dem Ausbruch der Krise im Juni vorigen Jahres ging die Einfuhr von Eisen- und Stahl-. Produkten beträchtlich zurück, während die Ausfuhr sich mehr und mehr steigerte. Diese Zunahme des Exports hat seit Beginn des laufenden Jahres sich noch vergrößert, sodaß für die erste Hälfte des Kalenderjahres 1994 sich eine Gesamtausfuhr der nach dem Gewicht angeschriebenen Eisen- und Stahlprodukte in Höhe von fast 599 999 Tonnen crgiebt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren nur 149 364 Tonnen dieser Waren nach dem Auslande gegangen. Noch deutscher tritt die Verschiebung der Verhältnisse des amerikanischen Eisenniarktes in den Einfuhrzahlen hervor, denn es wurden im ersten Halbjahr 1994 nur 153 977 Tonnen, 1993 dagegen 839 453 Tonnen Eisen- und Stahlerzcugnissc in die Vereinigten Staaten importiert. Besonders zurückgegangen ist die Einfuhr von Roheisen, wovon 1994 nur 44 912 Tonnen gegen 452 451 Tonnen im Jahre 1993 eingingen, sowie von Halbfabrikaten der Stahlfabrikation, Knüppeln, Sturzblechen und Barren, wovon die Einfuhr von 176 231 Tonnen für 1993 auf nur 6583 Tonnen für 1994 herabsank. Da- gegen erhob sich die Ausfuhr der Billcts, Jngots Blooms usw. von 652 Tonnen für 1993 aus 172 168 Tonnen für 1994 und der Stahl- schienen von 4104 Tonnen 1993 auf 134 247 Tonnen für 1994. GexverKFeKaMicKes. Arbeiterfrcundlichkeit in der Praxis. Es giebt heute keine bürgerliche Zeitung, gleichviel welcher Parteirichtung, die nicht in der Woche ein- oder ein paarmal be- hauptet, sie und die von ihr vertretene Partei meinten es allein gut mit der Arbeiterschaft, der die Socialdemokratie alles Böse wünsche, weil sie zufriedene Arbeiter nicht brauchen könne. �Selbst die ärgsten Scharfmacher-Organe wenden sich nicht mehr gegen die„begehrlichen Arbeiter", sondern gegen die angeblich„hetzerisch" thätigen Organisationen derselben, welche die Arbeiter lediglich zu „agitatorischen Zwecken" in Streiks hineinterrorisieren. Nicht bei den Scharfmachern— bei denen ist jede Arbeiterkoalition an sich ein Verhrechen—, aber doch in der übrigen sich gern ein wenig social geberdenden Presse war es gerade der Buch- druckcr-Vcrband und seine Bestrebungen, welche den übrigen Gc- werkschaftcn gern als ein nachahmenswertes Beispiel- hingestellt wurden. Die Freundschaft ging so weit, daß Herr Rexhäuser, der Redakteur des„Correspondent", genötigt war, vor einiger Zeit das allzu stünnische Licbeswerben des freisinnigen Abgeordneten und Gewerkvereins-Agitators Karl Goldschmidt energisch zurückzuweisen; wollte die„Correspondent"-Redaktion das auf- dringliche Lob aller gleichgearteter„Buchdruckerfreunde" ebenso behandeln— der„Correspondent" mühte täglich erscheinen! In die Praxis setzt sich freilich diese Buchdruckerliebe nicht um. Ter„Correspondent" veröffentlicht in seiner neuesten Nummer> ein Vcrze:chnis derjenigen Blätter, welche in Nicht- Tarif- druckercien hergestellt werden. Es sind nur Blätter genannt, welche meh- als zehn Personen in ihrem Betriebe beschäftigen; bei den kleineren dürfte es mit dem Tarif durchweg hapern. Mit Ausnahme der verlästerten Socialdemokratie — wie der„Correspondent" ausdrücklich konstatiert— finden sich in dem Verzeichnis alle politischen Parteien Teutschlands. Die größte Anzahl der genannten Blätter sind parteilos bczw. un- bekannter Richtung; in ungefähr gleichem Maße verteilen sich dann die Tarifignoranten auf konservative, nationalliberale, Kreis- und Centrumsblätter, dann folgen an Anzahl die freisinnigen, während die übrigen bürgerlichen Parteien mindestens je ein Blatt stellen, das nicht zu tarifmäßigen Bedingungen hergestellt wird. Die freisinnige„Ostdeutsche Volkszeitung" beschäftigt neben 6 Gehilfen 15 Setzerinnen zu nichttarifmäßigen Bedingungen. Wer denkt da nicht an Eugen Richters berühmtes Wort aus dem Buchdruckerstreik:„Stellen Sie doch Mädchen ein!"— Als Lohndrücker natürlich I Der Chefredakteur dieses freisinnigen Blattes ist ein hervor- ragender Agitator für die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine I Das Centrum mit seiner Unmenge kleiner Blätter ist bei der Aufstellung unverdient günstig fortgekommen, weil dieselbe(wie schon gesagt) nur Unternehmen mit mehr als zehn Personen trifft. Die „Recklinghäuser Volkszeitung" brachte vor einiger Zeit auch eines der sattsam bekannten Loblieder auf den„Correspondent"-Redakteur Rexhäuser. Zwei Verbandsfunktionäre begaben sich nun sofort zu dem Verleger des Blattes, um ihn zur praktischen BethätigunK der von seiner Redaktion gepredigten Ansichten zu bekehren. Der Herr Verleger sagte ihnen: Der Redakteur solle solchen Blödsinn nicht aufnehmen; das ganze Centrum sowie Professor Hitze ver- ständen von dcrarttgen Sachen überhaupt nichts! Die sogenannten„christlichen" Gewerkschaften können zu andern Dingen nun auch noch rühmend die Thatsache hinzufügen, daß sie es fertiggebracht haben, mehrere Gewerkschaftsblätter zu nicht- tarifmäßigen Bedingungen in Druck zu geben. Die„Schneider- Zeitung" in München und die„Maler-Zcitung" in Köln sind neben dem evangelischen„Ostpreußischen Arbeiter-Botcn" in Königsberg die einzigen Gewerkschaftsblätter, denen man dies nachweisen konnte. Daß dazu noch eine große Anzahl Blätter religiöser Tendenz kommen, die ihre in jeder Nummer betonte Arbeiterfrcundlichkeit und die Bekäntpfung der Socialdemokratie durch Nichtbezahlung des Tarifs praktisch bethätigen, versteht sich am Rande. Die Aufstellung des„Correspondent" ist eine recht dankenS- werte Arbeit; sie zeigt auch den Buchdruckern, wo man es mit der Arbeiterfreundschaft ernst nimmt und wo dieselbe eine wohlbcrechncte Komödie ist! Berlin und Ckmgegend. Zum Streik resp. Aussperrung der Former geht uns folgender Bericht zu: Am Donnerstagabend fand eine Versammlung der an: Kampf beteiligten Gießereien statt, um zu den von den Formern vorgelegten Forderungen Stellung zu nehmen. Die Ver- sammelten wählten eine Kommission von fünf Mitgliedern, die unter dem Vorsitz des KommerzicnratS Borsig mir einer Formerkominission in Verhandlung treten soll, die auch aus fünf Mitgliedern bestehen wird, die von den streikenden und entlassenen Formern aus ihrer Mitte zu wählen sind und fünf ver« schiedcnen Gießereien angehören müssen. Die Kommission der Arbeitgeber, die nur für diesen besonderen Fall gewählt und der eine bestimmte Direktive gegeben worden, ist beauftragt, auf der Grundlage der an: Montag unterbreiteten Forderungen zu ver- handeln. Die Arbeitnehmer sind bereits verständigt worden, so daß heute(Freitag) die Verhandlungen stattfinden können. Bei beider- seitigen: Entgegenkommen ist eine Einigung zu erwarten. Nach Beilegung der Streitigkeiten ist die Wahl einer permanenten Kom- Mission ins Auge gefaßt, die vorkommende Differenzen zu schlichten hat. Mit der Aussperrung der Former beschäftigte sich gestern abend auch eine stark besuchte Versammlung der Modelltischler. Der Referent Z e r n i ck e legte ausführlich die Ursachen und den bisherigen Verlauf des Kampfes klar, und wies auf den enormen Schaden hin, den sich die Gießereibesitzer als ebenso fugsame wie machtlüsterne Mannen des Kühnemänncr-Verbandes in ihrer Kurz- sichtigkeit hierbei selbst zufügen. Er erwähnte dann ferner den gestrigen Beschlutz der Fabrikanten, die sich jetzt endlich bequemen, nicht in ihrer Eigenschaft als Kühnemänner, sondern als Gießereibesitzer mit den Streikenden und Ausgesperrten zu verhandeln. Eine andre Art der Verhandlung wäre ja auch ohne Anerkennung der Arbeiterorganisation laut Be- schlutz der Former von diesen nicht acceptiert worden. Die Modell- tischler selbst sind nur bei der Firme Arendt durch die Aus- sperrung in Mitleidenschaft gezogen worden; diese Firma gilt daher für Modelltischler als gesperrt. Ebenfalls ist die Firma Keil. Brunnenstraße, gesperrt, jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Formerstreik, sondern andrer Differenzen halber. Vom Vorsitzenden wurde dringend davor geivarnt, daß, falls die Kühnemänner ihrer alten Gepflogenheit gemäß sich in prekären Fällen schriftlich an die Modelltischler wenden, um sie zum Eintritt in eine Fabrik zu be- stimmen, sich dadurch etwa zur Annahme einer Stellung bereit finden zu lassen. Alle infolge der Formeraussperrung entlassenen Modelltischler werden als gcmatzregelt betrachtet. Achtung! Lithographen und Steindrucker. Bei Prager u. Losda, Hagelsbergerstr. 53 ist Streik'ausgebrochen. Zuzug fernhalten. Ein Streit unter den Berliner Spcditionsarbritcrn soll nach einer bürgerlichen Korrespondenz in Sicht sein. Unter den Kutschern und Arbeitern der Berliner Speditionsgeschäfte sei eine Lohnbewegung in erheblichem Umfange in die Wege geleitet worden; es sollen ganz bedeutende Mehrforderungen durchzusetzen versucht werden. Die Kutscher verlangen einen wöchentlichen Minimallohn von 24 M., die Boden- und Lagerarbeiter einen solchen von 27 M. Es hätte den Anschein, als ob versucht werden wird, die einzelnen Firmen auf dem Wege des partiellen Streiks zum Nachgeben zu zwingen, doch würden auf feiten der Arbeitgeber die gestellten Forderungen mit Entschiedenheit abgelehnt werden. Es wird hauptsächlich gegen die geforderte Erhöhung der Löhne eingewendet, daß die Erfüllung derselben den Nuin vieler Speditionsgeschäste herbeiführen würde, da dieselben in diesem Jahre besonders unter der durch die Dürre hervorgerufenen enormen Steigerung der Futterpreise zu leiden hätten und die allgemeine Lage im Frachtgewerbe auch sonst bereits eine sehr ungünstige ist. Gemeinsame Maßregeln der Firmen zur Abwehr des Streiks seien im Gange. Löhne von 24 und 27 M. scheinen uns für Berliner Verhältnisse keine derartigen zu sein, daß eine Forderung von solchen besondere Abwehrmaßregeln herausforderte. Es wäre nur zu begrüßen, wenn die Arbeiter im Speditionsgewerbc sich durch Forderung derartiger Löhne von den Trinkgeldern des Publikums unabhängig machten und namentlich auch daraus bedacht wären, die übermäßig lange Arbeitszeit, die gerade eine Gefahr für den öffentlichen Verkehr bedeutet, auf ein vernünftiges Maß herabzusetzen. Achtung! Etuisarieiter.' In Leipzig und Eilenburg in Sachsen sind die Etuisarbeiter in eine Lohnbewegung eingetreten. Wir ersuchen alle hiesigen Kollegen, jeden Zuzug nach diesen Orten streng fernzuhalten! Der Vertrauensmann: Fr. Luft. Maler. In der Küchenmöbel- Fabrik von Netzband, Anklamer- straße 33, sind Differenzen ausgebrochen und ist infolge dessen diese Wertstelle auch für Maler gesperrt. Der Zuzug ist also streng fern- -zuhalten. Zum Streit in der Leder-, Filzschuh- und Pantiffelfairik von Schweiger erhalten wir folgende Berichtigung: .In der heutigen Nummer Ihrer Zeitung bringen Sie die Nach- richt vom Verein deutscher Schuhmacher unter.Achtung, Schuh- macherl", daß sämtliche Arbeiter bei mir die Arbeit wegen ein- getretener Lohndifferenzen und Matzregelung niederlegten. Ich erkläre das für eine Unwahrheit. Der Zwicker Kurz ist wegen sehr unanständigen Betragens gegen den Werkführer und mich selbst entlassen worden und von einer Lohndifferenz war keine Rede. Erst nach der Arbeitsniederlegung wurde mir eine neue Lohnliste vor- gelegt. Ich ersuche erg.. diese Berichtigung an gleicher Stelle zu bringen. Achtungsvoll Mex. Schweiger." Zu dieser Berichtigung erhalten wir folgende Zuschrift: Es ist allerdings richtig, daß der Zwicker Kurz, vom Meister Müller heftig gereizt, diesem eine Titulatur beilegte, die nur mit einer groben Verunreinigung der Hose in Verbindung gebracht werden kann. Diese Aeußerung fiel aber in grenzenloser Er- regung und steht in keinem Verhältnis zu den Aus- drücken, die der Fabrikant. Herr Schweiger selbst, der doch sicher sehr gebildet sein will, seinen Angestellten, auch den weiblichen gegenüber gebraucht. Herr Schweiger sollte sich hüten, ein verhältnismäßig harmloses Wort, daß nicht einmal der beleidigte Meister so tragisch aufgefaßt, zum Kernpunkt des AuSstandes zu machen. Herr Schweiger will hiermit nur die durchaus berechtigten Forderungen der Ausständigen verschleiern. Wir könnten Herrn Schweiger nur raten, seinen Arbeitern und Angestellten selbst mehr in einer unter civilisierten Leuten üblichen Umgangsform zu be- gegnen, damit nicht schlechte Beispiele gute Sitten verderben. Die Ortsverwaltung der Schuhmacher Berlins. Oeutfchcs Reich. Achtung, Schuhmacher! Diejenigen Kollegen, welche gewillt sind, in Frankfurt a. O. als Zwicker in Arbeit zu treten, werden ersucht, sich vorher über die dortigen Verhältnisse beim 1. Bevollmächtigten, P. Mielsch, Bischofstr. 27, zu erkundigen. Agitationskommission des Vereins deutscher Schuhmacher. Buchbinder! Bnchbiuderei-Arb eiterinnen! In Dessau beider Firma Reinhardt stehen die Kollegen wegen Maßregelung in Kündigung. Die Werkstube ist gesperrt! Wir ersuchen Angebote nach dort strikte zurückzuweisen. Die Ortsverwaltung Berlin des deutschen Buchbinder-Verbandes. Der Streik in der Thüringer Maschinen- und Fahrrad-Fabrik Walter u. Co. dauert unverändert fort. Die Firma sucht an allen Orten Dreher, Schlosser, Justierer usw. Wir bitten daher, Zuzug nach Ivie vor streng fernzuhalten. Die Differenzen wurden hervor- gerufen durch Maßregelung der Ortsverwaltung zwecks Vernichtung der Organisation. Die von den Arbeitern beauftragte Kommission wurde von dem Betriebsletter Preußner in höhmscher Weise ab- gewiesen. Die Stimmung der Ausgesperrten ist vorzüglich. Arbeits- willige hat die Firma außer einigen Erd- und Gartenarbeitern noch nicht bekonunen. Wir bitten alle arbeiterfreundlichen Blätter um Wdruck. Die Ortsverwaltung Mühlhausen i. Th. des deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Wegen Streikvergehens standen am Mittwoch dieser Woche wieder einmal drei Berliner Maurer, darunter der Ortsvorfitzende, vor Ge- richt. Der letztere sowie ein zweiter Maurer mußten steigesprochen werden, da auch der Staatsanwalt nichts Strafbares gegen sie anzuführen wußte. Dem dritten wurde allerdings nach- gewiesen, daß er sich in: Streit mit einem Unorganisierten geprügelt und ihm ein paar Ohrfeigen gegeben hatte. Dafür erhielt er einen Monat Gefängnis. Das se, eine sehr milde Strafe, meinte der Vorsitzende, denn es habe sich bei den Ge- richten die Gepflogenheit eingebürgert, solche gemeingefährlichenJndividuen jedes m.al mit drei Monaten Gefängnis zu bestrafen. Episoden aus dem Königsberger Klassenkampfe. In Königsberg Versucht die Polizei seit einiger Zeit besonders die Streikleiter mürbe zu machen. Es regnet hageldick Strafmandate auf sie herab. So erzählte der Vorsitzende der Filiale des CentralverbandeS der Maurer, Genosse D u d d e, in einer öffentlichen Versammlung für die Frauen der Maurer, daß die Polizei gegen ihn ganz besonders schneidig vorgehe. Zu Hause habe er einen ganzen Stoß Strafmandate liegen, täglich treffen neue ein, auch werde er fast jeden Tag auf die Polizei gerufen, wo ihm neue„Vergehen" vor- gehalten werden. Wenn er auf der Straße mit einem Maurer spreche oder gar vor einen, Bau stehe, erhalte er dafür ein Strafmandat. Es ist das zwar kaum glaubhast, aber bittere Wahrheit. Der Genosse Dudde hat sich, um sich unkenntlick zu machen, schon eine Mütze gekauft. So wie es diesem Genossen geht, geht es den andern leckenden Personen ebenfalls. Doch wirken derartige Mittel auf im Klassen- kämpf erprobte Genossen nicht. Die Frauen erklärten in einer Resolution, daß sie mit ihren Männern unentwegt wester kämpfen werden, bis der Sieg errungen ist. Eine Frau rief unter dem Beifall der andern Frauen begeistert aus:„Und wenn der Kampf noch 23 Wochen dauert, wir werden und müssen aushalten, bis der Sieg unser ist!" Das ist auch gegenwärttg die Signatur des Klassenkampfes in Königsberg. Kampf bis zum Siegel Eine„Arbeitsordnung", die mittelalterlich anmutet, hat der Uickernehmervcrband des Baugewerbes an der Lahn und in der Bischofsstadt Limburg erlassen. Der Herrenstandpunkt kommt in jedem Paragraphen zum Ausdruck; zur Kennzeichnung des Ganzen genügt es aber, wenn wir zwei derselben veröffentlichen. In dem 1 heißt es:„Der Arbeitgeber behält sich das Reckt vor, den Lohn für die Arbeitnehmer nach deren Leistungen selbst zu bestimmen, bezw. während des bestehenden Arbeitsverhältnisses zu erhöhen oder zu erniedrigen." Der§ 9 hat folgenden Wortlaut:„Diejenigen Arbeiter, die an einem Streik teilnehmen, können von keinem Mitglied des Verbandes baugewerblicher Unternehmer an der Lahn und Um- gegend während des Streiks beschäftigt werden." Die Arbeiter werden hier vollständig zu willenlosen Sklaven herabgewürdigt, kein Bauarbeiter in der frommen Gegend wird sich weigern, diese Zucht- Hausordnung zu unterschreiben, denn nirgends ist auch nur der An- fang einer gewerkschaftlichen Organisatton zu erblicken. Charakteristtsch ist, daß die Macher in dem Arbeitgeber-Verband die festesten Centrumsstützen sind und dort in der Gegend eine führende Rolle im Centrum spielen. Hier in solcher zurück- gebliebenen Ecke, wo die Socialdemokratte noch keine ausschlug- gebende Rolle spielt, zeigt das Centrum sein wahres Geficht, dort tritt seine„Arbeitersteundlichkeit" grell hervor. Zum Birrbopkatt in Hamburg meldet das„Hamburger Echo": Seitens der hiesigen Brauereien, 21 an der Zahl, vertreten durch die Rechtsanwälte Dres, Schmeißer und Levy ist gegen das hiesige Gewerkschastskartell, angeblich verttete» durch die Genossen Kretschmer, Döring, Hense, Himpel, Hartwig, Hempel, eine Klage auf Schadens- ersatz in Höhe von 21 333 M. angestrengt. Nach Aufhebung des ersten Boykotts sei am 4. Juli vom Kartell ohne jede Berechtigung der Boykott von neuem verhängt worden. Durch diese Maßregel sei sämtlichen Klägern ein erheblicher Schaden zugefügt. Jeder habe einen Schaden, der den eingeklagten Betrag von 1333 M. weit übersteige, erlitten und erleide durch die vertragswidrige Austechterhaltung des Boykotts diesen Schaden weiter. D,e Kläger verlangten Ersatz dieses Schadens von sämtlichen Beklagten auf Grund des am 22. Juni geschlossenen Vertrages, welchen sämtliche Beklagte gebrochen hätten, und auf Grund§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Nach dieser Richtung hin wollten sie nur kurz bemerken, daß den sämtlichen Beklagten bekannt sei, daß der größte Teil der Wirte unter dem Druck der Boykotterklärung den Klägern gegenüber geschlossene Verträge zum Schaden der Kläger brechen müßten und nach Abficht der Beklagten brechen sollte».— Warum der Genosse Grosse nicht mit verklagt ist, obwohl er das Einigungsprotokoll vom 22. Juni doch auch mit unterzeichnet hat, ist nicht ersichtlich.— Die erste Verhandlung findet vor der Civilkammer am 8. November, 13'/« Uhr vormittags, statt. Der Streik in Marseille. Wie der Telegraph schon berichtet, ist in Marseille abermals ein Streik der Seeleute und Hafenarbeiter ausgebrochen, der die ganze Handelsschiffahrt brachlegt. Die Docks und Quais des Hafens von Marseille sind vollkommen verwaist, nirgends wird gearbeitet. Wie bei dem früheren Ausstand haben die Seeleute von den großen Reedergesellschaften die ungenügende Antwort erhalten, daß ihre Forderungen mit„Muße" geprüft werden würden. Die Antwort hat die Geduld der Arbeiter erschöpft. Die Postverbindung»ach Algerien und Tunis wird nur durch Kriegs- schiffe auftecht erhalten. Es steht zu befürchten, daß der Kampf ein langer und erbitterter sein wird. Wie dem„Mattn" aus Marseille gemeldet wird, sollen die Zuckerraffinerien und andre größere Fabriken beschlossen haben, wegen der der Industrie durch den Ausstand erwachsenen Schwierig- keilen ihre Arbeiter zu entlassen und die Werkstätten vom Montag ab zu schließen._ Riesenstreik in Amerika. Wie Londoner Blätter aus New Aork melden, haben sämt- liche Baugewerkvereine beschlossen, dem Ausstand der Bauhandwerker beizutreten. 33333 Arbeiter sind bereits ausständig, weitere 24 333 Arbeiter bereiten sich dazu vor. Infolge des Ausstandes ruhen die Bauten von 65 Schulgebäuden.— Den„Times" geht aus New Aork die Meldung zu, daß gestern die Arbeiter zweier großer Stahlgesell- schaften in Pennsylvanien in den Ausstand getreten seien. Man befürchte, daß sich der Ausstand auch auf andre Stahlwerke aus- dehnen werde._ Gcncbtö-Zeitung. Das Recht auf Frühschoppen stand bei einer Verhandlung in Frage, welche gestern die 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts II in der Berufungsinstanz beschäftigte. Der Vorsitzende des social- demokratischen Wahlvcreins Schumacher und der Gastwirt Betwell zu Reinickendorf waren wegen Verstoßes gegen§ 1 des Vereinsgesetzes angeklagt, weil sie an einem Sonntagvormittag, nach der Behauptung eines Polizeibeamten, ohne polizeiliche An- Meldung eine Versammlung abgehalten hatten, in welcher öffent- liche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Die Angeklagten hatten schon vor dem Schöffengericht behauptet, und Rechtsanwalt Dr. Broh machte es in der Berufungsinstanz abermals geltend, daß der betr. Gendarm sich im Irrtum befinde, wenn er aus der Thatfache, daß eine Anzahl von Mitgliedern des Wahlvereins an jenem Tage in dem Schanklokale an zusammengerückten Tischen bei- sammen saßen, folgerte, daß daselbst eine Versammlung abgehalten würde. In Wirklichkeit habe es sich um einen zwanglosen Früh- schoppen gehandelt, der die Mitglieder des Wahlvereins zusammen- geführt hatte und der Verteidiger behauptete, daß schließlich jeder- mann ein Recht auf Frühschoppen habe und dieses Recht auch den Angeklagten nicht verkürzt werden dürfe.— Der Gerichtshof er- hielt durch die Beweisaufnahme nicht die Ueberzeugung, daß es sich um eine Versammlung handelte und er erkannte deshalb auf Frei- fprechung. Die übermütige Anmaßung eines Automobilisten erhielt am Mittwoch von der Potsdamer Ferienstrafkammer eine gebührende Ahndung. Vor derselben hatte sich der Kaufmann Emil Schmidt aus Charlottenburg, welcher einen Automobilhandcl be- treibt� wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Freiheits- beraubung und Uebertretung der für Automobile erlassenen Vor- schriften zu verantworten. Am 28. März d. wurde die Potsdainer Polizei von Treuenbrietzen aus telephonisch benachrichtigt, daß dort ein Automobil ohne Nummerschild in rasendem Tempo durchgejagt wäre und beinah einen Polizeibeamten überfahren hätte, weshalb man auf das Gefährt beim Passieren Potsdams aufpassen niöge, um es anzuhalten und die Personalien des Führers festzustellen. Der Schutzmann Lcichtman» sah nun in der Tcltower Vorstadt das ge- kennzeichnete Automobil herankommen und gab dem Führer zu ver- stehen, daß er halten solle. Als dies nicht geschah, sprang Leicht- mann auf das Trittbrett des Automobils, um den Namen des Führers festzustellen. Man verweigerte ihm aber jede Auskunft und der Führer des Automobils setzte dasselbe darauf in die schärfste Gangart, so daß der Schutzmann nicht absteigen konnte. In rasender Geschwindigkeit wurde über die Langebrückc, durch die Schloß-, Brauer- und Berlinerstraße und wieder zum Berliner Thor hinaus gefahren, so daß der Schutzmann sich krampfhaft festhalten mußte, um nicht abzustürzen. Er rief wiederholt:„Halt! Halt!" versuchte auch die Lenkstange anzuhalten, bekam aber von dem Führer einen Stoß gegen die Brust. Dieser rief höhnisch:„Wir wollen hier nicht halten, kommen Sie mit bis vor die Stadt. Wir kommen aus der Schweiz und brauchen keine Nummer an dem Automobil." Bor dem Berliner Thor hielt das Automobil einen Augenblick an, der Schutzmann konnte absteigen und fort sauste das Fahrzeug, ohne daß die Personalien des Führers festgestellt waren. Dies gelang erst nach geraumer Zeit, nachdem der deutsche Automobilklub in Berlin sich um die Ermittlung des Uebelthäters bemüht hatte. Der An- geklagte hatte sich im Freundeskreise seiner„Heldenthaten" noch gerühmt und sein eigener Socius, mit dem er später auseinander- kam, verriet ihn darauf dem Automobilklub. Der Staatsanwalt beantragte gegen Schmidt 13 M. Geldstrafe und 4 Monate Ge- fängnis. Ter Gerichtshof verurteilte Schmidt wegen der Ueber- trctung zu 53 M. Geldstrafe event. 13 Tagen Haft und wegen Frei- heitsberaubung und Widerstands zu 3 Wochen Gefängnis. Bestrafung der Roheit an Arbeitern. Auf den E i n f l u ß d e S Alkohols war wiederum der Roheits-Akt zurückzuführen, der dem Ziegelciarbeiter Thomas N o w a ck eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung zugezogen hat. Ter Angeklagte saß am 21. Mai in Hennickendorf mit mehreren Zicgcleiarbeitcrn in der Schänkc und hatte schon erhebliche Quantitäten Bier und Schnaps zu sich genommen, ohne daß er genug zu bekommen schien. Er wandte sich deshalb an den Arbeiter Richard Thurm mit der Aufforderung, doch noch etwas zum Besten zu geben, und als dieser keine Lust zeigte, dem Ansinnen Folge zu geben, holte er aus der Tasche ein Messer hervor und versetzte dem Th. einen Stich ins Gesicht, der diesen leicht der Sehkraft auf dem einen Auge hätte berauben können. Der Stich ging oberhalb des linken Auges schräg in die Stirn und unterhalb des Auges tief in die Backe hinein und es ist als ein Wunder zu betrachten, daß bei dieser Art der Verwundung das Auge selbst nicht in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Eine breite und lange Narbe im Gesicht des Verletzten zeigt, in welcher Gefahr dieser geschwebt hat. Der Angeklagte versicherte unter Thränen, daß er nicht wisse, was er gethan, da er dem Bier und Schnaps reichlich zugesprochen gehabt habe und betrunken gewesen sei. Der Gerichtshof glaubte auch in diesem Falle, daß der Unfug, bei jeder Gelegenheit sofort zum Messer zu greifen, eine strenge Ahndung fordere. Er verurteilte den Angeklagten zu 1 Jahr Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Versammlungen. Die Fliesenleger befaßten sich am Mittwoch in einer bei Franke abgehaltenen öffentlichen Versammlung mit der Erörterung von Berufs-Mißständen und dem. Verhalten der Werkführer den Legern gegenüber. Es waren Fliesenleger aus allen drei Organisationen anwesend. Von den ebenfalls eingeladenen Werkführern war nur Herr Hörisch(Firma Rosenfeld) erschienen. Die lebhasten gegenseitigen Auseinandersetzungen, die dem Referate W e g n e r s folgten, verkörpern ihren Hauptinhalt in folgender von P u t t l i tz gestellten, einstimmig angenommenen Resolution:„Die Versammlung sieht den Hauptgrund der bestehenden Mißstände in dem für organisierte Arbeiter unwürdigen Verhalten der Kollegen selbst, in- dem sie in jeder Hinsicht den Unternehmern zu Willen sind. Die Versammlung erwartet, daß sich die Kollegen mehr wie bisher an die Arbeitsverträge halten, insbesondere in Bezug auf die Arbeitszeit und nur dann Uebcrstunden machen, wenn sie nicht umgangen werden können. Die Versammlung erwartet aber auch von den Unter- nehmern eine genaue Beachtung der Verträge, da sonst kein ge- deihliches Verhältnis zwischen Arbeitern und Unternehmern ge- schaffen werden kann. Von den Kollegen aber verlangt die Ver- sammlung, daß die jetzt so ihr Unwesen treibenden Schmarotzer unter uns in der gebührenden Weise behandelt werden und wenn möglich vor das Forum der Ocffentlichkeit gezogen werden." Mehr- fach wurde betont, daß die kritisierten Berufsmißstände im wcsent- lichen nur eine Folge der Zersplitterung der Fliesenleger in drei Organisationen seien. Im Anschluß hieran tonnte Puttlitz mit- teilen, daß demnächst eine Versammlung einberufen werde, in der den Kollegen die von der Kommission ausgearbeiteten positiven Einigungsvorschläge zur Begutachtung unterbreitet werden sollen. Man hoffe bestimmt auf eine Verschmelzung der bestehenden drei Organisationen. Zehlendorf. Am Sonntag fand im Lokal„AnglerSruh" eine imposante Volks-Versammluna statt. Gen. Dr. Südekum sprach über das Thema:„Die Aufgaben der Socialdcmokratie in den Ge- meinden." Eine Diskussion fand nach dem mit reichem Beifall auf. genommenen Referat nicht statt. Der Vorsitzende� machte hierauf noch bekannt, daß die Lokale, in welchen der„Vorwärts" nicht aus- liegt, möglichst zu meiden sind. Ferner wird es den Genossen zur strengen Pflicht gemacht, folgende Lokale überhaupt zu meiden: „Der Kaiserhof",„Rennbahn Zehlendorf, Jnh. Schwarz" und Restaurant„Wenzel". Machnowerstrahe. Nachdem noch aufgefordert war, sich der politischen Organisation anzuschließen sowie für die Verbreitung des„Vorwärts" zu sorgen, erfolgte nach einem be- geistert aufgenommenen Hoch auf die internationale völkerbefreiendc Socialdenwkratie Schluß der Versammlung. Im Wahlverein zu Adlershof hielt Genosse M. H. B a e g e einen mit großem Interesse entgegengenommenen Vortrag über:„Bibel und Babel". Dem Kassierer wurde nach dem Kassenbericht vom 3. Quartal Dccharge erteilt. Genosse T o st teilte mit, daß die kombinierte Vorstandssitzung des Wahlvereins beschlossen hat. der Generalversammlung des Central-Wahlvereins den Antrag zu unterbreiten, daß die Verschlechterung des allgemeinen Wahlrechts mit aus die Tagesordnung des Bremer Parteitages gesetzt wird. An Stelle des Genossen L ö w e n t h a l, welcher sein Mandat niedergelegt hat, wurde Genosse L a w i n zur Kreis-General- Versammlung delegiert. Da der jetzige Wirt des Vereinslokals am 1. Oktober sein Geschäft aufgicbt, hat der Vorstand beschlossen, das Domizil des Vereins bei Lau aufzuschlagen und die Bibliothek dahin zu überführen, die Mitgliederversammlungen jedoch als Wanderversammlungen abzuhalten. Es wurden sieben Genossen in den Wahlverein aufgenommen. Letzte Nachrichten und Dcpefchcn. Opfer des südwestasrikanischen Krieges. Berlin, 25. August. Amtlich wird weiter gemeldet: Gefallen ist im Gefecht am Waterberg am 11. August: Gefreiter der Linie Hermann Sieg meyer aus Hintcrweidenthal(Pfalz), ver- wundet im Gefecht am Waterberg am 11. August: Unteroffizier der Reserve Eugen Sönninghaus aus Ehlen(Bez. Cassel). Befürchtungen der Londoner Handelskammer. London, 25. August.(W. T. B.) Einer Abordnung der Londoner Handelskammer erklärte Premierminister Balfour, die Regierung habe Rußland um umgehende Auskunft über die Anwesenheit des Kreuzers„Smolensk" in den südafrikanischen Gewässern erstickt und die Antwort erhalten, daß die russische Regierung den Schiffen der Freiwilligen Flotte, welche die letzten Zwischenfälle herbeiftihrten, entsprechende Instruktionen noch nicht habe zukommen lassen können. Auf Ersuchen Rußlands habe Großbritannien zwei Kreuzern den Befehl gegeben, sogleich die„Smolensk" zu suchen und ihr die Instruktionen mitzuteilen, um die Durchsuchungen aufhören zu lassen. Paris, 25. August.(B. H.) Nachrichten über den Ausstand im französischen Kongo besagen, daß in einer Ortschaft des Bezirks von Asianga sich die Ausständischen 333 Gewehre und einer großen Menge von Patronen bemächttgt haben. Im Bezirk von Labanghi haben die Aufständischen zahlreiche Magazine geplündert und mehrere Weiße getötet. Verstärkungen wurden verlangt. Paris, 25. August.(B. H.) Die Reservisten der 9. Kompagnie des 3. Marine-JnfanteriereginientS in Paris haben gestern Abend ihrem Hauptmann den Gehorsam verweigert. Eine strenge Unter« suchung ist eingeleitet. LaS Palmas(Canarische Inseln), 25. August.(Meldung des „Reuterschen Bureaus".) Fischer berichten, sie hätten drei russische Kreuzer sauf der Höhe von Kap Juby von einem Dampfer Kohlen nehmen sehen. Perantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo., Berlin SVV. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltungSblaV »■2oo. A.?.� i Keilllge des Jörmlirts" Krliner Aldsdllllt. 2«..m. Die Parteipreffe«nd der Amsterdamer Kongreß. DaZ Urteil der deutschen Parteipresse über den Amsterdamer Kongreß ist so ziemlich übereinstimmend in der Gemlgthuung über die Annahme der Dresdener Resolution. Böllige Einmütigkeit herrscht in der Anerkennung der Sachlichkeit, mit der in Amsterdam verhandelt wurde, und ebenso einmütig ist die Freude darüber, dag wenigstens der erste Schritt zu einem Versuche der Einigung der französischen Genossen durch die Amsterdamer Einigungsresolution angebahnt ist. Es wird dabei allerdings nirgends verkannt, dag die thatsächliche Einigung wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen dürfte. Was im besonderen die. Stellungnahme zit dein Taktikbeschlusse angeht, so sind zwar die Urteile selbstverständlich vielfach nüanciert, doch geben auch diejenigen Parteiblätter, die am rülkhaltlosesien die Annahme der nur in einem Worte abgeänderten Dresdener Resolution begrüßen, der Ansicht Ausdruck, dag es noch lvirksamer gewesen iväre, wemr es gelungen wäre, volle Einnrütig- kcit etwa auf dem Boden der Resolution Adlcr-Vandcrvelde zu erzielen. Am schärfsten kommt das zum Ausdruck in einem w. unterzeichneten Artikel des„Volkswille" in Hannover, der als Ursache, weshalb diese Einigung nicht zu stände gekommen ist, folgendes angicbt: „Genosse Adler hatte eS versäumt, beizeiten sich mit den Delegierten zu verständigen, die sich in der Kommission bereits für die Dresdener Resolution ausgesprochen hatten. Jaurös aber hat der Resolution Adlcr-Vandervelde, die sich im Princip genau so scharf gegen die jauresistische Politik ausspricht wie die Dresdener Resolution, den schlimmsten Dienst erwiesen, indem er seine Bereitwilligkeit aussprach, sie zu unterschreiben. Dadurch war die Gefahr nahe gerückt, daß die Adler-Vandcrveldesche Resolution diese rückhaltlose Verurteilung der jaurösistischen Taktik, von den „guten Freunden" des Proletariats in ihr Gegenteil umgedeutet würde." Stärker kommt ein gewisses Bedauern über das Nichtzustande- kommen der Einigung auf der Resolution Adler-Vandervelde in der Frankfurter„VolkSstimme" zum Ausdruck. Im.Volksblatt für Anhalt" wird die Meinung ausgesprochen, daß der Amsterdamer Taktikbeschluß für den praktischen Verlauf der Parteibethätignng wirkungslos bleiben werde. Am stärksten weicht das Urteil deS „Volksfreund" in Karlsruhe von dem Urteil der Mehrheit der Partei- blätter ab. Sein Urteil klingt in dem Satze aus: „Der Amsterdamer Beschluß kann uns nicht gefallen; wir hoffen jedoch, daß er auch nicht schaden wird." Eine Stelle aus den Betrachtungen der„Fränkisch«» Tagespost", deren Urteil im übrigen von dem Urteil der Mehrheit der Partei- presse nicht abweicht, sei hier noch mitgeteilt. Es ist ein Urteil über Bebel als Parteiführer, worin eine Seite der internationalen Be- Ziehungen des Proletariats behandelt wird, die in der übrigen Partei- presse nicht berührt wird. Das Blatt schreibt: „Allgemeinen Beifall in der ganzen proletarischen Welt wird Bebels Schlußwort finden. Wir können uns den jugendlichen Feuer- köpf Bebels trotz seines weißen Haares in voller Wirkung nur vor- stellen, wenn seine Kanrpfesnatnr Gelegenheit zur vollen Eni- faltung findet, wir sehen in ihm nicht nur den Träger der großen Geschichte der deutschen Socialdemokratie, sondern auch eine Verkörperung des reinen Klastenkampfgcdankens. die sanften, zu Frieden und Eintracht mahnenden Töne schienen dieser Natur fremd. So mancher von uns hat das als einen Mangel dieser zur Führung der Massen bestimmten Persönlichkeit betrachtet. Der Leiter einer Partei, ihr von fast allen neidlos anerkanntes geistiges und poli- tifches Haupt muß auch die Fähigkeit der Znsaminenfassung, der Schlichtung der Gegensätze innerhalb der Partei, der Schaffung von Einigkeit und Einheitlichkeit haben. Ein Mann, der diese Fähig- keiten mit allgemein anerkannter Autorität verbindet, fehlte, seit Marx, Engels und Liebknecht uns durch den frühen Tod entriffen wurden, vollständig. Bebels Schlußrede war aber eine That in diesem Geiste. Der Beifall, der sie begleitete und der ihr folgte, läßt die Hoffnung keimen, daß August Bebel auch den letzten Rest der großen geistigen und moralischen Erbschaft, die auf ihn überging, angetreten hat. ES wäre dies hochbcdeutsam für die Einheitlichkeit, für das Ansehen und für die Kraft unfrei Bewegung." Schließlich seien noch einige Betrachtungen Victor AdlerS in der Wiener„Arbeiterzeitung" ausführlicher wiedergegeben: „Die dreitägige Diskussion in der Taktillommission, der die Mehrzahl der Kongreßmitglieder beiwohnte, die Zusammenfaffung der Streitfragen in der großen Debatte in offenem Kongreß, war nicht nur ein glänzendes Schauspiel politischer Beredsamkeit, das jedem unvergeßlich bleiben wird, der es miterleben durfte, sondern es hat in der That die Einsicht in die Mannigfaltigkeit der Dinge, Der Regensbttrger Katholikentag. RegenSburg. 24. August. sEig. Ber.) In der alten Reichs- und Bischofsstadt Regensburg findet Heuer die große klerikale Heerschau statt. Für ein paar Tage erfüllt den sonst so ruhigen Ort. der ein großes Stück deutscher Geschichte mit- erlebt hat, Äroßstadtgewimmel und rauschendes Festlebcn. Dann wird er wieder in seine stumme Melancholie versinken und von seiner Vergangenheit träumen. Römische Kolonie unter Marc Aurel, königliche Stadt des ostfränkischen Reiches, deS Herzogtums Bayerns Hauptstadt, eines der wichtigsten Handels- und Gewerbcccntren Süddeutschlands— das alles war die Stadt, ehe sie durch die Ver- legung der Handelsstraßen und vollends durch den dreißigjährigen Krieg herunterkm». Ter schattenhaftcu Rcichsversammlung, die hier anderthalb Jahrhunderte ragte. Sitz zu bieten und der Dynastie der General-Reichspostmeister von Thun« und Taxis als Residenz zu dienen, waren ihre letzten„großen" Schicksale. Die alte Kultur kündet sich noch an in den romanischen Kirchen. die das baulustige Barock zumeist entstellte, der berühmten steinernen Donau-Brücke und dem weiträumigen gothischen Dome, der an Zierlichkeit der reichen Plastik und der fnnleluden Schönheit alter GlaSfeuster weit herum alle andren übertrifft. Iii den Hallen seines Kreuzganges hat sich eine Ausstellung der deutschen Gesellschaft für christliche Kunst breit gemacht, die in seit- samem Kontrast steht zu der alten Kunst, die hier ein lebenstrotzcndeS und kunsterfülltes Zeitalter?geschaffen hat. �Die katholische Kunst von heute ist ein vollendetes Armutszeugnis. Weder Tiefe des Gefühls noch technische Meisterschaft künden hier von wirklichem Leben. Süßlichkeiten, Anpassungen, dann und wann sogar geschickte Anpassungen an überkommene Stilarten, im übrigen aller Eigenart bare Konvention treten hier zu Tage. Katholikentage sind seit langem Paraden, bei denen man den herdenmaßig herbeigeführten Massen Leute von hohem Adel, bekannte Parlamentarier, beliebte Redner zur Schau ausstellt. Würdenträger der Kirche prangen aus der großen Tribüne und geben ihren Segen. Man depeschiert au Kaiser und Papst. Fest ist alles. Demonstrationen. Umzüge, Prozessionen, Korsofahrtcn der mit allen Rcgcnbogenfarben geschmückten Studenten, Kommerse all' der mannigfachen Vereine, die immer gleichzeitig mit dem Katholikentage ihre Generalversammlungen abhalten, nehmen kein Ende. Fest- und Begrüßungsreden behcrrscken die halbe Kongreßzcit. Unvorhergesehene Zwischenfälle, leidenschaftliche Debatten, mit Spannung erwartete Abstimmungen sind hier unmöglich. Man könnte die Verhandlungen der bis ins einzelne vorbereiteten offenen und geschlossenen Sitzungen schon vor der Tagung drucken— und»ieinand würde später das. was noch dazu kommt, besonders vermissen. Die Resolutionen, die meist ohne Debatte und einstimmig angenommen_ werden, sind im Schoß« der Ausschüsse eigentlich schon völlig erledigt. Mit welchem die Einsicht in die Art, wie sich diese Dinge in den Köpfen darstellen, wesentlich gefördert. Es ist eine Debatte gewesen, die. was fast unerhört ist, die Verständigung näher gebracht hat. Das Bewußtsein der Einigkeit in allen Grundfragen wurde erhöht, zugleich aber die Erkenntnis verstärkt, daß die taktischen Fragen jedes Landes ganz verdammt koniplizierte Dinger sind, die mit Autorität zu beurteilen nur einer so genauen und intimen Kenntnis der Thatsachen zusteht, wie sie dem Außenstehenden fast un- zugänglich ist. lieber diesen psychologischen Prozeß, den wichtigsten Vorgang des Kongresses, sagen die Ziffern der Abstimmungen nur'sehr wenig aus. Allerdings erreichte die Resolution Adler-Vandervelde im Plenum die Stimmengleichheit— 21 Stimmen statt der 16 in der Kommission— weil die Engländer und Schweizer, die in der Kommission noch dagegen waren, nunmehr für sie stimmten, und sie hätte die Mehrheit erhalten, wenn eme oder die andre vom Schauplatz taktischer Schwierigkeiten ziemlich weit entfernte Nation zufällig nicht vertreten gewesen wäre. Auch ist es sehr wahr- scheinlich, daß diese Mehrheit fast zur Einstimmigkeit geworden wäre, wenn Janres sich hätte entschließen können seiner wirklichen Stellung Ausdruck zu geben und sich der Abstimmung zu enthalten, statt es vorzuziehen, dem taktischen Bedürfnis seiner Situation zu folgen und dafür zu stimmen. Aber die Ziffern sind nicht das Wesentliche, am loenigsten auf internationalen Kongressen. Wichtiger ist schon, daß die deutschen Genossen im letzten Moment, unmittelbar vor der Abstimmung und zwar im Ein- vernehmen mit dem Parti Socialisie de France sGuesde, Vaillant) die schroffe, als verletzend empfundene Form der Dresdener Re- solution milderten, statt verurteilen— coiularnner— nunmehr ablehnen— repousser— setzten. Das Entscheidende aber ist. daß die Diskusfion über das Amendement Adler- Bandervelde ermöglichte, die ganze Stufeuleiter der An- schauungen über taktische Möglichkeiten auf dem gemeinsamen Boden der Principicn zu entfalten und darzulegen: von Kautsky und Plecbanow, deren Auffasimioen weit geradliniger sind als die des Politikers Bebel, bis zu Anscele, der theoretisch noch weiter rechts steht als Jaurös praktisch. Da ergab sick» denn mit größter Klarheit, daß die Mehrheit der Jnrernationale den Weg der Jnurosisten als einen bedenklichen Irrweg ansieht, als eine Gefahr für die lvirksame Führung des Klassenkampfes. Niemand aber will diese Genossen ans- schließen oder auch nur verurteilen, sondern einstimmig wurde festgestellt, daß die Einigkeit der Partei, die Einheitlichkeit der Organi- sation eine ebenso wichtige Bedingung des proletarischen Kampfes ist Ivie die principielle Klarbeit. Gegen dieses oberste Princip wurde hüben und drüben gesündigt, darum hat man hüben wie drüben die Mahnung der EinigkeitSresolution verstanden und das Resultat waren die Erklärungen Renaudcl und Vaillant, die größte Sen- sation des Kongresses, die auch mit dem größten Jubel aufgenommen wurde. Selbstverständlich wäre es leichtfertiger SanguinismnS, zu meine», daß nunmehr die beiden streitenden Parteien im französischen Socialismus sich sofort in die Anne fallen und ihre Verschmelzung proklamieren werden. Zu viel Groll ist aufgehäuft, zu viel Schwierig- keiten der Organisation sind zu überwinden, um solche Umkehr sofort zu erwarten. Wohl aber sind nunmehr einige der Be- dingungen für die Einigkeil gegeben und das Votum der Gesamtheit der socialistischen Internationale wird nicht ohne Wirkung bleiben. Das Eis ist gebrochen, das ist das Wichtigste." partei-s>sacbrLckten. An die Delegierten zum Parteitag! Da? unterzeichnete Konntee richtet an die Delegierten zun, Parteitag die dringende Bitte, rechtzeitig ihre Anmeldung bewirken zu wollen. Das Lokalkomitce wird spätestens eine Woche vor dem Parteitag an die bis dahin angemeldeten Delegierten verschiedene Drucksachen(Festschrift, Führer durch Bremen, Programm) versenden, um die Delegierten in den Stand zu setze», sich noch vor ihrer Abreise»ach Bremen über verschiedene für sie wichtige oder interessante Thatsachen informieren zu können. Es ist dem WohnungSau-sschuß erwünscht, wenn die Delegierten über die Art der von ihnen gewünschten Logis(ungefährer Preis, ob einzeln oder mit mehreren?c.) bei ihrer Anmeldung nähere An- gaben machen, damit diese Wünsche nach Möglichkeit berücksichtigt werden können. Das Lokalkomitee. I.A.: Heinrich Schulz, Bremen, H an kenstr. 21/22. Die Parteipresse wird um Abdruck gebeten. Eifer in den Ausschüssen gearbeitet wird, nmg ein Beispiel zeigen, das sich diesmal ereignet hat. Der große Handwerksmann Nagler ans München hatte mit vielen andern eine Resolution zur Hand- werkerfrage eingebracht. Bei der Verhandlung im Ausschuß hatte sich aber niemand von den Antragstellern einzufinden die Mühe gegeben. Die zweite RegenSburger Generalversammlung der Katholiken Deutschlands— die erste fand hier 1849 statt— hatte das Glück. durch den ungeschickten Studentenstreich, den der Graf Arco- Zmneberg. geborener Reichsrat, aber noch nicht stimmberechtigt. durch seinen Absagebrief an das Lolalkomitee beging und durch die noch viel dümmeren der liberalen Presse, eine wirksame und kostenlose Reklame zu genießen. Der bayrische Adel, die Bischöfe, die Elsässer und noch einige der vielen Ingredienzien, die ein ordent- licher Katholikentag branchi. hatten die liberalen Papiere verkündet, würden nicht kommen. Aber sie kamen, sogar sehr zahlreich. Jetzt kann man schön renommieren mit den vielen Leuten von altem Adel und gut katholischer Prägung, deren Namen sorgfältig ver- öffentlicht werden, mit den französischen Abbös, die die deutsche Katholiken-Organisation studieren und damit das Rezept gewinnen wollen, Z den.'französischen Kulturkampf" siegreich zu überstehen. Die deutschen Elsässer und Lothringer sind sogar sehr zahlreich ge- kommen und alldeutsch- patriotisch sind sie auch. Und nun erst die zahlreichen Bischöfe, Erzbischöfe und sonstigen hohen Würdenträger der Kirche! Wie thöricht muß man sein, um zu glauben, wegen einer kleinen Junkerrcvolte würde die katholische Kirche auf die Eni- faltung von all' den Mitteln verzichten, die ihre Getreuen bezaubern und zusammenhalten sollen. Und derselbe Dr. Heim, der einigen viräflein und ihrem nach starken Mannen, sehnsüchtig ausschauenden liberalen Troß der Stein allen Anstoßes ist, war der populärste Mann in der schwarzen Ausstellung, Die Postkarte, die sein Bildnis trug, erreichte bald ein Agio, während die Ansichtskarten mit den erlauchten Protektoren und Gönnen, der Katholikenschau noch su lussss zu haben waren. Der Katholizismus hat es immer verstandeu, geschickt zu m- scenieren. Festlichkeiten zu arrangieren und die Sinne zu beschäftigen. Der große Aufmarsch der 8—16 000 Menschen, die er am Sonntag in Regenoburg aufmarschicren ließ mit vielen hundert Fahnen, zeugte davon, daß er diese Kunst noch nicht verlernt hat. Die rückständigen Schichten, die er im dunkelsten Bayern konmrandiert, folgen noch uubedingt seiner Leitung, die er sich in den zahlreichen Männer-, Jünglings-, Gesellen-, Arbeiter- und Bauernvereinen gesichert hat. Aber man merkte cS dieser Armee wohl an, als sie durch die engen heißen Gaffen trabte, daß kein starker innerer Impuls sie hergeführt hatte, keine warme Anteilnahme: sie folgte» der höheren Leitung. Die Altbaycrn haben ein entwickeltes Talent zum Festcfeiern, aber auch von einer freudigen Feststimmung war wenig zu merken. Dem Arbeitcrfestzuge schlössen sich Festversammlungen an, in denen den müden Leuten, die dann und wann durch die bei Rennung Zum Parteitage iu Bremen nahm der sociakdemokratische Wahl- verein zu Görlitz folgenden Antrag in der Organisationsfrage an: „Der Parteitag fordert die Parteigenossen derjenigen Wahlkreise, für Ivclche keine Agitationsbezirke gebildet sind, auf, bis zum nächsten Parteitag Agitationsverbände zu bilden oder sich bestehenden Agitations« verbänden anzuschließen. Zu einem Agitationsbezirk gehören die« jenigen Wahlkreise, welche durch den Parteivorstand für die ReichstagSwahlen zu einem Agitationsbezirk vereinigt wurden. Die Beitragshöhe der einzeliien Wahlkreise bestimmt die Wahlkreis« Konferenz. Jedoch ist von je 10 Pf. der erhobenen ordentlichen Mitgliederbeiträge 1 Pf. an die Centralkasse in Berlin abzuliefern. Außerdem sind die KreiSorganisationen verpflichtet, die Gelder, welche nicht zur Bestreitung der örtlichen Agitation und zur Dotierung eines Wahlfonds nötig sind, an die Centralkasse ab- zuliefer»." Gegen eine weitergehende Centralisation verhielt man sich ab- lehnend. Die Parteigenossen in Bremen nahmen folgenden Antrag an: Der Parteitag beschließt die Reorganisation der Parte, im Sinne der Breslauer Vorschläge. Zur gründlichen Vorbereitung einer Umarbeitung des Organisationsstatuts setzt der Parteitag eine Kommission von 25 Mitgliedern ein, die aus Angehörigen der wichtigsten Bundesstaaten und Provinzen zusa», mengeletzt ist. Diese Kommission hat spätestens drei Monate vor Stattfinden des nächst« jährigen Parteitages einen neuen Orgamsationsentwurf auszuarbeiten und den Parteigenossen zur Diskussion zu unterbreiten. Die Beschluß- fassung darüber erfolgt auf dem nächstjährigen Parteitage. Der Parteivorstand ist zu der Kommission zuzuziehen. Der illternatjollale Tilbakarbttter- Kongreß. Im Gebäude des Diamantarbeiter-Verbandes zu Amsterdam wurde am Sonntag der 6. internationale Tabakarbeiter-Kongreß er- öffnet. Durch Delegierte und durch Vertrauensleute waren die Organisationen von Belgien, England, Deutschland, Schweden, Dänemark, Holland und Luxemburg vertreten. Außerdem waren Delegierte der Zahlstellen Berlin, Hamburg und Bremen des beut- scheu Tabakarbeitcr-Verbandes anwesend. Die Tabakarbeiter» Organisation der Schweiz hatte, obwohl sie dem Internationalen Bureau angeschlossen ist, weder einen Delegierten noch einen Ver- trauensmann geschickt.— Die. Abstimmungsweise auf dem Kongreß wurde so geregelt, daß Deutschland, dessen Tabakarbeiter-Organisation IL 500 Mitglieder zählt, 6 Stimmen erhielt, England mit 2000 Mitgliedern 2 Stimmen, Dänemark mit 2750 Stimmen ebenfalls 2, Schweden mit 2000, Holland mit 1800 und Belgien mit 1750 Mit- gliedern auch je 2 Stimmen und Luxemburg mit 30 Mit- gliedern eine Stimme erhielt.— Dann gab der internationale Sekretär I u g t e r S aus Antwerpen Bericht über die seit dem Kongreß zu Paris 1900 verflossene Zeit. Es sind verschiedene Ver- suche gemacht worden, um die französische Bruderorganisation zum Anschluß an das Internationale Sekretariat zu bewegen, aber ohne Erfolg. Vom amerikanischen Cigarrenmacher-Verband waren mehrere den Anschluß betreffende Anfragen eingelaufen. Aus Schweden wurde berichtet, daß ein großer Lohnkampf zu erwarten ist. In allen Ländern herrschte im verflossenen Zeitraum eine Krisis in der Tadakindustrie. Der internationale Untcrstützungsfonds hatte 27 668 Frank Einnahmen und 10 454 Frank Ausgaben. Der Kassen- bestand betrug 24 197 Frank, wovon 22 781 Frank in der Arbeiter» genossenschaftsbank„De Werkcr" zu Antwerpen angelegt sind.— Namens der Kontrollkommission wurde mitgeteilt, daß die Ab- rechnung und Kasse in bester Ordnung befunden worden war. Be- dauert wurde, daß der Bericht so kurz war und nicht vorher den angeschlossenen Organisationen zugesandt wurde. Auch wurde der Wunsch geäußert, daß der internationale Sekretär und die Ver- trauensleute von Zeit zu Zeit in den Fachblättern Bericht über ihre Thätigkeit geben möchten, damit die Mitglieder mehr Interesse für die Sache gewinnen. I u g t e r s schob die Verantwortung für die Mängel seines Berichts den angeschlossenen Verbänden selbst zu, da sie es versäumt hätten, ihm ihre Jahresberichte zuzusenden. Sodann wurde die bisherige Wirkungsweise des Internationalen Sekretariats von Deichmann, Vertreter des deutschen Tabakarbeiter-Verbandes, scharf kritisiert. Die inter- nationale Organisaticn, erklärte er, erwecke, wie sie jetzt wirke, nur wenig Interesse in Deutschland. Sie leiste nicht viel mehr, als daß sie das deutsche Geld zur Unterstützung von Ausständen im Ausland verwende. Das sei wahrlich nicht genug. Sie müsse min- bestens dafür sorgen, daß die Länder gegenseitig von den Zuständen im Gelverbe unterrichtet würden. Die Aufgabe des Sekretärs sei eS, dafür zu sorgen, daß bekannt werde, wie es mit der Heimarbeit, mit der Frauen- und Kinderarbeit, mit der Arbeitszeit und mit der Gesundheit im Gewerbe bestellt sei. Dann könne man auf großer Namen regelmäßig einsetzende Elague der Geistlichen auf- gerüttelt werden, das Christentum als socialer Befreier der Arbeiter» schast vom Professor Hilgerainer angepriesen und vom Abgeordneten Schädler die alten Centrums-Sirenengesänge von Koalittonsrecht, Anerkennung der Berufsvereine und dergleichen gesungen wurden. Der katholische Arbeitersekretär Königsbauer suchte die Arbeiter- vereine, die doch zu gar nichts gut sind, zu empfehlen und gegen die freien Gewerkschaften, denen kein christlicher Arbeiter angehören dürfe, scharf zu machen. Der Begrüßnngsabend, der wie die Arbeiterversammlnng in der großen'6000 Personen fassenden transportablen Festhalle, die von einer Konstanzer Firma geliehen war, als» auch vielleicht einmal Socialisten beherbergen wird, sich abspielte, Ivar eine endlose Folge von Ansprachen, an denen sich auch Franzosen. Spanier, Ungarn und Italiener beteiligten. Sie alle priesen die Macht und das nachahmungSwcrte Beispiel deutsch» katholischer Herrlichkeit. Ostentativ kam von deutscher Seite zum Aug- druck, daß die deutschen Katholiken, wofür ein unvorsichtiger wohl auch„das Centrum" sagte, sich von niemand an Vaterlands- liebe übertreffen ließen— bei aller Jnternattonalität der Welt- einenden Religion.— Nur zu deutlich war die Sehnsucht, doch endlich für voll national genommen zu werden und für ganz regierungsfähig. Die Straßburger und Mctzer Delegierten bliesen in dasselbe Horn. Ebenso auffallig wurde der Scrvrlismus gegen einen hohen, höheren und höchsten Adel herausgekehrt. Der gnädigste Herr, der regierende Fürst von Thurn und Taxis, der immer noch Regensbnrg zu beherrschen scheint und so auch Protektor des Katholikentages wurde, geruhte fich am ersten Tage vertreten zu lassen, aber als er am zweiten Tage leibhaftig erschien, ohne die Versammlung eines Wortes zu würdigen, er- hob sie sich nichtsdestoweniger ihm zu Ehren. Auch tonst liebte man die Grasen und Barone an eine deutlich sichtbare Stelle zu setzen. In das Präsidium wurden neben dem Abg. Porsch, der sich einst Aussichten auf die Nachfolger- schast Windthorsts machte und eine schöne Sammlung von Orden und Ketten angelegt hatte, ein westfälischer Graf und ein bayerischer Freiherr gewählt, so weit bei dem wahllosen Entgegennehmen der längst bestimmten Personen seitens der Versammlung von einer Wahl die Rede sein kann. Kein Arbeiter war darin, wie auch in der Arbeiterversammlung so wenig wie in der am Dienstag ab- gehaltenen Generalversammlung des Volksvereins ein Arbeiter präsidierte oder zu Worte kam. Aller Segen kommt von oben. Die politischen Ergebnisse des Katholikentages waren im Ver- gleich zu dem vorherrschenden dekorativen und die vielseitige Macht des Katholizismus demonstrierenden Element herzlich unbe- deutend. Die Verhandlungen verliefen wie am Schnürchen. Nur in den sog. geschlossenen Bersammluugen wurden die von den Ausschüssen wohlpräparicrten Resolutionen schmerzlos zur Welt gebracht. Eine neue Geschäftsordnung soll»ach Anweisung des Dr. Porsch weder Grund dcS gcwonncncn Materials die Kapitalistenllasse und die Regierungen aller Länder zwingen, die notwendigen Berbesserungen zuzugestehen. Das Internationale Bureau sei jetzt nur ein Streik- fonds, während doch in der Hauptsache die Streiks durch die eigenen Geldniittel der betreffenden Organisationen bestritten werden sollten.— Der Vertrauensmann Junge aus Deutschland schloß sich der Hauptsache nach dieser Kritik an. Der internationale Sekretär I u g t e r s erklärte, er sei überzeugt, seine Pflicht gethan zu haben; er habe nur das auszuführen, was ihm durch das Bureau, bestehend aus dem Antwerpcner Organisationsvorstand, aufgetragen werde. Bruens(Holland) war mit den deutschen Delegierten darin einverstanden, daß zunächst eine tüchtige Untersuchung der Arbeitsverhältnisse notwendig sei. Tic Schuld liege aber nicht am Sekretär, sondern am Rcgleinent, das verbessert werden� müsse. Cooper(England) meinte, das, was die Deutschen vom Sekretär verlangten, sei zu viel; sonst müsse man das Gehalt des Sekretärs bedeutend erhöhen. D e i ch m a n n legte dann nochmals seine An- sichten über die Neugestaltung des Internationalen Bureaus dar. Er machte besonders auch den Vorschlag, daß nicht wie bisher ein einzelnes Land den Sekretär wählt, sondern daß der Kongreß einen gebildeten und befähigten Fachgenossen dazu ernenne. Er erklärte noch, daß seine Kritik nicht gegen Jugtcrs persönlich gerichtet sei, sondern gegen die jetzige Forin der internationalen Organisation.— Im weiteren Verlauf der Debatte, die sich auf die Sitzungen am Montag und Dienstag erstreckte, sprach sich Möller(Dänemark) für die deutschen Rcorganisationsvorschlägc aus, D a y st c r(Bcl- gicn) befürchtete, daß sie zu teuer werden würden. D e i ch m a n n brachte schließlich folgende Resolution ein: »Der Kongreß erklärt sich mit der Thätigkeit des Jnter- nationalen Sekretariats, so wie sie in dem jetzigen Reglement vor- geschrieben ist,'einverstanden und beschlieht, dem Sekretär Decharge zu erteilen, ist jedoch der Meinung, daß dem Internationalen Sekretariat für die Zukunft eine andre Aufgabe gestellt werden muß in Uebereinstimmung mit den von den deutschen Delegierten gemachten Vorschlägen und beschließt deshalb, daß die hier an- wescndcn Vertrauensmänner der verschiedenen Länder mit dem internationalen Sekretär eine Kommission bilden sollen, die den Auftrag hat, ein neues Reglement, übereinstimmend mit den Wünschen der Deutschen zu entwerfen und das Reglement dem Kongreß zur Beurteilung vorzulegen." Hierauf wurde die Sitzung vertagt. Im weiteren Verlauf der Debatte wandten sich mehrere Delegierte gegen die starke Hervorhebung der geleisteten intcr- nationalen Streikunterstützung durch die Deutschen. Der Engländer C o o p e r erinnerte an eine Zeit, wo v o n Elm nach London kam, um Unterstützung für die deutschen Kollegen zu erhalten und auch eine schöne Summe erhielt. Der Redner beschwerte sich dann da- rüber, daß unter den jetzigen Verhältnissen zugereiste Mitglieder der ausländischen Organisationen mit vollen Rechten aufgenommen werden sollen. Es kämen viele Cigarrcnmacher vom Festland nach England, aber das Unigekehrte sei sehr selten der Fall. Und in England würden große Unterstützungen gezahlt, bei Krankheit, Arbeitslosigkeit usw. bis zu 19 Pfund Sterling(380 M.) pro Mitglied und Jahr.— Der Belgier Degalter erwähnte, daß in seiner Heimat alles gethan werde, um die Kosten der Streiks aus eigenen Mitteln zu decken. In mehreren großen Städten bc- ständen örtliche Kommissionen der Fachvereine, die die Einsammlung von Unterstützungsgcldern bei Streiks� übernähmen, so hätten z. B. in Antwerpen auch die Eigarrcnarbeitcr zur Unterstützung des letzten Streiks der Diamantarbeiter wöchentlich 2ö Centimes gesteuert. Auch der Holländer E i ch e l s h e i in und der Däne Möller, namens der schwedischen Tabakarbcitcr, die er mit ver- tritt, protestieren gegen die Art, wie seitens der Deutschen über die Unterstützungen gesprochen worden war. Junge(Deutsch- land) erklärte, es sei keineswegs die Absicht der deutschen Delegation gewesen, den andren Ländern Vorwürfe zu machen. Ebenso wenig wollten sie das Internationale Bureau aus Antwerpen entfernt wissen. Aber der internationale Sekretär sei nur der Gehilfe der Antwerpener Organisation, während die Organisation nur das Recht habe, die Gelder zu kontrollieren. Die Initiative müsse von dem Sekretär selbst ausgehen.— Die Resolution D e i ch m a n n s wurde schließlich einstimmig angenommen niit der Abänderung, daß statt der Worte»den Wünschen der Deutschen"„den in der Diskussion geäußerten Wünschen entsprechend" gesetzt wurde. Von der kürzlich in Holland gegründeten anarchistischen »Fedcration von Cigarrenmachern" ist ein Gesuch um Aufnahme in die internationale Organisation eingegangen, das in einer späteren Sitzung von Abgesandten der Fcderation mündlich begründet werden soll. In der Sitzung am Mittwoch wurden zunächst die Berichte über die Zustände in den einzelnen Ländern gegeben. D c i ch m a n n berichtete ausführlich aus Deutschland. Nach der Berufs- zählung von 1895 ist die Zahl der organisationsfähigen Tabak- arbeiter hier 194 479, darunter 61686 weibliche. Im Deutschen Tabakarbeiter-Vcrband sind in 343 Filialen 18 271 Tabakarbeitcr, im Ausschusse noch im Plenum debattiert werden, da die Sacke zu kompliziert sei. Wer damit nicht zufrieden sei, könne ja nächstes Jahr eine neue einbringen. Die alten Ladenhüter marschierten wieder auf und wurden meist im Fluge erledigt. Die römische Frage, für Vis sich die deutschen Katholiken nach Ansicht der vati- konischen Blätter schon lange nicht mehr genug begeistert haben sollen, wurde in dem Sinne beschieden, daß die deutschen Katholiken die päpstliche Freiheil erst dann als verwirklicht anerkennen, wenn der Papst selbst seine Zustimmung zu einer Neuordnung gegeben hat. Mit andren Worten: Die deutschen Katholiken wollen in der Frage nicht päpstlicher als der Papst sein. Die Stellung zu Wissenschast, Schule und andren Dingen, nichlminderdie katholisch-centrumsmäßigeBehand- lung der Mittelstandsretterei ist sattsam bekannt, daß darüber keine Worte zu verlieren sind. In den öffentlichen Versammlungen aber werden Fest- und Agitqjionsreden uin die Wette mit Predigten und Vorlesungen über all das, was die guat' Sach' fördern kann, gehalten und die besten Redner dem staunenden Volke vorgeführt, den: die Unmenge Geistlicher das gehörige Zeichen zum Beifall geben. Ergebenheitsdepeschen und deren Beantwortung. Segenspendmrgen bringen Abwechselung hinein. Das Ziel der Katholikentage soll nach den Ausführungen feines Präsidenten Porsch immer noch im Einklänge mit der Tradition die Verteidigung der katholischen Kirche, der Schule und die Förderung christlicher Socialpolitik sein. Mit scholastischer Dialeklik— so Porsch— oder mit jovialer Volkstümlichkeit— so der Abgeordnete Roeren— wird immer wieder der Nachweis versucht, daß der Katholiken- tag und das Centrun« nicht identisch find. Diese Spitzfindigkeilen hätten den großen Dominikaner Albert, der ja auch in Regensburg doziert hat, reizen können, und mit beträchtlichem Aufwände von Druckerschwärze mögen auch die Liberalen sich weiterhin an ihrer Widerlegung versuchen; uns Socialisten ist es gleichgültig, ob wir die Politik des Katholikentages oder die des Ccntrums zu bekämpfen haben. Was immer für künstliche und feine Unterschiede zwischen dem Auftraggeber und dem Beauftragten— fo ist das Verhältnis zwischen beiden von katholischer Seite schon definiert worden— bestehen mögen, sie beide wollen mittels der Religion die Arbeiterklasse unter dem Schein der Klassenversöhnung im politischer, socialer und geistiger Knechtschaft erhalten, in der jedem„Stande" seine Rechte und Pflichten zugewiesen werden. Sie beide negieren den Klassenkampf, d. h. nur den Klassenkampf des Proletariats, und sind, solange sie kraft ihres erprobten Organisationstalentes und der Volks- freundlichen Grimassen die Arbeitersckichten von ihrer weltgeschickllichen Aufgabe zurückhalten können, unsre gefährlichsten Feinde. Mögen sie sich mittelalterlich oder modern gebärden, wie der jetzt 499 900 Mitglieder zählende Bolksverein für das katholische Deutsch- land, der gleichzeitig mit dem Katholikentage wieder tagte, sie sind die große Barre, die die klassenbewußte Arbeiterschaft überwinden muß Wenn der Fels der Kirche als Verteidiger der Klassen- gesellschast sich dem Anprall der großen Flut aussetzen will, so ist das seine Sache, die wir»vedcr wollen noch verhindern können. darunter 6855 weibliche, organisiert. Die Cigarrensortierer, die eine eigene Organisation hcckcn, mitgerechnet, sind 19 Proz. der Kollegen organisiert. Die Löhne variieren zwischen 5,89 M. und 49 M. pro 1999, für Formarbeit zwischen 2,79 M. und 21 M. pro 1999, während der voni Verband geforderte Minimalsatz von 8 M. in 531 Fabriken anerkannt ist. Die Arbeitszeit, in den Fabriken 8— 12 Stunden täglich, läßt sich in der Hausindustrie nicht fest- stellen, doch wurde in Bremen konstatiert, daß 18 Stunden keine Ausnahme bilden. Der Redner machte dann noch nähere Angaben über die Kassenverhältnisse des Verbandes, wies daraufhin, daß Zu- reisende ausländischer Organisationen ohne Eintrittsgeld mit vollen Rechten aufgenommen werden, aber die niedrigsten Unterstützungs- sätze erhalten, und bemerkte zum Schluß, daß die politische Be- thatigung manche Vorteile gebracht habe, die aber, nur in Fabriken geltend, für die meisten Tabakarbeitcr nur auf dem Papier ständen. Soziales. Die Renteuschinderei im Bezirke der BcrsicheriingSaiistalt Provinz Sachsen hat den Vorstand des socialdemokratischen Vereins für den Kreis Wanzlebcn veranlaßt, in einem Aufruf die Parteigenossen dieses Kreises aufzufordern, ihm bei der Sammlung aller ihnen bekannt werdenden Fälle dieser Art behilflich zu sein. ES wird versucht werdeir, in jedem einzelnen Falle die sogenannten Verzicht- leistungeir anzufechten. Leuten, die sich, zur Besinnung gekommen, beschwerdeführend an die Versicherungsanstalt gewandt haben, geht ein Schreiben zu, in dem eS, wie die Magdeburgische»Volksstimme" mitteilt, heißt: „Ihre Behauptung, daß Ihnen die Rente abgezwungen worden sei, ist unwahr. Sie haben... freiwillig Verzicht geleistet. Hätten Sie das nicht gethan, wäre Ihnen die Rente einfach ent- zogen worden."__ Unbefugtes Verlassen der Arbeit. Die Stärkerin S., die jiei der Wäschefirma Hesse nnd Nagel beschäftigt war, hatte am Sonntag nach dein Beginn der Schul- ferien ihren Knaben zu ihren Schwiegereltern nach KottbnS gebracht. Ain Montag fehlte sie in der Fabrik. Statt ihrer kam eine Ansichts- karte, auf der ihr Schwager für sie geschrieben hatte:„Da es niir nicht möglich war, mich persönlich zu entschuldigen, so teile ich Ihnen mit, daß ich mit meinem Sohn am Sonntag nach Kottbus fahren mutzte." Als Fran S. am Dienstag zur Arbeit erschien, wurde sie entlassen. Sie klagte dem- nächst beim Gewerbegericht auf Zahlung einer vierzehntägigen Lohn- entschädignng von 39 M. Sie machte geltend, daß sie in KottbnS unwohl geworden sei und deshalb nicht schon am Montag, wie be- absichtigt, hätte zurückkehren können. Auf ihren Wunsch, sie zu ent- 'chnldigen, habe ihr Schwager jene Karte an die Firma ge- ichrieben.— Namens des Gerichtshofes schlug der Vorsitzende Dr. Leo einen billigen Vergleich vor. So wie sich die Sacke hier darstelle: daß eine Ansichtskarte statt der Klägerin komme, auf der nur die Thatsache des Verreisens angegeben sei, die aber keinerlei Grund für das verspätete Zurückkommen angebe, niüsse der Gerichtshof bier ein unbefugtes Verlassen der Arbeit annehme». Aber neben den rein juristischen gingen doch eine Reihe moralischer Züge einher. Die Klägerin habe die Karte nicht selber geschrieben, habe es dem Schivager überlassen, der vielleicht ungeschickt in solchen Dingen sei und die Intentionen der Klägerin möglicheriveise nicht richtig wiedergegeben habe. Es erscheine deshalb doch zu hart, die rein juristischen Konsequenzen zu ziehen und die Klage ohne weiteres abzuweisen. Ein Vergleich aus einen halben Wochenlohn wäre dock 'ehr augebracht.— Es kam dann auch gemäß diesem Vorschlage zu einem Vergleich auf 7,50 M. Hu9 der frauenbeivegung. Weißcnscc. Am 23. d. M. fand in A l b r e ch t s h o f eine Kreis- Versammlung der socialdenlokratischen Frauen des Nieder- Bornimer Kreises statt. Genossin Kiesel sprach über die Frauenkonferenz und den Parteitag zu Bremen. Die Rcferentin besprach zunächst die Schwierigkeit der Frauenagitation, ging dann auf die verschiedenen Anträge zur Tagesordnung des Parteitages ein, betonte, daß not- wendig fei. die Schnlfrage auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen und forderte unter anderm die anwesenden Frauen zum Abonnement aus die„Gleichheit" auf. Mit dem Appell, in der Agitation nicht zu erlahmen, immer mehr und mehr für unsre Sache zu lhun, schloß die Rednerin ihre Ausführungen. Zur Frauen- Konferenz und zum Parteitag wurde Genossin Jung als Delegierte des Nieder-Baruimer Kreises gewählt, als Delegierte zur Provinzial- konferenz Genossin Wichmann. als Stellvertreter Genossin Neumami. Verrnilekres. Ein internationaler Freidcnkerkongrest findet vom 29.— 22. September d. I. in der großen Aula der Universität zu R o m statt. Bei der Eröffnungsfeier wird die italienische Regierung durch den Unterrichtsminister Orlando vertreten sein und eine große Anzahl hervorragender Gelehrter und Ethiker aus den verschiedensten Ländern wird sich außer den vielen Hunderten von Besuchern an dem Kongresse beteiligen. So werden unter andren Ernst Höckel und Bruno Wille aus Deutschland, der 77jährige berühmte Chemiker B e r t h e l o t aus Frankreich, B j ö r n s o n aus Norwegen, Hcctor Denis aus Belgien, Stanton C o i t und M a u d s l e y aus Eng- land, Salmeron aus Spanien, N o v i w e aus Rußland, Ardigo, Ferri, Lombroso, Morsclli, Sergi aus Italien kommen. Aus der reichen Tagesordnung sei angeführt „Dogma und Wissenschaft",„Trennung von Staat und Kirche", „Verweltlichnng des Unterrichts". Der internationale BnndeSvor- stand ladet nicht nur alle Freidenker ein, sondern auch alle diejenigen, welche wünschen, daß Vernunft und Bildung über Aberglauben und Unwissenheit triumphieren. Wer den Kongreß besuchen will, erhält gegen Einsendung von 3 Liren(ungefähr 2,59 M.) an den Sekretär dcS Komitees, Herrn Ingenieur Carlo Bcrlenda, Rom, Via Principe Amedeo 42, eine Teilnehmerkarte und ein Fahrscheinheft. Dieses enthält verschiedene Abschnitte, wovon der erste zur Fahrt von der italienischen Grenze bis Rom vom 19. September bis 29. September mit zweimaligem Aufenthalt unterwegs je einen Tag berechtigt. Nachdem das Heft auf dem Kongreß gestempelt Ivorden ist, kann es zu den verschiedensten Fahrten durch Italien bis zum 9. November benutzt werden. Es wird je nach der Entfernung eine Preis- ermäßigung von 40 bis 69 Proz. gewährt. Genaue Auskunft, auf Wunsch wird auch deutsch geantwortet, erteilt der Sekretär in Rom über die Fahrten, den Kongreß, Wohnungen, Pensionen, geplante dillige Ausflüge in die herrliche Umgebung Roms usw. Der Wasserstand der Weichsel ist trotz zweitägigen Landregens in dieser Woche weiter gesunken. Er steht jetzt 47 Centimetcr unter Null des Thorner Pegels. Zwischen Thorn und Warschau können nur nock vereinzelte flachgchcnde Fahrzeuge bis 60 Centi meter Tief- gang. zwischen Thorn und Danzig solche bis 70 Centimeter ver- kehren, jedoch nur mit ganz kleiner Ladung. Seit 14 Tagen haben stromauf nur 21. stromab sechs Kähne Thorn passiert. Die meisten Kahnbesitzer haben, weil sie bei kleinen Ladungen nicht auf ihre Kosten kommen, die Fahrten ganz eingestellt. Für Warschau be- stimmte, bis nach Thorn gelangte Sendungen werden meistens mit der Bahn verfrachtet. Witterungswechsel in den Bergen. Von Oberbayern, Tirol, der Schweiz und der Steiermark kommen Nachrichten über einen Plötz- lichen Witterungswechsel, der die Reisenden veranlaßt, schleunigst wieder ihre heimatlichen Gesilde aufzusuchen. AuS den verschiedenen Gegenden wird folgendes gemeldet: Berchtesgaden: Seit gestern ist hier vollsliindiger Witteruilgsuinschlag ein- getreten. Das Wetter ist regnerisch und crnpfinMich kühl. Alle BergeZgipfel sind mit Neuschnee bedeckt.— Graz: Nach Regenstürmen zeigt sich auf den Bergen SteiermarkS und Kärntens Schnee. Die Weinernte ist gefährdet.— Klagenfurt: Im Gebiete des Großglockners herrscht starker Schneefall. In ganz Kärnten ist die Temperatur aus 1 Grad Celsius gesunken. In den Thälern regnet es.— Bern: Im Oberland hat es tüchtig geschneit, bis 1299 Meter herunter. Die umliegenden Höhen zeigen eine voll- ständige Wintcrlandschaft. Auf der Kleinen Scheidegg. ob Wengen und Murren, liegt tiefer Schnee. In der Thalsohle bei anhaltendem Regen seit 36 Stunden ist die Temperatur nur 8 Grad und sinkt noch fortwährend. Die Erben eines deutschen Seemannes werden gesucht. Die Geiverkschaft der englischen Seeleute„Tlrs National Sailors and Firernens Union" in London ersucht uns, folgende Mitteilung zu veröffentlichen:„Die Eltern oder sonstigen Angehörigen des ver- storbenen Heizers Gustav A. Schubert aus Potschappel bei Dresden werden in ihrem eignen Interesse dringend ersucht, sich mit der Union schriftlich in Verbindung zu setzen. Die Adresse, an die sie sich zu wenden haben, lautet:„Eentral-Okfiee, National Sailors and Firemens Union, p. Mr. J. Havelock Wilson, Maritime Hall, West India Dock Koad, London E. C. Schubert ist 39 Jahre alt auf dem Dampfer „Albion" während der Reise nach dem Osten gestorben; seine Leiche wurde sechs Tage hinter Port Said ins Meer versenkt. Es handelt sich um die Ausbändigung des nicht ganz unbeträchtlichen Nachlasses des Verstorbenen. Die Erben können in deutscher Sprache schreiben, er- forderlich ist natürlich, daß sie sich gehörig legitimieren. Tie Cholera. Wie nach Baku gemeldet wird, nimmt die Cholera in Rcscht zu; aus Enscli werden Todesfälle berichtet, in Mcrw sind am 23. August 51 Personen erkrankt und 13 gestorben. Im südlichen Teil dcS japanische» Meeres hat am 29. August ein furchtbarer Sturm gewütet, der in Fusan in Korea 56 Häuser und 147 Schiffe zerstörte. Das Kabel Jsushima-Fusan ist unter- brachen; auch in Moji wurden viele Schiffe vernichtet. 67 Personen sind gerettet, viele wurden vermißt. Ein Millionär, der„arbeiten" wollte. Die„Brest. Ztg." schreibt: Mit Lord A n g l e s e y, dem durch seine feministischen Neigungen, ebenso wie durch seine wahnwitzige Verschwendungssucht zum Ge- sprächöstoff einer ganzen Welt gewordenen Konkursifix aus der cuglischeu Pccragc, hatte Herr M. Bobis, der Regisseur des Varietetheaters in Licbidis Etablissement, das in kurzer Zeit unter Direktor Wandelis geschickter Leitung wieder seine glanzvoll er- neuerten Räume eröffnen wird, vor mehreren Jahren in Dresden ein recht amüsantes Erlebnis, das auch Schlaglichter auf die inter- cssante Welt der Artistik wirft. Er erzählt aus seinen Auf- zeichnungcn, die er uns zur Verfügung stellt, in flotter Art folgendes: Ende Oktober 1899 ließ mich mein damaliger, inzwischen, wie man weiß, aus dem Leben gesckiicdener Direktor K., seinerzeit auch in Breslau als Bühnenleiter gut bekannt, ins Bureau beordern. Ich fand dort noch den Prokuristen eines der größten Juweliergeschäfte Dresdens und außerdem zwei Engländer, die mir als Baronct Paget, Marquis of Anglesey, und dessen Sekretär Mr. Groser vorgestellt wurden. Beide Herren waren bekannte Besucher des Varietes, denn sie hatten die Gewohnheit, für zwei Plätze stets die ganze Orchester- löge zu bezahlen. Der Zweck der Unterhaltung war die Erklärung, His Lorclship wolle zur Bühne und ausübender Varieteartist werden. Das war neu: ein Mensch, der angeblich ein Vermögen von 69 Mill. M. besitzen sollte, in eigener Equipage fuhr, eine große Villa allein für sich gemietet hatte, wollte zum Variete und Geld verdienen, denn, so meinte der edle Lord, er möchte wissen, wie es sei, wenn man selbst„verdientes" Geld verbraucht. Das wollte der Lord durch Vorführung einer Kaleidoskop- Nummer erreichen, durch welche ein durch eine Projcktionslampe auf weiße Seide in vergrößertem Maße geworfenes, in verschiedenen Farben gemaltes Ornament oder Bild einige Sekunden lang festgehalten wird. Der Aristokrat gab sich auch selbst einen später in einer Oper verwendeten chinesischen Artistcnnamcn: San Toi. Der Direktor ließ— selbstverständlich auf Kosten des Marquis— alles nötige anschaffen. Ganz billig war die Sache nicht. An 1599 M. kostcta der Stoff zum Verdunkeln der Bühne, ein eigenes Postament mußte gebaut werden, dahinter mit einem Kopfhalter, wie bei einem Photographen, da der Lord den Kops nie ruhig halten konnte und, zum Schlüsse mußten in Berlin bei Hagedorn die nötigen Glasplatten persönlich besorgt werden. Run kamen die Proben. Ein bekanntes Seidcnhaus auf der Pragerstraße lieferte um nahezu 3999 M. Kostüme, und nach ziemlich einer Woche war der Lord auch glücklich oweit, daß er wußte, was er mit den Händen machen sollte. Denn er hatte bloß rubig zu stehen und die Arme offen zu halten oder nach Bedarf zu schließen. Anfang Dezember trat der Lord öffentlich vor das erstaunte Publikum und bekam zu seinem Debüt drei große Blumenkörbe für seine grandiosen Leistungen. Sein Sekretär kaufte täglich für 69 M. Billetts, und verschenkte sie großmütig an die Bekannten des Lords. Trotzdem wurde öfters gezischt, denn einen jungen Menschen auf der Bühne sehen, der nichts weiter that, als die Arme auszubreiten und sich Bilder auf den hochadligen Leib pro- jekticrcn zu lassen, erschien dem Publikum doch zu stupid. Es bildete sich also bald eine ganz kräftig einsetzende Opvosition. Jedenfalls bekam der Mann Gage, wenn auch nur zum Schein, denn er liesi mehr im Hause, als er hinaustrug. Nachdem er an 15 Tagen Künsilcrruhm in ausreichenden Quantitäten geerntet, ließ er den ganzen Kram hübsch verpacken, in seine Villa sihaffen, und nahm seine„Nummer" bei seiner Abreise»ach England mit. Ob er auch im Vereinigten Königreiche das Publikum mit seinen Darbietungen 'o ergötzt hat, wie in Dresden, ist nicht bekannt, jedenfalls war es eine ganz nette Idee, auf so harmlose Weise in etwa sechs Wochen an 19 999 M. loszuwerden. Dynamitanschlag gegen eine amerikanische Stadt. Ein Anschlag gemeinster Art fand laut einer Nachricht des„Daily Telegraph" aus New Dork am Dienstag in Amerika statt. Es wurde dort der Ver- such gemacht, die gewaltige Wasserkunst der Stadt St. Mary in Ohio mit Dynamit zu sprengen. Wäre der Damm des Beckens zerrissen worden, so wäre eine Ueberschwemmung der Stadt und ein großer Verlust an Menschenleben unvermeidlick gewesen. Das Becken ist eines der größten der Welt, und die Stadl liegt unmittelbar an 'einem Fuße. Bluthunde sind auf die Spur der Verbrecher gehetzt, und diese werden wahrscheinlich kaum der Lynchjustiz entgehen, wenn man ihrer habhaft wird. Durch die Explosion wurde das Steinioerk des Dammes beschädigt, aber dieser hielt trotzdem stand. Viele Häuser wurden stark mitgenommen und verschiedene Personen durch die Erschütterung betäubt. Waldbrand ans Korsika. Ajaccio. 25. August.(W. T. V.) Seit gestern wütet an der Ostkiiste von Korsika ein gewaltiger Brand. durch welchen bereits ein großer Teil der Waldungen vernichtet ist. Der Bahnverkehr ist unterbrochen. Der Bahnhof in Bravone ist niedergebrannt. Die Bevölkerung sucht, unterstützt von Militär, des Feuers Herr zu werden. Dampfer- Zusammenstoß. Der Dampfer„Ouieto" ist im Frei- Hafen von Trieft mit einen, Küstenfahrer zusammengestoßen. Der letztere sank, die Mannschaft konnte gerettet werden. Wettersturz. In ganz Serbien. Bosnien, der Herzegowina und Montenegro ist ein großer Temperatursturz eingetreten. Das Thermo- nieter ist auf 2 Grad herabgesunken. In verschiedenen Gegenden Schnee. Sturm im Schwarzen Meer. Aus Scbastopol wird berichtet: Mittwoch wütete hier ein heftiger Sturm, der viele Be,chadigungen anrichtete. Zahlreiche Schisse aus dem Meere imd verunglückt. Tonrisien-Unfall. Ampezzo, 25. August. Ein Berliner Tourist Namens Arthur Reich stürzte ,n Tosana ab und wurde Schwer verletzt von seinen Begleitern ins Thal gebracht, BSaficrstand am 24. N.iqust. Elb- be!«lussig- o.gg Meter, bei Dresden— 0,2? Meier, bei Magdeburg— O.OS Meter.— Unstrut bei Straukilirt q- 0 00 Meier.-Oder bei Ratibor-I- l.eo Meter, bei Breslau Ober.Pcgcl+ 4,16 Meter, bei Breslau Unter- Pegel— 1.90 Meter, bei Frauljurl— Meier.— Weichsel bei Brahein linde— Meter.— W a r t h e bei Posen- 0.2S Meter.- N e tz e bei Usch— Meter. Sur den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnblitnm gegenüber keinerlei Verantwortung. Hbcatcr. sich Freitag, den 26. August. Anfang VI, Uhr: Opernhans. Zar und Zimmermann. Nenes königl. Opern- Theater. Die Geisha, oder: Eine japanische Thechausgeschichte Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner« Theater.) Geschlossen. Schiller X.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Martha, oder: Der Markt zu Richmond. KOesten. Mamzclle Nitouche. Berliner. Zapjcnstreich. Nenes. Einen Jux will er machen. Residenz. Die 300 Tage. Kleines. Eleltra. Carl Weist. Wiedergefunden. Trinnon. Die Notbrücke. Metropol. Ein tolles Jahr. Belle-Alliance. Eharleys Tante.l Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten. Herrnseld-Theater. Nureine Nacht. Am andern Morgen. Stadt-TheatcrMoabit. Der reiche Pustekohl. Wintergarten. Spccialitätcn. Reichshallcn. Stettiner Sänger. Passoge-Theater. La belle Georgette. Specialitäten. Ansang S Uhr. Urania. Taubenftraste Im Theater: Die Insel Rügen. Juvalidenstraste 57/62. Sternwarte. Täglich geösjnet von 7 bis 11 Uhr._ Neues Theater. Schisfb auerdamm 4a— 5. Gilten Jux will er sieb maehen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Salome. Logik des Hertens. Kleines Theater. Unter den Linden 44. EIvMns. Ansang 8 Uhr. Morgen: Des Pastors Belle-Älliance-Theater. Heute bis sonnlag abend 8 Uhr: Charleys Taute. Guido Thielscher in der Titelrolle. Im 3. Akt voräns Bradzky mit neuen Chansons von OSkar Strauß. Im Sommergartcn, Ansang 6 Uhr: Grobes Max Schmidt-Konzert und glänzende Specialitäten- Vorstellung. tf. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Die 300 Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gevault u. Robert Charwev. Deutsch v. A.Halm. Herr Richard Alexander in der _ Hauptrolle._ Trianon-Theater. Eeorgenslrakc zwischen Friedrich- und Universitätsstrasje. Die Notbrücke. Lustspiel in 3 Akten von Fred Gresac und Francis de Croissct. »U- Ansang 8 Uhr.~VQI Apollo-Theater. 8 Uhr: Venus auf Erden. 0pr" faul fiineke. O'l, Uhr: Die phänomenalen Attraktionen des groben iupst-Prograitinis und Roh. Steid! mit nexien Schlagern. Metropol-Theater Josef Giampietro a. D. VMUMIWK inton Griinleld. Frid Frid. Der geübte Erfolg dieses Jahres Gr. dramatisch-satirische Kevue in 5 Bildern Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Reiclishallen-Tliealer. Täglich: Stellte SM Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Snsei Rügen. Sternwarte Das Bärcnweib, lebend. Der tbjährige Riesenknabe Der lange Josef 217 ctm gross._ Nada und Mnemos, sWZs Gedankenleser. Derljelchenfnnd. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. □ CASTANS lANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Das grösste Ehepaar der Welt die grösste Sehenswürdigkeit des 20. Jahrhunderts. Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- Doppel-Konieri. Eintritt 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. In der Arena: Der 8ee-Elefant. Eintritt vom Garten 20 Ps., von der Sttatze 30 Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hälslc. eirkus Sarralani. GrUsster und closanie.tev Zclt-Cirkns Europas. Täglich: Zille. Sandwina das Wunder der Weib- lichen Kraft._ fleutsch-jlmeriMscheS ** Theater." Köpnlckerstr. 67, Stnt. Jannowihbrückc. Sonnabend, d. 27. Aug., abds. 8 Uhr: Mtm Wieder- ErOfEnuna WH Gastspiel Adolf Philipp. BV" Z»m 311. Male. DVA „Ueber'n grossen Teich" Der Vorverkauf beginnt am Donners- tag, d. 25.Aug.,b.Wertbeim, Invaliden- dank und an der Theaterkasse. ssröbels �Herlel-IheAlef fr. puhlmann, Schönhauser Allee 148. Mmi Theater, Speeialitäteo. 15 Attrattioncn ersten Range« und das ScnsationS-Volksstück Das alte Lied. Extra-Tanz. Kasseeküche. Ansang 4'/, Uhr. Enttee 30 Ps. Sonnabend, den 27. August: Benefiz für das Hauspersonal. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraste 58. Wie einjl im Moi. Paul Ypradini. Arthur Wolsf. Die Blitzfahrt im Todrsring. hatoura et Angela. X Llus Tr'0- EmNenbonmitHittdernissk» Im Saale: Sali. Ansang VI, Uhr. Enttee 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. �eeialilätea-Thealei', j\K£ Landsberger Allee 76/79. Direkt Ringbahnslation. Ob schön I Täglich Ob Regen! im herrlichen Garten od. gr. Saal: das neue lonknrrenzlose Programm, ca. 35 erstklassige Nummern. Mit stülmilchcni Beifall: Orig. its trois Dafils, die Fahrt im kleinsten Todesring. Beste Motor-Rcnn-Compagnie mtt unkopierbarcn Original-TrickS. Orig. ItVhiez'.Trio, sensat. Leiter- Akrobaten und Hochturnkünstler. Hedy Brumien, der kleine Kobold. eise u. Paul isscheck, urkomisch. Orig. Lulgia e don Gigilo, konkurrenzloser Melange-Akt. Max Tripps, der beliebte Fritz Brand-c. Kasseeküche. Bolksbelustigunge». Bis 2 Uhr: Sali. Enttee 20 Ps. Sonntags 30 Ps. u /tII«e7-9 Täglich: Der rechte Weg. Pantomime: Ein ruhiges Zimmer zu vermieten. Satanello-Trio. Wardfnis. Grigolatf-Truppe. Konzerl, Ball, Speeialit. Ans. 4 Uhr. Eintt.30Pt.Rum.Pl.b0Pf. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel-Saison. Zum erstenmal: Itlcdea. Trauerspiel in 5 Auszügen von Franz Grillparzer. Sonntag nach mittag 3Uhr: Die Ehre. Sonntagabend 8 Uhr: Iphigenie. Montagabend 8 Uhr: liledca. Schiller-Theater W. (Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater) Morwttz-Oper. Freitagabend 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bökel. Martha, oder: Dar Markt zu Bichmond. Romantische Oper in 4 Akt.». Flatow. Sonnabendabend 8 Uhr bei halben Preisen: Dheron, KOnig: der Elfen. Sonntag n ach mittag 3 Uhr bei halben Preisen: Endine. Sonntagabend 8 Uhr: Die diidin. I Im Garten: Grobes Militärkonzert. >1! noch knrze Zeit! Flotten'Schauspiele Kurfilrstendamm 153—158. Straßenbahn-Verbindung: Linien A, A/E, T, V, 91. Größte Wasser-Schauspiele der Welt auf 6000 qm grobem Zoe. 23/18 In die Luft sprengen von Kriegsschiffen. � Vorstellungen: Wochentags 4 und 8 Uhr. P ö Sonntags 3, S1/* u. 8 Uhr. Eintrittspreise: I�Ik. 2,60, 2,10, 1,60, 1,10, 0,70, 0. Verführung Rettung Schiffbrüchiger vom Marine-Jntfend-Veroin Berlin während der Abend-! >.40. Vorstellung. Jeden mittwoch: Billiger Tag. Wsx Kliem's Sommer-Theater* Hasenholde 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Svmmerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. DM Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-MV ; 2 hochelegante Kegelbahnen, Würjelbuden, Konditorei� Blumenstand:c. In den Stiien: SirvssSr M JL 2. Facöausftenung för m 5chuh- und Ceber-Inbuftrie Veranstaltet vom Neue Welt(Hasenhaide) 25.— 30. August a. er. GEÖFFNET von 9— 9 Uhr TÄGLICH KONZERT Eintritt Pfennig. fn!Htar=Stiefel=n7ettbea7erb Verband Deutscher Schuhwarenhändler in n m Passage-Theater. Heute vorletzter Tag I Das Bioskop. Ringkanipf: Hackenschmidt-Jenkins. Vierzehn erstklasa. Nummern. Etablljsemllt KuMnlWtll Horltznlatx. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im grosten schattigen Natur» garten jeden Abend 8 Ilhr: Konzert. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends T ä. im Kaiscrsaal:■« II Z» insegtmngS' � � � Hwzüge ein- oder«weircihlge, moderne, chice Form mit«chrttgen od. geraden Taschen X hochelegant und tadellos sitzend. X Beste Verarbeitung, vollständiger Ersatz für Massarbelt. Die Preise sind je nach Grösse: Anzüge in Satin-Kammgam od. Krepp-Cheviot von 118 M. an. Anzügci.Rips-Kammgamod. Diagonal-Cheviot von 15 M. an. Anzüge in schmal geripptem Kammgarn oder Kammgarn-Cheviot......... von 17 M. an. Anzüge in Kips-Kammgarn, schmal geripptem Kammgarn oder Satin-Kammgam... von 80 M. an. Anzüge in Coreserow-Kammg. od. Rips-Karamg. von 88 M. an. Anzüge in sehr gutem Kammgam-Cheviot od. Rips-Knmmgarn........... von 85 M. an. Anzüge in feinstem Tuch-Kammgarn od. hochelegantem Twül..•......... von 80 M. an. Gesellschnfts-Anzüge für Herren. Rock-Anzüge v. Twül, Cheviot. Rips-Satin od. Tuch-Kammg. 87. 83, 38, 48, 48 u. 53 H. Gehrock-Anzüge von Tuch-, Rips- oder Satin-Kammgam SO, SO. 48, 48, 54 u. 00 M. Smoking- Anzüge von Rips- od. Tuch-Kammg. 38 u. 43 M. Frack-Anzüge von hochfeinem Tuch- od. Satin-Kammgam, äusserst sauber mit Seide abgefüttert.. 54 u. OO M. & Grosse Weifen tnr extra starke Herren stets, vorrätig. uR Grosses Stoff lager silaoo- Hnfertigung bis zu den altcrfcinstcn QuaUtUten. j* Die Preise sind billig, streng lest nnd jA geschieht der Verkauf nur gegen bar. Carl Stier Serlin SO., Oranienstr. Serlin W.,?ofsdamerstr Potsdam, Kauenersfr. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Bmnnenftt. 16. Ein Serliuer Tnugenichts. SensationS- Vollsstück in 2 Bildern. stach Mitternacht. Geschw. Kaiser. Ansang 6 Uhr. Kaffeeküche v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saal. t/iebrüder Herrnfeld-Theater. (xiii. Berliner Winter-Saison.) Bünr eine KTacht. Zwei Akte auS einer Ehe. Am andern Morgen. Nachspiel zu„Nur eine Stacht". Beide Stücke mit den Autoren Anten und Dcnat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Kassen-Eröff'nung 7Uhr. Vorverkaustäglich 11—2 Uhr. Der groste Naturgarten ist geöffnet. LröllllvllgL'kl'ogramm. Ras de Deuz oriental. Tilly Bebe mit ihren 12 Löwen. Paula Worm, Operettensängerin. ltal.Harfenorohester,23Harfenistinn, Rudolf Segommer, Ventriloquist. Severin und Mlle. Uorville in der Pantomime„Der Trunkenbold". Nirvana, lebende Bilder. Die Klein-Familie, Radfahrer. Die 8 Cocktails, Tanz-Ensemble. Die Baggesens, komische Jongleure. Die 3 Meteors, Hochtumer. Marcell Salzer, Vortragskünstler. Biograph, darstellend d. Kingkampf zwisch. Haokensohmidtu, Jenkins. StluMirlii mnKönigSth., am Friedrichshain 23/32. BMl Theater, Ball Ii. V v. Kneiff. DbsDbmcnregiiiitbt. Greste Posse mit Ballett u. Evolutton von Elh. Mttiwoch: Kinderfest. T 8 g 1 i c h im«arte» oder 8 aal: Korddeutsche Humoristen und Quartett-Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. kons haben Gültigkeit. Gustav Behrens Speeialilten- Tbeater, Frankfurter- __ Allee 85. Tügllch: Das grossartige jliipsl- Programm. Erstklassige Kräfte, auserlesenes Programm. Anf. Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. 8W., Elndenstr. 60(Laden), Zum vierzigjährigen Todestage von Ferdinand Lassalle erschien in nnserm Verlage: ferdlnanll Lassalle u.seineBeileuluQg für die Arbeiterklasse. Zu seinem vierzigsten Todestage. Von Ed. Bernstein, M. d. R. Mit einem Lichtdruck-Porttast LassalleS. Ferner empjehlen wir: Reden und Schnsteu von Ferdinand Fajsalle. Lassalle, F.. Sieden und Ächri/ten. Neue Gesamtausgabe. Heraus» gegeben im Austtage des Vorstandes der Soeialdemokrattschen Partei Deutschlands von Ed. Bernctein. Vollständig in 3 Bänden zusammen; broschiert 10 M., in Leinen gebd. 11,50 M., in Halbsrz. gebd. 14,50 M. Einzelausgaben: lieber Berfassungswesen.— SSns nun?— Macht und Recht. -.35 m. Die Wissenschaft und die Arbeite.». Eine Verteidigungsrede.— ,30 M. Meine Assisen- Rede, gehalten vor den Geschworenen in Dussel- dorf am 3. Mai 184S gegen die Anklage, die Bürger zur Bewassnung gegen die köuig- liche Gewalt aufgereizt zu haben.—.40 M. Arbeiterprogramm.—.15 M. Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen. -.60 M. Der Laffallesche Kriminalprozeft. II. und III.—.50 M. Offenes Antwortschreiben an das Centralkomitee zur Berufung eines Allgemeinen deutsche» Arbeiterkongreffes zu Leipzig. Neue Auflage.— ,20 M. Die Feste, die Presse und der Frankfiirter Abgeordnetentag. Drei Symptome des öffentlichen Geistes.-.25 M. An die Arbeiter Berlins. Eine Ansprache.— ,20 M. Der Hochverrats- Prozest wider Ferd. Laffalle.—.40 M. Kleine Aufsätze:—.15 M. Die Agitation deS Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und das Versprechen deS Königs von Preusten.—,25 M. Herr Bastiat-Tchnkze V.Delitzsch Kapital und Arbeit. 1.— M. der Lit- —.75 M. der er- —.20 M. 2.- M. oder Herr Juliau Schmidt, terarhiftoriker. Borrede zum System wordenen Rechte. Franz von Sickingen. Portrai lerdinandSassatles Original-Kupfer-Radierung. Llus Chinapiipier 4,— M. Remarkdruckaus Japanpapier 10,— M. Gröste: 85X05 cm. in künstlerischer Aussührung. Geschmackvolle und preiswerte Rahmen stehen ebensalls zur Versügung. Vorzügliche Photographie!» Ecndinand EaMHallev in allen Grösten und in jeder Preislage. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn Täglich: Hoffmanns Norddeutsebe Sänger. Sonnabend, 27. August: Benefiz. Extra-Vorstellung nnd raubans- Empfehlen unser helles u. dunkles TafelMer: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. Fass- Abteilung; Eandabergor Allee 11/18. T. VII. 5088. Flaschen-„ Erieden-Sirasse OS. T. VII. 1670. Unsre OrJglnnl-Ahznjf-Flanohenblere in fast allen Kolonialwaren-Handlungen. 59601,• MHung! üiaser| Freitag, den SS. Nngust, abends 7lL Uhr. Im großen Saale des Gewerkschaftshaufes, Engel-ttfer 13: -> Versammlung. TageS-Ordnung: Berichterstattung über die Verhandlungen der Tarif- kommifsion. ßSST' Der wichtigen TageZordnmici halber wird aus ein vollzähliges Erscheinen gerechnet. Nur Mitgliedsbuch legitimiert. 73i9 Der Elnbernfer. E. G. in. b. H. Montag, den SS. Nuaust. abends S'k llhr. im GewerkschaftShausc (großer Zaal), Berlin L0., Engel-Uscr 1b: /.ltNölSslimtüelis Keiikls!- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Sluflösuna der Genossenschnst(nach Z 78 des Gcnossenschasts. Gesetzes).») 2. Eventuelle Wahl von Liquidatoren. 8. Etwaige Anträge der Mitglieder: dieselben müssen mindestens drei Tage vorher schriftlich beim Borstande eingereicht werden. Nur das Mitgliedsbuch legitimiert. Nur Mitglieder haben Zutritt. Ehegatten miissen zur gegenseitigen Bertretung schrtft- «che S'Ollmacht des andre» Teils vorweisen. ») In der am 27. Juni d. I. stattgehabten Generalversammlung wurde mit 202 gegen 2 Stimmen die Verwaltung beaustragt, eine Verschmelzung mit dem Rabatt-Spar- und Konsumverein Süd-Ost herbeizusührcii. Nachdem die ewlcitendcn Schritte gcthan, bringt die Verwaltung den Beschluß durch diese Generalversammlung zur AuSsühnmg. 12S/g» Der Auffichtsrat. Ter Vorstand. fr. Schulze, Vorsitzender. L. Bpeslouep. E. Wutzky. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsvrecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 31 Amt IV, 3353. Uhr, Sonnabend, den 97, August 1004, abends 8'/. bei Dicke, Ackcrstr. 129: M?" Versamml u n g der Ziodlsr, Stcsser, Bohrer sind Traiser. ages-Ordnitng: i. Tie Aiiötperrniig der Former«ud die eventuelle» Folgen fiir uusre Branche. 2. Dislnssion. 3. Verschiedenes und Berbands-An- gclenhciten. vis opganisisptsn Kollegen wepüsn epsuvdt, ihr Verbsniledueh niiliudplngsn. lleutseher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Kollegen! Am Sonntag. S8. Niignst, findet eine 8S/5 Herren- Futzpartie nach Rüdersdorf statt. Trcsfpunlt im Vcrkehrslokal bei P r e i l, Nosenstr. 24, morgens 7 Uhr. ________ Die Ortaverwattnng. TeppS c h- Gelegenheitskauf. Soal- Teppiche a 50, 65 bis 90 Mk. Salon- Tcppiche a 30, 40 bis 65 Mk. Speise-] Teppiche a 25, 30 bis 50 Mk. Wohn-} Zimmer- Teppiche a 20, 25 bis 35 Mk. Herren- J Teppiche a 15, 18 bis 25 Mk. Sofa- Teppiche a 6, 8 bis 14 Mk. Bett-' Teppiche a 1,23 2,50 bis 5 Mk. Aasterdci» offeriere circa Stück prima celit Velonr (ftlli Zlxminstcr), echt Tonrnay, echt Brüssel, sowie echte Perser, 8niyrna- Teppiche, handgckmipft, in alle» Größe» und reicher Musterwahl, mit kleineu, unmerkbare» Musterfehlern, jetzt nach der Saison für die HiUkte des regulären Wertes. Teppieli- Hans Mfai'wite, Rotes Seliloss, vis-a-vis dein lVational-Dcnknial. ■■■ Telephon Amt I, 8311.—— 58182' Sonntag, den 28. Angnst. vormittags 9's. Vhr, in den vcrinanlnsillen(weißer Saal), Chaussecstr' 103: V�aneken--Versammlung der Eilen-, Detail- n. K.evoweräreker. TageS-Ordnung: 1.»Das llnfall-Verstcherungs-Geseti und die Bedeutung der Ilnfall-VerhütuugS'Vorschrifte» für die Ärbcttcr.« Zteserent: Arbeiter- sekretär/z Millionen Mark versichert� diese Summe mag einen Begriff geben von der Bedeutung, die der Briefmarken-Sammelsport im Laufe der Jahr- zehnte erreicht hat. Die zweite Fach-AiiSstellung für die Schuh- und Lederindustrie wurde Donnerstagmitwg in den Räumen der„Neuen Welt" in der Hasenheide eröffnet. Wie üblich, wurden bei dieser Gelegenheit einige Reden gehalten. Der Vorsitzende des Ausstellungskomitees schloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf die deutsche Schuh- und Lederindustrie, worauf die Kapelle prompt mit den, Spiel des— »Heil Dir im Siegerkranz" einfiel. Die größte Beachtung dürsten auf dieser Veranstaltung die für den Militärstiefel-Wettbewerb aus- gestellten Erzeugnisse finden. Die Anforderung, die bei dem Militär an die Beschaffenheit und Haltbarkeit des Schuhzeuges ge- stellt werden müssen, sind derartige, daß man die Idee, für die Erlangung verbesserter Stiefel zc. eine Konkurrenz auszuschreiben, nur freudig begrüßen kann. Die großen Marschleistungen, die in, militärischen Dienst überwunden werden müssen, erfordern eben ein Schuhwerk, das sehr mannigfachen Anforderungen genügen muß. Eine große Anzahl von Finnen hat sich an diesen, Wettbewerb be- teiligt und es läßt sich nicht verkennen, daß unter den vielen Produkten der Lederindustrie für diese militärischen Zwecke doch recht glückliche Lösungen der schwierigen Aufgaben anzutreffen sind. Besonders zahlreich sind die Erzeugnisse vertreten, die dem Luxusbedürfnis_ bei der Fußbekleidung dienen. Ballschuhe von so verschwenderischer Ausstattung sind aus- gestellt, daß schon der Lohn eines Arbeiters für nichrere Wochen für den Ankauf aufgewendet werden müßte. Auch unter den Kinder- schuhen überwiegen die kostspieligen Ausführungen. Für derartige Luxusschuhe für Erwachsene und Kinder ist auf der Ausstellung viel- fach Leder zu sehen, das silber- und goldfarbiges Aussehen auf- weist, wie überhaupt in farbigen Ledcrerzeugnissen sehr viel geleistet wird. Um den namentlich für Ballschuhe verwendeten Holz- absätzen möglichst großen Glanz zu verleihen, hat eine Firma Absätze mit Celluloidüberzug ausgestellt. Die»nit der- artigem Glanzüberzuge versehenen Holzabsätze machen in ihren verschiedenfarbigen Ausführungen einen sehr� guten Eindruck: es frägt sich nur, wie lange Celli, loid bei einer solchen Verwendung sein gutes Aussehen behalten wird? Um ein weicheres Auftreten mit Stiefeln zu gewährleisten, ist auf der Ausstellung eine Hufeisen- fönnige Gummi- Unterlage für Absätze zu sehen. die leicht vom Schuhmacher an jedem Absatz angebracht werden kann. Beachtung sollten auch die kreisförmigen Abfatzein lagen finden, die das Schieflaufen verhindern respektive die schnelle Ausbesserung schiefgelaufener Hacken gewährleisten sollen. Die kreisrunde Scheibe wird so in den Ausschnitt aus dem Absatz des Stiefels gelegt, daß sie durch Drehung immer mit einem noch unversehrten Teile an die schiefgelaufene Stelle gebracht werden kann. Die Idee, welche dieser Erfindung zn Grunde liegt, verdient unzweifelhaft Anerkennung: es frägt sich nur, ob die Befestigung durch eine Schraube in der Mitte der Scheibe dauerhaft genug sein wird. Auffallend ist die große Zahl der ausgestellten Mittel, ivclche die bisher zum Putze» der Stiefel und Schuhe gebräuchliche Wichse ersetze» soll. Die maschinelle Abteilung weist eine große Anzahl von Maschinen für � die Ledcrbcarbcitung und Schuhfabrikation auf und läßt auch de», Laien einen instruktiven Blick in die Einrichtungen moderner Großbetriebe dieser Art thnn. Daß mit Fabriken, die derartig leistungsfähige Specialmaschinen für alle Teilarbeiten haben, kein Schuhmacher, der noch mit seinen primitiven Hilfsmitteln arbeitet, konkurrieren kann, Fl ohne weiteres eiuleuchteud. Zu bedauern ist, daß verschiedene der Maschinen auf der Ausstellung in einem Zustande zu sehen sind, der den Anforderungen der Unfallverhütung durch weitestgehende Anbringung von Schutzvorrichtungen nicht entspricht. Wenn die Aus- stellung auch nur bis zum 30. August geöffnet ist, so würden die in Frage kommenden Aussteller doch gut thnn, ihre Maschinen in dieser Hinsicht noch mit den erforderlichen Schutzeiuklcidungcn zu versehen. Das 23. Jugend- Konzert lfiir Genieindeschulen) findet am 2. September um 12 Uhr in der Philharmonie statt. Gemeinde- schüler haben Eintritt gegen Entnahme eines Programms zu 10 Pf. — Das 26. Konzert findet am gleichen Tage nachmittags 4 Uhr für höhere Schulen statt. Unbemittelte Schüler erhalten Freikarten. Die Mitwirkenden sind in beiden Konzerten: Eugcnie Stoltz iViolou- cello): Jeanne Robert(Deklamation): Dr. Roberts Mannreich (Gesang); Willibald Bergan(Begleitung). Diejenigen Schüler, die durch ihre Schulleiter oder Gesanglehrer keine Einlaßkarten erhalten, können sich wenden an das„Seminar für Musik", W), Neue Winterfeldtstr. 48, oder an den Portier der Philharmonie. Bern- burgerstraße 23.— Das nächste Jugend- Konzert ist für Mittwoch, den 16. November(Bußtag) als Kirchen-Konzert geplant. Sportwcttfahrt. Der Deutsche Radfahrer-Buud teilt mit: Rund um Berlin(240,9 Kilometer), die alljährlich von, Gau 20 des Deutschen Radfahrer-Bundes veranstaltete klassische Rad-Fcn, fahrt, findet am nächsten Sonntag, den 28. August statt. Der Start be- findet sich am Kilometerstein 2,3 hinter Potsdam auf dem Wege nach Saarmund. Die Fahrt geht über Trebbin, Zossen<1. Kontrolle), Königs-Wusterhausen, Kalkberge(2. Kontrolle), Bernau, Oranien- bürg<3. Kontrolle), Löwenberg, Hcrzberg(4. Kontrolle), Kremmen, Nauen zun, Ziel Margnardt bei Potsdam. Es starten in der ersten Abteilung morgens 4 Uhr die Motorradfahrer, in der zweiten Abteilung um 6 Uhr die Radfahrer. Kleine Kinder, Hunde, Hühner usw. sind thunlichst von der Landstraße zu entfernen, da hierdurch unter Umständen große Unfälle entstehen könnten. Die Motorradfahrer werden durch die neutralisierten Ort- schaften von Radfahrern geführt werden. Es handelt sich in diesen, Falle nicht un, eine Schncllsahrt, sondern u», eine Prüfung der Maschinen auf ihre Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. Zu dieser Veranstaltung haben sich 31 Motorradfahrer und 198 Radfahrer ge- meldet. Die Fernfahrt ist von den zuständigen Herren Laudräten genehmigt worden, und werden die Strecken wie in den Vorjahren durch die Vereine des Gau 20 des Deutschen Radfahrer- Bundes besetzt sein. Ebenso hat der Samariter- Verein Berliner Radfahrer in entgegenkommender Weise den Samaritcrdicnst aus der ganzen Strecke übernommen. Ter bereits angekündigte Bortrag des Herrn Dr. P. Schmidt aus Petersburg„Korea und die Koreaner" findet Montag, den 29. ds., abends 8 Uhr im Theaterfaal der Urania in der Täuben- ftraße statt. Der Vortrag wird in deutscher Sprache gehalten und ist reich illustriert durw Lichtbilder, ivelche nach eignen Aufnahmen des Autors hergestellt sind. Billets für diesen Vortrag sind bereits von heute ab an der Kasse der Urania erhältlich. Theater.„Julius Caesar" geht im L u i s e n- T h e a t e r in folgender Besetzung der Hauptrollen in Scene: Marcus Antonius Herr Hacker als Gast von,.Hoftheater in Darmstadt, Brutus Herr Bochm, CassiuS Herr Majcwski, Caesar Herr Ottomeyer, CaSca Herr Wald, Portia Fräulein Benkcndorf und Calpurnia Fräulein Bcrneck.— ES fei nochmals darauf hingewiesen, daß das Schiller-Theater O. an, Sonnabend mit Grillparzers Medea eröffnet wird. Sonutagnachmittag wird„Die Ehre", abends Goethes„Iphigenie" gegeben. Der Vorverkauf zu diesen begönnen. Auch Abonnementsbestelluugen 10 bis 2 Uhr entgegengenomme». Die Schiller-Theaters X. wird nach Beendigung des Operngastspicls, am Donnerstag, den 1. September, eröffnet.— Das Deutsche Theater wird in neu hergerichtcten, Hause die Spiel- zeit am 1. September mit«T r o i l u s und Cressida" von Shakespeare in der Biihncnbearbeitung von Paul Lindau eröffnet werden. Die zur Handlung gehörige Musik ist von Hans Hermann komponiert.— Sonnabend, den 3. September, ist in, Deutschen Theater die Erstaufführung von„Lady Mindern, eres Fächer, das Drama eines guten Weibes" von Oskar Wilde angesetzt. In diesem Schauspiele werden die weiblichen Hauptrollen von Adele Hartwig, Klara Meyer, die in der Rolle der Herzogin nach längerer Abwesenheit von der Bühne zum erstenmal wieder auftreten wird, und Paula Müller, die maniilicheir von Harry Waiden, Julius Geisendörfer und Julius Strobl gegeben.— Deutsche Volks- b tt h n e. Im Carl Weiß- Theater haben nunmehr die Proben zu den„Räubern" begonnen, nachde», die Erneue cungsarbeitei, auf der Bühne und im Zuschauerraum beendet sind. Vorstellungen, werden täglich Schauspielsaiion hat von des £[iis äen JSfaebbarorten. Charlottenburg. Die Ergebnisse der Arbeitsldsenzählung von, 26. Juli werden nunmehr vom Statistischen Amt veröffentlicht. Die Zahl der männlichen Arbeitslosen war eine recht geringe, sie betrug nur 429. Von diesen hatten als Ursache der Arbeitslosigkeit an- gegeben: 36 eigene Kündigung, 171 Kündigungen deS Arbeitgebers, 18 Krankheit, waren aber zur Zeit wieder erwerbsfähig, endlich 182 Krankheit oder Unfall und waren jetzt noch erwerbsunfähig, zwei hatten keine Ursache genannt. Nach Ausscheidung der durch Krankheit Erwerbsunfähigen bleiben nur 247 Arbeitslose. Wie im Februar, so bildeten auch diesmal die ungelernten Arbeiter und die dem Baufach angehörenden die Mehrzahl der Arbeitslosen, dann folgten die Metallarbeiter und die zu don Bcrufsgruppcn des Handels- und Verkehrs gehörigen. 163 Arbeitslose, d. h. 67 Proz., waren weniger als 4 Wochen ohne Arbeit, 16 waren schon als Arbeits- lose nach Charlottenburg gezogen. Unter den 247 männlichen Arbeitslosen befanden sich 24 im Alter unter 20 Jahren, 93 waren zwischen 20 und 30 Jahren, 53 zwischen 30 und 40, 49 zwischen 40 und 50. 15 zwischen 30 und 60, und 10 über 60 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabc. Unter den 182 Arbeitslosen, die Krankheit oder Unfall als Ursache der Arbeitslosigkeit angegeben hatten, waren 84 ungelernte Arbeiter, 43 gehörten dem Baufach an, 32 der Metallindustrie und 10 dem Handel und Verkehr. Sollte diese Statistik richtig sein, so würden von den bei der letzten Volks- Zählung vorhandenen 26 490 Arbeitern im Juli d. I. nur ungefähr ein Prozent ohne Arbeit gewesen sein. Man darf aber wohl mit Recht daran zweifeln, daß diese Zählung irgend welchen Anspruch auf Zuverlässigkeit hat: sie geschah in der Weise, daß mit Hilfe der Charlottenburger Gewerkschaften zwei Tage vor dem Zähl- termin etwa 25 000 Zählkarten zur Ausfüllung verteilt und am Tage der Zählung wieder eingesammelt wurden. Daneben waren für solche Arbeitslose, die selbständig die Zählkarten ausfüllen und abgeben wollten, an verschiedenen Stellen der Stadt Urnen auf- gestellt, neben denen sich Zählkarten befanden. In ähnlicher Weise wurde bekanntlich die Zählung der Arbeitslosen in Stuttgart vor- genommen, doch hat sich dies sogenannte Stuttgarter System bisher nirgends bewährt.. Wohl befähigt zü.» Grmcindevorsleher. Aus Wcißensee wird gemeldet: Die Beschuldigungen gegen den Gemeindevorsteher Klingen« berg von Wcißensee haben sich bei näherer Prüfung als größtenteils arg übertrieben und unbegründet erlvicsen. Der Land rat v. Treskow hat daher in einer abermaligen Konferenz das den An- griffen gegen den Vorsteher zu Grunde liegende Material untersucht und angeordnet, daß der Augeschuldigte am 26. d. M. seine Dienst- geschäfte wieder übernehmen soll. Eine weitere Aufteilung und Erschließung der Jungfernheida wird vom ForstfiskuS vorbereitet, nachdem erst kürzlich ein Gebiet von mehreren hundert Morgen(Revier Königsdamm) in den Besitz der Stadt Charlottenburg übergegangen und ein andres Stück Forst- land von 40 Morgen am Nonendamm an die Aktiengesellschaft Siemens u. Halske für eine Arbciterwohnkolonie verkauft worden ist. Gegenwärtig läßt die Forstverwaltung in den Jagen 10 und 11 auf der Strecke von der Haselhorster Grenze bis zum Weichbilde von Charlottenburg mitten durch die Heide Vermessungen und Ab- Holzungen für einen neuen Straßenzug vornehmen. Die geplante Straße, für welche die Baufluchtlinien bereits abgesteckt werden, soll nahezu 50 Meter breit werden; sie ist etwa 1 Kilometer laug ge- dacht und bildet eine gerade Verlängerung der Turmstraße in Moabit. Sobald mit dieser eine Verbindung hergestellt ist, hat man eine direkte Verkehrsstraße von Berlin(Moabit) nach der Jungfern- Heide geschaffen. Das ganze Gelände längs des neuen Straßen- zugeS beabsichtigt dem Vernehmen nach der Forstfiskus zwecks Be- bauung zu verkaufen. Stralau. In dein Bericht über den Stralaucr Fischzug ist in- soweit ein Irrtum enthalten, als die Gemeindevertretung als Körper- schaft sich nicht an dem Klimbim beteiligte. Dies stellen wir auf Wunsch der socialdemokratischen Gcmeindevertreter unsres Vororts richtig.__ Berliner Danzlehrer- Verband. ftraße 73: Uebungsftunde. Freitagabend 9 Uhr, Me Jalob- ßriefhaftcn der Redahtion. Juristischer Cnt. Sic jiiriftilii)« SiircifiFtunbc findet tfialich mitZliiSuahmc dts Tounabcadl do»?-/, bis g-/- Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. H. M. 30. Sie können nie zur Erfatzreserve gestellt werden.— Zwei Wettende, Tilsiterstraße. Der Gerichtsvollzieher kann im Sormner den Winter-, im Winter den Soimnermantel pfänden.— I. 67. Kommen Sic in die Sprechstunde.— G. K. 33. Wen» Sic nicht schon am t. Ok- tobcr 1909 felbständiger Meister waren, nein.— I. I. 7. Sic könne» klagen.— I. I. 100. l. Er kann als Sclbstzahtcr ferneres Kassen« Mitglied bleiben. 2. Diese Angestellte» sind nicht oersichttuugspslichtig.— Marktpreise von Berlin am 24. August. Nach Ermilteluugen deS kgl. Polizci-Präsidiuins. Für 1 Doppcl-Ccnluer: Weizen»"), gute Sorte 17,99—17,83 M., mittel 17,86-17,84 M.. geringe 17,82—17,89 M. Roggen»«), mite Sorie 13,95—13,94 M.. mittel 13,93—13,92 M.. gelinge 13,91—13,99 M..Futtergerste-). gute Sorte 14.69—14.99 M., mittel 13,99 bis 13,49 M., geringe 13,39—12,80 M. Hafer»), gute Sorte 16,69—15,89 M., mittel 15,70—14,99 SR., geringe 14,80—14,10 iül. Erbsen, gelbe, zum Kochen 49,09—28,99 M. Speisebohnen, weihe 59,99—26.99 M. Linsen 69,99— 25,00 M. Kartoffeln, 12.00— 8,00 M. Richlstroh 5,00— 4,32 M. tzeu 9,40— 6,20 M. Für 1 Kilogramm Bulter 2,69—2,00 M. Eier per Schock 4,99—2,49 M. ') Frei Wagen und ab Bahn.»') Ab Bahn. Wittcrnngöübersicht voin 23. August 1004. morgens« Uhr. rssi -s- ll sf H Z- Statione» s e I E 2~ £=■ Haparanda Petersburg Cork Werdeen Paris D-Uer 76 t NO 759�ONO 765' WNW 766 NW 2 heiter 2bedcckt 2 heiter izvotlenl c-- Ä[i H& 11 14 8 12 Wetter-Prognose für Freitag, den 26. Zlugust 1004. Etwas wärmer, trocken und vorwiegend heiler. Schwache südliche Winde. Berliner Wetterbureau. ISpecialgeschäft für Uhren.®®® 59992» 1 neue Uhr-Feder la 75 Pf. 1 neue Uftr-Kapsel. 15 Ps. 1 neues Uhr-Glas.. 19 Pf. 1 neuer Uhr-Ring.. 19 Pf. 1 neuer Uhr-Zeiger. 19 Pf. 1 neuer Uhr-Schlüsfel. 5 Ps. i Xone I hren in grögt. Ausw. genau reguliert. iB.Möbis,| • 82. Koppen Strasse 82. —®0®®®®®®®®®®®®®e® Dr. Simmel, sw""": Spccialarzt fiir(19/1» Haut- und Hupnleidcn. 10—2,5—7. Sonntags 10—12 2—4. Dr. Schünemann Specialarzt für Hont-, Harn- und Frauenleiden, 8ez'del»>tr. O. Wochentags Von der Reise zurück. 23/19 Zahnarzt SemmeS, Oranieiistraßc 51. Ostbahn-Park. Am KUstrinerplatz. RUdorsdcrfars!. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Tl/eater und Speriolitätett» Uorsteüung. fiesatsgliiteher von 1,58 an. Album- und Lederwaren-Fabrik Oskar Guiidau, Oranienstr. 30, Ecke Adalbert-Str. Gr. Lager aller Arten Lederwaren u. Schmucksachen zu bill. Preisen. = Snol, 200 Personen= fassend, mit Bühne, ist auch Sonn. tagS an Vereine zu vergeben. Großer -aal noch einige Sonnabende frei.• Fcldschlöfichen, Müllerstr. 142. Oderbr.««»Meckl. Kett-Gänse von jetzt an jeden Freitag und Sonnabend per Eilgut ein.>, 58 und 63 Ps. Verkaufe auch Rümpfe und einzelne Teile, täglich frisch treffen Pfund ausgeschlachtet. Eiänseklein 75 Pf. Junge tpnten, Hühner. Taubeii. stets frisch geschlachtet. Rehrüden, Keule und Blätter billig. Hirich» fleisch Pfund 49, 59 und 69 Ps., empfiehlt 122 Gustav Paulat, Gr. Frankfurferstr. 3, Seelachs pro Pfd. 17 Pf. im Anschnitt 22—23 Pf. Alle Fischarten sind infolge großer Fänge soeben in grosieu Menge» cingelroffen. Die maimig. fachen Zubereitungen sind aus dem umfangreichen Scesisch-Kochbuch, das jeder Käufer gratis erhält, ersichtlich. EinBersu�nt�iefti�ußerst�chmackhastci�i� Deufsche Dampffischerei-ßesellschaft..Nofte" Filiale: Berlin C. 2, Bahnbof Börse, Bogen 8-10. Verkanfs-Xiederlagcn: Prinzensirasse 30, ILandsbergerstrasse 52-531 Madaistrasse 22. (ara Moritzplatz) I(der Kurzenstr. gegenüber)](im Schlesischen Bahnhof). Schellfische in allen Grössen pro Pfd. l7-25Pf. Rotzungen pro Pfd. 35—40 Pf. Bratflunder pro Pfd. 20—25 Pf. Bermtw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. BerlagrPorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.