Ar. 210. Bbonncmcnts-Bedingungcn: BS onncmcnt?- Preis pränumerando j Merteljährl. ZL0 MS, nwnatl. 1,10 MS, wöchentlich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nmwner 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntag»» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zcitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Au-Iand Z Marl pro Monat. 21. Jahrg. Die InIerti«n$'GebQI)f beträgt für die sechsgespaltene Kolonek- zeile oder deren Raum«0 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 26 Psg. „Kleine Hniefgen". das erste(fettgedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmsttagS in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. erscheint liglich nuSer montagt. Vevlinev VolkSblÄtk. Telegramm-Adresse: ,,S»!aItliiti»l!rat Berlin". Zcntralorgan der fozialdemokratt feben Partei Dcutfchlands. Redaktion: 801. 68. Lindenetrasae 69. Kernsprecher: Amt IV, Nr. l»83. 1 Expedition: SOI. 68, Lindenatraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Trade Umons-Kongretz. London, 3. September.(Eig. Ber.) Nm 5. September wird der 37. Jahreskongreß der britischen Trades-Unions in Leeds eröffnet. Obwohl die Bedeutung deS Trades- Unions-Kongresses im Auslande überschätzt wird,' so sind seine Re solutionen doch insofern beachtenswert, als sie unS die verschiedenen Strömungen und Wünsche innerhalb der organisierten Ar- beiter Großbritanniens obenbaren. In den letzten zwei Jahren ist noch ein andrer Faktor hinzugekommen, der dem Trades-Unions-Kongreß einige Bedeutung giebt. Wie unsren Lesern bekannt seine dürfte, ist das Labour Representation Committee sL. R. C., die neue Arbeiterpartei, die jetzt etwa eine Million organisierte Arbeiter zählt) eine Schöpfung des im Jahre 1899 in Plymouth abgehaltenen 32. JahrcSkongresses der Trades-UnionS. Das L. R. C. ist an Mitgliederzahl und Bedeutung so rasch gewachsen, daß es als politischer Faktor eine viel größere Beachtung verdient als der Trades-Unions-Kongreß. Aber der Kongreß ist noch immer im stände, auf die Politik und die Zusammensetzung des L. R. C. einen Einfluß auszuüben und dieser Einfluß ist in der Regel mehr im liberalen als socialistischen Sinne gehalten. Das L. R. C. ist aber noch zu jung an Jahren, um sich vom Kongreß vollständig befreien zu können. Die Beschlüsse des Kongresses sind deshalb noch zum Teil maßgebend für das L. R. C. Dem Kongresse liegen zahlreiche und meistens für das Proletariat sehr wichtige Anträge der einzelnen Gewerkschaften vor. Neben den alljährlich wiederkehrenden Anträgen über den Achtstundentag, den Ausbau der Fabrikgesetzgebung. Alterspensionen und anständige Ent- lohnung der Arbeiter in Staatsbetrieben sind noch folgende beachtenswert: Arbeitsminister:»Der Kongreß ist der Ansicht, daß ein Arbeitsminister ernannt werden muß, der einen Sitz im Kabinett hat, um die Arbeiterschutz-Gesetzgebung zu vertreten, Nachrichten über den internationalen Arbeiterschutz zu sammeln und die Initiative zu ergreifen, die Monopolisierung(eornerinA) von Rohmaterialien zu verhindern." Arbeiterpresse:„Angesichts des auf dem 3«. Kongreß gefaßten Beschlusses, eine tägliche Arbeiterzeitung zu gründen, legen die Londoner Buchdrucker einen Plan vor, wie eine genossenschaftliche Buchdruckerei zu errichten ist." Gewerkschaftsrecht:„Der Kongreß giebt seiner Genug- thumig darüber Ausdruck, daß die Trades Unions and Trades Dispute Bill zur zweiten Lesung angenommen wurde. Aber er protestiert gegen die Obstruktion, die die konservativen Mitglieder unternommen haben, um die Bill zum Gesetz zu erheben. Der Kongreß be- auftragt das Parlamentarische Komitee, Maßregeln zu ergreifen, um dem Entwurf die Gesetzeskraft zu verleihen." Parlamentarische Vertretung:„Der Kongreß giebt seine aufrichtige Zustimmung zur Polisik des Labour Representation Committee und ist der Ansicht, daß das L. R. C. allen offen ist, die eine unabhängige Arbeiterpartei mit eignen Errungenschaften und einer eignen Politik im Parlamente wollen, um auf diese Weise die politische Isolierung zu vermeiden, zu der das L. R. C. durch die bisherige Polisik verurteilt ist." Diese Resolution ist sehr unklar, besonders für das Ausland, daS nicht Gelegenheit hat, die Jntriguen zu beobachten, die die liberale Partei gegen das L. R. C. spinnt. In unsrem Artikel über das L. R. C. im„Vorwärts" vom Anfang Februar 1904 ist der Kampf zwischen Liberalen, Gewcrk- schastlern und Socialistcn um das L. R. C. skizziert. Die Lage ist etwa die: Das L. R. C. entstand: 1. infolge der Unmöglichkeit des Trade-UnioniSmus, die Rechte der Arbeiter zu schützen; 2. in- folge der UnWilligkeit der liberalen Partei, die Interessen der Arbeiter wahrzunehmen. Diese Thatsachen entsprechen vollständig den Lehren des SocialismuS. Die Socialisten erklärten sodann den Gewerkschaftlern, sie müßten sich politisch von den Liberalen beftcien und durch eigne Kraft ins Parlament gelangen und da selbständig thätig sein. Die Verwirklichung dieses Vorschlages stieß auf Schwierig- leiten von feiten der Geiverkschafller und selbstredend von feiten der Liberalen. Die Gewerkschaftler glauben, Selbständigkeit heiße Isolierung und Ohnmacht; die Liberalen wissen sehr genau, daß eine selbständige, entschlossene Arbeiterpartei die Vernichtung des alters- schwachen Liberalismus bedeute. Und da die meisten Gewerkschaftler aus Tradition den Liberalen anhängen, so haben sie zusammen gegen die polisische Selbständigkeit des L. R. C. intrigiert. Bis jetzt durften nur diejenigen Organisationen des L. R. C. Kandidaten ausstellen, die entweder Trades-Unionisten oder Mitglieder der Jndependent Labour Party und der Fabian Society sind. Die Socialdemokratische Föderatton, die ursprünglich dem dem L. R. C. angehört hatte, trat aus, da das L. R. C. eine socialistische Resolution ablehnte. Jedenfalls war es Liberalen, die keiner Gewerkschaft angehörten, unmöglich, von dem L. R. C. als Kandidaten bestätigt zu werden. Die obige Resolution will unter der Maske der Arbeiterkandidatur liberale Politiker in das L. R. C. ein- schmuggeln, um eS an die liberale Partei zu verraten. ES ist deshalb kein Zweifel, daß die Diskussionen über diese Resolution lebhaft sein werden. SocialismuS:»Die Gewerkschaft der Stukkateure fordert die Trades-Unions auf, ihre Bemühungen darauf zu richten, die Ver- gesellschaftung der Produktionsmittel durchzuführen." Die Adresse des Kongresses ist Town Hall, Leeds. Ueber die russischen Rückzugskämpfe liegen heute nur spärliche Nachrichten bor. Vermutlich ist wegen der Erschöpfung der beiden Armeen durch die zehntägige Riesenschlacht eine Pause eingetreten, während deren sich die Gegner für die letzten Kämpfe rüsten. Diese Kämpfe dürsten aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen Liaujang und Mulden stattfinden und den zweifellos enormen russischen Verlusten neue Riesenverluste hinzufügen. Ein Teil der Presse nimmt bereits an, daß es einem Teil, wahr- scheiulich sogar dem Gros der russischen Armee geglückt sei, sich der Umklammerung der Japaner zu entziehen und den Rückmarsch nörd- sich von Jantai fortzusetzen. Es sei also den Japanern nicht ge- lungen, der russischen Hauptarmee das beabsichtigte Jena zu bereiten. Andre Blätter gehen sogar so weit, den Rückzug Kuropatkius als eine von vornherein beabsichtigte, wohl vorbereitete und glücklich durchgeführte Operation darzustellen. Diese letztere Auffassung zeugt von geradezu ungeheuerlicher Urteilsverwirrung. Warum in aller Welt hätte Kuropatkiu seine Armee so un- geheuren Verlusten aussetzen sollen, wenn es ihm nur darauf an- gekommen wäre, Zeit zu gewinnen und das Eintreffen weiterer Verstärkungen abzuwarten? I Hätte er vor 14 Tagen den Rückzug angetreten, so hätte er, ohne die Einbuße der S0 999 Mann, die er schon jetzt verloren haben dürfte, ganz genau das gleiche Ziel erreicht I Ja, er hätte mehr erreicht, er hätte sich die Möglichkeit gesichert, noch in diesem Jahre— vorausgesetzt natürlich, daß die Verstärkungen in der nötigen Zahl eingetroffen waren!— gegen die Japaner zum Angriff überzugehen, eine Möglichkeit, die nach den Kämpfen von Liaujang aus- geschlossen ist, selbst wenn eS ihm gelingen sollte, noch einen an- sehnlichen Rest seiner Armee nach Norden in Sicherheit zu bringen. Urteilte doch bereits am 3. September der militärische Sach- verständige der„Kreuz-Zeitung": „Die Niederlage der russischen Hauptarmee kann schon jetzt als besiegelt gelten. Sie könnte nur unter so großen Verlusten an Menschen und Kriegsmaterial nach Mulden gelangen, daß an die Fortsetzung des Widerstandes, an erneute Schlachten nicht eher zu denken ist, als bis man dem siegreichen Feinde ein neues Heer entgegenstellen kann. Zwar wird von Petersburg verkündet, daß General Linewitsch mit seinen SOOCJ Mann von Wladiwostok herangeeilt sei und bei Mulden zur Auf- nähme Kuropatkius bereit stehe, aber die 39 999 Mann können das Geschick nicht wenden. Der Feldzug des Jahres 1994 i st mit der Schlacht bei Liaujang entschieden; denn bis die bereits angekündigten Verstärkungen aus dem euro- päischen Rußland auf dem Kriegsschauplatze eintreffen können, bricht der Winter herein, der den Operationen in der Mandschurei vorläufig ein Ziel setzt. Grausam rächt es sich, daß man nicht einen Mann mit dem unumschränkten Oberbefehl auf dem Kriegs- theater betraut hat, daß Alexejew und Linewitsch nicht unter Kuro- patkin standen, sondern gleichberechtigt neben ihm. Wenn Linewitsch's Divisionen bei Liaujang Schulter an Schulter mit der Haupt- armee fechten würden, wenn kein Mann bei Charbin zurück- gehalten würde, so stünde es besser um die russische Sache. Aller Voraussicht nach ist jetzt selb st Mulden nicht mehr zu halten. Die Nieste des russischen Heeres werden Weit nach Norden zurückgehen m ü s s e n und vielleicht erst am Sungari Ruhe finden. Das Kriegsglück hat ei» Urteil von nucrmcßlicher Tragweite gefällt und eine politische Lage geschaffen, deren Wirkungen sich auf dem ganzen Erdenrund geltend machen werden." In WirMchkeit hat Kuropatkin bei Liaujang mit seiner ganzen Armee die Entscheidungsschlacht angenommen und im vollsten Umfange verlorenl Daß er auch für einen möglichen Rück- zug Vorbereitungen traf, versteht sich von selbst. Daß er aber den Rückzug von allem Anfang an geplant habe, ist eine tollhäuslerische und verbrecherische Insinuation, gegen die Kuropatkin s e I b st durch seine Telegramme protestiert, in denen von einem solchen Kriegsplan mit keiner Silbe die Rede ist. Aber auch davon, daß es der russischen Hauptmacht bereits gelungen sei. ihren Rückzug zu sichern, kann gar keine Rede sei». Davon erzählen wohl allerhand ausländische Blätter, aber nicht die offiziellen Telegramme selbst. Selbst englische Blätter verbreiten allerdings solch' voreilige Nachrichten. Sie, die die russische Niederlage anfangs sensationell übertrieben— der„Vorwärts" hat ihre Berichte ignoriert— verfallen jetzt aus Ungeduld in das entgegengesetzte Extrem, die Bedeutung der japanischen Erfolge zu unterschätzen. Soweit amtliche russische und japanische Nachrichten vorliegen, hat sich die russische Armee durchaus noch nicht der japanischen Umklamme- ruug zu entziehen vermocht. Meldete doch gestern Kuropatkin, daß die Japaner am 4. September ihre Truppen gegenüber dem linke» russischen Flügel verstärkt hätten, indem sie sich von den Steinkohlengruben von Jantai sowohl nach Norden wie nach Westen ausbreiteten. Sie bedrohen also noch immer, ja mehr als zuvor, die russische Rückzugslinie. Denn von einem russischen Durchbruch über Jantai hinaus hat Kuropatkin noch kein Sterbenswörtchen gemeldet I Und ein amtliches japanisches Telegramm von heute meldet: Tokio, 9. September. Amtlich wird gemeldet: Ein Teil der russischen Truppen bleibt in Jingschuissu südlich von Jantai. Die Hauptmacht der Russen steht in Jantai. Im russischen und japanischen Hauptquartier weiß man, zmnal alle Berichterstatter auf beiden Seiten von der Front fern ge- halten werden, doch zweifellos am besten über die Situation Bescheid l Die russischeArmee steht also noch immer im Feuer. Noch immer droht ihr die Gefahr, abgeschnitten zu werden. Und Kuroki wird zweifellos alles aufbieten, der Nieder- läge von Liaujang eine zweite Niederlage bei Jantai folgen zu lassen! Jedenfalls werden die Russen Mulden nicht früher erreichen als die Japaner. Dann wird bei Mulden die Fortsetzung von Liaujang stattfinden. Auf eine solche Verlegung des Schlacht- schauplatzes deutet folgendes, übrigens unverbürgte Telegramm: Jantai, 5. September.(Meldung des„Neuterschen Bureaus".) Heute fand n 0 r d ö st l i ch von hier ein heftiges Gefecht statt. Die Japaner marschieren längs des Berg- rückens östlich der Eisenbahn nord wärts. In einer Entfernung von zwanzig Meilen imSüdwesten von Mulden fanden mehrere Scharmützel statt. Die Russen halten Kuroki im Zaume, während die russische Liaujang-Armee nach Norden marschiert. Petersburg, 9. September. Der Zeitung„Rufs" wird aus Mulden telegraphiert, da der Feind sich 49 Kilometer südlich von Mulden befinde, beginne die Räumung der Stadt; die Censur siedle bis auf weiteres nach Charbin über und es sei eine zeitweilige Unterbrechung der Draht-Berichterstattung möglich. Ueber die Vernichtung des Wladitvostokgeschwaders berichtet der stellverttetende Kommandant des„Rjurik": Von 22 Offizieren wurden verwundet und sind an ihren Wunden gestorben zwei Lieutenants, 3 Midshipmen und der Schiffsarzt; ver- ivundet wurden ferner drei Lieutenants, zwei Midshipmen und ein Ingenieur. Von 899 Mann Besatzung sind annähernd 299 getötet und 278 Mann schwer oder leicht verioundet worden. Da ich nicht die Möglichkeit hatte, das Schiff zu lenken und da das Steuer und'mehrere Haupttohre beschädigt waren, so konnte ich mich nicht vor dem Feinde zurückziehen. Unsre Ver- teidigungsmittel lochen vernichtet und ich beschloß daher, weil 4 gepanzerte Kreuzer, die von der Verfolgung unsrer Schiffe zurückgekehrt waren, und 3 Kreuzer 2. Klasse mit 6 Torpedobooten sich zeigten, den Kreuzer in die Luft zu sprengen. Ein Versuch, dies zu thun, mißglückte aber, da die Zündschnüre zum Teil durch ein explodiertes Geschoß vernichtet waren, zum Teil sich in einem unter Wasser gesetzten Schiffsraum befanden. Ich befahl daher, den„Rjurik" zu versenken, was von den Ingenieuren ausgeführt wurde. Die bis zur Versenkung des Schiffes übrigbleibende Zeit wurde zur Rettung der Verwundeten und der Besatzung verwandt. Da alle Boote zer- schössen waren, so wurden Rettungsgürtel uud Holzreste benutzt. Bald nachdem wir unser Feuer eingestellt hatten, hatte auch der Feind aufgehört auf uns zu feuern. Gegen 1 Uhr mittags sank der Kreuzer uud die Besatzung wurde von feindlichen Schiffen aufgenommen. Diese schafften uns unter voller Sorgfalt nach Sasebo. Die Aufnahme der Verwundeten und ihre Pflege war eine äußerst aufmerksame und gegen die übrige Mannschaft war das Verhalten sehr gut. Die Offiziere und die Mannschaft bewiesen während des Kampfes volle Kaltblütigkeit und erfüllten ihre Pflicht bis zum letzten Augenblick.— Diesen Bericht hat der Hieromonach Alexei über Nagasaki und Shanghai überbracht, der von den Japanern in Freiheit gesetzt wurde, weil er kein Kriegsgefangener war. politilcke Qeberlickt. Berlin, den 6. September. Fischdünger als Konterbande. Die Vernichtung der„Thea" durch russische Kriegsschiffe stellt sich als einer der frechsten Völkerrechtsbrüche Rußlands dar, der nur ersonnen werden komtte. Ohne jeden Grund, obwohl sie wußten, daß keine Konterbande auf der„Thea" vorhanden war, wurde das Schiff von den Russen in den Grund gebohrt, die nun die Genugthuung haben, wenigstens über Fischdünger Siege erringen zu können. ES wird jetzt der Bericht veröffentlicht, den der Kapitän der „Thea" aus Wladiwostock an die Kieler Reederei von Diederichsen gerichtet hat. Es geht daraus hervor, daß zunächst die Rnssen, trotz ihres Versprechens, daS Telegramm deS Kapitäns über das Schicksal seines Schiffes nicht abgeschickt haben. „Die Reise verlief ohne Unfälle und sonstige Borkommnisse. Morgens, den 2S. Juli, gegen 2 Uhr. wurde das Feuer von „Nojima" in m. u. W. zu N. 19 Seemeilen Abstand gesichtet und darauf W. zu S. V2 S. gesteuert. Das Wetter war zeitweise regnerisch und diesige Luft. Gegen 2 Uhr 19 Minuten sichtete ich plötzlich(ich war auf der Brücke) an Backbord 4 Strich voraus einen großen dunklen Gegenstand, ohne jegliche Lichter, gleich darauf noch zwei mehr. Im Augenblick fiel auch der erste blinde Schuß und Lichter wurden sichtbar. Nun wurde mir klar, daß eS drei russische Kriegsschiffe waren, ganz nahe der„Thea". Gegen 2 Uhr IS Minuten stoppte ich unsre Maschine, legte Ruder Steuerbord und wartete, was kommen würde, beorderte auch alle Mann auf Deck. Gegen 3 Uhr morgens kam eine Ruderpinasse mit zwei Offizieren und bewaffneten Soldaten längsseit. Die Offiziere verlangten die Schiffspapiere, Journal, Konnossemente Charter-Party usw. zu sehen, was ich nicht verweigern konnte. Die Papiere wurden durchgesehen und darauf mit den Kriegs- schiffen signalisiert mit Lichtern. Gegen 3 Uhr 4S Minuten fuhr die Pinasse von„Thea" fort mit der Order, daß ich auf weitere Order zu warten hätte. Gegen S Uhr 2S Minuten kam eine Pinasse zurück und wurde nur erklärt, daß alle Mann unter Mit- nähme der notwendigsten Effekten die„Thea" innerhalb 29 Minuten zu verlassen hätten, weil die„Thea" in den Grund geschossen werden sollte. Auf meine Frage, weshalb unser Schiff nieder- geschossen werden müsse, wurde mir erklärt, daß die Ladung Fisch- dünger Konterbande sei und außerdem nicht genügend Kohlen an Bord seien, um nach Wladiwostok zu dampfen.(Bnnkerbestand war 129 Tonnen.) Ich beorderte alle Mann, einige Effekten zusammenzupacken und dann in die Pinasse zu gehen. Ich bat, uns unsre eignen Boote aussetzen zu lasse», um unsre Sachen und unser Zeug retten zu können, jedoch wurde mir dies verweigert. Es wurde sehr zur Eile angetrieben, da bereits drei viereckige Blechkaften mit Sprengstoff in den Maschinenraum gebracht waren, placiert und die Zündschnüre angezündet waren. Alle Leute waren bereits in der Pinasse, als auch ich die„Thea" verließ. Bon den Bündeln »er Leute wurden viele wieder auZ dem Boot inS Wnsser geworfen, weil es für zu viel angesehen wurde. 5 Uhr SS Minuten, also nach 31 Minuten, wurde„Thea" verlassen. Kaum zwei Minuten später erfolgte die Explosion im Maschmen- und Heizraum.„Thea" sank jedoch noch nicht. Gegen 6 Uhr morgens kamen wir längsseits des russischen Kreuzers„Rjurik", wo alle Mann aufgenommen wurden, samt den wenigen nachgeöliebenen Effekten. Nachdem die Pinasse eingesetzt, wurde auf„Thea" geschossen und sank unser gutes Schiff, nach- dem 62 Schüsse aögefeuert waren, gegen 7 Uhr 20 Min. morgens in die Tiefe auf ungefähr 34 Grad 51 Minuten nördlicher Breite und 140 Grad 13 Minuten östlicher Länge. Gerettet ist sehr tocuig, nur das Allernotdürftigste und teilweise nichts als was angezogen war, es sieht recht traurig aus. Gegen 10 Uhr morgens setzten die drei Schiffe„Rossia", „Gromoboi" und„Njurik" die Fahrt nordwärts fort. Am 1. August wurde Wladiwostok erreicht und gab ich am selben Abend oben genanntes Telegramm zur Durchsicht ab; hoffentlich ist es ab- gesandt." Es ist ja begreiflich, daß nach dem Königsberger Prozeß und nach den sonstigen deutschen Zarendiensten, Rußland keinerlei Rücksicht auf dieses Deutschland zu nehmen für notwendig hält. Bricht Deutschland alle völkerrechtlichen Verpflichtungen der westeuropäischen Kultur Vätercheu zu Liebe, so ist natürlich Rußland auch moralisch berechtigt, das Völkerrecht gegenüber Deutschland in ebenso brutaler wie höhnender Weise außer Kurs zu setzen. Gespannt aber darf man auf die g e n O st e n gerichtete neue Granitbeißer-Rede des Grafen Bülow im Reichstag sein.— ** » Dcutfcbcs Reich. Ballin-Angst. Das Preßbureau des Herr Ballin ist durch nnsre gestrigen Andentungen über die Wirkungen, welche die profitable Gesundheitskomödie der Reedereien zur Folge haben könnte, in einige Aufregung versetzt worden, die in der„National-Zeitung" nach Ausdruck ringt. Die„National-Zeitung" erzählt noch immer die bekannte Geschichte, daß sich die Russen einer gesundheitlichen Kontrolle unterwerfe» müßten. Sie erklärt es für unwahr, daß dieser Kontrolle imr russische Auswanderer unterworfen würden. Es seien auch Durchwanderer ans Oesterreich-Ungarn und aus den Balkanstaaten denselben Maßnahmen ausgesetzt. Wir haben das Gegenteil nicht behauptet. Es ist richtig, daß auch Galizicr, die von Berlin aus nach Hamburg fahren wollten, von den Balliii- Agenten aufgegriffen wurden und im Interesse der Gesundheit der Dividenden der Reederei-Aktionäre in Ruhleben zur Entnahme von Zwischendeckkarten nach Amerika gepreßt wurden. Wir haben uns vorzugsweise mit den russischen Auswanderern beschäftigt, weil auf diese ein ganz besonders verwerflicher Druck ausgeübt lvird. Die„National-Zeitung" hat noch immer nicht den Mut, auch nur anzudeuten, welche Praktiken der Reedereien wir aufgedeckt haben. Sie will sich nicht in eine Diskussion über nnsre unglaubwürdigen Behauptungen einlassen. Wir vermuten, daß sie auf die Dauer diese Taktik des Totschweigens nicht durchführen können wird. Wenn die„National-Zeitung" auch nur ein Wort unsrer Mit- teilungen hätte bestreiten können— und ihre Beziehungen zu den Reedereien hätten ihr ja sofort die nötigen Informationen vcr- schafft— so würde sie natürlich mit einein Hagel von Beschimpfungen über unsre Verleumdungen der„hochherzigen" Reedereien und der preußischen Regierung hergefallen sein. Erst unser Hinweis, daß England in feinem Kampf gegen die deutschen Dampferlinien den Gesundheitsschwindel, wie ihn die „National-Zeitung" unermüdlich auftischt, Anlaß zu sehr empfindlickien Repressalien nehmen könnte, macht das Organ des Herrn Ballin unruhig. Ja, die„National-Ztg." scheint bereits zu wissen, daß man in England thatsächlich derartige Matznahmen erivägt; denn sie sucht das Material schon im Voraus als fadenscheinig zu widerlegen. Auf solche Scheingründe könne kein Vorgehen gegen die deutscheu Linien begründet werden. Die Ausländer seien ja eben nicht seuche- verdächtig, weil der Kontrollapparat eingerichtet sei. Wir haben festgestellt. daß die Kontrollstationen dazu benutzt werden, um russische Flüchtlinge, die gar nicht nach Amerika wollen, zur Entnahme deutscher, und nur deuffchcr, Fahrkarten nach Amerika gepreßt werden, bei Strafe ihrer Rückweisnng nach Amerika. Daraus wird natürlich England schließen, daß dieie sogenannten Kontroll- stationen nur mit Zlvangsapparatcn ausgestattete Agenten- fallen für die deutschen Reedereien sind, England wird daraus loeiter folgern, daß eine gesundheitliche Untersuchung, die derartig mit politischen und geschäftlichen Interessen verquickt ist, keinerlei Garantien bietet. Da nun aber von der„National- Zeitung" und den sonstigen Ballin-Organen immer wieder versichert lvird, w i e seuchcnverdächtig die Ausländer aus dem Osten seien, so wird eben England zu einer selbständigen Nachprüfung schreiten können, um diese Gefahr von englischen Auswanderern auf deutschen Schiffen fernzuhalten. Es ist doch der„National-Zeitung" bekannt, daß nnsre ganze agrarische Sanitätspolitik auf dem Argument beruht, daß das ausländische Vieh durch und durch verseucht sei und daß die ausländische Kontrolle keine genügenden Garantien biete; deshalb die wiederholten Untersuchungen, deshalb auch die Sperren und Einfuhrverbote. Wenn nun immer wieder behauptet wird, daß gerade die mittellosen Russen, die nicht etwa auf ostelbische» Gütern fronden wollen, sondern nur Deutschland passieren, eine derartige gesundheitliche Gefahr bilden, so wird England ganz nach der deutschen Agrarlogik sich nicht auf die gesundheitliche Thätigkcit der Ballinagenten ver- lassen, die ja ein finanzielles Interesse haben, daß die Auswanderer in den Schiffen der deutschen Reedereien transportiert werden. Man wird also sehr wahrscheinlich zu den von uns angedeuteten Gegen- maßregeln greifen, zumal die Krankheitsfurcht unsrer deutschen Reedereien auch die seltsame Wirkung hat. daß man englischen Linien den Transport dieser seuchenvcrdächtigen Personen durchaus nicht gönnen will, sondern unter Autvendung voir Erpressung. Nötigung und Freiheitsberaubung sie zwingt, deutsche Schiffe zu— verseuchen.— Die Achtung der Religion. Man schreibt uns: Der„Vossischen Zeitung" war es wieder einmal vorbehalten, entsprechend ihrer be- kannten„liberalen" Tradision die Wahrheit über unsre öffentlichen Zustände in einem nicht unwesentlichen Punkte zu verfälschen. Auch der„Vorwärts" hatte der Wahrheit entsprechend gemeinsam mit andern Blättern die Nachricht gebracht, daß dem vor wenigen Tagen verstorbenen Justizrat Staub, dem juristischen Gelehrten und Praktiker von hervorragender Bedeutung, die Stelle eines Reichs- gerichtsrats oder eine Üniversitätsprofessur für den Fall in Aussicht gestellt war, daß er den ihm als Juden anhaftenden Geburtsfehler durch eine christliche Taufe beseitigte. Die„Vossische Zeitung" wußte es besser und berichtigte tapfer drauf los, daß solche Dinge bei uns nicht vorkommen. Glücklicherweise dachten die Männer, welche gestern an dem Sarge des Verstorbenen sprachen, anders; sie rechneten es dem Toten mit deutlichen Worten zum Ruhme an, daß er den an ihn heran- getretenen Versuchungen, die darauf zielten, die Religion als Handels- cbjekt für seine wissenschaftliche Laufbahn zu benutzen, nicht unter- legen ist. Aber Tüchtigkeit und vornehme Gesinnung sind nicht der Maßstab, nach welchem die herrschenden Klassen ihre Ehren verteilen. Davon legte auch das gestrige Begräbnis Zeugnis ab. Merkwürdig, wie tief die Bekenner des christlichen Staates von der Religion denken, daß man religiösen Männern solche Prostitution zumutet.— Das Scifcnpulver gegen die Socialdcmokratic. Der Prediger Dr. I. H. Wallfisch, dessen Bettelbrief zur Bekämpfung der Social- demokratie durch ein ganz neues Wundermittel wir gestern mitgeteilt haben, beehrt uns mit einem längeren Schreiben, um dessen Auf-. „ahme er bittet. Die Bciefstellerei deS Herrn Wallfisch ist durch unsre gestrige Notiz gerade genügend berücksichtigt worden. Es ist; nicht notwendig, der Oeffentlichkeit davon Kenntnis zu geben, daß l Herr Wallfisch kein persönlicher Feind der Socialdemokratie sei,> , jedem Menschen eine menschenwürdige Existenz gönne und daß er eigentlich nur an den religiösen Auffassungen der Socialdemokratie, an der„Privatsache" Anstoß nehme. Dagegen gesteht Herr Wallfisch den dreisten Schwindel, den er mit den Bettelbriefen getrieben, jetzt selbst ein. Er hatte behauptet, daß er freies Porto und freie Fahrt bekomme und diese Behauptung � in die Form gekleidet:„Wenngleich ich... bekomme." Herr Wallfisch deutet dieses„Wenngleich" jetzt so, daß damit keine vollendete Thatsache ausgesprochen werden sollte, sonderiicincHypothese:„Selbst wenn ich... bekäme." Da nun vermutlich die Gönner, um deren barzahlendc Mitwirkung an seiner Bekämpfung der Socialdemokratie er bat, das übliche Deutsch verstehen, so wird jeder den Brief so verstanden haben, daß Herr Wallfisch von einer volleudeten Thatsache gesprochen hat. Nach den Regeln der deutschen Sprache kann der Satz:„wenn- gleich ich bekomme" keinen andren Sinn haben. In Wirklichkeit hat allerdings Herr Wallfisch, Ivie er uns mitteilt, sich zwar um Porto- und Eiscnbahnfreiheit bemüht, ist aber a b s ch l ä g i g beschieden worden. Uebrigens treibt dieser Prediger Wallfisch seit längerer Zeit derartige zweifelhafte Geschäfte. So ist er beteiligt gewesen an dein Haussegenschwindel, den seiner Zeit der„Märkische Kunstverlag" in Berlin getrieben hat. Nach dem Zusammenbruch dieser Wohlthätigkeit hat er sich nun auf die Bekämpfung der Socialdemokratie im Mirbach- Stil geworfen. Nach der Ehrlichkeit, mit der er schon die ersten Versuche unternimmt, möchten wir ihm raten, lieber Artikel für die „Post" zu schreiben.— Die leidigen Steuern. Der deutsche Kronprinz er- hob, wie der„National-Zeitung" telegraphiert wird, Klage beim Breslauer Bezirksausschuß gegen den Kreisansschuß Ocls wegen S t e u e r b e l a si n n g seines Oelser LchenSgutes. Der Ver- Handlungstermin ist am 15. September.— Ruf einem Kahn mit Mirbach soll nun der Polizeiminister Hammerstein in den Tiefen verschwinden, in denen die hohen Herren der preußischen Bureaukratic für immer zum eivigcu Nichts werden, wenn sie einmal die officiellc Würde verloren haben. Eine geblähte Macht heute, morgen nicht einmal mehr ein Gelächter! Der Ober- Präsident Dr. Wenzel in Hannover, dem aus seiner Wiesbadener Vergangenheit gute Beziehungen zum Hofe nachgesagt werden, soll an Stelle des Herrn von Hammerstein Minister des Innern werden. Für Herrn Wenzel würde die Schivicrigkeit entstehen, den Freiherr» von Hammerstein noch zu übertreffen und das scheint für gewöhn- liche Menschenkräfte unerreichbar. Herr von Hammerstein, der Mosaikkamerad von Mirbach würde also, wenn die Nachricht sich bestätigt, nicht mehr in die Lage kommen, seine Dupieruug des Landtags öffentlich zu bekennen. Aber vielleicht lebt er an den Nekrologen wieder auf l Dem bayrischen Kriegsminister, so wird uns aus Nürnberg ge- schrieben, ist wieder einmal das arge Mißgeschick passiert, daß sich seine im Landtage abgegebenen Versicherungen als nicht den That- fachen entsprechend herausgestellt haben. Bei der Beratung des Militärerats am 19. Juli d. I. brachte Abgeordneter Genosse Scgitz einen Fall zur Sprache, der das Verhalten der Militärverwaltung bei Soldatenpeusionierungen bedenklich erscheinen läßt. Es handelte sich um einen jungen Bauern aus der Gegend von Hcrsbruck, der im November vorigen Jahres zum 19. Infanterie- Regiment eingezogen, im April dieses Jahres zur Beobachtimg seines Geisteszustandes dem Lazarett übergeben und kurze Zeit darauf seinen Eltern als irrsinnig zugeführt wurde. Segitz bemängelte es, daß die Militärverwaltung ihre Pflicht gegenüber dem Soldaten nicht erfüllt, sondern ihn ohne Pension den in ärmlichen Verhältnissen lebenden Eltern zugeschoben habe. Der Minister erwiderte darauf, es sei nicht richtig, daß der Mann ohne Pension entlassen worden sei, er habe im Gegenteil die höchste Pension erhalten, die ihm überhaupt gesetzlich zuerkannt werden könne, obwohl nicht festgestellt sei, daß seine Geisteskrankheit mit dem Militär- dienst zusammenhänge. Ans einer zehn Tage später bei Scgitz eingcgan- genen Anfrage des Vaters des erkrankten Soldaten ging hervor, daß die Pensionssacke noch nicht erledigt war; dem war die Mitteilung angeftigt, daß der junge Mann vom Bezirksarzt als gemein- gefährlich erklärt worden fei, der Vater fei aber nicht im stände, ihn im Jrrenhause zu versorgen, die Armenpflege wolle nichts thun, und das Regiment sowie das Bezirksamt hätten alle Ansprüche zurückgewiesen. Segitz gab dem Vater den Rat, er möge sich eine Weile gedulden, in wenigen Tagen werde die Pension an- gcivicsen werde». Ende August erkundigte er sich nach dem Stande der Sache und erfuhr, daß der Vater vor vier Wochen beim Bezirks- kommando reklamiert, aber nichts erhalten habe, und daß auf die Anfrage der Gemeindeverwaltung die Antwort eingelaufen sei, der Rekrut sei ohne Pension entlassen worden. Er sei übrigens seit fünf Wochen verschwunden und bisher nicht wieder aufzufinden gc- Wesen. Die vor der Volksverttetung abgegebene Erklärung des Herrn Kriegsministers deckt sich also auch hier mit den Thatsache» nicht. Seinen Aufklärungen, die er in diesem Falle zu geben hat, wird mit großem Interesse entgegengesehen. Ein„Hörfehler" kann diesmal nicht in Betracht kommen.— Hueland. Italien. Wie die römische Stadtverwaltung die Jutcressc» der Stadt wahrnimmt. Rom. den 2. September.(Eig. Vor.) Mit Recht kann man sagen, daß die römische Stadtverwaltung, die auf jeden: Straßenkehrerbescn stolz das Lenatns Lopnlnsgus Romauno anbringen läßt, eine ausschließliche Interessenvertretung des Großkapitals darstellt. Daher baut Rom trotz des beispiel- losesten Wohnungsmangels und ausgedehnter Bauplätze keine Arbeiterwohnnngen, daher hat es den elendesten und teuersten Trambahn- Verkehr aller Großstädte,— sitzen doch die Aktionäre der großen, die Mietshäuser besitzenden Banken Und der elektrischen Bahnen in C a m p i d o g l i o und wachen über die Interessen ihres Geldsacks. Wie weit die Be- günstigung der großen Kapitalistengesellschafteu geht, ersieht nian aus einem in der„ T r i b u n a" veröffentlichten Brief eines Ingenieurs A r c e n z i. Dieser teilt mit, daß er auf eigne Kosten ein Projett aus- gearbeitet habe, um Rom mit billiger elettrischer Kraft zu versehen. Es handelt sich darum, in der Nähe von Tor di Quinto, ober- halb Roms durch den Tiber einen Damm von fünf Meter Höhe zu erbauen. Der so gewonnene Wasserfall gäbe bei niederem Wasser- stände 10 500 Werdekräfte, die es ermöglichten, Rom für die Hälfte des jetzigen Preises elektrisch zu beleuchten und ferner elektrisches Licht an Private abzugeben um 30 Prozent geringeren Preis, als heute in Rom für Gasbeleuchtung bezahlt wird. Da Rom 1l/z Millionen jährlich für elektrisches Licht ausgiebt, würde die Stadt � Millionen jährlich sparen. Dies Projett ist vor sechs Jahren eingereicht worden! Es ist bereits von der obersten Civil-Jngenieurbehörde und dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten gutgeheißen worden: das Finanzministenum, in dessen Bereich die Wasserkräfte des Tiber fallen, hat die Anlage und alles dazu gehörige bewilligt. Auch der Lokalaugenschein durch eine Regierungskommissioii'. den das„Gesetz vorschreibt, hat stattgefunden. Wer aber nichts davon wissen will, ist... die römische Stadtverwaltung. Ohne auch nur einen Vorwand zu suchen. hat sie das Projekt einfach abgelehnt. Nun will der Jugenieur Arceni nicht einmal städtische Kapitalien für die Anlage in Anspruch nehmen. Er hat bereits Kapitalisten, die das Geld geben. Von der Stadt wird nichts andres verlangt, als daß sie ihr Licht um die Hälfte billicier bezahle! Während sie heute die Monopolpreise der anglo-römischen Elektricitätsgesellschast zahle» muß, die alle elektrischen Kräfte der Provinz monopolisiert hat und für den Rückkauf ihrer Anlagen 35 Millionen Lire fordert, könnte sie der Auglo-Romana ihre Anlagen lassen und ihr Licht anderweitig beziehen, da— nach dem Briese ArcenziS wenigstens— ein Lieferungsvertrag von längerer Dauer nicht besteht. Aber die direkte und indirekte Jntercssensolidarität der Stadtverordneten mit den Aktionären der Auglo-Romana läßt einfach ein so wichttges Projekt ins Wasser fallen. Was liegt den Herren in Canrpidoglio an den Lichtpreisen!— Rnfjland. Ans den Ostsceprovinzcn. Agitation im Heere. Die von den socialdemokratischen Organi- sationen geleitete Agitation bereitet den höheren Militärchefs immer größere Sorgen. Die Feldlager bei Jskul und Stopini sind Mitte Juli mit socialistischen Flugblättern buchstäblich über- schwemmt worden. So sind in vier Regimentern, in denen von Jsborsk, Wendeusk, Ustdwinsk und Windau allein über tausend Flugblätter verbreitet worden. Alle Anstrengungen der Militär- behördcn, die„Schuldigen" zu entdecken, blieben erfolglos. Ebenso gut ist die Verbreitung von Flugblättern unter den Mannschaften des nach dem fernen Osten abgehenden Dampfers„Terck" gelungen, der seiner Zeit von der russischen Regierung in Deutschland an- gekauft worden ist. Eine eigenartige„Kartoffel-Meutem" wird uns aus dem russischen Ostseehafen Windau gemeldet. Am 8. Juli gingen hier einige russische Transportschiffe vor Anker, die den Auftrag hatten, große Einkäufe von Kartoffel'» für die Bedürsmsse der Flotte zu machen. Die Nach- richt davon hatte sich schnell in den Fischcrhütteu und»inliegende» Fischerdörfern verbreitet, und bald füllte den Hafen eine dichle Menge, um die Ladung zu verhindern. Tie Kartoffel bildet hier nämlich nebst Fischen das Hanptnahrungsmittel der ärmeren Bevölkerung, und diese hat noch gut im Gedächtnisse die schwere Hungersnot vom Jahre 1891, die damals in der ganzen Umgegend ebenfalls infolge großer Einkäufe seitens der Regierung ausgebrochen war. Die Hafen- und Stadtpolizei erwies sich ohnmächtig dem großen Auflauf gegenüber, und die Menge, die zu einem großen Teil auch aus Frauen und Kindern bestand, nahm eine immer drohendere Haltung an. Die Schiffe versuchten es dann, am gegenüberliegenden Hafen- strand anzulegen, aber die Menge schnitt sie auch da von der Ladung ab und so mußten sie nach langem drmn und dran schließ- sich unverrichtcter. Sache wieder abdampfen.— Die Arbcitermisere in Riga infolge der Krise und des Krieges nimmt immer größere Dimensionen an. Hand in Hand mit der Verringerung der Produktion wächst die Zahl der Arbeitslosen, fällt der Arbeitslohn und desto provozierender werden die Gaunereien der Fabrikverwaltungen denjenigen Glücklichen unter den Arbeitern gegen- über, die noäi in Stellung verbleiben. So arbeitet man z. B. auf der Fabrik„Textil" bloß 3 bis 4 Tage in der Woche und der Accordlohn ist noch obendrein auf die Hälfte reduziert worden. In der Loderschen Fabrik ist der Arbeitslohn ebenfalls um die Hälfte geschmälert worden und die Praktiken der Sortierer, die tadellose Arbeit für„Ausschuß" erklären, thun das übrige, um den Hnnger- lohn noch mehr herabzudrücken. In der Mündelschen Gummi- Warenfabrik wird den Arbeitern der größere Teil des Lohnes einfach unter der Form von„Strafgeldern" entzogen, ohne daß die Arbeiter es erfahren, wofür sie eigentlich bestrast worden sind. Kurz, das Elend in den Arbeiterkreisen, schließt unser Korre- spondent, ist unbeschreiblich und vorläufig ist keine Hoffnung auf Besserung vorhanden._ parte!- JVaebr iebten. An die Delegierten zum Parteitag! Das unterzeichnete Komitee richtet an die Delegierten zum Parteitag die dringende Bitte, ihre Anmeldung sofort bewirken zu wollen. Das Lokaltomitee wird am nächsten Sonnabend an die bis dahin angemeldeten Delegierten verschiedene Drucksachen(Fest- schrift, Führer durch Bremen, Programm) versenden, um die Delegierten in den Stand zu setzen, sich noch vor ihrer Abreise nach Bremen über verschiedene für sie wichtige oder interessante That- fachen informieren zu können. Es ist dem Wohnungsausschuß erwünscht, wenn die Delegierten über die Art der von ihnen gewünschten Logis(ungefährer Preis, ob einzeln oder mit mehreren usw.) bei ihrer Anmeldung nähere Angaben machen, damit diese Wünsche nach Möglichkeit berücksichtigt werden können. Das Lokalkomitee. I. A.: Heinrich Schulz, Bremen, Hanken st r. 21/22. »* * Neben dem Parteitage veranstalten die Bremischen Partei- genossen Montag, den 19. September, eine öffentliche Versammlung, Dienstag, den 20. September, ein Parkfest und für Donnerstag ist eine Dampferfahrt nach Helgoland in Aussicht genommen. Mehrere Gewerkschaften veranstalten Mittwoch, den 21. Sep« tembcr, Versammlungen. ** » Bei dem Lokalkomitee haben sich bis jetzt circa 180 Delegierte angemeldet. Berichtigung. Unter Nr. 110 der Anträge an den Parteitag ist angegeben, daß auch Berlin V beantrage, den Generalstreik auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen. Diese Angabe ist irrig. In Berlin V ist der Antrag zwar gestellt, aber abgelehnt worden. Es liegt ein Versehen bei der Rcdigierung der Anträge vor. StaatSform und kein Ende. Im„Vorwärls" vom 6. September berichtigt mich Vollmar. Wenn ick die Behauptung aufstelle,„er hätte im vorigen Jahre ge- meint, die Staarsfonn sei ziemlich gleichgültig", so sei das unrichtig, wie seine Erklärung in Dresden beweise.„Kautsky kennt dieie meine Erklärung", fährt Vollmar fort.„Trotzdem hält er es für zulässig, um für irgend eine Ausstellung eine Stütze zu finden, eine bereits in aller Form zurückgewiesene Unwahrheit unbeirrt zu wieder- holen. Ich beschränke mich darauf, diesen Thatbestand vor der Partei festzustellen." Mit andern Worten, ich habe die Partei bewußt belogen,„mn für irgend eine Aufstellung eine Stütze zu finden". Man sieht, Vollmar legt Wert darauf, daß vor dem Parteitag noch ein recht angenehmer Ton in unsre Diskussionen kommt. Gegen den Vorwurf der bewußten Lüge, den er ohne eine Spur von Beweis mit größter Nonchalance vorbringt, brauche ich mich wohl nicht zu verteidigen. Im schlimmsten Falle wäre mir ein Irrsinn passiert. Aber auch diesen schlimmen Fall gebe ich nicht zu. Es handelt sich vielmehr hier bloß um die Frage, ob die Anschauung Vollmars von der Staatsform als„ziemliche snicht völlige) Gleich- gültigkeit" treffend bezeichnet ist oder nicht. Sollte der Ausdruck nicht ganz präcis sein, dann darf ich als mildernd wohl den Umstand erwähnen, daß ich bei der Abfassung meines Satzes K. E.'s Artikel vor mir hatte, in dein es heißt, Bebel habe in der„Neuen Zeit" „mit großer Schärfe und durchaus zutreffend gegen die Genossen polemisiert, die nach seiner Meinung sich gegenüber der fundamental wichtigen Staatsform zu gleichgültig verhielten." Bebel selbst gebrauchte die Bezeichnung, daß für Vollmar und Göhre„die Staatsform mehr nebensächlich sei". Damit aber die Genossen selbst entscheiden können, welcher Ausdruck der zutreffendere, sollen sie Vollmars eigene Worte hören. Er erklärte in Dresden: „Bebel behauptet, daß sowohl Göhre als ich gesagt hätten, daß die Staatsform mehr nebensächlich sei, und entwirft dann schnell ein blühendes Gemälde von allen den Freiheiten und Schönheiten, die wir in Deutschland haben würden, wenn eine auch noch so blaue Republik vorhanden wäre. Nach seiner Dar« stclluug wäre nämlich dann eigentlich so ziemlich alles, lvas im zweiten Teile des Programms steht, wenigstens von demokratischen Forderungen, erfüllt. Mich wundert nur, wie ein Vertreter der materialistischen Geschichtsauffassung dergleichen sagen kann; denn ob Kaiserreich oder blaue Republik, die jetzige Mehrheit ändert sich darum nicht, ja sie würde, wenn wir heute in Deutschland eine Republik hätten, sich gegen eine Ausdehnung der politischen Freiheit eher noch energischer wende», wenn sie unmittelbar herrschende Macht wäre." (Protokoll, S. 325.) Das sind allerdings höchst bemerkenswerte Aeusiernngen ans dem Munde des von Jaures so hoch verehrten Wollmar, und sie erhalten doppelte Wichtigkeit heute, wo auf Grund ähnlich klingender Aeutzerungen Gnesde der Prozeß gemacht werden soll. Genosse Wollmar verdient unfern Dank dafür, daß er uns diese Sätze wieder ins Gedächtnis gerufen hat. Die Beantworwng der ziemlich gleichgültigen Frage aber, ob ich seine Ansichten von der Staatsform mit der Bezeichnung„ziem- sicher Gleichgültigkeit" am besten wiedergebe, kann ich ruhig dein Urteil der Partei überlassen, vor der Wollmar„den Tbat- bestand festgestellt". Höchstens wäre zu befürchten, daß Genossen, wie X. X., die gegen Guesde so streng sind, mir vorwerfen, ich deute Vollniars Worte zu milde. Sie konnten aus ihnen eine Ab- neigung gegen die Republik hcrausleseir. Friedenau, 6. September. _ K. K a u t s k�. Ter socialdemokratische Parteitag für Ostpreußen hatte in diesem Jahre den Ort seiner Thängkeit so weit wie möglich an die russische Grenze gerückt. Er tagte, gewissermaßen im An- schluß an den Königsberger Russcnprozeß, Sonntag, den 4. September in M e m e l. Sowohl dieser Ort als auch die Anwesenheit der Genossen, die Tank der Zarenliebcdiencrei Deutschlands monatelang im Gefängnis schmachten mußten, riefen von vornherein die Er- innerung an die russisch-prcußische Politik wach. Unser Reichstags- abgeordneter Genosse Haase, der in seinem Referat über die Politik sprach, fand einen lebhaften Beifall. Als Abnormität mögen es wohl unsre Bourgeois bezeichnen, daß ein leibhaftiger Großgrund- besitzer auf dieser socialdemokratischen Konferenz ein packendes Referat gegen das Gesetz über die Bestrafung des Kontraktbruchs ländlicher Arbeiter hielt. Kein Genosse, der am eignen Leibe die Gesindeordnung oder das Kontraktbruchgesctz zu losten bekommen hatte, kann wohl diese Gesetze besser geißeln als der Rittergutsbesitzer Genosse Hofer-Staisgirren. Delegierte aus fast allen Reichstagswahlkreiscn Ostpreußens waren in Memel erschienen, um neuen Stoff und Anregungen für die weitere Agitation zu empfangen und zu geben, damit der socialistische Gedanke wirksam hinausgetragen werde in die rück- ständigen östlichen Wahlkreise bis zur russischen Grenze. Die Memeler Parteileitung hatte ihr möglichstes gethan, um durch die Ausschmückung des Versammlungslokals dem Parteitage den Charakter des Kampfplatzes gegen die Russenpolitik aufzudrücken. An den Wänden und an der Decke prangten auf rotem Tuch die Inschriften:„Nieder mit der Knechtschaft."„Fort mit der Gesinde- ordnung."„Kämpft für Freiheit und Recht, dann steht der Russen- kurs schlecht" usw. Es herrschte denn auch unter den Delegierten, die sich zum größten Teil aus großen und kleinen Besitzern, Land- arbeitern und kleinen Handwerkern zusammensetzten, eine frohe Kampfesstimmung. Neben mehreren die Organisation und Agitation betreffenden Anträgen wurden folgende Resolutionen mit"großem Beifall einstimmig angenommen: Resolution I: „Der in Memel tagende ostpreußische Probinzial-Parteitag der socialdemokratischen Partei spricht seine Entrüstung über den in Deutschland herrschenden Russenkurs aus, der in dem Königsbcrgcr Hochverratsprozcß eine so klägliche Niederlage erlitten hat. Der Parteitag drückt seine Sympathie den Angeklagten aus, welche während des Prozesses und nach dem Prozesse opferfreudig alle Un- bilden auf sich genommen haben, in dem Bewußtsein, für die Sache der Menschlichkeft thätig gewesen zu sein. Der Parteitag sendet den unter dem absoluten Regiment schmachtenden Freiheitskämpfern jenseits der Grenze brüderlichen Gruß und erklärt, unbeirrt sie in ihrem Freiheitswerk nachdrücklich unterstützen zu wollen." Resolution II: „Der in Memel tagende ostpreußische Provinzial-Parteitag der socialdemokratischen Partei, auf dem besonders zahlreich Land- arbeiter und Kleinbauern vertreten sind, erhebt entschiedensten Protest gegen das von der preußischen Regierung dem preußischen Landtag vorgelegte Kontraktbruchgesctz, das eine schreiende Un- gcrechtigkeit gegenüber der schon jetzt in Knechtschaft lebenden ländlichen Arbeiterklasse darstellt, das, wenn es Gesetzeskraft erlangt, die ländlichen Arbeiter geradezu vogelfrei macht, während cs die kontrakt- brüchigen Arbeitgeber mit keiner Strafe bedroht. Ter Parteitag erwartet, daß die Delegierten überall in der Provinz die Landarbeiter über die Gefahren dieses Gesetzes auf- klären und zur Abwehr aufrütteln werden. Der Parteitag ist auf Grund seiner Kenntnis der ländlichen Arbeiterverhältnisse der sichern Ueberzeugung, daß dieser Gesetz- entwurf, falls er angenommen werden sollte, eine ganz andre Wirkung wie die beabsichtigte haben wird. Die Landarbeiter werden dann in Massen von dem Lande in die Stadt fliehen, und namentlich werden die jungen, kräftigen Arbeiter auf das Gesetz sofort eine solche Antwort geben."_ Der Parteitag für Schleswig-Holstein und Hamburg beschäftigte sich sehr eingehend mit der Organisation und der Presse. Das Resultat der Verhandlungen über die Organisation war die ein- stimmige Annahme der nachstehenden Anträge einer während der Verhandlung zu diesem Zwecke eingesetzten Kommission: „Der Parteitag erklärt sich im Prinzip für die möglichste Aus- gestaltung der Ccntralisation und empfiehlt, diese in allen den- jenigen Wahlkreisen zu erstreben, wo sie unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Verhältnisse sich als zweckmäßig und durch- führbar erweist. Mehrere Parteivereine in einem Orte, der nicht zu mehreren Wahlkreisen gehört, haben jedoch keine Existenz- berechtigung. Die Organisationen sind verpflichtet zur Erhebung eines Minimalbeitrages von 30 Pf. Der jährliche Parteitag setzt die Mindcstsumme fest, welche von der gesamten Parteigenossenschaft der Provinz der Agitations- kommission zu überweisen ist. Von diesen Einnahmen ist ein jährlich vom Parteitag zu�be- stimmender Prozentsatz an die Agitationskommission abzuführen." Außerdem stellt die Kommission folgende Anträge: 1. Die Agitationskommission wird in Zukunft bestehen aus einem besoldeten Beamten als Vorsitzenden, einem Vertreter der Redaktion und drei am Sitze der Kommission wohnenden Genossen. 2. Der Beamte erhält ein Gehalt von 200 M. monatlich. 3. Der Sitz der Agitationskommission für das kommende Jahr 1004/02 ist Neumünstcr. 4. Der in der Resolution vorgesehene Prozentsatz soll für daS Geschäftsjahr 1004/05 20 Proz. sein und quartalsweise am Quartals- schluß abgeführt werden. 5. Die Kommission bittet um ein Mandat des Parteitags, in seinem Namen die Stelle des Beamten ausschreiben und unter den Bewerbern die Wahl vornehmen zu können. Die Verhandlungen über die Presse drehten sich namentlich um die Frage der Schaffung eines dänischen Blattes durch die Provinz- Organisation. Ein Vorschlag, dem ausführliche Rentabilitäts- berechnungen zu Grunde lagen, ging dahin, ein selbständiges Wochen- blatt in dänischer Sprache zu schaffen, während ein andrer Vorschlag eine dänische Beilage zur„Schleswig-Holstcinischen Volkszeitung" wünschte. Beide Vorschläge wurden schließlich der Geschäftsleitung und Redaktion der„Schleswig-Holsteinischcn Volkszeitung" und der Agitationskommission der Provinz zur weiteren Verfolgung über- wiesen. Uebcr den Stand des Kieler Parteigcschäfts wurden sehr er- freuliche Mitteilungen gemacht. Das Druckereiuntcrnehmen nebst Buchhandlung rentiert sich sehr gut. Die„Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" hat jetzt gegen 16 000 Abonnenten. Für die nächste Zukunft ist eine erhebliche Erweiterung des Blattes in Aussicht genommen._ Partripresse. In die Redattion des„Sächsischen Volksblattcs" in Zwickau sind die Genossen E. Schubert aus Zittau und Rod. Rulle r aus Zwickau eingetreten. Zo�iales. Ehrensache. Der Ehrenrat der Leipziger ärztlichen Vezirksvereine hat die sämtlichen ftühercn Distriktsärzte vor sein Forum geladen. Sie sollen die Arztehre dadurch verletzt haben, daß sie die Mitglieder des Sanitätsvereins behandelt haben, wodurch die Verbandsärzte starken Verlust an Arbeitergroschen erlitten. Das Urteil des Ehrenrats für Leipzig-Land lautete auf 1200 M. Geldstrafe für jeden Sünder an dem Monopolanspruche der Verbands- ärzte und Verlust des Wahlrechts und der Wählbarkeit zu der ärzt- lichcn Bundesorganisation auf fünf Jahre. Das Urteil des Bezirksvereins Leipzig-Stadt ist noch nicht bekannt. Die Vernrteilten wollen den Ehrengerichtshof anrufen. Die Arztehre ist demnach anscheinend eine ganz besondere Ehre, Eine allgemeine Arbcitslosenzählung findet an einem Sonntag im November in München statt. Die Kosten werden von der Stadtgcmemde getragen, die nötigen Zähler stellen die GeWerk- schaftcn zur Verfügung.-i Ein Verbandstag der Arbcitcr-Erwcrbs- und WirtschaftS- gcnossenschaftc» Oesterreichs hat in Wien stattgefunden. Er hat in den zweitägigen Debatten eine Reihe wichtiger Fragen gründlich durchbcraten. Die Organisation des Großeinkaufes wurde ihrer Regelung nähergeführt, weiter eine Kommission damit betraut, bis zum nächsten Verbandstage alle nötigen Vorbereitungen zu treffen. Es gab einige Delegierte, die ein rascheres Tempo gewünscht hätten. Aber der Kongreß hat es für besser gehalten, nicht allzu rasch vor- zugehen, sondern erst die Vorbedingungen für die Gründung einer Großeinkaufsgenossenschaft zu schaffen, damit nicht durch ein der- unglücktcs Experiment die Konsumvereinsbewegung Schaden leide. Durch das Anwachsen des Verbandes ist cs nötig geworden, zwischen den Centralverband und die einzelnen Vereine ein Mittelglied zu setzen und der Kongreß hat die vom Vorstand vorgeschlagene Schaffung von Distriitsverbändcn genehmigt. Im Zusammenhang damit wurde überhaupt eine Revision des bestehenden Statuts vor- genommen, da das bisherige Statut für den groß gewordenen Ver- band einen zu engen Rahmen bot. Auch über das Arbeitsverhältnis in den Konsumvereinen wurde gesprochen, und der Kongreß hat, so schwierig da die richtige Mitte zwischen den Forderungen der An- gestellten und den immerhin beschränkten Kräften der einzelnen Ver- eine zu finden war, doch einen Beschlutz gefaßt, der geeignet ist, eine friedliche Regelung aller hier in Betracht kommenden Fragen anzu- bahnen. Daß zu dieser Resolution auch der Vertreter der Konsum- bcdiensteten seine Zustinimung gegeben hat, ist ein Beweis, daß auf beiden Seiten der gute Wille besteht, den Frieden in den Genossen- schaftcn aufrecht zu erhalten und daß Angestellte und„Unternehmer" sich dessen bewußt sind, daß sie beide dasselbe Ziel verfolgen: die Entwicklung der Genossenschaften zu fördern. Die Resolution über die Anstellungsverhältnisse des Personals lautet: Der Verbandstag erkennt an, daß die Angestellten der Konsum- genossenschaften, insbesondere die mit der Warenverteilung— dem Warenverkauf— betrauten Personen wichtige Mitarbeiter der konsumgenossenschaftlichen Organisation sind, die ganz besonders die Eignung haben, werbend zu wirken und genossenschaftlichen Geist unter den Mitgliedern zu verpflanzen und zu vertiefen. Von dieser Erkenntnis durchdrungen, ist der Verbandstag überzeugt, daß den Angestellten der Konsumvereine die möglichst günstigen Arbeitsverhältnisse gewährt werden müssen, weist aber den noch immer hie und da auftauchenden Gedanken zurück, die Konsum- vereine einzig und allein als eine Zufluchtsstätte für gemaßregelte Arbeiter zu betrachten. Der Verbandstag erklärt, daß die Konsumvereine, indem sie offen aussprechen, daß ihre Entwicklung nicht durch Oktroyierung eines unfähigen Personals oder durch unzeitgemäße Personal- fragen überhaupt gehemmt werden dürfe, keinesfalls die Absicht haben, etwa bestehende Stellenvermittlungen der organisierten An- gestellten und Bediensteten zu ignorieren. Sie wünschen vielmehr, daß diese Vermittlungen sich so entwickeln, daß die Konsumvereine mit vollem Vertrauen sich ihrer bei Neuanstcllungen bedienen können. Immer muß cs ihnen aber vorbehalten bleiben, in erster Linie jene Verfügungen zu treffen, die geeignet sind, tüchtige Arbeitskräfte für ihre Institutionen zu gewinnen. Der Verbandstag erklärt ferner, daß eine durchgreifende Regelung der Entlohnung und der Arbeitsverhältnisse in den Konsumvereinen von hohem Interesse für diese selbst ist. Der Ver- bandsvorstand wird daher beauftragt, auch den bestehenden Ver- tragsverhältnissen der verbandsangehörigen Konsumvereine mit ihren Angestellten und Bediensteten seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Erhebungen über die Lohn- und sonstigen Ver- Hältnisse des Arbeitsvertrages zu pflegen und zu geeigneter Zeit, unter Rücksichtnahme auf die örtlichen Verhältnisse, Vorschläge zu erstatten über die Einführung von Minimallöhncn, Maximal- arbcitszcit, Ruhetage, Erholungsurlaub usw. Insbesondere empfiehlt der Verbandstag den Verbands- vereinen, in allererster Linie dahin zu wirken, daß die Versicherung ihrer Angestellten und Bediensteten gegen Krankheit, Invalidität und Erwerbsunfähigkeit im ausreichenden Matze durchgeführt werde. Zur Schlichtung von Differenzen zwischen Genossenschaften und Lagerhaltern, Lagerhalterinnen, Verkäufern und Ver- käuferinnen usw. hat der Verbandsvorstand zu erwägen, ob die Errichtung schiedsgerichtlicher Instanzen am Sitze der Distrikts- verbände mit paritätischer Vertretung analog dem Beschlüsse des Genossenschaftstages des Centralverbandes deutscher Konsum- vereine zu erfolgen habe. Auch über diese Frage ist dem nächsten Verbandstag Bericht zu erstatten. Außerhalb der Tagesordnung ist noch folgende Resolution an- genommen worden: Ter Verbandstag der Arbcitererwcrbs- und WirtschaftSgcnosscn- schaften protestiert mit größter Entschiedenheit gegen das wucherische Treiben der Agrarier, die unter dem Vorwand von Mißernten die Preise der wichtigsten Lebensmittel auf unerschwingliche Höhe hin- aufgesetzt haben. Er protestiert gegen die volksfeindliche Haltung der Regierung, die, statt durch Suspension der Gctreidczölle die Machen- schaften der Agrarier und der Börsenspekulation zu durchkreuzen, die Bestrebungen der Agrarier in jeder Weise fördert. (3ewerkfckaft:Ud)es. Die Wahrheitsliebe der„Arbeitgeber-Zeitung". Nach dem Grundsatz:„Verleumde nur tüchtig, etwas bleibt schon hängen" behauptet die„Arbeitgeber- Zeitung" dreist und unverfroren, daß so ziemlich alles, was über die Aussperrung in der Gießerei von SchwidlinSky bisher im„Vorwärts" mitgeteilt worden ist, auf Unwahrheit beruht. Was die„Arbeitgeber-Zeitung" in ihrer letzten Nummer unter der Ueberschrift:„Die Wahrheits- liebe des„Vorwärts"' über Vorgänge anläßlich deS Konflikts bei SchwidlinSky als angeblich wahre Thatsachen angiebt, waS sie über nachgesuchte Verhandlungen, Qualität der Arbeitswilligen, sowie über eine von Herrn SchwidlinSky selbst mitgeteilte Scene aus einer Versammlung des Ver- bandes der Metallindustriellen behauptet, steht zu der Wahrheit in demselben Verhältnis, wie die Nachrichten der russischen Generale vom Kriegsschauplatz. Den Gipfel der— sagen wir unglaublichen Dreistigkeit— erklimmt das Organ der Scharfmacher mit einer durch und durch unwahren Darstellung der Schlägerei, welche kürz- lich zwischen Arbeitswilligen der Schwidlinskyschen Gießerei und Streikenden stattfand. Räch den Behauptungen der„Arbeitgeber- Zeitung" sollen die Arbeitswilligen von Streikenden überfallen und mit Messern gestochen worden sein. Nachdem wir uns den ftaglichen Hergang nochmals von glaub« würdigen Augenzeugen darstellen ließen, können wir nur bestätigen, daß unsre Schilderung des Vorganges in allen wesentlichen Punkten zutrifft, und daß die entgegenstehenden Behauptungen der„Arbeit- gcber-Zeitung" und andrer bürgerlicher Blätter das Gegenteil der Wahrheit sind. Bei den: fraglichen Auftritt ist überhaupt nicht mit Messern ge- stachen ivorden. Einer der Arbeitswilligen hat allerdings einen Streikenden mit einem Messer bedroht, wogegen sich der Bedrohte durch eine Ohrfeige wehrte, die er dem Messerhelden verabreichte. Dann begann die Rauferei, bei der nur die Arbeitswilligen mit zugeklappten Taschenmessern und Schlagringen auf die Streikenden einHieben. Die Angelegenheit wird ja das Gericht be- schäftigen, und da wird es sich herausstellen, welchen Wert die An- gaben der„Arbeitgeber-Zeitung" haben. Das Verwerflichste, was sich die„Arbeitgeber-Zeitung" leistet, ist, daß sie die Prügelei dem Mctallarbeiter-Verband aufs Conto zu setzen sucht. Auch die Redaktion der„Arbeitgeber-Zeitung" muß wissen, daß keine unsrer Organisationen Ausschreitungen ihrer Mitglieder, welcher Art sie auch sein mögen, billigt, sondern daß jedes irgendwie gcwaltthätige Vorgehen gegen die Feinde der Arbeitersolidarität von jeder Organisation verurteilt wird. Wenn wirklich einmal Aus- sckneitungen organisierter Arbeiter vorkommen sollten, so kann man dafür die Organisation der Arbeiter ebensowenig verantivortlich machen, wie man ctlva die kürzlich vor Gericht wegen der Rauferei in Hannover abgeurteilten Mitglieder der„besten Gesellschaftskreise" jener Gesellschaft in die Schuhe schieben darf. Aber es ist ja das Handwerk der„Arbeitgeber-Zeitung", die Organisationen der Arbeiter mit allen Mitteln zu verdächtigen. Nur so erklärt es sich, daß sie selbst eine bedeutungslose Schlägerei benutzt, um eine gewerkschaftliche Organisation anzuschwärzen. Arbeitöwilli'gen-Terrorisums. Beim Maurermeister Thieinann in Potsdam arbeiten neben 10 Mitgliedern des ManrerverbandeS auch 7 Unorganisierte; eS sind Arbeitswillige aus dem letzten Lohnkampfe von 1002. Auf einem Bau in der Margaretenstraße arbeitete außer den Organisierten auch der unorganisierte Maurer Paul Bullert, der sich unter den Maurern seines Betragen« wegen keines guten Rufes erfreut. Arn 31. August beschimpfte er wieder fortwährend die Organisierten und suchte sie zu Gegenäußerungen zu provozieren. Da man seine Absicht kannte, antwortete ihm niemand; � aber die Organisierten machten den Polier darauf aufmerksam, daß— wenn es der Manu so weiter treiben dürfe— sie lieber den Bau meiden würden. Der Polier empfahl dein Manne ein anständiges Betragen. Doch nun tobte Buller wie ein Besessener und eine ganze Flut von Be- schimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen prasselten auf die Organisierten herab. Der Polier nahm dadurch Veranlassung, den Mann nach einem andren Bau zu senden. Auf diesen, waren 4 Organisierte und 0 Unorganisierte be- schäftigt. Erstere besprachen in der Frühstückspause die Notwendig« keit der Wahl eines Baudcputierten. Da erhoben letztere ganz ent» schieden Protest:„Hier Ivird kein Deputierter gewählt, wir brauchen keinen. Wir legen sofort die Arbeit nieder, wenn eS dennoch ge- schieht. Ueberhaupt arbeiten wir nicht mehr weiter, wenn Ihr nicht entlassen werdet." Diese Aeußerungen wurden mit Beleidigungen, Schinipfworten und Androhung von Gcwaltthätigkeiten begleitet. Der Bruder des Meisters holte sofort sein Geschirr vom Bau und eilte nach dem Bureau des Arbeitgebers, um die Entlassung der Organisierten zu bewirken. Unter diesen Umständen zogen es die Organisierten vor, den Bau zn verlassen, um durch Zusamn,enarbeiten mit diesen Gewalts- menschen sich keinen Weiterungen auszusetzen. Natürlich haben die übrigen Verbandsmaurer ebenfalls die Arbeit verlassen, so daß Thieinann das Vergnügen haben wird, mit seinen Schützlingen allein zu sein. Thiemann will Organisierte nicht mehr einstellen, denn als am 2. September einige um Arbeit an- fragten und sie die Frage, ob sie der Organisation angehörten, mit „Ja" beantworteten, erklärte er, solche Maurer beschäftige er nicht. Die Maurer haben darauf beschlossen, sein Geschäft so lange zu meiden, bis er das Bedürfnis empfindet, sich mit der Organisation zu verständigen. Wie würde wohl die Ordnung?- und Unternehmerpresse Zeter und Mordio schreie», wenn organisierte Arbeiter sich solchen un- angemessenen und terroristischen Betragens schuldig machten?— Bertin und dmgegend. Die Lohnbewegung der Kistenmacher hat einen über Erwarten guten Erfolg gehabt? Wie der Vorsitzende I u ck c l in der Ver- sammlung am Dienstagabend mitteilte, haben bisher— nach zweitägiger Dauer des Streiks— 36 Firmen, darunter die bedeutendsten, den Tarif von 1000 bewilligt. 360—380 Kistenmacher arbeiten bereits zu den geforderte» Bedingungen, während noch 42 Arbeiter bei 4 Firmen im Streik stehen. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß auch diese 4 Fabrikanten in den nächsten Tagen bewilligen werden. Weiter führte Jnckel aus, noch nie sei eine eine Bewegung der Kistenmacher so schnell und erfolgreich verlaufen, wie diese. Noch am Sonnabend hätten sich die meisten Fabrikanten geweigert, den Tarif zu bewilligen oder mit der Kommission zu verhandeln; am Montag aber hätten sie die Kommission geradezu bestürmt, die Bewilligung entgegenzunehmen, um dem Ausstände ein Ende zu machen. Der Erfolg sei sowohl auf die gute.Haltung der Kollegen als auch auf die günstige Konjunktur zurückzuführen. Es werde sich nun darum handeln, daß der jetzt fast allgemein bezahlte Tarif in bindender Form, vielleicht vor dem Gcwcrbegcricht, festgelegt werde. — Durch einstimmige Annahme einer Resolution erklärte die Ver- sammlung, daß sie durch den Verlauf der Bewegung befriedigt, mit der Haltung der Lohnkommission einverstanden ist und dahin wirken will, daß bei den noch im Streik befindlichen Firmen die Arbeit nicht eher aufgenommen wird, als bis die Forderungen bewilligt find. Verwerfliche Ilnternchiucr-Praktiken kamen in einer Mitglieder- Versammlung der Seksion der Putzer zur Sprache, die am Sonntag in den Arminhallen tagte. Es handelte sich hierbei um den Bau deS R e i ch s- P a t e n t a m t s in der Gitschinerstraße, der von der Firma Klemens ausgeführt wird. Die Putzerarbeiter waren einem Maurer, dem Kolonnenführer K u b e übertragen worden. Dieser(der übrigens inzwischen ans dem Maurerverband ausgeschlosseu worden ist) legte den ihm unterstellten Arbeitern eines Tages einen Revers zur Unterschrift vor, durch den sie ihn. Kube'. als ihren alleinigen Arbeitgeber anerkennen, und erklären sollten, daß sie an das Geschäft keinerlei An- spräche hätten.„Wer nicht unterschreibt, wird entlassen", wurde ihnen gesagt, oder„— kriegt kein Geld". Dies sowie andre Um- stände veranlaßtcn den Borsitzenden der Putzersektion Neumann, den Kolonnenführer Kube um Vorzeigung des Arbeitsvertrages zu ersuchen. Dieser zeigte � ihm dann einen Vertrag, nach dem man annehmen mußte, daß die Preise einiger- maßen annehmbar seien. Neumann bemerkte aber gleich, daß noch ein zweiter Vertrag vorhanden sein müsse, und Kube rückte denn auch schließlich mit einem solchen heraus. Darin waren die Preise um 3 bis 4 Pf. pro Quadratmeter niedriger angesetzt. Dieser Verftag war der eigentlich gültige, dem: der e r st e Vertrag hatte, wie ein auf seiner Rückseite angeklebtes Blatt besagte, keine Rechtsgültigkeit, war also offenbar nur geinacht, um die Preise ausreichend erscheinen zu lassen. Die Preisdifferenz bezog sich auf die Löhne der Träger, die übrigens, wie jeder Sachverständige tveiß, mindestens auf 6 bis 7 Pf. pro Quadratmeter zu stehen kommen, also zu gering berechnet waren. Wie in der Versainmlung hervorgehoben wurde, konnte eine derartige Manipulation nur mit einem Manne gemacht werden. der mit Putzerarbeiten nicht besonders vertraut war. Selbstverständlich wurde die Arbeit auf dem Bau, nachdem es ja zweifelhast erscheinen mußte, ob die Arbeiter überhaupt zu ihrem Lohn kommen würden, niedergelegt und der Bau gesperrt. Die Arbeit ruht dort noch jetzt; es ist erklärt worden, daß die Arbeit nicht drängend ist. In der Versammlung kam selbstverständlich die Entrüstung darüber zum Ausdruck, daß ein so altes Baugeschäft wie Klemens sich zu derartigen Manipulationen hcrgiebt,— DcS weiten: gab Neuniann der Versammlung Bericht von der Gcwerk- s ch a f t s k o m rn i s s i o n.— Als Kandidat zu den am 16, Oktober stattfindenden Gewerbegerichtswahleu wurde der bisherige Vertreter Hermann Körb er aufgestellt.— Ausgeschlossen aus der Organisation wurden Johann Hofstnann und Otto Kind. Streik der Glasschleifer. Eine stark besuchte öffentliche Ver- sammlung der Glasschleifer, Polierer und Bcleger, die gestern abend im Gewerkschaftshause stattfand, hat beschlossen, heute vor- mittag in allen Werkstätten, wo die Forderungen nicht bewilligt sind, die Arbeit niederzulegen. Unterschriftlich anerkannt waren die Forderungen gestern von 12 Firmen, darunter eine größere, die 16 Arbeiter beschäftigt. Die Arbeitgeber haben, nach- dem sie am Sonnabend die Forderungen erhalten hatten, Montag eine Sitzung abgehalten, in der sie eine Kommission von 5 Personen wählten, die heute vormittag mit der Lohnkommission der Glas- schleifer verhandeln soll. Die Arbeitgeber hätten wohl Gelegenheit gehabt, die Verhandlungen, die sie wünschten, früher anzuberaumen, zumal da die Forderungen schon aus der Tonnerstagnummer des „Vorwärts" bekannt, die Arbeitgeber also wohl darauf vorbereitet waren. Der Streikbeschluß wurde beinahe einstimmig gefaßt. Der Verbandsvorsitzende G i r b i g erklärte, daß der Verbandsvorstand den Streik einstimmig gutgeheißen habe, Folgende Resolution wurde angenommen: „Die Versammlung der Glasarbeiter Berlins beschließt die am 3, September den Unternehmern eingereichten Forderungen anstecht zn erhallen. Die Versammlung beaustragt die Vertrauensleute der einzelnen Werkstellen morgen früh, den 7, September, auf die schriftliche Beloillig un g des Tarifs bei den ein- z e I n e n Unternehmern zu drängen. In allen den Be- trieben, wo die Forderungen nicht bewilligt sind, i st die Arbeit e i n z u st e l l e n. Von der heute gewählte» Kommission sind die Unterhandlungen mit den Unternehmern zu pflegen und unbedingt ist dahin zu wirken, daß der vor- geschlagene Lvhntarif in allen Werkstellen zur Durchführung kommt und der Sieg auf der ganzen Linie ein einheitlicher wird." Als Lohnkoimnissioii wurden gewählt: Welkisch, Licbig, Schröder. Miether und Weber; außerdem wird der Vcrbandsvorsitzeiide Girbig hinzugezogen. Die Freie Bereinigung der Bäckermeister hatte zu ihrer am Dienstag abgehaltenen Mitgliederversammlung die Vertretung des Gesellenverbandes eingeladen, nm sich mit ihnen über eine Angelegen- heit auszusprechen, die als Verstoß gegen die Bestimmungen des Tarifs aufgefaßt wird. Es handelt sich um folgendes: Der Bäcker- verband hatte in seiner letzten Veröffentlichung im„Vorwärts" drei Meister, die den Tarif des EinigungsamteS unterzeichnet haben, in der Liste der Wortbrüchigen verzeichnet. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Bäckermeister macht der Gesellenvertretung einen Vorwurf daraus, daß sie nicht vor der Veröffent- lichung der drei Meister die Schlichtungskommission angerufen habe, die etwaige Differenzen, wie ste in diesem Falle vor- liegen konnten, zu erledigen habe. Schneider, der als Vertteter des Bäckerverbandes anwesend war, führte ans, es handle sich um drei Meister, die zwar den Tarif unterzeichnet haben, aber insofern gegen denselben verstoßen, als die Gesellen bei ihnen essen und schlafen. Er gebe ohne weiteres zu, daß vor der Veröffentlichung die Schlichtungskommission hätte angerufen werden müssen. Das dies nicht geschah, sei lediglich ein Versehen, waS nicht wieder vorkommen werde. Auch über den paritätischen Arbeitsnachweis fand eine von beiden Seiten sehr sachlich gestihrte Aussprache statt. Zur Bauklempnerbcwcgung. Die Firma Hugo Feist in Pankow ersucht uns mitzuteilen, daß derselben der Tarifvertrag stir die Bau- klempner erst am 4. d. Mts. nachmittags 4 Nhr vorgelegt worden sei. Sie konnte lediglich aus diesem Grunde den Vertrag am Sonn- abend noch nicht unterschrieben haben, was nach der Vorlegung sofort ohne Zögern geschah. Deutkeheo Reich. Der Fünfte Deutsche GewerkschastSkongrest wird, wie das„Corrcspondenzblatt" der Generalkommission mit- teilt, nach einem Beschlüsse des Gewerkschaftsausschusses in der Woche vom 22. Mai 1905 in Köln a. Rh. abgehalten werden. Ten Bildhauern Breslaus sind ihre Forderungen bisher von zwei Firmen bewilligt. In allen übrigen Fabriken und Tischlereien ruht die Arbeit. Der Maurerstroik in Nordhausen ist auf dem Wege der gütlichen Vereinbarung beendet worden. Wenn auch die Forde- rungen der Streikenden nicht in vollem Umfange anerkannt sind, so wurden doch tarifliche Verhältnisse auf drei Jahre geschaffen, die die Unternehmer daran hindern, den Arbeitern einseitige Lohn- bedingungen aufzuoctroyiercn. Der Stundenlohn beträgt bis 1905 pro Stunde 37 Pf. und von diesem Zeitpunkte ab bis 1907 pro Stunde 38 Pf. Der Vertrag kann gelöst werden, wenn die Parteien % Jahr vorher denselben kündigen. Ter Streik der Tapezierer in Königsberg, dessen Be- cndigung wir gestern nach dem Wolffschen Bureau meldeten, ist zu Gunsten der Gehilfen verlaufen. Am Sonnabend hatte die Innung die Lohnkommission zur Verhandlung eingeladen, in welcher die Forderungen fast vollständig bewilligt wurden. Es soll eine Kommission, bestehend aus drei Meistern und drei Gehilfen, gewählt werden, welche für die Einhaltung der Vereinbarungen zu sorgen hat. Uebcr zwei Firmen, bei denen die Verhältnisse noch nicht ge- regelt sind, bleibt die Sperre verhängt. Zur Steinarbeitcr-Aussperrung in Sachse« teilt die„Sachs. Arbeiterzeitung" mit: Die Aussperrung in den Bruchbezirken der Amtshauptmannschast Pirna ist, wie man im.Pirnaer Anzeiger" vom 3. September lesen kann, von den Arbeitgebern aufgehoben worden, angeblich, weil in den Betrieben von Schmidt und Heyn wieder gearbeitet wird.— In den Betrieben im Gottleubathal wird von den Arbeitnehmern die Arbeit ohne weiteres wieder auf- genommen, weil diese Leute überhaupt keine Forderung gestellt l>aben. Anders liegt die Sache in den Brüchen rechts der Elbe. Auch hier erklären die Besitzer, die Arbeit geht Montag, den 5. September, wieder los, ohne sich im geringsten um die gestellten Forderungen zu kümmern. Die Arbeiter stehen jedoch auf einem andern Standpunkt. Nachdem sie von den Unternehmern brutal aufs Pflaster geworfen wurden, haben sie bis jetzt keine Lust, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. Die angeknüpften Unterhandlungen sind an dem Starrsinn der Unternehmer ge- scheitert und deshalb beschloß eine Versammlung am 2. September, den Kampf weiterzuführen. Die Steinbrucharbeiter ersuchen daher, die Steinbrüche rechts der Elbe zu meiden, bis der Kampf sich zu ihren Gunsten entschieden hat. Zum Streik in den südfranzösischen Häfen. „Wolffs Bureau" meldet aus Paris, daß nach dort ein- gelaufenen Telegrammen die Dockarbeiter in La Nochelle und die Sttaßenbahnarbeiter in Cette in den Ausstand getreten sind, ebenso die Seeleute in Dünkirchen, wo die Gendarmerie den Hafen bewacht. Die Dockarbeiter in Brest nehmen die Arbeit wieder auf. Ju Cette und Dünkirchen sind Ruhestörungen vorgekommen. Nantes, S. September.(88. T. B.) Der Ausstand der Bäcker- gesellen ist beendet. Emcdts-Leitung. Der Wüterich mit dem Rasiermesser. An versuchten Totschlag grenzte die rohe That, die den 24jährigen Barbier Paul Gillner unter der Anklage der gefährlichen Körperverletzung und Beleidigung gestern vor die zweite Ferien-Strafkammer des Landgerichts II führte. Der Angeklagte war der Liebhaber eines Dienstmädchens des Inhabers des Restaurants„Wiesenschlößchen", Herrn Schimmrock, in der Schloßstraße zu Steglitz. Das Mädchen hatte ihrem Lieb- Haber fälschlicherweise berichtet, daß sie von ihrer Herrschaft schlecht behandelt worden sei. und der Angeklagte glaubte sich zu ihrem Ritter aufwerfen und Herrn Sch. zur Rede stellen zu müssen. Er suchte diesen in einen: Lokal auf, wo er Billard spielte, belästigte ihn durch Vorhaltungen über die Beschwerde des Mädchens und wurde endlich von Sch. bedeutet, daß ihn die ganze Oleschichte gar nichts angehe. Der Augeklagte ging darauf zu Frau Sch., wurde aber, da die Vorwürfe vollständig unbegründet waren, hinausgewiesen. Hierüber aufgebracht, begab er sich zu der Privatwohnung des Herrn Sch., offenbar in der Absicht, diesem dort aufzulauern. Als Herr Sch. gegen 16>/� Uhr das Haus betrat, un: seine Wohnung abzuschließen, traf er auf den im Haus- stur sitzenden Angeklagten. Auf die Frage, was er dort noch zu suchen habe, erwiderte G., daß er nur auf seine Braut warte. Herr Schimmrock forderte ihn auf, so schnell als möglich den Hausflur zu verlassen, da er derartige Rendezvous in seinem Hause nicht dulde. Als der Angeklagte trotz wiederholter Aufforderung nicht ging, machte Sch. Miene, ihn gewaltsam au die frische Luft zu befördern. Hierauf schien Gillner nur gewartet zu haben: blitzschnell griff er in die Tasche, klappte ein Rasiermesser auf und hieb damit blindlings auf Sch. ein. Dieser erhielt außer einer Schnittwunde au der Nase noch einen Schnitt, der durch Rockärmel und Hemd fast bis auf den Knochen des linken Unterarmes drang. Außerdem wurde der Nock noch an verschiedenen Stellen aufgeschlitzt. Nach Verübung der That begab sich der Angeklagte gemächlich in ein Schanklokal. Daß es sich um einen geplanten Ueberfall handelte, ergab eine vorher von ihm geinachte Aeußerung, durch die er sich zugleich einer Beleidigung der Polizei schuldig gemacht hat. Sie ging dahin:„Die Steglitzer Polizei und der Kommissar stecken mit Schinunrock unter einer Decke; da muß man sich eben selber helfen 1" Und nach der That äußerte er sich dahin:„Es ist schade, daß ich ihm nicht auch noch den Hals durchschnitten habe. Hätte ich einen Revolner gehabt, so hätte ich ihn niedergeschossen." Der Staatsanwalt brachte 1 Jahr 3 Monate und 10 Tage Gefängnis als Strafe in Antrag. Der Gerichtshof ging jedoch mit Rücksicht auf die Roheit und besondere Gefährlichkeit der That des Angeklagreu über den Antrag noch hinaus und erkannte auf ein Jahr sechs Monate und eine Woche Gefängnis. Letztere wurde durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Zur Warnung für Briefträger kann eine Verhandlung dienen, welche gestern vor der zweiten Fericnstrafkammer des Landgerichts l stattfand. Der Briefträger Karl B o e l k e hatte sich wegen Urkunden- fälfchung zu verantworten. Er sollte auf eine Zustellungsurkunde, die er zu bestellen hatte, den Vermerk geschrieben haben:„Adressaten selbst behändigt", während er sie thatsächlich der Wirtschafterin des Adressaten übergeben hatte. Da eine solche Zustellungsurkunde als ein Schriftstück anzusehen ist, welches für Rechte und RcchtSvcrhält- nisse von Erheblichkeit sein kann, so wurde obige Anklage erhoben. Der Angeschuldigte gab den Thatbestand zu, bestritt aber, daß er vorsätzlich den falschen Annahmevermerk geschrieben. Es müsse ein Irrtum vorliegen. Es komme vor, daß er in einem Hause 10 bis 12 Zustellungsurkundcn zu bestellen habe und da mache er es sich insofern etwas bequemer, als er dann sämtliche Bescheinigungen erst auf der Post ausfülle. Dabei müsse ihm der Irrtum unterlaufen sein. Während der Staatsanwalt an eine Fahrlässigkeit nicht glauben wollte und gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe beantragte, folgte der Gerichtshof den Ausführungen des Ver- teidigers und fällte ein freisprechendes Urteil, da die Mög- lichkeit einer Fahrlässigkeit doch vorliege und eine solche nicht strafbar sei. Dünnbier. Ein feines Getränk hatte der Bicrverleger Moritz Kaiser aus Schöneberg hergestellt und in den Handel gebracht. Er stand gestern wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz vor dem Schöffengericht. Es handelte sich un: sogenanntes„ein- faches Braunbier", welches nach der Untersuchung des Gerichts- chemikcrs Dr. Juckenack mit% Wasser versetzt war und nur 2,17 Prozent Stammwürze enthielt, während es 6 bis 8 Prozent enthalten soll. Ter Angeklagte gab zu, das fragliche Getränk in der Weise hergestellt zu haben, daß er einem viertel Gefäß Doppclbraunbier 2 Eimer ä 9 Liter Wasser zugesetzt habe. Ties sei allgemeiner Gebrauch. Dr. Juckenack erklärte, daß ihm noch nie ein so„lasches" Bier, wie das in Rede stehende, vorgekommen sei. Wenn man eine Flasche gewöhnliches Lagerbier mit 6 Flaschen Wasser verdünnen würde, so würde diese Mischung etwa e:n Getränk geben, wie das vom Angeklagten verkaufte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 25 M., der Gerichtshof nahm dagegen zu Gunsten des Angeklagten an, daß das Publikun: wissen müsse, daß einfaches Braunbier mit Wasser verdünnt werde. Es liege deshalb keine Nahrungsmittelverfälschung vor, sondern nur eine Uebertretung, weil der Wasserzusatz nicht offenbart worden sei. Es wurde auf 10 M. Geldstrafe erkannt. Ein Fahrstuhl-Unglück, wodurch beinahe ein blühendes Menschen- leben vernichtet worden wäre, beschäftigte gestern die 4. Ferien- strafkammer des Landgerichts I in der Anklagesach« gegen den Portier Gustav Jahn, welcher der fahrlässigen Körperverletzung beschuldigt war. Am Nachmittage des 22. März d. I. besuchten der Kaufmann Graetz und seine junge Gattin das Haus Burgstrnße 30, um eine im 3. Stock gelegene Wohnung, die sie zu mieten beabsichtigten, in Augenschein zu nehmen. Ans die Einladung des Portiers benutzten die drei Personen den Fahrstuhl. Oben an- gekommen, verschloß der Angeklagte nach dem Betreten der Wohnung, der Vorschrift zuwider, die zum Fahrstuhl führende Thür nicht, sondern lehnte sie nur an. Frau Gr. schickte sich zuerst an, die Wohnung wieder zu verlassen. Sie war ihrem Ehemann und dem Portier um einige Schritte voraus. Ohne sich erst zu vergewissern, ob der Fahrstuhl sich in gleicher Höhe mit dem Fußboden befand, that sie einen Schritt in den Schacht hinein. Mit einem mark- erschütternden Schrei stürzte sie in die Tiefe. Bewußtlos wurde sie im Keller, wo der Schacht mündete, aufgehoben. Sie hatte einen doppelten Oberschenkelbruch erlitten und hat ein langes Kranken- lagcr durchmachen müssen. Für diesen Unglücksfall wurde der An- geklagte verantwortlich gemacht. Der Fahrstuhl wurde durch Wasser- druck in Bewegung gesetzt. Als der Angeklagte mit seinen beiden Gästen die Wohnung im 3. Stock erreicht hatte, zog er an der Leine, die den Wasserdruck aufhören ließ und den Fahrstuhl zum Stehen brachte. Er muß wohl nicht fest genug angezogen haben, denn als der Fahrstuhl von seiner Last befreit war, schob er sich unbemerkt nach und nach um etwa Körpcrlänge in die Höhe. Hieraus wird dem Angeklagten ein Vorwurf nicht gemacht, sondern nur daraus, daß er es verabsäumte, die Thür zu schließen. Der Staatsanwalt verkannte nicht, daß die Verletzte einen Teil der Schuld selbst trage, er hielt deshalb für den Angeklagten eine Geldstrafe von 150 M. für eine ausreichende Sühne. Der Verteidiger, Justizrat W r o n k e r, suchte ein noch geringeres Straf- maß zu erzielen. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts. Versammlungen. Die Rohrleger und Helfer hielten im Gewerkschaftshause eine sehr stark besuchte Versammlung ab, in welcher Ritter über:„Die kulturelle Bedeutung der Arbeiterbewegung" referierte. Reicher Beifall wurde dem Redner zuteil.— Nachdem gab W i e s e n t h a l den Bericht der SchlichtungSkommisston. Tie Schlichtungskommission habe einen Paragraph folgenden Wortlautes ausgearbeitet, welcher als 8 15 dem bestehenden Tarif zugefügt wird: „Wenn in einer Werkstatt, die den Verbänden der Arbeitgeber als Mitglied nicht angehört, die Arbeit zwecks Durchführung des Lohntarifes niedergelegt wird, so verpflichten sich die Verbände der Arbeitgeber: 1. nachdem der Obmann der Arbeitgeber durch persönliche Rücksprache benachrichtigt ist und festgestellt hat, daß in der betreffenden Werkstatt der zu Recht bestehende Lohntarif thatsächlich nicht eingehalten wird, ihren Arbeitsnachweis sofort anzuweifen, dem betreffenden Arbeitgeber keineArbeits- kr äste anzuweisen: 2. sich durch den Obmann der Arbeitgeber für die Wieder- einstellung der alten Leute zu verwenden, soweit es nach dem Uebereinkommen der beiden Obmänner thuulich erscheint." Dieser§ 15 wurde von der Versammlung ohne Diskussion ein- stimmig angenommen.— Wiesenthal verlas dann eine Mit- tcilung des Obmannes der Schlicbtungskon:mission, wonach die Char- lottenburgcr Zwangsinnung die 8Z 13 und 14, welche in einer vorher- gegangenen Versammlung von den Rohrlegern angenommen worden sind, ebenso den 8 15 anerkannt habe. Die Schlichtungskommission hat außerdem dem§ 6 des Tarifes folgende Auslegung gegeben: Nachforderungen auf Lohn-, Fahrzeit- oder Fahrgeld-Vergütung können in Zukunft nur gemacht werden im Höchstfalle auf die Zeit von: Tage der Zustellung der Beschwerde an den Obmann der Arbeit- geber an und auf die unmittelbar davorlicgenden 14 Tage.— Wiesenthal verlas dann die Beschwerden, welche gegen einige Firmen von den Kollegen geführt worden sind. Darunter ist der Fall einer Firma, bei der die Kollegen auf Grund des§ 6 eine Nach- forderung von 243 M. stellten. Die Schlichtungskommission e-ntschied zu Gunsten derselben. Die Firma wollte die Fahrzeit-Entschädigung in Forn: eines Prozent-Zuschlages zum Accord vergüten. Eine andre Firma wollte der Fahrgeld-Berechnung die Wohnung der Arbeiter zu Grunde legen, wurde aber von der Schlichtungskommission daraus aufmerksau: gemacht, daß die Berechnung stets von: Betrieb aus zu erfolgen hat. Eine weitere Beschwerde richtete sich jjcgm: eine Firma, welche die Helfer nicht als Helfer in: Sinne des Tarifes be- trachten wollte, dieselben vielmehr mit einem niedrigeren Lohnsatz entlohnte als tariflich festgelegt ist; die Finna wurde auf den Punkt 2 des Tarifes hingewiesen, wonach Helfer nicht unter 40 Pf. pro Stunde entlohnt werden dürfen.— Wiescnthal teilte noch mit, daß sich in letzter Zeit noch zwei mittlere Betriebe dem Tarifvertrag angeschlossen haben. Eine öffentliche Lcrsmnmlung der Bäckerei-Arbeiter tagte am Dienstagnachmittag bei Keller. Der Verbandskassierer Friedman:: ans Hamburg würdigte in einem Referat die Erfolge des Berliner Bäckerstreiks, dessen Bedeutung nicht nur in Deutschland, sondern auch von den Kollegen im Auslände freudig anerkannt werde.— lieber den paritätischen Arbeitsnachweis und dessen Gegner sprach Schneider, der unter andern: ausführte: Der als Folge des Streiks entstandene paritätische Arbeitsnachweis werde von den Innungen sowie von den berufsmäßigen Arbeitsvermittlern, den Kommissionären, in der schärfsten Weise angefeindet. Trotzden: habe der paritätische Arbeitsnachweis eine beftiedigende Zahl von Bermittelungen zu verzeichnen. Die JnnungSmeister nehmen den paritätischen Arbeits- Nachweis ja nur ausnahmsweise in Anspruch, ja selbst Mitglieder der Schlichtungskommission beachten den paritätischen Arbeitsnachweis nicht immer. Ohne einen zweiten Sieg über die Bäckermeister werde der paritätische Arbeitsnachweis wohl nicht die Bedeutung erlangen. die ihm � zukomme. Bei der ArbeitSvermittelung fänden sich fast regelmäßig— vielleicht auf Veranlassung von Kommissionären— radaulustige Elemente ein, u>n den Arbeitsnachweis durch turbulente Auftritte:n Mißkredit zu bringen. Der Redner schloß mit der Be- mcrkung, daß nur durch eine starke Organisation und die Mit« Wirkung des konsumierenden Publikums der paritätische Arbeits- Nachweis hochgehalten werden könne. Die Diskussion bewegte sich in demselben Sinne._ Letzte JVachnchten und Depclchcn« Bom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Paris, 6. September.(B. H.) Der Petersburger Korrespondent des„Echo" hatte eine Unterredung mit dem General Lewaschoff über die Anzahl der beiderseittgen Truppen auf dem Kriegsschauplatze. Der General erklärte, die Russen verfügten daselbst über 190 000 Mann, während die Zahl der Japaner über 250 000 betrage; außerden: verfügten die Japaner über eine weit größere Zahl von Geschützen wie die Russen. Tokio, k. September. Wie die„Tribuna" aus guter Quelle erfahren haben will, befände sich die Prinzessiu Louise von Koburg in Venedig. Frankfurt a. M., 0. September,(ffl. H.) Ans Flörsheim wird der„Kl. Pr." gemeldet: Großes Aufsehen erregt die Verhaftung eine? angeblichen Herrn David Bayer aus Johannisburg in Süd- aftika, die hier im Auftrage der Staatsanwaltschaft in Wiesbaden erfolgte. Wie verlautet, soll er Mädchen und junge Witwen unter verlockenden Ancrbietungen zur Auswanderung nach Johannisburg zu bewegen versucht haben. Metz,|6. September.(28. T. 93.) Heute nachmittag ist die in die Wasserleitung eingeleitete Metzer.Kanalbatterie" eröffnet worden. die dazu bestimmt ist, alle Schwierigkeiten in den hiesigen Trink- wasser-Perhältnissen zu beseittgc». Brüssel, 6. September.(B. H.) In SoigniS brachen die Räder eines Eisenbahn- Güterwagens während voller Fahrt. Eine Anzahl Wagen stürzten infolge dessen übereinander und wurden zerttümmert. Der Schaden ist bedeutend, die Strecke war bis Abends gesperrt. Rom, O.September.(B. H.) Der„Secolo" berichtet aus Buenos Aires, der Vertreter einer französischen Firma habe der argentinischen Regierung den Vorschlag gemacht, die Kreuzer„Pueyrredon" und „Belgrano" zu kaufen. Dreselbe Firma hat bereits die Kreuzer „Esmcralda" und„Chachubucque" angekauft, welche anscheinend für Rußland bestimmt sind. Der Präsident von Argentinien soll dem Verkauf sympathisch gegenüberstehen. Konstantinopcl, 6. September.(B. H-1 Infolge der ernsten Nachrichten anS Armenien ordnete der Sultan die Mobilisierung des sechsten Armeccorps au.— Das armenische Aktionskomitee richtete an die hiesigen Botschafter ein ausführliches Memorandum, in welchem die Autonomie Armeniens verlangt wird. Falls die Mächte und die Pforte sich noch weiter der Erfüllung des Berliner Vertrages entziehen sollten, würden die Armenier sie dazu zwinge». K-nstantinopel, 6. September.(B. H.) Prinz Georg von Griechen- land verlaugt von den Großmächten, wenn sie gegenwärtig die An- gliederung Kretas an Griechenland ablehnen, mindestens ein Ver- hältnis zu schaffen, das demjenigen Bosniens und der Herzegowina gegenüber Oesterreich-Ungan: gleichkommt. Da der Prinz die Er- Neuerung seines Ende 1905 ablaufenden Mandates entschieden ab- lehnt, so werden sich die Großmächte, die glauben, eine Aenderung der Stellung Kretas ohne Geiahr der Ausrollung der Balkanfrage nicht zulassen zu können, demnächst um einen neuen christlichen Kan- didaten für den lretensischen Gcneralgouverneur-Posten umsehen müssen. Tanger, 6. September.(B. H.) Der Leuchtturm und die Station Do, welche von den Spaniern auf dem Kap Spartet errichtet wurden, sind von den Eingebornen angegriffen worden. Der spanische Konsul hat bei der marokkanischen Regierung Beschwerde erhoben. New Aork, 6. September.(B- H) Die katholische Universität Washngton verliert Hunderttausende durch ihren Schatzmeister, der sich in Spekulationen eingelassen hatte.— Der republikanische Vice-. gouverneur des Staates Ohio, Reppert, ein gebürtiger Frankfurter, ist gestorben.__ Verantw, Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlaaSmE�lt Paul Singer LeCo.. Berlin SV/. Hierzu LBeilagen u.UuterdaltungSblatt Kr. 210. 21. Jahrgang. L KeilU Ks JctiüiitlD" Kerlim Bolblilali. Mttwolh, 7. September M4. Nochmals Soeialdemokratie und Staatsform. Daß eine Reihe bürgerlicher Blätter aus Bebels Aeußerungen über den republikanischen Aberglauben den Schluß zogen, er wolle für den monarchischen Aberglauben Propaganda machen, war sonder- bar genug. Nun stihlt sich aber gar der leitende Kopf unsreS Central- organS genötigt, die Republik vor mir zu retten, der ich den gleichen Gedankengang wie Bebel entwickelt, und mir die Idee zu unter- schieben, ich wollte für die preußische Monarchie gegenüber der französischen Republik eine Lanze einlegen. Ein wenig mehr Verständnis für den Einfluß, den wir der Staatsform auf den Klassenkampf zuschreiben, hätte ich allerdings an dieser Stelle erwartet, namentlich angesichts meiner wiederholten ausdrücklichen Anerkennung der Wichtigkeit der republikanischen Staatsform für den Befreiungskampf des Proletariats. Ich sehe jetzt, daß ich zuviel vorausgesetzt, und muß daher, um jedes Mißverständnis auszuschließen, nochmals den Gegenstand ein- gehender behandeln. Dazu erscheint mir aber der.Vorwärts" nicht geeignet, ich werde mich darüber in der„Neuen Zeit" äußern, und zwar nach dem Bremer Parteitag, wo für diese theoretische Frage in der„Neuen Zeit" mehr Platz und bei den Lesern mehr Interesse vorhanden sein dürfte als jetzt, wo der nahende Parteitag andre Dinge in den Vordergrund drängt. Aber eines möchte ich nicht bis dahin verschieben. Ich hatte die Empfindung, Genosse K. E. habe den Streit mit mir ohne jeden ersichtlichen Zweck vom Zaune gebrochen. Er belehrt mich eines Besseren. Eine sittliche Pflicht habe ihn dazu gedrängt im Interesse— der Einigung des französischen Socialisimis. Dieser dienten wir am besten dadurch, daß Ivir„ernst und nachdrücklich" gegen Jules GueSde Stellung nehmen und ihn entschieden des- avouieren, der nur eine„individuelle Richtung" vertritt und dessen »Taktik in jedem Punkte der deutschen widerspricht". So. viel Worte, so viel Unrichtigkeiten. GueSde sprach in Amsterdam nicht im Namen einer„individuellen Richtung", sondern im Namen der stärksten socialistischcn Organisation Frankreichs. Nichts falscher, als die Angabe, die Jauresisten bildeten die stärkere Fraktion. Der jParti socialiste de France hat seine Mtgliederzahl im letzten Jahre von 1ö OVO auf 17 000 Warbsen sehen, während die Mitgliedcrzahl der jaurösistischen Organisation von 11000 auf 8 000 zurückging. Vor der Oefsentlichkcit freilich erscheint die letztere Organisation als die mächtigere, weil ihr die Mehrzahl der socialistischen Abgeordneten angehört und sie über genügend Geldleute verfügt, um sich den LuxuS zweier täglichen Blätter in Paris erlauben zu können, ganz abgesehen davon, daß die bürger- liche Presse ausschließlich von ihr Notiz nimmt und die andre Fraktion totschweigt. Aber als Organisasion ist diese weitaus die stärkste. Mit dieser soll nun die deutsche Socialdemokrasie einen Streit beginnen, mit derselben Leichtigkeit, mit der X. E. seinen Streit mit mir begann— im Interesse der Einigkeit des Proletariats I Uno der gewichtige Grund, der ihm diese„sittliche Pflicht" auf- erlegt? Seine Deutung der Rede, die GueSde in Amsterdam gehalten hat. Ich sage, seine Deusimg, denn ihr Inhalt ist ein andrer. als die Deutung besagt. Vor allem ist der Wortlaut deS Berichts, nach dem X. E. citiert, keineswegs einwandsfrei. Einige der am anstößigsten klingenden Wendungen erinnere ich mich nicht gehört zu haben, obwohl gerade sie hätten miffallen müssen, und auch der Bericht der Rede, den der „Socialiste", da? Centtalorgan des?. 3. äs F. gicbt, enthält diese Wendungen nicht. Was aber den Inhalt der Rede anbelangt, so muß man zu ihrem Verständnis wissen, daß die Frage, um die es sich damals handelte, nicht etwa die war, ob Ivir die Republik wolleir oder nicht, ob wir die Trennung der Kirche vom Staat wollen oder nicht; das erschien allen als selbstverständlich. Sondern es handelte sich darum, ob die Lchaten der bürgerlichen Republik für daS Proletariat wirklich so immense Erfolge bedeuteten, wie Faurös behauptete. Wenn man daS in Betracht zieht, erhält die Rede einen ganz andren Sinn, als X. E. ihr gicbt. So läßt z. B. X. E. GueSde sagen: „Gelbst wenn sie die Republik gerettet hätten, so würden sie damit nichts für das Proletariat gethan haben. Wenn daS Prole- tariat, um sie zu retten, wenn sie in Gefahr ist, jedesmal seine Forderungen aufgeben muß, dann ist die Republik die schlimmste der Regierungen." Darauf erwidert X. E. entrüstet: »GueSde hält die StaatSform für gänzlich gleichgülttg, ja. wenn die Republik nur gerettet werden kann, wenn die Arbeiter ihre Forderungen aufgeben, dann ist sie ihm die schlechteste Staats- formst Welch unsinnige Hypothese! usw." Nach dem Bericht im„Socialiste" hat Guesde in Wirklichkeit gesagt: „Wenn es wahr wäre, daß Ihr die Republik gerettet habt, was habt Ihr dann durch Rettung der Bourgeoisrepublik zur Be- fteiung des Proletariats gethan? Ihr habt die Idee deS wahren Klassenkampfes verdunkelt, der darin besteht, daß dem Block des Proletariats der Block der Bourgeoisie gegenübersteht. Wenn man die Republik s o aufsaßt, dann wird sie zum schlimmsten Bankrott der Demokratie." Hier wendet sich GueSde nicht gegen die Republik, erklärt sie nicht für gleichgülttg, stellt keine Hypothese auf, sondern er erklärt: um die Republik zu retten, habt Ihr den Klassenkampf verdunkelt, einen Block mit der Bourgeoisie gebildet, also ein Mittel erwählt, das die Lorteile aufhebt, welche die Republik für das Proletariat haben kann. War Guesde nicht berechttgt, daS zu sagen? Wie darf man daran« schließen, die Republik sei ihm gleichgültig? Man denke sich einen analogen Fall in Deutschland. Nicht die Republik, wohl aber das allgemeine Wahlrecht ist bei uns gefährdet. Nehmen wir nun an, ein kluger Staatsmann erstünde in unsrer Mitte und riete unS. um das Wahlrecht zu retten, sollten wir mit der Regierung Frieden machen, auf jede Opposition verzichten und dem Proletariat raten, von der Verfechttmg seiner Forderungen ab- zustehn. Und nun wendete sich dagegen em deittscher GueSde und riefe:„Nein, wenn das Wahlrecht nur gerettet werden könnte durch den Verzicht auf unser,, Kampf und untre Forderungen, dann würde der Versuch, eS auf diese Weise zu retten, miS mehr schädigen als der Verlust deS Wahlrechts selbst." Würde dann wohl X. E. mit derselben Logik behaupten, diesem deutschen GueSde sei daS Wahl- recht etwas Gleichgültiges, seine Taktik widerspreche in jedem Punkte der deutschen Taktik und es sei unsre sittliche Pflicht, einen Mann, der unS so kompromittiert, entschieden abzuschütteln? Wie mit der StaatSform ist es mit der Trennung von Kirche und Staat. Guesde hat nirgends behauptet, daß„das keine Wirkung haben würde", wie X. E. ihn sagen läßt; er hat bloß Jaurds gegenüber, der von der„Befreiung der Gehirne" sprach, darauf hingewiesen, und mit Recht, daß man auch die Wirkungen einer so entschiedenen Maßregel, wie die Trennung von Kirche und Staat, in der bürgerlichen Gesellschaft nicht überschätzen und nicht 5 warten dürfe, daß daraus schon die Entchristianisierung des Volkes hervorging«. In den Vereinigten Staaten sei das Christentum Ebenso mächttg wie in Frankreich. Ist daS etwa nicht auch richtig? Was»nacht X. E. mit flinker Hand daraus? „Gllesde hält den Kampf gegen den Klerikalismus für wertlos, eine gute Schule könne erst in der socialistischen Gesellschaft hergestellt werden. Insofern ist das richtig. als unsre Ideale erst mit Vollendung unsrer Mission erreicht werden können. Aber hat jemals die deutsche Social- demottatie deshalb Unterlasten, auch die kleine, positive Ver- besserungsarbeit des Tages zu leisten? Guesdes Kon- sequenz ist der völlige Verzicht auf den Parlamentarismus, auf die Beeinflussung des Gesetzgebers, sie ist das Warten auf den einen großen Tag. Mit einem solchen Guesde könnte, wenn er in Deutschland wirkte, die Socialdemokratie niemals einig werden, er würde sich unter anarchistischen Eingängern verlieren. Kann man eS da für möglich halten, daß auf Grundlage dieses Programms eine Einheit in Frankreich zu st an de kommen wird?" So wird Jules Guesde feierlich in der Lindenstraße aus der Socialdemokratie ausgeschlossen, mn die Einheit in Frankreich zu stände zu bringen. Vergeblich fragt man. welche Worte GueSdes diese große Entrüsmngsaktion X. E.'s rechtfertigen. Sie sollen ein Programm sein, wo sie thatsächlich eine Kritik sind. Wenn aber Genosse X. E. das Programm Guesdes kennen lernen will, braucht er bloß das der socialisttschen Paitei Frankreichs von 1903 anzusehen, an dem GueSde mitgearbeitet. Er findet da in 45 Para- graphen eine sehr ins Detail gehende Liste von Forderungen„für die kleine positive Verbesserungsarbeit deS Tages", und gleich im 3. Artikel findet er die Forderung: Trennung des Staates von der Kirche, Aufhebung des Kultusbudgets. Oder will K. E. Guesde lieber nach seineu Th aten beurteilen? Nun, Guesde kämpfte für die Republik, als dies in Frankreich noch eine revoluttonäre That war, nicht ein Kampf um Konservierung der bestehenden Regierung. Die erste seiner vielen Gefängnisstrafen erlitt er unter dem Kaiserreich, 1870, wegen eines Artikels, in dem er die Bevölkerung aufforderte, sie sollte lieber, statt gegen die Deutschen, gegen daS Kaiserreich zu Felde ziehn. Als nach der Niederschlagung der Kommune in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre wieder eine Arbeiterbewegung in Frankreich be- gann, da war JuleS Guesde einer der ersten, der seine ganze Energie und Begabung einsetzte, um Theorie und taktische Principien der deutschen Socialdemokrasie nach Frankreich zu verpflanzen und im Gegensatz zu Anarchismus, Nurgewcrkschastlerei und Puttchmacherei eine parlamentarische socialdemokratische Partei zu begründen. Es ivaren schwere Kämpfe, die er zu führen hatte, nicht bloß gegen die Bourgeoisie, sondern auch gegen die eben gekennzeichneten Rtchttingeit der französischen Arbeiterbewegung. Die einen wie die andern hielten ihm gern als vernichtendes Argument den deutschen Charakter seiner Agitation entgegen. Seine Haltung war damals die gleiche wie heute, Marx und Engels haben sie mit Freuden begrüßt— sie wußten freilich wahrscheinlich nicht so gut, wie X. E., welches die Taktik der deutschen Socialdemokratie sei, und konnten weniger scharf als er einen vollkommenen Socialdemokraten, für den sie Guesde hielten, von einem„anarchistischen Eingänger" unterscheiden. Als Guesde endlich ins Parlament kam<1893), da war er un- ermiidlich im Einbringe» von Reformvorschlägen, in der Krittk und Anregung von Maßregeln zum Schutze der Arbeiterschaft. Ebenso großen Wert, lvie auf diese parlamentarische Reformarbeit, legte er auf die Gewinnung von Majoritäten in den Gemeinden und deren Ausnutzung siir die„kleine positive Verbesserungsarbeit'. Die besten Leistungen des sogenannten MunizipalsocialiSmuS sind in Frankreich mit dem Namen GueSdes und seiner Partei verknüpft. Endlich hat er die Gewerkschaftsbewegung stets gefördert, so viel er konnte. Wenn diese seine Thättgkeit seit einigen Jahren gehemmt ist, haben wir das nicht einer Veränderung seiner Anschauungen über die Refonnarbeit zuzuschreiben, sondern einfach den Wechselfällen deS Wahlglücks, das z. B. auch einen Viktor Adler hartnäckig vom Parlament fern hält. Sollte die Schroffheit und Kürze der Sätze der Guesdeschen Rede von Amsterdam wirklich einem Leser ihre Deutung im Sinne von X. E. nahe legen, so muß dies für jeden ausgeschlossen sein, der GueSde und ferne Geschichte kennt. Wemr X. E. sie nicht kennt, so ist diese Unkenntnis ein schlechter Grund, einen der verdientesten Parteigenossen vor dem deutschen Proletariat herunterzureißen. Ist auch GueSde nicht mehr in der Kommer, so steht er doch auf gleichem Boden mit seinen Genossen dort, deren Anschauungen und Taktik er völlig billigt. Da ist nun bemerkenswert die That- fache, daß derselbe Jaures, der jetzt die Wirkungen einer Trennung von Kirche und Staat so enorm übertreibt, diese Trennung erst praktisch fördert, seitdem die Regierung sich nicht mehr ablehnend dagegen verhält. Ich habe im vorigen Jahre in einem Arttkel der .Neuen Zeit" über„Jaurös Kirchenpolitik" dargelegt, wie zwei« deuttg seine Haltung 1902 war, als eS sich in der Kammer danim handelte, die Regierung zur Anerkennung dieser Forderung zu zwingen. AlS im Oktober 1902 in der Kammer der Kulturkampf gegen die Kongregationen verhandelt wurde, suchte die socialisttsch-revo- lutionäre Gruppe— die Freunde GueSdes— den Kampf zuzu- spitzen und brachte eine Resolution ein. welche die Regierung ein- lud, das Konkordat aufzuheben und die Trennung von Staat und Kirche herbeizuführen. Jaures aber, weit entfernt, sich dieser Re- solutton anzuschließen, wußte die Absttmmung über sie zu vereiteln, indem er eine andre einbrachte, die einfach, ohne ein Wort über die Trennung von Staat und Kirche zu enthalten, der Regierung ihr Venrauen aussprach. Ich habe aber noch nie vernommen, daß X. E. deswegen Jaures seine Mißbilligung ausgesprochen hätte. Roch mehr. GueSde wird von X. E. aus dem Rahmen der Socialdemokrasie ausgeschlossen, weil er sich über die Wirkungen einer Trennung von Kirche und Staat skepttsch äußert. Was that aber Millerand? Er stimmte für das Kultusbudget, lieferte der Priesterschaft 40 Millioneu StaatSgelder jährlich aus. Das vermochte aber den warmen Sympathien keinen Eintrag zu thun, die JaureS und X. E. für diesen würdigen Socialisten empfanden. Und derselbe X. E., der sich vor Enttüstung nicht fassen kann, weil GueSde meinte, die bürgerliche Republik wäre durch Preis- gebung der Forderungen und der Selbständigkeit des Proletariats zu teuer erkaust, er trug eS Millerand nichts nach, als dieser dem absoluten Despoten Rußlands die Hand küßte, und ich habe auch nicht gesehen, daß er sich enttüstete, als JauröS dem König von Italien seine Reverenz erwies. Derartiges hätte GueSde nie zu Stande gebracht, dazu ist er ein zu guter Republikaner. Gr bekämpft das bürgerliche Regiment auch in der Republik, aber er bleibt der unversöhnliche Feind jeglicher Monarchie. Man kann nach alledem ermessen, wie tief die sittliche Pflicht empfunden war, die X. E. zwang, gerade jetzt wegen einiger, wahr- scheinlich nicht richttg berichteten, sicher falsch gedeuteten Worte jede Einigung eines Socialdemokraten mit GueSde für unmöglich zu er- klären. Das Wesen dieser sittlichen Pflicht wird aber noch deutlicher, wenn man erfährt, daß der Ausfall des X. E. gegen Guesde nichts ist als der getreue Abklatsch des Ausfalls, den wenige Tage vorher JaureS in seiner„Humanits" gemacht.� In Amsterdam hatte Renaudel,«in Angehöriger der Mino- rität der Jauresisten, die in Oppositton zu JanröS steht, erklärt, seine Freunde seien bereit, die Emigung mit der Gegenseite, also GueSde und seinen Freunden, anzustreben. Er gab diese Erklärung ohne jede Einschränkung ab unter dem ftischen Eindruck der Guesde- scheu Rede. Vaillant antwortete entgegenkommend in seinem und seiner Partei— also auch in Guesdes Namen. Jaurös hatte den Kongreß schon verlassen, als diese Erklärungen ausgetauscht wurden. Aber nach Paris zurückgekehrt, beeilte er sich, in der„Humanitä" zu erklären, nach der GueSdeschen Rede sei eine Einigung unmöglich, so lange nicht GueSde von seiner Partei desavouiert werde. Das heißt, indirekt, er lehnt die Einigung ab, die er direkt fteilich nicht gut ablehnen konnte. DaS ist mcht sehr erfteulich. aber begreiflich, denn für JaureS steht viel auf dem Spiel, wenn sich die Einigung auf den in Amsterdam geschaffenen Grundlogen vollzieht. Weniger aber ist es begreiflich, daß nun X. E. in dasselbe Horn stößt und die JaiirvSsche Beweisführung für das Ceutralorgan der deutschen Socialdemokratie kopiert, wodurch er diese« zum Werkzeug von Bestrebungen macht, die mühsam angebahnte und schwer durch- zuführende Bereinigung der französischen Socialisten zu durchkreuzen. DaS ganze große Ansehen, da? der„Vorwärts", dank der Bedeutung der deutschen Socialdemokrasie, bei den Parteigenossen deS Auslände: genießt, wird so von seinem Chefredakteur in den Dienst der Gegner der Einigung gestellt. Das ist trotz aller sittlichen Pflichten, die er empfindet, die not- wendige Folge seines Eingreifens in die französische Einigungsaktion. Es bedeutet eine ganz grundlose, ja geradezu mutwillige Störung des Konsolidierungsprozesses der Socialdemokrasie Frank- reichs, wogegen man nicht energisch gemig Front machen kann. Friedenau, den 4. September 1904. K. Kautskh. •* Die Leser werden mit Verwunderung bemerkt haben, welchen Gang die Debatte genommen hat. Sie begann mit dem Protest gegen die Kautskysche„Jnterpretasion", daß die Monarchie„keine direkte Klastenregierung" sei— daß aus tieffinnigen Gründen die Bourgeoisie in demokratischen Republiken einen noch brutaleren Klassenkampf führe als in Monarchien—, sie endigt mit dem liebens- würdigen Hinweise, daß ich die Partei und den„Vorwärts" kom- promitsiere". Da ich aber in dieser Kompromitsierung beim besten Willen kein neues Argument für die relattv größere focialpolitische Aufgeklärtheit der Monarchien und für die Verruchtheit der demo- krasischen Republik anerkennen kann, ist in diesem Punkte jede weitere Erwiderung überflüssig. Kautsky redet nicht mehr von der preußischen Steuergesetzgebung—...er wird sich inzwischen überzeugt haben, daß der französische Etat weit antikapitalistischer ist als die preußisch- deutsche Steuer- schröpfung— und er erinnert auch nicht mehr an die französischen Stteikmetzeleien. Ich bin so optimistisch, anzunehmen. daß er sich von diesen verzweifelten Argumenten hat abbringen lassen. Dafür unterhält er sich nur noch über GuesdiSmus und Faurs- siSmuS. Er ertveist mir die Ehre, mich für. einen„Jaurösistcn" zu erklären, obwohl ich ausdrücklich meine Gegnerschaft bekannt habe, ja, er schreibt mir einstige Sympathien für Millerand zu, die ich zwar nicht fiir kompromittierend halten ivürde— denn warum sollte rch mich nicht auS der Ferne über den Charakter eines mir persönlich unbekannten ManneS irren dürfen?— aber KautSky ist doch wohl Leser der„Neuen Zeit", und er weiß also, daß ich das einzige Mal, wo ich mich über die Frage des MinisterialiSmuS geäußert habe— in Aus- führungen, die ich noch heute in jedem Wort aufrechterhalte— rein theorettsch argumentiert und ausdrücklich jedes Urteil über den be- sonderen Fall Millcrand abgelehnt habe. Freilich, wie soll Kautsky noch richtig meine Ausführungen vom Jahre 1901 Iviederzugeben im stände sein, wenn er nicht einmal korrett wiederholt, was ich gestern geschrieben habe. Ich habe mit keiner Silbe die Ausschließung GuesdeS aus der Partei verlangt; mir ist eS fremd, solche Bannflüche für Beweise zu halten. Ich habe einfach festgestellt, ohne über GuesdeS Vergangenheit ein Wort zu sagen, daß GueSde unter dem psychologischen Druck, den Spaltungen immer bewirken, gegenwärtig Anschauungen vertritt, die mit der deutschen Auffassung nicht übereinstimmen. Ich habe gemeint, daß auf der Grundlage solcher Ansichten sich keine Einheit in Frankreich verwirflichen ließe. Darin hat Jaurös vollkommen recht, der,— wie ich glaube, wieder mit Recht— gegen Gliedes Jnttansigenz sich auf Vaillants Anschauungen beruft. Schließlich hat ja auch die deutsche Delcgasion in Amsterdam ganz entschieden jenen„GueSdiSmus" zurückgewiesen, der auf dem merk- würdigen Wege der Uebersetzung—„nicht erstreben", wurde in „nicht annehmen" übersetzt— die Dresdener Resolution grund- sätzlich zu verschärfen suchte. Mein„RuSschlußanttag" aber be- fchränft sich auf die ebenso bescheidene wie dringlich notwendige Mahnung, man solle GueSdes unmögliche Meinungen von gewisser deutscher Seite nicht noch unterstützen, ihn nicht in Aeußerungen be- stärken, die eine Einheit in Frankreich aussichtslos machen müßten. Die offenbare Tendenz dieser meiner Darlegung war, GuesdeS deutsche Freunde selbst müßten ihn dahin beeinflussen, daß er sich den klaren Anschauungen der deutschen Partei nähere, auf deren Basis eine Einigung auch in Frankreich möglich wäre. GueSdes Anschauungen, die er in Amsterdam vortrug, stehen— ohne Ueber- setzungSkünste— nicht auf dem Boden der Dresdener Resolution und der Pariser Resolusion KautSkyS. Er war thatsächlich ebenso isoliert wie JaureS. Es wäre leicht, auS den letzten Jahren reiches Material zusammenzubringen, um zu erhärten, daß GueSde neuerdings nicht die deutsche Taktik vertritt; man denke z. B. an die Frage der StaatSschule, die Guesde ablehnt, weil man dem Bourgeoisiestaat jegliche Herrschaftsmittel verweigern müsse. Solche Unklarheit ist denn auch die Ursache, daß man auf dem letzten Liller Guesdisten- Kongreß die eigne guesdissische Frattion arg gescholten bat, weil sie in der Kammer ganz— jaurösistisch sei. Daher auch die bedenkliche Erscheinung, daß heute die französischen Scharfmacher, welche die„Kanaille", die in Marseille ausgesperrt ist, zu füsilieren auffordern, dem ehrlichen Guesde, gegenüber dem Geschäfts- socialisten JaureS, die Brüderschaft antragen. Bebel hat in Dresden gesagt, wemr er von den Gegnern gelobt werde, fürchte er immer, eine Dummheit begangen zu haben. Das trifft nicht immer zu. bleibt aber doch eine goldene Regel. Man wende sie nur— unbeschadet aller verständlichen und zu billigenden Kameradschaft— auf den Fall GueSde an l Noch ein Wort über nrein Citat aus GnesdeS Taksikrede. KautSky, der übrigens meine Kritik der guesdistischen Beußerringen an der entscheidenden Stelle abbricht, bezweifelt den von mir gegebenen Wortlaut. Ich habe allerdings das Verbrechen begangen, wörtlich aus dem Manuskript— des amtlichen Protokolls des Amsterdamer Kongresses zu citieren. Ich finde aber, daß der Text, wie ihn Kautsky giebt, noch viel kompromittierender für GueSde ist. Danach hätte GueSde in Amsterdam gemeint, wenn man die Republik nur durch einen„Block" mit der Bourgeoisie retten könne sd. h. doch nur mit gewissen Gruppen der Bourgeoisie, w sei diese„Verdunkelung deS Klassenkampfes" die ganze Republik nicht wert. Und KautSky fügt hinzu, wenn wir nur durch solch einen„Block" mit der Bourgeoisie das Wahlrecht in Deutschland retten könnten, so wäre das auch verwerflich. Der Ver- gleich ist schon deshalb sinnlos, weil eS in Deutschland gar keine demokratische Bourgeoisie giebt. die sich aus einen„Block" mit der Socialdemokratie einlassen würde. Gäbe es aber solche Hilfe, so würde nur der sie zurückweisen,„der dem Wahlrecht keine Thräue nachweint". Aber fteilich. KautSky macht sich das Beweisen leicht. Als Be- dingung des„Blocks" setzt er den Verzicht deS Proletariats auf seine Foroerungen voraus. Warum geht er nicht weiter und nimmt als Bedingung solchen Zusammengehens an, daß sich alle Socialdemo- kraten aufhängen sollen; dann ließe sich noch leichter be- weisen, daß dann das Wahlrecht ftär die Socialdemoftaten keinen Wert habe. Jcb gestehe. daß ich solche Scherze für kompromittterend halte. Selbstverständlich� muß man unter allen Umständen die Republik retten, selbstverständlich muß man mit allen Mitteln das Wahlrecht retten. Solche Verzichtleistungen, wie sie KautSky an die Wand malt, sind weder jemals in Franfteich vorgekommen, noch sind sie sonst denkbar— nur ein TollhäuSler von Bourgeois könnte solche Vcrpflichsimgen auch nur fordern, weil er ja genau weiß, daß keine Macht der Welt ihre Erfüllung erzwingen könnte. Um schließlich noch zu dem ernsten Ausgang der Debatte zurück- zukehren. Will man den Unterschied zwischen der Socialpolisik in einer demokratischen Republik und der Monarchie,„die keine direkte Klassenregierung" ist, so braucht man nur an Crimmitschau zu erinnern, wo, obwohl es sich um eine von den Unternehmern pro- vozicrte Machtprobe handelte, die Regierung durch alle Organe nicht nur nickit zu Gunsten der Arbeiter vermittelte sondern mit gepanzerter Faust jede öffentliche Ausübung des Koalitionsrechts verhinderte, sogar die Weihnachtsfeier unterdrückte. Gegenwärtig spielt sich in Marseille ein gewaltiger Konflikt zwischen Arbeitern und Unternehmern ab. Die ganze reaktionäre Presse fordert unablässig zur gewaltsamen Niederschlagung der Hafen- arbeiter und Matrosen auf. Im monarchischen Staate der deutschen Socialreform ist es unsren Genossen auch gelungen, das Koalitions- recht für die Matrosen der Handelsmarine ku erringen. In diesem „brutalen" Frankreich aber, das sogar ein Koalitionsverbot für Matrosen aus dem Kaiserreich bewahrt hat, verhält sich die Re- gierung nach der Schilderung eines bürgerlichen Blattes, des »Hamburger Korres p.", wie folgt: «Der Präsident der Pariser Handelskammer, der mit un- ermndlichem Eifer eine Verständigung zwischen den Reedern und den ausgesperrten und streikenden Hafenarbeitern und Handels- Matrosen herbeizuführen sucht, hat sich nach der Unterredung mit den Vertretern der Reeder und Spediteure überaus entniutigi gezeigt, da alle seine versöhnlichen Bemühungen abgelehnt wurden. Die Reeder verlangen als Grundbedingung für den Eintritt in weitere Unterhandlungen erstens die strenge Durchführung des Dekrets von 1852, das die eiu Schiff verlaffenden Handelsmatrose» den Deserteuren hinsichtlich der zu verhängenden Strafen gleichstellt. Die Reeder beharren bei dieser Forderung, obwohl der Marine- minister Pclleta» erklärt hat, dasi er sich nie und nimmer dazu vcr- stehen würde, jenes absolut undurchführbare Dekret anzuwenden, wie dies übrigens auch sein direkter Vorgänger im Amte, Herr de Lanesian, auf Grund eines Gutachtens einer Kommission von Admirälen gethan hat. Unter den Hafenarbeitern und Matrosen hat die Halbing der Reeder eine sehr gereizte Stimmung verursacht, die bereits in dem Beschluß der Hafenarbeiter zu Tage getreten ist, von der Föderation in Cette zu verlangen, daß diese den all- gemeinen Ausstand aller Hafenarbeiter der französischen Mittel- meer-Häfen des Festlandes und Algeriens anordne, falls den Marseiller Arbeitern nicht sofort die verlangte Genugthuung gewährt wird. Die Ausdehnung der Arbeitseinstellung auf die andern französischen Häfen des Mittelmeeres würde so schwere wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen, daß man denn doch noch auf eine gütliche Beilegung des Konflikts zählen zu dürfen glaubt. Die Aussichten darauf sind aber sehr gering, zumal die Reeder als zweite Bedingung für eine Verständigung mit den Arbeitern und Matrosen von der Regierung ernstliche Bürgschaften dafür verlangen, daß die zukünftigen Abmachungen von den Arbeitern vollinhaltlich re- Ipektiert werden. Derartige Bürgschaften wird die Regierung aber kaum bieten können. Sehr energisch verwahren sich die Reeder gegen das Schreiben des Handelsministers Trouillot, der sie be- kanntlich an die in den abgeschlossenen Verträgen enthaltenen Strafbestimmungen erinnerte. Die Reeder glauben in dem Schreiben des Handelsministers einen nicht zu rechtfertigenden Einschüchtcrungsversnch der Regierung erblicken zu müssen." Zu bemerken ist dazu, daß trotzdem de Pressenss in Jauros „Humanite" die Schwäche und Halbheit der Regierung gegenüber den Unternehmern sehr entschieden tadelt. K. E. Berliner partei-Hngelegenbeiten. Zur Lokal-Liste. Die unterzeichnete Kommission teilt mit, daß das Lokal Max Mendts Klubhaus, Am Königsgrabcn iia, von jetzt ab als gesperrt zu betrachten ist, da der Inhaber, Herr Max Mendt, zugleich Besitzer von Mendts Waldschlößchen in Eichwalde ist, daselbst aber den dortigen Parteigenossen und Gewerkschaften sein Lokal zu Versammlungen nicht mehr hergiebt. Nach eingehender Diskussion in der letzten Sitzung, wozu Herr M. Mendt geladen war, gab er nach Anfrage der Kommission kund, daß er sein Lokal in Eichwalde nicht mehr frei geben könne. Wir ersuchen des- halb, das Lokal in Eichwalde sowie das in Berlin, V. Kreis, Am Königsgraben 14 a, streng zu meiden. Die Lokalkommission von Berlin und Umgegend. lokales. DeS Frcifinns„Freude" über die Psticht-FortbildungSschnle. Die Pflicht-FortbildungSschule wird zu den ersten Angelegen- Herten gehören, mit denen die aus den Sommerferien zurückgekehrte Stadtverordneten- Versammlung sich zu beschäftigen haben wird. nicht gleich in ihrer allerersten Sitzung, aber voraussichtlich schon in den nächsten Wochen. Der grundsätzliche Beschluß, auch für die Fort- bildungsschule eine Besuchspflicht festzusetzen, wurde bekanntlich auf Anregung der socialdemokratischen Fraktion vor zwei Jahren gefaßt. ES handelt sich jetzt nur noch um das O r t s st a t u t, durch das die Pflicht-Fortbildnngsschule organisiert wird. Das vom Stadtschulrat Gerstenberg entworfene Statut ist im Magistratskollegium durchberaten und mit Aenderungen genehmigt worden. Der Magistrat hat es sich nicht versagen können, einige Verböserungen einzufügen. Aber er hat wenigstens eine der schlimmsten wieder beseitigt, noch ehe das Statut an die Stadt- verordneten-Versammlung gekommen ist. Die Absicht, die aus der ersten Klasse der Gemeindeschule abgegangenen Schüler von der Pflicht des Fortbildungsschulbesuches zu befreien, ist, wie unsre Leser wissen, wieder aufgegeben worden. Wie die freisinnige Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlung sich zu dem Entwurf stellen wird, muß abgewartet werden. Als dem Magistrat das große Werk endlich gelungen war. wurden ja aus freisinnig- kommunalen Kreisen Aeußerungen des Stolzes laut. Es war aber schon damals durchzumerken, daß die Freude keine ungemischte war. Inzwischen scheint nun die Stimmung noch weiter abgeflaut zu haben. In einer Versainmlung des freisinnigen„Bezirksvereins des Köpenicker Stadtviertels", wo man sich über die Pflicht-Fortbildungs- schule unterhielt, kam das deutlich genug zum Ausdruck. Der freisinnige, in der Schuldeputation sitzende Stadtverordnete Ulrich, der über den Gegenstand referierte, begann mit einem Hymnus auf den früheren Stadtschulrat Bertram, der allezeit ein Anhänger der „Freiwilligkeit" des Fortbildungsschulbesuchs gewesen sei, und er be- mühte sich, den Nachweis zu führen, daß schon heute drei Viertel aller jungen Leute eine Fortbildungsschule besuchen. Seine Be- hauptung, daß auch ohne Zwang der Besuch regelmäßig sei, wird durch die Thatsachen Ividerlegt. Bis vor etlichen Wochen konnte man aus den amtlichen Veröffentlichungen des Magistrats ersehen, wie unregelmäßig der Besuch ist, aber in neuerer Zeit ist darüber nichts niehr mitgeteilt worden. Herr Ulrich mutzte trotz seiner Schwärmerei für die„Freiwilligkeit" sich damit abzufinden suchen, daß die Einführung des Zwanges nicht länger zu umgehen ist. Er erklärte sich emverstanden, aber er fügte mit Bedauern hinzu, daß die Besuchspflicht der Lehrlinge den Arbeitgebern große Unbequemlichkeiten bringe. Diese„Unbequemlichkeiten" waren allerdings von jeher der Stein des Anstoßes. Die Diskussion, die sich an den Vortrag anschloß und vorwiegeird von Arbeitgebern geführt wurde, ließ erkennen, daß darin auch jetzt noch das Haupthindernis für die zweckmäßige Ausgestaltung der Pflicht- Fortbildungsschule liegt. Lehrreich war, was ein früherer Obermeister der Tapezicrerinnung, der im übrigen für die Pflicht-Fortbildungsschule eintrat, aus der Schule zu plaudern wußte. Er schalt auf die Lehrlingsausbeutung, durch die nach seinen Beobachtungen die Fortbildung beeinträchtigt oder unmöglich gemacht werde.„Die Lehrlinge", sagte er,„wurden ausgenutzt, daß es eine Schande war." Ein andrer Redner klagte, daß der Arbeitgeber gar nicht halten könne, was das Statut ihm zumute. Der Unterricht solle wenigstens nicht in die Tagesstunden gelegt werden. Ein Dritter, der als Dirigent der Klempner- Fachschule fungiert, äußerte die Besorgnis, die Meister würden überhaupt keine Lehrlinge mehr halten können. Mit dieser lächerlichen Ausrede hat Bertram bor zehn Jahren den Fortbildungsschnl-Anträgen der Socialdemokraten ent- gegenzutreten versucht. Rückhaltlos sprach für die Pflicht-Fortbildnngsschule samt all' ihren„Unbequemlichkeiten" ein Lehrer, der als Agitator für den Freisinn thätig ist. Er wies treffend darauf hin, daß vor 160 Jahren bei Einführung deS Schulzwanges für die Volksschule in ähnlicher Weise gejammert wurde, das Hauswesen werde geschädigt werden, wenn die Kinder täglich für mehrere Stunden der Familie entzogen würden. Rückständig, wie vor ISO Jahren! Und das mußten die freisinnige» Arbeitgeber sich von einem Mann sagen lassen, der sonst einer ihrer unentwegtesten Wortführer ist. Die Stadtverordneten-Versammlung hat sich morgen in ihrer ersten Sitzung nach den Ferien u. a. mit folgenden Gegenständen der Tagesordnung zu befassen: Achtzehn Naturalisationsgesuchc.— Vorlagen, betreffend: die Verleihung des Ferdinand Menzel- Stipendiums, sowie des 1. und 2. städtischen Stipendiums,— die Erweiterung des Lehrerwohngebäudcs der 3Z./66. Gemeindeschule, den von der Versammlung für eine zweite, nach Amerika zu ent- sendende Baukraft bewilligten Betrag,— den Neubau eines Fach- Werkschuppens für die Grastrockenanlage in Grotzbeercn, die Teilung der Bezirke der 165., 124c., 211. und 128. Armenkommission,— die erfolgte Revision der eingelösten Zinsscheine,— die Verwendung der Erträge der Friedrich Wilhelm-Stiftung zur Förderung des deutschen Kunstgewerbes für das Rechnungsjahr 1W3, den Geschäfts- betrieb der städtischen Sparkasse im April/Juni-Vierteljahr 1964,— die Errichtung eines Steindcpotplatzcs am Markgrafcndamm und die Errichtung eines Geräteschuppens,— die Mietung von Bureau- räumen in dem neuen Verwaltungsgebäude der Landesversicherungs- Anstalt Berlin im Köllnischcn Park,— die erfolgte Bauabnahme der 5 Schulbaracken in der Bremerstraße,— die für Erwerbunden von Stratzenland auf Grund von Entschädigungsbeschlüfsen oder richterlichen Entscheidungen im Vierteljahr Januar/März 1994 gezahlten Entschädigungen,— die Einrichtung einer fachmännischen Beaufsichtigung des Zeichenunterrichts in den Gemeinde- schulen,— die Teilung des Bezirks der 39. Armen-Kommission,— die Veranstaltung eines Preisausschreibens zur Erlangung von Ent- würfen für den Nordpark,— das Gelände des Botanischen Gartens,— die Wiederherstellung einer Eisenbahnladestelle auf dem Gelände der ehemaligen städtischen Frauen-Badeanstalt an der Süd- seite des Nordhafens,— die erfolgte Bauabnahme des Pfleger- und Pflegerinnenhauses zum Krankenhause Moabit,— die gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerliste erhobenen Ein- Wendungen,— die Festsetzung von Fluchtlinien für. zwei neue Straßen 29z. und 29b. zwischen Prenzlauer Allee und Winsstratze bezw. Winsstraße und Greifswalderstratze,— Bewilligung eines Geschenkes an die Kirchengemeinde zu Eiche,— die Kirchenbaulast der politischen Gemeinde nach märkischem Provinzialrecht,— den Abbruch des auf dem städtischen Grundstücke Pankstraße 22z/23 gestandenen Häuschens zwecks Herstellung der Straße 62b., Abt. X', — die Einverleibung des nördlich der Wriezenerstraße in Pankow belegenen Brehmeschen Grundstücks in den Stadtbezirk Berlin,— die Festsetzung von Fluchtlinien für die Neue Friedrichstraßc zwischen Gruner- und Königstratze— und die Verschiebung der Weichbild- grenze zwischen Berlin und Pankow, nördlich der Straße 31., XII., von Schönhauser bis etwa zur Prenzlauer Allee, sowie die Fest- setzung von Fluchtlinien für die Südseite der Straße 32b., XII., und für die Turmstraße,— die Neuwahl je eines bürgerlichen Mit- gliedes für die Ersatz-Kommissionen II., IV. und VI.,— die Entlassung von gewählten Mitgliedern und Mitgliederstellvertretern der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission,— die Entlassung eines Mitgliedes der x.-Armen-Kommission vor Ablauf seiner Wahl- Periode. Außerdem findet am Beginn dieser Sitzung durch den Herrn Oberbürgermeister die Einführung und Verpflichtung des neu- gewählten Stadtrats Maas statt. Der Mitgliederbestand der Berliner Krankenkassen, soweit diese der Aufsicht des Magistrats unterstellt sind, also der Orts-, der Betriebs- und der Jnnungskrankenkaffen sowie der Gemeinde- Krankenversicherung, ist bis Anfang dieses Jahres auf 632 484 ge- stiegen, das sind 45 298 Mitglieder mehr als zu Anfang August vorigen Jahres. Die Mehrung war in der letzten Zeit bei den männ- lichen Versicherten viel bedeutender als bei den weiblichen. Seit dem vorigen August stieg bei den genannten Krankenkassen die Zahl der Männer von 373 255 auf 419 534, also um 37 329, das sind 19 Proz., dagegen die Zahl der Frauen von 213 784 auf nur 221 999, um 8116, das sind noch nicht 4 Proz. Die Mehrung der weiblichen Ver- sicherten erlitt besonders im April dieses Jahres eine Unterbrechung, die auffallend lange andauerte und bis zum Sommer den Mitglieder- bestand stark herabdrückte. Der April begann mit 239 294 weiblichen Mitgliedern, der Juli nur noch mit 221924. Erst zum August gab es dann wieder eine kleine Zunahme, bis auf 221 999 weibliche Mitglieder. Der Arbeitcr-Radfahrerbiind„Solidarität" schreibt unS: Der zur Zeit etwa 21 999 Mitglieder zählende Bund hat es sich zur Auf- gäbe gemacht, bei niedrigen Beiträgen i Eintrittsgeld 69 Pf. inklusive Abzeichen, monatlicher Beitrag 29 Pf.) seinen Mitgliedern möglichst vorreilhafte Gegenleistungen zu bieten. Wie wichtig die Mitglied- schaft bei diesem Bunde für jeden Radfahrer ist, ergibt sich aus folgenden Beispielen: Der Berliner Arbeiter-Radfahrerverein, der zur Zeit ca. 859 Mitglieder zählt, hat vom 1. Juli d. I. bis heute dem Bundesvorstand folgendes unterbeitet: Zwei Anträge zur zoll- freien Grenzüberschreitung mit dem Rade; drei Radunfällc, bei denen Erwerbslosigkeit eintrat, Unterstützungsdauer etwa 15 Wochen. Unterstützungssumme insgesamt etwa 199 M.; sechs Anträge auf Gewährung von Rechtsschutz. Von diesen Rechtsschutzanträgen sind zwei besonders bemerkenswert. Das Mitglied O. wollte eines Sonn- tags im Mai d. F. mit seinem Rade von der Neuen Welt nach der Unionsbrauerei fahren. Da die Straße umgepflastert wurde und daher gesperrt war, so schob O. sein Rad dem Bürgersteig entlang. Ein Schutzmann machte ihn darauf aufmerksam, daß dies nicht zu- lässig sei. Er wurde aber von demselben Schutzmann auch verhindert, auf dem aufgerissenen Straßendamm sein Rad entlang zu schieben. Es folgte eine Auseinandersetzung; der Beamte verlangte die Fahr- karte, aber trotz der Karte mußte O. mit zur Wache. Gegen das Strafmandat war gerichtliche Entscheidung beantragt worden und letzten Sonnabend wurde O. zu 9 Mark Geldstrafe verurteilt, doch ist Berufung gegen dies Urteil eingelegt worden.— Ein andrer Fall liegt folgendermaßen: Das Mitglied K. fuhr durch Charlotten- bürg. Des starken Verkehrs wegen stieg er ab, um sein Rad zu schieben, zufällig geschah dies in der nächsten Nähe eines Schutz- mannes. Der Schutzmann notierte den 43jährigen K. wegen zu schnellen Fahrens; außerdem sollte dieser eine Dame angefahren haben. Von beiden Verbrechen ist K. nichts bekannt. Am 29. d. M. findet gerichtliche Entscheidung statt.— Aus diesen Mitteilungen ersieht wohl jeder Radfahrer, daß es in feinem eignen Interesse liegt, sich dem Bunde„Solidarität" anzuschließen. Die Polizei und dir„FrcundeSliebc". Am Montag wollte der Schriftsteller Adolf Brand in öffentlicher Versammlung das Thema: „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe" erörtern. Dazu kam es zwar nicht, dagegen hatten die Besucher der Versammlung Gelegen- heit zu sehen, wie sich die Polizei zur Besprechung der sogenannten Freundesliebe stellt. Herr Brand begann seinen Vorttag mit allgenieincn Erörterungen über die.Freundesliebe" oder„Lieblings- minne" bei den alten Griechen und Römern. Wenn auch die Dar- legungen des Redners jedem Menschen mit gesundem, natürlichem Liebescmpfinden als absurd erscheinen mußten, so war die Art des Bortrages doch nichts weniger als anstößig. Der Redner war viel- mehr sichtlich bemüht, seine Ausführungen in möglichst ästhettsche Formen zu kleiden. Der Vortragende hatte kaum eine Viertelstunde in dieser Weise gesprochen, da erhob sich der überwachende Polizei- lieutenant und sagte, wenn der Redner in dieser Weise fortfahre, werde er die Versammlung auflösen. Der Vorfitzende der Ver- sammlung bemertte, es liege keiner der im Vereinsgesetz angeführten Auflösungsgründe vor, worauf der Beamte erwiderte, nicht nur das Vereinsgesetz, sondern auch der§ 19 II. 17 des Allgemeinen Landrcchts berechtige ihn zur Auflösung. Herr Brand brach nun seine weiteren Ausführungen ab, um Aeußerungen klassischer Schriftsteller über die sogenannte Freundesliebe vorzutragen. Als er eben mit einem Citat von irgend einem alten Griechen beginnen wollte, löste der Ueberwachende die Versamm- lung auf. Uns scheint zlvar, daß die Oeffentlichkeit dadurch nichts verloren hat, daß ihr die weiteren Ausführungen des Herrn Brand vorent- halten blieben, aber einen Grund zur Vcrsammlungsauflösung vcr- mögen wir, die wir dem Gedankengange des Redners so fern wie nur möglich stehen, nicht zu erkennen. Wenn der Ueber- wachende etwa geglaubt haben sollte, er müsse auf Grund des Allgemeinen Landrechts die Versammlungsbesucher vor sittlichen Gefahren, die aus dem Vortrage entstehen könnten, schützen, so erinnert daS an das Auftreten eines Schutzmanns von der Polizei- lichen Kunstkolonne, der einnial einen Kunsthändler zur Entfernung eines Böcklinschen Bildes aus dem Schaufenster mit_ den Worten aufforderte: Nehmen Sie das Bild fort, wo das Weib drauf ist, welches im Wasser liegt und die Brüste zeigt. Ter Tunnelbau zur Verlängerung der Hochbahn in das Stadt- innere, welcher, wie gemeldet, unter dem vom Leipzigerplatz nach der Voßstraße durchgehenden Grundstücke des Warenhauses Wert- heim ausgeführt wird, schreitet rüstig vorwärts. Eigentlich handelt es sich um zwei getrennte Tunnels, denn die Pfeilerstellung des Neu- baucs erlaubte es nicht, daß ein zweigcleifigcr Tunnel durch das Kellergeschoß geführt werde» konnte. So teilt sich denn der gemein- schaftliche Tunnel vor seinem Eintritt in das Werthcimsche Grundstück in zwei Teile, in einer Länge von 95 Metern laufen beide Tunnels nebeneinander her(in den Zwischenräumen be- finden sich die Fundamente ftir verschiedene Stützmauern� des Warenhauses) und bei ihrem Austritt in die Voßstraße münden beide wieder in einen zweigeleisigen Tunnel aus. Die normale Breite des letzteren beträgt 6,24 Meter. Die Einzeltunnels sind je vier Meter breit; eS niußten aber mit Rücksicht auf den beschränkten Raun, die äußersten Mindestmaße gewählt werden. Da sich in diesen Tunnels ein Schnellverkehr abspielen soll, mußte auch jedwede Kommunikation mit den Wertheimschen Räumen ängstlich vermieden werden. Man findet daher in diesen ringsum ge schlösse neu Tunnelstrecken weder einen Einsteigeschacht noch eine Ventilations« öffnung oder dergleichen. Nach dem von den Aussichtsbehörden genehmigten Bauplane wird die Station den offiziellen Namen Bahnhof„Leipziger Platz" erhalten. Ueber eine dunkle Mädchenhändler-Angelegenheit berichtet eine Korrespondenz: Vor einiger Zeit erhielt eine Dame aus den höchsten Kreisen einen Brief, in welchem ein Fräulein S. mitteilte, daß sie Mädchenhändlern in die Hände gefallen wäre, sich zwar frei gemacht habe, nun aber vollständig mittellos dastehe und nicht einmal Wäsche besitze, da ihr das Reisegepäck von den Mädchenhändlern gestohlen sei. Dieser Brief wurde dem Deutschen Notional-Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels übergeben. Die Nachforschungen nach dem Ver- bleib von Fräulein S. waren zunächst erfolglos. Nach zwei Tagen jedoch erschien das junge Mädchen in dem Bureau des Komitees, Lützowstraße 14, und gab an, daß sie seit zwei Tagen obdachlos sei und im Tiergarten genächtigt habe. Die Angelegenheit war in- zwischen der Kriminalpolizei übergeben worden. Fräulein S. gab nun folgende Schilderung: Sie sei von einem russischen Kaufmann als Erzieherin für dessen 8jährigen Sohn engagiert worden und mit ihrem Chef nach Berlin gefahren. Sie logierten sich in ein Hotel in der Friedrichstraße ein und dort empfing der Russe den Besuch eines Mannes, den er als einen Herrn B. anredete. Durch ver- schiedene Vorgänge sei sie mißtrauisch geworden, und als der Russe sie fragte, ob sie englisch spreche, habe sie, Fräulein S., mit Nein geantwortet, obwohl sie die Sprache gut beherrsche. B. habe dann zu dem Russen in englischer Sprache geäußert, daß er einen guten Fang gemacht habe und wenn er, der Russe, ihrer nicht mehr benötige, wolle B. die Dame mit nach London nehmen. Das von der S. genannte Hotel gilt bei der Kriminalpolizei als verdächtig und die behördlichen Feststellungen ergaben, daß thatsächlich zwei Männer mit der jungen Dame zur bezeichneten Zeit dort geweilt hatten. Den namhaft gemachten B. kannte die Behörde als den Gatten einer gefährlichen Mädchenhändlcrin, die früher Wohnungen in Berlin und London besaß. Jetzt ist die B. nur noch in der englischen Haupt- stadt ansässig, nachdem ihr gemeingefährliches Treiben bei einer Verhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts I zur Sprache gekommen war. Die Polizei-Behörde stellte fest, daß B. thatsächlich in Deutschland geweilt hat und von Berlin nach Köln gefahren war. Dort wurde er ermittelt und festgenommen. Die Nachforschungen nach dem angeblichen Russen blieben jedoch ergebnislos. Der Ver- haftete bestritt mit aller Entschiedenheit, sich irgend wie schuldig gemacht zu haben, behauptete, die S. gar nicht zu kennen, und es ist auch nicht gelungen, den Verdächtigen zu ühcrführcn. Er mußte wieder aus der Hast entlassen werden. Die Polizei-Behörde steht nun neuerdings, obwohl die Angaben der Dame sich bestätigt haben, Fräulein S. auch pekuniären Nutzen während ihres Aufenthaltes in Berlin weder gesucht noch erhalten, der Sache skeptisch gegenüber. Festgestellt ist aber andrerseits, daß der russische Kaufmann wirklich existiert, wenngleich sein Aufenthaltsort nicht zu ermitteln ist. Fräulein S. ist inzwischen, nachdem sie von ihrem in Lütttch an- lässigen wohlhabenden Bruder das erforderliche Geld erhalten, dort- hin abgereist, hat sich aber unter Zurücklassung ihrer Adresse dem National-Komitec auch ferner zur Verfügung gestellt. Wegen der Ermordung der Margarete Koschoreck veranstaltete der Untersuchungsrichter gestern vormittag eine Ortsbesichtiauug. Die Wohnung des Schuhmachermeisters v. Busse und der Sandkeller, in dem man die Leiche fand, wurden dabei noch einmal genau durch- sucht; auch die Verbindungen zwischen Wohnung und Keller kamen in Betracht. Mit Arsenik vergiftete sich die 43 Jahre alte Modistin Olga Paulig aus der Puttkainerstraße 11, die seit Jahren eine Werkstatt für Variötokostümc betrieb und daher i» Artistcnkreisen weit und breit bekannt war. Ihr Geschmack und ihre Geschicklichkeit führten ihr die beste Kundschaft zu. Um so schmerzlicher war es ihr, daß ein rheumatisches Leiden sie mehr und mehr in der Ausübung ihres Berufes hinderte und endlich zwang, das Geschäft zu verkleinern. Nachdem sie schon eine geraume Zeil Morphium gegen ihr Leiden genommen hatte, beauftragte sie gestern nachmittag um 3 Uhr ein Fräulein, das bei ihr wohnte und ihr als Gehilfin zur Seite stand, eine neue kleinere Wohnung zu suchen, und legte sich ins Bett. Die Gehilfin kehrte um 8 Uhr abends zurück. Zugleich kam eine Schrift- stellerin, um Fräulein Paulig zu besuchen. Beide wunderten sich, daß sie noch schlafe, sahen sich nach ihr um und fanden sie tot im Bett liegen. Sie hatte, wie ein Arzt feststellte, ihrem Leben mit Arsenik ein Ende gemacht. — Eine erfolgreiche DicdeSjagd machte in Berlin der Schneider- meister Backhaus aus Spandau. Als er Sonntagabend mit seiner Familie von einem Ausflug heimkehrte, fand er sämtliche Schränke und Behälter erbrochen. Es fehlten mehrere Anzüge sowie Wert- gegenstände; eine eiserne Kassette mit 15 999 M. Wertpapieren war zum Glück den Spitzbuben entgangen. Der Bestohlene vermutete, daß der Thäter ein Schneider gewesen sei, der auf irgend eine Art vorher die Wohnräume kennen gelernt hatte. Er benachrichtigte die Spandauer Polizei und fuhr dann sofort nach Berlin, um hier lvährend der Nacht Schenken und Herbergen aufzusuchen, in denen Schncidergesellen zu verkehren pflegen. Und er hatte wirklich Erfolg. Schon war es heller Morgen geworden, da sah er vor einer Herberge in der Oranienstraße einen Menschen, der einen dem Meister ge- stohlenen Sommerübcrzieher trug. Er ließ den mutmaßlichen Dieb durch einen Schutzmann festnehmen und hatte, wie sich ergab, wirk- lich den gesuchten Einbrecher erwischt. Dieser war noch im Besitz der gestohlenen Wertgegenständc; die geraubten Anzüge hatte er, mit Ausnahme des UeberzieherS, bereits beiseite geschafft. Der Dieb ist ein Schneidergeselle Namen? Schröder aus Aschersleben, der sich eit längerer Zeil ohne feste Wohnung in Berlin und den Vororte» aufhielt. Bon entern Betrüger heimgesucht wurde da? Uhren- und Gold- Warengeschäft von Liebich in der Landsbergerstr. 11. Hier erschien ein Herr, der sich LIlbrccht nauute tmd vorgab, Brauer zu sein, er- stand eine Uhr und ersuchte, ihn: sie in seine Wohnung zusammen mit der quittierten Rechnung zu senden. Bald nachdem der Käufer den Laden Verlasien hatte, fuhr er nochmals in einer Droschke vor und bat den Uhrmacher, ihm 20 M. zu leihen, da er in der Gegend etwas kaufen wolle. Das Geld könne zusammen mit dem Betrage für die Uhr einkassiert werden. L. gab das Geld, muhte aber bald wahr- nehmen, dah er einem Schwindler in die Hände gefalleil war. Denn als er fich abends nach der ihm angegebenen Wohnung begab, um die Uhr abzuliefern, erfuhr er, dah hier ein Mann mit Namen Albrecht niemals gewohnt habe. Der Betriiger ist etwa 1,65 groh, trägt einen schwarzen Rockanzug, blaues Borhemd, weihen Kraget: und schwarzen Schlips. Ter Frevler, der, wie wir in voriger Nummer mitteilten, in letzter Zeit wiederholt die Feuerwehr böswillig durch den Fern- sprecher alarmierte, ist nun erwischt worden. Die von uns gemeldeten Einzelfälle aus der Koch- und Wilhelmstratze, die für ihn gefahrlos verliefen, erweckten in ihm die Lust, den Unfug gleich cn gros zu treiben. So chikanierte er am Montagabend kurz hintereinander die Feuerwehr durch den Fernsprecher von drei verschiedenen Stellen aus und zwar vom Spittelmarkt, von der Spandauer- und der Leipzigerstratze aus. Diesmal wurde er jedoch dingfest gemacht. Er ist Hausdiener und gab bei seiner Vernehmung an, den Unfug lediglich deshalb verübt zu haben, weil ihm die Auffahrt der Feuer- wehr immer grotzes Vergnügen bereite. Jedenfalls wird er nun von dem Gerichte einen derartigen Denkzettel bekommen, dah ihm das Gebimmel der Feuerwehr noch lange in den Ohren nachklingen wird. Allen Fernsprechbesitzern kann aber nur dringend empfohlen werden, bei unbekannten Benutzern ihres Telephons möglichst auf deren Gespräche zu achten. Handelt es sich hierbei um Herbeirufung der Feuerwehr, so wird man unschwer erkennen, ob man einen Schwindler vor sich hat oder nicht. Wer die Feuerwehr rechtmähig herbeiruft, wird schon von selbst deren Ankunft erwarten, um sich die Meldungsprämie zu verdienen, während Leute mit schlechtem Gewissen schleunigst zu verduften suchen. Diese halte man dann einfach fest, bis die Wehr eintrifft. Fcnerbericht. In der Nacht zum Dienstag wurde die Wehr nach der Ecke der Bautzener- und Grohgörschenstrahe gerufen, weil hier auf dem eisenbahnfiskalischen Gelände an der Dresdener Bahn auf einem Kohlenlagerplatz Feuer ausgekommen war. Die Gefahr kotmte leicht beseitigt werden.— Zur selben Zeit ging in der Markusstr. 27a ein Posten Stroh in Flammen auf, während in der Eisenbahnstr. 34 eine Treppe in Brand geraten war.— In der Naunynstr. 45 kam durch Umfallen einer Petroleumlampe in einer Küche Feuer aus, das neben Küchenmöbeln auch den Fußboden beschädigte.— Ein zweiter Küchenbrand beschäftigte, die Wehr später in der Kastanien- Allee 38 kurze Zeit.— Länger gab es auf dem Moabiter Güterbahnhof zu thun. Dort brannte ein größerer Haufen Kohlen.— Gegen abend waren in der Schmidstr. LI in einem Keller ebenfalls Kohlen in Brand geraten, dessen Ablöschung aber in kurzer Zeit erfolgen konnte. — Ein Bauzaun war in der Friedcbergerstr. 7 in Brand gesteckt worden.— Alle übrigen Alarmierungen, die noch in den letzten 24 Stunden einliefen, waren auf„blinden Lärm" zurückzuführen. Das Casiiio-Thcater hat jetzt ebenfalls wieder seine Pforten auf- fiethan. In der Lothringerstrahe sind die schönen Tage dieses Spät- ommers ohne schädigenden Einfluß auf die Kunst. Ist es draußen auch kühler als drinnen, so überwindet die Begeisterung für das Gute, Edle und Schöne doch mit Leichtigkeit an dieser Stätte die Hindernisse, die einem" geregelten Kunstbetrieb entgegenstehen. Das Haus war gestern bis aus den letzten Platz gefüllt und die Begeisterung, wie gesagt, groh. Sie wandte sich zuerst dem Guten zu, das in wahr- hast klassischer Gestalt hervortrat. Ein Festspiel von anerkennenswerter Tendenz,«Die Kunst dem Volke", brachte sowohl Schiller auf die Bühne als auch die Gustel von Blaseivitz und den langen Peter von Itzehoe. Diese beiden werden unter dem Segen des Dichters ein Paar. Herr Wendt gab den Poeten mit Würde und in guter Maske, auch Fräulein Hinzer und Herr Timm spielten ihre Rplle brav. Nachdem so ein Hauch der Klassizität das HanS durchzittert hatte, kam die Begeisterung für das Schöne zu ihrem Recht. Zwei Ver- Wandlungstänzerinnen traten auf, ein bißchen schüchtern zwar, doch von hübscher Gestalt. Ferner eine Soubrette, die auch hübsch und durchaus nicht schüchtern war. der aber ein klein wenig Ssimine zu wünschen wäre. Dann zwei tüchtige Akrobaten mit einem großartigen Pudel und drei Exceutric- Künstler, die eine Schusterjlingen- Pantomime mit vollendeter Fertigkeit anfführtei,. Rauschender Beifall ward wie dem Schiller-Drnma, so auch dem artistischen Zwischenspiel zu teil und übertrug sich ebenfalls auf die Darstellung des Edlen, das in Gestalt der Mutter Gräbcrt in die Erscheinung trat. Mutter Gräbert ist die Heldin eine? Volksstückcs von gleichen: Namen und hat einen Alkoholiker zun: Mann. Dies Mißgeschick beeinträchtigt aber weder ihren Hümor noch ihre schw:egern:üttcrliche HerzenSgütc. Fürwahr, sie ist eine Schwieger- mutier, wie wir sie allen edlen Menschen wünschen, und daher raten wir namentlich dem Teil unsrer Leserinnen, die den Vorsatz haben, einst Schwiegermutter zu werden, sich das Volksstück im Casino- Theater zur Nacheiferung anzusehen. Frat: Ernst spielt die Titelrolle vorzüglich und hat in Herrn Direktor Berg, der ihren ältesten Schwiegersohn darstellt, einen tüchtigen Partner. Bemerkt sei noch, daß das Theater neu dekoriert ist. Zu Gunsten der Arbeiter-Bildmiflsschule Berlin findet heute abend l/z9 Uhr eine Versammlung im großen Saale des GewerkschaftshauscS, Engel-Ufer 15, statt, in welcher Genosse Max Grunwald Vortrag halten wird über„Materialistische GeschichtZauffatsung". Zahlreicher Besuch wird erwartet. Castans Panoptikum hat unter der neuen Direktion des Herrn Don: sich mittet: in den Strudel der Zeitereignisse gestürzt und in der Aera des klugen Hans die kluge Stute Rosa bewogen, einem Rufe nach der Friedrichstrahe zu folgen. Das Tier rechnet, unter- scheidet Farben, kennt die Uhr und den Wert der Spielkarten und präsentiert sich sonst in den Künsten, die ein Monopol der Gricbenoiv- strahe schienen. Worin der Trick besteht, dem das Pferd sich gehör- sam zeigt, sagt der Dresseur Herr Williams natürlich nicht. Immer- hin ist das.Kunststück schon um deswillen interessant, weil es lehrt, daß der kluge HanS koin Aristoteles unter dei: Pferden ist. Wer an Seltsamleiten aus dem Menschengeschlecht Gefalle» findet, kommt bei der Betrachtung des Ricsenehepaares Bölling und der 14 jährigen Zwergin auf seine Rechnung. Musikalische Leistungen, die über den Wert gewöhnlicher Bierkonzcrte weit hinausgehet:, bieten die neapoli» tanischen Sängerinnen, Sänger und Musiker. fliie den Nachbarorten. Treptow. Gegen die Gültigkeit der Wahl unsres Parteigenossen Gramenz zum� Gemeindeverordneten hatte mau von bürgerlicher Seite Protest eingelegt, obgleich die Gemeinde rtretung das Mandat des im März d. I. mit 11 Stimmet: Mehrheit gewählten Gemeinde» verordneten für gültig erklärt hatte. Die Angelegenheit kam gestern vor dem K r e i S a:: s s ch u h zur Verhandlung und diese Körper- schaft erklärte seltsamerweise die Wahl für ungültig. Von den sieben Punktet: des Protestes wurde einer fiir erheblich gehalten und dieser stützt sich auf die Thatsache, dah ein Herr Pösche sieben Forensen-Stimmei: nicht abgeben konnte, weil die Gültigkeit dieser Stimmen als polizeilich nicht beglaubigt vom Wahlvorstand an- gezweifelt wurden. Die Zweifel des Wahlvorstat:des gründeten sich auf den Umstand, daß der erwähnte Herr bei einer früheren Wahl eine Bollmacht mit falscher Unterschrift abgegeben habe. Der Kreis- auSschuh erklärte nun sechs der zurückgewiesenen Vollmachten für gültig; auch wurde in der Urtcilsbcgriindtmg die Möglichkeit als vorliegend angenonnnen, dah infolge des Gedränges bei der Wahl der eine oder andre Wähler verhindert gewesen sei, seine Stimme abzugeben. Wenn dies Urteil auch im hohen Grade anfechtbar ist, so thun die Parteigenossen doch gut, mit aller Kraft sich für die Agitation zur einer Neuwahl zu rüsten. Der Fall, daß dem Eigendünkel der Gnindbesitzer einmal ein Dämpfer aufgesetzt wurde, hat sich in E i ch w a l d e ereignet. Dort sollte ein Gemeindevorsteher gewählt werden. Die Grundbesitzer des Ortes forderten die Gemeindevertreter durch eine Resolution auf, ihre Stimme nur dem Schöffen L.,„dem alleinigen Kandidaten" zu geben, der natürlich ein Vertrauensmann der Grundbesitzer ist. Um dieser Resolution mehr Nachdruck zu verleihen, wurde sie auch dem Landrat übermittelt. Bei der Wahl wurde trotz dieser Bemühungen ein andrer, der Rcchmmgsrat a. D. Bcscherner gewählt, während auf den von den Grundbesitzern empfohlenen Kandidaten nur zwei Stimmen fielen. Das war die Antwort der Gemeindevertreter, aber auch der Landrat hat den Petenten einen Bescheid erteilt, von dem sie kaum sehr erbaut sein dürsten. Es heißt darin u. a.:„Ich will nicht darauf verzichten, meiner Befriedigung Ausdruck zu geben, dah die Gemeindevertretung in ihrer erdrückenden Mehrheit aus Männern besteht, die im Bewußtsein eigner Verantwortlichkeit das thun, was sie für recht halten, und sich hierin, wie allerdings auch das Gesetz es von ihnen erwartet, nicht durch Aufträge oder Ersuchen a u h e n- stehender Unberufener beeinflussen lassen." Der Landrat befindet sich hier gewiffermahen im Widerspruch mit dem Geist des Gesetzes. Die Landgemeinde- Ordnung ist mehr noch als die Städte-Ordnung darauf angelegt, den Grundbesitzern, und zwar den reicheren Grundbesitzern die uttumschränkte Allein- Herrschaft in der Gemeinde zu sichern. Aus diesem Grunde ist es am Ende formell ungeschickt, aber aus den thatsächlichen durch das Gesetz festgelegten Verhältnissen heraus durchaus begreiflich, wenn die Organisatton der Grundbesitzer der Gemeindevertretting Befehle erteilt. In Eichwalde mögen irgendwelche abnormen Zustände herrschen, die zwischen Grundbesitzer-Organisatton und Ge- mcindevcrtretting Mhhelligkeitei: herbeigeführt haben. In: allge- meinen aber ist es unter preuhischen Zuständen schon durch die Zu- sammeusetzung der Gemeindevertreter bedingt, dah diese sich als ausführendes Organ für die Hausbesitzerwünlche betrachtet. Der Regierungs-Baumeister Herr A. Stapf, Lützowstr. 62, schreibt uns: In Nr. 204 Ihres Blattes ist unter„AuS den Nachbarorten" aus Schmargendorf der Bericht enthalten, dah die im neuen Schulhaus verwendeten„Kleinschen Decken" einzustürzen drohen. Da hierunter zweifellos die ausschließlich durch mich auszuführenden „Kleineschen Decken" verstanden werden sollen, so sehe ich mich ber- anlaßt, um eine Berichtigung zu ersuchen auf Grund nachstehenden Thatbefundes. In dem 1902 erbauten Schulhause sind nicht die durch Eiseneinlagen gesicherten Kleinesckten Decken, sondern gewöhn-' liche ebene Formsteinplatten ohne Eiseneinlagen in unzulässig großen Spannweiten ausgeführt. Im übrigen ist der Bericht Ihres Blattes völlig zutreffend. Aus der Schönebcrger Stadtverordneten-Bersainmlnng. Die erste Sitzung nach den Ferien enthielt nur eine wenig belanglose Tages- ordtiung— wenigstens ivas den öffentlichen Teil anbelangte.— Zunächst wählte die Versammlung zum Vertreter auf dem Branden- burgischen Städtetagc in Kottbus den Herrn Stadtverordneten- Vorsteher Heyne. Den Magistrat vertritt daselbst Ober- bürgormeister Wilde.— Eine regere Debatte entspann sich bei der Vorlage über die Neuberpachtung des Anschlag- Wesens. Der mit dem bisherigen Unternehmer Kühn im Jahre 1900 abgeschlossene Vertrag läuft im nächsten Frühjahr ab. Im dies- jährigen Etat figuriert das Anschlagwesen m:t 7500 M. Einnahme aus den: Pachtvertrage. Von den socialdemokratischen Stadtverordneten B ä u m I e r und Genossen wurde die Uebern ahme des An- schlagwesens in eigne Regie zum 1. April 1905 beantragt. Der Antrag stieß natürstch bei der bürgerlichen Mehrheit auf all- gemeinen Widerspruch, wie es ja bekannt ist, daß die Herren stets, ivenn es sich um Arbeiten handelt, die in kommunalen Betrieb genommen werden können, auf entgegengesetztem Standpunkt stehen. Genosse Bäum ler führte begründend auS, daß schon viele deutsche Konmmnen eine Anzahl ähnlicher Jnstitutivnei: in eigne Regie ge- nommen hätten. Die Gemeinde habe in Sachen der Gasanstalt, der Straßenbahn und andrer Zweige den güisttigen Zeitpunkt ver- streichet: lassen und Privatgesellschaften einet: Vorteil überlassen, den sie im eignen Interesse wohl verwenden könnte. Gegen unsre fünf Stimmen wurde der obige Aittrag abgelehnt und die Neuausschreibung uister Zugrundelegung der Bedingungen vom 21. Juni d.J. beschlossen.— Eine wichsige Angelegenheit ist wieder durch das Dazwischentreten Interessierter zum Stillstand gekommen. Es handelt sich um die Regulierung der Schöneberg-Tempelhofer Ver- b i n d u n g s st r a ß e. Nachdem die Arbeitet: daselbst in Angriff genommen waren, erhob der Besitzer des südlich des Bahn- Hofs Papestraße gelegenen GmndstückS Einspruch. weil die Straße vorläufig nicht in voller Breite angelegt werde, andrerseits aber erklärte sich der Gemeindekit chenrat nicht bereit, das vom Pfarracker zum Tempelhofer Wege fallende Gelände zur Regulierung der Straße fteiztilegen. Die ki/chlichen Körperschaften verlangten sogar eine vollständige Nettderung de? Bebatningsplanes und hiermit einen Verzicht auf den im Plane vorgesehenen Platz A.— Diese die Oeffentlichkeit gewiß intcressiereitde Angelegenheit wurde auf Beschluß — nichtöffentlich verhandelt. In der Krankenhaus-Angelcgenheit haben die social- demokratischen Stadtverordneten an den Magistrat das Ersuchen gerichtet,„der Stadtverordneten-Versammlung mitzuteilen, ob der Tcriktin zur Fertigstellung des Krankenhauses wieder hinausgeschoben ist und was für Gründe dafür maßgebend gewesen find." Die An- stalt sollte am 1. April 1905 der Benutzung übergeben werden, nachdem immer wieder Verzögerungen in der Fertigstellung des Baues eingetreten waren. Eine weitere Hinausschiebung des Termins dürfte jedenfalls in der Bürgerschaft eittige Beunruhigung hervorrufen. Schöneberg. Die diesjährigen Wählerlisten sind nur in 830 Fällen eingesehen worden; davon entfallen 9 auf die erste, 7 auf die zweite und 314 auf die dritte Abteilung. Einsprüche gegen die Richsigkeit sind überhaupt nicht erhoben worden, was natürlich für die unbedingte Vollkommenheit keine Gewähr bietet. Da un- gefähr 16 000 Wähler der dritten Klasse vorhanden sind, so ist der Prozentsatz, der die Eintragung nachgesehenen Personen ein sehr ge- ringer, was wohl darauf zmNckzufvhren sein dürfte, daß in diesem Jahre keine definitiven Neuwahlen stattfinden. Nen-Weißciisec. In der Atnalienstraße 7 wohnt im Keller der Arbeiter Sommerfeld, welcher verheiratet und Vater eines Sohnes und einer Tochter ist. Seit ca. sechs Wochen bemerkten Nachbarn, wie die neunjährige Tochter täglich iviinmerte. als wenn sie schwer gestraft würde uiid regelmäßig befand sich dam: der ältere Knabe auf der Straße. Am Sotnmbendvormittag gingen Nachbart: dem Gewimmer nach und überraschten den Vater, wie er sich an seiner eignen Tochter in der immenschlichstet: Weise verging. Auf Anzeige bei der hiesigen Kriminalpolizei wurde S. dann an: Nachmittag ver- bafter. S. hat sein Verbrechen bereits eingestanden. Charlottcninrg. B a u u n f a l l. Auf dem Köteschen Neubau in dem Gebäudekomplex zwischen Mommsen- und WilmerSdorferstraße ist gestern nachmittag der Maurerpolier Buller dadurch tödlich verunglückt, daß ihm ein Stück Absallholz, welches von einem der dort thätigen Zimmerer vom Giebel hinabgeworsen wurde, auf den Kopf fiel. Der Verunglückte, dessen Familie in Pritzke wohnt, erlitt einen Schädelbruch und verstarb noch während des Transports nach dem Krankenhause. Wilmersdorf. B a u u n f a l l. Auf dem Neubau Motzftr. 37 stürzte gestern nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr der Einsetzer Max Jakob, Schöneberg, Kaiser Friedrichstraße wohnhaft, beim Hoch- ziehen von Erkerfenstern fünf Etagen vom Treppenhause ab, und blieb mit gebrochenen Gliedmaßen tot liegen. Die Leiche wurde nach der Wilmersdorfer Leichenhalle gebracht. Kurz darauf erschien die Frau mit ihrem ungefähr 6 Jahre alten Sohne, um Kaffee zu bringen. Es entspannen sich geradezu herzzerreißende Seenen. Granaten auf den Backöfen? In größter Gefahr schwebte bei dem Brande der Kriegsbäckerci in Spandau, wie die„Spandauer Korrespondenz" meldet, die Citadelle von Spandau mit sämtlichen Bewohnern und Baulichkeiten infolge des UmstandeS, daß in den Räumen über den Backöfen eine bedeutende Menge Munition lagerte. Wäre diese entzündet worden, dann würde, da in der Citadelle noch weitere Mengen Munition und Pulver lagern, eine Katastrophe von unabsehbaren: Umfange eingetreten sein.— Diese Meldung ist am Ende doch anzuzweifeln, da auch in Spandan die Militärverwaltung für die Aufbewahrung von Granaten einen geeigneteren Ort als ausgerechnet die Nachbarschaft des Backofens aussuchen wird.__ Deutscher Arbeiter-Nbstinenten-Bund, Ortsgruppe Berlin. Mitt- woch, den 7. d. M., abends 8'/, Uhr, im„Englischen Garten", Alexander- siraße 27 c: Mitglieder-Versammlimg. Landsmannschaft der Tchleswig-Holsteiner. Mittwoch, den 7. Sept., abends 8llt Uhr: Versammlung in Feuersteins Festsälen, Alte Jakobftr. 75. Landsleute, Damen und Herren, sind willkommen. Tanibourvcreiii„Wirbel" 1889. UebungSsiunde jeden Mittwochabend 8'!, Uhr bei Martin, Jostdstr. 8. Achtnng, Lagerhalter! Die Versammlung findet am Mittwoch, den 7. September cr., nicht im Gcwerkschaftshause, sondern im Dresden er Garten, D r e s d e n e r st r. 45, statt. Niedcr-Schöncweide. Am Mittwochabend 8 Uhr findet im Restaurant Sasselwerder eine Volksversammlung statt, in welcher Neichstags- Abgeordneter Fritz Z u b e i I referieren wird. Singegangene Druckschriften. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arvelterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 19 deS 14. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Zur Frauenkonferenz in Bremen.— Bericht der Vertrauensperson der Ge« nossinnen Deutschlands von Anfang August 1993 bis Ende Juki 1904.— Der Internationale Kongreß.— Muß Sttase sein? Bon Julian Borchardt, Königsberg i. Pr. IV.— AuS der Bewegung.— Feuilleton: Gestorbenes Künstlerleben. Von Lu Märten-Eharlottenbmg.(Fortsetzung.)— Notizenteil: Gewerkschaftliche Arbeiterinnen-Organisation.— Die Gleichberechtigung der Frauen in der Socialdemokratie.— Verschiedenes. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 19 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Ps. „Dem Bremer Parteitag" widmet der„Wahre Jakob" in seiner soeben erschienenen Nummer ein herzliches Willkommen. Mit dem ernsten Pathos des Leitgedichts kontrastiert die unter dem Titel„Bremen" gebotene Plauderei, in welcher in neckischem Tone die Reize Bremens und Umgegend geschildert und den Delegiertet: zum Parteitag nützliche Winke erteilt werden. Von großem Interesse ist sodann die Wiedergabe einer photagraphischen Ausnahme des Internationalen Soeialisteulongresses in Amsterdam, die unter dem Titel„Der KriegSrat des internationalen Soeialismus" als ganzseitiges Bild geboten wird. Von den beiden sarbigen Bildern behandelt das vordere die Gefährdung des Reichstags-Wahlrechts durch die Meute der Reaktion, während das Hintere Bild„Klein-Japan als Kulwrförderer", d. h. als Bezwinger des Zarismus darstellt. Von weiteren Illustrationen nennen wir:„Der moderne San Sebastian",„Der Zarewitsch als Heer- sührer",„Vom modernen Olymp",„Spitzen und Spitzel",„Aus dem Wege nach Sibirien" mit dazugehörigem Gedicht von Klara Müller,„Aus Kniff« Knifflingen",„Generallieutenant z. D. v. Liebert",„Trockenwohner" und „Eine preußische Kontraktbruch-Geschichte". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Weißt du, wieviel...?",„Russische Sympathien",„Die Freiheit",„Väterchen und sein Sproß",„Nun muß sich alles, alles wenden" und außer zahlreichen Neineren Beiträgen in Poefie und Prosa«och die größeren Feuilletons„Ich bin ein Preuße",„Die Flucht vor der Oeffent- lichkeit",„v. Arnim Schnoddcrheim an v. Below-Plenenburg",„Uebermut", „Das Geschäft bringt's mal so mit sich" und„Das Wunderpserd". Der Preis der Nummer, die diesmal 14 Seiten umsaßt, ist 19 Pfennig. Ans einer kleinen Residenz. Novellen, Skizzen und Spitzen des „Oldenburger Residenzboten". Preis 4 M. Zürich 1994. Verlag von Eaesar Schmidt. Dr. I. Landmann. Die Arveiterschutz- Gesetzgebung der Schweiz. Preis drosch. 7,29 M. Basel 1994. Verlag von Helbing u. Lichtenhahn. Jahresbericht der Arbeiter- Union Zürich für das Jahr 1993. 97 Seiten. Zürich 1994. Buchdruckerei des Schweiz. Grütlivereins. Heinr. Lüdcmann. Die Germanifch-Katholische Kirche.- 192 Seiten. Wilhelmshaven 1994. Sewstverlag des Urhebers. AuZliesenmg durch Otto Weber, Leipzig, Salomonstt. 6. F. v. Bodelschwingh, Pastor. Wer Hilst mit? Ein Wort zur Reorganisation der Berliner Asyle. Preis 59 Pf. Berlin 1994. Verlag Aug. Scherl, G. m. b. H. Ein Millionen-Prozeh. Rückblick aus den Moöt-Söhnlein-Prozeß. An der Hand der Prozeßakten von Richard Eichstedt. Druck und Verlag der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart. Preis 59 Ps. Dr. Hugo Böttger, M. d. R. Die preußische Volksschule kein Kompromiß- Gegenstand I Preis 99 Pf. Berlin 1994. Georg Reimer, Lützowstr. 197/8._ ßricfkaftcn der Redaktion. �urCftikdttr Ceil. Tie juristische Threchstiinde findet täglich mit Ausnahme dos Sonnabeuds von 7'!> bis O1/, Uhr abends statt. Geöffnet:? Uhr. K. W. 8. Maßgebend ist die Schreibweise in den standesamtlichen Urkunden. Wünschen Sie eine Berichtigung aus polizeilichen Schriststücken, so genügt ein Antrag unter Beifügung der Geburtsurkunde.— F. D., Groh-Lichtcrfclde. Ja.— K. Dt. 1000. Da Sie Mitglied der Haus- Haltung Ihrer Familie sind, so können Sie ohne Ihre Zustimmung ins- besondere dann dem Krankenhaus überwiesen werden, wenn die Art Ihrer Krankheit Anjorderungei: an die Behandlung oder Verpflegung stellt, welchen in Ihrer Familie nicht genügt werden kann. In Ihrem Kasseustatttt finden Sie die Falle aufgesuhrr, in deren Krankenhansbchandlung zulässig ist.— Reinigung. Ihre Frau kann beim Amtsgericht auf Zahlung tlagen.— R. F. 25. Der Verschollene erbt mit. sne können den aus ihn ettt« fallenden Teil hinterlegen, falls sonst leine Einigung über die Wahrung der Rechte des verschollenen Bruders zu stände kommt.— Kuno. 1. Ja. 2.§ 57 KranlenversicherungS-Gesetz.— M C. 1. Ja.— S. 222. Nein. — A. P. H. 1. Solange Sie nicht eine gerichtliche Ermächtigung erwirkt haben, getrennt zu wohnen, würden Sie ein Recht aus Unterhalt außerhalb der Ehetvohnimg nicht haben. Die seitens Ihres Mannes gemachte Aeuße- rung würde, auch wenn sie nachweisbar wäre, schwerlich als Zustimmung zu einer Trennung erachtet werden. 2. Fall" nicht auch über die Kinder- erziehung ein Gerichtsbeschluß zu Ihren Gunsten ergeht, würde das Er- ziehungSrecht dem Manne verbleiben. 3. Elwa 75 M.— Karlshorst I. Sind nach Ihren: Vertrag Ihnen die Räume als Wohnräume vermietet (ob das der Fall, ergieb: Ihre Anfrage nicht) und find sie nach Polizei- Verfügung zum Bewohnen von Menschen unbrauchbar, so sind Sie berechtigt, von: Vertrage zurückzutreten und Schadensersatz zu verlangen.— W. P. 123. Ihnen stehen nicht mehr Rechte als Fremden rücksichtlich der Er- ziehung Ihrer Enkel zu. Erachten Sie das körperliche oder geistige Wohl gefährdet, so können Sie sich nur an daS VonnundschastSgericht wenden. —.*. W. 6. 1. Denn Jbr Baier in den Jahren 1868 bis 189t eine seit 1SSI versicherungspflichtige Beschäftigung batte oder für ihn 189t bis 1899 mindestens 299 Market: geklebt sind, so bat er Anspruch aus Altersrente, wenn mindestens 531 Market: für ihn geklebt sind, vorausgesetzt ist hierbei, daß Ihr Vater eine seit 1391 versicherungspflichtige Beschäjtigung hatte. War er Hausgewerbetreibender der Taoakindustrie, so müssen Sie in der oben erteilten Antwort statt 1883 bis 1391: 4. Januar 1889 bis 4. Januar 1392, und statt 1891 bis 1399: vom 4. Januar 1892 bis 4. Januar 1897 sagen. War er Hausgewerbetretbettder der Textilindustrie, so ist statt 1888 bis 1891: 2. Juli 1891 bis 2. Juli 1394 und statt 189t bis 180S: 2. Juli 4894 bis 2. Juli 1899 zu setzen. 2. Jnvalidemente hat zu beanspruchen, wer Invalide im Sinne deS Jtivalideii-Vcrsicherungsgesetzes ist und mindestens 299 Klebemarken auszuweisen hat. 3. ES kam: stets nur eine Marke sür eine WochOgeNebt werden. 4. Inwieweit neben der Alters- eine Jminliden- rente zu zahlen ist und umgekehrt, richtet sich nach der Höhe der Beitrags- marken und der Rente. Es ließe sich die Sache Ihres Vaters besser fördern, wenn Sie stait allgemeiner Angaben genau detailliert angäben: Wieviel Marken sind geklebt? Welche Klasse? Von welcher Behörde ist ein Bescheid ergangen? Welchen Inhalts? Wann?— O.E.Ja.— A.Z.Nein. — I. Dch., Neu-Wcifieufee. 1. Zwischen dem 3. und 19. Oktober. 2. Unaufgefordert. 3. Ja, Sie müssen aber eine andre Konsession de- stimmen. 4. Erklärung dem Rektor gegenüber. 5. Liebknecht, auch Braun. 9. Die Höhe hängt von Vereinbarungen mit der Krankenkasse und In- validenvcrsicherungsanstalt ab. 7. Nein. 8. Der gesamte Siiuatiotisplan ist, freilich früher als in andren Zeitungen, gebracht.— 91. C., Rixdorf. Sie können mit Aussicht aus Erfolg beim Gewerbegericht Nagen. Haben Sie einen MonaiSgehalt von 115 M., so beträgt ein sür sechs Tage des Juli vereinbarter Abzug entweder'l3l mal 115, oder•/,, mal 115, also 22'/, «der 24'/, M.— M. B. 411. Der Wirt ist im Recht, da dle Vertrags» Vereinbarung ihm das Slteichenlaflen ohne Entschädigung gestaltet.— R. 3t. 390. Bis am 15. zun: Ersten.— C. B. Ein Testament könnte seitens Jbrer Tante jederzeit widerrufen werden. Es scheint kein Testament, sondern ein Lelbgedinge-Vertrag vorzuliegen. Dieser würde zur Klage aus Leistung deS Vorenthaltenen und Sicherstellung für die zukünstigen Leistungen unter de» obwaltenden Umständet: berechtigen.— Pankow 49. Sie sind nicht im Recht. Sie können erst zum l. Januar ziehen, müssen die Kündigung spätestens am 3. Oktober dem Wirt mitteilen, können es aber fchon früher thuu. SPJTTELMARKT 16/17 BELLE ALLIANCE-STRASSE 1/2 GROSSE FRANKFURTER STRASSE 113 Ecke Leipziger Straese Am BlUcherolatz Ecke Andreae-Strasea Von Mittwoch d. 7. September bis Sonnabend d. 10. September so lange der Vorrat reicht LOUISIANATUCH 30, 38, 42, 48 Pf. LOUISIANATUCH Meter 68, 78 Pf. KissenbreUe Deckbettbreito dimiti 55, 65 pf. 85, 98 pf. BETT-DAMAST 75, 95 Pf 1'� LAKEN-DOWLAS Mefer 55, 75, 85 Pf. LAKEN-HALBLEINEN Meter 75, 85, 95 Pf. HEMDENTUCH Meter 28, 35, 42, 43 Pf. Vaschetnch Marke„Edelweiss" besonders geeignet fUr Leibwäsche. 590 M. Coupon ca. 20 Meter.. 11�? Piqu6-BarchendMtr.42,55,65pf. KÜCHEN-HANDTÜCHER.,DatIM4 1« 19M0 23MB küchen-handtücherwä18mb 2«. 27m5. STUBEN-HANDTÜCHER«i. Dutzend l7«5 21?. 3� WISCHTÜCHER otz. 98, l2*5, 16m0, Ii? STAUBTÜCHER ROLLTÜCHER TISCHTÜCHER Vi otz. 55, 75, 95 pf. stock 55, 75, 95, IS stock 85, 93, IS, Ii? Schweizer Stickereien 42, 58, 88 rt. II£in festen£ischläu|er mit ä jour 68 pf. EEl DAMEN-HEMDEN, Hemdentnch oder DooliUnitnch, Priesenfona oder Acbselaohlnes Ii? 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Bcrlagkanstalt Paul Singer L- Co., Berlin LV�.A Dr. 210. 21. Jahrgang. 2. Iriltp des Jörn W Wim MM Mitwach, 7. September IM. ?Zus Industrie und Handel Rotstandstarif für Futtermittel. Wie der Berliner Handelskammer mitgeteilt wird, erfahren die Anwendungs- bedingungen des nach dem Notstandsgebiet eingeführten Aus- nahmetarifs für Futtermittel in nächster Zeit eine Aenderung, die geeignet ist, die vom Handelsstande gegen die Be- stimmungen dieses Tarifes erhobenen Beschwerden zum Teil zu beseitigen. Nach den bisherigen Vorschriften wurden die ermäßigten Tarifsätze nur für die den Landwirten direkt zugeführtcn Sendungen ohne weiteres berechnet, während der Haudel umständliche Nachweise und Bescheinigungen beibringen muhte, wenn er in den Genutz des Ausnahmetarifes gelangen wollte. Der Minister hat nunmehr an- geordnet, daß für den Fall, wo der Empfänger die Ware an einen oder mehrere Verbraucher abgegeben hat, die Erstattung des Unter- schiedes zwischen der gewöhnlichen und der ermäßigten Fracht nach- träglich auf Antrag erfolgt, wenn der Empfänger folgende Erklärung abgiebt: „Ich erkläre hiermit auf Pflicht und Gewissen, daß die in dem Monat..... für mich auf dem Bahnhof..... eintz getroffenen, an mich ausgelieferten und in der nachfolgenden Empfangsnachweisung aufgeführten Güter in den daselbst bezeichneten Mengen an die nachstehend benannten Landwirte oder landwirt- schaftlichen Verwaltungen im Notstandsbezirke zum Verbrauch im eignen landwirtschaftlichen Betriebe abgegeben worden sind." Dem Antrag ist der Originalfrachtbrief beizufügen. Die vom Empfänger selbst aufzustellende EmpfangSnachwcisung mutz die Bc- Zeichnung der Sendung nach Tag des Eingangs, Inhalt, Versand- station und Gewicht sowie die an die einzelnen Verbraucher ab- gegebene Menge nebst Namen der Verbraucher enthalten. Profite der Stahlindustrie. Der Stahlwcrksverband, der von den Vertretern der Großindustrie als Rettungsanker der Stahlindustrie angepriesen wird, erweist sich immer mehr als Vernichter derjenigen Iluternehmungen, deren Eristenz er angeblich sichern soll. Kaum war die Gründung perfekt, so mutzten diejenigen, denen auf ihre Klagen über die schädliche Wirkung der Praktiken des Halbzeug- Verbandes immer wieder das Allheilmittel eines uinfassenden Stahlverbandes angepriesen worden war, erfahren, daß es jetzt erst recht mit ihrer Eristenzfähigkeit vorbei war. Der Verband begünstigt die Ausdehnung kombinierter Werke, drängt auf Ver- schmelzung verschiedener Betriebe zu einem Unternehmen und schaltet die reinen Werke aus. In der Generalversammlung des Hasper Eisen- und Stahlwerks führte z. B. Direktor Klöckner aus. daß der Stahlwerksverband für daS Unternehmen zweifellos von Vorteil sei, aber die Festsetzung der Beteiligungsziffer habe doch zunächst die ungünstige Wirkung einer Erhöhung der Selbst- kosten, da bei der zugestandenen Quote die Leistungs« fähigkeit des Werkes nicht voll ausgenützt werden könne. Die Gesamtlage des Unternehmens gestatte jedoch für den Ausfall einen genügenden Ausgleich zu finden durch eigne Beschaffung der Rohmaterialien und durch eine erweiterte Aufnahme der Fertig- Produktion, kurzum, durch die Umgestaltung des Werkes zu einem regelrechten kombinierten Betriebe, mit kontinuierlichem Produktionsprozeß. Die Anlage eigner Hochöfen erbringt nach den von ihm vorgelegten Berechnungen eine Verzinsung des Anlage- kapitals von 1b Proz. Der Gewinn wird erzielt durch Frachtkosten- Ersparnis, geringeren Coaksverbrauch und Ausnutzung der Hochofengase. Daß die reinen Halbzeugwerke und die Fertigmdustrie, die' mit solchen Ersparnissen nich: rechnen können, durch die Konkurrenz der kombinierten Werke schließlich erdrückt werden, liegt auf der Hand. Einige interessante Angaben machte dann Herr Klöckner noch über die bisherige Entwicklung des Werkes in de» letzte» zehn Jahren. In dieser Zeit sind S'/. Millionen Mark für Neu-Anlagen verbraucht, und von dieser Summe rund vier Millionen Mark aus den Betriebsgewinnen entnommen. Die Produktion pro Kopf der Arbeiter stieg in der angegebenen Periode um 43 Prozent. Der Umschlag pro Kopf der Beschäftigten stieg um 44 Prozent; die Zahl der Arbeiter von 629 auf 1090. Wenn nun auch eine Lohnsteigerung uin 22>/, Prozent angegeben wird, so geht doch aus den mitgeteilten Zahlen deutlich hervor, daß die auf den Kopf der Arbeiter herausgewirtschaftete Gewinnquote ständig gestiegen ist. Das Münchener Brauereigewcrbe. Der Bicrabsatz der Münchencr Brauereien hat sich im letzten Geschäftsjahr nicht vermehrt, sondern eher einen geringen Rückgang erfahren. Nach einer Zusammen- stellung der„Allg. Ztg." haben die 23 Brauereien Münchens in 1993/04 insgesamt nur 1 318 Sb4 Hektoliter Malz verbraucht gegen 1 3S6 438 Hektoliter, 1 445 144 und 1 545 438 Hektoliter in den drei letztvorausgegangenen Jahren. Verläßlichen Mitteilungen zufolge hat aber, wie das Blatt hinzufügt, die in den Münchener Brauereien verwendete Gerste größere Ausbeute als im Vorjahre geliefert, sodatz die Biererzeugung kaum hinter der vorjährigen zurückgeblieben sein dürfte. Aber auch das wäre, verglichen mit dem Mehrabsatz, den die Brauerei-Jndustrie im ganzen infolge der dem Bierverbrauch günstigen Witterungsverhältnisse im abgelaufenen Jahre sicher zu verzeichnen hatte, an sich kein gutes Resultat. Der Export Münchencr Biere war größer als im Vorjahr, der Konsum in München selbst kleiner. Der schon einige Jahre andauernde Verbrauchsrückgang in München wird zu großem Teil auf die dort betriebene Anti-Alkohol- bewegung zurückgeführt. Der Ausfall verteilt sich auf fast alle Be- triebe, große wie kleine. Den größten Malzversud hatten: Löwen- bräu 232 769(1902/03: 237 646, 1901/02; 251238) Hektoliter, Spatenbräu 163 468(165 376, 177 508) Hektoliter, Lcistbräu 134 250 (142180, 157 025) Hektoliter, Augustinerbräu 114 530(125 754, 147 295) Hektoliter, Pschorrbräu 100 272(105 701, 112 105) Hekto- Itter, Bürgerbräu 89 895( 91 254, 92 963) Hektoliter, Hackerbräu 64 878( 68 804, 69 450) Hektoliter. Fette Dividende. Die Bleistift-Fabrik vorm. Johann F a b e r. Aktiengesellschaft in Nürnberg, erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Rohgewinn von 768 919 M.vollenl 3wolkcnl 2»volkenl swolkcnl 1 heiter ** S II E'i m a 14 13 14 14 10 14 Stationen Cork Merdeen Paris vi st -i� K». L? ee k> 9 13 14 13 ____ für Mittwoch, de« 7. September IVOS., Vorwiegend heiter, flocken und am Tage wann bei ziemlich lehbaftm südöstlichen Winden. Aiir den Inhalt der Inserate »ibernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Berantwortung. Zhcatcr. Mittwoch, 7. September. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Der Barbier von Sevilla. Deutsches. Ladh WindermereS Fächer. Berliner. Zapfenstreich. Lessing. Der Richter von Zalamea. Westen. Die Fledermaus. Anfang 3 Uhr: Schiller O.(Wallner» Theater.) DaS HeiratSnest. Schiller Jf.(Friedrich Wilhelm- ftädtischeS Theater). Johannis- feuer. Eeutral. Tannhäuscr-Parodie. NeueS. Kabale und Liebe. Kleines. Nachtasyl. Residenz. Eine HochzeitSnacht. Trianon. Ihr zweiter Mann. Metropol. Ein tolles Jahr. Belle-Zllliance. Charleys Tante. Luisen. Das Kätchcn von Heil- bronn. Deutsche Volksbühne. Aennchen von Tharau. Deutsch'Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Apollo. Venns auf Erden mit tanS, das denkende Pferd. pccialitSten. Herrnfeld-Dheater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallen. Stettin er Sänger. Passage-Dheater. Dida. Speciali- täten. Anfang 5 Uhr. ttrania. Danbenstraste 48/4». Um 8 Uhr in: Theater: Die Welt- ausstellung in St. LouiS. Hierauf: Der Gardafee. Jnvalidenstrahe 57/62. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. km Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe Ansang 8 Uhr. Morgen: Salome. Oer Kammersänger. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl, Anfang 8 Uhr. Morgen: l�i-tl»»!«!!» Julie. Centrai-Theater Anfang 8 Uhr. Ende 101/, Uhr: Erster grofier Erlolg In dieser Saison. Tannhänser oder: Der Burles von Joh. Nestroy und Karl Binder. Morgen und folgende Tage: An- fang 3 Uhr: Dannhäuscr-Parodie. Freitag: Der Bogelhändler. ler: Der Dängerkrieg. lesque-Operette in 4 Arten h. Nestroy und Karl Bindl Belle-Alliance-Theater. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr: Guido Thlelseher als Charleys Tante. Im 3. Akt Bersna Bradsky mit neuen Chansons. Donnerstag zum erstenmal: Ble Dame vonTreuville. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Sonntag zum letztenmal: Charleys Dante._ Luisen-Theater. WendS 8 Uhr: Das Käthlhen von Heitbronn Donnerstag zum erstenmal: Der Goldbauer. Freitag: Der Goldbauer. Sonnabend: Von Stufe zu Stufe. Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Eine Hochzeitsuacht. (llno Xuiti de Noces.) Schwank in 3 Akten von H. Ksroul mid A. Barre. geutzeh-AmsrilratuZcheZ Theater. Köpenickerstr. 67. r711m Heute abend 8 Uhr! Gastspiel Adolf Philipp. Ueber'n GROSSEN TEICH 325. Male; Sanssouci. Kottbufer Thor— Stat. der Hochbahn «eute Mittwoch: aurer m Berllü. Volksstück m. Ges. v. Pohl. Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: Hotftnstiiis _ u. Tanaikrftnjschen. Jeden Dienstag und Mittwoch: W Theater-Abend. DBA Die in voriger Saison ausgegebenen �Borzugskarten habm GültiAeit. vrsnis. laubenstr. 48/48. lim 8 Uhr im Theater: Die Musstelluiig In St. Louis. Hierauf: Der Gardasee. Sternwarte llPvaÄ: ANOPTICUM. _ Friedrichstr. 165. Rosa das gelehrte Pferd! Täglich nachmittags ab 4 Uhr: Di'oües Militär-Doppelkonzert. Gastspiel der Kapelle der Matrosen- Artillerie aus Cuxhaven unter Leitung des kaiserl.Musikdir. Stolle. Eintritt l M.. ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. In der Arena: Der See-llletant bis 8 Uhr abends(B. elektr. Licht). Samasani. GrOsnter u. elegantester Zelt-Clrhns Unropas. Die rrosse Bucharische Gaukler-Karawane. Hänschcn, das kluge Pferd. I.Berliner Saison! Norimzeige! Hierdurch die ergebene Mit- teilung, dah am Sonuabend, W. September, abends 7� Uhr, die Srdffnuiigs- Vorstellung stattfindet. PRnCPh königl. freust. . DUStU, Kommifsionsrat. Preise der Plätze: Logensitz 5 M., Parkett 3 M., Balkon 2 M., l. Platz 1,50 M., II. Platz 1 M.. Galerie 50 Pf. An Wochentagen zahlen Kinder: Logensitz 3 M., Sperrsitz 2 M., Balkon 1�0 M.. L Platz 1 M., H. Platz 0,60 M. Militär vom Feldwebel abwärts zahlen an Wochentagen: Balkon 1,50 M.. I.Platz IM.. II. Platz 60 Pf., Galerie 30 Pf. IM- Billets im Vorverkauf find täglich an der Eirkuskasse, sowie im Jnvalidendank Unter den Linden 24 und in der Billet-Wteilung des Waren. Hauses A. Wertheim, Leipziger-Strassa No. 132/133, zu haben._ 26/7' National- Theater. Weinbergsweg 12a— 13b. Eröffnnngs- Vorstellnng: Figaros Kochzeit. ErSffnungstag wird noch bekannt egeben. Abonnements werden bis S. September täglich im Theater- bureau entgegengenommen. 25/13* Casino«Theater Lothringerstr.37. Ails.Wch.8, Sonnt.?'/,. kr. Mg it.glMenl!kn?rogrMins. »Die Kunst dem Volke". „htMlSssIies!" Sonntagnachm. 4 Uhr: vor Qenunriant. Prödels Illerlei-Iiiealer fr. Puhirnann, Schönhauser Allee 148. D«ntv Broker Sonder-Abend. 15 Attraktionen ersten Ranges. Um 3 Uhr: Oer Oherkorster Lebensbild von O. Richter. Im Saale: Gr. Lactra-Tanji. Anfang 4'/. Uhr. Eintritt 30 Pf. V. Hoacks Theater. Direktion;»od. Dill. Brunnenstr. 16. Ale oberen Zehntausend. Sittengemälde a. d. Berlin. Volksleben. Dazu die erstklassigen Specialitäten. Ansang«Uhr. Kaffeeküche v. Z Uhr ab. Bei schlechtem Wetter Vorst, im Saale. tKoMUsr-TlReat�r. Schiller-Theater O. (Wallncr-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Das Heiratsnest. Lustspiel in 3 Ausz. von Gustav Davis. Donnerstagabend 8 Uhr: Helle». Freitagabend 8 Uhr: Das Heiratsnest. Schiller-Theater N. (Friedrich-Wilheluistädtifches Theater) Mittwochabend 8 Uhr: dohannlsfener. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudcrmann. Donnerstagabend 8 Uhr: J ohannisfener. Freitagabend 8 Uhr: Johannlsrener. Deutsche Konzert-Hallen. An der Spandauer Brücke 3. Vollständig neu ausgestattet! T ä g: 1 1 c h: Gr. Internat. Kiinstlerkonzerte. x Tiieater-Aliteiliing. Special-Ausschank der Berliner Bock- Brauerei. Hasenheide 108/114. K6U6 WCllt« Arnold Scholz- Mittwoch, den 7. Septbr. 1904:-MU 204L ' l Er. Ktaekr- f�reuden- fest| verbunden mit Bonbonregen, Fackelpolonaise». Gratisverlosung � wertvoller silberner Damen- nnd Herren-Uhren. \\ Specialitäten- Vorstellung. Anfang 4 Uhr. DM- Gntree 15 Pfg. Morgen, Donnerstag: lotttee lllite-7ag— lotttes Peuer«oek— Iststos IdiiitSr-Xonssi't— lotete 8peoialitStsn-Vorstsliung. Tolbstasr- Gniree 35 Pf. Apollo-Theater. 8 Uhr: Venns auf Erden �aulfiineke�odrh Kans, das denkende fferd, vorgeführt von Robert Steidl und Martin Kettnor. Ab 91/, Uhr: Die neuen Attraktionen des großen September-Programms. Metropol-Theater Josef Gjampietro a. D. f. d. MI Frid. Der größte Erfolg dieses Jahres Gr. dramatisch-satirisohe Kevue in 5 Bildern. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Deutsche Volksbühne. im Carl Woiff-Theater Gr. Frankfarterstr. 13%. Zum erstenmal: Aennchen von Tharau. Schauspiel i. 3 Akten v. WiNbald Alexis. Für die Bühne bearbeitet u. in Scene gesetzt von Robert Wach. MF- Ansang 8 Uhr.-Mg Donnerstag u. Freitag: Aennchen von Tharau. Sonnabend: Die Räuber. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die Räuber. Sonntagabend: Aennchen v. Tharau. Trianon-Theater. Georgenstratze zwischen Friedrich- und Universitätsstraste. Ihr zweiter Mann. Lustspiel in 3Aktcn von Andrä Shwane und Maurice Froyez. ggf An s an g 8 U h r.-MV Bernbard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraste 58. Die Tochter dos Heimgekehrten. Paul Coradini. Arthur Wolf. The MIHords. W. Kurt Surini, Münzenmanipulator. The Barretts mit ihrer Pantomime: D o r s i d y l l. Ans. 4'/z Uhr. Im Saale: BAIX,. Entree 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pj. Passage-Theater. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Anf. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. r|! J' die Erschaffung II Iii dl eines Weibes UillU aus dem Nichts. Pocahunlas, Jean Paul, Komiker. Littke Carlsen, Karikaturen. Lucie Verdier, VortragskünstL 14 neue erstklassige Nummern. Gustay Behrens Theater, Frankfurter- _ WI___ Allee 85. Neue September-Engagements Der kleinste Cake Walk-Tänzer d Welt. MargaManzoni m. ihrem klugen HanS. The Wiedemanns Original-Luftakt u. austerdem die übrigen Specialitäten. Ans. 7 Uhr. Sonntags S'/, Uhr. Gcbclidci- Herrnfeld-Thealer. (XIII. Berliner Winter-Saison.) Sinr eine Aacht. Zwei Akte aus einer Ehe. Am andern Horgen. Nachspiel zu„Nur eine Nacht*. Beide stücke mit den Autoren Anton und Donal Herrnfeld in den Haupttollen. Anfang 8 Uhr. Kassen-Eröffnung 7 Uhr. Vorverkauf täglich 11— 2 Uhr. Der groste Raturgarten ist geöffnet. Seols-Tbsater. Linienstr. 132(a. d. Friedrichstr.)� SeasatiODelles Progranini! Ijöwy's Duell. Posse mit Gesang in einem Akt, j sowie SO iflternation. Specialitäten. Ansang Vlt Uhr.. Vor der Vorstellung: Konzert. Specialitäten-Theatep, Jul6Z Landsberger Allee 76/79. ~ Direkt Ningbahnstation. Ob schön I Täglich Ob Regen! im herrliche» Garten od�gr. Saal: das neue konkurrenzlose Programm, 33 Sensations-Nummeru, u. a.: Poler Bligier mit seinem konkurrenzlosen Dressurakt: 3 Kiesen- Bären und i Dogge, u. a. Ringkampf des Donipteurs mit den aröstten Bären. Drig. Darnet-Truppe(5 Pers), Akrobat. mit Sprung-schleuderbrett. lenta Demeter, die famose Soubrette. Ada u. Dttfried Relay,.Duett neuester Richtung". Köhley-Trio, sensat. Hochturukünstler. Anton Hildach, Humorist. Drig. The Elrados, kam. Reckakt usw. Kaffeeküche. Volksbelnstigniigen. Bis 2 Uhr: Ball. Enttee 20 Pf. Sonntags 30 Pf. Reiehslialleii-Tbeater. Täglich: ler Säur. ISchlojl - »WD- Jeden s Chausseestr. 103. Arnold Scholz. Mittwoch, den 7. Septbr. 1904: Hamburger Sänger. (Steidl. Wolfs.) Xcn! Ken! In einer kleinen Garnison. (Von Wilh. Wolfs.) Anfang 8 Uhr. Enttee 30 Pf. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Voranzeige! Donnerstag, den 22. Sept. 1904: I. großes Bergter-Ronzert. Annie Dirkens Soubrette. Pas de Deux oriental. Tilly Böhe mit ihren 12 Löwen. Paula Worm, Operettensängerin. llal.Hartenorchosfer,23Harfenistinn. Rudolf Segommer, Ventriloquist. Severin und MUe. Dorville in der Pantomime.Der Trunkenbold". Nirvana, lebende Bilder. Die Kiein-Familie, Kadfahrer. Die 8 Cocktails, Tanz-Ensemble. Die Baggesens, komische Jongleure. Die 3 Meteors, Hochtumer. Biograph, darstellend d, Ringkampf zwisch. Haokenschmidt u. Jenkins. Th/zsafer KasiüfenAlke7-9 Täglich: Der rechte Weg. Hermann Wehling, Humor. Dlly Marietta, Soubrette. Voeren-Schätzen van Niekerk u. Du Plessis. Bin liiebes-Idyll, Pantomime. fützotöstr. 111/112. T U g 1 1 c h im Garten oder Saal: Jtorsts Korddeutsehe Kumoristen und Quartett-Sänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. kons haben Gültigkeit. Etablissement Kuggenhageu Moritzplatz. Täglich von 12—4 Uhr: Mittagstisch. Im groffen schattigen Natur- garte» jede» Abend 8 Uhr: (tDHZSI't. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann— Waide-Sänger. Sonnabends. T m v im Kaisersaal:■«1 ITB£■ «-gk-Kenihhiistcii ist Reichels Keuchhusten-Saft aus der wildwachsenden schwarzen Jo- hanniSbcerc das wirksamste und un- schädlichste Mittel. Echt nur in Flasch. a 50 Pf. und 1,— M. bei Otto Reichel, Berlin 43, Elsenbahnstr. 4. Schloßpark Wilhelminenhof " a. d. Oberspree. Jnh.: Ohr. Jeden Mitttvoch und Tonntag: knokvn Litte»LslI Jeden Freitag: Bernhard Rose- Theater. n• r. Fenuel. 1 !■*1695* il nter. TW5 [PatestTheaier! Bürgerliche Schauspiele. 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Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Kassenmitglieder, welche grostjährig und im Befitze der bürgcr- lichcn Ehrenrechte sind. 274/13 Mitgliedsbuch Icgittmiert. Die Wahlen finden gemäst den Be- stimmungen der§{} 49 und 50 deS Statuts statt. Der Wahlakt beginnt Punkt 9 Uhr und wird um 10'/, Uhr gefchlossen. Pünktliches Erscheinen aller Wahl- berechtigten ist dringend notwendig. Der Vorstand. I. A.: 0. Seidenkranz. nnd verwandten Gewerbe. Unser Kassenlokal befindet sich vom 16. September 1904 ab Sebastian- straffe 73, vor» I. 948b _ Li. Greiser, Vorsitzender. Mttwoell, 7. September, abends 8'/« Uhr, im Clewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15(grosser Saal): OeffeutL Versammlung zu Gunsten der Hrbeiter-BUdungöfcbulc» Vortrag des Genossen Ml vlMMld über:„WeNSlKlKedk ßeSChiClttSaUffaSSÖlig" mit nachfolgender Diskussion.— Zur Deckung der Unkosten TeUersammlung. Sonntag, 11. September, abends 7 Uhr, im Qetverhsehaltshause, Engel-Ufer 15(grosser Saal):■■ PF" Exp er imental-Vortrag-WE de- ingeniours H. üreiMl„Sie kMWMgliVerksbrMMUueinSmltelilMd'' ■ mit 80 Licntbildern. Nach dem Vortrag; GemQtliches Beisammensein und Tanz. Emtntt SO Pf., Oarderobe itä. Um zaklreiclien Besuch der Genossinnen und Genossen wird ersucht. oft Donnerstag, den 8. September er., abends 8'/z Ilhr, im Ilsede» Garten", Alexanderstr. 27c: ,Ens- Tersammlung->» Lade«- und EnniPtnir- tinrichtnngg-Krnnlhe. Tagesordnung: 1. Unjre jetzige Lage. 2. Diskussion. _ Der Einbernfcr. Krauche der Kordmacher. Donnerstag, den 8. September, abends 8'/- Uhr: Tertrauensmänner- Versammlung bei Krause, Koppenstrasie Nr. 41. Tages-Ordnuug: 1. Stellungnahme zur Gewerbegerichtswah!. 2. Bericht der Vertrauensleute 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein.— Buch und Karte legitimiert. Pünktliches Erscheinen erwartet Die Kommission. Bau-Tischler. Vertrauensmänner- Versammlung Engel-Ilfer IS. abendS 8 Uhr im GeHverkseliaktsIianse, Tages« Ordnung: 1. Stellung der Bautischler zu den Vorschlägen veratnngs-Kommission. 2. Diskussion. BW~ Jede Werkstatt muß vertreten sein. der Tarif- 88/13 Deutscher Metallarbeiter-Verband. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679 Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Donnerstag, den 8. Septbr., abends 8V2 Uhr, im„Roscuthaler Hof", Rosenthalerstr. 11-12: Versammlung der chirurgischen Branche. Tages. Ordnung: 1. Wahl des Branchenvertreters, des Kassierers, sowie ctneS Arbeits- .ermittlers sür die Stahlbranche. 2. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwarten wir zahlreiches Erscheinen der Kollegen. 120/8 Ple Ortsverwaltang. Teppiche, >nf Teilzahlung Portieren, Decken. I.ttnrer lief, altes Specialhaus(kein rlbzahlungs- (tzeschäsl)— reellen Privaten auSnahmSw. Offerten unter K. i an die Eyiedilion des.Vorwärts". Achtung! Achtung! Kuruspapiervranche. Morgen, Dounerstng, den 8. September, abends 8 Uhr, im großen Saale von Kuggenhagen» Moritzplatz: öffcntl. Versammlung aller in fiixuspapier-, Spitzenpapier-, fapierausstattungs-, Counert- u. Kartonpapierfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Die Zlntworten der Fabrikanten aus niisre Forderungen und uusre weitere Stellungnahme hierzu. 2. Diskussion und Verschiedenes. 24/18 Das vollzählige Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen erwartet Die I-oiinkonunission. IW Niemand darf morgen fehlen! GetnerksebaliskartelL Freitag, den 9. September er., abends 8'/, Uhr, bei Carl Patt, _ Dragonerstraste Nr. 15: IV Oeffentliche Versammlung."W Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Ersatzwahlen zum Berliner Gewerbegericht und welche Stellung nimmt hierzu das Gewcrkschafts-Kartell ein. 2. Diskussion und Beschlußfassung. 3. Kartell-Angelegenheiten. 292/16 Allseitige Vertretung erwartet Der Ausschust. Achtung! Putzer-Träger! Achtung! Aus dem Bau Monbijon-Platz 10, Unternehmer Richter u. Schmidt, sind Differenzen ausgebrochen. Der Unternehmer mutet die Kollegen dort zu, einen Revers zu unter- schreiben, wonach der Träger bei den Außenputzern 36 M. und der Träger bei 3 Jnnenputzern 40 M. Lohn erhalten soll. Wir ersuchen die Kollegen, diesen Bau zu meiden. 34/10 Die Berbandsleitnng der Bauarbeiter. I. A.: il. Heidemann. TeZithung 3. Klasse 21t. Kql. Preith. Lotterie. Ziehung vom t. Ceptemder 1304,«ounittags. tjl Gewinne Uber 144 Wt. sind den betreffenden Nummern ' in Klammern beigefügt. (Ohne Sem ihr.) Üa-H druck»erboten' e ß"B8 880 427 65 52S 48 663 703 13[300] 57 87 ff 485 608 46 61 605 863 937 2074 122 31 32 839 475 «83 761 804 47 94 990 3274 320 404[300] 683 711 W) 690 939 4201 30 36 90 788 922 5037 164[300] 885 435[5001 627 1300} 87 750 6089 236 302 558 69 «16 903 J3001 75 7078 155 605 732 884 8055 58 80 299 331 95 404 48 536 635 795 900 14 66 9029 152 75 4300] 634 63 74 776 851 933 ? 10106 278 93 335 682 751 68 963[300] 11089 •143 204 797 831 80 89 1 2159 476 525 00 648«1 705 VS 802 Sil 52 13065 99 124 32 74 224 34 402 20 740 02« 14119 226 448 523 93 616 755 814 901 32 15212 «0 407 612[50001 76 722 23 800 50 72 37 16013 £99 307 37 60 610 81 939 45 54 17112 331 54 67 559 «03 714(400) 982 83 1814* 21« 81 345[400] 96 481 MS 605 730 10023 81 157 263 393 409 13 928 29 59 20048 128 222 32 318 25 633 83 660 731 811 56 89 920 34 21259 73 574 86[600] 98 637 39 716 25 57 430001 845 64 61 944 22147[3001 218 39 309 80 585 «82 703 819 68 982 23078 104 210 65[ 300] 363 82 «300] 440 79 536 638 756 828 55 24170 253 63 344 83 taool 484 547 619 36 788 821 951 25024 114{3001 B06 23 92 622 26298 313 77[500] 603 75 799 823 65 86 902 27028 58 f300] HS 89 201 37 69 37« 471 91 «20 34 681 942 61 28014 100 41 92 282 349 408 529 56 783 862 29042 104 14[300] 83[300] 96 243 67 079 648 59 63 97 746 68 879 900 72 P» 30001 127 378 408 604[ 300] 97 806 31055 203 E2 441 76 528[300] 689 97[ 300] 878 992 98 32044 <301 320 42 454 67 590 670 736 832 33129 88 87 653 523 939 79 3 4,152 66 73[200] 289.84 309 14 424 38 «0 70 77 649 713 808 929 37 44 33153 299 315 73 89 ßia 691 785 83[400] 863 36070 201 1500] 486 824 JS7108 93 12001 342 43 780[400] 826 70 952 68 38006 ö 45 54 144 240 465 7? 508-633 75 89 767 820 49 87 922 31)078 353 140U] 72 536 68 727 825 60 69 934 40062 124 200 8( 3801 85 607 16*5 68 77 82 678 13001 41021 65 34 186 99 669 806 78 986 42125 «S 471 775 43149 304 72 444 71 001 821[3001 99o SS 44107 28 50 64 297 358 494 78 91»7 96 752»4 908 37 69 76 45117 21 32 423 56 76 690 762 99 46072 220 323 73 84 424[500] 027 49 60 310 904 47115 259 iß 519 54 653 935 48081 96 1300] 99 771 985 49078 224 37 324[3001 67. 438 83 658 917 » 60200 40 442 48 664 894 51U10 154 64 220 337 686 690 785 814|30OJ 966 52000 212 63[300] 607 749 55 958 5 3015 28 298 365 401 91 621 714 80 64196 480 919 55328 419 70 666 6«»15 64 56111[400] «09 28 5»5 628 944 OS 80 1 300! 37149 82 259 310[400] 474 682 870 76 989 CÖ1S2 15001 201 312 4»3 98 792 843 DUO 58105$8 81 495 689 13001 812 * 60042 43 84 244 359 525[200] 852 789 857 6 1032 62 376 674 984 94 620O0 62 102 448 51 864 962 63015 154*2 066 67 971 64005 Ol 340«0 07 708 1300 1 61 844 49»56 89 6591» 100 282 707[300] 911[3001 66296 316 606 696 703 19 23 841 901 87 67027 39 >390] 93 181 206 367 78 449 597 658 74 720 30 71 826 «13 68255 456 604 52 631 707 66050 61 207 60 321 1400] 428 04 564 605 36 717 628 70183 282 322{300] 479 872 71136 1300] 93 231 44 74 337 409 552 76 702 3 t 9S 808 7»030 518 67 661 87 724 7 3016 73 1300] 117 44 418 31[3001 32 4)001 71 510 1300] 99 762 925 81 74016 218 45 87 475 734 1300] 77 828[300] 7 5271 333 462 038 800 uäs 88 76018 86 182 628 725 977 77027 124 378 418 30 560 640 726[4001 964 78043 143 420 503 624 78 79028 90 236 79 304 82 710[400] 14 75[300] 836 > 78O027 300 10 403 540 796 9Ö4 81242 307 582 ffiD 918| 300| 67 94 82036[400] 217[3001 25 339 430 78 538 58 80 670 863 60 8 33U 48 421 879 835 &4Ü2U 54 574 880 983 85105 1 10001 203 63 418 547 86350 528 651 712 87058 84 94 239 44 323 498 635 rarM2 47 87 8 8077 122 232 722 899 SSO 89098 167 253 305 663 708 39 58 829 67919 ßO 74 413 12 76 51« 67 740 Bö 817 Oi wo ÖA013 1300 1 47( 300] 699 604 52[3001 720 820 927 38 «J 15004 64 92W2 135 342 408 67» 728 65 78 110001 91 81*' r3(W920 32 93039 64 267 310 75 421 «ZW 769 956 94278 323 M 423 698[3001 737 91 97 8tB 960 9 5034 91 148 230 42 394 419 639 92 SO* WKil 18 932 �6023 168 250 84 371 91 404 57 652 685 84 807 18 65 IStMOl 909 97 97618 311 472 663 724 63 89 81 816 W lSOlli 949 98012 46 74 197 297 68« TOS 817 914 83(3001 94 09238 651 833 I« 87 711 23 Ö4I 100005 MO 98 758 75 877 903 48 78[200] 87 99 aoiis«»2 59 684 711 849 909 12 92 1M022 145 86 236[3001 531 51 618 103197 260 80 71 390 400*82 628 08 72 790 934 104002 653 650 766 78 1O5024 245 70 346 467 94 659 833 81 928 13001 60 1 08080 m 17 110001 38«8 600 5i zz 782[300] 30413[300] »07190 AS B S7S SS 900 IVSW 49 lövOI SZ SlZ Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn-»ud Fraueiileide», 8e>ckel»tr. O. Wochentags 8.� 16 909"109043 U8 365[300] 414 Dr. Simmel, Prinzen- Str. 41, Specialarzt sür[25/12' Da, et- an«! Harnleiden. 10—2,5—7. Sonutags 10—12 2—4. Unser« aHenllliopf irnn) zum 53. Kollegen ÄUlCll IlliU'l Geburtstag. Hör' mal. Du Kollege Kroll, Das ist aber wirklich toll, Ludst uns nicht zum Silberkranz? Na ivart', Dn alter schlauer.Hans", f eut sollst DU uns nicht glatt entwischen, eut werd'n wir Dich drob eins wischen Zum Geburtstag. Sag', ist es wahr, Daß Du vweiundiBnirig Jahr? Ra„Bäckerheinrich" kratz Dir man.— Sag', kommst Du heut bei—? heran? Da werd'n wir herzlich gratulieren Und aus Dein Wohl manch Töpschen—. Beine alten und neuen Kollegen. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie sür die schönen Kranzspenden bei der Beerdigung unsres licbcn� Sohnes Otto sagen wir allen Spendern, insbesondere den Kollegen der Finna Dewitt u. Herz und der Adlershoser Spedition innigsten Dank. 223L Adlershos, 5. September 1901. Scrnianil Suchsland und Frau. Für die Beweise vieler Teilnahme bei der Beerdigung unsrer lieben Tochter sagen wir allen unsren herz- lichsten Dank. 0. Standke nebst Frau. Bekanntmachung. Orts-Krankenkasse für das Tapezierer- Gewerbe zu Berliu. Erster Nachtrag. 062b Laut Beschluß der außerordentlichen Generawersammlung vom 7. Juni 1004 salldn die Worte im§ 13 Ab- satz 4: .nach dem Tage" weg. Es kautet der Slbsatz 4 Z 13: „Im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom dritten Tage der Er- kranlung sür jeden Kalender- tag" usw. usw. Dieser Nachtrag tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft. Berlin, den 16. Juni 1004. Der Vorstnnd. I. A.-.varl Nicklsch, 1. Vorsitzender, N. 37, Chorinersir. 84. Genehmigt durch Beschluß vom 22. Juli 1904. Bar Berirka-AueeoduU zu Berlin. Abteilung II._ tepvdecken tauft man am preis. wertesten nnr dtrett in der Fabrik. 79 Wall» strast«?», wo auch alt« Eteppdelken aufgearbeltet werden. v. Strobmandel, Berlin 1«. Illustrierter VrciSlatalog gralis. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former LmU kutaner am 3. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. Mts., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des HimmelsahrtS-Kirchhoses in Nieder-Schönhausen aus statt.| Rege Beteiligung erwartet 120/9 Bio Brtsverwaltung Central-Kpanken- n. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. E. H., Filiale Berlin, Bezirk 10. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Emil Fitzner am 3. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. M.. nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Himmel- (ahrts-Gemeinde aus statt. g06b Bie Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Am 4. September abends 0 Uhr verstarb nach lurzem, aberschwerem Leiden unser Kollege Ulbert Hentsehel. Ehre seinem Andenken I 231L Die Kollegen der Firma A. l ade. Danksagung. Allen Verwandten und Bekamtten, dem Wahlverein des VI. Kreises so» wie dem Verband der Bau-, Erd- und gewerbl. Hilfsarbeiter Deutsch» lands sür die rege Beteiligung und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes August Dlelke sage ich hierdurch meinen besten Dank. 067b Anna Itliellee. 32 682 739 840 551 714 110282 617 807 28 98 001 38 1X1072 452 505 69 83 608 774 884 964 91 08 90 112028 94 190 252 669 777 113010 148 547 68 75 938 67 114,310 659 812 20 115023 113 210 46 309 88 809 12 45 914 116338 66 649 668 712 896 967 117023 131 520 624 748 811[300] 43 922 118213 62 414 45 574 750 86 1800] 950.. 119061 121 292 485 1400] 73 536 718 12O022 29 184 218 384 403 9 15 518 19 50 665 753 901 24 05 1 2 1093 226 53 634 91 674 710 57 931 83 122045 82'256 638 761 904 123 079 94 144 201 313 487 585 778 81 809 1300] 954 124059 119 228 42 300 438 504 605[300] 83 86 818 57 70 040 98 125211 22 612 66 85 773[300] 80 126008 654 840 127044 230 53 549 613 703 86 881 909 76 128053 84 376 550 55 690 1 29016 80 102 42 460 88 684 745 94 854 917 84 130094 323[5001 88 415 504 02 866 984 88 1-31096 145 224 366 428 44 81rS8 919 46 1300] 132163 201 34 67 414 636 63 80 slOOOOl 747 881 987 133067 208 80 315 89 513 17 55 70 783 1 3 4030 158 60 301 25 52 71 434 86 521 643 738 803 939 53 88 93 1 35028 430 512 36 54 665 758 72 997 136044 383 580 623 894 1 37035 89 138 475 673 735 87 1 38321 64 6« 439 661[400] 886 97 139155 611 749 949 140010 23 43 140 483 512 94 751 882 89 141197 202 18 318 471 505[4001 936 1 42017 38 43 103 87 245 58 404 44 71 692 864 143120 44 382[3001 647 50 77 791 144149 501 780 93 833 86 927[ 3001 29 [300] 49 145251 62 306 96 668 655 858[300| 911 66 98 1 46001 84 161 84 221 326 600 612 43[3001 707 864 938 1 47039 77 96 101 20 92 281 81 393 718 J83Ö[800] 148131 369 88 834 904 149025 214 524 7fU 000 IWOI SO 15003« 235 337 99 418 688 714 92 841 73 7? 15 1 070 387 408 90 550 800 1500 1 29 751 52 802{4001 152211 387 441 70 563 13001 72 80 613 48 51 795 882 901 18 1 53214 74 452 636 943 1 54023 204 II 48 518 788 858(4001 155069 91 92 150 221[4001 732 871 904[300] 156005 60 194 304 77 97 603 751 912 28 157016 236 45 91 361 85 644 05 158033 39 176 217 41 73 325 652 68 79 766 70 815 989 1 59243 88 684 738 76 95 916 160385 403 633 741 72 937 161380 729 835 47 162002 130[400] 361 401 527 65 848 909 1 63066 127 265 93 377 1 64045 1300] 218 388 448 567 664 723 913 39 1 65098 214 385 438(5001 744 74 923 166004 197 258 300 65 515 610 704 167070 162 229 32 321 67 626 765 845 91 168254 63 305 34 431 779 869 92 991 169019 125 215 375 83 406 719 170386 642 700 16 91 171029|3U0] 48 137 88 494 97 505 30 742 59 90 1 7 2088 121 311 37 76 452 637 851 88 90 173317 460 821 923 174133 25g 675 175007(3001 62 69 72 229 34 311 71 76 415(3001 628 TU 176435 76 731 806 10 83 088 177083 131 432 528 94 653 788 951 178035 84 151 324 400 635 605 9 701 80[3001 83 98 924 179086 1300] 314 66 87 409 80 574 627 180361 490 503 001 805 12 64 941 181080 228 81 305 43 734 1 82026 124 69 220 38 54 69 323 443 501« 870 183094 354 416 926 52 87 184092 100 48 481 526 662 782( 400] 924 1 85233 372 843 98 905 87 186155 60 98 424 34 704 41 876 900 187488 (3001 809 17 188048 247 479 543 50 733 801 44 189007 243 551 1300 1 655 775 848 190015 288[4001 388 638 703 94 971 19 1010 501 13001 652 79 84 728 74 800 48 1 92030 56 89 101 7[300] 396 403( 3001 38 820 53 68 193563 83 194047 IM 88 214 31 81 720 1 100 QUO] 32 195635 768[400] 93[3001 831 51 196007 44 91 238 314 401 785 833 197152 336 572 714 198095 239 482 597 603 21 929 199024 143 234 42 63[400] 433 617 715 23 934 200254 454 75 666 79 661 788 201120 sSOOl 25 29 231 329 40 44 457 79 648 720 2Ü2086 114 93 301 28 47 416 506 51 813 726 78 8/1 98 979 82 2 0 3006 48 132 216 358 428 637 54 82 744 814 42 53 001 48 1400] 204124 480 670 738 42 62 71 1 400] 934 38 00 205014 01 203 80 349 401 623 63 840 83 984 98 206047 49 64 108 400 18 21 89 602 7 23 130001 786 86 912 207038 44 175 378 557 1300) 640 782 955 [300s57 208197 227 31 33 335 582 008 50 209346 440 80 768 865 210041 81 144 55 289 324 554 631[3001 82 743 840 917 31«5 211072 135 05 911 212004 17 41 255 300 413 28[400] 642 704 2 1 3025 241 73 333 35 93 412[300] 60 599 83# 911 39 214028 125 88 244 13001 338 666[400 1 728 2 1 5043 207 322 504 47 641 2 1 6037 152 205 395 437 61 519 39 85 682 930 ISOOCJ 217278 300 13001 635 61 681 18001 218011 225 755 89 219051 08 551 617 796 802 34 52 995 220410 5U0 23 625 54 725 853 919 22 1041 18« 248 59« 643 69 845 88 222097 106 223 56 873 223018 26 191 210 64 99 341 79 406 18 43 642 78 97 745 9« 94 909 36 „„3»»«rbNtIm! 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Nachdruck verboten. 257 361{300] 487 522(300] 79 613 743 824 1169 13001 95[400) 226 411 72[SOyi 596 OU«8 764 977 2039[3001 324 1300] 81 474 1200] 637 43 3004 133 221 237 400 6 515 672 88 723 895 909 26 48 4017 32 124 227 50[300] 65«6 1300] 352 53 76 680 809 66 981 5001 47[1000] 278 93 531 648 73 6189 206 407 15 619 759 835 70 wo 55 61(400] 7231[300] 33 93 530 659 861 84 86 991 8070 780 8« 852 958 9301 30 87 400 65 516 644 81 97 722[400] 25 975_ 10023 85 114 200 18 333 523 40 98 773 801 950 71 89 11041 53[300[ 93 163 71 281[300] 391 484 1300] 651 948 12327[300] 590 610 905 62 1 3353 650 84 727 800 32 1 4044[10 OOO] 306 20 52 676 78 855 950 66 1 5014 24 129 232 316 568[400] 863 985 16124 209 83 389 477 534 46 633 76 98 747 88 800 40 51 993 1 7010 55 199[300] 256 307 441 90 678 810 9X8 ■ ir«« m oarr i flrv/M an cA1» nt\ dAft IO/V»l•707 320 403 24 1300] 531 91 761 999 22194{300] 252 53 (300] 65 71 418 790 841 23145 48 506 950 98 2 4247 92 366 94 794 25248 503[3001 940 26057 97 101 81 325 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