Nr. 203. flbon ncmcnf s-Bedingangen: Abonnements- Preis pränumerand» i WerteljShrl. 8,30 2W., monaü. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monab Eingetragen in die Post-ZeitungZ» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für da? übrige Ausland 8 Marl pro Monat, 21. Itchrg. CrfAtiBt tlsllA iuBcr DIOBUt», Nevlinev VolksblÄkk. Die TnfertlonS'Gebflfir Sehilgt für die fechSgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für polltische und gewerlfchaftkche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 2ö Pfg. „Uteine Hnztigcn", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 1b Buchslaben zlthlen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben weiden. Die Expeditton ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adresse! „SozialtKiiihkrat Btrlld". Zentralorgan der roztaldemokratifchen parte! Deutfcblands. Redaktion: 881. 68, Ltndcnstrasae 69. ffernsprecker: Amt IV. Nr. I»8Z. Dienstag, den 30. August 1004. Expedition: 881. 68, Ltndcnotraoae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Zareu-Gnade. Wir behielten uns vor. nach Kenntnisnahme des Wortlauts des Gnadenmanifestes des Zaren auf diese Kundgebung noch einmal zurückzulommen. Wir nahmen auf Grund der Erfahrung, die wir mit dem von Plehwe inspirierten Manifest vom 26. Februar 1903 gemacht hatten, an, daß es in der That schlimmer sei als es zuerst in der abkürzenden telegraphischen Mitteilung erschienen war. Jedoch müssen wir der Objektivität halber gestehen, daß, während das Plehwesche Manifest in der seiner Zeit zuerst telegraphisch mitgeteilten Fassung sich als zu Gunsten des Zarismus entstellt erwies, das neue Manifest in einem seiner wichtigsten Teile, nämlich dem die politischen Verbrechen anlangenden, im vollen Wortlaut auf den ersten Blick humaner erscheint, als die telegraphische Uebermittelung vermuten ließ. Jedoch, betrachten wir uns das Manifest etwas genauer, so üssen wir sagen: die telegraphisch abgekürzte Mitteilung war dies- al ehrlicher— sie sprach zum Teil in plumper, aber offener Weise 1 ungefähr das aus. was im Manifest durch eine Aneinander- ceihung heuchlerischer Phrasen verdeckt werden soll. WaS das Hauptstück des Manifestes anlangt, nämlich die Auf- Hebung der Körperstrafe, so bleibt der Stand der Angelegenheit auch nach dem Wortlaut des Manifestes höchst unklar. Der§ 1 des Abschnitts I erklärt für aufgehoben.die Körperstrafen, die nach dem Gesetz für Vergehen der Dorfbewohner, Angehöriger einiger Fremdvölkerschaften(.Jnorodzi") und andrer Personen, die durch ihre Standesrechte oder andre gesetzliche Bestimmungen nicht von dieser Strafe befreit worden waren." Liest man diesen Paragraphen, so kann man in der That glauben, die scheußliche Körperstrafe hört nun für alle Personen überhaupt auf als gesetzliches Strafmittel zu existieren. Jedoch wird man schon durch den§ 21 des Abschnitts XIX belehrt, daß dem nicht so ist. Dieser Paragraph besagt nämlich, daß den Verbannten und Zuchthaus- insassen, die sich für Thaten, die vor der Geburt des Thronfolgers begangen sind, auf Grund des«Gesetzes über die Verbannten" eine Bestrafung mit Rutenhiebcn erwirkt haben, dies« Strafe erlassen werden soll. Für derartige Thaten, die nach der Geburt des TronkolgerS begangen sind, wird also weiter mit Ruten darauf losgehauen werden. ES bleibt also in Kraft die Bestimmung des«Gesetzes für Verbannte", wonach die auf Grund von Gerichtsurteilen zu Verbannung und Zuchthaus verurteilten Männer zu Rutcnhiebeu verurteilt werde» können. Dieses Gesetz be- stimmt, daß selbst für geringfügige Vergehen, tpie„eigenmächtiges Verlassen des Wohnorts oder der Arbeitsstätte ohne Fluchtabsicht, verspätete Rückkehr von gestattetem Verlassen des Wohnorts, Trunken- heit, lärmendes Betragen. Trägheit beim Arbeiten, Vernachlässigung der Hauswirtschaft und ähnliche Vergehen gegen die fest- gesetzte Ordnung', bis zu 100 Hieben verurteilt werden kann, und zwar erfolgt die Verurteilung seitens der Dorfbchörden oder des Gefängnis- Inspektors ohne ein gerichtliches Verfahren bis zu 30 Hieben nach eignem Ermessen, bis zu 100 mit Einwilligung der städtischen und Kreispolizei. Daö im Manifest beiläufig zugegebene Bestehen- bleiben der Körperstrafe sür Verbannte und Zuchthäusler giebt uns volles Recht zur Befürchtung, daß auch noch im Manifest nicht er- wähnte Fälle deS BeftehenbleibenS der Körperstrafe in Aussicht genommen sind. Darin bestärkt uns auch die Thaffache, daß in der Einleitung zum Manifest vorsichtiger von der Aufhebung der Körperstrafe gesprochen wird, als im oben angeführten§ 1 des Abschnittes I. Dort wird ausdrücklich gesprochen von der Auf- Hebung 1. der auf Grund deS Gesetzes von Dorfbehörden auf- erlegten Körperstrafen und 2. der Aufhebung der Prügelstrafe in der Armee und Marine.*) ES ist aber hier nicht die Red« von Aufhebung der Prügelstrafe, die von den Gouverneuren als Mittel zur Niederwerfung von Bauernaufständen stctS angewendet wird. Auch werden die russischen Studenten, falls sie Lust verspüren werden. sich gemeinsam mit Arbeitern an städtischen Straßendemonstrationen zu beteiligen, noch oft neuen Anstoß bekommen, auf ihren Festabenden das berühmte Lied anzustimmen:.Peitschchen. Peitschchen, mein Peitschchen, vergiß nicht, was du uns am 8. Februar angethan hastl' Die Richtigkeit unsrer Beurteilung des Erlasses der Steuer- rllckstände ist nunmehr durch zwei der zarentreuesten russischen Zeitungen bestätigt. Die«Nowoje Wremja' schreibt: Die be- deutendsten Stenerrückstände seien entstanden, weil die Steuern nicht der Ertragfähigkeit des Landes entsprochen hatten, und daß sie sich zum größten Teile angehäuft haben dort, wo der ökonomische Wohl- stand der Bevölkerung am meisten erschüttert sei. Der Erlaß eines bedeutenden Teiles der Rückstände sei besonders wichtig gerade jetzt, wo«der Krieg von unsrem Volke nicht wenig neue Opfer erfordern wird'. Und die Nowosti" sagen:«Der Erlaß der Rückstände wird zweifellos das regelmäßigere Eingehen der laufenden direkten Steuern zur Folge haben.' Der Gnadenakt gegenüber den Juden, der darin besteht, daß den jüdischen Familien die für ihre militärflüchtigen Mitglieder zu bezahlende Geldstrafe erlassen wird, bringt uns zunächst die echt russische Bestimmung in Erinnerung, wonach für die Schuld *) Die Aufhebung der Prügelstrafe in der Armee und Marine wird, worauf das Manifest Bezug nimmr, geregelt durch ein specielles Gesetz vom 12. August dieses JähreS. Bemerkenswert und besorgniserregend ist daß nach Abschnitt IV dieses Gesetzes, das bloß 12 Tage vor dem Manifest erschienen ist. die DiSciplinar- beftrafung mit Ruten beibehalten bleibt«für die Gefangenen, die ihrer Standesrechte, ihrer Bildung nach auf Grund besonderer Ge- setze nicht von der Körperstrafe befreit fiud, was speciell im Gerichts- urteil ausgesprochen werden muß'. eines Juden feine nichtschuldigen Familienangehörigen be- straft werden. Bei dem Geschäftssinn, den die russische Regierung. dem Zeugnis der„Nowoje Wremja' und der„Nowosti" nach, mit den Gnadenakten verbindet, sind wir aber auch berechtigt zur An- nähme, daß sich mit der Einziehung solcher Strafgelder ein lohnendes Geschäft machen ließ. Ein weit besseres Geschäft macht die Regierung mit den Juden in einer andern Weise. Wenn nämlich im Manifest die folgende Bestimmung aufgenommen wäre:„Das Geld, das von den russischen Gouverneuren im Laufe von sechs Monaten vor der Geburt des Thronfolgers aus der jüdischen Bevölkerung unter Drohung mit ihrer eventuellen SchutzloSlassung gegen zu erwartende Judcnkrawalle— in der Form von„freiwilligen' Geldopfern für Kriegszwecke ausgepreßt worden ist, wird ihr zurückerstattet", dann hätte die Regierung in der That ein empfindliches Opfer bringen müffen. Was nun die Bestimmungen über Vergünstigungen für die poli- fischen„Verbrecher" anlangt, so hatte sie der Telegraph in der That nicht richtig mitgeteilt und zwar wie gesagt, dem ersten Anscheine nach nicht richtig zu Ungunsten des Zarismus. Es heißt nämlich im Manifest, von den Vergünstigungen, die allen Verbrechern zu teil werden, sollen auch die politischen Verbrecher nicht ausgeschloffen werden. Sieht man sich aber die Sache genau an, so muß man sich sagen, daß das telegraphische Bureau eigentlich recht hatte, wenn es nicht sür nötig hielt, ausführlich auf diese Vergünstigungen einzugehen. Völlig straffrei werden von den politischen Verbrechern sämt- liche Minderjährige sowie alle, die zu Gefängnisstrafe nicht über sechs Monate und zur Polizei-Aufsicht oder Beschränkung des Aufenthaltsrechts auf ein Jahr verurteilt worden sind. Es sind das Fälle, die unter den russischen Verhättnissen schon gar nicht mehr ernst genommen, sondern nicht mehr als wie Nadelstiche empfunden werden. Hingegen bei wirklich ernst- hasten Fällen soll zwar Verkürzung der Strafzeit ein- treten, und zwar soll ewige? Zuchthaus durch 14 jähriges ersetzt, die Strafe der auf eine Zahl von Jahren zum Zuchthaus Ver- urteilten soll um die Hälfte, der zur Verbammng, zum Gefängnis über sechs Monaten und zur Polizeiaufsicht und Aufeuthaltsrechts- beschränkung über ein Jahr Verurteilten um ein Drittel verkürzt werden, aber das alles nur in Fällen, wo der Gcneralgouverneur bezw. der Gouvemeur es nach Feststellung einer„gutenAufführung" der Verurteilten für nöfig halten wird— das telegraphische Bureau hatte also so unrecht nicht, wenn es, zusammenfassend, von einer Begnadigung«nach Ablauf der Strafzeit" sprmh. Für die Fälle, wo vom Gericht auf Todesstrafe erkannt wird, ist im Manifest überhaupt keine Begnadigung vor- gesehen. Verbrechen, für welche nach dem Gesetz überhaupt keine Ver- jährung eintritt, nämlich Attentate gegen das Leben des Zaren, ver- jähren- nunmehr nach dem Manifest, falls sie IS Jahre vor Geburt deS Thronfolgers begangen waren. Der Gerech- figkeit halber sei festgestellt, daß dies der wahre Sinn des Satzes ist. der in der telegraphischen Mitteilung so gelautet hatte:„Politische Verbrechen, welche mindestens fünfzehn Jahre vor der Geburt des Thronfolgers begangen ivurden und bis zu diesem Tage unbekannt blieben, werden der Vergessenheit anHeim- gegeben." Und doch entsprach gerade diese dem Wortlaut nach nicht ganz richtige telegraphische Mitteilung— die wir gekennzeichnet hatten als eine Uebertragung ins Russische deS deutschen Sprich- wortS von den Ntlnibergern. die keinen hängen, den sie nicht haben— genau dem wahren Sinne des ganzen Manifestes, und der ist, kurz zusammengefaßt, der: Die russische Regierung holt kein Geld, wo kcinS zu haben ist, und sie martert keinen, der es ver- standen hat. ihren Fangarmcn zu entgehen. Darin besteht ihre „Gnade". Der Zarismus erweist sich also durch das Gnadenmanifest lediglich selber die Gnade, nicht fruchtlose Anstrengungen machen zu müssen.—_ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Von dem Hauptkriegsschauplatz bei Liaujang liegen heute nur dürffige russische Meldungen vor. die aber immer- hin erkennen lassen, daß die Japaner unaufhaltsam vor- dringen und daß die entscheidenden Kämpfe bevorstehen. Die russischen Nachrichten reichen nur bis zum Sonntag. Ueber die Aktionen am Montag ist noch keinerlei Nachricht ein- getroffen. Das Resultat der bisherigen Kämpfe war, daß die Russen sich auf die Hauptstellungen in unmittelbarer Nähe von Liaujang zurück- zogen. Die befesfigten Stellungen bei Anschantschan wurden preisgegeben. Nach dem Wortlaut der russischen Meldungen war diese Preisgabe natürlich eine freiwillige. Aber wenn man berücksichtigt, daß die Russen während der viertägigen Kämpfe vom 24. bis 28. nach ihren eignen Angaben bereits 3000 Tote und Verwundete verloren haben, ergiebt sich, daß die Ruffen aus allen Positionen herausgeworfen wurden. Trotzdem handelte es sich bis jetzt wohl nur um die Kämpfe vorgeschobener Abteilungen, die entscheidenden Schlachten werden noch zu schlagen sein. Die Meldungen lauten: Petersburg, 28. August. General S s a ch a r 0 w meldet dem Generalstabe unter dem gesttigen Datum: Auf der Süd- front zogen sich unsre Vorabteilungen am 26. August langsam zurück zu der befestigten Stellung bei Anschantschan. Auf der ganzen Front fanden Scharmützel statt. Die japanische Artillerie beschoß an verschiedenen Punkten unsre Stellungen. Unsre Geschütze feuerten auf die feindlichen Kolonnen und die von ihnen aufgeführten Befestigungsarbeiten. Das erfolgreiche Feuer unsrer Arfillerie nötigte die Japaner ein ausgedehntes Biwak bei Famain, 10 Werst südlich von Anschantschan, aufzugeben und es nach dem Dorfe Baisiasai, 2 Werst südöstlich von Famain, zu verlegen. Gegen 6 Uhr abends wurde das Feuer überall schwächer. Der Kampf war am heftigsten auf dem linken Flügel unsrer Südftont. Der Gesamtverlust der Truppen der Südfront betrug gegen 200 Mann. Zur Nacht zogen sich alle Avant- garden auf die Hauptstellung zurück. Gegen die S ü d f r 0 n t rückte der Feind in einer Stärke von etwa fünfDivisionen vor. In südöstlicher Richtung wehrten unsre Truppen alle Angriffe der Japaner ab. Die Truppen des rechten Flügels gingen gegen Abend selbst zum Angriff über und warfen die Japaner nach Tunfinpn und Tasintun. 6 und 7 Werst südwestlich von Liandiansan, zurück. Der Gesamtverlust unsrer Truppen auf der Südfront betrug ungefähr 400 Mann. Unsre Abteilung im Osten hatte gestern einen hartnäckigen Kampf mit bedeutenden feindlichen Streitkräften zu bestehen. Auf dem rechten Flügel schlug unsre Infanterie auf den vordersten Stellungen bei Zegu, 11 Werst nordöstlich von Liandiansan, ohne von der Artillerie unterstützt zu werden, tapfer und standhast die Angriffe zurück. die der Feind, der auf allen Punkten an Zahl sehr stark war, in der Nacht unternahm. Es kam zu einem Bajonettkampf. Unter den Verwundeten befinden sich Offiziere, die durch Hieb- und Stoßwaffen sowie durch Revolverkugeln verwundet worden sind. Nach einem hartnäckigen Kampfe auf den vordersten Stellungen gingen unsre Truppen auf die Hauptstellung zurück, die durch Artillerie verstärkt worden war. Das Regiment Tambow behauptete auf dem linken Flügel bei Pegu, 9 Werst nördlich von Zegu, die vorderste Stellung von 1 Uhr ftüh bis 4 Uhr nachmittags und schlug alle Angriffe des Gegners mit dem Bajonett zurück. Es wurden vier Gegenangriffe unternommen. Der Regimentskommandeur wurde verwundet. Die Umgehung des linken Flügels der Stellung bei Pegu und daS Längsfeuer der japanischen Batterien nöfigten das Regiment Tambow aber zum Rückzüge, der in voller Ordnung vor sich ging. Hierbei wurden sechs unbrauchbar gewordene Geschütze zurückgelassen. Die Japaner gingen mtt einem wahren Fanatismus zum Angriff vor und er- litten große Verluste. Unsre Truppen erbeuteten eine bedeutende Zahl von Gewehren und Ausriistungsgegenständen. Die Ver- l u st e auf dieser Front sind noch nicht �.e n a u f e st g e st e l I t, übersteigen aber 1.500 Manu an Toten und Verwundeten. Trotz des langen hartnäckigen Kampfes waren alle Truppen in guter Stimmung und führten die notwendigen Marschbewegungen im Dunkel der Nacht bei heftigem Regen, der den Boden sehr er- weichte, in voller Ordnung unter Musik aus. Am 27. unter- nahm der Gegner auf der ganzen Front keine» entscheidenden Bormarsch. Gegen 2 Uhr nachmittags ivurde festgestellt, daß die Japaner auf Taempin, 13 Werst nördlich von Liandiansan, über Ludingu vorriickten. Petersburg, 29. August. Eine Mitteilung des General« stabs besagt: Am 23. August setzten die Japaner den Bormarsch auf der Front zwischen Anschantschan und Liandiansan fort. In den Nachhutgefechten wurden beim Rückzüge unsrer Truppen Generalmajor RutkowSki und Oberstlieutenant von Raaben getötet. Die Zahl der aus der Front Aus- geschiedenen ist noch n i ch t f e st g e st e l l t. Den Verbandplatz passierten gegen vierhundert Verwundete. Die Verluste des Gegners sind bedeutend, auf den übrigen Punkten herrschte Ruhe. Liaujang, 29. August.(Meldung deS„Reuterschen BureauS'.) Die nissische Armee steht vor Liaujang, wo Züge von Artillerie in guter Ordnung eingetroffen sind. Die Schlacht dauerte vier Tage an. Das japanische Heer rückte mit der größten Entschlossenheit vor, ohne Opfer zu scheuen. So verlor ein Bataillon am 23. d. M. abends bei einem Angriff bei Siaolingtse seine sämtlichen Offiziere. Der Troß der vier Armeekorps zog sich über die Ebene unter dem Schutze von Truppen zurück, die in ihren Stellungen blieben, bis der letzte Gepäckwagen verschwunden war. Die russische Artillerie schoß andauernd mit sämtlichen Geschützen. DaS Schau- spiel machte tiefen Eindruck. Trotz deS regelmäßigen VorrückenS der Japaner, die mit großer Präzision vorgingen, feuerten die Ruffen aus ihren Geschützen mit vollkommener Kaltblütigkeit. Die Verbindungen sind nicht unterbrochen. poUtifcke(leberftekt. Berlin, den 29. August. Ein Massenprotest gegen den Russenkurs. In Offenbach fanden, wie uns von dort berichtet wird, am Sonntaavormittag zwei Protestversammlungen statt, die von mehr als 5000 Personen besucht waren. In den Sälen des Gewerkschafts- Hauses, die in sinnreicher Weise mit einander in Verbindung stehen — sie sind nur durch Jalousiewände, die aufgezogen werden können, getrennt—, waren mehr als 3000 Personen versammelt, im Garten mehr als 2000. Im Saale sprach der Abg. Ulrich, im Garten der Abg. Scheide mann über die Russifizierung Preußens und die Verpreußung Hessens. Anlaß zu den Protestversammlungen hatte die in Frankfurt und Offenbach erfolgte Androhung der Ausweisung unsres Genossen Perner- st 0 r f e r gegeben. Von Frankfurt aus waren mit der Lokalbahn. zu Fuß und per Rad mehr als 2000 Personen nach Offenbach gekommen. Wenn in der unten folgenden Resolution nur von 4000 Versammlungsteilnehmern die Rede ist, so erklärt sich das durch den Umstand, daß 4000 Eintrittskarten gedruckt und verkauft waren. Thatsächlich sind aber noch viele hundert Personen in den Garten geströmt, die keine Karten hatten erhalten können. Für hessische Verhältnisse auffällig war das starke Polizei« Aufgebot. Nicht mir die Offenbacher Polizei war auf den Beinen, sondern auch von Frankfurt— also auö Preußen!— waren zahlreiche Geheime erschienen. Die beiden Redner rechneten scharf mit dem Nussenkurs ab. Im Saale wie im Garten wurde die Polizei außerordentlich nervös gemacht durch die dem Sinne nach gleichlautenden Ausführungen der Redner über die Androhung der Regierung, Pernerstorfer ausweisen zu wollen, wenn er in einer der Versammlungen erschelnen sollte. Wie lächerlich diese Androhung war, wurde aä ooulos demonstriert. Beide Redner fragten: Wie will denn die Polizei diese An- drohung ausführen, wenn wir jetzt die Mitteilung machten, daß sich Pernerstorfer hier befindet und sich herzlich freut über die riesigen Verstiinmlungen, welche uns das hessische Ministerium arrangiert hat? Na, wie wollte' sie denn nun die Ausweisung an den Mann bringen? Stürmischer Jubel der Versanunelten und nervöses Herumsuchen der Polizei nach Pernerstorfer, der natürlich längst am blauen Strande der Donau weilte I Der unbeschreibliche Jnbelruf legte sich erst, als die Pickelhauben ihre alten Plätze eingenommen hatten, wohl einsehend, daß sie den Pernerstorfer doch nicht fangen würden. Einstimmig wurde in beiden Versammlungen folgende Resolution angenommen: „Die heutigen im Saalbau zu Offenbach tagenden großen von ca. 4000 Personen besuchten Volksversammlungen protestieren gegen die Matzregelung des Reichsrats-Abgeordneten Engelbert Pernerstorfer anläßlich des von ihm beabsichtigt gewesenen Vor- träges über die Socialdemokratie in Oesterreich, der in Mannheini ohne Gefährdung der Staatsordnung gehalten werden konnte. Gleichzeitig geben sie auch ihrer Entrüstung darüber Ausdruck, daß die Polizeibehörden zweier deutscher Bundesstaaten, darunter sogar die uusres bisher leidlich liberal regierten Groß- Herzogtums Hessen, es fertig brachten, Pernerstorfer. dessen hervor- ragende Verdienste um die Erhaltung des Deutschtums in Oester- reich bekannt sind, den Mund zu verschließen und ihn sogar mit . Ausweisung zu bedrohen. Dieses Vorgehen gegen einen stammesverwandten Ausländer verdient um so entschiedener verurteilt zu werden, als die dcutsckien Regierungen es zur Zeit als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, vor einem andren ausländischen Staat, nänilich Rußland, dessen kmUokratische Regierungs- und Verwaltungsmaximen nachgerade zum Gegenstand der Verachtung der ganzen civilisierten Welt sind, auf dem Bauche zu liegen und sich seinen Wünschen dienstbar zu erweisen, während sie einen deutschen Stammesgenossen, der für seine Nation Jahrzehnte lang gekämpft hat, knebeln und entrechten, weil er Socialdemokrat ist. In dieser fortschreitenden Russifizierung Deutschlands erblickt die Versammlung einen Ausflnß der Angst der herrschenden Klassen vor der wachsenden Macht und Bedeutung der modernen poli- tischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung, vor der sich die Angehörigen der besitzenden Klassen mehr und mehr unter den Schutz der Polizeigewalt flüchten. Daß hierbei die Unterschiede der politischen Anschauungen und Traditionen des Bürgertums vollständig in Wegfall kommen, das zeigt deutlich der Umstand, daß die Presse der Liberalen und des Centrums die Re- gierung gegen Pernerstorfer scharf machte und dadurch das Sprech- verbot und die Ausweisungsandrohung gegen ihn erwirkte. Dem in der Socialdemokratie politisch organisierten werk- thätigen Volke fällt unter solchen Umständen die Aufgabe zu. sich zum Verteidiger der stark bedrohten kärglichen Volksrechte zu machen und damit eine politische Pflicht zu übernehmen, zu deren Erfüllung sich die bürgerlichen Parteien aller Schattierungen un- fähig erwiesen haben. In diesem Sinne protestieren die heutigen Massenversammlungen in Offenbach mit größter Entschiedenheit gegen die brutale Maß- regelnng ihres Parten und Standesgenossen Pernerstorfer durch die preußische und hessische Polizei, sowie gegen die schließliche gänzlich unbegründete polizeiliche Auflösung der Mannheimer Versammlung und versprechen, bei allen bevorstehenden Wahlen die Antwort darauf durch Stimmabgabe für die socialdcmokratischen Kandidaten zu geben." Die pfiffige Nachgiebigkeit der hessischen Regierung den preußischen Wünschen gegenüber hat der Agitation in Hessen einen neuen Impuls gegeben, ftir den die Roten, die gewohnt sind, alle Vorteile gelten zu lassen, sich bestens bedanken können. Die Be- Handlung Pernerstorfers durch die Regierungen in Preußen und Hessen wird am Main ihre Wirkung nicht verfehlen. Und anderswo sicher auch nicht. ¥• * „Aus dem Verbrecheralbum des Reichskanzlers Bülow." Eine originelle Ansichtskarte wurde am Sonntag in den Offenbacher Protest- Versammlungen gegen den Rnssenkurs verkauft. Oben quer über die Karte gedruckt ist die dieser Notiz vorgesetzte Spitzmarke: Aus dem Verbrecheralbum des Reichskanzlers Bülow. Dann folgt das wohl- getroffene Porträt Pernerstorfers und darunt« diese Steckbriefnotiz: «Engelbert Pernerstorfer ans Wien, Umstürzler im österreichischen Reichsrat, staatsgefährlicher Rede-Attentäter, über nnsre Hausknechtspolitik frozzelndcr Kanzlerbrief- Schreiber, vollblütiger Urgermane, als lästiger„ReichsanSländcr" aus Vorderrußland und Kleinpreußen durch Reichsschutzcngel per Schub über die Grenze zu bringen."— Die Karte wurde massenhaft gekauft. Galizische Reise. -st- Wien, 26. August. Heute hat Herr v. Koerber die längst beschlossene Reise nach Galizien angetreten. Von dem„Pflanz" der ministeriellen „Informationsreisen", bei denen außer ein paar konventionellen Empfängen und Begrüßungen, Banketten und Toasten nichts herauskommt, hat sich der österreichische Ministerpräsident bisher sorgfältig ferngehalten; er suchte lieber damit Wirkung zu erzielen, daß er den ganzen Sommer ini Bureau blieb— damit die naive Welt wisse, seine Thätigkeit sei siir den armen Staat so wichtig, daß auch nicht für einen Augenblick auf sie verzichtet werden könne. Umso größer war die Ueberraschung, als man vernahm, Herr v. Koerber werde eine große und lange Studienreise machen, sich auf einige Wochen nach dem österreichischen Osten begeben und Galizien und Bukowina eingehend bereisen. Was bcziveckt Herr v. Koerber mit dieser Reise? In der offiziellen Lesart wird als Zweck angegeben, der Ministerpräsident, der auch Minister des Innern und Justizminister ist— auch in dieser Knmnlierung von Aemtern ein Bismarck in der Westentasche— wolle die wirtschaftlichen Zu- stände, die Führung der Justiz studieren, um sich so an Ort und Stelle von den Aufgaben Kenntnis zu verschaffen, welche diese zwei Länder der Regicrnngskunst in so hohem Maße stellen. Nun ist es zweifellos, daß die politische und sociale Vernachlässigung des öfter- reichischen Ostens nach Reformen schreit und daß der Staatsmann dort Probleme ganz eigner Art vorfindet. Aber ebenso unterliegt es keinen, Zweifel, daß man von den ökonomischen Zuständen, von der politischen Nückständigkeit eines Landes blutwenig erfährt, wenn man Gebäude und Amtsräume„besichtigt". Das sociale Problein Galiziens ist eine Ueberbevölkerung, die einesteils der von den Latifundien aufgesaugte und in Zwcrgbesitz zerstückelte Boden nicht zu ernähren vermag, und die andrerseits von der Industrie nicht aufgenommen wird, weil es für diese an den materiellen und socialen Voraussetzungen gebricht. Was kann der Minister bei seiner Wanderung von Deputatton zu Deputation, von Bankett zu Bankett davon sehen? Und wird er die Mißstände auf dem Gebiete der Verwaltung und Rechtsprechung wahrnehmen, wenn er die Amtsgebäude besucht und die Bureaus inspiziert? Die Lust am Informieren ist cS also sicherlich nicht, die Hern, v. Koerber diese Herbstreise angeraten hat, wenn eS auch möglich ist, daß sachliche Motive initwirken. Aber die eigentlichen Ursachen liegen sicher auf politischem Gebiete. Nicht daß Herr v. Koerber einen b e st! in m t e n Zweck verfolgen würde— so einfach liegen die Dinge im lieben Oesterreich, wo die Politik nicht aus Willensäußerungen, sondern aus Stinnnungsreflexen besteht, nun eben nicht. Um, wie man hört, die angeblich unfreundliche Gesinnung des Polcnklubs zu beschwichtigen, brauchte sich der Minister wirklich nicht den Strapazen einer Reise nach Galizien zu unterziehen. Erstens ist es mit den sogenannten Bersttnimungen der Schlachzizen nie weit her; die Macht dieser Kaste im Lande ist so ganz ein Produkt des Wahlprivilegs, der Begünstigungen von oben, daß sie des Wohlwollens der Rc- gicrungen nicht entbehren kann und einer unzweideutigen Opposition schlechthin unfähig ist. Der polnische Adel hat in Oesterreich— wie überall— auf seine national-revolutionäre Vergangenheit völlig verzichtet und marschiert heute an der Spitze der schwarz-gelben Hofpatriotcn: von dieser Seite droht keiner Regierung und an, loenigsten der Regierung �Koerber Gefahr. Aber ob die Herren Jawonski und Dzieduszicki„verstimmt" sind oder wohlgewogen: die parlamentarische Krise besteht doch nicht darin, daß es der Rc- giernng an einer Mehrheit gebricht, sondern darin, daß das Parla- ment durch die czechische Obstruktion arbeitsunfähig gemacht ist. Der Schlüssel zu den Thoren des Parlaments ist also in Prag zu finden, nicht in Lemberg; von der Freundschaft des Polcnklubs kann Herrn v. Koerber die Erlösung nicht kommen. Er braucht nicht nach Galizien zu fahren, um die Pole» zu versöhnen, und wenn er ihre Liebe gewinnt, hat er daran fürs Parlament nichts gewonnen. Was sucht er also in dem Polenland? Als sachliche Informationsreise erscheint Koerbers erste galizische Reise harmlos, als politischer Schachzug verfehlt— und dennoch ist sie ein ganz geschicktes Manöver, das dem Erfindungsgeist der kleinen Exccllenz alle Ehre inacht. Die Stndienfahrt erweckt vor allem die Illusion, daß in Oesterreich regiert wird— regiert, ob- wohl das Parlament versagt und von den stutzigen Abgeordneten nicht die kleinste Gesetzesvorlage zu haben ist. Der Ministerpräsident, der das ganze liebe Jahr in seinem Amtszimmer hockt und den der heißeste Sommer seinen Pflichten nicht untreu macht, der entschließt sich zu einer mehrwöchigen, strapaziösen Studienreise; das muß doch etwas bedeuten! Und er begnügt sich nicht, wie seine leichtsertigen Vorgänger, niit dem Besuche der großen Städte eines Landes, sondern geht in die Provinz, wo sie am armseligsten und unwirt- lichstcn ist; da sieht man doch, wie ernsthaft jetzt regiert wird, wie sachlich man die Dinge nun anfaßt! Herr v. Koerber will zeigen, daß der Staat in guten Händen ist, da er durch den Selbstmord des Parlaments in die Hand der alles verfügenden und alles vcr- ordnenden Regierung geraten ist; daß das Leben nicht stille steht, sondern die Arbeit, und zwar ernste und planmäßige Arbeit vorwärts geht, wenn auch die Herren Abgeordneten streiken. Das also ist der Sinn dieser Reise: Reklame für die Regierung! Dieses Ergebnis wird sich auch sicherlich einstellen. Zwar ist die Reise nichts, aber sie schaut nach etwas aus— und das hat allezeit den bescheidenen Oesterreichern genügt. Für die Regierung ist das natürlich alles außerordentlich wichtig, denn ihre Existenz beruht ja nicht mehr auf ihren Thaten, sondern nur darauf, zn welch' großen Thaten man Herrn v. Koerber für befähigt hält. Nun hat sich die anfänglich so gute Meinung über den Chef der Regierung überall sehr abgeschwächt und die ihm einst begeistert zugejubelt, sind nun recht lau und wankelmütig geworden. Insbesondere die Deutschen sind durch verschiedene, sachlich zwar unbedeutenden, aber in ihrem Zusammentreffen doch ganz bezeich- nenden sprachlichen Verfügungen verstinnnt worden. Da ist vor allem die Belassnng der italienischen Universitätskurse in Innsbruck, obwohl sich die Regierung vor zwei Jahren feierlich verpflichtet hatte, die weder den Italienern entsprechenden, noch den Deutschen genehmen Kurse ans der Stadt zu entfernen, wo ihre Anwesenheit zu ständigen Reibereien und Raufereien Anlaß giebt. Da es nun nicht gelungen ist. das Projekt einer eignen italienischen Universität zu realisieren, will die Regierung die italienischen Kurse von der deutschen Universität wenigstens räumlich trennen— was aber den Deutschen nicht genügt, wenn es die Italiener auch vcr- letzt. Ein zweiter Bcschwcrdepnnkt ist ein Erlaß des Unterrichts- Ministers, welcher von auf der kroatischen Universität in Agram sin Kroatien, also staatsrechtlich im A u s l a n d es erworbenen Zeugnissen der kroatischen Rechtshörer ans Oesterreich im österreichischen Gebiet Rechtsgültigkeit verlieh— obwohl die so Studierenden weder die deutsche Sprache erlernen, noch die österreichischen Gesetze erfahren — also eine Verfügung, deren Vernünftigkeit auch vom kleinstaatlichen Gesichtspunkte sehr ftagwürdig ist. Den leb- haftcsten Sturm erregt aber die Errichtung czechischer und polnischer Parallelklassen an den deutschen Lehrerbildungsanstalten in Troppau und Tesche»(Schlesien)— obwohl für diese sicherlich gewichtige Gründe sprechen. Aber in nationalen Dingen kenn»» die Menschen in Oesterreich keine Sachlichkeit und werden sich nie zu einer objektiven, gerechten Beurteilung bequemen. Unzweifelhaft liegt allen diesen Verfügungen ein Plan zu Grunde— der alte Koerber- Plan— mit jeder Partei und mit allen Leiten Beziehungen zu unterhalten, sich überall Freunde zu werben und mit kleinen Ge- fälligkciten großen Konflikten vorzubeugen. Die kleinen Konzessionen an die Slavcn, die polnische Reise und nicht zum mindesten die immer stärker werdende Müdigkeit der Obstruktionskämpfer werden auf das Parlament ihre Wirkung nicht verfehlen. Viel Staat ist mit dem jämmerlichen Privilegienparlament»atürlicki nicht z» machen, aber es kann schon sein, daß, wenn Herr v. Koerber aus Galizien heimkehrt, er gutes Parlamentswetter mitbringt.— Veutlckes Reich. Nationallilicralcs Zeugnis. In der Wochenschau der SonntagS- nununer der„K r d u z- Z e i t u» g" stellt das Hauptorgan des preußischen Junkertums den Nationalliberalcn ein etwas ungünstiges wie in jedem Punkte treffendes Zeugnis aus. Das Blatt höhnt über den Vertretertag des R e i ch S v er b a n d es der national- liberalen Jugend, dessen Tagesordnung eine nicht ein- gestandene„Rückwärts-Konzentriernng" vor dem kühnen Ansturm gegen den Schulkompromitz bedeutet: „Ob dieser Eindruck(der Rückwärts-Konzentriernng. schreibt das Blatt wörtlich) zutreffend ist. können wir zwar nicht wissen, und lassen es deshalb dahingestellt; daß es aber zu dem Wesen des NationallibcralismuS paßt, läßt sich erfahrungsgemäß nicht bc- zweifeln. Drei Schritt vorwärts, zwei zurück, wie die Echternacher Springprozcssion, das ist von jeher Brauch gewesen, nicht nur bei den Alten, sondern auch bei den Jungen, von denen ebenfalls viele schon graue Haare tragen. „Warten wir also ruhig ab. was bei den Auseinandersetzungen des Vertretertages herauskommt. Die linksnationalliberale Presse, deren Segel der jungliberale Wind vor Jahresfrist bis zum Bersten schwellte, steuert heute jedenfalls eine» ganz andren Kurs; die Leinwand schleppt am Mäste, und der Schiffer, der damals, dem nordischen Seekönige gleich, zn Kampf und Sieg hinaussiihr, blickt grämlich vor sich hin und denkt: ach wäre ich nnr erst wieder bei Muttern! Man kann eben nicht alles auf einmal thun. Geschäft und Politik, das läßt sich nicht so leicht vereinigen, wie man in der gehobenen Stimmung des Festmahles wohl denkt. Eines schickt sich in der That nicht für alle. Der wohlgenährte liberale Bürgers- mann, der auf seinem Comptoir vortrefflich Bescheid weiß und Reich- tnmcr zu sammeln versteht, wie andre Brombeeren pflücken, ist meist ein verlorener Mann, wenn er sich mit den Fragen der Oeffcntlich- keit befaßt und das Vaterland auf seine Weise zu retten versucht, DaS zeigt sich von Geschlecht zu Geschlecht immer wieder von neuem. Was die Väter verkehrt gemacht, machen die Söhu: ge- wohnlich noch dümmer. Das sehen wir ja daran, wie sich die Beziehungen der Alten zn den Jungen im nationalliberalen Lager gestalten. Wenn davon überhaupt geredet werden darf, so ist bei den Alten vergleichsweise doch noch niehr gesunder Menschenverstand zu finden, als bei den Jungen, die sich während des ganzen letzten Jahres als Politiker geradezu sinnlos aufgeführt haben und in dieser Hinsicht nicht einmal von den Freisinnigen beneidet zu werden brauchen. Wenn sie jetzt etwa zum Einlenken geneigt sein sollten, so möge man nur ja nicht glauben, daß das auf neu- gewonnenem tieferen Verständnis beruht. Nnr auf Mangel an Mut lviirde es deuten, auf jene sprichwörtliche Uncnttchloffenhclt bei der Durchführung selbstgestellter politischer Aufgaben, der wir bei den Nationalliberalcn mit geradezu tödlicher Regelmäßigkeit begegnen. Die Sache bleibt immer dieselbe: nur die Erscheinungs- formen sehen Ivir wechseln. Irgend eine Angst steckt immer da- hinter. Gewöhnlich ist es die vor dem Freisinn und dem miß- fälligen Urteil seiner Presse, die die Nattonallibcralen meist nicht liberal genug findet und damit fast immer ins Bockshorn zu jagen vermag." Dieser antikapitalistische Ausbruch gegen die feisten und feigen Bourgeois, die— im Gegensatz zur Erbweisheit des Junkertums— politisch völlig unfähig seien, also eigentlich, nach den beliebten Argumenten der WahlrechtSverschwörer, vom Wahlrecht ausgeschlossen werden müßten, ist gewiß sehr ergötzlich. Nun fragt sich, was gerade jetzt diese konservative Unfreundlichkeit gegen die intimen liberalen Freunde und Bundesgenossen vom Antrag Kardorff und vom Schul- konrpromiß veranlaßt. Irgend eine Coulissen-Jntrigue steckt bei den Konservativen immer dahinter.— Das Conto K. Das geheimnisvolle Conto K. hat bekanntlich bei der Verhandlung deS Pommernbank-Prozesses dem Gerichts- h o f e keineswegs das weitgehende Interesse abgenötigt, als man es in der Oeffentlichkeit erwartete und für erforderlich hielt. In dem schriftlichen Erkenntnis wird die Stellung des Gerichtshofes zu dieser Frage wie folgt präcisiert: „Für beide Angeklagte wurde auch ein geineiuschaftliches Conto gebückt, auf welchem im Jahre 1000 685 798 M. eingetragen waren. Die Frage, wozu die Angeklagten die hierauf verbuchten Beträge vcr- wandt habe», ob für Kirchcnbnntcn oder zur Erlangung von Titeln und dergleichen, ist für diesen Prozeß ganz gleichgültig; hier dreht es sich lediglich darum, ob die Angeklagten diese ihre gemeinschaftliche Schuld bei der Jmmobilien-Verkehrsbank wissentlich durch Minder« werte gettlgt haben und dadurch diese, indirekt auch die Pommern- dank, geschädigt ist. Diese Frage ist zu Guusten der Augeklagten wegen inaiigelnden Beweises verneint worden." Eine ganz seltsame Auffassung, daß es nicht darauf ankommt, wo Bankdircktoren Bankgelder lassen!— Müller-Lobbcrich. Man sollte es nicht siir möglig halten— und doch ist es Wahrheit. Die„Freie deutsche Presse" ist unter der Leitung von Dr. Miiller-Sagan so tief gesunken, daß sie den in der Sonntagsnummer zur Erheiterung untrer Leser mitgeteilten Ulk- artikel des Kaplanblättchens von Lobberich in einem groß- mächtigen Leitartikel ernsthaft behandelt und offenbar als Ausschnitt- inaterial für die Klebe-Arbeit des nächsten Socialistenspiegels be- spricht. Während wir die Blute klerikaler Snmpfpolemik zur Kenn- zeichnung klerikaler Unsaubcrkeit und Dummheit pflückten, wittert die „Freie Deutsche Presse" des trotz vielfacher, wein, auch mißglückter Versuche anscheinend immer noch nicht zum Millionär gewordenen Dr. Miiller-Sagan einen versteckten Appell— an unsre Partei- genossen dahinter. Zu der klerikalen Erleuchtung von Lobberich schreibt das Blatt: „Offenbar wird erwartet, daß auf dem Parteitage„der Ab- grnnd zwischen Besitzenden und Besitzlosen", der„schroffe Gegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten" innerhalb der social- demokrattscken Partei- Organisatton allzu grell beleuchtet wird. Den Angestellten der socialdemokratischen Partei, die sich in führender Stellung befinden, scheinen die drohenden Erörterungen über die hohen Gehälter, welche sie aus dem Parteisäckel beziehen, so arge Beklemmungen zu verursachen, daß sie, um der Kritik aus den eignen Reihen vorzubeugen, einen gegnerischen Angriff an den Haaren herbeiziehen und der Lächerlichkeit preiszugeben suchen." Offenbart sich in dieser freisinnigen Argumentation nur die Moral von Lobberich, so zeigt eine folgende Bemerkung, daß dieses Blatt der bürgerlichen Intelligenz auch so grotesk unwissend ist wie das Kaplansblättchen von Lobberich. Denn ganz ernsthaft schreibt das führende Blatt der Freisinnigen Volkspartei: „Und nun gar die„Kritik", die der„Vorlvärts" dem Artikel des„Lobbcrichcr Bürgerblattö" zuteil werden läßt 1� Die einzige Behauptung des Artikels, die der„Vorwärts" ernsthaft zu be- streiten wagt, ist die, daß er„den armen Marx, den schwere Sorgen frühzeitig in seiner Gesundheit zerrüttet haben, noch nach- träglich zum reichen Nabob" lverden läßt durch die Angabe: „Marx, Redakteur und Schriftsteller, hatte ein großes Einkommen." Die übrigen Angaben des Artikels über sonstige Gehälter zu rnt- kräfte»,»nterläßt der„Vorwärts" wohl nur aus dem Grunde, weil sie nicht zn hoch, sondern zn tief beziffert sind— auch ohne Ein- rechnung der Bezüge, die nicht in den Redakteurgehältern sich zahlenklar ausdrücken. Oder sollten alle andern Angaben zu- treffend sein?" Da hat sich Herr Müller von Lobberich nun selber in der Falle gefangen. Er ist ein solcher Ignorant, daß er nicht einmal weiß, daß die Mehrzahl der in dem Artikel genannten Socialdemokratcn überhaupt niemals e x i st i e r t haben, daß unter den von Arbeitcr-Groschen sich mästenden Millionären, sich arme Steinsetzer und niühselig von kleinen Gehältern lebende Proletarier befinden, und daß schließlich auch— und das ist der Humor!— bekannte freisinnige Parteiführer, bürgcrlich-libcrale Minister als social- dcmokrattsche Millionäre angeführt werden. Der Verfasser des alten Wisches hat offenbar jeden— antiklerikalen Politiker flugs zum Socialdemokraten gemacht und er hätte sicher auch Herrn Eugen Richter zum socialdemokratischen Millionär befördert, wenn Richter nicht ein Busenfreund des Centrums wäre. Als wir die lustige Geschichte von Lobbettch wiedergaben, wollten wir nur die klerikale Winlelprcsse annageln: wir verdanken diesem Einfall den unerwarteten Erfolg, daß lvir iin gleichen Bett mit dem Bruder Hetzkaplan die Freisinnige Volkspartei in flaArairü erwischen konnten. •* • Beiläufig: Gerade jüngst hat sich der nationalsociale Nan- m a n n mit der Frage socialdemokratischer Bcamtengehältcr be- schästigt, in der Absicht, seine bürgerlichen Freunde geistig ein wenig empor zu heben. Sein Erziehungsvernich ist, wie der jetzige Fall zeigt, vollständig aussichtslos. Aber seine Ausführungen bieten an sich Interesse, so daß einiges wiedergegeben werden möge: „Man kann noch immer über diese Arbeiterbeamten hören, daß sie von den Groschen der armen Arbeiter ein Schmarotzerdasein führen. Dieser Vorwurf, der in Zeiten politischer Wahlen aus alten Flugblättern neu abgeschrieben ivird, ist sachlich noch falscher als es die Vorwürfe waren, die vor 60 Jahren die damalige Demokratte gegen das Beamtentum überhaupt richtete. Es ist, wie die Dinge heute liegen, wahrhaftig keine Domherrn stelle, wenn jemand berufsmäßig den Proletariern Reden zu halten hat, und kein AnfsichtsratS- Posten, wenn er Lagerhalter eines KMumvereins ist. Im allgemeinen muß man sagen, daß die Arbeiterschaft ihre Beamten viel zu schlecht bezahlt, und daß es sich im Interesse der Arbeiterschaft verlohnen würde, sie besser zu stellen, denn auf die Dauer kann auch der beste Eifer nicht ohne die nötige materielle Grundlage existieren. Wer es nicht für unwürdig hält,' daß ein Pastor sich bezahlen läßt und ein Professor Geld bekommt und ein Offizier ein Entgelt aiminnnt, der kann in der Bezahlung von Männern, die einer Berufsbewegung dienen, nichts Peinliches finden, und es ist nnr eine übelwollende Spekulation ans die Kleinlichkeit kleiner Leute, wenn man über die Gehälter der Proletarterbeamten redet, als seien fie ein Raub am Volle. Im Gegenteil soll man sagen: da einmal die Arbeiterschaft einen Beamtenkörper braucht, so ist es im allgemeinen Interesse wünschenswert, daß dieser Körper sittlich und gesellschaftlich tadellos ist. Das aber ist bei Unterbezahlung schwer möglich. „Reden wir mit bestimmten Ziffern. Es ist eben jetzt bei G. Birk u. Co. in München eine Schrift von Aug. Müller über die Arbeitersekretariate erschienen, eine gute Zusammenstellung alles Wissenswerten über diese neueste Art von Beamten der Arbeiterschaft<184 Seiten, Preis 3 M.) In dieser Schrift sind die Gehälter von 26 ersten Sekretären und 15 Nebensekretären mitgeteilt. Der höchste Gehalt, der überhaupt vorkomnit, ist 250(1 M. in Hamburg. München und Mannheim zahlen 2400 M., Nürnberg und Stuttgart 2200 M. Das ist für die in Betracht kommende Arbeit viel weniger als ein geschäft- liches Rechtsbureau ftir gleiche Leistung würde zahlen können, denn es handelt sich hier um sehr ausgedehnte Kenntnisse, die ein der- artiger Sekretär haben oder sich erwerben mutz. Beispielsweise leistete das Sekretariat Nürnberg mit drei Beamten, die zusammen 6200 M. Gehalt beziehen, folgende Arbeit: Zahl der Auskunft- suchenden 17 007, davon mündlich 16 072. Es betrafen Krankenversiche- rung 527, Unfallversicherung 3439, Invaliden- und Altersversiche- rung 556, Arbeitsstreitigkeiten 1147, Arbeiterschntz 268, Lehrlingswesen 93, Gesindeverhältnisse 363, bürgerliche Rechtsforderungen 1170, Ehe- und Vormundssachen 1092, Erbrecht 369, Miet- und Wohnungs- fragen 1677, Pfändung und Lohnbeschlagnahme 453, Civilprozetz- Wesen 150, Straftecht 1110, Arbeiterbewegung 243, Privatversicherung und Gewerberecht 344, Steuersachen 131, Gemeindebürger-, Heirnats-, Staatsbürger-, Wahlrecht 2125, Schulangelegenheiten 89, Militär- augelegenheiten 43, Armensachen 493 Fälle. Auch wenn man an- nimmt, datz die Auskunft teilweise nur in der Verweisung an den Rechtsanwalt oder, eine zuständige Behörde besteht, so verlangt doch auch schon diese rein formale Auskunft ein Matz von Uebersicht, das nicht ohne Mühe und Kosten zu erreichen ist.' Ei» neues vom Kaiser verfertigtes Herero-Gedenkblatt. Wilhelm II. hat ein neues Gedenkblatt entworfen, das den Angehörigen der- jenigen Hererokämpfer übermittelt wird, die in dem traurigen Kolonialkrieg gefallen oder Krankheiten erlegen sind. Das Blatt zeigt den geflügelten Reiter St. Georg, dessen Linke einen Lorbeerkranz auf Fahnen. Pauken. Trommeln. Kürassierharnisch und-Helm niederhält und trägt folgende Inschrift: „Gedenkblatt für...(folgt Charge, Name, Geburts- und Sterbetag des Betrestenden). Er starb ftir Kaiser und Reich. Ehre seinem An- denken.' Unten links befindet sich die Photographie des Gefallenen oder Verstorbenen in Tropenuniform, und zu Fützen des Blattes finden sich die Worte:„ E n t>v o r f e n von S r. M a j e st ä t dem Kaiser und König Wilhelm II. Ausgefertigt in Berlin. 15. August 1904, von Seiten des Oberkommandos: Ohnesorg, Oberstlieutenant." Daneben ist der blaue Dieiiststernpel des Oberkommandos der Schutztruppe angebracht. Das Ganze befindet sich in einem schwarzen Holzrahmen. Diese kaiserliche Fürsorge für die Angehörigen der in Südwest- afrika Gefallenen sticht ja sehr gegen die Rücksichtslosigkeit ab, mit der das neue militärische Oberkommando in Südwestafrika die An- gehörigen der„gemeinen' Soldaten behandelt, allein viel besser wäre es zweifellos gewesen, wenn der Krieg mit seinen schweren Verlusten an blühenden Menschenleben überhaupt vermieden oder wenigstens so rasch wie möglich beigelegt worden wäre l Das wird mancher Vater und manche Mutter trotz des schönen Traucremblems schmerzlich empfinden I— LaudtagSwahlen im Fürstentum Lübeck. Aus Eutin wird unS geschrieben: Die Wahlmännerwahlen im Fürstentum Lübeck fanden vom 11. bis 13. August statt. Zu wählen waren 73 Wahlmänner (auf je 600 Einwohner ein Wnhlmann). Gewählt wurden 24 Social- dcinokraten, 13 bis 15 Nationalsociale, 31 Bauernbündler, die übrigen unbestimmt. Die Majorität für einen Abgeordneten beträgt 37. Durch Zusammengehen mit den Nationalsocialen, die uns die Hand boten, konnte es uns gelingen, einen Abgeordneten durchzu- bringen. Die am 27. August in Eutin anberaumte Wahlversainmlung hatte folgendes Resultat: C. Hammerich-Eutin(Nationalsocial) erhielt 67 Stimmen mit Hilfe der Bauernbündler; F. Votz-Eutin, Lehrer (Nationalsocial) 43 Stimmen; P. Hug-Bant, Buchdruckereibesitzcr, (Socialdemokrat) 38 Stimmen; Adler-AhrenSböck(Freisinnig) erhielt 33 Stimmen. Im ersten Wahlgang wurden diese vier gleich gewählt und so- mit war die Wahlhandlung zu Ende. Von den früheren Abgeordneten erhielten die drei Bauern- bündler Grimm, Tenz und Roper 26—33 Stimmen, wahrend auf den früheren Landtagsabgeordncten Döhler(Aintseinnehnier in Eutin, freisinnig) keine Stimme entfiel. Hiig ist jedenfalls doppelt gewählte nutzer hwr noch im Amte Rüstringen, dort haben die Parteigenossen, wenn nicht alle, so doch die Majorität der Wahlmänner. Da Hng in Eutin annimmt, was unzweifelhaft, so hat in Riistringen noch eine Wahl stattzufinden. Es ziehen dann in den neuen Landtag vier Socialdemokraten hinein, statt bisher sechs, da der Sieg'unsrer drei Abgeordneten in Delmenhorst nur einem Zufall zu- zuschreiben war. MajestatS- Deuunziante». Wegen Majestätsbeleidigung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde am 20. d. M. von der Straf- kammer zu Königsberg eine Handelsfrau. Ein Maurer und dessen Ehefrau hatten die Verurteilte bei der Staatsanwaltschaft denunziert. Sie sollte in Bezug auf das Halsleiden des Kaisers sich im Gespräch eines beleidigenden Ausdrucks bedient haben. Aus der Verhandlung ging zweifellos hervor, datz die Denunziation ein Racheakt der beiden Eheleute war. Sie hatten mit der Handelsfrau lange Zeit freundschaftlich verkehrt. Die letztere hat den Eheleuten oft Gclddarlehne gegeben. Als deren Wünsche aber nicht mehr befriedigt wurden. hatte die Freundschaft bald ein Ende. In einem früheren Termin, in dem die beiden der Angeklagten feindlich gesinnten Eheleute dieser allein als Belastungszeugen gegenüberstanden, beteuerte die Angeklagte ihre Unschuld. Der Vorsitzende hielt den beiden Eheleuten die grotze Ver- antwortung vor, die sie auf ihr Gewissen nehmen, wenn sie hier als die einzigen Belastungszeugen auftreten. Er ermahnte dieselben, sich vor dein Schwur doch noch einmal ihre Aussage zu überlegen, während der Verteidiger Vertagung beantragte, weil er znr Fest- stellnng des Leumundes der Zeugen sowie der Angeklagten noch Zeugen laden wolle. Dem Antrage wurde damals stattgegeben. Im letzten Termin beschworen nun die beiden Eheleute ihre bc- lastenden Aussagen, während die andren geladenen Zeugen nichts Wesentliches ausiagen konnten. Hueland. Frankreich. Eine Spionage-Affaire. Auswärtige Blätter brachten gestern Meldungen über eine in Paris entdeckte Spionage-Affaire.„Matin" und„Petit Parisicn" sagen heute, es handle sich darum, datz der japanische Militäratta chö dein früheren Agenten Lajoux Anerbietungen ftir Lieferung von Mitteilungen über die Verteidigung von Jndochina gemacht haben soll. Der Attachs stelle dies cnt- schieden in Abrede, und von zuständiger Stelle werde die Angelegenheit nicht als e r n st betrachtet. Zun« Marseillcr Streik. Nach einem Telegramm des„Matin" auS Marseille soll Minister Pelletan die Absicht haben, den bc- teiligten Schiffahrtsgesellschaften eine Entschädigimgszahlmig von täglich 15 000 Franks aufzuerlegen, so lange sie nicht den Post- dampserdienst wieder aufnehmen.— Rußland. Unruhen in Riga. Gestern fanden in Riga grotze Unruhen statt. Vor dem Gefängnis versammelte sicki eine grotze Menschenmenge, aus deren Mitte Schüsse sielen, »IS die Polizei sie ermahnte, auseinanderzugehen. Der Polizei- meister. dessen Gehilfe und zwei Polizisten wurden verwundet. Ein späteres Telegramm meldet noch: Bei dem gestrigen Stratzenauslanf vor dem hiesigen Gefängnis wollte die Menge mit den Gefangenen in Verkehr treten. Als der Ge- Hilfe des Polizeimeisters Lischiii hinzukam, wurde er mit Schüssen und S t e i n w ü r f e n empfangen und lebensgefährlich v e r w u n d e t. Die Menge wurde dann von der Polizei auseinandergetrieben.—« Uebcr furchtbare Mißhandlungen russischer politischer Gefangene» berichtet das Blatt„Slowo Polskie" ans Ka lisch in Russisch- Polen folgendes: Der Gefängnisdirektor Chaliniecki und sein Gehilse Karkowski, letzterer ein notorischer Trunkenbold, unterschlugen das für die Ernährung der politischen Gefangenen bestimmte Geld, so datz diese derart hungern mutzten, datz fie wiederholt in Ohnmacht fielen. Als einer der Annen energisch Essen forderte, wurde er von den Gefängnis- ivärtern mitzhandelt. Darauf forderten auch die übrigen Gefangenen Essen und schlugen zum Protest gegen die Behandlung, der sie ausgesetzt waren, mit den Stühleu gegen den Fntzboden ihrer Zellen. Nun lietz der Direktor Soldaten zur Unterdrückung des Aufruhrs holen und forderte den Gebrauch der Waffen gegen die politischen Gefangenen, ein Verlangen, das der Offizier jedoch ablehnte, dagegen genehmigte er, datz die Soldaten die„Aufrührer"„bestraften" und nahm leibst an den: verdienstlichen Werke eisrig teilJlSie wilde Tiere warf man sich auf die Gefangenen und schlug stunoenlang, bis zur völligen Erschöpfung der brutalen Henkersknechte, in barbarischer Weise auf die Gefangenen ein. Einige der Gefangenen wurden mit den Köpfen nach unten aufgehängt und dann bis aufs Blut ge- peitscht. Die vor den barbarischen Mitzhandlnngen instinktmätzig Fliehenden wurden an den Armen ergriffen, dieselben ausgerenkt oder gebrochen. Der Offizier rühmte sich, datz ihm an den„Mäulern" der Politischen die Hände geschwollen seien. Seine Uniform war von oben bis unten mit Blut bespritzt. Erst am nächsten Tage wurde» die Soldaten von ihrer„schweren Arbeit" abberufen. Um die Sache geheim zu halten, wurde das ganze Gefängnispersonal nach andren auswärtigen Gefängnissen versetzt, doch ist es trotzdem nicht ge- lnngen, die furchtbaren verbrecherischen Gcivaltthätigkeiten vor der Oeffentlichkeit zu verbergen.— Socialdeniokratie und Staatsform. Die deutsche bürgerliche und vor allein die reaktionäre ftan- zösische Presse hat die Aentzerungen Bebels über den plutokratischen Klassencharakter auch der bürgerlichen Republik dahin niitzzuverstehen gesucht, datz Bebel oder gar die ganze deutsche Socialdemokratie die Vorzüge der Monarchie gegenüber der Republik anerkannt habe, ja, zum Apostel der socialen Monarchie geworden sei. In der letzten Nummer der„Neuen Zeit" weist Genosse Kautsky diese tendenziösen Mitzdentungen der Bebelschen Bemerkungen schlagend zurück und gelangt dann zu folgenden Betrachtungen: „Aber die Republik ist uns sympathisch nicht blotz mit Rück- ficht auf den mehr oder weniger entfernten Znkunftsftaat der socialen Republik. Auch als bürgerliche Republik mutz sie den: focialistischen Proletariat wertvoller sein als die Monarchie, so datz es sich für die Republik entscheidet, wo inuner es die Wahl zwischen den beiden Staatsforinen hat. Denn die bürgerliche Re- publik ist die Staatsform, in der der Entscheidungskanipf zwischen Proletariat und Bourgeoisie am ehesten und besten auSgcfochten werde» kann. Das wird aber beivirkt dadurch, datz der Klaffen- gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie in der Republik am schärfsten und klarsten zum Ausdruck kommt. Wohl steht die Monarchie den, um seine Befteiung ringenden Proletariat notwendigerweise feindselig gegenüber, denn diele Be- freiung erheischt die Aufhebung der Klassen, also die Aufhebung der Grundbedingung der Monarchie. Aber diese hat kein Interesse daran, eine andre Klasse zur Alleinherrschaft kommen zu lassen; die Macht der Monarchie ist am grötzten dort, wo die verschiedenen Klassen sich die Wage halten. Das kann eine monarchische Regierung unter Umständen dazu veranlassen, das Proletariat gegenüber der Bourgeoisie in Schutz zu nehmen. Andrerseits kann sich in einer Monarchie die Bourgeoisie unter Umständen durch die Regierung, die nicht direkt ihre Klnfsenrcgie- ning ist, mehr beengt fühlen, als durch das Proletariat; sie kann es zur Schwächung der Regierung aufrufen und zu diesem Zwecke stärken. Endlich findet in einem monarchischen Lande das Proletariat selbst zwischen sich und der Bonrgeosie die Monarchie, als einen von jener verschiedene» Gegner. Dadurch wird seine Aufmerksamkeit geteilt, die Schärfe des Klassengegensatzes vermindert, die Intensität des Klassenkampfes geschwächt. Ganz anders in einer bürgerlichen Republik unter ent- wickelter kapitalistischer Produktion. Hier herrscht die Bourgeoisie direkt, hier stehen sich Proletariat»»d Bourgeoisie unvermittelt gegenüber, hier hat das Proletariat nicht die trennende Wand einer monarchischen Regierung z» übersteigen, will es der Bourgeoisie an de» Kragen gehen. In monarchischen Ländern— und das gilt um so mehr, je absoluter die Monarchie, also am nieisten für Rntzland— ist das Proletariat oft gezwungen, seine ganze Kraft auf die Be- kämpfung der Regierung zu konzentrieren. Gelingt es ihm dort, die Staatsgewalt niederzuwerfen, so steht es' nicht am Ende seiner Kämpfe, sondern nur am Beginn einer neuen, intensiveren Phase des Klassenkampfes. Gelingt es ihm dagegen in der bürgerlichen Republik, die bestehende Staatsgewalt zu stürzen, so hat es damit endgültig über die Bourgeoisie gesiegt, ihre politische Expropriation vollzogen und ihre ökonomische Expropriation un- abwendbar gemacht. Deshalb die grotze Bedeutung, welche schon die bürgerliche Republik für das Proletariat hat. Aber gerade deswegen ist auch i» der Republik das Klassenbewußtsein und der Klasscnhaß der Bourgeoisie gegenüber dem Proletariat mehr entwickelt, und ist dort die Bourgeoisie nm so skrupelloser in ihrem Klassenkampf gegen daS Proletariat, unbedenklicher in der Wahl ihrer Mittel, sei eS brutaler Niederwerfung» sei es heimtückischer Uebcrlistung und Korrnnipiernng. So hoch uns daher die Republik, auch die bürgerliche, steht. so wichtig sie uns für den Befreiungskampf des Proletariats er- scheint, so darf unS das doch nicht blind machen gegen den arbeiterfeindlichen Charakter, den jede bürgerliche Republik und jede Regierung einer bürgerlichen Republik entwickeln mutz. Gerade in dieser Erkenntnis unterscheiden wir uns von der bürgerlichen Demokratie, die der Republik eine geheimnisvolle Kraft der Schwächung der Klassengegensätze zuschreibt und wähnt, der republikanischen Bourgeoisie wohne eine weit größere Neigung iunr, die Befreiung der Arbeiterklasse zu fordern, als der Monarchie und der»loiiarchistischc» Bourgeoisie. Dieser republikanische Aberglaube gehört aber auch zu den Jllusione», die dank dem Revisionismus selbst in unsre Reihen hier und da Eingang gefunden haben. Da war es sehr am Platze, wenn Bebel demgegenüber wieder unsren Standpunkt darlegte, der de» des Republikaners mit dem des proletarischen Klassen- kämpfers vereinigt." Indem Kautsky hier zutreffend darlegt, datz auch die bürger- liche Republik ihren Klassencharakter beibehält, sind doch zugleich seine Darlegungen über den— wie man aus einzelnen Wendungen schlietzen könnte, nach seiner Meinung— abgestumpften oder doch wenigstens verwischten Klassencharakter in der Monarchie und sein Wort vom republikanischen Aberglauben geeignet, neuer Verkeunung Bebclscher und socialdemokratischer Auffassungen wider die Absicht Vorschub zu leisten. ES könnte der Anschein entstehen, als ob Bebel thatsächlich der Meinung wäre, datz in der Monarchie die Klassen nicht so un- mittelbar und so brutal aufeinanderftotzen wie in Republiken. Solche Meinung, die natürlich Bebel nicht hat und haben kann, wäre aber eine Konzession an jene grundderlogene„Theorie" dynastHche» Hauslehrer des Staatsrechts, die der Monarchie die geheimniS- volle Wunderkraft des Ueber-den-Parteien-Stehens und der zwischen den Klaffen ausgleichenden Gerechtigkeit zuschreiben. Thatsächlich lehrt die geschichtliche Erfahrung und zeigt die innere Logik der gesellschastlich-staatlichen Organisationsform, datz keine herrschende Klasse eine mit starker staatsrechtlicher Machtvollkommenheit ausgestattete Monarchie erträgt, die sich ihr nicht mit Haut und Haaren ver- schreibt. Deshalb gleicht eine Monarchie, sofern sie nicht zur klotzen dekorative» Formalität verflüchtigt ist, sondern mehr oder minder tief im Absolutismus stecken geblieben ist, nicht, in wenn auch noch so bescheidener Form, die Interessen zwischen den be- herrschten und den herrschenden Klassen auS, sondern sie sucht lediglich die verschiedenen Interessen zwischen den herrschenden Klassen selbst auszugleichen. Sie mutz fortwährend bedacht sein, die diversen„Stützen des Thrones" bei guter Laune zu erhalten, und deshalb mutz sie ihnen— auf Kosten der proletarischen Masse— abwechselnd alle erdenklichen Vorteile zu- schanzen. Die Notwendigkeit, sich auf die herrschenden Klassen zu stützen und die innerhalb der besitzenden Gesellschaft infolge der wirtschaftlichen Entwicklung vielfach ausbrechenden Gegensätze zu versöhnen, damit sie nicht selbst zwischen den herrschenden Klassen zerrissen wird. zwingt die Monarchie zu immer verstärkten Anstrengungen in der Verleihung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Privilegien. Auf der andern Seite werden die herrschenden Klassen im Wettstreit um die Gunst der Krone immer reaktionärer und, indem sie sich der höfischen Natur und der Art der für die dynastischen Bedingungen tauglichsten und stärksten Klasse anzupassen suchen, es offenbart sich der Klassencharakter nicht nur in der ro heften, sondern auch oft in der ihren eignen wirtschaftlichen Interessen zuwiderlaufenden u n s i n n i g st e n Form. In keiner Republik ist deshalb der Klassenkampf brutaler und zugleich ab- surder wie in dem monarchischen Preutzen und in dem monarchischen Sachsen I Während so auf der einen Seite die absolutistische oder halb absolutistische Monarchie ihre Politik auf den Ausgleich der Interessen der herrschenden Klassen zu Ungunsten des Proletariats richten mutz, fühlen sich andrerseits die herrschenden Klassen hinter dem Schutz- wall einer starken Monarchie so sicher, datz sie gar keine Notwendig- keit einsehen, sich init dem Proletariat zu verständigen, es durch Konzessionen zu befriedigen. Und wenn die Monarchie es für gut hält, dem Proletariat für den auf seinem Rücken vermittelten Ausgleich der Interessen der herrschenden Klassen untereinander auch einige Scheinkonzessionen zukommen zu lassen, so widersetzen sich solchen Versuchen die herrschenden Klassen anfs hartnäckigste. So wird schlictzlich nur so viel„monarchische Socialreform" gewährt, als die herrschenden Klaffen gestatten. Es giebt des- halb nirgends so rückständig bornierte Klassenherrschaft, wie sie das Junkertum und der mit ihm versippte bürgerliche Fabrikfeudalismus wiederum in dem monarchischen Preutzen und in dem monarchischen Sachsen ausübt. Umgekehrt sind in demokratischen Republiken und in den kon« stitutionellen Scheinmonarchien, wie England, die herrschenden Klaffen genötigt, in ihrem inneren Jntereffenstreit daS Proletariat durch Zugeständnisse auf ihre Seite zu locken. Die socialen Konzessionen in diesen Staaten mögen nicht immer so aufdringlich sichtbar werden, wie die bureaukratisch-selbstgefällige Socialreform in monarchischen Staaten, aber ihr innerer Wert ist vielfach überlegen. Und vor allem müssen die herrschenden Klassen in der Demokratie durch politische Freiheiten sich die Sympathie und Hilfe der ftir ihre Herrschaft unentbehrlichen Massen zu gewinnen trachten. Es widerspricht den Thatsachen und stellt das wirkliche Verhältnis auf den Kopf, datz die reinere und schroffere Form des Klaffen- kampfes in den Republiken zur Geltung komme. In der bürgerlichen Republik und verwandten Staatsformen versucht man die Arbeiter durch Geschenke zu korrumpieren, in der absolutistischen Monarchie durch Gewalt einzuschüchtern. Der„republikanische Aberglaube" ist sonach eine recht revolutionäre, sehr radikale und in allen Fällen eine unbedingt notwendige Anschauung. Der beste und einzige Interpret seiner Anschauung ist schlietzlich Bebel selbst. Gerade vor einem Jahre hat Bebel in seinem Aufsatz über die Vicepräsidenten-Frage mit grotzer Schärfe und durchaus zutreffend gegen die Genossen polemisiert, die nach seiner Meinung sich gegenüber der fundamental wichtigen Staatsform zu gleichgültig verhielten. Er führte in der„Neuen Zeit" vom 6. September 1903 unter der Kapitelüberschrift„Die Staatsform mehr Nebensache für die Socialdemokratie" ans: „Wir sollten nicht das Hanptgewicht auf die Staatsform legen und nicht annehmen, datz man durch eine Audienz bei dem Kaiser eine Art Reverenz vor ihm mache. Nicht auf die Staats- form, auf den socialen Inhalt der Gesellschaft komme es nach nnsren eignen Grundanschauungen hauptsächlich an, rufen übcrein- stimmend Vollmar und Söhre. Letzterer widmet diesem Thema in der Chemnitzer.Volksstimme" einen ganzen Leitartikel, aus dem ich die Ueberzeuaung gewann, datz dem Genossen Göhre der Nationalsociale noch(ehr im Nacken sitzt. Es fällt mir nicht ein, die StaatSfonn zu über schätzen. Aber sie ist sehr wesentlich. Es giebt allerdings Monarchien,>vie zum Beispiel die englische, die ich mancher Republik vorziehe, zum Beispiel den südamerikanischen. Aber auch zwischen den Monarchien ist ein gewaltiger linterschied. Eine starke Monarchie bedeutet ein schwaches Parlament. Und wenn daS Königtum durch Heer und Flotte und Beaintenhierarchie usw. schon stark ist und durch die herrschenden Klassen noch besonders gestützt ivird, dann ist es für jede Demokratie eine ganz besondere Gefahrl Daher ist die Monarchie in Preußen die Monarchie par excellence, die es in der ganzen Welt nicht znm zweitenmal giebt. Und der jeweilige prcntzische Monarch, der zugleich deutscher Kaiser ist, ist auch der systematische Stärker des Junkertums, in dem er seine vornehmste Stütze sieht. Er ist es auch, an dem das Dreiklaffen-Wahlsystem mit all seinen Ungleichheiten in Staat und Kommune für die Arbeiterklasse seinen Grund- und Eckstein findet, der alles billigt, was bisher die Socialdemokratte in Preutzen rechtlos gemacht und geschädigt hat... Wäre dagegen Preußen- Deutschland eine Republik und wäre sie noch so blau, so bcsntzcn wir höchst wahrscheinlich das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ftir alle Ver- tretungskörper, Diätenzahlung an die Abgeordneten, eine gerechtere Einteilung der Wahlkreise, womöglich das Proportionalwahlsystem, ein viel freieres Vereins- und Versammlungsrecht, eine größere Prctzfreiheit, eine vollkommenere Socialreform, für die dann unsre Macht ganz anders in die Wagschale fiele wie jetzt, ein demokratischer gestaltetes Militärsystein, eine dein Parlament verantwortliche Regierung, kurz, es wäre eine Reihe unsrer nächsten Programm- fordcrungen erfüllt,»in die wir jetzt noch lange und voraussichtlich sehr schwere Kämpfe zu bestehen und grotze Opfer zu bringen haben I Wollen Vollmar und Göhre auch jetzt noch behaupten, datz die Staatssorm mehr nebensächlich sei? Was werden die belgischen, französischen, österreichische», italienischen Genosse» denken, wenn sie ihre Ausführungen lesen?" Man braucht nur an diese Darlegungen zu erinnern, um ein für allemal der Legende der deutschen und französischen bürgerlichen Presse ein Ende zu machen, die der deutschen Socialdemokratie mon- archische Neigungen, republikanischen SkepticiSmus oder auch nur Gleichgültigkeit gegenüber der Staatsform zuschreiben möchte- Gewiß, es läßt sich denken, daß die Monarchie keine direkte Klassenregierung ist. es läßt sich denken, daß in der Monarchie der Klassenkampf minder rauhe Formen an- nimmt wie in der Republik. eS läßt sich denken, daß in der Monarchie dem Proletariat ein größerer Schutz zu teil wird— und niemand wäre so zuftieden, wenn die Monarchie diese Eigenschaften hätte, wie die deutsche Socialdemokratie. Aber, nach einem Philosophenwort: Ein gedachter Thaler ist kein wirk- l i ch e r Thaler. Die Erfahrung lehrt das Gegenteil. Und Bebel. der vor einem Jahre den monarchistischen Aberglauben der Re- visionisten oder doch den der monarchistischen Indifferenz bekämpfte, hat sich besser gegen falsche Interpreten gesichert als sein heutiger Ver- teidiger, der vor dem Revisionismus des„republikanischen Aberglaubens' loarnt. Beiderlei Aberglauben ist vom Uebel— aber einstweilen steckt in dem„republikanischen Aberglauben' noch ein so schweres und un- umgängliches Problem, daß es uns gar nicht wichtig genug sein kann. Im übrigen scheint uns die binnen Jahresfrist so seltsam ver- änderte Umschreibung revisionistischer Ziele— vom monarchischen zum republikanischen Aberglauben— die Einsicht dafür zu schärfen, ob es der tieferen Erkenntnis und der ftuchtbaren Klärung Partei- genössischer Streitfragen dient, mit dem Stempel fester„Richtungs- Worte" allzu eifrig zu arbeiten.— X. E. GcwcrkfcbaftUchce. Knebelung der Freiheit— und Freiheit der Knebelung verlangen die in Magdeburg versammelten Handwerker unter Führung von F e l i s ch und Rahardt in einem Atem. Der Obermeister der Baugewerks- Innung zu Hamburg, L o m m e r t, sprach in der ersten Hauptversammlung des Jnnungs- und HandwcrkertageS über:„Arbeitgeber- und Arbeits- willigen- Schutz. Verbot des Streikpostenstehens" und empfahl: 1. Ergänzung des§ 153 G.-O. dahingehend, daß bestraft wird, wer die Arbeiter zur widerrechtlichen Einstellung der Arbeit öffent- lich auffordert, sowie derjenige, der durch öffentliche Kundgebungen das Publikum oder einzelne Bevölkerungskreise zur Meidung be- stimmter Geschäfte auffordert; 2. Annahme des Antrages von Dirksen und Genossen:„Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen um baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch den im Interesse der Aufrechterhaltung der Rechtsordnung bei gewerblichen Lohn- und Arbeitskümpfen die Arbeitswilligen wirksamer wie bisher gegen Bedrohungen, Gewaltthätigkeiten und Zwang ge- schützt werden.' 3. In der Erwägung, daß K 124b G.-O. in der Praxis lediglich eine Verpflichtung für den Arbeitgeber darstellt, den Arbeitnehmer aber nicht bindet: Bestrafung des KontraktbrucheS. 4. Verbot des Streikposten st ehenS. Sollte den Berufs- vereinen oder Verbänden die Rechtsfähigkeit verliehen werden, so müßten sie zum Ersatz desjenigen Schadens herangezogen werden können, der durch sie, bezlv. ihre Beamte oder Mitglieder anläßlich von Lohnbewegungen verursacht worden ist. In der Debatte äußerten sich Krüger-Düffeldorf, Abg. Pauli- Potsdam, Fritsch-Leipzig und Nüniberg-Berlin in zustimmendem Sinne. Gertz-Charlottenbnrg beantragte folgenden Zusatz der vor- gelegten Resolution:„Jeder Boykott ist strafrechtlich zu verhindern.' Bei der Abstimmung wurde die Resolufton Lommert mit diesem Zusatz einstimmig angenommen. Es folgte die Beratung über: Die Zugehörigkeit der Innungen zu den Arbeitgeberverbänden. Hierzu unterbreitete der Referent. Obermeister Blinkmann-Ham- bürg der Versammlung eine Resolution, in der es heißt: Der Handwerkertag bedauert die Entscheidung des preußischen Ministers für Handel und Gclverbe vom 23. Januar 1903, wonach der Mimster eine Anfrage des Centralvorstandes des JnnungSverbandeS Bund Deutscher Schneider-Innungen dahin beantwortet,„daß der Beitritt von Schneider« Innungen zum Allgemeinen deutschen Arbeit- geber-Verbande für das Schneidergewcrbe nicht zulässig sei". Der Handwerkertag erblickt in dem Beitritt von Innungen zu Arbeit- gcber-Verbänden keinen Verstoß gegen Z 81a, Ziffer 2 der Gewerbe- Ordnung. Der deutsche Jnnungs- und Handwerkertag hofft, daß die citierte Entscheidung des preußischen Ministers für Handel und Ge- werbe als nicht dem Willen des Gesetzgebers entsprechend, baldigst eine Aenderung erfahre. Man sieht: Für die Arbeiter Knebelung der Freiheit— für die Unternehmer Freiheit der Knebelung. Und weil die Regierung dem nicht ohne weiteres nachkommt, weil ihr die Möglichkeit fehlt, es in dem von den Jnnungsscharfmachern gewünschten Maße durchzuführen, darum rufen die Jnnungsmeister in Magdeburg sich ganz nach agrarischem Muster zu: Schreien wir l Berlin und Qm gegen d. Streik und Aussperrung der Former und Giesierei-Arbeiter. Die Eimgungsverhandlungen zwischen den beiderseitigen Kom- Missionen der Former und Gießereibesitzer sind gestern im Borsig- Hause fortgesetzt worden, jedoch noch zu keinem definitiven Abschluß gekommen, lieber die von den Arbeitgebern gemachten Abänderungs- Vorschläge wird die heutige Formervcrsammlung Beschlutz fassen.— Die Hobler, Stoßer, Fräser usw. beschäftigten sich tun Sonnabend in einer gut besuchten Branchenversammlung ebenfalls mit der Formeraussperrung und den etwaigen Folgen derselben für ihre Branche. Festgestellt wurde, daß bereits eine Anzahl von ihnen durch die Aussperrung in Mitleidenschaft gezogen worden sind und verkürzte Arbeitszeit arbeiten müssen. Die Versammlung war der Ansicht, vorläufig ruhig den weiteren Verlauf der Dinge abzuwarten. Beschlüsse wurden nicht gefaßt._ Die Holzbildhauer beschlossen in ihrer gestrigen Vertrauens- männersitzung mit großer Majorität, der demnächst stattfindenden öffentlichen Berufsversammlung zu empfehlen, daß in allen den- jenigen Geschäften, in denen die kürzlich durchgesetzte Lohnerhöhung von mindestens 5 Proz. noch nicht gezahlt wird, bis zum 15. Sep- tember die ursprüngliche Forderung von mindestens 10 Proz. Lohn- erhöhung gestellt werden soll. Motiviert wurde dieser Beschluß mit dem Verhalten der Arbeitgeber, die ihre eigne Kommission, welche avouiert haben. Wenig Sympathie fand aber auch das Verhalten ihnen die Sprozeitige Lohnerhöhung für alle Betriebe empfahl, des- der Firma Zelter u. Plathen, deren Inhaber den kürzlich ab. geschlossenen Tarif wohl unterzeichnet hat, denselben jedoch nicht einhält. Mit der Aussperrung in der Metallgießerei von Schwidlinski steht eine Schlägerei mit Arbeitswilligen im Zusammenhang, die von einem Teil der bürgerlichen Presse zu einer wahren Räubergeschichte aufgebauscht wird. So heißt es in einer bürgerlichen Korrespondenz, mehrere Arbeitswillige seien am Sonnabend von drei Streikenden verfolgt, verhöhnt, zu Boden geworfen und durch Fußtritte und Messerstiche schwer verletzt worden, worauf dann die Verhaftung der Streikenden und deren Ueberwcisung an die Staatsanwaltschaft er- folgte. Diese Darstellung des an sich ja recht bedauerlichen Vorfalles iit in sehr einseitiger Weise zu Ungunsten der Streikenden erheblich übertrieben. In Wirklichkeit spielte sich der Vorgang folgender. maßen ab! Einer der Streikenden Namens Johl aus Ripdorf war in Gemeinschaft mit zwei am Streik gänzlich unbeteiligten Be. kannten am Sonnabend nach Feierabend mehreren Ardelt-willigen gefolgt, um sie zur Arbeitsniederlegung zu überreden. Die Arbeits. willigen wiesen jene aber höhnisch ab. Da nun Johl und seine beiden Begleiter leider nicht ganz nüchtern waren, so verloren sie den Arbeitswilligen gegenüber die nötige Ruhe und ließen sich ebenfalls zu einigen derben Bemerkungen hinreißen. Ein Wort gab dabei das andre, und plötzlich zogen die Arbeitswilligen— nicht der Streikende und seine Begleiter— Messer und Schlagringe hervor und drangen damit auf diese ein. Zwei von ihnen sind denn auch mehrfach am Kopfe verletzt worden, allerdings haben auch die Arbeitswilligen bei der Prügelei einige Püffe abbekommen. Als dann die Polizei tzcm häßlichen Auftritt ein Ende machte und die Beteiligten zur Wache brachte, da wurden auf der Wache den Arbeits- willigen die von ihnen verwendeten Messer und Schlagringe ab- genommen. Bei den Freunden des Streikende» fanden die Beamten nur ein kleines Taschenmesser, das in einem Futteral steckte, also bei der Schlägerei gar nicht gebraucht worden war. Johl und seine beiden Begleiter sind zwar verhaftet, jedoch am Sonntag bereits wieder entlassen worden. Es bedarf eigentlich kaum der Erklärung, daß das unbesonnene Vorgehen des beteiligten Streikenden in der Arbeiterschaft keinerlei Billigung findet. Der Standpunkt der Gewerkschaften ist bekanntlich der, daß streikende Arbeiter unter Ausnutzung des Koalitionsrechts wohl versuchen sollen, auf Arbeitswillige in vernünftiger Weise ein- zureden, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, daß sie jedoch die Arbeitswilligen gänzlich links liegen lassen, sobald sich diese den Vorstellungen der Streikenden als unzugänglich erweisen. Daß nach diesem Princip auch während der bereits neun Wochen dauernden Aussperrung bei der Firma Schwidlinski gehandelt worden ist, beweist doch auch der Umstand, daß sich die Ausgesperrten weder als Streikposten noch sonstwie gegen die dortigen Arbeits- willigen bisher irgend etwas haben zu schulden kommen lassen. Der bedauerliche Vorfall ist auf das Conto des Alkohols und nicht auf das der Arbeiterbewegung zu setzen. Speciell die in Betracht kommende Gewerkschaftsorganisation muß jede Verantwortung für den Vor- fall ablehnen. Die Kutscher von Kliemts Fuhrgeschäft haben durch ihr ein- mutiges Vorgehen eine Lohnerhöhung durchgesetzt, so daß der Streik nur etwa eine halbe Stunde dauerte. Bekanntlich hatten die Kutscher und Automobilführer bei ihrem Chef eine For- derung auf Lohnzulagc eingereicht und sich bis zum letzten Sonntage Bescheid darüber erbeten. Herr Kliemt antwortete darauf schriftlich, daß er die Forderung in ihrer vollen Höhe nicht bewilligen könne. Eine Lohnaufbesserung sei von ihm allerdings„schon lange erwogen" und auch schon festgesetzt worden, konnte jedoch bisher noch nicht in Wirksamkeit treten, weil er von seinen Kunden auch keine höhere Zahlung erlangt habe. Trotzdem sollte von dieser Woche ab ein Anfangslohn von 19,53 M., nach einem Jahre 21 M. und nach drei Jahren 22,53 M. pro Woche gezahlt werden.(Die bisherigen Löhne betrugen 18, 19 und 21 M.) Den Kutschern war es ja recht er- freulich, zu vernehmen, daß ihr Chef eine Lohnerhöhung wenigstens „schon lange erwogen" habe, wenn es auch erst der ernstlichen Drohung mit einem Streik bedurfte, ehe diese langen Erwägungen greifbare Gestalt annahmen. Die Lohnerhöhung erschien ihnen aber doch als etwas zu gering, umsomehr, als die Automobilführer leer ausgehen sollten. Sie verlangten deshalb statt der bewilligten 1,53 Mark für sich eine Zulage von 2 M. und für die Automobilführer von 1 M. pro Woche, wohingegen sie dann auf Uebcrstundenzuschlag und Stallwachentschädigung verzichteten. Um Herrn Kliemt von der Berechtigung und Bescheidenheit dieser Forderung zu überzeuge«, versuchte am Sonntag der Vertreter des Transportarbeiter-Ver- bandes, Uthes, namens der Kutscher mit ihm zu verhandeln. In- folge der übermäßigen Erregung des Herrn Kliemt aber kam es zu keiner Einigung. Am Montagmorgen traten nun zwar sämtliche Kutscher und Automobilführer pünktlich auf dem Hofe an, ver- weigerten jedoch jegliche Arbeit, ehe ihnen nicht Gewiß- heit über ihre Forderung würde. Da somit niemand die Pferde fütterte und die übrigen notwendigen Arbeiten besorgte, so holte der Hofverwalter Herrn Kliemt aus dem Bett heraus, und nun erfolgte die Einigung auf der von den Kutschern geforderten Grundlage. Die Kutscher erhalten eine Wochenzulage von 2 M., also 23 M. Anfangs- lohn und für die Stallwache ebenfalls noch 1,53 M. Den Automobil- führern wurde dann auch die Zulage von 1 M. bewilligt. Der Wert der„Arbeitswilligen" ist der Speditionsfirma B r o d e u. Co., bei der am Freitag bekanntlich die Rollkutscher in den Streik traten, recht drastisch zum Bewußtsein gekommen. Schon vor Ausbruch des Streiks wurden von dem Scharfmacher-Arbeits- nachlveiS in der Dresdenerstraße durch Annoncen und Plakate Roll- kutscher auf Vorrat gesucht, die dann während des z« erwartenden AusstandeS als Arbeitswillige Verwendung finden tollten. Einen dieser guten Leute engagierte am Morgen des Ausslandes auch die genannte Firma, händigte ihm 33 M. Frankaturgeldcr ein und schickte ihn zur Abholung von Gütern mit einem Gespann nach dem Schlesischen Ostbahnhof. Dem Manne haben nun jedenfalls die 33 M. besser gefallen wie das arbeiten. Er ließ deshalb Pferd und Wagen auf dem Bahnhos stehen und verschwand mit dem Äelde auf Nimmerwiedersehen. Erst des Abends wurde die Firma vom Bahnhof aus benachrichtigt, daß sie das führerlose Gespann doch abholen möge, was denn auch nach Feierabend von den alten in den Aus- stand getretenen Kutschern besorgt wurde. Herr Arode hatte bereits bewilligt und nahm keinen Anstand, seinem berechtigten linntut über „so einen Strunk" in beredten Worten Lust zu machen. Ter Streik in der Möbelfabrik„Nni-n"(Genossenschaft) ist durch Vergleich beendet, indem der Tarif anerkannt und die Arbeitszeit wöchentlich um zivei Stunden verkürzt wurde. Der Fachverein der Tischler Berlins und Umgegend. Deutfchea Reich. In der Schuhfabrik von Heide zu Bernau sind am letzten Sonn- abend sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen worden. Die Gründe dieser Maßregelung smd höchstwahrscheinlich in den vor einigen Wochen stattgefundenen Differenzen zu suchen. Wir ersuchen den Zuzug nach dieser Fabrik fernzuhalten. Verein deutscher Schuhmacher. Die Lohnbewegung der Tischler, so berichtet man uns unterm 28. August aus Halle, ist in einer am Sonnabendabend statt- gehabten Versaminlung durch Emigting mit dem Unternehmertum erledigt worden. In einer am Abend vorher von etwa 533 Tischlern und Maschinenarbeitern besuchten Versainmlung wurden die von den Unternehmern gemachten Konzessionen. 43 Pf. Mindestlohn pro Stunde„für den mittleren Durchschnittöarbeiter', und 3 Pf. Zulage für Tischler, die bereits über 43 Pf. pro Sttmde erhalten. gutgeheißen. Die Kommission der Tischler wurde aber ersucht, darauf hinzuwirken, daß die tariflichen Vereinbarungen nicht bis zum Jahre 1937, sondern bis 1936 festgesetzt werden.— Die Gültigkeitsdauer der tariflichen Abmachungen noch um 1 Jahr zu verkürzen. ist nicht gelungen. Die Tischler brauchen sich deshalb auch nicht zu grämen, und inan wird ja sehen, ob nicht das Unternehmertum wieder die erste Gelegenheit zur Durchbrechung des Vertrags bietet. Sind die gemachten Zugeständnisse auch minimal, so tst doch zu berücksichtigen, daß sie ohne jeden Kampf erzielt worden sind und das llnternehniertum zum erstenmal gezwungen wurde, mtt Vertretern der Tischlerorganisation zu unterhandeln. Ein Kuriosum in der Arbeiterbewegung dürste der Ausgang eines kleinen Werkstattstreiks der Bleiglaser in F r a n k f u r t a. M. sein. Derselbe war den drei Mann der Werkstatt durch das Verhalten des Unternehmers aufgedrungen und wurde von ihnen mit Konsequenz durchgeführt. Der Streik wurde nicht nur zu Gunsten der beteiligten Arbeiter erledigt, sondern führte zur Einführung eines Tarifes für alle Blei-, Blank- und Rahmen- glafer der ganzen Stadt. Die Innung hat den Tarif nach Annahme einiger Konzessionen seitens der Arbeiter, an- erkannt und ist derselbe seit dem 22. d. M. gültig. 23 Firmen, die größten, haben sofort die neunstündige Arbeitszett usw. eingeführt. sieben kleinere noch nicht, doch werden von diesen meistens keine organisierten Arbeiter beschäftigt. Ein Kuriosum ist der Streik in der Streikbewegung wohl. Daß durch drei Streikende ein Tarif für eine ganze Stadt errungen wird, ist wohl selten passiert._ I« Danzig, wo sich die Steinmetzen fast alle organisiert' haben, wurden bei der Firma Drehling fünf Steinmetzen sofort entlassen, weil sie sich organisiert hatten. Zuzug ist fern- zuhalten. Ein Strafmandat gicbts auf alle Fälle. In Königsberg gcijt bekanntlich die Polizei in der schneidigsten Weise gegen die Streik- Posten auf Grund einer Polizeiverordnung vor, nach der das Stehen auf dem Trottoir besonders verboten ist. Fast jeden Tag finden auf den Gerichten Verhandlungen gegen Streikende wegen Uebertretung der Straßen-Polizeiverordmmg statt und meist bestätigt auch das Gericht die Sttafmandate. Am 13. August standen auf einem schntalen Trottoir keine Maurer, wohl aber zwei ziemlich umfangreiche Bauunternehmer und ein Schutzmann und ver- sperrten die Passage. Ein Maurer, der durch diese Sttahe gehen mußte, war ganz erstaunt, gerade diese Leute beisammen auf dem Trottoir zu sehen. Als er an ihnen vorbei wollte, gelang ihm das nur sehr schwer; er mußte sich förmlich durchdrängen. Der Schutzmann eilte ihm nach und schrieb ihn auf und jeyt hat er ein Strafmandat über 15 M. oder drei Tage Haft erhalten. Er soll die„auf dem Bürger st eig st e h e n d e n Herren' absichtlich angerempelt und hierdurch sowie durch sein sonstiges Verhalten Auf- sehen erregt haben. Die Maurer können also machen, waS sie wollen, Strafmandaten entgehen sie nicht. Der Berein der arbeitswilligen Maurer in Königsberg ist „christlich" geworden. Er. hat sich dem Verbände der christlichen Maurer angeschlossen. Der Scharfmacher Herr L a u f s e r, Vor- sitzender des Arbeitgeberbundes ist zu diesem Zweck in Berlin gewesen. Was man dem anuen Christentum aber auch alles im Interesse des Kapitals anthut l Husland. Der Generalstreik der Kapitalisten. In Marseille herrscht vollständige Arbeitsruhe; die Docks und Quais sind verödet, alle Schiffe der Handelsgesellschaften, die in den Hafen einlaufen, werden sofort abgerüstet. Den Unternehmern stehen bekanntlich die Offiziere und Schiffsmcchaniker sowie die Werkführer der Docks zur Seite. Neben den Seeleuten und Hafenarbeitern werden eine ganze Reihe andrer Arbciterkategorien durch den Konflill in Mitleidenschaft gezogen; so haben die Speditionsgesellschaften bereits die Hälfte ihrer Arbeiter entlassen, viele Fabriken und Werk- stätten werden bald ihre Thätigkeit ganz einstellen müssen, da es ihnen an Kohle und Rohmaterial mangelt, und so wird die Zahl der Aus- gesperrten in einigen Tagen ca. 133 333 betragen. Dabei handelt es sich um recht geringfügige Forderungen der Arbeiter; diese ver- langen die Auftechterhaltung der Verträge von 1933, welche die Unternehmer in mehreren Punkten zu durchbrechen suchen; vor allem handelt es sich um eine Bezahlung der Ueberswnden. Der Präsident der Handelskanuner hat nun Vermittelungen angebahnt und die Ver- treter der Organisation der Seeleute und der Hafenarbeiter empfangen. Die Arbeiter sind sehr versöhnlich und wünschen eine Verständigung herbeizuführen; sie haben dem Präsidenten der Han- delskammer mitgeteilt, daß sie auf folgender Basis verhandeln wollen: Bezahlung der Ueberswnden, Einsetzung eines Schiedsgerichts, be- stehend aus Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter, um Streitigkeiten zwischen beiden zu regeln. Sie haben außerdem das Versprechen abgegeben, daß alle Forderungen der einzelnen Arbeiter durch die Gewerkschast geprüft und vertreten werden sollen, auch haben sie die Garantie übernonunen, daß die Seeleute die Autorität der Offiziere anerkennen. Bei der Hartnäckigkeit der Schiffsreeder ist es zweifelhaft, ob eine Einigung erzielt wird; geschieht dies nicht. so ist eine weitere Ausdehnung der Differenzen auf andre Hafen. städte Frankreichs zu erwarten. Wolffs Bureau meldet aus Paris unterm gestrigen Datum: Ter Ministerrat beschäftigte sich heute mit der Prüfung der verschiedenen Mittel, um den Ausstand der Hafenarbeiter in Marftille zu beendigen. Handelsminister Trouillot machte von einem Briefe Mitteilung, den er an die subventionierten SchisfahrtSgesell- schaften richtete, um sie an die E r f ü l l u n g i h r e r V e r p f l i ch« t u n g e n zu mahnen._. Eingegangene vruckfcdviften. Richard Calwer. DaS WirsschastSjahr 1933. Jahresberichte über den Wirtschasts- und«lrbeitsmmkt. Erster Teil: Handel und Wandel in Deutschland. Preis 8 M.. geb. 9 M. Jena 1904. Gustav Fischer. Wjlh. Bazille und Rcinh. Köstlin. Da« Jnvalidenverstcherungs. Gtsefe. Preis 2 M., geb. 3 M. Grunewald-Berlin 1904. Verlag der Arbeiterversorgung. A. Troschcl. Gillstraße 5. Ludwig Windhorst, Sonderabdruck aus dem Staatslexikon der Görrcs-Gesellschast. 2. Auslage. V. Band. Verlag von Herder in Frei. �' �Fraileiibewegung und Freundesliebe. Von Edwin Bab, oauct. med. Preis 50 Pf. Verlag Adolf Brand. Der Eigene. Charlottenbmg 1. Der Sadismus in der Armee. Von HanS Rau. Berlin. Verlag von Hugo Bcrmühler. 1904. Preis 1 M. Die Socialdemokratie in Rußland. Bericht der D-Iegatton der sociaidemolratischen Arbeiterpartei Rußlands an dm internattonalen Socialistenlongreß in Amsterdam 1904. Preis 30 Ps. Verlag R. Etzold, München. Rudolf Martin. Die Eisenindustrie in ihrem Kampfe um den Absatz- markt. Eine Studie über Schutzzölle und Kartelle. Preis 7 M. Leipzig 1904. Dunckcr u. Humblot. R. Bammes. Der Konsumverein Leipzig-Plagwitz. Seine Entstehung, Entwicklung und sein gegenwärtiger Stand. Preis 25 Pf. 1904. Rom« milsionsverlaa: Leipziger Buchdruckerei A.-G. Lipinski. Das Recht und der Rechtsweg der HandlungSgehllsen. I» Leinen gcbundm 2,50 M. Porto 20 Pf. Verlag: Stich. LiPtnSki, Leipzig. 1904. Letzte INtecbncbten und Depefcbeno Manöverunfälle. München, 29. August. Heber schwere Manöverunfälle aus der Schrobenhausener Gegend wird den Blättern berichtet: Beim Kavallerie-Exerzieren konnten die Mannschaften des 4. Chevauxleger- Regiments durch den Staub, den die ausgetrockneten Stoppel- selber verursachten, das Gelände nicht mehr übersehen. Bei einer steileu Erhöhung, die sich mitten im Gelände befand, stürzte eine Reihe von Reitern, die sich jedoch nicht verletzten. Da- gegen stürzten von der nachfolgenden Eskadron der Lieutenant v. Rößlin. Bicewachtmeister Wiginann und ungefähr 23 Reiter. Unter- offiziere und Mannschaften, von denen ein Unteroffizier und ein Mann schwer verletzt wurden, während die andern mit geringfügigen Wer- letzungen davonkamen. Der Bicewachtmeister hat einen Schlüsselbein- bruch erlitten. Ein Sergeant der 5. Eskadron des 2. Regiments verunglückte dadurch, daß bei einem Transport die Pferde durch- gingen und er vom Wagen geschleudert wurde. Er erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. Ein Reiter wurde bei einer Angriffs- Übung von einer Lanze durchbohrt mtd so schwer verletzt, daß er gleich darauf starb._ Englische Kreuzer auf der Suche nach der rusfische« „Freiwilligen Flutte". London, 29. August.(W. T. B.) Laut Mitteilung der Admiralität sind vier englische Kreuzer und ein englisches Kanonenboot m den südafrikanischen Gewässern auf der Suche nach den rusftichen Hilfz» kreuzern.SmolenSl' und.Petersburg'. Ein gefundener Schatz. Johannesburg, 29. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus'.) Ein gewisser Kemp, ein Vetter des Generals des gleichen Namens. hat jenseits von Spelonken(Distrikt ZoutpanSberg) einen vergrabenen Schatz im Werte von einer Viertel Million Pfund Sterling entdeckt. der vor dem Einrücken der Armee des �ord Roberts aus Pratorta entfernt worden ist. Auf die Regierung entfällt die Hälfte des Schatze?.__ Berantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwäctSBuchdr.u.VerlagSanstalt PaulSingerL:Co..BerIin5W. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltullg»«» Nr. 203. 21. Iahrgaug. 1. KeilU des„Pormiitfö" Wim NxlksM Diettstag, 30. Augnst 1904. Parteikonferenz för den Wahlkreis Uatsdam-Spaudan-Gsthavelland. Berlin, 2S. August 1904. Infolge des Beschlusses der Nauener Konferenz, für den Kreis eine Centralorganisation einzuführen, war die heutige auszerordent- liche Konferenz nötig geworden. Neben der Beratung des Kreisstatuts standen noch auf der Tages- ordnung die„Provinzialkonferenz* und der.Bremer Parteitag". Die Dislussion über die Provinziallonfercnz leitete Genosse Paris- Velten ein, indem er zunächst aus die von verschiedenen Kreisen gemachten Anregungen in Bezug aus die Brandenburgische Agitationskommission verwies; er betont den hohen Wert der Kommission für die Agitation in den Provinzkreisen, sie habe zweifellos den letzteren gute Dienste geleistet, was er auch für den Osthavelländischen Kreis vollauf bestätigen könne. Dabei habe die Kommission niemals etwa versucht, in Osthavelland irgend einen be- stimmenden Einflutz auszuüben. Es sei darum nur zu wünschen, daß die jetzige Art der Zusammensetzung der Agitationslommission un- berändert bleibe. Auf die von dem Wcsthavelländischen Kreise beschlosicne Reorgani- sation der P r e st k o m m i s s i o n der.Brandenburger Zeitung" über- gehend, unterzieht Redner das bezügliche Statut einer scharfen Kritik. Das Entgegenkommen, welches die Brandenburger Genosten den übrigen Kreisen des Verbreitungsbezirkes der.Brandenburger Zeitung dadurch bekunden, dah jedem andren Kreise das Recht zustehen solle, auf je 600 Abonneuten einen Vertreter in die sogenannte erweiterte Prestkoinmission zu wählen, sei eben kein Entgegenkommen, da ja den neuen Ver- tretern so gut wie gar kein bestimmender Eiufluh eingeräumt werde. Nach wie bor sichern sich die Brandenburger und Rathenower Ge- nossen den alleinigen Einfluß auf die Zeitung; die„erweiterte" Kommission soll nur einmal im Jahre zusammenkommen dürfen. Das beste aber sei, daß jede Abänderung dieses Statuts ausdrücklich abhängig gemacht werde von der Zustimmung des Kreises Westhavelland. Mit einer solchen.Reform" können wir durchaus nicht zufrieden sein, grundsätzlich nuistcn wir für die übrigen Kreise deS Pcrbreitungsbezirkes der.Brandenburger Zeitung" erweiterte Rechte erstreben, um den not- wendigen Einfluß auf die Haltung des Blatte? zu bekonimen. Ans allen diesen Gründen müssen wir es strikte ablehnen, auf Grund dieses Statuts unfern Vertreter zu wählen. Mehmke- Brandenburg sVertreter der.Brandenburger Ztg.") kann nicht einsehen, daß das Statut den andren Kreisen keinen gc- »lügenden Einfluß einräume; allerdings wäre es wohl bester gewesen, wenn das Statut vorher den beteiligten Kreisen mitgeteilt worden wäre, doch da Osthavelland seine Kreiskonferenz in diesem Jahre schon so zeitig(im Monat Juni) einberufen habe, ließ sich dies nicht. machen. Er bittet, das neue Statut nicht so brüsk zurückzuweisen, wie es Paris wünsche, sondern ruhig die dem Kreise Osthavelland danach zustehenden drei Vertreter zu wählen; vielleicht haben wir dann im nach st eu Jahre schon ein andres Statut. Dobrohlaw- Berlin(Vertreter der Agitationskommission) erörtert die der diesjährigen Provinzialkonferenz vorliegenden An- träge auf Reorganisation der Agitationskommission: die letztere wolle der Provinzialkonferenz den Antrag unterbreiten, daß die Genossen der beiden Regierungsbezirke Potsdam und Frankfurt die Agitationskommission uni je drei Genossen verstärken sollten. Rieg er-Spandau spricht sich scharf gegen die von den Brandenburger Genossen mit ihrem neuen Statut gebotene Schein- reform aus. Ohne einen mitentscheidenden Einfluß der übrigen Kreise auf Anstellung des politischen Redakteurs und damit auf die Haltung des Blattes selbst, laste sich eine ernsthafte Reform garnicht denken. Die Provinzialkonferenz werde nicht umhin können, entschieden zu dem Brandenburger Statut Stellung zu nehmen; vielleicht lernt dann auch die Agitationskommission einsehen, daß die Preßverhältnisse in der Provinz nur bei Verkleinerung der Verbreitungsbezirke gebessert werden könnten. Bezüglich der Reorganisation der Agitationskommission ver- tritt Redner den Standpunkt, daß es nötig sei, daß sämtlichen Provinzkreisen ein Sitz in der Kommission eingeräumt Iverde. Die von der Agitationskommission vorgeschlagene Aendcrung »verde nur neue Unzuträglichkeiten im Gefolge haben, dann sei es schon besser, es bleibe beim alten. S t a a b- Potsdam schließt sich dem Standpunkt RiegerS in Bezug auf die Reorganisation der Agitationskommisfion an: die er- iveiterte Agitationskommission brauche ja blos in gewissen Zwischen- räumen zusammenzutreten, vielleicht vierteljährlich einmal, und die jetzige Agitationskommission könnte den„geschäftsführenden Ausschuß" bilden. Auch Redner verwirft die Scheinkonzessiou seitens der Branden- burger Genossen. Unsre Delegierten müssen die Konferenz veranlassen, gegen daS Brandenburger Statut Einspruch einzulegen, um allen Kreisen deS Verbreitungsbezirkes das uneingeschränkte Mitspruchsrecht zu sichern. Thut das die Provinzialkonferenz nicht, dann hat die Agitationskommission kouscquenterweise auch ihr Einspruchsrecht e i n« gebüßt, wenn es sich um die Gründung neuer Partei- blätter handelt. Bittorf-Berlin(VX Kreis) und Hille- Velten sprechen gegen jede Erweiterung der Agitationskommission. ES werden hierauf folgeude Anwäge einstimmig angenommen: Anwag Liebknecht:»Die Kreiskonferenz von Potsdam« Osthavelland bezeichnet das am 24. August d. I. m der.Branden- burger Zeitung" veröffentlichte.Statut für die Preßkoininission" als ganz unzureichend. Sie fordert als Minimum für den Wahltreis Potsdam-Osthavelland ein Recht zur entscheidenden Mit- Wirkung bei Anstellung des politischen Redakteurs und zur Teilnahme an allen Sitzungen der Preßkommission. Sie beaustragt die Kreisdelegicrten, aus der Provinzialkonferenz nachdrücklich diesen Standpunkt zu vertreten." Antrag R i e g e r:»Die KreiSlonferenz richtet an die Provinzial- konferenz den Antrag, die Agitationskommission in der Weise zu er- weitern, daß jedem Provinzkreise das Recht zugestanden wird, einen Delegierten in dieselbe hineinzuwählen und die jetzige Agitations- kommission als geschäftsführender Ausschuß weiter bestehen bleibt. Im Ablehnungsfälle ersucht die Kceiskonferenz. eS bei dem bisherigen Zilstand zu belassen, da sie in der bloßen Hinzuwahl von je drei Delegierten aus den Regierungsbezirken Potsdam und Frank- furt keine Besserung erblicken kann." Die Beratung des neuen Orgauisationsstatuts für den KreiS ergab die Annahnie des von der eingesetzten Kommission fertig- gestellten Entwurfs, welchem das Kreisstatut von Teltow-BeeSkow zu Grunde liegt, mit einzelnen Abänderungen. So wurde noch die Bestimmung aufgenommen. daß diejenigen Genossen welche ein selbständiges Amt im Cenwalvorstande ausüben, nicht auch zu gleicher Zeit ein Amt in dem Lokalvorstande ausüben dürfen. Der Monatsbeiwag wird von 20 auf 25 Pf. erhöht und als Sitz des CenwalvorstandeS der Ort Velten für das nächste Jahr ge- wählt. Das neue Statut soll am 1. Oktober d. I. in Kraft treten und in einer Auflage von 4000 Exemplaren gedruckt werden. Zun, ersten Vorsitzenden wurde Paris- Velten und zum ersten Kassierer Schmidt- Velten gewählt. Die Wahl der übrigen drei Vorstands« Mitglieder wird den Veltencr Genossen überlassen. Beisitzer wurden Wolfs- Vehlefanz und K r a u s e- Hennigsdorf. Revisoren: Staad- Potsdam, Pieper- Spandau und Müllenstedt- Nauen. Zum Mitglied der Lokalkommission wird Linz«Spandau bestimmt. Der Punkt„Parteitag in Bremen' zeitigte eine sehr eingehende und interestante Debatte vornehmlich über die aufgerollte General- st r e i k S- und Maifeierfrage. Es wurden hierzu die Span- dauer Anträge mit einer Abäiidernng angenommen. partci-J�acbncbtm Ein Bergniigen eigner Art machen sich wieder einige bürgerliche Blätter mit einigen Artikeln der letzten Nummer der„Socialistischen Monatshefte" zum Bremer Parteitage. Die Genosten Calwer und Bruhns beschäftigen sich darin mit der Organisationsfrage und da sie an hierzu laut gewordenen Vorschlägen Kritik üben und da auch der Parteivorstaiid einen Vorschlag zur Aende- rung deS Orgauisationsstatuts macht, der in den beiden Artikeln behandelt wird, so ist die geistreiche Gleichung schnell ge- macht:„Monatshefte", Calw er, Bruhns— Revisionismus gegen Parteivorstand-Bebel— Radikalismus. Daß der Parteivorstano mit seinem Lorschlage mir die Aufträge früherer Parteitage ausführt, daß Bruhns den Vorsckilägen des Part«lporstandes grnndsätzlich zu- stimmt, daß der Eenwalisationsvorschlag, gegen den Bruhns sich wendet, von Breslau ausgeht, das braucht so ein tiefsimnger Spaltimgsartikelschreiber nicht zu wissen; würde auch die Einheitlich- kert seiner Papierargumente stören. Wie ein armer königlich preußischer Kriegsinvalide, der sich keine neue Walze für seinen privilegierten Leierkasten leisten kann, so schnurrt die„Königlich Privilegierte" ihre alte Melodie herunter, nachdem der Leierkasten mit der dünnen Schmiere Ealwerscher Kritik notdürftig geölt ist. Die„Königlich Privilegierte' mnß zu ihrer Selbstrechtfertigung natürlich feststellen, daß das, was ihr gefällt und ihre Walze in Be- wegung setzt, nämlich der Artikel des Genossen Calwer, „mit unverkennbarer Geschicklichkeit" gemacht sei. Es ist immer ein Beweis von durchschlagender Kraft, wenn die„Königlich Privilegierte" etwas behauptet, und so er- klären wir, daß wir den Genosten Calwer um sein„Geschick" be- neiden. Er hat das„Geschick", der„Vossischen" zu gefallen und hat zugleich daS Geschick, zu beweisen— Wenns gerade nötig wäre— daß das bestehende Organisationsstatut ebensolcher Unsinn ist, wie jeder vorhandene und jeder noch zu erwartende Abänderungs-Vor« schlag. Zum Parteitage in Bremen beantragen die Genosten des 11. hannoverschen Wahlkreises(Osterode): »Der Parteitag wolle§ 9 unsres Organisationsstatuts folgende Fassung geben: Der Parteitag ist die oberste Vertretung der Partei. Zur Teil- nähme an deiyselben sind berechtigt: 1. Delegierte der Partei anS den einzelnen ReichstagSwahl- kreisen mit der Einschränkung, daß jeder Wahlkreis unter 1000 Mit- gliedern der socialdemokratischen Partei 1 Delegierten und über 1009 Mitgliedern 2 Delegierte zum Parteitag entsenden kann. 2. Die Mitglieder des ParteivorscandeS und der Kontroll- kommission. Jeder Delegierte hat mit Mftndat zu erscheinen und hat eine beratende und beschließende Stimme. Die Unkosten trägt die Parteikassc." Die Genosten in Bremen beantragen noch: „Der Parteitag möge die Sehulfrage auf die Tagesordnung seiner Verhandlungen setzen. Da eS unbedingt erforderlich ist, vor der definitiven Beschlußfassung eines Kommunalprogramms darüber klar zu sein, ob Verstaatlichung oder Kommunalisierimg deS Volks- schulwesens von der Partei zu erstreben ist, wünscht der Social- demokratische Verein Bremen die Behandlung der Schulfrage vor der Behandlung der Kommunalpolitik." Zur LandtligSwahlfragr. Die Parteiversammlung des IS. fach- sischenWahlkreises(Leipzig Land) lehnte folgenden Antrag der Fünfzehnerkommission des Kreises ab: »Der Parteitag wolle beschliehen: Den Beschluß deS Parteitags in Mainz 1900, betreffend die allgemeine Beteiligung bei den Land- tagswahlen, dahingehend abzuändern, daß in denjenigen Staaten dcL Reichs, in denen daS indirekte Dreiklastenwahlrecht besteht, in An- betracht der dauernden Erfolglosigkeit bei denselben, Wahlenthaktung zu proklamieren; dagegen mit allen Kräften in die Agitation ein- zutreten für das allgemeine, geheime, gleiche und dirette Wahlreckt." Auch die»Leipziger Volkszeiwng" hat sich jüngst für weitere Teilnahme an den Wahlen ausgesprochen. Der 15. Parteitag der pfälzischen Soeialdemokratie fand am 27. und 28. August in Edenkoben unter Beteiligung von 87 Dele- gierten, die 43 Organisationen vertraten, statt. Der Parteitag beschäftigte sich in«ingehender Weise mit der Selbständigmachung der„Pfälzischen Post", die bisher in der Druckerei der„Mannheimer Volksstimme" in Mannheim hergestellt wurde. Auf dem vorjährigen Parteitage zu Speier wurde beschlossen,, den Vertrag mit der Mann- heimer Parteidruckerei auf den 1. Juli 1905 zu kündigen. Die Umstände brachten es mit sich, daß dieser Termin nicht eingehalten iverden konnte, weshalb die Trennung schon am 1. Oktober dieses Jahres eintritt. In LudwigShafei, wurde ein eignes Grundstück«r- warben und auf diesem die Druckerei errichtet. Zu deren Betrieb wurde eine Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht unter der Firma Gerisch u. Co. errichtet. Der Abonnentenstand der„Pfälzischen Post" beträgt zur Zeit 11 000.— Die Zahl der Organisationen hat sich im abgelaufenen Jahre von 59 auf 63 mit 5371 Mitgliedern vermehrt. Die Einnahmen beziffern sich auf 4907 M., die Ausgaben betragen 2551 M In das neue Geschäftsjahr werden 2349 M. Kassenbestand mit herübergenommen, von denen 2000 M. verzinslich angelegt wurden. An den Hauptvorstand in Berlin wurden aus der Gaukasse 500 M. überwiesen. Die weiteren Tagesordnungspunkte behandelten die im Lmife dieses HerbsteS stattfindenden Gemeinderats- und die im nächsten Jahre statlsindenden Landtagswahlen. Ueber den ersten Punkt sprach Reichstagsabgeordneter E h r h a r t. über den zweiten Landtagsabgcordneter Genosse Hub er. Zur Gemeinderatswahl wurde eine Resolution angenommen, in der gesagt wird, daß allen- fallsige Abmachungen mit bürgerlichen Gruppen oder Parteien nur im Einverständnis mit dem Gauvorstand abgeschlossen werden dürfen. Zur Landtagswahl lagen zwei Anträge von zwei kleinen Orgaui- sationen vor. die verlangten, daß ein Kompromiß mit dem Centrum bei den kommenden Landtagswahlen nicht eingegangen werden dürfe. Diese Anträge wurden mit übergroßer Majorität abgelehnt und eine Resolution angenommen, in der es heißt: »Der heute in Edenkoben tagende 15. pfälzische Gautag erklärt sich mit der auf dem letzten bayerischen Parteitage zu Augsburg angenommenen Resolution iiz Bezug auf die nächsten LandtagSwahlen voll«nd ganz ein- v e r st a n d e n. In der Agitation und bei Versammlungen soll besonder? darauf hingewiesen werden, daß die Liberalen mit ihrem bauernbündlerischen Anhang es Ivaren, die dem bayerischen Volk daS direkte Wahlrecht vereitelt haben." Zum Grabe LassallrS pilgerten in diesem Jahre die BreSlaucr Genossen schon einige Tage vor dem 31. August, nämlich am Sonntag früh. Von 6 Uhr an ergoß sich ein ununterbrochener Menschenstrom, der den ganzen Vormittag und selbst in den Nachmittagstunden nicht versiegen wollte, auf den israelitischen Friedhof. Die Ausdehnung der politischen und gewerkschaftlichen Organisation in der schlefiscken Hauptstadt kommt auch in der alljährlichen Ehrung des großen Agitators recht zum Ausdruck. Das Erbbegräbnis der Familie Lasialle vermag kaum noch die Kränze und Blmnenspendrn zu be- Herbergen, die alle Zweige� der Arbeiterbewegung hier niederlegen. In mehr als zwanzig Droschken ivurden am Sonntag die Blumen- spenden mit den mächtigen roten Schleifen zum Friedhof befördert — daS einfache Tragen durch die Stadt hat in fncheren Jahren zu Konflikten mit der Polizei geführt. Ein langer Zug von 100 Arbeiter- radfahrern überbrachte die Spende dieser Organisation. Nach und nach lvaren das Grab Lassalles und die Nackbargräber der Familie mit Kränzen dicht besät, an den Lebensbäumen und Denftteinen hoch hinauf hing Spende an Spende. Demonstrativ glänzte das Rot der Schleifen über dem Friedhof und erdrückte ganz und gar die blitzenden Helme der zwischen den Gräbern und in den Sträuchern versteckten Schutzleute, die scharf aufpaßten, daß der Bestand des Deutschen Reiches nicht etwa durch eine Rede unter freiem Himmel gefährdet würde. Am Eingang zum Friedhof hatten neben den Fußschutzlcuteu auch berittene Posta gefaßt, sie konnten mit Genugthuung feststellen, daß noch niemals so viel Arbeiter an dem Grabe gehuldigt haben wie an diesem 40. Gedenktage. Ter socialdemokratische Gemeindevorsteher Brand in Wölfis hat die behördliche Bestätigung erhalten. Hus Induftrie und Handel. Die preußischen Sparkassen im Jahre 1902. Die„Berliner Korrespondenz" veröffentlicht einen Auszug aus der Untersuchung des königlich preußischen Statistischen Bureaus über den Geschäfts- betrieb und die Ergebnisse der preußischen Sparkassen im Jahre 1902. Danach gab es ain Schlüsse des Rechnungsjahres 1902 insgesamt 1507 Sparkassen und zivar 689 städtische, 227 Landgemeinde- usw. Sparkassen, 412 Kreis- und Amtssparkassen, 6 Provinzial- und ständische Sparkassen und 173 Vereins- und Privatsparkassen. An Sparkassenbüchern waren insgesamt 9 372 930 vorhanden gegen 9 034 937 im Vorjahre. Die Gesamthöhe der Eiulagen betrug am Schlüsse des Rechnungs- jahres 6 727 707 642,80 gegen 6 236 458 932,18 M. im Jahre 1991. Von den 9 372 930 Sparkassenbüchern entfielen auf Bücher Ein Blick auf diese Zahlen lehrt, daß seit Jahren die Zahl der Bücher niit kleinen Einlagen im Verhältnis zur Zahl der Bücher mit Einlagen von 600 M. und mehr abnimmt. 1875 kam auf jedes Buch nur eine durchschnittliche Einlage von 503 M., 1898 von 656 M., 1900 von 663 M.. 1901 von 690 M. und 1902 von 718 M. Die kleinen Sparer, besonders jene mit Einlagen unter 300 M. nehmen also ab. während gleichzeitig die größeren Eiulagen zunehmen. De Hesselle«. Co. In Aachen fand am Sonnabend die General- versamnilung der Aktiengesellschaft für Lederindustrie de Hesselle u. Co. statt. Als Hauptergebnis ist zu berichten die einstimmige Annahme des vom Rechtsanwalt Eisenstädt gestellten Antrages: Die General- vcrsaniinlung wolle beschließen, eine Kommission von sieben Mit« gliedern zu ernennen, die die Aufgabe haben soll: 1. Die Regreßpflicht des Vorstandes des AussichtSrateS aus der früheren Geschäftsführung durch Klarstellung deS Thatbestandes zu prüfen; 2. mit den Mitgliedern der Verwaltung wegen außergerichtlicher Erledigungen usw. der Gesellschaft etwa zustehender Ansprüche zu vcrhaiideln und über das Ergebnis der mit möglichster Bcschleuni- gimg einzuberufenden Generalversainnilung Bericht zu erstatten; für den Fall deS Sckeiterns der Verhaudlilngen aber die Gesellschaft zwecks gerichtlicher Geltendmachung der Ansprüche zu vertreten; 3. mit dein Vorstand des AuffichtSratS über die Beseitigung der Unterbilanz imd Beschaffung der erforderlichen Betriebsmittel zu beraten und über das Ergebnis der Generalversammlung zu berichten. In der Generalversammlung waren 1195 Stimmen vcrfteten: die Gruppe Friedberg-Cisenstädt verfügte lveitaus über die Majorität, die Gruppe Friedberg allein war mit 719 Aktien eingetreten. Die beteiligten Banken erklärten sich bereit, den bisherigen und zur Weitcrführuug des Betriebes uotweiidigen Kredit auf zwei weitere Monate zu gewähren; Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden vertagt bis zur demnächst einzuberufenden General- Ver- samiiilung. Rußlands Außenhandel im ersten Halbjahr 1904. Das russische Zolldepartement hat vor kurzem vorläufige Angaben über die russische Ein- und Ausfuhr in den ersten sechs Monaten dieses Jahres veröffentlicht, die deshalb besondere Beachtung verdienen, weil sie Aufschluß über die Wirkung deS russisch-japaiiischen Krieges auf den russischeii Außenhandel geben. Nach den Mitteilungen des Zolldepartements erreichte die Einfuhr Rußlands in der ersten Hälfte des laufenden Jahres«inen Wert von 254 727 000 Rubel und über- traf die entsprechende vorjährige Einfuhr(231 525 000 Rubel) um etwa 10 Proz. Die russische Ausfuhr bewertete sich auf 319 878 000 Rubel gegen 343 168 000 Rubel, mithin gegen daö vorhergehende Jahr annähernd 7 Proz. weniger. Der Getreide-Export ist gegen das erste Halbjahr 1903 der Menge nach um 11,1 Proz., dem Werte nach um 13,8 Proz. zurückgegangen; er betrug in den Monaten Januar bis Juni 1904 214,5 Millionen Pud im Werte von 155,1 Millionen Rubel gegen 241,4 Millionen Pud im Werke von 179,9 Millionen Rubel im gleichen Zeitraum 1903, Gestiegen ist die Ausfuhr von Gerste, Mais, Weizen« und Roggen- mehl, dagegen zurückgegangen der Export von Weizen, Roggen, Hafer, Buchweizen, Hirse und Grütze. Die Deutsche Bank und ihre Angestellten. AuS dem Kreise der Ailgeftellten der Deutschen Bank erhalten wir nachfolgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: „Trotzdem ich nicht Soeialdemokrat bin, verkenne ich keines- Wegs die großen Vorteile, die dein Heer der Privatbeamten fast ausschließlich durch die Soeialdemokratie erkämpft worden sind, und sehe auch jetzt_ keinen andren Weg, um das von allen Kollegen Ersehnte herbeizuführen, als mich an Ihr geschätztes Blatt zu wenden. Bei beinahe sämtlichen Berliner Banken ist das Pensionswesen geregelt; jedoch bei der stolzen Deutschen Bank mit ihren dreitausend Beaniteii giebt eS keinen Pensionsfonds, sondern nur einen Unter- siübungSfouds. ES kann also jemand 30 Jahre für die Bank mit Aufopferung seiner Gesundheit gearbeitet haben, er hat keinen Anspruch auf Pension, sondern ist ein Schnorrer, der die Direktion um eine Unterstützung bitten muß, und der dieses Gesuch alle drei Jahre' erneuern muß. damit er dieser ihm dnrck die Gnade der Direktion gewährten Unter- stützuiig nicht verlustig geht. Sollte aber ein verheirateter lang- jähriger Angestellter sterben, da wird die Bank für seine Familie gar nichts thun, da können Frau und Kinder hungern, wenn sie nicht betteln wollen. Wie ganz anders beispielsweise bei der Diskonto-Gesellschaft, dort hat jeder Angestellte, wie bei vielen andren Instituten, nach einer gewissen Zeit Anspruch auf Pension(nicht Unterstützung) für sich und seine Familie. Vielleicht wird man mir jetzt entgegenhalten, die Deutsche Bank habe ja dafür einen Klub und eine Kantine für ihre Beamten. Ja gewiß, den hat sie. Aber jeder Beamte muß. ohne Unterschied des Einkommens, also auch bei 1000 Mark pro Jahr, monatlich 1 Mark Beitrag dafür zahle», während alle andern Banken ausnahmslos Kantinen für ihre Angestellten unterhalten. ohne dieselben hierfür materiell in Anspruch zu nehmen. Und nun daS Klublokal in der Jäger- Straße. Scheinbar sehr social gedacht, denn für billiges Geld bekommt man dort Essen und Trinken und trifft dort auch stets Kollegen aus der Bank. edoch der wahre Grund ist: die Beamten hermetisch von den ngestellten andrer Institute fernzuhalten, sie könnten ja sonst er- fahren, wie schlecht sie es haben und sich nach andren Stellen um- sehen. Au» diesem Grunde engagiert die Bank auch mit ganz be- soudrer Vorliebe ihre Angestellten aus der Provinz. Und der Bater aller dieser Maßnahmen? Herr Direktor Koch." Soziales. Lokales. Ratisnelle Brotversorgung. Aus einem diesen Gegenstand behandelnden Vortrage sei folgen Ks mitgeteilt: ,,Ta das Brot die eigentliche Grundlage der Volksernährung bildet, liegt den Verwaltungen der Konsumvereine nichts näher, als der rationellen Brotversorgung besonderes Interesse zu widmen. Freudig ist anzunehmen, dah seit einigen Jahren die höchsten Staats- behörden der Brotfrage größeres Interesse widmen, aber auch in Zukunft müsse bei der Beantwortung der in Betracht kommenden Fragen:„Wie schafft der Landwirt ergiebiges Korn, welches Zer kleinerungsprincip ist das rationellste und wie soll man Mehl zu Brot umwandeln", die Staatsbehörden helfend und fördernd mitwirken. Die fabrikmäßige Broterzeugung liegt mehr im Interesse der All gemcinheit, als der handwerksmäßige Betrieb, dem sie ganz erheblich überlegen ist, wenn auch nicht alle Brotfabriken tadellose Fabrikweise eingeführt haben und auch handwerksmäßiger Betrieb bei tüchtiger Fachkenntnis und sorgsamer Verwertung gute Erzeugnisse liefern kann. Allein der Fabrikbetrieb gewährleistet eher die Lieferung eines gleichmäßigen Produkts und verbilligt die Herstellungskosten. Nach dem Jahrbuch deutscher Städte stellt sich der Brotpreis pro Kilogramm in den Städten Mtünchcn, Nürnberg, Straßburg, Magdeburg Frank- furt, Berlin, Dresden, Mannheim, Leipzig und Köln auf— 28 Pf., wogegen der Breslaner Konsumverein dasselbe für 18,8 Pf. liefern konnte und mit Berücksichtigung der Dividende mit nur 17 für helles und 15V- Pf. für dunkles Brot. Fahren die Bäckermeister also fort, sich Neuerungen und Verbesserungen der Technik zu verschließen, deren Beschaffung vielfach erst durch genossenschaftlichen Zusammenschluß möglich ist, so bereiten sie selbst den Niedergang ihres Gewerbes vor. Das interessante an diesen ganz richtigen Ausführungen ist, daß sie für den Allgemeinen Genossenschaftstag der deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaftcn bestimmt sind, der jetzt in Breslau versammelt war. Das ist der Verband, der die„socialdemokratischen' Konsumvereine ausschloß wegen ihrer auf„Vernichtung des Mittest standes" gerichteten Tendenzen. Lasset die Kindlein zu mir kommen. Aus dem Jahresbericht der Landwirtschaftskammer für West Preußen wird mitgeteilt: Der Arbcitermangel in der Provinz ist infolge der bedeutenden Abwanderungen trotz Steigerung der Löhne und des Deputats noch immer erheblich. Es wird namentlich geklagt, daß die polnischen Arbeiter vielfach kontraktbrüchig werden. Durch Einführung von Maschinen sowie durch Bezug von Arbeitern aus Russisch-Polen könne aber der Arbcitermangel noch lange nicht beseitigt werden. Die Arbeiter lassen sich zwar im Osten anlernen, wandern aber, sobald sie in der Accordarbeit erst mitkommen können, sofort nach dem Westen ab, sodaß im Osten nach Airsicht der LandwirtschaftSkanrmer nur Stümper, ältere Leute und schwangere Frauen zurückbleiben. Die Arbeitgeber selbst hätten indes noch nicht alle Mittel erschöpft, um die Arbeiterkalamität zu überwinden. So müßten sie zum Beispiel die Kinder in ehr zur Arbeit heranziehen und wenig stens in der Ernte im Accord arbeiten lassen. ES wird die höchste Zeit, daß dem Kinderhunger der Agrarier ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben wird. Fiskus und Privateigentum. Wie seiner Zeit berichtet wurde, hatte die dem Staate gehörende Blei- und Silberhütte„Friedrichshütte" bei Tarnowitz(Oberschlesien) neue Röstöfen aufgestellt, die nach einem 100 000 M. kostenden eiig- lischen Patent konstruiert waren. Ohne eine Konzession für die Um- gestaltung des Betriebs einzuholen, wie es das Gesetz vorschreibt, waren die Oefen in Betrieb gesetzt worden und hatten zwei Jahre lang mit ihren giftigen Gasen die ganze Gegend verpestet, die Feld- früchte vernichtet und Mensch und Tier krank gemacht, bis es im Februar dieses Jahres den geschädigten Gemeinden im Tarnowitzer Kreise gelang, durch Klage beim Bezirksausschuß durchzusetzen, daß die nach zwei Jahren notgedrungen von der fiskalischen Hütten- Verwaltung beantragte Konzcssion verweigert wurde. Der vom Hüttenamt erhobene Rekurs beim preußischen Handelsminister wurde von diesem dahin beschieden, daß die Patentöfen zunächst ganz außer Betrieb zu setzen seien, bis durch Verbesserungen an der Rauch- führung und andern Maßnahmen die schädlichen Einwirkungen be- seitigt seien. Sollte das nicht gelingen, dann sollten die teuren Oefen gänzlich außer Betrieb gesetzt werden. Seit Anfang dieses Monats sind nun die Oefen wieder in Betrieb, ans den Kreisen der Interessenten erheben sich jedoch neue schwere Klagen. Nunmehr sind nämlich die Abwässer der Hütte so giftig geworden, daß sie den Fischbestand in dem Stolafluß wie in allen fischreichen Teichen der Gegend vollkommen vernichtet haben. Tausende von Karpfen, Hechten, Weißfischen usw. schwimmen tot auf der Oberfläche der Gewässer umher._ Die Schleifenfahrt vor dem Gewcrvcgericht. Der Mechaniker H. klagte beim Berliner Gewerbcgericht auf 02 M. rückständigen Lohn gegen einen Herrn Maß als den ehe- maligen Besitzer einer Radfahr-Schleifenbahn. H. ist beim Aufbau der Bahn und bei andern mit dem Halten solcher Bahn verbundenen Arbeiten beschäftigt gewesen. Der Beklagte bestreitet jede Per- pflichtuug gegenüber dem Kläger und behauptete, dieser habe im eignen Interesse die Bahn das letzte Mal mit dem Schleifenfahrer Jakob aufgebaut, da die beiden eine Tandem-Schleisensabrt sich hätten einüben wollen. Und im übrigen sei höchstens Jakob zu Zahlungen verpflichtet. Beklagter hat die Schleifenbahn verkauft, so daß es zu der Tandemfahrt nicht kam.— Zeuge Jakob, der mit Benutzung der Maßschen Schleife die Schleifenfahrt unter anderm im Cirkus Busch ausgeführt hat. bekundete, daß er die Hälfte der Ein- nähme erhalten habe, während die andre Hälfte Maß zufiel. Ter Auf- und Abbau der Schleife sei ihm dabei nichts angegangen. Maß habe damals immer dem Kläger den Lohn gezahlt, er. Zeuge, habe ihm nur für das Ablassen des Rades vom Turm Extravergütungen gegeben.— Der Beklagte Maß wurde verurteilt, dem Kläger 02 M. Lohn zu zahlen. Nach der BelveiSaufnahme und der ganzen Sachlage sei Maß als der Arbeitgeber H.s anzusehen. Er haste für den Lohn. der für die wirklich von H. geleistete Arbeit zu zahlen sei. Ob und inwieweit etwa der Zeuge Jakob mit haftbar wäre, könne und brauche in dem Prozeß gegen Maß nicht entschieden werden. ES brauche nicht zu geschehen, da Maß von seiner Haftung durch das Mithaftcn eines andern nicht entbunden würde. berliner partei-Hngelegenbeiten. Zweiter Wahlkreis. Heute, Dienstag, abends 8'/z Uhr, Versammlung des WahlvcreinS in Habels Brauerei-Ausfchank, Berg- mannstraße 6—7. 1. Vortrag des Genossen H. Silberschmidt über „Die Partei-Organisation Deutschlands". 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Reinickendorf. Heute. Dienstagabend 8'/? Uhr, ist bei Franke, Eichbornstr. 13, eine wichtige Vereiusversammlung, zu der alle Mit- glieder erscheinen müssen. Weißcnsce. Mittwochabend 3 Uhr findet im Vereinshaufe, Charlottenburgerstr. 150, eine öffentliche Versammlung statt. Genossin Ida Altmann spricht über das Thema:.Religiöse Worte und religiöse That". Es wird ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Wilhelmsberg- Hohen-Schönhauscn. Heute. Dienstag, abends 8Vz Uhr findet im Lokale des Herrn Kuhle, Bcrlinerstr. 68/69, eine B o Iksberfa in m l n n g statt, in der Frau Kiesel einen Vortrag über„Die Entwicklung des Kapitalismus und die Arbeiterklasse" hatten wird.______ Am Salive. Von Genf, der Perle des Löman, führt der Weg über Carouge und die französische Grenzstation Veirier leicht ansteigend, zwischen Weingärten, die ersten Anhöhen hinauf zu dem das weite Genfer Thal beherrschenden reckigen Felsenklotz, dem Salöve. Immer enger wird der Pfad, nur für Fußgänger passierbar und unsre Schultern streifen überhängende Steine der Grenzmauern und rotblaue und goldglänzende Weinbeeren, welche die Auguststrahlen zur letzten Reife kochen. Dann bleibt das Dörfchen Hinteruns, denn wir besteigen das Geröll, den Abfall, den der Felsgigant bei jedem Frühjahrs- und Herbsst stürm verderbenbringend zu Thale sendet. Dort oben zwischen Ge strüpp und unzugänglichem Gemenge von Vegetation und Felsen bruch liegt wie eine feierliche Oase ein platter, ebener Natur-Rasen platz, umgeben von blühendem Gehölz, abgeschlossen im Rücken von dem gewaltigen, noch etwa 1000 Meter hohen Kalk- und Sandstein Massiv, an welches angelehnt sich blendende Kreidefelsen in italieni scher Sonne wärmen. Schwindelnd ragen die trotzigen Stein gebilde senkrecht in die Höhe, hinein in den dunkelblauen Azur, fesselsprengend, als mühte dort oben BöcklinS lichte Göttin der Freiheit thronen mit dem Purpnrmantcl, der phrygischen Mütze und dem weißen Edelfalken. Hoch über all diesem aber die ewig schneeige Montblanc-Kette im gleißenden Sonnenschein.-- Uns zu Füßen das weite Rhone-Thal, der Genfer See mit seinem leuchtenden Blau, durchzogen von dem Silberband der Rhone, direkt unter uns die schmutzigweißen Montblanc-Gletscherwässer der Arve. Den Hintergrund schließen die dunklen Massen des Simplon, des Jura und des verebbenden Savoyer Hochlandes. Ein schöner Platz, riesenhaft gewaltig, eine Walstatt für einen Helden. Dort steht ein etwa meterhoher, schmuckloser Stein mit der Inschrift: I'oräinaiiA I-assalls nö Ig 11 avril 1825 wort ä la suite d'un duel le 31 aout 1864. Heute vor 40 Jahren stand rat dieser Stelle vor dem Revolver seines Gegners ein Mann, seinem Widersacher wohlwollend mit dem Zettel auf der Brust:„Ich erkläre hiermit, daß ich selbst es bin der seinem Leben ein Ende gemacht hat. 28. Aug. 64. F. Lassalle — dennoch siegesbewußt und lebensvoll mit genialen Plänen für die Zukunft, ein Siegftied, groß und gewaltig-- und empfing die Todeswunde. Ein Held wie sein Ulrich(Franz von Sikkingen das Leben des Einzelnen nicht achtend, auch sein eignes nicht, stets bereit, es in die Schanze zu schlagen: Das große Ganze kann auf höh're Fügung bauen, In eigner Weisheit planvoll sich verschlingend, Führt es sich seinem eignen Ziele zu, In allen Windungen sich nie verlierend-- Der Einzelne steht ans des Zufalls Pulvermine, Auffliegend sprengt sie in die Lüfte ihn. Drei Tage nach dem Duell starb Lassalle in Genf, wohin seine Freunde den Schlververwundeten gebracht hatten. In der gestrigen Sitzung der Deputation der städtischen Gaswerke wurde unter dem Vorsitz des Stadtrats Namslau die Neueinrichtung und Verstärkung der Gasbeleuchtung in der KopernikuSstraße, Gneseuer-, Sonuenburger- und Revalerstraße beschlossen. Gleich zeitig wurde ein eingehender Bericht über die seit Jahr und Tag hier in Berlin in Uebüng befindlichen Fernzünder und ihre Brauch barkeit für die öffentliche Beleuchtung gegeben. In Frage kommen drei verschiedene Systeme und zlvar gleichzeitig für Zündung und Löschmig. Die Versuche, die mit pneumatischen, elektriichen und mit sogenannten Zünduhren gemacht worden sind, habm noch keinen Abschluß gcftmden, so daß ein abschließendes Urteil über alle drei Systeme noch nicht gegeben und deshalb auch noch kein Beschluß gefaßt wurde, welches System eventuell hier eingeführt werden soll. Die Zahl der Brände in Berlin hat im letzten Etatsjahre zum erstenmal einen Rückgang gehabt. Vorher war sie Jahr für Jahr ununterbrochen gestiegen, im Etatsjahre 1902/03 auf 12 311. Im Etatsjahre 1903/01, über das jetzt der Bericht des Branddirektors vorliegt, sank sie auf 12 603. Zwar zeigen die G-roßfeuer eine Veo mehrung von 96 auf 101, aber bei den Mittelseuern ist eine Ver> Minderung von 231 auf 176 eingetreten, und die Zahl der Klein feuer ist von IL 187 auf 12 323 heruntergegangen. Freilich war die Gesamtzahl der Brände im letzten Jahre auch so noch über doppelt so groß wie im Jahre 1891/95, wo sie erst 6272 betrug. Die sonst so verschwiegene Polizei scheint sich nicht dadurch bc unruhigt zu fühlen, daß, wie wir kürzlich mitteilten, in einem Berliner Wohnhause ein paar Haufen ausrangierter Papiere de» Polizeibureaus, das früher dort untergebracht war, im Keller frei daliegen und von Hausbewohnern gelesen werden können, daß auch schon viele Papiere durch spickende Kinder heraufgeholt und überall hin verstreut worden sind. Das Haus hatten wir nicht näher be» zeichnen wollen, um nicht dadurch erst recht die Aufmerksamkeit Unberufener auf die Papiere zu lenken. Wir hatten geglaubt, schon durch eine bloße Andeutung würden die schuldigen Personen ver anlaßt werden, nunmehr die im Keller lagernden Papiere schleunigst abzuholen und zu vernichten. Wenn der geschilderte Unfug, wie wir annehmen, nur ein einziges Mal in Berlin vorgekommen ist, so mußte ja unser Hinweis vollkommen genügen, um dem Eingeweihten das Haus zu kennzeichnen, das wir meinen. Doch wir waren im Irrtum: die Papiere liegen noch tmmer an ihrer alten Stelle. Kein Mensch ist bisher gekommen, sie abzuholen: keiner hat sie vernichtet. Auch das Polizeipräsidium, das doch den„Vorwärts" sehr sorgfältig liest und jene Mitteilung gewiß nicht übersehen konnte, bat noch nicht bei uns angefragt, welches denn das Haus ist. Wir erklären uns in diesem Falle zur Auskunst bereit. In unsrer ersten Mitteilung hatten wir darauf hingewiesen, daß durch diese Polizeipapicre der chicdene Personen, die darin genau bezeichnet sind, bloßgestellt werden. Heute wollen wir hinzufügen, daß uns in einem der Papier Haufen auch handschriftliche Notizen vor Augen gekommen sind, die sich auf Privatangelegenheiten von Polizeibcamtcn beziehen. Die Postwertzeichen- Sammlung des Reichs- PostmuseumS ist jetzt, zurzeit der internationalen Briefmarken-Ausstcllung, Gegen- stand besonderen Interesses der jungen und der alten Sammler vom In- und AuSlant*. Bekannt ist die Sammlung von Neudrucken, die zu einer übersichtlichen Sammlung in einem besonderen Saale ver- einigt und jederzeit zugänglich ist. Weniger bekannt als diese Schau- stellung sind die unter Verschluß gehaltenen Teile. Besonders reich- haltig und wohl unübertroffen ist die Sammlung von Essais, das heißt Versuchs, und Probedrucken, die die Postvcrwaltungcn vor der Ausgabe neuer Briefmarken herstellen lassen. Auch eine Stempel- sammlung ist vorhanden. Alle diese Sammlungen sind von dem früheren, sachverständigen Beirat des Museums, Landgerichts- Präsidenten Lindenbcrg in Ratibor, angelegt. Sie werden von dem gegenwärtigen Kuratorium in sachkundiger Weise fortgeführt. In den Nebensammlungen sind besonders gebrauchte Wertzeichen, Blocks und Streifen von Marken vertreten. Die Sammlung ist um so be- merkenswerter, als sie ohne jeden Aufwand von staatlichen Geld- Mitteln und lediglich durch Tausch oder Schenkung zusammengebracht ist. Sie enthält trotzdem die größten Seltenheiten. Ausstellung von Sitzmöbeln. Am 1. September beginnen im Lichthofe de» K u n st g e w e rbe-Museums wieder die Sonder- auSstcllungcn, welche auch für den Abendbcsuch(wochentäglich, außer Montag, 7V,— 9'A Uhr geöffnet sind. Die erste enthält die Eitz- möbel aller Zeiten. Zu den Stücken aus den hiesigen Museen kommen hervorragende Arbeiten aus Berliner Privatbesitz, die durch das Entgegenkommen ihrer Besitzer zu diesem Zwecke geliehen worden sind*- bar allem aus den Sammlungen der Frau Julie Hainauer, des Geheimrats Professor v. Kaufmann und Professor Max Lieber- mann. Eine Uebersicht über die modernen Bestrebungen auf diesem Gebiete ist durch Leihgaben von Arbeiten lebender Künstler und durch Unterstützung einiger Kunsthandlungen ermöglicht worden. Den arg verblaßten Ruhm des Blumenmediums Anna Rothe, die übrigens in stillen Kreisen wieder Blumen aus der Lust„hervor- zaubert", wollen die überzeugten Spiritisten wieder vor der großen Oeffentlichkeit auffrischen. Man hat sie aufgefordert, sich einer Prüfung durch die sogenannte„wissenschaftliche Kommission" des deutschen Spiritisten- Vereins zu unterwerfen. Die gleiche Auf- fordcrung richtet diese Prüfungskommission übrigens noch an die Medien Frau Abend und Femme rnasquee und die„Berliner Seherin" de Ferriem. Obwohl in der Prüfungskommission lauter gläubige Spiritisten sitzen, haben die genannten Damen es doch bis- her vorgezogen, ihr Handwerk unexaminiert fortzusetzen. Der Mann mit den sieben Schiffsjungen. Die Verhaftung des Inhabers eines„Berliner Schiffsjungett-Ersatzbureaus" ist in Hamburg erfolgt. Der Verhastete ist der frühere Handlungsgehilfe Theodor Bremer, zuletzt in Wien wohnhaft gewesen; seine Festnahme erfolgte auf telegraphisches Ersuchen der Wiener Staatsanwaltschaft au die Berliner Polizei, welche ihrerseits der Hamburger Behörde von dem Haftbefehl sofort Kenntnis gab. Bremer ist sowohl der Berliner, wie der Hamburger Polizei eine nicht unbekannte Persönlichkeit. In Haiüburg-Wöna hatte er vor einigen Jahren eine„Jugendwehr" begründet und hierbei Schwindeleien verübt, was ihm eine längere Freiheitsstrafe einbrachte. Nach Verbüßung dieser Strafe hatte er sich nach Dresden und spater nach Berlin gewandt. Hier verübte er von neuem Betrügereien, geriet mit der Polizei in Konflikt und wurde wiederum von den Gerichten in das Gefängnis geschickt. Er spielte nunmehr den„wilden Mann" und wurde für einige Monate der Irrenanstalt Herzberge überwiesen. Nachdem er aus dieser als geheilt entlassen war. beging er noue Schwindeleien, die keineswegs Spuren von Geiftesgestörthett zeigten. Bei der Verhaftung Bremers in Hamburg befanden sich sieben junge Leute aus Wien in seiner Be- gleittmg, die er angeblich auf den Schulschiffen„Neptun" und „Patria" als Schiffsjungen unterbringen wollte, und deren Eltern er größere Geldbeträge entlockt hatte, die als Kautionen und Zehrgelder dienen sollten. Hinterher stellte es sich heraus, daß die genannten Schulschiffe in Hamburg gänzlich unbekannt sind. Die angehenden Schiffsjungen wurden vorläufig in Obhut der Polizei genommen, welche sie alsbald bis zu ihrem demnächst erfolgenden Rücktransport nach Wien in einem Hamburger Gasthofe unterbrachte. Bremer wurde zunächst zur Beobachtung seines Geisteszustandes dem Hafenkranken- hause zugeführt, von wo aus gestern seine Einlieferung in das Untersuchungsgefängnis erfolgte, nachdem die Aerzte ihn für geistig völlig normal erklärt hatten. Wandergcwcrbcscheine. Das Polizeipräsidium teilt der Presse mit: Das hiesige Polizeipräsidiuni bewilligt grundsätzlich für das laufende Jahr eine Ausdehnung der auswärts von Berlin erteilten Waudergcwerbescheine zur Vorführung von Schaustellungen und Lust- barkeiten auf den Landespolizeibezirk Berlin nicht mehr, weil die Ausdehnung einer den Verhältnissen des Landespolizeibezirks Berlin entsprechenden Anzahl von Scheinen zu solchen Veranstaltungen für dieses Jahr bereits erfolgt ist. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern mittag am Nordufer. Dort kam der Fleischlieferant der Spandauer Konserven- fabrik Isidor Isaak, Petersburgerstr. 10, mit dem sich augenblicklich hier aufhaltenden Kaufmann Otto Baruch aus Verden a. R. auf einem Traberwagen angefahren. Plötzlich scheute das Pferd und ging durch; der hinten auffitzende Tiener konnte noch schleunigst abspringen. dagegen wurden die beiden andern Insassen aus dem Wagen ge- schleudert und kamen erheblich zu Schaden. Baruch wurde mit einem schweren Schädelbruch ins Moabiter Krankenhau» gebracht: Isaak zog sich einen Armbruch zu. Das Pferd, das einen Wert von 5000 Mark besessen haben soll, lief gegen einen Baum, stürzte und schlug sich auf der Stelle tot. Gegen den vermeintlichen Mörder der Lucie Berlin, den Zu- hälter Otto Berger, wird voraussichtlich in dieser Woche seitens des Königl. Landgerichts I die öffentliche Anklage erhoben werden, da der Schluß der Boruntersuchung nahe bevorsteht. Alle maßgebenden Zeugen, deren Zahl eine ungeheuer große ist, sind von dem Unter- suchungsrichtcr vernommen worden, und das von den Sachvcr- ständigen gefällte Urteil ist ebenfalls abgeschlossen. Bemerkenswert ist, daß die ärztlichen Gutachten darüber uneinig sind, ob der Tod der kleinen Berlin durch Ersticken oder durch die Stichwunden erst nachträglich eingetreten ist. Das Gericht sieht sich daher vor die Alternative gestellt, entweder die Anklage auf Mord oder auf Körper- Verletzung mit tödlichem Ausgange zu formulieren. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde das Restaurant von Lucie Petersen, Hochstr. 13, von Schutzleuten und Kriminalbeamten ausgehoben. Gegen zwanzig Personen wurden nach dem Polizeirevier gebracht. Auf dem Wege zur Wache mutzten die Beamten blank ziehen, da einige der Festgenommenen zu fliehen versuchten. Die Beraubung eines Selbstmörders auf dem Bahnhof Zoolo- gischcr Garten rief nachts große Aufregung hervor, weil cs zuerst den Anschein hatte, als ob ein Raubmord verübt worden sei. Kurz nach 12 Uhr nachts trat an den auf dem Bahnhos Dienst thuenden Portier ein junger Mann heran, um diesem die Mitteilung zu machen. daß auf dem Abort ein dumpfes Röcheln vernehmbar sei, als ob je- mratd mit dem Tode ringe. Tie Aufforderung, den Portier zu be- S leiten, lehnte er jedoch unter dem Vorwaud, keine Zeit mehr zu aben, ab. Der Portier fand in einer von innen verriegelten Zelle den 62jährigen Musiker Gerber mit einer Schußwunde im Kopfe tot auf. Da keine Schußwaffe bei dem Toten gefunden wurde und sich bei näherer Besichtigung zeigte, daß sämtliche Taschen des Toten durchsucht waren, muhte angenommen werden, daß ein Raubmord vorlag. Polizei-Jnspektor Krause, der auf die Benachrichtigung der Kriminalpolizei sofort mit mehreren Beamten ans dem Bahnhof er- schien, leitete die Ermittelungen selbst. Die Annahme, daß ein Mord vorliege, wurde tckirch den Umstand, daß sich oben an der Zellenthllr blutige Finger- und Handballenabdrücke vorfanden, noch bestärkt. Erst bei näherer Durchsuchung der Leiche wurde ein an die im Hause Knescbcckstrahe 2 wohnende Wirtin des G. gerichtetes Schreiben gefunden, in dem der Lebensmüde von seiner Wirtin Ab- schied nahm und als Motiv für seinen Selbstmord Krankheit und Nahrungssorgen angab. Das Schreiben wurde auch alsbald von der Wirtin des G. als von ihm herrührend rekognosziert. Inzwischen waren aber die Ermittelungen nach dem mutmaßlichen Mörder den die Polizei in dem jungen Mann, der den Portier auf den Selbst- mörder aufmerksam gemacht hatte, zu sehen glaubte angestellt worden. Em eigentümlicher Umstand sollte hier bald auf die richtige Fährte führen. Der Räuber, ein 25jährigcr Comptoirist Schilenski. hatte bald nach seiner That eine Gastwirtschaft in der Nürnberger- siraßc aufgesucht. Während er hier zechte, ging plötzlich der Revolver. den er ungesichert in die Tasche gesteckt hatte, los. Sch. wurde daher aus dem Lokal gewiesen und zur Polizeiwache sisttert. � Hier war in. zwischen das Signalement des Verdächtigen aus tclcgraphischem Wege eingegangen. S. wurde daher festgenommen. Bei seiner Körper- Visitation wurde außer dem Revolver ein Portemonnaie und ein Augenglas gefunden, das als dem Verstorbenen gehörig rekognosziert wurde. S. legte sich daher auch nicht mehr aufs Leugnen, sondern ge- stand seine That unumwunden ein.' Er wurde in Hast genommen. Die Feuerwehr hatte am Sonntag einen großen Dachstuhlbrand zu löschen, der mittags nach 2 Uhr in der Königgrätzerstr. 71 neben dem Halleschen Thorgebände der Stadt Berlin aus unbekamttee Ursache ausgekommen war. ES gelang mit 6 Ccnttmeter-Rohren den Brand auf den Dachstuhl des Vorderhauses und des linken Seitenflügels zu beschränken. Das Vordringen der Feuerwehr unter Leitung des Branddirektors war infolge der großen Vergualmung tzhr erschwert. Au vier Stellen mußte das feste Holzcementdach durchschlagen werden, damit der Qualm abziehen konnte. Unter Benutzung von GierSbcrgschen Rettungsapparaten drangen die Feuerivehrmänuer bis zum Brandherde vor. Am Belle-Alltan»« Platz und in der Kimiggrätzerstrafje waren mechanische Leitern auf- gefahren, über die mehrere Schlauchleitungen vorgenommen wurden. Um 6 Uhr war der Brand geloscht. Ein rasender Motorfahrer erregte in der Nacht zu gestern unter den Passanten des Grünen Wegs Angst und Entsetzen. Der Mann fuhr zu seinem Vergnügen mit einer Geschwindigkeit von etwa sechzig Kilometer die Stunde in der Straße auf und nieder und ge- fährdete dadurch sowohl den Fahrverkehr als die Fußgänger auf das äußerste. Als ein Radfahrer den Mann zu stellen suchte, lachte er ihn aus, bequemte sich aber schließlich dazu, von der Maschine zu steigen, und machte dann Miene, den Radfahrer zu verprügeln. Allerdings wurde dem Raufbold auf diese Roheit hin vom Publikum ein Denkzettel gegeben. Feuerbericht. Die Brandchronik der letzten 48 Stunden ist eine ungewöhnlich reichhaltige; neben dem großen Dachstuhlbrande am Belle-Allianceplatz, über den wir an andrer Stelle ausführlich be- richten, hatte die Wehr noch mehr als zwei Dutzend andre Feuer zu beseitigen. Besonders in den ersten Abendstunden des Sonntags waren die Löschzüge fast unausgesetzt unterwegs. So liefen gegen 7 Uhr kurz hintereinander Alarmierungen nach der Joachimstr. 11, Prinz Eugenstr. 16, Zossenerstr. 51, Rheinsbergerstr. 52 und nach der Usedomstr. 13a ein. In allen diesen Fällen brannten Möbel, Decken, Gardinen, Kleidungsstücke usw. in Wohnungen, doch konnten die Flammen überall leicht erstickt werden. Allerlei Gerümpel und alter Hausrat war später in der Zwinglistr. 12 in einem Keller in Brand geraten, während in der Gubenerstr. 6 in einer Waschküche Feuer ausgekommen war. Hinter dem Hause Gerichtstr. 23 stand ein Teil der Eisenbahnböschung in Flammen, die aber in kurzer Zeit ab- gelöscht werden konnten. Ein Posten Preßkohlen brannte in der Langestr. 77. In der Mohrenstr. 21 war auf dem Dach, auf dem augenblicklich Reparaturarbeiten vorgenommen werden, ein Kessel Teer übergekocht. Die Gefahr wurde vom 17. Löschzuge bald be- seitigt. Nach der Frankfurter Allee 29 wurde die Wehr gerufen, weil hier infolge von Nachlässigkeit beim Gasanzünden Gas in größerer Menge ausgeströmt war. Eine Explosion konnte durch das um- sichtige Vorgehen der Feuerwehr noch verhindert werden. Zur selben Zeit war in der Spandauerftr. 46 in einer Knopffabrik und in der Caprivistr. 15 in einem Cigarrengeschäft Feuer ausgekommen. Ein Posten Späne. Bretter usw. waren früh gegen 6 UUHr in der Stralauerstr. 58 in einer Kistenfabrik in Brand geraten, dessen Ab- löschung indes auch nur kurze Zeit in Anspruch nahm. In der Klosterstr. 61 und in der Alten Jakobstr. 47 gingen Gardinen und Wäschestücke in Flammen auf, während in der Danzigerstr. 96 durch die Erplosion einer Petroleumlampe Decken und Möbel Feuer ge- fangen hatten. Ein Möbelwagen brannte kurz darauf am Halleschen Ufer 34. Alle übrigen Alarmierungen, die die Mchr dann noch nach der Großen Frankfurterstr. 97, Borsigstr. 24, Köpenickerstr. 196 und noch nach verschiedenen andern Orten führten, betrafen Brände, die bereits vor Ankunft der Löschzüge von Hausbewohnern abgelöscht waren, ein Eingreifen also erübrigten. Der kluge HanS kriegt jetzt, wie dies in Berlin mit Mode- Neuheiten so der Brauch ist, an allen Ecken und Enden Konkurrenz. Eine beachtenswerte Nebenbuhlerin ist dem Tier in einer prächtigen kleinen braunen Stute, der„klugen Rosa", erstanden, welche der Direktor Franz Dorn vor kurzem in einem Landstädtchen Thüringens entdeckt und nach Berlin gebracht hat. Die„kluge Rosa" besitzt, wie es heißt, Geistesgaben, sie bietet gleiches wie„Hans" und nnderlegt damit die Behauptung der Fachleute, daß nur Hengste sich zu dieser Höhe des Begriffsvermögens empor- zuschwingen geeignet sein sollen. Auch„Rosa" beantwortet die an sie gerichteten Fragen, wie„Hans", durch Aufklopfen mit dem Huf, sie löst Rechenexempcl, kurzum, sie ist das Ideal eines mit der Wissenschaft des Jahrhunderts gelvappneten Pferdes und wird, sobald sie sich in die neuen Weltstadtverhältnisse eingelebt hat, was schon in den nächsten Tagen geschehen dürfte, in Castans Panoptikum vor der breiteren Ocffentlichkeit Proben ihrer geistigen Begabung ablegen. Im CirkuS Sarrasani tritt von heute ab das Wunderpferd„Das gelehrte Häuschen" täglich auf. Ter russische Hengst, welcher erst vor kurzem vom hiesigen Pferdehändler Ncuberg gekauft wurde, ist in überraschend kurzer Zeit dressiert worden und arbeitet vollständig selbständig. Er unterscheidet Farben, sucht verborgene Gegenstände durch Scharren, apportiert und zeigt sich als intelligentester Vertreter des Pferdegeschlechts. Sport. Die Radrennen in Treptow hatten am Somstag folgendes Ergebnis. Malfahren. 1560 Meter. 1. Tcchmer 2: 27. 2. Genz. 3. Rabe. Aleckna gestürzt.— Auss cheidnngSrennen für Klasse l und II. 6 Kilometer. 1. Kelbel 8: 46'. 2. B. Schmidt. 3. Tetzlaff.— Stundeurennen. 1. Stellbrink 6t Kilometer 266 Meter. 2. Albert Blümcl, 3666 Meter zurück. 3. Fr. Lehmann, weitere acht Meter. Schönebeck 29 Runden hinter dem Sieger unplazicrt.— Motorrennen. 16 Kilometer. 1. Jos. Käser 7: 42". 2. Sucher, 4 Runden. 3. Jahnke, 6 Runden.— Die Meisterschaft von Berlin im Gehen über 75 Kilometer wurde gestern bei günstigstem Wetter ausgetragen und von R. Wilhelm(S.-C. UranuS) in 3 Stunden 27 Minuten 26'/. Sekunden gewonnen. Die nächsten Plätze belegten O- Scholzvird kaum anzuzweifeln sein, so daß jeder Erbe etwa 34 666 M. erhält. Ter Untergang der„Norge". Aus Kopenhagen wird berichtet: Gegen den Führer des untergegangenen Dampfers„Norge" und die Leitung der Vereinigten Dampfschiffsgesellschaft wurde heute die gerichtliche Verfolgung eingeleitet, damit das Urteil des See- und Handelsgerichts entschieden werde, ob die Genannten durch Ver- nachlässigung ihrer Pflicht das Unglück verschuldet oder vergrößert haben._ ßnefharten der Redaktion. H. F. 100. UnS ist nichts davon bekannt, daß ein solches Schreibe» an uns ergangen ist. H. P. 8260. Sic erfahren näheres über den Wert der betreffenden Papiere, Zinstcrmine, Ziehung usw. in jedem ordentlichen Bankgeschäst. JuriTtitcher Cell. Tie juristische»prcih stunde findet täglich mit Ausnahme de? Sonnabend? von?-/, bis«>/, Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. H. F. 70. Da Sic in einem bicbicte geheiratet haben, für das die Gütergcmcinschast bestand, so haften Sie sür die Schulden Ihres Ehemannes, falls nicht bei Eingehung der Ehe oder später gerichtlich die Gütergemein» schast ausgeschlossen ist.— P.<2. 100. Falls nicht aus Degradation er- sannt ist, behält ein Vorgesetzter seine Qualifikation. Nach ß 122 des Militär-Swasgesetzbuches kann neben Gesäffgnis oder Feswngshast wegen körperlicher Mißhandlung aus Degradation erkannt werden. Aus.Dcgradation muß im wiederholten Rücksall erkannt werden. AIS Rück« fall wird nur eine nach der Aburteilung begangene That erachtet. — K. S. Nein.— Aufschneider. Die Doppelberechnung ist möglich.— O. S. 1265. Ausgehändigt werden Gerichtsaktcn nicht; wollen Sie nach erreichter Volljährigkeit die Sie betreffenden Vormundschastsakten einsehen, so wird Ihnen das aus Antrag gestattet.— Pinnebera. 1. Nein. 2. Der eventuelle Erbanspruch ist noch nicht verjährt. 3. Beerben kann man lediglich Verstorbene. Bei Lebzeiten braucht der Eigentümer Rücksicht auf seine kunstigen Erben nicht zu nehmen.— Tausend 1. Ihnen stand als Geselle eine vicrzebntägige Kündigungsstist zu. Was es mit der Tiegel« druck-Presse aus sich hat, erhellt aus Ihrer Ansrage nicht. Wenden Sie sich an Ihren Verband zwecks eventueller Ergreifung weiterer Maßnahmen. — F. K. 1. und 2. Nein. 3. Die Höhe ist von Fall zu Fall zu vereinbaren. — I. P. Soweit ersichtlich, ist Ihre Forderung längst verjährt. Derartige Forderungen verjähren in zwei Jahren. Ueberdies müßten Sie den Beweis sür Ihre Behauptungen und dafür führen, daß die Ware thatsächlich im Austrage der Herrschast bestellt oder von' dieser verwendet ist.— H.K. 26. 1. Nein. 2. Anstrengung der Klage kann das Mädchen verlangen und, falls etiva Pflichtwidriakeitcn vorliegen, Ersetzung des Vormundes durch einen andren. 3. Beide, 4. Die Mutter kann die Herausgabe des Kindes, eventuell durch Klage, erwirken.— N. S. 32. Eine Klage würde nicht sicher zu einem Ihnen günstigen Erfolge führen. — H. A. 44. Ja.— Emil Schmidt. Sie müssen sich bei der Waisen« direktion beschweren. ES ist unmöglich, über einen Fall, dessen Einzelheiten unbekannt gelassen werden, zu urteilen. Maßgebend ist daS körperliche, geistige und sittliche Wohl des Kindes.— F. A. 30. Nein,— A. B. 25. Ist nicht ülusschluß der Kündigungsfrist vereinbart, so steht Ihnen vierzehn- tägige Kündigung zu.— 50 S., Sch. 80. Soweit Ihre Darstellung er« kennen läßt, ist Ihr Name mit Sch jetzt aus der Geburtsurkunde richtig vermerkt. Die Namensschreibung in den Militärpapiercn ist gleichgültig. Liegt Ihnen an zutreffender Schreibweise, so beantragen Sie unter Ueber- rcichung der Geburtsurkunde Aendcrung in den Militärpapieren bei dem Bezirkskommando.— I. B. Copitz. Sie können die Paketsahrt- Gesellschaft aus Herausgabe der Kommode und Schadensersatz ver- klagen. Sie müssen beweisen, daß Sie die Sache zur Besörde- rung übergeben haben; zuständig ist das Berliner Amtsgericht. — K. 3. In der Aeußerung des WirtS kann eine Beleidigung gesunden werden, wenn die Form der Aeußerung eine beleidigende war. Die Mit- teilung der Thatsache allein wird schwerlich als Beleidigung erachtet werden. — W. B. 7. Sie sind an den Vertrag gebunden, also zur Zahlung ver« pflichtet, wenn Sie beim'Abschluß des Vertrages oder im November 1339 volljährig waren. Waren Sie damals noch minderjährig, so sind sie be- rcchligt, vom Vertrag zurückzutreten und Rückzahlung zu verlangen. Ob Ihnen einen Recht aus Verkauf der Sachen zustand, läßt sich ohne Kenntnis des Vertrages nicht sagen. Den Brief lassen Sie wohl am besten un- beantwortet.— N. S. Rummelsburg. 1. Im Interesse Ihres Sohnes liegt eS, einen Lehrvertrag abzuschließen. 2. Wenn ein Vertrags- Verhältnis vorliegt: ja. Liegt ein solches nicht vor, so befindet sich auch Ihr Sohn nicht in der Lehre. 3. Meist: ja.— E. Ja. — Pankow. 1. Eine Frist ist nicht festgesetzt. Beschwerde. Instanz ist der Landgerichtspräsident. 2. In zehn Jahren. 3. Offenbacher Krankenkasse sür Frauen.— 91. tf. 43. Wegen Arincnunterstützung müssen Sie sich an den Armcnvorsteher wenden. Entscheidend ist, wie sie zutreffend bemerken, die Bedürsnisfrage, nicht daS Mter. Eine Beschwerde ist an die Armendirektion, Dammmühlengcbäude, zu richten.— W. S., Wcddtng. Zu raten wäre, die Ihnen verkauften Stücke dem Eigentümer zurückzugeben. Aus der Ge» samtlage heraus könnte sonst angenommen werden, daß Sie hätten an- nehmen müssen, die Sachen feien gestohlen, und demnach sich der Hehlerei schuldig gemacht haben.— 175 B. 1. Eine Klage aus Herausgabe des Stoffes und aus Schadensersatz hätte Aussicht aus Erfolg. 2. Die Klage aus Schadensersatz wegen Beschädiaung der Bilder hat keine Aussicht aus Erfolg. Zum Mzug von der Miete sind Sie nicht berechtigt. Charlottenburg G. P. 1. und 2. Ja. 3. Nein. 4. Zuständig ist daS Amtsgericht, in dessen Bezirk die Herrschaft wohnt.— 16 jähriger Abonnent. Sie haben keinerlei gesetzliche Pflicht, dem Magistrat in D. die von ihm für Ihre Eltern gezahlten Armengelder zu erstatten, es sei denn, Sie haben solche Erftattungspslicht anerkannt. Lassen Sie es aus eine Klage ankommen. Wenn Sie antworten wollen, so erwidern Sie kurz: Den vom Magistrat zu D. erhobenen Anspruch vermag ich als berechtigt nicht anzuerkennen.— A. G. Ja; aber Urteile der entgegengesetzten Richtung existieren mehr.— C. M. 16. Wenn aus Ihrem Mietsvertrag, dessen Wortlaut uns unbekannt ist, nicht das Gegenteil folgt, ist das Verlangen des Wirts ein unberechtigtes.— O. Rem. — Unfall 32. 1. und 2. Nein.— Triftstr. 4. Weder strafbare Kuppelei noch«in Grund zur Scheidung liegt vor.— Möhrina. Wollen Sie aus der Landeskirche austreten, so teilen Sie Ihre Absicht schriftlich dem Amts- gericht mit, in dessen Bezirk Sie wohnen. Innerhalb vier bis sechs Wochen nach Eingang ihres Schreibens erklären Sie_ dann zu Protokoll des Amts- gcrichtS, daß•sie austreten. In der erwähnten Frist haben Sie ohne Ladung zu erscheinen.— E. R. 3. Sie sind zahlungsverpslichtet. Z» überaus häufigen Malen haben wir an den verschiedensten stellen unsrer Zeitung vor sogenannten Schwindclkasfen gewarnt. Durch Ihre Unterschrift sind Sie Mitglied geworden und müssen zahlen, wiewohl die Kasse liquidiert hat. — B. 17. Wenn der Schwager nicht eine schristliche Anweisung, Cession oder dergleichen auszuweisen hat, so ist von einer Zahlung an ihn abzuraten. — 9. U. 28. Den Eltern deS kinderlos verstorbenen SohneS steht ein Pflichtteil zu. Jedoch wird thatsächlich nicht viel dabei in Ihrem Falle herauskommen. Es erbt nämlich die Witwe des kinderlos verstorbenen Gatten die eine Hälste, die Eltern(an Stelle deS verstorbenen Elternteils treten die Geschwister des Verstorbenen und deren Abkömmlinge) die andre Hälfte de? Nachlasses. Aber die Witwe erhall überdies als Voraus sämtliche Hochzeitsgeschenke und alle Gegenstände, die zum ehe- lichen Haushalt gehört haben.—@. 1000. 1. Ja. 3. Nein. Für den Jndalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 30. August. Ansang VI, Uhr- Opernhaus. Fra Diavolo. Neues königl. Opern- Theater. Die schöne Helena. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Medea. Schiller(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Zar und Zimmermann. Westen. Liebeshandel. Berliner. Zapfenstreich. Neues. Kabale und Liebe. Residenz. Die 300 Tage. Kleines. Nachtasyl. Carl Weiss. Der Weg zum Herzen. Trianon. Die Notbrücke. Metrvpol. Ein tolles Jahr. Belle-Nlliauce. Charleys Tante. Luise». Julius Cäsar. Deutsch-Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Npollo. Venus auf Erden. Speciali- täten. Hcrrnfeld-Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Stadt-Theater Moabit. Der reiche Pustetohl. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage-Theater. La belle Georgette. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. ltrania. Tanbenstrnstc IHliU. Im Theater: Die Insel Rügen. Jnbalidcnstrasse 57/62. Sternwarte. Täglich geössnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe SInsang 8 Uhr. Morgen: Sslomo. Logik des Herzens. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Hachtasyl. Anfang 8 Uhr. Morgen: Des Pastors Rieke._ Luisen-Theater. Gastspiel Georg Heinrich Hacker: Jttlilts Caesar. Mittwoch: Gastspiel Georg Heinrich Hacker: Julius Caesar. Donnerstag zum erstenmal: Bon Stufe zu Stufe. Freitag: Bon Stufe, zu Stufe. Sonnabend: Der Hüttenbcfitzer. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: DaZ Käthchen von Hcilbronn.— Abends 8 Uhr: Von Stüse zu Stufe. LöI!ö-K!!j»!iee-7Nester. Heute u. folgende Tage abends 8 Uhr: Charleys Tante. Luide Thiolscher in der Titelrolle. Im 3. Akt Bozsna Bradzky mit neuen ChansonS von Oskar Strausj. Im Garten: Heute Ans. S Uhr: ttex Schmidt-Konzert u. große Specia- litäten-VorsteilunB._ Trianon-Theater. Georg enstraße zwischen Friedrich- mtd Univerfitätsstratze. Di- Notbrücke. Lustspiel in 3 Allen von Fred Gresae und Francis de Croisset. MW- Ansang 8 Uhr.~VM> In Vorbereitung: Ihr zweiter Mann. Apollo-Theater. 8 Uhr: Venus auf Erden. Operette LklvKS. S'l, Uhr: Die phänomenalen Attraktionen des großen Äiipst-Propins unu Hob. Steidl mit neuen. Schlagern._ Metropol-Theater Josef Giampietro a. D. lauBeMeüeselJosepl. Anton MMi Frid Frid. Der grüßte Erfolg dieses Jahres fZr. dramatisch-satirische in 5 Bildern. Anfalig 8 Uhr. Rauchen überall gestattet Urania. Faubensfr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die insel Rügen. Sternwarte Sd;l5: Seliiiler-TIieatep. Das Itttrcnaeib, lebend. Der 18 jährige Riesenknabe Der lange Josef _ 217 ctm gross._ DM- Nada und Mnemos, Ott Gedankenleser. Oer 1- eichen fand. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. ) CASTANS ANOPTICUM. Friedriohstr. 165. 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Donnerstagabend 8 Uhr: Zumciftentnal: Johannisfeucr. Schiller Theater N. (Friedrich-Wilbclinstädtisches Theater) MorwiU-OPer. Dienstagabend 3 Uhr bei halben Preisen: Zar und Zimmermann. Koni. Oper in 3 Alten v. Alb. Lortzing. Mittwochabend 8 Uhr: Abschieds- Vorstellung. Schlug der Opcrn-SpieIzeit«Hcinrich Bötet: vor Postillon von honjumeau. DonnerStagadend 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel-Saison: Medea. Im Garten: Großes Miiitärkonzert. Knr noch kvirze Zeit! FlottenaSchauspiele Am Kurfiirstendamm, 5 Minuten?. Bahnhof Halensoe, 10 Minuten v. Bahnhof Charlottenburg. Straßenbahnlinien A, A/E, T, V, 9t. Größte Wasser-Schauspiele der Welt auf 6000 qm großem See. 34/5 Flottenparade vor S. M. S.„Hohenzollern". Kampf des Japan. und russischen Geschwaders vor Port Arthur. In die Luft sprengen von KriegsscbisSen. Kettung Schiffbrüchiger mittels Raketenapparat etc. Ermäßigte Preise: Mk. 2,60, 2,10, 1,60, 1,10, 0,70. 0,40. . Wochentags 4 und 8 Uhr. Jeden Mittwoch: Vorstellungen. 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Mai 1819 gegen die Anklage, die Bürger zur Bewaffnung gegen die könig- liche Gewalt aufgereizt zu liabeu.—.40 M. Zlrbeiterprogramm.—.15 M. Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klaffen. —.60 Vi. Der Lassallesche Kriminalprozest. II. und III.—.50 M. Offenes Antwortschreiben an das Gentralkoinitee zur Berufung eines Allgemeinen deutschen Arbeiterkongreffes zu Leipzig. Neue Auflage.—.20 M. Die Feste, die Preffe und der F/rankfurter Abgeordneteutag. Drei Symptome des öffentlichen Geistes.—.25 M. An die Ardeiter Berlins. Ewe Ansprache.—.20 M. Der Hochverrats> Prozest wider Ferd. Laffalle.-.40 M. Kleine Aufsäbe:—.15 M. Die Agitation des Allgemeine» Deutschen Arbeitervereins und das Versprechen des Königs von Prenfi en.— ,25 ivt. Herr Bastiat-Schulze v. Delitzsch oder Kapital und Arbeit. Herr Julia» Schmidt. terarhistoriker. Vorrede zum System worbenen Rechte. Franz vou Sickiugeu. 1.— M. der Lit. —.75 M. der er- -.20 M. 2.- Bt. ?ortrZt 7erämsnäLs58s!!W Original-Knpfer-Nadierung. 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Die Organisation, die hauptsächlich auf London beschränkt ist, zählt un- gefähr 1100 männliche und 900 weibliche Mitglieder. Von den männ- lichen Fachgenossen in London sind 90 Prozent, von den weiblichen 60 Prozent in der vom Redner vertretenen Vereinigung organisiert, deren Kassenbestand 1436 Pfund Sterling beträgt. Außerdem be- steht in der Provinz noch eine Vereinigung von Cigarrenmacherinnen, die 1200 Mitglieder und einen Kassenbeftand von 3358 Pfund Sterling hat. Von den 5000 bis 6000 Cigarrenmachern Englands sind also zusammen 3200 oder 60 Prozent organisiert. Die Löhne betragen in London 2V, bis 4 Schilling pro 100; in der Provinz sind sie um 30 bis 40 Prozent niedriger. Der Wochenbeitrag zur Organi- sation ist 1 Schilling für Männer und 60 Pence für Frauen. Er wird aber in nächster Zeit um 6 und um 3 Pence erhöht werden müssen, da die Kasse durch die herrschende Arbeitslosigkeit sehr ge- schwächt wird. Aus der Arbeitslosenkasse werden an männliche Mit- glieder 13 Wochen lang 30 Schilling wöchentlich ausbezahlt, dann noch 13 Wochen 6 Schilling wöchentlich; die weiblichen Mitglieder erhalten nur 13 Wochen lang 6 Schilling Arbeitslosenunterstützung. — Heimarbeit ist in der englischen Eigarren-Jndustrie ziemlich un- bekannt. Der Geschäftsgang ist ziemlich schlecht. Der Redner be- zeichnete den Südafrika-Krieg und die Bildung des bekannten Tabak- trusts als Ursachen der traurigen Lage. Ter Redner erwähnte dann das Urteil in dem bekannten Taff-Vale-Prozeß, sowie den Prozeß der Bergwerksbesitzer gegen die Bergarbeiter von Wales und be- merkte, daß diese in der That erschrecklichen Erscheinungen auch ihre gute Wirkung hätten, indem die englischen Arbeiter nun endlich wach würden und begreifen lernten, daß sie im Parlament eine so große Zahl von Vertretern ihrer eignen Klasse haben müßten, um solche schändliche Gesetzgebung und Rechtsprechung verhindern zu können. — Hierauf teilte Deichmann noch einiges über die wachsende maschinelle Cigarettenfabrikation in Deutschland mit. Allein in Dresden arbeiten bereits 5000 Cigarettenmacherinnen. Die Löhne betragen dort pro 1000 Stück 1,70 bis 4,50 M., in Hamburg 1 bis 4,50 M., in Berlin 2,50 bis 4,50 M. Wochenverdienste von 5 bis 14 M. für Arbeiterinnen und 16, 18 bis 20 M. für Arbeiter sind nur erreichbar, wenn nach 9 bis 10 Stunden Fabrikarbeit noch Heim- arbeit geleistet wird. Die Organisation ist unter den Cigaretten- arbeitern noch sehr mangelhaft, nur etwa 1300 sind dem vom Redner vertretenen Verband angeschlossen. Das Organisieren wird dadurch erschwert, daß viele Russen, Griechen, Türken und Serben unter den Cigarettenarbeitern sind, die stets in der Gefahr schweben, über die Grenze gebracht zu werden. Hiermit war die Berichterstattung aus den verschiedenen Ländern erledigt und nun kam das Reglement zur Verhandlung, das durch die früher gewählte Kommission in Gemeinschaft mit dem internationalen Sekretär vorberaten worden war. Beschlossen wurde, daß der Name der Organisation lauten soll:„Jnter- nationaler Verband von T a ba k a r b e i t e r n und -Arbeiterinne n". Als Zweck des Verbandes wurde be- stimmt: in der Hauptsache Aufklärung zu schaffen über die socialen und ökonomischen Zustände in der Tabak-Jndustrie aller Länder. Die finanzielle Unterstützung bei Ausständen soll Nebensache sein und nur dann erfolgen können, wenn zwei Drittel der Vertrauensmänner es gutheißen. Der internationale Sekretär soll in Zukunft vom Kongreß gewählt werden, der auch seine Entschädigung festsetzt. Der Beitrag wurde auf 10 Cents(17 Pf.) pro Jahr und Mitglied fest- gefetzt. Am Sonnabend wurde die Verhandlung über das Reglement fortgesetzt und der Entwurf der Kommission mit kleinen Aenderungen angenommen. Die Entschädigung des internationalen Sekretärs wurde auf 20 Frank pro Monat nebst Vergütung für die im Dienst des Sekretariats versäumte Arbeitszeit festgesetzt. Als Sekretär wurde einstimmig H. Jugters(Belgien) wiedergewählt. Der Sitz des Internationalen Verbandes ist A n t w e r p e n. Der nächste internationale Kongreß soll in Stuttgart 1907, und zwar in der Woche vor dem internationalen Socialisten-Kongreß stattfinden.— Hierauf wurde über einen Vorschlag verhandelt, der es möglich machen sollte, daß Mitglieder von Krankenunterstützungs-Vereinen, die in einem andern Lande in Arbeit treten, dort ohne weiteres in einen derartigen Verein übertreten können. Heising(Deutsch- land) beantragte Uebergang zur Tagesordnung, weil in seiner Heimat und auch in andern Ländern, wo das Krankenkassenwesen von Staatswesen geregelt ist, ein derartiges Uebereinkommen nicht durchführbar sein würde. Auf Antrag des Holländers Bruens wurde folgende Resolution angenommen: ..Der Kongreß erklärt, daß zwischen den Ländern, wo es möglich ist, internationale Uebereinkommen hinsichtlich der Unterstützung bei Krankheit getroffen werden müssen." Ein weiterer Vorschlag vcm Holland betraf die Regelung des Lehrlingswesens. Zweck des Vorschlages ivar. wie BruenS bemerkte. Aufklärung über die Lehrlingsverhältnisse in andren Ländern zu erhalten. Mit Rücksicht auf die beschränkte Zeit wolle er jedoch emer schriftlichen Erledigung dieses Wunsches den Vorzug geben. In der kurzen Diskussion über diesen Punkt nahm unter andren C o o p e r das Wort und erklärte, daß in England die Sache so geregelt sei, daß ein Lehrjunge auf vier Arbeiter und ein Lehrmädchen auf drei Arbeiterinnen kommen. Der Zustand, wie er in Holland bestehe, daß man die Jungen in ein Gewerbe hineinbringe. das ihnen auf die Tauer kein Brot mehr geben könne, dürfe nicht länger fortdauern. Früher sei es in England auch so gewesen. Jetzt sei es so geregelt, daß der Arbeitgeber und nicht der Arbeiter den Lehrling annehme und bezahle.— Dem Sekretär wurde auf- getragen, eine Untersuchung über das Lehrlings. Wesen vorzunehmen. Zum Schluß wurde ,uf Vorschlag Belgiens über die Frage be- raten:«Hält es der Kongreß für zweckmäßig, daß sich die Organi- sationen einer politischen Partei anschließen? Und welcher?"— Hierzu wurde nach kurzer Debatte folgende Resolution einstimmig angenommen, die Deichmann(Teutschland) in Vorschlag brachte: „Der sechste internationale Cigerrrenmacher-Kongreß kann nicht beschließen, den Fachorganisationen der Cigarren« und Tabakarbeiter zu empfehlen, sich einer bestimmten politischen Partei anzuschließen; der Kongreß erklärt jedoch, daß neben der reinen Gewerkschafts- bewegung auch die politische Bewegung, und zwar die alterprobte s ocial demokratische Politik notwendig ist, und empfiehlt darum allen Fachgenossen, an dieser Politik teilzunehmen, und meint konstatieren zu müssen, daß die gewerkschaftliche und politische Bewegung für die Arbeiterklasse nicht nur Mittel sind zur Verbesserung der Lebens- bedingungen. sondern auch zur endlichen Befreiung des Proletariats." T«nn wurde der Kongreß nach Erledigung einiger interner An- gelegenheiten geschlossen.______ Gerichts-Zeitung. Professor Sommerfeld und das Schwindsuchtsmittel. Ein Pro- zeß, der zum Kapitel„Kurpfuscherei" und mehr noch zur Charakter isnk der Staatsanwaltschaft einen beachtenswerten Beitrag bringt, spielte sich am Montag vor der Strastammer in Frankfurt a. M ab In Rr. 83 der„Frankfurter Volksstimme" vom 9. April d. I. war folgender Artikel enthalten: „Als Heilmittel gegen die Schwindsucht wird seit einiger Zeit das Sanofi» empfolilen. Dasselbe ist von dem Berliner Pro- fessor Sommerfeld erfunden worden und hat eine Zusammen- setzung, welche der des SchießpuloerS ähnelt, nur daß an Stelle des Salpeters pulverisierte EukalyptuSblätter vorhanden sind. Dieses Gemisch wird verbrannt und die Dämpfe, welche sich hierbei ent- wickeln, sollen von den Tuberkulösen eingeatmet werden. Nun bildet stch aber bei der Verbrennung vor allem das giftige und atzende �chweftldioxyd. Man kann daher vor der Anwendung dieses Mittels nicht lebhaft genug alle Lungenkranke warnen. Dasselbe ist geeignet, gesunde Lungen schwer zu schädigen, kranke Lungen aber völlig zu zerstören. Der Heilwert des Sanosins ist daher absolut illusorisch. Es muß befremden, daß ein Professor der Medizin ein derartiges Mittel zu empfehlen vermochte, um so mehr, als dasselbe für 15 M. vertrieben wird, während sein Herstellungspreis im Höchstfalle, in- klusive Verpackung usw., noch nicht 2 M. beträgt. Herr Professor Sommerfeld ist Mitglied der Gesellschaft zur Bekämpfung der Kur- Pfuscherei. Kann man sich wundern, wenn da das Vertrauen des Volkes zu dieser Gesellschaft ein immer geringeres wird?" Dem Vernehmen nach war dieser Artikel einer von vielen Zeitungen benützten ärztlichen Korrespondenz entnommen. Darauf- hin ersuchte Professor Dr. Sommerfeld, Speeialarzt für Rasen-, Hals- und Lungenkrankheiten, den verantwortlichen Redakteur der „Volksstimme", Quint, in einem Schreiben, ihm den Verfasser des Artikels zu n e n n e n, da er den Mann verklagen wolle. Quint lehnte selbstverständlich dies Gesuch ab, u. a. mit dem Bemerken, daß in dem Artikel keine Beleidigung enthalten, eine solche auch nicht beabsichtigt sei. Ter Verfasser habe sich lediglich gegen die schwinde!- hafte Anpreisung des„Sanosin" gewendet. Wenn Professor Dr. Sommerfeld nicht der Erfinder sei, dann müsse es seine Auf- gäbe sein, sich gegen den groben Unfug, der mit seinem Namen getrieben werde, zu wehren. Nunmehr stellte Professor Dr. Sommerfeld gegen Quint Straf- antrag wegen Beleidigung und beantragte gleichzeitig eine Unter- suchung bezw. ein Diseiplinarver fahren gegen sich selbst bei der Berliner Aerztekammer. Am 14. April d. I. schrieb die„Volks- stimme": „Zur Warnung für Lungenkranke haben wir kürzlich eine uns von fachmännischer Seite übermittelte Notiz über ein neues so- genanntes„Heilmittel" gebracht,„Sanosin" genannt, das trotz seines horrenden Preises absolut wertlos ist, ja direkt schädlich wirken soll. Wir haben dabei unser Erstaunen darüber ausgedrückt, daß Pro- fessor Dr. Sommerfeld in Berlin kW. sich dazu hergegeben habe, für dieses Geheimmittel Reklame zu machen. Darauf schickt uns letzterer heute folgende Berichtigung: Wie bereits aus meiner ersten Publikation hervorgeht, bin ich nicht der Erfinder des„Sanosins", sondern habe dasselbe auf Veranlassung des Herrn Dr. Daneliuö einer wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen. Das„Sanosin" ist von mir niemals als speeifisches Heilmittel, sondern als wert- volles Mittel zur Bekämpfung der katarrhalischen Erscheinungen der Tuberkulose bezeichnet worden. Der Vergleich mit Schießpulver ist höchstens ein schlechter Scherz, da das„Sanosin" als wesentliche Bestandteile australisches Eucalyptusöl und gepulverte Eucalyptus» blätter enthält. Daß mäßige Mengen in der Atmungslust fein ver- teilter, schwefliger Säure auf Katarrhe günstig einwirken, wußten schon die alten römischen Aerzte. Gegenüber dem durch nichts be- gründeten abfälligen Urteil führe ich den Schlußsatz des Hofrats Dr. Wolff an, in dem er im Jahresberichte der Heilstätte Reibolds- grün pro 1903 seine Beobachtungen über„Sanosin" wie folgt zu- sammenfaßt:„Alles in allem glauben wir in der„Sanosin"- Behandlung eine erfreuliche Erweiterung unsres symptomatischtherapeutischen Apparates gefunden zu haben, deren Prüfung den eilstättenärzten zu empfehlen ist." Außerdem stellt uns Professor r. Th. Sommerfeld noch eine Klage in Aussicht, der wir jedoch mit allergrößter Seelenruhe entgegensehen. Wir sind der Ansicht, daß die Kranken in den Heilanstalten keine Versuchskarnickel sind. Wenn Herr Dr. Sommerfeld selbst zugiebt, daß nach den Worten Dr. Wolffs erst die„Prüfung" der„Sanosin"-Behandlung zu„empfehlen" ist, wie kommt dann die das„Sanosin" fabrizierende Fabrik dazu, das „neue Mittel" als das„beste und großartigste" gegen die Lungen- tuberkulöse anzupreisen? Es hat uns ferngelegen, zu behaupten, daß Herr Dr. Sommerfeld etwa irgendwie an der möglichst großen Ver- breitung des„Sanosin" finemziell interessiert sei, wir wiederholen aber, daß gerade er als Mitglied zur Bekämpfung der Kurpfuscherei allen Anlaß hätte, vorsichtiger wie jeder andre Arzt zu sein in der Empfehlung von Mitteln, die von vielen Aerzten als„Kurpfuscher- artikel" angesehen werden. Zudem ja bekanntlich die Grenze, an der die Aerztethätigkeit beginnt und die Kurpfuscherthätigkeit aufhört, von Laien sehr schwer wahrgenommen zu werden pflegt." Quint hat sich nun„wegen Behauptung nicht erweislich wahrer Thatsachen, welche geeignet sind, den Beleidigten verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen", auf Grund des 8 186 des Straf-Gesetzbuches, vor Gericht zu verantworten. Pro- fessor Dr. Sommerfeld hat sich der Anklage als Nebenkläger an- geschlossen. Von der Staatsanwattschaft ist ein Gerichtsarzt, vom Angeklagten der Chefarzt der Lungenheilanstalt Ruppertshain, Dr. Nahm, und drei Naturärzte als Sachverständige geladen. Die Verhandlung ist gestern vertagt worden, da verschiedene Zeugen und Sachverständige nicht erschienen waren. Eine Personenverwechselung hatte dem Pferdehändler Karl Ladewig eine Anklage wegen Freiheitsberaubung zugezogen, welche gestern vor der dritten Ferienstrafkammer des Landgerichts I gegen ihn verhandelt wurde. Der Angeklagte hatte den Arbeiter Ohnsorge wiederholt beschäftigt, war aber im Unfrieden mit ihm auseinander gekommen. Ohnsorge hatte ihm wiederholt eine ge- hörige Tracht Prügel versprochen.� Am Abend des 6. Mai stand Ladewig vor einem Lokal in der Elsasserstraße, als er plötzlich hinter- rücks einen so wuchtigen Hieb gegen den Kopf erhielt, daß er zu Boden stürzte und für mehrere Minuten das Bewußtsein verlor. Als er wieder zu sich kam und aufgestanden war, sah er durchs Schau- fenster, daß sein Feind Ohnsorge im Lokale saß. Er holte sich einen Schutzmann, betrat mit diesem das Lokal und verlangte, daß Ohn- sorge zwecks Feststellung seiner Persönlichkeit nach der Wache gebracht werde, denn dieser sei es gewesen, der ihn überfallen habe. Der Schutzmann mußte der Aufforderung folgen und Ohnsorge zur Wache bringen, wo er /, Stunden festgehalten wurde. Später stellte sich heraus, daß nicht Ohnsorge, sondern ein andrer Mann den Ueberfall ausgeführt hatte. Die Anklage nahm an, daß Ladewig die persön- lichen Verhältnisse Ohnsorges gekannt hatte, die Sistierung Ohn- sorges somit überflüssig war. Der Angeklagte versicherte, daß es ihm unbekannt war, ob Ohnsorge überhaupt eine feste Wohnung hatte, bei ihm habe er auf dem Heuboden geschlafen. Der Staatsanwalt kam auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte wider besseres Wissen gehandelt, er beantragte gegen ihn drei Tage Gefängnis. Der Gerichtshof schenkte dagegen dem An- geklagten Glauben und sprach ihn frei. Gerechtigkeit. Der Arbeiter Szepokat, der sich gestern bor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I wegen Diebstahls im Rück- falle zu verantworten hatte, ist sich bei Begehung der„That" wohl kaum der Tragweite seiner Handlungsweise bewußt gewesen. Er hatte auf einem hiesigen Bahnhof zu thun, als dort gerade Preß- kohlen erbgeladen wurden. Geständlich hat er sich von den beim Aus- laden vorbei fallenden Preßkohlen 7 Stück angeeignet, die ihm als- bald wieder abgenommen wurden. Die Kohlen haben einen Wert von wenigen Pfennigen, da erber der Angeklagte schon wiederholt wegen DiebstqHls vorbestraft und nach ß 244 Str.-G.-B. in solchem Falle drei Monate Gefängnis das niedrigste Strafmaß ist, so mußte der Gerichtshof diese Strafe aussprechen. Eine seltsame Abneigung gegen die Bolksschule lag der unver- nünftigen Handlungsweise zu Grunde, die die Maurerfrau Anna Schmidt unter der Anklage des Widerstandes gegen die Staats- gewalt und der Beamtenbeleidigung gestern vor das Schöffengericht am Amtsgericht II führte. Die in Mariendorf wohnhafte Angeklagte hat einen dreizehnjährigen Sohn, der die Schule für eine höchst un- bequeme und lästige Institution hält und seine geringe Zuneigung auch dadurch bekundete, daß er wiederholt ohne Grund ihr die Ehre seines Besuches nicht schentte. Der Junge fand dabei noch die Unter- stützung seitens seiner Eltern und auch die wiederholten Ordnungs- strafen, die der Amtsvorsteher wegen Schulversäuinnis gegen den Vater festfetzte, blieben ohne Erfolg. Endlich wurde ein Polizei- bcamter ausgeschickt, um den Jungen zwanaswcise zur Schule zu befördern, aber auch dieses Mittel versagte, denn so oft und so früh der Beamte auch in der Wohnung der Eltern erschien— der Junge war niemals zu finden. Entweder hatte er sich gut versteckt oder bei Zeiten aus dem Staube gemacht. Es blieb nichts andres übrig, als die gesamte Ortspolizeiniacht von Mariendorf in Gestalt dreier Amtsdiener aufzubieten, um den Widerwillen des Jungen und seiner Eltern gegen die Schule zu brechen. Am 21. April rückten in aller Frühe die drei Amtsdiener aus und drangen in die Wohnung der Eltern, um den Knaben zu fassen. Aber man war wieder vergeblich gekommen, denn obwohl die Beamten jeden Winkel des Hauses durch- suchten, so fanden sie doch von dem Jungen keine Spur. Durch Zufall gelang es jedoch später, seiner auf der Straße habhaft zu werden. Kaum hatte die Angeklagte dies bemerkt, als sie ihrem Söhnchen zu Hilfe eilte und ihn durch die Worte:„Junge, geh' doch nicht mitl Wehre Dich doch und haue die Kerls!" zum Widerstande anreizte. Ter Junge schlug denn auch wie toll um sich und wider- setzte sich dem Transport mit allen seinen Kräften. Als man den Widerspenstigen endlich bis zum Schulgebäude bugsiert hatte, trat die Mutter abermals in Aktion: sie stürmte in das Klassenzimmer hinein und nachdem sie sich vergeblich bemüht hatte, den Knaben heraus zu ziehen, setzte sie sich neben ihn auf die Schulbank und mutzte erst durch eine energische Kraftanstrengung der drei Amts- diener hinaus befördert werden. Ihrem Unmut über diese Ent- Wicklung der Dinge machte sie vor dem Schulgebäude durch lautes Schimpfen auf die Beamten Luft.— Einen vernünftigen Grund für ihr sonderbares Verhalten vermochte die Angeklagte vor Gericht nicht anzugeben. Der Staatsanwalt wollte eine derartige Auf- lehnunZ gegen Ordnung und Sitte durch eine nachdrückliche Strafe geahndet wissen und beantragte vier Wochen Gefängnis. Der Gerichtshef hielt mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit der Angeklagten zwei Wochen Gefängnis für ausreichend und verhängte diese Strafe über sie._ Versammlungen. Die Generalversammlung des Centtal-Wahlvereins für Teltow« BeeSkow-Storkow-Chnrlottenburg fand am Sonntag in Z o s s e n im Saale des Lokals Rüffer statt, der vom Wahlverein Zossen geschmackvoll dekoriert war. Die Ver- Handlungen wurden würdig durch den Gesang deS Arbeiter« vaterlands-LiedeS seitens des Vereins„Freie Sänger" in Zossen eingeleitet; dann eröffnete der Vorsitzende Hirsch um SU2 Uhr die Versammlung. Von den 31 Wahlvereinen deS Kreises waren 2(Großbeeren und Markgrafpieske) nicht erschienen, die übrigen 29 waren durch 24 Delegierte vertreten, wozu noch 12 Funktionäre des Kreises kamen. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Branden» burger Provinzialkonferenz. Das Mitglied der Agitationskommission Fischer bemerkte, daß von der- fchiedenen Kreisen Anträge auf eine anderweitige Zusammen- setzung der Agitationskommission eingegangen seien; der Kreis Schlviebns will, daß die Mitglieder der Agitations- kommission auf der Provinzialkonferenz selbst gewählt werden und daß ein Vorsitzender der Kon, Mission mit festem Gehalt als Agitationsleiter fiir die Provinz Brandenburg angestellt werde; dieser Antrag habe kann, Aussicht aus Annahme, da die Kreise, welche die Provinzkreise zu bearbeiten haben, sich das Recht auf die Delegierung zur Agitationskommission nicht würden nehmen lassen. Ebenjo müsse wohl der Antrag Sorau-Forst, die Provinz in Unter- Agitationsbezirke zu teilen, der darauf hinauskomme, die kräftigeren Kreise Sorau-Forst. Kottbus-Spremberg, Franlfurt-LebuS von der Kommission loszulösen, abgelehnt werden; dagegen müsse den An- trägen auf Verstärkung der Kommission aus den Provinzkreisen Rech- nung getragen werden, denn es sei ein auf die Dauer unleidlicher Zustand, die Provinzkreise unter die Vormundschaft der acht Kreise zu stellen, welche die Kommission zusammensetzen. Auch die Kommission hat den Wunsch nach einer festeren Organisation, wodurch sie auch einen stärkeren Einfluß bekommen werde; sie beantrage auch, daß in Zu- kunst Reichstags-Kandidaturen nur mit ihrem Einverständnis auf- gestellt werden. Der letztere Antrag wurde in der Diskusston von sämtlichen Rednern verworfen, da alle Grundlagen für eine Landes- oder Provinzialorganisation mit einem die Geschäfte führenden Ausschuß in unsrer Provinz noch fehlen, so erwünscht ein solcher Ausbau der Organisation an sich sei; dagegen sei die Verstärkung der Kam- Mission aus den Landkreisen eine unabweisliche Notwendigkeit.(Auch der Wahlverein Charlottenbnrg hat sich für diese Verstärkung, nicht, wie es irrtümlicherweise in dem Bericht in der Nummer vom 28. August heißt, dagegen ausgesprochen.) Zur Annahme gelangte ein Antrag Wollermann- Schöne- berg. daß die Delegierten des Kreises auf der Provinzialkonferenz für eine Erweiterung der Agitationskommission durch Hinzuziehung von Vertretern einzelner Landkreise eintteten, unter Ablehnung eines von Grunwald beantragten Amendements, diese Vertretung der Kreise zu einer proportioneilen zu gestalten. Angenommen wurde auch ein von Z u b e i l gestellter Antrag, die Brandenburger Konferenz möge eine Kommission einsetzen, diS die nötigen Schritte in die Wege zu leiten hat, mn für die Provinz Brandenburg eine einheitliche geschlossene Organssation mit fester Beitragsleistung zu schaffen, an deren Spitze eine Provinzial- kommission, zuiammengefetzt aus Vertretern der einzelnen Wahlkreise der Provinz steht. Eine Reihe weiterer Anträge beschäftigten sich mit der Lokal- frage. In der Diskussion wurde über das Verhalten vieler Ber- liner Genossen Klage geführt, welche sich an die Lokalliste absolut nicht binden, obwohl wir bei der Erringung von Lokalen, ohne welche die Fortschritte unsrer Organisation außerordentlich erschwert werden, durchaus auf die thatkräftige Hilfe der Berliner Genossen angewiesen sind. Zu Klagen giebt auch der Kopf der Lokalliste Veranlassung: „Lokale, die keinen Saal haben, sind frei", da an den kleinen Orten für uns auch Lokale mit kleineren Vereinszimmern von höchster Wichtigkeit sind. Angenomnien wurden die vom Wahlverein Johannisthal gestellten Anträge, auf der Provinzialkonferenz zu beantragen:!; Der Kopf der Lokalliste:„Lokale, welche keinen Saal haben, sind frei", ist zu streichen, und ferner: Die Lokalliste ist einheitlich zu gestalten in dem Sinne, daß nur freie Lokale in derselben Anfuahme finden. Ein weitergehender Eventualantrag. falls die Provinzialkonferenz den ersten der obigen Anttäge ablehnt. möge der Centtalvorstand die Gründung einer eignen Lokalliste für die Vororte Berlins anbahnen, wurde abgelehnt. Abgelehnt wurde auch ein Antrag Rixdorf, die Agitations« kommission solle für eine einheitliche Regelung des Vertriebes von Agitationsmaterial Sorge tragen. Zu Delegierten für die Provinzialkonferenz wurden auf Vorschlag des Vorstandes durch Aeelamation die Genossen Hirsch« Charlottenburg, Kronfeld« Nowawes und Mickleh- Baumschulenweg gewählt. Zun, nächsten Punkt der Tagesordnung: der Bremer Parteitag, hielt Genosse Z u b e i l ein einleitendes Referat. Die Vorschläge des Parteivorstandes zum Organisattonsstatut der Partei erklärte er für eine Verbesserung gegenüber dem gegen- Ivärttgen Zustande, bei dem der Parteivorstand einen Genoffen nicht einmal zwingen könne, sich einem Schiedsgericht zu stellen. Auch die engere Verbindung,_ die zwischen Parte,- und Bereinszugehörig« keit hergestellt werde, sei zu begrüßen. Von einer Generaldiskussion wurde Abstand genommen und sofort in die Speeialdiskussion der eingegangenen Anträge ein« getreten. Mit der Tagesordnung beschäftigten sich Anttäge aus Schöneberg, Charlottenburg, Rixdorf, welche die Behandlung der Schulfrage forderten. e,n Antrag Baumschulen« weg. der dies für nächstes Jahr vorsieht, und ein Anttag ■®b!»tlljof, der den Kampf gegen das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht als besonderen Punkt behandelt wissen wollte. Dieser Antrag wurde abgelehnt, da die Frage so wie so eingehend besprochen werden würde. Auch den ersten Antrag bekämpfte Genosse Zubeil, da der Parteitag bereits sehr über- lastet sei; die Fraktion werde sicherlich gefragt werden, wie sie dazu gekommen sei, den Genossen Schippe! öffentlich aufzuforder», seine Stellung zur Zoll- und Handelspolitik unzweideutig klarzustellen, Auch die Kandidatenfrage anläßlich der Vorgänge in Zschopau- Marienberg werde zweifellos zu längeren Erörterungen führen. Die Schulfrage sei viel zu wichtig, um sie zum Schluß vielleicht mit dem Anhören eines Referates kurzer Hand abzuthun. Alan solle sie lieber, wie es der Antrag Baumschulenweg wolle, übers Jahr an eine der ersten Stellen rücken. Dieser Staildpuukt wurde aber von mehreren Rednern bekämpft, W e tz k e r wies darauf hin, daß eS gerade jetzt, gegenüber der Auslieferung der Schule an den Klerikalismus in ganz Deutschland, geradezu Pflicht der Partei sei, Verwahrung dagegen einzulegen. und dies könne leider nicht in den Landtagen, sondern nur auf dem Parteitag geschehen. Der Antrag Schöneberg ac. wurde mit großer Mehrheit an- genommen. Nach kurzer Diskussion wurde�ein von Schöneberg ein- gebrachter Autrag, der Parteivorstand möge die eingegangene Jugendzeitschrift„Die Hütte" neu erscheinen lassen, eventuell den Herausgeber subventionieren, in folgender vom Genossen G r n n- Wald beantragten Fassung angenommen: „Der Parteitag wolle dem Parteivorstaud in Erwägung geben, eine Zeitschrift für die Jugend ins Leben zu rufen und ein eventuelles Deficit bei Herausgabe derselben durch Parteizuschuß zu decken." Zur Maifeier lag ein Antrag Schöneberg vor, der Parteitag möge für eine striktere Durchfiihrung der Arbeitsruhc eintreten. B ö S k e- Rixdorf führte dagegen aus, daß wir in der Maifeier unmöglich weiter gehen könnten als die Gewerkschaften, sonst müßten wir auch für den wirtschaftlichen Schaden aufkommen, der durch striktere Durchfiihrung der Arbeitsruhe entstehe. Unter Ablehnung des Antrages Schöneberg wurde ein vom Wahlvercin R i x d o r f gestellter Antrag angenommen, ganz ent- schieden für die Erhaltung des ersten Mai in der bisherigen Form einzutreten. Zum Organisationsstatut beantragte der Wahlverein Rixdorf den Znsatz, daß jeder als Funktionär in der Partei thätige Genosse verpflichtet ist, seiner Berufsorganisation anzugehören, soweit solche besteht. Dieser Antrag fand Annahme. Weiter beantragte Rixdorf, den Antrag des Parteivorstandes. Bautischler Stelmatzik 7 Tage. Weise in streikenden die Zahl der Fraktionsmitglieder auf den Partei- tagen zu beschränken, abzulehnen. W e tz k e r befürlvortete den Antrag des Parteivorstandcs, damit der Parteitag nicht von der Fraktion überflutet und beherrscht«verde, die zuweilen, wie bei der Frage der Hererokrcdite, in Gegensatz zu der Meinung der übrigen Parteigenossen gerate. Dem gegenüber führten Zubeil und andre auS, daß bei Annahme des Antrages des Parteivorstandes die Abgeordneten als Delegierte erscheinen und nun erst recht den Parteitag überfluten und sogar, weil nrit Mandaten versehen, über ihre eigne Thätigkeit zu Gericht sitzen würden. Eber Hardt betonte, daß es sich hier lediglich um eine Geld- frage und nichts Iveiter handle. Die Kreise, die besonderen Wert auf die Anwesenheit ihres Abgeordneten legen, sollen für ihn anch die Delcgationskostcn bezahlen. Unter Ablehnung des Antrages Rixdorf wurde der Antrag des Parteivorstandes angenommen. Ferner beantragten die Wahlvereine Schöneberg und Baumschulenweg, im Z 1 des vom Parteivorstande vorge- schlagenen Organisationsstatuts hinzuzufügen:„und zwar derjenigen seines Wohnortes". In der Diskussion wurde der gegenwärtige Zustand gerade fiir unfern Kreis als unleidlich bezeichncl, es komme togar vor, daß ein bei uns ausgeschlossenes Mitglied in einem Berliner Wahlverein als Genosse aufgenommen werde. Doch nieinte Eberhardt, der Antrag gehöre in ein VcreinSstatut für Groß- Berlin, nicht in das Orgamsationsstatut der Partei. Er wurde jedoch angenommen. Auch ein Antrag Grunwald, die Punkte 7 und 8 der Tages- ordnung deS Parteitages �Organisation und sonstige Anträge) gleich nach Erledigung der Berichte als 4. Punkt zu behandeln, fand An- nähme. Ein Autrag Rixdorf, die Fraktion möge dahin wirken, daß ärmeren Gemeinden Beiträge zu den Schnllasten gewährt würden, wurde abgelehnt, nachdem Hirsch darauf hingewiesen, daß letzteres zum Teil schon geschehe und die Fraktion eine unmittelbare Einwirkung darauf— die Schule ist Landesangelegenheit— nicht habe. Zu Delegierten fiir den Parteitag schlug der Vorstand die Ge- nassen Emil Müller- Charlottenburg, K o n r a d- Rixdorf, LS'o kle rm ann- Schöneberg vor; außerdem wurde G eisen- Kersting- Groß-Lichtcrfelde in Vorschlag gebracht. Gewählt wurden Wollermann mit 77, K o n r a d mit 76, Müller mit 78 Stimmen, Geisen-Kersting erhielt 21 Stimmen. Als Ersatzmann gewählt wurde Th iel-Tempelhof. Nach Erledigung einiger Anfiagen wurde die Versammlung mit einen« dreimaligen Hoch auf die Socialdemokratie geschlossen. Vor Verlassen des Saales stimmten die Anwesenden die Arbeiter- Marseillaise an._ In einer BertraueilSmäuner- Versammlung des Holzarbeiter- Verbandes, die von etwa 1206 Personen besucht war. referierte Glocke über„die Feier d e S I.Mai". Der Holzarbeiter- Verband beschäftigte sich mit dieser Frage, weil kürzlich die Vorstände der Gewerkschaften eine Resolution angenommen haben, nach welcher die ArbeitSruhe ain 1. Mai nicht mehr verlangt wird. Mehrere Führer der Gewerlschasten sind dafiir eingetreten, daß die Feier des ersten Mai auf den ersten Sonntag im Mai verlegt wird und an« ersten felbst nur des Abends Versammlungen stattfinden sollen. Da auf dem internationalen Arbeiterkongreß die Frage der Maifeier geregelt wird, so hat der Holzarbeiter-Verband in der letzten Generalversammlung über die Maifeier diskutiert. Wegen der reichhaltigen Tagesordnung der Verfammlung konnte die Diskussion nicht z«! Ende geführt werden. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Vertrauensmänner- Versammlung zu setzen. Nachdem der Referent Entstehung und Bedeutung der Maifeier geschildert hat, geht er auf die augeregte Acnderuna der Maifeier ein. Er vertritt den Standpunkt, die Maifeier müsse in der bisherigen Weise begangen werden. Zu einem Aufgeben der ArbeitSruhe fei kein Anlaß vorhanden. Bei einer sonntäglichen Maifeier würde dieselbe ihren demonstrativen Charakter verlieren und nicht mehr den« Zweck entsprechen, den der internationale Kongreß in Paris im Auge gehabt habe. Bei der Verlegung der Maifeier würde sie an Bedeutung verlieren. Auch käme dies einer gäi«zlichen Aufgabe der Maidemonstration gleich. Der Holzarbeiter-Verband müsse an den Beschlüssen des internationalen Kongresses festhalten und für gänz- liche ArbeitSruhe ain 1. Mai eintreten. Alle Diskussionsredner ver- träten dieselbe Meinung wie der Referent. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die heutige VertranenSmänner- Versammlung des Holz- arbeiter-Vcrbandes steht nach wie vor ans dem Boden der Be- fchlüsse der internationalen Kongresse und der deutschen Parteitage, die dahin gehen, daß die würdigste Feier des 1. Mai und wirk- samste Deinoi«stration fiir den Achtstimdentag die ArbeitSruhe ist." Die Resolution wurde den drei Vertretern des Holzarbeiter- Verbandes auf dem internationalen Kongreß in Anisterdam tele- graphisch übermittelt und sie ersucht, im Sinne der Resolutton zu wirken. Zum Pilnkt II der Tagesordnung berichtet der ArbeitSvermittler über Wcrkstattstreiks und Differenzen. Seit der letzten Vertrauens- männer-Verfammlui«g ain 22. Juni sind in 84 Werkstätten Differenzen gemeldet worden. Es waren daran beteiligt die Vauttschler mit 49 Werkstätten, Möbel 19, Küchemnöbel 3, Ladenbranche 2, Stocka arbeiter � 3, Telephontischler 2, Korbmacher 2, Kamm macher 1, Treppengeländer-Branche 1 und Klavierarbeiter mit 2 Werkstätten. Ohne Arbeitsniederlegung konnte ein. verbcfserier Tarif in 37 Bautischlereien eingeführt werden. Die streikten in den Werkstätten Licbering 7 Tage 5 Tage, Pochert u. Kreuzer 5 Tage, Volkmann Tal in Moabit 16 Tage, Werk 9 Tage und Moabit 19 Tage. Die Verhandlungen nrit den Firmen führten dazu, daß die Meister in ihrer Organisation den Antrag stellten, mit dem Holzarbeiter-Verband in Unterhandlung zu treten und einen Tarifvertrag für die Bau tisch lereien abzuschließen. Am 23. Ailgust fand bereits die erste Ver Handlung zlvischcn bei« Vertretern der Organisation statt. Bis zur Auf- stclluiig und Aunahine eines neuen Tarifcs wollen die genannten Firmen die geforderten Preise bezahlen. An den Differei«zen der andren Branchen sind beteiligt die Firmen Müller, Frankfurter Allee, Röseler und Schnaidt, Barth, Urbanstraße. Krause, Görlitzer Ufer, Wolter, Büschingstraße, Dchnert«uid Schilling. In der Genosfenschast Union und der Werkstatt Heim u. Gerkeu befinden sich die Kollegen noch im Streik. Auf Antrag der Verwaltung beschließt die Versammlung zur Streikunterstützung folgende Zuschläge aus der Lokalkasse zu zahlen Bei einer Mitgliedschaft von 26 Wochen 3 M. fbisher 2 M.| 52 Wochen 4 M.(bisher 3 M.>. 156 Wochen 5 M.(bisher 4 M.) 260 Wochen 6 M.(bisher 5 M). Diese Sätze erhalten auch die gemaßregclten Kollegen. Die Abrechnung des Holzarbeiter-Verbandes. die früher in der„Holzarbeiter-Zeitung" erschien, seit dem 1. Juli aber in Heftforn« herausgegeben wird, soll auf Beschluß der Ver- sammlung allen Mitgliedern der Zahlstelle Berlin zugestellt werden. Centralvcrband der Civilniusiker Deutschlands. Die letzte Ver- sammlung beschäftigte sich mit den Wahlen der Delegierten zum Verbandstage, der in Hannover am 13., 14. und 15. September stattfinden soll. Gewählt wurden Jrrgang, Vieler und Jusko, als Ersatzmann Zehlicke. Folgende Anträge zum Verbandstage wurden diskutiert und angenommen: 1. Ai«trag Vieler: Auf je 100 Mitglieder ist ein Delegierter zu wählen. Orts Verwaltungen unter 100 Mitgliedern haben sich zu vereinigen und auf je 100 Mitglieder euren Delegierten zu entsenden. 2.(Bieler) Tie beiden Acmter des 1. Vorsitzenden und des Redakteurs sind getrennt zu besetzen. 3.(Blai«schefSki)§ 6 des Verbandsstatuts ist dahin zu ändern: Ter Ausschluß eines Mitgliedes erfolgt durch die Ortsverwaltung usw. 4.(Vieler) Die Beiträge der Orts Verwaltungen an die Hauptkasse sind von 70 auf 50 Proz. herab zusetzen. 5.(Jrrgang) Der Sitz des Verbandes ist nach Berlin zu verlegen. 6.(Kummer) Die Protokollbücher von 1902— 1904 sind zum Verbandstage mitzimehmen. 7.(JuSko) Falls bis zum Verbandstage voin Hauptvorstande der Ausschluß des Kollegen Hoch noch nicht bestätigt ist, beschließt der Vcrbandstag den Ausschluß des Kollegen Hoch.— Nach Beendigung dieser Angelegenheit verliest Kissel den Bericht des Arbeitsnachweises vom 2. Quartal 1904, welcher nach einigen Einwendungen seitens der Revisoren und einzelner Mitglieder angenommen wird.— Mit Bezugnahme auf cinci« Antrag Blanschcfski in der vorigen Versammlung, nach welchem die Maifeier-Kommission von 1904 aufzuheben ist und die bis jetzt (5. August) eingegangenen Maifcicrgclder innerhalb 48 Stunde,« an ihren Bestimmungsort abzuführen sind, beantragt Blanschefski, da dem Beschluß nicht nachgekommen ist: Falls Hoch(der als che- maliger Obmann der Maifeier-Kommission die Gelder, einer Gegen- fordcrung wegen, hinterlegt hat) die Maifeiergeldcr bis zum 8. August nicht abgeliefert hat, den AriSschluß des Kollegen Hoch aus der Ortsvcrwaltuug Berlin beim Hauvtvorstande zu be- antragen. Dieser Antrag wird ebenfalls mit übergroßer Majorität angenommen. Tie lebte Versammlung deS CentralverbaudeS de? Dachdecker nahm zimächst einen kurzen Bericht des Vertrauensmannes von« Streikfonds entgegen. Nach dem Bericht betrug der Vermögens bestand am 7. August 1903 9108,67 M. Die Einnahme belief sich im Laufe des Geschäftsjahres auf 3923,20 M. Ihr steht eine Aus gäbe von 15 544 M. gegenüber. Autzerde«n legte der Vertrauens mann nochmals Zweck und Nutzen der Werkstellensitzimgen aus führlich klar und ermahnte die Kollegen, diese Sitzungen besser als bisher zu besuchen. Nunmehr beschäftigte sich die Versammlung des längeren mit der bestehenden Geschäftsordnung. Der Vorstand bringt die Geschäftsordurmg mit einigen Erweiterungsanträgcn zur Verlesung. Die Diskussion war eine ziemlich ausgedehnte und wurde schließlich die bestehende Geschäftsordnung mit einigen Abstrichen und etlichen unwesentlichen Erweiterungsanträgen angenommen. Beschlossen wurde außerdem, die neu festgelegte Geschäftsordnung zu jedermanns Einsicht im Geschäftslokal auszuhängen. Ein Antrag, den Vertrmiensmcmn I a n e l l an den Vorstandssitzungen teil- nehmen zu lassen, wurde fast einstimmig angenommen. Die Frage der Kranzspende bei Bcerdigungsfällen von Mitgliedern drr Organi sation findet darin ihre Erledigung, daß bestimmt wurde: Ueberall dort, wo ein Geistlicher mitwirkt, soll die Kranzspende unterbleiben; auch soll an Stelle des Kranzes kein Geld mehr an die Hinterbliebenen gezahlt werden. Hierzu wurde noch beschlossen: Bei Beerdigungen, welche wochentags stattfinden, haben zehn vom Vorstande zu er- nennende Kollegen dem Sarge zu folgen. Wer nicht kommt, hat auf seine Kosten einen andern zu stellen.— Nunmehr komnrt ein Schreiben seitens der Nordöstlichen Baugewerks-Berussgenossenschaft zur Verlesung, worin den auf Bauten beschäftigten Arbeitern gute Lehren zur Bekämpfung von Unfällen erteilt werden. In erster Linie wird aus die Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs hingewiesen. Sodann sind auch zu bekämpfen Roheit, Neckerei, Ucbcrmut, Leicht- sinn, Fahrlässigkeit u. a. mehr. Die Versammlung, welche, als sie den Namen der Nordöstlichen hörte, glaubte, einen ernstgemeinten Fingerzeig in betreff der Verhütung von Unfällen zu Gesicht zu be- kommen, war arg enttäuscht. Die Versammlung war entrüstet über derartige Lehren und erklärte, daß die Orgamsation die hier gegebenen Lehren schon aus sich heraus seit Jahre«« mit Erfolg an- wendet, daß aber dies alles zur Verhütung von Unfällen lange nicht genügt. Mai« solle in erster Linie darauf halten, daß genügende Schutzvorrichtungen angebracht werden, und dann auch darauf achten, daß die diesbezüglichen Bestimmungen eingehalten werden. Die städtischen Sttaßenreiniger hatten sich, einer Einladung des Verbandes der Gemeinde-Arbeiter folgend, am Montagnachmittag zahlreich in den Arminhallen versammelt. Verbau dssekretar Schubert verwies darauf, daß der Verband der Gemeinde- Arbeiter während der 6 Jahre seines Bestehens den städtischen Arbeitern in verschiedenen Kommunen erhebliche Verbesserungen ihrer Arbeitsverhältnisse erwirkt habe, während der Hirsch-Dunckersche Ortsverein, der unter den Straßenreinigern noch eine Rolle spielt. in dieser Hinsicht nichts leiste. Harmoine««nter allen Umständen sei das Streben des Ortsvereins, er sorge auch dafür, daß sich seine Mitglieder, auf ihre Kosten natürlich, einen vergnügten Sonntag und vergnügte Abende machen können, aber'der Ortsverein habe noch nicht daran gedacht. für die Straßcnreiniger, die einen durchschnittlichen Tagelohn von nur 3,50 M. beziehen, eine allgemeine Lohnaufbesserung zu er- streben. Die Straßenreiniger. die im Lohn weit zurückstehen hinter den industriellen Arbeitern, haben ein gutes Recht, besseren Lohn für ihre Arbeit zu fordern. Um solche Forderung durchz«isetzen. bedürfen sie aber einer starken Organisation, die der Behörde gegenüber die Jntereffen der Arbeiter in geeigneter Weise vertritt. Bis jetzt sind erst etwa ein Fünftel der Straßenreiniger organisiert. Wenn sie in ihrer Mehrheit dem Verbände beitreten, könne anch für die Be- seittgung der in ihrem Arbeitsverhältnis herrschenden unwürdigen Zustände etwas gethan werden. Nach diesen allgemeinen Darlegungen ging der Verbandssekretär Di ttmer auf die besonderen Verhältnisse der Sttaßenreiniger ein. Es werde über verschiedene Mißstäitde geklagt, so darüber, daß den Straßenreinigern nur ein Arbeitsanzug zur Verfügung stehe, so daß die Kleider.>vcnn sie vom Regen durchnäßt werden,»icht gc- wechselt werden können. Ter von>�12 bis 6 Uhr währende Nachtdienst werde durch keine Pause»nterörochei«, und wenn ein Arbeiter sich einfallen lasse, in einem Schanllokal vielleicht eine Tasse Kaffee zu sich zu nehmen, so habe er eine Strafe zu erwarten. Die Lohn, zahlung erfolge zu einem so ungünstigen Zeitpunkt, daß die Arbeiter, nnr ihren Lohn zu erhalten, einen großen Teil ihrer dienstfreien Zeit aufwenden niüssen. Ein weiterer Gegenstand der Klage sei der an den Kasernenhof erinnernde Ton, den manche Vorgesetzte den Arbeitern gegenüber anschlagen. Als ein Uebclstand werde es auch empfunden, daß die Straßenreiniger während des Nachtdienstes keine Gelegenheit haben, etwaige natürliche Bedürfnisse zu befriedigen. Es wäre nicht mehr wie billig, daß die öffentlichen Bedürfnisanstalten, wie den Schutzleuten, so auch den Straßenreinigern während der Nacht zur Benutzung freigestellt würden. Nach lange» Kämpfen sei ja de«« städtischen Arbeitern ein Sommernrlaub gewährt worden, aber bei den Straßenreinigern müsse die Arbeit von den Zurückbleibenden mitgemacht werden, und die Zurückkehrenden müssen dann wieder für die später Beurlaubten die Arbeit machen, so daß also von einem Erholmigsurlanb keine Rede sein könne. Für Versehen im Dienst iverde de«« Straßenreinigern Strafarbeit auf- erlegt, die aber nicht besonders bezahlt werde. Die Beseitigung dieser Mißstände müsse die Aufgabe der Organisation sein.— In der Diskussion sprachen eine Anzahl von Rednern, welche aus eigner Erfahuing bestätigten, daß die vom Referenten a>«geführten und noch manche andre Mißstände herrschen. Unter anderm w««rde bemerkt, daß der Arbeiteransschnß auch nichts thue, um die an ihn gelangten Beschwerden an z«lständiger Stelle zu vertreten. Hierzu bemerkte Schubert, der Arbeiterausschuß sei ja in einer Weise zu stände gekommei«, daß man von einer Wahl nicht reden könne. Dieser Ausschuß habe das Vertrauen der Kollegen nicht, deshalb könne man von ihm auch nicht erwarte««, daß er die Interessen der Arbeiter verttete. Bedauerlich sei es, daß in den eignen Reihen der Straßen- reiniger die Zuftiedenheit so weit gehe, daß einer der ihren zum Direktor sagen kon!«te:„Für einen Tagelohn von drei Mark be- kommen Sie Arbeiter genug." Derjenige, welcher diese Aeußerung machte, sei der zweite Vorsitzende des Lrtsvereins gewesen. Ter Centralverbaud der Schmiede hielt in Dräscls Festsälen eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, in der Herr Schriftsteller B a e g e unter großem Beifall über die Entstehung und Abstami>«ln«g des Menschen sprach. Alsdann tv«lrde H e n t s ch e I wieder als Kandidat für die Gewerbegerichtswahl aufgestellt. Weiter wurde ein Antrag ailgenommen, die Unorganisierten bei Lohnkämpfen nicht n«ehr zu unterstützen. Unter Punkt 4 gab W i e ch m a««» das Resultat der Urabstimmuilg betreffend Einführling der Kranken- »nterstützung im Verband bekannt. Es haben von 1800 Mitgliedern der Zahlstelle Berlin 1392 abgestimnlt. Mit Nein stimnlten 1173, mit Ja 172, ungültig waren 47 Zettel. Nachdem Siering noch mit- geteilt hatte, daß von den 200 M.. welche de» Spandauer 5kollcgen ai«läßlich des Streiks zur Unterstützung der Unorganisierten über- wiesen worden waren, ca. 50 M. verbraucht sind, erfolgte Schluß der Versammlung. Die letzte Mitgliederversaimiilung des Fachvercins der Mosik- instrumeiitcli-?lrbetter gedachte vor Eintritt in die TageSordi«»ng des verstorbene«! Genossen Gustav Keßler. Dann erhielt Herr Schriftsteller M. H. Bäege zu seinem Vortrage das Wort über da? Thema:„Die Schule, wie sie«st»md wie sie sein sollte". Unter VereinSangelegenheitcn wurde mitgeteilt, daß die Sperre bei der Firma Gast aufgehoben ist. In der Pianofabrik von Werner befinden sich die Unibanmacher im Streik. Wenn ihre Forderungen nicht bald bewilligt werden, müßten die übrigen Arbeiter dieser Firma sich»nit ihnen solidarisch erklären. Der Verband der Hafenarbeiter(Mitgliedschaft Berlin U) hielt dieser Tage eine gut besuchte Generalversammlung ab. Die Ab- rechnung der Lohnkommission ergab eliien Gcsamtbestand von 1126,32 M. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes: Es wurden wiedergewählt: Trapp als erster, Hinze als zweiter Vorsitzender; M r o w k a als erster Kassierer: neugewahlt wurden B n ck m a>i i« als erster, Baude als zlveiter Schriftführer; K u b e als zweiter Kassierer. Als Delegierter zur Berliner Gewerkschafts- koinnnssion wurde Aug. Schmidt gewähll. Außerdem zur Führung der Lohnkommissionsarbeit Hinze und P r a d e l. Nach einer Diskussion über den Jahresbericht, den der Vorsitzende erstattet hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Tempelhof. Am Freitag fand hier im Lokale„Tivoli" eine von ca. 500 Personen besuchte Volksversammlung statt. Genosse Reichs- tags-Abgeordneter Fritz Zubeil sprach über:„Deutschlands innere und äußere Polittk". Der Vortrag wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Zum Schluß unterzog der Redner die Handlungsweise des hiesigen Amtsvorstehers einer herben Kritik. Kaum war die Versammlung angemeldet, so wurde auch gleich der Wirt auf die Polizeistunde gesetzt. Vor dem Lokal waren fünf Gendarmen und der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr posttert; leider konnten diese nicht staatsretterisch in Thätigkeit treten. In betreff der Lokalfrage wurde folgender Antrag angenommen: In Tempelhos sind sämtliche Saallokale gesperrt, außer Martin Müller. Bcrlinerstr. 41, und Tempelhofer Tivoli. In Mariendorf ist alles gesperrt, anßer Hermann Reichart, Chanssecstr. 16. In Marien- elde ist alles gesperrt, außer Staffeldt, Berlinerstr. 1, am Bahnhof, und Dietmann, Berlinerstr. 48. Marktpreise von Berlin am 27. August. Nach Ermittelungen dcZ kgl. Polizei-PräsidwmS. Für 1 Doppel-Ccntncr: Beizen"), gute Sorte 17,80-17,76 M.. mittel 17,72-17.68 M.. geringe 17,64-17,60 M. Roggen""), gute Sorte 13,95—13,93 M., mittel 13,91—13,89 M., geringe 13,87— 13,85 M. Futtergerste"), gute Sorte 14.60—14.00 M.. mittel 13.90 bis 13,40 M., geringe 13,30-12,80 M. Haser"), gute Sorte 16,60-15,80 M.. mittel 15,70—14,90 M., geringe 14,80—14,10 M. Erbsen, gelbe, zun« Höchen 40,00—28,00 M. Speisebohne». weiße 50,00—25,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln, 12,00—8,00 M. Richtstroh 4,50-4,00 M. Heu 9,60—6,60 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M Eier per Schock 4,00—2,80 M. ") Frei Wagen und ab Bahn."") Ab Bahn. Wafferstand am 27. August. Elbe bei Ausfig— 0,33 Meter, bei Dresden— 2,26 Meter, bei Magdeburg— 0,10 Meter.— U n st r u t bei Sttaußsurt-j- 0,60 Meter.— Oder bei Ratibor ft 1,13 Meter, bei Breslau Ober-Pegel+ 4,90 Meter, bei Breslau Unter> Pegel+ 1,17 Meter, bei Franlsurt 4- 0,05 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde+ 1,61 Meter.— W a r t h e bei Posen— 0,30 Meter.— N c tz e bei Usch-s- 0,34 Meter. eingegangene Orucklekriften. Von der„Neuen Zeit" lStuttgart. Dich' Verlag) ist soeben das 43. Hcst des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS hebe» wir hervor: Der Kongreß zu'Amsterdam. Von.Karl KauiSky.— Die knininal- sociologische Schule �alS Kämpjcnn sür die Jntercsscn der herrschenden Klaffen. Von M. SurSky. IL(Schluß.)— Trülkwafferrciiiigung durch Ozon. Von Dr. Otto Liebknecht.— Unniclodijche PoslhornIIänge. Von Richard Wagner.— Die Rolle des Wassers im Pslanzcnleben. Ein Kapitel auS der modernen Pflanzengeographie. Von Leopold Leeste.— Liiterarische Rundschau: EaruS Sterne, Werden und Vergehen. L. Eossa, Die ersten Etcmentc der Wirtschajtslchrc. Von rb. Die„Reue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Vnch. Handlungen, Postanstattcn und Kolportcure zuin Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Ouarlal abonnierl werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. WttternngSiiverstckit vom 39. August 1994. morgens» Nyr. Stationen Swinnnde. amburg - erlin ranks.a.M. Mimchen Wien o-S »= .= 2 ö.? 766 NW 769 WSW 768 W 769 N, |769lsfin |767 WNW Setter 3 halb bd. 1 Nebel t wollen! 2wolkcnl -t li i» — wolkenl 12 2wolliz! 16 Stationen S S ? s c 5 S>— B§ Haparanda 768 O Petersburg 763.NO Cork Abcrdeen Patts 764 SW 735 SO Setter 2Regen 1 Regen l�heiter 3wolkcnl »si s » il £& 10 12 15 16 Wetter-Prognose für Dienstag, den 39. August 1994. Trocken und vorwiegend östlichen Winden. heiter, am Tage etwas wärmer bei mäßige» Berliner Wetterbureau. Sodaldemokratiseher Wahlverein für den S. Berliner fteiehstagswahlhreis. Dienstag, den 80. August, abends BVa Uhr, in den Arminiushallen, Brenierstrabe 71: WST Versammlung.-WW Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen I'rltn Knnert über: .Die BerrufserkUirung gegen die Landarbeiter und das Gesinde im preußischen Landtage". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 213/11 Gäste— auch Damen— haben Zutritt Bei Behandlung eines solch aktuellen Themas erwartet recht starken Besuch Der- Voi>«t«nd. Achtung!~1Ü MW" Achtung! Genossinnen! Genossen! Dienstag, den 30. August, abends 8'/, Uhr, in den ArminKaUen» Kommandantenstraße 20: Volks-Versammlung. TageS. Ordnung: 1. Die Vrandenburgische Provinzial-Zloiiferenz. die Frauen-Konfereuz »« Bremen und der Bremer Parteitag. Reserenlinnen: Genossin Bndvi? und Genossin Panzärnm. 2. Diskussion. 3. Wahl von Dclcgiertiuncn zu denselben. IjlO* Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Die Vertranenspersoi». �ehihmg! 1*01*1 Achtung ! mumm Mittwoch, den 31. August, abends 8Vs Lhr, Neue Friedrichstr. 35: Mitglieder- Versammlung. � � Tagcs-Ordnung: 1. Bortrag dcS Genossen M. kl. Dnezxe über:„Entstehung dcS Ehriftentnins und das Nene Testament." 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Stistungssest. 4. Wahl eines zweiten Schriftführers und Wahl eines AuSschusimitgllcdes. 5. VereinSangclegcnheiten. 129/20 Der Bichngkeit der Tagcs-Ordnuug wegen ist eS Wicht eineS jeden Mitgliedes, pünktlich in der Vcrsamin- lung zu erscheinen.° Der Borstand. Centrsl-verbsvö ller Zimmerer ZahtrtelU Berlin und Qmgegend, Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 32. Fernsprecher: Amt 4, Nr. 2780. Mittwoch, den 31. August, abends 8v, Uhr: Zwei Uersammlnngen aller Lezirkszahlktellen Berlins u. cler Vororte in den Harmonie- Festsäle», Jnvalidenstr. la., Ecke Brunnenstraste. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen 8träl>e1 über: WaS heißt solidarisch dcnlen, fühlen und handeln? 2. Diskussion. 3. GewerkschastlicheS. In Sanssonci, Kottbuserstr. 4», dicht am Kottbuser Thor. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Hittvr über: Die kulturelle Bedeutung der Arbeiterbewegung. I. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Wir ersuchen alle im Lohngebiet beschäsiigteil Verbandsmitglieder, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. 255/1__________ Per Vorstand. I. A.: TS. Witt. Achtniig! Aclittmg! Snehbinder und Buehbinderei'jlrbeitennnen! Morgen Mittwoch, den 31. August, abends 8 Uhr, in Louio Kellere fefträlen, Berlin O,, Koppenftraße JVr. 29: Oeffentliche Versammlung aller in Buchbindereien, Kuchdruckereieu usw. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: l. Unsre vorjährigen Abmachungen mit dem Deutschen Buchbiudcrcibesitzcr-Berband. Referent: Kollege A. Bergmann. 2. Verschiedenes. Wir ersuchen Hiermit nochmals alle Kollegen und Kolleginnen, in dieser überaus wichtigen Versammlung vollzählig zu erscheinen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen aller Wertstudeu, auch der kleinsten, müsseu am "'"— n»• s r.r:.. wx 1„ m �—3 r �____ s„ a__ Mittwochabend anwesend sei». 24/16 Dl« Tnrirkomiuigslon. Albreclils Bäckereien: Wrangclstr. 135, Krantftraste 19, Falckcnstcinstr. 28, Lausiherstr. 2. Markthalle Pücklerstr., Stand 222/23. Markthalle Aiidreasstr., Stand 16/18. Cciitrale: Boxhagenerstr. 13. kllIl!>I-?gIl!IIM empsichlt sein Lager in öeucddamlzgon, l.«ibbinil«n, tZoralledaltven, Lprilrsn. Luoponsoe», sowie»amiliobo getlb«! zur Xesntconptlogv. gtgp~ Kierne WerkRtatt. Lies-rants.Orts-u.HiIss-Krankenrassen Ucrlin trieben, insbesondre der Ausgang des Streiks bei der Firma Gast u. Co. 170. Da die Tagesordnung äutzerst wichtig, ist es notwendig, dag alle Betriebe vertreten sind. Die Brauchcnkominission. Achtung l Sinsetzer! Achtung! Die Kollegen haben umgehend in allen Firmen, wo Einsetzer beschästigt sind, eine Vertrauensmänner- Wahl vorzunehmen. Die Beaujtragtcn sind dann zur Vertrauensmänner-Sitzung am Donnerstag, den 1. Septciubor, abends 8 Uhr, im Gewerkschnftshaase, Engel-User 15(Saal 8), behufs Entgegennahme der Verhaltungsmagregeln sowie der Legitimations karte zu entsenden. d>ö. Besonder? ausgefordert werden die gesamten Einsetzer der Firma Ernst Mittag, Bcllealliancestrage, mit Einschlutz des Einsetzers Hell mann, wohnhast Mariendors, sowie die Kollegen von Schutt u. Comp. Michaelkirchstrahe, und der Einsetzer sowie Wcrlstattlollegen von Schneider, Griebenoivstr. 3, in obiger Sitzung zu erscheine». Die Bautischler und Bodenlcgcr werde» gebeten, wo irgend möglich, die Einsetzer aus diese Annonce hinzuweisen. Dl« Kommission. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Terwaltnngsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Ferntprechcr: Amt IV, 9679 Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3333. Mittwoch, den 31. August, abends 8'/3 Uhr, bei Stechcrt, Andrcasstraste 21: Terfammlung der Klempner. TageS-Ordnung: 1. Der Ablauf der Cinzeltarife und deren Erneuerung. Referent: Cohen. 2. Diskussion. 3. VerbandSaiigclogcnhcitc». Kollegen! Es ist die wichtigste Versammlung, die mir seit Abschlug unsres Tarises hallen, und erwarten wir deshalb, dag alle Kollegen erscheinen. t20/2 Dl« Ortsveraaltiing. Achtunq! Glasschleifer. Achtung Mittwoch, den 31. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause (Saal 1), Engcl-Ufer 15: Große öffentliche Versammlung sämtlicher Glasschleifer Berlins. Tages-Ordnung: 1. Welche Lohnforderungen stellen wir? L. Diskussion. 3. Beschlnsi- sassung über Punkt 1. 292/13* Kollegen! Es ist Ehrenpflicht, in dieser für jeden einzelnen so wichtigen Versammlung zu erscheinen. Mit kollegialem Grug Der Einberufer. WA- ilehtung! Achtang! Papier- u. Ledergalanterie-Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins! Dienstag, de» 30. August, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, E»gel-Ufer 15(grostcr Saal): Oeffentliche Uersammlung. TageS-Ordnung: Die Antwort der Arbeitgeber auf uusre Forderungen. Referent: Kollege Brttehner. 109/16* Das Erscheinen aller Gakanterie-Arbciter und Arbeiterinnen erwartet Dia gemeinsame Lohnkommission des Buchbinder- u. Portetouilier-Verbandes. Todes-Anzelge. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, hast unser innig geliebter Sohn Urlta im Alter von 12 Jahren nach kurzein, aber schwerem Krankenlager im Hedwigs- Krankenhause sanft ent- schlasen ist. Dies zeigen tiesbelrübt an Die Eltern und Geschivister Friedrich Raasch nebst Frau, Königsbergerstr. 32. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. September, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des St. Georgen- Kirchhoses in Weißensee aus statt. 746b Deutscblaiids. Zahlstelle Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 27. d. M. der Kollege Mm. Gläubig verstorben ist 118/12 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. d. M., nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle aus Westend statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Gleichzeitig am 15. d. M. zur Nachricht, der Kollege daß Wild. Neurnann verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Danksagung. Für die zahlreichen Beweise innigster Teilnahme bei der Beerdigung unsres geliebten Sohnes Hans sowie für die Kranzspenden und Leileidsadresjcn sagen wir allen Verwandten, Bc- kannten und Genossen sowie den Vereinen unsren ticsgcjühltcsten Dank. Albert Gobi» u.Frau, Johannisthal. Für die überaus große Teilnahme wie für die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unsrer lieben Tochter sagen wir allen Freunden und-Bc. kannteti, insbesondere dem Lotterie- verein„Berliner Modderkrcbs" unscnt herzlichsten Dank. 777b Heluried Jeschke __ nebst Familie._ Krau;- und �liniintbitibnti von Robert Meyer,. nur Mlttinmltu-Zttllße 3. Vereins-Kränze, Palmen- u. Blumen. Arrangements, Bougucts, Guirlanden usiv. werde» sein u. preiswert geliefert 57791,* SoWM Riesanauswahl aller Qualil&ten. Wolle- Doctal Mocquettes. Miisd)- Satteltaschen. Muster b. näher. An gab e f ranc o. Ernilletevre,{K5&.158. Manteuffelstr. 106/107 Ecke ITInskancrstrnsso ist per 1. 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