Ur. 207. RbonnementS'ßedlflgungeA: KbotmementS- Preis pränumerandSI Lierteljährl. 330 SEK!., monatL 1,10 SKI. »vöch entlich 28 Pf 3. frei in» Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Eonntog«. nummcr mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Post- «bonncment: 1,10 Mark pro Monat. «wgetragea in die Post- Zeitung»« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich, Ungarn t Marl, für das übrige«uZIand S Mark pro Monat, 21. Jahrg. Vit TnrerflonS'Gebaiir vetrigt für die fechSgefpastene Kolon«- »eile oder deren Raum so Pfg., für politifche und gewertfchaftliche Vereins- und VerfammlungS-Snzeigen 25 Pfg. „Klein- Snreig-n", das erste(fett- gedruilte) Wort 10 Pfg., jede» weiter« Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uh, nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und gcjttagcn bis 8 Uhr vormittags gcöffnrd vlchtlit«Sil» iuiiu IGontas», Nevltnev VslKsblÄkk. Telegramm- Mreffe: �«Ä,Itlil»»IlkÄ KtkUll". �entralorgan cter roziatcUmokratifchen Partei Dcutfchlande. Redaktion: 8 AI. 68, Ltndcnstrassc 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. IS8Z. Expedition: 8 AI. 68» Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Rnsslsches Sedan. Oyama wird in nächster Zeit durch Kuropatkin in der Entscheidungsschlacht geschlagen werden. DaS ist meine feste Nebrrzcugung. Richard Graf von Pfeil im„Tag" vom 18. August 1904. Wilhelm II. hatte vielleicht wirklich gar nicht so unrecht, daß er den Offizieren a. D. die Schriftstellerei erschwert wissen wollte. Denn wenn man heute obigen Ausspruch des militärischen Sach- verständigen des Herrn August Scherl liest und sich an den Unsinn erinnert, den der Korrespondent der Firma Masse seit Monaten vom Kriegsschauplatz aus verzapft hat, so muß man wirklich sagen, daß bösartiger als durch derartiges Blech die deutsche Militärschriftstcllcrei gar nicht blamiert werden konnte I Wenn die aktiven Strategen der deutschen Armee vom gleichen Kaliber sein sollten, wie die inaktiven, so könnte einem wirklich angst und bange werden. Dock um von der Posse zur Tragödie überzugehen: Die heute vorliegenden Telegramme melden nichts Geringeres, als daß am 1. September die russische Hauptannee durch dir Japaner eine furcht- bare Niederlage erlitten hat! Es ist dem linken(östlichen) Flügel der Japaner, der vom General Oku befehligt wurde, gelungen, den rechten russischen Flügel aus seinen stark befestigten Stellungen herauszuwerfen. Da- durch sahen sich das russische Centrum und der linke russische Flügel ebenfalls gezwungen, um nicht von den Japanern im Rücken um- gangen zu werden, den Rückzug anzutreten. Dieser Rückzug artete in wilde Flucht aus. Die Japaner bemächtigten sich eine? Teiles der schweren russischen Geschütze und beschossen damit die nach Liaujang fliehenden Russen. Liaujang steht in Flammen. Die Japaner haben die Verfolgung mit aller Energie aufgenommen. Der Rückzug nach Norden soll durch zwei japanische Divisionen, die die Eisenbahn- und Telcgraphenlinie zerstörten, abgeschnitten sein. Die Russen sollen deshalb zersprengt sein und am Ufer des Taitsiho hin flüchten. Die Russen sollen bei den letzten Gefechten bei Liaujang 15 000 Tote und Lcrwundcte verloren haben. Viele Ge- schütze, 200 Wagen und 40 000 Gewehre seien in die Hände der Japaner gefallen. Der Kampf mit den fliehenden Russen, die u m- hin gelt seien, sei am 2. September fortgesetzt worden. Die wichtigsten Telegramme lauten: Tokio, 1. September.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Am Abend war hier über die heutigen Kämpfe um Liaujang nur bekannt, daß gegen Tagesanbruch die Armee Okus den rechten Flügel und das Centrum der Russen auf der Südlinie angegriffen und dieselben ge- zwungen hatten, ihre Stellungen aufzugeben, und daß die Verfolgung im Gange war. Die Ergebnisse der Verfolgung und der Ausgang der heftigen Schlacht auf der O st- linie, Ivo Kuroki angegriffen hat. sind unbekannt. Dadurch, daß der rechte Flügel und das Centrum der Russen ihre Stellungen auf der Südlinie aufgaben, ist der linke Flügel der Russen gefährdet. Die linke Streitmacht der Russen ist aber stark und dürste im stände sein, sich der Angreifer zu er- wehren und sich aus ihrer schwierigen Lage zu ziehen. Ueber die Frage, ob die Besetzung von Liaujang erfolgt ist, be- stehen noch Zweifel; die amtlichen Berichte thun derselben keine Erwähnung. Tokio, 2. September.(Meldung des.Reuterschen BureauS".) Wie hierher gemeldet wird» wütet in Liaujang eine Feuersbrunft. Tokio, 2. September. Amtliche Mitteilung. Marschall O Y a m a meldet, daß der Feind nicht im stände war, dem heftigen Angriffe der Japaner Stand zu halten und sich am 1. September aus Liaujang zurückzog. Die japanischen Kolonnen auf dem linken Flügel und im Centrum verfolgten heiß den Feind, der in großer Verwirrung sich auf daS rechte Ufer de» Taitsiho zurückzuziehen versuchte. Die genommenen 10'/, Centimcter-Kanonen wurden zur Beschießung drS Bahnhofs von Liaujang verwandt. Der rechte Flügel der Japaner griff den Feind am 1. September bei Heiingtai, 15 Meilen nordöstlich von Liaujang, an. Die japanischen Verluste seit dem 29. August betragen etwa 10 000 Mann. London, 2. September. Die letzten, von heute basierten Nach- richten aus Tokio besagen, daß Liaujang mit der Eisenbahnstatton thatsächlich in den Händen der Japaner ist. Gestern nachmittag griff eine vorgeschobene Abteilung auS dem japanischen Centtum den Bahnhof an, um den Abgang von Zügen mit Geschützen und Vorräten zu verhindern. Die Russen machten die äußersten An- strengungen, die Bahnlinie zu halten und Züge abzusenden. Kuropatkius Hauptarmee ist auf einem fluchtartigen Rückzug; sie nimmt ihren Weg entlang dem rechten User des Taitsiho. Die ganze Ausdehnung des japanischen SiegeS ist noch nicht zu übersehen, doch glaubt man in Tokio, daß der Erfolg v 0 l l st ä n d i g i st.� Amtlich wird mitgeteilt, daß daS Hauptquartier der japanische» Mandschurei- Armee unverzüglich nach Liaujang verlegt werden wird. Nach diesen Meldungen erscheint die Lage der Russen hoffnungS- los. Wenn die Russen die so starken, durch uneinnehmbar scheinende Schanzen gestützten Stellungen vor Liaujang nicht halten konnten, so werden sie erst recht jetzt, wo sie sich in wilder Flucht befinden, in ungeschütztem Gelände nicht halten können. Und da der Rückzug nach Norden abgeschnitten j ist. werden die noch folgenden Kämpfe sicher mit der Vernichtung' oder Gefangennahme des Gros der russischen Hauptarmee enden. Angesichts dieser Siwation zeugt eS von einer geradezu ver- zweifelten Einsichtslosigkeit. wenn die»Deutsche Tageszeitung" wörtlich erklärt: .Bon einer großen Niederlage der Ruffen bei Liaujang kann keine Rede fem; die Japaner selbst werden sie schwerlich als solche ansehen." Es mag für unsre junkerlichen Russenschwärmer allerdings ver- teufelt schmerzlich sein, einen solchen Zusammenbruch der russischen Junkerwirtschaft erleben zu müssen! Gelingt eS, was äußerst wahrscheinlich, den Japanern, die fliehende russische Hauptarmee zu vernichten, so wäre damit wohl auch der japanische Sieg überhaupt entschieden. Liaujang würde dann Port Arthur, Wladiwostok, Mulden und Charbin folgen— die Russen wären dann ohne OperationSbasis. Wie sie ohne eine solche den Krieg erfolgreich fortzusetzen ver- möchten, bleibt wohl das Geheimnis der»Deutschen Tageszeitung". Der Trinmph der japanischen Strategie. So besonnen, so energisch, mit so überlegener Strategie von den Japanern der entscheidende Schlag bei Liaujang geführt wurde, so genial war die japanische Strategie während des ganzen Fcldzugcs Welchen Unsinn hat ein Teil der militärischen„Sachverständigen über die angeblich grundverkchrte Strategie der Japaner zusammen- gefaselt. Daß die Japaner eine starke Armee bei Port Arthur fest- legten, um diese Festung so bald als möglich in die Hände zu be kommen, bezeichnete man als thörichte Krästezersplitterung. da das Schicksal des Feldzuges ja bei Liaujang entschieden werden müsse. Und daß andrerseits die Japaner mit zäher Energie in der Mand- schüret gegen die russische Hauptarmee vorrückten, benutzten andre Neunmalweise wieder dazu, sich über diese unbegreifliche Sorglosig keit der Japaner zu verwundet», die mit der sicheren Vernichtung der Japaner enden müsse. In Wirklichkeit konnten die Japaner gar keine klügere, erfolg reichere Strategie zur Anwendung bringen als diejenige, mit der sie in der That operiert haben! Ihr großangelegter, weitschauender, alle Momente berücksichtigender Kricgsplan rechnete nicht nnt raschen Augenblickserfolgen, sondern faßte die langsame, aber sichere Ver- nichtung der russischen Streitkräfte ins Auge. Kuropatkin erklärte in unzähligen Reden: habt nur Geduld, wir werden spät, aber dann auch gehörig losschlagen. Die Japaner sagten nichts dergleichen, sie schwiege» sich mit erstaunlicher Beharrlichkeit über ihre Kriegs Pläne und Kriegshoffnungen aus, aber sie t h a t e n das, was der russische Oberfeldherr renommistisch verkündete. Für Japan war der Feldzug so schwierig, weil es alle seine Truppen zu Schiff nach dem Festland übersetzen mußte. Gelang eS ihm nicht, die SeeHerrschaft zu erringen und die zwei russischen Flotten in Port Arthur und Wladiwostock unschädlich zu machen,"so waren seine Landoperationen von vornherein gelähmt. Deshalb begann Japan mit seinem verwegenen Torpedo-Angriff auf die russische Kriegsflotte von Port Arthur den Feldzug. Die Russen hatten schon ihre Unfähigkeit und Unvorsichtigkeit damit bewiesen, daß sie ihre Kriegsmacht überhaupt geteilt oder doch so geteilt hatten, wie eS geschehen war. Wäre die Port Arthur-Flotte von Anfang an durch die in Wladiwostock stationierte Kreuzer-Flotte verstärkt gewesen, so hätte sie den Versuch machen können, sich in offener Seeschlacht mit den Japanern zu messen. Nach dem ersten verhängnisvollen Torpedo-Angriff war die Port Arthur-Flotte vollends unfähig, sich mit der Belagerungs- Flotte des AdmiralS Togo in einen Entscheidungskampf einzulassen. So blieb ihr denn nichts andres übrig, als sich im sicheren Wirkungs- kreise der schweren Küstenbatterien der Festung zu halten. Die japanische Flotte machte anfangs mehrere Versuche, durch ihre Artillerie die Forts der Festung zum Schweigen zu bringen und die Hafeneinfahrt zu forcieren, allein ohne Erfolg. Als Admiral Togo einsah, daß Port Arthur durch einen Flottenangriff nicht zu nehmen sei, mußte er olles aufbieten, um wenigstens die russische Flotte in Port Arthur unschädlich zu machen. Denn blieb der Flotte die Möglichkeit eines Auslaufens, so konnte es trotz der japanischen Ueberlegenheit wenigstens einem Teil der rusnschen Schiffe gelingen, durchzubrechen und— entweder auf eigne Faust oder in Verbindung mit den Kreuzern von Wladiwostok— die Truppentransporte nach Korea empfindlich zu stören, wodurch dann die japanischen Landoperationen völlig hätten ins Stocken geraten können. Daß ein solcher Durchbruch möglich war, hat ja die letzte Seeschlacht vor Port Arthur und das Entkommen einer Anzahl russischer Kriegsschiffe bewiesen. Admiral Togo mußte also die Hafeneinfahrt von Port Arthur versperren. Eine Minensperre genügte nicht, es mußte also durch Ver« senken schwerbelasteter Frachtschiffe die Ein- fahrt unpassierbar gemacht werden. Um diese Sperre herbeizuführen, machte Togo nunmehr wochenlang geradezu unerhörte Anstrengungen. Mit dem bewunderungswürdigsten Heroismus gingen die Besatzungen immer neuer Sperr« schiffe dem fast sicheren Tode entgegen. Diese Sperrmanöver kosteten den Japanern große Opfer. Aber sie hatten, auch wenn sie nur zu vorübergehenden Sperrungen der Haseneinfahrt führten, doch völlig den gewünschten Erfolg. Während die Port Arthur- Flotte in(dem Hafen der Seefestung eingesperrt war, schifften die Japaner Armee aus Armee nach dem Festland hinüber. Erst als die LandungSntanöver beendet waren, gelang eS den Russen wieder, die Hafeneinfahrt ftei zu machen. Aber nun bot ihnen Admiral Togo leicht die Spitze. Welch eminente Bedeutung für die Japaner die Unschädlich- machung der Port Arthur-Flotte hatte, bewiesen zur Genüge die verwegenen Streifzüge des Kreuzergeschwaders von Wladiwostok. Diese Kreuzer, die infolge der zwei Hafenausgänge von Wladiwostok mehrfach trotz des japanischen Blockadegeschwaders auslaufen konnten, überfielen japanische Transportschiffe, die sie rücksichtslos in den Grund bohrten, wobei Tausende japanischer Soldaten den Tod fanden. Erst zuletzt gelang es dem Admiral Kamimura, auch dies Geschwader abzufangen und unschädlich zu machen. Hätten die Ruffen alle ihre Kreuzer in Wladiwostok stationiert gehabt» so hätte das für die japanischen Truppentransporte noch viel bösarttgere Folgen haben können! Ebenso klug und vorsichtig wie die Japaner bei ihren Operattonen zur See verfuhren, gingen sie bei ihren Landoperationen zu Werke. Zunächst galt eS, Korea zu besetzen. Anfang Februar wurden deshalb in Fusan, Masampho, Gensan und namentlich in Tschemulpo, der Hafenstadt der koreanischen Hauptstadt Söul, Truppen gelandet. Vor der Landung in Tschemulpo wurden durch die japanische Flotte zwei dort befindliche russische Kriegsschiffe ver» nichtet. Am 22. Februar begann von Söul aus der Vormarsch nach dem Norden der Halbinsel. Nachdem der wichttge Etappenort P ü n j a n g genommen war, wurde der Vormarsch gegen den D a l u, der Hauptfluß Koreas, fortgesetzt. Dort hatten die Russen eine Armee aufgestellt, um den Uebergang der Japaner zu verhindern. In der blutigen Schlacht am Aalu am 1. Mai erzwangen jedoch die Japaner den Uebergang und warfen die Russen nach Föngwangtscheng zurück. Hier legten die Japaner die erste glünzende Probe ihrer kriege» rischen Tüchtigkeit zu Lande ab. Und die Ruffen lieferten gleichzeitig den Beweis, daß sie ihre Landoperationen mit derselben Unfähigkeit führten, wie den Seekrieg. Die am galu stattonierte russische HeereSmacht war zu schwach, um den Japanern eine siegreiche Schlacht zu liefern, sie ivar aber groß genug, um die Russen empfindlichen Verlusten auszusetzen und den Japanern den mora» lischen Vorteil der ersten siegreichen Landschlacht in die Hände zu spielen. Hatten die Ruffen, wie sie nach der Niederlage behaupteten— dies lächerliche Possenspiel wiederholte sich später nach jeder neuen Niederlage!— überhaupt nicht die ernste Absicht, den japanischen Vormarsch am Ualu aufzuhalten, so war eS unbegreiflicher Leichtsinn, eine russische Armee von immerhin mindestens 20 000 Mann der sicheren Niederlage auszusetzen. Die Folge dieses thörichten Leichtsinns war für die Ruffen ein Verlust von S000 Mann und einer erheblichen Anzahl Geschütze. Während der Sieger der Schlacht am Dalu, Kuroki, die Russen langsam, unter steter Sicherung der Etappen, folgte und am 7. Mai Föngwangtscheng besetzte, unternahmen die Japaner im Anfang Mai neue Truppenlandungen an Orten, die bewiesen, daß die Japaner einen wcitauSH ölenden Kriegsplan durchzuführen beabsichtigten. Man warf die bis dahin ruhig zurückgehaltenen Corps nicht nach dem Ualu, um Kurokis Armee zu verstärken und diesem dadurch eine Beschleunigung des Vormarsches gegen die russische Hauptstellung bei Liaujang zu ermöglichen, sondern man landete sie auf der Halbinsel Liautang bei P i t s e w 0 und T a k u s ch a n. General Oku, der bei Pitsewo gelandet war, wandte sich nach Süden, erstürmte die feste Stellung der Russen bei K i n t s ch 0 u in einer ruhmreich siegreichen Schlacht und schnitt die Verbindung zwischen Port Arthur und Liaujang ab. General N 0 d z u dagegen rückte mit seiner Takuschan-Arniee südlich parallel mit General Oku. der allmählich den Vormarsch gegen Liaujang begann, auf den Gebirgspfaden gegen Kaiping vor. Als die Russen durch Oku dergestalt Port Arthur bedroht sahen, unternahmen sie einen höchst unbesonnenen Vorstoß gegen Süden. Kuropatkin. der inzwischen zum russischen Oberstkommandierenden er» nannt worden war, sandte— wie man sagt, gegen seine eigne Ueber» zeugung auf einen Befehl des Zaren— den General Stockei» b e r g mit 30 000 Mann längs der Bahnlinie Liaujang— Kaiping» Port Arthur nach Süden, um Port Arthur zu entsetzen. Wollte man wirklich die Japaner schlagen, so hätte eine weit stärkere Macht nach Süden geschickt werden müssen. Glaubte man das aber wegen der Flankenbedrohung durch Kuroki nicht zu können, so hätte man auf das Abenteuer überhaupt verzichten müssen. So begnügte man sich mit einer unglückseligen Halbheit. Die Folgen blieben nicht aus. General Oku wandte sich mit seinen Truppen gegen den heran- rückenden General Stackelberg und brachte ihm am 14. und 15. Juni in der Schlacht bei Wafangou eine schwere Niederlage bei. Stockei- berg verlor mindestens 3000 Mann und mußte sich schleunigst nach Norden zurückziehen. Man nahm damals sogar an, daß General Nodzu durch schleuniges Vordringen nach Westen der Armee StackelbergS den Rückzug werde abschneiden können, so daß das ganze russische Corps aufgerieben werde. Diese Annahme traf nicht ein. Oku ver- mochte, vielleicht wegen Verpflegungsschwierigkeiten, nicht, so rasch nachzudrängen, und N 0 d z u S Takuschanarmee war gleichfalls nicht im stände, sich so rasch auS den Gebirgspässen heraus- zuwickeln. Ueberhaupt trat nunmehr scheinbar eine längere Stockung In den Operationen der Japaner ein. DaS überaus schwierige Ge- lände, die ewigen Regengüffe, die Weg und Steg unpassierbar machten, und die ungeheuren Schwierigkeiten der Zufuhr von Proviant und Munition auf den trostlosen Gebirgsstraßen hinderten die Japaner an rascherem Vormarsch. Hinzu kam noch, daß sie fortgesetzt Verstärkungen von Mannschaften und Geschützen zur Front entsandten, bevor sie ihre drei Armeen für stark genug hielten, die entscheidenden Schläge gegen die Truppen Kuropatkins zu führen. Dieser aber, statt die Gelegenheit zu benutzen, sich wenigstens mit dem Gros seiner Truppen nach Mukden oder Charbin zurückzuziehen, verharrte unthätig bei Liaujang, indem er sich damit begnügte, einzelne seiner Untergencrale. wie den Grafen Keller, mit den japanischen Vortruppen scharmützeln zu lassen. Während Oku nach der Schlacht bei Wafangou langsam nach Norden vorrückte, hatten andre japanische Truppen, die in Dalny und bei Talienwan gelandet worden waren, die Einschließung Port Arthurs übernommen, dessen Verbindungen zu Lande mit der Haupt» " # * 180* Der armee bereits seit dem 13. Mai vollständig abgeschnitten waren. Istrategischen Zwecken dienende transsibirische Bahn von hab- Was wird aus der vom Herzog Ernst Günther von SchleswigUnd sobald die japanischen Truppen die nötige Stärke erreicht hatten gierigen Unternehmern, die, um ihre Riefenbetrügereien ausführen Holstein angedrohten Reinigungsklage? Wie werden die Prinzen und der erforderliche Geschützpark herangeschafft worden war, be- zu können, die militärischen Kontrollbehörden bestochen haben mußten, von Sayn- Wittgenstein zur Rechnungslegung über ihr Vermögen gannen die Japaner, den eisernen Ring um die Festung immer in der liederlichsten Weise zusammengeflickt war, ist bekannt. Aber kommen und was endlich wird aus dem Polizeiminiſter v. Hammerenger zu ziehen, zum Bombardement gegen die Landforts und auch auf allen übrigen Gebieten, z. B. bei der Lieferung des stein, der ahnungslos dem Abgeordnetenhause keine Auskunft über schließlich sogar zu Sturmangriffen gegen die russischen Positionen Proviantes für die hungernden Truppen, gehörten die unerhörtesten den amtlichen Mosaikbettel geben konnte, obwohl er doch selber ausüberzugehen. Die Belagerungsarmee scheute keine Opfer, um sich Unterschlagungen zu den täglichen Ereignissen. Ueber die schier un- giebig an ihm beteiligt gewesen sein soll? Kurz, die Maßregelung des immer dichter an die Stadt heranzuarbeiten und sie mit einem glaublichen Zustände des russischen Militarismus liegt erst heute Herrn von Mirbach ist keine Lösung der Tragikomödie, sondern ein furchtbaren Hagel aus den schweren Belagerungsgeschüßen zu über- wieder eine französische Meldung vor: Jüngsthin wurde bemerkt eiliger Abbruch. Man hat den Vorhang einfach fallen lassen, nachschütten. Die japanische Armee wurde auf 80000 Mann verstärkt, der daß von den Kanonen, die nach den Plänen des russischen dem man irgend einen Aftschluß- Treffer improvisiert hat. Kampf die den Schlüssel der Festung bildenden Generalstabes in der Mandschurei sein sollten, dreihundert Forts wurde immer blutiger. Sollen doch selbst nach japanischen fehlten! Man hatte wohl die Mannschaften, nicht aber die Ge- Während die liberale Bresse jubelt, ist die fonservative über die Angaben schon über 12 000 Japaner bei diesem Kampfe getötet oder schüße abgeschickt. Die Transportkosten hatte man höfische Bestrafung des Herrn v. Mirbach recht ungehalten. Die berwundet worden sein. aber zweifellos eingestrichen! „ Kreuz- Zeitung meint unwirsch, die liberalen Blätter Auch über diese gewaltigen Anstrengungen der Japaner, sich Man darf sich freilich nicht wundern, daß unter den Offizieren triumphierten mit vollem Recht über den Sieg, und daran knüpft sie Port Arthurs zu bemächtigen, haben unsre Zeitungsstrategen zum niederen Grades solche Gaunereien an der Tagesordnung sind, wenn einen huldigend getreuen Nefrolog für den Geschiedenen. Teil die Achseln gezuckt. Das sei, behaupteten sie, eine unnüße man sich die Charakterköpfe der führenden Generale ansieht. Da, Reichs bote" bedauert die völlige Kaltstellung des KirchenKraftvergendung der Japaner, die lieber alles aufbieten sollten, erst strogten in letzter Zeit die Zeitungen von Nachrichten über die bauers um so mehr, als die demokratische und judoliberale einmal Kuropatkin aufs Haupt zu schlagen. Aber die Japaner beispiellose Schandwirtschaft des Generals Stadelberg, der Presse sie mit schadenfroher Genugthuung begrüßt. Das Blatt wußten nur zu gut, welche Bedeutung Port Arthur für sie hatte. nebst der ihm ebenbürtigen Gattin durch seinen pompösen Luruszug deutet dann noch geheimnisvoll hin auf die Herren, welche Erstens war die Festung der Zuschlupf für die russische Flotte, die, die Geleise versperten ließ, die unbedingt Proviant und Verpflegungs- an dem Sturz Mirbachs mitgewirkt haben". Er scheint unter den nachdem die Hafensperren von den Russen wieder beseitigt worden mittel für die Verwundeten hätten herbeischaffen müssen; der edle Herren auch den Reichskanzler zu verstehen, weil er unmittel waren, die japanische Flotte ständig an Port Arthur fesselte, die General hatte Eis genug, um für sich und seine Sauftumpane den bar darauf an die verhaßte Sicherung des Wahlgeheinmisses durch eine stete Gefahr für die japanische Seebeherrschung, d. h. für die Sekt zu fühlen, aber ließ den Aerzten das Eis verweigern, das für das„ Klosettgesetz" und an die Aufhebung des§ 2 des Jesuitenrückwärtigen Verbindungen der japanischen Armeen bedeuteten. Und die Behandlung der Verwundeten verlangt wurde! Ein Individuum geseges erinnert. Dieselben„ Herren" werden dann noch als Hinter nur dem todesmutigen Anstürmen der Japaner gegen Port Arthur gleichen Kalibers ist der Admiral Alexejew, der, mag darüber der männer der Kölnischen Zeitung" bezeichnet, die sich mit ist es zu danken, daß die russische Flotte endlich jenen Durchbruchs- Feldzug zum Teufel gehen, mögen darüber Zehntausende ihr Leben ein- ihrer Fürsorge für das durch Mirbach gefährdete Ansehen der versuch unternahm, bei dem sie so gut wie vernichtet wurde. Zweitens büßen, feinen strakehl mit dem eigentlichen„ Oberstkommandierenden" Monarchie und des Kaiserhauses„ dicke thue". Diese Leute mußte die Eroberung der Festung den gewaltigsten Eindruck auf die Kuropatkin bis in die letzten Tage hinein fortschte und den trostlosen der Kölnischen Zeitung" feien völlig dupiert worden und japanischen Truppen hervorrufen und starke Truppenabteilungen strategischen Wirrwarr durch seine geckenhaften Anmaßungen noch sie sollten das als heiße Scham empfinden, zumal wenn freisegen, die dann bei der Entscheidungsschlacht bei Liaujang hätten vermehrte! Und der große Generalstab in Petersburg, der Zar selbst sie an die Bloßstellung all der Männer, die für Mirbach einVerwendung finden können. Daß die Entscheidung bei Lianjang fand kein Mittel, eine einheitliche Striegsleitung in Ostafien getreten sind, gegenüber dem Jubel dieser demokratischen Presse doch noch früher fallen würde wie bei Port Arthur, konnten die durchzusetzen, trotz der sich häufenden Niederlagen! Japaner ja nicht voraus wissen. Solche Zustände sind nur möglich in einem bis zum Grund Außerdem fühlten sich aber die Japaner auch stark genug, um verrotteten Staatswesen, in dem eine ekle Kamarilla den Hof betrotz der Abzweigung einer so starken Belagerungsarmee den Ent- herrscht, die Regierung an sich reißt und ihren Günstlingen, unscheidungskampf mit Kuropatkin aufnehmen zu können. Sie hatten fähigen Gamaschenknöpfen und eitlen Gecken die höchsten Ehrenes gar nicht nötig, ihre Offensive auf einen Punkt zu beschränken. stellungen verschafft. Dies Korruptionssystem führt dann natürlich Während Woche für Woche der Donner der Belagerungsgeschüße bis hinab zu den letzten Beamtenstellen. Jämmerliche Streberei, aus Port Arthur dröhnte, begannen auch die Armeen der Generale Kriecherei nach oben, Brutalisierung nach unten, Bestechung, Betrug, Dlu, Nodzu und Kuroki wieder energischer ihren Vormarsch. Am Aussaugung der Massen und Bemogelung des Staates sind die 9. Juli nahm Dfu Kaiping, wodurch den Japanern auch Niu Folgen dieses herrlichen absolutistischen Systems! Selbst das einzige fschwang in die Hände fiel. Am 25. Juli mußten die Russen das Prunkstück eines solchen Systems, der großmäulige Militarismus, start befestigte Taschitschino vor den wahrscheinlich gemeinsam verfällt der Zerseyung, der allgemeinen Korruption. Er reicht wohl operierenden Truppen der Generale Oto und Nodzu räumen, und dazu aus, das wehrlose Volk bei Hungerrevolten niederzufnuten, eine Woche später wurden die Russen auch aus Haitschöng heraus- aber er bricht kläglich zusammen, sobald ihm ein ernsthafter Gegner geworfen. Zugleich hatte Kuroki in zweitägigem Gefecht, in dem entsteht. General Keller fiel, die russische Ostabteilung auf Liaujang zurückgedrängt. tas tim m denken. Merkwürdig ist allerdings die Art und Weise, in der die Kölnische Zeitung" die Bestrafung des Herrn von Mirbach erörtert. Auch sie begrüßt sie mit Genugthung, fügt dann aber erläuternd" hinzu, daß die Erhaltung des Herrn von Mirbach als OberHofmeister der Kaiserin davon Zeugnis gebe, daß er mit, reinen änden" aus all den„ Versuchungen", in die er sich begeben, hervorgegangen sei. Was sind denn das für Versuchungen? Soll damit gesagt werden, daß die Verwaltung fremder Gelder und der Umgang mit Millionären für einen Oberhofmeister eine Verjuchung darstelle, während doch von jedem Kassenboten verlangt wird, daß es keine Versuchung für ihn sei, große Summen in seinen Händen zu haben. Muß man es wirklich einem Oberhofmeister nachrühmen, daß er als Kassenverwalter die Tugend reiner Hände bcsewahrt habe? Man scheint dort oben über die Kraft der VerDas militärische Prestige Rußlands hat durch die den ganzen suchungen und die Schwäche der aristokratischen Natur sehr pessimistisch Zusammenbruch krönende Niederlage von Lianjang einen unverwind zu denken.„ Satans Tücke"! baren Schlag erhalten. Nicht nur seine asiatische Herrlichkeit ist Centrum und Koalitionsrecht. vorbei, auch seine europäische Bündnisfähigkeit, ſeine tonangebende Die Germania" hat von der mit ihr verschmolzenen„ Märkischen Stellung im sogenannten europäischen Völkerkonzert hat die schwerste Erschütterung erlitten. Mag auch die„ Deutsche Tageszeitung" mit Volkszeitung" offenbar den Fachmann für socialdemokratischen verblüffender Unverfrorenheit das ostasiatische Jena des Zarismus Terrorismus übernommen. Mit einem Eifer, der den Fabrikanten in ein von vornherein beabsichtigtes Rückzugsgefecht umzulügen ver- der tragikomischen Denkschrift zur Zuchthausvorlage beſchämen müßte, suchen, auch die schamlosesten Breßlakaienfünfte vermögen die Auf- trägt seitdem auch die„ Germania"" Fälle" zusammen. Es hat gar deckung der absolutistischen Fäulnis nicht ungeschehen zu machen. feinen Zwed, immer aufs neue diesen Märchen- Erzählungen nach Rußland hat sein äußeres Jena erlebt. Möge sein inneres zugehen. Von 100 Fällen find 99 geschwindelt und der eine übrig So hat dieser Abschnitt des Krieges sozusagen streng programm- folgen! bleibende Fall wird schon, wie die„ Germania" heute selbst unvorsichtig mäßig geendet. Die strategischen Berechnungen der Japaner haben Aber das ostasiatische Menetekel gilt nicht allein für den bekennt, von der socialdemokratischen Presse gebührend kritisiert. sich mit mathematischer Sicherheit erfüllt. Der siegreiche Feldzug russischen Absolutismus. Es ist nur die Wiedereinschärfung Wir könnten ja auf jeden socialdemokratischen Terrorismus- Fall der bedeutet einen glänzenden Triumph der japanischen Kriegskunst. einer alten historischen Lehre, die freilich niemals beherzigt worden Germania" mit zehn Deliften fatholischer Geistlicher antworten, Aber die japanischen Feldherren konnten mit ihren Armeen doch ist. Schlagen doch die Götter mit Blindheit, wen sie verderben ganz abgesehen von den Colbus- Affairen, aber selbst wenn wir mur deshalb wie mit Schachfiguren operieren, weil die japanischen wollen! folche Verallgemeinerungs- Politik für würdig hielten, würde uns Soldaten sich wie Helden geschlagen haben! der notwendige Raum fehlen, den wir brauchen würden, wenn wir einige Vollständigkeit erzielen wollten. Biederum trat alsdann eine mehrwöchige Bause ein. Kuropatkin fetzte neue Schwindel- Telegramme in die Welt, wonach die Japaner sich überall zurückzögen und er selbst nummehr zur energischen Offensive übergehen wolle. Die täppischen Lügen hatten auch diesmal kurze Beine. Am 24. August begann der letzte, der entscheidende Kampf, der jetzt mit der Niederlage der russischen Hauptarmee, mit einemt russischen Sedan sein tragisches Ende gefunden hat. Buerst wurde Antschantschan genommen, dann drängten die japanischen Sturmkolonnen un aufhaltsam bis nach Liaujang vor! Das Menetekel des Absolutismus. Bei Liaujang hat der russische Absolutismus sein Jena erlebt. Dem verfaulten, durch und durch korrupten garentum ist die prahlende Kriegsrüstung, die brutale Kraft und stroßzende Gesundheit vorspiegelte, in Stücken vom Leibe gerissen worden. Der russische Militarismus hat seine Ohnmacht bekundet. Die ungeheuere russische Militärmacht ist nichts als ein prunkend ausstaffiertes Potemkinsches Dorf. Die russischen Soldaten haben trotz ihrer Abneigung gegen den von Rußland doppelt frivol angezettelten Krieg tapfer gefochten. Das beweist die heldenhafte Verteidigung Port Arthurs, das beweisen rühmliche Episoden des Seekrieges, das betweist die Schlacht bei Liaujang. Aber was vermöchte die rühmlichste Tapferkeit der bedauernswerten russischen Soldaten gegen die Narrheiten der Petersburger Oberkriegsleitung, gegen die traurige Unfähigkeit der Generale, gegen die ganze greuliche Lotterwirtschaft auszurichten, die weder für die nötige Heeresstärke noch für genügende Zufuhr, ja nicht einmal für eine halbwegs ausreichende Verpflegung der Verwundeten forgte! Politifche Ueberficht. Berlin, den 2. September. Die Abnahme der Kaffenschlüssel. An ganz versteckter Stelle brachte gestern die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" die folgende Nachricht: " " sd Uns interessiert mur die eine Frage: Was will eigentlich die „ Germania"? Will sie Materialien für neue Zuchthausvorlagen sammeln? Oder was sonst? Es ist ja bekannt, daß die Berliner Richtung der„ Christlichen" überhaupt jeder wirklichen Gewerkschaftsbewegung abhold ist. Will man unter dem Schein von Angriffen gegen den Gebrauch, den Socialdemokraten vom Koalitionsrecht Der Oberhofmeister Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin machen, auch die christlichen Arbeiter abschrecken, mit ihren Freiherr v. Mirbach ist auf wiederholtes Ansuchen von den gewerkschaftlichen Bestrebungen Ernst zu machen? ihm nebenamtlich übertragenen Geschäften als Kabinettssekretär Die neuerlichen Auslassungen der Germania" atmen schon Ihrer Majestät und als Verwalter Allerhöchstdero Schatulle vollständig den Geist ihrer französischen Gesinnungsgenossen, die entbunden, und es sind diese Geschäfte dem früheren Landrat nach dem Ges wie jetzt wieder beim Streit von Marseille Kammerherrn Dr. v. Behr auf Pinnow übertragen worden. brauch von Pulver und Blei gegen die Feinde des christlichen Profits Freiherr v. Mirbach hat seine Stellung in den Vorständen der lechzen. von ihm geleiteten kirchlichen und gemeinnützigen Vereine nieder- Die„ Germania" stellt es als„ Regel" hin, daß die Arbeiter pientia admolled stalfand gelegt. dimdurch fortgesette Beschimpfungen und Belästigungen" veranlaßt Die allergetreueste Oppositionspresse jauchzt über diese Kunde. werden, die socialdemokratische Zwangsjacke auszuzichen", und sie Der Kaiser hat also, wie sie begeistert feststellt, dieſe düstere An- fährt fort: Auf diese Weise wird die Koalitionsfreiheit zu gelegenheit zu allgemeiner Befriedigung erledigt. Es hat nichts einem Monopol für die Socialdemokratie gemacht, die unter geholfen, daß alle Superintendenten, Kommerzienräte und Pro- Freiheit nur die Knebelung und Knechtung aller Andersgesinnten fessoren, so weit sie an Wohlthätigkeit und Kirchenbauten teilnehmen, versteht." ihre Hand für die Ehre des Herrn v. Mirbach ins Feuer gelegt haben; den Sünder hat die gerechte Strafe erreicht. Ihm sind die Kassenschlüssel abgenommen worden. Halleluja! Wie ungeheuer leichtfertig wurde der Krieg provoziert! Man wußte, daß die russischen Kriegsvorbereitungen in Ostasien jämmerliche waren, daß sich die Flotte in verwahrlostem Zustande befand, daß die transsibirische Bahn den kolossalen Personen- und Güter- Es ist bewunderungswürdig, mit welcher Bescheidenheit diese verkehr, den ein Krieg erfordert, nicht bewältigen konnte und Presse Attionen begrüßt, die doch gar nichts ändern. Sie begrüßt trotzdem reizte man Japan durch systematische Tartarennachrichten sie eben, weil sie nichts ändern. Im Grunde liegt sogar eine gevon der Ankunft immer neuer Truppen in der Mandschurei aufs wisse Härte darin, daß dem armen Freiherrn v. Mirbach gerade die äußerste. Die Japaner fonnten schließlich gar nicht anders, als so assenschlüssel abgenommen worden sind, während er die darf. Denn Kammerherrenschlüssel behalten Denn eigentlich rasch als möglich loszuschlagen. hat Als dann der Krieg ausgebrochen war und ausländische Kriegs- er doch nicht die Kasse der Kaiserin, sondern das Ansehen forrespondenten nach dem Kriegsschauplatz reisten, arbeitete der des Hofes und des höfisch- kapitalistischen Christentums kompromittiert. Beamtenapparat fieberhaft, um durch Aufstellung der berüchtigten Als Kammerherr hat er Anstoß erregt, nicht als Sachwalter der Potemkinschen Coulissen den Korrespondenten blauen Dunst vorzu- Finanzen ihrer Majestät. Im Gegenteil, für die Kapitalien der machen. Und wirklich war ein Teil dieser Korrespondenten so un- Kaiſerin hat er außerordentlich gut gesorgt, dank den Beziehungen glaublich leichtgläubig, daß sie den dreisten Vorspiegelungen geriffener zu den frommen Hofbanken. War es ihm ja gerade gelungen, das Komödianten blindlings Vertrauen schenkten, über die furchtbare, Vermögen der Kaiserin rechtzeitig vor Verlusten zu bewahren. Wer täglich furchtbarer werdende russische Heeresmacht das Blaue vom weiß, ob sein Nachfolger mit dem gleichen Geschick seine frommen Himmel fabelten und die Vernichtung der japanischen Armeen als kapitalistischen Beziehungen zum Vorteile seiner Herrin zu benutzen unerbittliche Naturnotwendigkeit hinstellten. Namentlich Oberst a. D. berstehen wird d Gädte hat auf diesem Gebiete der forglosesten Verbreitung des faustdichsten Russenschwindels geradezu Erstaunliches geleistet. Außerdem ist Herr v. Mirbach aus dem Vorsitz der verschiedenen Kirchenbauvereine ausgeschieden. Auch das ist eine Undankbarkeit; Welch' skandalöse strategische Unfähigkeit die russischen Führer denn es scheint uns kaum möglich, daß ein andrer mit solcher Erfolgbei ihren Operationen bewiesen, haben wir schon näher nachgewiesen. sicherheit den protestantischen Peterspfennig mit Beiträgen nicht unter Vielleicht niemals sind so bodenlos leichtfertig Niederlagen ver 200 Mark ohne Rücksicht der Konfession zu füllen im stande sein schuldet worden wie die am 9 alu, bei Wafangou, ja selbst wird. Außerdem hat man das doch längst gewußt. Die Kaiser die letzte und schlimmste bei Liaujang. Bei Liaujang sind Zehn- Wilhelm- Gedächtniskirche wäre sicher nie entstanden, wenn der Freiherr taufende zur Schlachtbank geführt worden, trotzdem Kuropatkin nach v. Mirbach nicht jenes Schnorrertum großen Stils zur höchsten Blüte all dem Voraufgegangenen wissen mußte, daß er sich nicht halten zu entwickeln verstanden hätte. Die Kirchen ragen nun einmal empor fonnte! Mit einer geradezu beispiellofen Strupellosigkeit hat man als Wahrzeichen kapitalistisch- dynastischer Frömmigkeit im neuen hier Myriaden von Menschenleben geopfert. Der Serieg ist ja über Deutschland. Daran ändert es gar nichts, daß der Gründer aller haupt ein fluchwürdiges Verbrechen, aber zum gemeinen Massenmord à la Thomas wird er, wenn Truppen von ihren Führern als Kanonenfutter verwendet werden, wenn jeder strategische Zwved fehlt, wenn man nicht einmal das fadenscheinige Motiv der„ Ehre" geltend machen kann! Für die ungeheuerliche Verlotterung des russischen Militarismus werden immer neue Zeugnisse bekannt. Daß die doch in erster Linie dieser frommen Architektur nicht mehr als würdig befunden wird, an der Spitze des modernen Christentums mit dem Kassenschlüssel zu marschieren. Auch sonst ist durch diesen Ausgang der Affaire Mirbach gar nichts geklärt. Was wird nun aus der Civilflage gegen die Direktoren der Pommernbank, denen der Freiherr v. Mirbach 325 000 Mark für empfangen quittiert hat, ohne angeblich einen Pfennig erhalten zu haben? " die Was heißt das? Wenn die Koalitionsfreiheit zum Monopol für die Socialdemokratie" werden wird, wenn alle Arbeiter sich der modernen Arbeiterbewegung anschließen- will dann Germania" das Koalitionsrecht beseitigt wissen? Einen andern Sinn fann der Satz gar nicht haben. Die„ Germania" versteht unter Koalitionsfreiheit nur die Freiheit, von dem Koalitionsrecht keinen Gebrauch zu machen. Rechter Gebrauch der Freiheit ist aber, wie allen Reaktionären, Mißbrauch der Freiheit. Die tapitalistischen Justinkte des Centrumsblattes sprengen, wie man sieht, die fromme Kutte. Da aber das Koalitionsrecht, wenn auch ungeschützt und ungenügend besteht, so ruft die„ Germania" einstweilen den Staatsanwalt zu Hilfe: „ Soll sich die bürgerliche Gesellschaft, sollen sich vor allem die nichtsocialdemokratischen Arbeiter diesem Faustrecht unterwerfen? Soll in unserem Rechtsstaate die" Diffatur des Proletariats" maßgebend werden? Der Terrorismus der Socialdemokratie macht schon nicht mehr Halt vor den nichtsocialdemokratischen Organisationen. Bürgerliche Geschäfte, der Aerztestand, ja ganze Stadtvertretungen sahen sich bereits von demselben bedroht. Hier hilft nur eines: Rücksichtslose Geltendmachung der geschlichen Bestimmungen gegenüber einer rücksichtslosen Gewaltthätigkeit! Das gilt vor allem für die nichtsocialdemokratischen Arbeiter. Jeder Fall einer Vergewaltigung oder einer versuchten Vergewaltigung durch Genoffen" gehört zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft gebracht. Lasse man sich nicht durch das Geschrei über Denunziationen und Denunziantentum einschüchtern! Eine systematische Verlegung der Gesetze kann nur durch eine systematische Handhabung derselben bekämpft werden." will die„ Germania" den Terrorismus bekämpfen, fo thue sie so das zunächst im eignen Revier. Wenn sie die Geistlichen in Oberschlesien, die wie der Beuthener Prozeß lehrte auf die ärgste terroristische Weise von der freien Ausübung der staatsbürgerlichen Grundrechte abzuschrecken suchten, zur Ordnung bringen, so wäre das auch ohne Anrufung der Staatsanwaltschaft verdienstlich. Leitet aber die„ Germania" die christlichen Arbeiter zum ge meinsten Denunziantentum an und folgen diese der Weisung, so ent Und was soll mit diesen Denunziationen bezweckt werden? Soll damit den christlichen Arbeitern geholfen werden? Schwerlich, denn auch sie trifft jede polizeilich- gerichtliche Chikanierung des Koalitionsrechts. * % Deutfches Reich. Die Praktiken der deutschen Schiffsreedereien, deren fast abenteuerliche Einzelheiten wir gestern auf Grund persönlicher Informationen mitgeteilt haben, findet in der bürgerlichen Presse keine Beachtung. Auch die liberale Presse, die sonst von Humanität überschäumt, nimmt anscheinend keinen Anstoß an dieser schamlosen Ausbeutung armer russischer Flüchtlinge, denen wider ihren Willen Fahrkarten deutscher Dampferlinien nach Amerika aufgezwungen werden, sofern sie, weil ihre Pässe nicht in Ordnung sind, auf keinen Fall nach Rußland zurückkehren können. Es scheint, daß die liberalen Blätter vor den Dividenden der Herren Ballin u. Wiegand mit ihren humanen Gefühlen Halt machen. Husland. Frankreich. alt " Partei- Nachrichten. ist vertretungsweise der Genosse Baudert eingetreten. Genoffe Parteipresse. In die Redaktion der, Erfurter Tribüne Hennig hat eine Gefängnisstrafe von acht Monaten und zwei Wochen angetreten. Der Parteitag für den Niederrhein findet am 9. Oktober in Duisburg statt. Ein Alter. leber einen Veteranen " teht allerdings dann für ausständige Arbeiter die ernsthafte Frage, I war also die erste Verpflichtung? Doch die, daß die Behörden die Dollar zur Verfügung steht, zu dem die großen Trusts ob sie mit derlei Elementen noch zusammen arbeiten können. Es Gegenseitigkeit zunächst feststellten. Was aber geschah? Verhaftungen fleißig beigesteuert haben. Die Standard Dil Gesell tann niemand gezwungen werden, mit Leuten Gemeinschaft zu erfolgten, Anklage wurde erhoben, der Eröffnungsbeschluß erging, schaft( Rockefeller) soll mit einer Million an der Spize stehen halten, die jede berechtigte Anwendung des Koalitionsrechts, jede die Hauptverhandlung war schon weit vorgeschritten- und jetzt und J. P. Morgan, der große Finanzier, foll 250 000 Dollar Agitation und Propaganda zum Anlaß nehmen, Polizei und Gerichte erst beschloß das Gericht, dank dem Eingreifen der Verteidigung, hergegeben haben. In den Jahren 1896 und 1900 trat Wall Street in Anspruch zu nehmen. Es würde dann jener Zustand eintreten Beweis über die Vorfrage, ob die Gegenseitigkeit in Rußland offen für Mac Kinley gegen Bryan ein. Die ganze Kapitalsmacht verbürgt sei. müssen, von dem die„ Germania" fälschlich behauptet, daß er jetzt fahren? Sie erklärt sich dieses unentschuldbare Ver- arbeitete mit Hochdruck, um einen Sieg Bryans zit verhüten und Die Behörden das Auswärtige Amt, das damit eine schwere Beunruhigung der Geschäftswelt", wenn auch besteht. Mit berufsmäßigen Denunzianten zufammen zu arbeiten, Justizministerium, die Staatsanwaltschaft, die Gerichte an eine Realisierung der Silberträume kaum zu denken war. muß jeder ehrenhafte Mensch ablehnen. haben sich auf ungenaue, halbe und falsche Uebersetzungen des Heute wäre Parfer so sicher wie Roosevelt, aber die republikanische russischen Konsulats, also des Beteiligten selbst, gestigt. Darauf Partei ist sicherer wie die allerlei Strömungen unterworfene demowurde ein Bau errichtet, der im entscheidenden Augenblick zusammen- kratische. brach. Und der letzte Grund für dieses Fiasto? Die Gestaltung unfres Vorverfahrens, die Beschränkungen des Verteidigers in ihm. Der Verteidiger muß Der Zweck der„ Germania"-Lamentationen kann also nur der uneingeschränkt, wie der Staatsanwalt, auftreten dürfen. Dies ist vom Anfang der Untersuchung sein, von der Ausübung des Koalitionsrechts überhaupt ab- eine Forderung der Gerechtigkeit nicht nur, sondern auch der Klug zuschreden, für seine Einschränkung zu wirken. Die„ Germania"-heit. Der Justiz würden dann Erfahrungen, wie die Königsberger, Richtung des Centrums erkennt, daß auch die„ chriftliche" Arbeiter erspart bleiben." bewegung, sofern sie sich selbst erkennt, unter dem Zwang der wirtFürstendant. Der Gemeinderat der Stadt Arnstadt im schaftlichen Notwendigkeit schließlich den Weg der allgemeinen Fürstentum Schwarzburg Sondershausen fendet allArbeiterbewegung gehen wird. Um diese Entwicklung zu hemmen, jährlich dem Landesherrn namens der Stadt zum Geburtstag ein berleumdet und verfolgt sie die Anwendung des Koalitionsrechts Glückwunsch- Telegramm. Auf das diesjährige haben höchstderselbe durch die freien Gewerkschaften. Auf die Socialdemokratie schlägt zu antworten geruht: Sie, das Koalitionsrecht selbst will sie treffen. der Arbeiterbewegung, der am " Herzlichen Dank für die mir seitens der Bürgerschaft Arnstadts dargebrachten Glückwünsche. Möchten die Versicherungen 1. September 70 Jahre alt wurde, den Gelbgießer und Gürtlertrener Gesinnung sich bei den nächsten Wahlen durch die That be- meister Frizz Ellner in Frankfurt a. M. schreibt die„ Volksftätigen. Fürst." stimme": Die Mehrzahl der Arnstadter Bürgerschaft wählt schon seit In dem charakteristischen schmalen, mit Schiefer beschlagenen Jahrzehnten socialdemokratisch, und wir glauben auch, daß fie diese Giebelhäuschen der alten Gasse, in der er heute noch lebt, ist Sein Vater schon der Socialdemokratie schon so oft bezeugte treue Gesinnung auch Einer auch am 1. September 1834 geboren. hatte die Gelbgießerei und Gürtlerei. In der Weißfrauenschule bei den nächsten Wahlen durch die That bestätigen wird. holte sich unser Veteran als Mitschüler von Peter Schneider, Jean Drill u. a. die ersten Schulkenntnisse. Man entließ ihn dort ein halbes Jahr früher als andre Buben mit dem Zeugnis der Reife, weil man froh war, den gefährlichen" revolutionären Knabengeist Zum franzöfifchen Parteistreit. Zur Beurteilung der französischen recht bald los zu werden. Dann lernte er beim Vater, sowie in der Parteiverhältnisse und der socialistischen Situation, wie sie durch den Gießerei Beyer in der Allerheiligengasse, und war als frühreifer Amsterdamer Kongreß geschaffen ist, sind die Urteile der reaktionären 14jähriger Bube während der tollen Jahre 1848/49 überall, wo in bürgerlichen Bresse von erheblichem Wert. Es ist nicht zu leugnen, Frankfurt" Eppes los war". Das damals im Flor des alen Handdaß die gesamte reaktionäre Presse Frankreichs den Amsterdamer werks befindliche Geschäft führte ihn in die Paläste der BundestagsKongreß zu benugen sucht, um Guesde gegen Jaurès auszuspielen. gesandten so gut, wie er sich in der Paulskirche, auf der Pfingstweide So fällt legthin der wütende Bonapartist Paul de Cassagnac in der bei allen Versammlungen und sogar auf den Barrikaden austannte. Autorité" über Jaurès her und preist Guesde. Er schreibt in Dann ging's in die Fremde, um den revolutionären Geist, den feinem Blatte: Jaurès ist der socialistische Genußmensch, ein die Steaktion natürlich nicht hatte bändigen können, weiter zu bilden. Emporkömmling, für den der Socialismus ein Geschäft ist, und ich Anfangs der 60er Jahre machte in Paris ein Däne den jungen Die konservative Presse, die doch sonst so oft beweglich über bürge dafür, daß er es nicht aufgeben wird. Guesde ist in seinen Mann mit dem Weitlingschen und französischen Socialismus bes die wachsende Macht der Ballin- Kreise flagt, nimmt nicht Gelegen- Augen nur ein gewöhnlicher Landstreicher, ein Stromer, weil er nämlich fannt, und nun hatte der regsame Geist die Richtung gefunden, die heit, diese Herrschaft zu erschüttern, indem sie ihre Ausschreitungen der wahre Socialist ist, der anständige und unbestechliche, wenigstens bis er sein Leben lang einhalten und in der er andren führend voranjetzt, und ich wiederhole, Guesde ist im Recht, denn er ist als gehen sollte. Als Ellner 1862 nach Frankfurt zurückkehrte, hatte Lassalle kennzeichnet. Nur ein Blatt nimmt ironisch Notiz von den gestern Socialist das, was ich als Konservativer bin: Der Mann der rein- bereits von sich reden gemacht. In steter Fühlung mit den radikalen mitgeteilten Thatsachen. Es will nicht an diese aufregenden Ge- lichen Scheidung. Und wenn er, wie ich, auf scharfe Weise ein be- Mitgliedern des liberalen Frankfurter Arbeitervereins betrieb nun Ellner schichten" glauben. Wir stellen fest, daß dieses Blatt diese Mit- stimmtes politisches Regime vorziehen kann und muß, macht er doch mit die Einladung Lassalles nach Frankfurt, den Sieg des großen teilungen aufregend findet, damit es nicht, wenn die Wahrheit er daraus nicht eine absolute Bedingung. Die Form der Regierung Agitators und die Gründung der Frankfurter Gemeinde des wiesen ist, diese Praxis für ganz harmlos aufklärt. Es ist dafür ist eine verhältnismäßig gleichgültige Sache. Der Inhalt ist alles. Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, deren 1864 er Bevollmächtigter er gesorgt, daß die Deffentlichkeit sich mit dieser Deshalb werde ich mit hingebung bem dienen, welcher, ſei, wer Strauß und nach Bernhard Beder wurde, um monatelang bis nach dem Cigarrenhändler Angelegenheit beschäftigen muß. Die bürgerliche er wolle, uns aus dem jezigen Elend herausführen wird!" Derselbe Herr v. Cassagnac macht der Regierung heftige Vor- 3u dessen Tode mit Lassalle in regstem persönlichen und schriftlichen Presse wird reden und sich entrüſten, nachdem sie vorher geschwiegen würfe, daß sie in dem Streit von Marseille nicht energisch ein- Verkehr zu stehen. Ellner blieb Frankfurter Bevollmächtigter bis und geleugnet hat. Es wird ihr so gehen wie im Falle des Königswürfe, und geleugnet hat. Es wird ihr so gehen wie im Falle des Königs- greife. Er verlangt furz und bündig, daß die Regierung die Kanaille 1869, war auch im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein immer auf berger Prozesses. der füfilieren solle, anstatt ihren Beschwerden Gehör zu schenken. oppositionellen Seite, welche Schweizers Diktaturgelüfte demokratisch einzuschränken suchte, und vollzog schon 1869 mit den Frankfurter Genossen in Eisenach den Uebertritt zur 1868 auf Sem Nürnberger Arbeitertage gegründeten socialdemokratischen Partei. Bis 1878 agitierte er als der Eifrigsten einer für unsre große Sache hier und in der Ungegend; ältere Genossen erinnen sich aus diesem Jahre einer öffentlichen Reichstagswahlrede, die er in Mittelbuchen bei Hanau unter großem Beifall in einer Scheune hielt. Ellner hat dann alle Unbill des Socialistengesetzes mit durch erlebt, unzählige Haussuchungen erduldet, bei denen ihm ein Teil seiner Lassalle- Erinnerungen verloren ging, die ihn aber niemals ans Messer liefern konnten. Seitdem hat er die tägliche Partei- Arbeit Jüngeren überlassen müssen, aber er ist stets mit uns und unter uns geblieben, ein treuer waderer Parteigenosse und Mentor für die Jugend, bei keiner Kundgebung fehlend, und doch niemals sich vordrängend, bescheiden und liebenswürdig." Auch die Thatsache rührt sie nicht, daß Agenten von privaten Erwerbsgesellschaften eine Art amtlicher Herrschaft ausüben dürfen. Ungefähr wie die Werber der alten Zeit Hausen diese Herren unter den russischen Auswanderern. " Italien. Turati bei Giolitti. Nom, den 30. Auguft. Der geftrige, Secolo" brachte folgendes Phonogramm aus Heute trafen aus Mailand die Herren Abgeordneter Turati und Senator Colombo hier ein, die nach kurzem Aufenthalt in unsrer Stadt den Zug von 1 Uhr 40 Minuten nach Bardonecchia, dem Sommeraufenthalt Giolittis, nahmen. bracht mit den bevorstehenden Wahlen, da, wie bekannt, Giolitti in dieser Angelegenheit mit den hervorragendsten parlamentarischen Persönlichkeiten Rücksprache nimmt." Wir haben gestern mitgeteilt, daß die behaupteten Thatsachen auf eignen Wahrnehmungen und auf Auskünften einer der beteiligten Dampfergesellschaften selbst beruhen. Wir haben ferner dargelegt, daß sich die Dampfergesellschaften für ihre erpresserische Thätigkeit auf eine Verordnung des preußischen Ministers des Innern berufen. Turin unter dem" Datum des 28.: Die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat noch nicht Gelegenheit genommen, zu dieser Mitteilung sich zu äußern. Das Negierungsblatt hat im Verein mit der National- Zeitung" am vorigen Sonntag behauptet, daß die Behandlung der russischen Auswandrer gefeglich geregelt sei und daß aus den Jahresübersichten, Diese Fahrt nach Bardonecchia wird in Zusammenhang gedie der Reichskommissar für Auswanderungswesen alljährlich dem Reichstag vorlegt, längst bekannt sei, wie die BeHandlung der russischen Auswanderer ausgeübt werde. Wir haben darauf bemerkt, daß gerade das Gesetz und die auf dem Gesetz wartete Dementierung ist ausgeblieben. Da Turati teiner ParteiDiese Notiz ist jegt seit 36 Stunden erschienen und die erberuhende Bundesrats Verordnung die Materie so vollständig und organisation mehr angehört, ist er natürlich kein Parteimitglied mehr, erschöpfend regelt, daß Polizeiverordnungen oder auch ministerielle fann also nicht vom Parteivorstand zur Rechenschaft gezogen werden. preußische Anordnungen ungesetzlich sind, sofern sie mit den vom Neugierig darf man aber darauf sein, ob die autonomen Mailänder Zirkel, Reichstage angenommenen Vorlagen in Widerspruch stehen. Wir die sich doch socialistisch nennen, diese Reise eines ihrer Abgeordneten haben endlich betont, daß in dem Gesetz nichts enthalten sei, was zum Wahlmacher Giolitti unbeachtet lassen werden. Zum Uebereine derartige Behandlung der russischen Auswanderer rechtfertigen fluß war Turati in Begleitung des Senators Calombo, eines würde. Wir haben die National- Zeitung" und die„ Norddeutsche Hauptes der Mailänder Reaktion, dem sein Mailänder ParlamentsAllgemeine Zeitung" aufgefordert, uns die gesetzlichen Bestimmungen mandat bei den letzten Wahlen vom Genossen Majno ab Referentin, Frau Bieg, etwa zwei Sätze gesprochen hatte, löfte der anzugeben, auf die die beiden Blätter sich berufen haben, um die übrig, als zu konstatieren, daß die autonomen Mailänder Zirkel die überwachende Beamte ohne jeden erkenntlichen Grund, aber auch Ballin- Wirtschaft zu rechtfertigen. Sie sind uns bisher die Antwort Straße des demokratischen Socialismus verlassen haben. ohne Angabe eines Grundes die Versammlung auf. schuldig geblieben. 0 Durch unsre neuerlichen Mitteilungen ist die Angelegenheit von äußerster Wichtigkeit geworden. Es handelt sich nicht mehr bloß um jene Willkürherrschaft, die den Ausländern gegenüber gestattet ist genommen wurde. das Die Interpellation Biffolatis. Nom, 30. August.( Eig. Ver.) Genosse Bissolati hat dem Kammerpräsidenten eine Interpellation mit folgendem Wortlaut überfandt:„ Der Unterzeichnete wünscht die Bertreter russischen Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Mit dem Gesetze bedroht. Im Ruhrrevier hält die Genoffin Zieh mehrere öffentliche Ver. fammlungen ab. Schon in Bochum wurde eine solche Versammlung aufgelöst mit der Begründung, daß Frauen in Versammlungen nicht reden dürften. Jetzt geht dem" Bochumer Volksblatt" über eine Versammlung in Harpen folgender Bericht zu: Die Versammlung war nur von kurzer Dauer. Nachdem die Als Frau Zieß dem Beamten klar zu machen versuchte, daß er zur Auflösung kein Recht habe und sie zu der Versammlung noch einige Worte redete, sagte der Gendarm: Reden Sie nicht!" Als die Referentin erwiderte:„ Wir werden Ihnen klar machen, weil Preußen- Deutschland fein Fremdenrecht hat, sondern es handelt Regierung zu interpellieren, ob sie es für zulässig erachtet, daß der daß Sie die Gesetze ebenso zu beachten haben wie wir", antwortete fich die 11 Rußland. ,, Bedrohen Sie mich nicht!" Das ist eben ein Irrtum der Genossin Zieß, wenn sie meint, ein Gendarm habe die Gesetze so zu beachten wie wir. gesellschaften erlaubt sein kann, auf staatliche Privilegien hin eine matischen Abgesandten zukommen, in Italien die Funktionen der solcher die Vorrechte und die Unverletzlichkeit genießt, die den diplo- der Beamte: Thätigkeit auszuüben, die ihrem Wesen nach Erpressung und Freiheits- politischen Polizei ausübt, wie dies aus der Verfügung eines römischen beraubung ist. Ist die von uns geschilderte Thätigkeit der Gerichts hervorgeht." Ballinschen Agenten nicht durch eine staatliche Legitimation gedeckt, In der angezogenen Verfügung" erklärte das Gericht, den wollen wegen so hätten sie sich der beiden erwähnten Verbrechen schuldig gemacht Prozeß gegen Mannuilaff nicht eröffnen zu Hus Induftrie und Dandel. und die Staatsanwaltschaft müßte unverzüglich gegen die Agenten mangelnder Beweise. Die polizeiliche Wirksamkeit des russischen der Gesellschaften vorgehen. Nun aber ist uns versichert worden, Vertreters beim Vatikan wurde in diesem Schriftstück ganz offen zu= Vom Ruhrkohlenmarkt. In ihrer Uebersicht über die Marktlage daß diese Angestellten der Herren Ballin und Wiegand zu ihrer gegeben. fonstatiert die Essener Fachzeitung" Glückauf", daß die schon des Menschenfängerei durch eine ministerielle Verordnung autorisiert Des Zaren Gnade für Senator Schauman. Die Gnadensonne längeren wenig befriedigende Lage des Ruhrkohlenmarktes auch im worden sind. Damit wird die Angelegenheit zu einer Frage der Regierungspolitik und die Regierung hat sich gegen die des Zaren, die mit der Geburt feites Sohnes über so viele Elende August angehalten hat. Die Wagengestellungsziffer verzeichnete in aufgegangen ist, hat auch einen ihrer allzu schwachen Strahlen auf der ersten Monatshälfte gegen die entsprechende Zeit des Vormonats Anklage zu verantworten, daß sie Handlungen unter ihren Schutz den Senator und General Schauman geworfen, der noch immer sogar noch einen erheblichen Rückgang. Ließ der Wasserstand des nimmt und mit dem Schein der Rechtmäßigkeit bekleidet, die unter in der Peter Paulsfestung sitzt, um das Verbrechen zu fühnen, daß Rheins schon im Juli viel zu wünschen übrig, so erreichte er im andern Umständen Erpressung und Freiheitsberaubung darstellen er der Vater des Mörders des Generalgouverneurs Bobrikom ist. Berichtsmonat einen solchen Tiefstand, daß der Versand über die Rheinftraße eine weitere Einschränkung erfahren mußte. Ungünstig be einflußt wurde der Absatz ferner durch die ungleichmäßige Beschäftigung der Eiſenindustrie. Um der zunehmenden Anhäufung von Vorräten auf den Werken zu begegnen, mußten die Verwaltungen die Zahl der Feierschichten gegen den Vormonat noch steigern. In Gas- und Gasflammtohlen hat sich der Absatz auf der bisherigen Höhe gehalten. Fettkohle litt in allen Sorten unter unbefriedigendem Absatz. Der Coatsabsatz war wenig befriedigend. würden. Bei der Erfahwahl in Schaumburg- Lippe hat sich, wie gestern schon telegraphisch mitgeteilt, Stichwahl zwischen dem Socialdemofraten und dem fonservativen Agrarier ergeben. Die„ Freie Deutsche Presse" fügt diesem„ leidigen Ergebnis" die Bemerkung hinzu, daß die Wahl des Agrariers unbedingt gesichert" sei. Das heißt, da der Freisin den Ausschlag giebt, die Parole ausgeben: Freisinnige verhelft dem Agrarier zum Siege, mindestens indirekt durch Wahlenthaltung! Das ist ja bereits selbstverständlich geworden und erklärt den Antrag zum socialdemokratischen Parteitage: bei Stichwahlen zwischen feindlichen Parteien sich der Stimme zu enthalten. " -Die Gnade aber, die ihm versprochen der Gnadenerlag ift nämlich noch nicht in Kraft getreten beleuchtet nur das Verbrechen, das die russische Despotie an den völlig unbescholtenen alten Mann begeht. Sie sieht so aus: 1. Anstatt der Belle mit der Holzbant erhält der Gefangene eine Belle mit einem Stahl. 2. Anstatt daß er einmal des Tages einen Rundgang durch den Gefängnishof machen darf, soll ihm dies zweimal gestattet werden. 3. Wird ihm erlaubt zur Abwechselung mit der üblichen Gefängnis- toyljuppe- sich dann und wann Essen von außen bringen zu lassen. 4. Wird ihm erlaubt, den Besuch seiner Frau statt einmal, ziveimal wöchentlich zu empfangen, doch immer nur im Beisein eines Beamten. Amerika. Wahlschwindel. Königsberg. In der Deutschen Juristenzeitung" widmet der Justizrat Strang dem Königsberger Prozeß folgende Bemerkungen: Schmerzlich berührt der Rückblick auf ein Ereignis, das um gewöhnliche Erregung hervorgerufen hat. Es ist der Königs= Die großen Trusts in Amerita werden in den Boltsmassen häufig Berger Geheimbunds- und hochverrats Prozeß. als Wurzel alles Uebels angesehen. Diese Anschauung machen sich Auf der Anklagebant befand sich schließlich die innere Politik Nuß die Politiker gern zu nutze, besonders in der demokratischen lands, die vor dem Richterstuhle der Geschichte die schärfste Ver- Partei. Jetzt zur Wahlzeit versäumen auch die Republikaner urteilung erfuhr. Leider aber bedeutet die Bilanz des Prozesses nicht, ihren Roosevelt als Gegner der verhaßten Trusts den auch für die preußische Justiz einen Verlust. Den Angeklagten waren, Massen anzupreisen. Ja, man hat geheimnisvoll auf eine erbitterte abgesehen von der Geheimbündelei(§ 128 Str.-G.-B.), Hochverrat gegen Feindschaft zivischen Wall Street( die Börse und die großen Banken von Rußland(§ 102) und wörtliche Beleidigung seines Baren(§ 103) zur Last New York) und dem Präsidenten in vielen Zeitungsartikeln hinDas ist natürlich auf den Stimmenfang berechnet. gelegt. Die Strafbarkeit dieser Handlungen ist aber nach dem gewiesen. flaren Wortlaut der§§ 102, 103 dadurch bedingt, daß in den andern Londoner Zeitungen lassen sich aber berichten, daß den Staaten dem Deutschen Reiche die Gegenseitigkeit verbürgt ist. Was Republikanern ein Wahlfonds von zehn Millionen schienenen englischen Blaubuch stellt sich die Kohlenförderung der Kohlenförderung und Kohlenverbrauch. Nach einem jüngst erfünf bedeutendsten Lhnder für die letzten drei Jahre wie folgt( in Tonnen): Großbritannien Deutschland Frankreich Belgien Ver. Staaten 1901 219 047 000 108 539 000 31 634 000 22 213000 261 874 000 1902 227 095 000 107 474 000 29 365 000 22877000 369 277 000 1903 230 334 000 116 638 000 34 318 000 23912000 320 983 000 Verbraucht wurden in den wichtigsten Ländern( in Tonnen): 1903 Vereinigte Staaten Großbritannien Deutschland. Rußland Frankreich Belgien Desterreich- Ungarn 1902 265 694 000 166 698 000 • 95 363 000316 029 000 166 532 000 103 114 000 41 989 000 46 560 000 18 762 000 18 374 000 19 799 000 17 595 000 21 432 000 ? Auf den Kopf der Bevölkerung wurden verbraucht jährlich in Großbritannien 3,93 Tonnen, in den Vereinigten Staaten 8,93 Tonnen, 1,19 Tonnen, in Rußland 0,13 Tonnen. 86 339,59 m. verbleibt. " In Belgien 3,07 Tonnen, in Deutschland 1,75 Tonnen, in Frankreich| hielten, nacheinander entlassen zu werden, legten sie ant Dienstag Ueber die Malerftreiks in den fünf dänischen Städten Ddenfe, mittag einmütig die Arbeit nieder. Die Zahl der Streifenden ist Köge, Maribo, Nakskov und Nykjöbing auf Falster Geschäftsbericht der Aktiengesellschaft Mannstädt u. Co. In der ungefähr 200. Die Firma hat den Streifenden Entlassungsscheine ist dieser Tage in gemeinsamen Sigungen der Vertreter der heutigen Aufsichtsratsfißung der Aktiengesellschaft Façoneisen- ugesandt mit dem Schlußsaz:" Ihre Wiedereinstellung werden wir dänischen Maler und Malermeister und der Hauptorganisationen der Walzwerk Mannſtädt u. Co. in Kalt wurde der Abschluß ie nach unserm Bedarf erwägen, wenn Sie sich bis Montag, den Arbeiter und Arbeitgeber verhandelt worden und es ist hierbei auch pro 30. Juni 1904 vorgelegt. Er weist nach Deckung der wohl auf dieses Angebot verzichten, wenn ihnen nicht eine Garantie Barteien zustimmten. Die Generalversammlung der Malermeister hat 5. September, melden." Die streifenden Arbeitrinnen werden zu einem Einigungsvorschlag gekommen, dem die Vertreter beider Abschreibungen in Höhe von 160 929,63 Mark ein Gewinn faldo von 511 076,91 Mart einschließlich des Vortrages aus gegen die Lohnbrüderei gegeben wird. Daß sie unter dieser Bedingung diesen Vorschlag jedoch abgelehnt. Die Streits werden fortgefeit. dem Vorjahre in Höhe von 67 275,79 m. auf. Aus dem Gewinn gern geneigt sind, weiterzuarbeiten, haben sie dadurch bewiesen, daß Aus der italienischen Arbeiterbewegung. sollen dem Reservefonds zugewiesen werden 22 190,06 M.; sodann Siemens u. Halske verständigt sich über die Lohn- und Arbeitssie der Firma folgenden Vorschlag gemacht haben:„ Die Firma Ront, 27. August.( Eig. Ber.) Die Ausstandsbeweging in foll eine Dividende von 10 Proz. auf die Vorzugs- und Stamm- bedingungen der Glühlampenarbeiterinnen mit dem Arbeiterausschuß Italien hat in den letzten Wochen wieder einen Aufschwung erfahren. attien mit 300000 2. verteilt werden, so daß nach Deckung der auf folgender Grundlage: 1. Der Mindestverdienst beträgt 25 Pf. pro Außer zahlreichen kleinen Streiks in den verschiedenen Gewerben vertragsmäßigen Tantiemen ein Vortrag auf neue Rechnung von Stunde( diese bescheidene Forderung ist übrigens im Stadtgeschäft haben wir mehrere große und zum Teil sehr ernste Streiks zu ber der Firma in der Markgrafenstraße und auch bei der A. E. G. in der zeichnen. So stehen im Tiefland von Gonzaga über 2000 Erd. Die sogenannte amerikanische Gefahr" fpielte zur Zeit der Ackerstraße anerkannt). 2. Den Tellerdreherinnen, Füßequetsche- arbeiter aus, die bei den dortigen Bonifikationswerken beschäftigt Beratung des neuen deutschen Zolltarifs im Reichstage eine sehr rinnen, Zellen- und Lampenschmelzerinnen wird der Bruch, welcher waren. Sie verlangen einen Arbeitsvertrag und Herabsetzung der Arbeitswichtige Rolle. Fast täglich erschienen in der von den Eisens und ohne Verschulden der Arbeiterinnen einirttt, voll bezahlt. 3. In zeit. Die an der Bonifikation beteiligten Großgrundbefizer haben nunStahlindustriellen alimentierten Presse schöne Artikel, in denen unter Zweifelsfällen werden bis zu 2 Arbeiterinnen gutachtlich gehört. mehr beschlossen, alle Ausständigen auszusperren und mit neuen ArHinweis auf die schnelle Entwicklung der amerikanischen Eisen- 4. Bangen und sonstige Werkzeuge sind in genügender Bahl anzu- beitern einen Teil der dringendsten Arbeiten an den Stromufern so industrie das Schreckgespenst einer nicht nur die deutschen Absatz- schaffen und in gutem Zustande zu erhalten. 5. Um einen geregelten fort auszuführen, ehe das Hochwasser kommt. Es ist durchaus un gebiete im Auslande, sondern auch den deutschen Inlandsmartt Arbeitsprozeß zu ermöglichen, wird den Affordarbeiterinnen jeder gefeßlich, daß die Großgrundbesiger allein sich die Entscheidung ans überflutenden Konkurrenz heraufbeschworen wurde. Seit der Zoll- Aufenthalt, wie Wartezeit usw., sobald er über 2 Stunde dauert, maßen, da die Bonifikationswerte von einem Konsortium ausgeführt tarif angenommen worden ist und die Erfahrung gezeigt hat, in Lohn bezahlt. 6. Die alten Affordpreise bleiben bestehen. Sollte werden, zu dem die Besizer der umliegenden Ländereien 1 300 000 daß die amerikanische Eisen- und Stahlindustrie trop der schweren durch technische Verbesserung die Direktion eine Akkordreduzierung Lire zahlen, während die Gemeinden und Provinzen die drei übrigen Krise, die feit mehr als einem Jahre den Markt der Vereinigten für nötig erachten, so wird dieselbe vorher mit dem Arbeiterausschuß Viertel, also 3 900 000 Lire zuschießen. Es sind viele Soldaten zur Staaten beherrscht, nur auf wenigen ausländischen Märkten ihren darüber verhandeln. 7. Den Säurearbeiterinnen wird leichte, be- Stelle, aber keine Streitbrecher. Absatz nennenswert zu steigern vermochte, find diese Schilderungen queme und dauerhafte Schutzkleidung zur Verfügung gestellt. Für Sehr ernst läßt sich ein Streit in Magliano Sabina an. aus der kapitalistischen Bresse verschwunden. Sie haben ihren Zweck notwendige Reparaturen wird die Direktion pünktlich Sorge fragen. Ursprünglich war es ein Ausstand der Bächter, die die Einerfüllt. Nur hin und wieder tritt noch mal in alter Uebertreibung wird keine Schutzkleidung gewährt, so erhalten die betreffenden Ar- Haltung der Verträge vom vorigen Streik forderten. Da die Großdie Amerikafurcht hervor, so schreibt z. B. die„ Gießerei- Zeitung" in beiterinnen ausreichende Entschädigung dafür. 8. Für genügende grundbesitzer, der Bürgermeister von Magliano an der Spitze, von ihrer letzten Nummer: Ankleideräume, Wascheinrichtungen und Klosetts sowie deren pünkt- feinem Nachgeben wissen wollten, griff der Ausstand auf alle Ge„ Es unterliegt feinem ernsten Zweifel, daß schon gegenwärtig liche Reinigung wird die Direktion Sorge tragen. Diese Verein werbe der Stadt über. Bäcker, Fleischer, Schuhmacher, Schmiede die amerikanischen Importe nach England die vorjährigen erheblich barung hat Gültigkeit bis zum 1. Oftober 1905 und muß 8 Tage alles streikt. Die Ausständigen baden das Brot in einer Genoffenübersteigen. Auf dem Vierteljahrsmeeting in Birmingham, das von vorher gekündigt werden, widrigenfalls sie auf 1 Jahr weiter läuft." fchaftsbäderei. Am 26. hat nun der Bürgermeister sein Amt Händlern aus allen Teilen des Königreichs außerordentlich start Wie man sieht, sind hier verschiedene Forderungen aufgestellt, niedergelegt. Trozz bieler Gewaltalte der Behörden hält sich die besucht war, tam die Erschütterung des Vertrauens durch den die sich eigentlich von selbst verstehen sollten. Was übrigens die Bevölkerung sehr ruhig. Die Streifenden sind etwa 3000; die amerikanischen Wettbewerb sprechend zum Ausdruck. In Wales find Lohnherabjegungen anbelangt, scheint Herr Professor Budde, der Arbeitsniederlegung der Landarbeiter währt seit einem Monat; der bon 37 Hochöfen nur noch 17 im Brande, in einzelnen schottischen am Donnerstag eine Verhandlung mit dem Arbeiterausschuß( ein- Solidaritätsstreit der übrigen feit etwa 20 Tagen. Cleveländer und Cumberländer Bezirken sieht es nicht beffer aus. schließlich der streikenden Ausschußmitglieder), hatte, nicht damit In Molenella dauert der Ausstand der Reisarbeite Die Engländer und mit ihnen die deutschen Agenten sehen diese einverstanden zu sein. rinnen fort; die Grundbesitzer lehnen es ab, mit den Arbeitern Situation viel ernster an, als es bisher auf dem Kontinent geschieht. Zur Lohnbewegung der Bauglafer. Gestern wurde das Statut zu verhandeln. und dem amerikanischen Angriff auf den englischen Markt und den das Glasergewerbe Groß- Berlins von den beiderseitigen Konumiffionen Altare, oberhalb Savona( Lijurien) ausgebrochen. In Altare be Ihnen ist der gewaltige Unterschied flarer, der zwischen dem deutschen und gleichfalls das Regulativ des paritätischen Arbeitsnachweises für Ein eigenartiger Streit ist vor 3 Wochen in dem Städtchen englischen Kolonien besteht. An und für sich hat der Amerikaner, auf dem Gewerbegericht ausgearbeitet und einstimmig angenommen. ſteht seit Jahrhunderten einige Geschichtsschreiber sagen eine bedeutende der Bessemereisen bringt, in einem Lande, wo wie in England die Zum unparteiischen Beisiger wurde Herr Dr. Le Visseur gewählt. feit Thomasproduktion erft 10 Proz. der Erzeugung ausmacht, ein Der Arbeitsnachweis wird am 12. September 1904, Gormann- Im Jahre 1855 traten die Glasarbeiter des Ortes einer Produktions Genossenschaft zusammen, die heute günstigeres Feld als der Deutsche. Der Amerikaner liefert den Eng- straße 13, eröffnet. Vermittelungszeit in den Sommermonaten von zu ländern Herdofenstahl und Bessemereisen von einer der schottischen 7-8, im Winter 8-9 Uhr. auf fast ein halbes Jahrhundert wechselvollen Lebens zurückverwandten Qualität. In Knüppeln und Platinen hauptsächlich blickt. Wie fast alle Produktions- Genossenschaften sind auch die haben wir den amerikanischen Wettbewerb im britischen Heim- Der Streit der Milchausträger bei Bolle ist zu deren Ungunsten Glaswerke von Altare zu einem rein industriellen Unternehmen markte auszuhalten und zu fürchten. In Wales und selbst verlaufen. Die Firma war gewillt, den älteren derselben eine entartet. Bon 600 Arbeitern find nur ein Fünftel Genossenschaftler, in Schottland hat sich eine größere Zahl bedeutenderer Werke Lohnzulage zu gewähren, während es den jungen Leuten gerade die andern sind einfach Lohnarbeiter. Als diese von dem Direktor auf die dauernde Verarbeitung amerikanischen Stahls eingerichtet. Darauf ankam, den schlecht bezahlten jüngeren eine Aufbesserung der Korporation schlecht behandelt wurden und man ihnen die Und dort, wo man eignes Halbzeug herstellt, fängt man an, ameri- zu verschaffen. Daß es der Firma gelang, dieses gewiß berechtigte gewerkschaftliche Organisation erschwerte, legten sie die Arbeit nieder fanisches für den Eigenkonsum zu fontrahieren, um die eigne Pro- Verlangen mit Hilfe zahlreicher Streifbrecher zu hintertreiben, ist und forderten die Entlassung des Direktors. Da die Glasarbeiter duktion zur Bekämpfung des deutschen Wettbewerbs auf dem fein Sieg, auf den sie besonders stolz sein darf. Italiens zu den beftorganisierten Arbeitergruppen gehören, ist kein deutschen Inlandmarkte zu verwenden. Dies ist der Sinn der von Streitbrechertum zu befürchten. Sir Christopher Furneß auf der Generalversammlung der Weardale Achtung! Galanterie- und Lederarbeiter! In Gardone( Provinz Brescia) streifen 2400 MetallIn der Ledergalanteriewaren- Fabrik von Georg Dietrich, arbeiter. Iron and Steel Co. abgegebenen Erklärung, daß man den Schleuderimporteuren den Krieg ins eigne Land tragen werde. Auf dem Ritterstr. 71-75 haben heute sämtliche Kollegen und Kolleginnen Eine gewaltige Ausstandsbewegung bereitet sich unter den Markte der fertigen Erzeugnisse ist in England selbst der die Arbeit niedergelegt. Buzug ist streng fernzuhalten! Marmorarbeitern in Carrara vor, einer auf das furchtamerikanische Wettbewerb wenig fühlbar. Der englische Röhrenbarste ausgebeuteten Arbeitergruppe. Die Besizer der Marmorbergmartt ist Deutschland und Amerika in ziemlich gleicher Weise ver werte find organisiert und erklären, keinerlei Zugeständnisse machen schlossen. In Trägern sind die Abmessungen zu verschieden und die Häuer, Säger, Verdie Ordres im Verhältnis zur Fracht zu klein, als daß Deutschland und Der Verband der Holzarbeiter hatte am Schlusse des erſten zu wollen. Wenn alle Arbeitergruppen lader und Polierer streiten, so wird sich der Ausstand auf 10 000 am Schlusse des Belgien distanziert werden können. In Schienen kann nur Belgien in Quartals 87 650 Mitglieder gegen 83 151 Personen erstrecken. Um die Versendung der rohen Blöcke zu Rinnenschienen auf dem englischen Markt konkurrieren. Merkwürdiger- Jahres 1903. verhindern, werden die Eisenbahner diese Blöcke boyfottieren. weise hat man gerade in diesen Zweigen von deutscher Seite Ber- Die Tischler, Drechsler und Polierer der Barther Attien- Möbel- Die Lage ist als so ernster, die Bevölkerung der einbarungen mit der englischen und amerikanischen Industrie an- fabrit find am 2. d. Mits. in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Carrarischen Berge sehr leidenschaftlich ist und bis jetzt alle gestrebt. Wer im täglichen Verkehr mit englischen Eisenindustriellen felben fordern unter anderm die 91% stündige Arbeitszeit( bisher italienischen Revolten- so namentlich die von 1894 und 1898- aus steht, weiß, daß gerade diese Verhandlungen auf englischer Seite wurden 10 Stunden gearbeitet) sowie& Proz. Lohnerhöhung. Die bem bloßen rebellischen Geist der Bewohner heraus, mitgemacht hat. das Gefühl der geschäftlichen Ueberlegenheit und die Angriffslust übrigen Forderungen sind meist solche sanitärer Natur. Da der Von fleinen Streits ist der partielle Ausstand der römischen gegenüber Deutschland gestärkt haben, während fie andrerseits dazu Stampf wohl ein heißer wird, bitten die Beteiligten, den Zuzug Droshkentutscher zu erwähnen, der etiva 140 Menschen, alles beitrugen, Amerita als Wettbewerber in den Kolonien stärker fürchten streng fernzuhalten. Augestellte eines Fuhrwerksbesigers, betrifft. zu lernen." Vielleicht hat die Schilderung den Zweck, für die in der rheinischen Eisenindustrie hervortretenden Bereinigungs- und Trustbestrebungen Stimmung machen zu helfen, Gewerkschaftliches. Die vorurteilsloseste Behörde. 3 Drtsverwaltung des Buchbinder- und Portefeuiller- Verbandes. Deutfches Reich. dem 900 Jahre V Versammlungen. Glasindustrie. Zwischen den organisierten Textilarbeitern und den Unternehmern scheinen in Meerane schwere Differenzen bevorzustehen. Ausgang des Crimmitschauer Kampfes hat den Meeraner Unternehmern Mut gemacht zu dem Versuch, den Arbeitern die bei dem In der Gewerkschaft der Maler sprach in der letzten MitgliederKampfe vor zwei Jahren errungenen Vorteile wieder zu entreißen. bersammlung Genosse W. Beruch über Zweck und Ziele der An fleineren Differenzen und Zusammenstößen hat es fortgeseßt Arbeiterbewegung". Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine nicht gefehlt. Jezt bereiten die Unternehmer einen größeren Vorstoß Ausführungen. Nach erfolgter Diskussion machte der Vorsitzende be vor. Die Lohniveberei- Besizer haben ihren Auftraggebern einen fannt, daß in Zukunft zur Kontrolle des Versammlungsbesuches beim neuen Lohntarif eingereicht, der es ihnen angeblich erst ermöglichen Betreten des Saales ein Kontrollstempel in das Mitgliedsbuch ge= Nur zu oft haben wir die Thatsache kritisieren müssen, daß soll, den von den Arbeitern erfämpften Tarif einhalten zu drüdt wird. Eine Anfrage aus der Versammlung, ob der Vorstand fönnen. Die Lohnweberei- Besitzer behaupten, wenn ihnen der Gewerkschaft vom Centralverband informiert sei über die von Streitposten wegen Bergehens gegen eine unbekannte Straßenpolizei- nicht höhere Preise gezahlt würden, müßten fie ihre letzterem herausgegebenen Fragebogen und wie derselbe sich zur Verordnung, gegen den Paragraphen vom groben Unfug, wegen an- Stühle still stehen lassen, falls die Arbeiter weiter auf Beteiligung der Mitglieder der Gewerkschaft stelle, wird dahin be geblicher Beleidigung von Streifbrechern 2c. zu für unser Gefühl zu ihren Tarif bestehen. Die Aftion ist offenbar eingeleitet antwortet, daß der Vorstand des Centralverbandes der Gewerkschaft empfindlichen Strafen verurteilt worden sind. Gar zu gern hätten worden, um die in den Lohnwebereien beschäftigten in feiner Weise irgendwelche Mitteilung habe zukommen lassen. wir wohl das eine oder andre Mal gesagt, daß die Verurteilung Arbeiter zu veranlassen, auf ihre Errungenschaften zu ver- Deswegen haben die Mitglieder der Gewerkschaft auch keine Ber aus teinem andren Grunde erfolgt sei, als weil die Betroffenen zichten. Denn die Lohnweberei- Befizer gehören sämtlich der anlassung, etwaige Fragebogen auszufüllen. Der Fall Schink kontra Streitposten gestanden hatten. Aber mit der Wahrheit Fabrikantenvereinigung an und ihr Vorgehen ist zweifellos in dieser Nägel wurde zur Generalversammlung zurückgestellt. ist es ein eigen Ding! Alle dieſe Urteile sind, wie gesagt, befizern, den beſtehenden Tarif zu durchbrechen, dann können die Letzte Nachrichten und Depefchen. Organisation vorberaten worden. Gelingt es den Lohnweberei gegründet auf alle möglichen Paragraphen des Strafgesetzbuches, größeren Betriebe damit nachfolgen. Es würde dann nicht gar zu nur nicht auf einen, der das Streitpostenstehen verbietet schwer sein, die Arbeiter mürbe zu machen. Die besseren Waren mit einen solchen giebt es bekanntlich nicht. Wenn wir höheren Lohnsätzen würden dann in den Lohnwebereien zu herab- Petersburg, 2. September.( B. H.) General Ssacharot berichtet, deswegen, was wir in Wahrheit über den einen oder andren Fall gedrückten Löhnen hergestellt werden, während die Fabrikweber sich daß die Russen trotz Aufgabe der Stadt Liaujang ihre Stellungen dachten, tief im verschwiegenen Busen bewahrten, geschah dies ledig mit dem minderwertigen Kram abplagen müßten. Die Auf auf den Höhen behauptet haben. Die japanischen Verluste feien groß, Tarifes wäre dann auch für diese Beauch die russischen Verluste, die noch nicht annähernd festgestellt lich, weil wir meinten, allzu viel Ehrlichkeit fönne uns in einem hebung des nur eine Frage der Zeit. Geben die Arbeiter in werden konnten, seien enorm. folchen Falle vielleicht eine Anklage wegen verleumderischer Betriebe leidigung einbringen! Denn wenn die Herren Richter schriftlich den Lohnwebereien nach, ist ein Widerstand in den andren Betrieben niederlegen, daß fie einen Arbeiter wegen Vergehens gegen eine gegen Unternehmerwillfür fast unmöglich. Zum Glüd denken auch die Arbeiter in den Lohnwebereien nicht daran, sich in den trostlosen Straßenpolizei- Verordnung oder wegen groben Unfugs, vielleicht zustand zurückstoßen zu lassen, der vor dem Streit für sie bestand. auch gegen den§ 153 der Gewerbe- Ordnung bestrafen, dann kann Wenn notwendig, werden sie einen Kampf durchführen. In einer doch ein Zeitungsredakteur nur wider besseres Wissen behaupten, daß Versammlung, die dieser Tage stattfand, wurde das entschieden zum die Verurteilung aus einem andren Grunde erfolgt sei. Ausdruck gebracht. Der Stand der Organisation ist in Meerane ein guter. Es gehören 2904 Personen dem Textilarbeiter- Verbande an. Die Unternehmer, die eine Schwächung der Organisation infolge des Verlaufes des Crimmitschauer Kampfes und der Beitragserhöhung erwarteten, sehen sich enttäuscht. Im eignen Interesse lassen sie es hoffentlich auf teine Kraftprobe ankommen. Was wir nicht fagen durften; er giebt eine Behörde, die es fagen fann: die Staatsanwaltschaft. Unfrem Düsseldorfer Parteiblatt liegt eine Auflageſchrift vor, in der die Staatsanwaltschaft ausdrücklich sagt: stehens". , borbestraft, darunter wegen Streifposten. Wir haben der Staatsanwaltschaft- man denke an den Ruffenprozeß so manches schöne Agitationsmaterial zu verdanten. Thun wir dies zu dem übrigen. Aber noch etwas zum Lobe der Staatsanwaltschaft in diesem Falle: Es sind an der Affaire ja mehrere Behörden beteiligt; Die Staatsanwaltschaft aber ist wirklich von allen die vorurteilsloseste Behörde. Berlin und Amgegend. Im mittelfränkischen Metallschlägergewerbe wird Mitte September ein neuer Tarifvertrag abgeschloffen. Die Meister und Gehilfen beschlossen in ihren Versammlungen bis dahin die bisherige 42stündige Arbeitszeit beizubehalten. Vom ostasiatischen Kriegsschauplate. Die Verfolgung Kuropatkins. Tokio, 2. September.( Meldung des Reuterschen Bureaus.)] Die Schlacht bei Lianjang wurde heute bei Tagesanbruch wieder aufgenommen. Das Schicksal der sich zurückziehenden russischen Hauptnacht hängt von der Tapferkeit des russischen linken Flügels op. Bevor Kuropatkin den Rückzug antrat, verstärkte er seinen linten Flügel nach Often und Norden hin in der Hoffnung, Kurofis Vorrücken aufzuhalten, und in der Absicht, seine Rückzugslinie und die Berbindungen zu deden. Die Hauptmacht der Schuge bestimmten Streitkräfte scheint in der Nähe von Haiyinghai gesammelt zu sein, das Kuroki am Donnerstag um 11 Uhr vormittags angriff. Der Ausgang der Schlacht ist noch unbekannt. Ueber die Verfolgung des russischen rechten Flügels liegen wenige Einzelheiten vor. Augenscheinlich bewegen fich die Ruffen langsam, wobei sie den Japanern Terrain streitig machen aus amtlichen Depeschen geht hervor, daß die Russen heute morgen Ein Held! Der Bauhilfsarbeiter" teilt in seiner letzten Lianjang noch besest hielten. Die Japaner haben, wie berichtet wird, Nummer feinen Lefern ebenfalls mit, daß Herr Brust, der Führer schon über 25 000 Mann an Toten und Verwundeten verloren. ber christlichen Bergarbeiter- Organisation der bestbezahlte Gewerkschaftsbeamte sei und knüpft daran die folgende Bemerkung: Rom, 2. September.( W. T. B.) Wie die Blätter melden, „ Auch Herr Brust, der hier mit einem Jahresgehalt von ist in Tarent ein im dortigen Arsenal angestellter Elettrifer namens nahezu 4000 m. erscheint, schimpfte früher recht weidlich auf die Benjamin Montenegro unter der Anschuldigung verhaftet worden, Gewerkschaftsangestellten. Ob er es heute, wo er als der best- daß er an eine fremde Macht, deren Namen man nicht kennt, In bezahlte Gewerkschaftsangestellte erscheint, auch noch wagen wird?" formationen über die Verteidigung Tarents verkauft habe, auch der Wie kann man so an Herrn Brust zweifeln! Er wagt es sicher! fehr mit Montenegro stand, wurde verhaftet. Direttor eines Nachrichtenbureaus, der in freundschaftlichem VerHusland. Der Streit der Arbeiterinnen des Glühlampen- Werkes von Siemens u. Halske in der Helmholzstraße zu Charlottenburg ist die Folge fortgesetter Lohndrückereien. Diesmal handelte es sich um Herabjegung des Preises für eine Arbeit von 9 auf 7 Pf. Die Arbeit wurde drei Arbeiterinnen nacheinander angeboten. Sie lehnten Eine neue Bauarbeiter- Aussperrung steht bevor, diesmal in Dort find den Unternehmern die Einzelsperren der es ab, die Arbeit für den Preis auszuführen und deswegen wurden Budapest. fie entlassen. Es kam dann zu Verhandlungen mit dem Arbeiter- organisierten Arbeiter mit der Zeit recht lästig geworden. Um diesen ausschuß, die jedoch erfolglos waren. Die Arbeit wurde wiederum zu begegnen, haben die Unternehmer eine allgemeine Aussperrung andern Arbeiterinnen zu dem herabgesetzten Preise angeboten. Da beschlossen. In der nächsten Woche wird daher in Budapest die fich nun die Arbeiterinnen ihren ohnehin fargen Verdienst nicht noch gesamte Bauthätigkeit ruhen, was zur Folge hat, daß alsdann gegen weiter schmälern lassen wollten und es auch nicht für zweckmäßig 10 000 Arbeiter ohne Arbeit bleiben. Bern, 2. September.( B. H.) Der psychiatrische Gutachter Dr. Glaser aus Bern erklärte den Attentäter auf den russischen Gesandten Jllnicky als zurechnungsfähig. Athen, 2. September.( B. S.) Nachdem die Frage der Ber einigung Kretas mit Griechenland bei den Mächten keinen Antlang gefunden hat, wird der Generalgouverneur bon Streta, Prinz Georg von Griechenland den Mächten den Vorschlag machen, Streta dem griechischen König zu übergeben. Verantw. Redakteur: Franz Nehbein. Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Gløde, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen, it»7. 21. 34t«. i Deilllge des Dmörts" Serlilm Nolkslilatt. �-m. "........................................... Sozialea. Die Reutenentziehungen in der Provinz Sachse». Die öffentliche Kritik der Vorgänge bei den Rentenentziehlmgen im Bezirke der BersicherungSanstalt Provinz Sachsen hat endlich die Behörden veranlaßt, sich mit den.uitichen Fällen zu beschäftigen. Das amtliche Kreisblatt im Kreise Wanzleben teilt mit: „In der Angelegenheit der Nentenentziehungen haben wir in Erfahrung gebracht, daß die Untersuchung sowohl von seilen der Landesversicherungsanstalt al§ auch vom Regierungspräsidenten aufgenommen ist. Wenn eine Ausklänmg �von den betreffenden Be- Hörden heute noch nicht erfolgt ist, so liegt das jedenfalls nur daran, das die sorgfältige Prüfung des umfangreichen Materials längere Zeit in Anspruch nimmt. Seltsam, daß sich erst umfangreiches Material anhäufen mußte, ehe die Behörden in die„sorgfältige Prüfung" eintraten. Wenn man gleich von vornherein jedem einzelnen Falle die ihm gebührende sorgfältige Prüfung hätte angedeihcn lassen, dann wäre der Skandal gar nicht erst entstanden._ Ueber die Berhältnisse bei der Preußischen Pfandbriefbank ver- Lffentlicht der„Roland von Berlin" einen Artikel, worin über die Lage der Angestellten lebhaft- Klage geführt wird. Während der Direktor Kommerzienrat Danncnbaum von der Bank jährlich 70000 M. bezieht, bekommen die Prokuristen, also Beamte in ver- antwortlicher Stellung, monatlich 2S0 bis 300 M. Das Anfangsgehalt der Beamten beträgt 1400 M. jährlich. Während das Dircktionsgebäude, daS alte Borsigiche Palais in der iVoßstraße, im Erdgeschoß für die Sitzungen des AufsichlSrats mit verschwenderischer Pracht ausgestattet ist— Stühle im Preise von 350 M. das Stück— zeigen die Bureauräume armselige Dürftigkeit und die Wände sind mit einem Anstrich versehen, der die Kleider weiß färbt, wenn jemand anstreift. Zu diesen Räumen führt eine prunkvolle Marmortreppe hinauf! die Beamten dürfen sie jedoch nicht benutzen. Ihnen steht eine schmale eiserne Wendeltreppe ohne Geländer zur Verfügung. Selbst über Mangel an Handtüchern in den Toiletten wird geklagt. Für 130 Beamte täglich 10 Handtücher. Dabei müssen sich die Beamten eine er- niedrigende Behandlung durch den Herrn Direktor gefallen lassen, so daß ein Beamter, der nach 18jähriger Thätigkeit bei der Bank austrat, um eine andre Stellung zu übernehmen, ausrief: „Der Herr Direktor kostet mich fünf Jahre meine? Lebens!" Es sollte den Bankbeamten daraus die Einsicht erwachsen, daß auch sie ausgebeutete Proletarier sind, deren Platz an der Seite der kämpfenden Arbeiter ist. Mit Harmonie kommen sie nicht zu ihrem Rechte. Sie gehören in den Centralverband der Handlungs- gehilfen. Ein Kuriosum aus dem Artikel sei noch erwähnt, das auch manchen Kriegsinvaliden interessieren wird. Der Herr Kommerzienrat Dannenbaum, der als Direttor 70 000 M. Jahreseinkommen bezieht, außerdem als Aufsichtsrat von fünf großen Gesellschaften noch be- trächtliche Tausende und zudem ein großes Privatvermögen hat, so daß sein Gesamteinkommen aus circa eine viertel Million Mark geschätzt wird, bekommt nämlich noch, wie der Artikel behauptet, als kricgsinvalide eine staatliche Juvalideupcusiou von 45 Mark monatlich. Man sieht daran, wie bei uns für die Kriegsinvaliden gesorgt wird; auch der Reichste wird nicht vergessen-- Der deutsche Berein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hält am 7„ S. und 9. September in Erfurt feine Generalversammlung ab. ES werden folgende Gegenstände behandelt werden: Branntiveinmonopol, Kommerzienrat Dr. Möller-Brackwede.— Alkohol-Landeslommission, Stadtrat Dr. med. Waldschmidt-Charlotten- burg.— Einrichtungen zum Schutze der Kanalarbeiter vor der Alkoholgefahr, Geh. Oberregierungsrat von Massow-PotSdam.— Bericht über die Kommissionsverbandlungen in Sachen des Trinker- fürsorge-Gesetzes, OberrcgierungSrat Falch-Stuttgart.— Der Wert der Arbeit für die Heilbehandlung der Alkoholkranken, Stadtrat Dr. med. Waldschmidt- Charlottcnburg.— Die Erziehung unsrer Patienten zur Abstinenz, Dr. med. Colla-Finkenwalde.— Flaschenbierhandel, Dr. jur. Esche- Dresden: Geh. Med.-Rat Dr. Fränkel- Halle a. S.— AlkoholiSmuS und höhere Schulen, Prof. Dr. Hart- mann-Leipzig: Priv.-Doc. Dr. med st phil. Weygandt-Würzbura. für Erteilung jeder Auskunft sind Reg.-Rat Johannes-Erfurt ie Geschäftsstelle Berlin W. 15 gern bereit. Bauarbeiter oder Fahrstuhlführer. Der Arbeiter K., der sich Fahrstuhlführer nennt, beanspnichte oom Bauunternehmer Frank 60 M. Lohnentschädigung für zehn Tage, während welcher er eine ihm übertragene Arbeit(Heran- schaffen von Steinen auf einem Neubau) wegen Ausbleibens der Bauwinde(Fahrstuhls) nicht ausführen konnte. Die Vor- richtung, zu deren, Antrieb ein Gasmotor diente, war dem Unternehmer vom Lieferanten entzogen worden. Der Ausgang des Rechtsstreits war nun davon abhängig, ob Kläger, wie er behauptete, als Fahrstuhlführer, oder als Bauarbeiter schlechtweg anzusehen war. Als Bauarbeiter würde ihm nach der Praxis des GewerbcgerichtS mit Rücksicht auf den bekannten korporativen Arbeitsvertrag ohne weiteres eine Kündigungsfrist nicht zustehen, während im andern Falle die Rechtslage eine andre wäre. Die Verhandlung vor der Kammer Hl des GewerbcgcrichtS be- schränkte sich deshalb auf diese Frage. ES wurde zunächst festgestellt, daß er in seiner Stellung bei der Firma bisher nur für das Heranschaffen der Steine zum Fahrstuhl und für das Ab- führen derselben vom Fahrstuhl zu sorgen hatte. Kläger blieb dabei, daß er Fahrstuhlführer gewesen sei, weil mit seiner Thätigkeit eine Bedienung des Fahrstuhls verbunden wäre. Er habe auch die(polizeiliche) Berechtigmig zur Fahrstuhlbedienuna. Bei der neuen, ihm wegen Fehlens der Maschine entgangenen Arbeit, würde ihm die Fahrsmhlfiihrung unbedingt obgelegen haben. Für sie wäre er sogar verpflichtet worden, die nötigen Lcul« selbst anzunehmen. Die Kammer 3 des Gewerbegerichts unter dem Lorsitz des Gewerberichtert W ö l b l i n g wies den Kläger mit der Begründung ab: Kläger habe die Heranschaffung von Steinen übernommen gehabt und cS habe ihm obgelegen, die Steine zum Fahrstuhl heran- und� von diesem abzuführen. Die Motorbedienung sei nicht Sache des Klägers gewesen. Jene vom Kläger ausgeübte Thätigkeit kennzeichne ihn aber lediglich als Bauarbeiter. Da somit dem Kläger eine Kündi- gungSsrist nicht zustand, sei auch sein Entschädigungsanspruch hin- fällig._ Berliner partei-Hn�clcgenbeiten. Alt-Glienicke. Der Wahlverein hält Sonnabendabend 3'/, Uhr seine Mitgliederversammlung ab, in der Genosse Hildebrandt referieren wird. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Eichwalde. Der Wahlverein hält am Sonntagnachmittag 4 Uhr seine regelmäßige Mitgliederversammlung im Lokal des Herrn W. Heinrich. Hankels Ablage, ab. Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes 2. Bericht von der Kreis- Generalversammlung. 3. Verschiedenes.— DaS Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend erforderlich. Trrptow-vaumschulcnweg. Heute. Sonnabend, hält der Wahl- verein im Restaurant Staffcld seinen regelmäßigen Zahl- und Bibliothekabend ab. Die Bezirksführer werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Johannisthal. Heute abend 8'/» Uhr Zahlabend bei Gobin, Roonstr. 2. Die BiNets vom Stiftungsfest sind abzurechnen.— Die am Sonnabend ausgefallene Versammlung des Wahlvereins findet chcute abend 8'/, Uhr bei Palm, Köpnickerstr. 81, statt. lokales. Die Nrkweudigkeit der Einstellung von Arbeiter-Baukoutrolleuren ergiebt sich von neuem aus dem folgenden, uns vom Centtalverband der Maurer mitgeteilten Fall: In der Waldowstt. 23 zu Nieder-Schönbausen ließ der Unter- nehmer Koswig ein Wohnhaus von fünf Fenster Front und drei Etagen Höhe aufführen. Der Bau wurde auf morastigem Bau- grund, der au einen früheren Sumpf grenzen soll, fundameittiert. Während es sonst üblich-st, derartigen Moorboden fünf bis sieben Meter tief auszubaggern bis guter Baugrund festgestellt werden kann, ist in diesem Falle die seldstverstchidliche Vorschrift sehr wahr- scheinlich in höch� fahrlässiger Weise nicht beachtet worden. Denn als der Bm. bis zur zweiten Etage gediehen war, fielen die Kellerbögen herunter. Natürlich stellten die Maurer sofort die Arbeit ein. weil sie nicht ihr Leben opfern oder zum Krüppel werden wollten. In der erwähnten Höhe war der Bau bereits 30 Centimcter, also um eine Wandstärke, außer Lot. ES gelang dem Unternehmer aber nunmehr, an Stelle der alten Maurer junge unerfahrene Leute einzustellen, welche nicht im stände waren, die ihnen durch den Bau drohende Gefahr einzuschätzen, und mit Hilfe dieser Maurer wurde der Bau denn auch am Freitag voriger Woche bis zur dritten Etage fertiggeschafft. Inzwischen hatten die alten Maurer aber die Baukommission auf die Gefahr aufmerksam gemacht, und durch eine Untersuchung wurde denn auch festgestellt, daß das Haus eine Menschenfalle gefährlichster Art war. Der Unternehmer erhielt unter der Androhung, daß erforderlichenfalls die OrtS-Fcuerwehr den Abbruch vornehmen werde, die Aufforderung, schleunigst den Bau wieder nieder zu reißen. Am Montag wurde mit dieser Arbeit begonnen und heute ist das Haus bereits bis zur ersten Etage abgetragen. Auch dieser Fall zeigt neben vielen andern aus früherer Zeit, wie notwendig eS ist, aus den Reihen der organisierten Arbeiter Baukonttolleure anzustellen mit der Befugnis, die Aufführung von Bauwerken der erwähnten Art zu verhindern. Welch ein Unglück hätte entstehen können, wenn die jüngst auf dem Bau beschäftigt ge- wesenen Maurer nicht der Oeffentlichkeit gegenüber ihrer Pflicht ein- gedenk gewesen wären I lieber den Alkoholgeuuß der Kinder hat der Schöneberger Schularzt Dr. Goldfeld mit Unterstützung der Klassenlehrer interessante Erhebungen angestellt, über die er in der Abstinenz berichtet. Es stellte sich heran? daß gerade die Schüler, die regelmäßig geisttge Getränke— nicht bloß Bier, sondern Schnäpse mancher Art!— zu sich nahmen, als besonders faul, zerstreut, unbegabt, verlogen bezeichnet wurden. Die in der Statistik aufgeführten Trinker tranken täglich Bier. DaS Ouanttmt schwankte durchschnittlich zwischen ein bis zwei GlaS täglick. Gettunken wurde meist Malzbier, aber auch viel Lagerbier; auch die sdiäninende Weiße hatte viele Verehrer. Andre Spirituosen wurden meist Sonntags eingenommen, wenn der Vater seine Kinder mit in die Kneipe nahm und ihnen mit einem Schnäpschen etwas Gutes anthun wollte. Es wurden alle Sorten Alkoholika gettunken: Rosenliqueur, Nordhäuser, Ruin, Kümmel, Eiercognac, Gilka. Weine verschiedener Art; manche Schüler hatten anscheinend eine große Vor- liebe für Kombinationen von zweierlei Schnäpsen von ihren Vätern übernommen. Auch die Mädchen sind einem Glase Bier sehr geneigt; die Statistik redet darüber eine erschreckende Sprache. Im übrigen bevorzugten die Mädchen überwiegend süße Getränke und verschmähten Cognac:c. Es ist eine schwere, aber dringlichst nötige pädagogische Aufgabe des Lehrers, gelegentlich im Unterricht in dieser Beziehung auf die Schüler einzuwirken. Den überwiegenden Einfluß hat aber das Elternhaus. Was die Schule aufbaut, zerstört oft da? schlechte Beispiel des Vaters; zumeist glauben überdies die Eltern der Schulkinder, diesen mit der Darreichung geistiger Getränke noch ein Stärkungsmittel zu geben. Dr. Goldfeld bringt die Verteilung eines Merkblattes bei der Neuaufnahme der Schüler in Vorschlag. Ein solches hat neuestens der Deutsche Verein gegen den Miß- brauch geistiger Getränke(Geschäftsstelle Berlin W. 15) herausgegeben. Justizrat Dr. Hermann Staub ist nach schwerem Leiden im Atter von 48 Jahren gestern verstorben. Der Verstorbene war einer der fähigsten bürgerlichen Juristen. Insbesondere auf dem Gebiet des Handelsrechts galt er, der einen Kommentar des Handelsgesetzbuchs geschrieben hat. als Autorität. Vor einigen Jahren rief er die „Deutsche Juristenzeitung" ins Leben, die eine führende Stellung unter den juristischen Zeitschristen einnimmt. Man erzählt, daß der Verstorbene vor wenigen Jahren sondiert wurde, ob er die Stellung eines ReichSgerichtSratS annehmen wolle. Er habe abgelehnt, da die Verleihung des hohen RichterpostenS von einem Wechsel der Religion abhängig gemacht sei und der Verstorbene die Unabhängigkeit jiuristischer Beurteilung, die in schriftstellerischer und advokatorischer Bethätigung Ausdruck fand, bei dem Reichsgericht nicht voll gewahrt glaubte. Der Magistrat genehmigte gestern in seiner Sitzung den von der städttschen Baudeputatton aufgestellten Entwurf für den Neubau einer termochemischen BernichtungSanstalt in Blankenfelde vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten- Versammlung. Am 13. bis 10. nächsten Monats findet in Frankfurt a. M. ein sogenannter Wohnungskongreß statt,&et_ sich mit dem bekannten Entwurf zu einem Wohnungsgesetz beschäftigen wird. Der Magistrat hat zu diesem Kongreß den Stadtrat F i s ch b e ck und den Direktor des Statistischen Amts der Stadt Berlm, Prof. Dr. Hirschberg, ab- geordnet, die den Magistrat vertreten werden. Die Parade auf dem Temprlhofer Felde ist gestern mit den üblichen Begleiterscheinungen abgehalten worden. Ueberflüssig zu sagen, daß zahllose Menschen jede? Geschlechts und Alters auf den Beinen waren,»im standfest das herrliche Schauspiel des Aufmarsches oder der Rückkehr oder auch beides zusammen zu genießen. DaS arbeilende Berlin, soweit es in den von dem militärischen Schau« spiel betroffenen Straßen beschäftigt war, hatte allerdings unter allem möglichen Ungemach zu leiden. Besonders verzweifelt war man in der Markthalle in der Lindensttaße, die um die MitagSzeit, was früher nie geschah, sogar abgesperrt wurde. Aber auch bei den vielen Leuten, die nichts zu versäumen hatten, hat die patriotische Geduld harte Proben bestehen müssen. Ergötzlich ist ein Vorfall, deu das„Berliner Tagblatt" erzählt: Den„Polizeigriff" am eignen Leibe kennen zu lernen, hatte heute nüttag Vjl Uhr ein Polizeiwachtmeister Gelegenheit. Der Kaiser kam an der Spitze der Fahnencompagnie vom Tempelhofcr Felde her die Friedrichstraße daher geritten, und in demselben Moment bcntächrigte sich die übliche Nervosität der Polizeibeamten, die in ungeheurem Aufgebot die Friedrichstraße. und deren Seitenstraßen besetzt hielten. Als der Kaiser vorbeigeritten war. wurde die Absperrung womöglich noch verschärft; die Schutzleute reichten einander die Hände und bildeten aus diese Weise undurchdringliche Ketten, recht unsanft die Andringenden ab- wehrend. Unter diesen Unbotmäßigen befand sich auch ein recht gut gekleideter Herr in schwarzem Rock und Cylinder, der an der Ecke der Taubenstraße unbekümmert um den Kordon durchaus vorwärts- strebte. Aber er kam übel an. Ein Schutzmann und ein Wacht- meister bemächttgten sich seiner, und auch der Herr Lieutenant griff so energisch ein, daß der Civilist sehr entschieden rief: „Ich bitte mich nicht anzufassen." Darauf wurde der Renitente zur Wache transportiert.»Bringen Sie den Mann zur Wache", rief der Lieutenant einem Schutzmann zu, der den Mann auch sofort ergriff. Aber der Schutzmann war offenbar aus einem ferne» Revier und kannte die Oertlichkeit der Friedrich- stadt nicht genau. Darum fragte er einen Kollegen: „Wo ist denn die nächste Wache?"—„Das weiß ich besser, als Siel" rief darauf der Verhaftete, und der Transport setzte sich in Bewegung, gefolgt von einer Anzahl unbeteiligter Passanten, die das Verhalten der Polizei doch gar zu schroff fanden und dem Sistierten als Zeugen dienen wollten. Aber dazu sollte es gar nicht kommen. Denn als der„Transport" dem dichtesten Gewühl entronnen war, nestelte der Verhaste plötzlich an seiner Tasche. Wollte er einen Revolver ziehen oder sich unter der Last seines Schuldbewußtseins vergiften? Kurzum, er brachte ein gewisses„Etwas" aus_ der Tasche heraus und hielt es dem Schutzmann hin. Dieser ließ den Verhasteten sofort los, nahm„Haltung" an und eilte spornstreichs an die Ecke der Taubenstraße zurück. Ganz formlos und blaß trat er an seine Vorgesetzten heran und meldete:„Der Herr ist Kriminalwachtmeister"— und da kam der plötzlich zum„Herrn" avancierte„Mann" auch schon selbst. Er flüsterte den uniformierten Beamten, die ihn noch eben erst so un- sanft behandelt hatten, ein paar Worte ins Ohr und verließ mit den Worten:„Das ist doch unerhört" den Kreis der Uniformierten. Sehr unangenehm hatten bereits am Donnerstagabend die Fahrgäste der Sttaßenbahn zu leiden. Ein Leser schreibt uns: Als ich am Donnerstagabend um 1l2i0 Uhr an der Ecke der Friedrich- und Kochstraße den Vorderperron eines Wagens der Linie 84(Gesundbrunnen— Kreuzberg) bestieg, um von der Arbeits- statte nach Hause zu fahren, erklärte mir der Wagenführer, daß der Wagen nur bis zur Behrenstraße fahren würde. Wenn ich weiter fahren wolle. müsse ick über die„Linden" zu Fuß gehen und auf der andern Seite zur Weiterfahrt einen andern Wagen gegen aber- malige Entrichtung von 10 Pf. Fahrgeld benutzen. Als Grund dieser Betriebsstörung gab der Wagenführer an. daß der Kaiser der Vor« stellung im Opernhause beiwobne. Während der Dauer der Vorstellung fei der Betrieb über die„Linden" unterbrochen. Unter diesen Umständen verzichtete ich auf die Beförderung und verfolgte meinen Weg zu Fuß. bis ich die„Linden" im Zuge der Charlottensttaße passiert hatte. Sowohl an der Französischenstraße wie auch an der Dorotheensttaße standen mehrere Konttolleure der„Großen Berliner" und gaben den Wagenführern entsprechende Anweisungen. Die Zahl der Postteiscnden geht mit dem fortschreitenden Aus- bau deS Eisenbahnnetzes naturgemäß zurück. Doch bettägt die Summe der durch die Reichspost beförderten Personen im letzten Jahre nach einer neuen amtlichen Zusammenstellung immer noch 1 135 185. Das ist ungefähr die Hälfte der Postteisenden, wie sie noch vor 20 Jahren, im Jahre 1888, als das Netz der Hauptbahnen im wesentlichen ausgebaut war, befördert wurden. Dieser weitere Rückgang der Personenposten ist natürlich auf die Entwicklung der Kleinbahnen zurückzuführen. Noch vor 10 Jahren, im Jahre 1803, hatte die Zahl der Posttetsenden 1 802 763 bettagen, so daß sie jetzt etwa noch*13 davon bettägt. Der Umfang der Personenposten in den einzelnen Bezirken ist sehr verschieden. Am meisten hat Hannover mit 112000. Alle andren Ober-PostdirekttonSbezirke erreichen nicht einmal die 100000. Nur wenige, wie Darmstadt, Dortmund, Erfurt, Konstanz und Trier, haben mehr als 50 000 Poftteisende. Abgesehen von der Reichshauptstadt, hat am wenigsten Leipzig mit 3423. Aus dem Verkehr deS Berliner Bezirkes waren die Postteisenden vor einigen Jahren bereits verschwunden. Durch die Einverleibung des Pots- damer Bezirks erscheinen sie auch jetzt wieder in der Stattstik. Es sind aber nur 501 Personen, welche die Post im ganzen Bezirk mit feinem Niesenverkehr befördert hat. Auf den Tag«n Jahre kommen also noch nicht zwei Berliner Poftteisende. Es handelt sich also nur um die Beförderung von Personen durch einen fahrenden Landboten. Die Wissenschaft beim„klugen Hans". Wir haben bereits mit- geteilt, daß bis auf weiteres niemand mehr gestattet fein soll, das Pferd„HanS" zu besichtigen, da die wissenschaftliche Kommission nun eingreifen soll. Dazu wird noch gemeldet: Die Kommission soll ihre Thätigkeit schon in den nächsten acht Tagen aufnehmen. Bis dahin wird der„kluge Hans" Tag und Nacht unter Bewachung gehalten und eS dürfen keinerlei Experimente mit dem Tier vor- genommen werden. Zur Uebernahme der mehrere Tage in Anspruch nehmenden Prüfung der Fähigkeiten des Pferde? haben sich Berliner Gelehrte von namhaftem Ruf sowie einige Vertreter der ersten Gesellschaftstteise bereit erklärt. Die zwölf Mitglieder zählende Kommission lvird nach einiger Zeit die Resultate ihrer Prüfung in einem ausführlichen Gutachten niederlegen, daS veröffentlicht werden soll. Ein kürzerer Prüfungsbericht soll unmittelbar nach Abschluß der Beobachtungen deS Tieres publiziert werden. Der niedrige Wasserstand der Flüsse kommt den Arbeiten an Baggerungen sehr zu statten. Bei diesen werden jetzt interessante Funde gemacht. Bei Hoplake an der Elbe wurde eine Eiche von 30 Meter Läitge aus dem Bett der Elbe geholt und bei Barbh gelaug es, einen Eichstamm von acht Meter Lange und D/, Meter Durchmesser zu bergen. Das Holz ist noch ganz gesund, aber fast ganz schwarz. Besonders zahlreich find aber die Funde von Münzen, Schivertern. Ringen, Ketten und Handwerkszeug. Der Lustmord in der Frauseckisttaße. Zu dem Geständnisse des Kindesmörder« Oskar v. B u s f e ist noch folgendes nachzutragen: Als der Verbrecher die ihm nicht ganz unbekannte Margarete Kofchorrcck auf ihrem Heimwege an seiner Wohnung vorübergehen sah, öffne!- er das Fenster und bat die Kleine, ihm doch von einer gegenüber- liegenden Destillation ein Fläschchen Cognac zu holen. DaS Kiin zeigte sich dazu bereit und brachte das Verlangte in die Schuster- Werkstatt, Von hier aus verschleppte der Unhold sein Opfer natu der hinter der Werkstatt liegenden Schlafstube. Als dann das Kino zu weinen begann, warf er es auf das Bett und drückte ein Kissen auf den Kopf deS Mädchens. Dieses wehrte sich und verlor bei dem Ringen die beiden Schuhe. Eine Ueberraschung brauchte der Mörder nicht zu befürchten, da seine Frau verreist und sein Geselle zum Mittagessen, wie schon mitgeteilt, fort- gegangen war. Als das Kind ersttckt war, glättete er da« Bett und setzte sich dann, als fei nichts geschehen, neben den bald zurück- konimendeil Gesellen zur Arbeit nieder. Abends will er dann die Leiche durch einen nur wenige Schritte langen dunklen Gang nach dem Sandkeller getragen und verscharrt haben. Die Schuhe und den wiederholt erwähnten Karton verbrannte er während der Nacht, nicht die gelben Riemen, die zur Umschnürung des KartonS gedient hatten. Diese warf er in der Nacht in einiger Entfernung auf die Straße, wo sie auch gefunden wurden. Natürlich hatte der Finder keine Ahnung von der Bedeutung des Fundes und unterließ jegliche Meldung. Ueber die Persönlichkeit des Mörders herrscht bei allen, die ihn kannten oder geschäftlich mit ihm in Berührung kamen, über- einstimmend die Ansicht, daß man ihm eine solche Schandthat auch nicht entfernt zugettaut habe. v. Busse entstamint einer verarmten adeligen Familie und legte bei seiner Selbständigmachung den Adel ab. Auf seinem GeschäftSschilde steht auch nur der Name OSkar Busse. Er wurde überall für einen sehr ruhigen und sympathischen Mann gehalten, der zurückgezogen lebte und sich um andre Leute wenig kümmerte. Seit 2'/, Jahren ist er verheiratet und Vater eine« jetzt 1>/, jährigen Kindes, doch sieht feine junge Frau wieder einem Ereignis entgegen. Der Schuhmachergeselle, der ursprünglich ebenfalls verdächtig war, konnte sofort fein Alibi beiveiseii. Er arbeitete heute ruhig in der Werkstatt weiter.— Die Obduktion der Leiche der kleinen Margarete Koschorreck hat. wie eS bei der fortgeschrittenen Verwesung der Leiche zu erwarten war, kein ganz bestimmtes Ergebnis geliefert. Vermutlich ist aber der Tod des Mädchens durch eine gewaltsame Zerreißung ge- wifser Körperteile herbeigeführt worden. DaS sttmmt nicht ganz hx!t dem Geständnis deS Mörders überein. Die Leiche ist zur Beerdigung bereits freigegeben. Die Eltern lassen sie nach der Friedhofshalle bringen. Ein inniges Verhältnis. Aus einem vom Geldstandpnnkte auS sehr plausiblen Grunde mußte eine für borigen Dienstag angesetzte Hochzeitsscier im letzten Augenblick aufgehoben werden. Ein junger Arzt hatte sich»ach beendetem Studium mit der Lljährigen Tochter des hiesigen Kaufmanns B. verlobt und wollte sich in einer größeren Provinzialstadt niederlassen. Er hatte dortselbst bereits eine große Wohnung gemietet und auf Grund der ihm vom Schwiegervater versprochenen Mitgift in Höhe von 50 000 M. bedeutende Auf- Wendungen gemacht. Der Mediziner scheint aber seinem Schwicger- Vater nicht allzu viel Vertrauen entgegengebracht zu haben, denn er stellte die Forderung, daß ihm die 50 000 M. am Hochzeitstage vor der standesamtlichen Trauung ausgezahlt werden sollen. Zwei Stunden vor der gesetzlichen Ccrcmonie erschien der junge Arzt bei seinem Schwiegervater, um die Mitgift in Empfang zu nehmen. Herr B. verweigerte jedoch die Heransgabe des Geldes und erklärte. den Betrag erst nach der Rückkehr vom Standesamt dem Slhwiegcr- söhne aushändigen zu wollen. Eine Einigung zwischen beiden kam nicht zu stände und so brach der Mediziner die Verhandlungen ab und fuhr sofort nach seinem Wohnorte zurück. Das Festessen, welches iin Anschluß an die in der Wohnung abzuhaltende kirchliche Trauung in einem hiesigen bekannten Hotel stattfinden sollte und zu welchem nicht weniger als 120 Gäste ertvartet wurden, mußte abbestellt werden. Es war aber nicht mehr möglich, die Gäste auszuladen, die sich dann mich am Nachmittag, soweit sie nicht an der in der Wohnung stattgefundenen Feier teilnehmen sollten, in dem Hotel ein- fanden. Mit hungrigem Magen mußten die so unerwartet Aus- geladenen heimkehren. Eins, zwei, drei im Sauseschritt. Das Standesamt Joachims- thal macht bekannt: A u f g e b o t e am 2. Juli: Der Malermeister W. St. mit Karoline K. E h e s ch l i e tz u n g e n am 16. Juli: Der Malermeister W. St. mit Caroline K. Geburten am 18. Juli: Dem Malermeister W. St. in Joachimsthal ein Zwillingspaar, Lina und Meta. G e st o r b e n am 18. Juli: Lina St. 4 Stunden alt und Meta St. 15 Stunden alt. Bon dem alten Dreifaltigkeits- Kirchhos am Potsdamer Platz werden, zur geplanten Verbreiterung der Königgrätzerstraße an dieser so überaus verkehrsreichen Stelle, auf der Südseite, wo sich der Ein- gang zur Untergrundbahn befindet, 8 Meter, und auf der Nordscite, wo sich der Weg zum Potsdamer Hauptbahnhof hinzieht, 7 Meter abgetreten werden. Es entspricht dies der Baufluchtlinie der König- grätzcrstraße. Auf dem alten Kirchhof befinden sich nur noch wenige Grabstätten, unter denen die des im Jahre 1856 verstorbenen Ministers v. Eichhorn die bemerkenswerteste ist. Die letzte Beerdigung fand im Jahre 1863 statt, und zwar war es eine Tochter des Generals Pape, die hier ihre letzte Ruhestätte fand. Die Verwesungsfrist für den Kirchhos läuft eigentlich im Jahre 1012 ab. Während der Daner der Nebcrfüllung der Geleise in der Eentral- Markthalle werden, wie den Aeltesten der Kaufmannschaft mitgeteilt wird, die für die Central-Markthalle bestimmten Wagen in der Reihenfolge des Eingangs nach ihr überführt, soweit dort zur Auf- stellung der Wagen Raum vorhanden ist. Die übrigen Wagen, die in der Central-Markthalle nicht sogleich laderccht gestellt werden können, werden auf den Freiladegeleisen des Schlesischen Bahnhofs zur Entladung bereit gestellt. Erfolgt dort die Entladung nicht innerhalb der tarifmäßigen Ladeftist, so wird mit dem Gut gemäß § 70 der Eisenbahn-VerkehrSordnuug verfahren. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß Güter, die dem schnellen Ver- derben ausgesetzt sind, nach Ablauf der tarifmäßigen Entladefrist und nach vorheriger Benachrichtigung des Versenders ohne weitere Förmlichkeit bestmöglich verkauft werden. Wagen, die bereits in der Central-Markthalle laderecht gestanden haben, werden dahin zum zweitenmal in keinem Falle, auch nicht bei Aufgabe mit neuem Frachtbriefe, überführt. Anträge der Empfänger auf Laderechtstellung von Wagen auf andern Berliner Bahnhöfen werden berücksichtigt werden. Die Folgen des Wassermangels, den die anhaltende Dürre ver- ursacht, machen sich jetzt in den Berliner Vororten in auffallender Weise bemerkbar. Der Erdboden ist dermaßen ausgetrocknet, daß selbst einige Tage mit vorübergehenden Regenschauern keine Abhilfe schaffen könnten. In P a n k o w soll dem Wasserwerk ein neuer Tiefbrunnen, der sechste, gebaut werden. Es ist kaum möglich, ge- nügend Leitungswasser zu liefern. Der Güterbahnhof Pankow- Hemersdorf mußte zeitweise vom Wasserwerk abgesperrt werden. In den höher gelegenen nördlichen Vororten, wie Reinickendorf, Wilhelmsruh, Dalldorf, Herinsdorf usw. geben selbst 24 Meter tiefe Brunnen kein Wasser mehr. Ein wahrer Notstand herrscht in den südlichen und südwestlichen Vororten, wo sich der Wasserspiegel schon durch den Bau des Tcltowkanals vor Eintreten des trockenen Sommers bereits erheblich gesenkt hatte. Nach besonders von der Trockenheit betroffenen Grundstücken muß Wasser aus beträchtlicher Entfernung herbeigeschafft werden. Die Rampe der Gertraudten-Brücke bis zum Hause Spittelinarkt Nr. 11 wird behufs UmPflasterung vom 3. d. M. ab bis auf weiteres streckenweise ftir Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Bankier Kellerhoff. Der gestern hier wegen Erpressung an einem CentrumSabgeordneten verhaftete Bankier Kellerhoff hat eine recht wechselvolle Vergangenheit hinter sich. Er war früher in Wiesbaden einer der ersten Rechtsanwälte und hatte aus seiner Praxis ein außerordentliches Einkommen zu yersteuern. Aber auch politisch war Kellerhoff thätig; die Centrumspartei in Wiesbaden zählte ihn jähre- lang zu ihren bedeutsamsten Führern. Dann brach das Verhängnis über ihn herein; er hatte die Verwaltung des Vermögens einer reichen Dame in Händen und unterschlug einen Teil der verwalteten Gelder, indem er Bergwerkskuxe, die der betreffenden Dame gehörten, vorteilhaft verkaufte, den erzielten Gewinn aber für sich behielt. Die Strafkammer Wiesbaden verurteilte ihn zu vier Monaten Ge- fängnis, die er in Plötzensee verbüßte. Mit seiner Rechtsanwalt- schast war es nach seiner Verurteilung selbstverständlich zu Ende, ebenso mit seiner politischen Führerschaft in Wiesbaden; die Klientel sowie die Leitung des Centruins übernahm ein Rechtsanwalt Halbe am Orte. Kellerhoff siedelte dann nach Berlin über, wo er, wie schon erwähnt, sich mit Geldgeschäften ernährte..Mit dem erwähnten Centrumsabgeordneten war der Verhastete jahrelang intim be- freundet. Noch zwei Weltreisende. Dem 13 Jahre alten Schüler Karl Sommer, dem Sohn eines Schmiedes aus der Koblanckstr. 5, gefiel es in Berlin schon lange nicht mehr. Während seine Mutter im Krankenhause liegt, sein Vater auf der Arbeitsstelle war und seine Geschwister sich in der Schule befanden, traf er vor acht Tagen nach der Konfirmationsstunde seinen Freund und Altersgenossen Rudolf Sommerfeld aus der Lehrterstr. 26a. Der hatte tzerade von einem Onkel zum Geburtstag 3 M. bekommen. Freudestrahlend forderte er ihn auf, den zufälligen Besitz eines solchen Vermögens dazu zu benutzen, mit ihm nach Hamburg zu wandern und dort auf ein Schiff zu gehen. Sommerfeld drehte erst seinen schönen Thaler noch hin und her, Ivandte ihn ein paar Mal unschlüssig um, ließ sich dann aber bereden und ging mit. Nachdem der Thaler erst gewechselt war, blieb bald nicht viel mehr von ihm übrig. Zum Glück hatten die künftigen See- fahrer die Richtung nach Magdeburg eingeschlagen. Dort in der Gegend, in Groß-Romicke, hat Sommerfeld ebenfalls einen Onkel in einem Dachdeckernreister. Auch der unternehmende Sommer war es sehr zufrieden, daß man sich an diesen Onkel wandte und in der Not ihn aufsuchte, nachdem der letzte Groschen aufgezehrt war. Der Dachdeckermeister nahm denn auch die Seefahrer freundlich auf und teilte ihre Ankunft ihren Eltern mit. Ob diese ihnen bei der Rück- kehr nach Berlin einen ebenso freundlichen Empfang bereiten werden, ist wohl etwas ftaglich. In dem Bertrage der Stadt Berlin mit der Gemeinde Tegel ist für den Fall, daß die Aktiengesellschaft Gaswerk Tegel behindert ist, vorgesehen, daß die Stadt Berlin das für Tegel benötigte Gas zum Preise von 10 Pf. für den Kubikmeter liefert. Ferner verpflichtet sich die Stadt Berlin auf Erfordern der Gemeinde Tegel dieser täglich bis zu 4000 Kubikmeter Wasser ans den Tegeler Wasser- werken zu einem angemessenen Preise zu liefern. In Streitfällen ist die Bildung eines Schiedsgerichts vorgesehen und bei Bränden kann, wenn die Tegeler Gcmeindeleitung nicht genügt, Wasser aus der Berliner Leitung entnommen werden. Bon einem Automobil überfahren wurde gestern in der Oranien- straße der 71 Jahre alte Schneider Julius Müller aus der Britzer- straße 33. Er erlitt eine große Wunde am Hinterkopf und eine Quetschung der rechten Hand. Auf der Rettungswache in der Adalbertstraße,'wohin ein Schutzmann ihn brachte, lag der Ver- nnglückte eine halbe Stunde bewußtlos. Unter den Händen des Arztes erholte er sich dann wieder und konnte, nachdem er verbunden worden war, auf seinen Wunsch nach seiner Wohnung gebracht lverden. Den Wagenführer soll diesmal keine Schuld treffen. Der Greis soll schwerhörig sein und daher die Waruungszeichen nicht vernommen haben. Eine Müllladcstätte in der Stadt? Eine beftemdliche Nachricht beunruhigt die Bewohner der Umgebung der Mühlen- und Warschauerstraße. Danach beabsichtigt die Eisenbahndircktion, das zwischen diesen beiden Straßenzilgen und dem dahinter liegenden Eisenbahnkörper gelegene freie Land, das bis jetzt zur Lagerung von Baumaterialien und andren tzesundheitlich unbedenklichen Sachen be- nutzt wurde, nunmehr an die Wirtschaftsgenossenschaft der Berliner Grundbesitzer als Einladestelle ftir die Müllabfuhr zu verpachten. Es ist schwer zu glauben, daß eine solche Absicht zur Ausführung gelangen könnte. Die schweren Gefahren, die darin für die Gesund- heit eines der am stärksten bevölkerten Stadtviertels liegen, sind zu augenfällig, als daß nicht die berufenen Aufsichtsbehörden gegen ein solches Vorgehen der Eiscnbahndirektion mit allein Nachdruck Ein- spruch erheben müßten. Gut wird es aber auch sein, wenn auch die Bürgerschaft selbst das ihrige thut, um den Plan noch im Keime zu ersticken. Fcucrbericht. lieber ein Dutzend Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Bald nach Mitternacht wurde sie nach der Kcibclstr. 39 gerufen, weil hier in einer Wohnung Möbel und Kleidnugsstücke Feuer gefangen hatten. Der erste Lösch- zug beseitigte die Gefahr in kurzer Zeit. Ein zweiter Wohnnngs- brand, der durch die Explosion einer Petroleumlampe entstanden war, beschäftigte die dritte Compagnie in der Lützowstr. 17.— Zur selben Zeit mußten in der KI. AndreaSstr. 16 und in der Zimmer- straße 77 Schornsteinbrände beobachtet werden.— In der Lcssing- stratzc 38 war abends gegen 0 Uhr ein Pferd in eine Grabe gestürzt und konnte trotz der größten Anstrengung nicht wieder herausgeholt werden, weshalb man die Feuerwehr herbeirief. Diese befreite das Tier in kurzer Zeit aus seiner unglücklichen Lage.— Decken und Kleidungsstücke gingen später im ersten Stock deS HauseS Krcuzberg- straße 36 in Flammen auf, während in der Prinzenstr. 50 ein Licht- schacht in Brand geraten war.— Unfug am öffentlichen Feuermelder lag einer Alarmierung zu Grunde, die die Wehr nachts nach der Rügenerstratze führte. Der Thäter ist leider unermittelt entkommen. — Außerdem liefen im Lause des gestrigen Tages noch Feuer- Meldungen von dem Pappelplatz, von der Gerichlstraße und noch von einigen andren Orten ei», doch handelte es sich in diesen Fällen durchweg um ganz unbedeutende Anlässe. Orgelkonzert. In der Marienkirche wird Montag, den 5. Septbr.- abends 7'/4 Uhr, der kgl. württembergische Hofopernsänger Herr Albin Günther die Bachsche Kantate„Ich habe genug" fingen. Ferner werden Musikdirektor Otto Dienet, Frau Amin Günther, Frl. Klara Le Prötre, Frl. Theresina Glaeser, das Streichquartett der Herren Merlin, Kronig, Sager und Liebermann und Herr Organist Paul Heuer Komposttionen von Bach, Händel, Haydn, Schubert, Verdi, Gounod, Cesar Franck, Phlleniann uud Dienel bei freiem Eintritt vortragen. Theater. Im R c s i d e n z- T h e a t e r ist der Beginn der heutigen Erstaufführung des französischen Schwankes; Eine Hochzeits- nacht sllwö ru> it. de Noces) aus pünktlich acht Uhr festgesetzt.— Ii» Bellealliance-Theater spielt Guido Thielscher noch bis inklusive Dienstag, den 6. September, die Titelrolle in „Charleys Tante"; auch Bozena Bradzky tritt nach wie vor jeden Abend auf. Die letzte Spccialitäten« Vorstellung im Garten findet Sonntag, den 4. September statt.— Heute, Sonnabend,� geht im Schiller-Theater t). fWallner- Theater)„Pension Schöller" mit Alfred Schmasow als Klapproth in Scene und wird Sonntagabend wiederholt werden; Sonntag- nachmittag werden„Die Räuber" mit Paula Silten und den Herren Georg Pacschke, Max Pategg und Franz Rolan in den Hauptrollen gegeben.— Im Schiller-Theater 17.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater) gelangt heute, Sonnabend, und Sonntagabend SudennannS„Johannisfeuer" zur Aufführung. während der Soimtagnachmittag„Kabale und Liebe" mit den Damen Marie Gundra, Betty Ullerich, Else Wasa und den Herren Friedrich Holthaus, Albert Hübener, Kurt Keller, Max Kirschner in den Hauptrollen bringt._ JJub den Nachbarorten. Charlottenburg. Am Sonntag, den 4. September, findet in den Räumen des Volkshauses, Rosinenstr. 3, das Stiftung sfest des Konsumvereins statt. Das reichhaltige Programm bietet Konzert, Theater, komische Vorträge und andre Belustigungen dar; besonders machen wir auch auf die Mitwirkung des Damenchors „Harmonie" aufmerksam. Ein ganzes Dach gestohlen haben mit besonderer Dreistigkeit zu Werke gehende Gauner im benachbarten Reinickendorf. Sie lockten den Wächter eines der Vollendung entgegengehenden Fabrik- Neubaues vom Hofe und benutzten dessen Ablocsenheit, um den ge- samten Zinkbclag eines Daches abzuheben und ihre Beute auf einem Handwagen unbehelligt wegzufahren. Man vermutet, daß die Burschen der Bande von Telephon- und Telegraphendraht- Dieb- stählen angehören, die in der Schönholzer Heide und den an- grenzenden Ortschaften ihr Unwesen treibt und trotz verschärfter Vorsicht uni» Wachsamkeit immer neue Gelegenheit zu Draht- und sonstigen Materialdiebstählen ausfindig zu machen weiß. Vor dem Betteten des Tegeler Schießplatzes warnt die Ver- waltungskommission. Das Ueberschreiten der Schießplatzgrenzen, das mit Lebensgefahr verbunden ist, zieht Beftrasung nach sich. Diese Grenzen sind nördlich nach der Berlin-Tegeler Chaussee hin durch einen Sicherheitsgraben, südlich nach dem Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal zu durch einen Sicherheitsgraben nebst Drahtzaun bezeichnet._ Gerichts-Zeitung. Ein Erlebnis in der Bolks-Spciseanstalt bildete den Ausgangs- Punkt zu einer Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung, die den Inspektor Moritz Stolle gestern vor die siebente Sttaf- kanuner des Landgerichts I führte. Der Angeklagte ist Geschäfts- führer der in der Neuen Schönhauserstraße 13 belegenen Volksküche der Volks-Kaffee- und Speisehallengesellschaft. Am 13. Mai erschien auf dem zuständigen Polizeirevier die Wäscherin G. in aufgeregtem Zustande und erstattete Strafanzeige gegen den Angeklagten wegen Körperverletzung. Sie behauptete, sie habe in der Volksküche ge» sessen und Kaffee getrunken und dabei ihr Geld, welches sie bei sich trug, nachgezählt. Plötzlich sei der Angeklagte auf sie zugetreten und habe sie mit den Worten:„Sie H..., Sie können auf der Straße krepieren", aufgefordert, sofort das Lokal zu verlassen. Zugleich habe er ihr mehrere Faustschläge in das Gesicht und Stöße gegen die linie Mite versetzt, sie gm Arm gepgcht und hinausgewvrfen. Irgend ein Motiv für dieses Vorgehen vermochte die Beschwerdeführerick, die übrigens eine völlig unbestrafte Person ist, nicht anzugeben. Als der Angeklagte zwei Tage darauf polizeilich vernommen wurde, behauptete er. daß an der ganzen Erzählung kein Wort wahr sei, daß er die G. überhaupt gar nicht kenne und mit ihr ein solches Rencontre nicht gehabt habe. Acht Tage später suchte er einen Rechts- anwalt auf, um ihm die Verteidigung in dem gegen ihn anhängig gemachten Strafverfahren zu übcrttagcn und behauptete auch diesem gegenüber, daß er durchaus unberechtigt beschuldigt würde. Ter Rechtsanivalt belehrte ihn. daß ja dann eine wissentlich falsche An- schuldigung vorliegen würde und erstattete unter Zustimmung des Angeklagten eine dahingehende Strafanzeige gegen die G. In- zwischen beschäftigte sich das Schöffengericht mit der Anklage wegen Körperverletzung. Auf Grund der eidlichen Bekundung der G., die mit der Aussage einer andern Zeugin übereinstimmte, hielt das Schöffengericht den Thatbestand, wie er von der Belastungszeugin geschildert wurde, für erwiesen, und verurteilte den Angeklagten zu 2V M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil hat der letztere Berufung nicht eingelegt, weil nach der Ansicht des Oberinspektors eine solche gegenüber dem Eide der Belastungszeugin nutzlos gewesen wäre und weil die Strafe von der Gesellschaft bezahlt wurde. Das Urteil ist somit rechtskräftig geworden und bildete nun die Grundlage zu der gegen Stolle erhobenen Anklage wegen wissentlich falscher An- schuldigung.— Auch im gestrigen Termin bestritt der Angeklagte entschieden, daß er sich in der geschilderten Weise an der G. ver- gangen habe und behauptete bezüglich seiner Strafanzeige, daß er sich in dieser Beziehung ganz dem Ermessen des Rechtsanwalts an- vertraut habe. Die Hauptbelastungszeugin wiederholte ihre Be- schuldigung und fügte hinzu, daß sie seit der Mißhandlung durch den Angeklagten an Krämpfen leide. Sie wurde auch im Laufe der Veruehnmng von solchen befallen und mußte zeitweilig aus dem Saale gettagen werden. Rechtsanwalt Dr. L ö w c n st e i n stellte später den Antrag, die Zeugin nicht zu vereidigen, da sie unmittelbar nach Uebcrwindung eines solchen Krampfanfalles unmöglich die er- forderliche Zuverlässigkeit biete. Der Gerichtshof lehnte den Anttag ab und vereidigte die Zeugin. Deren Bekundungen wurden von einer Plätterin, die bei dem Vorgange neben der G. gesessen, unter ihrem Eide Wort für Wort bestätigt. Auch gegen die Zuverlässigkeit dieser Zeugin wurden Einwände erhoben, sie ist aber gleichfalls unbesttaft und die gegen sie aufgebotenen Zeugen vermochten Gravierendes gegen sie nicht auszusagen. Zwei andre Besucherinnen der Speise- anstalt bekundeten, daß der Angeklagte auch sie schon in grober Weise hinausgewiesen habe, weil sie sich zu lange bei ihrer Tasse Kaffee im Lokal aufgehalten hätten. Auch ein Schutzmann, der einmal von einer Besucherin zu ihrem Schutze in das Lokal gerufen worden war, ist von dem Angeklagten etwas unsanft behandelt worden. Anderseits wurde dem letzteren von seinem Vorgesetzten und mehreren An- gestellten ein gutes Zeugnis ausgestellt.— Der Staatsanwalt hielt den von der G. geschilderten Vorgang für erwiesen und danach den Angeklagten für uberführt, eine wissentlich falsche Sttafanzeige gegen die G. erstattet zu haben. Er beantragte 3 Monate Gefäng- n i s.— Rechtsanwalt Dr. Löwen st ein beantragte dagegen aus thatsächlichcn und juristischen Gründen die Freisprechung.— Das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis. Der Angeklagte meldete gegen das Urteil Revision an. Folgen eines Streites. Der schwere Roheitsakt, welcher sich in der Mittagstunde des 13. Februar v. I. in dem Restaurant der Markthalle in der Friedrichstraße abspielte, beschäftigte gestern zum zweiten Male die zehnte Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Zu der angegebenen Zeit saßen einige Geschäftsleute, darunter der Blumenhändler Matiske, an einem Tisch, als der Handelsmann Rudolf R e i f u r t h sich zu ihnen gesellte und den Vorschlag machte, eine Weiße auszuwürfeln. Man ging darauf ein. Zwischen Mattske und Reiftirth kam es wegen eines Betrages von 30 Pf. zum Strett, der sich so weit zuspitzte, daß Matiske seinen Gegner Lump und Betrüger nannte. Reifurth sprang von seinem Sitz empor und ver- langte voller Erregung, daß Matiske die Beleidigung zurücknähme. Anstatt dessen wiederholte Matiske die beschimpfenden Ausdrücke. Nun wurde Reifurth dermaßen von Wut gepackt, daß er ein Weiß- bierglas ergiff und es auf dem Kopfe des Matiske zertrümmerte. Der Getroffene, der sich ebenfalls erhoben hatte, sank blutend auf seinen Sitz zurück. Reifurth schlug mit dem spitzen Scherben, den er noch in der Hand hielt, weiter auf Matiske ein, bis diesr ohn- mächtig zu Boden sank. Ter Verletzte hatte über 20 blutende Kopfwunden erhalten, außerdem waren die Finger der linken Hand, Ivelche er zum Schutze über sich gehalten, arg zerschnitten. Er ist 14 Wochen lang im Krankenhaus gewesen, wo man ihm d i e beiden Mittelfinger der linken Hand hat ab- nehmen müssen. Reifurth wurde wegen dieser That zu einer Gefängnis st rafe von 6 Monaten veruteilt. TaS Reichsgericht hob auf die vom Rechtsanwalt Dr. Schwindt ein- gelegte Revision das Urteil auf und verwies die Sache an die Vor- instanz zurück. In der erneuten Verhandlung traten einige neue Momente zu Tage, welche teils für, teils gegen den Angeklagten sprachen. Dieser behauptete, daß Matiske ihm mit zwei gespreizten Fingern nach den Augen gestoßen und ihn auch, wie er durch ärzt- liches Attest bciveisen könne, verletzt habe. Dann erst habe der An- geklagte das Weißbierglas ergriffen und in blinder Wut damit ge- schlagen. Eine Anzahl Zeugen bestätigten auch, daß der Angeklagte. ein sonst sehr ruhiger Mann, in hohem Grade gereizt worden sei. Auf Grund dieser Aussagen bemühte sich der Verteidiger, Rechts- anwalt Dr. Schwindt, den Nachweis zu erbringen, daß der An- geklagte, namentlich in betreff des ersten Schlages, sich im Zustande der Notwehr befunden habe und deshalb milder beurteilt werden könne, wie es vom Vorderrichter geschehen sei. Es sei ferner zu berücksichtigen, daß dem Angeklagten voraussichtlich eine schwere Geldbuße auferlegt werden würde. Er habe dem Verletzten bereits 1000 M. Entschädigung geboten, der letztere verlange aber eine weit höhere Summe. Der Staatsanwalt beantragte wiederum sechs Monate Gefängnis und Justizrat Stadlhagen als Vertreter des Nebenklägers Matiske trat diesem Antrage bei. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß die erneute Beweis- aufnähme sich doch etwas günstiger für den Angeklagten gestaltet habe und deshalb das Strafmaß auf vier Monate Gefäng- n i S zu ermäßigen fei._ Versammlungen. Rummelsburg. In Ergänzung des Berichts über die Versamm- lung vom Dienstag über den internationalen Kongreß wird uns folgendes mitgeteilt. Bei der Frage der Maifeier legte Genosse Stadthagen dar: Eine Gegnerschaft zwischen Gewerlschaft und Partei gebe es und könne es auch bei dieser Frage nicht geben. Wohl aber, und das müsse ausgesprochen werden, denn verschiedene Strömungen lassen sich dadurch nicht aus der Welt schaffen, daß man sie verwischt oder verschweigt, existiert in dieser Frage ein Gegensatz zwischen der fast einheitlichen Auffassung der gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeiter und einigen Beamten der Gewerkschaft. In der deutschen Delegation in Amsterdam seien einige deutsche Delegierte. zu des Referenten Verwunderung über 20, gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai aufgetteten. Abgesehen von kleinkrämerlichen Bedenken rückständigster Art sei das Verantwortlichkeitsgefühl gegen die ArbeitSruhe ins Treffen geführt. Man ftage sich dem gegenüber verwundert, ob denn daS Verantwortlichkeitsgefühl nicht auch früher und vor allem. ob eS nicht bei den einzelnen Arbeiten! und ihren Organisattonen vorhanden gewesen sei. Eine durchaus unzuläffiae, mit dem Ge- danken einer Selbstverwaltung und einer Selbstbestimmung un- vereinbare Bevormundung liege in dieser Betonung einer Verant- wortlichkeit für das Vorgehen der mündigen Arbeiter. Gerade die Maifeier lege in wachsenden, Maße Zeugnis von dem Verantwort- lichkeitSgefühl und dem Selbstbewußtsem der feiernden Arbeiter ab. Erfreut, aber auch erstaunt sei Referent gewesen, als er am VortragStage im„Vorwärts" las, daß zwölfhundert VerttauenSlente des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes sich für die ArbeitSruhe ausgesprochen und ihre Resolutton ihren Verttetern m Amsterdam übern, ittelt hatten. Der deutschen Delegatton sei von folchem Telegramm nichts mitgeteilt; im Gegenteil sei von den in könne. Vermischtes. Briefkaften der Redaktion. Thiel- Tempelhof. Wenden Sie sich an die Nedaktion des Abstinenten Zur Flucht der Prinzessin von Koburg liegen feine bemerkens- Arbeiters", Georg Davidsohn, NO. 55, Helnersdorferstr. 8. werten Nachrichten vor. " Juriftifcher Ceil. Karl 831. 1. Die Mutter Betracht kommenden Delegierten gegen Arbeitsruhe gesprochen. Bei der Frage des Generalstreits sprach Referent sich gegen die Intoleranz aus, die sich in einigen Kreisen gegen die Diskussion der Friedebergschen Anschauungen geltend gemacht habe. Soweit die Generalstreitsidee als politisches Mittel oder als GegenPetit bleu" veröffentlicht einen längeren Artikel über die Flucht fatz gegen den Parlamentarismus, man weder übernoch unterschätzen solle, in Betracht komme, halte Referent mitgeteilt wird: Bereits im Dezember 1902 hatte Graf Mattachich der Prinzessin Luise, worin über das Entstehen des Planes folgendes von 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends sie für verfehlt. Diese Ueberzeugung habe sich ihm aus ein Komitee organisiert, das sich an eine belgische Gruppe wandte nicht zu; doch kann sie sich an den Magistrat wenden. 2. Nein.- A. C., N. S. N. Ja. der Geschichte der Generalstreiksidee aufgedrängt und fei durch die mit dem Ersuchen, die Flucht der Prinzessin moralisch und auch Rigdorf. 1. Nein. 2. Unverständlich. Josephstraße. 1. Ein Anspruch steht dem Mädchen belgischen Vorgänge im Jahre 1902 noch verstärkt worden, wenn materiell zu unterstützen. Statt allgemeiner Darlegungen gleich vielleicht die damalige Haltung der Führer das Urteil trüben unter der Bedingung, daß die Prinzessin nach Belgien gebracht, wo wollen. 3. Ja. Diese belgische Gruppe sagte anfangs zu sollten Sie den speciellen Fall darstellen, über den Sie Auskunft haben W. K. 15. 1-3. Ja. Zu scheiden sei zwischen Generalstreit und Massenstreit sie verschiedenen Psychiatern zur Untersuchung ihres Geisteszustandes tann Herausgabe ihres Kindes verlangen. 2. Die Armenverwaltung kann Weder das eine noch das andre könne je das Mittel zum Zweck übergeben werden sollte. Die Liga der Menschenrechte hat sich eben- Erstattung des von ihr für ein uneheliches Kind Verauslagten von dem sein. Ein solches gebe es nicht und könne es nicht geben: in Bereit falls mit der Flucht der Prinzessin beschäftigt und in einem Berichte 2. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes, mit Datum versehenes schaftsein für alle möglichen Mittel sei alles. Die auf dem Amster- heißt es, daß mehrere Socialistenführer im österreichischen und Testament ist gültig. alimentationsverpflichteten Erzeuger beanspruchen. 2. S. 100. 1. Ja. Damer Kongreß angenommene, von der Genossin Holst in glänzender, deutschen Parlament sich der Sache der Prinzessin annehmen und sie Sogenannte Testamentszeugen sind entbehrlich. eindringlicher, flarer Weise begründete Resolution über den General zur Sprache bringen würden. Auch die französische Liga der Menschen- mögen so genau anzugeben hat, als er dazu im stande ist. Das gegen Stein. Der Offenbarungseid geht dahin, daß der Schwörende sein Ver und Massenstreit treffe das richtige. rechte gab ihre Zustimmung zu der Flucht. Der Pariser Korrespondent wärtige Vermögen, nicht was man früher mal besessen hat, ist anzugeben. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 4. Septbr., vorm. 8, Uhr des Petit blen" teilt seinem Blatte mit, daß Graf Mattachich ihm ist aber ein Teil des Vermögens nur zum Schein oder sonst ungültig, in der Schul- Aula, Kleine Frankfurterstr. 6: Versammlung. Freireligiöse Einblick in verschiedene Briefe gegeben habe, wonach am 15. Juni etwa, um dem Gläubiger ein Schnippchen zu schlagen, veräußert, so gehört Borlesung. Um 10 Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn eine Dienerin, die der Prinzessin sehr zugethan war, sich im Hotel 9 A. Berlin. Wollen Sie für einen bestimmten Fall Auskunft, so müssen dies scheinbar Beräußerte zum Vermögen und ist mit anzugeben. Professor Dr. Albert Gehrke:" Rezergerichte". Gäste, Damen und Herren, zur Grünen Weide einlogierte, das nur durch die Eisenbahn von Sie genaue Angaben über die Höhe und Anzahl der eingeklebten Marken sehr willkommen. Humanistische Gemeinde, Niederwallstr. 12. Sonntagvormittag der Heilanstalt getrennt war, worin sich die Prinzessin befand. Auf machen. Die allgemeinen Vorschriften über die Höhe der Rente und ihre 10% Uhr: Vortrag von Dr. Rudolf Benzig. diese Weise habe mit der Kammerjungfer als Vertreterin des Grafen Geltendmachung finden Sie Seite 318 bis 324 des in den öffentlichen LeseSocialdemokratischer Agitations. Verein für den Reichstags: Mattach ich einerseits und der Prinzessin andrerseits ein vollſtändiger ballen ausliegenden Arbeiterrechts.- Alter Genoiſe, Grabowſee. Wahlkreis Züllichau Schwiebus Krossen: Sommerfeld. Sonn Meinungsaustausch stattgefunden. Weiter wird noch berichtet, daß Schreiben Sie der Armendirektion, daß Sie Zahlung ablehnen, weil nicht abend, den 3. September, abends 8,2 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- die Schwester der Prinzessin Luise, Prinzessin Stefanie, sich mit Sie, sondern die Krankenkasse zahlungsverpflichtet ist. Wenden Sie sich Ufer 15, Saal 7: Bersammlung. Tagesordnung: 1. Die politische Be- ihrem Gemahl in St. Moritz in der Schweiz befinden, und man ferner an die Gewerbedeputation mit dem Antrag auf Verurteilung wegung im Streise und die Aufgaben des Agitationsvereins.( Referent: nimmt an, daß die Flüchtigen sich dorthin gewandt haben. der Kasse. Gegen deren Entscheid ist gerichtliche Klage zulässig. Genoffe Baech- Schwiebus.) 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Aufnahme neuer Mitglieder. Bon durchaus glaubwürdiger Seite erfahren die, Dresdener Parteigenossen! Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Genossen aus dem Nachrichten": Am Tage vor der Flucht der Prinzessin hatte ein Kreise, hauptsächlich der Bauhandwerker, in dieser Versammlung zu er Herr das von ihr verlassene Parterrezimmer gemietet. Dieser ist scheinen, um Berbindungen der einzelnen Ortschaften zu erhalten. mit ihr zugleich verschwunden. Er war schon kurze Zeit vorher in Socialdemokratischer Agitations- Verein für den Reichstags: Elster anwesend, hatte in einem kleinen Häuschen in dem Ortsteil Wahlkreis Stralsund- Franzburg- Rügen. Sonnabend, 3. Septbr., Kessel, einem Teil des alten Dorfes Elster, gewohnt und sich auf abends 8 Uhr, bei Ramlow, Schönhauser Allee 135: Bersammlung. dem Badeplatz durch Ausführung von Taschenspielerstückchen be- nicht durchstrichen haben, so würde wohl angenommen werden, daß Ihre Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. Um zahlreiches merkbar gemacht. Er verkehrte mit einer Dame, die gleich Erscheinen ersucht Der Vorstand. Hilfskaffe der Graveure, Giseleure und verwandten Berufsgenossen falls im Dorfe und zwar bei einem Fuhrwerksbefizer wohnte. Er Berlins tagt jeden 1. Montag im Monat im Restaurant Elyze, Luisen- Ufer 1, bei dem genannten Fuhrwerksbefizer für die Nacht vom 30. zum soll ein Graf sein. Dieser Herr und diese Dame haben abends 8 Uhr. Verein der Buchdrucker und Schriftgieker für Rigdorf- Brig. 31. August zwischen 2 und 3 Uhr einen Wagen bestellt. Sie wollten Sonntag, den 4. September, nachmittags 2 Uhr, in der Vereinsbrauerei: im Mondenschein nach Eger fahren. Der Besizer mußte deshalb die Bersammlung mit Bortrag. Pferde den Tag über im Stalle stehen lassen. Der Kutscher ist Verein für die Intereffen der Hausangestellten. Sonntag, den gestern zurückgekehrt. Nach seiner Aussage hat er unterwegs den 4. September: Ausflug nach Grunewald, Restaurant Waldpark. Abfahrt Befehl erhalten, nicht nach Eger, sondern nach Hof zu fahren, von 4 Uhr Bahnhof Zoologischer Garten. wo die Prinzessin mit ihrer Begleitung, zwei Herren, nach München weitergereist sei. = Eingegangene Druckfchriften. In Wien ist man überzeugt, daß das Paar bereits in Frankreich weilt. Der Hof will in der Angelegenheit keine Schritte unternehmen. " Das Gewerbegericht", Monatsschrift des Verbandes Deutscher Geterbegerichte. Herausgeber: Dr. Jastrow( Privatdocent, Stadtrat), Charlottenburg- Berlin, Dr. Flesch( Stadtrat), Frankfurt a. M.( Verlag von Georg Prinzessin Luise von Koburg dort angekommen. Wien, 2. September. Nach Privatmeldungen aus Zürich ist die Zwischen dem Reimer in Berlin). Die Zeitschrift enthält in Nr. 12 des 9. Jahrganges Vertreter des Prinzen von Koburg, Bacharach, und dem Anwalt von außer der Rechtsprechung in deutschen Gewerbe- und Berufungsgerichten ( Stiel, Solingen, Cannstatt, Cleve, Dortmund) u. a.: Aus den Jahres- Mattachich, Stimer, fand eine Konferenz statt behufs Anbahnung eines berichten der Gewerbegerichte. Von Stadtrat Dr. Flesch. Berfassung und gütlichen Vergleichs beider Parteien. Verfahren: Das Gewerbegericht Solingen und die Verhältniswahl. Die Brüssel, 2. September. Nach Pariser Informationen des Petit erste Berhältniswahl in Offenbach. Recht des Arbeitsvertrages: Die bleu" find Freunde der Prinzessin Luise von Koburg damit beRechtsstellung der Gärtner. Von Redakteur Albrecht. Mitteilungen schäftigt, dort eine Wohnung für sie zu mieten und zu möblieren. betr. Kaufmannsgerichte: Statutenentwürfe für die Kaufmannsgerichte in München und Augsburg. Litteratur: Apt, Reichsgesetz betr. Kaufmannsgerichte. Die falls die Umstände nicht mehr vorliegen, die zur Fortnahme des Kindes J. J. 20. 1. Ihre Frau kann Herausgabe des Kindes verlangen, geführt haben. Sie würden am besten im Einvernehmen mit dem Vormund oder durch Eingabe an das Vormundschaftsgericht die Herausgabe erwirken, falls Sie darlegen, daß es im Interesse des Kindes liegt. Bur Bahlung der vom Waisenhaus oder von der Gemeinde berauslagten Gelder sind Sie als Stiefvater nicht verpflichtet. 2. Die Klage gegen Sie würde Aussicht auf Erfolg haben.- M. G. 4. Da Sie das gedruckte Verbot mündliche Bereinbarung( falls Sie nicht das Gegenteil beweisen) das Recht auf Rücknahme der Einwilligung nicht ändern sollte. Ihr Wirt ist aber Sie eventuell auf Anerkennung Ihres Rechts oder laffen Sie es auf eine nicht berechtigt, Entlassung der jezigen Aftermieter zu begehren. Klagen lage ankommen. M. 2. 1000. Nein. 3. 11. 111. Ja. D. R. 70. Dhne gerichtlich zu bestätigenden Adoptionsvertrag würde der Kosten wäre aussichtslos. Ihre Absicht unausführbar sein. G. F. 20. Ein Antrag auf Erstattung Zahlung des Pfandes gegen Rückgabe der Flaschen flagen. R. P. 24. Sie könnten lediglich auf und 2: Sie haben angemessene Beit zum Aufsuchen einer neuen ArbeitsR. R. M. stelle zu beanspruchen. Was angemessen ist, ist im Streitfall durch das Gericht festzustellen. 3. Ein Anspruch auf ein Zeugnis steht Ihnen in der Regel von der Kündigung ab zu. Marktpreise von Berlin am 1. September. Nach Ermittelungen des fgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Centner: Weizen**), gute Sorte 17,80-17,78 9., mittel 17,76-17,74., Roggen), gute Sorte 13,80-00,00 M., mittel 00,00-00,00 M., geringe geringe 17,72-17,70. bis 13,50 M., geringe 13,40-12,60 m. Hafer*), gute Sorte 16,60-15,80 m., 00,00-00,00. Futtergerste*), gute Sorte 15,20-14,40 m., mittel 14,30 mittel 15,70-14,90 M., geringe 14,80-14,10 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-28,00 9. Speisebohnen, weiße 50,00-26,00 m. Linsen 60,00-25,00. Sartoffeln, 12,00-7,00. Richtftroh 0,00-0,00 M. Heu 0,00-0,00 9. Für 1 Kilogramm Butter 2,60-2,00 M. Eier per Schod 4,00-2,80 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. # Witterungsübersicht vom 2. September 1904, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer. stand mm Wind richtung Windstärke Better Zemp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Barometer. Wind. richtung Windstärke Metter Bom Leipziger Belzwarendiebstahl. Wie die N. PelzwarenZeitung" erfährt, ist es der Leipziger Kriminalpolizei gelungen, einen Der Arbeitsmarkt", Halbmonatsschrift der Centralstelle für Arbeits- großen Teil der vor kurzem bei Heinrich Lomer u. Co. mittels ver- Dresden Wafferstand am 1. September. Elbe bei Ausfig 0,87 Meter, bei martt- Berichte( Herausgeber Dr. J. Jastrow, Berlin, Berlag von G. Reimer). wegenen Einbruchs gestohlenen Felle, wobei den Dieben Zobel, Chin Straußfurt+0,60 Meter. Dder bei Ratibor+0,76 Meter, bei Breslau 2,22 Meter, bei Magdeburg- 0,08 Meter. Unstrut bei Die als Drgan des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende chilla und Nerze im Werte von über 100 000 m. in die Hände fielen, Ober- Begel+4,50 Meter, bei Breslau Unter Begel Zeitschrift enthält in Nr. 23 des 7. Jahrganges unter anderm: 1,70 Meter, bei Durchführung des französischen Stellenvermittelungs- Gesezes. Bon Charles 3 ermitteln und die Diebe hinter Schloß und Riegel zu bringen. Frankfurt+0,14 Meter. Weichsel bei Brahemünde+1,75 Meter. Picquenard. Allgemeines: Internationaler Arbeitsmarkt.- Der preußische warendieb einem auswärtigen Fabrikanten Felle angestellt hatte. Es war der Polizei bekannt geworden, daß ein bekannter Rauch- arthe bei Posen 0,22 Meter. Nete bei Usch+0,31 Meter. Gefeßentwurf zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse. Fünfzehnter internationaler Bergarbeiter- Kongreß. Erhebungen über die Lohn- Als nun der Dieb, ein 27 Jahre alter Rauchwaren Zurichter beschäftigung bei Schulkindern. Eisengewerbe: Lage im Roheisengewerbe. aus Groß- 3schocher, im Begriff war, dem erwähnten FabriNtombinationsbetriebe und reine Hochofenwerke. Beschäftigungsgrad der im fanten zwei Patete abzuliefern, wurde er festgenommen und Stahlwerksverband bereinigten Werke.. Baugewerbe: Die Bauarbeiter- es ergab sich, daß der Inhalt, der einen Wert von 30 000 m. Aussperrung im Mainthal. Statistisches Monatsmaterial: Interhatte, ein Teil der bei Lomer gestohlenen Felle war. Nun erfolgte nationale Streifstatistik. Börseturse. Haushaltskosten. Konsum: Lebensmittelpreise im August. Litterarische Neuerscheinungen. Mit sofort die Verhaftung des Diebes und gleichzeitig die seiner MitTeilungen aus deutschen Arbeitsnachweis- Verbänden: a) Amtliche Bekanntschuldigen. Es waren dies ein 42jähriger Cigarrenarbeiter aus machung: Verband deutscher Arbeitsnachweise. Beitrittserklärungen. Linden- Nauendorf, sowie ein schon mit 13 Jahren Zuchthaus bestraft Stinemde. 763 DGD 2heiter b) Sonstige Mitteilungen: Konferenz der Leiter der oberbayrischen gemeind- gewesener Färber aus Groß- Doelzig, der mit einem Zurichter Hamburg 763 23 lichen Arbeitsämter. Schulz in Schkeudig seiner Zeit für 40 000 M. Bobelfelle mittels Berlin 762 S schweren Einbruchs gestohlen hatte. Zu der gefährlichen Bande Frankf.a.M. 765 S gehört ferner ein ebenfalls mit Buchthaus vorbestrafter 45 Jahre Bien München 768 23 alter Arbeiter aus Galizien, sowie ein Ofensezer aus Finsterwalde. Es ist erfreulich, daß es der rührigen Leipziger Kriminalpolizei endlich gelungen ist, diesen Aufsehen erregenden Diebstahl durch Fest- teine erheblichen Niederschläge. nahme der Verbrecher zu ahnden. Dr. Zacher, Arbeiterversicherung im Auslande. Heft III a. Die Arbeiterversicherung in Norwegen. Preis 3,60 M. Berlin- Grunewald. 1904. A. Troschel. Romacker, Reichsversicherung. Preis 30 Pf. Berlin- Grunewald. 1904. Verlag der Arbeiterversicherung A. Troschel, Gillstr. 5. Regiments Judiskretionen von Teo von Torn. Preis broschiert 3 M., gebunden 4 M. Verlag von W. Vobach u. Co. Berlin N 4. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 3. September. Neues fönigl. Opern Theater. Geschlossen. Anjang 7, Uhr: Opernhaus. Die weiße Dame. Deutsches. Troilus und Cressida. Berliner. Zapfenstreich. Leffing. Rose Bernd. Westen. Der Troubadur. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Pension Schöller. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Johannis. feuer. Central. Tannhäuser, Sängerkrieg. oder der Neues. Der Kammerfänger. Salome. Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Kleines. Fräulein Julie. Carl Weiß. Der Weg zum Herzen. Trianon. Ihr zweiter Mann. Metropol. Ein tolles Jahr. Belle Alliance. Charleys Tante. Luisen. Hasemanns Töchter. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Apollo. Venus auf Erden. Speciali täten. Herrnfeld Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage Theater. La belle Georgette. Specialitäten. Anfang 5 Uhr. Urania. Taubenstraße 48/49. Im Theater: Von der Zugspike zum Wagmann. Invalidenstraße 57/62. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Sonnabendabend 8 Uhr Pension Schöller. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater) Sonnabendabend 8 Uhr: Johannisfeuer. Temp. n. T. 5° C. 4° St. 15 Haparanda 765 NNW 2bedect 11 2 bedeckt 16 Petersburg 762 NND 1halb bd. 12 2wolfen! 16 Cort 3bedeckt 14 Aberdeen 761 SS 3Dunst 14 4Regen 10 Baris 767 N 1bedeckt 14 762 23 4 bedeckt 14 Wetter- Prognose für Sonnabend, den 3. September 1904. Ziemlich warm, vielfach heiter bei schwachen südwestlichen Winden; Apollo- Theater. 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Boffe in 3 Aufzügen von Starl Laufs. Schauſpiel in 4 Utten von Hermann Venus auf Erden. Sternwarte InvalidenPANA Nach einer Jdee von W. Jacoby. str. 57/62. Sonntagnachmittag 3Uhr: Die Räuber. Sonntagabend 8 Uhr: Pension Schöller. Montagabend 8 Uhr: Johannisfeuer. CASTAN'S ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Rosa Cirkus das gelehrte Pferd! Z COOLOGISCHER CARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., ab 6 Uhr 50 Bf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. In der Arena: Der See- Elefant. Eintritt vom Garten 20 Pf., von der Straße 30 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a- 5. Salome. Stern- Borher: Der Kammersänger. warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Anfang 8 Uhr. Sonniag: Der Strom. Belle- Alliance- Theater. Heute bis Dienstag abends 8 Uhr. Guido Thielscher als Charleys Tante. Fräulein Julie. Sin 3. att Bozéna Bradzky mit neuen Anfang 8 Uhr. Sonntag: Elektra Chansons von Dstar Strauß. Im Garten: Heute letztes Sommernachtsfest verbunden m. Specialitäten. Sarrafani. Grösster und elegantester Zelt- Cirkus Europas. Täglich neu! Hänschen, das Sudermann. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. Sonntagabend 8 Uhr: Johannisfeuer. Montagabend 8 Uhr: Medea. Im vierten Bild Einlage Hans, das denkende Pferd, Berliner Wetterbureau. Fröbels Allerlei- Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Ab 1. September nur noch Sonntags, Montags und Mittwochs Vorstellung. Nächste Vorstellung Sonntag, 1. September. 4. Extra- Tanz. vorgeführt von Robert Steidl als Anfang 4 Uhr. Herr von Süd- Osten, assistiert von Martin Kettner und Arnold Rieck. Ab 92 Uhr: Debüts der neuen grandiosen September Specialitäten. National- Theater. Casino- Theater Weinbergsweg 12a- 13b. Lothringerstr.37. Anf. Wch.8, Sonnt.72 Eröffnungs- Vorstellung: Sonnabend, den 3. September: Figaros Hochzeit. Eröffnungs- Vorstellung! Eröffnungstag wird noch bekannt Das glänzende Eröffnungsprogramm gegeben. Abonnements werden bis Festspiel:" Die Kunst dem Bolke. 15. September täglich im Theater: 9%, uhr: Mutter Gräbert". bureau entgegengenommen. 25/ 13* Metropol- Theater Residenz- Theater. kluge Pferd. Josef Giampietro a. D. Central- Theater Henry Bender, Josef Josephi. Heute Anfang 8 1hr Tannhäuser oder der Sängerkrieg. Burlesque- Operette in 4 Atten von Joh. Nestroy und Karl Binder. Sonntagnachmittag: Die Geisha. Abends 7 Uhr: Tannhäuser. ( Operette). Luisen- Theater. Anton Grünfeld, Frid Frid. Der größte Erfolg dieses Jahres Sonnabend, 3. September: Eröffnungs- Vorstellung der Dir. Richard Alexander. Zum erstenmal: Eine Hochzeitsnacht. ( Une Nuit de Noces.) Anfang 8 Uhr. Sonntag und folgende Tage: Eine Hochzeitsnacht. Ein tolles Jahr. Trianon- Theater. Gr. dramatisch- satirische Revue Georgenstraße zwischen Friedrich- und in 5 Bildern. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Universitätsstraße. Bum erstenmal: Ihr zweiter Mann. ( Second Ménage.) Der Hüttenbefizer. Deutsch- AmerikanischeSuftspiel in 8 liften von Andre Syloane Stathen bon Seilbronn, Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Abends 8 Uhr: Bon Stufe zu Stufe. Montag: Julius Caesar. Gastspiel G. H. Hader. Dienstag: Von Stufe zu Stufe. Mittwoch: Das Käthchen von Heilbronn. Donnerstag zum erstenmal: Der Goldbauer. Köpenickerstr. 67. Heute abend 8 Uhr! Gastspiel Adolf Philipp. Ueber'n Zum 321. Male: GROSSEN TEICH 3 und Maurice Froyez. Deutsch von May Schoenau. Anjang 8 Uhr. I Köpenick. Eintritt 30 Pf. Passage- Theater. Anf. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. die Erschaffung eines Weibes aus dem Nichts. Pocahuntas, Dida die indische Nachtigall. Littke Carlsen, Karikaturen. Lucie Verdier, Vortragskünstl. Joan Paul, Komiker. 14 neue erstklassige Nummern. Seala- Theater. Linienftr. 132( a. d. Friedrichstr.) Sensationelles Programm! Löwy's Duell. Bosse mit Gesang in einem Aft, fowie 30 internation. Specialitäten. Anfang 7, Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Gr. Extra- Vorstellung zum Benefiz für die Hauskapelle. Die Tochter des Heimgekehrten. Außerdem das Sensations- September- Programm. Im Saale: Echten alten Kottbuser Gr. Elite- Ball. Korn zu haben bei Aug. Tauchert, Gastwirt, Müggel- Entree 30 Pf. Numerierter Plak 50 Pf. heimerstr. 4. 57972* Orchesterplatz 75 f. W. Noacks Theater. Die oberen S Victoria- Brauerei Achtung! Kistenmacher. Adfung! Search Waver Diveftion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Zehntausend. Sittengemälde aus dem Berliner Leben in 3 Atten von H. Müller. Dazu die vorzüglichen Specialitäten. Anfang 6 Uhr. Bei schlechtem Wetter Vorst. im Saale. Gebrüder Herrnfeld- Theater. ( XIII. Berliner Winter Saison.) Nur eine Nacht. Bwei Atte aus einer Ehe. Am andern Morgen. Nachspiel zu„ Nur eine Nacht". Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Kassen- Eröffnung 7Uhr. Vorverkauf täglich 11-2 Uhr. Der große Naturgarten ist geöffnet. Diez' Specialitäten- Theater. Ob schön! Landsberger Allee 76/79. Dirett Ringbahnstation. Täglich Db Regen! im herrlichen Garten od. gr. Saal: das neue fonkurrenzlose Brogramm, 33 Sensations- Nummern, u. a.: Peter Bügler mit seinem fonkurrenzlosen Dressuraft: 3 Riesen- Bären und 1 Dogge, u. a. Ringkampf des Dompteurs mit den größten Bären. Orig. Darnet- Truppe( 5 Perf.), Akrobat. mit Sprung- Schleuderbrett. Zenta Demeter, die famose Soubrette. Ada u. Ottfried Relay," Duett neuester Richtung". Köhley- Trio, fenfat. Hochturnkünstler. Anton Hildach, Humorist. Orig. The Elrados, fom. Redakt uſtv. Kaffeeküche. Bolksbeluftigungen. Bis 2 1hr: Ba 11. Entree 20 ẞf. Sonntags 30 Pf. Lützowstr. 111/112. Täglich im Garten oder Saal: Horsts Sonnabend, den 3. d. M., abends 8%, Uhr, in den ,, Andreas- Festsalen", Andreasstr. 21: Oeffentliche Socialdemokratisch. Wahlverein Friedenau. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser erster Vorsitzender, Versammlung. Rudolf Jungnitsch 103/14 ages Drdnung: 1. Bericht der Lohnkommission über die stattgefundenen Verhandlungen Norddeutsche mit den Fabrikanten. 2. Distusfion. Alle Kollegen müssen erscheinen, denn es gilt das Sein oder Nichtsein eines einheitlichen Tarifs. Die Lohnkommission. NB. Die Zahlstellen des Vereins bleiben der Versammlung wegen an diesem Abend geschlossen, jedoch tönnen Beiträge vor Beginn der Versammlung entrichtet werden. D. D. Humoristen und Quartett- Sänger. Anf.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Bons haben Gültigkeit. Berliner Plater Theater Kasten Allee 7.9 Täglich: Der rechte Weg. Hermann Wehling, Humor. Olly Marietta, Soubrette. Boeren- Schüzen van Niekerk u. Du Plessis. Ein Liebes- Idyll, Pantomime. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. Im großen schattigen Naturgarten jeden Abend 8 Uhr: 72. Club- Haus Kommandanten- Strasse No. 72. Jeden Sonntag: 1282* Grosser Ball. Gimpfehle meine drei Festfäle zu Deutscher Metallarheiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bersammlungen u. Feftlichkeiten. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Bimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Habe noch Sonnabende und Sonntage frei. H. Ebert. Kinderwagen neu! hochelegant! unverwüstlich und beispiellos billig, weil direkt v. der ältesten, größten sächsischen Kinderwagenfabrik J. Trethar, Grimma 134 Mein KatalogDein Ratgeber. Sage beim Katalogverlangen, ob gegen Bar mit 10% Rabatt, od. bequeme Teilzah!. gewünscht Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere Konzert.eleg. fertige Herren- Moden. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann- Walde- Sänger. 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Branchenangelegenheiten. 3. Ber schiedenes. Montag, den 5. September, abends 8 Uhr: Versammlung der Galvaniseure, Hilfasrbeiter und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshaufe, Engel- Ufer 15, Saal 7( Seitenflügel). Tages Ordnung: 1. Welche Fortschritte hat die Tarifbewegung gemacht und welchen Wert hat ein Zarif für uns Galvaniseure? Referent Sollege Wücke. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! Wir wissen, daß die Lohn- und Arbeitsbedingungen in unsrer Branche schlechte sind, wir wissen auch, daß alle das Bestreben haben, ihre Lage zu verbessern, aber bei diesem losen Zusammenhang der Kollegen, wie bisher, ist es unmöglich, etwas zu unternehmen. Wir möchten deshalb die Kollegen und Kolleginnen ersuchen, da au forgen, daß alle Männer wie Frauen erscheinen und uns die Hand bieten zu bem, was wir erfireben. habt. Der Besuch der Versammlung wird uns zeigen, ob Ihr Interesse daran in nur wirtl. Hochfeinst. Ware M. 6,40 franto. Nachnahme. G. 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Bortrag des Kollegen H. Barenthin über: Lokal- oder CentralOrganisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht der Kollegen pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Mittwoch, den 7. September, abends 7 Uhr: Bezirks- Vertrauensmänner- Sitzung. Donnerstag, den 8. Sept., abends 8 Uhr, bei Schulz, Blumenstr. 38: Ausserordentliche Vorstands- Sitzung. " am am 31. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 4. September, nachmittag 5 Uhr, von der Leichenhalle des Friedenauer Friedhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. 204/2 Central- Verband d. Zimmerer Deutschlands Zahlstelle Berlin u. Umgegend Allen Kameraden zur Nachricht, daß unser Mitglied Jakob Holl am Montag, den 29. August, bei der Arbeit tödlich verunglückte. Ehre seinem Andenken!] Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. September, nachmittags 4 Uhr, auf dem Golgatha- Kirchhof in der Barfusstraße statt. Um rege Teilnahme bittet 255/5 Der Vorstand. Am 1. d. Mts., nachm. 33, Uhr, verschied nach längeren schweren Leiden unsere liebe Mutter, Witwe Auguste Baudisch geb. Schneider im 73. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stilles Beileid Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonntag, den 4. September, von der Halle des Elisabeth Kirchhofes in der Prinzen- Allee aus statt. Todes- Anzeige. 863b Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau +148 Anna Walle geb. Schumajuski Donnerstag früh 3 Uhr berstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle in Weißensee, Röllestraße, aus statt. Paul Walle nebst Kindern. Danksagung. Allen Verwandten und Bekannten fowie dem Gesangverein Männer chor Dsten", dem Agitationsflub Often" und dem Socialdemokratischen Wahlverein für den vierten Berliner Wahlkreis( Dsten), Stadtbezirk 181d, für die zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Richard Eschenwecker unsern herzlichsten Dant. 8695 Die trauernde Mutter und Söhne. Arbeiter- Radfahrer- Verein Rixdorf. Mitglied d. Arbeiter- Radfahrer- Bundes " Solidarität". RIXDORF 1897 Kollegen! Da täglich mehrere Stellen auf unsren Arbeitsnachweisen Sigung: Thiels unbesetzt bleiben, weil nicht genügend Arbeitslose vorhanden sind, wird hier Festsäle, Bergim besonderen darauf hingewiesen, nur folgende vom Verband der ftraße 151-152, jeden Möbelpolierer" eingerichteten Arbeitsnachweise zu benuhen, welche Montag 9 Uhr. 25/4 fich in folgenden Lokalen befinden: für Osten bei Schulz, Blumenstr. 38, für Tour: am 4. September Südosten bei Tzschacksch, Naunynstr. 6, für Norden bei Maass, Brunnens mittags 1 Uhr, Rahnsftraße 96, für Weissensee bei Gartz, König- Chauffee 55. dorfer Mühle; 11. September 1 Uhr, Sangestundige Kollegen, welche gewillt find, zum diesjährigen Baumschulenweg; 18. September 10 am 8. Oftober ftattfindenden Stiftungsfest mitzuwirken, werden ersucht, fich Uhr nach Erfner; 25. September furterstraße 133( früher Gold) einzufinden. 2. Dttober 1 Uhr nach Zehlendorf. Schauspiel in& alten von Diefer steife, schwarze gut mit Butter, Cylinderhüte u. Chap. claques Sonntag von 10 bis 12 Uhr zur Uebungsstunde im Lokale Große Frank Ube nach Brufendorf, dibelagd; Mittwoch, born 7. Septör.: moderne soum, koffet M. 1.90. in großer Auswahl. Die Maurer von Berlin. Boltsstud m. Gef. b. Pohl. Die Borstellungen finden Special- Hut- Engros- Lager, nur neueste Moden. Abteilung für den Einzelverkauf 5915L jeben Dienstag und Millivom regel Neue Königstr. 48, 1 Treppe, mäßig statt. 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Drama in Sein Freund Patroklus unterhielt ihn durch fade Späße, wenn nicht Schönheit dem homerischen Vorbilde gleichkommt oder es noch über5 Aufzügen von Shakespeare, für die deutsche Bühne be- durch Schlimmeres. Der gewaltige Ajay ist ein hirnloser Tollpatsch, ragt? Eine einzige Scene giebt es, die sich allenfalls vielleicht so arbeitet von Paul Lindau. Mit einem interessanten, dankens- ein Muskelmensch mit Borermanieren, der in stupider Eitelkeit jedes deuten ließe, daß auch Hektor in des Dichters Augen ein Verblendeter werten Experimente, das, nach der fühlen Premiere- Aufnahme zu hinterhaltige Lob als bare Münze schmunzelnd einstreicht, eine sei, da er, das Unrecht des Weiberraubes klar erkennend, doch um schließen, ihm freilich beim Publikum keinen sonderlichen Dank ein- Marionette in der Hand des ränkesüchtigen Ulisses. Thersites aber, der Ehre" willen sich für die Fortsetzung des Kampfes erklärt. tragen wird, hat Paul Lindau, der neue Direktor des Deutschen der schmähsüchtige, bucklige Narr, den Homer als verruchten Aber das huscht so schnell vorüber und jene" Ehre" wird in solchen Theaters, die Saison eröffnet. Ein starker, fortreißender Erfolg, wie Hezer" wider die Weisheit des Fürsten, zum Gaudium des Hymnen glorifiziert, daß der Hörer kaum den Eindruck eines Matels ihn Lindau einst in dem Berliner Theater mit Björnsons so lange herrlichen Striegsheeres und aller Wohlgesinnten durchgeprügelt erhält. Und auch um Troilus selbst ist so viel goldige Verklärung von den deutschen Bühnen verschmähtem Drama„ leber unsere Kraft" werden läßt, wird gerade durch seine Schmähsucht in Shakespeares gebreitet, daß man über all der Poesie die darin verborgene Satire erzielte, ließ sich bei aller Ehrfurcht vor der Gewalt Shakespearischen Werk ein Verkünder der Wahrheit, eine Art von Chor, der mit auf die täppisch- blinde, nur in der Illusion erhabene JugendverliebtGeistes für dieses seltsam zerklüftete, geiſtsprühende, doch in dem bitteren Sprüchen die Handlung begleitet. Ein Feigling im Felde- heit fast vergißt, bis der Spott des Thersites:" Ficht für Deine Wechsel der Kontraste zu keiner einheitlichen Stimmung sich zu- er denkt da über„ Ehre" ganz ähnlich wie der wackere Falstaff Mezze, Trojaner", die tragische Binde am Schlusse entzwei reißt und fammenschließende Rätseldrama von vornherein nicht erwarten. Aber zeigt er im Lager den Ajax Achilles und Patroklus gegenüber toll- an das Niedrig- Schale, Unvernünftig- Dumme dieses äußer das durfte nicht abschrecken. Nachdem vor Jahren schon in München fühnen Verwegenheit. Sie fönnen ihn schlagen, die hohlen Popanz- lich so impofanten Empfindungssturmes erinnert. Weil seine von einer litterarischen Gesellschaft und neuerdings vom Wiener menschen, die nichts als ihren Rang und ihre Fäuste haben, aber Cressida nicht die war, die er immer träumte, weil sie ein leichtBurgtheater ein Versuch, die Dichtung für die Bühne zu erobern, ge- jeden Schlag erwidert er mit einem neuen giftigen Pfeilschuß seiner sinniges, perverses Dirnchen, Meisterin in jeder phantasiemacht worden, war es eine Art von Ehrenpflicht, deren Erfüllung in Nede, der schwirrend stets ins Schwarze trifft. Er schimpft wie erhigenden Verführungskunft, den Diomedes an fich lodt erster Reihe wohl dem reichen Schauspielhause obgelegen hätte, auch andre atmen, er kann nicht anders; der Genuß, die eigne und fich will ihm hingiebt, in Berlin die Kraft au solchem Wagnis zu erproben. daß keinem Griechen geistige Ueberlegenheit so auszufoften, macht ihn gegen fortan Bardon gegeben werde! Sie alle sollen dafür büßen, daß Den Stoff des Schauspiels hat Shakespeare bei Chaucer vor alle Folgen unempfindlich, und was er schmäht, ist wirk- das Mädchen mit den hübschen Augen ihn betrogen! Genial im gebildet gefunden, dessen Darstellung selbst wieder auf frühere lich schmählich. Aus furchtbaren Erschütterungen, die den wilden Ingrimm der Satire wie in dem Duft der Poesie, läßt doch mittelalterliche, die Sage von der Belagerung Trojas durch die einst so heiteren und weltlichem Glanze zugewandten Sinn des das Drama in dem unvermittelten Nebeneinander der beiden Griechen romantisch weiterspinnende Erzählungen zurückweist. Die Dichters in den Tiefen umgewälzt, ihn zerrissen und zu wilder Em- Elemente den ruhigen Genuß nicht aufkommen; die Ueberfülle fügt Ilias Homers weiß von dem Troerprinzen Troilus und von der pörung gestachelt haben, muß diese einzigartige Gestalt, der hämische fich keiner Ordnung. schönen Priestertochter Cressida, die den Treuschwur des Jünglings Enthüller und Prophet der allgemeinen Infamie, geboren sein. erwidert und seiner Liebe dann in den Armen eines Griechenfeindes Die Aufführung in den schmuck renovierten Räumen war, wie Das schadenfrohe Hohnlachen des Thersites: Unzucht! Unzucht! meist bei Stüden von so großer Personenzahl, ungleichmäßig; doch fpottet, noch nichts. Zwar kannte Shakespeare das Homerische Epos Stets Krieg und Unzucht! Etivas andres ist gar nicht Mode. Ein für das weniger Gelungene entschädigte eine Reihe guter aus einer englischen Uebersetzung. Aber seinem Publikum war diese brennender Teufel hole sie alle!", scheint den Gedanken aus zum Teil vortrefflicher Leistungen in den Hauptrollen. Sagenwelt ein völlig Fremdes, das daher ohne Widerspruch mit zusprechen, der die bunte Scenenfolge dieser heroisch- parodistischen Kurt Abel, ein in Berlin noch unbekannter Schauspieler, stellte irgend welcher Tradition nach Belieben frei auf der Bühne gestaltet Tragikomödie zu einer Einheit zusammenfaßt. Es scheint ganz überrraschend geistvoll und eigenartig in fühnem Wurf den werden durfte. aber in die bittere Satire schiebt sich mit der Figur des edlen galligen, zerlumpten Thersites hin. Voll Saft und Kraft, gleich Hektor ein Element von völlig andrer Stilart ein, ein Bild erhabener überzeugend in den leisen Tönen seiner Liebe wie in dem Pathos Tragik, das wundervoll für sich betrachtet doch durch den des Effekts war Harry Walden als jugendlicher Troilus. Widerspruch, in dem es zu dem Therfiteischen Grundton steht, den Sommerstorffs männlicher Hektor stand ihm ebenbürtig zur Rahmen sprengt und jede Einheit des Empfindens stört. Wenn die Seite und Fräulein Paula Müller war eine blutwarm echte Griechenfürsten schuldig sind, daß sie um einer glatten Larve willen, Cressida. Trozdem, der Beifall in der Premiere, der eine Generalwie Helena, den männermordenden Krieg begonnen haben, so die probe vor geladenem Publikum vorhergegangen war, flang, wie Herrscher der Troer nicht minder, daß sie dem Raub des Paris zu gesagt, nicht gerade start, man wußte nicht, wohin die Fahrt ging, gestimmt und die Auslieferung des entführten Weibes verweigert die Ueberraschungen des Dichters verwirrten. haben. Was jenen billig, muß auch diesen recht sein; werden jene Er, der in seinen englischen Königsdramen soviel Helden gefeiert, deren Tugend nicht weniger fragwürdig als die der Homerischen Griechenfürsten sein mochte, erscheint in diesem Stück als Kritifer, als grinnig höhnischer Verächter dieser alten Heldenschar. Den Purpur reißt er den Großen von den Schultern und zeigt, wie hinter dem prunkenden Aeußeren die jammervollste Nichtigkeit sich breit macht. Der von Homer vergötterte Achill ist in dem Shakespeare- Drama ein unerträglich aufgeblasener Wicht, ein fauler Wollüftling, der, um ein Troermädchen zu gewinnen, mit dt. Die besten 962* Einsegnungs Anzüge kaufen Sie bei Herrmann Schlesinger Turmstr. 85. Streng feste Preise! Haben Sie Wanzen oder Schwaben dann ist es Ihre Schuld Berwenden Sie Doffers' echtes Spezial. mittel, welches Wangen u. Schwaben nebst Brut fofort tötet. Reine Flecken! Bolle Garantie. Bet Behörden c. im Gebrauch. Flasche à 0.50, 1.- oder 3.-M. Sprigapparate leihweise. Nur echt in den Drogerien von: Reichenbergerstr. 55 und R. Hoffers Roppenftr. 9. Fernsprecher. Nathan Wand, 262* 129 Staliterftr. 129. Die schönsten Herren- Sommer- Paletots in neu, und Anzüge forvie ſpeciell Monats- Garderobe bon Savalieren getragene Sachen, fast neu, für jede Figur passend, speciell Bauch anzüge find in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. Nathan Wand, 129 Staliterstr. 129. Hochbahnstation Rottbuserthor. 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