Nr. 208. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder beren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Südwestafrikanische Kolonialwirtschaft. Mit immer größerer Bestimmtheit wird behauptet, daß die AbBerufung Leutweins von seinem Gouverneurposten beschlossene Sache fei. Leutwein hätte sich diese Abfägung ersparen fönnen, wenn er in dem Augenblid, wo General v. Trotha zum Oberstkommandierenden der südwestafrikanischen Truppen ernannt wurde, seine Demission eingereicht hätte. Daß er sich trotz dieses ihm zu teil gewordenen Mißtrauensvotums bewegen ließ, bis auf weiteres auf seinem Posten zu beharren, konnte ihn nur mit dem Ddium des Klebens behaften. Oberst Leutwein galt im allgemeinen als der Typ des humanen Kolonialbeamten. Er schien der Ansicht zu sein, daß preußische Lieutenants- und Assessorenschneidigkeit in Kolonien un angebracht sei, daß es vielmehr darauf ankomme, sich mit den Eingeborenen, statt sie zu brutalisieren, auf einen möglichst guten Fuß zu stellen, sie statt durch blaue Bohnen durch gütliche Verständigung zur Anerkennung der deutschen Herrschaft zu veranlassen. Diese Charakterzüge Leutweins wurden allerdings durch den Verlauf des Hererofrieges und die füdwestafrikanischen Enthüllungen getrübt. Es schien sich herauszustellen, daß der Gouverneur von Südwestafrifa wohl einigen guten Willen habe, die Eingeborenen gegen allzu gröbliche Willfür und Bedrückung beutegieriger Kolonialabenteurer und rücksichtslofer Kolonialdraufgänger zu schützen, daß ihm aber doch in bedauerlichem Maße die Energie gemangelt habe, seine gutgemeinten Vorsätze auch zu verwirklichen. Freilich scheinen die offenen und geheimen Widerstände gegen seine vermutlichen Intentionen ungeheuer groß gewesen zu sein. In dieser unfrer Musterkolonie scheint eine Autotratenwirtschaft der einzelnen Beamten geherrscht zu haben und zu herrschen, ein selbstherrliches Paschatum selbst kleiner und kleinster kolonialer Würdenträger, eine Disciplinlosigkeit, wie sie selbst in der Türkei oder in China schwerlich herrschen können. Nur so läßt es sich erklären, daß sich in Südwestafrika trop der anscheinend so vernünftigen Verwaltungsgrundsäße Leutweins so ungeheuerliche Scheusfäligkeiten abspielen konnten, wie sie der Fall Arenberg und der Fall Kossat darstellten, wie sie fast entsetzlicher noch in den schauerlichen Zuständen zu Tage traten, die Herr Herfurth über die Gefängnisgreuel in Keetmanshop und Bethanien in der legten Nummer der Kolonialen Zeitschrift" enthüllte. Es läßt sich nach dem Bild, das man sich bisher von der Persönlichkeit Leutwveins machen mußte, schwer annehmen, daß der Gouverneur selbst um diese furchtbaren Bestialitäten gewußt und sie wissentlich geduldet habe. Man muß vielmehr annehmen, daß Leutwein getäuscht wurde und daß man seiner Weisungen tonsequent spottete. Damit wäre freilich bewiesen, daß Leutwein nicht der passende Mann für seinen Bosten gewesen sei, auch wenn ihn die moralische Verantwortlichkeit für die grauenhaften Zustände vielleicht nicht in vollem Umfange trifft. " Die Annahme, daß in Südwestafrika thatsächlich eine heillose Mißwirtschaft, ein auf alle behördlichen Direktiven pfeifendes Autokratentum der Beamten herrscht, erhält eine Bestätigung durch die Dokumente, die Herr Herfurth in der Kolonialen Zeitschrift" zu dem Fall Groeneveld beröffentlicht. Groeneveld wurde bekanntlich von den Beamten boykottiert und dadurch mit dem wirtschaftlichen Ruin bedroht, weil er sich unterfangen hatte, die scheußliche Mißhandlung des zu Tode ermunterten" Schwarzen durch den Unteroffizier off at anzuzeigen. Es ist dazu behauptet worden, Groeneveld habe, statt sich an die zuständige amtliche Stelle zu wenden, seine Beschwerde gleich der Presse unterbreitet. Dadurch seien dann die betreffenden Kolonialbehörden verschnupft worden. Hierzu schreibt ein Hams burger Geschäftsfreund Groenevelds Herrn Herfurth, daß diese Behauptung nicht zutreffe. 8ur gleichen 8eit, als Groene veld seinen Bericht über die Grausamkeiten des Rossat an ein deutsches Blatt abgesandt habe, habe er auch dem Vorgesetzten Kossats, dem Baron v. Stempel, dem Distriktschef von Bethanien, eine Kopie dieses Briefes zugesandt. Infolge dieser direkten Beschwerde sei der Boykott verhängt worden. Der Neger fei am 14. September 1901 gestorben und noch in demselben Monat habe man Groeneveld boykottiert, während eine Publikation des Briefes frühestens im Dttober habe erfolgen können! Aber man boykottierte Groenebeld bekanntlich nicht nur, man umstridte ihm alsbald mit einem ganzen Knäuel von Prozessen, durch die man ihn außer ruinöfen Geldstrafen auch fünf Jahre 3uchthaus aufbrummte, die dann freilich durch die Revisionsinstanz auf zwei Monate Gefängnis reduziert werden mußten! Sonntag, den 4. September 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Gunsten Hagedorns, die verschiedenen unvorschriftsmäßigen Seiten den Täuschungen und dem passiven Widerstand seiner UnterHandlungen der Borgesetzten Hagedorns( des Lieutenants gebenen ausgesetzt war. b. Stempel, des Feldwebels Eichelmann und des Aber diese unglaublichen Zustände fönnen unmöglich allein in Unteroffiziers Elze), welche dem Angeklagten beder Person Leutweins begründet sein. Auch der Kolonial. tannt geworden waren und zum Teil mit Anlaß zu dem hier direttor Stübel bermochte sich ja ebenso wenig Autorität au in Rede stehenden Vorfall gegeben haben, berücksichtigt worden, verschaffen wie Leutwein. Das Grundübel muß in dem von Grund ferner auch der Umstand, daß der Angeklagte, wie schon aus verrotteten Verwaltungs sy stem liegen. erwähnt, nicht in der Absicht, einen Gewinn zu erzielen, sondern Die Kaufleute und Farmer unsrer Kolonien sind allerdings mit nur um Hagedorn zu helfen, sich auf die Sache eingelaffen hat." einer sehr einfachen Lösung des Uebels bei der Hand. Sie verSolche in Anbetracht des ganzen Storruptionsmilieus besonders langen Beseitigung des Lieutenants- und Assessorenregiments und unerhebliche Bergehen benutzte also also das Bezirksgericht eine Civilverwaltung, auf welche die kolonialen Händler- und AnKeetmanshoop, um Groeneveld wirtschaftlich und moralisch zu siedlerkreise den größtmöglichen Einfluß haben sollen. vernichten wie Herfurth behauptet und bis jetzt auch über- So wenig wir nun auch für Assessoren und Lieutenants zeugend nachzuweisen scheint, weil Groeneveld gewagt hatte, schwärmen, so wenig vermögen wir zu glauben, daß dadurch wegen des Zutodequälens eines Schwarzen Beschwerde zu führen! neuen Kolonialstandalen ein Ende bereitet würde. Die Geschichte Diese Justizaltion mißlang allerdings infolge der Korrektur, die die der kapitalistischen Kolonialpolitik lehrt vielmehr, daß bei einer Revisionsinstanz an dem ungeheuerlichen erstinstanzlichen Urteil vor- solchen Verwaltung zwar die Klagen der Händler und Ansiedler vernahm! stummen würden, daß aber die Eingeborenen den Teufel Inzwischen hatte Groeneveld sich bei der Kolonial- Vernur gegen Beelzebub eingetauscht haben würden! waltung in Berlin über den gegen ihn vom Lieutenant Die brutale Heße unsrer füdwestafrikanischen Händler und b. Stempel und seinen Leuten verhängten Boytott beschwert. Ansiedler gegen die unglückseligen Hereros, ihr Verlangen Das Kolonialamt sah sich denn auch veranlaßt, nach Sild na ch Bersilabung der Eingeborenen beweisen, daß die westafrika die strikte Weisung ergehen zu lassen, den über koloniale Korruption in ihrem tiefsten Grunde eine unausGroeneveld verhängten Boytott fofort aufzuheben. bleibliche Begleiterscheinung jeber tapita Wie dieser Befehl von höchster Stelle respektiert wurde, be- listischen Kolonialpolitik ist. Wer heute Kolonialpolitik weisen folgende in der Kolonialen Zeitschrift" veröffentlichten will, der muß damit auch die Aussaugung, Dokumente: Knebelung und Brutalisierung der Eingeborenen J. W. Meier, Hamburg, 23. Januar 1902: 23eifung wollen! zur Aufhebung eventuellen Boykotts telegraphisch erlassen. Stübel. Die Kolonialgreuel werden erst mit dem kapitalistischen System Am 28. Mai 1902:„ Der faiserliche Gouverneur verschwinden. Humanität und koloniale Bereicherung schließen sich von Deutsch Südwestafrika ist durch Telegramm vom aus wie Feuer und Wasser! 14. Mai d. J. erneut angewiesen worden, den gegen den Händler Groeneveld verhängten Boykott aufzuheben und ihn vor weiterer Wie wir am Schluß unsrer Ausführungen wahrnehmen, wirtschaftlicher Schädigung, insbesondere auch den Ein- bementiert die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in ihrer gebornen gegenüber, zu schützen." Stübel. Sonnabend- Abendausgabe die Gerüchte von der Abberufung Am 13. Juli 1902 an J. W. Meier: Wie Ihnen bereits Leutweins. Will die Regierung damit etwa bekunden, daß sie durch mein Schreiben vom 28. Mai d. J. mitgeteilt worden ist, auch jetzt noch in Südwestafrika alles in der Ordnung findet? Oder hat das kaiserliche Gouvernement in Windhut telegraphisch unter mit welchen anderweitigen Mitteln gedenkt sie der ungeheuerlichen dem 14. Mai d. J. die strikte Weifung erhalten, den Boytott gegen Korruption entgegenzutreten? den Händler Groeneveld aufzuheben und ihn vor weiteren wirtschaftlichen Schädigungen, auch den Eingebornen gegenüber, zu schügen." Stibel. Es wird die Aufgabe der Presse und der Volksvertretung sein, die Regierung zu einer ausreichenden Antwort zu zwingen! Der russische Verzweiflungskampf. Am 11. September 1902: 3u meinem größten Bebauern fann ich eine Ersatzpflicht des Schutzgebiets- oder Reichsfiskus für etwaige Berluste, welche Ihnen oder dem Händler Groeneveld durch die Maßnahmen des kaiserlichen Distriktschef von Bethanien, Den oberflächlichen Leser der Kriegsberichte fönnte es stußig Baron von Stempel, erwachsen sein mögen, nicht anerkennen. machen, daß, während gestern bereits das fluchtartige Zurüd Ich habe nicht unterlassen, dem taiserlichen weichen der Russen bei Liaujang gemeldet wurde, heute wieder Gouvernement von Ihrer Eingabe mit der er- Meldungen über erneute Kämpfe vorliegen. Der aufmerksame Beneuten Weifung Kenntnis zu geben, dafür Sorge zu obachter der Kriegsvorgänge dagegen wird sich sagen, daß diese tragen, daß jede Behinderung der geschäftlichen Thätigkeit des neuen schtveren Kämpfe nur dazu beitragen können, ben japanischen Händlers Groeneveld, sofern eine solche trotz der erfolgten Auf- Sieg zu einem vollständigen zu machen. hebung des Boykotts noch fortbestehen sollte, umgehend und nach- Wären diese neuen Kämpfe nicht erfolgt, so wäre damit nur haltend beseitigt werde. J. V. Hellwig. bewiesen, daß es den Ruffen geglückt sei, sich den schlimmsten Folgen Am 18. Oktober 1902. Kaiserliche Bezirkshauptmann- ihrer Niederlage durch die Flucht zu entziehen. schaft zu Keetmanshoop. Der von Ihnen eingereichte AnMan vergegenwärtige sich die Situation: Die russische Haupttrag auf Gewährung einer Entschädigung wegen des durch den armee dürfte mindestens 180 000 Mann start gewesen sein. Nehmen ( Hottentotten, D. Red.) Kapitän verhängten Boykotts wird dem wir an, daß sie durch die bisherigen Kämpfe um 30 000 Mann gekaiserlichen Gouvernement zur Entscheidung vorgelegt werden." schwächt worden ist, so bleiben immer noch 150 000 Mann übrig. Der kaiserliche Bezirksamtmann. Hansen. Eine solche Armee streckt aber nicht ohne weiteres die Waffen, sie versucht sich durchzuschlagen. Windhut, den 26. Januar 1903. Raiserl. BezirksHauptmannschaft Keetmanshoop, den 25. Februar:„ Im An- Hinzukommt die gewaltige Ausdehnung des Kriegsschauplatzes. schlusse an den Bescheid vom 31. b. Mts. teile ich Ihnen ergebenst Es wird auf einer Front von mehreren deutschen Meilen gekämpft. mit, daß kein Verbot irgend welcher Art für Ihren Verkehr Da kann auch bei dem Werfen des Gegners nicht so leicht von mit der Stationsbesatzung oder der Stationsbefagung mit Ihnen einer Einschließung die Rede sein. Die Kapitulation des Geschlagenen mehr besteht und daß die Stationsbefatung hiervon unter- fann erst durch eine Reihe weiterer blutiger Einzelgefechte erzwungen richtet worden ist." Der taiserliche Gouverneur. In Vertretung werden. Tecklenburg. Die südlich vom Taitseho stehenden Russen wurden aus ihren Berlin, den 13. März 1903:„ Die an das kaiserliche Verschanzungen herausgeworfen und über Liaujang hinaus gegen Gouvernement wegen unbedingter Aufhebung des Boykotts und den geschwollenen Fluß hin gedrängt. Einem Teil der fliehenden Einrichtung einer Civilverwaltung in Bethanien gedrahtete Russen gelang es, den Fluß zu überschreiten und am rechten( nörd Weisung ist nach einem mit der letzten Post hier eingegangenen lichen) Flußufer hin zu entfliehen. Einen andren Teil dieser südlich Bericht vom 26. Januar dieses Jahres zur Ausführung ge- bom Fluß stehenden russischen Heeresmacht wurde durch das scharfe langt. Nach diesem Bericht hat der bisherige Distriktschef an Nachdrängen der Japaner die Flucht über den Taitseho vereitelt. dem gebachten Plage eine anderweite Berwendung gefunden und es Diese Teile tämpfen in verzweifelten Abwehrgefechten gegen die fie ist dem kaiserlichen Bezirksamt in Keetmanshoop erneut dringlichst verfolgenden Japaner. zur Pflicht gemacht worden, thunlichst auch durch entsprechende Einwirkung auf den eingeborenen Kapitän dafür Sorge zu tragen, daß Groeneveld vor jeglicher wirtschaftlichen Schädigung geschützt werde." Stübel. Aber die Japaner haben mit ihrem rechten Flügel ebenfalls bereits vor mehreren Tagen den Taitseho überschritten und versuchen nun, die weitere Rüdzugslinie für die nördlich vom Taitseho stehenden russischen Heeresteile abzuschneiden. Mit Zusammenraffung aller verfügbaren Streitkräfte hat sich hier Kuropatkin den Japanern unter der Führung Kurotis entgegengeworfen. Nach einer amtlichen japanischen Meldung ist Kuroti auch bereits im Borrücken begriffen, da er die Russen aus ihren Stellungen zurückdrängt. Wie man sieht, dauerte es länger als ein Jahr, bis es den Kolonialbehörden gelang, ihrer wiederholten stritten Weisung" Diese atveimonatliche Gefängnisstrafe war erfolgt, weil Groene Geltung zu verschaffen. Und das gelang schließlich nur dadurch, daß veld dem Proviantmeister a gedorn in Bethanien 2, Sad man den widerspänstigen, die Befehle der Vorgesezten in den Wind Reis überlassen hatte, die dieser später aus Ersparnissen zurüd schlagenden Difirifischef nicht etwa einfach tassierte und discipliHier im Norden wird. sich das endgültige erstattete. Diese Handlung wurde als Hehlerei aufgefaßt. Wie narisch bestrafte, sondern ihn lediglich in eine andre Stellung ber Herfurth behauptet, hatte Lieutenant v. Stempel dem setzte!" Troydem," schreibt die Kol. Zeitschrift", am 23. Januar 1902 Shidial der russischen Hauptarmee entscheiden. Proviantmeister, dessen Fehlbetrag ihm bekannt war, ge- der Kolonialdirektor den über Groeneveld von Lieutenant v. Stempel Wird Kuropatkins Armee zertrümmert, wie die südlich vom Taitseho stattet, das von Groeneveld ausgeliehene Deckungsquantum aus verhängten Boytott aufgehoben hat, bestätigte dessen direkter befindliche resp. befindlich gewesene russische Armee, so ist damit die seinen Ersparnissen zurückzuerstatten! Borgesetzter, Major v. Estorff, und das kaiserl. Gouvernement durch Stück zugslinie versperrt, so daß dem Gros der russischen Erlaß vom 6. März 1902, 3.-Nr. 1490, die Maßregel. Lt. v. Stempel hat Hauptarmee nur die Kapitulation übrig bleibt. Surolis Truppen sollen durch die mehrtägige Schlacht ermüdet der an ihn ergangenen Weifung dadurch zu widergehandelt, daß er formell den Boykott aufhob, feinen Mannschaften aber fein. Das ist sehr wahrscheinlich. Aber um die Ruffen kann es nicht befahl, sich bei ihm zu melden, wenn fie bei Groeneveld Einkäufe zu beffer stehen. Deshalb spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß auch Kuropatkins berzweifelte Gegenwehr bor dem machen beabsichtigten." Ueber diese„ Hehlerei"( die von der ersten Instanz mit dem ungeheuren Strafmaß von zwei Jahren Zuchthaus und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte geahndet war 1) hatte sich die Revisionsinstanz in der Urteils begründung folgendermaßen ausgelassen: Bei Zumessung der Strafe find zu Gunsten des An- Bei einer folch tollen, mehr als türkischen Wirtschaft erscheint es Ingest im des japanischen Angriffes erlahmt und getlagten, ebenso wie vom Kriegsgericht zu allerdings begreiflich, daß auch Gouverneur Leutwein auf allen das russische Sedan ein vollständiges wird. fönnen! Möglich ist es allerdings, daß aufgelöste Trümmer der russischen der Gastfreiheit der Herren Ballin und Wiegand. Um die Profite der Hauptarmee trotz alledem nach Mukden entkommen. Aber diese Reedereien zu schützen, wird auch die preußische Regierung von der Trümmer werden den japanischen Vormarsch auf Charbin nicht mehr dankbaren Presse geschont. aufhalten, in diesem Jahre keine neue Campagne mehr aufnehmen Vor acht Tagen haben wir die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" Siegt Kuroki auf der rechten( japanischen) nach den gesetzlichen Bestimmungen gefragt, auf die sie sich beFlante, so wird damit das Schicksal des Feld- rufen hatte, um die Praktiken der Schiffsreedereien gegenüber den zuges entschieden sein! russischen Auswanderern und Flüchtlingen zu beschönigen. Jetzt sind wieder die sonntäglichen Rückblicke" erschienen, und das in allen Tokio, 3. September. Amtliche Mitteilung. Marschall socialdemokratischen Angelegenheiten so außerordentlich geschwäßige Dhama meldet, daß der dem linken Flügel und dem Regierungsblatt findet keine Silbe, um die an es gerichtete Frage Centrum der japanischen Armeen gegenüberstehende zu beantworten. Das preußische Regierungsblatt hüllt sich in dasFeind am 2. d. Mts. den Rückzug auf das rechte Ufer des Taitse- selbe Settschweigen wie die übrige bürgerliche Presse, obFlusses fortsette, mit Ausnahme eines Teiles, der die von wohl inzwischen von uns Thatsachen mitgeteilt waren, die noch weit Süden nach Nordwesten von Liaujang sich hin- hinausgehen über das Anklagematerial, das wir vordem der Deffentziehenden Verteidigungswerte und die Höhen lichkeit unterbreitet haben. Ueber die letzten Kämpfe liegen folgende Meldungen vor: nordöstlich von Mutehang besett hält. Die japanischen Armeen setzen den Angriff fort. Der rechte Flügel der Im Februar dieses Jahres hat der preußische Polizeiminister Japaner besetzte in der Frühe des 2. d. Mts. einen Teil der b. Hammerstein im Abgeordnetenhause die Grundsätze der Höhen westlich von Heijingtai. Marschall Oyama meldet ferner, daß am 3. September um 9 Uhr vormittags der Ueberr est des zurückgeworfenen feind lichen Heeres außerhalb von Liaujang immer noch einigen Widerstand leistet. Das Centrum und der linke Flügel der japanischen Armeen greifen ihn an. Zotio, 2. September.( Meldung des Neuterschen Bureaus".) Die Truppen Kurotis sind überanstrengt und ermüdet Der Taitsefluß hat Hochwasser, die Furten sind unpassierbar. Kuroki fährt trotzdem fort, gegen Heijingtai zu drängen. Tokio, 3. September, früh.( Meldung des„ Neuterschen Bureaus".) Man glaubt hier, daß es der Hauptmacht Oy am a 3, welche sich füdlich des Taitse- Flusses befand, gelungen ist, heute früh den Fluß zu überschreiten. General Kuroki hat gestern einen Teil der Höhen von Heijingtai genommen und man hofft, er werde heute die Eisenbahn beherrschen. Die Russen sammeln sich, wie es scheint, bei dem Kohlenbergwerke Jantai. Polizeibehandlung russischer Auswanderer dargelegt. Er hat be= stritten, daß russische Auswanderer an die Grenze zurückgebracht würden, sofern sie über Mittel verfügen, auf eigne Kosten Deutschland nach der Grenze zu passieren, die ihnen beliebt. Diesem von dem Minister dargelegten Grundsatze widerspricht die angeblich auf MinisterialVerordnung beruhende Praris der Wchiffsreedereien gegenüber den russischen Auswanderern vollständig. Die angeblich von der Polizei autorisierten Agenten der Reedereien hindern die russischen Auswanderer, die Grenze zu wählen, die sie erreichen wollen. Die Russen mögen nach London oder Kopenhagen wollen, dieser Weg wird ihnen versperrt, sofern sie durch den Mangel ordnungsmäßiger Papiere in eine unentrinnbare Zwangslage gebracht sind. Es wird ihnen verweigert, durch Deutschland auf eigne Kosten zu reisen, und sie werden gezwungen, mit deutschen Schiffsreedereien nach Amerika zu fahren oder wenigstens durch Lösung deutscher Schiffsfahrkarten nach Amerika sich aus den Krallen der Ballinschen„ GesundheitsParis, 3. September. Das„ Echo de Paris" berichtet fontrolleure" zu befreien, deren Aufgabe es ist, über die Gesundheit aus Petersburg: Der Generalstab erhielt Meldungen, daß der Finanzen der Dampfergesellschaften zu wachen. Das ist ein Kurapatfin die Streitkräfte im Süden zurückhalten Vorgang, der bisher in keinem civilisierten Lande sich ereignet hat, läßt und er heute oder morgen gegen Kuroki vorgehen daß Ausländer nicht etwa nur ausgewiesen werden, sondern daß wird. Dieser habe den Taitsefluß überschritten und befinde fich sie, obwohl sie über die geeigneten Mittel selbständiger Durchreise bei Jantai, von wo aus er die ganzen Truppenbewegungen leite. Er werde dort durch die Truppen Baron Bilderlings auf verfügen, zu einer bestimmten Marsch route gezwungen gehalten. Falls die Japaner nicht über 150 000 Mann verfügen, werden, zu einem hohen Tribut an private Erwerbsgesellschaften gewerde Kurokis Plan, die Ruffen aufzuhalten, scheitern. Seien nötigt werden bei Strafe der Auslieferung an die japanischen Streitkräfte aber bedeutend Rußland. Entweder hat der preußische Polizeiminister im werde Kuropatkin in eine schwierige Februar dieses Jahres das Abgeordnetenhaus ebenso in die Irre größer, 10. Wenn Kuroki geschlagen würde, so würde seine geführt, wie bei seiner Beantwortung der Interpellation über die Lage kommen. Armee in zwei Teile geteilt werden, und es würde den Russen leichter werden, beide Teile einzeln zu schlagen. Nach diesen Meldungen soll also Kuroki bereits die Gifen bahnstation Jantai, d. H. die russische Rückzugslinie, beherrschen. Auch sollen bereits die südlichen Truppen Oyamas zum Teil in Verfolgung der fliehenden Russen den Taitseho überschritten haben. Damit wäre dann die Möglichkeit einer engen Kooperation zwischen den Truppen Kurokis mit denen Nodzus und Dhus gegeben und der Widerstand Kuropatkins um so aussichtsloser geworden! Wie Kuropatkin berichtet! Affaire Mirbach, oder die deutschen Reedereien üben Funktionen aus, die gesetzlich strafbar sind; denn auch an Ausländern dürfen deutsche Staatsbürger feine Erpressung und keine Nötigung begehen. Wenn auch die Ausländer vogelfrei sind, so unterliegen doch die deutschen Staatsbürger dem deutschen Gesetz. auf die socialdemokratische Partei, falls die Minimalzölle des neuen deutschen Zolltarifs in den neuen deutsch russischen Vertrag Aufnahme ge funden haben, nach ihrer Erklärung gegen diesen Vertrag stimmen werde, fordert er indirekt die bürgerlichen Freihändler auf, ebenfalls gegen Handelsverträge von der Qualität des mit Rußland vereinbarten einzutreten, indem er die handelspolitische Situation untersucht, in die wir durch eine Ablehnung geraten würden. „ Die Sache liegt," erklärt er, so, daß aller Voraussicht nach gegenüber denjenigen fremden Staaten, mit denen unsre Reichsregierung zu einem Vertragsabschluß gelangt ist, keine besondere Kündigung des bestehenden Handelsvertragsverhältnisses erfolgt ist und auch nicht erfolgen wird. Vielmehr wird in den neuen Handelsverträgen eine Bestimmung enthalten sein, die festsetzt, mit welchem Zeitpunkt der neue Handelsvertrag an die Stelle des alten tritt. Kommt es deshalb zu der Ablehnung des neuen Vertrages, so bleibt es einstweilen bei dem handelspolitischen Zustande, wie er vor der neuen Regierungsvereinbarung in Geltung war, d. h. es bleibt bis auf weiteres bei den Zollsäzen der alten Caprivischen Verträge. Nichts spricht dafür, daß die deutsche Regierung die Ungeschicklichkeit begehen werde, nachdem man über einen neuen Vertrag mit einer fremden Regierung einig geworden ist, nun auch noch eine formelle Kündigung des bestehenden Vertragsverhältnisses auszusprechen. Aber diese Kündigung könnte ja allerdings nachgeholt werden, wenn der neue Handelsvertrag im Reichstag abgelehnt werden sollte. Aber auch für die Wahrscheinlichkeit einer solchen nachträglichen Kündigung spricht wenig, denn die Ablehnung des neuen Vertrages könnte ja nur bei einem Zusammenwirken der agrarischen Elemente mit der freihändlerischen Linken erfolgen... Aber selbst wenn dieses Unmögliche( die Kündigung) möglich wäre, würde selbst dann ein Zustand eintreten, den wir Freihändler als das größere Uebel zu betrachten Veranlassung hätten? Ein größeres Uebel, wohlverstanden, im Verhältnis zu dem abgelehnten neuen Handelsvertrage. Zunächst würde der gekündigte alte Handelsvertrag noch ein Jahr weiterlaufen. Dann aber würden nicht die Säße des Kardorffschen Rechtsbruchstarifs ohne weiteres eintreten, sondern die Säße des gegenwärtigen Generalzolltarifs, die in verschiedenen wichtigen Positionen niedriger sind als jene Minimalzölle, von denen es so gut wie feststeht, daß sie einen wesentlichen Teil des neuen deutsch- russischen Handelsbertrags- Entwurfs bilden. Um den Rechtsbruchstarif von 1902 in Kraft zu setzen, bedarf es eines besonderen Afts des Bundesrats. Daß der Bundesrat die Leichtfertigkeit und Gewissenlosigkeit nie so weit treiben wird, um den Rechtsbruchstarif mit seinen wahnsinnigen Sätzen unverändert in Kraft treten zu lassen, darf als feststehend gelten. Wer den Tarif von 1902 wirklich kennt, kann darüber nicht im Zweifel sein. Der Bundesrat ist aber andrerseits nicht berechtigt, bloß einzelne Teile des Generalzolltarifs von 1902 in Kraft zu setzen oder selbständig Amendierungen vorzunehmen. Auch wird sich der Herr Reichskanzler darüber wohl keinen Täuschungen hingeben, daß der Tarif von 1902 jeden Staat, dem gegenüber er etwa in Wirksamkeit treten sollte, mit tödlicher Sicherheit zu einem erbitterten Zollfriege gegen Deutscland veranlassen würde." Hierzu kommt noch eine andre Frage. Wir haben auf Grund Die Ausführungen treffen den Nagel auf den Kopf. Daran, da eigner wiederholter Anschauung mitgeteilt, daß die Bahnbeamten die Regierung den allgemeinen Tarif vom 25. Dezember 1902 i!! dem Berliner Lehrter Bahnhof nicht nur den Wünschen Kraft setzt, wenn die neuen Handelsverträge abgelehnt werden, ist der Ballinschen Agenten Folge leisten, daß ein Reisender troß nicht zu denken, und wenn sie es thäte, trügen die Verantwortung gültiger Billets nicht zum Zuge durchgelassen wird, sondern daß nicht die ablehnenden Parteien, sondern die Regierung, die erst geauch diese Beamten den Agenten der Reedereien behilflich find, auf holfen hat, den Rechtsbruchtage im Reichstarif durchzubringen und des Russentums und der Armut verdächtige Reisende zu fahnden und die ihn dann ohne Rücksichtnahme auf die Wirtschaftslage Deutschsie den Agenten zu kennzeichnen. lands in Kraft setzt. Aber man kann sicher sein, der deutsch- russische Hatte sich schon bisher die russische Kriegsberichterstattung durch unglaubliche Lügenhaftigkeit und groteste Bertuschungsversuche ausgezeichnet, so setzt heute ein Bericht Kuropatkins über die Wir glauben nicht, daß preußische Beamten verpflichtet sind, Tarifvertrag wird, wenn er dem Bilde entspricht, das von ihm entLage vom 2. September allem die Krone auf. Kuropatkin meldet solche Nebendienste im Aufirage privater Agenten zu thun. Wir worfen wird, nicht abgelehnt werden. Für ihn werden in holder nichts von der schweren Niederlage, nichts von den trauen auch den preußischen Beamten so viel Menschlichkeitsgefühl Eintracht nicht nur die Konservativen und das Centrum stimmen, ungeheuren Verlusten der Russen, er erzählt, daß ein zu, daß von ihnen solche widerwärtige Aufgabe nicht ohne Zwang sondern auch bis vielleicht auf einige wenige Außenseiter die Regiment südlich von Liaujang geschlagen worden sei und daß er übernommen werde. Da nicht anzunehmen ist, daß die Reedereien Nationalliberalen und der Eugen Richtersche Rest ehemaliger im Norden 6 Mann, sage und schreibe 6 Mann, verloren habe! den Diensteifer der Bahnbeamten auf irgend eine andre Weise Fortschrittsherrlichkeit. Seine Meldung lautet: zu beflügeln wagen, so ist man versucht, anzunehmen, daß diese Petersburg, 3. September. General Kuropatkin meldet peinliche, jeden anständigen Menschen abschreckende Vigilanten- Der Japper. Wir haben schon die Affaire eines Königsberger dem Kaiser von gestern: Am 1. September griffen thätigkeit auf einer Anordnung höherer Vorgesetzter beruht. Wigblattes" erwähnt, dessen Redakteur plöglich verhaftet worden die Japaner mit Anbruch der Dunkelheit unsre Stellungen bei uns wenigstens haben alle Bahnbeamten, übereinstimmend ist. Die Verse, die er in seinem Blatte brachte, waren für die in Sitwantun an. Ihr Angriff wurde nach einem heftigen Kampfe erklärt, daß diese Behandlung russischer Reisenden auf solcher höheren ständig finnlos. Da hieß es z. B.: die Geheimnisse der Königsberger Lebewelt nicht Eingeweihten vollzurückgeschlagen. In der Nacht wiederholten die Japaner den Verfügung beruhe, daß sie gezwungen seien, den Anweisungen der Angriff und erzielten diesmal einen Erfolg, indem sie ein ReUnd dann ein Herr von hohem Rang, Gefürchtet hier in allen Kreisen, Ein Mann mit selt'nem Tugenddrang, Wie diese Zeilen es beweisen, Ein„ Herr", dem viele unterthan Mit angezog'nen Hacken täglich, Er speiste auch so dann und wann Jm Séparée wie ist das möglich!!! Noch dunkler flangen folgende Reimereien: Und auch das„ Allerfrauenfreundchen", Der Kommandeur der Tugend hier, Konnt' nichts für seine" Venus" machen, Lag auch bei ihr sein„ Stammquartier". Er wollte zwar intervenieren, giment in der Richtung auf Sahutun zurück- Agenten zu gehorchen. warfen. Der Rückzug dieses Regiments veranlaßte die andern Doch war's für dieses Mal zu spät, Insonderheit, da unser Freundchen Just in die Sommerfrische geht. Mag das Geschichtlein lustig enden, Wir leben ja in einer Zeit, Allerdings haben sie nicht zugleich erklärt, daß auch auf höhere Truppenteile, ihre Stellungen zu räumen. Gegen Anweisung sie verpflichtet seien, die Häscherthätigkeit der Agenten in Morgen rückten unsre Truppen allmählich vor, um die Stellung sofern zu unterstüßen, als sie ihnen in der Ermittelung geeigneter bei Sitwantun zurückzuerobern. Heute mit Tagesanbruch ging ich Ausbeutungsobjekte behilflich sind. Indessen würde sich wohl jeder zum Angriff gegen die Truppen der Armee Kurotis Beamte weigern, gerade bei dieser Ermittelungsthätigkeit mitüber; gegen 12 Uhr mittags bildeten die Spigen unsrer Corps zuwirken, wenn er nicht durch Amtsbefehl dazu gezwungen wäre. eine einzige vorgehende Linie. Gegenwärtig leitet die Artillerie Zu bemerken ist noch, daß jeder Widerspruch der Reisenden und den Angriff auf auf die in der Nacht von den Japanern das Auftreten der Ballinschen genommene Stellung ein, und der Vormarsch der Infanterie hat unbeteiligten Personen gegen begonnen. Im Verlauf der Nacht hatten die Japaner die Innen- Agenten von den Beamten und den anwesenden Polizisten zurückstellung bei Lianjang, die Stadt und die Eisenbahnstation heftig gewiesen wird. Ja es hat sich dieser Tage ereignet, daß der Bebeschossen; unsre Verluste sind unbedeutend. Soeben gleiter eines zurückgewiesenen Russen von der Polizei sistiert wurde, habe ich vom Chef der Garnison in Liaujang eine Depesche, als er die Thätigkeit der Reederei- Agenten auf dem Bahnhof, die er 10 Uhr 35 Minuten vormittags aufgegeben, erhalten, wonach die ja nur für Privatpersonen halten konnte, mit einem scharfen, aber Japaner das im Centrum der Stellung gelegene Fort angegriffen durchaus zutreffenden Ausdruck öffentlich und wiederholt bezeichnete. haben und unter sehr großen Verlusten zurückgeschlagen worden Da dieser Zwischenfall offenbar dem Polizeipräsidium und wohl find; bei diesem Angriff sind auf unsrer Seite auch dem Ministerium gemeldet worden ist, so kann sich die sechs Mann gefallen. Wo„ nichts passiert" nur so mitunter", Ein Feldherr, der über eine furchtbare Niederlage in einem offiziöse Preffe nicht mehr darauf hinausreden, daß sie keinen Anlaß Und dann ist's feine Kleinigkeit! , Chambre garnie" schon oft beleuchtet solchen Operettenstil berichtet, ist ein Narr, der wegen Gemein- habe, die unglaubhaften Mitteilungen der socialdemokratischen Presse zu berücksichtigen. Sie setzen ja auch sonst Himmel und Ward hier von uns das fränk'sche Wort, gefährlichkeit eingesperrt werden sollte. Oder sollten die Narren und Hölle in Bewegung, wenn sie der socialdemokratischen Preſſe nur Doch heute fällt das Unterscheiden Schurken, die sich nicht scheuen, solche Meldungen in die Welt zu irgend eine kleine ungenauigkeit in einer unwichtigen Angelegenheit Von andern Stätten" ziemlich" fort." setzen, in Petersburg zu suchen sein? nachweisen zu können glauben. Das jetzige Schweigen erklärt sich Wegen dieser Verse hat der Polizeipräsident von also nur aus dem schlechten Gewissen, das die Ausschreitungen Königsberg Strafantrag gestellt, der sich doch gar nicht getroffen der Ballinwirtschaft nicht zu rechtfertigen wagt und sie daher durch fühlen kann. Schweigen aus der Deffentlichkeit zu streichen unternimmt. Daß diese Verschwörung des Schweigens nicht gelingen wird, dessen kann die bürgerliche Presse versichert sein. Politische Uebersicht. Berlin, den 3. September. Settschweigen. Deutfches Reich. Der franke Mirbach. Herr v. Mirbach ist nun nicht nur als Rassenwart der Kaiserin und der Kirchenbauvereine verabschiedet, sondern er ist auch als Oberhofmeister erkrankt. Er ist so frant, daß er nicht einmal den heiligsten Verpflichtungen solcher Aemter nachkommen kann, an den Manöverreisen teilzunehmen. An Stelle des Herrn v. Mirbach soll nummehr der Vice- Oberceremonienmeister Kammerherr von dem Knesebeck die Manöver verschönern. 29 " Deffentliches Interesse hat aber die Verhaftung des Redakteurs. Sie ist ihm nämlich vorher in einem anonymen Schreiben angekündigt worden, das lautete: " Lieber Freund! Habe heute geheim erfahren, daß der St.-A. Deine Verhaftung so gut wie fertig haben soll, es handelt sich nur um den Ausput der Begründung. Gründe brauche er weniger, es ist ein kurzes Geschrei, was wieder verstummt, und Du hast paar Monate weg für den Fall einer Freisprechung! Die zwei Herren, höhere Justizbeamte, haben darüber im Theatrechambre sehr leis geflüstert, aber man muß das Gemeinte daraus schließen. Behüt Dich Gott Dein..." Diese Ankündigung hat sich bald darauf bewahrheitet. Die Königsberger Staatsanwaltschaft ist mit dem Verhaften schneller bei der Hand als mit der Prüfung der rechtlichen Zulässigfeit von Strafanträgen; das weiß man aus dem Russenprozeß. In Sicherlich ist Herr v. Mirbach mun auch wohl zu krant, um als dem anonymen Schreiben wird die Untersuchungshaft als eine Art Privatmann jene Reisemanöver fortzuführen, mit denen er in All- Strafe auf Vorschuß aufgefaßt. Das ist natürlich unmöglich, deutschland Beiträge nicht unter 200 Mart für die Zwecke der christ- denn das hieße einem Beamten eine Strafvollstreckung zutrauen, zu lichen Liebesthätigkeit von Jud und Christ locker zu machen wußte.der er nicht berechtigt ist, und das verstößt gegen das Etrafgesetzbuch. Warum ist dann aber der Mann verhaftet worden? Soldatenmißhandlungen im Großbetrieb Die Leiter der beiden großen deutschen Dampfergesellschaften, die Herren Ballin und Wiegand, verstehen sich auf den Umgang mit der bürgerlichen Presse ausgezeichnet. Sie laden sie bei jeder GeTegenheit zu sich zu Gaste, betvirten sie mit Freikarten, Freiessen und Freifelt. Die größeren Blätter erhalten wohl auch Fahrkarten umsonst für Weltreisen, und wenn sie zwei Karten haben wollen, um auch noch ihre Damen mitzunehmen, so werden ihnen wohl auch diese zu ermäßigtem Preise zur Verfügung gestellt. Stürzlich tafelten die ganze bürgerliche Presse und die Vertreter des Reichstages auf dem Ballinschen Meteor" als Gäste des Großreeders, der ihnen kostenfrei die Möglichkeit einer Nordlandreise gewährte. Kein Wunder, daß diese bei Ballin schmarotzende Presse sich dankbar erweist, wenn ihrem Gastgeber Unannehmlichkeiten begegnen. Solange Herr Ballin die Presse bewirtet und zahlungsfähig bleibt, wird er ebenso das allgemeine Wohlwollen genießen wie etwa die Direktoren der Hypothekenbanken Die Stellung der Freisinnigen Vereinigung zum deutsch- russischen und der Freiherr v. Mirbach, solange sie in ihrem Glanze strahlten. Daß der Jude Ballin seine jüdischen Glaubensgenossen, und zwar die ärmsten, zu zwingen vermag, seine teuren Zwischen einstige Freifinnige Zeitung" Eugen Richters, es für eine Pflicht hat, wie uns aus der Pfalz berichtet wird, der Unteroffizier Rüby der 8. Kompagnie des 23. bayrischen Infanteriedeck Fahrkarten nach Amerika zu kaufen, das findet des der Freifinnigen Volkspartei erklärt, für die von der Regierung von halb bei der in dankbaren Sefterinnerungen schwelgenden abgeschlossenen neuen Handelsverträge, auch für den deutsch- russischen Regiment in Saargemünd( Lothringen) begangen. Preffe ein wohlwollendes Schweigen. Und daß gegen Vertrag, im Reichstage zu stimmen, da die Partei nicht verantworten offizier Rüby hat erst unlängst vier Monate Gefängnis für eine efelhafte Mißhandlung seiner Untergebenen erhalten. Er ließ die Regierung, die derartig verwerfliche Praktiken der deutschen könne, daß der neue Generalzolltarif vom Dezember 1902 in Kraft verschiedene Soldaten seiner Korporalschaft, um ihnen das TabakReedereien duldet, die öffentliche Meinung, soweit sie von trete. In einem Artikel, der die Ueberschrift trägt" Müssen wir jeden kaufen abzugewöhnen, Tabak kauen und das zerfaute Zeng an andre der bürgerlichen Presse bearbeitet wird, nicht in Empörung Handelsvertrag annehmen?" nimmt jetzt auch Dr. Theodor Barth zu Soldaten weitergeben. Dabei mußte ein Soldat einem andern die aufschäumt, verdankt die preußische Regierung wiederum I den neuen Handelsverträgen Stellung. Nachdem er konstatiert hat, daß Tabakbrühe ins Gesicht spucken. = Handelsvertrag. Kürzlich hat bereits die Freie Deutsche Presse", die umgetaufte Der Unter Frankreich. Zum französischen Parteistreit. Humanité" schreibt: find In einer am 1. September vor dem Kriegsgericht der dritten die bestehenden Wirtschaften einen neuen mühelosen Wertzuwachs von| man unter Revisionismus verstehe und sie hätten auch in ihrem Baherischen Division in Landau durchgeführten Verhandlung hatte 20 000 Fr. im Durchschnitt erfahren und den Wirtschaftsbesitzern ein Blatte nie eine Haltung eingenommen, die einen solchen Vorwurf sich der Stellvertreter Gottes wegen weiterer Mißhandlungsfälle zu weiteres Geschenk von etwa acht Millionen Frank gemacht werden rechtfertigen könnte. Die Urteile über Personen, die sie in den fragverantworten. Nicht weniger als 24 Soldaten traten als 3eugen würde. Da aber die Wirtshausbesitzer ihre Wirtschaften ge- lichen Streitigkeiten im Blatte ausgesprochen haben, seien ganz unwieder ihren bisherigen Erzieher" auf und selbst jetzt noch getrauten wöhnlich verpachten, werden sie entsprechend der neuen Wert abhängig von der Stellung zu Parteiprincipien. Der Parteitag ging, über den Antrag zur Tagesordnung fich die armen Teufel nicht recht mit der Sprache heraus- steigerung die Mietzinje erhöhen und die Wirte werden zurücken. Der Erziehungsmethoden waren es gar mancherlei, dann alle Praktiken anwenden, um dabei noch bestehen über. über die dieser würdige Stellvertreter Gottes verfügte. Neben dem zu können. Die neue Borlage verfolgt insofern mittelstands- Der Parteitag für das östliche Westfalen und Lippe wird am wechselseitigen Tabaktauen gab es noch Hiebe mit dem Seitengewehr, retterische Absichten, als sie für die Kleinverkaufsstellen( für Flaschen- 2. Oktober in Salzuflen abgehalten werden. Büffe, Kopfnüsse, Ohrfeigen, Hiebe mit Schlappen, mit der Klopf- bier, Wein usw.) ebenfalls die Bewilligungstage einführen und die peitsche, Stöße unter das Kinn, Stöße mit dem Gewehrkolben, über Bewilligung selbst aber nur an Personen erteilen will, welche das ,, Het Volt" und die Taktik- Resolution. haupt alle und jede Möglichkeit und jedes Mittel wurde benutzt, Aktivbürgerrecht befizen und einen guten Leumund genießen. Dieser Unser Amsterdamer Brudezorgan brachte am Donnerstag einen um die Soldaten zu schinden. Wer nicht aufpaßte, hatte seine Artifel richtet sich gegen den ca. 22 000 Mitglieder zählenden Basler Leitartikel über die auf dem Internationalen Kongreß angenommene Prügel weg... Konsumbererein, gegen den die Mittelstandsleute seit Jahren eine Dresdener Resolution und die Resolution Adler- Vandervelde. Der Am meisten hatte unter dem Schinder der Infanterist Haber aus planmäßige Heze betreiben. Die Vorlage enthält auch einigen Schutz für Artikel besteht aus zwei Teilen, in denen entgegengesetzte Meinungen Pirmasens zu leiden: er bekam so an die 70 Kopfnüsse. Ueber- das Wirtschaftspersonal, aber kaum mehr als das bestehende Wirtschafts- vertreten werden. Im ersten Teil verteidigt Genosse H. Gorter, dies wurde dieser Mann mit der Klopfpeitsche bearbeitet, weil gesetz. Zuerst enthielt sie zwar einige recht gute Bestimmungen, in der einer der Propagandisten der niederländischen Socialdemokratie, dessen Montur nicht fanber genug gepust gewesen sein soll. Der Britten Lesung wurden sie aber von den Mittelstandsleuten und ohne Einschränkung die Dresdener Resolution. Er schließt seine Infanterist Brenner bekam 50 Faustschläge. Der Infanterist großen Kapitalisten gemeinsam wieder eliminiert, so daß auch darum Ausführungen mit folgenden Worten:" Der Revisionismus ist eine Pahle, dessen Uniform auch nicht tadellos aufgewichst gewesen sein die Arbeiterschaft kein Interesse mehr daran hat. internationale Erscheinung, die überall in den Hauptzügen dieselbe soll, befam zur Strafe hierfür einen Fußtritt in das Ge- Der Konsumverein sammielte 6500 Unterschriften, um die Vor- ist und gewiß überall dieselbe Tendenz hat. Der Internationale ficht, 16 Ohrfeigen sowie als Dreingabe 10 bis 15 Stöße lage zur Volksabstimmung und Verwerfung zu bringen. Wir hoffen, Kongreß hat, nachdem er Kenntnis genommen hatte von den Vorunter das Kinn. Ueber 20 Stöße unter das Kinn und etwa daß sie das verdiente Schicksal erfährt und in den Papierforb teilen und Nachteilen, die diese neue Taktik dem Proletariat bringt, 10 Ohrfeigen quittierte der Soldat Regel und über befördert wird, wohin sie gehört. sie mit großer Mehrheit verurteilt. Das ist die erhebende That 10 Stinnstöße sein Kollege Walt. Dieser erhielt außerdem dieses Kongresses, deren Wert durch die Unentschlossenheit der Annoch Ohrfeigen und Fußtritte auf den Leib. Ohrfeigen und Faust hänger der Resolution Adler- Vandervelde nur wenig vermindert stöße bekam auch der Infanterist Maus, und zwar wöchentlich ein wird." Gegen Gorters Ausführungen wendet sich„ het paarmal. Die Infanteristen Höchst und Hey bekamen Fußtritte Die reaktionäre Presse aller Schattierungen strengt seit vier Volt" in einem redaktionellen Artikel, der mit folgenden Säßen und Schläge ins Gesicht mit der flachen Hand. Die Soldaten zehn Tagen all ihre Kräfte an, um die Tragweite und den Sinn der schließt: Was auf dem Kongreß notwendig war: die scharf umSeel und Karl erhielten 20 Schläge ins Gesicht und die Beschlüsse des Kongresses von Amsterdam festzustellen. Sie bewährt schriebene Feststellung des Princips, ausgesprochen durch das interobligaten Kinnstöße. Dem Infanteristen Ott wurde vom Herrn in dieser Erläuterungsarbeit eine Sorge um die revolutionäre Recht- nationale Parlament des Socialismus gegen die gewiß schädliche AbUnteroffizier das Gesicht zerkrast. Mit Fußtritten auf die gläubigkeit, der wir gern unire Ehrerbietung bezeugen. Wir waren weichung Jaurès, stand hinreichend in der Resolution Adler- VanderHinterseite und Ohrfeigen wurde der Infanterist Höchst bedacht. nicht gewöhnt, daß die französischen Monarchisten und Progressisten velde. Diese Erklärung war positiv. Principiell unterschied sich da Der Infanterist Riet, der bei der Kaugeschichte interessiert ist, eine so große Bedeutung den Handlungen und Bewegungen des von die Dresdener Resolution, die gegen den Revisionismus, also wurde vom Herrn Unteroffizier an das Bett herangerufen, um die internationalen Socialismus beimessen. Bisher trugen sie gewöhnlich gegen einen Teil der Socialdemokratie, einen negativen verurteilenden Schlappen zu reichen, damit erfie ihm um den Kopf hauen konnte. Die gequälte Meinung zur Schau, daß diese bedeutenden Versamm Ausspruch ergab. Der Zweck Guesdes und seiner Anhänger war, Die Infanteristen Maus, Seel und Wakk mußten auf Befehl des lungen des Proletariats der Welt nicht ernst zu nehmen seien, Dresden nach Frankreich hinüber zu verpflanzen; aber das Mittel, Herrn Unteroffiziers nachts nach dem Zapfenstreich das oder, wenn sie sich herbeiließen, ihnen eine zerstreute Auf den Internationalen Kongreß dazu zu gebrauchen, ging zu weit, Bimmer auswaschen. merksamkeit zu widmen, so geschah es, um sich zu entrüsten, denn nun ist Dresden in alle Lande verpflanzt. Und das ist schädlich, daß französische Politiker mit Ausländern im Auslande sich über denn nun geht man Revisionismus suchen und legt das Eisen für Fragen der politischen Grundsäße oder Taktik auseinandersetzten, die, das Brandmal ins Feuer. Für unsre holländische Partei nehmen wenn auch noch so indirekt, die französische Politif betrafen. wir denn auch diesen Ausspruch unter Vorbehalt an; das will besagen: " Der Kongreß von Amsterdam hat plößlich die Gepflogenheiten bevor unser eigner Kongreß selbst gesprochen hat, sehen wir in unsrer antisocialistischen Presse verändert. Sie hat nicht allein zahl- Holland teine Rechtgläubigen und Revisionisten, sondern nur Social. und umfangreiche Artikel den Erörterungen des Kongresses demokraten. Sind gefährliche Abweichungen vorhanden, so werden gewidmet, sondern, indem sie aus dem Extrem der Gleichgültigkeit wir darauf hinweisen; besteht Gefahr für Berwischung der Grenzen, in ein Ertrem der Bewunderung und der Achtung für die Formeln wir werden uns bemühen, sie scharf zu markieren und den Buchstaben der in Amsterdam angenommenen Schlüsse fällt, kennen bei dem heutigen Stand der Dinge keine Scheidung der gewirft sie sich zum Richter auf über die Ausführung dieser Beschlüsse treuen Schafe von den revisionistischen Böcken an. Wir treten in den und Formeln. Der„ Temps" zeichnet sich vor allem in der Schul- Kampf, der sogleich in seiner vollen Schärfe beginnen wird, als die meisterrolle aus, welche er seit 14 Tagen ausübt und er entwickelt eine und unteilbare Socialdemokratische Arbeiterpartei von Niederden ganzen Matielismus eines Neu- Bekehrten in seinen Urteilen, die land." er über die Meinungsverschiedenheiten vorbringt, die die Richtungen des französischen Socialismus trennen. So verkündet er, daß unste Partei, deren Politik Jaurès in Amsterdam vertrat, gänzlich aufs Haupt geschlagen worden sei und daß uns seitdem nichts andres übrig bleibe, als uns zu unterwerfen, Guesde und Vaillant um Ver,, Achtungsverletzungen." Das Kriegsgericht der zweiten zeihung zu bitten, bei Strafe des vollständigen Ausschlusses aus der Marine Inspektion in Wilhelmshaven verurteilte den Socialdemokratie und sogar der Exkommunikation durch den„ Temps", Torpedo- Heizer Neiseke von der 1. Compagnie der zweiten der ein nicht minder wachsamer Hüter der revolutionären UeberTorpedo- Abteilung wegen Achtungsverlegung bor berlieferungen und Formeln ist als die socialdemokratische Partei Frank sammelter Mannschaft zu bier Monaten Gereichs selbst. fängnis. Der Vertreter der Antlage hatte nur zwei Monate be=" Unser Kollege geht ein wenig weit in dem Uebermaß seines antragt. Der Heizer war dan Befehl seines Feldwebels, den Eifers und er läuft Gefahr, die Sache der Intransigenz zu fomproDaumen an der Hosennaht etwas zurückzulegen, nicht nachgekommen mittieren, die er verteidigt. Der Jnternationale Songreß hat den und hatte hierbei den Feldwebel besonders frech" angesehen! Als Wunsch geäußert, daß der französische Socialismus sich einige. er dann von ihm auf das Bureau bestellt wurde, ist er diesem Wir haben uns freiwillig in Amsterdam diesem Wunsche unterworfen, Befehl auch nicht sofort nachgekommen. bevor er noch zum Beschluß des Kongresses erhoben worden Ebenfalls wegen Gehorsamsverweigerung und ist. Jaurès hat dann hier den gleichen guten Willen zur Es gehört sehr viel Disciplin dazu, diese dreisten Verhöhnungen Beharrens im Ungehorsam bor versammelter Einheit bethätigt, die in gleichen Maße alle Mitglieder des Gesetzes, als welche sich solche Versammlungsauflösungen darMannschaft wurde der Matrosen- Artillerist Rudolf Schöne der französisch socialistischen Partei beseelt. Aber stellen, ruhig hinzunehmen. von der 3. Compagnie der zweiten Artillerie- Abteilung zu zwei gegenseitigen Forderungen, welche jede der beiden Fraktionen Monaten Gefängnis berurteilt. Schöne habe beim Rudern, über die endgültigen Bedingungen stellen mag, unter denen die als er achtern wollte, aber zum Rudern befohlen wurde, einen Einheit möglich sein wird, unterliegen nicht dem Urteil des„ Temps". 21jährigen Maaten gegenüber geäußert:„ Ich bin auch Das internationale socialistische Bureau, dessen kann der„ Temps" immer dabei, tann auch einmal abgelöst werden" und dann: Pulen überzeugt sein, ist mehr berufen, als er, zur Vermittelung. Und werde ich, aber ich hole nicht für 5 Pfennige aus". diese Erwägung flößt uns wieder Mut ein, denn der„ Temps" ist sehr streng gegen uns 1" Amerika. Der Vertreter der Auflage beantragte 1 Jahr und 4 Monate Gefängnis nebst Degradation. Das Gericht erkannte auf bloß ein Jahr nebst Degradation und Versetzung in die zweite Soldatenklasse. Es ist dies die höchste Strafe, die dieses Gericht seit seinem Bestehen über einen Soldatenschinder ausgesprochen. Der Vertreter der Anklage bemerkte bei Begründung seines Antrages, daß noch kein ähnlicher Fall das Gericht beschäftigt habe und daß die Sachen sicher nicht soweit gediehen wären, wenn einer der Mißhandelten den Mut gefunden hätte, Anzeige zu erstatten. Der Verurteilte hatte vor Beginn der Verhandlung Bertagung beantragt, um Entlastungszeugen zu laden, die darüber aussagen sollten, daß es bei dem Bataillon, dem er angehörte, noch mehr Soldatenschinder gebe. Die ihm zur Last gelegten Vergehen habe er auch bei andren Unteroffizieren in Uebung gesehen und von diesen habe er es gelernt. Das Gericht hat den Antrag leider abgelehnt. Der Compagniechef des Verurteilten, Hauptmann Murrmann, wurde dieser Tage mit Pension entlassen. Ein Steckbrief. Man schreibt uns aus Baden: Zum badischen Bundesratsbevollmächtigten wurde der bisherige Landeskommissar in Konstanz, Freiherr v. Bodmann, ernannt. Die heutigen Ver= Die Parteien und die Raffenfrage. die Polizeiliches. Gerichtliches ufw. aber wir er,, Rußland, Rußland über alles", mit diesem vortrefflich kennzeichnenden Gesange quittierte eine Versammlung in Bochum über die Auflösung, die einzig aus dem ungefeßlichen Grunde erfolgte, daß eine Frau sprechen wollte. Das ist schon die dritte öffentliche Versammlung in jener Gegend, die aufgelöst wird mit der Begründung, daß Frauen in öffentlichen Versammlungen nicht sprechen dürften. Eine Beschwerde beim Regierungspräsidenten ist trotz der klaren geseßlichen Sachlage noch unerledigt. In der hier erwähnten Versammlung erlaubte sich der überwachende Beamte außer der das Gesetz verlegenden Auflösung noch die Geschmacklosigkeit, zum Vorfizenden zu sagen: " Ich fordere den Vorsitzenden auf, diese Frauensperson aus dem Saale zu entfernen." Mit der Frauensperson meinte er die Genoffin Grünberg- Berlin, die als Referentin in der Versammlung das Wort nehmen wollte. Gewerkschaftliches. Das Recht der Streikposten und die freie Meinungsäußerung. In einer Volksversammlung, die am 18. April in Rigdorf abgehalten wurde, war die Entlassung städtischer Arbeiter Gegenstand der Verhandlung. Naturgemäß kam bei dieser Gelegenheit auch die Unsicherheit des Koalitionsrechts zur Sprache. Als Illustration zu treter dieses alten badischen Adelsgeschlechts, deren einer das Vice- Es soll Roosevelts Stellung schwächen, daß er gelegentlich auf diesem Thema fennzeichnete ein Diskussionsredner, Arbeiter Hildepräsidium in der Ersten Kammer führt, wandeln politisch auf ent- die Neger ein flein wenig Rücksicht genommen hat. Dabei tämen brand, das bekannte überaus scharfe Vorgehen der Polizei gegen die gegengesezten Bahnen. Der oberste Kämmerer streitet tapfer für das römische Centrum, der bisherige Landeskommissar machte nur die Südstaaten in Betracht und dieselben werden von den Demo- Streitposten, welche bei dem Streit in der Nothmannschen Fahrradfraten beherrscht. Dort spielt die Frage, wie sich ein Präsident zur Fabrik ihr Recht ausübten. Aus der Thatsache, daß eine Reihe Karriere als Stütze der nationalliberalen Regierungs: Negerbevölkerung stellt, ihre Rolle. Daß Roosevelt einige Neger in gerichtlicher Urteile das Verhalten, welches die Polizei beim Noth partei. Als nun das neueste Glied des Bundesrates bei kleine Aemter eingesetzt, daß er gar mit einem Schwarzen zuſammen manuschen Streit an den Tag legte, als unrechtmäßig erscheinen Abschiedsfeier seiner politischen Freundschaft zu Konstanz einer goldenfelt, handelte er das Thema ab: die reg geſpeiſt hat, macht ihn verdächtig. Dieſe Furcht ist wirklich un- lassen, folgerte der Redner, daß das Vorgehen der Polizei gegen die die Scheidepauke Trennung begründet. von Religion und Politik, womit er seinen liberalen Freunden große, Verschiedene Südstaaten haben Amendements zu ihren Staats- Streitposten ungefeßlich gewesen sei. Hildebrand soll bei dieser seinen ultramontanen Verwandten negative Freude bereitete. Diese verfassungen angenommen, wodurch das Stimmrecht abhängig gemacht Gelegenheit gesagt haben: Was soll man dazu sagen, wenn ſelbſt sich widersprechenden Empfindungen löften sich denn auch in der wird von gewissen Stitfen der Bildung und einem Minimum des ein königlicher Polizeilieutenant das Recht der Streifenden mit Füßen bürgerlichen Presse der beiden Richtungen aus. Die Römischen verargten es den Teutschen, daß die letzteren den Landeskommissar v. Bod- Besizes der Bürger. Dieſe Gesetze sind absichtlich gegen Neger tritt, Streitposten zur Wache schleppt und sie einsperrt." gerichtet und treten fast immer nur gegen Neger in Kraft. Die große Der Zufall fügte es, daß der die Versammlung überwachende mann für autorisiert erklären, in der Beurteilung religiöser Probleme ein Masse der Neger ist thatsächlich unter der Herrschaft der Demokraten Polizeilieutenant derselbe war, in dessen Revier die Nothmannsche Gutachten abzugeben, und benusten den Anlaß, um dem nach Berlin Gutachten abzugeben, und benuzten den Anlaß, um dem nach Berlin politisch entrechtet. Die Republikaner hätten dies ver- Fabrik liegt und auf dessen Anweisung die Schutzleute in der beberufenen Freiherrn aus katholischem Adel einen Steckbrief der hindern können es berlohnt sich darauf hinzuweisen heiligen Inquisition nachzusenden. In einem Centrumsblatte fenn- benn nach der Bundesverfassung verliert ein Staat, der durch kannten Art gegen die Streikposten vorgingen. Der Polizei zeichnen sie den Bundesratsbevollmächtigten als einen Apostat en Wahlrechtsbeschränkung sein Votum verringert, an Vertretern lieutenant war deshalb der Meinung, daß Hildebrands Ausder katholisch thue, aber ein Verräter an seiner Väter Religion ſei, im Repräsentantenhause. Von dieser Befugnis haben die führungen sich auf seine, des Polizeilieutenants Person beziehen denn Freiherr von Bodmann begehe als Katholik das Verbrechen, Republikaner niemals Gebrauch gemacht, obgleich sie damit sollten. Da nun Hildebrand, als er die betreffende Aeußerung seine Kinder im protestantischen Glauben er den Negern eine wirksame Hilfe geleistet hätten. machte, den Beamten ansah, so fühlte dieser sich beleidigt und die ziehen zu lassen. Die Schwarzen haben weder in der demokratischen, noch in der weitere Folge war, daß sich Hildebrand am Sonnabend vor dem Gegen eine solche Anschuldigung eines Centrumsblattes wandte sich eine Stimme aus dem alten Adelshause, um festzustellen, daß republikanischen Partei einen Freund, und daß die socialistische Partei Schöffengericht Nixdorf wegen öffentlicher Beleidigung zu verFreiherr v. Bodmann trop langer Frist des Chestandes mit Na cheriſtiert, wissen sie kaum. tommen nicht beglückt worden ist. Aber ein Jesuiter " Australien. antworten hatte. Der als Zeuge vernommene Polizeilieutenant Scholber fagte versteht es, sich zu helfen; das Centrumsblatt ändert seinen Steck- Die Resignation des Arbeiterministeriums Watson und die Neu- unter andrem über sein und seiner Beamten Vorgehen gegen die brief ab mit der Variation: der badische Bevollmächtigte zum bildung eines Koalitionsministeriums unter G. H. Reid, einem Frei- Streifposten: Es sei, als der Streik bei Nothmann ausbrach, von Bundesrat hat zwar keine Kinder, aber wenn er solche befäße oder händler, hat eine große Unsicherheit und Verwirrung unter den dem Fabrikbefizer um Schutz gegen die Streitposten ersucht worden, noch bekäme, so würde er sie zu Keßern erziehen, dieweil die Frei- Parteien hervorgerufen. Der Kampf gegen die Arbeiterpartei scheint daß sich die in der Fabrik beschäftigten Arbeitswilligen durch diefrau v. Bodmann einer evangelischen Familie entstammt. dem neuen Ministerium die Hauptsache zu sein. Reid hat ver- selben belästigt fühlten. Er, der Zeuge, habe den erbetenen Schutz Es nügt alles nichts, der Apostat wird verbrannt. sprochen, alle größeren Streitfragen vorläufig nebensächlich zu beUnruhen im Hottentotten- Gebiet. Zu dem Herero- Aufstand scheint handeln, um eine Mehrheit gegen die Arbeiterpartei zu gewinnen. selbstverständlich zugesagt, soweit unsre Kraft reicht und das Gesetz fich jetzt auch noch ein erneuter Hottentotten- Aufstand gesellen zu Gemäßigte Schutzöllner haben dem Freihändler Reid ihre Hilfe es zuläßt". Wir( die Beamten) sagten nun den Streitposten: Sie sollen. Laut einer Depesche aus Keetmannshop hat der zugesagt, aber niemand glaubt, daß er sich lange halten kann. wissen doch, daß hier gestreift wird, Sie dürfen hier nicht stehen, Hererobastard Morengo, der mit seiner Räuberbande Extreme Schutzzöllner nähern sich der Arbeiterpartei, damit die gehen Sie weg. Aber die Leute kamen immer wieder. Dann wurden jüngst verschiedenen weißen Ansiedlern, meist Boeren, die Waffen Freihändler nicht sehr zu das Uebergewicht bekommen. sie sistiert und verwarnt. Die Leute waren ganz venünftig, fie versprachen abnahm und dadurch weiteren Zulauf erhielt, jegt die Farm Saturday Review" meint, es wäre wahrscheinlich viel besser ge- uns, nicht wieder zu kommen, aber kaum war eine Viertelstunde vergangen, Groendorn des Deutschen Müller von Berneck sowie die Farmen wesen, wenn Lord Northcote, der Gouverneur, auf Watsons Rat so standen sie schon wieder da. Ich mochte nun nicht auf eigne von Hannemann und Ulrich ausgeplündert. Ein Teil der Abteilung gehört und das Parlament aufgelöst hätte. Der Appell an das Land Veranlassung weiter vorgehen, ich hielt dem Polizeipräsidenten Vordes Majors Lengerte ist bereits unterwegs, um Morengo würde Klarheit in die Situation gebracht haben. aufzuheben. Das Arbeiter- Ministerium stürzte bekanntlich über die Vorlage trag und dieser billigte mein Verhalten. Noch in legter Beit der Schiedsgerichte, in welcher Watson die Interessen der organisierten daß es statthaft ist, die Streitposten so lange auf hat der Polizeipräsident von Berlin verfügt, Arbeiter schüßen wollte. der Wache zu behalten, bis die Arbeitszeit borüber ist. Hierzu giebt uns die Straßenpolizei- Verordnung ein Recht, denn sie ermächtigt uns ja, Anordnungen im Interesse der Basel, 2. September.( Eig. Ber.) Die Stimmberechtigten des Die Haltung des Stettiner Volksboten" in den vorjährigen Bequemlichkeit des Publikums zu erlassen. Die Streitposten sind Kantons Baselstadt haben am Sonntag über das revidierte Parteistreitigkeiten wurde auf dem pommerschen Parteitage erörtert. aber durch ihre bloße Anwesenheit den Arbeitswilligen unbequem, 28irtschaftsgesetz zu entscheiden, das ebenso sehr fiskalischen wie Den Anlaß dazu bot folgender Antrag aus Wolgast: mittelstandsretterischen Zwecken dienen soll. Es behält nicht bloß den 1887" Der Parteitag erklärt, daß er mit der vorjährigen Haltung auch wenn sie die Arbeitswilligen weder ansprechen, noch ihnen sonst geschaffenen fog. Bedürfnisartikel" bei, durch den ein Wirtschafts- der Redaktion des„ Boltsboten" zum Revisionismus und zu den zu nahe treten. Die Streifpoſten find also nicht als Streitposten patent allmählich auf mindestens 30 000 Fr. gesteigert und so den Parteiwirren nach dem Dresdener Parteitag nicht einverstanden verhaftet, sondern im Interesse der Bequemlichkeit des Publikums glüdlichen Hausbesigern mit Wirtschaften ein Geschenk von ist; die einseitige Stellungnahme für den Revisionismus und die und der Sicherheit des Verkehrs. Der Angeklagte berief sich darauf, daß das Vorgehen geç 12 Millionen Frant gemacht wurde; die neue Vorlage bewegt sich damit zusammenhängenden Erscheinungen wird gemißbilligt. weiter in der gleichen Richtung und erhöht auch die Bewilligungs- Die Redakteure des Blattes erklärten in längeren Ausführungen, Streifpoften, wie es der Polizeilieutenant geschildert habe, eben 1 tage bis auf 30 000 Fr. im Maximum für ein Patent, wodurch daß sie gar nicht daran dächten, sich mit dem zu identifizieren, was I gesetzlich sei, denn ein derartiges Vorgehen sei eine Beeinträchtig Husland. Schweiz. Eine Volksabstimmung. Partei- Nachrichten. fce« KoalMvnSrechtS und stehe auch im Widerspruch mit Tut- scheidungen des Reichsgerichts. Er, der Angeklagte, habe also nicht mit Unrecht das polizeiliche Verhalten als ungesetzlich bezeichnet. UebrigenS bestreite er, die betreffende Aeußerung so gemacht zu haben, wie die Anklage behauptet. Er habe nicht die Absicht gehabt, den Beamten zu beleidigen. Das Gericht hielt eine Beleidigung nach Z 185 des Straf- gesetzbuchs für vorliegend, es verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche und sprach dem Polizeilieutenant Scholber die Befugnis der Publikation des Urteils im„Nixdorfer Tageblatt" und im.Rixdorfer Anzeiger" zu. Was man doch mit Eifer und gutem Willen nicht alles in eine Straßenpolizei-Verordnung hineinlegen kann. Wenn der Polizei die Sorge für die Bequemlichkeit des Publikums anvertraut wird, so kann damit doch nichts andres gemeint sein, als das rein äntzerliche, körperliche Behagen der Menschen. Wer hätte wohl daran gedacht, daß sich die Polizei auch berufen fühlt, die Arbeitswilligen vor dem seelischen Unbehagen zu bewahren, das sie empfinden könnten, wenn fie sich durch streikende Arbeitsgenossen als Frevler an der Arbeiter- solidarität ertappt sehen, ohne daß ihnen auch nur ein Haar ge- krümmt oder ein Wort gesagt wird. Es ist nicht leicht, eine solche Auffassung polizeilicher Befugnisse zu kritisieren, ohne dah Polizei. Staatsanwälte und Richter in der Kritik eine formale Beleidigung erblicken. BerUn unkt hingegen ck. " Die Tarifbewegung der Baukleuipner nimmt einen befriedigen� den Verlauf. Es handelt sich bekanntlich darum, dafi die Einzeb Verträge mit mehreren Firmen, die bis zum 1. d. M. noch in Geltung waren, durch den nach dem vorjährigen Streik abgeschlossenen Kollektivvertrag ersetzt werden. Bon den betreffenden Firmen kommen 21 in Frage, welche zur Zeit Gesellen beschäftigen. Diesen Firmen ist der Kollektivvertrag vorgelegt worden. 18 Firmen hatten bis Sonnabendabend den Vertrag unterzeichnet und 3 hatten die Unterschrist noch nicht gegeben. Bei denen, die den neuen Vertrag anerkannt haben, arbeiten 241 Bauklempner. Nim bestehen noch 44 Firmen, die ebenfalls Einzelverträge hatten. Dies sind jedoch Klcimneister, die nur zeitweise wenige Bauklempner beschästigen und denen der neue Vertrag bisher noch nicht vorgelegt werden konnte. Wie Cohen in der am Sonnabend abgehaltenen Bauklenipner-Ver- sammlung ausführte, kann der neue Tarif jetzt als für dir meisten in Frage kommenden Arbeiter durchgeführt betrachtet werden.— Bei den drei Firmen Hübner, Feist und Saud, die den vorgelegten Vertrag nicht unterzeichnet haben, wird die Arbeit am Montag nicht wieder aufgenommen. Es wird jedoch als sicher bezeichnet, dafi der Streik nur von kurzer Dauer sein und die betreffenden Firmen bereits im Laufe des Mpntags den Vertrag unterschreiben werden. Die Lohnbewegung der Mstenmacher hat bereits teilweise guten Erfolg gehabt, doch wird es wohl bei mehreren Firmen zum Streik kommen. Entsprechend dem Beschlutz der vor acht Tagen abgehaltenen Versammlung haben die Fabrikanten am Dienstag früh sämtlich die Forderungen erhalten, die im Grunde genommen nichts andres sind als die vor vier Jahren getroffenen Vereinbarungen, die leider von den meisten Firmen nicht gehalten worden sind. Unbedingt bewilligt haben, wie gestern abend in der Kistenmacherversamm- lung mitgeteilt wurde, folgende 11 Firmen: Arnold, Zoch, Dorfstecher u. Michaelis, Adolf, Hi ntz, Oskar M e i tz n e r, Bessefftratze. B. Meißner, Spittelmarkt, Karge. Puhlmann u. Schulz, Drechsel und L e b r e ch t, Kronen- stratze 71. Außerdem hat eine Anzahl Fabrikanten sich unter Ein- schränkungen zur Bewilligung bereit erklärt, was jedoch von den Arbeitern als annehmbar angesehen wird. Es wird hier Aufgabe der Lohnkomission sein, diese Fabrikanten durch Verhandlung zu bedingungsloser Anerkennung der Forderung zu veranlassen. Am Freitag hat übrigens auf Einladung der Lohnkommission eine Ver- Handlung mit den Fabrikanten stattgefunden, die ziemlich be- friedigend verlaufen ist, wenn sie auch zu keinem positiven Ergebnis geführt hat und auch nur ein Teil der Arbeitgeber anwesend war. Eine große Anzahl Fabrikanten fysi es nämlich nicht für nötig be- funden, zur Verhandlung zu erscheinen, noch irgend welche Antwort zu geben. Diese Firm«, sollen nun durch energische Maßregeln zur Anerkennung der Forderungen genötigt werden, wie folgende einstimmig angenonunene Resolution besagt: Die am 3. September in den Andreas-Sälen tagende öffent- liche Kistenmacher- Versammlung nimmt Kenntnis vom Bericht der Lohnkommission. Sie erachtet es für Ehrensache der organisierten Kollegen, bei den Fabrikanten, welche bis jetzt den Tarif nicht bezahlen, sich auch nicht gemüßigt gefühlt haben, ans den an fie gesandten Tarif zu antworten, vom Montag, den 5. September ab die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis eine Einigung mit der Lohnkommisfion erzielt worden ist." Die Zustände in den Glasschleifereien. Unter den Forderungen der jetzt in eine Lohnbewegung eingetretenen Glasschleifer fällt die auf, daß die Werkstätte täglich gereinigt und der Schmutz täglich entfernt werden soll. Man sollte meinen, daß in einem so gesundheitsschädlichen Berufe, bei dessen Ausübung die Staub- cntwicklung eine außerordentliche ist, von allen Unternehmern auf �häufige und gründliche Reinigung der Werkstätten gehalten würde. Das ist aber vielfach durchaus nicht der Fall. Die von der Organi- saiion der Arbeiter beziehungsweise von deren Beauftragten vor- genommene Enquete über die Verhältnisse in 54 Betrieben ergab bei Einläufen aus 38 Betrieben, daß die Reinigung in 14 von diesen 38 Betrieben nicht genügte. Es giebt darunter Werkstätten, wo während der ganzen Woche nur einmal rein gemacht wird. Und ver- schiedentlich kommt eS vor, daß der ganze Abgang an Schleifmaterial 4 Sand, Schmirgel) mit dem Schmutz auf einen Haufen gefegt und durchgesiebt wird, damit, was noch nutzbar, wieder beim Schleifen Verwendung finde. Eine Methode, die schon vom rein gesundheit- liehen Standpunkt aus schärssten Tadel verdient. In einzelnen Be- trieben ist die Müllkute in der Werkstatt selber. Alles kommt hinein und nach vier Wochen kommt der Müllwtscher, um auszuräumen. Auch ein lieblicher Zustand, den schädliche Gerüche noch verschönen. Deshalb die Forderung: tägliche Reinigung und tägliches Entfernen des Schmutzes. Das Aetzen mit Säure während der Arbeitszeit erfolgt auch noch öfter in Betrieben. Es ist dann darin nicht auszuhalten. Bei alledem liegt die Ventilation ganz im argen. Nur in 7 von 38 Betrieben war Ventilation vorhanden. In der Beziehung hofft man mit Hilfe der Gcwerbe-Jnspektion Abhilfe zu erzielen. Der Vorstand der Zahlstelle des Verbandes will mit den Vertrauensleuten noch weitere Einzelfeststellungen über die gesund- heusschädlichen Zustände in Glasschleifereien machen und daS ge- samt« Material dem Gewerbe-Jnspekwr unterbreiten. KurioS ist, daß sich ein Gericht veranlaßt sah, die Luftvcrhältnisse einer Glas- schleiferei noch zu verschlechtern. Ein Geschästsnachbar, den das große Geräusch der Schleiferei in seinem Comptoir störte, erwirkte einen Gerichtsbeschluß, wodurch dem Schleifereibesttzer aufgegeben wurde, während des Betriebes die Fenster seiner Schleiferei ge- schlössen zu halten.— Nicht getrennte Aborte für Männer und Frauen bestehen in 6 Betrieben. In einem Betriebe müssen Männer und Frauen gemeinsam einen auf dem Flur liegenden u n« verschließbaren Abort benutzen. In einem Betriebe giebt es ein großes zwölfsitziges Klosett ohne Scheidewände zwischen den Sitzplätzen.— Kleiderspinden, wegen des überall eindringenden Staubes ein notwendiges Erfordernis in Glasschleifereien giebt es nur in 21 der ftaglichen 33 Betriebe, und selbst sie bestehen meist nur aus Glaskisten, nicht viel besser als Eierkiften, mit Vorhängen davor. Das Eindringen deS StaubeS in die Ueberileider wird durch ihre Benutzung nicht verhindert. Darum wird in den Forderungen auch daS Vorhandensein staubdichter Kleiderspinden beansprucht.— Waschvorrichtungen(mit Zu- und Abschluß) sind nicht in 2S der 38 Betriebe. Ankleideräume waren vorhanden in 11. nicht vorhanden in 27 Betrieben. Hoffentlich wird die Gewerbe-Jnspektion energisch eingreifen, wenn die berufenen Vertreter der Arbeiter an sie hilfesuchend herantreten., Dir neuen Tariflöhne im Buchbindrrgewerbe sind im allge- meinen ohne weiteres anerkannt worden. Nur einige Firmen haben meist geringfügige Einwendungen gemacht, unter ihnen auch einzelne, die dem Verband der Buchbindereibesitzer angehören, von denen man derartiges nicht hätte erwarten sollen. Bemerkenswert ist es, daß zwei Firmen wohl ihren organisierten, aber nicht ihre nun organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen die neuen Tariflöhne bezahlt haben, was ja nur dazu dienen kann, den Unorganisierten an diesem praktischen Beispiel den Wert der Organisation vor Augen zu führen. Hoffentlich wird dieser An» schauungsunterricht auf die betreffenden nicht ohne Wirkung bleiben. Bei den Firmen, die nicht bedingungslos bewilligt haben, werden sich am Montag die Vertreter des Buchbinder-Verbandes zur Ver- Handlung einstellen, um den Versuch zu einer friedlichen Einigung zu machen. Die Lohnbewegung der Leder- und Papiergalanterirwaren- Branche hat bis jetzt zu erfreulichen Ergebnissen geführt. Ein Teil der Arbeitgeber hat die Forderungen bewilligt. Im allgemeinen werden die Forderungen von den Fabrikanten als gerechtfertigt an- gesehen und es wird wohl keine großen Schwierigkeiten machen, sie auch überall durchzusetzen. Verlangt werden für Arbeiter 50 Pf. Stundenlohn, im Accord 60 Pf. Minimalverdienst: für Hilfs- arbeiterinnen 30 Pf. Stundenlohn. Geübten selbständigen Ar- beiterinnen soll mindestens 35 Pf. Stundenlohn gezahlt werden. Selbständige Arbeiterinnen, die Gehilfenarbeit verrichten, sollen denselben Lohn wie Gehilfen erhalten.— Der Streik bei der Firma Mackensen ist nach eintägiger Dauer zu Gunsten der Streikenden erledigt; es wird jedoch am Montag noch einmal mit dem' Fabrikanten verhandelt, um eine bessere Behandlung der Arbeiterinnen durch den Werkführer herbeizuführen. Bei der Firma Georg Dietrich ist die Arbeit am Freitag niedergelegt worden. Mit diesem Fall hat sich die Fabrikanten-Vereinigung beschäftigt; es wird jedoch Anfang nächster Woche auch hier verhandelt werden. In der Luxuspapicrbranche sind den Arbeitgebern die For- derungen zugestellt worden. Am Donnerstag wird eine Versamm- lung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Branche weitere Stellung zur Lohnbewegung nehmen. Die Organisation hat in der Branche erfreuliche Fortschritte gemacht; die Presser und Präger der Luxus- Papierfabriken sind fast alle organisiert. Erfolgreiche Sperre. Die Sektion der GipS- und Cement- branche des Centralverbandes der Maurer war gezwungen, am Mittwoch, den 31. August, das Baugeschäst von Günther u. Soll- Wedel zu sperren. Die Sperre dauerte einen halben Tag und endigte mit einem vollen Erfolg der in Betracht kommenden Arbeiter. Die Sperre war notwendig geworden, weil die Firma, obgleich sie Mit- glied des Verbandes der Gips-, Cemeut- und Deckend augeschäfte ist, den zwischen diesem Verband und dem der Maurer, Sekticm der Gips- und Cementbranche, abgeschlossenen Tarifvertrag nicht respek- tierte und einem großen Teil ihrer Arbeiter den vertragsmäßigen Lohn nicht zahlte. Schon am 28. Mai war aus dem Grunde eine Verhandlung mit der Firma durch die Zwölferlommission eingeleitet worden. Am Schluß dieser Verhandlung verpflichtete sich die Firma unterschriftlich, den Vertrag in vollem Umfange anerkennen zu wollen. Es stellte sich aber bald heraus, daß die Firma ihr ge- gebenes Wort brach und einen Teil ihrer Arbeiter wieder Vertrags- widrig entlohnte. Wegen dieser Handlungsweise mußte sich die Firma in einer am I. Juli d. I. stattgefunden«» Sitzimg vor der Zwölfer- kommission verantworten. Diese Sitzung endete mit einer moralischen Niederlage der Firma. Es wurde du. ein Antrag angenommen, der die Firma verpflichtete, in Zukunft den Vertrag in vollem Umfange anzuerkennen und den zu wenig ausgezahlten Lohn vom 28. Mai dieses Jahres ab nachzuzahlen. Nach einem solchen Verlauf dieser Angelegenheit glaubten die Arbeiter, daß sich jetzt die Firma an die Bestimmungen des Vertrages gewöhnen wird. Trotz dieser Vor- gänge zahlte die Firma wieder einer Anzahl Leute einen geringeren als den vertragsmäßigen Lohn. Nach einem solchen Verhalten der Firma blieb der Organisation sowie den bei der Firma beschäftigten Arbeitern weiter nichts übrig, als die Firma zu sperren. Die Forderung bei der Sperre war: volle Anerkennung des Vertrages und Zahlung der rückständigen Löhne vom 1. Juli d. I. ab. Die Arbeitsniederlegung war einmütig. In Frage kamen 110 Arbeiter. Die Firma war gezwungen, bereits nach wenigen Stunden bei der Leitung der Organisation um eine Verhandlung zur Beilegung der Differenzen nachzusuchen. Das Ergebnis der Verhandlung war. daß sich die Firma„erneut" verpslichtetc, den Vertrag im vollen Umfange anzuerkennen, und daß sie den Arbeitern, welche nicht den vertragsmäßigen Lohn bekommen haben, den fehlenden Lohn vom 1. Juli d. I. ab nachzahlt. Dieser Ausgang der Sperre ist ein moralischer Erfolg der Arbeiter über die Firma, wie er besser nicht gedacht werden kann. Zieht man die Gründe in Betracht, welche zu dieser Sperre geführt haben, dann kann man allerdings die beteiligten Arbeiter nicht von der Schuld einer großen Stach- lässigkeit und Pflichtverletzung freisprechen. Es wäre schon längst Pflicht der Betroffenen gewesen, die Leitung der Organisation von der Handlungsweise der Firma in Kenntnis zu setzen. Deutsches Kelch. Wir weit in Breslau der Arbeitswilligenschutz geht, dafür zeugt in dieser Woche ein recht krasser Fall. Am 24. August wurden zwei Maurer von der Anklage der Bedrohung Arbeitswilliger frei» gesprochen, nachdem der Staatsanwalt selbst die Freisprechung beantragt hatte. Jetzt hat derselbe Staatsanwalt gegen die von ihm beantragte Freisprechung Berufung eingelegt und eine neue Wer« Handlung angesetzt. In Breslau ist eben alles möglich I Sämtliche»rganificrten Küfer von Mainz haben gestern ge- kündigt, nachdem die seit einigen Tagen gepflogenen Verhandlungen mit ihren Prinzipalen ohne den gewünschten Erfolg geblieben sind. Somit wird in 14 Tagen der allgemeine Küferausstand eintreten. Das ist für den Weinhandel jetzt zur Zeit des Herbstversandes in anbetracht der beginnenden Arbeiten zur Bergung der reichen Wein- ernte von kolossaler Tragweite. Der Wemhändlerverband wird Montag in einer allgemeinen Versammlung zu der Kündigung Stellung nehmen. Ein Tarifvertrag ist zwischen den Arbeitern und Unternehmern der TranSportqeschäfte in Nürnberg abgeschlossen worden. Es wurde unter anderm vereinbart, daß in allen Betrieben für die Lader, Mtgeher x. eine Frühstücks- und Besperpause von je einer halben Stunde sowie eine Mittagspause von 1>/, Stunden einzuhalten ist Kann die Mittagspause aus betriebstechnischen Gründen nicht ein- gehalten werden, so sind hierfür 60 Pf. Entschädigung zu bezahlen. An Sonntagen dürfen die Arbeiter außer zum Reinigen und Füttern der Pferde und event. Geschirrreinigen zu keiner Arbeit herangezogen werden, bei unbedingt notwendigen Arbeiten ist für jede Einspannung 1 M., und wenn sich- dieselbe über mittags 1 Uhr ausdehnt, eine weitere Mark zu bezahlen. Das Füttern der Pferde an Sonntagen hat im Turwls zu geschehen und ist so einzurichten, daß jedem Arbeiter mindestens alle 14 Tage ein fteier Sonntag verbleibt. In den Betrieben, wo in dieser Hinsicht schon früher bessere Vereinbarungen getroffen wurden, darf leine Verschlechterung des bis- herigen Zustandes eintreten. Als Mindestlohn ftir die beim Fuhr- werk beschäftigten Personen wird der Betrag von 21 M. festgesetzt, alle übrigen Arbeiter erhallen eine Zulage von 2 M. pro Woche. Bei Neueinstellungen von Arbeitern ist möglichst der Arbeitsnachweis des Verbandes zu benutzen. Ueber Streitigkeiten aus dem Vertrage entscheiden die beiderseitigen Kommissionen: zu den Verhandlungen kann evenwell ein Vertreter des GewerkschaftSlartells zugezogen werden._ Die Schuhmachermeister haben nun ebenfalls einen Arbeit» geberverband gegründet. Die Arbeitgeber des Schuhmacher- gewerbeS in Berlin, Potsdam, Hannover, Bremen, Köln, Dresden und so weiter haben bereits ihren Beitritt zu dem Verbände erklärt, der später auch mit den Inhabern der mechanischen Schuhfabriken Fühlung nehmen will. Den Ausständen und Sperren soll durch gegenseitige Unterstützung, Nichteinstellung von Arbeitern aus Streikgebieten usw. entgegengetreten werden. Vorsitzender ist Schuhmachermeister S. Schultz, Berlin, Bellealliancestr. 12. ÄiigUnck. lieber die Zahl der ffeiernde» Arbeiter im Becken von Charleroi wird folgendes bekannt: Es sind auf Grund einer Versammlung der Fabrikherren, die stattfcrud, folgende Glashütten geschlossen worden: Die.Rad- Glashütten" zu Lodelinsart(800 Arbeiter), „Anker" in Charleroi<300 Arbeiter),„Nusone" in Lodelinsart <300 Arbeiter),„Georges" in Lodelinsart(500 Arbeiter), die„National- Glashütten" in Jnmet(500 Arbeiter) und„Jonet" in Charleroi (1500 Arbeiter). Die Zahl der Feiernden beläuft sich insgesamt auf etwa 10— 12 000 Mann. Es bleiben nur noch etwa 800 Mann in Marchienne, Jemappes und Mariemont fernerhin noch in Arbeit. Die deutsche Arbeiterschaft dürfte es besonders interessieren, daß in I u m e t sich auch eine Anzahl deutscher Arbeiter im Aus- stände befindet, welche 1901� nach dem Generalstreik der Flaschen- macher durch den Arbeitsnachweis der Glasbarone, der Heye, Siemens und Konsorten, aus 1'/, Jahre ausgesperrt wurden. Der Rot gehorchend mußten ste damals der heimatlichen Scholle den Rücken kehren und im Auslände Unterkunft suchen. Aber auch in Belgien wurden sie in ihren Hoffnungen getäuscht. Die Besitzer der neugeglüirdrten Flaschenfabrik, welche die Leute unter den glänzendsten Versvrechungen nach Jumet gelockt, setzten, unterstützt von einem brutalen Beamtentum und auf die Not der Arbeiter pochend, gar bald die Lohnzwickmaschine in Gang. Schlag auf Schlag folgte; mit immer neuen Tricks suchte man der jungen Organisation der Leute in den Weg zu treten. Nachdem schon zehn Monate in halben Schichten gearbeitet worden war, um zu vermeiden, daß die Arbeiter des einen OfenS sich wieder in ihr altes Joch nach Deutschland begeben müßten und somit auf die niedrigste Stufe der Existenzfähigkeit herabgedrückt würden. stellte die Firma die neue Be- dinguna, die Wohnungen, welche bis dato von der Fabrik im Presse von 25—35 Fr. bezahlt wurden, selbst zu übernehmen gegen eine Metsentschädignng von 20 Franl pro Monat. Die Arbeiter stellten die Forderung auf monatlich 25 Frank und ver- langten, daß die ledigen Kollegen, welche b,s dato nicht berück- sichligt waren, also um den ganzen Betrag billiger arbeiteten, gleichzustellen wären. Die Fabrikleitung wich jedoch von ihrem Standpunkt nicht ab, eine Einigung war nicht möglich. So traten daher am 13. August 78 Glasarbeiter mit 178 Kindern in den Ausstand. Sendungen, welche speciell zur Unterstützung dieser Arbeiter dienen sollen, wolle man richten an Eduard Düfing, Place de Tongres 31, Jumet, Belgien. Dir Ausständigen von Marseille haben gestern früh den Wagen- Verkehr an verschiedenen Punkten der Stadt verhindert, so daß Polizei und Gendarmerie einschreiten mußten. Die Mühlen- arbeiter, die Packarbeiter, die bei Umzügen thätig sind, und die Arbeiter und Beamten der Straßenreinigung erklärten sich mit den Dockarbeitern solidarisch und legten die Arbeit nieder.— Der Vereinigung der Dockarbeiter sind aus dem Auslände Telegramme zu- gegangen, in welchen Aufklärung über den gegenwärtigen Ausstand verlangt wird. Wie es heißt, würde in den Häfen von Barcelona und Karthagcna am Montrig ebenfalls der Ausstand erklärt werden. Alicante würde sich der Bewegung alsdann anschließen. Die Böcker von NarcteS sind gestern früh in den Ausstand ge- treten., �________ Letzte JNfaebnebten und Depefeben. Berlin, 3. September.(W. T. B.) General Trotha meldet: Kompagnie Ritter(von Abteilung Estorff) und Bastards fingen am 31. August und 1. September eine Anzahl Hereros, 100 Stück Vieh in der Gegend Okvsondusu. Dort und bei Otjumpepcnda in und bei Wasserstellen viele 100 Stück totes Bieh gefunden. Salatiel mit sehr viel Vieh soll bei Otjomaso, Samuel mit Tjetjo und Michael bei Okahandja-Okowindombo sein, auch Otjimbinde besetzt haben. Oestlich Otjosonju-Epata kein Wasser mehr. Es gehen vor: Estorff von Okosondnsu auf Otjomafa(über Otjomboja-Kutuse nach Otso- sontjode zu kommen nicht möglich). Abteilung Volkmann, der bei Estorff ist, ans Okcnnatongai/t, R eitzenstein von Otjekongo in Rich- tung Okamea-Pehi, Meister auf Okahandja, Wahlen, wo Deimling, hat Gonbahemne, 10 Kilometer östlich Karidona, erreicht, erreicht und wird auf Okahandja-Okowindombo vorrücken. Er setzt die Auf- klörung auf Epukiro fort. Die Linie Karidona-Oparakane ist vom Feinde bisher nicht überschritten. Heydebrecks Vormarsch auf Epukiro wird beschleunigt. Fiedler bleibt Waterberg. Haupt- quartier Otjosondu, später bei Abteilung Meister. Zur italienischen Spionage-Affaire. Rom, 8. September.(B. H.) Der an der österreichisch-itakieni« schen Grenze wegen Spionage verhaftete österreichische Generalstab»- Hauptmann von SooS wurde auf Verfügung des KriegSminifterS wieder fteigelassen.— Der in Tarrent wegen Spionage verhastete Elektrotechniker des Arsenals, Montenegro, wurde einem, strengen Verhör unterzogen und er soll bereits gestanden haben. In seiner Wohnung wurden sehr gute Kopien von Festungen, die Abschriften der geHermen militärischen Chiffres sowie andre Dokumente vor- gefunden, die den Beweis liefern, daß Montenegro Spionage ge- trieben hat._ Bom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Tokio, 3. September.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Die letzte Linie der zwischen den japanischen Stellungen und dey Bahn im Norden von Liaujang befindlichen Hügel ist von General Kuroki genommen worden. Es ist immer noch ein heftiger Kampf im Gange. London, 3. September. Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus Petersburg besagt, die Russen hätten Liaujang geräumt und dieses sei von den Japanern besetzt worden. Das erste sibirische Armeekorps unter General von Stackelberg in der Stärke von 25 000 Mann sei westlich von Liaujang durch die Japaner abgeschnitten worden.-_ Ans den südamerikanischen Wirren. Buenos Airrs, 3. September.(W. T. B.) Wie aus Montevideo gemeldet wird, bestätigt die Regierung, daß die Aufftändischen bei Cuchilla Regra völlig geschlagen worden sind. Ihre Führer«paricio und Mariano Saravia sind verwundet; sie sollen mit 4000 ihred Anhänger auf brasilianisches Gebiet geflüchtet und dort entwaffnet worden sein. Essen, 3. September.(B. H.) In Blankenstein wurde die Tochter eines Gutsbesitzers auf dem Nachhausewege von der Schule von unbekannten Personen überfallen, in den Wald geschleppt und vergewaltigt. Die Thätcr sind entkommen. Meuselwitz, 3. September.(W. T. B.)' Dem„Meufttwitzer Tageblatt" zufolge stehen die Tagesanlagen des Ottoschachtes der Friedensgrube in Flammen. Das Feuer ist infolge einer Kessel» erplosion ausgebrochen. Schwere Eisenstücke des Dampfkessels und Steine wurden viele hundert Meter weit geschleudert. Rheine, 3. September.(B. H.) Bauarbeiter fanden gestern m der Abortgrube eines Neubaues die Leiche des invaliden Arbeiters Tautz aus Goldbach. Da die von ihm gestern erhobene Invaliden- rente fehlte, vernuctct man einen Raubmord. �„ New Y-rk, 3. September.(B H). Unter den Hochbahn-An- gestellten droht wogen Lohndifferenzen em Streik auszubrechen. Sie ubersandten der Gesellschaft ein Ultimatum._ Bersntw.Netzskteur: Franz Nehbcm, Berlin. Inseratenteil veramv.: Xh.Glock», Berlin. Druck».Verlag; Vorwörts Buchdr. u. Berlagsanstalt PaulSinger L-So.,BerliiiSW. Hierzu IBeilagen«. Unterhattnngsblatt ir. 208. 21. Iahrzaas. 1 KeilU des Jormätls" ßtrlintt WlksdlM Zomltag. I. September 1904. Berliner partei-Hngelegenbelten. Zweiter Wahlkreis. Die Parteigenosien feiern am Sonntag, den 11. September, in den Gesamträumen der Bockbrauerei, Tempel- hoferberg, ihr diesjähriges Sommerfest und bitten um recht rege Beteiligung.(Siehe heutiges Inserat.) Das Komitee. Dritter Wahlkreis. Dienstagabend 8'/z llhr: Versammlung des Wahlvereins in Frankes Festsälen, Sebästianstraße 3g. TageS- ordnung: Vortrag des Gen. H. Ströbel über:.Ostasiatisches Menetekel". Dislusfion. Gäste willkommen. Achtung, 6. Wahlkreis! Am Dienstagabend findet bei Schmidt, Gartenstr. 6, eine Versammlung statt, in welcher der Reichstags- Abgeordnete Fritz Kunert ein äußerst aktuelles Schema in seinem Referat behandeln wird. Es ersucht deshalb um recht zahlreichen Besuch Der Vorstand. Charlotteuburg. Die Frage des General st reiks sowie der Internationale Kongreß von Amsterdam werden in einer Volksversammlung, die am Dienstag. 6. September, abends SVs Uhr, im Volkshause, Rosinen st r. 3, stattfindet, erörtert werden. Das Referat hat Genosse Wilhelm Buchholz übernommen; als hervorragender Kenner der russischen Verhältnifie scheint er besonders geeignet, die Frag« des Generalstreiks zu beleuchten; sind doch, wenn überhaupt irgendwo, gerade in Rußland die Verhältnisse derart gestaltet, daß die Idee des politischen Massen- stteiks zur Besserung der Zustände sich aufdrängen könnte. Wir rechnen auf zahlreichen Besuch der Versammlung seitens der männ- lichen und weiblichen Parteigenossen. Der Wahlverein für Mariendorf und Umgegend hält seine Ver- sammlung am Dienstagaben?) 8 Uhr bei Reichardt, Mariendors, Chausseestr. 16, ab. Auf der Tagesordnung steht der Bericht von der Kreis-Generalversammlung. Gleichzeitig verweisen wir auf den Beschluß der Volksversammlung vom 26. August im«Tempelhofer Tivoli":.Sämtliche Lokale find gesperrt, außer Martin Müller, Berlinerstt. 41/42; Tempelhofer Tivoli; Hermann Reichardt, Marien- dorf, Chausseestr. 16; in Marieuselde: Staffelt, Berlinerstr. 1; Dittmann, Berlinerstr. 48. Tempelhof. In unserm Orte wird der Wirt des Tempel- bofer Tivoli, Berlinerstraße 60, der seine Räunie der Arbeiter- schaft zur Verfiigung stellt, durch Tanzverbot und Herabsetzung der Polizeistunde gemaßregelt. Die Berliner Arbeiterschaft wird dringend ersucht, dies Verfahren zu durchkreuzen und das schöne Lokal mit großem schattigen Garten zahlreich zu besuchen. Die Lokalkommisston. Ruppiu-Templiner Wahlkreis. Dienstag findet für die Genossen dieses Kreises, welche in Berlin beschäftigt sind, eine wichtige Ver- sammlung bei Wille, Brunnenstt. 188, statt.(Siehe Inserat am Dienstag.) Der Vertrauensmann. Steglitz. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet Mittwochabend 8'/z Uhr bei Schellhase statt. Da wichttge Punkte, vor allem Neuwahl auf der Tagesordnung stehen, wird guter Besuch erwartet. Ohne ordnungsmäßig geklebtes Mitgliedsbuch kein gutritt. Wilmersdorf. In der Mitgliederversammlung, die am Mittlvoch- abend S Uhr bei Witte stattfindet, spricht Max Schütte über: .Der Krieg in Ostasien". Außerdem erstatten die Delegierten von der Generalversammlung Bericht. Alle Mitglieder müssen ani Platze sein. lokales. Japan in Berlin. Seit über sechs Jahren bereits erscheint in Berlin die von dem Japaner Kisak Tamai herausgegebene Monatsschrift.O st- A s i e n". Sie ist namentlich zur jetzigen Kriegszeit, wo sie mit Eifer die Interessen Japans vertritt, eines Blickes wert und giebt von den? Kulturzustande des Landes der aufgehenden Sonne im bunten Mosaik interessante Kunde. In einem besonderen Arttkel wendet sich die Zeitschrist gegen die Blätter, die kürzlich die Behauptung aufgestellt haben, daß der tapfere General K u r o k i aus Lothringen oder aus Polen stamme. ES fließe rein japanisches Blut in seinen Adern und die Berichte. welche ihm eine andre Abkunft zuschrieben, gehörten ins Reich der Fabel..Ost- Asien" bringt dann die auch von uns veröffentlichte Schilderung über das Elend, in dem die von der russischen Regierung gewaltsam zurückgehaltenen Japaner ihr Dasein fristen, und stellt dem die Annehmlichkeiten gegenüber, mit denen die russischen Gefangenen in Japan überhäuft werden. Es sei unbegreiflich, weshalb die Bekösttgung der gefangenen Russen besser sei als die der im Felde stehenden Japaner und der in Japan befindlichen japanischen Verwundeten..Auf dem Kriegsschauplatze erhalten alle japanischen Soldaten vom General bis herab zum Gemeinen die gleiche Nahrung und nach den neuesten Nachrichten aus Hiroshima wird auch im dortigen Militär- lazarett keinUnterschied zwischen kranken Offizieren und Gemeinen gemacht. Jeder Japaner auf dem Kriegsschau- platze erhält außer Reis täglich Nahrung für 6 Sen 0 Rin(mit Reis etwa 10—11 Sen. das ist 22 Pf.), wogegen für die gefangenen Offiziere 42 Sen und stir die Gemeinen 25 Sen täglich bestimmt sind. Die Nahrung der Gefangenen besteht aus Reis, Fleisch, Fisch. Eiern, Gemüse usw. und ist gut und kräftig." Ein russischer Gefangener steut sich so sehr über seinen Auf- enthalt in Japan, daß er sich enttchlossen hat, auch nach dem Kriege dort zu bleiben. Die meisten der von den Gefangenen abgesandten Briefe enthielten, wie die Zeitschrift boshaft bemerkt. Aufforderungen zur Zahlnng der rückstandigen Löhnung. Die Aussage eines andren Gefangenen geht dahin, daß die Japaner die Russen gewiß besiegen würden, denn die japanischen Soldaten hätten Bildung und fortschrittliche Grundsätze, das Volk habe Freiheit und in Japan sei alles erlaubt, was der Zar in Rußland verbiete. „Viele Soldaten sehnen ihre Gefangennahme herbei, weil auf russischer Seite hinsichtlich der Nahrung, Kleidung, sanitären Ein- richtungen usw. schrecklich unordentliche Zustände herrschen. Warum sollen wir uns eigentlich für den Zaren opfern? Wenn er gut wäre, dann würden wir eS gern thun. aber in Friedenszeiten werden wir beständig aufS ärgste bedrückt und eS ist für un« deshalb ein Ding der Unmöglichkeit, für ihn zu kämpfen, nur zwangsweise sind wir auf den Kriegsschauplatz bo fördert worden." Auch ein gefangener Pole habe gesagt:„Der russische Kaiser ist nicht unser Kaiser, deshalb brauchen wir uns nicht für ihn zu opfern, und wir hoffen, daß Japan siegen wird." Sehr bedauert wird in.Ost- Asien", daß die javanische Regierung eine an einen russischen Gefangenen gerichtete Postsendung zurückgeschickt habe, weil sie revolutionäre Aufrufe enthielt. Man sollte den Gefangenen �gerade solche Schriften z u lesen geben,.denn Aufklärung und Neuerungen thun in Nuß- land dringend not". Zum Lächeln regt in seiner gesunden Naivität die Aufforderung zur Kapitulation an, die von den Japanern an die Russen ,n Port Arthur gerichtet ist. ES heißt am Schluß dieser Aus forderung: .Ihr lieben russischen Soldaten. Ihre Zukunft wird eme un- glückliche sein; Sie haben sich von Ihren Familien getrennt unter dem Zwange der russischen Regierung und viel kostbares Blut ganz zwecklos vergossen. Das wird Ihnen jedenfalls selbst klar sein. Diejenigen Ihrer Kameraden, die das gut verstanden haben, Häven sich uns ergeben und sind als Gefangene nach Japan Gebracht worden, ihre Zukunft wird eine bessere sein als die finge. Wir behandeln jeden, der uns nicht mit Waffen Wider- stand leistet, menschlich und als Freund. Die 500 Ge- fangenen aus der Schlacht am Ualu befinden sich bereits in Japan, sie erfreuen sich an den herrlichen landschaftlichen Reizen und ruhen aus von ihren Strapazen. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß der Krieg mit unsrem Siege enden ivird. Wir empfinden es sehr schmerzlich, daß so viele brave Soldaten für eine unmenschliche Regierung sich opfern und wissen nicht warum. Ueber legen Sie alles gut, was oben gesagt ist. legen Sie die Waffen zur Seite und ergeben Sie sich uns!" Beachtenswert ist auch ein S o l d a t e n b r r e f, der in.Ost- Asien" abgedruckt wird: .Auf dem langen Marsche in Korea und in der Mandschurei haben wir an Cigaretten und Tabak die meiste Not gelitten. Anfangs konnte man Cigaretten hier kaufen zum Preise von 20 Sen(1 Sen etwa 2 Pf.) für 10 Stück, die in Japan nur 6 bis 6 Sen kosten. Für uns Soldaten ist das außerordentlich schmerzlich, denn wir bekoniinen alle zehn Tage nur 60 Sen. Zu Geldausgaben ist kein Anlaß vorhaudeli. weil wir sonst alles bekommen, was wir nötig !>aben. Wenn ein Tabakgeschäst ausfindig gemacht wird. ind nur die Zuerstkommenden in der Lage, ihren Bedarf zu decken und dann ist alles ausverkauft. Zufällig habe ich einmal eine Cigarette in meiner Tasche gefunden, aber sie war mir zu schade, sie selbst zu rauchen, deshalb gab ich sie einem Kollegen, der sich darüber besonders gefreut und, wie ich später hörte, sie mit 16 Kameraden gemeinschaftlich geraucht hat. Später hat ein Offizier in der Mandschurei 50 Cigaretten einem Soldaten ge- geben, der, wie ich nachher erfuhr, dieselben an 250 Mann ver- teilt hat." Dem zweifelhaften Gnadenerlaß, den der russische Kaiser bei der Geburt des Thronfolgers erlassen hat. wird der japanische Brauch gegenübergestellt:„In Japan werden bei freudigen und traurigen Ereignissen, die das Kaiserhaus berühren, namentlich beider Geburt eines kaiserlichen Prinzen und bei Todesfällen in der kaiserlichen Familie, Amnestien erlassen. Die politischen Ver- brecher werden ganz begnadigt, während die Strafen der gemeinen Verbrecher ermäßigt werden, beispielStveise von zehn aus sechs oder von fünf auf drei Jahre. Außerdem erhalten die- jenigen Leute, welche ein Alter von 80 oder 100 Jahren erreicht haben, vom Hofe Geschenke. Hieran möge die russische Regierung sich ein Beispiel nehmen." Zum Schluß sei eine drollige Warnung angeführt, die ein in Berlin lebender Japaner für den Fall an seine hier wohnenden Landsleute ergehen läßt, daß sie Deutsche beschenken wollen: «Die unter dem Namen Chirimen in Japan hergestellte Krepp- seide wird in Europa meist für Baumwolle gehalten, und dem- entsprechend wird den Geschenken, die Japaner Europäern machen, fast gar kein Wert beigemessen, wenn dieselben aus Chirimen bestehen. Wir warnen deshalb alle unsre Landsleute dringend vor derartigen Geschenken; es ist viel besser, irgend einen ganz billigen Gegenstand zu schenken als die teure Seide, diese gebe man nur dann, wenn der betreffende Empfänger ein Kenner ist und den Wert zu würdigen weiß. Vor etwa 2 Wochen hat ein Landsmann einem Deutschen ein Stück Chirimen im Werte von etwa 20 Jen und außerdem einen kleinen Gegenstand aus einer Berliner Japanwaren- Handlung, der etwa 1.50—2 M. gekostet hat, geschenkt. Die teure Seide wurde für Baumwolle gehalten und kaum beachtet, der gering- wertige Gegenstand verursachte dagegen große Freude und Bewun- dcrung." Es versteht sich, daß in„Ost-Asien" alle Artikel eine pattiotische Färbung haben; in nianchen Fällen mag ein wenig stark aufgettagen sein. Alles in allem zeugt der Inhalt der Zeitschrift nicht von einer besonderen H o ch a ch t u n g vor europäischer Kultur. Und das Unangenehme ist, dag diese Einschätzung durchweg ihre Berechtigung hat._ Die neueste„Reform". Die Hoch- und Untergrundbahn hat schon wieder.reformiert" und dabei sorgfältig darauf geachtet, daß ihr der Ruf des schlechtcst- verwalteten Verkehrsinslituts weiterhin gesichert bleibt. Wenn es sich nicht darum handelte, das Leben und die Gesundheit der Passagiere vor der Möglichkeit der Venrichtung zu schützen, würden wir den, ZickzackkurS in der Hochbahnverwaltuug nur ein sehr geringes Interesse entgegenbringen; so aber müssen wir uns notgedrungen damit befassen. Als wir vor einiger Zeit Gelegenheit hatten, einem Amerikaner die Einrichtungen der Hochbahn zu schildern, unterbrach er uns mit den brüsken Worten:„Aber halt mich doch nicht zum besten mit Deinen Coupees II. und III. Klaffe, mit den Raucher« und Nicht- raucher-Abteilungen— d a s wäre ja geradezu närrisch." Wir mußten den Opttmisten erst auf einen Untergrund-Bahnsteig führen und ihm dort die aschgraue Rückständigkeit dieser Bahn- Verwaltung an die Augen demonsttieren; er war fassungslos I Daß man im Zeitalter des intensivsten Stadtverkehrs, nach jahrzehnte- langem Bestehen von Omnibus- und Straßenbahnlinien mit Einheitswagen und Rauchverbot im Innern noch eine solche Scheidung vornehmen können, hätte er schlecht- weg für unmöglich gehalten. Unser Amerikaner steht mit seinen Anschauungen natürlich nicht allein, sondern hat so ungefähr jeden verständigen Menschen auf seiner Seite. Aber als er die Bahn besichtigte, verkehrten immerhin für die verschiedenen Klassen verschiedene und verschieden gefärbte Wagen; das erleichterte noch einigermaßen das Zurechtfinden in der Hast des Aufenthalts der Züge auf den Stattonen. Nachdem aber die siebengescheidte Direktton der Hochbahn endlich begriffen hat. was ihr ein jeder Mensch sagen konnte, der die ersten langen Hosen trägt, daß nämlich die II. Klasse sich nicht rentteren werde, jetzt fällt auch noch diese Erleichterung fort. Die Hochbahnzüge führen jetzt nur noch zwei gleichgefärbte Wagen III. Klasse, von denen die Hälfte des einen als II. Klasse durch ein winziges Schild be- zeichnet ist. Bei der Genialität, durch die sich bisher die Direktion der Hochbahn schon ausgezeichnet hat, war von vornherein darauf zu wetten, daß sie den Nichtraucher-Wagen teilen werde! Dieser ist unzweifelhaft der am stärksten besetzte, wird deshalb also jetzt noch um die Hälfte verkleinert. Man sollte so etwas schlechtweg nicht für möglich halten! Wir ftagen nunmehr hierdurch öffentlich an, ob die staatliche Aufsichtsbehörde diese Veränderungen genehmigt hat und wie sie die Verantwortung dafür tragen will? Der fast regelmäßig über- normal besetzte Nichttancherwagen ist jetzt durch eine feste und ver- s ch l o s s e n e Thür geteilt: in beiden Hälften steht den Passagieren also nur ein Ausgang zur Versügung. Wird dieser im Falle eine? Unglücks zufällig gesperrt, so ist die Flucht ganz unmöglich und die Insassen der einen Hälste köimen jammervoll zu Grunde gehen. Man komme uns nicht mit dem albernen Einwand, es ließen sich die Fenster einschlagen usw. Gerade den Frauen und Kindern, die daS Hauptkontingent der Passagiere in den Nichtraucherabteilungcn stellen, dürfte ein Entkommen auf diese Weise unmöglich sein. W i r halten es für ein unverantwortliches Beginnen, die Insassen der geteilten Wagen deS einenAuS- gangeS zu berauben. Im Falle eines Unglücks, das dadurch geschieht, würden wir den Behörden und der Direktton den Vor« wurf eines leichten Spieles mit Menschenleben nicht ersparen und wir sind sicher, daß wir die Zustimmung der weitesten Kreise dabei finden würden. Die unsterblichen Maurer. Die konservattve Presse schmückte ihre Spalten gestern mit folgender Paradeneuigkeit:„Etliche Maurer eines Neubaues in der Friedrichstraße legten bei der Parade ruhig ihre Arbeit hin und machten sich's sehr bequem in den Fenstern. Als im Sechsgcspann dann die Kaiserin nahte, ersttegen die Genossen sozusagen den Gipfel ihres Zielbewußtscins: so frech und flegelhaft als sie es nur irgend nach ihrer Schulung in Dresden vermochten, setzten sie sich in Positur und glotzten die Kaiserin an. Während die Kaiserin freundlich lächelnd grüßte und alle Hüte aufflogen, behielten die Genossen demonstrativ ihre Mützen über den Ohren. Bei den Um- stehenden erregte diese absichtliche Verletzung nattonaler Em- pfindmigen natürlich Unwillen. Mit dem stolzen Bewußtsein, einmal„imponiert" zu haben, nahmen diese würdigen Genossen wahrscheinlich ihre freiwillig niedergelegte Arbeit wieder auf— wenn sie sich nicht etwa zur Belohnung vorher noch einige Nord- Häuser gegönnt haben sollten." Diese Maurer gehören zu den Leuten, die reine nicht tot zu kriegen sind. Fast immer, wenn der Kaiser in Berlin einzieht, er- scheinen sie prompt auf dem Neubau in der Absicht, den Monarchen durch freche Nichtachtung zu beleidigen. Allerdings hat sich im Laufe der letzten Zeit ihre Natur verändert, leider zum schlechteren. Zuletzt traten sie in die Erscheinung, als der Kaiserleinmal im Südosten in die Stadt einzog. Auch damals hatten sie den bösen Willen, frech die Mützen aus dem Kopfe zu behalten. Als dann aber im gegebenen Moment der sttenge Blick deS Monarchen sie traf, zogen sie bettoffen die Bedeckung vom revoluttonär angehauchten Haupte. Ihr besseres Ich, ihr patriottsches Bewußtsein war geweckt worden, denn es giebt in allen Menschen gute Sphären. Das war, wie gesagt, vor wenigen Jahren. Im Anblick deS alten Wilhelm traten die un- sterblichen Maurer bereits mit ähnlichen Rcue-Auwandlungen auf. und gewiß werden sie auch schon 1848 sür die mysttsche Gewalt des monarchischen Gedankens Zeugnis abgelegt haben. Leider muß trotz alledem dieser Gedanke in den letzten Jahren an Wirksamkeit eingebüßt haben, denn anders ist es nicht gut zu erklären, daß das unsterbliche Inventar der konservattven Presse jetzt seinen beleidigenden Vorsatz stramm durchgeführt hat und das sogar einer Dame, der Kaiserin gegenüber. DaS ist ungehörig, wie wir hiermit gern anerkennen. Auch gereicht solches Verhalten dem monarchischen Gedanken, der doch besonders von konservativer Seite zu schützen ist, wenn es sich nicht gerade um ungenügende Getrcidezölle handelt, gewiß nicht zum Vorteil. Wir empfehlen da- her der monarchisch gesinnten Presse für kommende Fälle die An- Wendung des früher beliebten Verfahrens. Es wirkt lvirklich mehr aufs Gemüt, wenn die unsterblichen Maurer bei der nächsten Gelegen- heit die Mützen— wenn auch nur zögernd— wieder abnehmen. Eingemeindung. Im Nordwesten soll der Gutsbezirk Plötzen- see eingemeindet werden, im Norden ist das Brehmesche Grundstück an der W o l l a n k st r a tz e eingemeindet und nun sollen abermals an der Grenze von Pankow beim Gesundbrunnen einige Um- gemeindungen stattfinden. Die alte Weichbildgrenze zwischen Pankolv und Berlin an der Schönhauser und Prenzlauer Allee, zeigt dort mehrfache Krümmungen und Knicke. Sie verläuft von der Schönhauser Allee bis zur Behmstraße auf dem Gesundbrunnen nicht im Zuge einer Straße, sondern durchschneidet quer die da- zwischenliegcndcn Bauquartiere. Dieser Zustand muß bei fort« fchreitendcr Entwicklung der Gegend zu Mißständen Veranlassung geben, weil die Grenze örtlich nicht genau sestgelegt werden kann; sie würde eventuell quer durch ein Gebäude oder gar ein Zimmer gehen, wodurch Zweifel entstehen müssen, welche Behörden eventuell zuständig sein würden. Auch für die Pflasterung, Kanalisation ec. können Unzmräglichkeiten entstehen. Die Eigentümer (Jnunobilien-Verkehrsbank, Baugesellschast Bellevue, die Gnebenow- scheu Erben u. a.) sind deshalb um Verschiebung des Weichbildes vorstellig geworden. Im Einverständnis mit der Gemeinde Pankow soll nun die Grenze dort stets in der Bordkante der Bürgersteige der Straße» und Promenaden verlaufen. Berlin erhält einen Zu- wachs von 41,75 Quadratmeter Bauland und rund 7S80 Quadratmeter Sttaßenland von der Baugesellschaft Bellevue. Viel ist das gerade nicht. Bei der LandeS-BersicherunaS-Anstalt Berlin find im ersten Halb- jähr 1004 die Ablehnungen von Invalid enrentenanträgen um 16'/, Proz. gegen das Vorjahr gestiegen. Von Jahr zu Jahr treten immer mehr die Ablehnungen ivegen Erlöschens der Anwartschaft in den Vordergrund. Die Versicherten»verde» deshalb auf die regelmäßige Einbringimg der Marken aufmerksam gemacht, da sie sonst ihrer Anrechte verlustig gehen. Die Einnahmen der Anstalt bewegen sich immer noch in aufsteigender Richttmg. Im Juli d. I. wurden 28S29 M. mehr an Markenbciträgen eingenommen als im Juli 1903. Insgesamt hat die Anstalt in den ersten sieben Monaten 406 758 M. mehr als im vorigen Jahre vereinnahmt. Die Einnahine aus den herrenlosen Erbschaften, die der Stadt- gemeinde zufallen, gehört zu den ungewisseften Einnahmen des Stadtsäckels, aber trotz aller Schwankungen bringt sie doch in jedem Jahre wenigstens ein paar tausend Marli Im Etatsjahre 1902/03 be« lief sich der Ertrag der herrenlosen Erbschaften auf 4972 M. Das ist sogar wenig, wenn man es mit den ErbschastSeinnahmen»nancher frliheren Jahre vergleicht, aber eS ist freilich andrerseits auch schon vorgekommen, daß ein Jahr mal noch iveniger brachte. In den fünf vorhergehenden Etatsjahrcn von 1901/02 zurück bis 1897/98 flössen aus herrenlosen Erbschaften dem Stadtsäckel zu: 6539 M.. 10 456 M. 4008 M., 11867 M., 7165 M. Auch JahreSvettäge von 15 000 M.. 19 000 M., 29 000 M. sind manchmal eingenommen lvorden. In den letzten Jahrzehnten war die höchste Einnahme aus herrenlose» Erbschaften die deS Etatjahres 1883/84 mit 51 080 M. Das Recht auf diese Einnahme ist übrigens ziemlich 400 Jahre alt. ES wurde der Stadt Berlin vom Kurfürsten Joachim I durch Ver- leihungsurkunde voin 27. Dezember 1508 übertragen. Dir„Berliner Kartenwiischer" gehören wohl zu den seltsamsten Großstadtexistenzen. Sie kaufen in den besseren Kaffeehäusern. den Spielllubs sc. die gebrauchten Spielkarten, die vielfach nur ein ein- ziges Mal benutzt ivurden, für 20—30 Pf. das Spiel auf, waschen und säubern sie mit vieler Mühe und verkaufen dann die fast wie unberührt aussehenden Karten an kleinere Gastwirte, Kaffceklapven und dergleichen für den Preis von 40 bis 50 Pfennige. Die Spiel- karten- Aufkäufer und-Reiniger haben meist ihre bestimmten Einkaufsquellen und Absatzgebiete, die selbst nntunter Gegen- stand eines Tausch- oder BerkaufSgeschäfteS sind. Die Ein- nahmen fließen meist in die Tasche der Oberkellner, um deren G»mst sich dann auch die Kartenwäscher bemühen. Ob- Ivohl das Kartenloaschen ein wenig einträgliches Gewerbe ist, bei dem man sich mit einem Tagesverdienst von 1,20— 1,60 M. im besten Falle zufrieden geben muß. herrscht auch auf diesem Gebiete starke Koulucreuz und gegenseitiges Unterbieten. Einzelne Kartenlväscher betreiben ihr Geschäft im großen, haben besondere Reinigunas- Methoden, die sie»oie ein.Fabrikgehcimnis" hüten und exportieren die gesäuberten Karten verschiedentlich auch nach außerhalb. Es sind meist ältere, invalide Leute,»velche einst bessere Tage gesehen, die sich auf diesen eigenartigen Geschäftszweig gelegt haben und davon mühselig ihr Leben fristen. Vielfach ist auch der Kartenhandel und das Kartenwaschen nur ein Nebcnerlverb von Kolporteuren, Stadt- reisenden und andren Leuten, die viel mit Kaffeehäusern zu thun haben. Der Borfitzende de» BereinS der„Schlauen". Der RaritStenNub der Briefmarken-Jntereffenten, welcher, aus Sammlern und Händ- fet» VHeyenv. Ke Zwecks einer Verkaufs- unS Tauschvermittelung verfolgte, hat sich bor einiger Zeit aufgelöst, nachdem der Obmann die eingezogenen Gelder in Höhe von etwa 40 000 M. für Privat- zwecke verbraucht hat. Der Obmann hatte die von sämtlicben Mit- gliedern anerkannten Satzungen entworfen, welche Bestimmungen enthielten, nach denen der Obmann seines Amtes nicht enthoben, Satzungsänderungen ohne seine Einwilligung nicht vorgenommen werden konnten. Die zum Verkauf rejp. Tausch gestellten Marken waren an den Obmann, als den Vermittler, zu senden, der auch die Gelder für die verkauften Marken in Empfang nahm und mit den Verkäufern abrechnen sollte. Diese Abrechnungen aber fanden nicht statt und die Mitglieder des Raritätenklubs versuchten vergebens, ihr Eigentum zu verlangen. Klagen gegen den Vermittler waren erfolglos, weil dieser kein Eigentum besaß und seine Absetzung war ebenso unmöglich, als die geplanten Statutenänderungen aus den oben angegebenen Gründen. Die Geschädigten erstatteten nunmehr Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und der Obmann wurde verhaftet. Die Prüfung des Thatbestandes aber ergab, daß auch ein straf- rechtliches Einschreiten gegen den Vermittler nicht möglich war, da dieser auf Grund der Satzungsbestimmungen den Mitgliedern gegen- über nur schul dnerisch haftbar war. Der Verlust, den dieselben er- leiden, wird auf etwa 40 000 M. geschätzt.— Man sollte nicht denken, daß es Leute giebt, die einem Verein mit solchen, den guten Sitten widerstreitenden Bestimmungen beitreten. Noch unglaub- licher aber ist es, daß ein Staatsanwalt den Gründer dieses Raritätenklubs laufen läßt, immer vorausgesetzt, daß diese den Zeitungen zugegangene Meldung richtig ist. Kastanientblüte im September. Ein zweiter Frühling macht sich in den Parkanlagen, auf den Schmuckplätzen und in den mit Bäumen bepflanzten Straßen Berlins bemerkbar. An manchen Kastanien- bäumen, Linden usw., deren Laub in dem heißen und trockenen Sommer dieses Jahres noch zeitiger als in den andren Jahren dürr geworden ist, zeigen sich neue Triebe und frische, grüne Blätter. In Berlin selber wird diese Erscheinung fast in jedem Jahr, bald in größeren, bald in geringerem Umfang, beobachtet. Diesmal aber begegnet man ihr auch in der Umgebung Berlins häufiger als sonst. Einen hübschen An- blick bieten jetzt mehrere Kastanienbäume, die an der Chaussee von Nieder-Schöneweide nach Adlershof stehen. Sie haben nicht nur neuen Blätterschmuck angelegt, sondern sogar neue Blütenknospen hervorgebracht, die sich zu einer zweiten Blüte entfaltet haben. Fürsorge für Lupuskranke. Die Landes- Versicherungsanstalt Berlin wird die besondere Fürsorge für Lupuskranke zu ihrer Auf- gäbe machen. Bei der Behandlung dieses Leidens hat sich die Finsensche Lichtheitmethode besonders bewährt. In Betracht kommt weiter neben der schon lange geübten chirurgischen Behandlung die Holländersche Heißluftmethode. Die Fortschritte, die in der Lupus- behandlung zu verzeichnen sind, gaben im vorigen Jahre der deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege Veranlassung, über die Wege zu beraten, wie in Berlin eine vermehrte Gelegenheit für die Behandlung Lupuskranker beschafft werden könnte. Unter anderm wurde angeregt, bei dem Vorstande der Landes-Bersicherungsanstalt Berlin dahin vorstellig zu werden, daß bei der Erweiterung der Arbeiterheilstätten in Beelitz auf die Errichtung einer Abteilung für Lupuskranke Bedacht genommen werde. Die Anregung hat Erfolg gehabt. Wie der Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege Generalarzt Schapcr in der neuesten Ausgab« der„Verhandlungen" dieser Gesellschaft mitteilt, hat der Vorsitzende der Landes-Versicherungsanstalt Berlin Dr. Freund er- klärt, daß nichts entgegenstehen würde, auf dem jetzigen Neubau in Beelitz etwa 20 Betten für stationäre Lupuskranke einzurichten und auch eine ambulante Behandlung von Lupuskranken dort zu er- möglichen. Zwet Apparate sollten dort Aufftellung finden. Die leichteren Kranken sollten in der Charit« weiterhin ambulant be- handelt werden.und zwar in der neuen Poliklinik, wo ebenfalls zlvei Finsenapparate aufgestellt werden sollen. Bon der Gelehrsamkeit des klugen Ha»S wollen die Cirkuskünstler nicht viel wissen. In der Zeitschrift„Der Artist" sind verschiedene Urteile hervorragender Tierdresseure zusammengestellt. Herr James Fi Iiis, der gegenwärtige Leiter der kaiserlichen Kavallerie- Reit- schule in Petersburg, macht folgenden Vorschlag, um zu erproben, ob das Tier, wie sein Besitzer behauptet, ein denkfähiges Ueberpferd ist:„Man bringe das Pferd aufs freie Feld, weit von seinem Dresseur entfernt, und lasse es ganz frei, ohne daß es von jemand festgehalten wird. Dann veranlasse man einen Akademiker oder einen Doktor, dem Pferde verschiedene Fragen zu stellen. So lange ich nicht näher informiert bin, glaube ich an Charlatanerie." Beachtenswert ist eine Zuschrift des Cirkusdirektors Albert Schumann: „Auf Ihr Geehrtes vom 20. d. kann ich Ihnen leider keine direkte Auskunft geben, denn ich habe das Pferd persönlich nicht ge- sehen i es ist mir im vorigen Jahre schon offeriert worden, woraufhin ich einige meiner Leute gesandt habe, das Tier anzusehen, und er- gab die Ueberzeugung. daß es, sowie es rechnende und lesende Hunde giebt, ebensalls zur Klasse derjenigen rechnenden und lesenden Pferde gehört, die schon vor Jahren gezeigt worden sind. Meiner Meinung nach giebt es ein wirklich denkendes und rechnendes Pferd auf dieser Welt wohl nicht, auch können Sie sich wohl denken, wenn an dem Gaule etwas Außergewöhnliches gewesen wäre, ich ihn mir angesehen und erworben hätte, es ist also nur eine Futterdressur und bin ich davon überzeugt, daß, wenn das Tier den Hof verläßt und wo anders hinkommt, es ganz verloren ist." Weniger ablehnend steht der Sportschriststeller H a I p e r s o n in Wien den Leistungen des klugen Hans gegenüber.„Es scheint aber doch eine abnorme Pferde-Jutelligenz vorzuliegen, die durch systematischen Drill auf eine bislang unerreichte und ungeahnte öhe gebracht worden ist. Abnormitäten giebt es auf so vielen ebieten, daß einmal auch ein Pferd die Durchschnitts- Intelligenz seiner Gattung ansehnlich überragen mag. Was ich aber bisher vermisse— und ich habe die ganze Litteratur über den„gelehrten Hans" durchgeforscht— das ist eine eingehende fachmännische Schilderung der mit dem Gaul vorgenommenen Lektionen." Die wissenschaftliche Kommission, vor der jetzt der kluge Hans sein Abiturium zu bestehen hat, wird hoffentlich das Richtige heraus- kriegen. Allerdings ist seit den Tagen Friedrich Wilhelms I. der Berliner Wissenschaft wohl keine so schwierige Aufgabe gestellt worden wie diese. Wilhelm II. Unter der Aufschrift„Der Kaiser als Ober- Regisseur" bringt die„Staatsbürger-Zeitung" folgende Mitteilung: „Es ist sonst nicht der Brauch, daß bei Haupt- oder Generalproben an ersten Bühnen noch Abänderungen in Bezug auf Dekoration und Darstellung gemacht werden, denn mm: ist froh, endlich im reinen zu sein und daß alles„sitzt". Aber— der Kapellmeister denkt und ein andrer lenkt. Dies Ivar bei der Hauptprobe des neuein- studierten Balletts Coppelia der Fall, welches auf Allerhöchsten Befehl im Königlichen Opernhaus gestern zur Aufführung gelangte. Alles ging glatt, bis zu einem flawischen Tanz, dem das richtige Tempo in der Tanzweise nicht beizubringen war. Der Kaiser hatte im Zu- schauerraum Platz genommen und bei der fraglichen Stelle unter- richtete er Musik und Darsteller in recht deutlicher Weise auf der Bühne, wie die Tonaccente fallen, wie die und jene Wendung aus- geführt werden müsse. Darob allgemeines Staunen.„Ja, ja. Sie sehen mich an," äußerte der kaiserliche Regisseur,„es ist aber doch so— 1" Und man soll zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß der Kaiser das Richtige getroffen hatte." Der flammende Sedan-Patriotismus ist im Abnehmen be- griffen. Die Warnung des Polizeipräsidenten wegen der strengen Ahndung des Anzündens von öffentlichen Anschlagsäulen hat ge- fruchtet. Während in früheren Jahren fünfzig und mehr in Berlin fast regelmäßig abbrannten, trotzdem sie von dem Unternehmer von den Asiichen bis auf die neuesten befreit waren, sind am gestrigen Sedantage nur einige auf dem Wedding angezündet worden. In den meisten Fällen gelang eS nicht, das, venige Papier in Brand zu stecken, Schutzleute beseitigen schnell die Gefahr, die an sich nicht bedeutend ist. Die Feuerwehr wurde nur eiiunal abends um 10 Uhr wegen eines solchen Brandes nach der Grenzstraße ö gerufen. Ihre» Verletzungen erlegen sind die beim Feuer Culmstr. 5 am 2. September schwerverletzten Karl Liere und dessen Tochter Hedwig. Die Brandwunden, die beide davongetragen hatten, erwiesen sich im Krankenhause in der Lützowstraße als lebensgefährlich und wurden die Aermsten bald darauf von ihren Leiden erlöst. Der Mädchemnördcr. Der wegen des Mordes an der Margarete Koschoreck in Hast genommene Schuhmachermeister Oskar v. B u s s e wurde gestern dem Amtsgerichtsrat Wagner, der den Unter- suchungsrichter Amtsgerichtsrat Hamel vertritt, vorgeführt. Busse ist ein hochgewachsener, schlanker Mann, der ziemlich unbefangen das Zimmer des Untersuchungsrichters betrat. Die Vernehmung dauerte etwa l'/z Stunden und das Protokoll mußte sehr sorgfältig abgefaßt werden, da bei dem sogenannten Geständnis des An- geklagten jedes Wort auf die, Wagschale gelegt werden muß, um feststellen zu können, ob Mord, Totschlag oder gar fahrlässige Tötung vorliegt. Busse, der nicht bestreitet, das Mädchen an sich gelockt und versucht zu haben, sie zu vergewaltigen, scheint seine That als fahrlässige Tötung Hinstelleu zu wollen. Denn er schildert, dem Vernehmen nach, den Vorgang so, daß er, als das Mädchen lant wurde und um Hilfe zu rufen begann, ihm, ohne zu wissen, was er that, um ihre Rufe nicht heraustönen zu lassen, das Kopfkissen über den Kopf geworfen habe. Als er es nach ganz kurzer Zeit wieder weggenommen, habe er zu seinem Entsetzen gesehen, daß das Mädchen erstickt war.— An die ausführliche Vernehmung vor dem Richter schloß sich die erste Jnformations-Aufnahme durch Rechts- anwalt Dr. W e r t h a u e r, der auf Wunsch der Familie die Ver- teidigung Busses übernommen hat. Zu den Personalien der letzteren hören wir, daß sein Vater Rittergutsbesitzer im Kreise Jnowrazlaw gewesen ist, der während des Krieges 1870/71 die Verwaltung seines Gutes fremden Leuten hat überlassen müssen und später in eine völlige finanzielle Deroute geraten ist. Vor dem Hause, in dem seine Frau wohnt, gab es gestern mittag Auftritte, die ein trauriges Licht auf unsre Jugend werfen. Kinder aus der Nachbarschaft kletterten auf den Vorgartenzaun und verhöhnten und verspotteten die Unglück- liche Frau, so daß sie ihre Wohnung verlassen mußte. Der Laden ist seit gestern mittag geschlossen. Abends um 7 Uhr versammelten sich vor dem Hause wohl 700 bis 800 Menschen. Zehn Schutzmänner hüteten den Laden, bis sich die Menge gegen 10 Uhr zerstreut hatte. Die Pförtnerstelle in dem Hause Franseckistraße 39 hat von Busse nur ein Jahr lang bekleidet: er gab sie dann auf, betrieb aber die Schuhmacherei weiter, obwohl er erzählte, er wolle deshalb nicht länger Pförtner sein, weil seine Frau 85 000 M. geerbt habe. An diese Erbschaft glaubte allerdings niemand. In der Untersuchung gegen den mutmaßlichen Mörder der Lucie Berlin, den Zuhälter B e r g e r, finden noch fortgesetzt Zeugen- Vernehmungen statt. Gestern erschien vor dem Untersuchungsrichter eine 8Sjährige Frau Müller aus dem Hause Ackerstr. 130, in dem das ermordete Mädchen wohnte. Berger behauptet, in der kritischen Zeit nicht in diesem Hause, in der Wohnung seiner Geliebten Liebe- trut, gewesen zu sein. Die Greisin, die so schwach auf den Beinen ist, daß sie die Treppe mehr herunterrutscht als steigt, bekundet dem- gegenüber, daß Berger doch in der Wohnung seiner Geliebten war. Als sie sich die Treppe hinunterbewegte, sah sie, daß das Mädchen das auf dem Treppenabsatz gelegene Klosett aufsuchte, und daß Berger zu dieser Zeit seine Wohnungsthür öffnete und offen ließ, ivahrscheinlich um das Mädchen zu beobachte» und zu erwarten. Die Greisin mußte mit einer Droichke nach Moabit fahren und konnte nur mit Hilfe einer Enkelin den Untersuchungs- richter erreichen. Bor den Augen der Eltern verbrüht ist der 3 Jahre alte Sohn Richard des Schneidermeisters Zwieuer aus der Borsigstraße 31. Während der Vater auf dem Schneidertisch in seiner Arbeitsstube saß und die Mutter dort ihre Wäsche wusch, spielte der Kleine in der Stube herum, stolperte, fiel rücklings in die mit heißem Wasser gefüllte Waschwanne und verbrühte sich so schwer, daß er jetzt nach sechstägigein Schmerzenslager in der Charits starb. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Ein sonderbarer Lebensmüder hat am gestrigen Nachmittage den Passagieren eines Straßenbahnwagens einen furchtbaren Schrecken eingejagt. In den Anhängewagen 1193 der Linie 1(Stadtring) stieg am Königsthor ein anscheinend dem Arbeitcrstande angehöriger ca. 40jähriger Mann ein und fuhr bis zur Strausbergerstraße. Hier zog der Unbekannte plötzlich eine Flasche mit schwärzlichem Inhalte hervor und trank sie halb leer. Eine Minute später brach er mit den Worten:„Hilfe, ich habe mich vergiftet I" ohnmächtig zusammen. Mehrere im Wagen sitzende Damen ahmten das Beispiel des Lebens- müden nach, indem sie ebenfalls ohnmächtig wurden. Der Schaffner hatte genug zu thun, die Ordnung im Wagen aufrecht zu erhalten. Der Unbekannte wurde nach dem Krankenhause Friedrichshain ge- bracht, wo es durch zweckentsprechende Behandlung gelang, ihn bald wieder zum Bewußtsein zu bringen. Als aber im Aufnahmezimmer der Arzt den Aufnahmezettel für den Patienten ausschreiben wollte, benutzte dieser den Augenblick, als der Arzt ihm den Rücken zu- wandte, und entfloh unter Zurücklassung eines Restes vom Gift, mit dem er sich in das bessere Jenseits spedieren wollte. Es war, wie durch den Arzt festgestellt wurde, dünnflüssiger Teer, eine Flüssigkeit, die keineswegs den Sclbstmordkandidaten in seiner Ge- sundheit hätte schädigen können. Im Alter. Stellungslosigkeit und Sorgen um die Zukunft haben den 34 Jahre alten Buchhalter PaulKnape aus der Buckowerstr. 10 in den Tod getrieben. Der Mann war 28 Jahre lang in der Lampenfabrik von Wild u. Wessel in der Prinzenstr. 26 angestellt, bis diese sich vor acht Monaten auflöste. Seines Alters wegen konnte er eine neue Stellung nicht finden. Sein ältester Sohn von 22 Jahren ist Handlungsgehilfe, der zweite Maschinenbaulehrling. Die einzige Tochter ist erst 12 Jahre alt. Gestern mittag ging die Frau einholen. Nun schickte Knape unter einem Vorwande seine Tochter weg. schloß sich in der Wohnung ein und erhängte sich in der Stube an einem Bilderhaken. Als die Frau zurückkehrte und der jüngste Sohn zum Mittagessen kam, mußten sie die Wohnung aufbrechen lassen und fanden ihn als Leiche wieder. Ein gefährlicher Fabrikbrand kam gestern vormittag in der Pappel-Allee 24 zum Ausbruch und beschäftigte die Wehr über zwei Stunden. In den Räumen des vierten Stockes vom zweiten Quer- gebäude ist dort die Neue Berliner Dampfwattenfabrik von Drope u. L o o s e r untergebracht. Als nun gestern früh das Arbeitspersoual kurze Zeit erst arbeitete, entstand plötzlich angeblich durch achtloses Wegwerfen eines Streichholzes Feuer in einem Fahriksaale, das sich mit unheimlicher Schnelligkeit ausbreitete. Die anwesenden Personen mußten durch eilige Flucht das Freie suchen. Inzwischen war bereits für die Alarmierung der Feuerwehr gesorgt worden. In wenigen Minuten traf diese in Stärke von drei Löschzügen ein, und bald waren zwei Dampffpritzen in Thätigkeit: mit mehreren Schlauchleitungen drangen dann die Löschmannschaften von verschiedenen Seiten aus gegen den Brandherd vor. In erster Linie galt es, ein Ueberspringeu des Feuers auf die angrenzenden Fabriksäle, in denen leicht hrennbare Stoffe sich befanden, zu verhindern, ivas schließlich auch gelang. Erst nach fast zweistündigem Wassergeben konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Der eine Raum ist mit seinen Vorräten fast vollständig ausgebrannt und ist der entstandene Schaden daher nicht unerheblich. Feuerbericht. Neben dem Fabrikbrande in der Pappel-Allee 24 hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch fast ein Dutzend andre Feuer zu beseitigen. Sonnabendnachmittag 2 Uhr wurde sie nach der Rittcrstr. 76 gerufen, weil hier im zweiten Stock des Ouer- gebändes in einer Kammfabrik ein Brand ausgekommen loar. Der 17. Löschzug konnte die Gefahr noch beseitigen, bevor größerer Schaden augerichtet wurde.— Längere Zeit gab es in der Nacht zum Sonnabend auf dem Nordbahuhof zu thun. Dort standen zwei mit Heu voll beladene Waggons in Flammen. Es mußte mit mehreren Schlauchleitungen vorgegangen werden, um das Feuer zu ersticken. Die Ladungen sind fast gänzlich vernichtet. Ein größerer Wohnungsbrand kam abends in der Culmstr. 3 aus und zwar durch die Explosion einer Petroleumlampe. Dabei trugen ein Mann und ein Kind schwere Brandivunden davon und mußten nach Anlegung von Notverbänden nach dem Elisabeth- Krankenhause geschafft werden. Der Brand selbst hat Möbel, Kleidungsstücke und Decken im wesentlichen eingeäschert.— Auch in der Reichenbergerstr. 38 mußte ein Wohnungsbrand beseitigt werden.— Teer brannte vorher in der Anklamerstr. 31 und allerlei Gerümpel und alter Hausrat in Neuen Königstt. 41 in einem Keller.— Die übrigen Alarmierungen, die noch aus der Wrangelstt. 6, Warschauerstr. 37, Gerichtstr. 13 usw. einliefen, betrafen durchweg nur ganz geringfügige Brände, deren Ablöschung leicht erfolgen konnte. Cirkus Albert Schumann wird im Laufe dieses Monats feine sechste Berliner Saison eröffnen. Direktor Albert Schumann, der in der Reichshauptstadt so ungemein populäre Meister der circensischen Künste, hat alle Vorbereitungen gettoffen, das Berliner Publikum durch ein Programm zu überraschen, dessen Reichhalttgkeit und Eigen- art einzig dasteht. Eine Reihe ausgezeichneter Freiheit-Dressuren lvird Gelegenheit bieten, neue verblüffende Trics zu bewundern, die Herr Direktor Albert Schumann seinen gelehrigen Zöglingen bei- gebracht hat. Eine Anzahl erstklassiger Künstler, die sich eines inter- nationalen Rufes erfteuen, wurden verpflichtet. Auch die Ausführung grandioser Ausstatttmgspantomimen, für deren Darstellung eigens eine der berühmtesten Truppen gewonnen wurde, ist in Ausficht genommen. In dem bnktcriologisch-mikroskopischen Laboratorium von Dr. med. C. S. Engel, Friedrichstr. 123, werden nach der Rückkehr desselben Absonderungen unbemittelter Kranker wie Urin, Auswurf usw., ebenso wie Milch wieder unentgeltlich untersucht. Das Berliner Aquarium hat seine Tierbestände wieder durch eigne Erwerbungen und von Naturfreunden ihm gemachte Zuwendungen ergänzen können. Frau Dr. Olshausen überwies dem Aquariuni einen jungen südamerikanischen Nasenbär, der im Affen- Hause sein Unterkommen gefunden hat und hier zum Gegenstand der Necklust kleiner und großer Vierhänder dient, aber auch durch seine Angriffe viele Unterhaltung gewährt. Die Papageiensammlung wurde durch Herm Baumeister Fröhlich-Berlin um einen prächtigen Ära und die Kollektton der Amphibien durch den Direktor des Stettiner Tiergartens Herrn Nathanson um mehrere Exemplare der kiementragenden amerikanischen Schwanzlurche bereichert, die man insgesamt nach der mexikanischen Bezeichnung„Axolotl" nennt. Von der königlichen Biologischen Station auf Helgoland traf eine Gesellschaft herrlicher Blumentiere ein, so insbesondere mehr als hundert schöne Seenelken, welche in das große Seerosenbecken eingesetzt wurden. Aber auch die Ostsee lieferte ihr Teil an Meerestieren: unter ihnen erregt eine Anzahl aumuttger, duftiger Quallen das Entzücken der Besucher, während einige Arten Ostseefische entweder durch ihre barocke Kvrperform, wie die Seeskorpioue und Flachfische, oder durch ihren schlanken Bau und die sehr platte, anscheinend schuppenlose Körperhaut, so die Aalmuttern, auffallen. Im Berliner Zoologischen Garten hat vor kurzem ein höchst interessanter Mischling das Licht der Welt erblickt. Ein prächttger männlicher Wandern, der schwarze, graubärttge vorderindische Affe, hatte sich mit einer braunschwarzen Makakin von Borneo gepaart, und das Resultat dieser Verbindung ist ein jetzt neun Wochen altes allerliebstes Affensöhnlcin. Das kleine Ding wird von der etwas ängstlichen Mutter zärtlich und besorgt an der Brust getragen, und sie sieht es nicht gerne, wenn sich der neugierige Sprößling in Gegenwart der beobachtenden Besucher von ihr entfernt. Man darf gespannt sein, wem von den recht verschiedenartigen Elten: das Junge mehr ähnlich werden wird. So viel ist bereits jetzt erkennbar, daß es vom Vater den Schwanz geerbt hat, der ja der mütterlichen Art fehlt. Die Familie bewohnt eine Abteilung im neuen Affen- Hause, die mit dem großen, gegenüber dem Vogelhause befindlichen Auhenkäfig in Verbindung steht, in dem sich die Tiere bei gutem Wetter aufhalten. Heute ist 23 Pfennig-Sonntag im Zoologischen Garten. DaS Spccinlitätenprogramm des Rpollo-Theaters weist in diesem Monat einige beachtenswerte Neuheiten auf, unter denen wir be- sonders die Leistungen der Teimsttuppe hervorheben. Drei Damen und ein Herr führen in Balltoilette einen Flugakt von kaum da- gewesener Kühnheit mit sicherer Eleganz aus. Bekannt ist hier die französische Tanzsängerin Mlle. Daguerre: leistet die Dame auch nichts Hervorragendes, so amüsiert sie doch wie früher ihr Publikum. Der Komiker Martin Kettner, der ja ebenfalls im Apollo-Theatcr nicht neu ist, entwickelt sein Talent mit fabelhafter Kühn- heit. Seine Besonderheit besteht bekanntlich im Kopieren be- kaimter Künstler, das er wie nur einer versteht. Auch diesmal nutzt er Emil Thomas aus, den er mit den Gebrüdern Hcrrnfcld bei Kuropatkin in die Erscheinung treten läßt. Nicht minder drollig wie dieser Schlager wirkt in der immer noch gespielten „Venus auf Erden" eine Einlage des Komikers Steidl. Den klugen Hans läßt dieser Künstler als Herr von Südosten unter Mitwirkung der Herren Kettner und Rieck gedradezu fabelhaften Thaten vollführen. Tüchtiges in ihrer Art leisten ferner die Kraftakrobaten Les Bonnes und der urkomische Henri Lamore, der Gentlemann an der Waschleine Hiiö den Nachbarorten. Charlottenburg. Heute nachmittag findet in den Räumen des V o l k s h a u s e s, R o s i n e n st r. 3, das Stiftungsfest des Konsumvereins statt. Aus der Spandauer Stadwerordneten- Versammlung. Der Reiselust mancher städtischen Größen, auf städtische Kosten natürlich, setzte die Versammlung heute einen kleinen Dämpfer auf. Gemäß dem Antrage unsres Genossen R i e g e r lehnte die Versammlung die Beschickung der Versammlungen der technischen Oberbcamten der deutschen Städte, in Tanzig, und des Deutschen Vereins für öffent- liche Gesundheitspflege, ebenda, ab. Wie unser Genosse zur Be- gründung ausführte, hat der Stadrbaurat, der für die Beschickung in Aussicht genommen war. trotz seiner Amtsüberbürdung, über welche er fortwährend klage, in diesem Jahre bereits drei ähnliche Delegationen ausgeführt, und da nicht die geringste Aussicht bor- Händen sei, daß der socialpolitisch so rückständige Magistrat von den in Danzig zu haltenden Vortägen die nötige Nutzanwen- dung zu machen, gewillt sei, jo sei es besser, die Kosten würden ge- spart. Weiter beschloß die Versammlung auf Antrag des Stadt- verordneten Hallecker(Soc.), nach der Hauptversammlung des deutschen Forstvereins nur den Oberförster als Fachmann, nicht aber auch noch, wie der Magistrat vorschlägt, einen Forstdcputierten zu entsenden. Endlich bewilligte die Versammlung dem Magisttat nur die Mittel für die Entsendung eines(statt zwei) Rkagistrats- Mitgliedes und des Stadtvcrordncten-Vorstehers nach dem B r a n- de it burgischen Städtetagr in Kottbus. Hierzu führte der Stadrv. Sturm skons.), der in seiner ftüheren Eigenschaft als Stadtverordneten-Vorsteher mehrfach die Städtetage besucht hat, aus, daß die letzteren„doch nur ein großes Frühstücken seien und nichts weite r". Es gehe dort zu wie in einem Taubenschlage, hie Teilnehmer gehen fortwährend zu und ab, niemand folge den Vorträgen mit Aufmerksamkeit, einzig der Vorstand des Städtetages arbeite fleißig. Stadtv. Jenne