Pr. 206. Monnemenk-keSIngungeN: NloimementS- Preis prönmnerand»? Bierteijährl. 3�0 Mk., mono«. UO Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS, Einzelne Nnnuner ö Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Reu- Welt' 10 Pfg. Poft» «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungar» 2 Morl, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. 81. Jahrg. trWtiBt aal)* aaStr Bonus«. Vevlinev VolKsblÄkk. Die Tnlerfions-Sebaijr dekägt für die scchsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewcrlschaftliche BercinS- und Bcrsammlungs-Anzeigcn 2S Pfg. �Alein«?nreig«n", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weiter« Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zlihlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer nillssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis«Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozlaldcmolint Rellin". Zcntralorgan der fozialdcmokrati leben parte« Deutfchlanda. Redaktion: 8W. 68» Lindcnatraaee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8Z. Freitag, den Ä. September 1904. Expedition: 8 LI. 68» Lindenstraeee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr.«»84. Lösegelder für Ballin! Von Zeit zu Zeit liest man, daß in wilden Ländern Räuber Reisende gefangen nehmen und nur gegen ein hohes Lösegeld wieder freilassen. Solche Geschichten erinnern angenehm an die Lektüre unsrer Jugend. Wer auch in den wildesten Ländern fangen die Räuber immer nur Millionäre ab. Kein Räuber ist so verrückt, daß er die Armen allfgreift und von ihnen ihre letzten Heller erpreßt. Was in wilden Ländern die Räuber nicht thim, ist in dem heutigen Preußen- Deutschland organisiertes System, das zwar nicht auf Gesetz beruht, dennoch aber mit staarlichen Privilegien geübt wird. Es ist ein System, das zmn Ziel hat, privaten Erwerbsschaften unter Ausbeutung der schUmmsten Notlage armseligen Flüchtlingen die letzten Erspanüsse abzunehmen. Auf Grund unserer Artikel über die Ballinwirtschast gegenüber den russischen Auswanderern gingen uns von allen Seiten Mit- teilungen zu, die so ruchlos abenteuerlich klangen, daß wir an Mystifikationen oder doch an Phantasien gehetzter Angst glaubten. Aber die Mitteilungen glichen sich verdächtig und sie traten mit solcher Bestimmtheit auf, daß wir nicht mehr ihrer Nachprüfung au§ dein Wege gehen konnten. Wir beschlossen, mit eignen Augen zu sehen, mit eignen Ohren zu hören. WaS wir sahen und hörten, hat die ausschweifendsten Ber- mutungen übertroffen: Der preußische Staat gicbt sich dazu her. arme Russcu. die Deutschland passieren wollen, um ins Ausland zu reisen, gleichsam gefangen nehmen zu lassen und sie bei Androhung der Auslieferung an Rußland sa lange festzuhalten, bis sie an zwei deutsche ErwerbSgcscllschasten in Gestalt von ZwischendcckSplätzen nach Amerika, auch wenn sie gar nicht nach Amerika wollen, bis sie au die Ballinsche Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Gesellschaft und an den Wigandschen Norddeutschen Lloyd ihr Lösegeld entrichtet haben! Wir erheben vor der Oeffeutlichkeit der civilisiertcn Welt An- klage gegen diese Politik der Erpressung, die die schlimmste Notlage ärmster gcängstigter Flüchtlinge schamlos ausbeutet! ES ist nicht etwa nur an der deutsch-russischen Grenze, daß die russischen Auswanderer in die Ballinschen„Vogelkojen- gelockt werden. In. Berlin selbst spielt sich täglich auf dem Lehrter Bahnhof beim Abgang Hamburger Personenzüge daS gleiche Schau- spiel ab. Nicht nur auf der Grenze werden Russen aufgehalten, sondern Personen, die bereits in Berlin ihren Aufenthalt hatten, werden festgehalten, sosern sie dem spähenden Auge der Ballin-Häscher als„russische Auswanderer" verdächtig erscheinen. Zu diesem Zwecke ist der Lehrter Bahnhof in eine Art Menschen- falle verwandelt. Alle Beamten, Portiers, Schutzleute vigilieren auf Russen. Glauben sie einen ertappt zu haben, so teilen fie ihre Wahrnehmung einem der den ganzen Tag kontrollierenden Reederei-Agenten mit. Der tritt an die verdächtige Person heran. aus der Unterhaltung ermittelt er schnell, daß der Anschein nicht getrogen. Von diesem Augenblick an ist der Arme, sofern er nicht auf die Reise verzichtet, der Gefangene BallinS. ES giebt keine Möglichkeit für ihn. abzureisen. Ob er nach Hamburg oder London oder sonst wohin will, er wird fest- gehalten, darf nicht abreisen, wird in die Ruhlebensche Ballin-Station verschleppt und dort zur Entnahme einer Fahrkarte nach Amerika gepresst. Jeder DnrchbruchSversuch durch die Gänge der Billetkontrolleure ist vergeben», welche rechtmäßig erworbene Fahrkarte der Russe immer haben mag. Der Balliuhäscher tritt an den Billetkontrolleur heran und gebietet Halt. Und der Eisenbahnbeamte führt den Befehl auS. Kein Widerspruch nützt, und fragt man nach dem RechtSgrund feines Verhaltens, so hört man die Antwort: DaS ist von oben herab be- fohlen! Daß eS unter diesen Umständen zu skandalösen Auftritten kommen muß, ist begreiflich. Wir hören bereits den Einwurf der Reederpresse: Aber die gesundheitliche Konttolle ist doch notwendig und nützlich I Wir sind in der Lage, diesen nichtsnutzigen SanitätSschwindel in seiner ganzen Verlogenheit aufzeigen zu können. Und zwar ver- danken wir unsre Information der denkbar besten Onelle, nämlich einer der beteiligten Reedergesellschaften selbst. Die Sachlage ist die folgende: Aus Grund einer Verordnung despreußischenPolizei. Ministers sind die Agenten der beiden deutschen Reedereien bevollmächtigt, in der angegebenen Art abreisende Russen aufzu- greifen und nach der von den Reedereien eingerichteten Kontroll- station Ruhlebcn zu bringen. Diese, doch vermutlich mit Provision angestellten, Beamten einer Privatfirma haben also daS Recht er» halten, das reisende Publikum nach ihrem Belieben zu belästigen. Ja sie haben sogar eine Art polizeiliche Befugnis erhalten, die Exekutivbeamten für ihre Zwecke in Anspruch zu nehmen. Bahn» beamte und Polizisten sind zu ausführenden Organen von Privat- agenten degradiert I„ In Ruhleben wird nun allerdings auch die„Gesundheit" ge» prüft Aber das ist nur Posse. Hier werden die Reisenden ge- zwungen Karten nach Amerika zu kaufen, auch wenn sie nach Ham- bürg oder London wollen. Fremde Gesellschaften werden in Ruh. leben nicht„honoriert". DaS heißt: Mit den dreifach billigeren englischen Linien werden die Gefangenen nicht herausgelassen, sie müssen B a l l i n Lösegeld entrichten. Und auch das ist noch nicht der Gipfel dcS Niederträchtigen. Wenn nämlich die Russen einen ordnungsmäßigen Paß haben, das heißt, wenn sie ohne Gefahr nach Rußland zurückkehren können, also den Ballin-Sgenten nicht auf Gnade und Ungnade aus- geliefert sind, dann können fie schließlich auch Schisfskarten nach Lsodon lösen. Sind sie abtt ohne gehörige» Paß, würde also die Rücklehr nach Rußland für sie schwere Strafe bedeuten, so müssen sie— gleichgültig, wohin sie eigentlich wollen— Karten nach Amerika, deutsche Karten natürlich, lösen. Wollen sie das nicht, oder haben sie nicht das nötige Geld, so werden sie nach Rußland ausgeliefert. Daß die Wirkung eines solchen Verfahrens— bei den vielen russischen Deserteuren— gegenwärtig auch eine Ver- letzung der Neutralität ist, bedarf keiner weiteren Darlegung! Wir haben es also so weit gebracht, daß man im Interesse privater Erwerbsgesellschaften Ausländern einen Tribut abzwingt, indem man die furchtbarste Zwangslage armer russischer Flüchtlinge ausbeutet. Wir würden es nicht glauben, wenn wir es nicht selbst erlebt hätten, wenn uns nicht andre' Fälle aus der Praxis mitgeteilt worden wären, und wenn nicht der Vertreter einer der beteiligten Reedereien ganz naiv diese erschreckende Auskunft, als wäre es etwas Selbstverständliches, gegeben hätte, eine Auskunst, die ja alle die unglaublichen Erfahrungen völlig erklärte. Und alles dies Unerhörte soll auf einer ministeriellen Anordnung beruhen? Wir fragen heute: Ist eine ministerielle Anweisung in einem Kulturstaate denkbar, die derlei Thaten„legitimiert". Oder handelt es sich nur um eine private Freibeuterei einer großkapitalistischen Gesellschaft? Die Regierung wird antworten müssen! Furchtbare Enthüllungen aus Südwest- afrika veröffentlicht die neueste Numnier der„Kolonialen Zeit- s ch r i f t". Wir wollen uns für heute damit begnügen, die entsetz- lichen Thatsachen, die Herr H e r f u r t h mitteilt resp. wieder ausgräbt, ihre eigne erschütternde Sprache reden zu lassen. Zum Fall Groeneveld resp. zu der„Verurteilung" des K 0 s s a k bemerkt Herr Herfurth, daß von dieser Verurteilung zu einer Geldstrafe( I) in Keetmanshoop nichts belannt geworden sei, wohl aber habe man erfahren, daß Kossak in seiner bisherigen Charge nach wie vor Dienst ge leistet habe. Was das ärztliche Gutachten, daS das Gericht in Windhuk zu dem so erstaunlich milden Urteil veranlaßt habe, anlange, so komme es durchaus darauf an, wie lange Zeit nach dem Tode des Schwarzen die ärztliche Autopsie stattgefunden habe. Kossak selbst behauptete ja bekanntlich, daß eine ärztliche Fest- stellung der Todesursache durch Sektton überhaupt nicht stattgefunden habe. Danach hatte also das medizinische Gutachten nur in einer Aeußerung dazu bestehen können, ob die Behandlung des Schwarzen geeignet gewesen sei, den Tod herbeizuführen. Ein solches Gutachten hatte aber natürlich nur minimalen Wert gehabt. Soviel für heute über den Fall Groeneveld-Kossak. Die weitere» Anklagen, die heute Herr Herfurth erhebt— wie er erllärt, um den jenigen Blättern, die bereits nach dem Staatsanwalt gegen ihn ge- schrien hätten, möglichst viel Material zu liefern— übertreffen an Furchtbarkeit bei weitem die Barbarrien des Kossak und die damit zusammenhängenden Beschuldigungen gegcu die siidwestafrikanischen Justiz- uud Militärbehörden. Ueber die Zustände in dem von einem Herrn v. Stempel verwalteten Gefängnis in Bethanien schrieb im Juli 1903 Herr F. Gehlert an Herrn Herfurth: „Der letzte Jahresbericht führt für den Bezirk Keettnanshoop 63 Gefängnisstrafen gegen Eingeborene und nur eine Todesstrafe an. Das klingt ja ganz günstig. Wir wollen aber sehen, wie etwa die Steinchen liegen, wenn man sie nicht durch das bureau ttatische Kaleidoskop betrachtet. In Bethanien liegt eins der drei größeren Gefängnisse des Bezirks, und ich will annehmen, daß dort der dritte Teil der Gefangene» gehalten wird, also 21. Er« kundigt man sich bei der Behörde nach der Zahl der Todesfälle im Gefängnis, so wird das als u n f r e u n d- liche Handlung betrachtet. Der Jahresbericht gicbt natürlich erst recht keine AiiSkunst. Seit etwa drei Jahren wird für die verstorbenen Gefangenen ein besonderer Friedhos benutzt. Die Steinttänze um die Grabhügel reden in einer Sprache im Lapidarstil,»nd beweisen eine Mißwirtschaft, für die ein eindringlicheres mens tslcsl kaum gegeben iverden kann. Bei meiner letzten Anwesenheit in Bethanien zählte ich 33 Gräber. Man sagte mir aber, daß in mehreren zwei Tote liegen. Die Gefangenen, die draußen im Felde umkamen, l i e ß m a n d 0 r t. ES ergeben sich also mindestens 36 Todesfälle, für ein Jahr 12; 60 Proz. aller Gefangenen kamen nicht lebend anS diesem Loche deS Grauens heraus. Wie viele vom Rest bald nach der Entlassung starben, wie viele dauemden Schaden davon getragen haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Da» Gouvernement hat nicht die Entschuldigung, daß ihm diese Verhältnisse fremd seien; es ist wiederholt von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam ge- macht worden. AI» ich im Jahre 1899 in einem Gesuch an da« Gouvernement die grauenvolle Sterblichkeit im Bethanischen Gefängnis erwähnte, wurde ich dringeud ersucht, solche Bemerkungen in Eingaben zu unterlassen mit der seltsamen Begründung, daß in W i n d h u k in einem halben Jahre von 60 Köpfen nur ein Gefangener gestorben sei. Ebenso fruchtlos find mündliche Borftcllnngen. Es kann mir deshalb nicht der Borwurf gemacht werden, daß ich unnütz diese häßliche Sache an die große Glocke bringe. Wenn jahrelange Benachrichtigung der vorgesetzten Behörde vergebens ist, so bleibt die Oeffeiitlichkett eben die Instanz, die zu entscheiden hat, ob dieser Frevel eine dauernde Institution werden soll. Wenn in Deutsch- l a n d in einem Gefängnis eine derartige Sterblichkeit vorkäme, so würde der Gefängnisdirektor wegen fahr- lässiger Tötuug unter erschwerende» Umstände» oor Ge- richt gezogen werden. Anders hier! Das Gouvernement hielt unfern letzten Distriltschef trotz der Unsicherheit im Lande, besonders der Räubereien auf Ausis, trotz der furcht» baren Sterblichleit im Gefängnis für einen so v 0 rz ü gl i ch en Beamten, daß er zum Adjutanten des Gouverneurs ernannt wurde. Nun komme ich zur Hauptsache: Diese Auszeichnung für die genannten allerdings gar wunder- sameu Leistungen ist eine völlige Bankrotterklärung deS hier herrschenden Militärsystems. Das angeführte Beispiel, daß in Windhul einmal in einem halben Jahre von 50 Sttäflingen nur einer starb, schließt den Mund den koloniale» Phrasenhelden, die cynisch behaupten wollten, daß eine hohe Sterblichkeit im Ge- fängnis unvermeidlich sei, der Hottentott könne die Arbeit nicht vertragen, oder was dergleichen Unsinn als Entschuldigung mehr vorgebracht werden könnte. Ich habe nun acht Jahre hindurch auf meiner Farm meine Emgebonieu stramm arbeiten lasse», manches zu Wege gebracht,«nd die Anstrengung hat keinem geschadet. Der Hottentott ist überaus zäh; bevor er stirbt, muß schlimmes voraus- gegangrn sein. Ich will hier die umlaufenden Gerüchte über die Todesarten nicht erwähne». Auch der Chinese sucht sein Gesicht zu wahren. Da wird es verzeihlich sein, wenn ein Deutscher den Schmutz, der hier seines Volkes Namen befleckt, nicht von Grund auf aufwühlen ni a g. Manche unsrer biederen Soldaten, die auf der Station dienen, iverden naturgemäß von diesem Treiben aufs höchste angewidert. Sie werden aber in der Furcht.erhalten, daß, wenn sie Anzeige erstatten, fie chikanirrt werden, wenn sie einem Privatmann Mitteilung machen, sie wegen Verrats von Dienst- gehcimiiissen schwer bestraft werden. Solch ein Gefängnis verliert ganz seinen Zweck, denn welcher Farmer könnte es, von Ausnahmefällen abgesehen, über sein Ge- wissen bringen, in solch eine Anstalt Diebe einzuliefern? Man ist hier wieder auf Bestrafung auf eigne Faust angewiesen."... Aus der Zuschrift eines Ansiedlers aus Keetmanshoop, für dessen Glaubwürdigkeit sich vier andre Ansiedler durch Namens- Unterschrift verbürgten, veröffentlicht femer Herr Herfurth folgenden Passus, den er seiner Zeit unterdrückt hatte: „Während dieser Debatte erschien auf einmal ein Zug von zehnEingeborenen-Gefangenen unter Leitung dreier C i n a e b o r e n e n- P o l i z i st e n jes war ca. 10 Uhr nachts und kein Mondschein), welche nahe bei nnS vorbeimarschierten. Sie gingen vom Gefängnis in oer Richtung auf die Wohnung des Bezirksamtsniannes Dr. Merensky(und kaiserlichen Richters) zu. Da alle Picken und Spaten trugen, waren wir höchst begierig zu erfahren, was schon wieder los sei. Daß die Sterblichkeit unter den Eingebvrencu-Gefangeneu so groß geworden sein sollte, daß die Leichen nachts eingescharrt werden müßten, konnten wir nicht glauben. Es hatte allerdings wohl schon manchmal keine Seuche, aber viele Toten unter den farbigen Gefangenen gegeben. Bisher hatte aber immer noch der Tag aus- gereicht, um die Leichen der Mutter Erde anzuverttauen. Mancher von uns kann sich sehr gut entsinnen , welches eine längere Frei- h-ltsstrafe verbüßen muß, weil es von einer fremden Ziege etwas M r l ch e n t w e n d e t haben soll." Wir halten diese Dinge für unmöglich. Der Einsender schreibt zwar selbst:„Viele der geehrten Leser werden vielleicht sagen, daßso etwas unmöglich ist, da es sich hier doch um eine deutsche Kolonie handelt und dasselbe Gesetz hier gültig ist wie in Deutschland." Trotz dieser Versicherung müssen wir die Richtigkeit der Behauptung bezweifeln, es sei denn, daß dort Zustände herrschten, die allem Recht und der Gesetzlichkeit Hohn sprächen. Der Einsender schließt allerdings dieses Kapitel auch mit einem Sinnspruch auf die Beamten, den lvir, um bei Staatsanwälten kein AergermS und keinen Drang nach Strafanträgen zu erregen, nicht wieder- geben wollen. Zum Schluß wendet sich unser Gewährsmann gegen die in- humane Behandlung der Schwarzen. Das Schreiben klingt wie folgt ans:„Es wäre dringend zu wünschen, daß diesen Deutsch- land herabwürdigende» Zuständen ein dauerndes Ende bereitet würde und wahre Kultur und Humanität ihren Einzug in Deutsch- .Südwestafrika hielten." Diese Darstellungen enthüllen so schauerliche Zustände, daß jede Kritik hinter den Anklagen der Thatsnchcn, die hier gemeldet werden — und von der Regierung im lctztaugcführtc» Falle nicht widerlegt wurden!— weit zurückbleiben mußte I So haarsträubende Greuel hätte selbst der argwöhnischeste Socialdemokrat niemals für möglich gehalten! Dagegen verblassen selbst die Schensäligkeitcn des Kongo- staates I Ilnd gegen die Eingeborenen, die eine solche Wirtschaft sich nicht länger gefallen lassen wollten, wird der VertilgirngSfeldzug unentwegt fortgesetzt I Wen das Blei verschont, der ums- am Strick baumeln! So verbreitet Deutschland Kultur und Christentum!— politilebe(leberficbt. Berlin, den 1. September. Russische Polizeispitzel ans dem Amsterdamer Kongreß. Wie unsre preußische, so hat es auch die Amsterdamer Polizei Nicht verschmäht, dem russischen Despotismus Schergcndicnste zu leisten, wenn auch nur, wie es scheint, gelegentlich und Versuchs- weise. Hierüber teilte unser Bruderorgan„Het Volk" vor einigen Tagen folgenden Vorfall mit, der sich während des Internationalen Socialistenkongresses abspielte. Im Konzertgebouw, wo der Kongreß tagte, war ein Photograph, ein Parteigenosse, damit beschäftigt, einige Aufnahmen zu machen, und zwar mit Vorwissen der Kongreß- kommission. An ihn wandte sich der Chef der Amsterdamer Detektiv- Polizei B a t e l t mit dem Ersuchen, die russischen Dele- gierten für ihn zu photographieren; iv a s e s koste, wolle er bezahlen. Selbstverständlich lehnte unser Ge- nosse es rundweg ab, der Polizei diesen Dienst zu erweisen; und damit war die Sache erledigt.— Die Mitteilung über diesen Borfall hat großes und teilweise peinliches Aufsehen erregt, denn es giebt auch in der holländischen B ourgeoisie noch Leute, die etwas auf nationale Ehre halten und es nicht gerne sehen, daß die Polizei, die von holländischem Geld bezahlt wird, zur Aufrecht- erhaltung der russischen Schandwirtschaft mißbraucht wird. Die klerikalen Zeitungen haben freilich kein christliches Mitgefühl mit den zum Opfer ausersehenen Russen und nieinen, daß sie„Ivohl was auf dem Kerbholz haben müßten". Anders urteilten jedoch die großen liberalen Blätter. Das„Amsterdamsche Handelsblad" hat sich nun durch seinen Haagcr Korrespondenten Informationen der- schafft, durch die die oben erwähnte Thatsache verschwiegen und ab- geleugnet, und folgendes berichtet wird: „In dem Konzertgebouw wurden während der Dauer des Kongresses Photographien von der Versammlung verkauft, und die Polizei wünschte sich auch eine zu verschaffen. Der Inspektor der Polizei, nicht der Herr Batelt, der solche Photographie kaufte, bemerkte, daß darauf die russischen Delegierten fehlten. Er fragte den Photographcn, ob keine kompletten Aufnahmen zu haben seien mit den Porträts der Russen, erhielt aber die Antwort, daß die Russen darum ersucht hatten, nicht photographiert zu werden, und daß, wenn sie zufällig auf einer Aufnahme zu sehen seien, ihre Gesichter unkenntlich gemacht werden sollten; worauf der Inspektor, sich gleich bei der Thatsache beruhigend, sagte:„O, das wußte ich nicht; dann will ich nicht gefragt haben."— Von irgend einem Handeln im Dienste irgend einer ausländischen Polizei ist weder direkt noch indirekt die Rede gewesen____ Was die Polizei zu Amsterdam gethan hat, ist glücklicherweise ganz frei geblieben von ausländischer Ansteckung. Daß sie nicht doch etwas zu weit gegangen ist, wollen wir nicht be- haupten." Demgegenüber schreibt der Photograph, unser Parteigenosse, an „Het Volk": «In der That hat der Haager Korrespondent des„Handelsblad" ein Stück der Geschichte gut berichtet. Der Fehler ist, daß er das Zwischenspiel für das Ganze ansieht und darauf seine Schlüsse baut. Die ursprüngliche Dar- stellung in„Het Volk" i st aber gerade in der Haupt- fache zutreffend.— Des Morgens kam, nicht»ach dem Konzert- gebouw, sondern nach dem Atelier, ein Inspektor, der im Namen des Herrn Batelt eine Photographie zu kaufen wünschte, mit den Russen darauf. Von meinem Bruder wurde ihm gesagt, daß wir damit nicht dienen könnten. Im Laufe des Tages ivurde dann am Konzertgebouw bei der von uns mit dein Verkauf betrauten Person der Versuch gemacht, wie ihn der Korrespondent des„Handelsblad" mitgeteilt hat. Des Abends aber kam von neuem ein Inspektor in das Atelier, wieder im Namen des Herrn Vatelt, mit demselben Ansuchen. Als ich antwortete, daß die Russen un- kenntlich gemacht seien, fragte der Inspektor, ob denn eine neue Aufnah n, e möglich wäre, hinzufügend, daß die Kosten berechnet werd'en könnten. Darauf erklärte ich, selbst Socialdemo- trat zu sein und nicht die Ursache sein zu wollen, daß meinen russischen Parteigenossen Unannehmlichkeiten bereitet würden. Der Jnspekror erklärte darauf, nicht weiter darauf dringen zu wollen und vcrab- schiedete sich sofort höflich."»» Die Redaktion vo»„Het Volk" be- merkt hierzu noch, daß die russischen Parteigenossen getreu von Fremden begleitet worden sind und daß der Inspektor der Recherche rechts vor der Galerie so dicht wie möglich bei den Russen den öffentlichen Sitzungen beiwohnte. Dasselbe Spiel machte am Freitag der Vcrhandlnngswoche der Hauptkommissar der Polizei mit._ Herr v. Kocrbcr ans Neffen. In Lemberg fand am Mittlvochabend zu Ehren des Ministerpräsidenten v. K o e r b e r bei dem Landniarschall Baden! ein Festmahl statt, bei welchem der Ministerpräsident auf einen Trinkspruch des Landmarschalls mit einer längeren Rede er- widerte. Er erklärte darin, er bedanre sehr, daß er der Sprache des Landes nicht mächtig sei; während seiner Reise sei er immer mehr zu der Erkenntnis gekommen, daß gerade die Beamten bei aller Wahrung der Nationalität mehrere landesübliche Sprechen verstehen sollten. Niemand brauche seinem Volke untren zu werden, wenn er eine zweite und dritte Sprache erlerne. Für den Frieden deS Reiches wäre jedoch von der glücklichsten Vorbedeutung, wenn der Staat über eine große Schar von Beamten verfügen könnte, die in der Lage seien, mit den Angehörigen andrer Volksstämme durch das lebendige Wort zu verkehren. Wenn gegen die Regierung jüngst schwere Vorwürfe erhoben worden seien, weil sie österreichisch- ungarischen Studenten der Agramer Universität nach vorheriger Prüfung den Eintritt in den österreichischen Staatsdienst ermöglicht habe, so sei die Regierung durch den Beamtenmangel in Dalmaticn dazu gezwungen worden. Die Sprachenfrage sei zu einer großen Frage des Reiches geworden und nichts sei� beklagenswerter, als daß sie noch übertrieben werde. Lassen Sie mich einmal, erklärte der Ministerpräsident, ganz frei über diese Angelegenheit sprechen. Auch das Herz eines Ministerpräsidenten kann voll und übervoll werden. Die gegenwärtige Regierung ist sich bewußt, keiner der in Oesterreich lebenden Nationalitäten irgendwie zu nahe getreten zu sein. Weil man uns im Ernste keine positiven Sünden vorhalten kann, beschuldigt man uns um so heftiger der negativen angeblichen Unterlassungen. Wie sollen wir rechtfertigen, was wir nicht gethan? Wenn man uns aber fragt, warum wir dies und das nicht thun, so antworte ich nut der Wiederholung unsres Pro- gramms, dem wir unerschütterlich treu bleiben werden: Wir »vollen jederzeit unser ganzes bescheidenes Können fiir das Werk der Verständigung einsetzen, wenn sich die streitenden Nationalitäten wirklich verständigen wollen. Wir werden aber unter keinen Um- ständen einseitige nationale Konzessionen machen. Fiir dieses Programm haben wir uns niemand als uns selbst verpflichtet und lvir werden unser Wort halten. Fiir die Völker Oesterreichs wäre eS eine Erlösung, wenn sich die Schar der entschlossenen Patrioten erhöbe mit dem festen Willen, den so verhängnisvollen Ueber- treibungen ein Ende zu machen. Das Reich hat jedem Volke ver- bürgt, daß es gehört wird. Da soll der mächtige nationale Gedanke, der in seiner Kraft ein Bollwerk der Eintracht werden könnte, in Paroxismus umgeschmiedet lverden, der das Reich zerstört? Das Ende ist leicht abzusehen. Uebermaß muß zu dein Zustande zurückführen, welcher der nationalen politischen Freiheit nicht günstig ist. Ich schreibe unter das düstere Bild der Gegenwart wieder die Regierungsdevise: Leidenschaftslose Beharr- lichkeit. Man wird uns zu keinem Unrecht und zu keinem Gewaltakt bereden. Macht uns das Parlament zu Kuratoren des Reiches, so wissen wir, daß wir allein für dessen Wohl zu sorgen haben, bis die Parteien sich wieder finden, bis sie dnS Labyrinth der nationalen Feindseligkeit verlassen. Oesterreich kann allerdings bis dahin nicht warten. Dem Zwang, der sich daraus ergiebt, werden wir ivic bisher auch bei dem ganzen weiteren Vorgehen niit gutem Gewissen folgen. Der Ministerpräsident schloß unter Würdigung der Verdienste des Landmarschalls seine Rede mit einem Hoch auf Galizien und dessen Landniarschall.— «• \# veutlckes Reich. Biedere WnhlrcchtSfrcuude. Es ist heiter, wie sich Konservative und Nationalliberale gegenseitig bezichtigen, einen WahlrcchtSraub am lebhaftesten zu propagieren. Das nationalliberale„Leipziger Tageblatt" hatte kürz- lich eine Aenderung des Reichstags-Wahlrcchts als absolute Notwendigkeit bezeichnet, falls neue ReichstagSwahlcn ein abermaliges Wachstum der Socialdcmokratie bewiesen. Diese Offen- Herzigkeit ging der gleichfalls nationalliberalen„Dresdener Zeitung" wieder den Strich, sie polemisierte daher gegen das Leipziger Brudcrorgan: „Wenn daS„Leipziger Tageblatt" eine Politik treibe, die von der offiziösen nationalliberalen Korrespondenz und von der größten bundesstaatlichen Fraktion desavouiert sei, wenn es k o n s e r- vative Politik treibe, dann allerdings brauche es nicht mehr fiir das Kartell einzutreten, denn dann sei ja der NationallibcraliS- mus, den das„Leipziger Tageblatt" vertrete, offenbar zu Grunde und im Konservatismus aufgegangen." Die„Konservative Korrespondenz" ihrerseits lehnt nun die Ehre, an der Spitze der Möchtegcrn-Wahlreckitsräuber zu marschieren, be- scheiden ab. Sie glaubt den Nationalliberalen den Vorrang über- lassen zil müssen: „Die„Dresdener Zeitung" scheint über Parteipolitik recht mangelhaft unterrichtet zu sein, sonst müßte sie wissen, daß die konservative P a r t e i es rundweg ablehnt, in Sachen der Aenderung des Reichstags- Wahlrechts die Initiative zu ergreifen. Aber das Dresdener national- liberale Organ müßte auch darüber informiert sein, daß gerade auf einer Anzahl nationalliberaler Ab- geordneten das Odium lastet, eine Aktion behufs der erivähnten Wahlrcchtsändcrung unternommen b e z w. unterstützt zu haben." Die„Koiffervative Korrespondenz" weist also den Wahlrechts- raub nicht etlva von der Hand, sondern sie erklärt nur, daß sie die Initiative dazu den Nationalliberalcn überlassen möchte, die ja denn auch bereits die einleitenden Schritte zu der Aktion unter- nominell häften!— Llnidarbcitcrkos. Bei dem Besitzer Schlicht in Pregelswalde bei Tapiau(Oftpreußen) diente ein 17 jähriger Arbeiter schon mehrere Jahre. In diesem Sommer lvurde er von dem Besitzer auf barbarische Weise gcmißhandelt. Zu dieser Mißhandlmig muß noch eine andre Krankheit hinzugekommen sein, denn der Arbeiter mußte, da er ichwer krank wurde, nach dem Krankenhause gebracht werden. Hier lag er acht Wochen; da der Besitzer den Arbeiter aber ziir Erntezeit notwendig brauchte, holte er ihn ans dem Krankenhause und trieb ihn zur Arbeit an. Die A e r z t e im Tapiaue« Kranken- Hanse erklärten auch, daß der Arbeiter arbeitsfähigzei. Doch es ging mit dem Arbeiten absolut nicht. Nach einigen Tagen schleppte er sich zu seinen Eltern und erklärte hier thränende» Auges, daß er nicht mal gehen, geschweige noch arbeiten könne. Die Eltern sind arme Leute, auch sind noch eine Anzahl Kinder zu Hanse. Sie beschlossen nun, mit dem Sohn nach Tapiau zu fahren, um ihn hier von einem andern Arzt untersuchen zu lassen. Doch niemand lvollte einen Wagen stellen, denn keiner lvollte sich mit dem Besitzer Schlicht ver- 'emden, und dieser selbst stellte natürlich keinen Wagen. Endlich, nachdem die Frau zwei Tage lang nach einem Fuhrlverk herum- gelaufen war. gelang es ihr, eins zu bekommen. In Tapiau aber erklärte der Arzt Korn, daß der Arbeiter arbeitsfähig sei. Nun stlhren die Eltern nach Königsberg und ließen hier den jungen Menschen von einem Arzt untersuchen. Dieser gab folgendes Zeugnis: Der Landarbeiter... erschien heute bei mir mit einer eiternden Wunde an der linken Hüftbeuge. Von der Wunde gelangt man mit einer Sonde in einen über 12 Centi- meter tiefen Fistelgang... Der... leidet an Knochen- 'rast(tuberkulöse Knoche»Vereiterung des Kreuz« b e i n s resp. der Beckenschaufel). Daneben besteht Schlvellnng des linken Fußes. Es ist selbstverständlich, daß der Kranke dadurch zu jeglicher Art von Landarbeilen außer stände das heißt arbeitS- iint» erwerbsunfähig ist._ Und solch ein kranker Mensch wird zur Arbeit getrieben! Natürlich giebt es auch Aerzte, die ihn für gesund ansehen. Der Arbeiter konnte fast gar nicht gehen. Seine Eltern erklärten, daß sie ihn in Tapiau liegen lassen müssen, ganz gleich, ob ihn das Krankenhans aufnimmt oder nicht, denn es dürste ihnen wohl kaum gelsngcn, ein Fuhrwerk aufzutreiben, das ihn nach der Heimat bringt. Unter solchen Verhältnissen lebt und stirbt der Landarbeiter in Ostpreußen.— Wege» angeblicher Prestvcrgchcn in Untersuchungshaft genommen worden. Die Königsberger Justiz, die durch den Russenprozeß iveltberühmt geworden ist, hat sich mit neuen Ehren bedeckt. In Königsberg existiert ein hnmoristisch-satirischeS Lokalblültchen. Der verantwortliche Redakteur Herr Julius Beselin, gegen den gegenwärtig fünf Anklagen wegen angeblicher Preßvergehen vor- liegen, ist gestern in Untersuchungshaft genommen worden. Zwei bis drei neue Anklagen schweben schon wieder gegen ihn. Das Blatt scheint in Königsberg gewissen Leuten wirklich unangenehm zu werden. Er wußte nette Sächelchen aus einem Chambre garnie unter dem Titel„Der Benusbcrg auf dem Paradeplatz" von Leuten zu erzählen, die sonst im„öffentlichen" Leben streng ans Sitte und Moral sehen und besonders die Socialdemokratie zu vernichten suchen. Trotzdem das Blatt keine Namen genannt, fühlte sich kein geringerer als der P o l i z e i p r ä s i d c n t v o n K ö n i g s b c r g selbst' veranlaßt, Strafantrag wegen dieser Artikel zu stellen. Der Mann ist bekannt durch seinen geheimen Erlaß betreffs des Verbots des Streikpostenstchens, auch hat er schon z« wiederholten Malen Strafantrag gegen unser dortiges Parteiorgan gestellt. Man darf eigentlich gespannt sein auf die Gerichtsverhandlungen. Hoffentlich erfährt man dann auch, wer sich eigentlich getroffen f n h l t. Ferner haben noch mehrere Strafanträge der Erste Staats- anwalt Herr Geheiinrat Schütze, der rühmlichst bekannte Ankläger im Nussenprozeß, und der Gcrichtsarzt Professor Dr. Puppe gestellt. Letztere fühlen sich durch einige Notizen beleidigt, in denen Zustände aus dein KöuigSberger Gefängnis aufgedeckt wurden. So lvurde in einer Notiz erzählt, daß man einen Gefangenen, der an Tuberkulose litt, sieben Tage strengen Arrest habe abbüßen lassen. Eine neue Meldung Trothas. General v. Trotha meldet: Compagnie Welk überraschte am 28. August eine Hererobande bei Oka in u r u und erbeutete 400 Stück Vieh. Die Hereros hatten 16 Tote, diesseits keine Verluste. Der Feind hat O t j e k o n g o geräumt und soll nach N o r d o st e n, Osten und S n d o st e n abziehen. Die Haupt« kräfte sind anscheinend im Südosten; Otjomaso, Oko- vindombo, Oparakane noch besetzt gemeldet. Heydebreck mit 5. Compagnie Regiments 2 und zwei Maschinenkanoneil am 27. August von Windhuk über Otji- haenena— Epukiro abmarschiert. Daimling marschierte mit Kolonne Wahlen(1. und 3. Compagnie Regiments 2, 7 und halben 1. Batterie) am 27. August von Owikokorero über Otjiknara— Okajainja— Karidona ans Oparakane, erreichte mit Kolonne Meister (4. und 6. Compagnie Regiments 2, 6. Batterie und mit bisherigem Detachenient Wiiikler, der krankt Otjosondu, geht über Oute— Okatjekonde vor. Reitzenstein(Mühlenfels erkrankt) ist mit 9., 10.» 11. Compagnie Regiments 1 und vorläufig 2. Compagnie Re- gimentS 2, 6. Batterie, Maschineiigewehrabteilung Dürr und Witbois im Vormarsch über Orutjiva aus Otjckongo und Lkahandja. Estorff ist mit 1., 2., 4. und 7. Compagnie Re- gimentS 1., 3. und 4. Batterie Maschinengewehrabteilung Saurina und Bastards von Ombnjo— Ratanga im Vor- inarsch über Okosondilsn— Otjomaso— Okowindombo, hat eine Seilenabreilung(2. Compagnie und Bastards) über Otjosondjou auf Epata entsendet zur Aufklärung und Besetzung letzterer Wasjerstelle. Volkmann meldet, daß Bezirk Otawiminen, Grootfontein und unterer Onmrainbafluß frei vom Feinde ist, und hofft am 30. August Osondema zu erreichen. Fiedler bleibt, die Gegend säubernd und die Lazarette deckend, bei Watcrberg. 7. Compagnie Regiments 2 rückt von Windhuk nach Gobabis und besetzt Oas. Das Haupt- quartier begiebt sich nach Otjosondu. Wie man steht, zerstreuen sich die Hereros immer mehr, wodurch der Verfolgung immer größere Schwierigkeiten erivachsen. Man weiß nicht einmal besliimnt, wo man die Hanptkräfte deS Feindes zu suchen hat! HueUnd. Zaren-Schurken. lieber das neue blutige Drama, das wir neulich aus Jakutsk meldeten, erfahren wir von der Redaktion der„JSkra" noch folgende Einzelheiten, die ein grelles Licht auf das Märtyrmm der russischen Freiheitskämpfer unter dem Regime der Knute werfen. Der traurige Held des ganzen Vorfalls, der begleitende Offizier, der die politische Verbannte Weinermann auf dem Transport vergewaltigen wollte und nur durch den tödlichen Schuß eines herbeieilenden Genossen, des gewesenen Studenten Marcus Minski an der Verübung dieser Schurkerei verhindert wurde, heißt mit Namen S i k o r s k i. Das Individuum erfreute sich in den Offizierskreisen von Jrkutsk des schlechtesten Rufes und war allgemein als Trunkenbold und Wüstling bekannt. Bereits vor Jahren auf Urteil des Offiziersgerichts aus dem Regiment aus- gestoßen, ist er nun, bei der Mobilisierung des sibirischen Heeres, als Reservist wieder zum akliven Dienst herangezogen worden. Die Lffizicrschaft von Jrkutsk hat ihm jedoch wiederum die Aufnahme in ihre Mitte vcrlveigcrt. Diesem berüchtigten Menschen ist nun von der Jrkutsker Be» Hörde die Beaufsichtigung und die Begleitung des Transportes der Sträflinge, der zu einem Teil aus politischen Verbannten, zum andern ans schweren Verbrechern bestand, übertragen worden— eine Mission, die nicht nur eine genaue Kenntnis der für den Trans- Port geltenden Vorschriften, sondern angesichts der gerechtfertigten Erbitterung unter den Gefangenen des Absolutismus, nicht minder eine bestimmte Dosis von Taktgefühl und Gewissenhaftigkeit seitens des leitenden Offiziers voraussetzt. Die Kanzlei des General- gouvcrncurs in Jrkutsk, die den Gefangenentransport besorgt, hat große Routine in derartigen Sachen und kennt ganz genau das Menschcnmaterial, das ihr zur Verfügung steht. Daher deutet schon allein die Ernennung eines Subjektes, wie Sikorski, zum Transportchef unverkennbar auf die verbrecherische Absicht hin. wieder einmal eine jener furchtbaren Katastrophen heraufzubeschwören, bei denen die russische Bcamtcnkamorra von Zeit zu Zeit an den politischen Verbannten ihr Mütchen zu kühlen pflegt. Der Plan ist auch wirklich in Erfüllung gegangen, und wenn dabei nickt noch mehr Menschenopfer zu verzeichnen sind, als der von den Soldaten erschossene Genosse Schatz aus Wilna, so war dies sicherlich am wenigsten das Verdienst der Zarenschergen. Sikorski hat sich als der Aufgabe vollkommen gclvachscn gezeigt. Während der ganzen Dauer der Reise, die wochenlang m Pausoks (gedeckte Flnßkähne), dem Strom der Lena folgend, vor sich geht, war er stets betrunken und verlangte von den Soldaten, sobald man für die Nacht Halt machte, daß sie ihm Frauen vom Transport zu- führten. Außer den«politischen" und den Sträflingen war nämlich auf den Pausoks auch eine größere Anzahl von Duchoboren mit ihren Familien. Das für die Ernährung der Gefangenen bestimmte Geld ließ er ruhig in die eigne Tasche gleiten. Was aber die Haupti 'ache, vom ersten Tage an hatten die poetischen Verbannten un- glaubliche Chikanen, Beleidigungen und schwere Mißhandlungen auf Schritt und Tritt von dem Schurken anszustchen.� Das weitere ist bereits gemeldet worden. Es ist nur noch nachzutragen, daß der blutige Vorgang sich im Dorfe Nochtujsk (Gouvernement Jakutsk) in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni abspielte, und daß die Gefangene» dabei allesamt nur mit knapper Not dem Tode entgangen sind. Als der von Waffen strotzende Sikorski mit einer Nogajka in der Hand in die Franenabteilung des Pausok eindringen wollte, un, die Weinermann fortzuschleppen. und die tödliche Kugel ihn zu Boden streckte, verloren die Transport- sokdaten im ersten Augenblick den Kopf. Es sielen zwei, drei Schüsse ihrerseits, durch die der Gefangene Schatz getötet und SDHnZki am Ohr verwundet wurden. Der Unteroffizier, der sich den Ge- lüften des Sikorski auf der Reife wiederholt widersetzte, war von ihm am Vorabend borsorglich mit irgend einem Auftrage ins Dorf abkommandiert worden und im kritischen Moment auch nicht an- wesend. Die Wache blieb nun sich selbst überlassen und schickte sich aus Furcht vor angeblicher Verantwortung, wie auch um ihren Eifer -den Vorgesetzten zu zeigen, an, alle Insassen des Pausok, sowohl die„politischen" wie die andern, wegen„Meuterei" auf der Stelle niederzuschießen. Es fehlte nicht viel und das Entsetzliche wäre geschehen. Es erschallten bereits Rufe:„Schießen wir sie alle totl Niemand soll mit dein Leben davonkommen!" Die Duchoboren wollten sich in Todesangst ans Ufer retten, wurden aber daran verhindert. Vergeblich suchte Minski die Soldaten zu überreden, indem er ihnen sagte, er allein hätte den Offizier ge- tötet, er allein werde dies auch zu verantworten haben; sie dürfen nicht auf unschuldige, unbeteiligte Menschen, Frauen und Kinder schießen. Der inzwischen herbeigeeilte Unteroffizier wußte in seinem Schreck auch keinen besseren Rat, um sich reinzuwaschen, als ein Blutbad anzurichten. Im letzten Augenblick, als die Wache sich bereits in Schlehordnung am Ufer aufgestellt hatte, blieb jedoch das Kommando'„Feuer!" aus. Wie ein in Nochtujsk lebender Genosse mitteilt, soll es der den Transport begleitende Heilgehilfe gewesen sein, der den Unteroffizier beruhigt und von der Ausführung seiner Absicht abgehalten hat. Fast zwei Tage mußte darauf der Transport in Erwartung der Gerichtsbeamten in Nochtujsk liegen. Schließlich kamen aus Olekminsk der Untersuchungsrichter, der Gerichtsarzt, der Bezirks- Hauptmann und ein neuer Transportoffizier aus Kirensk. Am Abend des zweiten Tages befanden sich die Verbannten bereits , wieder auf der Reise, den Wüsteneien von JakutZI langsam zu- -strebend,... Die„gerichtliche" Untersuchung des Vorfalls ist nunmehr im Gange. Was wird sie für die beteiligten Personen zeitigen?! Wer iann das in Rußland voraussagen! Und vielleicht vergehen sogar wieder Wochen und Monate, bevor die Kunde vom letzten Abschluß dies's neuen sibirischen Dramas zu uns dringt. Schweiz. Ein Protest gegen die Militäranfgebote bei Streiks. Aus Bern wird berichtet, daß das Bundeskomitee des Schweizerischen Gcwerk- schaftöbundes auf die Eingabe deS Vorstandes der Arbeiterunion Zürich hin beschlossen habe, mit dem Parteikomitee der Schweizerischen socialdemokratischen Partei in Biel sofort über ein gemeinsam zu erlassendes Protest-Massenflug- blatt zu verhandeln und gleichzeitig eine Kundgebung durch Massen- Protestversammlungen an ein und demselben Tage in der zweiten Hälfte September einzuleiten.— Frankreich. Die socialislischcn Differenzen in Frankreich. Der bedauerliche Mangel eines Tageblatt verhindert Jules Guesde, Zug um Zug auf die Darlegungen von Jaures zu ant- Worten. Bisher hat er noch gar keine Gelegenheit genommen, sich kritisch über die Resultate des Parteitags der revolutionären socialistischcn Partei in Lille und des Amsterdamer internationalen Kongresses zu äußern; die neueste Doppelnummcr des guesdistischcn Organs(„Der Socialist") ist lediglich mit dem Bericht über die beiden Kongresse gefüllt. Wir werden deshalb zunächst noch acht Tage auf das warten müssen, was GucSde auf Jaures zu ant- Worten hat. Inzwischen hat dieser, wie wir zur Information der deutschen Genossen noch anführen müssen, in einem zweiten Artikel seine An- griffe auf die Guesdisten ergänzt und besonders dem Genossen B a i l l a n t die Frage vorgelegt, warum er widerspruchslos die Aeußerungen Guesdes in Amsterdam habe durchgehen lassen. Wenn Guesde sage, daß seine Partei keinen Wert auf die Erhaltung der .Republik und die Trennung von Staat und Kirche lege, so sei das nicht überraschend, habe er doch schon 1900 am Vorabend des Pariser internationalen Kongresses geschrieben:„Uns macht es wenig aus, ob wir einen Wilhelm II. oder einen Loubet haben." Auch Lafarguc, ein unbedingter Anhänger guesdistischer Anschauungen, habe in seiner ersten Parlamentsrede als Abgeordneter von Lille gesagt, er fühle sich dem Grafen de Mun— einem klerikal-konservativen Reformer im Sinne des patriarchalischen Systems— näherstehend als der republikanischen Majorität. Wenn demnach die Worte Guesdes in Amsterdam nicht den Reiz der Neuheit hätten, so seien sie darum nicht minder bedeutungsvoll: vor dem Socialismus der ganzen Welt habe Guesde die ganze republikanische und antiklerikale Tradition des französischen Proletariats verleugnet. Dazu hätte Vaillant nicht schweigen dürfen. Denn Vaillant und seine Freunde hätten sich jahrelang gerade gegen Guesde auf die Politik Blanquis berufen, der den Socialismus in enge Beziehungen zur großen französischen Revolution setzte und immer ausgesprochener Rc- publikaner war; ebenso hätten sie im Sinne Blanquis für Volks- aufklärung gewirkt und in der Unwissenheit das entscheidende Hindernis für eine Revolution erblickt: erst müsse man, so hätten sie immer erklärt, das Volk aufklären, erziehen, durch die vcrwclt- lichte Schule an Nachdenken, an Geistesfreiheit und Selbstzucht ge- wohnen. Noch vor wenigen Jahren habe Vaillant in der„Pctite Rcpublique" einen zornigen Artikel gegen Guesde geschrieben und darin alle heftig getadelt, die den Kampf gegen den Klerikalismus bis zum Tage nach der Revolution aufschieben wollen. Endlich hätten Vaillant und seine Freunde alle diejenigen mit ihrem ätzenden Spott verfolgt, die sich in der ewigen Wiederholung der Redens- arten von der vollständigen Befreiung gefielen und die Schwierigkeiten des Kampfes übersahen; Vaillant habe ernsthaft an einem Bund aller Demokraten, an einer Liga der Revision, gearbeitet, in dem auch nichtsocialistische Elemente ihre Stätte finden sollten. In Amsterdam aber habe derselbe Vaillant diese seine lang- jährige Politik durch GucSde widerspruchslos desavouieren lassen! Warum diese Kapitulation? Er könne doch nicht ernsthaft behaupten wollen, die jauresistische Politik bilde für die Arbeiterklasse eine so große Gefahr, daß ihm nur der bedingungslose Anschluß an Guesde übrig geblieben sei. Im Grunde genommen sei er ja— Jauresist. Er sei so ministeriell wie nur irgend ein Jauresist; und wenn er jetzt, nach Amsterdam, das Kabinett durch seine Abstimmung oder Stimmenthaltung stürze, so würde er sich das selbst niemals verzeihen; er sei leidenschaftlicher Ministerieller, leidenschaftlicher Parteigänger der jetzigen Majorität, nur daß er— die Verantwortung für diese Politik den Jauresistcn überlasse. Durch Formelkram ließen Vaillant und seine Freunde ihr Urteil keineswegs trüben. Sie deklamierten zwar tapfer gegen jede Annäherung an die bürgerliche Demokratie, gegen jedes Kompromiß — aber der revolutionäre Socialist(Gucsdiste) Landrin über- nähme nichts dcstowenigcr den Vorsitz im Gcneralrat des Departements der Seine, und zwar dank einem Kompromiß zwisckicn Socialisten und Radikalen, das auf vier Jahre den Vorsitz, die Ehrenstellen und die Referate zwischen Revolutionären und Bourgeois aufteilt. Das hindere natürlich den Bürger Landrin wicht, in einem Interview des„Eclair"(„Blitz") den Jauresisten die Eigenschaft als Socialisten abzusprechen, weil sie für Kom- promisse seien. In Amsterdam hätten die Guesdisten für die Dresdner Resolution gestimmt, die jede Unterstützung der politischen und ökonomischen Herrschaft der heute herrschenden Klassen verwirft, zu allererst natürlich die Bewilligung des Budgets. Dabei sei aber ihr bedeutendster parlamentarischer Redner, Marcel Scmbat, seit Jahren Referent für den Etat der Post und Telegraphie in der Kammer. Und die Guesdisten hätten niemals daran gedacht, ihm diese„Teilnahme" zu verbieten. Ihre Bannflüche sparten sie sich für die Jauresisten auf; bei denen würden sie aber nicht ernst genommen. Denn im Grunde genommen wünschten sie ja alle die- selbe Politik zu treiben, sie wagten es nur nicht zu sagen. Sie würden unglücklich sein, wenn die Jauresistcn das Ministerium fallen liehen. Die Abstimmungen der Jauresisten leisteten ihnen einen doppelten Dienst: das Ministerium bleibe am Ruder, und ihnen sei Gelegenheit gegeben, die Kompromißpolitik den revolutionären Kruppen zu denunzieren. Durch die Furcht vor dem offenen Bekenntnis zu dieser Politik verfehlten Vaillant und seine Freunde ihre geschichtliche Aufgabe. Sie könnten heute noch die Versöhnung unter den französischen Socialisten herbeiführen; sie seien die natürlichen Vermittler zwischen Guesdisten und Jauresisten: auf der einen Seite energische Revolutionäre, zeigten sie auf der andren auch Verständnis für die Aufgaben des täglichen politischen Kampfes. Aber sie hätten nicht den nötigen politischen Mut gehabt, den Mut der Verantwortlichkeit, deshalb beginne jetzt ihre Strafe; sie seien die Gefangenen von Guesde und seinen reaktionären Parodoxien, die sie zwar verabscheuten, aber nicht desavouieren könnten. Italien. Die frmizösischen Kongregntionc» in Italien. Nachdem das Ministerinin Combes mit der Anwendung der Vereinsgesetze ernst machte, zogen es bekanntlich viele Kongregationen vor, Frankreich zu verlassen und sich anderswo anzusiedeln. Die meisten der Kongre- ganisten, die sich dem Gesetze nicht fügen wollten, sind wohl nach Belgien,_ Spanien und auch Amerika ausgewandert, andre gingen nach Oesterreich, der Schweiz und Italien. Um festzustellen, in welchem Maße Italien von der Eintvanderung französischer Mönche und Nonnen betroffen wurde, hat die Regierung amtliche Erhebungen anstellen lassen. Dabei ist festgestellt worden, daß bis jetzt 4800 Per- sonen, davon 300 Frauen, von Frankreich nach Italien eingewandert sind. Die Kongregationen haben Besitzungen im Werte von ins- gesamt 7 Millionen Frank angekanst, einige Kongregationen haben sich auch hier auf die Ausbeutung industrieller Unternehmungen geworfen. Alle diese Ankäufe sind, wie dies das italienische Gesetz verlangt, durch Civilpcrsonen erfolgt, so daß die Regierung gegen die Ansiedelung zunächst machtlos ist. Wie sehr so schon Italien von Pfaffen und Mönchen aller Grade und Sekten beglückt ist und was diese dem italienischen Volke kosten, geht ans einer andren Statistik hervor, die soeben erschienen ist. Da- nach zahlt Italien 20 183 Kirchcngemeinden, zu denen der Staat einen Zuschuß von 27 Millionen Frank leistet. Es giebt Geistliche, die ein Einkommen von 5—10 000 Frank pro Jahr haben; daneben giebt es arme Schlucker in den Kreisen des niederen KleruS, die auf nur 900 Frank kommen. Außerdem sind in Italien nicht weniger denn 258 Bischöfe vorhanden, die vom Staate allein über 5 Millionen Frank beziehen, und einige dieser Herren haben ein Einkommen von über 100 000 Frank; einer davon hat ein solches von 300 000 Frank. Hierzu kommen aber die Nebcneinnahmcn aus den geistlichen Hand- lungcn, so daß das arnie italienische Volk ca. 150 Millionen Frank pro Jahr für seine Geistlichkeit aufbringt. Trotzdem wird der italienische Klerus nicht müde, sich über die italienische Regierung zu beschweren und über die Bedrückung zu beklagen._ Die Forderungen der italienischen Eisenbahner. Rom, den 27. August. Am 1. September wird das Organ der organisierten Eisenbahner,. I l T r e n o", die Forderungen des Personals veröffentlichen, die der Regierung in einem Memorandum unterbreitet werden. Als im Frühjahre 1902 der allgemeine Ans- stand der italienischen Eisenbahner verhütet wurde, verpflichtete sich die Regierung, im Jahre 1905, nach dem Ablauf der Eisenbahn- Konventionen, die Stellung des Personals definitiv zu regeln. Die Eisenbahner vertrauen auf die Stärke und Festigkeit ihrer Organi- sation; der Verein„Riscatto ferroviaris" umfaßt 30 000 Eisenbahner aller Kategorien, die„ F e d e r a z i o n e" etwa 10 000, die dem Beschäftigung'szweige nach--- als Maschinenfiihrer, Schaffner:c. in Gruppen zusammengefaßt sind. Beide Organi- sationen haben sich über die Forderungen geeinigt, deren Durch- führung sie mit allen Mitteln bei der Regierung durchsetzen werden. Die allgemeinen Forderungen beziehen sich auf die Gehaltzahlungen in dienstfreien Zeiten und aus die Zulagen. ES wird gefordert: im Krankheitssalle sechs Monate volles Gehalt; für die zur Disposition Gestellten das halbe Gehalt, ivenn sie weniger als 15 Dicnstjahre haben. 2/s Gehalt bei 15 bis 25 Dienst- jahrcn, 3/4 bei mehr als 25 Dienstjahren; während des ordentlichen Urlaubs 20—30 Tage volles Gehalt, je nach dem Dienstalter: während des außerordentlichen Urlaubs die ersten 30 Tage halbes Gehalt. Zulagen sind zu gewähren: in den Malariagegenden 1,20 Lire bis 0,30 Lire täglich je nach der Jahreszeit und Ver- seuchung); für Ucberstunden 0 6 des Tagelohns für eine Ueberstunde am Tage, Vz für eine Ueberstunde bei Nacht.) Ueber die A r b e i t S d a u e r wird festgesetzt ein Maximum von acht Stunden für die anstrengenden Arbeiten, von zehn Stunden für alle übrigen. Die� Ueberstunde» dürfen den Arbeitstag im Höchstfall auf 14 Stunden bringen. Auf je 24 Stunden müssen zehn Stunden ununterbrochene Ruhe dem Angestellten ge- währt werden; jede Woche hat er Anrecht auf 36 Stunden Ruhe hintereinander. Nachtdienst darf nur sechs Tage hintereinander von demselben Angestellten gefordert tverden. Uebertretungen gegen die Bestimmungen über die Arbeitszeit werden mit 1000—10 000 Lire Buße für die Bahnverwaltung, mit 20 bis 100 Lire für den Angestellten geahndet. Unfälle, die infolge von ungebührlicher Ausdehnung der Arbeitszeit eintreten, sind civil- und strafrechtlich den Bahnbehörden zur La st zu legen, die an der U e b e r b ü r d i, n g Schuld tragen. Schließlich lvird unter den allgemeinen Bestimmungen die Anerkennung der Organi- sation und die Gewährung eines permanenten FreibilletZ an deren Vertreter gefordert. Es werden darauf die besonderen Fälle festgesetzt, die Recht auf Extrazuschuß geben, solvie die Höhe dieses Zuschusses. Ferner werden die Gehaltsverhältnisse und des Avancement geregelt. So zum Beispiel erhalten die Hilfsarbeiter jährlich 780 Lire, die bis 1200 Lire steigen, außerdem alle vorerwähnten Zulagen. Der Maschinenführer steigt von einem Ansangsgehalt von 1500 Lire in 18 Jahren gradweise ans 3000 Lire. Außerdem hat er 50 Cents Zuschuß für jede Stunde Fahrt. Die Heizer bekommen 1140 Lire jährlich und steigen in zehn Jahren auf 1650 Lire und 35 Cents Zuschuß für jede Stunde Fahrt. Die Schaffner steigen von 1200 Lire auf 1650 Lire in zehn Jahren. Die Weichensteller fangen mit 900 Lire an und verbessern sich im Laufe von 17 Jahre» ans 1500 Lire. Die Streckenwächtcr beziehen anfänglich 780 Lire jährlich und steigen bis auf 1200 in 16 Jahren. Im ganzen sind fiir einige 60 verschiedene Gruppen die Ge- hälter festgesetzt und auch das Aufsteigen in andre Gruppen(so z.B. vom Heizer zum Lokomotivführer) geregelt. Wie hoch die Mehrforderungen des Staatsbudgets belastet werden, läßt sich noch nicht übersehen. Ein konservatives Mailänder Blatt, das aus dritter Hand einiges von den Forderungen erfahren hatte, erklärt entrüstet, die italienischen Eisenbahnarbeiter verdienten mehr als unsre Bolksschnllehrer I Traurig genug, wenn das richsig ist. Das spricht aber nur gegen die Schofligkeit der italienischen Gemeinden und die Schlaffheit der Lehrer, die sich nicht organisieren, um bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen.— Amerika. Ncber den Präsidentschafts-Kandidaten der Demokraten Parker urteilt der„Socialdemocratic Herald" von Milwankee: Parker würde vor 50 Jahren ein idealer Kandidat für die Prä- sidentschaft gewesen sein. Heute ist er ein Anachronismus. Ihm fehlt jedes Verständnis für die ökonomische Entwicklung, er weiß nichts vom Klassenkampf, der das Land in seiner ganzen Länge und Breite dnrchwogt. Die Interessen der Arbeiterschaft betrachtet Herr Parker nur voiii Standpunkte des Juristen, der es als seine oberste Pflicht ansieht, dem Gesetz Gehorsam zu verschaffen.— Unser Bruder- organ kommt zu dem Schluß, daß die Arbeiterschaft weder für den republikanischen, noch den demokratischen Kandidaten zu stimmen hat. sondern fiir den socialistischen Kandidaten Eugen Dcbs einzutreten hat. Dieser ist zur Zeit unaufhörlich beflissen, für seine Kandidatur und damit für die Ausbreitung des Socialismus thätig zu sein. Vis zum Wahltag hat er noch in unzähligen Versammlungen zu sprechen. An demselben Sonntag, wo in Amsterdam der inter« nationale Socialistenkongreß zusammentrat, sprach Debs in Ehester» field(Indiana) in einer großen Halle vor ca. 4000 Personen. Ist auch an einen Sieg des socialistischen Kandidaten nicht zu denken, so wird die gegenwärtige Wahlcampagne doch die Ausbreitung der socialistischen Ideen in den Vereinigten Staate» in hohem Maße befördern.— Die Schlacht bei Liaujang hat auch am 31. August unentschieden weiter getobt. Der Kampf muß nach den vorliegenden Meldungen mit äußerster Erbitterung geführt worden sein. Eine Meldung Ssacharows spricht von den ungeheuren Verlusten der Japaner, verhehlt aber doch auch gleichzeitig nicht, daß auch die russischen Verluste gclvaltige waren. Das offizielle Telegramm lautet: Petersburg, 1. September. Ein Telegramm Ssacharows vom 1. Septem b er meldet: Heute setzten Teile der Armee Kurokis auf das rechte Ufer des Taitsiho in der Gegend von S a k a n, K a n k w a n t u n, über, wo der Fluß eine Biegung macht. Um 5 Uhr früh stellten unsre Strcifwachen fest, daß eine Division Infanterie mit Artillerie und Kavallerie die Furt passiert hatte. Fluß- abwärts haben sie sich noch nicht gezeigt. Die Japaner gingen in zwei Richtungen vor, nach Westen und in der Richtung auf Jantai. Die übergesetzten Truppen begannen ein Gefecht, um den weiteren Uebergang zu verbergen. Ans unsrcr vordersten Abteilung wurde der Kampf am 31. August außerordentlich heftig geführt von 8 Uhr abends bis 12 ll h r n a ch t s, wo er vollständig unterbrochen wurde. Wie der gestrige, so endigte auch der heutige Kampstag für uns durchaus erfolgreich. Wir haben ausnahmslos alle unsre vordersten Stellungen behauptet. Einen besonders heftigen Kampf hatte die Division des Generalmajors Kondratowitsch ans- zuhalten. Das Artillericfeuer der Japaner war sehr heftig. Unsre Truppen, die den ganzen Tag mit Shrapnells überschüttet wurden, behaupteten die ihnen anvertrauten Stellungen mit erstaunlicher Aus- daner. Nach Vorbereitung des Angriffs durch Artillerie- feuer gingen die Japaner niehrere Male zum Sturm gegen unsre Stellung vor. Einige unsrer vordersten Be- sestigungen gingen nach hartnäckiger Gegen» wehr in die Hände der Feinde über, wurden aber von uns immer wieder durch Bajonettangriffe zurückerobert. Bei diesen Angriffen ließen die Japaner eine große Menge Toter zurück. Vor einem Teil der Besestignngen ivar es gelungen, eine große Anzahl von Wolfsgruben auszuheben, die zum Teil bis zum Rande mit Leichen des Feindes gefüllt waren. Die Verluste der Japaner müssen ungeheuer groß sein. Aber auch u n s r e V e r l u st e, die auch noch nicht an- nähernd festgestellt werden konnten, sind b e- deutend. Verwundet ist der Generalmajor M r o- s o w s k y, eine Kontusion hat der Generallieutenant Baron Stack elberg erhalten, der aber an der Front bleiben konnte. Viele Waffen der Japaner sind in unsre Hände gefallen. Diese Meldung Ssacharows, so optimistisch sie mischeinent» klingt, enthält doch eine für die Russen sehr bedenkliche Thntsache. Die Meldung nämlich, daß die Japaner östlich von Liaujang den T a i t s i h o überschritten haben und damit den Russen den Rückzug nach Norden abzuschneiden drohen. Der Taitsiho fließt von Osten im Bogen 3— 4 Kilometer nördlich von Liaujang vorbei und biegt sich dann 30 Kilometer westlich von dieser Stadt nach Süden. Die japanischen Divisionen, die den Taitsiho östlich von Liaujang überschritten haben, bedrohen die russische Rückzugslinie. Ein Teil von ihnen drang gegen die russischen Stellungen am Fluß vor, während ein andrer Teil die Eisenbahn st ation Jankai bedrohte, die vermutlich durch das fünfte russische Corps gedeckt wird. Gelingt es den Japanern, die nördlich von Liaujang stehenden Russen zu werfen und die Station Jankai in ihren Besitz zu bringen, so ist die russische Verbindung mit Mukden ab- geschnitten! Die Russen sind unbegreiflicherweise so unvorsichsig gewesen. sich gegen diese nordwestliche Umfassung nicht genügend vorzusehen. Vielleicht waren sie dazu auch nicht im stände. Daß die Japaner immer mehr Truppen auf die nördliche Seite des Taitsiho werfen, um den Russen den Rückzug zu vereiteln, beweist auch folgende spätere Meldung Ssacharows an den General st ab unter dem heutigen Datum: Die Nacht auf den 1. September ist ruhig ver» laufen. Bis 6 Uhr früh ist weder auf feindlicher, noch auf unsrer Seite geschossen worden. Wie gemeldet wird, läßt Knroki eine Pontonbrücke an der Uebergangsstclle schlagen. Es kommt für die Russen nun alles darauf an, ihre Haupt» Positionen im Süden von Taitsiho und von Liaujang gegen den japanischen Ansturm zu behaupten. Wenn es den Japanern gelingt, die hier stehende Hanptinacht der Russen zu werfen und nördlich gegen den Taitsiho hin zu drängen, so würde das für die russische Armee die Katastrophe bedeuten. Nun haben zwar nach der Meldung Ssacharows die Russen ihre südlichen Hauptstellungen bis jetzt behauptet, allein em„Reuter"- Telegramm meldet bereits: Tokio, 1. September. Der rechte Flügel und das Eentrmn der die Stellungen südlich von Liaujang verteidigende» russischen Linien habe» heute nachmittag den Rückzug angetreten; die Japaner verfolgen sie. Sollte sich diese Meldung bestätigen, so stände es bereits recht bedenklich um die russische Hauptarmee I Ueber die Kämpfe um Port Arthur wird gemeldet: Tschifu, 31. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Ein Chinese, der Port Arthur am Abend des 29. August verlassen hat, meldet, daß am 27. August ein heftiger Kampf gewütet habe; die Japaner hätten versucht, das Fort Peluntschan zu nehmen, aber zwei schwere Angriffe wären zurückgeschlagen und die Japaner hätten dabei 1045 Riann an Toten und Verwundeten verloren. Am 28. August hätten die Japaner daS neue starke Fort Nr. 6 angegriffen, obgleich sie einein heftigen Kreuzfeuer von den benachbarten Forts ausgesetzt gewesen waren. Nach dreistündigem ununterbrochenem Kampfe wäre es ihnen ge- lungen, in Fort 6 einzudringen; die Russen hätten sich in die benach- barten Forts zurückgezogen, von wo aus sie durch ein konzentrisches Feuer auf Fort 6 die Japaner gezwungen hätten, es wieder zu räumen. London, 1. September. Dem„Reuterschen Bureau" wird aus Tschifu von gestern gemeldet, daß die Japaner um Port Arthur folgende Stellungen besetzt halten: im Osten die Höhe in der Nähe von Fort V, im Süden P a l i n t s ch e n g, im Westen H u k i a t o u und Dongtowang. Fort V selbst ist nach Berichten von Chinesen, die am 28. August die Festung verließen, weder von den Russen, noch von den Japanern besetzt. Von Tnnataitaschian lvurden die Japaner, die auf den benachbarten Höhen Gcichütze auf- führen, beschossen. Es bestätigt sich, daß die Russen wieder Jtschau besetzten. Die Lebensmittel in Port Arthur sind knapp. Ein Sack Mehl kostet 11 Rubel. 6ewerhrcbaftUcbe9« Material für die„Germania". Die„Germania" brachte dieser Tage wieder eine Anzahl Terrorismusfälle, die wir bis auf einige wenige gestern als„frommen Schwindel" entlarven mußten. Die wenigen Fälle, in denen wir den boshaft verleumderischen Phantasien der„Germania" nicht die wirklichen Thatsachen gegenüberstellen konnten, sind bekanntlich solche, bei denen für eine Untersuchung die notwendigen genauen Angaben fehlen oder der.Terrorisn, usfall" sich an Orten ereignete, wo eine genaue Nachprüfung unsrerseits unmöglich ist. Heute können wir nun aber der„Germania" mit einem wirk- lichen und wahrhaftigen„TerrorismuZfall" und zwar aus Dort- m u n d aufwarten, den die„Nheinisch-Westfälische Arbeiter-Zeituug" mitteilt. Am Neubau des Konditors von der Heide am Westenhellweg zu Dortmund, der von dem Maurern, eister Rudolf ausgeführt wird, war ein Bauarbeiter mit seinen Verbandsbeiträgen sieben Wochen im Rückstände. Dies war der Anlaß, daß er von dem Baudclegierteu zunächst im Guten aufgefordert wurde, seinen Verpflichtungen der Organisation gegenüber nachzukommen. Da er den Ermahnungen des Delegierten nicht folgte, wurde ihm bedeutet, daß die Kollegen nicht länger mit ihm gemeinschaftlich arbeiten würden. Der in Frage kommende Arbeiter geriet deswegen so in Wut, daß er sein Mitgliedsbuch mit den Worten: „Hier habt Ihr Eure Brocken!" in Fetzen riß und es dem Bau- delegierten vor die Füße warf. Die Arbeiter forderten darauf von der Firma die Entlassung des Arbeiters, auf welches Ansinnen jedoch die Finna mit der Entlassung aller Bauarbeiter antwortete. Man sieht, ein typischer Terrorismusfall, ein Fall von denen, deren Schilderung die„Germania" hämisch mit den Worten ein- zuleiten oder zu schließen pflegt:„Was sagt der„Vorwärts" dazu?" Nun: Was sagt die„Germania" dazu? Die rückständigen Verbandsbeiträge waren nämlich solche des christlichen Verbandes, der Baudelegierte wie der größte Teil der beteiligten Arbeiter ist christlich organisiert; diese christ- lich organisierten Arbeiter forderten„terroristisch" die Entlassung eines Kollegen, der nichts weiter that, als den frevelhasten Koalitions- zwang von sich zu weisen, indem er das christlicheVerbands- buch zerriß. Was sagt die„Germania" dazu? Was die christliche Provinzpresse thut, wissen wir: sie lügt das Vorkommnis, dramatisch aufgeputzt, den freien Gewerk- s ch a f t e n auf den Hals. Bei dieser Presse hat die Erziehung durch das stamme Centralorgan die gewünschte Wirkung nicht verfehlt. verlin un» lkmgegen». Der Streik der Bildhauer bei der Firma I. C. Pfaff ist auf Grund stattgefundener Verhandlungen mit der freien Vereinigung der Holz industriellen beendet. Die Streikenden treten am Montag in ihre alten Stellungen wieder ein. Bis auf weiteres bleibt die Sperre über d�e übrigen Werk statten verhängt. Die Lohnerhöhungen im Buchbindergewerbe. Als im vorigen Jahre der 1900 in den drei Hauptstädten der Buchbinderei: Stuttgart, Leipzig und Berlin abgeschlossene Tarifvertrag sein Ende erreichte, war es nach sehr langlvierigen Verhandlungen gelungen, eine Ver- längcrung des Vertrages mit Erhöhungen der Stundenlöhne und einigen andren kleinen Verbesserungen auf weitere drei Jahre zu stände zu bringen. In Stuttgart wurden die Stunden- löhne sofort auf die Höhe der Leipziger gebracht; in Leipzig aber sollte die Erhöhung der Stundenlöhne um 2 Pf. für Gehilfen und 1 Pf. für Arbeiterinnen, und in Berlin um 3 Pf. für Gehilfen und 2 Pf. für Arbeiterinnen erst an, 1. September 1901 eintreten. Da dieser Zeitpunkt nun heran- gekommen ist, ist es Aufgabe der im Beruf thätigen Arbeiter und Arbeiterinnen, daftir zu sorgen, daß diese Lohnerhöhungen auch überall regelrecht durchgeführt werden. Um dafür zu wirken, fand am Mittwoch in Keller? großem Saal eine, nament- lich auch von Arbeiterinnen, zahlreich besuchte öffent- liche Buchbinderversammlung statt, iu der A. Bergmann über die im vorigen Jahre mit dem Deutschen Buchbindereibesitzer- Verband getroffenen Abmachungen sprach. Für die Mitglieder des genannten Arbeitgeberverbandes, dem auch die Berliner Buch- binderinnung angehört, sollte es eigentlich als selbstverständlich er- scheinen, daß sie die Lohnerhöhungen, ohne ein Wort zu verlieren, durchführen. Nun ist es aber leider Thatsache, daß einige wichtige Nebenbestimmunzen des Vertrags nicht wie es sein sollte beachtet worden find. So hat z. B. das Tarifamt im ersten halben Jahre überhaupt nicht funktioniert. Nur in eine», Fall hat diese höchste Instanz für Tarifstreitigkeiten nrit eine», für alle Fälle Wünschens- werten Eifer gearbeitet. Dabei handelte es sich„», die Berufung eines Arbeitgebers gegen eine Entscheidung des Berliner Tarifschiedsgerichts. Die Lauheit, die die Arbeitgeber hinsichtlich dieser Nebenbestimmungen gezeigt haben, könnte vielleicht auch bei einigen hinsichtlich der Lohn- erhöhungen vorhanden sein. Außer kommen eine Anzahl Arbeit- geber in Frage, die nicht dem Buchbindereibesitzer-Verband an- gehören, die aber gleichwohl zur Durchführung des Tarifs verpflichtet sind; ferner eine Anzahl den Buchbindereien verwandter Betriebe, wie Buchdruckereien und Steindruckereien, und außerdem verschiedene andre Geschäfte, wo Buchbinder thätig find, die wie ihre andern Kollegen die Lohnerhöhung verlangen und zu verlangen haben. Aus oiefen Gründen ist von der Tarifkommission der hiesigen Buch- binder an alle in Betracht kommenden Arbeitgeber ein Cirkular ver- sandt worden, worin sie auf die in Kraft tretenden Bestimmungen des Tarifvertrags aufmerksam geniacht, und um deren genaue Beachtung höflich ersucht wurden. Ein großer Teil der Arbeitgeber hat in zustimmendem Sinne geantwortet, einzelne mit einigen Ein- schränkungen, die die Arbeiter nicht billigen können, die aber Wohl noch durch Verhandlungen beseitigt werden, ohne daß es zur Arbeits- niedcrleguug kommt. Ein andrer Teil der Arbeitgeber hat jedoch nicht geantworter, manche vermutlich deswegen, weil sie die Durchführung ihrer tariflichen Verpflichtungen für etwas ganz Selbstverständliches halten. Um nun eine möglichst schnelle allgemeine Anerkennung der neuen Bestimmungen auf so weit wie möglich friedlichem Wege zu erzielen, machte der Referent namens der Tarifkon, Mission und der Leitung der hiesigen Zahlstelle des Buchbinder-VerbandeS den Vorschlag, daß die Arveiter und Arbeiterinnen bei allen den Arbeitgedern, die nicht geantwortet haben, am 1. September vor- stelliq werden und um eine Erklärung ersuchen, von der sie dann der Tarifkommission Mitteilung machen sollen. Diesen Vorschlag nahm die Versammlung einstimmig an und zwar in folgender Re- solution:„Die von ca. 1900 Personen besuchte öffentliche Versamm- lung der in Buchbindereien und verwandten BerufSzweigen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen nimmt von den eingelaufenen Erklärungen derjenigen Prinzipale, welche die im vorigen Jahre ab- aeschlosfenen Vereinbarungen von Organisation zu Organisation anerkennen und vom 1. September 1901 ab durchfuhren wollen. Kenntnis. Sie verpflichtet hiermit alle Kollegen»nd Kolleginnen, deren Arbeitgeber Antwort nicht erteilt haben, unverzüglich bei diesen vorstellig zu werden, um sie zu bestimmten Erklärungen zu veranlassen. Von diesen Verhandlungen haben die Vcrtrauenspersonen am Sonnabend, 3. September, der Tarifkommtzsion Mit» teilung zu machen, die dann gemeinsam mit der Orts- Verwaltung die geeigneten Matznahmen zu treffen hat. Dle Ver- sammelten verpflichte., sich, m allen Werkstuben für MW Durch. tübruna der am 1. September ab geltenden Lohnsatze mit aller Kraft Ii«,,, treten und auch in Zukunft die tariflichen Bestimmungen zu LFtm."- Die Tarifkommisfion ist an, Sonnabend und Montag von 6 Uhr an im Saal III des Gewerkschaftshauses anwesend. Da die Orgamsation der Buchbinder in den letzten Jahren noch bedeutend an Ausdehnung und Leistungsfähigkeit gewachsen ist und fortdauernd wächst, werden die Arbeitgeber wohl nichts Klügeres thun können, als die nun einmal festgesetzten neuen Bestimmungen ohne weiteres allgemein anzuerkennen. Zur Schlächterbewegung. Zu den Forderungen, die der Gesellen- Ausschuß im Auftrage sämtlicher Berliner Fleischergesellen-Ver- einigungen der Berliner Fleischer-Jnnung unterbreitet hat, nahm gestern Abend eine außerordentlich zahlreich besuchte Jnnungs- meister-Versammlung Stellung. Die Forderungen lauten: 1. Einstellen des Tötens von Vieh an Sonn- und Feiertagen. 2. Ein- führung einer elfstündigen Ruhepause. 3. Durchführung der gcsetz- lichen Sonntagsruhe. 4. Einführung eines kostenlosen Arbeits- Nachweises. 5. Festsetzung eines Minimalwochcnlohncs von 10 Mark. Zum Punkt 1 wird vom Gesellen-Ausschuß noch der folgende Antrag eingebracht:„Vom 1. Oktober d. I. ab werden die Sonntags- schlachtungen eingestellt." Dieser Antrag wird von der Versammlung abgelehnt und folgender Antrag verlesen:„Es ist zuzugeben, daß die Schlachtungen an Sonn- und ersten Feiertagen sowie am Himmelfahrts-, Büß- und Karfreitage ohne Verletzung von Ge- schäftsinteresse unterbleiben können. Die Durch- führung der Nichtschlachtungen ist aber nur unter Ver- ordnung der matzgebenden Behörden zu er- reichen, wenn diese die Schlachtungen verbieten. Ferner ist der Verkauf an den in Betracht kommenden Tagen in der Engros-Fleischhalle behördlich zu untersagen, auch darf nicht geduldet werden, daß in den Untersuchungsftationen gehandelt wird. Dagegen ist der Bau von Kühlanlagen, welche von den Engros- Schlächtermeistern benutzt werden, zu beschleunigen. Zur Beseitigung der Sonntagsschlachtungen ist die Innung bereit, im Verein mit dem Gesellen-Ausschuß vorzugchen." Dieser Antrag gelangte charak- teristischerweise nicht zur Annahme; es wurde vielmehr be- schloffen, diese Frage den Engros-Schlächtermeister-Vereinigungen zur Erledigung zu überweisen. Den Punkt 2 genehmigte die Versammlung im Princip mit der Einschränkung, daß es jedem Meister, je nach der Beschaffenheit seines Geschäfts, überlassen bleiben müsse, die den Gesellen zu gewährenden 69 Ruhestunden in der Woche auf die 6 Tage zu verteilen. Zum Punkt 3 hatte der Gesellen-Ausschuß noch den Zusatzantrag eingebracht:„Jeder Meister darf seine Ge- sollen Sonntags nur drei Stunden beschäftigen." Dieser fand keine Annahme, es wurde vielmehr darauf hingewiesen, daß diese Frage gesetzlich geregelt sei und Ucbertrctungen des Gesetzes, wenn angezeigt, Bestrafung zur Folge hätten. Der 4. Punkt: Ein- führung eines unentgeltlichen Arbeitsnachweises, wird von der Tagesordnung abgesetzt und vorläufig vertagt. Es verlautete nur, daß die Innung noch bis zum 1. Juli 1995 durch Vertrag gebunden sei, und eventuell bereit sei, von diesem Zeitpunkte ab einen un- entgeltlichen Arbeitsnachweis zu errichten, aber verpflichten wolle man sich nicht jetzt dazu. Die letzte Forderung, Festsetzung eines Minimallohnes von 19 M. die Woche wird abgelehnt und u. a. aus- geführt, daß es im Interesse der Gesellen selber liege, wenn ein solcher nicht festgesetzt werde(!), da andernfalls der Zuzug von auswärts derart zunehmen werde, daß die Arbeitslosigkeit, die so schon groß, noch vermehrt werde. Jeder arbeitende Geselle solle nach seiner Arbeitsleistung entlohnt werden. Der Gesellen-Ausschuß hielt die Forderungen betreffend Arbeitsnachweis und des Minimallohnes aufrecht. Die Milchjungcn der Firma Bolle haben gestern zu einem großen Teile die Arbeit niedergelegt. Sie fordern eine Lohnerhöhung und Abschaffung der horrenden, von uns schon mehrfach kritisierten Strafen. Deutsche» Reich. I» der Waggonfabrik von Linke in Breslau sind 15 0 Tischler in den Streik getreten. Sie forderten: 1. Ein- führung der neunstündigen täglichen Arbeitszeit. 2. 29 Proz. Lohn- erhöhung.— Die Direktion hatte keinerlei Entgegenkommen gezeigt, obwohl viermal ein Einigungsversuch gemacht wurde. Ja, man drohte mit der Aussperrung aller Arbeiter in dem Betriebe. So ist den Tischlern der Streik aufgezwungen worden.— In ganz Breslau hält sich der klein st e Titchlermeister verpflichtet, die neun- stündige Arbeitszeit vertraglich hochzuhalten, nur eine Aknengesell- schaft verlangt von ihren Arbeitern, daß diese länger bei kargem Loh» schuften sollen.— Die Tischler mögen Sorge tragen, daß in den Orten, wo Waggonfabriken zu verzerchnen find, keine Streik- arbeit angefertigt wird.— Die Stimmung unter den Kämpfenden ist gut._ Deprscheu-Cenfur. Einige Postkuriositäten, durch welche aber diesmal gerade nicht die besondere Findigkeit der Post illustriert wird, meldet die Königs- berger„Volkszeiwiig" aus D a n z i g. Als dort eine Anzahl Streik- brecher für die Leverkusener Farbenfabriken abgingen, begab sich ein Genosse auf das Hauptpostamt, um den Transport nach Berlin zu signalisieren. Weil aber in der Depesche das schreckliche Wort Streikbrecher borkam, wie? der Telegraphenbeamte das Tele- gramm zurück. Erst nach längerer Auseinandersetzung und nach Eingreifen eines zweiten Beamten konnte die Depesche endgültig im Orginalwortlaut abgehen. Eine ähnliche Differenz hatte der Genosse, der den Arbeitswilligentronsport vorsorglich bis Dirschau begleitete, auf dem dortigen Telegraphenamte.Wenigergünstige Erfahrungen machte jedoch der Genosse in Leverkusen, der ein Antwort-Telegramni nach Danzig schicken wollte. Die mehr wie harmlosen Worte:„Wilsdorf Streik. Zuzug vor allem fernhalten", wies der Beamte ab, weil in dem zweiten Teil eine Aufforderung zumUngehorfam zu erblicken sei. In Danzig lautete denn auch das Telegramm nur: „Wilsdorf Streik!" Eine solche postalische Depescheu-Censur ist nicht nur ungehörig. sondern verfehlt zweifellos auch völlig den beabsichtigten Zweck, da die gebrauchten Worte leicht durch irgend welche Stlchworte zu er- setzen sind. Oder läßt es die postalische Aesthetik vielleicht ebenfalls nicht zu, wenn telegraphisch statt vor Streikbrechern vor„Ungeziefer" gewarnt wird?_ Der Fulbaer Maurerftreik ist diese Woche durch Vermittelung dcS dortigen Beigeordneten Kirchner„beigelegt" worden, d. h. die Streikenden haben klein beigegeben. Die Maurer nahmen die Arbeit wieder auf, und zwar zu den alten Lohnsätzen bis zum 17. September, dann erhalten sie einen Stundenlohn von 37 Pp bis Ende Februar 1995. Von diesem Tage bis zum 31. März 1996 wird ein Stundenlohn von 38 Pf. bezahlt. Daß die Maurer noch nicht einmal für die nächsten Jahre den geforderten Lohnsatz von 49 Pf. durchzusetzen vermochten, zeigt die ganze Schwäche der christlichen Maurerorganisation, aber auch die Schäbigkeit des dortigen Unter. nehmertumS. ES geht auch ohne ZuchthauSgesetz. Die Streikleitung der Zimmerer in Düsseldorf hat sich der Mühe unterzogen, die Be- strafungeu eiimial zusammenzustellen, die während und nach den, Zimmererstreik, aber infolge des Streiks erfolgt find. Angeklagt waren 9 Zünmerer wegen Ehrverletzuug. 4 wegen. Beleidigung. 7 wegen Nötigung. 5 wegen Drohung und 2 wegen Mißhandlung, inSgesanit also 27 Anklagen, von denen 11 durch Freispruch und 16 mit der Verurteilung endeten. Außerdem waren noch über 19 Per- sonen Strafmandate verhängt worden. Die Verurteilten haben ins- gesamt 22 Monate, 19 Wochen und 5 Tage Gefängnis zu verbüßen und 69 M. Geldstrafe zu zahlen. Es wäre aber durchaus verkehrt an- zunehmen, daß die Zimmerer besonders roh mit den Streikbrechern un, gegangen sind. Daß dieses nicht der Fall war, geht daraus hervor, daß nur zwei Angeklagte wegen Mißhandlung verurteilt werden konnten, in allen übrigen Fällen mußte die Streikbrecherehre repariert werden. Ans welchem Grunde oft Anklagen erhoben wurden, aber auch Verurteilungen erfolgten, wollen wir kurz anführen. Ein Streikender ging neben einigen Arbeitswilligen her und legte die Hand auf eine von denselben geschobene Ziehkarre. Das Gericht erblickte hierin eine Nötigung. Ein zweiter erhielt sechs Wochen Ge- fängnis, weil er zu einen, Arbeitswilligen.Pollack" gesagt hatte. Wieder ein andrer hatte die Streikbrecher ermahnt, die Arbeit nieder- zulegen, denn es könnte sein, daß andre Streikende nicht so gemütlich mit ihnen sprechen würden. Das Urteil lautete wegen Bedrohung auf drei Monate Gefängnis. Fünf Streikende erhielten je eine Woche Gefängnis, weil sie sich an eine», Neubau aufgehalten hatten. Das bloße Erscheinen Streikender an einer Baustelle wird also schon als Drohung an- genoinmen.— Ein Anitsanwalt machte es zu gut; er legte gegen die von ihm beantragte und auch erfolgte Freisprechung Streikeuder Berufung ein.— Man sieht an diesen Urteilen, daß es auch ohne Zuchthausgesetz geht. Ob sich aber die Zimmerer nach Au- Wendung dieser Justiz„gebessert" haben, wagen wir doch zu bezweifeln. An der Nnterwcser sind die Arbeiter diverser Branchen aus- gesperrt, weil sie einen sogenannten„Arbeitsnachweis" der Unter- nehmer nicht anerkennen wollen. Sie behaupten nämlich, daß der Zweck dieser Institution nicht der ist, Arbeitsuchenden Arbeit nach- zuweisen, sondern die den Unternehmern unbequemen Elemente unter der Arbeiterschaft brotlos zu macheu. Wie recht die Arbeiter mit dieser Befürchtung haben, zeigt eine Mitteilung unsres Bremer- havener Bruderorgaus. Ein Arbeiter, der im vorigen Jahre den Zorn des Unternehmertums aus bekannten Ursachen auf sich gezogen hatte, konnte seitdem in Bremerhaven keine Arbeit mehr finden. Er wandte sich schließlich nach dem jenseitigen Weserufer, wo er auch Beschäftigung erhielt. Vor kurzem kam er nach Bremerhaven zurück. Durch Vermittelung des Arbeitsnachweises der Wersten bekam er eine Stellung im technischen Betriebe des Norddeutschen Lloyd zu- gewiesen. Dort angekommen, wurden ihm seine Papiere wieder aus- gehändigt und ihm bedeutet, daß für ihn keine Arbeit vor- Händen sei. So kann der Arbeiter also, wenn er nicht wieder außerhalb Beschäftigung findet, von Kapitalswegen verhungern, weil er sich weigert, nur e,n blindes, seelenloses, dividendenerzeugendes Werkzeug zu sein._ Die Mitqliederzahl der christlichen Gewerkschaften ivird von deren Leitern fälschlich auf 293 009 angegeben, indem man sämtliche Eisenbahnhandwerker- und Beamten-Verbände und noch eine Reihe andrer Unterstützungsverbände ganz keck und verwegen mitzählt, obwohl diese Vereine durch ihren Nichtbeittitt zum„Ge- samtverband der christlichen Gewerkschaften Teutschlands" deutlich genug zu verstehen gaben, wie sie selber über ihre Bezeichnung als „christliche Gewerkschaften" denken. Mehr als der vierte Teil der obigen Zahl fällt auf den in Trier sitzenden Verband deutscher Eisenbahnhand- werler und Arbeiter. Dieser Tage hat nun der Hauptvorsitzende dieses Verbandes, Herr Molz, in unzweideutigster Weise den Brust, GieSbertS, Stegerwald und Konsorten seine Meinung gesagt. In einer Versammlung in Malstatt sBezirk Trier) hat nach dem Bericht in Nr. 136 der„St. Johann-Saarbrücker Volkszeitung" der katho- tische Arbeitersekretär Kloos aus St. Johann ausgeftihrt, daß die christlichen Gewerkschaften nicht, wie behauptet wird, 203 900 Mitglieder zählen, sondern in Wirklichkeit 99 909, die übrigen hätten mit den, christlichen Verband absolut nichts zu thun, wie zum Beispiel der Molzsche Eisenbahner- Verband mit seinen 54099 Mitgliedern. Er sei von Herrn Molz, den, Hauptvorsitzcnden dieses Verbandes, persönlich bevoll n, ächtigt, öffentlich zu konstatieren, daß der Molzsche Verband keine Geioerk schaft, sondern ein Un terstützungsverein sei, daß ferner Molz nicht zu den Christlichen gehöre und auch nicht dazu gerechnet sein wolle. Die Macher der christlichen Gewerkschaften können einem leid thun. Wenn sie nicht die UnterstützungSvcreine fälschlicherweise mit- zählen dürfen, sinken sie auch an MitgliederzaHl noch unter die Hirfch-Dunckerschen Gewerkvereine herunter, die ihnen auch bezüglich der Einrichtungen und des Vermögens weit überlegen sini». HubUd». Glasarveiter nnd Metallarbeiter! Warnung vor Kristiania (Norwegen). Die Arbeiter der Höviker Glaswerke und Lampenfabrik bei Kriltiania haben zur Verteidigung ihres Koalition-srechts die Arbeit niederlegen müssen. Die Firma sucht Ersatzkräfte in Deutsch- land. Der Vorstand des Norlvegischen Bundes der Arbeitsleute (Norsk Arbeidsmandsforbund, Kristiani, Brogaden 7) warnt alle Glas- und Metallarbeiter, nach Hövik-Kristtania zu reifem Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Aussperrung der Glasarbeiter im Becken von Charleroi. Seit gestern früh haben sämtliche Glashütten im Becken von Charleroi ihr Feuer ausgelöscht. Die Einstellung der Arbeit ist all- gemein. Nur eine Glashütte in Marchiennes, bei der keine AuS- sperrung vorgenommen wurde, arbeitet. Die Bewegung in Marseille getvinnt weiter an Umfang. So haben die Dampfmühlenbesitzer beschlossen, ihre Mühlen zu sperren; dadurch werden 8000 Arbeiter beschäftigungslos. Der Präsident der Sandelskammer setzt seine auf Beendigung des Ausstande« abzielenden chritte fort. Aus Cette meldet„WolffS Bureau" vom 1. September: Auf Anordnung von Marseille hat heute hier der allgenreine Ausstand der Dockarbeiter begonnen. Der Ausstand in Chicago.„ReuterS Bureau" meldet aus Chicago: Alle Metzgergehilfen sind in den allgemeinen Ausstand eingetreten. Die Beanrten der Great Union erklären, daß 15 000 Schlächter dem Ausstaude der Packer beigetteten find und der Fleisch», arkt ernstlich gefährdet sei. Letzte JVacbncbtcn und Depefeben. Reichstagsersatzwahl-Resultat. Bei der heute im Reichstagswahlkreise Schaumburg- Lippe stattgefundenen Reichstagscrsatzwahl wurden abgegeben: für den Kandidaten aller Liberalen, Gewerkschafts-Anwalt Dr. Hans Crüger-Charlottenburg(freisinnige Volkspartei), 1452, für den Kandidaten der Antisemiten, Konservativen und Agrarier, Amts. gerichtsrat Dr. Brunstermann-Stadthagen, 3586 und für den social» demokratischen Kandidaten Klingenhagen-Herford 2191 Stimmen. Somit findet Stichwahl zwischen Brunstcrmann(Antis.) und Klingcnhkkgcii(Soc.) statt. Die Neuwahl ist durch den Tod des bisherigen Vertreters, des nationalliberalen ReichStagS-Abgcordneten Deppe, notwendig ge» worden. Bei der Hauptwahl am 16. Juni 1993 wurden abgegeben: für den nationalliberalen Kandidaten 3328, für den Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei 1256 und für den focialdemokratifchen Kan» didaten 2319 Stimmen, außerdem wurden 375 antifemittsche Stimmen gezählt. In der Stichwahl siegte Deppe(nationalliberal) mit 4552 gegen 3241 socialdemokratische Stimmen. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatze. Lindou, 1. Sepien, ber.(W. T. B.) Ein dem„Reuterschen Bureau" aus Shanghai zugegangenes Telegramm besagt, die Japaner hätten heute nach viertägigen, schweren Kan, Pf Liaujang besetzt. Auf russischer Seite treffen zur Zeit bettächtliche Verstärkungen ein. Tokio, 1. September. 5 Uhr abends.(Meldung des Reuter. schen BureauS.) Es heißt, die Japaner hätten heute Liaujapg ge» nommen. Eine Bestätigung der Nachricht liegt nicht vor. Tokio. 1. September.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) In der Frühe des heutigen Tages machte der linke Flügel der Japaner mit Erfolg einen wilden Angriff auf die Hohen von Hsinlitun, west- lich von Schuschanberg, und durchbrachen d,e russtiche Linie. Dieser Erfolg machte wahrscheinlich den darauf folgenden Rückzug des Cen- trums und de« rechten Flügels der Rüsten notwendig. Hier glaubt man. Kuropatkin sei völlig geschlagen, seme Verluste bei den Sturm. angriffen auf Liaujang seien beträchtlich. KurokiS Verluste an den Tagen vom 24. bis 28. August waren 22oo Mann. Verantw. Redakteur: Franz Nehbrin, Berlin. Inseratenteil veranrw.. TH.Gl-cke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstalt Paul Singer �Co., Berlin S�V. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSblsttt Nr. 206. 21. Jahrgang. 1. Ktilqc des Joraöttf Krlim UMIott Freitag, 2. September 1904. Soeialdemokratie und Staatsform. Unter diesem Titel bringt X. X. im„Vorwärts" vom 30. August eine Polemik gegen meine Ausführungen in der„Neuen Zeit" über die Bedeutung der Republik für den proletarischen Klasienkampf. Ich hatte diese Darlegungen im Anschluß an Bebels Aeuszerungen in Dresden gemacht, X. X. aber glaubt nachweisen zu können, daß ich, statt Bebel zu interpretieren, mich in Widerspruch zu ihm gesetzt habe, der vor einem Jahr in der„Neuen Zeit" über die Republik ganz anders geurteilt habe, wie ich in meinem letzten Artikel. Ich muß darauf bemerken, daß ich nicht den Artikel vom vorigen Jahre, sondern die jüngste Rede Bebels zu interpretieren suchte. Will X. X. behaupten, meine Ausführungen ständen im Widerspruch zu dieser Rede? Ich glaube kaum, dann aber liefe seine ganze Darlegung auf den Versuch hinaus, indirekt einen Widerspruch zwischen dem Bebel von heute mid dem vom vorigen Jahre zu konstruieren. Und allerdings, wer nur nach Aeußerlichkciten urteilt, mag leicht auf die Idee kommen, zwischen den beiden Darlegungen bestehe ein Gegensatz. Ganz anders, wenn man näher zusieht. Es ist ein großer Fehler, der sich aber immer wiederholt und der namentlich bei den Beweisen für angeblich vollzogene Mause- rungen der Soeialdemokratie eine bedeutende Rolle spielt, daß man Sätze aus einzelnen polemischen Reden oder Artikeln ohne Rücksicht auf den Zusammenhang, in dem sie stehen, und die Situation, der sie entstammen, gebraucht. Es ist klar, daß man in der Polemik stets diejenigen Seiten hervorhebt, in denen man sich vom Gegner unterscheidet. Wenn ich heute mit einem Anarchisten und morgen mit einem Konservativen polemisiere, werde ich jedesmal ganz andre Argumente gebrauchen, und wer diese ohne weiteres nebeneinander stellt, kann dann oft Widersprüche konstruieren, wo in Wirklichkeit völlige Einheitlichkeit des Denkens besteht. So auch hier. Was als Widerspruch zwischen dem Bebel vom September 1903 und dem vom August 1904 erscheinen mag, ist in Wirklichkeit ein Widerspruch zwischen den Genossen, gegen die er seinen Standpunkt zu verfechten hatte— Wollmar und Gvhre einer- seits, die da meinten, die Staatsforn» sei ziemlich gleichgültig, und Jaures, der die Bedeutung der Republik überschätzt. Bebel bekämpft, und mit Recht, die eine Anschauung ebenso wie die andre. Es ist jedoch' klar, daß man nicht beide mit den gleichen Argumenten be- kämpfen kamt. Sind aber seine Argmnente in dem einen und dem andren Fall verschieden, so sind sie nicht mit einander unvereinbar; auch mit dem, was ich jetzt in der„Neuen Zeit" entwickelt habe, ist der Standpunkt, den dort Bebel vor einein Jahre darlegte, sehr ivohl zu vereinigen. Wie Bebel damals, erkläre ich jetzt, daß die Republik für das kämpfende Proletariat von äußerster Wichtigkeit ist, daß es dort seiner Befreiung näher steht als in der Monarchie. Was ich „republikanischen Aberglauben" nenne, ist der Wahn.„der republikanischen Bourgeoisie wohne eine weit größere Neigung inne, die Befreiung der Arbeiterklasse zu fördern, als der Monarchie und der m o n a r ch i st i s ch e n B o u r g e o i s i e." Man muß scharf unterscheiden zwischen republikanischer B our- geoisie und republikanischer Staatsform. Die Anerkennung der Wichtigkeit der einen für den Befreiungskampf des Proletariats darf uns nicht blind machen gegen die große Thatsache. daß, g e« r a d e weil die Republik diesen Befreiungskampf begünstigt, die Bourgeoisie in der Republik dem Proletariat gegenüber nervöser und skrupelloser verfährt als in der Monarchie— unter s o n st gleichen Umständen, das heißt, bei gleicher poli- tischer und ökonomischer Kraft des Proletariats. In der Republik entwickeln sich bei gleicher ökonomischer Höhe die Klassengegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat früher und schärfer, als in der Monarchie. Nichts ist irriger, als die Behauptung X. X.'S: „ES widerspricht den Thatsachen und stellt das wirkliche Ver- hältnis auf den Kopf, daß die reinere und schroffere Form des Klaffenkampfes in den Republiken zur Geltung komme. In der bürgerlichen Republik und vcrivandten Staatsformen versucht man die Arbeiter durch Geschenke zu korrumpieren, in der absolutistischen Monarchie durch Gewalt einzuschüchten,." Ein Blick auf die Geschichte genügt, diese Schablone über den Haufen zu werfen. Es war die französische Republik, die Baboeuf köpfte, die die Blutbäder vom Juni 1848 und Mai 1871 auf dem Gewissen hat. Auch die Praxis der Schweiz, bei jedem erheblichen Streik Militär gegen die Streikenden aufzubieten, hat der„Vorwärts" erst jüngst aufmerksam gemacht. Und einen Kampf, wie er sich seit Monaten in Colorado abspielt, haben wir bei uns noch nie gekannt. Es Ivar anderseits die Monarchie, die versuchte, die deutschen Arbeiter durch die Geschenke des allgemeinen Wahlrechts und der Arbeitervcrsicherung zu gewinnen. Und wir haben in Preußen eine Steuergesetzgebung, die hoch über der französischen und ameri- kanischen steht. Damit wollen wir natürlich nicht sagen, daß die Monarchie dort, wo sie sich bedroht fühlt, gegen ihre Widersacher weniger brutal vor- geht als die bürgerliche Republik gegen die Arbeiter. Es fällt uns nicht ein, die Unterdrückungsmethoden der M o n a r ch i e beschönigen zu wollen. Nur den Glauben an die Arbeiterfteundlichkeit der republikanischen Bourgeoisie wollen wir erschüttern und zeigen, daß mit gleicher Rücksichtslosigkeit, mit der die Monarchie den Republikaner» aller Klassen, die republikanische Bourgeoisie dem Proletariat gegenübersteht, daß der Klasienkampf in der Republik daher ein energischerer, der Klassengegensatz ein schrofferer ist als in der Monarchie, wo er vielfach durch den Kampf gegen das monarchische System verschleiert wird. Das dezeichnet keineswegs die Bedeutungslosigkeit, sondern vielmehr die große Bedeutung, welche die Staatsfonn für den Socialismus hat. Wenn aber der angebliche Widerspruch zwischen Bebel und mir oder zwischen dem Bebel, der Wollmar und Göhre kritisiert, und dem. der Jaures kritisiert, sich in Wirklichkeit in einen Widerspruch zwischen Jaurvs und seinen deutschen Gesinnungsgenossen auflöst— beweist das nicht, daß man unter dem Wort„Revisionismus" sehr verschiedene Anschauungen zusammenfaßt, die gar nicht zusammen- gehören? In der That meint X. X. am Schlüsse seines Artikels: „Im übrigen erscheint uns die binnen JahreSftist so seltsam� veränderte Umschreibung revisionistischer Ziele— vom monarchischen zum republikanischen Aberglauben- die Einsicht dafür zu schärfen. ob es der tieferen Erkenntnis und der fruchtbaren Klärung partei- genössischer Streitfragen dient, mit dem Stempel fester AfViichtungs- worte"" allzu eiftig zu arbeiten." Diese„Einsicht" wurde bei mir leider nicht„geschärft", denn ich bin der Meinung, daß auch der Widerspruch zwischen dem „monarchischen und den, republikanischen Aberglauben"- um diese Terminologie beizubehalten— nur ein äußerlicher ist und bei .tieferer Einsicht" sich w eine höhere Einheit auslöft. Vor allem ist der Widerspruch kein zeitlicher, sonder» ein räumlicher. Wir haben nicht vor Jahresfrist den„monarchischen Aberglauben" des Re- visionismus und heute den republikanischen, sondern wir haben in monarchischen Ländern, so am auffallendsten in Italien und England, den monarchischen, in republikanischen den republi- kanischen„Aberglauben" des Revisionismus, das heißt, wir finden überall bei ihm den gleichen„Aberglauben", daß mit dem b e- stehenden Staatswesen sich auskommen lasse. Ja, wir finden, daß der Republikaner Jaurös selbst seinem„republikanischen Aberglauben" nur für die Republik huldigt, an deren Regierung er Anteil nimmt. Derselbe JauröS, der jetzt in seiner„Humanitö" die Einigungsaktion damit einleitet, daß er als ihre Vorbedingung verlangt, die socialistische Partei Frankreichs solle d* Ausführungen über die bürgerliche Republik desavouieren, die Guesde in Amsterdam gethan, er hat vor Jahresfrist die wärmsten Sympathien für die in Deutsch- land beantragte Hofgängerei an den Tag gelegt, er hat den König von Italien als Vertreter des italienischen Volks begrüßt und hat teil an seiner Tafelrunde genommen— im Gegensatz zu den Re- publikanern Italiens. Löst sich also der anscheinende Gegensatz zwischen republikanischem und monarchischem Aberglauben im Revisionismus in die höhere Einheit auf, daß er trachtet, sich mit jeder jeweiligen Regierung abzufinden, so löst sich auf der andern Seite der anscheinende Gegen- satz zwischen der Bekämpfung des monarchischen und deö republika- nischen Aberglaubens dahin auf, daß wir überall am schärfften jene bürgerliche Regierung bekämpfen, die uns gerade gegenüber steht, daß wir daher in der bürgerlichen Republik dem republikanischen Aberglauben ebenso zu Leibe gehen müssen, wie in der Monarchie dem monarchischen. Wenn Bebel in Dresden anders sprach als in Amsterdam, so erklärt sich das nicht daraus, daß er binnen JahreSftist seine Auffassung vom Revisionismus geändert hat, sondern daraus, daß er das eine Mal zur deutschen, das andre Mal in erster Liniczur französischen Soeialdemokratie sprach. Der Gedanke, von dem er ausging, war aber jedesmal derselbe: Kampf gegen jedes bürgerliche Regime, Zer- störung aller Illusionen über die Möglichkeit, durch ein Abkommen mit einer oder der andern Art bürgerlicher Regierung dem Proletariat größere Kraft zu verleihen. Ich hätte mir gern diese Erneuerung einer Revisionistendebatte erspart, nach der ich nicht das geringste Verlangen trage. Nachdem X. X. sie aber einmal aufS Tapet gebracht, war es notwendig, jedem möglichen Mißverständnis vorzubeugen. K. Kautsky. �* Kautsky stellt also eine„höhere Einheit" her, welche die von ihm als scheinbar, als äußerlich zugegebenen Widersprüche zwischen der schroffen und unbedingten Verherrlichung der Republik nn Vorjahre und der neuerlichen seltsamen Neigung, der Monarchie sogar einige Vorzüge gegenüber der Republik zuzugestehen, auf- lösen soll. Eine„Einheit" mag Kautsky zu stände gebracht haben, eine „höhere" aber ist sie sicher nicht. Denn wenn die Einheit lediglich darin bestehe» soll, daß sowohl der republikanische wie der inonarchische Aberglauben vom Ucbel ist, so iväre das ein sehr mäßiger Ertrag dieser und der Amsterdamer Debatte. Daß die bürgerliche Demokratie keine socialistische Demo- kratie ist, bedarf unter Parteigenossen ebenso wenig einer Debatte wie etwa die Weisheit, daß der Kapitalismus kein SocialismuS. Und daß die Monarchie nicht die Vorzüge hat, die etwa Nationalsociale ihr beimessen, ist doch auch keine lohnende Erörterung für Socialdemokraten. Es handelt sich vielmehr darum, ob es noch richtig ist, was Bebel vor einem Jahre schrieb, daß„eine Republik und wäre sie noch so blau", das heißt noch so kapitalistisch, aus unzähligen Gründen einer Monarchie von der Art der preußisch-deutschen vorzuziehen und als proletarische Lebensfrage zu erstreben sei. Es handelt sich darum, ob in den demokratischen Republiken, zu denen auch England zu rechnen ist, oder den absolutistischen Monarchien der Älaffenlampf schärfer und brutaler ist. Nu» meint Kautsky, im Dienste der„höheren Einheit" des scheinbaren Widerspruches, es sei ja selbstverständlich, daß man in der Polemik je nach dem Gegner die Argumente wähle und wechsle. In der Thai: selbstverständlich. Aber welche Argumente man auch immer vorzieht, das jetveilige Argument selbst muß richtig, eindeutig sein. Ein Argument ist enttveder wahr oder falsch, niemals aber kann es im Kampf mit einem Gegner heute ivahr, und im Kampf mit den, andren morgen falsch sein. Würde nian nicht nur die Argumente, sondern auch Wert und Inhalt der Argumente wechseln, so lassen sich mit dieser Methode vielleicht Augenblickserfolge in polemischen Schlachten erringen, aber sie wäre auch das Ende einer principiellen und auf- richtigen Aufklärung und der Anfang geistiger Verwirrung und Meinr...gSvergiftung' Zum Glück wird niemand eine solche Methode anwenden und empfehlen. Ich habe nun behauptet und nachzuweisen versucht, daß KautSkys jetzige Argumente mit denen Bebels vom Vorjahr nicht zu reinien sind, daß die jetzigen falsch, die damaligen der alten richtigen social- demokratischen Tradition entsprechen. Kautsky fteilich meint, dann liefe die Polemik eigentlich auf die Behauptung von Widersprüchen zwischen dem Bebel von Dresden und dem Bebel von Amsterdam hinaus i er habe ja nur Bebels Amsterdamer Darlegungen interpretiert. Ich gebe zu— weil ich das ehrlicher und offener Weise muß— daß einzelne Wendungen Bebels in Amsterdam beftemdend klangen. Aber jedes Mißverständnis wurde durchs die weiteren Ausführungen Bebels ausgeschlossen, in denen er vollständig seine Uebcrzeugungcn vom Vorjahre vertrat. Es wäre kleinlich geivesen, jene im Feuer des Geisterkampfes allzu stark geschmiedeten Bemerkungen— nichts begreiflicher als dies— hervorzuzerren, da an der Tendenz dcS Ganzen kein Zweisel war. Nachdem aber Kautsky gerade jene auf- fallenden Aeußerungen in eine Art festes, wenn auch— ganz gegen KautSkyS sonstigen Charakter— sonderbar schillerndes und schwankendes System gebracht Hat, fiihlte ich aus gewichtigen Gründen, die ich weiter unten erörtern werde, die Pflicht zum Widerspruch. Ich habe in meinem ersten Artikel den Unterschied zwischen der bürgerlich-republikanischen oder auch nur parlamentarischen Demo- kratie und der im Absolutismus stecken gebliebenen Monarchie dahin präcisiert, daß in der bürgerlichen Demokratie aus ihren eignen Existenzbedingungen heraus das Proletariat von den verschiedenen Gruppen der herrschenden Klassen weit intensiver umworben werden muß, als in der Monarchie, daß daber in ihr der Klassenkampf ver- schleierter erscheint. In einer Demoftatte, in der das a llgenieine Wahlrecht für alle Körperschaften Grundbedingung ist, würde natürlich keine Gruppe der herrschenden Gesellschaft auch nur einen Tag an der politischen Macht bleiben, wenn sie nicht auf die Stimmen des Proletariats rechnen könnte. Daher das Jntereffe am Arbeiter- fang! Welches Interesse aber hätte Junkertum und Bourgeoisie in Preußen oder Sachsen mit ihrem Dreiklassen-Wahlrecht, um die Freundschaft der Arbeiter durch Konzessionen zu buhlen? Andrerseits ,st die Monarchie gerade, sofern sie von starker staatsrechtlicher Machtvollkommenheit ist, der Gefangene dieser borniertesten Klassen, die es nicht dulden können, daß diese Macht gegen sie ge- richtet sei. Ich weiß nicht rechst, ob Kautsky diese Anschauung nicht auch hat; aber einzelne Ausführungen über militärische Aufgebote gegen Streiks usw. scheinen meiner Auffassung doch zu widersprechen. Man braucht aber nicht bis zur französischen Revolution, auch nicht bis zur Kommune zurückzuschweifen, um die Thatsache zu erhärten, daß es keine borniertere und grausamere Klassenherrfchast giebt, als in der absolutistischen Monarchie. Das Erfahruugsmaterial der Gegenwart reicht vollständig aus, um den Beweis zu führen. Es ist immer dasselbe Argument der militärischen Streik- bekäntpfung und der preußischen Steuer-Gesetzgebung, welche gegen die ftauzöiische Republik und für die preußische Monarchie angeführt werden. Es ist begreiflich, wenn solche dürftigen Schaustücke in dem französischen Parteistrett von französischen Genosien vorgetragen werden; aber es ist unverständlich, daß man in dem Deutschland des Socialistengesetzes, der Zuchthausvorlage, der Gesinde-Ordnung, des Kontraktbruch-Gesctzes, in dem Deutschland von Löbtan und Laura- Hütte solche Argumente ausspielt. Hat man denn ganz vergessen, daß es der elvige Traum Bismarcks war, in einer blutigen Milrtärschlacht das deutsche Proletariat niederzuwerfen? Wenn in Deutschland gegen Streiks in der Regel kein Militär aufgeboten wird, so ist das das Verdienst des Polizeistaates und der wunderbaren Disciplin dcS socialdemokratischen Proletariats. Die Polizei nimint so rechtzeitig schon den ersten Demonstranten fest, daß das Militär gar_ nichts mehr zu thun haben würde. Auf wen sollte das Militär schießen? Es würde höchstens demonstrierende Arbeitgeber und Streikbrecher- Agenten treffen. Und die Soeialdemokratie hat das deutsche Proletariat dazu erzogen, sich dieser Polizeidisciplin zu unterwerfen und auf Demonstrationen zu verzichten. Wenn in Deutschland ähnlich wie in ChalonS demonstriert werden würde, wie viel Jahre Zuchthaus und wie viel Tote würde es dami geben? Es ist keine Eigentüm- lichkeit der Republik auf Streikende zu schießen und kein Vorzug der Monarchie, die Soldaten in der Kaserne zu lasten. Nirgends wird soviel Arbciterbtut vergossen, wie in der österreichischen Monarchie. Aber weiter. Hat man denn wirklich ganz vergessen, wieviel Hunderte von Jahren Zuchthaus und Gefängnis deutsche Gerichte über Arbeiter verhängen, die im Kampf um ihre Existenz kaum auch die schärfste Polizeiverordnung nur ein wenig über- treten, wenn sie sie überhaupt übertreten. Hört man von solchen Bluturteilen aus Fraitkreich? Im Gegenteil. Man hört vom„guten Nichter". Diese blutrünstige ftanzösischc Bourgeoisie hat ihre Richter so schlecht erzogen, daß sie ihr im Kampf gegen streikende Arbeiter nicht helfen und diese monarchistisch abgeschwächte deutsche Bourgeoisie hat ihre Richter so vorzüglich ausgebildet, daß jede Strafkammer ein Regiment ersetzt. Mit dieser neuesten Legende sollte man also schnell aufhören. Das zweite Schaustück ist die französische Steuergesetzgebung, auch eine ganz neue Entdeckung. Eine Eigentümlichkeit der bürgerlichen Demokratie ist es nicht, sich gegen die direkte Einkominenbesteuerung zu sträuben. Das englische Bürgertum besteuert sich gegenüber dem deutschen in einer geradezu bewunderungswürdigen Weise. Es ist richtig, daß Frankreich eine starke Abneigung gegen die direkte Einkommensteuer hat, aber das ist nicht die Schuld der Republik, auch nicht der demokratischen Bourgeoisie, sondern die Folge der eigentümlichen socialen Struktur Frankreichs. Ent wesentlich klcinbürgerlicheS Land, dessen Bürger den Ehrgeiz haben, Rentner zu werden, haben naturgemäß keine Vorliebe dafür, von ihrer Rente bare Abzüge an den Staat zu entrichten; und gar so schlimm ist die Besteuerung auch nicht. Man bedenke, daß die Grundsteuer außerordentlich hohe Be- träge in Frankreich liefert, während in Preußen die Grundsteuer- Regulierung aus eine Liebesgabe für die Großgrundbesitzer hinaus- läuft. Ferner ist zu bedenken, daß Frankreich große Erträge auS der Erbschaftssteuer zieht, jährlich etwa 200 Millionen Francs, in Preußen 15 Millionen Mark. Der Ertrag der ftanzösischen Erbschaftssteuer ist also größer als die berühmte preußsche Einkommensteuer, die im Jahre 1901 185 Millionen Mark eingebracht hat, genau so viel wie in Frankreich die Grundsteuer ergiebt. Aber, so sagt Kautsky, die deutsche Monarchie versucht, die Arbeiter durch die Arbeiterversicherung zu gewinnen. Auch dieser Hinweis ist eine bedenkliche Revision unsrer bisherigen Anschauung. Bisher pflegten wir zu sagen, daß die ganze Arbeiterschutz- Gesetzgebung nicht so viel wert ist, wie ein freies Koalitionsrecht und eine Verkürzung der Arbeitszeit. Beides haben wir in Preußen und Deutschland nicht, dagegen erfreut sich das französische Pro- letariat dcS freien und geschützten KoalitionSrechtS. das auch auf die Staatsbetriebe ausgedehnt ist. Die ftanzösischen Arbeiter haben zum größten Teil den Zehnstundentag gesetzlich festgelegt erhalten und für die Staatsbetriebe ist der Achrstundentag durch- geführt. Ich meine, Bebel hat Recht, daß auch die blaueste Republik in Hinsicht der socialen Reform uneiidlich der Monarchie überlegen ist. Was die Monarchie, was der Imperialismus oder Cäsarismus leisten kann, das ist einmal sehr lebendig gezeichnet worden: Die wider- spruchZvolle Aufgabe einer solchen Monarchie erkläre die Wider- spräche ihrer Regierung:„Das unklare Hin- und Hcrtappen, das bald diese, bald jene Klasse bald zu gewinnen, bald zu demütigen sucht und alle gleichmäßig gegen sich aufbringt, dessen praktische Unsicherheit einen bochkomischcn Kontrast bildet zu dem gebieterischen kategorischen Stil der RegierungSakte.. Die Monarchie„möchte als der patriarchalische Wohlthäter aller Klassen erscheinen. Aber sie kann keiner geben, ohne der andern zu nehmen."...„Von den widersprechenden Forderungen ihrer Situation gejagt, zugleich wie ein Taschenspieler in der Notwendig- keit, durch beständige Ueberraschung die Augen des Publikums auf sich... gerichtet zu halten,... bringt sie die ganze bürgerliche Wirt- schaft in Wirrwarr, tastet alles an, was der Revolution von 1848 un- antastbar schien, macht die Einen rcvolutionsgeduldig, die Andern revolutionslustig und erzeugt die Anarchie selbst im Namen der Ordnung, während sie zugleich der ganzen StaatSmaschine den Heiligenschein abstreift, sie profaniert, sie zugleich ekelhaft und lächer» lich macht." Das ist ungefähr das Höchste, waS die Monarchie,„die keine direkte Klassenherrschaft ist" leisten kann. Karl Marx hat das Bild im 18. Brumaire gezeichnet. Ich ziehe mit Bebel auch die blaueste Monarchie diesem„Interessenausgleich" vor! Ich glaube ja nicht, daß für Deutschland eS sehr notwendig ist, über das Wesen der Monarchie und der Republik Diskussionen anzustellen. Die Monarchie der deutschen Gegenwart läßt eine Konfusion der Vorstellungen über die StaatSfonn nicht aufkommen, eine Konfusion, die entweder zu Naumann oder— Friedeberg führen müßte. Was die bürgerliche Presse über unsre monarchistischen Anwandlungen sagen mag ist gleichgültig. Vereinzelt ist auch ein Partciblatt ans dem Gleichgewicht geworfen worden, wenn eS Bebel in Amsterdam fälschlich dahin verstand(am 14. August): „Die bürgerliche Republik ist eine unverhüllte Klassenherrschaft der Bourgeoisie; sie würde die Schandzustände, die heute der Berliner Koimnunalftcisinn in der Residenz und die Sonnen., uno- kratie in Frankfurt a. M. geschaffen hat, zu deutschen Staats- einrichtungen erheben; sie würde in Deutschland ein Ministerium Richter-Sonnemaiin-Bassermann mit einem Ministerium Richter- Sonnemann-Spahn abwechseln lassen und die beispiellose Nieder- kracht des deutschen Unternehmertums bei Arbeits kämpfen mit blauen Bohnen und Kartätschen bewaffnen." Wenn die Dinge allerdings so stehen, wenn das der einzige Fortschritt einer deutschen Republik ist, daß sie zur bisherigen Nieder- lracht deö llnternchmcrtuinS noch die blauen Bohnen fügt, dann wäre es ja ein Frevel, auch nur republikanisch zu denken, geschweige eine Republik zu erstreben. Auch Kautskys Kunst der höheren Ein- heit würde es nicht fertig bringen, diese Wendung mit Bebels Meinung zu vereinigen, daß auch die blaueste Republik unendlich besser sei als die deutsche Monarchie. Solche momentane Ver- wirrung ist schon deshalb nicht tragisch zn nehmen, weil dassee Blatt gleichzeitig sich bereits korrigierte, indem es wieder zu der Erkenntnis der Wahrheit gelangt ist':„Wo die politische Demokratie ausgebildet ist, wie in England, in der Schweiz, auch in Fraukeich, ist der Einfluß des Nuteruehntertuuis auf die Staatsorgane durch zahlreiche Einrichtungen andrer Art abgeschwächt und durchkreuzt." Aus� einem andren sehr ernsten Grunde habe ich diese Ans- einandersetzniig.begonnen. Ich halte für die wichtigste Frage der Zukunft des SocialiSmns die Bildung einer starken und einheitlichen französischen Soeialdcmokratic. Hiervon hängt das nächste Schicksal der proletarischen Bewegung ab. Eine starke, einheitliche deutsche und eine starke, einheitliche französische Socialdenwkratie ist unüberwiud- lich und von unermeßlichem Einfluß auf die Entwicklung der euro- päischen Verhältnisse. Um dies Ziel zu erreichen, nnißten die Mißverständnisse zwischen der deutschen und der französischen Arbeiterbewegung beseitigt werden. Und um die Mißverständnisse zu beseitigen, ist cS notwendig, daß wir im Interesse der französischen Einheit nicht eine individuelle Richtung unterstützen, deren Taktik in jedem Punkt der deutschen Taktik widerspricht und die sich doch mit einem Schein von Recht auf die deutsche Socialdemokratie berufen kann. Kautsky gilt, ich weiß nicht, ob mit Recht oder Unrecht, als der Sachwalter der Guesdisten für Deutschland. Kautskys Darlegungen über Monarchie und Republik stimmen nun zwar nicht überein mit denen Guesdes in Amsterdam, aber gerade in ihrer unsicheren Zwiespältigkeit sind sie geeignet, Guesdes Theorien wieder zu be- stärken, und deshalb glaubte ich eine bestimmte und unzweideutige Antwort auf die Frage veranlassen zu sollen. Guesde sagte in Amsterdam: „Sie— zu denJaurösisten gewandt— haben gar nicht das Gefühl des Klassenkampfes, von dem Sie sprechen, Sie haben ihn niemals praktisch geführt. Man sieht das sehr gut. wenn Sie auf das Gebiet der historischen Entwickelung der Völker abschweifen, auf Ihre„Rettung der Republik". Nehmen wir einen Augenblick an, daß die Republik durch Ihre Freunde gerettet worden sei, wie so, frage ich Sie, würde die Form der Republik die Befreiung des Proletariats um einen Tag beschleunigen? Bebel sagte Ihnen gestern, daß die republikanische Form das Gebiet sei, auf dem alle Fraktionen der bürgerlichen Klasse sich vereinen, und daß in gewissem Sinne die Monarchie, sofern sie über den Klassen steht, ihr überlegen ist. Er hätte vielleicht auch an das Wort Thiers' erinnern können, das der Ausdruck des Empfindens einer ganzen Klasse ist:„Die Republik ist diejenige Regierungsform, welche uns an, wenigsten trennt". Also selbst wenn Sie die Republik gerettet hätten, so würden sie damit nichts für das Proletariat gethan haben. Wenn das Proletariat, um sie zu retten, wenn sie in Gefahr ist, jedesmal seine Forderungen aufgeben muß, dann ist die Republik die schlimmste der Regie- rungen.... Schauen wir uns einmal die Reformen an, mit denen Sie das Proletariat beglückten. Sie rühmen die Berwelt- lichung der Schule. die Trennung von Staat und Kirche? Nehmen wir an, daß die republikanische Bourgeoisie alles das durchführen würde, so würde dies keine Wirkung haben. Schauen Sie nach Amerika, wo die Kirche vom Staate getrennt ist! Der Unterricht ist trotzdem konfessionell, weil eben keine geistige Befreiung möglich ist vor der völligen Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft. Jauros hat uns weiter gesagt, daß die Majorität Hernr Combes vielleicht nicht fragen werde, da beginne dann die Komödie des Antiklerikalismus wieder von vorn. Soll ich noch vom Zehnstunden-Gesetz sprechen, von dem Sie sich das Verdienst zuschreiben? Das Gesetz ist mitten in der Reaktion 1882 beschlosten worden, und Sie haben nur die Aus- führung um zehn Jahre verzögert. sZwischenruf: Das stimmt nicht! Vaillaut hat das Gegenteil in der Kammer erklärt.) Sie haben angekündigt, daß eine Arbeiter-Jnvalidenunterstützung in Vorbereitung sei; aber sie gewährt den Arbeitern nur den zehnten Teil dessen, was die Monarchie der Hohenzollern den Arbeitern gewährt hat.(Zwischenruf: Sie wissen, daß das nicht wahr ist.) Und was den Krieg anbetrifft, so haben wir ihn 1877 und 1888 vorausgesehen, Sie aber bereiten ihn vor, indem Sie das Militärbudget bewilligen.(Zwischenruf: Das ist wiederum falsch.) Es ist übrigen, nichts Wunderbares, daß Sie so handeln. Ihr Irrtum ist ein fundamentaler. Sie verbinden den SocialiSmus mit der Republik und mit der französischen Revolntion. Wir aber sagen, daß der Socialismus das Resultat rein wirtschaftlicher Er- scheinungen ist, und diese Grundauffassung steht in unversöhn- licheM Gegensatz zu Ihrer Auffassung. Sie machen aus der Republik das erste Kapitel oder das Vorwort des SocialiSmus. Wenn das wahr wäre für Frankreich, dann wäre es auch wahr für alle Länder, deshalb bringen wir eben diese Frage vor das Proletariat aller Länder. Glaubt man, daß die Eroberung der Republik die Lebenslage des Proletariats verbessern würde? Aber Ihr habt so wenig socialistifches Verständnis, daß Ihr annehmt, es gebe in dem historischen Ursprung und in der Augenblickssituatton begründete Unterschiede, die dem Gedanken widersprechen, daß es eine einheitliche socialistische Praxis, eine gleichmäßige internattonale Aktion des Socialismus gebe. Man braucht diese Bemerkungen nur zu lesen, um sofort zu erkennen, daß die deutsche Socialdemokratie nichts mit diesen Anschauungen gemein hat. Bebel zieht die b I a u e st e Republik der Monarchie vor, Guesde hält die Staatsform für gänzlich gleich- gültig. Ja, wenn die Republik nur gerettet werden könne, wenn die Arbeiter ihre Forderungen aufgeben, dann ist sie ihm die schlechteste Staatsform. Welch' unsinnige Hypothese! Die demokrattsche Republik bleibt die beste bürgerliche Staatsform in jedem Fall, und wenn zu ihrer„Rettung" die Arbeiter ihre Forderungen aufgeben, dann würde nicht die Republik die Schuld tragen, sondern die mangelhafte Auf- klärung der Arbeiter oder die schlechte Führung der Socialdemokratie. Guesde hält den Kampf gegen den Klerikalismus für wertlos, eine gute Schule könne erst in der socialistischen Gesellschaft her- gestellt werden. Insofern ist das richtig, als unsre Ideale erst mit Vollendung unsrer Mission erreicht werden können. Aber hat jemals die deutsche Socialdemokratie deshalb unterlassen, auch die kleine positive Verbesserungsarbcit des Tages zu leisten? Guesdes Konsequenz ist der völlige Verzicht auf den Parlamentarismus, auf die Beeinflussung des Gesetzgebers, sie ist das Warten auf den einen großen Tag. Mit einem solchen Guesde könnte, Oven» er in Deutschland wirkte, die Socialdemokratie niemals einig werden, er würde sich unter anarchistischen Eingängern verlieren, Kann man es da für möglich halten, daß auf Grundlage dieses Programms eine Einheit in Frankreich zu stände kommen kann? Das ist unmöglich,» und deshalb sollten wir im Interesse der französischen Einheit ernst und nachdrücklich gegen derarttge Auf- fassuugen Stellung nehmen, anstatt sie scheinbar zu unterstützen. Damit dienen wir der Einheit des ftanzösischen Socialismus, andern- falls wirken wir mit an der Spaltung. Gerade wenn wir diese guesdistischen Meinungen ablehnen, können wir dann um so fruchtbarer auch die jauresistische Taktik kritisiren. Es ist ja der Fluch jeder Socialdeniokratie, die sich spaltet, daß im Gegensatz der Richtungen jede über sich selbst hinaus entartet. Um diese Bemerkungen nicht ins Ungebührliche auszudehnen, verzichte ich für heute auf eine Auseinandersetzung mit dem Jauresismus. dessen schlimmster Fehler mir zu sein scheint, daß er die Bloc-Politik nicht als der Nebel verhältnismäßig geringstes widerstrebend mit- macht, sondern sie überschwänglich als der Güter höchstes preist. Wir sollten unsre französischen Genossen nicht in ihren Irrungen bestärken, weder die einen noch die andren. Dann fördern wir unsrer- seit? den Weg zur Einheit, die— wie Bebel in seinem begeisternden Schlußwort zu Amsterdam prophetisch kündete— der größte Glücksfall der internationalen Socialdemokratie wäre. Ich halte die Dresdener Resolution für ein Manifest der richtigen Taktik, aber es widerspricht dieser Taktik, wenn man— wie Guesde es thut— den Kampf um die Republik, gegen den Klerikalismus für ein Nichts erklärt. Deshalb wollte ich dem möglichen Mißverständnis vorzu- beugen suchen, daß die Ausführungen Kautskys wieder im Bruder- zwist der französischen. Genossen verschärfend und verwirrend benutzt werden könnten. E- partei-JVaebr übten. Lassalle als Diktator. In der„Frankfurter Volksstimme" veröffentlicht Genosse Quarck einen bisher unbekannt gewesenen Brief Lassalles, der ein wichtiges geschichtliches Dokument ist. Der Brief ist an den damals in Solingen lebenden Arbeiter Röser, der, wie aus dem Briefe hervor- geht, Lassalle gegenüber Bedenken geäußert hatte über den Entwurf zu den Statuten des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, ins- besondere über die darin vorgesehene Diktatur des Präsidenten. Der Brief lautet mit allen durch die Eile der Abfassung erklärlichen Flüchtigkeiten— Lassalle stand im Begriffe, nach Frankfurt a. M. zu reisen, als er ihn schrieb—: Lieber Röser, auf Ihre Zuschrift diene zur Antwort 1.) daß die Statuten nicht von mir verfaßt sind, sondern hier vom Oberbürgerm. Ziegler, ich sie vor dem Druck zwar genehmigt, hier und da abgeändert und vorläufig gebilligt habe, aber selbst am 23t. manche Aenderung noch beantragen werde 2.) daß der Punct: Präsident u. Vorstand müssen entscheiden können, wer Arbeiter ist im Sinne des Vereins, absolut notwendig ist. Sonst wird der Verein sofort von Bourgeois ü b e r f l u t h e t u. es ist ein Bourgeois-Verein unter dem Namen eines Arbeitervereins. Dies mutz durchaus ver- mieden werden, sonst unterbleibt der Verein besser ganz. Es giebt aber nicht leicht ein andres Mittel es zu vermeiden, denn objcctiv festsetzen: wer Arbeiter ist u. wer nicht, wäre sehr schwierig und könnte überdies wieder sehr(Anfang der 2. Brief- feite) tüchtige Elemente ausschließen.(Vielleicht kann man eine Elaste außerordentl. Mitglieder, ohne Stimmrecht, anlegen. Aber in Bezug auf die ordentlichen muß es immer bei der Bc- stimmung bleiben) Darüber bin ich sowohl wie Rodbertus ganz fest entschlossen. Sonst arbeiten wir nur den Gegnern in die Hände. 3.) Die Dauer des Präsidiums betrachte ich als offene Frage, ebenso gut 5, wie 4 oder 3 Jahre. L bschon ich nicht glaube, daß man zu 3 Jahren leicht einen sehr tüchtigen Mann finden wird. Denn es ist natürlich daß der Erste die meiste Qual hat um die ganze Sache einzurichten und es denkt nicht jeder so, daß er sich abarbeitet, um alle Resultate davon seinen Nachfolgern zu überlassen. 4.) Wer auch Präsident sei, die Präsidialgewalt muß so d i k- tatorisch als möglich organisiert sein. Sonst ist nichts vorwärts(Anfang der 3. Briefseite) zu bringen. Die indivi- duelle Vielschwätzerci wollen wir den Bourgeois überlassen. Wenn der Arbeiter, u. zwar sogar alte und gute Arbeiter wie Sie noch nicht so weit ist dies einzusehen u. zu begreifen, daß seine Angelegenheiten nur durch energische Diktatur vorwärts gebracht werden können, dann ist's noch zu früh. 5.) Sie würden sich erstaunlich irren, wenn Sie glaubten, daß ich mich danach sehne, Präsident des Vereins zu werden. Wenn ich die Wahl annehme, so würde ich glauben, den Arbeitern das allergrößte Opfer zu bringen, ein noch größeres sogar, als ich ihnen jetzt dadurch gebracht habe, daß ich das wüthige Schreien u. Beschimpfen der ganzen deutschen Presse auf mich genommen habe. Ich bin vielmehr noch keineswegs entschlossen, wenn ich ge- wählt werde, anzunehmen, gedenke das vielmehr von der Zahl der Arbeiter abhängen zu lassen. Ist diese nicht beträchtlich, so kann ich der Sache der Arbeiter viel besser(Anfang der 4. Brief- feite) auf andere Weise nützen, als durch die Annahme der Präsidiums, durch welche meine ganze Zeit occupiert und jeder wissenschaftl. Thätigkeit fast entzogen wird. Wenn aber auch die Zahl beträchtlich genug ist, um mich zur Annahme zu bestimmen, so würde ich es doch nur dann thun, wenn die Entscheidung, ob einer Arbeiter ist oder nicht, wo dies streitig wird, in meiner Hand liegt, die Wahl auf mindestens 3 Jahre geschieht und die Befugnisse so dictatorial als möglich sind. Wenn nicht, kann ich Euch weit mehr in anderer Weise nützen. Dies zur Antwort mit bestem Gruß, eiligst Berlin 12. 5. 63. F. Lassalle. Redakteur und Schriftsteller. Von den Parteigenossen in Dresden-Neustadt wird bekanntlich folgender Antrag an den Porteitag gestellt: „Der Parteitag wolle beschließen: Redakteuren an Zeitungen, die im Parteiverlag erscheinen, ist die Mitarbeit gegen Honorar an andern Zeitungen, politischen und wissenschaftlichen Revuen, Genossenschaftsblättern usw., sowie die Herausgabe eigner Broschüren feriurhin nicht mehr zu gestatten. Die Verleger von Zeitschriften sind gehalten, Arbeiten von angestellten Redakteuren abzulehnen." Die„Bergische Arbeiter st imme" in Solingen bemerkt dazu: „Wir halten dafür, daß der Antrag sehr zeitgemäß ist; wer die Verhälttnsse in unsrer Parteipresse kennt, wird wissen, daß eine ganze Anzahl fest besoldeter Redakteure mehr Zeit auf ihren Nebenverdienst, als auf die aktuelle Ausgestaltung des Blattes verwenden, das sie besoldet." Diese Betrachtungsweise ist unzulänglich. Zunächst hat jede Zeitung Interesse daran, eigne Korrespondenzen aus größeren Orten zu haben. Freie Schriftsteller haben wir aber nur in ganz wenigen Orten des Reiches. Davon abgesehen: Schriftstellerische Arbeit ist individuelle Arbeit, selbst wo eS sich nur um einfache Korrespondenzen handelt. Der Korrespondent muß Thatsachen erfahren können, er muß das Wichtige vom Unwichtigen scheiden können, er muß— bei den besonderen Umständen, unter denen die Presse in Deutschland zu arbeiten gezwungen ist, und bei den besonderen kritischen Auf- gaben-er socialdemokratischen Presse— das Beweisbare vom Un- beweisbaren scheiden können, er muß gewissenhaft und zuverlässig sein, er mutz die Thatsachen richtig beurteilen können und er muß sie dar- zustellen verstehen. Danach muß eine Zeitung bei der Auswahl ihrer Korrespondenten in erster Linie fragen. Was für Tages- zeitungen gilt, gilt in noch höherem Grade für wissenschaftliche Zeit- schristen, für Revuen, für Broschüren usw. Die Kenntnisse, die Urteilsfähigkeit, die Kunst der Darstellung sind ausschlaggebend für die Auswahl der Mitarbeiter und jede Zeitung oder Zeitschrift hat das selbstverständliche Bestreben, die besten, urteilsfähigsten Mitarbeiter zu gewinnen. Auch Agitationsbroschüren leiden nicht darunter, wenn sie von den Tüchttgsteu, den Kenntnisreichsten verfaßt werden. Schließlich hat auch ein Redakteur einmal das Bedürfnis, etwas zu schreiben, zu einer Frage seine Meinung zu sagen, für deren Be- Handlung das von ihm redigierte Blatt nicht die geeignete Stelle ist. Das alles verbieten zu wollen, wäre eine Engherzigkeit, eine Kurzfichtigkeit, die nur der Partei selber schaden würde. Man kann auch keine Rechtfertigung dafür finden, den Redakteuren generell vorzuschreiben, wie sie ihre freie Zeit verwenden sollen. Darüber hat jeder freie Mensch selbst zu bestimmen. Mau kann nur verlangen, daß der Redakteur seinem Blatte gegenüber seine Pflicht thut. Ob er das thut oder nicht, ist von Fall zu Fall zu prüfen. Leistet ein Redakteur für das ihn beschäftigende Blatt nicht das, was nian billigerweise von ihm verlangen kann, dann hat es ja der Verlag in der Hand,»ihn zu entlassen. In dem Dresdener Antrage toird auch davon geredet, daß die Mitarbeit nicht gegen Honorar'crfolgen dürfe: es scheint sonach, daß die Anttagsteller die Mitarbeit ohne Honorar gestatten wollen. Darüber zu reden, erübrigt sich, es genügt die Bemerkung, daß die Zeitungen an der Honorierung ihrer Mitarbeiter ein größeres Interesse haben als die Mitarbeiter. lokales. Die Zwangstaufe eines Berliner Waisenkindes. von der wir vor einigen Wochen Mitteilung machten, sollte nach einer von der Waisenverwaltung uns zugesandten Berichtigung keine Zwangstaufe sein. Es wurde in dieser Zuschrift behauptet, das be- treffende Kind sei„nicht gegen den Willen und ohne Wissen der Eltern" getauft worden. Die Mutter, Frau M., habe im Waisen- hause bei der Aufnahme ihre? Kindes ausdrücklich die Frage, ob die Taufe gewünscht werde, mit„ja" beantwortet. Es ist uns aus Gründen äußerer Art erst jetzt möglich geworden, eine mündliche Rücksprache mit Frau M. über dieses Schreiben herbei- zuführen. Frau M. erklärt, nichts davon zu wissen, daß sie„ja" gesagt habe. Erinnerlich sei ihr jetzt nur, daß man ihr im Waisen- hause einige Zeit nach Ausnahnie des Kindes mitgeteilt habe, das Kind sei nun getauft. Aber vielleicht hat sie inzwischen vergessen, daß sie damals eingewilligt hatte. Wir sind bereit, es ohne weiteren Beweis zu glauben, daß die Waisenverwaltung formell die Ein- willigung der Mutter gehabt hat. Doch das Kind hatte noch einen Vater. In der Zuschrift der Waisenverwaltung wird der Vater, der Ehemann der Frau M., merkwürdigerweise gar nicht erwähnt. Es wird zwar behauptet. daß das Kind nicht gegen den Willen und ohne Wissen„der Eltern" getaust worden sei, aber hinterher wird nur von der Mutter und ihrem Wunsche gesprochen. Der Waisenverwaltung kann nicht unbekannt sein, daß in solchen Dingen der Vater nicht nur gleichfalls mitzureden hat, sondern sogar den Ausschlag geben darf. Hat nun Herr M. eingewilligt? Ist er überhaupt geftagt worden? In der Zu- schrift der Waisenverwaltung steht hierüber, wie gesagt, nichts. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man daraus den Schluß zieht, daß der Vater nicht um seine Einwilligung ersucht worden ist. Herr M. selber versichert uns, man habe ihn thatsächlich nicht gefragt, und er habe von der im September 1903 vollzogenen Taufe erst im Juni 1964 Kenntnis erhalten, nachdem er Verdacht geschöpft hatte und die Waisenverlvaltnug dann auf Aufrage Auskunft erteilt hatte. Mußte Herr M. gefragt werden? Damals war er nervenleidend und befand sich in einer Heilanstalt. Er erklärt aber auf das be- stimmteste, daß er nicht entmündigt worden sei, und seine Frau sowie seine Mutter bestätigen das. Hat man ini Waisenhause aus irgendwelchen Angaben der Frau gefolgert, der Mann sei ent- mündigt? Hat man durch amtliche Nachweise sich vergewissert, daß diese Annahme zutraf? Es ist dringend notwendig, daß die Waisen- Verwaltung auch hierauf noch antwortet, damit volle Klarheit ge- schaffen wird. Wir sind gern bereit, eine nochmalige Zuschrift der Waisenverwalttmg zu veröffentlichen. Aber selbst, wenn man im Waisenhause in allem und jedem nach Vorschrift gehandelt hätte, wenn wirklich die Mutter„ja" gesagt hat, wenn thatsächlich der Vater diesmal nicht mitzusprechen gehabt und die Waiscnverwaltung sich dessen durch amtliche Nachweise Vergewisserthaben sollte, so bleibt doch immer noch ein Punkt, der der.Aufklärung bedarf. Wie kam man überhaupt zu der Frage, ob Taufe gewünscht werde? Geht das die Waisenverlvaltnug etwas an? Mußte man sich nicht sagen, daß in solcher Lage eine solche Frage geeignet ist. einen Druck auf eine Mutter auszuüben? Hat man nicht gemerkt, daß Frau M. froh war, nur die Aufnahme ihres Kindes zu erreichen? Die Mutter erzählt unS, sie habe nachher, als sie das Kind aus dem Waisenhause zurückgeholt hatte, gemeint, daß es nach wie vor religionslos sei. Als religionslos sei es auch der Polizei noch beim nächsten Wohnungswechsel gemeldet worden. Wir vermuten, daß der Vater noch nach Jahren bei der Ein- schulung sein Kind als religionslos hätte buchen lassen, wenn er nicht inzwischen Verdacht geschöpft und sich Aufklärung verschafft hätte. Das kommt davon, wenn die Berliner Waisenverwaltung aus Liebedienerei für die Kirche sich in Dinge hineinmengt, die sie gar nichts angehen und ein ihr anvertrautes Kind taufen läßt, ohne den Vater zu fragen oder ihn nachträglich davon in Kenntnis zu setzen._ Ter Mörder der Margarete Koschorcck verhaftet und geständig. Ueberraschend schnell ist es der Krinnnalpolizei gelungen, ein Kapitalverbrechen, dessen Aufklärung zunächst fast unmöglich erschien, durch Ermittelung und Festnahme des Thäters der Sühne entgegen- zuführen. Der Fall lag, wenn man die Verhältnisse der Millionen- stadt berücksichttgt, verzweifelt. Das Verbrechen lag- vier Wochen zurück, die Leiche war bei der Entdeckung bis zur Unkenntlichkeit verwest. Schon nach wenigen Stunden aber war die Person der Ermordeten an den Kleidern festgestellt und nach weiteren 24 Stunden saß der Mörder geständig hinter Schloß und Riegel. Der Mörder ist der am 14. Januar 1872 zu Dzierwa im Kreise Jnowrazlaw geborene Schuhmachermeister Oskar v. Busse aus der Franseckistr. 39, derselbe Mann, der der Kriminalpolizei anzeigte, die Ermordete am kritischen Tage mit einem verdächtigen Menschen vor der Thür gesehen zu haben, der aber erklärte, in dem verhafteten Kutscher Max Kohn diesen Menschen nicht wiederzuerkennen. Der Befund im Sandkeller, besonders aber die ganze Lage und Beschaffenheit der Leiche brachte die Kriminalpolizei schon bald zu der Ueberzeugung, daß der Thäter nur in dem Hause Fransecki» straße 39 selbst zu suchen sei. In dieser Ueberzeugung wurde sie bestärkt durch alle Angaben über das Wesen des ermordeten Mädchens, das niemals einem Fremden gefolgt wäre. Die nähere Besichttgung der Leiche machte es auch sehr wahrscheinlich, daß der Körper erst nach Eintritt der Todesstarre an den Fundort gebracht und verscharrt worden sei. Auf von Busse lenkte sich dann der Verdacht aus verschiedenen Gründen. Die Ermittelungen ergaben, daß er oft vor seinem Laden herumlungerte und Kinder an sich lockte. Dazu kam, daß er längere Zeit die HauSreinigung hatte und daher mit allen Verhältnissen des Grundstücks, nanientlich auch mit dem Sandkeller durchaus bekannt war. Er wußte überall und in allen Dingen genau Bescheid und konnte nach Lage aller Verhältnisse sehr wohl auch am hellen Tage ungesehen die Leiche von der Wohnung nach dem Keller geschafft haben. Dazu kam ferner, daß er, weil seine Frau verreist war und sein Geselle zum Mittagessen weggeht, über Mittag ganz allein in seiner Wohnung war. Alle diese Verdachtsmomente wogen so schwer, daß sich Kriminal- kommissar Dr. Groß, der die Ermittelungen leitete, gestern entschloß, mit Kriminalkommissar Vonberg und mehreren Beamten nicht nur den Sand im Keller, sondern auch die Wohnung von Busses gründlich zu durchsuchen. Während der Verdächttge einstweilen noch als Zeuge in der Mordsache auf dem Polizeipräsidium vernommen wurde, machten die Beamten in seiner Wohnung die entscheidende Entdeckimg. Vier Wochen nach der That fanden sie dort noch Ueberreste von dem Strohhut, den das Mädchen an seinem letzten Lebenstage getragen hatte. Sie waren zwar angesengt, aber, besonders die Hutschleife. noch so gut erhalten, daß die Mutter der Ermordeten und auch Frau Hahn sie sofort erkannten. Nun war jeder Zweifel an der Schuld des Verdächttgen ge- hoben. Die Beamten fuhren nach dem Polizeipräsidium zurück und Dr. Groß sagte hier von Busse die That auf den Kopf zu. Zunächst leugnete der Beschuldigte und beteuerte seine Unschuld. Als man ihm aber das ganze Belastungsmaterial nach und nach auftürmte, brach er unter dessen Wucht zusammen und legte ein umfassendes Geständnis ab. Hiernach lockte er das Kind, das er kannte wie es ihn. am 3. August nachmittags um 2 Uhr in seinen Laden und nahm es von dort in feine Küche mit, um es zu vergewaltigen. Als das Kind, bevor er.dazu kam, um Hilfe rufen wollte, bekam er Angst, und aus Furcht vor Strafe beschloß er nun, es ums Leben zu bringen. Er packte sein unschuldiges Opfer in sein Bett und erstickte es mit dem Kopfkissen. Die Leiche verbarg er dann unter dem Bettzeug, bis sie vollständig erstarrt war. Dann trug er sie noch am hell- lichten Tage unbemerkt nach dem Keller und verscharrte sie im Sande. Als ob nichts geschehen wäre, ging der Mörder dann wieder seiner Befchästigung nach, und wenn später die Rede auf das ver- schwundene Mädchen und die ergebnislosen Nachforschungen nach feinem Verbleib kam, sprach er ganz unbefangen und als ob er von nichts wüßte, darüber mit. Der Verhaftete bleibt die Nacht über noch im Gewahrsam des Polizeiprüsiduuns und wird morgen vor- mittag von der Kriminalpolizei nach dem Untersuchungsgefängnis gebracht. Stadtrat Dr. Münstcrderg tritt heute einen längeren Urlaub an. Er begiebt sich nach Amerika, um einer Einladung des Jnter- nationalen Wissenschaftlichen Kongresses in St. Louis Folge zu leisten und in den größeren Städten Nerd-Amerikas sich über die Ver- loaltungs-Irinrichtungen, insbesondere auch über die dort bestehenden Wohlfahrtseinrichwiigen zu unterrichten. Die Vertretung in den Geschäften der städtischen Armeudirektion hat Stadtrat Heller über- nommen. Die elektrische Hoch- und Uatergruiidbahn fängt an, witzig zu werden. Sie läßt ankündigen, daß sie FahrpreiS-Reformen einführen will und kommt dann mit einer Neuerimg. die ungefähr soviel Wert hat wie Fahrpreisänderungerl für Reisen nach dem Mond. Vom 13. Septeinber tritt bei der elektrischen Hoch- und Untergrundbahn für gemeinsame Schülerfahrten nämlich eine Ermäßigung ein; jedoch müssen mindestens 130 Personen daran teilnehmen. Die Hochbahn stellt datür Sonderzüge. Die Beförderung geschieht zum halben Fahrpreise, jedoch nicht unter 10 Pf. für die Person in der dritten Wagenklasse. Für derartige Fahrten muß ein s ch r i f t- licher Antrag spätestens 24 Stunden vor Antritt der Fahrt erfolgen. Eine Aufsichtsbehörde, die ihre Aufgabe im Interesse des Publikums zu erfüllen sucht, sollte mit der Betriebsleitung über einen so blutigen Hohn ein kerniges Wort Deutsch reden. Einen Vorteil hat ja die Rücksichtslosigkeit der Hochbahn-Direktion, die sich bis jetzt noch nicht einmal zur Einführung von Abonnementskarten bequemt hat. Sie zeigt, wie unverantwortlich es ist, einer Privat- gesellschaft das öffentliche Verkehrswesen zur Ausbeutung zu über- lassen. Alkoholvorträge sollen einem hiesigen Blatt zufolge demnächst in den ersten Klassen der Berliner Gcmeindeschnlen für Mädchen ge- halten werden. Die Gefahren deS Alkohols haben den Verein Berliner VolkSschullchrerinncn veranlaßt, sich an die städtische Schuldeputation mit der Bitte zu wenden, ihr die Aulen der Gemeindeschulen für Zwecke der Belehrung der Kinder zu über- lassen. Es sollen populäre Vorträge für die Schülerinnen der ersten Klassen gehalten werden, um die kurz vor der Kon- firmation stehenden Mädchen vor den Gefahren des Alkohols zu warnen. Ein Vortrag der bekannten Vorkämpferin für die Ab- stinenz, Frau Hellenius aus Helsingfors, dem ein Vertreter der städtischen Schuldeputation beiwohnte, war die Veranlassung gewesen, daß die Behörden dem Ersuchen Folge gegeben haben. Probevorträge sollen nun in den Schulen gehalten werden. Es ist ja anerkennenswert, daß auch die Mädchen auf die Ge- fahren des Alkohols aufmerksam gemacht werden, aber näher läge es eigentlich, mit solchen Vorträgen zunächst bei den Knaben an- znfangen. Acnderungcn in den Fernsprechämtern. Der!Uebergang zur Doppelleitung und die gleichzeitige Verlegung der Leitungen unter die Erde in ein Fernsprechnetz von Berlin und seine Nachbarorte läßt es aus betriebstechnischen Gründen nicht vermeiden, die Bezirke der Fernsprechämter zum Teil anders abzugrenzen. Wie schon in Berlin muß auch in Charlottenburg ein Teil der Anschlüsse, die bis- her an die Berliner Fernsprechämter 6, Sa und S herangeführt waren, an das eigentliche Charlottenburger Fernsprechamt angeschlossen werden. Wo es irgend möglich ist. wird bei der Um- schaltung die alte Nummer der Anschlüsse beibehalten. Im Ver- zeichnis der Teilnehmer ändert sich somit lediglich die Bezeichnung der Vernnttelungsanstalt. Auch die Angabe des Postbezirks und des bestellenden Postamtes wird selbstverständlich nicht geändert. Ferner hat das Fernsprechamt Charlottenburg die Bezeichnung„Berlin- Charlottenburg" erhalten. Die Umschaltung wird gleichzeitig mit der Ausgabe des neuen Verzeichnisses der Teilnehmer erfolgen, und zwar in der Nacht vor dem Morgen, an dem da- Verzeichnis aus- gehändigt wird. Die Teilnehmer, deren Anschlüsse umgeschaltet werden sollen, haben jetzt eine entsprechende Mitteilung von der kaiserlichen Ober-Postdirektion erhalten. Es sind im wesentlichen die Straßenzüge westlich vom Wittenberg-Platz und der Bayreuther Straße. Der gesperrte kluge HanS. Der kluge Hans wird von heute ab, wie wir hören, n i e m a-n dem mehr gezeigt. Die von Herrn v. Osten gewünschte wissenschaftliche Kommission ist bereits durch eine Anzahl erster Fachgelehrter gebildet worden und wird jetzt das Tier eingehend prüfen. Zuschauer würden dabei störend wirken. Schülerparade zur Parade. Der„Berliner Zeitung" schreibt ein Leser:„Im öffentlichen Interesse fühle ich mich veranlaßt, Ihnen Mitteilung zu inachen, daß die Gymnasiasten bis zur Sexta herab zur Parade mobil gemacht werden, darunter also auch zehnjährige Knaben, die stundenlang dem nicht gefahrlosen Aufenthalt auf der Paradestraße, verbunden mit Staub und Hitze oder auch Regen, auS- gesetzt lverden, allerdings unter Aufsicht des Lehrers, dem eine nicht zu kleine Verantwortung daraus erwächst. Eine Sexta, die ich be- sonders im Auge habe, hat sich um S1/, Uhr morgens auf dem Schulhof einzufinden, lim voraussichtlich per Straßenbahn— sie liegt im Osten— dem Paradefeld entgegengeführt zu werden. Der Aufenthalt dortselbst ist auf ca. 4 Stunden veranschlagt worden, und es bleibt nach der Auflösung der Parade jedem Schüler überlassen, einen beliebigen Nachhauseweg zu wählen. Also vier Stunden Stillstand: nette Aussichten für Lehrer und Schüler! Glücklicherweise ist es den Eltern der Schüler gestattet, ihre Söhne zurückzuhalten und von diesem Recht ist auch Gebrauch gemacht worden, aber immerhin werden von der in Rede stehenden Klasse ca. 30 Schüler Gelegenheit nehmen, sich unser Kriegsheer aus nächster Nähe anzusehen. Ob die Knaben geistig von diesem Äusfluge pro- fitieren werden, lasse ich dahingestellt, aber hinweisen möchte ich nochmals auf die physischen und moralischen Gefahren, die den Kleinen auf diesem Wege erwachsen können, und die jeder kennt, der einmal gezwungen war, sich durch die die Paradestraße belagernden Massen hindurch zu winden." Von den Eltern der G-meindeschüler darf man wohl durchweg annehmen, daß sie die Gefahren einer Beteiligung an der Parade erkennen und wohlweislich ihre Kinder von diesem Schau- spiele fernhalten. Als eine gefährliche MKdchcnhändlcr-Gcscllschaft hat sich die Familie Golda entpuppt, welche unter der Angabe. Flüchtige auS Kischincw zu sein, es verstanden hat, von verschiedenen jüdischen Hilfskomitees in Europa bedeutende Geldunterslützniigen zu er- langen. Dem Berliner Hilfskomitee, an welches sich diese Familie während ihrer Durchreise ebenfalls gewandt hatte, kam die Gesell- schaft verdächtig vor und das Komitee benachrichtigte davon das deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels, weil sich in Begleitung der Goldaschen Eheleute drei junge Mädchen befanden. Diese behaupteten auf Befragen, daß sie Kinder resp. Schwiegertochter der GoldaS wären, und da nichts Gegenteiliges zu beweisen war, mußte man die Gesellschaft weiter reisen lassen. � Das Deutsche National-Komitee benachricht-gte' aber trotzdem die Association national Argentina um die Goldas bei ihrem Eintreffen in Buenos Aires anhalten zu lassen. Wie wir bereits vor zwei Monaten mitteilten, hatte das argentinische Komitee festgestellt daß die Golda eine berüchtigte Mädchenhändlerin aus'Odessa sei. und veranlaßte die sofortige Verhaftung des Ehe" paare» in der argentinischen Hauptstadt. Em nunmehr von der Association national«rgentma bei dem hiesigen Deutschen Nationock- Komitee eingetroffenes Schreiben bestätigt, daß es thatsächlich ge- lungen ist. eine der gefährlichsten Mädchenhändler-Banden festzunehnien. Die Golda betreibt schon längere Zeit gemeinsam mit ihrem Manne und wahrscheinlich mit mehreren Unteragenten einen Handel, mit jungen Mädchen, die sie zumeist aus Rußland nach Argentinien exportiert und dort an öffentliche Häuser verlauft. So konnte festgestellt werden, daß sie bei ihrer vorletzten Reise von einem Bordellbesitzer 1800 M. für eine junge Russin, die sie dort ablieferte, erhalten hat. In Begleitung der Goldas befanden sich bei ihrer letzten Reise drei junge Mädchen und ein Mann, die ebenso wie die Goldas mit gefälschten Pässen reisten. Das Goldasche Ehepaar wurde sofort nach seiner Ankunft in Buenos Aires festgenommen und es stellte sich nunmehr heraus, daß die Verbrecher die drei Mädchen unter falschen Vorspiegelungen zu der Reise verführt und sie veranlaßt hatten, auf Befragen zu erklären, daß sie seine Töchter seien. Das eine Mädchen wurde nur dadurch zur Mitreise be- wogen, daß der Begleiter der Goldas, ein Bildhauer, mit ihm eine Scheinehe einging. Nach Feststellung dieser Thatsache vor der Behörde in Buenos Aires erklärte sich nunmehr der„Ehemann" bereit, eine gesetzliche Ehe einzugehen und das Paar wurde in der dortigen russischen Synagoge getraut. Den beiden andren Mädchen verschaffte das Komitee Stellungen, während die Goldas in Haft behalten wurden. Die Golda war bereits wegen mehrfachen Kindesmordes zu langjähriger Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt worden. Das entmenschte Weib hatte seine eignen Kinder getötet. Wegen Erpressung an einem bekannten, CentrumS-Abgeordneten ist ein„Bankier" Kcllerhoff verhaftet worden. Es handelt sich um Angelegenheiten, die unter den§ 175 des Strafgesetzbuches fallen. Der Verhaftete hat. wie uns mitgeteilt wird, mit einem früheren Friseurgehilfen in Geschäftsverbindung gestanden, der sich intimer Beziehungen zu einer Standesperson rühmt. Die Polizei ist in dieser unsauberen Angelegenheit auch dein zweiten Erpresser auf der Spur. Eine Bermehrnng der Automodildroschkcn steht nach Mitteilungen aus Fuhrherrenkreisen in Aussicht. Die kursierenden Automobil- droschken haben Tag und Nacht zu thun, so daß täglich Dutzende von Fahrgästen wegen des ungenügenden FiihrparkeS zurückgewiesen werden müssen. Während sie in der ersten Zeit ihrer Einführung meist nur der Kuriosität halber zu Vergnügungsfahrten benutzt wurden, haben sie sich jetzt auch im Geschäftsverkehr so sehr ein- gebürgert, daß einzelne Droschken fast den ganzen Tag hindurch von den Beamten und Besuchern eines einzigen großen Instituts, einer Fabrik, Bank oder Versicherungsgesellschaft usw. mit Fahrgästen ver- sorgt werden. Die tägliche Dnrchschnittseinnahme einer Automobil- droschke stellt sich auf 30—40 M.. eine Summe, welche die gewöhn- lichen Droschken selbst in den besten Geschäftsgegenden schon lange nicht mehr erreichen. Das Polizeipräsidium teilt mit: In der Nacht zum Montag gegen 12l/2 Uhr wurde in der Nathausstraße auf dem Bürgersteige ein 30 bis 33 Jahre alter, dem Arbeiterstande angehöriger un- bekannter Mann in einer Blutlache liegend leblos aufgefunden. Er ist 1,70 Meter groß, kräftig, hat rotblondes Kopfhaar, kleinen rotblonden Schnurrbart, war bekleidet mit dunkelbraunem Schlapphut. dunkel- braunem, karrierten Jackett, schwarzer Weste, grauem Trikothemd, ledernen Leibriemen, schwarzer Hose, zerrissenen Zugstiescln mit Gummizug und Lederbesatz. Am linken Unterschenkel hatte die Leiche einen frischen, von Blut durchtränkten Verband über einen frischen Krampfadcrbruch. Mitteilungen über die Persönlichkeit des Un- bekannten können in jedem Polizeireviere und im Zimmer 324 des königl. Polizeipräsidiums zu Nr. 7934 IV/27. 04 gemacht werden. Abermals ein Rangierer getötet. Am Dienstagnachmittag gegen 2 Uhr wurde der Rangierer Adelhöfer, als er bei dem Anhängen von Wagen auf Station Grunewald beschäftigt war, von dem Tritt- brett des einen Wagens in die Seite gestoßen. Der Rangierer fiel vom Wagen herab und erlitt einen Bruch des rechten Armes. Er wurde nach dem Krciskrankenhanse auf Westend gebracht, verstarb jedoch noch am selben Abend, anscheinend an den Folgen schwerer innerer Verletzungen. Im Schlafe verunglückt ist der Möbeltransporteur Karl Wenzel, Tieckstr. 4 wohnhaft. Er hatte gegen 10 Uhr abends den Vorder- Perron des Wagens 1239, der in der Richtung nach dem Görlitzer Bahnhof fuhr, bestiegen. Infolge der schweren Arbeit, die er tags- über zu bewältigen gehabt hatte, war W. außerordentlich ermüdet. Er lehnte sich gegen die Thür des Vorderperrons und scheint fest eingeschlafen zu sein. Als der Wägen auf der Fahrt über die Alfen- brücke eine Kurve machte, stürzte der Schlafende vom Perron. Glück- licherweise kam er neben den Straßenbahnwagen zu liegen. Er er- litt eine klaffende Wunde am Hinterkopf und wurde mittels Droschke nach der königlichen Charitö gebracht. Nach Anlegung eines Not- Verbandes konnte er den Weg nach seiner Wohnung allein fortsetzen. Ein Schiffspirat, der unfern Spree- und Havelschiffern schon viel Schaden zugefügt hat, ist gestern in Brandenburg an der Havel dingfest gemacht worden. Dieser Specialist in Schiffsdiebstählen patzte stets die Gelegenheit ab, sobald die Schiffer ihre Fahrzeuge verlassen und sich nach dem festen Lande begeben hatten. Alsdann brach er in die Kajütten ein und stahl, was nicht niet- und uagel- fest war. Gestern nachmittag bemerkte ein Brandenburger Kriminal- beamter, daß ein junger Mensch von dem am Hafenquai verankerten Schleppdampfer„Emil" kam und sich eiligst entfernen wollte. Der Verdächtige wurde verhaftet und bei ihm eine Taschenuhr gefunden, die dein Steuermann des Dampfers gehörte. Der Dieb ist ein zwanzigjähriger Schiffer Kobs. Er wurde, nachdem er zuvor dem Bertillonschen Meßverfahren unterworfen worden, dem Amts- gericht zugeführt. Der Verhaftete ist geständig, eine größere Anzahl gleicher Diebstähle verübt zu haben. Bei der Arbeit erstickte der 22 Jahre alte Stukkateur Behnert aus Schöneberg. Er hatte in einem Keller zu thun. Im ersten Stock brannte zum Austrocknen seit 24 Stunden ein Kanonenofen, der mit Cooks geheizt wurde. Während nun der Stukkateur, der sich allein im Keller befand, auf einer Leiter stehend ein Loch in die Decke brach, drang von dem Coaksofen her durch ein Rohr Kohlen- oxydgas ein. Behnert merkte das nicht, fiel endlich betäubt von der Leiter herab und blieb bewußtlos liegen. Als man ihn später fand. ivar er bereits erstickt. Ans Eisciibahiibeamte hat es ein Schwindler abgesehen, der im Osten der Stadt aufttitt. Er schwindelt ihnen vor, daß er auf dem Wege nach Berlin beraubt sei, und veranlaßt sie durch die Vor- spiegelung. daß er hier eine große Sendung Gänse erwarte, ihm größere oder kleinere Beträge zu leihen. Wenn er gerade keinen Bahnbeamten findet, der ihm aushilft, so verschmäht er auch das Geld von Privatleuten nicht. Der Gauner ist 23 bis 30 Jahre alt und 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und Schnurrbart, eine untersetzte Gestalt und ein volles, blasses Gesicht und ttägt einen dunkelgestreiften Jackettanzug und am kleinen Finger der linken Hand zwei silberne Ringe. Verhaftet wurde ein Handlungsgehilfe Michaelis Cohn, der sich an Kindern vergangen hat. Ter ivegen Sittlichkeitsverbrechens vor- besttafte Mann war in einem Cigarrengeschäft in der Zionskirchstraße als Verkäufer angestellt. Er lockte Kinder von der Straße in seinen Laden und nahm an ihnen in dem dunklen Raum hinter dem Laden- tische unzüchtige Handlungen vor. Lebensgefährliches Gedränge bei eine», Brande am Hackcschen Markte. Gestern abend spielten sich auf dem Hackeschen Markte tln.biilente Scenen ab. In dem großen Eckhause Hackescher Markt und Rosenthalerftraße 42 und zlvar in einer Mansardenwohnung Inar Feuer ausgekommen, das alsbald auch auf den hohen Eck- '.»rm übersprang. Da die zuerst an der Brandstelle eingetroffenen Löschzüge Nr. 1 und 13 keine Dampfspritzcn mit sich fiihrten, so reichte der erzielte Hydrailtendruck nicht vollständig aus, um bei der enormen Höhe wirksam zu sein. Brandinspektor Julius alarmierte daher schleunigst noch zwei Dampfspritzenzüge, worauf dann über die Treppe und eine am Turme angelehnte mechanische Leiter hinweg mit mehreren Schlauchleitungen eingegriffen wurde. Der brennende Turin bot einen hübschen Anblick dar. Branddirektor Giersberg war auf den zweiten Alarm hin ebenfalls herbei- geeilt und leitete eine Zeitlang die Ablöschung. die innerhalb einer Stunde erfolgen konnte. Tauseude von Zuschauern hatten sich in der Umgebung der Brandstelle aiigesammelt, und ein starkes SchutzmannSaufgebot konnte nur unter größter Anstrengung die Ordnung aufrechterhalten. Dieses war um so notwendiger, als der Straßenbahnverkehr wenigstens in der Richtung von Norden her auf- rcchterhalteii wurde. Zeitweiseschwebten die Passanten wirklich inGesahr, unter die Räder der Elektrischen und der Omnibusse zu geraten. Anstatt mm aber den Weisungen der Polizei zu folgen, gefielen sich nament- lich jugendliche Burschen darin, die Polizisten zu verhöhnen und ein Gejohle anzustimmen. Einige der Hauptschreier wurden sistiert.'— Die Maiisardenwohnung ist vollständig ausgebrannt, ebenso ist der Eckturm total zerstört. Entstanden ist das Feuer dadurch, daß in der Mansardenwohnung Betten ausgebreitet waren, die durch Un- Vorsichtigkeit in Brand gerieten. Fcuerbericht. Gestern früh gegen 3 Uhr kam in der Turmstt. 13 auf nicht ermittelte Weise auf der Kegelbahn des Gastwirts Schmidt Feuer aus, das erst bemerkt wurde, als bereits_ der ganze Kugelfangraum in Flammen stand. Der nur vier Häuser weiter liegende 15. Löschzug war schnell zur Stelle und es gelang ihm innerhalb einer halben Stunde, jede Gefahr zu beseitigen.— Vorher war am Arkonaplatz 1 ein Motorrad in Brand geraten, während in der Französischenstr. 30 allerlei Verpackungsmaterial durch Feuer ver- nichtct wurde.— Möbel, Decken und Kleidungsstücke gingen bald nach Mitternacht in der Frilchtstr. 32 in einer Wohnung in Flammen auf, die indes vom siebenten Löschzuge bald erstickt werden konnten.— In der Jahnstr. 21 mußte später ein Feuer beseitigt werden, das in einem Keller entstanden war und allerlei Gerümpel und alten HauSrat ergriffen hatte.— Zur selben Zeit erfolgte ein Alarm nach dem Exerzierplatz in der Schwedtcrstraße. Dort war böswillig an den Zaun Feuer gelegt worden, doch konnte die Gefahr in kurzer Zeit beseitigt werden.— Durch Entzündung von Petroleum kam in der Slvinemünderstr. 97 Feuer auS, das in der Hauptsache Wäschestücke vernichtete.— Abends gegen 10 Uhr wurde die Wehr dann noch per Telephon nach der Wilhelmstr. 32 gerufen. Es lag aber hier keinerlei Feuersgefahr vor, sondern es hatte sich jemand anscheinend nur einen Spaß machen wollen. Ein derarttger Spaß kann aber unangenehme Folgen nach sich ziehen! wenn man bedenkt, daß es doch kurzweg eine böswillige Alnrmierung ist, über die die Gerichte jetzt schwere Strafen verhängen._ Die zweite städtische Handwerkerschille, Andreasstraße t/2, er- öffnet ihre Unterrichtsknrse, die wiederum eine wesentliche Erweiterung erfahren haben, am Donnerstag, den 13. Oktober er. Die Schule hat auch in richtiger Erkenntnis der Schwierigkeit, die vielen Eltern aus der rechtzeitigen Unterbringung ihrer eben auS der Schule entlassenen Söhne in eine geeignete Lehrstelle und be- sonders aus der Wahl eines passenden Berufes erwächst, nach dem uns vorliegenden Programm für das Winterhalbjahr eine Einrichtung getroffen, die in einer Tagesvorklasse bis zum Beginn der praktischen Lehrzeit Anfängern kunstgewerblicher und gewerblicher Berufsarten Unterricht in den zeichnerischen und bildnerischen Vorkursen usw. bietet und außerdem solchen Jünglingen, die noch keinen Beruf gewählt haben, Gelegenheit gicbt, ihr Geschick in der zeichnerischen und bildnerischen Darstellung zu erproben und danach zuversichtlicher einen geeigneten Beruf wählen zu können. Vielen Eltern dürfte der Hinweis auf diese Tagesklasse, in der während der Wochentage von morgens 8 Uhr ab Unterricht erteilt wird, sehr erwünscht sein, um ihren Söhnen bis zum Eintritt in die Lehre eine angemessene und nützliche Beschäftigung zu geben. Anmeldungen hierfür werden noch im Schulhause Andreasstr. 1/2 durch den Direktor Tradt entgegen- genommen. HanS, das denkende Pferd, ist die neueste Einlage in der Operette „Venus auf Erden" im Apollo- Theater. Robert Steidl wird als Herr von„Slld-Osten" die kluge Rosinante vorführen und dabei von Martin Kettner assistiert werden. Der Cirkns Busch, dessen Wiedereröffnung voraussichtlich im Laufe dieses Monats stattfinden dürfte, wird sich den Berlinern dieses Mal in einem völlig verjüngten, verschönerten und zeitentsprechend praktischem Gewände präsentieren. Im Laufe dieses Sommers sind nämlich ganz bedeutende bauliche Veränderungen im Innern des Hauses vorgenommen worden, die vor allem eine Erweiterung der Bühncnräume bezweckten, denn schon lange entsprach das kleine bis- herige Bühnenpodium und ursprüngliche Orchester den Zwecken dieses circensische» Rieseninstituts nicht mehr in dem Maße, wie es die Ausstattungspantomimen mit ihren Massenentfalhmgeii von Menschen und Tiermaterial wünschenswert erscheinen ließen. Der Ecntralverein für Arbeitsnachweis, Gormannstr. 13, ersucht uns, folgendes bekannt zu geben: Der Verein hat mit seiner im März d. I. eröffneten Abteilung für Lehrlinge gute Erfolge erzielt. Auch jetzt zum Oktober haben sich eine große Anzahl Lehrlinge ein- schreiben lassen. Um ihnen passende Lehrstellen nachweisen zu können, werden die Herren Geschäftsinhaber und Meister wiederum auf diese kostenlose Einrichtung mit dem Ersuchen hingewiesen, sich ihrer bei Besetzung der etwaigen Lehrstelle» zu bedienen. Hiid den Nachbarorten. Dalldorf. Sonnabendabend 8 Uhr findet im Lokale des Herrn Kall„Zur Mühle" die Monatsversammlung des Wahlvereins für Waidmannslust und Umgegend statt. Tagesordnung: Wie fördern wir unsre Organisation? 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen aller Mitglieder wird erwartet. Wahlvcrci» AdlerShof. Die Ausgabe der Bibliothekbücher findet fortan jeden Sonntagvormittag von 11—12 Uhr im Laueschen Lokale, Bismarckstr. 10 statt. Bei der Entnahme von Büchern ist das Mitgliedsbuch als Legitimation mitzubringen. Kominiinal-Ziistttnde in Dalldorf. Die Gemeinde hatte im Jahre 1903 eine Ausgabe von 121 318,28 M., der eine Einnahme von 12g 060,84 M. gegenüberstand. Das Gesuch einer Lehrerin, ihr die Mietsenlschädigung von 240 M. auf 300 M. zu erhöhen, wurde abgelehnt. Man war der Ansicht, daß schon für 240 M. Wohnungen zu haben seien; die Mehrheit legte sich allerdings nicht die Frage vor, welcher Art denn diese Wohnungen sind. Mehr Eni- gegenkommen fand der Gemeindevertreter Hempel, der in außer- amtlicher Eigenschaft Direktor der Borsigwalder Terrain- A k t i e n g e s e l l s ch a f t ist. Es handelt sich um die Frage, ob die Gemeinde der Gesellschaft aufzuerlegen habe, eine ihrer neuen Straßen mit Reihensteinpflaster zu 150 M. den laufenden Meter oder mit sächsischen Kopfsteinen zu 100 M. zu pflastern. Statt, wie es sich gebührt, in dieser Angelegenheit seine Stimme nicht in die Wagschale zu werfen, stinunte Herr Hempel mit Seelenrühe für die geringwertige Pflasterung und erreichte so, daß mit sieben gegen fünf Stimmen die vorteilhaftere Bedingung angenommen wurde.— Dann klagte man in der Gemeindevertretung über Mangel an Idealismus bei den Arbeitern und das kam so. Der Unternehmer Lauert, der für die Pflasterung der Rosenthalerftraße anfänglich 68 000 M. haben wollte, dann aber in der Submission mit 61 000 M. vorlicb genommen hatte, wollte wegen des Rammerstreik s seinen' am 13. August abgelaufenen Bcrttag bis zum 30. September verlängert haben und um die 20 M. Konventionalstrafe herumkommen, die er für jeden Tag über den 13. August hinaus zu zahlen hat. Unsre drei Parteigenossen Eckardt, Krickel und Adam leuchteten den bürgerlichen Herren prompt heim, als die erwähnte Klage über die ausständigen Arbeiter laut wurde; sie konnten aber leider nicht verhindern, daß die Mehrheit dem Wunsche des Unternehmers willfahrte. Nach- dem so Herr Lauert großmütig 900 M. Strafgelder geschenkt erhalten hatte, besann man sich auf die schlechten Finanzverhält- nisse der Gemeinde und lehnte dieses Mißstandes wegen den An- trag auf Anschaffung einer Uhr für das Schulhaus in Borsig- Walde ab. Ebenso hielten die bürgerlichen Herren es für angebracht, einem Invaliden mit 750 M. Einkommen und einer armen Witwe mit vier Kindern Steuern abzuverlangen. Runimelsburq. In der Frage der Unterhaltungskosten für die Boxhagener EHmissee zwischen der Weichbildgrenze Berlins und dem Wißmannplatz wurde dem Gemeindeborstand mitgeteilt, daß sich die Gemeinde Lichteicherg.«uttmehr zur Zahlung einer einmaligen Ab- fiudnngsfumme von 25 000 M. bereit erklart hat. Die Vertretung erteilt zu diesem Abk ouimen ihre Zustimmung.— Zur Entfernung des dem Verkehr seh r hinderlichen Teils der Eisenbahnunterführung im Zuge der Markt straße und Alt-Boxhagen wurden 600 M. be willigt. Wen» auch zugegeben werden muß, daß hierdurch eine kleine Erleichterung im Verkehr geschaffen wird, so wird die Ge- meinde sich doch über! kurz oder lang dazu entschließen müssen, einen gänzlichen Umbau der Eisenbahnbrücke vorzunehmen. Umsomehr als alle bisherigen Verisuche, den Eisenbahnfiskus zum Umbau der Brücke zu bewegen, erfolglos waren.— Vom Genossen Ritter wurde abermals der Antrag eingebracht, für die neuerbaute Volksschule in Boxhagen die Mittel zur Errichtung von Brausebädern zu bewilligen. Der An trag wurde zur veeiteren Beratung der Baukommission über wiesen. Ob man sich jetzt endlich dazu versteht, auf dem Gebiete der Schulhygiene einen Schritt weiter zu gehen? Die Errichtung eines Kindergartens von privater Seite gab wieder Anlaß zu einer längeren Diskusston. Man ivar allgemein im Gegensatz zum Gemeindevorstaud der Ansicht, daß etwas Ersprießliches nur von der Gemeinde geschaffen roerden könnte. Der Ansicht eines Vertreters daß ein Bedürfnis überhaupt nicht vorliege, da ja die armen Kinder in der hiesigen„Krippe" für ein Entgelt von 10 Pf. pro Woche aufgenommen würden, wurde vom Genossan John zurückgewiesen, indem er darauf hinwies, daß in der l-er Kirche gehvrimdcn Krippe nur Kinder von religiös denkenden Eltern aufgenommen würden, wohingegen Kinder konfessionsloser Eltern dort keinen Zutritt hätten.— Zum Schluß ersuchte Genosse John den Gcmeinl'evorstand um näheren Aufschluß über das Bau Unglück beim Schnlbau in Boxhagen. Der Gcmeindevorstand er- klärte, dach bisher die Untersuchungen nichts Bestimmtes ergeben hätten: dc'ch sei wohl anzunehmen, daß der dort verwandte Cement entweder cms unbekannten Gründen nicht genügend gebunden habe oder daß>'-r minderwertig gewesen sei. Eine Untersuchung durch einen vereid.etcn Gerichtschemiker werde das Nähere ergeben. Auch ein Denkmal. In dem Bett der Havel, das seit Menschen gedenken nicht sichtbar geworden ist, hat mau der Dürre einen Denk- stein mit der Jlahre>tzahl 1304 gesetzt. Die Fähre von Pritzerbe hat lvegen des nie drigvn Wasserstandes verlegt werden müssen. Die Havel, die dort stellenweise über 105 Meter breit ist, wird jetzt täg lich von der lü'-ßm Jugend durchwatet. Dabei haben die Kinder kürzlich einen Riesenzander von etwa 1 Meter Länge im Gewicht von 15 Pfund gefangen, der aufs Trockene geraten und ganz er- mattet war. In Schiineverg finden in nächster Zeit abermals Ersatzwahlen zum Stadtparlament statt. Die Wahlen für die verstorbenen Herreu lliösner und Strauck, die der ersten und zweiten Abteilung an- gehörten, sind auf den 20. September angesetzt. In richtiger Würdigung ihrer verantwortungsreichen Thätigkeit giebt man den Wählern der ersten Abteilung dreiZSiuiideu. denen der zweiten Abteilung schon fünf Stunden Zeut zur Erledigimg des Wahlgeschästs, wenn von einer„Wahl" üb erst uipt die Rede sein kann. Der angeschenste vom Stammtisch hat wol'l meist die größten Chancen,„Stadtvater" zu werden, und die abgcg ebene Stimmenzahl steht dazu im richtigen Verhältnis. Den genannten beiden, denen im März der Stadt- vcrordnetcn-Vorsteher G. D'üllcr voranging, ist nun noch der Stadt- verordnete Rentier Gründl gefolgt, der seit 1900 den 5. Bezirk der zweiten Abteilung„vertrat".— Von der dritten Abteilung scheiden im nächsten Jahre noch aus die Stadtverordneten Bergemann (6. Bezirk). Brauereidirektor Finde(5. Bezirk). Ingenieur Gallandi (10. Bezirk), Klempnermeister Genosse M a s u ch(3. Bezirk), Rentier Spat(7. Vezirt).__ GcncbtB-Zeitung. Mit dem Einwand der NinznrechnungSfähigkcit hat auch der frühere Fabrikbesitzer Gustav ist i s ch o f operiert, der zur Zeit eine einjährige Gefängnisstrafe oerbüßl und gestern der ersten Straf- tammer des Landgerichts I Uvegen eines Schwindels vorgeführt wurde, der seinen früheren T-trafthaten gleicht wie ein Ei dem andern. Bei einer in der I avalidcnstraße wohnenden Zimmer Vermieterin erschien eines Tagns ein Mann und mietete für seineu Bruder, den„Oberstabsarzt Du. Kimkcy" ein Zimmer. Er erklärte dabei, daß sein Bruder nach Berlin versetzt worden sei, aber erst in einigen Tagen hier eintreffen werde. Roch zwei Tagen sprach der- selbe Mann bei der Vermieturin vor und ersuchte sie, etwa für seinen Bruder nach Berlin eingehende Pakete in Empfang zu nehmen und das Porto dafür zu verauslagen. Gleichzeitig befestigte er an der Thür des gemieteten Zimmers ein Pappschild mit der Inschrift „Dr. Kimlcy, Oberstabsarzt". Bei der Wirtin langten denn auch bald darauf aus einer Waffcnfabrik in Suhl und einer solchen in Köln Postsendungen ein, die, wie sich später ergab, vier beziehungs- weise zwei wertvolle Gewehre enthielten. Damit hatte es folgende Bewandtnis: Am 8. April 1303 erhielt die Gewehrfabrik in Suhl aus Berlin einen Brief, der am Kopf den Ausdruck:„Dr. med. Kimlcy, Oberstabsarzt" trug und auch ebenso unterzeichnet war. Es wurde darin mitgeteilt, daß der Oberstlieuteuant Sturm, der seinen Ab- schied genommen, von den Offizieren und Sanitätsosstzicren iveg- gefeiert werden solle. Zum Andenken solle ihm ein zutes Gewehr überreicht werden und der Briefschreiber habe den Austrag erhalten, die Gewehrfabrft zu ersuchen, zur Auswahl ein paar Hahnlose Drei- laussgewehre einzusenden. Einen ganz gleichen Brief erhielt die Waffenfabrik in Köln. Beide Fabriken trugen kein Bedenken, die Bestellung auszuführen und die Gewehre an den„Oberstabsarzt Dr. Kimlcy, Berlin, Jnvalidenstr. 5" abzusenden. Dort sind sie auch richtig angekommen, der Dr. Kirrfeh ließ sich aber nicht sehen und die Wirtin hatte vergebens das Zimmer für den so bochgestellteu Pfteter würdig in Stand gesetzt. Dcfseri Ausbleiben hatte einen guten Grund. Der Dr. Kimley war nämlich der Angeklagte, und dieser war in der Zwischenzeit wegen eines ganz gleichartigen Schwindels, den er in einer andern Stadtgcgcnd ausgeführt hatte, sestgeuommcn und später zu der Strafe verurteilt worden, die er jetzt verbüßt. Erst nachträglich ist diese neue Strafthat bekannt ge- worden. Der Angeklagte behauptete, von der ganzen Sache nichts zu wissen und legte ein solches Verhalten an den Tag, daß es geboten erschien, ihn auf seineu Geisteszustand untersuchen zu lassen. Nach der Bekundung des Eerichtsarztes Dr. H o f f m a n u ist der Ange- lagte kein normaler Mensch und erblich recht erheblich belastet. Zu seinem Unglück ist er schon in jungen Jahren selbständig geworden, hat eine Metallwarenfabrik übernommen und es hat sich bei ihm ine gewisse Großmannssucht herausgebildet. Diese nahm noch zu, als er unter die Erfinder ging. Er hat auch mehrere Erfindungen gemacht, die das Kriegsministerium doch einer ernsten Prüfung für würdig erachtete. Als er dann mit seiner Fabrik verkracht und zu cn materiellen Sorgen sich auch noch eine schwere Lungcnkraukhelt gesellte, ist er auf den Weg des Schwindels geraten. Nach dem Zeugnis seiner Muftcr sind in der Familie mehrere Fälle von Geisteskrankheit vorgekommen und das ganze Verhalten des An- geklagten deute nach ihrer Meinung darauf hin, daß auch er geistig nicht gesund fei. Trotz der nachweisbaren schweren erblichen Be- lastung vermochte der Sachverständige Dr Hoffmann den Angeklagten doch nicht für unzurechnungsfähig im Sinne des z 51 zu erklären. Der Verteidiger griff das Gutachten an und beantragte, einen Psychiater mit der Untersuchung des Geisteszustandes des An- geklagten zu betrauen. Der Antrag wurde vom Gerichtshof abge- lehnt. Zur Sache selbst verblieb der Angeklagte dabei, daß er von der ihm zur Last gelegten Strafthat keine Ahnung habe. Zwei Zeuginnen bekuubeten auch, daß der Angeklagte nicht der Mann fei, der das Zimmer für den Dr. Kimley gemietet hatte. Dagegen konnte der Schreibsachverständige Hr. med. Meyer den Nachweis führen, daß die an die Wafsenfabriken gerichteten Briefe von der Sand des Angeklagten herrührten.— Der Staatsanwalt beantragte gegen diesen IV- Jahre Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust.� Ter Gerichtshof billigte dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine offenbar zerrüttete Gesundheit des Körpers mildernde Umstände zu und! per, bängte über ihn eine Zufatzstrafe von einem Jahr. Einen bedenklichen Hang zur Hichstapelei legte die Guts- bcsitzerin Rosa Gudalke an den Tag, welch? gestern der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts I aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Die aus Ostpreußen stammende 33jährige An geklagte liegt mit ihrem Ehemann in Scheidung. Sie ist seil dieser Zeit auf Abwege geraten. Eine Zeitlang ernährte sie sich als Heb amme und kam dann nach Berlin, wo sie als Krankenpflegerin in einer Frauenklinik Stellung fand. Das gebundene Leben behagte ihr nicht lange, sie richtete sich in der Ansbacherstraße eine Wohnung ein und vermietete an Damen. Zu diesen gehörte auch eine Schau spiclcrin, die über bedeutende Mittel verfügte. Die Angeklagte führte ein flottes Leben, und da sie über Mittel nicht verfügte, griff sie zum Schwindel. Sie bezog mehrere Pianinos, Uhren, wertvolle Oelgemälde und eine Menge der verschiedensten Bücher auf Ab- zahlung, um die Gegenstände sofort weiter zu veräußern. Ferner trat sie mit Darlehngehern in Verbindung und verstand es, selbst diese gewiegten und mißtrauischen Geschäftsleute um mehrere tausend Mark zu prellen. Sie gab sich dabei als Beauftragte ihrer Freundin, der Schauspielerin, aus, unterzeichnete auch die Wechsel mit deren und dem Namen eines Grafen P., der zu der Schau spielerin in Beziehungen stand. Als die unvermeidliche Offenbarung aller dieser Schwindeleien erfolgte, wurde die Angeklagte in Hast genommen. Das Gericht verurteilte sie zu zwei Jahren Gefängnis, wovon drei Monate durch die erlittene Untersuchungshaft für ver- büßt erachtet wurden. Unser Parteigenosse Isidor Roscuthal in Charlotteuburg, Kaut straße 48 weist in einer Mitteilung an uns auf die gestern erlvähnte Gerichtsverhandlung gegen den Kaufmann gleichen Namens hin und knüpft daran das' Ersuchen, bekamrt zu geben, daß er mit diesem wegen Stempelhinterziehung bestrastev Herrn keine Gemeinscbaft hat und nicht mit ihm verwechselt werden möchte. Selbstverständlich kommen wir hiermit diesem Ersuchen gern«ach. Versammlungen. Reinickendorf. Der hiesige Wahlverein befaßte sich in einer außerordentlichen Generalversanimbing mit per Frage, wie zwischen den beiden Bezirken Osten und dem Westnn ein besseres Einverständnis herheigefiihrt werden könne. Upn der Agitation eine einheitliche Gestaltung zu geben, wurde in der letzten General- Versammlung eine Zwölfer- Kommission ernamrt, die beauftragt würde, einen neuen Agitationsplan aiiszuiarbeiteu. Den Bericht über denselben gab der Genosse Schott und wurden sämtliche 12 Paragraphen in der vorgeschlagenen Form mit wenigen Aenderungen einstimmig angenommen. Die Vorstands- wähl ergab folgendes Resultat: Äls erster Vorsitzender wurde ge- wählt Sieinhold Lorenz, als Kassierer Max Leonhardt, als Schriftsiihrer Johann E n f s und als Beisitzer K o l m e tz. Zu Revisoren wurden gewählt Metzle, Prange und Schmidt. In die Utensilicukommissiou Glamann, Karthaus und T h i e m e. Als Bezirksfiihrer wurden bestätigt die Genossen H e n s ch e l, Grams, Oslaf, Willy Le'onhardt, Jung, August Schulz senior, Schumacher und Taubert; der Genosse Gl. wurde dazu nicht bestätigt. Rummelsburg. Eine äußerst stark besuchte Volks-Vcrsammlung beschäftigte sich hier am Dienstag.mit den Verhandlungen das Jntcr- nationalen Arbeiter-Kongresses in Amsterdam. Nachdem der Vor- itzende mit kurzen Worten auf das Leben und Wirken Ferd. Lasiallcs hingewiesen und die Versammelten das Andenken des Verstorbenen in der üblichen Weise geehrt, nahm Gen. Stadthagen das Wort zur Berichterstattung über die Verhandlungen des Internationalen Kongresses. Nachdem derselbe auf die Tagesordnung des Kongresses kurz hingewiesen, kommt er auf die Frage der Socialpolitik und Arbeiterversicherung zu sprechen. Es ist ausgesprochen worden, daß eingetreten werden inuß dafür, daß der Staat einzutreten hat bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Unfällen usw. unbeschadet dessen, was in den verschiedenen Staaten heute schon geleistet wird. Die freie Selbstverwaltung muß aber den Arbeitern überlassen bleiben. Die Frage der Ein- und Auswanderung ist zur Zeit eine brannende. Kein Land hat mit einem derartigen Zuzug von Arbeitskräften aus aller Herren Länder so zu rechnen als Deutschland. Um diese Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu bekämpfen, verlangt Redner die Gleichberechtigung dieser Arbeiter in gcwerkschaftlichcr wie politischer Beziehung. Eine diesbezügliche Resolution wunde leider zum nächsten Internationalen Kongreß vertagt. In der Kolonialfrage hicfi Referent ein negatives Verhalten für falsch. Pflicht aller Politiker muß es fein, auch die Lage dar Eingeborenen in den Koloniecn zu verbessern. Die zum Punkt Kartelle und Trusts angenommene Resolution befriedigt den Referenten nickt, er ist der Meinung, daß diese Frage ebenfalls die nächsten Internationalen Arbeiter- Kongresse beschäftigen wird. Die Frage des Frauensttmmrcchts ist ganz felbstverftäudlich. Bei der Frage der Maifeier kommt Referent auf die verschiedenen Strömungen in den Gewerkschaften zu sprechen. Er begrüßt es mit Freuden, daß die Majorität der Delegierten auf dem Stand- Punkt stehen blieb, die Maifeier in der Weise zu regeln, wie sie die von den Berliner und Ricderbarnimcr Genossen vorgeschlagene Resolution zu regeln wünscht. Wir stehen hier auf demselben Punkt wie vor dem Internationalen Kongreß, bloß daß wir unsrcn Standpunkt in dieser Frage bedeutend präciser gefaßt lxibcn. Die Frage d.s Generalstreiks hält Redner, wenn er auch nicht ein Freund> desselben ist, doch für diskutabel. Die in Amsterdam au- genommene R-solrntnrn, welche den Generalstreik bei genügender Stär?> der Arbeiterorganisationen als Mittel zum Zweck betrachtet, ist das einzig richtige.— Dir wichtigste Frage, die der Kongreß behandelte, war die Frage der Taktik. Nachdem Redner auf die Zerrissenheit, die in dieser Frage speciell in Frankreich herrscht, zu sprechen kam, bezeichnet er es als eine Errungenschaft des Kongresses, daß die Dresdner Resolution wieder zur Annahme gelangte. Alle Ausführungen der- Gegner dieser Resolution konnten nickt ins Gewicht fallen. Als erfreuliches Zeichen ist das Anwachsen der gewerkschaftlichen und politischen Lrganssationen zu begrüßen. Dg- durch ist die Gewähr gegeben, daß die Forderungen der Arbeiter- schaft in die That umgesetzt werden. Das Facft von Amsterdam ist, einig im Kamps gegen die Ausbeutung der Arbeiterklasse zu bleib«:. Es ist zu haften, daß die Verhandlungen des Amsterdamer Kongresses näher zu dem Endziel führen werden. Eiewosse Borger geht in der Diskussion nochmals die verschiedenen Punkte durch und fordert ebenfalls zum einigen Zusammenarbeiten aus. In seinem Schlußwort fordert der Referent die Anwesenden dringend auf, nach allen Kräften die gewerlschaftliche und politische Organisation zu stärken. Eine Resolution, welche diese Aus- führungen enthält sowie sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt, wird einstimmig angenommen. Mufik-Bercin„"Woricu". Freitag, den 2. September, abefts 9 Uhr: Uebungsstunde bei MvlheS, Hussitenftr. 40. Vermischtes. Die Flucht der Prinzessin Luise von Kolinrg. An der Thatsmhe. daß die Prinzessin Luise von Kobnrg in der Nacht zum Mittwc ch aus Bad Elster, wo sie seit drei Wochen im Wettiner Hos zum Km- gebrauch weilte, entflohen ist. kam« nach neueren Mcldrmgen est' Zweifel nicht mehr aufkommen. Auch scheint sich zu bestätigen, daß die Prinzessin durch den Ziittmeisier Mattasich-Keglevich eittsiihrt worden ist. Die Unterfnchung wird von Wien aus geleitet. Prinzessin Luise von Loburg bewohnte, der„Voss. Ztg." zufolge. in Bad Elster, wo sie am 10. August, nachts 1/1V2 Uhr» in einem Salonautomobil aus Koswig nr Begleitung eines Arztes, einer Hofdame, dreier Bediensteter und eines Wärters eingetroffen war, im ersten Stock des Wettiner Hofs sieben Zimmer. Wie die„DreSd. Nachr." berichten, bemerkte man seit einigen Tagen, daß einige Herren, wahr- scheiulich Vertraute des Rittmeisters Mrütafich, sich Mühe gaben, ruft der Prinzessin zu sprechen oder ihr Papiere in die Hand zu spielen. Obgleich ununterbrochen aufgepaßt wurde, muß eS doch einem ge» limgen sein, ihr ein Papis? zuzustecken, und durch Nachschlüssel muß die Thür ihres Hotelzimmers, vor dem sich nachts der Wärter im Korridor aufhalten sollte, geöffnet worden sein. Hiernach ist sie wahrscheinlich in einem bereitstehenden sehr schnell fahrenden Automobil in der Nacht entflohen. Sämtliche Schmuck- fachen von hohem Werte sowie einiges Bargeld hat sie mit sich genommen. Nachforschungen, die sofort nach der Entdeckung der Flucht vorgenommen wurden, haben nur ergeben, daß auf gestern früh Ve2 Uhr für eine Dame ern Wagen nach Franzensbad bestellt worden war. Der Kutscher war bis zum Abend noch nicht zurück. Gleichzeitig ist aus dem Hotel ein Herr aus Graz verschwunden. Man glaubt, daß er ein Mithelfer war und der Prinzessin irgendwie Mitteilungen hat zugehen lassen. Die Begleitung der Prinzessin ist noch in Bad Elster. Ueber die Flucht der Prinzessin teilt der„Vogtländische Anjj." in Plauen noch mit: Die Prinzessin weilte am Dienstagabend im Theater und begab sich von dort in das Hotel Wettiner Hof zurück, aß noch um Vel2 Uhr Abendbrot und zog sich dann um. Ihr Verschwinden würde erst am Morgen bemerkt. Gleich- zeitig mit ihr ist ein angeblicher Hotelier Namens Joseph Meitzer aus Graz, der ebenfalls im Wettiner Hof wohnte, ver- schwunden. Der Mann wohnte erst im dritten Stockwerk, ließ sich aber am Tage vor der Flucht ein Zimmer im Erdgeschoß geben, das einen direkten Ausgang nach dem Garten hatte. Durch dieses Zimmer ist die Flucht erfolgt. Eine angebliche Frau Schubert aus Dresden hatte am Abend vorher bei dem Führwerksbesitzer Ernst Soergel ein zweispänniges Geschirr siir 1 Uhr nachts nach Franzens- bad bestellt. Der Kutscher mit dem Geschirr ist bis jetzt noch nicht zurück; auch sein Aufeitthalt ist noch nicht zu ennitteln gewesen. Festgestellt worden ist, daß die Prinzessin nach 2 Uhr mit dem Geschirr von Bad Elster nach Hof gefahren ist. In ihrer Begleitung befanden sich zwei Damen und ein Herr. Vermutlich ist die Prinzessin nach München geflüchtet. Wie die Wiener„Zeft" von einer dem ehemaligen Oberlieutenant Mattasich nahestehenden Seite erfährt, handelte es sich bei der Flucht der Prinzessin Lüfte von Koburg nicht um eine Entführung, sondern sie geschah mit vollem Einverständnis unter eigner Hilfe- leistung der Prinzessin. Mattasich sei vor emigen Tagen mit der Prinzessin in Dresden zusmmtlengckommen und habe dort mit ihr alle Details des Fluchtplanes festgesetzt. W sind sieben Jahre verflossen, seit die Beziehungen zwischen der Gemahlin des Prinzen Philipp von Koburg in Wien und dem österreienschen Oberlieutenant Geza Mattasich-Keglevich öffentlich bekannt wurden. Die Ehe der Prinzessin war anfangs glücklich gewesen, später ober stellten sich zwischen ihr und ihrem Gemahl Mißhclligkeiten ein, die zum Teil jedenfalls durch die immer deutlicher hcrvorttetsnde Neigung der Prinzessin zu übertriebenem Aufwände hervorgerufen wurden. Als sie Mattasich keimen lernte. vermehrte sich noch die Verschwendungssucht. Da die ihr zu Gebote stehenden Mittel bei dem ungewöhnlichen Aufwand, den sie trieb, nicht lveit reichten, wurden Wechsel gefälscht, und als dies bekannt lvnrde, ließ sich der Skandal nicht mehr vermeiden. Daß der Ober- licutenanr an der Wechselfälschung beteiligt war, ist in zweifelfteier Weise nicht festgestellt worden, vom Kriegsgericht aber wurde er trotzallcdem schuldig befunden, mit Ausstoßung aus dem Heere und sechsjähriger KerkerMt bestraft. Prinzessin Luise hingegen wurde für geistig mindcrtvcriig erklärt und aus Grund der ärztlichen Gutachten in Heilanstalten, zuletzt in der Piersonschen in Koswig bei Meißen interniert. Jnzlvischm blieb Mattasich bei der Versicherung, daß er unschuldig sei, auch nachdem er vor zwei Jahren ohne sein Zu- thuu begnadigt worden war. Daneben aber hielt er auch an seiner Liebe zur Prinzessin Lüfte fest und versuchte unausgesetzt, sich ihr zu nähern. Jetzt scheint er endlich wieder anS Ziel seiner Wünsche ge» laugt zu sein. Prinzessin Luise ist die älteste Tochter des Kömgs Leopold von Belgien und steht im 47. Lebensjahre. Ihre Tochter, Prinzessin Dorothea, ist die Gemahlin des Herzogs Ernst Günther zu Schleswig-Holstein. Hierzu meldet noch das Bureau„Herold" als Nachricht deö „Fremdenblatt" aus Wien: Wohin sich die Prinzessin und Mattasich gewandt haben, ist voll- kommen unbekannt, aber verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß sie ihren Weg in die Schweiz genommen haben. Nach österreichischem Recht ist die" That nach§ 36 des Strafgesetzbuches als Entführung strafbar und es bestehen Staatsverträge mtt sämtlichen Staaten, wonach die Behörden dem Ehemann, der die Rückgabe seiner Frau verlangt, Assistenz zu leisben haben. Da eine Scheidung zwischen dem Fürsten Philipp von Koburg und der Prinzessin nicht statt- gefunden hat, stehen dem Prinzen selbstverständlich noch alle Rechte zu, doch wurde eine Versolgt.'.ng des flüchtigen Paares bisher noch nicht angeregt. Der Prinz wurde telegraphisch von der Flucht in Kenntnis gesetzt. Derselbe trftft heute von seinem Schloß Ebenthal in Wien ein und wird nachurittags eine Unterredung mit seinem Advokaten und dem Kurator der Prinzessin, sowie den Vertretern der beteiligten Hosbehörden baben, in welcher man sich über die zu unternehmenden Schritte schlüssig machen wird. Nach einer weiteren Meldung des gleichen Blattes hat Mattasich für die Vorbereitungen zur Flucht etwa 50 000 Mark verausgabt, die ihm von einer der Prinzessin gewogenen Seite zur Verfügung gestellt wurden. Außer- dem verfügt Mattasich über große Barmirtel. Räch Meldungen aus Asch haben bei der Flucht der Prinzessin Luise zwei Automobile mitgewirkt; eines derselben hat Mittwoch- nacht Äfch posiert, den Weg des andern weiß dagegen niemand. Eiscietahmmfnll. Amtlich wird gemeldet: Gestern nachmittag 6 Uhr 30 Mimiten wurde auf der Nebenbahn Ehrang-Conz auf dem Ueberwege bei Kilometer 12 ein Fuhttverk von einer leerfahrenden Lokomotive überfahren. Hierbei wurde der Führer des Wagens verletzt, seine mftsc.'hrcnde Schwester getötet. Der Bettieb lvurde nicht gestört. Wen die Schuld trifft, konnte noch nicht festgestellt werden. Pilzvergiftungen, die Todesfälle zur Folge hatten, werden uns aus Luxemburg gemeldet. Dort sind durch den Genuß von giftigen Pilze»"aus dem Rochetre-Gehölz unter nirchtbaren Schmerzen und trotz aller ärztlichen Bemühungen fünf italienische Arbeiter gestorben. Außerdem fürchtet man für das Leben von vier andren, die schwer erkrautt danieder liegen. Au? Mainz wird der„F. Z." geschrieben: Einen„Pflicht. eifrigen" Gendarmen hatte eine unsrcr Nachbargemeinden. Eines Abends kam dieser Vertreter der irdischen Gewalt spät nach Hause und hörte von seiner Frau, daß des Nachbars Kuh ein niedliches Kalb zur Welt gebracht habe. Der Gendarm begab sich flugs zum Nachbar, um das Tierchen zu sehen. Der Nachbar meinte aber, er möge am nächsten Tage wiederkommen, es sei schon zu spät. Der Gendarm drang aber darauf, das Kalb zu sehen, der Nachbar gab nach, zündete endlich eine Laterne an und begab sich mit dem Gendarm durch die Scheune nach dem Stall. Bald daraus erhielt der Nachbar einen Strafbefehl, weil er mit einer brennenden Laterne, an der auf der einen Seite das Glas abgesprungen ge- wesen sei, die Scheune betreten habe. Der einzige Zeuge dieses Vergehens war der Gendarm. Das Unglaublichste leistete aber der Mann der öffentlichen Ordnung bei einer andren Gelegenheit. Eines Tages erkrankte die Frau des Gendarmen ganz plötzlich, während sich ihr Mann auf einer Streife befand. Eine Nachbarin stand der Erkrankte» rasch helfend zur Seite und braute aus verschiedenen Hausmittelchen ein Gcttank, das die Er- krankte zu sich nahm. Als der Gendarm am Abend nach Hause kam, erzählte ihm seine Frau, deren Zustand sich inzwischen gebessert tz atte. daß die Nachbarin ihr geholfen habe. Daraufhin erstattete d>er Gendarm eine Anzeige gegen die Nachbarin„wegen unbefugter Verabreichung von Medikamenten".�.... Wir können nicht glauben, daß dieie Erzählung auf Wahrheit beruht. Sollte sie aber dennoch zutreffen, so hätte die BeHorde schleunigst die Konsequenzen zu ziehen aus dem Verhalten eiiies Beamten, mit dem anständige Leute doch unmöglich Wetter v Etke&v'en können. Verantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«. Verlag: Vorwärts Bu chdruckmi u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin LWs Ar. 206. 21. 2. Sfilnjt des JutMelö" Kerlim lollisUitt Freitag, 2. September 1904. Parteigenossen! Der Berein socinldrmokratischer Gast- und Schankwirte Berlins und Umgegend hat beschlossen, zur Gründung eines Verbandes socialdemokratischer Gast- und Schankwirte Deutschlands eine Konferenz am Mittwoch, den 7. September 1904, vormittags 9 Uhr, in Berlin bei B, Franke, Sebastianstr. 39, einzuberufen. Wir bitten Euch, an allen Orten unverzüglich zu imserm Nufru Stellung zu nehmen und dem Unterzeichneten Eure Beschlüsse sofort mitzuteilen. An einer ganzen Anzahl von Orten haben dies die Kollegen bereits gethan und auch erklärt, die Konferenz zu beschicken. Leider fehlt uns aber noch aus einigen Städten, in denen gleich artige Vereine bereits bestehen, jede Nachricht. Wir ersuchen, da die Zeit außerordentlich kurz ist, ganz energisch, das Versäumte nach zuholen. Für Logis werden die Berliner Kollegen Sorge tragen. Kol legen, denen es möglich ist, bereits am Dienstag, den 6. September, in Berlin einzutreffen, werden von der Kommission im Kongreßlokal empfangen. Kollegen allerorts! Thut Eure Pflicht und Schuldigkeit, agitier für unsre Bestrebungen und versucht, alle Kollegen, die sich Social- demokraten nennen, für unsre Sache zu gewinnen. Wir bitten Euch, uns so bald wie möglich mitzuteilen, ob Ihr gewillt und in der Lage seid, unsre Konferenz zu beschicken. Alle Anfragen sind zu richten an Karl Hoffmann, Berlin W., Schöneberg, Maxstr. 25. Die deutsche Arbeiter- und Gewerkschastspreffe wird um ge- fälligen Abdruck gebeten. Pllrtkikovferev; str den Wahlkreis Potsdam-Spandan- Osthavelland. (Schluß.) Ueber den„Bremer Parteitag" referiert Genosse Dr. Karl Liebknecht. Der diesjährige Parteitag werde sich be- sonders mit zwe' Fragen beschäftigen, die ein erhebliches Interesse erfordern, und zwar mit dem„Fall Schippe!" und der in jüngster Zeit durch Friedeberg aufgerollten„Generalstreiks- frage"! Schippel nimmt ja in der bekannten Zollfrage einen furchtbar gewundenen Standpunkt ein, in seinen Nutzanwendungen ist er Achselträger und ein Mann voller Widersprüche, die selbst von unsren Gegnern nicht ausgenutzt werden können. Es scheint mir überflüssig, daß der Parteitag noch in dieser Sache ein Wort spricht Auf den Versuch Friedebergs, die Gencralstrciksfrage und dessen bekannte Rede, eingehend nennt er die Friedcbergschen Aus- führungen komplett unsinnig und thöricht, daß Fricdeberg gerade in jetziger Zeit dem allgemeinen Wahlrecht einen Fußtritt versetzen konnte, durch die Acußerung: ez werde«niemand dem Wahlrecht ein« Thräne nachweinen" sei einfach ein unerhörter Skandal. Friedeberg sei sich durchaus nicht klar über das, was er anstrebt, und der„Vor- wärts" habe seine Rede in dem bekannten Artikel durchaus richtig taxiert. Friedeberg wolle die freie Einzelpersönlichkeit zur höchsten Entfaltung bringen und erhoffe davon allein das zukünftige Heil; er bekämpfe die Auffassung der socialen Frage als einer Magen frage. Das sei kein Socialismus mehr und schlage unsrcr ökonomisch- materialistischen Geschichtsauffassung geradezu ins Gesicht. Gewiß ist eL falsch, die Bedeutung des Parlaments für die Zukunft unsrer Bewegung zu überschätzen, aber um Himmelswillen, was würden wir denn ohne Par lament anfangen, dort köimen wir doch auf alle Fälle wenigstens den Gegnern ordentlich die Leviten lesen; dann kann doch nicht ab- geleugnet werden, daß unsre Partei durch ihre parlamentarische Thätigkeit trotz alledem einen gewissen Einfluß auf die Entschlüsse der Regierung ausübt. Ich stehe nun aber allerdings auf dem Stand Punkt, daß die Frage des politischen Streiks(Zuruf), meinetwegen cnich„Generalstreiks" in der Partei diskutiert werden soll, weil wir durchaus nicht wissen, ob und wann wir schließlich doch von dieser Waffe Gebrauch zu machen gezwungen sein werden. Redner spricht sich für den„Schulantrag", sowie für di« Stadthagcnsche Anregung be- treffend«Koalitionsrecht und Kartelle", femer für die Resolution der KönigSberger(Russenflugblätter-) und der Elbinger(Wehrpflichtigen- agitation) aus. Dagegen hält er es für falsch, der Reichstags- Fraktion die Möglichkeit zu beschneiden, vollzählig auf den Parteitagen anwesend zu sein; einesteils ist der Parteitag für die Abgeordneten unsrer Partei die beste Gelegenheit, persönlich die Meinung unsrer Gesamtpartei zu hören, auch kann dort den Abgeordneten nötigenfalls gründlich die Wahrheit gesagt werden. Die beantragte Centrali- sation der Partei halte er für verfrüht, die sächsische Resolution betreffend die Aufstellung der Reichstags-Kandidaten acccptiere er. Mit dem Ergebnis des Amsterdamer Kongresses dürften wohl alle Nationen zufrieden sein. N i e g e r- Spandau kritisiert scharf die jetzt vielerorts beliebte Uebersckiätzung unsrer parlamentarischen Thätigkeit, es solle viel- »iohr für die Erziehung der Arbeiter zu bewußten Klassen- kämpfe rn gethan werden. Man solle wieder wie einst die Wahlen mehr als willkommenes Propagandamittcl betrachten, anstatt das Hauptgewicht auf die Erlangung von Mandaten zu legen. Die intcmtionalen Beschlüsse betreffend die Jugenderziehung und die Propaganda unter den demnächst Wehrpflichtigen seien bisher in Deutschland in keiner Weise ausgeführt. Unsre Partei sei viel zu sehr in die Breite, aber nicht in die Tiefe gegangen, so kommt es, daß wir immer mehr verflachen; am deutlichsten sehen wir das ja an den lebhaften Versuchen, die Maifeier zu einem Kaffee- kränzchen zu degradieren. Redner erklärt die Friedebergschen Ausführungen, trotz mancher Schnitzer für durchaus beachtenswert. Er spricht entschieden für die D i s k u s s i o n des„Generalstreiks". B i t t o r f- Berlin erklärt sich gegen den Generalstreik. Was hätten die Sachsen nach dem an ihnen verübten Wahlrechtsraub besseres thun können, als daß sie als Antwort hierauf aus 23 Kreisen LL Socialdemokratcn in den Reichstag entsandten? Hille- Velten tritt dafür ein, daß in der Maifeier-Frage durch den Parteitag ein alle Halbheiten beseitigender Beschluß ge- faßt werde. S t a a l- Potsdam polemisiert gegen Bittorf. Nachdem die Gefahr nahe gerückt, daß uns das Wahlrecht genommen werden kann, ist cS an der Zeit, den Generalstreik zu diskutieren, besonder? in den Gewerkschaften. Gegenüber Hille hält er auch seinerseits daran fest, daß die Gewerkschaften heute schon zu einem Teil verflacht seien, dies sehe man am besten daran, wie sie sich zur Maifeier-Frage stellen. Die Gewerkschaften sollten nicht bei jeder Gelegenheit nur den finanziellen Standpunkt hervorkehren. Es ist falsch, wenn wir die Frage des Generalstreiks nicht diskutieren, nachher ist eS zu spät! DaS Volk muß aufgeklärt werden über die Waffen, die ihm äußerstenfalls zu Gebote stehen. Nachdem noch Müllen st edt» Nauen und Paris- Velten sich kurz gegen den Generalstreik und der letztere auch gegen die von Spandau beantragte strikte ArbcitSruhe am 1. Mai ausgesprochen, aber das vorjährige Verhalten der knappen Majorität der Veltener Töpfer in der Maifeier-Frage mißbilligt hatte, und Rieger- Spandau den Müllenstedtschen Argumenten entgegengetreten war, erhielt Genosse Liebknecht das Schlußwort: Nicht der Parlamentarismus, fondern der Nurparlamentarismus bringe die Gefahr. Es handelt sich nicht darum, unfern Gegnern zu verraten, welche Marschroute wir eventuell einschlagen werden, sondern die Art der Waffen ,u diskutieren, die uns äußerstenfalls zu Gebote stehen. Welche Waffe wir davon gebrauchen werden, das heute zu entscheiden, wäre Thorheit. Der Generalstreik ist auch nicht, wie Friedeberg annimmt,„das", sondern„ein" Mittel, das wir mög lichcrweise benutzen können. Der breiten Masse ist diese Waffe aber unbekannt, und darum ist es unsre Pflicht und Schuldigkeit, die Ha ndhabung dieser Waffen zu erläutern. Das Volk müssen wir auf den hohen Ernst der Situation aufmerksam machen, wir dürfen uns auch nicht selbst Sand in die Augen streuen, vielmehr alle uns zu Gebote stehenden Mittel diskutieren, damit wir gegen- über jedem Attentat auf das Volk wirklich gesichert sind.(Lebhafter Beifall.) Es werden hierauf folgende Anträge an den Parteitag an- genommen: 1. die Frage der politischen Streiks zum Zwecke der Diskussion auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages zu setzen; 2. in der Maifeier-Frage zu beschließen: es ist Pflicht jedes klassenbewußten Arbeiters, den 1. Mai'durch vollständige Arbeits- ruhe zu feiern. Weiter werden die Anträge andrer Kreise betreffend die„Schul- Vorlage",„Koalitionsrecht und Kartelle", die sächsische Reso- lution betreffend die Kandidaturen, die Königsbcrger Reso- lution betreffend die Russen-Flugblätter und der E l b i n g e r An- trag betreffend Propaganda unter der gestellungspflichtigen Jugend unterstützt. Der Antrag des Parteivorstandes betreffend Vertretung der Reichstags-Fraktion wird abgelehnt. Spielplätze. Wo sollen unsre Berliner Kinder spielen? So oft, wenn ich durch die Straßen gehe, besonders aber zur Ferienzeit, giebt mir'S einen wehmütigen Stich: Berlin, unsre Riesenstadt, unsre Zwei- Millionenstadt, in der so Vieles, Gutes und Schlechtes Platz findet, hat nicht Raum für ihr Bestes, für ihre Kinder. Jawohl, sie spielen auch hier, spielen sogar überall, auf Höfen, Straßen, Plätzen so lange— bis eben jemand kommt und's ihnen verbietet. Ilnd wer alles glaubt, ein Recht dazu zu haben! Die Kinder sind eben überall nur geduldet. Wie Wenige sind heute schon zu der Erkenntnis vorgedrungeu, daß das Kind ein Recht hat, zu spielen, daß der Spieltrieb des Kindes einst der Schaffensdrang des Er- wachsene» ist. Hat sich da so eine kleine Schar im Flur meines Hauses zusammeiigefunden und hockt artig genug auf den untersten Treppenstufen. Während gerade die klugen Blondköpfchen angestrengt werden über dem Frage- und Antlvortspiel„Ich seh' was, was Du nicht siehst!" kommt unglücklicherweise der gestrenge Hauswirt die Treppe herunter. „Wollt ihr den Augenblick mal machen, daß ihr hier rallskommt I Meine Treppe ist keine Kinderstube." Verschüchtert zieht die kleine Gesellschaft davon. Bald aber hat sie sich auf dem Hofe, diesmal zu etwas geräuschvollerem Spielen wieder zusammeiigefunden. Kaum sind hier beim Haschen und Jagen die ersten Jubellaiite erklungen, wird auch schon in irgend einer Etage ein Fenster ans- gerissen:„Zum Donnerwetter, Jöhren, was ist denn das für ein Radau I Auf die Straße mit Euch I" Mit vielem Vergnügen hörte ich jüngst bei solcher Gelegenheit eine» kleinen Hoseiiinatz mit emporgeballter Faust solchem Kinder- feind zurufen:„Du ekliger, dicker Nancke, Du kaunst uns sonst was 1" Was muß das wohl für ein Mensch sein, dem Kinderlachcn nicht heilig ist. Aber es giebt solche Menschen unter uns, Einen oder den Andren wohl in jedem Hause; und schon die Mißgunst eines Einzelnen vertreibt das wehrlose Völkchen auf die Siratze; auf die Straße mit all ihren körperlichen und seelischen Gefahren. Bewundernswert ist es manchmal, mit welcher Todesverachtung unsre Berliner Kinder ihren Kreisel auf dem Fahrdamm zwischen den drohenden Pferdchufcn, sausenden Rädern, zwischen Automobilen und Elektromotoren dahintreiben. Ein ander Mal wieder lancieren ie auf dem Trottoir ihren Ball und sich selbst mit Akrobaten- gcschmeidigkeit durch all die Fußgänger hindurch. Aber selbst diesen schwer erkämpften, schwer behaupteten Platz auf der Straße niacht man ihnen zehnfach streitig. Ein paar Kreidemalcreic», auf Mauern oder Trottoir, bei dem volkstümlichsten aller Berliner Kinderspiele„Himmel und Hölle", oder sonst irgend ein staatserschütterndcr Verstoß gegen die heiligen Verkchrsgcbote der lieben Berliner Polizei,— die dafür bei so manchen Vorgängen in ihrem Straßenleben ein oder zwei Augen zudrückt,— und der gestrenge Herr Schutzmann fährt unsrer kleinen Spielcompagnie gewaltig gegen den Kragen. Zum Schluß erteilt er ihnen den frommen Befehl:„Rauf, zu Muttern I" Hier aber in den meterweise zugemessenen Stuben unsrcr Berliner Mietswohnungen ist selten beim fogcnannten Mittelstand Raum für spielende Kinder; nun erst bei den ärmeren Leuten, wo jeder Fuß breit für das nötigste Mobiliar ausgenutzt werden muß. UebrigenS sind sie auch hier, unter den gewerblichen Han- tierungen der Eltern, nicht nur im Wege, sondern durch heiße Bügel. eisen, Nähmaschinen, überkochende Waschkessel usw. beständigen Ge- 'ahren ausgesetzt. Wo aber dürfen unsre Kinder spielen? Jawohl, wir haben Anlagen, Haine und den Tiergarten; und wer nah genug wohnt, um seine Kinder hinschicken zu können, mag sich glücklich schätzen, daß sie da wenigstens vor den Gefahren der Straße geborgen sind. Aber bieten unsre Parkanlagen unfern Kindern auch nur einen Teil dessen, was die natürliche Umgebung jeder kleinen Stadt, jedes Dorfes, ihren Kindern bietet? Ueberall bei uns Eiscngitter, sichtbare und unsichtbare. Jede Blume wird unter Verschluß gehalten, jeder königlich preußische Grashalm hat stramm zu stehen. Alles Schöne, alles Duftige: für Kinderhände unerreichbar, alle Gitter: für Kinderfühe unübersteigbar. Nur mit den Augen sollen sie genießen. Darum wohl findet man nirgend so sehnsüchtig geöffnete hungrige Kinderaugen, wie bei unfern modernen Grohstadtkindern. Aber Kinder wollen nicht nur sehen. DaS macht müde Augen und hungrige Herzen. Sollen sie einmal harmonische Menschen werden, müssen sie das I Recht haben, auch einmal mit ihren kleinen Händchen""""----- Habt ihr einmal das Ameisengekribbel Hunderter von Kindern auf solchem Sandhaufen, zum Beispiel im Friedrichshain, an- einander hocken gesehen? So Tag für Tag, vom Morgen bis zum Abend. Habt ihr berechnet, wie viel Krankheitskeime da von so vielen mit Ausschlag oder Keuchhusten behafteten Kindern auf die gesunden übergehen? Von den Kleinsten wohl gar noch mit Hilfe der sandigen Händchen.direkt cingcschluckt werden. Ost genug kann man sogar Zeuge sein, wie gewissenlose Mütter oder Pflegerinnen die Kleinen ihre natürlichen Bedürfnisse mitten auf dem Sandberg verrichten lassen. Ich denke, alle drei bis vier Wochen eine frische Fuhre Sand auf jeden Spielplatz wäre das mindeste, was die Eltern verlangen können. Unsre liebe Mark Brandenburg wird ihren Reichtum an Sand darum noch lange nicht erschöpfen. Aber auch Grasplätze, gleich dem einzigen in Treptow, wenn auch kleiner, sollten die Eltern für ihre Kinder verlangen. Ebenso müßte man ihnen bestimmte Stellen mit wilden Blumen und Bäumen freigeben. Hunderte von wunderbaren alten Bäumen fallen bei uns jährlich der Bauspekulation oder dem Vcrkehrsintercsse zum Opfer. Hundert andre müssen den Denkmälern weichen, deren Er- richtung vielleicht manch einem weniger wichtig erscheinen wird, als das Wohl der Kinder. Unfern Kindern opfert man nicht einen Baum, nicht einen blühenden Flicderstrauch. Hält man die Unsumme von Denkmälern für unerläßlich, nun so mag man wenigstens einige davon, es könnten ja schließlich die ungekrönten Häupter sein, unser» Kindern zum Erklettern und Vcrsteckspiclen freigeben. Wie's den Kindern jeder kleinen Residenzstadt gestattet ist, auf ihrem Landcsvater am Marktplatz herumzureiten. Seht euch doch all die steinernen Herren an, die zum Teil noch aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen, es hat ihnen wahrlich nichts geschadet, daß zahllose Generationen ihnen auf die Hühner- äugen getreten haben. Ebenso wenig, wie's dem alten Fritzen hier Unter den Linden geschadet hat, daß unsre Großväter bei feierlichen Veranlassungen zu ihm cmporklettern durften. Aber diese Standbilder waren eben von soliderer Arbeit als unsre Marmorpüppchcn. Und unfern Springbrnniien würde wahrlich kein Schade ge» schehcn. wenn statt der toten Meerungeheuer einmal lebendige Ber- liner Jungcns ihre Barfüßchen in ihren Becken hcrumplätschern ließen. Man hat in den letzten Jahren versucht, wenigstens die Schul- Höfe freizugeben als Spielplätze. Aber leider nur unter Auflicht eines Lehrers. Da wird denn leider oft genug durch die Pedanterie der Herren aus dem ungebundenen, freien Herumtollen und AuS» toben eine gefürchtcte Turn- oder Spielstunde. Eininütig sollten alle Eltern um jedes geeignete, unbebaute Terrain innerhalb der Stadt kämpfen, daß es zu Spielplätzen er- halten bleibt. So der botanische Garten, so im Norden die Wiesen auf der Schönhauser Allee. Im Süden hat man sich leider den viel zu wenig bekannten, schönen, uralten Tempclhofer Schloßpark, einer der wunderbarsten Natur- und Kunstparls bei Berlin, von der Bauwut entreißen lassen. Dafür wird man jetzt Millionen opfern, unfern lieben alten Grunewald in einen Volkspark umzuwandeln. Sehr gütig! Als ob er nicht so, wie er jetzt ist, gerade der echteste und rechteste Volks- park wäre. Hätte man diese Summen lieber darauf verwendet, unfern Kindern mehr rechte Spielplätze, mehr Spielgelegenheiten, Turn- gcräte und dergleichen zu verschaffen, sie wären nutzbringender angelegt. Mögen Staat und Stadt bedenken, daß jede Mark, die sie heute für ihre Kinder ausgeben, ihnen einst Tausende für Krankenhäuser, für Gefängnisse ersparen wird. Wer die Kinder hat, hat die Zukunft. Hua Industrie und DandeU Welt- Getreideernte. Das ungarische Ackerbauministerium der» öffentlicht heute die Schätzung des Ertrags der Welternte im Jahre 1904. Danach beträgt die gesamte Erzeugung der Getreide ausführenden Staaten an Weizen 633 Millionen Doppelcentner, an Roggen 245, Gerste 192, Hafer 301 und Mais 764 Millionen Doppel- centiier. Das Welterträgnis an Getreide ist gegen das Vorjahr um 5 Proz,, d, h. 145,63 Millionen Doppelcentner geringer, der Ans- fall findet aber in den sichtbaren Vorräten des Weltmarktes mit 144 Millionen Doppelcentner seine Deckung. DaS GcsamterträgniS wird geschätzt an Weizen auf 844 Millionen Doppeleentner. an Roggen auf 395, Gerste 291, Hafer 488 und an RkaiS auf 806 Millionen Doppelcentner. Hiervon entfallen auf die europäische Produktion vom Weizen 462,32, vom Roggen 376,24, Gerste 190,35, Hafer 819,56 und vom Mais 83,35 Millionen Doppelcentner. Die Produktion der überseeischen Staaten wird geschätzt auf 377,43 Millionen Doppeleentiier Weizen, 16,84 Roggen, 100,86 Gerste, 163,85 Hafer und 723,36 Millionen Doppelcentner Mais. Der Mindcrertrag der europäischen Ernte gegen das Vorjahr beträgt 14,20 Prozent gleich 237,57 Millionen Doppelcentner; derselbe wird jedoch durch eine Mehrproduktion der überseeischen Staaten von 91,94 Millionen Doppeleentner zum Teil ausgeglichen. Die Vorräte sind knapp. Die Vorräte auf dem internationalen Getreidemarkt werden geschätzt in Millionen Doppelcentnern an Weizen auf 41,95, Roggen 16,50. Gerste 7Ve' Hafer 31, Mais 46,45 und der wahrscheinliche Verbrauch in dem lanfenden Jahre an Weizen auf 864,80, Roggen 414,27, Gerste 303,88, Hafer 613,20, Mais 828,50, zusammen 2929,46 Millionen Doppelcentner. In ganz Europa herrscht starker Futtermangel. Die Ernte Deutschlands wird angenommen in Millionen Doppel- centnern an Weizen auf 33'/,. Roggen 88, Gerste 29'/z und Hafer 64'/,. Die wahrscheinliche Einfuhr Deutschlands wird auf 21 Mill. Doppelcentner Weizen und 3'/» Millionen Doppelcentner Roggen berechnet. Im vorigen Jabre hat Deutschland für 19 Millionen Doppelcentner Weizen und für ö Millionen Doppelcentner Roggen eingeführt. Gegen die Abstimmungen der Düsseldorfer Hlternia-Bersammlnng „„(irrt cvt'"/1!-,! Ä5".. 1 äU erJ hat Rechtsanwalt Heitmann beim Landgericht in Bochum(Kammer greifen von dem, was ihnen gefallt.� klei�n Fuße wollen auch Handelssachen) die Anfechtungsklage eingereicht mit dem An- einmal mitten unter den Blüten stehen, deren Duft sie atmen. Und wenn dabei so manche kleine Blume zu Boden getreten wird: was thut'S? ES wachsen schon wieder neue. Bei den Allerkleinsten muß sogar die Zunge mitthun. Habt ihr schon einmal beobachtet, wie sie sich erst dann so recht als Eigen- tümer ihrer Spielsachen fühlen, wenn sie daran geleckt haben? Wer denkt daran, wie die Spaziergänge, bei denen die Kinder immer hübsch artig auf dem Weg bleiben, bei Leibe kein grünes Blatt abreißen, leinen Baum erklettern dürfen, wie diese Spazier- gänge ihnen zur Qual werden können! Aber haben wir nicht Spielplätze? wird man mir einwenden, Spielplätze, die nur den Kindern gehören. Jawohl, aber was bieten ihnen diese Plätze an wirklichen Epielgelegenheiten? Noch nicht einmal Turngeräte. Eine Fuhre Sand, einmal in jedem Frühjahr angefahren, das ist alles, was die Stadt oder der iiskus für den Tummelplatz ihrer Zukunftshoffnung, ihrer Kinder thut. Sand ist ja zweifellos für alle Kinder ein unersetzliches und gesundes Spiclmatcrial. Was aber wird im Laufe eines Sommers aus diesem Sand, der rein und weiß aus uniern märkischen Heiden gekommen? trage, dieselben für ungültig zu erklären. Der Antrag ist unter- zeichnet von der Dresdner Bank, dem A. Schaaffhausenschen Bank- verein, von den Bankdirektoren Müller, Schuster u. Wiegand, sowie von den Rechtsanwälten Justizrat Stem-Berlin, Gehrke-Frankfurt a.M. und Bondi-DreSden. Die Textilindustrie deS WuppcrthaleS leidet nach Elberfclder Zeitungsberichten zur Zeit an Bescbäftigungsmangel. Nur wenige Betriebe sind einigermaßen voll beschäftigt. Ganz besonders fehlt eS� wie der„Köln. Ztg." gemeldet wird, den Landfabriken an Auf- trägen. Die Firmen, die eigenen Betrieb haben und daneben außer dem Haufe arbeiten lassen, haben Mühe, für erfteren genügend Be- fchästigung zu finden, und geben deshalb nach außen hin keine Arbeit mehr ab. Infolgedessen ist die Hausindustrie ineistenS ohne Be- fchästigung und um diesen bedauerlichen Zustand zu mildern, wird ein Ausgleich dadurch angestrebt, daß man die Fabrikanten, die in Kotten Geschäftszeiten neben der eignen Herstellung die Hausindustrie in Anspruch nehmen, zu verpflichten sucht, dieser auch jetzt in ge- wissem Umfange Arbeit zu belassen, indem im eignen Betriebe ein gewisser Teil der Stühle stillgesetzt wird, deren Arbeitsleistung dann die HamSiiidustrie erhält. In Besatzartikeln ist es ebenfalls sehr still geworben und die neuen Aufträge laufen einstweilen noch nicht in dem gehofften Maße ein. Die Aktiengesellschaft für Fabrikation von Vronzcwaren und Zink- flnß vorm. I. C. Spinn u. Sohn, Berlin, veröffentlicht ihren Geschäftsbericht über das Geschäftsjahr 1903/04, das nach Ab- schreibungen von 912 366 M. mit einem Verlust von 1082 083 M. schließt, so daß nach völligem Aufgebrauch des Neserveftmds noch immer ein Verlust von 884 083 M. bleibt. Zur Beseitigung der hierdurch entstandenen Unterbilanz schlägt die Verwaltung vor� das 1 980 000 M. betragende Aktienkapital durch Zusammenlegung der Aktien im Verhältnis von 2 zu 1 auf die Hälfte zu reduzieren. Amerikanischer Schiffsbau. Die Gesamtzahl der im Fiskal- jähre 1903/04 in den Vereinigten Staaten gebauten und registrierten Segel- und Dampfschiffe war 1092 mit 349 573 Brutto- Register- Tonnen, während im vorhergehenden Jahre 1215 Schiffe nnt 376 502 Register-Tonnen fertiggestellt wurden, so daß sich für 1904 ein Rückgang um 123 Schiffe mit 26 929 Register-Tonnen ergiebt. An ungetakelten Fahrzeugen kamen hinzu fiir'1903/04 216 Stück mit 51844 Register-Tonnen, 1902/03 320 Stück mit 79 574 Register- Tonnen; danach betrug der gesamte hergestellte Schiffsraum 1903/04 401417 Register-Tonnen gegen 456 076 Register-Tonnen im Vor- jähre. Das einzige Hauptgebiet des amerikanischen Schiffsbaues, welches im letzten Fiskaljahre keinen Rückgang der Produktion zu verzeichnen hatte, waren die Wersten an den großen Binnenseen, wo im Jahre 1902/03 140 114 Register- Tonnen, 1903/04 dagegen 141 302 Register-Tonnen gebaut wurden; dagegen fiel der fertig- gestellte Raum am Atlantischen Ocean und am Golf von Mexiko von 187 221 auf 176 018 Register- Tonnen und an der pacifischen Küste von 40081 auf 22196 Register-Tonnen. Von den kleineren Werften hatten diejenigen der Flüsse im Westen eine Steigerung ihrer Bauten von 8952 auf 9920 Register-Tounen aufzuweisen. Getreide-Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Die ungünstigen Aussichten der amerikanischen Getreide- Ernte haben schon im Voraus seit mehreren Monaten eine beträchtliche Abnahme des Gctreide-Exports bewirkt. Am stärksten war der Rück- gang im Juli. Nach der amerikanischen Sandelsstatistik belief sich der Gesamtwert der Juli-Ausfuhr von Gerste, Mais, Maismehl, Hafer, Hafermehl, Roggen, Weizen und Weizenmehl auf 4 332 762 Dollar gegen 11366 699 Dollar, 12 503 460 Dollar und 24 163 076 Dollar im Juli der drei vorhergehenden Jahre. Und für die fiebenmonat- liche Periode vom 1. Januar bis Ende Juli bleibt die diesjährige Ausfuhr um mehr als die Hälfte hinter der vorjährigen zurück, denn vom 1. Januar bis 31. Juli haben die Vereinigten Staaten diesmal nur für 56 621702 Dollar Getreide exportiert gegen 113 865 771 Dollar in dem entsprechenden vorjährigen Zeitabschnitt, obwohl in diesem Jahre die Preise der leitenden Cercalien ansehnlich höher sind als im vorigen. Am schlechtesten sind die Resultate bezüglich der Weizen-Ausfuhr, denn von genanntem Produkt hat die Union im letzten Monat nur 92 722 Bushcls im Werte von 114 180 Dollar exportiert gegen 3-884 972 Bushels im Werte von 3146 538 Dollar im Juli 1903, und in den ersten sieben Monaten nur 9 323 820 Bushels im Werte von 7 547 407 Dollar gegen 42 081 141 Bushels im Werte von 33 954 597 Dollar in der korrespondierenden Periode vorigen Jahres. Auch an Weizenmehl ist im letzten Monat nur etwa halb so viel zur Ausfuhr gelangt, wie im Juli vor. I., nämlich 683 961 Faß im Werte von 2 956 778 Dollar gegen 1 263 191 Faß im Werte von 4 797 427 Dollar. Die kanadische Regierung setzt ihre Bemühungen fort, die rasch zunehmende Einfuhr ans den Vereinigten Staaten von Amerika zurückzudrängen. Sie hat auf Stahlschienen einen Zoll von sieben Dollar für die Tonne mit Wirkung vom 27. August dieses Jahres festgesetzt. Der Zoll wird nicht erhoben für bereits fest bestellte Schienen, sofern dieselben vor dem 1. Dezember dieses Jahres in Kanada eingeführt und vor dem 1. März 1905 gelegt werden. Probleme der Schulfrage in einer Reihe aufeinander folgender Vorträge von verschiedenen Seiten beleuchten läßt, so daß im Anschluß daran in möglichst umfassender Weise die Wünsche und Forderungen der Frauen diskutiert werden können. Zu diesem Zwecke swird es nützlich sein, in großen und mehr allgemeinen Zügen zunächst einmal klarzulegen, unter welcher Form sich überhaupt die Idee einer idealen Jugcndbildung dem modernen Menschen darstellt, lvas wir unter einer vollkommenen Schule verstehen, um daran zu ermessen, welch traurigen Gegensatz zu einem solchen Ideal unsre Volksschule heute noch bildet, und wo der Hebel anzusetzen wäre, sie in höhere Bahnen zu lenken, sie wirklich modernem Geiste entsprechend umzugestalten. Diesen Gegenstand wird am nächsten Montag Frau Wally Zeplcr behandeln in ihrem Referat über das Thema: Was müßte die Volksschule für die Erziehung des Menschen leisten und was leistet sie heute? Arbeiterinnen Berlins, zeigt durch regen Besuch der Vereins- abendc, daß Ihr Euch der Wichsigkeit der Schule für Eure Kinder bewußt seid und daß auch Ihr Eure Stimme in die Wagschale werfen wollt, wo es gilt, Eure eigensten Interessen zu verfechten! Der Vorstand des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Soziales. Lohnanfrcchnung für Schadcusaiisprnch. Dem Kutscher B. waren von dem Inspektor der Firma Knappe sHolzhandlung) 16 M. vom Lohn abgezogen worden, weil ihm bei einer längeren Waldfahrt eine Futterkrippe, ein Strang und eine Vierspännerkette abhanden gekommen waren. B. klagte wegen Her- ausgäbe des Geldes beim Gewerbegericht. Der Vertreter der Firma berief sich auf die Arbeitsorduung, wonack der Kutscher für den Schaden, den er verschulde, haftet. Nach längerer Verhandlung vor der Kammer 8 des Gerichts kam es zu einem Vergleich auf 8 M. Danach bemerkte der Vorsitzende Dr. Meyer: Wenn es zu einer Entscheidung gekommen wäre, hätte die Firma verurteilt iverden müssen, die 16' M. Lohn auszuzahlen. Und zwar mit Rücksicht auf ß 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wonach gegen eine Forderung eine Aufrechnung nicht statthaft sei, soweit die Forderung der Pfändung nicht unterliegt. Der Lohn sei nicht pfändbar gewesen. Andrerseits aber hätte aus die Wiedcrklage der Firma im Falle der Nichteinigung der Kläger verurteilt werden müssen, den durch ihn verschuldeten Schaden zu tragen._ Preiserhöhung für Lebensbedürfnisse. Die Gesellschaft für Wohlfahrtseinrichtungen in Frankfurt a. M. giebt in ihrem Jahresbericht einige wertvolle Zahlen über die Er- höhung der Preise für einige wichtige Lebensbedürfnisse seit 1893. Dabei ist zu beachten, daß es sich um die der Gesellschaft selbst er- wachsenen Anschaffnngskosten beim Großeinkauf handelt. Danach erhöhten sich in den zehn Jahren die Preise für: Kalbfleisch(pro Pfund) 8,8 Pf., Ochsenfleisch 4,4 Pf., Hammel- fleisch 4,4 Pf., Dörrfleisch 5,0 Pf., Schmalz 5,0 Ps., Bratwurst 1,0 Pf., Blut- und Leberwurst 5,0 Pf., Salzbohuen 2,0 Pf., Milch (pro Liter) 1,0 Pf., Eier spro Stück) 0,1 Pf., Butter(pro Pfund) 2,0 Pf., Kartoffeln(pro Centner) 70,0 Pf., Mehl(pro Pftmd) 1,0 Pf.. Erbsen 2,0 Pf., Bohnen 6,0 Pf., Linsen 4,0 Pf., Brot(pro Pfund) 1.9 Pf., Anthracit(pro Centner) 10,0 P., Nußkohlen 10,0 Pf., Holz 10,0 Pf._ Huö der frauenbewcgung* Aufruf! Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse nimmt nach den Somnierferien Montag, den 5. September, seine regcl- mäßigen Vereinsversammlungen wieder auf. Fragen von ganz besonderer Wichtigkeit, von einschneidenster Bedeutung gerade für die proletarischen Frauen werden diesmal den Verein gleich bei Beginn seiner Tagungen beschästigen. Vor allem andren die Volks- schulfrage, die eben jetzt und in nächster Zukunft im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Noch lange nicht intensiv genug haben die Frauen bisher ihre Aufmerksamkeit der Schule zugewandt. loch lange nicht klar und eindringlich genug haben sie in der Oeffentlichkeit ihre Stimmen— die Stimmen der Mütter im Volke— erhoben, um ihre Forderungen an die Schule auszusprechen, um öffentlich klarzulegen, in welchem Sinne und Geist sie ihre Kinder unterrichtet haben wollen. Die Frauen des Prole- tariats haben das erste Recht zu fordern, daß man sie höre, wo es sich um das Wichtigste und Größte in ihrem eignen Leben, um ihre Kinder handelt, wo entschieden werden soll über die Jugend- bildung und damit in mehr als einem Sinne über die gesamte Zukunft der proletarischen Jugend. Aber die Frauen haben ebenso die erste Pflicht, sich eingehend und gründlich mit allem zu befassen, was die Schule betrifft, sich über alle die vielseitigen, einschlägigen Fragen eine klare und selbständige Anschauung zu bilden, um dann mit Kraft und Feuer, aber auch mit Gründlichkeit und Sachkenntnis für diese Anschauung einzutreten und zu kämpfen. Der Verein glaubt darum seinen Mitgliedern und Freunden eine guberst wertvolle Anregung zu bieten, indem er die Haupt- Versammlungen. Der socialdemokratische Wahlverein für de» 2. Berliner Reichs- tagSwahlkreis hielt' am Dienstag in Habels Brauerei- Ausschank, Bergmannstraße, eine gut besuchte Versammlung ab, in welcher Genosse H. S i l b e r s ch m i d t über„Die Partei- Organisation Deutschlands" sprach. Redner wies darauf hin, daß nach dem Fall des Socialistengesctzes von einer Um- änderung der Organisationsform deshalb Abstand genommen wurde, weil die Befürchtung oblag, daß bei dem rigorosen Vorgehen der Polizeibehörden die Auflösung derselben erfolgen würde. Man begnügte sich mit dem System der von den einzelnen Orten gc- wählten Vertrauensleute, welche die Verbindung mit dem Partei- vorstand aufrecht erhielten. Inzwischen mehrten sich die Stimmen, welche für eine Acndcrung dieser Organisationsform eintraten und man ging in den verschiedenen deutschen Landesteilen dazu über, für einzelne Wahlkreise eine straffere Organisation zu schaffen. Trotz des gewaltigen Aufschwungs unsrer Partei und trotz des groß- artigen 3 Millionensiegcs, dessen wir uns von Herzen erfreuten, machten sich doch bei sachlicher Prüfung eine Anzahl Mängel bc- merkbar, die den Beweis ergaben, daß die socialdemokratische Partei bezüglich der Organisation und Agitation noch viel zu leisten habe. Gerade bei der letzten Wahl habe es sich gezeigt, daß durch die Zer- splittcrung der Kräfte' bei der Agitation die Einheit des Handelns fehlte, die doch hauptsächlich nur Erfolg verspricht. Weiter kam hinzu, daß die Einnahmen der Organisationen sehr minimal flössen. Während seit 1891 sich dieselben nur 2V,mal erhöhten, war bei den centralistisch ausgebauten Gewerkschaften die Steigerung eine lömal größere. Und wie ficht es in dieser Be- ziehung erst in der Provinz aus? Alle 5 Jahre zu den Wahlen und einmal in jedem Jahre tritt man mit der Landbevölkerung in Verbindung. Die Kleinarbeit fehlt und so ist erklärlich, daß durch das Abhalten einer Versammlung oder einer sonstigen Veranstaltung mit einem Referenten, der die dortigen Verhältnisse nicht kennt, die Agitation nur rein schematisch betrieben wird. Die Hauptsache ist daher: für die Organisation und Agitation den Charakter der Einheit zu schaffen. Das Wesen unsrer Thätigkeit müsse anders gestaltet, werden. Mit einer systematisch betriebenen Haus- agitation müsse der Anfang gemacht werden, die Presse solle die größeren Gesichtspunkte unsrer Bestrebungen mehr hervorheben, kurz und gut, die ganze Arbeit niüsse intensiver und planmäßiger ge- staltet werden. Die Anstellung von Parteisekretären, die jene Klein- arbeit zu verrichten haben, würde zu erwägen sein. Die Kosten für solche befähigten Genossen ständen außer Frage, da sie doppelt und dreifach wieder einkommen würden. Der Entwurf des Partei- Vorstandes geht in dieser Beziehung nicht weit genug. Ebenso träfen die Befürchtungen Psannkuchs und G e r i s ch s nicht zu, daß sich dann der Vorstand mit einem Heer von Beamten umgeben müßte. Ob die Polizei darauf bestehen würde, daß die Mitglieder an- und abzumelden seien, müsse abgewartet werden. Es sei ein leichtes, diesen Behörden sä oculoo zu demonstrieren, daß ein solches Verlangen gar nicht durchführbar sei. Auch die Frauen werden sich nach wie vor mit den für sie gesetzlich bestehenden Ausnahmen ab- zufinden wissen. Es liegt daher kein erheblicher Grund vor, die Centralisation der Partei nicht zu vollziehen. Jeden- falls aber wird auf dem Parteitag in eingehendster Weise diese für uns überaus wichtige Frage studiert werden und durch die Wahl einer Prüfungskommission, in welcher alle Landesteile vertreten sind, steht zu erhoffen, daß eine Form gefunden wird, die den heutigen unzulänglichen Zustand endlich beseitigt.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion ist Gen. R ö ß n e r mit Silberschmidt darin einverstanden, daß eine einheitliche Ablieferung der Gelder zu er- folgen habe, dagegen ist er gegen die Anstellung von Beamten, welche weit über 50 000 M. Kosten verursachen würden. Gen. Pfannkuch hält es für eine der Hauptaufgaben der Partei, Agitation und Organisation zu betreiben. Er nehme für sich in Anspruch, darin auch einige Erfahrungen zu haben. Eins möchte er besonders hervorheben: er sei heute noch Centralist vom«cheitcl bis zur Zehe, und wenn die strenge Centralisation für die Partei durch- zuführen wäre, würde er es mit Freuden begrüßen. Es komme nur auf das Maß an, wie weit dies bei den jetzigen Verhältnissen möglich sei. Und das erscheint heute sehr schwer. Wenn Silberschmidt sage, daß die Anmeldung 1 Mllion Mitglieder zu verlangen unmöglich sei, so steht zu erwarten, daß bei der systematischen Bekämpfung der Socialdemokratie es einfach verlangt werden wird. Eine Anzahl von Prozessen würde uns dies weiter lehren. Dagegen sei er damit einverstanden, daß die Form erzweckt wird, wie sie in Sachsen und Württemberg vorhanden ist: geschlossene Wahlkreisorganisationen als Unterbau unter Direktive der Provinzial- oder Agitatwns- Komitees. Es kommt ganz auf den Geist und die Personen an, ob sie wirklich von diesem Gedanken erfüllt sind und sich nicht als autonom betrachten.(Lebhafter Beifall.) Von einer Beschluß- fassung zweier vorliegender Anträge wurde Abstand genommen, da die Versammlung nur zu informatorischen Zwecken einberufen war. Sechster Wahlkreis. Ter socialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag in den Arminius-Festsälen eine gut besuchte Distrikts- Versammlung für Moabit ab. Reichstagsabgeordneter Kunert sprach daselbst über„Die Verrufserklärung der Landarbeiter und des Gesindes im preußischen Landtag". Redner führte aus: Es gäbe kaum eine Maßregel, die mehr in die Verhältnisse der Landarbeiter und des Gesindes einzugreifen geeignet sei, wie das in Aussicht genommene preußische Kontraktbruchgesetz. Dieser Gesetzentwurf könne sich in gewisser Beziehung mit dem seligen Zuchthausgesctz messen. Zweck desselben sei, die Landarbeiter an die Scholle resp. an den Gutsherrn zu fesseln, wenn er sich seiner Form nach auch gegen die Arbeitgeber wende. Möglich sei ein solcher Gesetzentwurf nur, weil in Deutschland und specicll in Preußen der mittelalterliche Feudalismus noch nicht überwunden sei; atmen doch die geltenden Gesindeordnungen durchweg den Geist der Hörigkeit aus vergangener Zeit, ebenso das preußische Gesetz vom Jahre 1854, das den Land- arbeitern den Eintritt in einen Streik bei hoher Gefängnisstrafe vor- bietet. Redner ging dann des näheren auf die formalrechtliche sowie die materielle Seite des Kontraktbruchgesetzes ein und wies nach, daß dieses nicht allein gegen die Reichsverfassung verstoße, sondern auch mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch, der Gewerbeordnung und dem deutschen Strafrecht kollidiere. Da die preußische Regierung aber lediglich eine Filiale des Junkertums sei, so setze sie sich einfach über alle rechtlichen und sachlichen Bedenken hinweg und trage dem Eigennutz der Agrarier mit solcher Gesctzcsmacherei in weitgehendstem Maße Rechnung.— Nach einer lebendigen Schilderung des Land- arbeitcr-Elends und einer anschaulichen Erläuterung der unausblcib- lichcn üblen Wirkungen des Gesetzes charakterisierte Redner die Stellung der verschiedenen Parteien zu der Vorlage und kam zu dem Schluß, daß die Socialdemokratie alles aufbieten müsse, um der Landarbeitcrschaft über die socialpolitische Verwerflichkeit jenes Ge» setzes Aufklärung zu geben. So sei auch dem städtischen Proletariat die denkbar beste Gelegenheit geboten, eine energische Agitation unter' den Landarbeitern zu Gunsten der Partei zu entfalten und gleich- zeitig dafür zu sorgen, daß weder die Regierung noch die Junker ihrer gesetzgeberischen Produktion froh würden.(Lebhafter Beifall.� Da eine Diskussion nicht beliebt wurde, brachte der Vorsitzende Freythaler folgende Resolution zur Abstimmung:„Die Ver- sammlung erklärt sich entschieden gegen den Gesetzentwurf betreffend die Erschwerung des Vertragsbruchs landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes, weil die Versammelten eine solche Gesetzfabrikation für eine Verrufserklärung und schwere Schädigung der erwähnten Arbeiterkatcgorien, sowie auch ferner den neupreußischen Verrufs- entwurs für einen schamlosen Einbruch reaktionär-partikularistischer Bestrebungen in das Reichsrecht und in die Reichsverfayung zu Gunsten des volksfeindlichen Junker- und Agrariertums betrachten." — Die Annahme der Resolution erfolgte mit Einstimmigkeit. Berliner GcwcrkschaftSkonnttission. Am Dienstag fand eine Ver- sammlung der Delegierten und Vorstände statt. Daß diesmal ausnahmsweise ein Dienstag als Versammlungstag gewählt werden mußte, erklärte Körsten so: Die Stellung der Kommission zur Gewerbegerichtswahl mußte laut Verabredung den Vertrauensleuten der Partei bis zum 1. September mitgeteilt werden, an einem andern Tage als Dienstag war aber im Gewerkschaftshause kein Saal frei. Zum ersten Punkte der Tagesordnung: Bericht über die Ver- Handlungen wegen Aufstellung von Kandidaten zur Gewerbegerichtswahl, führte Karsten aus: In einer kürzlich abgehaltenen Konferenz mit den Vertrauensleuten der Partei hätten die Vertreter der Gewerkschafts- kommission den Standpunkt vertreten, daß es hinsichtlich der Wahlen wieder so gehandhabt werden solle, wie vor zwei Jahren. Die Geiverkschaftskommission übernehme die Leitung der Wahlen und die Aufstellung der Kandidaten im Einverständnis mit den ihr an- geschlossenen Gewerkschaften ohne Mitwirkung der Lokalorganisierten. Demgegenüber hätten die Vertrauensleute vorgeschlagen, daß die Aufstellung der Kandidaten diesmal in öffentlichen Versammlungen erfolgen solle. Die Vertreter der GelverkschaftSkommission hätten darauf erklärt, daß man auf diesem Wege nicht zum Ziel kommen werde. Gestützt auf die früheren Erfahrungen müsse angenommen werden, daß es in derartigen Versammlungen zu unliebsamen Störungen komme und ein Resultat nicht erzielt werde. Die Ver- traucnSteute hätten dann bemerkt, sie würden nunmehr auch den Lokalorganisationen ihren Vorschlag machen, und wenn es zu keiner Verständigung käme, könnten sie nichts weiter thun. Gemäß dem Auftrage, der ihnen durch die Konferenz erteilt worden sei, ersuchen die Vertreter der Gewerkschaftskommission nunmehr die gegen- wärtige Versammlung, zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen, damit das Resultat den Vertrauensleuten übermittelt werden könne. Der Redner empfahl namens des Ausschusses folgende Resolution: Die am 30. August 1904 tagende Versammlung der Vor- stände und Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission er- klärt nach wie vor an der am Absatz 3 dem 13. November 1902 gefaßten Resolution festzuhalten, derselbe lautet: In dem großen Kampf um Erringung besserer wirtschaftlicher Existenzbedingungen für die Arbeiterklasse, können wir Sonder- organiiationen nicht anerkennen, wir erkennen die Sonder- Organisation um so' weniger an, als im wirffchaftlichen Kampfein Zuiammenwirken aller Kräfte absolute Notwendigkeit ist.— Es kann den centralorganisierten Arbeitern aber auch nicht zu- gemutet werden, mit Leuten Arm in Arm zu gehen, die bei jeder Gelegenheit in ihrem Organ erklären, daß sie die Bekämpfung der„Verbändler"(Centralorganisationen) als ihre vornehmste Auf- gäbe betrachten. Zur Wahl selbst teilte Körsten mit, daß dieselbe für die Arbeit- nchmer am Sonntag, den 16. Oktober von 12 bis 5 Uhr stattfindet. Die Wahlberechtigung wird nachgewiesen durch einen vom Arbeit- geber oder von der Polizeibehörde beglaubigten Ausweis, aus dem ersichtlich ist, daß der betreffende Arbeiter zur Zeit der Wahl inner- halb des Wahlbezirkes wohnt oder arbeitet. Die Resolution wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. In den Ausschuß wurde an Stelle des ausgeschiedenen Mitgliedes Brückner Genosse Börner einstimmig gewählt. Hierauf gab K ö r st e n einige Erläuterungen zu dem gedruckt vorliegende» Kassenbericht für das erste Halbjahr 1904. Der Bericht zeigt eine Gesamteinnahme von 112 203,73 M., worin der 54 879,57 M. betragende Bestand vom 1. Januar 1904 enthalten ist. Die Einnahme setzt sich zusammen aus: Beiträgen 7653,60 M.. Sammlungen für den Crimmitschauer Streik(letzte Tcilabrechnung) 39 212,12 M., für die Aussperrung der Töpfer 393,80 M., den Berliner Vergolderstreik 7105,15 M., den Berliner Bäckerstreik 652 M.. den Streik der Berliner Steinsetzer und Rammer 761 M., Zinsen, Tellersammlungen ze. 946,59 M. Nach einigen Anfragen über Einzelheiten des Berichts war die Tagesordnung erledigt. In der Versammlung fehlten die Delegierten der Gärtner, Gra- veure, Masseure, Rabitzputzer, Schlächter. Marktpreise von Berlin am 31. August. Nach Ermittelungen des kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppcl-CenMcr: Weizen"), gute Sorte 17,80—17,78 M.. mittel 17,76—17,74 M., geringe 17,72—17,70 M. Roggen"), gute Sorte 13,90—00,00 2)4, mittel 00,00—00,00 M., geringe 00,00-00,00 M. Futtergerste'), gute Sorte 15,20—14,40 M.. mittel 14,30 bis 13,50 M., geringe 13,40— 12, 60'M. Hafer»), gute Sorte 16,60—15,80 M., mittel 15,70—14,90 M., geringe 14,80—14,10 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—28,00 M. Spciscbobncn. weiße 50,00— 25,00 M. Linsen 60,00— 25,00 M. Kartoffeln. 12,00-8,00 M. Richtstroh 4,66—4,16 M. Heu 9,40-6,20 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,60—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,80 M. ») Frei Wagen und ab Bahn.") W Bahn. Wasserstand am 3l. August. Elbe bei Aussig— 0,90 Meter, bei Dresden— 2,25 Meter, hei Magdeburg— 0,07 Meter.— Unstrut bei Straußsurt+ 0,60 Meter.— Oder bei ZIatibor+ 0,80 Meter, bei Breslau Obcr-Pegel-si 4,58 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,62 Meter, bei Frantsurt 4- 0,07 Nieter.— Weichsel bei Brahemünde+ 1,75 Meter.— Warthe bei Posen— 0,26 Meter.— Netze bei Usch+ 0,30 Meter. ßricfhaften der Redafctfon. Zs. B. Die Frage ist bereits beantwortet.„Elktrotcchnische Zeitschrist'. Springer, Monbijou-Platz 3.„Elettrotechnischer Anzeiger". Günther u. Co.. Lützowstr. 6.— Wolgastcrstraste. Deutschland nahe an 60 Millionen, Rußland etwa 130 Millionen Einwohner.— Schöneberg. M. M. 25. (Gesang.) Wenden Sie sich an. Herrn Obst, Martin Lutherstraßc, Ecke der Meininqerstraße oder an Henm Otto Nasche(Arbeiter-Sänger-Vereinigung) Berlin'80, Krangelstr. 8 II.— N. M. Nein.— 232. l. Kiautschou besetzt 1897,„gepachtet" von 1898 ab. 2. Port Arthur und Ouantung. Halbinsel 1897 besetzt, die„Pachtung" begann in demselben Jahre. 3. Port Arthur früher: Lu-schun-kan oder Lü-schun-tschöng.— R. P« 1- Rein. 2. Ja. 3. Frankreich. Iuriktikcster Ccil. Sic iiiriftislhc Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7,lt bis D'/j Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. O. K. 117. 1. Enthält Ihr Vertrag nichts Gegenteiliges, so hat der Wirt die durch Zusall zerbrochene Scheibe rcparicrcii zu lasscn.�2. R. gc- hörte der Freisinnigen Vereinigung an.— A. 2. 1. l. Nein: Sie können die lästigen Dinger, wenn Sie das angedroht hätten, aus Kosten des Wirts enffernen lassen. 2. Wenden Sie sich an einen Kammcijager.— B. Ottilie. Der den OffcnbartMgScid Leistende schwört, daß er sein Vermögen so voll- ständig angegeben hat als er dazu im stände ist. Verschweigt er Gegen- stände, die er nur zum Schein veräußert hat, to macht er ffch des Meineids schuldig.— R. L. II. 1. Die Rente kann durch die Bentssgenoffenschast (in Ihrem Fall durch die Direktion) herabgesetzt werden, wenn cme Besserung der ErwcrbSjahigkcit eingetreten� ist. Eme Herabsetzung kann in Ihrem Falle nur durch Entscheidung des Schiedsgerichts crjolgen. gegen die Rekurs zulässig ist. 2. Sie hätten dem Beamten nicht antworten brauchen; der Zweck ivar, aus Ersuchen seiner Vorgesetzten sestzustellen. ob Sie erwerbsfähiger geworden seien. 3. Eine Scichivertc an den uumster yt zulässig, aber hätte»venig Aussicht aus Erfolg.— M, M. 1000. Neun — Max Letch, Bonn. Die Steuerbehörde ist vollkommen im Recht und hätte, abgesehen von dem Strasznschlag, Sie uni einige Stusen in der Steuer erhöhen können, iveil Sie die einfache Scldsteinschätzung trotz Aus. sorderung unterlassen. Ein Blick in das Gesetz oder in den Ihnen von der Steuerbehörde zugegangenen Auszug aus dem Einkommensteucr-Gesetz hätte Ihnen die berechtigte Strafe, uns die Ansrage erspart.— O. 3 heiter 2Regen 2ivolkcnl 2 bedeckt 5 bedeckt 2 bedeckt Slatione» Haparanda Petersburg Cork Wcrdeen Paris 'i I 76» N 727� Still 762 WNW 76» SW Wetter --S, -»Ii bt.Z, 2 wolkig — Dunst 2halb bd. 2bedeckt Wetter-Proguose für Freitag, den 2. September 1904. Etwas kühler, zunächst ziemlich trübe, später wieder ausklarend schwachen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. S 16 11 IS bei «» Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion de», Publikum gegenüber keinerlei Beranttvortnng. Udeater. Freitag, 2. September. Neues königl. Opern- Theater. Geschlossen. Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Die Walküre. Ansang?>/, Uhr: Deutsches. Troilus und Cressida. Berliner. Zapfenstreich. Lessing. Die Frau vom Meere. Westen. Der Wildschütz. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner» Theater.) Johannisfeuer. Schiller ZV.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Medea. Central. Tannhäuser, oder der Sängerkrieg. Neues. Kabale und Liebe. Residenz. Geschlossen. Kleines. Nachtasyl. Carl Weiss. Der Weg zum Herzen. Triano». Die Notbrücke. Mctropol. Ein tolles Jahr. Bellc-ZIlliance. Charlcys Tante. Luisen. Hasemanns Töchter. Deutsch-Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Apollo. Venus aus Erden. Speciali« täten. Herrnfeld-Th eater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Wintergarten. Specialitäten. Reichshalle». Stetttner Sänger. Passagc-Thcatcr. La belle Georgette. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Taubensirasie 48/49. Im Theater: Die Weltausstellung in St. Louis.— Der Gardasce. Jnvalidcnstrafse 67,62. Stern. warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. �"_ Neues Theater. Schiffbanerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe Ansang 8 Uhr. Morgen: Salome. Dar Kammersänger. Centrai-Theater Ansang 8 Uhr Tannliänser oder der Sangerkrieg. Vurlesquc-Operettc in 4 Akten Von Joh. Nestroy und Karl Binder. Morgen: Tannbüusoe(Operette). Sonntagnachmittag: vis Loisha. Abends: Tanndäueor(Operette). Uiiseu-Theater. Von Stufe zu Stufe. Sonnabend: Der Hütteubesttzer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS Käthchcn von Heilbronn.— Abends 8 Uhr: Von Stufe zu Stuse. Montag: Julius Caesar. Qentsch-AmerikaniseheS; Tlieatci*." K ö p Zum 320. Male: Theater. e n i c k e r s t r. 67. Heute abend 8 Uhr! Gastspiel Adolf Philipp. Ueber'n GROSSEN TEICH Kational- Theater. Weinbergsweg 1 2a— 13b. Eröffhiuigs-Vorstellnng: Figaros Kochzelt. Eröffnungstag wird noch bekannt gegeben. Abonnements werden bis 15. September täglich im Itieator- bureau entgegengenommen. 25/13» Belle-Älliance-Thealer. Ansang 8 Uhr. Ulnido Thielscher als Charleys Tante. Im 3. Akt Bozöna Bradzky mit neuen Chansons von Oskar Strausi. Im Sommergarten: Nur noch vier Borsiellungen, Ansang 6 Uhr: Max Schmidt-Konzert und Specialitäten. Scala-Theater. Lintenstr. 132(a. d. Friedrichftr.) tatiiellez Proiramm! fiöwy's Duell. Posse mit Gesang in emcm Akt, sowie 30 iDlernation. SpeciaHleo. Ansang 7>/, Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Ilf*arsia. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Gie Weltaussieüiing in St. Louis. Hierauf: I>er Gnrdasec. Sternwarte Friedrichstr. 165. Rosa das gelehrte Pferd! Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Militär-Dopptl-Kotliett. Eintritt 1 M.. ab 6 Uhr 36 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. In der Arena: 6er See-Elefant. Eintritt vom Garten 20 Pf., von der Straffe 30 Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hälsle. Clrhus Sarrafani. GrUsster nnd elcsantester Zelt-Cirkas Europas. IW Täglich neu!"HW Hänscheu, das Kluge IPferd. Apollo-Theater. 8 Uhr: Venus auf Erden. Im vierten Bild— Einlage Hans, das denkende Pjerd, vorgeführt von Robert Steidl als Herr von Süd-Osten, assistiert von Martin Kettner und Arnold Rieck. Ab 91/, Uhr: Debüts der neuen grandiosen September- Specialitäten. Metropol-Theater Josef Giampietro a. 0. Ueor) Bender, Jose! Josepm Anton Grlintelil, Friil Fit Der größte Erfolg dieses Jahres Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern. Anfang S Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. Unter den Linden 44. lüavkisszsl. Ansang 8 Uhr. Morgen: iFciUileln Julie. Freitag geschlossen. Sonnabend, 3. September: Eröllnunns- Vorstellung der Dir. Richard Alexander. Zum erstenmal: Eine Hochzeitsnacht. (Une Nuit de Noces.) DO Ansang 8 Uhr. TBO Sonntag und folgende Tage: Eine ilochzeitsnacht. Fröbels Allerlei-Theater sr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Ab 1. September nur noch Sonntags, Montags und Mittwochs VorstvIIimK. IM- Nächste Vorstellung-«0 Sonntag/, 4. September. Extra-Tanz. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Scliilier-Tlieater. Schillcr-Thcatcr O. (Wallner-Theater). Freitagabend 8 Uhr: .Tohannlsfencr. Schauspiel in 4 Sitten von Hermann Sudermann. Sonnabendabend 8 Uhr Tension Schüller. Sonntag n ach mittag 3 U h r: Die Känhcr. Sonntagabend 8 Uhr: Pension Schüller. Schiller Theater ÄT. (Friedrich-WilHelmst.idlisches Theater) Freitagabend 8 Uhr: ifledea. TrauersMl in 5 Zluszügen von Franz Grillparzer. Sonnabendabend 8 Uhr: Johanuisreaer. S o II I! t a g II a ch m i t t a g 3 u h r: Kabale und Liebe. Sonntagabend 8 Uhr: Johannlnrencr. Volksbams ChaHotteiiburgt Rosinen- Straße 3. Sonntag, den 4. September 1004: 12. Ltiftungs-Fsst des Konsum- Vereins Chariottenburg. (E. G. m. b. H.) Konzert, Theater, hoinische Vortrüge und unter Mitwirkung des Damen-Ehors„Harmonie", Berlin(Mitgl. d. Arb.-S.-Bundes). Ansang nachmittags 4 Uhr. Enttee 20 Ps. Ende??? Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. Gäste können durch" Mitglieder eingeführt werden. Ein jodos Kind erhält ein Geschenk. 126/15 Das Komitee. Maurer und Putzer aus Königsberg i. Pr., zur Zeit hier in Berlin arbeiten, werden zu vormittags 10 Uhr nach dem Gewerkschastshause, Zusammenkunft eingeladen. 831b die dort ausgesperrt sind und Sonntag, den 4. September, Engel-User 15, zu einer I. A.: A. Rehse. Sie Sampfer-Ltation der Reederei Tisiuer. gelegen an der Michael- brücke, ist für dieses Jahr geschloffen. 8476b Die neue Absahrtstelle wird dem geehrten Publikum bekannt gemacht. lt. Tismer. Passage-Tlioater, mf. Sonnt. nfang d. i Dida Anf, Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. die Erschaffung eines Weibes aus dem Nichts. Pocahnntas, die indische Nachtigall. Littke Carlsen, Karikaturen. Luoie Verdier, Vortragskünstl. Joan Paul, Komiker. 14 neue erstklassige Nummern. Casino s Theater Lothriiigerstr.37. Ans.Wch.8, Sonnt.?'/,. Gonnabend, den 3. September: EröffnungS- Vorstellung! Das giänzenile EröiinuDgsprogramm Festspiel:»Dir Kunst dem Lolke". »'/.Uhr:„Mutter Grübert�. tJcbrüdcr Herrnfeld-Theater. (XHI. Berliner Winter-Saison.) Knr eine Xacht. Zwei Akte aus einer Ehe. Arm andern lllorgcn. Nachspiel zu„Nur eine Nacht". Beide Stücke mit den Autoren Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Kassen-Eröffnung 7 Uhr. Vorverkauf täglich 11— 2 Uhr. Der groffe Naturgarten ist geöffnet. m&aiel- Kasten-Alke 7*9 Täglich: Der rechte Weg. Hermann Wehling, Humor. Olly Marietta, Soubrette. Boeren-Schützen van Nlekerk u. Du Plessis. Ein Lilcbea-ldyll. Pantomime. ftio«/ Speeialitäten-Theater, jllKA Landsberger Allee 76/79. Direkt Ztmgbahnstation. Ob schönt Täglich Ob Regen> im herrlichen Garten od. gr. Saal: das neue konkurrenzlose Programm, 33 Sensations-Nummern, u. a.: Peter Bügler mit seinem konkurrenz- losen Dressurakt: 3 RiöZkn- Bären und i D°gge. u. a. Ringkampf des Dompteurs mit den gröfften Bären. Drlg. Darnet-truppe(5 Perf), Akrobat. mit Sprung-Zchleuderbrett. Zenfa Demeter, die famose Soubrette. Ada u. Ottfried Relay,„Duett neuester Richtung'. Köhley-Trio, sensat. Hochturnkünstler. Anton Hildach, Humorist Drlg. The Elrados, kom. Neckakt usw. Kaffeeküche. Volksbelnstigungen. Bis 2 Uhr:«all. Entree 20 Ps. Sonntags 30 Ps. I Palast-Theater. J Bürgerliche Schauspiele. j Burgstraffe 22. Eröffnung: 10. September. Zum 1. Male: t ( j Novität. < Vom Himmel zur Hölle. < Gr. Ausstattungsposse mit Gesang < und Balletts in vier Akten von < G. Höppner und T. W. Gericke. i Musik von A. Rensch. Balletts von A. Ehlebus. J Jupiter: Dir. R. Winkler. Mit neuen Dekorat. u. Kostümen. Anfang 8 Uhr. Preise: 0,50—2,00. fcww.nwwww wwwwwwwwww. 1 W. Noacks Theater. Direktton: Rob. Dill. Brminenstr. 16 Die obereil Zehutausend. Sittengemälde auS dem BerlinerLeben in 3 Akten von H. Müller. Dazu die vorzüglichen Specialitäten. Ansang 6 Uhr. Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saale. Trianon-Theater. Georgenstraffe zwischen Friedrich- und Uniocrsitätsstraffc. Die Notbriicke. Lustspiel in 3 Akten von Fred Grcsac und Francis de Eroissct. SV Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Ihr zweiter Mann. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badsttaffe 58. Die Tochter des Heimgekehrten. Außerdem das ntuc September-Programm. Paul Coradini, Berlins Liebling. W. Kehrt, Münzenmanipulator. The Milfords, musik. Phantasten. Dorf- Idylle, Pantomime. The Baretts. SMT* Im Saale: Ball. T&J Enttee 30 Ps. Numerierter Platz 50 Pf. Ansang 4'/, Uhr. /Vnaie virkens Soubrette. Pas de Doux orientai. Tilly B6bö mit ihren 12 Löwen. Paula Worm, Operettensängerin. Ifal. Harfenorchester, 23Harfenistinn. Rudolf Segommer, Ventrilqquist. Severin und Mlle. Dorville in der Pantomime„Der Trunkenbold". Kirvana, lebende Bilder. Die Klein-Fnmilie, Radfahrer. Die 8 Cocktails, Tanz-Ensemble. Die Baogesens, komische Jongleure. Die 3 Meteors, Hochtumer. Biograph, darstellend d. Ringkampf zwisch. Hackenschmidt u.Jenkrns. Sanssouci. Kottbus er Tbor— Stat. der Hochbahn Beginn der Theater» Abende Dienstag, den 6. Scptbr.: Der Äörtnstikd. Schauspiel in 4 Slkten von Bencdiy. Mitttvoch, den 7. Septbr.: vis tora' von Berlia. Volksstück m. Ges. v. Pohl. Die Vorstellungen sinden jeden Dienstag und Mittwoch regcl- mässig statt. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag Hoffmanns Horddeutsche Länger und Tanzkränzchen. � Gustav Behrens Tlieater, Frankfurter- Allee 85. Neue September-Engagements Xen! Der kleinste Cake Walktänzer der Welt. Marga Manzoni in. ihrem gelehrt. Hund. The Wietternanns Original-Lustäkt u. außerdem die übrigen Specialitäten. Ans. 7 Uhr. Sonntags 5'/, Uhr. Betehshaüen-Thealer. Täglich: im Siimer. JCützowstr. tlt/112. T il g 1 1 c h im tiiarten oder Saal: Vorsts Korddeutsehe Kumoristen und Quartett- Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Bons haben Gültigkeit. Etnhitssktttettt Ktiggetihngt» Boritzplatz. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im grosieu schattige» Natur- garten jede» Abend 8 Uhr: llsn�spi. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends T» m v im Kaisersaal:■«8■■ Qossmanns jsfgi Konzert-Garten sw" Krenzbcrg-Str. 48. Jeden Freitag: W Harburger Sanier. ff. f I Jeden Montag: S|jL Elchler's Humoristen. Ansang 8 Uhr. 3856 Nachher.- Familien- Freitanz. iSÄllrtei Ripdorf. Mitglied d. Arbeiter-Nadsahrer-BimdeS „Solidarität-. Sitzung: Thiel« Pc«t«iilc, Berg- straffe 151—152, jeden Montag 9 Uhr. 25/4 Tour: am 4. September mittags 1 Uhr. Rahns- dorser Mühle; 11. September 1 Uhr, Baumschulenweg; 18. September 10 Uhr nach Erkner; 25. September 8 Uhr nach Brusendorf, Schnitzcljagd; 2. Abteilung 1 uhr nach Zchlendm-s. Zurückgekehrt: Hr. Echtermeyer, Lmsenstraße 14. V.l-'/W u.'/,5— 7. Sonntags 11—1. Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke 7—8 abends Dr. Simmel, sm""; Specialarzt für(25/12- Ilant- and Harnleiden. 10— 2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Allen Freunden, Verwandten I und Bekannten die ttaurige Nach- richt, daß meine heißgeliebte Frau s Martha Schulz geb. Frühauf am 30. August 1904 vormittags, gestorben ist. 167L Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 2. September, nach- mittags in Storkow statt. Rudolf Schulz nebst Kindem, Lehrterstr. 56. „IMiier Ärheiter- Ratliahrer-lfereir. W Touren zum Sonntag, *-*** den 4. September: 1., 2.«iib 3. Abteilung früh 6 Uhr nach Teupit?, mittags 2 Uhr nach Carolineuhof, beide Starts Kottbuser Brücke. 4. Abteilung mittags 2 Uhr nach Carolinenhos, Start Schlesische Brücke. 5. Abteilung früh 6 Uhr Lücken- Walde, mittags 2 Uhr Seehos-Teltow (Bölling), beide Starts Kreuzberg, Steuerhaus. 6.. 7.. 9. Älbteilung früh 6 Uhr Tenpitz, mittags 1 Uhr Schmöckwitz (Noak), beide Starts Prenzlauer Thor. 28/5 8. Mteilung früh 7 Uhr Tegelort, Start Beusselbrücke, mittags l'/�UHr Pichelswerder(Freund), Start straffe 8(Fischer). Gäste willkommen. LHdZi'Kmg der SchlichtungS- Kommission für daS Bäckcrgewerbc(Arbeitgeber.) In Nr. 204 des„Vorwärts" veröffentlicht der Vorstand des Bäcker- aeiellen-Verbandes eine Liste von Bäckermeistern, welche den Tarif durchbrochen resp. die Bewilligungen zurückgezogen haben sollen. Soweit es sich um diejenigen Arbeitgeber handelt, welche den Tarif durchbrochen haben sollen, haben wir zu erklären�: Nach dem Tarif ist eine Schlichtungs- kommission von beiden Teilen in gleicher Fahl gebildet, welche über Stteitigkeilen, die aus dem Tarif entstehen, zu entscheiden hat. Die Gesellen haben wohl das Recht, da, wo es sich die Arbeitgeber gefallen lassen, zu kontrollieren, Ivo aber von denselben Unregelmäßigkeiten konstatiert werden, müssen die Ver- treter der Arbeitgeber mit hinzu- gezogen werden. Dies ist aber für die Obengenannten nicht geschehen und zwar deshalb nicht, weil bis jetzt die Arbeitgeber-Vertteter von den Arbeitnehmern aus angebliche Brüche des Tarifs nicht aufmerksam gemacht worden sind, noch eine Sitzung der gesamten Kommission stattgesunden hat, welche über solche Fälle heraten hätte. 297/19 Wir müssen es vorläufig als nicht geklärt hinstellen daß die Genannten tarisbrüchig sein sollen, da hier bloß eine Partei geurteilt hat. Der Dbmann(Arbeitgeber). kWAuMeder 1,25 Album- und Lederwaren-Fabrik Oskar fiundau, Oranienstr. 30, Ecke Adalbert-Str. Gr. Lager aller Arten Lederwaren u. Schmucksachen zu bill. Preisen. Ein seit 29 Jahren bestehendes Cigarrengeschäft mit eigner Fabrikation, in guter Gegend Berlins, ist wegen Kränklich- keit des Besitzers preiswert zu ver« kaufen. Auskunft erteilt Max Otto, Berlin NO. 43, Neue Köingstt. 6. Von der Reise zurückgekehrt .1. Kallmann, Münzstr. 14/15 u. Kaiser Wilhelmstr 18. Sprechstunden 8—8. Zahn-Operationen mit örtlicher Betäubung, für Kassenmitglieder aus Verlangen ohne Nachzahlung. 24/7» » MraiMe aus reinem Roggen u. Malz gebrannt sind besser u. bekömmlicher als billiger Cognae oder Liqueur. Echter Wickscher 65 Ps., Priegnitzer 1,00, Richtenbcrgcr 95 Ps.. BrcSlauer 1,25, Münsterländer 1,10, Nordhäuscr 1,00, Wismarer 1,00, Tasel-Aquavit 1,10, Steinhäger, Doorn- kaat, Ruhrperlcn, Bommerlunder ic. F. Wlllnmclt, Alexandorstr. 62, Skalitzerstr. 135, Reichenhergerstr.87, Potsdamerstr.48, EingKursurstenstt. u. Brückensfrasse 5, Eing. Rungestraffe. SNtwauh, dM 7. September, abend«'1,9 Fhr, Im Ge weekachnftshanse, Engel-Ufer 15(gr. Saal); O�eff entliehe Versammlung zu Gunsten der Arbeiter-Bildungsschule. /ortrag des Genossen Max Ornnwald „Materialistische Geschichtsauffassung" mit nachfolgender Diskussion. Um zahlreichen Besuch der Genossinnen und Genossen wird ersucht._ 4/20 Tischler-Verein zu Berlin. (E. H. 89.) Sonnabend, den 3. September, abends 8>/z Uhr, Melchiorstraße 15: NV" Vvnssmmlung 1H Tages-Ordnung: 1. SSorfrtm SeS Herrn Max Schütte über:„CaffaUc'ä Leben und Wirken". 2. Erledigung eines Unterstützungsgesuchs. 3. Vereinsangelcgen- heilen. Ausgabe der Billets zum 33.«tistungsfest am 8. Oktober im „ Sanssouci". Ausnahme neuer Mitglieder.— Gäste(auch Frauen) haben Zutritt.— Zahlreichem Besuch sieht entgegen 1SS/4 Idee Vocataad. Ii- r Deut Zweig/verein Berlin. Sektion der Gips- und Cementbranche(Gruppe Rabitzspanner). Sountn£, den 4. September, vonnlttnga tO'l, Uhr, im "'~ flstr. Lokal von Jannaachk, Insel 19: Mitglieder Uersammlnnfl. Tages»Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 148/13 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sonntag, den 4. September, vorintttags lO'l, Uhr. Sebastianstr. 39: bei Franke, Versammlung."WD Mitglieder werden ausgenommen. Tagesordnung wird bekannt gegeben. LZ7b Der Vorstand. .NB. Der Arbeitsnachweis befindet sich bei August Schröder, Sebastianstr. 50. Anschläger erhalten dort kostenlos Arbeit nachgewiesen. Deutscher Metaflarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679 Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mtunz! Klempner! Miunai Sonnabend, den 3. September, abends 8'/, Uhr: T e r s a m m 1 n ii g"HW im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15(großer Saal). Tages-Ordnung: 120/4 1. Bericht über den Stand der Bewegung der Bauklempner. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltang. Central- Verband der Xanrer Deutschlands. Zweigverein Serlin.— Sektion Nutzer. Sonntag, dm 4, September 1904, vormittags lO'/j Uhr, in den„Armiuhallen", Kommandantenstr. 20: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Unternehmer-Praktiken. 2. Ernennung eines Kandidaten zur Gewerbe- gerichts-Wahl. 3. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet 134/7_ Tie örtliche Verwaltung. I. A.:«. ktoumann. Achtung! Kisteimiaclier. Achtung! Sonnabend, den 3. d. M., abends LV2 Uhr, in den„Andreas-Festsälen", Andreasstr. 2t: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnuni 1. Bericht der Lohnkommission über die stattgefnndenen Verhandlungen mit de» Fabrikanten. 2. Diskussion. 103/ t 4 äGF"- Alle Kollegen müssen erscheinen, denn es gilt das Sein oder Nichtsein eines einheitlichen Tarifs.~WS Die liohnkonimission. NB. Die Zahlstellen des Vereins bleiben der Versammlung wegen an diesem Abend geschlossen, jedoch können Beiträge vor Beginn der Versammlung entrichtet werden. D. O. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Freitag, abends Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15! Sitzung der OrtsvermaStung. waicha®. "gERÜN- Empfehlen unser helles u. dunkles TafelMer: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. Fass- Abteilung: Uandsbei-ser Allee 11/13. T. VII. 506«. Flaschen-„ Frlcden-Strasse 93. T. VII. 1670. Unsre Orljjlnal- Abzug- Flaschen blere in fast allen Kolonialwaren-Handlungen. 59601,* Aus allgemeinen Wunsch veranstalte am 8onntag, den 4. September, noch eine Dampfer-Extralahrt nach Teupitz. Abfahrt 7 Uhr morgens in Berlin an der Stralauer Brücke, Ecke Waisenbrücke. Fahrpreis hin und zurück 2 M., Neue Mühle 1 M. Reederei L. Kahnt. ysnswinäi's Vlugmasekws, die neue graste mit Motor, wegen deren Verlaus zum Preise von 750 000 Mark nach dem Ausland— der Prophet gilt nun einmal nicht in seinem Vaterlande— nach bereits stattgehabter sachmmmischer Prüfung mit günstigem Ergebnis gegenwärtig Unterhandlungen schweben, kann aus vielseitigen Wunsch bis zu ihrer eventuellen Ablieferung an den betreffenden Staat, während nach Voll« endung alles Wesenllichen nur noch an nebensächlichen Teilen gearbeitet wird, vorläufig täglich von 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends in der „Ausstellung Ganswindt" am Bahnhos Ebers straffe(Wegweiser-Tasel am Bahnhos) gegen 1 Mark Eintrittsgeld besichtigt werden. Zum Ausstellungs- Restaurant(Spatenbier'I, Liter 30 Pf., Pilsener Urquell'/, Liter 30 Pf., ff. Weine von Paul Egge- brecht, kalte und warme Küche) ist der Eintritt frei. Die laut zeugen- eidlicher Aussage von Kunden»sehr guten" Ganswindt-Räder mit Draht- achsen statt Kugellager jetzt 100 Mark billiger. Eröffnung heute. L42b Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- nnd Frauenleiden, Seydelatr. 9. Wochentags V.l«-'/.»,'/.O-'/.S. Werneuchenerslr. 2 sind Gartenwohnungen von 2 Zun- mern, Küche und Nebengelah sehr billig zu vermieten. 107L' Jedes Wort: ■ fCleine Anzeigen. als 15 Buchstaben zählen doppelt. MI �' Verkäufe. Pfaudleihhans Weidenweg 19 verkaust spottbillig verfallene Pfänder. Ferner: Betten. Bettwäsche, Bett- inlette, Herrenuhren, Damcnuhren, Hcrrenlettcn, Damenketten. Schmuck- fachen, Trauringe, Jackettanzüge, Damcnstiesel, Steppdecken, Gardinen, Tcppiche, Regulateure, Freischwtnger, Spiegel,_' Teppiche, Gardinen. Portieren, Tischdecken, Bilder spottbillig Leihhaus Neandcrstraffe 6,_ 24/19* Vetteu, Steppdecken, Remontoir- uhren, Regulateure, Uhrketten. Spie- gel, Möbel spottbillig Leihhaus Neanderstraffe 6._ 24/20* Teilzahlung. Teppiche, Betten, Gardinen, Steppdecken, Portieren, Rcmontoiruhren, Bilder, Spiegel, Möbel, spottbillig, Leihhaus Neander- straffe 6,_ 24/16'' Pfänder ' teder Art etten, Bett- Verfallene spottbilltg. vorzügliche»ei wüsche, Gardinen. Teppiche, Tisch decken, Steppdecken, Inlette, Hemden, Uhren-c- PsandleihhauS, Kustttner- platz 7._ 247551* Gaedinenhans GroffeFranksurtev straffe 9, parterre. �37» Teppiche!(sehlerhaste) in allen Größen für die Hälfte deS Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Mar« 4. Bahnhos Börse. 142/12* Steppdecken nickerstraffe 62. billig. Fabrik, Köp- b41b* Sofabezüge, Neste, enorm billig. TeppichhauS Georg Lange, Chaussee- straffe 63/69(Wedding.) 245651* Sofas, gröffte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik Blumenstraffe 35h._ 2361K* Achtung, Brautleute I Fünf Zimmer Nuffbamnmöbel billig, auch einzeln zu verlausen Dresdener- straffe 38, vorn II links._ 25/7* Möbelvertauf in meiner Möbei- sabril Wallstraffe 80—81, nah« Spittcl- markt. Jnsolge des großen Umzugs befinden sich am Lager viele zurück- gesetzte und verliehen gewesene Möbel, ie wie neu sind, Klciderspind, Vertiko 27 Mark. Ausziehttsch 16, Muschelbettstellen mit Federmalratzen und Keilkissen 36, Taschensofa 50. Paneelsosa 70, Waschtoilette 20, Ruhe. bett 25, ganze Einrichtungen billigst. Transport frei.____ 25/9» Fahrräder. Teilzahlungen, hundert. sünszehn Mark, ynvalidenstrage 143 (Eingang Bergstraße), Skmitzer- straße 40, Große �ranksurtcrstraße 06. Ringschisschen, Bobbin. Schnell- näher, ohne Anzahlung. Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Köpnicktrstraffe60/61, Prenzlauerslrnffe 59/60 und Große Franks urtersttaffe 43_+97• Nähmaschinen, gebrauchte, Whecler-Wilson von 8 Mark und Langschiff von 10 Mark an. Bell- mann, Gollnowstraffe 26. 2369K* Broneekronen 6,00, Lyren Wandarme 0,65, Gasplätteism 2,25. straffe 43._ mtmM, Gaskocher 1,00, Schröder, Hoch. 806b* Äbessinerbrunnen 8,00, Druckpumpen, gebrauchte Schläuche und Pumpen billigst. Erdbohrer unent- geltlich. W. Wolff, Pumpensabrik, Ackerstraffe 113. 2471K* Steppdecken billigst Fabrik Groffe Franksurterstraffe 9, parterre. P37* Schankgeschäft. Ecke, nachweisbar gute« Geschält, sofort verläuslich. lZ. 800 Postamt 28._+64* Eckdestillation, tüchtige Baugegend. sofort zu verlausen wegen Verzugs nach außerhalb. Viele AuS- länder. Zu erfragen Rixdors, Reuter- straffe 64, Schlächterei. tl32* Lankwi». DR. 25 Mark, vor- käuflich. Nie wiederkehrende Ge. legenheit. Offerten unter F. 1, Ex- peditton des.Vorwärts". 7Mb* Möbel. Ganze Wohnungs-Ein- richtungen aus Teilzahlung sicheren Leuten bei ganz geringer Anzahlung zu billigen Preisen, liesert die Möbel- sabrik August Krause, Schützenstr. 72, kein Laden, Verlaus vorn I und im Fabrikgebäude._ 248151» GaSkorherhauö! EinlochaaS- fochcr! 0,80. Zweilochgaskocher! 3,00. DreilochgaSkocherl Gasbratöfen I 6,00 Gasbügselapparat I GaSplätteisen spott- billig! Wohiauer, Wallnertbealer- straffe 32. 247951* Teppiche mit Farbensehlern Fabrik- Niederlage Groffe Franksurterstraffe 9, parterre._ t37* Betten, zwei schöneStand, Gardinen, Uebergardinen, Stores, Plüschttschdecke, zwei elegante Steppdecken, Teppich, moderne Bilder billig. Hoffmann, Naunynstraffe 52._ 8446 Eckdestillatton. nachweislich gut- gehend, besteht viele Jahre(Vereine, Gesellschaften), ist wegen Krankheit billig zu verlausen. Zu erfragen bei Henze, Eigarrenladen, Petersburger- straffe 34.__ 8466 Umständehalber Nutzbaum-Wirt- schalt spottbillig, Kleiderspmd. Verttko 24..Spiegelspin» mit Spiegel. Bett- stellen, Paneelsoia. Schlassosa, Marmor- toilette. Tische, Stühle Rosenthaler- straffe 32, I links._»ISb Bronzegaskronen! dreisiammig l 6,00. Gaslyren l1/,. Schausenster. Gasbeleuchtung spottbillig. Wohlauer, Wallnertheaterstraffe 32._ 24805t* Selten wiederkehrende Gelegen heit, Polsterstühle 2,50, Küchenrahmen, 2 Kasten 2,00, großer Goldipiegel 4,00, elegantes Taschensoja 45.00. hochfeine Salongarnitur 95,00, echt sournierter Wuschelschrank, Muscheloerlilo 38,00, Perserteppich 5,00, siouliseidene Stepp- decken 6,00, Bilder, geschliffener Tru- meau 33,00, sür Brautleute uagel- neue Muschelbettstellen, komplett 33,00. Wohnung vermietbar Köpnicker- swaffe 126», 1._ 836b Glockenspiel verkaust billig Rixdors Hermannstraffe 26. 6—! Rix. Halbrenner, moderner, gut er- halten, 40,00, komplett, Groffe Frank- surterstraffe 14, Hos geradezu. f48 Ohne Anzahlung Spiegel 0.50 wöchentlich, Bettwäsche, Gardinen, Steppdecken, Teppiche, Uhren. Dorn, Alte Schönhauserstraffe 59. Postkarte erbeten. 85Sb* Milchgeschäft billig zu verlausen Grünstraffe 21. krankheitshalber Charlottenburg, +136* Parteilokal im Vorort Berlins, großer Saal, Garten, zwei Kegel- bahnen, Ausspannung, billige Miete, sür billigen Preis 5000 Atark per- käuflich. Auskunft Lebuserftraffe 7, Grüffner._+48 Kanarienhähne verkauft Rixdors. Kaiser vom IV. Sportwagen, a Steinberg, Lippehnersttaffe 26. chneider, Friedrichsttaff« 20l. t132 zweisitzig, billig, +48 Herrenrad. 35,00, Lippehnerstraffe 26. Günstige Steinberg, _+48 Material- Gelegenhest l I waren-, Obst- und Gemüse- Geschäft in bester Lage Charlottenburgs krank- heitshalber für 600 Mark zu verknusen. Goldgrube 1260 Postamt'26. 8506 Systeme, ll.OÖ. Füns Nähmaschinen aller ohne Anzahlung, wöchentlich Jahre Garantie. Unterricht im Sticken, Stopsen gratis. Postkarte genügt. Wienerstraffe 6. Acker. straffe 113, Belleallianeestraffe 78. Frankfurter Mee 10. 851b "Fahrrrad-Verleih. Einsitzer. Zwei- sitzer.' Dreisitzer. surterstraffe 14. Groffe Frank- +48' Fahrräder-Reparaturen sorasälttg und billig. Große Franksurterstraffe 14. Herrenanzüge, Ueberzieher, wenig getrageneMonalsgarderobevonSMark an, groffe Auswahl, sür jede Figur, auch neue zurückgesetzte, kaust man am billigsten direkt nur beim Schneider- meister Fürstenzelt. Rosenthaler- straffe 15, III._+144* Möbel, SVüchcngcfchirr, billig verkäuflich wegen Auslandsreise. Groß- Lichlerselde- West, Göbenstraffe 19. Händler verbeten. 25/17* Versekiectenes. Uiifallsachen.RechtSbnreau Putzger Steglitzerstraffe sü»sundsechzigs2375K* PateisitäuwaiV Dammann, Cm« nienftraffe 57, Moritzplatz. Rat in Patentsachen._ 7546* Rechtsbureau k(Andreasplatz), Grünerweg vierundneunzig. Lang- jähriges! Erfolgreichstes! 748b* �llieditsburenn(Alcxandcr-PIatz), Kurzeslraffe achtzehn! Erfahrener Prozeffbeisland! Ehellagesachen.Jnter- ventionen, Sttassachenl Eingaben- gesuche! Raterteilung. 119/7* Aufpolstening! SojaS.OO, Matratze 4,00, auch aufferm Hause. Bachmaini, Blumenslraffe 35 h. 2358Ä* Fäbrräderankauf, MebA, Pianine Beleihung. Allee 163». Bandwürmer Ratzlaff, Schönhauser _ 239551» mit Kopf, frisch in Spiritus eventuell Wasser, kaufen a 2 Mark Linnaea, Jnvalidensttaffe 105. Vereinszimmer. renoviert, vierzig Personen, Piantno Kommandanten- straffe 65._ 248251* Klavier- Einzelunterricht billig, Lehrer. Lichtenbergerstraffe 12.* Ausbesserin empfiehlt sich ft, und autzer dem Haus«, auch wird jede Arft Stickerei sauber und billig auS- gejährt. Zipf. Neue Jakobstraffe 10.* Vermietu fixen. Tempelhof, Werder-straffe 1: Bäckerei, Patentofen neu erbaut. HauS preiswert zu vermieten. Näheres da- selbst. Sofort beziehbar. 202b* IVodlmiazei». Kronprinzenftrahe 4, dicht Bahn- hos Frankfurter Allee und süns eleltri- scher Linien, sofort 2 Stuben. Küche, und 1 Stube, Küche, viel Zubehör, billigst. mP Matternstrafte 5, Stube, Küche und Zubehör, Monat 22,50 bis 23,00, zum 1. 10. zu vermielen._ 8246* Schlafstellen. Möblierte Schiasstelle vermietet Jaeobey, Kolbergerstraffe 26 bei Schlafstelle bei Becker, straffe 33, Hos rechts. 5kroncn- 810b' Anzeigen In den Annahmestellen für Berl bist Uhr, färdie Vororte bis l2Ubr, In der Hauptexpedition Linden- Strasse 69 bis S Uhr angenommen. Möblierte Stfjlaj i tolle, auch Teil itcbste A ■»erden Berlin Uhr. VI- jfSf nehmer zum möblierten Zimmer, Dresdenerstraffe 58, III rechts. 2741 Möbliert« Schlafstelle, Flurein- gang, Wallstraße 35, vom III. 843b Mletsgesucba. Zimmer, leeres, großes. Gas- einrichwng, Ost, Nordost, Preisangabe, Oktober, sucht Gollong, Grüner Weg 3. möbliertes Zimmer in Zreisofferten „Vorwärts Kleines Charlottenburg gesucht. an die Expedition de» unter 3- 1. Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Bolkshumorift.Schmeltzer", Rügcnerstraffe 10._ flOS* Gerhardy, SVott Volkshumorist bus erdamni 100.__ +122* Stellenangebote. Einscher verlangt Richter, Wollank- straffe 57._ flOo* Anmnchcr, welcher selbständig arbeiten und einfassen kann, verlangt Sentz, Brunnenftraffe 43. 24745?* Tüchtigen Foumierer aus Gold- leisten sucht Werkmeister. Bmnnen- straffe 194. S40b Mehrere Klempner finden sogleich Beschäftigung Metallsargsabrik Dede- ring, Adalbcrtstraffe 60, erster Hos, links eine Treppe._ Llnoleumleger. selbständige, tüch- tige, per sofort vcrlangm W. Reims- seid u. Co., Leipzigerftraffe 97/9. f833b Jnuge» Schristmuier oerlangt Lcnau. Lcipzigersttaffe 103. 830b aus Geübte arbeit gesiv Kochstrage 67. Fliesenleger cht Schmalisch u. Wand- Below, 829b* �Jungen Lausburschen sür den ganzen Tag verlangt Wilhelm GuttS- mann, Dresdenerstraffe 75. 828b Farbigmachcr verlangt Pallisaden- straffe 14._ 21 Bügler aus Westen verlangt Wald. Lichtenbergerstraffe 20. 25/18 Bauschlosser verlangt Wille u. Engwer, Wilhelmöhaoenerstraffe 16. Tüchtiger Nahmenichneider aus Kreissäge, nur erste 5kralt, Kunst- anslait B. GroSz Akttmgesellschaft, Ritterstraffe 27. f75 Rabih-Putzer straffe 64. verlangt Thorner- ft05 Bierabziehcr sucht Stellen. Neu- mann, Waldemarstrabe 65.+4° Bauanschläger verlangt zu Tarif- preisen Schlosserei R. Blume, Char- lottenburg, Schillerstraffe 97. 849b Korton-Arbeilermnen. geübte, ver- langt Neumann, Stallschrewerstr. 23a. Junge Mädchen und Frauen, welche das Plätten erlernen wollen. verlangen Bcsasu.Rosenthal, Andreas. straffe 32._ 25/15 Stepperin und ältere Frau aus Handarbeit verlangt Schtochauer, Kraulstraffe 1._ 25/19 Geübte Belegerinnen aus Gold- leisten sucht Wertmeister, Bmnnen. straffe tS4._ 8416 " 2 Bogensängerinnen, 3 3 arbeiterinncn oeriangm sofort Fried wald u. Frick, Sleindmckerei, Neander- straffe 4. Hilss- Friede- Iackettarbeiterin, einsacheSachcn, bei hohen Preisen verlangt Schkoll, Hochmeisterstraffe lö. 803b* Im Arbeitömarkt durch besonderen Druck hervorgehoben« Auzetge« kosten 40 Pf. pro Zeil«. Kulm ui ifflonteiire für unsre elektrotechnische Abteilung fofott gesucht. 1352 Deutsche OasglQhlicht Aktiengesell- _«chaft Alte Jakohstraese 189. Tüchtiger Rohrtegerpolier für Installation, Be< und Entwäffe« rungsarbciten, zur Uebemahme von Arbeiten in Accord. Offerten unter A. K. Postamt 8. 826b Tüchtiger Temnwbeiter gesucht, der Arbeiten im Accord über» nimmt. Offerten unter A» B- Postamt 8._ 827b r. Ein tüchtiger Optiker, we cher zu- gleich Mechaniker ist. nur erste Straft. findet dauernde und lohnende Stellung. Angabe bisheriger Thätig. feit unter V. 602 Püttner» Annoncen- bureau. Rosenthal-rstraffe 42. 144/2 Achtung! Achtung! Holzarbeiter I In der Pflügerschen Accumula- toren-Favrikin Ober-Schöuewetde haben sämtliche Tischler wegen Ber- lingerung der Arbeitszeit die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. 88/9 Der Gauvorstand. KerMtv. Rtzdgtteur: ftrattj Rel/bein, Kerlin, Für den LnIeratenteilveraritw.:TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Kuchdruckerei u. Kula�anjtalt Kaul SiftM& gp,, Berlin SVÜ