Nr. 222. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerands: Bierteljährl. 3,30., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter SonntagsBeilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poſt- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Generalstreik in Italien. Mittwoch, den 21. September 1904. einem Konflikt gekommen, bei dem ein Arzt von einem vorbestraften Individuum durch Messerstiche getötet wurde. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Was man aus den übrigen Städten weiß, ist dank der Telegraphen- und Telephoncensur bitter wenig. Zeitungen erscheinen In Turin, Neapel, Benedig und Brescia foll ber keine mehr. Mailand, Turin, Genua, Sampierdarena Som, 17. September.( Eig. Ber.) Die Würfel find gefallen. Streit sich heute auf alle Kategorien ausdehnen. Für Rom sind die beiden letzten Abende im Dunkeln geblieben. In Das Kampfmittel, das als Werkzeug der socialen Revolution in ist er gestern abend beschlossen und jetzt bereits durchgeführt worden. Mailand beginnt heute nacht der Streik aller Eisenbahner, Amsterdam verworfen wurde, ist als feierliche Protestkundgebung Hier streiken die Trambahner, Droschtenkutscher, Bäcker, Schlächter, der von Mitternacht des 18./19. bis zur Mitternacht des 19./20. von der Mehrheit des italienischen Proletariats in Anwendung ge- Maurer, Straßenkehrer und Drucker. Leider, wir halten dies für dauern soll. Dieser Bericht wird sich also unfehlbar verspäten. In bracht worden. Man hat den Schritt erwägen und prüfen, zu be- einen großen taktischen Fehler, streiten auch die Druder Genua soll man ein Poftbureau gestürmt und dabei zehn Soldaten stimmtem Tag und zu bestimmter Stunde beginnen, eine Kampf- des" Avanti", die heute Punkt 12, nachdem man mit Ach und verletzt haben. Auch sollen die Eisenbahnschienen bei Sampierdarena parole ausgeben wollen. Alle Vorbereitung hat uns die Regierung eh eine Morgenausgabe gemacht hatte, die Druckerei verließen. entfernt worden sein. Es ist unmöglich, diese Nachrichten zu konabgenommen: sie hat selbst den Generalstreit dekretiert durch eine ir hoffen, daß die morgende Boltsversammlung den Beschluß des trollieren. neue Blutthat. Streits für den Avanti" wieder aufhebt." Tribuna" und Das Streitbulletin ist erschienen. Man hat ihm aber den unGleich nach dem Blutbad von Buggerru in Sardinien erwog haben sich in einer Morgenausgabe von ihren Lesern verabschiedet. und so weiß die Menge teilweise nicht, um was es fich handelt, und ,, Giornale d' Italia", die wie der„ Avanti" Abendblätter find, geschickten Namen Bullettino ufficiale der Arbeitskammer gegeben, man in Mailand den Streit. Da kam die Nachricht von einem neuen, noch roheren und schrecklicheren Blutbad in Castelluzzi bei TraUnd gerade heute tommt die Nachricht, daß der König der Alters- es findet wenig Absatz. pani- eine Nachricht, die 36 Stunden brauchte, um sich von Sicilien versicherungskasse der Arbeiter eine Million überwiesen habe, um Wir haben erfahren, daß Giolitti ein Rundschreiben nach Rom zu finden und in Mailand legten 80 000 Arbeiter, die die Geburt des Knaben zu feiern. Man nimmt die gewiß persön- an alle Präfetten gesandt hat, in dem er auf das allerganze Stadt, die ganzen Vororte, die Arbeit nieder. Das geschah lich gut gemeinte Spende bitter auf:" Was nügt einem" ſagte energischte auffordert, alles Menschenmögliche zu thun, um Blutgestern früh, nachdem es in der Nacht vom 15. bis zum 16. be- ein Arbeiter, eine Alterskasse, wenn man uns in der Jugend tot- bergießen zu verhindern. Spät ist ihm die Vernunft gekommen, schlossen worden war. Gleichzeitig wurde in Monza, Livorno, schießen läßt?" aber sie ist gekommen. Catanzaro, Bologna und andren fleinen Orten die Wohin der Streit führen wird, ist noch nicht abzusehen. Wenn Einen Begriff von der Einmütigkeit unsers römischen Streits Arbeit eingestellt. Aber keiner wußte vom andren, jeder Telegraphen- den streifenden Städten das Gefühl der systematischen Ungefeßlichkeit Freidenkerkongreß eintreffenden Fremden empfangen. die Regierung nicht durch das Abschneiden jeder Verbindung zwischen werden die für den übermorgen stattfindenden internationalen verkehr hatte aufgehört, die Telegraphenverbindungen waren fast und der Unsicherheit verbreitet hätte, so hätte man nach dreitägigem schon viele von ihnen, die zu Fuß, ihre Koffer selber schleppend, von Man sieht ganz abgebrochen. Die meisten größeren Städte beschlossen den Streit die Arbeit wieder aufgenommen. Heute ist keinerlei Berber Station herkommen. Das Kongreßkomitee bedurfte ziveter Streit für Montag. In der Nacht auf den 16., gleich nach der abredung möglich. Mehrere Telegramme, die Ferri nach Rom Tischler, um an dem Versammlungslokal eine Veränderung vorzu Trauerfunde aus Sicilien, vereinigten sich die in Rom anwesenden riefen, wurden einfach unterschlagen, und Ferri tam heute an, nur nehmen. Man hat sie nicht gefunden. Professor Sergi, Mitglieder des Parteivorstandes, der Fraktion und der erste politische von dem absoluten Mangel jeder Nachricht hergerufen. Redakteur des„ Avanti" und beschlossen, folgenden Aufruf zu erder spät an die Drucklegung seines Referats über Dogma und lassen, der im„ Avanti" veröffentlicht wurde: Der„ Avanti", obwohl nicht konfisciert, ist in feiner Stadt, Wissenschaft gedacht hatte, fand keinen Sezer mehr. außer Rom, zur Verteilung gekommen. An die Sektionen ber socialistischen Partei und an die Erekutivkomitees der Arbeitstammern Italiens! " " Kann sein, daß alles wieder in Ordnung ist, wenn dieser Bericht, von dem uns die Censur verbietet, einen telegraphischen Abriß zu Die Unterzeichneten, in Rom anwesenden Mitglieder des man, um die Arbeit aufzunehmen, den Rückzug Giolittis oder die senden, in Drud geht. Wir glauben es nicht. In Mailand fordert Barteivorstandes, der socialistischen Barlamentsfraktion und des Erlassung eines Gefezes, das die Verwendung bewaffneter Macht Centralorgans Avanti", überzeugt von der dringenden Notwendigkeit einer energischen und einmütigen Protesttundgebung bei Streits unmöglich macht. gegenüber den durch ihre schnelle Aufeinanderfolge fich als Soeben kommt vom Preßverein die Nachricht, daß in Genua systematisch und beabsichtigt kennzeichnende Blutthaten, begrüßen ein Postbureau von den Ausständigen gestürmt wurde, wobei die Socialisten der Arbeikammern von Mailand und fordern zehn Soldaten verwundet wurden. Der„ Avanti" hat heute fein alle Organisatoren auf, in der größtmöglichen Ausdehnung und Telegramm und keinen Brief erhalten. Es giebt für uns keinen Intensität in ganz Italien den Generalstreif zu veranlassen, als Bostverkehr mehr. gefegmäßigen, würdigen und lebendigen Ausdruck der Verurteilung jener Regierungsmethoden, die immer wieder den Brudermord erzeugen und als feierliche Betonung der Klassenverteidigung des Proletariats und seines Rechtes auf das Dasein. Vom Parteivorstand: Giovanni Lerda. Oddino Morgari. Bon der Fraktion: M. Todeschini. S. Barazzant. Für den„ Avanti": Enrico Leone. Rom, den 18. September.( Eig. Ber.) größeren Städten Italiens. Wir sind am Abend des dritten Tages Der Streit dauert fort; einmütig, fest und drohend in allen für Mailand, Monza und andre kleinere Städte, am Abend des zweiten Streiftages in Rom, Neapel, Turin usw. Im Auslande, wo man nichts hat als die verlogenen Telegramme der Stefani", tann man sich schwer eine Vorstellung machen von der Größe und Feierlichkeit der Stunden, die wir durch leben. " In Genua hat man, wie wir eben im Breßverein erfahren, die Eisenbahnwagen verbrannt und die Geleise ausgehoben. Die Lage ist sehr ernst. schließt, morgen die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem die In Mailand und Rom wird, wie die Arbeitskammer beRegierung sich berpflichtet hat, in Konflikten zwischen Kapital und Arbeit keine bewaffnete Macht zu verwenden. In Rom waren teine ernsten Unordnungen, nur ein Carabinieri ist verletzt. Rom, 20. September.( Privattelegramm des„ Vorwärts".) Die Streitbewegung danert in etwa zwanzig Städten in ruhiger, auf Beschluß der Centralorganisation der Arbeitskammern wieder aufimposanter Weise fort. In Genua, Rom, Turin wurde die Arbeit genommen. Politische Ueberficht. Berlin, den 20. September. Der Parteitag. Die Fortführung der Diskussion über den Vorstandsbericht " In die ungeheure Spannung, die noch das Fehlen jeder Nach- Der 17. schloß in Rom ab mit einer Parteibersamm richt vermehrte, plagte wie eine Bombe die Kunde, daß man in lung, in der u. a. Ferri, Prampolini, Podrecca brachte verschiedene bedeutungsvolle Auseinandersetzungen. Zunächst Sestri Ponente, bei Genua, wieder aufs Volt gesprachen. Es wurde zum Ernst und zur Disciplin ermahnt und noch wurde der schon gestern abend behandelte Antrag auf Entfaltung schoffen hatte. Es war ein kühles Telegramm der ,, Stefani" einmal bestätigt, daß ein Endpunkt des Streiks noch nicht zu be- einer besonderen Propaganda unter den Proletariern, die das die Nachricht brachte, ein Telegramm, das von 5 Verwundeten stimmen sei und alles in die Hände der Arbeitskammer von Mailand z ur Armee einberufen werden, von mehreren Rednern beleuchtet sprach und von 200 abgegebenen Schüssen. Es stant von weitem gelegt werden solle. nach Verlogenheit und sogleich kam die Version auf, die von 2 Toten und in seiner völligen Unannehmbarkeit nachgewiesen. Der Antrag Die Arbeitsruhe in Rom ist vollständig, impo- forderte der Aufklärung und 15 Verwundeten sprach. Erst heute erfieht man aus den nierend. Die„ Tribuna" hatte 120 elektrische Trams versprochen: Pflicht gegen fünftigen Soldaten über ihre den Genueser Blättern, wie sich die Sache zutrug. inneren Feind" und Ratschläge über Ein Polizei feit gestern um 4 Uhr cirkuliert ein Tram, teine Droschte, ihr Verhalten gegenüber Mißhandlungen. Es berfloß mit diesen delegierter hatte eine socialistische Protestversammlung für absolut teine. Die Straßen sind nicht gekehrt, die häuslichen Wünschen die allgemeine, nicht flar herausgearbeitete Vorstellung das Blutbad bon Baggeru auflösen wollen. Es war Abfälle nicht abgeholt, man hat seit gestern früh nicht mehr einer eindringlicheren socialistischen Einwirkung auf die proletarische dabei zu heftigen Scenen gekommen, in deren Folge ein Polizist geschlachtet, seit gestern nacht nicht mehr gebaden. Jugend im allgemeinen. Selbst die vereinzelten Freunde des Aneinem Genoffen einen Fauftschlag versetzte. Die Anwesenden Heute früh um 10 Uhr hat man auf dem Campo Boaro, am trages vermochten nicht, sich für die in ihm gestellten Forderungen reagierten und die Carabinieri feuerten wiederholt, im ganzen etwa Testaccio, eine große Voltsversammlung abgehalten, die zu erklären, und begnügten sich, seiner Tendenz zu huldigen. Faft 200 Schüsse. Schwer verletzt sind 15 Personen, auch drei Carabinieri größte. die das moderne Rom gesehen. Man rechnet, daß 12 000 fämtliche Redner aber wandten sich in aller Schärfe gegen den find durch Messerstiche verletzt. Charakteristisch für den Geist, der bis 15 000 Menschen zugegen waren: das große, weite Feld stand Antrag, dessen Bedenklichkeit und Gefährlichkeit gerade für diejenigen unter diesem Corps heute herrscht, find folgende von zwei Personen Kopf an Kopf, auf dem Testaccio standen Hunderte von Menschen, aufgezeigt wurde, die mit dieser besonderen Propaganda bedacht vor der Versammlung gehörte Worte eines Carabinieris: Mit zu denen die Stimme der Redner gar nicht mehr hinaufdrang. Zu- werden sollen. Unter andern Rednern wies Schöpflin treffend dem Gewehr, so, so. Mit dem Revolver aber bin ich sehr sicher." erst sprach ein Radikaler, der dem Protest der Bevölkerung Ausdruck darauf hin, daß es überhaupt unmöglich ist, den jungen Leuten in Diese Blutscenen trugen fich zu gerade in der Stunde, als der gab, es folgte ein Anarchist, der sich über Giolittis Hinter- furzer Frist durch Flugblätter oder Broschüren einen Wegweiser für Erbprinz von Jtalien geboren wurde. In die offizielle Freuden- list beklagte, weil dieser bis jetzt selbst den Generalstreit ver- ihr Verhalten im Heere zu geben; damit werde nur Berwirrung in feier tönte der Schrei des Protestes und ihm folgte die feierliche Kleinere, indem er feine Truppen schicke und ihn so ungefährlich den Köpfen der jungen Soldaten gestiftet und diese werden von Stille des Streifs. mache. Ein andrer Anarchist forderte auf, Rache zu nehmen, Gewalt vornherein in die schwierigsten Situationen gebracht, denen für Gewalt, Blutbad für Blutbad zu geben. Podrecca, Bissolati fie nicht gewachsen sind. und Ferri traten mit kraftvollen Worten diesen Gedanken entgegen: buhr und Vollmar scharf abweisend gegen den Antrag, Ebenso wandten sich MoltenPodrecca fagte: Schreit nicht: nieder die Bourgeoisie, nieder mit der gegen alle Traditionen der Partei verstößt. Gegenüber dem den herrschenden Klassen! Erhebt Euch selbst, Proletarier, und die Scheinradikalismus des Antrags tam Bollmar in die reizvolle Lage, Bourgeoisie wird unter Euch bleiben. Laßt die Einigkeit, den Ernst sich auf die altbewährte sieggekrönte Taktik der Partei zu berufen, und Opfermut dieser großen Stunde alltäglich unter uns sein. und Moltenbuhr legte mit vollstem Recht Wert auf die Feststellung, In Genua und allen Vororten, in Savona und Spezina, Sanremo und Ventimiglia ruht seit gestern früh jede Arbeit. Der Hafen liegt wie tot: Der Streit umfaßt alle Kategorien. Gestern nacht blieb die Stadt im Dunkeln. Heute sind teine Zeitungen erschienen. Soweit man aus den sehr unklaren Phonogrammen ersehen, die vor den Ohren der Behörde Gnade finden, wurden gestern abend mehrere Polizisten verwundet. Alle Läden sind Ferri, dessen gewaltige Stimme bis auf den Testaccio hinauf- daß feineswegs allein die juristische Gefährlichkeit einer solchen geschlossen. Genosse Morgari wurde von Rom aus nach Genua ge- brang, erklärte: Mehr als all unfre Reben, lauter, eindringlicher, Agitation unter den zukünftigen Soldaten oder taktische Klugheitsschickt, um Nachricht zu bekommen und zu geben. überzeugender als sie spricht dieser Streit. Was die Bourgeoisie nicht gründe die Socialdemokratie hindere, solch' Verfahren einzuImponierend ist die Demonftration in Mailand. Die begreifen will, das muß sie heute begreifen: Ihr Proletarier seid schlagen. In der That stände eine derartige Propaganda im Wider80 000 Streifenden sind Herren der Stadt. Der Bürgermeister die Quelle der Produktion, Ihr thut alles, schafft alles, und Eure spruch zu allen Auffassungen unsrer Partei vom Militarismus und wollte ein Manifest für die Geburt des Prinzen veröffentlichen und gefreuzten Arme setzen alles fest. Das lernt die Bourgeoisie heute. feiner Entwicklung in Deutschland. Mag die militärische Reaktion fandte es den organisierten Buchdruckern mit der Bitte, es zu drucken. Aber auch Ihr sollt von der Bourgeoisie lernen. Sie, die ber von Konflikten mit dem„ inneren Feind" träumen und sie ersehnen, Das wurde abgelehnt und statt dessen ein Manifest der Arbeits- schwindende Minderheit, herrscht, weil sie organisiert ist, weil all nimmermehr ist es Aufgabe der Socialdemokratie, sich unmittelbar tammer an das Mailänder Proletariat gerichtet. Da alle öffentlichen die 1000 feinen Gefüge ihres socialen Mechanismus ineinander an die einzelnen Soldaten zu wenden und ihnen die Verweigerung Gebäude geflaggt hatten der Geburt des Prinzen zu Ehren, ließen greifen, weil jeder in der Behauptung seiner Klassenherrschaft mit des militärischen Gehorsams für bestimmte Fälle aufzuerlegen die Streifenden alle Fahnen Halbmast hiffen, eingebenk der den Klassengenoffen einig bleibt. Laßt das Proletariat sich selbst zum denn darauf müßte eine solche Agitation schließlich hinauslaufen. Opfer in Sardinien, Sizilien und Sestri. Keine Zeitung erscheint, Mechanismus umschaffen, der im stande ist, die Produktion technisch unsre Aufgabe ist es, durch die parlamentarische Kritik, durch die nur die Arbeitskammer giebt ein Bulletin des Streits heraus, das zu bewältigen, intellektuell zu leiten, die Gesellschaft geistig zu durch- Presse, durch all unser Wirken in der öffentlichen Ueberzeugung - dank der einigenden Kraft der großen Stunde von den Ste- bringen mit dem Jdeal der socialen Gerechtigkeit, und die Welt Deutschlands das Verlangen nach einer freiheitlichen Gestaltung dakteuren des Tempo", der„ Avanguardia" und der ist unser. republikanischen Italia del Popolo" gemeinsam geunfrer Zustände, insbesondere auch im Heerwesen, so unerschütterlich Nachdem man eine Protest- Tagesordnung angenommen hatte, löste zu begründen und zu festigen, daß die reaktionäre Gier in sich erschrieben wird. Alles ist ruhig. Nur ist es bedauernswerterweise sich die Riesenversammlung, die zwei Stunden unter den Strahlen stickt. Wenn wir aber die jungen Arbeiter möglichst gegen Mißbei Schließen der Restaurants, das die Streifenden erzielten, zu der Sonne ausgehalten, auf und begab sich nach der Stadt zurück. Handlungen schützen wollen, so müssen wir sorgen, daß sie allesamt " T " Menschen. t " " " * Proletarische Centrumsagitatoren. zu socialistischer und freiheitlicher Intelligenz emporwachsen. Gegen vereins beschlossen, sich auch an Katholiken und Juden zu wenden. 1 erschienen, die sich aber dann doch noch durch das Schnäpschen die geweckten, tüchtigen, gegen socialistische Soldaten sind Miß- Diese Schamhaftigkeit des großen Kirchenbauers nimmt uns täuschen ließen, das unser Berichterstatter zur Vervollständigung handlungen, wie alte Erfahrung zeigt, sehr selten, sie richten sich Wunder angesichts der Thatsache, daß er persönlich bei dem seiner russischen Ausrüstung nahm, sondern es handelt sich um das weitaus mehr gegen die jungen Leute aus Bevölkerungsschichten, die Juden Singer vorgesprochen hat, um dessen Einflußf schmachvolle System, daß der preußische Staat sich in den Dienst bisher wenig oder gar nicht vom Geist unsrer Partei erfaßt sind. für die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche zu gewinnen. der Reedereifirma und zugleich in den Dienst des Zaren stellt, unt ES arme Proletarier entweder dem einen zu-, oder wieder in die Knecht= Es bleibt dabei, daß gerade die socialistischen Soldaten es sind, scheint, daß er gegen die direkte Anschnorrung der Juden schaft des andern zurüdzutreiben. Dieses System aufzudecken und welche die militärischen Pflichten auf das peinlichste erfüllen, wie es mir deshalb gestimmt hat, weil er sich davon nicht viel ver- zu seiner Beseitigung beizutragen, haben wir uns zur Aufgabe gesetzt. die socialistischen Arbeiter sind, welche in den Fabriken die tüchtigsten sprach. In der That sollen von Juden nur 19 000 M. und von Und die schweigende Ballinpresse wird auch noch zum Reden gezwungen sind. Die Partei aber wird durch ihr Gesamtwirken im öffentlichen Statholiken 56 000 M. gespendet worden sein. Das ist bei den werden. Leben das Brutalisierungssystem des Militarismus beseitigen und großen Zielen, die Mirbach sich gesteckt hatte, nicht viel, und man die Demokratisierung der Armee herbeiführen. Gleichwohl ist aus fann schon glauben, daß der gewiegte Geschäftsmann um solcher( Privatdepesche des„ Vorwärts".) Der Parteitag wird sich mit dieser Debatte, durch die nebenher Erörterungen über Schaffung Lappalien willen den bedenklichen Schritt zu den Juden nicht machen der Ballinwirtschaft beschäftigen. Es wird eine Resolution eineiner Jugendlitteratur gingen, der Ertrag gewonnen, daß die Arbeiter wollte. Er hat, wie er erzählt, von 1888 bis 1903 für 55 Kirchen gebracht werden, die eine Regelung des Fremdenrechts und Schuß schaft an die große Aufgabe, ihre Jugend zu Unabhängigkeitsfinn und 31 Millionen Mark zusammengeschnorrt und außerdem 10 Millionen gegen das vom Vorwärts" aufgedeckte Verfahren der Ballinagenturen fordert. Freiheitsstolz zu erziehen, weitaus gesteigerte Bemühungen sezen soll. für Zwecke der Stadtmission und dergleichen. So unerträglich es wäre, sich an die Jugend mit politischen Artikelit Ueber die Pommernbank und das Conto K fagt er alsdann: zu wenden, die sie nicht geistig verarbeiten kann, so ungemein„ Der Hoftitel wurde ihnen durch mich verschafft, ohne daß sie Vom Niederrhein wird uns geschrieben: Der Volksverein für wichtig ist es, der Jugend des Proletariats Möglichkeiten zu schaffen denselben nachgesucht hatten. Als sie bald darauf eine Stiftung von das katholische Deutschland hat bekanntlich seine Centrale in für die Entwicklung zu kraftolen, geiſtes frischen, ideal strebenden 350 000 W. machen wollten, lehnte ich dies ausdrücklich aus dem M.- Gladbach, in der er einen großen Beamtenapparat, zumeist Grunde ab, weil es wie eine vorher abgemachte Gegenleistung auf- Theologen, unterhält. Seit mehreren Jahren werden in der Centrale Bei der Beratung von Wünschen für die Tagesordnung des gefaßt werden könnte. Deshalb stellten sie später ein Guthaben aus, fociale Kurse abgehalten, an welchen stets eine Anzahl Personen auf welches diese namentlich für den Kirchenbau bestimmte Summe teilnehmen, die sich den geistigen" Kampf gegen die Socialdemo nächsten Parteitages verblieb der Parteitag bei der guten Regel, allmählich nach Bedarf erhoben werden konnte. Von dieser Summe fratie zum Beruf erkoren haben. Früher rekrutierten sich die Bes daß sich im allgemeinen solche Feststellungen auf Jahresfrist nicht von 350 000 Mart wurden, wie auch vor Gericht festgestellt worden sucher der Kurse aus den Mittelständen sowie Geistlichen und treffen lassen. Er gab aber diejenigen Wünsche zur Erwägung des ist, im November 1900 25 000 Mark abgehoben, dann, als die Redakteuren, doch hat sich der Kreis erweitert, so daß Parteivorstandes, die wichtige aktuelle Angelegenheiten betreffen. Schwierigkeiten der Bank anfingen, auf den Rest von 325 000 Mart jezt auch Arbeiter zu Centrumsagitatoren ausgebildet werden. Bernstein, Karl Liebknecht, Genossin Zetkin und von mir sofort verzichtet. Um das auf meinen Namen mit Selbstverständlich bedürfen die letztgenannten einer längeren andre erachteten erachteten eine fünftige gründliche Beratung des Conto K( Kirchenbauverein) lautende Conto aufzulösen, stellte ich Ausbildung" als die erstern, die gewöhnlich in circa drei politischen Streifs für notwendig: Es herrsche die Quittung über die 325 000 Mark aus und ermächtigte die Wochen vollständig ausgerüstet sind zum Kampf gegen den Unsicherheit über Begriff und Wesen des„ Generalstreits", des Herren, das Geld, was nach meiner Ansicht nur ihnen gehören Drachen Socialismus". Denn daß es sich nur um diesen Kampf fonnte, wieder an sich zu nehmen. Sie hätten mir aller- handelt, geht aus den Thematen hervor, die auf den Kursen zur politischen Massenstreits; und es müßten Mittel ins Auge gefaßt dings hierüber hierüber ebenfalls eine Quittung ausstellen müssen. Diskussion stehen. Wir heben nur einige derselben, die auf dem werden, die das Proletariat anwendet im Falle wachsender Gewalt- Aber bei allen gerichtlichen Untersuchungen ist nirgends, auch nach letzten Kursus, der jetzt beendet ist, behandelt wurden, hervor. Es thätigkeit der politischen Feinde, insbesondere im Falle eines An- den Aussagen der Direktoren selbst, der geringste Zweifel geblieben, wurden Vorträge gehalten über„ Entwicklung der Volkswirtschaft faylages auf das Reichstags- Wahlrecht. Es scheint, als habe bereits daß sie das Geld wieder an sich genommen haben. Was sie damit und Socialismus",„ Kommunale Socialpolitik, sociale und diese kurze Aussprache alles Wesentliche klar gestellt, worauf eine gemacht haben, ist nicht festgestellt und mir vollständig unbekannt." apologetische Fortbildung", Materialismus und Weltnächstjährige Debatte über den Massenstreit führen kann. Von allen Die Behauptung, es sei kein Zweifel geblieben, daß die Pommern- entwicklung", über den„ biblischen Schöpfungsbericht, Darwinismus, Rednern wurden natürlich die antiparlamentarischen Ver- direktoren die 325 000 W. an sich genommen haben, ist ganz neu. Bibel und Babel" sowie" Tarifverträge und Aufgaben gegenüber der Socialdemokratie". wirrtheiten der Friedebergischen Agitation abgewiesen. Andrerseits Die Herren Schultz und Romeick haben sich darüber stets in vielsagend 97 Geistlichen, 13 Theologie Studierende, 12 Lehrer, 9 Redakteure, An dem letzten Kursus nahmen außer besteht darüber unter Socialdemokraten wohl überhaupt keine Meinungs- diskretes Schweigen gehüllt und niemand hat den Versuch gemacht, 4 Damen, die sich socialpolitisch bethätigen, endlich auch 44 Arbeiter verschiedenheit, daß zum Schuße der einzigen Vertretungskörperschaft, das aufzuklären. Eine Quittung über den Empfang von 325 000 M. theil. Bemerkenswert ist, daß in dem Kampfe gegen die Socialin der das deutsche Volk einige Macht hat, der politische Massen- auszustellen, die er niemals empfangen hat, das gethan zu haben, demokratie auch die Frau als Rednerin verwandt werden soll, streit ein machtvolles und für die reaktionären Rechtsbrecher gefahr- kann man doch von einem Manne mit fünf gefunden Sinnen, der während doch sonst das Centrum der Frau ihren Platz hinter dem bringendes Kampfesmittel des Proletariats werden kann. Der mit Millionen umzugehen gewöhnt ist, nicht annehmen. Kochherd anwies; aber die Furcht zeitigt sonderbare Früchte beim Parteitag aber hält die jeßige Situation im Reiche trotz aller Auch daß das Geld das Eigentum der Pommerndirektoren Centrum und selbst Vorurteile und Satzungen gelten nicht mehr, Tauernden Absichten und Anschläge der Feinde, die wir mit aller gewesen sei, ist Mirbachs eigne Weisheit. Eine Aufklärung fann wenn es heißt, die Position gegen die Socialdemokratie zu verteidigen; jeder Strohhalm wird ergriffen, der zur Rettung dienen Aufmerksamkeit betrachten, nicht für eine solche, daß es nötig man also die Darstellung der Rechtfertigungsschrift nicht nennen. wäre, die äußersten Kampfesmittel aus der Rüstkammer zu Den Hoftitel scheint Mirbach der Pommernbank nach seiner fönnte. Wie die Ausbildung" in den Kursen vor sich geht, kann man sich lebhaft vorstellen; den Teilnehmern werden einige Phrasen nehmen. Vorerst ist es auch in diesen Dingen die Aufgabe Darstellung aus reiner Liebhaberei verschafft zu haben. Es scheint eingepauft, die man dann auf die katholischen Arbeiter losläßt, um unsrer Partei, das ganze deutsche Volk so zu beein- ihm Vergnügen gemacht zu haben, den Leuten einen hübschen Titel diese in ihrer Beschränktheit zu erhalten. Es war ein ganz fluger flussen, daß das Wagnis eines Streiches gegen no die zu verschaffen. Ein Engel, dieser Mirbach! Verschafft den Leuten Trick des Centrums in der Jesuitenschule, wie die Centrale des elementarsten Boltsrechte der Reaktion von vornherein aussichtslos Titel, die sie nicht verlangen, will nichts dafür haben, giebt ihnen Voltsvereins in M.- Gladbach allgemein genannt wird, auch Arbeiter erscheinen muß. Auch in der Altoholfrage wurde ein gutes noch obendrein eine Quittung über325 000 M., ohne Geld zu nehmen, zu Agitatoren auszubilden. Diese Leute, aus den christlichen Gewerks schaften oder den katholischen Arbeitervereinen, die auch die UnterErgebnis erzielt. Unter Wahrung der principiellen Anschauung über mehr Menschenliebe fann man nicht verlangen. die socialen Ursachen des Alkoholismus erachtet die Partei es als Schließlich teilt Herr Mirbach noch mit, daß er etwa ein halbes haltungskosten in M.- Gladbach bestreiten, hervorgegangen, find thatsächlich sehr gute Agitatoren für das Centrum. Die Geistlichkeit Pflicht, allenthalben die Arbeiterschaft auf die furchtbaren hundert Orden und etliche Kommerzienratstitel vermittelt habe. hat, wenigstens in den großen Städten, auch bei den katholischen Schädigungen durch den Trunk hinzuweisen, sie zu reineren Genüssen Natürlich auch aus reiner Menschenliebe. Arbeitern unstreitig an Ansehen verloren, deshalb verfiel man auf aufzurufen, wodurch zugleich die Aufnahmefähigkeit für die befreienden die Jdee der Arbeiteragitatoren. Diese Jejuitenschüler genießen in den Ideen des Socialismus mächtig gehoben wird. christlichen Gewerkschaften und auch in den katholischen ArbeiterIn der Nachmittag- Sizung wurde die parlamentarische Debatte erstatters in der Rolle eines russischen Reisenden haben bisher liche. Es ist das auch leicht erklärlich, weil ersterer den Arbeitern in Unfre gestrigen Mitteilungen über die Erlebnisse unfres Bericht- vereinen des Westens vielfach ein größeres Ansehen als der Geistbis auf den Fall Schippel erledigt, den Ledebour als Bericht- wenigstens einem Blatte den Mund ein wenig geöffnet. Das wirtschaftlicher Beziehung näher steht. Die Domäne für diese erstatter ausführlich dargestellt hatte. Die Diskussion über die Berliner Tageblatt", das übrigens bei dieser Gelegenheit behauptet, Centrumsagitatoren ist wohl der Niederrhein mit seiner industriellen parlamentarische Thätigkeit drehte sich um die anfängliche Stimm- es habe bisher die Angelegenheit im Handelsteil erörtert, hat Bevölkerung, fast jeder Ort von einiger Bedeutung weist einen oder enthaltung der Fraktion bei den Hererokrediten, die Ablehnung des nun seinen politischen Teil mit dieser Börsenangelegenheit mehrere von ihnen als Gewerkschaftsbeamte und Arbeitersekretäre Kaufmannsgerichts- Gesetzes und die von Timm in der„ Neuen Zeit" belastet. Wenn es von sich behauptet, daß seine bisherige Behandlung auf. Sie betreiben eine systematische Agitation in Verbefürwortete stärkere Offensive auf dem Gebiet der socialpolitischen der Angelegenheit sachlich war, wir aber mit dieser sachlichen Be- fammlungen oder sonstigen Zusammenfünften gegen die moderne Gesetzgebung. Hoch bedauerte, daß die Fraktion nicht in den handlung nicht zufrieden gewesen seien, so fann man auf die Ver- Arbeiterbewegung. Man muß diese auf die Socialdemokratie mutung kommen, daß es uns einen Gefallen damit zu erweisen dressierten Jesuitenschüler in Versammlungen sehen und hören, um Krantentassenstreit zu Gunsten der Selbstverwaltung eingegriffen glaubt, wenn es die Angelegenheit jetzt nicht sachlich behandelt. begreifen zu können, daß sich unerfahrene Arbeiter durch die einhabe. Körsten vertrat in der Rechtfertigung seiner Stettiner Rede Gs leitet nämlich die Behandlung unsrer gestrigen Mitteilungen mit gepauften Phrasen noch bethören lassen; daß die„ Gottlosigkeit" der die Meinung, daß die Fraktion alle socialpolitischen Gesetze, der Bemerkung ein, wir hätten einen Schlager", eine Quartals Socialdemokratie hauptsächlich herhalten muß, versteht sich am Rande. namentlich mit Rücksicht auf die Agitation annehmen müsse; dieser sensation gebraucht. Es ist nun selbstverständlich, daß die Socialdemokratie auch dieser Auffassung wurde lebhaft widersprochen, so von Bebel. Stampfesweise Herr werden wird; aber erschwert wird den Genossen in den Gegenden doch der Kampf, das ist eine Thatsache, die nicht wegzuleugnen ist. Deshalb ist es Pflicht der Gesamtpartei, unfre Genossen in diesen zurückgebliebenen Gegenden mit aller Kraft zu unterſtügen, soweit sie Hilfe brauchen. ( 96) Vom Ballinismus. Laß deine linte Spalte nicht wissen, was in deiner rechten steht, Erst am Schluß der Sitzung begann die Diskussion des so denkt man offenbar im" Tageblatt". In der rechten Spalte der Falles Schipper, zu dem drei Resolutionen vorliegen. Die ersten Seite redet es nämlich von unsrer Quartalssensation und in Mißbilligungs- Resolution Bebel hält die Mitte zwischen einem ein- der linken Spalte derselben Seite beschwert es sich darüber, daß Mirbach in seiner Rechtfertigungsschrift zwischen einer" fenfachen Tadelsvotum, das Päplow und 25 Genossen ausgesprochen fationellen" und einer„ beſſeren" Bresse unterscheide. Es ist schon ivissen wollen, und einem von Freythaler und Genossen gestellten ein guter freifinniger Brauch, wichtige politische Feststellungen, die Amendement, das auf die Konsequenzen von Schippels Verhalten die preußische Kultur" im schönsten russischen Wuttilichte erstrahlen hindeutet. Morgen früh wird Schippel beginnen. Ihm ist un- lassen, unter die Rubrik Quartalssensationen zu bringen. beschränkte Redezeit zu seiner Verteidigung bewilligt worden. but Bur Sache selbst hat das„ Tageblatt" nur dies zu sagen: " " * Deutfches Reich. me Mirbachs Rechtfertigung. Das Berliner Tageblatt" ist in der Lage, aus der schon erwähnten Rechtfertigungsschrift des Freiherrn v. Mirbach Auszüge mitzuteilen. Die Aufklärung" über den Verbleib der 325 000 M. des Conto K, die darin zu geben versucht wird, läßt die Angelegenheit so dunkel wie sie bisher war, dagegen giebt sie sonst einige interessante Einzelheiten. Mirbach packt aus. Daß Hammerstein ihn zu verleugnen gesucht hat und daß er büßen soll, was mit Hammersteins Kenntnis geschehen ist, das heißt ihn reden. Er sagt in seiner Schrift über die Korrespondenz mit den Oberpräsidenten: Land Zu diesen Feststellungen muß bemerkt werden, daß die preußische Regierung allerdings ein Interesse daran hat, das Land nicht von russischen mittellosen Auswanderern überschwemmen zu lassen. Bekanntlich ist die Kontrolle der Auswanderer in den amerikanischen Häfen sehr streng; was nicht passieren darf, wird auf Kosten der Reedereien zurückgeschickt und fällt dem Deutschen Reich zur Last. Also eine Kontrolle der Auswanderer ist nötig; die Abmachungen zwischen den großen deutschen Reedereien und der preußischen Regierung entsprechen einem Bedürfnis. Damit fönnen aber die Mißgriffe, die anscheinend recht häufig von den Agenten der Hamburg- Amerika- Linie begangen werden, in keiner Weise gerechtfertigt werden. Die Polizei hat die Pflicht, diesen Agenten gründlich auf die Finger zu sehen. Aber vielleicht wäre es überhaupt richtig, diese Agenten, die von der Provision leben und deshalb zu lebergriffen neigen, durch fest angestellte Beamte zu ersehen. Ueber die Missionsthätigkeit auf Neu- Guinea veröffentlicht die, Kölnische Zeitung" allerhand Mitteilungen über das höchst ungeschickte Auftreten der katholischen Missionate. Es wird in der„ Kölnischen Zeitung" behauptet, daß wirklich diese höchst unbesonnene Missionsthätigkeit die Ursache zu dem Blutbad auf Neu- Pommern gewesen sei. Die Thätigkeit der Missionare, ihre Einmischung in die intimsten Lebensgewohnheiten der Eingeborenen habe die höchste unzufriedenheit derselben hervorgerufen. Die Missionare hätten die Eingeborenen in ihrem häuslichen Leben stetig überwacht und beaufsichtigt und in zahlreichen Fällen ins Gefängnis gesteckt für Vergehen, die nach den Begriffen der Eingeborenen gar nicht als Vergehen oder gar Verbrechen aufzufassen gewesen wären, vielmehr durchaus den Sitten und Gebräuchen entsprochen hätten. Vor allen Dingen habe es sich um die Einmischung in das Eheleben der Eingeborenen gehandelt. Diese Einmischungen seien schon seit Tänger als einem Jahre vorgekommen und von den " Der Vorstand des Kirchenbauvereins entwarf im Februar 1902 Das wird Ballin nicht übel ankreiden. Nur passen die Be- Eingeborenen Neu- Pommerns aufs schwerste empfunden ein an unfre Mitglieder und Freunde des Kirchenbauvereins und des Evangelisch- kirchlichen Hilfsvereins zu richtendes Schreiben und merkungen auf die thatsächlichen Verhältnisse wie die Faust aufs worden. Diese Eingeborenen zeichneten sich keineswegs durch be bildete zunächst ein großes Komitee für Berlin, dem 242 Mitglieder Auge. Es handelt sich gar nicht darum, das Land vor der Ueber- fondere Wildheit oder Grausamkeit aus, im Gegenteil gälten fogar beitraten, unter ihnen die ersten Staats- und Hofbeamten und viele ſchwemmung mit mittellosen russischen Auswanderern zu schüßen und im allgemeinen diese Stämme als friedfertiger und harmloser als es handelt sich nicht darum, die Reedereien vor den Kosten des Rück- die Bewohner der Nachbarinseln. Die Missionare hätten eigenangesehene, einflußreiche Herren aller Kreise. Der Vorstand transportes in Amerika abgelehnter Auswanderer zu schüßen. beschloß ferner, da der Kirchenbauverein für das ganze Unser zwangsweise nach Ruhleben geschaffter Berichterstatter mächtig eine Verordnung erlassen, wonach jeder Eingeborene künftig ebensolche Komitees in allen Provinzen zu war nicht mittellos; er hatte 50 m. bei sich, die ihm abgenommen nur ein Weib haben dürfe. Zuwiderhandlungen feien mit Gebilden. Dazu mußte er sich, wie dies jeder Verein worden sind. Er wollte auch nicht das Land überschwemmen, er fängnis und 3wangsarbeit von beträchtlicher zu thun hat und es unzählige jährlich thun, an die Ober- wollte im Gegenteil das Land verlassen, denn er hatte erklärt, daß Dauer bestraft worden. Nun sei aber die Vielweiberei bei den präsidenten wenden. Dies war bei 1111s noch um gewiesener, als sämtliche Oberpräsidenten bis auf einen seit langen er von Hamburg nach London wollte. Auch der mit ihm zugleich Eingeborenen eine alte geheiligte Tradition gewesen, und sie hätten Jahren Mitglieder des Evangelisch- kirchlichen Hilfsvereins find. Im gegen seinen Willen nach Ruhleben verfrachtete erste Russe war nicht es deshalb höchst empörend gefunden, daß sich die Missionare in diese ihre Auftrage des Vorstandes richtete ich daher an die Oberpräsidenten mittellos, sondern reichlich mit Reisegeld versehen. Auch er wollte die Anfrage, ob sie geneigt seien, einem derartigen Komitee beizu- nicht im Bande bleiben, sondern nach London reisen und hat das intimsten Gebräuche und Lebensgewohnheiten eindrängten. Sie hätten atvar dem Gebot der Missionare Rechnung getragen, da eine ganze treten und zu ſeiner Organisation uns aus den Provinzen einige ganz nachdrücklich erklärt. Der ganze Apparat ist ja gerade eingerichtet, um den Reedereien, n3 ahl von Uebertretern in das Regierungs. geeignete Herren zu bezeichnen. Das geschah. An alle wurde dann speciell der Hamburg- Amerika- Linie, Zwischended- Passagiere zuzu gefängnis geworfen worden wäre. Aber der Groll im Sinne der Beschlüsse des Kirchenbauvorstandes geschrieben, und treiben. Zu diesem Zwecke werden Gewalt und Ueberredung an- gegen die Missionare habe um so tiefer um sich gefressen. so mit der Zeit in den Provinzen Komitees gebildet. Da es sich gewendet. Wenn es nur gälte, die Reedereien vor den Kosten des Die Ermordung der Missionare finde in der Empörung der Einhier also nirgends um eine allgemeine Kollekte handelte, bedurfte Rüdtransportes solcher Auswanderer zu schüßen, die Amerika zurüd geborenen über die ihnen unbegreifliche Bevormundung nur ihren es nicht der ausdrücklichen Genehmigung des Ministers des weisen würde, wozu denn dann die Bemühungen, Leute, die gar nicht natürlichen Ausdruck. Inneren. Aber ich hatte denselben trotzdem unterrichtet, zumal er nach Amerika reisen wollen, zum Kauf einer Schiffahrtskarte nach selbst Mitglied des Berliner Komitees war und fich lebhaft für die Amerika zu überreden? Wenn es sich darum handelte, das Land vor einigen Tagen bereits Ausdruck gegeben hatten. Es ist selbstverDiese Mitteilungen bestätigen nur die Auffassung, der wir vor Sache interessierte." der Ueberschwemmung mit mittellosen Auswanderern zu schüßen, Hammerstein war also nicht nur Mitglied des Berliner Komitees weshalb hindert man dann Leute, die man für Auswanderer hält, ständlich höchst thöricht, einem auf ganz andrer Kulturstufe stehenden, und als solches doch wohl von den Vorgängen im allgemeinen nach London auszuwandern? von ganz andren Sittlichkeitsvorstellungen beherrschten Volke die unterrichtet, sondern Mirbach erklärt, daß er den Minister noch be- Daß Ballins Agenten auch" Mißgriffe" begehen können, beweist christlich europäischen Sittlichkeitsvorstellungen gewaltsam aufsonders bon dem Schreiben an die Oberpräsidenten in allerdings der Umstand, daß man einen Berichterstatter des Vor- zwingen zu wollen. Was uns aber an dieser DarKenntnis gesetzt habe. Es muß doch dem Minister bei dem wärts" aufgegriffen hat, so daß wir in die dage kommen, das ftellung besonders verwundert, ist, daß die Regierung auf ganzen Treiben nicht recht wohl gewesen sein, daß er diese Kenntnis ganze Verfahren notorisch zu machen. Dieser Mißgriff diskreditiert Neu- Pommern den Missionaren ein derartiges Strafrecht aber höchstens die Agenten Ballins ihrem Auftraggeber gegenüber. An dem Judengelde, das für die Gedächtniskirche gegeben egen solche Ruffen wird man den Agenten wahrscheinlich für die eingeräumt haben soll. Es ist doch ein völliges Unding, Zukunft Vorsicht anempfehlen. daß die Regierung ihre Strafgewalt an Missionare abtritt resp. der worden ist, will Herr v. Mirbach unschuldig sein. Er behauptet Vor der Oeffentlichkeit handelt es sich jedoch nicht um die Miß- Durchführung der Vorschriften derselben ihre Macht leiht! Missionämlich, gegen seine Stimme habe der Vorstand des Kirchenbau- griffe von Agenten, denen zwar die Stiefeln nicht russisch genug nare find lediglich der religiösen Bekehrung wegen da; in die Neim Landtage abgeleugnet hat. fo Husland. gierungsgeschäfte haben sie sich nicht einzumischen, es sei denn, daß fanterie mit 12 Geschüßen bescht. Westlich von Uebrigens habe Redner persönlich auch für den Absatz des antifie gegen ungerechte Handlungen der Regierung die öffentliche Kritik Bianiupusa stieß ein Kosakenstreifivache auf einen japanischen militaristischen„ Soldaten- Handbuches" gewirkt. anriefen. In Neu- Pommern scheinen aber die Missionare noch an- Transportzug und erbeutete 30 Pferde mit Gepäck. Destlich von Es sind noch 22 Redner eingeschrieben. Der Kongreß votiert maßender aufgetreten zu sein als seiner Zeit in China, wo sie ja Bianiupusa wurde der Gegner nicht gesehen. Am 18. September den Schluß der Nednerliste. bekanntermaßen zur Erregung des Boreraufstandes ein erhebliches doch wurde bemerkt, daß in der Umgegend des Dorfes Bianiupusa flärung, worin sein Verband den Mechanikern anbietet, die zwischen rückte der Feind über die von ihm besetzte Linie nicht weiter vor; Latapie, Metallarbeiter( Aubuhost) verliest zunächst eine ErTeil beitrugen. Es wird deshalb Pflicht der Regierung sein, sich auch Gegners ist bei Liaujang bereits auf das rechte Ufer des Taitse- sonderen Versammlung zu Bourges zu diskutieren, um so die Zeit Verstärkungen eintrafen. Ein großer Teil der Streitkräfte des den beiden Organisationen schwebenden Differenzen in einer beüber diese wunderlichen Missions- und Verflusses übergesetzt. waltungspraktiken gründlich zu verantworten! des Kongresses zu sparen, der übrigens sich in die internen Streitig Tokio, 20. September.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) keiten zwischen einzelnen Organisationen nicht einzumischen habe. Aus dem Hauptquartier der Mandschurei- Armee wird heute tele-|( Lebhafter Beifall links.) graphiert, daß seit dem letzten Bericht die Feststellung der in der Hierauf wendet er sich gegen Guérards Rede: Es war eine geNähe der Station Liaujang gemachten Beute schickte Rede, darauf berechnet, Zwietracht im revolutionären Lager folgendes ergeben hat: Besetzt wurden von den Japanern zu säen, da unter den Revolutionären sich auch politische Parteigänger 353 Häuser und 214 Magazine, die zusammen einen Flächenraum befinden, revolutionäre Socialiſten. von 58 000 Quadratyards einnehmen; ferner erbeuteten die Japaner nicht erreicht werden: Wir, Antiparlamentarier, und die revolutionären Dieser Zweck wird aber 16 000 Koku Gerste, Reis, Weizen und Hirse, 1300 Fässer Petroleum, Socialisten stimmen vollständig überein in Bezug auf Zweck und 1800 Fässer Zucker, 166 Tonnen Kohle sowie viel Brennholz. Aufgabe der Konföderation. Diese hat alle Arbeiter ohne UnterTichifu, 20. September. Meldung des Neuterschen Bureaus.) schied der socialen und philosophischen Meinungen in ihre Reihen aufNach zuverlässigen Weldungen hat gestern mit Tagesanbruch ein zunehmen. Aber zugleich verlangen wir, daß die den Gewerkschaften aus Arthur begonnen, der bis zum Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt zogen, über die Nuslosigkeit der Reformen in der bestehenden stiefmütterallgemeiner Angriff der Japaner auf Port persönlichen Interesse beitretenden Elemente in revolutionärem Sie erwurde. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Japaner ver- lichen Gesellschaft aufgeklärt werden. Die weitere Aufgabe der Geschiedene Hauptforts im Nordosten von Port Arthur zu nehmen werkschaften ist die Erziehung der Arbeiter auf allen Gebieten London, 20. September. Dem Reuterschen Bureau wird aus mischer Beifall links.) Und Zweck der Gewerkschaften ist die Umzum Kampf gegen den Staat, die Kirche und die Armee.( StirShanghai gemeldet: Bei dem gestern wieder aufgenommenen all- wandlung der bestehenden Gesellschaft in eine kommunistische. gemeinen Angriff auf Port Arthur habe die Flotte mitgewirkt. Die Japaner hätten heute morgen zwei wichtige Forts auf jeder Seite von Shinfiying erobert. Russendienst und Polizeiverfolgung eines deutschen Kapitän3. Nach den genaueren Mitteilungen, die jetzt über die Person des in Skagen verhafteten Japaners vorliegen, erscheint die ganze Sache erst recht als eine höchst lächerliche Maßregel. Der Name des Japaners ist Takikawa und er ist, wie der Gothaer Kalender ausweist, Marine Attache der japanischen Ge= sandtschaft in Berlin. Er hat am Donnerstagabend, nachdem man ihn 7 Stunden auf dem Skagener Rathaus festgehalten und ihm dort die dänischen Ausweisungsbestimmungen vorgelesen hatte, Skagen mit dem Südzuge verlassen und er befindet sich jetzt wahrscheinlich wieder in Berlin. Die erwähnten Ausweisungsbestimmungen geben natürlich keinen triftigen Grund für eine Ausweisung und für die Polizeiaufsicht und-Verfolgung Takilawas an; sie besagen in der Hauptsache nur, daß Fremde, die nicht mindestens 2 Jahre beständig in Dänemark gewohnt haben, auf Befehr des Justizministers ausgewiesen werden können, wenn ihre persönlichen Verhältnisse dazu Veranlassung geben müssen. Als Kapitän Takikawa von Skagen im Wagen 1. Klasse abreiste, setzte sich suchten. die Einigkeit wollt, so habt Ihr die Statuten der Konföderation zu Zum Schluß wendet sich Latapie an die Buchdrucker: Wenn Ihr respektieren, die ja jegliche Annäherung an das Unternehmertum verbieten. Wir verlangen nur das eine die revolutionäre Er Beifall links.) ein Polizeiaffiſtent zu ihm ins Soupce; aber auch ein Korrespondent Der französische Gewerkschaftskongreß. sichung des Broletariats 1( Stürmischer for foreformist) vom„ Social- Demokraten" stieg dort ein, um sich mit dem Herrn bekannt zu machen. Bourges, 15. September.( Eig. Ber.) Vierier Verhandlungstag. Fünfte Sigung. Vormittags 8 Uhr. Vorfizz: Surnom( Blechschmiede), Paris, Frau Garnier Es wird mitgeteilt, daß von den Chiffre- Telegrammen, die Takikawa von Nyborg absandte, Abschriften genommen worden sind, ja, es wird sogar behauptet, daß diese Abschriften der deutschen Gesandtschaft übergeben werden seien und daß der Dolmetsch der Gesandtschaft, Lassen- Dernfeldt, damit nach Rußland( Stickerinnen), Lyon. abgereist sei. aus Nicht besser als dem Japaner ist es seinem deutschen Freunde, dem Handelskapitän Sieger Stagen gewohnt hat. Vor einiger Zeit entdeckte Sieger, daß er Swinemünde, ergangen, der 3 Wochen in einem Hotel in immer abends, wenn er ausging, von zwei Personen verfolgt wurde, die übrigens keine Miene machten, ihn zu überfallen. Er beklagte fich beim Polizeimeister und bat, man möge ihn doch von den beiden Verfolgern befreien. Als er damit keinen Erfolg hatte, wandte er sich an das deutsche Konsulat in Frederikshaven, aber auch dies blieb erfolglos. Man war auf den Gedanken gekommen, daß er ein japanischer Spion sei und zwar weil, wie ein Privattelegramm der Nationaltidende" besagt, er über das Meer hinaussah und oftmals Fischer über vorbeifahrende Schiffe ausgefragt hatte. " Es erscheint selbstverständlich, und im übrigen bestätigt es ein an„ Social- Demokraten" geschriebener Brief, daß der Polizeimeister von Stagen nicht nach eignem Ermessen bei Verfolgung der vermeintlichen Spione gehandelt hat, und somit muß man annehmen, daß das überale" Ministerium, wahrscheinlich der Justizminister Albertie, diese sonderbaren Bemühungen im Dienste Rußlands veranlaßte. Die ganze Spionage"-Affaire ist ein unerhörter Willfürakt. Denn so gut, wie die russische Flotte Stagen umschiffen darf, darf auch unbedingt jedermann die Durchfahrt der Flotte beobachten und jedem Beliebigen davon Mitteilung machen! Die Verhaftung der beiden Personen ist ein Aft unverschämtester Polizeiwillkür! wenn er will Rußland. Allerhand Kuriosa. " Der Jakra" wird mitgeteilt: In Riga wurde heimlich im Heere eine Proklamation verteilt. Du sollst nicht töten" lautete ihr Titel. Der Kommandeur des Jsforsty- Regiments Bossakow wollte das Blatt vor der Front verlesen, aber bereits nach einigen Zeilen hielt er ängstlich inne und begnügte sich mit den Worten: Das alles machen die Juden, die gar keinen Glauben haben und dem Zaren feindlich gesinnt sind!" den Vortrag zu beenden." In Frankreich haben sie sogar so einen zum Präsidenten", fuhr er dann weiter fort.„ Aber der gefällt mir auch nicht". Und nun schalt der Herr Kommandeur auf den Präsidenten, weil er gegen die Heiligenbilder und die Geistlichen sei." Es sprechen noch Lauche, Mechaniker und andre, worauf die Debatte auf den Nachmittag vertagt wird. Schluß der Sigung 12 Uhr.* Bourges, 15. September.( Eig. Ber.) Vierter Verhandlungstag. Debatte über die Vorstandsberichte.( Fortsetzung.) Sechste Sitzung. Nachmittags 22 Uhr. Gauthier, Arbeitsbörse von Saint- Nazaire, befürwortet die Vorsitz: Bougot, Tischler, Rennes; Gondouin, Buchdrucker, Bezug auf die Arbeitszeit zum Beiſpiel haben wir das in der be- fortgefeht. Genehmigung der Berichte: Wir sind alle für Reformen, aber es ist Limoges und Veuillat, Holzhauer, Cher- Departement. aussichtslos, auf reformistischem Wege etwas zu erreichen. In Die Debatte über die Vorstandsberichte wird stehenden Gesellschaft mögliche Magimum der Arbeitszeitverkürzung Debatte verlangen. Ein Antrag auf sofortigen Schluß der Debatte Eine Anzahl Anträge sind eingelaufen, die die Abkürzung der erlangt. Merzet, Bergarbeiter, Montceau les Mines, legt eingehend wird nicht zur Abstimmung gestellt angesichts des Vormittagsdie Ursachen der Spaltung innerhalb des Bergarbeiter- Verbandes beschlusses, die Rednerliste aufrecht zu erhalten. dar und rechtfertigt die Gründung des neuen, von der Konföderation Borsigender verliest folgende Depesche von Jaurès, die gegen die gestrige Andeutung eines Redners protestiert: anerkannten Verbandes. V = " Ich habe niemals zu irgend jemand gesagt und habe niemals gedacht, daß die Konföderation der Arbeit nationalistisches Geld angenommen hätte. Ich habe in der Kammer diese ungereimte Aeußerung dementiert; ich weiß nicht, welches der Ursprung dieser Legende sein mag, und ich begreife nicht, in welchem Interesse einige darauf beharren, mir eine Aeußerung zuzuschreiben, die ich niemals gethan habe. Bitte, dem Kongreß meinen Protest nebst meinem socialistischen Gruß zu übermitten. Jean Jaurès." die Linke mit lauten und anhaltenden Schmährufen: Hou! Hou! Die Depesche wird rechts mit Beifall aufgenommen, auf dem Hou!" antwortet. Guernier, Textilarbeiter, Reims, sucht unter allgemeiner Unruhe nachzuweisen, daß die Revolutionäre nicht immer intransigent sind. Er citiert einen veröffentlichten Brief des Vorstandsmitgliedes Bourchet, worin aus einem gewissen Anlaß eine versöhnliche Haltung gegenüber den Unternehmern empfohlen wird. geschickt, dessen Aufnahme aber verweigert wurde. Guernier hat hierüber einen Artikel an die Voir du Peuple" des Artikels durch den Wunsch, persönliche Polemiken zu vermeiden. Emile Pouget, Redaktionssekretär, erklärt die Abweisung tadelt die Haltung der Buchdrucker, die sich von der Arbeiterbewegung Vibert, Marinearbeiter, Bürgermeister- Adjunkt von Brest, fernzuhalten suchten. Die Buchdrucker- Gewerkschaft von Brest hat, trotz wiederholter Aufforderung, sich geweigert, der dortigen Arbeitsbörse beizutreten. Im übrigen protestiert er unter steigender Unruhe sönlicher Streitigkeiten in die Debatte. namens der Provinz und der Bretagne gegen das Hineintragen per Von neuem werden Schlußanträge eingebracht, die der VorGuérard, Eisenbahner, beschuldigt den Vorstand, die Politik fizzende wiederum nicht zur Abstimmung bringt.( Unruhe.) in die Konföderation hineingetragen zu haben, indem er die revo- Niel Arbeitsbörse Montpellier: Die Diskussion hat sich von lutionäre Richtung der ganzen Organisation aufzuerlegen suche. Die Anfang an, dank dem Eingreifen Keüffers, mißbräuchlich zu einer Gewerkschaften haben sich nur mit Berufsinteressen zu befassen. Auseinandersetzung zwischen den beiden Richtungen gestaltet, was Die Tendenzarbeit des Vorstandes hat bewirkt, daß er die inneren ordnungsmäßig erst bei der Beratung der Proportionalvertretung Streitigkeiten verschärft, anstatt in versöhnendem Sinne zu wirken. hätte geschehen sollen. Redner will daher für jetzt nicht an dieser Die gewerkschaftliche Organisation kann nur dann erstarken, wenn sie Auseinandersegung teilnehmen. Er beschränkt sich darauf, als Zeuge alle Arbeiter aufnimmt ohne Unterschied der politischen Ueberzeugung. Die Unrichtigkeit der Keüfferschen Vorwürfe gegen Jvetot wegen Wir stimmen alle darin überein, daß die gesetzgeberische Aktion dessen Vortrags in Montpellier zu bestätigen. ohne die gewerkschaftliche unfruchtbar ist, daß diese oder jene gesetz- Mehrere Redner verzichten unter Beifall aufs Wort. geberische Reform nur dank der Gewerkschaften zur wirklichen Durch- Einige Delegierte zeugen zu Gunsten der Vorstandsreferenten führung kommen kann. Wir sind feiner alle der Meinung, daß im gleichen Sinne wie Niel. diejenigen sich irren, die durch die politische Aktion sich hypnotisieren Briat, Mechaniker, Mitglied des Höheren Arbeitsrates, zeugt lassen. für die thätige Hilfe der Buchdrucker zu Gunsten von Streikenden in Belfort, Montbéliard und anderwärts und fordert zur Duldsamkeit und Einigkeit auf. " Zur Taktik der sogenannten, direkten Aktion übergehend, sagt Redner: Die Arbeiter haben seit langem Agitation Nur noch zwei Fragen wollte er dann beantwortet wiffen: getrieben. Jezt nennt man das direkte Aktion". So weit, so gut. Sergent, Buchdrucker, kritisiert die tendenziöse RedaktionsErstens, ob sich vielleicht ein Civilist in der Nähe oder im Lager ge- Sehen wir aber zu, was die direkte Aftion" in Wirklichkeit bedeutet. führung der Voix du Peuple". Weiter sagt er: Es giebt weder zeigt habe, der möglichenfalls Blätter hätte verteilt haben können, Das specielle Organ: l'Action directe" zeigt, daß die Urheber dieses direkte Aftion" noch Reformismus, es giebt nur eine gewerkschaftund als man ihm dies verneinend beantwortet hatte, rückte er mit Schlagwortes darunter nicht den Kampf gegen das Unter- liche Aktion. Wir erheben uns gegen die anarchistische Politik der der letzten Frage heraus: Man solle ihm der Wahrheit gemäß sagen, nehmertum verstehen, sondern den gegen andersdenkende Gewerk- Konföderation.( Laute Proteste und Pfiffe links. Ruf links: Wer wo das Blatt gefunden worden sei, das er gelesen habe. Tiefes fchaften. Eine solche Aktion ist zu verwerfen. Versteht sind die Anarchisten?) Wir Buchdrucker sind ebenso revolutionär Schweigens; endlich trittlein Soldat hervor und verkündet, daß er das man aber darunter die Handlungsweise der Pariser Bäckergesellen, wie irgend jemand.( Zwischenruf und Gelächter links.) Redner Blatt auf dem- Abort gefunden. Und zum Dank für diese Meldung die durch Straßenunruhen die Abschaffung der privaten Arbeits- schließt unter Unruhe und ironischen Zurufen der Linken mit einem tüßte ihn der Kommandeur mit väterlicher Zärtlichkeit im nachweisstellen erzwungen haben, dann billige ich eine solche Appell an die Einigkeit. Namen des Zaren! Aktion.( Beifall links.) In diesem Sinne ist die direkte Aftion" nichts neues. Neu und verwerflich ist nur das Bestreben, sie zum ausschließlichen Kampfmittel zu machen. Reden zu halten scheint überhaupt in der russischen Armee zur Gewohnheit zu werden. Was dabei passieren kann, zeigt der Schlußfaz der Rede, die der Kommandant des WedenskyRegiments hielt: Die Letten wollen ihren eignen Kaiser, die Juden ihren Salomon, für uns Christen genügt aber Nikolaus II. Bäterchen wacht über seinem Reiche. Das ist allbekannt, und ein neues Beispiel dieser Wachsamkeit sind die beiden folgenden Episoden: Die Gendarmerie- Verwaltung, mit der Allerejew ja sehr sympathisiert, reinigt in hervorragender Weise die Mandschurei. So wurde unlängst der Kriegskorrespondent der„ Rustieja Wedomosty" aus Charbin ausgewiesen, weil er einmal verbannt war und unter Polizeiaufsicht stand. Jetzt verlangt man von der Redaktion ein Attest über die Zuverlässigkeit des Korrespondenten. Nicht viel besser erging es dem Berichterstatter der„ Neuen Freien Presse", dem man in seiner Abwesenheit in Irkutsk den Prozeß machte und dann furz bedeutete, er möge so schnell als möglich mit einem Schnellzuge das Land verlassen. ชน Einige weitere Redner verzichten aufs Wort. Reüffer, Sekretär des Buchdruckerverbandes, will fich beschränken auf die Beibringung von dokumentarischen Beweisen für Andrerseits, so führt Guérard fort, darf man nicht wegen der die böswillige Agitation der Vorstandsmitglieder gegen die Buch„ direkten Aktion" die parlamentarische ausschließen. Diese lettere drucker. Er thut das, indem er zunächst eine Reihe Einzelfälle bringt doch mitunter Resultate, wenn auch unvollständige. Beispiel: behandelt. das Unfallgesetz von 1898. Auch die reformerische Initiative der Re- Ueber den Vorwurf wegen der gemischten Kommissionen"( aus gierung ist nicht zu verschmähen. Wir kämpfen seit langen Jahren Arbeitern und Unternehmern) sagt er: Die Buchdrucker wenden um den Achtstundentag, aber bisher ohne Erfolg. Dagegen hat ein dieses Kampfmittel an im Interesse der Erlangung des NeunstundenMinister( Millerand) in den Post- und Telegraphenwerfstätten den tages und unter Wahrung ihrer Unabhängigkeit. Uebrigens sind Achtstundentag eingeführt, ein andrer Minister( Belleton), der wohl auch die Textilarbeiter des Nordens für gemischte Kommissionen" ebenso strenge von den Revolutionären beurteilt wird, hat den Acht- eingetreten, ohne daß jemand das ihnen vorwirft. Auch unsre stundentag in den Arsenälen der Marine eingeführt. Kameraden in Deutschland befolgen diese Taktik, durch deren sie den Redner schloß mit den Worten: Die falschen Propheten, die Minimaltarif erlangt haben. von diesem Kongreß eine Spaltung erwarteten, täuschen sich. Im Redner erklärt, angesichts der häufigen Unterbrechungen, die Grunde sind wir alle einig, uns trennt nur ein Mißverständnis. seine Erwiderung noch erschweren( Proteste links), seine Rede abWir alle thun ja dieselbe Arbeit, wir alle führen den ökonomischen fürzen zu wollen, und schließt mit den Worten: Die Pflicht der Kampf und find alle überzeugt, daß nur ökonomische Reformen Konföderation ist es, die Autonomie der Organisationen zu vorteilhaft sind, daß politische Reformen nuglos sind, wenn sie respektieren. Wir kämpfen für Wohlstand und Freiheit" ebensogut feine ökonomische Rückwirkung haben. find alle einer wie die Anhänger der direkten Aktion".( Beifall rechts.) " Eigenartige Ansichten vom Dienstgeheimnis scheint der stell- Meinung über die Notwendigkeit der ökonomischen Befreiung des Emile Pouget, Redaktionsvertreter der„ Boir du Peuple": vertretende Inspektor der Striegsakademie in Irkutsk Proletariats. Arbeiten wir also in Eintracht für die Verwirklichung Die Redaktionskommission hat das Bestmögliche gethan, um heftige haben. Die Offiziere, die diese Kriegsschule besuchen, wollten, der schönen Devise der Konföderation: Wohlstand und Freiheit 1" Bolemifen zu vermeiden, aber hier und da mögen sich scharfe wenn möglich noch vor der Veröffentlichung, die Namen ihrer bei( Lebhafter, anhaltender Beifall rechts.) Ausfälle in gewissen Artikeln eingeschlichen haben: die Menschen sind Turenteschen gefallenen Kameraden wissen. Dies glückte ihnen auch, Bousquet, Nahrungsmittelindustrie( Revolutionär) wendet feine Engel. In der Debatte der„ Voir du Peuple" über die beiden und durch einige aufgefangenen Worte gelang es dem Inspektor sich scharf gegen Guérard: Die Kritiken gegen den Vorstand richten Richtungen ist Keüffer reichlich zu Worte gekommen, und die Agte, der gerade den Direktor vertrat, hinter dieses Staatsverbrechen sich gegen die Kritiker, die ja selbst im Vorstand sipen. Als Mitglied Debatte war kameradschaftlich gehalten. In der Konföderation zu kommen. Der Herr, der Liberalkonstitutionist ist, verlangte nun, der Redaktionskommission der„ Voir du Peuple" weiß Redner, daß die sind wir alle auf ökonomischem Boden einig. Die Könföderation daß ihm ein Junker den Namen des Telegraphisten nenne, andre Seite niemals Berichtigungen eingesandt habe, es fönne also feine hat das sonst überall unlösbare Problem der Einigung aller Arbeiter der ihm dies„ Dienstgeheimnis" verraten habe. Als der Rede sein von der Unterdrückung ihrer Berichtigungen. Ferner bemerkt gelöst, zum erstenmal seit 20 Jahren, das Wunder realisiert, alle Junker die Antwort verweigerte, drohte der Redner: Unfre, direfte Aftion" hat bewirkt, daß die Gewerkschaft der Bäcker- Richtungen: Guesdisten, Blanquisten, Anarchisten und Reformisten Ausstoßung aus der Schule. Zum Glück für den jungen Offizier gesellen, die in früheren Jahren 17 Mitglieder zählte, jest auf mehr zu vereinigen. Das ist ihr gelungen, weil sie auf dem Boden der tam aber gerade der Direktor von seiner Reise zurück, und da er, als 3000 Mitglieder angewachsen ist. Die Reform des Arbeits- Interessen steht. Eins aber ist unmöglich ein Konservativer, fand, daß der Junker nur seine Standesehre durch nachweises ist gewiß unzulänglich, aber auch sie wäre ohne die direkte Hängern der Verflachung( aplatissement) zusammenzuarbeiten. die Verweigerung gewahrt habe, hob er die Ausstoßung auf. Aftion nicht erlangt worden. Desgleichen verdanken die Arbeiter Redner führt an einen Fall, wo die Pariser Lithographen Wenn man also die Namen einiger toter Kameraden verrät, die von Brest, Loicent u. a. den Erfolg ihrer Streits der direkten Gewerkschaft in ihrem Lokal eine Versammlung von Unternehmern auf einer Liste in der nächsten Zeit veröffentlicht werden sollen, so Attion", den Straßentrawallen. Wir im Nahrungsmittel- Verband einberufen hat zum Zwecke der Gründung einer Unternehmerist dies ein Bruch des Dienstgeheimnisses! werden an dieser Aktion bis ans Ende festhalten.( Beifall links.) Organisation. Es sprechen noch mehrere Redner von beiden Seiten über verschiedene Einzelheiten. er Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. mit den AnDas Unwohlsein", von welchem Guérard gesprochen, tommt daher, daß gewisse Organisationen noch immer auf der alten Taktik Hamilin verteidigt des längeren die Taktik der Buchdrucker, einer Verständigung zwischen Kapital und Arbeit beharren, was den die unter anderm ihnen ermöglicht hat, schon seit langem den Arbeits- Statuten widerspricht. Man mag revolutionär oder reformistisch Petersburg, 20. September. Wie General Kuropatkin dem nachweis ganz in die eigne Hand zu bekommen und so für den gesinnt sein aber man muß unbedingt auf dem Boden des Kaiser unter dem gestrigen Datum meldet, wurde am 17. d. Mts. ganzen Beruf den privaten Arbeitsnachiveis abzuschaffen. Der Vor- Rampfes gegen das Kapital stehen, nur dann erst ist die Einigkeit verstärkte Erkundung der Stellung des wurf wegen der Subffription auf das Album zu Gunsten der russischen gefichert.( Beifall links.) Gegners bei Bianiupusa ausgeführt. Die Stellung und japanischen Verwundeten sei hinfällig. Das sei vielmehr Griffuel hes, Sekretär der Sektion der Berufsverbänd erwies sich als start befestigt und war von einer Abteilung eine antimilitaristische Kundgebung gewesen, angesichts der beschwert sich im Hinblick auf Guérards Rede in Stärte von mindestens einer Brigade In- chauvinistischen Geldsammlung für die russischen Verwundeten allein. die gegen ihn gerichteten persönlichen Insinuationen, die ihn als i.. zunächst üb eine Beherrscher der Konföderation hinstellen. Ebenso haltlos sind die Insinuationen der Kritiker gegen die Taktik der Konföderation. Sie heben sich gegenseitig auf, indem die einen der Konföderation die anarchistische Taktik, die andern ihr die Taktik der revolutionären Socialisten unterschieben. Weiter citiert er einen von Gubrard und Ponget verfaßten Artikel s.Voix du Peuple", Juli 1901), der anläßlich des polizeilichen Ueberfalles auf die Pariser Arbeitsbörse den Ministerpräsidenten Waldeck-Rousseau beschuldigte, eine Arbeiter- metzelet beabsichtigt zu haben. Einen so heftigen Artikel gegen die Regierung habe er, Griffuelhes, niemals geschrieben. sLebhafter Beifall links.) G u s r a r d erhält nach längerem Widerspruch, gemäß einem von Griffuelhes befürworteten Antrag und auf einstimmigen Beschluß des Kongresses das Wort zu einer persönlichen Bemerkung: Er pro- testiert gegen einige heftige Aeußerungen von Griffuelhes ihm gegen- über und sagt ferner: Ich habe dem Vorstand nicht vorgeworfen die Regierung kritisiert zu haben— das ist sein Recht und seine Pflicht, jedesmal, wenn die Regierung die Interessen der Arbeiter behandelt. Ich habe ihm vorgeworfen, politische Handlungen der Regierung kritisiert zu haben, und zwar im Sinne einer einzigen Richtung innerhalb der Konföderation. Weiter wieder- holt Redner kurz die Hauptpunkte seiner Kritik gegen den Vorstand und dessen dogmatische Zwaugspolitit im Sinne des Anarchismus. (Lebhafter Beifall rechts.) Damit ist die Debatte über die Vorstandsberichte erledigt, aus- genommen den Kassenbericht, der noch besonders debattiert werden soll. Es liegen zahlreiche Resolutionen vor neben der bereits mit- geteilten und zuerst eingebrachten Resolution der Buchdrucker. Eisen- bahner und Mechaniker, die ein indirektes Tadelsvotum bedeutet. Der Kongreß beschließt, einfach für oder wider den Vorstandsbericht abzustimmen. Vorsitzender verliest eine Depesche aus Tunis, die vom Kongreß dringende Matznahmen verlangt gegen das Auftreten der Polizei die fortgesetzt gewerkschaftliche Versammlungen auflöst unter dem Vorgeben, daß das Gewerkschaftsgesetz von 1884 in Tunis nicht an- wendbar sei. Ergebnis der Abstimmung: Billigung des Vorstands- berichts mit 819 gegen 374 Mandate bei 13 Enthaltungen. Schluß der Sitzung 7 Uhr. Soziales. Hilfe für die Giftarbeiter. Herr Profeffor Lcwin in Berlin hatte im Juni d. F. in der .Deutschen medizinischen Wochenschrift" einen Artikel:„Hilfe für Giftarbeiter" veröffentlicht, in dem er mit warmen Worten auf die vielen Leiden und Gefahren, denen die Arbeiter in Giftbetrieben aus- gesetzt sind und auf die Notwendigkeit einer größeren Verbreitung der Kenntnisse über die Eigenschaften der industriell hergestellten und verwendeten Gifte schon in der Volksschule sowie auf die Notwendig- keit einer Arbeitszeitverkürzung für Arbeiter mit gewissen Giften hinwies. Auch der„Vorwärts" hat einen Auszug aus diesem Artikel abgedruckt. Jetzt hat ein Herr Dr. Brat, Fabrikarzt in Wilmersdorf, sich veranlaßt gefühlt, den in diesem Artikel gemachten Ausführungen und Vorschlägen in derselben Wochenschrist entgegen- zutreten. Die Unternehmer, meint er, thäten von selbst viel mehr zum Schutz der Arbeiter als das Gesetz verlange. Aus den Jahres- berichten der Gewcrbeaufsichtsbeamten könne man ersehen, wie mannigfach die Wohlfahrtseinrichtungen seien, die Unternehmer der chemischen Industrie für ihre Arbeiter geschaffen haben, ohne dazu verpflichtet zu sein. Die Wittener Roboritfabrik, in der noch vor zwei Jahren 49 Erkrankungen infolge von Dinitrobenzolvergiftung mit 480 Krankentagen vorkamen, habe von selbst Einrichtungen ge- schaffen, infolge deren im letzten Jahre nicht eine einzige derartige Vergiftung in diesem Betriebe vorgekommen sei.— Daß es aber noch viele chemische Fabriken giebt, deren Besitzer es weder ver- stehen noch versuchen, die in ihren Betrieben vorkommenden Gesund- heitsschädigungen und Lebensgefährdungen zu verhüten, davon scheint Herrn Brat nichts bekannt zu sein. Deshalb wollen wir ihm hier für viele nur zwei Beispiele mitteilen, von denen eins der Gewerbe- auffichtsbeamte für den Bezirk Merseburg im Jahresbericht 1901 Seite 137 anführt. In einer dortigen Dhnamitfabrik, also in einem Betriebe, in dem wohl eine besonders starke Verpflichtung des Arbeitgebers be- steht, die Arbeiter mit den Eigenschaften der verarbeiteten Materia- lien und den dabei nötigen Vorschriftsmaßregeln bekannt zu machen, hatte ein Arbeiter durch Ausgießen von Wasser auf die konzentrierte noch stark salpetersäurehaltige Schwefelsäure der Nachscheidung diese unschädlich machen wollen. Infolge der dabei entstehenden starken Erhitzung fand eine reichliche Entwicklung von Salpetersäuredämpfen statt, unter deren Einwirkung der Arbeiter ohnmachitg wurde. Es ist nun infolge der vielfachen durch Salpetersäuredämpfe verursachten größtenteils tätlichen Unfälle allgemein festgestellt und dürfte auch Herrn Dr. Brat bekannt sein, daß, obwohl die davon betroffenen Arbeiter sich anfangs gar nicht sehr unwohl fühlen, doch die größte Gefahr für ihr Leben besteht, wenn sie weiter in dem mit Salpeter- säuredämpfen geschwängerten Räume bleiben. Trotzdem, wie gesagt, schon vielfach auf diesen Umstand hingewiesen worden ist und trotz- dem die Betriebsleiter solcher Fabriken durch die Unfallverhütung«- Vorschriften aufgefordert sind, ihre Arbeiter von Zeit zu Zeit auf die Gefährlichkeit dieser Dämpfe hinzuweisen, hat der Betriebsleiter jener Fabrik weder vor noch nach der Salpetersäurebetäubung den be- treffenden Arbeiter darauf aufmerksam gemacht, daß sein Leben ge- fährdet sei, wenn er noch länger in diesem Räume bliebe, so hat der nichts Schlimmes ahnende Arbeiter, nachdem er aus der Ohnmacht wieder erwacht war, bis zum Schluß der Schicht weiter in demselben gearbeitet. Die Folgen blieben nicht aus, 15 Stunden nach dem Ohnmachtsanfall verstarb er in seiner Wohnung. In dem Bericht der badischen Gewerbeaufsichtsbeamtcn für 1900 wird Seite 35 mitgeteilt, daß in einer größeren chemischen Fabrik wiederholt tätliche Vergiftungen mit Arsenivasserstoff vorgekommen waren, und daß iiffolgedessen von der Aufsichtsbehörde angeordnet worden war, daß die Rcduttionsarbeiten(bei denen die Arsenwasser- stoffentwicklung stattfindet), nur in geschlossenen Gefäßen vor- genommen werden dürfen. Diese Anordnung hatte sich durchaus bewährt. Aber der verantwortliche Betriebsleiter hatte entgegen der Anordnung der Behörde und ohne Kenntnis derselben„eine Aende- rung des Fabrikationsverfahrens dahin angeordnet, daß während des Arbeitsprozesses das Reduktionsgesäß geöffnet werde, um Rea- genzien zuzugeben. Hierbei atmete ein Arbeiter, der die ihm aufgetragene Verrichtung vornahm, arsenwasserstoffhaltiges Gas in einer Menge ein, die eine starke Erkrankung zur Folge hatte." Man sieht, der Arbeiter ist manchmal schlecht beraten, wenn er nur auf die Aufklärungen der Betriebsleiter und Aufseher für den Schutz seines Lebens angewiesen ist, aber Herr Brat erklärt das Verlangen des Herrn Professor Lewin, schon in der Volksschule und Fortbildungsschule die Schüler mit den Gefahren der Giftbetriebe und den Eigenschaften der Gifte bekannt zu machen, für„unpraktisch und verfrüht". Hätte Herr Dr. Brat aber seihst die von ihm empfohlenen Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten sorgfältig gelesen, so hätte er gefunden, daß dieses Verlangen nicht erst 1904 von Herrn Professor Lewin, sondern schon im Jahre 1897 von Herrn Regierungs- rat Brecht, dem Aufsichtsbeamten für Schwarzburg-Rüdolstadt auf- gestellt worden ist, der es in seinem Bericht(Amtliche Mitteilungen der Gewerbeaufsichtsbeamten für 1897, Seite 327) als„dringend Wünschenswert bezeichnet, daß dem ältesten Jahrgange der Kinder in den Volksschulen dort, wo sich Fabriken befinden, eine kurze von einem Medizinalbeamten ausgearbeitete Unterweisung in den Grund- zögen der Hygiene durch den Lehrer erteilt wird. In diesen Sachen herrschen unter der Arbeiterbcvölkcrung große Unkenntnis und Aber- glauben." Dieser„dringende Wunsch" wurde hauptsächlich durch das unvorsichtige Umgehen mit weißem Phosphor bei der dort in der Hausindustrie üblichen Zündholzfabrikation veranlaßt. . �uöh für Personen, die nicht die Absicht haben, in Giftfabriken in Arbeit zu treten, kann es nur nützlich sein, wenn sie ehenfalls mit den Eigenschaften der Gifte bekannt gemacht werden. Denn im heutigen gewerblichen Leben kann kein Arbeiter sich darauf verlassen, a.P,.er nctl� �s.e.r. Wochen, geschweige zeitlebens bei seiner gegen- wartigen Beschäftigung bleibt; er muß oft, auf dem Arbeitsmarkt herumgeworfen, um sich seinen Unterhalt erwerben, mit Stoffen arbeiten, von deren Existenz er noch kurz vorher nicht die leiseste Ahnung hatte.� Und die Verwendung von Giften in gewerblichen Be- trieben wird immer mannigfacher. Phosphor z. B. wird nicht nur zur Anfertigung von Zündhölzern gebraucht, sondern auch in Metall- gießereien, wo er zur Herstellung von Phosphorbronze gebraucht wird, und hier hat die Unkenntnis mit seinen physikalischen Eigen- schaften schon mancher Arbeiter mit furchtbar schmerzenden und schwer heilenden Verbrennungen durch Phosphor büßen müssen. Von Herabsetzung der Arbeitszeit bei Arbeitern mit Giften will Herr Brat nichts wissen. Er findet sogar, daß die Giftarbeiter ge- sundheitlich besser stehen und ihre Lebensdauer länger sei. als es bei Nichtgiftarbeitern der Fall ist; nur Beweise für diese Behauptung bringt er nicht. Um auf alle übrigen Behauptungen des Herrn Brat einzugehen, ist der Raum des„Vorwärts" zu beschränkt, auch hat Herr Professor Lewin einige derselben schon abgefertigt. Die ganze Tendenz der Entgegnung des Herrn Brat zeigt sich deutlich am Schluß derselben. Da schreibt er: „Freilich kann die Gesetzgebung nicht Uebereifer an den Tag legen, da sie ihre Aufgabe, die Interessen auszugleickcn, im Auge behalten muß. Die chemische Industrie schreitet mit Riesenschritten voran, und die Gesetzgebung kann naturgemäß nicht immer Schritt halten oder Vorschlägen vom grünen Tisch Folge leisten. Daher kommt es, daß den industriellen Arbeitgebern die Pftiaft zufällt, ohne die staatlichen Anordnungen abzulvartcn, vielfach für den Schutz ihrer Arbeiter auf Grund praktischer Erfahrungen zu sorgen. Die wirtschaftliche Blüte, in welcher die deutsche chemische Industrie stehr, gestattet ihr so viel für das Wohl ihrer Arbeiter auszuführen, wie es kaum in einer andern Industrie möglich ist. Wohlfahrtseinrich- tungen, Pcnsions- und Unterstützungskassen, Arbeiterurlaub, ver- hältnismäßig kurze Arbeitszeit, unentgeltliche Ver- abfolgung von geeigneten Getränken, Hohe Löhne sind die Merk- male für die Versorgung der Arbeiter in der chemischen Industrie,— alles Dinge, die nicht vom Staate verlangt werden. Der freie Wille leistet die Arbeit freudiger und oft segens- reicher."*) Es ist allerdings bekannt, daß ihre wirtschaftliche Blüte einigen und zwar den größten chemischen Fabriken Jahr für Jahr gestattet, ihren Attionären 20 und mehr Prozent Dividende zu zahlen. Was aber die Arbeitslöhne betrifft, so zweifeln wir zwar nicht, daß die wirtschaftliche Blüte der deutschen chemischen Industrie mich für sie eine reichliche Bemessung gestatten würde; daß es aber geschieht, da- von ist in Arbeiterkreisen trotz ihrer besondren Gesundheits- schädlichkeit nichts bekannt. Dagegen erzählen mich die von Herrn Brat empfohlenen Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten zuweilen von ganz ungenügenden Löhnen in chemischen Fabriken. So schreibt der Fabrikinspektor von Württemberg: „Es mag thlstsächlich der Fall sein, daß die Arbeiter nicht die für ihre Arbeit richtige Diät einhalten. Es ist aber einleuchtend, daß die Bleiweitzarbeiter, besonders die nicht ständig beschäftigten, bei ihrer schlechten Bezahlung nicht in der Lage sind, eine sachgemäße Kost innezuhalten, und daß sie in der Mehrzahl noch körperlich sehr geschwächt zur Arbeit kommen." Was die von Herrn Brat angeführten Wohlfahrtseinrichtungen betrifft, deren Zahl er noch beträchtlich hätte vermehren können, so ist doch sattsam bekannt, daß dieselben zum mindesten ebenso sehr im Interesse der Arbettgeber wie in dem der Arbeiter liegen. Von der von Herrn Brat gelobten kurzen Arbeitszeit in den chemischen Fabriken ist den Arbeitern selbst leider auch nichts bekannt. Aber noch im Jahre 1901 ist es vorgekommen, daß die Berliner Auffichtsbehörde sich veranlaßt sah, den von einer chemischen Fabrik beschäftigten Frauen keine Ueberarbeit zu bewilligen, da die Arbeit nicht frei von gesundheitsschädlichen Einflüssen sei. Auch hätte Herr Brat in dem Bericht für 1901 finden können, daß die Aufsichtsbeamten in chemi- schen Fabriken Frauen an Arbeitsposten gestellt fanden, die nach ihrer Ansicht sich besser für Männer eigneten. Wenn aber Herr Dr. Brat glaubt, die dankenswerten Aus- führungen des Herrn Profeffor Lewin dadurch herabsetzen zu können, daß er die Ausdrucksweise desselben als„vielleicht absichtlich populär" bezeichnet, so glauben wir darauf verzichter zu können, die Ausdrucks- weise des Herrn Brat als eine vielleicht absichtliche Lobspendung der Unternehmer zu bezeichnen; denn als solche wird sie jeder Un- parteiische von sewst erkennen. Versammlungen. Centrakverband der Maurer. In der am Freitag abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung deS Zweigvereins Berlin sprach Katzenstein über die politische und wirtschaftliche Arbeiter- hewegung. Nach eingehenden historischen Darlegungen über die Arbeiterbewegung warf der Redner die Frage auf, wie das Proleta- riat zur gesellschaftlichen Macht gelange. Wenn der Parlamen- tarismus durch Wahlrechtsraub lahm gelegt werde, dann müßten wir uns auf Mächte außerhalb des Parlaments stützen können. In solcher Situation könne der Generalstreik, der ja in unfern Kreisen nicht mehr ohne wettcres zurückgewiesen werde, in Frage kommen. Als reguläres Kampfmittel für die nächste Zeit komme der General- streik nicht in Betracht, er sei vielmehr ein Kampfmittel der Ver- zweiflung, welches im äußersten Notfalle angewendet werden könne, um unser höchstes Ziel zu erreichen. Wenn die Arbeiterklasse Ickreit sei, in solcher Situation von dem Kampfmittel des Generalstreiks Gebrauch zu machen, alles aufs Spiel zu setzen, dann könne der Staat wohl ins Wanken kommen und die Herrschenden würden sich besinnen, ob sie es auf einen solchen Kampf ankommen lassen sollen. Die Voraussetzung des Generalstreiks sei natürlich eine ziemlich alle Arbeiter umfassende gewerkschaftliche Organisation. Niemals könnten wir die Macht erobern, wenn nicht die Massen geschult und für unsre Ziele begeistert seien. Wir müssen uns stützen können auf starke politische und wirtschaftliche Organisationen, die erfüllt sind vom Geiste des Socialismus. In diesem Sinne sei die Agitation deS Genossen Friedeberg aufzufassen, dessen Generalstreikidee etwas ganz andres fei als die von anarchistischer Seite propagierte. Mit Freuden sei es zu begrüßen, daß Friedeberg die Ausbildung der Per- fönlichkeit in den Vordergrund stellt, denn die Millionen" Stimmen bringen uns nicht zum Ziel. Der Parlamentarismus sei nicht zu verwerfen, aber er sei nicht das Entscheidende.— Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen. In der Diskussion sprach ein Redner im Sinne des Referenten.— Als Kandidaten für die bevorstehende Gewerbegrrichtswahl stellte die Versammlung die Kollegen Paul Hoffmann, Hermann Körber und Franz Ouade auf. Eine gut besuchte Versammlung der städtischen Markthallen- Arbeiter fand am 16. September bei Patt statt. B e r f ö l z als Krankenkassen-Delegierter gab eine kurze Darlegung über den Bericht der Betriebskrankenkasse. dessen Richtigkeit stark angezweifelt wurde. Es wurde beschlossen, daß in der nächsten Versammlung die Sache eingehend erörtert werden soll. Unter Gewerkschaftliches wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute tagende Versammlung der städtischen Markthallen- Arbeiter beschließt wie folgt: In Anbetracht, daß der Dienst der Fahrstuhlwärter ein intensiver und anstrengender ist und, um bei dem überaus großen Verkehr Unglücksfälle zu verhüten, die ganze Aufmerksainkeit bis zur Erschlaffung erfordert, beschließt die heutige Versammlung, diese Resolution dem Arbeiterausschuß sofort zu übermitteln, damit derselbe mit dem Herrn Direktor dahingehend unterhandele, daß den Fahrstuhlwärtern eine Funktions-Zulage von 25 Pf. gewährt werde. Unter Verschiedenes beschwerten sich die •) Auch im Original gesperrt gedruckt. Kollegen der Halle l, daß der zweite Schichtwechsel Wohl durch« zuführen sei, wenn nicht ein großer Teil der Arbeiter Beamten» d i e n st verrichten müßte und wenn der mit der Arbeitseinteilung beauftragte Beamte den Arbeitern hierbei etwas mehr Entgegen- kommen zeigen würde. Ebenso ist es bedauerlich, daß in der Halle l immer noch der Spindmangel herrscht. Ferner wurde Klage geführt, daß ein großer Teil tüchtiger städtischer Arbeiter den Hallen den Rücken kehrt, da in andern Betrieben bei Neuaufnahme des even- tuell früher beschäftigten Arbeiters der Lohn weiter geht und die Zeit des Pausierens als voll beschäftigt gerechnet wird. Es wird die Frage aufgeworfen, ob nicht die Markthallen-Direktwn ein gleiches Verhältnis einführen könne. In der letzten Mitgliederversammlung des socialdemokratischen Wahlvereins Groß-Lichtersclde wurde über die Generalversammlung des Kreis-Wahlvereins berichtet. Der Berichterstatter W e tz k e r wandte sich in seinem Referate insbesondere gegen das Verlangen der Agitationstommission, daß Kandidaturen zum Reichstage an ihre Zustimmung gebunden sein sollten. Er persönlich stehe auf dem Boden einer straffen Centralisation, nur müßte man sich hüten, in Burcaukratismus zu vorfallen und das demokratische Princip zu verletzen. Insbesondere sei er mit der Art der Delegation im Kreife nicht einverstanden. Es wäre vielleicht zu erwägen, ob die Wahl aus der Zahl der vorgeschlagenen Delegierten zum Parteitage glicht durch Urabstimmung in den einzelnen Vereinen erfolgen könne. Bedauerlich fei auch, daß eine Generaldiskussion über den Parteitag auf der Generalversammlung nicht stattgefunden habe. G e i s e n» K e r st i n g ergänzte in einigen Punkten den Bericht des Vor- redners. Wenzel hielt es ebenfalls für richtiger, wenn eine Generaldiskussion stattgeftinden hätte. Wohl habe man in den einzelnen Wahlvereinen über den Parteitag diskutiert, aber damit sei noch nicht die Meinung des Gcsamtkreises bezüglich der Partei- Politik und der speciellen schwebenden Fragen zum Ausdruck ge- kommen. Ein Kreis wie der ünsrige dürfe sich dieser Pflicht nicht entziehen. Es sei auch für die Wahl von Kandidaten nicht be- deutungslos, zu wissen, welche Stellung sie in dieser Beziehung ein- nähmen. Die Art der Delegation sei sicher nicht einwandsfrei; bei der Größe des Kreises und dem infolgedessen bedingten Delegations- system sei eS eben äußerst schwierig, den Willen der Gesamtheit stets zur Geltung zu bringen. Destc nichr müsse man aber, und darin stimme er mit Wetzker überein, bestrebt sein, auch bezüglich der Organisation den demokratischen Boden nicht zu verlassen. Wetzker betont noch, daß die Generalversammlung nicht etwa absichtlich die Generaldiskussion unterlassen habe; die Tagesordnung sei so über- lastet gewesen, daß wegen Mangels an Zeit davon Abstand genommen wurde. Immerhin müßte fiir die Zukunft dafür gesorgt werden, daß gerade solch wichtige Punkte in erster Linie berücksichtigt würden. — Nach Erledigung der Diskussion hielt Gerhard Hilde« brandt seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Die Agrarierherrschaft im deutschen Jndustriestaate". Dis- kussion fand nicht statt. Pankow. Am 13. d. M. hielt der socialdemoftattsche Verein seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung, die dem Andenken Lassalles gewidmet war, gedachte die Versammlung durch Erheben von den Plätzen des verschiedenen Genossen Wendt. Darauf hielt K u b i g an der Hand der Bernstein« schen Schrift über Lassalle einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über Lassalles Leben und Wirken. Eine lebhafte Diskussion ent- wickelte sich über die Anträge zum Parteitag(Anträge Sir. 18, 41 und 46). In derselben kam speciell der Wunsch zum Ausdruck, die Genossen mögen doch derlei Anträge in der Partei-Organisatton zur Diskussion und Abstimmung bringen und nicht, wie Jakobson und Wolf dieselben aus eignem stellen. F e n g l e r macht noch auf die demnächst stattfindende Gewerbegerichtswahl aufmerksam und er« wähnt, daß sich die Wühler selbst eintragen lassen müssen. Nieder-Schöncweide. Am 7. September fand im Restaurant Hesselwerder Hierselbst eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Z u b e i l üher unsre politische Lage referierte. Die gut besuchte Versammlung nahm den zweistündigen lehrreichen Vortrag mit Beifall auf.— In der Diskussion wurde angeführt, daß dem Lokalkampf am Orte die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, da man von allen Seiten bemüht ist, uns die Lokale abzu» treiben. Um das Lokal Kyffhäuser handelt es sich speciell. Be- kanntlich ist der Schiffsreeder Tbismer der eigentliche Besitzer des Lokals, der die Haasebrauerei als Pächterin verpflichtet hat, das Lokal der Arbeiterschaft entschieden zu verweigern. Da nun aber dieser Herr Thismer die Arbeitcrgroschen am meisten für sich in Anspruch nimmt, indem er seine Dampfer zu Ausflügen usw. ver- mietet, sei darauf besonders hingewiesen, um diesem arbciterfteund- lichen Herrn bei der rechten Gelegenheit auch die richtige Antwort erteilen zu können.— Am Versammlungstage sorgten die Orts- stützen in auffälligster Weise dafür, daß das Gift des Socialismus .nicht allzusehr um sich greifen könne. Die Feuerwehr, die sonst um 6% Uhr ihre Hebungen abhält, gab angesichts der roten Zettel an diesem Tage ihre Vorstellung zu Beginn der Versammlung um QVt Uhr. Und schon den zweiten Diskussionsredner unterbrach der überwachende Gendarm und löste die Versammlung auf. Deutscher Arbeiter-Zlbstincntenbund, Ottsgruppe Berlin. Mittwoch, den 21. September, abends 8'/, Uhr, im Englischen Garten, Zllexande»- sttaße 27o: Versammlung mit Vorttag. Gäste willkommen. Eingegangene Oruckfekritten. Annale« des Deutschen Reiches Nr. 9. 1904. Mlinchen, I. Schweitzer Verlag(Arthur Sellin-). Anhalt: Der Staatshaushalt des Königreichs Sachsen. Von Walther Däbritz. Noch ein Wort zur Erhöhung der Revisionssumme von Dr. M. Schern. Die rechtliche Tragweite des Lippischen Schiedsspruches vom 22. Juni 1897 von Dr. jur. utr. et pttU. Stephan Kekule. Was ist unter denk im deutschen Poitgesetz enthaltenen Begriffe„Wert" im volkswirffchastlichen Sinne zu verstehen-? Von Dr. A. Schmidt. Die strafrechtliche Hasipfiicht der Presse von Landgerichts« direttor Roinring. Aus den Gesetzblattern. Dr. A. Blaschko. Die gesundheitlichen Schäden der Prostitution und deren Bekämpfung. Preis 50 Pf. Berlin 1904. Verlag von 28. u. S. Löwenthal. Ein Millionen-Prozch. Rückblick aus den Moet-Söhnlew-Prozeß. An der Hand der Prozetzakten von Richard Eichstedt. Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart._ Letzte Nachrichten und Depefchen. Graz, 20. September.(Pripatdepeschc des„Vorwärts".) Bei der heuttgen Landtagswahl wurde R e s e l(Soc.) mit 8769 Stimme« gewählt. Der Deutschnattonale erhielt 2754, der Klerikale 2904 Stimmen._ Zum italienifchen Generalstreik meldet noch„Wolffs Bureau": Rom, 20. Sepiember. In Neapel haben die Arbeiterausschüsse beschlossen, daß morgen ftiih die Arbeit wieder aufgenommen werden soll. In Mailand soll die Arbeit morgen ftiih ebenfalls wieder aufgenommen werden, auch die Zeitungen werden wieder erscheinen.~ In Venedig, Turin, Genua, Florenz und Bologna herrscht vollständige Ruhe.— Der heutige Feiertag ist überall festlich begangen worden. In vielen Städten wurden öffentliche Vorträge über die Bedeutung des Tages ge» halten. Abends waren überall die öffentlichen Gebäud» festlich oe» leuchtet._ Neunkirchen(Bez. Trier), 20. September.(W. T. B.) In der Grube„Reden" wurden heute durch schlagende Wetter drei Bergleute schwer verbrannt, einer davon lebensgefährlich. Zürich, 20. September.(B. H.) Die hiesigen italienischen politischen Vereine beschlossen, vor dem italienischen Konsulate eine Sympathiekundgebung für die streikenden Arbeiter in Italien zu veranstalten. Genua, 20.September.(B. H.) Bei dem Versuch, den Wagen des Generals Escard aufzuhalten, wurde der Anarchist Pieter Delli von der Polizei erschossen. Berantw. Redakteur: Franz Rehbei«, Berlin, Inseratenteil vergntw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo., Berlin L�V. Hierzu 4Beilageiiu.NnterhaltimgSilatt Nr. 222. 21. Jahrgang. fann. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 21. September 1904. Parteitag der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Nachmittags- Sigung am Montag.*) und die geeigneten Mitarbeiter finden. August hat selbst habe und nur noch die Geldbewilligung brauche. Ich meine, so schon Beiträge für Jugendlettüre geliefert.( Heiterkeit. Bebel ruft: etwas tann nur von Parteiwegen gemacht werden. Die moralische Sie waren auch danach. Erneute Heiterfeit.) Gewiß wie Verantwortung müssen wir doch tragen, da ist es auch unsre Pflicht, alles, was von ihm kommt, danach ist.( Große Heiterkeit.) sie von Parteiwegen herauszugeben, damit wir die nötige Kontrolle Ich glaube, er bildet sich selbst nicht ein, daß das das Beste war, haben. Alle solchen Unternehmungen müssen in der Hand der Partei was er geliefert hat. Ich kenne keinen Parteiſchriftsteller, der der sein, damit wir nicht zu Zuständen kommen, wie wir sie in andern für die Jugend schreibt, muß den Stoff vollkommen beherrschen, er geeignete Mann für die Zeitung einer Jugendzeitschrift wäre. Wer Ländern haben. muß die Gabe haben, das Wesentlichste abgerundet geben zu fönnen, fein und beffere Illustrationen bringen. Jacob- Bant: Die Neue Welt" müßte vielseitiger und aktueller er muß gleichsam in der Jugend aufleben. Wir haben auch in der Unterhaltungsblätter, die uns da als Vorbild dienen können. Die Wir haben bürgerliche bürgerlichen Welt sehr wenig gute Jugendschriften. Jedes Jahr„ Neue Welt" ist eben nicht das, was sie sein soll, es ist kein tommen und verschwinden ganze Berge solcher Jugendschriften. Dazu Familienblatt, das man sich aufbewahrt, sie wird vielfach als kommt noch eins. Die bürgerliche Welt hat ein nahezu unbeschränktes Butterbrotpapier benutzt, und das Geld dafür ist weggeworfen. Ich Absatzgebiet für solche Sachen. Wenn wir ein solches Buch heraus- bitte den Parteivorstand dringend, für die Schaffung eines guten geben, dann ist der Absatz nach einem Jahr abgeschlossen. Das wird Familienblattes zu sorgen. mir Genosse Diet bestätigen, der auch einen praktischen Versuch damit gemacht hat. Nur alle Menschenalter einmal giebt es einen wirklich guten Jugendschriftsteller, der für lange Zeit schreibt, darüber müssen wir uns flar ſein. Kampf gegen das Centrum, ist es nötig, daß die große Masse darüber Bühler- Essen: Im Interesse unsrer Agitation, namentlich im aufgeklärt wird, warum unsre Reichstagsfraktion diesem oder jenem Gefeßentwurf gegenüber eine negierende Haltung eingenommen hat. fann das nur von Parteiwegen geschehen. Es dürften nicht zu Wenn eine solche Jugendschrift herausgegeben werden soll, so Ich bitte Sie deshalb um Annahme des Antrags 37. diesem Zweck Parteigelder an Privatleute gegeben werden, die man die Soldatenmißhandlungen trotz der alljährlichen Militärdebatten Katzenstein- Alzey: Was wir in der Presse lesen, beweist uns, daß nicht fontrollieren fann. Suchen Sie uns solche Leute, die gute im Reichstage nicht abgenommen haben. Wir können den MißJugendschriften schreiben können. Die Partei ist es aber sich selbst handlungen nicht ruhigen Blutes gegenüberstehen, denn ein so großer nicht in Angriff zu nehmen, ehe die geeigneten Leute gefunden find. Leidenschaft am Plaze ist. Heute, wo die Selbstzersetzung des und der Bedeutung der Dinge schuldig, ein solches Unternehmen Vorzug auch die Ruhe ist, so giebt es doch Dinge, bei denen die ( Lebhafter Beifall.) Militarismus so an die Deffentlichkeit tritt, liegt für die SocialDer Vorsitzende Diet teilt mit, daß B. Fischer- Berlin und demokratie wahrhaftig keine Veranlassung zu ängstlicher ZurückFreiwaldt- Pankow außer dem Antrage auf Ueberweisung der An- haltung mehr vor. Es ist unsre Aufgabe agressiv vorzugehen, träge zur Breffe an den Parteitag den Antrag 105 gestrichen haben. nicht aber zu warten, bis die Dinge an uns herankommen. Hierauf vertagte der Parteitag die Beratung auf Dienstag Südefum sprach von einer Boltspsychose, aber die Social9 Uhr. demokratie ist nicht dazu da, derartige Voltspsychosen ruhig Schluß 7 Uhr. wirken zu lassen, sie soll vielmehr das Volk davon furieren. Wir müssen dafür sorgen, daß an Stelle des blinden Gehorsams das Gefühl der menschlichen Persönlichkeit, das Mitgefühl mit den Klassengenossen, tritt. Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen, denn das wäre zu gewagt. Der Parteivorstand muß die in weiten Kreisen herrschende Stimmung gegen den Militarismus für unsre Zwecke auszunuzen fuchen. Selbstverständlich ist es, daß er, wenn wir ihm Anträge überweisen, uns auch Rechenschaft darüber ablegen muß, wie er die Aufträge ausführt. Noch ein Wort über die JugendZeitschriften. Es wäre nach meiner Meinung sehr leicht gewesen, die Hütte" zu halten, wenn man sich nur mehr um Abonnenten bemüht hätte. Die Hütte" stand auf der Höhe dessen, was wir erwarten und verlangen tönnen. Daß ein Bedürfnis nach einer JugendZeitschrift vorhanden ist, beweisen die vielen Anträge. Möge der Borstand dafür sorgen, daß das Bedürfnis befriedigt wird. Bremen, 20. September 1904. Zweiter Verhandlungstag. Vormittags- Sigung. " " In Anerkennung der Notwendigkeit, unter der proletarischen Jugend eine systematische Agitation für die socialdemokratischen Lehren zu entfalten; Richard Fischer- Berlin: Wenn Sie den Antrag 105 dem Partei. borstande zur Erwägung überweisen, so stellen Sie ihm eine Aufgabe, die er einfach nicht erfüllen kann. Der Vorstand wird, wenn er seine Aufgabe ernst nimmt, dem Wunsche des Kongresses widersprechen und sagen müssen: Ich kann den Antrag nicht ausführen. Sie können doch dem Parteivorstande nicht zumuten, Anträge anzunehmen, von denen er überzeugt ist, daß er sie nicht ausführen ( Sehr richtig!) Daß wir alle das Interesse haben, die Jugend socialdemokratisch zu machen, darüber brauchen wir uns hier nicht zu unterhalten, das müssen wir thun, das ist unsre Lebensaufgabe und außerdem eine aus den Verhältnissen sich ergevende Notwendigkeit. Aber durch solche Anträge tann man die Jugend nicht socialdemokratisch machen. Bis zu einem gewissen Grade ist die Jugend eben Jugend, muß sich austoben und ist für den Ernst des Lebens noch nicht zu haben. Wir müssen mehr Vertrauen zu unsrer Sache selbst haben. Ich müßte ein schlechter Bater fein, wollte ich nicht meinen Sohn in meiner Gedankenwelt erziehen, und der müßte ein schlechter Arbeitskamerad sein, der nicht schon den Lehrling zum Socialdemokraten macht. Das ist eine Aufgabe, die Sie überall zu erfüllen haben. Derartige Anträge dürfen wir nicht Sie überall zu erfüllen haben. Derartige Anträge dürfen wir nicht annehmen, denn sie haben keinen Erfolg. In dem Augenblick, wo wir sie ausführen wollten, würde uns die Möglichkeit dazu ge= nommen sein. Ich habe heute schon das Vertrauen zu unsern Richtern, daß sie an der Hand der bestehenden Gesetze eine derartige Propaganda verhindern werden, und der Reichstag würde innerhalb vierzehn Tagen bereit sein, ein Gefeß zu apportieren, das eine solche Agitation unmöglich macht.( Sehr richtig!) Ueberhaupt die ganze Jugendagitation! Schauen wir doch unsre Vereinsgeseze an! Was in andern Ländern möglich ist, ist bei uns, selbst wenn es wünschenswert wäre, unmöglich. Sie treiben damit nur Spielerei!( 3uftimung. Vollmar: Eine sehr böse Spielerei!) Ich glaube, der Parteitag wird den Antrag ablehnen.( Bebel: Sehr richtig!) Nun zu Bérard. Bérard befindet sich in einem Mißverständnis. Der Vorsitzende Dich eröffnet die Sizung um 9 Uhr 10 Minuten Weder Zubeil noch Jentsch haben davon gesprochen, daß der Druck und bringt Begrüßungstelegramme der socialistischen Partei Ameritas, der gesamten Neuen Welt" nach Berlin kommen soll, sondern nur des Parteivorstandes der holländischen Parteigenoffen, des Generalden Gedanken ausgedrückt, daß diejenigen Exemplare, die dem rats der revolutionären Partei Rußlands, des Komitees des Bundes Vorwärts" beigelegt werden, in Berlin gedruckt werden. Nach des kämpfenden jüdischen Proletariats von Litauen, Poien und Nußmeiner Meinung kann es nicht die Aufgabe des Parteitages sein, land, des socialdemokratischen Leseklubs in Luxemburg und einer hierüber Beschluß zu fassen. Das müssen die in Betracht kommenden Anzahl einzelner Parteigenossen zur Kenntnis der Versammlung. Faktoren unter sich regeln, und ich glaube, wir werden uns darin Der Parteitag tritt sodann in die Tagesordnung ein und setzt verständigen, umsomehr, als wir dadurch einen Zustand wieder die Debatte über die zur Presse" gehörenden Anträge fort. Herstellen, der schon bestand. Daß es ein Unsinn ist, jährlich über Liebknecht, Müllenstädt und Braun Königsberg beantragen zu 4000 M. für Fracht auszugeben, wenu sich diese Ausgabe vermeiden Antrag 105: Schöpflin- Leipzig. Ich bitte Sie, den Antrag 105 abzulehnen. läßt, ist doch flar. Außerdem ist die Auflage der„ Neuen Welt" so Würden wir ihn annehmen, so würde seine Wirkung so schlimm sein, gestiegen, daß der Druck Bérard schon Kopfschmerzen macht. Eine daß wir in ein, spätestens in zwei Jahren bestimmt bedauern Reihe von Anträgen bezieht sich auf die Jugend- Zeitschriften. Es würden, einem derartigen Antrag unsre Zustimmung gegeben zu sollen entweder neue Zeitschriften herausgegeben oder alte wieder In Anerkennung weiter der Notwendigkeit, bei dieser Jugend- haben.( Sehr richtig!) Was sollen wir denn eigentlich dem jungen ins Leben gerufen und die Deficits durch Parteizuschüsse gedeckt agitation den Kampf gegen den Militarismus in den Vordergrund Arbeiter, der ins Heer eintritt, für Verhaltungsmaßregeln erwerden. Das ist ja sehr schön. Aber heute früh haben wir zu stellen, hält der Kongreß den Antrag 105 für erledigt." teilen? Sollen wir ihm sagen, verhalte Dich in Deinem eine Rede von Ullenbaum- Elberfeld gehört, der es geradezu Der Antrag wird genügend unterstützt. Interesse ruhig, benimm Dich wie ein geduldiges Lamm. als Verbrechen hingestellt hat, daß die Buchhandlung Vor- Dr. Südekum: Ich glaube, daß die flaren und scharfen Worte, die Das wäre doch zweifellos verfehlt. Oder sollen wir wärts so unverschämte Ueberschüsse erzielt.( Große Heiterkeit.) Fischer gestern abend schon gegen den Antrag sprach, den Genoffe ihm raten, laß Dir nichts gefallen, vergilt gleiches mit gleichem? Sonst habe ich immer gefunden, man friegt seine Hiebe, wenn man Liebknecht verteidigt hat, auf einen fruchtbaren Boden bei Ihnen Was aber würden wir dann für Erfahrungen machen!( Sehr Deficits macht.( Heiterkeit.) Daß man aber geprügelt wird, wenn gefallen find. Die Parteigenossen, in deren Namen Liebknecht sprach, richtig!) Wie viel Mißhelligkeiten würden entstehen! Was für Geman Ueberschüsse hat, ist mir neu.( Erneute Heiterkeit.) Wenn Sie sind in der That auf vollständig falschem Wege. Die Agitation, wie richtsverhandlungen würden wir erleben!( Sehr richtig!) Es ist ja beschließen, daß wir Deficits machen sollen, ich glaube, das Kunst- sie sie sich denken, kann keinen Rußen haben, würde aber eine Menge ganz unmöglich, 18, 19jährigen jungen Leuten in ein paar Monaten ſtüd friegen wir auch fertig.( Heiterkeit.) Aber dem Tröpfchen von unsern jeßigen und zukünftigen Parteigenoffen in schwere Gefahr genaue Instruktionen über ihr Verhalten beim Militär zu erteilen. jüdischen Bluts, das ja in der Firma Baul Singer u. Co. vorhanden bringen. Und zwar nicht diejenigen werden in Gefahr tommen, die Das geht bei einer Instruktion für den Wachtposten; dem wird geist, würde es weh thun, wenn wir mit Deficits arbeiten sollten. fchon lange sich in unsre Ideenwelt hineingelebt haben, sondern fagt, wenn Dich einer belästigt, dann verhaftest Du ihn, stellst ihn ( Stürmische Heiterkeit.) Die Ueberschüsse sind nicht auf die Weise gerade jene guten Leute, die sich nicht sowohl durch große Schieß- ins Schilderhaus mit dem Rücken zur Straße, knöpfft ihm die Hofenerzielt, wie Ullenbaum glaubt, der da meint, wir hätten nur fertigkeit auszeichnen wie Herr v. Einem im Reichstage fagte- träger ab usw.( Heiterfeit.) Das tapiert der junge Mann. Aber infolge des hohen Preises der Broschüre 35 000 m. abliefern als durch eine gute patriotische Gesinnung, die zum erstenmal in den ganz verschiedenartigen Fällen, die das Militärleben bringt, fönnen. Ich will ullenbaum verraten, daß der Ueberschuß sogar noch von einer solchen Agitation hören und dann nicht Selbst- würde der junge Mann in den ersten zwei Stunden, die er in der höher ist. Ich habe nur noch nicht alles abgeliefert.( Heiterkeit.) beherrschung genug bejizen, um allen Situationen gewachsen zu Stajerne verlebt, elend Schiffbruch erleiden, Ivenn er fich Woher kommen die 35 000 m. Ueberschuß? Wir haben z. B. fein. Als ich vor zwei Jahren zur Zeit des verunglückten General- auf Instruktionen bon außen verlassen wollte.( Lebhafte 650 000 Hefte ,,, Wider die Pfaffenherrschaft" in einem halben Jahre ftreits in Belgien war, bei dem auch die Gefahr bestand, daß das Zustimmung.) Wenn die jungen Leute Socialisten sind, ist es gar bertrieben bei 1 Bf. Gewinn pro Heft. Das find 6500 M. Wir Militär auf die Straße geführt wurde, erfundigte ich mich bei den nicht nötig, ihnen Instruktionen mitzugeben.( Lebhafter Beifall.) haben 650 000,, Der wahre Jacob" in Berlin und Umgebung ver- Genoffen, ob sie wohl glaubten, daß die in den Safernen konfignierten Dann hat der junge Mann so viel Tatt, so viel sicheres Gefühl, daß schleißt; das macht bei f. Profit pro Nummer 4500 M. Wir Truppen im entscheidenden Augenblic schießen würden. In Belgien ist er weiß, wie er sich in ernsten Situationen zu verhalten hat. Und haben weiter ca. 600 000 Mai- Beitungen und dergleichen verbreitet, das Experiment gemacht worden mit dieser socialistischen Propaganda angenommen, es wäre möglich, in Berlin, Hamburg oder Leipzig das macht bei 1 Pf. Profit 6000 M. An den Protokollen, die wir in den Kasernen und zwar unter ganz andren Umständen als bei mit ihren starken Organisationen solche Instruktionen zu erteilen, in für 75 Pf. verkauft haben, haben wir 2 Pf. pro Eremplar verdient. uns. Es entspricht dem ganzen Volkscharakter in Belgien viel mehr, den andern Städten wäre es gar nicht durchführbar. Stellen Sie Bei 75 Pf. wird man doch 2 Pf. verdienen müssen. Das macht daß man dort mit einer gewissen Frechdachigkeit an die geheiligten sich dann einmal vor, daß es zu einer Gerichtsverhandlung kommt wieder 1000 m. Wir haben vielleicht 1 250 000 Hefte In freien Institutionen des Klassenstaates Herangeht." Trotzdem waren die und der schüchterne Rekrut schüchtern sind sie alle, wenn sie vor Stunden" verkauft, da muß es uns gestattet sein, 1 Bf. zu ver- belgischen Genossen überzeugt, im entscheidenden Moment würden die den Offizieren stehen fagt aus, er habe sich nach unsern Indienen. Das sind wieder 12 500 M. Die Ueberschüsse können nur Soldaten unter dem Eindruck einer Massenpsychose doch schießen und struktionen gerichtet. Das wäre eine schöne Geschichte. General erzielt werden in der Massenauflage und den Maffen- wenn auch nur ein Drittel schießen würde, so würde das genügen, v. Endreß hat im Reichstage Bebel erwidert, die Socialdemokraten umsätzen, und fein einziges von den angeführten litterarischen um entfeßliches Unheil anzurichten. Ich glaube, das beste ist, wenn leisteten beim Militär passiven Widerstand, machten damit die VorErzeugnissen hätte auch nur um 5 Bf. billiger sein können. Einzelne der Parteitag über den Antrag 105 zur Tagesordnung übergeht und gefesten nervös und verursachten so die Soldatenmißhandlungen. Der haben ja überhaupt nur 5 Bf. gefoftet. Die Zusammenstellung, die nicht erst auf dem Umwege des neuen Antrages. General glaubt das, und diese Anschauung würde, wenn wir den ich jezt aus dem Handgelenk gemacht habe, zeigt, daß an allen Nun zu etwas anderm. Die vielen Anträge auf Schaffung einer Antrag 105 annehmen würden, sich umso rascher verbreiten, und das übrigen Broschüren kein Profit bleibt. Da sind wir froh, wenn wir Jugend- Zeitschrift zeigen doch, daß in den Massen umires Resultat würde in kriegsgerichtlichen Urteilen zum Ausdruck kommen, die Kosten decken. Wir fragen uns bei der Herausgabe einer Proletariats das Bedürfnis zu einer solchen Zeitschrift unzweifelhaft Die jungen Refruten, die aus socialistischen Kreisen kommen, Broschüre doch jedesmal, wie hoch der Absatz sein wird und auf der besteht. Nicht ohne eine gewisse Bitterkeit kann man jetzt die würden noch schärfer als bisher angefaßt werden, und ein paar Grundlage dieser Berechnung wird der Preis festgesezt. Nun kommt Nefrologe für die Hütte" hören, nachdem sie längst felig entschlafen hundert Jahre Gefängnis wären der materielle Erfolg.( Lebhafte es ja vor, daß manche Broschüre, z. B. Saarabien" und" Der ist. Als es damals darauf ankam, diese Zeitschrift zu fördern, hat Zustimmung.) Der Kampf gegen den Militarismus muß doch Junkerstaat", die wir zu 20 000 angenommen haben, in 60 000 Grem fie nicht so viel freundliche Hilfe gefunden, als man jetzt nach den anders geführt werden. Wir müssen versuchen, die Jugend im all plaren abgesetzt werden. Dann ist der Profit natürlich erheblich größer, Reden glauben sollte.( Leichenreden!) Ja, Leichenreden sind es. Im gemeinen zum Socialismus zu erziehen und nicht im speciellen am als wenn wir drei Broschüren in je 20 000 Auflagen herstellen. entscheidenden Augenblick, als Verhandlungen zwischen Wallfisch und Militarismus herumpfuschen.( Sehr richtig!) Mit der Annahme Also ich meine, Sie sollten sich vor den Ueberschüssen der Buch- den Leipziger Genossen im Gange waren, haben es auch führende des Antrages 105 würden wir nur dem Staatsanwalt mehr Arbeit handlung nicht so sehr fürchten. Ich halte es für eine Aufgabe der Parteigenossen an der Befürwortung, daß die Leipziger es machen verschaffen, und dazu haben wir keinen Anlaß. Die Wirkung des Partei- Institute, möglichst hohe Ueberschüsse zu erzielen, und ich sollten, fehlen lassen, sie haben im Gegenteil den Leipzigern ab- Antrages würde ein sehr übler sein; er würde sehr schlimm auswürde es mir zum großen Verdienst anrechnen, wenn ich an dem gewinkt. Es wäre durchaus möglich gewesen, die Hütte" weiter gelegt und auf sein Conto alles geschoben werden, was beim Militär " Vorwärts" solche Ueberschüsse erzielen fönnte, daß ich nicht nur der zuführen und ganz anders auszugestalten, wenu man nur wenige passiert.( Bravo!) Bartei noch viel mehr abführen, sondern auch den Wunsch der Tausende, höchstens 10 000 m. zur Verfügung gehabt hätte. Das Molkenbuhr: Bei der Rede Kazensteins fragte ich mich unBerliner nach Verbilligung ihres Organs um zehn Pfennige erfüllen Deficit im ersten Jahre war durch die Einführungskosten bedingt. willkürlich, ob denn Rabenstein unfrer Agitation so ganz fern stehe, fönnte. Ich glaube heute schon sagen zu können, daß wir im nächsten Eine halbe Million Prospekte der deutschen socialdemokratischen Preise weil er sagte, daß der Stampf gegen den Militarismus mehr in den Jahre vielleicht 150 000 M. Ueberschuß aus dem Vorw." haben werden. beizulegen, foftet eben 3 bis 4000 Mart. Das fann man aber nicht Vordergrund gerüdt werden müsse. Sehen Sie sich die WahlEigentlich dachte ich, ich würde hier als Muster hingestellt werden, als Deficit der Zeitschrift aufmarschteren lassen, denn das wiederholt flugblätter der legten Reichstagswahlen an: feine andre Frage statt dessen befomme ich jetzt hiebe.( Heiterkeit.) Wir haben heut sich doch nicht alle Jahre. Fischer sagte, es sei sehr schwer, die ge- nimmt in diesen einen so breiten Raum ein, wie der Stampf gegen morgen die Anstellung von Agitatoren beschlossen, die planmäßig eigneten Leute zu finden. Das mag sein, gäbe es aber solche den Militarismus. Von jeher ist der Militarismus ſyſtematisch den socialistischen Gedanken verbreiten sollen. Ja, wovon sollen die Leute, so hätten sie doch heute gar keine Möglichkeit, ihr Talent zu bekämpft worden, weil wir in ihm die Hauptstüze des befoldet werden? Der Parteikaffierer wird mir bestätigen, daß drei entfalten. Damals hat man die Erfahrung gemacht, daß sehr bald Klassenstaats sehen. Was soll denn eigentlich geschehen? Das sagen Biertel sämtlicher Einnahmen aus den Beiträgen der Berliner und höchst talentvolle Leute mit wertvollen Beiträgen auch aus Streifen uns die Antragsteller nicht. Es ist gefagt worden: Auf Einzelheiten Hamburger und aus den Ueberschüssen der Partei- Institute fommen. tamen, wo wir sie gar nicht vermutet hatten. Der Redakteur der dürfe man nicht eingehen, das sei zu gewagt. Der Grundgedanke Die Bartei- Institute haben also gradezu die Aufgabe, Ueberschüsse zu Hütte" hat sicher in seiner Mappe noch viele gute Beiträge. Ich des Antrags ist bon der Partei bis jetzt entschieden erzielen, natürlich, ohne daß dadurch die Interessen der Partei ver- bin auch nicht der Ansicht, daß ein solches Unternehmen unter allen abgelehnt worden. Als Domela Nieuwenhuis seine Propaganda Tezt werden, und ich glaube nachgewieſen zu haben, daß wir nach Umständen nur als Partei- Unternehmen zu denken wäre. Auch die für den Militärstreik betrieb, war es die deutsche Socialdemokratie, der Richtung in der Buchhandlung Vorwärts nicht gefündigt haben. Neue Zeit" ist doch jahrzehntelang Privatunternehmen gewesen, die dieser Utopie entschieden entgegentrat. Derselbe Gedanke verWahrscheinlich werden Sie die Herausgabe einer Jugendzeitschrift Freilich Geldgeschäfte machen wollte auch Wallfisch mit der Sütte" birgt sich hinter all den Wendungen des Antrages 105. Nun wird beschließen, ich zweifle gar nicht daran, und wenn die Frage so nicht, er war sich klar, daß die Partei das Unternehmen eines Tages gesagt, wir müßten für die Jugend eine besondere Agitation haben. gestellt würde: ob es wünschenswert ist, eine Jugendzeitschrift zu bes für sich reklamieren würde, und mit Recht. Also stoßen Sie nicht darauf erwidere ich, daß es für uns darauf ankommt, die Einheit gründen, so würde ich sogar mit 2 Händen dafür stimmen.( Heiterf.) bie Privatinitiative von vornherein zurück auf einem Gebiete, wo des Princips zu wahren und nicht für die Jugend andre Grundfäße Es fragt sich, ob es möglich ist. Wir haben ja wiederholt Versuche jeder Schritt auf unbekanntes Terrain führt. Beschließen Sie viel zu haben als für die Erwachsenen.( Sehr richtig!) Die Bekämpfung nach der Richtung unternommen, aber wir haben erfahren, daß das mehr, daß jemand, der einen solchen Versuch aufnehmen will, auf Ihre des Militarismus geschieht durch die Propagierung des Socialismus. Gebotene nicht genügt. Man spricht von der Hütte". Es liegt mir moralische und, falls nötig, finanzielle Unterſtüßung rechnen kann. Mit dem Siege des Socialismus wird auch der Militarismus fern, auch nur ein tadelndes Wort dagegen zu sagen, aber daß das Adolf Hoffmann- Berlin: Ich bin der Meinung, daß wir die gestürzt werden, vorher nicht. Es kommt also darauf an, tüchtige Socialeine Jugendzeitschrift war, wie die Genossen sie wünschen, das muß Schaffung der Jugendschrift keinesfalls der Privat- Initiative über- demokraten zu erziehen, die werden dann schon genug Ehrgefühl, Selbstich verneinen. laffen fönnen. Die Erfahrungen beweisen, daß es sich um eine bewußtsein und Erkenntnis haben, um zu wissen, wie sie sich zu verhalten Es war eine sehr gute Zeitschrift, aber feine Jugend- fehr schwierige Aufgabe handelt. Es ist nicht leicht, eine Jugend- haben. Die Schaffung einer besonderen Jugendbewegung fönnte zeitschrift. Die Frage ist überhaupt nicht die, wir zeitschrift unter die Arbeiter zu bringen, wo wir zum großen Teil schließlich zu ganz erheblichen Gegenfäßen führen. Hätten wir eine Jugendzeitschrift haben wollen, sondern wir noch nicht einmal die Frauen haben. Ueber die Notwendigfeit einer solche Bewegung, so müßten wir sie bekämpfen( Sehr richtig!), fie schaffen schaffen tönnen, об wir den geeigneten Redakteur Jugendzeitschrift in einer Zeit, wo die Geschichtsfälschung in der denn das Streben der Partei geht auf Centralisation und größere Boltsschule immer mehr zunimmt, find wir uns alle flar, aber die Aus- Einheitlichkeit. Solche besonderen Jugendorganisationen mögen gut führung ist schwierig, und daß die Sache viel Geld tosten wird, kann ich sein für die Nationalliberalen. Sie entsprechen dem ganzen Ihnen versichern. Freilich, als ich gestern Fendrich hörte, hatte ich den Charakter des Nationalliberalismus, bei dem die Alten alle GrundEindruck, daß er einen Verleger und Redakteur schon in der Taschel säge, die sie in der Jugend vertreten haben, verleugnen, und eine " " об ob *) Der hier wiedergegebene Schluß der Verhandlung am Montag konnte wegen verspäteten Eintreffens in unsrer gestrigen Nummer nicht mehr gebracht werden. Die Redaktion. " " " " ber beshalb besondere Jugendorganisationen zur Vertretung trage so gegangen wie einem Opfer in der Schlacht, das erst tot- 1 dings das Wort Auers: Generalstreit ist Generalunsinn. Friedeberg der Ideale hat, für die die Alten nicht mehr zu haben geschossen, dann nochmal totgeschlagen, dann gevierteilt und schließ- propagiert den Generalstreik im anarchistischen Sinne; er find.( Heiterkeit und Zustimmung.) Bei uns iſt das anders. lich ins Wasser geworfen wird. Alſo vier- bis fünffacher Mord iſt iſt nichts als ein aufgewärmter Nieuwenhuis. Das Auftreten Deshalb halte ich den Antrag für verfehlt, ganz abgesehen davon, von den verschiedensten Partei- Autoritäten schon an dem Antrag Friedebergs widersprach den primitivsten Interessen der Partei. Es daß er uns mit dem Staatsanwalt in Konflikt bringen würde. geübt worden, es ist sogar behauptet, ich hätte Selbstmord an ihm steht im Gegensatz zu allem, was die Partei bisher gethan hat. Wenn die Väter des Antrags diese Dinge einmal durchdenken, so geübt durch meinen neuen Antrag. Das ist nicht zutreffend und ich( Sehr richtig!) Er stellt den Parlamentarismus in Gegensatz zur werden sie gewiß selbst den Gefallen an ihrem Antrag verlieren. Habe mich vor allem zum Worte gemeldet, weil Genosse v. Vollmar Gewerkschaftsbewegung, weil diese von den Gegnern unabhängig ( Lebhafter Beifall.) meinen Antrag gänzlich mißverstanden hat, jedenfalls infolge eines sei. Das ist einfach unrichtig. Ueberall haben unsre Gewerkschaften Der Vorsitzende Dich giebt hierauf Vollmar das Wort. Hörfehlers. Mein neuer Antrag geht nicht dahin, daß Jugend- mit den Tücken der Gegner zu kämpfen. Sobald wir keine politische ( Wollmar: Ich denke, erst kommt Bebel? Vorsitzender Diet: organisationen gegründet werden sollen in Deutschland und daß Bewegung sondern nur Gewerkschaften hätten, könnten die Gegner Bebel hat verzichtet. Bebel: Der Antrag ist genug totgeschlagen!) diese Jugendorganisationen die besondere Aufgabe haben jeden Tag die Gewerkschaften einfach von der Bildfläche wegwischen. v. Vollmar: Ich bedauere es, daß diese Debatte überhaupt sollen in dem Kampf gegen den Militarismus. Der Formell stände dem nichts entgegen. Thatsächlich allerdings steht entzündet ist( Sehr wahr!), denn je weniger man über die Frage Antrag geht vielmehr dahin, den Antrag 105 für erledigt jetzt hinter den Gewerkschaften eine so gewaltige Macht, daß die des Militarismus in der Form, wie sie hier angeschnitten ist, zu erklären, indem der Parteitag anerkennt, daß es Gegner nicht wagen werden, dies Ventil für die Unzufriedenredet, desto besser ist es.( Sehr wahr!) Schon als ich hierher notwendig ist, eine besondere Agitation für den Socialis heit der Arbeiter zu verschließen. Friedeberg sagt, unser ging, nahm ich mir vor, gegen den Antrag 105 zu stimmen und mus in der Jugend zu entfalten und in dieser Agitation Biel feien absolut freie Persönlichkeiten ohne Pflichten; womöglich auch zu sprechen. Die Begründung aber, welche den Kampf gegen den Militarismus in den Vordergrund zu stellen. Das ist unrichtig. Gerade die bedrückten Persönlichkeiten, die gestern dem Antrage gegeben ist, nötigt mich, auf das aller- Das ist etwas ganz andres, als was Genosse Vollmar bekämpft gewissermaßen fasciniert sind durch das Gefühl der allgemeinen entschiedenste dagegen Stellung zu nehmen. Aufrichtig gestanden hat. Unberechtigt ist auch der hier mit besonderer Pointierung er- Interdrückung, sind es, die unsre Bewegung unividerstehlich machen. bin ich darüber erstaunt, wie jemand, der imstande ist, die hobene Vorwurf, daß hier eine neue Methode versucht werde. Es wir erstreben durchaus nicht die absolute Freiheit des Einzelnen. Folgen einer Sache zu ermessen, wie jemand, der über den ist ja besonders pikant, diesen Vorwurf aus dem Munde Vollmars Die Pflicht der Solidarität, die allerdings freiwillig übernommen Augenblick, in dem er spricht, und über den eventuellen zu hören, er ist aber unzutreffend. Ich will nichts, als daß die werden soll, werden wir stets anerkennen. Die Konsequenz des Augenblickserfolg hinaus zu denken versteht, eine Sache in alte Methode, meinetwegen um die Phrase zu gebrauchen, die alt- Friedebergschen Standpunkts ist allerdings der Anarchismus. Denn Dieser Form hier zur Sprache bringen kann.( Sehr richtig!) bewährte Methode angewandt werde mit besonderem Nachdruck auf wenn der Anarchismus einen Fortschritt über den Socialismus beAnträge wie diefe, Begründungen wie diese, die sehen ja sehr scharf einem besonderen Gebiete, nämlich dem der Agitation in der Jugend dedeutet und diesen in sich schließt, weshalb sollten wir denn Socialaus, aber in Wirklichkeit sind sie nichts als ein Spiel mit Schieß- gegen den Militarismus. Genosse Vollmar sagte, schon daran demokraten bleiben. Ich habe mich so scharf gegen Friedeberg gegewehren, und zwar auf andrer Leute Kosten( Sehr richtig!), auf scheiterten meine ganzen Ausführungen, daß ich den Militarismus wandt, weil dieser die Idee des Generalstreiks diskreditiert.( Die Kosten in erster Linie derjenigen, die in die Kafernen hinein müssen als das ärgste Uebel bezeichnet hätte. Das habe ich nicht gethan. Redezeit ist abgelaufen. Der Redner meldet sich von neuem ( Sehr richtig!), sei es als Refruten, sei es im späteren Dienst- Ich nehme es ja niemand übel, wenn er vergißt, was ich gestern zum Wort.) verhältnis, sodann auf Kosten der Partei im allgemeinen und end- gesagt habe. Ich habe begonnen: Ich vermutete, die Gegner würden Rasenstein- Berlin: Ich habe über die Alfoholfrage zu sprechen. lich nicht zum wenigsten auf Kosten einer Anzahl von Rednern. fagen: Dieser Antrag rennt offene Thüren ein. Das ist ganz( Rufe: Oh! Oh!) Ihre Zustimmung beteist mir( Große Heiter( Sehr wahr!) Es gehört nicht nur ein großes Maß von Kennt- richtig: er rennt, was die Principien unsrer Taktik anbelangt, offene feit), daß ich einen minder unfruchtbaren Boden zu beackern habe, nissen, sondern auch eine außerordentliche Gewandtheit dazu, diese Thüren ein, aber die Principien der Taktik werden nicht immer als die Anhänger des Generalstreiks. Wir Alkoholgegner müssen Dinge so zu besprechen, daß man nicht gefaßt werden kann. Sie durchgeführt mit gleichem Nachdruck. Darüber braucht man doch nun endlich aus der Bescheidenheit herauskommen. Wir müssen wissen, daß hier der fißlichste Punkt in Deutschland ist, gar nicht mehr zu reden, daß der Militarismus das wichtigste Boll- daran erinnern, daß es Klara Zetkin gewesen ist, die auf dem Stuttund man würde keinerlei Bedenken tragen, fei es von werk des Kapitalismus ist; ebenso sebstverständlich ist die Notwendig garter Kongreß die erste Anregung zur Behandlung der Alkoholfrage Gesetzes, sei es von Verordnungswegen, oder durch die keit, ja die Pflicht, die Jugend ihren besonderen Interessen, ihrer gegeben hat. Sie ist dem Antrag allerdings keine gute Mutter Richter, dem zu begegnen. Wie man die Sache auch an- besonderen Lebenslage entsprechend zu packen in der Agitation für gewesen( Heiterkeit), sondern hat ihn rauhen Männerhänden überfehen mag, sie ist außerordentlich ernst und zieht schwere den Socialismus und insbesondere gegen den Militarismus. Man lassen.( Heiterkeit.) Offenbar war sie zu schüchtern( Große Folgen nach sich. Es ist auf die Jugendorganisationen andrer Länder hat darauf hingewiesen, daß der Kampf gegen den Militarismus be- Heiterfeit), fo vielen Männern ihre Sünden vorzuhalten. hingewiefen, z. B. auf die bekannte jeune garde in Belgien, aber sonders bei den Wahlen mit großem Nachdruck geführt sei. Da Die Alkoholfrage verdient ernsthaft behandelt zu werden. Wir ich finde es nicht besonders verdienstvoll, wenn man Dinge, die zeigt sich gerade ein Hauptfehler dieser Agitation. Bei den Wahlen, socialdemokratischen Abstinenten halten uns von dem Blödsinn der irgendwo bestehen, ohne weiteres zu uns verpflanzen will; man die gewissermaßen den Grundstock unsrer großzügigen Agitation bürgerlichen Abstinenten fern, der den Anti- Alkoholismus in den muß doch die Verhältnisse berücksichtigen, und daß die Verhältnisse bilden, wendet man sich naturgemäß hauptsächlich an die Leute, die Kreisen der Arbeiterschaft diskreditiert hat. Besonders von frommer in Belgien ganz andre sind als bei uns, das braucht nicht erst bereits über das militärpflichtige Alter hinaus sind; es handelt sich Seite sind solche Fehler begangen worden, die heuchlerisch Wasser gesagt zu werden.( Sehr wahr!) Es ist gesagt, es geschieht nicht aber gerade darum, schon vorher die Jugend zu packen. Das sind predigt, während sie heimlich Wein trinkt.( Sehr gut!) Wir sind genug in Bezug auf den Kampf gegen den Militarismus, es würden natürlich abgetretene Sachen, daß die Jugend durch die Zustände feine Mucker, die dem Volke keine Freude gönnen und die Erde in freilich Reden im Parlament gehalten, es würden Soldaten von selbst zum Socialismus erzogen wird, daß socialistische Eltern ein Jammerthal verwandeln wollen, damit die Sehnsucht nach dem mißhandlungen zur Sprache gebracht, aber dann sei wieder ihre Kinder socialistisch erziehen, aber so richtig es ist, daß unsre Himmel um so größer wird. Davon sind wir himmelweit entfernt. Wir alles still. Ja, um des Himmels willen, hat denn der Partei die Agitation nötig hat, und daß wir dann und wann auch wollen der Arbeiterklasse nicht ihre bescheidenen Freuden trüben, sondern Genosse, der das sagt, geschlafen? Ist es etwa nicht richtig, specielle Agitation bei den Landarbeitern, bei den Frauen ust. ent- im Gegenteil ihre Empfänglichkeit für größere und höhere Genüsse weden. daß wir auf unsrem ganzen Agitationsgebiet nichts haben, über das falten, genau so erwägenswert ist die Frage, ob es sich nicht Ist doch die verdammte Bedürfnislosigkeit der Boden, auf dem der von jeher so viel gesprochen und das so viel bekämpft ist wie der empfiehlt, unter der Jugend eine principielle. Agitation in Alkoholismus wuchert.( Sehr richtig!) Der hochverdiente jetzt verMilitarismus? Ich habe wahrlich nicht nötig, über die Schäden des Angriff zu nehmen. Von einer neuen Methode ist keine storbene Stefan Gschwind in der Schweiz hat aus seinen Erfahrungen Militarismus hier zu reden, jede Minute des Parteitages wäre Rede. Daß der Antrag unglückselig gefaßt ist, darüber als Fabrikbefizer geschrieben:" Ich muß fonstatieren, daß die Hinausgeworfen, die man zu diesem Zweck benutzte. Aber man darf sind wir uns alle einig, ich habe jedoch selbst verschiedene abstinenten Arbeiter die unzufriedenen Arbeiter sind. Die die Dinge nicht übertreiben. Gestern hat Liebknecht gesagt, der Vorbehalte gemacht. Alles was hier angeführt ist, um Alkoholtrinker arbeiten viel länger und erheben keine Ansprüche." Militarismus sei der ärgste Feind. Ja, wieviel ärgste Feinde haben zu deduzieren, daß ich ein Mensch wäre, der nicht über seine Nasen-( Widerspruch.) Er hat weiter darauf hingewiesen, daß die alkoholwir denn nicht?( Heiterkeit.) So lange ich in der Partei bin, habe spige hinaussehen kann, habe ich gestern selbst ausgeführt. Aber gegnerischen Arbeiter in Bezug auf das Familienleben höhere Anich immer geglaubt, der ärgste Feind sei das, was wir mit dem durch die Form, die der Antrag 105 jezt gefunden hat, sind alle sprüche erheben, als die alkoholtrinkenden; sie sehen es viel als furzen Wort„ Kapitalismus“ bezeichnen, und alles andre Bedenken beseitigt. Es ist für keinen Socialdemokraten zweifelhaft, eher, wenn das Kind im zerrissenen Kleidchen umherfeien nur Folgeerscheinungen.( Sehr richtig!) Man stelle doch daß wir verpflichtet sind, die Jugenderziehung in Angriff zu nehmen läuft. Wir müssen den Mut haben, auch auf die die Dinge nicht auf den Kopf! Jeder Socialist, jeder und Jugenderziehung heißt Erziehung gegen den Militarismus. Schäden hinzuweisen, die sich in der Arbeiterbewegung zeigen. Parteigenosse soll in allen Dingen mit Eifer vorgehen, aber Diesem Antrag stehen feinerlei juristische und politische Bedenken Und da muß zugestanden werden, daß das Familienleben vielfach er muß fich doch auch jederzeit feiner Verantwortung gegenüber, ich bitte Sie um seine Annahme. gehemmt und gestört wird durch den Alkoholkonsum.( Sehr richtig!) bewußt sein, er darf nicht einer Augenblickslaune folgen. Und wer Es ist folgender Antrag Dr. Sü dekum- Segiz b. Voll- Dieser Alkoholkonsum aber wird durch Vorurteile verursacht. Dabei die Dinge bei uns überblickt, der weiß, wohin es führen würde, mar eingelaufen: Der Parteitag geht über den Antrag 105 und sind die Schäden, die der Alkohol verursacht, unendlich. Unser Genosse wenn wir eine andre Stellung als bisher einnehmen würden. Wir den Antrag Liebknecht zur Tagesordnung über. Oberrichter Lang in Zürich hat darauf hingewiesen, daß nach der haben uns im Reichstage und im bayerischen Landtage stets darüber Frohme- Hamburg: Nach der geradezu vernichtenden Kritik, welche Kriminalstatistit am Sonntag sechsmal soviel Körperverlegungen vorbeschwert, daß man die Socialisten in der Armee anders behandelt, der Antrag Liebknecht bereits erfahren hat, war es nicht meine Ab- fommen, als vom Dienstag bis Freitag.( Hört!) Unter dem Eins daß die Behörden genau Auskunft darüber geben, welche Rekruten, sicht, diese Kritik noch zu vervollständigen. Was mich veranlaßt, fluß des Alkohols kommt diese Vermehrung an einem Tage zu stande, bevor sie einrücken, socialdemokratische Versammlungen besuchten, jetzt noch das Wort zu nehmen, ist die geradezu verblüffende Dreistig- wo man meinen sollte, daß die Leute friedlich beieinander welche sich als sogenannte kleine Führer hervorgethan haben, und feit, mit der Genosse Liebknecht auftritt, um auf Umivegen das zu fizen, während in der Woche doch viel mehr Konfliktswelche eine große Rolle in der Partei spielen. Jeder bekommt erreichen, was er mit dem ersten Antrag nicht erreichen kann. Lieb- stoff vorhanden sein sollte. Dasselbe wie für die Körpers feine Note, wird unter specielle Aufsicht gestellt, und welche knecht macht sich die Sache außerordentlich leicht mit Hilfe einer verletzungen gilt für Totschlag und Sittlichkeitsverbrechen. Die Annehmlichkeiten ihm daraus erwachsen, das kann man sich ja denken. rücksichtslosen juristischen Rabulistik. Es kommt ihm offenbar darauf Schädigungen, die der Alkohol auf gesundheitlichem Gebiete anWir haben diese Methode von jeher bekämpft, wir haben immer ge- an, unter allen Umständen in irgend einer Weise das zu erreichen, richtet, liegen ebenso flar zu Tage. Die Arbeiterkategorien, die in sagt, der socialistische Soldat rückt ebenso kraft des Gesetzes zum was er mit dem ersten Antrag nach der gehörten Kritik nicht er ihrem Berufe mit dem Alkohol zu thun haben, die Kellner und Militär ein wie jeder andre, er thut seine Pflicht genau wie jeder reichen kann. Wir sind es dafür sind ja Gründe genug bei- Brauer, haben eine zwei- bis dreifach höhere Sterblichkeit als die andre, er darf also auch keine Ausnahmestellung einnehmen. Bis gebracht worden unsrer Partei in mehrfacher Hinsicht unter den andern Berufe. Auch die Unfallgefahr steigt mit dem Alkoholgenus. jetzt haben uns die Kriegsminister immer erwidert: Ja, wichtigsten Gesichtspunkten schuldig, daß wir diesen Antrag und alles, Nach der Reichsstatistik ist die Unfallziffer am Montag durchschnittdas ist eben die Besonderheit der socialistischen Bewegung, was sich daran knüpft, also auch den zweiten Antrag, auf das aller- lich viel höher als am Freitag, wo die Leute von der Arbeit doch wir sind der Leute nicht sicher, und infolgedessen müssen entschiedenste zurückweisen. Ich bitte Sie, auch über diesen zweiten ermüdet sind. wir so vorgehen. Wir haben haben stets entgegnet, daß dazu Antrag zur Tagesordnung überzugehen. Damit kommen wir am Nun jagt man: wir sind ja alle gegen den Suff! Der Alkoholteine Veranlassung vorliegt. Aber wenn derartige Anträge an- passendsten über diese ganze geradezu unqualifizierbare Angelegen- genuß muß sich in den Schranken vernünftiger Mäßigkeit halten. genommen werden, wenn man eine eigne Jugendbewegung ins heit hinweg.( Bravo!) Ja wenn die Selbstkontrolle so leicht wäre!( Sehr Leben ruft und wir wollen uns doch darüber nicht streiten, daß Lementow- Hamburg: Ich kann mich dieser Aufforderung nur richtig!) Nun wäre es ja aussichtslos, die Partei auf die Abstinenz das der erste Schritt zur Safernen- Agitation wäre, die wir von jeher durchaus anschließen. Als einstiger Kommisjunge, der als über- verpflichten zu wollen. Das wäre ja auch lächerlich, weil es ein zurückgewiesen haben dann würden uns die Kriegsminister einfach zeugter Socialdemokrat zum Militär tam, kann ich die Sache aus Eingriff in die persönliche Freiheit wäre. Aber die Partei soll mit erwidern: Ihr gebt uns ja selbst das Recht in die Hand, wir müssen eigener Erfahrung beurteilen. Infolge einer solchen Jugendagitation allem Nachdruck darauf hinweisen, daß sich die Arbeiterklasse ernster das einfach thun! Ein großer Teil unsrer Argumente gegen das würden die jungen Leute sehr leicht dazu gedrängt werden, in irgend als bisher mit der Frage zu befassen hat. Das ist zu erreichen und das jetzige Vorgehen der Militärverwaltung würde dann fortfallen. einer Form Unbesonnenheiten zu begehen, die sie nachher sehr muß erreicht werden. In Mannheim hatten wir Alkoholgegner mit Ich will feine weiteren Worte machen, einmal weil ich schwer zu büßen haben. Schon jetzt werden von den Behörden sehr viel Hohn und Spott zu kämpfen, jetzt aber besteht dort ein stattes für das beste halte, über folche Dinge möglichst schwarze Listen über diejenigen, die ihnen als Socialdemokrat licher Abstinentenverein, und der Genosse Lehmann, der an der Spige wenig zu sprechen, und zweitens auch deshalb, weil gerade auf bekannt sind, geführt und der Militärbehörde überwiesen. Es steht, ist ein glänzendes Beispiel dafür, wie gut es den Mitgliedern diesem Gebiet die Zahl der Sachverständigen bei uns eine so große finden Nachforschungen nach socialdemokratischen Schriften socialdemokratischen Schriften in bekommt.( Heiterkeit.) in bekommt.( Heiterkeit.) Franz Joseph Ehrhart ist allerdings noch ist, daß Sie sich das, was man nicht weiter ausspricht, von selbst den Kasernen statt. Die Folge der Annahme des Antrags würde nicht gewonnen, aber den kriegen wir auch noch.( Stürmische fagen fönnen. Jeder kann sich die Folgen an den Fingern abzählen. sein, daß die jungen Leute versuchen würden, ihre socialistische Heiterkeit. Ehrhart schüttelt den Kopf.) Am schlimmsten sind die Der Barteitag kann unmöglich den Antrag 105 annehmen, Gesinnung in der Kaserne in irgend einer Form zu bethätigen, aber Gefahren, die der Alkohol für die Nachkommenschaft mit sich bringt, namentlich nicht nach dieser Begründung. Nachdem Liebknecht nur der intelligente und tüchtige Soldat kann sich einen ge- die Kinder im Mutterleibe werden bereits geschädigt. Der Alkoholkonsum mun gesehen hat, daß sein Antrag keine Annahme finden wird, wissen passiven Widerstand erlauben. Alle übrigen würden ihn der Eltern ist die Ursache für die Entstehung von Idioten und bringt er uns einen Antrag, der noch schlimmer ist schwer büßen und dazu dürfen wir die jungen Soldaten nicht auf- Epileptikern. Auch die Mehrzahl der Mörder stammt von Alkoholikern ab. als der erste; ich wundere mich nur darüber, wie ein fordern. Wir wissen ja alle, mit wie schweren Strafen militärische Daß Kinder unter keinen Umständen Alkohol erhalten dürfen, ist Jurist einen solchen Antrag stellen kann. Er bedeutet ganz dasselbe Vergehen bedacht werden. Lehnen sie den Antrag ab! eine Ueberzeugung, die in Arbeiterkreisen noch lange nicht so vers wie der erste Antrag, nur noch mit einer besonderen Unterstreichung. Damit schließt die Debatte. breitet ist, wie in der Bourgeoisie.( Sehr richtig!) Während in der Ich bin der Meinung, daß wir sowohl den Antrag 105 als auch den Arbeiterklasse noch das Vorurteil besteht, daß der Alkohol Nährwert Antrag Liebknecht rundweg ablehnen müssen. Der Parteitag erklärt enthalte und daß schwächliche Kinder durch seinen Genuß dick würden, damit, daß er diese neuen Methoden, die bisher in der Partei nicht hält die Bourgeoisie viel mehr darauf, daß die Kinder keinen Alkohol üblich gewesen sind, nicht zu den seinigen macht, sondern auf der bekommen, wenn sie auch selber trinkt. Die Lehrer haben festaltbewährten Taktik, die wir seit Jahrzehnten eingehalten haben und gestellt, daß die Kinder, die Alkohol trinken, in der Schule rüdin der wir vorbildlich gewesen sind auch für Parteien außerhalb ständig sind. Ja, wir wissen, daß sechs, sieben Jahre nach einem Deutschlands, bestehen bleiben will.( Lebhafter Beifall.) guten Weinjahr die unterste Schulklasse minderwertig ist.( Ehrhart: Es Wolff- Bochum: Was den Antrag 105 anlangt, so kann ich Klühs- Breslau begründet den Antrag 108, auf dem nächsten wird nur gesagt, es sei' ne böse Schulklass'!- Heiterkeit.) Es ist mich den Ausführungen der Vorredner nur anschließen. Der Antrag Parteitag über Socialdemokratie und Strafrecht zu verhandeln. Seit beliebt bei uns, den Alkoholismus als Folge des Elends hinzus stellt uns das Armutszeugnis aus, als hätten wir kein Vertrauen einiger Zeit verhandelt bereits eine vom Reichs- Justizant berufene stellen. Wo ist er aber am stärksten verbreitet? Doch unter den mehr zu der Jugend und ihrer Empfänglichkeit für den Socialismus, Kommission über eine Reform des Strafrechts. Das ist eine Gelegen- Corpsstudenten und den Offizieren. Diese armen Teufel besaufen ganz abgesehen von den technischen Schwierigkeiten des Antrages. heit, den Klassencharakter unsrer Justiz von neuem dem Volte zu sich aus geistigem Elend und nicht aus physischem.( Heiterkeit Ich bitte Sie, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen. Gemüte zu führen. Dazu soll unser Antrag den Vorstand anregen; und Zustimmung.) Die Arbeiterschichten, denen es am schlechtesten Die Gründung einer speciellen Jugend- Zeitschrift würde ebenfalls darauf kommt es uns an, weniger auf die Tagesordnung des nächsten geht, die russischen Juden, die Konfektionsarbeiter, die Textilarbeiter ihre großen Schwierigkeiten haben. Wie denkt man sich die Parteitages. Wir würden es freilich für sehr erwünscht halten, daß können nicht als Alkoholtrinker bezeichnet werden. Nein, die AlkoholAltersgrenze? Wie schwer sich solche Unternehmungen ein- der nächste Parteitag die Frage gründlich erörtert. seuche herrscht gerade in der besser fituierten Arbeiterschaft.( Die Redes arbeiten, haben wir ant den" Freien Stunden" gesehen. Liebknecht empfiehlt Antrag 110, den Generalstreit auf die zeit ist abgelaufen. Kazenstein bittet noch weiter reden zu dürfen. Was wir brauchen, wäre eine in unsrem Geiste geleitete Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Die Spandauer Stadthagen: Sie find unmäßig! Das ist es eben!- Heiterkeit. illustrierte Familien Zeitschrift. Das Bedürfnis danach ist Genossen, von denen der Antrag ausgeht, verstehen unter dem Vorsitzender Dietz erklärt, feine Ausnahme machen zu können.) zweifellos vorhanden, und eine solche Zeitschrift fönnte Generalstreit den politischen Streit, nicht den eigentlichen Leinert Hannover wendet sich gegen Antrag 110. Dieser und auch eine besondere Abteilung für die Jugend haben. Natürlich Generalstreit. Beide Begriffe werden ja oft durcheinander ge- Antrag 57 find in einer Versammlung des Wahlvereins Hannover dürfte das kein Diskussionsorgan sein, sondern es müßte ein be worfen. Die Frage des Generalstreits ist sehr alt und nicht etwa abgelehnt worden. Kiestedt und 88 Genossen haben dann auf einem stimmtes Programm festgelegt werden, innerhalb dessen sich die Bei- von Friedeberg erfunden. Schon vor einigen Jahren hat sie Vern- Umwege, den das Statut zuläßt, die Anträge vor das Forum des träge unbedingt bewegen müßten. An Stoff und an Kräften dürfte stein wieder zur Debatte gestellt; auch Kautsky und Klara Parteitages gebracht. Das muß fonstatiert werden. Wollten wir es uns dafür nicht fehlen. Die„ Hütte" hat uns da schonein Beispiel Betfin verteidigen den Generalstreik. Schon diefe Thatsache Friedeberg folgen, so müßten wir unsre bisherige Tattit aufgeben. gezeigt. Auch verschiedene Kräfte des„ Wahren Jakob" wären heran- müßte verhindern, daß unser Antrag Antrag einfach als Unsinn Friedeberg verfährt unehrlich. Er operiert mit einer Stelle aus der zuziehen. Fordern wir den Parteivorstand auf, nochmals einen bezeichnet wird, wie es in einem Begrüßungsartikel zum Parteitag alten antiparlamentarischen Broschüre Liebknechts, in der es heißt: ernstlichen Versuch in dieser Richtung zu machen. Das beste wäre, geschehen ist. Von dem Genossen Friedeberg rücke ich auf das aller Was, wir sollten aus praktischen Gründen parlamenteln? Nur Berrat wie gesagt, die Gründung einer illustrierten Familien- Zeitschrift, schärfste ab. Die Spandauer Versammlung, in der der Antrag be- und Kurzsichtigkeit könnten uns dazu bringen. Auch Kieftedt operiert denn in Bezug auf Illustrationen steht die„ Neue Welt" sehr zurück, schlossen wurde, verschluckte allerdings Friedeberg mit Haut und mit dieser Stelle. Sie wollen den Generalstreit und nichts andres. das muß hier auch ausgesprochen werden.( Bravo!) Haaren. Das lag aber wohl daran, daß die Spandauer Genossen Dieser Aeußerung des alten Liebknecht steht seine Aeußerung auf -= Die Anträge zur„ Presse" werden mit Ausnahme von 105 dem Parteivorstand zur Erwägung überwiesen. Entsprechend dem Antrage Südekum geht der Parteitag über Antrag 105 und den später hierzu gestellten Antrag Liebknecht mit großer Mehrheit zur Tagesordnung über. Es folgt die Diskussion über den Punkt„ Anträge zur Tagesordnung für den nächsten Parteitag"( 108-110). 0 Dr. Liebknecht- Berlin: Haben Sie keine Sorge, daß ich noch ihn nicht kannten. Die Ausführungen Friedebergs sind in der That dem internationalen Kongreß 1900 gegenüber, wo er sich gegen den lange Erörterungen pflegen werde.( Bravo!) Es ist meinem An- unerhört; auf den Generalstreik im Sinne Friedebergs paßt aller- Generalstreit aussprach. Wenn man mit Aeußerungen, die länger 18 20 Jahre zurückliegen, agitiert, so treibt man damit nur eine einfach ablehnen, so werden wir bald mehr Friedeberge bekommen. Wirtschaftsordnung ist. Thöricht ist es, wollten wir uns der Ansicht die Partei schädigende Verwirrung. Friedeberg fann sich um so Nehmen Sie also den Antrag 110 an oder überweisen Sie ihn verschließen, daß für rückständige, auf der tiefsten Stufe der wirt weniger auf Liebknecht berufen, als Liebknecht noch 1897 die Waffe wenigstens dem Vorstande. schaftlichen, geistigen und sittlichen Entwickelung stehende Bevölkerungsdes Parlamentarismus empfohlen hat. Wir in Hannover haben es Dr. Liebknecht geht nunmehr zum positiven Teil seiner Aus- schichten der Schnapsteufel ein Hindernis für die Ausbreitung unsrer abgelehnt, den Antrag auf Besprechung des Generalstreits zu stellen, führungen zum Generalstreik über. Es wird gesagt: Wenn wir den Ideen und für die Vertiefung unsres Kampfes auf wirtschaftlichem und die 88 Leute, die den Antrag eingebracht haben, sind noch nicht Generalstreit machen können, brauchen wir ihn nicht mehr. Das und politischem Gebiete sei, weil er den Arbeiter über das Elend einmal alle Genossen. Wir werden uns bei der Beratung ist eine ganz falsche Auffassung. Wir können in den Generalstreit hinwegtäuscht, das der Kapitalismus über ihn bringt, weil des Organisationsstatuts die Frage vorzulegen haben, wie hinein gedrängt werden durch aktuelle politische Fragen. Gewiß, er seine Kampfestraft und feine Kampfesfähigkeit zerstört. dem Unfug, daß auf solche Weise Anträge hier gestellt werden, der Gedanke, die bürgerliche Gesellschaft durch den Generalstreit Ich gebe auch zu, daß die bürgerliche Betvegung gegen den Alkoholein Ende gemacht werden fann. Friedeberg will feines auszuhungern, ist lächerlich. Für mich handelt es sich nur um den mißbrauch mit einem Bankrott geendet hat, weil sie sich einseitig wegs den politischen Streik, sondern den Generalstreit, politischen Massenstreik. Mit solchen mathematischen Betrachtungen, auf das Predigen legte und vom Moralpredigen nicht übergegangen um auf diese Weise die kapitalistische Gesellschaft zu stürzen. Friedes wie, daß die Arbeiter ihre Vorräte schneller aufgezehrt haben ist zu positivem Wirken in praktischer fruchtbringender Socialpolitik, berg will durch diese Jdee den Parlamentarismus ersetzen, aber ich als die Besitzenden, und daß der Massenstreit deshalb aussichtslos sei, weil sie nicht dazu übergeht für die Massen des Wolfes Einrichtungen gebe zu bedenken, ob wir, wenn wir keinen Parlamentarismus mehr kann man die Frage nicht lösen. Es giebt zu viel andere zu schaffen, welche ihm eine höhere Lebenshaltung ermöglichen. haben, noch das Koalitionsrecht besitzen.( Beifall.) Faktoren, die zu Gunsten der Streifenden sprechen. Ich weise auf( Lebhafte Zustimmung.) Will die bürgerliche Anti- Alkoholbewegung Pfannkuch: Es sind zur Begründung der vorliegenden Anträge die berühmten Hungerstreifs in Rußland hin, die auf dem Gedanken den Alkoholteufel wirksam bekämpfen, dann heraus mit der die wunderbarsten Sprünge gemacht worden. Die Genoffin Zetkin beruhen, durch Gefährdung des eignen Lebens einen Zwang auf die Agitation für den Achtstundentag! Möge man für das Volk ist einmal unter die Männer versetzt worden( Heiterkeit), die die An- regierenden Gewalten auszuüben. Diese Streits sind ein Beispiel Einrichtungen schaffen, die Volksbibliotheken, Lesehallen, gute regung zum Generalstreik auf dem Gewissen haben. Katzenstein hat dafür, wie durch Imponderabilien, durch Furcht vor fürchterlichen Theater, Bollskonzerte, die Museen öffnen, auch des Sonntags, des das Geschlecht wieder hergestellt und die Mutterschaft der Genoffin Standalen, durch Erweckung menschlicher Empfindungen doch ein Abends, wenn der Arbeiter allein die Möglichkeit hat, diese KulturBettin für die Alkoholfrage festgestellt.( Erneute Heiterkeit.) Doch Eindruck erzielt werden kann. Es heißt, wir dürften den Massen- güter zu genießen. Ich schließe mit der Aufforderung an Sie, den sei dem, wie ihm wolle, ich bin der Ansicht, der heutige Parteitag streit nicht diskutieren, weil wir den Gegnern unfern Plan nicht ent- Antrag, den Genosse Braun- Königsberg begründet hat, anzunehmen, fann gewiß beschließen, was auf die Tagesordnung des nächsten hüllen dürfen. Das wollen wir gar nicht. Wann wir den Generalstreit d. H. auszusprechen, daß wir es für eine Pflicht der Parteipresse und kommen soll. Was ist natürlicher, als daß einer der Punkte, die den inscenieren wollen und in welcher Form, darüber sprechen wir ja gar nicht. der Parteibewegung überhaupt halten, mit allem Nachdruck auf die nächsten Parteitag in erster Linie beschäftigen werden, die Schulfrage Es ist richtig, wir können nicht für alle Eventualitäten Borsorge Gefahren des Alkoholismus hinzuweisen. Wir werden damit den ist. Dazu kommt, daß heute noch gar nicht abzusehen ist, welche treffen; wir müssen darauf vertrauen, daß die Massen das lebendige Kampf gegen den Kapitalismus nicht schwächen, nein, ihn stärken aktuellen Fragen im laufenden Jahre aufgerollt werden, zu denen Gefühl des Klassenkampfs haben und im gegebenen Fall das Richtige und ihm neue Streiter zuführen.( Lebhafter Beifall.) der nächste Parteitag Stellung nehmen muß. Es trägt nicht zur finden werden. Aber wir müssen doch einigermaßen die Mittel, die Kazenstein: Nach den Ausführungen der Genoffin Zetkin, für Förderung der Geschäfte bei, wenn wir heute schon beschließen wir als brauchbar erkennen, diskutieren. Ist denn nicht Sachsen die ich ihr aufrichtig dankbar bin, brauche ich über die Alkoholfrage würden, wie die Tagesordnung des nächsten Parteitags sein soll, ein Mene Tekel für die Partei? Man sagt, das Reichstagswahlrecht nichts mehr zu sagen. Nur noch wenig Worte zur Frage des Generalder Parteivorstand würde dann mit gebundenen Händen dastehen. ist uns geblieben. Aber wenn uns auch das genommen wird? streiks. Liebknecht hat Friedeberg unrecht gethan. Dieser hat nicht Ich ersuche Sie aus diesen rein sachlichen Gründen um Ablehnung Dann sollen wir in die Kommunen gehen. Aber wenn uns auch gesagt, das Koalitionsrecht könne den Arbeitern nicht genommen der Anträge 108, 109 und 110. da der Zugang genommen wird? Dann bleiben die Geivert werden, sondern die Möglichkeit, zu streiken. Wenn der Ed. Bernstein: Die Debatte über den Generalstreik oder den schaften. Aber ivenit uns das Koalitionsrecht genommen Genosse Friedeberg gesagt hat, daß wir in letter Linie politischen Streit ist nach meiner Auffassung in ganz falsche Bahnen wird? Was thun wir dann? Es ist nicht wahr, daß wir unter nicht mur dent Kapitalismus sondern die Zwangsform gelenkt. Daß ich mich in den„ Soc. Monatsheften" für den General- allen Umständen eine Kraftprobe vermeiden können. Es des Staates überhaupt bekämpfen, so kann er sich dabei auf Genossen streit behufs Erkämpfung des allgemeinen Wahlrechts ausgesprochen fann der Fall eintreten, wo wir unsre Macht, von der wir jetzt wie Kautsky und Bebel berufen, die dasselbe gesagt haben. Im haben soll, ist mir nicht erinnerlich. Ich habe allerdings in den einen recht formalen Gebrauch machen, realisieren und manifestieren übrigen liegt es mir fern, die Auffassung Friedebergs, der den Soc. Monatsheften" und schon früher in der„ Neuen Zeit" über müssen. Das geschieht in der drastischten Form durch die Entfaltung Parlamentarismus verwirft, mir zu eigen zu machen. Aber mit den politischen Streit geschrieben und bin der Auffassung entgegen eines Massenstreits. Das ist der Gedanke, den die Partei in sich Recht haben Bernstein und Greul darauf hingewiesen, daß wir uns getreten, daß der politische Streit unter allen Umständen zit ver- aufnehmen muß. Es besteht in der That eine gewisse Gefahr für klar werden müssen über die Frage: Was thun wir, wenn es so werfen sei. Wir haben ja in Belgien und Desterreich die Erfahrung die Partei, die Gefahr des Verrostens in Bezug auf die Mittel weit ist? Das Wort:„ Man soll den Teufel nicht an die Wand gemacht, daß unter bestimmten Konstellationen in der That der Massen- unsrer Agitation. Wir sind verwöhnt in Deutschland, trotz des malen", paßt nicht, denn der Teufel wirkt nicht auf uns. streit ein Mittel war, eine Bewegung zur Erkämpfung politischer Socialistengesetzes, weil uns auch da das Wahlrecht nicht ge- Es ist gefährlich, Vogelstrauß- Politik zu treiben. Eigentümlich hat Rechte zu unterstügen. Es handelt sich für mich darum, den Gedanken nommen worden ist. Dazu kann es aber kommen, und wir es mich berührt, daß der ganz rechts stehende Genosse Turati sagen zu propagieren, daß die Zeiten kommen können, wo wir genötigt sind, müssen darauf gerüstet sein. Es heißt, man folle den konnte:" Soweit wie unsere sächsischen Genossen braucht man die zu stärkeren Formen der Demonstration zu greifen als etwa nur Teufel nicht an die Wand malen. Aber der Teufel ist da; es wäre Gesetzlichkeit nicht zu treiben. Was schließlich geschehen wird, hängt zu Versammlungsbeschlüssen. Ich bin, als vor einigen Jahren die Vogelstraußpolitif, wenn wir das leugnen wollten. Wenn wir die davon ab, was die Gegner von uns erwarten, und was wir uns Belgier in ihrem Generalstreit geschlagen wurden und sich Stimmen ganze Welt erobern wollen, so müssen wir doch mindestens im selbst zutrauen." Da stimme ich den Worten Bernsteins zu:" Lieber in der deutschen Parteipresse geltend machten, es sei damit der Be- stande sein, unsre heutigen Rechte zu verteidigen, unsre jezigen ehrenvoll unterliegen, als ohne Ehre das einzige Volksrecht, das weis geliefert, daß der Generalftreik ein verfehltes Mittel sei, in Positionen zu halten. Dazu ist es notwendig, den Massenstreit zu uns heute geblieben ist, preisgeben." Versammlungen diesem Gedanken entgegengetreten. Ich habe darauf diskutieren. Wir wollen Ihnen gar nicht empfehlen, den politischen Klüß- Breslau ersucht die vorliegenden Anträge dem Vorstand hingewiesen, daß wir, wenn man uns vielleicht zu überrumpeln und Massenstreit als neues Kampfmittel ohne weiteres zu acceptieren. zur Berücksichtigung zu überweisen. das Wahlrecht zu nehmen versucht, es nicht dabei bewenden lassen Wir wünschen vorläufig nur eine Diskussion und da= Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Königsberg( 101) können, daß wir dagegen protestieren oder etwa sagen: Der mit eine gewisse Sympathiekundgebung für den Grund wird mit großer Mehrheit angenommen, ebenso der Antrag Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Der Name gedanken. Dieser ganz gefährlichen Feindseligkeit gegen den Gradnaner, die Anträge 108-110 dem Vorstand zur Erwägung zu des Herrn sei gelobt in Ewigkeit.( Sehr gut!) Das Grundgedanken des Massenstreite möchten wir entgegentreten. Die überweisen. geht nicht, dann müssen wir zu anderen Mitteln Frage des Massenstreits ist die aktuellste Frage unsrer gegenwärtigen greifen. Der Barrikadenkampf ist überlebt, unfer ein- und fünftigen Politik. Gehen Sie nicht mit Lächeln darüber hinweg. ziges Mittel ist der politische Massenstreit. Дб er zum Erfassen Sie den Wert dieser Frage und unsre Partei wird geSiege führt, fommt ganz auf die Verhältnisse an. Auch bei dem rüstet sein! Barrikadenkampf wat ja das Hauptziel, zu demonstrieren und Uneinigkeit und Verwirrung in die Reihen der Gegner zu bringen. Das kann unter Umständen auch der politische Massenstreit bewirken. Stellen Sie sich doch vor, was es heißt, wenn Hunderttausende von Frau Klara Zetfin- Stuttgart: Genossen und Genofsinnen, ich Die Anträge zerfallen in verschiedene Gruppen. Die erste Arbeitern streifen, wie viel Interessen da in Mitleidenschaft gezogen halte es für das beste, wenn man zur Festsetzung der Tagesordnung Gruppe, die Anträge 12 und 13*), bezieht sich auf den werden, wie ein solcher Streit die Strömungen, die den reaktio- des nächsten Parteitages dem Parteivorstande freie Hand läßt( Sehr Fall Schippel". Diese Anträge werden genügend unterstützt. nären Maßnahmen entgegentreten, stärken, wie er die Strö richtig!) und nicht jetzt schon Beschlüsse fast, welche ihn verpflichten, Dagegen finden die Anträge 14, 15 und 119, die sich mungen, die für die Reaktion eintreten, verwirren und uneinig diese oder jene Frage unter allen Umständen auf die Tagesordnung auf die Frage der Landtagswahl beziehen, nicht genügende machen kann! Ich gehöre gehöre feineswegs zu denen, die fezzen zu müssen. Andrerseits muß ich erklären, daß ich allerdings Unterstützung. Von den eigentlichen Anträgen zur parlamentarischen dafür schwärmen, daß der politische Streit auf die Tages der Ansicht bin, daß eine ausführliche und gründliche Thätigkeit werden die Anträge 42, 43, 44 und 47") unterſtüßt, die ordnung tommt, ich habe solchen Antrag nicht gestellt, Erörterung der Idee des politischen Massenstreits Anträge 45, 46 und 48 nicht. Die sonst noch vorliegenden Anträge ich bin auch nicht unglücklich, wenn er abgelehnt wird. Aber daß zu einer unabweisbaren Notwendigkeit für die 99, 102, 103 und 104 werden nicht unterstützt. man sich über die Frage klar wird, das halte auch Partei geworden ist, nicht zu dem Zwecke, um die Begriffe Vorsitzender Diet: Zahlreiche Delegierte wünschen, daß der ich für notwendig. Sicher ist der politische Massenstreit eine zu verwirren, nein umgekehrt, um die Verwirrung, die vor Parteitag ein Begrüßungstelegramm an Aner und Singer senden außerordentlich zweischneidige Waffe. Wenn in einem romanischen handen ist, zu flären und zu beseitigen. Wir müssen möge( Beifall), für das folgender Wortlaut vorliegt:„ Der Parteitag Land, wo die anarchistischen Ideen propagiert find, ohne Berück unbedingt zu einer Klärung kommen in der Konfusion, bedauert tief, die Genossen Auer und Singer nicht in seiner Mitte sichtigung der Machtverhältnisse der Massenstreit aus einem kleinen die, in den Köpfen vieler Parteigenossen zu sehen, und spricht den bewährten Führern die herzlichsten Wünsche Anlaß heraus proklamiert wird und mit einer Niederlage endet, so existiert bezüglich des Unterschiedes zwischen auf baldige Wiederherstellung aus. Der Parteitag."( Lebhafter ist das doch kein Grund, den Gedanken zurückzuweisen. Wir müssen politischem Massenstreit und dem anarchistischen Beifall.) da unterscheiden, wir müssen vor Abenteurertum, vor Romantik oder anarchistelnden Generalstreit als dem einen, ja warnen. Vor allem bei uns in Deutschland! Ich genieße ja den einzigen und vorzüglichsten Mittel zur Herbeiführung der socialen gramme. Ruf eines gemäßigten Genossen, und ich halte den Namen für einen Revolution. Wir müssen Klarheit darüber schaffen, daß der politische Ehrennamen, ich nehme ihn gern auf mich, aber Mäßigung darf Massenstreit von dem Generalstreif nicht nur grundverschieden ist, nicht gleichbedeutend sein mit Schwäche, mit Energielosigkeit. sondern daß der politische Massenstreik auch nicht in Betracht kommen Mäßigung heißt nur, abwägen, was man zu Teisten fann, wie es Friedeberg vorschlägt, als ein Mittel, um den Parlamenim stande ist. Ich verwahre mich ganz entschieden dagegen, daß tarismus zu ersetzen oder überflüssig zu machen, gewissermaßen als ich irgendwie provokatorisch auftrete. Jaurès hat in Amsterdam ein Surrogat für den Parlamentarismus. Nein, der politische Massenhervorgehoben und wir alle wissen das ja daß das deutsche streit kann mir unter bestimmten geschichtlichen Umständen in BeBolt, abgesehen von dem Jahre 1848, das ja schnell genug vorüber- tracht kommen gerade als ein Mittel, die parlamentarische Aktion ging, feine revolutionäre Tradition hat; ich bin erstaunt, wie uns der des Proletariats zu erhalten und sie vielleicht erst möglich zu machen, Gehorsam gegen die Polizei eingeimpft ist, wie still man z. B. Ver- besonders auch, um ihr durch den Massentritt der Arbeiterbataillone fammlungsauflösungen über sich ergehen läßt. Andrerseits haben immer mehr Nachdruck zu geben, durch jenen Einfluß, durch den wir damit zu rechnen, daß wir eine starke Arbeitermasse haben, start Druck der Massen von außen her, von dem der verstorbene Genosse an Zahl und an Bedeutung und daß man in diesen Ar- Liebknecht so oft gesprochen hat. Ueber alle die verschiedenen Fragen, beitern nicht den Gedanken auffommen lassen darf, daß sie die hier in Betracht kommen, muß Klarheit geschaffen werden, und widerstandslos alles über fich ergehen Tassen müssen so sehr ich mich in meiner Auffassung und Bewertung des politischen und höchstens durch Versammlungsbeschliffe protestieren dürfen. Massenstreits in schärfster Weise grundsäglich von der Auffassung des Man muß die Arbeiter mit dem Gedanken vertraut machen, daß sie Genossen Friedeberg unterscheide, genau so unterscheide ich unter Umständen zu einer stärkeren Form der Demonstration zu mich, und geniere mich gar nicht, das zu erklären, von den greifen haben. Wir wissen natürlich nicht, welches das Resultat jenigen, die mit dem Worte Generalstreit" nicht eines solchen Widerstandes sein würde, aber wenn man etwa ver- Generalunsinn etwa die ganze Frage ein für allemal erledigt in suchen wollte, uns das Wahlrecht zu nehmen, so hoffe ich, wird unter wissen wollen. Geschichtliche Umstände können uns zwingen, den den deutschen Arbeitern der Gedanke, daß sie unter feinen Umständen politischen Massenstreit nicht a priori aus der Reihe der möglichen, darauf verzichten dürfen, so start sein, daß sie alle Formen des vielleicht absolut notwendigen Kampfes- und Agitationsmittel ausWiderstandes ergreifen werden, über die fie verfügen.( Beifall.) Und zuscheiden. Freilich eins müssen wir da betonen: Daß der politische wenn sie dann geschlagen werden, dann lieber mit Ehren unterliegen, Massenstreit nun und nimmer das Mittel sein kann, die kleine mühals fich das Wahlrecht nehmen lassen, ohne irgend einen Versuch des felige Tagesarbeit in Agitation und Organisation auf gewerkschaft Widerstandes.( Lebhafter Beifall.) lichem und auf politischem Gebiet zu ersetzen und überflüssig zu Braun- Königsberg spricht zur Alkoholfrage. Auf Einzelheiten machen: Nein, die Bedingungen, unter denen ein Massenstreit auswill ich nicht eingehen, aber man braucht nur einmal die Atten der geführt werden kann, erfordern zu ihrer Serbeiführung eine so große Invalidenversicherung durchzusehen, um zu sehen, welche Ver- Summe Organisation, Zielbewußtsein und vor allen Dingen von heerungen der Alkoholismus in unserm Volfe anrichtet. Wer das fester Selbstdisciplin, die sich nicht einschüchtern, aber auch nicht einsieht, kann die Frage nicht als nebensächlich abthun und sich unflug provozieren läßt. Daraus geht hervor, daß die bloße Jdee einfach damit trösten, der Alkoholismus sei lediglich die Folge des des politischen Massenstreits unauflösbar. verbunden ist mit der focialen Elends. Das ist gar nicht mal immer richtig. Im einen intensivsten und nachdrücklichsten Arbeit für die Aufklärung der Fall ist der Alkohol die Folge des socialen Elends, im andern die Massen und vor allen Dingen für ihre gewerkschaftliche und politische Ursache. Vielfach ist der Alkohol das Haupthemmnis zur Aus- Organisation. Es ist ein Antrag Dr. Gradnauer eingelaufen: Die Anträge 108, 109, 110 dem Parteivorstand zur Erwägung zu überweisen. Dieser Antrag wird genügend unterſtügt. Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit beschließt der Parteitag auf Vorschlag des Vorsitzenden Diez, das Referat Ledebours über die parlamentarische Thätigkeit erst in der Nachmittagssigung entgegenzunehmen, und die Zeit bis zum Eintritt der Mittagspause mit der Unterstüßungsfrage der zum„ Parlamentarischen Bericht" vorliegenden Anträge auszufüllen. " Der Parteitag beschließt einstimmig die Absendung der TeleNummehr tritt die Mittagspause ein. Schluß 1234 Uhr. Nachmittags- Sigung. Vorsitzender Ebert eröffnet furz nach 3 Uhr die Verhandlungen. Zur Beratung kommt Punkt 3 der Tagesordnung: Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Zu den Anträgen, die in der Vormittags- Sigung genügend Unterstüßung gefunden haben( 12, 13, 42-44 und 47) tritt auch folgende Resolution Bebels über den all Schippel: " Der Parteitag mißbilligt auf das schärfste die Unklarheit und Zweideutigkeit, mit welcher der Genosse Schippel seit langem in Wort und Schrift sich gegenüber der Frage der LebensmittelZölle verhalten und dadurch unfren Feinden Material gegen die Bartei geliefert hat. Wenn dann schließlich der Genosse Schippel, durch die Fraktion zu klarer Stellungnahme gedrängt, erklärte, 12. Parteigenossen Berlin IV und Essen: Der Parteitag möge Stellung nehmen zu dem Verhalten Schippers Zoll- und Handelsfragen und eventuell dessen Ausschluß aus der Partei herbeiführen. 13. Parteigenossen des 3. Hamburger Wahlkreises: Schutzzoll- und Agrarfrage einer Prüfung unterziehen. Sollte sich Der Parteitag möge die Haltung des Genossen Schippel in der dabei ergeben, daß Schippel mit den Anschauungen der Partei nicht mehr übereinstimmt, so ist derselbe aufzufordern, sein Mandat niederzulegen. 42. Parteigenossen in Essen: Zukunft sämtliche Solonialforderungen abzulehnen. Der Parteitag möge die Reichstagsfraktion beauftragen, in 43. Parteigenossen in Niederbarnim: Die Fraktion soll dahin wirken, daß die für Landarbeiter und Gesinde bestehenden Ausnahmegeseze beseitigt und diesen Arbeitern das Koalitionsrecht gesichert wird. 44. Parteigenoffen in Augsburg: Die socialdemokratische Fraktion des Deutschen Reichstages wird beauftragt, die Reichsregierung aufzufordern, einen Gefeßentwurf vorzulegen, welcher der schon seit 30 Jahren bestehenden Civilehe den logischen Abschluß des Civilbegräbnisses folgen läßt. Die Bes feitigung diefer Lücke liegt im Interesse des fulturellen Fortschritts. 46. Die Parteigenossen Jacobsen und Wolf in Pantow: Der Reichstags- Fraktion dringend zu empfehlen, dem Reichstag alljährlich einen Gesegentwurf zu unterbreiten, der die Uebernahme von Grund und Boden, Fabriken, Bergwerfen sowie aller Produktions-, Fabrikations- und Verkehrsmittel durch den Staat, gerechte Verteilung der Arbeit und der erzeugten Güter an alle Staatsangehörige fordert. 47. Parteigenosse H. Wolf in Hamburg: breitung unsrer Bewegung. Ebenso wie wir die andren Hemmnisse Noch einige Bemerkungen zu der hier angeregten Frage des des Socialismus bekämpfen, müssen wir auch den Alkoholismus Alkoholismus. Genosse Kazenstein hat mich als Mutter des bekämpfen. Diese Notwendigkeit sehen Versammlungsredner und Antrages reklamiert, die Alkoholfrage auf die Tagesordnung des Agitatoren nicht so sehr ein, wohl aber die Genossen, die die Klein- Parteitages zu setzen. Ich bekenne, daß ich eine Habenmutter bin, arbeit der Organisation haben. Ich halte die Frage für vollkommen denn ich erinnere mich dieses Kindes ganz und gar nicht.( Große spruchreif; wir können ohne weiteres zum Ausdruck bringen, daß Heiterkeit.) Wenn jemand so lange im Parteileben steht, wie ich, mehr als bisher auf die schädigende Wirkung des Alkohols hin und so lebhaften Anteil daran nimmt, dann ist es wohl möglich, daß gewiesen werden soll. Ich will nicht die Abstimmung empfehlen, das er einmal in einer Frage seine Meinung ändert. Heute bin ich gehört nicht auf den Parteitag. Aber es muß die Erkenntnis durch jedenfalls nicht mehr der Ansicht, daß die Alkoholfrage bringen, daß der Alkohol unsre Bewegung schädigt.( Sehr richtig!) auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen sei. Man foll Grenz- Leipzig tritt den Ausführungen der„ Chemnizer Volts- die Aktion der Partei nicht in dieser ganz offiziellen Weise stimme" gegen den Generalstreik entgegen. Ich glaube nicht, daß mit einem Gegenstande, wie der Alkoholfrage, verknüpfen. man den Generalstreit einfach für indiskutabel erklären kann.( Sehr richtig!) Dagegen unterschreibe ich ganz unbedingt, was Daß mit der zunehmenden Stärke der Gewerkschaften die Frage Genosse Kazenstein gesagt hat über die Schädlichkeit des Alkoholismus des Generalstreifs hinfällig werde, halte ich nicht für richtig. In Sachsen und den verderblichen Einfluß des Alkoholismus auf Kinder. Mich hat man troß der großen Organisation das Wahlrecht verschlechtert; durchzuckt jedesmal das Gefühl der Empörung und ich empfinde es angesichts solcher Vorgänge können wir die Diskussion des General als ein Verbrechen, wenn ich sehe, wie Eltern mit Stolz ihren streits nicht einfach ablehnen. Die Wucht der Thatsachen wird uns Kindern Alkohol einflößen. Ebenso stimme ich ganz mit der Aufzur Diskussion zwingen. Und da sage ich: je eher, um so besser. fassung Kazensteins überein, daß, soweit der Alkoholismus als Ich bin ein Gegner Friedebergs. Wenn Sie aber die Diskussion Massenerscheinung in Betracht kommt, er die Folge der tapitalistischen aufheben. Die Fraktion wird beauftragt: einen Gesezentwurf einzubringen, welcher beatvedt: 1. Aenderung der Eidesformel beztv. Streichung der Woute bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden" und" So wahr mir Gott helfe". " 2. Außerkraftsetzung der gesetzlichen Bestimmungen, welche die Rechte der Nichtangehörigen einer religiösen Gemeinschaft wieder Ledebour: in baß er Gegner der Agrarzölle sei und in der Zolltariffrage die schrieben, der in flammenden Worten der Entrüstung den Brotwucher Was er gethan hat, t, daß er die Fraktion verhöhnt hat.( Lebhafte Stellung der Partei teile, jo war es umso unbegreiflicher und un- gebrandmarkt hat. Schippel aber hat gefchwiegen; ja es ist wieder Zustimmung.) In der letzten Nummer des„ Neuen Montagsblattes" berzeihlicher, daß er seit Jahren seinen ganzen Scharfsinn und Holt vorgekommen, daß Schippel in Versammlungen von Partei- ift ein Artikel fein ganzes Können aufbot, um zu beweisen, daß vom agrarischen genossen derartige Ansichten geäußert hat. Eine Versammlung, über Geschick enthalten, dem mit meisterhaftem Standpunkte aus die Forderung der Agrarzölle gerechtfertigt sei, eine die durch Zufall ein ausführlicher Bericht gebracht wurde, hat Anlaß wird die Frage auf den Kopf gestellt wird. Es δα als so gethan, об Aufgabe, die wahrlich nicht diejenige eines Socialdemokraten sein kann. dazu gegeben, daß die Sache afut wurde und in der Fraktion zur einen Eingriff in die Meinungsfreiheit enthielte. Es wird gesagt: der Beschluß der Fraktion Der Parteitag mißbilligt aber auch entschieden den häßlichen und Erörterung fam. Schippel behauptet, das war eine abgeschlossene Giebt es ein Gebiet, wo die Meinungsfreiheit nicht mehr gelten hochfahrenden Ton, in dem der Genosse Schippel die Polemik Versammlung organisierter Parteigenossen, von denen man voraus- foll?" Die Frage stellen, heißt sie schon beantworten. Gewiß, gegen die Partei und Parteigenossen führte, ein Verfahren, das fezzen darf, daß sie nicht irre geführt werden, selbst wenn der Redner ivenn die Frage so stände, würden wir ebenfalls sagen: Nein, ein fich umsoweniger rechtfertigt, als er seinen Standpunkt in der sich darauf beschränkt, die Anschauungen agrarischer Interessen solches Gebiet giebt es nicht.( Bebel: Sehr richtig!) Agrarfrage von Grund aus gewechselt hat." treise zur Darstellung zu bringen. Das ist ein Irrtum. Ez Die Diskussion soll sich zunächst auf die Anträge 42, 43, 44 und war allerdings eine Wahlvereinsversammlung, aber jeder von schließlich eine Aeußerung, in der er vielleicht ohne Absicht sagt, Aber Parteigenosse Bernstein selbst macht in einem Artikel 47 erftreden, dann sollen die Anträge 12, 13 und die Resolution uns, der im Parteileben steht, weiß, daß zu Parteiverfammlungen, worum es fich handelt. Er führt aus, daß die Partei freiesten Bebel behandelt werden. die in der Parteizeitung des Drtes angefündigt sind( Buruf: Das Meinungsaustausch nötig habe und von jedem Genossen den Berichterstatter zu diesem Punkt der Tagesordnung ist Genosse war sie nicht!), jeder Zutritt hat. Das ist nahezu dasselbe.( Buruf: größten Mut der eignen Meinung verlangen müsse, der Rein, eine Voltsversammlung 1) Ja, selbst dann, wenn es nur gestärft werden müsse, wo er bedroht jei. Ganz richtig, Genosse Genoffinnen und Genossen! Da ich im gedruckten Berichte die organisierte Parteigenossen waren! Bei aller Hochachtung vor Bernstein! Gerade, weil wir als Fraktion von Schippel wie von jedem Stellung der Fraktion zu den verschiedenen Fragen ausführlich Ihnen ich glaube Sie nicht zu kränken, wenn ich sage, daß überall andren Genojjen den Mut der eignen Meinung verlangen müssen, dargelegt habe, glaube ich mir ein Eingehen darauf ersparen zu unter den organisierten Parteigenossen nur ein fleiner Bruchteil vor- deshalb haben wir ihn aufgefordert, endlich einmal seine eigne können. In der Zeit, die mir hier zur Verfügung steht, möchte ich handen ist, der in der Handelspolitik so beschlagen ist, daß er im Meinung klar und unzweideutig zu erklären.( Lebhafte Zustimmung.) nur auf die Einwendungen eingehen, die nach Schluß der Session stande wäre, die ausführlich, mit Wärme und logischer Konsequenz Das ist also gerade das Gegenteil von Beschränkung der gegen die parlamentarische Thätigkeit der Fraktion in Presse und in vorgetragenen Anschauungen eines auf diesem Gebiete als Antorität Meinungsfreiheit. Das ist Geburtshilfe der MeinungsVersammlungen erhoben worden sind. Vorher muß ich aber geltenden Genossen zu widerlegen oder auch nur so zu ergänzen, freiheit( Lebhafte Zustimmung und Heiterfeit.) gegenüber einem noch eine Angelegenheit erörtern, die Angelegenheit des daß das Bild herauskommt, das wir uns von diesen Dingen machen. Genossen, bei dem die Meinungsfreiheit zum Durchbruch kommen Genossen Schippel, die durch den Beschluß der Frattion in Mit dieser Frage haben sich unsre Genossen im allgemeinen will. Das ist ein Kaiserschnitt.( Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit.) Fluß gekommen ist. Wenn ich den Fall im schriftlichen Berichte nicht so eingehend beschäftigt. Schippel hat alles aufbieten müssen, Run zu andren Fragen. Antrag 42 fordert die Fraktion auf, in nicht behandelt habe, so deshalb, weil dieser Bericht eine Schilde um zu verhindern, daß eine Verwirrung entsteht. Verwirrung ist 3ukunft alle tolonialen Forderungen abzulehen. Der nicht behandelt habe, so deshalb, weil dieser Bericht eine Schilde- thatsächlich entstanden; nicht nur bei den Genossen, sondern auch bei Antrag hat seinen Ursprung in dem Mißfallen, das die Haltung der rung unsrer Kämpfe im Parlament mit der Regierung und den bürgerlichen Parteien zu geben hat. Der Fall Schippel ist aber eine den Gegnern ist die Anschauung durchgebrochen, daß Schippel im Graftion in der Hererosa che erweckt hat. Wir haben uns innere Angelegenheit der Partei, die allerdings im Zusammenhange Stellung dieser Anschauung sind und sich durch Schippel verwirren über die Rede, die Bebel damals hielt, iſt der Hauptgrund, der uns Herzen Agrarschutzöllner sei. Daß sogar Genossen in entscheidender damals zunächst der Stimme enthalten. In den Zeitungsberichten mit der Reichstagsthätigkeit steht. Der zweite Grund, weshalb ich lassen, davon haben wir den besten Beweis in dem bewährten Ge- betog, nämlich die Rücksicht auf die in ihrem Leben bedrohten AnAbstand nahm, war der, daß nach meiner Meinung, als ich meine Arbeit abschloß, Schippel in seinen Auseinandersetzungen noch nicht nossen Enders in Chemnitz( Sehr richtig!), der sich unter der siedler, unglücklicherweise weggefallen. Das war unser wichtigster über die Einleitung hinausgekommen war. warnenden Stimme des getreuen Eckard Schippel zum Schutzöllner, Grund, nicht etwa, daß wir den Maßnahmen gegen die Hereros an Man Lonnte damals nicht wissen, wann er zum Abschluß fommen ja jogar zum Agrarschutzölner entwickelt hat und bis zuletzt des fich zugestimunt hätten. Der schriftliche Bericht enthält ja schon würde.( Sehr richtig!) Wollte man die Darstellung Schippels in Glaubens war, daß sein verehrter Abgeordneter und Lehrer die das Nötige. Ein Teil der Genossen hat sich ja geäußert, der Chemnizer„ Bollsstimme" und nachher in den" Socialistischen Bleiche Stellung einnimmt. Also selbst der Mann, der Schippel am als ob die Neger das Recht hatten, die Weißen zu massafrieren. Monatsheften" und in Zuſchriften an den" Vorwärts" als richtig nächsten stehen mußte als Redakteur des Partei- Organs in Schippels Das können wir nicht billigen. Gegenüber den Ansiedlern müssen Monatsheften" und in Zuſchriften an den Vorwärts" als richtig Wahlkreise, hielt ihn im Herzen für einen Agrarschutzöllner! wir den Grundfayz vertreten: Gleiches Recht für alle. Es ist nicht annehmen, dann müßte man glauben, daß Schippel als getreuer Er unterscheidet zwischen einem Bereicherungszoll und Schutzzoll. richtig, daß alle Ansiedler die Reger unterdrücken. Es find ja doch Eckard der Partei aufgetreten ist und sie gewarnt hat, und aber das ist ziemlich gleichgültig. Man weiß nicht, wann ein Boll auch Arbeiter, die auf den Farmen und in den Werkstätten thätig daß dann plötzlich aus unbegründeten Anlässen nachträglich ein paar als Bereicherungszoll und wann er als bloßer Schußzoll wirkt. find; es find Frauen und Kinder da, von denen viele in Lebens„ Stänker" oder„ Krakeler" augenblicklich kann ich die Ehrentitel, die auf diese Benoffen gefallen sind, nicht zusammenhäufen, daß Diese Scheidung ist ganz fünstlich. Die Fraktion mußte zu der gefahr waren. Bir Socialdemokraten sind selbstverständlich Gegner also berufsmißige Denunzianten" den Konflift herbeigeführt haben, leberzeugung kommen, daß Schippel im Herzen eigentlich Agrar- einer ausbeuterischen Kolonialpolitik; aber nachdem das Deutsche um ihn eines Verstoßes gegen die Grundsätze der Partei zu zeihen, weil er sich noch selbst nicht ganz klar ist, vielleicht aus seelischen hat es auch gewisse Pflichten übernommen, und zu dieſen Pflichten schutzzöllner ist, daß er aber aus irgend welchen Gründen, vielleicht Reich einmal diese Gebiete in Besitz genommen hat, und daß daraufhin die Fraktion sich hat verleiten lassen, an ihn die Gründen, die ich nicht erforschen kann, weil mir Schippel ja im gehört der Schutz des Lebens. Die Regierung hatte die Pflicht, das Aufforderung zu richten, sich über seine Stellung zu der Zollfrage zu äußern. Thatsächlich hat sich die Sache nicht so entwickelt. Ganzen ein psychologisches Rätsel ift, nicht recht aus Leben der Ansiedler zu retten, deshalb haben wir, als die Regierung Bekanntlich bestand der Hauptkampf unsrer Partei, den insbesondere auch legung: jahrelang sei es so gegangen, bis dann plötzlich bei Stimme enthalten. Dafür haben wir nicht gestimmt, weil im sich heraus will. Schippel sagt an einer Stelle seiner Dar die Mittel dazu verlangte, nicht mit Nein gestimmt, sondern uns der die Reichstagsfral tion in den letzten Jahren durchzukämpfen hatte, einem ganz harmlosen Anlaß ein größerer Aufruhr gemacht sei. voraus zu sehen war, daß die Expedition sich nicht auf den in der Gegnerschaft gegen die Bollpolitik der Regierung. Man kann über die Wichtigkeit der Frage der Handelspolitik für die sa, so ist es immer, wenn sich langsam die Neberzeugung von der Schutz des Lebens der Ansiedler beschränken würde. Socialdemokratie verschiedener Meinung sein. Aber wie gesagt, in unhaltbarkeit einer Position Bahn bricht. Dann giebt man nicht Unser Verhalten ist nicht ohne Präcedenzfall. Im Jahre 1870, den letzten Jahren var die Frage der Handelspolitik für uns eine ohne weiteres der Anwandlung nach, loszuschlagen. Daß es so bei den Forderungen für den Krieg, haben sich unsre Vertreter ebenalute Frage, die uns leidenschaftlich erregte und mit der wir die lange gedanert hat, ist nur ein Zeichen der Toleranz. Es sind ja falls der Stimme enthalten, desgleichen beim Dynamitgesetz. Voltsmassen in Erregung gebracht haben. Wenn jemals im Laufe wiederholt Breßfehden mit großer Schärfe zwischendurch entstanden Einen principiellen Verstoß tann man also in der Stimmder Geschichte die Partei und ihre Fraktion ihre Pflicht im vollsten mit Kautsky, der dem armen Schippel bekanntlich als ewiger Alp enthaltung nicht erblicken. In der allgemeinen Abneigung Waße gethan haben, so war es bei der Zollation, und den Beweis auf der Seele liegt. Die Rede im dritten Berliner Wahlkreise war gegen koloniale Unternehmungen innerhalb der kapitalistischen Kera dafür, daß unsre damalige Taktif die richtige war, hat ganz sonnen- der letzte Tropfen, der den Becher zum Ueberlaufen brachte.( Sehr sind wir uns alle einig. Aber trotzdem kann es Situationen geben, flar der Ausfall der le pten Reichstagswahlen geliefert. Wenn eine richtig 1) Es war gewissermassen ein spontaner Ausbruch, daß die wo wir genötigt find, positiv bessernd in die Kolonialpolitik einsolche große und wichtige Aftion die gesamte Partei beschäftigt, ins- Fraktion sagte: Wir müssen endlich einmal Klarheit über die Stellung zugreifen. Man darf sich nicht auf den Standpunkt stellen: die Sache besondere die Genossen, die die Wortführer der Partei sind, dann ist Schippels haben, der elementar zum Ausdruck fam. geht uns gar nichts an; denn sonst können wir nicht die Aufgabe erfüllen, es eine selbstverständliche Pflicht eines jeden Parteigenossen, be- die Form, in welcher Weise Schippel Klarheit schaffen sollte. Nun und Ausgebeuteten zu halten. Ein Vergleich mit den Chinawirren Die Diskussion in der Fraktionssitzung drehte sich natürlich um schützend unsre Hand über die in den Kolonien Unterdrückten sonders von Reichstags- Abgeordneten, alles aufzubieten, um nach sonders von Reichstags- Abgeordneten, alles aufzubieten, um nach hat Schippel in seiner Zuschrift an die Chemnitzer„ Volksstimme" wäre ganz haltlos, dem da handelt es sich um deutsche Soldaten. besten Kräften zur Unterstützung der Partei einzuspringen. Da haben wir nun die bedauerliche Thatsache zu verzeichnen, daß vom 15. Dezember eine Erklärung abgegeben, die durchaus einen Einmal handelte sich um das ostasiatische Expeditionsforps, eine Genosse Schippel während dieser Kämpfe sich so ziemlich passiv ver- unrichtigen Eindruck über die Absicht der Fraktion erwecken Einrichtung, die wir aufs heftigste bekämpft haben; aber trotzdem halten hat. Wenn ich mich irre, werde ich mich gern berichtigen muß. Er sagt, er hätte auf Anregung eines andern Genossen sich wir schließlich alles ablehnten, haben wir doch den Antrag des laffen. Aber nach meiner Erinnerung hat Genosse Schippel während klärung den Zwischenfall für die Deffentlichkeit aus der Welt zu durch den Mund von Singer bekämpfen lassen, und mit Hilfe der schließlich bereit erklärt, durch eine der Fraktion vorzulegende Er- Centrums, an den Forderungen für Lazarette Abstriche zu machen, der ganzen Kämpfe im Reichstage kein einziges Mal das Wort erschaffen. Sein Vorschlag sei aber aus geschäftsordnungsmäßigen Socialdemokratie wurde der Antrag zu Falle gebracht; es war also ein Eingriffen; ich weiß auch nicht, ob er damals an den Kommissions- Rüdsichten gefallen, weil die Diskussion bereits gefchloffen war. treten für foloniale Zwede, die wir aus Humanitätsgründen bewilligten. beratungen teilgenommen hat. Er hat nie eingegriffen, obgleich er, Allerdings hat Schippel seinen Vorschlag erst zum Schluß der Dis- Wir fagten uns, wenn unsre Soldaten dorthin gehen, müssen wir was feine Fähigkeiten und Kenntnisse anbelangt, einer der Bewas feine Fähigkeiten und Kenntnisse anbelangt, einer der Be fuffion gemacht, und der ist aus geschäftsordnungsmäßigen Gründen auch für sie sorgen. Wäre damals Antrag 42 schon angenommen rufensten gewesen wäre, um unsren Standpunkt zu verteidigen, abgelehnt. Wer bloß diese Darstellung von Schippel liest, der muß gewesen, so hätten wir nicht so handeln dürfen. Ferner werden Sie wenn er überhaupt mit den Anschauungen der Partei übereinstimmte. Das ist natürlich die Voraussetzung. glauben, daß, wenn sein Vorschlag rechtzeitig gemacht wäre, aus den Reichstags- Verhandlungen wissen, daß wir den Schutz der verlangen von keinem, daß er seine Ueberzeugung verleugne, daß er Das ist ein vollständiger Irrtum, der altenmäßig wider sie gefordert hatten. Ich habe damals im Namen der Fraktion erdie Fraktion fich mit einer solchen Erklärung begnügt hätte. Negev in Togo in die Hand genommen und die Rückerstattung an etwas redet, was er selbst nicht glaubt. Wenn Genosse Schippel in dieser Frage andrer Ansicht war als die Partei, so konnte er fagen: vorher von Schippel bekommen. legt werden kann. Eine solche Erklärung hatten wir ja erst furz flärt, daß wir bereit seien, Gelder zu bewilligen, um aus ReichsIch will der Partei in dieser Situation feine Schwierigkeiten bereiten, Er erklärte da, daß er noch genau mitteln das Land kostenfrei wieder zur Verfügung zu stellen. es bleibt mir also nichts übrig als zu schweigen. Dann hätten wir auf demselben Boden stehe, wie bei Erlaß der Proklamation gegen Eine solche Haltung wäre unmöglich, wenn der Antrag feinerlei Anlaß gehabt, uns mit dem Verhalten Schippels hier zu und deshalb wurde die bekannte Resolution beschlossen und einer wichtigen Frage und sie verhindern, ihre Pflicht den zehn den Zolltarif. Aber diese Erklärung genügte nicht, Essen angenommen würde. Er würde die Fraktion binden in befaffen. Aber Schippel hat nicht geschwiegen in dieser Zeit, er hat in die Preffe gebracht, damit die Genossen erfuhren, daß die Millionen Regern und den weißen Ansiedlern gegenüber zu erfüllen. außerhalb des Reichstages schriftliche Auseinandersetzungen und Erörterungen über die Handelspolitik und die Zollpolitik ins- Fraktion Klarheit verlangte. Die Resolution lief darauf Damit fördern wir nicht das Kolonialwesen, das daß Schippel eine flare, unaufechtbare Ausfunft ist in feiner Hinsicht die Anerkennung der tapiüber seine Stellung geben sollte. Nach dem, was vorgefallen tvar, talistischen Kolonialpolitif. bertreten. Er selber bestreitet das, glaube ich, nicht. Wenigstens entnehme ich furzen Erklärung gegeben werden. Ich bedauere es, daß unsre hier nicht unterstützt worden ist, weil ich ihn nicht mehr bekämpfen fonnte eine solche unanfechtbare Darstellung gar nicht in einer Nun zu einigen andern Punkten. Ich bedauere, daß der Antrag 48 aus seinen letzten Ausführungen, daß er zugiebt, in seinem Buche damalige Resolution nicht präciser gefaßt war. Der Kern der Frage fann. Manche Anträge sollte man unterstützen, nur damit sie zur Die Grundzüge der Handelspolitik" und in den Versammlungen, die er im Laufe der letzten Jahre über Handelspolitik abgehalten war folgender: Wie vereinbart Schippel die Thatsache, daß er im Debatte fommen. hat, im wesentlichen die Argumente vorgebracht zu haben, die seitens Reichstage den Kampf der Fraktion gegen den 3olltarif unterstügt Antrag stellt, muß man auch dafür sorgen, daß er zur Verhandlung der Interessenten in der bürgerlichen Partei für die Schutzölle und und den Aufruf der Fraktion unterschrieben hat, mit der andren tommt. Glücklicherweise kann diese Frage trotzdem hier besprochen Agrarzölle geltend gemacht worden sind. Thatsache, daß letzten Jahren ständig mit werden, da Körsten eine Rede gehalten hat, auf die ich eingehen er ja eine Erklärung. Er sagt, es ist wichtig, daß die Argumenten operiert, die nur den Gegnern zu gute kommen. muß. Körsten hat die Haltung der Fraktion dem Gefeßentwurf Parteigenossen die Ansichten und Gründe Wie will Schippel mit den schutzöllnerischen Argumenten, die er über die Kaufmannsgerichte gegenüber kritisiert. des Gegners tennen lernen. Das ist richtig. Aber darin weiche ich durchaus vorgebracht hat, feine praktische Stellungnahme vereinbaren? Daß hatte mit großer Mehrheit beschlossen, den Gesetzentwurf abzulehnen. von Schippels Bethätigung in meiner Auffassung ab; ein Partei- das nicht mit der Erklärung gethan ist: Jawohl, ich bin Gegner Leider hatte Störsten die Gründe für unsre Haltung nicht mit angeführt. genosse tann es für gerechtfertigt, ja für seine Pflicht halten, die der Schutzölle, sondern daß die Gründe angegeben werden wir stimmten gegen das Gefez, einmal, weil den Frauen das Partei in weitestem Maße aufzufordern, über die Fragen der müssen, ist selbstverständlich. Nun, Schippel hat sich zunächst be- Stimmrecht verweigert wurde, das bedeutet für die weibHandelspolitik, wie sie in den Köpfen bürgerlicher Politiker und Sonnen. Er hat mit einem gewissen Gleichmut, wie er ihn öfter lichen Angestellten im Kaufmannsstande einen schweren Schlag. Interessentenkreise sich abspielen, aber für einen Socialdemokraten an den Tag legt, zunächst erklärt, er wolle fich überlegen, Selbst einige Liberale hatten deshalb gegen den Entwurf gemeine ich inüpft sich daran die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, im der Anordnung der Fraktion Folge geben wolle. stimmt. Wir hatten keine Veranlassung, den Umfall der bürgerlichen Anschluß daran nachzuweisen mit all dem wissenschaftlichen Rüstzeug, Die Art, wie er ihr Folge gegeben hat, war teine stimmen, bestand in der Verkürzung des Wahlrechts für hat ihr aber dann doch Folge Folge gegeben, aber Parteien mitzumachen. Der zweite Grund, gegen das Gesetz zu das ihm zu Gebote steht, weshalb wir diese gegnerischen An- Antwort auf die Frage, die ihm gestellt war. Er männliche Angestellte des Kaufmannsberufes, schauungen nicht acceptieren können richtig!), weshalb wir sie verwerfen müssen und in welchen Punkten Entwicklung der Agrarfrage in den mitteleuropäischen Staaten, ins- ausführbar gemacht hätte. Hätten wir dafür gestimmt, so wäre ( Zuruf Bebels: Sehr hat uns längere historische Auseinandersetzungen gegeben über die eine Maßnahme, die das Gesetz für einzelne Orte überhaupt unfie thöricht sind; das hat eben Genosse Schippel unterlassen. befondere Deutschland. Er hat alle möglichen Genossen aus der das In den letzten Jahren haben sich im Reichstage ich sehe von Gegenwart und Vergangenheit citiert( Buruf Bebels: Falf( Sehr wahr!) für die Partei gewesen. den Breßäußerungen ab die gegnerischen Politiker wiederholt auf citiert), die sich einmal zu den Schutzöllen erklärt haben. Aber das hier Wir sind der Ueberzeugung, daß wir uns Schippel berufen. Ich erinnere nur daran, daß z. B. Herr v. Gehl wollten wir gar nicht wissen. Seine Stellung sollte er angeben, bei unsrer ablehnenden Stellung gegenüber dem Geseze über genau fo auf dem richtigen Weg befanden, wie zu den hervorragendsten Bewunderern Schippels gehört. Häufig wurde darauf hingewiesen: Seht einmal, so denkt euer bedeutender den unvereinbaren Widerspruch zwischen seinen Handlungen die Entschädigung unschuldig Verhafteter. Wir können uns nicht so Kopf, der Socialdemokrat Schippel, über diese Frage. Bugeben will und feiner Schreiberei und Nederei sollte er Töfen. fchematisch an die Vorschrift binden, jedes Gesetz anzunehmen, ich, daß in der gegenwärtigen Zeit nicht viel dazu gehört, von den Wir konnten das nicht, und eine Aufklärung mußte erfolgen im das einen fleinen socialpolitischen Fortschritt enthält. Es kann einen bürgerlichen Politikern als Socialdemokrat für einen bedeutenden Intereffe der Partei und der Parteigenossen, denen im Lande bei größeren Nachteil enthalten oder durch Gewährung eines fleinen Kopf erklärt zu werden; dafür kann er nicht, das liegt in der Praxis als ein Knüppel zwischen die Beine geworfen wird.( Sehr richtig!) Wir müssen immer nach der Situation entscheiden, sonst wird allen möglichen Gelegenheiten dieser große Nationalökonom Schippel Vorteils die Erringung eines größeren in nächster Zeit verhindern. der bürgerlichen Politiker. Jedenfalls aber haben die bürgerlichen Politiker sich auf Schippels Bücher berufen. Sie haben heraus- Das, was wir wissen wollten, hat Schippel nicht gesagt, bis die Fraktion eine Jaiagemaschine für alle focialheraus- Das, gelesen, daß Schippel innerlich Agrarschutzöllner ist und haben felbst- heute noch nicht. Alle möglichen interessanten Ausführungen, die politischen Reformisteleien.( Sehr richtig!) verständlich, was man ihnen nicht verargen kann, diese günstige richtig oder unrichtig sein mögen, sind in diesen Artikeln zu finden. Dann Gelegenheit benutzt, um zu zeigen, daß auch innerhalb der Social tommt plötzlich die Erklärung: es ist mir nicht im Traum eingefallen, demokratie agrarzöllnerische Ideen um sich greifen und hervor Artikeln herausgelesen haben, werden verhöhnt; und das sind die Agrarschutzöllner zu sein. Die Leute, die das Gegenteil aus seinen ragende Vertreter gewonnen haben. Was hat Herr Schippel im Reichstage gethan? Wenn solche Sachen vorkamen, ganze Partei und seine besten Freunde.( Sehr richtig!) Wie man hat er, ohne eine Miene zu verziehen, bagesessen, als dies psychologische Rätsel lösen soll, weiß ich nicht. nicht dazu berufen, mich in fo fonderbar verschrobene Seelenzustände urteilen würde, würde ich glauben, der Mann ist ein wenig innerlich von 7% bis 9% lhe abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. zu versezen.( Sehr gut!) Wenn ich nach der Ansicht andrer Leute Schutzöllner geworden, aber es ist ihm höchst peinlich, fich den Zwiespalt einzugestehen ,, in den er dadurch geraten ist. Deshalb sucht er fich auszureden und überhäuft dann natürlich die jenigen, die seine Widersprüche feſtnageln, mit allerlei Schmeichelreden. Auf die fachliche Frage gehe ich nicht ein, sondern erkläre nur für ( Heiterkeit.) Andre Genossen traten im Reichstage auf, um die Be- meine Person: die Fraktion hat darüber naturgemäß noch nicht rufung der Gegner auf Schippel abzuweisen. beraten. Nach meiner Empfindung hat Schippel die Frage, vor die Sie konnten immer nur erklären: Sie irren sich, Schippel ist er gestellt worden ist, noch nicht beantwortet. Diese Antwort ist er den Betrug nachweisen, so tönnen Sie auf Schadensersas und Rücktritt fein Agrarschutzzöllner. Er hat den Aufruf der Fraktion mit unter luns vollkommen schuldig geblieben in 47 Spalten.( Sehr gut!) gegen den betrüglichen Berfäufer flagen. E. D. 17. 1. Ja. 2. Nein. Verantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. die direkt besondere zum besten gegeben, jenigen Anschauungen ankämpften, wie wir fic gegen Wir die= hinaus, Auch dafür hat wenn die Sache ihn gar nichts anginge. Sein Verhalten erinnert auch an das, was Goethe im zweiten Teil des Fauft von den Sphingen fagt: Sitzend vor den Pyramiden Zu der Völker Hochgericht, Ueberschwemmung, Krieg und Frieden Und verziehen fein Gesicht. 1 ob er Er er int den eine Blamage ( Fortsetzung in der 2. Beilage.) Briefkaften der Redaktion. Die Fraktion G. W. N. 58. Besten Dank für die Zusendung des Artikels. Bir Ich bin doch tönnen jedoch nicht auf alles antworten, was man über uns schreibt, Juristischer Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends G. 2. 74. 1. Sie können selbst füllen usw. 2. und 3. Nein. 4. Reine. Bt. 284. 1. Mein. 2. Nein. 3. Sie müssen erscheinen, Widerspruch einlegen und darlegen, daß und wann Sie den Eid früher geleistet haben. E. S. 100. Wenn der Inlt Ihres Vertrages dem nicht entgegen steht: ja. F. B. 100. Sie fönnen zum 1. Oftober ziehen und darauf lagen, daß Ihr Recht anerkannt wird. 21. 8. V. 107. Sie find für find Sie dem wirt gegenüber für die volle Wietszeit gebunden. Wenn Sie die Miete der gesamten Zeit haftbar. K. S. 16. An den Mietsvertrag es Nr. 222. 21. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 21. September 1904. Parteitag der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Ledebour( Fortsetzung aus der 1. Beilage): „ Der Niese hat wieder die Mutter berührt, Und es wachsen ihm wieder die Kräfte." ( Lebhafter Beifall.) = V zum einer = den in der Ehe auch beim Begräbnis die Gewissensfreiheit seiner An- genau, Kollege Körsten, auch bei Ihrer kurzen parlamentarischen gehörigen schützt. Es giebt Momente, wo die Kirche, nament- Thätigkeit bald der eine, bald der andre in der Minderheit gelich die katholische, überhaupt versagt, ein Begräbnis zu geben. blieben, und ich in meiner langjährigen parlamentarischen Praxis Hier muß der Staat unter allen Umständen eingreifen. Es muß sehr oft. Wenn wir aber dann hingehen, unsern Wählern die Sache die Brutalität beseitigt werden, daß z. B. Selbstmördern kein ehr einseitig schildern und mit solchen Anträgen auf den Parteitag liches Begräbnis gewährt wird. Wir sind überzeugt, daß wir mit fommen, dann würde das ein schöner Zustand in der Partei werden. Nun noch einige Worte über den allgemeinen Angriff gegen die der Propagierung des Civilbegräbnisses in weiten Kreisen der Dagegen muß ich mich auf das allerentschiedenste verwahren. Thätigkeit der Fraktion. So meint Timm in der Neuen Zeit", wir Arbeiterschaft und auch der Bürgerschaft Anklang finden würden. hätten uns in der Defensive befunden. Welche agressiven AktionsEinige Worte über die Kritik von Timm. Ich freue mich Lipinski- Leipzig: Dem Genossen Hoch erwidere ich, daß die immer über jede Kritik, die geübt wird, und ich freue mich bepläne wir in der Fraktion erörtert haben, brauche ich nicht zu er- Fraktion in der Krankenkassen Angelegenheit nicht sonders, daß diesmal auch dem Vorstande etwas am Zeuge geflickt zählen, aber Timm irrt fich in der Hauptsache. Er unthätig gewesen ist. Sie hat eine Kommission gewählt, der auch wird. hält offenbar jede Kritik für defensiv, aber unsre Kritik Fräßdorf angehörte, und dieser hat vorgeschlagen, keine Schritte längst dem Vorstande eins ausgewischt. Wenn ich nicht Vorstandsmitglied wäre, hätte ich schon ist keine defensive, sondern eine aggressive Aktion. ( Große Heiterfeit.) Es liegt zu ergreifen. Die Fraktion hat sich dem Vorschlage angeschlossen. Also fritisiert, so viel Ihr wollt, aber die Kritik muß gerecht sein, im Wesen einer Opposition, daß sie aggressiv ist; aber eine Der Vorwurf von Körsten, daß die Fraktion gegen die Kaufmanns- und die Kritik von Timm war zum großen Teil nicht gerecht. Opposition, die in der Minderheit ist, kann sich im Reichstage nicht gerichte gestimmt hat, ist unbegründet. Der Entwurf enthält Das beruht den Kampfplatz wählen. Die Regierung und die Mehrheitsparteien neben andren reaktionären Bestimmungen auch solche über das parlamentarischen großen Teil darauf, daß Timm Mechanismus nicht genau tennt, was bestimmen ihn. Unfre Aufgabe ist, bei allen Gelegenheiten zu Wahlrecht, denen wir unmöglich unsre Zustimmung geben konnten. mich allerdings bei einem so alten Genossen sehr wundert. zeigen, wie schlecht in Deutschland regiert wird, welche Mißbräuche Die größte Zahl der Handlungsgehilfen wäre vom Wahlrecht aus- Wir haben in den ersten zehn Tagen dieser Session bestehen. Wir folgen dem alten politischen Grundsatz, der schon in geschlossen gewesen; deshalb setzte die Kommission die Altersgrenze nicht weniger als 14 Initiativanträge eins der englischen Revolution aufgestellt worden ist, Beschwerden ab- herab und wollte den Frauen das Wahlrecht geben. Es kam zustellen. Timm führt auch ein Beispiel an, er meint, wir hätten dann aber ein Kompromiß zwischen den bürgerlichen Parteien Antrag betr. den Achtstundentag, den Antrag betr. den Frauengebracht, darunter den großen Arbeiterschuß- Gesezentwurf, den anläßlich der lex Stengel eine Steuerreform beantragen müssen. zu stande, das die Kommissionsbeschlüsse wesentlich verschlechterte. Arbeitstag, den Antrag, die Gewerbe Inspektion zur ReichsTimm macht sich eine ganz falsche Vorstellung, wenn er glaubt, daß Aus unsrer Ablehnung dieses Verschlechterungsgesetzes fann uns sache zu machen usw., lauter man durch eine Steuerreform eine Voltsbewegung entfesseln könne. fein Vorwurf gemacht werden. Die Fraktion konnte gar nicht anders großer Bedeutung. Wir haben dann später den Bauarbeitersocialpolitische Anträge von Wir würden doch, bevor wir solche Reformen beantragen, erst dafür handeln. sorgen müssen, daß die Ausgaben für Militarismus, Marinismus Düwell Essen: In erster Linie mißbilligen die Dortmunder der Fraktion beraten und eingebracht. schutz Entwurf, den die Maurer ausgearbeitet hatten, und andre unproduktive Zwecke verschwinden, und erst dann würden Genossen die Haltung der Fraktion in der Herero- Frage gesetz- Entwurf wurde zu spät fertig, wir überwiesen ihn einer Der Heimarbeiterschutzwir sehen, wie die noch übrigbleibenden Ausgaben gedeckt werden Die Fraktion hat sich die Konsequenzen ihrer Haltung nicht Kommission, aber der Beschluß der Kommission fand nicht die Zufönnen. Weiter wirft uns Timm vor, daß wir fein flar gemacht. Mit demselben Argumente könnte man fagen, Stimmung der Mehrheit der Fraktion, und Heimarbeiterschutz- Gesetz eingebracht haben. es sollte aberDen Wunsch, die Franzosen haben ein neues Geschüß eingeführt, infoldedessen mals der ein solches Gesetz einzubringen, haben wir alle; wir haben müssen die Socialdemokraten auch für Deutschland neue Kanonen werden. Heimarbeiterschutz Beratung unterzogen Aber mittlerweile wurde die Session auch versucht, aber der Entwurf befriedigte uns nicht. bewilligen zum Schutze der Deutschen. Auf diesen Humanitäts- Das war jedoch vollständig gleichgültig, weil überhaupt keine Aussicht bertagt. Dazu kommt der rein äußerliche Grund, daß wir überhaupt in der standpunkt darf man sich nicht stellen. Mit demselben Argument war, den Entwurf, selbst wenn wir ihn als ersten eingebracht hätten, ganzen Session keinen Gesezentwurf zur Erörterung bringen fonnten. fann man auch sagen, die und die Industrie ist in Gefahr, zu verhandeln. Und wenn nun Timm sagt, die Machtstellung der Das ist uns bereitelt worden. Soweit es möglich ist, wir müssen sie schützen. S0 kommen wir zu den Fraktion habe im Reichstage abgenommen, so frage ich: ja, wo bringen wir Gefeßentwürfe ein; wir haben etwa 15 ein berühmten Erziehungszöllen. In Wirklichkeit sind diese Zölle, findet man auch nur den geringsten Beweis dafür? Wir im gebracht und haben auch ein Heimarbeiterschutz- Gesetz beantragt. ſpeciell der Roheisenzoll, feine Erziehungszölle, Daß unser Einfluß zurückgegangen ist, stimmt nicht. Diese Aeußerung Bereicherungszölle für die Großindustrie zum Schaden der Stärke nicht das mindeste zu spüren bekommen; wir haben das Gegensondern Reichstage haben von unfrer größeren Schwäche troß größerer oon Timm zeugt von einer Verkennung der Situation. Der Einfluß Verarbeitungsindustrien. Diese Zollpolitik der Regierung hat unsre teil wahrgenommen, daß die Thatsache der drei Millionen Stimmen der Partei beruht doch nicht auf dem Wohlwollen irgend eines gesamte Volkswirtschaft schwer geschädigt. Wenn Handelsverträge und der circa 80 Mandate auf unfre Gegner außerordentlich anfeuernd Abgeordneten oder Ministers; darauf verzichten wir. Unser Einfluß auf Grund des nenen Tarifs vorgelegt werden sollten, würde es sich gewirkt hat. Das Centrum hat in feiner Session soviel Initiativanträge beruht auch nicht auf den 78 Abgeordneten, sondern darauf, daß eventuell wieder empfehlen, Dbstruftion dagegen zu treiben. wir inständiger Fühlung mit der großen Masse der Parteigenoffen leben. würden es für richtig halten, die theoretischen Diskussionen über die zulaufen, hat es, als es ganz klar war, daß an die Beratung der Anträge Wir eingebracht wie diesmal. Und um uns nun erst recht den Rang ab Wir würden nichts freudiger begrüßen, als wenn diese Fühlung Handelspolitik endlich einzustellen und die Agitation der Partei auf überhaupt nicht mehr zu denken war, einen besonders schlauen Weg bes noch enger und dadurch der Einfluß der proletarischen Emancipations- prattisches Handeln zu konzentrieren, nämlich auf eine kräftige schritten, feine sämtlichen Initiativanträge als Refolutionen zum Etat zu bewegung verstärkt würde, so daß sie den Gegnern schließlich über Obstruktion gegen die Handelsverträge. den Kopf wächst. Körften- Berlin: stellen. Wir fragten uns, ob auch wir diesen Weg betreten sollten. Es Ich muß einiges auf die Ausführungen war ein illoyaler Weg, aber alle übrigen Barteien betraten ihn, und da Darauf arbeiten wir hin, das suchen wir mit unsren bescheidenen Ledebours zu dem Antrag aus Pommern erwidern. Kräften im Reichstage zu erreichen. Mögen wir hier und da fehlen, Effekthascherei oder Lust zum Nörgeln, die mich zu meiner Rede be- doch nichts andres übrig, als ebenso zu verfahren. Nun erlebten Es ist nicht sagten auch wir uns, so sehr wir diesen Weg verurteilen, bleibt uns ja, ich glaube, es ist keiner unter uns, der sich nicht bei jeder Attion stimmt hat, sondern ich empfand längst das Bedürfnis, zu dieser wir das wunderbare Schauspiel, 70 bis 80 Jnitiativanträge in jagt: eigentlich hätten wir es beffer machen können. In dieser Frage einmal offen meine Meinung zu sagen. Ich bin überzeugt, Refolutionen umgewandelt zu sehen. Selbsttritit liegt die Bürgschaft dafür, daß nun und nimmer die Zeit daß in Bezug auf die Abstimmung bei den Kaufmannsgerichten jo Reichtum an Resolutionen, daß der Neichstag buchstäblich daran Es war ein solcher eintreten wird, die Timm schon jetzt gekommen glaubt, wo der Ein- manche Genossen mit mir übereinstimmen, wenn man auch nicht den erstickt ist, das heißt keine einzige konnte mehr zur Befluß der Fraktion oder der Partei schwindet. Wir wollen Mut hat, das hier zum Ausdruck zu bringen.( Unruhe.) Durch ratung kommen, um so weniger, als diesmal die Specialberatung dafür sorgen, daß unser Einfluß stärker und stärker wird. Wenn diese Abstimmung wird uns die Agitation in den einzelnen Landes- des Etats einen Umfang annahm wie nie zuvor, so daß der Etat aber die Fraktion sich loslöst von der Partei, wenn teilen furchtbar erschwert( Sehr richtig!), besonders auch in nicht rechtzeitig verabschiedet wurde. Bis heute noch steht die Bes fte sich absondert von der Masse des flaffenbewußten Proletariats, Pommern. Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen Berlin VI, ratung dieser Resolutionen aus, und weil es eben infolge der ganz dann wird es ihr gehen wie dem Riesen Antäus, Leipzig und Hinterpommern, und weil unsre Wähler andre sind als ungewöhnlich langen Etatsberatung nicht möglich war, auch nur eine der macht- und kraftlos wird, wenn er von dem die Wähler in den Induftriebezirken, verfechten wir unsern Antrag. zu beraten, machte Graf Ballestrem den Vorschlag, die Resolutionen Mutterboden losgelöst ist, und ich hoffe, daß auch unfre Sie sollten einmal unsre Wähler kennen lernen, wenn sie an- nach einzelnen Kapiteln zu teilen und nach Schluß des Etats zu beraten. Partei das Heinesche Wort zutrifft, das er im Anschluß an die Sage treten mit sämtlichen Orden und Ehrenzeichen, um alsdann social- Aber da stellte es sich heraus, daß durch die Beratung der Nachtragsvon dem Riesen Antäus fingt: demokratisch zu wählen. Ich habe es selbst erlebt, daß ein Polizist Etats für den Hereroaufstand es unmöglich war, das durchzuführen. in das Hoch auf die Socialdemokratie einstimmte.( Heiterkeit.) In wir haben im Seniorenkonvent alles Mögliche aufgeboten, die Pommern hat man in den letzten Wahlen mit kaum etwas andrem Resolutionen zur Beratung zu bringen, aber die Mehrheit war gegen agitiert als damit, daß die Socialdemokratie unschuldig sei an der uns. Ich habe schon in Dresden die Warnung ausgesprochen: Die Resolution Bebel, den Fall Schippet betreffend, wird ge- socialen Gesetzgebung. Allerdings glauben ja unfre Leute Bildet Euch nicht ein, daß, weil wir jetzt drei Millionen Stimmen den Gegnern nicht.( Adolf Hoffmann: Na also!) Aber und 80 Mande auf der andern Seite stehen die Dinge so, daß die Gegner stets darauf herrschen können. Das ist Thorheit bei diesem förmlichen Wetthaben, wir auch einmal im Reichstage Dr. Michels Marburg: So formgewandt und durchdacht das bedacht sind, uns den Boden abzugraben.( Buruf: Selbft rennen der Parteien um die Stimmen der Arbeiter. Referat Ledebours war, in einer Beziehung hat er mich und andre verständlich!) Wir haben aber vielfach gar keine Gelegenheit, die das ist in den Resolutionen ausgedrückt, und das ist unfre Stärke, daß nicht überzeugen können, ich meine die Haltung der Fraktion in der Wähler aufzuklären, weil wir keine Lokale haben. Sollen wir auf wir die Gegner dazu gezwungen haben.( Sehr richtig!) An eine Hererofrage. Gewiß war das eine schwierige Lage. Wir die andern Wähler verzichten? Wir müssen sie doch erst allmählich praktische Verwirklichung dieser ganzen Initiativantrags- Wirtschaft, hatten teine sicheren Nachrichten, denn in den Kolonien haben wir zur Socialdemokratie erziehen. Wenn wir mit dem Achtstundentag wie ich es einmal nennen will, ist nicht zu denken. Der Reichstag noch keine Vertrauensleute.( Heiterkeit.) Die Hereros, das stand in Pommern agitieren wollten, dann wäre es aus mit den Er- müßte mindestens zwei volle Sessionen zu je sechs Monaten daran feft, waren zur Revolution geradezu aufgepeitscht worden und kämpften folgen; wir müssen zu dieser mittleren Politik wenden, um die Anträge zu erledigen. Das ist aber unmöglich, für ihr Land, von dem sie die Kapitalisten depossediert hatten. greifen, das hat uns die Stimmen gebracht. Man hat und so kommen wir auch auf parlamentarischem Gebiete in Das mußte ihnen schon gewisse Sympathien bei uns sichern. mir gesagt: Du darfst das nicht zur Sprache bringen. Ich eine Situation, aus der wir nicht mehr herauskommen können. Wir teilen den Standpunkt nicht, daß es sich darum gehandelt habe, halte diesen Standpunkt für principiell falsch. Mir wäre es So liegen die Dinge. Deshalb rate ich Ihnen dringend, Menschenleben zu retten. Wie will man Menschenleben retten, indem lieber, wenn die Partei für die sociale Gesez bie parlamentarische Thätigkeit nicht zu über man Menschenleben preisgiebt und Tausende von Soldaten in den gebung überhaupt stimmen würde. Die Fraktion kann schäzen, wie ich mich auch dagegen erklären muß. Tod schickt? Mit dem Antrage 42 bin ich allerdings nicht einver- ihren Standpunkt trotzdem mit aller Verve zum Ausdruck bringen. daß man sie unterschäst. Es fonnte garnicht anders gehandelt standen. Die Enthaltung kann ja Verschiedenartiges bedeuten: Bu- Wir haben ja für verschiedene Geseze gestimmt, die auch werden, und wenn wir jetzt eine Kommiffion, wie sie Timm wünscht, stimmung oder Ablehnung. Der Hinweis auf das Verhalten unsrer nicht unfre Wünsche erfüllten; ich erinnere an das niedersetzen würden, die uns in einem Jahre 12 Gefeßentwürfe fertig Fraktion im Jahre 1870 hinsichtlich der Kriegsforderungen paßt meines Unfall- und Invaliden- Versicherungsgesetz, vor allem Erachtens nicht. Es handelt sich bei den Kolonialforderungen um Gewerbegerichts- Gesey, das nicht einmal das erreicht, was bei den machte, so würde das im Reichstage uns auch nicht einen Schritt weiter bringen. eine Politit, die wir bisher stets bekämpft haben. Wenn wir uns Kaufmannsgerichten durchgesezt ist, wie die obligatorische Proportionalda plötzlich der Stimme euthalten, macht das den Eindruck des wahl, die Konkurrenzklausel usw. Nun wird behauptet, wir hätten einem gewissen Grade mich persönlich betreffen. Ich möchte nun erst auf einige Vorwürfe eingehen, die bis zu Schwankens. Bebel hat in einer großen Reichstagsrede erklärt: gegen das Gesetz stimmen müssen, weil den Frauen nicht das Stimm- Haltung der Fraktion bei der ersten Beratung der Herero die Socialdemokraten würden das Vaterland mit verteidigen, wenn recht gewährt würde. Die Fraktion selbst aber hatte beschlossen, wenn Kredite bemängelt, weil wir uns der Abstimmung enthielten. es angegriffen würde; wir würden keinen Fezen Landes preisgeben. auch das Frauenstimmrecht fiele, doch für das Gesetz zu stimmen, wenn Hätte man die Motivierung, die ich damals namens der Fraktion Ein organisierter Genosse schrieb mir damals, Bebel sei wohl nur die Wahlrechtsgrenze nach unsren Wünschen festgesetzt wurde. abgab, mit in Erwägung gezogen, dann hätte zu diesen Bemängelungen nationalsocial geworden.( Heiterkeit.) Ich erwiderte ihm:" Das wir sind ja in der angenehmen Lage, daß das Gefeß angenommen kein Anlaß vorgelegen. glaube ich nicht. Bebel sei eine wunderbare Stradivarigeige, mur ist, aber wie hätten wir bagestanden, wenn das Gefeß gefallen ( Sehr richtig!) Beiläufig bemerkt, manchmal setze der Bogen falsch an, und dann komme ein Ton wäre? Wir hatten doch die Zustimmung der organisierten Hand- glaube nicht, daß es in ein Teil der Fraktion gegen die Bewilligung. Man heraus, der um einen Ton hoch sei."( Heiterfeit.) lungsgehilfen für dieses Separatgefez für die Staufleute auch, ohne hergeht; der Fraktion immer so friedlich Ich bin allerdings der Meinung, daß der Sazz, wir würden jeden für das Frauenstimmrecht zu stimmen. Lipinski hat heute durchaus Köpfe( Heiterkeit), und wir geraten uns uns bei jeder Gelegenheit an bie das Fezen des Reiches verteidigen, dem Parteiprogramm widerspricht. nicht im Interesse und Sinn der Handlungsgehilfen gesprochen. ist sehr gut. Wir hatten sehr scharfe Debatten. ( Bebel: Na, na!) Ich meine den Saz unsres Programms über Schließlich hat sich die Mehrheit, Bebel: bas Selbstbestimmungsrecht der Völker. Denken Sie glaube ich, für die Stimmenthaltung ausgesprochen. Warum? Genosse Düwell hat die Frage der Handelsverträge berührt. Weil in der Periode, wo die Sache zur Verhandlung stand, wirklich sich den Fall, die Hakatisten trieben die polnische Bevölkerung Keiner von uns ist in der Lage, erklären zu fönnen, wie die Frattion erwiesene Thatsachen über die Ursachen des Aufstandes noch zum Aufstande; müßte dann nicht unsre Sympathie auf seiten der ihre Tattit bei der Handelsvertragsfrage einrichten wird.( Sehr nicht vorlagen. In Volksversammlungen, wo ich feine VerBolen stehen? richtig 1) Eine Obstruktionspolitit allerdings ist deshalb unmöglich, antwortung habe, kann ich freilich auftreten und fagen: Bors. Ebert stellt zu dem folgenden Antrage Jakobsen die weil bei den Handelsverträgen keine Detailberatung stattfindet. Die wir dürfen die Forderung unter keinen Umständen bewilligen. Unterstügungsfrage: Verträge können nur im ganzen angenommen oder abgelehnt Aber als Volfsvertreter habe ich zu prüfen, wie das vorhandene " Der Parteitag wolle beschließen, der Reichstagsfraktion werden.( Sehr wahr!) Material auf meine Entschließung einzuwirken hat. Deshalb habe dringend zu empfehlen, einen Gesezentwurf dem Reichstag all- Nun zu den Ausführungen von Körsten. Ich bedauere, daß ich namens der Fraktion dem Sinne nach erklärt: Wir haben große jährlich zu unterbreiten, der das Recht auf Arbeit fordert." mir nicht längere Zeit zur Verfügung steht, denn Körsten hat hier Befürchtung, daß durch Eure Politik in Südwest- Afrika der Aufstand Der Antrag wird nicht unterstügt. gewissermaßen die Principienfrage aufgerollt. Nach seiner Auffassung hervorgerufen wurde, aber wir haben in diesem Augenblick noch nicht hätte die Partei und die Fraktion in ihrer ganzen parlamentarischen diese Beweise, und weil wir andrerseits auch nicht glauben können, und agitatorischen Thätigkeit immer nur auf die rückständigsten daß die Schuld nur auf der Gegenseite liegt, wie ihr es Wahlkreise Rücksicht zu nehmen.( Sehr gut!) Was da man darstellt, enthalten wir uns vorläufig der Abstimmung, werden aber, für angemeffeu hält, das hätte die Grundlage für unsre falls unsre Befürchtung, daß durch Eure Politik der Aufstand verWeiter bedauere er, daß die Fraktion das an sie herangetretene Taktik zu sein. Wir haben bisher die gegenteilige Auf- ursacht war, sich rechtfertigt, gegen die Forderung stimmen. Ersuchen abgelehnt hat, die Vorfälle beim Leipziger Aerztestreit zum fassung vertreten. Wir haben die Ansicht vertreten, daß war eine Erklärung, wie sie forrefter nicht abgegeben werden konnte, Gegenstand einer Interpellation zu machen. Zur Aerztefrage selbst wir die rückständigen Wähler zu erziehen haben( Sehr richtig!) und und die Wut unsrer Gegner bewvies, daß wir recht hatten. Als braucht dabei ja gar nicht Stellung genommen zu werden, es handelt daß wir das einzig und allein von dem höheren Standpunkt des dann bei der dritten Lesung des Etats fich nur darum, gegen die unerhörten Eingriffe in das Selbst- Princips aus fönnen, und wir sind dabei gut gefahren, wie unsre vorlag, das Material haben wir die Kredite berwaltungsrecht der Klassen zu protestieren. abgelehnt. Erfolge beweisen. Alle die Anklagen, die Körsten vorgebracht hat, Noch ein Wort über meine Erklärung, daß wir im Falle eines Rollwagen- Augsburg begründet den Antrag 44. haben im letzten Wahlkampf eine entscheidende Rolle gespielt, und das Angriffstrieges unter feinen Umständen dulden würden, daß deutsches Die socialdemokratische Fraktion des deutschen Reichstages Resultat war eine Steigerung unsrer Stimmen um fast Land verloren geht. Ich habe mich gewundert, daß diese Erklärung wird beauftragt, die Reichsregierung aufzufordern, einen Gesetz- 50 Prozent und eine entsprechende Steigerung unsrer Mandate. innerhalb und außerhalb der Partei solches Aufsehen erregt hat. entwurf vorzulegen, welcher der schon seit 30 Jahren bestehenden Wie man angesichts solcher Resultate eine rückständige, ich möchte Das tommt daher, weil die Civilehe den logischen Abschluß des Civilbegräbnisses folgen läßt. fast sagen reaktionäre, Taktik vertreten kann, ist mir unbegreiflich. so furzes Gedächtnis haben und meisten Menschen ein weil es in der Partei Die Beseitigung dieser Lücke liegt im Interesse des kulturellen Sollte das richtig sein, was Körsten hier gesagt hat, dann wundert eine Menge junger Leute giebt, die die Parteigeschichte nicht kennen. Fortschritts. mich nur, daß er gewählt ist.( Sehr gut!) Wir wollen Körsten Die gleiche Erklärung habe ich vor 34 Jahren zum erstenmal im Der Schutz der Gewissensfreiheit ist neben den politischen und die Freiheit, sich vor seinen Wählern zu verantworten, nicht nehmen. Reichstage abgegeben und im Jahre 1880 hat es zwischen gewerkschaftlichen Kämpfen eine der wichtigsten Aufgaben der Social- Er fonnte sich auch wegen seiner Haltung in der Fraktion ein Vollmar und mir sogar zu einer Auseinandersegung im demokratie. Die Gewissensfreiheit ist in verschiedenen Stadien des Vertrauensvotum von ihnen ausstellen lassen. Was wir aber tadeln, Socialdemokrat" geführt. Bollmar war damals andrer Ansicht, Lebens bedroht, so auch beim Ableben eines Menschen. Der Staat ist, daß er es nicht berhindert hat, daß ein solcher Antrag hat sich aber später bekehrt. In den achtziger und neunziger Jahren überläßt das Begräbnis seiner Bürger der Kirche und den Hinter- angenommen wurde, der indirekt ein Tadelsvotum haben wir bei der Etatberatung wiederholt dasselbe erklärt. Diese bliebenen. Wir wollen nicht einen Kampf mit der Kirche mit unsren gegen die Mehrheit seiner Kollegen in sich Erklärung steht keineswegs in Widerspruch zu unsrer Tattit, gegen Anträgen provozieren, sondern wollen nur, daß der Staat wie bei schließt.( Bustimmung.) Wir sind alle das wissen Sie ganz den Militäretat zu stimmen, denn im Militäretat bekämpfen wir das nügend unterstüßt, steht also mit zur Debatte. Die Diskussion wird eröffnet. = zu Hoch- Hanau bedauert, daß die Fraktion die Beratung der von ihr gestellten socialpolitischen Resolutionen im Reichstage nicht erreicht hat, und erwartet, daß sie in Zukunft auf eine Beratung dringen wird. " 22 " war Denn Das bor Lipinski- Leipzig: Störften hat die Principienfrage aufgerollt, ob wir für jedes sociale Gesetz stimmen sollen, ganz gleichgültig ob wir den Nugen hoch oder niedrig bewerten. Das ist eine Politik nach außen, eine Effekthascherei, deren wir uns nicht schuldig machen würden. Stimmen wir für schlechte, in der Praris nicht durchführbare Gesetze, so tragen wir in Mitschuld mit der Regierung die Verantwortung. Der Standpunkt Körstens ist ganz derselbe, der die Nationalliberalen veranlaßt hat, für das Gesetz betreffend die Kaufmannsgerichte zu stimmen.( Zustimmung.) = Am Montagabend fand im überfüllten Saale der Tonhalle eine Boltsversammlung statt. 3000 Personen drängten sich Kopf an Kopf. Ansprachen hielten Bebel, Zetkin, Winarski, Frau Popp, Askew, Nemec, Schumeier. Bebel sprach über die Entwicklungsaussichten des deutschen Socialismus, Frau Zetkin über die russischen Zustände und die revolutionäre Bewegung gegen den Absolutismus; Winarski und Frau Popp schilderten die österreichischen Verhältnisse, Genoffin Popp insbesondere die österreichische Volksschulfrage und die Arbeiterinnenbewegung. Askew wies auf den Fortschritt des Socialismus hin, der nun auch England ergreife. Nemec stellte mit viel Humor die politische Lage in Böhmen dar. Schumeier Wien bildete den Schluß. Die Ansprachen erivedten große Begeisterung. * = Die von Wilh. Dittmann- Frankfurt a. M. durch Cirkular an geregte 3usammenkunft, in der eine Aussprache über Detailfragen der Organisationspraxis herbeigeführt werden soll, findet am Mittwoch, den 21. September, abends im obern Saale des„ Casino" statt. Syftem, das zur Verteidigung des Landes in Betracht kommt. Tadel dafür aus, daß er durch handelspolitische Vorträge und| Takt, die wir von den Arbeitern verlangen, müssen wir in einem Aber in dem Augenblick, wo wir die Ueberzeugung haben, Artikel den Schein erweckt hat, als hätten die Agrarier ein Recht höheren Maße von den andern Genossen beanspruchen.( Beifall.) daß ein Angriffstrieg zwecks Eroberung deutschen Landes auf Lebensmittelzölle." Der nächste Redner ist SchippeÏ. vorliegt, haben auch wir uns ſtets zur Verteidigung Bebel( zur Geschäftsordnung): Es fehlen nur 5 Minuten an 7. Jentsch- Berlin IV: Ich werde den Antrag meines Kreises bedes Landes bereit erklärt.( Sehr richtig!) Hätten wir 1870 die gründen. Schippel muß unbedingt erfahren, wie die Masse der Ich halte es für völlig ausgeschlossen, daß wir Schippel nur die übliche Ueberzeugung gehabt, die sich ja nachher bewahrheitet hat, daß BisRedezeit von 10 Minuten gewähren.( Zustimmung.) Da er doch marc durch eine raffiniert geschickte Politik die Karten so gemischt Genossen über sein Verhalten denkt. Darüber scheint er sich nämlich sozusagen Angeklagter ist, muß er selbstverständlich Gelegenheit in einem großen Irrtum zu befinden. hatte, daß Napoleon gezwungen war, den Krieg zu erklären in dem haben, alles vorzubringen, was er zu sagen hat. Ich schlage deshalb Moment, den Bismarck wollte, dann hätten wir uns damals nicht Nur noch eine Berichtigung: Der Vorstand hat bei der Zu- bor, ihm eine einstündige Redezeit( Zuruf: Unbeschränkte Rededer Abstimmung enthalten, sondern gegen die Kredite gestimmt. ſammenstellung der Anträge unfern Antrag mit dem Antrag Effen zeit!) meintwegen auch eine unbeschränkte zu gewähren, und uns Wir haben uns auch in dieser Frage stets korrekt verhalten. zusammengeschoben; er unterscheidet sich von diesem aber etwas jetzt zu vertagen, damit Schippel morgen beginnen kann. Sie können versichert sein, daß die Fraktion am allerwenigsten bei und lautet wörtlich:" Der Parteitag wolle zum Fall Schippel und Vorsitzender Ebert: Das Bureau hat sich bereits mit Schippel wichtigen Fragen so Holterdiepolter- Beschlüsse faßt, sondern daß wir seiner Haltung in der Zoll- und Handelspolitik Stellung nehmen." dahin verständigt, daß ihm eine Redezeit von einer halben Stunde stets eingehend beraten und entsprechend dem Beschluß der Mehrheit Ueber die Taktik denken wir folgendermaßen: Tauchen wichtige gegeben werden soll. Wenn sich gegen den Antrag Bebel kein Widerhandeln.( Lebhafter Beifall.) Fragen für die Partei, wie bei der Zoll- und Handelspolitik, auf, spruch erhebt-( Rufe: Nein!) so ist das Bureau auch damit einStadthagen antwortet auf die Beschwerde Hochs. Darüber waren dann haben alle Federn und alle Zungen zu sprechen, da soll das verstanden.( Zustimmung.) Schippel wird also unbeschränkte Redewir uns einig, daß wir, wenn irgend möglich, den gemeinsamen Ein- Für und Wider erwogen werden, da herrscht voller Individualismus. zeit haben. Persönlich griff von Aerzten und Verwaltung in das Recht der Krankenkassen Hier kommt Bernstein zu seiner Rechnung, unbeschränkte Rede- und bemerkt Ullenbaum Elberfeld: Meine Auss gebührend kennzeichnen müßten. Eine Interpellation wäre also im Breßfreiheit ist vorhanden. Anders ist es, wenn die Partei Stellung führungen von gestern sind von einigen Blättern entstellt wiederSamaligen Augenblid ergebnislos gewesen, man hätte uns gesagt, genommen und sich festgelegt hat, dann gilt die Entscheidung un- gegeben worden, sodaß sie eine gehässige Spike gegen den Abg. Adolf das Verwaltungsstreit- Verfahren ist ja auf Grund des§ 45 mög- bedingt für alle. Vor der Entscheidung volle Freiheit, wenn aber Hoffmann enthielten. So hat z. B. der hier anwesende Reichstags= lich, wartet doch erst einmal den ordentlichen Instanzen- einmal die Marschroute vorgeschrieben ist, muß jeder Genosse soviel abgeordnete v. Gerlach in der„ Berliner Zeitung" geschrieben, ich weg ab. Außerdem wäre das Verhalten der Aerzte zweifellos von demokratisches Gefühl haben, sich nach ihr zu richten. Ich erinnere hätte dem berühmten„ Zehngebote- Hoffmann" einen Hieb versehen den bürgerlichen Parteien so verteidigt norden, daß die Ve- an die Frage der preußischen Landtagswahlen. Als die Partei in wollen. Demgegenüber betone ich, daß ich nicht den Genossen Adolf hörden nur zu weiteren Eingriffen ermuntert worden wären. den 90er Jahren zunächst nur bedingte Beteiligung an diesen Wahlen Hoffmann, sondern den Genossen Karl Hoffmann- Bielefeld ge= Wir stehen ja nicht vor einzelnen Vorkommnissen, sondern vor einem beschloß, beteiligten sich die Berliner Genossen nicht. Sobald aber meint habe, und auch diesem habe ich keinen Hieb versehen wollen. systematischen Vorgehen gegen die Krankenkassen, und diesem Vorgehen der Parteitag gegen den Willen der Berliner unbedingte Beteili- Im Gegenteil, ich bin sehr dankbar für seine Bemühungen und habe müssen wir allgemein gründlich entgegentreten. Das haben wir gung beschlossen hatte, haben die Berliner mit voller Energie den nur ausgeführt, daß es den alten Parteigenossen ganz gleich ist, verschoben. Also in der Sache differieren wir mit Hoch nicht. Die Parteitagsbeschluß zur Geltung gebracht. Eine der bedeutendsten welcher Redner kommt, daß es aber bei den Agitationsreisen für ganze Socialgesetzgebung soll immer mehr zu einem Stücke Fragen, die uns in den letzten Jahren beschäftigt haben, war die die großen Massen etwas ausmacht, daß ein Abgeordneter kommt. Armenrecht werden. In dieser Beziehung stehen wir Zollfrage. Auch zu dieser Frage hat die Partei nach eingehender Ich hoffe, daß die anwesenden Berichterstatter der bürgerlichen schweren Kämpfen. Körsten irrt sich, wenn er meint, daß Prüfung Stellung genommen und über ihre Taktik Beschluß gefaßt. Presse so anständig sein werden, ihre Berichte richtig zu stellen. irgend etwas für die Arbeiter geschehen wäre, was nicht die Social- Der Beschluß fand im Lande überall freudige Zustimmung, die Vorsitzender Ebert teilt mit, daß folgendes Telegramm eindemokratie angeregt hätte. Wenn wir aber jeder scheinbaren Graftion fand im ganzen Lande Unterstützung. Nach meiner gelaufen ist: Herzlich danke ich für brüderliche Teilnahme und Reform zustimmen würden, würden wir das Schicksal der National- es Schippel für nötig, die Frage von neuem aufzurollen; dazu hatte Genossen und Wünsche für gutes, erfolgreiches Resultat des ParteiMeinung war der Beschluß der Fraktion bindend. Trotzdem fand Wünsche. Besserung schreitet fort.( Beifall.) Viele Grüße allen liberalen teilen. Ich würde meine Wähler außerordentlich gering schätzen, wenn sie mir Vorwürfe machten, weil ich einer gar kein Recht.( Die Redezeit ist abgelaufen.) tages. Paul Singer.( Lebhafter Beifall.). Gesetz abgelehnt habe, dem ich nach meinen Grundsätzen Schöpflin- Leipzig: Nach meiner Ansicht ist die Resolution Bebels Schluß 7 Uhr. nicht zustimmen konnte. Es ist gesagt worden, die Er- nur annehmbar, wenn auch das dazu gestellte Amen wartungen, die man auf die Fraktion gesetzt habe, seien nicht dement angenommen wird. Ohne dieses Amendement erfüllt worden. Das kann nur daran liegen, daß diese Erwartungen würde ich nicht dafür stimmen können; denn dann wäre es einfach unberechtigt waren. Bedenken Sie immer, daß es im Wesen des eine Resolution, wie viele andre auch, die nichts Klassentampfes liegt, daß, je größer unsre Partei wird, um so besagt, wenigstens nichts, was dem Fall Schippel entspräche. energischer auch der Widerstand gegen uns wird. Achten Sie doch Es wäre weder eine ordentliche Verurteilung noch sonst etwas, und nicht zu sehr auf die äußeren Erfolge, die man den Wählern gegen dann wäre es schon besser, man hätte die Frage gar nicht angeüber ins Feld führen kann; lieber weniger Wähler, aber mehr schnitten. Daß wir endlich einmal ein ernstes Wort mit dem Kollegen Socialdemokraten, und nicht die geringsten Konzessionen gering- Schippel sprechen müssen, darüber kann. fein Zweifei bestehen. Es wertigen Wählern gegenüber.( Beifall.) geht nicht so weiter, daß der Genosse Schippel in der Art, wie er es macht, die Partei in Atem hält und die ganzen Federn beschäftigt. Wenn man draußen agitieren und sich besonders in ländlichen Bezirken abquälen muß, so ist es stets Schippel, der einem die Arbeit erschwert. Wären im vorigen Jahre unsre Gegner etwas fleißiger und mitunter geschickter gewesen, so hätten auf dem Lande Schippels Aeußerungen noch viel schlimmer ausgebeutet werden können, als es geschehen ist. Was für mich vor allem mit in Frage kommt, ist, daß Schippel niemals zu seinen Worten steht. Wie oft haben wir es jetzt schon angesehen, daß, wenn man an Schippel die Frage richtet: wie stehst Du nun eigentlich? er dann mit allerlei interessanten und uninteressanten Redensarten sich aus der Affaire zu ziehen sucht. Ein solcher Mann gehört einfach nicht mehr an die Stelle, an der er steht. Es kann jeder einmal eine Meinung vertreten, die meinetiregen mit den Traditionen der Partei vollkommen in Widerspruch steht, aber wir verlangen, daß er dann wenigstens zu seinen Worten steht und nicht nachträglich immer derjenige ist, der es nicht gewesen sein will. Im letzten Falle war es ja einfach kraß, wie Schivpel versuchte, zunächst den Bericht für unwahr zu erklären, wie er schließlich die Richtigkeit zugeben mußte und sich herauszureden suchte, wie er zu einer Antwort gezwungen wurde, und dann 17 Spalten mit Ausführungen füllte, aus denen die meisten Leser gar nicht flug wurden. Das kann nicht weiter geduldet werden. Das Totenliste der Partei. In Burgstädt in Sachsen betrauern die spricht das Amendement flar aus. Ob Schippel dann die Konse- Parteigenossen den Tod des Schriftsezers May Schumann, der quenzen zieht, ist seine Sache. Aber die Ueberzeugung habe ich, er schon unter der Herrschaft des Sozialistengefeßes mit Hingebung ist dann erledigt. Bevor Schippel sich von seinen Wählern das Ver- und Aufopferung der eigenen Persönlichkeit für die Partei, besonders trauensvotum ausstellen ließ, hätte er wenigstens einmal in fleinerem Kreise arbeitete. Obgleich seit Jahren körperlich leidend, die Haupteinwände, die gegen ihn erhoben beteiligte sich der Verstorbene noch bis in die jüngste Zeit an den worden waren, in unserm Chemnizer Organ 3 um Parteiarbeiten und bekleidete noch bis zuletzt das Amt des Kassierers Abdruck bringen sollen, so aber hatten die im Wahlverein und der Auskunftsperson der Burgstädter ParteiChemnizer von allen diesen Einwendungen gar nichts gehört.( hört, hört!) Sie hatten nur die 47 Spalten Schippels vor sich. Dazu kam dann die alte Liebe und Verehrung Schippels, denn Schippel ist persönlich ein sehr liebenswürdiger Mann, Die behördliche Auslegung des bayrischen Vereins- und Berund so haben sie ihm das Vertrauensvotum ausgestellt. Dann erst sammlungsgesehes führt zu mancherlei Ungeheuerlichkeiten. So wurde ist langsam der Abdruck der Einwendungen losgegangen. Es thut vom Stadtmagistrat Amberg das dortige Gewerkschaftskartell als mir außerordentlich leid, aber ich habe Schippel im Verdacht, daß er ein politischer Verein erklärt, dessen Versammlungen polizeilich andiesen Gedanken selbst hatte, aber sich hütete, ihn auszuführen, weil zumelden find. Auf die hiergegen erhobene Beschwerde förderte er ein Vertrauensvotum wollte, um dann erklären zu können, die die oberpfälzische Kreisregierung folgende weise Entschließung Sache wird ausgehen, wie das Hormberger Schießen. Gegen ein zu Tage: Endgültig fann die Frage, ob das Gewerks solches Verhalten verwahren wir uns, vor allem haben wir es satt, schaftskartell den politischen Vereinen zuzuzählen sei, gegebenenimmer und immer wieder uns mit einem Fall Schippel zu beschäftigen falls nutr durch gerichtliches Urteil oder durch verwaltungsund verantwortlich gemacht zu werden für alle die Tifteleien, Grübe- rechtliches Erkenntnis entschieden werden!" Höher kann die leien und Spintisierereien, die Schippel beinahe Woche für Woche Weisheit einer hohen Regierung nimmer gehen. Man vermeidet auszuhecken beliebt.( Lebhafter Beifall.)/ sorgfältig, den eignen Standpunkt in dieser Frage zu kennzeichnen, wie die Beschwerdeführer von der Regierung als der vorgesetzten Hoch- Hanau: Ich will nicht auch noch einen Stein auf Schipper Verwaltungsbehörde des Stadtmagistrats verlangt haben, und überwerfen, es sind genug Steine geworfen, und mit vollem Recht, läßt es den Amberger Gewerkschaften, die magistratische Verfügung ganz nach Verdienst. In dieser Beziehung ist die Sache geklärt. Ich werde für die Resolution Bebel mit dem Amendement stimmen, zu übertreten, damit der Richter den Arbeitern sagen kann, ob ihr Kartell ein politischer Verein ist oder nicht! weil ich überzeugt bin, daß es so nicht weitergehen kann. Ich hatte mich aus Gesundheitsrücksichten außerordentlich gesträubt, zu diesem Parteitage zu kommen, und habe mich nur auf ausdrücklichen Wunsch der Genossen meines Kreises delegieren lassen, um in ihrem Auftrage zu erklären, daß ihre Geduld zu Ende ist angesichts der fortwährenden Taktlosigkeiten, die keinem Arbeiter verziehen werden würden.( Sehr richtig!) Würde ein Arbeiter sich so Der Fortbildungsschulunterricht gehört in die Arbeitszeit. Der etwas erlauben, so wäre er längst unmöglich. Handelsminister hat in einer an die Regierungs- Präsidenten ge= ( Sehr wahr!) Es thut mir außerordentlich leid, daß ich genötigt richteten Verfügung die von ihm vertretene Ansicht, daß der Unters bin, in dieser Weise gegen Schippel aufzutreten, denn ich gestehe richt an den obligatorischen Fortbildungsschulen während der Tagesoffen, ich habe aus seinen„ Grundzügen" sehr viel gelernt; ich halte stunden der Werktage stattfinden und nicht nach 8 Uhr abends das Buch für eine sehr verdienstvolle Leistung und hätte nur er- schließen soll, näher begründet. Der Minister geht von der Ansicht wartet, daß er es vollendet und das Fehlende, nämlich die not- aus, daß der Unterricht in der Fortbildungsschule eine Ergänzung wendige Ergänzung des zweiten Teils, geschrieben hätte. Statt der praktischen Handwerkslehre darstelle. Solle diese Aufgabe erdessen hat er die Partei fortwährend in der Agitation gehemmt. füllt werden, so müsse die Fortbildungsschule ein um so größeres Soweit ist alles gut. Was Schippel geschieht, muß geschehen. Aber Maß geistiger Frische von ihren Schülern verlangen, als die Unterin einem Punkte hat er allerdings recht, sich zu beklagen, nicht dar- richtszeit nur beschränkt sei, und auf häuslichen Fleiß der Schüler über, daß ihm etwas geschieht, sondern darüber, daß es ihm ge- nicht gerechnet werden könne. Der Unterricht nach angestrengter schieht, daß er allein es ist, der gepackt wird. Schippel ist es Tagesarbeit könne aber diesen Ansprüchen nicht genügen, die dafür nicht allein, der Taftlosigkeiten begangen hat. Sehr viele andre aufgewandten Geldmittel würden somit vergebens ausgegeben. Wo Parteigenossen haben sich dasselbe zu schulden kommen lassen. Wie örtliche Verhältnisse besonders das Fehlen gut beleuchteter Zeichen= oft haben wir es schon erlebt, daß wir solche Krakehle bekommen. räume das Verlegen des gesamten Unterrichts in die Tagesstunden Der Genosse fommt aber dann womöglich nicht einmal zum Partei- der Werktage unmöglich machen, soll die Abhaltung des Zeichenuntertag. Es wuchs Gras über die Geschichte, und nach einiger Zeit fam richts zunächst noch am Sonntagvormittag zulässig sein. Schließlich derselbe Standal von neuem. Das bedaure ich, daß nicht sum ersucht der Minister die Regierungspräsidenten, unter Berückmarisch verfahren werden kann, und ich hoffe nur, daß das sichtigung der Bedürfnisse der einzelnen Gewerbe und möglichst im Erempel, das jetzt an Bebel( Große Heiterkeit) Pardon Zusammenwirken mit Handels- und Handwerkskammern, Innungen, an Schippel statuiert wird, nicht aufgefaßt wird als faufmännischen und gewerblichen Vereinen bei passender Gelegenheit allein an die Adresse von Schippel gerichtet; so energisch auf Abstellung des pflichtmäßigen Abend- und Sonntags= fassen es auch die Arbeiter nicht auf, die Arbeiter verurteilen das Ber- unterrichts an den Fortbildungsschulen ihres Bezirks hinzuwirken. halten Schippels so wie auch das der andern Genossen, die Neuen Schulen ist nur dann ein Staatszuschuß in Aussicht zu infrieden und Krakehl in unsre Reihen bringen; stellen, wenn den Anforderungen des Ministers entsprochen wird. in den weitesten Kreisen der Genossen wird es nicht verstanden Krafemann- Neu- Ruppin: Ueber die ländlichen Arbeiter ist noch fein Wort gesprochen worden. Ich empfehle Ihnen als Vertreter eines ländlichen Areises den Antrag 43( Nieder- Barnim). Das Elend der Landarbeiter ist unbeschreiblich; es bestehen geradezu russische Zustände. Bei uns herrschen die Arnims und die Eulenburgs. Sieht man ihre Schlösser, so meint man, im Dorado zu sein. Einige Stunden weiter aber trifft man jämmerliche Arbeiterbehausungen. Die Hütten der Steinklopfer gewähren besseren Schutz gegen Witterungsunbilden als diese Löcher. Und wie sind die Löhne? Die männlichen Arbeiter verdienen bei 12-13ftündiger Arbeitszeit 80 Pf. bis 1,25 M., die Frauen 60-80 Pf. Arbeiterinnen, die morgens um 2 Uhr aufstehen und um 3 Uhr zum Melfen gehen, eine Arbeit, die bis 26 Uhr dauert, erhalten dafür 25-30 Pf.( Hört! hört!) Sie sehen, in welchem Glend die Landbevölkerung lebt. Und wie sieht es erst mit den Kinderchens aus! Die Schulen auf dem Lande sind so schlecht, daß wir uns nicht zu wundern brauchen, wenn wir bei den Landarbeitern noch kein Gehör finden. Kinder von 9-10 Jahren erhalten im Sommer so gut wie gar teinen Schulunterricht, denn nur von 6-8 Uhr ist Schule, dann geht es an die Feldarbeit. Aus cigner Kraft kann sich die Landarbeiterschaft nicht befreien, fehlt ihr doch sogar das Koalitionsrecht, und jetzt sucht die preußische Regierung durch das Kontraftbruchgeses neue Fesseln für sie zu schmieden. Da sollte sich die Fraktion dieser unterdrücktesten Arbeiterklasse besonders annehmen.( Beifall.) Ledebour Damit schließt die Diskussion über diesen Antrag. In seinem Schlußwort hebt hervor, daß die Angriffe gegen die Reichstagsfraktion zum größten Teil durch Fraktionskollegen in der Diskussion zurückgewiesen worden seien. Nur wenige Worte gegenüber Körsten find notwendig. Wenn wir uns die Politik zu eigen machen wollen, die er uns empfiehlt, dann würden wir aufhören, eine Oppositionspartei zu sein.( Lebhafte Zustimmung.) Von einer revolutionären Partei wäre schon gar feine Rede, wir wären nichts als eine Posadowsky Partei, die dazu da wäre, die socialdemokra= tischen Gesententwürfe durchzudrücken, die die Regierung zu gewähren die Gnade hat.( Sehr richtig!) Eine weitere Folge dieser Taktik der Rücksicht auf rückständige hinterpommersche Wahlkreise wäre, daß wir bald die Reformpolitik der Regierung und der bürgerlichen Barteien einschlagen würden.( Sehr richtig!) Wie sind sie denn in unsre officielle Socialpolitik hineingeraten? Doch nur aus Angst vor dem fämpfenden Proletariat. ( Sehr richtig!) Sie bringen uns doch keine Geschenke aus gutem Willen entgegen. Was sie geben, geben sie nur aus Angst. Es ist erstaunlich, daß man einen Genossen daran erinnern soll, daß alle Reformisteleien in der Furcht vor der revolutionären Kraft und dem Willen der socialdemokratischen Partei ihren Ursprung haben. Mit einer solchen Politik des Entgegenkommens gegen die bürgerlichen Parteien und die Regierung, wie Rörsten sie empfiehlt, würde das, was er will, der socialdemokratische Fortschritt, geradezu vereitelt werden. Sotveit ich die Partei fenne, ist keine Aussicht vorhanden, daß sie je auf solche hinterpommersche Politik herunterkommen wird. ( Heiterfeit und Beifall.) In der Abstimmung wird der Antrag 43 angenommen, die Anträge 44 und 47 abgelehnt. Es folgt die Beratung der Anträge 12. Berlin IV und Essen: Der Parteitag möge Stellung nehmen zu dem Verhalten Schippels in Zoll- und Handelsfragen und event. dessen Ausschluß aus der Partei herbeiführen. 13. Parteigenoffen des 3. Hamburger Wahlkreises: Der Parteitag möge die Haltung des Genossen Schippel in der Schutzzoll- und Agrarfrage einer Prüfung unterziehen. Sollte sich dabei ergeben, daß Schippel mit den Anschauungen der Partei nicht mehr übereinstimmt, so ist derselbe aufzufordern, sein Mandat- niederzulegen und der Resolution Bebel. = genossen. Partei- Nachrichten. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Soziales. Zu dieser liegt folgendes von Freythaler- Berlin und 31 Genossen gestellte Amendement vor: Der Parteitag erklärt weiter, daß das Vertrauen, dessen ein Genosse zur Bekleidung von Vertrauensstellungen in der Partei unbedingt bedarf, gegenüber dem Genossen Schippel werden, daß solche ganz unglaubliche Ungehörigkeiten einfach durch- Der Achtstundentag in der Schweiz. Die Generalversammlung aufs tieffte erschüttert ist und daß, wenn Schippel gehen. Die betreffenden Genossen brauchen nur der Arbeiter- Genossenschafts- Cigarrenfabrik in Menzilen( Stanton fortfährt, in der bisherigen Weise zum Schaden der Partei in ihre Wahltreise zu gehen und sich Vertrauens- Aargau) hat die Einführung des Achtstundentages für ihre Arbeites zu wirken, er gezwungen sein wird, die konse- voten ausstellen zu lassen. Die bekommen fie rinnnen beschlossen. Schade, daß sich der Beschluß nicht auch auf die quenzen feines Verhaltens zu ziehen." ja immer.( Aha- Rufe.) Wenn ein Genosse aber ein Mandat männlichen Arbeiter erstreckt. Unfres Wissens besteht in keinem Ferner liegt folgende Resolution vor, die von Fritz Pa e plot weggeworfen hat, finden sich sogar andre Genossen, die ihm ein neues andern Betriebe in der Schweiz der Achtstundentag, nur in einigen Hamburg und 25 Genossen gestellt ist: Mandat auf dem Theetisch entgegenbringen.( Zustimmung.) Das Gasanstalten besteht die Achtstundenschicht. Die Buchdruckereien des ist ebenso zu verurteilen, wie das Verhalten Schippels. Schippel schweizerischen Grütlivereins in Zürich und des Typographenbundes ist es nicht allein, der Tattlosigkeit begeht. Die Disciplin und den in Basel haben die 8½stündige tägliche Arbeitszeit. " Der Parteitag mißbilligt die Stellungnahme des Genossen Schippel zu den zollpolitischen Fragen und spricht ihm einen Gewerkschaftliches. Wie die Flunkereien vom Terrorismus der Gewerkschaften " entstehen. " wie solche, die erst 4 und 6 Monate thätig waren. Diesem unhalt- 1 Bedingungen. arbeiten wollten. Durch diesen Aft wurden 400 Maurer baren Zustand abzuhelfen, versuchten die Arbeiter dadurch, daß sie arbeitslos. bor 8 Tagen der Firma eine Rohnstala vorlegten, welche die Löhne Deren Lohnbewegung hatte inzwischen auch begonnen. Die für alle in Betracht kommenden Arbeiter grundsätzlich regelte. Die Maurer, deren Vertrag am 1. April ablief, hatten schon viele Wochen Firma versprach, diesen Wünschen eine wohlwollende Untersuchung vorher mit dem Arbeitgeberverbande Verhandlungen gepflogen, die In dem mittelfränkischen Städtchen Herzogenaurach waltet seit angedeihen zu lassen und dann der Kommission Nachricht zu geben. aber von dem Vorsitzenden dieses Verbandes sehr geschickt verschleppt einiger Zeit der sattsam bekannte Benefiziat Würzberger, ein politi- Da jedoch am Donnerstag noch kein Bescheid gegeben war, versuchten wurden. Die Maurer verlangten 55 Pf. Stundenlohn bei zehuscher Kampfhahn ersten Ranges, der wegen seines öffentlichen Auf- die Kommissionsmitglieder, durch Vorstelligwerden einen end- stündiger Arbeitszeit. Die Arbeitgeber verlangten, daß die Maurer tretens von seinen geistlichen Vorgesetzten gemaßregelt und straf- gültigen Bescheid zu erzielen. Diesen Plan vereitelte jedoch die im Jahre 1904 noch zu den alten Bedingungen arbeiten sollten. versezt wurde seines Amtes. In dem genannten Städtchen ist eine girma; dafür wurden am Sonnabend 7 Mann als entlassen erklärt. Es sollte ein Vertrag auf drei Jahre abgeschlossen werden, der große Schuhfabrik, und ein Teil der dort beschäftigten Arbeiter ist diener, Packer und Lagerarbeiter, am Montag die Arbeit nicht gingen die Maurer Wegen dieses provokatorischen Vorgehens beschlossen sämtliche Haus- aber erst am 1. April in Kraft treten sollte. Darauf seit einem halben Jahre in einer Zahlstelle des Vereins deutscher früher wieder aufzunehmen, bevor die Entlassenen nicht wieder ein- traten auch sie in einen partiellen Streik. Anfänglich drohten die aber nicht ein, und am 14. April Schuhmacher organisiert. Der geistliche Herr Würzberger und sein gestellt werden und eine einheitliche Rohnregulierung nach Maßgabe Arbeitgeber auch den Maurern mit einer Aussperrung, ließen es Anhang sehen natürlich diese junge Organisation mit scheelen Augen der eingereichten Forderung anerkannt wird. Die Kommission, aber doch bleiben. Bald darauf waren auch die Italiener da. Die an und sind bemüht, ihr den Garaus zu machen, aber alle in dieser welche am Montag früh nochmals durch eine Verhandlung mit der ersten fuhren aber auf Ersuchen der Maurer wieder ab; aber gleich Richtung bisher gemachten Anstrengungen sind gescheitert. Kürzlich Firma eine Einigung herbeizuführen versuchte, wurde von dem darauf kamen neue. Die Unternehmer hatten sich gut vorgesehen. erhielt nun der Vorsitzende der Zahlstelle folgenden Brief: Betriebsleiter Herrn Daute abgelehnt und von Herrn Paul Ashelm Sie waren aber jetzt schlauer geworden und riefen die Polizei Herzogenaurach, den 9. September 1904. zur Fabrik hinausgewiesen. Es ist der Firma bis heute noch nicht um Hilfe. Diese ging denn auch in der genügend erörterten Weise An die Vorstandschaft des Vereins deutscher Schuhmacher. gelungen, mehr denn 5 Streifbrecher heranzuschaffen. Die Herren gegen die Streikenden vor. Tag und Nacht wurden die Italiener Die Fülle von Roheiten und Flegeleien gewerkschaftlich or- Arbeitsnachweisen jeder Art, sowie auch auf der Straße Arbeits- vernagelt. Anfänglich war die Lohnbewegung für die Maurer sehr Borgesetzten waren vollzählig auf den Beinen, um in Herbergen, bewacht, ja sogar eine Straße wurde zu ihrem Schutze mit Brettern ganisierter Genossen" gegen Andersdenkende mehren sich in einer Weise, daß man von einer Verwilderung der Sitten und aller willige zu suchen. In ganzen Trupps wurden dieſelben den Herren günstig. 55 Unternehmer hatten nach und nach bewilligt. Doch Begriffe der Gefittung und des Anstandes sprechen muß. Ein ist günstig für die Streifenden. Selbst Hausdiener, welche bereits versucht, eine Einigung herbeizuführen. Alles umsonst! Alles prallte bei der Ankunft vor der Fabrik wieder abgenommen. Die Situation dabei blieb es. Viermal hat der Vorsitzende des Gewerbegerichts neuerlicher Fall vom Feiertag„ Mariä Geburt" veranlaßt mich zu dreimal von der Firma entlassen worden sind, werden gebeten, an dem Starrsinn der Unternehmer ab. Diese wollten den Kampf einer Mahnung an die Vorstandschaft genannter Vereinigung. Ich Arbeit anzunehmen. Die Ausständigen sind bis auf einige junge bis ans bittere Ende. Das ist nicht eingetroffen. Moralisch ist der ging mit den Herren Vorarbeiter Maier, Wellein und Drebinger Arbeitsburschen im Handels- und Transportarbeiter- Verband Sieg, den die Maurer erfochten haben, glänzend. Und sie haben nach Hause, als wir von einem sicheren Schaufler mit einem sonst organisiert. nur viehisch Betrunkenen eignem Gelächter empfangen wurden, auch materielle Vorteile für sich errungen und eine Lohnerhöhung verbunden mit den Rufen:„ Alles kohlschwarz! alles kohlschwarz.. Zu dem Streit der Mehlfutscher ist zu berichten, daß am durchgesetzt. dem wieder das Gelächter der Hölle folgte. Da der saubere Herr Montagabend eine Verhandlung der Mehlfuhrherrn mit der Kom- Die städtischen Gasarbeiter in Barmen sind in eine Bewegung am Nachmittag an einem häuslichen Streit beteiligt war, bei dem mission der Kutscher einesteils und der Mehlhändler und die Streitsteile mit Messern aufeinander losgingen, entgegnete ihm Fuhrherrn andernteils stattgefunden hat. Die Kutscher haben eingetreten. Ihre Forderungen sind: Abschaffung der 24 stündigen zu Gunsten der Erringung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse der davon unterrichtete Herr Wellein treffend: Sei nur froh, daß ihre Forderung hinsichtlich der Abtragegebühr zurückgezogen Wechselschicht und dafür Einführung des Achtstundentages und der fie dich heute nicht rot gefärbt haben!" Daraufhin drehte der und fordern nunmehr einen Wochenlohn von 36 M. Da die Be- 12stündigen Wechselschicht für Betriebsleute. Einführung der achtverlogene Bursche den Stil um und schlug einen furchtbaren Bahöl willigung seitens der Fuhrherrn von den Zugeständnissen der Kauf- tägigen Lohnzahlung. Bezahlung der Ueberzeit- und Feiertagsarbeit auf, als ob wir(„ Schwarze") ruhig des Weges gehende Leute leute( Mehlhändler) abhängig ist, erklärten die Fuhrherrn auf mit 25 Proz. und der Teer-, sonstigen Schmutz- und gesundheitsschädlichen angerempelt hätten, usw. Grund der bisherigen Zugeständnisse seitens der Kaufleute, nur und Bildung? Was gedenkt der„ Verein deutscher Schuhmacher" Versammlung der ausständigen Kutscher, welche am Dienstagnach- arbeit um eine Stunde für die regelrechten Tage- Arbeiter. ErIch frage daher:" Ist das die freigewerkschaftliche Erziehung 33 M. pro Woche an die Kutscher zahlen zu können. In einer Arbeit mit 50 Proz. Zuschlag. Einführung der 1½ stündigen Mittagspause, Verlegung der Frühstückspause und Herabsetzung der Sonnabendsgegen das überhandnehmende Rowdytum in seinen Reihen zu mittag im Englischen Garten tagte, wurde einstimmig beschlossen, richtung eines Arbeiterausschusses. Schaffung bestimmter Mindestthun, wenn anders er nicht den Anschein erwecken will, ein Verein an der Forderung von 36 M. Wochenlohn festzuhalten und die löhne und Lohnstalen in folgender Weise: Feuerleute Anfangslohn von Lausbuben statt von Männern zu sein?" Warum können ein- Arbeit nicht eher aufzunehmen, bis dieser Lohn bewilligt ist. Die 4,00 M. pro Tag, alljährlich steigend um 10 Pf., bis zum Höchstheimische Arbeiter nicht den Anstand gegen politische Gegner Situation ist für die Streikenden günstig, da sich mit Rücksicht auf betrage von 4,60 m. nach sechs Jahren( bisher 3,70-4,20 m.). wahren, wie man manchem von auswärts, wie z. B. Herrn die schwere und verantwortungsvolle Arbeit Streifbrecher bis jetzt Erste Feuerleute 20 Pf. Zulage. Wasserstoffgas- Arbeiter 3,60 bis Lippold, nachrühmen kann? Müssen denn politische und religiöse nicht gefunden haben. Gegensätze gerade auf dem Wege der Unanständigkeit, Gemeinheit 4,00 M.( 3,30-3,60), Maurer 4,30-4,80 m.( 4,00-4,30), Schloffer, Schmiede und Maschinisten 4,00-4,80 m.( 3,70-4,30), Hilfsarbeiter 3,40-3,80 7.( 3.20-3,60). Mit der Vertretung dieser Wünsche wurde eine 13gliedrige Kommission betraut. Die nebenfächlicheren Forderungen sind früher zum großen Teil schon durchgeführt gewesen, auch die Abschaffung der 24 stündigen Wechselschicht ist von den Stadtverordneten schon 1902 beschlossen gewesen, von der Verwaltung jedoch nicht eingeführt worden, weil angeblich die Arbeiter die Gemeinde- Arbeiterverband, geschart und steht daher wohl zu hoffen, Wechselschicht nicht geändert haben wollten. Seit Jahresfrist haben sich die Beteiligten fester um das Banner ihrer Organisation, den Gemeinde- Arbeiterverband, geschart und steht daher wohl zu hoffen, daß zur Erfüllung dieser Wünsche ein größerer Nachdruck geübt wird Achtung! Luxuspapierbranche. In folgenden Werkstuben befinden und Niedertracht nach Art von Gassenjungen ausgetragen werden? sich unsre Kollegen und Kolleginnen im Streit: Bernhard u. Co., Falls die Gewerkschaft hier nicht selber Abhilfe schafft, bin ich Wilhelmstr. 29; Schwerdtfeger u. Co., Reinickendorferstr. 54b; gezwungen, jeden Fall socialistisch- gewerkschaftlichen Terrorismus Finkenrath, Schlesischestraße; Stange, Beuthstr. 3; Böhme, Reichen auf der Kanzel und in der Presse mit Namensnennung des Vereins bergerstr. 158 und Hochstein u. Weinberg, Wasserthorstr. 50. und des Rohlings öffentlich zu brandmarken. 3u 3ug ist streng fernzuhalten! Ergebenst Würzberger, Benefiziat. Die Anmaßung und Dreistigkeit, die aus diesen Zeilen spricht, wird am besten erhellt durch die Thatsache, daß der von Herrn Würzberger namhaft gemachte Uebelthäter Schaufler gar nicht mit glied der 8ahlstelle noch irgend einer andern Organisation gewerkschaftlicher oder politischer Artist! Herr Würzberger hätte es leicht gehabt, sich vor Absendung seines dreisten Briefes hiervon zu überzeugen. Das hat er aber jedenfalls auch gar nicht beabsichtigt. Auf die ihm brieflich übermittelte Feststellung des Vorsitzenden hat er bis heute geschwiegen. Es scheint also bei ihm an ,, Erziehung" zu mangeln, sonst hätte er wegen der erhobenen schweren Beleidigungen, deren Grundlosigkeit ihm sofort dargethan wurde, sich entschuldigen müssen. verdient werde. Berlin und amgegend. Der Streit bei Siemens und Halske. Ar= Die Lohnkommission. Werkstattdelegierten des Oftens in den Andreas- Festsälen waren Musikinstrumenten- Arbeiter. Auf der Zusammenkunft der 30 Pianofabriken vertreten, und wurden laut Beschluß der letzten öffentlichen Versammlung die Forderungen in den einzelnen Betrieben festgelegt. Am Montag, den 26. September, findet in Kellers großem Saale in der Koppenstraße die entscheidende öffentliche Versammlung statt. er vor Deutsches Reich. Berliner Partei- Angelegenheiten. Das Komitee. Köpenick. Bei Rochlitz hält Genosse Hilliges heute über das Thema„ Religion ist Privatsache" einen Vortrag. Central- Wahlverein für Kalau- Luckau( Ortsverein Berlin.) Donnerstag, den 22. September, abends 812 Uhr, Versammlung notwendig. bei G. Weihnacht, Grünstr. 21. Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Lokales. Die Lohnbewegung der Gürtler und Drücker hat bereits den Erfolg gehabt, daß drei Firmen, die mehr als 100 Gürtler beschäftigen, feiern Sonnabendabend 8 Uhr im Lokale der Brauerei Königs Sechster Wahlkreis. Die Genossen der Schönhauser Vorstadt sowie zwei Firmen mit 11 Drückern den Tarif unterzeichnet haben. es handelt sich ausschließlich um solche Fabrikanten, die den Arbeiterstadt, Schönhauser Allee 10/11, ihr diesjähriges Herbstfest mit forderungen im Streit des vorigen Jahres entschiedenen Wider- reichhaltigem Programm.( Siehe näheres Inserat am Sonnabend.) stand entgegenseiten. Die Versammlung erneuerte den Beschluß Bunt zahlreichen Besuch ladet ein vom Sonntag, indem sie aufs neue erklärte, daß in allen Be- Adlershof. Heute, Mittwoch, abends 81%, Uhr, findet im Lau trieben, wo der Tarif nicht unterschrieben ist, am Mittwoch schen Lokale, Bismarckstr. 10, eine öffentliche Boltsversammlung statt. ( heute) früh die Arbeit nicht wieder aufgenommen wird. Ferner Schriftsteller M. H. Baege spricht über: Christliche Lehren und die machte Cohen darauf aufmerksam, daß es von dem Beschluß, den christliche Kirche. Die Geistlichen und Lehrer unfres Drtes find Am Sonnabendnachmittag hat sich die Firma bereit erklärt, über der Unternehmerverband in dieser Angelegenheit fassen wird, ab- hierzu eingeladen. Mit Eintritt der Polizeistunde für die Arbeiterdie Beilegung des Streits im Glühlampenwerk zu verhandeln, und hängt, ob der Bewegung seitens der Arbeiter aus taktischen Gründen lokale( 11 Uhr) muß die Versammlung beendigt sein, die Genoch am selben Tage fand eine Vorberatung zwischen den Vertretern eine weitere Ausdehnung gegeben wird, wie bisher beabsichtigt war nofsinnen und Genossen werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu des Werkes und dem Arbeiterausschuß statt. Die Verhandlungen wurden am Montag und Dienstag fortgesetzt. In den mehrstündigen Spandau. Wegen fortgesetter Maßregelung der prganisierten erscheinen. Verhandlungen ist noch kein Resultat erzielt worden; es wird auch Kollegen in der Lichtfabrik Montard u. Co. legten gestern die Backer noch am Mittwoch weiter verhandelt werden. In einer Besprechung die Arbeit nieder. Zuzug ist fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen der Streikenden wurde gestern vormittag über das bis dahin er= Blätter werden um Abdruck gebeten. zielte Ergebnis der Verhandlungen berichtet. Den Forderungen der Streifenden gegenüber hatte die Direktion Einigungsvorschläge gemacht, die aber in den Hauptpunkten auf eine Ablehnung hin- schon telegraphisch gemeldet, in einer überaus stark besuchten VerDer Kampf in Königsberg beendet. Die Maurer haben, wie ausliefen. Hinsichtlich des geforderten Mindestverdienstes von 24 Wochen hat dieser 25 Pf. pro Stunde hatte die Direktion erklärt, daß dies für gelernte sammlung den Streik für beendet erklärt. Arbeiterinnen gegenstandslos sei, da die bei weitem meisten dieser vom Arbeitgeberverbande angezettelte Kampf gedauert. Noch nie Arbeiterinnen mehr als 25 Pf. verdienten und im Durchschnitt, hat die Provinz Ostpreußen einen derartigen Streit gesehen. Es einschließlich der lernenden Arbeiterinnen, sogar 27,4 Pf. pro Stunde war kein Lohnkampf mehr, es war eine Machtprobe zwischen Zum Gottesdienst antreten, marsch, marsch! und Arbeit. Und das Facit dieses Kampfes In der Besprechung der Streifenden wurde hier- tapital Für die Fortbildungsschulen der Stadt Berlin werden ist, daiz der Lohn von 50 Pfennig zu bemerkt, daß bei dieser Durchschnittsberechnung die Löhne der pro Stunde, bekanntlich an den Sonntagen eigne Frühgottesdienste ab= wie dem Streif Vorarbeiterinnen und Kontrolleurinnen mit= festgesetzt war, bis gehalten. Die Sache kam zuerst im Herbst 1895 auf und ist seitdem gezählt seien und daß im allgemeinen bei der Firma so ver- zum 31. März 1905 bestehen bleibt. vom 1. April 1905 wird auf eine immer wachsende Zahl dieser Anstalten ausgedehnt worden. fahren werde, daß man einzelne Arbeitskräfte an- ber 2ohn um 5 Pf. erhöht. Die Nebenforderungen konnten Gegenwärtig bestehen für etwa ein Dugend Anstalten Frühgottesständig bezahle, die große Masse der nicht durchgesetzt werden. Bekanntlich hatten die Unternehmer be- dienste, die der Stadtgemeinde, da der Pastor ja nicht um Gotteslohn beiterinnen sich jedoch mit allzu geringen schlossen, mit den Maurern nicht eher zu verhandeln, als bis diese predigt, jährlich 6000 M. Kosten verursachen. Die städtische VerLöhnen zufrieden geben solle. Uebrigens sei es ja die Arbeit bedingungslos aufgenommen hatten. Das haben sie waltung wurde zur Einrichtung dieser besonderen Gottesdienste ge= der Firma um so leichter, jene bescheidene Forderung anzuerkennen, nicht durch segen können. Sie haben sich zum Verhandeln nötigt durch den§ 120 der durch Gesez vom 1. Juni 1891 ab= wenn die Löhne schen jeßt dementsprechend bemessen wären. herbeilassen müssen, und den Maurern ist auch durch die geänderten Gewerbe- Ordnung bezw. durch den Erlaß des HandelsFerner erklärte sich die Direktion bereit, eine Erhöhung der Löhne Vermittelung des Reichstags- Abgeordneten Genossen Haase ministers vom 7. September 1894. Andernfalls hätte sie auf den 55 Pfennig garantiert worden. der lernenden Arbeiterinnen in Erwägung zu ziehen. Die For- der Stundenlohn von Sonntagsunterricht verzichten müssen, wenigstens zwischen% 410 und derung, die alten Accordpreise bestehen zu lassen, und wenn Preis- bestimmend für die Beendigung des Streits war, daß der 412 Uhr. Denn der heranwachsenden Jugend soll die Möglichkeit herabsetzungen nötig sein sollten, vorher mit dem Arbeiterausschuß Buzug nach Königsberg immer größer wurde. In jedem Jahre der Teilnahme am Gottesdienst gewährt werden. zu verhandeln, meinte die Direktion, sei erledigt durch die Fabrik- kommen viele Maurer aus der Provinz nach der Stadt und erhalten Die heranwachsende Jugend will sich nun aber für diese Gottesordnung, wonach der Arbeiterausschuß berufen ist, Lohnstreitigkeiten auch Arbeit. Es war noch stets möglich gewesen während des dienste, die ihr in der Schulaula oder auch in einer benachbarten der Firma vorzutragen. Hinsichtlich der übrigen Forderungen zeigte Streiks, diesen Zuzug möglichst abzuschieben. Doch das wurde von Kirche geboten werden, sehr wenig begeistern. Troz aller die Direktion teils ein gewisses Entgegenkommen, teils erklärte sie Tag zu Tag schwerer. Ferner waren die Streifenden auf sich ganz Hinweise und Ermahnungen, die die Dirigenten und Lehrer der sie für selbstverständlich, wie z. B. die Forderungen von Schutz- allein angewiesen, während den Unternehmern von allen Seiten Fortbildungsschulen usw. an die Schüler richten, sprechen die aus fleidung für Säurearbeiterinnen, von Wascheinrichtungen usw. bereitwilligst Hilfe geleistet wurde. Die Bauten blieben dem Stadtjäckel honorierten Frühprediger vor fast leeren Bänken. In der Besprechung der Streikenden wurden die Vorschläge der liegen. Ja, felbst die den Wenn doch die städtische Verwaltung einmal eine ausführliche Direktion einstimmig abgelehnt, jedoch Gegenvorschläge gemacht, die wichtigsten Arbeiten zwölf Wochen. Die Polizei ging Statistik über den Besuch der Gottesdienste aufstellen und veröffent was die Hauptpunkte anbetrifft, darauf hinausgingen, daß der in bekannter Weise vor, und der Polizeipräsident erließ jene lichen wollte! Man würde staunen wie gering die Betei Mindestverdienst von 25 Pf. für alle Arbeiterinnen, ausschließ- Verfügung, nach der Streitpostenſtehen nicht geduldet werden sollte. Iigung ist. Nur bezüglich des Gottesdienstes, der für die Zweite lich der lernen den, verlangt wurde; Lehrmädchen in Und warum das alles? Warum dieser Riesenkampf? Weil das Handwerkerschule am Stralauer Platz in der Andreaskirche verder ersten Woche 20 Pf., in der zweiten 22 f. und Unternehmertum die Organisation zertrümmern wollte. Das ist anstaltet wird, wurde in den ersten Jahren von der Gewerbe- Depu= in der dritten Woche 25 Pf. pro Stunde erhalten sollten. Der nicht gelungen. Die Organisation ist unversehrt aus diesem Kampf tation etwas über die Beteiligung mitgeteilt. Im Jahre 1898/99, Punkt, die Accordpreise betreffend, wurde wie folgt abgeändert:" Für hervorgegangen, wenn er auch Riesensummen verschlungen hat. Noch aus dem die letzte Statistik veröffentlicht ist, wurden pro Sonntag das Formieren der Zellen wird der alte Accordpreis von 9 Pf. pro sind auch viele Strafmandate zu erledigen durch die Gerichte, obwohl durchschnittlich 88 Besucher des Frühgottesdienstes gezählt. Diese 100 Stüd anerkannt; die Direktion gedenkt jedoch nach Aufnahme diese seit Monaten fast unausgesetzt mit den Streitfündern 88 sekten sich aber nicht aus Schülern allein zusammen, sondern der Arbeit über Herabsetzung dieses Accordpreises mit dem Arbeiter- beschäftigt sind. Hunderte Mart an Kosten und Strafen sind zu mitgezählt sind, wie die Gewerbedeputation angab, auch die Lehrer, ausschuß in Verhandlungen zu treten. Dies wird auch bei allen bezahlen. Viele Wochen Gefängnis sind noch zu verbüßen. Ja, die natürlich mit gutem Beispiel vorangehen und möglichst vollzählig zukünftigen Accordreduzierungen geschehen, sobald die einzelnen selbst in Untersuchungshaft sigen noch einige Leute, die angeblich an dabei sein müssen, ferner noch Angehörige der Schüler, auch Konfir Arbeiterinnen sich nicht mit dem Meister einigen." Auch in einigen einem Krawall teilgenommen haben sollen. Das ist die Nache des manden und endlich noch sonstige Mitglieder der Andreasgemeinde. andern Punkten kamen die Streifenden der Direktion entgegen. Die Arbeitgeberverbandes. Wie groß oder vielmehr wie klein mag da die Zahl der teilnehmenden für selbstverständlich erklärten Forderungen wurden natürlich aufFortbildungs- und Fachschüler gewesen sein? Aus den folgenden rechterhalten. Jahren sind keine Angaben mehr gemacht worden. Es wurde in den Berichten der Gewerbedeputation nur noch von einer„ ähnlichen Frequenz wie früher" gesprochen. Mehr dürften es hiernach nicht geworden sein, eher noch weniger. Dem Beschluß der großen Versammlung vom Freitag entsprechend hatten die Arbeiter von 4 Abteilungen der Firma gestern morgen die Arbeit eingestellt, wodurch die Zahl der Streifenden um 144 erhöht wurde. Stadt to artete mit MitWerfen wir einen Rückblick auf den Lohnkampf. Schon im frühen Frühjahr traten die Bauhilfsarbeiter in eine Lohnbewegung. Es war zwar eine starke, aber noch recht junge Organisation vorhanden. Sie forderten 40 Pf. Stundenlohnt für Kalt- und Ziegelträger und 35 Pf. für gewöhnliche Arbeiter. Ferner wollten sie die Accordarbeit abgeschafft wissen. Gewiß recht bescheidene Forderungen. Selbst Die Dirigenten und Lehrer fühlen sich verpflichtet, der genügend bekannte Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes hatte regelmäßig an die Frühgottesdienste zu erinnern und zum Be= Maurer, welche aus Königsberg in Berlin zur Zeit noch in ihre schlechte Lage anerkannt, und zwei Jahre vorher zu dem Gau- such aufzufordern, aber sie haben, wie gesagt, wenig Erfolg Arbeit stehen, mögen vorläufig noch nicht nach Königsberg zurück- leiter der Maurer gesagt:" Sorgen Sie dafür, daß sich die Bauhilfs damit. Die Form, in der diese Hinweise gegeben werden, ist nicht tehren, da trotz Aufhebung des Streiks noch verschiedene Schwierig- arbeiter organisieren, damit deren entfeßliche Lage aufgebessert immer ganz einwandfrei. Aus der 10. Fortbildungsschule, feiten beseitigt werden müssen. werden kann!" Die Hilfsarbeiter haben diesen Rat befolgt, aber sie Reichenbergerstr. 44, wird uns mitgeteilt, daß der Dirigent, Herr Die Hausdiener, Packer und Lagerarbeiter der Firma Ferd. wurden schnöde abgewiesen ja die hochmütigen Bauprozen ließen Kandeler, fürzlich ein eigenartiges Ermahnungsverfahren angewandt Ashetm sind in den Streik getreten. Schon seit Jahren herrscht in sich nicht einmal in Verhandlungen mit ihnen ein. Am 25. März hat. Aus einer Klasse waren dem auffordernden Lehrer nur ein diesem Betriebe ein Wirrwarr in der Lohnregulierung. Die Löhne dieses Jahres traten sie in einen partiellen Streit. Die Unter- paar Schüler zum Gottesdienst nach der Aula gefolgt; die meisten wurden ganz willkürlich festgelegt, so daß Hausdiener, welche bereits nehmer setzten nun den Stundenlohn auf 50 Pf. fest und sperrten waren wie gewöhnlich, in dem Klassenzimmer zurückgeblieben. Als 7 Jahre im Betriebe beschäftigt waren, denselben Lohn erhielten am 31. März alle diejenigen aus, die nicht unter diesen bald erschien Herr Kandeler in der Thür und wiederholte die Auf forderung. Doch niemand erhob sich, um hinaufzugehen. Da trat Herr Kandelcr in die Mitte des Klassenzimmers und rief erregt, er werde denen Beine machen, die nicht freiwillig gingen. Hierauf zogen es die meisten bor,„freiwillig" zu gehen— mit Ausnahme der ältesten Schüler. Später scheint es Herr Kandelcr ratsam ge- halten zu haben, gegenüber den älteren Teilnehmern am Fort- bildungsunterricht einen Rückzug anzutreten. Am nächsten Sonntag lam er wieder und erklärte, bezüglich des Gottesdienstes wolle er keinen Zwang ausüben, namentlich nicht gegen die älteren Herren. Aber von den jüngeren Leuten erwarte er Beteiligung. Bei ihnen müsse es gehen, wie beim Soldaten: Zum Gottesdienst an- treten, marsch, marschl Der militärkundigc, gottesdiensteifrige Fortbildungsschul-Di- rigent wird natürlich den Beifall der gesamten Muckcrpresse aller Konfessionen finden. Daß der„Vorwärts" dieses Verfahren tadelt, wird dieser Presse ein neuer Anlaß sein, über angebliche Verletzung des Programmsatzes„Religion ist Privatsache" zu zetern. Wenn diese Eiferer nicht so über alle Maßen einfältig wären, so müßten sie uns eigentlich sogar noch dafür danken, daß wir gegen das Er- mahnungsvcrfahrcn des Herrn Kandeler Einspruch erheben. Die Art, in der dieser Herr zur Teilnahme am Gottesdienst nötigt, ent- spricht nicht dem Wesen der Religionsübung, und er erreicht dadurch auch nur das Gegenteil von dem, was die Freunde der Kirche wünschen werden. Die Muß-Tcilnehmrr nehmen thatsächlich nicht am Gottesdienst teil, wenn sie auch dabei sind. Sie treiben während des Gottesdienstes allerlei Unfug; man hat uns darüber böse Dinge erzählt. Widerstrebt es nicht den Dienern und Helfern der Kirche, neben ein paar ehrlich Andächtigen eine Schar von Heuchlern um sich zu sammeln? Die Direktion der„Großen" wehrt sich! Zu den Vorwürfen, die in der Presse wegen der Verteuerung der Straßen- Abonnements gegen die Direktion der „Großen Berliner Straßenbahn" erhoben worden sind, hatte diese zunächst geschwiegen. Nachdem aber inzwischen die Gemeinde- Vertretung eines Vorortes, das benachbarte Neu-Weitzen- s e e, gegen die Verteuerung Protest beschlossen hat, hält es die Direktion für ratsam, sich endlich zu äußern. Sie hat der Gc meindevertretung am 20. September ein Rechtfertigungsschreiben übersandt, in dem es unter anderm heißt: Bis zum 1. Januar 1001 betrug der Preis des billigsten Monatsabonnements 8,50 M.(Benutzung zweier Strecken); das- jenige für Benutzung aller Linien 25 M. In der Erwartung, daß durch den damals erst auf der Mehrzahl der Betriebslinien zur Ein führung gelangenden 10 Pf.-Einheitstarif bei der fortschreitenden Ausdehnung des elektrischen Betriebes einerseits ein starkes Anwachsen tzer Einnahmen, andrerseits ein Rückgang der Betriebsausgaben statt finden werde, schritten wir zur Ermäßigung der Abonnementssätze bis zur jetzigen Höh« von 6 M. bezw. 15 M. pro Monat. Die Folge dieser weitgehenden Verbilligungen in Verbindung mit dem Umstände, daß allmählich zahlreiche Betriebslinien durch Zusammenlegung früher getrennter Linien häufig in ihrer Länge mehr als verdoppelt wurden und dadurch für das Abonnement sich erheblich vorteilhafter gestalteten. zeigte sich bald dahin, daß die Zahl der Abonnenten(insbesondere für eine und für alle Linien) außerordentlich zunahm. In dem Zeitraum vom 1. Januar 1900 bis dahin 1004 erhöhte sich der Fahrschemverkehr um nur 14 Proz., die Zahl der Wonnements- fahrten nur 260 Proz. Die Betriebsleistungen mußten fortgesetzt stark erhöht werden, die erhofften Ersparnisse im elektrischen Betriebe traten, wie auch bei allen andern Straßenbahnen, nicht nur nicht ein, sondern es waren zum Teil wesentliche Mehrkosten zu ver- zeichnen. Z. B. stiegen in den letzten 5 Jahren die Kosten der Revision und Unterhaltung der Magen, sowie diejenigen der Unter- Haltung und Erneuerung des Oberbaues um fast das Fünffache. Die laufend angestellten genauen Beobachtungen des Abonnc- mentsverkehrs und die wiederholt jährlich vorgenommenen Zählungen ließen auch klar erkennen, daß seitens der Abonnenten von der ihnen eingeräumten Umsteigeberechrigung bei den langen Betriebslinien ein fortgesetzt steigender Gebrauch gemacht wurde, und zwar oft zum Nachteil der den vollen Tarif zahlenden Fahrgäste. Die vorerwähnten Zählungen ergaben auch das Resultat, daß der Erlös für die Einzel fahrt, insbesondere bei den Abonnements auf sämtlichen Linien des Netzes vielfach bis auf 2M> Pf. herabgesunken lvar. Die wiederholt nach verschiedenen Grundsätzen angestellten Berechnungen der Selbst- kosten der Abonnentenbeförderung führten zu dem ziemlich überein- stimmenden Endergebnis, daß die Ausgaben dieser Beförderung(ohne jegliche Verzinsung des Umlagekapitals) die Einnahmen um jährlich 450— 500 000 M. überschritten. Wäre das wahr, so könnte man der„Großen" die Preiserhöhung nicht verdenken. Bis auf weiteres gestatten wir uns aher, es stark zu bezweifeln, daß diese Berechnung der Wahr- heit entspricht. Sie stützt sich auf die gelegentlich vor- genommenen Zählungen der Zeitkartenfahrten, bei diesen aber sind sämtliche Fälle, in denen ein Zeitkartcninhabcr irgendwo auf einem Straßenbahnwagen„betroffen" wurde, als Vollfahrten gezählt worden, auch wenn er zum Zweck schnelleren Vorwärtskommens nur aus einem Wagen in den andern gestiegen war. Danach hat auch die weitere Berechnung, die die Zuschrift einem in der bürgerlichen Presse aufgemachten Rechenexempel über die Unkosten pro Fahrt entgegenstellt, wenig Wert. Die Direktion hat in ihrem eignen Geschäftsbericht pro 1903 erklärt:„In einem dem Mehrverkehr ent- sprechenden Verhältnisse stiegen auch die Verkehrseinnahmen, während die Betriebsleistungen diesen gegenüber ein etwas geringeres An- wachsen aufweisen." Da wird es schwer halten, die Berliner jetzt vom Gegenteil zu überzeugen. Im letzten Teil ihres Schreibens sucht die Direktion die Be- fürchtung zu entkräften, daß die Verteuerung die Vororte und be- sonders Neu-Weißensee schädigen werde. Nen-Weißensee habe in den letzten Jahren eine starke Vermehrung des Straßenbahnbetriebes, ein« Verlängerung der Linien und eine dichtere Wagenfolge erhalten. Durch diese Ausführungen dürften sich die Neu-Weihensec'er schwer- lich beschwichtigen lassen— und die Berliner auch nicht. Die Nr. 20 des„Wahren Jakab", die gestern fällig war, ist ausgeblieben. Ueber die Ursache giebt folgende Mitteilung unsres Spedftcurs Auskunft: „Nach dem fast vollständigen Uebergang des Wasserverkehrs auf die Eisenbahn find die Strecken auch der Anhalter Bahn derart überlastet, daß eine regelmäßige Beförderung der Güterzüge nicht mehr stattfindet. Auch Eilgüter, selbst Waggons der Rcichspost, er- leiden bedeutende Verzögerungen. Unsre Bemühungen bei der Behörde um Abstellung dieser Uebelstände sind im Gange, bis zu einer Besserung der Verhälttnsse, die indessen sobald noch nicht in Aussicht steht, bitten wir unsre werte Kundschaft um freundliche Nachsicht." Es spricht nicht sehr für die preußische Staatsbahnberwaltung, daß sie sich aus diesen Ursachen außer stände zeigt, dem Verkehrs- bedürfnis zu genügen. Man muß sich damit trösten, daß sie in andren Dingen, so in der Bevonnundung der in ihrem Betriebe beschäftigten Arbetter, leistungsfähiger ist. Dr. Chrysander geisteskrank. Von einem traurigen Geschick ist Bismarcks früherer Privatsekretär, Dr. Chrysander, betroffen worden. Nach dem Tode des Fürsten Otto von Bismarck entschloß sich Dr. Chrysander, der am 3. Oktober 1865 in Lauenbucg als Sohn des Musikschriftstellers Chrysander geboren wurde, sich seinem ärztlichen Berufe zu widmen. Am 1. Januar 1901 übernahm er die Stelle des leitenden Arztes an dem Sanatorium der Frau Meyer in der Kolonie Grunewald. Hagenstraße 43-47. Im Oktober deS- in derartig bemerkbar, daß seine Unterbringung in ein? Pflegeanstalt zur Notwendigkeit wurde. Das Polizeipräsidium teilt uns mit: Um zahlreichen Gesuchen aus Interessentenkreisen entgegenzukommen, und da die im Z 4 der Polizeiverordnung über das Meldcwcsen vom 6. September dieses Jahres vorgeschriebenen Meldcsormularc bis zum 1. Oktober dieses Jahres, dem Tage des Inkrafttretens der Verordnung, in der erforderlichen Anzahl voraussichtlich bei der gegenwärtigen Lage der Papierindustrie nicht fertiggestellt werden können, ist nach- berge(Platz D) in der Nähe des künftigen Rathauses. Der Platz umsaßt 16 000 Ouadrattneter, ist also dreimal so groß wie der Kaiserplatz; im Ganzen erfordert die Ausgestaltung 30 000 M. � Tie Verschwörung in Steglitz. Man schreibt uns aus Steglitz: Seit Sonnabend schwirrten allerlei Gerüchte umher über die Ent- deckung einer geheimen Verbindung mit Gott weiß welchen hochver- räterischen Zielen. Mittlerweile sind nun folgende Thatsachen be- kannt geworden, aus denen hervorgeht, in welcher Gefahr unser Dorf geschwebt hat. Am Schlüsse der vorigen Woche sollte die gelassen worden, daß bis Ende Dezember dieses Jahres auch die Prüfung an den höheren Schulen stattfinden. Da lief am Morgen am selben Jahres starb sein Vater und hinterließ ihm ein HauS Bergedorf bei Hamburg. Daraufhin gab Dr. Chrysander 30. Januar 1902 seine ärztliche Stellung in Grunewald auf und siedelte nach Bergedorf über, um dort in seinem eignen Hause ein Sanatorium zu errichten. Jetzt kommt aus Hamburg die Nachricht, daß Dr. Chrysander sich als Geisteskranker in der Irrenanstalt Friedrichsbcrg bei Hamburg befindet. Die ersten Zeichen der Geistes- kranlheit machten sich bereits im Frühjahre bei dem Bedauernswerten bisherigen Formulare für An- und Abmeldungen noch Verwendung finden dürfen. Ter falsche Kriminalwachtmeister, von dessen Schwindeleien wir berichteten, ist gestern festgenommen worden. Der Mann kam nach Moabit, erzählte einem Gastwirt, er sei der neue Wachtmeister des Reviers, fragte ihn, wie es mtt seiner Nachtkonzession stehe, und deutete an, daß er beauftragt sei, wegen Verlängerung der Schank- erlaubnis Erkundigungen über seinen Geschäftsbetrieb einzuziehen. Zufällig kam er an einen Wirt, der gar keine Verlängerung wünscht, sonderr mit dem, was er hat, zufrieden ist. Der Wachtmeister ließ aber nicht nach, erzählte nun auch wieder seine Leidensgeschichte mit den kranken Kindern und bat endlich um ein kleines Darlehen. Unterdessen ließ der Wirt einen Schutzmann holen und den Wacht- meister festnehmen. Der Schwindler nennt sich Willy Meißner aus Fürstenberg a. O., will ein gutes Stück der Erde, u. a. auch Algier und die Türkei bereist haben und zuletzt beim„Hamburger Fremden- blatt" angestellt gewesen sein. Wer er eigentlich ist, weiß man noch nicht so recht. Aus dem Leben des alten Thomas werden bei seinem so uner- wartet erfolgten Tode noch manche zum Teil recht scherzhaften Einzel- heiten erzählt. So sollte Thomas einmal am löniglichen Schauspiel- Hause engagiert werden, aber sein Ucbermut nmchte diesen Plänen ein schnelles Ende. Bei Gelegenheit einer Probe trat er auf den berühmten Heldenspieler M. zu. klopfte ihm liebenswürdig auf die Schulter und sagte mit stark erhobener Stimme zu ihm:„Nun, mein lieber Kollege, sind Sie auch an dieser Schmiere engagiert?" Die hierauf folgende Situation kann man sich wohl ausmalen. Ein andres Mal wurde er in einer Gesellschaft gefragt, wie er über Rezensenten denke? Er entgegnete:„Meine Ansichten über die Theaterkrttiker möchte ich Ihnen gern mitteilen, aber der Sicherheit wegen möchte ich damit doch so lange warten, bis ich einmal Mir- glied des Selbstmürderklubs geworden bin!" Zur Warnung für Schlächtermeister teilt das Polizeipräsidium mit: Eine Frauensperson, welche bei Schlächtermeistern als Ver- käuferin eintritt, schädigt diese auf folgende Art und Weise: Die Person operiert mit einem jungen Manne im Alter von ca. 20 Jahren. Dieser schickt kleine Knaben von der Straße nach dem Ge- schüft und läßt der Verkäuferin ein Portemonnaie überbringen, zu- gleich fordert der Knabe etwas Wurst, die Frauensperson entnimmt darauf der Ladenkasse Geld, füllt daimit das Portemonnaie und giebt dieses und die geforderte Wurst dem Krraben zurück, welcher es dem Manne zurückbringt. Dieser Trick Ivird täglich mehrere Male wieder- holt. Die Frauensperson verschwindet nach einigen Tagen heimlich wieder. Sie legt beim Anttitt falsche Papiere vor und giebt ver- schiedenc Namen an. Sie ist ca. 22 Jahre alt, 1,45 Meter groß, hat blasses rundes Gesicht und spricht hannoverschen Dialekt. Vor beiden Personen wird gewarnt und ersucht, dieselben eventuell zur Tagebuchnummer 86/5 IV/27. 04. festnehmen zu lassen. Im Polizeigcwahrsam verstorben ist in der vergangenen Nacht gegen SVs Uhr ein 45jährigcr. von seiner Frau getrennt lebender Mann, der vor einem Hause der Prenzlauer Allee von Schutzleuten besinnungslos aufgefunden und nach der Unfallstation in der Keibel- straße gebracht worden war. Man hielt dort der Zustand anscheinend nicht für bedenklich, worauf der Kranke dem Gewahrsam zugeführt wurde, wo er jedoch bald verstarb. Plumpe Erprefsungsversiiche machte ein Kaufmann Herrmann Büttner gegen hiesige Regimentskommandeure. Er schrieb den Herren Obersten, er sei Redaktionsbote des„Vorwärts", in welchem in der nächsten Zeit ein Artikel über das ausschweifende Leben ihrer Offizierkorps und überhaupt ihrer ganzen Regimenter erscheinen solle. Wenn ihnen aber daran liege, so könne er, der Reeakttons- böte, das Erscheinen des Artikels verhindern. Dafür müsse ihm der Herr Oberst jedoch so und soviel nach einem bezeichneten Post amt senden. Einen so dummen Erpresser zu fangen, war natürlich nicht schwer. Man schrieb ihm unter dem verlangten Zeichen, und als er kam, um den Brief abzuholen, standen Kriminalbeamte bereit, ihn in Empfang zu nehmen. Auf einen Augenblick ent- schlüpfte er noch und rannte von der Invaliden- nach der Acker- straße. Dort wurde er aber eingeholt und ergriffen. Büttner ist nie in einer Redaktion beschäftigt gewesen, auch nicht als Bote. Bei einem ähnlichen Schwindel wurde kürzlich erst in Kottbus ein Berliner Kaufmann festgenommen. Ausgesetzt wurde gestern ein kleines Mädchen von etwa 14 Tagen auf dem Flur des Hauses Koppenstraße 3. Es war mit einem weißen Hemdchen und Jäckchen bekleidet, in grüngrauen Flanell ein- gewickelt und dann noch in gelbliches Packpapier eingehüllt. Der Findling wurde nach dem städtischen Waisenhaus in. der Alten Jakob- straße gebracht, die Nachforschungen nach seiner Mutter hatten noch keinen Erfolg. Der in Arbeiterkreisen rühmlichst bekannte Gesangverein„Typs- graphia" veranstaltet aus Anlaß seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens am Sonntag, den 25. d. M., im Saale der„Neuen Welt", Hasenheide, ein Festkonzert mit einem besonders gewählten Programm. Außer der gutgeschulten Sängerschar, unter Leitung deS Chormeisters Herrn Alexander W e i n b a u m, wirken bei dem Konzert mit die Herren Leo Gollanin(Tenor) und Alexander Heine- mann(Bariton), sowie daS 50 Mann starke Berliner Tonkünstlcr- Orchester unter Leitung des Herrn Baumann. Zur Aufführung kommen u. a. eine mittelalterliche V«nushymne für Chor, Tenorsolo und Orchester, sowie das Oratorium„Columbus" von Brambach. Da ein Kassenverkauf der Billets nicht stattfindet, verweisen wir auf die im heuttgen Inserat bekannt gegebenen Borverkaufsstellen, in denen Billets zum Preise von 75 Pf. zu haben sind. Da während des Konzerts im Saale nichts serviert wird, ebenso das Rauchen ver- boten ist, sind die Voraussetzungen zu einem genußreichen Abend gegeben. Die Urania versendet gegenwärtig das Programm der im kommenden Quartal stattfindenden gemeinverständlichen natur- wissenschaftlichen Vorträge. Die Lehrkurse umfassen: 9 Vorträge über„Einführung in die Elektrotechnik"(Dr. B. Donath); 10 ein- stündige Expcrimentalvorträge über„Funkentelegraphie und draht- lose Telephonie"(Dr. B. Donath); 4 Vorträge mit Lichtbildern über„Einführung in die Erdkunde"(Dr. P. Schwahn); 10 Ex- perimentalvorträge über„Anorganische Experimentalchemie"(Dr. M. v. Unruh); 4 Vorträge mit Lichtbildern über„Das Sonnen- system"(Dr. F. Ristenpart) und 4 Vorträge mit Lichtbildern über «Die Fixsternwelt(Dr. F. Ristenpart). Ausführliche Prospekte sind an der Kasse der Urania erhältlich oder werden an Interessenten auf Wunsch kostenlos zugesandt. Bus den Nachbarorten. Die Gemeindevertretung»an Wilmersdorf hat am Montag ihre erste Sitzung nach den Ferien abgehalten. Am Reform-Realgym- nasium sollen zu Ostern nächsten Jahres die Stellen zweier Ober- lehrer und eines Vorschullehrers neu besetzt werden. Die Summe von 233 M. wurde ferner für die weitere Ausgestaltung des Feuerlöschwesens bewilligt. Im Zuge der Ringbahn» und Varziner- straße soll ein Reitweg geschaffen werden; auch soll die Varziner- straße sowie die Laubacherstraße reguliert werden. Die Verttetung lehnte es aber ab, die vom EisenbahnfiskuS für die Herstellung eines weiten Zuganges zum Ringbahnhof geforderte Summe von !5 000 M. zu bewilligen. Ferner wurde grundsätzlich beschlossen, die Bau- und Polizeibeamten gegen Unfälle auch außerdienstlicher Art zu versichern. Weiter wurden bewilligt 335 M. für Lehrmittel in der Fortbildungsschule und 10 000 M. für Anlagen auf dem Wiesen des Prüfungstages bei der Schulanfsichtsbehörde ein anonymes Schreiben ein, durch welches„gepfiffen" wurde, daß eine Anzahl Oberrealschüler einer geheimen Verbindung ange- höre. Die Folge dieser, wie angenommen wird, von einem„Aus- gestoßenen" aus Rache verübten Denunziation lvar zunächst, daß die angesetzte Prüfung verschoben wurde und die namhaft gemachten Staatsverbrecher, die ahnungslos und festtäglich gekleidet das Schul- Haus betraten, auf einige Stunden in den Karzer wanderten, wo sie Zeit hatten, darüber nachzudenken, daß es nicht immer geraten ist, einen„Geheimbündler" deshalb auszuschließen, weil er sich weigert, auch fernerhin nur die satzungsgemäß zugelassenen„Elefanten- Cigaretten" zu rauchen.— Ter„Präses" des„Geheimbundcs" (der den edlen Zweck verfolgte, die Mitglieder im Rauchen und kommentmäßigen Trinken auszubilden, damit sie später als Corps- studenten würdig die„Blüte der Nation" darstellen können) hat nach einer Strafpredigt des Herrn Direktors coram pudlico vorgezogen, freiwillig den Staub des Stubenrauchplatzes von den Füßen zu schütteln. Ob die Primaner-Mitglieder ihrem Sekundaner-Präses folgen, ob sie„gegangen werden" oder ob man Gnade für Recht ergehen läßt, was wir den„Umstürzlern" wünschen möchten, ist noch nickt entschieden. Einstlveilen ist nur die verschobene Prüfung auf Mittwoch festgesetzt worden. Wie schlimm es um die Hilfeleistung bei Unglücksfällen in�den meisten Berliner Vororten bestellt ist, zeigt folgender krasse Fall, der hiesigen Blätterst mitgeteilt wird: Acht Radfahrer, die am Sonntagabend in der elften Stunde von Belitzhof kamen, fanden auf der Chaussee nach Hundekehle einen Mann bewußtlos neben seinem Zwcirade auf der Erde liegen. Sic versuchten zunächst, den Verunglückten in ein naheliegendes Bahnwärtcrhaus zu schaffen, doch wurde dort nicht nur die Slusnahme des Verletzten, sondern auch die kaufwcise Ucberlassung irgend welcher Erfrischung verweigert, weil man davon nur Schererei habe. Mehrere Herren fuhren nun- mehr nach dem in der Wernerstraßc belegenen Polizciburcau der Kolonie Grunewald, um dort Hilfe für den Verunglückten, einen Schlächter Richard Weife, zu erbitten. Es wurde ihnen indes er- öffnet, daß„diesseits nichts veranlaßt werden könne, weil die Un- glücksstelle auf Schmargcndorfer Gebiet liege". Vergeblich war der Hinweis auf die dringende Not des Verunglückten und die Un- Möglichkeit, zur Nachtzeit nach Schmargendorf zu fahren. Der Beamte erklärte sich für nicht zuständig und konnte auch nicht tele- phonieren, weil er, wie er sagte, keinen Nachtanschluß habe. Auf seinen Rat jagten nun die menschenfreundlichen Radler nach Halensee, um auf dem Polizeibureau, Kurfürstendamm 133, Hilfe zu erbitten. Dort wurde zunächst wieder die Unzuständigkeit ins Feld geführt, dann aber setzte der Beamte— es war inzwischen gegen 12 Uhr geworden— das Nachttelcphon in Thätigkeit, um nach langem Bemühen den Bescheid zu erhalten, daß auf dem Schmargendorfcr Polizei-Amte nach 11 Uhr niemand mehr zu erreichen sei. Betrübt wollten die Helfer von bannen ziehen, da klingelte das Telephon von neuem und der Beamte erklärte den erstaunt Aufhorchenden, daß sie das Lokal nur nach Erlegung von 20 Pf. Gebühr für ein Nachtgespräch verlassen dürften. Kein Protest half, die 20 Pf. muhten bezahlt werden. Empört kehrten die Radler zu der Unfall- stelle zurück, Ivo sich inzwischen die Situation noch dadurch ver- schlimmert hatte, daß der Verunglückte von Krämpfen befallen wurde. Die Mitleidigen konnten sich nicht anders helfen, als daß sie mehrere Räder zusammenbanden, auf denen der noch immer Bewußtlose mit unendlicher Mühe und Schwierigkeiten in das Krankenhaus gebracht wurde, wo er schwer verletzt daniederliegt. Lichtenberger Scherze. Ein Gastwirt fand sich dieser Tage be- müßigt, aus dem Hause in der Friedrichstraße zu Lichtenberg, wo er bisher gewohnt hatte, mit Musik auszuziehen und durch etliche sinnvolle Melodien seinen Hauswirt ob der Trennung zur Wehmut zu stimmen. Dieser rächte sich nun dadurch, daß er im Ortsblatt folgende Annonce losließ:„Ein Arbeitswagen zum Aufladen von 20 Centner verdorbener Wurstwaren wird gesucht; erwünscht ist der Wagen ohne Musik." Die Polizei hatte nämlich bei dem wegen seiner billigen Wurstwaren zur Berühmtheit gelangten Gastwirt die 20 Ccntner konfisziert. Infolge einer Messergeschichte, die sich in der Nacht zum Montag zu Potsdam in der Kaiser Wilhclmstraße zutrug, haben die Mannschaften des 1. Garde-Ulaneir-Reginrcnts den Befehl erhalten. außerdienstlich nur mit umgeschnalltem Säbel auszugehen. Ueber die Ursache dieser Verordnung bringt eine Korrespondenz folgende unkontrollierbare Meldung: Von einem Tauzlokal heim- kehrend wurden nach Mitternacht zwei Ulanen von fünf Civilpersonen überfallen und mit Messern gestochen. Auf die Hilferufe der Ulanen eilten zwei Schutzleute herbei und verhafteten einen Maurergesellen, der auf einem Ulanen kniete und mit seinem Messer blindlings auf ihn einstach; die midern hatten eiligst die Flucht ergriffen. Auf der Polizeiwache wurde der Mourci, der bei seinen Eltern wohnte, wieder entlassen, nachdem man seine Personalien festgestellt hatte. Leider sind die Verletzungen des Ulanen Exner so schwer, daß sein Leben jetzt in höchstem Grade gefährdet erscheint. E. hat ver- schiedenc Stiche in Unterleib und Kopf erhalten, sowie einen in die Lunge. Er liegt im Garnison-Lazarctt. Sein Kamerad hat zwei Messerstiche im Kopf. Als man Montagvormittag den Maurer- gesellen in der Wohnung seiner Eltern wieder verhaften wollte, stellt« es sich heraus, daß er gar nicht nach Hause gekommen war. Er konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Vermischtes. Eisenbahn- Unglück in Frankfurt a. M. Dienstagnachmittag 4'/« Uhr raunte die Maschine des Schnellzuges Basel— Frankfurt auf dem Frankfurter Bahnhof gegen einen Prellbock und zertrümmerte diesen. Die Maschine entgleiste und wurde beschädigt, infolge des starken Stoßes wurden acht Passagiere leicht verletzt; der Material- schaden ist gering, der Verkehr in keiner Weise gestört. Das Stationspersonal nahm sich der Verletzten sofort an; sie erhielten. wo es notwendig war, einen Notverband. Wie sofort festgestellt wurde, ist der Führer des Zuges mit nur 22 Kilometer Geschwindig- keit in den Hauptvahnhof eingefahren; wahrscheinlich hat er die Bremse zu spät in Thätigkeit gesetzt. Ein schweres Eisenbahnunglück meldet der Draht au« Ferrara. In der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr lief eine nur von einem Heizer bediente Rangierlokomotive niit einem Wagen in der Richtung auf Poggigo Renattco davon. Die Lokomottoe, deren Führer kein Signal beachtete, stieß 4 Kilometer von hier mit einem Schnellzug von Bologna nach Venedig zusammen. Nach dem Zu- sammenstotz brach in dem Schnellzuge Feuer aus, wodurch der Gepäckwagen und der Postwagen vernichtet wurden. Füns Wagen blieben unbeschädigt. Die beiden Maschinen wurden beschädigt. Ein an die Unfallstelle entsandter HilfSzug brachte die Reisenden nach Ferrara. von denen 17 Verletzungen davongetragen haben. Sechs Personen, darunter der Heizer der Lokomottve, die mit dem Schnellzug zusammengestoßen war, der Führer des Schnellzuges und ein Reisender wurden getötet. Die Arbeiten, um die Linien wieder ftei zu machen, sind im Gange. Der Zusammenstoß ist dadurch herbeigeführt, daß der Lokomottv- führer eines auf dem Bahnhof Ferrara rangierenden Güterzuges den Zug dem Heizer übergab, welcher die Maschine nicht anhalten konnte. Diese lief mit dem Güterzuge auf die Linie Bologna und stieß mit dem Schnellzuge, der 2 Uhr morgens von Bologna ab- geht, zusannnen. Unter den Verwundeten haben sechs Personen schivere Verletzungen erlitten; unter letzteren befindet sich Dr. Otto Ritter, Mitglied der österreichischen Handelsvertrags-Kommission. Vergntw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Co., Berlin SM Ar. 332. 21. Jahrgang. 3. Srilnjf des Jniirts" Kerlm WWInlt Mitwoch, 21. September 1904. Dritte Konferenz der soeiaiistlschev Frauen. 1. Verhandlungstag. (Schluß der Nachmittags-Sitzung.) Diskussion über den Kinderschutz. Frau Lungwitz-Drcsden: Wir haben den Antrag ein- gebracht:„Kinder unter vierzehn Jahren dürfen als Aus- trägerinnen an Parteizeitungen nicht verwendet werden." Sie dürsten sich vielleicht über diesen Antrag wundern. Es liegt uns auch fern zu behaupten, daß unsre„Sächsische Arbeiterzeitung" etwa Kinder zum Austragen verwendet. Aber trotzdem schicken die Kolporteure oft mit sechs- bis achtjährigen Kindern die Zeitung ins Haus oder lassen durch diese kassieren. Die Rednerin kritisiert dann eingehend die Kinderbeschäftigungs-Anstalten der Kommune Dresden. Von Schulschlutz bis spät in den Abend werden die Kinder selbst mit Holzhacken und Schiffsziehen beschäftigt, für die kleinsten Un- arten giebt es Schläge oder Entziehung des Verdienstes für den nächsten Tag. ein Schutz gegen Unfall ist nicht immer vorhanden. Zur Förderung der Frömmigkeit werde natürlich bei Beginn und Schluß der Arbeit ein Kirchenlied gesungen. Rednerin empfiehlt daher folgende Resolution, die wie die obige von den Genossinnen Dresdens gestellt ist: Die Konferenz möge folgenden Antrag dem Parteivorstand zur Erwägung überweisen: Tie städtischen Kinder- beschästigungs-Anstalten, welche bisher dem Kinderschutzgesetz nicht unterstellt sind, sollen ihm unterslellt werden. Frau Göckcritz-Reichenbach begründet folgenden Antrag des fünften sächsischen Reichstags-Wahlkreises: Die Fraucnkonferenz möge Vorschläge zur Verbesserung des jetzt in Kraft getretenen Kinderschutzgesetzcs machen und zwar dahingehend, daß die Handhabung des Gesetzes zu einem wirklichen Schutze wird und daß man zweitens dieses Gesetz auch auf die heimarbeitenden Kinder ausdehnt. Diese Vorschläge sollen in einer Resolution festgelegt und diese unsrer Reichstagsstaktion übergeben werden. Es liegt ferner ein Antrag der Berliner Genossinnen vor: Die Vertrauenspersonen mögen in ihren Orten Ermittelungen darüber anstellen, wieviele Kinder und in welchem Alter tagsüber ohne Aufsicht sind, weil die Eltern der Erwcrbsarbeir»achgehen müssen. Frau Bauschke-Berlin begründet ihn mit dem Hinweis auf die zahlreichen Unfälle und schließt mit den Worten, daß wer wie sie in der Jugend selbst die Armut kennen gelernt habe, den Kampf gegen sie und die durch sie verursachten Qualen voll zu schätzen wissen werde. Frau Lutz-Berlin teilt ihre eigenen Erfahrungen aus der Jugend mit. Sie habe am eignen Leibe erfahren, was es heiße, übermäßig arbeiten zu müssen. Der Berliner Waisenverwaltung werde mehr auf die Finger gesehen werden müssen. Sie gebe Waisenkinder, besonders Mädchen, aufs Land, die dort übermäßig ausgebeutet würden. Ein zehnjähriges Mädchen müsse stinf Kühe räglich melken, eine Arbeit, die gar nicht ordentlich geleistet werden könne. Es ist überall darauf zu achten, wohin die Waisenverwaltungcn die Kinder in Pflege geben. Frau Plum-Essen berichtet von der Ausbeutung der Arbeitskraft kleiner Kinder beim Austragen von Zeitungen und Weißbrot in ihrem Bezirke. Diesen Kindern ist es nicht möglich, ein ordentliches Frühstück zu sich zu nehmen, bevor sie in die Schule kommen. Durch die Anfrage eines Lehrers wurde fest- gestellt, daß 25 Kinder nüchtern auf der Schulbank saßen. Im Landkreise Aachen werden drei- bis vierjährige Kinder mit dem Aufnähen von Knöpfen, Haken und Oesen beschäftigt. Für das Aufnähen von drei Dutzend wird 1 Pfennig bezahlt; dre Kinder verdienen 8 bis 10 Pf. täglich.(Hört! hört!s Der Zwirn muß von den Eltern geliefert werden. Von der Ausbeutung dieser Kinder- arbeit kann sich nur der eine Vorstellung machen, der da? schwarze Unternehmern»» kennt. Für diese Leute existiert kein Kinderschutz- gesetz.(Lebhafter Beifall.) Frau Wartenberg-Ottensen schildert die Ausbeutung der Kinder in der Heimarbeit der Tabakindustrie; Schandlöhne werden auch für das Auspellen der Krabben bezahlt. Frau Wichmaun-Lichtenberg wünscht, daß den jugendlichen Arbeiten! und Arbeiterinnen die Accordarbeit verboten wird, weil gerade die Accordarbeit zu Lohndrückereien benutzt wird. Frau Baumann-Altona: Während früher zw» Austragen von Seituugen nur Frauen verwandt wurden, die auf eignes Conto inder verwandten, werden jetzt direkt Kinder, die über 12 Jahre alt sind, angestellt für die Stunden, wo ihre Beschäftigung zulässig ist. Die Wirkung des Kinderschutzgesetzes auf die Kolportage ist gleich Rull. Es wird nach Kräften umgange» und niemand kümmert sich darum. Bei der Parleikolportage des„Hamburger Echo" ist die Beschäftigung von Kindern streng verboten. Damit schließt die Diskussion. In ihrem Schlußwort hebt Frau Zietz hervor, daß die Resolution des 5. sächsischen Wahlkreises teils durch die Resolution der Refe- rentin erledigt, teils bereits Gesetz ist. Die von Genossin Wichmann beantragte Veränderung der Resolution(Verbot der Accordarbeit für jugendliche Arbeiter statt Herabsetzung der Arbeitszeit für diese Arbeiter auf sechs Stunden) empfiehlt sich nickt. Es muß vielmehr dafiir gesorgt werden, daß in den Gewerkschaften für die Beseitigung der Accordarbeit agitiert ivird. Der Antrag 1 der Genossinnen des 4. und 6. sächsischen Wahlkreises(Dresden) und der Antrag Berlin sollten angenommen werden. Bei der Abstimmung wird die Resolution Zietz unter Ablehnung de? Amendements Wichmann einstimmig angenommen. Gleichfalls angenommen wird der Antrag Berlin und der Antrag 1 Dresden. Um Vz3 Uhr werden die Verhandlungen aus Sonntag 9 Uhr vertagt. An der Konferenz nehmen teil: Ottilie Baader-Berlin. M. Karstens-Neumünster. Adolf Sckerf- Langenschodorf. Heinrich Schulz- Bremen, ftir Erfurt. Marie Wacklvitz-Wittenberge. August Wicky-Mühlhausen. Pauline Göckeritz- Reichenbach i. V. Klara Pötzsch-Leipzig. Wilhelmine Kähler-Brom- berg. Wilhelmine Kähler-Magdeburg. Linchen Baumann-Altona. Henriette Mirus-Frankfurt a. M. Bertha Lungwitz-Dresden. Frau Agnes Plum-Essen. Margarete Zeise-Köln. Marie Thiel-Teltow- Beeskow. Minna Jung-Nieder-Barnim. Bertha Riemann-Chemnitz. Auguste Bosse-Bremen. Meyer-Bremen. Minna Schäfer-Bremen. Marie Rost-Hamburg. Luise Zietz-Hamburg. Agnes Fahrenwald- Hamburg. Anna Bauschke-Berlin. Bertha Lutz-Berlin. August Hering- Flensburg. Kenngott- Cannstatt. Josephsohn- Hamburg, Handlungsgehilfen. Marie Greifenberg-Augsburg. Wartenberg- Ottensen. Anna Riemann-Stralsund. Klara Zetlin-Württemberg. Minna Bollmann-Halberstadt. Genossin Adelheid Popp-Wien, Vertretung der österreichischen Genossinnen. Genosse Molkenbuhr in Vertrewng des Parteivorstandes. Als Gast Genossin Wichmann, Kreis Rieder-Barnim. 2. Berhandlungstag. Die Vorsitzende Frau Zetkin eröffnet die SoKntagssitzung um 914 Uhr und gibt zunächst Frau Fahrenwald-Hamburg das Wort zum Bericht der Mandats prüf ungskommission. Es sind 33 Mandate für 32 Delegierte ausgestellt worden, Frau Kühler vertritt Magdeburg und Bromberg. Unter den Delegierten sind auch k Genossen. Als Gäste sind anwesend für den Parteivorstand Genosse Molkenbuhr, sür die österreichischen Frauen Genossin Popp, für den Wahlkreis Rieder-Barnim Genossin Wichmann. Hoffen wir, so schließt die Berichterstatterin, daß die Konferenz das nächste Mal doppelt so stark besucht ist.(Beifall.) Dann wird in der Tagesordnung fortgefahren. Zum Referat über den Zehnstundentag wird daS Wort erteilt an Fräulein Baader: Mehr als 12 Jahre ist es her, seit wir den gesetzlichen Elfstundcntag für die in Fabriken arbeitenden Frauen haben. Was hat man nicht alles seiner Ein- führung entgegengesetzt. Man hat behauptet, die Frauen würden dadurch völlig aus der gewerblichen Arbeit herausgedrängt werden. Aber die Unternehmer wissen, daß sie nach wie vor an den Frauen billige und willige Arbeitskräfte haben. Deshalb ist nicht nur die Frauenarbeit im selben Umfange erhalten geblieben, sondern zwischen den letzten beiden Gewerbezählungen von 1882 bis 1892 hat die Zahl der erwerbsthätigen Frauen noch um 35 Prozent zugenommen. Welche Fülle von Familienglück wird dadurch zerstört! Aber den Mißständen der Frauenarbeit kann nicht dadurch abgeholfen werden, daß man die Frauen aus der Fabrik herausdrängt. Im Gegenteil wollen wir die Frauenarbeit schützen, die die Frau auf eine höhere lociale Stufe hinaufhebt und ihre Thätigkeit dem Wirken des Mannes gleichberechtigt macht. Die Nachteile der Frauenarbeit zeigen sich nur in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, und doch würde gerade in ihr das Verbot du: Frauenfabrikarbcit die Frauen nur größerer Ausbeutung in der Heimarbeit in die Arme treiben. Dann hätte sie noch weniger Zeit, Mutter und Frau zu sein. Rur die Verkürzung der Arbeitszeit kann der Familie die Frau, den Kindern die Mutter, dem Manne die Gattin wiedergeben. Wir verlangen die Verkürzung des Arbeitstags für alle Arbeiter; aber die Frauen leiden doch am schwersten unter seiner Länge. Unsre Parteigenossin Frau Dr. Adams-Lehmann hat statistisch nachgewiesen, wie wenig Frauen gesunde Kinder zur Welt bringen. Eine sehr große Zahl von Frauen stirbt alljährlich im Kindbett, ein Zeichen für die Zer- ftörung des Organismus durch die lanp ausgedehnte Arbeitszeit. In gleicher Weise leidet die Pflege der Kinder. In den Fabrikortcn Sachsens sterben 38— 45 Prozent der Kinder im ersten Lebensjahre. Welch eine Menschenverwüstung, welch ein Raubbau an der mensch- lichen Kraft. Wir verlangen Schutz nicht nur für die verheirateten Frauen, sondern auch für den weniger gefestigten Organismus der jungen Mädchen. Weiterhin nimmt die Arbeit ständig an Inten- sität zu. Als die Crimmitschauer Textilarbeiter ihre minimale Forderung nach dem Zchnstundentag erhoben, wiesen sie nach, daß die Webstühle, die früher 45 55 Schutz in der Minute machten, jetzt deren 75— 80 machen. Diesem Gang der Maschine mutz sich die Arbeiterin anpassen. Und mit Recht hat hierauf Karl Marx in seinem„Kapital" gesagt, daß, wenn man den Arbeiter zwänge,"um ein Viertel mehr Atemzüge zu machen, Schritte zu gehen und Arbeit zu leisten, er statt 50 nur 37 Jahre leben werde.(Sehr richtig!) Wir aber wollen das Mehr an Arbeitskraft, das wir in der Arbeits- zeit ausgeben, durch eine Verkürzung der Arbeitszeit unscrm Körper erhalten. Ein konservativer Parteiführer sagte einmal, daß man durch eine Verkürzung der Arbeitszeit geradezu das Kapital kon- fisciere. Wenn man dem Arbeiter die Arbeitskraft, sein Kapital, erhält, so konfisciert man es nicht. Aber wahrscheinlich hat der Herr an alles andre eher als an das Kapital des Arbeiters gedacht. Seit die Arbeiterschaft Vertreter im Parlament hat, sind diese unablässig bemüht gewesen, Anträge im Sinne der Arbeitszeit- kürzung einzubringen. Ein Gesetz, das 1807 v. Schweitzer„zuin Schutze der Arbeit gegen das Kapital" vorschlug, kam nicht zur Ver- Handlung. Der Präsident forderte entgegen der Gewohnheit die schriftliche Unterstützung, und alle Fraktionen lehnten es ab, ihre Unterschrift zu dem Antrag zu geben. Bei dcr�Gewerbeordnung traten 1809 wieder im Norddeutschen Bundestag Schweitzer, Fritsche, Hasenclcver, Bebel und Liebknecht für die Festsetzung einer Maximalarbeitszeit ein, insbesondere auch sür Beschränkung der Fraucnarbeitszcit und das Verbot der Kinder- arbeit. Am 11. April 1877, also ein Jahr vor dem Attentatsrummel, kam ein derartiger Antrag infolge der Unterstützung der Konser- vativen zum erstenmal im Reichstag zur Verhandlung. Es war ein ausgearbeitetes Gesetz, das alle unsre wichtigsten Forderungen enthielt. Sie wurden von Fritsche begründet und von Bebel ver- teidigt, blieben aber unerledigt. Immerhin veranlatzten die Ar- beitervertreter als unbequeme Mahner die Regierung zu Er- Hebungen, die für das nächste Jahr wenigstens zu einigen bescheidenen gesetzlichen Maßnahmen sührten. In der nächsten Zeit spielte sich das Centrum wiederholt als Partei der Arbeiterfreundlichkeit auf. Sie wußte, daß der damals noch allmächtige Bismarck alle Be- schlüsse des Reichstages im Bundesrat würde abweisen lassen. Seit das Ccntrum so mächtig ist, ist es in diesem Punkte viel zurück- haltender geworden. Mitten in der Wahlbewcgung der neunziger Jahre fielen die kaiserlichen Erlasse. Da glaubten manche noch nicht so gefestigte Genossen, jetzt werde das goldene Zeitalter für die Arbeit anbrechen. War doch versprochen, daß die Regierung die Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit und die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter schützen, ihnen Gleichberechtigung gewähren werde. Den Ar- beiterinncn wurde der elfstündige Arbeitstag gegeben, das war alles. Und durch die geringen Strafen für seine Uebertretung reizt man noch heute stillschweigend zu seiner Uebertretung an. Es folgten 1890 einige Schutzbestimmungen für die Konfektion, die in neuerer Zeit auf die Werlstätten der Putzindustrie und Wäschefabrikation ausgedehnt worden sind. Jetzt verlangen wir als Etappe aus dem Wege die Herabsetzung des Arbeitstages für alle weiblichen Arbeiter, nicht nur wie das Centrum, das stets durch seine Anträge dem Fortschritt hemmend im Wege steht, nur für die verheirateten Frauen. Am 4. Februar 1897 wurde im Reichstag der socialdemokratische Achtstundentag verhandelt und nach dreitägiger Debatte abgelehnt. Die Regierung schwieg, wohl um es weder mit den Arbeitern noch mit den Unternehmern zu verderben. Unter den wunderlichsten Gründen lehnten die Parteien unfern Antrag ab. So begründete die frei- sinnige Partei ihr Nein mit der Behauptung, daß die Folge des Achtstundentages Arbeitslosigkeit und Vermehrung der Frauenarbeit sein würde. Die Konservativen ließen durch den Junker v. Puttlamer erklären, solche Anträge bedeuteten eine Förderung der Revolution, und jeder gesetzliche Eingriff in die Freiheit des Arbeitsvertrages sei eine Konfiskation des Eigentums.(Hört! hört!) Freiherr v. Hehl verwies für die Nationalliberalen auf die„kolossale" Belastung der Industrie durch die socialpolitischen Gesetze und behauptete, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit nur eine Vermehrung der Völlerei in den Arbeiterkreisen bedeuten würde. Dumm und brutal wie immer meinte Freiherr v. Stumm, daß ein höherer Verdienst der Männer bloß die Arbeiterfrauen zu größerer Putzsucht verführen würde. (Heiterkeit.) Er meinte weiter, die Arbeiter äßen nur aus Bosheit kein Fleisch, damit ihre Lage recht traurig erschiene.(Heiterkeit.) Das zlveideutige Verhalten des Centrums mit Herrn Hitze an der Spitze brachte es schließlich dahin, daß die Achtstundentagfrage auf dem Wege einer Enquete auf die lange Bank geschoben wurde. Auch in den folgenden Sessionen kam nichts heraus: Die Herren handelten nach dem Worte: Bereichert Euch!(Sehr richtig!) Schließlich, als durch die Thätigkeit der Gewerkschaften die Arbeitszeit in 90 Proz. der Betriebe auf 10 Stunden herabgebracht war. fühlte sich die Re- gierung doch veranlaßt, durch die Gewerbe-Jnspektoren eine Enquete veranstalten zu lassen, ob die Durchführung der gesetzlichen zehn- stündigen Arbeitszeit und der zeitigere Sonnabendschluß für die Ar- beiterinncn sich ermöglichen lasse. Auch ein Antrag der socialdemo- kratischen Fraktion lag vor, der die Einführung des Zehnstundcntages und dann des Achtstundentages forder ie. Nach meiner Auffassung ist diese Forderung viel zu gemäßigt. So viel Rücksicht brauchte man auf das Unternehmertum nicht zu nehmen. Die Erörterung dieses Antrages wurde auf den Herbst verschoben.. Für uns ist die Forderung des Zchnstundentagcs ja nur eine Etappe. Die starke Vermehrung unsrer Fraktion bei den letzten Wahlen hat die andern Fraktionen veranlaßt, ihrerseits in Arbeiter- freundlichkeit zu machen. Warten wir ab, ob cS'ihnen ernst damit ist, oder ob nur die Anträge unsrer Fraktion durchkreuzt werden sollen. So fordert das Centrum den Neunstundcntag für verheiratete Arbeiterinnen, die Nationalliberalen das Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Hause. Auch die Thronrede enthielt diesmal wieder socialpolitische Versprechungen. Von der Sorge für die Bedürftigen ist die Rede darin. Da erinnern wir uns an das schöne Wort: Die Existenz des Arbeiters ist bis ins späte Alter gesichert und geschützt. Wir wissen alle, daß wir uns nicht zu verlassen haben auf Ver- sprcchungen, mögen sie von der höchsten Stelle, mögen sie von den gegnerischen Parteien kommen. Verlassen kann die Arbeiterschaft sich nur auf sich selbst. Nur soweit sie Furcht einflößt, werden ihre Forderungen bewilligt. Es mutz unsre Aufgabe sein, für die Ver- kürzung der Arbeitszeit eine öffentliche intensive laute Agitation zu entfalten, viel kräftiger als bisher. Die Parteizeitnngen müssen noch ganz anders, als bishet, diese Forderung in den Vordergrund schieben. Jede Verkürzung der Arbeitszeit bringt uns unmittelbaren Nutzen. Die Verkürzung der Arbeitszeit mutz auf alle Arbeiterkategorien ausgedehnt werden, seien sie in der Groß- oder in der Kleinind-ustrie rhätig. Kann die Kleinindustrie dabei nicht bestehen, so mag sie zu Grunde gehen. Am höchsten, steht das Leben und die Gesundheit bei? Arbeiterklasse.(Lebhafter Beifall.) Frau Anna Niemann- Stmlsund tritt für die Einführung des Zehnstundentages in der Hausindustrie ein und berichtet von den schlechten Löhnen, die die Arbeiterinnen der Stralsunder Spielkartenfabrik erhalten. 20jährige Arbeiterinnen er» halten einen Wochenlohn von 4 M. bis 4,50 M. Der Höchstlohn be- trägt 10— 12 M. Trotzdem ist es sehr schwer, diese Arbeiterinnen für die Organisation zu gewinnen. Trotzdem werde ich, gestützt auf das, was ich auf dieser Konferenz gelernt habe, mit frischer Kraft an die Arbeit gehen.(Bravo!) Auf Vorschlag von Frau Kiihler- Dresden wird von einer weiteren Diskussion über das Referat mit Rücksicht auf die beschränkte Zeit Abstand genommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung ist; Die Schulsrage. Refercntin ist Frau Klara Zetkin: Wenn die Genossinnen beschlossen haben, die Schulfrage auf die Tagesordnung dieser Konferenz zu stellen, so waren sie sich wohl bewußt, daß es in der kurzen Zeit, die hier zur Verfügung steht, unmöglich ist, die Schulfrage ihrer Bedeutung gemäß eingehend zu behandeln. Wenn wir trotzdem ihre Behandlung beschlossen"haben, so war dafür ein Grund bestimmend. Wir sind der Ucberzcugung, daß die Schulfrage, die Bildungsfrage, von höchster Bedeutung für die proletarische Frauenbewegung ist, daß die Schulsrage im Leben der Millionen von Proletariennnen, an die unsre Agitation sich wendet, eine hervorragende Rolle spielt. Das ist in ergreifender Weise auch hier zum Zlusdruck gekommen in dem Schrei nach höherer Bildung, den fast alle Rednerinnen hier erhoben haben. Sie alle sind aufs schmerzlichste davon berührt, daß die Volksschulbildung ihnen nicht erlaubt hat, reichere Schätze des Wissens in den Dienst des proletarischen Bcfreiungskampses zu stellen. Es giebt wohl keine proletarische Mutter, die nicht damit rechnete, daß sie ihre Kinder derselben mangelhaften und un- vollkockmenen Volksschule anvertrauen mutz, unter deren Gebrechen sie selbst gelitten hat.(Lebhafte Zustimmung.) Die Frage der Volksschule ist also ein wichtiger Punkt, wo unsre aufklärende Agitation einsetzen kann. Hier können wir, gestützt auf Thatsachcn, dem weiblichen Proletariat die Verbrechen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung vor Augen führen. Es handelt sich nicht nur um Sünden, die im kapitalistischen System liegen, nein, um spccielle Thal- und Unterlassungssünden, mit denen die bürgerliche Gesellschaft die Grundübel noch verschärft und ver- schlimmcrt. Gerade dieses Gebiet eignet sich ausgezeichnet dazu, um die ganze kulturelle Ueberlegenheit der socialistischen Welt- anschauung aufzuweisen und jedem klar zu machen, daß das socialistische Proletariat die Weltbühne betreten hat, nicht nur um die Magenfrage, sondern um eine Kulturfrage in ihrem tiefsten Kern zu Gunsten der Allgemeinheit zu lösen.(Lebhafter Beifall.) Wir sind ferner der Ansicht, daß ein künftiger Parteitag, nicht dieser überlastete, nach eingehender Erörterung der Schulfrage in Presse und Versammlungen, nicht nur von den Forderungen unsres Minimalprogramms ausgehend, sondern auf Grund unsrer ge- samten Weltauffassung zur Schulfrage Stellung nehmen muß. Durch unsre heutige Erörterung wollen wir die Genossinnen befähigen, an den vorbereitenden Debatten teilzunehmen. Die Volksschulfrage ist die nationale Erziehungsftage.(Leb- hafte Zustimmung.) Das ist einmal begründet in der Entwicklung der Pädagogik als Wissenschaft. Je mehr sie sich in den ganzen Komplex der Propleme der Schulsrage vertieft, um so mehr sieht sie ein, daß es sich in der Schule nicht bloß um Geistesdrill, sondern um einen Erziehungsunterricht handelt, der den ganzen Menschen umfaßt und alle Seiten seines Wesens zur Entfaltung bringen soll. Die Volksschulfrage ist die Frage der Erziehung der gesamten Nation oder sollte sie wenigstens sein. Wir als Socialdemokraten müssen erst recht diese Frage so auffassen, die wir auf dem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung und der Darwinschen Ent- wicklungsidcen stehen. Auch die einzelne Persönlichkeit betrachten wir im Flusse der Entwicklung, nicht als etwas Festes und Ge- gebenes, sondern als ein bildsames und entwicklungsfähiges Wesen. Das gesamte Milieu schafft bestimmte Entwicklungsmöglichkciten für jedes Lebewesen. Wir fassen die Schulfrage im Sinne jenes Wortes des großen Pädagogen AmoS Comenius auf:„Die Bildung soll alle, die da Menschen sind, zu allem befähigen, was menschlich ist." Die Schulfrage ist uns ein Teil des großen ErziehungS- Problems, daß alle Umstände deS materiellen und deS gesamten sittlichen Milieus bewußt so zu gestalten sind, daß sie die vorteilhafte Entwicklung des Kindes in körperlicher, sittlicher und geistiger Be- ziehung verbürgen; es gilt, wie Richard Wagner sagt, die Kinder zu schönen Menschen, zu starken Menschen zu erziehen, wie sie Schiller in seinem Gedicht„Der Künstler" verkörpert hat: Wie schön, o Mensch, mit deinem Palmenzweige Stehst du an des Jahrhunderts Neige In edler, stolzer Männlichkeit, Mit aufgeschlossenem Sinn, in Geistcsfülle, Voll mildem Ernst, in thatenreicher Stille Der«eifste Sohn der Zeit. Wenn wir an diesem Ideal messen, was die bürgerliche Gesell- schaft zur Bildung der großen Masse des Volkes thut, dann muß unser Urteil lauten: Gewogen und zu leicht befunden!(Lebh. Bei- fall.) Betrachten wir, was die bürgerliche Gesellschaft für die Volks- schule thut, das wichtigste Bildungs- und Erziehungswesen für die werkthätigcn Massen. Die ganze wirtschaftliche Entwicklung setzt die Eltern immer mehr außer stände, einen ausschlaggebenden Einfluß auf die Er- ziehung der Kinder auszuüben. Das gilt nicht nur für die arbeitenden Massen. Im Proletariat erscheinen alle Gebrechen der kapitalistischen Ordnung auf die Spitze getrieben. Aber die Ent- Hebung der Eltern von der Erziehungsarbeit geht in der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt vor sich. Gleichviel ob man heut Hammer oder Ambos ist, der Anteil an der Erziehung geht zurück, weil auch in den besser situierten Klassen der Kampf ums Dasein, rücksichts- und schonungslos entfesselt, den besten Teil der Kräfte der Eltern aufsaugt, so daß für die Er- ziehung nur die Brosamen übrig bleiben, die vom Tische fallen. So ist die Volksschulfrage mehr und mehr Erziehungsfrage geworden. Wie liegen nun die Verhältnisse? In unfern Tagen ist die Volksschule Armeleutc-Schule. Auch hier klafft der tiefe Gegensatz der Auffassung, der uns von dem bürgerlichen Volk trennt. Wir sind der Auffassung, daß die Bildung von der niedrigsten bis zur höchsten Allgemeingut, Kulturgut ist, daß jedes Glied der Gemeinschaft unbeschränkten Anteil an diesem Gute hat, daß andrer- seits der Gesellschaft die Pflicht obliegt, alle Bildungsmöglichkeiten, die in ihr vorhanden sind, die nur möglich sind dank der Arbeit der ausgebeuteten Millionen, unbeschränkt allen Mitgliedern der Ge- sellschaft zu gute kommen zu lassen. Aber die bürgerliche Gesellschaft würdigt die Bildungsmöglichkeiten zu einer Ware herab, die verkauft und gekauft werden können, wie jede andre Ware. Sie hat die Männer der Wissenschaft aus reinen Forschern in betriebsame Händler mit wissenschaftlichen Werten oder Talmiwerten herab- gewürdigt, herabgewürdigt die Künstler aus frei schaffenden zu Sklaven der Mode und der Launen der Reichen, genau wie sie die Kulturjfjerabwürdigt zur Ware, die nur kaufen kann, wer Geld hat.(Sehr gut!) Genau wie einst zur Zeit der indischen Kasten ist heut die Bildung Monopol, das nicht Begabung oder Neigung, sondern nur das Geld erschließt. Nicht durch göttliches Gebot hält man die aufstrebenden Massen heut von der höheren Bildung fern, durch etwas Schlimmeres, was noch schwerer zu zertrümmern ist, wie ein göttliches Gebot, durch die hohen Kosten. Den Kindern wird nicht nach Talent und Neigung die höhere Bildung zu teil, sondern nach der Vorsicht der Wahl ihrer Eltern. Darum haben wir auch kein einheitliches, kein organisch zusammenhängendes Volksbildungs- Wesen im Deutschen Reiche. Wir haben BildungSanstalten der verschiedensten Art, sehen sie geteilt in schlechte und billige für die Kinder des werkthätigen Volkes und solche, die teuer sind und deshalb den werkthätigen Massen verschlossen sind. Im Deutschen Reiche gab es nach der Schulstatistik von 189g 593 000 Schulen und 8 660 000 Schüler und Schülerinnen. Für diese wurden im ganzeng 141 700 000 Mark aufgewendet, davon 243 Millionen von den Gemeinden und Unterhaltspflichtigen der Kinder. Die Bundesstaaten steuern nur 99 Millionen bei. Vergleichen Sic das mit den 1018 Millionen, die wir alljährlich für Heer und Marine ausgeben, so haben wir die ganz« Barbarei und �Schmach unsres heutigen Volksbildungs- Wesens vor Augen.(Sehr richtig l> Ja, wir sind sehr arm bei den Ausgaben, die wir für die Ausbildung der höchsten Fähigkeiten des Menschen machen. Aber wir sind sehr reich; wir können jahrlich über eine Milliarde verpulvern und ins Wasser werfen; wir sind sehr reich, wenn es sich darum handelt, die Kunst der Menschen- Vernichtung zu lernen. Einige Vergleiche machen uns den Arme- Leute-Charaktcr der Volksschule noch deutlicher. Für die Aus- Bildung des einzelnen Volksschülers werden knapv 40 M. aufgewendet, dagegen für„höhere" Töchter und„bessere" Knaben 243 M. Im letzten Jahre gab es 8 924 779 Volksschüler, die von einem Lehr- körper von 124 027 Lehrern und 22 513 Lehrerinnen unterrichtet wurden. Auf einen Lehrer kamen durchschnittlich 61 Schüler. Vergleichen wir das mit den„Lehrern" in der Armee. Einem Offizier- korps von 24 374 und einem Untcroffizierspersonal von 81 958 Mann, insgesamt 106 332 Menschen stehen 495 500 Gemeine gegenüber. Schon auf je 4'/w Gemeine kommt einer dieser militärischen„Lehrer". (Heiterkeit. Zuruf: Wenn es wenigsten? Lehrer wären I— Er- neute Heiterkeit.) Ja, es sind auch Lehrer mit ee, weil sie die Taschen der Steuerzahler leeren. Dasselbe Verhältnis von Arme- Leute- und besserer Schule finden wir in den einzelnen Bundes- staaten. In Baden beträgt die Leistung des Staates für Gym- nasien, Mittelschulen und höhere Töchterschulen pro Kopf 7,27 M., für Volksschulen pro Kopf 1,60 M.(Hört! hörtl) Dasselbe Bild zeigt die Verteilung der Lehrkräfte. Ich gebe die Zahlen ebenfalls aus Baden: An 16 Gymnasien mit 4959 Schülern unterrichten 354 Lehrkräfte, auf 14 Schüler kommt eine Lehrkraft. An 39 Mittel- schulen mit. 9675 Schülern unterrichten 652 Lehrkräfte, auf 17,32 Schüler kommt ein Lehrer. An 7 höheren Mädchenschulen mit 2693 Schülerinnen unterrichten 178 Lehrkräfte, 15 höhere Töchter brauchen also einen Lehrer. 30 Bürger- und Mittelmädchenschulen (höhere Volksschulen) haben 6462 Schüler, 206 Lehrer, 31,36 Schüler pro Lehrer. 11 gehobene Volksschulen, wie wir sie in größeren Städten haben, haben 35 113 Schüler, 696 Lehrer und 50,95 Schüler für jeden Lehrer. Und nun die 1570 Volksschulen der andren Ge- meinden. Die haben 238 895 Schüler und 3250 Lehrkräfte; es kommen 73,49 Schüler aus jeden einzelnen Lehrer. Preußen ist der reinste Typus bürgerlicher Unkultur, das zeigt sich auch in seinen Schulverhältnissen. In den östlichen Provinzen wird pro Kopf des Schülers 6 M. aufgewendet, in den westlichen 9 M., in Berlin mehr als 10 M., in Koblenz sogar mehr als 12 M. Aber seine Zuschüsse leistet der Staat Preußen nicht denen, deren Leistungen am größten sind, sondern da, wo die Großgrundbesitzer einen Teil der Schullastcn tragen oder tragen sollten. So entziehen sich die„Besten und Edelsten ihrer Verpflichtung, zu den Schul- lasten beizutragen, vollständig. Im Osten trägt der Staat fast die Hälfte der Schullasten, reichlich 46,71 Proz., im Westen viel weniger. Das Minimum des staatlichen Zuschusses im Westen beträgt in Berlin 3 Proz., in den östlichen Provinzen 29 Proz. und steigt bis auf über 58 Proz., nicht zur Förderung des Volksschulwescns, sondern zur Entlastung der Großgrundbesitzer. Selbst ein harmloses bürgerliches Blatt, die„Sociale Praxis", hat diese Zustände an den Pranger genagelt: Da wird ausgeführt, daß in den östlichen Provinzen die staatlichen Zuschüsse heute schon vielfach höher sind als die Auf- Wendungen für Lehrerbesoldungen und oft mehr betrügen als die angeblich von den Patronen geleisteten Subventionen. Der Staat würde noch Ersparnisse machen, wenn er in den eigentlichen Groß- grundbesitzgegenden die Schulen auf eigne Rechnung Übernähnic. (Vielfaches Hört! hört!) Aber nicht nur in der Dotierung ist die Volksschule das Aschen- brödel der Schulen, die herrschenden und regierenden Klassen miß- brauchen sie auch, um durch religiösen Dogmenunterricht und gc- fälschten Geschichtsunterricht des Volkes Kinder zu vergiften. An die Spitze stellen wir die Forderung nach Unentgeltlichkest und Ein- heitlichkeit des Schulwesens. Grundlage des Bildungswesens muß die einheitliche Elementarschule sein, die allen Kindern ohne Unter- schied der Klassen und dcS Geldbeutels der Eltern offen stehen soll. Dort sollen die Kinder so reich mit Wissen ausgestattet werden, eine so gründliche allgemeine Bildung erhalten, daß sie ins Leben, in die Berufsarbeit wohl vorbereitet eintreten können, daß sie später zu ihrer Ausbildung Nur noch die allgemeine Fortbildungsschule besuchen brauchen. An diese allgemeine Stufe schließt sich die Mittel- stufe, welche bereits die Vorbereitung bildet zu den höchsten Bildungsanstalten, in die der einzelne Schüler nach Anlage und Neigung eintreten kann. Je nach dieser Wahl bestimmt sich die Art deS Unterrichtsstoffes, vermitteln sie höhere technische, Wissenschaft- liche oder künstliche Hochschulbildung. Natürlich müssen alle diese Bildungsanstalten unentgeltlich sein. Wenn jedes Kind nur dort, nur in der Volksschule sich Bildung holen kann, gewinnen auch die herrschenden Klassen Interesse an der Volksschule, für die fort- geschrittensten Methoden einzutreten und den Unterricht nicht mehr zu verfälschen. Wo das Kind des arbeitenden Mannes neben dem des reichen Fabrikanten in der Einheitsschule sitzt, wo die Bourgeoisie ihr Fleisch und Blut im d-ie Volksschule schicken muß, wird sie auch für Reformen der miserablen, lügenhaften Volksbildung zu haben sein.(Sehr richtig!) Mzu viel verspreche ich mir auch von der Einheitsschule übrigens nicht; so lange die jetzige Wirtschaftsordnung bestehen bleibt, können die Reichen den Elementarschuluntcyricht durch Privatunterricht ergänzen lassen. Damit will ich nur vor der Ueberschätzung der Einheitsschule durch die bürgerlichen Social- refonner und Pädagogen warnen. Die Unenhgeltlichkeit soll, wie die Gegner sagen, ein Eingriff in die heiligsten Elternrechte sein, die sittlichen Grundlagen des Familienlebens zerstören. Nichts davon; sie ist einfach eine primitive, sittlich? Pflicht der Gesellschaft, die auf dem robusten Unterbau der werkthätigen Bevölkerung ruht, den Kindern des Volkes die Gc- legenheit zur Aneignung der Kulturgüter zu geben. Der Sohn des Volkes, den der blühende Bildungsdrang vorwärts treibt auf dem himmlischen Pfade zum Bildungsparadies, vor das die besitzenden Klaffen den Cherubim mit dem flammenden Schwerte gestellt haben, soll nicht auf dem noch so dornigen und steilen Wege des Stipendien- Wesens und Alinosenbcttels aufsteigen müssen. Denn das Almosen- nehmen tötet viele Fähigkeiten, verdirbt den Charakter, schafft feile Knechte, Sklavcngeiiter statt freier Denker, dient nur dem Zweck. gehorsmne geistige Schildträger und Schildknappen der Bourgeoisie heranzubilden.(Sehr wahr!) Ebenso unentgeltlich wie der Unterricht müssen die Lehrmittel sein. Nicht auf dem Gnadenwege, auf besonderes Nachsuchen aus spärlichen Fonds sollen sie geschenkt werden, sondern jeder Schüler soll sie ohne weiteres erhalten, wie der Soldat das Gewehr und sogar die Uniform erhält. Ferner müßten diejenigen Eltern, die nicht über genügende Mittel verfügen, während der Zeit der Aus- bildung ihrer Kinder unterstützt werden, müßten ihnen von Rechts wegen aus öffentlichen Mitteln Beihilfen gewährt werden. Sonst ist es unmöglich, die erschlossenen Bildungsmittel völlig aus- zunützen. Der proletarischen Familie ist es in der Mehrzahl der Fälle unmöglich, die Kinder bis zum 20. oder 24. Lebensjahr zu er- halten. Hinaus zur Erwcrbsarbeit, heißt es bei vielen unsrer Kinder schon vor dem Ende der heutigen Volksschule. In zahlreichen Großstädten des Auslandes, in London, Stock- Holm, in ganz Frankreich und Norwegen, im Kanton Zürich vor allem, und selbst in Deutschland in Braunschweig und Fürth giebt man den Kindern zum Brote des Geistes auch das Brot des Leibes. Ansätze dazu sind die Schulkantinen, die nicht mit den Mitteln des Klingelbeutels, nicht auf Grund mildthätiger Stiftungen oder von Wohlthätigkeitsvereinen ins Leben gerufen worden sind, sondern aus öffentlichen Mitteln errichtet sind. Eine andre grundlegende Forderung ist die der vollen Weltlich- keit der Schule. Hinaus mit der Religion aus der Schule(Bravo!), sie hat in der Schule nichts zu suchen, nichts ans ethischen, nichts aus vädagogischen Gründen. Dem ganzen Religionsunterricht Ist das Brandmal aufgedrückt, daß er nicht die Aufgabe hat, religiöses Empfinden zu fördern oder zu schönen, sondern die Religion aus- nützt, um die wirtschaftliche Sklaverei der arbeitenden Klassen auf- recht zu erhalten.(Sehr richtig!) Er dient nicht der Pflege religiösen Empfindens, sondern dem mechanischen Einbläuen von Dogmenformeln, die im schreiendsten Widerspruch zu den Ergebnissen der Wissenschaft und zur Wirklichkeit stehen, und damit ist er unsitt- lich. Der Religionsunterricht in der Volksschule ist nicht ethisch, sondern dogmatisch; deshalb vergiftet er unsre Volksschule.(Sehr richtig!) Wo ein Unterricht, statt den Kindern die Wahrheit zu zeigen und sie auf den Weg wissenschaftlicher Erkenntnis zu weisen, den Kindern toten Formelkram einbläut, der in längst vergangenen Zeiten geschmiedet worden ist als Kette für den menschlichen Geist, von diesem Augenblick an ist der Unterricht als unsittlich gebrandmarkt. Zu dem steht der religiöse Unterricht in der Volksschule im Banne der engsten Konfessionalität und erzieht nicht zur Achtung andrer Ueberzeugungen und zur. Duldsamkeit, sondern reizt dazu au, in jedem Andersgläubigen den Ketzer, sei es im Gescheitelten oder im Ge- schorenen, zu erkennen und zu verachten. Auch vom pädagogischen Standpunkte aus verlangen wir Beseitigung des Religionsunter- richts aus der Volksschule. Kein Gegenstand steht so sehr im Wider- spruch mit den elementaren Forderungen der Pädagogik. Der Religionsunterricht fördert das Denken nicht und regt es nicht an, sondern ertötet es, weil an Stelle des Suchen? und Forschens der Glaube an das Wort gestellt wird, weil das Gedächtnis mit totem Ballast beschwert und die Lust am Lernen dadurch verkümmert wird. Die alten Regulative verlangen 180 Bibelsprüche. Man hat sich jetzt dahin geeinigt,„nur" 110 Sprüche aus dem neuen und 20— 40 aus dem alten Testament nebst 20 Gcsangbuchliedern lernen zu lassen. In Sachsen istman selbstverständlich frömmer.(Große Heiterkest.) Da verlangt man auswendig die 5 Hauptstücke nach Luthers Katechismus. 163 Gcsangbuchvcrse, 150 Bibelsprüche und 35 Choralmelodicn sowie den wesentlichen Inhalt von 140 biblischen Geschichten. Darum rechtfertigt sich schon vom pädagogischen Gesichtspunkte die Forderung: Heraus mit der Religion aus der Volksschule! Ethischer Unterricht ist auch ohne Verquickung mit dem Rc- ligionsunterricht möglich. Haben wir doch auch in der Geschichte 'ehr viel Religion ohne Ethik gehabt und haben sie noch. Mit dem Moralunterricht kann der in Gesetzeskunde und Bürgerkunde verknüpft loerden. Aber der Religionsunterricht soll Privatangelegenheit jedes Elternpaarcs bleiben. Die Gesellschaft ist nur verpflichtet, die Kinder tüchtig zu machen in dem, was sie für das diesseitige Leben ge- brauchen. Für das Jenseits zu sorgen soll Privataufgabe der Eltern 'ein. Charakteristisch ist die Haltung der bürgerlichen Liberalen in der Frage der Verpfaffung der Volksschule. Die Tinte des Vertrages ist kaum trocken, mit dem sich die National- liberalen mit den Konservativen über die weitere Vcr- pfaffung der Schule geeinigt haben. Und dazu die That- lache, die mir fast noch schimpflicher erscheint: Die Jung- Nationallibcralen haben auf ihrer Tagung in Leipzig in den Richtungslinicn zu dieser Frage beschlossen: daß dem Religionsunter- richt im Lehrplvn der gebührende Raum gewährt werden muß.(Heiter- keit.) Schon daraus sehen Sie, daß die Jung-Liberalen die ge- borcncn alten Mummelgreise sind.(Große Heiterkeit und Beifall.) Die Liberalen wagen es nirgends mehr, die Forderung zu erheben, von der auch sie einst geträumt haben: Hinweg mit der Religion aus der Volksschule. Aus Furcht vor dem Socialismus suchen sie das iZroletariat mit Vertröstung auf das Jenseits vom Befreiungs- kantpfe im Diesseits abzuhalten. Dazu kommt noch ein andres. Die Liberalen sind in Weltuntergangsstimmung, und aus diesem Katzenjammer flüchten sie in den religiösen Mystizismus. Daher der überzeugende Einfluß, den er in der modernen Kunst und Litteratur gewinnt. Neben der völligen Weltlichkeit der Schule fordern wir eine vollständige Reform des Unterrichts in der Geschichte, im Deutschen und in der Naturwissenschaft. Diese Fächer müssen die gebührende Bedeutung im Unterrichtsplan gewinnen, damit die Ausbildung unsrer Kinder sie genügend für den Lebenskampf ausrüstet. Eine andre grundlegende Forderung ist die Einführung eines Arbcitsuntcrrichts in den Schulplan. Das ist bedeutsam, weil wir uns mit äußerster Energie gegen die ausgebeutete Kinderarbeit auf- lehnen. Aber wir verkünden, daß die freie Arbeit von hohem sitk- liehen und pädagogischem Wert ist. Wir wollen die verhängnisvolle Spaltung zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten aufheben; und gerade weil wir die Gesellschaft umwandeln wollen in eine Ordnung von freien Arbeitern bei materiellem und geistigem Schaffen und weil wir allen Kindern alle Bildungsmöglichkeiten der Gesellschaft erschließen wollen, darum soll auch der Arbeitsunterricht im rcfor- miertcn Schulplan den ihm gebührenden Platz bekommen. Er knüpft an an den AnschaungSunterricht, vollendet, vcrinnerlicht ihn, führt in die innere Natur der Dinge und Gegenstände ein, entwickelt den Sinn für Handfertigkeit, stählt die Muskeln, macht den Körper gc- wandt, regt da? ständige Denken an, konzentriert den Willen auf eine Leistung und beflügelt den schöpferischen Trieb, der in jedem Kinde 'chlummcrt. Der Arbciksuntcrricht wird zu technischen Erfindungen und Verbesserungen anregen, die Arbeiter auf irgend einem Gebiet der Handarbeit zu schöpferisch arbeitenden Menschen heranziehen. Von ganz besonderem Einfluß wird er darauf sein, daß die selbst äbrikmäßig hergestellten Gegenstände viel mehr ein künstlerisches Gepräge tragen als dies bisher der Fall war. So regt der Arbeits- Unterricht zur Freude an schöpferischer Arbeit an, lehrt Ehre und Würde der Arbeit. Durch ihn wird verhindert, daß die Kinder in die Stimmung von Staatspcnsionären hineinwachsen, sondern die Verpflichtung fühlen, daß, was sie an Bildung und Kultur empfangen haben, als freischaffende Menschen mit Zins und Zinseszins zurück- zustatten. Wir fordern ferner den gemeinsamen Unterricht und die ge- meinsame Erziehung der Geschlechter. Am Unterricht sollen Männer und Frauen beteiligt sein nach der persönlichen Fähigkeit und nach dieser bis zu den höchsten Stellen der Schulverwaltung auf- rücken. Da§ ist eine bedeutsame Notwendigkeit, die durchgeführt werden muß, damit der ungesunde Zustand der Beziehung der Ge- schlechter zu einander, der sich bei den jungen Leuten beider Gc- schlechter am meisten in der Zeit der Pubertät geltend macht, damit die künstliche krankhafte Ucberreizung schwindet. Sehr viel davon ist auf die Absperrung der Geschlechter von einander zurückzuführen, auf die Gehcimnisthuerci und Unwissenheit, in der sie aufwachsen. Je mehr die Frau in das Leben hinaustritt und Gelegenheit hat, ihre Persönlichkeit zu entfalten, wird sie eine Entwicklung nehmen, die nicht zu dem Resultat gelangen wird, das schreckhafte alte Männer der bürgerlichen Frauenbewegung vorausgesagt haben. Nicht zu einer grotesken Kopie des Mannes, nicht zum Affen des Mannes wird sich die von allen Schranken befreite Frau entwickeln, sondern ihre Eigenart entfalten. Je weiter die EntwicklungSliniem ausein- andcrlaufen, um so wichtiger wird der gemeinsame Unterricht für das harmonische Zusammenwirken der Geschlechter. Er wird einer der festesten Schutzwälle gegen die mancherlei Gefahren und Ver- irrungen sein, die an den jungen Mann infolge der alten Ueber- lieferung einer zweifachen Moral herantreten. Es giebt keine bessere Schutzwchr gegen diese Gefahren, als wenn der junge Mann, der als Knabe im Mädchen seinen Spielkameraden sah, die heran- wachsende Jungfrau als Mitarbeiterin schätzt und achtet. Und wenn er sich einer verehrten Lehrerin erinnert, die ihm auf manchen Pfaden des Wissens als treue Gefährtin zur Seite gestanden hat. Ich will nur noch kurz auf die Notwendigkeit einiger Reformen hinweisen. Wir bedürfen ganz andrer Schulgebäude als jetzt. Das Elend der Verhältnisse auf dem Lande ist gekennzeichnet durch den Prozeß in Trakchnen, wo 120 000 M. für den Gestütsstall ausgegeben worden sind, die 62 Schulkinder dagegen im Schulzimmer keinen Platz fanden und zur Hälfte mit ihren Büchern am Fenster stehen mußten. Ueber eine Million Kinder wird in Deutschland in über- füllten Klassen unterrichtet.(Hört! hört!) Auch in Sachsen, Württemberg und Baden sind die Volksschulklassen überfüllt. Diese UeberfüHung aber steht im Gegensatz zu der Forderung, daß die körperliche Gesundheit der Kinder in der Schule geschützt sein soll. Die Schulhäuscr sollen schöne, gesunde Gebäude sein. In den großen Städten liegen die Verhältnisse ja besser, als auf dem Lande, aber zu wünschen bleibt auch noch genug übrig. In den großen Klassen- zimmern herrscht häufig eine verpestete Luft, und unter der zu» sammengepferchten Schülerzahl ist die Verbreitung ansteckender Krankheiten leicht möglich. Auch der Forderung wird nur äußerst selten entsprochen, daß die Schulgebäude inmitten großer Gärten liegen sollen. Schulspielplatz und Schulgärten sollen dazu ver- wandt werden, daß auch die ästhetische und künstlerische Erziehung gefördert und praktischer Arbeitsunterricht erteilt wird. Dieser Forderung schließt sich die auf Errichtung von Brausebädern und auf Anstellung von Schulärzten an. Erst 239 deutsche Schulver- waltungen haben Schulärzte, im ganzen noch nicht 700, angestellt. Im kleinen Norwegen aber hat jede schule einen ischularzt, jede Mädchenschule eine Aerztin. Wir verlangen weiter, daß die Lehr- mittel den Forderungen der Hygiene entsprechen und daß die schlecht gedruckten Schulbücher, die Ursachen der Kurzsichtigkeit, verboten werden. Eine Hauptforderung aber ist, wenn wir eine Lösung der Schul- frage anbahnen wollen, daß die Stellung der Lehrer in jeder Hinsicht einer durchgreifenden Verbesserung unterworfen wird. Die Schul- frage ist zum großen Teil eine Lehrerfrage. Für die Volksschul- lehrer soll an Stelle der vielfach unzulänglichen Bildung in den Seminaren, auf denen die knöcherne Hand der Orthodoxie lastet, die Möglichkeit geschaffen werden, sich zu harmonisch gebildeten, starken Persönlichkeiten zu entwickeln, mild nach unten, steifnackig nach oben!(Lebh. Beifall.) Wir fordern weiter, daß eine größere Zahl von Lehrern an- gestellt wird. In Deutschland kommen im Durchschnitt 61, in Preußen 70, in Sachsen 66 Schüler auf einen Lehrer. Das ist grober Unfug. In Schlesien sind für 14 507 Klassen nur 10 823 Lehrer vorhanden; in den 1116 katholischen Schulen Schlesiens kommen in 599 Klassen mehr als 80 Schüler auf einen Lehrer, in 252 Klassen mehr als 100 und in 7 Klassen sogar 170— 200 Schüler. (Hört! hört!) Diese große Ueberfüllung der Klassen aber bedeutet für den Lehrer die totale Unmöglichkeit, der körperlichen, geistigen und sittlichen Entwicklung des einzelnen Schülers die nötige Auf- merksamkeit zu schenken. Trotz des besten Willens kann er die individuelle Eigenart des Schülers nicht beachten. Für den Lehrer aber bedeutet diese Ueberfüllung einen Raubbau an seiner Kraft, eme Ueberlastung, der kein Mensch auf die Dauer gewachsen ist, am allerwenigsten der Volksschullchrer mit seinem kläglichen Gehalt. (Lebh. Zustimmung.) 1894 teilte Minister Bosse mit, daß unter den 359 Lehrern Westpreußens 200 nur 451— 500 M. jährlich bezögen. (Pfui!) 1897 trat eine Gehaltsaufbesserung von 22 Proz. ein. ?lber für die ständigen Lehrer Preußens beträgt das Grundgehalt noch immer nur 900 M, für die nicht ständigen Lehrer sogar nur 720 M. In Ostpreußen aber beziehen 98 Proz. der Lehrer nur das Minimalgehalt. In Bayern, Württemberg, Sachsen und Braun- schweig erhalten die Lehrer 1200 M. Grundgehalt, immer noch wenig genug. Dieses niedrige Gehalt für die Lehrer bedingt eine niedrige Lebenshaltung, die nicht im entferntesten im stände ist, ein Aequivalent für die verausgabten Kräfte zu liefern. Die Folge ist für den Lehrer eine Minderung seiner geistigen und sittlichen Kraft, seiner Frische und Leistungsfähigkeit. Dieses niedrige Gehalt peitscht aber auch den Lehrer auf, sich Nebenverdienst zu suchen.(Lebh. Zustimmung.) In den großen Städten leisten sie Comptoir- und Schreibarbeiten, oder sie quälen sich in Privatstunden die Seele aus dem Leibe her- aus.(Lebh. Zustimmung.) So haben wir sorgengequälte, abgehetzte Lehrer, die nicht die nötige Kraft und Freudigkeit für den höchsten Beruf des Erziehers haben, die Kinder des Volkes zu harmonisch entwickelten Persönlichleiten zu erziehen.(Bravo!) Wollen wir also eine bessere Volksschule, so müssen wir die Besserstellung der Lehrer fordern. Wie gering wertet doch die bürgerliche Gesellschaft die höchste aller menschlichen Thätigkeit, die Veredlung und Er- ziehung des Menschengeschlechts. Vergleichen Sie nur einmal den Courswert eines Volksschullehrcrs und eines Hauptmannes auf der bürgerlichen Heiratsbörse.(Große Heiterkeit.) Vorbereitet auf die Volksschule wird durch die Kindergärten und ergänzt wird sie durch Einrichtungen aller Art, wo die Kinder vor und nach dem Unterricht liebevolle und verständige Aufsicht und Pflege finden, wo die Erziehung der Kinder in der schulfreien Zeit und in den Ferien in methodischer und verständiger Weise gefördert werden kann. Die Einrichtung dieser Anstalten würde ein hervor- ragendes Gebiet für die Bethätigung bisher mißbrauchter oder zu Unthätigkeit verurteilter weiblicher Arbeitskraft schaffen. Alle die vielen Frauen könnten ihre mütterlichen Instinkte hier bethätigen, denen die Ehe oder der Kindersegen versagt ist. Alle ihre mütter- liche Liebe, Wärme und Einsicht könnten sie da an den Kindern andrer bethätigen.(Lebh. Beifall.) Es ist eine sittliche Pflicht der Gesellschaft, für die Bethätigung der im Weibe ruhenden Kräfte Raum zu schaffen.(Sehr richtig!) Ich will hier abbrechen.(Ruf vom Tisch der bürgerlichen Presse: Sehr gut!) Wir brechen ab, wenn wir es für gut finden, nicht wenn die Vertreter der bürgerlichen Presse sich gelangwcilt fühlen. (Lebh. wiederholter Beifall.) Wir Frauen haben bie Pflicht, im Kampf um die Reform der Schule voranzugehen, die die Erziehung in der Familie nicht über- flüssig machen, sondern ergänzen soll. Wir brauchen für das heran- wachsende Geschlecht die volle Wahrung des elterlichen Einflusses. Elterliche Erziehung und öffentliche Erziehung lösen sich nicht ab, sondern ergänzen sich. Wir Frauen sind vor allem dazu berufen, im Kampfe voranzugehen, weil wir Mütter sind und Mütter werden sollen. Wenn das Ziel der Erziehung sein soll, jeden Menschen zum Lebenskünftler zu erziehen, der das Leben in seinem reichen Inhalt, seinem gewaltigen Umfange zu erfassen vermag, zu einer Perfön- lichkeit, durch welche, um mit Nietzsche zu reden, die Menschheit hcraufgepflanzt wird, dann müssen wir unsre Kraft für diese Hohe Ausgabe einsetzen. Wir, die wir das heranwachsende Geschlecht in unserm Schoß tragen, es mit unfern Säften nähren, auf das wir die Gestaltung unfers Gehirns, den stolzen freien Schlag unsers Herzens übertragen, wir müssen in der ersten Reihe stehen, wenn es sich darum handelt, die Kinder zu Lebenskünstlern im edelsten Sinne des Wortes zu erziehen. An uns ist das Wort Schillers gerichtet: Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben, Bewahret sie; sie sinkt mit Euch, Mit Euch wird sie sich heben. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Vorsitzende Frau Zieh: Frau Zetkin hat dem Herrn von der bürgerlichen Presse schon das nötige gesagt. Ich konstatiere nur, daß die fiierren den ganzen Morgen über das Gastrccht dadurch ge- mißbraucht haben, daß sie sich in lautester und rücksichtslosester Weise unterhalten haben.(Pfui!) Es ist nicht unsre Absicht, mit der Behandlung der Schulfrage dem Parteitage vorzugreifen. Des- halb hat Frau Zetkin auch unterlassen, uns eine Resolution zu unterbreiten. Nur die Richtlinien unsrer Anschauungen sollten hier vorgetragen werden, um den Genossinnen die fruchtbare Teilnahme an der Parteidiskussion über die Schulfrage zu ermöglichen. Aus diesen Gründen schlägt das Bureau vor, daß die Konferenz von einer Diskussion Abstand nimmt. So wird beschlossen. Der nächste Punkt der Tagesordnimg ist das Vereins- und Versammlungsrecht. Referentin ist Frau Zietz-Hambura: Zum drittenmal müssen wir uns mit dieser Frage auf unfern Konferenzen beschäftigen. Aber die " 1 reaktionäre Gestaltung und Handhabung des Vereins- und Ver- Besprechung, die ich abhielt, wurde ich angezeigt. Es fanden geräuschvoll sein oder still und unscheinbar, von der großen Masse sammlungsrechts macht die Frage immer aufs neue aktuell. Unfre fünf Termine statt, erst wurde ich zu 30 M. Geldstrafe verurteilt, der Ungenannten und Unbekannten aber mit der gleichen SeelenLosung ist die alte: Hinveg mit allen Ausnahmebestimmungen gegen in den höheren Instanzen aber freigesprochen. Gerade das Verbot größe und dem gleichen Opfermut verrichtet werden, so erfüllt uns das die Frau. Sie ist ein realer Faktor im Wirtschaftsleben geworden und des Vereins hat die Agitation gekräftigt, die beste Agitation hat Gefühl, daß wir Kämpferinnen sind. Im Hinblick auf den Feind, der uns hat Anspruch auf die gleichen Rechte wie der Mann. Bekanntlich aber für uns die Polizei geleistet. Mit der Resolution der Genoffin gegenübersteht, im Hinblick auf den Understand der Massen, den Widerstand dürfen die Frauen in der Mehrzahl der deutschen Staaten nicht an Ziez bin ich voll und ganz einverstanden. der reaktionären Macht, die Unsumme von Ungerechtigkeit in der politischen Vereinen teilnehmen. Die Polizeibehörden entwickeln nun bürgerlichen Welt, im Hinblick auf all' diese Gegner, mit denen wir vielfach eine merkwürdige Auslegekunst des Begriffes Politit". tägliches Morgen- und Abendgebet der Vers von Konrad Ferdinand den Kampf aufnehmen und siegreich bestehen werden, muß unser Meyer sein: Mich reut die Stunde, die nicht Harnisch trug, Mich reut die Stunde, die nicht Wunden schlug, Mich reut, ich fag' es mit zerfnirschtem Sinn, Daß ich nicht dreifach kühn gewesen bin. ( Stürmischer langanhaltender Beifall.) Die Frauenkonferenz ist geschlossen. Schluß 24 Uhr. Frau Ziek Hus Induftrie und Handel. Frau Ruben Das hat zur Auflösung von Zahlstellen der Gewerkschaften geführt, wendet sich gegen die Behauptung der Frau Zieß, daß die bürgerdie Frauen als Mitglieder aufnehmen. So sind dem Fabrikarbeiter- lichen Frauen nicht gegen die Aeußerungen des Syndikus Schäfer berband eine ganze Reihe von Zahlstellen aufgelöst worden mit der im Reichstag protestiert haben. Wir haben versucht, eine ProteſtBegründung, es sei Politik getrieben worden, weil in Vereins- versammlung einzuberufen. Es ist uns aber mißlungen. Ich möchte versammlungen darauf hingewiesen wurde, man müsse darauf auch Frau Zetkin berichtigen. Es ist keiner bürgerlichen Frau eindringen, daß der Wirt organisierte Kellner beschäftige. Eine Zahl gefallen, gegen August Bebel aufzutreten. Bebel wird von uns stelle des Schuhmacher- Verbandes wurde mit der Begründung auf- Frauen in Hamburg ebenso geachtet und geliebt wie von Ihnen. gelöst, es werde Politik getrieben, da das Statut einen Passus ent-( Beifall.) halte, wonach die Accordarbeit abgeschafft werden solle. Der ,, polizeitechnische" Begriff„ Politik" ist außerordentlich eng gespannt. erwidert, die bürgerlichen Frauen in Hamburg sind offiziell für die Nicht nur die Mitgliedschaft an politischen Vereinen bleibt den Frauen Kandidaten des Freisinns eingetreten, also gegen die socialdemo versagt, nein dies Verbot wird auch ungesetzlich ausgedehnt auf die kratischen Kandidaten. Es bleibt also bei dem, was ich gesagt Teilnahme von Frauen an politischen Versammlungen. Wir sehen, habe. Was Frau Ruben über die Protestversammlung gegen den wie die Damen der bürgerlichen Gesellschaft ungehindert an politischen Syndikus Schäfer gesagt hat, war uns neu. Wenn ihnen Rußlands Getreide- Export. Beim Ausbruch des russisch- japanischen Vereinsversammlungen teilnehmen dürfen und sich rednerisch be- eine Protestversammlung unmöglich gemacht worden ist, so hätten Krieges tauchte in der Bresse die Befürchtung auf, daß die Getreides thätigen, was die Polizei ruhig geschehen läßt. Diese doppelte die bürgerlichen Frauen erst recht protestieren sollen. Warum sind ausfuhr Rußlands infolge des Mehrbedarfs im russischen Inlande Handhabung des Gesezes muß öffentlich gebrandmarkt werden. sie nicht nach Altona gegangen. Dort haben wir ja immer sprechen beträchtlich abnehmen werde; mehrfach wurde sogar auf die Möge ( Sehr richtig!) Die von Herrn v. Hammerstein bescherte Segment- dürfen und was uns recht ist, das ist doch noch stets den bürger- lichkeit eines russischen Getreideausfuhrverbots hingewiesen. Wir haben freiheit( Heiterkeit) hat in unterschiedlichen Polizeigehirnen lichen Frauen billig gewesen. In unsrer Versammlung waren demgegenüber bereits damals hervorgehoben, daß allein schon die so große Verwirrung angerichtet, daß in der Praxis unjer Ver- bürgerliche Frauen anwesend und keine hat geredet und unsre Aus- Notwendigkeit, neue Geldmittel ins Land zu ziehen, die russische fammlungsrecht noch verschlechtert wird. Bei der letzten Reichstags- führungen unterstrichen. Auch hier bleibt es bei dem, was ich gesagt Regierung davon abhalten werde, dem Getreidetransport irgend wahl sprach ich in Annen im Kreise Dortmund. Die Frauen hatten habe. Es ist kein bürgerlicher Protest zu stande gekommen in welche Schwierigkeiten in sich zusammen ruhig an einen Tisch rechts im Saale gesetzt. Der Hamburg.( Allgemeine Zustimmung.) den Weg zu legen; und thatfächlich ist die überwachende Beamte aber verlangte, daß sie sich links placieren russische Ausfuhr Weizen, Roggen, sollten. Dort, wo die Tische etwas abgesondert standen, sei das Jasper- Braunschweig schildert das reaktionäre braunschweigische Hafer, Gerſte und Mais im vergangenen landwirtschaftlichen Segment, wie es Herr v. Hammerstein gemeint habe.( Heiterkeit.) Vereinsgesetz, das schlechter sei als in Mecklenburg und bei den Wirtschaftsjahr 1903/04 die dritthöchste während der letzten zehn Jahre gewesen. Nur die Ausfuhr in den Jahren 1897/98 und 1902/03 Ich suchte dem Beamten klar zu machen, daß es sich hier Hereros und andern wilden Völkerschaften. unt eine Volksversammlung, nicht Frau Kähler- Dresden erzählt persönliche Erlebnisse auf dem Ge- war noch etwas größer. Es wurden nämlich ausgeführt im: um die Versammlung biete des Vereins- und Versammlungswesens und wendet sich dann Wirtschaftsjahr eines politischen Vereins handele, aber Gesamt das nutzte nichts; der Beamte erklärte: Wenn Sie meinen Anordnungen nicht Folge gegen den Versuch der Frau Ruben, bürgerliche und proletarische( vom 1. Auguſt Menge in Millionen Pud Gesamt wert leisten, mache ich von meinem Rechte Gebrauch und löse auf. Frauenbewegung als etwas ziemlich gleichartiges hinzustellen. Recht hatte er zwar nicht, aber Gewalt geht vor Recht, und so in Altona versucht worden sei, gegen die Aeußerungen Schäfers zu Fräulein Baumann- Altona teilt mit, daß in einer Versammlung bis 31. Juli) Roggen Weizen Hafer Gerste Mais wurde der Anordnung Folge geleistet. Ich sagte nun: ich habe immer die Erfahrung gemacht, daß, wenn die Frauen den Socia- protestieren, daß aber eine Protestresolution abgelehnt worden 1895/96 lismus fennen lernen, sie viel begeisterter, viel radikaler, als die fei.( Hört! hört!) Man habe dann beim Nachhausegehen gefagt, an 1896/97 Männer sind. Und die Radikalen gehen ja auch nach links." einer so hohen Persönlichkeit wie Herrn Schäfer dürfe man nicht 1897/98 ( Heiterkeit.) Vor kurzem hielt ich Versammlungen im Wahlkreise Kritik üben.( Große Heiterkeit.) Hierauf wird die Resolution 8ieß einstimmig an- 1899/ 1900. Bochum ab. In Gelsenkirchen, Herne, Bismarck usw. konnte ich ungehindert sprechen. Wie ich aber nach dem kürzlich Großstadt gewordenen Bochum tomme, heißt es: Es ist verboten, daß Frauen Frau Kähler- Dresden referiert über die an der Versammlung teilnehmen, unter keinen Umständen darf aber eine Frau sprechen. Der Vertrauensmann nahm mit dem Bürgermeister Rüdsprache und erreichte, daß die Versammlung stattfinden fonnte. genommen. Presse. " Auch die " 1894/95 1898/99 von in menge mill.RbL. 515 207 221 206 83 4 • 71 70 113 28 56 77 9 419 264 188. 61 64 68 7 388 280 210 75 26 83 26 420 384 107 44 20 97 23 291 216 98 72 65 44 14 293 227 1900/01 123 80 76 55 10 344 263 1901/02 1902/03 1903/04 137 70 59 71 62 399 311 223 99 79 122 27 550 426 240 61 31 141 27 500 375 72 BARRIERS N Durchschnitt der 175 zehn Jahre. 55 87 23 412 304 Was die Ausfuhr der einzelnen Getreide- Arten anbetrifft, fo nahm der Export von Weizen und namentlich der von Gerste im Jahre 1903/04 einen Umfang an, wie er im letzten Jahrzehnt nicht erreicht worden war. Die Ausfuhr von Roggen, Hafer und Mais war verhältnismäßig nicht groß; die Ziffern für Roggen und Hafer stellen sich sogar niedriger als der Durchschnitt des Jahrzehnts. Bei Die Preffe ist ein Hauptmittel im proletarischen Klassenkampf, wird aber noch nicht genügend gewürdigt. Die Gleichheit" hat einen erfreulichen Aufschwung genommen. Unfre Abonnentenzahl Raum aber hatte ich zwei Worte gesagt, so hieß es: Im Namen von 12 000 ist ganz erfreulich, aber sie ist noch lange nicht groß des Gesetzes ist die Versammlung aufgelöst! Im Namen welches genug. Besonders gut ist für die Gleichheit" in Essen gearbeitet Gesezes weiß ich heute noch nicht, denn es besteht kein solches Gesetz. worden. Neben der„ Gleichheit", müssen wir den örtlichen Partei ( Lebhafte Zustimmung.) Am nächsten Tage redete ich in Harpen. zeitungen unser Augenmerk schenken. Wir müssen unsre Frauen für Das Wort wurde mir erteilt und nun erst kommt das Herab- unsre Parteipresse interessieren. Aber auch die Parteizeitungen würdigende, daß man einem Beamten, auch wenn er offenbar Un- müssen mehr auf Frauenfragen eingehen. Die Presse ist das beste recht hat, Folge leisten muß. Der Beamte sprach mit dem Vor- Mittel Aufklärung zu verbreiten, daneben müssen leicht der sehr bedeutenden Ausfuhrmenge 1903/04 hatte man einen vers sizenden und dieser bat mich im Reden einzuhalten. Der Beamte faßliche Broschüren und Flugblätter für Aufklärung forgen. hältnismäßig höheren Wert erwartet, aber die größere Ausfuhr von stellte sich neben mich und sprach die Auflösung der Versammlung Eine Unterhaltungsbeilage der„ Gleichheit" wäre wünschenswert Gerste bei ziemlich niedrigen Preisen hat den Wert herabgedrückt. aus. Der Beamte hatte den Auftrag, wenn eine Frau rede, so solle er auf- aber wo eben das Deficit geschwunden ist, darf man wohl nicht lösen und er nahm den Auftrag so wörtlich, daß er mich erst eine Weile gleich ein neues Deficit schaffen, und eine Preiserhöhung würde Sommer hinter sich. Die anhaltende Hize förderte den Bierkonsum, Die Berliner Bierbrauereien haben zwar einen recht guten reden ließ.( Heiterfeit.) Auf meine Frage nach dem Grund der den Abonnentenstand verringern. Flugblätter dürfen nicht zu häufig so daß die meisten größeren Brauereien, vornehmlich allerdings die Auflösung antwortete er nicht, sondern ersuchte mich, nicht auf ihn herausgegeben werden, sonst werden sie nicht gelesen. Notwendig Weißbierbrauereien, bedeutend größere Quantitäten abgestoßen einzureden. Ich sagte ihm, wir würden es ihm schon beibringen, ist es, wichtige Fragen in Flugblättern zu behandeln. die Gesetze zu achten und er meinte, ich solle ihn nicht bedrohen. Blätter werden dann Interesse finden. Bei unsern Kindern müssen verteilungen wird trotzdem nicht gerechnet. Die Dividende der Diese haben, als im vorigen Jahre; aber auf wesentlich höhere DividendenEs ist charakteristisch für den Beamten, daß er sich bedroht fühlt, wir mit unsrer Litteratur werben. Das wird das Lefebedürfnis Deutschen Bierbrauerei- Aktien- Gesellschaft wird z. B. in einem wenn man ihn um Beachtung der gesetzlichen Vorschriften ersucht. in den Frauenkreisen weiten. Ein gutes Mittel dafür ist Bebels Bericht der Frankf. Ztg." aus Berlin wieder auf 10 Broz., wie im ( Sehr gut!) Die Versammlungsbesucher waren empört und diese Buch„ Die Frau", das heute noch mehr in bürgerlichen als in vergangenen Jahre, geschätzt. Der Absatz wird zwar den vorjährigen Empörung war das beste Agitationsmittel für uns. Von diesem unsren Kreisen gelesen wird. Standpunkte könnten wir dem Beamten dankbar sein, aber aus muß den Frauen entgegenkommen. Man muß ihnen die Fragen, Gewinn- lleberschlag fällt jedoch ins Gewicht, daß das Jahr 1903/04, Gewerkschaftspresse( 189 068 hektoliter) um etwa 20 000 Seftoliter übersteigen; beim Rechtsgründen protestieren wir gegen die ungefeßliche Handhabung. die sie als Mutter und Weib berühren, zuerst flar machen. Dann als das eigentlich erste der Betriebsvereinigung Radeberg- PichelsIn einer andern Versammlung passierte es mir, daß der Beamte wird allmählich auch das politische Verständnis geweckt werden. Wird dorf, noch Sonderkosten zu tragen hatte, ferner aber, daß die sagte: Weisen Sie die Frauensperson hinaus." Das ist keine Be- so verfahren, dann werden wir auf der nächsten Konferenz weitere Steigerung der Hopfenpreise allein 80 000 M. Mehrausgaben verleidigung, das ist der Amtsjargon. Im Gefeße ist von Kindern, Erfolge zu verzeichnen haben.( Beifall.) Lehrlingen ursachte. Die Schultheiß- Brauerei Aft.- Ges. in Berlin dürfte eine und Frauenspersonen die Rede. Sie sehen Dividende von 16 Proz. in Vorschlag bringen gegen eine vorjährige am Ausdruck und der Zusammenstellung wie offiziell gewertet werden.( Heiterkeit.) Die Rednerin geht geht auf die gestellten Anträge ein. Mehrere Anträge verlangen, von 15 Proz des weiteren auf die reaktionären Bestimmungen der Vereinsgejeze daß die„ Gleichheit“ allwöchentlich erscheine. Zwei Anträge aus Zu der Transaktion der Höchster Farbwerke erfährt die Frantf. in Mecklenburg, Braunschweig und Reuß ältere Linie ein und sagt, Bromberg und Elberfeld wünschen, daß die„ Gleichheit" leichter ver- Zeitung", daß die an die Firma Cassella übergehenden die Folge der Beschränkung der Agitation, die Behinderung, in den ständlich und volkstümlicher geschrieben werde und mehr Unter- 5 Millionen Mart neue Attien einer zehnjährigen Sperre unterKreisen der Arbeiterinnen Aufklärung zu verbreiten, sei, daß die haltungsstoff biete. Rednerin betont, daß die Redaktion auch viele worfen werden. Dividendenberechtigung und Interessengemeinschaft Arbeiterinnen in ihren Erwerbsverhältnissen gedrückt und der Prosti- Buſchriften erhalten habe, die den Charakter und das Niveau der erfolgen mit rückwirkender Straft ab Jahresbeginn. Der Zusammens tution in die Arme getrieben werden. In Hamburg haben die Frauen Gleichheit" nicht verändert wissen wollen. Auch am Erscheinen der schluß erscheint als Ausgangspunkt einer umfassenden Vereinigung das Recht, an politischen Versammlungen teilzunehmen, aber dort" Gleichheit" und ihrem Preise könne nichts geändert werden. Aber man innerhalb der Farbenindustrie. werden und wenn die der Behörde nicht paßt, verbietet sie die Ab- vierſeitige Beilage beizulegen, deren Inhalt der Erziehung und Be- wie die„ Voff. 3tg." erfährt, Bestrebungen im Gange, welche auf eristieren andre Fesseln. Da muß die Tagesordnung angemeldet wolle versuchen, vom 1. Januar ab der Gleichheit" allmonatlich eine Konventionsbestrebungen der Drahtwerke. Gegenwärtig find, haltung der Versammlung. So durfte Stadthagen nicht über den lehrung der Frau als Hausfrau und Mutter dienen soll.( Freudige die Bildung eines allgemeinen Drahtwerkverbandes abzielen, der Bibelspruch reden: Wer dem Arbeiter seinen Lohn vorenthält, ist ein Bustimmung.) Bluthund. Den bürgerlichen Frauen wurde verboten, über die Nach kurzer Diskussion erklärt sich die Konferenz mit dem von sämtliche Drahtprodukte umfassen soll. Prostitution zu reden. Die Angelegenheit ist ja aus den Erörte- Frau Bettin gemachten Vorschlag über Erweiterung der Gleichheit" rungen im Reichstag bekannt, wo der Syndikus, Herr Schäfer, einverstanden und die Anträge werden zurückgezogen bis auf den das Verhalten der Behörde zu rechtfertigen suchte, indem Antrag Elberfeld ,,, die„ Gleichheit" möge leichter verständlich und er mitteilte, daß ein Theologe bei Erörterung des Themas volkstümlicher geschrieben werden und mehr Unterhaltungsstoff bei Mädchen die feruelle Röte im Gesicht aufsteigen bringen". Dieser Antrag wird einmütig abgelehnt. fah.( Heiterfeit.) Der Mann muß ja viel davon verstehen.( Stür mische Heiterkeit.) Gegen die Aeußerungen des Herrn Schäfer ist nicht von bürgerlicher Seite, sondern von uns protestiert worden. In unsrer Versammlung hat keine bürgerliche Frau das Wort zu nehmen gewagt, um unsre Worte noch zu unterstreichen. wir Die schlimmsten Verationen aber bereitet uns die verschiedene Auslegung des Begriffes Politik, zu der sehr oft rein gewerkschaftliche Dinge gezählt werden. Rednerin wendet sich gegen die polizeiliche Ueberwachung der Versammlungen, die als Demütigung und Bevormundung empfunden werde und schlägt schließlich folgende Resolution zur Annahme vor: P " Frau Zetkin " Eingegangene Druckfchriften. Der ,, Wahre Jacob" hat socben die 20. Nummer seines 21. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus dem Inhalt erwähnen wir die farbigen- Bilder Der gute Rat des Hofrats" und" Die Klage des Militarismus", sowie die Unter allseitiger Zustimmung wird hierauf Frl. Baader Illustrationen Russische Bauern"," Katholische Wissenschaft", Amnesties Berlin als Central Vertrauensperson wiederge- schwindel"," Das Auge des Gesetzes wacht"," Russischer Absolutismus“,„ Der wählt. Simulant",„ Der sterbende König an seinen Sohn"," Rechtsprechung"," Der Patriotismus und der Kapitalismus"," Die Frau aus dem Bolfe", Teil der Nummer bringt die Gedichte Der Dunkelmänner Klagelied", Avancement" und„ Wie der Große den Kleinen besiegte". Der tertliche Reue"," September" von Ludwig Lessen, Ein Familienidyll", Wahre Liebe"," Der bestohlene Heilige"," Kapuzinerpredigt" und außer zahlreichen eineren Beiträgen in Poesie und Prosa noch die größeren Feuilletons ,, Aus den höheren Ständen", Reichserefution gegen Baden", Russische Ges schichte", Held, Hanswurst und Henter" und Rußlands Hoffnung". Der Preis der 12 Seifen starken Nummer ist 10 Pfennig. des Frau Zetkin: Es hieße Gelder in den Kirchenbaufonds Frhrn. v. Mirbach schütten, wenn ich ein Wort zum Lobe unsrer Genossin Baader sagen wollte.( Heiterkeit und Beifall.) Frau Pötzsch- Leipzig ruft den Genofsinnen in einem poetischen Abschiedsgruß, der mit großem Beifall aufgenommen wird, ein:" Auf wiedersehen!" zu. Frau Zetkin erklärt hierauf die Tagesordnung für erschöpft und hält die Schluß- Ansprache: tion. " Kommunale Praxis", Zeitschrift für Kommunalpolitit und Gemeinde- Socialismus. Herausgeber Dr. Albert Südelum, Die Konferenz der socialistischen Frauen erhebt nachdrücklichst das große Interesse, die Sympathie und die Hilfsbereitschaft danken, haltige 16seitige Nummer 18 der„ Kommunalen Braris" erscheint gerade Ehe wir auseinandergehen will ich den Bremer Genossen für Berlag Berlin W. 15. Preis vierteljährlich 1,50 M. Die überaus reichProtest gegen die vereinsgesetzlichen Bestimmungen, welche in einer Reihe deutscher Bundesstaaten das Vereins- und Versammlungsrecht Befriedigung will ich Ausdruck verleihen über den schönen einheit Begründung seiner Abänderungsvorschläge zu der Lindemannschen Resoludie sie uns entgegengebracht haben.( Bravo!) Auch meiner großen noch rechtzeitig vor dem Bremer Parteitage. Gustav Stoch giebt darin eine des weiblichen Geschlechts beschränken und ihm dadurch eine un- lichen und harmonischen Verlauf unsrer Konferenz und meiner Freude, der in seinen Anschauungen vielfach von denen abweicht, die Dr. Hugo Ueber den Kommunalen Arbeitsnachweis handelt Edmund Fischer, würdige, seine Interessen schädigende Ausnahmestellung anweisen. Sie brandmarkt insbesondere die Praris dieser Bestimmungen, mit solchem Erfolg und solchem Verständnis an unsern Arbeiten Gine bemerkenswerte und scharfe Stritit an dem preußischen Wohnungs. daß Genossinnen, die erst seit kurzer Zeit in der Bewegung stehen, Lindemann in seinem neuen Werke über diese Institution ausgesprochen hat. liche Recht des weiblichen Geschlechts für die Proletarierinnen aufs teilgenommen haben. Ich bin überzeugt davon, daß die vielfachen äußerste einschränkt, ja aufhebt, für die Frauen des werkthätigen Anregungen, die hier von verschiedenen Seiten gekommen find, ihre Früchte tragen werden. So unscheinbar die Arbeit auch sein mag, die Volkes und die Damen der besitzenden Klassen zweierlei Recht schafft, wir hier geleistet haben, es pulsierte hier jenes Leben, von dem einen unglaublichen Wirrwarr der Begriffe über gefeßlich zu Leopold Jacoby sagt: lässiges und verbotenes und eine Rechtsunsicherheit ohnegleichen Leopold Jacoby jagt: erzeugt. Die Konferenz fordert für das Deutsche Reich ein einheitliches und freiheitliches Vereins- und Versammlungsrecht, das auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet Frauen wie Männern das gleiche Recht zuerkennt. So lange diese Forderung nicht erfüllt ist, macht sie es den Genoffinnen zur Pflicht, in Gemeinschaft mit den Genossen dafür zu sorgen, daß die vielfach beliebte Prayis des zweierlei Rechts und der Textesdeutung energisch zurückgewiesen und bekämpft wird. Desgleichen fordert jie Beseitigung des Instituts der politischen Polizei. In der Diskussion nimmt das Wort Es weht ein gewaltiger Geisteshauch Ueber der Erden, Dergleichen auf Erden noch nie ist gespürt worden. Er wühlet die Wellen auf vom Grunde. Dem Ambos hat es einer gesagt, Daß er aus demselben Stoff gemacht sei wie der Hammer, Und siehe, er will nicht länger Ambos sein!" gefeßentwurf beginnt B. Kampfmeyer in einem Artikel, dem noch eine Fortfegung folgen wird. Der Notizenteil bringt ein reiches Material aus allen Gebieten des Gemeindelebens. Der juristische Sprechsaal, der unter der Leitung eines tüchtigen Juristen steht, gewährt jedem Abonnenten der " Kommunalen Praxis" die Möglichkeit, sich über alle in der Kommune auf tauchenden Rechtsfragen Auskunft zu holen. Probenummern der Zeit schrift werden auf Wunsch vom Verlage der Kommunalen Pragis" Berlin W. 15 fostenlos zugesandt. Witterungsübersicht vom 20. September 1904, morgens 8 1hr. Stationen Barometer stand mm richtung Wind Winbftäcke 774 D Better 2 bedeckt Zemp. n. C. hot Stationen 11 Barometer stand mm Windrichtung Windstärke 9 Haparanda 771 28 2 halb bd. 7 Petersburg 776 2 2 bedeckt 7 Cort 4wollent 5 Aberdeen Sem Meere der Ausbeutung und Unterdrückung, aber auch von dem Ja, ein gewaltiger Geisteshauch hat die Wellen aufgewühlt von Meere der Sehnsucht nach Freiheit und Kultur, da, wo es am tiefften ist. Aus Nacht und Not der Fabriken, aus der Enge und Be- Swinemde, 775 D schränkung des proletarischen Haushaltes sehen wir eine Er- Hamburg 775 MD Berlin fcheinung, die die Geschichte noch nie gesehen hat die prolerant.a.M. 771 N tarischen Frauenmassen sich als Kämpferinnen nicht nur um Brot, München 768 D und berichtet über die Handhabung des Vereins- und Versammlungs- sondern für die höchsten Biele sich zusammenscharen. Das ist Wien 769 NN28 2 bedeckt rechtes in ihrem Heimatkreise. So wurde den Frauen während der die festeste Bürgschaft dafür, daß der Sache des Proletariats, Zeit der Reichstagswahlen die Gründung eines Frauen- Wahlvereins die die Sache der Menschheit ist, die Zukunft gehört. Wenn verboten und alle Beschwerden haben nichts genugt. Wegen einer wir wieder zur Arbeit zurüdfehren, mag sie nach außen bei mäßigen östlichen Winden. Frau Thiel- Teltow- Beeskow 6 heiter 3 Baris Wetter Temp. n. C. o 30 2halb bd. 9 1 bedeckt 10 772 SSD 767 ND 2 heiter 12 1 wolfenl 26 Wetter- Prognose für Mittwoch, den 21. September 1904. Trocken und vorwiegend heiter, nachts sehr fühl, am Tage etwas wärmer, Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 21. September. Anjang 7 Uhr: Opernhaus. Samson und Dalila. Neues fönigl. Opern Theater. Faust. Deutsches. Kettenglieder. Berliner. Jm bunten Rod. Leffing. Die Frau vom Meere. Westen. Gasparone. Thalia. Der Weiberkönig. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Die Kreuzelschreiber. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die Weltausstellung in St. Louis. Hierauf: Der Gardasee. Sternwarte PA Invalidenstr. 57/62. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Bauernkomödie in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. Donnerstagabend 8 Uhr: Johannisfeuer. Freitagabend 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater) Mittwoch abend 8 Uhr: John Gabriel Borkman. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. Im großen schattigen Naturs garten jeden Abend 8 Uhr: Schauſpiel in 4 Aufz. v. Hemit Iben. Konzert. Donnerstagabend 8 Uhr: Medea. Freitagabend 8 Uhr: John Gabriel Borkman. CASTAN'S Kleines Theater Neues Theater. ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Rosa Schiller N. Friedrich Wilhelm das gelehrte Pferd! städtisches Theater). John Gabriel Borkman. Neues. Salome. Kleines. Des Pastors Rieke. Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Central. Tannhäuser- Parodie. Casino. Mutter Gräbert. Trianon. Ihr zweiter Mann. Belle- Alliance. Die Dame aus Trouville. Luisen. Mein Leopold. Deutsche Volksbühne. Genoveva. Metropol. Ein tolles Jahr. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Apollo. Venus auf Erden mit Hans, das denkende Pferd. Specialitäten. Herrnfeld Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Baffage- Theater. Dida. Specialt 5 Irania. Taubenstraße 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Die COOLOGISCHER Z GARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Militär- Konzert. Eintritt 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. In der Arena: See- Elefant. Eintritt vom Garten 20 Pf., von der Straße 30 Pf., Kinder d. Hälfte. Besichtigung bis 8 Uhr abends bei elektrischem Licht. Casino Theater Lothringerstr.37. Anf. Wch.8, Sonnt.72. im Vorher der erstklassige bunte Teil. Genre der alten Wallner Bühne. Mutter Gräbert. Boltsstüc m. Geſs. in 3 Att. v. Reiflingen. Sonntagnachm. 4 Uhr: Der Denunziant. Trianon- Theater. Central- Theater Georgenstraße zwischen Friedrich- und Weltausstellung in St. Louis. Der Gardasee. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Heute Anfang 8 Uhr. Universitätsstraße. Tannhäuser. Ihr zweiter Mann. Burlesque- Operette in 3 Aften von Joh. Nestroy und Karl Binder. Donnerstag: Tannhäuser. Freitag: Die Geisha. Sonnabend: Zigeunerbaron. Sonntagnachm.: Die Geisha. Abends: Die Fledermaus. Luisen- Theater. Ehrliche Arbeit. Donnerstag: Ehrliche Arbeit. Freitag: Der Verschwender. Sonnabend: Käthchen v. Heilbronn. Sonntagnachm.: Der Verschwender. Abends: Ehrliche Arbeit. Montag: Der Goldbauer. Deutsch- AmerikanischeS Theater. Köpenickerstr. 67. Gastspiel Adolf Heute: Zum Ueber'n Philipp. GROSSEN 339. TEICH Male: Anf. 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30. Sonntag, den 25., nachm. 3 Uhr: Ueber'n grossen Teich. Deutsche Volksbühne. Cart Weiß- Theat., Gr. Frants. Str. 132. Genoveva. Lustspiel in 3 Akten von André Sylvane und Maurice Froyez. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Nchm. Wochent. 5, Sonnt. 3 Uhr. die Erschaffung Dida eines Weibes aus dem Nichts. Pocahuntas, die indische Nachtigall. Jean Paul, Komiker. The Finlays. Lucie Verdier, Vortragskünstl. 14 erstklassige Nummern. Scala- Theater. Linienftr. 132( a. d. Friedrichstr.) Sensationelles Programm! Löwys Duell. Bosse mit Gesang in einem Aft, fowie 30 internation. Specialitäten. Anfang 7 Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Gebrüder Tragödie in 5 Utten von Fr. Hebbel. Herrnfeld- Theater Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: Genoveva. Sonnabend: Aennchen von Tharau. National- Theater Weinbergsweg 12a- 13b. Eröffnungs- Vorstellung: De Sonnabend: Figaros Hochzeit. Residenz- Theater. Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 thr: Eine Hochzeitsnacht. Schwant in 3 Atten von§. téroul ( Une Nuit de Noces.) und A. Barre. Sonntagnachm. 3 Uhr: Nora. Apollo- Theater. 8 Uhr: Bum 191. Male der größte Herrnfeld- Schlager Nur eine Nacht. 2 Atte aus einer Ehe und Am andern Morgen. Nachspiel zu„ Nur eine Nacht" mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang auch Sonntags- 8 Uhr. Palast- Theater. Bürgerliche Schauspiele. Burgstraße 22. Jubiläums Saison. 10 Jahre. Um 8 Uhr: Novität: Vom Himmel zur Hölle. Gr. Ausstattungspoffe mit Gesang u. Tanz in 3 Bildern v. Höppner und Gerice. Musik von Rentsch. Balletts von Chlebus. Jupiter: Dir. R. Winkler. Vorher: Niesenschaunummern ersten Ranges. Uhr. Venus auf Erden Anfang 8 libr. Staffen Gröffnung von Paul Lincke mit der Parodie Hans, das kluge Pferd. Ab 92 Uhr: Der große Specialitäten- Teil: Teims Truppe X Martin Kettner. Harry Lamore X Les Bonnes. Mie. Daguerre X Kosmograph. Metropol- Theater Josef Giampietro a. D. Bender. X Josephi. Grünfeld. XFrid- Frid. Der größte Erfolg dieses Jahres Ein tolles Jahr Gr. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. 7 Sonntags 6 Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Bajazzo und seine Familie. Boltsschauspiel in 4 Atten v. d'Ennerh und Mark Fourico. Nach der Vorstellung: Ball. Anf. 8 Uhr. Entree 30, num. BẞI. 50 Pf. Sonntag, den 25. September: Der große Prophet. Weimanns Volksgarten- Theater. Badstraße 56, Gesundbrunnen. EntscheidungsBereinigte Bühnen unter der Leitung von Max Reinhardt. Anfang 8 Uhr. Des Pastors Rieke. ( Wangel, Hus, v. Winterstein, Ekert.) Donnerstag: Nachtasyl. Freitag: Des Pastors Rieke. Thalia- Theater. Salome. ( Eysoldt, Durieux, Wüllner, Kayẞler.) Donnerstag: Kabale und Liebe. Freitag: Erdgeist. Belle- Alliance- Theater. Dresdenerstr. 72/73. Direktion: Kren& Schönfeld. Belle- Allianceftr. 7/8. Täglich abends 72 Uhr: Der Weiberkönig. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Atten. Mittwoch und Donnerstag: Die Dame aus Trouville Sonntag, 25. Sept., nachm. 34, Uhr: Freitag: Lettes Bühnengastspiel von Charleys Tante. August Junkermann als Onkel Bräsig. Deutsche Konzert- Hallen. An der Spandauer Brücke 3. Vollständig neu ausgestattet! Täglich: Gr. internat. Künstlerkonzerte. x Theater- Abteilung. Special- Ausschank der Berliner Bock- Brauerei. Cirkus Busch. Cirkus Schumann. 21. September, abends 7%, Uhr: Heute, Mittwoch, den 21. September, abends präc. 72 Uhr: Südwest- Afrika. 15 Polarbären, breff. und vorgef, von Grande Soirée équestre. Mr. Henriksen. Fl. Martha Mohnke, Elite- Programm. 11. a.: Albert Carré, Mile. de Holstein, Schulreiterinnen. Sohn des königlich niederländischen Die berühmte Reiterfamilie Léousson Cirfusdirektors D. Carré mit seinen u. die vorzügl. Programm- Nummern. Freiheitsdreſsuren. Aribert, in der Schule Diez' Specialitäten- itten b. Srl. Dora Schumann. Theater Landsberger Allee 76/79. Jm herrlichen Garten od. gr. Saal Das Der französische Forscher Mr. Pernelett mit seinen 40 Krokodilen. neue tonfurrenzloſe ProgrammIm Marstall des Grafen X. 38 Sensations- Nummern. Kaffeeküche. Volksbeluftigungen. Bis 2 Uhr: Ball. Entree 30 Bf. 8 76 Pas de Deux oriental. Pferde- Pantomime, dargestellt von Pferden. Neuester Originaldressurakt Ses Direktors Albert Schumann. Georg Lurich, der moderne Samson. Pegase II. Der phänomen. Sprung von Boden zu Boden mit Reiter Court Tiete über sechs lebende Pferde. Ferner: Sämtliche für hier vollständig neuen Specialitäten. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Tilly Bébé mit ihren 12 Löwen. Der Galeerensflave Paula Worm, Operettensängerin. Rudolf Segommer, Ventriloquist. Schauspiel in 5 Aften v. B. Campbell. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Die Säle find noch an Severin und Mlle. Dorville in der Pantomime, Der Trunkenbold". einigen Sonnabenden für VereinsHarmony Four, Nirvana, Gesangsquartett. festlichkeiten frei. lebende Bilder. Radfahrer. Die Klein- Familie, Jane Pernyn, Pariser Sängerin. Die 6 Cocktails, Tanz- Ensemble. The Asahis, japanische Akrobaten. Die 3 Meteors, Hochturner. Biograph, darstellend d. Ringkampf zwisch. Hackenschmidtu. Jenkins. Germania- Prachtsäle Chausseestr. 103. Arnold Scholz. E Jeden Mittwoch: Neu! B ( Steidl, Wolff). Sänger Hamburger Neu! Torfstraße Nr. 66 Schwank von Wilh. Wolff. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Borzugstarten gelten. Sanssouci. Nottbuser Thor- Stat. der Hochbahn Heute Mittwoch: Hotel Klingebusch. Volksstück mit Gesang in 5 Bildern von Kneisel. Donnerst., Sonnt., Mont.: Hoffmanns Norddeutsche Sänger u. Tanzkränzchen. Jeden Dienstag und Mittwoch: Theater- Abend. Eigne Werkstätten! Gustav Behrens SpecialitätenTheater, FrankfurterAllee 85. Neu! Geschwister Rafael, die schönen Konzertmalerinnen. Neu! Mr. Huson, Excentric- Spatensänger. Neu! Salvator& Selma, Straftequilibristen auf lebendem Piedestal. Neu! OriginalKoch. Außerdem die übrigen erstflassigen Specialitäten. Anfang 7 Uhr. Sonntags 5 Uhr. Reichshallen- Theater. Täglich: Humor. Soiree der Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Otto Pritzkows Abnormitäten Ausstellung Münzstr. 16, am Alexanderpl. Feodora, das Weib mit den Löwentatzen. Lebend! Lebend! 32 Jahre alt, 70 ctm. groß. Charlestro, das rätselhafte medizinische Wunder. Neu! Die kunstvoll plastisch tätowierte Dame. Eintritt 10 Pf. Dienstags, Donnerstags, Sonntags: Führmann- Walde- Sänger. Sonnabends Tanz. im Kaisersaal: Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68* Lindenstraße 69 Wir empfehlen den Genossen zum Abonnement: teppdecken 3641* Gelegenheitskauf! 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September, abends 8½ Uhr hält der Frauen- und Mädchen- Bildungsverein von Steglitz und Umgegend bei Wahrendorf, Schloßstraße 117 seine regelmäßige Vereinsversammlung ab. Gäste willkommen. hielt durch diese Worte die Thatbestandsmerkmale des§ 166 St.-G.-B. fteller Karl Alexander Wald, wegen großer Kautionsfür gegeben und beantragte gegen Strzelewicz, der wegen schwindeleien zu verantworten. Wald ist seit 1884 schriftstellerisch eines gleichen Vergehens schon vorbestraft ist, 5 Monate Gefängnis, thätig und fam im Jahre 1900 vom Hamburg nach Dresden. In gegen Goerke 1 Monat Gefängnis, indem er davon ausging, daß Hamburg wurde er zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt, letzterer als Drucker, dem auch die Korrektur oblag, zweifellos eine Strafe, die ihm indessen vom Hamburger Senat zur Hälfte ge= Kenntnis von dem Inhalte des Liederbuches gehabt haben müsse. schenkt wurde. Völlig mittellos tam er 1900 mit seiner Familie nach Rechtsanwalt eine als Verteidiger bestritt letteres und wies Dresden, war anfangs litterarisch thätig, versuchte sich auch als darauf hin, daß Angeklagter Goerke thatsächlich den Inhalt nicht Annoncenacquifiteur, legte sich dann aber, um aus der ewigen Misere Bankow. Donnerstag, den 15. September wurde in Pankow gekannt und auch habe annehmen können, daß in dem Liederbuche herauszukommen, auf den Kautionsschwindel. Wald hatte faſt ein eine gut besuchte öffentliche Versammlung bei Mierke abgehalten. Strafbares nicht enthalten sei, da er für St. schon mehrfach Druck-| Dutzend junger Leute, meistens Kaufleute. als Erpedienten angestellt, Fräulein Liſchnewsta hielt einen lehrreichen Vortrag über die ge- arbeiten geliefert hatte, ohne daß darauf weiteres erfolgt sei. Er und sich von diesen Kautionen in Höhe bis zu 500 M. geben laffen, schlechtliche Belehrung der Jugend. beantragte daher die Freisprechung von Goerke. Nach seiner Ansicht die er für sich verbrauchte. Damit die jungen Leute nicht zusammen Köpenick. Der Frauen- und Mädchen- Bildungsverein für könne aber auch St. nicht verurteilt werden, weil in den Worten tamen, mietete er eine Anzahl leerer Zimmer in verschiedenen StadtKöpenick hielt am 14. September eine gut besuchte Versammlung" Verdummungs glauben, den irgend eine Kirche lehrt," nur teilen, stellte in jedes Zimmer einen Tisch und einen Stuhl und ließ ab, in welcher Frau Mesch einen Vortrag über Heimarbeit hielt. ein Angriff gegen eine Lehre enthalten sei. Ein solcher sei aber dann seine Angestellten Briefe abschreiben. Mit der Gehaltszahlung Hierauf wurden Vereinsangelegenheiten erledigt. Die Vorsitzende straffrei. Ein Angriff auf die Kirche selbst sei aber nicht heraus- vertröstete er die jungen Leute bis zum Erscheinen seines neuen Frau Schlicht legte mit Bedauern ihr Amt nieder, weil sie am und verurteilte den Angeklagten Strzelewicz zu 1 Monat in Dresden herausgekommen ist. Ferner gab Wald die„ Neuen zulesen. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten Goerke frei Buches, das inzwischen unter dem Titel„ Neuer Musenalmanach" 1. Oktober nach Berlin verzieht. Frau Pflugbeil wurde beauftragt, die Geschäfte der Vorsitzenden bis zur Neuwahl zu führen. Gefängnis. deutschen Dichterstimmen" heraus und verstand es, in der Freien litterarischen Gesellschaft Vorstandsmitglied zu werden. Ala feine Betrügereien er hatte neun junge Leute um 1910 M. beschwindelt bekannt wurden, ergriff er die Flucht, ließ Weib und Kind zurück und reiste nach Paris, wo er sich wochenlang verborgen hielt, bis er zurückkehrte. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung Walds zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Ferner wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt. Gegen Wald und dessen Frau, die sich ebenfalls in Haft befindet, schwebt noch eine Untersuchung wegen Erpressung. Baar soll einen bekannten Dresdener Arzt eines Sittlichkeitsdeliktes bezichtigt haben, um Geld zu erpressen. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglik und Umgegend hält am Donnerstag, den 22. d. M., eine Mitgliederverſammlung im Loafl von Wahrendorf, Schloßstraße 17, ab. Herr Schwantje spricht über„ Eine wenig beachtete, aber sehr wichtige Sittenfrage". Die Mitglieder werden gebeten, vollzählig zu er scheinen, auch ihre Mitgliedsbücher mitzubringen. Männer und Frauen haben als Gäste Zutritt. Gerichts- Zeitung. Der Mordprozeß Seufert vertagt. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I stand gestern Termin in der Mordsache des Arbeiters Thomas Seufert an, die so schaurig ist, daß man die in diesem Falle befundete Regung der Bestie im Menschen kaum für möglich halten sollte. Der Angeklagte Thomas Seufert aus der Pappel- Allee 39 ist beschuldigt, am 26. Februar im Anschluß an einen Streit mit seiner Ehefrau und in eifersüchtiger Regung sein zweijähriges Töchterchen Gertrud hingeschlachtet zu haben, nachdem er in Gegenwart des siebenjährigen Sohnes Arthur das zur blutigen That benutte Küchenmesser auf einem Buzstein geschärft hatte. Beim Aufrufe der Geschworenen stellte sich heraus, daß ein Geschworener, der Hausbesizer Ernst Schulze aus der Liezmannstraße, ohne Entschuldigung 24 Geschworenen nicht zur Stelle war, ordnete der Vorsitzende Landausgeblieben war. Da nunmehr die vorgeschriebene Anzahl von gerichts- Direktor Vonhoff sofort eine Ergänzung durch Ersatzgeschworene an und es wurden Boten zur Herbeiholung eines solchen ausgesandt. Die Mission gelang aber nicht und dem Vorsitzenden blich nach mehrstündigem Warten nichts übrig, als die Sache zu ver= tagen. Durch Gerichtsbeschluß wurde dem ausgebliebenen Geschworenen eine Ordnungsstrafe von 100 M. und die Kosten des vereitelten Termins, zu welchem 15 Zeugen geladen waren, auferlegt. Der Schriftsteller Karl Alexander Wald vor Gericht. Vor der sechsten Straffammer des königlichen Landgerichts zu Dresden hatte sich gestern der stellvertretende Vorsitzende der im Februar v. J. Der Staatsanwalt gegründeten Freien litterarischen Gesellschaft zu Dresden, der Schrift- wenn es zwanzig Jahre dauere. Die freie Meinungsäußerung in Preußen. Wegen Beschimpfung der christlichen Kirche und der andren mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebiets bestehenden Religionsgesellschaften bez. wegen Beihilfe hatten sich gestern der Schriftsteller und Humorist Bolislaus Strzelewicz zu Pankow und der Buchdruckerei befizer Otto Goerte zu Charlottenburg vor der Straffammer des Landgerichts II zu verantworten. Der Angeklagte Strzelewicz hat eine„ Sammlung von Liedern, Couplets, Duetten und Soloscenen" im" eignen Verlage in Pankow herausgegeben. Heft 6 dieser vom Angeklagten Goerke gedrucken Sammlung enthielt ein von St. gedichtetes Coupletlied Mein Glaube", in welchem es u. a. hieß:" Ich habe nicht den Verdummungsglauben, den irgend eine Kirche lehrt, der von des Jenseits füßen Trauben schwatzt, wenn das Volk hier Brot begehrt." V. und VI. Wahlkreis ( 30. Kommunal- Wahlbezirk). Freitag, den 23. September 1904, abends 8 Uhr, im ,, Rosenthaler Hof", Rosenthalerstraße 11/12: Oeffentliche Versammlung. Tages Ordnung: 1. Freisinnsthaten im Noten Hause. Referent: Stadtverordneter Franz Kotzke. 2. Diskussion und Aufstellung eines kandidaten für den 30. Kommunal Wahlbezirt. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Parteigenossen des 5. und 6. Kreiſes erwarten Die Vertrauensleute. den 25. früh im Achtung! Das Der frühere Kaffenrendant der Damenmäntel- Schneidervon 5300 M. Innungsgeldern vor der zweiten Strafkammer des Innung, Karl Diedrich, hatte sich gestern wegen Unterschlagung Landgerichts I zu verantworten. befunden haben will, wurde zu einem Jahr Gefägnis verurteilt, wovon Der Angeklagte, der sich in Not 1 Monat auf die Untersuchungshaft angerechnet wurde. Vom Arbeitswilligenschuh. Wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung ist der Steinseher Karl B. vom Schöffengericht in Spandau zu zwei Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er soll während des Ausstandes der Steinseher am 4. Juni einen Arbeitswilligen gefragt haben, wie er sich nur so weit vergessen und unter den vorliegenden Umständen arbeiten könne. Man kriege ihn und Putzer! Achtung! Freitag, den 23. September, abends 6 Uhr, im Vereinshause, Rosenthalerstraße Nr. 57: Baudeputierten- Versammlung. Ich ersuche die Kollegen, daraus zu achten, daß jeder Bau vertreten ist und die Deputierten pünktlich erscheinen. Gleichzeitig mache ich auf die heute abend stattfindenden Bezirksversammlungen aufmerksam und erwarten zahlreichen und pünktlichen Besuch derselben 134/8 Die örtliche Verwaltung und Obmänner. J. A.: H. Neumann. Achtung! Verband der Portefeuiller. Achtung! von den Zotalen: Wirth, Auguftit. 51, Wittekow, stl. Camburgerſtr. 27; im 6. Streise von den Lofalen: Achtung! Merker, Bergstr. 10( Eingang Elsasserstraße), Hoppe, Ackerstr. 21. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3353. Mittwoch, den 21 September, abends 19 Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstraße Nr. 27: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag.( Der Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2, Diskussion. 3. Wahl der Kandidaten des Gewerbegerichts. 4. Ver Mittwoch, den 21. September 1904, abends 8% Uhr, bei Keller, schiedenes. Koppenstraße 29: Versammlung der Schleifer und Galvaniseure. Zages Ordnung: Unfre Lohnbewegung. Donnerstag, den 22. September, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 5: Versammlung der Elektromonteure. Zages Drdnung: 121/6 1. Vortrag über:" Starkstrom". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten, Aufnahme neuer Mitglieder. Hiermit machen wir den Kollegen bekannt, daß unsre Versammlungen regelmäßig jeden Monat am Donnerstag nach dem 15. stattfinden. Laufzettel werden zu den regelmäßigen Versammlungen nicht mehr verteilt. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwartet Kein Laden! Die Ortsverwaltung. Kein Laden! Selten günstiges Angebot! Maiglöckchen Special- Offerte für Händler und Restaurateure: Don Miguel Marke Don Miguel, 6 Pfg.- Qualität, 100 Stück Mk. 4.80. Ferner empfehlen wir unsre so sehr beliebten Specialmarken: Jack, Konsum- Cigarre. Regina, eleg. Fasson St. Lucia, ff. Mischung 1000 Stck. Mk.43.-. Mk. 2.50 Royal, Brasil- Mischung. 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J., abends 8, Uhr bei Patt, Dragonerstr. 15: Oeffentliche Versammlung der lokalorganisierten Fliesenleger Berlins u. Umg. Tages Drdnung: 1. Stellungnahme zu den Gewerbegerichtswahlen, eventuell Aufstellung eines Kandidaten. 2. Verschiedenes. 293/6 Der Einberufer. W. Schulz, Berlin O., Petersburgerstr. 75. Klaviaturarbeiter! Donnerstag, den 22. September, Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Friedrich Thiem am 18. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 21. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle Fürstenbrunner Weg aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 121/7 Heute nacht 12 Uhr entschlief sanft nach langjährigem Leiden infolge fchiverer Operation meine liebe Frau, unsre unvergeßliche Mutter Emilie Rau geb. Scheiblich im 43. Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Berlin, 19. September 1904. Fritz Rau, Zahnkünstler. Alfred Rau, Sohn. Helene Rau, Tochter. Otto Klakow, als Verlobter, 13836 Guben. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22. September, nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause Wrangelstr. 86 aus auf dem Friedhof der Trepiower Ge meinde, Neue Krug- Allee, statt. Danksagung. am Für die vielen Beweise inniger Teilnahme sowie die schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Bruders sagen allen Beteiligten 13655 ím Lokal Süd- Oft, Wrangel- Straße No. 75: unsern herzlichsten Dank. Oeffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: Unsere Lohnbewegung. Die Branchen- Kommission. Die Agitationskommiffion des Fachvereins. Ortsverein der Pianoforte- Arbeiter. Deutscher Holzarbeiter- Verband. 89/9 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Petzling. Danksagung. Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme bei der Be erdigung meines lieben Mannes Hermann Heidrich Mittwoch, den 21. September, abends 8%, Uhr, sage ich allen meinen herzlichen im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Vertrauensmänner- Versammlung sämtlicher Bezirke und Branchen. Tages Drdnung: 1. Die Lohnbewegung der Klavierarbeiter. 2. Werkstattstreits und Differenzen. 3. Bericht über die Verhandlungen mit der Meisterkommission. Mitgliedsbuch nebst Vertrauensmännerkarte legitimiert. Jede Werkstatt muß vertreten sein. 89/8 Die Ortsverwaltung. Nur bis zum 1. Oktober 1904 Branche der Modell- u. Fabrik- Tischler. werden die ersten 100 Parzellen zu Ausnahmepreifen von 1 Mark an pro qm. netto Bauland unter günstigsten Zahlungsbedingungen verkauft. Hochbau und Laudhausbau gestattet. Näheres von 10-6 Uhr im Restaurant Meier, Straße am Fallenberg 19 bei Grünau.( Firma und Nummer beachten!) Donnerstag, den 22. September, abends 8 Uhr, bei Schmidt, Gartenstr. 6: Branchen- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Davidson über Ferdinand Lassalle". 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Bahlreichen Besuch erwartet Die Kommission. Dank; ganz besonders danke ich den Kollegen von Siemens- Schuckert, Abt. 78, Charlottenburg, Franklin13996 straße. Rigdorf, 20. Septbr. 1904. Witwe Heidrich, geb. Braak. !! Von 36 Mk. an!! liefere Herrenanzug, neueste Muster, feinste Buthaten, 2 Anproben. Für guten Siz bekam goldene Medaille. Ludwig Engel, Brenzlauerstraße Nr. 23 II( Alexanderplat). Nur gute reinwollene Stoffe, großes Lager. Wer- Stoff- hat, fer tige Herrenanzug, 20 M., feinste Buthat., 2 Anpr. Für guten Siz bekam gold. Medaille. Ludwig Engel, Prenzlauerstr. 23, II.( Alexanderplak). Gegründet 1892. 18965 H.Greifenhagen Nacht. J Brunnenstr. 17-18. * Veteranenstr. 1-2. Heute Mittwoch Letzter Tag unsres Räumungsverkaufs Donnerstag, Freitag und Sonnabend bis 3 Uhr bleiben unsre Geschäftsräume wegen Vorarbeiten zur Eröffnung unsres Erweiterungsbaues geschlossen. 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