Nr. MS. Bbonnemcnts-Bcdinaunfl«»; «lonncrnrntä. Preis prämmiermido i Lierteljährl. 8£0 Ml., tnonatl. 1,10 Ml, wöchentlich LS Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungar» S Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 21. Jahrg. CridKlDt Lgllld außer montags. Vevliner Volksblakt. Die Infertions-Gebüftr eehSgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschaftNche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen LS Psg. „Aleine Rnreigen". das erste(fett. gedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort b Psg. Worte über IS Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adresse: nS«i)ald(inolirat Berlin". Zcntralofgan der fozialdcmohratifchcn Partei Deutfcblande. Rcdahtion: SM. 68. Lindenstrasee 69. Kernsprecher: Zlmt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 28. August 1904. Expedition: SM. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1981. Rufsendienste und Ballinprostte. Die verscherlte Reederpresse ist durch unsre Mitteilungen über die abscheuliche zaristisch- preußisch- ballinsche Auswandererpolitil natürlich alarmiert worden. Es gilt die mit Polizeigewalt aus- gestatteten Zwangsagenturen der deutschen Dampfergesellschaften vor einer Beeinträchtigung ihres Profits zu retten. Das Hamburger Organ Ballins, der„Hamb. Correspondent", redet sich natürlich auf die gesundheitlichen Rücksichten heraus. Die Reedereien erweisen den Auswanderern und Deutschland eine Wohl- that,„weil Preußen die Grenze sonst einfach gesperrt hätte". Das sanitäre Gerede, das den agrarischen Argumenten der Bich- Politik entlehnt ist, findet in unsreni Artikel schon die vorweggenommene Widerlegung. Eine Grenzsperre wäre dem jetzigen Zustand vorzuziehen; dann wissen die Russen wenigstens, woran sie sind. Aber diese Grenzsperre für Russen, mit der die Ballin-Presse droht, wäre in Wirklichkeit fiir die preußische Regierung der Schrecken der Schrecken, wenn sie— von Rußland beschlossen werden würde. Denn abgesehen von dem Zwischendeckfutter für Ballin, die ostelbische Landwirtschaft braucht ja die russischen Arbeiter, die in Scharen hereingelassen werden, ohne daß man um ihre Gesund- heit besorgt ist. Entweder für die preußischen Junker oder die deutschen Reeder sich ausbeuten zu lassen— das ist Sinn und Zweck des Auswandrershstems. Alles andre ist heuchlerischer Vorwand, ausgenommen natürlich die weitere Absicht, mit dem Profit ekle Zarendienste zu verbinden. Von demselben officiösen Gehirn gespeist sind die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und die„National-Zeitung". Dys letztere kapitalistische Deficitblatt hat den Auftrag erhalten, witzig zu werden und es wird witzig. Es albert, daß der„Vorwärts" mit der Veröffentlichung der alten Polizciverordnung ein neues Dokument für die preußische Auslieferungspolitik habe liefern wollen. Die„National-Zeiwng" schwindelt ihre Leser dreist an. Und daß sie es„mit Witz" thut, entlastet sie nicht. Wir sammeln seit Wochen Material über die neuerdings in steigendem Maße geübten Praktiken gegenüber den nissischen Auswanderern. Anfangs glaubten wir, daß die Ballin-Agenwren sich den Auswanderern gegenüber der Erpressung, Nötigung und Freiheitsberaubung schuldig machen. Um aber keinen falschen Vorwurf zu erheben, forschten wir nach den gesetzlichen Grundlagen ihrer Handlungsweise und stießen endlich auf jene in der Oeffentlichkeit bisher unbeachtet gebliebene Polizei- Verordnung, welche das Verhalten„legitimiert" und jetzt dazu dient, schmähliche Zaren- und Ballin-Dienste mit einander zu ver- kuppeln. Aber die„National-Zeitung" bezieht gemeinsam mit der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeiwng" von irgend einem russischen General- konsnl noch � die weitere Information über das, IvaS Rechtens ist. Sie schreibt: „Der„Mangel gesetzlicher Regelung" dagegen ist reiner Schwindel, denn die Auswanderer-Beförderung durch die deutschen Schiffahrtsaesellschaften ist gesetzlich geregelt und über ihre Be- wachung wird dem Reichstag Jahr fiir Jahr eine eingehende Denk- schrist unterbreitet. Alle Welt weiß, daß die getroffenen Matz- nahmen im sanitären Interesse unsres Volkes geboten sind, daß sie zugleich auch den sanitären Interessen der fremden Aus- Wanderer dienen und nebenher zum Teil auch bedingt sind durch die amerikanischen Bestimmungen über die Einwanderung in die Häfen der Union. Alles, was der„Vorwärts" in diesem Zusammenhang von Zarcndienst und Begünstigung großkapitalistischer Privat- gesellschaften faselt, entbehrt jedes Scheines einer Begründung. Jahr für Jahr hat der Reichstag Gelegenheit, sich zu der Denk- schrift über die Bewachung des AnSwanderungslvesens zu äußern, wie er seiner Zeit auch über die betreffenden gesetzlichen Be- stimmungen mit zu entscheiden gehabt hat. Man ist von der socialdemokratischen Vertretung im Reichstage zwar an manches gewöhnt, aber wir glauben kaum, daß ein Mitglied der social- demokratischen Fraktion die Stirn haben wird, von der Tribüne des hohen HauseS herab— wenn sich bei der Vorlegung der nächsten Denkschrift über das AuSwanderungSgesetz die Gelegen- heit dazu bietet— die tollen Grdankensprünge zu wiederholen, die sich der Leitartikler des„Vorwärts", bauend auf die Unkenntnis und Kritiklosigkeit seiner blind folgenden Leser, geleistet hat." Und die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt ähnlich: „Sollte dem„Vorwärts" wirklich nicht bekannt sein, daß diese beiden Reedereien im eignen Interesse, namentlich auch im Hinblick auf die scharfen Vorschriften der amerikanischen Einwanderungsgesetze, solche Vorkehrungen selbst geschaffen haben, die den Anforderungen des öffentlichen Interesses vollkommen genügen?... Hätte es dem Partei-Organ beliebt, die jährlich dein Reichstage vorgelegten Denkschriften über die Bewachung des Auswanderungswesens ein- mal vorzunehmen, dann hätte es daraus ersehen, daß die Be- förderung durch beide Schiffahrtsgesellschaften gesetzlich geregelt ist, und sein plump ausgetüftelter Artikel mußte unterbleiben. Er er- baut sich nämlich ganz keck auf der Voraussetzung, daß gerade ein Maugel gesetzlicher Regelung an den„Zuständen" schuld sei." Die Hoffnung der Ballin-Presse ist vergebens. Man wird die „Stirn" haben, auch diese Russen-Schande recht gründlich zu er- örtern. Inzwischen mögen die beiden Blätter, die den wesentlichen Inhalt unsres Artikels unterschlagen, sich bei ihrem russischen General- konsul erkundigen, wo die gesetzlichen Bestimmungen zu finden sind, die den Ballin-Agenturen erlaiiben, Russen Amerika-Fahrkarten deutscher Linien bei Androhung der Auslieferung an Rußland auf- zuzwingen. wenn diese gar nicht nach Amerika auswandern oder doch mit den weit billigeren englischen Linien fahren wollen. Das AuSwauderungswesen ist durch Gesetz vom S. Juni 1897 geregelt, in dessen Ausführung vom Bundesrat unter dem 14. März 1898 eine Verordnung erlassen worden ist. Das ist die ganze gesetzliche Grundlage und dies Gesetz und seine Ausführungs- Verordnung enthält auf dem hier in Betracht kommenden Gebiete nur die eine Bestimmung, daß sich die Auswanderer vor der Einschiffung einer gesundheitlichen Kontrolle zu unterwerfen haben. Die Praxis der Reeder-Agenturen aber beruht nicht auf G e s e tz, sondern auf der Willkür jener Polizeiverordnungen. Und auch die Rechenschaftsberichte des Auswanderungskommissars ent- halten nichts, was auf solche skandalöse Mißachtung elementarer Pflichten der Civilisation deutet. Wo steckt also die gesetzliche Grundlage? Wir fordern präcise Antwort?—_________ Die Entscheidung in Ostafien scheint nunmehr unmittelbar bevorzustehen. Offenbar hat jetzt auf dem Haupt-Kriegsschauplatze bei Liaujang der Kampf begonnen, der den Feldzug dieses Jahres, wahrscheinlich sogar den Krieg überhaupt entscheiden wird. Der offiziöse russische Telegraph hatte auch über die Lage bei Liaujang das Erdenkliche zusammengelogen. Die Japaner sollten so starke Abteilungen nach Port Arthur entsandt haben, daß ihre Operationen gegen Kuropatkin vollständig ins Stocken geraten seien. Der japanische Kaiser selbst sollte den Befehl gegeben haben, um jeden Preis Port Arthur zu nehmen, selbst wenn dadurch der mandschurische Feldzug völlig ins Wasser fiele. Wir verwiesen dies alberne Märchen sofort ins Fabelreich. Ja, wir konnten nicht ein- mal glauben, daß die japanische Armee bei Liaujang überhaupt nennenswerte Truppenkörper nach Port Arthur detachiert haben sollte. Begreiflicherweise muß ja den Japanern viel daran liegen, Port Arthur sobald als möglich in ihren Besitz zu bringen. Fiele Port Arthur vor der Entscheidungsschlacht bei Liaujang, so würde dadurch die Begeisterung der japanischen Truppen ebenso entflammt werden, wie der Elan der russischen Truppen dadurch Einbuße erlitte, aber dieser moralische Erfolg käme nicht allein in Bewacht. Bei Port Arthur sollen 70—90 090 Japaner stehen. Nach der Einnahme von Port Arthur würden von diesen Truppen 40 000 Mann zur Ver stärkung der Hauptarmee bei Liaujang abgehen können. Außerdem würde dann die japanische Flotte frei, die alsdann gegen Wladiwostock verwendet werden könnte. Es ist also nur zu begreiflich, daß die Japaner schwere Verluste nicht scheuen, um so bald als möglich Port Arthur in ihre Hände zu bekommen. DieKftveisen Belehrungen unsrer Zeitungsstrategen, daß Japan seine Kraft bei Port Arthur zwecklos vergeude, sind un- gemein kindisch. Andrerseits müßten die Japaner Idioten ohne gleichen sein, wenn sie über die Eroberung von Port Arthur die Vernichtung der russischen Hauptarmee bei Liaujang vergessen würden. Solche Idioten wären sie schon gewesen, wenn sie die Armeen Okus, Nodzus und Kurokis durch Abzweigung von Mann schaften nach Port Arthur derart geschwächt hätten, daß diese Armeen zu einer energischen Offensive unfähig geworden wären. Aber das ist ihnen auch nicht im Traume eingefallen. Sie ver- stärkten zwar vorderhand die Belagerungsarmee vor Port Arthur, aber nur durch frische Truppen, die aus Japan zugeführt wurden, keines� Wegs durch Schwächung ihrer mandschurischen Hauptarmee! Sie ließen die russischen Offiziösen faseln so viel sie wollten und trafen ruhig und energisch ihre Vorbereitungen zum entscheidenden Angriff auf die Armee Kuropatkins. Sie ließen der„Russischen Telegraphen- Agentur" und den Herren Gaedtke und Konsorten das Vergnügen, über ihre angebliche Passivität, ihre zur Offensive nicht mehr aus- reichende Stärke, ja ihr direktes Zurückweichen das Blaue vom Himmel herunter zu phantasieren. Sie schwiegen und handeltenl Es dauerte ja für die Begriffe europäischer Strategie und europäischen Sensationsbedllrfnisses sehr lange, bis bei Liaujang die japanische Offensive wieder einsetzte. Aber wer auch nur mit geringem Nutzen die Schilderungen über die Geländeschwierigkeiten, die trostlosen Wege, die Schwierigkeit der Einfuhr von Proviant und Munition gelesen hatte, welche die Kriegsberichterstatter entwarfen, der mußte sich sagen, daß diese Umstände völlig ausreichten, die Passivität der japanischen Hauptarmee zu erklären. Wer aufmerksam und objektiv die bisherigen Kriegsereignisse verfolgt hatte, konnte nicht glauben, daß sich nun mit einemmale die Situation zu Ungunsten der Japaner verändern werde. Und die neuesten Nachrichten vom Haupt-Kriegsschauplatz beweisen denn auch, daß die Situation sich durchaus nicht zu Ungunsten der Japaner verschoben hat, daß die Japaner jetzt vielmehr zur neuen, zur cntscheidendeu Offensive vor- gegangen sind! Schon gestern meldete Kuropatkin den erneuten Vormarsch der Japaner. Er berichtete dabei allerdings wieder allerhand über russische Erfolge, um dann schließlich wieder zuzugeben, daß die Russen sich— zurückgezogen hätten! Diesen Kämpfen am 24. August sind weitere Kämpfe am 26. und 26. August gefolgt. Das Resultat derselben war, daß überall die russische Lorhut von den Japanern zurückgeworfen wurde! Die heutigen Telegramme lauten: Petersburg, 27. August. General Kuropatkin meldet dem Kaiser unter dem gestrigen Datum: Am 25. August rückten die Japaner nur gegen die Truppen der früheren Ost- abteilung vor. Die Streitkräfte der Japaner betrugen dort zwei Divisionen Infanterie mit zahlreicher Artillerie. Beide Gegner verbrachten die Nacht in ihren Kanipfesstellungen, die drei bis fünf Werst von einander entfernt lvaren. Unsre g e st e r n erlittenen Verluste betragen etiva hundert Mann au Toten und Verwundeten. Die Nacht verlief, abgesehen von kleinen Scharmützeln, ruhig. Heute begannen die Japaner mit Tagesanbruch, auf der ganzen Front vorzurücken. Petersburg, 27. August. Dem„Ncgierungsboten" wird aus Liaujang von g e st e r n gemeldet: Die Nacht zum 26. August verbrachten die Russen und Japaner auf ihren Stellungen in einer Entfernung bis zu ö Werst. In der Morgendämmerung be- gann derAngriff der Japaner auf der ganzen Front. Morgens um 10 Uhr war in Liaujang die Kanonade von Südosten hörbar, ebenso am Abend. Petersburg, 27. August. General Ssacharow meldet dem Generalstab unter dem gesttigen Datum: Am 26. August rückte der Feind auf der ganzen Front der Mandschurei-Armee vor. Die Japaner besetzten am frühen Morgen auf deren linken Flügel Gentschjuanesy, westlich von der Eisenbahn, 15 Werst nörd- lichvon Haitsch eng sowieT 0 lunts ch iaiund Ganzuanpu, nachdem sie unsre Vorposten von dort verdrängt hatten. Gegen mittag stellte der Feind auf dieser Linie den Vormarsch ein. Gegen die Abteilungen unsrer Vorhut, die sich vor dem linken Flügel der Stellungen bei Anschantschan befanden, vereinigte der Feind bei Tagesanbruch etwa IVs Divisionen und Artillerie. Bor dieser Streitmacht zogen sich unsre Borhut« abteilungen auf die Hauptstellung zurück. Tokio, 27. August. Es heißt, General Oku habe gestern be« gönnen, Antschanschan und Knroki Anping anzugreifen. Der Entscheidungskampf hat also begonnen. Und zwar wiederum mit günstigem Erfolge für die Japan er! Natürlich darf man nun nicht gleich wieder erwarten, daß bis zum Montag die Nachricht von der Vernichtung der Armee Kuro- patkins vorliegt. Antschanschan liegt 35 Kilometer südlich von Liaujang, Anping 20 Kilometer östlich von dieser Stadt. Der Schauplatz des Kampfes ist also ein so ausgedehnter, daß sich die „Entscheidungsschlacht" vielleicht in Gestalt von wochenlang dauernden Einzelgefechten abspielen dürfte I Aber es liegt alle Wahrscheinlichkeit vor, daß die jetzigen Kämpfe bei Liaujang über Sein oder Nichtsein der Armee Kuropatkins ent» scheiden werden! Den bevorstehenden Fall von Port Arthur meldete heute folgendes Telegramm: London, 27. August.„Evening Standard" wird aus Tientsin von heute gemeldet, daß nach einer privaten, jedoch glaub- würdigen Nachricht die Japaner durch die Jtzcshan-FortS in Port Arthur eingedrungen seien; der Fall der Festung sei somit besiegelt. Die Japaner zögerten jedoch, irgend etwas offizielles bekannt zu geben, bevor der Kampf vollständig entschieden sei. Ein späteres Telegramm besagt hierzu: London, 27. August. Die japanische Gesandtschaft hat keine Bestätigung der Meldung des«Evening Standard" aus Tientsin über den Fall Port Arthurs. Japan und Korea. London» 27. August. Dem„Standard" wird auS Tokio vom 25. August berichtet, der Kaiser von Korea habe die ihm am 12. August vom japanischen Gesandten unter« breiteten Reformvorschläge angenommen, darunter die Annahme der japanischen Münze, Reduzierung der koreanischen Armee auf die kaiserliche Leibwache von 1000 Mann, Abberufung aller koreanischen Gesandten und Konsuln und Vertretung der koreanischen Interessen im Auslande durch die japanischen diplv- matischen Vertreter. Demselben Blatt wird aus Tientsin vom 25. gemeldet: Im Bezirke T s i n a n f u Ivürden Maueranschläge angeheftet mit den Worten: Tod den fremden Teufeln vom siebente« Monat anl Die christlichen Chinesen fliehen. poUtilcbe deberficht. Berlin, den 27. August. Pernrrstorfer in Mannheim. Aus Mannheim schreibt man uns vom 26. August: In einer glänzend verlaufenen, von etwa 3000 Personen besuchten Ver- sammlung sprach heute abend im großen Nibelungensaale des „Rosengarten" unser österreichischer Genosse und ReichsratS-Abg. Perner st orfer über die Entwicklung der Socialdemokratte in Oesterreich- In lebendiger, echt volkstümlicher Darstellung gab er ein anschauliches Bild der komplizierten, so äußerst schwer verständ» lichen politischen und nationalen Zustände unsrer östlichen Nachbar» nation, insbesondre der österreichischen Socialdemokratte. Pernerstorfer schloß seine etwa zweistündigen Ausführungen mit einem erfolg- sicheren Ausblick in die Zukunft der socialisttschen Arbeiterbewegung, die der einzige Lichtblick sei im Dunkel der österreichischen Wirrnisse und der dortigen traurigen politischen Verhältnisse. Nach Pernerstorfer ergriff der ReichStags-Abgeordnete Mannheims, August DreeSbach, das Wort. Anknüpfend an die Schilderung des Referenten von der Brutalität der österreichischen Polizei, weist Dreesbach auf die Maßregelung P's in Frankfurt a. M. und Offen- bach hin. Wer Pernerstorfer heut gehört, der könne die völlige Grundlosigkeit dieser Polizeimaßregel ermessen. Auch wir in Baden hatten das Gefühl, daß etwas Aehnlichcs bei uns geschehen werde; es sei anzuerkennen, daß man sich darin täuschte und daß man den langjährigen Vorkämpfer des Deutschtums im Osten reden ließ. Aber nicht bloß um Pernerstorfer zu hören, sondern auch um gegen die preußisch- deutsche Polizeiwillkür einen flammenden Protest einzulegen, ist die heutige Versammlung zusammen- gekommen. Der äußerst zahlreiche Besuch zeigt, daß breite Massen es als ihre heilige Pflicht betrachten, die kärglichen Volksrcchte. in erster Linie das Recht der freien Versammlung, mit aller Energie zu schützen. Eine Schmach für das deutsche Ccntrum, die„Volks"- Partei für„Freiheit und Recht", sei es, daß es gerade seine Presse war, die in Hessen nach dem Frankfurter Verbot, als die Offenbacher Bttfömmltmg einberufen ward, am meisten und thatsächlich auch mit Erfolg gegen Pernerstorfer scharf machte. Mit einem Hinweis auf den nahe bevorstehenden 40jährigen Gedenktag an den Tod Lassalles schloß Dreesbach. Hierauf brachte Redakteur Oskar Geck eine Resolution ein, in der dem Referenten der Dank ausgesprochen und die Polizei- matzregeln von Frankfurt und Offenbach als brutale Vergewaltigungs- thaten verurteilt, die Energielosigkeit des Bürgertums gegen der- artige Maßnahmen gegeißelt und die Socialdemokratie als einzige Stütze im Kampfe gegen dse Reaktion bezeichnet wird. Als Geck mit der Verlesung am letzten Satze angelangt war, unterbrach ihn der überwachende Beamte, ein junger Referendar, und löste die Versammlung unter Berufung auf das Ver- sammlungsgesetz auf. Der Vorsitzende Dreesbach konnte eben noch zur Abstimmung auffordern, die unter eiithusiastischem Beifall die einstimmige Annahme der Resolution ergab, dann ging die tausendköpfige Versammlung unter stürmischen Kundgebungen für den Referenten und unter Absingen der Marseillaise auseinander. Es wäre auch schade gewesen, wenn nicht auch in Baden die deutsche Polizeieinheit wenigstens darin sich bewährt hätte, datz ihr Vertreter die eindrucksvolle Demonstration seinerseits bekräftigte! Diese brave Bemühung wird hoffentlich Baden vor der Gefahr einer Berliner Reichsexekution beivahren, die bei dem ohnehin ge- spannten Verhältnis zwischen Berlin und Karlsruhe sonst am Ende m Erwägung gezogen worden wäre.— Die Verschärfung der Klassenkämpfe in der Schweiz. Zürich, 24. August.(Eig. Ber.) Vor Jahren konnte man oft von schweizerischen Socialdemokraten den mit einem Seufzer ausgesprochenen dringenden Wunsch nach Unterdrückung der Arbeiter auch in der Schweiz vernehmen, weil dann der Druck Gegendruck erzeugen, die gegen ihre eignen Lebens- interessen gleichgültige Masse aufrütteln und sie zur endlichen Be- thätigung der eigenen Kräfte, zur gewerkschaftlichen und politischen Organisation, zu wirtschaftlichen und politischen Aktionen anspannen würde. Der Wunsch ist endlich in Erfüllung gegangen und der herrschende Radikalismus, der die Interessen der besitzenden Klassen, des ganzen Unternehmertums, ohne Unterschied der' Parteistellung und der Konfession und ohne Unterschied der Nationalität vertritt, bemüht sich mit unübertrefflicher Tölpelhaftigkeit, die Arbeiterschaft in beständiger Aufregung zu erhalten. Den Anlaß zu seinen immer wiederkehrenden aufreizenden und verhetzenden Aktionen bieten dem herrschenden Radikalismus die Streiks. Da geht es gegen das Gcldsackinteresse, und da es in der bürgerlichen Republik, ausgeprägter als in der Monarchie, der herrschende Faktor ist, so fühlt es ihm an den Leib gehen, seine Herrschaft gefährdet, der mit den Schlagworten„Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung" durch das A u f g e b o t von Militär der� von der Angst geforderte Schutz gewährt werden mutz. Jeder Streik versetzt das Bürgertum in große Aufregung und die Regierungen, statt die kalte Ruhe zu bewahren, die sie so oft den Arbeitern predigen und predigen lassen, werden erst recht kopflos und wissen sich nicht anders zu bchelfen als durch das Aufgebot von Militär. So giebt es kein Land in Europa, in dem so oft und so unverantwortlich leichtfertig gegen streikende Arbeiter das Militär aufgeboten wird, als in der Schweiz. Seit 1875, da gegen die von dem Erbauer des Gotthardtunnels, Louis Javre, durch elende Behandlung zur Arbeitseinstellung getriebenen Arbeiter von der Berner Regierung Militär aufgeboten und die Streikenden in verbrecherischer Weise niedergeschossen wurden, ist nvar. Mitte Mai d. I. erschien im„Polksblatt" unter der Spitzmarkc:„Hungerlöhne für Kassenbeamte" ein Artikel, der sich mit einem Inserat des„Staats- und Gcmeinde-Anzeigers" beschäftigte. Es wurde da von dem Magistrat in llebigau e i n mit dem Kassen wesen gut betrauter erfahrener Stadtkassenkontrolleur für ein Jahresgehalt von sage und schreibe 600 Mark gesucht. Man ver- laugte von dem Bewerber auch noch 600 M. Kaution. Genosse Däumig kritisierte das Inserat mit einem scharfen Ausdruck und knüpfte hieran die Bemerlung, daß man sich unter diesen Umständen gar nicht zu wundern brauche, wenn sich solche Beamte an den ihnen anvertrauten fremden Geldern vergreifen. Als mm jener Bürgermeister, der daS Inserat losgelassen hat, heute als Zeuge vor Gericht erschien, redete ihn der Vorsitzende, Landgerichts-Direktor Zcrbc, mit den Worten an:„Na, 600 Mark ist ein dihchen wenig, nicht wahr? Sie brauchten doch jene Stelle nicht er st auszuschreiben und konn- ten doch einen Mann aus Ihrem Bureau nehmen. .�aben sich denn auf das Inserat Bewerber gemeldet?" Der Bürger- meister entgegnet: Massenhaft, und der Verteidiger unsres Genossen weist darauf hin, daß der frühere Kontrolleur in eine solche Notlage geraten sei, daß er sich strafbar machte, und vom Schwurgericht bc- straft wurde. Der Bürgermeister berief sich schliehlich darauf, dast Bon der„Weitherzigkeit der katholischen Weltanschannng". Auf dem letzten Katholikentage hat ein Redner mit großem Stolz als neueste Entdeckung des CentrumS die„Weitherzigkeit der katholischen Weltanschauung" proklamiert. Diese»Weitherzigkeit" nun wagt sich in der großstädtischen Centrumspresse nicht recht hervor. nber in den dunklen Winkeln der deutschen Kultur, da gedeiht diese Wcitherzigkeit allerdings üppig, da arbeiten die weitherzigen Hetz- kapläne mit einer Weltanschauung, die auf die Narrheit von Idioten und die niedrigsten Instinkte unaufgeklärter Massen spekuliert. Wir gedenken in Zukunft deS öfteren zur Kennzeichnung der Weitherzigkeit der katholischen, will sagen klerikalen Weltanschauung die im Verborgenen duftenden Nachweilchcn zu brechen und auf den Tisch der großen Oessentlichkeit zu stellen. Wir hosten auf diese Weise mit der Zeit eine Sammlung von klerikalen „Weitherzigkeiten" zu stände zu bringen, die für die oben erwähnte Weltanschauung so viel neue Gläubige werben wird, daß die Redaktion des„Vorwärts" ernstlichen Anspruch erheben darf, auf der Liste der Anwärter der Heiligsprechung vorgemerkt zu werden. Da hatten unsre Genossen am Niederrhein kürzlich ein Flugblatt verbreitet, daS die Ziele der Socialdemokratie und die Volks- trrräterische Politik des CentrumS durch einfache Anreihung von Thatsachen eindringlich schilderte. ' Die überzeugende Kraft dieses Flugblattes mußte natürlich sofort tot acloqen werden. Aber auch die Lüge erfordert Arbeit und Witz Und wozu wäre die Weitherzigkeit der klerikalen Weltanschauung da wen» man nicht ohne solche mühseligen Widerlegungsversuche auS- kommen kann! Und die gläubige Inbrunst half. Siehe, es eröffnete sick, in einer verstaubten Aktenmappe ein funkelnder reicher Schatz. uralt-war aber nicht minder brauchbar. Und der Herr Dr. theol Kr Reimmaer-u Kempen am Rhein, der verantwortliche Redakteur des Lob b ericher B ü rg er b l a tt". atmete erleichtert auf und segnete die Weitherzigkeit der ihm verliehenen Weltanschauung. Er brauchte nicht die Thatsache zu widerlegen, nicht das socialistische Programm im Schweiße seines HiruS zu kritisieren daS alte zermürbte Blatt brauchte nur in die Druckerei geschickt zu werden und alles war gut. Unsre Leser, die der nachfolgenden Weitherzigkeit der CentrumS- presse ihre Aufmerksamkeit nicht versagen werden, dürsten allerdings höchst erstaunt sein über die große Zahl gänzlich unbekannter„Führer" und noch unbekannterer Millionäre, die der Theologe von Lobberich d« socialdemokratischen Jntemattonale geschenkt hat. Leider aber das Gehalt vom Regierungspräsidenten gut geheißen sei. Der Staatsanwalt erkannte an. d a ß e s ein Mißstand sei, wenn Beamte für 600 M. gesucht würden; die Presse könne Mißstände rügen, müsse aber dabei„sachlich" bleiben. In dem Ausdruck„schäm- los" habe sich der Angeklagte vergriffen, weshalb gegen ihn eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen zu beantragen sei. Das Urteil lautete auf 100 M. Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängnis. Tius Induftnc und Handel. Gcncralversamnilinig der Hibcrma. Der gestrige Kampf um die Verstaatlichung der Hibernia- Gesellschaft hat die endgültige Entscheidung noch nicht gebracht. Wild wogte der Streit. Die Spitzen der Berliner Hochfinanz rauften sich unter Assistenz der Syndikatsgrößen tapfer um ihr Interesse, wobei auf beiden Seiten manch scharfes Wort fiel, aber einen vollen Sieg kann sich keine der beiden Parteien zuschreiben. Zwar ist die Verstaatlichung mit 29.6 Millionen Mark gegen 2,6 Millionen Mark abgelehnt worden; doch dieser Beschluß wird jedenfalls von der Dresdner Bank angefochten werden, und es ist ziemlich sicher, daß er annulliert werden muß. Nach§ 292 des Handelsgesetzbuches bedarf nämlich der Beschluß über die Auflösung einer Aktiengesellschaft einer Mehrheit, die drei Vierteile des vertretenen Grundkapitals umfaßt. Als nun die Vertreter der Dresdner Bank sahen, daß die Stimmung gegen sie sei, erklärten sie, daß ihr Kollege, der die 18 Millionen Mark Hibernia-Aktien der Dresdner Bank vertrete. Dr. Pölchau, nicht anwesend sei; sie selbst seien aber für die Abstimmung nicht bevollmächtigt. Ohne diese 18 Millionen Mark der Dresdner Bank waren aber nur 32 Millionen Aktienkapital in der Ver- sammlung vertreten. während das Gesamt- Akttenkapital be kanntlich 53'/z Millionen Mark bettägt. Als dann die Abstimmung vorüber war, erschien Plötzlich Dr. Pölchau. Der Vorsitzende wollte nun eine nochmalige Abstimmung vornehmen lassen. Doch schnell legten die Vertteter der Dresdner Bank Protest ein und entfernten sich dann. Zweifellos ist von der Dresdner Bank dieser Trick ledig- lich deshalb ausgeheckt, um einen Grund zur Anfechtung der Ab- stilnmung zu erlangen. Ein höchst sonderbares Verfahren! Ueber den Vorgang wird telegraphisch berichtet: Den Vorsitz führte in Verhinderung des ersten Vorsitzenden Geh. Bcrgrats Hard Landtagsabgeordneter v. E y n e r n, zu dessen Stellvertreter Geh. Justizrat Winterfeldt ernannt wurde. Ehe in die Verhandlung eingetreten wurde, verlangten die Berliner Rechts anwalte Stern und Hirsch zu wissen, welches die Höhe des zur General-Versammlung angemeldeten Aktienkapitals sei. Justizrat Winterfeldt erwiderte, daß weit mehr als zwei Drittel des gesamten Aktienlapitals angemeldet und in der Versammlung vertreten seien. Der genaue Betrag werde im Laufe der Verhandlungen mitgeteilt werden. Nach Eintritt in die Tagesordnung verlas Herr v. Eynern das bekannte Angebot des Handelsministers. Er unterbreitete der Ver- sammlung den Antrag, das Angebot deS Ministers ab- zulehnen. Den Antrag begründete der trotz erheblicher Er- krankung erschienene Generaldirektor der Gesellschaft B e r g r a t Behrens. In der Diskussion ergriff zunächst das Wort Geheim rat Kirdorf, Vorsitzender des Kohlen-Syndikats: Man könne nur annehmen, daß dies der erste Schritt zur Ver- staatlichung des gesamten rheinisch-westfälischen Bergbaues sein solle. Der Staat rechne dabei mit der jetzigen socialen Strömung in der Volksvertretung, welche die Staatsregicrung zu weiteren Schritten drängen werde, wenn sie auch selbst nicht wolle. Redner kam auf die Unterredung mit dem Minister zurück. Der Minister habe auf die Gefahr hingewiesen, welche aus der Monopolisterung des Berg- baucs in wenigen einzelnen Händen für das Gemeinwohl entstehen würde. Er habe insbesondere auf Gelsenkirchen hingewiesen, welche Gesellschaft von zwei Industriellen, Stinncs und Thyssen, beherrscht werde. Redner habe diese Behauptung als Märchen zurückgewiesen. Der Minister habe nach dieser Ausführung erklärt, er sei dann falsch unterrichtet gewesen. Aber der Stein sei nun im Rollen und der Staat habe das ernsteste Interesse daran, Einfluß auf die Syndikats Politik zu erhalten; dabei habe der Minister den maßgebenden Ein fluß anerkannt, den Geheimrat Kirdorf auf das Syndikat ausgeübt habe und erklärt, daß er hohen Wert darauf lege, diesen ausschlage gebenden Einfluß dem Syndikat zu erhalten.„Welcher Widerspruch liegt in diesen Worten? In meiner eigenen Gesellschaft Gelsen kirchcn soll ich zum Strohmann geworden sein, und im ganzen großen Syndikat soll ich trotzdem noch der maßgebende Mann sein." (Beifall.) Redner führt dann noch einmal eingehend aus, daß, wenn der Staat Einfluß auf die Preispolitik des Syndikats hätte haben wollen, er in dasselbe hätte eintreten sollen, und wiederholt, daß er, der Redner, dem Staat zu diesem Zweck im vorigen Jahre die weitgehendsten Konzessionen gemacht habe. Wenn es dem Staat gelingen sollte, die Hibernia zu erhalten, so werde er in das Syndikat nur eintreten können unter ganz wesentlich ungünstigeren Bedingungen. Aus diesem Grunde glaube er, daß die durch die offiziöse Presse verbreiteten Motive gar nicht die wahren Beweggründe des Staates seien, daß vielmehr die weitere Absicht vorliege, den ersten ausschlaggebenden Schritt zur Verstaatlichung des gesamten rheinisch-westfälischen Berg- baucs zu thun.„Wenn Sie diesen Schritt zur Stagnation unsres wichtigsten Industriezweiges mitmachen wollen, so nehmen Sie die Offerte des Ministers an. Wenn nicht, so lehnen Sie dieselbe ab." (Lebhafter Beifall.) Aktionär K a tz ist der Meinung, daß der Staat lediglich Geld verdienen wolle und daß er in dieser Absicht die Offerte gemacht habe. Er plädiert dafür, heute die Offerte zwar abzulehnen, nicht aber die Verhandlungen abzubrechen. Man solle vielmehr ver- suchen, ein günstigeres Angebot zu erlangen, und dann verkaufen. Rechtsanwalt Hirsch- Berlin führt aus, der Weg, den die Regierung eingeschlagen habe, sei doch nicht so ganz zu verurteilen, man habe hier nur zu erörtern, ob die Aktionäre ein gutes Geschäft machen oder nicht.(Lebhafte Ohol-Rufe.) Die Aktionäre wollen verdienen. Man solle ruhig überlegen, was man aus dem Handel herausschlagen könne.(Rufe: Schluß.) Abg. v. Eynern bemerkt, es wäre korrekt und fein gewesen, wenn der Minister offen an die Gesellschaft herangetreten wäre und nicht auf dem Hinterwege. GeHein: rat Müller von der Dresdner Bank führt aus, er sei nicht erschienen, um den Minister hier zu vertreten, sondern spreche nur in seinem Namen. Er halte es für bedauerlich, daß diese kaufmännische Frage mit socialpolitischcn Fragen verquickt werde. Man dürfe doch nicht vergessen, daß nicht ein einzelner Minister, sondern das gesamte Ministerium erklärt habe, man denke nicht an die Verstaatlichung. Was den Weg anbelange, so sei v. Eynern im Irrtum. Bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen habe man genau so gehandelt, wie im gegenwärtigen Falle. Redner schließt seine Ausführungen mit der Darlegung, daß die Dresdner Bank der Ansicht sei, man solle heute, wo die Leidenschaften erregt seien, nicht einen endgültigen Beschluß fassen. Er protestiere auch gegen einen Beschluß, weil der Gesellschaft Hibernia nahestehende Banken große Posten Aktien in Lombard genommen hätten, die am 31. August ihren Eigentümern zurückgegeben werden müssen. Diese Aktien dürften in der heutigen Versammlung nicht gegen die Offerte der Regierung benutzt werden. Abg. v. Eynern teilt mit, daß die Dresdner Bank zur heutigen Versammlung zwar große Summen Aktienkapitals angemeldet, aber nicht in diesem Umfange in die Präsenzliste eingetragen habe. Hierdurch seien möglicherweise in der heutigen Versammlung zwei Drittel des Aktienkapitals nicht vertreten. Es entspinnt sich nunmehr eine verwickelte Geschäftsordnungs- debatte über die Vertretung der Dresdner Bank. Geheimrat Winterfeldt stellt fest, daß die Dresdner Bank 18 Millionen Mark angemeldet hat. Geheimrat Müller(von der Dresdner Bank) erklärt, daß weder er noch Direktor Schuster zur Vertretung der Dresdner Bank anwesend seien. Tie Verlesung der Präsenzliste ergiebt, daß die Dresdner Bank ihre 18 Millionen in die Liste eingetragen, aber im Laufe der Ver- sammlung gestrichen habe. Ohne diese 18 Millionen sind in der Versammlung vertreten 32 356 460 M., so daß mit der Dresdner Bank 50 356 400 M. vertreten wären. Das gesamte Aktienkapital beträgt 53 500 000 M. Es wird zu Protokoll genommen, daß 18 Millionen der Dresdner Bank angemeldet sind und daß die in der Versammlung anwesenden Direktoren die Erklärung abgegeben hätten, daß sie weder willens noch bevollmächtigt seien, die Dresdner Bank zu vertreten. Nach einer langen Geschäftsordnungsdebatte und nachdem die Dresdner Bank und der Schaaff- hausensche Bankverein Protest gegen jede Ab- stimmung erhoben haben, wird über die Offerte des Ministers abgestimmt. Für die Annahme werden abgegeben 19 Stimmen, die 2 651 200 M. vertreten, gegen die Offerte 92 Stimmen, die 29 641 400 M. vertreten. Der Ver- mittelungSantrag, mit dem Staate weiter zu verhandeln, wird zurückgezogen. Nach der Ablehnung der Verstaatlichungsofferte erscheint plötzlich ist mich klerikale Wundcrkrast nicht im stände, unsren Parteiführern den Reichtum zu verwirklichen, den man in Lobberich freigebig aus den„Akten" gegraben hat. Und wie wir glauben, existiert auch keine gesetzliche Möglichkeit, von der katholischen Kirche die Vermögens- differenz einzufordern, die zwischen den Behauptungen des Centrums- blatteS und der Wirklichkeit bestehen. Auch der arme Marx, den schwere Sorgen frühzeitig in seiner Gesundheit zerrüttet haben, kann nicht noch nachttäglich von Gnaden des DbktorS von Lobberich zum Nabob gemacht werden. Aber was will man mit dieser Freigebigkeit in Phantasie- vermögen beweisen. Die Socialdemokratie fordert nicht, sondern sie bekämpft die Bedürfnislosigkeit und die Entsagung, sie ersttebt den Wohlstand aller. Auch der„Millionär" steht an sich nicht im Widerspruch mit der Socialdemokratie, nur das System des Kapitalismus, da? ein paar Millionäre erzeugt und Millionen von Besitzlosen! Die unsaubere Weltanschauung der Bettelmönche ist der Socialdemokratie fremd. Im Widerspruch mit dem eignen Programm steht es allerdings, wenn dieNachfolgerdeSNazarenerS, die das Glück der Armut der Massen preisen, selber Reichtümer aufhäufen. Deshalb ist eS aller- dingS für den KlerikaliSmuS eine tödliche Anklage, daß seine Päpste, Kardinäle, seine Orden, seine Magnaten des Landes und der Industrie in üppigen Reichtümern schwelgen, und es wäre wohl eine ganz hübsche Aufgabe, festzustellen, wie hoch sich die Summe der Ver- mögen und Einkommen der jüngst in Regensburg versammelten Herren beläuft. Wie würden da selbst die socialistischen Phantasie- Millionäre zu lächerlicher Nichtigkeit zusammenschrumpfen! Im Namen deS Mannes, der nicht wußte, wo er sein Haupt niederlegen sollte, fordert der Klerikalismus von seiner Herde Armut. Bedürfnislosigkeit, Entsagung, seine Führer aber häufen die Schätze, nach denen die andren— als„Mottenfraß"— nicht streben sollen. Indessen wir gönnen den Millionären der klerikal-weitherzigen Weltanschauung ihre Reichtümer. Aber die bodenlose Verlogenheit der klerikalen Polemik wird- ftcilich unter dieser Erwägung des antichristlichen Millionärklerikalismus noch krasser. Und nun lese man den Artikel des„Lobbericher Bürgerblatt': Dir reichen Führer der armen Arbeiter. (Ein Beittag zur Würdigung des Flugblattes„Krieg oder Frieden".) In dem letzten Flug-, Lug- und Trugblatt der socialdemokrati- scheu Partei muß die allbekannte Phrase wieder herhalten: Tie Socialdemokratie allein ist die wahre Arbeiterpartei, die Schützerin der wirtschaftlich Schwachen. Ausfallend und recht aufklärend ist die Thatsache, daß die Gründer und Führer dieser Partei sehr reich sind und von den Groschen der Arbeiter leben. Lassalle war der Sohn eines reichen Groß Händlers. Marx, Redakteur und Schriftsteller, hatte ein großes Ein- kommen. Engels, Freund des ebengenannten und Miterfinder der Socialdemokratie hinterließ bei seinem Tode nur — eine halbe Million.— Liebknecht hatte......... 7200 M. Gehalt und Ncbcneinnahme.... 8000 M. also jährlich mehr als....... 10000 M. Auer hat eine Jahreseinnahme von.... 6— 7000 M. Schönlank hat jährlich....... 6000 M. Fischer hat jährlich......... 5000 M. K a u ts ky hat jährlich........ 5000 M. Mehring(nur Mitarbeiter)...... 8000 M. Arbeiter aufgepaßt! Diese Summen müssen Eure Kollegen, die zur socialdemokratischen Partei gehören, durch ihre sauer verdienten Groschen aufbringen. Haben sie Nutzen davon? Nein! Die socialdemokratischen Abge» ordneten haben gegen alle Gesetze gestimmt, die die Lage der Ar- beitcr verbessern könnten. Warum? Die socialdemokratischen Ab- geordneten konnten von den Arbeitergroschen prächtig leben! Warum? Es kommt ja nicht daraufan, sagte einmal ein socialdemokratischer Führer, etwas für die Arbeiter zu erreichen. Arbeiter! Die socialdemokratischen Abgeordneten be-i ziehen aus der Parteikasse Diäten d. h. für jeden Tag, wo der Reichstag tagt, eine bestimmte Summe Geld. Je länger sie schwätzen und je mehr sie schimpfen, desto länger muh der Reichstag tagen. desto größer werden auch ihre Einnahmen. Warum also Daner- reden? Nur um desto mehr Geld zu verdienen.„Es kommt ja nicht darauf an, etwas für die Arbeiter zu erreichen. Die socialdemokratischen Mitglieder der Zolltarif. kommission erhielten an Diäten M. 8342,98, die sie an die Parteikasse abführten. Warum? Weil sie jahraus, jahrein aus der Parteikasse ihre Diäten beziehen. Wer mutz das Geld dafür aufbringen? Ihr Arbeiterl Eure Groschen sind es! Sie leben also von Eurem Gcldellll Genosse Dr. Arons hat mehr Jahreseinkommen als 8— 4 Minister zusammen. Genosse D i e tz ist als socialdemokratischer Buchhändler reich ge- worden. Genosse Bebel hat durch sein sittenloses Buch„Die Frau". daS ungefähr jeder Socialdemokrat liest, schwer Geld verdient. Genosse Bebel besitzt eine gar nicht üble Villa. Genosse Dr. Friedländer hat einen Palast in Jet Rt» gcntensttatze in Berlin. Genosse von Vollmar wohnt in einem Schlosse. Genosse S t a d t h a g e n hat in Berlin eine Wohnung, die jeder Arbeiter als fürstlich bezeichnen muß. Genosse Singer ist Millionär. Singers ehemaliger Compagnon Roscnthal hat ein Ein- kommen von 40 000 M. zum mindesten. Direktor®r. Polchau, der Vertreter der von der Dresdner Bank erworbenen Hibernia-Aktien, im Saal. Die Verwaltung der Hibernia- Gesellschaft benützt diese Gelegenheit, um unter Berufung darauf, daß die erste Abstimmung beanstandet worden sei, eine zweite Ab- stimmnng vorzuschlagen, da ja nun der Vertreter der im Besitz der Dresdner Bank befindlichen Hibernia-Aktien anwes nd sei. Hiergegen protestiert jedoch Geheimrat Müller; worauf der Vor- sitzende Geheimrat Winterfeldt erklärt, die Dresdner Bank kämpfe m i t i l l o y a l e n W a f f e n. Die Direktoren der Dresdner Bank verlassen darauf den Saal. Die Verwaltung der Hibernia stellt nun den Antrag auf Er- höhung des Aktienkapitals um 6'/z Millionen Mark. Der Antrag wird von 27 A k t i o n ä r e n mit 28 Millionen Mark Aktienkapital gegen 26 Aktionäre mit 22 Millionen Mark angenommen(die Dresdner Bank stimmt also mit), da- gegen wird das Anerbieten der Dresdner Bank, die neuen Aktien zu übernehmen und den alten Aktionären anzubieten, abgelehnt. Zum Schluß gelangt folgender von der Verwaltung formulierter Beschluß zur Annahme:„Das Bezugsrecht der Aktionäre auf die neu auszugebenden Aktien wird aus- geschlossen und der Vorstand ermächtigt, im Einvernehmen init dem Aussichtsrat die Einzelheiten der Aktienausgabe festzusetzen und die Aktien zu begeben. Der Vorstand und der A u f s i ch t s- rat sollen ermächtigt sein, dieOfferten solcher Personen und Institute abzulehnen, von welchen «ach i h r e in Ermessen anzunehmen ist, daß von ihnen der Besitz der neuen Aktien benutzt wird, um den Fortbestand der Gesellschaft zu ge- f ä h r d e n." Saatcnstand in Deutschland. Um die Mitte des Monats August war der Stand der Saaten(Nr. 1 sehr gut, Nr. 2 gut, Nr. 3 mittel (durchschnittlich), Nr. 4 gering, Nr. 5 sehr gering): August 1904 Juli 1904 August 1903 . 1902 . 1901 . 1900 Weizen A I<3 G Roggen G LE ? S & c: »» 2,6] 2,9 2,5 2,8 2,7 2,6 2.3 3.5 2,5 2.5 2,8 2,4 2,0 2.5 2,5 2,4 2.4 2,9 3,0 2,8 2.6 2,5 2.4 2.7 2,5 2,8 2,6 2,5 2.4 2,6 2,4 3.1 3,0 2,5 2,5 2,9 2,4 3,4 2.7 2,5 2,5 2,5 2,3 4,0 3,3 2,6 2,5 3,2 3.1 3,6 3.0 2,7 2.7 3.0 2.8 3.9 3.1 2.4 2.4 2,9 2.8 Vom Statistischen Amt werden dieser Zusammenstellung folgende Erläuterungen hinzugefügt: Die bereits im Vormonat beklagte große Trockenheit und un- gewöhnliche Hitze hat auch noch in den ersten drei Wochen des jetzt abgelaufenen Berichtsmonats(Mitte Juli bis Mitte August) un- vermindert fortbestanden und dem Pflanzenwachstum ungemein ge- schadet. Erst mit Anfang der zweiten Augustwoche trat Abkühlung ein, und strichweis gefallene Gewitterregen brachten den Pflanzen etwas Erholung. Meist aber genügten diese kurzen Niederschläge, zumal sie von scharfen austrocknenden Winden gefolgt waren, nicht zur genügenden Durchfeuchtung des verhärteten Bodens. An Schäd- lingen werden Rost und Mäuse, die stellenweise wieder stärker auf- treten, erwähnt. Die mit Wintergetreide bestellten Felder konnten bei dem trockenen Winter größtenteils sehr schnell geräumt werden; nur in einigen nördlichen und nordöstlichen Gegenden Deutschlands stand zur Zeit der Berichterstattung noch etwas Weizen'draußen. Die Beschaffenheit der Ernte wird all- gemein als gut bezeichnet, während die Menge sowohl in Körnern als im Stroh meist zu wünschen übrig läßt. Besonders die Weizenkörner sind infolge von Frühreife klein geblieben. Auch die Sommerhalmfrüchte waren um die Mitte dieses Monats bis auf etwas Hafer zu trocken eingeerntet. In manchen Gegenden ist der Ertrag des Sommergetreides inimerhin noch be- friedigend, wenn er auch nicht den erst gehegten Erwartungen ent- spricht; sehr häufig ist Notreife eingetreten, das Stroh ist kurz und dünn geblieben, und Ausatz sowie Ausbildung der Körner haben gelitten. i tl IDer im Vormonat noch ziemlich gute Stand der Kartoffeln hat sich infolge der Dürre und Hitze so verschlechtert, daß er jetzt als unter mittel angesprochen wird. Es bedarf baldigen, durchdringenden Regens, um die vielfach befürchtete Mißernte fernzuhalten. Klee und Luzerne sind, mit ganz wenigen Ausnahmen, nur spärlich oder gar nicht nachgewachsen. Viele Felder sind derart ausgebrannt, daß auf einen zweiten Schnitt überhaupt nicht niehr zu rechnen ist. Es herrscht infolge dessen fast allgemeiner Mangel an Grünfutter, so daß schon zur Trockensntterung übergegangen werden mußte. Auch die Wiesen haben durch die Dürre sehr gelitten und sehen meist trostlos aus. Trockene Wiesen sind größtenteils völlig ausgedörrt. Nur nasse und Wässerwiesen geben noch einen Grummetschnitt, der aber auch nur soweit getrockner werden kann, als er nicht das fehlende Arbeiter I Die Socialdemokratie hat auf ihrer Fahne die Losung:„Gleichheit und Brüderlichkeit!" Warum fangen sie nicht an, mit Euch zu teilen! Warum gebrauchen sie nicht ihre großen Einkommen, um Euch, zu helfen? Was soll man von den steinreichen socialdemokratischen Führern, wie Singer, Bebel, Engels, Liebknecht, Dr. Friedländer, Stadthagen usw. halten, die immer den Arbeitern „Gleichheit" versprechen, aber nicht im entferntesten daran denken, es zu vollführen?* .(Sie wollen nur von Euren Groschen lustig leben I In Frankreich marschieren an der Spitze der Social- demokraten — Millionäre— Argelies, Hovelacques(gestorben), Miclvaque, Pierre, Ricard, Trebois sind Führer der Socialdemokratie und————— «— Millionäre. Die andern Führer in Frankreich, wie Gablet, le Zenne, Gousset, Jaures, Paulin-Mery, Renon, Turigny gehören zu den — oberen Zehntausenden.— Wer steht in O e st e r r e i ch an der Spitze der Socialdemo- kraten? Dr. Adler I Ist er reich? Ja! Er ist nur Millionär.—— In England gehört zu den eifrigsten und thätigsten Social- demokraten Marris; er ist sehr reich. In Italien ist Barcilai Führer der Socialdemokraten— sehr reich—; in Belgien steht Anseele mit an ihrer Spitze, in Holland Domela Nieuwenhuis; beide sind sehr reich. Arbeiter I Wißt Ihr jetzt, warum der Zukunftsstaat noch nicht kommt, warum er überhaupt nicht kommen wird, wie die „socialdemokratischen Millionäre" ihn versprechen? Weil eben diese „vornehmen Herren" mit Euch teilen müßten. Das gefällt ihnen aber nicht; darum bleibt's, wenn Ihr dumm genug seid, beim Alten:„Ihr bezahlt die Groschen und sie leben davon." Arbeiter! Habt Ihr schon jemals gehört, daß diese socialdemokratischen Millionäre eine Kranken- lasse oder Sterbekasse, ein Jnvalidenhaus oder eine Lungenheilstätte für Arbeiter gestiftet haben? Viel- leicht ist auch wohl das schöne Beispiel von dem Compagnon des Obergenosjen Singer bekannt, der einmal seine Arbeiterinnen, die für einen wahren Hungerlohn arbeiten mutzten, als sie um Lohnerhöhung einkamen, auf ein gewisses Ve r d i e n st auf der Straße hinwies. Arbeiter l Was folgt daraus für Euch? Laßt Euch nicht durch solch armeseliges Geschreibsel, wie das letzte jammervolle F'lugblatt der Socialdemokraten b e- t h ö r e n. Grünftitter ersetzen muß. In Süddeutschland hat der Schnitt des Grnmniets, soweit solches überhaupt noch nachgewachsen ist, bereits begonnen. Huö der frauenbcwegimg. An die Genossinnen Berlins! Wie bekannt, findet am Sonnabend, den 17. September, in Bremen die dritte socialistische Fraucnkonferenz statt. Auf ihr wird Rückschau gehalten werden über das Wirken der Genossinnen in den letzten zwei Jahren. Als doppelt Bedrückte und durch die Gesetz- gcbung B-nachteiligte haben die Genossinnen das größte Interesse an der Beschickung dieser Konferenz. Sie wird keine Schaubühne sein, sondern ein Wcrkplatz für ernste Arbeit; auch hier wird be- zweckt, immer bessere Mittel und Wege zu finden, um den proletari- schen Klassenkampf den arbeitenden Massen näher zu bringen, um sie zu Socialistinnen zu entwickeln. Ebenso unerläßlich für die Frauen ist aber auch die Be- teiligung am Parteitage. Wie jedes Jahr, so tritt auch in diesem die Socialdemokratie zusammen, um ihr Wirken aus den verschiedensten Gebieten zu prüfen, das Arbeitsprogramm, die Kampfesstellung für die nächste Zeit festzulegen, die Waffen im Geisreskampfe auf ihre Tüchtigkeit hin zu prüfen und für den Gebrauch vorzubereiten. Hier gilt es für die Frau als gleichberechtige Genossin, als klassenbewußte Socialistin, die Wege bahnen zu helfen, die aus dem Reiche der Not und des Elends in das Land der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit führen. Darum, Ihr Frauen Berlins, kommt in die Versammlung, die am Dienstag, den 30. d. M., abends S'A Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 20, stattfinden wird, mit einem Referat über „Die Bedeutung der Frauenkonferenz und des Parteitages" mit darauffolgender Wahl von Delegierten. Die Einberuferin. Frauen und Mädchen des Kreises Teltow-Bceskow-Storkow- Chnrlottenburg! besucht zahlreich die am Montag in Ripdorf bei Thiel, Berg- straße 151/152, abends 3 Uhr tagende Kreisversammlung. Genosse Paul Hirsch referiert über unsre Frauenkonfcrenz und den Parteitag. Frauen und Mädchen unsres Kreises, tretet in Massen an, zeigt, daß auch Ihr ein großes Interesse an der politischen Mitarbeit, an dem großen Befreiungskampf habt. In dieser Versammlung wird auch die Delegierte gewählt, welche Euch in der Frauenkonferenz und ans dem Parteitag vertreten soll. Es wird pünktlich angefangen, damit jeder früh nach Hanse fahren kann. Das Lokal befindet sich in der Nähe des Bahnhofs Nixdorf, für jeden leicht zu erreichen. Nochmals um zahlreichen Besuch, auch der Männer, ersuchend Die Kreisvenrauensperson Frau Marie Thiel, Tempelhof. Pankow. Am Dienstag fand bei Rocycki eine öffentliche, mäßig besuchte Frauenversammlung statt, in welcher Genossin Frau Dr. Hoffmann über die Aufgaben der Frauen fiir die Brandenburger Provinzialkonferenz, Bremer Frauenkonferenz und den Parteitag' in Bremen sprach. Die Diskussion zeitigte eine Aussprache über die Hausindustrie. Es wurde aufgefordert, sich recht lebhaft an der Er- Hebung über dieselbe an unsrem Ort zu beteiligen. Bcrixmr partei-HiigelegeiiDeiten. Zweiter Wahlkreis. Dienstagabend S'/a Uhr Versammlung des Wahlvereins in Habels Brauerei-Ausschanh Bergmannstraße 5—7. Vortrag des Genossen H. Silberschmidt über die Partei- Organisation Deutschlands. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Rixdorf. Die Liste zu den Stadtverordneten- Wahlen liegt nur noch bis 30. August wochentäglich von 8—3 Uhr, und heute, Sonntag, von 8—10 Uhr vornrittags im Rathause, Erkstr. 29, I, Zimmer 11 (Wahlbureau) zur Einsicht der Wahlberechtigten öffentlich aus. Da in diesem Jahre regelmäßige Ersatzwahlen stattfinden, so ist es Pflicht aller Wahlberechtigten, welche bisher von ihrem Recht noch nicht Gebrauch gemacht haben, dies unversäumt nachzuholen. Bei der am 25. Mai d. I. stattgefundenen Ersatzwahl mußten viele zurückgewiesen werden, weil ihr Name nicht in der Liste verzeichnet war. Darum versäunie niemand, sich sein Wahlrecht zu sichern. Diejenigen, welche in der oben angeführten Zeit nicht in der Lage sind, die Liften selbst nachzusehen, können ihre Adressen in den Zahl stellen des Wahlvereins abgeben. Trcptow-Baumschulcnweg. Dienstag findet bei Beylers, Köpnicker Landstraße 20, eine Volksversammlung statt, in der Genosse . B u ch h o l z über den Königsberger Prozeß referieren wird. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Der Schmargendorf«: Wahlvercin hält seine Mitgliederversomm lung am Dienstag, abends 3'/, Uhr, im„Cafe Pein"(früher „Wirtshaus zum Schwan"), Hubertusbaderstr. 8, ab. Auf der Tages- ordmmg steht u. a.: Bericht der Delegierten von der General- Versammlung des Central- Wahlvereins. Um recht zahlreiches Er- scheinen der Mitglieoer ersucht Der Vorstand. Nicder-Schönhausen(Bezirk Pankow). Dienstag, 8V« Uhr abends, Wahlvereinsversammlung bei Wenzel, Lindenftr. 43. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl einer Statutenberawngs-Kommission. 3. Vereins- angelegenheiten._ Lokales. Dreizehn Monate nnschnldig in Untersuchungshaft! Zur Frage der Entschädigung unschuldig verhafteter Personen liefert die Angelegenheit des Vergolders D r e w s einen über das alltägliche Interesse weit hinausgehenden Beitrag. Drcws wurde in der chilenischen Hafenstadt Jquique, wo er sich als Taucher gut er- nährte, am 25. Juli vorigen Jahres unter dem schrecklichen Verdacht verhaftet, in der Hasenheide 1898 die Prostituierte Luise Günther ermordet zu haben. Der Verhaftung lag die Denunziation eines aus Berlin im selben Jahre ausgewanderten Schlächters Ewert zu Grunde, der im Geschäft des Herrn Drews drei Wochen lang beschäftigt war, dann aber wegen Dieb- stahls entlassen wurde. Aus Rache zeigte der Entlassene Herrn DrewS zunächst beim deutschen Konsul am Orte wegen „anarchistischer Umtriebe" an und beschuldigte ihn, als diese Denunziation unbeachtet blieb, des Mordes an der Günther. Der Schlächter schilderte alle Einzelheiten der That, die er direkt aus dem Munde des Herrn Drews erfahren haben wollte. Diese Um- stände erregten auch beim Konsul Bedenken und der Beamte that denn auch, von einer Vernehmung abgesehen, zehn Monate lang nichts gegen den so schwerer That Beschuldigten. Immerhin hielt er es für seine Pflicht, über die Angelegenheit amtlich nach Deutschland Meldung zu erstatten. Dieser Bericht hatte dann zur Folge, daß der preußische Justizminister v. Schönstedt dem Konsul An- Weisung gab, die Verhaftung des Herrn Drews wegen Mord- Verdachts zu bewirken. Als einziger fester Anhaltspunkt für diese verhängnisvolle Maßnahme mußte der Umstand dienen, daß Drews die Günther flüchtig kennen gelernt, sie eines Abends kurze Zeit vor dem Morde nach Hause begleitet und diese Thatsache aus Anlaß des Verbrechens freiwillig der Polizei mitgeteilt hatte. Wenn seiner Zeit in den Blättern berichtet wurde, daß der Vergolder sogleich nach der Ermordung der Prostituierten nach Chile gegangen sei, so ist diese Thatsache falsch; Drews blieb noch lange Monate nach den: Ereignis in Berlin und wanderte erst im April 1900 aus. Nach der Festnahme wurde der Verdächtige nach der Hauptstadt Santiago de Chile transportiert, wo er sieben Monate in Untersuchungshaft blieb. Mit seiner Einwilligung, die erforderlich war, da zwischen Deutschland und Chile kein Auslieferungsvertrag besteht, wurde Drews dann am 11. Januar 1904 auf den deutschen Dampfer „Slator" gebracht und am 3. März in Hamburg der Behörde über- geben. Drcws wollte den schweren Verdacht nicht auf sich sitzen lassen und hoffte im Gefühl seiner Unschuld auf eine schnelle Ans- klärung der Sache. Darin wurde er allerdings gründlich ge- täuscht; Monat um Monat verging nach der ersten und letzten Vernehmung, die am zehnten Tage nach der Einlieferung in Berlin erfolgte, ohne daß Drews über die Angelegenheit irgend- welche Aufklärung erhielt. Die Qualen, die der Gefangene in dieser Zeit ausstand, können unmöglich geschildert werden; wer den Un- glücklichen heute sieht, kann sich vorstellen, welche nervenzerrüttende Wirkung die monatelang erlittene Tortur auf ihn ausgeübt hat. Aber nicht allein dies kommt in Betracht, Drews hat durch das Unglück, das die deutsche Justiz über ihn verhängt hat. auch all sein Hab und Gut eingebüßt. Als er seine neue Heimat in Chile verließ, hatte er ein gutgehendes Geschäft, das jetzt selbstverständlich zerstört ist, dann kam noch hinzu, daß ihm beim Transport von Jquique nach der Hauptstadt sein bares Geld im Betrage von 400 Pesos, sowie eine Anzahl Wert- und Kleidungsstücke gestohlen wurden. Eine Ver- folguug der Diebe, die der Verhaftete erbat, wurde auf das lässigste betrieben und blieb ohne Erfolg; die Behandlung, die man ihm drüben in den Gefängnissen angedeihen ließ, war in jeder Hinsicht entsetzlich. Tie seelischen und körperlichen Leiden des Gefangenen steigerten sich von Tag zu Tag; sein Schicksal blieb, wie gesagt, auch in Deutschland monatelang im ungewisien. Endlich, am verflossenen Donnerstag, erhielt Drews nach genau dreizehnmonatiger Unter- suchungshaft die Nachricht, daß das Verfahren gegen ihn eingestellt und er entlassen sei. Interessant ist nun, wie der Unglückliche bei seiner Entlassung behandelt wurde. Er hatte keinen Pfennig in der Tasche, war völlig auf sich allein angewiesen und konnte nun schen, wie und wo er seinen Hunger stillte. Als er im Gefängnis darum bat, doch wenigstens seine beiden schweren Koffer nach der Wohimng seiner alten Mutter zu schaffen, bedeutete man ihm, doch selber für den Transport zu sorgen; er könne ja den Geldbetrag, den er dafür bei der Paketfahrt zu zahlen habe, vom Justizfiskus später— einklagen. Was soll nun aus dem unschuldig verhafteten Manne werden, der einem nach mehr als einer Richtung hin bedenklichen Justiz- irrtum zum Opfer fiel, der alles, was er hatte, auf- geben mußte, und jetzt als ein Bettler dasteht, krank, elend und wahrscheinlich auf lange Zeit arbeitsunfähig? Das seelische Elend, das über den Unglücklichen verhängt wurde, läßt sich durch keine noch so hohe Geldsumme wieder gut machen. Sollte aber, trotzdem wir heute noch kein Gesetz haben, das den Staat zur Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft verpflichtet, der JustizfiSkus wirklich nicht eine größere Summe locker machen können, um so den ins Elend gestürzten Mann vor dem Aeußersten zu bewahren? Wer trüge die Schuld, wenn der Arme, der eine entsetzlich lange Zeit unschuldig unter furchtbarem Verdacht leiden mußte, jetzt aus Hunger wirklich zum Verbrecher würde? Wenn man sein Kind der Waisenpflege anvertraut, dann muß man sich auf mancherlei gefaßt machen. Der„Vor- wärts" hat sich wiederholt genötigt gesehen, über recht böse Vor- kommnisse zu berichten, die mit solchen Kindern passiert waren. Heute meldet man uns einen neuen Fall, der Beachtung verdient. Er ist weniger schlimm als die früher mitgeteilten, aber auch er zeigt aufs neue, wie schwer die Waisenverwaltung und ihre Organe es den Eltern machen, mit ihren der Waisenpflege überlas senen Kindern in Verbindung zu bleiben und jederzeit über das Schicksal der Kinder unterrichtet zu sein. Eine alleinstehende Schneiderin hatte ihr außerehelich geborenes Kind, einen Knaben, in das Berliner Waisenhaus geben müssen. Anfänglich hatte sie den Kleinen, da sie ihn wegen ihrer Erwerbs- arbeit nicht bei sich behalten konnte, gegen Pflegegeld in Privatpflege untergebracht. Da aber das Kind hierbei nicht gedieh und in kurzer Zeit durch drei verschiedene Pflegestellen gehen mußte, so drangen der Vormund und der zuständige Armenkommissiousvorsteher auf Unterbringung im Waisenhause. Dort war es dann endlich gut auf- gehoben— so dachte wenigstens die Mutter. Sie gehörte jedoch nicht zu jenen Müttern, die froh sind, sich um ihr Kind nicht mehr kümmern zu müssen, sondern besuchte es jeden Sonntag ini Waisen- Hause in der Alten Jakobstraße. Als sie aber letzten Sonntag wieder dorthin kam. teilte man ihr in geschäftsmäßig kühlem Tone mit, das Kind sei nach dem Waisenhaus Rummelsburg gebracht worden.„Ja. aber warum denn?" fragte die überraschte Mutter.„Gesundheits- halber", erwiderte man ihr;„wir haben eine ganze Menge Kinder nach Rummelsburg verlegen Minsen, Ihr Junge war auch dabei." Zu einer sofortigen schriftlichen Benachrichtigung der Mutter hatte eS nicht gelangt. Da wartete man erst, bis sie selber kam und vor das leere Bett hintrat. Die Mitter konnte nun an diesem Tage nicht mehr nach Rummelsburg hinausfahren, dazu war es bereits zu spät. Z u spät war es leider auch in einem andren, recht traurigen Sinne des Wortes; denn der Knabe war schon an demselben Sonntag- morgen in der Rummclsburger Anstalt gestorben. Hatte mau in Rummelsburg nicht rechtzeitig erkannt, daß das Kind in Lebens- gefahr schwebte? Oder hatte es auch dort nicht dazu gelangt, der Mutter eine Benachrichtigung darüber zukommen zu lassen, daß das Kind schwer krank war? Beamtenfedern schreiben langsam, das haben ja verschiedene vom„Vorwärts" mitgeteilte Vorkommnisse aus der Berliner Gemeindeverwaltung gezeigt. In dem vorliegenden Falle schrieben sie selbst nach dem Tode des Kindes noch so längsam, daß nicht einmal die Todesnachricht sofort abging. Erst am Montagabend bekam die Mutter den Brief, der am Montag- nachmittag(Stempel 4—5) aufgegeben war. Nim wußte sie's ganz genau, warum man ihr Kind nach Rummelsburg verlegt hatte. Macht denn das viel aus— so wird man uns hier einwerfen — ob die Nachricht sofort oder einen halben Tag später eintrifft? Nein, viel macht das nicht aus. wenigstens nicht für die Waisen- Verwaltung. Aber viel, sehr viel macht eS aus für die Mutter. Wir haben eine ganze Reihe von Fällen� kennen gelernt, in denen die Nachricht von dem Tode solcher Personen, die einer städtischen Anstalt übergeben worden waren, mit Verzögerung au die An- gehörigen gelangte. In den Bureaus der Gemeindeverwaltung mag man es als kleinlich empfunden haben, daß wir überhaupt davon Notiz nahmen. Die Augehörigen aber haben uns in der Regel erklärt, daß sie die Verzögerung als eine Herzlosigkeit empfanden. Das Urteil ist hart und gewiß ungerecht. Aber be- greiflich werden dieses Urteil die finden, die schon mal in gleicher Lage waren und dabei die Langsamkeit der Beamtenfedern kennen gelernt haben._ „In freien Stunden". Illustrierte Wochenschrift für das arbeitende Volk. Heute gelangt Heft 35 dieser Zeitschrift zur Aus- gäbe. Es bringt die Fortsetzung des Ronians„Der Jesuit" von C. Spindler; ferner die Fortsetzung der Erzählung„Ein Rekrut" von Erckmann-Chatrian, außerdem im Feuilleton„Ein königlicher Brief über die Ehe" sowie„Dies und Jenes" und„Witz und Scherz", die den Inhalt des Heftes vervollständigen. Jedes Heft kostet 10 Pf. und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen. „Wider die Pfaffenherrschaft", Kulturbilder aus den Religions» kämpfen des 16. uich 17. Jahrhunderts, reich illustriert mit Bfö«« tittb Dokumenten aus der Zeit. Heft 20 de? Werke?, da? uns bor- liegt, enthält die Fortsetzung des 11, Kapitels:„Der Ausgangspunkt der Reformation". Der Verfasser schildert darin u. a. das gemein- schädliche Treiben des Ablaßhandels, daß in den sächsischen und brandenburgischen Landen durch den berüchtigt gewordenen Ablaß- Händler Tetzel ausgeübt wurde. Er schildert aber auch die innige Gemeinschaft zwischen päpstlichen und sürstlichen Höfen, die im Namen der christlichen Kirche gemeinsame Raubzüge auf die Taschen des Volkes unternahmen. Die Darstellungen des Verfassers werden in wirksamer Weise durch die Illustrationen unterstützt, von denen wir in dem vorliegenden Heft finden:„Ein berühmtes Flugblatt über den Ablaßkrämer Tetzel",—„Eine Ansicht von Wittenberg aus dem IS. Jahrhundert",—„Martin Luther als Augustinermönch", einen „Ablaßbrief" und endlich eine allegorische Verherrlichuua des Sieges Huttens über Rom. Jedes Heft kostet 20 Pf. und ist in jeder Buchhandlung zu haben. Abonnenten können jederzeit eintreten und die erschienenen Hefte nachbeziehen. Die Eiseiilmhilbriirtc, die von der Mühlenstraße über die Spree nach der Köpnickerstraße hinüberführt, ist von 12 Uhr nachts bis 6 Uhr morgens für den öffentlichen Verkehr gesperrt, weil in diesen Stunden von der Schlesischen Bahn aus Äohlcnzüge über die Brücke hinweg durch die Eisenbahn- und die Skalitzerstraße nach den Gas- anstalten der Gitscknnerstraße befördert werden. Die Sperre wird nun endlich in diesem Jahre aufgehoben werden, sobald erst der Anschluß des Kohlengeleises an die Gütergeleise der Görlitzer Bahn ausgeführt ist und die Kohlengeleisestrecke von der Skalitzerstraße bis zur Schlesischen Bahn überflüssig wird. Auf dem Gelände der Görlitzcr Bahn sind die erforderlichen Arbeiten bereits beendet, es muß jetzt nur noch in der Skalitzerstraße der Geleiseanschluß bewirkt werden. Die Aufhebung der Brückensperre wird den Bewohnern des Ostens und des Südostens eine große Erleichterung bringen. Zahlreiche Arbeiter des Stralaucr Viertels und der äußeren Luisenstadt, die des Morgens auf ihrem Wege zur Arbeit die Brücke in der einen oder in der andern Richtung benutzen möchten, waren bisher zu weiten Umwegen über die Schillingsbrücke oder über die Oberbaum- brücke genötigt. Schillingsbrllcke und Oberbaumbrücke sind Ih/z Kilometer von einander entfernt, und die Eiscnbahnbrücke liegt genau in der Mitte dieser Strecke. Amerikanische Hochstapler. Ein Schwindlerpärcheen wird von der Kriminalpolizei gesucht. Es handelt sich um betagte Leute, den 71 Jahre alten Chemiker Emil de Soubageon und seine 61 Jahre alte Frau Marie geborene Bornhold. Das Pärchen trat als Dr. Edmund und Frau Martha de Lonvage auf. Der Mann erzählte, daß er amerikanischer Staatsbüger sei und in Amerika große Be- sitzungen habe. Aus diesen habe er meist Einkünfte, die ihm regel- mäßig durch das hiesige amerikanische Konsulat zugingen. Die Schwindler mieteten immer nur auf ganz kurze Zeit unter der Vor- spiegelung, daß sie bald eine Reise antreten wollten. Dadurch ver- anlaßten sie die Wirte, von ihrer polizeilichen Anmeldung Abstand. zu nehmen. Sobald sie sich aber nach dieser Richtung sicher fühlten, verschoben sie die Abreise von einem Tage zum andern, um endlich, wenn die Ziechnung für Wohnung und Verpflegung hoch genug auf- gelaufen war, spurlos zu verschwinden und ein neues Opfer zu suchen. Ebenfalls unter Vorspiegelung ihrer amerikanischen Reich- tümer schwindelten sie Geschäftsleuten bares Geld und Brillant- schmucksachen ab. Ende vorigen Monats wurde das Pärchen noch in Berlin gesehen, und es hält sich ohne Zweifel auch jetzt noch hier in irgend einem Privatquartier auf. Souvageon ist ein sehr zier- liches, kleines, fast vertrocknetes Männchen, kaum 1,55 Meter groß und hat nur noch einen Kranz von weißem Haar und einen weißen Schnurrbart. Seine Frau hat eine große, gerade Gestalt und weißgraues Haar(Tituskopf). Sie ist etwa 1,60 Merer groß. Mitteilungen nehmen die Revierpolizei und die Stiminalpolizei im Zimmer Nr. 330 des Polizeipräsidiums entgegen. Ein Unternehmer im Betriebe tödlich verunglückt. Ein Betriebs- Unfall mit schrecklichen Folgen ereignete sich Freitagmittag 12 Uhr in der Metallwaren- Fabrik von Kollos u. Bantje in der Alten Jakobstr. 24, deren alleiniger Inhaber Herr Wilhelm Bantje war. Der Galvaniseur Wester wollte einen Ballon Salpetersäure an dem Hänge-Apparat befestigen, doch glitt das schwere Gefäß ihm aus den Händen und zerbrach. Tie giftigen Dämpfe erfüllten sofort den Raum und wurden besonders gefährlich dadurch, daß sie überall das umherliegende Metall zerfraßen. Der Inhaber der Fabrik beteiligte sich selber eifrig an der Beseitigung der Gefahr, indem er gemein- sam mit den Arbeitern Sand auf die Säure warf. Die Hoffnung des Herrn Bantje. ohne Hilfe der Fencrwchr dem Unheil wehren zu können, erfüllte sich allerdings nach außerordentlichen An- strengungen, doch mußte der Unternehmer seinen Opfcrnmt mit dem Leben bezahlen. Er hatte so viel von den giftigen Dämpfen ein- geatmet, daß er bereits am Nachmittag um 5 Uhr unter gräßlichen Qualen starb. Auch mehrere der Arbeiter sind erkrankt, doch soll für sie zum Glück keine Lebensgefahr vorliegen. Herr Bantje war 45 Jahre alt und hatte als Junggeselle eine Chambregarnie-Wohnung im Hause Alte Jakobstraße 17 inne. Jir seiner Fabrik, in der vor- nehmlich Schirmgriffe hergestellt wurden, waren 20 Arbeiter be- schästigt. Ein Mord und Selbstmord werden auS der Lehrterstraße gemeldet. In dem Hause Nr. 55 wurden gestern vormittag der Pförtner Künicke und seine Eheftau in ihrer Wohnung tot auf- geftmden. Die Leute lebten in schlechten VermögeiiSverhältniffen, nachdem sie früher bessere Tage gesehen hatten. Als sie sich gestern vormittag nicht sehen ließen, öffnete man ihre Wohnung und machte eine schreckliche Entdeckung. Künicke hatte seiner Frau mit einem Beile den Schädel eingeschlagen und ihr dann noch mit einen, scharfen Messer den Hals abgeschnitten. Nachdem sie an Verblutung gestorben war, hatte er sich in der Küche erhängt und ebenfalls den Tod gefunden. Die Leichen blieben zur Feststellung des That- bestandes und zur Aufnahme des Befundes durch die Kriminal- Polizei und eine Gerichtskommission einstweilen noch in der Wohnung. Die Veranlassung zu der Blutthat ist in zerrütteten Vermögens- Verhältnissen zu suchen. Der Pförtner Wilhelm Künicke war 40, seine Frau Elise geborene Zilmeyer 48 Jahre alt. Das Ehepaar hatte vier Kinder im Alter von 7 bis 27 Jahren, die alle bei den Eltern wohnten. Künicke besaß früher das Fischergut Gabow bei Freienwalde i. M.. das er von seinen Eltern geerbt hatte. Vor zehn Jahren parzellierte und verkaufte er es. Da er glaubte, hierbei übervorteilt zu fein, so führte er einen kostspieligen Prozeß, den er erst im ver- gangenen Jahre endgültig verlor. Unterdessen war er mit seiner Familie nach' Berlin gekommen. Hier hatte er zunächst eine Molkerei in der Görlitzerstraße und dann in der Prinzen- allee ein Fuhrgeschäft. Dieses mußte er im vergangenen Jahre aufgeben, nachdem ihn, der Anwalt seines Prozeßgcgners Juftrzrat Ottmann in Freienwalde sechs Pferde und vier Arbeitswagen ab- gepfändet hatte. Künicke übernahm darauf am 1. Oktober v. I. d,e Pförtnerstelle im Hause des Rentners Müller in der Lehrterstr. 55. Er war seitdem stets verdrießlich und levensüberdrüssig. Vorgestern abend hatten die Kinder, als sie ausgingen, ihre Eltern um 8 Uhr zuletzt gesehen. Bei ihrer Rückkehr waren sie verschwunden. Gestern morgen nahmen sie die Hilfe der Revierpolizei in Anspruch, die gleich vennutete, daß sie sich in der Wohnung des verreisten Hauswirts eingeschlossen hätten, weil sie den Schlüssel dazu besaßen. Diese Vermutung bestätigte sich. Die Frau lag blutüberströmt auf dem Flur der Wohnung, der Mann hing in der Küche als Leiche an einem Haken. Die Toten wurden gestern nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr nach dem Schaubause gebracht. Stolz lieb ich den— Ungarn. Ein pikantes Vorspiel hatte ein Konzert, das gestern die ungarische Kapelle von Vörös Miska im Saal des Neuen Stadtthcaters in Spandau gab. Ter Wirt hatte die Künstler auf den Plakaten, in den Annoncen und auf dem Programm als Zigeuner bezeichnet, und Vörös Miska selbst den„berühmten Zigeuner" genanist. Als hiervon die Kapelle bei ihrer Ankunft im Konzertsaal Kenntnis erhielt, weigerte sie sich, zu spielen und war nach kurzer Beratung zu dem Entschluß gekommen, die bereits zu- rechtgelegten Instrumente wieder einzupacken und nach Berlin zurückzukehren. Dem Wirt war inzwischen die Verzögerung im Beginn des Konzertes aufgefallen, und ans seine Frage nach der Ursache wurde ihm die Absicht der Kapelle mitgeteilt. Die Künstler waren von ihrem Vorhaben schließlich nur dadurch abzubringen. daß der Wirt von der Bühne herab dem erschienenen Publikum in einer Ansprache auseinandersetzte, mm, habe hier keine Zigeuner- kapelle vor sich, wie er die Künstler in seinen Ankündigungen irrtüm- lich bezeichnet habe, sondern diese seien— Ungarn. Nachdem den Künstlern auf diese Weise in ihrer nationalen Empfindung die ge- forderte Genugthuung geleistet worden, ging das angesagte Konzert von statten. Ein schwerer Straßenbahiiuilfall ereignete sich gestern nachmittag in der Potsdamerstraße. Der in der Rankestraße 7 wohnende Kauf- mann Langfeder wollte gegen 6 Uhr vor den, Hause Potsdamer- straße 27 den Fahrdamm überschreiten und befand sich etwa fünf Schritt vom Bürgerstetg entfernt, als plötzlich hinter einer Droschke bervorbicgend ein Radfahrer herangesaust kam. L. wollte dem Radler ausweichen und rannte blindlings gegen die Seitenwand de§ in demselben Augenblick vorbeifahrenden Straßenbahnwagens 2305 der Linie 57, wurde zurückgeschleudert und stürzte neben dem Wagen zu Boden. Der Verunglückte wurde nach dem Elisabeth-Kranken- Hause gebracht, woselbst ein schwerer Schädelbruch sowie äußerliche Verletzungen festgestellt wurden. Das rätselhafte Verschwinden des Einjährig-Freiwilligen Wilhelm Weber, über welches bereits berichtet wurde, beschäftigt fortgesetzt die Kriminalpolizei, da mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß der Verschwundene einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein kann, um so mehr, als trotz der weitgehendsten Nachforschungen auch nicht das geringste Lebenszeichen von dem seit fünf Monaten vermißten Soldaten zu erlangen war. Weber, der am 1. Oktober v. I. bei der 12. Compagnie des 2. Garde-Regiments zu Fuß als Einjähriger eingereiht worden war, hatte sich dienstlich stets gut geführt. Er hatte ein möbliertes Zimmer im Hause Schumannstratze S inne, lebte sehr zurückgezogen und hielt nur Verkehr mit einem Regimentskameraden, der in demselben Hause wohnt. Am 30. April d. I. bezahlte Weber die fällige Miete sowie die von der Wirtin gemachten Auslagen und entfernte sich dann aus der Wohnung mit der Erklärung, daß er einen Ausflug nach den, Spreewald machen wolle. Seit dieser Zeit ist der junge Mann spurlos verschwunden. Es konnte bisher nicht einmal fest- gestellt werden, ob Weber den Weg nach dem Spreewald angetreten hat. Bei seinem Fortgange aus der Wohnung trug der Vermißte Civilkleidnng. Von seinem Eigentum hat er nichts mitgenommen Eine Flucht Webers erscheint schon um so unwahrscheinlicher, als er keine Schulden gehabt, nur wenige Geldmittel bei sich führte. und auch sonst nicht die geringste Veranlassung zur Flucht vorlag. Abgesehen von seiner Taschenuhr führte W. auch keinerlei Wertsachen bei sich. Auf die Ermittelung des Vermißten ist, wie bereits mitgeteilt wurde, eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt. Mitteilungen nimmt jede Polizeibehörde� sowie der Vater des Verschwundenen, Herr Weber, Müuchen-Gladbach, Friedrichstraße 23. entgegen. Das gestohlene Pferd. Als der Fuhrherr H. gestern aus einem Straßenbahnwagen die Hascnheide durchfuhr, bemerkte er vor dem Wagen eines Produktenhändlers ein Pferd, welches ihn, vor etwa sechs Wochen gestohlen worden war. Der Fuhrherr stieg sofort ab und erfuhr nun von dem gegenwärtigen Besitzer des Tieres, daß er das Roß zum Preise von 300 M.— das Pferd ist 500 M. wert— von einen, Handelsmann H. gekauft habe, der gelegentlich mit Pferden handle. Die Angaben des Produktcnhändlers erwiese» sich als richtig. Der Geschädigte stellte fest, daß der Handelsmann H zuletzt in Britz eine Schlafftelle inne hatte und öfter Stallungen mietet, in denen er ab und zu Pferde einstellt. Wie die nunmehr benachrichtigte Kriminalpolizei ermittelte, ist der Pferdehändler ein Mann, der jedenfalls aus guten Gründen sein Logis recht häufig wechselt und auch jetzt wieder eine neue Wohnung genommen hat, ohne bei seiner bisherigen Wirttn die neue Adresse anzugeben. Die Polizei forscht nun eifrig nach dein gegenwärtigen Aufenthaltsort des geschäftstüchtigen Handelsmanns, der die Pferdediebstähle an- scheinend gewerbsmäßig betreibt. Die gesicherte Existenz. Durch einen Sturz vom Dache hat sich der 45 Jahre alte Klempner Karl Roland aus der Franseckistr. 44 das Leben genoinmen. Roland fiel vor l'/z Jahren auf einem Neu- bau aus dem ersten Stock herab, litt seitdem am Kopf und hatte nur wenig Arbeit. Da auch seine Unfallreute nur gering war. so ging eö ihm und seiner Familie schlecht. Gestern mittag besuchte er auf dem Bau Stettinerstr. 56 einen Freund, der ihn zum Mittag- essen mitnehmen wollte. Bis dahin schlief er eine Zeitlang auf den, Dache. Als dann der Meister seines Freundes aus das Dach kam, stand er a»f und stürzte sich, Ivohl in einem Anfalle seines Kopf leidens, auf den gepflasterten Hof hinab, wo er mit gebrochenem Schädel tot liegen blieb. * Ein Palctotdicb wurde am Freitagabend im Cafo Kerkau auf frischer That ergriffen. In dein Cafe waren schon mehreren Gästen Ucberzieher und wertvolle Spazierstöcke weggekommen, Am Freitage abend wurde der 20 Jahre alte ledige Agent Ritzewoller ertappt, als er mit einem fremden Kleidungsstück verschwinden wollte. Jetzt erinnerte man sich, daß dieser Mann jedesmal dort gesessen hatte, wo ein Gast später seinen Ueberzieher oder Stock vergeblich wieder suchte. Es wird daher wohl richtig vermutet, daß er auch die früheren Diebstähle verübt hat, zumal da man noch mehrere Pfandscheine über versetzte Ueberzieher bei ihm fand. Grosifeuer in einem KonfektionShause. Ein beträchtlicher Brand kam am Sonnabendmittag in der Jerusalemerstraße 10/20, gegen- über der Kronenstraße, unmittelbar über dem ehemaligen Eafö Central, aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. SUS die Feuerwehr um 3 Uhr an der Brandstelle erschien, stand das erste Stockwerk, das von der Konfetti onSfirma S. Roscnthal benutzt wird, schon in großer Ausdehnung in hellen Flammen. Das Feuer soll während der Mittagspause im Büglerraum entstandeil sein, angcb- lich durch eine Gasexplosion. Gegen diese Angabe spricht, daß die Gasleitung im Keller bei Ankunft der Feuerwehr schon ab- gesperrt war. Der Brandherd lag in den Räumen, die unmittelbar an den Konzertgarten der Reichshallen grenzen, ttn- geheurer Oualm wälzte sich von dort über den Garten nach dem Spittelmarkt zu. Die Flainmen hatten sich von dem Büglcrrau», mit großer Schnelligkeit den Lager- und Packräumen, die sich Huf- eisensörmig anschließen, mitgeteilt und schössen aus den Thüren und Fenstern nach dem Hofe und den, hinteren Aufgang, der dadurch unpassierbar wurde. Zum Glück war niemand mehr in den Räumen. Die Feuerwehr unter Leitung des Brandmeisters Rohnstock war in wenigen Minuten mit den vier Zügen der ftinsten Compagnie an der Brandstelle versammelt und ging gleich mit zehn Schlauchleitungen. die zun, Teil von drei Dampfspritzei, gespeist wurden, kräftig vor. Innerhalb einer halben Stunde hatte die Feuerwehr soviel Terrain gewonnen, daß der Branddirektor Giersberg die in- zwischen von andren Compagnien eingetroffenen Züge wieder ab- rücken ließ. Im zweiten Stock brannten schon die Fensterlrenze, alle Fensterscheiben waren geplatzt und die Räume mit undurch- dringlichem Qualm gefüllt. Dies hielt aber die braven Feuer- männcr nicht ab, in diese über dem Brandherd liegenden Räume einzudringen und sie zu schützen. Diese und das Erdgeschoß haben nur durch Wasser gelitten, dagegen sind die Räume im ersten Stock im Ouergebände und den beiden Seitenflügeln zum größten Teil ausgebrannt. Der Schaden ist bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt. Verbrannt sind anßer den Immobilien Mäntel, Jacketts, Stoffe, Packmaterial u. a. Der Brand muß übrigens, bevor er der Feuerwehr gemeldet worden ist, schon eine Weile in den Nänmen gewütet habe», denn es erscheint ausgeschlossen, daß ein Brand in wenigen Minuten eine solche Aus- dehnung erlangen kann. — Die Mlchceiitrale bittet uns um Aufnahme fokgenber Mit- teilung:„Zu der Meldung wegen der polizeilichen Haussuchungen bei Berliner Milchhändlern muß hinzugefügt werden, daß seit Be- ginn des Milchkrieges bei etwa 120 Milchhändlern und Molkerei- besitzern von Berlin und Umgegend rund 700 Milchkannen der Milchcentrale gefunden worden sind, die mit einem Geheimzeichen bereits in der Fabrik versehen wurden, so daß unser Ober- Kontrolleur in jedem Fall das rechtmäßige Eigentum der� Milchcentrale sofort nachweisen konnte. Die Hilfe der Polizei mußte des- halb vielfach in Anspruch genommen werden, weil die betreffenden Milchhändler die Herausgabe der Kannen verweigerten. Eine größere Anzahl von Milchhändlern Berlins und in den Vororten wurde wegen Diebstahls dieser Kannen der Milchcentrale mit Gefängnis bis zu vier Wochen oder mit Geldstrafen bis zu 100 M. bestraft. Augenblicklich schweben wieder bei der Staatsanwaltschaft etwa 20 Anzeigen gegen Milchhändler wegen gestohlener Kannen, die der Centtale gehören, Feuerbcricht. Neben dem Großfeuer in dem Konfektionslager von S. Rosenbanm in der Jerusalemerstr. 10/20 hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch einen zweiten größeren Brand in der Pankstraße und außerdem noch eine Reihe Kleinfeuer zu beseitigen. Gestern vormittag bald nach 9 Uhr kam im Hause Pankstr. 22 auf noch nicht ermittelte Weise in einen den, Fabrikgebäude gegenüber- stehenden Schuppen, der zum Teil als Remise, zum Teil als Pferde- stall dient, ein Feuer aus. das sich mit ungewöhnlicher Schnelligkeit ausbreitete. Als der 16. Löschzug eintraf, stand schon der größte Teil des Schuppens in Flammen. Das eine Pferd, das bei Aus- bruch des Brandes sich in der Stallung befand, konnte vor Eintreffen der Wehr von den, Kutscher und von Hansbewohnern nur mit knapper Not und nur mit der größten Anstrengung herausgeholt werden, da es sich wie rasend geberdete. Die Wehr ging sofort energisch vor und beseitigte die Gefahr innerhalb einer halben Stunde. Der Schuppen ist indes zu seinem größten Teile aus- gebrannt.— In der PallaSstr. 17 hatten im dritten Stock des Seitenflügels in einer Wohnung Möbel, Decken und Kleidungsstücke Feuer gefangen, während in der Alexandcrstr. 62 allerlei Gerumpel brannte. Ein zweiter Wohnungsbrand mußte abends in der Elbinger- straße 71 beseitigt werden.— Alle übrigen Alarnnerungen waren auf„blinden Lärm" zurückzuführen.— Luiscn-Theater. Während unsre ersten Theater ihr Publikum zum Teil mit sauber hergerichtete» Ricbtigkeiten ergötzen, macht man sich in der Reichenbergerstraße an ein Werk heran, vor dessen Aufführung. sonst jeder Bühnenleiter mächtigen Respekt hat. Shakespeares� „Julius Cäsar" ist nämlich gestern als erste Vorstellung der! neuen Saison gegeben worden. Daß ein solches Drama an diessQ Bühne bis ins einzelne vollendet dargestellt wird, darf niemand ver- laugen: aber hohe Anerkennung verdienen der Fleiß und der Eifew mit dem alle Mitwirkenden ihrer Aufgabe zu genügen suchten. So kam denn im ganzen eine Vorstellung zu stände, die sich wohl sehen lassen konnte und dem Lnisen-Theater zur Ehre gereicht. Herr Ottomeyer als Cäsar, Herr Böhm als Brutus, der Darmstädter Hofschauspieler Herr Slonker als Antonius. Fräulein Benckendorf als Portio, um nur wenige der vortrefflichen Darsteller zu nennen, sie alle thatcn ihr Bestes und eröffneten so im tüchtigen Ensemble ihrem Publikum das Verständnis für eines der schwierigsten Dramen des großen Briten. Dem Berliner Zoologischen Garten hat Herr Regierungs- apotheker Willems aus Bangkok in Siam unter einer großen An- zahl andrer Tiere eine Fisch eule zum Geschenk gemacht. Dieser hier noch nie gezeigte Vogel erinnert an Größe und Färbung an unsren Uhu, hat auch dieselbe leuchtende Angenfarbe und die hohen Federohren, ist aber von allen andren Eulen durch die hohen, un- vesiederten Beine unterschieden. Dadurch bekommt das Tier etwas auch für den Laien sofort Auffallendes, und die paarige Zehen» stellung tritt äußerst deutlich hervor. Wie bei den echten Adlern auch die Fischräuber allein unbefiederte Fänge haben, so auch hier: Die K e t u p a, wie ihr eingeborener und wissenschaftlicher Name lautet, macht hauptsächlich Jagd auf Fische und Krabben, verschmäht aber auch andres Wild nicht. Der seltene Siamese ist der Eulen- galcrie hinter den Raubvögeln eingereiht. Hub den Kacbbarorten. Schöneberg. Unsre Parteigenossen machen wir darauf auf« merksam, daß die neuen Wählerlisten noch heute, Sonntag, von 11 bist Uhr im Bureau des Stattstischen Amtes, Bahnstt. 1/2, zur Einsicht auSIiegen. Reklamationen müssen also bis spätestens den 30. Augnst beim Magistrat eingereicht sein.— ES sind 20 354 Wähler eingetragen, die zusammen beinahe drei Millionen Mari Steuern zahlen: im Durchschnitt entfallen auf jeden Wähler 145,12 M. gegen 136,13 M. im Vorjahre. Der Hölhstbesteuerte hat in diesem Jahre 47 434,15 M. Steuern zu entrichten, oder um 5907,50 M. inehr als im vorigen Jahre. Die erste Wählerabteilung mit 611 Wählern bringt 1 169 079 M. Steuern, die zweite Abteilung mit 3233 Wählern 1 188 320 M. Stenern und die dritte Abteilung mit 16 510 Wählern 614,828 M.(wohlgemerkt direkte Steuern I) ans. Auf einen Vertreter der ersten Abteilung kommen mithin kaum 31 Wähler, in der zlveiten Abteilung schon gegen 162 Wähler und auf einen Vertreter der am uiedrigsteu veranlagten Steuerpflichttgen gar 826. Gegenüber den letzteren hat der Angehörige der ersten Abteilung eine 28mal und derjenige der zweiten Abteilung ein fllnftnal größeres Wahlrecht. Die„Vorzüglichkeit" und„Gerechtigkeit" eines Wahlsystems mit solchen Vorzügen wird hierdurch kraß illustriert.— Durchschnittlich entrichtet der Wähler der ersten Abteilung 1914 M., der zweiten 362 M. und der dritten Abteilung 37 M. an Steuern. Daß die höheren Einkommen eigentlich immer noch zu wenig belastet sind im Verhältnis zu den Proletariereinkommen, besonders im Orte der Millioncnbauern, dürfte einleuchtend sein.— Die Durchschnittsbeträge sind gegen das Vorjahr erheblich gestiegen, sie machten aus 1806,05 bezw.'344,77 bezw. 35,48 M. Die Zahl der Wähler hat sich um 1690 vermehrt. Von den über l'/a Millionen Mark betragenden Staatssteuern entfallen in diesem Jahre auf die Ein- kommcnsteuer I 335 000 M. und auf die ErgänzungSfteuer 165 858 M. Die Konrmunalsteuern betragen 1 453 262 M., hiervon entfallen auf die Personalsteuern 973 583 M. und auf die Realsteuern 479 679 M. Die Staatssteuern sind seit dem vorigen Jahre um rund 210 500 M. und die Koinmunalsteuern um rund 203 000 M. gesttegen. Polizeimißgriff in Potsdam. Ein peinlicher Vorfall ereignete sich auf dem Jahrmarft zu Potsdam und rief unter den Besuchern große Auftegung hervor. Die Gattin eines in Potsdam ansässigen Buchhalters hatte auf dem Jahrmarkte verschiedene Einkäufe gemacht und war im Begriff nach Hanse zu gehen, als sie plötzlich von dem Kriminalbeamtrn G. angehalten wurde. Der Beamte erklärte der Dame, daß sie an einein bestimmten Stand Waren gekauft, aber das Bezahlen vergessen habe, und wollte die Sistierung der angeb- lichen Diebin belvirken. Die Frau wies die gegen sie erhobene Anschuldigung enttüstet zurück und begab sich mit dem Beamten nach dem Stand, woselbst �sie ihre Einkäufe besorgt und, wie der Ver- käufer erklärte, regulär bezahlt hatte. Der Schutzmann entschuldigte ich damit, daß auf seine entsprechende Anfrage der Verkäufer ihm vorhin erklärt habe, daß die Waren nicht bezahlt seien. Die schwer Beleidigte beabsichtigt, die Angelegenheit gerichtlich zu verfolgen. Spandau. Der Magistrat hat mit seinen Operationen, welche eine Besserung der städtischen Finanzen bezwecken sollten, wenig Glück. Bekanntlich hatten seiner Zeit die städtischen Körperschaften auf Vorschlag des Magistrats beschlossen, einen großen Teil der Stadtsorst sowie ferner die mitten der Stadt gelegenen ehemaligen Predigergärten" zu„versilbern", lvie der magistratsoffiziöse Aus- druck lautet. Die ca. 3000 Morgen große Stadtforst wurde dem Stadtverordneten und GrundstückS>pekulantcn Kleinfeld„an die Hand gegeben", und zwar zu einem derart niedrigen Preise, daß unsre Parteigenossen sich mit einer energischen Beschwerde an den Regierungspräsidenten wandten. Seitdem ist es merkwürdig still geworden in den Kreisen der bürgerlichen Stadtväter, man f)3vt wenig oder nichts von dem Forstverkauf, und es scheint verzweifelt, als sollten unsre Genossen mit ihrer Behauptung recht behalten, daß es am Ende Herrn K. schon damit gedient war, daß er öffentlich als Reflektant auf ein Millionenobjekt genannt werde, und daß er schließlich das lächerlich niedriae Reugeld von SOOV M. — welches am 1. Oktober eventuell verfällt— leicht opfern werde. Der 1. Oktober rückt immer näher und dürste vielleicht noch mancherlei� Ueberraschnngen bringen. Noch schlimmer geht es dem Magistrat mit dem beabsichtigten Verkauf der„Predigergärten". Trotz mehrfacher Ausschreibung und trotz der vorgeschlagenen Zerteilung des Terrains, Projektierung einer Straße uslv. wird aus dem Verkauf nichts, die Käufer bleiben aus. Sicherlich liegt dieses Mißlingen der Verkaufspläne aber im Interesse der Stadt, denn ein gleich vorteilhaft gelegenes Grundstück für die Errichtung städtischer Gebäude im Innern der Stadt, hat Spandau kaum noch aufzuweisen. Die Herren Stadträte werden sich schon gefälligst nach einem andren Mittel umsehen müssen, um z. B. die 700 000 M. Liebesgaben an den Eisenbahnfiskus tilgen und sich aus den Finanz- Schwierigkeiten herauszuhelfen. VemiseKtes. Aus Antwerpen wird uns über den Petroleumbrand in Ergänzung unsrer gestrigen Mitteilungen noch berichtet: Der Brand- Herd liegt auf dem zu Antwerpen gehörigen Hobokcn, wo große Petroleunilagerplätze errichtet sind. Das Feuer entstand dadurch, daß ein der American Petroleum Co. gehöriger Tank auS unbekannten Ursachen brach. Das Petroleum floß aus; es wurde durch das Feuer einer Feldschmiede entzündet, die für die im Bau begriffenen Tanks der Firma Lambert Rothschild errichtet war. In einem Augenblick brannten sämtliche Tanks der amerikanischen Gesellschaft und der durch die Herren Eiffe u. Co. vertretenen Petroleum- Produkte-Aktien-Gesellschaft Berlin. Am Nachmittag standen etwa vierzig solcher Tanks in Flanimen, deren jeder etwa drei Millionen Kilogramm Petroleum faßte. Der Gesamtschaden wird auf zehn Millionen Mark geschätzt. Ein Gerücht besagt, daß die Tanks der amerikcunschcn Gesellschaft nicht bei andren Vcrsicherungs- anstalten, sondern durch sogenannte Selbstversicherung gedeckt find. In diesem Falle würde die Firma, die von der Standard Oil Co. in New-Dork und der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft abhängt, einen beträchtlichen Schaden haben, während der Verlust der Petroleum-Produkte-Aktiengesellschaft durch regelrechte Versicherimg voll gedeckt ist. Am Nachmittage richteten sich die Anstrengungen der Feuerwehr darauf, das brennende Peiroleum nicht in die Scheide fließen zu lassen und so zu verhüten, daß zahlreiche Schiffe Brand- schaden erleiden. Es werde» iin ganzen acht Personen vermißt. Ein Telegramm vom Sonnabend besagt noch: Der durch die Petroleum-Explosion in Antwerpen verursachte Brand dauerte um 11 Uhr 45 Minuten nachts mit ungeschwächter Stärke fort. Die Hitze ist so groß, daß daS Straßenpflaster auf 25 Meter Entfernung glüht. Mehreren Arbeitern gelang es, sich, im Petroleum schwimmend, zu retten. Die Zahl der Toten wird nim auf sieben angegeben. Es geht das Gerücht, daß außerdem eine Frau mit ihren zwei Kindern sowie zwei weitere Arbeiter einer be- uachbarten Fabrik verbrannt sind. Außer englischen VersicherungS gesellschaften werden sich auch deutsche in den Schaden zu teilen haben. Das Feuer dürste einige Tage anhalten. Der Brand dauert heute nachmittag noch fort. Bis jetzt find S völlig verkohlte Leichen gesunden worden. Zwei Jahre lebendig begraben. Aus SoSnowitz wird der„Kattow. Ztg." folgendes Vorkommnis mitgeteilt: Die hiesige Bevölkerung wurde dieser Tage durch eine sensationelle Entdeckung in Auflegung versetzt. In dem Keller eines Hauses fand man ein 14jähriges irrsinniges Mädchen, das dort zwei Jahre gefangen gehalten worden war. Nach dem Tode der Mutter wollte der unmenschliche Vater durch daS unglückliche Kind nicht gebunden sein und beschloß mit Hilfe des Hausverwalters, sich desselben zu entledigen. Die beiden schleppten das Mädchen in einen dumpfen, feuchten, fensterlosen Keller, wo es die ganze Zeit, in elende Lumpen gehüllt, notdürftig genährt, gefangen gehalten wurde. Das Lager des armen Wesens war ein Faß mit nassem Stroh, in welchem es von Ungeziefer wimmelte. Als der Keller geöffnet wurde, sahen die Eintretenden ein menschen- ähnliches Wesen, das Haar verworren, von Ungeziefer und Wunden bedeckt, den Körver halb nackt, voll Schmutz, die Sprache hat das Kind verloren, es gurgelte und gab tierische Laute von sich. Beim Anblick des Tageslichts stürzte es zusammen, wand sich in Zuckungen und verfiel endlich in Besinnungslosigkeit. Gnibenunlück. Essen a. R., 27. August. Auf der Zeche „Konsolidation" stürzten ein Schachtmeister und zwei Schichtlöhner ab. Alle drei waren sofort tot. Waldbrand in Thnringen. AuS Rudolstadt, 27. August, meldet der Draht: Ein großer Waldbrand ist gestern abend aus den Höhen des Thüringer WaldeS bei der Ortschaft Quelitz auS- gebrochen. Der Brand wütet mit großer Heftigkeit und dehnt sich noch weiter aus. Der StaatSminister von Schwarzburg-Rudolstadt, Freiherr von der Recke, hat sich nach der Brandstelle begeben. Allgemeine Familien-Sterbekafie. Heute Zahltag: Ackerstraße 123 bei Diele und Marianncnftr. 48 bei Liebehenschel von 3-6 Uhr Arbeiter- Samariterkolonne. Morgen. Montag. 9 Uhr abend?, DrcSdenerstr. 45: Vortrag der praktischen Aerztin Frl. Dr. Pros« über Krankenpflege". Gäste willkommen. Neue Mitglieder können jeder Zeit eintreten Emichreibcgcld sowie Monatsbeitrag 25 Ps. Bibliothek stebt den Teilnedmern zur Verfügung.— heute nachmittag: Ausflug nach FriedrichS- telde. Trestpunkt 3 Uhr im Restaurant Bube. Prinzen-Allee 30. Neues Theater. Sonntagt Kabale und Liebe. Montag: Logik deS Herzens. Salome. Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch: Logik des Herzens. Salome. Donnerstag: Der Strom. Freitag: Kabale und Liebe. Sonnabend: Der Kammersänger. Salome. Sonntag: Der Strom. Montag: Kabale und Liebe. Deutsches Thenter. Sonntag bis Mittwoch: Geschlossen. DonnerS- tag: Troilus und Cressida. Freitag: Troilus und Crcssida. Sonnabend: Lad» WindrnnereS Fächer. Sonntag: Troilus und Cressida. Montag: Troilus und Cressida. Berliner Theater. Sonntag bis Mittwoch. Zapfenstreich.� Donners- tag: Götz von Bertichingcn. Anfang 7'/, Uhr. Freitag und Sonnabend: Zapfenstreich. Sonntag und Montag: Geschloffen. Lesstng-Theater» Sonntag bis Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Die Frau vom Meere. Freitag: Tic Frau vom Meere. Sonnabend: Rose Bernd. Sonntag: Die Frau vom Meere. Montag: Unbestimmt. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 2I/2 Uhr: Alt-Heidelberg. Sonntagabend: Mamzellc Nitouche. Montag und Dienstag: Liebeshandet. Mittwoch: Mamzelle Nitouche. Donnerstag: Der Freischütz. Ansang 7fl» Uhr. Freitag: Der Wildschütz. Ansang 7'/, Uhr. Sonnabend:' Der Troubadour. Sonnlag: Die Fledermaus. Ansang 7'/. Uhr. Montag: GaSparonc. Schilter-Tveater O.(Wallncr-Thcater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre Sonntagabend: Iphigenie. Montag und Dienstag: Mcdea. Mittwoch: Das HeiratSncst. Donnerstag und Freitag: Lodanniöfeuer. Sonnabend und Sonnlag: Pension Schöller. Montag: Johannisscuer. Sciiiller-Theatcr(Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Undinc. Sonntagabend: Die Jüdin. Montag: Der Troubadour.(BStel.) DienStag: Zar und Zimmermann. Mittwoch: Der Postillon von Lonjumeau.(Botel) Donnerstag und Freitag: Mcdea. Sonnabend uno sonntag: Jobannisfeuer. Montag: Medca. Residenz-Theater. Von Sonntag bis Freitag: Die 309 Tage. Sonn- abend bis Montag: Eine HochzeitSiiachl. Kleines Theater. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Des Pastors Ricke. Dienstag: Nachtasyl. Mittwoch: Des Pastors Nieke. Donnerstag: Elcktra. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Fräulein Julie. Sonntag: Eleltra. Montag: DeS PastorS Ricke. Triaiion-Thenter. Von Sonntag bis Freitag: Die Notbrücke. Sonn- abend bis Montag: Ihr zweiter Mann. Belle- Alliance- Theater. Von Sonntag bis Mttwoch: CharleyS Tante. Donnerstag bis Montag: Unbestimmt. Luisen-Thcater. Sonntag bis Mttttwoch: Julius Cäsar. Donnerstag bis Sonntag: Hasemanns Töchter. Montag: Julius Cäsar. Carl Weisi-Theater. Von Sonntag ab allabendlich: Der Weg zum Herzen. Slpollo-Theater. Allabendlich: Venus auf Erden. Specialitäten. Gebrüder Herrnfeld-Thcater. Allabendlich: Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Mctropol- Theater. Mabendlich: Ein tollcS Jahr.• Wintergarten. Lillab endlich: Tilly Lebe. Marcell Salzer. Spe- eialitäten. Rcichshalleu-Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Nrania-Theater. Taubcnsiraße 48/49. Sonntag: Die Weliaitsstellung in St. LouiS. Hieraus: An den Seen Ober-Jtaliens. Montag: Korea und die Koreaner. Dienstag und Donnerstag: Die Insel Rügen. Freitag: Die Weltausstellung in St. Louis. Hieraus: Der Gardasee. Paffage-Theater. La celle Gorgotte. Mocden-Spielplan der Berliner Cbcatcr. Kiwialiches Opernhaus. Sonntag: Mignon. Montag: Die Meister- finger von Nürnberg. Ansang 7 Uhr. Dienstag: Fra Diaoolo Mittwoch: -r-ic Enttührlma aus dem Serail. Donnerstag: Coppelia. Ansang 8 Uhr. Freitag: Die Walküre. Ansang 7 Uhr. Sonnabend: Die weige Dame. t?onntaä: Bajazzi. Coppelia. Montag: Carmen..,_ NeucS löiiigl. Opern-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Raftelbindcr. Sonntagabend: Die Geisha. Montag: Der Zigeunerbaron. Dienstag: Die schöne Helena. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag vis Montag: Geschloffen.___ — W. E. Die Höhe der Klcbemarken hängt von der Höhe des LohneS mid der Art der Krankenkasse ab, der der Versichcrungspslichtige angehört.— Marktpreise von Berlin am 26. August. Nach Eruüttelungen des kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppcl-Cenwer: Weizen"), gute Sorte 17,70-17,68 M., mittel 17,66-17,64 M., geringe 17,62—17,60 M. Roggen"), gute Sorte 13,90—13,89 Ä., mittel 13,88—13,87 M., geringe 13,86—13,85 M. Futtcrgcrste»), gute Sorte 14,60—14,00 M.. mittel 13,90 bis 13,40 M., geringe 13,30—12,30 M. Haser»), gute«orte 16,60—15,80 M., mittel 15,70—14,90 M., geringe 14,80—14,10 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speisebobneii, weiße 50,00— 26,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln. 12,00-.8,00 M. Richtstroh 4,50-4,00 M. Heu 9,60-6,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,80 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. Wafferstand am 26. August. Elbe bei Aussig— 0,94 Meter, bei Dresden— 2,28 Meter, bei Magdeburg— 0,08 Meter.— U n st r u t bei Straußfurt st- 0,60 Meter.— Oder bei Ratiborst- 1,45 Meter, bei Breslau Ober-Pegel— 1,40 Meter, bei Breslau Unter-Pegel st- 0,46 Meter, bei Frankfurt st- 0,08 Meter.— Weichsel bei Brahcinüude st- 1,50 Meter.— Warthe bei Posen— 0,30 Dieter.— Netze bei Usch st- 0,32 Meter. WitteruugSiibcrstcht voin 27. August 1904. morgens 8 Uhr. Wetter-Prognose für Tonutag, den 38. August 190-1. Zunächst cttvas kühler, zeitweise heiter aber veränderlich, bei mäßigen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Briefkasten ckr Redaktion. R. R. Handwerkerschillcn sind in Berlin Lindenstr. 97 und Stralaucr Platz 24. Zum Herbst beginnen neue Kurse. Wenden Sie sich brieflich an die Direktton. ?urlktise.h«r Oell. Tie juristische Tprechstunde slndet täglich mit ZliiSitayme dc? TonmibendS von 7'h bis»'/, Uhr abend? statt. Geöstnet: 7 Uhr. Otto 15.?. Nicht verjährt.— N. B. 45. Beantragen Sie bei der Schuldeputaiion die Zilrückstellunq sür ein halbes Jahr unter Beifügung eines ärztlichen Zeugnisses.— K. H. in K. Sie muffen das Faß ab- nehmen und bezahlen, außer wenn der Verkönser beim Verkauf den schlechten Zustand des Fasses gekannt und Ihnen böswillig verschwiegen hat.— A. G. Die Kündigung ist in Ordnung.— 31. SC. Er kann die Kinder herauSverlangcn, Sie können aber beim Vorumndschastsgericht bcautragen, daß ihm daS Recht zur Erziehung der Kinder genommen und Ihnen über- tragen wird.— Max L. 08. f. Ste müssen spätestens am 15. September kündigen. 2. Eine Verpfändung wäre unwirksam, wohl dB er wäre ein Verkauf mit gleichzeitigem Leihverflag zulässig.— O. R. IVO. 1. u. 2. Fa. — Tempelhof 450. 1. Ste müssen die Maschine behalten. 2. Schreiben Sie dem Verkörifer, wenn er die Möbel nicht binnen 14 Tagen in Ordnung bringen lasse, würden Sie eS duf seine Kosten durch einen andern thun lassen.— H. K. 10. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Ruth 100. Adoptton ist unzulässig.— Schöneberg 104. 1. Die Mutter muß Annen- Unterstützung event. Ausnahme des Kindes in das Waisenhaus beantragen. 2. Der Vater muß durch den Vormund verklagt werden.— Robert. Sie müssen Alimente zahlen.— O. K., Charlottenburg. Ja.— Krause. Neudorf. Schicken Sie die beiden Erkenntnisse mit einer nochmaligen Schilderung deS Sachverhalts und der Bitte um Veröffentlichung an die Redalttoo. Ebenso schicken Sie, sobald im Cwitprozeß ein Urteil ergangen ist, auch dieses an uns zur Durchsicht ein. Vorher läßt sich nicht sagen, ob sich ettvas machen läßt.— A. K. 000. 1. Gesetz vom 25. Juni 1868. 2. Beschwerde beim Magisttat, hier Wohl aussichtslos. — R. H. Einen Einsvruch aus Herabsetzung haben Sic nicht; Sie können aber unter Darlegung der Verhaltuiffc Herabsetzung beanttagcn.— P. 91. DaS Mädchen kann Herausgabe ibrcr Papiere und Sachen verlangen. Bei den Matznähmen, dick ergriffen werden, müssen Sie daraus acht geben, daß nicht etwa die dem Mädchen froher geleistete Hilse als strasbarc Entziehung der Zwangserziehung oder Beihilfe dazu konsttuiert wird.— 91. 100. Ja. — Lindner, Lichtenberg. 1. Ja. 2. bis 5. Eine Ehefrau hat das Recht, wenn vor der Heirat mindestens 200 Marlen für sie geklebt sind. Rück- zablung der Hälfte der Vciträge innerhalb eines Jahres nach der Heirat zu verlangen. Wenn sie weiterklcbt, so behält sie ihren Anspruch auf Invaliden- oder Altersrente, kann möglicherweise auch in einer Heilanstalt Ausnahme finden. Wenn zwei Jahre lang nicht mindestens 40 Marken geklebt worden, erlöschen alle Ansprüche. In der Regel ist WciterNeben der Rück- zahlung vorzuziehen.— W. F.. Charlottenburg. Eine Klage auf Zahlung des versprochenen Bcttagcs hat Aussicht auf Ersolg. — 91. B. C. 100. Teilen Sie dem Gericht schriftlich die Thaffache und den Wunsch mit, über dieselbe nicht befragt zu werden.— W. Bereits im Briefkasten Nr. 166 ist unter F. Sch. 17 der Stand der Gesetzgebung über die Pantscherei init sogenanntem Wein oder Sekt dargelegt. Darüber, ob das von Ihnen fabrizierte Gettänk stcnerpstichttg ist, erhallen Sic am besten durch die Steuerbehörde Allskunst.— M. I. 1—7. Es ist unmöglich, ohne Einsicht in die Akten Auskunst über schwebende Prozesse und etwaige trotz Beschlüsse oder Urteile sich jür den unter- liegenden Teil ergebende Rechte zu geben.— Million. Nein. F. K. 37. Beweisen Sie Jbren Irrtum oder die Annullierung, so ist die Klage abzuweisen.— R. A. Erscheinen Sie zu einem Termin als Angeklagter nicht, so beschließt nach den aus Ihrer Vorladung mitgeleillcn gesetzlichen Bestimmungen das Gericht Hast- oder VorsübrungSbesehl. Aus- cbung des Befehls können Sie beanttägcn. Die Behörde ist in Ihrem Fall dem Gesetz entsprechend vorgegangen. Sie werden kurz vor dem Termin vorgeführt, auch rann Ihre Verhaftung noch nachkägllch beschlossen werden.— Paul 103. 1. Sie müssen sich nochmals mit dem Notar in Verbindung scycn oder eine Auflage an das dorttge Geridst richten. 2. und 3. Nein. 4. Sie können sich direkt an das Auswärttge Amt in Berlin wenden. 33 Briber. Sie beerben Ihre Mutter in Gemeinschaft mit Ihrem Vater. Das Altenteil ist ohne Belang sür dies Erbrechtsverhaltnis.— A. K. 30. Eil» Recht aus Ratenzahlungen haben Sie leider nicht. Die Gericht?- kosten usw. müffen Sic bezahlen, da Sie durch VersäurnnlSurteil verurteilt sind. Ob die Zinsen richtig berechnet find, läßt sich ohne Kenntnis des Wortlauts des Urteil? und der Ratenzahlungen nicht sagen tür rieii ß.WMWckMÄlM.! Xodes- Anzeigte. Am Dienstag verstarb unser j j Mitglied, der Buchbinder Juliiis Born Stralsunderstr. 16. | g h r e seinem Andenkenli Die Beerdigung findet heute,, \ Soimtagnachmittag 4 Uhr von j der Halle deS Elisabeth-Kirchhoss, j | Prinzen-Allee aus statt. Um zahttcichc Beteiligung ersucht| i 248/12 Der Borttand. | Soeiäliieiiiol(ratiseh.Walil?erein für den Xodes- Anzeige. Am 25. d. M. verstarb unser Mitglied, der Töpfer Anta Luokaszewitz, Müllerstt. SOa. Ehre seinem An denken! Die Beerdigung findet Montag- nachmittag 3 Uhr von der Halle des»Sebastian- Kirchhofes in Reinickendorf, Humboldtstraßc, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 248/13 Der Borstaud. cellMerwö der Handels-,| IranspoFt- a. Yerkeiirsarheiter Dealsekianils. Verwaltungsstelle Berlin I. Den Mitgliedern diene zur Nach- I richt, daß der Kollege Ksk. Qranzow* verstorben ist. Chre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 5 Uhr von der Leichen- Halle deS Georgen- Kirchhofes, Weißensce, aus statt. Gleichzeitig diene noch zur Nach- richt, daß der Kollege Kienitz 1 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute l ! nachmittag 2 Uhr vom Trauer-! I Hause, Gartenftrnße 65, auS nach! dem Golgatha-Kirchhos, Barsus-\ ] straße(an der Müllerstraße), statt. I s 63/17 Hie Ortevernsltung. m (Filiale Berlin). Todes-Anzeige. Am 25. August verstarb unser Mttgtied Andreas Luokaszewitz nach kurzem Llrankenlager. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Moittagnachmittag 3 Uhr von der Halle des Äcbastiau-Kirchhoses in Rcwickcndors, Humboidtstraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. 196/9 Der Vorstand. Danksagung. 92L Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei der Beerdigung memes geliebten ManncS, unfers guten, für- sorglichen VaterS, Schwagers und Oulels, des Monteurs Franz Haß sagen wir hiermit allen Verwandten, Bekannten u. Freunden, insbesondere aber den Kollegen und Mitarbeitern der 21. E.- G., Brunneiistraße, Gs. I und der Maschinenbau- Slbtciluiig Gs. II sowie dem kaufmänniichen und technischen Personal der Montagen- abteilung innigsten, tiefgefühlten Dank. Die ttalterinien ttinterdliedenen. ftz'Hve.-71. Haas»ebst Kindern. tiermit die traurige Nachricht,! mein mnig geliebter Mann, g der Jalousie-Anschläger Ernst ICSein plötzlich am Blutsturz verstorben ist.| Die Beerdigung findet Sonntag. nachmittag 4 Uhr von der Leichen» halle des neuen Ltuscnstädttschen I Kirchhofes in Rixdors, Hermann- 1 fttaße, aus statt. 93Ll Die trauernde Witwe karg. Klein, f Am 23. August verschied plötzlich am Blutsturz unser unvcrgeß. lichcr, tteucr Kollege, der Jaloufie- Anschläger Ernst SCIein. Ehre seinem Andenken! Da» personal der laleusie-siabrisi Jul. Bonnet u. Comp. 94L m, Danksagung. Für die rege Beteiligung und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten, Bekannten, Kunden sowie den Kollegen der Firma Moritz Klee und den Laubenloloniften Retzhos meinen besten Dank. 714b Anna I-elimann geb. Kolbe nebst Kindern. = Sflöli 200 Nersovell— fassend, mit Bühne, ist auch Sonn» tag» an Vereine zu vergeben. Großer Saal noch einige Sonnabende flei.« Ztzeldichlöflchen. Müllerstt. 142. Ich habe in der Utert. 14, pft. (zwischen Nollcndors- und Wintcrseldt» Platz' eine 23/16» follklinik für Kaut- und Geschlechtskranke eröffnet. Sprichst.; Wochentags 12—1, Sonntags 9—10, Freitagabend 6— 7. Dr. Franz Bf agel schmldt. Belmonte& Co. Beimonte& Co. liefern Spazier- Stöcke mit echt silbern. 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Werde die Resolution angenommen, mühten sie aus den An- schluh verzichten.— Der holländische Verbandsvertreter Eichels- heim brachte hierauf eine Resolution ein. die grundsätzlich mit der deutschen übereinstimmte und mit den Worten schloh:„Der Kongreß sieht in der socialdenwkratischen Politik die Verkörperung all der Forderungen, die die modernen Arbeiterorganisationen vertreten müssen, und betrachtet es als Pflicht der Mitglieder dafür zu wirken." — Der Antragsteller wollte damit verhindern, daß die deutsche Re- solution von den Mitgliedern der Föderation gegen den holländischen Verband ausgebeutet werde.— Möller(Dänemark) bemerkte gegenüber einem Vorwurf der Vertreter der Föderation, der holländische Verband hätte es geduldet, daß im Jahre 1300. beim Streik der dänischen Kollegen, in Amsterdam Streikarbeit gemacht worden sei, sie. die Dänen, hätten dem holländischen Verband nichts vorzuwerfen. Was damals in Holland, sei auch in Deutschland geschehen; von beiden Ländern würden eben regelmäßig Cigarren nach Dänemark exportiert. Welche Waren für die vom Streik betroffenen Fabriken bestimmt waren, wäre nicht möglich gewesen festzustellen. Im übrigen sprach sich der Redner für die deutsche Resolution aus. Er erklärte schließlich, einen solchen Wirrwarr, wie hier in Holland innerhalb der Bewegung vorhanden zu sein scheine, habe er noch nirgends beobachtet. Er glaube, er könne wahnsinnig werden, ivenn er hier lange bleiben müsse.— Der Engländer K o op e r brachte eine dritte Resolution ein. Sie ging darauf hinaus, den Beschluß über Zulassung der Föderation auszusetzen, um den beiden holländischen Organisationen Gelegenheit zur Versöhnung zu bieten. Im übrigen bemerkte Kooper, obwohl er selbst Parlamentarier sei, wäre er doch nicht dafür zu haben, die Föderation allein deswegen vom Internationalen Bureau auszu- schließen, weil sie antiParlamentär sei. Die Hauptsache aber sei, daß sie die Niederländische Organisation bekänipft und geschwächt habe, ohne triftige Gründe dafür zu haben.— D e i ch m a n n fand es demgegenüber notwendig, eine prinzipielle Aussprache herbeizu- führen und machte den Vorschlag, der Kongreß solle in dieser Hinsicht einfach auf die im Jahre 1631 vom Kongreß in Basel angenommene Resolution verweisen, in der ausgesprochen wird, daß der Jnter- nationale Tabakarbeiterbund auch die politische Bethätigung der Arbeiter für notwendig er- achtet.— Diesen Vorschlag nahm der Kongreß ein- st i m m i g an. Die drei Resolutionen wurden zurückgezogen. Der Antrag der Föderation zur Aufnahme in das Internationale Bureau Ivurde ein st immig abgelehnt.— In der Sitzung am Freitag Ivurde die Berichterstattung aus den einzelnen Ländern fortgesetzt. Möller berichtete über Däne- mark. Tort sind ungefähr 2300 Cigarrenmacher thätig, wovon 2760 organisiert sind in dem durch den Redner vertretenen Verband. Den sehr wenigen christlichen und liberalen Arbeiterorganisationen gehören keine Cigarrenmacher an. Ter Lohn ist über das ganze Land gleich. Für Formarbeit ist das Minimum 3,60 M., das Maximum 21 M.; für Handarbeit das Minimum 18 M., das Maximum 35 M. Der Lohn ist für Männer und Frauen gleich. Im Verband be- stehen zwei Beüragstlassen, die eine mit 53 Pf. Beitrag pro Woche, die andre mit der Hälfte. Bei halbem Beitrag wird halb so hohe Ilnterstützung gezahlt als bei vollem Beitrag. Nach der Dauer der Mitgliedschaft bemessen, beträgt die Streikunterstützung 3, 12, 13,50 und 15 M. An Reisegeld wird pro Jahr bis zu 20 M. gegeben. In den letzten fünf Jahren wurden aus der Hauptkasse 250 000 M. für Streiks ausgegeben, für Reiseunterstützung 33 000 M. Arbeits- losenunterstützung ist ebenfalls eingeführt. Der Kassenbcstand ist jetzt 70 000 Mt, wovon 20 000 M.• in Ärbeitergenossenschafts-IInter- nchmungen angelegt sind. Die Ortsabtcilungcn des Verbandes haben ihre Gelder fast alle in Versammlungsgebäuden angelegt, wie man sie in Dänemark selbst in den kleinsten Städten findet. Die organisierten Cigarrenmacher Dänemarks sind alle gute Social- dcmokraren; sie stehen überall an der Spitze der Bewegung. lieber Schweden konnte der Redner nu> wenig mitteilen. Dort ist die Organisation»och jung und umfaßt kaum die Hälfte der Fachgcnossen. Sie macht aber in letzter Zeit gute Fortschritte. Eine große Erschwerung für die Organisation ist es, daß die Bauern, die Tabak bauen, auch gleich die Cigarren machen lassen und auf den Markt bringen. Die Industrie ist also zum größten Teil auf dem Lande zu finden, wo die Agitation viel mühseliger ist.— Dann berichtete P a n c i n über die Verhältnisse in Luxem- bürg. Die Organisation ist dort seit dem letzten internationalen Kongreß zurückgegangen. Die Zahl der Tabakarbciter beträgt 310. Davon sind 30 Cigarrenmacher und von ihnen 40 Frauen. Die Organisation hat 30 Mitglieder. Der Wochenbeitrag ist 20 Pf. Bei Streik, Krankheit usw. wird Unterstützung gezahlt. Der Lohn beträgt 15 bis 16 Frank bei 66 Stunden Arbeit pro Woche.— In Luxemburg besteht eine Staatskrankenkasse mit Veitrittszwang. Die Stadt Luxemburg hat aus Veranlassung der zwei socialistischen Gemeinderatsmitglieder beschlossen, eine Arbeitslosenkasse nach Gent- schem Prinzip einzurichten. Seit drei Jahren besteht in Luxemburg eine social demokratische Partei, der fast alle organisierten Cigarren- wacher angehören._ Zur Frage des„Gärtner-Rechts". Zur Frage deS„GiirtncrrechtS" wird uns von sachkundiger Seite geschrieben: Im töniglia, preußischen Ministerium des Innern beschäftigt man sich gegenwärtig unter anderm mit gewissen Vorarbeiten, die. wie es heißt, auf eine„gesetzliche Regelung der ge»' werbe- und arbeitsrechtlichen Verhältnisse des G ärt ne rei g c w e r bes" abzielen. Die notwendigen Unterlagen dazu will man erst aus einer allgemeinen, im Gebiete der preußischen Monarchie vorzunehmenden gärtnerei- statistischen Berufs- und B e t r i eb s z ä h l u n g ge- Winnen, einer Erhebung, die in Verbindung mit der für das Jahr 1335 in Aussicht genommenen Reichs-Berufs- und Gewerbczählung geplant ist. Die zuständigen Berufsorganisationen, auch die Ge- iverkschaftSorganisation der Arbeitnehmer, sind ersucht worden, für die auszugebenden Fragebogen ihre Sonderwünsche und Ab- ändcrungsvorschläge k�m Ministerium zu unterbreiten, und haben dies, wie verlautet, auch gethan. An und siir sich ist es zu begrüßen, daß endlich einmal Schritte unternommen werden sollen, die ganz unhaltbar verworrenen Zu- stände im Gärtnereigewerbe zu regeln. Allein man darf nicht über- sehen, daß eS eben nur eine Landesregierung ist, die sick? der Materie angenommen hat: Nicht das Reichsstatistische Amt hat etwa die Landesregierungen und deren zuständige Instanzen zu dieser statistischen Erhebung veranlaßt, sondern die Fragebogen und Zählpapiere sind im Preußischen statistischen Bureau ausgearbeitet worden. Und das ist ein Nachteil nicht bloß für die Erhebung selbst, weil nämlich gar nicht abzusehen ist.ob die andern Landesregierungen diesem Beispiel folgen werden, und wenn, ob sie- dann die Statistik auch nach dem gleichen Muster betreiben werden; .der weit größere Nachteil liegt in dem Umstände, daß diese Art der Erhebung auf die Absicht einer gesetzlichen Regelmig der Materie durch dieLandesgesetzgebung schließen läßt. Eine Regelung auf diesem Wege können die Gärtner, vor allem der arbeitirehmende Teil derselben, aber unmöglich wünschen, einmal deswegen nicht. weil dadurch sür jedes der 25 deutschen Vaterländer je ein be- sonderes.Gärtnerrecht" geschaffen werben müßte(man vergcgen- wärtige sich hierzu als Beispiel nur die Gesinde-Ordnungenl), und dann deswegen nicht, weil zu befütchten ist, daß auf diesem Wege die Gärtner dem Bereiche der Gewerbe-Srdnung und deren parallelen Gesetzen entrückt werden könnten, Bei der etwas überraschenden Bereitwilligkeit der Arbeitgeberorganis anon, die Einrichtung der Fragebogen, die auf„gewerblich"" und„nichtgewerbliche" Gärtnerei zugeschnitten sind, in dieser Form anzuerkennen, hat man sicherlich Grund genug, dieser Befürchtung Ausdruck zu geben, das um so mehr, weil sich bis dahin gerade die Arbeitgeberorganisation mit Händen und Füßen gesttäubt hat, anzuerkennen, daß die Gärtnerei ihrer ganzen Struktur nach zu den Gewerben gehört und auch aus all- gemeinen Zweckmäßigkcitsgründcn der Reichs-Gcwerbe-Ordnung unterstelli werden mutz, wo das heute nur erst bedingungsweise ge- schieht. Also, einer etwaigen Ordnung der Materie durch die Landes- g-setzgebung müßte mit aller Entschiedenheit entgegengewirkt werden. Soweit die Gärtnerei zum Zwecke des Erwerbes betrieben wird, untcrfällt sie der Zuständigkeit des Reiches; daran ist unter allen Umständen festzuhalten. Wenn schließlich wohl auch zu erivartcn steht, daß jede Gärtnereistalistik, die derart ausführlich vorgenommen wird, wie die hier geplante, Aufschlüsse bringen wird, die schon ganz allein ans die reichsgesetzliche Regelung verweisen werden, so ist immerhin notwendig, gleich von vornherein mit- der Kritik ein- zusetzen. Die derzeitige regierungsseitige Arbeit ist nur etwas Halbes, kann! nur Halbes sein. Diejenige Stelle, welche in der Lage wäre, das Material vollständig herbeizuschaffen, ist allein das R e i ch s st a t i st i s ch e Amt, das alle Bundesregierungen zu dieser Erhebung mit überall gleichen Zählpapieren veranlassen müßte. Die derzeitigen Rechtsverhältnisse der Gärtner sind die denkbar traurigsten. Es herrscht da eine Wirrnis, wie sie größer kaum zu denken ist. Nicht bloß daß die verschiedenen Behörden und Gerichte untereinander in ihren Anschauungen auseinandergehen und die Gärtnergehilfen bald als Gesinde, Landarbeiter, Dienstknechte, bald als Gewcrbegehilfen, bald ais Handlungsgehilfen oder Handels- Hilfsarbeiter, oder auch gar als— Künstler ansehen,— nein I es kommt sogar vor, daß ein und dasselbe Gericht in derselben Richter- besetzung heute diesen und morgen jenen Rechtsgrundsatz seinen Urteilen unterlegt und sich damit selbst widerlegt, wie vorliegende Beispiele darthun l Diese Zustände dem Lichte der Oeffcntlichkeit übergeben und damit auch den ersten Anstoß zu dem oben erwähnten, in Aussicht gestellten ersten Eingreifen der preußischen Staatsregiernng gegeben zu haben, ist das bleibende Verdienst der Gärtnergehilfen-Organi- sation, die jahrelang alle jene Urteile, Erlasse und Verfügungen, die ihr in dieser Richtung bekannt wurden, veröffentlicht hat. Das letzte Juliheft der Zeitschrift„Annalen des Deutschen Reiches" ent- hält über dieses Thema eine ausführliche Abhandlung und eine Zu- sammenstellung der in Frage kommenden Urteile usw. nach Gesichts- punkten, die am deutlichsten die heutige Rechtslage der Gärtner kennzeichnen. Der Verfasser jenes Artikels, der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Gärtnervercins, zeigt darin, daß heute nicht weniger wie sechs Maßstäbe angewendet werden, um die jeweilige Rechtslage festzustellen, und daß bei dieser unterschiedlichen Anwendung alle Gerichtsinstanzen und Behörden nahezu gleich- mäßig beteiligt sind. Fügt man dem noch hinzu, daß, wie schon vorher bemerkt, ein und dasselbe Richterkollegium zuweilen gar solche Maßstäbe abwechselnd benutzt, dann kann man sich vorstellen, daß die Gärtner sich heute stets in größter Rechtsunsicherheit be- finden und stets befürchten müssen, bei etwaigen Klage-Erhebungen, auch wenn ihr Rechtsanspruch sonst noch so klar und unabsttcitbar auf der Hand liegt, dennoch ins Unrecht versetzt zu werden. Und wie in Civil-, so auch in Strafsachen, z. B. hinsichtlich der Frage einer Verletzung der Koalitionsgesctze, wo der Gärtner nur allzu- leicht den Strafbcstimmungen für die Landarbeiter verfallen kann, wenn er auch zehnfach überzeugt ist, daß ihm unrecht geschieht. Die erwähnten sechs Maßstäbe, nach denen heute geurteilt wird, sind diese: Erstens. Eine Gärtnerei ist Gewerbcbetreieb im Sinne der Gewcrbe-Ordnung. wenn in derselben die H a n d e l st h ä t i g k e i t überwiegt. Zweitens. Der Gärttereibetrieb erhält dadurch einen gewerblichen Chavaktcr, daß sich das Hauptgewicht der Thätigkeit auf die Umformung der selb st gewonnenen Er- Zeugnisse zu neuen Produkten(Kränzen, Sträußen u. dgl.) richtet. Drittens. Eine Gärtnerei wird bereits dann zu einem Gewerbebetrieb im Sinne der Gewcrbe-Ordnung, wenn der Betrieb sich als„K u n st g ä r t n c r e i" kennzeichnet, d. h. wenn die Pflanzenproduktion vornehmlich mit künstlichen Hilfsmitteln betrieben wird oder wenn das Gelingen des Produktionsprozesses eine über- wiegend menschliche Kunstfertigkeit und Hand- geschicklichkcit voraussetzt. Viertens. Gärtncreibetriebe zählen allgemein zu den Gewerben im Sinne der Gewerbe-Ordnung. Fünftens. Gärtnereibcttiebe zählen ausnahmslos zum „Gartenbau", d. i. zur Landwirtschaft. S e ch st e n s. Die Landschaftsgärtnerer zählt zu den bildenden Künsten. Der letztbczeichnete Maßstab ist in Urteilen des Amts- und des Landgerichts II zu Berlin zur Anwendung gelangt. Das königlich sächsische Finanzministerium dagegen rechnet die gleiche Gattung der Gärtnerei(die Landschaftsgärtnerei) zu den Gewerben und die meisten Gerichte zählen sie einfach zur Landwirtschaft. Gerichte usw., die sich z. B. zur Anwendung des„Maßstabes drei" verstehen, gichen wieder außerordentlich auseinander in der Anschauung über die Frage, was Kunstgärtnerei sei. Die einen rechnen als solche nur die Gcwächshausgärtncrei, die andern nehmen dazu auch die Baumschule(unter Hinblick auf die Ver- edelungstechnik und künstliche Formierung der Bäume— dieses unsers Erachtens mit Recht), und die dritten wiederum beziehen außerdem noch die Landschaftsgättnerei mit ein, deren Aufgabe in der Anlegung und Unterhaltung von Parks, Lust- und Ziergärten besteht— unsers Erachten» ebenfalls mit Recht. Und ähnlich geht eS allenthalben. Wirklich feste Grundsätze und Begriffe sind so gut wie nicht vorhanden, wofür selbst die Stellungnahme des obersten preußischen Gerichts, nämlich des Kammergerichts, das lebendigste Beispiel bietet: Am 30. Mai 1301 entschied in einem Falle das Kammergericht, daß der„Auffassung der preußischen Gewerbesteuer- Gesetzgebung beizutreten, wonach nicht bloß die Handelsgärtncrei, sondern auch die Äunstgärttierei sich derart vom üblichen Gartenbau abgeschieden hat, daß beide Arten der Gcwerbe-Ordmmg zuzuzählen seien". Und ein andres Urteil des gleichen Gerichts vom 23. Vtärz 1303 engt die Ausfassung wieder bis auf die haudelsgewerbliche Gärtnerei ein. Weitere grundsätzlich gegeneinander streitende Auffassungen herrschen über die Frage, wie ein Gärtncreibetrieb zu behandeln sei, wenn in demselben landwirtschastsartiger Gartenbau und ge- werbliche Gärtnerei gemeinsam betrieben werden. Die einen sagen: dann ist für den gesamten einzelnen Betrieb maßgebend, was seinen Hauptcharakter ausmacht. Die andern wiederum lösen solche Gärtnereien rechtlich in zwei Betriebsarten auf; sie rechnen die gärtnerisch thättgen Arbeitskräfte des einen Betriebsteiles(je nach- dem, in welchem Teile sie am meisten beschäfttgt sind) zu den Ge- Werbegehilfen, die andern aber zu den landtvittschaftlichcn Arbeitern. Bisher das haarsträubendste in seinen Urteilen hat das Land- gericht II in Berlin geleistet. Diese» Gericht hat nämlich durch die 8. Civilkammer und bei stet» derselben R i ch t e r b e s e tz u n, g seit 1896 in fortlaufender Folge immer abwechselungsweise einmal den einen und dann wieder den andern Maßstab seinen Urteilen unterlegt. Der Zufall will aber, daß dann jedesmal der klägerische Gärtnergehilfe ins Un-rechi versetzt wurde: suchte er sein Recht unter Berufung auf die Gewerbe-Ordnung geltend zu machen, so fand regelmäßig das Gericht einen landwirtschaftlichen Betticb heraus. und umgekehrt wieder einen gewerblichen. Solchergestalt besteht heute für die Gärtner einfach ein Zu- stand der Rechtlosigkeit, der nicht anders wie durch die Gesetzgebung selbst beseitigt werden kann, und zwar einzig und allein durch die Reichsgesetzgebung. Letzteres aus Gründen, die niemand wird von der Hand weisen können, braucht man sich doch nur die ganze Gesetzgebung, die das Arbeiterrecht angeht, vor Augen halten: die Frage des Koalitionsrechtes, der Zuständigkeit der Gewerbe- gerichte(Beisitzerwahlen, Einzclklagen, Einigungsamt), des ge- werblichen Arbeiterschutzes(Frauenarbeit, Kinderarbeit, Sonn- und Feiertagsruhe), der Socialversicherung und andre, wie z. B. auch Fortbildungsschuibesuch der Lehrlinge und Handwerkergesetzgcbung. Die Gärtner petitionieren darum durch ihre Gewerkschaft, den Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein, beim Reichstage auf eine W- änderung der Gewcrbe-Ordnung in diesem Sinne: 1. Z 6 der Gewerbe-Ordnung soll einen neuen Absatz des Inhalts erhalten: „Aus die dem Zwecke des Erwerbes dienende Gärtnerei findet das gegenwärtige Gesetz Anwendung; ausgenommen davon ist nur der landwirtschaftsartigc Obst- und Weinbau." 2.§ 105d(die Sonntagsruhe-Bestimmungen betreffend) wird durch folgenden Absatz 4 ergänzt: „Die Bestimmungen des Absatzes 1 finden auf die Beschäfti- gung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in der Gärtnerei (Z 6 Abs. 3) entsprechende Anwendung." 3. Dem§ 103 wird folgende Vorschrift zugefügt: „Für die Gärtnerei<§ 6 Abs. 3) wird bei jeder Handels- kammer eine besondere Abteilung eingerichtet. In denjenigen Bundesstaaten, in welchen die Vertretung der Interessen des Handwerks andern gesetzlichen Einrichtungen(Handels- und Gewerbekammern, Gewerbekammern) übertragen ist(§ 108q), werden diese Abteilungen bei diesen Körperschaften eingerichtet." Gerickts-Leitung. Wegen einer tuberkulöse» Lunge im Werte von 20 Pf. war gegen den Großschlächtermcistcr Wilhelm Henschke aus Reinickendorf Anklage wegen, Fcilhaltens gesundheitsschädlicher Nahrungsmittel erhoben worden. Bei einer Revision, welche.der Polizeitierarzt Borchmann am 30. Mai in der Central- Markthalle vornahm, fand er im Stande des Angeklagten, auf dem Boden liegend, eine Rinherlunge, welche dicht mit Tuberkeln durchsetzt war. Der Angeklagte behauptete im Termin, sich nicht erklären zu können, wie die Lunge in seinen Besitz gelangt sei. Er habe tags zuvor ein Rind geschlachtet, welches in allen seinen Teilen von dem Reinickendorfer Schaubeamten für gut befunden worden sei. Am folgenden Tage sei die Untersuchung nochmals im städtischen Fleischschau-Amt in der Ccnttal-Markthalle vorgenommen worden und ebenfalls glatt verlaufen. Er habe sicher keine tuberkulöse Lunge eingeführt. Der Tierarzt Borchmann bekundete dagegen, daß die fragliche Lunge unmöglich das Untersuchungsamt passiert haben könne, sie mußte selbst jedem Laien auffallen. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten durch die Beweisaufnahme für überführt und beantragte gegen ihn sechs Monate Gefängnis und Ver- öffentlichung des Urteils in der„Allgemeinen Fleischer-Zeitung" und einer Tageszeitung. Der Verteidiger wies darauf hm, daß der Angeklagte erst hinzugekommen sei, als die Beschlagnahme bereits erfolgt war. Wie leicht wäre es nicht für einen seiner Standnachbarn gewesen, sich der verdächtigen Lunge durch Hinein. werfen in den Stand des Angeklagten zu entledigen, als er den Revisionsbcamten sich nähern sah. Er halte die Sache keineswegs für so weit aufgeklärt, um daraufhin da» Schuldig aussprechen zu können. Der Gerichtshof trat dieser Auffassung bei und fällte ein freisprechendes Urteil. Eine verunglückte Probefahrt mit einem Straßenbahnwagen beschäftigte gestern die neunte Ferien-Strafkammer des Land-«. gerichts I. Der Sttaßenbahnschaffncr Wilhelm Reiß war mit dem Arbeiter G e o r g H e y d e, der bei der Sttatzenbahn- Gesellschaft mit dem Waschen der Wagen beschäftigt wurde, be- freundet. Ms Reiß am Morgen des 22. Juni seinen Dienst vom Depot in der Panksttaße aus antreten wollte, bat Heyde ihn. er möchte ihn doch einmal mitnehmen, er möchte doch gar zu(jern einmal einen Straßenbahnwagen lenken. Reiß kam der Bitte fernes Freundes nach. Als sie das Depot verlassen hatten, stellte Heyde sich an die Kurbel und Reiß stand neben ihm und gab ihm die nötigen Anweisungen. Im Anfange ging alles gut. Aber in der Pankstraße kam dem Straßenbahnwagen ein mit Schienen beladeneS Fuhrwerk entgegen, dessen Führer, der Kutscher Schmidt, keine An- stalten traf, auszuweichen.„Bremsen!" rief Reiß seinem Stell- Vertreter zu. Dieser bremste auch mit richtigem Verständnis und brachte den Straßenbahnwagen kurz vor dem Fuhrwerk beinahe zum Stehen. Jetzt wollte auch Reiß noch mit eingreifen, er packte die Kurbel, um sie noch fester anzuziehen, verlor aber die Geistes- gcgenwatt und drehte nach der falschen Richtung. Der elektrische Strom trat wieder in Thättgkeit und im nächsten Augenblick erfolgte ein ziemlich heftiger Zusammenstoß. Tie auf dem Wagen liegenden Schienen wurden aus ihrer Lage gerückt, der auf ihnen sitzende Kutscher Schmidt kam mit dem rechten Bein zwischen mehrere Schienen und erlitt schwere Verletzungen. Nachdem man ihn aus seiner qualvollen Lage befreit hatte, sollte er nach der Unfallstation gebracht werden. Schmidt aber legte der Sache kein so grosieS Ge- wicht bei, sondern ließ sich erst am Nachmittage verbinden. Er hatte eine lange Fleischwunde und verschiedene Abschürfungen er- litten. Einige Tage später ttat Blutvergiftung hinzu. Ivelche einen schleunigen Tod herbeiführte. Nun hatten sich Reiß und Heyde wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Der Gerichtshof hielt be- sonders das Verhalten des Schaffners, der einem gänzlich Unkundigen die Führung eines elektrischen Wagens überließ, sür außerordentlich fahrlässig; er wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Mitangeklagte Heyde wurde dagegen auf Antrag des Verteidigers, Rechtsanwalts Skolny, freigesprochen. eingegangene Vnickfclmtte«. Die„socialistischen Monatshefte«(Administration: Berlin 81V. IS Beilthfttaßc 2) haben soeben das Scptemb er- Heft ihres 10. Jahrganges erscheinen lassen. Dasselbe ist dem kommenden socialdemottatischen Partei« tag in Bremen gewidmet. Aus seinem Inhalt heben wir hervor: Richard Calwcr: Zum socialdemottatischen Parteitag in Bremen.— Engewert Pcrnerstorscr: Zur Frage der Taktik aus dem Kongreß in Amsterdam.— Eduard Bernstein: Die Programmrcvision und der Bremer Parteitag.— Julius BruhnS: Die Organisation der Partei.— Max Schippcl: Eine Parteidiskussion. Ein Nachwort zur Darlegung meines handelspolitischen Standpunktes.— Dr. Leo Arvns: Materialien zur Beurteilung der preußischen Volksschule.— Paul Kampffmeyer: Lassalle— ein Zeitgenosse. Zum 10. Todestag des großen Agitators.— Dr. Eduard David: Zur land- wirsschastlichen Beiriebseiitivicklung in England.— Dr. Albert Südetum: Preußische Wohnungsreform.— Dr. Hugo Lindemann: Die Sttaßenbahne« und ihre Tarise.— Emma Ihrer: Zur socialdemottatischen Frauenkonferenz in Bremen.— Wirtschast von Max Schippcl.— Politik von Richard Ealwer. — Sociale Kommunalpolitik von Dr. Hugo Lindemann.— Socialiftssche Bewegung von I. Bloch und Hugo Poetzsch.— Gewcrsschastsbeweguna von Ernst Dembardt.— Frauenbewegung von Henriette Fürth.— Bildende Kunst von Anna Plehn.— Buchbesprechungen und Notizen.— Als Betgabe bringt das Hcst ein Jugendbildiiis von Ferdinand Lassalle nach einem alten Pastelldilde. Der Preis des Heftes beträgt 50 Ps.; vierteljährlich 1,50 M. Zu bezichen durch alle Buchhandlungen, Kolportcure und durch jede Post- anstalt. Ferner direkt durch den Verlag der„Socialistischen Monatshefte", Beuthstt. 2, Berlin 81V.(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Couvcrt). Probehefte stehen aus Verlangen jederzeit tostcnsrei zur Verfügung. Strandes Märkisches Wandcrbnch. Ausflüge in die Mark Branden- bürg. Bearbeitet von Dr. Gustav Albrecht. 432 Seiten Text mit 38 Karten. Preis 2,53 M. Berlin 1S31. Verlag Jul. Sttailbe, GitschiNtt- straße 13S. Für den Jnkialt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publik«« gegenüber keinerlei Bcrantwartung. Zhcatcr. Sonntag, den 28. A u g u st. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Mignon. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg. Ansang 7 Uhr. Neues königl. Opern- Theater. Die Geisha, oder: Eine japanische Thechau-jgeschichte. Nachmittags 3 Uhr: Der Nastel- bmder. Montag: Der Zigeunerbaron. Ansang 8 Uhr. Schiller O,(Wallner- Theater.) Unanis. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltausstellung in St. Luis. Hierauf; Der Ganlasoe. Montag; Dr. P. Schmidt:„Korea und die Koreaner-. Sternwarte Sie"'. Iphigenie. achmina Die Ehre. Nachmittags 3 Montag: 3 Schiller Jf.(Friedrich Wilhelm. städtisches Theaters. Die Jüdin. Nachmittags 3 Uhr: Undine. Montag: Der Troubadour. Westen. Mamzclle Nitouche. Nachm. 2'L Uhr: Alt-Heidelberg. Montag: Liebeshandel. Berltner. Zapsenstreich. Stachmittags 2'/, Uhr: Im bunten Rock. Montag: Zapfenstreich. Neues. Kabale und Liebe. Montag: Salome. Vorher: Logik des Herzens. Residenz. Die 300 Tage. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Nachtasyl. Montag: Pastors Rieke. Carl Weih. Der Weg zum Herzen. Nachmittags 3 Uhr: Dieselbe Vor« stcllung. Montag: Dieselbe Vorstellung. Trianon. Die Notbrücke. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ntetropol. Ein tolles Jahr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Alltauce. Charleys Tante. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luise». Julius Cäsar. Nachmittags 3 Uhr: Der Hütten- besitzer. Montag: Julius Cäsar. Dentsch-Amerikanisches. Ucber'n großen Teich. Montag: Diesewe Vorstellung. Apollo. Venus aus Erden. Specials- täten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Herrnfeld-Theater. NureineNacht. Am andern Morgen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stodt-TheaterMoabit. Der reiche Pustekohl. Wintergarten. Speeialitäten. Reichshallen. Stetttner Sänger. Passage-Theater. La belle Georgette. Speeialitäten. Ansang 3 Uhr. Urania. Tanbenstrahe 48/4S. Im Theater: Die Weltausstellung in St. Louis.— Hieraus: Der Gardasee. Montag: Dr. P. Schmidt: Korea und die Koreaner. Juvalidensirahe k;7/6S. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schisfb auerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe Ansang 8 Uhr. Morgen: Salome. Logik des Herzens. Centrai-Theater Donnerstag, 1. September ti»n�vnK. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Fährmann— Waide-Sänger. Sonnabends T«b M V im Äaiscijoal:■•«■■■ Schiller Schiller-Theater O. (Walluer-Theater). Sonntagnachmittag 3 U h r: fi>ic Iiiire. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Sonntagabend 8Uhr: Iphizreale. Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe. Montagabend 8 Uhr: ifledea. Ä edea. Theater. Schiller Theater ST. (Friedrich-WilHclmstädtisches Theater) Morwtst-Lpcr. Sonn tag nach mittag 3Uhr bei halben Preisen: Tlndlne. Romantische komische Oper in 4 Akten von Albert Lortzing. Sonntagabend 8 Uhr: vle Jüdin. Gr. Oper in 5 Akten v. I. F. Halevy. Montagabend 8 Uhr: Vorletztes Gastspiel Heinr. Bötel. Bei- Trondadonr. Im Garten: Großes Militärkonzert. Rnr noch knrze Zeit! I Plotten>Schauspiele Kurfürstendamm 153— ISS. Straßenbahn-Verbindung; Linien A, A/E, T, V, 91. Größte Wasser-Schauspiele der Welt auf 6000 qm großem See. 23,120 Elottenparade vor S. M. S. rHohenzollcm''. Kampf des jap an. und russischen Geschwaders vor Port Arthur. In die Luft sprengen von Kriegsschiffen. Rettung Schiffbrüchiger mittels Raketenapparat etc. Erraässigte Preise; Mk. 2,60, 2,10, 1,60, 1,10, 0,70, 0.40. 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Im Garten: Heute Ans. i'l, Uhr; Max Schmidt-Konzert u. große Specia- litäten-Vorstellung._ Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die 300 Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gevault u. Robert Cbarwey. Deutsch v. A.Halm. Herr Richard Alexanoer m der Hauptrolle. Passage-Theater. EröiigdJiDtersn Donnerstag, I. Sept. 14 neue Debüts. Trianon-Thealer. Georgenstratze zwischen Friedrich- und Universttätssttatze. Die Notbrücke. Lustspiel in 3 Akten von Fred Gresac und Francis de Eroisset. Ansang 8 Uhr.~?K> Casino-Theater. ErOfTnane IV. Saison: Familien-Karten sind von morgen Montagvorm. v. lO'f,— l1/, ab kostenlos an der Theaterkasse zu haben. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstratze 58. Mic killst im Mni. Außerdem das großartige August- Programm. Die Blibsahrt im TodeSring. L.atonre et Angrela. EiiiNtllbliu mitHinderuissen Im Saale: Vrossee Ball. Ansang 4 Uhr. Entrec 30 Ps. Numerierter Platz 50 Ps. Sperrsitz 75 Ps. Orchestcrplgtz 1 M. fröhels Ällerlei-Thealer fv. 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Aufnahme neuer Mitglieder.— Die Kollegen der Firmen Bellige, Oranienstrage; S. Meyer, Oranienftrahe; Markiewiez, G. Seidel, Heckert, Heymann und Birnbaum sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. 177/18 Die Ortsverwaltang. Steinarbeiter! Mittwoch, de« 31. August, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten«, Alexanderftr. 87 c: Mitglieder Versammlung Tages-O>rdnltng: 172/1 Abrechnung vom Sommerfest. Zahlreiches Erscheinen erwartet 172/16 Gewerkschaftliches. Der Topgtand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. SÜtäsibinstramenfen-Jlrheiter. Mittwoch, 31. August, abends 8'/3 Nhr, im Gcwcrkschaftshause, Saal V: Vertrauensmänner- Versammlung. Tages-Ordnung: 88/7 1. Die Geschäftslage in der Pianosorte- Industrie. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. 4. Die Differenzen in den verschiedenen Be- trieben, insbesondre der Ausgang des Streiks bei der Firma Gast u. Co. I7B. Da die Tagesordnung äug erst wichtig, ist es notwendig, daß alle Betriebe vertreten sin Branchenkommission. Achtung! 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Redakteur: Paul Lüttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. St 202. 21. Jahrgang. S. SkilU Ks Joniitf Inlinn PMIotl ZoNtag, 28. Avgnß\%L Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 27. August 1904. Vom Getreide-Wcltmarkt. BeizeN'Haufse. Die Chicagoer Getreidebörse.— Deutschlands Getreide« Ernte.— Rußlands Exportsähigkeit.— Oesterreich-Ungarns und Italiens Mehrbedarf.— Außereuropäische Getreidc-Exporte.— Die Aussichten der deutschen Kartofsel-Ernte. An der Produktenbörse hat das Hmissespiel der letzten Wochen am Dienstag infolge des Rückgangs der Weizenkurse an der Chicagoer Getreidebörse ein vorläufiges Ende gefunden. Die Preisnotierungen sanken wieder, nachdem sie sich vorher wochenlang mit geringen Unter- brechungen höher und höher hinaufgeschlängelt hatten. Den ersten Anlaß zur Steigerung boten die aus Rußland, Rumänien, Oeslerreich- Ungarn und auch aus vielen Gegenden Deutschlands einlaufenden Saatenstands- und Ernteberichte. Darauf folgte» amerikanische Meldungen, daß durch die starken Regeufälle und die von diesen hervorgerufenen Ueberschwemniungen in mehreren getreideprodu- zierenden Staaten des Westens der Union die dortigen Ernte- Aussichten sich sehr vermindert hätten. Hatte nian bislang die Weizen- Ernte insgesamt auf S70 bis 580 Millionen Bushels geschätzt, so sanken nun die Schätzungen immer tiefer— auf 550, 540, 520 Millionen Bushels, und schließlich kamen pessimistische Schätzungen gar zu dem Resultat, daß auf nicht mehr als 500 Millionen Bushels gerechnet werden dürfe, so daß der einheimische Bedarf der Ver- einigten Staaten eben gedeckt werden könne, für den Export aber nichts oder doch nur ein außergewöhnlich geringes Quantum übrig bleibe. Zugleich bemächtigte sich die auf andren Gebieten durch die Eisenkrise mattgesetzte amerikanische Spekulationssucht der günstigen Situation, so daß am 20. d. Mts. die Notierungen an der Chicagoer Getreidebörse auf 110% Cents für Septembcrlicferung stiegen, während am I.August der Kurs noch auf 91% gestanden hatte. Und wie- selbst» verständlich ist, folgten in Anbetracht der maßgebenden Stellung der Chicagoer und New Dorker Börse für den Weizen-Welthaudel die großen europäischen Marktplätze Liverpool, Paris, Budapest. Berlin usw. mit ihren Notierungen— wenn auch in gewissen Ab- ständen— diesem Aufstieg nach. In Berlin stellte sich am letzten Montag der Weizenpreis auf 185 M. pro Tonne, während der eben- falls von der Haussebewegung erfaßte NoggenpreiS auf 142% M. stieg. Bon verschiedenen Seiten ist an diesen Ernte-AuSfall in den Bereinigten Staaten von Amerika und an die gleichzeitig aus Rußland, Rumämen und Oesterreich-Ungarn einlaufenden vorläufigen Schätzungsberichte die Befürchtung geknüpft worden, daß Deutsch- land im Winter mit einer beträchtlichen Steigerung der Brotkornpreise zu rechnen haben wird. Diese Befürchtungen erscheinen jedoch, wenn auch die Dürre des Juli die Aussicht auf eine vorzügliche Getreide-Ernte in Deutschland vernichtet hat, nach den letzten preußischen und bayrischen SaatenstandSberichten sowie den einzelnen aus Mecklenburg und Süddeutschland einlaufenden Ernte-Angaben als durchaus übertrieben. Der Ertrag pro Hektar an Sonimer-Weizen und-Roggen(nicht an Winter- getreide) wird sich zwar niedriger stellen als im vorigen Jahre; aber dafür ist die Anbaufläche größer. In Preußen betrug sie z. B. im vorigen Jahre für Winterweizcn 870317 Hektar, für Sonnnerweizen 172 225 Hektar, in diesem Jahre 1 039 879 und 95 671 Hektar. Die mit Roggen bebaute Fläche umfaßte im vorigen| Jahre 4 501 837 und 75 581 Hektar, in diesem Jahre 4 589 642 und 60 618 Hektar. Selbst die Ccntralstelle der preußischen Land- wirtschastskammern kommt denn auch in ihrer durchaus pessimistischen, von der Börse abgelehnten Berechnung zu dem Ergebnis, daß der ge- samte Weizenertrag in Preußen sich immer noch um ca. 10 Proz. höher stellen wird als im Vorjahre, während der Roggenertrag um ca. 2 Proz. hinter dem vorjährigen Ertrag zurückbleibt. Doch die Schätzung ist darauf gestimmt, den Ernte-Ertrag möglichst gering er- scheinen zu lassen, um keinen Druck auf die Preise auszuüben und den großen Getreideproduzenten dadurch das Geschäft nicht zu ver- derben. In Wirklichkeit dürfte in Preußen der Weizenertrag sich um ca. 15 Proz., der Roggenertrag vielleicht um ca. 3 bis 5 Proz. höher stellen, als im Jahr 1903. Dazu kommt, daß die Qualität eine entschieden bessere ist als im Vorjahr, so daß selbst dann, wenn man rechnet, daß infolge der schlechteren Futterernte eine größere Menge Roggen als sonst zuni Verfuttern gebraucht wird, das für den menschlichen Nahrungsbedarf übrig bleibende Quantuin an Brotgetreide noch immer das des Ernte- jahres 1903 überragen wird. Und dasselbe gilt für den übrigen Teil des Deutschen Reiches. Bei Gerste und Haser wird man aller- dings aus eine um ungefähr 15 Proz. geringere Ernte als im Vor- jähre rechnen müssen, da nicht nur der Ertrag pro Hektar, sondern auch die Anbaufläche abgenommen hat, und der Ertrag an Klee, Luzerne und Heu dürfte sogar um 30—35 Proz. hinter dem vor- jährigen zurückbleiben. Ueber Rußlands Ernte, das im Vorjahre an Deutschland 718 500 Tonnen Weizen. 786 875 Tonnen Roggen. 1 123 460 Tonnen Gerste und 377 069 Tonnen Hafer lieferte, fehlt es noch an genaueren Angaben, doch ist zweifellos, daß seine Getreide-Ernte hinter der vorjährigen zurückbleiben wird. Fraglich erscheint jedoch, ob dieser Ausfall sich in eine entsprechende Abnahme des Exports umsetzt. Der Krieg im fernen Osten und die als seine Folge eingetretene Krise des inneren russischen Marktes schwächt die Kaufkraft der russischen Bevölkerung, während andrerseits sich der Zwang geltend macht, möglich st viel von Agrar Produkten aus- zuführen, da die Finanzlage des heiligen Reiches aller Reußen unter den heutigen Verhältnissen den Goldzufluß aus dein Auslande nicht ent- behren kann, mögen auch die Bauern dadurch zum Hungern verurteilt werden. Oesterreich-Ungarn. das im vorigen Jahre seinen Bedarf an Brotgetreide selbst produzierte und sogar noch einen kleinen Ueber- schuß an andre Länder abzugeben vermöchte, sieht sich genötigt, in diesem Jahr selbst als Käufer auf dem Weltmarkt aufzutreten. Im ganzen stellt sich allerdings das Erntc-Ergebnis als etwas besser heraus, wie vor einem Monat allgemein angenommen wurde, besonders läßt die Qualität wenig zu wünschen übrig. Nach den aus Grund der verschiedenen Probedrusche vom ungarischen Ackerbauministerium vorgenommenen Berechnungen stellt sich für Ungar», dem Haupt- lieferanten für den inneren Markt der habsbnrgischen Monarchie. die Gesamt-Weizenernte(Winter- und Sommerweizen) auf 36,12 Millionen Doppelcentuer gegen 44,08 Millionen im Vorjahr, die Roggenernte auf 11,55 gegen 12,90 Millionen Doppelccnter, die Gerstenernte auf 10,40 gegen 14,06 Millionen Doppelcentuer und die Haserernte auf 8,74 gegen 12,68 Millionen Doppelcentuer. Noch schlechter steht es infolge der Dürre um die Ernte an Futtermitteln, besonders an Klee, Luzerne und Heu. und auch die Maisernte verspricht nur sehr geringe Erträge zu liefern, da der spärliche Regenfall der letzten Wochen bei weitem nicht den Ansprüchen dieser Getreideart an Feuchtigkeit genügte. Ebenso wird auch Italien, dessen Maisernte ebenfalls beträchtlich hinter dem Durchschmttsertrag zurückbleiben dürste,(der Mais ist dort Volksnahrungsmittel) erhöhte Anforderungen an den Welt- Weizenmarkt stellen, während andrerseits die Zufuhren von der Balkanhalbinsel, besonders aus Rumänien, das selbst unter einer Mißernte leidet, zweifellos eine starke Einschränkung erfahren werden. Es bedarf also der europäische Getreidemarkt beträchtlich größerer Zufuhren als in den letzten Jahren. Die Ver- einigten Staaten von Amerika können mit Weizen imr in geringem Maße aushelfen; nach den letzten Berichten wird kaum auf einen größeren Export als von 20 Millionen Doppelccnwer zu rechnen sein. Dagegen wird die nord- amerikanische Union voranssichtlich eine größere Menge Mais und Hafer abgeben können, so daß in diesen beiden Getrcidesorten der Fehlbetrag Europas durch nnierikanische Zufuhren einigermaßen wieder ausgeglichen werden dürfte. Besonders der Mais steht in den meisten Staaten der Union prächtig, und man rechnet auf eine Ernte von 2560 bis 2600 Millionen Bushels: ein Ertrag, wie man ihn drüben seit 1899 nicht mehr gehabt hat. Von den sonstigen außereuropäischen Exportländern kommen_ in diesem Jahre vornehmlicki Kanada in Betracht, das voraussichtlich an 3— 4 Mill. Doppelcentner Weizen mehr exportieren kann, als im vorigen Jahre, ferner Kleinasien und Indien, dessen Ernte nach vorläufigen Berechnungen um 16 Millionen Doppelcentner größer ausgefallen ist, und schließlich vor allem Argentinien und Australien. Die Ernte ruht dort allerdings noch im Schöße der Erde. Nach den bisher eingelaufenen Berichten hat sich aber die Anbaufläche ausgedehnt und gilt bisher der Saatenstand als durch- ans gut. Außerdem aber sind in Argentinien, wie die bedeutenden Verschiffungen von dort zeigen, noch große Borräte auS dem vorigen Jahre vorhanden. Zieht man diese Gcsamtlage des Getreide- Weltmarktes m Betracht und vergleicht damit das deutsche Ernte-Ergebnis, so er« scheinen die Befürchtungen vor einem starken Auf- st eigen der Brotgetreidejireise in Deutschland als unbegründet. Mit einem späteren mäßigen Anziehen der Weizenpreise dürfte allerdings zu rechnen sein, falls nicht die argen- tinische Ernte sehr bedeutende Mehrerträge abwirft. Ungünstiger steht es um die Aussichten der Kartoffel- ernte in Deutschland. Der letzte amtliche Saatenstands-Bericht bezeichnet den Stand der Kartoffeln in Preußen mit 3,5, das heißt zwischen„mittel" und gering, und zwar sind es meist gerade die preußischen Hauptproduktionsgebiete, in denen die Aussichten am schlechtesten sind. So beziffert z. B. der amtliche Bericht den AuSsichtSstand u m M i t t e A u g u st im Regierungsbezirk Potsdam auf 3,3(gegen 2,9 im Juli), in Frank- furt 3.9(gegen 3.1). Stettin 3.6(gegen 2.7). Köslin 3.3 (gegen 2,8), Stralsund 3,5(gegen 2,7), Posen 4,0(gegen 3,1), Bromberg 3,9(gegen 2,9), Breslau 4.0(gegen 3,4), Liegnitz 4,0 (gegen 3.2), Oppeln 3,9(gegen 3.1), Magdeburg 3,5(gegen 2.5). Merseburg 3,4(gegen 2,5). Hinzu kommt, daß die Anbau- fläche sich nur reckt wenig vergrößert hat; sie umfaßte im vorigen Jahre in Preußen 2 223 819, in diesem Jahre 2 254 893 Hektar. Indes bedingt der schlechte Stand der Kartoffelfelder im August noch nicht ein gleich schlechtes Endergebnis. Soweit das Kraut der Spätkartoffeln noch nicht direft abgestorben ist, können Regenfälle mit wanner Witterung in den nächsten Wochen das Wachstum der Knollen noch immer so weit fördern daß sich schließlich eine etwas knappe Mittelerute ergiebt. Dat. Erfrischend- Durststillend! ElnseHs-flnzuge Reichhaltigste Auswahl In den neuesten Moden und verschiedensten Webarten, sowie Kammgarn, Satins, Cheviots, Ripsgarn, SäRQ Drapös, Meltons u.«. w. vOj 33, 30, 27, 24, 21, 18, 15, 12, V MK' Mir Rifir eines Elitegnenit-Amiies erlitt nlzoadi Beigaben enssniL Wäsche, HQte, Handschuhe etc. nr«, Einsegnung sehr billig. Billigste Herbst-Angebote: Herbst- Anzüge........... s«. so, a* a.»«, 9 mh. Schwarze Geh rock-Anzüge«. so, 4»,«o, so. ss, 27 mk, Stoff- Hosen pr»)«*»« duroll Ankauf»Inur Slotf-Fsbrik 5,50 4 Mk. Herbst- Paletots.......... ss, so, 27. 24, a. is, is. 12 Mk. Herbst- Havelocks........... ai,«,«,«.«, 6 Mk.75 Gummi-Regen-Mäntel........ so. 24, 21. is. 13 vu. 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Weil. , 172, Laudahn.» 90, Bobel.» 31b, F. Pstugk. Lausitzerstr. 16, C. Städler. . 25. A. Kails.' , 47, Schmidt.» 2, Albrccht. Liegnitzerstr. 7/8, M. Janthe. 22, Rabatt-Sparverew» 28. G. Micth. Lübbenerstr. 10, Hanke.» 24, C. Witschet.» 29. Gierz.» Manteuffelstr. 45, Bobel' 67. A. Lippert.' „ 87, L. Schirrmeister.» 90, E. Lellcik.' „ 99, A. Brauer.» 103, L. Ratzniann.» Manteuffelstr. 61, A. Stolla.» (beschäsligt nur Lehrlinge.) „ 5, W. Bergmann.» „ 100, Laugwitz.' Mariannenstr. 5, W. Toerlitz.» 27, R. Lutosch. Muskauerstr. 6, P. Tcws.» , 18, KanatkowSki. , 28, Heinzclmann.» 34. 6. Schulz.» Michaelkirchstr. 29, Jstri-Brotsabrik. Naunynstr. 1, E. Barth.» 7, Ficlitz.» „ 19, H. Weber.» 64, E. Heitmann.» „ 68, H. Ncunrann. „ 73, Stojaczyk.» 90, Hanke. Obmgasse 9, Noivosadko.» Oppelnerstr. 4, Schenk. .„ 20, S. Stephan.� » 24, E. Röder. 35, A. Krause.' 46, Rabatt-Sparverein.» „ 49, Naß. Oranienstr. 11/ R. Moritz. . 196, F. Thieme.» „ 4, W. Trenms. 110/111, A. Tacke. „ 186, Hanke.» Prinzcnstr. 99, MicSkc. „ 59, Ed. Goldacker.» Pücklerstr. 42, E. Fromberg.» 17. H. Weber.» 48, O. Diettrich' Plan-Uscr 92a, Otto Grigoleit. Reichcnbcrgerstr. 40/4l, H. Weber.» 51, Bobel.» „ 58, Meyer.» 61, C. Schulz. 64, P. Gehricke. 82, Sl Mayer. 95a, JF. Tschentke.« 101, Wagner.» III, Eh. Schrein.» 114, A. HüISberg* 138, A. Rost.' „ 146, Bergmann.» „ 153, G. Zenker. „ 158, Rabart-Sparver.» 168, H. Weber.» „ 185, I. Rudnick. Ratiborjtr. 2, Rabatt-Spar-Berew.» „ 6, Joh. Dictjchmons.' . 17, I. Rücker.» .. 59. C. Schulz. Skalitzerstr. 1, Fritz Richter. » 59o, H. Rieger.' „ 63, Dehnte!.' „ 95, H. Stammwitz.» „ 101, C. Plcnert.» v 109, A. Köhler. „ 124, E. Huih» „ 138, Sahlmann. Sorauerstr. l, H. König.» « 8, O. Wagcnknecht.» 12, 91. JSmer* 18, M. Eule* Schmidstr. 8a, C. Lange. Schlesischestr. 19, C. Tennert.» Waldcmarstr. 66, P. Hamel.» Wicncrstr. 8, Zobel. 32, E. Klammek.' „ 36, Joh. DietschmoltS.» „ 56, A. Laugwitz.' 58, F. Bachslcin.' Wrangelftr. 9, A. Wohler.' 2t, G. Gumtau.» „ 45, R. Hetz. 77, E. Gentzman«.� „ 82, F. Meister.' „ 91, Hanke.» Zeughosstr. 8, A. Helbich. Süden. Adakbertstr. 66, F. Hoppe. Alte Jakobstr. 79. Eugen Mosch. 7. H. Zück. „. 83, Klautsch. Blücherstr. 16, O. Blottner.' „ 69, Brotfabrik BeroliM.» Bergmannstr. 10, KnostuS.« . 14», Polenz. 104, O. Blottner.» Boeckhstr. 37, Wodctzki. . 46, H. Schulze. Bärwaldstr. 47, P. Dehmclt. Brandenburgstr. 2l, A. Becker.» Camphausenftr. 6, I. Zindler. Dieffenbachstr. 6, I. Zinder. 27. L. Pritzkar. 52. C. Kelch. Dresdenerstr. 81, E. Stockmann. , 6, Ed. Goldacker.» . 101. K. Herje. Kürstenstr. S, 91. Loudlvk». ©netfcnauftr. 96, Ullbrich.* Grätestr. 67, I. Brendel. , 12, Rabatt-«p ar-V erein." . 35, Rabatt-Spar-Verein.' „ 25, Böttcher u. Co. 4, A. Kaddh. Grmunstr. 1, Hentsch. Halenheide 49. O. Hartman». Jahnstr. 21. Köhler. Prinzenstr. 64. Brotsabril Berolina.� Ritterstr. 15, Herm. Trapp.» Stallschreiberstr. 32a, Hanke. schmidstr. 8a, C. Lange. Schönleinstr. 27, O. Hollunder, » 21. C. Slnders. 6, E. Drauschke, Solms str. 27, S. Kranz. Urbanftr. 1, Neubarth.* „ 83, R. Schnccklein. Wasserthorstr. 16, Lautenschläger. . 21. Bobel.' Nlexanbrinenstr. 46, Riebenstahl. 28, M. Hiibig.' Fidicinstr. 14, Aug. Prcuh. Friesenstr. 27, Brotfabrik Bcrolina.» �erufalemerstr. 3/4, R. Richter. Kreuzbergstr. 38, K. Hesse. Mittenwalderstr. 30, Kränz Dohna!.» Möckernstr. 124, O. Blottner.» Markgrasenstr. 73, R. Richter. „ 74, Gust. Rothe.» Mariendorferstr. 3, I. Steinte. Mittenwalderstr. 44, G.«Schröder. Nostizstr. 9, A. Bockisch.» „ 49, Aug. Micheli.* Simeonftr. 28, B. Bergmann.» Wilhelmstr. 133, R. Richter. Jorkstr. 40, O. Blottner.» » 65, A. Trümplcr. Ilmmerstr. 84, R. Richter. Zossenerstr. 41, O. Blottner.» HVsst«». Blumenthalsir. 6a, Gerdwitz. Dennewitzftr. 4, Elias Radanobitz.» T cuncwitzitr. 6, O. Blottner.» 33, M. Jahn. Friedrich Wilhelmstr. 20, N. Zapp. Zrobenstr. 20, Brodfabrik Berolina.» ittrchbachstr. 14, O. Gacdicke.» Neue Steimnetzstr. 1. Karl Zeglin. Nürnbergerstr. 29, G. KakowSky. Steglitzerftr. 71, O. Schaper. Steinmetzftr. 27, M. Poche. , 43, O. Hoher. Göbenstr. 13, Brotfabrik Berolina.» Grotz-Görschenstr. 3, O. Gacdicke.» „ 9, EllaS Radanovitz.» Kursürstenstr. S, O. Blottner.» Ccntrnm. Alexanderstr. 28, W. Hittig. 21, Eduard Goldacker.» Auguststr. 26, Brotsabrik Berolina.» Dragoncrstr. 15, A. Weher, HankeS Bäckerei.» Dragonerftr. 36. N. Neumann, Elsafferstr. 92, S. Vetter. 19, ThuigeS. GiPSstr. 7, L. Listen.» Grenadierstr. 47, E. Hannisch. Kreuzft. 17, R. Skibbe.» Linlenstr. 56, E. Schneider.» „ 65, P. Hanke.» Lothringerstr. 16, I. Schmitz. Mulackstr. 10. Sl. Beisfe. Lranienburgcrstr. 39, M. Struck. „ 84, Hanke. Sophien stratze, Aschingers Bierquelle. Stcinstr. 18, Otto Minuth. Alte Schönhauserstr. 33, Ed. Goldacker.» Charlottenbnrg. Ansbacherstr. 23, A. Kühnast. Cauerstr. 17, G. Schulz. Courbiercstr. 9, K. Dunker. Christstr. 18. B. Liebe.» Dankelmannstt. 46, Lehmann. ErasmuSstr. 12, Schmidt u. Hamerski/ Florastr. 10, Maah. Friedrich Karlsplatz la, W. Nitsche. Goethestr. 25, G. Schott.» „ 79, W. Weigand. Guerickeslr. 40, P. Torgclcr.» Huttenstt. 32/33, C. Schäjser. Kantstr. 24, Görnia. ,. 40, A. Lüdtke. „ 61, L. Förster. Kanalstt. 15,©. Lenke. Kaiser Friedrichstr. 59, S. Larisch. Kirchstr. 35, E. Knorr. Knobelsdorsfstr. 8, H. Schmidt. 42. P. Bleh. Krummestr. 20, O. Schulz. Lcibnizstr. 5, Hempel. 62, O. Wörbc. Motzstr. 19, O. Blottner.» Nehringstr. 4, C. Brand.» Ncttclbeckstr. 14. O. Blottner.» Pestalozzistr. 76, I. Spitzbart. Nückertslr. 3, O. Wilde.» Piötzensecstr. 12, A. Thiele. Sophie Charlottenstr.l5a,PaulDähne.» 80, v. Proell.» „ 93, H. Gramm. Spandauerstr. 20, B. Lück. Sprcestr. 46, Porath. Schillcrstr. 83. R. Roth, Slyarrenstr. 28, A. Karsch.» Schlüterstr. 17, E. KrauS. Stuttgarter Platz 15, A. Nitsche. Tauroggenerstr. 10, G. Jandke. Wallstr. 8, P. Reiche. .. 85, A. Ulbrig. Wilmersdorjerstr. 59, M. Funk. 70, W. Gaidke. „ 158, O. Geisler. Schöneberg. Ansbach erstr. 8, O. Blottner.» Akazien str. 12, Wwe. Herbst. Albertstr. 12. A. Borbet. Zlugsburgerstr. 36, O. Blottner.» Bahnstr. 21, A. Lehmann. „ 40, O. Sterling.» 46, O. Blottner.» 47, N. Schwämmleitt. Barbarossastr. 78, Wetzet.» Brunhildftr. 9, Fach. Bclzigcrstr. 61, P. Kcrnchen. Ebers str. 85, Rauchschnabel. Feurigstr. 67, E. Merfert.» 54. F. Michaelis.» Frankenstr. 7, P. Neumann. „ 2, Eduard Hanke.» Fritz Reuterstr. 9, H. Gork. Gothenstr. 11, O. Blottner.» 21, E. Brauer. Goltzstr. 2, I. Wurst, sr. Hanke.» Goltzstr. 31. O. Blottner.» Goltzstr. 63. Brotfabr. Berolina.» Gustav Freytagstt. 9, H. Beck. Grunewaldstr. 129, O. Blottner.» HO, „ 120, A. Lehmann(Jnh. Schäser). Hauptftr. 63, F. Kaiser. , 85, K. Hcttgen.» , 126, R. Steuer.» Hohenfriedbergstt.21, Frledr. Templin.» 5. E. Obiglo. 19, O. Blottner.» Hohenstauffenstr. 7, A. Lehmann.» Kaiser Friedrichstr. 14, F. Pielschmann. 11, Peter. „ 4, Brots.Bcrolwa.» Kolonnenstr. 46, E. Totziowsky. Krimhildstr. 1, O. Reinemann. Kyfshäuserstr. 9, G. Schwcmmer. „ 11, Bohndorf. Meiningerstr. 9, E. Naudhus. Nollcndorsstr. 23, B. Maiberg. Sedanstt. 6/7, F. Lehmann.» 18. P. Pranke. „ 22, L. Johannes.» „ 34, E. Brauer. „ 36, I. Lehmann.» „ 39, E. Niemann. 83, H. Wurst. Sicgfriedstr. 1, Brotsabr. Berolina.» ,. 4. Josef Wagner.» Steinmetzftr. 22, O. Blottner.» „ 42, O. Blottner.» Tcmpelhoferstr. 8, Hampe. „ 5, W. Danicke. Winterseldtstr. 20, H. Pomerenke.» Ziethcnstr. 3, R. Höffmann.» lltixekork. In Rixdorf werden nur die Tarif-Bälkerelen aufgeführt. Bergstr. 73, M. Kupsernagel. „ 16, O. Wiencckc. „ 122, Conrad Penks. „ 32, Rob. Kießling. 134, Stich. Licbenow. Berlincrftr. 20, St. Voigtländer. „ 26, B. Reich. „ 80/81, Spandel. 85, R. Leina». Boddinstr. 64, F. Godawa. Dcwrückstr. 35, F. Ecke. „ 65, R. Seiler. Elbestr. 6. KIrstädter. Elsenstr. 82. F. Pictsch. Emserstr. 44, M. Jejchal. Erlstr. 4, Spcisekorn. „ 15, G. Maerz. Falkstr. 3, Rabatt-Sparverein Südost. „ 21, M. Lebmann. „ 25/26, G. Persicke. Fuldastr. 10, E. Krockcr. Fuldastr. 60, M. Kasten. Friedelstr. 3, L. Marmul. Hermannstr. 42, M. Firn stein. „ 16, E. Reinhardt. 210, Sl. Brich. „ 231, Friedrich. Hertbastr. 3, Hilmer. Herzbergstr. 11, Gribat. „ 28, SS. Stange. Hersurthstr. 34, R. Seiler. tobrcchtstr. 1, P. Neubauer. obrechtstr. 71, H. Grünhagen. Hohcnzollernplatz 11, W. Schmidt. 13, Dornbusch. 18, O. Markus. Jansenstr. 2, O. Hacker. Jägerstr. 70. Paul Hahn. 77, E..Haase. Jullussw. 65, J. Scholz. Kaiser Friedrichstr. 175, I. Weigmann. . 12, Sl. Braun. „ 7, A. Herrmann. KarlSgartenstr. 13, H. Kadow. Kncscbcckstt. 33. Rob. Gallcr. „ 38, C. Gruhlke. 41, M. Bclzig. „ 68, R. Richter. , 146, A. Hentjchcl. Kirchhosstr. 2, Rabatt-Sparv. Südost. » 32, C. Hossmann. „ 46/47, Breska. Kopsstr. 45, I. Hornig. Lejsingstr. 22, Aug. Jahnke. „ 30, Hoppe. „ 34, M. Sereke. Müllchenersir. 17/18, Friedrich. 31. Sllb. Voigt. „ 44, R. Wcigclt. Mainzerstr. 56, Joh. Brchmer. Pannierstr. 13, K. Junker. „ 16, A. Jsmcr. „ 4, Otto Görtz. Pflügcrstr. 11, W. Ohlhofs. Prwz Handjeryftr. 22, W. Bennewitz. .„ 24. Brix. „. 38, Leuchte. ,, 58, I. Bartsch. »„ 75, Ö. Lemke. •. 83, O. Griebat. Richardstr. 104, Handle. , 15, Paul Blasius. 63, Lüdicke. Richardplatz 7, Rich. Liebenow. Ringbahnstr. 25, P. Scholz. 30. V. Kosiel. Reuterstr. 32, Slrthur Rybitzki. 94. Fritz Bosse. „ 76, P. Wcrnccke. Selchowerstr. 4, M. Lehmann. Steiumetzstr. 23, Kummer. „ 29, Stich. Liebenow. 39, R. Seuftleben. Steinmetzftr. 121, Löwigt. „ 129, Rabatt-Sparvereiii. „ 131, I. Runge. Schöncwcidcrstr. 9, Fr. Leina». Thomasstr. 7, R. Lobbes. 37. Arndt. Thüringerftr. 18, E. Würfel. 36, CarlAdamcck. Walterftt. 18. E. PrUschkvw. Warthcstr. 9, Cziicior. „ 68, H. Dallinger. Wanzlickstr., Kassube. Wihmannstr. 7, I. Treffer. „ 21, B. Krüger. Wipperstr. 12, Krell. Wesersir. 206, C. Slawinski, Ziethen str. 19. W. Ossa. „ 20, M. Lehmann. 36, F. Zahn. 41, Emil Pankow. 57, Carl Jelsrust. , 75, Klein. . 81, Hentzschel. Britz./ Buckowerstr. 8, W. Spielhagen. Buckower Chaussee 4. Laaua. Bürgcrstr. 12, K. Dicckhoff. „ 24, O. Weihrauch. „ 50, A. Friese. Chausseestr. 17, Witwe ClauSnitzer. „ 36b,®. Ramdohr. ,, 43, E. Schädel. 50, M. Fischer. „ 68, Otto Markwart. „ 68/70, G. Heidcmann. „ 77, K. Braun. „ 101, Pannwitz. „ 152, A. Wiangke. 114, C. Radlke. Jahnstr. 45, O. Schulze. Rudowerstr. 6, A. Haupt. Werdcrstr. 89, Fr. Parniko. Dalldorf. Bahnhosstr. 9, F. Korstädt. HermSdorserstr. 1, A. Gutschow. Oranienburgcrstt'. 10, E. Jahn. 21. P. Pasch. Oranienburger Chaussee 17o, G. Trost. Rosenthalstt. 2», H. Karstädt. 3. W. Frost. „ 4a, A. Plätwcr. „ 9, Ch. Prächter. Trislstr. 11, O. Richter. Stralau. Alt-Stralau 49, C. Härtung.» 56, P. Franke.» Dorsstr. 10, H. Schafer. Alt- nnd h'cn-Weiasensec. Berlinerstr. 1. O. Hohenschild.» Ch arlottenburgerstr.°78, R. i�ick. . 79, H. Dahm. . 79,A.SchadwinkeI „ 93, A. Gollin. . � 98, E. Engel.» Elsasistr. 15, G. König. Falkcubcrgcrstr. 46, I. Frösch. Feldmannstr. 94, O. Lehmann. Friedrichstr. 1, Fr. Roth. Kriesickestr. 22, H. Bohnhofs.» Gäblerstr. 8, F. Chriftukat.» 60, W. Engel.* Große Seestr. 26, F. Köhler. Gustav Adolsstr. 7, Ernst Engel. „ 152, P. Klinner. „ 156, Lud. Mägdesrau. Hauptftr. 82, A. Herls Ww.» Heinersdorser Weg 11, G. Schneider. 24. R. Engel.» 37, H. Schulz. „ 48, P. Sikorski. König-Chauffee 10, Herm. Schüler.» 22. z. Dahn. „ 34, F. Wiedemann. „ 41,Brotsabr.Beiolina» 52, C. Bogt. Kronprinzenstr. 13. G. Hotz. Langhansstr. 55, I. Stohr. 94, G. Höhne. , 122, Krön.» 142, G. Kasischke. Lothringenstr. 12, Sl.«chenk. 3t, Sl. Kcnipe.» Lehderstr. 112, O. Strunz. Parkstr. 7, A. Laufs-. Pistoriusstr. 95, I. Knust. Prenziauer Chmissee 3/4, M. Kohler.» 20, B. Pätzold.» Röllestr. 17a, I. Boschinly. „ 127, W. Vogel. Sedanstr. 35a, K. Moschler. „ 63, E. Dahn. Sttatze 2, O. Bauer. Strasiburgstr. 20. H. Hähnge.» Streustr. 2, I. Bauer. Wilhelmstr. 23, E. Schwarz. 30, E. Grotzkops. Wörthstt. 24, A. Popp.» BeinlcKendorf. Slutonicustr. 36, Fr. Höffmann.» Auglistc Victoi-ia-Slllee 53, C. Hinrich. Berlinerstr. 14, Haltwig. „ 42, H. GuihSmuthS. „ 104, Mich. Krause.» 134, W. Gottschalk. Bürgerstr. 20, Popp. Eichbornstr. 12, Behrend.» „ 35, H. Ziesmer. « 39, 0. izlleguer. „ 72, O. Köhler. GesellschaftSstr. Zt. H. Koblitz. Grüncr Weg 51, M. Modrow. „ 52, R. Miiflcr. Hausotterstrasie, R. Witte. Herbststr. 24, Fr. Kotteiihahn. Holländerstr. 125, C. Nitschle. Justilsstt. 14, Modrow. 29. H. Kahle. Markstr. 5, A. Scheer. Pankower Allee 72, W. Köpke. Provinzstr. 28, H. Schenkel. „ 51, Herm. Bamngärtet. „ 72, E. König. 80, I. Schwarz. '„ 86,(S. Braun. Residenzstr. 61, Busse.» „ 75/76, R. Zimmer. „ 150, E. Licbing. „ 118, C. Stege.» Scharnweberstr. 133, F. Naujack. Schivedenstr. 16, Hebrock. Danhotv. Berlinerstr. 6, Lommatzsch. „ 84, I. Kalbow.» Brehmestr. 54, O. Harm. Florastr. 24 u. 35, G. Piest „ 34, W. Hein. .. 50, M. Eichstädt.» „ 78, E. Sasse. Heynstr. 5, M. Koller. Kaiser Friedrichstr. 67, Wienicke. Kreuzstr. 17, Skibbe.» Kuglerstr. 8, W. Zibell. Maximivanstr. 2, R. Voley. 50. Sl. Rohr. Mühlenstr. 13, C. Barsckow. 78/80, St. Linde. Neue schönholzcrstr. 4. H. Steuer. Schlosistr. 4, R. Grunow. Schönholzerstr. 7, R. Seiffer.» Wollankslr. 22, W. Schmidt. „ 130, B. Hartmann. Frledrichafcldc, Berlin erstr. 1, Meher.» . 102, O. Wölfert» Ober-Schönewcidc. Frisch enstr. 1, Sl. Beiger. „ 21, M. Pietsch. Lau sn erstr. 4, H. Strache. Marienstr. 13. Th. Miclkc.» Ohmstr. 7, F. DamS. Siemensftr. 16, H. Jahne. Wilhelminenhosstr. 1, H. Kunze. „ 17, Fronober. , 37, Emii Prützke. 47, Th. Mielke.» Tegel. Berlinerstr. 3, L. Gieße. Schliep erstr. 29, L. Schwanz. 67, Weisihaupt. Schlosistr. 22, ö. Wille. „ 27, Petersohn.» Haaelborat bei Spandau. Otto Engel. Böpenleh. In Köpenick werden nur die Tarifbäckercien nnfgeführt. Alter Markt 64, R. Reppmaim. Bahnhosstr. 5, W. Hartmann. . 16, Sl. Borzym. 2, F. Rösiler. Berlinerstr. 12, C. StusinSkl. Dorothcenftr. 16. Julius Hilft er. Glienickerstr. 1, Grams. » 3b, 11. Friedrich. „ 29, H. Hackenbcrg. Grünauerstr. 10, N. Stiehr. , 27, P. Krämer. I. StenglewSkr. Grünstr. 36, Slugust Hauk. .Kietz 26, Sponhvlz. Kaiserin AugustaVictoriastt. 23, Darge. u»» 16, Gust. Kühn. Kaiser Wilhelmstr. 100, R. Springhorn. Louisenstr. 9, O. Retzlaff. Marienstr. 44, D. Jurzok. „ 13, Slnna Koste. Müggelheimerstr. 13, Dräger. „ 21, Herm. Kabisch. „ 32o,'Gustav Hoppe. 39, Gustav GraziaS. ParisiuSstr. 11. H. Thiele. Rosenstr. III, O. Scheibe. Rudowerstr. 12, P. Hein. Schönerlinderstr. 12, C. Bcrnard. Adlershof. A. Wartenberg. E Schulz.« E. Lellcick. Job. Laserich. Frau Römisch. Fr. Zabke. «rtinan. Köpnickerstr. 107, P. Stadclhoff.» . A. Euen.» Steglitz. Slhornstr. lös., E. Thiel. Sldolsstr. 7. H. Orschel. Burgjtr. 3, C. Felsch. Düppelstr. 22, Holz. Düntherstt. 2, M. Gortzig. Florastr. 2a, E. Länimke. Herderstr. 3. Leupold. Schloßstr. 95, W. Papier. „ 116, E. Kummer.» Schützenstr. 1, G. Bollmann. „ 11, Hermann KnathS, „ 38, H. Wache. Wilmersdorf. Slugustastr. 3, I. Schramm. Berlinerstr. 38, W. Grosse.» Brandenburgischestr. 3, H. Angerstein. Düssetdorserstr. 4, G. Jauch. Siginaringenstt. 35, I. Larisch.» Uhlandstr. 46, H. Forstemann. 128, Ä. Wiese. „ 135, E. Pasemmm. 140, M. Esser. Halensce. Kronprinzendamm 4, H. Schildhauer. Rnmmclsbnrg. Sllt-Borhagen 30/31, E. Knopf. Goekheitr. 16, Stb. Plaschner.» Hauptftr. 82, Ww. Hercks.» Kantstr. 1. E. Böhme.» 47, R. Schubert. Lessingstr. 2, Wich. Merten.» 10, Otto Riebe.» Neue Prinz Awertstr. 5, Fr. Hensel.» „ 25, P. Seidel.» 30. G. Hahn. 48, M. Luinwitz» Neue Bahnhosstr. 9, O. Fritsche.» 27, R. Hanisch.» Sonntagstr. 36, B. Joachim.» Schillcrstr. 27. P. Mickeiburg.» Türrschmidtstr. 2. A. Westphahl.» „ 31, G. Schön.» . 40, Th. Böhme.» Alt-<911enlehe. Köpnickerstr. 44, O. Stadechoff.» Rudowerstr. 57. M. Lange. 76, Hermann Werner.» W. Beuster. ntthlenbcch. Paul Groß. A. Hencke. Gross-Ziethen, Chausseestr. 37, 81. Warner. Selchow b. Teltow. Bahnhosstr. 2, I. Wernitz. Idehtenberg und Friedriciisberg. Bluinenthalstr. 7, E. Schültke.» .. 10, C. Hanle. „ 19, K. Marttn. . 24, K. Biedeiinann.» 27. H. Holland. Frankfurter Chaussee 20, FörsterNng.» „„ 50, Dammlöhler.» Friedrich Karlftr. 14, G. Adomeit. Kreuzigerstr. 20, Sl. Wenger. Pfarrstr. 38, L. Keßler.» Rummelsburgerstr. 22, C. Opitz. . 38, Werner. Scharnweberstr. 37, W..Köpke. , 71, Geyer. Mainzerstr. 24, L. Schmidt.» Blumcnthalstr. 7. E.«chultke. Dorsstr. 82, B. Mägdesrau. Wagnerstr. 79, W. Sorge.» , 99, N.«sorge. Wilhelmstr. 57, A. Jesse.» Schönerlinde. E. Weeze. Masse.» Wnssmannsdorf. G. Stengel. Sfledcrsehöntaanscn. Kaiser Wilhelmstr. 37, Achlerhagen. Uhlandstr. 3, Lübach. Bcuthstr. 11, Manke. Slankcnburgem. 11, SR. Zugwmft. Buchholzerstr. 8b, K. Remter. , M. Geisler. Hohen-Sehönhansen, H. Maihofer. Koslestr. 17, A. Kusche. Ifen-Hohen- Schönhansen. Berlinerstr. 8, E. Schulze. Wartenberg. Weißenbach. Treptow. Elsenstr. 88, SS. Barling Nachfolger B. Roebert. lilchtenow-Herzfelde, H. Bulprecht. Schmargendorf. Breitestr. 22, E. Klmgbeil. Dahlem hei Steglitz. K. Schillwg. Frledenan. Lauterstr. 24, O. Marold. Stahnsdorf. A. Häsener. Hennigsdorf. Chausseestr. 16, L. Wolter. , 33, W. Seiler. 69, Sl. Lunke. Hauptstr. 2, A. Mohnkopf. , 17, O. Graffenberger. , 20, Carl Dotter. Neuendorferstr. 4, H. Wolter. Waltersdorf» Dorsstraße, Th. Sparr.» Flehelsdorf bei Spandau. Carl Landt. Samt hei Mtthlenbeefc. O. O eifert. H. Hense. Franz. BnehholM. Berlinerstr. 43, W. Mai. Pankowerstr. 4, H. Ulrich. W. Preuß. Ferwenltz b. Paaren. W. Leue. U-lndenherg. I: »öst. Dannbier. Buchow bei Berlin. Bahnhosstr. 7, Thielscher. Chausseestr. 11, A. Michalicka. , 40/41, O. Maaß. . 53. K. Tarlass. Nlarlcndorf. Chausseestr. 11, R. Basener. , 13, W. Sellnow. „ 42, G. Ireimuth.» 67, St. Richter. . 59. E. Gebrling.» . 70, H. Polenz. „ 79, L. Richnow. Kaiser Friedrichstr. 62, H. Wieutdh Lanlwitzerftr. 4, B. Knopf.« Tempelhof. Berlinerstr. 34, Br. Wilde. , 38, SB. Römipagel. » 45, I. Niemezewski. Gross Beeren(Kr Teltow). W. Hertel Nachs. Schuhmann. Hloln-Beeren. Fr. Thieme. Teltow. Berlinerstraße, E. Hartman«. Flebstödt bei Veite». Dorsstraße 26. H. BAke. Borsigwalde. Ernststr. 6. E. Etzat. Beinersdorf. Prenzlauer Chaussee 2, A. NeumaNN. Rothenbachstr. 51, O. Neumann. Bermsdorf. 'aupistr. 34, K. Herrmann. iothenbachstr. 51, Otto Neumann. Stolpe a. b. Nordbahn. Dorsstr. 3, A. Gütschow. liUbara a. d. Nordbahn. H. Kügow. Bosenthal. A. Zickow. HelUgensee. M. Lahrmann. W. Kühne. Die mit einem* versehenen Bäckermeister haben den Tarif des EinigungSamtes anerkannt, und bitten wir die Konsumenten, diese besonders zu unterstützen, da sie als die Zuverlässigsten gelten müssen. Vom Norden sowie Rixdorf und Köpenick werden nur Tarifbäckereien aufgeführt, sind also nicht mit Sternen versehen, was zur Vermeidung von Irrtümern mit angeführt sti. Alle Tarifmeister müssen den mit unserm Verbandsstempel versehenen nnd vom Bäcker, neister eigenhändig nuterschriebenen Tarif als Legitimation dem Publikum vorlegen können. Hausfranen! Arbeiter! Bürger! Berücksichtigt in erster Linie die tariftreuen Bäckereien! Der Vorstand des Verbandes der Bäcker und Berufsgenosseu Deutschlands. (Mitgliedschaft Berlin.) Bureau: Gipsstraste 2, Hof parterre.— Telephon: Aint in, Nr. 1243. Söst" Kerantw. Nedakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glockh Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Nr. 202. 21. Jahrgang. 4. KilU Ks Joniiiirts" Wiirt NsIksdIM Sonntag, 28. Augnst 1904. Versammlungen. Charlittenburg. Am 16. d. MtZ. hielt der hiesige Wahlverein seine Mitgliederversammlung im Volkshause ab. Reichstags- vlbgeordncter Genosse G e r i s ch sprach in derselben über„Partei- Organisation" und machte etwa folgende Ausführungen: Seit längerei. Zeit macht sich das Bestreben bemerkbar, die Partei- Organisation umzugestalten. Neben dem Aenderungsvorschlage des Parteivorstandes, nach welchem jeder Parteigenosse, sofern nicht zwingende Gründe ihn daran hindern, verpflichtet ist, sich einer socialdemokratischen Vcreinsorganisation anzuschließen, liegen uns solche auf geschlossene Centralisation vor. Ferner wird gewünscht die Einsetzung einer besonderen Agitationskommission neben dem Parteivorstandc und die Anstellung besoldeter Parteisekretäre für die einzelnen Agitationsbezirke. Das Parteivorstandsmitglied Ge- nosse Pfannkuch hat sich ja schon in einer Versammlung zu Hannover dahin ausgesprochen, daß alle Acnderungen der Partei-Organisation nur in der Richtung auf Centralisation erfolgen könnten und müßten. Es muß dabei jedoch, fuhr Redner fort, das Wünschenswerte und Mögliche scharf auseinander ge- halten werden. Nach sorgsamster Abwägung aller in Betracht kommenden Umstände bin ich zu der Ucberzcugung gelangt, daß eine geschlossene Centralorganisation über ganz Deutschland, mit cinhcit- lichcn Mitgliedsbüchern, Beitragsmarken usw., sür uns als social- demokratische Partei bei dem derzeitigen Stande der Vereins- gesetzgebung einfach unmöglich ist. Mmr hat freilich ein- gewendet: Was der Bund der Landwirte fertig bringt, müssen wir auch fertig bringen. Die so argumentieren, übersehen ganz drei gewichtige Umstände. Erstens wird der Bund der Landwirte niemals auch nur entfernt so viel Mitglieder erlangen, wie wir sofort auf den ersten Ruck in unsrcr Organisation vereinigten; zweitens sind die Mitglieder des Bimdcs der Landwirte ebenso seßhaft, wie die unsrigen fluktuierend, und drittens— das Entscheidende— ist die Behörde mit dem, was ihr der Bund der Landwirte in Beachtung der vereinsgesetzlichen Bestimmungen darbietet, ebenso zufrieden, wie sie mit unsren Darbietungen unzufrieden sein würde. Wie peinlich haben wir nicht, solange das jetzt gefallene Verbot des In- verbindungtrctens der politischen Vereine bestand, diese Bestimmung beachtet. Ja. wir waren überhaupt die einzige Partei, welche das Verbot beachtet hat, alle andern Parteien haben täglich vor aller Welt gegen diese Bestimmung gehandelt, weil sie ohne Verletzung des Gesetzes gar nicht fertig werden konnten, und doch wurden nur wir allein fortwährend drangsaliert und schließlich im Kvller-Eoup in Massen auf die Anklagebank geschleppt. Freilich mit sehr negativem Erfolge! So würden wir auch bei den Bestimmungen, welche die heutigen Vereinsgesetzc noch bezüglich der Anmeldepflicht der Vereinsmitglieder enthalten, auf keine Nachsicht und Schonung seitens der Behörden rechnen können. Während wir aber die Klippe des gefallenen Verbotes noch zu umschiffen vermochten, sind die noch zu Recht bestehenden Bestimmungen bezüglich der Anmelde- Pflicht bei einer Vcreinsorganisation von dem Umfange der social- demokratischen Partei überhaupt nicht mehr zu erfüllen, selbst wenn man dem Parteivorstande ein ganzes Heer von Beamten zur Seite stellt und ganz« Häuser zu Registraturen einrichtet. Noch crtra schwer find diese Bestimmungen zu erfüllen, wenn man die Spruchpraxis des Kammergerichts in Betracht zieht, und in eine andre Stradt als Berlin kann man doch den Kopf der Organisation nicht gut der- legen. Ferner ist zu berücksichtigen, daß wir an die Spitze unsres Organisationsstatuts nicht die grundlegende Bestimmung setzen können: Zur Partei gehörig wird betrachtet, wer der Central- organisation angehört usw., denn wir würden dadurch in ganz Preußen die Frauen ausschließen, würden den Tausenden von Arbeitern in Staatsbetrieben die Parteizugehörigkeit unmöglich machen usw. Kurz, wir müßten, um den thatsächlichen Verhält- nissen Rechnung zu tragen, so viel Ausnahmen machen, daß wir zum Schluß ungefähr auf das hinauskämen, was der Aoänderungs- Vorschlag des Parteivorstandes enthält. Dagegen ist über den Vorschlag des Parteivorstandes hinaus noch eine Besserung nach der Richtung möglich, daß an Stelle der heutigen Buntscheckigkeit in der Organisation die obligatorische, ge- schlossene Kreisorganisation mit fest abgestuften Beiträgen an die Centralkasse tritt. Weiter ist möglich, daß den aus einer Anzahl Kreisorganisationcn gebildeten Bezirksorganisationen, wenn so n st alle Umstände dafür sprechen, zur Führung der Gc- schäfte und zur Betreibung der Agitation ein von der Partei bc« soldeter Sekretär beigegeben wird. Diese Acnderungen können wir sofort durchführen und damit einen großen Fortschritt erzielen. Wichtiger als aller Streit um die Organisationsform ist freilich das Organisieren selbst. Bei den schweren Kämpfen, die dem Proletariat bevorstehen, dürfen wir keinen Augenblick ruhen und rasten, immer neue Volksmassen mit nnserm Geiste zu durchdringen und in unsre Organisationen einzufügen, In der anschließenden Diskussion erklärte Genosse Dr. Borchardt die Zusätze des Parteivorstandcs für überflüssig und bemängelte, daß nicht genau angegeben ist, welche Gründe dafür maßgebend sind, sich nicht der Organisation anzuschließen. Auch könne er sich mit dem Ausschlußpassus nicht einverstanden erklären. Genosse G c r i s ch widerlegte den Redner. Zu dem Punkt der Tagesordnung:„Der kommende Parteitag" wurde ein Antrag deZ 2. Bezirks, der Parteitag möge sich mit der Schulfrage beschäftigen, angenommen. Tagegen wurde ein Antrag. der Parteitag möge sich mit der Goneralsweiks-Frage beschäftigen. abgelehnt. Ein Antrag des Vorstandes, daß die Wahlen der Delegierten zur Generalversammlung des Kreises aust Grund des Proportionalwahlsystems erfolgen sollen, mit dem Zusatz, daß, falls die kleinen Wahlvereine des Kreises befürchten, dadurch unterdrückt zu werden. nach Orten abgestimmt werden soll, wurde angenommen. Zum Punkt„Provinzialkonferenz" beschloß die Versammlung, eine Erhöhung der Mitglieder der AgitationLkomntission für die Provinz Brandenburg abzulehnen. Nachdem der Kassierer die 44. Neuaufnahme verlesen hatte, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Socialdemokratie. Der Bremer Parteitag wurde in der letzten ordentlichen Nkit- glieder- Versammlung des Socialdemokratischen Wahlvereins zu Schönebcrg behandelt. Genosse Wollermann, welcher das ein- leitende Referat übernommen hatte, erklärte an der Hand der der- öffcntlichtcn Tagesordnung des Parteitages, daß im ersten Augenblick es den Anschein erwecken könnte, als sei der diesjährige Parteitag ein solcher, der eine sehr nüchterne Tagesordnung aufzuweisen habe. Er empfehle der Versammlung, auch dafür einzutreten, daß die Schulgcsetzfrage mit auf die Tagesordnung gesetzt werde, zumal sich Genosse Dr. Leo AronS bereit erklärt habe, das Referat für diesen Punkt der Tagesordnung zu übernehmen.— Der jetzt seitens des Parteivorstandcs veröffentlichte Bericht an den Parteitag eiithalrc gleich auf der ersten Seite eine große Unrichtigkeit. Der Genosse Meiling, welcher seitens unsres KmseS zum Parteitage nach Dresden delegiert wurde, ist nicht,>vie im Bericht mitgeteilt wird, an den Folgen eines Sturzes, sondern nach Aussage von Augenzeugen und laut Totenschein, au einem Gehirnschlage verstorben.— Alsdann giebt Referent einige Zahlen über die Betriebsergebnisse des„Vorwärts" bekannt und incint, daß die Erwartungen bezüglich der tteberschüsse nicht eingetroffen sind. Aus diesem Grunde werden auch die Au- träge auf Verbilliguug unsreS CentralorganS zur Zeit keine Aussicht auf Erfolg haben. Die seitens der Vorortsvereine geführten und sogar berechtigten Klagen werden nicht eher verstummen, bis der Verlag dazu übergeht, eine sogenannte Vorortbeilage einzurichten, welche eventuell wöchentlich erscheint.— Die Dislussion über den parlamentarischen Bericht dürfte voraussichtlich wegen der sciuer Zeit geübten Stimmenenthaltung bei Bewilligung des Herero-KrcditS etwas lebhaft werden. Ferner wird es notwendig sein, daß der Parteitag sich nnt den Ausführungen des Genossen Dr. F r i e d e b e r g in der Berliner Versammlung beschäftigt. Es ist lebhaft zu bedauern, daß ein Parteigenosse, der selbst ein Stadtverordneten-Mandat innehat, so intensiv für die Gegner arbeitet. Zu bedauern ist bei dieser Gelegenheit, daß zu der Versammlung kein Korreferent ernannt war.— Bezüglich der Maifeier ist Redner der Ansicht, daß der Beschluß des internationalen Kongresses für uns auf alle Fälle wird maßgebend sein müssen. Den Versuchen einiger größerer Gewerkschaften, die Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai zu verlegen, muß mit der größten Schärfe entgegengetreten werden. Aus diesem Grunde sei er unter allen Umständen für die Resolution des Parteivorstandes. — Zun, Punkt Kommunalpolitik sei zu erwähnen, daß es endlich an der Zeit sei, hier etwas Einheitliches zu schaffen. Nicht zu recht- fertigen sei es. wenn z. B. in benachbarten Gemeinden in ein und derselben Sache sich diametral gegenüberstehende Ansichten zu Tage gefördert werden. Aus diesem Grunde sei die vom Genossen Dr. Linden, am, ausgearbeitete Resolution als Anfang zu einem einheitlichen Komnnmalprogramm mit Freuden zu begrüßen.— Bezüglich des Punktes: Der internationale Kongreß in Amsterdam ist Referent der Ansicht, daß dieser Punkt vor der Maifeier auf dem Parteitage verhandelt werden müsse.— Zu dem von, Pnrteivorstand ver- öffcntlichten Abänderungsvorschlag des Organisationsstatuts äußert sich Redner zustimmend.— Von den bis jetzt veröffentlichten Anträgen aus andren Orten kritisiert er den Antrag Breslau betreffend Centrali- siernng der Partcr-Organisationen und erklärt diesen Antrag, da sich einstweilen unüberwindliche Schwierigkeiten in vereinsgesetztichcr Be- zichung dem entgegenstellen, als undurchführbar.— Aus der Mitte der Versamnüung liegen verschiedene Anträge vor: 1. Genosse Thielking beantragt: Der Parteitag wolle beschließen: „Um einem Bedürfnisse nach einer guten Jugendschrift zu begegnen und eine recht ftihlbare Lücke in untrer Parteilitteratur auszufüllen, beauftragt der Parteitag den Parteivorstand, die vor etwa einem Jahre von Dr. Morgenstern herausgegebene, aber leider eingegangene Jugendschrist„Die Hütte" wieder neu erscheinen zu lassen, eventuell in Partciverlag zu nehmen, andrenfalls aber dem Herausgeber. wenn nötig, mit Subventionen zur Seite zu stehen." 2. Die Genossen des 4., 5. und 8b-BezirkZ beantragen: Auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen:„Die Schulfrage in Deutschland." 3. Die Genossen deS 4. und 5. Bezirks beantragen: Dem§ 1 des vom Parteivorstande veröffentlichten Abänderungsvorschlage zum Organisationsstatut am Schluß hinzuzusetzen:„und zwar derjemgen seines Wohnortes." 4. Die Genossen des 9. Bezirks beantragen: Den Verlag des „Vorwärts" zu veranlassen, die Unterhaltungsbeilage des„Vorwärts" auch Sonnabends erscheinen zu lassen. ö. Genosse Rosenow beantragt: a) Der Parteitag möge für eine striktere Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai eintreten, und b> in der Maifeier-Resolution die Worte„wo angängig" zu streichen. In der sich nun entspinnenden GcneraldiSkussion erklärt Genosse Kütcr, daß, wenn auch die Tagesordnung des Parteitages auf den ersten Blick etwas trocken erscheine, dieses doch nicht der Fall sei. Schon durch die beantragte Hinzufügung der Schulfrage sei ein Thema gefunden, welche? von eminent wichsiger Bedeutung für die Parteigeuossei, sei. Durch die Ausführungen Friedebergs betreffend den Generalstreik ist eine Frage ausgerollt, die jedenfalls de» Partei- tag längere Zeit beschäftigen wird. Mit aller Entschiedenheit spreche er sich gegen eine anderweitige Regelung der Maifeierfrage aus. In der Specialdiskussiön wurde der Antrag des Genossen Thielking, welcher vom Genossen Wollermann begründet wurde, ein- stimmig angenommen, ebenso der Antrag, die Schulgesctzfrage auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen. Der Antrag betr. Zusatz zum Organisationsstatut wird vom Genossen Däumig begründet. ES ist notwendig, diesen Zusatz auf- zunehmen, um zu verhüten, daß Genossen sich außerhalb ihres Wohnortes organisieren und sich dadurch der Partei-Arbeit an ihrem Wohnorte entziehci,. da dieselben ohne jedwede Kontrolle find. Nach- dem noch die Genossen Grunow. Vutry und Peterson sich zustimmend zu diesem Antrage äußerten, wird derselbe einstimmig angenommen. Der Antrag des Genossen Rosenow wird nach einer längeren Diskussion in seinem ersten Teile angenommen, in seinem zweiten Teile abgelehnt. Der Antrag der Genossen des 9. Bezirks betreffend die Unter- Halsimgs-Beilage im„Vorwärts" wird, nach einer kurzen Begründung durch den Genossen Schnutz. angenoimnen. In der Klage gegen die Beschlüsse der Stadtverordneten-Ver- samnilung betreffend die Kommunalwahlen im 4. und 7. Bezirk hat der Vorstand beschloffen, betreffend den 4. Bezirk nicht weiter zu gehen, betreffend den 7. Bezirk aber Berufung einzulegen.— Zum Schluß der Versammlung gelangten noch 39 Mitglieder zur Auf« nahnie. Rixdorf. In der letzten außerordentlichen Mitgliederversammlung deS Wahlvereins erfolgte die Fortsetzung der Diskussion über die gestellten Anträge zum Breiner Parteitag. Genosse Tesche als erster Diskussionsredner meinte, in allen Versammlungsberichten der letzten Zeit sei die Maifcierftage in den Vordergrund gerückt und es scheine, als ob ein Gegensatz zur Generalkomniisston geschaffen werden solle; der Beschluß der Spandauer Genossen gehe denn doch viel zu weit, die Feier des 1. Mai jedem Partei- genossen zur Pflicht zu machen. Er stehe auf dem Standpunkt, daß die Opfer, welche der t. Mai alljährlich fordere, in keinem Ver- hältniS zum Erfolg ständen, es sei daher angebracht, die Feier deS 1. Mai durch Arbcitsrnhe fallen zu lassen. Genoffe Conrad be- gründet seinen Antrag(siehe Bericht vom 14. d. MtS.j damit, daß es ärmeren Gemeinden unmöglich sei, die auf sie entfallenden Schul- lasten zu tragen, betragen doch z. P. in Rixdorf dieselben ein Drittel des Gesamt-Etats. Hierzu kommen noch Verzinsung und Amortisation. Obwohl auch vom Staat schon jetzt teilweise Zuschüsse geleistet würden, so seien sie doch nicht im entferntesten als ausreichend zu betrachten. Rixdorf erhalte z. B. 29000 M., hierzu komme noch, daß dieselben jederzeit, beim geringsten Vorfall entzogen werden können. Be- sonders benachteiligt sind die Vororte der größeren Städte, Ivo die Arbeiter infolge der Ueberfüllung der Jndilstrieccniren und der durch den Grund- und Bodenwucher ins Unendliche gesteigerten Wohnungs- mieten in die Vororte gedrängt werden. Andre Gemeinden dagegen feien in der Lage, bei weitem mehr zu leisten als der Staat an Zu- schuß gewähren könne; aus diesem Grunde sei er zu der Fassung seines Antrages gekommen, daß die Zuschüsse den ärmeren Ge- meinden gewährt werden sollen. Pagels wendet sich ganz besonders gegen Tesche, welcher von der Feier des 1. Mai in der bisherigen Weise Abstand nehmen will. Sämtliche Parteitags-Protokolle wiesen nach, daß die Teilnahme von Jahr zu Jahr in: Steigen begriffen sei, die Kosten für die Aus- sperwngen sind z. B. bei den Metallarbeitern durch diejenigen auf« gebracht worden, welche durch Beschluß behindert waren, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feieru. ES sei unangebracht zu sagen. die Partei halse den Gewerkschaften die Pflichten auf. Ebenso falsch sei es, zu sagen, die Feier des 1. Mai habe uns noch nicht das Gewünschte gebracht, besonders dann, wenn man fortgesetzt gegen die Arbeitsrnhe agitiert habe. Weiter hat Pagels Bedenken gegen die Fassung des 8 2 Abs. 4 des OrganisationSslawts, indem er befürchtet, daß die Wahlvereine in ihrem bisherigen Recht, die Ausschlüsse selbständig vorzunehmen, beschränkt werden. Da- gegen sei er für den Antrag des Genoffen Hoffmeister. eine Verbilligung dcS„Vorwärts" herbeizuführen, und empfiehlt einen Antrag, wonach sich die Genossen für eine Erhöhung der WahlvcreinS-Bciträge erklären sollen, um event. die Mindereinnahme, welche durch Verbilligung des Abonnements entstehen könnte, zn decken. B ö s k e erwidert, daß hierdurch ja gerade wieder nur die» jenigen getroffen würden, welche schon überall die opferwilligsten seien. Eine Verbilligung von nur 10 Pf. pro Monat werde uns durchaus nicht so viel neue Abonnenten zuführen als die Antragsteller vielleicht annehmen. Auch Tesche irrt, wenn er meint, daß wir dadurch, indem wir den 1. Mai abflauen lassen, vielleicht etwas erreichen, im Gegenteil, wir würden dann erst vor aller Welt Fiasko machen. Dr. S i l b e r st e i n hält eine Verbilligung unsrer Parteipresse ebenfalls für sehr notwendig, aber es fei doch total falsch, unsre Presse mit der bürgerlichen Presse zu vergleichen. Alle diejenigen Zeitungen, welche billig seien, sind eben nichts als Kopfblätter der im Verhältnis zum„Vorwärts" viel teureren polisischen Blätter der Gegner. Der Prcßkommisiion sowie der Parteileitung müsse man doch so viel zutrauen, daß sie das richttge zu treffen im stände sein werden. Hoppe meint, den„Vorwärts" zu verbilligen, sei längst ein fronuncr Wunsch, und es würde zu begrüßen sein, wenn diejenigen, welche immer wieder mit derartigen Anttägen kommen, der Preßkommission einmal einen Fingerzeig geben möchten, wie das an- zufangen sei. Bis jetzt sei dies noch nicht geschehen. Seine Ver- wunderung müsse er jedoch darüber aussprechen, wie heute noch jemand kommen könne, um gegen die Feier deS 1. Mai zu agitteren. Den Antrag Müller halte er für überflüssig. Es sei selbswerständ- lich, daß solche Fälle so viel wie möglich vermieden werden müssen. Der Königsberger Prozeß selbst sei jedoch von großem Borteil für uns gewesen. Er könne nur wünschen, daß noch mehr solche Pro- zeffe folgen möchten; selbstverständlich unter Ausschaltung des Falles Abel. Der Antrag des Vorstandes und der Genossen des 14. Bc- zirks, die Schulfrage auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen, wird hieraus einstimmig angenommen. Dem Antrag des Genossen Conrad, die Fraktion zu beauftragen. dahin zu wirken, daß ärnieren Gemeinden zur Unter- Haltung der Schulen b e st i m m t e Zuschüsse aus Mitteln des Reiches oder der Einzel st aaten ge- währt werden, stimmt die Versammlung im Princip zu, etwa erforderliche redakttonelle Aendenmgen bleiben den Antragstellern überlassen. Der Antrag Franke gelangt mit einer Stimme Majorität zur Annahme. Mit dem vom Parteivorstand empfohlenen Organisattonsstatut erklärt sich die Versammlung nur insoweit einverstanden, als dieselbe dem Antrag Böske, den Punkt betreffend Delegation zum Parteitag zu streichen, zustimmt. Weiter gelangte noch eine Resolution des Genossen Hoffmeister, welche sich fiir Beibehaltung des 1. Mai in bisheriger Weise aus- spricht, zur Annahme. � Alle übrigen Anträge wurden abgelehnt. Zum Schluß erfolgte noch die Aufnahme von 23 neuen Mitgliedern. Der Socialdcmokratische Wahlverein für Martendorf wählte in seiner letzten regelmäßigen Mitgliederversammlung nach einem Vortrage des Genossen Dr. M. Schütte als Delegierte zur Krcis-Gencralversammlung die Genossen Gr e u l i ch- Marienfelde und Spannberg- Maricndorf. Kleine /inzeigen. D y als 15 Buchstaben zähUn doppelt. MI* W Strasse 6 Anzeigen den AnnahmesteUen für Berlin bist Uhr. für die Vororte bist 2Ubr, der Hauptexpedition Linden- Xt fasse 69 bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Weidenweg 19 feTÄ'�anemÄrt. 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