Nr. 229. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. dal blini 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 40 Pẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett, gedruckte) Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Parteigenossen! Donnerstag, den 29. September 1904. Die Konstituierung des Parteivorstandes ist erfolgt. Die Adresse welche die heute herrschende kapitalistische Staats- und Wirtschaftsdes Parteivorstandes ist wie bisher: J. Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30. An diese Adresse sind sämtliche für den Parteivorstand bestimmte Zuschriften zu richten. Geldsendungen sind dagegen mir an den Parteikassierer A. Gerisch, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30 zu adressieren. Zur Kontrolle des Parteivorstandes und als Beschwerde- Instanz ist die aus neun Personen bestehende, im§ 17 unfres Organisations Statuts vorgesehene Kontrollkommission gewählt. Dieselbe hat sich ebenfalls im Anschluß an den Parteitag in Bremen konstituiert und sind alle Zuschriften, Beschwerden 2c. für dieselbe an 4101 Heinrich Meister, Hannover, zu richten. Langeftr. 1 ordnung zur Voraussetzung hat; Schaffung einer Staats- und Gesellschaftsordnung, die allen Menschen ohne Ausnahme die gleichen ihrer Kräfte auferlegt, und allen den vollen Genuß aller KulturRechte, aber auch gleiche Pflichten nach Maßgabe ihres Könnens und errungenschaften sichert. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. sondern sie wird geschaffen durch die Ueberzeugung, daß der ehrliche Darin liegt die entsetzliche sittliche Krankheit unsrer Zeit, daß Wille vorhanden ist, unfrer großen Sache nach bestem Können zu die gebildeten Stände von der Wahrheit dieses deutschen Philosophendienen, und daß wir in unserm Endziel einig sind: Beseitigung der wortes innerlich vollkommen überzeugt find, in ihrer Eigenschaft als wollen, ja jederzeit bereit sind, den, der sie offen ausspricht, Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen, herrschende Klasse aber diese Wahrheit durchaus nicht anerkennen heuchlerisch zu verkezern. Es giebt keine Monarchisten des Princips mehr, sondern mur solche der Opportunität. Selbst der Geburtsgeistigen Ueberlegenheit über seinen alten Herrn" vollkommen behelfer des deutschen Erbkaisertums, Bismarck, der sich feiner wußt war und verzweifelt ausrief: Dieser Mann kostet mich Der Kampf für dieses Ziel schließt wiederum nicht aus, daß täglich eine Stunde!", tann als der Vertreter eines principiellen, wir unsren Gegnern in den bürgerlichen Parteien Hilfe leisten, mehr als opportunistischen Monarchismus nicht angesprochen werden. befürworten fie Schritte, die auf dem Wege zu einer unfrer Frohmes Buch giebt mehr als kulturgeschichtliche Streifzüge. aber wir nächsten Forderungen liegen oder diese selbst diese selbst umschließen, Wer unter diesem Titel etwa eine Sammlung von höfifchen Skandal dürfen keinen Augenblick vergessen und nie geschichten erwartete, wird sich enttäuscht finden. Es ist die Gebezweifeln lassen, daß es Abgründe sind, die uns in unsrer Welt- schichte vom logischen Tode des monarchischen Staatsprincips, die anschauung und in unsrem Ziel von ihnen trennen, daß es hier keine uns hier erzählt wird, mit wissenschaftlichem Ernst und ohne LeidenUeberbrückung der Gegensätze giebt. schaft weil man den Toten ja doch nicht mehr zürnt. Defto tragischer aber wirkt der Klaffende Riß zwischen den Forderungen der politischen Vernunft und den Zuständen der Wirklichkeit, zwischen der logischen Unwiderstehlichkeit der Demokratie und ihrer geringen, gefährdeten und befehdeten Stellung im Deutschen Reiche. Parteigenoffen! Wir zweifeln nicht, daß die hier entwickelten Anschauungen auch die Euren sind, und so rufen wir: Vorwärts! ohne Rast und ohne Ruh! Hoch die Socialdemokratie! Berlin, den 28. September 1904. Parteigenossen! Das vor uns liegende Jahr soll neben der intensiven Förderung der Agitation dem Ausbau unsrer Organisation Auer. Bebel. Eberhardt. Gerisch. Moltenbuhr. gewidmet fein. Pfannkuch. Singer. Wengels. Staatsformen. W Die Seit Jahrzehnten ist die Politik der herrschenden Klassen Deutsch lands eine Kette von Mißerfolgen gewesen; in einem Maße, das für Nach§ 4 unfres Organisationsstatuts hat die Wahl der Versie höchst beängstigend ist, wächst die Flut der socialdemofratischen Arbeiterbewegung. Man verheißt sociale Reformen, und thattrauenspersonen alljährlich im Anschluß an den Parteitag stattzusächlich giebt es feine innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft durchfinden. Wir richten das dringende Ersuchen an unsre Genossen, das führbare Socialreform, die bie preußisch- deutsche Regierung offen Ergebnis dieser Wahlen umgehend an die oben angegebene Adresse als undiskutabel zurückweisen würde. Indiskutabel aber ist für sie zu berichten. Der Umstand, daß die bisherige Vertrauensperson Nichts wird weniger bemerkt als das Alltägliche. Und so kommt jede politische Reform, die die preußisch- deutschen Zustände den westwiedergewählt ist, darf kein Grund sein, die Neuwahl nicht zu es, daß wir uns in unsrem Kampfe gegen das herrschende Regime in europäischen Republiken und Konstitutionen um einen Schritt näher melden. Auch die Bekanntgabe der Wahl in der Lokalpresse oder Preußen- Deutschland nur gelegentlich dessen bewußt werden, daß wir bringen würde. Der jezige deutsche Reichskanzler hat leichtherzig dem Centralorgan der Partei enthebt nicht von der Verpflichtung, Neuschöpfer und Pfadfinder in unsrer Gesinnung- doch in das Problem der Arbeitslosen- Versicherung aufgenommen, aber dem Parteivorstande so rasch wie möglich die Adressen der Vertrauens- Deutschland den größten Teil unsrer Arbeit daran wenden müssen, er würde sich schwer hüten, ein freies Reichsvereinsgesetz und personen sowie der Agitations- und Streiskomitees mitzuteilen. Je das zu erringen, was in andren Ländern alt und bewährt ist. Indes die Koalitionsfreiheit der Landarbeiter zu versprechen. umfänglicher und zuverlässiger unser Adressenverzeichnis ist, desto die herrschenden Mächte vorgeben, das deutsche Wolf von einem ge- preußische Staatsregierung weit davon entfernt, fich rascher lassen sich alle Partei- Angelegenheiten regeln und um desto wagten„ Sprung in ein ungewisses Dunkel" zurückhalten zu wollen, ist auf das manchesterliche Prinzip der Privatinitiative feftwirksamer werden sich alle unsre agitatorischen und organisatorischen es ihnen hauptsächlich darum zu thun, das Eindringen amerikanischer zulegen, betreibt munter ihre Verstaatlichungspolitik, aber sie hält Maßnahmen erweisen. und westeuropäischer Staatsgrundsäge in unser Vaterland zu ihre Arbeiter wie Sklaven und raubt ihnen unter dem Titel eines verhindern. In ihren Reden und in ihren Flugblättern bekämpfen tapitalistischen Arbeitgebers alle staatsbürgerlichen Freiheitsrechte, die unfre Gegner jene Forderungen am heftigsten, die jenseits unsrer sie ihnen als unparteiische Regierung mit der Staatsverfassung zuWestgrenze längst ihre Erfüllung gefunden haben, und was dort geschworen hat. Sie scheut sich nicht, aus eingebildetem nationalen Ausdruck loyalfter patriotischer Meinung ist, gilt hier als die ver- Interesse Expropriationen vorzunehmen, wie sie mit größerer Härte brecherische Utopie einer vaterlandslosen Rotte. eine Revolution im socialen Interesse nicht vornehmen würde, fie In der lezten Zeit sind zwei Bücher auf dem Markte erschienen, erklärt aber das gegenwärtige Wahlsystem Preußens für das treffein französisches und ein deutsches, beide von Socialisten verfaßt. lichste von allen. Man hat uns die schlechte Phrase vom Aber wofür der Deutsche Karl Frohme in seinem Buche Monarchie socialen Königtum" hingeworfen, aber man hat nie bon In den Orten und Kreisen, in denen die Parteigeschäfte von oder Republik?"*) fämpft, das ist für den Franzosen Th. Darel und der„ demokratischen Monarchie" gesprochen, die die den Wahlvereinen geleitet werden, müssen uns unter der Angabe der sein Buch„ König Volt"**) sicheres Besitztum. Man kann", schreibt Dynastie auf die Erfüllung gewisser Repräsentationspflichten vollzogenen Kenderung die Adressen des Vorsitzenden und des Darel, in der Geschichte eines jeden Voltes die Thatsache beobachten. zurückdrängt und alle wirklichen Entscheidungen in die Hand des Kassierers mitgeteilt werden. Ebenso dringend ist es notwendig, daß es das Jdeal einer eigenherrlichen Gesetzgebung um so schärfer Wolfes legt. uns von jeder Adressenänderung der Provinzial- Agitationskomitees erfand, je mehr sich das Niveau seiner Intelligenz und seiner Sitte Wie jene Phrase vom socialen Königtum" eitel Wind ist, weist und der Vorstände der Landesorganisationen Kenntnis zu geben. erhebt... Wenn einzelne Nationen in althergebrachter Unter- Frohme überzeugend nach. Aber wenn sie so richtig wäre, wie sie Die Wahl der Vertrauenspersonen tann in öffentlichen Parteiversammlungen oder dort, wo die Parteivereine die Parteigeschäfte führen in den Versammlungen der Vereine vollzogen wverden. Für Drte, in denen es den Genoffen unmöglich ist, eine Verfammlung abzuhalten, empfiehlt es sich, daß sie sich privat vers ständigen und die Adresse der gewählten Vertrauensperson beim Borstande melden. " In Sachen der Organisation hat der Parteitag keine Henderungen werfung unter eine bestimmte Ordnung der Dinge der Autokratie falsch ist, wenn das Land der höchsten Arbeitereinkommen Deutschvorgenommen, sondern eine Kommission niedergesetzt mit dem noch treu geblieben sind, so kann dieser Zustand der Paffivität doch land und nicht Amerika, das Land der höchsten Besteuerung des Auftrag, einen neuen Organisationsentwurf auszuarbeiten, der dem nicht von unbeschränkter Dauer sein; die fortschreitende menschliche Besizes Deutschland und nicht England, das Land des besten nächsten Parteitag zur endgültigen Entscheidung vorgelegt werden Entwicklung widerseßt sich in allen seinen Herrschaftsgebieten dem Arbeiterschutzes wiederum Deutschland und nicht die demokratisch soll. Unbeschadet dieser Beschlüsse besteht aber für uns alle die bestehenden Zustand." berwalteten Kolonien Englands wären, ja, selbst wenn es wahr Pflicht, auf dem gegebenen Boden die vorhandene Organisation Und ganz ähnlich liest man bei Frohme: Nie wird sich die wäre, daß in Deutschland jeder Arbeiter seine gute und gesicherte auszubauen, neue Anhänger der Partei zu werben und die Agitation Hoffnung der Reaktionäre erfüllen, daß es durch socialpolitische Existenz hat, so gelänge es damit nicht, in Deutschland die Flammen und Organisation in Bezirke und Orte zu tragen, in denen wir Experimente gelingen werde, die Arbeiterklasse einem politischen einer revolutionären Bewegung zu erstiden, die als ihr sicheres, bisher noch keine Anhänger besaßen und keine Organisation hatten. Indifferentismus zu überantworten. In ihr macht die Idee unverjährbares, selbsterrungenes Recht fordert, was man ihr als Es wird in erster Linie Aufgabe der Landes- und Provinzial- des Selbstbestimmungsrechts mit elementar bor Gnadengeschent nicht giebt, aber verspricht. fomitees sein, welche die Bedürfnisse ihrer Bezirke am besten kennen wärtstreibender Kraft bis in ihre letzten Konsequenzen Unvergänglicher als in Stein und Erz steht in die Gehirne der und am leichtesten neue Verbindungen zu schaffen vermögen, hier hinein sich geltend; diese Idee will und muß ihre volle Er- deutschen Arbeiter der Satz geschrieben, daß die Befreiung der energisch thätig einzugreifen; wir werden es durch die Gewährung füllung finden." Arbeiterklasse nur ihr eignes Werk sein kann. Das Mittel dieser der etwa fehlenden materiellen Mittel und durch Unterstützung Während so zwei gebildete Europäer und Gesinnungsgenossen, Befreiung kann aber kein andres sein, als zunächst die Anerkennung mit agitatorischen Kräften, so weit diese uns zur Verfügung stehen, die etwa zwanzig Reisestunden weit von einander wohnen, mit ver- des Proletariats in feinen politischen Mehrheitsrechten zu erkämpfen, an Mithilfe nicht fehlen lassen. schiedenen Worten ein und dasselbe sagen, bekräftigt ber eine mit einem Worte: die Demokratie. " " Weiter wird es sich darum handeln, namentlich die Partei- die Treue zu den politischen Zuständen seines Vaterlandes, in- Frohmes Buch ist zur guten Stunde erschienen, nicht bloß als genossenschaften der kleinen Orte, in denen es an geistiger Anregung des der andre einen Abgrund umstürzlerischer Gesinnung enthüllt, Beitrag zu einer aktuellen Debatte innerhalb der focialdemokratischen am meisten fehlt, mit Lesestoff zu versehen. Vor allen Dingen ist vor dem jeder wahre" deutsche Patriot grauenvoll zurückschaudert. Partei, die nur die völlige Einigkeit in der Anerkennung dieses hier für die Verbreitung der Parteipresse der betreffenden Bezirke Freilich konnte das Buch Frohmes, von einigen wenigen Stellen Grundprincips erhärten konnte, sondern auch in Rücksicht Sorge zu tragen. Es sollte keine Versammlung stattfinden, in der abgesehen, in Frankreich nicht geschrieben werden, oder es hätte auf die allgemeine politische Lage, die der Verbreitung seiner nicht durch mündliche Aufforderung und durch massenhafte Ver- dort sicher nicht die Leser gefunden, die es in Deutschland finden Grundgedanken günstig ist. Während der Typus der absoluten breitung gedruckter Einladungen zum Abonnement auf die wird und die wir ihm dringend wünschen. Denn Frohmes Buch be- Monarchie- ein lächerlicher Widerspruch in sich selbst, da jeder freie Parteipresse gewirkt wird. In dieser Beziehung ist bisher handelt das Selbstverständliche, das nur in Asien und seinen poli- Republikaner mehr Möglichkeit individueller Machtentfaltung besitzt biel zu wenig geschehen. Ferner muß durch die weiteste tischen Borländern etwas Paradores ist. Man kann autokratische als der Selbstherrscher" von Rußland- auf den mandschurischen Verbreitung der„ Neuen Beit" für eine principielle Bertiefung Grundsäge historisch begreifen. Historisch begreifen kann man auch Feldern verblutet, nähert sich die deutsche Socialreaktion ihrem unsrer Anschauungen und durch die Verbreitung der Gleich- Folter, Hegenbrand und Inquisition. Man kann auch den Nutzen zu vollendeten Bankerott. Sie prahlt mit vergangenen wie fünftigen heit" auf die Gewinnung der Frauen für unire Bewegung würdigen wiffen, den bestimmte Gesellschaftsklassen aus ihnen ziehen. Thaten und wird die herrschenden Klassen Deutschlands doch niemals Bedacht genommen werden. Endlich sollte allerwärts in viel Man kann die Schwierigkeiten sorgsam abschätzen, die ihrer Ueber- dazu bringen, ihr Geldsackinteresse in die Opferschale des monarchischen höherem Grade als dies bisher geschehen ist, durch Anlegung von windung entgegenstehen. Das alles kann man. Aber eines kann Princips zu werfen. Sie macht sich zur lächerlichen Figur, indem sie als Bibliotheken und Verbreitung unfrer Litteratur für die geistige Aus- man nicht nämlich sie logisch rechtfertigen. Dem Bolt, das Thaten freiwilliger Liebe preist, was ihr im Angstschweiß die politische bildung unsrer Genossen gesorgt werden. Die nötigen Schriften zu politischem Denken erwacht, müssen sie immer als ein boll Not abgerungen hat und stellt Wechsel auf die Zukunft aus, die verzeichnisse sind durch unsre Partei- Buchhandlungen gratis zu kommener Widerspruch erscheinen, gleich geheimnisvoll für Weise wie ihre Kapitalisten in aller Ewigkeit nicht einlösen werden. Auch beziehen und sind auch wir bereit, hier unterstügend einzugreifen. für Thoren. Hier gilt immer Fichtes Wort, das wir bei Frohme unfren Regitimisten wird die Stunde kommen, da sie werden einParteigenossen! Es sind der Aufgaben viele, deren Lösung citiert finden: sehen müssen, daß in einem vorsichtig gedeckten Rückzug vor der wir zu übernehmen haben. Wir können diesen Aufgaben nur gerecht Ueberhaupt ist die Erblichkeit der Repräsentation ein völlig vorrückenden Macht der Arbeiterdemokratie immer noch die beste werden, wenn wir einmütig zusammenstehen, unfre Kräfte ver- bernunft widriges Princip; denn die Bildung, zumal die Aussicht für die teilweise Rettung ihrer Principien liegt. Es ist binden, Kleinlichen Streit und gant über Nebendinge verbannen, höchfte hier erforderliche, hängt durchaus von individuellre Anlage nicht unser sondern ihr Interesse, daß die Frage Monarchie oder namentlich auch alle persönliche Streitigkeiten auf das strengste ab und führt gar nichts Erbliches bei sich. Republik?" in Deutschland nicht in ihrer flaren eindeutigen Ausunter uns berpönen, was nicht ausschließt, daß wir fachliche Meinungsverschiedenheiten fachlich diskutieren, denn nur im Kampf Karl Frohme. Hamburger Druckerei und Verlagsanstalt Auer *) Monarchie oder Republit? Kulturgeschichtliche Streifzüge von schließlichkeit gestellt und entschieden wird. der Meinungen können wir die rechten Wege zu unsern Zielen finden. u. Co. 1904. Die Einheit der Partei ist ohne Einigkeit nicht möglich. Die**) Th. Darel: Le Peuple Roi. Essai de Sociologie uniEinigkeit bedeutet aber nicht Aufgabe jeder selbständigen Anficht, versaliste. Paris. Felix Alean. 1904. Politifche Uebersicht. Berlin, den 28. September. „ Entehrt". " bom ordents und damit zum Tragen der Uniform beziffert. Da nun seiner Zeit bei der Begebung der italienischen hat der militärische Sachverständige des„ Hamburgischen Korrespon= scht sohn " tiefsinnige Betrachtungen darüber angestellt, welch wichtige inter- nächste Marineborlage im Sinne der Vorschläge nationale Fragen bei dieser diplomatischen Zusammenkunft ver- der Mitteilungen des deutschen Flottenvereins handelt worden sein könnten. Man hat die Frage aufgeworfen, ob gehalten sein wird. wohl auch die Möglichkeit einer Friedensintervention im russisch- als ja der russisch- japanische Krieg den Wert der Banzerschiffe in Diese Flottenagitation des Flottenvereins ist um so bedenklicher, Der militärische Mitarbeiter des„ Berliner Tageblattes", Oberst japanischen Kriege erörtert worden sei, eine Mutmaßung, die man einem zweifelhaften Lichte hat erscheinen lassen. Diese unsre Aufa. D. Gaedke ist vom Offiziers- Ehrengericht bekanntlich unter jene aber dann mit allerhand mehr oder minder stichhaltigen Gründen fassung ist nicht nur von einer französischen Marinekapazität, Leute verwiesen worden, die weder Rang noch Uniform ihr zurückgewiesen hat. Ebenso hat man sich den Kopf darüber zer- sondern auch von Marine- Sachverständigen in Deutschland, so eigen nennen. Worin das Verbrechen des Herrn Oberst bestand, brochen, ob die macedonische Frage den Gegenstand der Unterhaltung von dem Grafen Reventlow und einem Mitarbeiter der„ Magdeweiß man auch: Er hat anläßlich des serbischen Königsmordes in gebildet habe. Am plausibelsten klingt die Mitteilung, daß es sich bei burger Zeitung" bis zu einem hohen Grade geteilt worden. Dem sehr zurückhaltenden Worten die Meinung ausgesprochen, daß die der Zusammenkunft, soweit sie nicht überhaupt nur eine konventionelle gegenüber will es wenig besagen, daß ein militärischer Mitarbeiter Offiziere nicht nur willenlose Werkzeuge des Monarchen sein, Bedeutung gehabt habe, darum gehandelt hätte, die deutsche Re- des Hamburgischen Korrespondent" für das Panzerschiff sondern sich auch als Organe des Vaterlandes fühlen sollen. Nach der gierung für eine italienische Staatsanleihe sympathisch eine Lanze bricht. Dieser Sachverständige erklärt, daß durch die Banze Anschauung Gaedkes darf der Offizier die Thaten eines Königs, der zu stimmen, die durch die Verstaatlichung italienischer Eisenbahnen rung der Linienschiffe immerhin verhindert worden sei, daß die Treffer ein Verbrecher oder ein Narr oder beides zusammen ist, notwendig werden wird. Es ist in der That wahrscheinlich, daß Kessel usw. beschädigt hätten. Durch die japanischen Geschütze sei der großen japanischen Schiffsgeschütze die vitalsten Teile, wie Maschinen, nicht unterstützen. Diese, wie man glauben sollte, im Italien damit rechnet, daß der deutsche Finanzmarkt einen Teil des kein Panzer in den Grund gebohrt worden, die Versenkung der ver20. Jahrhundert eigentlich selbstverständliche Behauptung Anlehens, das durch die Verstaatlichung dieser Eisenbahnen erforder- nichteten Panzerschiffe sei mittels schwimmen der Minen gehat dem Herrn Oberst das schwerste ehrengerichtliche Urteil, das über- lich sein wird, übernehmen wird, und es wäre in der That begreif- schchen. Dem ist entgegenzuhalten, daß durch die japanischen Geschütze es haupt möglich ist, eingetragen. lich, daß der italienische Ministerpräsident die Gelegenheit benutzt ja auch nicht ein einziger russischer Kreuzer direkt in den Um dieses Urteil so recht verständlich zu machen, müssen wir auf hätte, die deutsche Regierung für diese Anleihe günstig zu stimmen, Grund gebohrt worden ist, eine Thatsache, die nicht für den Wert jene Zeit zurückgehen, in der auch noch die pensionierten da bei derartigen finanziellen Aktionen ja die Regierung. Die der Kriegsschiffe iſt eben nicht auf den Panzer, ſondern auf die bis zu der Panzerung, sondern gegen sie spricht. Die Widerstandsfähigkeit Offiziere dem Militär- Strafgesetz muterſtanden. Nach§ 33 einem gewissen Grade mit der Finanzwelt Hand in Hand geht. des Gesetzes durfte pensionierten Offizieren das Recht das Recht zur Gesamtsumme, welche Italien braucht, wird auf eine Milliarde Frgend ein Argument für den offensiven Wert der Panzerschiffe erhöhte Schwimmfähigkeit durch die Schotten zurückzuführen. Führung des bom ordentlichen Gericht nur wegen Handlungen ge- Eisenbahnpapiere auch deutsche Finanzanstalten: die Deutsche Bank, denten" nicht beizubringen vermocht. Hätten statt der sechs Liniennommen werden, die, wenn sie von aktiven Offizieren begangen die Diskontogesellschaft, die Berliner Handelsgesellschaft, die Dresdner schiffe in Port Arthur sechs, wenn auch nur schwach gepanzerte, worden wären, die Entfernung aus dem Heere zur Folge Bank, die Bank für Handel und Industrie usw. in erheblichem Maße Kreuzer gelegen, so wäre es um die Seeherrschaft der Russen gehabt hätten. Nach§ 31 des Militär- Straf- Gesezes muß gegen beteiligt waren, ist anzunehmen, daß die deutschen Financiers gern viel besser bestellt gewesen. attive Offiziere auf Entfernung aus dem Heere erkannt werden, geneigt sein werden, sich an der italienischen Anleihe zu beteiligen. Des weiteren kommt der Sachverständige des„ Hamneben Zuchthaus oder dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, sowie Die Mission" Giolittis wäre danach keine politisch allzu bedent- burgischen Korrespondenten" auch auf den Wert ber Torpedoboote zu sprechen. Er führt in solchen Fällen, in denen gegen Unteroffiziere und Gemeine die fame gewesen. Aber es gehört ja mum einmal zu dem journaliſtiſchen daß die Torpedoboote sich in nicht allzu hohem Grade bewährt hier nicht mit Unrecht- aus, Bersetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes geboten ist. Sport unsrer bürgerlichen Bresse, hinter jeder Ministerzusammenkunft hätten. Sie feien nicht im stande gewesen, auf offener See den in Außerdem kann auf Entfernung aus dem Heere erkannt werden neben gleich die weittragendsten politischen Absichten zu wittern.do feindlichen Schiffen Schaden zuzufügen. Es werde nötig sein, die Gefängnis von mehr als fünfjähriger Dauer fowie in Fällen, in hislp aid amidonan sudo machina nelle ord omandasil Torpedoboote viel stärker zu bauen, um sie operationsfähiger denen für Unteroffiziere und Gemeine die Versetzung in die smo di dopo hostilik sisig ha do talt zu gestalten. zweite Klasse des Soldatenstandes zulässig ist. Man ficht, lulus Deutfches Reich. j Aus all diesen Aeußerungen der Marinesachverständigen geht daß das Militär Strafgesetzbuch die Entfernung aus dem nur das hervor, daß der Wert unsrer heutigen Kriegsschiffe, fo= Heere nur für sehr schwere Verfehlungen, z. B. Wechsel- dub Die Handelsverträge. wohl der Panzerschiffe als auch der Torpedoboote, ein sehr ist et fälschung, Diebstahl, Betrug, Meineid, Mord Bum Stand der Handelsvertragsverhandlungen schreiben die fragwürdiger ist und daß eigentlich die Striegsschiffe eine Diese Erkenntnis zuläßt. Damit ist im Zusammenhalt mit dem vorerwähnten§ 33 Berliner Politischen Nachrichten":" Es gewinnt die Frage immer ganz neue Gestalt erhalten müßten. bewiesen, daß es auch den Entzug des Offiziertitels und der Uniform Stores Intereſſe, wann voraussichtlich dem Reichstage mag ja für die Panzerplatten- Patrioten und Schiffs. Handelsverträge unterbreitet werden dürften. reeder sehr angenehm sein. Für die große Masse des Volkes, für penſionierte Offiziere nur bei ſehr ſchweren Strafthaten wollte. Die Berträge mit Fußlany, Italien und Belgien fouten bie die tausende von Millionen, welche die bisherige flotte geloftet and. Die Ehrengerichte aber werfen mit dem Entzuge des Titels ze nur jederzeit vorgelegt werden, also auch gleich Ende November beim hat, aufbringen muß, ist diese Erkenntnis eine sehr traurige. so herum. Schreibt ein Offizier etwas, was höheres Ortes nicht wiederzusammentritt des Reichstags. Wann die andern neuen Um fürderhin eine so ungeheuerliche Verschwendung der Steuerpaßt, ist man flugs damit da. Und dabei wird das Urteil chren- Tarifverträge zum Abschluß gebracht werden, ist auch noch nicht sicher. summen zu verhüten, giebt es nur ein Radikalmittel, den Kampf gerichtlich genannt! Es wird also der Glaube erweckt, als ob Es wird allgemein angenommen, daß die Unterzeichnung des neuen gegen den Marinismus überhaupt, der, wie wir ja schon der Verurteilte gegen die Ehre verstoßen habe. Mit Verlaub: Enthielt Vertrags mit Rumänien nahe bevorsteht. Für die deutsch- mehr als einmal nachgewiesen haben, speciell für Deutschland doch der Artikel des Obersten Gaedte unehrenhafte Anschauungen? Kein chweizerischen Verhandlungen nimmt man noch ein paar nur einen überflüssigen Lurus darstellt. vernünftiger Mensch wird das behaupten. Der Oberst hat lediglich diesen Staaten zu einem positiven Ergebnis Mitte Oktober geführt Wochen in Aussicht. Jedenfalls hofft man, daß die Arbeiten mit eine Meinung geäußert, die konservativen Staats- haben werden. Danach würden auch die neuen Verträge mit der Ein wildes Denunziantenstück gegen Ernst Häckel leistet die streichlern und den im Deutschen Reich sich breitmachenden Schweiz und Rumänien Ende November zur Einbringung in den Germania". In einem ebenso schimpfgewaltigen wie lügenhaften absolutistischen Gelüsten nicht in den Kram passen. Selbst Reichstag reif sein. Nun geht die Regierung und mit Recht von der Artikel behandelt sie den jüngst in Rom abgehaltenen internationalen wenn es wirklich wahr ist, daß der Offizier nichts sein soll als ein Idee aus, dem Reichstage möglichst alle wichtigen neuen Verträgereidenker- Kongres. Professor Häckel wird mit hundert blindes Instrument ſeines Königs, und wäre dieser auch ein viehischer auf einmal zu unterbreiten. Zu den letzteren gehört unbedingt auch schmutzigen Schmähungen überhäuft, weil er im Bruderbund mit grausamer Trottel, der kein Recht achtet, so hat Gaedtke mit ſeinem der deutsch- österreichische lieber ihn bagi bereits er tommt das für Religion und Wohlanstand eifernde Blatt zu der ihn haben ja bereits Ver- Freimaurern, Socialisten und Anarchisten" gesessen habe. Dann handlungen stattgefunden, da Artikel keineswegs die Ehre verletzt, sondern nur die vor nicht geführt haben, sollen sie demnächst wieder aufgenommen werden. gemeinen Denunziation des verhaßten Meisters freier Naturgeschriebenen Berufsanschauungen der Offiziere nicht Wann dies geschehen soll, hängt auch von dem Berlauf namentlich forschung: geteilt. Selbst wenn man dem Offiziercorps nicht das Recht nehmen der deutsch- schweizerischen Unterhändler- Konferenzen ab, weil nämlich will, daß es von Angehörigen ein gewisses Maß bestimmter die hierbei gegenwärtig thätigen Beamten zu den Verhandlungen Anschauungen fordert, so ist doch nicht zu billigen, wenn mit Deftereich- Ungarn unbedingt gebraucht werden würden. Unter es einem Angehörigen, der andre Anschauungen äußert, die Ehre der Voraussetzung, daß die deutsch- schweizerischen Verhandlungen abspricht. Will das Offiziercorps in seinen Reihen mur Männer mit Mitte Oktober zum Abschluß gelangen würden, würden also dann reaktionärer Gesinnung dulden, so schaffe man Standesgerichte, die wieder aufgenommen werden können. Ob es nun möglich sein wird, die Verhandlungen mit den österreichisch- ungarischen Unterhändlern zu entscheiden haben, ob etwaige räudige Schäflein dem Stande noch in einem Zeitraum von 5 oder 6 Wochen den neuen Vertrag mit angehören dürfen. Die Ehrengerichte hingegen sind nur für un- Oesterreich- Ungarn fertigzustellen, ist sehr fraglich. Es ist aller ehrenhafte Handlungen da. Benutzt man sie dennoch als Censur- dings auch nicht ausgeschlossen. Namentlich nachdem Oesterreichbehörde, so ist dies dazu angethan, sie um jeden kredit zu Ungarn mit Italien zu einer handelspolitischen Verständigung gebringen. Fühlen die Offiziere nicht selbst, daß es jeder Ge- langt ist, glaubt man, daß sich die neuen Verhandlungen mit Deutschrechtigkeit widerspricht, wenn ein Oberst Gaedke vom Ehrengericht land schneller als früher werden vollziehen lassen. Jedenfalls muß genau so gemaßregelt wird wie ein Offizier, der Wechsel gefälscht man mit der Möglichkeit, daß der neue deutsch- österreichische Vertrag oder einen Meineid geschworen hat? Die Herren sollten doch bedenken, würde wohl die Beantwortung der Frage, ob die Vorlegung der Ende November noch nicht fertiggestellt sein wird, rechnen. Dann daß wenn in Euren Reihen Geister wie Rant, gesamten bereits zum Abschluß gebrachten Verträge noch weiter Häckel, der dem Socialismus so feindlich gegenübersteht, darf Fichte, Grethe, Schiller, Tolstoj wachsen würden, fie alle hinausgeschoben werden soll, davon abhängen, ob Ende November auch von uns zu dem maßlosen Haß bewillkommnet werden, den die mit dem Verlust des Titels und der Uniform ehrengerichtlich begründete Aussicht auf einen baldigen Abschluß mit Desterreich be- Finsterlinge ihm entgegenzischen. Daß für den Mann nicht ebenso bestraft werden würden! Der Militarismus handelte nur steht oder nicht. In ersterem Falle würde man wohl noch einige der Scheiterhaufen entzündet werden kann wie für Giordano Bruno, im ureigensten Interesse, wenn er für Offiziere Standes- Wochen zu warten berechtigt im andern würde eine weitere Rücksicht- an dessen Denkmal Häckel unter Tollwvutsausbrüchen der„ Germania" gerichte schüfe, und die Ehre, die mit der Censur gar nichts zu nahme wohl kaum angebracht sein." stil deinen Kranz im Namen Deutschlands niedergelegt hat! D thun hat, aus dem Spiel ließe. Die Befugnis dieser Standesgerichte of g Ausländersperre. Zur Behandlung der Auswanderungsverdächtigen bringt das hätte gegen pensionierte Offiziere nicht weiter als bis zur Aberkennung der Erlaubnis zum Tragen der Uniform zu der preußischen Regierung gegen unwillkommene" Ausländer sind genoffen, der von Budapest nach Hamburg reiſte, um hier eine Als weitere Fortführung der kleinlichen und gehässigen Politik" Hamburger Echo" einen Beitrag, indem es schreibt: Soeben erfahren wir von einem jungen ungarischen Parteigehen. Der Entzug des Titels stünde ihnen nicht zu. Nun noch zu der gewiß nicht nebensächlichen Frage, ob Gaedke die Bestimmungen anzusehen, welche in dem soeben erschienenen Stellung anzunehmen, daß auch er auf der Reiſe arg belästigt mit seiner bewußten Behauptung auch vom militärischen Danzig betreffend die Zulassung der Ausländer ergangen find. Grenze wurde er, obgleich er eine Fahrkarte nach Hamburg hatte Programm der neuen Technischen Hochschule zu worden ist. Einige Stationen hinter Oderberg an der schlesischen Standpunkt aus Recht hat. Daran tann gar kein Zweifel fein, Es wird in diesem Programm bestimmt, daß Ausländer zum Studium und der Zug bis Breslau durchfuhr, aufgefordert, den Zug zu ver denn der§ 47 des Militär- Strafgesetzbuches beſtimmt, daß der nur zugelassen werden sollen, wenn sie in einer deutschen neun- laffen, da alle Reisenden, die nach Bremen oder Hamburg wollten, beobachten hat, also auch dann, wenn ein Höherer von ihm die lassigen Lehranstalt die Abgangsprüfung abgelegt aussteigen müßten. Als er unter Hinweis auf seine Fahrkarte fich haben. In allen andren Fällen soll ihre Zulaffung nur Befehl" zum Aussteigen Folge zu leisten. Der Bahnhofsvorsteher weigerte, auszusteigen, wurde er unter Drohungen veranlaßt, dem Begehung von Verbrechen oder Vergehen verlangen würde. Dieser nach vorheriger Genehmigung des Ministers und des Ober- bemerkte dem jungen Mann, er müsse nach dem andern Bahnhof Paragraph sagt: In den Statuten der übrigen und werde nach Bremen befördert, um von dort nach Amerika zu ein Strafgefes verlegt, so ist dafür der befehlende Vor- preußischen Technischen Hochschulen wird von den Ausländern ver- fahren. Der junge Ungar erwiderte, er wolle gar nicht nach Amerika " Wird durch die Ausübung eines Befehls in Dienstsachen präsidenten möglich sein. gejezte allein verantwortlich. Es trifft jedoch den gehorchenden nünftigerweise nur verlangt, daß sie den Nachweis eines Bildungsgrades und auch nicht nach Bremen, sein Reiseziel sei Hamburg. Dennoch Intergebenen die Strafe des Teilnehmers: 1. wenn er den liefern, der sie zur Immatrikulation an einer deutschen Hochschule wollte man ihn veranlassen, für 20 M. eine Fahrkarte nach Bremen ihm erteilten Befehl überschritten hat oder 2. wenn ihm geeignet macht. Die jetzt für Danzig getroffene Bestimmung be- zu löfen. Seine immer wiederholte Bemerkung, er wolle nach bekannt gewesen, daß der Befehl des Vorgesezten deutet eine ungeheuere Erschwerung der Zulassung von Ausländern Hamburg, wurde mit der Erwiderung zurückgewiesen:„ Sie dürfen eine Handlung betraf, welche ein bürgerliches an dieser Hochschule, da es natürlich den Ausländern schwer möglich nicht nach Hamburg, Sie müssen nach Bremen!" oder militärisches Verbrechen oder Vergehen ist, sich der Abgangsprüfung in einer deutschen Lehranstalt zu unter- Das preußische Lotteriegesch, welches schärfere Strafbestimmungen ziehen, und da sie dann lediglich von dem Belieben der höheren gegen das Spiel in außerpreußischen Lotterien festsetzt, wird im Nehmen wir den freilich sehr unwahrscheinlichen Fall an, daß Verwaltungsbehörde abhängig werden. Reichs- Anzeiger" publiziert. Das Gesetz tritt eine Woche nach ein deutscher oberster Kriegsherr Offizieren furzweg befiehlt, gewisse Wollten außerdeutsche Staaten ähnliche Bestimmungen gegen der Veröffentlichung in Kraft. ihm unbequeme Männer zu töten. Die Offiziere wüßten genau, deutsche Studierende treffen, so würde man in Deutschland mit Recht daß nach deutschen Gesezen ein Mensch nur auf Grund eines Richter- fich dagegen aufs heftigste verwahren. Jedoch die deutsche Gaftlich- behörden gegen die Inhaber von Sälen verhängen, in denen socialMilitaristischer Rückzug. Der Boykott, welchen die Militärspruches oder aus Notwehr getötet werden darf und daß sie also demokratische Versammlungen stattfinden, hat nur den Saalinhabern Morde begingen, wenn sie dem Befehl ihres Kriegsherrn gehorchen schwere Schädigung gebracht, während die Socialdemokratie genug würden. Gehorchen sie dennoch, so gehören fie nach§ 47 des Mittel fand, um sich solcher Maßregeln zu erwehren. Besonders int Militär- Strafgesetzbuches tegen Mordes vor Gericht gestellt. Käme es Sachsen wurde diese Methode des militaristischen Boykotts mit zu einer Revolution, in der das Volk siegen würde, so könnten alle dem aller Strenge durchgeführt. Nochmals der Wert des Panzerschiffes. Daher fämpfen dort die Saalinhaber Offiziere, die vorher gefezwidrige Befehle ausgeführt haben, mittels feit langem für die Beseitigung dieser Maßnahmen. Stets hat sich des genannten Paragraphen je nach ihren Verfehlungen ins Ge- gerade jest wieder lebhafteste Propaganda für riesige Linienfcheint man doch zu einiger Einsicht gelangt zu sein. Wie Dresdener Das Organ des Deutschen Flottenvereins macht die Militärbehörde geweigert, Milderungen zu treffen. Jetzt endlich fängnis oder ins Zuchthaus oder auf das Schaffot geschickt werden. Schiffsbauten. Es weist darauf hin, daß andre Mächte noch Blätter melden, herrscht jetzt bei den obersten Stellen der Militärbezweckte." keit scheut sich nicht vor so unwürdiger Ausländersperre und die deutsche Wissenschaft wird diese behördliche Zumutung sicherlich ebenso ruhig einstecken wie so viele andre Zumutungen zuvor. and "... Seine Orden und Ehrenzeichen und feine monarchische Gesinnung, die man bis zum Beweise des Gegenteils bei ihm als vorhanden annehmen muß, hatte er bei dieser Rede zu Hause gelassen; saß er doch am Präsidialtisch neben dem fortgeschrittenſten belgischen Socialisten Fournemont Die vier„ Erhalterstaaten" der Universität Jena und deren Herzoge und Großherzoge können sich jezt sehr geschmeichelt fühlen, daß sie mit ihrem Gelde einen solchen Professor bezahlen, deffen monarchische Gesinnung nur für den Hausgebrauch zu sein scheint. Aber freilich, das geht in Jena ungestraft durch Er hat sich mit einem Worte zum Mitschuldigen an all den zahllosen Gottes- und Majestätsbeleidigungen gemacht, die zu Hunderten auf dem Kongresse gefallen sind. Aus den Gottesbeleidigungen wird er sich zwar nichts machen, ob ihm aber die Majestätsbeleidigungen nicht unbequem werden können, bleibt abzuwarten." Und es wäre auch traurig, würde es anders sein. Ist die Armee weit gewaltigere Panzerkolosse in Bau hätten als Deutschland, ja, verwaltung ein wesentliches Interesse an der unveränderten Aufrechtwirklich nichts als ein willenloses Werkzeug in der Hand des daß Panzerkreuzer von Dimensionen gebaut würden, hinter denen erhaltung des bisherigen Zustandes nicht mehr". Man will es jeweiligen Herrschers, ein Werkzeug, das er jeden Augenblick auf unsre größten Linienfchiffe vom Typ Braunschweig noch zurückblieben. vielmehr in das Ermessen der einzelnen Kommandobehörden stellen, das Volk loslassen darf, so ist das Deutsche Reich in Wahrheit eine Das Blatt folgert daraus, daß wir ebenfalls immer ge- das Militärverbot über Gastwirtschaften, in denen socialdemokratische Despotie nach orientalischem Muster. Dann sind die Reichstage und waltigere Panzerschiffe und Streuzer zu bauen genötigt wären. Auch Versammlungen stattfinden, auf diejenigen Tage zu beschränken, an Landtage nur Humbug und die Verfassung sowie die Gefeße sind genüge es nicht, die Größenmaße der Linienschiffe noch immer mehr denen solche Versammlungen abgehalten werden. das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Merken denn die An- zu erhöhen, sondern auch die Schiffsartillerie müßte immer hänger des monarchischen Princips nicht, welche Waffe sie den gewaltigere Dimensionen annehmen. Namentlich die Für den Wahlkreis Jerichom finden die Konservativen noch keine Republikanern damit liefern, daß sie das Heer und das Offizierscorps tittel artillerie unfrer neuesten Linienschiffe fei unzu geeignete Kandidatur. Man spricht von allerlei Vorschlägen, u. a. länglich, da die übrigen Staaten: England, Nordamerika und von Dr. Dertel. Andre haben mehr Neigung für einen zum blinden Gehorsam gegen den Landesherrn verpflichten, ſelbſt Frankreich, ebenfalls das Kaliber der Mittelartillerie bedeutend ver- gemäßigteren" Mann und als ein solcher wird Legationsrat 3. D. wenn dieser Verbrechen begehen sollte, die zum Himmel schreien? v. Rath genannt, der frühere Privatsekretär des verstorbenen Fürsten Herbert Bismarck, welcher rechtsnationalliberal gilt. Die Kreuz- Zeitung" wendet sich jedoch scharf gegen eine derartige Startellfandidatur". Von den Freifinnigen ist Lehrer Merten als Kandidat proklamiert worden. Die Zusammenkunft Giolittis mit Bülow. Der italienische Ministerpräsident hat mit dem deutschen ReichsKanzler dieser Tage eine Zusammenkunft gehabt. Man hat allerhand größert hätten. Man weiß, daß die Agitation des deutschen Flottenvereins von der Regierung begünstigt wird, daß der Flottenverein nur die Wünsche ausspricht, die auch innerhalb unsrer maßgebenden Kreise gehegt werden. Man kann sich also darauf gefaßt machen, daß unsre erreicht worden. Norwegen. Ein Ministerwechsel. Der Landwirtschaftsminister Mathiesen Der Epileptiker als Borgesetter. Daß ein Epileptiker fich jahre-| zu leiden hat, vor Augen zu führen. Durch die Drohung,[ gerichtet. Der Zug wird sich zunächst nach der Rue de Bruxelles lang in der Marine behaupten und es sogar zum Unteroffizier daß, wenn die Rede, bon deren Juhalt die Behörden vor das Haus begeben, in dem Zola gestorben ist, das aber heute bringen kann, zeigte eine Verhandlung, die sich am Dienstag bor kein Wort erfuhren, nicht vor dem Marine- Kriegsgericht in Kiel abspielte. Obolenski gehalten werden nicht mehr von der Familie bewohnt wird. Dann werden die TeilDort war der dürfe, sie innerhalb Bootsmannsmaat Michalowski wegen gefährlicher Körperverlegung einer Woche in 10 000 Exemplaren im nehmer der Kundgebung am Grabe Zolas auf dem Montmartreangeklagt. Er sollte eines Tages mit Mannschaften des Linien ganzen Lande verbreitet werde, gelang es, der Censur zu entgehen, Friedhofe vorbeidefilieren. schiffes Kaiser Friedrich III." Schießübungen mit Ziel- durch die bisher alle derartigen Ansprachen verstümmelt und ihres Niederlande. munition abhalten. Michalowski vergnügte sich nun da- eigentlichen Wertes beraubt worden waren. Die Arbeiterdeputation Kolonialgrenel. mit, drei Leuten, die er durch die Bahn laufen ließ, je wurde am 5. September von Obolenski in Gegenwart von einigen Haag, 28. September. In der zweiten Kammer unterzogen die eine Ladung( 4 mm- Kugeln) in den Alleriertesten zu jagen. Gendarmen, zwei Senatoren und mehreren Notabeln empfangen. Socialisten Vanderzwaag und van Kol die militärische Gr Die Getroffenen merkten dies nicht sogleich, sondern erst nach einiger Mäkelin, der Wortführer der Deputation, begann seine Rede, die pedition in den Landschaften Gaju und Alas, bei welcher Zeit. Die Kugeln haben nicht entfernt werden können und find ein- er in finnischer Sprache hielt, wie folgt: 1007 Frauen und Kinder getötet worden seien, einer mißbilligenden gewachsen. Michalowski gab vor Gericht schmunzelnd zu, die Leute ,, aus Spaß" geschossen zu haben. Laut ärztlichem Gutachten ist „ Herr Generalgouverneur! Im Vertrauen auf Ihre Versiche Besprechung. Ministerpräsident de Kuyper erwiderte, die Michałowsti Epileptiker, und es ist möglich, daß bei Verübung der rung, daß Sie jeder ehrlich geäußerten Meinung, auch wenn sie nicht Expedition sei notwendig gewesen, weil man dem Prätendenten des That seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen gewesen ist. mit Ihrer eignen übereinstimmt, Gehör schenken wollen, haben Sultanats Atschin den Schutz der niederländischen Regierung zu Daraufhin mußte das Gericht ihn natürlich freisprechen. Wir aber Tammerfors socialdemokratische Arbeiter uns zu Ihnen geschickt, um gesagt habe, was einen Zusammenschluß der Gegner desselben zur Folge hatte. Die Gajus hätten ihre Frauen und fragen, wie war es möglich, daß ein so gemeingefährlicher Mensch einen kleinen Teil der Gedanken offen auszusprechen, die Finnlands Kinder als Schild benutzt; der Führer der Expedition habe es in der Marine bis zum Unteroffizier hat bringen können?- Volk und besonders dessen untere Schicht in den letzten Jahren ge- erst auf Nichtkombattanten feuern lassen, nachdem er ihnen reichliche Verunglückte Meldereiter. Aus Halle berichtet man uns nötigt war zu verschweigen. Wir ersuchen deshalb, einige Worte Gelegenheit gegeben hatte, die angegriffene Ortschaft zu verlassen. unterm 27. September: Recht empfindliche Strafen wegen einer sagen zu können, nicht zum Fürsten, sondern zu einem Die Regierung bedauere lebhaft, daß sie, um ihre Autorität zu Leichtsinnigen Handlung erhielten von dem Kriegsgericht der achten Manne, von dem wir glauben, daß er lieber der geraden wahren, in die Notwendigkeit versetzt worden sei, Frauen und Kinder Division die Küraffiere Mag Schröder und Wilhelm kinne Rede redlicher Mitbürger lauscht, als den niedrigen Schmeicheleien zu töten; im übrigen sei der Zweck der Expedition vollkommen vom Seydligschen Kürassierregiment in Halberstadt. Gelegentlich friechender Glücksjäger. Wir ersuchen Sie in Kenntnis setzen zu einer Generalstabsreise während des Manövers bekamen die beiden können davon, daß des Volkes tiefste Schichten, dessen geistig regAngeklagten am 7. Juli. in Osterwiel von dem Major v. Wigendorf famster Teil von Bitternis über die gegenwärtigen schweren Vernachmittags gegen 5 Uhr den Auftrag, dem Chef des Generalstabs bom 4. Armeecorps, Oberst v. Franzen einen Brief zu überbringen. hältnisse durchdrungen ist. Wir sind ein Freiheit liebendes redliches hat am Montag fein Abschiedsgesuch eingereicht. Er sah sich ge= Die in dem Schreiben enthaltene Meldung sollte Punkt 7 Uhr Bolt und darum können wir uns nicht an das niedrige Spionen- nötigt dazu infolge von Handlungen, die nicht allein innerhalb der freigesinnten Bevölkerung lebhaften Unwillen hervorgerufen haben, in den Händen des Oberst sein, der damals in Wernigerode wesen gewöhnen, das während der letzten Jahre zur Schande für weilte. Auf dem Wege kamen die Meldereiter durch das unser Land und Volk sondern selbst seinen konservativen Parteifreunden sein Verbleiben hier eingeführt wurde. In diesem Lande, im Amt unmöglich erscheinen ließen. Er hat nämlich im Laufe dieses Dorf Wasserleben, wo zufällig Schüßenfest war und die Kürassiere wo die persönliche Freiheit seit uralter Zeit heilig gehalten wurde, Sommers den Direktor von Norwegens Landwirtschafts- Hochschule frühere Kameraden antrafen. Sie tranten dort einige Schnitt Bier ist es jetzt nahe daran, daß dieser Begriff ganz unbekannt wird. Hirsch durch beleidigende Eingriffe in das Privatleben dieses in und ein Bäckermeister machte sich den Scherz, mit Schröders Pferd Die Polizei, die zuvor in diesem Lande verhältnismäßig großem Ansehen stehenden Mannes gezwungen, seine Stellung aufeinmal auf dem Schützenplatz herumzureiten. Ein Gendarm brachte wenig zu thun hatte, mischt sich nun in alles und kann, ohne zugeben. Das, was der Minister ihm hauptsächlich zum Vorwurf die Angeklagten schließlich fort. Schröder traf mit seinem in Schweiß gebadeten Pferde um 8 Uhr, und Kinne, dessen Gaul etwas befürchten zu müssen, verantwortlich gemacht zu werden, in das Leben machte, war, daß er den Besuch einer bekannten Dame, gefolgt von sich über die Handlung der Angeklagten und meinte, auf der Er- in einer Institution, die zur Aufgabe hat, die Ordnung aufrecht zu Direktor Hirsch, sondern auch jene Dame sowie die Personen" lahmte", um 19 Uhr bei dem Oberst ein. Der Ankläger empörte friedlicher Bürger eingreifen, ja, sogar über ihre Ansichten bestimmen. Da mehreren andern", empfangen habe. Daraus konstruierte der Minister eine Art unfittlichen Verhältnisses, beschimpfte somit nicht nur den stattung der Meldungen beruhten die Erfolge im Kriege. Der Ver- erhalten, ein solcher Geist Eingang gefunden hat, haben sich als Männer und Frauen, die mit ihr beim Direttor auf Besuch teidiger entgegnete darauf treffend, es liege kein Anlaß vor, auf ihre Handlanger ein Haufen verkommener Individuen waren. In einer Rechtfertigungsschrift, die Direktor Hirsch an den einen Ernstfall Schlüsse zu ziehen, denn im Kriege würden die An- eingefunden, welche in elender Erwerbssicht grundlose An- Staatsminister in Stockholm Jbsen gerichtet hat, nennt er die geklagten wohl keine Gelegenheit bekommen, sich auf französischen zeigen gegen friedliche Bürger machen und dadurch Beleidigungen gegen die Dame" chnisch und unverantwortlich" und Schüßenfesten umherzutreiben. Das Urteil lautete auf je zwei unerhörtes Unrecht verursachen. Monate Gefängnis. Vereine, die auf Grund bemerkt, daß sie zwei Wintersemester an der Hochschule als Lehrerin ihrer geseglich anerkannten Statuten wirken, und soweit wir wissen für mündliche Behandlung der Muttersprache thätig war und ein Aus der Praxis des Liberalismus. Aus München wird uns niemals die ihnen gegebenen Rechte mißbrauchten, werden denunciert Leben verdienstreicher und fruchtbringender Arbeit hinter sich hat. geschrieben: als die schlimmsten Verbrecherhöhlen. Die Versammlungs entfaltet, daß Hirsch im Amte verbleiben möge. Als Nachfolger In landwirtschaftlichen Kreisen wird eine lebhafte Agitation dafür In den Reihen der Liberalen befinden sich nach dem Zeugnis freiheit, die dieses Volk und besonders dessen Arbeiterklasse Mathiesens wird der frühere Stortingsmann Schanche gedes deutschen Idealisten" und Mitbesizers der Münch. N. Nachr." Dr. Hirth, allerhand Viecher". Und die Thatsache, daß hier teuer und heilig gehalten hat, ist uns aus unbekannten Gründen nannt. Brotwucherer und Zollfeinde friedlich neben einander hausen, hat geraubt worden. Die Preß freiheit ist im ganzen Lande der Führer der bayrischen Kammerliberalen vor nicht langer Zeit unglaublich beschnitten, aber dessen ungeachtet befindet sich die an dadurch zu erklären gesucht, daß er sagte, in wirtschaftlichen Dingen Bahl so geringe Arbeiterpresse noch unter einer äußerst scharfen Von einer Friedenstonferenz, die Präsident Roosevelt habe jeder Liberale völlige Freiheit. So brachte es die liberale Partei Censur. Und außerdem hat man an unsre Zeitungen das einberufen wolle, verbreitete sich die Kunde. Es wurden sofort denn auch fertig, bei der letzten Reichstagswahl in München I Machtgebot gerichtet, daß sie, wenn sie nicht ihre allerlei Kommentare über die neue große That des thatenluftigen einen Zollgegner und im Wahlkreise München II, der sich auch auf Richtung ändern, ohne vorherige Verwarnung Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgeheckt. Man sprach schon weite ländliche Gebiete erstreckte, einen Zollfreund als Kandidaten eingezogen werden sollen. Mit einem Wort: des Volkes von der Absicht der Einmischung der Mächte in den ostasiatischen aufzustellen, welche fluge Politik aber nicht verhindern konnte, daß tiefere Schichten sind jeder Möglichkeit beraubt, ihre Gedanken offen Krieg. die Wähler beide Kandidaten mit Glanz durchfallen ließen. Bringt auszusprechen. Wir fragen Sie, Herr Generalgouverneur, ist das Sensation zur Vorbereitung der neuen Präsidentschaftswahlen. Diese Andre wiederum nahmen an, es handle sich um eine die liberale Partei es so fertig, Brotwucherer und Freihändler zu vereinen, so dürfte es doch jedenfalls noch unbekannt sein, daß sie gerecht?"- Im weiteren Verlauf der Ansprache erklärte der Annahme ist sicherlich zutreffend. Herr Roosevelt will durch in ihren Kreisen auch einen Führer zählt, der, ein politischer Redner:" Wir können diese unnatürliche Unter- alarmierenden Thatenlärm Reklame machen. Eine Friedens konferenz, Melangekünstler, gleichzeitig Agrarzöllner und Gegner der drückung nicht mehr ertragen; wir tönnen nicht länger die ein zweites Haag sein soll, würde zugleich ein zweites Fiasko Lebensmittelzölle ist. Die Fertigkeiten dieses Herrn werden diese Luft atmen, die Glücksjäger aller Art durch schwänzelnde der Friedens" ideen der gegenwärtigen Weltmächte werden. Von soeben durch einen rebellischen Jungliberalen verraten. Die alt- und Schmeicheleien verunreinigen, und darum bitten wir Sie, sie zu Friedlichkeit und gar Abrüstung wird zunächst geredet und das Ende jungliberale Partei in Bayern muß sich schon seit längerer Zeit be- reinigen." Dann richtete der Redner an den Generalgouverneur ist: neue blutigste Kriege und grausamste Kriegsführung. ständig über den jugendlichen Grafen Bothmer in Aibling die Bitte, dem Monarchen die Wünsche und Hoffnungen der Arbeiter ärgern, der ihr bei jeder Gelegenheit ihre Dummheiten unter die mitzuteilen, den Monarchen zu bitten, baldigst die volle Ver- Washington vom 27. d. M., Präsident Roosevelt habe seine AnUebrigens meldet bereits die Londoner„ Morning Post" aus Nase reibt. Die liberale Presse sucht den unbequemen Grafen als einen unreifen und unklaren Menschen hinzustellen. Der fammlungs-, Vereinigungs-, Rede- und Breßfreiheit zurüd- regung für eine zweite Haager Friedenskonferenz ohne vorherige antwortete nun darauf mit einem Offenen Brief, der in zugeben. Er schloß mit folgenden Worten:„ Wir haben hier vor Rücksprache mit dem Staatssekretär Hay gegeben. Nach„ reiflicher einem Aiblinger Lokalblatt erscheint und der den Alt- Ihnen einen Teil der innersten Gedanken der tieferen Ueberlegung" habe er die Unausführbarkeit seiner Absicht 1 wonnen werden kann. Amerika. Eine Roosevelt- Sensation. liberalen allerhand recht unangenehme Dinge an den Kopf wirft. Voltsschichten ausgesprochen. Bauend auf Ihr Fürstenwort, daß Sie eingesehen. Staatssekretär Hay fei ebenfalls für eine Konferenz, Der Verfasser sagt z. B. am Schluß, wenn man dulden wolle, daß gerne einer aufrichtigen Rede Gehör schenken, bitten wir, die innersten aber nur zur Abänderung der internationalen Bestimmungen über die jungliberale Bewegung im Oberlande sich der liberalen Gesamt- Wünsche, die wir hier ausgesprochen haben, Ihrer Prüfung unter die Kriegstonterbande, und auch erst nach Beendigung des partei anschließe, so heiße das, diese Bewegung der politischen breiten zu dürfen." Prostitution ausliefern! In dem Brief wird nun folgende Krieges in Ostasien. hübsche Geschichte von dem Münchener Gemeindebevollmächtigten Als Mäkelin geendet hatte, streckte einer der Trabanten Dr. Wacker erzählt, einem der eifrigsten liberalen Agitatoren: Obolenskis, Walin, die Hand nach dem Konzept aus mit der Be- Barkers Annahmeschreiben, in welchem er sein politisches Pro„ Herr Dr. Wacker hat im vorigen Jahre bei einer Wahlversammlung merkung, daß er die lange Rede fofort ins Russische übersetzen gramm entwickelt, wird in der Presse eifrig diskutiert. Die demoauf Wunsch für Viehzölle gesprochen, während er im wolle. Mäkelin hatte aber sofort eine russische Uebersetzung bei der die republikanischen Blätter finden das Schreiben schwach und Münchener Gemeinde- Kollegium gegen solche gesprochen hat, und Hand, die er Walin überreichte. Dieser las nun die Ueberseßung inhaltslos, verglichen mit Roosevelts glänzenden Argumenten. sich dieses Kniffes dann mir und einigen Rosenheimer Herren gegen mit gehobener Stimune vor. Währenddessen wechselte Obolenski Es fehlt an einer großen„ Issne", einer Wahlparole, um bei den über gerühmt." Wenn diese Geschichte wahr ist dann und wann die Farbe und griff mit der Hand nach dem Säbel- Massen Stimmung zu machen, darüber klagen beide Parteien, be= und es ist wohl nicht anzufnauf. Obwohl er äußerlich ruhig erschien, merkte man doch die sonders die Demokraten. Dieselben versuchen es mit dem Schlagwort nehmen, daß Graf Bothmer eine Lüge in die Welt gefest innere Aufregung.- Er erklärte dann, daß er nicht auf die von der bedrohten Konstitution gegen den Imperialismus, aber die hat- so bestätigt sich prompt das Urteil, das Bebel fürzlich in Bremen über den bayrischen Liberalismus ausgesprochen hat. Rede antworten könne, da sie nicht nur die An- Massen kommen in feine nennenswerte Aufregung darüber. Es ist gelegenheit der Arbeiter, sondern die des ganzen Landes eine große und unberechenbare Wählermasse vorhanden, die beide Wir werden um Aufnahme der folgenden Erklärung ersucht: berühre. Was die Arbeiter anbeträfe, so sollten sie wie bisher das Seiten fürchten und die durch eine große packende Wahlparole ge Erklärung: Recht haben, zusammenzukommen, so wie es ihre Statuten be- In Colorado haben die Republikaner denselben Gouverneur, Aus Ihrem Bericht über den am 26. d. M. in Mainz ver- sagten, und wenn eine Frage von größerer Bedeutung vorläge, sei James H. Peabody, wieder aufgestellt, gleichsam den organisierten handelten Prozeß über die Kriegsbriefe meines Vaters ergiebt sich, ia nichts andres als eine Eingabe an den Gouverneur nötig. Arbeitern zum Hohn. Dieselben haben in Peabody einen rücksichtsdaß der Staatsanwalt sowohl gegen meinen Vater wegen seiner Hierauf antwortete Mäkelin, daß die Arbeiter nichts andres als losen Feind; unter ihm brach die Schreckensherrschaft in Colorado Darstellung der Vorgänge in Gens wie gegen mich wegen Freiheit forderten, die allein Entwicklung möglich mache. Er bemerkte, gegen die streifenden Bergarbeiter aus. Vor zwei Jahren siegte der Herausgabe der Kriegsbriefe Vorwürfe erhoben hat, die sich es sei vorgekommen, daß in Zeiten der Arbeitslosigkeit die Arbeiter Peabody über die demokratische, populistische und socialistische das Gericht zum Teil in der Begründung seines Urteils zu eigen sich zu versammelt wünschten, um zu überlegen, wie der Not ge- Votum dieser Parteien übertraf das republikanische um 7500. Arbeiterpartei, weil die einfache Mehrheit entscheidet, denn das steuert werden könnte, sie hätten aber während zwei bis Die republikanische Presse verteidigt es entschieden, daß Peabody Ich werde, um das Andenken meines Vaters zu schützen, dem drei Wochen keine Erlaubnis hierzu erwirken wieder als Gouverneur fandidiert; das sei die Partei den Leuten nächst ausführlich darstellen, welche Thatsachen meinen Vater zu önnen. Während der Zeit hätte man gehungert. Dbolensti schuldig, die ihr so treu dienen. seinen Mitteilungen veranlaßt haben. Es wird sich erweisen, daß bemerkte darauf: Die Freiheit sei wohl etwas Gutes, aber der alle Vorgänge sich mit geringfügigen Modifikationen so abgespielt Schritt von der Freiheit zur Selbstherrschaft sei kurz. Er habe gehaben, wie mein Vater sie erzählt, und daß in Sens und in den fragt, ob man sich wirklich denken könne, daß es diesen Ort später passierenden Truppenteilen die allerdings möglich sei, daß Seine Majestät feine Politit in Anschauung verbreitet wurde, diese Handlungen fielen den Finnland verändern würde? Hessen zur Last, während sie in Wahrheit einem andren Kontingent zuzurechnen find. Diese objektive unrichtigkeit in den Angaben meines machte. irrige Vaters wird dadurch vollkommen erklärt. Gleichzeitig stelle ich fest, daß die Behauptungen des Staatsanwalts, wonach ich im Widerspruch mit dem Willen meines Vaters die Kriegsbriefe veröffentlicht haben soll, längst öffentlich widerlegt find. Die im Geheimfach meines Vaters befindlichen Papiere hat meine Mutter verbrannt. Die Kriegsbriefe haben sich nicht darin befunden, sondern sind von meiner Mutter, an die fie gerichtet waren, dem Willen meines Vaters gemäß aufbewahrt worden. Lily Braun. Husland. Wie die Zeitung Fria Drd", die den Bericht über die Rede veröffentlichte, mitteilt, hat die freimütige Sprache der Arbeiter deputationen einen sehr guten Eindruck gemacht. Desterreich- Ungarn. Vom ostasiatischen Kriegsschauplay. London, 28. September.„ Daily Chronicle" meldet aus Tokio vom 27. d. Mis, daß die Bahn nördlich von Port Arthur bis Haitfcheng zur Schmalspurbahn umgewandelt worden sei, sie werde mit 60 Lokomotiven und 1000 Wagen befahren. Die Bahn müsse als Verbindung dienen, da der Hafen Niutschwangs Mitte Oktober zufriert. nötig hat, um Betrachtungen über die Lage. bureau meldet: In der heutigen Sitzung befanden sich auf der wiederholten Malen sehr forreft die Ereignisse auf dem KriegsBrünn, 28. September. Landtag. Das Wolffiche Depeschen Der Militärkritiker der Times", der bereits zu Galerie als Gäste der Landtags- Abgeordnete Hybes mit einer schauplatz auseinandergesetzt und vorgesehen hat, stellt heute morgen großen Gruppe Socialdemokraten. Als der Landes- in seinem Blatte folgende Betrachtungen an: Wenn in diesem AugenHauptmann die Verhandlung eines Dringlichkeitsantrages ankündigte, blick ein ernsthafter Angriff auf Port Arthur stattfindet, so sieht man rief Hybes von der Galerie: Wann werden Sie das all nicht recht ein, warum Marschall Oyama seinen Vormarsch bes gemeine Wahlrecht auf die Tagesordnung setzen?" schleunigen sollte. Er muß wissen, daß während der Zeit, die Unter stürmischen Rufen der Galerie wurden rote er Zettel in den Saal geworfen, auf welchen für Landtag 1. russische Armeecorps und auch das 6. Corps bei Kuropatkin anbis Tieling vorzustoßen, das ganze und Gemeinden das allgemeine Wahlrecht verlangt wird. Finnische Socialdemokraten vor dem Generalgouverneur Obolensti. Der Landeshauptmann unterbrach die Sizung auf eine Viertelstunde. Als nach Wiederaufnahme der Sigung der Galerien Unfren finnischen Parteigenossen in Tammersfors ist es ge- nicht geräumt waren und sich die demonstrativen Zwischenrufe wieder lungen vor dem Nachfolger Bobrikoffs, dem in Finnland allgewaltigen bolten, schloß der Landeshauptmann unter dem Beifall der AbGeneralgouverneur Fürst Obolensti eine Rede zu halten, in der in, geordneten und stürmischen Zurufen von der Galerie die Sigung, werden, die an Stärke zwei russischen Armeecorps gleichtäme, und nach russischer Auffassung unerhört freimütiger Weise die furchtbare um, wie er erflärte, Gewaltmaßregeln zu vermeiden, und beraumte diese Armee könnte dann zu dem japanischen Hauptheer stoßen und Unterbrüdung und Polizeiwirtschaft geschildert wurde, unter der die nächste Sigung für morgen an. Die Demonstranten gingen fo die Differenz an Streitkräften wieder ausgleichen. fingend ab. Finnland schmachtet. Nachdem für Anfang September der Besuch Unterdessen ist es Pflicht Oyamas, die Eisenbahn beendigen zu des Generalgouverneurs in Tammersfors bevorstand, beschloß die laffen, sich mit rollendem Material zu versehen, möglichst große dortige Arbeitervereinigung in ihrer Generalversammlung ein zur Erinnerung an den zweiten Jahrestag des Todes Emile Zolas feiner Regimenter mit Hilfe der ankommenden Verstärkungen zu Eine Zola- Feier. Die Liga der Menschenrechte wird Lebensmittelvorräte an der Front aufzuhäufen und die Rahmen Komitee von zehn Mitgliedern zu wählen, das dem General- am nächsten Sonntag eine große Kundgebung veranstalten fomplettieren. Ein Aufschub von einigen Wochen bedeutet für ihn gouverneur in einer Ansprache die Zustände im Lande und die und hat bereits an alle republikanischen und Arbeiter feinen Verlust, und wenn Port Arthur fällt, so hat er viel zu geUnterdrückungen, unter denen besonders die Arbeiterpartei Genossenschaften von Paris die Aufforderung zur Teilnahme winnen. Selbst wenn Port Arthur nicht fällt, so wird Dyama Frankreich. gelangt sind, während der Zar andrerseits noch nicht die Revue des 8. Corps in Odessa vorgenommen hat, dessen Abfahrt also vorläufig Mandschurei vollzählig und manövrierfähig eintreffen kann. Nunt noch nicht stattfindet und dieses keinesfalls vor November in der würde aber bei dem Falle Port Arthurs eine japanische Armee frei " immer noch genug Truppen während dieser Zeit von Japan gesandt 16 and friegen", sei eine Drohung mit einem lebel, und die Worte:„ Du Das Resultat der Abstimmung durch Stimmzettet foll erje erhalten, um schließlich ebensoviel Verstärkungen erhalten zu haben, arbeitest hier, während wir streiten", enthalten den Vorwurf der morgen( Donnerstag) früh festgestellt werden. wie Kuropatkin seit der letzten Schlacht. Ehrlosigkeit. H. wurde zu einer Gefängnisstrafe von einer Die Freie Vereinigung", welche die Berhandlungen führt, wird Es iſt ſelbſt möglich, daß Oyama einige Divisionen an dem Woche verurteilt, was natürlich nicht hindert, daß sich das„ lebel" am Freitag, je nach dem Resultat der Abstimmung, das weitere be Sturm auf Port Arthur teilnehmen lassen kann, denn er hat durch schließen. seine Centralstellung durchaus es in der Hand, seine Truppen frei der gewerkschaftlichen Organisation immer weiter ausbreitet. zwischen Liaujang und Port Arthur zu bewegen. Und es ist keineswegs anzunehmen, daß Kuropatkin ihn angreifen will, bevor der Hounfluß überschritten ist. Wenn aber die Ruffen die Offensive ergreifen und ihrerseits den Houn zum Angriff überschritten, so wäre niemand damit mehr zufrieden, als der japanische Oberführer. Der Militärfritiker der„ Times" schließt endlich, indem er fagt, es wäre feineswegs unwahrscheinlich, daß Marschall Dhama selbst den Allgemeinsturm auf Port Arthur leiten werde. Bon einem russischen Korrespondenten wird den" Times" über Desertionen russischer Reservisten Berlin und amgegend. Achtung! Gewerkschaften! Die Hausdiener, Packer und Radfahrer 2c. der Firma A. Jandorf 1. Co.( Warenhaus), welche seit Jahren in dem Centralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter organisiert sind, wurden Auf die vielfachen Anfragen erwidern wir, daß die Auskunfts- bor einiger Zeit um Aufbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhält nisse bei der Geschäftsleitung vorstellig. Es haben infolgedessen erteilung in Alters-. Invaliden-, Kranken- und Unfallversicherung, wiederholt Verhandlungen mit der Firma stattgefunden, zu welchen gewerblichen Streitigkeiten( aus dem Arbeitsverhältnis), Fabrik- und auch ein Vertreter der Verwaltung Berlin I hinzugezogen wurde. Es geGewerbe- Inspektion( Arbeiterschutz) und auf dem Gebiete der Civil- lang schließlich einen Tarifvertrag von dreijähriger Dauer zu stande prozeß- Ordnung nach wie vor nur auf unserm Sekretariat( Berliner zu bringen, welcher zunächst als Grundlage für die Festlegung der Gewerkschaftskommission) an jedermann, männlich und weib werden kann. Demnach beträgt der Anfangslohn für unverheiratete Arbeitsbedingungen in größeren Handelsgeschäften Berlins betrachtet lich, völlig unentgeltlich von den Sekretären geschieht. Alle über 21 Jahre alte Hausdiener 2c. 21 M. Nach halbjähriger geschrieben: Die Zahl der Deserteure soll enorm sein, und man andern Auskunfts- Bureaus haben mit der Berliner Arbeiterschaft Thätigkeit 22 M. und nach einem weiteren Jahre 23 M. findet Leute, die in einem Militärdistrikt vorgemerkt sind, Hunderte von Kilometern von diesem Diftrift entfernt, ohne Bässe fümmerlich nichts gemein. Die Auskunftserteilung erfolgt an den Wochentagen beiratete Hausdiener 2c. erhalten einen Anfangslohn von 24 M., ihren Lebensunterhalt suchend, in der Hoffnung, daß man vormittags von 11 bis 12 Uhr und nachmittags von 26 m. per Woche. Dieses sollen die Minimalsäge sein. Weitere nach halbjähriger Thätigkeit 25 M. und nach einem weiteren Jahre sie vergessen könnte. Die Polizei erliegt fast unter der 6 bis 7, Uhr. Wir ersuchen höflichst, die veränderte Bureau- Bulagen werden von der Firma nach Leistungen gewährt. Arbeit, diese Deserteure ausfindig zu machen, und man schreibt diesem Umstande zu, daß die Maßnahmen gegen zeit zu beachten. politische Missethäter zum Teil gemildert worden sind. Es giebt Sonntags ist das Bureau geschlossen. felbst Offiziere, die wenig Verlangen zeigen, nach dem fernen Östen Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. zu gehen, und die dies offen aussprechen. Ein Garde- Offizier in Petersburg, der von einem englischen Offizier, der sich in " Die Scharfmacher im Tischlergewerbe Ver Etwa zu leistende Ueberstunden werden mit 50 Pf. pro Stunde bezahlt. Falls ein Diener über Mittag durcharbeiten muß, erhält derselbe hierfür 1 M. Tischgeld unter gleichzeitiger Bezahlung der leberstunden vergütet. Sämtlichen Dienern 2c. wird jedes Jahr ein Sommerurlaub und zwar unter Fortzahlung des 14 Tage. Rußland aufhält, gefragt wurde, ob er nicht durch seinen Einfluß scheinen kein Interesse daran zu haben an einer friedlichen Regelung Gehalts gewährt. Derfelbe beträgt nach Halbbei Hofe durchsetzen tönne, daß man ihn in die Front schide, anticheinen bei Hofe durchsetzen könne, daß man ihn in die Front schicke, ant- der Verhältnisse in der Holzindustrie. Sie lancierten folgende Notiz hätigteit eine Woche, nach zweijähriger Thätige wortete: Natürlich könnte ich das, aber ich ziehe iähriger Thätigkeit fünf Tage, nach einjähriger in die Presse: " In einer kombinierten Vorstandssitung sämtlicher Arbeit leit zehn Tage und nach dreijähriger Thätigkeit gebervereine der Berliner Holzindustrie, die gestern abend stattfand, Auch ist in dem Vertrage festgelegt worden, daß Hauswurde Bericht über den jetzigen Stand der Lohnbewegung im Gewerbe erstattet. Danach sind die Einigungsverhandlungen dienern usw., welche infolge von Krankheit erwerbsunfähig geworden als gescheitert zu betrachten. Die Arbeitgeber hatten sich sind, bis zur Dauer von 14 Tagen ein Zuschuß zum Krankengelde mit dent Vorstande der Arbeiterorganisation. bereits bis zur Höhe ihres Wochenlohnes bezahlt wird. es bedeutend bor, bei meinem Regiment in Petersburg 8 u bleiben." Unter den Reserve Offizieren soll die Abneigung gegen den Frontdienst noch ausgesprochener sein. Partei- Nachrichten. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. -Zwei Majestätsbeleidigungs- Prozesse sind schon wieder gegen Parteiredakteure anhängig. Anlaß dazu bietet die bekannte Notiz, in der ein in Wien im Hospital verstorbener Mann als ein Ver wandter des deutschen Kaisers bezeichnet wurde. Wegen dieser Notiz find schon Verurteilungen erfolgt. Die jeßigen Prozesse stüßen sich aber nicht auf die Veröffentlichung der Mitteilung selbst, sondern auf die Meldung der Verurteilung unsres Genossen Fette in Halle wegen Veröffentlichung der als Beleidigung angesehenen Notiz. " Ein solches Verfahren ist eingeleitet gegen den Genossen Mah bon der Bergischen Arbeiterstimme" und gegen den Genossen Martwig von der Freien Presse" in Iberfeld. die Veranlassung dazu mitgeteilt. Beide haben nur das Urteil gegen Fette und selbstverständlich Wir kennen den Wortlaut der Mitteilungen beider Blätter nicht, doch ist kaum anzunehmen, daß fie die Thatsachen anders wie refe rierend wiedergegeben haben. Die Bergische Arbeiterstimme" zumal teilt noch mit, daß sie die Nachricht im Depeschenteile nach der Meldung eines Depeschenbureaus gebracht hat. Unter solchen Umständen ist die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Majestätsbeleidigung ganz unverständlich. Von der Anklage der Gotteslästerung war der Redakteur des Bolts wille" in Hannover, Genosse West meyer, vom Landgericht freigesprochen worden, weil das Gericht in dem Artikel feine Gotteslästerung finden konnte. Das Reichsgericht hat jedoch das freisprechende Urteil aufgehoben und die Sache an das Landgericht zurückverwiesen. verständigt, die Mitglieder des Holzarbeiter Verbandes lehnten aber die vom Vorstande vor geschlagenen Zugeständnisse ab und beharrten auf ihren Forderungen, vor allem darauf, daß neue Muster zuerst im Lohn angefertigt und danach der Accordlohn berechnet werden sollte. In der gestrigen Vorstandssitzung der Arbeitgeber wurde diese Forderung als unannehmbar bezeichnet und beschlossen, nunmehr den Arbeitgebern der Berliner Holzindustrie die Aussperrung sämtlicher Arbeiter zu empfehlen. Am Donnerstag sollen die Lohnarbeiter sofort, die Accordarbeiter nach Fertigstellung ihrer Arbeit entlaffen werden. In einer heute abend stattfindenden großen Versammlung werden die Arbeitgeber über diesen Vorschlag beschließen." Natürlich ist es richtig, daß die Tischler bei den Tarifberatungen nicht einfach sich von den Meistern die Bedingungen des Tarifs dittieren lassen, dazu bedarf es keiner Verhandlungen". Benn aber die Scharfmacher durch diese Notiz das Unrecht in einem etwaigen Kampfe auf die Seite der Arbeiter schieben wollen, so haben sie falsch spekuliert. Diese haben ihrerseits teinen Zweifel baran gelaffen, daß fie ebenso sehr zu Zugeständnissen geneigt sind, wie sie allerdings auch ihrerseits solche erwarten. Noch am Montag faßte u. a. eine Bautischlerversammlung folgenden Beschluß: In Erwägung der immerwährenden Ünruhen in den einzelnen Betrieben ist es notwendig, den ersten Versuch zu machen, eine Tarifgemeinschaft zu stande zu bringen. Deshalb beauftragen wir die von den Bautischlern ernannte Kommission, alles daran zu setzen, um auf dem Boden des von den Bautischlern vorgelegten Nettotarif- Entwurfes mit möglichst wenig Abweichungen weiter zu berhandeln." Auf demselben Standpunkt stehen die Tischler der übrigen Specialfächer. Wenn jedoch die Herren ein Tänzchen wagen wollen Eine Bergleichung mit dem Bergrat Hilger ist eine Be- der Holzarbeiter- Verband ist bereit! leidigung. Das ist der Kern einer Gerichtsentscheidung gegen den berantworten müssen, daß Gewerkschaftliches. Die Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft ein lebel! Deutfches Reich. Richterliche Milde und staatsanwaltschaftlicher Eifer in Breslau. Ein Breslauer Maurer stand kürzlich vor einem gesperrten Bau Streitposten, als der Unternehmer Boy an ihn herantrat und ohne Grund Vagabond! Lausigel! Junge!" anredete. Darauf folgten noch einige freundschaftliche Ermahnungen in folgendem Lon: Bummeln Sie nicht die ganze Woche herum, gehen Sie lieber arbeiten! Wenn Sie sich einmal auf meinen Bau wagen, herunter, daß Ste das Wiederkommen bringe ich Sie immer vergessen!" Diese Beschimpfungen flingen sehr an deutlich den Ton an, Breslauer der sonst den für Terroristen" vor dem Richtertisch stets zum Vorwurf gemacht wird. bildeten Unternehmer begreiflich zu machen, daß sich jeder Preuße Der betroffene Maurer, Namens Mond, beschloß deshalb, dem gedes gleichen Rechtsschutzes erfreut. Er verklagte denselben wegen Beleidigung und erreichte seine Berurteilung zu zehn Mark Geldstrafe! Resten aus dem an. der ein zu Strafverfahren aus den die vielfach vorbestraften Stronzeugen in unzähligen TerroristenGänzlich straffrei gingen die arbeitswilligen Gebrüder Kühn, prozessen, aus, als sie am Montag wegen wissentlich falscher Anschuldigung der Breslauer Maurerführer angeklagt waren. Der Gauleiter hatte das edle Brüderpaar nämlich bei der Vogelstellerei überrascht; um sich einer Bestrafung zu entziehen, gingen beide einfach zur Polizei und zeigten den Gauleiter Rösler selbst wegen Vogelstellerei an. Daß ihre Angabe pure Erfindung war, stellte sich bald Verfahrens wegen wissentlich falscher Anschuldigung ab und mußte heraus, trotzdem lehnte die Staatsanwaltschaft die Einleitung des dazu erst durch Beschwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft gezwungen werden. Das Gericht sprach jetzt die Gebrüder Kühn frei, weil ihnen der Schuh des§ 193 in diesem Falle zustehe. Der Verteidiger hatte fie nämlich als die armen verfolgten Schäfchen hingestellt. Genossen Schneider in Chemnitz, Redakteur der„ Volksstimme". Die Vertrauensmänner Versammlung des Stolz verließen die Stützen der Gesellschaft den Gerichtssaal, der In einer Notiz des Blattes war gesagt worden, daß in der Holzarbeiter- Werbandes, die heute abend Kellers großen feine Schrecken für sie verloren hat. Erdmannsdorfer Attienspinnerei die Handkörbe der Arbeiterinnen Saal in der Koppenstraße bis auf den letzten Platz füllte, beschäftigte einem Einschreiten gezwungen werden mußte, erwies er sich in einem Während in diesem Falle der Breslauer Staatsanwalt nach Exemplaren der„ Volksstimme" durchsucht, daß eine sich mit der von der Freien Vereinigung der Holzindustriellen an andern Falle als besonders eifrig. Arbeiterin der Boltsstimme" wegen sich im Comptoir habe gedrohten Aussperrung der in der Möbelindustrie beschäftigten Tischler. andern Falle als besonders eifrig. Er leitete gegen den den Arbeitern der Fabrik Erner berichtete über die Verhandlungen zwischen der Ortsverdurch Anschlag der Besuch der Maifeier in Hermersdorf bei waltung und der Unternehmerorganisation. Bei der Schwierigkeit der folgenden Gründen ein: Der Maurer Malinte mußte wegen Strafe sofortiger Entlassung verboten worden sei. Genosse Schneider Berechnung der neuen Muster hatten die Arbeiter die erste Verbande ausgeschlossen werden, meldete handelte in gutem Glauben, als er die Notiz abbruckte. Der Direktor Herstellung derfelben in Lohn verlangt, was die Unternehmer fich jedoch später auf die Ermahmungen seiner Kollegen hin wieder Meister der Aktienspinnerei fühlte sich durch sie beleidigt und stellte ablehnten, angeblich weil die Berliner Möbelindustrie dadurch ruiniert Es wurde ihm die Bedingung gestellt, erst seine alten neun Strafantrag. Es war nicht möglich, den Wahrheitsbeweis in vollem würde". Die Unternehmer wollten diese Arbeiten in Accord Herefte zu begleichen. Darauf wollte er anfangs nicht einUmfange zu erbringen. Schneider wurde zu 150 M. Geldstrafe ver- stellen lassen und eventuell den Arbeitern 75-80 Proz. des von gehen, kehrte aber später wieder mit dem Bemerken, daß urteilt. Der Schutz des§ 198 wurde ihm nicht zugebilligt. Besonders ihnen im letzten Halbjahr erzielten Durchschnittsverdienstes garantiern. ihm die Kollegen teine Ruhe lassen. Hierauf erwiderte beleidigend wurde der Zusatz der Notiz" Ganz wie beim Bergrat Die legte Vertrauensmänner- Versammlung beschloß demgegenüber eine bezahle Deine Reste, dann wirst Du schon Ruhe Widma: Tritt nur dem Verbande bei und Hilger in St. Johann" erachtet. Garantie von 95 Proz. des Durchschnittsverdienstes bei Accorbarbeit zu haben. In dieser Aeußerung sollte eine Bedrohung auf Grund des fordern; bei Anfertigung der ersten Arbeit nach neuen Mustern. Neue Ver- haben. In dieser Aeußerung sollte eine Bedrohung auf Grund des handlungen zwischen der Ortsverwaltung und den Meistern führten§ 153 liegen, fie führte zu einem hochnotpeinlichen Verfahren und zu feinem Ergebnis, da diese nur 90 Proz. des Durchschnitts- zu einer Gerichtsverhandlung, in welcher allerdings der Staatsverdienstes garantieren wollten. Der Referent berichtet dann, daß antvalt selbst die Freisprechung beantragen mußte, nach welchem in der Unternehmer- Versammlung vom Dienstag eine allgemeine Antrage das Gericht auch erkannte. Die Breslauer Streitprozeß- Aera zeitigt immer neue ErWenn Unternehmer die ganze Gewerkschaftsbewegung als ein Aussperrung angeregt wurde; die Drohung sei jedoch kaum ernst zu Uebel betrachten, so braucht man sich darüber nicht zu wundern. Vom nehmen. In der Diskussion erläutert Glo de nochmals die Forde scheinungen, obwohl man das kaum noch für möglich hält. rungen, die eigentlich nur ein Festhalten am Bestehenden seien, Husland. Standpunkt der Unternehmer mag es immerhin als ein lebel be- glaubt jedoch, daß es den Meistern mit der Austrachtet werden, daß die Arbeiter sich zur Wahrung ihrer wirtschaft- perrung ernst sei, damit sie die Erhöhung des Zum Dockerstreit in Marseille. Marseille, 28. September.( B. H.) Der Ministerpräsident lichen Interessen zusammenschließen. Berechtigtes Erstaunen muß es Berlaufspreises der Möbel um zehn Prozent Combes ist febr ungehalten über den Beschluß der aber erregen, wenn eine mit fünf unparteiischen Richtern be- rechtfertigen fönnten. Dodarbeiter, den Schiedsspruch nicht anzunehmen. Er hat In der weiteren Diskussion werden eine ganze Anzahl Fälle an den Präfekten ein Telegramm gesandt, worin setzte Straftammer der Ansicht ist, daß ein Arbeiter einen er diesen andren Arbeiter mit einem lebel bedroht, indem er zu ihm angeführt, wo infolge der Schwierigkeiten bei der Berechnung der ersucht, alles aufzubieten, um die Dodarbeiter dazu zu bewegen, sagt: Wir werden Dich noch in den Verband friegen! neuen Muster Wochenverdienste von 18 M. und weniger erzielt dem Schiedsspruche noch nachträglich ihre Zustimmung zu geben. Diese höchst sonderbare Ansicht, die selbst in der schneidigen, Auch der Socialistenführer Jaurès hat sich in diesem Sinne an seine Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde eine Re- Freunde in Marseille gewandt. gegen streifende Arbeiter beliebten Rechtsprechung eine Neuheit sein solution angenommen, in der sich die Versammlung dürfte, und die der Zaienwelt zeigt, daß es juristische Auslegungs- für das Festhalten an den Beschlüssen der lebten funſt ermöglicht, der zur Knebelung der Arbeiterbewegung dienenden Bertrauens männer Versammlung- Garantie Letzte Nachrichten und Depeschen. Kette von Rechtsgrundsätzen" immer neue Glieder hinzuzufügen, von 95 Proz. des Durchschnittsverdiensteser= Hat die vierte Straffammer am Landgericht Berlin II am Mittwoch in einem Urteil gegen den Schlosser. in Weißensee ausgesprochen. über die zur felben Stunde tagende allgemeine Meister Ver- Generalversammlung der internationalen Vereinigung für gefezZum Schluß berichtete ein Kollege unter allgemeiner Heiterkeit Basel, 28. September.( W. T. B.) Heute nachmittag hörte die H., der an dem Streit der Schlosser bei der Großen fammlung, die sehr schwach besucht und in ziemlich gedrückter lichen Arbeiterschutz zuerst die Berichte von Corsi- Pisa und FeigenBerliner Straßenbahn beteiligt war, sprach vor dem Bahnhof in Stimmung gewesen sei. winter- Basel über die Versicherung ausländischer Arbeiter. Die BerWeißensee einen Wagenwäscher, der zur Arbeit ging, den H. Nachträglich geht uns noch folgender Bericht zu: sammlung sprach sich für die principielle Annerkennung der Gleichirrtümlich für einen Schlosser hielt, mit den Worten an:„ Du arbeitest hier, während wir streiken? Wenn wir wieder anfangen, Holz industriellen Berlins und der Vororte, die gestern abend richteten über die Bekämpfung der Giftgefahren in der Industrie und In der Generalversammlung der Tischlermeister und berechtigung aller in- und ausländischen Arbeiter in den Ber ficherungsgesetzen aus. Sommerfeld- Berlin und Fontaine- Paris bewerden wir Dich schon friegen." in den Concordia- Sälen, Andreasstraße, tagte, lag folgende Re- machten Vorschläge für Maßnahmen zur Bekämpfung, darunter Das Schöffengericht hatte H., der wegen Vergehens gegen folution zur Beschlußfaffung vor: § 153 der Gewerbe- Ordnung angeklagt war, freigesprochen, weil die Die Forderung der Arbeiter, neue Muster nur im Lohn- die Anzeigepflicht, Buziehung amtlicher Aerzte, Aufklärung der angebliche Drohung gegen einen Arbeiter gerichtet war, auf deffen verhältnis oder unter Garantie von 95 Prozent des Durchschnitts- Arbeiter über die Größe der Gefahr, Verkürzung der Arbeitszeit Berufsgruppe sich der Streit nicht erstreckte, der also auch nicht zur lohnes der letzten 6 Monate auszuführen, wird mit der Maßgabe Preisausschreiben zur Verhütung der Giftgefahren gestifteten und Einsetzung einer Experimental- Kommission. Die für ein Teilnahme am Streit veranlaßt werden konnte. Infolge der Be- abgelehnt, daß eine Lohnficherung ausschließlich für diejenigen neuen 25 000 m. wurden danteng angenommen. Die Anträge Jay- Paris rufung der Staatsanwaltschaft beschäftigte sich die Straftammer mit arbeiten gegeben werden soll, welche sich mit bereits ausgeführten betreffend Studium der Marimalarbeitszeit und Einsetzung einer rufung der Staatsanwaltschaft beschäftigte sich die Straffammer mit Arbeiten nicht derart vergleichen lassen, daß hiernach der Accordpreis Propaganda- Kommission wurden angenommen. Die Einberufung der Angelegenheit und hier gab der Angeklagte seinen angeblichen falfuliert werden kann. Worten:„ Wir werden Dich schon kriegen" die Deutung:„ Wir Soderini- Rom dankte sodann der Regierung von Basel und dem der nächsten Generalversammlung wurde dem Bureau überlassen. werden Dich schon in den Verband friegen und dann wirst Du Bräsidium namens der Versammlung, die darauf vom Präsidenten uns nicht mehr schädigen." An eine etwaige Mißhandlung habe Präsidium namens der Versammlung, die darauf vom Präsidenten er nicht gedacht.. Scherrer geschlossen wurde. Neue japanische Anleihe. wurden. f! ärt. Das Anerbieten des Vorstandes der Freien Vereinigung" für derartige außergewöhnliche Arbeiten 90 Prozent des Durchschnitts lohnes der letzten drei Monate zu garantieren, erreicht bereits die äußerste Grenze der möglichen Zugeständnisse; jede Mehrforderung wird abgelehnt. Internationale Vereinigung für Arbeiterschutz. Die Straffammer hielt ein Vergehen gegen§ 153 der GewerbeOrdnung für vorliegend. Sie ging von der Ansicht aus, daß den Arbeitern abzubrechen, falle diese nicht spätestens bis zum Eine neue innere Anleihe im Betrage von 80 Millionen Yen iſt Der Vorstand wird beauftragt, alle weiteren Verhandlungen mit Tokio, 28. September.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus".) eine Drohung im Sinne dieses Paragraphen auch dann vorliege, 1. Oftober d. J. in bündiger Weise erklären, daß sie ihre Forde- von der Regierung beschlossen worden. Der Emissionsturs ist auf wenn die Aeußerung sich gegen einen Arbeiter richtet, der als rungen in dem jezigen Umfange zurückziehen und in allen dieser- 92 festgesetzt worden. Wagenwäscher mit dem Schlofferstreit gar nichts zu halb gesperrten Betrieben die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. thun hatte. Es genüge, daß eine Drohung- gegen einen Der Vorstand wird ferner beauftragt, alle erforderlichen MaßAnderen" zu verstehen sei. Die Aeußerung, die der Angeklagte nahmen zum Zwed einer allgemeinen Aussperrung der Arbeiter un bahin interpretiert habe:„ Wir werden Dich schon in den Ververzüglich zu treffen. Die Peft in Smyrna. Smyrna, 28. September.( B. H.) Die Bestfälle nehmen zu, heute wurden wieder 10 Erkrankungsfälle amtlich konstatiert. Berantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 229. 21. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 29. September 1904. Parteitag der deutschen socialdemokratischen Arbeiter eine Stampftribüne für uns zu ſein, hat es in der letzten Seffion wärtsschreitender Entwicklung. Anders denken heißt sich einrichten partei in Oesterreich. Salzburg, den 26. September 1904. Erster Verhandlungstag. ( Fortsetzung der Vormittagssigung.) Tomschick- Wien( Mitglied der Parteivertretung und Vorfizender der organisierten Eisenbahner) und Preußler Salzburg fizender der organisierten Eisenbahner) und Preußler- Salzburg Vorsitzende, Schrammel- Aussig, Winarsty- Wien Muchitsch Prag Schriftführer. # geisterte Sympathie aus. und einen er= Nach Erledigung der Begrüßungsansprachen wird in die Verhandlungen eingetreten. Staret- Wien erstattet den Parteibericht über die periode vom Staret- Wien erstattet den Parteibericht über die periode vom 1. Juli 1903 bis zum 30. Juni 1904. Bei den troftlosen politischen Zuständen in Desterreich war die Hauptaufgabe der Ausbau der Organisation. Größere parteipolitische Aftionen waren so gut wie unmöglich. Die gewerkschaftliche Bewegung hat freulichen Aufschwung genommen. Sie ist von 135 187 Mit gliedern 1902 auf 154 665 Mitglieder Ende 1903 gestiegen. Nicht ganz so groß waren die Fortschritte der politischen Organisation. Nicht ganz so groß waren die Fortschritte der politischen Organisation. Abgehalten wurden im Ganzen 17 171 Versammlungen. Die diesjährige Maifeier war eine imposante Demonstration für den Achtstundentag und das gleiche Wahlrecht. Bei den Wahlen, besonders bei den Gemeindewahlen wurden manche Erfolge errungen. Er freulich ist der große Erfolg, den die Genossen in Steiermark jüngst erztelt haben. Die Zahl der Parteiblätter hat sich nicht vermehrt, aber die Auflagen, besonders der Wiener Arbeiterzeitung" und der " Boltstribüne" find stark gestiegen. Das Wigblatt:" Die neuen Glühlichter" find auf Grund einer Bekanntmachung des Reichsfanzlers vom 18. Februar 1904 im ganzen Deutschen Reiche verboten worden. Seitdem ist aber die Zahl der nach Deutschland versendeten Glühlichter" sehr erheblich gestiegen. dem in der Wiener bleibt. selbst das letzte Restchen Wert, das es für uns hatte, nämlich den, wegung anzuschauen pflegen. Wir sehen sie unter dem Bilde vorverloren. Die Verhandlung aktueller Vorkommnisse wurde durch die auf den langsamen Rückzug, auf den kraftlosen Verlust von Position Einbringung von Dringlichkeitsanträgen der deutschen Parteien auf Position. Wenn die Genossen mit verstärkter Gewalt von verhindert. Wenn es früher noch möglich war, die Re- Parteitag zu Parteitag ein andres Vorgehen als bisher fordern, so gierung wegen eines Gewaltstreiches oder einer flagranten reden sie nicht in Halluzinationen, sondern aus dem Bedürfnis der Gesetzesverletzung durch Stellung eines Dringlichkeitsantrages, Partei selber heraus. Wir sehen seit sieben Jahren Uebergriffe auf den meisten Fällen bon den obstruierenden Uebergriffe, Geseglosigkeiten auf Gesetzlofigkeiten. Die Socialdemokratie Jungczechen die Priorität eingeräumt wurde, zur Verantwortung zu aber schweigt, hält sich still, unternimmt nichts! Wir sollten uns nicht ziehen, so ist es in der lezten Zeit wegen der Weigerung der geschlagen geben, bevor wir gekämpft haben. Eine gewaltige Kraftdeutschen Parteien, in eine Zurückstellung ihrer Dringlichkeitsanträge anstrengung ist erforderlich, und an die Spitze dieser Attion( Rufe: zu willigen, unmöglich geworden. Der Zustand, in dem sich das Welche?) müßten sich unsre Abgeordneten stellen.( Beifall.) Auf Antrag von Bernerstorfer und Ellenbogen wird Pralament befindet, wird durch die Bezeichnung trepiert!" Reichsrats- Abgeordneter Schumeier- Wien: Es ist ganz falsch, erschöpfend dargestellt. folgende Sympathiekundgebung für die italienische Socialdemokratie Forderungen des Militarismus zu befriedigen und dem arbeitenden uns schlummert dieselbe Kraft, ja sie ist stärker geworden, als früher. Nur wenn es galt, die unerfättlichen zu behaupten, daß auch uns die Versumpfung ergriffen hätte. In beschlossen: Der Parteitag spricht den italienischen Genossen in Bolle schwere Lasten aufzubürden, hat das Parlament so viel Lebens- Es fehlt uns nur der Moment des Einsetzens, des Anpackens.( Sehr ihrem bewundernswerten und aufopferungsvollen Kampfe gegen die fähigkeit aufgebracht, um diese Attionen zu beschließen. Die bürger- richtig!) Den Clou, den Winarsky vom Referenten erwartete, hat Brutalisierungs- Bestrebungen der italienischen Bourgeoisie die be- lichen Parteien gehen einem Konflikt mit dem Militarismus forg er uns selbst nicht gegeben. Warum ist er so zurückhaltend? Er fältig aus dem Wege; und auch die Jungczechen, die sich als Feinde verlangt, daß andre vorangehen, weiß aber selbst nicht, wohin es Kamarilla bezeichnen, versagen da vollständig. gehen soll.( Heiterkeit.) Er fist doch mit in der Parteileitung, aber Totenscheines; er lebt davon, daß das Parlament aktionsunfähig Verfalls eines Staates. Roerber verweigert dem Parlament die Ausstellung des offiziellen nig fallt ihm ein.( Große Heiterkeit.) Wir sind Zeitgenoffen des Bereiten wir unser Haus, daß es zur Wir bedauern, daß wir die Wünsche, Beschwerden und Festung wird, von der wir ausfallen können, wenn es zum SystemForderungen der Arbeiterschaft nicht in wirksamer Weise im Bar- wechsel kommt.( Lebhafter Beifall.) lament vertreten konnten. Auch für die Zukunft erhoffen wir keine Freundlich: Kräftige Mittel sind erforderlich, aber immer geht Besserung. Unter den gegebenen Verhältnissen dürfen Sie auf die man wie die Kaye um den heißen Brei herum. Die Zeit verlangt, politische Aktion keine Hoffnung setzen. Für die bürgerlichen Parteien daß wir uns mit dem Generalstreit befassen.( Ruf: Lieber mit dem ist der Zustand. wie er ist, erträglich. Koerber hilft ihnen, aber für Streit der Generäle! Große Heiterkeit.) Adlers Tattit gleicht der Die Arbeiterklasse hat er nichts übrig. Unser Preß-, Vereins- Kuropatkins, der erfreut meldet, er habe glücklich den Rückzug vollund Versammlungsrecht bleibt so rüdständig wie es war. Die 30gen. Reform der Arbeiterversicherung erfolgt nicht. Das vor drei Muchitsch- Graz: Es scheint ein großer Mandatmangel zu beJahren in der Thronrede angekündigte Alters- und Invaliditäts- stehen. Weil einige Genossen nicht ins Parlament gekommen find, brossenheit der Organisationen find da begreiflich. Ich will radikalen denn die Pofitionen, die wir fampflos preisgegeben haben? Ich sehe gesetz ist noch nicht erschienen. Der Mißmut und die Ver- meinen sie jetzt: mit der ganzen Partei ist nichts los. Wo find Losungen nicht das Wort reden, aber notgedrungen werden wir in sie nicht. nächster Zeit die Kraft der Organisationen daraufhin prüfen müssen, ob wir nicht genügend erstarkt sind, um dem Ministerium langen auch von den Führern eine revolutionäre Haltung. Aber oerber zu zeigen, daß die organisierte Arbeiter- wir sind alle miteinander schläfrig geworden. Wir müssen einen haft nicht gewillt ist, die Dinge weiter so ver- Vorstoß mit dem politischen Massenstreit machen. fumpfen zu lassen. Wir wollen den Parlamentarismus nicht Reichsrats- Abgeordneter Bernerstorfer: Eldersch hat nur seine Die politischen Verfolgungen der Partei haben unter der Mera Komödie dieses Parlamentarismus fortführt, um daraus eine Frattion ist nicht in der Lage, seine Aufforderung zu großen Thaten überschäzen, aber gewiß ist, daß die Regierung abfichtlich die persönliche Meinung zum Ausdrud gebracht. Die Mehrheit der Roerber etwas nachgelassen: immerhin wurde auf Freiheitsstrafen Empfehlung für den Absolutismus herauszuschlagen.( Sehr richtig!) mit zu unterschreiben und zu vertreten. von zusammen 10 Jahren 2 Monaten und 20 Tagen in der Berichts- Dagegen müssen wir Front machen. Die parlamentarischen Ber- Illusionen. Wir tönnen nur thun, was möglich ist. Das deutsche Hüten wir uns bor gefund. Das Parlament wird Proletariat hat während der 12 Jahre Socialistengesetz sich ruhig Nach diesem mit Beifall aufgenommenen Bericht des Partei- hältnisse werden nicht mehr sekretärs teilt der Parteifaffierer Dr. Ellenbogen mit, daß die Reichs im nächsten Monat wieder einberufen, aber zu praktischer verhalten und doch nicht geschlafen. Erst sollen wir eine große Arbeit wird es nicht kommen. Und doch heischt so vieles Aktion unternehmen und dadurch stark und mächtig werden? Um tarif, die Handelsverträge, die Entscheidung. Da ist der Ausgleich mit Ungarn, der Boll- gefehrt ist es richtig! Aber das ist die österreichische Ungeduldigkeit mit dem§ 14 gemacht zu sein scheinen, die Anleihe für die Kosten des Militarismus, außen erwartet, statt an fich selber, statt an der innern Konstituierung bereits und verzeihen Sie das Wort: Zuchtlosigkeit, die alles Heil von die auch auf Grund des§ 14 wider Gesetz und Recht verordnet der Partei zu arbeiten.( Beifall.) werden soll. Die Arbeiterschaft kann sich diese Attentate nicht ge= Bartels: Wir sind nur verdrießlich, weil uns die Polizei nichts fallen lassen; sie muß zu einem entscheidenden Schlage thut.( Heiterkeit.) Da müssen dann die Führer die Blizausholen.( Rufe: zu welchem?) Welche Form dieser Schlag ableiter fein. fationen vorbehalten bleiben.( Rufe: Warum nicht dem Parteitage?) einer wirklichen Verfassung zu verhelfen. Freundlich empfiehlt den haben soll, muß der Entscheidung der Parteileitung und der Drgani Seit: Auch Winarsky weiß das Mittel nicht, um Desterreich zu Berfallen wir nicht der Unthätigkeit, sie würde mehr schaden als Massenstreit. Wenn er sich auch für den Erfolg verbürgen würde, eine Aktion, die vielleicht nicht ganz glückt.( Sehr richtig!) Unfre würde feiner das Mittel ablehnen. Das ist aber nicht der Fall, ganze Hoffnung ist das organisierte Proletariat Defterreichs. und so dürfen wir keinen Gebrauch von diesem Mittel machen.( Buon feiner andren Seite kann Rettung kommen. Kein Mittel darf Stimmung.) unversucht bleiben, um aus der heutigen umerträglichen Situation Hierauf wird die Fortsetzung der Debatte auf Dienstag vertagt. Heute findet ein Massenmeeting im Kurhause statt. Unter den herauszukommen.( Bravo!) Rednern befindet sich auch Vollmar. Wiener periode erkannt. " parteisteuer 35 322 Kronen 94 Heller ergeben habe. Das bedeutet gegen die vorige Berichtsperiode eine Steigerung von 31,7 Proz. Bei der Mehrzahl der Organisationen hat sich die Reichsparteiſteuer eingelebt und auch ihre Steuermoral" ist besser geworden. Für die Parteitontrolle beantragt Beer- Wien, dem Stassierer und der Parteivertretung Entlastung zu erteilen. In der Debatte über den Geschäftsbericht konstatiert zunächst Seliger- Teplitz, daß sich der Arbeiterschaft Deutschböhmens eine gewiffe Hoffnungslosigkeit bemächtigt habe, die alle Thatkraft lähmt. Die wichtigsten Bersammlungen seien schlecht besucht. Petersilta- Wien hat den Eindruck, daß die Bewegung verflaue. Petersilta- Wien hat den Eindruck, daß die Bewegung verflaue. Es geschehe zu wenig für die Agitation. Endlich einmal müsse gegen Koerber, diesen reaktionärsten Minister vorgegangen werden. Winarsty- Wien tabelt, daß der Parteibericht kein rechtes Bild von der Thätigkeit der Organisationen gebe. In der Nachmittagssigung betont im Gegensatz zu Seliger Schrammel- Auffig, daß trop der Verfumpfung der öffentlichen Zustände unter der Arbeiterschaft Deutschböhmens reges Leben herrscht. So hat der im März dieses Jahres in Auffig gegründete Arbeiter- Konsumverein jetzt bereits 1000 Mitglieder. Nur der Zwist der leitenden Genossen besonders in Falkenau und Teplitz lasse dort teine Zeit zu erfolgreicher Arbeit.( Zustimmung.) Die Debatte wird eröffnet. bleiben wird. Wir müssen verwirklichen, was wir sagen, sonst sind Bölzer- Wien befürchtet, daß es wieder bei dieser leeren Drohung wir Komödianten.( Sehr richtig!) " lebend Proletariat Sonneck Wien: Die Arbeitermassen sind revolutionär: fie vers = 8 weiter Verhandlungstag. Für die Mandatsprüfungskommission beantragt Seliger- Tegliz, sämtliche 80 Mandate für gültig zu erklären. 72 Mandate find in den Händen von stimmberechtigten Vertretern von Organisationen, acht in den Händen von nichtstimmberechtigten Bertretern von Korporationen und Redaktionen. Dazu kommt die Reichsratsfraktion und die Frauenvertretung. Die Debatte wird fortgefeßt. Frau Schlesinger- Wien: Welchen entscheidenden Schlag", welche" große Attion", welches„ bisher noch unversuchte Mittel" hat der Referent denn eigentlich gemeint?( Heiterkeit.) Diese allgemeine Muchitsch- Graz: Die geradezu gefährliche Behauptung Seligers Art, sehr radikal zu sprechen, erschwert denen, die in den Organi ift falfch: Stagnation mag vielleicht in Deutschböhmen herrschen, fationen arbeiten, sehr ihre Aufgabe. Man kommt dort mit den un aber sonst sehen wir Fortschritte. Unser Sieg in der Steiermart hat sinnigsten hyperradikalen Vorschlägen und wird sich dann auf den Dr. Adler- Wien hält es für notwendig, auf die Ausführungen uns sehr gefreut, wenn wir auch von den Landtagswahlen noch mehr entscheidenden Schlag" berufen.( Sehr richtig!) erwartet hätten. Große Erfolge erhoffen wir bei den Gemeinde- es nicht haben, reden wir natürlich von außerparlamentarischen geworden, eine ungemein flammende, aufgeregte Rede für irgend Dr. Adler- Wien: Wir sollen vom Parlament reden, und da wir Winarskys zu antworten. Es ist zu einer Art Specialität Winarskys wahlen in Graz. In den letzten zwei Jahren hat unsre Organisation Dingen.( Heiterkeit.) Die Situation, in der sich heute Desterreich eine unbestimmt große Aftion zu halten.( Heiterkeit.) Das hat er in Graz eine Stärke erreicht, wie nie zuvor. Wir haben eine bis ins Einzelne ausgebildete Häuser und Straßenorganisation mit energisch, allein nicht geändert werden. Wir müßten uns flar darüber gerügt, daß fie diese große Attion nicht in die Wege geleitet hätten. ins Einzelne ausgebildete Häuser- und Straßenorganisation mit befindet, kann durch eine Aktion des Proletariats und sei fie noch so schon auf früheren Parteitagen gethan. Er hat die Abgeordneten 500 Vertrauensleuten.( Bravo!) Unser Parteiblatt hat einen großen fein und sind es ja auch, nur daß wir nicht immer den Mut haben, Die Empfindung, es geschieht nicht genug, ist mir immer erfreulich. Aufschwung genommen, unfre Finanzen find so gut wie nie zuvor. es einzugestehen: Desterreich vernünftig zu machen, Dafür haben wir aber auch nicht die geringsten wir Socialdemokraten außer stande. Und wenn wir uns die phan- aber auf dem Parteitag von verantwortungsvoller Stelle spricht, zu machen, find Selbstzufriedenheit wäre ein Zeichen der Versumpfung. Wenn man persönlichen Streitigteiten.( Bravo!) Schäfer- Reichenberg: Die Barteileitung kann die von Winarsky tastischte Aktion vorstellen, wir können diesen Staat nicht in normale muß man wenigstens so ungefähr wissen, was man will. Es giebt vermißte Statistik unsrer Erfolge bei den Gemeindewahlen nicht Verhältnisse bringen. Aus diesem Gefühl der Unmöglichkeit stammt nun Mittel, um wenigstens die Täuschung zu erzeugen, als wiffe liefern, weil die lokalen Organisationen keine Angaben machen und die Unzufriedenheit in unsrer Partei, die fich bald nach oben, bald man, was man wolle. Eines der harmlosesten dieser Mittel sind auch nicht machen können, da man sich sehr häufig über die Qualität nach unten richtet. Der eine fagt: die Parteivertretung thut nichts, Anträge. Resolutionen find zwar noch lange keine Aktion, aber doch der andre wieder: die Masse ist stumpf. Wir müssen uns und den geeignet, die Leute glauben zu machen, es geschehe etwas. der Erwählten täuscht. Größere Vorsicht ist da am Plaze.( Sehr richtig!) Aufgestellt wird, wer sich ein bischen oppositionell geberdet; ganzen Gedankengang unsrer politischen Aktion darauf einrichten,( Seiterfeit.) Wenn Winarsky nicht einmal zu diesem Minimum nachher stellt sich heraus, daß er gar kein Barteigenosse ist.( Sehr ihren Fäulniserscheinungen über uns ergehen lassen müssen. Anstatt so ist das schon ein bedenkliches Symptom dafür, baß wir diesen Zustand der permanenten, chronischen Krise mit allen gelangt ist, wenn er nicht einmal einen Antrag stellt, richtig!) Der Kleinarbeit wird nicht die nötige Aufmerksamkeit den vergeblichen Versuch zu machen, dies Desterreich zu heilen, dessen zwar über sehr viel Stimmung verfügt, aber sehr wenig Vorgeschentt. Bartel- Faltenau: Westböhmen ist das Schmerzenskind der Partei, hirnlose Staatslenter noch feiger als borniert sind, müssen wir unsre stellung von dem hat, was er will.( Seiterkeit.) Aufregung iſt ja Es fehlt, vom Karlsbaber Bezirk abgesehen, an einer induſtriellen Arbeit dorthin lenken, wo wir Macht und Einfluß haben, wo wir hübsch, aber für die Partei kommt wenig dabei heraus. Binarsty Arbeiterschaft. Der streis hat feinen natürlichen Mittelpunkt. Wirkungen erzielen können: das ist das Proletariat.( Bravo 1) Defter- meinte: Wir bleiben immer im Wellenthal. Er verwechselt BeFaltenau ist eine tote Stadt. In der Stadt Karlsbad selbst giebt reich gesund machen, das können wir nicht, aber das österreichische wegung mit Erregung. Er glaubt, daß die Partei nur fortschreitet, es teine Bewegung. Die Städte Eger und Asch find an centrali önnen wir. Auf den Generalstreit will ich nicht eingehen. Stöpfen tann sich unsre Bewegung als fortschreitende Aufregung erhalten, es aufflären, erziehen, das wenn sie laut spricht und aufgeregt ist. Aber nur in den wirrsten fiertes Arbeiten nicht gewöhnt. Das Arbeiten für die Organisation Aber welches Mittel Ihre Phantasie auch immer erfinnen mag, gegen malen.( Sehr richtig 1) Wäre unser Fortschritt an wachsende Aufist außerordentlich schwer, zumal persönliche Streitigkeiten vernichten, was mühsam aufgebaut war. Die Parteileitung muß gerade für wen wollen Sie es richten, von wem wollen Sie die Neukonstituie regung gebunden, dann müßten unsre Hoffnungen tief gesunken sein. diesen Kreis Kräfte und Mittel zur Verfügung stellen. rung Defterreichs verlangen? Wenn es aber zu einer Aber das ist ein großer Irrtum. Ueberlassen wir die Aufregung Schloßnickel- Sternberg schildert die Erfolge, die der 6. mährischelchen krisis kommt, die wir nicht herbeiführen Winarsky. Wenn der Parteitag vorüber ist, wird sie schon wieder Wahlkreis durch straffe Centralisation erzielt hat, und beſtätigt die Wenn die Dinge in Fluß geraten, tvenn es zu einem äußersten Bu- punkt, tönnen, dann soll sie uns bereit finden.( Bravo!) abflauen, um beim nächsten Parteitag wieder einen HochAngaben Schäfers über die leidigen Zustände bei der Aufstellung von stande kommt, wo ein augenblickliches Eingreifen irgendwelchen Er- Freundlich war so gut, uns entgegen unfrer Abmachung den einen Wellenberg zu erreichen.( Große Heiterfeit.) Dötsch- Asch nennt die Zustände im 4. böhmischen Wahlkreise un- folg verspricht, so wird jedes Eingreifen der Volksmassen in Defter Generalstreit plöglich zu präsentieren. Das heißt, er hat nur das erträglich. Die Gruppe, die sich um den früheren Parteigenossen reich die Socialdemokratie an der Spize finden, weil es, von uns Wort so heraus geschmettert, aber selbst, wenn er sich allein für den abgesehen, teine aktionsfähige Volksmasse in Desterreich giebt. Aber Erfolg verbürgt, könnte mir das nicht genügen. Parteigenossen, Simon Start geschart habe, stifte vielen Schaden. In seinem Schlußwort weist staret die Kritik zurück, die an der stande, und es ist völlig müßig, solchen Träumen nachzuhängen. Worten, die an diesem Orte und jetzt zu gar feinem praktischen die Bedingungen für dieses Eingreifen herzustellen, find wir außer lassen Sie doch das Spiel, das In- den- Mundnehmen von großen Thätigkeit der Parteileitung geübt worden ist. Manche Wünsche ließen sich nicht erfüllen, so die auf genauere Angaben über die Schaut nicht hinaus auf das, was andre thun, schaut auf Euch Erfolg führen.( Sehr richtig!) Wenn wir heute mit dem Entschluß Stärke der politischen Organisationen und die Erfolge bei den Stagnation für uns schädlich. Es ist gar kein Wunder, wenn eine gewiffe wir genug gethan.( Bravo.) felbst, geht auf Euch selbst zurück! felbst, geht auf Euch selbst zurück! Gewiß ist diese allgemeine fortgehen, die Socialdemokratie widerstandsfähiger zu machen, haben Gemeindewahlen. Aber die Thatsache, daß die Parteisteuer Alle psychologischen 11 000 kronen mehr eingebracht habe, als in der vorigen Berichts- flauung in der Agitation empfunden wird. Winarsky: Es ist mir nicht eingefallen, ein Rezept vorschreiben periode, beweist einen erfreulichen Aufschwung der Drgani- und Wellenthäler. Auf jeden Hochstand folgt mit mechanischer Not helfen ist, auf dem sie jetzt angelangt ist. Dinge vollziehen sich in Wellenlinien. Da giebt es Wellenberge zu wollen, wie der Bewegung über den toten Punkt zu fation. Die Parteileitung könne nicht die überall gewendigkeit das Abflauen, die Zeit der Ruhe, die erst ein Wieber- Altheilmittel in einer politischen Bewegung. Es giebt kein forderten „ neuen Kräfte" für die Provinz stellen; Wenn ich mich mache aber die Erfahrung, daß tüchtige Genossen nach Wien den Höchstpunkt der Erregung zu erhalten, giebt es nicht. Rehmen so denke ich deshalb nicht an ein Mißtrauensvotum gegen mache aber die Erfahrung, daß tüchtige Genossen nach Wien aufsteigen der Erregung ermöglicht. Eine Bewegung jahrelang auf mit der Partei nicht einverstanden erkläre, gehen und wichtige Bosten unbesezt zurücklassen.( Sehr richtig!) Gie noch die wirtschaftliche Krisis hinzu und es ist fein Wunder, die Parteileitung oder die Fraktion. Ich bin aber mit dem Tempo Selage die Provinz, Wien werde bevorzugt, so klage Wien wieder, wenn die Kraftanstrengung der Masse seit der fieberhaften Zeit von der Parteibewegung und der Art ihres Auftretens nicht zufrieden. bie Barteibertretung fümmere fich nicht um Wien. Was sich bei ber 1891 bis an 1900 nachgelaffen hat. Ungerecht wäre es, wenn Sie Diese lleberzeugung teilen viele Genoffen mit mir.( Lebhafte ZuUngunft der politischen Verhältnisse thun läßt, hat die Parteileitung diese tragische Situation bewußt oder unbewußt unsre Abgeordneten stimmung bei einem Teil der Delegierten.) Bei dieser Taktik des nach bestem Wissen und Können geleistet.( Bravo!) Der Parteileitung wird hierauf einstimmig Decharge erteilt und Milieu, in dem sie sich befinden, das Ansehen der Partei zu wahren, verweist mich auf die Thätigkeit für die Drganisation. Aber ist denn entgelten lassen. Sie thun das Aeußerste, um in dem furchtbaren Abwartens laufen wir Gefahr, daß wir die Massen verlieren. Man einer Kommission die Schlichtung der Streitfälle: Dr. Start- Milieu, Karlsbad, Pechota- Vorarlberg und Jenischet- Wien über- Sie thun reichlich ihre Pflicht mit bewundernswerter Ausdauer und das ein Gegenfab? Die Organisationsarbeit ist unser tägliches Selbstverleugnung. Thun wir nun die unsrige ebenso und ver- Brot, aber doch nicht der ganze Inhalt unfrer Parteithätigkeit. Die langen wir nicht mehr von andern, als von uns selbst.( Bravo 1) Arbeit mit der Maurerkelle läßt sich verbinden mit der Arbeit mit Werfen wir alle unfre Energie in die Drganisation, damit wenn dem Schwerte.( Sehr richtig!) Es ist Pflicht unsrer Partei als Defterreich verfault, die österreichische Arbeiterschaft zu Grunde einzigen Repräsentantin der radikalen Demokratie in Desterreich, daß geht.( Lebhafter Beifall.) sie alle Kräfte gegen den Absolutismus mobil macht. Aber man Gemeinderats- Kandidaten in kleinen Orten. tragen. man Es folgt der Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Berichterstatter Reichsrats- Abg. Eldersch Brünn: Es ist eine schwierige Aufgabe, über unsre Thätigkeit in einem Parlament zu berichten, das nicht existiert, obwohl es nach der Verfassung existieren follte. Wir haben den Wert dieses Parlamentes nie überschäßt, aber Taktik der Winarsty- Wien: Wir haben einen Clou vom Referenten er- schreibt nur nur Beitungsartikel, geht mit halbem Herzen wartet; er hat aber nur mit einem Seufzer geschlossen.( Seiterkeit.) an Aftionen heran, hat ein spöttisches Lächeln( Seht gut!) Die Adlersche Wellenlinie ist nicht das Bild, worunter wir die Belüber ihren Erfolg und ist ohne Energie, um sie zu Ende zu führen.( Lebhafte Zustimmung bei einem Teil der Delegierten.) I die Parteiaufgaben zu erfüllen; 10 Heller ist das mindeste. sein früherer Socius Herr Ellerholz die Firma in eine Gesellschaft Wir müssen mehr thun. Wir haben Versammlungen, Agitation, Mit dem Blocksystem bei der Beitragserhebung sind schlechte Er- mit beschränkter Haftung. Preffe, Demonstrationen in unsren Dienst zu stellen und so fahrungen gemacht worden. In Wien hat sich die Erhebung der G Gasröhren- Syndikat. Wie die Frankfurter Zeitung" erfährt, weiter- es giebt da keine Grenze. Aber dafür hat man nur Bezirkssteuer in der Form außerordentlich bewährt, daß jedem Ge- wurde in der vorgestrigen Versammlung des Gasröhren- Syndikats falten Hohn( Sehr gut!), der jede Begeisterung, jeden Jdealismus nossen die„ Volkstribüne" wöchentlich ins Haus gebracht und daß beschlossen, die Auflösung des Syndikats für Ende Dezember auszutötet. Will man eine Aktion durchführen, so muß man mit ganzem in der Bezahlung des Abonnements die Parteisteuer geleistet wird. sprechen, falls nicht bis spätestens den 15. November eine Einigung Herzen dabei sein.( Adler: Aber auch mit ein bißchen Aus den Ueberschüssen des Blattes werden die Parteigelder auf mit den beiden außenstehenden Werken Theningen und Käfernburg, Verstand! Heiterkeit.) Wenn wir aber beim Anfang jeder Attion gebracht. Eine genaue Kontrolle muß feststellen, wie viel Partei- sowie mit der Firma Hirsch u. Co. in Frankfurt erzielt worden sei. zu gescheit sind, dann machen wir solche Erfahrungen wie in Nord- genossen am Ort vorhanden sind. Werden die Genoffen evident Auch soll, falls die Verhandlungen bis zum 15. Oktober kein Resultat böhmen. Die Leute kommen nicht mehr: sie haben uns zuviel gehalten, so kann der Vertrauensmann auch die Attionen beginnen und nicht durchführen sehen.( Sehr richtig!) Gs fontrollieren; bei den direkten zahlen te leiste haben, an diesem Tage eine weitere Preisherabsehung in Kraft es auf jede treten. ist nicht Tändelei, nicht Spiel, nicht Luft an Sensation,( Dr. Adler: Stimme an. Redner geht dann zu einer Kritik der vorliegenden AnSensation?) die mich so sprechen läßt, sondern innere Ueberzeugung. träge über und bekämpft besonders den Antrag der Sektion Karlsbad: Der Versuch der Regierung, die Hibernia zu verstaatlichen, hat Auch ohne daß ich einen Antrag stelle, könnte die Parteileitung den„ Die Aufstellung der Kandidaten für die Wahlen der fünften Kurie in der rheinisch- westfälischen Kohlen- Industrie ernste Befürchtungen richtigen Weg beschreiten. Wir haben sieben Jahre gewartet, die in den Reichsrat liegt lediglich der Konferenz der Genossen des be- vor weiteren Verstaatlichungs- Aftionen gewedt. Deutlich kommt dies Zeit des Wartens muß jetzt ein Ende haben. Ohne Begeisterung treffenden Wahlkreises ob. Der Parteileitung steht jedoch das Recht darin zum Ausdruck, daß die Verwaltung der Harpener Bergbau feine großen Thaten.( Lebhafter Beifall bei einem Teil der zu, eventuell vorhandene objektive Gründe gegen die Aufstellung Aktiengesellschaft, wie die Kölnische Zeitung" vernimmt, von den Delegierten.) eines Genossen in der betreffenden Konferenz vor der Abstimmung Bankverbindungen der Gesellschaft im Hinblick auf die Vorgänge bei Czech- Brünn: Es ist zu einer lebendigeren Aussprache hier ge- namhaft zu machen. Der in der Konferenz gewählte Kandidat gilt der Hibernia die Erklärung verlangt hat, sie würde nicht ohne Vortommen, weil wir sagen müssen, wie die Dinge liegen. Auch wir jedoch unwiderruflich als Kandidat der socialdemokratischen Arbeiter wissen der Verwaltung geschäftliche Maßnahmen, welche die Gesellin Mähren haben die Empfindung, daß es so nicht weiter geht, daß partei für den betreffenden Wahlkreis." Im günstigsten Fall schaft betreffen, einleiten. Eine dahingehende Erklärung sei auch etwas geschehen muß.( Sehr richtig!) Die Steiermärker sind können wir siebzehn Leute ins Abgeordnetenhaus bekommen. von allen in Betracht kommenden Banken und Bankhäusern gegeben gefättigt von ihren Erfolgen, wir haben es nicht so bequem. In Aber bei der kleinen Zahl spielt die Person und die worden. Es gehören dazu auch die Dresdner Bank und der Mähren sind alle unsre Bemühungen, die Schmach des indirekten Qualifikation eine besonders große Rolle. Wir dürfen keine Freund- A. Schaaffhausensche Bankverein. Wahlsystems zu beseitigen, bisher vergeblich geblieben. Wir sind schafts-, teine Lokalpolitik treiben, das Interesse der Gesamt- Gelsenkirchener Bergbau- Aftiengesellschaft. In der heutigen überzeugt, daß die bisherige Kampfmethode aufgegeben werden muß, partei muß dem Bezirksinteresse vorangehen. Der Grazer Beschluß Aufsichtsratssitzung der Gelsenkirchener Bergbau- Aktiengesellschaft daß wir zu andren Mitteln greifen müssen. Mag es nun der Genreal- muß deshalb aufrecht erhalten werden, der da lautet:" Die wurden, wie die„ Kölnische Zeitung" meldet, die Einzelheiten für streit oder der politische Massenstreik oder Demonstrationen sein, das Kandidaten für den Reichsrat werden von der Reichs- Parteivertretung die Interessengemeinschaft mit dem Schalter Gruben- und Hüttenwird die Stunde lehren. Verzichten wollen wir auf keins aufgestellt( die Kandidaten für den Landtag von der Landes- verein und dem Aachener Hütten- Aktienverein„ Rote Erde" endgültig dieser Mittel.( Bravo!) Es ist abgelehnt worden, über den Parteivertretung, die Kandidaten für die Gemeindevertretung von der festgesetzt. Die außerordentliche Generalversammlung, die über diese Generalstreik zu verhandeln, aber wir stehen mitten Lokalorganisation), und zwar gemeinsam mit der Gesamtheit der Maßnahmen sowie über die Erhöhung des Attienkapitals beschließen in der Debatte drin. Gefährlicher als eine Debatte Wahlkreis- Vertrauensmänner nach Anhörung der Vorschläge des soll, wurde auf den 29. Oktober anberaumt. über den Generalstreik war das Eingeständnis, daß wir nichts machen Wahlkreises."( Beifall.) Zum Schluß erklärt Redner es für erfönnen. Freiwillig geben unsre Gegner uns nichts, sie müssen ge- forderlich, den Bestimmungen über den Ausschluß aus der Partei zwungen werden. Wir müssen auf die Straßen gehen, politische eine bestimmtere Fassung zu geben. Ausschluß aus der GesamtKundgebungen veranstalten und auch, wenn es sein muß, mit kühler partei soll nur auf dem Wege des Schiedsgerichts möglich sein. Berechnung die Stunde für den Generalstreit wählen. Dr. Adler hat Ausschlüsse aus der Lokalorganisation sind keine Ausschlüsse aus der in der Vorbesprechung gesagt, heute können wir nicht den General- Gesamtpartei. streit machen, weil wir im Gegensatz zu früher etwas zu verlieren Die Mittagspause tritt ein. haben.( Dr. Adler: Das habe ich nicht gesagt!) Das ist nicht richtig. Die Stimmung der Massen ist so, wie ich sie vorgetragen habe. Ueber alle diese Aktionen entscheidet der Moment; das hat uns Italien gezeigt.( Lebhafter Beifall eines Teils der Delegierten.) Auch Aus Induftrie und Handel. Soziales. Ein Wort der Erkenntnis. = 8091 Der Brenter Verein für innere Mission hielt dort seine Jahresversammlung ab. Bei dieser Gelegenheit hielt der Baron v. legküll eine Ansprache über das Thema:„ Unsre Brüder von der Landstraße". Der Herr hat sich nicht ohne Nutzen für seine Einsicht mit dem Gegenstande beschäftigt. Er sagte in seiner Ansprache die wahren und eindringlichen Worte: Es giebt ein Wort: Wer Arbeit sucht, der findet sie! Ein schändliches Wort! Ein Wort voller Lug und Trug, geeignet, uns die Herzen zu verhärten. Ich stehe als Zeuge dafür ein, daß Für einen Schlosser bin dies Wort eine unwahrheit ist. Dr. Ellenbogen- Wien: Ich bin auch nicht dafür, daß wir eine Die Ausgabe neuer Schatzscheine, von der wir gestern berichteten, Partei der alten Herren werden und vor lauter Vorsicht in ist in der Höhe von 150 Millionen Mark geplant. Davon sollen absolute Thatenlosigkeit verfinken. Ich sehe auch in dem Enthu ca. 70 Millionen zur Deckung des Geldbedarfs Preußens dienen, fiasmus eine bewegende Kraft, sehe in ihm die Straft, Machtpositionen zu erobern. scheint es mir unklug, die andern 80 Millionen entfallen auf das Deutsche Reich. Die der Welt einzureden, daß wir zu schwach sind. Wenn man aber eine Umlaufzeit dieser 31, prozentigen Schatzscheine ist auf vier Jahre ich 31, Tag herumgelaufen, habe nichts andres gethan und habe bestimmt accentuierte Aktion haben will, muß man ein bestimmt festgesetzt, doch hat sich die Regierung eine Kündigung und Rück- teine Arbeit für ihn gefunden, für einen andern Arbeiter in fünf präcifiertes Ziel hart vor die Augen stellen können. Absolutismus zahlung nach zwei Jahren vorbehalten. An dem Uebernahme- Tagen nicht und für einen dritten habe ich endlich nach vielen Bittund politisches Elend in Desterreich, das sind schwammige Begriffe. Konsortium sind alle jene Banken und Bankhäuser beteiligt, die bei gängen eine Stelle gefunden. Auf der Landstraße, in den Pennen, Aber die Wahlreform in Mähren, da handelt es sich nur noch um den früheren Anleihe- Emissionen des Reiches und Preußens mit den Hunger im Magen, die schlechten Sitten vor Augen, wie leicht cinen Tropfen, der in den Becher fallen muß. Wenn die Genossen in Mähren auf die Straße steigen wollen, gut, aber auf einem gewirkt haben. Darunter befinden sich auch diejenigen Banken und wird da der Mensch verdorben. 200 000 unsrer Brüder stehen jeden Parteitage läßt sich so etwas nicht beschließen. Es ist nüglich, wenn Firmen, die bei der vor zwei Jahren erfolgten Reichsanleihe- Emission Tag, den Gott werden läßt, auf der Landstraße, unsre Brüder! die Stimmung nach außen dringt, daß sich der Arbeiterschaft eine nicht herangezogen worden waren. Insgesamt sind an der Uebernahme an Bahl mehr als Japaner auf dem Kriegsschauplaze, mehr als der furchtbare Erbitterung bemächtigt hat. Bei uns spielt die Rücksicht etiva vierzig Firmen beteiligt. Der lebernahmekurs beträgt 99 Proz. Russe diesen Soldaten entgegenstellt, ein großes Heer, und im großen auf die Stimmung der Massen eine große Rolle. In Deutsch- Der zur Deckung des Reichshaushalts- Defizits für 1904 er- Publikum weiß man nichts davon." land ist man mit Niederschießen eher bei der Hand. forderliche Anleihebetrag wurde bekanntlich auf 214 Millionen Mark ( Lebhafte Zustimmung.) berechnet. Zur Deckung des Bedarfs hat sich die Regierung zunächst Schrammel- Aussig: Was hindert uns denn, in Böhnten dieselbe damit beholfen, daß sie für ungefähr 200 Millionen Mark unverBewegung zu machen, wie in der Steiermark? Arbeiten wir nur tüchtig an der Organisation und machen wir nicht die Parteileitung zinsliche Schatzscheine bei der Reichsbank diskontierte; doch genügte, gewonnen haben, dafür sorgen, daß sie nicht bloß auf den kleineren und die Fraktion für Dinge verantwortlich, die sie nicht ändern wie die neue Schatzschein- Ausgabe zeigt, diese Summe den An- Streis einer Versammlung für innere Mission beschränkt bleibt, sondern daß sie der großen Deffentlichkeit des Bürgertums verkönnen. Die Taktik bestimmen die einzelnen Wahlkreise selbst. forderungen nicht. mittelt wird. Und dann nuß man aus solcher Erkenntnis, wenn sie Wert haben soll, auch Konsequenzen ziehen. Mit Bettelsuppen ist dem Elend der Arbeitslosigkeit nicht abzuhelfen. Uns sagen die Worte natürlich nichts Neues. Aber daß sie an dieser Stelle ausgesprochen wurden, das ist ganz anerkennenswert. Nur sollten die Leute aus bürgerlichen Streifen, die solche Erkenntnis Seliger- Teplitz: Man hat uns ja schon auf der Vorkonferenz Ueber die Gründe, welche für die Wahl der Emission von den Mund durch den Beschluß gestopft, daß über den Generalstreit 31% proz. Schazzanweisungen maßgebend waren, erfährt das„ Berliner nicht gesprochen werden darf. Aber es bleibt doch Thatsache, daß Tageblatt": auf der österreichischen Arbeiterschaft die Stimmung lastet: die bis-" Die Begebung der neuen 3½ proz. Schazanweisungen ging herigen Waffen langen nicht aus. Um die Arbeiterschaft zu organi- aus zwei Erwägungen hervor. Erstens war zu bedenken, daß fieren, ist nicht nur fühle Vernunft, sondern auch Begeisterung die Begebung von unverzinslichen Schatzscheinen an die Reichserforderlich. Begeisterung aber hat man nur, wenn man Glauben bank doch auch ihre Grenzen hat, teils wegen des Status und Kaufmann- Bern. Nach vorheriger Prüfung durch die LandesDie Generalversammlung der internationalen Vereinigung für geschlichen Arbeiterschutz nahm am Mittwoch Kommissionsberichte entgegen. Uleber Nachtarbeit Jugendlicher berichteten Strohl- Paris sektionen soll die Dringlichkeit der Beseitigung der Nachtarbeit der Hauptgegenstand der nächsten Tagung sein. Pic- Lyon und PieperGladbach referierten über Heimarbeit. Der Einfluß des Arbeiterschutzes auf Entwickelung der Hausindustrie und die Mißstände in der Heimarbeit sollen in Specialuntersuchungen studiert werden. Ein Konflikt. an den Erfolg hat. Den Glauben an den Erfolg der bisherigen Mittel aber hat die Arbeiterschaft verloren. der Bank, teils weil die Mittel der Reichsbant doch vornehmlich für Nießner- Brünn: Ganz ungewollt ist die Debatte über die andre Zwecke bestimmt sind. Sodann soll der Markt der einparlamentarische Thätigkeit zu einer Debatte über den Generalstreit heimischen Anleihen weiter geschont und dem vorhandenen Material geworden. Da ist es nun bedauerlich, daß alle Fraktionsmitglieder Beit gelaffen werden, dauernde Placierung zu finden. Wenn man gebremst haben, und daß Dr. Adler als Oberbremser fungiert hat. jetzt zur Begebung einer festen Anleihe geschritten wäre, lag die GeMan sollte doch die Stimmung benutzen, die in der Arbeiterschaft fahr nahe, daß der Kurs der einheimischen Anleihen stark gedrückt besonders seit dem letzten italienischen Generalstreik herrscht. Der und die Anleihebefizer noch weiter geschädigt worden wären. Für Ein preußischer Ministerialerlaß, der in Ausführung von BundesGeneralstreit muß eine Waffe in unfrem Kampfe werden. Das politische Elend, unter dem wir leiden, ist mit der bisherigen Taktik die Begebung festverzinslicher Schahzanweisungen dagegen dürfte die ratsbeschlüssen ergangen ist und den einheitlichen Erlaß von Vernicht zu beseitigen; wir müssen zu schärferen Mitteln greifen, um Seit günstig sein, zumal da diese auch nicht in die breiten Massen ordnungen zur Regelung des Verkehrs mit Geheimmitteln und ähndie bürgerlichen Parteien zur Raison zu bringen. Was Ellenbogen gelangen. Haben sich die Verhältnisse gebessert, sind wieder fried- lichen Arzneimitteln" betrifft, war auch vom Ministerialdirektor Förster für Mähren fonzediert hat, muß er auch für Böhmen, Niederösterreich liche Zeiten, dann kann man ja mit größerer Aussicht auf Erfolg in Vertretung des preußischen Kultusministers unterzeichnet worden. und Steiermark gelten lassen. Nach dem Erlaß sollen die Oberpräsidenten Verordnungen erlassen, ( Bravo! bei einem Teile der an eine feste Anleihe herangehen." die nach einem vom Bundesrat vorgeschlagenen Schema Delegierten.) Dr. Adler: Czech hat geglaubt zu hören, daß ich in der Vor- In der Hibernia- Angelegenheit hat die Dresdner Bank einen den Verkehr mit den genannten Mitteln gewissen Beschränkungen Es sind ihn ztvei Listen derartiger Mittel, die versammlung gesagt hätte, wir seien im Gegensatz zu früher nicht neuen Erfolg zu verzeichnen, wenn auch nur einen mäßigen. Nach- unterwerfen. in der Lage, den politischen Massenstreit zu machen, weil wir zu dem das Bochumer Landgericht zunächst die handelsgerichtliche Ein- der Bundesrat feststellte, beigegeben. Aufgeführt ist unter anderm stark sind und zu viel zu verlieren hätten. Ich lege Wert darauf zu tragung der Erhöhung des Aktienkapitals der Hibernia verhinderte, das Djorat Bauers, ein Mittel gegen Zuckerkrankheit. Der Erfinder fonstatieren, daß ich das nicht gesagt habe, und daß dies nicht meine hat jetzt das Amtsgericht in Herne auf den Antrag der Dresdner und Fabrikant des Mittels, Chemiker Bauer, hat nun gegen den Meinung ist. Ich habe allerdings gesagt, wenn wir heut an ein Bank verfügt, daß auf die Tagesordnung der Generalversammlung Ministerialdirektor Förster die Civilflage angestrengt und beantragt, solches Unternehmen gehen, thun wir es unter andern Bedingungen der Bergwerksgesellschaft Hibernia am 22. Oktober auch die von der Direktor Förster für verpflichtet zu erklären, den Schaden zu erfür uns als 1893 und 1894. Ich habe in Wort und Schrift stets Verwaltung abgelehnten Punkte gesetzt werden, d. h. die Anträge auf feßen, der ihm durch die Bezeichnung des Djorats als eines erwähnten Mittel schon entstanden ist und noch entdie Meinung vertreten, daß der politische Massenstreit für die Social- Aufhebung des Kapitalserhöhungs- Beschlusses und die Vornahme von der Kläger bestreitet, daß Neuwahlen zum Aufsichtsrat. Gegen diese Verfügung steht zwar der stehen wird. demokratie überhaupt und für uns besonders als Mittel nicht zu Verwaltung der Hibernia die Beschwerde bei dem vorgesetzten Gericht sei. es ein solches Mittel Der Kultusminister erhob zu Gunsten des Direktors den Unmöglichkeiten gehört. Aber ich meine auch, daß alle Erund beantragte die Einstellung des wägungen hierüber unter dem vollen Bewußtsein der Verantwort- offen und wahrscheinlich wird auch von ihr dieser Weg beschritten Förster den Konflikt werden, aber ob das etwas nüßen wird, erscheint recht fraglich. Prozeßverfahrens. Es wurde dargethan, daß der Bundesrat lichkeit angestellt werden müssen.( Sehr richtig!) In seinem Schlußwort verwahrt sich Eldersch gegen die Censur, Dagegen hat das Amtsgericht in Herne den weiteren Antrag der das Djorat erst nach genauer Nachprüfung auf die Liste gesetzt hatte, Dresdner Bank, daß, falls der rechtmäßige Vorsitzende die leber- daß z. B. erst der Reichs- Gesundheitsrat gehört worden war. die ihm Bernerstorfer erteilt habe. So weit ſei er doch nicht ge- nahme des Vorsitzes in der Generalversammlung ablehnen sollte, ein Das Ober- Verwaltungsgericht erklärte den Konflikt für begründet gangen, daß die Frattion die Verantwortlichkeit dafür ablehnen gangen, daß die Fraktion die Verantwortlichkeit dafür ablehnen Vertreter der Dresdner Bank an seine Stelle trete, abgewiesen. und erkannte auf Einstellung des Verfahrens gegen den Beklagten müsse. Und selbst wenn er über die Schnur gehauen habe, hätte man ihm das mit etwas mehr Kollegialität nachsehen müssen. Er In Anbetracht des Einflusses, welchen der Vorsitzende auf die Leitung Förster. Es sei ihm nicht vorzuwerfen, daß er die Sorgfalt der habe nicht empfohlen, den Generalstreit zu beschließen. Ein solcher der Versammlung auszuüben vermag, ist diese Abweisung für die Prüfung, die durch sein Amt geboten war, unterlassen habe. Es Dresdner Bank ein arger Fehlschlag in ihren Kalkulationen. falle ihm eine Unterlassung einer Amtshandlung nicht zur Last. Das Beschluß könne erst erfolgen, wenn die Organisationsleiter bestimmte Wird die Entscheidung des Amtsgerichts Herne nicht von der Gericht ging davon aus, daß den Unterzeichner des Ministerialerlasses, Auskunft über den Stand der Kräfte gegeben hätten. Muchitsch Graz, Preußler- Salzburg, Schrammel, höheren Instanz unigestoßen, so wird voraussichtlich das Ergebnis der die Ausführung von Bundesrats- Beschlüssen sei, die sorgfältige 22. Oktober einberufenen neuen außerordentlichen General- Prüfung im Bundesrat schüße. Beutel und Reißner, VI. böhmischer Wahlkreis, beantragen versammlung sein, daß der Kapitalserhöhungs- Beschluß fällt. Und folgende Resolution: da weiter mit einiger Sicherheit darauf gerechnet werden darf, daß der Landtag, wenn auch nach einer gründlichen Kritik der Ungeschick- Aus der Frauenbewegung. lichkeit des Herrn Möller, die Uebernahme der im Besitz der Dresdner Bank befindlichen Hibernia- Aktien durch die preußische Regierung Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, genehmigen wird, so erhielte damit diese bestimmenden Einfluß auf 3. Oftober, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantendie Verwaltung der Hibernia- Gesellschaft. Indes glauben wir straße 20: Vortrag des Herrn Dr. Zadek über„ Schulhygiene". Die immer noch, daß es nicht bis zum offenen Kampf um die Herrschaft Eltern der Arbeiterkinder dürfen diesen Vortrag nicht versäumen, es über die Geschäftsleitung kommen wird. Sieht die gegen die Ver- ist unbedingt notwendig, daß sie sich flar über die Forderungen an staatlichung arbeitende Bankgruppe, daß für sie der Handel verloren die Schule auch in gesundheitlicher Beziehung werden. Gäste sehr Die Organisationsfrage. ist, wird sie voraussichtlich ihren Widerstand aufgeben, zumal wenn willfonen. Berichterstatter ist der Parteisekretär Staret: Wir haben zwar die Regierung sich dazu verstehen sollte, eine öffentliche Zusicherung ein wahres Labyrint von Bestimmungen, aber die Parteileitung abzugeben, daß sie für die nächsten Jahre keine weiteren Grubenhat sich davon überzeugt, daß sich ein einheitliches System nicht Verstaatlichungen beabsichtigt. durchführen läßt. Bei den verschiedenartigen Bedingungen in Zusammenbruch einer Berliner Bank. Auf Veranlassung der den einzelnen Ländern Uniformierung unmöglich. Staatsanwaltschaft beim Landgericht I wurde gestern abend die Wir legen deshalb keine speciellen Anträge vor, halten aber eine Banffirma Ehrenberg u. Co., Ges. m. b. H., deren Geschäftsräume Besprechung der gemeinsamen Gesichtspunkte für nüglich. Der direkte Bimmerstr. 100 liegen, und deren Hauptinhaber Herr Ellerholz in Eingegangene Druckfchriften. Kontakt mit den einzelnen Parteigenossen ist erforderlich, mag er Steglitz ist, geschlossen. Eine Reihe fehlgeschlagener Spekulationen nun durch die Parteikolportage oder durch die Erhebung des Partei- sowie Beteiligungen an wenig aussichtsreichen Unternehmungen Sibirien, das Amerika der Zukunft. Nach John Foster Frasers beitrages erfolgen. Nur bei einem solchen Aufbau der Organisation haben dem an sich nicht großen Bankgeschäft den Todesstoß versetzt. The Real Siberia von Dr. A. Gleiner. Großottav 80 S. 2. Auflage ist pulsierendes Leben möglich. Es muß ein Zwang zur Einfaffierung Als neuerdings zahlreiche kleine Leute ihre Ansprüche geltend machten 4. u. 5. Tausend). M. 1,-. Stuttgart 1904. Verlag Robert Luz. Das Arbeiterrecht von Arthur Stadthagen. Komplett in 28 Liefe bestehen, aber dieser Zwang läßt sich nicht statutarisch fassen, und nicht befriedigt werden konnten, schloß die Staatsanwaltschaft sondern muß im Pflichtbewußtsein der Vertrauensmänner beruhen. auf eine Anzeige, daß Depots angegriffen seien, das Geschäft und rungen a 32 Seiten. Preis pro Lieferung 20 Pf. Alle Woche erscheint ein Heft. Heft 1 ist soeben erschienen. Bei der Verschiedenartigkeit der ökonomischen Bedingungen in den ordnete eine Revision der Bücher an. Die Firma war vor zwölf Dr. M. Hirschfeld. Jahrbuch für seruelle Zwischenstufen unter bes einzelnen Ländern läßt sich die Höhe des Beitrages nicht Jahren von dem Konsul Ehrenberg auf sehr solider Basis gegründet fonderer Berücksichtigung der Homosexualität. 6. Jahrgang. Leipzig 1904. einheitlich festsetzen, aber 5 Heller monatlich ist zu wenig, um worden. Nach seinem vor fünf Jahren erfolgten Tode verwandelte I Berlag Mag Spohr. Der Parteitag erkennt die schwierige Lage, in der fich der socialdemokratische Verband innerhalb der heutigen politischen Versumpfung in Desterreich befindet und ist überzeugt, daß derselbe alles im Interesse des Proletariats gethan hat, was unter folchen tristen politischen Verhältnissen gethan werden konnte. Er spricht ihm daher Anerkennung und vollstes Vertrauen aus. Diese Resolution wird fast einstimmig angenommen. Nächster Punkt der Tagesordnung ist der zum Die Zahlstellen des Vereins, in welchen auch neue Mitglieder aufgenommen werden, befinden sich bei Frau Franke, Moabit, Gozłowskistraße 13, Frau Klotsch, Koppenſtr. 81, Frau Kühnemann, WöhlertStraße 21, Frau Reinke, Littauerstr. 15, Frau Schulz, Wrangelstr. 105, Frau Steinkopf, Schwedterstr. 34. ' sus st Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. ember. Donnerstag, 29. September. Anjang 72 Uhr: Opernhaus. Der fliegende Holländer. Neues königl. Opern Theater. König Heinrich V. Deutsches. Kettenglieder. Berliner. Zapfenstreich. Leffing. Traumulus. Westen. Die Fledermaus. Thalia. Der Weiberkönig. V Central. Tannhäuser- Parodie. Anfang 8 Uhr: M Schiller 0.( Wallner Theater.) John Gabriel Borkman. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die Kreuzelschreiber. National. Der Troubadour. Belle- Alliance. La Peur. Die R Deutsche Volksbühne. Die Räuber. Neues. Salome. 39 Kleines. Nachtasyl. Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Cafino. Mutter Gräbert. Trianon. Ihr zweiter Mann. Luisen. Mein Leopold. Metropol. Ein tolles Jahr. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: John Gabriel Borkman. Im Bannkreis der Jungfrau. Schauspiel in 4 Aufz. v. Hemvik Ibsen. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S Freitagabend 8 Uhr: Das Heiratsnest. Sonnabendabend 8 Uhr: Neu einstudiert: In Behandlung. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater) Donnerstagabend 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Bauernkomödie in 3 Aften von Ludwig Anzengruber. Freitagabend 8 Uhr: Johannisfeuer. Sonnabendabend 8 PANOPTICUM Klein Rehardhuese Die Kreuzelschreiber, Friedrichstr. 165. Rosa das gelehrte Pferd! OOLOGISCHER ✓ CARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Militär- Konzert. Eintritt 1 M., ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Apollo. Berliner Luft. Specialitäten. National- Theater Palast. Vom Himmel zur Hölle. Specialitäten. Herrnfeld Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Wintergarten. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Baffage- Theater. Dida. Specialitäten. Anfang 3 Uhr. Urania. Taubenstraße 48/49. Um 8 1hr im Theater: Im Bannkreis der Jungfrau. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Central- Theater Heute Anfang 72 Uhr. Tannhäuser. Operette in 3 Akten von Karl Binder. Freitag: Der Zigeunerbaron. Sonnabend: Die schöne Helena. Weinbergsweg 12a- 13b. Donnerstag, den 29. September cr.: Eröffnungs- Vorstellung: Der Troubadour. Anfang 8 Uhr. Freitag: Der Troubadour. Sonnabend: Der Wildschüß. Apollo- Theater. dino 9 Uhr: Berliner Luft. Burleske von Benno Jacobson. Musik von Paul Lincke. Vorher 8 Uhr: Die grandiosen Sonntagnachm.: Der Zigeuner September- Specialitäten. baron. Abends: Die Geisha. Luisen- Theater. Mein Leopold. Freitag: Wohlthätigkeitsvorstellung. Gastspiel der königl. Hosschauspielerin Rosa Poppe und des königl. Schau spielers Maximilian Werrad. Sappho. Sonnabend: Hasemanns Töchter. Sonntagnachm.: Romeo und Julia. Abends: Mein Leopold. Gebrüder Herrnfeld- Theater Bum 199. Male der größte Herrnfeld- Schlager Nur eine Nacht. 2 Afte aus einer The und Am andern Morgen. Nachspiel Nacht" Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Deutsche Volksbühne. Ragſpiel zu Nur eine Radt mit Carl Weiß- Theat., Gr. Franks. Str. 132. Die Räuber. Anfang 8 Uhr. Freitag: Genoveva. 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Freitag: Minna von Barnheim. Sonnabend: Erdgeist. Belle- Alliance- Theater. Dresdenerstr. 72/73. Direktion: Kren& Schönfeld. Belle- Alliancestr. 7/8. Täglich abends 7½ Uhr: Heute Donnerstag 8 Uhr: Der Weiberfönig. Zveites Gastspiel unter Leitung von Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Aften. Mr. Sylvestré: Mlle. Pierny. ( Guido Tielscher, Lina Abarbanell, La Revue de la Chanson. La Peur. Fritz Helmerding, Josephine Dora in den Hauptrollen.) Morgen: Dasselbe Gastspiel. Münchener BürgerBräu. Braun- u. Hellquell. Special- Ausschank Niederwallstraße 25 ( nächst dem Spittelmarkt). Hel Oekonom diertua Sonntagnant. 3%: Charleys Tante. Sonntagnacnt. 3 Uhr: Der Wilderer. Lambert Meixner. Freie Volksbühne misasüdatsis Herbstfest 198) 1986 Sonnabend, 8. Oktober, in der Brauerei Friedrichshain. Mendelssohn- Beethoven- Abend. 198 Berliner Tonkünstler- Orchester, Dirigent Carl Vach. U. a. Konzert E- moll für Violine. Solist Konzertmeister Alfred Wittenberg. 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Bild: Die Ufer des Angaro. 7. Bild: Die beiden Strogoff. 8. Bild:( Wasser- Akt): Für Gott, Zar und Vaterland. Vorher die großartigen Specialitäten und Direktor Albert Schumanns neuen und modernen Dressuren. Vom Himmel zur Hölle. Victoria- Brauerei Große Ausstattungsposse mit Gesang und zwei Balletts. Jupiter: Direktor N. Winkler. Vorher das immense Specialitäten- Programm. Anfang 8 Uhr. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Freitag, den 30. September: Zweiter großer Elite- Abend. Don Carlos. Unter Mitwirkung namhafter Sträfte. Weimanns Volksgarten Theater. Badstraße 56, Gesundbrunnen. Nächste Vorstellung: Sonntag, 2. Okt. Bestellungen auf Abonnements und bestimmte Bläge werden täglich im Bureau zwischen 10-1 Uhr entgegengenommen. Lützowstr. 111/112. Täglich: Donnerst., Sonnt., Mont.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Jeden Dienstag und Mittwoch: Theater Abend. In Vorbereitung: Kaiser Josef II. und die Schustertochter. O WINE BARTEN 765 Beendigung der Liquidation er folgen. 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Die Ehe des Angeklagten wurde in einem Grünkramkeller insceniert. Er war kinderloser Witwer, der 700 M. sein eigen nannte, sie war Wäscherin, die nicht ungern hörte, daß der Witwer sich wieder ver- heiraten wollte, die Grünkramhändler vermittelten die Bekanntschaft der beiden, diese gefielen sich und so kam im Jahre 1901 die Ehe zu stände. Die Frau brachte ihm ein unehelich geborenes Söhnchen, den jetzt siebenjährigen Arthur, mit in die Ehe, verscbwieg ihm aber das Vorhandensein einer jetzt siebzehnjährigen unehelichen Tochter, und wenn diese zu Besuch kam, galt sie als die Nichte der Frau. Schon einige Wochen nach der Eheschließung zog der Unfriede ins Haus und blieb darin als unliebsamer Gast. Es kam häufig zu Zänkereien und Streitereien, die manchmal einen sehr heftigen Charakter annahmen. In einem Fall hat der Angeklagte die Füllung seiner Wohnungsthür zertrümmert, in einem andren Fall hat er seine Frau und diese ihn verprügelt. Er wohnte in der Pappel- allee 39, war bei einem Dachdecker beschäftigt und verrichtete in seinem Hause die Dienste eines Portiers. Alach seinen Angaben im gestrigen Termin, deren Richtigkeit nicht zu kontrollieren war, da seine Frau von dem Recht, ihr Zeugnis zu verweigern, Gebrauch machte, habe ihm seine Ehefrau seine Häuslichkeit zur Hölle gemacht Außer dem siebenjährigen Arthur war noch ein in der Ehe geborenes Töchterchen im Hausstande. Wie der Angeklagte, der Grund zur Eifersucht zu haben glaubte, behauptet, hat ihn seine Frau mit diesem Mädchen, das er sehr lieb gehabt habe, oft geärgert, indem sie ihn verspottete und ihm immer wieder sagte: er solle sich nicht einbilden, daß das Kind von i h m sei. Er habe sich über solche Reden ganz besonders geärgert, da er fest davon überzeugt sei, daß er der Vater des Kindes sei. Er habe seiner Frau allwöchentlich fast seinen ganzen Verdienst abgegeben, sie habe ihn aber sehr schlecht versorgt und in der empörendsten Weise ihm beinahe täglich ihre Wneigung gezeigt. Diese sei so weit gegangen, daß sie häufig den Wunsch ausgesprochen: er möchte doch bloß mal vom Dache stürzen und tot liegen bleiben. dann würde sie zu einem andren Manne ziehen. Ende Februar war der Unfriede besonders groß. Seufert soll schon am 22. Februar, als wieder eine heftige Scene sich abgespielt hatte, Drohungen aus- gestoßen und gegen das kleine Töchterchen Gertrud gewütet haben. An demselben Abend gab es wieder Streit und als die Frau mit dem kleinen Kinde weg ging, lief er ihr auf die Straße nach, suchte ihr das Kind zu entreißen und soll dabei, ein Messer schwingend, gesagt haben:„Fetzt werde ich ein Mörderl" Die Frau schrie um Hilfe und da schlug ein auf den Hilferuf hinzueilender Mann den Ange. klagten zu Boden. Auf Zureden des Hauswirts vertrugen sich die Eheleute wieder, der Friede dauerte aber nur bis zum 26. Februar. An diesem Tage war die Frau mit dem Mädchen in den Germania- Ausschank gegangen und der Angeklagte hatte sie dort aufgesucht. Die Frau setzte sich aber nicht zu ihm, und als er ihr sein Bier anbot, wieS sie ihn mit den Worten zurück:„Ich trinke nicht mit Dir!" Das kleine Mädchen spielte mit dem Portemonnaie der Mutter, und als dabei das Portemonnaie aufging, glaubte er darin einen Ring zu bemerken, von dem er bis dahin keine Ahnung hatte. Das erregte seinen Verdacht und die Sache ging ihm im Kopf herum, namentlich, als er allein nach Hause ging, um das Gas anzuzünden und sich dann brütend in seine Wohnung begab. Er ließ sich dort von seinem Sohn für 10 Pf. Schnaps holen, den er austrank, und setzte sich nieder, um die Zeitung zu lesen, während die beiden Kinder in das gemeinschaftliche Bett gingen. Trudchen schlief bald ein, der sieben- jährige Arthur aber konnte nicht schlafen und hörte von seinem Bett aus. was im Nebenzimmer vor sich ging. Die Mutter war nach Haus«, gekommen und hchte sich gleichfalls zum Zeitungslesen nieder- gesetzt, dann war es wieder zu Streit gekommen, dessen Mittelpunkt der Ring bildete. Die Mutter erklärte dem Vater, daß das, was er für einen Ring angesehen, der Schlüssel zu ihrer Nähmaschine ge- Wesen sei. Da der Angeklagte sich hierbei nicht beruhigen wollte, ging die Frmwwiederum aus der Wohnung. Der Angeklagte legte sich darauf ins Bett. Nach kurzer Zeit sah der Knabe den Vater wieder aufstehen. Er ging in die Küche, nahm ein Messer, wetzte es auf einem Schleifstein, den er unter dem Küchenspinde hervorholte und trat dann wieder in das Zimmer zurück. Mit Entsetzen sah der Knabe, wie der Vater mit dem Messer in der Hand an das Bett herankam und hörte, wie er, vor dem Mädchen stehend, sagte: „Trudchen, Deine letzte Stunde ist gekommen!" Der geängstigte Junge stahl sich aus dem Bett, floh um den Vater herum in die Küche und auf den Flur und durch das Haus gellte sein Angstschret: „Mutter! Mutter! Vater ist mit dem Messer am Bett!" Da stürzte die Mutter, so schnell sie die Füße tragen konnten, die Treppen hin- auf, und als sie die Küche ihrer Wohnung erreicht hatte, trat ihr der Angeklagte entgegen, und mit den Worten:„Da hast Du Dein Kind" überreichte er ihr das von ihm auf ein Kopfkissen gelegte unglückliche Trudchen, welches bereits tot war und eine furchtbare Schnittwunde am Halse zeigte. Der unmenschliche Vater hatte dem Kinde mit dem Messer eine einzige liefe Verletzung beigebracht, die 7 Centimcter lang war und 4 Centimeter weit auseinander klaffte. Die Luftröhre war glatt durchschnitten und der Schnitt war so tief, daß auch die eine Zwischenwirbelscheibe noch getroffen war. Die Mutter brachte das Kind unter lautem Wehgeschrei zur Unfallstation; dort konnte aber nur der Tod konstatiert werden. Als die Polizei kam stürzten Nachbarsleute mit in die Wohnung und schlugen in ihrer Empörung auf den Angeklagten ein, den die Schutzleute vor dem Walten einer Lynchjustiz schützen mußten.— Der Angeklagte ist nach dem Zeugnis der Polizeibeamten ganz ruhig und ohne ein Wort zu sagen, zur Wache gegangen, hat kein Zeichen, das auf Trunkenheit schließen ließ, gegeben, hat auch anfänglich seine Unthat ohne weiteres zugegeben und erst als der Polizeilieutenant auf die Strafe hinwies, die auf Mord steht, behauptete er, daß er das Kind nicht habe töten, sondern nur verletzen wollen. Dabei blieb er auch im gestrigen Termin der nur auf Totschlag lautenden Anklage gegenüber. Mehrere Zeugen stimmten darin überein, daß der Frau die Hauptschuld an den ewigen Zänkereien zuzumessen sei.— Auf Grund der umfang- reichen Beweisaufnahme gaben die Geschworenen ihren Wahrspruch auf schwere Körperverletzung mit tödlichem Er- folge unter Zubilligung von mildernden Umständen ab. Der Staatsanwalt beantragte das höchste zulässige Strafmaß — fünf Jahre Gefängnis. Das Urteil lautete auf vier Jahre Gefängnis, wovon vier Monate durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt er- achtet wurden. SerUner Partei-Angelegenheiten. Achtung! Parteigenossen und Parteigenossinnen Berlins! Dienstag, den 4. Oktober, abends 8 Uhr, findet in allen Kreisen Berlins die Berichterstattung vom Parteitag in Bremen statt. Wir ersuchen um zahlreiche Beteiligung an diesen Versammlungen. Die socialdemokratischen Vertrauensleute. Sechster Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der 2. Kassierer O. Bachgänger nach Prinzen-Allee 82 verzogen ist. Die Zahlstelle, welche sich in seinem früheren Lokal befand, ist jetzt bei Aug. Löwenstein, Stralsunderstr. 26. lokales. Zu den Stadtvcrordneten-Wahlen. Von den beiden Wahlbezirken dritter Abteilung, in denen eine Stadtverordneten-Ersatzwahl notwendig geworden ist, wird der 30. Bezirk sich auf einen recht lebhaften Wahlkampf gefaßt machen müssen. Die Vorbereitungen dazu sind bereits im vollen Gange. Während im 22. Bezirk jGroße Frankfurterstraße und Umgegend) bisher noch alles still geblieben ist, werden im 30. Bezirk(Große Hamburgerstraße und Umgegend) die Parteien mit der Aufstellung ihrer Kandidaten bald fertig sein. Zuerst ist die Socialdemo- kratie auf dem Kampfplatz erschienen und hat unfern Partei- genossen Johannes Sassenbach den Wählern als Arbeiter- kandidaten präfenttert. Sassenbach, der schon bei den Stadt- verordneten-Wahlen von 1899 im 30. Bezirk kandidiert hatte. aber damals noch dem Freisinn unterlegen war, ist am Freitag voriger Woche in einer sehr stark besuchten öffentlichen Wählerversammlung(über die wir in der Sonnabend-Nunrmer be- richtet haben) einstimmig von neuem als Kandidat aufgestellt worden. Als zweite rückt nun die sogenannte Bürgerpartei an und empfiehlt den antisemitischen Rechtsanwalt Ulrich, der schon mal zwei Jahre hindurch für einen Moabiter Wahlbezirk Stadtverordneter war, aber Ende 1901 einem Socialdemokraten Platz machen mußte. Am Dienstag ist in einer öffentlichen Wählerversammlung, die nur spärlich besucht war, seine Kandidatur von seinen Freunden proklamiert worden. Die B ü r g e r p a r t e i, die in der Stadtverordneten-Ver- sammlung in den 80 er Jahren eine- ganz stattliche Fraktton ge- bildet hatte, hat im Herbst 1901 ihre vorletzte, im Herbst 1903 ihre letzte Säule im roten Hause fallen sehen, besagten Rechtsanwalt Ulrich und den Fabrikanten Pretzel. Sie könnten nun eigentlich „genug haben", aber ihre Führer glauben noch einen Wieder- belebungsversuch machen zu sollen. Hierzu haben sie sich den 30. Bezirk ausersehen, weil sie diesen einmal besessen haben. Er wurde ihnen später durch den Freisinn wieder abgenommen, aber sie rechnen stark darauf, daß sie ihn jetzt, nachdem der Platz durch den Tod deS freisinnigen Mandatinhabers frei geworden ist, zurückerobern werden. In der Versammlung am Dienstag suchte Herr Pretzel zu zeigen, bei welchen Fragen einer der Seinen im Stadtparlament„unentbehrlich" ge- Wesen sei bezw. sein werde— als Beispiele besprach er in an- mutigstem Durcheinander:„Linden"-Reitweg, Sttaßenschmückung bei Fürstenbesuchen, Straßenhandel, Warenhäuser. Gaspreise. Straßenbahn, Elektricitäts-Gesellschaft, jüdische Lehrer und Lehrerinnen, Hergabe von Schnlräumen an Vereine— und dann versicherte er, mit Hilfe des 30. Bezirks werde sich die Sache machen lassen. Herr Ulrich fügte hinzu, es handle sich hier um keine Zähl- kandidatur. Es solle mit aller Kraft gekämpft werden, und der Kampf sei aussichtsvoll. Wer nach der Zahl der Versammlungsteilnehmer urteilen will, wird dem hoffenden Ulrich nicht beipflichten können. Trotz Einladung durch Zeitungen, Säulenanschläge und Briefe waren nur 60 Mann gekommen. Man wird indes gut thun, sich durch den kläglich schwachen Besuch der Versammlungen unsrer Gegner nicht in Sicherheit wiegen zu lassen. Der bisherige Vertreter des 80. Bezirks gehörte zu der Stadt- verordneten-Fraktton„Alte Linke". Die„Alte Linke" wird das Mandat weiter beanspruchen, doch ist über den Kandidaten, den sie bringen will, noch nichts bekannt geworden. Inzwischen hat sich aber ein ganz aparter Mandatbewerber eingefunden. ein Mann, von dem niemand recht weiß, zu welcher Richtung er hält. Herr Tischendörfer ist es— derselbe, der kürzlich die allein wahre Wissenschaft für den Arbeiter entdeckt hat. Herr Pretzel wußte zu erzählen, daß Tischendörfer sich an die B ü r g e r p a r t e i herangemacht hat. Der bettiebsame Mann kam gelaufen: er habe als Kandidat die meisten Chancen, er fei auch als solcher bereits von seinen Freunden in Aussicht genommen; ob nicht auch die Anhänger PretzelS ihn unterstützen möchten. Als seine Freunde bezeichnete er die„Socialfortschrittliche Gruppe" der Stadtverordneten- Versammlung, jene sieben, die sich im vorigen Jahre von der„Neuen Linken" gettennt haben. Herr Pretzel, der Antisemit, nahm keinen Anstoß daran, daß diese Gruppe zu fünf Siebenteln aus Inden besteht. Er schlug Herrn Tischen- dörser bor, in einer Versammlung der Bürgerpartei zu sprechen; dann solle entschieden werden, ob man ihn unterstützen könne. DaS war aber gar nicht nach dem Geschmack unsres Christian, der, wie man weiß, alle Parteibrillen haßt. Der Brave erwiderte, offizielle Erklärungen seien ihm nicht erwünscht, da er befürchten müsse, daß dann seine social-fortschrittlichen Freunde auf ihn verzichteten. Er fühlte offenbar, daß es andre Leute als schimpflich empfinden würden, den Wählern einen Mann zu empfehlen, der von jüdischen Liberalen und zugleich von antisemitischen Konservativen ins Rote Haus geschickt werden soll. Die Bllrgerpartei hat nicht Tischendörfer, sondern Ulrich zun« Mann ihres Vertrauens gemacht. Vielleicht werden nachträglich auch die„Social-Fortschrittler" Herrn Tischendörfer den Laufpaß geben und sich nach einer andren Persönlichkeit umsehen. Offen gestanden: uns wäre das lieb. Man muß sich ja im Wahlkampf mit manchem Gegner herumschlagen, dem man sonst gern aus dem Wege geht, aber eine Kandidatur Tischendörfer möchten wir uns denn doch er- spart sehen. Stellt uns ehrliche Liberale, ehrliche Antisemiten entgegen l Da weiß man wenigstens, woran man ist._ Jenseits der grauen Wasserwüste des Gegenwartsstaates sucht der kühne Segler das Land der besseren Zukunft. Dieser Gedanke liegt dem schmucken Bilde zu Grunde, das als„Vorwärts"- Plakat jetzt die Anschlagsäulen schmückt. Unter den mannigfachen Erzeugnissen der Plakatkunst verdient unser Bild einen Ehrenplatz; ohne sich marktschreierisch geltend zu machen, lenkt es die Aufmerksamkeit der Sttaßenpassanten durch seinen künstlerische» Wert auf sich. Ob eine öffentliche Ankündigung unsrem Blatte nöttg ist. wird sich mancher Parteigenosse fragen? Gewiß ist sie das. Allerdings macht der „Vorwärts" der bürgerlichen Presse gegenüber insoweit eine AuS- nähme, als er ständig an Abonnentenzahl gewinnt, während die öffent- lichen Sprachrohre der bürgerlichen Parteien ihre Abonnenten an die unparteiisch schillernde Sensattonspresse verloren haben und oft nur durch Zuschüsse aus den Händen der Interessengruppen, von denen sie gedungen sind, über Wasser gehalten werden können. Der „Vorwärts" hingegen hat seine Abonnentcnzahl innerhalb achtzehn Monate um fast dreißigtausend erhöht und erscheint jetzt in einer Auflage von weit über achtzigtausend Exemplaren. Kein einziges politisches Parteiblatt Berlins kommt dem unsrigen an Verbreitung gleich und nur die sogenannte unparteiische Presse wird stärker ge- lesen. Diese eben erwähnte Thatsache lehrt uns allerdings, nicht zu rasten. Wo steht der Feind? der Feind? dahier I Den Finger drauf, den schlagen wir! Unser Ziel muß sein, auch die Sensattonspresse ans dem Felde zu schlagen. Dieser Vorsatz mag vermessen klingen; aber wäre in den siebziger Jahren wenigstens in bürgerlichen Kreisen nicht auch der als ein Phantast verschrien worden, der die Prophezeiung gewagt hätte, daß dereinst die fortschrittliche, die konservattve Presse vor der socialdemokratischen die Segel streichen müssen? Auch das neue Ziel mutz genommen werden. So soll also das„Vorwärts"- Plakat als Anfeuerung dienen im Kampfe gegen die Gesinnungslosigkeit, gegen die Kriecherei, womit die dem Namen nach unparteiische, in Wahrheit aber regierungsoffiziöse Sensations- presse die Bevölkerung korrumpiert. Das Plakat sei den akttvcn Parteigenossen eine Mahnung zur Agitatton für unser Blatt in den weiten Bevölkerungsschichten, die sich von der oben gekennzeichneten Presse an der Nase führen lassen, diesen Volksschichten selbst, die heute noch die Sensationspresse unterstützen, möge es aber das Getvissen schärfen. Vorwärts im Kampfe gegen die Charakterlosig- keit sei die Parole! Der Grunewald als Bolkspark. Zum„Volke" gehört nach staats- erhaltender Anschauung eigentlich nur der, der an der Auspowerung und Unterdrückung des Volkes ein Interesse hat. DaS Volk bilden nach dieser Auffassung nur die Drohnen der Gesellschaft, und so ist es durchaus zu verstehen, wenn z. B. in der„Deutschen Tages- zeitung" geschrieben wird, daß das sächsische Volk an der Wahlrechts- änderung lein Interesse habe, oder weit» die„Post" schreibt, daß man im Volke die angeblich gleichgültige Haltung, die die Regierung der„socialistischen Gefahr" gegenüber einnimmt, nicht verstehe. Diese Definition des Begriffes„Volk" scheint der preußische FiskuS sich in einem besondern Fall zu eigen machen zu wollen. Seit Jahren geht in der Presse das Gerede, daß der Grunewald Volkspark werden solle, ohne daß eigentlich klar wurde, was dies neue Stichwort recht zu bedeuten hat. Zwar verlautete, daß der Grunewald als Volkspark großen Klimbim beherbergen solle. Automobil-Rennbahuen und Bierlokale, aus denen der Staat selbst- verständlich hohen Pachtzins ziehen werde. Aber das ist noch nicht alles. Jetzt ist's heraus, was es mit der„Erschließung" für eine Bewandtnis hat. In hiesigen Blättern wird zu der Frage gemeldet: ES gilt als sicher, daß der gesamte nördliche Teil des Grunewaldes der Vernichtung anheimfallen wird. Es handelt sich um das Waldgcbiet, das begrenzt wird im Norden von der Charlottenburg-Spandauer Chaussee, im Westen von der Havel, im Süden von der künstigen Heer- und Prachtstraße und im Osten von der Villenkolonie Westend und der Trabrennbahn. Die ge- plante Prachtstraße nach Döberitz soll bekanntlich quer durch den• Grunewald führen und als ihr besonderer Vorzug wurde hervor- gehoben, daß dadurch den AuSflüglcrn der Besuch der verschiedenen Teile des Forstes erleichtert werde, besonders dann, wenn es gelingen sollte, durch eine Verlängerung der Hoch- und Untergrundbahn bis Süd- Westend und vielleicht gar bis zur Havel einen Schnellverkehr zu schaffen. Es war zu befürchten, daß die Umwandlung des Grunewalds in einen„Volkspark" die Zerstückelung und teilweise Zerstörung des herrlichen Waldes bedeuten würde, und daß namentlich das um- fmrgreiche, zwischen der geplanten Heersttaße und dem Spandauer Bock belegene Waldterrain ernstlich bedroht sei. Wenn jetzt das Landwirtschaftsministerium seine Bereitwilligkeit erklärthat, diesen nördlichen Teil des Grunewalds preiszugeben und damit etwa 2000 Morgen, also ein Waldgebiet von der doppelten Größe deS Tiergartens, der B a u s p e ku l a ti o n auszuliefern, so mag der Fiskus dabei ja ein ganz einttägliches Geschäft machen, der Gesanrtheit der Bevölkerung aber wird dadurch der schwerste Schaden zugefügt. Die Angelegenheit soll mit einem auffälligen Eifer betrieben werden. Die Vorarbeiten sollen so schnell erledigt werden, daß der Verkauf von Bau- Parzellen schon im Laufe deS Jahres 1906 seinen Anfang nehmen kann. Der Grunewald als Volkspark bedeutet also, daß das Volk der oberen Zehntausend mehr noch als heute Gelegenheit bekommen soll, sich im Grunewald Villen zu bauen und daß bei dieser Gelegen- heit erstens der Fiskus ein glänzendes Geschäft machen und zweitens das Banspekulantentum Beute über Beute einheimsen wird. Bleibt dann am Ende noch für das Sonntags- Publikum eine Stätte zum Kaffeekochen und zum Karussellfahren übrig,— selbstverständlich gegen Eintrittsgeld— dann ist der Grunewald als Volkspark fertig. Ein Stück Socialpolitik, das sich bisherigen Leistungen auf diesem Gebiete gemütvoll anschließt. Das Kuratorium des Vieh- und Schlachthofes genehmigte in der ersten Sitzung nach den Ferien den Vorentwurf eines eignen Wasser- turmes, durch den die Kosten der Wasserbeschaffung vermindert werden sollen, sowie eines neuen Darmhändlerhauses nebst Schweine- stall. Für die über den Viehhof führende Passage nach der Ring- bahnstation„Centtal-Viehhof" wird von der Eisenbahndirektion eine Verlegung geplant. Es sollen bereits Vermessungen stattgefunden haben; das Kuratorium lehnte es ab, sich mit dieser Angelegen- heit zu beschäftigen, bevor sie von der Eisenbahndirektion entschieden ist. Ein Gesuch der Trichinenschauer um Fortzahlung des Stücklohns während ihres Erholungsurlaubs wurde bewilligt. Die erforderliche Summe soll in den nächsten Etat eingestellt werden. Die Anschaffung von Mikroskopen für die Fleischbeschauer auf Stadtkostc» wurde gegen die Stimme unsres Vertreters ab- gelehnt. Als Hauptgrund wurde angeführt, daß die Beschauer mit eignen Instrumenten vorsichtiger und gelvisscrhaftcr umgingen. Wie wir seiner Zeit mitteilten, war zur Untersuchung von Mißständen im Schauamt, die durch unser» Vertreter und durch anonyme Zuschriften gerügt worden waren, eine Subkommission ein- gesetzt worden. Sie erstattete jetzt Bericht. Die Beschwerden der anonymen Zuschriften konnten trotz aller Nachforschungen nicht er- wiesen werden. Für die übrigen Beschwerden wurde Abhilfe ge- schaffen, auch wurden Vorkehrungen gegen Wiederholung der Miß- stände getroffen. In einem bestimmten Fall wurde Kündigung eines Vorgesetzten beschlossen. Ein Anonymus hat gedroht, über Mißstände am Vieh- und Schlachthof eine Broschüre herauszugeben. Beweise für seine Behauptungen hat er nicht erbracht, eine Unter- suchung ist unmöglich._ Mißhandlung eines Arbeiters auf dem Arbeitsnachweis der Kühnemänner. Bekanntlich ist eS die hauptsächlichste Aufgabe der von den Organisationen der Metallindustriellen unterhaltenen Arbeitsnachweise, eine scharfe Kontrolle über die Arbeiter auszuüben und jeden von der Arbeit auszuschließen, der sich, vom Unternehmerstandpunkt be- wachtet,„mißliebig" gemacht hat. Wer durch die Arbeitsnachweise der Metallindustriellen gekennzeichnet ist, der hat in vielen Fällen überhaupt keine Möglichkeit mehr. als Metallarbeiter in Berlin beschäftigt zu werden. Eine Beleidigungsklage, die am Mittwoch vor dem Schöffengericht verhandelt wurde, zeigt, daß man auf dem Arbeitsnach loeis der Berliner Metall- Warenfabrikanten in der Dresdenerstraße selbst bor ungcsetz- lichen Kennzeichnungen der Arbeiter nicht zurückschreckt, und daß man einen Arbeiter, der gegen derartige Kennzeichnungen Einspruch er- hebt, obendrein mit einer Tracht Prügel heimschickt. Der 18jährige Arbeiter L. meldete sich im April d. I. auf dem Arbeitsnachweis der Berliner Metallwarenfnbrikanten in der DreSdcnerstraße. und bei dieser Gelegenheit wurde ihm in sein Arbeitsbuch ein Stempel des Verbandes der Berliner Metallwaren- gedrückt. Die Gewerbe-Ordnung verbietet bekanntlich die Anbringung derartiger Kennzeichen in den ArbeitSzeugnissen. In der sicher nicht unberechtigten Annahme, daß der Stempel im Arbeits- buch keine Empfehlung des Arbeiters darstelle, sondern jedenfalls be- stimmt sei, ihn in seinem Fortkommen zu schädigen, verlangte L. von dem im genannten Arbeitsnachweis angestellten Buch- Halter Suhr die Entfernung des Stempels. Dies durch- aus berechtigte Verlangen mag dein Buchhalter des Metall- Warenfabrikanten-Verbandes als unerhörte Unbotmäßigkeit erschienen sein. Er entfernte zwar den Stempel, herrschte aber den Arbeiter mit den Worten an:„Sie sind ja viel zu dumm, um zu wissen, daß die Stempelung ungesetzlich ist; wer hat Sie denn aufgehetzt?" Dabei langte der Herr Buchhalter durch den Schalter und versetzte dem jungen Arbeiter ein paar Ohrfeigen. Als dieser sich eine solche Behandlung der- bat und mit der Polizei drohte, kam Suhr hinter dem Schalter hervor, packte L. an der Schulter und verabreichte ihm noch eine Ohrfeige. Der Vater des Mißhandelten reichte die Beleidigungsklage gegen den Buchhalter Suhr ein, der übrigens schon wegen Körperverletzung vorbestraft ist. DaZ Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Beleidigung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 30 M., es sah den Fall um deswillen so milde an, weil der Angeklagte sich zu einem Vergleich und zur Zahlung einer Buße von 30 M. an den Verletzten bereit erklärt hatte, dieser aber den Vergleich nicht an- nehmen, sondern den Angeklagten bestraft wissen wollte. In dem Streit um das Hausrecht in den städtischen Schulen ist der Regierung nun doch auch ein freiwilliger Retter erstanden. In der katholischen„G e r in a n i d" nämlich. Von seinem Standpunkt aus einigermaßen konsequent sagt dies Blatt, daß es dem Er- ziehungszweck der Schulen wenig entsprechen könne, wenn die- selben Räume des Morgens dem christlichen Unterricht und am Abend der Propaganda eines krassen Materialismus, des Atheismus usw. dienstbar gemacht würden, wenn in den- selben Räumen am Vormittag die Vaterlandsliebe und am Nach- mittag der internationale Um stürz gepredigt würde. Bis jetzt ist zwar der„internationale Umsturz", wie nebenher bemerkt sei, noch nie und nirgendwo in einer Berliner Gemeinde- schule gepredigt worden, aber diese geringe Abweichung vom Pfade der Wahrheit muß man dem katholischen Blatte schon um deswillen zu gute halten, weil es sich selbst aufgeben müßte, wenn es die Lüge im Kampfe um seine Sache aufgeben wollte. Die Konseqnenzen der von der„Germania" propagierten Weltanschauung hätten wir in diesem Blatte allerdings gern weiter ausgebaut ge- sehen. Die Freireligiöse Gemeinde mag ob der relativen Milde staunen, mit der sie hier von einem katholischen Organ behandelt wird. Es ist ja nun allerdings weniger das christliche Gemüt als der leidige Mangel an ausreichender Macht daran schuld, wenn die „Germania" die Freidenker nur obdachlos machen und sie nicht, wie dies vor dreihundert Jahren geschehen, im Namen deS katholischen Christentums auf dem Scheiterhaufen schnroren lassen Willi Der bisher niedrigste Wasserstand der Spree in diesem Jahre betrug an der langen Brücke in Köpenick, wie das„Köpenicker Damps- - boot" meldet,-f- 0,58, und zwar am 6. September, während der bisher niedrigste Wasserstand seit 1810 am 9. Februar 1823 mit + 0,13 Meter ermittelt wurde. Der höchste Wasserstand wurde im Jahre 1895 mit+ 1,35 Meter erreicht. Der Normalwasserstand am Köpenicker Pegel soll auf 0,80 Meter gehalten werden, was auch im allgemeinen durch die Schleusen und Stauanlagen erreicht wird. Die Speisung der Unterspree erfolgt vorwiegend durch die Müggel- Spree. Wie gering in diesem Jahre der Zufluß ist, zeigt die That- fache, daß die geringste Wassermenge der Müggel-Spree, als welche man 7 Kubikmeter in der Sekunde annahm, in diesem Jahre nur 2.4 Kubikmeter für die Sekunde betrug. Hiervon absorbierten die Müggelwerke allein 2 Kubikmeter. Wenn auch die Dahme und Norte einigen Zufluß brachten, so wurde doch durch Verdunstung eine solche Wassermenge entzogen, daß es nicht möglich war, den Normalstand zu halten, zumal neben dem zum Schleusenbctricbe am Mühlendamm auch noch Freiwasser zur Spülung der durch Berlin fließenden Spree nötig war. Wenn es auch gelang, nach dem 6. September, infolge der Regengüsse, den Stand zu heben, so ist doch wieder ein Rück- gang eingetreten, und am vergangenen Sonnabend betrug der Pegel ft- 0,60. Die Orts-Krankenkasse für das Bnrbiergcwcrbe erhält, wie uns mitgeteilt wird, am 1. Oktober wieder Selbstverwaltung, die kommissarische Verwaltung ist aufgehoben worden. Einen neuen Fahrplan wird die elektrische Hoch- und Unter- grundbahn am 15. Oktober einführen. Er unterscheidet sich von dem bisherigen vor allem dadurch, daß sämtliche bisher an Werk- tagen gefahrenen Züge in den regelmäßigen Fahrplan aufgenommen werden. Dieser enthielt bisher nur einen Teil der Züge; die andern wurden als Sonderzüge nach besonderem Fahrplan eingelegt. Es sind dies insbesondere die Frühzüge, die von 6 bis 8 Uhr zur Bc- wältigung des ungewöhnlich starken Morgenverkehrs über sämtliche Strecken gefahren iverden, dann auch die weitergeführten sog. Pendel'- zöge, die nachmittags zwischen 4 und 8 Uhr nicht nur zwischen dem 5mie und dem Potsdamer Platz, sondern auch über die Oststrecke bis zur Warschauer Brücke verkehren. Die Abstände zwischen den einzelnen Zügen bleiben dieselben. Ter Betrieb beginnt inorgens ebenso früh wie bisher, dagegen wird er abends beim Schluß etwas länger ausgedehnt. Für die Sonn- und Feiertage ist ein besonderer Fahrplan vorgesehen. Es ist in demselben der weiteste Spielraum für die Einlegung von, Souderzügen gelassen, um auch den stärksten Anforderungen genügen zu können. „Das Reich". Stöckels„Volk" soll in Berlin unter dem neuen Namen„Das Reich" lvicder erstehen. Die Probenummer dieses angeblichen Organs der christlichen Arbeiter trieft von Frömmigkeit und Patriotismus. Und eben darum wird in Berlin sein Weizen nicht zur Blüte kommen. Berliner Adreßbuch 1905. Die Hauslisten für den Jahrgang 1905 des Adreßbuchs für Berlin und seine Vororte sind nuninehr den Herren Hauseigentümern bezw. Verwaltern zur Verteilung an die Haushaltungsvorstände zugegangen. Im Interesse der Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Eintragungen ist es dringend geboten, daß die Haushaltungsvorstände die Listen persönlich ausfüllen. Nur auf diese Weise wird die genaue Schreibweise des Namens verbürgt, und können die Wünsche der Eintragenden betr. Zusätze zur Berufs- oder Standesbezeichnung, Angabe der Sprechstunde usw. korrekt und zuverlässig zur Kenntnis der Adreßbuch-Redaktion gelangen. Die Abbolung der Hauslisten beginnt bereits am Montag, 3. Oktober. Es ist daher erforderlich, daß die Ausfüllung der Listen sofort ge- schieht. Weiteres ersehen unsre Leser aus dem betreffenden Inserat in der heutigen Runnner. Straßensperrung. Das Lützow-Ufer vom Garten-Ufer bis zur Herkulesbrücke Ivird behufs Herstellung eines Notauslaßkanals vom 3. Oktober ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein seltsamer Fall. Aus Furcht vor der Hochzeit ist angeblich die 24 Jahre alte Plätterin Emma Herder aus der Straßmann- stkaße 30 mit ihrem sechs Monate alten Kinde verschwunden. Seit zwei Jahren unterhielt sie mit dem Schneidermeister Otto Borchert, mit dem sie zusammeuwohnt und dem sie in der Schneiderei half, ein Liebesverhältnis, aus dem das Töchterchen Luise hervorging. Nach zwei Monaten sollte die Hochzeit stattfinden. Aber je näher die Zeit kam, desto lauter klagte die Braut ihren Bekannten, daß es ihr unmöglich sei, mit Borchert auf das Standesamt zu gehen. Sie bereue die Beziehungen zu ihm und werde lieber ihr Kind und sich selbst ermorden, als mit ihm sich verheiraten. Borchert suchte ihren Sinn zu ändern, richtete ihrem heftigen Wesen gegenüber aber auch mit aller Nachgiebigkeit nichts aus. Nachdem er am Montag zur Wahrnehmung eines Termins aus das Gericht gegangen war, verließ sie mit ihrem Kinde die Wohnung, um ins Wasser zu gehen, und ist seitdem verschwunden. Die Vermißte hat hellblondes Haar und blaue Augen, ist 1,60 Meter groß und schlank und trägt eine schwarz- gestreiste Bluse, einen schwarzen Rock, einen schwarzen Hut mit Strautzfedern und Ohrringe mit unechten Steinen. Selbstmord eines Postbeamten. Den Tod m den Wellen gesucht hat im Zeuthener See der bisher auf dem Postamt 59 in der Boeckh- straße beschäftigte 21jährige Postbote Wilhelm K. aus der Melchior- straße. K., der sich in Uniform vor einigen Tagen entfernt hatte und seitdem vermißt wurde, hat, wie nunmehr ermittelt ist, am letzten Sonnabendnachmittag gegen 6 Uhr bei dem Wirt des Nestau- rants Waldidyll in Schmöckwitz ein Boot gennetet und ist nach dem Zeuthener See zu gefahren. Gäste der am Wasser belegenen Ver- gnügungslokale hörten bald Hilferufe und veranlassten eine Ab- suchung des Wassers, die aber infolge Eintretens der Dunkelheit nur zur Auffindung des leeren Bootes und der auf dem Wasser schwimmenden Dienstmütze des Ertrunkenen führte. Aeutzerungen, die K. kurz vor dem Selbstmord zu Verwandten und Amtsgenossen gethan hat, lassen dienstliche Vorhaltungen wegen eines unbedeuten- den Versehens als Beweggrund zur That erscheinen; doch ist hierüber genaueres noch nicht festgestellt. Die Leiche konnte noch nicht auf- gefunden werden._ Theater. L u st s p i e l h a u s. Ms erste Nachmittagsvorstellung bei halben Preisen geht Sonntag Max Drehers Komödie„In Behandlung" in Scene.— Heute mittag 12 Uhr begeht das Metropol- Theater das Fest des 25jährigen Bühnenjubiläums seines Direktors Richard Schultz. Am Abend wird die Revue„Ein tolles Jahr" zum 200. mal gegeben.— Das L u i s e n- T h e a t e r hat da? VolksstLck „Mein Leopold" am Dienstag mit bestem Erfolg aufgeftihrt.— Im Gebrüder Herrnfeld-Theater werden die Possen„Rur eine Nacht" und„Am andern Morgen" Freitag zum 200. Mal ge- geben.— Central-Theater. Heute Donnerstag gelangt die „Tannhäuser- Parodie" in der bekannten Besetzung zur Aufführung. Eine Atelier-Ausstellung kunsthandwerklicher Arbeiten, welche unter ganz neuen Gesichtspunkten arrangiert werden soll, wird vom 5. bis 9. Oktober in Berlin W. in den Atelierräumen der Reimann- scheu„Schülerwerkstätten für Kleinplastik" stattfinden. Die Aus- stellung wird täglich von 10— 6 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet sein. Auch der Zutritt zu den Vorträgen ist vollständig kostenlos. Die genauen Angaben, wann die Vorträge statfindeu, werden noch bc- kcmmt gegeben. Einladungekr versendet auf Wunsch Bildhauer Albert Reimann, Berlin W. 30, Landshuterstr. 38. Die Fachschule für Schuhmacher in Berlin, Albrechtstr. 20, be- ginnt den Unterricht im Winterhalbjahre 1904/1905: 1. In der Modellkonstruktion, Anatomie des Fußes, Abgipsen der Füße, ferner in Leder- und Warenkunde. Kalkulation, Gerbverfahren usw. am Sonntag, den 9. Oktober 1904, vormittags 9—12 Uhr, und am Dienstag, den 11. Oktober 1904, abends 7—10 Uhr. 2. In der Vorrichte- und Steppklasse: am Montag, den 10. Oktober 1904 und Donnerstag, den 13. Oktober 1904, abends 7—10 Uhr. 3. In der Leistenklasse: am Mittwoch, den 12. Oktober, abends 8—10 Uhr. 4. Der Unterricht im Schreiben, Rechnen, Deutsch, im Fachzeichnen und in der Buchführung beginnt Montag, den 10. Oktober, und Donnerstag, den 13. Oktober, abends 7»/�— 9>� Uhr, Niederwall- straße 6/7.— Meldungen nimmt der Unterzeichnete schon jetzt in seiner Wohnung und an jedem Unterrichtstage im Schullokal ent- gegen. W. G e s ch e l, Dirigent der Fachschule für Schuhmacher, W. 8, Kanonierstr. 12, I. Der Unterstüüungsverein für Bühnenkünstler in Berlin, PotS- damerstr. 66, teilt uns mit, daß er an die Theaterdirektionen die Bitte gerichtet habe, ihm durch Ueberlassung des Verkaufs von Billets für Vorstellungen zu halben Preisen an Vereine usw. Einnahmen zuzuwenden._______ Hub den[Nachbarorten. Äcu-Weißcnsee. Bei der gestrigen Nachwahl für den ver- storbenen Gemeiudeverordneten Warthul in der zweiten Wähler- abteilung gelang es uns beinahe den ersten Sitz zu gewinnen. Genosse Reske erhielt 44 Stimmen, während der Gegner 49 Stimmen auf sich vereinigte. Die Gegner waren vollständig überrascht von unsren Erfolgen und schleppten daher zusammen was nur irgend an Wählern auszutteiben war. Dennoch ein so klägliches Stimmen- Verhältnis. Für unsre Genossen ist diese Wahl ein Ansporn, in Zukunft die Beste der zweiten Abteilung zu sprengen. Neu-Weißeiisee. Mit einem sonderbarengeistlichenVer- langen hatte die Gemeindevertrettmg sich zu beschäftigen, und zwar war vom Gemeindekirchenrat beantragt worden, dem Kirchhofsinspektor Anweisung zu geben, daß er von keinem Geistlichen einer aus- wärtig'en Gemeinde ein Begräbnis vollziehen lasse, bevor ihm nicht der schriftliche Nachweis über Zahlung von Gebühren an die Pfarrkasse erbracht sei. Mit Recht hoben unsre Genossen hervor, daß der Streit unter den Geistlichen bleiben müsse, noch dazu, da der Friedhof der politischen Gemeinde gehöre. Ferner lag ein weiterer Antrag vor, die Gemeindekasse anzuweisen, bei„öffentlichen Begräb- nisten" die vollen Gebühren einzuziehen. Bisher zieht die Gemeindekasse die Stolgcbühren für„stille Leichen", das sind solche, die ohne Mit- Wirkung eines Geistlichen vollzogen werden, für die Pfarrkasse ein und es waren nur die Stolgcbühren der„öffentlichen Leichen", also solche, bei deren Begräbnis ein Geistlicher anwesend ist, an die Küsterei zu zahlen. Es handelte sich lediglich darum, die Arbeit der Kirche abzunehmen und sie der Gemeinde aufzuhalsen. Die Gemeindevertretung hatte hierfür kein Verständnis und lehnte gegen eine Stimme die Anttäge ab. Die socialdemokratischen Vertreter benutzten diese Gelegenheit, den Antrag auf Unentgeltlichkeit des Begräbniswesens zu stellen, fanden aber bei den bürgerlichen Herren keine Gegenliebe, auch dafür nicht, daß man wenigstens die Stol- gebühren ftir„stille Leichen" aufhebe.— Der Ausbau des neu er- worbenen Grundstücks für das Armenhaus wird inkl. Hcizungs- und Bade-Einrichtung 12 000 M. kosten.— Ebenso mußte die Verttetung für die Reparatur des Daches des vor nicht allzulanger Zeit er- worbenen Grundstücks des Gemeindevorstehers die Summe von 1000 M. auswerfen.— Verschiedene Grundstücksangebote lourden einer Kommission überwiesen, der unter andren auch die Genossen Frenz und Thiermann angehören.— Die freiwillige Feuerwehr beantragte die Bewilligung einer einmaligen Beihilfe von 1300 M. zum Zwecke der Ergänzung und Erneuerung ihrer Löschntcnsilien, was zu einer regen Diskussion Anlaß gab und unsre Genossen veranlaßte, den schon so oft gestellten Antrag auf Errichtung einer Bcrufs-Feucrwehr zu er- neuern; jedoch konnte den bürgerlichen Herren hierfür kein Ver- ständnis beigebracht werden. Diese Angelegenheit ging ebenfalls an eine Kommission.— Die Erhebung einer Klage in Armensachen gab sodann zu einer interessanten Ansprache Veranlassung. Es ist unfern Genossen schon längst zu Ohren ge- kommen, daß der der Gemeindeverttetung seit dem 1. April dieses Jahres angehörende Rechtsanwalt Appclrath Klagen der Ge- meinde vor Gericht zur Vertretung erhalten habe, trotzdem dem besoldeten Schöffen bei der Anstellung zur Pflicht ge- macht worden ist, auch Klagesachen im Interesse der Gemeinde zu ver- treten; dieser Herr fühlt sich aber schon jetzt so überlastet, daß er dann unbedingt eine Assistenz zur Seite haben muß, und da gerade ein Rechtsanwalt der Gemeindevertrettmg angehört, so habe man diesem„Kleinigkeiten" übertragen. Ein von den Socialdemokraten gestellter Antrag, dem Rechtsanwalt Appelrath solche Vertretungen zu entziehen, wurde von den bürgerlichen Herren einstimmig ab- gelehnt.— Die Regulierung des östlichen Bllrgersteiges der Prenz- lauer Chaussee wurde nach den Bestimmungen des Ortsstatuts, wonach die Adjazeuten drei Viertel und die Gemeinde ein Viertel der Kosten tragen, einstimmig angenommen. Bedenkliche Schulzustände scheinen in unftem Vororte D a l l- b o r f zu herrschen. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde mitgeteilt, daß der Schnlvorstand seine Einwilligung zu dem Beschluß gegeben habe, das Amtsbureau in das neue Schulhans zu verlegen. Das Amt zahlt dafür 400 M. Miete an die Gemeinde, die ihr Gemeiudebureau ebenfalls ins neue Schulgebäude zu ver« legen beschlossen hat. So wird das neue Schulhaus für Zwecke it* nutzt, die seiner Bestimmung nicht entsprechen. Wie sieht es nun aber mit dem alten Schulhause aus, wo heute noch Kinder unter- richtet werden? Unser Parteigenosse Gemeindevertreter Adam wies in der erwähnten Sitzung daraus hin, daß die Regierung bereits gegen die fernere Benutzung dieses Gebäudes zu Schulzwecken Bedenken erhoben habe. Fußboden, Thüren, Fenster und Bänke wären hier in einem jammervollen Zustande, der Schulhof sei so klein, daß die Kinder ihr Frühstück auf der Straße verzehren müßten, ebenfalls ließen die Aborte in sanitärer Hinsicht sehr viel zn wünschen übrig. Adams beanttagte, das alte Schulhaus zum Amts- und Gemeinde- Bureau umzubauen. Trotzdem wurde mit sechs gegen vier Stimmen der Anregung des Schulvorstandes gemäß beschlossen. lieber das Mcldcwcscn für die Vororte Berlins ist ebenfalls eine neue Polizei-Verordnung und zwar vom Regierungspräsidenten zu Potsdam ergangen. Sie dattert vom 20. d. M. und soll, wie die Berliner Verordnung vom 6. d. M., am 1. Oktober d. I. in Kraft treten. Ein Teckencinsturz ist am Montag in Friedenau geschehen. Nach- mittags 3 Uhr stürzte Schmargendorferstr. 32 bei dem Schmiede- nreister H. Klemm die Decke der alten Schmiede ein. Auf dem Boden lagerten etwa 50 Centner Eisenstäbe. Neben der alten Schmiede wird zur Zeit eine neue aufgebaut, welche ihrer Vollendung entgegengeht. Durch die Erschütterungen, die bei dem Aufstellen der neuen Maschinen und durch fortdauerndes Hämmern hervorgerufen wurden, haben sich in der alten Schmiede die Träger der Decke ge- lockert, und diese stürzte mit ihrer Last von 50 Eentnern herab und begrub unter sich 4 Menschen. Zwei Männer sind schwer und zwei leicht verletzt worden. In kurzer Zeit waren zwei Aerzte zur Hilfe herbeigeeilt. Die Unfallstätte wurde polizeilich abgesperrt. Nowawes-Neuendorf. Ein Dachstuhlbrand entstand auf noch nicht aufgeklärte Weise in der Nacht vom Montag zum Dienstag gegen 1 Uhr in dem Geislerschen Hause in der Dorkstr. 4. Glücklicher- weise wurde durch die Feuerwehren von Nowawes und Neuendorf das Feuer auf seinen Herd beschränkt, so daß die untern Etagen von den Flammen verschont blieben, lvenn sie auch von den Wasser- massen stark beschädigt wurden. Leider ereignete sich bei den Löschungsarbeiten ein schwerer Unfall, indem die Leiter der Nowa- Iveser Wehr, auf welcher sich die Feuerleute Lentsch und Schmidt (beide Familienväter) befanden, umschlug. Zwei anwesende Aerzte leisteten den Verunglückten die erste Hilfe, und so konnte Lentsch hierauf in seine Wohnung geführt iverden, während Schmidt, welcher Arm- und Beinbrüche, sowie wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung davon getragen hat, ins Oberlin-Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Bewohner des ausgebrannten Dachstuhls, zwei Arbeiter- familien, von denen nur die eine versichert ist, konnten nur mit knapper Not das nackte Leben retten. Um 4 Uhr morgens war die Gefahr beseittgt. Der Schaden, der an dem Hanse angerichtet ist, ist durch Versicherung gedeckt. Gcvichts-Zcxtunq. Kaufmann Buschbeck vor Gericht. Die im größten Maßstabe begangenen Unterschlagungen des Kaufmanns Ernst B u s ch b e ck, dessen Verschwendungssucht und merkwürdige Liebhabereien bei ihrem Bekanntwerden Aussehen er- regten, beschäftigten gestern die zweite Strafkammer des Landgerichts II. Der Angeklagte, der seit März sich in Untersuchungshaf befindet, ist jetzt 30 Jahre alt. Es besteht hier seit Jahren die Gräflich v. Voßsche Familien- stiftung, welche verwaltet wird durch drei aus den Berechtigten zu wählenden Kuratoren und einem Syndikus. Ein verwaltender Kurator wird wiederum aus der Gruppe der drei ernannten Kura- toren erwählt. Dieser besorgt die ganzen Geldgeschäfte allein, er führt die Kasse, hebt Gelder von der Bank ab, leistet Zahlungen usw. Er hat einmal jährlich Rechenschaft abzulegen und den vorhandenen Kassenbestand vorzuzeigen. Im Jahre 1900 wurde der Ritterguts- bcsitzer v. Schierstedt zum verwaltenden Kurator bestellt. Dieser, dessen Augenlicht so getrübt ist, daß er kaum lesen oder schreiben kann, nahm den Angeklagten als Sekretär gegen ein Fahresgehalt von 900 M. an. Außerdem erhielt er 300 M. jährlich Remuneration und 200 M. für die Buchführung des Gutes Birkholz. Herr v. Schierstedt schenkte dem Angeklagten unbegrenztes Berttauen. Waren größere Forderungen zu begleichen, so legte der Angeklagte dem Herrn v. Schierstedt eine von ihm geschriebene Anweisung vor und bezeichnete die leere Stelle, wo der betagte Hstr seine Unter- schrift zu leisten hatte. Es wird angenommen, daß Buschbcck schon hierbei größere Posten anweisen ließ, als mit seinem Auftraggeber vereinbart war. Bald wurde der Angeklagte von einem wahren Taumel erfaßt. Er mietete sich in Nieder-Schönhausen eine Vilstr für 3000 M. und stattete sie mir dem größten Luxus aus. Die Wohnung enthielt u. a. ein Billard, ein Musik- und ein Bibliothek- zimmer, ferner ein Zimmer mit chinesischer und ein andres mit japanischer Ausstattung. Es war ein Wintergarten vorhanden, der die kostbarsten Pflanzen barg. Ter Angeklagte schaffte sich zwei Automobile an, er pachtete sich eine Jagd und hielt sich in Käfigen eine Menge erotische, sowie auch einheimische Tiere. Da waren Bären, Krokodile, Papageien und 15 bis 20 Affen, auf dem Hofe wimmelte es von Pfauen. Hühnern, Gänsen, Enten, Schwänen und Tauben. Ferner hielt der Angeklagte sich ein Reh, einen Fuchs und mehrere Teckelhunde. Zur Pfleg« aller dieser Tiere war ein be- sonderer Wärter angestellt. An Bedienungspersonal hielt sich der Angeklagte drei weibliche Dienstboten, einen Diener, einen Chauffeur und einen Gärtner. Zur Bestreitung aller dieser kolossalen Aus- gaben soll der Angeklagte zum Nachteile der v. Boßschen Stiftung 180 000 M. veruntreut haben. Wie Bücherrevisor Reuter begut- achtete, hatte der Angeklagte in raffiniertester Weise bei seinen Rechnungsaufstellungen gefälscht. Der Beschuldigte gab die Ver- untteuungen zu, bestritt aber, daß sie die bezeichnete Höhe erreicht hätten. Gerichtsphysikus Dr. Stoermer bezeichnete den Angeklagten zwar als geistig minderwertig, aber nicht als unzurechnungsfähig. Ter Staatsanwalt beantragte vier Jahre Gefängnis und fünf- jährigen Ehrverlust, der Verteidiger, Justizrat Wronker, plaidierte für ein mildes Strafmaß. Der Gerichtshof erkannte auf e i n Jahr sechs Monate Gefängnis, lvovon vier Rkonate durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Vom Polizeikampf gegen die Arveiterschaft. Gelegentlich des Bäckerstreiks hatte auch der Metallarbeiter Schüler in Ripdorf Flugblätter der streikenden Gesellen verbreitet, in welchen das Publikum über den Streik aufgeklärt wurde. Durch diese Flugblattverbreitung sollte Schüler groben Unfug verübt haben, unter welcher Auflage er sich gestern vor dem Rirdorfer Schöffengericht zu ver- antworten hatte. Die Beweisaufnahme ergab, daß Schüler die Flug- blätter nur in den einzelnen Wohnungen abgegeben hatte, und es war nicht ersichtlich, wie hierdurch„grober Unfug" verübt sein sollte. Das Gericht mußte den Angeklagten freisprechen. Vor dem Reichsgericht fand gestern die Klage eines an dem Berliner Schlachthaus als„Probenehmer" angestellten Mannes gegen, die Stadtgemeinde Berlin auf Anerkennung seiner Stellung als Beamter ihren Abschluß, indem die Revision des Klagenden gegen das diesen Anspruch abweisende KammergerichtSurtcil zurück- gewiesen wurde.________ Versammlungen. Vierter Wahlkreis(Südost). In einer außerordentlichen Genera?- Versammlung des socialdemokrattschen Wahlvereins, die am Dienstag bei Graumann in der Naunynstraße stattfand, hielt der Reichstags- Abgeordnete Fritz Kunert einen Vortrag über das Thema: „Der preußische Gesetzentwurf betreffend die Erschwerung des Vertragsbruchs landwirtschast- licher Arbeiter und des Gesindes." In dem ersten Teil seiner Ausführungen wies der Referent nach, daß der Entwurf einen frechen Einbruch der Junker, Agrarier gedehnt sei, übernehme aus§ 137a der Gewerbe- Ordnung auch die| Propaganda und Agitation gemacht würde. Daha beschwert fich und Genossen in Reichsrecht und Reichsverfassung bezwecke. Bestimmung, wonach Arbeiterinnen an Sonnabenden um 5% Uhr außerdem über den Vorwärts", der zu wenig und zu späte Nach Im Anschluß hieran gab der zweite Teil ein in großen Umrissen Feierabend haben sollten. Nun komme der Herr Handelsminister richten vom italienischen Generalstreit gebracht, desgleichen rügt er entworfenes Bild von der furchtbaren Tragödie des Landproletariats und erkläre rund und nett in einem Erlaß es für die Maßgeschäfte auch, daß vom Streit in Bilbao der Vorwärts" nur drei Depeschen Die eingebrachte Resolution der Vergangenheit und Gegenwart. Der letzte Teil der Aus- der Damen- Konfektion zulässig, die Sonnabende als Ausnahmetage zu je fünf Zeilen gebracht hätte. führungen stellte die Haltung der politischen Parteien gegenüber dem im Sinne der Bundesrats- Verordnung zu behandeln, das heißt, an wurde angenommen. für unser Volt unheilvollen Gesezentwurf fest. Sonnabenden die Ueberstunden machen zu lassen, die an 60 Tagen demokratischen Partei. " Vermischtes. Als der Referent die verschiedenen Parteien Revue passieren im Jahre verstattet sind. Dieser Erlaß sei durchaus gesetzwidrig, ließ, streifte er das volksfeindliche agrarische Programm, die Agrar- denn der Gesetzgeber wolle zweifellos, daß an dem 5% Uhr- Schluß frage, die Zoll- und die Handelspolitik. Er kam dabei des Sonnabends für die in Betracht kommenden Arbeiterinnen un= Attentat gegen ein Linienfchiff. Aus New York wird gemeldet: zu einer rückhaltlosen Verurteilung der schamlosen und nimmer- bedingt festgehalten und nicht der Sonnabend zu einem jener fatten agrarischen Bestrebungen, sowie solcher Socialdemokraten Ausnahmetage gestempelt werde. Eine energische Protestbewegung Der New York Herald" meldet, daß Taucher, die vorläufig den im Reiche, die für Zölle irgendwelcher Art eintreten und mit Schutz werde in die Wege geleitet werden. Mit einem Aufruf zum Ausbau Weg untersuchten, den das auf der Brooklyner Schiffswerft gebaute Zöllnern und Agrariern liebäugeln. Da die momentane socialpolitische der Organisation schloß Ritter unter lebhaftem Beifall seinen Vor- nene Linienschiff„ Connecticut" bei seinem Stapellauf nehmen Situation eine außergewöhnlich ernste sei, so bedauert der Redner tief, daß trag. Darauf wurden in anregender Debatte die einzelnen Miß- würde, unter Waffer ein Hindernis entdeckten, das augenscheinlich in der Bremer Parteitag angesichts der ganz eigenartigen stände und die Organisationsfrage erörtert, wobei der Anschluß an frevelhafter Abficht dorthin gebracht worden war; es heißt, es würde den Schiffsboden aufgerissen haben. Man hat keine Vermutung über handelspolitischen Verhältnisse das Tafeltuch zwischen einem be- den Schneider- Verband warm befürwortet wurde. die Verbrecher, aber man nimmt an, daß sie in Zusammenhang fannten socialdemokratischen Steichstags- Abgeordneten und Die Filiale Berlin des Centralverbandes der Töpfer hielt am sich nicht mit einem scharfen Ruck zerschnitten habe. Nach alledem, 27. September im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine gut stehen mit den Arbeiterunruhen beim Bau der„ Connecticut." tvas feit einem Jahrzehnt geschehen ist, war die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit gegeben, auf Grund fombinierte Sigung des Centralvorstandes, des Filialvorstandes und schaft in die Schuhe zu schieben! at endlich besuchte Mitgliederversammlung ab.& o the t berichtete über Nichts bequemer als irgend eine Unthat der kämpfenden Arbeiterunsres Programms und unsrer Statuten aller der Vertrauensleute. Die Sißung hatte zunächst klarzustellen, was Ueber die Verhaftung des Raubmörderpaares Huber meldet der Zweideutigkeit Ende zu machen und die einzige es mit dem Vorwurf des Streifbruchs auf sich habe, der ver- Münchener Polizeibericht: Joseph und Babette Huber wurden Stonſequenzuziehen vollständiger und fofchiedentlich gegen die in Vertrauensämtern befindlichen Kollegen fortiger Ausschluß Schippels aus der focial- Sorg, Reinke und Dammann erhoben worden war uns ant 26. September mittags in Pratau, einem in der Nähe von Diese Darlegungen wurden gerüchtweise weiter verbreitet wurde. Nach genauer Feststellung der Wittenberg gelegenen Dorfe, von einem Zugführer beobachtet, wie wiederholt durch lebhafte Aeußerungen der Zustimmung der Ver- schon geraume Zeit zurückliegenden Thatsachen hat die Sizung ein- sie längs des Bahndammes hingingen. Das Paar kam ihm verfammelten unterbrochen. Der Hinweis auf Bremen sowohl wie der stimmig in allen drei Fällen in Resolutionen erklärt, daß der dächtig vor und er verständigte daher einen Schuhmann. Dieser nahm eine Kontrolle des Paares vor, welches nach verschiedenen Gesamtvortrag fanden großen Beifall in der Versammlung. Zur Vorwurf des Streifbruchs unberechtigt sei und die genannten Ausflüchten und Angaben falscher Namen, nachdem in seinem Besitz Diskussion verlangte niemand das Wort. Kollegen vollberechtigte, zur Einnahme von Vertrauensämtern ge- die signalisierten falschen Papiere auf die Namen Wille und Darauf befaßte sich die Versammlung mit der Beratung eignete Mitglieder seien. Dann beschäftigte sich die kombinierte Weichselsdorfer und im Portemonnaie des Johann Huber der des neuen Vereinsstatuts. Der Vorfißende Genoffe Paul Sigung mit den namentlich nach der Aussperrung des vergangenen signalisierte filberne Fingerring gefunden worden waren, zugab, mit Hoffmann bemerkte einleitend, daß die Verhandlungen mit den Jahres hervorgetretenen Differenzen zwischen dem Centralvorstand ben verfolgten Eheleuten Huber identisch zu sein. Die Verhafteten Vertretern des Wahlvereins vom Osten des Kreises zur Gründung und dem Berliner Filialvorstand. Redner legte die bekannten einer einheitlichen Organisation ergebnislos verlaufen sind, sprach Einzelumstände näher dar, und er konnte die erfreuliche Thatsache sind heute früh hier eingetroffen und in das Untersuchungsgefängnis jedoch die Hoffnung aus, daß die Zeit nicht mehr fern sein werde, mitteilen, daß sich beide Körperschaften in der Sitzung verständigt am Anger eingeliefert worden. Die Ergreifung des Mörderpaares ist, wie aus Wittenberg nach gründlicher Debatte mit einzelnen Abänderungen an- schaftlich an einem Strange ziehen. Ferner habe die Situng feit wurden von dem Lokomotivführer wiederholt gesehen, zuletzt in Der von der Kommission ausgearbeitete Statutenentwurf wurde der beiderseitigen guten Absichten. Sie würden jetzt wieder gemein- hierher mitgeteilt wird, einem Berliner Lokomotivführer zu ver danken. Huber und Frau, die zu Fuß nach Wittenberg wanderten, genommen. Das fomit eingeführte neue Statut enthält im gestellt, daß der Centralvorstand nicht die Proteste gegen die wurden von dem Lokomotivführer wiederholt gesehen, zuletzt in wesentlichen folgende Neuerungen: Die Aufnahme den Wahlen zum Filialvorstand veranlaßt habe, wie behauptet worden Bahna. Seine Frau ging mit einem Bündel neben Huber her. In Verein erfolgt durch den Vorstand; das Mitgliedsbuch wird war. Unter lebhafter Zustimmung feuerte Redner schließlich die Wittenberg, wo der Zug vier Minuten hielt, machte der Führer die dem Aufgenommenen durch den Bezirksführer zugestellt. Es wird Versammelten zu thatkräftigem Ausbau der Organisation an. ein Eintrittsgeld von 10 Pf. erhoben. Der Vorstand besteht aus Nach kurzer Debatte wurde Uebergang zur weiteren Tagesordnung 7 Mitgliedern( statt der bisherigen 15); die größere Hälfte der Vor- beschlossen. Zunächst erklärte die Versammlung den Kollegen Huhn, standsmitglieder wird im Oktober, die andre Hälfte im April, und der als junger Mensch während des Streits vor fünf Jahren ge= zwar immer auf ein Jahr gewählt. Nur solche Genossen können arbeitet hat, mit Rücksicht auf die besondren Umstände und die dagewählt werden, die mindestens ein Jahr einer socialdemokratischen zwischen liegende lange Zeit für rehabilitiert. Dann verhandelte Organisation angehören und mit den Vereinsarbeiten vertraut find. man die Fensterfrage. Der Vorstand schlägt folgende ResoDie übrigen Bestimmungen entsprechen im allgemeinen denen des lution vor: bisherigen Statuts. Das Andenken der verstorbenen Genossen Louis Weber, Emil Leist und Niemchen ehrte die Verfammlung in üblicher Weise. wo eine einheitliche Organisation für ganz Berlin zu stande komme. haben nach Berstreuung von Mißverständnissen und der Feststellung in Eine Protestversammlung der Mitglieder der SchuhmacherZwangsinnungs- Krankenkasse, einberufen vom Altgesellen G. Walter, tagte am Montagabend im großen Saale der Industrie- Festsäle, Beuthstr. 19/20. Polizei auf das Paar aufmerksam. Anfangs begegnete man seinen Mitteilungen mit einigem Zweifel. Als man aber später den Leuten auf den Kopf zusagte, daß sie das gesuchte Mörderpaar seien, räumten sie es schließlich auch ein. Eisenbahn- Unfall. Aus Köln wird berichtet: Mittwochmorgen 9 Uhr 50 Minuten entgleiste der von Köln nach Frankfurt a. M. abgehende Schnellzug 108 zwischen den Stationen Oberwinter und Remagen; der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. " Die Versammelten verpflichten sich, nur auf solchen Bauten zu arbeiten, wo sämtliche beschäftigte Töpfer vor Zugluft durch genügend verglaste Fenster geschüßt arbeiten können. Provisorische Verglasung und Verschalung von Balfonthüren usw. ist insoweit zulässig, als die übliche Arbeitszeit bei genügendem Licht ausgenüßt werden kann. Diejenigen Kollegen, die durch die Fenster: frage arbeitslos werden, sollen, sofern ihnen nicht andre Arbeit nachgewiesen werden kann, vom vierten Tage an Unterstüßung Flüchtiger Beamter. Aus Wien wird gemeldet: Der Kanzleis erhalten, wenn sie dem Verbande mindestens 4 Jahr angehören und zu dem Lokalfonds gezahlt haben. Desgleichen auch die Offizial des Ministeriums für Kultus und Unterricht Draschtit, der Kollegen, die vor ihrem Eintritt einer andern Organisation an- mit der Leitung der administrativen Schreib- und Kanzleigeschäfte gehörten oder nach beendeter Lehrzeit sofort dem Verbande bei- der Kunstgewerbe- Schule des österreichischen Museums betraut war, getreten sind. Die in den letzten drei Wochen zugereisten Kollegen ist nach Unterschlagung von 26 000 Stronen flüchtig geworden. werden nicht berücksichtigt." Noch ein Eisenbahn- Unglück. Aus Bamberg wird gemeldet: Infolge lleberfahrens des Ausfahrtsperrsignals stieß gestern abend der gemischte Zug 354 in der Station Kochstadt- Marktzeuln mit einer Rangierabteilung zusammen. Der Wagenwärter Edelmann aus Hof wurde getötet und fünf Reisende wurden leicht verletzt. Die Geleissperrung war um Mitternacht gehoben. Der Referent des Abends, Hamacher, schilderte die ganz eigenartigen Zustände in der Verwaltung dieser Rasse, welche ein Produkt der in den neunziger Jahren anhebenden Mittelstandsretterei ist. Seit Jahren versuchen die Arbeitnehmer- Mitglieder eine dem Sinne der Gewerbe- Ordnungs- Novelle entsprechende Aenderung der Statuten herbeizuführen, insbesondre aber die Wahlen der Vorstandsmitglieder von der Genehmigung des InnungsEin verschwundener Luftballon. Aus Stockholm wird geborstandes unabhängig zu machen, der Innung das Strafrecht zu Aus der Versammlung kamen noch Anträge, teine Unterstüßung meldet: Ueber den Verbleib des neuen Ballons der aeronautischen entziehen und in die Hände des Kassenvorstandes zu legen usiv. zu zahlen, und gleich vom ersten Tage ab Unterstüßung zu zahlen. Gesellschaft André, der gestern nachmittag 4 Uhr mit drei Insassen Vor ca. zivei Jahren kam es nun, da eine Einigung zwischen Diese wurden nach lebhafter Debatte abgelehnt und der Antrag des aufstieg, ist bis ist bis Mittwochmittag teine Nachricht eingelaufen. Innung und Raise nicht zu stande tam, auf Veranlassung des Vorstandes( die obige Resolution) gegen zwei Stimmen an- Meteorologische Autoritäten meinen jedoch, daß der Ballon im Laufe Polizeipräsidenten zu einem Zwangsstatut, welches heute noch zu genommen. Am Montag, den 17. Oktober, treten die Tarif- der Nacht bei südwestlichem Winde über den Bottnischen Meerbusen Recht besteht. Referent stellt nachstehende Resolution zur Beratung: bestimmungen zur Fensterfrage in Kraft. Als einmalige Unter- nach Finnland getrieben sei. " Die heute am 24. September 1904, abends 9 Uhr, tagende stüßung wurden der Witwe des verstorbenen Gewerkschaftsbeamten Mitgliederversammlung der Innungs- Krankenkasse der Schuhmacher Hermann John drei Monatsbeiträge seines Gehalts zugesprochen. erhebt hiermit Protest gegen das vom Polizeipräsidenten v. Wind- Die Versammlung beschloß ferner, dem ständigen Beamten von jetzt Witterungsübersicht vom 28. September 1904, morgens 8 Uhr. heim im Jahre 1901 erlassene Zwangsstatut genannter Kasse, ins- ab 45 Mark Gehalt pro Woche zu zahlen, während Aushilfsbeamte besondre den§ 7, lekter Absatz, und§ 38, Absatz 1. Die Versamm- 48 Mart erhalten sollen. Die Aushilfskraft wird höher bezahlt, weil lung erhebt gegen den Innungsvorstand den Vorwurf, daß derselbe für den ständigen Beamten die im Beruf periodisch wiederkehrende Stationen das ihm im§ 7, letzter Absatz, verliehene Strafrecht in einer voll- Arbeitslosigkeit fortfällt. Dann erledigte man noch einige andre pricht ihr Bedauern barüber aus, daß bhne swingenden cammlung Vereinsangelegenheiten. neb steneid aid odme Grund das Barometer. stand mm richtung Wind Windstärke 759 D Better Temp. n. E. 5° C. 4° R. Stationen Barometer richtung Wind Bindstärke 3 bedeckt 13 Haparanda 760 SD Wetter 6 Regen 764 NND 1wolten! Temp. n. T. 5° E.= 4° R. I COR 8 8 66 2 bedeckt 11 Petersburg 772 SSD 1halb bd. 3bedeat 13 Cort 4Regen 12 Aberdeen 766 N 2 heiter 4 Regen 10 Paris 1 Regen 12 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 29. September 1904. Etwas fühler, vorwiegend trübe mit Regenfällen und mäßigen nordöstlichen Winden. 81 S 881 Berliner Wetterbureau. Briefkaften der Redaktion. Swinemde. 766 ND Recht der Vertreter der Kassenmitglieder im Vorstand betreffend Eine Adressenschreiber- Versammlung fand am Sonnabend, den 767 N Hamburg Wahl des Vorsitzenden durch den§ 38, Absatz 1, wesentlich beschnitten 24. d. M., in den Arminhallen statt. R. Lange sprach über:" Der Berlin 764 MND wird. Die Versammlung protestiert gegen die Entscheidung der Wert der Organisation für die Adressenschreiber". In eingehender Franks.a.M. 761 N Gewerbe- Deputation in Sachen Abänderung der Statuten durch die Weise schilderte er die miserablen Zustände in den Adressenbureaus München Generalversammlung. Sie findet, daß zwischen den§ 51, Abs. 1, und die schlechte Entlohnung der Adressenschreiber. Durch eine im Bien 761 D § 63, Abs. 2, des Kassenstatuts und dieser Verfügung ein unlösbarer vorigen Jahre vom Centralverband der Handlungsgehilfen und-GeWiederspruch sich befindet. Mit um so größerer Befriedigung hilfinnen Deutschlands veranstalteten Umfrage wurde festgestellt, daß nimmt die Versammlung Kenntnis von der am 1. September 1904 der durchschnittliche Wochenlohn der Adressenschreiber 8,47 Mark von seiten des Herrn Oberpräsidenten an den Kassenvorstand er- beträgt. Will der Adressenschreiber so viel verdienen, daß er einigergangenen Verfügung, auf Grund deren derselbe das Recht der maßen sein Leben notdürftig fristen kann, so ist er gezwungen, ständig Generalversammlung zur Aenderung der Statuten anerkennt. bis spät in die Nacht hinein zu arbeiten. Die lange Arbeitszeit, die Trotzdem ersucht die Versammlung den Herrn Minister für Handel geist- und nervenzerrüttende Arbeit und die infolge der schlechten und Gewerbe, weil die nachgeordneten Behörden eine derartig ent- Entlohnung ständige Unterernährung haben zur Folge, daß viele gegengesette Auffassung über die Rechte der Generalversammlung Adressenschreiber nerventrant werden oder der Schwindsucht ver- ir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( zwei Buchstaben oder eine Zahl befunden, nunmehr in dieser Sache eine klare Entscheidung zu fallen. Diesem Zustande muß ein Gnde bereitet werden. Durch den anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte fällen. Streit im vorigen Jahre bei der Firma Teßmer haben die Adressen- bonnements quittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beantIn der Diskussion nahm u. a. Obermeister Bierba ch das schreiber gezeigt, daß sie wohl imstande sind, ihre Lage zu verbessern, wortet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Wort, um die Innung gegen die erhobenen Vorwürfe zu verteidigen. wenn sie einmütig zusammengehen und einer Organisation an- CA 4oWildoseg Juriftifcher Teil. Der Jnnungsvorstand müsse vor allen Dingen für die Rechte seiner geschlossen sind. Wollen sie dies ernsthaft, so müssen sie eintreten in Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends Mitglieder eintreten. Er behauptet, daß die Forderungen der die Reihen der organisierten Adressenschreiber, in den Centralverband von 7% bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Arbeiter viel leichter Anerkennung fänden als die der Handwerker. der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands, Bureau: C. Sch. Die Unterschiede zwischen der Rigdorfer und Berliner Polizisten Riezmann, Jnnungsmeister, Sekretär der Krankenkasse der Neue Friedrichstraße 20 I. Nach dem mit großem Beifall auf- Uniform wollen Sie selbst durch Anschauung feststellen. Schuhmacher, giebt dagegen die Notwendigkeit der Statutenänderung genommenen Vortrag fand eine rege Diskussion statt. Von allen Ihre Frau könnte im Fall der Pfändung mit Erfolg intervenieren. Ratsam zu. Jm Schlußwort stellt der Referent Hamacher noch den Rednern wurden die skandalösen Zustände in den Adressenbureaus ist der Abschluß eines gerichtlichen oder notariellen Vertrages vor der The. weiteren Antrag, die Angelegenheit der socialdemokratischen Reichs- geschildert, ganz besonders die Zustände bei der Firma A. Schuster- und ein Quartal Alimente( zur Hinterlegung) flagen und suchen persönR. P. 6. Ihre Nichte soll schleunigst auf Zahlung der Entbindungskosten tags- Fraktion als Material zu überweisen, der einstimmig an- mann von einem Herrn Bauer einer herben Kritik unterzogen. Nach liche Sicherheitsvorrechte auszubringen. Klage vor der Geburt ist zulässig. genommen wird, ebenso wie die vorgeschlagene Resolution. Die dem Schlußwort des Referenten, in dem er nochmals dringend er- m. 5. 1. Ja. 2. Dem Vormundschaftsgericht. Seßen Sie anwesenden Innungsmeister beteiligten het arbeider 36 mahnte, dem Centralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen sich doch mit der Waiſenverwaltung in Berbindung. G. 23. Ja. stimmung. Das Bureau hatte ausführliche Ausarbeitung des Deutschlands beizutreten, wurde die Versammlung mit einem Hoch Protokolls vorgenommen und zur Verlesung gebracht. Es wurde auf die Organisation geschlossen. beschlossen, eine Abschrift dieses Protokolls dem Minister für Handel und Gewerbe zur Kenntnisnahme zu unterbreiten. M. T. 41. Eilig. Der Finderlohn beträgt von dem Werte der Sache bis zu 300 M. 5 Proz., von dem Mehrwert 1 Broz, bei Tieren 1 Proz. Hat die Sache nur für den Empfangsberechtigten einen Wert( wie z. B. Briefe, Charlottenburg. Am 21. d. Mts. tagte im Voltshause eine Quittungen, Checks, Sparkassenbücher u. dergl.), so ist der Finderlohn nach öffentliche Versammlung, einberufen von den Organisationen Char- gemessen zu erachten sein. billigem Ermessen zu bestimmen. In Ihrem Fall dürften 5 M. als anR. 100, Charlottenburg. Der Portier hat Eine Versammlung der Bügler, Stepper, Zuschneider und lottenburgs, welche dem Gewerkschaftskartell Berlin und Umgebung fein Recht, Ihnen den Zutritt zum Hause zu verwehren, wenn Sie dort für Näherinnen der Damenmäntelbranche tagte am 26. Sep- angeschlossen sind. Die Versammlung war von ca. 500 Personen einen Mieter eine bestellte Arbeit abliefern wollten. Liefern Sie also ab tember im Englischen Garten, Alexanderstraße. Ritter referierte besucht. Der Vortrag über die Frage des Generalstreiks wurde von oder sehen Sie Ihren Auftraggeber von dem Vorfall in Kenntnis mit dem über die Lage der Damenkonfettion. Er stellte fest, daß sie schlechter Stater gehalten, da Dr. Friedeberg verhindert war. Nach Ersuchen, Ihnen Gelegenheit zur Ablieferung zu geben und klagen Sie S. 2. Fragen Sie nochmals an. geworden sei als früher. Die Saison habe nicht so viel Arbeits: Schluß des Vortrags, welcher sehr beifällig aufgenommen wurde, gegen den Portier auf Schadensersatz. gelegenheit geboten, wie in früheren Jahren. Einen großen Einfluß verlas der Vorsitzende folgende Resolution:" Die am 21. September 5. 72. Sie können Strafantrag an die Staatsanwaltschaft richten oder Privatflage wegen Beleidigung erheben. H. F. 6. 1. Das außereheliche übe die Zollgesetzgebung, denn bei der deutschen Damenkonfektion 1904 im Boltshause zu Charlottenburg tagende öffentliche Versamm- sind einer Witwe erhält den Mädchennamen der Mutter. 2. und 3. Ja. sei der Export schon lange eine Notwendigkeit. Redner legt dies lung erklärt sich mit den Ausführungen des Genossen Kater ein- 4. Etwa 15 M. monatlich. Adlershof. Eine gefeßliche Verpflichtung näher dar und weist nach, wie es auch auf die Löhne ungünstig ein- verstanden und erwartet, daß der Frage des Generalstreits als eine bes rates, beffend einzugreifen, beſteht auch für unglüdsfälle nicht. wirke, gleich dem Zwischenmeister- System mit seinen verschiedenen der wichtigsten Waffen für das Proletariat seitens der Gewerk- Musik. Das Einkommensteuer und das Gewerbesteuergesetz finden Sie Uebeln. Die Arbeiter und Arbeiterinnen könnten nur durch eine schaften mehr Beachtung zugewendet wird. Ein Zurückdrängen des in allen öffentlichen Lesehallen. Wollen Sie berechnen, wieviel Gewerbegute Organisation einigermaßen der sinkenden Tendenz der Löhne Nur- Parlamentarismus, welcher seitens des Revisionismus immer steuer die von Ihnen angegebene Zahl Militärmusiker hätten zahlen müssen, entgegenwirken. Was die Bügler angehe, so habe auf den Stand mehr zur Abschwächung des Klassenkampfgedankens innerhalb der wenn sie gewerbesteuerpflichtig wären, so schätzen Sie das selbst auf Grund des Gewerbesteuergesezes nach. Soweit ersichtlich, liegt Gewerbeihrer Löhne die sich immer mehr breit machende Accordarbeit den politischen Partei benutzt wird, und eine Beseitigung des überivuchern- fteuerpflicht nicht vor, so daß auch kein Ausfall entstanden ist. schädlichsten Einfluß geübt. Sie hätten der Einführung der Accord- den Neutralitätsgedankens innerhalb der Gewerkschaften, welche heute Apel. Standesamt 10a, Zehdenickerstr. 17/18. N. S. 45. Gegen arbeit entgegentreten müssen. Traurig sei es, daß sich Bügler schon ihre ausschließliche Aufgabe in der Verbesserung des Arbeitsvertrages die Verfügung ist Beschwerde an den Oberpräsidenten und Klage an das dazu verständen, ihre Accordarbeit mit nach Hause zu nehmen und ſehen und völlig zu verflachen drohen, wird die wertvolle Folge einer Ober- Berwaltungsgericht zulässig. Die Schritte hätten aber wenig Aussicht R. 2. 33. Es ist möglich, stände der Konfektion würden von ihnen so noch mehr ausgedehnt. fatorisch und erziehend wirkend, wird die Generalstreiksidee die Bezirks wohnen, aus dem er ausgewiesen ist. Redner geht dann auf die Gesetzgebung zu Gunsten der Konfettions- politische Partei und Gewerkschaftsbewegung aufs engste zusammen- daß die von Ihnen angeführten Gründe als ausreichende Chefcheidungsarbeiter und Arbeiterinnen ein. Das Bischen, was gewährt sei, führen und beide dem Endziel des ganzen Klassenkampfes dem Um- gründe erachtet werden. Der durch einen Anwalt beim Landgericht anzustellenden Selage hat ein Sühneversuch beim Amtsgericht II, Hallesches werde fortwährend umgangen, und selbst der preußische Handelssturz der Klassenherrschaft einheitlich zutreiben." In der Diskussion user 29/31, vorauszugehen. Die Erziehung der Kinder steht Ihnen zu. minister interpretiere, Herrn Kommerzienrat Manheimer folgend, sprachen Görte, Dr. Zeppler, Rosenthal und andre gegen Wenn Sie die Chewohnung aufgeben, so find bis zum Abschluß der etwas davon weg. Die Bundesrats- Verordnung von 1897, die jetzt den Generalstreit, während Weisel, Rupp, Kiehlmeier Scheidung voll alimentationspflichtig. Heben Sie das Borgerecht Ihrer auf die Maßgeschäfte der Konfettion und auf Buzgeschäfte aus- und andre für den Generalstreit sind und wünschen, daß hierfür Frau durch Eintragung in das Heiratsregister auf. M. M. 150. Nein. 1 -.. la. Gie befinden sich im Irrtum. Wir haben keine deutsche zahlung getroffen ist, besteht eine solche Verpflichtung nicht.- M. Konihky| Banfstr. 31b. 2. Lassen Sie sich Abschrift erteilen: Die Seite foftet 10 f. Erbschaftssteuer, wohl aber einzelstaatliche, insbesondere eine preußische. 100. Wer Unfallrente bezieht, fann trotzdem so viel oder mehr verdienen G. St. b. 1. und 2. Nein. 3. Ja. E. W., F. Mundt, Sind Sie mit dem Verstorbenen nicht verwandt, so ist die Steuer mit acht wie andre. O. G. S. S. 1. Nein. 2. Klogen Sie auf Anerkennung, E. B. 9. Ja. A. J. 28. Der Kaffe gegenüber haften Sie wegen Prozent richtig berechnet und Sie zahlungspflichtig. E. Werner. Ihre daß Sie Miete nicht schulden und auf Herausgabe etwa einbehaltener Sachen. Ihrer Fahrlässigkeit, nicht aber dem Dritten. S. O. 102. Sie können Bermutung trifft zu. Sie sind auf einen unreellen Prospekt reingefallen. Der Beweis über die von Ihnen behauptete Vereinbarung liegt Ihnen ob. mit Aussicht auf Erfolg Strafantrag stellen. Zur Veröffentlichung eignet Alle Serienlos- Anerbietungen, insbesondere ausländische, Amsterdamer Hoffmann. Ihr Kollege ist im Irrtum.§ 173 Str.-G.-B. bedroht sich der Fall erst, wenn es zur Verhandlung kommt.- A. 3. 1. Sie können usw., sind zur Leerung der Tasche des Spielers geeignet. Da das Serien- wegen Blutschande mit Zuchthaus den Beischlaf zwischen Verwandten auf- Strafantrag wegen Sachbeschädigung stellen, zur Verfügung berechtigt ist losspiel der Kommerz- und Kreditbank in Amsterdam" im besten Falle und absteigender Linie. Verwandtschaft bedeutet hier die Abstammung von allein die Kirchhofsverwaltung. 2. Der Betreffende kann sich an das Voreine unerlaubte Lotterie darstellt, so find Sie an Ihren Verpflichtungsschein demselben Stammbater, gleichviel ob dieselbe auf ehelicher oder außerehe- mundschaftsgericht wenden. Minna 35. Nein. A. 100. Sie können feineswegs gebunden. Man fann sich nicht rechtlich gültig zu strafbaren licher Geburt beruht. Die aufsteigende Linie ist die ältere( also Vater, bis am 3. Oftober zum 1. Januar fündigen, falls fein schriftlicher Vertrag Handlungen verpflichten. Zahlen Sie nicht das ist der einzige Gewinn, Großvater usw.), die absteigeude die jüngere( Kinder, Entel usw.). vorliegt. 2. Reform 10. Falls Sie nicht nachweisen, daß Sie mit den Ihnen die hochtönende Serienlos Gesellschaft einbringt. N. K. 114. Die Vermischung zwischen Verschwägerten auf und absteigender Kenntnis des Verwalters die Kammer innehaben, kann er deren Räumung Sind Onkel und Tante ohne eheliche Abkömmlinge( Kinder, Enkel, Urenfel), Linie ist mit Gefängnis bedroht. Schwägerschaft nennt man das verlangen. 1. A. Berjährt mit dem 31. Dezember d. J. B. E. 4., so ist zu Ihrer Adoption, da Sie über 21 Jahre alt find, nur Ihre Zu Berhältnis des einen Ehegatten zu den Verwandten des andern. Ob dies W. S. 10. Ja. 2. S. 30. Der Mietsstempel wird nicht durch stimmung erforderlich. Der Adoptionsvertrag ist gerichtlich oder notariell Berhältnis auf ehelicher oder auf außerehelicher Geburt beruht, ist auch hier Stempelmarken entrichtet; das Geld wird an die Stempelbehörde auf Grund zu schließen und gerichtlich zu bestätigen. Mag Sch. 8. Nein. gleichgültig. Demnach ist ohne weiteren Strafantrag ein Verkehr zwischen eines Mietsstempelbuches entrichtet. 2. S. 57. Wenn die Töchter der G. M., Köpenick. Solche Bestimmung ist zwedmäßig. G. 117 und 236 Schmiegereltern und Schwiegerkindern, Stiefeltern und Stieffindern als Erbschaft nicht entsagen, können sie als Erben vielleicht in Anspruch gedes dem„ Arbeiterrecht" beigefügten Führers finden Sie weiteren Aufschluß. Blutschande strafbar. Schwager und Schwägerin sind verschwägert, aber nommen werden. 23. Sie können bei dem Amtsgericht auf Freigabe Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. B. K. Ja: Darlehen nicht in auf- oder absteigender Linie, sondern in gleichliegender Linie. Ein der Sachen mit Erfolg flagen. 7. W. Leider hätte die Klage wenig Aussicht berjähren erst in 30 Jahren. S. E., Charlottenburg. In der Regel Berkehr zwischen diesen ist nicht als Blutschande, sondern eventuell als Ehe- auf Erfolg. A. S. 20. 1. und 2. Rechtlich find Sie nur dann und nein: Die Art der Arbeit hängt von der Bestimmung des Chefs ab. bruch strafbar. Eine Heirat zwischen Schwager und verwitweter Schwägerin soweit erstattungspflichtig, als Sie es in der Lage sind, ohne den standesKühne. Sie müssen im Laufe des Ersten räumen. 666 K. Wenn ist durchaus erlaubt. A. B. 1. Soweit ersichtlich steht Ihnen ein An- mäßigen Unterhalt Ihrer Familie und Ihre sonstigen Verpflichtungen zu nicht etwa eine besondere Vertragsvereinbarung über Weiter oder Zuschuß- spruch auf Invalidenrente zu. Mitglied der Armendirektion ist Stadtv. Hinge, beeinträchtigen. 3. Nein. 4. Ja. 23. M. 1000. Sie sind im Recht. Teilnahme und die überaus reichen 0 Für die vielen Bewelſe aufrichtiger Achtung! Modelleure u. Antrager. Achtung! Blumenſpenden am Grabe meiner Freitag, den 30. September, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, lieben Frau, unsrer unvergeßlichen Mutter, sprechen wir hiermit allen unfren innigsten Dank aus. 16796 Fritz Rau, Zahnkünstler, und Kinder. Orts Krankenkasse Engel- llfer 15, Saal 7: Vertrauensmänner- Versammlung. Tages Ordnung: Beschlußfassung über das Inkrafttreten und die Dauer des Tarifs. Jede Werkstatt hat einen Vertreter zu entsenden. Die Agitationskommission. J. A.: Start Bethke. Orts- Krankenkasse Barbier Gewerbe für das zu Berlin. Das Kassenlokal befindet sich vom 3. Dftober 1904: 275/4 Rosenthalerstr. 18, Quergeb. 1 Tr. Kassenstunden von 10-2 Uhr. Am 1. Oktober bleibt die Kasse des Umzuges wegen geschlossen. Der Vorstand. J. A. Joseph Elias, 1. Vorsitzender. Weißenfee. Central- Verein der Bildhaner Deutschlands. Genefungsheim Die in der Generalversammlung vom 27. April 1904 beschlossenen neuen Kaffenfagungen sind von dem Bezirksausschuß zu Potsdam am 18. August 1904 genehmigt worden. Diefelben treten am 1. Oktober 1904 in Straft. Vorstehendes bringen wir hierdurch unfern Mitgliedern sowie den Arbeit gebern zur Kenntnis und ersuchen, Statuten- Exemplare im Kassenlotale W Verwaltungsstelle Berlin. Heute abend 8%, Uhr im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal I: Außerordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftliches und Wahl eines Revisors zum Lokalvorstand. 2. Regelung der lokalen Streitfondsunterstützung. 3. Verschiedenes. 22/19 hierselbst, König Chaussee 23, in Der Vortrag des Herrn Bernhard findet nächsten Empfang nehmen zu wollen. Der Vorstand. 275/ 3* 3. A.: W. A. Büttner, Vorsitzender. Donnerstag statt. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Orts Krankenfaffe Berliner Ressource Kürschner u. verw. Gewerbe Berlin. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß das Kaffenlokal am SonnKommandanten- Strasse 57. Empfehle meine hocheleganten, renovierten, großen u. fleinen Festfäle zu Festlichkeiten und Versammlungen. Fernsprecher Amt IV, 9675. [ 2682] Adolf Stein. Sonnabende und Sonntage noch frei. abend, den 1. und Montag, den Anton Böckers Ball- Salon 3. Dftober wegen Umzug geschlossen ift. Vom 4. Oktober ab befindet sich Weberstraße 17( früher Brochnow) das Kaffenlokal 275/5 empfiehlt den geehrten Borständen von Gewerkschaften und Vereinen seine Barnimstraße 19, vorn 1 Tr. Säle zu Versammlungen, Hochzeiten, Bergnügungen. Der Borstand. 5002* anz. 3. A.: G. Seiden kranz. E T T Ergebenst Anton Böcker, Weberstraße 17. *) für Lungenleidende, insbesondere für Tuberkulose nach neuem erfolg. reichen Verfahren. Ferner für an Krebs und Syphilis Leidende. with an bie achte Nächte Woche Ziehung! Kronleuchter- Fabrik Quedlinburger Lose 1 M. 11 Lose 10 Mk. Porto u. Liste 20 Pf. Pferde- Gewinne sofort verkäuflich gegen Bar Geld. 1500 Gewinne im Werte von M. 659 für Gas u. Petroleum. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW schwarz lackirt, starkes 1025 mit Messingverzierung 2275 2800 Rohr- Gestell mit Rollen 90/190 cm 2550 Nr. 229. 21. Jahrgang. 3. Stilnp Ks„ünrniiirto" Aerlim WsM Donnerstag, 29. September 1994. Der drohende Crpressnngs-Naragraph. Am Dienstag hatte sich, wie schon gemeldet, die zweite Straf- kammer des Landgerichts I mit einem jener Fälle zu beschäftigen, wo ein Akt durchaus loyaler gewerkschaftlicher Thätigkeit als E r- Pressung gebrandmarkt und vor Gericht gezerrt wird. Der hier in Rede stehende Fall iit um so bemerkenswerter, als es sich im Gunde genommen um nichts andres handelt, als daß der Vertrauens- mann einer Arbeitergruppe einen Arbeitgeber zur Jnnehaltung des von ihm unterzeichneten Tarifs bewegen wollte. Der Anklage liegt folgender Thatbestand zu Grunde: Bekanntlich endete der Streik der Bauklempner im Frühjahr 1303 mit dem Abschluß eines Tarifvertrags, der den Stundenlohn der Bauklempner auf 60 Pf. festsetzt. Die Erledigung von Streitigkeiten aus dem Vertragsverhältnis liegt einer Schlich- tungskommission ob, der als Vertreter der Arbeiter unter andern der Klempner D i e s n e r angehört. Insbesondere hat Diesner als Arbeiter und Klempnermeister Geister als Arbeitgeber die Aufgabe, Beschwerden wegen Nichtbefolgung des Vertrags zu untersuchen und wenn möglich zu erledigen, ohne daß erst die Schlichtungskommission damit befaßt wird.— Diesner, der auch Branchenvertreter der im Metallarbeiter-Verband organisierten Klempner ist, erfuhr, daß der Obermeister B e r g e r, obgleich er als Vertreter der Innung den Tarifvertrag mit unterzeichnet hat, den tarifmäßigen Lohn nicht zahle. Diesner ging im Auftrage seiner bei Berger be- schäftigten Kollegen zu diesem Herrn, um ihn zur Zahlung des tarifmäßigen Lohns zu bewegen. Am Schluß dieser Unterredung soll Diesner zu Berger gesagt haben:„Wenn Sie den Lohn von 60 Pf. nicht zahlen, wird Ihre Werkstatt gesperrt und Ihr Verhalten im„Vorwärts" bekannt gegeben."— Als dann am folgenden Ar- beitStage die Bergerschcn Gesellen die Forderung des tarifmäßigen kohnes stellten, hat Bergcr den Lohn bewilligt. Er that aber noch ein Uebriges, nämlich er zeigte die Unterredung mit Diesner der Zehörde an, und so kam der Arbeiter zu einer Anklage wegen Er» Pressung. Bergcr wurde übrigens später auch von der SchlichftmgS- kommission, die sein Verhalten als vertragswidrig ansah, zur Jnne- Haltung des Vertrags verurteilt. Vor Gericht bemühte sich der Obermeister Berger, die Sache so hinzustellen, als ob der Tarif auf seinen Betrieb keine Anwendung finde, da er nicht aus- schließlich Bauklempner beschästige. Es wurde jedoch durch Zeugen festgestellt, daß er auch den bei ihm beschäftigten Bauklempnern den tarifmäßigen Lohn noch im Oktober vorigen Jahres nicht zahlte, obgleich der von ihm unterzeichnete Tarif bereits seit Mai in Kraft war. Ferner wurde festgestellt, daß die Schlichtungskommission— rllerdings erst nach der Unterredung mit Diesner— den Betrieb Bergers als unter den Tarif fallend anerkannt hat. Trotzdem be- liebte es Herrn Berger, vor Gericht den„Herrn im Hause" herauszukehren, den der korporative Tarifvertrag nicht hindere, Sondervereinbarungen unter nichttarifmäßigen Be- dingungen mit den Arbeitern abzuschließen. Auf der andern Seite berief sich Diesner darauf, daß er sich vollauf berechtigt hielt, den Obermeister Berger zur Zahlung der tarifmäßigen Löhne aufzufordern, daß er hierbei im Auftrage der Bergerschcn Arbeiter handelte, und die angebliche Drohung auch nicht in der von Bcrger angegebenen Form gebraucht, sondern vielmehr gesagt habe: Wenn Ihre Gesellen, well Sie den Tariflohn nicht zahlen, die Arbeit niederlegen, so werden sie durch den Verband unterstützt und Ihr Verhalten wird dann auch in Versammlungen und in der Fachpresse bekannt gegeben werden. Die Beweiserhebung gestaltete sich sehr eingehend. Sie drehte sich sowohl um die Feststellung des Wortlautes der angeblichen Drohung, als auch über den Jichalt des Tarifvertrages, die daraus für die Kontrahenten folgernden Rechte und Pflichten, sowie darum, ob Diesner aus eignem Antriebe oder im Auftrage seiner Kollegen handelte. Der Staatsanwalt vertrat die Ansicht, daß die Bergerschen Arbeiter— trotz des Tarifvertrages!— keinen Rechtsanspruch auf den geforderten tarifmäßigen Lohn hätten. Dies, in Verbindung mit der vom Angeklagten ausgesprochenen Drohung würde also den Thaitbestand der Erpressung ergeben, aber der Angeklagte habe glauben können, die Arbeiter hätten einen rechtmäßigen Anspruch auf den geforderten Lohnsatz, und damit f a l l e die Anklage auf Erpressung. Dagegen beantragte der Staats- anwalt, den Angeklagten wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung mit 2 Wochen Gefängnis zu bestrafen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heinemann, wies in längeren juristischen Ausführungen nach, daß die überwiegende An- ficht in Rechtsprechung und Litteratur dahin gehe, daß derjenige, welcher einen Tarifvertrag gefchloffenrhabe, daran gebunden sei und nicht mit einzelnen Arbeitern abweichende Abreden treffen dürfe. Dies sei schlagend von der ersten Autorität auf dem Gebiete des Arbeitsvertrages, Professor Lotmar in Bern, nachgewiesen. Die Zwecke, welche man mit dem Tarifvertrag erreichen wolle, den Ab- schluß von Arbeitsverträgen zu erleichtern, die Nachteile der Schleuder- und Schmutzkonkurrenz zu vermindern und endlich den Arbeits- Verhältnissen Stetigkeit zu verleihen, können nur verwirklicht werden, wenn der Tarifvertrag für die Kontrahenten zwingend sei. Andern- falls würde er zur Posse und Farce und die Schmutzkonkurrenz könne durch das ihr eben verschlossene Thor wieder einziehen. Juristisch sei die zwingende Natur des Tarifvertrages so zu begründen, daß der Tarifvertrag nicht mit einem einzelnen Arbetter, sondern einer Mehrheit solcher geschlossen werde. Daher kann nicht die Zu- stimmung eines Einzelnen aus dieser Mehrheit genügen, um den Zu- stand der Vertragsfreiheit während der Dauer des Tarifvertrages wieder herzustellen. Wer einer Mehrheit sein Wort giebt, bricht es allen, selbst den eignen Fachgenossen gegenüber, auch wenn er sich das Einverständnis eines Einzelnen zu verschaffen weiß. Hiernach hat Diesner lediglich das von Berger gefordert, wozu dieser rechtlich verpflichtet war und damit falle die Erpressung. Nimmt das Gericht dies aber nicht an, so werde man sicher jedenfalls davon ausgehen müssen, daß Diesner geglaubt habe, er fordere von Berger nur das, wozu dieser verpflichtet sei. Der Vorsitzende der Schlichtungskommission, Tiefbauunternehmer Bernhard, habe in klarer, durchaus überzeugender Weise aus seiner Erfahrung heute als Zeuge dargelegt, daß der Arbeiter, welcher den Tarifvertrag nicht streng einMt, in den Kreisen seiner Fachgenossen verachtet sei und daß die Arbeiter demgemäß stets in dieser Hinsicht vertragstreu handeln. Mag man nun selbst annehmen. Berger habe nicht rechts widrig gehandelt, Vertrags widrig im moralischen Sinne ist er vorgegangen, und dem Grundsatze:„ein Mann ein Wort", hat er nicht gehuldigt, als er seinem vor dem Einigungsamt des Ge- Werbegerichts gegebenen Versprechen sofort wieder untreu wurde, Dies haben auch seine eignen Berufskollegen der SchlichtungS- kommission anerkannt. Der Angeklagte könne als einfacher Arbeiter die feinen juristischen Unterschiede nicht machen. Das, was in seinen eignen Kreisen verpönt ist, habe er als Rechtsbruch angesehen. Folgt man dieser Ansicht, so falle aber auch die Anklage ans§ 153 der Gewerbe-Ordnung. War Bcrger verpflichtet, den Tariflohn zu zahlen, so liegt keine Verabredung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern eine solche zur E r h a l- t u n g der rechtsgültig bestehenden vor. Eine solche aber fällt nicht unter die§§ 152, 153 der Gewerbe-Ordnung. Zum mindesten hat der Angeklagte, da ihm guter Glaube zugebilligt wird, an- genommen, es handle sich um eine Verabredung nur zur Aufrechterhaltung des rechtsgültig bestehenden zwingenden Vertrags. Der Angeklagte hat sich dann in Unkenntnis über ein gesetzliches Thatbestandsmerkmal be- funden und müsse deshalb aus denselben Gründen frei- also selbst mit der neuesten Rechtsprechung des Reichsgerichts an- unter den§ 153 der Gewerbe-Ordnung fallen, so müsse aus den vorgenannten Gründen die Anwendung des Z 153 vorliegend ausscheiden. Nicht logisch sei es, wenn der Staatsanwalt aus subjektiven Gründen die Erpressung verneine, aber den§ 153 für gegeben erachte. Endlich habe auch der Angeklagte keine Drohung ausgesprochen, sondern wie die Beweisaufnahme ergeben habe, nur im Auftrage seiner Kollegen vermittelt, um den Streik zu verhindern, was ihm auch gelungen sei. Bergers in dieser Beziehung von der Aussage der übrigen Zeugen abweichende Bekundung könne nicht in Betracht kommen, da Berger. der fühle, daß et mehr in dieser Verhandlung Angeklagter sei als der Angeklagte, von starker Animosität gegen den Angeklagten erfüllt sei. Das Gericht erkannte nach längerer Beratung auf Frei- sprechung. Der Vorsitzende sagte in der Urteilsbegründung: Der Angeklagt« sei von dem Gedanken ausgegangen, daß Berger durch seine Unterschrift nicht nur als Vertreter der Innung, sondern auch für seine Person dem Tarifvertrage beigetreten sei, und damit den von ihm beschäftigten Arbeitern gegenüber eine rechtlich bindende Verpflichtung übernommen habe. Diese Auffassung sei juristisch nach Z 162 der Gewerbe-Ordnung nicht haltbar, denn eS müsse jedem freistehen, von solchen Ab- machungen jederzeit zurückzutreten. Der Angeklagte habe aber in gutem Glauben seine Ansicht geltend zu machen gesucht, ihm habe das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gefehlt, deshalb müßte er frei- gesprochen werden. Wenn das Gericht auch in diesem Falle— was ganz selbstverständlich erscheint— ein freisprechendes Urteil fällte, so zeigt der Fall Diesner, wie leicht das natürliche Rechtsgeftihl des Arbeiters in Widerspruch kommen kann mit der Rechtsanschauung der Juristen. Nur sein guter Glaube hat den Angeklagten diesmal noch vor dem Gefängnis bewahrt. Wie aber, wenn ein Gericht— was ja nicht selten geschehen ist■— vom Angeklagten voraussetzt, daß er die Rechtslage des Falles, in den er verwickelt wird, kennt, obgleich selbst juristische Autoritäten über die in Frage kommenden Rechts- grundsätze verschiedener Meinung sind? In solchem Falle hätte den Angeklagten nichts vor dem Gefängnis und vor der Brandmarkung mit einem gemeinen Vergehen geschützt. Wasserstand am 27. September. Elbe bei Aussig— O.b? Meter, bei Dresden— 1,SS Meter, bei Magdeburg+ 0,23 Meter.— U n st r u t bei Strausisurt+ 0,60 Meter.— Oder be» Ratibor-st IM Meter, bei Breslau Obcr-Pegel-st 4.78 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,46 Meter, bei Frankfurt-st 0,70 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde-st 3.30 Meter.— Warthe bei Posen— 0,16 Meter. Netze bei Usch-st 0,24 Meter. Marktpreise von Berlin am 27. September. Nach Ermittelungen de? kgl. Pollzei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Ccnwer: Weizen*'), gute Sorte 17,50—00,00 M., mittel 00,00-00,00 M., geringe 00,00-00,00 M. Roggen"), gute Sorte 13,85—13,84 M.. mittel 13,83—13,82 M., geringe 13,81—13,80 M. Futtcrgerste*), gute Sorte 15,60—14,60 M., mittel 14,50 bis 13,60 M.. geringe 13,50— 12,60 M. Haser*), gute Sorte 16,50-15,70 M., mittel 15,60—14,90 M., geringe 14,80—14,10 M. Erbsen, gewc, zum Kochen 40,00-28,00 M. Spelsebohnen. weiße 50,00—25,00 M. Linsen 60,00—25,00 M. Kartoffeln 11,00-7,00 M. Richlstroh 4,32-4,00 M. Leu 9,40-6,80 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,30—2,00 M, Eier per Schock 4,50—3,20 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Bahn. Adreßlmch für Merttn und Aororte 1905, Die Hauslisten für den Jahrgang 1905 sind nunmehr den Herren Hauseigentümern beztv. Verwaltern zur Weitergabe an die verehrlichen Haushaltungs-Vorstände zugegangen. Die letzteren werden hiermit gebeten, die erforderlichen Angaben recht genau und deutlich in die Hauslisten einzutragen und diese so schnell wie möglich weiterzugeben. Da die Abholung der Hanslisten Montag, de« 3. Oktober, beginnt, so richte ich an diejenigen Haushaltungs-Vorstände in Berlin, denen dieHauslisten bisher noch nicht vorgelegt wurden, das Ersuchen, bei ihren Herren Hauseigentümern oder Verwaltern wegen der Liste Nachfrage zu halten und für die schleunigste Eintragung der erforderlichen Angaben Sorge zu tragen oder mir diese unverzüglich direkt zugehen zu lassen. Im Hinblick darauf, daß die Bewohner der Reichshauptstadt das größte Interesse an einem vollkommenen und zuverlässigen Adreßbuche haben, darf ich wohl erwarten, daß alle Einwohner durch recht genaue Ausfüllung der Hauslisten und durch deren schleunige Weitergabe die mühevolle und kostspielige Zusammenstellung des Adreßbuchs unterstützen werden. Berlin, den 28. September 1904, SW. 12, Zimmerstraße 37-41. August Scherl. 10 Partei- Speditionen: Berlin zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalderstraße 30, b. part. Dritter Wahlkreis: St. Frib, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. Vierter Wahlkreis 0.: Robert Wengels, Gr. Frankfurterstr. 133, of part. SO.: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 ( Laden). Sechster Wahlkreis( Moabit): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stoltenburg, Wiesenstr. 41/42. Rosenthaler Vorstadt, Gesundbrunnen, Reinickendorf( Ost und West), Wilhelmsruh und Schönholz: Hermann Raschke, Rügenerstr. 24, born part. links. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien Allee 95/96. Alt Glienicke: W. Pries, Rudowerstr. 68. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sejenheimerstr. 1, Ecke Goethestraße, born I. Deutsch- Wilmersdorf: W. Nickel, Berlinerstr. 130, III. FriedrichsbergFriedrichsfelde- Wilhelmsberg- Hohenschönhausen: Otto Seitel, O. 112, Stronprinzenstraße 50, I. Grünau: &. Pfeil, Königstraße 1. Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjergstraße 7, im Raben. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Ober- Schöneweide: Otto Münzer, Ohmstraße 1a, 2 Treppen. Schöneweide: Bonakowsky, Berlinerstr. 8. thal: Paul Mann, Bismarckstr. 7. Adlershof: Baul Schmidt, Bismardstraße 7 II. Königs Wusterhausen: H. Meier, Bahnhofstr. 11 II.- Köpenick: Friedrich Woick, Grünstr. 29. Friedenau- Steglitz:. Bernsee, Schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Steglit. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 8, und Fr. Schellhase, Ahornstr. 15 a.-Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: R. 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Redakteur: Franz Rehbein, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 23748* 1684b * 16726 2546st