Nr. 217. Abonnements- Bedingungen: 0 Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,80 M., monatl. 1,10 M, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. 0 Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahry. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die amerikanischen Wahlen. M Donnerstag, den 15. September 1904. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Politik ist dem Amerikaner ein Geschäft und er versteht sich aufs Geschäft. Die Firma Roosevelt u. Faibants tonfurriert mit der Firma Parker u. Davis, wer die wertvolle erste Vertretung der Kapitalistenklasse übernehmen soll. Die letztere würde Roosevelt vorziehen, kann aber Parker nicht loswerden und muß den Ausgang des Stampfes abwarten. Beide Firmen haben tüchtige Geschäftsführer ernannt. Cortelhon, dessen Talente schon von Me. Kinley geschätzt wurden, ist Vorsitzender des republikanischen Nationalfomitees und damit der Leiter von Roosevelts WahlDie Wahl des Bundespräsidenten geschieht durch Electoren Die Kapitalisten füllen die Wahltassen gut, aber die Wahlen ( Wahlmänner), die vom Volfe unter der Voraussetzung gewählt werden immer teurer. Es soll immer schwerer werden, den nötigen werden, daß sie für einen vorher bestimmten Kandidaten und keinen Enthusiasmus im Volte zu erzeugen. 1888 fonnte Harrison noch Die amerikanischen Parteien führen gegenwärtig einen ge- andern stimmen. Die einfache Mehrheit im Electoralvotum ent- mit zwei Millionen Dollar gewählt werden, aber jetzt stellen sich die waltigen Wahlkampf. Von verschiedenen Seiten wird zum Sturm scheidet. Jeder Staat wählt so viel Electoren, als die Zahl seiner Stoften weit höher. geblasen, aber, wie gewöhnlich, handelt es sich nur darum, ob die Vertreter im Kongreß( Senat und Repräsentantenhaus) beträgt. republikanische oder die demokratische Partei das Staatsruder Das sind zusammen 476 Stimmen; die Majorität ist also 239. führen soll. Eine andre Partei gilt dem Durchschnitts- Sein Bundesbeamter darf als Elector erwählt werden. Amerikaner gar nicht als gar nicht als vollwertig. So start sind die Die stärker bevölkerten Ost- und Mittelstaaten haben natürlich Republikaner durch ihr politisches Uebergewicht, ihre Einigkeit, die stärkere Vertretung und die größere Macht bei der Wahl. New ihre Drganisation und die Anziehungskraft ihrer Phrasen von" Pro- York steht an der Spitze mit 39 Electoren, dann folgen Pennsylvania tektion und Prosperität". Die Demokraten verfügen noch über mit 34, Jllinois mit 27, Ohio mit 23, Missouri mit 18 usw. eine respektable Macht, aber ihrer Partei fehlt die festigende EinigDer Präsident wird auf vier Jahre gewählt, und in einer feit, es bröckelt bald hier, bald da etwas ab; die Währungsfrage Präsidentenwahl sehen die amerikanischen Bürger immer ein Ereignis hat einen einen großen Riß hervorgebracht, man teilte fich von großer innerer politischer Bedeutung. Neben dem nationalen geschäften. Thomas Taggart, 20 Jahre schon als Politiker int Gold- und Silber Demokraten, bis die letzteren Interesse an der Präsidentenwahl ist aber das Interesse an thätig, ist aber das Interesse an thätig, ist Vorsitzender des demokratischen Nationalfomitees. die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage erkannten. In der Zoll- den einzelnen Staatswahlen auch nicht gering. In jedem Scharf und rücksichtslos wird der Kampf geführt, bis die Entpolitit, in der Trustfrage, in der Philippinenfrage ist keine Ge- Staate entspinnt sich ein wilder, mit zäher Energie geführter scheidung am 8. November fällt. Vor dieser Entscheidung beugt man schlossenheit in der Partei vorhanden. Der radikale Flügel, der Kampf um die einzelnen Posten, vom Gouverneur abwärts. Hier sich, ja, manchmal gratuliert der Besiegte dem Sieger noch zu seinem selbständig nicht auftreten kann, wird im November die neubelebte bilden sich Cliquen in den Parteien, hier spielt der politische Boß". Erfolge. Die Kapitalistenklasse weiß, daß sie auf keinen Fall verPopulisten Partei unterstützen, die dem Farmer und dem eine specifisch amerikanische Erscheinung, seine Rolle. Der politische lieren tann, so lange die Republikaner oder Demokraten in der Arbeiter Erleichterung seiner Lage verspricht; sie fordert Boß( Meister, Herr) ist gehaßt, oft verachtet wegen seiner Strupel- Macht bleiben. Die Arbeiterklasse dagegen weiß noch nicht, daß sie eine progressive Einkommensteuer und Verstaatlichung der lofigkeit, aber er ist gefürchtet, man gehorcht ihm. Er ist eine Art in jedem Fall verlieren muß, bis sie ihre eigne Bartei, die sociaEisenbahnen und dergleichen. Die Partei rechnet auf eine politischer Banditenführer, seine zahlreiche Bande erkennt ihn als ristische, zur Anerkennung bringt. sy halbe Million Stimmen. Als regelmäßige Erscheinung und für Herrn der Situation an und gehorcht ihm blindlings, denn sie beamerikanische Wahlen passend treten auch die Prohibitionisten tommt später ihren Teil an der Beute, sobald der Sieg Ueber die Aussichten der Socialdemokratie bei den bevorstehenden als Partei auf. Sie wollen alle politischen und focialen Uebel heben, errungen ist. Der Einfluß des„ Boß“ ist stark genug und er Bäsidentschaftswahlen enthält die New Yorker Tribüne" indem sie den Alkoholismus bekämpfen; es sind meist fromme Seelen; dirigiert seine Truppe so geschickt, daß auf einen Wink einige interessante Mitteilungen aus Chicago. Das Blatt meldet: man giebt ihnen recht und läßt sie laufen; man spricht nicht viel über dieselben; man weiß, sie sind zu ohnmächtig, politisch Schaden anrichten zu können. Mitten im Kampfe der Parteien weht das rote Banner der Socialisten, die mit Ernst und Eifer und mit großer Energie ihren Feldzug führen. Ihre Hoffnung beruht darauf, daß die Auf flärung in den Arbeitermassen wächst, daß die Arbeiter die Lehren, die ihnen durch die andauernden furchtbaren wirtschaftlichen Kämpfe gegeben werden, beherzigen. Langfam aber sicher gewinnt der Socialismus an Boden in den Gewerkschaften. Leider tritt die Partei nicht einig auf; ein kleiner Flügel( De Leons Anhänger) tritt unter dem Namen " Socialistische Arbeiterpartei" in einigen Staaten neben der „ Socialistischen Partei" selbständig in die Wahl. Der 8. November ist der Tag der Nationalwahl, und in den meisten Staaten finden zugleich Staatswahlen statt. Zum Verständnis der Lage in der großen, vielstaatig zusammengefeßten Republik wird es dienlich sein, sich ein möglichst klares Bild von den politischen Verhältnissen daselbst zu machen. " von ihm ein Politiker, der dem Boß nicht gefällt, gar nicht sprechen die Ansicht aus, daß das socialistische Botum im nächsten Mitglieder des republikanischen Nationalkomitees in Chicago nominiert werden kann für ein gewünschtes Amt, mag er sich noch November das Fotum der Populisten übertreffen werde und so eifrig darum bewerben. Zuerst muß er sich mit dem Boß in daß 75 Proz. der socialistischen Stimmen von den mißvergnügten Verbindung setzen und dessen Bedingungen annehmen. Diese Be- Demokraten aus dem Lager Bryan und Hearst kommen werden. dingungen bestehen darin, daß die großen und die kleinen Aemter Es wird berichtet, daß innerhalb 9 Monate die meisten Gewerkdie ein Gewählter zu vergeben hat, nach einer bestimmten Ueber- fchaftsorganisationen fich gemeinschaftlich auf dem socialistischen einkunft vergeben werden, oder darin, daß derselbe für eine be- Stimmzettel verpflichtet haben und daß die socialistische Propaganda ftimmte Vorlage eintritt oder sonst gewisse Dienste leistet, denn der sehr aktiv ist in New York, Chicago, Indianapolis und anderen politische Boß steht oft gehorsam unter einem andern, einem Präsidentschaftskandidat, schlägt reichlich Kapital aus dem demoBevölkerungseentren. Eugene Victor Debs, der socialistische Stapitals- Boß. kratischen Abfall und der allgemeinen Gleichgültigkeit. Clarence G. Darrow in Chicago, der die Aufstellung William Searst als demokratischer Präsidentschafts- Kandidat unterstüßte, wird für Debs agitieren, und man erwartet, daß er den Richter Barter heftig bekämpfen werde wegen seiner Entscheidung gegen die Gesetzmäßigkeit des Achtstunden Gesetzes in New York. Man erwartet, daß die Socialisten im Westen eine phänomenale Stärke erreichen werden. Das Charakteriſtikum der socialistischen Abstimmung, fagt ist die Thatsache, daß wir nicht wissen, wie und in welcher Art die Abgeordneter Tawney, Direktor des republikanischen Rednerbureaus, alten Parteien davon betroffen werden können. Ich prophezeie ein startes socialistisches Votum. Um den Einfluß der Cliquen und des politischen Boßtums zu brechen, haben viele Staaten die sogenannten Primärwahlen eingeführt. Man wollte den Bürgern das Recht zurückgeben, ihre Kandidaten zur Wahl aufzustellen. So finden nun unter gesetzlichem Schutze Vorwahlen zu den Parteikonventionen statt, in welchen die Kandidaten für eine kommende Wahl aufgestellt werden. Bei diesen Primärwahlen stehen sich also nicht die Parteien, sondern die feindlichen Gruppen innerhalb einer Partei gegenüber, und die Mehrheit erhält das Recht, die Kandidaten zu nominieren, die allein von der Wahlbehörde unter dem offiziellen Parteinamen anerkannt werden. Die Minderheit ordnet sich gewöhnlich unter, und dann erst beginnt der Kampf der Parteien mit einander. Das gewünschte Resultat, den politischen Boß unschädlich zu machen, wird freilich nicht immer erzielt, aber seine Stellung, vorher unumstritten, ist sehr erschwert worden und manchmal wird er faltgestellt. Dft weiß er aber sich den veränderten Verhältnissen ganz Die bestehende Bundesverfassung trat in Kraft am 4. März 1789, nachdem die 18 Staaten, die damals den Bund bildeten, ihre Bustimmung gegeben hatten( ausgenommen zwei, die sich etwas später für die Annahme erklärten). Nach der Verfassung ruht alle gesetz gebende Macht im Kongreß, der aus Senat und Repräsentantenhaus Besteht. Der Präsident hat das Betorecht, aber durch eine Zweidrittel- Majorität im Kongreß wird das Beto überstimmt. Der Senat ist die Bertretung der Staaten, jeder Staat sendet zwei Senatoren, und da es gegenwärtig 45 Staaten giebt, zählt der Senat gut anzupassen. 90 Mitglieder. Die Senatoren werden nicht bom Volte Unter allen Staaten steht New York als wichtigster an der Spike gewählt, sondern bon den Staatslegislaturen, die manchmal sehr schwer einigen können, Toga eines Senators schmüden sollen. Dieser Schmuck ist viel begehrt und nicht billig zu haben. Seit Jahren schon wird viel seitig die Wahl der Senatoren durch das Volt verlangt; das Verlangen tönnte aber nur erfüllt werden, wenn der Senat selbst seine Zustimmung giebt, und dazu ist wenig Aussicht vorhanden. Die Senatoren werden auf sechs Jahre gewählt, aber alle zwei Jahre ist Neuwahl für ein ausscheidendes Drittel. fich und im Vordergrunde des Kampfes. Dort besteht eine mächtige, mit der demokratische Organisation, Tammany Hall, die ihren Siß in der Stadt New York hat. Will Barker Aussicht auf Erwählung haben, muß er auf alle Fälle die 39 Wahlstimmen von New York gewinnen. Das ist nicht leicht, denn bei der letzten Gouverneurswahl 1902 standen 655 898 demokratischen Stimmen 665 150 republikanische Stimmen gegenüber. Jm jezigen Senat haben die Republikaner eine Majorität von 24 Stimmen. Am 3. März enden die Termine von 30 Mitgliedern, 23 Republikanern und 7 Demokraten. Die Parteien haben im ganzen mit 14 Millionen Wählern zu rechnen. Das Gesamtvotum bei den letzten Präsidentenwahlen war folgendes: Im Jahre 1888 wurden abgegeben 11 880 860 Stimmen. 12 059 351 1892 " " - 1896 18 923 878 " " " " " 1900 18 961 566 " " " " Das Repräsentantenhaus ist die eigentliche Volksvertretung und wird gewöhnlich Kongreß genannt. Die Repräsentanten heißen Kongreßmänner. Diese Bezeichnung ist etwas irritierend, hat sich In diese Massen teilen sich hauptsächlich Republikaner und aber überall eingebürgert. Das Haus zählt 886 Mitglieder, die immer nur auf zwei Jahre gewählt werden. Es wird ein Repräsentant Demokraten. Was sich abzweigt, zählt nur nach etlichen Hundertauf 30 000 Bürger gerechnet. Bei der schnellen Zunahme der Be- tausenden. Betrachten wir das socialistische Votum innerhalb dieser völkerung würde sich das Verhältnis natürlich bald ändern, darum Massen, so erscheint es verschwindend gering, aber die stetige, schnelle ist für alle zehn Jahre eine Neuordnung vorgesehen. Der erste Steigerung zeigt deutlich, mit welcher Kraft die ſocialiſtiſche Partei Stongres( 1789) hatte 65 Mitglieder; in dem jezigen, dem 58. Ston- in die Höhe strebt. greß, figen 386 Bertreter des Boltes. Dieselben werden besoldet aus der Bundeskasse mit 5000 Dollar pro Jahr. Im Jahre 1888 wurden abgegeben 2068 social. Stimmen. " 1892 1896 21 512 " " 11 " 36 275 " 1900 98 424 " " " " 1902( Kongreßwahlen) 225 903 " # Politische Ueberlicht. Berlin, den 14. September. Menschenhandel. Tagtäglich wird uns weiteres Material zugetragen über die Praktiken der deutschen Reedereien gegenüber den russischen Auswanderern. Es bringt zwar keine neuen Mitteilungen, bestätigt aber das, was bisher bekannt geworden ist, und vervollständigt das Bild dieses vom Staat privilegierten Systems des Menschenhandels. Die auf Provision angestellten Agenten, die russische Auswanderer und Flüchtlinge zwingen, Fahrtarten nach Amerita zu lösen, widrigenfalls sie an die russischen Behörden ausgeliefert werden, haben zwar ein scharfes Auge für die Reisenden, die sich zu ihrem Ausbeutungsobjekt eignen, aber bisweilen begehen sie doch Mißgriffe, die für das deutsche Auswärtige Amt sehr verhängnisvolle Folgen haben können. Kürzlich wurden zum Beispiel in Berlin zwei Mädchen von den Reederei- Agenten angehalten und sollten durchaus nach der Kontrollstation Stuhleben verschleppt werden, um dort zur Entnahme von Ballin- Fahrkarten genötigt zu werden. Sie weigerten sich, und sie konnten sich schließlich als amerikanische Staatsangehörige legitimieren. Erschreckt lieg man diese Opfer fahren. Es wäre aber in fünftigen Fällen 34 raten, daß Angehörige von Kultur staaten sich den Agenten unterwerfen, um dann für die erlittenen Vergewaltigungen und schädigung zu verlangen. Denn da ja nur„ gefundheitliche Zwecke" verfolgt werden sollen, so tann es doch keinen Unterschied machen, ob aus Rußland kommende Reisende russische oder amerikanische Staatsangehörigkeit haben. Daß die gesundheitliche Untersuchung freilich mur Vorwand und Humbug ist, das geht unter anderm aus folgendem Fall herbor: Ein Russe, der wegen einer ansteckenden Augenkrankheit eben erst ungeheilt aus einem Krankenhause entlassen war, konnte anstandslos Ruhleben paffieren und wurde für fähig erklärt, nach Amerita zu fahren, nachdem er das Lösegeld von 140 m. an die Hamburg- AmerikaDie wichtigste und einflußreichste Person neben dem Bundespräsidenten ist der Präsident- oder Sprecher, wie er genannt wirddes Repräsentantenhauses. Es wird ihm manchmal die Bezeichnung " Der Bar" beigelegt, wenn er gar zu absolutistisch verfährt. Seine Diese Erfolge sind erzielt worden gegen viele Widerstände, fast Macht liegt in erster Linie in dem Rechte, die lange Reihe der ohne die Macht einer Bresse und ohne genügende Wahlfonds. Ueber Komitees zu ernennen, die über alle Vorlagen zuerst ihr Gutachten diese Mittel verfügten die alten Parteien in überreicher Fülle. Sie abgeben. In den Komitees wird bestimmt, welche Anträge vor das Haus verstehen es jedesmal, das Bolt in eine Art Taumel zu versetzen. Linie gezahlt hatte. zur Beratung gebracht und welche begraben werden sollen. Bei der Dhne Musit, Campagnegesänge, Fadelzüge, Uniformenglanz, Ganz besonders niederträchtig ist das Verfahren an der Grenze. ungeheuren Fülle der Vorlagen muß sich das Haus unbedingt auf Fahnen, Feuerwerk und große, bunte, möglichst auffällige Wir verglichen kürzlich die Ballin- Praris mit den Vogelkojen. Das die Komitees verlassen, da es sonst zu prattischer Arbeit gar nicht Plakate ist eine republikanische oder demokratische Wahlcampagne Wesen dieser Fallen für wilde Enten besteht darin, daß scheinbar tommen würde. Das Haus hat 43 ständige Komitees, darunter gar nicht denkbar. Das ist nur die harmlose Seite amerikanischer harmlos zahme Enten auf einem Gewässer schwimmen, um die Wild3. B. als einige der wichtigsten: für die Wahlen, für Unterricht, Wahlmanöver, während noch eine sehr korrupte Seite vorhanden ist. enten anzuloden. So schwimmen die Tiere in ihren Tod. Ganz Pensionen, Eisenbahnen, Banken, Handel, Patente, Post, Militär, Geheime Fonds stehen den Leitern einer Wahlbewegung zur Ver- ähnlich wird mit den russischen Flüchtlingen an der Grenze Indianer- Angelegenheiten, Beziehungen mit dem Auslande usw. fügung und sie kaufen den Einfluß von Personen, von Zeitungen, verfahren. Nachdem sie glücklich den russischen Häschern entDie Uebermacht der Republikaner gegen die Demokraten ist im fie faufen Stimmen, helfen hier mit Versprechungen, dort mit ronnen find, glauben sie sich in Preußen sicher. Sie gehen jezigen Hause nicht sehr groß( 207 gegen 175), und dem Ausfall Drohungen nach. Eine ungeheure Menge von Bahllitteratur wird wohl zu den Wirten der Grenzorte, denen sie um so mehr der Novemberwahlen wird von den beiden Parteien mit Spannung verbreitet; die Wigblätter spielen eine nicht unbedeutende Rolle. Vertrauen schenken, als es sich vielfach um jüdische Glaubensgenossen entgegengesehen. Einen forrumpierenden Einfluß üben auch die Wahlwetten aus. Handelt. Aber diese Juden spielen die Rolle der zahmen Enten M einer socialdemokratischen Versammlung. Das absolute Schweigen der socialdemokratischen Presse enthielte die indirekte Zustimmung zu dem Vorgehen. Es sei also wieder einmal festgestellt, daß die angebliche Neutralität der Socialdemokratie gegenüber der Religion eitel Heuchelei ſei. gegenüber den wilden. Es sind nämlich häufig- Agenten der lekten Militäraufgebote gegen die streikenden Arbeiter am RidenHamburg- Amerika- Linie, und indem sie den Flüchtlingen scheinbar tunnel und in Chaux de Fonds in Versammlungen und in der guten Rat erteilen, überliefern sie sie den Ballin- Fallen. Einer von Parteipresse hat inzwischen etwas an Lebhaftigkeit eingebüßt, aber den Grenzorten, an dem russische Flüchtlinge in größerem Umfang fie wird zweifellos bis zum Parteitag fortgesetzt werden. übertreten, ist Schmalninken bei Tilsit. Den Deserteuren wird hier Die von mehreren Seiten, von gewerkschaftlichen wie von poliempfohlen, zu Schiff auf der Memel nach Tilsit zu fahren. Scheinbar tischen Arbeiterorganisationen, beschlossene Befürwortung der mili- meint, und das Blatt wird schon gut thun, uns näher zu unterWir wissen nicht, was für eine Versammlung die Germania" frei, benutzen sie den Dampfer. Aber zugleich mit dem Passagier tärischen Dienstverweigerung ist als der Ausdruck der tiefen richten. Aber selbst, wenn es wahr ist, was die„ Germania" wird dem Kapitän des Flußdampfers ein geschlossener Brief Empörung weiter rbeiterkreise über den perfiden Mißbrauch des behauptet, so würden wir natürlich keinen Anlaß haben, gegen überreicht, in dem sich folgendes gedruckte und ausgefüllte Formular Volksheeres durch die regierenden Geldsackspolitiker zu betrachten. derartige Ausführungen Protest zu erheben. Das würde unsrem befindet: Die rechtliche Seite dieses Standpunktes fann feine Kopf- Programmsay, der die Erklärung der Religion zur Privatsache ,, Der unterzeichnete Agent der Hamburg- Amerika Linie ver- schmerzen verursachen, denn der Mißbrauch der Gewalt durch die fordert, widersprechen und gerade mit der Neutralität der pflichtet sich, den Passagier geboren in Regierungen, die Preisgabe der Verfassungsmäßigkeit und Gesetzlich- Bartei gegenüber der Religion unvereinbar sein, welche die„ Germania" Gouvernement... der Kontrollstation Tilsit abzuliefern." keit durch die obersten Behörden, deren heiligste Aufgabe gerade die als Heuchelei beweisen will. Der freundliche Ratgeber, der den russischen Flüchtling auf das gewissenhafte Bewahrung dieser idealen Rechtsgüter sein sollte, von einem Redakteur oder Mitarbeiter eines im 20. Jahrhunderts Es sieht in dem Germaniakopf doch dunkler aus, als man es Schiff geleitete, war ein Unteragent der Hamburg- Amerika- Linie. In rechtfertigt auch den ungefeßlichen Widerstand der Bürger. Gegen erscheinenden Blattes erwarten sollte. Wenn die Partei sich zu dem Tilsit wird dann der Gekennzeichnete in Empfang genommen und er gerät die Revolution von oben die Revolution von unten, so hat es das erwähnten Programmsatz heuchlerisch verhalten würde, so müßte das in das Machtbereich des Herrn Otto Saßnick, des Oberagenten Bürgertum selbst in den Kämpfen um seine Emancipation gehalten. geschehen, was die„ Germania" von ihr fordert. In der SocialBallins. In der Kontrollstation Tilsit spielen sich dann dieselben Etwas andres ist es mit der Frage nach der Durchführbar- demokratie kann jeder nach seiner Façon selig werden. Jeder kann Scenen ab, wie wir sie vom Berliner Lehrter Bahnhof geschildert eit dieser Parole, die einfach verneint werden muß. Selbst in sich kritisch zur Religion verhalten, kann die Religion verteidigen Sie hat das haben. Sehr häufig haben die russischen Auswanderer, die zumeist den Industriebezirken würde nur ein kleiner Teil der Aufforderung oder angreifen, das geht die Partei garnichts an. Militärflüchtlinge sind, nicht genügend Geld, um nach Amerika zu zur Dienstverweigerung Folge leisten und so das gesetzwidrige und weder zu billigen, noch dagegen zu protestieren. fahren. Sie wollen nach der Schweiz, nach Paris, nach London, mißbräuchliche Militäraufgebot nicht, wie beabsichtigt, vereitelt verpflichtet die Partei zu einem derartigen Verhalten. Uebrigens müßten es recht sonderbare Heilige sein, die sich ein Kopenhagen oder auch sie versuchen bei ihren geringen Barmitteln, werden können. Aber selbst wenn alle Industriearbeiter den Dienst Vergnügen daraus machen, den Stifter der christlichen Religion zu mit den um zwei Drittel billigeren englischen Linien nach Amerika berweigerten, so würden doch die Bauern und die Bourgeois prompt schmähen. Die schlimmste und gefährlichste Schmähung Chrifti ist zu entkommen. Alle diese Unglücklichen, die das Lösegeld von sich einstellen und mit Vergnügen auf Befehl die Arbeiter zu Paaren seit jeher die klerikale Politik und, schon weil wir diese weltliche Unter140 M. für Ballin nicht vorrätig haben, werden über die Grenze treiben. Und im schlimmsten Falle würde statt der Kantonsregierung stügung der antichristlichsten Bestrebungen im heiligen Gewande be zurücktransportiert, was für sie vielfach die Todesstrafe bedeutet. der Bundesrat mit größter Bereitwilligkeit Militär aufbieten und fämpfen, eben deshalb haben Socialdemokraten keine Ursache, den Kantonsregierungen zu Hilfe senden. Der eidgenössische Kriegs- die religiöse Persönlichkeit zu bekämpfen, von der jedes Wort dieminister, Bundesrat Müller, ist ein vom Klassenhaß gegen die jenigen trifft, die sich seine Gläubigen und Nachfolger nennen. organisierten und kämpfenden Arbeiter erfüllter Geldsackspolitiker, der mit wahrer Lust gegen streikende Arbeiter Soldaten entsenden würde. Daß der Menschenhandel mit Auswanderern auch in andern Staaten getrieben wird, ist keine Entschuldigung der Ballin- Wirtschaft. Die ungarische Regierung hat einen Vertrag mit der englischen Cunard- Linie geschlossen und Graf Tisza hat als Agent dieser Gesellschaft fürzlich eine Verordnung an die Verwaltungsbehörden erlassen, worin diese darauf aufmerksam gemacht werden, der Linie gestattet; die Agenturen andrer Schiffahrtsgesellschaften seien darum streng zu verfolgen. Die Behörden sollen die Auswandrer auf die Vorzüge der Fiumaner Linie aufmerksam machen, die Eisenbahnorgane aber haben die Behörden zu verständigen, wenn sie bemerken, daß Auswanderer eine andre Route mit Karten nicht tongeffionierter Schiffahrtsunternehmungen nehmen. Das Fiumaner Blatt„ Voce del Popolo" bringt nun Mitteilungen über die Vorzüge" dieser Linie. " " und sie = = " und der Sie wird nun wohl umgetauft werden! Forbach " Wenn man gestürzt ist! Freiherr v. Mirbach, der Obers Hofmeister der Kaiserin, hat, so berichtet die Potsdamer Korresp.", noch kurz vor seiner Abreise nach Schierke im Harz in Potsdam den nossen Naine- Chaux de Fonds, der aus grundsätzlicher Opposition jetzt entbunden ist, in Zusammenhang stehen, von ihm abholen Im Kanton Neuenburg sind dem vorjährigen Beispiel des Ge- Besuch zweier Herren erhalten, welche wichtige Aften und Papiere, die mit den von ihm bisher verwalteten Aemtern, von welchen er gegen den Militarismus dem Aufgebot zur gewöhnlichen Waffen wollten. Wie wir hören, hat Freiherr v. Mirbach vorläufig die übung keine Folge leistete, verschiedene Genossen gefolgt. Genosse Schriftstücke noch nicht ausgehändigt, worüber es zu lebhaften AusGraber- Chaux de Fonds hat unter den gleichen Umständen den einandersetzungen gekommen sein soll. Dienst verweigert und dafür vier Monate Gefängnis und Nachdem sich plötzlich seine Position nach oben hin so erheblich einjährige Einstellung im Aktivbürgerrecht als geändert hat, ziehen sich nach und nach seine Anhänger von ihm Strafen erhalten. Bei dem Militäraufgebot in Chaur de zurück. In der näheren Umgebung des Kaisers hatte der OberFonds weigerten sich drei Arbeiter, scharfe Patronen anzunehmen, hofmeister schon seit längerer Zeit wenig Freunde, namentlich bestand wofür sie Arrest strafen erhielten. Einige andre neuenburgische ein gewisser Gegensatz zwischen ihm und den meisten Flügelam 1. und 15. jedes Monats ein Dampfer der Cunard- Linie von Strafe bestand ebenfalls in je vier Monaten Gefängnis ihn einst auf der Wildparkstation oftentativ, als er seine Aussage im „ Mit 1. D. wurde eine neue Fahrordnung eingeführt, wonach Genossen lehnten es jüngst ab, zur Rekrutierung zu gehen, ihre adjutanten. Nur General v. Scholl, der Kommandeur der kaiſerlichen Haustruppen, hielt zu Herrn v. Mirbach und beglückwünschte Fiume nach New York abgeht. Zahlreiche Auswanderer, die Mitte August hier eintrafen, mußten darum undeinjähriger Einstellung im Aktivbürgerrecht. Pommernbank- Prozeß gemacht hatte. volle sechzehn Tage hier zubringen; sie wurden jedoch nicht in einem Auswanderer- Endlich weigerte sich jüngst ein Genosse, ebenfalls im Kanton Neuen- Ein getreuer Anhänger von ihm ist auch der frühere Oberheim, von welchem in den Prospekten die Rede ist, untergebracht, burg, die Militärtage zu bezahlen. Alle diese Vorfälle sind wohl bürgermeister von Potsdam, Geh. Regierungsrat Boie. Er vers sondern in die Kabinen des Dampfers eingepfercht, der sie nach beachtenswerte Symptome der in den Arbeiterkreisen vorhandenen anlaßte eine öffentliche Erklärung zu Gunsten Mirbachs gegen die Amerita bringen sollte. Von der Stunde an standen sie unter Abneigung gegen den Militarismus; allein sie bleiben doch vereinzelt Angriffe in der Presse und sammelte dafür eine Anzahl Unterenglischer Disciplin". Matrosen, Kellner und Köche sind berechtigt, und außerdem ist es utopistisch. Der Vollständigkeit halber sei noch schriften. Zu Ehren des Oberhofmeisters wurde in Potsdam vor die Auswanderer beim geringsten Anlaß zu prügeln sie sind erwähnt, daß Gewerkschaften ihre Mitglieder, welche dem Mili- einiger Zeit eine Straße Mirbachstraße benannt. zu diesem Behufe mit Eisenstäben ausgerüstet machen von diesem„ Nechte" ausgiebig Gebrauch. Zehn Tage äraufgebot gegen streitende Arbeiter nicht Folge Es giebt nur ein Forvach! Lieutenant Hemmann vom nach ihrer Unterbringung auf dem Schiffe erhielten die Auswanderer leisten, als Arbeitslose bezw. Gemaßregelte aus der Verbandsden Befehl, andre Kabinen zu beziehen und ihr Gepäck dorthin zu fasse unterstützen. Meininger Infanterie- Regiment ist vom Kriegsgericht der 22. Division tragen; einige protestierten dagegen, weil sie ihr Gepäck schon für Trotz alledem erscheint, wie gezeigt, die Militärdienstverweigerung zu Staffel wegen Beleidigung Vorgesetzter, begangen durch seinen die ganze Reisezeit verstaut hätten. Als Antwort darauf wurden sie nicht als das geeignete Mittel. Sehr übers Ziel hinaus schoß aller- Militärroman" Carries Briefe an einen Freund" zu mehrmonatiger Lieutenant Hemmann ist laut Gefängnisstrafe verurteilt worden. blutig geprügelt. Bei der Umsiedelung half ein junger Mann einer dings die Bekämpfung dieser Vorschläge durch den„ Grüt Br. N. N." in Haft geblieben. Frau, deren Koffer in die andre Abteilung tragen; ein Schiffskellner Tianer", das Centralorgan des Grütli Vereins belehrte ihn, daß dies nicht gestattet sei, und diese Belehrung" schweizerischen Socialdemokratie. Man ging sogar so weit, zu er- Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Die Verhandlung und Urteilsverkündigung fand unter strengstem war von einem Faustschlag ins Gesicht begleitet, der dem armen flären, daß sehr wohl der Fall eintreten könne, daß Militär gegen Es giebt nur ein Teufel einen Bahn ausschlug. Der Kriegsminister hat also recht behalten. Der aus Mund und Nase dank dem Erlaß gegen die Deffentlichkeit der Militärheftig blutende junge Mann führte sofort beim Kapitän Beschwerde, Streifende aufgeboten werden müsse. Und dabei mußte derselbe der ihn ruhig anhörte und ihm dann mit den Worten All right!"" Grütlianer" mitteilen, daß das Militäraufgebot hauptsächlich wegen Prozesse. Meiningen ist beweisbar fein zweites Forbach! Worten ,, All den Rücken kehrte. Der Mißhandelte erstattete später bei der Polizei des Diebstahls einiger Rüben und Kartoffeln durch Gute Beziehungen. Das„ B. T." berichtet: In den Aufdie Anzeige; aber was half's? Der Dampfer ist„ englisches Gebiet!" streifende Italiener erfolgte-- als ob da nicht die Polizei sichtsrat der Hamburg- Amerika Linie soll einem an Der Schiffstellner verhöhnte noch die Auswanderer- diese werden hätte eingreifen tönnen!, sowie wegen angeblichen An- der Hamburger Börse verbreiteten Gerücht zufolge der Fregattenausnahmslos, ob Mann, Weib oder Kind, von der Schiffsmannschaft faufs von Revolvern durch die Streikenden, die aber, wie dann fest- fapitän v. Grumme gewählt werden. Fregattenkapitän v. Grumme " gedugt" und fügte hinzu:" Das hier ist noch gar nichts. Auf gestellt werden mußte, von den Angestellten der Tunnelunter- ist ein Flügeladjutant des Kaisers. hoher See sollt ihr erst kennen lernen, was englische Disciplin ist!" Wer etwa die höfliche Behandlung der Auswanderer in Bremen Streitenden; er mußte ferner die Mitteilung eines auf- ttienbesiges nach den Namen der Inhaber. Noch interessanter zur Erkenntnis des inneren Getriebes unsrer nehmung gekauft worden waren zum Gebrauch gegen die großkapitalistischen Gesellschaften wäre eine Veröffentlichung des beobachten Gelegenheit hatte, wird sich über die ungarischenglischen Sitten nicht sonderlich wundern. Immerhin wird auch gebotenen Soldaten veröffentlichen, wonach die Bevölkerung selbst selbst die ungarische Regierung nicht der Cunard- Linie gestatten, daß erklärte, daß nicht das geringste vorgefallen, und daß daher die fie fremde Auswanderer, die gar nicht nach Amerika wollen, bei Stimmung der Soldaten für die Streifenden war und sie es als Strafe der Auslieferung an Rußland zur Entnahme von Amerika- eine Schande empfanden, dort sein zu müssen, während sie zu Auch der christlichsociale Oberbürgermeister von Wien, Lueger, Karten zwingen dürfe. Hause Nüßlicheres zu thun hätten. Derselbe Einsender berichtete hatte die Leute begrüßt und seine Rede mit einem saftigen Wit auch, daß 21 000 scharfe Patronen auf dem Plate zur Verfügung geschlossen:" Ich drücke heute. beide Augen zu und begrüße Sie in der Soldaten bereit gehalten wurden. Der„ Grütlianer" druckte Wien." Die„ Times" veröffentlichen einen Artikel„ Rußland und Deutsch auch aus dem konservativen„ Berner Tageblatt" die Zuſchrift Einige der Herren sollen sich durch diese Würdigung gekränkt ein Einverständnis im fernen Osten", in dem sie behaupten, eines( wahrscheinlich ebenfalls fonservativen) Offiziers ab, der gefühlt haben, was sie nicht hindern wird, vollzählig der Einladung es sei guter Grund zu der Annahme vorhanden, daß das Einverständnis, zu welchem Kaiser Wilhelm seit Ausbruch des Krieges sich mit aller, Entschiedenheit gegen das mißbräuchliche Militär- desselben Lueger ins Rathaus zu folgen. den Grund gelegt habe, zur Zeit der kommerziellen Verhandlungen aufgebot ausspricht, und zwar im Interesse des Ansehens der Armee, wig auch eine Art sinniger Huldigung. Denn es ist ja die ewige In Wirklichkeit liegt in dem antisemitischen Oberbürgermeisterzwischen Witte und Bülow in Norderney im Juli eine definitive wie auch im Hinblick auf die Stimmung weiter Volfskreise, die in Zu- Aufgabe der bürgerlichen Bresse, vielleicht die Hände offen zu halten, Bu- i auch eine Art sinniger Huldigung. Denn es ist ja die ewige Form angenommen und die Unterzeichnung eines Handelsvertrags funft nur noch schlimmer werden wird. in Berlin mit unerwartet günstigen Bedingungen für Deutsch- Der„ Grütlianer" hat sich auch gegen Protestkund- aber beide Augen gegenüber jeglicher Korruption zuzudrücken. Eine Scene aus dem südwestafrikanischen Rachekrieg Der Kaiser sei überzeugt, daß Rußland Japan schließlich matt Beranstalter von solchen verhöhnt und verspottet. Man fragt sich schildert ein sächsischer Offizier, der der Abteilung v. d. Heyde machen und die Hauptmacht in Ostasien bilden werde. Die gegen vergebens, wie denn die Arbeiterschaft auf die Ercesse und Provo- angehört, in einem Brief an seine Schwester folgendermaßen: wärtige Lage sei daher einer Festlegung der Bedingungen, unter fationen der Bourgeoisie reagieren soll? Sollen die Arbeiter denen die deutschen und russischen Interessen im fernen Osten gefördert werden könnten, äußerst günstig gewesen. Ferner sichere stumme Hunde sein und jeden Fußtritt dankend das Uebereinkommen Rußland die Unterstützung Deutschlands bei quittieren? Man sollte glauben, daß gerade solche Vorgänge den Friedensverhandlungen und Deutschland freie Hand zur für die socialdemokratische Partei der denkbar beste AgitationsAusführung seiner Weltpolitik auf der Linie des geringsten stoff seien und ihre sofortige agitatorische Ausnutzung nach der Widerstandes in China, das heißt dort, wo es nur mit Braris, daß das Eisen am besten zu schmieden, solange es glüht, die britischen Interessen in Berührung fäme, zu. Bring Uchtomsky beste Tattit sei. Aber im Centralorgan der schweizerischen Socialhabe Befehl gehabt, seine Schiffe nach Kiautschau zu bringen, wo demokratie steht es anders zu lesen. alle Vorbereitungen getroffen gewesen seien, sie binnen 24 Stunden mit Kohlen zu versehen; in einem sehr antideutsch gehaltenen Leitartikel über dies angebliche Uebereinkommen bemerken die Times", daß es auf Kosten Englands geschlossen sei. August Scherl ist so freundlich, sich über diese" Hetze gegen Deutschland" zu entrüsten und herablassend hinzuzufügen: zu land Deutschlands Neutralität. land zum Resultat gehabt habe. Sollten diese tendenziösen Erfindungen von hier aus eines amtlichen Dementis gewürdigt werden, so kann man sicher sein, daß sie trotzdem über furz oder lang in neuem Gewande wieder auftauchen. In gewissen Kreisen kann man sich nun einmal nicht dazu entschließen, der Wahrheit die Ehre zu geben, wenn es sich darum handelt, die Neutralität der deutschen Regierung gegenüber dem ostasiatischen Kriege zu verdächtigen." Ob die Behauptungen der„ Times" richtig sind oder nicht Deutschland trägt selbst die Schuld, daß derartige Gerüchte geglaubt werden. gebungen und Demonstrationen ausgesprochen und die Die agitatorische Seite der Protestkundgebungen gegen die Ausschreitungen der bürgerlichen Regierungen hat auch das Central= tomitee des Grütli- Vereins verkannt, das auf die Anregungen, Protestversammlungen zu veranstalten und Flugblätter zu verbreiten, nicht einging. Verständiger ist demgegenüber folgende Erklärung des Komitees: ,, Dagegen werden wir dem Parteitage, der am 6. November und folgenden Tages in Biel stattfinden wird, den Antrag unterbreiten, es sei der neuen Militär- Organisation nur dann zuzustimmen, wenn Garantien geschaffen werden, daß das Militär in Zukunft zur Niederwerfung streikender Arbeiter nicht verwendet wird. Die Geschäftsleitung der socialdemokratischen Partei wird sich diesen vom erweiterten ParteiStomitee einstimmig, also mit Einschluß des Delegierten bon Chaux de Fonds, gefaßten Beschlüssen zweifellos anschließen." Die durch die Ercesse der brutalen Geldsacksregierungen ge= Die gegen die Neutralität verstoßende Kohleneinnahme der russischen Schiffe in Kiautschau, die sanfte Sprache gegenüber der unbegründeten Beschlagnahme und Versenkung deutscher Schiffe, die schaffene Situation ist für die schweizerische Socialdemokratie sehr mannigfachen auffälligen Freundschaftsbezeugungen, die indirekte Lieferung von Kriegsichiffsmaterialien, der Königsberger Prozeß, ernst. Wenn sie sich der ihr gestellten Aufgabe nicht gewachsen zeigt, die Auslieferung von Deserteuren alles das ist nicht geeignet, wird den Vorteil davon die anarchistische Bewegung haben. im Ausland den Glauben an die Neutralität Deutschlands zu be- Die Schwäche und der Stillstand der socialdemokratischen Partei in Genf, die durch ihre Fehler der anarchistischen Agitation vorgearbeitet festigen! hat, sollten ein warnendes Beispiel für die Partei im ganzen Lande sein. Die Frage der Militärdienstverweigerung in der Schweiz. 3ürich, 12. September.( Gig. Ber.) Die durch die frivolen Militäraufgebote unfähiger Kantonsregierungen, die sich nur als die Nachtwächter zum Schuße des Eigentums der Bourgeoisie fühlen, immer wieder aktuell werdende Frage der militärischen Dienstverweigerung dürfte auch den nächsten socialdemokratischen Parteitag beschäftigen, wie sie auch auf der Tagesordnung des letzten Parteitages stand. Die Diskussion über die -> Deutfches Reich. Elende Heuchelei. Die„ Germania" stellt fest, daß weder der Vorwärts" noch die übrige socialdemokratische Preffe ein Wort des Tadels gefunden habe gegenüber den Gotteslästerungen und ungeheuerlichen Schmähungen des göttlichen Stifters der Religion in Mit zugedrückten Augen. In Wien tagt gegenwärtig ein internationaler Preßkongreß, der natürlich bei hohen und höchsten Herrschaften nach Schmockweise scharwenzelt. von Am 6. Juli, noch vor Sonnenaufgang, tamen wir, der Oberlieutenant v. Le cow, Lieutenant v. Moßner, ich und 20 Mann, bei Okosongoho mit den schwarzen Keris in Bes rührung... Wir sahen plößlich kleine Feuer in den Sontoks ( Hütten) einer Werft( eine Art Dorf) vor uns. Leckow befahl: Halten! Gewehre heraus! und wir drei Offiziere und sieben Mann, also nur zehn Gewehre, die andern mußten Pferde halten, gingen in gebückter Stellung bis auf 100 Meter Heran. Wir um stellten den Kraal. Ich mit einem Unteroffizier stand ganz links, wohl am nächsten. Es war eine Situation voller Spannung, hatten wir doch mehrere tausend Hereros vor uns! Niemand wußte, ob wir schießen sollten, da wir noch nicht erkundet hatten, wie weit die andern feindlichen Werften entfernt waren. Da trachten aber auch schon die Schüsse mir und meinem Unteroffizier, zwei Schwarze fielen zu Boden. Ueberall stürzten nun die Hereros heraus. Es war ein Gewimmel von Schwarzen, teils mit, teils ohne Gewehr. Ein Besinnen für uns gab es nicht mehr, denn ich hatte nun einmal das Zeichen zum Beginnen des Feuerus gegeben, und die einzige Rettung für uns lag nur in den Gewehren. Also Schuß, Schuß und so weiter. Es war ein reines Schnellfeuer, aber ohne Uebereilung, denn jeder Schuß war gut gezielt und streckte immer einen der Feinde zu Boden. Einige erhielten Schüsse direkt in die Brust. Sie hielten sich aber mit beiden Händen die Wunden zu und liefen eilig davon, bis sie zusammenbrachen. Also zähe sind die Schwarzen auch. Nicht ganz eine halbe Stunde dauerte das Feuer. Ihre Kugeln gingen bei uns vorbei, ohne auch nur einen zu treffen. Die Hereros waren verschwunden, nachdem sie sechzig Mann verloren hatten. Wir trieben die dem Oberhäuptling Samuels gehörigen dreißig Kühe heraus und gelangten am 8. Juli wieder zu unsrer Abteilung." Der Briefschreiber selbst bemerkt am Schlusse seines Briefes: „ Unter Sieg war ein bedeutender. Es war kühn und schön und doch etwas traurig, da ich das erste Mal auf Menschen schoß. Ich drehte mich beim Fortschreiten nochmals um, da sah ich die jammernden Weiber und die weinenden Kinder, diefe fleinen nadten Bälge. Da ergriff es mich, und es that mir leid, daß ich ihnen den Mann, den Bater geraubt hatte. Diesen Eindruck werde ich nie vergessen!" Wir begreifen dies Geständnis des Offiziers nur zu gut. So foldatisch" jemand auch empfinden mag: wehrlose Menschen niederzuknallen ist gerade kein beneidenswertes Handwerk. " Es erscheint nach der Darstellung des Offiziers zweifelhaft, ob bei dem noch vor Sonnenaufgang" begonnenen Schnellfeuer" nicht auch Kamp funfähige, Greise oder gar Weiber, erschossen worden sind! Jedenfalls giebt die Schilderung dieses Ueberfalls ein überaus erschreckendes Bild kolonialer Kriegsführung! " Die Kreuz- 3eitung" beginnt heute eine offenbar sehr Tangatmige Artikelserie über den Herero- Krieg. Sie beginnt mit dem einleitenden Satze: „ Bis auf wenige Verblendete ist Deutschland einig in der Ueberzeugung, daß in unsrer südwestafrikanischen Kolonie Ordnung geschaffen werden muß, und daß das Blut unsrer Söhne nicht zu kostbar ist, um die Schandthaten der Aufrührer zu strafen." Die Kreuz- Zeitung" thäte entschieden besser, den Sch and thaten", die von der Kolonialen Zeitschrift" fürzlich aufgedeckt worden sind, einige Leitartikel zu widmen! " V Auch der Landgerichtsrai Hagemann, der in einem öden socialistenfresserischen Artikel des" Lag" von dem Herero häuptling Bebel schwazzt und dabei die in dieser Form längst offiziell als erlogen erwiesene Behauptung aufstellt, daß die Hereros sich an, wehrlosen deutschen Frauen vergriffen" hatten, leistete dem Ansehen der deutschen Kultur und der deutschen Justiz einen weit besseren Dienst, wenn er sich ein wenig mit den ungeheuerlichen Zuständen in der Strafjustiz beschäftigen wollte, die durch die„ Koloniale Zeitschrift" in Südwestafrika aufgedeckt sind! Im übrigen: lieber Herero- Häuptling als europäischer Hunne! Zu dem Blutbad auf Neu- Guinea Rechtsanwalt Dr. Scharlach( fortfahrend): Ich werde mich von aktion gewählt wurde, veranlaßt gesehen, eine offizielle Darstellung der Motivierung meines Antrages nicht und auch durch keine noch des Unterstützungswertes zu geben. so liebenswürdige Behandlung seitens der Versammlung abbringen Nach dieser Darstellung wurde von vornherein bestimmt, daß die lassen. Unwidersprochen ist in der Abteilung auch eine Aeußerung Frauen, während die Männer eingesperrt find, pro Woche 9-10 W. des Berichterstatters( Klein) geblieben:„ Wir leben in einer Zeit, erhalten und außerdem für jedes Kind und für jede sonst zur Familie die so demokratisch durchzogen ist, daß sich die Mehrheit nicht von gehörige Person pro Woche 1,50 M. Ferner zahlte das Komitee die einer Minderheit ungestraft scheren läßt."( Hört! Geheimrat Miete, die Feuerung und für besondere Fälle Extra- Unterstützungen. Prof. Gierde ruft vom Vorstandstisch: Ganz richtig! Stürmischer Nach der Entlassung aus dem Gefängnis wurden die laufenden Beifall.) Dann ist auch von Schädigungen der Arbeiter durch die Wochenunterstützungen noch zwei bis drei Monate fortgezahlt, und Startelle die Rede gewesen. Man hätte doch aber auch nachweisen dazu noch per Tag eine Mark mehr, also 16 bis 17 M. pro Woche. sollen, daß in den 25 Jahren, wo die Kartelle herrschen aller Ferner wurden den Entlassenen für jede Woche, die sie im Gefängnis dings ist diese Herrschaft nur recht schwach( Oho!) sich die Lebens- zugebracht haben, nach der Entlassung zwei Mark gewährt. haltung und die politische Berechtigung der Arbeiter ungeheuer ge- Auf diese Weise wurden für die acht Entlassenen und ihre Familien hoben hat.( Gelächter. Rufe: Daran sind doch die Karteile schuld- 25 305 m. aufgewendet für zusammen 1284 Wochen Strafzeit, los! Schlußrufe!) Ich halte eine Vestagung für notwendig und so daß pro Woche auf jede Familie im Durchschnitt etwa 20 M. beantrage, daß der Juristentag eine Kommission von sechs Juristen kommen. Außerdem hat die Gewerkschaft der Zimmerer noch Unter> und drei Volkswirtschaftern einsetzt mit dem Auftrage, dem nächsten stützungen gezahlt. Für den zuletzt Entlassenen laufen überdies noch Juristentage Bericht zu erstatten, ob ein Gesetz notwendig ist und Unterstützungen. wenn ja, damit sie bestimmte Vorschläge macht.( Ruf: Verschleppungstaktik! Vereinzelter Beifall und heftiges Zischen.) Vorsitzender Geheimrat Prof. Dr. Brunner( Berlin): Dieser Antrag kann hier überhaupt jetzt nicht zur Debatte kommen. Wenn Gutachter in der Abteilung nicht durchgedrungen sind, haben sie keinen moralischen Anspruch, an das Plenum zu appellieren.( Stürmischer Beifall.) Dr. Klein, erster Sektionschef im österr. Justizministerium: Jch bin ausgezogen, um in den reinen Sphären der Wissenschaft ein abstrakt wissenschaftliches Problem zu ergründen. Ich bin aber kein Interessenvertreter und habe keine Interessen zu vertreten.( Endloser, sich immer wieder erneuernder Beifallssturm.) Ja, ich habe ein Interesse: das glühende Interesse, dem Volke zu dienen und zu ergründen, was dem Staate und dem Volke notwendig ist, um ihm seinen Platz meldet das„ Laffan- Bureau" aus London: Die Niedermezelung der in dem Weltverkehr zu sichern.( Erneuter Beifall.) Man sagt, die Sache deutschen Missionare in Neu- Pommern( Deutsch- Neu- Guinea) ist, sei noch nicht geklärt! Ja sollen wir mit dem Aussprechen einer wie der„ Daily Chronicle"- Korrespondent in Melbourne Wahrheit warten, bis ihre unnötigkeit die Spaßen von den Dächern heute wiederholt, thatsächlich einem Verschulden der pfeifen?( Heiterkeit und Beifall.) Herr Rechtsanwalt Scharlach war Missionare zuzuschreiben, trotzdem das von beteiligter böse, weil ich mehr scherzhaft den bei uns gebräuchlichen Ausdruck Seite in Abrede gestellt wird. Won vertrauenswürdigen Seiten wird scheren lassen" gebraucht habe. Ich finde nichts darin und bekenne versichert, daß unvorsichtige Einmischung der Missio- mich Wort für Wort zu dem Saze.( Lebhafter Beifall.) Möge man nare in Stammesbräuche der Eingeborenen die hier auch noch im Plenum über die Frage verhandeln, aber verVeranlassung der Mezelei war. hindern Sie, daß der Juristentag die Frage von Session zu Session In dem benachbarten Neu- Pommern scheinen sonder mitschleppt und immer wieder in diesen Interessenkampf gezogen bare Zustände eingerissen zu sein. Aus Matupi( Neu- wird, der dieses segensreiche Institut vielleicht überhaupt in Frage Pommern) erhält der Münst. Anzeiger" einen vom 15. Juli cr. ftellen kann.( Beifall.) Der Juristentag macht teine Interessenpolitit datierten Brief, in welchem erzählt wird, daß ein Mitte Juni aus( Stürmischer Beifall), er spricht nur seine Nechtsüberzeugungen Singapore eingetroffener Dampfer n. a. einen Japaner und drei aus im Hinblick auf die Verhältnisse und Bedürfnisse des geselljapanische Frauenzimmer mitbrachte. Diese wurden schaftlichen Lebens. Entspricht unsre Rechtsüberzeugung einzelnen in Matupi aufgenommen und vorläufig in einem Zimmer unter- Interessengruppen nicht, so bedauern wir es, aber wir können es gebracht, wo sich dann bald die heifelsten Scenen abspielten. Was nicht ändern. Aber wir können es nicht zulassen, daß man den fich in den ersten Tagen," so berichtet der Briefschreiber, unter den Juristentag so lange sekiert und bändigt, bis eine profitablere RechtsAugen der Eingeborenen, selbst der Schulkinder, die, 20 bis 30 überzeugung herauskommt.( Stürmischer, endloser Beifall.) Ich will an Zahl, an Fenstern und Spalten des Zimmers standen und un- hoffen, daß in dem Lande des Andreas Hofer, der für sein Recht so mittelbare Zeugen aller( 1) Vorgänge waren, ereignete, das sträubt mannhaft einzutreten verstand, auch der Juristentag steif und fest fich die Feder zu beschreiben. Auch kann ich die Bemerkungen bleibt.( Stürmischer, anhaltender Beifall.) der Kinder nicht wiedergeben. Männer, welche civili-. Der Antrag Scharlach und Genossen auf Vertagung wurde fiert sein wollen und die Kolonie civilisieren darauf mit allen gegen neun Stimmen unter großem Beifall a b= sollen, brachten selbst die Eingeborenen in Er- gelehnt. staunen." Mehrere Tage lang war bei den Eingeborenen mur davon die Nede. Wie das namentlich auf die Kinderseelen, auf Schule und Erziehung wirkt, läßt sich denken. Wenn das Gou vernement", so fährt der Schreiber des Briefes fort, die Konzession zu folchen Einrichtungen nicht verweigern zu brauchen glaubt( es heißt, es follen noch Weiber nachkommen; eine ist schon bald ein Opfer des Todes geworden), so wird doch wohl ein Gesetz bestehen, welches folch öffentlicher Unfittlichkeit vor Kindern entgegentritt und sie bestraft. Hier ist eine solche Einrichtung verfrüht und an einer Stelle, wo vier Fünftel der 950 auf Matupi wohnenden Eingeborenen täglich vorbeigehen, nicht am Plate. Das wird jedem einleuchten und hoffentlich wird bald Remedur geschaffen." " Das Koalitionsrecht auf dem Juristentage. Wir haben berichtet, daß eine Abteilungssigung des deutschen Juristentages sich mit der Frage der Kartelle beschäftigt und eine Resolution angenommen hat, in der auch das volle Koalitionsrecht der Arbeiter gefordert wurde. Um letzten Tage beschäftigte num die Frage auch das Plenum. Ms Wortführer der Kartelle und Koalitionsrechtsfeinde trat der Hamburger Rechtsanwalt Scharlach auf, ein bekannter Advokat großKapitalistischer Unternehmungen, der seiner Zeit auch den Dr. Karl Peters vor dem Disciplinarhof verteidigte. Wir Husland. Frankreich. " Man kann gewiß nicht sagen, daß diese Unterstüßungen, auf die keinerlei Rechtsanspruch besteht, dürftig waren. Es sind auch fünf der Beteiligten durchaus zufriedengestellt, mur Hecht, Wobst und Geißler nicht. Von diesen erhielt Hecht für 11 Monate Strafzeit 1 267,50 M. oder reichlich 26 M. per Woche, Geißler für die gleiche 3eit 1328 M. oder fast 28 M. per Woche und Wobst für 234 Wochen Strafzeit 5515 M. oder rund 23,50 M. pro Woche. Diese drei haben also am allerwenigsten Ursache, sich zu beschiveren; sie werden faum regelmäßig einen solchen Verdienst gehabt haben vor ihrer Einsperrung. N Mißbrauch der Religion zu politischen Zwecken. In dem Drte Abenberg im Wahlkreise Ansbach Schwabach wurde ein socialdemo kratischer Verein gegründet, dem sofort 30 Mann als Mitglieder beitraten. Dem Herrn Stadtpfarrer Herter war dies ein Greuel und er setzte alles in Bewegung, um dem neuen Verein das Lebenslicht wieder auszublasen. Zuerst wurde der Lokalwirt bearbeitet, dem der geistliche Herr drohte, er werde dafür sorgen, daß niemand mehr zu ihm gehe, wenn er ſein Lokal den Roten nicht verweigere. Ferner ihnen unter dem Hinweis auf das ewige Seelenheit" die Hölle suchte er in Abwesenheit der Männer die Frauen auf und machte heiß, damit sie ihre Männer bevegen sollten, aus dem Verein wieder auszutreten. Endlich schilderte er in seiner Sonntagspredigt von der Kanzel herab die Socialdemokratie als den Inbegriff alles Schlechten und forderte insbesondere die Frauen auf, ihre Männer nicht dem Verein beitreten zu lassen. Troß dieser geistlichen Gegenagitation befindet sich der Verein in erfreulichem Wachstum. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Wegen Lehrerbeleidigung wurde Genosse Dr. Erdmann von der Rheinischen Zeitung" in Köln von der dortigen Straffammer zu einer Geldstrafe von 300 m. verurteilt. Die Beleidigung wurde in einem Artikel der„ Rhein. 3tg." gefunden, in dem von vier Lehrern aus Sieglar gesagt war, jie hätten nach einer Konferenz ein Weingelage veranstaltet und sich dabei nicht so benommen, wie es von Volkserziehern verlangt werden könnte. Ferner war den Lehrern vorgeworfen worden, daß sie wiederholt das Züchtigungsrecht überschritten hätten. Aus Industrie und Handel. Der Stettiner Vultan beabsichtigt schon seit mehreren Jahren eine Filialniederlassung an der Nordsee zu errichten. Wie aus Stettin berichtet wird, ist diese Angelegenheit nun so weit vors geschritten, daß demnächst die Vorarbeiten in Angriff genommen werden sollen. Die Entscheidung über den Drt, an welchem die Niederlassung errichtet werden soll, schwankt noch zwischen Kuxhaven und Brunsbüttel. Wenn der Hamburgische Staat die Forderungen der Gesellschaft betreffs einiger. Verbesserungen des Neuen Hafens in Rurhaven erfüllt, so würde die Niederlassung des Vulfan nach Kurhaven kommen, int andren Falle nach Brünsbüttel. Zur Konzentration im Bankwesen. Die„ Kölnische Zeitung" meldet aus Trier, daß die außerordentliche Hauptversammlung der Trierer Bank, in welcher 1912 000 m. Aktienkapital vertreten waren, einstimmig die Verschmelzung mit der Bergisch- Märkischen Bank genehmigte. Der Marineminister Pelletan hat einem Berichterstatter gegenüber, der ihn nach dem Schicksale des verschollenen Marine- Attachés in Port Arthur, de Cuverville befragte, erklärt, daß die französische Regierung noch keine Nachricht hierüber erhalten habe. Man halte es aber nicht für unmöglich, daß de Cuverville sich noch immer in Port Arthur befinde; die französische Regierung werde vielleicht darüber in einigen Tagen Auskunft erhalten durch die Vermittelung der Japaner, an die sie sich gewandt. Was die Entsendung des Kreuzers Descartes", zweier Torpedojäger und von acht Torpedobooten nach Indochina und Madagaskar anlange, jo sei darin eine außerordentliche Maßnahme zu erblicken; der Kreuzer„ Descartes" werde lediglich den Kreuzer" Pascal" ablösen. Die Entsendung von Torpedobooten habe den Zweck, entsprechend dem von der Kammer seiner Zeit angenommenen Marineprogramm Prozeß Viktor Hahn. In Dresden stand in den letzten Tagen die französischen Kolonien mit Torpedobooten auszustatten. Das der Geheime Kommerzienrat Viktor Hahn, früherer Mitinhaber der Geschwader in Ostasien sei gegenwärtig stärker als je; denn es besitze Bankfirma Ed. Rocksch Nachfolger, vor Gericht. Bekanntlich hat Hahn drei Panzerkreuzer neuesten Types; drei ältere Panzerfreuzer und jahrelang mit Depotgeldern eine sehr ausgedehnte Gründerthätigkeit eine Division Torpedoboote, genau so wie die europäischen Geschwader und Grundstücksspekulation getrieben, so daß seine Firma 1902 in Frankreichs. Es sei übrigens keinerlei Angriff zu befürchten und ernste Zahlungsschwierigkeiten geriet. Das Gericht verurteilte ihn gewiß nicht von Japan. gestern wegen Unterschlagung und Untreue zu vier Jahren Gefängnis und 3000 Mart Geldstrafe mit der Begründung, daß die Verwaltung der Depots bei der Bankfirma Ed. Rocksch Nachfolger nicht so gewesen sei, wie ein vorsichtiger Bankier hätte handeln müssen. 14 der Italien. " Es kam in Jnsbruck zu recht lebhaften Scenen. Sektionschef Prof. Dr. Klein- Wien berichtete über die Abteilungsarbeit. Klein verwahrt sich und die Abteilungsmehrheit gegen den Ein Opfer der blutigen Maitage von Mailand. Rom, den Vorwurf, daß sie beabsichtigt hätten, den Kartellen, deren Bedeutung 12. September.( Eig. Ber.) Dieser Tage ist der Arbeiter Luigi fie durchaus anerkennen, Hemmnisse in den Weg zu legen.( Lebhafter Meda in Mailand gestorben, nach sechsjährigem Siechtum, an den Amerikanische Warenhäuser. Die großen Warenhäuser der Beifall.) Wir haben andrerseits aber hinweisen müssen, wo folgen einer während der Maiunruhen im Jahre 1898 davongesich Uebelstände und Gefahren ergeben. So zeigte sich für die tragenen Verlegung. Bekanntlich hatte in jenen Tagen der General amerikanischen Handels- und Verkehrsmetropolen gehen jetzt, wie Bediensteten eine unter Umständen sehr trübe Perspektive. Bana Beccaris in den Mailänder Straßen Mitrailleusenkanonen der Confettionair" berichtet, darauf aus, auch in kleineren Städten meinten daher, daß, wenn sich eine große Macht toaliert, es ein aufgepflanzt; eine der durch die Straßen fegenden Kugeln der Vereinigten Staaten große Warenhäuser zu gründen. Früher riß dem jungen Meda das liuke Bein fort. Der waren die Warenhäuser centralisiert, jetzt decentralisieren sie sich durch Gebot socialer Gerechtigkeit ist und der Staatskunst, die darauf zu Aermste, sich zufällig auf der Straße befand, sehen hat, daß das Gleichgewicht balanziert, entspricht, Sorge zu Tag Zweigniederlassungen, die sie in den verschiedensten Städten errichten. dann Monate im Hospital, mußte dreimal So werden zur Zeit in Pittsburg, Boston, Philadelphia Warenhäuser operiert tragen, daß neben dieser Assoziation, damit sie nicht außer dem Wirtschaftsmarkt auch noch den Arbeitsmarkt beherrscht, die Arbeiter- werden, bis schließlich das Bein kurz unterhalb des Hüftgelenks von Henry Siegel, Wanamaker 2c. errichtet. Jetzt wird bekannt, daß organisationen die gleiche Freiheit und Förderung finden.( Lebhafte amputiert wurde. Zum Ueberfluß machte man ihm noch einen John Wanamaker schon längere Zeit mit der Absicht umgeht, auch Zustimmung.) Trotzdem von einer Seite eingewendet worden war, Prozeß, wahrscheinlich weil er böswillig einer Mitrailleusenfugel in in Milwaukee ein Warenhaus zu gründen und zu diesem Zwecke den daß die Behandlung dieser Frage nicht vor das Forum der Abteilung den Weg gelaufen war. Meda wurde freigesprochen; man ließ es zum Verkauf stehenden Cooperative Departement Store erwerben gehöre, glauben wir, daß der Juristentag sich deshalb für die bei seiner Verurteilung zum lebenslänglichen Krüppel bewenden. Er will. Gleiche Absichten sollen auch die Carson- Pierie Company in Stoalitionsfreiheit und Berufsfähigkeit der Arbeiterorganisationen war nur noch zeitweilig arbeitsfähig und starb an den Folgen seiner Chicago und Mendel Brothers- Chicago haben. Ferner verlautet, daß die Siegel- Cooper- Company New York in Bridgeport ein großes aussprechen müsse. Bezüglich der Preispolitik der Kartelle glaubte Verletzung. Meda war 26 Jahre alt. Warenhaus erbauen will. Es sind bereits mehrere Grundstücke für der Juristentag Vorschläge wir werden auf diese Vorschläge im die Ausführung dieses Planes in Erwägung gezogen worden, doch nächsten Wirtschaftlichen Wochenbericht eingehen machen zu sollen. Zum Trades- Unionskongreß. London, 12. September. In das ist es noch nicht zu einem Abschluß gekommen. Allerdings sind wir so sachte, zögernd dabei vorgegangen, daß man uns weit eher den Vorwurf machen könnte, zu wenig Entschlossenheit parlamentarische Komitee des Trades- Unionskongresses wurden für gezeigt zu haben. Unfre Forderung soll fein Angriff gegen die die nächsten zwölf Monate gewählt: Shackleton( Präsident), Haslam, Kartelle sein. Daß durch eine solche übertriebene Breispolitik aber Cummings, Thorne, Gill, Bowermann, R. Bell, Steadman, Davis, wichtige Pfeiler der staatlichen Ordnung und Ruhe erschüttert Adresse: 47, Victoria Street, Westminister, London SW. Als Sekretär wurde Sam Woods gewählt. Hornidge und Serton. Die rechtliche Bedeutung des Aushaugs der Arbeitsordnung werden können, ist klar.( Beifall.) Darum wäre es des Juristentages in Fabrikbetrieben. Die parlamentarischen Arbeiterabgeordneten. London, 12. Sept. nicht würdig gewesen, an einer Frage vorüberzugehen, die für die Der Maschinist J. beanspruchte im Klagewege von dem StockRechtsordnung gefährlicher werden könnte als manches Delift, mit Im englischen Unterhause fizen dreizehn Arbeiterabgeordnete. fabrikanten Lawy eine Lohnentschädigung wegen plöglicher widerdem sich frühere Juristentage beschäftigt haben.( Stürmischer Beifall.) Davon bezeichnen sich neun als liberal, bier als selbständig rechtlicher Entlassung, wogegen Beklagter Kündigungsausschluß durch Wir betonen, welche Maßnahmen nötig sein könnten zum Schuße( mehr oder weniger socialistisch gesinnt). Zu den Liberalen zählen; die im Betriebe aushängende Arbeitsordnung einwandte. des Publikums, der Konsumenten und Produzenten gegen eine solche Abraham, Bell, Broadhurst, Burns, Fenwick, Parrott und J. Wilson. Kläger bestritt, diese gelesen zu haben. Die selbständige Arbeitergruppe besteht aus Crooks, Hardie, Henderson Politik der Kartelle.( Lebhafter Beifall.) und Shackleton. Amerika. Zur Begründung seines Antrages, daß der Juristentag nicht bloß Kenntnis von dem Beschluß der Abteilung nehme, sondern auch selbst in eine Erörterung eintrete, erhält das Wort England. Die Staatswahl in Maine ist ebenso wie in Vermont republikanisch ausgefallen, mit einer Majorität von 30 000 Stimmen. Das ist eine fleine Enttäuschung der Republikaner insofern, as die Majorität im Jahre 1900 um mehr als 3000 Stimmen höher war. Am 8. November wählt Maine 6 und Vermont 4 Electoren ( Wahlmänner) für die Präsidentenwahl. Partei- Nachrichten. Soziales. Der man Er sei auch nicht worden darauf verwiesen und ebenso wenig habe ihm ein Exemplar ausgehändigt. Der Beklagte berief sich darauf, daß es sich um einen Fabrikbetrieb mit MaschinenAnwendung handle, für den der Aushang der Fabrikordnung Rechtsanwalt Dr. Scharlach- Hamburg: Wenn die Beschlüsse nur ( Arbeitsordnung) mit den Worten vorgeschrieben sei, daß der Erlaß zur Kenntnis des Plenums kommen sollten, dann hieße es, daß der durch Aushang erfolge. Schon der Aushang genüge, sie verbindlich Juristentag auch alle Ausführungen in der Abteilung für den Antrag zu machen. Die Kammer IV des Gewerbegerichts, vor der die billige.( Schr wahr Ruf: Soll auch!) Man sollte doch meinen, Sache verhandelt wurde, stellte fest, daß zur Zeit der Beschäftigung daß, wenn alle diei Gutachter übereinstimmend dahin kommen, daß des Klägers nur 16 Personen im Betriebe des Beklagten thätig zur Zeit ein Vorgehen der Gesetzgebung sich nicht empfehle und waren, während später bei besserem Geschäftsgang 20 dort arbeiteten. daß, wenn dann die Abteilung gegenteilig beschließe, der JuristenDer Vorsitzende Dr. Leo regte namens des Gerichtshofes einen tag seinen Gutachtern Gelegenheit geben müsse, sich im Plenum Vergleich an und führte in rechtlicher Beziehung aus: Allerdings zu verteidigen.( Widerspruch.) Hier solle doch nicht nach phanunter genüge gewisser Voraussetzung ohne weiteres tastisch konstruierten Suppositionen entschieden werden( Dhorufe), Von den neun Opfern des Löbtauer Zuchthaus- Urteils sind bis der Aushang einer Arbeitsordnung in der Fabrik, um fie rechtssondern über nach den Erfahrungen des Lebens. Und da jetzt acht infolge von Begnadigung nach teilweiser Verbüßung der verbindlich zu machen, und zwar unter der Voraussetzung, daß in frage er: Ist es die Aufgabe des deutschen Juristentages, Strafen entlassen worden, während der Arbeiter Zwahr, der zu zehn der Fabrit mindestens 20 Arbeiter beschäftigt sind. Das heißt: für zu einer Beschlußfassung über die Kartellfrage zu kommen, Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, noch immer im Zuchthause gewöhnlich mindestens 20 Arbeiter, was hier doch wohl nicht der da doch in Deutschland gegenwärtig eine Kartell- Enquete schwebt? zu Waldheim sitzt. Drei der Entlassenen haben nach ihrer Ent- Fall sei. Die Anwendung von Maschinenkraft allein sei nicht entEs kann doch nicht Aufgabe des Juristentages sein, Beschlüsse auf lassung an das Unterstützungsfomitee ungehörige Anforderungen scheidend. Sehr zu bedauern sei die Bummelei vieler Fabrikanten, Grund nicht erwiesener Momente zu fassen. Wichtige Gesichtspunkte gestellt und, nach Ablehnung ihrer Forderungen, die antisemitische die sich an die Vorschrift der Gewerbe- Ordnung, wonach jedem feien auch in der Abteilung unerörtert geblieben.( Der Vorsitzende Presse zu Angriffen auf das Unterstügungskomitee benüßt, die Arbeiter einer Fabrik ein Exemplar der Arbeitsordnung auszu ersucht unter minutenlangem Beifall der Versammlung den Redner, der gefamten Reaktionspreffe willkommene Gelegenheit zu händigen sei, nicht kehrten. Wenn das auch nur eine Formvorschrift nicht auf einem Umweg zur materiellen Erörterung der Beschlüsse Schmähungen der Unterstützungsaktion und zu Verleumdungen gab. fei, müsse doch jeder Arbeitgeber zu ihrer Beachtung angehalten zu kommen, denn er habe zunächst nur zur Vorfrage, ob das Plenum Nunmehr hat sich das Unterstügungskomitee, das seiner Zeit von werden.- Die Parteien verglichen sich auf Zahlung von 30 M. an selbst verhandeln solle, das Wort.) einer öffentlichen Versammlung zur Ausführung der Unterstützungs- den Kläger. Vom Kriegsschauplatz. Die japanischen Verluste. London, 14. September. Dem„Daily Telegraph" meldet sein Korrespondent, der bisher im japanischen Hauptquartier weilte, aus Tientsin, die Japaner hätten ihre Verluste bei Liaujang offenbar zu niedrig angegeben. Sie hätten eher 30 000 als 17 000 Mann verloren. Der Korrespondent fügt hinzu, für die Be- hauptuna der Verwendung von Dumdumgeschossen seitens der Russen sei keinerlei Beweis erbracht. Nach demselben Berichte solle Marschall Oyama in Liaujang erklärt haben, General Kuropatkin müsse trotz seiner Hartnäckigkeit in schwieriger Lage sein und ein- sehen, daß er das Spiel verloren habe. Schließlich meldet er, daß der im Lager Okus schwer erkrankte Berichterstatter eines San FranciScoer Blattes die japanischen Aerzte beschuldigt, fie hätten ihn, um den Fremden los zu werden, schwer vernachlässigt. Japanische Exkursion nach Kamtschatka? Petropawlowsk(Kamtschatkaj, 13. September.(Meldung der „Russischen Telegraphen-Agentur".) Seit dem 23. Mai erschienen an den Flußmündungen Kamtschatkas japanische Schoner. Mitte Juni landete in den an der Westküste gelegenen Ortschaften Jawino und Malygino der japanische Lieutenant Gundusi mit 150 Marine- reservisten, Gewehren und Geschützen. Die Japaner plünderten die Ortschaften, Vertrieben die Bewohner und verbreiteten eine Pro- klamation, in der ihnen befohlen wurde, die Oberhoheit Japans anzu- erkennen. Sie hißten auf dem Dache der Kapelle in Jawino die japanische Flagge und stellten dort einen Pfosten mit einem Anschlag auf, in dem erklärt wurde, daß dieses Territorium nunmehr Japan gehöre: wer das nicht anerkenne, werde getötet. Daraufhin wurde aus Petropawlowsk ein dort zufällig sich aufhaltendes Segelschiff unter dem Kommando des Ersatzlieuteuants Shab mit 100 Mann Miliz abgesandt, und aus Bolischerjezk ging eine 100 Mann starke Abteilung unter dem Befehl eines Unteroffiziers zu Lande ab. Am 20. Juli vereinigten sich beide Abteilungen unweit Jawinos, schlugen die Japaner und nahmen den Anführer gefangen. Die Russen verloren einen Toten und vier Verwundete, die Japaner hatten 17 Tote, ihre Verwundeten nahmen sie mit sich. Die Flagge und der Anschlag wurden entfernt. Die russischen Abteilungen ver- brannten fünf japanische Schoner und töteten im ganzen 70 Japaner. Die bevorstehende Verstärkung der russischen Armee. Wie dem„Berliner Tageblatt" von ihrem Petersburger Kor- respondenten mitgeteilt worden ist, soll das russische Heer auf dem Kriegsschauplatz zunächst von der 61. Jnfanterie-sReserve-IDivision aus Samara verstärkt werden. Eine Korrespondenz ans Samara im Bulletin des„Osswobosetdenje" zeigt uns klar, was für eine„Stärkung" des Selbstbewußtseins und der Kampfesfreudigkeit der russischen Armee durch diese Ergänzung zu erwarten ist. 25 Tausend ge- suude, starke Männer im Alter bis 40 Jahren, in der weitaus größten Zahl Familienväter, die für die Ihrigen zu sorgen haben. sind im Gouvernement Samara der produktiven Arbeit entrissen Ivorden. Im ganzen Gouvernement hört man von allen Seiten lautes Schimpfen auf die Regierung. Der Korrespondent hörte unter anderm auf einen Wolgadampfer emen Matrosen den andern sagen: „Was wirst Du von der Mandschurei haben? Ohne jede Not wird das Volk geschunden. Die Studenten sagen die Wahrheit, daß der Zar sich um das Volk gar nicht kümmert". Und in dieser Ton- art wird überall geredet. Auffallend ist im Kriege der enorme Verlust an Offizieren seitens der Russen und es wird angenommen, daß ein erheblicher Teil von ihnen aus Rache für schwere Miß- Handlungen von russischen Soldatenkugeln durchbohrt worden ist. Die Samaraer Soldaten drohen vielen ihrer Peiniger offen mit Vergeltung in der Mandschurei und einer der be- sonders grausamen Offiziere, Tscheredejew, wurde bereits von den Soldaten in der Nähe von Ufa aus dem Eisenbahn- wagen hinausgeworfen. Es kam auch in Samara zu einem aktiven Protest bei der Einberufung der Neservesoldaten. Einer der reichsten Kaufleute Ssaprykin entzog sich der Militärpflicht durch Eintritt in den Polizeidienst als Polizei-Offizier. Der Polizei- meister, der jedenfalls dadurch keinen materiellen Schaden gehabt hat, betraute nun auch diesen Ssaprykin mit dem Ausrufen der Reservisten. Das war diesen aber doch zu schamlos und die Polizisten, die nicht flink genug waren, um sich durch Flucht zu retten, bekamen tüchtige Portionen Prügel. Aehnliche Fälle eines aktiven Protestes kamen vereinzelt auch an andern Orten vor, jedoch im großen ganzen lassen sich die Leute, wenn auch mit der größten Empörung im Herzen, gefügig auf die Schlachtbank abführen. Erschütternd sind aber die Scenen, die sich auf dem Bahnhof in Samara beim Ab- gang der Militärzüge abspielen. Es erhebt sich ein Geheul, das selbst eiserne Nerven nicht ertragen können: es schluchzen die Frauen und Kinder der Abfahrenden, es schluchzen ihre Eltern, es heulen laut die Soldaten selb st, es schluchzen endlich auch die fremden Zuschauer, die diese Scene nicht aushalten können. Ueber ähnliche herzzerreißende Bilder bei Abfahrt von Soldaten nach dem Kriege wird übrigens der im Auslände erscheinenden russischen Presse aus verschiedenen Teilen Rußlands berichtet. Keine kugelsicheren Küraffe. Rom, 12. Septenlber.(Eig. Ber.) Mitte Juli dieses Jahres hat, wie wir damals berichteten, der russische Gesandte in Rom einen Lieferungsvertrag für Kriegsmaterial mit einer Mailänder Firma unterzeichnet. Bis zmn 15. August sollten 100000 kugelsichere .uürafse Benedettt, zum Preise von 15 Rubel das Stück fertig sein. um auf den Kriegsschauplatz gesandt zu werden. Zur festgesetzten Frist ist nun die Lieferung nicht fertig ge- ivorden, die einen sagen, weil die herstellende Finna Geldschwierig- leiten hatte, die andren, weil die italienische Regierung im Namen der Neutralität Einspruch erhoben hätte. Es heißt auch, die Mrasse würden in Rußland von der„Mailänder Gesellschaft für die Her- stellung der Panzer Benedettt" fabriziert werden. Die russische Re- gierung beansprucht Schadensersatz für die nicht erfolgte Lieferung; man spricht von einer Forderung von einer Million Lire. GewerkfcbaMicbes. BerUn und drogegend. Zum Streik der Arbeiterinnen des Glühlampenwerkes von Siemens u. Halske. Vorgestern erhielten eine Anzahl Streikender Briefe folgenden Inhalts zugestellt: „Ersuche Sie, die Arbeit am Mittwoch wieder aufzunehmen, da Sie jetzt wieder in der-- beschäftigt werden können." Diese Briefe sind von den Empfängerinnen größtenteils der Streikleitung übermittelt worden, haben also die beabsichtigte Wirkung verfehlt. Es ist eigentümlich, daß gerade gestern, wo die Direktion wohl erwartete, es würde eine Anzahl Arbeitswilliger aus den Reihen der Streikenden herankommen, der polizeiliche Streikpoftenfang mit ganz außergewöhnlichem Eifer betrieben wurde, und das ist um so mehr eigentümlich, als auch am Montag vor acht Tagen, wo der letzte Termin für die Aufnahme der Arbeit abgelaufen war, die Polizei einen ebenso außergewöhnlichen Eifer zeigte, so daß es scheint, als wenn ein Zusammenhang zwischen den Maßnahmen der Firma und denen der Polizei bestände. Im Laufe des gestrigen Vor- mittags sind wegen Streikpostenstehen nicht weniger als 14 A r- beiterinnen sistiert worden, die bis zu 2¥j Stunden auf der Polizeiwache bleiben mutzten. Die Behandlung, die den davon Bettoffenen zuteil wurde, war in vielen Fälle», wie die in der Besprechung der Streikenden gegebenen Berichte besagten, keine gute. Ein Schutzmann, es wurde die Nummer 252 genannt, soll bei der Sistterung mit Knebelung gedroht haben! Man bedenke: junge Mädchen, die nichts verbrochen, ja sich nicht einmal irgendwie eines Vergehens schuldig gemacht haben, drohte der starke Schutzmann zu knebeln, als hätte er ganz gefährliche und zu gewaltsamem Widerstand geneigte Verbrecher vor sich, die man. fesseln muß, um nicht in Lebensgefahr zu kommen! Ein andrer Schutzmann. Nummer 188, soll, wie berichtet wurde, eine Arbeiterin bei der Sistierung auf Verantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Inseratenteil verantw. ' der Straße gestoßen haben. Ferner wurde mitgeteilt, daß wiederum auf der Wache recht unfeine Redensarten in Gegenwart von sistierten Arbeiterinnen gefuhrt worden sind. Man sollte meinen, daß, wenn die Firma von der Behandlung erfährt, die. ihren Arbeiterinnen ge- boten wird, sie im Interesse ihres guten Rufs und in der, jedem ge- bildeten Manne als Pflicht erscheinenden Rücksichtnahme auf das weibliche Geschlecht hier für Abhilfe sorgen müßte, anstatt, wie es jetzt offenbar geschieht, die Polizei noch zur Verfolgung der streiken- den Arbeiterinnen aufzufordern. Was würdim die Leiter dieser Weltfirma sagen, wenn ihre Frauen und Töchter ähnlich ihren Ge- schlechtsgenossinnen, die sich ehrlich und anständig durch ihrer Hände Arbeit ernähren, verfolgt und behandelt würden wie die Straßer- dirnen?— Der Eifer, mit dem die Direktion nach Arbeitswilligen sucht, ist übrigens bisher ziemlich erfolglos geblieben, die geringe Zahl ungeübter Arbeiterinnen, die sich zu Verräterdiensten gegen die Streikenden bereitgefundcn haben, können der Firma wenig nützen. Die Stimmung unter den Streikenden ist denn auch eine durchaus hoffnungsfrcudige und selbst die Polizeiverfolgungen dienen nur dazu, den Zusammenhalt unter ihnen noch mehr zu stärken. UebrigenS bedient sich die Firma nun auch des Charlottenburger st ä d t i s ch e u Arbeitsnachweises in der Kirchstraße, um Arbeitswillige heranzu- ziehen. Damit wird ein öffentliches Institut, das doch hauptsächlich dem Wohle der Arbeiter dienen soll, einseitig in den Dienst des Unternehmertums gestellt._ Lohnbewegung der Musikinstrumeutenarbeiter. Seit einigen Wochen haben die Arbeiter der Berliner Pianoforte- Industrie in Kommisstons- und Vertrauensmänner-Sitzungen die Frage erörtert, o bsie in diesem Herbst eine Lohnbewegung ins Werk setzen wollen. Mit Rücksicht einerseits auf die verbesserungsbedürftige Lage der Pianofortc-Arbeiter, andrerseits der äußerst günstigen Konjunktur, welche gegenwärtig in der Branche herrscht, hielt man eine Lohnbewegung für notwendig und aussichtsreich. Die seither gepflogenen Vorberatungen hatten den Erfolg, daß die drei in Frage kommenden Organisationen: Holzarbeiter-Verband, Fachverein der Musikinstrumenten-Arbeiter und Ortsverein der Pianoforte-Arbciter (Hirsch-Duncker) sich zum gemeinsamen Vorgehen in der Lohn- bewegung bereit erklärten. Gestern Abend fand im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine gemeinsame Versammlung der drei genannten Organisationen statt. Der Saal war von einer dichtgedrängten Menge gefüllt, die außerhalb der geöffneten Thüren auch noch die Flure besetzt hielt. S i e g s e l d vom Holzarbeiter-Vcrbande beleuchtete die Situation und begründete die nachstehenden, zwischen den Leitungen der drei Organisationen vereinbarten Forderungen: Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 51 Stunden, Ver- Weigerung von Ueberstunden. 10— 25 Proz. Aufschlag für Accord- arbeiten. 27 Mark Mindestlohn, wo bisher mehr bezahlt wurde, 10— 20 Proz. Aufschlag. Für Holzabladen und Holzschneiden ist ein Mindestlohn von 60 Pf. pro Stunde zu zahlen. Wenn Accordarbeitcr in Lohn beschäftigt werden, so muß der- selbe dem höheren durchschnittlichen Accordverdienst entsprechen. Material(Polierlappen, Bimstein, Benzin usw.) wird nicht mehr von den Arbeitern gehalten. Der Arbeitsnachweis der Fabrikanten wird nicht benutzt. Nach Siegfried referierten noch Piepenhagen vom Fach- verein und Schuhmacher vom Gewerkverein, die in Ueberein- jtimmung mit dem ersten Referenten die vorgelegten Forderungen empfahlen und zum gemeinsamen Vorgehen rieten.— In der Diskussion sprachen ebenfalls Redner der verschiedenen Organisationen. Sie erklärten sich mti den Forderungen einverstanden und begrüßten das einige Zusammengehen der drei Organisationen mit Freuden. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, welche besagt: „Da die Steigerung der Lebensmittelpreise und Wohnungsmieter dem Einkommen der Berliner Musikinstrumenten-Arbeiter nicht cnt- spricht; da seit Jahren eine günstige Geschäftslage im Berufe herrscht; da aber das auf Verbesserung der Lage gerichtete Vor- gehen in einzelnen Fabriken meist am Widerstande der Unternehmer scheiterte, beauftragt die Versammlung die in Betracht kommenden Organisationen, unverzüglich Schritte zu thun, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Berufsgenossen wesentlich zu verbessern. Die Versammelten verpflichten sich, für die Durchführung der auf- gestellten Forderungen energisch und mannhaft einzutreten." Die Vereinbarungen, die zwischen den Vertretern der Fabri- kanten- und der Arbeiterorganisation der Berliner Schuhindustrie über den Streik bei Schiveiger und die Sperre bei Kusche getroffen worden sind, haben, obgleich es sich hier nur um zwei kleinere Filzschuhfabriken handelt, große Bedeutung für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer des ganzen Industriezweiges. Die Fabrikantenorganisation hat mit dem alten unpraktischen Grundsatz: auf keinen Falk mit der Arbeiterorganisation z u v e rh an de l n, gebrochen. Sowohl der Verband der Ber- liner Schuhfabrikanten als auch die Centralorganisation der Ber- band der Schuh- und Schästesabrikanten Teutschlands hat diesen Passus aus seinen Statuten entfernt. Der Berliner Verband war es, der den ersten praktischen Versuch zur Verständigung machte und die hiesige Ortsverwaltung des Vereins deutscher Schuhmacher aufforderte, über die Differenzen bei den genannten Firmen zu ver- handeln. Die beiden Angelegenheiten hatten eigentlich nichts mit- einander zu thun; da aber sowohl Herr Schweiger als auch Herr .Kusche Mitglied des Verbandes ist, machten die Vertreter des Fabri- kantenverbandes die Verständigung davon abhängig, daß die Differenzen bei beiden Firmen erledigt wurden. In beiden Fällen handelt cS sich um Lohnstreitigkeiten, die durch Herabsetzungen der Accordpreise ent- standen waren. Im Fall Schweiger kam es bald zu annehmbaren Zugeständnissen, so daß diese Sache wesentlich zu Gunsten der Ar- beiter geregelt wurde. Schwieriger gestalteten sich die Verhand- lungen im Fall Kusche; hier gelang es nicht, einen besttmmten Lohn- tarif durchzusetzen und die Verttetcr der Arbeiter gaben sich schließlich damit zufrieden, daß Herr Kusche auf Ehrenwort erklärte, die Löhne in seiner Fabrik seien, namentlich durch Verbesserung der technischen Einrichtungen so gesttegen, daß sie jetzt nicht geringer wären als vor Verhängung der Sperre. Außerdem erreichten die Vertreter der Arbeiter, daß die Vertreter der Fabrikanten die Aufhebung des seit längerer Zeit durchgeführten Boykotts dreier Kollegen zusagten.— Die materiellen Vorteile, die bei diesen Verhandlungen erreicht wurden, sind weniger wesentlich, um so höher ist der moralische Er- folg einzuschätzen, der in der Anerkennung der Arbeiterorganisation durch den Fabrikantenvcrband liegt. Damit ist die Grundlage ge- schaffen, auf der es möglich werden kann, eine zweckmäßige Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse allgemein durchzuführen, zum Vorteil der gesamten Schuhindusttie. Achtung, Gürtler! Die Kollegen von Erich u. Grätz haben die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Oeutkdxs Reich. Per Konflikt auf der Zeche.Herkules", welcher zwischen der Belegschaft und der Betriebsleitung infolge der Maßregelung des ncugewählten Knappschastsältesten Wagner sowie dessen Ersatzmannes Hanse hervorgerufen wurde, ist durch das vermittelnde Eingreifen des Direktors P. E n g e l in a n n beigelegt. Die bereits zum nächsten Sonntag angekündigte Proteswersamnilung wird infolgedessen nicht stattfinden. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" ist äußerst erregt über unsre gestrige Nottz. Sie führt aus, daß selbst diejenigen misrer Bergarbeiter, welche im allgemeinen Bebel als ihren Führer bettachten, doch zu nüchtern denken, als daß sie jetzt in einen all- gemeinen Stteik einlreten würden, nachdem das Kohlensyndikat die Förderung um 30 Proz. eingeschränkt hat. Eine solche Verrücktheit, jetzt einen Stteik herbeizuftihren, kann nur in der Redaktton eines gewissen CenttalorganS zu Tage treten.— Run, wir haben zu dem Stteik nicht aufgefordert, noch ihn bloß gewünscht, sondern einfach über die Sttmmung der Bergleute berichtet. So wirkungslos scheint aber das geschlossene Austreten der Arbeiter gar nicht zu sein. Wir : TH.Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerlagSanjtalt sind der Meinung, daß im wesentlichen das einmütige Zusammen- stehen der Belegschaft, welche zu 75 Prozent dem Deutschen Berg- arbeiter- Verbände angehört, zu der gütlichen Beilegung der An- gelegenheit beigetragen hat. Von Treu und Glaube» der Unternehmer. Kaum ist im Zimmerergewerbe Nürnbergs der vor einigen Bkonaten abgeschlossene Tarif in Kraft getteten, so müssen auch schon die Arbeiter sich mit Maßregeln befassen, um dem Tarif Gelttmg zu verschaffen. Ein Teil der Unternehmer hält bereits jetzt die Zeit für gekommen, ihn zu durchbrechen. Zu diesen gehört sogar der Vorsitzende der Unter- nehmerorganisation, der die Vereinbarungen namens der von ihm vertretenen Körperschaft unterschrieben Hai. Es wird besonders der Winkelzug gemacht, daß mau neucingcstellte Zimmerer einige Wochen auf Probe beschäftigt, um ihnen nur den Minimallohn bezahlen zu müssen, und sie dann wieder auf das Pflasicr wirft, um mit andern das gleiche Manöver zu machen. Auch die Arbeiter, die bei einem andern Unternehmer schon über den Minimallohn bezahlt wurden, werden zu solchen„Probeeinstellungen" mißbraucht, während bei den Tarifoerhandlungen ausgesprochen wurde, daß diese Aroetter denselben Lohn erhalten sollten, den sie bei ihrem früheren Arbeit- geber bezogen. Eine Versammlung der Zimmerer beschloß, solche Manipulationen nicht zu dulden und dem Tarif mit allen Mitteln Geltung zu verschaffen. Tie Angestellten der Wach- und Schließgesellschaft in Mün- che» sind in ihrem Kampfe trotz besten Zusammenhaltens unter- legen, weil sich zu viel„Arbeitswillige" fanden. Buslstid. Die Bewegung in den Marniorbriichen von Carrara ist nicht. wie sich einige bürgerliche Blätter berichten lassen, beigelegt worden, sondern die Arbeiter haben, wie uns aus Rom unter dem 12. Sep- tember geschrieben wird, den Ausstand für zwei Monate vertagt. In diesen zwei Monaten wird das Konsortium alle die Verbesserungen in der Lage der Arbeiter erwägen, die es zu machen gewillt ist. Ueber die Wiederaufnahme des Streiks wird man auf Grund dieser Zugeständnisse entscheiden. In der benachbarten Gegend von Ver- siglia. wo seit 83 Tagen 700 Marmorarbcrter streiken, dauert der Ausstand fort.___ Huö der frauenbewegung» Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Dienstag, den 20. September, abends 8>/.- Uhr, in den„Anninhallen". Kom- mandantenstraße 20. Vorttag des Herrn Dr. Penzig über:„Ge- sinnungsbildung in der Schule". Gäste willkommen. Der Vorstand. Neu-Weißcnsee. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hiesi am 12. September eine gutbesuchte Versammlung ab. in welcher Frau Dr. Berwig einen Vortrag über:„Frauen- krankheiten" hielt. In klarer Weise schilderte Rednerin die Ursachen und Verhütung der Krankheiten. Mit regem Interesse folgte die Versammlung den lehrreichen Ausführungen.— Nächste Versamm- lung Montag, den 24. Oktober, in welcher Frl. Ida Altmann einen Vortrag über:.Vernunftgemäße Kindererziehung" halten wird. Letzte]Vachnchten und Depcfcben« Vom südwestafrikanischen Kriegsschauplatz Berlin. 14. September.(W. T. B.)(Amtliche Mitteilung.)? Unteroffizier Martini, geb. 30. März 1876 in Germersdorf. Kreis Guben, früher Regiment Nr. 122, ist am 12. September im Lazarett Okahandja an Typhus verstorben. Reiter Rudolf Löwe, geboren 12. Januar 1880 in Franzendorf bei Neichenberg, früher Ulanen. Regiment Nr. 17, ist am 12. September im Lazarett Okosongoho an Typhus gestorben. Außer dem Lieutenant Baron von Stempel und dem Sergeanten Stolle sind am 30. August gegen Morengo, westlich von Schanzogberg, gefallen: Gefreiter Otto Arndt aus Seiligcnbeil, früher Dragoner- Regiment Nr. 11. Verwundet: Gefreiter Gründlinger, früher Re- giment Nr. 42, und Reiter Stephan Goczkowski aus Katz, früher Regiment Nr. J.35._ Wieder gestraften in Hamburg. Hamburg. 14. September.(W. T. B.) Das Hamburger „Fremdenblatt" meldet, an Bord des im hiesigen Hafen liegenden. seine Ladung löschenden Dampfers„Banana", der am 10. d. M. von der Westküste von Afrika eingetroffen war, wurden tote pestvcrdächttge Natten vorgefunden: die weiteren Entlöschungs- arbeiten wurden ans behördliche Anordnung eingestellt, die toten Statten wurden dem bakteriologischen Jnstttut zur Untersuchung ein- geliefert._ Italienische Baucrnrevelte. Rom, 14. September. Tuchfabrik- Niederlage Verkaufsräume nur Berlin C. Rossstrasse 2. Küchengeheimnisse. Bon Amélie Duplessis. Bon einem über 100 Jahre alten Liede des Matthias Claudius citiert man jetzt noch die Anfangszeilen: Wenn jemand eine Reise thut, So kann er was erzählen. Auch ich möchte etwas von meiner legten Reise erzählen, keine Beschreibung schöner Gegenden, sondern nur einer Küche, deren Geheimnisse ich kennen lernte. In einem großen Sanatorium hielt ich mich längere Beit auf und hatte dort Gelegenheit zu Studien über die sich mehr und mehr bewährende Beköstigung nach der physikalisch- diätetischen Heilmethode. Noch viel fach wird irrtümlich angenommen, daß man in solchen Anstalten Hungerfuren durchmachen müsse. Das ist nicht der Fall, im Gegenteil erhält man sehr reichliche Nahrung, allerdings nach and ren diätetischen Grundfäßen zusammengesezt als man sonst gewöhnt ist. Es ist eben eine gesundere Koft als die allgemein übliche. An unsrer Tafel speisten 140 Personen, von denen die meisten mittags fünf Gänge, darunter sehr guten Braten bekamen. Nur einige erhielten wegen bestimmter Leiden vegetarische Stoft, hierbei statt des Fleisches Fische und zwar Seefische, die wegen ihrer schmackhaften Zubereitung sehr belobt wurden. 3weimal wöchentlich gab es für alle Surgäste Seefische oder Braten, nach Belieben eines jeden, an diesen Tagen aẞ fast niemand Fleisch, sondern die meisten wählten den Fischgang. Mittags und abends aß man überdies viel grüne Gemüse, Kompot, Salat und Obst, bei welcher Soft fich alle 140 Personen viel wohler fühlten, als bei ihrer sonstigen Lebensweise. Die Aerzte der Anstalt hielten häufig Vorträge über die Borzüge einer rationellen Ernährung und hiervon will ich im Interesse der Hausfrauen einiges berichten. Vor allem sollte man verbesserte Kochbücher verfaffen, aus denen man nicht nur die Zubereitung der Speisen lernen kann, sondern auch die in hygienischer Beziehung richtige Gruppierung der zur ge= mischten Kost zählenden Speisen. Es ist sicher, daß wir das zwar nahrhafte, aber schwer verdauliche Fleisch bei unsren Mahlzeiten im allgemeinen zu sehr bevorzugen, dagegen andre, ihm an Nährwert gleiche, aber leichter verdauliche Nahrungsmittel fast unbeachtet lassen. Zu diesen gehören auch die Fische, die in Berlin nur seltener gegessen werden, weil sie teuer sind, besonders im Winter. In der kommenden Saison dürften sie noch mehr zum Lurusartikel werden, weil bei dem im ver: gangenen Sommer anhaltenden Wassermangel in den Flüssen die Fische stark gelitten haben. Umsomehr sollten nun die Hausfrauen den Seefischen größere Beachtung zuwenden, denn diese sind nicht nur billig, sondern haben auch bei leichterer Berdaulichkeit einen dem Fleisch gleichkommenden Nährwert. Darum bilden sie auch in ersten Sanatorien einen wesentlichen Bestandteil der Beföstigung, seit diese Anstalten in der Lage sind, täglich frische Seefische beziehen zu können. # 1 Dies ist ihnen erst möglich, seitdem die große Dampffischerei- Gesellschaft Nordsee" aus Nordenham in Berlin und andren Großstädten eigne Verkaufsgeschäfte errichtet hat, von denen das impofante Berliner Etablissement am Bahnhof Börse( Stadtbahnbogen 8-10) als hochinteressante Sehenswürdigkeit zu bezeichnen ist. Bimmer für 80 und 20 Personen, auch für GesangVereine. bereine. Neues Pianino. Dircksenstr. 39, I. Etage, Karl Grosser.( 8wischen Bahnhof Börse und Alexanderplatz.) Telephon: Amt III, 1813. Berkehrslokal des Verbandes deutscher Gastwirtsgehilfen. 2172* Graumanns Festsäle Naunynstrasse 27. Achtung, Vereine! Sonntage im Oktober und November frei geworden. Jedes Wort: 5 Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Pfandleihhaus Weidenweg 19. Spottbilliger Gardinenverkauf.+ 49* Betten, Bettwäsche, Bettinlette, Aussteuerwäsche. Spottpreise. Pfandleihhaus Weidenweg neunzehn. Verfaufszeit genehmigter Ladenschluß. Spottbillige hochelegante Stores, Gardinen, Betten, Aussteuerwäsche, Plüschdecken, Schlafdecken. Brautleuten wird günstige Gelegenheit gegeben, im Pfandleihhaus Weidenweg 19 einzulaufen. + 49* F Möbel Specialitat: Nur 27 Proz. der Erdoberfläche sind Festland, alles andre ist Wasser, und in den Meeren wimmelt unzähliges Getier, von dem das meiste, wie Muscheln, Schnecken, Austern, Hummern, und besonders tausenderlei Fische für den Menschen in richtiger Zubereitung eine schmackhafte und gesunde Nahrung bieten. Hinsichtlich der Ausnutzung des Meeres für Ers nährungszwecke stand Deutschland bis vor einiger Zeit hinter andren Staaten zurüd. So verbraucht z. B. London allein in jedem Jahre 3 Millionen Gentner Fische, das macht pro Kopf der Bevölkerung circa 70 Pfund. 群 Der großartig organisierte Betrieb der Gesellschaft Nordsee", welcher über 42 eigne Fischereidampfer verfügt, trägt dazu bei, daß die Seefische auch in Deutschland bald den ihnen gebührenden Plaz in der Bolfsernährung einnehmen und nicht mehr allein für die Reichen als Delikatesse gelten werden. Die sehr billigen Verkaufspreise der Gesellschaft ,, Nordsee" ermöglichen jekt allen Volksklassen das vor dem schwierige Beschaffen von Seefischen, deren Wohlgeschmack und Wohlbekömmlichkeit ihre Einführung für den bürgerlichen Haushalt wesentlich fördern. Hierfür ist der stets zunehmende Verkehr in den FischHallen am Bahnhof Börse der beste Beweis. Alle Hausfrauen, welche nur einmal einen Versuch mit den ihnen bisher weniger bekannten Seefischen machen, werden regelmäßige Kunden der Gesellschaft„ Nordsee". mannstoft deutlich anschaulich; für letteren Zwed sind die billigen Preise von Bedeutung. Es kostet z. B. der besonders nahrhafte Cell. fisch und Kabljau nur 20 bis 30 Bf. das Pfund. Alle sonstigen Seefische, wie Rotzunge, Steinbutt, See zunge 2c. entsprechend ebenso billig, und außer den be kannteren Arten auch andre aus entfernteren Fischgründen erst neuerdings eingeführte, wie z. B. Adlerlachs, Seekarpfen, Seeaal, Blaufisch, Sonnenfisch 2c. Nächst Billigkeit, hoher Nährkraft und leichter Ver daulichkeit haben die Seefische noch den Vorzug, daß ihnen die feineren Gräfen fehlen, so daß sie selbst von Kindern gefahrlos gegessen werden können. Sie bieten auch für das Abendessen vielfache Abwechslung, nicht nur als warme Speisen, sondern auch als talte Platten. Die Gesellschaft„ Nordsee" liefert geräucherte und marinierte Seefische, ferner delikate Fischkonserven, alles auch sehr billig. Sehr beliebt sind z. B. Fisch Cotelettes, Brats Schellfisch, Aal und Forellen in Aspic und mehr der gleichen. 1 Außer ihrem Hauptgeschäft am Bahnhof Börse hält die Gesellschaft Nordsee" in Berlin noch drei Verkaufs stellen: I. in der Prinzenstraße 30( an der Ritterstraße), II. Madaistraße 22( im Schlesischen Bahnhofe), III. Lands. bergerstraße 52/53, wo überall zu denselben billigen Driginalpreisen verkauft wird. Nicht nur bei festlichen Gelegenheiten soll man also als angenehme Bereicherung des Menus Seefische einschalten, sondern es empfiehlt sich, sie auch für den Familientisch mindestens zweimal wöchentlich statt des teuren Fleisches zu verwenden. Damit wird in diätetischer Beziehung die Gesundheit gefördert und in ökonomischer Hinsicht das KüchenAus deren gratis verteiltem Kochbuche, mit 105 Anleitungen für Zubereitung von Seefischen und allerlei daraus herzustellenden schmackhaften Gerichten lernen nicht nur die Damen, sondern auch Köche und Köchinnen viel Neues für die herrschaftliche und für die einfache bürgerliche Küche. Dieses Kochbuch macht die vielseitige Verwendung der Seefische für Festtafel und für Haus- i budget wesentlich entlastet. Teilzahlung gestattet! Siegm Misch Dresdenerstr. 16, 1. Etage 2412* Complette bürgerliche Reelle Ware! Billige Preise! 1 Minute v. Hochbahn Kottb. Tor. Colossale Auswahl! Einrichtungen Kleine Anzeigen. Gardinenhaus Große Frankfurter ftraße 9, parterre. = 24795* 2480 2471* Verschiedenes. 11585* Berichtigung. In dem Inserat Schwimmklub " Vorwärts" soll es Andreas. straße 21, nicht 26 heißen. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Specialarzt für[ 25/ 12* Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. 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