Nr. 301. BbonrMmcntS'Bedingungtn: «ionncmentS- Preis prSnmnerands i Bierteljährl. SL0 XU!., monatL 1,10 SKt., wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Ziummer S Pfg. Sonntags. nmmner mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post-ZciwngS. Preisliste. Unter Krcugband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. 21. Jahrg. CrfditlBt Sgll» außer Olontaat. Devlinev Volksblatk. Die TnlertlonS'GcbQljr vekägt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschafMche Vereins. und VcrsammiungS. Anzeigen SS Pfg. „Alewe ZZn-eig-n". das erste(fett. gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weiter« Wort S Pfg. Wort« über 15 Buchstaben ztihien sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis b Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. 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Hier ist der unwahre Gedanke festgehalten, daß dieselbe Person, der Unter- suchungsrichter, Verfolger, Beschützer der gekränkten Unschuld und unparteiischer Slichter fein kann. Dies ist. wie der größte Forscher auf dem Gebiete des deutschen Strafprozeßrechts, der ver- storbcne Professor v. ÄricS, einmal gesagt hat, geradezu eine Unehrlichkeit deS Gesetzes. Denn obwohl dem UntersuchungS- richter und dem Staatsanwalt die gleiche inquisitorische Thätigkcit gegen den Beschuldigten vom Gesetz aufgetragen ist. sei nur der Staatsanwalt dem Beschuldigten als Gegner deutlich erkennbar. während der inquisitorische Charakter des Untersuchungsrichters durch die Bezeichnung als Richter verhüllt werde. Und dieses inquisitorische Vorverfahren mit Einschluß der polizeilichen Ermittelungs- thätigkeit. welche beide nur zur Vorbereitung der öffentlichen Haupt- Verhandlung dienen sollten, haben sich zum wichtigsten Teil deS ganzen Verfahrens ausgewachsen. Die Hauptvcrhandlung ist besten- falls nur noch ein nachträglicher Prüfungstermin darüber, ob die in geheimer Sitzung aufgenommenen Protokolle zutreffend sind. Die auS diesem System unsreS Gesetzes sich ergebenden Miß- stände zeigen sich an jedem Tage in erschreckender Häufigkeit. Der Königsberger Prozeß und die andren vielbesprochenen Gerichts- Verhandlungen der letzten Zeit boten darin nichts Besondres. Wenn wir nun fragen, wie war es trotzdem in Königsberg den Angeklagten bei aller Kürze der ihnen gelassenen Vorbereitungszeit in der Hauptverhandlung möglich, die doppelte Aufgabe zu lösen: einmal den Russenprozeß, um mit dem Bericht des Parteivorstandes zu reden, vor das Forum der Weltgeschichte zu bringen und sodann auch in rein juristischer Beziehung das nachzuweisen, was Staats« anwalt, Oberstaatsanwalt, Untersuchungsrichter, Eröffnungskammer, sowie die mit der Frage der Untersuchungshaft befaßten Gerichte in langen Monaten nicht gefunden hatten, nämlich daß jede Möglichkeit zum strafrechtlichen Einschreiten wegen Hochverrats und Zaren- beleidigung fehlte? Die Antwort lautet: Man verdankt dies allein dem§ 244 unsrer Strafprozeßordnung, jener Vorschrift, die besagt, daß vor der Strafkammer sämtliche herbeigeschafften Beweise erhoben. sämtliche vorgeladenen Zeugen und Sachverständigen vernommen werden müssen, gleichviel ob sie vom Gericht, vom Staatsanwalt oder dem Angeklagten geladen sind. Diese Bestimmung enthält das wesentlichste, ja das einzige Recht des Angeklagten. Hier beginnt die wirkliche Verteidigungsmöglichkeit, hier endlich gewährt das Gesetz die sonst versagte Waffenglcichheit zwischen Staatsanwalt und Angeklagten. Bis dahin ist alles eitler Schein. Da das Königs- berger Gericht die von den Angeklagten geladenen Zeugen und Sach- verständigen hören und von den übrigen herbeigeschafften Beweis- Mitteln Kenntnis nehmen mußte und Kenntnis genommen hat. kam das für die Urheber des Prozesses so unerwünschte Ergebnis zu Tage. Kein Wunder, daß allen, die eine Rückwärtsrevidierung unsrer Strafprozeßordnung erstreben, die Vorschrift des§ 244 ein Dorn im Auge ist. Bald kämpfen sie offen, bald versteckt, bald geschickt. bald plump dagegen an. Das Ziel ist immer dasselbe: das wirk- samste Verteidigungsmittel des Angeklagten aus dem Gesetze zu entfernen. Schon die im Jahre 1895 dem Reichstag vorgelegte, glücklicher- weise nicht Gesetz gewordene Novelle zur Strafprozeß-Ordnung wollte das Zerrbild einer Berufung durch Preisgabe des§ 244 erkauft wissen. Das Gericht sollte den Umfang der Beweisaufnahme nach freiem Ermessen bestimmen dürfen. Begründet wurde der Abänderungsvorschlag hauptsächlich damit, daß die Vorschrift, nach welcher sämtliche herbeigeschafften Beweismittel zu benutzen sind, vom Angeklagten nicht selten mißbraucht sei, daß infolge dessen die Zeit der Gerichte vielfach auf die Behandlung unerheblicher Dinge verschwendet, der Anlaß zu Vertagungen und Verschleppungen gegeben würde und leicht Vorkommnisse erörtert werden müßten, die mit der Verhandlung selbst nur in losem Zusammenhang ständen und geeignet seien, die berechtigten Interessen und das Empfinden der an der Sache beteiligten Personen ohne genügenden Grund empfindlich zu verletzen. Thaffachen, die diese Behauptung beweisen, wurden nicht an- geführt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie unrichtig sind. Man denke nur: Der AngeNagte soll, so wird unterstellt, mit Aufgebot vielleicht seiner letzten Geldmittel eine Anzahl Entlastungs- zeugen nach den, weit entfernten Gerichte laden, nur um unerhebliche Dinge vorzubringen und dadurch die Geduld des Gerichts, das be- züglich des Strafmaßes einen so außerordentlich weiten Spielraum hat. zu mißbrauchen. Mutet eine solche Behauptung nicht an wie eine Räubererzählung aus einer Kindergeschichte? Damit soll gewiß nicht gesagt sein, daß niemals Fälle des Mißbrauchs unter der Herrschaft des geltenden Rechtes vorgekommen sind. Aber sie sind verschwindend im Vergleich zu den zahllosen Fällen, in welchen trotz der heute bestehenden strengeren Vorschriften Strafkammer-Urteile wegen Beschränkung in der Verteidigung vom Reichsgericht aufgehoben werden mußten. Und dies mit vollem Recht. Denn •j Vergl.„Vorwärts" Nr. 189, 195. ] unmöglich läßt sich im voraus übersehen, welchen Einfluß die herbeigeschafften Beweise auf den Gang des Verfahrens haben iverden. Ein Richter ist es, der die Frage gestellt hat, ob sich ein Vorsitzender melden kann, der es nicht bereits erlebt hat, daß nach langen, ermüdenden und völlig unerheblichen Vernehmungen ein einziger Entlastungszeuge daS wohlgefügte Gebäude der Anklage schwer zu erschüttern im stände gewesen ist? Besonders charatteristisch ist der Schlußsatz in der Begründung der Novelle, die zarte Rücksichtnahme auf die an der Sache be- teiligten Personen, deren Interessen durch die von dem Angeklagten erzwungene Beweisaufnahme verletzt werden könnten. Das heißt, in einfaches Deutsch überttagen: Die Rücksicht auf die B e lastungS- zeugen ist der entscheidende Gesichtspunkt. Jeder Versuch einer ungünstigen Charakterisierung derselben soll im Keime erstickt werden. Das, was das Gesetz im Vorverfahren durch die Geheimhaltung vor dem Angeklagten erreicht, soll, da dies ttefflichste Mittel in der Hauptverhandlung denn doch nicht verwendbar ist. durch den Fortfall des letzten Berteidigungsrechts des Angeklagten erzielt werden. Von einer gleichen Einengung deS B e lastungsbeweiseS ist selbstverständlich nicht die Rede. Das Empfinden des Entlastungszeugen verdient keine Schonung. Sein Vorleben mag' nihig bloßgelegt, alles, was Schwarzes oder Zweifelhaftes darin ist, vor der Oeffentlichkeit ausgebreitet werden,— dem Staatsanwalt Schranken in dem Recht auf Vernehmung der von ihm geladenen Zeugen aufzuerlegen, daran wird nicht gedacht. Endlich mutz noch mit aller Schärfe auf einen Gesichtspunkt hingewiesen werden, da er in einer Reihe neuerdings veröffentlichter Schriften wiederkehrt und die dringende Gefahr besteht, wenn nicht alles täuscht, daß die vom RcichS-Justizamt eingeleitete sogenannte Reform der Strafprozeß-Ordnung ganz leise und heimlich uns auch dieses KuckuckSei ins Rest zu legen versuchen wird. Die vorerwähnte Novelle spricht davon, daß die Vorschrift des geltenden Rechts, wo nach die Beweisaufnahme sich auf die sämtlichen herbeigeschafften Beweismittel zu erstrecken habe, leicht zu Vertagungen und Verschleppungen des Verfahrens führen könne. Wie ist dies möglich? wird der in juristischen Seiltänzerkunststücken nicht bewanderte gesunde Menschenverstand ftagen. Da der Ange klagte nun verlangen kann, daß die an Gerichtsstelle anwesenden Zeugen und Sachverständigen gehört Iverden, so kann doch unmöglich diese Vorschrift Vertagungen im Gefolge haben. Solche müssen allerdings dann eintreten, wenn der Angeklagte erhebliche Be- Weisanträge stellt, die Zeugen hierfür nicht zur Stelle sind und, um sie zu laden, ein neuer Termin angesetzt werden muß. Dies also ist des Pudel« Kern. Auf diese Bestimmung ist es abgesehen. Das Gericht soll nach ganz fr e i e m E rm e s s en den Umfang der Beweisaufnahme bestimmen und erklären dürfen, daß ihm die Sache völlig aufgeklärt, der Belastungszeuge völlig glaubwürdig und deshalb jede weitere vom Angeklagten beantragte Beweisaufnahme überflüssig erscheine. Heute unterliegt ein Verfahren, welches einen Be- weiSantrag über einen sür die Entscheidung wesentlichen Puntt ablehnt, der Aufhebung durch das Reichsgericht. Diese lästige Schranke würde fallen, sobald daS Gericht nach freiem Ermessen den Umfang der Beweisaufnahme bestimmen darf. Die Wünsche nach einer solchen Erweiterung der richterlichen Befugnisse vermehren sich in letzter Zeit aus den Kreisen der prak- tischen Juristen in auffallender Weise, so daß die Wachsamkeit keinen Augenblick einschlafen darf. Im Anschluß an den Kwilecki-Prozeß machte der Landgerichtsdirektor Leuschncr den neuerdings von andrer Seite aufgenommenen Vorschlag, daß das Gericht in der Hauptver- Handlung den Umfang der Beweisaufnahme allein zu bestimmen habe. Man hält es zur Wahrung der Würde des Gerichts für erforderlich, daß, sobald dieses entschieden habe, der Sachverhalt sei aufgeklärt, es alle weiter angebotenen Beweise ablehnen dürfe. In der That ein einfaches Mittel! Dann braucht man sich nicht mehr den Kopf darüber zu zerbrechen, wie die Aussagen der Be- und Entlastungs- zeugen mit einander vereinbar, ob letztere zu vereidigen oder etwa wegen Verdachts der Begünstigung uneidlich zu ver- nehmen sind. Man beschließt einfach, sie gar nicht erst zu hören. Eine solche Justiz würde allerdings höchst schneidig werden, aber zugleich die Aufhebung allen Rechtes, Anarchie und Willkür bedeuten. Gespannt werden wir sein dürfen, ob n a ch den im Königsberger Vorverfahren gemachten Erfahrungen es noch jemand wagen wird, mit diesen Vorschlägen von neueni hervorzutreten. Wären sie Gesetz, so würde es möglich gewesen sein, nicht nur über die beschämenden Zustände Rußlands den Schleier des Geheimnisses zu breiten. Auch der Nachweis, daß eine Reihe der gravierendsten Stellen in den inkriminierten Schriften, die entscheidenden, die ganze Anklage tragenden Bestimmungen des russischen Strafgesetzbuches von den russischen Behörden falsch übersetzt oder aus dem Zusammenhange gerissen und dadurch wesentlich verändert worden sind, hätte unter- drückt werden können, sowie vieles andre, was der Aufzählung im einzelnen nicht bedarf, da es genugsam in diesen Blättern erörtert worden ist. DaS erkennende Gericht hätte ja nur anzunehmen brauchen, daß„der Sachverhalt klar liegt und die neuen ihm bezeichneten Thatsachen daran nichts ändern können", es hätte ja nur, ebenso wie Staatsanwalt, Oberstaats- anwalt. Untersuchungsrichter. Eröffnungskammer und die mit der Frage der Untersuchungshast befaßten Gerichte den russischen Be- Hörden vollen Glauben zu schenken brauchen— und der Beweis, der zur Freisprechung geführt hat, wäre durch unanfechtbares Gerichts- urteil unrettbar abgeschnitten gewesen. Auf den flachen Einwand, daß dieses in Wahrheit nicht vor- kommen werde, bedarf es keines Eingehens. Mit demselben Rechte könnte man die ganze Strafprozeßordnung über Bord werfen, die ja nichts andres ist als eine gesetzlich vorgeschriebene Methode der Wahrheitserforschung. Das Gesetz opfert eben die Freiheft deS richterlichen Ermessens, weil sie den Keim deS Mißbrauchs in sich trägt, und bindet den Richter an bestimmte Formen. Ueber- dies hat der Leipziger Professor Binding, der mit leiden- schaftlichem Eifer für die Verbesserung unsres Gesetzes eingetreten. aber in die vom Reichs-Justizamt ernannte Kommission nicht be- rufen ist, ganz recht, wenn er sagt:„Ist das Gesetz lässig, verstattet es den Richtern die Wahl zwischen müheloser, zeitsparender Bequem- lichkeit und mühevoller, sich lang hindehnender, ansttengender Arbeit. — dann bleiben nur die ganz hervorragenden fest, und alle andren denken: Warum königlicher als der König I" Das zu erstrebende Ziel muß daS entgegengesetzte sein. Dem Richter ist das Recht zu nehmen, den Umfang der Beweisaufnahme nach seinem Ermessen zu bestimmen, selbst in den Ausnahmefällen, wo er es heute noch hat, nämlich in Schöffensachen und bei Ueber- tretungen auch in der Berufungsinstanz. Die Verfolgung wegen Uebertretungen greift stark in das politische Gebiet hinein, sie richtet ihre Spitze vielfach gegen die politische und gewerkschaftliche Arbeiter- bcwegung. Nirgends ist daher weniger als hier ein Verfahren an- gebracht, das nicht mit allen sonst vom Gesetz als notwendig er- achteten Garantien umgeben ist. Rechtsanwalt Hugo Heinemann. poUtilcKe ClcbciTicbt. Berlin, den 26. August. Ein Rechtfertigungsversuch des Kvssak. Der ehemalige Sanitäts-Unteroffizicr K 0 s s a k, gegen den in der„�kolonialen Zeitschrift" die Anklage erhoben worden war, durch grobe Mißhandlungen den Tod eines Negers verursacht zu haben. hat einem Hamburger Blatte eine Zuschrift zugehen lassen, durch die er einen Reinwaschungsversuch unternimmt. Wie man sehen wird, ist dieser Versuch aber durchaus mißlungen, da Kossak in allen wesentlichen Punkten die Behauptungen der„Kolonialen Zeit- schrift" durchaus zugiebt. Kossak schreibt: „Am 8. September 1901 wurde der Distriktsverwaltung ein in Ketten gelegter und von drei Mann eskortierter Eingeborener wegen Verübung zahlreicher Schandthatcn zugesandt. In dem Begleitschreiben wurde der Verhaftete als„ gefährlich e'r Verbrecher", dem viele Einbrüche und Diebstähle, ja sogar Mordthaten zur Last fielen, bezeichnet. Ich hatte aus diesem Grunde von Anfang an ein wachsames Ange auf den Mann. Doch ließ ich ihm trotzdem die Fesseln abnehmen, um ihn bei Gefangenen-Arbeiten zu verwenden. Der Eingeborene, ein Mann von überaus starkem Körperbau, erwies sich jedoch von Anfang an äußerst lässig und trüge bei der Arbeit. Als ich ihn durch einen Dolmetscher ftagen ließ, ob er glaube, das Gefängnis sei eine Erholungsstation, antwortete er, er könne nicht arbeiten, er sei krank. Da ich den ver- schlagencn und listigen Charakter der Eingeborenen kannte, auch kurz vorher einen Simulanten unter den Gefangenen gehabt hatte, der angeblich nicht sehen konnte, dann aber überrascht wurde, als er sich bei der Essenvertcilung überzeugte. ob er auch nicht zu kurz gekommen sei, so nahm ich auch im vorliegenden Falle an, daß ich einen Simu- lauten vor mir hatte. Ich sagte dem Schwarzen, er solle wenigstens den guten Willen zeigen und etwas arbeiten. Der Gefangene verschränkte hierauf die Arme und lachte. Uni meine Autorität zu wahren, entzog ich ihm als Strafe für sein Benehmen an diesem Tage(Montag) die Abendkost.(DaS Essen wurde in zwei Rattonen, mittags und abends, verteilt.) Am Dienstag saß der Schwarze wieder da und arbeitete nicht. Ich ermahnte ihn abermals und sagte ihm, wenn er sich nicht rühre und wenigstens zeige, daß er arbeiten wolle. bekäme er den ganzen Tag nichts zu essen. Er sprach hierauf laut vor sich hin. was die übrigen Gefangenen und die ein- geborenen Polizisten zu lautem Lachen veranlaßte. Auf meine Frage, was er gesagt habe, wurde mir zur Antwort:„Der Unteroffizier kann machen, was er will, ich thu, was ich will!" Aus dieser Aeußerung entnahm ich, daß ich einen ganz Wider- spenstiaen Menschen vor mir hatte, und deshalb entzog ich ihm für den DienStag das Essen vollständig. Da der Gefangene sich in den nächsten Tagen wieder nicht an der Arbeit beteiligte, bekam er am Mittwoch. Donners- tag und, wie ich glaube, auch am Freitag nur je eine Ration Essen. Am Sonnabcndmorgen saß er äußerst schlapp da. Um ihn aufzumuntern, ließ ich ihm einen Eimer Wasser über den nackten Körper gießen. Vorher hatte ich ihn völlig ungefesselt und nicht, wie behauptet wird, krumm geschlossen, in einen Raum des im Bau befindlichen Hauses bringen lassen, dessen Mauerwerk etwa einen Meter hoch war. Ich ordnete dies an, damit der Gefangene vor dem recht heftigen Winde geschützt sei. Wer übrigens die Verhältnisse in den Kolonien kennt, weiß, daß es an solchen Tagen richtig kaltes Wasser gar nicht giebt. ES ist also falsch, daß der Schwarze mit e i s kaltem Wasser Übergossen sei. Nach einer Stunde ließ ich die Prozedur wiederholen, da der Gefangene immer noch teilnahmslos zusammengekauert saß. Weitere Gewalt ist in keiner Weise gegen ihn angewendet worden. Gegen Mittag, als die Sonne hoch stand, hatte ich die Absicht den Schwarzen in ein B a s s i n bringen zu lassen, ich nahm aber hiervon Ab- stand. Ich ließ vielmehr die Erde um den Gefangenen etwas zu- sammenscharren(etwa 10 Centimeter hoch) und dann be- fahl ich, vier Eimer Wasser über seinen Kopf zu gießen. Der Gefangene wurde dann in dir Sonne gebracht und hierauf ins Gefängnis usw. Weiter erzählt Kossak schließlich noch, daß der Schwarze später die Annahme von Essen verweigert habe und am Montag morgen tot in der Zelle gesunden worden sei. Woran er gestorben, ist nicht festgestellt worden." Die„Koloniale Zeitschrift" hatte folgende Darstellung deS Falles gegeben: „Der Mann erhielt auf Befehl des Kossak in der angegebenen Zeit nur dreimal Nahrung und zwar am ersten Tage seiner Inhaftnahme. Vom Dienstag bis zum Sonnabend, dem Tvdestage, bekam er nichts, wohl aber versuchte Kossak den Er schöpften an einem eisigkalten Septe in vertage in, Schatten einer Mauer dadurch zur Arbeit zu ermuntern, daß er den krummgeschlossenen Mann mit kaltem Wasser so lange übergoß, bis er in einem Tümpel lag. Um den Abfluß des Wassers zu verhindern, führte man um den an der Mauer liegenden Neger einen Erdwall auf und fror ihn so zu Tode, da Kossak Sorge trug, daß kein erwärmender Sonnenstrahl den Mann treffen durste." Die Darstellung Kossaks weicht nur in einigen Punkten von derber„Kol. Zeitschrist" ab. Die letztere behauptet, der Schwarze habe vom Dienstag bis zum Sonnabend überhaupt nichts gegessen während Kossak behauptet, er habe vom Dienstag bis zum Montag drei halbe Tagesrationen erhalten, am Mittwoch, Donnerstag und(wie er glaube) auch am Freitag. Auch nach dieser Darstellung Kossaks mußte der Mann, der bis zum Sonn abend, also an sechs Tagen nur eine für höchstens drei Tage aus- reichende Nahrung erhalten hatte, aus Nahrungsmangel äußerst entkräftet gewesen sein. Kossak giebt es denn auch selbst zu, daß der Unglückliche an dem fraglichen Sonnabend „äußerst schlapp" dagesessen habe. Um den Erschöpften nun auf zumuntern, wurde er dreimal mit kalte nr Wasser über- gössen, das letzte Mal dergestalt, daß er in einer Lache kalten Wassers lag. Kossak behauptet nun, daß der Mann nicht krumm- geschlossen gewesen sei. Das war allerdings auch gar nicht nötig, da der Mann anscheinend nicht nur unfähig war, sich zu erheben, sondern sich auch wahrscheinlich nicht einmal bewegen konnte. Nun behauptet Kossak weiter, das Wasser habe an einem Septembertage gar nicht eiskalt sein können. Vielleicht meint er damit nur. daß es 1—2 Grad warm gewesen sei. Eine so niedrige Temperatur ist bei Cisternen- oder Brunnenwasser sehr wohl möglich, da ja in Südwestafrika der September noch zur kalten Jahreszeit gehört, in der eine TageS-Mittel temperatur von nur 10 bis 12 Grad herrscht, während in der Nacht sogar beträchtliche Kältegrade(bis zu— S Grad) einzuweten Pflegen, die das Wasser gefrieren lassen. Und an dem fraglichen Tage soll ja nach der Ver sicherung der„Kol. Zeitschrift" eine besondere Kälte geherrscht haben. Da die Prozedur an dem Schwarzen aber innerhalb eines halberbauten Hauses vorgenommen wurde, konnten auch die Sonnenstrahlen den in einer kalten Wasserlache liegenden Körper nicht erwärmen. Der Thatbestand ist also der: Ein Gefangener, der behauptet, krank zu sein, wird zunächst durch rücksichtslose Kostentziehuug in einen Zustand hilfloser Erschöpfung gebracht, und dann wird der Erschöpfte, wahrscheinlich Fieberkranke mit kalten Wassergüsscu und Bädern zu ermuntern versucht. Als diese barbarische Kur nichts nützt, schleppt man den Mann schließlich wieder in die Sonne Als Folge dieser Kur trat dann nach 48 Stunden der Tod einl Und diese Gewalt über Lebe» und Tod liegt in der Hand eines unwissenden Unterbeamten, der also nach Belieben seine Gefangenen zu Tode hungern oder„baden" kann! Und wenn ein so„Ermunterter" so störrisch ist, sich dieser Be Handlung durch den Tod zu entziehen, so wird er gleichgiiltig wie ei» Tierkadavcr verscharrt, ohne daß man es der Mühe wert hält, seine Todesursache festzustellen! Das sind ja wunderbare Zustände! Und hätte nicht zufällig ein weichherziger Civilist den Fall mit erlebt und Anzeige erstattet, so hätte Kossak nicht einmal einen Rüffel erhalten! Da Grocneveld aber den Fall zur Anzeige bringt (wofür mau ihn uotsbeuo zu Grunde zu prozessieren suchte!) erhält Kossak— eine Geldstrafe! Und wenn man ihn nicht von Berlin aus kaltgestellt hätte, könnte er noch heute in unsrer herrlichen Kolonie seine„Ermunterlings"-Experimeiite an schwarzen Gefangenen fortsetzen I Die Regierung wird sich nach dem verunglückten Reinigungs- versuch des Kossak erst recht nicht mehr der Pflicht entziehen können, den Fall Kossak und de» Fall Groeneveld vor aller Oeffentlichkeit einer gründlichen Revision zu unterziehen! Wie die„Vossische Zeitung" übrigen? in der heutigen Abend- ausgäbe mitteilt, war der eingelieferte Schwarze, der der Barbarei Kossaks zum Opfer fiel, durchaus kein schwerer Verbrecher oder gar Mörder, vielmehr war seine Verhaftung wegen eines Roheitsver- brechens erfolgt. Der Eingeborene hatte einem weidenden Ochsen den Schwanz abgeschnitten, um ihn zu verzehren. Das war aller- dings ein grober Roheitsakt, aber doch durchaus kein Verbrechen, das mit dem Tode bestraft werden mußte. Diese Berichstgung der Kossalschen Darstellung beweist übrigens schon, was von seinen übrigen Berichtigungen zu halten ist!— Neue Opfer der Knute. Der Telegraph bringt uns die Mitteilung, daß die 55 russischen Genossen und Genossinnen, die vor dem Landesgericht in I a k u t S k(in Ostsibirien) unter der Anklage des bewaffneten Wider- standes gegen die Staatsgewalt standen, nunmehr zu insgesamt 700 Jahren Zuchthaus, also ein jeder durchschnittlich zu beinahe 13 Jahren Zuchthaus verurteilt worden sind. Die Angeklagten haben gegen das Urteil Berufung eingelegt. Wir erinnern an den Anlaß zu diesem Gerichtsverfahren. Im August vorigen Jahres trat der neue Generalgouverneur von Ost- sibirien sein Amt an. P l e h w e besuchte ihn in höchsteigner Person in JrkutSk, um mit ihm zu beraten, durch welche Gewaltmatzregeln das Leben der politischen Verbannten völlig unerträglich gestaltet werden könne. Die Edlen beschlossen folgendes: Die Verbannten, die möglichst in einsam liegenden Dörfern, wo kein halbwegs be- wohnbareS Haus zu finden ist, wo es iin Erkrankungs- falle keine ärztliche Hilfe giebt, Ivo auch die Be- schaffnng der notwendigsten Nahrungsmittel oft außerordentlich schwer ist, untergebracht sind, sollen ohne behördliche Erlaubnis, die zu erlangen sehr schwer und umständlich ist, ihren Wohnort nicht verlassen, um etwa einen Arzt aufzusuchen, sich das notdürftigste zu kaufen zc., da ihnen von Genossen, die auf der Durchfahrt zu ihrem eignen Vcrbannungsort ihren Wohnort berühren, in ihrer trostlosen Lage vielleicht Hilfe mit Geld, Nahrungsmitteln, Lesestoff ic. geleistet werden könnte. Da die weite und sehr teure Rückreise von den weitaus meisten Verbannten nach Ablauf der VerbannnngSfrist unmöglich auf ihre eignen Kosten geschehen kann, soll der früher für diese Reise von der Regierung bezahlte Geldzuschnß fortan nicht mehr ausbezahlt werden, und dergleichen menschenfreundliche Maßregeln mehr. Es wurde auch streng darüber gewacht, daß diese Verfügungen aufs rigoroseste angewendet werden. Die Verbannten, die auch nur durch die dringendste Not veranlaßt wurden, auf kurze Zeit ihren Wohnort zu verlassen, wurden unnachsichtlich nach noch entfernteren und womöglich nach schlechteren Gegenden versetzt. Versuche durchreisender Verbannter, die Ansässigen zu sehen, wurden mit brutalen Mißhandlungen verhindert. So wurden am 1. Februar in Ust-Knt aus solchem Anlaß eine größere Anzahl verbannter Männer und Frauen von der wildgewordenen Soldateska mit den gemeinsten Worten beschimpft und mit Gewehrkolben schwer gc- schlagen, so daß mehrere bluteten. Die nach Jrkutsk und Umgebung verbannten Genossen und Genossinnen beschlossen durch einen heroischen Protest, dieser Ver- schlimmerung der Zustände in der Verbannung ein Ziel zu setzen. 50 Personen verbarrikadierten sich in einem Hanse in Jrkutsk und beschlossen, cS aufs äußerste ankommen zulassen, um eventuell durch ihren Untergang die Aufmerksamkeit der Welt auf die Zustände in Sibirien zu lenken. 17 Tage lang wurden sie von der Polizei und den Soldaten umlagert. Durch brutale Verhöhnung, die namentlich im Steinwcrfen und gemeinen Beschimpfungen der eingeschlossenen Ge nossinnen bestanden, wurde jemand(wer, ist nicht festgestellt worden) von den Belagerten verleitet, zwei Schüsse abzugeben, durch welche ein Soldat getötet und einer verwundet wurde. Darauf begann eine Beschießung des Verbanntenhanses. Während vier Tagen wurden gegen 2000 Schüsse abgegeben, alle Wände des Hauses waren durchlöchert, die Be lagerten brachten es aber fertig, sich durch geschickte Verbarrikadiernng mit großen Hansen von Erde zc. zu schützen, jedoch wurden Genosse Matlachow getötet und mehrere verwundet. Die Belagerten sagten sich schließlich, der Opfer seien genug gebracht und nunmehr könne ihr Protest nicht mehr unerhört verhallen, und beschlossen, sich zu ergeben. Die tapfere russische Armee war nun endlich einmal in der Lage, einen Sieg zu verzeichnen! Die Regierung stellte die Schuldigen vor kein Kriegsgericht, durch eine Verweisung vor ein ordentliches Gericht wollte sie ihren Liberalismus bekunden. Statt des raschen Todes auf dem Schafott will sie 55 der thatkräftigsten, intelligentesten Leute im Zuchthaus langsam zu Tode martern. Das deutsche Proletariat sendet den Helden seine herzlichsten Grüße durch die Gefängnismanern und ruft ihnen zu: Habt Dank für Eure heldenmütige Opferthat. Sie wird nicht umsonst geschehen sein. Das Conto des russischen Absolutismus ist nunnichr wieder um einiges schwerer belastet. Noch sehnlicher brennt der Wunsch in jedem Menschen, der fähig ist, menschlich zn fühlen: schneller möge der Tag kommen, wo der Absolutismus fällt, der Tag, wo auch die Thüren, die in Euer Gefängnis, verurteilte Freunde, führen, sich öffnen werden!— Vom südwestafrikanischen Kriegsschauplatz. Folgende neue Verlustliste ist eingegangen: Lieutenant Enno von Boetticher, geb. 26. Februar 1873 zu Mülheim(Rheinprovinz). 24. August im Lazarett zu Okahandja an Typhus gestorben. Am 23. August im Lazarett W a t e r- berg infolge' ihrer Verwundung gestorben: Reiter Albert Gustav Zöllner aus Schleusendorf(Kreis Bromberg), Reiter- Richard Ahrendt aus Dessau. Hauptnianu a. D. Dann Hauer meldet aus Owikokorero vom 25. August: „Das Hauptquartier ist hier eingetroffen und hält sich zu so- fortigem Abmarsch nach Osten bereit, sobald sämtliche Ab- teilungen ihre Verpflegung wieder voll er- g ä n z t haben. Starke feindliche Kräfte sind in der Gegend von Otjikongo und östlich davon als im Abzüge befindlich fest- gestellt. Das Detachemcnt Winkler wurde in Otjosondn durcki die 6. Compagnie des 2. Feldregiments und durch eine halbe Batterie verstärkt. Größere Aufklärungsabteilungen sind am Feinde." Das Scherl-Vlatt bemerkt zu dieser Meldung: Die in dieser Meldung angedeuteten Verpfleg ungs- schwierigkeiten dürfen bei Beurteilung der militärischen Lage. wie sie sich nach dem unerwarteten Abschwenken der geschlagenen Hercrobanden in südöstlicher Richtung gestaltet hat, nicht über- sehen werden. Man kann nur wünschen, daß d e r F e i n d nicht in viele kleine Trupps auseinanderläuft� sobald er die Verfolger auf den Fersen spürt; man muß aber bei der Schwierigkeit des Geländes und den großen Entfernungen immerhin mit der Möglichkeit rechnen, daß auch die jetzt im Gange befindliche Aktion nicht mit einem vollen Erfolge unsrer braven Truppen endet." Das klingt bereits sehr viel weniger optimistisch als die Betrachtungen, die man an den vorhergegangenen Tagen anstellte I Wahrscheinlich werden sich auch viel eher die B e f ü r ch tun gen als die Wünsche erfüllen. Wie es um die südwcstafrikanische Kriegsführung überhaupt steht, schildert ganz anschaulich ein Soldatenbrief, der der Märkischen Volksstimme" zur Verfügung gestellt wird: „Fast jeden Tag kleine Ueberfälle. Wir liegen unter Gottes freiem Himmel mit zwei Decken, immer unser Gewehr links oder rechts geladen neben uns. Schakale oder Hyänen kommen oft bis an den einen oder andern Schläfer, gehen jedoch gleich wieder erschreckt los. Sonst alles gut und gesund. Freilich, TyphuS herrscht hier zu Lande unter den Truppen. Lazarette alle voll. Wenig Esse».... Krieg k o st e t Millionen, weiß nicht, wo jemals die Kolonie daS wieder einbringen soll.... Je länger der Krieg dauert, um so schlimmer für uns, denn K r a n k h e i t e n greifen immer mehr um s i ch. Leicht erklärlich, jede Nacht ohne Zelt im Freien liegen, am Tage furchtbar heiß, daß man glaubt, Juli in Deutschland zu haben und nachts gegen 2 Uhr tritt Kälte ein, daß eS Eis aus dem Wasser gefriert. Dann nur 2 bis 3 Decken und Mantel. Rheumatismus tritt leicht ein. Wenig Lebensmittel, Magen ausgehungert, anstrengende Trecks und Ritte; wo soll cS anders hin. Keine Straßen, Sand, Sand und Dornen. Das ist unsre Kolonie. Das Gras zum Weiden der Ochsen und Pferde brennen die Hereros ab. Hafer pro Woche für ein Pferd ein Kockigcschirrdeckel voll. Bei den Tieren kann man auf die Knochen die Hüte auf- hängen.(!) Und diese Tiere in den Krieg mit landeskundigen Eingeborenen!" Daß unter solchen Umständen der Krieg nur langsam vom Flecke rückt, ist nur zu begreiflich! *• * Deutfehes Reich. Russische Blätter in Deutschland. Die russische Regierung arbeitet gegenwärsig mit Hochdruck, um die öffentliche Meinung Europas'über die verbrecherische Schandwirtschaft in Rußland irre zu führen. Zu den Blättern, die sich zu diesem schimpflichen Gewerbe hergeben, gehört z. B. seit geraumer Zeit die„Staatsbürger-Zeitung", die sogar Kischinew verherrlicht hat. Neuerdings arbeitet auch die„Post", deren Chefredakteur für die Verdienste um das Ausland zur Tragung der anrüchigsten Balkanorden verurteilt ist, für Rußlands elendeste Kreaturen. Sie hat nicht nur Plehwe verherrlicht, jetzt läßt sie sich auch von irgend einem für den Zarismus thäsigen Russen-Ruhkopf, Russen-Lorcnz, Russen-Zedlitz oder Russen-Abel eine Verteidigung des v. Wahl schreiben, der in seiner Person alle Unmenschlichkeiten des absolutistischen Systems verkörpert. Dieser Wahl hat bekanntlich jene scheußlichen Äuspeitschungen auf dem Gewissen, die in Wilna geschehen sind, die von zahlreichen Augenzeugen übereinstimmend geschildert worden sind und die zu dem erfolglosen Attentat Hirsch Lekerts führten. Der Wahl-Agent in der„Post" aber schreibt in cynischer Ver- logenheit: „Thatsächlich bestanden die angeblichen„Knntungen" darin, daß einige halbwüchsige Strolche ini Alter von 15 bis 18 Jahren zu einer gesetzlich vorgeschriebenen Rutenstrafe verurteilt worden waren und daß diese Burschen in derselben Weise, wie man das unartigen Schulkindern gegenüber zu thun pflegt, lediglich mit dünnen Birkenrcisern, also nicht mit der Knute, gezüchtigt worden sind! Die Schlingel haben diese leichte Strafe auch recht gut überp.anden und es ist bei dieser Prozedur kein Tropfen Blnt geflossen! Die erwähnten Strolche hatten in gröhster Weise am 1. Mai 1002 auf den Straßen tumultniert, waren mit roten Fahnen durcki die Straßen von Wilna gezogen und hatten dabei gebrüllt:„Nieder mit dem Zaren I Nieder mit der Regierung!" Da es dem General in kurzer Zeit gelang, dem wüsten Treiben der Anarchisten wirksam entgegenzutreten, verurteilten sie ihn zum Tode. Thai- sächlich erfolgte bald darauf, Mitte Mai 1002, das erwähnt« Attentat auf den General, bei welchem er durch drei Revolver- kugeln schwer verwundet wurde. Seit jenem Attentat versuchten die russischen Nihilisten den General auf jede nur mögliche Weise zu verdächtigen, zumal jetzt, da nach der Ermordung des Ministers Plehwe mit der Möglichkeit gerechnet wird, daß der General sein Amtsnachfolger werden könnte." Es ist nur gut, daß wenigstens die dünnen Birkenreiser nicht auch mit Rubeln zugedeckt worden sind; dieser Konzession verdanken wir die Beobachtung, daß die„Post" die Prügelstrafe für friedliche Demonstrationen für durchaus berechtigt hält: Eine durch„dünne Birkcnreiser" verschärfte Zuchthausvorlage ist demnach das neueste „Post"-Jdeal! Tie„Post" erklärt dann, daß Wahl fälschlich be- schuldigt werde, Nachfolger Plehwes werden zu wollen; er habe sich so„wenig für die Erbschaft Plehwes interessiert, daß er gleich nach der Beerdigung des ermordeten Ministers Petersburg verließ und ins Ausland zu seiner Erholung Iging". Der Wahl fnhlie sich offenbar nicht sicher im Vaterland, er fürchtete die„Erbschaft Plehwes". Wahl wird weiter von der„Post" seines Ruhms gegen die in liberalen Blättern erhobene Anklage verteidigt, er habe sich gewaltige linterschleife zu Schulden kommen lassen. Diese Verteidigung ist ein Vorwurf gegen die Tüchtigkeit WahlS; ein russischer Beamter, der sich nicht einmal auf Unterschlagungen versteht ist für den russischen Dienst unbrauchbar. Endlich wird der„Post"-Wahl hoch diplomatisch. Er klappert mit dem Gelde, indem er auf den Profit der russischen Freundschaft hinweist. „Die freundliche Stimmung, welche mühsam wieder hergestellt wurde, erscheint durch die kurzsichtige und tendenziöse Haltung eines gewissen Teiles der deutschen Presse gefährdet, und es könnte sich leicht in diesem Falle das Wort des Fürsten Bismarck be» Wahrheiten, daß Deutschland die Fensterscheiben zn bezahlen hat. welche seine Presse einschlägt. Thatsächlich wird Rußland durch die maßlose Hetze, welche gewisse deutsche Blätter betreiben, in die weitgcöffnetc» Ärmc Frankreichs und Englands geradezu hinein- getrieben. Beide Mächte arbeiten zielbewußt daran, Deutschland politisch zu isolieren und es von Rußland zu trennen! Wenn dieser Fall eingetreten sein wird, mag man sich bei den betreffenden Zeitungen dafür bedanken!" Thaisächlich unterrichtet keine Presse so gut und ausführlich über die Greuel des Zarismus wie gerade die englische. Thatsächlich hat sich die unwürdige Russenfreundschaft Frankreichs stark abgekühlt. Thatsächlich öffnet niemand, außer die von Rußland bezahlten Agenten, und leider Preußen-Dentschland die Arme weit auf gegenüber dem ruchlosen Zarismus. Daß Rußland gerade England als seinen Todfeind betrachtet, ersieht man schon aus jedem der russischen „Siegesbilder", auf denen neben dem geprügelten und zerfetzten Japaner regelmäßig ein Engländer und ein Amerikaner zu sehen ist. Wann endlich wird die„Post" der Wahrheit die Ehre geben und ihrem Wesen gemäß in russischer Sprache erscheinen?— DaS Organ des Bundes für„krachende Throne", die„Deutsche Tageszeitung", schreibt: „Der„Vorwärts" hat auf unser Ersuchen, das unkorrigierte Stenogramm der bekannten strittigen Stelle aus der Amsterdamer Rede Bebels zn veröffentlichen, vollkommen geschwiegen; vielleicht ist es ihm bisher nicht möglich gewesen, das Stenogramm zu be- schaffen oder er hat noch nicht Gelegenheit gehabt, sich mit Herrn Bebel wegen der Angelegenheit in Verbindung zn setzen. Wir wollen noch einige Zeit warten, wiederholen aber, daß wir nicht geneigt sind, die Sache im Sande verlaufen zu lassen. Wir haben. als wir zuletzt die Angelegenheit behandelten, die Worte unsres Berichts, um die es sich handelt, nochmals angeführt. Wir haben ferner nochmals hervorgehoben, daß es nicht darauf an- komnie, wie der„Vorwärts" die fraglichen Ausführungen Bebels umschreibt und interpretiert, sondern allein und ausschließlich darauf, was Bebel in Amsterdam wörtlich und thatsächlich ge- sagt hat. Das kann, wenn das Gedächtnis des Herrn Bebel viel- leicht nicht ganz sicher sein sollte, nur durch die Beibringung des unkorrigierten Stenogramms bewiesen werden. Will also der „Vorwärts" nicht etwas thun, das man im studentischen Leben „kneifen" nennt, so wird er nicht umhin können, das Stenogramm beizubringen. Andernfalls würden andre Wege zu wählen und aus der jetzigen Unterlassung für alle Zeiten die Konsequenzen zn ziehen sein." Auf das Verlangen nach dem„unkorrigierten Stenogramm" haben wir nicht geantwortet, weil eS gar zu einfältig ist. Die „Deutsche Tageszeitung" hat eine Anklage gegen Genossen Bebel erhoben, die zu beweisen ihr, nicht uns zur Last fällt. Wir haben auf Grund genauer Erkundigung bei unser in Berichterstatter mitgeteilt, w a S Bebel gesagt hat. Paßt das der„Deutschen Tageszeitung" nicht in ihren patriotischen Zoll- Wucher, so haben wir nicht das mindeste dagegen, wenn sie sich ein ., u n k o r r i g i e r t e s Stenogramm" verschafft. Wir würden ja natürlich ans kollegialem Gefühl auch gern bereit sein, dem Blatt in seinem zoll-polizeilichen Erniittelungsverfahren behilflich zu sein, aber wir sind dazu nicht im stände, weil wir weder ei» korrigiertes noch ein nnkorrigiertes Stenogramm besitzen. Der Zufall will es übrigens, daß gerade jetzt eine Aeußerung be- kannt wird, die ganz wie es Bebel in Amsterdam ausführte, den Vorteil der französischen Niederlage für Frankreich hervorhob. Am 17. Februar 1871 schrieb Henrik Ibsen, der größte Dichter der Gcgcnwart, an Georg Brandes:„Mein Gemüt befindet sich so einigermaßen im Gleichgewicht, weil ich Frankreichs gegenwärtiges Unglück für das größte Glück halte, das dieser Nation wider- fahren konnte." Das schrieb Ibsen nicht als Feind, sondern als glühender Ver- ehrer des französischen Volkes. Wenn in Deutschland jemals das System des dritten Napoleon zur Herrschaft gelangte, so würde jeder Freund des deutschen Volkes und der deutschen Kultur einen ähnlichen Zusammenbruch auch für ein Glück halten, wie das Bebel in Amsterdam gesagt hat. Zu den Freunden des deutschen Volkes rechnen wir'weder die „Deutsche Tageszeitung" noch die„Post". Ihnen würde jede: NapolconiSnms recht sein— sofern er nur für die Bereicherung der herrschenden Klassen Sorge tragen würde.— Mirbachs Schwurzcugen. Das„Plebiszit" für den Freiherrn v. Mirbach schwillt immer gewaltiger an. Alle Frommen des Deutschen Reiches erheben für den Freund der Hypothekenbanken, den schwierigen Verwalter von Mündelvermögen, den Ordens- und Titel-Spender, den verkörperten Wohlthätigkeits-Dietrich, dem keine eiserne Thür zu widerstehen vermochte, die segnenden Schwurfingcr. Ein Generalsupcrintendent H e s e k i e l in Posen richtet einen Erlaß an die Vorstände der Diakonissenstation und bittet sie, nicht irre zu werden an dein Manne,„der viele Jahre lang sich in seinem Liebes- lienst verzehrt und dabei die größten Erfolge erzielt hat." Auch der Generalsuperintendcnt Braun in Königsberg hat das„Herzensbedürfnis", an die Seite des Mannes zu treten, dessen Bekanntschaft er sich zur Ehre rechnet, nicht weil er Excellenz und Freiherr ist,„sondern weil er über unendlich Viele hervorragt durch wahre Vornehmheit der Gesinnung, ungemachte dünkelfreic Liebenswürdigkeit des Wesens, bewunderungswcrte Treue gegen frei- willig übernommene Pflichten und eine in unsren Tagen nicht zu häufige weitherzige Begeisterung für die Hebung der ungeheuren kirchlichen Notstände und des sittliche» wie socialen Wohls der unteren Stände." Wenn man es verstanden hat, sich in Wohlthätigkeit zu„ver- zehren", indcni man Spenden nur über 200 Mark scharenweise hervorzauberte, so ist der Glaube der Anhänger an solchen Wunder- mann offenbar noch felsenfester als der Glaube an den klugen Hans.— Klerikale Toleranz. AuS St. Johann wird uns geschrieben: Nahe der preußischen Grenze liegt das lothringische Dorfchen Pfarrebersweiler, dessen Scelenhirtc den Ehrgeiz hatte, obiges Kapitel um eine» weiteren Fall zu bereichern. Starb da ein zehn Monate altes Kind, das den in den Augen des Pfarrers unverzeihlichen Fehler hatte, unehelich geboren zu sein. In dem Dorfe besteht die Sitte, gestorbene Kinder durch weitzgeileidete Mädchen zum Friedhof tragen zu lassen. Die Beerdigung des fraglichen Kindes fand a u s n a h m s 10 e i s e um 6 Ü h r früh statt. Ms der Pfarrer am Friedhofe die Leiche ent- gegennahm, um seines Amtes zu walten, und die weitz- gekleideten Mädchen sah, sagte er:„Eine solche Parade brauchte man bei einem„solchen" Kinde doch nicht zu mache n." Weil aber die Leidtragenden nicht einsehen konnten, daß uneheliche Kinder eines gewöhnlichen Begräbnisses nicht w er t sein sollen, verbot er ihnen den Eingang zum Friedhof, den er ihnen vor der Nase verschloß. Ob der Herr Pfarrer diese eigenartige Bethätigung der Nächsten- liebe und der Seelsorge den Lehren des Nazareners entnommen, bezweifeln wir, sicher aber ist sie nicht geeignet, für die „Alleinseligmachende" Propaganda zu machen. Da ist Pfarrer Kolbus dersreieu Liebe gegenüber doch toleranter! In Freimengen(Lothringen) kam der 16jährige Sohn eines Taglöbners an einem Sonntag zu spät zur Christenlehre. Um ihn zu„bessern", befahl ihm der Pfarrer, vor der Konimunionbank zu knieen und laut das Einttittsgcbct der versammelten Gemeinde vorzu- beten. Aus Schamgefühl verweigerte dies der Junge und verließ die Kirche. Um seine Autorität zur Geltung zu bringen, schrieb nun der Pfarrer an den— Arbeitgeber des Taglöhners, bei dem auch der Sohn beschäftigt ist. Der Bauführer stellte nun Vater und Sohn zur Rede und kündigte ihnen au, daß sie, wenn sie sich nicht mit dem Pfarrer„aussöhnten", aus der Arbeit entlassen würden. Der Vater that dies, die Macht des Pfarrers fürchtend, schweren Herzens. Der Sohn, der sich dem Machtwort des Pfarrers nicht fügte, wurde entlassen. Derselbe Pfarrer verweigerte einem Bergmann die Beerdigung seines verstorbenen Kindes bis er die Beerdigungs„gebühr" von 0 Mark bezahlt hatte. Uns ist bekannt, daß der Nazarener das Begraben der Toten als die siebente der christlichen Barmherzigkeiten gepredigt haben soll. Daß dabei aber von 9 Mark und vom Vorausbezahlen die Rede war, haben wir nie gehört. Es giebt nur ein Gewerbe, das sich voraus bezahlen läßt, das aber mit den, Christentum ebensowenig zu thun hat, wie diese Handlungsweise des Herrn Pfarrers von Frein, engen. Einem andern Bürger des Ortes, dem der Herr Pfarrer ein Kind beerdigt hatte, rief er auf der belebten Straße zu:„Hörst Du, mach', daß Du die neu» Mark für die Bc- erdigung bezahlst, sonst schick' ich Dir den Gerichtsvollzieher von St. Avold". Wenn der Herr Pfarrer fein Scelsorgermnt als ein Geschäft betrachtet, hat er ganz recht, wenn er seine Forderungen wie jeder andre Geschäftsmann beitreibt. Einem andren seiner Parochianen ließ der eifrige Pfarrer durch seinen Schwager sagen, wenn er sich keinen Platz in der Kirche kaufe oder in Zukunft die Kirche nicht besuche, mache er ihn brotlos. Letztere Drohung ist übrigens den, frommen Herrn recht geläufig, hat er sie doch schon gegen so viele Dorfinsassen angewandt, die er damit von dem Verkehr mit Socialdemokraten abhalten wollte— um stets das Gegenteil zu erreichen. Merkwürdig ist, daß die in letzter Zeit zu Tage getretenen Fälle klerikaler„Toleranz"— Spittel, Fameck, Pfarrebersweiler, Freimengen usw.— alle im Bistum Metz liegen.— Berichtigung. Im Artikel„Der Wiederhall von An,sterdam in Frankreich"(Nr. 198, erste Seite, erste Spalte, dritter Absatz) muß es heißen:„Das paßt... zur gewohnte» Hebung der a n t i- ministeriellen(nicht: der ministeriellen) Bourgeoisparteien, im Jaurösismus... den gefährlichsten Feind zu erblicken." Husland. Oesterreich-Ungarn. Ein Todesmarsch. In Nord- Böhmen hat, wie der„Nord- böhmische Volksbote" mitteilt, kürzlich wieder einer jener Todes- Märsche stattgefunden, von denen die Chroniken aller modernen Militärstaatcn in jedem Jahre zu berichten haben. Das Regiment hatte von G r o t t a u über N i e m e s nach Sonwarz- K o st e l i tz, eine Entfernung von ca. 49 Kilometer unter sehr schwierigen Terrainverhältnissen zu marschieren. Schon unterwegs wurde eine große Zahl der Mannschaften inarode. Das Ziel mußte aber erreicht werden und wurde erreicht. Aber unter welchen Opfern! Nicht weniger als 8 Tote und 8b Schwerkranke wurden gezählt, hauptsächlich Reservisten, Familienväter.— Ein österreichischer Fall Krosigk? Aus Lemberg wird berichtet: Während der letzten Schießübungen des 89. Jnfaulerie-Regiments fiel— trotzdem mit blinden Patronen geschossen werden sollte— plötzlich ein scharfer Schuß und die Kugel durchschoß das Bein des Kapitäns Szimiczek. Trotzdem die Karabiner sofort durchgesehen wurden, konnte nicht sestgestellt werden, aus loelchem Gewehr der Schuß gefallen war: anscheinend hatte der Soldat, der scharf ge- schössen hatte, sofort dahinter die blinde Patrone verschossen. Man weiß bisher nicht, ob es sich um einen unglücklichen Zufall oder um ein Verbrechen handelt.— Rustland. Die Rnssifizierung Finnlands. Aus Petersburg wird unterm 24. August mitgeteilt, daß der Zar einen Tagesbefehl mit Gesetzes- kraft erlassen hat, wonach der finnische Militärdistrikt aufgehoben und dem St. Petersburger Militärdistrikt einverleibt wird.— Amerika. Bei den Nationalwahlc» ist das Juteresse an den politisckien Vorgänge» immer ein sehr reges im Volke, besonders wenn be- stimmte große Frage» zur Entscheidung gelangen. So war 1888 die Tariffrage der Grund zu einer tiefgehenden Erregung und 1896 ver- setzte die Währungsfrage alles in Bewegung. 1888 beteiligten sich 11389 869 Wähler, 1896 dagegen 13 923 378 Wähler an der Entscheidung dieser Fragen. Ein bestimmtes Problem steht dies- mal nicht auf der Tagesordnung, und doch ficht es aus, als schlage die politische Bewegung starke Wellen. Eine Eigentüin- lichkeit bei anierikauischcn Wahlen sind die vielen Wetten, die ab- geschlossen werden. Es sind bereits große Sumnien auf Roosevelt gesetzt worden, und zwar im Verhältnis von zwei zu eins. Um die Leser zu befriedige», haben manche Zeitungen schon ein„Strohvotum" veranstaltet. So hat„Chicago Tribüne" an 19 988 Wähler Zettel versandt mit der Frage, welchem Kandidaten sie ihre Stimme geben würden. Das Resultat war: Roosevelt erhielt 6 594, Parker 3 789, DebS 548 Stimme». Daß der Kandidat der Socialijten. Debs, auch mitspricht, darüber wundert sich die„Tribüne". Der Nationalsckrctär der socialistischen Partei hat kürzlich einen Aufruf erlassen, daß die Partei 59 999 Dollar brauche, um den Wahlfeldzng mit Energie führen zu können.— eine lächerlich geringe Sunime für die Demokraten oder Republikaner, die aber für die Socialistcn unter den obwaltenden Ilmständen nur schwer auf- zubringen ist. Hier kommt sie aus kleinen Geldbeuteln, dort aus großen Gcldsäckcn.—_ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Der Verbleib des Restes der Port Arthur-Flotte wird nun endlich durch eine neue offizielle russische Meldung aufgeklärt. Die Panzerschiffe, die ans der Seeschlacht am 19. August entkamen, sind danach thatsächlich in den Hafen von Port Arthur zurückgekehrt! Der japanische Sieg war also ein voll- ständiger und die Vernichtung des Restes der russischen Flotte steht totsicher in der nächsten Zeit bevor! Neber die Vernichtung des„Nowik" besagt ein kurzer Bericht des Kommandanten d e S Kreuzers „Nowik" an den Kaiser: Am 19. Augnst verlor ich nach Beendigung des Kampfes, indem der Kreuzer drei Beschädigungen über der Wasserlinie erhalten hatte und in welchem er zusammen mit den, Kreuzer.Aslold" die feindlichen Schiffe durchbrochen hatte, diesen infolge Nebels und der erforderlichen Ausbesserung der Maschine aus dem Auge und lief am 11. August Kiautschou an, um Kohlen zu nehmen. Am 12. Augnst verließ ich den Hafen, um unter Umschiffung Japans nach Wladiwostok zu gehen und erreichte am 29. August Korssakolv. Ich nahm Kohlen ein. Ilm 4 Uhr nachniittags sichtete ich einen sich nähernden feindlichen Kreuzer vom Typ„N i i t a k a", ging in See und ließ inich um 5'/� Uhr mit ihm in einen Kanipf ein. In demselben erhielt der „Nowik" nach 45 Minuten drei Beschädigungen unter und zwei über der Wasserlinie, wobei der Raum oberhalb des Steuers voll Wasser lief. Der leck geschossene feindliche Kreuzer gab den weiteren Kampf auf und sandte die ganze Zeit Funksprüche ab. Da ich gegen Ende des Kampfes nur sechs brauchbare Kessel hatte und das Steuer beschädigt worden war, war ich genötigt, nach K o r s s a k o w zurückzukehren, um die Beschädigungen festzustellen, in der Absicht, nachts in See zu gehen. Da es nicht möglich war, die Beschädigungen am Steuer auszu- bessern, und da mehrere feindliche Schiffe in der Nähe waren, wie das Telegraphieren und das Licht mehrerer Scheinwerfer bewiesen, so beschloß ich de» Kreuzer im seichten Wasser zu versenken. Die Offiziere, die Mannschaft solvie Hab und Gut wurden aus Ufer ge- schafft. Am 21. August beschoß ein Kreuzer vom Typ „Sunra" den über dem Wasser sichtbaren Teil des Kreuzers. Im Kampfe vom 19. August wurden zwei Mann ge- tötet und der Schiffsarzt leicht verivundct. Am 29. August wurden zwei Manu getötet und ein Lieutenant und 14 Mann' leicht sowie zwei Mann schwer verwundet. Ueber die Lage von Port Arthur wird heute gemeldet: London, 26. August. Der„Daily Telegraph" meldet aus zuverlässiger Quelle aus Tschifu von, 25. August über die Lage bei Port Arthur: Im O st e n befindet sich das Land zwischen T a k u s ch a n und den W o I f s b e r g e n in de» Händen der Japaner; im W e st e n halten sie das Jtschanfort besetzt, können aber wegen der Minen nicht weiter vorgehen, ebenso ist die Tanbenbai in ihrem Besitz; im Norden stehen sie in Talirntschcnit. Ihre Avantgarden gingen mehrfach über die Linien der inneren Forts, lvurden aber jedesmal wieder zurück- geworfen. Japanische Spione in Port Arthur versuchen, die elektrischen Minendrähte zu durchschneiden. Dasselbe Blatt meldet ans L i a u j a n g vom gestrigen Tage: 35 Kilometer südöstlich von Liaujang hat ein heftiger Kampf bc- gönnen, ein allgcineincr Angriff der Fapancr wird erwartet. Tschifu, 25. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Chinesischen Nachrichte» zufolge sind die Forts Goldener Siigel, Weißer Marmorberg und Lianteschan die einzigen auptforts, die sich noch im sicheren Besitz der Russen befinden. Andre Hauptforts sind zwar noch von den Russen besetzt, befinden sich aber unter feindlichem Artilleriefeuer, das das Aushalten der Russen zweifelhaft erscheinen läßt. Das mehrfach von den Japanern genommene und wieder verlorene Fort V wird jetzt wieder als von denJapanern besetzt bezeichnet. Anscheinend zutreffende Berichte melden, daß das neue europäische Viertel von Port Arthur in Flammen steht. Da aber die Gebäude aus Lehmziegeln ge- baut sind, ist � der Brand wahrscheinlich nicht allgemein. Die Japaner verwenden zur Beschießung Port Arthurs 399 schwere Geschütze aus den Hafenbefestigungen von Kobe, Nagasaki und Nokohaina. Tschifu, 25. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Eine am 22. d. M. von Port Arthur abgegangene Dschunke giebt die Zahl der russische» Berwnndcten aus 5999 an und meldet ferner, daß die Japaner die Höhe von Tschaoganko besetzt hielten. Vom Hauptkriegsschauplatz bei Liaujang. Liaujang, 24. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Infolge des Austretens von Tschuntschusen ist jetzt das Reisen ohne Begleitmannschaft gefährlich. Die Haltung der Chinesen im Süden von Liaujang hat sich seit dem Rückzüge aus Taschitschiao sehr zum Schlimmeren verändert. Kavallcriepatrouillen stoßen nachts ge- legentlich auf kleine feindliche Abteilungen. Die Stimmung in Liaujang ist optimistisch. Aus Liaujang wird ferner berichtet, die Gesamtstärke der japani- scheu ersten Armee unter Kuroki betrage über 199 999 Mann, Nodzu habe 79 999, Oku 49 999 Mann. Außerdem rücken am Liauflusse zwei Divisionen mit zusanuncu 39 999 Mann vor. Marschall Oyama hat sein Hauptquartier vor Port Arthur. Mit Sicherheit wird angenommen. daß das weitere Vorrücken der Japaner in der Mandschurei lediglich von dem Schicksal Port Arthurs abhängt. Das Los der rnssischeu Verwundeten. Der Kricgskorrespondcnt der„Russija" schildert folgendermaßen die Schwierigkeiten, ivelche die verwundeten Soldaten während der Regcnperiode in der Mandschurei durchzuniachen haben:„Es regnet. Ich fahre nach Haiping. Der Weg ist ganz weg- geschwemmt. Das Pferd schleppt init Mühe die Beine und ver- sinkr bis an die Knie in Schmutz. Ein Paar transbnikalische Kosaken konnncn uns entgegen. Der eine ist in eine Matte eingehüllt, der andre ist»nt einem schmutzigen Leiulvandsack umwickelt. Es hilft aber nicht. Bis ans Henid sind sie durchnäßt. Die Regentropfen klopfen an die festen Blätter ivie der Hagel an ein Blechdach. Ich schließe die Augen und schlummre ein. Plötzlich riß das Pferd in die Seite. Was ist's? Vier Chinesen tragen auf ihren Schultern eine Bahre. Auf der Bahre liegt ein Verwundeter, bedeckt mit einer vonr Regen schwarz gewordenen Decke. Ein bleiches Gesicht und ein fieberhafter Blick ans den düsteren eingefallenen Augen sind gen Hinunel gerichtet, von wo das Wasser in ununterbrochenem Stronic herunterfließt. Ein ganzer Zug solcher Chinesen mit Vahren auf de» Schultern geht vorüber. Sie führen die schwer Verwundeten nach Liaujang. Sic sind von der Nässe durchdrungen bis in die Tiefe ihrer Wunden, und noch dreißig Werst haben sie bis Liaujang zurückzulegen, noch acht Stunden müssen sie unter dem Regen bleiben! Seine Schilderung schließt der Korrespondent mit eincni Aufruf an die Leser:„Schicket Wäsche! Der Soldat hat nicht womit sein nasses Hemd zu loechseln. Wochenlang muß er das durch- näßte Hemd tragen!" Trotz der Millionen des„Roten Kreuzes", trotz der weiten Ausdehnung der organisierten Gesellschaften zur Hilfe der Verwundeten, ist immer»och der russische verwundete Soldat auf die private Wohlthätigkcit an- gewiesen. Und nicht nur dem verwundeten, auch dem gesunden Krieger wird kein Hemd gegeben, kein Ueberzieher, keine Stiefel. In Matten und Säcke müssen sie ihre Leiber wickeln. Kein Wunder daher, daß die Zahl der Krauken bei weitem die Zahl der Ver- wundeten übertrifft._ Hus Indufmc und Handel Bor der Entscheidungsschlacht. Heute, am Sonnabend, findet in Düsseldorf die Geueralver- sammlung der Hibernia-Gesellschaft statt, in der die Entscheidung— vielleicht zwar nur eine vorläufige Entscheidung— über das Möllcrsche Vcrstaatlichungsprojekt fallen wird. Beide Parteien haben in den letzten Tagen noch mannigfaltige Vorbereitungen getroffen, und es ist zweifellos, daß die Repräsentanten der Berliner Hoch- finanz jo zahlreich versammelt sein werden, wie vielleicht nie bei ähnlichen Gelegenheiten zuvor. Auch die Verwaltung der Hibarnia ist kampfbereit: sie beantragt zu Plmkt 1 der Tagesordnung, die Verstaatlichung rundweg abzulehnen, womit auch zugleich der zweite Punkt der Tagesordnung: der die Auflösung der Gesellschaft betrifft, hinfällig wird. Ferner fordert sie eine Erhöhung des Aktienkapitals um ö'/a Millionen Mark unter folgenden, den Anfkanf der neuen Aktien durch die Regierung verhindernden Modalitäten: Der Mindest- betrag, zu welchem die neuen Aktien ausgegeben werden, wird auf 299 Pooz. festgesetzt. Ans die neuen Aktien wird die Einzahlung sofort niit 25 Proz. und dein Agio geleistet, je weitere 25 Proz. werden am 1. Juli 1S9S, am 1. Juli 1996, am 31. Dezember 1997 eingezahlt. Frühere Einforderung von Einzahlungen kann der Vorstand im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat ausschreiben. Vor erfolgter Vollzahlung werden an Stelle der Aktien auf Namen lautende Jnterimsscheiue ausgefertigt, deren Ueber- tragung vor erfolgter Vollzahlung an die Ge- nehmig un g von Vorstand und Aufsichtsrat ge- b u n d e n i st. Die neuen Aktien nehmen an der Dividende ab 1. Januar 1995 im Verhältnis der geschehenen Einzahlungen teil. Im übrigen haben die neuen Aktien mit den alten gleiche Rechte. Ein Bezugsrecht der Aktionäre auf die neu aus- zugebenden Aktien wird ausgeschlossen. Das rheinische Schlotmagnatentnm ist im Bunde mit der Berliner Hochfinanz zur rücksichtslosen Bekämpfung der Regieruugs- Pläne entschlossen. Beide Kontrahenten kennen ihre Macht und wollen den Eingriff des Staates in ihre Ausbeutungs- und Interessensphäre gleich von vornherein energisch zurückweisen, damit er sich nicht ein- fallen läßt, ihnen wieder sobald in die Quere zu kommen. Das gegenwärtige Regime hat in den letzten Jahren unter der Aegide Bülow-Rhcinbaben-Möller alles Mögliche gethan, um den Macht- dünkel der rheinischen Syndikatsgrößen zu stärken: nun kehrt sich deren Angriff gegen sie selbst— eine wohlverdiente Lektion. Be- sonders geschäftig, um noch in letzter Stunde Kampfmaterial gegen die Regierung heranzuschleppen, zeigt sich die syndikatsoffiziöse Konku- bine vom Rhein. In einem Leitartikel beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sich die Lage des preußischen Staats gestalten würde. wenn die Düsseldorfer Generalversammlung der Hibernia den Ver- kauf an den Staat beschließen sollte. „Es wird sich dann zunächst ftagen", erklärt das aus Syndikats« kreisen inspirierte Blatt,„ob dieser Beschluß überhaupt eine Wirkung ausüben kann, da er nach§ 1 der Bestimmungen„über gemeinsamen Verkauf und Ausnahmen davon" nur gülttg wird, wenn die mit dem Kohlcnsyndikat veriragsmäßig geeinigten Zechenbesitzer in ihrer Ver« sammlung dem Verkauf der Zcchcnaniagen der Hibernia an den Staat ihre Zustimmung erteilen. Diese Gcnehnngung muß allerdings erfolgen <§ 1 der angezogenen Bestimmung), wenn die Sicherheit gegeben ist, daß die Erfüllung der Verträgspflichten des Veräußerers nicht beeinträchtigt werden wird. Aber nach dem Schlußsatze des K 1 sind die Vcrtragsgenosscn zur Aufnahme des Erwerbers als Mitglied der Vercinignng in keinem Falle verpflichtet. Die Aufnahme der verstaatlichten Hibernia in da? Kohlcnsyndikat ist noch dadurch er- schwert, daß nach§ 3 des Gesellschaftsvertrages des Kohlensyndikats die Ucbcrtragung der Kohlensyndikatsaktien der Hibernia auf den neuen Erwerber der Hibernia an die Zustimmung des Aufsichtsrats und der Generalversammlung des Syndikats geknüpft ist. Bei dem Widerstande, auf den die Verstaatlichung der Hibernia in den be- teiligten industriellen Kreisen stößt, einem Widerstande, der durch das eigentümliche Vorgehen der Regierung in Ver- bindnng init der Dresdner Bank sich teilweise geradezu in Erbitterung umgesetzt hat, mag die Erteilung der erforderlichen Ge- nehmigung der Zechcnbesitzer fraglich erscheinen, aber wir wollen sie hier als' gegeben' voraussetzen. Was dann? Daun wird der Staat nach§' 1 des oben angezogenen Vertragsabsatzes nicht etwa in der Lage sein, auf den Zechenanlagen der Hibernia die Kohlen, die er z. B. für seine Eisenbahnen braucht, für sich zu fördern, son- der» er hat mit Ausnahme der Kohlen, Coaks und Briketts, die er zum eignen Betrieb seiner Zechen nötig hat und die er im ländlichen Kleinverkauf zum Hausbrand der Beamten abgiebt sowie der Gas- coaks seine sämtlichen Erzeugnisse an das Kohlcnsyndikat abzugeben. <§ 2 der angezogenen Bestimmungen.) Aber nicht allein, daß er den Besitz der Hibernia nicht für seine großen staatlichen Betriebe auszunutzen im stände ist, der Staat verliert auch durch den Erwerb der Hibernia und den Eintritt in das Syndikat bis zum 31. Dezember 1915 seine Freiheit im Betriebe seiner übrigen Zechenanlagen im rheinisch- westfälischen Bezirke, denn die Verkaufs- Verpflichtung der Erzeugnisse an das Syndikat„bezieht sich(§ 1 der angezogenen Bestimmungen) auf alle Erzeugnisse einschließlich aller Felder und Schachtaulagen, die ein Zcchenbcsitzer zu Eigentum... erivorbcn hat oder erwerben wird". Früher hat der Staat es ab- gelehnt, mit den fraglichen Betrieben dem Kohlcnsyndikat beizutreten, und bei dieser Weigerung hat doch auch gewiß die Ueberleguug, daß er die Bewegungsfreiheit in der Verwendung seiner Zechenerzeugnisse nicht verlieren wollte, eine Rolle gespielt. Nunmehr wird er als Besitzer der Hibernia gezwungen sein, auch mit seinen alten Zechen- anlagen dem Syndikat beizutreten. Wir wollen nur beiläufig er- wähnen, daß die in, Z 8 der angezogenen Bestimmungen behandelten Strafen wegen Nichtbefolgung der Lieferungsverpflichtung in die Willkür der Versammlung' der Zechenbesitzer gestellt, hingegen die Strafen für Verkäufe außerhalb des Syndikats auf den hohen Satz von 59 M. für die Tonne festgesetzt sind." Die„Kölnische Zeitung" hat recht, selbst wenn die Düsseldorfer Versammlung den Verkauf der Hibernia an den Staat beschließen sollte, ergeben sich sofort so schlvierige Fragen, daß die Regierung aus der Zwickmühle gar nicht herauskommen wird. Der Möllersche Plan der Erwerbung der Hibernia zum Zweck der Einflußgewinnung auf das Kohlensyndikat ist das Ungeeignetste und Ungeschickteste, was ersonnen werden konnte. Wenn das Ende des Kampfes ist, daß die lange Ercellcnz gehen muß— wir Ivürdcn sicher nicht trauern. So gut wie er, macht cS auch jeder beliebige andre, vielleicht noch etwas mehr._ Dortunnider Union. In der heutigen Sitzung des AufsichtsrateS der Dortmunder Union kam die Bilanz für das Geschäftsjahr 1993/94 zur Vorlegung. Sie ergiebt einschließlich des Vortrages aus dem Vorjahre von 164 189,93 M. und 1899 M. für verfallene Dividendcn- scheine einen Brutto-Betricbsgewiun von 5 431 255,24 M. gegen 6 979 159,22 M. im Vorjahre. Im einzelnen ergab der Kohlenbergbau einen Gewinn von 449 857,65 Dt. gegen 911 997,92 M. im Vorjahre, der Eisenstein- bergbau einen Verlust von 47 498,97 M. gegen 151 251,42 M. Verlust im Vorjahre, die Dortmunder Werke einen Gewinn von 4 697 212,79 M. gegen 4 989 295,77 M. im Vorjahre, die Horster Werke einen Gewinn von 299 299,49 M. gegen 36 612,55 M. im Vorjahre und die Henrichshütte für den bis zu ihren: Verkauf in Betracht kommenden Teil des Betriebsjahres einen Gewinn von 55 563,25 M. gegen 292 295,39 M. im ganzen Vorjahre. Das geringere Erträgnis des Kohlenbergbaues hat,>vie die Verwaltung mitteilt, seinen Grund in dem Umstände, daß die beiden Zechen„Glückauf Tiefbau" und„Karl Friedrichs Erbstolln" während des verflossenen Geschäftsjahres im vollständigen Umbau über und unter Tage begriffen waren, der jetzt in der Hauptsache beendet ist, so daß bereits ein befriedigendes Ergebnis eingetreten ist. Auch auf Zeche„A. v. Hansemann" sind die Anfschlnßarbciten noch nicht beendet und die volle, den TageSanlagen entsprechende Forderung ist erst später zu erwarten. Das etwas ungünstigere Ergebnis der Dortmunder Werke wird ebenfalls zurückgeführt daraus, daß die Hochofenanlage einen durch- greifenden Umbau erfährt, bis zu dessen in einigen Monaten zu erwartender Vollendung erhebliche Roheisenmengen umgeschmolzen werden müssen. Von dem Brntto-BetriebSgewinn sind zunächst abzusetzen an Zinsen und Gencralnnkostcn 1 749 993,11 M. gegen 2 926 297,14 M. im Vorjahre, sodaß 3682252,13M. zu Abschreibungen undRcservestellungcn und zur Gcwiiuivertcilnng verfügbar bleiben. Der Auffichtsrat beschloß, vorbehaltlich der besonderen Prüfung der Bilanz den» Antrage des Vor- standes entsprechend das Conto der vorbehaltcncn Abschreibungen auf- zulösen und der Generalversammlung vorzuschlagen, zunächst 2 129 267,51 M. zu Abschreibungen, die in ihren Prozentsätzen den vorjährigen entsprechen, gegen 2 772 183,63 M. im Vorjahre zu ver- wenden und 77 649,23 M. dem gesetzlichen Reservefonds zuzuführen, sodann eine Dividende von 5 Proz. für die Aktien Lit. v. mit 549 999 M. und von 2 Proz. für die Aktien Lit. 0. mit 594 999 M. in Vorschlag zu bringen und endlich den Rest mit 431 335,39 M. gegen 164 189,93 M. im Vorjahre auf neue Rechnung vorzutragen. fftt der Börse sind bielfach die Gewinne und Dividenden sie« Beutend höher geschätzt worden, und in Anbetracht der relativ gnten Konjunktur und des flotten Geschäftsganges erschien eS immerhin nicht unwahrscheinlich, daß sich d,e Dividende etwas höher stellen würde, als im Vorjahre statt dessen aber sind die Erträge der Dort- mundcr Union und der Kohlenzechen nicht unbettächtlich zurückgegangen, Die Borlesnngen für junge Kaufleute, die von den Acltesten der Kaufmannschaft von Berlin für das Vierteljahr Oktober- Dezember 1904 veranstaltet werden, beginnen am Montag, den 17. Oktober 1904, abends 8 Uhr, und finden im Generalversamm- lungssaale der Korporatton der Kaufmannschaft jBörsengebäude. Eingang von der St. Wolfgangstraße) statt. Zur Behandlung gelangen im ersten Cyklus wichtige Fragen der Rechtswissenschaft: die Handelsgeschäfte. Rechte und Pflichten der Handlungsgehilfen und Handlungslehrlinge, Patent-, Marken- und Musterschutz. Der zweite Cyklus bringt Vorlesungen ans dem Gebiete der Volkswirtschafts- lehre und Handelsgeographie: Geschichte des Bürgertums. Entwickluna und Bedeutung der Großbanken, das britische Weltreich. Die Kurse umfassen, je nach dem Thema, welches dem Vortrage zu Grunde ge legt ist, vier bis acht Vortragsabende. Das Honorar für den Cyklus beträgt 2 M. Anmeldungen werden im Centtalbureau der Korporatton. Neue Friedrichstr. S1, I(Börse) entgegengenommen. 6cwcrferchaftlicbc& Berlin und dmgegend. Streik und Aussperrung der Former. Die Bewegung ist jetzt in das Stadium der Verhandlungen eingerückt. In der gestrigen Formerversammlung wurde eingehend Bericht über die Donnerstags- Sitzung der Gießereibesitzer und die daselbst gefaßten Beschlüsse erstattet. Danach scheint es am Mittwoch zu einigen Differenzen zwischen den Kühnemännern wegen ihres bisherigen und zukünftigen Vorgehens gegen die Former gekommen zu sein. Die Folge war denn auch, daß sich tags darauf die Besitzer der Verbandsgießcreien zu Verhandlungen mit den Formern bereit erklärten, und zwar nicht in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Kühnemänner-Verbandes. weil sie als solche, falls es überhaupt zu Verhandlungen kommen sollte, dann auch die Organisation der Metallarbeiter hätten anerkennen müffen, sondern als private Fabrikbesitzer mit momentan gleichen Interessen. Sic beauftragten daher eine fünfgliedrige Kommission unter dem Vorsitz des Kommerzienvats Borsig, mit einer ebenso starken Kommission aus den Reihen der streikenden oder ausgesperrten Former unter Ausschaltung der offiziellen Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes zu verhandeln. Gleichzeitig haben sich die Herren zu gegenseitigem geschlossenen Zusammenhalten ermahnt und besonders darauf hingewiesen, daß sich die Minorität unter ihnen doch stets der Majorität fügen möge. Um nun ebenfalls die Hand zum Frieden— d. h. zu einem ehrenvollen Frieden— zu bieten, haben die Former denn auch gleich eine Kommission ernannt, deren Namen dem Kommerziell rat Borsig sofort übermittelt wurden. Bei der Zu sammensetzung der Kommission ist den Wünschen der Gießerei besitzer völlig Rechnung getragen worden, ein offizieller Vertreter des Metallarbeiter-Verbandcs befindet sich nicht in der- selben. Es wurde von der Versammlung jedoch ausdrücklich betont, daß wenn die Arbeitgeber dennoch ein oder das andre Kommissions- Mitglied ablehnen sollten, dann auch von feiten der Former gegen die Zusammensetzung der Fabrikantcnkommission Einwendungen er« hoben werden würden, weil einige der Herren als Funkttonäre des Kühnemänner-Verbandes thätig sind. u. a. der Kommerzienrät Borsig selbst. Auch verlangen die Former aus Gründen der Parität, daß der Obmann ihrer Kommission als zweiter Vorsitzender der Gesamt- kommission zu betrachten ist und gleiche Rechte wie der erste Vorsitzende, Herr Borsig, eingeräumt erhält. Weiter sollen die Arbeitgeber ersucht werden, die Verhandlungen unter Hinzuziehung eines Vertreters des Metallarbcitcr-VerbandeS zu führen, doch würde eine Ablehnung dieses Wunsches kein HinderungSgrund für die Weiterführung der Verhandlungen bilden. Als selbstverständlich wird es jedoch bettachtet, daß die Versammlung der Former sich die endgültige Entscheidung über die etwaigen Vereinbarungen der beiderseittgcn Kommissionen vorbehält.— Kurz vor Schluß der Versammlung erhielt der Vor- sitzende die ziemlich verstimmende Mitteilung, daß Herr Kommerzienrät Borsig auf dem Umwege durch das Bureau des Kühnemänner-Verbandes, durch den Leiter des Arbeits- Nachweises in der Gartensttaße, den Hauptmann a. D. Kleffel, an- fragen ließ, in welchen Bettieben die angegebenen Kommisjions- Mitglieder der Former bisher gearbeitet haben. In diesem Ver- halten mußte die Versammlung natürlich wieder ein Heraustreten des Herrn Borsig aus der von den Fabrikanten selbst beschlossenen Neutralität erblicken, weshalb die Former auch einmütig der Ansicht waren. Herrn Borsig die erwünschte Antwort jetzt ebenfalls durch ihre Organisation, den Metallarbeiter- Verband, zu übermitteln. lieber den Zeitpunkt der Verhandlungen war bis dahin noch keine Vereinbarung getroffen. Der SekttonSführer Plath teilte der Versammlung sodann mit, daß er in Hannover. Braunschwcig und Magdeburg gewesen ist, um mit den dorttgen Formern wegen der Streikarbeit Rücksprache zu nehmen. In Hannover- Linden ist den Formern schwartzkopffsche Streikarbeit angeboten worden, und zwar japanische Lokomotiven, jedoch haben die dorttgen Kollegen die Anferttgung derselben strikte verweigert. Vier Tage lang ist das Verhältnis zwischen der Lindener Firma und ihren Formern deswegen ein äußerst gespanntes gewesen, so daß jeden Augenblick auch dort der Ausstand auszubrechen drohte, dann aber hat sich die Firma eines Besseren besonnen und die Streikarbeit wieder nach Berlin zurückgeschickt. In Magdeburg ist zwar Stteikarbeit aus Berlin eingcttoffen, den Formern jedoch zur Anfertigung noch nicht angeboten worden. Braunschweig ist bisher frei von Streikarbeit._ Zum Streik in der Filzschuhfabrik von Schweiger. Rungesir. 20. ist anläßlich der Berichtigung des Herrn Fabrikanten noch folgendes nachzutragen: Der Fabrikant Schweiger zahlt, namentlich soweit die Zwickerei in Betracht kommt, Lohnsätze, die zum Teil bedeutend unter den üblichen Durchschnittssätzen stehen. Dazu kommt, daß Herr Schweiger seine Arbeiter in der rigoroiesten Art und Weise behandelt, ganz grobe Heruntersetzungen von Arbeitern und Arbeiterinnen sind an der Tagesordnung und bei jeder Kleinigkeit heißt es:»Wenn es Ihnen nicht paßt, so hören Sie auf." Bei diesen Zuständen ist es erklärlich, daß es in dieser Fabrik hinein- und hinausgeht. Gerät ein Arbeiter einmal aus Unkenntnis dieser Verhältniffe oder weil er augenblicklich nichts Besseres findet, dort hinein, so benutzt er sicher die erstbeste Gelegenheit, um wieder hinaus zu kommen. Man muß wirklich die Langmut eines Arbeiters belvundcrn, der es fertig gebracht hat, in dieser Fabrik schon sieben Jahre zu arbeiten. Unter anderm herrscht bei Herrn Schweiger auch die eigentümliche Einrichtung, daß die Zwickerinnen fiir gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als die Zwicker. Dieses veranlaßte eine Woche vor Ausbruch des Konflikts drei Zwickerinnen, die wieder eben erst angefangen hatten, gemein- schaftlich, aufzuhören, und ttotz Jnserierens bekam Herr Schweiger für diese Zwickerinncn keinen Ersatz. Am Tage vor dcni Konflikt ließ nun Herr Schweiger von seinem Meister ein paar Probeschuh zwicken, zeigte diese dann dem Zwicker Kurz mit der Bemerkung, daß er von nun an verlange, daß die Schuhe so wie die Probe gezwickt würden. Kurz erklärte dem Fabrikanten, daß die Zwicker gern bereit wären die Arbeit so zu liefern, wenn ereinendementsprechendenLohn dafür zahle. Im Laufe der weiteren Auseinandersetzungen, in welche sich auch der Meister hineinmischte, kam es dann zu der Aeußerung, durch die sich der Meister angeblich beleidigt gefühlt hat, und die zur Entlassung des Kurz führte. Wenn nun auch die Arbeiter die Wiedereinstellung des Zwickers Kurz verlangten, so ist doch daran festzuhalten, daß die eigentlichen Ursachen des AuSstandes in ��u�lfferenzen zu suchen sind. Am andern Tage legten die Arbeiter eine neue Lohnliste vor, was— wir können es Herrn Schweiger nunmehr gern verraten— bereits vorher, nach dem Aufhören der Zwickerinnen, geplant war. Der Zwischen- fall beschleunigte nur das Vorgehen der Arbeiter. Wegen der Wiedereinstellung des Kürz allein wäre es an sich nicht zur Arbeitsniederlegung gekommen. Letzterer hielt ein derartiges Eintreten für seine Person selbst für nicht wünschenslvert. Verein deutscher Schuhmacher. Achtung, Zimmerer aus Bremen! Sämtliche Kameraden aus Bremen haben zu der heute. Sonnabend, stattfindenden Besprechung im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, sich einzufinden. Die Streikleitung. Ausstand der Lithographen. Bei der Firma Prager u. Lojda, HagelSbergerstr. 53, haben die Lithograghen noch eine Arbeitszeit von � neun Stunden, während sie sonst fast überall in Berlin den Achtstundentag erlangt haben. Dreimalige Verhandlungen aus Ver- kürzung der Arbeitszeit auf 8'/g Stunden hatten keinen Erfolg. Es haben deshalb sämtliche 28 Lithographen am Freitag die Arbeit niedergelegt. Auch die Steindrucker werden die Arbeit niederlegen, wenn ihnen zugemutet werden soll, Streikarbeit zu drucken. Der Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Kutscher der Spcditions- und Möbeltransportfirmen Paul Schur, Dirkscnstraße und Gustav Brode«. Co., Köpcnickerstratze sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Beide Firmen zahlten bis jetzt in ihren Hauptgeschäften den Kutschern einen Monatslohn, der zwischen 88 und 95 M. schwankte. Dabei haben die Kutscher eine tägliche Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 9 und 10 Uhr abends und noch später. Besonders während der Umzugszeit wird die Arbeitszeit fast endlos ausgedehnt. Die Firma Schur zahlt in ihren Filialen die Löhne ganz nach Belieben, so in der Filiale am Halleschen Ufer 21,50 M., 22,50 M und 23 M., in der Filiale am Nordhafen dagegen 25— 27 M. pro Woche. Um diese Ungleichheit zu beseitigen, forderten die Kutscher eine einheitliche Lohn- regclung für beide Firmen vom 1. September d. I. an nach folgenden Sätzen: Anfangslohn 25 M., nach sechs Monaten 26 M. und nach einem Jahre 27 M. An Tagen, wo Eisen zu fahren ist, 1 M. Zu- schlag; Ueberstundenvcrgütung nach 8 Uhr abends 50 Pf., Stall- wachen des Sonntags 2 M.— Am letzten Sonntag bewilligten die Firmen der Lohnkommission Zulagen von 1 M. in jeder Lohn- gruppe und Umwandlung der Monatslöhne in Wochenlöbne. Hier- mit erklärten sich die Kutscher nicht einverstanden, ermäßigten aber ihre Forderung auf 24 M. Anfangslohn und beauftragten gleich- zeitig, da sie sämtlich im Handels- und Transportarbeiter-Verband organisiert sind, die Verbandslcitung mit den weiteren Verhand- lungen. Beide Firmen lehnten jedoch eine Verhandlung mit den Verbandsvertrctern ab, worauf die Kutscher gestern morgen die Arbeit ein st eilten. Nunmehr bewilligte die Firma B r o d e u. C o. die verlangten 24 M., während die Firma Schur denselben Lohn nur für die Kutscher im Hauptgeschäft bc- willigte und diesen durch ihren Jnspcftor sagen ließ, daß der gleiche Lohn auch ihren Kollegen in der Filiale am Halleschcn Ufer zu- erkannt sei; sie möchten nur anspannen, denn am Halleschen Ufer hätten die Kutscher auch schon angespannt. Thatsächlich war dies aber nicht der Fall, vielmehr hatte der dortige Inspektor zu den Leuten gesagt, wer nicht zu den alten Bedingungen fahren wolle, solle sich vom Hofe scheren. Darauf traten die Leute einmütig in den Ausstand, selbst die Boden- und Packmeister haben sich den Streikenden angeschlossen. Falls die Firma bis heute(Sonnabend) nicht bewilligt, steht zu erwarten, daß auch die Kutscher des Hauvt- geschäfts wieder die Arbeit einstellen, um die Forderungen auch für ihre Kollegen durchzusetzen. Alle Kutscher werden dringend ersucht, beide Betriebe bis auf weiteres streng zu meiden. DeirtfeKes Reith. Der viickerstteii in Düsseldorf hat die Polizei auf die Beine gebracht. Dieser Tage wurde im Verlage der„Volkszeitung" wegen des in 43 000 Exemplaren verbreiteten Flugblattes über den Bäcker- trcik und den Brotboykott gehaussucht. Gefunden wurde natürlich nichts. Alsdann mußte der Stteiklciter, Genosse Kasting, der zufällig im Ver- läge anwesend war. von zwei Kriminalbeamten begleitet, nach dem Bureau des Bäckerverbandes, wo dann noch ein verschwindender Rest der Auslage beschlagnahmt wurde. DaS Düsseldorfer Publikum wird also Gelegenheit erhalten, die Zustände in den Brotfabriken und die elende Lage der hiesigen Bäckerei-Arbeiter vor Gericht beleuchtet, zcugeneidlich festgestellt zu sehen.— Zu einer Ver- sammlung, in welcher die Zustände in den Bäckereien öffentlich geschildert werden sollen, haben die Einbenifer die Staats- an waltschaft eingeladen. Wird die„vorurteilsloseste Behörde" dieser Einladung Folge leisten? Die Aussperrung der Stcinarbciter im sächsischen Elbsandstein- gebirge nimmt einen größeren Umfang an. Nachdem die Stein- arbeiter in Posta und Umgegend auf die Straße geworfen worden ind, haben die dem Arbeitgeber-Verbande angehörenden Steinbruchs- hesitzer beschlossen, auch über die im G o t tl eu b a tha l arbeitenden Steinarbeitcr— ca. 1100 Mann— die Aussperrung zu verhängen. Der Beschluß ist bereits verwirklicht. Am 22. August ist die Aus- perrung erfolgt. Direkt betroffen werden hiervon 600—700 Mann. Offenbär machen sich die Unternehmer die jetzige Trockenheit, welche ihnen die Abfuhr ihrer Produkte erschwert, zu nutze, um die Arheiler- chaft gefügig zu machen.— Die dem Unteniehmer-Verband nicht angehörenden Steinbruchsbesitzer lassen weiter arbeiten. Busland. Die Hafeiiarbtiter von Marseille, die bis jetzt eine abwartende Haltung zeigten, haben dem Präfekten eine Frist von drei Tagen gegeben, zu Gunsten der Forderungen der Arbeiter zu intervenieren, )a sonst der Streik alle Arbeiterklassen umfassen würde; die Tramway« kuttchcr. die Bäcker und Kellner seien schon bereit, sich den Streikenden anzuschließen. Der Präfekt empfing gestern die Ab« ordnungen der DockerS und der eingeschriebenen Seeleute, welche ihm mitteilten, daß sie die Arbeit nur unter der formellen Bedingung aufnehmen würden, daß der Achtstundentag mit einem Lohne von 6 Fr. eingeführt würde. Sie gaben ferner bekannt, daß, �wenn nicht innerhalb 18 Stunden ihre Forderungen bewilligt würden, die Vereinigung die Bewegung auf alle französischen Häfen ausdehnen würde.'_ Gerichts-Zeitung Eine merkwürdige Aufmerksamkeit schenkt jetzt die Staats- anwaltschast den feuilletonistischen Beiträgen der„Welt am Montag". Die Anklagen gegen den verantwortlichen Redakteur Max Ludwig wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften überstürzen sich jetzt förmlich. Gestern hatte die 3. Fcricnstrafkammcr des Landgerichts l wieder zwei derartige Anklagen zu verhandeln und, wie Rechts- anwalt Dr. Löwen st ein gestern mitteilte, schweben zur Zeit noch 7 Anklagen gleicher Art. Der Verteidiger meinte, schon diese That- fache zeige, mtt welcher Prüderie man den etwas kecken, aber keines- wegs unzüchtigen Skizzen der„Welt am Montag" von selten der Staatsanwaltschaft entgegentrete.— In dem ersten der gestrigen Anklagefälle handelte es sich um ein kleines, von Alfred Scholz verfaßtes Gedicht:„Der Naturarzt". Ter Staatsanwalt beantragte gegen den Verfasser und den Redakteur je 100 M. Geldstrafe, �.er Gerichtshof erkannte auf Freisprechung.— dem zweiten Falle stand eine Erzählung„Ein Wiedersehen" unter Anklage. Darin wurde geschildert, wie zwei Freundinnen von der Jugendzeit her, die sich nach vielen Jahren wieder begegneten, nun sich gegenseitig ihre inzwischen gemachten Erfahrungen mitteilten. In diesem Artikel erblickte der Gerichtshof eine unsittliche Tendenz und verurteilte den Angeklagten Ludwig zu 3 0 0 M. G e l d st r a f c. Wie man für eine Hilfsthätigkeit auf die Anklagebank kommen kann, zeigte eine gestern vor der 7. Strafkammer sich abspielende Gerichtsverhandlung. Wegen Diebstahls an einem Fahrrad hatte sich der Klempner Stromfeld zu verantworten, neben ihm hatte der Cementierer Lehmann unter der Anklage der Begünstigung auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Stromfeld hatte— wie er sagt, weil er keine Arbeit finden konnte— sich auf den Boden eines Hauses geschlichen und dort ein Zweirad gestohlen. Als er mit seiner Beute das Haus verlassen wollte, erkannte der Besitzer des Rades sein Eigentum und hielt den Dieb an. Ein Schutzmann war nicht in der Nähe und so machte sich denn der hinzugekommene Lehmann anheischig, den Spitzbuben zur Wache zu bringen. Er packte ihn mit festem Griff am Kragen und schob ihn gewaltsam vorwärts. Unterwegs bat Stromfeld, ihn doch frei zu lassen, und als Lehmann sich dessen weigerte, riß er sich plötzlich los und lief davon. Er konnte erst nach längerer Verfolgung durch dritte Per- sonen wieder festgenommen werden. Für diese Hilfeleistung hat nun Lehmann die Anklage wegen Begünstigung erhalten. Es ist nicht ersichtlich, aus welcher Kombination die Vermutung entstanden ist, daß Lehmann nur ein Scheinmanöver ausgeführt und seinen Arrestanten absichtlich habe laufen lassen. Er bestritt diese Absicht ganz entschieden. Es wurde im Termin festgestellt, daß sich beide Angeklagte bis dahin gar nicht kannten, Stromfeld versicherte, daß er sich selbst gewaltsam losgerissen habe und selbst der Bestohlene war der Ueberzcugung, daß Lehmann den Dieb ernstlich habe zur Wache transportieren wollen. Bei dieser Sachlage ergab sich die Freisprechung des Lehmann von selbst. Der Angeklagte Stromfeld, der schon vorbestraft ist, wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Versammlungen. Genosse Dr. Broh ersticht nnS nm Aufnahme folgender Zeilen: In dem gestrigen Bericht des„Vorwärts" über die Berliner Parteiversammlungen ist mein Angriff gegen den Aronsschen Antrag betreffend die Aufslellnng der Rcichstagskandidaten unrichtig wieder- gegeben. Ich habe den von Arons angegebenen Grund seines Antrags, „daß öffentliche Diskussionen über die Kandidaten— wie bei dcr Aufstellung GöhreS— in Zukunft möglichst v e r m i e d e n werden sollten", bekämpft als nicht ausreichend für die von ihm be- antragte grundlegende Aenderimg des bisberigen Verfahrens._ Ich selbst verlangte für die Aufftellung der Kandidaten nicht„breiteste Oeffentlichkeit", sondern Einvernehmen zwischen Wahlkreis and AgitationSkomitees, eventuell Entscheidung durch die Versamm- lungen der organisierten und legitimierten Mitglieder dcr Wahlvereine. Ebensowenig habe ich die Befürchtung ausgesprochen, daß die Parteileitung ein Mittel in die Hemd bekommt, ihr nicht genehme Kandidaten zu„unterdrücken" und die ReichStagSfraktion nach ihrem Sinne„umzumodeln". Meine Ausführungen lauteten, daß der An- trag einem Viertel der Delegierten das Mittel gewähre, der über- wiegenden Majorität der Parteigenossen des Wahlkreises die Ent- scheidmig zu entziehen und der Parteileitung zu überttagen Diese würde zwar zweifellos gleichfalls gemäß dem Interesse der Partei zu entscheiden suchen, naturgemäß aber das Partei-Interesse am meisten durch diejenigen Kandidaten gewahrt sehen, die ihren An- schaumigen huldigten. Die„Znsammensetzung" der Fraktton durch die Parteileitung anstatt durch die breite Maffe der Genossen ent- spreche nicht den demokratischen Grundsätzen. Mit Parteigruß _ Dr. James Broh. l�et�te Nachrichten und Depefchen. Ein brennendes Schiff im Hamburger Hafen. Hamburg, 26. August.(W. T. B.) Heute nachmittag 8 Uhr brach in dem Vorderraum des in dem hiesigen Hafen liegenden spanischen unter englischer Flagge fahrenden Dampfers„Campeador" Feuer aus. Der Dampfer hatte 70 Tonnen Äopra, 256 Sack Salpeter, Eifenivaren und andre Kaufmannsgüter an Bord und sollte morgen nach Spanien abgehen. Der Brand, der wahrscheinlich durch die Selbstentzündung von Kopra entstanden war, nahm solche Ausdehnung an, daß der Vorderraum des Dampfers vollgepumpt und auf Grund gesetzt werden mußte, was um 5'/, Uhr gelang. Der Dampfer soll während der Nacht wieder leergepumpt werden. Menschen sind bei dem Brande nms Leben gekommen. Vom ostasiatischcn Kriegsschauplätze. Petersburg, 26. August.(W. T. B.) Wie General Kuropatkin dem Kaiser unter dem gestrigen Datum meldet, rückte am 24. August ein japanisches Bataillon im Thale des Sidahya von Aiziaputsi über Pahudsai auf Laodintan vor, in dessen Umgebung eine lleinc russische Abteilung stand. Ter Vormarsch dcr Japaner wurde um drei Uhr Nachmittags bei Laodintan durch eine russische Compagnie aufgc- halten, die 5 Mann an Verwundeten verlor.— An demselben Tage leisteten 2 Compagnicn bei Tunsipun, 7 Werft südwestlich von Liandiansan, überlegenen vorrückenden feindlichen Streitkräften cr- folgrcich Widerstand. Als die Russen Verstärkungen erhielten, stellte der Feind den Vormarsch ein. Auf russischer Seite wuiden in diesem Gefecht ein Offizier verwundet und 53 Mann getötet oder verwundet. Am Abend desselben Tages besetzten die Japaner, nach- dem sie die russischen Wachtposten zurückgedrängt hatten, die Höhen im Südwesten von Linandiansan und schritten zur Aufwerfung von Schanzen auf ihnen. Am 25. August eröffnete eine feindliche Batterie um 5V, Uhr früh das Feuer in dcr Richtung auf das Dorf Kotinzi. 6 Werst westlich von Liandiansan. Eine russische Batterie erwiderte das Feuer. Trotz der bedeutenden Entfernung war ihr Feuer wirksam. Die japanischen Geschütze vcrsiummtc'.i und man bc- merkte, daß ihre Bedienungsmannschaften sich verbargen.— Am Morgen desselben Tages rückte der Feind in Stärke von etwa einer Brigade Infanterie mit 4 Batterien im Thale des Sidahha thalab- ivärts auf Tunsinpu und Tasintun vor und bedrängte 2 russische Compagnien. die sich zurückzogen. Eine dcr Eompagnien dcr japani- scheu Vorhut, die im Thale des Sidahya vorrückte, war dem Feuer der russischen Batterie ausgesetzt; sie erlitt anscheinend große Ver- luste und zog sich eilig zurück.' Bei Linandiansan stellte der Feind am Morgen zwei Batterien auf und beschoß die russischen Stellungen sowie eine russische Abteilung, welche sich in ein lebhaftes Gefecht mit dcr feindlichen Infanterie eingelassen hatte, die ans Erdahe hervorbrach und nach Kiminsi marschierte. Die russischen Batterien begannen einen Kampf mit diesen Batterien und brachten eine von ihnen rasch zum Schweigen. Gegen 11 Uhr vormittags wurde der russischen Abteilung, die die vorderste Stellung innchatte, befohlen, sich auf die Hauptstellung zurückzuziehen, und die japanische In- fanttric besetzte die bewaldeten Höhen westlich von Kiminsi. Um die Mittagszeit wurde bemerkt, daß dcr Feind 36 Geschütze bei Erdahe aufgestellt hatte und daß etwa eine Division Infanterie mit vier Batterien zwischen Kiminsi und Katasi vereinigt worden war. Gegen 2 Uhr nachmittags wurde eine japanische Gcbirgs- batteric, die in einem Hohlweg nach Tasintun vorrückte durch das Feuer der russischen Batterie aufgehalten und konnte so nicht in Stellung kommen. Eine andre Gebirgsbatterie erlitt anscheinend bedeutende Verluste und verstummte. DaS Feuer der russischen Batterie trieb ferner die japanische Infanterie in die Flucht, die auf den Höhen östlich von Katasi begonnen hatte, Schanzen auf- zuwerfen. Gegen 3 Uhr nachmittags wurde festgestellt, daß bedeutende Jnfantcriemassen vorgeschoben worden waren und day sie auf den Höhen im Süden des Sanputhales Schanzen aufwarse». Um 4V- Uhr wurde eine japanische Gebirgsbatterie, die auf einer Höhe nordwestlich von Kiminsi ersckucn, durch das Feuer der rususchen Batterie genötigt, sich zurückzuziehen. Insgesamt ruckten, wie bis 5 Uhr nachmittags festgestellt lourde, mindestens 2 Divisionen Infanterie mit 10 Batterien gegen die Stellung bei Liandiansan vor. Weitere Berichte über den Verlauf des Kampfes sind nicht eingegangen._ Ter Typhus in Tesche«. Tesche«, 26. August.(W. T. B.) Nach amtlichen Fest- stellungen über die hier auSgevrochene Typhusepidemie wurden von der Krankheit bisher 69 Civilpcrsonen und 47 Militärpersonen befallen Mit Ausnahme einiger Fälle nimmt die Krankheit, deren Grund wahrscheinlich in einer Jnsizierung der Wasserleitung liegt, einen leichten Verlauf. Dcr Sanitätsdienst wurde entsprechend organisiert, die Zahl dcr Erkrankungen nimmt ab._ Verantw. Redakteur: Pank Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin L W. Hierzu 2 Beilagen. Nr. 301. 21. Jahrgang. 1. KcilU dkg Joraiirts" Sttlim WsdlM Sonnabend, 27. Augnst 190ä. Der internationale Tababarbeiter- Kongreß. In der Sitzung am Mittwochnachmittag berichtete I u g t e r s über die Verhältnis� Belgiens. Dort sind 10318 Personen in der Tabalindustrie tätig. Hiervon sind 6v7ö Cigarrenmacher und zwar 3825 weibliche. Organisiert sind 1770 Fachgenossen im Socialistischen Cigarrenmacher-Verband, der der Arbeiterpartei sowie der Syndikalen Kommission angeschlossen ist. Die tägliche Arbeits- zeit ist für die Organisierten 10. für die Unorganisierten lO'/z Stunden. Der durchschnittliche Wochenlohn in den Städten ist für die Organisierten 17, für die Unorganisierten 15 Frank. Die Frauen und CigarilloSmacher verdienen durchschnittlich 10 Frank pro Woche. Auf dem Lande sind die Löhne erheblich niedriger. Heimarbeit ist selten; wo sie aber besteht, ist die Ausbeutung schändlich. Durch die politische Bethätigung sind in Belgien in den letzten Jahren ziemlich grosze Vorteile erzielt Ivorden. DaS Gesetz über die Kinderarbeit verbietet alle Arbeit vor dem zwölften Lebensjahr. Kinder von 12 bis zu 11 Jahren dürfen nur 6 Stunden täglich arbeiten. In verschiedenen Städten wird von der Gemeinde ein Zuschuß zur Arbeitslosen-Unterstützung gegeben, der bis zu 60 Proz. ausmacht.— Der Beitrag zur Organisation beträgt wöchentlich 25— 50 Centimes, wofür unter anderm Unterstützung bei 5tra»kheit und Arbeitslosigkeit gegeben wird. Bei Streiks erhalten die Mitglieder 1 Frank pro Tag, bei Arbeitslosigkeit auch ein be- stimmtes Reisegeld. Seit dem Jahre 1000 haben 17 bedeutende Arbeitseinstellungen stattgefunden, von denen 13 siegreich endeten. Das wöchentlich erscheinende Verbandsorgan wird in zwei Sprachen gedruckt. In den letzten vier Jahren beliefen sich die Ausgaben der Verbandskasse auf 106073 Frank. Ueber die Verhältnisse in Holland berichtete B r u e n s. Nach Feststellungen des Cigarreumachcr-Verbandes giebt es in Holland 20 000—25 000 Fachgcnosscn. Davon sind organisiert in 46 Ab- teiluugcn des neutralen Cigarrenmacher- Verbandes 1800, im katholischen Verband 1000, im christlichen Verband 100, und in der neugegründeten.Föderation" 1000. Die Löhne be- tragen in Amsterdam, wie Untersuchungen der Arbeits- kammer ergeben haben, S bis 11 Gulden pro Woche. Auf dem Lande werden nicht mehr als 5 bis 8 Gulden wöchentlich verdient. Die Arbeitszeit ist an Orten mit organisierten Arbeitern gewöhnlich 10 Stunden; auf dem Lande ist sie viel länger. Außerhalb Amster- dams wird auch noch Arbeit mit nach Haus genommen. Die Heim- arbeit ist nur in Kampen allgemein. Das Verbandsorgan erscheint wöchentlich in 3000 Exemplaren. Der Beittag zur Hauplkassc beträgt 15 Cent pro Woche, doch steht es den Abteilungen frei, höhere Beiträge zu erheben. Die Einnahmen der Hauptkasse beliefen sich in den vier Jahren von 1000 bis 1903 auf 14 000, 17 000, 20 000 und 19 500 Gulden; die freiwilligen Beiträge auf 24 000, 2400, 4500 und 11 000 Gulden. Für Kran kenunterstützung wurden 42 900 Gulden ausgegeben. Streiks und Aussperrungen mit mehr als fünf Beteiligten ereigneten sich im Jahre 1900 3, 1901 5, 1902 21 und 1903 9, abgesehen von dem allgemeinen Streik. Ter Ausgang der Streiks und Aussperrungen war teilweise günstig. An Gemäß- regelte und Ausgesperrte wurden 96 800 Gulden Unterstützung gezahlt. Die Ausgaben der im Verband bestehenden Rciselasse beliefen sich in den Jahren 1900 bis 1904 auf 6900 Gulden. Während dieser Berichterstattung waren die Abgesandten der anarchistischen Föderation erschienen und es wurde ihnen nun zu- gestanden, ihre Ansichten und Wünsche vorzuwagen und an der Debatte darüber teilzunehmen. Nach den Ausführungen, die van den Berg machte, bestand der Hauptgrund für die Bildung dieser Sonderorganisatton darin, daß man meinte, man dürfe nicht mehr den„socialdemokratischen Leitern nachlaufen". Die Antt- Politiker oder AntiParlamentarier unter den Verbandsmitgliedern hatten, wie der Redner bemerkte, eine besondere Konferenz ab- gehalten, wo sie beschlossen, ihre Leute in die Verbands- Icitung zu bringen, und als ihnen das nicht in ge- nügendem Maße gelang, gründeten sie ihre Föderation. Daneben kamen selbstverständlich auch taktische Meinungs- Verschiedenheiten über einzelne Maßnahmen in Betracht. Der Ber- band selbst sei schuld an der Scheidung, sagte der Redner. Dagegen wandte sich der VcrbandLvertreter B o ni m e r und sagte unter anderm:.Die Opposition der Antipolitiker war immer darauf ge- richtet, die Macht im Verbände in die Hand zu kriegen, wenn sie das auch nicht immer rundweg sagten. Zu Anfang agitierten sie gegen einen Arttkel des Reglements, worin auch von der Eroberung der polittschen und bürgerlichen Rechte die Rede war. Sie kriegten ihren Willen: der Artikel wurde ausgemerzt. Aber sie waren nicht zufrieden, denn der Verband war noch bei einigen LandcLkomitees angeschlossen. DaS durfte auch nicht sein. Sie kriegten wieder ihren Willen. Auf einem Kongreß wurde beschlossen, aus allen Komitees auszutreten. Doch damtt ivar es noch nicht gut. Obgleich die «nttpolittker gewonnen hatten, setzten sie ihre LästerungS- eampagne gegen die Vorstandsmitglieder fort. In dem anti- polittschen Blatt.De Tabaksbewerker" wird regelmäßig in unschöner Weise gegen die besoldeten Beamten agitiert."— Der Redner schildert dann noch weiter die Kampfesweise der.Antt- polittschen" und erwähnte zum Schluß, daß der Verband in den letzten Jahren 100 000 Gulden für den wirtschaftlichen Kampf, für den polittschen aber noch keine 100 Gulden ausgegeben habe. Die einzige polittsche Bethätigung des Verbandes bestehe darin, daß er deni Utrechtschen Agitationskomitee für Arbeitsgesetz und Arbeits- konttakt angehöre, also nicht mehr als was auch beim.Nationalen Arbeitersekretariat" ldem unter antipolitischer Leitung stehenden Gewerkschaftsbund) der Fall sei. Die Debatte über Anschluß der Föderation an das Internationale Bureau erstreckte sich auch auf die Sitzung am Donnerstag, in der zunächst Börner- Deutschland das Verhältnis des deutschen Verbandes zur Politik schilderte. Er wies darauf hin, daß der Verband selbst keine Politik treibt, weil das Gesetz den Vereinen. die Frauen und junge Leute aufnehmen, dies verbietet, daß aber der Geist, der unter den Mitgliedern herrscht, socialdemokratisch ist und gerade die organisierten Tabakarbeiter seit Erwachen der Arbeiter- ewegung in Deutschland sich besonders stark auch an der politischen Bewegung beteiligt haben. Der Redner schlug folgende Resolutton vor: .Der sechste internationale Tabakarbeiter-Kongreß erklärt, daß die Gewerkschastsorganisation ein mächtiges Mittel ist, die Lebens- läge der Lohnarbeiter und-Arbeiterinnen zu heben, und meint mit großem Nachdruck aussprechen zu müssen, daß, um das einmal Erreichte dauernd zu befestigen. neben der Bethätigung in der Gewerkschaftsorganisation es als die vornehmste Pflicht der Arbeiter angesehen werden muß, an der Politik, und zwar an der alt- bewährten socialdemokratischen Politik teilzunehmen. Des weiteren erblickt der Kongreß in der Teilnahme an der gewerkschaftlichen und politischen Bewegung nicht allein ein Mittel, um die kapitalistische Ausbeutung in gewissen Grenzen zu halten, sondern zugleich ein Mittel, die definitive Befreiung der Arbeit zu befördern." Zur weiteren Begründung der Rcfolutton nahm Dcichmann dann noch das Wort.— Dann wurde die Sitzung vertagt. Partei-I�acKncKteu. Der nächste internationale Kongreß soll bekanntlich in S t u t t- g a r r abgehalten werden. ES ist so dargestellt worden, als ob der Beschluß die Antwort auf die Bemerkung des Genossen Jauros wäre, daß die Deutschen noch nicht einmal einen internationalen Kongreß beherbergen könnten. Um dieser Darstellung entgegen- zutreten, schreibt Genosse Bebel der.Schwäbischen Tagwacht": .Der Gedanke. Stuttgart als nächsten Kongreßort in Vorschlag zu bringen, entstand folgendermaßen. Am Sonnabendvormittag saßen Viktor Adler. Sperka, Pfannkuch und ich zusammen. Hierbei kam die Sprache auf den Ort für den nächsten Kongreß. Genosse Adler äußerte. sie wollten Wien vor- schlagen, darauf antwortete ich: damit sei ich sehr einverstanden, 'sie, die Oesterreichcr, kämen dann noch eher zu einem internationalen Kongreß als wir Deutsche. Darauf bemerkte Sperka: warum man den internationalen Kongreß nicht in Stuttgart abhalten ivolle, dort sei er sicher möglich. Dieser Gedanke fing bei mir Feuer, wir ventilierten eine Weile den Vorschlag nach allen Seiten und kamen zu dem Resultat, daß er in Stuttgart Ivohl stattfinden könne. Ich machte also den deutschen Genossen auf dem Kongreß diesen Vorschlag, und als diese sämtlich zustimmten, wandte ich mich an die Vertreter von Frankreich, der Schweiz, Italien und England und frug diese, was sie zu dem Vorschlag sagten. Sämtliche Befragte erklärten ihr Einverständnis, die Oester- reicher, Italiener und Schweizer mit dem Zusatz, daß sie zu Gunsten von Stuttgart von der Bewerbung zurücktreten würden. Außer Wien waren Genf und Mailand in Frage. Nach diesen Zusagen trat ich an das Bureau heran und machte den Vorschlag, Stuttgart als Ort für den nächsten Kongreß zu wählen. In den ganzen Verhandlungen war mit keinem Wort davon die Rede, daß unser Vorschlag eine Antwort auf des Genossen JaureS' Bemerkung über Teutschland sein solle, noch dürste jemand der Beteiligten, von einem solchen Gedanken ausgehend, den Vor- schlag unterstützt haben." In einer Münchener Partcivcrsammlnng, die sich mit dem Parteitage in Bremen beschäftigte, wurden verschiedene Wünsche hinsichtlich der Thätigkeit des Partcivorstandcs und der Reichstags- Fraktion ausgesprochen. Genosse Schmid hatte bemängelt, daß auf den Parteitagen die Anttäge der Parteigenossen oft allzu summarisch erledigt würden durch Ueberweisung an den Parteivorstand. Genosse Mauerer knüpfte an diese Acußcrung an und sagte, es sei in der Tbat bis jetzt noch keine Berichterstattung des Parteivorstandes erfolgt über all die Anttäge. die ihm seit Jahren zur Berück- sichtigung überwiesen tvurden. Es wäre fast nötig, einmal einen eignen Parteitag einzuberufen zur Behandlung all der Anträge, die seit 1890 dem Vorstand überwiesen wurden und von denen man nichts mehr gehört habe. Redner ist weiter durch verschiedene Vorkonunnifie zu der Ansicht gelangt, daß die Reichstags- Fraktion in der socialen Gesetzgebung nicht immer auf der Höhe steht und nicht die genügende Uebersicht hat. Er regt daher an, die Münchener Delegierten möchten mit den übrigen Delegierten Fühlung suchen, wie man sich stellt zur Schaffung einer Kommission für sociale Gesetzgebung. Er hält eine solche Kommission, die die sociale Gesetzgebung und alle dahin gehörenden Materien eingehend zu prüfen hat, um bei entsprechenden Gelegenheiten sofort mit passenden Vorschlägen bei der Hand zu sein, für höchst nötig. Diese Kommission müßte auf dem Wege der Socialgesetzgebung stets die Führung nehmen und nicht erst geschoben werden. Gen. Auer wendet sich ebenfalls gegen die Nürnberg-Fürther Anträge, als zu unklar. Genosse Tinim ineint, solche Anträge kommen stets, wenn irgendwo etwas fehlt; das ist auch hier der Fall. Unser Parteivorstand, wie er jetzt zusammengesetzt ist und wobei noch einer unsrer verdientesten Genossen des öfteren erkrankt ist, ist mit Arbeit überhäuft und kann nach verschiedenen Richtungen nicht das leisten, was nötig wäre. Wo hat man, um nur zwei Dinge anzuführen, etwas gehört von der angekündigten gewaltigen Agitation zu den Handelsverträgen? Wo ist die Agitation geblieben für die Vereinheitlichung der Arbeiterver- sicherung? Dies und andres wäre Aufgabe des Parteivorstandes. Der Nürnberg-Fürther Antrag trifft das Richtige. Da? richtige Mittel ist eine Ergänzung des Parteivorstandes. Wie eine Staats- Verwaltung mehrere Ministerien hat. muß auch unser Parteivorftand. nachdem die Partei groß geworden, eine eigne Agitationsabteilung haben. Aber auch die Thättgkeit der ReichStags-Fraktion muß schärfer unter die Lupe genommen werden. Man erfährt nicht, mit ivelch wichtigen Dingen man sich in den FraktionSsitzungcn beschäftigt und welche wichtige gesetzgeberische Fragen man erledigt hat. Auch hier mutz etwas mehr Dampf dahinter komnien. Es muß bedeutend mehr praktisch agitatorisch gearbeitet werden. Soziales. Die deutsche Polizei- Socialreform. Die Vorgänge im Bezirke der Versicherungsanstalt Provinz Sachsen geben Anlaß zu einigen Bemerkungen über den Wert der vielgerühmten Krönung unsrer Socialreform. Die von der ge- nannten Anstalt angewandten Kraftmitttel zur Herabsetzung der Rentenlast sind zurückzuftähren auf die vom ReichS-VcrsicherungSamt gemachten Feststellungen über ungewöhnliches Steigen der Zahl der Invalidenrenten. Dies veranlatzte das Reichs- Versicherungsanit zu Untersuchungen über die Ursache dieser Steigerung, und einen Effekt der Untersuchungen haben wir vor uns in den gerügten Vorgängen in der Provinz Sachsen. Das JnvalidenverficherungS- Gesetz giebt den Versicherungs anstalten das Recht, Versicherte in eine Heilbehandlung zu nehmen. wenn zu erwarten ist, daß dadurch das Eintreten der entschädigungs berechtigten Invalidität verhütet werden kann. Von diesem Mittel, sich vor Zahlung von Invalidenrenten zu schützen, macht die Verl sicherungsanstalt Provinz Sachsen leider recht wenig Gebrauch. Aus dem Mattrial des Arbeitersekretariats Halle wird in Arttkeln des .VoltSblatteS für Halle" nachgewiesen, daß die genannte Anstalt in diesem Punkte sehr wenig leistet. Sie steht mit ihren Ausgaben für Heilbehandlung hinter andern Anstalten relativ sehr stark zurück. Es kommt aber noch ein andrer Gesichtspunkt in Frage. Aus socialen Erwägungen ist seiner Zeit im Reichstage durch unsre Vertteter gefordert worden, daß die Versicherungsanstalten verpflichtet sein sollten, in geeigneten Fällen ein Heilverfahren einzuleiten. Das wurde abgelehnt. Obwohl doch ohne Zweifel der Gesichtspunkt der socialen Fürsorge der leitende sein sollte bei der Versicherung, so daß in erster Linie im Interesse der Versicherten selber Maßregeln vorgeschrieben sein sollten, um die Versicherten vor dem Eintreten der Invalidität möglichst zu schützen, begnügte man sich mit der Rücksicht auf daS finanzielle Interesse der Versicherungsanstalt und beließ eS bei dem Rechte der Anstalt, das Heilverfahren einzuleiten.zur Abwendung dieses Nachteils", nämlich der Entstehung eines Anspruchs auf Invalidenrente. Also fiskalische, anstatt sociale Erwägungen. Die Versicherungsanstalt Provinz Sachsen scheint nun aber den Fiskalismus noch etwas weiter zu tteiben. Sie macht nicht einmal von dem Rechte, das Wachstum der Rentenlast durch Anwendung deS Heilverfahrens zu beschränken, in dem Umfange Gebrauch, in dem andre Anstalten davon Gebrauch machen, sondern, wie die Thatsachen zeigen. sie vermindert die Rentenlast indem sie die Renwer Verzichterklärungen zu unterschreiben ver- anlaßt und spart die Ausgaben für die Heilbehandlung außerdem. DaS ist natürlich noch billiger. Abgesehen von der allgemeinen socialen Erwägung wird auch in den Artikeln des.Halleschen VolkSbiattes" an praktischen Bei- spielen erwiesen, wie notwendig es wäre, den Versicherungsanstalten die Pflicht zur Ucbernahme des Heilverfahrens aufzuerlegen. Die Versicherungsanstalt Provinz Sachsen scheint den größten Scharfsinn darauf zu verwenden, sich vor den Kosten des Heilverfahrens zu schützen. Stellt ein Versicherter den Antrag, in Heilbehandlung genommen zu werden, dann muß er a n f s e i n e K o st e n ein ärzt- liches Attest über seinen Zustand beibringen. Die Ausgabe, die dem kranken Versicherten gewiß nicht leicht fällt, giebt ihm aber durchaus noch keine Gewißheit, daß er nun wirklich einer Kur unter- warfen wird. Denn das Gutachten, das er beigebracht hat, wird von dem Verttauensarzt der Anstalt nachgeprüft. Diese Nachprüfung erfolgt, wie das„Volksblatt für Halle" behauptet, ohne Untersuchung des Kranken! Wie ein gewissenhafter Arzt über den Zustand eines Menschen ein selbständiges verantwortliches Urteil abgeben kann, ohne ihn gesehen zu haben, interessiert vielleicht die ärztlichen Standesvertretungen. Dann wird dem Antragsteller von der Versicherungsanstalt mit« geteilt: „In Lungenheilstätten. Kurorten usw. besteht ein erheblicher Teil der Kur im Aufenthalt und Spazierengehen im Freien. Die Kranken müssen deshalb mit entsprechender Kleidung, auch gutem Schuhwerk ausgerüstet sein. Welche Gegenstände in die einzelnen Heilstätten mitzubringen sind, wird den Kranken stets vorher mit- geteilt werden. In der Regel sind notwendig: 2 Anzüge, 1 Mantel sUeherzieher usw.), 2 Paar Stiefel oder feste Schuhe, 1 Paar feste Morgcnschuhe, 4 Hemden, 2 UnterbeinNeider. 4 Paar wollene Strümpfe, 12 Taschen- tllcher, möglichst 1 Regenschirm, 1 Paar Gummischuhe, 1 wollene Decke(Pferdedecke). Weiter heißt es dann wörtlich: Die Versicherungsanstalt kann zur Beschaffung fehlender Bekleidungs- usw. Stücke Mittel nicht zur Verfügung stellen. Wenn die Kranken die Sachen nicht besitzen, oder sie aus eignen Mitteln sowie mit Hilfe von VerWndten, gemeinnützigen Vereinen, des Arbeitgebers usw. nicht beschaffen können, wird der zuständige Gemeinde-(Ortsarmcn-) Verband angegangen werden müssen, welcher in geeigneten Fällen gewiß helfend eingreifen wird, zumal auch er an der Wiederherstellung der Kranken meist ein nicht geringes Interesse haben dürste." Wer also etwa geglaubt hat, daß die Zahlung von Beittägen zur Invaliden- und Krankenkasse einen deutschen Arbeiter im Krankheitssalle unter allen Umständen davor schützt, öffentliche Almosen in Anspruch zu nehmen, der irrt sich schwer. Sodann verlangt die Versicherungsanstalt die Beantwortung folgender Fragen: Frage 15: Ist Antragsteller bestraft? Bon welchem Gerichte? Wegen welcher Vergehen? Frage 16: Etwaige Bemerkungen der das Protokoll auf- nehmenden Stelle zu den obigen Angaben, ferner über die Persönlichkeit, den Ruf, die Lebensführung des Antragstellers. Diese Versicherungsanstalt scheint sich wirklich für einen Wohl- thättgkeitsverein zu halten. Es ist recht gut, daß diese Thatsachen gerade jetzt bekannt werden, wo man die Uebertragung der Krankenversicherung auf die Jnvalidenversicherungs-Anstalten betreibt. Noch schönere Aussichten erweckt das für eine etwaige reichsbureaukratische Arbeitslosen-Ver- sicherung. Wenn man die deutsche Socialreform in dieser Polizei- lichen Praxis kennt, wie kläglich erscheint dami der Prunk, mit dem sie auf allen Weltausstellungen herausgeputzt wird. Dir städtische ArbcitSnachweis-Anstalt in Köln, nach Berlin die größte Anstalt dieser Art in Deutschland, giebt ihren zehnten Jahres- bcricht heraus. Im verflossenen Geschäftsjahre(1. Juli 1903 bis Ende Juni 1904) gingen bei der Anstalt 77 009 Gesuche ein gegen 75 144 im Jahre vorher, wovon auf die weibliche Abteilung 19 665 Gesuche fallen. In der männlichen Abteilung ist zum erstenmal seil der vor zehn Jahren erfolgten Gründung der Anstalt die Thatsache zu verzeichnen, daß die Zahl der Arbeitsuchenden ab-, die Zahl der offenen Stellen aber zunahm. Das will nun gar nichts sagen, denn minier noch kamen auf je 100 offene Stellen der männlichen Abteilung 179,6 Arbeitsuchende. Im Jahre vorher waren es 197,9. Von 36 835 männlichen Arbeitsuchenden erhielten nur 20076 Beschäftigung, also 54,5 Proz., wogegen bei 20 509 angebotenen Stellen 96,2 Proz. der Gesuche der Arbeitgeber befriedigt wurden. In der weiblichen Abteilung war daS VerhälttuS u m g e- kehrt. Dort tvurden nur 72,6 Proz. der Gesuche der Arbeitgeber gegen 95,8 Proz. der Arbeitcriimen, meistens Hanspersonal, befriedigt. Auf 11 191 offene Stellen meldeten sich nur 8474 weibliche Arbeits- kräste. Das Verhältnis ist 100 zu 76,7. � Wie entsetzlich groß die Arbeitslosigkeit bei den gelernten männlichen Arbeitern und bei den erwachsenen ungelernten ist. zeigt ein Studium der für die einzelnen Berufe angegebenen Zahlen. Nur bei wenigen Gewerben ist das Verhältnis einigermaßen erträg- lich: bei den Maurern und Putzern kamen auf 2572 Arbeitsuchende 2075 offene Stellen; ebenso ist bei den Dachdeckern, Asphaltierern, Tapeziererii, Polsterern und Schneidern der Abstand zwischen An- gebot und Nachfrage nicht gar zu groß. Dagegen klafft zwischen den offenen Stellen und der Zahl der Arbeitsloien bei den übrigen Berufen ein entsetzlich großer Abstand. Man sehe: Tischler: 1456 offene Stellen bei 2432 Arbeitslosen; Zininierer, Stellmacher, Drechsler. Holzbildhauer: 236 Stellen bei 617 Arbeitslosen; Schlosser, Mechaniker u. dergl. 741 Stellen bei 2631 tzlrbeits losen(also weit mehr als daS Drei- fache!); Schmiede, Dreher, Former 39 8 Stellen bei 1474 Arbeitslosen(ebenfalls mehr als daö Drei- fache!); Klempner und Installateure: 362 Stellen bei 1006 Arbeitslosen(also fast das Dreifache!); Anstreicher, Maler, Vergolder u. dergl. 1036 Stellen bei 2060 Arbeits- losen(also daS Doppelte!). Bei den ungelernten Arbeitern kommen auf 670 offene Stellen 1223 Fabrikarbeiter(in der weiblichen Abteilung auf 851 angebotene Tagelöhnerinnenstellen in Fabriken u. dergl. aber nur 790 Arbeitögesuche!); auf 444 offene Stellen meldeten sich 1495 Fuhr- leute, Kutscher und Stallleute; auf 707 offene Stellen 2624 Geschäfts- diener und Packer(in beiden Fällen weit mehr als daS Dreifache!).—_ DaS Einsammeln von Nenjahrsgeschenken. Ein schlcsischer Schornsteinfegermeister sollte sich durch Anstiftung zum Einsammeln von Neujahrsgeschenken gegen eine Polizei- Verordnung vergangen haben, welche bestimmt:„Das Einsammeln von Geschenken ist den Gehilfen und Lehrlingen der Bezirks- Schornsteinfeger untersagt." Er wurde in letzter Instanz vom Kammergericht freigesprochen, weil eine derartige Polizei- Verordnung iingültig sei. Polizeiverordnungcn gegen das Kollektteren könnten nur gestützt werden auf die§§ 244 und_ folgende des 20. Titels im II. Teil des Allgemeinen Landrechts beziehungsweise auf die entsprechenden staat- lichen Grundsätze. Danach sei aber nur ein behördliches Eingreifen zulässig. wenn es sich beim Kollektteren handle un, ein„Ein- dringen in die Häuser zu einem vermeintlichen oder an- geblichen gemeinnützigen oder wohlthätigen Zweck". Von einem solchen Zweck könne aber nicht die Rede sein, weim Schornsteinfegergesellcn oder-Lehrlinge in der üblichen Weise zu Neujahr oder auch sonst Geschenke einsammeln.— Aber auch auf das Polizeiverwaltiings-Gcfetz und auf§ 10 II 17 Allgemeinen Landrechts, wclrtier den allgernciiicii Grundsatz über das Recht und die Pflichten der Polizei enthält, laste sich die angezogene Verordnung nicht stützen. Nach 8 10 II 17 Allgemeinen Landrechts sei cS Ausgabe der Polizei, für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zil sorgen und daS Publikum in seiner Gesamtheit oder einzelne Mitglieder desselben gegen drohende Gefahren zu schützen. Die VorallSsetzungen seien hier nicht gegeben. Mit dem Einsammeln von Geschenken durch Lehrlinge und Gesellen der Schornsteinfegermeister möge ja eine Belästigung des Publikums verbunden sein, von einer Gesährdung des Publikums könne dabei aber nicht gesprochen werden. Somit sei die Verordnimg rechtsungültig. Lokales. Die Berliner Mullkutscher_ Werken gegenwärtig mit einer förmlichen Flut von polizeilichen Strafmandaten überschüttet. Allein die Kutscher der Firma Scheller erhielten während der letzten vierzehn Tage nicht weniger wie 32 Strafverfügungen in der Höhe von 3 bis 13 M., weil sie „geschalt" haben. Die Polizeiverwaltung hat nämlich unter dem 14. Januar d. I. für den Stadtkreis Berlin eine Polizeiverordnung folgenden Inhalts erlassen: § 1. Das Schalen des Mülls(Aussuchen von Knochen, Lunrpen. Papier. Metall, Holz. Kohlen usw.) ist den Angestellten der Müllabfuhr-Unternehmer und andren Personen, die eS ge- gewerbsmäßig betreiben, auf den Höfen der Hausgrundstücke, bei dem Transport und bei der Abladung oder Verladung des Mülls verboten. K 2. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmung dieser Polizei- Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 30 M., im Unvermögens- falle mit entsprechender Haftstrafe geahndet. Die vor Jahren getroffenen Bestimmungen hinsichtlich der staub- freien Müllabfuhr waren schon insofern zu begrüßen, als sie in hygienischer Beziehung von nicht zn unterschätzender Bedeutung für die Berliner Bevölkerung sciti mußten. In der vorstehenden Be- slimmung läßt sich eine derartige Fürsorge nicht erkennen, mindestens kommt sie in der Praxis nicht zur Geltung. Es kann wohl kaum behauptet werden, daß die Müll- arbeiter durch diese Verordnung in der Erhaltung ihrer Gesundheit besonders geschützt würden, denn sie find nach wie vor verpAichtet, bei der Verladung deS Mülls den un- gesunden Staub zc. einzuatmen. Das trifft namentlich bei der Verladung deS Mülls in Lowries zu, Ivo hauptsächlich das noch vor- herrschende Kastensystem in Frage kommt. Bei diesem System sind nämlich die Angestellten gezwungen, das Müll in den Lowries fest- zutreten, damit ein möglichst großes Quantum verladen werden kann. Bei dieser ebenso anstrengenden wie unangenehmen und un- behaglichen Arbeit ist die Einatmung des ekelhaften und nn- gesunden Staubes einfach unvermeidlich. Noch unangenehmer ist das Verladen bei dem System, das die Firma Scheller eingeführt hat. Die Firma benutzt zur Abfuhr große verdeckte Kastenwagen, in die das Müll in den einzelnen Blechkästen hochgewunden und hineingeschüttet wird. Beim Ausladen wird dann das Müll mit Haken und Gabeln aus dem Wagen heraus- geholt, wobei einer der Arbeiter direkt in den Wagen hineinkriechen und den wenig appetitlichen Inhalt drinnen bearbeiten muß. Der Betreffende hat nun stets zum Nachteil seiner Gesundheit die ver- pestete. staubige, mit allen möglichen schädlichen Miasmen ge- schwängerte Luft einzuatmen. Gegen derartige, für den Müllkutscher im höchsten Grade gesundheitsgefährliche Zustände richtet sich die Polizeiverordnung jedoch nicht, sondern nur gegen das sogenannte „Schalen", das keineswegs eine größere Staubentwicklung verursacht, lvohl aber den Kutschern und Mitfahrern einen kleinen Neben- erwerb verschafft, der ihnen sehr Wohl zu gönnen ist. Zudem erfolgt das„Schalen" nicht auf öffentlicher Straße und stört daher in keiner Weise den Verkehr, auch wird die Bevölkerung dabei nicht im mindesten belästigt. Merkwürdig ist es nun jedenfalls, daß sich diese Polizeivcrordnung nicht auch gleichzeitig gegen die Pächter richtet, welche die großen, außerhalb Berlins liegenden Abladeplätze zum Zwecke des gewerbsmäßigen Schalens durch hierzu angestellte Frauen gepachtet haben. Die Müllkutscher als Mitglieder des Handels- und Transportarbeiter-VerbandeS wollen die sie schädigende Polizeiverordnung im Instanzenwege als ungültig anfechten. Durch Eingabe an das Staatsministerium ist ein Berliner Bürger lebhaft für die Errichtung eines Industrie- A u s st e l l u n g s- G e b ä u d c s eingetreten. Die Eingabe gipfelt in der Bitte:„Das Terrain des alten Botanischen Gartens der Stadt Berlin zu billigem Preise mit der Maßgabe zu überlassen, daß die Stadt sich verpflichtet, das nötige Gebäude für ein Industrie- Ausstellungs-Gcbäude kostenlos herzugeben." In der Eingabe wird darauf hingewiesen, daß ein solches Gebäude für Berlin ein dringendes Erfordernis und feine Notwendigkeit erst jüngst wieder bei der im Juni ftattgefundencn Eröffnung der Papierausstcllung von dem Vorsitzenden des Papiervereins betont worden ist. Der Mangel an einem würdigen großen Ausstellungsraum sei schon wiederholt schwer empfunden worden und der Staat, der die Kunst durch Schaffung eines AusstellungSgebäudes unterstützt habe, sollte es als seine Aufgabe betrachten, in gleicher Weise Industrie und Handel zu unterstützen. Ein Teil des alten Botanischen Gartens in der Pots- damerstraße würde sich nach Ansicht des Petenten sehr gut für die Errichtung eines solchen Jndustrie-Ausstellungsgebäudes eignen: die Front des Gebäudes könnte an der Pallasstraße liegen, so daß es von Gartenanlagen umgeben wäre; der Teil des Botanischen Gartens an der Grunewaldstraßc müßte öffentlicher Park werden. Die Ein- gäbe schließt mit der Ueberzeugung, daß dem jetzigen Mangel un- schwer abgeholfen werden könnte, wenn der Staat, die Stadt Berlin, die Berliner Handelskammer und die Korporation der Berliner Kauf- Mannschaft zu gemeinsamem Thun sich vereinigten. Ter Jahresbericht der Berliner Sternwarte, den zum letztenmal Geh. Rat Wilhelm Förster erstattet, enthält manche Angabc von allgemeinem Interesse. Am großen Instrument im Meridian wurden von Prof. Battermann auf Wunsch der Professoren H. Struvc-Königsbcrg(des künftigen Direktors) und Dubiago- Kazan die Orte von etwas mehr als 200 Sternen bestimmt, die bei den Polhöhcnmessungcn in Königsberg und Kazan benutzt worden waren, ferner eine ziemlich beträchtliche Anzahl von meist sehr licht- schwachen Sternen, bei welchen die unter Leitung von Dr. Nistenpart für die„Geschichte des Sternhimmels" gemachten Zusammen- stcllungcn Zweifel ergeben hatten. Die Bestimmungen wurden wegen der Lichtschwächc der Objekte durch die starken Rauchentwick- lungcn im Süden der SterMvartc erschwert oder mitunter völlig vereitelt. Es ist indessen begründete Hoffnung vorhanden, daß es schon in nächster Zukunft gelingen wird, diese Rauchentwicklungen zu unterdrücken, wenn die Behörden fortan auf die Einführung der jetzt erprobten, die Rauchentwicklung zweifellos beseitigenden und dabei in hohem Maße sparsamen Wcgnerschcn Feucrungscinrich- tungen dringen. Ter Zeitdicnst der Sternwarte wurde unter Leitung von Professor Battermann, Dr. Kramer und Kand. Hessen fortgeführt. Die wöchentlich einmal nach Glashütte gegebenen Zeit- signale kamen befriedigend zustande; ebenso funktionierte auch im allgemeinen der Signalwcchscl mit der Zeitballstation in Swine- münde. Die Regulierung der städtischen Sekuuden-Normaluhrcn wurde in diesem Jahre noch stärker als im vorigen durch den fort- schreitenden Verfall der Kabelvcrbindungen gestört. Eine gründ- lichc Abhilfe ist nunmehr durch das Entgegenkommen des Reichs- Postamtes in solcher Weise gesichert, daß in dem vorzüglichen neuen Äabclnetz der Reichspostverwaltung die erforderlichen elektrischen Verbindungen mit aufgenommen sind, während zugleich die Central- uhr des Rcichstelcqraphcndicnstcs, ebenso die Ccntraluhr der preußischen Eiscnbahntclegraphic auf demselben Wege von feiten der Sternwarte bis auf Bruchteile der Sekunde richtig gehalten werden. Im übrigen wird künftig unter Oberleitung und 5lontrolle der Sternwarte die Richtighaltung der städtischen Sekunden-Normaluhren auf den öffentlichen Plätzen im Namen der städtischen Behörde von feiten der Gesellschaft Normalzeit ausgeführt, deren Central- uhr ebenfalls von der Sternwarte durch elektrische Regulierung mit Hilfe des Kabclnctzcs richtig gehalten wird. Der kluge Hans aus dem Zoologeu-K-ngreß. Das Wunderpferd von Berlin hat auch auf dem 6. Internationalen Zoologcn-Kongreß. der jüngst in Bern tagte, eine Rolle gespielt, wenn auch nicht in Person. Sein, nämlich des Hans. Protektor, Herr Schillings, hatte an den Kongreß ein Schreiben gerichtet, das der„Köln. Völks-Zig." zufolge wie folgt lautet:„Dem konsequenten und methodischen Unterricht eines bereits bejahrten Herrn v. Osten ist es gelungen, nach pädagogischen Principien und durch eine in genialer Weise von ihm erdachte Methode einen jetzt neunjährigen russischen Trabcrhengst(mit Beimischung von etwas englischem Voll- blut) in vielen Elcmentarfächern deS Wissens auf die Stufe eines etwa zwölf- bis vierzehnjährigen Kindes zu bringen. Das Tier liest perfekt, rechnet ausgezeichnet, beherrscht die einfache Bruchrechnung und erhebt Zahlen bis zur dritten Potenz, unterscheidet eine große Reihe von Farben, kennt den Wert der deutschen Münzen, den Wert der Spielkarten, erkennt Personen nach Photographien, selbst sehr kleinen und nicht einmal sehr ähnlichen(!), versteht die deutsche Sprache und hat sich über- Haupt eine Summe von Begriffen und Vorstellungen angeeignet, die unfern bisherigen Ansichten über die Psyche der Equiden in keiner Weise entsprechen. Das Tier ist heute fähig, beispielsweise militärische Meldungen, wie„Brücke und Weg sind vom Feinde besetzt", nach 24 Stunden noch fehlerlos zu wiederholen, und zwar mittels einer genial erdachten Zeichen- spräche. Der Hengst unterscheidet aber auch angenehm, unangenehm, schön, häßlich, warm, kalt und viele andre Begriffe. Er kennt Melodien und bezeichnet sie richtig, giebt den Takt an, in welchem Musikstücke geschrieben sind, kennt die einzelnen Töne und ist fähig. bis zu fünf ihm auf einer Klarinette zu gleicher Zeit vor- geblasene Töne im einzelnen zu bezeichnen und anzugeben, welche davon ausgeschaltet werden müssen, damit aus der Dissonanz ein Wohlklang werde. Es ist vollkommen unmöglich, dies alles im einzelnen durch Worte zu schildern; da ich es aber übernommen habe, auch in Abwesenheit seines Besitzers das Tier zu examinieren, so bin ich heute mit einer Anzahl befreundeter Gelehrten vollkommen überzeugt, daß der Hengst selbständig denkt, kombiniert, Schlüsse ziehl und danach handelt. DaS Wort„Dressur" kann nur insofern hier angewandt werden, als dann auch menschliches Wissen nichts als Dreffnr ist. Da sich alle seine Leistungen nur auf den ein- fachsten Grundbegriffen methodisch aufbauen, so richte ich an alle Mitglieder des Zoologen-Kongresses die Bitte, sich mit mir in Ver- bindnng zu setzen, um sich von dem hier Gesagten zu überzeugen." Die Zoologen sollen so banausisch gewesen sein, über das Schriftstück zu lachen und es in den Papierkorb zu werfen. Das Reichspostmuseum hat soeben Gelegenheit gehabt, die letzte Lücke, welche in seiner Postwertzcichcnsammlung bisher noch bestand, auszufüllen. Die einzige Marke, die unsrcm Museum noch fehlte, war die überaus seltene zwei Cents rosa der Ausgabe von Britisch- Guinea. Es jjt dem Museum nunmehr gelungen, diese Marke, von der noch weniger Stücke bekannt sind als von den beiden Mauritius Post-Office-Markcn, im Tauschwege durch Vermittclung eines hie- sigcn Händlers vom Auslanb her zu erwerben. Der Wert dieser Marke wird auf etwa 20 000 M. geschätzt. Damit übertrifft unser Reichspostmuseum an Vollständigkeit selbst die gegenwärtig im Architektenhaus befindliche Internationale Briefmarkcnausstellung. Denn wenn diese auch ebenfalls eine 2 Cents rosa von Britisch- Guinea in der Sammlung des Londoner Großkaufmanns Duvecn aufweist, so besitzt doch das Reichspostmuscum auch die überaus seltene 2 Cents hellblau der ersten Ausgabe von Hawai, die selbst in der auf der Ausstellung im Architektenhause befindlichen berühmten Specialsammlung von Hawai des Amerikaners Crocker fehlt, und die einzige Marke ist, die auf der Ausstellung nicht vertreten ist. Ter Ucberschuß, der sich beim Abschluß der Stadt-Hauptkasse für das abgelaufene Etatsjahr 1003/04 ergeben hat, beträgt 4 227 247 M., wovon auf den engeren Stadthaushalt der Stadt Berlin 1 833 250 Vi. und auf die städtischen Werke 2 303 080 3K. entfielen. Die Fehlbeträge aus den beiden letzten Etatsjahren 1001/02 und 1002/03 sind inzwischen gedeckt, sodaß der Ueberschuß voll für die Zwecke des nächsten Etats 1004/05 verwandt werden kann. Da der städtischen Verwaltung in der nächsten Zeit große Aufgaben bevorstehen, wir erinnern nur an den Bau eines großen Berliner Hafens, der Unterpflasterbahn Süd-Nord, einer 4. Irren- Anstalt in Buch, eines großen Siechenhauses in Buch, zahlreicher Schulen, einer neuen Central-Markthalle am Central-Viehhof, den Ausbau der Kanalisation im Osten und Norden von Berlin, die Regulierung der Ufer der Spree im Centruu u. ct., so kommt der Ueberschuß diesen Arbeiten sehr zu statten. Neue Freimarken- und Postkarten-Antomaten, die sich in ihrer mechanischen Einrichtung nicht unwesentlich von den bei den Post- ämtern C2, W9 und W64 vorhandenen gleichartigen Automaten unterscheiden, sind laut„Deutsch. Vcrkehrs-Ztg." bei dem Postamt 54 lLothringer Straße) jetzt ausgestellt worden. Während bei den älteren Automaten die Freimarken durch eine besondere Transport- Vorrichtung vorgeschoben und dann durch ein Messer abgeschnitten werden, wird bei den neuen der gleiche Zweck lediglich durch eigenartig bewegte Walzen erreicht. Dadurch werden verschiedene empfindliche, nur auf dem Wege der Feinmechanik herstellbare Teilender älteren Automaten, die häufig zu Betriebsstörungen Veranlassung gaben, entbehrlich. Das Walzcngetricbe kann verhältnismäßig einfach her» gestellt werden und arbeitet durchaus zuverlässig. Die neue An- ordnung hat noch den Vorzug, daß die Freimarken durch die Walzen bis unmittelbar in die Vcrkaufsschale geschoben werden. Dadurch wird der den älteren Automaten anhaftende Ilebelstand vermieden, daß die Marken in dem Kanal, durch den sie ein Stück frei in die Verkaufsschale fallen sollen, hängen bleiben, weil sie sich infolge von Wittcrungsumschlägcn etwas gerollt haben, oder weil die bisweilen im Kanal herrschende Zugluft das Herabfallen hindert.— Zur Sicherung gegen Äassenvcrluste sind die neuen Automaten mit einer Vorrichtung(Sichtbarmachung) versehen, welche die letzten sechs Geldstücke, der Reihenfolge des Einwurfs entsprechend, unter einer Glasscheibe erscheinen läßt, bevor sie endgültig in die Kasse gleiten. Jedem, der an den Apparat herantritt, ist dadurch die Möglichkeit gegeben, die bei den letzten Verkäufen benutzte» Geldstücke zu sehen. Betrügerische Personen setzen sich dadurch in hohen: Maße der Gefahr aus, bei der Verwendung von Falschstückcn ertappt zu werden. Die neuen Automaten sind in der Maschinenfabrik von Sielaff an- gefertigt. Wie sie sich in der Praxis, besonders bei plötzlichen Witterungswechseln, bewähren und welche Aufnahme sie beim Publikum finden werden, muß natürlich erst die Zukunft lehren. Wie Du mir, so ich Dir. Der preußische Kampf gegen das Polentum war wohl die Ursache einer Maßregelung, unter der eine Berliner Künstlergesellschaft in Galizien zu büßen hat. Poli- zeilich verboten wurden dort nämlich die Vorstellungen eines„Berliner Theater- Ensembles". Die Schau- spielertruppe. welche unter diesem Namen reist. beabsichtigte auf einer Tournee durch Galizien, Rumänien und Rußland die Hauptrepertoirestücke der letzten Jahre aufzuführen und hatte schon, ans die bloßen Ankündigungen hin. eine Menge Vorbestellungen erhalten. Einige. Vorstellungen hatten bereits stattgefunden, als in der galizischen Stadt StaniSlau der BczirkShauplinann die Fortsetzung der Aufführungen mit der Begründung verbot, daß„bei deutschen Theatervorstellungen in einer polnischen Stadt antipreußische Demonstrationen zu befürchten seien". Die Direktion richtete eine Beschwerde an die k. und k. Statthalterei in Lemberg, wurde aber abgewiesen. Der Statthalter erklärte das Verbot der Vorstellungen für gerechtfertigt und ließ in dein Be- scheide durchblicken, daß die galizische Landesregierung auch in andern Städten des Landes die Aufführungen verhindern werde. Eine neue Brücke über den Schiffahrtskaual hat der Rixdorfer Magistrat im Einverständnis mit der städtischen Baudcputation zu errichten beschlossen. Die Brücke soll drei Meter breit und nur für den Fußgängerverkehr bestimmt sein und im Zuge der Straße 13 liegen, io daß sie eine direkte Verbindung zwischen Rixdorf und Treptow schafft. Der falsche Naumann. Durch den Erkennungsdienst entlarvt wurde ein gefährlicher Taschendieb und, AbHänger", der schon seit etwa drei Monaten von der Polizei gesucht wurde. Wie wir vor einiger Zeit mitteilten, wurde durch die hiesige Kriminalpolizei ein Mann festgenommen unter dem dringenden Verdacht, in einem Versteigerungssaale der städtischen Pfandlammcr dein Handelsmann B. eine goldene Uhr im Werte von 300 M.„abgehängt" zu haben. Der Verhaftete bestritt mit aller Entschiedenheit, der Thäter zu sein und behauptete, daß er erst vor einigen Tagen nach Berlin zugereist wäre und hier noch keinen festen Wohnsitz habe. Er hatte auch alle Ursache, über seine Person ein mystisches Dunkel zu verbreiten. Im Vermessungsdienst wurde nämlich festgestellt, daß der Verhastete identisch sei mit einem schon seit circa drei Monaten gesuchten Verbrecher, der den Beinamen„Nepper-Wilhelm" führt und dessen „Specialität" Taschcndiebstähle und Uhrendiebstähle sind. Der Fest- genommene„arbeitete" stets selbständig und vertrieb die gestohlenen Uhren nicht durch Hehler, sondern verkaufte sie unter der Hand. Durch diesen Umstand konnte seine Verhaftung erfolgen. Ein Herr. dem er die dem Handelsmann L. gestohlene Uhr zum Kauf angeboten, erkannte den Verkäufer wieder und veranlatzte dessen Verhaftung. Die Sprce-Havcl-Dampfschiffahrtsgesellschaft„Stern" bringt am nächsten Montag, 20. August, einen Herbstfahrplan auf der Oberspree zur Einführung. Es haben sich dabei auch einige Aenderungen er- geben, die noch nicht im Fahrplanbuch der Gesellschaft berücksichtigt sind. Zwischen Berlin und Grünau wird von nachmittags 2 Uhr an bei günstiger Witterung der Dampferverkehr halbstündlich aufrecht erhalten werden. An Wochentagen fährt der letzte Dampfer um 6 Uhr von der Jannowitzbrücke bis Grünau. Von Grünau geht der letzte Dampfer zurück um 8 Uhr. Sonntags wird der Verkehr nach Bedarf länger ausgedehnt. Verloren gegangen ist die Parteitags-SammeUiste Nr. 5303. Es wird gebeten, sie bei Wilh. Dietrich, Mctzerstr. 26, abzugeben. Ge- sammelt waren darauf 3,60 M. Erschütternde Sccnen spielten sich gestern morgen am Maybach- ufer ab. Ter 0 Jahre alte Sohn eines Arbeiters aus der Liegnitzer- straße spielte am Donnerstagabend mit mehreren Altersgenossen an der Thiclen-Brücke, fiel in den Landwehrkanal und ertrank trotz sofort angestellter Rettungsversuche. Der Untergegangene kam nicht mehr zum Vorschein und blieb verschwunden. Als der Vater des Verunglückten gestern morgen um 6 Uhr auf dem Wege zur Arbeit nach der Kottbuscr Brücke kam, erregte eine Menschenmenge am Kanal seine Aufmerksamkeit. Näher tretend sah er, daß ein Gegen- stand aus dein Wasser gezogen wurde. Als er über die Oberfläche gehoben wurde, erkannte der Arbeiter darin die Leiche seines Sohnes. Tics erschüttert ging der Mann von dannen, nachdem er die Per- sönlichkeit deS Ertrunkenen festgestellt hatte, und benachrichtigte seine Frau. Die Unglückliche kam später nach der Fundstelle und brach an der Leiche ihres Sohnes ohnmächtig zusammen. Nur schwer ließ sie sich beruhigen, als die Leiche in den Wagen gehoben und nach dem Schauhause gebracht wurde. Eine schwere Krisis haben die Berliner Molkereibesitzer jetzt durch- zumachen. Jnfolae der Dürre des verflossenen Sommers sind die Preise für Futtermittel sehr erheblich gestiegen. Das Heu wird sonst mit 3— 3,50 M. pro Cenlner bezahlt, während es jetzt 4— 5 M. kostet; du Kleie kostet sonst 4,80 M., jetzt 6— 6,25 M. Ebenso sind die Preise für Richen von 60— 80 Pf. auf 1,40— 1,50 M. gestiegen. Beim Angeln ertrunken ist Freitagnachmittag gegen 5 Uhr m der Mühlenstraße der 11jährige Walter Düntzel aus der Schmidstr. 12. Der Knabe angelte mit mehreren Schulkameraden im Wasser stehend. Der des Schwimmens unkundige Knabe wagte sich zu weit in die Spree, als er plötzlich den Grund verlor und im Wasser verschwand. Schiffer, die dort mit ihren Lastkähnen hielten, fuhren schnell mit ihren Handkähnen nach der Unglücksstelle, konnten jedoch den bereits untergegangenen Knaben nur als Leiche landen. Die Polizei beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schauhause über- führen. Ein schlimmer Unfall ereignete sich in der Schönhauser Allee. Der geisteskranke Maurer Zöllner war aus der Richterschen Anstalt in Pankow aus Urlaub nach Berlin gekommen und fuhr abends zurück. Er benutzte einen Anhängcwagen der Linie 47 und saß auf dem Deck. An der Ecke der Wörther Straße hielt der Wagen, und der Kranke beugte sich über das Geländer des Dccksitzes, um die. aussteigenden Menschen zu beobachten. Hierbei verlor er das Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf den Fahrdamm, wo er be- sinnungSlos liegen blieb. Zöllner hatte, wie auf der Unfallstation in der Schönhavserstratzc festgestellt wurde, eine schwere Gehirn- crschüttcrung erlitten und mutzte nach der Charite geschafft werden. Explosion auf der Straße. Gestern nachmittag gegen 4'/-, Uhr verursachte der 26 jährige Telephonarbeiter Paul Käßler, der auf dem Bürgersteige vor dem Jandorffschen Neubau in der Veteranenstraße Lötarbeiten verrichtete, durch fahrlässiges Aufgießen von Spiritus auf eine brennende Lötlampe eine Explosion, wodurch der 14 jährige Laufbursche Paul Conrad aus der Stromstraße, der 11jährige Schüler Felix Raßmann und die 13jährige Schülerin Helene Rosch, beide Veteranenstraße wohnhaft, verletzt wurden. Die Kleider des Mädchens brannten in hellen Flammen, die jedoch sofort durch Passanten er- stickt wurden, so daß dem Kinde nur Augenbrauen und Kopfhaare versengt wurden. Die Knaben erlitten beide am linken Unterschenkel unbedeutende Brandwunden. In Sachen der Ermordung der Lucie Berlin ist, nach oincr Blättermeldung, die Voruntersuchung jetzt ihrem Abschluß nahe. Nachdem fast die sämtlichen in Betracht kommenden Zeugen und Sachverständigen gehört worden sind, steht zu erwarten, daß in spätestens zwei Wochen die Akten, die einen ungeheuren Umfang angenommen haben, der Beschlußkanimer des königlichen Land- gerichts I zur Erhebung der öffentlichen Anklage gegen den Zuhälter Otto Bcrger übermittelt werden. Da die ärztlichen Gutachten da- rübcr nicht einig geworden sind, ob der Tod des unglücklichen Kindes durch Ersticken oder erst infolge der Schnittwunden am Körper ein- getreten ist, so wird sich das Gericht noch darüber schlüssig zu machen haben, ob die Anklage auf Mord oder auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgange lauten soll. Feuerbericht. In der Nacht zum Freitag wurde die Wehr nach der Dresdencrstratzc 1 gerufen, weil hier gegen 11 Uhr in den, Hcrrenkonfektionsgcschäft von A. Wormann auf nicht ermittelte Weise Feuer ausgekommen war. das Kleider, Stoffe usw. erfaßt hatte und einen größeren Umfang anzunehmen drohte. Ter achte Löschzug war jedocki schnell zur Stelle und beseitigte innerhalb einer halben Stunde jede Gefahr. Nennenswerter Schaden ist nicht entstanden. — Kurz vorher liefen fast gleichzeitig Alarmierungen nach der Kraut- straße 8 und nach der Falckcnsteinstraßc 36 ein. Hier brannte es in einer Küche, während dort Betten und Kleidungsstücke in einer Wohnung in Flammen standen. In beiden Fällen nahm aber die Ablöschung nur kurze Zeit in Anspruch.— In der Skalitzerstratze 147a mußte gegen Abend ein Brand beseitigt werden, der den Fuß-» bodcn und die Balkenlage ergriffen hatte.— Zur selben Zeit stand in der Gaudystraße eine Laube in Flammen, während am Grünen Weg 04 auf dem Dach ein kleines Feuer entstanden war.— Alle übrigen Alarmierungen, die noch in den letzten 24 Stunden ein- liefen, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen. Ter Verband deutscher Tchuhwarcnhändlcr hielt am Freitag. mittag im Bürgcrsaal des Rathauses seinen dritten Verbandstag ab. Zunächst referierte Herr Dr. Fcitclberg über die Thätigkeit deS Verbandes in bczug auf Festsetzung von M.inimalvcrkaufspreisen. auf Stellenvermittelung und ans Schaffung von Listen säumiger Zahler. Da der vorgesehene Vortrag über„Tie Bedeutung der Kartcllicrung in der Lederindustrie für den Schuhhandel" ausfiel, so konnte sofort Herr Arthur Jacob i über„Fach- und Welt- ausstellungen" sprechen. Der Redner gab zunächst eine Uebersicht der Entwicklung des Handels und seiner Gebräuche und kam dann auf die Ausstellungen unsrer Tage zu sprechen. Ten Weltaus- stellungcn habe man den Vorwurf gemacht, daß sie große Jahrmärkte seien. Wenn man aber gerecht sei, so müsse man einsehen, daß die ungeheuren Kosten derartiger Veranstaltungen nur durch die Heran» ziehung gewaltiger Mcuschcnmasscn zu decke umseien. In Fachkreisen verdienen mit vollem Recht die eigentlichen Fachausstellungen ganz besondere Beachtung, da hier der Händler Gelegenheit habe, neue Lieferanten kennen zu lernen, während umgekehrt diese wieder mit iteuen Nbsatzquellen bekannt würden, derartige Ausstellungen regen auch den Wettbewerb in den verschiedenen Branchen ganz besonders an; außerdem geben sie den Interessenten die Möglichkeit, die Produkte der verschiedenen Erzeuger ohne jedes Gefühl des Kauf- Zwanges kennen zu lernen und mit einander vergleichen zu können. Ten interessantesten Teil der Tagesordnung bildete der Vortrag des Herrn Albert Auerbach über„D i e K u n st der R c k I a m e". Auerbach gab in seinen Ausführungen eine Fülle praktischer Rat- schlage, viele interessante theoretische Gesichtspunkte und manche be- achtenswerte allgemeine Betrachtung über das Wesen und den Wert der Reklame zum besten. Ter Redner führte neben Aeutzerungen bedeutender Geschäftsleute über die Wichtigkeit wirksamer und rationeller Reklame auch Aussprüche von Gegnern deS Ankündigungs- Wesens an. Ten Gegnern der sogenannten Reklame dürfte kaum jemals in einer so wirksamen Weise die Ueberlebtheit ihres Stand- Punktes klar gemacht worden sein, wie dieses Her Auerbach in über- aus geschickter Weise an der Hand allgemeiner Betrachtungen und durch Beleuchtung mit Beispielen aus der Praxis fertig brachte. Mit Recht wies der Redner darauf hin, daß sich namentlich der indirekten Reklame auch die angeblichen Gegner des modernen Ankündigungs- Wesens bedienen. Der Kommcrzienrat oder derjenige Kaufmann, der es werden wolle, sorgt gewöhnlich dafür, daß die Zeitungen weit verkünden, wenn er von einem Prinzen oder Fürsten besucht wurde. Indirekte Reklame I An patriotischen Festen suchen viele Gewerbetreibende durch besonders umfangreiche Illumination die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und die Presse zur Bericht- crstattung über ihre Festdekoration zu veranlassen. Indirekte Re- klamel Der Reklame bedienen sich aber auch— wenn man die Dinge nur richtig zu beurteilen versteht— die Religionsgemeinschaften usw. Was ist das anders als Reklame, wenn die Kirchen in den Zeitungen regelmäßig die Ucbersichten der Gottesdienste und Predigten veröffentlichen? Tie direkte Reklame, die mit wirkungs- vollen Inseraten, Illustrationen, Prachtkatalogcn, Cirkularen arbeite, hat sich neuerdings ganz besonders der Auzeige-Effckte mit Hilfe der modernen Beleuchtungstechnik bedient, nachdem der Theater- Vorhang schon seit längerer Zeit im Dienste des Reklamewescns steht. Die modernen Schaufenster, die geradezu zu geschmackvollen und auffälligen Dekorationen zwingen, sind auch ein Mittel der Reklame nnsrer Tage. Von Gegnern der Reklame, die diese aus Volkswirt- schaftlichen Gründen verwerfen, citierte Auerbach August Bebel, der in feinem Buche„Die Frau" die Unkosten der Reklame als un- nötige Verteuerung der Produkte bezeichne. Demgegenüber müsse aber auf Laffalle verwiesen werden, der mit Recht die„verdammte Bedürfnislosigkeit" bekämpft habe. Gerade durch die Anpreisung der verschiedensten Erzeugnisse mit Hilfe aller Mittel der modernen Reklame werde aber der Wunsch: Artikel mannigfacher Art, neue Erzeugnisse und verbesserte Gebrauchsgegenstände zu erwerben, in weiten Kreisen Kreisen des Volkes erst wachgerufen. Dadurch ist mithin die Reklame geradezu ein Kulturhebel geworden, weil sie eben die Menschheit zu neuen Bedürfnissen erziehe. Herr Auerbach sollte eigentlich vom Socialismus noch eine dunkle Erinnerug haben. Um so seltsamer ist es, daß er Lassalle und Bebel in einen Gegensatz bringt, wie es gewaltsamer wohl kaum möglich ist. Orgelkonzert. Montag, den 29. August, abends 7'/, Uhr, werden in der Marienkirche Musikdirektor Otto Dienet. Fr- Musikdirektor Marie Schramke-Falkner. Frl. Frieda Schramke-Falkner, Fr. Elsa Dirksen, Frl. Constanze Niessen, Frl. Maria Schramke- Falkner, Frl. Helene Compart, Hr. Fritz Schramke-Falkner, das Cello- Quartett der Musikschule von Frl. Lemm unter Leitung von Herrn Fritz Grosse und Hr. Rob. Schwiesselmann Kompositionen von Bach, Haydn, Beethoven, Mendelssohn, Grell, Eckert, Rheinberger, Goltermann und Dienet bei freiem Eintritt vortragen. Theater. DaS Deutsch-Amerikanische Theater eröffnet heute seine zweite Saison mit Adolf Philipps heiteren Bildern mit Gesang, betitelt„Ueber'n großen Teich". Adolf Philipp wird wieder die Hauptrolle des„Vierländers" spielen und liegen die übrigen Hauptrollen in den Händen der Damen: Martha Glück, Margarete Wiedecke, Emilie Giesrau, sowie der Herren: Edmund Hanno, Hans Lüpschütz, Adolf Sieber, Albert Paulig u. a.— In» Residenz- Theater findet am Sonnabend, Z.September, die Eröffnungs- Vorstellung unter der Direktion Richard Alexander statt. Zur Auf- führung gelangt der dreiaktige Schwank„Eine Hochzeitsnacht"(„Quo vuit äo nozes") von Köroul und Barr«. Im Sportpark Treptow finden an, Sonntag anläßlich der Ankunft der Wcttläufer um die„Meisterschaft von Berlin" über 75 Kilometer eine Reihe interessanter Radrennen bei kleinen Eintrittspreisen statt. Die Hauptnummer des Programms ist ein Stundenrennen mit Motorführung, an welchem vier Teilnehmer, u. a. der Rennfahrer Stellbrink, teilnehmen. Die Ankunft der Läufer, ivelche um 7 Uhr früh in Tempelhof starten, dürste nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr im Sportparl Treptow erfolgen. Die Radrennen beginnen um 4 Uhr. /Zus clen l�ackbarorten. Charkvttenburg. Die Genossen des V. Bezirks unternehmen an, Sonntag einen Familienausslug nach der Jungfernhaide. Abmarsch Punkt 2 Uhr nachmittags von, Bezirlslokal Sesenheimerstr. 11. Nieder-Schöncweide. Sonnabendabend 3'/? Uhr findet bei Franz die Versammlung des Wahlvereins statt. In dieser werden die Delegierten zur Generalversammlung des Kreises gewählt. Nach dem Bericht der Charlottenburger Stadtärzte über die Krankheitsfälle im Jahre 1993 hat die Zahl der behandelten Kranken gegen 1902 um etwa 400 zugenommen. Epidemische Krankheiten sind nur in ganz geringem Umfange aufgetreten, auch die Säuglings- stcrblichkeit ist wie im Vorjahre in allen Bezirken außerordentlich gering gewesen. Die Wohnungsverhältnissc werden von mehreren Berichterstattern als im allgemeinen günstig m,d besser werdend ge- schildert. Ein Bericht hebt hervor, daß auch in solchen Häusern, die noch vor einigen Jahren an Sauberkeit zu wünschen übrig ließen, jetzt Besserung eingetreten ist und daß auch bei den Armen selbst mehr und mehr Sinn für Ordnung und Sauberkeit und Verständnis für die hygienischen Anforderungen zu Tage tritt. In mehreren Bc- richten wird die große Zahl von Tuberkulosc-Fällen erwähnt. Em Bericht weist darauf hin, daß namentlich Kinder sehr häufig m so frühem Stadium der Krankheit in Behandlung gekommen sind, daß der Zustand durch Stärkungsmittel oder Heilstättenbehandlung günstig beeinflußt werden konnte. Ein andrer Bericht vermag leider Dauererfolge der Heilstättcnbehandlung wegen der ungünstigen häuslichen und Arbeitsverhältnisse nach der Rückkehr nicht zu vcr- zeichnen. Die Unterbringung von Kranken im Städtischen Kranken- Hause hat nach einem Bericht auch in diesem Jahre wegen dessen Uebcrfüllung zeitweise Schwierigkeiten bereitet. Ein Nachtbild. Verhängnisvoll wurde de», Arbeiter Julius Molkenthin aus der Jägerstt. 67 zu Rixdorf die Rolle des Ver- Mittlers in einem nächtlichen Streit. Die Gebrüder Arbeiter Georg und Richard Tietz aus der Zietenstr. 8 zu Rixdorf nahmen am Sonntag vor acht Tagen an einer Geburtstagsfeier teil. Als sie gegen Mitternacht angetrunken heimkehrten, trafen sie in der Zieten- straße eine Frau, deren Viani, sie nicht sahen, lveil er etwas zurück- geblieben war. Sie umringten die Allcingehende und versuchten beide, sie zu umarmen. In diesem Augenblicke eilte der Mann auf die Hilferufe der Umringten herbei und stellte die Betrunkenen zur Rede. Statt nun Vernunft anzunehmen, fielen sie über ihn her und mißhandelten ihn. Während der Uebcrfallene sich des einen noch er- wehrte, cntfernte sich der andre einige Schritte, ergriff Steine, die zun, pflastern auf der Straße lagen, und warf damit nach dem Verteidiger seiner Frau. Nun kam Molkcnthin des WegeS und ermahnte die Männer, doch vom Streit abzulassen und vor allem nicht mit Pflaster- steinen zu werfen. Sofort wandten sich beide Brüder gegen ihn und gingen ihm erst mit der Faust und dann mit dem Messer zu Leibe. Durch drei Stiche schwer verletzt, ergriff er die Flucht und fand Schutz in der Gastwirtschaft von Ernst Ruppert in der Zietenstr. 81. wo er zusammenbrach. Der Wirt brachte den Verwundeten nach der Rettungswache und von dort nach dem Rixdorfer Krankcnhause. Hier starb er vorgestern trotz sorgfältigster Pflege, weil ein Stich �ie Lunge durchbohrt hatte. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Leiche zur gerichtsärztlichen Oeffnung und die Kriminalpolizei nahm die beiden Brüder Tietz gestern auf ihrer Arbeitsstelle fest und führte sie wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit tödlichem Ausgange dem Untersuchungsrichter zu. Der Erstochene war verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern. Zu den, 18 000 Mark-Diebstahl in Brandenburg wird weiter gemeldet, daß die That anscheinend von inten, ationalen Dieben ver- übt worden ist. Dieselben haben, wie aus Dresden mitgeteilt wird, dortsclbst in verschiedenen Bankgeschästen für mehrere Tausend Mark der gestohlenen Wertpapiere verkauft. Es Hauszelt sich um zwei Männer, die verschiedene Legitimattonen, und zwar aus Namen von Geschäftsleuten von Dessau. Berlin, Breslau und Roßlau bei sich führten. Nach den fortgesetzten Ermittelungen dürften die Diebe Dresden schon wieder verlassen haben. Vermirebtea. I» Antwerpen brennen seit Freitagmittag die aus Hoboken ein- getroffenen Pettoleumtanks. Dichter Rauch verhüllte die Stadt; es wehte Südwestwind. Der Brand entstand durch die Explosion eines Reservoirs unter dem Druck von Petroleumgasen. Das Petroleum lief ans und entzündete sich an einer in der Nähe befindlichen Feld- schmiede. Man schätzt die brennende Menge auf hunderttausend Kubikmeter. Das Petroleum gehört russischen Gesellschaften. Im Verlaus ergriff das Feuer auch die Tanks der amerikanischen Standard Oil Company. Auch deren Petroleum-Waggons und Schuppen stehen in Flainmen. Ein starker gegen die Scheide hin- wehender Wind begünstigt das Feuer; es besteht keine Gefahr für die Quais in Antwerpen, aber die in der Nähe von Hoboken fest- gemachten Schiffe verlassen ihre Liegeplätze. Weitere Meldungen besagen: Die Feuerwehr, unterstützt von Soldaten, ist bemüht, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Bis jetzt sind verbrannt von der Standard Oil Compagnie 160 000 Barrels, von der russischen Gesellschaft Eiffe 120 000 Barrels. Ein Mann ist verletzt. Beim Ausbruch des Brandes in den Petroleumranks in Hoboken waren 80 Arbeiter in Thättgkeit, von denen 6 verschwunden sind. Die Leiche eines dieser Arbeiter wurde später aufgefunden. Man glaubt, daß auch die übrigen fünf Arbeiter in den Flammen um- gekommen sind. Vier Arbeiter erlitten schwere Verletzungen. Die Anstrengungen der Feuerwehr beschränken sich auf den Schutz der benachbarten Gebäude. Von 40 Petroleumbehältern stehe» 33 in Flammen. DaS Ucbergreifen des FeuerS auf die beiden übrigen Behälter wird jeden Augenblick erwartet. Der Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt, der aber durch Versicherung gedeckt ist. Der bohrende Bankdirektor. Die Bremer„Bürger-Ztg." be- richtet: Seit dem Herbst v. I. sind in einem hiesigen ersten Hotel in zahlreichen Fällen Thürfüllungen angebohrt worden, und zwar nicht etwa zum Zwecke des Diebstahls, sondern lediglich, um aus einem Zimmer einen indiskreten Blick in das benachbarte werfen zu können. Alle Nachforschungen nach dem Thäter blieben erfolglos. Der Verdacht lenkte sich wiederholt auf Angestellte des Hotels, so daß im Lause der Zeit mehrere Zimmerkellner teils entlassen sind, teils ihre Entlassung genommen haben, eben weil jener Verdacht auf ihnen ruhte. Trotz aller Nachforschungen blieb der Thäter un- entdeckt und setzte sein geheimnisvolles Treiben fort. Der Hotel- besitzcr stellte schließlich einen Strafantrag gegen„Unbekannt" wegen Sachbeschädigung und überließ die Nachforschungen der Polizei. Auch diese blieben ohne Erfolg. Endlich gelang es, den Thäter in llsxrunti zu ertappen. Eine Dame und ein Herr beklagten sich gestern morgen beim Frühstück, daß sie während der Nacht nicht hätten schlafen können wegen eines fortwährenden Geräusches, das aus dem benachbarten Zimmer zu ihnen drang; es sei das Geräusch eines in der Thürsüllung arbeitenden Bohrers gewesen. Man unter- suchte sofort das fragliche Zimmer und fand auch frische Holzspähne an der Erde liegen. Einen Bohrer entdeckte man später in der Matratze versteckt. Nun wurde der Bewohner des Zimmers zur Rede gestellt, der sich als ein Bankdirektor aus Bremerhaven legitimierte und seine Thäterschaft auch unumwunden eingestand. Gleichzeitig fertigte der Herr mit den noblen Passionen einen Revers aus, wonach er sich zum Ersatz des durch ihn verursachten Schadens verpflichtete. Das rettete ihn indes nicht davor, daß herbeigerufene Kriminalbeamte ihn noch zu einem kleinen Extraspaziergang zwecks Vernehmung einluden. Ter Tod des Köuigsberger Postens. Um einen Selbstmord, nicht um einen Mord handelt es sich möglicherweise bei der Affairc, die vor einigen Tagen aus Königsberg i. Pr. gemeldet wurde, wo ein auf Posten stehender Soldat mit seinem eignen Dienstgewehr von Civilisten erschossen worden sein sollte. Aus dem Ergebnis der bis- hcrigcn Untersuchung teilt die„Königsb. Hart. Ztg." mit, daß das anfangs verbreitete Gerücht von einer Knebelung des erschossenen Grenadiers Erben unrichtig ist. Ferner wurde festgestellt, daß der Erschossene nicht mehrere, sondern nur einen Schuß erhalten hat, und daß diescr Schuß auf seinem eignen Dienstgewehr abgegeben ist. Die Kugel ist in die Brust und zwar unmittelbar am Halse, in der Höhe des obersten Rockhakcns eingedrungen und tief unten am Rücken wieder ausgetreten. Auffällig ist ferner, daß der Austritt der Kugel einen deutlich sichtbaren Kanal im Hemd, Rock und Mantel des Soldaten hinterlassen hat, von einer Eintrittsöffnuug am Rock und den übrigen Kleidungsstücken aber nicht die geringste Spur zu entdecken ist. Der Schuß muß also direkt auf den ent- bläßten Körper abgegeben worden sein. Man hofft, daß die Leichen- »sfnung über alle diese noch ungeklärten Fragen Aufschluß bringen wird. Die beiden Verhafteten leugneten mit aller Entschiedenheit, an dem ganzen Vorfall irgendwie beteiligt zu sein. Auch von andrer Seite wird gemeldet, daß ein Selbstmord des Grenadiers nicht aus- geschlossen sei. Er ist in sitzender Stellung in einem Graben vor einem Gebüsch vorgefunden worden. Die oberen Knöpfe des Uniform- rockcs waren gcöftnct. Proben, die man an Ort und Stelle mit einem herbeigeschafften Militärgewchr vornahm, ergaben, daß ein von dem Strauch abgebrochener Ast sehr wohl geeignet sein kann, den Abzugbügcl des Gewehrs zurückzuziehen, wenn das Gewehr mit der Mündung an die Eintrittsstelle der Kugel gehalten worden ist. Gegen die Annahme eines vorhergegangenen Kampfes spricht vor allein der Umstand, daß die Kleider des Erschossenen im übrigen vollständig in Ordnung waren. Merkwürdige Rettung von Seeleuten. Der Marsciller Dampfer „Cotiere" traf am Dicirstag mit dem Kapitän und einem Matrosen des Schoners„Revanche" von Toulon in Calais ein. Die beiden Seeleute waren die einzig überlebenden der Mannschaft des Schoners. Sie erzählten, daß diescr während eines heftigen Sturmes kenterte, während der Kapitän in der Kajüte war. Drei Leute der Mannschaft konnten sich an dem Kiel des Schoners festhalten, zwei wurden jedoch später abgespült. Der Dampfer„Cotiere" sah den überlebenden Mann. Als der gerettete Schiffbrüchige erzählte, daß der Kapitän beim Kentern des Schiffes in seiner Kabine gewesen sei, schlug die Mannschaft der„Cotiere" mit Acxtcn ein Lock in den Boden des geienterten Schisfes, und man fand thatsächlich den Kapitän lebend, wenn auch in sehr erschöpftem und halb bewußt- losem Zustande, vor. Wie erinnerlich, ist vor einigen Jahren an der ostprcußischcn Küste ein Schiffer in ähnlicher Weise aus seinem gekentertcn Boot gerettet worden, nachdem er viele Stunden in dem gckcntcrten Boot auf See getrieben hatte. Sie wollen keine Schuster sei». Auf dem Vcrbandstage Süd- deutscher Schuhmacher in Ulm wurde gegen die Bezeichnung „Schuster" Einspruch erhoben. Einer der Redner verbreitete sich über die Hebung und Wahrung der„Standesehre" und forderte, daß mit der Bezeichnung aufgeräumt werde. Sogar Behörden brächten den„Schuster" zur Anwendung. Es wurde beschlossen, daß � jeder einzelne an der Beseitigung der verächtlichen Bezeichnung � mitarbeiten soll. Wir meinen, daß die Schuhmachermcijter heute» andre Sorgen haben, als sich über einen Ausdruck aufzuregen, der iitt Volksleben gang und gäbe ist und auch durch ihren Beschluß nicht auszurotten sein wird. Man stelle sich nur vor, wie geziert im Plattdeutschen das Wort„Schohmakcr" an Stelle des üblichen „Schoster" klingt. Sechs Personen kamen bei einem Bootsunglück ums Leben, daS sich am Dienstagabe ad auf dem Lough Neagh- See in Nord Irland ereignete. Eine Gesellschaft von 7 Herren und Damen hatte nachmittags eine Boorfahrt auf dem See unternommen, die bei schönem Wetter ohne Störung verlief, bis abends die Heimfahrt angetreten wurde. Die Insassen retteten sich auf den Kiel des geklärter Ursache. Die Insassen retteten sich auf den Kiel des Bootes, mit welchem sie auf dem See trieben, bis einer nach dem andern unterging, erst einer einzeln, dann zwei gleichzeitig, dann wieder zwei, so daß sich nur noch zwei Damen, die Schwestern Winifred und Dorothy Green auf dem Kiel des Bootes befanden. Nur mit größter Mühe konnten sie sich gegen die fortwährend an- schlagenden Wogen oben halten. Das Boot trieb in der Nacht immer weiter auf dem großen See dahin, bis es schließlich in die Nähe der Landspitze Ardmore Point landete. Die beiden Schwestern unternahmen hier den Versuch, an Land zu schwimmen. Es war jetzt gegen 2 Uhr morgens und stockfinster. Nur der älteren Schwester, der 22jährigen Winifred gelang es, an Land zu kommen. die jüngere, die 16sährige Dorothy ging sofort unter, nachdem sie sich vom Boot ins Wasser gelassen hatte. Winifred Green war, als sie das Ufer glücklich erreicht hatte, bis aufs äußerste erschöpft. so daß sie kaum noch im stände war. sich bis zum nächsten Hause zu schleppen. Sie hatte 6 Stunden in der Dunkelheit auf dem kiel- oben treibenden Fahrzeug zugebracht. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 28. August, vorm. 8% Uhr. in der Schul-Aula, Kleine Franksurterstr. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um 10»/. Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Fräul. Ida Altmann:„Scclenmord und Scclenverstümmelmig." Gaste, Damen und Herren, sehr willkommen. Der Lese- und Tiskutierklub„Nordkante" tagt morgen vormittag 9'/, Uhr bei Hugo Bcrgcmann, Gerichtsw. 74. Tagesordnung: Der inter- nationale Kongreß. Gäste willkommen. Singegangene Vruckfckrikten. Vom„Süddeutschen Postillon" erschien mit Nr. 18 eine Lassalke« Nummer, die im Titelbild eine ausgezeichnete Lassalle-Büste im Großen bringt. Die Büste ist vom Genossen Heinrich May gescrtigt, dem hoch- verdienten Künstler, dem wir auch die Grabdenkmale für Liebknecht, Schoen- tank, Wittich und Franz Hostmann verdanken. Wie wir dem E. Klaarschen Erpose in dieser Nr. 18 des„Süddeutschen Postillon" entnehmen, schuf Heinrich May die Büste nach der einzig vorhandenen Totenmaske LassallcS. die der verstorbene Johann Philipp Becker in Gens an Genossen Julius Motteler in Leipzig vererbte. Es ist ein Verdienst des»Süddeutschen Postillon", diese Werke gebracht zu haben. In gut gewählter Harmonie stehen die beiden welche unsre heutige, so herrliche Civilisation festnageln. Inhalt, vorne an das Leitgedicht„Lassalles Werk" von eine reiche Beute von Jux, L. R., Ludwig Scbars, Diese Nummer empsehlen wir unser» Lesern bestens, 10 Ps._ Farbenbilder dazu, Der übrige reiche Ernst Klaar, birgt Otto Krille u. a. auch sie lostet nur Lrlekkaften cler R,eclaktion. W. A. 47. Das betrcsfende Papier gehört mit zu den besten deutschen Rentenpapiercn und wird von der ReichSbanI mit 75 Proz. des Kurswertes scheute 88»/. Prozent) bclicchen, ebenso wie die ReichSanleihen und Preußischen Konsols. Der sächsische Staat leistet Garantie. JimltiMzer Cell. Di« juristisch« Sprechstuiidc findet täglich mit Ausnahme des Sonnalierivs von?>/, bis ,»-/- Uhr abcndS statt. Geöffnet: 7 Uhr. H. M. 20. Da der Betreffende minderjährig, ist nichts zu machen.— Obst. 1. Antragssrist von 3 Monaten, falls nicht eine Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges vorliegt. 2. Hinterlegung des Geldes bei einem Dritten, der es nach Ablauf der Anttagssrist auszuzahlen, hat. Marktpreise von Berlin am 25. August. Nach Ermittelungen deS kgl. Polizei-Prüsidiums. Für 1 Doppel-Eenwer: Welzen"), gute Sorte 17,70—17,68 M.( Nüttel 17,66-17,64 M.. geringe 17,62—17,60 M. Roggen"), gute Sorte 13,95—13,93 M., mittel 13,91—13,89 M., geringe 13,87—13,85 M. Futtergerste»), gute Sorte 14,60—14,00 M., mittel 13,90 bis 13,40 M., geringe 13,30—12,80 M. Haser»), gute Sorte 16,60— 1.-5,80 M., mittel 15,70—14,90 M., geringe 14,80—14,10 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Spcisebohnen, weiße 50,00—26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartosteln, 12,00—8.00 M. Richtstroh 0,00-0,00 M. Heu 0,00—0.00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,60 M. •) Frei Wagen und ab Bahn.") Slb Bahn. Wasserstand am 25. Auaust. Elbe Lei Aussig— 0,94 Meter, bei Dresden— 2,30 Meter, bei Magdeburg— 0,07 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt-f 0,60 Meter.-Oder bei Ratibor+ 1,86 Meter, bei Breslau Ober-Hegcl-s- 4,56 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,66 Meter, bei Frankfurt-s- 0,07 Meter.— Weichsel bei Brahemünde— Meter.— Warthe bei Posen— 0,30 Meter.— N e tz e bei lisch+ 0,29 Meter. Witterungsübersicht vom 3«. August 1904, morgen» 8 Uhr. Etationen Swinemde. Berlin Franls.a.M München Wien s a t E §2 c 5 3 B s? 763 765 765 768 768 62 W S W NW Detter IDunst 2 wolkig 2wolleiil 3 halb bd. 4 wolkig 2Regen >->»; Lisi M 3s Stationen -s§ Saparanda eterSburg Cork Slberdeen Paris 758: N 747 754 N 767 S WSW Weller 2 wolkig 1.Roge» 2 Law bd. tzbedeckt ÖS c$> -»II ga» Ha> ll 13 Ta 13 Wetter-Prognose für Sonnobeud, den 27. Angust 1904. Vorwiegend trübe mit etwas Regen und mäßigen Südwestwindcn. Temperatur wenig verändert. Berliner Wetterbureau. Brolte Gesellschansbaus am Dämcrihsee. Inhaber: lt. Degrcbrodt vom Strnndschlosi am Müggelsee. Empfehle Fabriken, Vereinen und Korporationen sür Sinmervergnügcn und Ausflüge mein großartig gelegenes Lokal. Zwei große Säle, Hallen, ge- nügende Nebenräume, Belustigungen aller Art. Coulante Preise. M. Dcgcbrodt. i—Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere Bestellungen n. Maß, tadell. Zlusj. Werkstatt im Hanse. Iknkfi NeueKonigsfr.lI. 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Abteilung im �iinften iatl. Borstand u. Bezirksfiihrer. iZocklllMi'st.Mvei'eiiZliLZ Stadtbezirk 179b. ?lm 24. d. Mts. starb unser Genosse, der Holzbildhauer Rudolf Petit. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag,, den 23. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Llndrcas-Lazarus-Fried- hoss in Wilhclmsberg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 244/3 Ter Vorstand. SJ Heute nacht 12>/, Uhr entschlief sanft nach langem Leiden unsre inniggeliebte Tochter Elise Jesehke. Dies zeigen tiefbetrübt an Heinrlel, Jesehke nebst Frau. Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 23. August 1904, nachmittags 4 Uhr, von Mattern- stratzc 11 aus nach dem Aus- crstehnngs- Kirchhos, Weifienscer Weg, statt. 649b Todes-Anzeige. Am 25. d. Mts. verschied nach � langem schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, unser lieber Vater, Schwager, Schwicger- und Grohvater, der Händler Otto stakob [im 55. Lebensjahr. 648b Die Beerdigung findet Sonntag, ! den 28. d. MtS., von der Halle des Emmnus- Kirchhofes, Her- 1 nianns'rage, aus statt. viv trauernilsn Hinterbliebenen. I. A.: Georg Beständig. Central-Verband deutscher Brauerei-Arbeiter Sektion I, Berlin(Bpaner). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Max Kaiser (Brauerei Hilsebein II) am Mittwoch, den 24. August, in« jolge eines Unfalls verstorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. August, nachmittags 2 Uhr, von d'er Leichenhalle des kathol. Kirchhe'ses in Südcnde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 41/16 Der Vorstand. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bc- kannten, besonders den Mitgliedern des II. Berliner WahlvercinS meinen tiesgcsühlten Dank. 647b Die trauernde Witwe .Alignste Ifaloff. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, der Zimmerer 64tb tosls? Druscbe nach liirzcr schwerer Krankheit am Mittwoch, den 24. d. Mts., verstorlien ist. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 3>/� Uhr von der Lcichenlialle des neuen Nazareth- Kirchhofes aus statt. Frau Ottilie Drasche nebst vier unmündigen Kindern, Sldolfstr. 6. SW., X-lndcnstr. GO(Laden). Zum vierzigjährigen Todestage von Ferdinaud Lassalle erschien in unsenn Verlage: FenünaDd Lassalle u. seine ßeileutüng für die Arbeiterklasse. Zu seinem vierzigsten Todestage. Von Ed. Bernstein, M. d. R. Mit etncmLichtdruck-PortraitLassallcs. Ferner empfehlen wir: Kkdtn und Schristtu von Ferdinand Fassalle. Laffalle, F., Reden und Schriften. Neue Gesamtausgabe. Heraus gegeben im Austrage des Vorstandes der Socialdcmolralischen Partei Deutschlands von Ed. Bernstein. Vollständig in 3 Bänden zusammen: broschiert 10 M.. in Leinen gcbd. 11,50 M.. in Halbsrz. gcbd. 14,50 M. Einzelausgaben: lieber Berfafiungöweseu.— Was nun?— Macht und Recht. —.35 M. Tie Wissenschaft und die Arbeiter. Eine Verteidigungsrede.—,30 M. Meine Assisen- Rede, gehalten bor den Geschworenen in Tiissel- dorf am 3. Mai lti49 gegen die Anklage, die Bürger zur Bewaffnung gegen die köntg- ltche Gewalt aufgereizt zu haben.—,40 M. Arbeiterprogramm.—.15 M. Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen. -.60 M. Ter Sassallefche Kriminalprozest. II. und III.-.50 M. Offenes Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Berufung eines Allgemeinen deutschen Rrbeiterkongresses zu Leipzig. Neue Auflage.— ,20 M. Die Feste, die Presse und der Frankfurter Rbgeordnetentag. Drei Symptome des öffentlichen Geistes.-,25 M. An die Arbeiter Berlins. Eine Ansprache.—,20 M. Der Hochverrats- Prozest wider Ferd. Laffalle.—.40 M. Kleine Anfsatzc:—,15 M. Tie Agitation des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und das Versprechen des Königs von Preußen.—.25 M. Herr Bastiat-Schulze v. Delitzsch oder Kapital und Arbeit. 1,— M. der Sit- —.75 M. der er- —,20 M. 2,- M. Herr Julian Schmidt, terarhistoriker. Vorrede zum Shstem worbeneu Rechte. Franz von Sickingeu. Vortrat TerdinandSassalles Original-Kupfer-Radiernng. Auf Chinapapier 4,— M. Remarldruck auf Japanpapier 10,— M. Größe: 85X95 am. in künstlerischer SluSsührung. Geschmackvolle und preiswerte Rahmen stehen cbciijalls zur Verfügung. Vorzügliche IMiotosi-»pI»le n Ferdinand IjaKNallcH in allen Größen und in jeder Preislage. Piket, Kerren- und Knaben- Garderoben, jetzt 44, Prinzensir. 44, Laden, Zeige meiner geehrten Kundschaft hierdurch ergebenst an, dass ich mein Ocsehtirt von Prinasenstr. 77 in die bedeutend vergriiaserten Räume 44 Prinzenstr. 44, verlegt habe. Holzbildhauer! �WW Montag, den 29. August, abends 8 Uhr, EngeMJfer 15(Saal VII): 22/12* Vertrauensmänner- Versammlung. Ks ist notwendig, daß jede Werkstatt vertreten ist. Di« Agitationskammission. Kistenm acher. Achtun8' Heute, Sonnabend, den 27. August, abends S'A, Uhr, in den Andreas- Festsälen, Andreasstr. 21, großer Saal: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnuug: l. Gedenken wir den Tarif vom Jahre 1900 zur Durchführung zu bringen und wann stellen wir unsre Lohnforderungen? 2. Diskussion. B8F- Alle Kollegen haben Zutritt und müssen erscheinen. 103/13 Die. I-nbuIi«musi«»inu. Allen Parteigenossen empfehle meine 4121 3 Mark-Hüte unter Garanttc. iSützen in großer Auswahl zn billigsten Preisen. Oskai* Schal z, 18-19. Kottbuser Damm 18-19. Ich habe mbertoenstr. Rprt. (zwischen Nollcndors- und Winterseldt- Platzt eine 23/16* Poliklinik für Zlsui- und kksekleektskrsnke eröffnet. Sprcchst.: Wochentags 12—1, Sonntags 9—10, Freitagabend 6—7. De. Franz ltfugelBchmldt. die berühmten Grützwürstchen, Stück 10 Pj. »-lück 25 Ps. 53641.» !a»uat�-<4arder«i>e. K Billigste fÄr- Mährten — von der Michaelkirchbrücke KiiSSWmBeKSfW* nach Mttffffelwerdcr mit Musik. Absahrt 9 Uhr oonnittags und 2 Uhr nack.mittags. Preis sür bleibende Gäste 30 Ps. hin»nd zurück. Sonst 40 Ps. Kinder die Hälfte. Sonntags einfache Fahrt 40 Ps. 57Ü5L' Verband der AtdbetpoUerer. Tonnabend, den 37. Zlugnst, abends 8'/, Uhr: VerssmiiiluiiK bei Gartz, Weistenfce, König-tLhaussee»S. Die TagcSordmuig ivird in der Versammlung bekannt gemacht. Montag, den 3g. August, abends 6 Uhr, in folgenden Lokalen Verlcztatt-Vei'samwlllllgell: Osten: � Westen: Honte gurslmeyeK«5s;ge Wolf, Frnchtstr. 3«a(Freischütz.) Norrog, Mcmelerstr.«7. Eranks, Zorndorfevstr. 8. Ifiorkonskl, Zlndreasstr. 3K. Güdesten: Itsestaeksch, Naunynstr.«. stlürklscber liot, Admiralstr. I8e� Oindas Festsäle, Gneifenanstr.<>7. STorden: Mass, Brunnenstr. 96. P. Kröhn, Neinickendorferstr. 33. Rlxdorf: Thiele, Bergstr. 151-158. Frledrlchsbcrg: LutterbUse, Jrtedrich-Karlstr. 11. Tages-Ordnung: Tie augenblickliche Geschäftslage nnd wie stellen sich die Möbelpolierrr dazu? In dieser Versammlung muß ein jeder Kollege zur Stelle sein. Mittwoch, den 31. August, abends 8 Uhr, bei Schulz. Blumenstr. 38: VorstantEs-Sitzung, Alle Vorstandsmitglieder haben zn erscheinen. Sangesknndige Kollege», welche— wie schon bei früheren Gelegen- besten— gewillt sind, zum diesjährigen am 8. Oktober stattfindenden Stiftungsfest mitzutoirke». werden ersucht, sich heute abend 8'/, Uhr zu einer Besprechung im Lokale Frankfurterstr. ISS(früher Gold) ein- zufiuden._ Da einzelne Kollegen trotz Aufforderung im„Vorwärts' ihre BilletS von der Dampferpartie noch nichl abgerechnet haben, werden nächsten Sonnabend ihre Namen veröffentlicht. 147/9 Der Borstand. Vcrsraltniigsstclle Boplln. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Sonntag, den 28. August, vormittags 16 Uhr, bei Schröder, Wrangelflr. 136: WrgemMelie der Sehraiihendrelier. Montag, den 29. Angust, abends 8V2 Uhr, im GewerkschaftShausr, Engel-User 15, Saal 1: \ ersammlniig der Ketalldriiclier Berlins n. Umgegend. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Arbcitersekreiärs ft. I.ink über:..Das llnfall- versicherungs-Gesetz«nd seine Bedentnng für die Arbeiter." 2. Diskussion. 3. Neuwahl deS BranchcnvertreterS. 4. VerbandSangclcgenhcitcn. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünlilich zu erscheinen. 120/1 Die Qptsvepwultuus. CüDlral-YM Mer Brauerei-iiHeiliir. Berlin, Sektion IT. Sonntag, den 38. Angnst, nachmittags 3 Uhr, In Kellers Festsälen, Koppcnstr. 29: Vepsammluiig."WW Tages- Ordnung: l. Vortrag deS Genoffen Lohlitte. 2. VorstandS- lmd Rechenschaftsbericht vom II. Quartal. 3. Wahl von drei Ausschuß- mit gliedern. 4. Bereiiisaiigclcgcnheiten. 41/15 Pünktliches und vollzähliges Erscheinen der Mitglieder ist Pflicht. Dep Topstand. Morgen Sonntag, den 28. Angust, nachmittags von 1—5 Uhr: Irt in Charlottenbnrs, Franenhoferpr. 11—12. Treffpunkt nicht, wie irrtümlich angegeben, um 9 Uhr, sondern mittags V3I Uhr im Bolkshaufe, Char- lottenburg, Rosinenstraste z. 24/15 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsvepwaltmig._ Achtun»! Zimmerer Zremen! Sämtliche Kameraden aus Bremen habe» zu der heute Tonnabend stattfindenden 255/3 Kesprechung w Gewerkfchaftshause, Engel-User 15, fich einzufinden._ Die Streikleitung. K Festsaal mit großer Bühne � >nen sassend) ist Umstände halber zum 17. u. 24. Seplbr., 1., (500 Personen m W>■ 29. Oktbr.. 19. u. 26. Roobr., ileji Maskenbällen noch frei. Fritz Wllke, Brunnen stt. 188(Amt ... 22. u. Dezember'- Sonnabende sowie solchen zu � III 6325). Landes-Aussteliungs-Park. Täglich: Doppel-Konzert. Dejeuners von Mark 2,50. Diners und Soupers von 4 Mark an. Die nenerhanten Festsille stehen In den VTinter- monaten für Vereins- und Funlillcnfcstltclikclten zur Terfüennc- Direkte Anfahrt von der Strasse Alt-Hoabit. W in 2. Facbausstellung für die 5chuh-- und Ledel'-sndustl'ie m Veranstaltet vom Neue Welt(Hasenhaide) 25.— 30. August a. er. G EÖFFNET von 9— 9 Uhr TÄGLICH KONZERT ÄläSE em.-a. 50 Pfennig. jnnitär«StiefeI=lDettberoerb DI .0. m Sportpark Treptow. Sonntag/, den 38. August er., nachmittag« 4 Uhr: Stundenrennen mit notortührang. Fliegerreimen. Motorrennen fllr schwere Schrittmacher-Hotore. Gegen 4'/, Uhr Gintreffen der Sieger deS 75 Kilometer-Wett- laufens„Meisterschaft von Berlin�. S28b __ gy Kurven-Tribüne 60 Ps. Sattelplatz 1 M. Morgen, Sonntag, 28. August: Billige Eitra-Dampferfahrt mit Musik nach Sportshans Ziegenhals bei Zeufhen. Abfahrt 9 Uhr vormittags von der Stralauerbriicke, Ecke Waisenbrücke.— Preis 75 Pfennig hin und zurück. Kinder die Halste. ___ DUf- BilleiS sind am Dampfer zu haben."ME 627b ab�ds�uhr?� Mnifochflinfzlirt mit Musik von der Michaelbrücke nach„Miiggetwerder". > Fahrpreis 50 Ps. hin und zurück. Tanz frei. 633b Rahnsdorfer Mühle foradiesgarten Balinslalion Ralmsdort i'iVÄ'ÄÄÄ Iriirs Sonntng: Grosser Elite-Ball. Kasfeeküche ch Ausspannung 4 VolkSbeluftigungeu 4 Bade» Anstalt. Baden frei. Angeln free. Vereinen, Gesellschaften usw. bestens empfohlen.— Fernsprecher Amt Fricdrichshagen Nr. 73. s74L's Otto Krebel. 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August 1904. Noch eine„Berichtigung". Genosse E n d e r S von der Chemnitzer„Volksstimme" schickt uns folgende Notiz: Berichtigung. Im 6. Artikel über das Thema„Schutzzoll- Politik und socialdemokratische Arbeiterpolitik" wird behauptet, ich hätte meinen in der Chemnitzer„Volksstimme" vom 26. Februar veröffentlichten Artikel„Schutzzoll und BcreicherungSzoll"„bekanntlich zur Entlastung Schippels" geschrieben und dann in Ver- teidigung Schippels hinzugefügt:„Natürlich ist auch Schippe! nur dann für Zölle, wenn sie wirklich Schutz-, nicht BereichcrungSzölle sind" ec. Der Artikel ist aber nicht zur„Entlastung" Schippels, sondern in eigner Sache geschrieben und die erwähnte Stelle ist ihm weder hinzugefügt, noch bei einer andern späteren Gelegenheit geschrieben worden. Dagegen enthielt er die Stelle:„Wenn �chippel, was Kautsky behauptet, ich aber nicht glaube, den- selben Gedankengaug hat wie ich" w. Wenn also— nach der „Vorwärts"-Arguineiitation— partout jemand in Sachen Schippels hereingefallen sein soll, so wird sich der Verfasser des sechsten Artikels im„Vorwärts" Wohl an sich selber halten müssen, jeden- falls nicht an mich. Die Stelle„Natürlich ist Schippe! nur dann für Zölle" zc. ist von mir in andrem Zusammenhange gebraucht worden. Sie ist Teil einer Anmerkung zu der Abfuhr, die Schippe! in der Chemnitzer „Volksstimme" Rühle in Harburg hatte angedeibcn lassen und die sich mit Schippels jetzigen Nechtfertigungsartikeln deckt. Der „Vorwärts" hat jene Anmerkung in seiner Nummer vom 17. Fe- bruar im richtigen Znsammenhange selber, und zwar im Gegen- satz zu jetzt, vollständig gebracht, übrigens ohne sie damals zurück- zuweisen. Das Gesagte wird geniigen, um darzuthun. dag die erwähnte Stelle weder zeitlich noch dem Inhalte nach geeignet war, sie in der Weise polemisch zu verwerten, wie es im 6. Artikel des„Vorwärts" geschehen ist. Chemnitz, 23. August 1904. A u g u st EnderS. Endcrs hat recht: die von uns citierte Stelle„Natürlich ist auch Schippe! nur dann für Zölle, wenn sie wirklich Schutz-, nicht Bereicherungszölle sind" zc., steht nicht in Nr. 47 der Chemnitzer „Volksstimme"(vom 26. Februar), sondern in Nr. 37 jvom 15. Februar) als Erläuterung des Genossen Enders zu einer Erklärung Schippels gegen Rühle. Es heißt dort wörtlich: „Nicht etwa, um die Bedeutung dieser Ausführungen Schippels abzuschwächen, sondern lediglich um bei dieser Gelegenheit unfern Standpunkt in Erinnerung zu bringen, bemerken wir, daß wir die Lebe nsmittel-Zollerhöhun gen des neuen Zolltarifsund auch einen großen Teil der In- dustriezölle nicht mehr für Schutzzölle, sondern für Bereicherungszölle halten, und darum g e g e n s i e w a r e n n u d sind. Wir haben einen einwandfreien Nachweis, daß insbesondere die Landwirtschaft sich wirklich in einer Notlage gegenüber dem Auslande befände, nirgends gefunden, und so lange dieser Nachweis, der nnsres Eracktens nur durch eine ganz gclvisscnhafre amtlicbe Ermittelung der Produktionskosten und der Verkaufspreise der Lebensmittel ab Gut in jedem einzelnen landwirtschaftlichen Produktionsbezirk geliefert werden kann, nicht vorliegt, weisen wir jede Erhöhung der Lebensmittelzölle ab; das Gleiche gilt für Jndustriezölle. Natürlich ist auch S ch i p p e l nur dann für Zölle, wenn sie wirklich Schutz-, nicht Bereiche- rungs- Zölle sind. Ob ein Zoll jenen oder diesen Charakter hat, darüber kann man und wird man verschiedener Meinung sein, je nachdem m a n mehr oder weniger Einblick in die that- sächlichen Verhältnisie hat. Dieser Einblick ist bei Schippe! entschieden tiefer als bei den a l l e r m e i st e n s e i n e r G e g n e r u n d d a r u m h a t in a n jedenfalls Ursache, seine Meinung auch dann zu achten, wenn man nicht mit ihr ü b e r e i n st i m m t." Die Reihenfolge der sich an die Enderssche Unterscheidung zwischen Schutzzoll und Bcrcicherungszoll knüpfenden Artikel und Notizen ist, wie wir uns übcrzcugr haben, folgende: Zunächst erschien in Nr. 37 der„Volksstimme" die obige Acußerung von Enders. die wir in Nr. 40 des„Vorwärts" zum Abdnick brachten. Dann veröffentlichte in Nr. 44 des„Vorwärts" Genosse Kautsky seinen Artikel„Schutzzoll und Bereicherungszoll�. darauf antwortete in Nr. 47 der„Volksstimme" Enders mit seinem ebenfalls„Schutzzoll und Bereicherungszoll" überschriebenen Artikel und auf diesen wieder Kautsky in Nr. 62 des„Vorwärts" mit einem Gegenartikcl über„Chemnitzer Zollpolitik". Wir konstatieren also nochmals, die von unS citierte Stelle steht nicht in Nr. 47. sondern in Nr. 37 der„Volksstimme". Der Irrtum erklärt sich sehr einfach daraus, daß wir uns von wichtigeren Acußcrungen unsrer Parteipresse zur Schippe!- Sache Ausschnitte gemacht und diese mit dem betreffenden Datum resp. der Nummer des Blattes versehen haben. Dabei muß eine Verwechslung vor- gekommen sein. An der Sache selbst wird natürlich dadurch, daß die von unS citierte Stelle nicht in Nr. 47, sondern in Nr. 37 steht, nicht das g e r i n g st e geändert. Daß das Citat wörtlich stimmt, leugnet ja auch Enders nicht, und ebenso bleibt bestehen, daß er sich auf Grund seiner Unterscheidung zwischen Schutzzoll und Bereicherungs- zoll für Agrarzölle ausgesprochen hat, die jetzt hinterher Schippe! energisch zurückweist; heißt eS doch gleich zu Beginn des EnderSschen Artikels in Nr. 47 der„Volksstimme":„I ch halte sociale Schutzzölle für diskutabel, gleich- v i e I o b e s s i ch u m d i e I n d u st r i e oder um die Landwirtschaft handelt, und verwerfe Bereicherungszölle." Uns darüber nnt Enders zu streiten, ob er seine oben genau wiedergegebene Aeußerung sdie sich, wie schon erwähnt, direkt einer Schippelschen Erklärung anschließt) zur„ E n t l a st u n g" Schippels geschrieben hat, und ob er„hereingefallen" ist, oder nicht, das fällt uns„im Traum" nicht ein. Darüber mag der Leser/ der die Sache verfolgt hat, entscheiden. Das Urteil des Herein- gefallenen selbst ist in dieser Hinsicht jedenfalls am wenigsten maß- gebend. Für den Inhalt»er Jnscrare übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vcrantivortnng. UKeater. Sonnabend, den 27. August. Anfang 7'/, Uhr: Opernhaus. Fidelis. Neues königl. Opern> Theater. Die schöne Helena. Slnsaug 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Mcdea. Schiller K.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Oberon, König der Elsen. Wösten. Liebeshandcl. Berliner. Zapfenstreich. Reues. Salome. Vorher: Logik de? Herzens. Residenz. Die 360 Tage. Kleines. Pastors Ricke. Carl Weist. Wiedergesunden. Trianon. Die Notbrücke. Metropol. Ein tolles Jahr. Belle-Allianee. Eharlchs Tante. Luisen. Julius Cäsar. Teutsch-Amcrikanisches. Ucber'n großen Teich. Apollo. Venns auf Erden. Speclali- täten. Herrnfeld-Theater. Nurciue Nacht. Am andern Morgen. Stadt-ThcaterNtoabit. Der reiche Pustekohl. Wintergarten. Spccialitäten. Reichshalle». Stcttiner Sänger. Pnsia ge-Thcater. La belle Georgette. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Xanbenstraste 48/4«. Im Theater: Von der Zugspitze zum Watzmann. Jnbalidensiraste 27/62. L>tern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Ttieater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Salome. Vorher: I-ogrik des Herzens. Ansang 8 Uhr. Morgen: Kabaio und Liebe. Luisen-Ttieater. Gastspiel Georg Heinr. Hacker. Mb Caesar. Morgen: Nachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen: Der Hüttenbcsitzer.— 8 Uhr: Gastspiel Georg Heinrich Hacker: Julis Caesar. Montag: Gastspiel Georg Heinrich Hacker: Julius Caesar. Dienstag: Gastspiel Georg Heinrich Haaer: JuliuS Caesar. Mittwoch: Gastspiel Georg Heinrich Hacker: JuliuS Caesar. Donnerstag: Gastspiel Emil Tho- maS. Zum 1- Male: Hasemanns Töchl-t-„.. Freitag: Gastspiel Emil ThomaS. Hasemanns Töchter. Sonnabend: Gastspiel Emil ThomaS. Hasemanns Töchter. eeiedsiittlioii'sliechei'. täglich: ir. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Von der Zugspilze zum Watzmann. Sternwarte /""Jt": sin. Das llttrcniveib, lebend. 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