Nr. 204. Bbonncmcnts-Bedlngnngcn: Adonnemcnts- Preis pränumerando i Bierteljährl. S.M Ml., monall. t,l0 Mü. wöchentlich 28 Psg. frei WS HauS. Swzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS» nmnmer mit illustrierter Sonntags» Vellage.Die Reue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Ewgetrazen in die Post-Zeitungs- Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungar» 8 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. kMelot Tg»»»aller inontaa«, Vevlinev VolksblÄtk. Tl. Jahrg. Die TntertlonS'GebüIjr Beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschafMche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 2S Psg. �Alewe»««igen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Felttagen bii 8 Uhr vormittags geöffnet. Delegramm- Adresse: „Sozlsldcmöhrat Berlin". Zentralorgan der rozlaldemohratifcben Partei Deutfchlanda. Redaktion: 803. 68, Lindenetrasse 69. Kernsprecher: Amt TV. Rr. lS8Z. Mittwoch, de» 84. August 4004. Expedition: 80ll. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1084._ Gestorben 31. August 1864. Am heutigen Tage sind eS vierzig Jahre, daß Lassalle aus dem Leben schied. Die Nachricht von seinem Tode schlug bei Freund und Feind ein wie der Blitz. Die Freunde— ihre Zahl war damals sehr gering— sahen in ihm den geliebten Führer, den Hort ihrer Hoffnungen, auf den sie mit Begeisterung blickten, sich für immer entrissen; die Feinde— und ihre Zahl war Legion— sahen in ihm den Aufwiegler, den Hetzer, den Revolutionär auS dem Leben scheiden, der ihnen im Laufe seiner kurzen, meteor- artigen agitatorischen Thätigkeit so viele schwere Stunden bereitet und einen bösen, verhängnisvollen Samen in die Reihen der Arbeiter gestreut hatte. Dem ttefen Schmerze, der Verzweiflung der einen, stand der schlecht verhehlte Jubel der andren gegenüber. Nun er tot war, der mit dem ganzen Feuereifer und mit der faSciuierenden Wirkung in Wort und Schrift versucht hatte, die arbeitenden Masten aus ihrer Lethargie emporzureitzen oder von der Heerfolge, die sie dem Liberalismus leisteten, abzubringen, fühlte alles was bürgerlich und kapitalistisch dachte, sich wie von einem Alp erlöst. Das kleine Häuflein der Anhänger schien unfähig und ohnmächtig zu sein, mit dem Erbe, das der tote Löwe hinterlassen, zu wuchern. Was war sicherer, als dast die Bewegung, als deren alleiniger Träger Lassalle den Gegnern erschien, jetzt nach seinem Tode erlöschen und keine ernste Spur mehr hinterlassen werde. Und in der That, die Hoffnungen der Feinde schienen berechtigt zu sein. Nicht allein war die Zahl der Anhänger LassalleS, organi- siert in dem von ihm im April 1863 in Leipzig ins Leben gerufenen Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein klein— sie betrug in ganz Deutschland keine 2066— es schien auch niemand vorhanden zu sein, der einigermaßen ihn ersetzen konnte. Und ohne einen über alle hervorragenden Kopf— daS war damals und ist heute noch der Glaube der Bourgeoisie— konnte eine solche Bewegung nicht existieren. Der von Lassalle auf seinem Krankenbette als sein Nachfolger empfohlene Schriftsteller Bernhard Becker in Frankfurt a. M. war nicht der Mann, der auch nur annähernd ihn ersetzen konnte. Es konnte so- gar billig überraschen, daß Lassalles Wahl auf einen Mann fiel, der weder durch Charatter noch besondere Geistesgaben sich auszeichnete und im persönlichen Umgange nichts weniger als augenehme Eigen- schaften entwickelte. Auch fällt es heute jedem unter uns auf, daß Lassalle die Stelle des Präsidenten im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein als eine Art Erbe betrachtete, über das er bis zu einem gewissen Grade zu verfügen habe. Wer aber die Persönlichkeit LassalleS. sein außerordentlich stark ausgeprägtes Selbstgefühl und seilien Glauben an die Notwendigkeit einer mit einer gewissen Autorität unlgebcnen Persönlichkeit an der Spitze seines Vereins zu haben, kannte, wird darüber nicht verwundert sein. Im Verein selbst war man keineswegs allgemein der Ansicht, in B. Becker den geeigneten Mann zu besitzen. Es entstanden Zer- Lassalle als„Librettist". Ein ungedruckter Brief LassalleS an HanS v. Bülow Es ist bekannt, daß eine innige Freundschaft Lassalle mit HanS von Bülow verband, dem bedeutenden und eigenarttgen Klavier- künstler und Musikerzieher, der lange Zeit wohl die populärste Gestalt des europäischen Musiklebens gewesen. Von urwüchsigem Radikalismus in seiner Persönlichkeit und seinen Anschauungen hat et sich in die Geschichte der Arbeiterbewegmrg, nicht nur durch sein Verhältnis zu Lassalle, sondern auch, durch seine 1863 unter dem Namen W. Solinger erschienene Komposition von HerweghS Bundeslied.Bet' und arbeit' ruft die Welt" unvergeßlich ein- geschrieben. Ueber Hans von Bülow'S späterer BiSmarck-Schwärmerei darf man sein Interesse an der Arbeiterbewegung nicht vergessen. Seine Verehrung für Bismarck wurzelte in einem polittsch- ästhetischen Mißverständnis:„Bismarck ist für mich die Revolution, die ich meine die mein Herz erfüllt, der große Schüler des großen Meisters, dessen weltgeschichtliches Werk heißen wird:„Der Sturz des Papsttums" schrieb er 1866 an Alexander Ritter. Er war als politischer Dilettant, wie er sich selbst nannle, bismärckisch. nicht aus Konservativismus, sondern weil er von ihm die Zerstörung der katholischen Kirche. Oesterreichs und andrer ihm verhaßter Dinge erwartete. Doch blieb er seiner revoluttonären Grnndstimmung treu:„Ein deutscher Bürgerkrieg, ich gestehe eS unverhohlen. verstimmt mich ganz und gar nicht. Ich halte ihn für unabwendbar— früher oder später— und für sehr gesund. Die ersten Deutschen. die ich niedergeschoffen wünschte, wären freilich sim Interesse des wahren Fortschritts» sämtliche fortschrittliche Kammermitglieder. Zeitungsschreiber und Juden." sBrief vom 22. Mai 1866.) Ei» Jahr später will aber Hans v. Bülow bereits Schweizer werden,„da Bismarck für mich zu populär geworden und ich mich zur Franzosen- ftesserei nicht verstehen mag". Als Bismarck jedoch nach seinem Sturz .ES war S t u r m in dieser Natur I" „Die herallitische Philosophie aber haben wir nunmehr in Ihrer Aufrollung und Selbst« entwicklung bis zu jenem Schluszstein begleitet, welcher ewig dm Schlußstein aller wahren Philosophie zu bilden hat und mit dem daher auch die Darstellung derselben zu schließen ist, bis zur Idee der F r e i h e i t.» L a s f a l l e, Die Philosophie HerakleitoS des Dunklen von EphesoS. 1858. Würfnisse, die von hier ab Jahre währten und schließlich sogar zu einer Spaltung führten, indem es dem Einfluß der Gräfin Hatzfeldt, der intimen Freundin Lassalles, gelang, einen Sonderverein zu gründen. Diese Spaltung und diese Zerwürfnisse im Verein konnten der jungen Bewegung, die im höchsten Matze volle Geschlossenheit und Einigkeit gegen ihre überzahlreichen Feinde benötigte, nicht förderlich sein. Der Boden für die Bewegung war zunächst überhaupt steinig. Das lag an verschiedenen Umständen. Das vor 1866 in sechsunddreißig Staaten und Stäütchen zerrissene Deutschland war noch ein überwiegend kleinbürgerliches Land. Eine großindustriclle Arbeiterklasse war nur partiell vorhanden, Kleingewerbe und HauS- industrie herrschten vor. Der Uncntwickeltheit der ökonomischen Ver- Hältnisse entsprachen in hohem Grade die politischen. Wenige Jahre vor dem Austreten Lassalles war infolge des Throntvechsels in Preußen und der Aufrüttelung, die der österreichisch-italienisch- französische Krieg bewerkstelligte, erst wieder das politische Leben in Deutschland erwacht, d. h. nach fast zehnjähriger Kirchhofsruhe, Selbstverständlich war es die Bourgeoisie und ihr politischer AuS- druck, der Liberalismus, die jetzt die politische Führung in der Hand hatten und zu verwirklichen trachteten, was in den Revolutionsjahren von 1843 und 1849 für ihre Interessen unvirwirklicht geblieben war, die politische Einheit und eine Wirtschastsgesetzgebung, die dem Kapitalismus die nottge Ellenbogenfreiheit für seine Entfalttmg sicherte. Die Arbeiterklasse, die in der Reaktionsperiode der fünfziger Jahre hervorgewachsen war, war politisch indifferent und unerzogen. So weit sie aber begann, mit dem wieder erwachten politischen Leben in Deutschland sich politisch zu interessieren und sich in Vereinen zusammen zu finden, sah sie in den liberalen Wortführern ihre Vertreter. Die Jämmerlichkeit der politischen, die Rückständigkeit der wirtschaftlichen Zustände: Klein- staaterei, Zunftgesetzgebung, Gewerbe- Unfreiheit, das Fehlen der Freizügigkeit, Niederlassungsunmöglichkeit, Paßzwang, Eheschließungs- Hindernisse aller Art und vieles mehr, diese Zllstände mußte man, wie Schreiber dieses, am eigne» Leibe gekostet haben, um zu be- greifen,_ daß der weitaus größte Teil der damaligen Arbeiterwelt dem Auftreten Lassalles ulid seinen Lehren verständnislos gegenüber- stand. Hierzu kam, daß der Eintritt Bismarcks im September 1862 an die Spitze des preußischen Ministeriums den in Preußen seit mehreren Jahren währenden Verfassungskonflikt auf seinen Höhepunkt trieb, und so wurde von allen, die sich polittsch bethätigten, es als eine selbst- verständliche Sache angesehen, den Liberalismus in diesem Kampfe zu unterstützen. Daß in einer solchen Situatton Lassalle es wagte, die Halbheit und Ziellosigkeit des Liberalismus aufzudecken und besten sociales Programm als unzulänglich und trügerisch für die Arbeiterklasse zu brandmarken, dazu gehörte ein ganz ungewöhnlicher Mut, eine durch Wilhelm II. wieder sehr unpopulär bei den Maßgebenden wurde, widmete ihm Bülow in einem seiner barocken Einfälle Beethovens„Eroika", von der einst dieser gewaltigste Schöpfer der Weltklinst den Namen des französischen Konsuls Bonaparte entfernt hatte, nachdem er. Cäsar geworden, die ftanzösische Revolution verraten. Lastalle blieb dieser krauS-geniale Mann treu. Als die deuffche Bourgeoisie die Oeffentlichkeit über die Pariser Kommune mit einer Flut von schmutzigen Verleumdungen überschwemmte, schrieb Hans v. Bülow am 2. April 1871 aus Florenz an Eugen Spitzweg in „sehr opposittonSintoleranter" Stimmung:„Die Pariser Borgänge sind mir(Lassalles Freund) höchst wichtig: die Kommune hat meine höchste Achttmg und Bewunderung, das Parlament meinen ttefften Ekel erregt." Und noch Jahre später, als sich der von aller Welt überlaufenen Berühmtheit eine Russin unter Berufung auf gemein- samen Berkehr bei Lassalle in Erinnerung zu bringen suchte, verband H. v. Bülow in seine Antwort mit einer liebenswürdigen Grobheit für die Dame eine Huldigung für seinen„hochverehrten ungliicklichen Freund" Lastalle. Er habe„absolut keine Erinnerung mehr an russisches Fräulein nebst ditto Vater" und er erklärt diese Vergeßlichkeit damit:„Wenn ich bei Lassalle war, hatte ich nur Augen und Ohren für den mir so sympathischen heldenhaften Mann— alle übrigen Anwesenden waren für mich Statisten, Figuranten, Schatten, Tagesgespenster'(1377). Die Zengniste des FreundschastSbundeS zwischen Lastalle und Bülow finden sich in einem schmächtigen Heft Lastallescher Briefe an Bülow. die 1893 in Dresden bei Minden erschienen find. ES sind ausschließlich flüchtige Billets, ohne wesentliches Jntereste. Nur der Brief, den Lassalle kurz vor der Katastrophe dem Vertrauten schickte, ist ein ergreifendes Dokument aus der Ver- düsterung seiner letzten Tage. Helene v. DönnigeS war aus dem elterlichen Hrnise entwiche», bereit, dem Geliebten ganz und gar anzugehören. In einer, trotz aller psychologischen Deutungsversuche nicht völlig aufgellärten Stinmiungs-WirnnS schickt er sie heim zu Kühnheit, welche die höchste Anerkennung verdient. Anfangs stand er in diesem zunächst rein polittschen Kampfe allein; selbst daS Leipziger Arbeiterkomitee hatte von Lassalles Thätigkeit und Stellung keine Ahnung. Die Vorträge und Schriften, die er im Jahre 1362 hatte erscheinen lassen:„Ueber Verfassungswesen".„Ueber den besonderen Zusammenhang der Idee des Arbeiterstandes mit der gegenwärtigen Geschichtsperiode".„Was nun? zweiter Vortrag über Verfassuugswesen", waren weiten Kreisen fremd geblieben und hatten selbst in Berlin in Arbeiterkreisen kein Echo hervorgerufen. Es bedurfte erst des Hinweises von Ludwig Löwe auf Lastalle, den er der Deputation des Leipziger Arbeiter- komitees im Oktober 1362 gab, um Lastalle mit den in der da- maligen Arbeiterbewegung vorhandenen führenden Elementen in Be- rührung zu bringen. Jetzt erst kam der Stein ins Rollen. Auf Betreiben des Leipziger Arbeiterkomitees, dem ich nur bis zum Oktober 1862 angehörte, er- schien daS berühmt gewordene„Offene Antwortschreiben" März 1363, das die Kriegserklärung Lassalles an die Bourgeoisie brachte und den eigentlichen Anstoß zu jener Bewegung gab, die seitdem als socialistische Bewegung immer größer und gewaltiger wurde. Das große Aufsehen, das dos Antwortschreiben hervorrief, war weit weniger in den Arbeiterkreisen, als' in den Kreisen der Bourgeoisie vorhailden. Ein Schrei der Entrüstung und der Wut ertönte von einem Ende Deutschlands bis zum andern. Es begann ein Kampf der Lüge und Verleumdung gegen den Verwegenen, der es gewagt, die Cirkel des Liberalismus zu stören, wie wir ihn seit- den: nur in einer kurzen Periode während des siebziger Krieges und unmittelbar nach den Attentaten im Jahre 1373 als Partei zu kosten bekommen haben. Nur die preußischen Konservattven hatten ihre helle Freude an diesem Auftreten Lassalles, denn jede Abwendig« machung eines Arbeiters von den Liberalen sahen sie als eine Schwächung derselben an, die ihnen zu Gute kommen konnte. Im liberalen Lager schob man Lassalles Auftreten die Hätz- lichsten Motive unter,; nicht Begeisterung für die Sache, sondern die Befriedigung kleinlicher Rache wäre der Grund seines Handelns. Als ich im Juni 1863 als Delegierter deS Leipziger gewerblichen Bildungsvereins dem ersten Arbeiter-VereinStag in Frankfurt a. M. beiwohnte, machte ich in Gesellschaft des roten Becker, deS späteren OberbürgenneisterS von Köln und HerrenhauS-Mitgliedes, und noch einiger Delegierter einen Spaziergang in den Stadtpromenaden. Das Gespräch kam auch auf Lassalle. Wir ersuchten Becker um sein Urteil und da erzählte er, daß Lassalle nur aus Haß gegen die Fortschrittspartei die Bewegung entfacht habe, weil ihm diese die Ucbernahme eines Mandats zum Abgeordnetenhause verweigert habe. Und doch gehörte der rote Becker, der bekanntlich ftüher selbst Mitglied des Kommunistenbundes gewesen und als solches zu sechsjähriger Festungshaft verurteilt worden war, zu den objettivst den Eltern. Dort wird sie wie eine Gefangene gehalten. Und nun setzt Lassalle die ganze Welt in Bewegung, um die Geliebte zu beftcien. Helene klagt ihm in ihren Briefen— wie Lassalle dem Freunde berichtet—, daß man ihre Briefe öffne, daß man sie einschließe: „.To pars ou plutot on me part"(„Ich reise ab, oder vielmehr ich werde abgereist"). Diese Briefe, schreibt er an Bülow— und der Jurist erwacht in ihm � seien der schriftliche Beweis.fllr„Sequestration und Gewalt"— für Freiheitsberaubung. Er geht zum bayerischen Minister IdcS Aeußern, Herrn v. Schrenck, damit er die Befreiung Helenens bewirke. Der schickt auch einen Unterhändler zum Vater. Durch Richard Wagner bemüht er sich sogar um Intervention beim König Ludwig II. von Bayem. Wagner sucht er dadurch zu ge- Winnen, daß er ihm eine Briefftelle übermittelt, aus der Helenens Interesse flir die Nibelungen- Dichtung hervorgeht:„Ich nannte sie"— heißt es in diesem Briefe an Bülow—.Brunhilde, teils wegen ihrer der Vorstellung einer solchen wirklich ganz entsprechenden Erscheinung, teils weil Siegftied die Brunhilde aus der wabernden Lohe holt und ich Helenen wenigstens aus Wabern*) holen sollte. Aber ich ärgere mich jetzt, daß ich sie so nannte! Siegfried bekam die Brunhilde ja nicht, und sie sind unvermählt nach Hel und Walhalla gefahren. Man sollte keine Unglück verkündenden Vorzeichen nehmen!" Schrill bricht der Brief ab: „Adieu, teurer Freund! Das Leben ist eine lumpige Hunde-Affen- Komödie. Eben erhalte ich Brief von Bucher. Tanzt auch nicht auf Rosen! Alles lumpig schmierig, eS ist ein wahrer Dsgoüt. Adieu! Adieu I"... Die erwähnte Briefsammlnng ist nicht vollständig. Nicht nur daß die Briefe BülowS fehlen— sie sind, wie der ganze Nachlaß LassalleS, von der Familie Hatzfeld der Oeffentlichkeit. zur rechten Jllustratton der gemeinschädlichen Wirkungen deS Erbrechts, entzogen worden— auch LassalleS Briefe an Bülow waren offenbar zahl« reicher und inhaltvoller. *) Dort wohnte eine Freundin Helenens. rtfcifcnbcn Mitgliedern der Fortschrittspartei. Von dem sonstigen Klatsch, der in diesen Kreisen über Lassalle zusammengetragen wurde, macht man sich keinen Begriff. Ich will hierüber nicht sprechen. Der gewaltige, alle Kräfte in Anspruch nehmende Kampf, den Lassalle nunmehr während mehr als zwei Jahren zu führen hatte und ihm neben all den Verleumdungen und Verdächtigungen auch eine Anzahl Prozesse mit zum Teil schweren Verurteilungen zuzog, hatte nicht die Resultate, die er in seinem Optimismus erwartet hatte. Jin Sonuuer 1864 war seine Gesundheit schwer erschüttert und seine Kampsfrendigkeit drohte zu erlahmen. Da machte die Kugel eines Nebenbuhlers in der Liebe seinem Leben ein jöheS Ende. Man hat gefragt und fragt noch heute: was geschehen wäre, wenn Lassalle am Leben blieb. Zwecklose Frage! Eins steht aber für mich fest. Ein Rückzug auf die Dauer war fiir ihn unmöglich und wie immer er sich znr äuszeren Politik des Fürsten Bismarck in den Jahren 1866 bis 1376 gestellt haben würde, Demokrat, wie er war, würde er der VerfassnngSmache Bismarcks, die allem Hohn sprach was einst s e l b st der Liberalismus von einer Verfassung beanspruchte, den erbittertsten Widerstand entgegengesetzt haben, und ebenso würde Bismarck in seiner gesamten inneren Politik an ihm den entschiedensten Gegner gefunden haben. Aber auch von Hoffnungen ans den Liberalismus in irgend einer Phase und ans irgend einem Gebiete der öffentlichen Kämpfe wäre bei ihm keine Spur vorhanden gewesen; er hatte ihn bereits klar durchschaut, als dieser Liberalismus noch in seiner Glanzperiode stand. In dieser Beziehung ist das Studium der Lassalleichen Schriften aus den Jahren 1362 und 1863 auch noch heute besonders lehrreich. Nun er tot war, muhten seine Anhänger sehen, wie sie ihren Weg ohne den großen Führer machten. Und sie machten ihn trotz aller Spaltungen und Zerwürfnisse. Lassalle war tot, aber sein Geist lebte und warb immer neue Jünger. Ich und viele andre, die wir abseits des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins standen und seine Gegner waren, studierten zunächst an den Lassalleschen Schriften den Socialismus, ehe wir an Marx uns heranwagten. Je mehr wir aber selbst im Socialismus erstarkten, desto heftiger bekämpften wir den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und speciell seine Führerschaft wegen der falschen politischen Richtung, die sie nach unsrer Auf- fassung einschlug. Und je mehr der Verein im Innern erstarkte, desto lebhafter wurde von seiner Seite der Kampf gegen die gleichgesinntcn Kräfte, die außerhalb seiner Reihen standen und sich zuerst im Sommer 1866 in Chemnitz und später im September 1868 in Nürnberg zn einer besonderen Partei zusammengefunden hatten. Diese Kämpfe wurden mit ihrer Dauer immer heftiger und erbitterter; sie nahmen in der Presse und in den Versammlungen allmählich einen exccssiven Charakter an. Man sprengte sich gegen- festig die Versannnlnngen, und die schwersten Anschuldigungen, namentlich gegen die Führer, flogen herüber und hinüber. Ein gut Teil unsrer besten Kräfte fluid Mittel wurde in diesen gegenseitigen Bekämpfungen verbraucht. Im Jahre 1869 gelang es der Gegner- schaft, einen erheblichen Bruchteil, darunter eine Anzahl der besten Köpfe, dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein abwendig zn machen, worauf die Gründung der Socialdemokratischen Arbeiter- Partei in Eisenach erfolgte. Als endlich im Jahre 1871 der von der Gegenseite am meisten bekämpfte Mann, Herr v. Schweitzer, von der Präsidentschaft des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins zurücktrat, nahmen die Kämpfe zwar einen milderen Charakter an, aber eS währte immer noch mehr als drei Jahre, bis auf beiden Seiten die Erkenntnis zum Durchbruch gekommen war, daß es so nicht weiter gehen dürfe und eine Verständigung und Versöhnung notwendig sei. Diese brachte endlich nach langen Vorverhandlungen das Frühjahr 1875. Wohl zitterte die alte Verbitterung noch eine Weile nach und das alte Mißtrauen war keineswegs mit einem Schlage verschwunden, aber die nunmehr gemeinsam geführten Kämpfe und vor allen Dingen die scharfe Tonart, die schon seit geraumer Zeit und nament- lich nach der Vereinigung Polizei und Gerichte gegen die Partei an- schlugen, halfen dieselbe zusammenschmieden. Hatte Fürst Bismarck und mit ihm die konservative Partei es bis zum Jahre 1870 gerne gesehen, daß eine Partei vorhanden war, die sie gegen die Bourgeoisie als Wau-Wau gebrauchen konnten und Zu diesen ungedrucktcn Briefen gehört das nachfolgende, zugleich lustige und ernsthafte Dokument Lassallcschcir Witzes und Urteils. Kaum jemals ist dje Jämmerlichkeit der„rcvoluttonären" Fort- schrittler so prächtig und schneidend verhöhnt worden, wie in diesem Briefe, der an dem Gedenktage Lassalles bekannt gegeben sei. Die Zeit des undatierten Briefes läßt sich ziemlich genau fest- stellen. Er stammt aus den Tagen des„Offenen Antwortschreibens an das Centralkonritee zur Berufung eines Allgemeinen Deutschen Arbeiterkongresses zu Leipzig", also aus der Geburtszeit der deutschen Arbeiterbewegung. Das-offene Antwortschreiben ist vom 1. März 1863 dattert, der Brief an Bülow mag ungefähr um die Mitte Februar geschrieben sein. Im Antwortschreiben sagt Lassalle den Zusammenbruch der Fortschrittspartei im Konflikt mit Bismarck und dem preußischen Junkertum voraus. Er geißelt die„Schtväche und Würdelosigkcit ohne Gleichen". Die Thatsachen hätten gezeigt,„daß es der preußischen Fortschrittspartei vollständig an jener Energie g e- bricht, welche erforderlich gewesen wäre, um auch nur jenen be- schränkten Konflikt zwischen ihr und der preußischen Regierung würdig und siegreich zum Ausgang zu bringen". Was in dem Antwortschreiben Lassalle in der Form einer mehr feierlichen Proklamatton darlegt, parodiert er in dem Briefe auf die lusttgste und zugleich, das ewige loyal-mannesmutige Fortschritts- Philistertum zeichnende porträtähulichste Art. Die politischen Vorgänge, die sich in dem„Libretto" karikieren, sind unschwer erkennbar. Es sind die Adreßdebatten vom 27. bis 29. Januar 1863. Es beginnt mit der Adresse, in der die Fort- schritts-Kammer dem„Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten König, Allergnädigsten König und Herrn" das Bewußtsein für den Ver- faffungsbruch dadurch beizubringen trachtete, daß sie„die un- verbrllchliche Treue gegen die Krone" beteuerte. Diese Konflikts- Verhandlungen werden verfolgt bis zum polnischen Aufstand. Bald nach der ersten parlamentarischen Verhandlung der damaligen preußischen Gendarmeriedienste für Rußland— die am 16. Februar 1863 stattfand— muß der Brief geschrieben sein. Während die Fortschrittler auf der Höhe ihres revolutionären Geistes angelangt schienen und sich Helden wähnten, stäupte Lassalle in souveränem Hohn die Heroenposse. Zu dem polnischen Aufstand hatte er mehr Vertrauen als zu dem preußischen Fortschritt. Aus jenem sieht er die große befreiende Revolution emporwachsen. In einer Apotheose preußischer GöttcrdSmnienmg gipfelt sein Libretto. Der äußere Anlaß zu diesem polittsch-musikalischen Programm läßt sich ohne Mühe konstruieren. Bülow war eines Tages bei Lassalle. Sie spotteten über die Konfliktskomödie des Fortschritts. Bülow setzt sich ans Klavier und bringt die Vorgänge und Helden des Tages parodistisch in Musik. Das Klavicrgelächter über den Fortschritt gipfelt in einer wilden Touranferei zwischen der preußischen Nationalhymne und der Marseillaise— ähnlich etwa wie in Tschaikoivskys Ouvertüre 1811, wo freilich die tänzelnd an- springenden Töne der Marseillaise von der gewaltigen Bärenwucht ihnen die Bourgeoisie ins Garn trieb, beim der liberale Kreisrichter der ersten Hälfte der sechziger Jahre beunruhigte Bismarcks Träume noch lange und er fürchtete immer, daß er wieder auf seine alten liberalen Oppositionsgedanken zurückkomme; noch 1870 war die deutsche Bourgeoisie so zahm geworden, daß kein Rückfall mehr zu befürchten war. Dagegen war die Socialdeinokratie trotz aller Spaltungen und gegen- fettigen Bekämpftmgen gewachsen; es war zwischen den streitenden Parteien eine große Rivalität entstanden, bei den Wahlen die stärkste Armee ins Feld zu stellen. Das war aber eine Erscheinung, die Bismarck und der Bourgeoisie sehr zu denken gab. Mit dem Leipziger Hochverratsprozeß waren die Verfolgungen eingeleitet worden und sie wurden nach ihm immer stärker und häufiger. Hüben und drüben regnete es Verfolgungen und Verurteilungen. Nach der erfolgten Vereinigung wurde es noch schlimmer. 1874 erfolgte die gerichtliche Auflösung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, es erschien die Kontrakt- bruchgesetzvorlage, 1875 folgte die Novelle zur Verschärfung des Strafgesetzes, die Graf Eulenburg mit der berüchtigt gewordenen Rede einleitete: Die Annahme derselben sei notwendig, wolle man verhindern, daß die Zeit komme, wo die Flinte schieße und der Säbel haue. Noch war die Mehrheit des Reichstages für solche Maßregeln nicht zu haben. Als aber 1877 bei den allgemeinen Wahlen die Socialdemokratie abermals eine starke Stimmen- Vermehrung aufwies und im Frühjahr 1878 die Attentate von Hödel und Nobiling sich einstellten, war der Widerstand des Liberalismus gebrochen. Bismarck schmiedete das Eisen, das warm war, und das Socialistengesetz entstieg dem gesetzgeberischen Hexenkessel, das endlich 1890 samt seinem Urheber in den Orkus flog. So hat der Same, den Lassalle gestreut, seine Früchte getragen. Das theoretische Gepräge, das er der Partei einst aufgedrückt, hat sie längst verloren, seine Theorien sind überwunden, aber der Klassenkampfcharakter, den er ihr aufgeprägt, er blieb ihr erhalten, und er hat, unterstützt von einer riesenhaften ökonomischen Eist- Wicklung, wie sie außer den Vereinigten Staaten kein Land der Welt in so kurzer Zeit vollzogen hat, die Partei zu dem gemacht, was sie heute ist, zu der stärksten und größten socialistischen Partei der Welt, die kein Sturm mehr vernichten kann. A. B. Lassalles deutsche Politik. Im Slnfang war die That. Marx lebte der Wissenschaft und der Welt, Lassalle Preußen und der Aktton. So hoch man auch Lassalle als Gelehrten schätze, als Philosophen und als Juristen, so könnte ihn doch nur kritiklose Bewunderung zu jenen einsamen Häuptern der Wissenschaft rechnen, unter denen Karl Marx für alle Zeiten ragt. Und so sehr man auch die glänzenden scharfgeschliffenen Arttkel des Chefredakteurs der„Neuen Rheinischen Zeitung" als Musterleistungen einer wissenschaftlich gegründeten Journalistik bewundern mag, so hat dieser doch wiederum in der Kunst, Feuer in die Seelen zu gießen, seinen großen Schüler nicht erreicht. Während Marx und Engels mit nie versagender Geduld gelehrter Lehrer an dem Aufbau der geistigen Fundamente arbeiteten, auf denen sich der Bau der proletarischen Kanipforganisatton in unein- nehmbarer Sicherheit erheben sollte, zog es Ferdinand Lassalle nach den breiten Ebenen der politischen Fcldschlacht hinab. Während sich erst allmählich die ungeheuren Massen der socialen Arbeiter- demokratie zum Auftnarsch rüsteten, hat er an der Spitze einer ge- ringen Schar den kühnen Ritt politischer Aktion gewagt— ehe sich das Schicksal dieses Unternehmens entschied, fiel sein Held einem unberechenbaren Schicksal zum Opfer. Der erste Versuch der deutschen Arbeiterbewegung, praktisch innerhalb der realen politischen Ver- Hältnisse zu wirken, blieb somit ein genialer Torso, ein unvollendetes Experiment. Ihm war als Anfang und Inbegriff seines Wesens die That gesetzt. Wenn der halbwüchsige junge Mann den Kampf um das Recht einer einzelnen Frau durch einen kühnen Handstreich zn entscheiden suchte, wenn der Jüngling die Nationalversammlnng beschwor, den Ruf zu den Waffen zu erlassen, wenn der gereifte Mann die Massen der Hörer im weiten Saal zur Begeisterung hinritz, oder im Kanzler- der russischen Nationalhymne allmählich erwürgt werden, während Bülow die Marseillaise triumphieren ließ. Lassalle aber entwarf dann den Text zu dieser politischen reboluttonären Programnr-Musik, der wenigstens erhalten geblieben ist. während die Musik mit der flüchtigen Stunde der kecken Improvisation verweht ist... «• * Wir lassen den Brief nunmehr folgen: Lieber I Es ist also heute früh beim Aufstehen mein erstes Geschäft, das Programm des musikalisch-ironischen Meisterwerkes niederzuschreiben, das Sie gestern bei mir improvisiert haben. Es ist ein treuer Bericht, der nur den Zweck hat, alles für Ihr Gedächttns fest- zuhalten und nur hin und wieder einige Ausführungsschnörkel vor- nimmt. I. Abteilung: Die Dedikation an die Fortschritts- Partei. 1. Kurze ironische Ouvertüre als Einleitung in den Gesamt- charakter des Ganzen, schließend mit den bekannten Hinter-Accorden, zuerst kräfttg. dann leise verhallend. 2. Fcstmarsch der Fortschrittspartei, eine prätentiöse Variation der Melodie:„Immer langsam voran, immcr langsam voran". Feierlicher Beschluß der Adresse an den König nach dein Thema: „Eine feste Burg ist unser Gott." Erwartungsvolle Meeresstille. Da— Pferdegetrappel, der Corpsgendarm naht. Spannung unter den Abgeordneten, aus deren Brust sich das Lied zu ringen versucht: „Die Post hat keinen Brief für Dich, mein Kind, mein Kind." Der Gendarm ist angelangt. Der Brief wird verlesen. Er beginnt mit dem Thema:„Der Gesalbte des Herrn" aus dem Meyerbeerschen Prophetenmarsch und läuft in die bekannten musikalischen Nasen aus. Erstaunen, dann Sammlung unter den Abgeordneten. 3. Der Präsident eröffnet die Diskussion und erteilt— Thema: „Wolftam v. Eschenbach, beginne"— Binken das Wort. Es erhebt sich eine nach allen Seiten hin keifende, kreischende Stimme. Teller» geklapper seitens der um das Buffett gedrängten Abgeordneten. Virchow ergreift das Wort mit verschiedenen schlechten musikalischen Witzen, die mit allgemeiner Heiterkeit und Beifall aufgenommen werden. Hierauf Bismarck, mit feiner Ironie anfangend und darauf in beständiger, unmittelbar aufeinander folgender Abwechslung von Hinter-Accorden mit musikalischen Nasen den blutigsten und offensten Hohn über die Abgeordneten ausschüttend. Großes Murren und Erstaunen unter diesen! Schulze-Delitzsch erhebt sich zu einem großen pathetischen Solo, von dem ganzen Abgeordnetenhanse als Chorus begleitet. Aber so pathetisch diese Accorde zunächst sind, so gehen sie doch von selbst immer und unwillkürlich, wie durch eine höhere Macht beherrscht, stets in die beiden Melodien über:„Heil Dir im Siegerkranz" und„Ich bin ein Preuße, kennt Ihr meine Farben". So oft dies der Fall ist, tönt von draußen der Lachchor aus dem „Freischütz" in das Haus. Das Haus, hierdurch darauf ausinerksam palais den Feind durch die Kraft seiner Persönlichkeit zu überliste« suchte, so kam es ihm allemal darauf an, auf die augenblicklich be« stehenden Verhältnisse seines Vaterlandes thatkräftig einzuwirken, reale, sichtbare, greifbare Erfolge zu erzielen, wo sich ein ruhigeres Wesen mit dem Bewußtsein fortwirkender Kraft und später Ernte zufrieden gegeben hätte. So ist Lassalle in gewissem Sinne das vorwärtStrcibcnde Temperament der socialen Revolution geworden wie Marx ihr kritischer Verstand. Gleich die erste ernstere Meinungsverschiedenheit zwischen den Schöpfern der Socialdemokratie enthüllt diesen ftmdamentalen Unter« schied ihres Wesens. Als im Jahre 1859 eine beginnende Kriegsära den Stillstand der deutschen Konterrevolution erschütterte, fühlte Lassalle die Zeit gekommen, einen Hauptschlag im Interesse der Demokratte zn thun. Seine Schrift:„Der italienische Krieg und die Aufgabe Preußens" war keineswegs dazu bestimmt, die augenblicklichen politischen Verhälttnffe im Bewußtsein eines Arbeiter- Publikums zu objektivieren, sondern unmittelbare Wirkung zu thun. Der anonyme Verfasser wendete sich an die preußische Regierung. Der Kampf zwischen dem dritten Napoleon und Oesterreich fand die Demokratie in ihren Ansichten gespalten. Bei welchen der krieg- führenden Parteien stand das Interesse der Revolution? Eine Niederlage Napoleons bedeutete die Zerschmetterung des französischen CäsariSmus, eine Niederlage Oesterreichs die Morgenröte der nattonalen Demokratie fiir Italien, für Deutschland die Zerbröckelung der reaktionären Habsburgischen Vormacht. Im Jntereffe der deutschen Revolution, des„ganzen Deutschland ohne die Dynastien" erschien Lassalle die Niederlage Oesterreichs vorläufig als der wünschenswertere Fall. Und so entschloß er sich, seine Stimme für den Krieg gegen Oesterreich zu erheben. Ein Friedrich der Große würde„den Moment für den geeignetsten erachten, in Oesterreich einzurücken, das deutsche Kaisertum zu proklamieren und der Habs- burgischen Dynastie zn überlassen, ob und wie sie sich in ihren außerdcntschcn Ländern behaupten kann... Ja, noch einmal liegt die deutsche Kaiserkrone ans der Straße. Sie wird nicht aufgehoben werden. Es wäre unbillig, von jedermann zu verlangen, daß er ein Friedrich der Große sei". Der Zweck dieser Schrift, so sehr er auch verkannt worden ist und Anlaß dazu gegeben hat, Lassalle als einen vorahnenden An- beter des Hohenzollern-Kaisertums auszuschrcien, ist der rückschauendcn Betrachtung vollkommen klar. Lassalle wies der preußischen Monarchie den Weg, der nach seiner Ansicht vom Standpunkte der nationalen Ideologie der einzig richtige war, von dem er aber wohl wußte, daß die preußische Regierung sich hüten würde, ihn zu be- schreiten. In diesem Sinne schrieb er denn auch von seiner Broschüre an Marx: Ich habe nämlich auch der Regierung darin einen höchst nationalen und populären Weg angegeben, den sie— in abstracta — ganz gut gehen könnte, in concreto aber durchaus nicht gehen kann und wird. Und weil sie diesen Weg nicht ein» schlagen Ivird, hoffe ich, darin das Mittel ge- funden zu haben, sie gründlich zu depopulari- s i e r e n. Hätte aber die preußische Regierung wirklich nach Laffalles Rezept gehandelt— und die Bismarcksche Diplomatie, die im folgenden Jahrzehnt erst Oesterreich, dann Napoleon niederwarf. weist mit ihm manche verwandten Züge auf—, dann war es ftir Lassalle klar, daß sich unmittelbar hinter dem Hohcnzollerntnm die deutsche Demokratie erheben müßte, um diesem die Siegesbeute ab- znjagen. Nicht also dem Hohenzollerntum zn dienen, sondern um- gekehrt dieses unbewußt in den Dienst der Revolution zu zwingen, andernfalls aber es im Interesse der Revolution zu diskreditieren, war sein eigentlicher politischer Zweck. Derselben Taktik der unmittelbaren auf die augenblickliche Wirkung berechneten Forderung ist Lassalle auch bei seiner Stellung zum Verfassungskonflikte und ihren weitreichenden Folgen treu geblieben. Die Fortschrittspartei in ihrem Widerstande gegen die Militärfordernngen der Regierung entweder vorwärts zu stoßen, oder aber ihre Schwäche zu ihrer„DePopularisierung" auszunützen. war der Zweck seiner Vorträge„Ueber Verfassungswesen" und„Was mm?" Der Scheinkonstittitionalismus sollte durch den Parlaments- streik demaskiert werden, absoluttstisch könne aber Preußen nicht regiert werden. In diesem Konflikt müsse die Regierung unter- gemacht, in welche Melodie es sich verloren, versucht wiederholt, den feindseligen und pathetischen Ton wieder anzuschlagen, aber es ge- lingt ihm dies immer nur auf einige Takte. Wider ihren Willen fallen sie sofort, in immer kürzeren Zwischenräumen, aus den energischen Klängen, die sie anzuschlagen versuchen, in jene beiden Melodien als in die aufgedeckte Wahrheit ihres Innern wieder zurück, alle ihre Angriffe gehen von selbst in der humoristischten und seit- samsten Weise in diese Melodien über. Endlich geben sie den Ver- such auf, dagegen anzugehen. Beide Melodien fassen und vereinigen sich z» einem rauschenden Bacchanal. welches jetzt aNein die Scene beherrscht. Bismarck tritt auf. spricht jetzt einige von leichter Ironie durchklungene anerkennende Worte, und Ministerium und Kammern vereinigen sich jetzt in dem Thema: „So leben wir, so leben wir, So leben wir alle Tage In der allerschönsten Sanfcompagnie." Die wirbelnden dithyrambischen Variationen, zu welchen sich dieses Thema steigert, bedecken weit den Lachchor aus dem„Freischütz", welcher sich einige Male vergeblich von draußen erhebt. Da auf einmal— zwei Donnerschläge, ein greller Riß, und II. Abteilung. Das neue Jena. Die polnische Nattonalhymne ertönt, imnier stärker anschwellend. Sie geht zuerst leise und ungewiß in die Töne der Marseillaise über, die ihr von dem andren Ende des Klaviers antworten und immer mächttger entgegen rauschen. Der Hexensabbat der Kammer versucht ein tremulierendes„Heil Dir in» Sicgerkrauz' fertig zu bringen. Wilhelm in großer Angst und Rührung das Thema variierend: „Muß i denn, muß i denn Zum Städle hinaus." Augusta sucht ihn zu ermutigen. Sie waffnet ihn. Alle Schnurr- bärte Preußens versuchen, sich von selbst zu drehen und sich Mut einzusprechen. Unter den zuerst leise und schüchtern, dann immer stärker erklingenden Tönen der preußischen Nationalhymne verlätzt Wilhelm mit dem Heer die Stadt und trifft auf— die Marseillaise. Darstellung der Schlacht durch den Kampf beider sich immer leiden- schaftlicher fassenden und gegeneinander anwogenden Hymnen, bis dann die Töne der preußischen spurlos unter den Donnern der Marseillaise verschwinden. III. A b t h. Die Revolution. Unerhörte Dinge, unerhörte Töne, die wir ein andermal feststellen wollen. Hier also das Libretto; bringen Sie es Sonntag mit. um den andern das Verständnis zu erleichtern, da ich leine Abschrift habe. Ihr Donnerstag. 3- Laiialle. Regen:„Dann aber kein Versöhnungsdusel, kein neuer Kompromiß mit dem alten Absolutismus, sondern den Daunren aufs Auge und das Linie auf die Brust I" Diese Reden, die im Jahre 1862 gehalten wurden und deren Zweck darauf gerichtet war, der preußischen Monarchie die Macht- mittel zur Durchführung ihrer auswärtigen Politik streitig zu machen, scheinen völlig von denen vergessen zu werden, die im Namen des„nationalen" Lassalle von der Socialdemokratie die Be- willigung der„Staatsnotwendigkeiten" verlangen. Die Fortschrittspartei entschloß sich nicht zur That, die ihr Lassalle empfahl, sondern beschränkte sich auf die Verweigenmgs- Politik, die später nach dem Siege von Sadowa ein schmähliches Ende nahm. Und jetzt eröffnete Lassalle auf der ganzen Linie den Kampf gegen sie. Schon hatte er im„Julian Schmidt" den litterari- scheu Matador des Berliner Liberalismus in den Sand gestreckt, in Schulze-Delitzsch erlitt ihr ökonomischer das gleiche Schicksal. Im „Arbeiterprogramm" und im„Offenen Antwortschreiben" ward die Loslösung der Arbeiterklasse aus der politischen Bevormundung der Bourgeoisie als Programm verkündet. Das Spiel mit der Fortschrittspartei gegen die preußische Monarchie hatte mit einem Bruche geendet, und das Spiel mit der preußischen Regierung gegen die Fortschrittspartei begann. Es ward nicht unternommen ohne das sichere Bewußtsein, daß Bismarck das allgemeine Wahlrecht geben müsse,„weil ihm gar nichts andres übrig bleibt", während die Fortschrittspartei die gleiche Forderung mit leeren Redensarten abspeiste. Es diente nach Lassalles Absichten ebenso wie sein ganzes übriges Lebenswerk der Sache der Revolution. Selbst auf der Anklagebank im berühmten Hochverratsprozeß gab er sich als geheimer Mitwisser der Regierung und als Kenner ihrer Pläne:„Und so verkünde ich Ihnen denn an diesem friedlichen Ort, es wird vielleicht kein Jahr mehr vergehen— und Herr von Bismarck hat die Rolle Robert Peels gespielt und das allgemeine und direkte Wahlrecht ist oetroyiert! Ich wußte das schon an dem ersten Tage, an welchem ich durch den Erlaß meines Antwortschreibens diese Agitation begann, und es konnte niemand entgehen, der mit klarem Blick die Situation erfaßte." Wenn sich freilich Lassalle im advokatorischen Eifer seiner Selbst- Verteidigung zu der pathetischen Aeußerung verstieg,„ein Königtum, das noch ans seinem ursprünglichen Teig geknetet dastehe" könnte sich dazu entschließen,„wahrhaft große nationale und volksgemäße Ziele zu verfolgen", so sündigte er gegen den Grundsatz, den er mit Recht als den Beginn aller politischen Aktion bezeichnet hatte. auszusprechen, was ist. Lassalle hat an die nationale Mission eines„aus seinem ursprünglichen Teig gekneteten" Königtums in Wirklichkeit keinen Tag seines Lebens geglaubt. Viel nüchterner und prattischer spiegelte sich in seinem politischen Calcül die Ansicht, die er von der Rolle der preußischen Monarchie hegte. Er mochte mit Recht Bismarck als den augenblicklich gezwungenen Bundesgenossen demokratischer Entwicklungstendenzen betrachten, die Lobpreisung seines Systems mochte dem Angenblicksbedürfnis der Situation dienen, aber sie entsprach weder Lassalles wirklichen Anschauungen noch seinen tieferen politischen Absichten. Das Verhalten Lassalles war weder sittlich einwandfrei, noch politisch zu rechtfertigen. Wohls aber läßt eS sich begreifen, aus dem fiebernden Ungestüm, mit dem er auf sein nächstes politisches Ziel zustrebte: die Erringung des allgemeinen Wahl- rechts um jeden Preis I Aber Lassalle ist schließlich doch in allen Phasen seines Lebens «in Revoluttonär geblieben, bewußt seiner Ziele, höchstens allzu- eilfertig in der Wahl seiner Mittel. Er hätte seinem Zwecke zu Liebe ebenso gut die Barrikade bestiegen, wie— bei Hofe getanzt. Nur übersah er dabei, wie wenig es dem Führer einer demokratischen Bewegung ansteht, maechiavellistische Politik zu treiben und den Egmont, den Posa oder den Fiesko zu spielen. Die Demokratie verträgt keine historisch kostümierten Spiele und nimmt die Maske für das lvahre Gesicht. Lassalle war ein Deutscher! Aber der Inbegriff des Deutschtums hat für ihn niemals darin bestanden, in: Dienste irgend eines angestammten Landesherrn die Flinte zu tragen und mit ruhiger Gewissenhaftigkeit seine Stenern zu bezahlen. Was ihn mit dem deutschen Volke verband, das war der revolutionäre Geist der klassischen deutschen Philosophie und der klassischen deutschen Dicht- kunst. Die Arbeiter aus willigen gedankenlosen Herdentieren zu wip'enden bewußten Bürgern der deutschen Geistesgemeinschnft zu machen, war das Ziel seiner Arbeit. Die internationale Soeial- demokratie hat in keinem Augenblick diese nationale Mission ver- gessen, die ihr Ferdinand Lassalles deutsche Politik hinterließ. Ans den Kittderjahre» der Bewegung. Hamburg wird schon von Lassalle als eine„feste Burg im Norden" für seine Lehren bezeichnet. Die Mitgliedschaft des All- gemeinen deutschen Arbeitervereins lvar dort ohne direkte Einwirkung des großen Kämpfers entstanden und schnell zu einer beachtenswerten Stärke angewachsen. Tie Mitgliedschaft bestand aber aus sehr ver- schiedenen Elementen. Ten Kern bildeten die alten Weitlingianer. In Hamburg hatte in den vierziger Jahren Wilhelm Weitling gewirkt, und eine Anzahl seiner Jünger war dort noch vertreten, als Laffalle sein Offenes Antwortschreiben veröffentlichte. Wenn auch eine Anzahl fähiger Leute sich unter iljjien befand, so vermochten sie die kleine Ge- «winde doch nicht zu einer ansehnlichen Stärke zu bringen. Oft ver- suchten sie an den Diskutierabenden des Bildungsvereins das Evan- gelium des Kommunismus zu predigen, aber sie fanden wenig An- klang. In der Gruppe der Weitlingianer trat besonders stark der Cigarrenarbeiter Möller hervor. Eine lange hagere Gestalt mit einem herrlichen tiefen Organ. Er war ein ernster Apostel. Obwohl Möller im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein wirkte und 1867 in Altona bei den Wahlen zum konstituierenden Norddeutschen Reichstag kandi- dierte, so blieb er doch bis zu seinem Lebensende Weitlingianer. Tie Kommunistengruppe war im Arbeiterverein die Minderheit, aber sie sorgte dafür, daß der Klassencharakter der Bewegung scharf betont wurde. Tie Mehrheit hatte sich der Bewegung angeschlossen, weil hier die demokratischen Lehren vertreten werden konnten. Die Republik Hamburg war das Gegenteil von einem Staat mit demokratischen Gesetzen. Der Arbeiter war rechtlos, und wenn er gar das Un- glück hatte, ein Fremder zu sein, und wenn er nur jenseits der Elbe geboren war, dann genügte der Antrag eines Bürgers oder der Frau Meisterin, um ihn, ausgerüstet mit einem Ausweisungsbefehl, über die Grenze zu bringen. So empfanden die Arbeiter am eignen Leibe die ganze Abscheulichkeit der Kleinstaaterei. Ter Name des Vereins «Allgemeiner deutscher Arbeiterverein" hatte daher einen bezaubernden Klang. An der Hamburger Grenze liegt Altona, welches bis zum Weihnachtsabend 1863 dänisch war. Erfreute sich Dänemark «»uch vieler freiheitlicher Gesetze, die in den deutschen Bundesstaaten unbekannt waren, so empfanden die Einwohner Schleswig Holsteins doch den dänischen Druck. Wer das Chemnitzsche Lied„Schleswig- Holstein Meer umschlungen" sang, wurde bestraft, und das Lied war so schön. Wenn die Schuljugend auf freiem Felde war und sich Sicherheit darüber verschafft hatte, daß kein Polizist in der Nähe war.' dann wurde das„schönste aller Lieder" aus voller Brust ge- »schmettert. Auch das Tragen von blau-weiß-roten Bändern oder Nwarz-rvt-gold waren verboten, aber in Hamburg erlaubt. Also I „deutsch" und„frei" waren für die Schleswig-Holsteiner derselbe Begriff. Den Schleswig-Holsteinern war daher das Wort„deutscher" in dem Namen des Vereins so schönklingend. Mitglied eines deutschen Vereins zu sein war daher auch eine politische That. In Altona war einer der ersten und eifrigsten Agitatoren ein etwas verwachsener Cigarrenarbeiter, der schon durch sein Aeußeres jedem Menschen auffiel. Reichsdorf hieß der brave Streiter. Ein gelbliches Gesicht mit großen tiefschwarzen Augen und langem blau- schivarzen Haar, war es ein romantischer Künstlerkopf. Er trug im Winter wie im Sommer einen weißen Turneranzug und Winter Überzieher. Seinen Kopf bedeckte er stets mit einem weißen Stroh Hut. Er war ein begeisterter Anhänger Lassalles, aber für den proletarischen Charakter der Bewegung hatte er gar kein Verständnis. In seinen Reden schwärmte er für ein einiges freies Deutschland, mit einem Kaiser an der Spitze. Aber Reichsdorf war so einsichtig, um zu begreifen, daß Lassalles Reden doch besser waren als die seinigen und deshalb bildeten seine Gedanken nur die Einleitung seiner Reden, und dann begann er-Äissallesche Reden vorzulesen. Da er etwas Schauspielertalent hatte und vorzüglich las, höchstens hin und wieder durch übertriebenen Pathos störte, so machte er doch mit seinen Vorlesungen Eindruck. Im Vorlesen entwickelte er einen unermüdlichen Eifer. Er war sehr bescheiden in seinen Lebens- ansprächen und konnte in vier Tagen so viel verdienen als er in der ganzen Woche brauchte. Zwei Wochentage und den Sonntag benutzte er dazu, Arbeiter mit den Lehren Lassalles be- kannt zu machen. In der Woche ging er von einer Cigarrenfabrik zur andern, um Anhänger für die Lehren Lassalles zu werben. Immer hatte er einige Broschüren in der Tasche und sobald er nur einige Zuhörer fand, begann die Vorlesung. Durch das häufige Vorlesen brachte er es schließlich dahin, ganze Broschüren frei aus dem Ge- dächtnis rezitieren zu können. Aber zum richtigen Verständnis dessen was er vorlas, hat er es nie gebracht. Er war begeistert durch den Schluß d es Bastiat- Schultze und des Arbeiterprogramms. Er empfand, daß durch die Bewogung die alte Tyrannei gestürzt werden könne. Sein Ideal war das einige freie Deutschland. Als dann die Zahl der Arbeiter größer wurde, die Lassalles Schriften auch verstanden, trat Reichsdorf weniger hervor. In seinen letzten Lebensjahren trieb er Blumenkultur. Bei einer Segelpartie auf der Elbe kenterte das Boot, in welchem er sich befand, und so fand er in den Wellen den Tod. Mitglied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins blieb bis zu seinem Tode. Diejenigen, welche die Schriften Lassalles wirklich verstanden, waren nur wenige. Man berauschte sich an dem schwungvollen Stil, aber man drang nicht durch, den Kern zu erfassen. Hier war weniger die Dickköpfigkeit der Arbeiter, als die ganzen Verhältnisse, in denen sie lebten, die Schuld. Die Polemik, die Lassalle gegen die Fortschrittspartei führte, wurde nicht verstanden, weil es dort keine Fortschrittspartei gab, und auch über den Verfassungskonflikt in Preußen wußten nur die Zeitungsleser, was die Zeitungen berichteten. Die Mehrheit der Arbeiter waren aber keine Zeitungsleser, wenigstens lasen sie nicht den politischen Teil. Eine gute Dosis Preußenhatz war aber vor- Händen, weil man in Preußen das Element sah. welches 1848 das Zustandekommen eines einheitlichen freien Deutschlands und die Be freiuug Schleswig-Holsteins gehindert hatte. Die ökonomischen Teile der Schriften wurden aber auch nicht verstanden, weil die Industrie fast gänzlich fehlte. Hamburg war mehr als jetzt rein Handelsstadt. Nur Gewerbe, die mit Handel und Schiffahrt eng verknüpft waren, waren dort anzutreffen. Man las Lassalles Schriften wie einen Roman, der eine völlig unbekannte Welt schildert. Nur in einigen Punkten dämmerte etwas Verständnis, das waren die Partien über die indirekte Steuer. Hamburg, Altona waren Freigebiete. Nur die innere Stadt Hamburg hatte seinen Oktroi und Altona war durch die Zollgrenze vom übrigen Schleswig-Holstein getrennt. Dieselbe Ware hatte auf dem engen Komplex drei ver- schiedene Preise. In St. Pauli und in Altona bezahlte man den durch Weltmarktpreis bedingten Detailpreis; sie war in der inneren Stadt Hamburg um die Accise und in Ottensen um den Zoll höher. Daher kauften alle Arbeiter auf St. Pauli oder in Altona ihre Bedürfnisse ein. An dem hier in Erscheinung tretenden Preis- unterschied konnte man ermessen, wie schwer die Arbeiter des Binnen- landes durch Zölle und indirekte Steuern bettoffen wurden. Da man nun für einige Teile der Schriften so handgreifliche Beweise hatte, glaubte man, daß auch die andern Teile stimmen werden und man behandelte sie wie ein Evangelium. Um das Ver- ständnis zu fördern, griff man zu allen nur denkbaren Mitteln. Nicht wenige Arbeiter verpönten jede andre Litteratur. Hatte man die Schriften alle durchgelesen, dann fing man wieder beim Offenen Antwortschreiben an. Aber auch andre Mittel ergriff man, um das Verständnis zu fördern. Man gründete sogenannte Agitatorenschulen. In diesen Schulen wurde kein systematischer Unterricht erteilt. Das ging nicht, weil der Lehrer fehlte. Eine Anzahl meist junger Leute ver- sammelte sich in einem Privathaus und dort wurden dann die Schriften durchgenommen. Einige Seiten wurden verlesen und dann begann die Diskussion. Wußte kein Mensch nach etwas zu fragen oder zu sagen, dann wurde fortgefahren. Die hier betriebene Lern- und Lehrmethode wurde auch auf die Versammlungen übertragen. Dort war ein Kasten aufgestellt, in den man Fragen hineinlegen konnte. Hatte jemand einen ihm unverständlich erscheinenden Satz gefunden, dann schrieb er ihn auf, und fragte, was Lassalle damit gesagt haben wollte, und legte den Zettel in den Kasten. Die Frage wurde vorgelesen und nun begann die Diskussion über dieselbe. Damit aber alle Mitglieder sich Mühe geben sollten, die Schriften zu verstehen, hatte man die Einrichtung getroffen, daß der Vorsitzende einem beliebigen anwesenden Mitglied das Wort erteilen konnte. Es war also nicht nur ein Fragen und Aufklärung suchen, sondern auch eine Art Schulexamen. So kamen die Mitglieder wöchentlich zweimal zusammen, einmal zur Volksversammlung, in der nur Vorträge gehalten wurden und dann in der regelmäßig jede Woche stattfindenden Mitgliederversammlung. Lassalle hatte ja befohlen. jedes Mitglied soll ein Agitator sein und dieser Befehl wurde ge- treulich erfüllt. Ueber Orthodoxie und Sektenwesen der ersten Socialdemokraten hat man später die Nase gerümpft, aber doch war es der einzige Weg. die Arbeiter dahin zu bringen, den socialistischen Gedanken zu erfassen. Hätten Lassalles Schriften nicht so begeisternd auf die Massen gewirkt, dann wäre nicht das feste Fundament geschaffen, auf welchem das große Gebäude der heutigen Partei errichtet werden konnte. In kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgelvachsen, dem politischen Leben völlig fremd gegenüberstehend, wurden die Arbeiter aufgefordert, das politische Leben umzuwälzen. Die Arbeiter dahin zu bringen, war viel schwerer als selbst Lassalle ahnte. Bor vielen Sätzen, die so populär sind, daß sie heute fast banal erscheinen, standen damals die Arbeiter wie ein Schüler vor einer schwierigen mathematischen Aufgabe. Weil man etwas fand, was begeisterte oder Aufklärung schuf, griff man immer wieder zu den Schriften, und durch jahrelanges Bemühen gelang es schließlich, zahlreiche Agitatoren zu erziehen. Gerade der Sektencharakter in der ersten Zeit wirkte auf die Arbeiter erzieherisch. Man las nur Lassalle und folgte blind seinen Weisungen. Neben Lassalles Schriften wurden nur Schriften solcher Schriftsteller gelesen, die auch von Lassalle als große Männer gepriesen wurden. Was Lassalle lobte, wurde in der Bibliothek eingeführt. Man fand neben Lassalles Schriften Fichte. Sah, Adam Smith, aber auch die in Julian Schmidt ver- teidigten Dichter.-• Wenn früher Arbeiter lasen, dann lasen sie nur die gewöhn- lichsten Schauerromane. Der gute Lassalleaner durfte solche Dinge nicht anfassen, wenn er sich nicht dem Spott seiner Genossen aussetzen wollte. Er mußte als Unterhaltungslektüre schon zu Klassikern greifen. So griffen denn die einfachsten Arbeiter zum Schiller, Goethe usw. Der Tageslitteratur wurden die Arbeiter etwas ent- fremdet, aber ihr Wissen erweiterte sich. Wichtige Tagesereignisse wurden in Versammlungen besprochen und diese mußten die Tages- zeitung ersetzen. Besonders wurde die Disciplin gepflegt. Wer einen Auftrag erhielt, mußte ihn ausführen, wenn er nicht von den Genossen mißachtet werden wollte. Jede Arbeit mußte gethan werden. Wenn an einem Sonntag in zehn Dörfern Versammlungen waren, und es standen nur fünf Redner zur Verfügung, dann wurden für die übrigen Versammlungen einfach eine Anzahl Genossen gewählt, und sie mußten dann versuchen, die Lehren Lassalles zu verbreiten. Sicher ist, daß jeder Genosse, der jene Zeiten mit erlebt hat, gern an sie zurückdenkt. Obwohl die Gemeinde klein war, lebten alle Glieder in der festen Zuversicht, daß sie eine Welt erobern würden. und der heutige Bau zeugt davon, daß man damals ein gutes Fundament gelegt hat. H. Molkenbuhr. Die neueste Lassalle-Biographie. Ms zweiter Band der Frommannschen Sammlung von Bio- graphien hervorragender Politiker und Nationalökonomen ist soeben ein Buch über Lassalle erschienen, das den Berliner Privatdoeenten der Geschichte, Dr. Hermann Oncken, zum Verfasser hat*). Es kommt am Vorabend des vierzigsten Jahrestages von Lassalles Tod recht ge« legen. Mit Benutzung allen Materials geschrieben, das bis in die neueste Zeit über Lassalle in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, ist es jedenfalls die vollständigste Biographie, die bisher von nicht- soeialistischer Seite über Lassalle veröffentlicht worden ist. Die vollständigste und wohl auch die objektivste. Oncken führt Lassalle gegenüber die Sprache des Historikers, der seinen eignen politischen Standpunkt wohl gelegentlich durchblicken, aber keine Urteile fällen läßt. Wo er urteilt, sucht er es als Wissenschaftler zu thun: als Geschichtsphilosoph, als Staats- und Rechtstheoretiker, Ge- schichtsschreiber, Psychologe usw. Er ist mehr Sprachrohr dieser Diseiplinen, als Persönlichkeit; der persönliche Zug fehlt seiner Lassalle-Biographie gänzlich. Damit fehlt ihr aber freilich ein großer Reiz. Keine Person ruft vielleicht so nach künstlerisch- subjektivistischer Behandlung wie gerade Lassalle. Allerdings muß es schon ein sehr hervor- ragender Künstler sein, der den Stoff, den Lassalles Person und Leben darbieten, so soll bewältigen können, daß wir ein ebenso wahres wie harmonisch- geschlossenes Vollbild erhalten. Im all- gemeinen fehlt den Künstlern in der Litterattir die wissenschaftliche Ader, die erforderlich ist, um dem Rechtsphilosophen, dem Nattonal- ökoiiomen ec. in Lassalle auf den Grund zu gehen; bei ihnen muß die ästhetische Anschauung das tiefere Studium ersetzen, und was diese unter Umständen leisten kam,, zeigt die Charakterskizze, die Georg Brandes von Lassalle geliefert hat. So unvollkommen und selbst unrichtig sie im einzelnen ist, so lvenig sie heute geniigen kann, wo wir über ein ganz andres Lassalle- Material verfügen, als wie es Brandes seiner Zeit zur Verfügung stand, so war das Buch doch, als es erschien, ein grundlegendes Künstwerk. Es lieferte die Hauptzüge, an denen die nachfolgende Lassalle-Litteratur wohl auszufüllen und im einzelnen zu bessern, aber wenig grundsätzlich zu ändern fand. Der einheitliche Zug, der die BrandeS'sche Schrift auszeichnet, fehlt bei Oncken. Wohl strebt auch Oncken danach, ein einheitliches Bild Lassalles zu geben. Ja, er benüiht sich sogar mit Eifer, den Beweis zu liefern, daß Lassalle auch dort ganz er selbst gewesen sei. ganz nach seinen stets entfalteten Charaktereigenschaften gehandelt habe, wo, wie bei der Dönniges-Affaire, die soeialdemokratische Geschichtsschreibung Lassalle gern in abnormer Geistesverfassung handeln läßt. Indes verrät gerade die Art, wie Oncken hier die Einheitlichkeit des Bildes zu erhalten sucht, sein künstlerisches Deficit. Selbstverständlich war Lassalle, als er mit der rasenden Energie eines gereizten Löwen nm Helene von Dönniges kämpfte, im Wesen derselbe, als der er sich sogar schon als Knabe gezeigt hatte, und in der Einleitung zur Gesamtausgabe seiner Schriften ist denn auch svon socialdemokratischer Seite unumwunden hervor- gehoben worden, daß, wie Lassalle in diesem Handel verfuhr, er auch bei andern Gelegenheiten gehandelt hatte, wenn auch nicht mit gleichem Ungestüm. Also das ist gar nicht die Frage. Was es viel- mehr z>l veranschaulichen gilt, das ist die eigenarttge Mischung von Eigenschaften in Lassalles Wesen, der Widerstreit der Tendenzen, der in ihm tobte, und der ihn, ohne daß er aufhörte, im Grunde der- selbe zu sein, doch zu verschiedenen Zeiten sehr verschiedenartig sich geberden, oder selbst zu ein und derselben Zeit höchst Widerspruchs- voll handeln ließ— um es banal auszudrücken, das Spiel der Faustischen zwei Seelen in der Brust Lassalles. An einzelnen Stellen läßt auch Oncken diesen inneren Zwiespalt in Lassalle deutlich werden, aber für das Gesamtbild reicht seine psychologische Gestaltungskraft nicht aus. Dafür entschädigt uns die Gründlichkeit des Buches. Es ist eine ehrliche und fleißige Arbeit. Oncken hat nach Möglichkeit alle Quellen benutzt, die über Lassalles Leven und Wirken Auskunft geben. Nur Unwesentliches dürfte ihm in dieser Hinsicht entgangen sein. Onantttativ erfüllt sein Buch alle berechtigten Ansprüche. Und als Historiker wird Oncken auch darin seiner Aufgabe gerecht, daß er mehr als irgend einer seiner Vorgänger die geschichtliche Umwelt zur Anschauung bringt, in der Lassalle handelte und gestaltend zu wirken suchte. Das aber ist von größter Wichtigkeit für die Be» urteilung Lassalles. In keiner der bishe» erschieneneu Schriften über Lassalle ist zum Beispiel die polittsche Konstellation, wie sie in dem Augenblick sich gestaltete, als Lassalle den Kampf für das allgemeine Wahlrecht führte, so eingehend dar- gestellt worden als wie bei Oncken, und in keiner wird daher auch Lassalles Verhalten in diesem Kampf so begreiflich gemacht als wie hier. Wenn man bei Oncken liest, wie sehr die deutsche Frage in jenen Tagen die W a h l r e ch t s f r a g e in den Vordergrund zu schieben begann, sie zu einem Kampfmittel der rivalisierenden Groß- niächte Preußen und Oesterreich machte, so erhalten viele Schritte Lassalles ein wesentlich andres Gesicht als sie tragen, wenn man sie nur unter den: Gesichtspunkt des innerpreußischen Parteikampfes betrachtet. Im Angesicht des von Oncken auf S. 338 seiner Schrift eitierten Berichts Bisniarcks vom 16. September 1863 an den König von Preußen, worin sich das preußische Ministerium für«eine wahre, aus direkter Beteiligung der ganzen Nation hervorgehende(deutsche) Nationalverttetung" erklärt, für eine„Versammlung, die aus dem ganzen Deutschland nach dem Maßstab der Bevölkerung durch direkte Wahlen hervor» *) Lassalle. Von Hermann Oncken.(Polittker und Nationalökononr. II). Stuttgart ISVt. Fr. Frommanns Verlag. 460 S. 8°. gelht"— im Angesicht solcher Urkunden werden UNS die Besuche Lassallcs bei Bismarck viel begreiflicher. Hat damals Lassalle Bisniarck oder Bismarck Lassalle zuerst zu sprechen gesucht? Nach Sophie von Hatzfeld geschah der erste Schritt von Bismarckischer, nach Bismarcks Darstellung von Lassallescher Seite. Oucken hält die Bismarckische Lesart für die wahrscheinlichere doch sind die Argumente, die er daftir anführt, nicht zwingend. Richtig ist aber, daß Lassalle sich zu jener Zeit in einer Situation befand, die ihm den Wunsch nahelegen mußte, auf Bisniarck persönlich zu Gunsten der Einführung des allgemeinen Wahlrechts einzuwirken, und daher sicherlich mit Freuden zugegriffen haben wird, als sich ihm die erste Gelegenheit zu einer Zusammenkunft mit dem Minister bot. Oncken verweist hierbei auf einen in Vergessenheit geratenen Artikel der Wiener Zeitschrift„Der Wanderer" aus dem Jahre 1869, der zwei Gespräche zwischen Lassalle und Bismarck wiedergiebt. Was, als dieser Artikel erschien, so ziemlich allgemein als Phantasie an- genommen wurde, erhält jetzt viel innere Wahrscheinlichkeit, und so gedenken wir den Artikel an geeigneter Stelle zum Abdruck zu bringen Oncken selbst geht nicht weiter auf ihn ein, dagegen finden wir bei ihm aus dem Bismarck- Jahrbuch zwei interessante Briefe Lassalles an Bismarck abgedruckt. Sie sind von Mitte Januar 1864 datiert und beziehen fich u. a. auf die Technik des Wahlrechts, hinsichtlich deren Bismarck sich sehr unsicher gefühlt zu haben scheint. Es heißt darüber im ersten der zwei Briefe: „WaS die Wahltechnik betrifft, so habe ich noch gestern Nacht die gesanite französische Gesetzgebungsgeschichte nachgelesen und da allerdings wenig Zweckmäßiges geftinden. Aber ich habe auch nach gedacht und bin nunmehr allerdings wohl in der Lage, Ew. Excellenz die gewünschten Zauberrezepte zur Verhütung der Wahleuthaltuug wie der Stimmenzerbröckelung borlegen zu können. An der d u r ch g r e i f e n d e n Wirkung derselben wäre nicht im geringsten zu zweifeln!" Lassalle ersucht Bismarck, ihm einen Abend für einen Besuch zu bestimmen, ihn aber so zu wählen, daß sie im Gespräch nicht gestört würden.„Ich habe viel über die Wahltechnik und noch mehr über andres mit Ew. Excellenz zu reden, und eine ungestörte und erschöpfende Besprechung ist bei dem drängenden Charakter der Situation wirklich unumgängliches Bedürfnis", heißt es weiter. Aber die Antwort auf diesen Brief läßt auf sich warten— die politische Situation ändert sich— am Tage nach Absenkung des Briefes hatten Oesterreich und Preußen in Frankfurt a. M. erklärt, daß sie die Elbherzogtümcr Schlesivig-Holstein unabhängig vom deutschen Bunde in Pfand nehmen würden, und der dänische Krieg nimmt seinen Anfang. Da schreibt Lassalle am 16. Januar noch einmal und kündigt dem Minister an, er werde aus eigner Initiative am folgenden Tage abends 8>/z Uhr bei ihm vorsprechen, da, wie er glaube, ihre nächste Unterredung„endlich von entscheidenden Beschlüssen gefolgt sein" werde, und„diese entscheidenden Be- schlösse unmöglich länger zu verschieben" seien. Ob Lassalle sein Vorhaben ausführte und am betreffenden Abend empfangen wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls waren die Zu sammenkiinfte damals noch nicht zu Ende. Aber die Briefe beleuchten die schiefe Lage, in die Lassalle Bismarck gegenüber zu geraten begann. Er. der die von ihm geleitete Bewegung sich nur sehr langsam entfalten sieht, hat, weil er einen in die Augen fallenden Anstoß braucht, Eile, Bismarck will und kann Ivarten. Wie er Bismarck Mitte Februar den„Bastiat-Schulze" mit einem Briefe übersendet, worin es u. a. hieß, der Minister werde„aus diesem Holze Kernbolzen schneiden können zu tödlichem Gebrauche sowohl im Ministerräte wie den Fortschrittlern gegenüber", erhält er von Bismarck nicht einmal eine direkte Anttvort, sondern nur in dessen Austrage Empfangsbestätigung durch den damaligen Legastonssekretär und späteren Gesandten R. v. Keudell. Nach Keudell hat es in dem Briefe weiter geheißen, es wäre„sehr nützlich, wenn der König einige Abschnitte des Buches läse, dann würde er erkennen, welches Königtum noch eine Zukunft hat, und klar ersehen, wo seine Freunde, wo seine wirklichen Feinde sind".(Oncken, S. 3ö6.) Unzweiselhaft bezieht sich letzteres vornehmlich auf da» Schluß- kapitcl des Bastiat-Schulze, wo Lassalle ausführt, daß in Deutschland „niemals und unmöglich durch das Bürgertum der Durchbruch in eine nationale Existenz vollbracht werden kann", daß „Klein st aatlerei und Bürgertum nur mit einander werden besiegt werden", daß„für uns(Deutsche) dieser Klassensieg (der Arbeiter) auch zur Bedingung unsres n a t i o n a l e n D a s e i n s gemacht" sei. Und die pathetischen Schlußsätze verlieren den Charakter der theatralischen Uebertreibung, nun man weiß, auf wen sie zu wirken bestimmt waren. Der König von Preußen und die alt- kouservattven Mitglieder des Ministeriums sperrten sich insbesondere gegen das allgemeine Wahlrecht. Sic herumzubekommen lvar dem- nach für Lassalle von der größten Wichtigkeit. Mit einem Wort, Lassalle befindet sich in umgekehrter Lage, wie er sie im Motto zu seiner Schrift über den italienischen Krieg an- gekündigt hatte. Da er die Massen nicht im nötigen Maße zur Ver- fügung hat, sieht er sich immer mehr auf P e r s o u e n, auf die Obenstehenden angewiesen. Kann mau ihm nun daraus, daß er überhaupt mit Bismarck konferierte, vernünftigerweise noch keinen Vorwurf machen, so weist es doch auf einen verhängnisvollen Fehler in seiner Politik hin, daß er immer mehr in Abhängigkeit von Personen und Zufallskombinationen gerät, daß er sich schließlich zu demselben Mittel genötigt sieht, welches er in seinen Verfassungsbroschüren seiner geschworenen Gegnerin, der„Volks- zeitung", mit Verachtung als„Umlügen des Gegners" vorgeworfen hatte. Er hatte zwar die wirkenden Kräfte im ganzen richtig ein- geschätzt, aber er hatte in seinem jähen Naturell das Zeitmoment unterschätzt— er wollte im Sturm nehmen, was sich ohne reale Macht nun einmal nicht erzwingen ließ. Aus diesem intellektuellen Fehler erklären sich alle Verletzungen des politischen Taktes, die Lassalle damals beging. Im übrigen hebt Oucken mit Recht hervor, daß sowohl Bismarck wie Lassalle bei Einschätzung der politischen Bedeutung des all- gemeinen Wahlrechts sich Irrtümern hingaben. Bismarck sah zwar klar genug, daß bei der socialen Struktur des Preußens der sechziger Jahre das allgemeine Wahlrecht eher konservative Wahlen ergeben konnte, als das plutokratische Dreiklassen-Wahlsystem, er sah aber nicht, daß diese Struktur dem Wandel in einer ganz bestiimnten Richtung unter- warfen war und der Vorteil für ihn somit nur ein vorübergehender sein konnte. Lassalle seinerseits erkannte zwar— und das bleibt sein großes Verdienst— die schöpferisch- erzieherische Kraft des allgemeinen Wahlrechts, aber er unterschätzte die Hemmungskraft der social rückständigen Fattoren im damaligen Preußen, insbesondere den Tiefstand der noch die Mehrheit der Bevölkerung ausmachenden Landbevölkemng. Bei alledem war sein Irrtum ein bloher Fehler in der Abschätzung des Zeitmaßes der Entwicklung, während Bismarck das Wesen der Entwicklung verkannte— Lassalles Fehler mußte immer kleiner werden und wurde innner kleiner, je mehr die Entwicklung voranging, Bismarcks Rechenfehler wuchs mit dem Fortschritt der Entwicklung. Beide waren in ihrer Art Opportunisten, aber Lassalle mit dem durch Geschichtsstudium ge- schärften Blick auf die Zukunft, Bismarck dagegen vollständig beherrscht von dem Bilde der bor ihm liegenden Gegenwart: Bis- marck als Diplomat erfahren in der Statik. Laffalle als revolutionärer Forscher wohl orientiert in der Dynamik der Geschichte. Zeigt sich Oncken in der Darstellung der Kämpfe um das Wahl- recht im ganzen seiner Aufgabe gewachsen, wobei ihm allerdings viele Vorarbeiten, darunter auch solche von Socialisten, helfend zu Gebote standen, so sehen wir ihn dagegen fast hilflos, wo es ökonomische Fragen zu behandeln gilt, über die ihm die vorhandene Litteratur keine erschöpfende Kritik darbietet. Nach einer auf den Grund gehenden Beurteilung des Lassalleschen Associationsprozesses suchen Ivir z. B. vergebens. Anzuerkennen ist, daß Oncken bei Be- sprechung von Fragen aus Wissensgebieten, die nicht zu seinem Spezialfach gehören, wiederholt unumwunden seine Unzuständigkeit hervorhebt. Indes muß es doch überraschen, daß der Historiker bei Besprechung des Systems der erworbenen Rechte über eine Frage, ivie die der Entwicklung des Erbrechts, mit ein paar un- bedeutenden Worten hinweggeht. Wenn man das Gebiet der Geschichtsforschung nicht sehr eng zieht, bildet gerade die Geschichte des Erbrechts als sociales Institut unsres Erachtens einen sehr wesentlichen Gegenstand ihrer Untersuchung, und da das Onckensche Buch kein Eintagsprodukt ist, hätten wir über dieses interessante Problem mindestens etliche orientierende Bemerkungen er- warten dürfen. Aber Oncken liebt es auch sonst nicht, allzu tief in die sociologische Seite der Dinge einzudringen. Er zieht es vor, bei der mehr äußerlichen Beschreibung und einer nicht sehr tiefgreifenden Psychologie es bewenden zu lassen. Dies in Uebercinstimmung mit seiner Geschichtsauffassung, die aus Furcht vor irgend welcher Ein- seitigkeit in einen wenig bestimmten Ekleftizismus verläuft, der sich in der Politik als farblose Mittelparteilerei zu erkennen giebt. Sie giebt dem Buch einen etwas müden Anstrich. Hat Laffalle so in Oncken keinen ihm kongenialen Biographen gefunden, noch einen Carlyle, der dem Buch auch bei ab- weichender Meinung Farbe und Leben verliehen hätte, so doch immerhin einen verständigen Beurteiler, der genügend Sympathie ür ihn empfindet, um ihm in jeder Beziehung gerecht werden zu können. Trotz der berührten Mängel stehen wir nicht an, die Onckensche Schrift als begrüßenswert zu bezeichnen. Sie giebt quantitativ mehr als ihr Vorgänger, atniet einen hohen Grad von Solidität, und wenn sie als ganzes der Lebendigkeit entbehrt, es an Blutwärme fehlen läßt, so ermangelt sie im einzelnen doch nicht der Partieen, in denen der Verfasser von beiden genug in sein Werk hineinträgt, um sie zu einer packenden Lektüre zu machen. Sein Laffalle ist kein glänzendes, aber ein im wesentlichen zuverlässiges Buch. Und das ist bei einer bürgerlichen Biographie Lassalles immer- hin keine Kleinigkeit. Ed. B. Huö Itiduftnc und ftandd. Was nun? Die kapitalistische Presse beschäftigt sich mit der Frage, was der Handelsminister nun machen werde, nachdem die Düsseldorfer Ge- ueralversammlung der Hibernia die Verstaatlichungs-Offerte der Regierung abgelehnt hat. Die„Frankfurter Zeitung" betrachtet als feststehend, daß die Dresdner Bank vom Minister in Bezug auf die Uebernahme des von ihr erworbenen Aktienpostens bindende Zu- sicherungen erhalten hat und meint, an eine Bewilligung der nötigen Mittel durch den preußischen Landtag fei kaum zu zweifeln. Das Blatt stellt folgende Berechnung auf:„Auf den Namen der Dresdner Bank und ihrer Freunde waren in der Generalversammlung rund 26V. Millionen Mark Aktien angemeldet. Dazu kommen noch über 3 Millionen Mark, die sie der Gegengruppe hereingegeben hatte, und die Ende d. M. wieder an sie zurückzuliefern sind. Insgesamt werden der Regierung, wenn sie diesen Posten übernimmt, also rund 24 Millionen Hibernia-Aktien zufallen. Selbst wenn die Kapitals- crhöhung durchgeführt werden kann, würde mithin nach Uebernahme dieses Postens der Staat als Aktionär über 46 Proz. des erhöhten Aktienkapitals der Gesellschaft verfügen, unter Zugrundelegung des jetzigen Kapitals sogar über 45 Proz. Es wäre somit wohl nicht sehr schwierig, diesen Besitz durch weitere Ankäufe allmählich zu einer Aktien-Mchrheit zu erweitern und damit der Regierung maß- gebenden Einfluß in allen entscheidenden Fragen zu sichern. Sogar ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Regierung weitere Hibernia-Aktien, mit deren Ankauf sie sich gar nicht sehr zu beeilen brauchte, unter günstigeren Bedingungen erwerben kann. So glänzend die Verwaltung auch die Zukunftsaussichten der Gesell- schaft schildert, für den Augenblick hat sich angesichts des ein- getretenen Absatzmangels die Ertcagsfähigkeit der Zechen vermindert, und das kann, falls keine Besserung eintritt, mit der Zeit auch auf die Aktien- Erträgnisse und damit auf die Bewertung der Attien zur Wirkung kommen." Aehnlich äußern sich auch die meisten andern Blätter; nur daß sie— unsres Erachtcns mit Recht— durchweg die Ansicht ver- treten, es werde, falls die Dresdner Bank ihren Protest aufrecht erhält, der Hibernia-Verwaltung kaum möglich sein, den Kapitals- erhöhungs-Beschluß durchzuführen. Daß die Regierung wenigstens vorläufig noch nicht an Nach- geben denkt, sondern darauf rechnet, einen weiteren Teil der heutigen Verstaatlichungsgegner zu sich herüber zu ziehen, gebt deutlich aus einer offiziösen Notiz der„Berliner Politischen Nachrichten" hervor, in der einerseits an die bessere Einsicht der rheinischen Groß- industriellen appelliert und andrerseits mit der Einbringung von Anti-Kartellgesetzen durch die Regierung gedroht wird. „Im Interesse der Industriellen liegt e» vor allem." heißt es darin,„daß durch die wirksame Beteiligung des Staates an dem Kohlensyndikat ein Sicherheitsventil gegen die Dränger nach einem Syndikats-Gesetz geschaffen wird. Daß, wenn dem Staate ein solches dauernd versagt würde, aber kaum eine andre Wahl bliebe als der Weg der Gesetzgebung, bedarf der näheren Darlegung nicht, obschon in dem speciellen Falle des Ankaufs der Hibernia das Schwergewicht eines so großen in den Händen des Staates befind- liehen Aktienbesitzes auf die Dauer dazu führen muß, das erstrebte Ziel doch zu erreichen." Und weiterhin wird gedroht: .Man wird sich der Wahrnehmung nicht verschlossen haben, daß die für unsre innere Politik am meisten ins Gewicht fallenden Kreise der Bevölkerung so ziemlich ausnahmslos von der Zweckmäßig- keit, ja selbst Notwendigkeit eines starken Einflusses des Staates wenigstens aus das Kohlensyndikat überzeugt sind. Dies gilt ins- besondere von der Mehrheit des Reichstags, nicht minder aber vom Abgeordnetenhaus, und zwar bis weit in die Reihen der National- liberalen hinein. Die agrarisch-klerikale Mehrheit beider gesetz- geoerischen Versammlungen findet in diesem Punkte auch die Zu- stimmung der äußersten Linken. Selbst der manchesterlich an- gehauchte Linksliberalismus, der seit 1879 ohnehin der schutzzöllne- rischen Großindustrie nichts weniger als gewogen ist, macht mit. Darüber lassen die Verhandlungen beider parlamentarischen Körper- schaften und die Aeußerungen der Parteipresse keinen Zweifel. Die StaatSregierung wird bei ihrem Bestreben, sich einen erheblichen Ein- sluß auf das Kohlenshndikat zu sichern, zweifellos von einer starken populären Strömung getragen, der grundsätzliche Widerstand gegen jenes Bestreben der Regierung stellt sich umgekehrt dieser direkt entgegen." Ernst darf man indes diese Drohung kaum nehmen; die Herren Möller, v. Rheinbaben usw. sind nicht die Leute, die eS mit den Großindustriellen verderben möchten. Schließlich wird schon«ine Einigung zu stände kommen. An der Börse war heute bereits das Gerücht verbreitet, daß die Deutsche Bank bereit sei, zwischen den streitenden Gruppen zu vermitteln. Die Lebensmittel- Teuening hat im oberschlesische» Jndustriebezirk einen ganz besonders hohen Grad an» genommen, insbesondere durch die Verteuerung der Kartoffel, de? Hauptuahrungsmiltels der oberschlesischen Proletarier. Hier wirkt nicht nur die Dürre dieses Sommers, sondern außerordentlich preis« steigernd die seit kurzem eingetretene Grenzsperre fiir Futter» mittel w. seitens Rußlands und Oesterreichs. Ist doch der ober- schlesische Jndustriebezirk zwecks Ernährung seiner 866 666 Menschen auf die Zufuhr von Lebensmitteln aller Art aus Galizien und Russisch-Polen ganz unbedingt angewiesen. Nun hat der Ober- schlesische Berg- und hüttenmännische Verein, die offizielle Ver- tretung der oberschlesischen Großindustrie, eine„edle That" im Interesse der hungernden Arbeiter gethan: er hat an das Staats- Ministerium eine Petition gerichtet,„im Interesse der industriellen Arbeiterbevölkerung Ausnahmetarife für Kraut und Kartoffeln zu gewähren". Brave Leute in der That I Wenn eS ein Arbeiter wagen wollte, mit Hinweis auf die Teuerung ein wenig mehr Lohn zu fordern, würde er von den Herren mit dem wannen Herzen für die Arbeiter sofort als Hetzer entlassen werden. Das ist hier so üblich. Jedenfalls find Petittonen an den Minister auch erheblich billiger. Zur Lage deS deutschen Werkzeugmaschinenbaues. In der vor- gestern hier abgehaltenen Ausschußsitzung des Vereins deutscher Werk- zeugmaschinenfabriken wurde über die Geschäftslage ausführlich be- richtet und konstatiert, daß die Verhältnisse der Branche noch immer keine erhebliche Besserung erfahren haben. Wohl sind mehr Auf- träge eingegangen, aber nicht in einem der Leistungs- fähigkeit der Fabriken entsprechenden Umfange. Auch sind die Erträgnisse der Betriebe noch immer größtenteils un- genügend. Dazu machen die Stahlwerke infolge des neuer- dings schlechten Geschäftsganges in der Eisenindustrie wieder stärkere Gegenlieferungsforderuugen; einzelne verlangen 46 bis 56 Proz. des Wertes der von ihnen bestellten Maschinen durch Gegenlieferung be- gleichen zu können. Auch ist der Bedarf der Stahlwerke an neuen Maschinen verhältnismäßig nur gering, weil nur wenige Neuanlagen gemacht werden, nachdem die Werke vor der Errichtung der Verbände sich nach Möglichkeit vervollkommnet hatten. Der?lbsatz nach dem Auslande läßt, wie versichert wurde, eben- falls viel zu wünschen übrig. Am stärksten tritt der amerikanische Wettbewerb hervor, der auch auf dem deutschen Inlandsmarkt in letzter Zeit noch mehr an Bedeutung gewonnen hat. Während im ersten Halbjahr 1962 die Einftlhr an solchen Maschinen nach Deutsch- laud sich ans rund 3666 Doppelcenwer belaufen hatte, betrug sie im ersten Halbjahr 1963 schon 4566 Doppelcentner und stieg in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auf nicht weniger als 11666 Doppelcentner.__ Soziaice» Im Namen des Königs— mit Bedauern bestraft! Auf dem Hoerder Verein waren jahrelang die Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung und des Bürgerlichen Gesetzbuchs betreffend Lohnzahlungen übertreten worden. In einer Versammlung hatte der Genosse D. die gesetzlosen Zustände kritisiert. Die Direktion des Hoerder Vereins fühlte sich beleidigt und die Staatsanwaltschaft erhob natürlich die Anklage. In der bezüglichen Verhandlung wurden die von D. behaupteten Verstöße noch weit über den Rahmen des bisher Bekannten hinaus als wahr erwiesen. Trotzdem wurde der Angeklage bestraft— 75 M. Geldstrafe lautete das Urteil—, weil er bei den wahren Behauptungen ein formal nicht zulässiges Wort gebraucht haben soll. Aus Grund jener Beweiserhebung— deren Kosten natürlich dem Angeklagten aufgehalst wurden— fand in voriger Woche, fast ein Jahr später, nachdem die Gesetzesverletzungen erwiesen waren, vor dem Schöffengericht in Dortmund eine Ver- Handlung gegen die Direktoren Tull, Leopold und van Vlothen statt, wegen Uebertretung des Z 115 der Gewerbe-Ordnung. Da das Trucksystem, wie es auf dem Hoerder Verein bestanden hat— Arbeiter erhielten fast den ganzen Monat keinen Pfennig bar Geld ausbezahlt—, gar nicht mehr verleugnet werden konnte, mußten Bestrafungen eintreten, wie der Vorsitzende mit Bedauern konstatierte, denn man könne die gute Absicht und die Wohlthat des Systems für die Arbeiter nicht verkennen. Jahrelange, systematische Gesetzes- Übertretungen sind selbstverständlich nicht so strafwürdig wie ein nicht genau überlegtes Wort, wenn dieses auch in dem Bestteben. den Gesetzen Achtung zu verschaffen, gebraucht worden ist. Die an- geklagten Direktoren kamen mit je 36 M. Geldstrafe davon. Da braucht man sich nicht zu wundern, daß das Unternehmertum Ar- beiter-Schutzbeftimmungen mit souveräner Verachtung behandelt. eingegangene Druck Icdnsiten. Wilhelm German, Jesus von Nazareth. Preis 2 SB. Schwöb. Hall 1964. Wilh. Germans Verlag.„ � ,c.._ „Die Bibel in Fetten" von W. R. Washington sullivan. Auton- sicrte Uebersetzung aus dem Englischen. 8». Moderner Verlag in Wien. 1 50 M. ' G. E. Reiff«. Wiffenschaslliche Kurpfuscherei. Eine öffentliche Kritik der Schulmedizin als Heilkunst. Preis 75 Ps. Berlin 1964. F. Schloffer, Sllexandriyenstr. 165/166. Dr. Heinr. Wchberg. Die Verstaatlichung der Bergwerke. Preis 56 Pf. Bremerhaven u. Leipzig 1962. Verlag von Chr. G. Tienken. Fr. Raunian». Demoiratie und Kaisertum. 3. Auflage. Preis 1,26 M., gebunden 2 M. Berlin-Schöneberg 1964. Buchverlag der„Hilst", tzohenstiedbergsw. 11. letzte I�lackrickten und Oepelcken. Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze. London, 36. August.(83. H.) Dem„Standard" wird aus Tientsin gemeldet: Die Japaner haben einen 1266 Meter von der Neustadt von Port Arthur gelegenen Punkt besetzt, sie befinde» sich nur noch eine Meile vom östlichen Hafenbasstn entfernt. Ein neuer Truppentransport nach Sndwestafrika. Hamburg, 36. August.(SB. 2. B.) Mit dem Dampfer„Alexandra Woermanu" ging heute nachmittag ein Truppentransport in Stärke von 156 Mann nach Deutsch-Südwestafrika ab. Bom ostasiatischen Kriegsschauplatz«. Petersburg, 36. August.(W. T. B.) Die russische Tele- graphcnagentur meldet aus Muiden von heute: Nach Geruqren wogt bei Liaujang ein hartnäckiger Kampf seit dem frühen Alle Angriffe des Feindes gegen unsre Flanken wurden abgeiastagen; es heißt, die Japaner hätten mehr als zehn Kanonen verloren. Einzelheiten fehlen. Das Wiederaufleben der Boxerbewegung in Eftino. Schanghai, 36. August.(Meldung des R�uterschen Bureaus) Das Wiederausleben der Boxerbewegung'P1�™.~:anun8TP' Provinz Pctschili. gemeldet. Als einige anrerttanlschc Mlssionare in Tamingfu erfuhren, daß Boxer am Ort, die sich Tsaiyun nennen, sie zu ermorden beabsichtigte, i/bcmühten sie stch P""cn amerikanischen Gesandten in Peking zu telegraphieren; d.e Lofalbehorbe verweigertes, das Telegramm abzuschicken, aber" 0�." er in Honan übernahm die Beförderung ber Meldung, �.«r Arzekomg flluanshikai gab sofort die nötigen befehle sur den Sckstttz der Missionare. Aber in Anbetracht der Unthattgkcit der Ortsbchorde und der Hofsnungslosigkeit, ihr>ierk fortzuietzen, verließen d'.e Missionare Tamingfu und kamen alle st.oer fort._ Lerostw. Niedakteur.: Paul Büttner, Berlin, Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer St Co., Be rlin S W. HierzuöBeilageuu.UnterhaltuiigSblatt »it. 204. 2l mim t|f iidje des„iotmitfö" KttlilM Nlllksbllltt. � 31 lmt ,9#i g———«™—— m— m— ii ü I i im mmmmmmBmKBKBmmmammBMaMBBmBmmmmBaamaaamKmmmmmmmm Die Entscheidungsschlacht in Ostasien befindet sich nunmehr in vollem Gange. General Kuropatkin hat sich endlich der japanischen Armee, die seit Monaten gegen die russische Hauptstellung vorrückte, stellen müssen. Sollten sich aber- ntals die japanischen Waffen den russischen überlegen zeigen, so wird Kuropatkin wahrscheinlich abermals den Versuch machen, sich nach Mulden zurückzuziehen. Es ist aber anzunehmen, das; die Japaner Fürsorge getragen haben, Kuropatkin diesen abermaligen Rückzug zu vereiteln. Gilt doch hier nicht das alte strategische Wort, daß man dem Feind zum Rückzug goldene Brücken bauen müsse, hängt doch hier das Schicksal des ganzen Feldzuges dieses Jahres, ja des Krieges überhaupt davon ab. daß die russische Hauptarmee ver- n i ch t e n d geschlagen, daß ihr ein S e d a n bereitet wird. Es wird dem: auch bereits gemeldet, daß Kuroki eine Eisenbahnbrücke zwischen Mulden und Port Arthur zerstört habe. Ob diese Meldung sich bewahrheitet, bleibt ungewiß. Sicher ist nur, daß einzelne japanische Abteilungen bis bereits in die Nähe von Mulden vorgestreift sind und daß sie alles aufbieten werden, einen etwaigen Erfolg der japanischen Hauptarmee bei Liaujang durch rücksichtsloses Vorstoßen gegen die Eisenbahnlinie, die ja die Rückzugslinie darstellt, zu einem vollständigen zu machen. Ober st a. d. Gädke meldet vom 30. August aus Liaujang: Liaujang, 30. August, 12 Uhr mittags. Seit 54/z Uhr morgens ist die Eutscheidungsschlacht von Liaujang im Gange. Ju mächtigem Halbrund von 14 Kilo- meiern umgiebt die russische Höhenstelliing von der Bahn bis zum oberen Taitfiho die Stadt Liaujang in einer durchschnittlichen Ent- fcrnung von sieben Kilometern von der Stadt. Ein großartiger Geschützkampf tobt, der seit elf Uhr zu außerordentlicher Heftigkeit sich gesteigert hat. Um 9»/z Uhr griff eine russische Batterie vom Nordufer des Taitsiho aus einer starken Höhcnstellung gegen die Japaner rtu, die von der Straße von Anping vorzugehen ver- suchten. Die lange prophezeite Entscheidungsschlacht ist also zur That- fache geworden I Es ist ein gewaltiges Ringen, das sich in dieser Schlacht abspielt. Gegen 400 000 Soldaten stehen sich dort gegen- über. Asiens europäisch aufgefrischte Kultur kämpft gegen den europäisch iiberfirnißten Barbarenstaat Rußland, den Hort der europäischen Reaktion. Das ganze Arsenal moderner Zerstörungs- Werkzeuge ist in grauser Thätigkeit. Noch schwankt zur Zeit die Wage des Sieges. Schwer ist es, über den Ausgang dieser denkwürdigen, historisch so bedeutsamen Schlacht etwas zu prophezeien. Wer wird siegen? Auf der einen Seite stehen die Ruffen, die oft Geschlagenen. Aber ihre Heeressäulen stützen sich auf gewaltige Schanzwerke, die seit Monaten nach allen Regeln der Befestigungs- kunst zu einem zweiten Plewna ausgebaut worden sein sollen. BOO Geschütze speien Tod und Verderben gegen die Angreifer, die gegen diese furchtbaren Fortifikationen anstürmen. Aber die Japaner überschütten diese Schanzen mit einem Hagel furchtbarer Explosivgeschosse. Und sie stürmen an mit der Erfolg- sicherheit sieggekrönter Veteranen. Sie kämpfen mit dem asiatischen Fatalismus, mit der heroischen Todesverachtung der feudalen Krieger- laste, deren schauerliche Tradition sich in den massenhaften Selbst- entleibungen verwundeter Krieger offenbart hat. Sie kämpfen mit dem Elan des PatriotisnmS, mit dem Heldenmut, den die gerechtere Sache verleiht. Bei den Ruffen dagegen fehlt jeder moralische Ansporn. Die Massen, die als Kanonenfutter auf den Kriegsschauplatz geworfen wurden, fechten ohne Begeisterung. Sie fühlen sich als die Opfer einer sinnlosen Eroberungspolitik im fernen Asien. Sie werden sich wohl, wenn der Blutdunst ihre Sinne erhitzt, der grauenhafte Schlachten- lärm ihr Hin; betäubt, mit der wilden Bravour schlagen, die die russische Soldateska seit jeher auszeichnete; aber die Hingebung. der Schwung, den wirkliche oder vermeintliche Ideale entzünden, wird ihnen fehlen. Wenn nicht alles täuscht, wird dem brutalen, jede Menschenwürde, jeden Intellekt, jedes Ideal zerstampfenden Absolutismus jetzt bei Liaujang sein verdientes Schicksal werden l Unser tiefstes Mitgefühl freilich gehört jenen Zehntausenden willenloser Sklaven der zarischen Schergengewalt, die in der wütenden Völkerschlacht ihr Blut verspritzen miiffen. Möge wenigstens dies Blut die Saat der russischen Freiheit düngen! Die russisch-offiziellen Nachrichten lauten: Petersburg, 30. August. Wie Generallieutenant Ssacharow dem Generalstabe unter dem gestrigen Datum meldet, eröffnete der Gegner ain Nachmittage des 29. von den Höhen iin Süden von Wanbatai, zwölf Werst südöstlich von Liaujang, eine heftigeKanonade auf die russische Stellung. Das Feuer dauerte bis 7 Uhr abends. Auf dem rechten Flügel der Südabteilung der russischen Armee war eine russische Kavallerie-Abteilung thätig, die am 28. August den Vor- marsch einer feindlichen Kolonne aufhielt, die den russischen rechten Flügel umgehen wollte. Die Kavallerie-Abteilung mußte in sehr schwierigem Gelände kämpfen._ Am 29. August wurden ausgedehnte Biwake der Japaner im Thale des Tschahe bei Sidantia westlich von der Eisenbahn bemerkt. Ferner wurde fest- gestellt, daß feindliche Kolonnen aus dem Thal des Tschahe nord- wärts nach Banmatun hin, westlich von der Eisenbahnlinie, vor- rückten.— In den letzten Tagen zerstreute eine halbe Sowie deS Regiments Daghestan auf dem Wege zwischen Bensihe und den Gruben von Jantai eine 160 Mann starke Bande gut bewaffneter Chunchusen. Der Bandenführer und 47 Mann fielen, 4 Mann wurden gefangen genommen. Die Ruhe in diesem unruhigen Gebiet ist damit wieder hergestellt. Petersburg, 30. August. Ein Telegramm deS Generallieutenants Ssacharow an den Generalstab von heute meldet: -rn der Nacht auf den 30. August stellten die Japaner gegen alle unsre Stellungen eine zahlreiche Artillerie auf und bcaannen die vordersten Stellungen bei Liaujang anzugreifen. Seit 6 Uhr ftüh ist ein äußerst heftiger Artilleriekampf im Gange. Bis 9 Uhr morgens war festgestellt, daß die Hauptanstrengungen der Javaner auf das Centrum unsrer Stellen gerichtet sind. Die Verluste durch das Schrapnellfener sind bei einigen Truppenteilen reckt bedeutend. Gegenwärtig, um 9 Uhr morgens, befinden.sich die Japaner in unmittelbarer Nähe unsrer Vorhut. Interessanter als diese absichtlich nichtssagenden Rachrichten lauten die anderweitigen Meldungen. Tokio 30 August. sMeldung des„Reuterschen Bureaus".) Die i a p a n i ich e n V e r l u st e bei Anpmg betragen ungefähr 2000 Mann an Toten und Verwundeten. Die Verluste der Ruffen sind gleichfalls sehr groß. Die Japaner haben b« Aupmg und be, Anschautschan je 8 Kanonen erbeutet. Ueber die Kämpfe der vorhergehenden Tage melden Wiener Blätter: Liaujang, 29. August. Die Japaner ruckten Sonntag mmnterbrochen gegen die russische Sndfront vor. Ter Infanterie- kämpf war äußerst erschwert, da die Wege fast uupassierbar waren. Auf ihrem Rückzug wurden die Russen sehr durch den eignen Train behindert. Trotzdem dauerte der Kampf den ganzen Tag. Er wurde zu einer furchtbare il Rückenaktion zwischen den rückfallenden Russen und den verfolgenden Japanern. Die russischen Verluste sind sehr groß. General Rutkowsky be- findet sich unter den Toten. Heute früh um ö Uhr erneuerte die japanische Artillerie den Kampf, und wieder wichen die russischen Vor- p o st e n dem mörderischen Feuer. Der Kampf wogt aufs heftigste. Die japanischen Jnfantericregimcntcr stürmen unaufhaltsam vor- wärtS. Der Angriff erfolgt in offener Formation und ist von einer bisher noch nicht geübten Schärfe. Verhängnisvolle Lage tfft russischen Armee. Kupnntzc, 29. August. Aus zuverlässigen Mitteilungen über die augenblickliche militärische Position geht hervor, daß der russische Generalstab über die japanischen Bewegungen absolut im Unklaren ist und das auch direkt zugesteht. Die Japaner schlagen jedesmal von ganz unerwarteter Seite zu. und die russische Armee scheint sich momentan vollständig in der Gelvalt der Japaner zu be- finden.(„Daily Mail".) poUtilcde(leberlickt. Berlin, den 30. August. Südwestafrikanisches. Zwei weitere Verlustlisten liegen heute vor: Berlin, 30. August. Es fiele« im Gefecht bei Waterberg am 11. August: Lieutenant Otto Seebeck aus Berlin vom 138. Regiment; Oberlieutenant v. L e k o w; Feldwebel Robert I e n d i s; Gefreiter Robert Wolf; Reiter Karl Schlegel, geb. 19. August 1882, früher im 6. Husaren-Regiment; Reiier Gottlieb Waclawzyk, Regt. 13; Gefreiter Eduard Rudolph, geb. 15. März 1882 in Hagen, früher bahr. Art.- Regt. 6. Schwcrverwnndet: Lieutenant Hermann Runkel aus Ein- bcck, Regt. 152, Knochenschutz in den linken Unterschenkel; Gefreiter Ludwig Grzegorz, Drag.-Regt. 8, Schuß durch den Kehltopf; Unteroffizier Heinrich Reese aus Hannover, Regt. 164, Knochen- schnß in den linken Oberarm; Reiter Otto Piek aus Harburg. Ulanen-Regt. 10, Fleischschuß in den linken Oberarm: Unteroffizier Max K n» z i g aus Jnsterburg, Ulanen-Regt. 8, Fleischschuß in den linken Oberschenkel. Leichtverwundet: Major Osterhaus; Unteroffizier Her- mann Schönemann, Streifschuß am Kopf; Gefreiter Stanislaus Gonlnik, Schuß durch linken Fuß! Gefteiter Emil Beide, Schnß durch beide Wangen; Reiter Robert Nowak, Schuß durch linken Unterarm; Reiter Wilhelm Reddigaus Gülden- boden, vom 17. Husaren-Regiment, Streiffchuß linken Ober- arm; Reiter Adolf T u ch m a n n aus Zaber« im Elsaß, vom 7. Husaren- Regiment, Prellschuß in die linke Hand; Reiter Heinrich W i l k e aus Consrade, vom 18. Dragoner- Regt., Streifschuß in den linken Oberarni; Reiter Karl Grube aus Lützen, 5. Drag.-Regt., Streifschuß am linken Unterarm; Gefreiter Arthur Würtem berger aus Kassel, Regt. 31, Streifschuß am rechten Unterarm; Gefteiter Willi Klett aus Bromberg, Artillerie-Regt. 17, Streifschuß am rechten Knie; Ge- fteiter Mar Messe r'schmidt ans Gottschdorf, Garde-Reiter- Regt., Streifschnß an der rechten Hand; Reiter Paul Würker, geb. 2. Januar 1882, Kopfwunde und Wunde am rechten Ober- schenkel; Gefteiter Karl Schröter, geb. 5. Dezember 1882, früher Husaren-Reat. 12, Streifschuß an der rechten Brustseite. Vermißt: Gefteiter Karl Hummel; Reiter Friedrich Köhler. Berlin, 30. August.(Amtliche Mitteilung.) Im Gefecht bei O m a t u g a am 15. Angnst gefallen: Gefreiter E r n st A n s o r g e, früher Regiment Str. 47. Schwerverwimdet Gefreiter Ferdinand Weber, ftüher 3. Husar, Hüftschuß; Reiter Alois Komps, früher 16. Dragoner, Schuß rechten Arm. Die Wunde des Hermann Friedrich Scheunemann, früher Regiment Nr. 148, ist bereits geheilt; Scheunemann war leicht verwundet. Ein neuer Trupprn-Nachschub. Am heutigen Dienstag ging wieder ein Truppen- Transport mit dem Dampfer»Alexandra Woermann" nach Swakopmund. Er besteht aus neun Offizieren und Beamten in Offiziersrang und 133 Mann. Transportführer ist Hauptmann v. Kleist. Gleichzeitig geht der vom Reichs-Marine-Anit gecharterte Dampfer Santa Fe der Hamburg— Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft mit Ausrüstungsgegenständen. Verpflegung für Pferde(ungefähr 45 000 Sack Haser), Kohlen fiir die Äsen- bahn usw. ab. DaS Hänge» beginnt! Die»Deutsch-Südwe st afrikanische Zeitung' be- richtet in ihrer Nummer vom 3. August: An dem Herero Heinrich, oder Egbert genannt. Schul- meiste» und Evaugclistc», der wegen Teilnahme an der Ermordung des Farmers Koszarski und Spionage feldgerichtlich zum Tode dnrch den Strang verurteilt war, ist heute früh(2. August) das Urteil hier(in Swakopmund) vollzogen worden. Es wäre interessant, zu erfahren, wodurch der Gehängte sich der „Teilnahme" schuldig gemacht hat I Angesichts einer solchen Justiz werden die Hereros nun erst recht bis zum letzten Mann Wider- stand leisten! Die zerstörte Mole in Swakopmund. Die neu eingetroffene„Südwe st afrikanische Zeitung" schreibt darüber: Das Land ung s g e s ch ä ft wird immer beschwer- l i ch e r. Der größere der beiden Hafcndanipfer,„Pionier", der nach beendeter Reparatur von Walfischbai hierher zurückgebracht worden ist, konnte heute außer der Zeit des Hochwassers nicht nrehr über die Sandbank, die sich vor der Mole gebildet hat. Er schleppte die Leichter vom Dampfer bis vor die Bank; von dort mußten sie durch den kleineren Hafendampfer„Assistent" oder die Barkassen der Danipser in Empfang genommen und hinter die Mole gebracht werden. Natürlich wird das Löschen dadurch verzögert. Dampfer„Emilie Woennann", seit 15. Mai auf der Reede, hat am 9. Juli endlich die Rückreise antreten können, mußte aber 250 Tonnen Eisenmaterial wieder mit zurücknehmen. Man hört, daß ein Bagger telegraphisch bestellt ist. Die famose Mole hat schon Unsummen gekostet. Trotzdem wird das Landungsgeschäft„immer beschwerlicher". Eine„teure" Kolonie I Südwcstafrikanische Zukunftsfragen erörtert die„Tägliche Rundschau". Sie schreibt u. a.: „Die„Deutsch-südwestafrikanische Zeiwng" vom 27. Juli be- richtet von Biehdieb stählen in der unmittelbaren Umgebung von Windhuk, die von bewaffneten Hererobanden ausgeführt wurde» und das Ein- schreiten stärkerer Patrouillen notwendig machten. Aehnliche Vorfälle wurden noch vor kurzem aus den Gegenden bei Karibib, Outjo. Okahandja und G o b a b i s gemeldet, und zwar bereits nach der Einschließung der HereroS am Waterberg. Es giedt dies einen leichte» Bvrgeschmack dessen, was unser im Schutzgebiet wartet— selbst! uachdci» es, woran wir nicht zweifeln, den Kolonnen Trothas ge- lunge» sein wird, die Hauptmacht der Rebellen unschädlich zu machen, die Ovambos zu unterwerfen und sie und die Hottentotten st ämme des Kaokofeldes und des SüdenSzu entiv offnen. Noch auf geraume Zeit, vielleicht auf einige Jahre hinaus werden im Kaokofeld und in andern schwer zugänglichen Landschaften, besonders aber in den östlichen Grenzgebieten Räuberbanden ihr Unwesen treiben und die benachbarten Landesteile durch Einfälle und Streifzüge beun- ruhigen.... Allerdings wird man die Stations- besatzungen ganz erheblich stärker machen müssen, als wie sie es vor dem Aufftande waren. Damals bildeten in der Regel 2 bis 4 Polizeisoldaten die Besatzung der zahlreichen kleineren Stationen; heute dürften 2 Unteroffiziere und 20 Mann gerade genügen, von denen die Unteroffiziere und etwa 15 Mann beritten zu machen wären. Es erhellt hieraus, daß die Schubtruppe auf Jahre hinaus gegen ihre» Stand(rund 700 Mann) vor 1904 ganz erheblich erhöhte Stärke haben muß."... Ohne eine südwestaftikanische Kolonialarmee in der Stärke der ostasiatischen wird es also auf etliche Jahre hinaus nicht gehen l— *** Deutfchcs Reich. Neue preußische Prophezeiungen.„Kein bloßer Einzelfall,' so verkündet die„Kreuz-Zeitung", soll die Blamage bleiben, die sich die preußisch- hessische Polizeigemeinschaft durch die Schuriegelung deS deutsch- österreichischen Genossen Pernerstorfer geholt hat, sie sollte vielmehr nur„die Einleitung eines gemeinsamen Vorgehens aller deutschen Staaten gegen die wühlerische Thätigkeit aus- wärtiaer Socialdemokraten bedeuten". Die Einzel« staaten sollen, soweit sie nicht dem preußischen Schutzmannshelm schon ihre Reverenz gemacht haben, zu Paaren getrieben werden. Im Interesse solcher deutscher Einigkeit schreibt sie: „Die Socialdemokratie würde das als eine sehr lästige Schranke empfinde«, und überdies könnte es auch noch weiter erzieherisch wirken, d. h. die Einzelstaaten gewöhnen, in grundsätzlichen Fragen miteinander Fühlung zu nehmen, anstatt daß jetzt ein paar Dutzend verschiedene Alethoden angewandt werden und selbst bei Bekämpfung der Umsturzpartei von einheitlichem Verfahren keine Rede sein kann. Schon von diesem Standpunkte hätte man in Karlsruhe dieselbe Haltung einnehmen sollen, die in Darmstadt selbstverständlich erscheint, wenn man keinen andern gelten lassen will, sondern sich auf allgemeine Grundsätze beruft, die überall Geltung hätten, nur nicht im reaktionären Preußen und schließlich auch im „sonnigen Süden", wo sich die Bergstraße hinzieht. Ja, so hängt es zusammen. Man hat sich in Karlsruhe nicht entschließen können, von dem allerwärts anerkannten Ausweisungsrechte Ge- brauch zu machen, weil man dort noch immer bis über die Ohren in liberalen B-rstclluiigen sitzt und sich vor dieser Abstraktion weit mehr fürchtet als vor der lebendigen Wirklichkeit, wie sie in der preußischen Staatsraison zum Ausdruck gelangt. An dieser Un- klarheit und Schwäche aber scheitert zuletzt alles. Nur in Preußen und Sachsen behandelt man die Socialdemokratie wenigstens von feiten der Verwaltung als eine nicht gleichberechtigte Partei. Ucberall anderswo hat es den Anschein, als sollte gut gewacht werden, was in Berlin und Dresden gesündigt wird." Die„Krenz-Zeitrmg" und ihre unbekannten Auftraggeber wollen es also künftig den nichtpreußischen Einzelstaaten nicht mehr gestatten, ihre inneren Angelegenheiten selbständig zu ordnen. Die sächsische Methode soll ihnen aufoktroyiert werden, so sehr sie auch die bekannten Wirkungen dieser Methode scheuen mögen. Ein Reich, ein Gott und eine Polizei I— Die Ergebnisse des ReichshanshaltS für 1903 haben sich nach dem endgültigen Abschluß folgendermaßen gestaltet: Beim Auswärtigen Amt waren 541 000 M. mehr er- forderlich. Im Bereiche des Reich Samts des Innern ist eine Mehrausgabe von 1 898 000 M. zu verzeichnen. Für daS Rerchsheer sind bei den Kontingentsvcrwaltungen von Preußen, Lochien und Württemberg, einschließlich der diese Ver- waltungen angehenden und mit einer Ersparnis von 2 788 000 M. abschließenden Titel des allgemeinen Pensionsfonds bei den fort» dauernden Ausgaben 933 000 M., bei den einmaligen Ausgaben 438 000 M. weniger erforderlich gewesen, während an Einnahmen 1289 000 M. mehr aufgekommen sind. Das Gesamtergebnis beim Reichsheer stellt sich somit gegen den Etat um 2 665 000 Mark günstige r. Bei der Marine-Verwaltung schließen die fortdauernden Ausgabe« ab mit einer Mehrausgabe von 818 000 M., welche hauptsächlich bei den Jndicnsthaltungen, bei der Naturalvcrpflegung, bei den Reise-, Marsch- und Frachtkosten und beim Kapitel Artillerie- und Waffen- Wesen entstanden ist; eine größere Ersparnis wird nach- gewiesen bei der Geldverpflegung der Marineteile. Das Gesamt- ergebnis stellt sich bei der Marineverwaltung gegen den Etat um 499 000 M. u n g ü n st i g e r. Beim Reichsschatzamt sind gegenüber dem Etatsansatze bei den eignen AuSgabefondS 2 540 000 M. Mehrausgaben entstanden, welche ihre Ursache in der außeretatsmäßigen Aufwendung von 2 683 000 M. haben, die den Inhabern der früheren Süßstofffabrikcn auf Grund des§ 11, des Süßstoffgesetzes vom 7. Juli 1902 als Entschädigung zu zahlen waren. Demgegenüber ist eine größere Ersparnis bei dem Fonds zur Unterhaltung von im Landesverteidigungsinteresse hergestellten Eisenbahnanlagcn zu erwähnen. Die Einnahmen aus dem Münz- Wesen sind um 3 580 000 M. höher, als der Etat sie vorsieht. Die Verwaltung und Verzinsung der Reichsschuld hat mit einer Mehr- ausgäbe von 1 904 000 M. abgeschlossen. Es ergiebt sich beim all- gemeinen Pcnsionsfonds eine Gesamt-MinderauSgabe von 2 899 000 Mark. Beim ReichS-Jnvalidenfonds sind infolge der ver- stärkten Fürsorge für die Kriegsinvaliden insgesamt 4 707 000 M. Mehrkosten entstanden, denen ein Minderaufwand für einzelne Aus- gabezwecke in Höhe von 144 000 M. gegenübersteht. Da zur Deckung der sich hiernach ergebenden Mehrausgabe von 4 563 000 M. aus Mitteln des Reichs-Jnvalidcnfonds nur 499 000 M. verfügbar waren, so mußten 4 064 OOO M. zunächst aus ordentlichen Mitteln des Reichs gedeckt werden. Bei den einmaligen Ausgaben der ReichSeisenbahn- Verwaltung ist eine Ueber- schreitung von 329 000 M. zu erwähnen. Die einmaligen Ausgaben der Po st- und Telegraphen-Verwal- tung sind um 179 000 M., diejenigen der Reichsdruckerei um 129 000 M. hinter dem Anschlage zurückgeblieben. Bei dem Fehl- bettage des Rechnungsjahres 1901 sind 1 006 000 M. weniger nach- gewiesen, welche diesem Fonds an Einnahmen aus der Prüfung der Rechnungen, namentlich derjenigen der Militärverwaltung zu- gewiesen sind. Im ganzen werden bei den in Betracht kommenden Fonds die Minderausgaben durch die Mehrausgaben um 9825978.29 M. überschritten-gaven um Die Einnahmen an Zöllen und Tabaksteuer, von welcher der Reichskaffe nur der Betrag von 130 000 000 M. verbleibt, während der Rest den Bundesstaaten zu überweisen ist. hat gegen das Etats-Soll 34 677 000 M. mehr eingebracht. Bei den den Bundesstaaten sonst noch zustehenden Steuererträgcn sind an VerbrauchSabgabe für Branntweinä 847 000 9Ä. und an ReichS-Stempelabgaben6 086 000 M. weniger aufgekommen, so daß im ganzen ein Mehrertrag von 22 745 002,49 M. sick, ergiebt. Dieser Mehrertrag war nach§ 1 des Gesetzes vom 28. März 1903 zur weiteren Tilgung der durch den Reichshaushalts-Etat fiir 1903 bewilligten Zuschuß- Anleihe zurückzubehalten, so daß zur Ueberweisung an die Bundesstaaten nur der etatsmäßig festgestellte Betrag verblieb. Von den dem Reiche zu- stehenden Steuern haben Mehrerträge gebracht: die S a l z st e u e r 3 185 000 M., der S P i e I k a r t e n st e m p e l 7000 M. die Statistische Gebühr 120000 M.; bei der Brenn st euer, welche in der Gestalt von Vergütungen für aus- geführten oder zu gewerblichen Zwecken verwendeten Branntwein wieder zur Verausgabung gelangt, sind zunächst SSSOOO M. mehr vereinnahmt als verausgabt worden. Gegen den Voranschlag zurückgeblieben ist die Zuckersteucr um 11 724000 M., die Maischbottich steuer um 9118 000 M., die Brau- st e u e r um 1 043 000 M., die S ch a u mweinsteuer um 856 000 M. und die Wechsel st empel st eil er um 22 000 M. Die Betriebsverwaltungen haben sämtlich höhere Neberschüsse abgeliefert, als im Etat vorgesehen waren. Das Mehr beträgt bei der Post- und Telegraphen-Verwaltung bei einer Mehr- einnähme von 8 886 300 M. und einer Wenigerausgabe von 959 400 M.=- 9 846 000 M., bei der R e i ch s d r n ck e r e i bei einer Mehreinnahme von 640 000 M. und einer Mehrrnisgabe von 353 000 M.— 287 000 M., bei der Rcichseisenbahn-Ver- w a l t u n g bei einer Mehrcinnahme von 9 978 000 M. und einer Mehrausgabe von 2 630 000 M.— 7 343 000 M. Im ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reich verbleiben, 3 481 152,56 M. gegen den Etat mehr auf- gekomnien. Da die Mehrausgaben, einschließlich der vorläufig aus ordentlichen Mitteln des Reiches gedecktcü Ucberschreitung beim Reichs-Jnvalidenfonds von 4 064 000' M., im ganzen 9 825 978,29 M. betragen, so ergiebt sich für das Rechnungsjahr 1903 ein Fehlbetrag von 6 344 825,73 M. Vor Rnsiland krank geworden. Der Prinz Friedrich Leopold, so hieß es, sollte ins russische Hauptquartier gehen und dort dem Studium russischer Siege obliegen. Manche empfanden diese Mission als eine Art administrativer Verschickung. Jetzt meldet die„Potsdamer Korrespondenz", die Reise des Prinzen werde nicht stattfinden.„Sie ivar bereits bis zum 3. September verschoben, da der Prinz mit seiner Ausrüstung noch nicht fertig war. Seit einigen Tagen fühlte sich indessen Prinz Friedrich Leopold unpäßlich und seit Montag hat er sich genötigt gesehen, krankheitshalber das Bett hüten zu müssen. Durch mehrfache Vorkommnisse in der letzten Zeit ist er stark nervös überreizt geworden, so daß wohl kaum daran zu denken ist, daß er den Strapazen einer Reise nach Ostasien und den Beschwerlichkeiten auf dem Kriegsschauplatz ohne ernstliche Gefährdung seiner Gesundheit Widerstand leisten kann. In den Kreisen der Umgebung des Prinzen hat man nach Lage der Sache niemals recht daran glauben wollen, daß derselbe thatsächlich die Reise antreten würde. Er hat aber dem dienstlichen Befehle bisher nachzukommen gestrebt und eifrig seine Ausrüstung und diejenige seines Personals, von dem sechs Angestellte nntgcnommen werden sollten, betrieben. Die Ausrüstung zur Reise bat bisher etwa 50000 Mark Kosten verursacht, die nun gegen- standslos geworden sind." So geheimnisvoll die Korrespondenz klingt, d i e Nervosität wird allgemein erklärlich gefunden werden. Rußland kann nun die 50 000 M. für Ausrüstungen unter seine Siege buchen.— Der Bankrotteur der Freifinnigen Bolkspartei, Dr. Müller- Lobberich, setzt seine winkelklerikale Polemik gegen die Socialdemo- kratie fort. Jetzt ist er bereits bei socialdemokratischen„Kuppelei- Prozessen" angelangt, befindet sich also bereits in nächster Nachbarschaft des Dreschgrafen. Heute erzählt der Mann, er habe nur die Gehälter deutscher Parteigenossen als würdigen freisinnigen Leitartikelstoff dem Kaplansblatt entnommen. Auch die stinnnen nicht, sie sind teils zu hoch, teils auch zu niedrig. Ueber die Wahrheit kann sich die „Freie Deutsche Presse" leicht informieren; denn die Einnahmen socialdemokratischer Beamten liegen klarer zu Tage als die eines freisinnigen Artikelgrossisten. Der Müller von Lobberich richtet aber dann an uns die er- schütternde Frage: „ob Redakteur- Gehälter von 5000—7000 M. und weit ' darüber hinaus vereinbar sind mit dem socialdeniokratischcn Ideal der L o h n g l e i ch h e i t für jedwede Kopf- und Hand- arbeit". Der Herr Müller- Lobberich muß eine ganz besondere Ausgabe des socialdemokratischen Programms besitzen. Wir finden nichts in ihm von derartigen„Idealen", die nur für so ausgeprägte kapitalistische Kränier, wie es die Freisinnigen sind, die Grund- und Kernfrage socialen Denkens ist. lieber die Lohnregelung in der socialistischen Gesellschaft jetzt zu diskutiere», ist uniso müßiger, als die Frage auch im ZukunftSstaat durchaus unter- geordneter Natur ist. Vielleicht wird man dann, wo die aus- reichende Befriedigung der vernünftigen Bedürfnisse so allgemein sein wird wie Licht und Luft, gerade umgekehrt die Entschädigung um so höher beinessen, je weniger geistig, je unangenehmer die Arbeit ist. Einstweilen aber leben wir in der kapitalistischen Gesell- schast, deren Gesetze nur ein Narr, so lange sie selbst existiert, ans- heben kann. Aber selbst wenn wir das Ideal erreichen könnten, alle Kopf- und Handarbeiter gleich zu bezahlen, so werden wir doch nicht so hirnverbrannt sein, die Gleichheit des Minimum zu erstreben, etwa die Lebenshaltung auf das Niveau eines Hand- Webers oder eines Hansindnstriellcn herabzudrücken. DaS Gleichheits- streben ist natürlich ans die Gleichheit deS Maxi m n m gerichtet. Will uns die Freisinnige Volkspartei in dem Kampf um dieses Glcichheitsideal unterstützen, so würde sie sich daS erste Verdienst seit ihrer Entstehung erwerben. Wir fürchten freilich, daß man in einem Betriebe, wo man bei Streiks lohn drücken de Mädchen einzustellen rät, für alle, die nicht an der Krippe sitzen, die Gleichheit nach unten herzustellen streben wird. Wenn übrigens die„Freie Deutsche Presse" behauptet, der von uns abgedruckte Artikel aus dem„Lobbericher Bürgerblatt" sei„aus jahrelanger Verborgenheit" ausgegraben, so ist das Schwindel. Das klerikale Freisinns-Futter ist erst in diesen Tagen in den Trog geschüttet worden.— Russische Presse in Deutschland. Die„Post" denunziert im Russendienste zur Abwechselung einmal nicht die Socialdenrokratie, sondern die— Schweiz.„Wie sich der Attentäter Jlnitzky in der Untersuchungshast amüsiert", ist eine Brandnottz überschrieben, die also beginnt: „Der Attentäter Jan Jlnitzky, welcher am 10. Juni den rrissi- schen Gesandten in Bern mir Revolverschüssen niederstreckte, ersteut sich bester Gesundheit und trägt eine Zuversicht zur Schau, welche in nichts an Reue und Zerknirschung erinnert, im Verhalten der Polizeiorgane aber eine Stütze findet, die selbst vorsichtige und reservierte Blätter als ungehörig bezeichnen." Soll Rußland nun der Schweiz den Krieg erklären?— Von der russischen Grenze wird UNS geschrieben: Am Bahnhof Gramer jösterreichisch-russische Grenze) wurden drei elegante, offenbar den höheren russischen Kreisen angehörende Damen, die Fahrkarten erster Klasse von Wien nach Moskau hatten, von der Gendarmerie angehalten und einer scharfen Visitatton unterzogen. Man fand bei ihnen zwei Bücher und mehrere Zeitungen socialistischen Inhalts, worauf die Damen verhaftet und von Granier nach Sosnowice und von dort nach Petrikau in das Gouvernemcntsgefängnis transporttert wurden. Vor kurzem wurde berichtet, daß deutscheil Reisenden im russischen Grenzgebiet bei der Feststellung, daß ihre Halbpässe abgelaufen seien, nicht mehr eine Behandlung wie früher zu teil werde, wo die Reisenden mißhandelt, verhaftet und erst nach Wochen und nach Er- legung einer größeren Geldsumme in Freiheit gesetzt wurden. Es hieß, daß jetzt den Reisenden in solchen Fällen keinerlei Unaunehmlichkeiteir mehr erwachsen. die abgelaufenen Pässe vielinchr als noch gültige«ngesehen würden. Demgegenüber wird jedoch jetzt von nach Oberschlesien zurückkehrenden deutschen Paßinhabern mitgeteilt, daß von einer derartigen milderen Praxis im russischen Grenzgebiet nichts zu verspüren sei. die unveränderten Vorschriften über den Grenzverkehr vielmehr jetzt eher noch schärfer gehandhabt würden, wie in früheren Zeiten. In den russischen Grenzorten Dombrolva und Czenstochau sind wiederholt nächtlich revolutionäre Druckschristen verteilt worden, ohne daß es der Polizei gelang, die Verbreiter zu fassen. Um nun stei- willige Helfershelfer an den Besitzern der umliegenden bäuerlichen Gehöfte zu finden, hat die Polizei kürzlich nächtlich selbst Schriften in die Gehöfte gelangen lasse», nämlich Drohbriefe, in denen gesagt wird, daß demnächst die Gehöfte niedergebrannt werden sollen. Die Polizei erwartet, daß nun die Bauern wachen, um die vermeintlichen Brandstifter zu ertappen, hierbei die Druckschriften verteilenden Socialisten festnehmen und der Polizei ausliefern werden. Polnische„Brüder". Die oberschlesischen Radikalpolen hofften, das Mandat des kürzlich verstorbenen Landtags- Abgeordneten Dr. Moritz sPleß-Rybuik) zu gewinnen und stellten als ihren Kandidaten den„Gor»oslazal"-Redaktcur K o w a t c z y k- Kattowitz auf. Voraussetzung des Erfolges war. daß die„Katolik"-Gruppe der Polen die Stimmen ihrer Wahlmänner mit denen der „Gornoslazak"-Gruppe vereinige. Diese Hoffnung hat die„Kor- santhaner" jedoch betrogen, denn die gemäßigten„Katolik"-Polen haben als ihren Kandidaten den Pfarrer Pendziallek- Rybnik erkoren. Unter diesen Uniständen dürfte es zu einer Stichivahl zwischen dem Centrumskandidaten— der noch nicht ernannt ist— und dem Kandidaten der Konservativen kommen und der Centrums- mann siegen, da bei einem zweiten Wahlgang die centrumsfteund- lichen„Katolik"-Pole» für diesen stimmen werden. So berauben die hadernden Polen sich in Oberschlesien selbst der polittschen Erfolge.— HusUml. Die socialistischen Differenzen in Frankreich. Jaures beginnt in der„Humanite"— wie wir zur Jnforma- twn der� deutschen Partei wiedergeben— die angekündigte Auseinandersetzung mit Guesde, der er die Versicherung vorausschickt, daß er mit voller Ehrlichkeit der Einigungsrcsolution zugestimmt habe. Aber eine Einigung lasse sich nicht dekretieren, das wüßten auch die Väter jener Resolution. Nicht von einem Tag zum andern könne man die Differenzen über die allgemeine Politik und die Methode des polirischen Kampfes, die noch dazu durch allerhand Persönliches verschärft seien, aus der Welt schaffen; dazu könne nur offene und ehrliche Aussprache dienen. Jaures behauptet nun, daß die von Guesde auf dem Amsterdamer Kongreß auseinandergesetzten Theorien der ganzen Tradition und den Anschauungen des französischen socialistischen Proletariats ins Gesicht schlügen.„Ich bchaupre des- halb," so fährt er fort,„daß die revolutionäre socialistische Partei sguesdistische Partei), die Guesde in ihrem Namen sprechen lieh und ihm keinerlei Widerspruch entgegensetzte, klar darthun muß, ob sie Stillschweigen betvahrte, um nicht einen der Ihrigen desavouieren zu müssen, oder ob sie die Verantwortung für jene unannehnrbaren Theorien vor dem französischen Proletariat zu tragen willens ist. Guesde hat behauptet, daß die politischen Formen des Staatswesens dem Proletariate gleichgültig wären, daß es keinen Unterschied zwischen der Republik und der Monarchie zu machen habe und daß es Verrat an sich selbst übte, wenn es auch nur einen Tag oder eine Stunde zur Rettung der Republik opftre, die doch die schlechteste Regierungsform sei. Und zu bemerken ist, daß Guesde die Iicpublik nicht etwa bloß theoretisch verwirft: er wei ßsehr wohl, daß die Contrerebolutionäre, die Monarchisten und Klerikalen gegen sie konspirieren und daß sie verloren ist, wenn die Arbeiterklasse sie nicht eifersüchtig bewacht. Die Republik wäre in Frankreich schon längst zerstört worden, wenn das Proletariat sich gleichgültig zu ihr gestellt hätte. Da es nach Guesdcs Worten genügt, daß die Republik der Hilfe des Proletariats bedurfte, um zur schlechtesten aller Rcgierungs- formen zu werden, so haben seine Aeußcrungen mehr als bloß hypothetische Bedeutung: er verwirft die Nevublik thatsächlich als die elendeste Staatsform. Das sind bedenkliche, verwerfliche' und pietätlose Worte. Pietätlos, weil sie alle Anstrengungen des fran- zösischen Proletariats in den Jahren 1792, 1348 und 1872 zur Er- ringung oder Errettung der Republik— als welche die volle Aus- Übung der Volkssouveränität ist— lächerlich macht. Alles das ist also nach Guesde nichtig und trügerisch. Tic revolutionäre Arbeit der Arbeiterklasse während 120 Jahren bedeutet nicht so viel, daß das Volk die Anstrengung einer Stunde daran setzt, um die Resultate aufrecht zu erhalten. Und so sprechen„Revolutionäre"! Wie kann Guesde nur übersehen, daß ein Teil der Macht des Proletariats gerade darin beruht, daß es für den Bestand der Republik notwendig ist? Wie kann er sich einbilden, daß das Proletariat die sociale Demokratie einrichten, das Eigentum und die Organisation der Arbeit nach den neuen Gesetzen der Gleichheit organisieren, den ganzen menschlichen Thon von neuem durchkneten und ihm eine kommunistische Seele einhauchen kann, wenn seine Kräfte nicht einmal ausreichen, die republikanische Freiheit zu verteidigen und aus- zunützen? An welches schwache, unbeständige und unzusammen- hängende Proletariat wenden sich denn eigentlich derartige Worte? Aber Guesde geht noch weiter und behauptet, der Kampf gegen die klerikale Macht;ei Humbng, die Vcrwcltlichung der Schule ein Hirngespinst, die Trennung von Staat und Kirche eine Sache ohne alle Bedeutung: allein die völlige Rcvolutionierung des Eigentums werde die Menschen vom Aberglauben, von der Unwissenheit und dem Irrtum erlösen. Wer von uns hat denn jemals bestritten, daß die geistige Befreiung der Menschen in der heutigen ungerechten und blinden Gesellschaft nicht vollständig sein kann? Wir behaupten lediglich, daß es möglich ist, durch die rationelle Erziehung in der Laienschule allen Menschen einen Schimmer von Erleuchtung zu geben und daß die vollständige Entkirchlichung des Staates den Widerstand vermindern kann, den die polirische Macht der Kirche sowohl der Geistcssreiheit als auch der allmählichen ökonomischen Emancipation des Proletariats entgegensetzt. Ten Zukunftsstaat kann man nicht mit dumpfen und passiven Geistern heraufführen. Guesde stellt das ganze Gesetz des menschlichen Fortschritts auf den Kopf, wenn er meint, daß die Revolution der geistigen Bc- freiung vorangehen tverde. Indem er der Unwissenheit die Möglich- keit der Fortexistenz gewährt, vertagt er die Revolution. Und diese Worte sind besonders gefährlich in diesem Momente des Kampfes, wo das Proletariat sich zu dem großen Kampfe gegen den KlerikaliS- mus zusammenschart: sie können Verwirrung und Fahnenflucht m die Reihen der Kämpfer ttagen— zum Nutzen der Gegner. Deshalb muß die revolutionäre socialistische Partei zu Guesdes Aeußerungen Stellung nehmen. Hat sie in Amsterdam aus Ber- lcgenheit geschwiegen oder hat sie zugestimmt? Und zwar muß sie durch Thaten, nicht nur durch Worte Stellung nehmen: sie muß im Parlament und außerhalb entschlossen und thatkräftig die anti- klerikale Politik unterstützen und die Verantwortung für GuesdeS Worte in Amsterdam, die er in ihrem Namen sprach, von sich ab- wälzen." Niederlaude. Gegen den Gesetzentwurf Über den Arbeitskontrakt fand am Sonntag zu Utrecht eine große Demonstration statt, veranstaltet von dem ungefähr 50 000 organisierte Arbeiter repräsentierenden Landes- komitee, das znr Agitation gegen den Entwurf gebildet worden ist. Eine große Anzahl Demonstranten waren aus vielen Städten Hollands znsaimnengekommen; aus Rotterdam allein war ein Extra- zug mit 300 Personen eingetroffen. 254 Arbeitervcreiniguiigen mit 179 Bannern waren vertreten. Außerdem hatten 53 Organisationen durch Telegramme oder Briefe ihre Sympathie kundgegeben. Unter den Teilnehmern war auch eine große Anzahl von Gewerkschaften vertreten, die mit den Anarchisten oder Antipolitischen sympathisieren. Nach einer Massenversammlung im Freien bewegten sich die Teil- nehmer im DemonstrationSznge mit vier Mnsikkorps durch die Stadt. Daran schloß sich eine gesellige Zusammenkunst im Volkshause»De Eendracht". Die Zahl der Demonstranten betrug gegen 5000. Spanien. Die Neutralitätsfragc ist nun auch für Spanien aktuell geworden. Der„Standard" meldet aus San Sebastian: Der Kom- Mandant des r u s s i s ch e n K r e u z e r s„Don" antwortete den Be- Hörden B i g o S, als sie ihn aufforderten, den Hafen innerhalb 24 Stunden zu verlassen, sein Schiff habe Maschinen« Reparatur und müsse 5 Tage im Hasen bleiben. Die Behörden haben talegraphisch Weisung von Madrid erbeten. Der „Don" hat 17 Geschütze und 400 Mann Besatzung.— England. Ans der Suche nach den russischen Hilfskreuzern. Die Mitteilung der Admiralität Betreffend die Auffuchung der russischen Hilfskreuzer„Smolensk" und„Petersburg" lautet: Da die russische Regierung die britische Regierung bat, Maßnahmen zu treffen, um an die gegenwärtig in den südafrikanischen Gewässern befindlichen Schiffe der russischen Freiwilligen-Flotte„Smolensk" und„Petersburg" dringende Botschaften gelangen zu lassen, hat der Kommandant der Kapstation am 26. d. M. die Seychellen auf dem Kriegsschiffe„Crescent" verlassen und mit den Kreuzern „Forte" und„Pearl" Kurs nach Süden genommen, um mit den russischen Schiffen inVerbindung zu treten. Die K r i e g s s ch i f f e„B a r r o s a" und.Partridg e", von denen das erstere sich zwischen der Walfisch- bai und den Benguela-Jnseln, das letztere zwischen der Walfischbai und der Simonsbni aufhält, erhielren ebenfalls Befehl, nach den russischen Schiffen zu suchen. Um den Wunsch der russischen Regierung zu erfüllen, ist eine gleiche Weisung an den Kommandanten der südafrikanischen Station bezüglich der Schiffe „Saint-George" und„Vrilliant" ergangen, die gegenwärtig in der Nähe des Kaps Saint Vincent sind.— Rußland. Allgemeiner Maurcrstrcik in Warschau. Russisch-Polen, 24. August.(Eig. Ber.) Am Montag. 22. August, ist in Warschau ein fast allgemeiner Maurerausstand ausgebrochen, an dem sich mehrere Tausend Arbeiter beteiligen..Wie alle größeren Streiks in Rußland in den letzten Jahren hat auch dieser bald einen polittschen Anstrich bekommen. Die Bewegung wird vom Warschauer Komitee der Socialdemokratie Russisch-Polens und Litauens geleitet— insofern von einer regelmäßigen Leitung einer Massenbewegung unter den politischen Bedingungen des Zarenreiches die Rede sein kann. Die socialdemokratifche Organisation sorgt natürlich für solidarische Einhaltung der aufgestellten Forderungen durch die Arbeiter, für Erhaltung der Masse in Kampfesstimmung sowohl Ivie für Ausnutzung der Bewegung zur politischen Aufklärung der Streikenden. Die Maurer verlangen von den Bauunternehmern und Meistern: zehnstündige Arbeitszeit, Aufbesserung des Arbeits- lohncs siir die verschiedenen Arbeitcrkategorien bis zur Höhe von 25 Kopeken jca. 50 Pf.) pro Stunde für Maurer und von 8 Kopeken pro Stunde für Handlanger, Einbeziehung der Dauer der Lohn- auSzahlung in die Arbeitszeit, Ueberlaffung den Arbeitern auf jedem Bau eines besonderen Raumes, wo sie Kleider und Essen auf« bewahren und vor Univetter Schutz finden können, neunstündige Arbeitszeit am Vorabend von Feiertagen u. a. in. Während der Woche vor dem Streik sind von der socialdemo- kratischcn Organisation drei Versammlungen unter freiem Himmel außerhalb der Stadt veranstaltet worden und ebenso eine Ver- sammlung am ersten Streiktage, die besonders gut verlaufen ist. Streikende, die sich in der Chloduaslraße, wo der Vermietungs« platz der Maurer— eine Art Arbeitsbörse— sich befindet, in größerer Zahl einfanden, begaben sich auf mündliche, von Mann zu Mann verbreitete Einladung nach dem Lersanmilungsort hinter der Arbeilervorstadt Wola. Hier ist eine dichte, erwa 600 Köpfe zählende Menge zusammengekommen. Von zwei Mitgliedern der Organisation lvurdcn Reden über den Streik, die Lage der Maurer und die politische Entrechtung der Arbeiterklasse gehalten und die Streikenden zur Ausdauer und Solidarität aufgefordert, worauf die Ver- sammelten sich unter Absingen revolutionärer Lieder und Hochrufen auf die Socialdemokratie nach der Stadt zurück begaben. Dem Demonstrationszuge schlössen sich auch zahlreiche Arbeiter von den umliegenden Fabriken an. Die ländliche Polizei, der außerhalb der Stadt die„Aufrechtcrhaltung der Ordnung" obliegt, ivar zu schwach, um einschreiten zu können. Sie verständigle jedoch auf telcphonischem Wege die Polizeibehörde in Warschan und bald hatten sich am Stadtschlagbauni eine Unmenge von Kosaken und Schutzleuten ein- gefunden, uni die heimkehrenden Arbeiter in üblicher Weise zu enipfangen. Die Streikenden waren aber schlau genug, um sich nicht der sie erwartenden Fürsorge auszusetzen: der Zug löste sich recht- zeitig auf, die Arbeiter verließen die Chaussee und suchten in kleinen Trupps die Stadt auf Umwegen zu erreichen, was auch ohne Zwischenfälle gelang. Es ist dies in diesem Jahre der zweite allgemeine Maurerstrcik in Warschau. Das erste ZNal streikten die Maurer im April, wobei sie dieselben Forderungen aufstellten, mußten sich jedoch mit einer nur geringen Lohnaufbesserung begnügen.— Amerika. Die Wahlpolitik und der Wahlkampf. Ob„Onkel Sam" den Philippinen die Unabhängigkeit zu- gestehen solle oder nicht, diese Streitfrage wird häufig aufgerollt und spielt auch jetzt wieder in den Wahlkämpfen ihre Rolle. Die Presse beschäftigt sich in den letzten Wochen lebhaft damit, denn Kandidat Parker hat sich öffentlich und entschieden siir die Unabhängigkeit erklärt. In der demo- kratischen Plattform, die in St. Louis angenommen wurde, heißt es, daß die Vereinigten Staaten für die Philippinen dasselbe thun sollten wie für Kuba und den Inseln Freiheit und Unabhängigkeit geben müßten.— Kuba ist eine von den Amerikanern „beschützte"„selbständige" Republik. Onkel Sam ist Bürge für die finanziellen Angelegenheiten, für Ruhe und Ordnung im Lande, hat wichtige Kohlen- und Marinestationen zurückbehalten und Handelsbeziehungen nach seiner Wahl hergestellt.— Die Demokraten sind für eine sogenannte Unabhängigkeit der Philippinen auch nur in der Theorie; sie machen sich aber den Widerstand der Republikaner dagegen zu nutze. Der Durchschnittsamerikaner will nichts davon wissen, daß seine Nation ein ftemdes Volk unterdrückt; viel mehr gefällt es ihm, wenn Onkel Sam sich als Freiheitsbringer auf- spielt. Die Republikaner behaupten, daß die Eingeborenen auf den Philippinen noch lange nicht reif seien, sich selbst zu regieren; man habe ihnen Selbstverwaltung in den Gemeinden eingeräumt und das sei genug. General Taft, der jetzige Kriegsminister, war bis vor einem halben Jahr Gouverneur auf den Philippinen und ist der Ansicht, daß es wenigstens noch hundert Jahre dauern könne. bis die Einwohner zur Selbständigkeit hcranreifen. Gegenwärtig befinden sich noch 13 000 ameri- kanische Soldaten auf den Inseln. Der jetzige Gouverneur ist der Richter Wright, ein Demokrat aus dem Süden.— Zu den Parteikonventionen in Chicago und St. Lonis erschienen Delegierte von den Inseln; bei den Republikanern wurden sie zu- gelaßen und durften sich zu den Delegierten von Hawaii und Porto Rico setzen, bei den Demokraten wurden sie abgewiesen, weil ihnen noch nicht das Recht von der Nation gegeben war.— Socialdemokratie und Staatsform. Genosse IL E. polemisierte in der vorigen Nummer gegen Aus- führungcn des Genossen Kautsky über Monarchismus und Republikanismus. Genosse K. E. zieht aus seinen Bemerkungen zum Schluß die Moral, daß die Anwendung fester„Richtungsworte" zur Verttefung und Klärung parteigenöffischer Streitftagen nicht beitrage, was wohl heißen soll, daß man nicht mehr von„Revisionismus" reden möge. Habe doch Kautsky jetzt über die Monarchie Aeußerungen gethan, die Bebel im vorigen Jahre, bei dem Streit um die Viccpräsidentschaft, selbst als„revisionistisch" pcrhorreSciert habe. Oder um es ganz klar auszudrücken, was Genosse X. E. durch die Blume zu sagen beliebt: Kautsky sollte sich hüten, künftig noch von Revisionismus zu sprechen, da er in der Frage der Staatsform selbst„revisionistische" Auffassungen zum besten ge- gegeben habe. Wir unsrerseits vermögen von diesem heurigen Revisionismus Kautskys nichts zu entdecken. AautskyS allgemein gehaltene Ausführungen gehen nur genau daS wieder, was man innerhalb der Socialdemokratie seit jeher über Monarchie und Republik gedacht hat. Er bezeichnet es mit Recht als„republikanischen Aberglauben", zu wähnen,„der republi- konischen Bourgeoisie wohne eine weit gröbere Neigung inne, die Befreiung der Arbeiterklasse zu fördern, als der Monarchie und der monarchistischen Bourgeoisie". Vielmehr nehme gerade in der Republik, infolge Fortfalls der monarchischen Conlisse, der Klassen- kämpf eine reinere und schärfere Gestalt an. Die republikanische Bourgeoisie sei nur um so skrupelloser und unbedenklicher in der Wahl ihrer Mittel, sei es durch brutale Niederwerfung, sei es durch heimtückische Ueberlistung und Korrunipierung. Daß Kautsky schon wegen der klaren Ausprägung des Klassen- kampfes die Republik der Monarchie vorzieht, versteht sich ganz von selbst. ES ist uns deshalb unverständlich, wie Genosse X. E. den„republikanischen Aberglauben" als„eine recht revolutionäre, sehr radikale und in allen Fällen eine unbedingt notwendige Anschauung" zu bezeichnen vermag. Kautsky nennt doch nur den Glanben an den größeren guten Willen der republikanischen Bourgeoisie„republikanischen Aberglauben". Und daran behauptet ja auch K E. nicht zu glauben. Was bedeutet dann aber das Paradoxon von dem Radikalismus dieses Aberglaubens anders, als eine begriffsleere Wortspielcrei? Genosse X. E. glaubt zwar nicht an das gute Herz der republi- kanischen Bourgeoisie, aber er behauptet, schon der demokratische Charakter einer Republik nötige die Kapitalistenklasic, sich durch eine „Geschenkpolitik" die„Sympathie und Hilfe" des Proletariats zu erhalten, während die Monarchie es einfach mit dem System der Einschüchterung, der brutalen Gewaltpolitik halte. So einfach dies Schema unstreitig ist. so falsch ist es leider auch. Die That fachen beweisen, daß Republiken sich ebenso oft der Peitsche bedienen, wie Monarchien umgekehrt des Zucker- broteS! Freilich werden Republiken es im allgemeinen zunächst mit dem Zuckerbrot versuchen. Sie werden versuchen,„die Arbeiter durch Geschenke zu korrumpieren". Sofern ihnen dieser Korruptions- versuch glückt, so lange damit den herrschenden Klassen die „Sympathien und die Hilfe" des Proletariats erhalten werden, so lange braucht allerdings von einer„reineren und schrofferen Form des Klassenkanipfes" keine Rede zu sein, das geben wir dem Genossen X. E. mit Vergnügen zu. Und leider hat sich dies System„heim- tückischer Ueberlistung und Korrumpierung" bislang nur zu sehr be- währt. Dies kann uns aber selbstverständlich ebenso wenig die Republik verleiden, wie der umgekehrte Fall, das; der Klassenkampf in der Republik die schroffste Form annehmen muß, wenn das Proletariat sich erst einmal, der Geschenk- und Schacherpolitik müde, auf den Standpunkt zielbewußter Klassenkampfpolitik stellen wird. Aber selbst da, wo das Proletariat noch keine energische Klassen- Politik vertritt, ist vielfach schon die republikanische Bourgeoisie dabei, sie ihm durch Brutalität einzupauken— z. B. in Nordamerika. Die Sache ist also die: Kautsky vertritt gegenüber der bürger- lich demokratischen Illusion von der Bedeutung der rein politischen Institutionen den s o c i a l i st i s ch e n Standpunkt von der ausschlag- gebenden Bedeutung des wirtschaftlichen Faktors und— ver- fährt damit„revisionistisch"! Kautsky sieht die Bedeutung der republikanischen Staatsform in der Beseitigung politischer Coulissen, der schärferen und klareren Ausprägung des Klassenkampfes und— urteilt damit„revisionistisch"! Dagegen ist die Formel Monarchie— Gewaltpolitik, Republik— Geschenkpolitik die einzig gründliche und richtige Wertung dieser politischen Institutionen! lind diese republikanische Gcschenkpolitik währet im- abänderlich und ewiglich, sie verheißt uns den Sieg des Proletariates! Das ist„eine echt revolutionäre, sehr radikale und in allen Fällen eine unbedingt notwendige Anschauung!" Ach nein, es ist gerade der„republikanische Aberglaube", den Kautsky in seinem Artikel bekämpft und den auch Bebel in so trefflicher Weise in Amsterdam bekämpft hat! Im übrigen ist es kein übler Schachzug, Bebels Aeußerungen vom vorigen Jahre jetzt gegen— Kautsky aufmarschieren zu lasfen, gegen Kautsky, der Bebels Ansichten— natürlich I— ganz falsch interpretiert habe. Wie nun aber, wenn, wie wir glauben, Bebel Kautskys Interpretationen als ganz richtig anerkennen sollte? Hätte sich dann Bebel in Amsterdam nicht in Widerspruch zu dem Bebel des vorigen Jahres versetzt? Keineswegs! WaS hat denn Bebel in Amsterdam gesagt? Hat er etwa be- hauptet, daß die Monarchie bester sei als die Republik? Das ist ihm gar nicht eingefallen. Er hat nur gezeigt, daß die bürgerliche Republik nicht so gut und die Monarchie im Gegensatz dazu nicht so schlecht ist, wie Jaurbs beispielsweise behauptete. Bebel prägte tiur die alte, aber, wie es beinahe scheint, nicht mehr von jedem Genossen verstandene socialistische Weisheit, daß Klassenftaat Klassen- staat sei und daß der proletarische Klassenkampf an erster, die bürgerliche Staatsform erst an zweiter Stelle steht, llud damit Hatto Bebel dreimal recht. Denn die Rettung der Republik ist etwas sehr Schönes, aber wenn sie nur auf Kosten des Klassen- kampfcharaktcrs des Socialismus erkämft werden kann, so ist dieser Preis zu teuer! Daß diese allgemeinen Ausführungen Bebels über Republik und Monarchie mit seiner vorjährigen Kritik Preußcn-DcutschlandS in einem Widerspruch stehen, vermögen wir nicht einzusehen. Natürlich sind wir Republikaner, natürlich ist die Staatsform sehr w e s e n t- l i ch. Aber nicht wesentlich genug, um ihr die p r i n c i p i e l I e n Forderungen des Socialismus zu opfern. Das führte Bebel in Amsterdam aus. Bebels Amsterdamer Ausführungen haben also mit Rovisionis« mus nur so viel zu thun, als er das zeitgemäße Objekt seiner Kritik bildete. Und von Kautsky gilt ganz das gleiche.— H. 8. NB. Auch vom Genossen K a n t s k y selbst ist uns. eine Ent- gegnung zugegangen, die wir in der nächsten Nummer veröffentlichen werden._ Die Redaktion. partci-j�achr lebten. Eine englische Stimme über den Amsterdamer Kongreß. Der„Labour Lcader", das Organ der unabhängigen Arbeiter- Partei Englands, bespricht in seiner letzten Nummer den Amsterdamer Kongreß und zwar fast ausschließlich die Verhandlungen über die Taktikfrage. Es heißt dort unter andcrm:„Jaurös mag recht haben oder unrecht, in soweit aber, als er ehrlich bestrebt ist, die Verhältnisse Frankreichs auszunutzen, um damit den Zielen des Socialismus zu dienen, so thut er genau das- selbe, was wir in England thun. Wir sagen nicht, daß wir mit allem einverstanden find, was Jaures gethan hat, aber insofern als er versucht, mit nichtsocialistischen Parteien zusammenzuarbeiten für socialistische Ziele, immer acht gebend, nicht seine eigne Un- abhängigkeit zu verlieren und den wesentlichen Unterschied zwischen den bloßen Reformen und der grundlegenden socialen Neuordnung nicht zu verwischen, arbeitet er so wie wir an denselben politischen Zielen." Die unabhängige Arbeiterpartei habe stets darauf bestanden, daß jede Nationalität ihre eigne Taktik zu befolgen habe. Die Methoden im antokratische» Rußland könnten unmöglich dieselben sein wie die im imperialistischen Deutschland; die Taktik der deutschen Socialdemokratie, in einem Lande, Ivo die parlamentarischen Institutionen nur in rudimentären Ansätzen vorhanden seien, könne nicht die der socialistischen Bewegung von England sei».— Was die Dresdener Resolution anlange, so sei dieselbe praktisch tot geboren. Sie sei getragen von den Stimmen der nichtMixlamentarischen Nationen, wie Rußland, Bulgarien, Serbien, Spanien usw., dadurch habe sie all ihr Gewicht verloren. Trotzdem sei die Zeit, welche die dreitägige Debatte in Anspruch genommen, nicht vergeudet, sondern die Angelegenheit sei für den Socialismus von größter Bedeutung .gewesen. In einem andern Artikel werden die beide» socialistischen Redner Jaures und Bebel gefeiert als große Politiker und Redner, die weit über den Durchschnitt aller Parlamentarier der Gegenwart Hinausragen. Zum Parteitage lu Bremen stellen die Geuosten von Neichen- bach-Neurode diese Anträge: 1.„Die Parteiversammlung des Wahlkreises Neicheubach-Neu- rode beantragt: Die regelmäßigen deutschen Parteitage haben in Zwischenräumen von zwei Jahren stattzufinden. Ausnahmsweise kann in dringenden Fällen durch gemeinsamen Beschluß des Parteivorstandcs und'dcr Kontrollkommission ein Partei- tag für einen kürzeren Termin einberufen werden." 2.„Die Parteiversammluug verhält sich ablehnend zu den Breslauer Organisntions-Anträgen in ihrer Gesamtheit, beantragt aber, den örtlichen Organisationen die Pflicht aufzuerlegen, mindestens 20 Prozent ihrer Beiträge an die Centralkasse der Partei ab- zuführen."_ Aus den Organisationen. Der b r a u n s ch w e i g i s ch e Landes- Parteitag beschloß, den Landesvorftand aufzuheben und die Führung der Parteigeschäste dem Vorstande des Vereins in der Stadt Braunschweig zu übertragen. Ein Mitglied dieses Vorstandes wird vom Laudes-Parteitage gewählt. Der pommersche Landes- P�r r t e i t a g beschloß, ein besonderes Landagitations- Blatt mit dem Titel„Der Pommer" zu gründen. Die Zähl der politisch Organisierten in Pommern beträgt etwa 2ö00 bei 15 751 Gewerkschaftsmitgliedern und 56 353 social» demokratischen Rcichstagswählern. Der 14. hannoversche Wahlkreis(Celle- Gifhorn) beschloß die Gründung eines Ccntral-Wahlvereins für den ganzen Kreis, der am 1. Januar 1905 in Thätigkeit treten soll, falls nicht die etwaigen Beschlüsse des Parteitages etwas andres notwendig machen. Die Zahl der politisch Organisierten im Kreise beträgt jetzt 417 bei 6996 socialdemokratischen Reichstagswählerstimmen. Auch der 18. hannoversche Kreis sStade- Bremervörde) beschäftigte sich mit der Ausgestaltung der Organisation. Für die Bildung eines gemeinsamen Vereins wurde der Kreis noch nicht als reif betrachtet. Man beschloß eine Organisation auf der Grundlage von Agitationsbezirken mit Bezirksführern. Der Kreis hat jetzt in den einzelnen Organisationen reichlich 469 Mitglieder bei 5964 social- demokratischen ReichStagswahlstiiumen. Das Gcdenkfcst des zehnjährigen Bestehens der Socialdcmo- kratischen Arbeiterpartei Hollands ist teils am Freitag, teils Sonn- abend oder Sonntag in vielen Städten des Landes unter starker Beteiligung gefeiert worden. Von ganz besonderer Bedeutung war die Feier in Amsterdam und in Utrecht, den beiden Städten, lvo die Partei am ehesten festen Fuß gefaßt hat. In beiden Städten hatte man Genossen zu Festrednern bestellt, die ganz hervorragend am Werden und Wachsen der Partei mitgewirkt haben: in Utrecht den Genossen Troelftra, in Amsterdam den Genossen van der Goes. Hier in der Hauptstadt fand die Feier in dem schönen und großen Garten des„Tolhuis" statt. Es hatten sich ca. 2996 Festteilnehmer eingefunden. In Utrecht war der große Saal des„Tivoli" voll von Männern und Frauen. Die Festredner gedachten in ihren Ausführungen selbstverständlich auch des Umstandes, daß die Partei sich im Kampf mit dem Anarchismus entwickelt hat. Daran anknüpfend bemerkte Troclstra: „Der Anarchismus muß hinaus saus der Arbeiterbewegung). So lange in der Gewerkschaftsbewegung ein Teil der Arbeiter sich gegen die Socialdemokratie gebrauchen läßt, können wir niemals einen großen Kampf gegen die Bourgeoisie führen, denn der Anarchismus ist die Schwindsucht, die Lähmung, der Untergang, die Zwietracht, der Ruin für jede Arbeiterbewegung." lieber das Wachstum der Partei bemerkte der Redner unter andrem:„Auf ihrem ersten Kongreß 1395 zu Deventcr zählte sie 19 Ab- teilungen i zu Dordrecht, auf dem letzten Kongreß, war ihre Zahl auf 139 gestiegen. Die Mitgliederzahl ist nicht besonders groß: 6999. Aber jeder kennt wohl die Mühseligkeiten, die mit der Mitgliedschaft verbunden sind. Gewachsen ist unser politischer Einfluß. Von je vier Arbeitern hat nur einer das Wahlrecht? und doch hatte im Jahre 1897 die Socialdemokratische Arbeiterpartei bereits 13999 Wähler und 1901 schon 49 999. polireiUckes, Oerfchtticbcs ukw. Erfurt, 39. August. sPrivatdepesche des„Vorwärts".) Genoste Hennig, Redakteur der Erfurter„Tribüne", wurde vom Landgericht wegen Majcstätsbelcidigung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate beantragt. Es handelt sich um die Notiz ans der Wiener„Zeit", den Tod eines angeblichen Verwandten des Kaisers betreffend. Hennig war in dieser Sache schon einmal freigesprochen worden, das Reichsgericht hob jedoch auf die Revision des Staatsanwalts das Urteil auf mit der Begründung, daß noch geprüft werden müsse, ob nicht die Absicht der Beleidigung vorhanden war. Diese Absicht wurde nun als vorhanden bezeichnet und daher die Verurteilung. GewerksebattUebes. Berlin un& dmgegend. Tie Lohnbewegung der Papier- und Ledergalanteriearbeiter und-Arbeiterinnen hat sich nun so weit entwickelt, daß ein teilweiser Srreik unausblechlich erscheint. Gestern abend tagte eine gutbesuchte öffentliche Versammlung dieser Branchen, in der der Vorsitzende der hiesigen Zahlstelle des Buchbinderverbandes E. Brückner über die Antworten der Arbeitgeber auf die vor acht Tagen eingereichten Forderungen berichtete. Ein Teil der Arbeitgeber hat die Forde- rungen ohne weiteres anerkannt, einige haben sie mit einige» Ab- änderungen anerkannt? mehrere Arbeitgeber haben aber überhaupt nichr oder ablehnend geantwortet. Es ist selbstverständlich, daß sich die Arbeiter hiermit nicht zufrieden geben können. Nach längerer Diskussion, in der die Verhältnisse der verschiedenen Werkstuben besprochen wurden, wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von den eingelaufenen Antworten der Prinzipale. Die Versammelten ersehen daraus, daß es wohl möglich ist, die geringen Forderungen anzuerkennen und durchzuführen. Umsomehr ist es bedauerlich, daß es eine Anzahl von Firmen nicht für notwendig hielt, Antwort zu geben. Die Versammlung beauftragt drei Kollegen von jeder Werkstatt, von der Antwort noch nicht eingegangen ist, nochmals vorstellig zu werden, um den Forderungen Geltung� zu verschaffen und um Antwort an die Lohnkommifsion zu ersuchen. Sollte eine be- sricdigende Antwort nicht gegeben werde», so erklären die An- wescndc», die Arbeit nicht eher wieder aufnehmen zu wollen, bis die Forderungen anerkannt sind. Die Verantwortung für diesen Schritt müssen wir den Fabrikanten überlassen." Die Tarifkommission der Glaser hat die zur Beilegung des Streiks vereinbarten Bedingungen in Form eines Tarifvertrages fest- gelegt, wobei noch einige kleine Verbesserungen zu stände gekommen sind. Unter andrem ist auch bestimmt worden, daß ein halbes Jahr' vor dem Ablauf des Tarifs darüber verhandelt werden soll, ob die Arbeitszeit auf 8l/2 Stunden zu verkürzen und der Lohn auf 79 Pf. zu erhöhen ist. Ferner ist ein beiderseitiges Einverständins erzielt worden über die Einrichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises, der dem Centralverein für Arbeitsnachweis angegliedert wird.— Mit Rücksicht darauf, daß im Tarif gesagt wird, die Arbeitgeber legen keinen besonderen Wert auf Accordarbeit, beschloß eine Ver- sammluug der Glaser, daß jede Accordarbeit zu verweigern ist. Ferner stimmte die Versammlung dem Vorschlage zu, daß Streik- brecher aus dem Verbände auszuschließen find. Achtung, Galanterie- Arbeiter und-Arbeiterinnen! In der Galanteriewaren- Fabrik von T. H. Mackensen, R i t t e r st r. 47, haben unsrc Kollcgiiuien heute die Arbeit nieder- gelegt.— Zuzug ist streng fernzuhalten! Ortsvcrwaltung des deutsche» Buchbiuder-Verbandes. ocupkckieg Kelci,. Die Manrerbcwegnug in Forst(Lausitz) ist vorläufig beendet worden. Am 11. April wurden sämtliche Förster Maurer aus- gesperrt, weil sie sich eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen nicht gefallen ließen: Die Mittagspause sollte von 1 Stunde auf IVo Stunden verlängert werden, dafür die V» stündige Vesperpause ganz wegfallen. Die Maurer WC'— e» meist auf den Dörfern, kommen zum Teil erst abends 8 Uh. nach Hause und müßten also bei schwerer Arbeit sieben Stunden und länger ohne Nahrung ver- bringen. Wirklich war die Veränderung der Arbeitszeit nur ein Vor« wand? die Organisation sollte geschwächt und von der Verfolgung der schon im Vorjahre angemeldeten Lohnforderungen abgehalten werden. Das ist nicht erreicht worden. Nach zweiwöchentlicher Aus- sperrung proklamierten die Maurer den Streik und jetzt nach 29 Wochen sind von 263 Ausgesperrten nur 7 zu Streikbrechern geworden. 129 erhielten in Forst von sechs Unternehmern den Stundenlohn von 35 auf 49 Pf. erhöht, 128 fanden auswärts Arbeit zu durchweg erhöhten Löhnen. Nur 13 Mann blieben zuletzt im Streik; auch sie hätten Arbeit zu 49 Pf. Stundenlohn gefunden, waren aber für Kontrolle:c. un- entbehrlich. Der Streik stand also bis zuletzt glänzend, er wurde aber jetzt vertagt, damit beim Nachlassen der Konjunktur nicht Streikbrecher in größerer Zahl sich finden? es sollen vielmehr die auswärts arbeitenden 128 Verbändler zurückgeholt werden. Auf das vor längerer Zeit gemachte Angebot der Unternehmer: 36 Pf. Stundenlohn sofort, 37 Pf. vom Frühjahr 1995 ab gingen die Streikenden nicht ein, weil sie sich sonst binden müßten, im nächsten Jahre keine neuen Forderungen zu stellen. Der Streik hat dem Maurervcrband verhältnismäßig wenig gekostet. Für annähernd die Hälfte der Bcrufsgenossen wurden weientliche Verbesserungen erzielt, die andre Hälfte hat außerhalb günstige Lohnbedingungen genossen— die Organisation der Arbeiter ist in der Lage, jederzeit wenn die Situation günstig ist, erneut losschlagen zu können. Geschädigt sind aber sehr schwer die Unternehmer, die nach einer Wiederholung des Krieges nicht gelüsten wird. Der Streik hat den starren selbstherrlichen Sinn der Förster Unter- nchmer, die sich stets iveigerten, den Maurerverband anzuerkennen, gebrochen. Vom Ccntralverband christlicher Bauhandwcrker und Bauhilfs- arbeiter Teutschlands erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 293 vom 39. August 1994 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie eine Notiz, wonach der Verein der arbeitswilligen Maurer in Königs- berg i. Pr. sich dem Verbände christlicher Maurer angeschlossen haben soll. Wir erklären hiermit, daß ein Anschluß an unser» Verband n ich t erfolgt ist und ersuchen Sie höflichst, dieses richtig zu stellen. Achtungsvoll Geschäftsstelle des Ecntralverbandes christlicher Bauhandwerker und Bauhilfsarbeiter Deutschlands. Einen Lohutarif mit den Unternehmern haben die Zimmer e r Krefelds abgeschlossen und zwar auf die Dauer von 3 Jahren, nämlich bis zum 31. Juli 1907. Die Löhne sind staffelwcise fest- gesetzt, bis zum 31. Juli 1995 wird ein Stundenlohn von 59 Pf. bei zehustündiger Arbeitszeit gezahlt, in dem darauf folgenden Jahre wird der Stundenlohn um 2 Pf. erhöht, während im letzten Jahre 54 Pf. gezahlt werden. Für Ueberstnnden und kompliziertere Arbeit wird ein Aufschlag von 19 Pf. gezahlt, wogegen für Nacht- und Sountagsarbeit eine Lohnerhöhung von 69 Proz. gewährt wird. Bustand. Internationale Streikstatistik. Nicht nur keine Abnahme, sondern sogar noch eine weitere Steigerung der überaus lebhaften Streikbewegung haben in diesem Jahre die Somniermonate gebracht. Fiel schon die hohe Strcikziffer im Juni auf, so war die Lebhaftigkeit der inter- nationalen Streikbewegung im Juli, namentlich im Vergleich zum Vorjahre, geradezu außergewöhnlich. In den Ver- einigten Staaten von Nordamerika allein streikten weit mehr als 150 099 Arbeiter. Zunächst legten am 12. Juli die in den Betrieben der Fleischtrusts Beschäftigten die Arbeit nieder. Der Streik nahm alsbald eine solche Ausdehnung au, daß gegen den 25. Juli die Zahl der am Ausstände direkt und indirekt beteiligten Arbeiter auf annähernd 99 999 geschätzt wurde. Obwohl es am 21. Juli schien, als ob der Streik schon bei- gelegt wäre, setzte er am 22. von neuem ein, da die Arbeitgeber entgegen dem getroffenen Abkommen sich weigerten, die Ausstündigen wieder einzustellen. Ende Juli dauerte der Ausstand noch fort. Ein zweiter großer Streik begann gegen Ende des Monats Juli im Textilge werbe. Die Fabrikanten im Fall River Bezirk hatten eine Lohnherabsetzung beschlossen, die am 25. Juli in Kraft treten follte. Die Arbeiter erwiderten diesen Beschluß mit einem allgemeinen Ausstand, an den« sich circa 39 990 Arbeiter beteiligten. Außer diesen beiden großen Streiks waren aber auch noch sonst in vielen Städten und Staaten Arbeiter andrer Berufe, namentlich Bauarbeiter. ausständig. Nicht nur in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, fondern auch in einer Reihe europäischer Länder war die Streikbewegung im Juli äußerst lebhaft. In England beteiligten sich an fünfzehn Ausständen 11 591 Arbeiter gegen 4731 im Juni 1994 und 5132 Arbeiter im Juli 1993. In Glasgow fand ein großer Bau- arbeiter-«streik statt, an dem 5509 Arbeiter teilnahmen. Der Streik wurde durch eine Herabsetzung des Stundenlohnes von SO�/t und 76Va veranlaßt. Er begann am 1. Juli und war Ende des Monats noch nicht beigelegt. In Frankreich bildeten die Hafenplätze noch immer die Hauptherde der Streikbewegung. Außerdem waren die Bäckergesellen von Versailles, die Kellner in Bordeaux und die Uhrmacher in Clnses aus- ständig. Die Schweiz verzeichnete gleichfalls einige größere Lohnbewegungen. Beim Bau des R i ck e n- T u n n e ls' legten 590 Personen die Arbeit nieder, da die geforderte Herabsetzung der Arbeitszeit von 11 auf 8 Stunden im Innern des Tunnels bei den bisherigen Löhnen nicht bewilligt wurde. In Chaux de Fonds streikten die Bauarbeiter, und in Wynenthal drohte ein großer Streik der Textilarbeiter. In Italien begannen während des Juli im ganzen 36 Streiks. Für 36 von diesen betrug die Zahl der Beteiligten 5279. In verschiedenen Orten, vor allem aber in Venedig und Rom, streikten die B ä ck e r. Die Militärbehörden haben in beiden Städten Feldbäckereien zur Verfügung gestellt, um die Bevölkerung mit Brot zu versorgen. Endlich waren auch noch in den nordischen Ländern die Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ziemlich zahlreich und heftig. In Stockholm kam es aus Anlaß eines Streiks der Bautischler und Zimnierlcute zu einer allgc»reinen Aussperrung, von der etwa 4999 Bauarbeiter betroffen wurden. Auch in der Land- Wirtschaft kamen Ausstände vor? unter andcrm streikten auch die Melkerinnen auf einem größeren Gute. Die Republik und der Klassenkampf. Bei dem kiirzlichen Truppenaufgebot zur Niederwerfung de? Streiks zu C h a u x- d e- F 0 n d s in der sogenannten„freien" Schweiz weigerte sich der Genosse Paul Sandoz einzurücken? er wird demnächst vor dem Kriegsgericht zu erscheinen haben. Natür« lich wird Sandoz zu Gefängnis und Ehrverlust verurteilt werden.— Die Zahl der„Ehrlosen", die wegen militärischer Gchorfams» Verweigerung verurteilt werden, wächst in der Schweiz beständig. Malerstrciks in Dänemark. In den Städten Odense, Köge, Maribo, Nakskov und Nykjöbing auf Falster streiken die Maler bereits seit längerer Zeit, um eine bessere Regelung der Löhne herbeizuführen. Zwecks Beilegung der Streitigkeiten haben nun dieser Tage Verhandlungen zwischen Vertreter» der Meister- und der Gehilfenorganisation des Malergewerbcs stattgefunden, an denen auch die Ausschüsse der Hauptorganisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter Dänemarks teilnahmen. Einigung ist noch nicht erzielt worden, doch soll weiter verhandelt werden. Der Import deutsch- und russisch-polnischcr Landarbeiter nach Südschwcdcn wird jetzt mit außergewöhnlichem Eifer, aber nicht immer mit anständigen Wittel» betrieben. So wurden z. B. kürzlich in Warschauer Zeitungen statt Landarbeitern„ L a u d w i r t s ch a f t s- Eleven" für Skandinavien gesucht. Auf Grund dieser Annoncen meldeten sich auch mehrere Handlungsgehilfe», die sich burch Annahme der Steven dem Kriegsdienste entziehen wollten. Als sie aber, in Schonen angekommen, vom Streik der Landarbeiter unterrichtet wurden, weigerten sie sich konsequent, die Arbeit auf- zunehmen. Es sollen auch einige ausgesprochene Socialdemokraten unter ihnen sein.— Wie wir bereits mitteilten, sind am Sonntag 22 galizische und deutsche Arbeiter auf Kosten der schwedischen Land- arbeiter-Organisation heimgesandt worden. Sie waren angestellt von der„AilSsaatgesellschaft* s.UtsädeSbolaget') in Svalöf. Der Direktor der Gesellschaft soll vor Wut geweint haben, als er hörte, daß seine Streikbrecher ihn verlassen wollten. Er setzte folgendes Schriftstück in deutscher Sprache auf: Wenn Tottleben heute oder morgen einige oder alle von den von hier abgefahrenen ausländischen Arbeitern mit nach Svalöf bringt, werde ich nach beendeter Herbstarbeit als Rückreisegeld statt der ftüher versprochenen 24 Mark. 50 Mark für jeden Arbeiter zahlen. Svalöf, den 21. August 1904.1 E. Olin, Direktor der Allgemeinen Schwedischen Saataktiengesellschast. Es half ihm aber nichts, die Leute waren fort auf Nimmer- wiedersehn. Unsre Parteigenossen in Malmö hatten später ein Ge- spräch mit diesen Arbeitern und dabei erfuhr man, wie sie von den Arbeitgebern instruiert worden waren. Die� meisten waren mit scharsgeladenen sechsläufigen Revolvern aus- gestattet worden und man hatte ihnen gesagt, daß straflos bleiben würden, wenn sie aus streikende schwedische Arbeiter schießen lvürden. Auch mit dem schwedischen Zuchthausgesetz hatte sie der Direktor gleich bei ihrer Ankunft bekannt gemacht. Sie warnten einen der schwedischen Agitatoren, sie nicht in Gegenwart von Zeugen anzureden, weil das ihm sonst leicht zwei Jahre Strasarbeit kosten könnte. Uebrigens waren es meist ganz verarmte Leute in arg zer- rissenen Kleidern und Schuhen. Unsre Malmöer Parteigenossen schafften erst die nötigen Kleidungsstücke und Schuhzeug herbei, um sie einigermaßen reisefähig auszustatten. Bei Abfahrt des Dampf- schiffes waren die Streikbrecher-Agenten zugegen und suchten die Leute zu überreden, von Kopenhagen wieder nach Svalöf zurück zukehren. Aber vergebens. Zwei Vertteter der schwedischen Land arbeiter begleiteten sie bis nach Lübeck. Kein Generalstreik der siidschwedischcn Landarbeiter. Die Uv abstimmung im Schonischen Landarbeiter- Verbände ist so aus- gefallen, daß zur Zeit ein allgemeiner Stteik nicht für nötig erachtet wird. Nur eine der Abteilungen des Verbandes hat sich für einen solchen Streik erklärt. Die Steinhauer-Aussperrung in Bohuslän dauert jetzt bereits vier Monate. Sie erstreckt sich auf ungefähr 1000 Mann. An 10 000 Kronen werden wöchentlich für Unterstützung der Ausgesperrten ausgegeben. Alle Vermittlungsversuche, sowohl die der Arbeiter selbst, als auch die des Landeshanptnianns in Göteborg, sind er- solglos geblieben. Dementsprechend wird auch die von den Arbeitern über die Verladeplätze verhängte Sperre aufrechterhalten. Streik- brecher sind nur wenige vorhanden. Der Streik von Marseille. Daß die großen Reeder von Marseille die jetzige Aussperrung von langer Hand vorbereitet haben, geht deutlich hervor aus einer Unterredung, welche der Präsident des Shndikats der Reeder mit einer Delegation der Schiffsoffiziere gehabt hat. Die Offiziere und die Schiffsmechaniker find diejenigen, welche durch ihren Ausstand den Konflitt wieder zuspitzten; gegen sie müßten die Reeder am aufgebrachtesten sein, wenn der Ausstand nicht mit deren Zustimmung vor sich gegangen wäre. Auch haben die Offiziere keinerlei Beschwerden erhoben und Forderungen gestellt. Der Präsident der Recder-Vereinigung äußerte sich dahin, daß die Unternehmer die Entschlüsse der Regie rung abwatten würden, die jetzige Situation könne daher bis zum Wiederzusammentritt des Parlaments andauern.— Die Arbeiter da- gegen haben einen Beschluß gefaßt, der von neuem ihre Friedensliebe be zeugt. Sämtliche Gewerkschaften von Marseille waren nach der Arbeits börse berufen, um über den Generalstreik zu beraten. Die Führer der Hafenarbeiter und der Seeleute rieten von der Erklärung des General streikZ durch die andren Berufe ab und trotzdem verschiedene Redner für den Generalstreik einttaten, wurde demgemäß beschlossen.— Die Organisatton der Hafenarbeiter zählt jetzt 11 000 Mitglieder, sie ver- fügt über ein Vermögen von 60 000 Frank. Die durch Verhaftung, beziehentlich Verurteilung wegen Vergehens gegen die Freiheit der Arbeit betroffenen Mitglieder sollen ans der Kasse der Organisation unterstützt werden.— Die durch den Telegraph gemeldete Mitteilung, daß der Handelsminister den Unternehmern von Marseille aufgegeben hat. den Postverkehr wieder aufzuehmen, bestättgt sich. Insgesamt sind 15 Schiffahrtsgesellschaften in Marseille vorhanden, welche für die Beförderung der Post staatliche Subventionen. beziehentlich Bezahlung erhalten. Die zwischen der Regierung und den be- treffenden Gesellschaften abgeschlossenen Verträge setzen fest, daß letztere gehalten sind, die Schiffe pünktlich auslaufen zu lasten. Von dieser Verpflichtung sind sie nur befteit im Fall eines Krieges oder lveim„höhere Gewalten' sie daran verhindern. Für jede Stunde, welche die Schiffe später auslaufen, sind 50 Fr. Strafe, von der sechsten Stunde ab 100 Fr. Strafe für jede Stunde zu zahlen. Verspätet sich die Abfahrt des Schiffes um 24 Swnden, dann wird die Beförderung der Post seitens der Regierung aber auf Kosten der betreffenden Gesellschaft bewirkt. In solchem Falle haben die Gesellschaften ihre Sttafe und eine besondere Entschädigung zu zahlen und der Kontrakt mit der Regierung ist aufgehoben. Dies hat der Handels- minister in seinem Schreiben den Gesellschaften in Erinnerung ge- bracht. Krieg und höhere Gewalt liegen nicht vor und es wird sich nun zeigen,'wie die Regierung sich zu den großen kapitalistischen Schiffahrts-Gesellschaften stellen wird. Gerickts-Leitung. Eine Mahnung zur Borsicht bei der Abgabe eidesstattlicher Ber- sicherungen enthielt eine Anklage, die gestern den Buchhalter Wilhelm B e ck e l vor die erste Strafkammer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte war in einem Baugeschäft thätig, welches von zwei Ge- sellschaftern— Vater und Sohn— geführt wurde, während nach dem Gesellschaftsvertrage der Vater allein die Vollmacht hatte, die Firma nach außen hin zu vertreten. Zwischen Vater und Sohn kam es zu argen Zwistigkeiten, die dahin führten, daß der Sohn gegen den Vater klagbar wurde. Er behauptete, daß der Vater hinter seinem Rücken das fast einzige Wertobjckt der Gesellschaft, ein Haus in der Huttenstraße, verkauft bezw. gegen ein andres minderwertiges Grundstück vertauscht und ihn dadurch empfindlich geschädigt habe. Mit der Klage war gleichzeitig der Antrag verbunden, zur Ab- Wendung weiteren Schadens durch Erlaß einer einstweiligen Ver- fügung dem Vater die Vollmacht zu entziehen. Zur Begründung dieses Antrages war die Beifügung einer eidesstattlichen Ver- sicherung bezüglich der Sachlage nötig und diese erlangte der Sohn auf seine Bitten vom Angeklagten. Dieser gab eme längere eides- stattliche Versicherung ab, wobei er unvorsichtigerweise unterließ, zu betonen, daß einzelne darin enthaltene Daten nicht auf seiner eignen Kenntnis, sondern auf Mitteilungen beruhten, die er gelegentlich von dem Verklagten selbst erhalten hatte oder erhalten zu haben glaubte. Es hat sich später herausgestellt, daß zwei thatsächliche Angaben, die übrigens für den Gang des Prozeffes ganz bedeutungs- loS waren, nicht der Wahrheit entsprachen und infolge dessen wurde gegen B. die Anklage wegen fahrlässiger Abgabe einer fallchen eides- stattlichen Versicherung erhoben. Der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte aber auf Freisprechung, da er mit dem Verteidiger Justizrat Senff der Meinung war, daß bei solchen Akten oft sehr gebildete Menschen ccnciat sind Schlußfolgerungen, Annahmen und Mittellungen von dritter Seite als Thatsachen hinzustellen. Ein rabiater Mensch ist der Friseur Otto Hoffmann, ein unfreiwilliger Bewobner des Arbeitshauses, der gestern dem Schossen- gericht vorgeführt wurde, unr sich wegen Widerstandes gegen die gericht vorgeführt wurde, um sie wegen Widerstandes gegen die Zeit aus RummelZbnrg dem Schöffengericht borgeführt, um wegen eines kleinen Vergehens abgeurteilt zu werden. Als er nach be- endigter Verhandlung von seinem Transporteur wieder zurückgebracht werden sollte, suchte er eine Bedürfnisanstalt auf und machte den Vcrftlch zu entfliehen. Der Versuch mißlang, denn der Flüchtling wurder unter Mitwirkung eines zufällig des Wegs kommenden Gen- darmen bald wieder festgenommen. Er widersetzte sich seinem Rück- transport nach Rummelsburg ganz energisch, indem er heftig um sich schlug und überhäufte den Gendarmen und seinen Transporteur mit den gröbsten Schimpfworten. Ter Vorfall zog ihm eine Anklage wegen Widerstandes und Beleidigung zu. In dem vor einiger Zeit vor dem Schöffengericht anstehenden Termin betrug sich der Ange- klagte so ungebührlich, daß eine Verhandlung mit ihm nicht möglich Ivar. Unter anderm ergriff er plötzlich einen Stuhl und warf ihn über die Brüstung nach dem Zeugen, der zu seinen Ungunsten aus- sagte. Der Termin mußte unter diesen Umständen aufgehoben werden, das Gericht verhängte übr den Angeklagten wegen dieser Lärmcene eine sofort vollstreckbare Ordnungsstrafe von drei Tagen Haft. Inzwischen hat sich die Kriegslust des Angeklagten merklich gelegt. In dem gestrigen Termin kam es zu keinen erneuten Aus- schrcitungen, der Angeklagte war vielmehr ganz ftiedlich gestimmt und gab seine Verfehlung ohne weiteres zu. Er wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Hausdieb von besonderer Beharrlichkeit stand in der Person des Schlossers F. B a n t e l vor der siebenten Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Die Mutter des Angeklagten wohnt in einem Hause der Seestraße. Ein Bewohner desselben Hauses wurde drei- mal kurz hintereinander durch Einbruchsdiebstahl geschädigt; das erste Mal war ihm ein Ring im Werte von 60 M., das zweite Mal eine silberne Rcmontoiruhr, das dritte Mal waren zwei Zwanzigmark- stücke entwendet worden. Es wurde ermittelt, daß alle drei Einbrüche von dem Angeklagten ausgeführt worden waren, der auf diese Weise sein ganz besonderes Interesse für den Mitbewohner an den Tag gelegt hat. Der Gerichtshof verurteilte den bisher unbescholtenen Menschen zu fünf Monaten Gefängnis. Versammlungen. Bericht vom Amsterdamer Kongreß erstatteten die Genossen Kater und Friedeberg als Delegierte der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften in einer von etwa 1000— 1200 Personen besuchten Versammlung, die am Montag in Kellers Saal tagte. Kater gab einen allgemeinen Ueberblick über die Arbeiten des Kongresses und schilderte einige Züge aus den Verhandlungen der deutschen Delegation über die Maifeier. Außer der Resolution der Versammlung vom 3. August habe eine Resolution des Partei Vorstandes vorgelegen, die sich mit der in der Berliner Partei Versammlung im Feenpalast angenommenen deckte, und eine dritte von der Generalkommission eingebrachten Resolution. Die letztere habe gefordert, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai fortfallen und die Demonstration nur am Abend des 1. Mai stattfinden solle. Robert Schmidt, der diese Resolution begründete, habe ausgeführt, die von der Generalkommission vertretenen Gewerkschaften hielten es für ihre Pflicht, sich bei allen Veranstaltungen, die größere Ausgaben mit sich bringen, zu fragen, ob der Erfolg auch den Aufwendungen entspreche. Jeder Pfennig, den die Gewerkschaften ausgeben, müsse hundertfältige Zinsen tragen, es müsse überhaupt alles vermieden werden, was zu größeren Konflikten mit den Unternehmern führen könne. Im Laufe der Verhandlungen in der Delegation sei von gewerkschaftlicher Seite gesagt worden: Man möge hier beschließen, was man wolle, der nächste deutsche Gewerkschafts-Kongreß werde unbekümmert darum seine eignen Beschlüsse fassen. Den von ge werkschaftlicher Seite erhobenen Einwänden, daß die Mai- Ans sperrungen den Gewerkschaften zu viel kosten, sei ein Vertreter des Parteivorstandes mit der Bemerkung entgegen getreten: Wenn es gar so schlimm werden sollte, dann sei ja die Parteikasse auch noch da. Schließlich sei die Resolution des Parteivorstandes angenommen worden. In der Kommissionsberatung über die deutsche Mai Resolution hätten die Engländer gegen den Passus gesprochen, der die Arbeitsruhe nur für den Fall befürwortet, wo die Interessen der Arbeiter nicht geschädigt werden. Wenn die Resolution diese Ein- schränkung mache— sagten die Engländer— sei an eine Durch sührung der Arbeitsruhe in England nicht zu denken. Darauf hätten die deutschen Kommissionsmitglieder den betreffenden Passus zurück gezogen. Als das die Vertreter der Gewerkschaften hörten, wären sie dagegen aufgetreten und sie hätten dann auch durchgesetzt, daß die deutschen Kommissionsmitglieder den Passus in der Resolution wieder herstellten. Die Vertreter der Generalkommission und die Berliner Vertreter der gewerkschaftlichen Verbände seien alle gegen die Arbeitsruhe aufgetreten. Andre Gewerkschaftsvertreter, namentlich Frau Z i e tz aus Hamburg und Simon, der Vorsitzende des Schuhmacher-Verbandcs, hätten sich jedoch sehr scharf gegen diesen Standpunkt ausgesprochen. Friedeberg sprach über die Kongreßbeschlüsse zur inter nationalen Taktik und zum Generalstreik. Der Taktik-Beschluß sei nur ein Scheinerfolg des Radikalismus. Wie in Dresden, so habe auch in Amsterdam die überragende Persönlichkeit Bebels gesiegt, aber die von ihm vertretene Sache: der radikale Socialismus, habe nur einen Scheinerfolg davon getragen, denn die Revisionisten würden doch nach wie vor ihre eignen Wege gehen, unbekümmert um den Beschluß des Kongresses.— Mit der Stellungnahme des Kongresses zum Generalstreik erklärte sich der Redner zufrieden Die von ihm und seinen Freunden vertretene Anschauung habe nicht Schiffbruch gelitten. ES sei ein bedeutsamer Fortschritt, daß die Frage des Generalstreiks eingehend untersucht wurde, und daß auch die deutschen Genossen dazu Stellung nehmen mußten. Es sei ein Fortschritt, daß die Amsterdamer Resolution den politischen Massen treik zur Abwehr reaktionärer Angriffe billige, und es sei anzu erkennen, daß die Holländerin Frau Holst erklärte, wenn der Klassen kämpf sich verschärst, kann der Generalstreik vielleicht das einzige politische Kampfmittel sein. Daß die angenommene Resolution der Holländer den Gegensatz zwischen Anarchisten und Socialisten ver- tieft, sei nicht zu billigen. Wir müssen Anschluß suchen nicht nach rechts, sondern nach links, mit denen, die gleich uns auf dem Boden des Klassenkampfes stehen. Nicht daß wir Anarchisten werden sollen, aber wir müssen die freiheitlichen Elemente, die Klassenkämpfer aus den Reihen der Anarchisten, zu uns herüberziehen. Der Redner agte zum Schluß, er und seine Freunde würden festhalten an dem, was sie in der Versammlung am 3. August beschlossen. Wenn man auch im sechsten Wahlkreise diese Beschlüsse als Ausgeburt der Hundstagshitze(Rufe: Pfui!) bezeichnet habe.(Beifall.) Der erste Diskussionsredner, R e g g e, vertrat in langer Rede den Standpunkt Fricdebergs, er wandte sich gegen die vom„Vor- wärts" an diesem Standpunkt geübte Kritik, sowie gegen das „Correspondenzblatt" der Gencralkommission. welches die Versamm- lung vom 3. August als lokaliftisch-anarchistische Verbrüderung be- zeichnet habe. Theodor Fischer führte aus, er sei gewohnt, daß� alles be- krittelt werde, was von der durch ihn vertretenen gewerkschaftlichen Richtung kommt. Aber das sei man noch nicht gewohnt, daß auch in den Wahlvereinsversammlungcn in solcher Weise Stellung ge- nommen werde, wie es anläßlich der Friedebcrgschen Aeußerungen geschehen sei. Der Wirrnis-Artikel des„Vorwärts" habe die Ge- Nossen so verwirrt, daß sie ganz aus dem Häuschen geraten sind und, aufgebracht durch das Wort Generalstreik, den Genossen Friedeberg verurteilen, ohne seine Ausführungen recht gelesen zu haben. Wenn auch Friedeberg entgleist sei, indem er sagte: Wir weinen dem Wahlrecht keine Thräne nach— eine Ansicht, die Redner nicht billigt—, so liege doch keine Veranlassung vor, die Frage des Ge- neralstreiks so abznthun, wie es in Parteikreisen geschehen sei. Was die Versammlung am 3. August beschlossen, werde durchgeführt werden.. m. Die Ausführungen der nachfolgenden Redner waren in der auptsache zustimmende Kundgebungen zu dem Standpunkt des Genossen Friedeberg. Von mehreren Seiten, namentlich von den Genossen Weisel und Danncnberger, die dem sechsten Wahlkreise angehören, wurde die Kritil, welche Genosse Ledcbour in der Versammlung des sechsten Wahlkreises den Ausführungen Friedebergs zu teil werden lieh, scharf verurteilt. Dannenberg« sagte, Ledebour habe die Genossen beschimpft, indem er ihren Be- schluß als Folge der Hundstagshitze hinstellte. In der nächsten Generalversammlung des Wahlvereins werde man den„erblichen Abgeordneten des sechsten Wahlkreises" wegen dieser Beschimpfung zur Rechenschaft ziehen.(Beifall.) Als um'/-I Uhr die Diskussion geschlossen wurde, hatte sich etwa die Hälfte der Versammlungsbesucher nach und nach entfernt. Die Zurückgebliebenen beschlossen folgende Resolution: „Die Versammlung nimmt Kenntnis vom Bericht der Dcle- gierten und verspricht, auf dem Boden des Programms der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, welches dem Amsterdamer Kongreß unterbreitet wurde, unentwegt für die geistige und physische Befreiung der Arbeiterklasse thätig zu sein." Berichtigung. In dem gestrigen Bericht über die Generalver- sammlung des Ccntral-Wahlvereins Teltow-Bceskow ist irrtümlich angegeben, daß 24 Delegierte anwesend waren. Es muß heißen: 74. — Tann ist der Antrag Grunwald auf proportionale Regelung der Vertretung in der Agitationskommission nicht abgelehnt, sondern vor der Abstimmung zurückgezogen worden. Vermiscbtes. Forffchritte im Mandarinenstont. Ueber die Benutzung der Wartesäle hat die StaatSbahnverwalttmg neue Bestimmungen er- lassen. Danach darf der Zuttitt zu den Wartesälen erster und zweiter Klasse auch denjenigen Reisenden dritter Klasse nicht versagt werden, die weder durch ihre Kleidung noch durch Benehmen Anstoß erregen. Im Fall einer Ueberfüllnng der Warteräume zweiter Klasse werden Reisende dritter Klasse nicht mehr zugelassen. Den Reisenden steht, wie in den neueren Bestimmungen festgestellt wird, nicht das Recht zu, die Entfernung der Reisenden dritter Klasse aus den Warteräumen zweiter Klasse zu fordern. Haben Personen den Warteraum betreten, die nicht hineingehören, so hat der Bahnhofs- Vorstand über ihren Verbleib zu befinden und namentlich diejenigen Personen auszuweisen, die aus diesem oder jenem Grunde die übrigen Reisenden voraussichtlich belästigen würden. Betrunkenen Personen soll der Zutritt zu den Bahnhofs-Warteräumen stets ver- sagt werden. Eine Knrpfuscherei-Nnsstellung soll im Anschluß an die Ver- sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Breslau im Aus- stellungsraum(Zwingerstt. 14, ftühereS Paket-Postgebäude) vom 19. bis 24. September eingerichtet werden; sie soll einen Einblick in das Wesen des Kurpfuscherttims bieten. Voraussichtlich am 22. Sep- tember früh 9 Uhr wird eine Erläuterung der Ausstellung durch Dr. Karl Alexander gegeben werden. Weiterhin haben Dr. C. Reißig (Hamburg). H. Kantor, Leiter des„GesundhettslehrerS"(Warnsdorf) und Oberstabsarzt Dr. Neumann(Bromberg) Vorträge über das Kurpfuschertum zugesagt. Hoffentlich beschränkt das AuSstellungs- Programm sich auf den Kampf gegen das wirkliche Kurpfuschertum und hält sich von den Geschmacklosigkeiten fern, mit denen vor einigen Jahren die preußische Zunftmcdizin gegen etliche Aerzttnnen vorging. Diese wurden vom ärztlichen Banausentunr deshalb als Kurptuscherinnen denunciert, weil sie, da die deutschen Universitäten ihnen verschlossen blieben, notgedrungen in der Schweiz studieren müssen. Sie hatten dort zwar nicht weniger gelernt als in Deutschland der Durchschnitt ihrer männlichen Kollegen; aber der Brotneid bewarf fie trotz alledem mit dem häßlichen Schimpfnamen. Auf dem Reihenstein bei Johnsbach ist, wie die„Wiener Ar- beiter-Zeitung" meldet, ein m der Arbeiterschaft Wiens bekannter Parteigenosse, der Tischler Julius Weber, am Sonntag tödtlich abgestürzt. Schon als ganz junger Tischlergehilfe stand Weber in der Arbeiterbewegung. Er war mehrere Jahre Schriftführer der Tischlergewerlschaft und des Arbeiter-BildungSvereines in Mariahilf; Beamter der Tischlerkasse war er seit 1894. Seit etwa zehn Jahren war er leidenschaftlicher Tourist und er gehörte zu de» ersten Mit- gliedern der«Naturfreunde". Ueber ein großes Führennnglsick wird aus Lodz folgendes gemeldet: An einer UebersetzungSstelle des FlusseS Kamie bei Uftkoswy ließen sich gegen 100 Personen auf das andre Ufer übersetzen. Der Lenker weigerte sich, mehr als 50 Personen auf einmal aufzunehmen, wurde aber dazu gezwungen. In der Mitte des FlusseS sank die Fähre. Dreißig Personen wurden gerettet, fünfzig fanden in den Fluten den Tod. Schwere Ausschreitungen eines Marilirsoldaten werden einem hiesigen Blatte aus Köln berichtet. Ein Marinesoldat, der dort eine längere Festungshaft verbüßt hatte, griff den ihn zur Bahn ftihrcnden Unteroffizier plötzlich an und mißhandelte ihn schwer, ein Fuß- arttllerist, zwei Civilperspnen sowie zwei Schutzleute, die sich ins Mittel legten, erhielten gleichfalls von dem sich wie wild geberdenden Soldaten schwere Verwundungen. Schließlich gelang es dem Polizei- Aufgebot, den Rasenden zu überwältigen und durch Militärpatrouillen ins Militärgefängnis abzuführen. In dem belgischen Scrbade Knocke brach gestern früh in dem Grand Hotel Feuer aus, durch welches dieses sowie mehrere Land» Häuser und benachbarte Hotels zerstört wurden, da es an Lösch» Mannschaften fehlte und solche erst aus den benachbarten Städten herbeigeholt werden mußten. KrlefkaCten der RedahHen. Stargard. Diese anonyme Mitteilung nützt uns gar nichts. Warum nennen Sie uns nicht Ihren Namen? Warenhaus Rixdorf. Anonyme Mitteilungen beachten wir nicht. Juristischer rieil. P. K. 15. Zum Ehesühnetermin braucht der oder die Beklagte nicht zu erscheinen. Erscheint der Antragsteller nicht, so gilt der Antrag als nicht gestellt. Vertretungen im Sühnetevmin sind unslattyast. Ihre zweite Frage ist unverständlich.— K. N. 1. t. Leider ja. 2. Nein.— Belehrung. Das Urteil wäre noch jetzt vollstreckbar. Sollte das Urteil zu Umecht er» gangen oder gar die Klage, wie sie behaupten, Ihnen nicht zugegangen setn, so müssen Sie schleunigst Einspruch erheben und aus Einstellung der Zwangsvollslrcckuug klagen. Wie daS Sachvcrhältuis liegt, erscben Sie aus der Gerichischrcibcrci.— N. B. WO. Da Ihr Vetter noch nicht 40 Jahre alt ist, würde er. abgesehen von der Sttafe, der Ferienkolonie eingereiht werden.— A. 58. Da« ist möglich, aber unwahrscheinlich.— A. B. Ja. I. P. II. Ist Ihr Valcr im September 1834 geboren, so sind zwischen 543 und 547 Marken ersorderlich, um Altersrente zu erhalten. Sollte diese Zahl noch nicht erreicht sein, so muß Ihr Vater schleunigst noch kleben. rwßcrdcm müssen Sie darauf achten, daß für Ihren Vater nach seinem Ausscheiden auS der Arbeit mindestens 40 Marten sür je zwei Jahre geklebt werden. Sonst geht der Anspruch verloren. 2. Unsallrente schließt nicht ohne weiteres den Bezug einer Altersrente oder einer Invalidenrente aus. Das Rechtsverhältnis ist vielmehr folgendes: so lange und soweit die Unsallrente unter Hinzurechnung der Invaliden- und Altersrente den ?>/, fachen Grundbettag der Invalidenrente übersteigt, ruht die Alters» oder Invalidenrente. Der T'/Jachc Grundbclrag beträgt, falls der Versicherte in der I. Lohnklasse versichert ist. 450, in der II. 525, in der III. 600, in der IV. 675. in der V. 750 Marl. Wie koch die Altersrente Ihres BaterS ist. läßt sich nur dann berechnen, wenn Sie die Zahl und Art der Marken angeben. Jedenfalls bettägt sie mindestens IlO, höchstens 230 M. Ihrem Vater ist daher nichts von der Rente abzuziehen.— M. L., Hiuderjinstr. Nein. — 51. K. 100. 1. Die von Ihnen angeführte Redewendung kann als a erachtet werden. Es Ist unmöglich, vorauszusagen, ob das durch das Urteil letzter Instanz geschehen wird. Es giebt leine Redewendung, die unter allen Umständen als Beleidigung aufgefaßt werden muß. Ebenso- wenig läßt sich sagen, ob bestimmte Redewendungen nicht als beleidigende u erachten sind. Neben dem Wortlaut und Sinn kommen die begleiienden Imstände in Betracht, deren Würdigung sehr verschieden aussallen kann. 2. Wohnen Beleidiger und Beleidigte in derselben Gemeinde, so muß der (beim Amtsgericht anzustellenden) LeleidlgungStlagc ein Sühncoerfuch beim Schiedsrichter vorangehen.— Dreisel.«> T. 100. Rein.— H. P. 14. t. Die Bureauzeit ist maßgebend. 2. DaS ist möglich, z. Nein.— B. W. 999. 1. Ihre Mutter wird von Ihnen. Ihrem N-sten und Ihrem Bater beerbt. 2. Der Vater wird von seinen Kindern und Kindeskindern beerbt. Ob ein Testament ungültig oder angreifbar ist, läßt sich ohne Kenntnis Enkelkind seines Inhalts' und seiner Form nicht hat Anspruch aus den Pslichttell.— H. sagen. 4. Müller. DaS Nein Läraiuw.'A-Äckeur: LmU Büitner�Berlin. AI den ftnjeratoüeil verantw.: TS. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts BMdruckerei u. Verlagsanstalt Uaul Silber St Co.. Berlin SW* Nr. 204. A. Jahrgang. 2. Sriltzt des.lätmirtä" Sellim MM Mtvoch. 31. AM? 1904. Der Streik und die Aussperrung der Former und Gießerei- Arbeiter ist beendet! Die Einigung zwischen den Formern und Gießereibesitzern ist nach mehrmaligen Verhandlungen gestern zu stände gekommen, und zwar auf einer Grundlage, die, um es vorweg zu sagen, einen schönen moralischen Erfolg des Metallarbeiter- Verbandes darstellt. Nach den bisherigen Erfahrungen, die der Metallarbeiter« Verband mit den Kühnemännern gemacht hat, war bei Beginn der Aussperrung als nur zu wahrscheinlich anzunehmen. daß der Kampf sich ins riesengroße auswachsen und äußerst lang- wierig werden würde. Darauf hatten sich nicht nur die Berliner Former, sondern die Metallarbeiter von ganz Deutschland gefaßt gemacht und danach ihre Maßnahmen gettoffen. Alles war bereit zu einem Kampf bis aufs äußerste. Kein Metallarbeiter hätte es mehr über sich zu bringen vermocht, die in der äußerst leichtfertigen Formeraussperrung liegende Provokation länger schweigend hinzunehmen. Lediglich von dem weiteren Verhalten der Kühnemänner hing es ab, ob ein Riesenkamps entbrennen würde, der von ganz unabsehbaren Folgen gewesen wäre und möglicherweise die gesamte deutsche Metallindustrie in ihren Grundlagen erschüttert hätte. Es ist nicht zu diesem großen Kainpfe gekommen— glücklicherweise nicht. Jeden- falls haben die Kühnemänner eingesehen, daß sie die ungeheure Verantwortling, die ihnen ein solcher Niesenkampf auf die Schultern wälzte, nicht zu tragen vermochten. Das niederdrückende Bewußtsein der alleinigen und ausschließlichen Schuld an dem Kampfe, den sie um einer so geringfügigen Ursache willen vorn Zaune brachen, hat sie zum Einlenken bewogen und sie veranlaßt, die Sache nicht auf die äußerste Spitze zu treiben. Das rechtzeittge Entgegenkommen der Kühnemänner einerseits, sowie das klug abwägende Verhalten des Metallarbeiter-Verbandes andrerseits haben die Eisenindustrie im letzten Augenblick noch vor einer folgenschweren Erschütterung belvahrt, die sicher für beide Teile von außerordentlicher Wirkung gewesen wäre. lieber das Resultat der Verhandlungen erstattete gestern in einer stark besuchten Versammlung der Former und Gießerei-Arbeiter das Kommissionsmitglied Z e r n i ck e Bericht. An der Versammlung nahmen außerdem teil der Reichstags-Abgeordnete K ö r st e n als ehemaliger Former und Leiter der Berliner Gewerkschaftskommission, der zweite Vorsitzende dcS Metallarbeiter-Verbandes R e i ch c l t aus Stuttgart, die beiden Bevollmächtigten der Berliner Orts- Verwaltung des Verbandes Cohen und W i e s e n t h a l, die Branchenführer L. M ü l l e r und P l a t h sowie die übrigen Mit- glieder der Agitationskommission der Former und Bcrussgenosscn. Zernicke hob hervor, daß die gegenseitigen Verhandlungen trotz der mitunter sehr weitgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber durchaus sachlich geführt wurden. In der Montagssitzung sei es nochmals zu einer regen Aussprache über die Punkte 2, S und 13 der ursprünglichen Forderungen gekommen, die von der Entschädigung für Wartezeit bei Betriebsstörungen, der willkürlichen Verteilung der Arbeit seitens der Meister und der Einsetzung einer paritätischen SchlichtungS- kommission handelten. Schließlich wurde zwischen den beiderseitigen Kommissionen namens der von ihnen verttetenen Parteien folgende Vereinbarung gettoffen: 1. Die Betriebseinrichtungen sind derart zu tteffen, daß in der Regel des Abends pünktlich zu der in der Arbeitsordnung angegebenen Sttinde Feierabend ist. 2. Die Zeit, welche der Former wegen Störung der Betriebs- einrichtung die Arbeit aussetzen muß, wird, wenn es mehr wie eine Stunde ist, zu einem Lohnsatze vergütet, der seinem letzten vierwöchentlichen Durchschnittsverdienst entspricht. Auf diese Ver- giitung hat er jedoch nur dann Anspruch, wenn er der Bettiebs- leitung von dem Aufenthalt, den er erleidet, vor Ablauf der ersten Sttmde Kenntnis gegeben und diese auf seine Ansage entschieden hat, daß er nicht aussetzen will. 3. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Formern und der Gießereileitung über Ausschußstncke soll entweder der Besitzer oder der Direktor oder eine Kommission von zwei Ingenieuren aus andern Abteilungen entscheiden. Auf Vorschlag der beteiligten tormer müssen auch bis zu zwei andre Former gehört werden. ne Klage beim Gewerbegericht soll kein Grund sein, den Former von der Benutzung der Nachweisstelle und von Einstellung bei Verbandsfirmen auszuschließen. 4. Ausschußstücke müssen, bevor sie beseittgt werden, dem be- tteffenden Former zur Prüfung vorgelegt werden. 5. Der Preis muß, bevor die Arbeit begonnen wird, mit dem Former vereinbart werden. 6. Zur Bedienung der Kräne, zur Instandhaltung der Trockenkammern und zur Ausräumung der Gießerei sind genügende Hilfskräfte anzustellen. 7. Die Firmen versprechen, für eine möglichst gerechte Ver- teilung der Arbeit Sorge zu tragen. 3. Es sollen genügend Wascheinrichtungen und ausreichend Kleidcrspinde vorhanden sein. S. Die Former können bei rechtzeitiger Anmeldung bei der Fabrikleitung vorstellig werden. Die Entlassung von Kommissions- Mitgliedern soll nur mit Wissen der Fabrikleitung erfolgen können. 10. Alle Stteikenden kehren, soweit Arbeit vorhanden ist, an ihre Arbeit zurück, bevor neue Arbeiter eingestellt werden. Die Mitglieder der genannten Kommission übernehmen es, die von ihnen verttetenen Parteien von Vorstehendem in Kenntnis zu setzen. Im Laufe der Verhandlungen wurde es allseits als zweckmäßig anerkannt, daß eine Kommission zur Beilegung etwaiger Streitigkeiten geschaffen wird und versprechen die unter- zeichneten Mitglieder der Kommisfion für die Ausführung dieses Gedankens einzutreten. Dieser protokollarisch festgelegten Vereinbarung solle nach eventuell erfolgter Zustimmung der Versammlung noch ein PassuS an- gehängt werden, der den Formern das Recht einräumt, bei Ver- stoßen gegen obige Abmachungen die jetzt in Funktion gewesene ge- mischte Kommission anzurufen, die dann bis zur Bildung der in Aussicht gestellten allgemeinen Schlichtungskommission vermittelnd einzugreifen hat. Redner ersuchte die Versammlung, diese Vereinbarung anzu- erkennen, da er nicht glaube, daß ohne Wetterführung des Kampfes noch größere Zugeständnisse von den Unternehmern zu erlangen seien. Man möge zur Beurteilung der Situation den Ausspruch des einen Arbeitgebers beherzigen, der im Hinblick auf eine weitere Fortsetzung des Kampfes sagte: Wir(die Organisationen der Metall- industriellen und Metallarbeiter) sind beide stark, doch nicht so stark, um einander zu bezwinge nl Im Anschluß an diese Ausfühningen befürworteten sämt- liche der obengenannten Gewerkschafts- und Verbandsfunktionäre die Air nähme der Berein- barung. Es wurde u.«. gesagt: Wenn der errungene Erfolg auch in keiner Hinsicht überschätzt zu werden brauche, so sei er auch keineswegs zu unterschätzen. Durch das energische Vorgehen der Former und Gicßerei-Arbeiter auf die Provokatton der Kühnemänner hin, vor allem durch das einmütige Verlassen der Arbeit seitens der Maschincnformer auf den Ruf der Organisation sei es gelungen, die Metallindustriellen von ihrem bisher so außerordentlich kraß gehandhabten Herrenstandpuntt abzubringen. Bislang habe es bei den Herren bei einem Stteik nur einfach geheißen: Wir verlangen die bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit; dann erst werden wir Prüfen, ob die Beschwerden der Arbeiter berechtigt sind oder nicht. Jetzt aber scheine ihnen doch thatsächlich etwas daran zu liegen, in der Oeffentlichkeit anders beurteilt zu werden, als es bisher ge- schehen ist. Aber nicht um der schönen Augen der Former willen, auch nicht aus gutem Herzen seien sie von ihrem hohen Piedestal heruntergesttegen und hätten den Arbeitern zum erstenma in einem regulären Verhandlungslvege Zugeständnisse gemacht, sondern weil sie mit der Macht der Arbeiterorganisatton' rechnen mußten und deshalb die Folgen eines weiteren Kampfes weder vor sich selbst noch vor der Oeffentlichkeit verantworten konnten. In Anbetracht dessen frage eS sich, ob nunmehr noch die Fonner ein Interesse an der Weiterführung des Kampfes haben könnten. Bei einer Ablehnung der Vereinbarungen und der damit verbundenen Fortsetzung des Kampfes sei zu erwarten, daß der Kamps thatsächlich riesige Dimensionen und eine außerordentlich verschärfte Form an- nehmen werde. Wochen, vielleicht Monate würden dann noch ver- gehen, ehe mai, die Kühnemänner?u größeren Zugeständnissen zwingen könne. Ob dann aber die etwaigen größeren Erfolge in einem richttgen Verhältnis zu den Ausgaben und Opfern des Kampfes ständen, sei zlveifclhaft. Man möge bedenken, daß dieser Kampf in Wirklichkeit nicht direkt um materielle, sondern um moralische Forderungen geführt worden ist, um Beseitigung un- haltbarer Bettiebsmißstände und Durchsetzung einer anständigen Behandlung zc. Alles dies sei jetzt von den Unternehmern im wesent- lichen zugestanden worden. Auch könne nian sagen, daß die Organisation der Arbeiter, wenn auch nicht direkt, so doch indirett anerkannt worden sei. Zum mindesten sei das jetzt Erreichte der erste Schritt zur Anerkemmng der Organisation als eines gleichberechtigten Faktors dem Kühne- männer-Verbande gegenüber. Denn darüber könne es keinen Zweifel geben: Wenn die Verhandlungen auch formell nur zwischen den Formern und Gießereibesitzern geführt worden seien, so haben doch die beiderseitigen Organisationen der Arbeiter und Arbeitgeber ihren nicht zu verkennenden Einfluß auf den ganzen Gang der VerHand- lungen ausgeübt, ja ihnen ihr eigentliches Gepräge aufgedrückt. Ohne das Einverständnis der Organisattonen wären die VerHand- lungen überhaupt nicht zu stände gekommen. In Würdigung aller dieser Umstände sei es daher angebracht, den Vereinbarungen zuzu- stimmen und damit den Kampf zu beenden. Aus den Reihen der Former erhob nur ein Redner namens einiger Kollegen Einspruch gegen die Vereinbarungen und plaidierte für Ablehnung derselben und Weiterführung des Stteiks, iveil er die von den Unternehmern gemachten Zugeständnisse für nicht weitgehend genug hielt. Die Abstimmung ergab jedoch die Annahme der Verein- barunflen mit allen gegen nur etwa 2ö Stimmen. Damit ist der Streik und die Aussperrung beendet. Die Arbeit wird am heutigen Mittwochmorgen in allen Betrieben wieder aufgenommen. Ausdrilcklich wurde dabei betont, daß jeder Arbeiter wieder ohne weiteres an seinen alten Platz geht und sich nicht etwa erst auf dem Arbeitsnachweis in der Garten- straße meldet. Alle Arbeiter, die etwa nicht sogleich wieder ein- gestellt werden können, haben dies sofort auf dem Verbandsbureau mitzuteilen._ Lokales* Lassalle-Feier vor dreihig Jahren. Wenn heute in Parteikreisen gelegentlich des Sektencharakters gedacht wird, den die Socialdemokratie namentlich der Lassalleschen Richtung in ihren Kindertagen in sich trug, so geschieht dies im Ge- denken an Zeiten, die schemenhaft weit hinter uns liegen. Wir thun dann vor allem wohl in Berlin groß damit, daß der modernen Ar- beiterschaft auch nicht die Spur eines Personenkultus anhaftet, und auch die besten unter uns der öffentlichen Krittk Rede und Antwort stehen müssen. Nicht, daß der geistigen Größe der schuldige Respekt versagt würde; wie scharf die Arbeiterschaft hier die Grenzlinie zu ziehen weiß, hat das Mißfallen gezeigt, mit dem die Vahlteichschen Erinnerungen an Lassalle vor etlichen Monaten aufgenommen worden sind. Aber man läßt sich gehen; ein Stück Unüberlegtheit ist bei einzelnen am Ende auch mit im Spiel, und so mochte es kommen, daß vor einigen Jahren in einem Berliner Vorort eine Lassallefeier abgehqlten wurde, bei der man, wenn wir nicht irren, das Ulttrio oder eine ähnliche Specialitätengesellschast zum Amüsement der Ver» sammelten herangezogen hatte. Es giebt aber auch heute noch Stätten in Deutschland, wo nach unsrer Meinung eine solche Entgleisung schwer denkbar ist. Vor allem an der nordischen Wasserkante nimmt man die Dinge tragischer; und hier ist ja auch das klassische Schlachtfeld, wo die Klassenkämpfe stets mit beispielloser Erbitterung ausgefochten werden und die harten Köpfe immer auf das Weißbluten gefaßt sind. Hier trägt die Ar- beiterschaft noch vielfach buchstabengetreu die Worte aus Lassalles Arbeiterprogramm im Herzen, wonach den Verkündern des Welt- erlösenden Gedankens nicht mehr die Laster der Unterdrückten ziemen, noch die müssigen Zerstreuungen der Gedankenlosen, noch selbst der harmlose Leichtsinn der Unbedeutenden. Hier fehlt völlig die heiter-kaustische Auffassung der Berliner, und man versteh- es kaum, wie der reichshauptstädtische Proletarier auch einmal von organi- sationswegen einen Maskenball arrangieren kann. In der schweren Seeluft unter wolkenbehangenem Himmel fand denn auch die Lehre Lassalles bei ihrer ersten Verkündigung unter den Neugeworbenen geradezu inbrünstige Verehrung. Die Cigarren- arbeiter waren ihre begeistertsten Apostel. Dort hat die Tabak- industtie etwa dieselbe Bedeutung, wie in Berlin die Konfettion, mit der sie auch insoweit Verwandtschast zeigt, als sie die in der Haus- arbeit zerstreuten Proletarier jammervoll entlohnt, die Unternehmer hingegen schwer reich macht. Das geräuschlose Arbeiten an ab- geteilten langen Tischen fordert geradezu zur Unterhaltung heraus, und Wohl kaum ist eine neue Lehre irgendwo eingehender Wort für Wort erklärt worden, als hier in der schwindsuchtsfordernden Stick- lust während eines entsetzlich langen Arbeitstages. Von ihrem zehn bis zwölf Mark betragenden Wochenverdienst opferten manche Cigarrenarbeitcr den dritten Teil und mehr für die Zwecke der Agitation, in der natürlich die Worte Lassallcs und keines andern unumschränkt Geltung hatten. Die schwärmerische Verehrung des großen Agitators äußerte sich auch in dem Brauch,, die kleinen, massenhaft verttiebenen Agitationsbroschüren sich einzeln hübsch in rotes Kaliko binden zu lassen, wobei denn der Konttast zwischen dem auf schlechtem Papier und möglichst fehlerhaft veranstalteten Druck und dem feinen, auffälligen Einband sonderbar genug zu Tage trat. Lassalle war der Prophet, gegen den niemand ohne Bedenken etwas Arges sagen durfte, weder die wenigen Bourgeois, die sich hin und wieder einmal in eine Volksversammlung verirrten, noch die vereinzelt auftauchenden„Eisenacher Ehrlichen", die als Sonder- bündler der immerhin noch kleinen und durch die unsäglich dummen Verleumdungen der Liberalen in steter Kampfbereitschaft gehaltenen Gemeinde doppelt gefährlich schienen. In diesem Kreise war es denn auch möglich, daß eine Anhängerin der neuen Lehre ihren Kindern nicht zu Weihnachten, sondern zu Lassalles Geburtstag den Tannenbaum anzündete, und der Lassallekulws zur Feier des Todes- tagcs auch in der Gesamtheit einen durchaus religiösen Zug trug. DaSLokal. in welchem getvöhnlich die Sonnabend-Versammlungen ab- gehalten wurden, hieß seines schmalen Baues wegen mit einem nicht sehr poetischen Namen das lange Handtuch. Am 31. August, zur Tatenfeier, war es in seltsamem Schmuck hergerichtet. Männer und Frauen erschienen nicht wie zu gewöhnlichen Versammlungen in der Arbeitskleidung, sondern im Sonntagsstaat. Die Bühne aber und auch ein Teil des Saales hatten für diesen Abend eine nach unfern Begriffen wunderbar erscheinende Veränderung erfahren. Dicht mit schwarzem Tuch ausgehangen, deuteten die Räume der ernsten Gemeinde an, daß die Feier einem Großen gelte, der nicht schon vor Jahren gestorben war, sondern erst gestern sein Leben geopfert hatte, und dessen Vermächtnis mit jedem neuen Jahre um so heiliger gehalten werden müsse, je mehr seine Lehre einer Welt von, Feinden zum Trotz an Anhängern gewinne. In solcher Weihe- sttmmung konnte Jakob Andorfs Arbeitermarseillaise entstehen, mit ihrem erhebenden Schlußreftain: Nicht zählen wir den Feind» Nicht die Gefahren all, Der kühnen Bahn nur folgen wir, Die uns geführt Lassall'! Als dann der Vorhang auseinandergezogen wurde, zeigte sich im Lorbeerschmuck und von Kerzen umstrahlt ein Sarg auf der Bühne, hinter welchem, von einer roten Schärpe umhangen, die Lassallcbüste aufgestellt war. Die Musik spielte eine Trauer- shmphonie, und dann erschien der Redner, um mit der Begeisterung, die das stete Studium der in unvergleichlich hinreißender Sprache geschriebenen Broschüren Lassalles geweckt hatte, das Wirken und Leiden des Begründers der Socialdemokratie zu schildern und zur Ausbreittmg seiner Gedanken die Zuhörerschaft zu entflammen. Unter dem Gesang der Marseillaise trennte sich die Gemeinde in einer Ergriffenheit und Begeisterung, wie sie bei allem Opfermut heute auch in der proletarischen Jugend wohl nur selten aufflammt. Die Einigung kam 1375 und allmählich ttat auch an Stelle des Buchstabenglaubens die kritische Sichtung und Prüfung der Schriften Lassalles, die dadurch wahrscheinlich nichts von ihrem Goldgehalt ein- gebüßt haben. Nirgendwo hat sich aber die Lassallesche Tradition wohl länger erhalten als an der nordischen Wasserkante. Kapitalistisch-katholische Kanipfcswcise. Seitdem die Reichstagswahlen des vorigen Jahres gezeigt haben, daß auch die Hochburgen des Centrums von der Socialdemokratie arg bedrängt lverden, leistet sich selbst die.Post" nicht so viel in haltlosen Verleumdungen gegen die Socialdemokratte, wie das Organ der Kapitalisten katholischer Observanz, die„Germania". Die an Thatsachen keine Spur enthaltende VerärgerungSbroschiire unsrcS Parteigenossen Görke in Charlottenburg wurde in einem Dutzend Artikeln in der Weise kommenttert, daß in jeder Zeile des Blattes von socialdemokratischer Korruption gefabelt wurde, wo es sich ent- weder um rein private Angelegenheiten handelte, die zumeist eine durchaus harmlose Anfklärnng fanden, oder wo mit der socialdemo- statischen Partei ebenfalls nicht in Zusammenhang stehende Ereignisse in der Charlottenburger Orts-Krankenkasse zur Sprache kamen. In diesem Fall hatten die Verleumdungen des katholischen Blattes allerdings den Erfolg, daß die Aufsichtsbehörde eine peinliche Unter- suchung veranstaltete, deren Resultat jedoch schließlich in dem für das Vcrlenmdcrblatt beschämenden Attest niedergelegt wurde, daß auch nicht die geringste Handlung vorliege, welche zu einem amtlichen Einschreiten Anlaß gebe. Allerdings wäre der socialdemokratischen Partei in den Augen gerecht denkender Menschen auch dann nichts nachzusagen geweien, wenn sämtliche Verleumdungen gegen die Kasse sich als lautere Wahrheit erlvicsen hätten, da die Partei für die Verwaltung einer amtlich beaufsichtigten Orts-Krankenkasse ebensowenig verantwortlich zu machen ist, wie für die Dürre dieses Sommers. Aber wollte man von diesem Grundsatz ausgehen, dann hätte ja überhaupt das ganze Taschenspielerkunststück der katholischen Zeitung unterbleiben müssen. Die Gemeinheit eines Blattes vom Schlage der„Germania" lassen wir als eine von ihr unzerttennliche Eigenschaft außer Spiel; aber unverzeihlich ist die Dummheit, mit der sich das Blatt ttotz des amtlich attestierten Mßerfolges in den letzten Tagen vom Reichsverband gegen die Socialdemokratie hat hineinlegen lassen. Dieser Verband sandte bürgerlichen Blättern einen Artikel„Aus einer roten Garnison" zum Abdruck zu, der über Korruption in der Ortskasse abermals das Blaue vom Himmel herunter log und dann mit der Neuigkeit kam, daß zwei Kranken-Kontrolleure sich zu Unrecht Sonder- vergütigungen hätten zahlen lasten. Der eine als„Nichtgenosse" sei daraus Knall und Fall entlassen worden, den andern als„Genossen" hätte man aber im Amte belassen. Weiter lvird in dem Artikel der Kassenverwaltung zum Vorwurf gemacht, daß sie, einem Ministerial- Erlaß zum Trotz, auf Kosten der Kasse drei Mann nach dem Krankenkassenkongreh in München delegiert habe. Es ist wohl an- zunehmen, daß auch in diesem Falle eine etwa angestellte amtliche Untersuchung dasselbe Resultat haben wird, wie in dem vorhin er- wähnten Falle, aber darauf kommt es. so weit die Socialdemokratie in Bettacht zu ziehen ist, ja nicht im geringsten an. Wohl aber ist dieser Fall für den geistigen Tiefstand der„Germania" charakteristisch. Alle andern socialistenfemdlichcn Blätter Berlins hielten das Ge- schwafel aus dem Bureau des Reichsverbandes für zu dumm und hüteten sich weislich vor einem Ab- oder Nachdruck. Einzig die „Germania" mutzte darauf hineinfallen. Wir gönnen dem Blatt diese Blamage umsomehr, als solche geistige Blindheit das b e st e AgitationS mittel für uns ist. Der zum Nachdenken qualifizierte katholische Arbeiter muß sich mit Abscheu von einen, Blatte abwenden, das derart den polittschen Kampf führt; bringt ihn die politische Ueberzeugung nicht in unsre Reihen, so doch der Ekel vor fernen bisherigen geistigen Kapazitäten._ Die Ersatzwahlen zum Berliner Grwervegericht finden für die Arbeitgeber am Freitag, den 14. Oktober dieses Jahres, für die Arbeiter am Sonntag, den 16. Oktober dieses Jahres statt. Es sind je 70 Beisitzer von den Arbeitern und den Arbeitgebern zu wählen. Die Wahlen finden statt in den Wahlbezirken 3, 6, S, 12, 15, 18, 21, 24, 27, 30, 33. 36. 39. 42. 45 und 48. Zur Teilnahme an den Wahlen ist nur berechttgt, wer das 25. Lebensjahr vollendet und in Berlin Wohnung, Gewerbebetrieb sgewerbliche Niederlassung) oder gewerbliche Beschafttgung hat. Nicht wahlberechtigt sind solche Personen: a) die nicht Angehörige deS Deutschen Reiche? find; d) ivelche die bürgerlichen Ehrenrechte infolge strafrechtlicher Verurteilung verloren haben oder gegen welche das Hauptverfahrcn wegen eines Verbrechens oder Vergehens eröffnet ist. das die Ab- erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter zur Folge haben kann; o) welche infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt find, und ck) die Mitglieder der Innungen, für welche ein Schiedsgericht in Gemäßheit des Z 81b Nr. 4 und der§§ 91— ölb der Gewerbe- Ordnung errichtet ist, sowie die von Mitgliedern solcher Innungen beschäfttgten Arbeiter. Nach§ 13 des Ortsstatuts für das Gewerbegericht sind vom Magistrat von Amtsweaen Wählerlisten für die Arbeitgeber auf gestellt.— Als Arbeitgeber gelten diejenigen selbständigen Gewerbe- treibenden, ivelche mindestens einen Arbeiter regelmäßig das Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten des Jahres beschäfttgen. Auch Hausgewerbetreibende gelten unter der gleichen Bedingung als Arbeitgeber, sofern sie gemäß Z 14 der Gewerbe-Ordnung den selbständigen Gewerbebetrieb angemeldet haben. Den Arbeitgebern stehen i», Sinne der bezeichneten Bestimmungen die mit der Leitung eines Gewerbebettiebs oder eines bestimmten Zweiges desselben betrauten Stellvertteter der selbständigen Gewerbetteibenden gleich. sofern ihr Jahresarveitsberdienst an Lohn>,dcr Gehalt 2000 M. übersteigt.— Das Reich, der Staat, die Gemeinde und sonstige öffentliche Verbände, sowie stiristische Personen(Genossenschaften ec/ üben ihr Stimmrecht dnrch ihre gesetzlichen Vertreter ans. Die Wählerlisten der Arbeitgeber sind für jeden der genannten Wahlbezirke besonders aufgestellt und werden vom 1. bis ein- schließlich 7. September d. I. an den Wochentagen von 6—8 Uhr abends, am Sonntag von 12 bis 3 Uhr nachmittags in den einzelnen Wahlbezirken zur Einsicht öffentlich ausliegen. Außerdem werden noch die Originalaufnahmelisten von allen genannten Wahl bezirken im städtischen Wahlbureau, Poststraße 16, 2 Treppen, Zimmer 57, in der oben genannten Zeit ausliegen.— Einsprüche gegen die Nichtigkeit der Wählerlisten sind während der Anslegefrist beim Magistrat schriftlich anzubringen oder in den Auslegungs- lokalen zu Protokoll zu erklären. Für die Arbeiter werden keine Wählerlisten angelegt, es genügt vielmehr für dieselben ein Zeugnis ihrer Arbeitgeber oder der Polizeibehörde, durch welches bestätigt wird, daß der Arbeiter zur Zeit innerhalb seines Wahlbezirks in Arbeit steht oder wohnt. Diese Wahllegitimation ist vor der Abgabe des Stimmzettels dem Wahlvorsteher oder einer von ihm beauftragten Person zu übergeben.— Forniulare. zu diesen Zeugnissen können vom 1. Oktober dieses Jahres ab während der Dienststunden im st ä d t i s ch e n W a h l b u r e a u, P o st st r a ß e 16, 2 Treppen, Zimmer 37, in Empfang genommen werden. Gegen die Richtigkeit der Gemeinde- SVählerlistcn sind 18 Ein- spräche eingegangen, darunter befinden sich fünf von Personen, deren Staatsangehörigkeit in Preußen nicht nachzuweisen war. Die übrigen Einsprüche sind von Personen erhoben, die entweder keine Steuern entrichtet oder Unterstützungen bezogen haben sollen bez. noch nicht das wahlmündige Alter erreicht hatten. Ein Arzt, der nach Polizei- lichen Angaben in Lippe-Detinold staatsangehörig sein soll, behauptet, durch Abstammung die preußische Staatsangehörigkeit zu besitzen, und ein Buchdrucker, der iu Glauchau geboren ist, behauptet eben- falls, entgegen der polizeilichen Auskunft, durch Abstammung Preuße zu sein. Ein Bäckermeister, der in Nelv Jork geboren ist, konnte seine preußische Staatsangehörigkeit durch seinen Militär- paß nachweisen. Ein Gerber, der in Hamburg staatsangehörig ist, und ein Thlograph, der in Sachsen geboren ist, konnten ihre preußische Staatsangehörigkeit ebenfalls dokumentieren. Der Gerber ist Hamburger und durch Aufnahme Preuße. Mit diesen ist noch nachträglich ein Rentner, der die preußische Staatsangehörigkeit er- warben hat, in die Liste aufgenommen. In den übrigen Fällen muß die Stadtvcrordncten-Versammlung entscheiden, die ohne Mit- Wirkung des Magistrats in all' diesen Fällen beschließt. Tie Fcricu der Stadtverordnetcu-Bersaminliing gehen zu Ende. Die Tagesordnung der ersten Sitzung am 8. September d. I. be- steht aus kleineren Vorlagen. Unter diesen steht an erster Stelle der Bericht des Magistrats über die Erlasse des Kultusministers bezüglich des Botanischen Gartens. Ob die große Vorlage über die Einführung des obligatorischen Fortbildungsschulnnterrichts, bez. den Erlaß eines Ortsstatuts schon in einer der nächsten Sitzungen zur Beratung kommen dürfte, ist noch fraglich. Von Wichtigkeit ist eine Entscheidung des Kanmiergerichts, wonach ein Ortsstatut, das alle im Stadtbezirk iu Stellung befindlichen jungen Leute zum Besuche der iu der Stadt errichteten Fortbildungsschule verpflichtet, auch solchen Lehrlingen gegenüber gilt, die außerhalb des Stadt- bezirks wohnen, in diesem aber beschäftigt werden. Für die Ver- pflichtung zum Besuch einer Fortbildungsschule ist nicht der Wohnort, sondern der ständige Arbeitsort entscheidend. Zum Nachfolger des Geheimen Medizinalrats Prof. Dr. König, der am 1. Oktober ds. Js. ans seinem Amt als Direktor der chirurgischen Klinik und Poliklinik scheidet, ist sein früherer Assistent, Prof. Dr. Hildebrand aus Basel, jetzt ernannt worden. Auf ein lövjähriges Jubiläum des Berliner„BoigtlandrS" weist Ernst Frensdorf im neuen Berliner Kalender hin. Die trostlose Gegend vor der Spandauer- und Dorotheenstadt hatte die Aufmerk- samkeit Friedrichs II. erregr, der nicht weit davon das Jnvalidenhaus für seine Krieger erbaut hatte. Unter den Arbeitern für die zahl- reichen Bauten befanden sich viele aus dem sächsischen Voigtlande. Der König ließ für sie Kolonistenhäuser errichten und wies dazu 0000 Thaler an. Am 14. Oktober 1734 war alles soweit gediehen, daß die Grundbriefe den Eigentümern ausgehändigt werden konnten, und mit Anfang des Jahres 1753 war der erste Anbau von Neu- Voigtland mit 60 Kolouistenhäusern fertig. Die Kosten vermehrten sich für den König bis um 18 000 Thaler. Er hatte dort für 120 Familien eine Wohnstätte geschaffen, die später noch durch An- läge von Gärtnerkolonien verschönt wurde. Jetzt gehört der Stadt- teil zu den volkreichsten und belebtesten der Reichshauptstadt. Die Schwebebahn. Von beteiligter Seite wird mitgeteilt, daß der Polizeipräsident von Berlin sich über den gegenwärtigen Stand der Arbeiten an dem Schwcbebahnprojekt Gesundbrunnen— Alexander- platz— Rixdorf neuerdings von der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen Bericht erstatten ließ. Angeblich ist der Bau der in Aussicht gestellten Probestrecke in nicht mehr ferner Zeit zu erwarten. Die Bahnsteigsperre zwischen Lehrter Stadt- und Hauptbahnhof ist jetzt wieder eingeführt worden, nachdem sie zum Zwecke der Personalersparnis etwa ein Jahr lang beseitigt worden war. Sie ist jetzt so angelegt, daß Fahrgäste unmittelbar von der Straße aus den Bahnhof betreten können, aber auch die von der Stadtbahn Kommenden oder nach derselben Gehenden die Kontrolle passieren müssen. Gleichzeitig ist auch eine Untertunnelung des Lehrter Hauptbahnhofes an der Stadtbahnseite vorgenommen worden. Hierdurch ist ein neuer Zugang zu dem Vororts-Bahnsteig für die in der illichtmig nach Nauen fahrenden Züge geschaffen, und die mit der Stadtbahn ankommenden Fahrgäste brauchen nicht mehr, wie bisher, um den ganzen Bahnhof herumzugehen, sondern können durch den Tunnel unmittelbar zum Vororts-Bahnsteig gelangen. Ein Unglücksfall, der den Tod eines Zimmerers zur Folge hatte, ereignete sich am Montagnachmittag kurz vor 6 Uhr auf dem Grundstück der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellfchaft in der Voltastraße. Dort ist ein aus Eisen konstruierter Arbeitsschuppen aufgestellt, auf dessen Dach die Zimmerleute mit der Schalung beschäftigt sind. Zum Zusammendrücken der Bretter benutzte man einen Knüppel, der dem 52 Jahre alten Zimmerer Jakob Noll, Eichendorfstraße 3 wohnhaft, beim Gebrauch hinter der„Fette" plötzlich abglitt, so daß vmewMen g'SifaSS Verstllrktes Wanzen-riuul--. Einzig ncheres Specialmittel on durchgreifender und �»aneruder Wirkung. Fl. 30 Pf., L—, 2,—. t,— und Literfl. 5,—. Sprühapparat 50 Pf. Hier frei Haus. Erfolg garantiert. Ott« Lieferant für Armee und Marine, Eisenbahn- stratze 4. T.-A. lV 616 u. 3190. der Arbeiter durch den Ruck in der Höhe von 5 Meter rücklings vom Dach abstürzte. Der Unglückliche wurde sofort mit dem Kranken- wagen der Firma nach dem benachbarten Lazarus-Krankenhau�t transportiert, Ivoselbst er infolge innerer Verletzungen nach eine c Stunde verstarb. Noll ist verheiratet und seit mehreren Jahren Mitglied des Zimmererverbandes. Nach Unterschlagung von 40 000 M. ist der Bauunternehmer Paul Kern aus Hohenhcinrbnrg durchgebrannt. Da vermutet wird, daß er sich nach Berlin gewandt habe, so ist auch die hiesige Kriminalpolizei auf ihn aufmerksam gemacht worden. Der Flüchtling ist mittelgroß, hat blondes Haar und Schnurrbart und eine Hasen- scharte. Er spricht Berliner Mundart. Mitgenommen hat er ein Fahr- rad„Deutschland Nr. 7" und einen neuen Rohrplattenkoffcr. Zwei Berliner„Wcltrciscndc" wurden in Birkenwerder angehalten. Der 13 Jahre alte Gemcindeschüler Hermann Jnngnickel, ein Pflege- söhn des Arbeiters Herlitz aus der Völkerstr. 13 ist schon sechsmal von Hause weggelaufen. Er sitzt trotz seines Alters noch in der vierten Klasse der Gemeindeschule in der Freieuwalderftraße. Vor acht Tagen sollte er zu einem Prediger der Pauls-Kirche gehen, um sich zum Konfirmandenunterricht anzumelden. Statt dessen nahm er seinen siebenjährigen Pflegebruder Paul Herlitz mit, um sich mit ihm die Welt anzusehen. Die beiden Weltrciscnden wanderten die Stettiner Bahn entlang, lebten von Brombeeren und Acpfeln, die sie aus den Gärten stahlen, und übernachteten in der Heide. Die vegetarische Kost sagte ihnen aber auf die Dauer doch nicht zu. Hungernd kamen sie nach Birkenwcrder und gingen auf einen Gendarmen zu, der ihnen begegnete, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Diese Absicht erreichten sie auch. Der Beamte hielt sie an und fragte sie nach dein„Woher" und„Wohin". Die Reisenden" erzählten ihm, sie hätten vor acht Tagen mit ihren Eltern eine Landpartie gemacht und sie dabei verloren. Das war aber um so weniger glanblich. als der kleine Herlitz ohne Kopf- bedecknng und barfuß ging, und sie gestanden dann bald auch, daß sie von Hause weggelaufen seien, um sich die Welt anzusehen. Der Gendarm nahin die hungernden Bengel mit nach seiner Wohnung, stärkte sie mit Kaffee und einigen Butterstullen und brachte sie dann mit der Bahn wieder zu ihren Eltern. Lysol. Der 30 Jahre alte Buchhalter Paul Gärtner aus der Klosterstraße 63/67 litt seit zwei Jahren an Rheumatismus, so daß er nicht mehr arbeiten konnte. Den Lebensunterhalt erwarb seine Frau, indem sie eine Stelle als Buchhalterin in einem großen Gc- schäfte annahm. Ein Dienstmädchen versah das Hauswesen. Während das Mädchen gestern nachmittag in der Küche zu thun hatte und das einzige Kind, ein neunjähriger Sohn, im Nebenzimmer schlief, nahm der Kranke in der Wohnstube Lysol. Als man ihn anstand, lag er tot auf dem Sofa, ein Arzt konnte nicht mehr helfen. Zeuge» gesucht. Die Personen, die am Freitag, 30. Oktober vorigen Jahres, abends 9 Uhr, gesehen haben, wie ein Arbeiter, der durch die Räder eines Steinwagens verletzt war, sich hilfesuchend aus der Treppe des Hauses Siegfriedstr. 1 zu Schöncherg niederließ, werden dringend gebeten, sich bei Böhme, Schuhmachenneister. Potsdanierstr. 42, zu melden. Besonders wird die Frau, die sich des Verletzten annahm, um Angabe ihrer Adresse ersucht, ebenso die Personen, die vor der Polizeiwache, Kriemhildstr. 4, auf die Hilfe- rufe des Arbeiters herbeieilten. Huq den JSaebbarorten. Ncn-Wcißeusee. Bei den im März abgehaltenen Wahlen zur Gemeindevertretung für die zweite Wähler-Abteilung hatte die Vereinigte Bürger-Partei, welche sich durch Zusammenschluß des Hausbesitzer-, des Grundbesitzer- und des Gewerbetreibenden-Vereins bildete, alles mobil gemacht, um ihrem Kandidaten der Social demokratie gegenüber zum Siege zu verhelfen. Sie bediente sich auch, wie wohl überall, wo nach den Bestimnmngen der Landgemeinde- Ordnung gewählt wird, der papiernen Stimmen, welche ihnen von den Forensen übergeben wurden. Wie niit diesen Papier-Stimmen Mißbrauch getrieben Ivurde, wollen wir hiermit beleuchten. Nachdem der Wahlakt eröffnet war, ersuchte der Wahl Vorsteher diejenigen Wähler, welche im Besitze von Voll' machten seien, diese bei ihm abzugeben. Der Vorsitzende der Vereinigten Bürgerpartei, Herr Posstekretär und Gemeindevertretcr Mewes, trat hervor und legre nach ungefährer Schätzung hundert Vollmachten am Wahltisch nieder, welche am Schluß der Wahl aus- gezählt wurden. Da die vereinigte Bürgerpartei auch ohnedies die meisten Stimmen auf sich vereinigte, so erbat man sich diese Voll- »rächten zurück und der Wahlvorsteher händigte sie anstandslos aus. Dasselbe Manöver wiederholte sich bei der am selben Tage statt- findenden Ersatzwahl. Jede solche Vollmacht unterliegt einer Stempelsteuer von 1,30 M. und der Staat wurde in diesem Falle zweimal um diese Steuer hintergangen. Nebenbei bemerkt waren es zwei Staatsbeamte, Gemeinde- und Amtsvorsteher Feldtmann und Postsekretär Mewes, welche sich dieses zu Schulden kommen ließen. Genosse Taubmann kennzeichnete in der der Wahl folgenden Gemeinde- vertreter-Sitzung dieses Gebahrcn, beleuchtete das schädliche System des Dreiklassenwahlrechts und forderte den Amtsvorsteher auf, diese Angelegenheit zu untersuchen und die Beteiligten wegen Steuer- Hinterziehung zu bestrafen. Mit lächelnder Miene erklärte der Gemeindevorsteher Feldtmann, er wurde dem Amtsvorsteher Feldt- mann Mitteilung zugehen lassen. Der öfteren Aufforderung unsres Genossen, den Stand dieser Sache mitzuteilen, wurde mit unklaren Reden beantwortet, zum Schluß aber wird die bestimmte Antwort gegeben, daß diese Vollmachten bei beiden Wahlen mit Vorbehalt der Zurückziehung abgegeben seien. Da nun die Genossen, welche den Wahlakt beobachteten, von dieser Maßnahme nichts wußten, so nahm der Wahlverein die Sache in die Hand und machte der zu- ständigen Steuerbehörde Mitteilung. welche auch bereits Unter- suchungcn vorgenommen hat. Man darf gespannt sein, um wie viel das Conto Wählkosten der vereinigten Bürgerpartei erhöht wird. Schmlirgcuderf. Die hier im neuen S ch u l h a u s verwendeten Kleinschen Decken scheinen eine verdächtige Neigung zum Einsturz zu verspüren. Wenigstens hat der Gemeindevorsteher in seiner polizeilichen Eigenschaft angeordnet, daß vorläufig zwei Schulklassen ge- räumt werden, die nun im alten, zur Zeit � leerstehenden Schul- haus untergebracht worden sind. Eine Untersuchung respektive In- standsetznng der Decken ist veranlaßt.— Von dem Seidelschen Grundstück in der Heiligendammerstraße, das an Dahlem grenzt, beabsichtigt der Besitzer 322 Ouadratmeter Straßenland an Dahlem abzutreten und dafür 479 O.-M. Hinterland von der Nachbargemeinde zu erwerben. Da dies ini Interesse der Grenzregulierung liegt, be- schloß die Schmargendorfer Gemeindevertretung in ihrer Sitzung vom 29. August auf Antrag, einer hierdurch erforderlichen Um- g e m e i n d u n g ihre Zustimmung zu geben.— Ein von der Ge- meinde Dahlem vorgelegter Vertrag, welcher die unentgeltliche Ilebcrnahme der Unterhaltung angrenzender Dahlemer Straßen seitens Schmargendorf, sowie ebenfalls unentgeltlichen Anschluß an die Kanalisation bezweckt, wird in vorliegender Form als unaccep- tabel abgelehnt. Es kann sich hieraus ein interessanter Streit entspinnen, da, wie mitgeteilt wird, die Dahlemcr Grenze beispielsweise in der Hnndekehlestraße hart an den Vorgärten der bebauten Schmargen- dorfer Grundstücke abschließt und in der Warnemündcrstraße bis zum halben Bürgersteig der diesseitigen Häuser reicht.— An der Gemeindeschule ist eine technische Lehrerinnenstelle geschaffen worden. Die Lehrerin, welche Unterricht in Handarbeit und Turnen geben wird, erhält ein Grundgehalt von 800 Mark, ein Wohnungs- geld von 400 Mark und eine Alterszulage von 120 Mark. — Die schon lange notwendige Errichtung eines Straßenbrunnens wird beschlossen, und es soll zu diesem Zweck eine vor dem Hause Breitestraße 49 bereits vorhandene Kesselanlage benutzt werden.— An Kosten für die Handwerkskammer in Berlin hat die Gemeinde- kaffe 33,30 M. abgeführt. Ucl>cr die Entwürfe für das Charlottenburger Schiller- Theater haben die Preisrichter das Urteil abgegeben. Der Entwurf der Münchener Firma Heilmann n. Littmann wurde als der geeignetste angenommen, da er am meisten dem Charakter eines Volkstheatcrs Rechnung trägt. Indessen wird er noch einige Abänderungen er- fahren müssen. Während die Preisrichter die Anlage der Hauptfront an der Bismarckstraßc wünschen, sieht der Entwurf diese an der Grolmanstraße vor. Jeder der eingereichten Entwürfe wird mit 2300 M. honoriert. Sollte der Firma Heilmann u. Littmann nicht die Bauausführung übertragen werden, so hat sie der„Charl. N. Ztg." zufolge eine besondere Vergütung von 10 000 M. zu bean- spruchen. Ein Eiubruchsdiebstahl wurde in der Leichenhalle des Selbst- m ö r d e r- F r i e d h o f s in der Potsdamer Forst in einer der letzten Nächte ausgeführt. Der Friedhof liegt hinter dem Tornow, an der Potsdam-Michendorfer Chaussee. Der in der Nähe wohnende Förster Regling entdeckte, daß die Thür der einfachen Leichenhalle erbrochen, und fand beim Betreten, daß Einbrecher fast das gesamte Inventar gestohlen hatten. Nur den schweren Tisch, auf dem die Toten obducicrt werden, und ein großes Spind hatten sie in der Leichenhalle gelassen. Opfer des Eisenbahnbetriebes. Auf der Eberswalde benachbarten Station Wcrbellinsee der Zweigbahn nach Joachimsthal geriet beim Rangieren der Hilfsbremser Lehmann zwischen zwei Wagen- pnffer. Es wurde ihm der Brustkorb vollständig eingedrückt; er war sofort tot._ Gmebts-Zeitung. TaS sociale Verständnis deutscher Gerichte tritt von neuem drastisch darin z» Tage, daß das Kölner Schöffengericht„Ungebühr vor Gericht" darin fand, daß ein Tagelöhner in seinen Arbeitskleidern kam und nach Kalk und Arbeit aussehende Hände hatte. Er gab an, von der Arbeit zu kommen und keine andren Kleider zu haben, da er lange ohne Beschäftigung gewesen sei. Der Kalk� sei in die Hände eingebrannt und laste sich trotz Waschens nicht entfernen. Das Gericht bestrafte den Mann wegen Ungebühr vor Gericht mit zehn Mark Geldstrafe. Im übrigen erhielt er, weil er am Güterschuppen zu Deutz eine Kiste öffnete und eine Wurst herausnahm, drei Tage Gefängnis und zwei Tage Hast. Socialdemokratischer Lese- und Diökutierklub„Dcmofthenes". Donnerstagabend 8'/, Ilhr im Lokal von Hermann Dornbusch, Prinz Eugenftr. 8: Sitzung. Tagesordnung:„Was verdankt die dcuttche Arbeiter- schaft Ferdinand Lasjalle?" Zur Wiederkehr seines 40. Todestages. Gäste willkommen._ Marktpreise von Berlin am 29. August. Nach Ermittelungen des kgl. Polizci-Präsidiums. Für 1 Doppel-Centner: Weizen**), gute Sorte 17,80— 17,78 M.. mittel 17,76-17,74 M., geringe 17,72-17,70 M. Roggen**), gute Sorte 14,00— 13,98 M., mittel 13,96—13,94 M., geringe 13,92—13,90 M. Futtergerste-), gute Sorte 14,60-14,00 M., mittel 13,90 bis 13,40 M., geringe 13,30—12,80 M. Haser*), gute Sorte 16.60-15,80 M., mittel 15,70—14,90 M., geringe 14,80—14,00 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Speiscbohnen, weihe 50,00—25,00 M. Linsen 60,00— 25,00 M. Kartoffeln, 12,00—8,00 M. Richtstroh 0,00—0,00 R. Heu 0,00-9,00 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,80 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Zw Bahn. Wasserstand am 29. August. Elbe bei Aussig-- ,— Meter, bei Dresden— 2,30 Meter, bei Magdeburg— 0,12 Meter.— U n st r u t bei Sttauhstlrt+ 0,65 Meter.— Oder bei Rattbor+ 1,04 Meter, bei Breslau Ober-Pegcl-j- 4,84 Meter, bei Breslau Unter- Pegel— 1,23 Meter, bei Franksurt-p 0,06 Meter.— Weichsel bei Brahemünde ff- 1,68 Meter.— W a r t h e bei Posen- 0,30 Meter.- N e tz e bei Usch ff- 0,34 Meter. WitternngSüberstcht vom 30. Zlugust 1904, morgens 8 Uhr. Skattonen C a S— iwinemde amburg erlin Franks.a.M. München Wien SS 765 WNW 765! WSW 765 W 765 O 766. 0 766 Still Setter 1 Regen 1 wolkenl 1 heiter 2 wölken! 2 halb bd. -.Nebel u» s =%■ A-(I S? h* ,C Skattoneu| Haparanda Petersburg Cork Zwerdeen Paris 762 N 762 WNW 763. S Wetter 4 heiter 1 Nebel Icheiter os C 5» II Stzi w a 10 10 16 Wetter-Prognose inr Mittwoch, den 31. Augnft 1904. Ziemlich warm, zunächst meist heiter und ttockcn bei schwachen östlichen Winden; später Trübung und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wette rbureau. EinAegangene vruckfckriften. Protokoll über die Verhandlungen des 7. Parteitages der Soclaldcmo- kratischcn Partei Bayerns, abgehalten in Augsburg am 26. und 27. Juni 1904. Herausgegeben vom Landesvorstand. Preis 20 Pf. Nürnberg 1901. Fränkische Vcrlagsanstalt u. Buchdruckcrei. G. m. b. H. SinKES' Nähmaschinen. Einfache Handhabung! 5645L* Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung firanH De-S-v höchster Preis Paris 1900: VJI cum filA der Ausstellung. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singei* Co. JSabmascbincn Hct. Ges. Berlin W., Leipzigerstrasse 92. Für den Julialt der Inserate übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. Mittw o ch, den 31. August. Ansang 7'/, Uhr: Opernhans. Die Entjührung aus dem Serail. Neues königl. Opern- Theater. Die Fledermaus. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner- Theater.) Das Hciratsncst. Schiller X.(Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Der Postillon von Lonjumeau. Westen. Mamzelle Nitouche. Berliner. Zapscnstrcich. Neues. Logik des Herzens. Salome. Residenz. Die 300 Tage. Kleines. Des Pastors Ricke. Carl Weist. Der Weg zum Herzen. Trianon. Die Notbrücke. Metropol. Ein tolles Jahr. Belle-Alliance. Charlehs Tante. Luisen. Julius Cäsar. Deutsch-Ämerikanischcs. Ueber'n großen Teich. Apollo. Venus aus Erden. Speciali- täten. Herrnfeld-Th eater. Nur eine Nacht. Ilm andern Morgen. Stadt-TheaterMoabit. Der reiche Pustekohl. Wintergarten. Specialitäten. Reichshalleu. Stettiner Sänger. Passage-Theater. La belle Georgette. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Tnubenstrastc Im Theater: Von der Zugspitze zum Watzmann. Jnbalidenstraste ä7/K!Z. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. km Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Salome. Vorher: liOglli dos Herzens. Ansang 8 Uhr. Morgen: Per Strom._ Luisen-Theater. Letztes Gastspiel Georg H. Hacker: Jnlins Caesar. Donnerstag zum erstenmal: Von Stuse zu Stusc. tceitag: Von Stufe zu Stuse. onnabend: Der Hüttenbefitzer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS Käthchcn von Hcilbronn.— Abends 8 Uhr: Von Stuse zu Stuse. Montag: Julius Caesar._ Belie-Ailiance-Theater. Heute u. solgende Tage abends 8 Uhr: Ct?arleys Tante. Luiilo Thielscher in der Titelrolle. Im 3. Akt voröna Bradzky mit neuen Chansons von Oskar Strauß. Im Garten: Heute Ans. 8 Uhr: Ua» Schmldt-Konzcrt u. große Specia- litäten-Vorstellung. Trianon-Theater. Georgenstraße zwischen Friedrich- und Universitätsstraße. Die Notbrücke. Lustspiel in 3 Allen von Fred Gresac und Francis de Croisset. WM- Ansang 8 Uhr."QQ In Vorbereitung: Ihr zweiter Mann. Apollo-Theater. 8 Uhr: Tenus auf Erden. öperette B'l, Uhr; Die phänomenalen Attraktionen des oroEen ipst-Propnis m Rob. Steiill _ mit neuen Schlagern._ Metropol-Theater Josef Giampielro a. D. ififeld, Fritl Frit Oer größte Erfolg dieses Jahres Gr dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern. Anfang 8 Uhr. Rauchen Überall gestattet. Sanssouci. Kotibuser Thor— Stat. der Hochbahn Beginn des Vliontor. Abends� Dienstag, den 6. Sepibr.: Ter Ttörensried. Schauspiel in 4 Allen von Bcncdix. Mittwoch, den 7. Septbr.: Die Maurer von Berlin. Volksstück m. Ges. v. Pohl. Die Vorstellungen sinden jeden Dienstag und Mitt- woch regelmäßig statt. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag Hottmanns Norddeutsche ' Sänger uns Tanzkränzchen. Scliiller-Tlieater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Das Heiratsnest. Lustspiel in 3 Ausz. v. Gustav David. Donnerstagabend 8 Uhr: Zum erstenmal:.Tohanniskener. Freitagabend 8 Uhr: Johannlsfcncr. Schiller-Theater Bf. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Thealer) Mittwochabend 8 Uhr: Letzte Opcrn-Vorstellung und Abschied Heinrich Bötet: Der postillon von honjumesu. Komische Oper in 3 Akten nach dem Französischen von M. G. Friedrich. Musik von Adolph Adam. Donnerstagabend 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel-Saison: Hedea. Freitagabend 8 Uhr: Medea. Nur noch kurze Zeit! Flotten>Schauspiele Am Kurfürstendamm, 5 Minuten v. Bahnhof Halensee, 10 Minuten v. Bahnhof Charlottenburg. Straßenbahnlinien A, A/E, T, V, 91. Größte Wasser-Schauspiele der Welt auf C000 qm großem See. 23/4 Plottenparade vor S. M. S.„Hohenzollem". Kampf des Japan. und russischen Geschwaders vor Port Arthur. In die Luft sprengen von Kriegsschiffen. Kettung Schiffbrüchiger mittels Raketonapparat etc, _-n_. �k,...... Ermäßigte Preise: M 1,70. 0,40. Vorstellungen: Wochentags 4 und 8 Uhr. Heute Mittwoch; ö Sonntags 3, S'/j u. 8 Uhr. Uilligcr Tag. _ Eintrittspreise: Mk, 2,10, 1,60, 1,10, 0,80, 0,60, 0,30. WM- Jeden Donnerstag: Elite-Tag mit Fencrwerk. Freitag(Sedantag): Gr. Extra-Parade-Gala-Vorstellung mit Feuerwerk. * Wx KHem's Sommer-Theater Hasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglicli: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung, Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebte» Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Dag. fftF" Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-7WW 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Bluineustaud k. In den SUlen: Orosser Ball. av« Hasenheide 108/114. Kette Welt Mittwoch, den 31. August 190-1! Arnold Scholz. Mg 1032 Gr* Kinder- fvcudcti- fest verbunden mit Bonbonregen. Fackclpolonaise u. Gratisverlosuug wertvoller silberner Damen- und Herren-Uhren. Speeialitäten- Vorstellung. Anfang 1 Uhr. DM- Entree 15 Pfg. Morgen, Donnerstag: Elite-Tag. Honstre- Fenerwerk. Donnerstag, den 15. September: 1. Gastspiel llernhard Rose-Theater. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater; Von der Zagspitze zum Watzmann. Sternwarte irÄ Da»« BHrenwoib, lebend. Oer 16 jährige Riesenknabe Der lange Josef 217 ctm gross._ IM- Neda und Mnemos,"90 Gedankenleser. HerEeichen f n n d. Aga, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. ) CAS TAN S ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Das grösste Ehepaar der Welt die grösste Sehenswürdigkeit des 20. Jahrhunderts. ZOÖIOCISCHER GARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- Doppel-Kontert. Eintritt 1 M.. ab« Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hülste. In der Arena: 0er See-Elefant. Donnerstag, den 1. Septbr.; Gastspiel d. berühmt, amerik. Cometvirtuosen Mr. Paris Chambers und die Kapelle d. Frankfurter Grenadier-Regiments(Lebede jun.). Eröffnungs-Programm. Pas de Oeux oriental. Tiliy Böbs mit ihren 12 Löwen. Paula Worm, Operettensängerin. ltal.Harfenorchesfer,23Harfenistinn. Rudolf Segommer, Ventriloquist. Severin und MUe. DorviUe in der Pantomime„Der Trunkenbold". Nirvana, lobende Bilder. Die Klein-Familie, Radfahrer. Die 8 Cocktails, Tanz-Ensemble. Die Baggesens, komische Jongleure. Die 3 Meteors, Hoohtumer. Marcell Salzer, Vortragskünstler. Biograph, darstellend d. Ringkampf zwiech. Hackenschmidt u-Jenkuti. CirHus Sarrafani. GrUsster and elegantester Zclt-Cirka* Europas. OV Täglich n e u I"VS Häuschen, das Kluge IPferd i Zu gunsten der Pensionsanstall der Genossenschast deutsch. Bühnenangehöriger. Letzte Aufführung unter der Direktion Sigmund taulenburg. Die 300 Tage. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Des Pastors Riehe. Ansang 8 Uhr. Morgen: Elektra. Centrai-Theater Toranzeige. Donnerstag, 1. September (bei vollständ. neu renoviertem Hause): Eröffnung der Operetten-Saison. Tannhäuser-Parodie. Burlesque-Operette in 4 Akten Von Joh. Nesttoy und Karl Binder. Freitag und solgende Tage: Tann- häuser(Operette). Sonntagnachmittag: Die Geisha. Abends: Tannhäuser(Operette). tatsch-jMkanischeS " Theater. Köpeniokerstr. 67. Heute Abend 8 Uhr! Gastspiel Adolf Philipp. Ueber'n GROSSEN TEICH Zum 318. Male: ZmKi>MPsi.K«cknKeil>nI>t! Nach Erscheinen unsrer Liste am Vergangenen Sonntag ist uns mehrfach mitgeteilt worden, daß sowohl Bäckermeister, die ihre früher gegebene Unterschrift nicht mehr halten, als auch Backwaren-Händler, die Ware aus nicht geregelten Bäckereien beziehen, die zu Beginn des Kampfes Verausgabten roien LegitimstioNLkarten Vorzeigen, wenn Vom Publikum nach der Bewilligung gefragt wird. Wir erklären hierdurch, daß diese Karten nebst den rotgeränderten Plakaten schon seit langem keine GÜUig- Ueit mehr haben und daß in den Fällen, wo man sie Vorzeigt, eine 7auseimng des Publikums beabsichtigt wird. Folgende Bäckermeister haben den Vor dem Einigungsamt festgelegten Tarif unterschrieben und sind in der Liste nachzutragen: Torcken. Pappel-Allee 24, C. Caseler(fr. Pfeiffer). Wichertstr. 3, C. Schmidt(sr. Lang- Nickel). Schulstt. 51, P. Krumbach. Putbuscrstr. 24, Kundl. Tordosten. Barnimstr. 35, Dzienian. Osten. Warschauerstr. 60, Schulze. Südosten. Grünau erstr. 26. Süden. Bergmannstr. 14 a, Polenz. Rnniniclsbnrg. Kantstr. 13, Spöttlich. Kixdorf. Erkstr. 15, A. Schimpke. Wegen MchteinhaUung des Tarifs resp. Zurückziehung der Be- willigung sind zu streichen: Korden, Nuppinerftr. 8, Baacke. Kordosten. Landsbergerstr. 123, Roheisel. Südwesten. Nostizstr. 9, Micheli. Südosten. Kottbuserstr. 6 a, Bachmann. Liegnitzcrstr. 78, Janthe. Oppelnerstr. 20, Stephan. Küpen ick. Müggelheimerstr. 39, G. Gratias. Kaiserin Augusta-Vicioriaslr. 23, Darge Der Ulirstllnd des Verbllltdes der Käcker und Kerussgeuossen DenWlands (Mitgliedschaft Berlin). _ Bureau: Gipsstr. Hof parterre. Telephon Amt HI, 1243.__ Frledrlchsberg. Psarrstr. 38, Keßler(giebt den von uns abgestempelteu Tarif«ich/ heraus). Hnininelshnrg. Kantstr. 47, Schubert. Berulmn! Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Zum letztenmale: Wir killst im Mai. Abschied des phänomenalen August- Programms. Morgen Donnerstag: Elitevorstellung. Aus allgemeinen Wunsch: vis Toedtök ll88 ltsimgekMön. Außerdem: Bollständig neues Programm. Enttee 30 Ps. Numerierter Platz 60 Ps. Anfang 41/i Uhr."ME Im Saale: Ball. Trödels ÄHertei-Thealer fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Große Abschieds-Vorstellung des gesamten erfolgreichen Künstler- _ Personales. BW" Zum letztenmal:-Mg> Das alte Lied, Volksstück. Extra-Tan�. Ansang 4'/, Uhr. Einttitt 30Ps. Ab 1. September finden diese Vorstellungen nur mehr Sonntags, Montags und Mittwochs statt. V. Noacks Theater. Direktton: Rob. Dill. Brunnenstr. 16 Nur noch bis zum 31. d. Mis.: Ein Serliner Tnugenillits. Dazu die erstklassigen Specialitäten. Ansang 6 Uhr. Kaffeeküche v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saal. tiiehrüder Herrnfeld-Theater. (XIII. Berliner Winter-Saison.) Kur eine Kacht. Zwei Akte aus einer Ehe. A.n» andern Borgen. Nachspiel zu.Nur eine Nacht". Beide stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Kaffen-Eröffnung 7Uhr. Vorverkaus täglich 11— 2Ühr. Der große Naturgartcn ist geöffnet. Passage-Theater. EringWenoo Donnerstag, 1. Sept. 14 neue Debüts. ÜÜtZOTOStr. 111/112. T& g 1 i c h im Garten oder Saal: Vorsts Korddeutsche Kumoristen Quartett-Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. kons haben Gültigkeit. Speeialitäten-Tlieater, Landsberger Allee 76/77. Direkt NingbaHnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen I int herrlichen Garten od. gr.Saal: das nene konkurrenzlose Programm, ca. 35 erstklassige Nummern. Mit stürmischem Bcisall: Orig Les trois Dahls, die Fahrt im kleinsten Todcsring. Beste Motor-Rcnn-Compagnie mit unkopierbarcn Original-Tricks. Orig. KUhley-Trio, sensat. Leiter- Akrobaten und Hochturnkünstler. Hed> Brurnicn, der steine Kobold. Elsa u. Paul Jescheck, urkomisch. Orig. Luigia e don Gigilo, konkurrenzloser Melange-Akt. Max Tripps, der beliebte Fritz Brand tc. Kasseekiiche. Volksbelustigungen. Bis 2 Uhr: Bali. Entree 20 Ps. Sonntags 30 Ps. TlvtzDi'-i' Kastap5enAllce7*9 Täglich: Der rechte Weg. Hermann Wehling, Humor. Dlly Marietta, Soubrette. Boercn-Schützcn van Niekerk it. Du Plessis. Ein Liiebea-ldyll, Pantomime. "Gustav Bebrens Speeialitäten- Tlieater. Frankfurter- Allee 85. Tüglich: Das grossartige August-Programm. Erstklassige Kräfte, auserlesenes Programm. Anf. Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. amKönigsth., am Friedrichshain 29/32. Tä8|lc|i: Theater, Bali o. SpBti Das Liserl, v. Kneifs. pnspniiitnttgiinfiit. Große Posse mit Ballett u. Evolution von Ely. Mttwoch: Kinderfest. Keine Konkurrenz ist imstande, solch reelle Ware aus den Markt zu bringen, wie ich dieselbe in meinen bewährten Käse-Post-Colli Sortierungen I und III biete. Für Haushaltungen M. 7,07, für Restaura- teure M. 7,33 sranko Nach». Exquisite Oualit., große Reichhaltigkeit. G. Maisch Nacht., Memmingen, bayer. Allgäu. Unfcrm alten Freund Kermann 7heuerUau| zu seinem heutigen Wiegenfeste die besten Glückwünsche I 788b Mitglieder d. Sparvereins,.Guter Wille". Etablissement Kuggenhageu Horitznlatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagsllsch. Im großen schattigen Natur- garten jeden Abend 8 Uhr: Konzert. Dienstags, Donnerstags, Sonntagst Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends T« m v im Kaiscrsaal:® tMMaXm Oslbatm-Park. Am KUstrinerpiatz. RUdersdorferst. 7t. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Specialitiiten- Korstellung. Geprüfter Lehrer Är0"* Kindern und Erwachsenen Unterricht in allen Lchrsächcrn inkl. Französisch: lehrt fertig Klavicrspielcn, sofort Stücke. Lichtenbergerstr. 18, II. TteiseTLvrb«, Lehnstölile, Babybotten kaufe stets direkt nach Fabrikkata* logseite 30/31 von J. Tretbar, Qrlmmt ,34 Kranz- und Klnmenbinderei von kohert Idöser.. nur Mariannen-Straße 2. Vereins-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, Bouquets, Guirlandcn usw. werden sein u. preiswert geliefert Frei»«- beliebige Teil« zahlung. Olga Jacobson, st'�Ä n. Moabit, Emdcnerstr. 88. Möbelfabrik. "■JS:; Die besten und billigsten ÜVobnnngs-Cinriebtnngen kaufen Sie bei B■■ m HB BERLIK SO., JUliUS Dpeit. Tischlermeister, Sbalitzerstrasse 6, ■ w am Kottbaser Thor. Agitationskfab Osten. Ilm 28. Staguft, abends ö1/« Uhr. I verschied nach langer Krankheit s der Metallarbeiter WM Mmcfe Er war uns ein lieber Freund und Genosse, welcher Las zu seinem Ende sich semer Pflicht stets bewußt war. 779b Ehre seinem Jlndenkenl Die Beerdigung findet am Donnerstag, den t. Seplember, nachmittags 5 Uhr. M.a der Leichenhalle des Central- Fried- Hofes in Friedrichsseldc aus statt. vie Genosaen des Bezirks 181 d. Gesangverein Männerito Osten W. d.?l.-S.-B.). Todes-Anzeige. Am 28. August, nachmittags l 6>/, Uhr, verschied nach lm rger ! Krankheit unser Sangcsbruder Oieiigslj tsetienWekes» Ehre seinem Andenken! M verlieren in ihm ein treu»? litt. lied. 77t't Der Borstanv. ISoeialtobÄlialtlvereintles I Verband der Masebinisten und Heizer sowie Berulsgenossen Dcntschlanda. Verwaltungsstelle Berlin u. Umg. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 29. d. M., verstarb das Mitglied ferltiusolt krompe infolge eines Schlagansalles im Alter von 55 Jahren. Die Beerdigung findet am Don- nerStag, den l. September, nach- mittags s'/s Uhr, von der Leichenhalle des' Georgen- Kirchhofes, Landsberger Zlllce, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 189/2 Die OrtSvcrwaltnng. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater und Schwiegervater, der Tischler Golüieb Schneider nach langer Krankheit seinen qualvollen Leiden im Alter von 64 Jahren am Sonntag, den 28. August, abends 7 Uhr, erlegen ist. Dies zeigen ticsbetrübt an Die trauernden Hinterfallebenen. Die Beerdigung findet am DonnerStagnachmiitag 4 Uhr von der Leichenhalle der St. Golgatha- Gemeinde, BarfuSstraße, aus statt. �.Oer!. Reirtis-Walreises (Osten). Stadtbezi.� 181d. Todes- Anaselgfe. Am 28. d. Mts. starb unser Genosse, der Metallarbeiter Richard Eschenwecker. Ehr e seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. September, nachmittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Centtal-Friedhoss in Friedrichsselde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 244/4 Der Vorstand. � Deutscher , Holzarbeiter-Verband. Den AtitMiedern zur Nachricht, Daß unser Kollege, der Tischler Med Schneider jeder Art, viele Neuheiten. "Reichhaltige illustr. Preisliste gratis u. franko.- Gummiwaren- und Verbandstoff- Fabrik Jos. Maas& Co., Berlin 60, August verstorben ist. seinem Andenken: an 28. Vhre D ie Beerdigung findet am Do» nerstag, den 1. September, nach» rittags 4 Uhr von der Leichen- Halle des Golgatha-Kirchhofes in der BmrsuSstrage aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 88/8 Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel,£/"$;; S Pecialarzt für flg/f Uiiat- a.nd Harnleiden. 10—2,5—7. S'ountagS 10—12, 2—4. Werneuehenerstr. 2 find Gartenwohnungen von 2 Zim- ntern, Küche und Nebengclaß sehr billig zu vermieten. 1072» Todcs-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsre einzige geliebte Tochter Margarete am 28. d. Mts. nach kurzen, schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Donners- tag, denl. September, nachmittags 4'/, Uhr. von der Leichenhalle des Zions-KirchhofcS in Niedcr-Schön- Hausen aus statt. 789b Die tiesbetrübten Eltern Carl j�tandtke nebst Frau. Verband der Kupfersebmiede Deutschlands. Filiale Berlin. Am 27. d. M. verstarb unser Mitglied und Kollege enici Gompart am Herzschlag. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 4 Uhr vom Trauerhause Bandetstt. 3 aus aus dem neuen Johannis-Kirchhos in Plötzensoc statt. Zahlreiche Beteiligung crivartet 100/U Der Borstand. Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frnileiiteide», ScydcUtr. O. Wochentags>/,»»--/,», l Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68• Lindcnstraße 69 Wir einpfehlen den Genossen zum Abonnement: Psaffkllherrslhllst Rulhirbilbet aus den Religionstämpfen deS 16. und 17. Jahrhunderts Bon Cmil Rosenow 50 gltfminnen reich illtifrrlcrt • ä Lieferung 4t» Pfennig- Der Berfafler entwirft vom Standpunkt des historischen Ma- teriaiisnms das Kulturbild der mittelalterlichen Psass enhcrrschaft. Er zeigt wie inmitten der zu- sammenbrechenden römischen Gc- fellschast die»rchristlich-kommu- nistischc Agitation beginnt, aus der sich die Kirchenherrschast ent- wickelt. Der Leser sieht wie das Papsttum entsteht und wie es den Gipfel seiner Macht, bis zur Weit- Herrschaft ersteigt, bis die wach- sende tapilaiistische WirischastS- weise die Pfaffenherrschasi in Blut und Kriegsgeiümmei erstickt. Das Werk ist ei» dauern- dcS, wertvolles Pildungs- mittel fiir die deutsche Arbeiterklasse. ZMossM �ilhelminenhol an der Oberspree. Inhaber: Chr. Fennek 59462* Heute Mittwoch: Grosses Militär-Konzert und Elite-Ball. Tätlich: -Extrafahrten von der Michaelkirchbrückc nach HUg�elrs'erder init Musik. Abfahrt 9 Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags. Preis für bleibende Gäste 30 Ps. hm und zurück. Sonst 40 Ps. Kinder die Hülste, sonntags einfache Fahrt 40 Pf. 57652* Villen-Kolonie Kieder- Schönhausen Baustellen in schönster Lage Nieder-Schön Hausens an vollständig regulierten Straßen mit Gas- und Wasserleitung; nur hochliegendes, trockenes Land. Ptv □ V0N 85 M. NN. 46192*| Auskunft jederzeit im Bureau, Kaiserweg 3, Nieder-SchSnhausen. TF■ Portieren, Decken, I.ttufer ■ daniH= nQ_ lief, altes SpccialhauS(kein SlbzahlungS- wr r_? Geschäft)— reellen Privaten auSnahmöw. auf Teilzahlung. Offerten unter Ii. I an die Eppedilion des»Vorwärts". Partei- Speditionen: Berlin zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder» sttaße 30, v.part.— Dritter Wnhikreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts pari.— Alerter Wahlkreis D.: Robert Wenzels, Gr. Frankfurterstr. 133, Hos pari.— SO.: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden).— Sechster Wahlkreis(Hoahit): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden.— Wedding und Oranienhnrger Vorstadt; Emil Stoltzenburg, SBicjmftr. 41/42.— Rosen- thaler Vorstadt, Ocsundbrnnnen. Reinickendorf(Ost und West). Wilhelmsrnh und Schönholz: Hermann Raschle, Rügenerstr. 24, vorn part. links.— Sehönhnnser"Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Alt- txüenieke: W. Pries, Rudowerstr. 68.— Charlottcnhnrg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstr. 1, Ecke Goethesttaße, vorn I.— Dentseh- Wilmersdorf: 33. Nickel, Berlinerstr. 130, III.— Friedrichsberg- Friedplehsfelde- Wilhelmsberg- Hohenschönhansen: Otto Seilet, O. 112, Kronprinzenslraße 50, I.— Grünau: E. P s e i l, Königstratze 1.— Rtxdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerhswaße 7, im Laden.— Sehöneherg: Wilhelm B ä n ml e r. Martin Lutherstr. 51, im Laden.— Ober- Schöne weide: Otto Münz er, OHmstraße 1 a, 2 Treppen.— Xieder- Schöneweide: Bonakowsky, Berlinerstr. 8.— Johannisthal: Paul Mann, Bismarckstr. 7.— Adicrshof: Paul Schmidt, Bismarckstratze 7 II.— Königs-Wnsterhausen: H. D i e tz e, Schuhmacher.— Köpenick: Friedrich JS o t tf, Grünstr. 29.— Friedenau Steglitz: H. Bernsee, schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. M o h r, Düppelstr. 8, und Fr. s ch e l I h a s e, Ähornstr. 15a.— Ranmsehnien- weg: Stock, Ernststr. 2,11.— Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn HI I.— Ven- Weissen see: W. R e s f e, Gäblerstr. 46, Part. — Rnmmeishnrg: Forgbert, Prinz Aibertstt. 5s.— Tegel, Rorsigwalde. Dalldorf und W'aidinannsinst: Paul Kicnast, Borsigwalde, schubartstt. 43.— Pankow: K. Kümmert, Florastr. 43. Außerdem ist sämtliche Partellittcratur sowie alle wissenschastlicheu Werfe dort zu haben Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegettgenonimen. DffiT" Ritte aasschneiden.-Mg Gegen Monatsraten von 2 Mk. an liefern wir Musikwerke selbstspiolende sowie Drohinstrumente i mit auswechselbaren 1 Metallnoten von 18 Mk. aufwärts. Phonographen erstklassige, vorrOglicn �/funktionieren- 'de Apparate von 20 Mk. aufwärts. Bespielte und nnbespielte Walzen la. Qualität. Accordeons in sehr reicher Auswahl, | sehr preiswerte Instrumente In allen Breislagen. Zithern aller Arten, •wie Aoeord-, Harfen-, Duett-, Konzert-, Qnitarre- Zithern etc. Bial& Freund m Breslau U. Illustrierte Kataloge auf Verlangen gratis und frei Nie im Leben wiederkehrend! TAIT'S DIAMANTEN bieten diesen hervorragenden einzig dastehenden Gelegenheitskauf. Tür Sine jVfaric verkaufen wir Waaren, die früher G Mark gekostet haben. Naturgemäss ist es unmöglich, dass wir solch ungeheures financielles Opfer lange tragen können, und es ist demzufolge nicht ausgeschlossen, dass wir unser Angebot bald zurückziehen.— Machen Sie Ihre Bestellung daher schleunigst} ehe es zu spät ist. c Zwei OegenatAnde werden gegen Voreinsendung von 2,30 Mark oder gegen Nachnahme von 2,50 Mark verschickt. Weniger wie Der Versand RERLIN W geschieht ab# Gegenstände werden nicht versandt Wir bitten stets um Angabe mehrerer unserer Nummern, für den Fall, dass wir die eine oder andere, weil nicht mehr Adresse; Friedrich-Str.lÖQ 1SÖDneD-:ücttconTe"e3 � bereitwilligst kranco| zwei 1 ihrerer I t mehr 1 rilllgst 1 Ms American Diamond Polace Berlin FRIEDRICH-STR. 169 zwischen Behren- u. Französische Str. FRIEDRICH-STR. 183 zwischen Mohren- u. Tauben-Strasse. CENTRAL-HOTEL Laden 15. FRIEDRICH-STR. 143 zwischen Dorotheen- u. Georgen-Str. Lerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Zur den Jnftratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Krück u. Verlag: Vorwärts Buä/druckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Le Co., Berlin SW, St. 204. A. ZchMg. 3. Dtüllßt Schippels Nachwort. Die 47 Spalten der Chemnitzer„Volksstimme", die Schippel mit allerlei Zollargumenten gefüllt hat. um schließlich unvermittelt zu dem Bekenntnis zu kommen:.Es ist mir niemals mich nur im Traume eingefallen. Agrarschutzzöllner zu sein", genügen, wie es scheint, seinem Schreibbedllrsnis noch nicht. In der letzten Nummer der„Socialistischen Monatshefte" veröffentlicht er noch ein„Nachwort" zur Darlegung seines„handelspolitischen Standpunktes". Nicht um dort die vergessene Beweis- führung nachzuholen, wie aus seinem Vordersatz, wer Handelsverträge wolle, müsse unbedingt auch für Zölle, unter besonderen Umständen auch für Agrarzölle sein, sich auf Grund seiner Zolllogik in strenger Konseguenz die Ablehnung aller Agrarzölle ergiebt, sondern um zu beweisen, daß vor der Allgewalt seiner Argumente seine Gegner„auf der ganzen Linie" zurückweichen. Vor allem ist es, wie Schippel behauptet, der„Vorwärts", der zurückgewichen ist. Es hat ihn allem Anschein nach schwer verdrosten, daß wir seine unvermittelte, zu seinen voraufgegangenen Ausführungen in grellstem Widerspruch stehende Verleugnung aller agrarzöllnerischen Gelüste als„großen Rückzug" charakterisiert haben; er leistet sich deshalb das Ver- gnügen, auch im„Vorwärts"„Rückzüge" zu entdecken. Zwei Ausführungen im„Vorwärts" sind es, die er zum Be- weise für seine Behauptung ausspielt. In Nr. 190, 2. Beilage, 1. Spalte, haben wir geschrieben: „Wie schon erwähnt wurde, befolgt Schippel die Taktik, so zu thun, als suchten seine Widersacher die Frage„Schutzzoll oder Freihandel?" zu einer socialistischen Principien- frage zu stempeln, und als hätte in den letzten Jahren die Partei sich zur englischen Freihandclsdoktrin bekehrt. Den Beweis dafür findet Schippel seltsamerweise in der Thatsache, daß der Londoner Internationale Arbeiterkongreß 1896 folgende Resolution angenommen hat: „Ein internationales Zusammenwirken der Arbeiterklasse in Be- zug auf den gewerkschaftlichen Kampf, wie besonders auch in Bezug auf die Arbeiterschutz-Gesetzgebung wird desto mehr zur Notwendig- keit, je mehr der wirtschaftliche Zusammenhang des kapitalistischen Weltmarftes und damit zugleich die Konflikte der nationalen Industrien sich entwickeln. Für die nächste Zeit ist ein inter- nationales Vorgehen des Proletariatsinach folgenden Richtungen nottvendig: 1. Abschaffung der Zölle, Verbrauchssteuern und Ausfuhr- Prämien. 2. Durchführung einer internationalen Arbeiterschutz-Gesetzgebung...." Man könnte fragen, inwiefern denn dieser internationale Be- schluß gerade eine specielle Hinwendung der deutschen Socialdemo- kratie zur Freihandelslehre bekundet; indes soll nicht bestritten werden, daß, wenn auch heute noch unsre Partei keineswegs die englische Freihandelsdoktrin acceptiert, sie doch weniger „schutzzöllnerisch" ist als nach dem großen Krach in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Aller- dings gegenüber den Agrarzöllen hat sie stets denselben Stand- Punkt eingenommen, auf dem sie heute steht; nur in Bezug auf die Jndustriezölle war man früher teilweise zu größeren Zu- geständnissen geneigt. Auch heute gilt in der Partei die Freihandels- und Schutzzoll- frage nicht als Principienftage, sondern, wenn man so sagen darf, als«eine Frage der Umstände"— nur ist heute die große Mehrheit der Partei der An- ficht, daß jetzt die Umstände andre sind, als zu Beginn der �Bismarck schen Wirtschaftsära, d. h. daß seitdem die deutsche Industrie enorm erstarkt ist und heute eine weit mächtigere Stellung auf dem Weltmarkt einnimmt. That- sächlich wurde die Londoner Resolution denn auch nicht mit irgend welchen Freihandels-Argumenten be- gründet, sondern mit der Notwendigkeit eines Zusammenwirkens der internationalen Arbeiterschaft bei ihren gewerkschaftlichen Kämpfen, mit der veränderten Lage des Weltmarktes, der zu- nehmenden Konflikte der internationalen Industrie, den modernen KartellierungSbestrebungen zc.— also mit der Veränderung der„Umstände". Und dasselbe gilt von der auf dem Stuttgarter Parteitag angenommenen Resolution, durch welche die Stellungnahme der deutschen socialdemokratischen Partei zu den letzten Zollkämpfen eingeleitet wurde. Alle Befürworter dieser Re- solution, auch Kautsky selbst, begründeten ihre Stellungnahme mit dem Fortschritt der Industrie usw. Und in der schließlich an- genonimenen Resolution wurde denn auch keineswegs alle und jede Schutzpolitik abgelehnt, sondern nur die im Deutschen Reich und in den. Staatswesen entwickelter Großindustrie" heute übliche Schutzzoll- Politik; und motiviert wurde diese Stellungnahme nicht mit irgend welchen Freihandelstheorien, sondern mit der Thatsache, daß in Deutschland infolge seiner eigenartigen Parteiverhältnisse die Jndustriezölle not- wendigerweise stets mit Lebens mittelzöllen zusammenfallen, sowie mit dem hohen Entwicklungsstand der deutschen Industrie und der Begünssigung der modernen Kartell- und Trustbildungen durch die Schutzzollpolitik." Aus diesen Sätzen konstruiert Schippel einen„e r st e n R ü ck z u g". Wie? Zunächst indem er sich einer merkwürdigen„Korrektur" schuldig macht! Wir weisen darauf hin. daß er sich zum Beweise seiner Unterstellung auf die Londoner Resolution bezieht, teilen dann den Wortlaut dieser Resolutton mit und führen den Nachweis, daß sie keineswegs mit irgend welchen FreihandelSargumenten, sondern mit der Notwendigkeit des Zusammenwirkens der internattonalen Arbeiter- schaft, der veränderten WeltmarktSlage usw. begründet wird. Was macht Schippel daraus? Gegen den obigen Beweis läßt sich schlecht ankämpfen; wahrheitsliebend, wie er ist, unterstellt er also eiiffach, wir hätten gar nicht beachtet, daß er von der Londoner Resolution ausgegangen sei, vielleicht hätten wir seine Arttkel überhaupt nicht gelesen. Er schreibt nämlich wörtlich: „Indes, wenn der„V o r w ä rt S"-M i t a r b ei te r meine Chemnitzer Artikel wirklich gelesen hat, so konnte und sollte er eigentlich wissen, daß ich ausge- fange»bin von der Resolution deS Londoner ocialistisch'en Arbeiterkongresses �«für die nächste Zeit ist ein internationales Vorgehenjdes Proletariats nach folgenden Richtungen notwendig: Abschaffung der Zölle..."— und zwar ausgegangen bin ich nicht von meiner vielleicht allzu subjektiven Auffassung dieser internattonalen Richtschnur, sondern von der Inter- pretatton des zweisellos?hierzu an, meisten Berechtigten, nämlich des Genossen Parvus, der, wie er selber schüchtern und schämig ein- gestand„jenen Beschlutz verfaßt hat, nicht aus.doktrinärer Verbohrt- heit sondern weil ihn das Studium der Weltmarkts-Entwicklung zur'Erkenntnis... ftihrte". wie den Adam zum Feigenblatt." Wir lassen hier den Angriff gegen Parvus aus dem Spiel; wir konstatteren nur: Schippel polemisiert gegen unsre Artikel, er hat sie vor sich liegen, da es ihm aber besser in seine Behauptungen paßt, unterstellt er kurzweg, wir wüßten nicht ein- mal paß e r von der Resolution des Londoner socialistischen ArbeiterkongresseS ausgegangen sei. Eine absichtliche Täuschung seiner Leser Aber mit dieser kleinen„Korrektur" kommt Schippel noch nicht weiter. Er nimmt deshalb noch eme zweite vor. In dem obigen Citat verneinen wir keineswegs, daß die deutsche Social- demokratie mehr und mehr zur Forderung des Freihandels gekommen ist. Was wir bestteiten ist nur. daß die Partei die englische Frei- Handelstheorie accepttert hat. Für die Partei sei die Frage„Schutz- zoll oder Freihandel" lediglich eine„Frage der Umstände� Wenn sie heute zur Freihandelsforderung komme, so deshalb, weil die Mehrheit der Ansicht sei. daß jetzt in Deutschland die„Um- des.Fmiilts" stände" die Aufstellung und Durchsetzung dieser Forderung ver- langen. Und daß thatsächlich die Partei von dieser Auffassung aus- geht, wird dann von uns an dem Wortlaut der mit großer Majorität in Sttlttgart angenommenen Zollresolution und an ihrer Motivierung durch Kautsky sihrem Verfasser) nachgewiesen. Doch dieser Nachweis paßt dem Genossen Schippel wieder nicht in seine eigenartige Argumentation. So ignorierter ihn einfach und redet seinen Lesern vor, wir hätten behauptet, daß bisher noch niemand in unsrer Partei zur Freihandelsforderung ge- kommen sei. Trunnphierend weist er auf den Genossen Parvus hin, der vor Jahren in der„Sächsischen Arbeiterzeitung" gesagt habe:„Der Londoner internationale socialistische Arbeiter- kongrcß hat den Freihandel zur internationalen Forderung des Proletariats gemacht, indem er nicht nur für diese Forderung eintrat, sondern beschlossen hat, daß für die nächste Zeit schon eine Agitation für die Abschaffung der Zölle zu entwickeln sei." Und dann fragt Schippel mit der gekünstelten Naivetät, die ihm so schön steht:„Ja, gilt meinen übergestrengen Kritikern eine Kongreß- resolutton, ein internationaler Kongretzbeschluß ganz und gar nichts mehr? Oder soll etwa noch nicht einmal der Verfasser selber den Sinn seiner Resolution verstanden haben dürfen?" Aber noch zwei andre Zeugen hat Schippel nach vielem Suchen entdeckt. Als nämlich Genosse E n d e r s von der Chemnitzer„Volks- stimme" im Jahre 1898 im„Vorwärts" die Frage aufgeworfen habe, ob der Satz des Erfurter Programms„Abschaffung aller in- direkten Steuern, Zölle und sonstigen wirtschaftspolittschen Maß- nahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit opfern" die Partei zur Einnahme des Frei- Handelsstandpunktes verpflichte, da habe Schoenlank in der„Leipziger VolkSzeitung" den betreffenden Satz als eine„endgültige A b s a g e" an alle Schutzzöllnerei interpretiert, und ähnlich habe sich zwei Jahre später Genosse Molkenbuhr im„Hamburger Echo" aus- gesprochen. Wir vermögen die betreffenden Stellen augenblicklich nicht nach- zuprüfen, nehmen daher an. daß sie richttg wiedergegeben sind— aber was beweisen sie gegen uns? Wir haben durch- aus nicht behauptet, daß keiner unsrer Parteigenossen heute die Forderung des Freihandels erhebt; wir sind sogar der Ansicht, daß die große Mehrheit heute freihändlerisch ist; ja wir haben! uns sogar selbst als„frei- händlerisch" bekannt— allerdings nicht auf Grund der Acceptation der englischen Freihandelsdottrin, sondern weil, wie wir in unserm dritten Artikel(Nr. 193 des„Vorwärts") ausgeführt haben, unter den heutigen deutschen Verhältniffcn derjenige, der Jndustriezölle durchsetzen will, auch Agrarzölle mit in Kauf nehmen muß, zweitens weil uns die deutsche Industrie als reif für den Freihandel gilt, und drittens(Vergleiche den zweiten Arttkel Nr. 190 des„Vorwärts") aus bestimmten politischen Gründen, nämlich um nicht die Machtposition, die das Schlot- und Landjunkertum ohnehin im Deutschen Reich preußischer Nation inne hat, noch mehr zu stärken. Wir sind auch mit Schön- lank und Molkenbuhr durchaus einverstanden, wenn sie den Punkt 10 des Parteiprogramms dahin interpretieren, daß er die Ablehnung aller Schutzzöllnerei bedeutet, d. h. der Schutzzöllnerei als S y st e m. ittcht jedes beliebigen Zolls ohne Unterschied. Der Austernzoll erscheint uns z. B. nicht als ein Zoll, der„die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit opfert". Will Schippel uns widerlegen, so muß er nachweisen, daß Parvus und Schönlank die Freihandelsdoktrin accepttert haben und von deren wirtschaftlichen Grundsätzen bei ihrer Forderung ausgehen. Selbst dann würde allerdings noch immer die Partei nicht im Sinne der Cobden, Bright, Prince Smith usw.„fteihändlerisch" sein, ebensowenig, wie sie dadurch, daß Enders und vielleicht noch einige andre Genossen für Agrarzölle sind, zu einer agrarzöllnerischen Partei wird; aber die Argumentation Schippels hätte dann wenigstens einen gewissen Sinn; so ist sie jedoch nichts als eine mit untaug- lichen Mitteln arbeitende Demonstration am untauglichen Objekt. Schippel hat jedoch noch einen zweiten Rückzug entdeckt. Auf seine Behauptung:„Wer Handelsverträge will, muß unter allen Umständen auch für Zölle sein, unter beionderen Umständen auch für Agrarzölle", antworten wir am Ende unsres dritten Artikels: „Nicht jeder beliebige Tarifverttag ist für die Partei an- nehmbar; es kommt selbstverständlich auf seinen Inhalt und die jeweilige wirtschaftliche und politische Lage, die besonderen„Um- stände", an. Daß aber unter einem Freihandels- system die„Umstände" eine völlige Ver- änderung erfahren, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Das Motiv, das hauptsächlich die Partei zum Eintreten für die Caprivischen Tarifverträge bestimmte: die Ermäßigung wichtiger Lebensmittelzölle fiele dann von selbst weg— und ein gewisser Schutz gegen die Benachteiligung der deutschen Ausfuhr nach fremden Märkten läßt s i ch auch durch den Abschluß Vau Meist- begünstiaungsverträgen erreichen. Zudem hindert uns nichts, falls sich dies als nötig erweisen sollte, chikanöse Be- Handlungen der deutschen Warenausfuhr nach ftemden Ländern oder beiondere Begünstigungen fremder Exporte durch Ausfuhrprämien zc. mit— Kampf- und Ausgleichzöllen oder irgend welchen andren Repressivmaß- nahmen zu beantworten. Schippel beruft sich zwar darauf, daß Prince Smith 1848 gegen solche Maßnahmen plaidiert hat. Aber was geht uns die Freihandelstheoretik der seligen Prince Smith. Faucher usw. an?" Jeder ersieht daraus, daß der Satz:„Zudem hindert uns nichts" usw. sich nicht aus unsre heutigen Zollverhält- nisse bezieht, sondern die durch das Freihandels- s y st e m völlig veränderten„U m st ä n d e" v o r a u s f e tz t. Er besagt: Sollte ein Land, wenn wir seine Waren völlig zollfrei in unser Gebiet einlassen, uns dennoch chikanös behandeln, d. h. uns auf seinem Markte nicht dieselben Rechte gewähren wie den zollgeschlltzten Ländern, dann hindert uns nichts, zu Kampf- bezw. Ausgleichszöllen oder irgend welchen andren Repressivmaßnahmen (z. B. Einfuhrverboten, Erhebung von besondren Schiffsgeldern, Verbot fremder Handelsniederlassungen, Einführung von Eisenbahn- tarifen, welche die Einfuhr aus dem betteffenden Lande er- schweren) zu greifen. Genosse Schippel nimmt jedoch wieder, da ihm in dieser Form die Aeußerung in seine Ausführungen nicht paßt, eine kleine„Korrektur" vor. Er läßt die er st en Sätze, die von der Veränderung der Umstände durch das Fr e i h a n d e Is s y st em sprechen. weg. cittert nur die beiden letzten und thut nun so. als bezögen sich diese auf die von manchen Schutzzöllnern besür- wartete sogenannte Kompensationspolitik, d. h. das Verfahren, nur gegen Zollzugeständnisse des fremden Landes die eignen Zölle herabzusetzen. .Anner ParvuS I Armer Kautsky!" ruft er auS.„Das nennt und glaubt sich nun Euer Bundesgenosse! Und dabei habe ich ihm im Laufe meiner Chemnitzer Darlegungen doch so viel Wanutngs- zeichen aufgesteckt I... Und was uns hindert, Kampf- und Ausgleichs- und Repressiv- zölle und was sonst noch, wenn nötig, zu wollen? Du lieber Himmel, mich, bei meiner anerkannten und wiederholt bescheinigten handelspolitischen Grundsatzlosigkeit. hindert nattirlich nicht das Geringste daran. Aber daß ich mich hier in der Gesellschaft des „Vorwärts"-Genossen befinde, das schmerzt mich— ich hätte ihn lieber an der Seite unsrer Verfechter handelspolittscher Grundsätze, vor allem der Genossen Parvus und Kautsky gesehen." Und dann greift Schippel auf einen früheren von ihm im„Vor- wärts" veröffentlichten Arttkel zurück und erzählt, daß Parvus Mittwoch, 3t. August 1904. 1897 sehr energisch gegen die Kontpensationspolitik aufgetreten sei, als er(Schippel) damals geschrieben habe: „Der Meinung sind wir allerdings nach wie vor, daß es „auch die Socialdemokratie nicht bedingungslos verwerfen kann, daß man für seine eignen Tarifermätzigungen Tarifzugeständnisse auf der Gegenseite ein- zll tauschen und im Notfalle zu erzwingen s u ch t". Bei dem Worte erzwingen steigt unserm Genossen(Parvus- Dresden) das Blnt vollends zu Kopf, und er schleudert uns nun die üblichen Gemeinplätze entgegen:„wir fordern die Abschaffung der Zölle zu unserm eignen Vorteil, wir verlieren dabei nicht, sondern gewinnen".... Im Eifer fällt unser Kollege ja selber von dem Drahtseile. auf dem sich seine Handelspolitik so spielend bewegt. Sein Haupt- zugstück läuft doch gerade darauf hinaus, für die Auf- Hebung der Getreidezölle Zugeständnisse vom Auslände zu verlangen. Soll dieses Verlangen dadurch der Erfüllung näher gebracht werden, daß wir dem Ausland einen ganz unmaßgeblichen, von uns selber als ganz gleichglllttg be- handelten Wunsch aussprechen, den sie uns, wenn sie durchaus nicht anders wollen, erfüllen können, den sie uns aber auch wiederum nicht zu erfüllen brauchen, weil uns der„eigne Vorteil" des billigeren Brotes genügt?" Ebenso mutz auch Kautsky heran. Auch er hat 1898(„Neue Zeit" 1397/93, II. Bd. S. 290) in einer Anmerkung zu einem Artikel Calwers über„die Vorbereitung neuer Handelsverträge" erklärt: „Unsres Erachtens hat die Socialdemokratie in der Frage der Handelspolitik mehr zu thun, als gegen jede Erweiterung und Verstärkung des Schutzzollsystents einzutreten. Sie muß dieses System grundsätzlich bekämpfen und seine völlige Nieder- reißung anstreben. Vor allem muß sie die völlige Aufhebung aller Lebensmittelzölle fordern. Diese zieht aber naturnotwendig die Aufhebung der industriellen Zölle nach sich, und die deutsche Industrie ist hoch entwickelt genug, sie entbehre it zu können.... Die deutsche Socialdemokratie muß daher vollen Frei- h a it d e l fordern; sie fordert ihn im Interesse der Arbeiterklasse Deutschlands und der ökonomischen Entwicklung Deutschlands, nicht aus Gefälligkeit für das Ausland, darum ist aber die Forderung unabhängig von dem Entgegen- kommen des kontrahierenden Auslandes. Die KompensationSpolittk ist unvereinbar mit dem Freihandel; sie setzt den Schutzzoll voraus und besagt nichts andres, als daß das widerwillige Ausland durch Schädigung des ein- heimischen Arbeiters zn Konzessionen gezwungen werden soll." Und nachdem Schippel in dieser Weise den Verfasser der „Vorwärts"-Artikel gegen Kautsky und Parvus auszuspielen verflicht hat, ruft er höhnisch aus:„Solche Helfershelfer hat der Genosse Kautsky kaum verdient!" Es ist ein recht widerliches Spiel, das der Abgeordnete für Chemnitz sich leistet. Wie jeder sofort sieht, der die oben citierte Aeußerung des„Vorwärts" mit den Ausführungen Kautskys und Schippels vergleicht, handelt es sich um zwei grund- verschiedene Fragen. In dem Citat aus dem dritten Artikel des„Vorwärts" wird der Freihcytdelsznstand, d. h. ein Zustand, der die Frage gegenseitiger Zollkompensationen ausschließt, als bereits vorhanden angenommen; in Kautskys und Schippels Aus- führungen handelt es sich dagegen um die Frage, ob Deutsch- land auch dann zu ZoNermäßigungen bezw. Zoll- abschaffungen übergehen soll, wenn die andern Länder, zu denen es in Handelsbeziehungen steht. sich nicht zu Kompensationen, d. h. zu ähnlichen Zollreduktionen verstehen: eine Frage, die der Verfasser der.Vorwärts"-Arttkel stets genau so beantwortet hat, wie Kautsky und ParvuS. Auch sonst sind in dem Nachwort Schippels noch verschiedene Auslassungen enthalten, die zur Richtigstellung Herausford em; doch verspüren wir keine Neigung, die Erörterung noch weiter auszu- dehnen; die vorstehenden Beispiele genügen zur Charakterisierung der Schippelschen Argumentattonsweis e. Huö der frauenbewegung- Rixdorf. In einer von der VerttanenSperson des KrciseS Teltow- Beeskow einberufenen Frauenversammlung, welche am 29. August bei Thiel, Bergstraße, stattfand, referierte Genosse P. Hirsch- Charlottenburg über:„Die Wichttgkeit der Frauen- konferenz und des Parteitages". Auf der Provinzialkonferenz sei es notwendig für die Frauen, durch eine Delegierte vertreten zu sein, da das Kontraktbmch-Gesetz und die Schulfrage, welche dort verhandelt werden dürften, Puntte seien, an welchen die Frauen ganz besonders interessiert sind; be- deute doch eine Verschlechterung auf diesen Gebieten zugleich eine solche ihrer Klassengenossinnen. Dem, daß die Delegierte auf Grund des preußischen Vereinsgesetzes wieder aus dem Saale gewiesen werden könnte, sei dadurch begegnet, daß die Konferenz nur von einem Genossen einbemsen sei. Eine Wiederholung des Hinaus- weisens durch die Polizei würde daher einen Gewallstreich ärgster Art bedeuten. Auf der Konferenz der socialdemokrattschen Frauen Deutschlands dürsten den Frauen für die Agitationsarbeit sehr nützliche Finger- zeige gegeben werden, und diese auch in unsrem Kreise zur An- Wendung zu bringen, sei Aufgabe der Delegierttn zu diesem Kongreß. denn bis jetzt sehe es mit. der Agitattonsarbeit unter den Frauen sehr übel aus. Auch auf dem Parteitage seien für die Frauen wichtige Punkte zu erörtem, wie Schulgesetzfrage und Kommunalpolittk, welche für dieselben von ganz besonderer Bedeutung seien. Ganz besonders die Rechtlosigkeit der Frau auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts mache es notwendig, daß die Frauen auf diesen Kongressen vertreten sind. So wie die Agrarier fortwährend schreien und somit ihre Forderungen durchsetzen, sollten die Frauen nicht davon ablassen, fortwährend ihre Forderungen zu erheben, und je stärker die Frauen an der Verttetung beteiligt seien, um so eher muß es der herrschenden Klasse zum Bewußtsein kommen. daß die Frauen sich die bestehende Rechtlosigkeit nicht länger ge- fallen lassen wollen. Zu dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referate wurde das Wort von niemand gewünscht. Als Delegierte zur Provinzial- konferenz wurde Frau Jäger-Rixdorf gewählt. Die Wahl der Dele- girtin zum Parteitage fiel auf Frau Thiel-Tempelhof, welche S7 Stimmen erhielt. Frau Jeetze-Rixdorf blieb mit 38 Stimmen in der Minderheit. Zum Schluß ersuchte Frau Zeetze diejenigen Frauen, welche sich agitatorisch bethätigen wollen, sich der Vertrauensperson für Rixdorf, Frau Jäger. Selchowerstr. 6, zur Verfügung zu stellen, da eme intensivere Agitation als bisher nottvendig sei; be- sonders erforderlich sei es, die Mißstände in der Hausindustrie mehr an die Ocffentlichkeit zu ziehen. Besonders erwähnenswert sei die Kinderausbeuttmg bei der Verfertigung von Halsketten. So werden z. B. bezahlt für das Aufziehen der Perlen für ein Groß zweireihige Ketten 90 Pf., für fünfreihige Halsketten ein Groß 1,35 M., für dreireihige das Groß 1,10 M. Es komme demnach auf die Stunde berechnet der horrende Lohn von vier Pfennig. Darum sei es Pflicht aller Frauen, mitzuarbeiten au der Agitation, um derarttge Uebclstände beseittgen zu helfen. Mit einem Hoch auf die internationale völkerbefrciende Social- demokratie schloß hierauf die Vorsitzende die Versammlung. soweit der Vorrat reicht Schmortöpfe 45 pr. b. 1.20 Gasschmortopfe'ö Grö«! 75 pr. b. 1.80 Kasserollen ohne u. mit Ring 25 Pf. b. 90pt Wasserkessel maR Absatz 85 pr. b. 1.85 Topfdeckel 4 Grössen 1 7 pr. b. 25pf, Maschinentöpfe 5 Grössen 1 0 pr. b. 30pc Schüsseln tier und r-seb 1 2 pr. b. 1.25 T eller flach u. tier. 3 Grössen 1 2 pr. b. 1 8pe Bratenschüsseln 4 Gröss. 50 pr. b. 1.50 Waschgarnituren z Gr. 5.50 u, Smic. Toiletteneimer s Sorten 1.60bis3.75 Seifenhalter mit Haken 1 3 pr. Scheuergarniturensecheml.SSmic. Wannen SSne f. 1.60, Ä"l.20b.2.75 Wassereimer erau65, buüSO, �«85 pr. Speiseteller na'ch' 1 0, tierl 5 pr. Dessertteller weiss 7,„Rot 26 pr. Kompotteller„ 6, 20 pr. Bratenschüsseln„rund35,.. 1.05 " weiss, ovaJ 45 bis 95," 40-2.25 KartoflFelschüsseln 63," 1.50, 2.65 Terrinen weiss 1 Mk.," 2,85, 3.50 Saucieren„ 45,"35 b. 1.15 Kompottschalen weiss 6 pr. Sat�-Salatieren stek.1.25«k. Kaffeeservices pjfrson 50 pr. Ein Posten fein dekorierter Schalen, T assen, T eller u. s. w T assen u. Leuchter stuck 25 pr. Kaffee- uT eetassen duSn"* 1 8 pr. Gasplätten 4.5G«k. WaschfässepZi3nSr.7. 75b. 10.50 Kuchenbretter �g11® 1 2 bis 55 pr. Rosshaarbesen 1.30bis2.10 Gaskocher 2 Loch 6.50»k.„ zink 9.75b.1 3 Mk. Küchenbretter t8hGrn. 18 bis 95 pr Handfeger�rteT 65pr.bis 1.10 Gaskocher �"wärmer 9.75Mk. Waschzober 2Gr. 9Mk.u.1 1 Mk. Kleiderbügel lackiert 20 pr Teppichbesen 2 Sorten iMk.u. 1.25 Petroleumkocher Waschtische �s-Mossen 1 6 Mk. Plosenstrecker lackiert 50 pr Teppichhandfeger 33bis35 pr ll.ocb3.50u,4.50,2l.o-b6.75u,9.50 Tabletts �As�ol Gpr.b. 40 pr �nzugbügel komplett 70 pr Schrubber 4 Sorten 22 bis 35 pr Reibemaschinen 1.1 5 Mk. Frühstücksdosen Seköriert 1 5 pr Plättbretter Jes00t?ee"e 2. 40bis4Mk. Bürstenbleche komplett I.SÜMk. Messerputzmaschinen 6.25 Fruchtpressen 30 pr Ärmelplättbretter 50 u. 85 pr Fensterleders Sorten 40bis85pr In der Lebensmittel- Abteilung: stück 68 u. 95 Pf. für die nächste Nummer müssen bis 5 Ustr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzuwelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Erpedition. tSäjp Anzeigen �ummer werden in den Annahmestellen für Berlin y bis! Uhr, für die Vororte bis! 2Uhr, A in der Hauptexpedition Linden- j&St Strasse 69 bis S Uhr angenommen. 5 Pfennig Das erste fettgedruckte a Worte mit mehr zählen doppelt. Jedes W Wort: Wort 10 PSg. als 15 Bnchstabei Stellenangebote. Geübte Fliesenlegei.- aus Wand» arbeit, Nlieldung ö— 8 Uhr abends. Schmalisch u, Below, tlochstvahe K7," Schriftmaler, tüchtig, verlangt Krause u. Simossel, Dresdener- strabe 77,_ 743b* Einfeber verlangt Richter, Wollant- strage 57._ tlOö* �Spiegelbeleger. eingeübt ans Tischbelag, verlangen Ganglitz u. Tänzer, Brunnenstrasze 53, flOö Schabloiieiiniachrr aus Putzschablonen sucht Kandier, Kiesholz- strasze 16._ 7946 Packer für Geldschränke rc,, nur tüchtiger, nüchterner Mann, verlangt Panzer Aktiengesellschast, Badstr. 59, Tüchtigen Fournierer aus Gold- leisten sucht Werkmeister, Brunnen- stratze 194,_ 1/7 Monteure sür Gas- und Elektro- Motore, Dampsmaschinen, Trans- Missionen sindeu lohnende Beschästi- gunz Richard Heike, Neue Friedrich- stratze 37,_ 143/20 Verkäufe Verschiedenes Vermietungen Klempiter aus Bau verlangt Fricdrichstratzc 250, 78lb Tüchtige Emaillcusen aus Silber verlangt Hübncr, Markusstratzc 5. �Karbigmachcrin, eingeübt aus Spiegel- und Rahmcnleisten verlangen Ganglitz u, Tänzer, Brunncnslratzc 53. Tüchtige Bclcgerin verlangt Bar- thels Goldleistensabrik, Michaelkirch- stratze 17,__ 7836 Mamsells, bessere Abendmäntel, verlangt Witt, Brunnensir. 125.-stU* S ch ürzen> Zlrbcilcrinnen verlangt Hermann Prinz, Kommandanten- stratze 5t. 595b Im Zlrbeitömarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Anzeige» koste» 40 Pf. pro Zelle. �rdeitsmnrkt