Nr. 235. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. mimmer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Post- BeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder beren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für ble nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Wohnungselend in Groß- Berlin. Die Verhandlungen über die Bestimmungen des neuen preußischen Wohnungsgesetz- Vorschlages, die kürzlich im Berliner Stadtparlament stattfanden, haben das erfreuliche Ergebnis gehabt, von neuem die Aufmerksamkeit weiterer Streise auf das große Wohnungselend hinzulenten, das noch immer unvermindert sich in den Mauern der Hauptstadt des Deutschen Reiches birgt. Eine Reihe von Veröffentlichungen, die im Laufe der jüngsten Zeit von amtlichen Stellen des Reiches, Preußens und der Stadt Berlin erfolgt sind, haben dazu beigetragen, flares Licht auf die überaus traurigen Wohnungsverhältnisse zu werfen, unter denen die unbemittelte Bevölkerung zu leiden hat. Als vor drei Jahren die sozialdemokratischen Vertreter im Berliner Rathaus die Schaffung eines Wohnungsamtes beantragten, dem neben anderen Aufgaben die Durchforschung und Erfassung aller die Wohnungsverhältnisse betreffenden Daten und Ziffern und die schnelle Veröffentlichung der ermittelten Ergebnisse als Tätigkeitsgebiet zugewiesen werden sollte, teilte auch dieser Antrag das Schicksal aller übrigen: er wurde glatt abgelehnt. Der Oberbürgermeister erklärte aber, dafür Sorge tragen zu wollen, daß das Statistische Amt der Stadt Berlin den Wohnungsverhältnissen erhöhte Aufmerksamkeit zuivende, und es ist dankbar anzuerkennen, daß das Amt unter seinem neuen schaffensfreudigen Direktor dieser Zusage entsprochen hat. Nachdem vor einiger Zeit schon die umfangreichen Tabellenwerke: Grundstücks- und Wohnungsaufnahme von Ende Oktober 1900 in Berlin und 23 Nachbar gemeinden und die Berliner Volkszählung von 1900, 1. Abteilung, Grundstücks- und Wohnungsaufnahme, erschienen find, gelangte jüngst das 2. Heft der neu begründeten„ Berliner Statistik", dessen 1. Heft Erhebungen über den Milchberbrauch und den Omnibus, Straßenbahn- und Eisenbahnverkehr in Berlin bon 1896 bis 1902 enthielt, zur Veröffentlichung. In dieser Arbeit werden in vier Hauptabteilungen die Berliner Wohnungsverhältnisse nach allen Richtungen hin behandelt. Betrachten wir danach die Verhältnisse in Berlin etwas eingehender, so finden wir, daß in 1900 in Berlin 25 490 und in den 23 Nachbargemeinden 12 898, im ganzen also 38 388 bebaute Grundstücke vorhanden waren. Die Behausungsziffer, d. h. die Zahl der Einwohner pro Grundstück, war bei der im Ver hältnis zum Bevölkerungszuwachs geringen Zunahme der bewohnten Grundstücke gegen früher wieder beträchtlich gestiegen. E3 ergibt sich als durchschnittliche Behausungsziffer für Berlin 77 Einwohner pro Grundstüd. Diese Durchschnittsziffer gibt aber durchaus kein richtiges Bild der bestehenden Verhältnisse. In der inneren Stadt findet eine andauernde Abnahme der Behausungsziffer statt, einmal durch den Fortfall von Grundstücken infolge von Straßenverbreiterungen und Durchbrüchen, sodann durch die immer wachsende Verwendung von ganzen Gebäuden oder dem größten Teil derselben zu Geschäftsräumen. Auch ist zu berücksichtigen, daß in den reichen Bierteln des Tiergartens und der Friedrich Wilhelmstadt die Häuser nur von 2-3 Familien bewohnt werden und auf solche Weise auch den Durchschnitt senten. Der Durchschnitt der Behausungsziffer innerhalb einzelner Stadtteile ist daher weit ungünstiger, als die Durchschnittszahl für Berlin. Die Durchschnittsziffer betrug in der Tempelhofer Vorstadt 92,8; im Stralauer Viertel 102,6; in Moabit 103,1; in der Rosentaler Vorstadt 113,2; in der Luisenstabt 116,0. Die Grundstücke mit 152-200 Bewohnern zeigten feit 1875 allein eine Zunahme von 186 Bros., die mit mehr als 200 Bewohnern sogar eine solche von 242 Proz. Mit diesen fürchterlich hohen Behausungsziffern, welche die ungeheuren Nachteile des bei uns durchgeführten Systems der Mietstafernen flar erweisen, steht Berlin weitaus an der Spike aller deutschen Großstädte. Es folgt in weitem Abstande Breslau mit 52,8; München mit 36,6; Magdeburg mit 36,3; Hamburg mit 35,6; Leipzig mit 35,3; Dresden mit 35; Stuttgart mit 23,2; Mannheim mit 21,9; Frant furt a. M. mit 20,5; Straßburg mit 18,0; Köln a. th. mit 16,1; Lübeck mit 10,1. zugenommen. Donnerstag, den 6. Oktober 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Gesundheit und Behagen zugefügt ist. Dr. Voigt berechnete in Die leerstehenden Wohnungen machten im Jahre 1890 8,13 seinem bekannten Werk Ueber die Grundrente in Berlin und den Prozent sämtlicher Wohnungen aus. Im Jahre 1895 stieg diese Zahl Vororten" bei Einfeßung von nur Minimalzahlen, daß für Charlottenburg im Jahrzehnt 1887-1897 der Bodenmert um mehr als eine viertel Milliarde gestiegen ist. Da gleichzeitig die Bebölkerung um etwa 100 000 Stöpfe gewachsen war, so hatte jede neu hinzugekommene Person den Charlottenburger Grundbefizern einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 2500 M. gebracht; jede sechsföpfige Familie hat die Charlottenburger Grundbefizer in zehn Jahren um durchschnittlich 15 000 m. bereichert." auf 5,58 Proz., um Ende 1900 auf 0.44 Proz. zu fallen. Seitdem ist der Anteilsatz der leer stehenden Wohnungen an der Zahl der Wohnungen überhaupt nur unwesentlich gestiegen; er betrug am 1. Januar 1902 0,60, 1. Januar 1903 0,99, 1. Januar 1904 1,08 Pros. Die Wohnungen mit nur einem heizbaren Zimmer mit oder ohne Bubehör mit Einschluß derjenigen ohne heizbares Zimmer machten 1900 in Berlin 50,38 Proz. aller Wohnungen aus und 43,64 Proz. Interessant find ferner die Tabellen, in denen die bewohnten der Bevölkerung waren in solchen Wohnungen zu leben gezwungen. Grundstücke nach der Befißzeit der Eigentümer flaffifiziert werden. Die riesige Steigerung der Mietspreise insbe Bekanntlich hält die preußische Regierung das Privileg der Haus- fondere für kleine Wohnungen zeigt eine Tabelle, in welcher der ge= befizer, d. h. die Bestimmung der Städte- Ordnung, daß mindestens forderte Mietspreis pro Wohnung in den leerstehenden Wohnungen die Hälfte der Stadtverordneten Hausbefizer sein müffen, allen ohne Getverberäume aufgeführt ist. Es tostete eine Wohnung ohne anderen Nachteilen zum Troh noch immer aufrecht, weil auch diese Bimmer in 1901 100,86 m., in 1902 100,14 m., in 1903 118,71 Bestimmung sich als eine Schuhwehr gegen das Eindringen von Mart, in 1904 173,75 M.; mit einem Bimmer in 1901 178,75 W., Sozialdemokraten in die Kommunalvertretungen erweist. Noch am in 1902 205,71 m., in 1903 216,22 m., in 1904 220,08 m.; 17. Januar 1902 erklärte der Finanzminister v. Rheinbaben im mit zwei Zimmern in 1901 352,33 m., in 1902 410,25 M., in preußischen Abgeordnetenhause:" Wir können die Haus- und Grund- 1903 425,25., in 1904 423,12 m. Eine Familie mit Kindern besizer in städtischen Behörden nicht entbehven, weil sie das stabile müßte, wenn sie den Geboten der Sittlichkeit und Hygiene ent= und erhaltende Element sind." Die Tabellen zeigen nun, daß diese sprechend leben will, eine Wohnung haben, die mindestens aus Auffassung in den tatsächlichen Verhältnissen keine Stüße mehr hat, süche und zwei Zimmern besteht. Nach allgemeiner Auffassung gilt daß 1900 in Berlin über die Hälfte sämtlicher bewohnten Grund eine Wohnung dann als zu teuer, falls der betreffende Mieter stücke seit weniger als 10 Jahren in der Hand desselben Befibers mehr als den sechsten Teil seines Ginkommens für die Miete auswaren; zirka drei Viertel noch nicht 17 Jahre und nur wenig mehr zugeben hat. In dem Erlaß des sächsischen Ministeriums des als ein Fünftel über 20 Jahre. Innern vom 31. März 1903 an die sächsischen Gemeinden hat die Die Zahl der vermieteten Wohnungen wurde am sächsische Regierung diese allgemeine Auffassung zu der ihrigen 1. Dezember 1900 auf 470 057 festgestellt. Von diesen waren gemacht. Legt man diese Normen zugrunde, so müßte also eine 245 675 Vorderwohnungen, also 52,26 Broz., 224 035 Sinter Familie mit Kindern, die eine entsprechende Wohnung bewohnen wohnungen, also 47,67 Proz., und von den restlichen 347( 0,07 will, ein Einkommen von 6mal 423 M., b. h. bon 2538 M. pro Prozent) war die Wohnungslage unbekannt. Die Borderwohnungen Jahr haben. In Wirklichkeit aber haben von den 796 449 physischen dienten 985 177 Einwohnern oder 53,91 Proz. der Bevölkerung, Bersonen, die im Etatsjahr 1902/1903 beranlagt worden sind, die interwohnungen 841 273 oder 46,04 Proz. der Bevölkerung 364 066 Personen unter 900 M. Ginkommen und 370 020 Personen als Haufung. Die Schäden der Berliner Mietstasernen zeigt auch ein Einkommen zwischen 900 und 2400 M. 93 Proz. der Be die Tatsache, daß in Effen, Chemniz, Stuttgart und Görlitz auf völkerung müssen sich also mit einem Einkommen begnügen, das 1000 benutzte Wohnungen noch nicht 100 interwohnungen, in unter 2400 2. sich bewegt! Barmen, Kiel, Hannover, Altona, Lübeck, Karlsruhe, München und Salle a. G. noch nicht 200, in Posen 316, in Magdeburg 356, in Charlottenburg 420 und in Berlin wie oben gezeigt 477 Hinterwohnungen entfallen. Liese aus der Fülle des überreichen Materials herausgegriffenen Bahlen werden genügen, die Behauptung zu erhärten, daß das ohnungselend in Berlin unverändert fortbauert und einen erschrecklichen Grad erreicht hat. Mit dem früheren so einfachen und Bimmer wurden am 1. Dezember 1901 in Berlin 973 968 ge- bequemen Einwand der Hausagrarier, die Wohnungsverhältnisse zählt; von diesen gehörten zu Borderwohnungen 654 865, b. b. feien gar nicht so schlecht, auch die unbemittelte Bevölkerung wohne 67,3 Proz. Die Durchschnittszahl der Zimmer pro Wohnung fant wenigstens in der Mehrzahl ganz behaglich, nur die Sozialdemokratie von 2,15 im Jahre 1890 auf 2,11 im Jahre 1895 und auf 2,07 hebe und schüre die Unzufriedenheit auch auf diesem Gebiete, ist es im Jahre 1900; für dieselben Jahre betrug die Durchschnittszahl der nun vorbei. Die amtlichen Ziffern reden eine zu deutliche heizbaren Zimmer pro Wohnung bezi. 1,97, 1,95 und 1,94 und und eine unanfechtbare Sprache. Der Wahrheit aber die der nicht heizbaren Zimmer bezw. 0,17, 0,15 und 0,15 Broz. die Ehre zu geben, einzugestehen, daß KommunalvermalBei den Familienmitgliedern des Haushaltungsvorstandes und tungen, Spetulantentum und Sausagrarier feit den sonstigen Haushaltungsgenossen betrug die Zunahme in dem langem ich to er gesündigt haben, und, entschlossen den Weg Jahrfünft 1895 bis 1900 nur 11,8 Proz., dagegen bei den Ein- durchgreifender Reformen zu betreten, das ist von den starren mietern und Chambregarnisten 14,4 und bei den Schlafleuten 24,4 Interessengruppen, um die es sich hier handelt, natür Prozent. Der Bericht knüpft an diese Zahlen mit vollem Recht lich nicht zu erwarten. Erst wenn es dem Proletariat die Bemerkung: Also gerade in der sittlich und hygienisch un- gelungen sein wird, die Schranken des Dreiklassen. günstigsten Art der Hausung, in den Schlafstellen, war die Zunahme ahlrechts zum Landtag und zu den Kommunalbertretungen am stärksten. Auf 1000 Bewohner tamen im Durchschnitt der niederzureißen, erst dann wird die Bahn frei sein, wenigstens ganzen Stadt 81,9 Chambregarnisten und Schlafleute, doch ist auch die schlimmsten Auswüchse des heutigen Wohnungselendes zu behier zu bedenken, daß diese Durchschnittsziffer tein richtiges Bild feitigen. gibt, steigt doch der pro Mille- Anteil in den ärmeren Stadtteilen auf 120 bis 130. Politifche Ueberlicht. Berlin, den 5. Oktober. Bon 1000 Wohnungen entfielen auf Wohnungen mit feinem heizbaren Zimmer 14,4, mit einem heizbaren Zimmer 490,1, mit zwei heizbaren 281,3. Von 1000 Einwohnern wohnten in Wohnungen mit keinem heizbaren Zimmer 8,4, mit einem heizbaren Der große Monarch und der Kleine Monarch. Bimmer 480,0, mit awei heizbaren Zimmern 307,4. Von 1000 Die Weltbegebenheit des Lippeschen Erbfolgeftreites tritt in ein Wohnungen ohne Gewerberäume hatten nur Küche 8,2, nur unheiz- neues Stadium. Bisher interessierte die Sache etwa, wie die Bebares Zimmer 4,5, ein heizbares Zimmer 510,4, zwei heizbare trachtung eines mittelalterlichen Burggemäuers heutige Menschen in 274,1. Von 1000 Bewohnern der Wohnungen ohne Gewerbe- längst überlebte Zeiten versetzt. Man betrachtete lächelnd die gegenräume bewohnten solche mit nur Küche 3,7, mis unheizbarem Zimmer feitigen Vorhaltungen der sich erbberechtigt glaubenden Linien im 3,4, mit einem heizbaren Zimmer 452,7, mit zwei heizbaren Streit über die Ebenbürtigkeit der bor anderthalb Jahrhunderten verBimmern 302,4. " Einen zweiten Maßstab zur Vergleichung der Be bölkerungsdichtigkeit auf den Grundstücken bietet die An- Was die überbölterten Wohnungen betrifft, so hat storbenen Ahnherrinnen. Man gewahrte staunend die Schwierig zahl der auf ein Grundstück entfallenden Wohnungen. In 1900 man, wie unser Bericht befagt, in den Berliner Volkszählungs- feiten, den rechten Mann von Gottes Gnaden ausfindig zu machen. famen auf ein Grundstück in Berlin 19,21 bewohnte Wohnungen. Im berichten bisher zwischen mäßig und start übervölkerten Wohnungen Nun aber rückt die Angelegenheit zwar nicht über das Mittelalter, Bergleich mit den vorangegangenen Volkszählungsjahren entfielen auf unterschieben und zu ersterer Gattung alle Wohnungen mit mehr aber doch hinaus über das Gebiet der monarchistischen Wunderlichein bewohntes Grundstück Wohnungen: 1900 19,21; 1895 17,62; als zwei Bewohnern pro heizbares und mehr als einem Bewohner teiten, an denen die seltsamen Verfassungsverhältnisse des„ ewigen 1890 17,02; 1885 15,52; 1880 13,87; 1875 12,79. Es hat dem- pro nicht heizbares Zimmer oder Küche gerechnet, zu den stark Bundes" der deutschen Staaten so reich sind. Der deutsche Kaifer nach die Wohnungsziffer pro Grundstüd seit 1875 um rund 50 Broz. überbölterten Wohnungen alle mit mehr als vier Bewohnern auf das hat mit seiner Autorität und mit seinem Machtgebot in den Lippeheizbare und mehr als zwei auf das nicht heizbare Zimmer, fowie Streit von neuem eingegriffen. Die Tabellen über die Gebäude nach der Stodwerkzahl mehr als einem Bewohner auf die Küche. Nach diesem Maßstabe zeigen, daß die den Typus der Mietstaferne vertretenden Wohn- würden in 1900 283 pro Mille( 133 260 Wohnungen) den mäßig Als jüngst Graf Ernst verstarb, wurde das Ableben dieses gebäude mit 5 und mehr Stockwerken, die in Berlin leider die Regel bevölferten und 59 pro Mille( 23 751 Wohnungen) den start über- Herrschers in den offiziösen Blättern der preußischen und der Reichsbilden, ihr Marimum mit 84 Prog. sämtlicher Wohngebäude im völkerten Wohnungen zuzurechnen sein, während vom Tausend der regierung stillschweigend übergangen, als habe es sich um einen Stralauer Oftviertel erreichten; nur wenig blieben hinter diesem Belwohner 401 auf die erstere und 99 auf die zweite Kategorie ganz beliebigen Sterblichen gehandelt oder als seien die RegierungsAnteilsage zurüd, die östliche Tempelhofer, die nördliche Rosentaler entfielen. Jetzt wird als übervölkert jebe aus nur einem Wohnraum offiziösen unter die Republikaner gegangen, die für Hof- und Vorstadt sowie der Westen von Moabit. Bon 1000 Wohngebäuden bestehende Wohnung mit mehr als vier und jede aus zwei Wohn- monarchische Angelegenheiten fein Verständnis befizen. Erst spät auf bewohnten Grundstüden hatten in 1900 nicht weniger als 857 räumen bestehende Wohnung mit mehr als neun Bewohnern gefam der Reichs- Anzeiger" mit einer dürftig trockenen, Melbung. vier und mehr Stocwerke. Die Tabellen ergeben ferner, daß in- zählt. Wohnungen der erstgenannten Art gab es 1900 in Berlin Bei der Beerdigung des Verstorbenen war teine Vertretung des folge der durch die königliche Regierung zu Potsdam erlassenen Be. 1378 mit 7815 Belohnern, solche der zweiten Gattung 388 mit bauungsordnungen für die Vororte Berlins die in Berlin typische 4028 Bewohnern, sodaß im ganzen 11 848 Bewohner oder 6,4 pro preußischen Königs anwesend und von einem fonft üblichen und das Mietstaserne leider auch in der Mehrzahl der Nachbargemeinden Mille der Bevölkerung in so überfüllten Wohnungen hausten. Mindestmaß monarchischer Solidarität bekundenden Beileidsschreiben fich bereits eingebürgeri hat. Nur in den noch ländlichen Vororten Die auf den 25 225 Berliner Grundstücken mit fertigen Ge- ward nichts vernommen. Nunmehr aber zeigt sich, daß gleichwohl Hohen- Schönhausen und Heinersdorf fowie in Schönholz gab es bäuden gezählten Wohnungen und Gelasse, ausschließlich ber An- ein Telegramm ergangen ist, das aber zunächst weber das Wolffsche in 1900 noch feine Wohngebäude mit mehr als drei Stockiverken. ftalten, repräsentierten einen Mietwert von 374 422 630 W. Telegraphenbureau im Auftrage der Berliner Regierungsstellen, noch In Nieder- Schönhausen, Plößensee, Grunewald, Reinickendorf, während der Gesamtwert einschließlich der 236 Anstalten 381 488 452 Starlshorst und Weißensee war die Anzahl der vier und mehr- Mart betrug, sodaß ein Grundstück im Durchschnitt 15 128 M. Miete die Empfänger des Telegramme in Detmold zur Veröffentlichung stödigen Wohngebäude noch gering. Dagegen betrug diefe Gebäude- brachte. Die Miete pro Stopf der Bevölkerung betrug in Berlin für zu bringen wagten. Welche Ratlosigkeit in den offiziösen Kreisen tlaſſe in Rummelsburg, Tempelhof, Friedenau und Lichtenberg bald eine Kellerwohnung 71 M., für eine Erdgeschoßwohnung 103 m., gegenüber diesem Telegramm geherrscht hat, wird aus der 50 Broz., und bildete in Wilmersdorf, Charlottenburg, Rigdorf und für eine Hochparterrewohnung 192 M., für eine Wohnung im Halb- Eigenart seines Inhalts einigermaßen verständlich. Das Telegramm Schöneberg die Regel. In lekterer Stadt übertraf der Anteiljak stod 85 W., im ersten Stock 144 M., im zweiten 131 W., im lautete: dieser Gebäude mit 86 Proz. sogar den Durchschnitt von Berlin. britten 108 m., im vierten 88 M., im fünften 67 M., und für eine Die Möglichkeit, durch die Errichtung hoher Mietstafernen den Wohnung überhaupt 116 M. Ein heigbares Bimmer kostete im Grund und Boden bis zum äußersten auszunuzen, die durch den Durchschnitt von Berlin 236 M. Auch mit diesen Preisen marschiert Erlaß jener Bebauungsordnungen gegeben war, entfachte natürlich Berlin an der Spike in Deutschland. So fostete in Dresden ein fofort eine wilde Grundstücksspekulation und underte von heizbares Bimmer einer Mietwohnung durchschnittlich 204 W., in anillionen mühelosen Gewinn es wurden auf solche Königsberg i. Pr. 185 M., in Hamburg 181 W., in Breslau 164 Weise den Grundbesigern in den Schoß geworfen, während für unab- Mart, in Leipzig 163 M., in Altona 158 M., in Mainz 150 M., febbare Zeiten den Hunderttausenden von Menschen, die in den in Chemnitz, Lübeck, Düsseldorf und Strakburg zwischen 145 und 20tetstafernen au leben gezwungen sind, der größte Schaden an 110 Rominten, 26. 9. 1904, 6,56 Nm. Graf Lippe- Biesterfeld Detmold. Spreche Ihnen mein Beileib zum Ableben Ihres Herrn Vaters aus. Da die Rechtslage in feiner Weise aufgeklärt ist, fann ich eine Regentschaftsübernahme Ihrerseits nicht anerkennen und lasse auch das Militär nicht vereidigen. ( gea.) Wilhelm, I. R. Diese Einmischung des Kaisers in die Lippesche Thronfolgefrage| vom 26. vorigen Monats und spricht ihr jede Berechtigung und ver- 1 Heizer Brennförder von der 1. Kompagnie der zweifen Werft zeigt zunächst das große Jntereffe, das er der Angelegenheit schenkt. bindliche Straft ab und macht ihr zum Vorwurf, daß sie gegen die Division hatte sich wegen Urlaubsüberschreitung, Ungehorsam gegen Das Jnteresse ist begreiflich. Nicht etwa deswegen, weil der Grundlagen der Reichsverfassung verstößt. Die Regierung bittet einen Befehl in Dienstsachen, Achtungsverletzung und Bedrohung Schaumburger Thronanwärter, der seine Ansprüche gegen wollen und des weiteren in Gemeinsamkeit mit ihr dahin zu wirken, Garnisonurlaub ganz erheblich überschritten, da er nun noch oben den Landtag, sich dem Protest an den Bundesrat anschließen zu eines Vorgesetzten zu verantworten. B. hatte am 23. Juli feinen den Graf- Regenten Leopold erhebt, der Schwager des Kaisers daß im Wege der Reichsgesetzgebung ein neuer unparteiischer neuer brein angetrunken in die Kaserne kam, erhielt er den Befehl, ist, sondern weil natürlicherweise die geordnete Folge auf deutschen Gerichtshof geschaffen werde, um die Thronfolgerfrage auf eine alle auf der Mannschaftsstube zu bleiben. Diesem Befehl kam er nicht Thronen für den preußischen König und deutschen Kaiser eine ge- Beteiligten bindende Weise zur Entscheidung zu bringen. nach, sondern kneipte in der Kantine weiter. Man brachte nun den wichtige Angelegenheit bedeutet. angetrunkenen Mann auf die Mannschaftsstube zurück und gab ihm erneut den Befehl, jetzt diese Stube nicht mehr zu verlassen. Die Geister des Alkohols hatten aber den Mann schon so ergriffen, daß er sich in seiner Erregtheit hinreißen ließ, drohend einen Schemel zu ergreifen und die alberne Redensart auszustoßen:„ Wer mich anfaßt, ist eine Leiche!" Glücklicherweise besaß der Mann noch so viel Selbstbeherrschung, daß er Tätlichkeiten nicht beging. So begreiflich aber diese Anteilnahme des Kaisers am Lippeschen Erbfolgestreit, so fordert sein Eingreifen gleichwohl auch diejenigen zu einigen Betrachtungen heraus, welche die geschichtliche Bedeutungslosigkeit monarchistischer Ebenbürtigkeitshistorien kennen. Die einleitenden Worte des Telegramms, die dem Sohne des verstorbenen Regenten das Beileid des Kaisers aussprechen sollen, find nicht ganz so intim und warmherzig, wie es sonst unter Monarchen geübt wird. Sie erscheinen wie ein unvermeidlicher Uebergang, um das zu sagen, was die weiteren Sätze des Telegramms enthalten. Doch das Maß des Beileids ist Sache persönlicher Neigung oder Abneigung. Die Deffentlichkeit geht nur die verfassungsrechtliche Seite der Angelegenheit an. Verfassungsrechtlich aber sind bekannt lich der König von Preußen, der König von Bayern, der Großherzog von Baden und so fort alle deutschen Bundesfürsten, auch der Fürst des winzigen Lippe Gleichberechtigte. Wenn auch einst Preußen als die stärkere Macht Throne umriß und Länder annektierte, so beruht doch die jetzige Reichsverfassung auf der Gleichberechtigung der feierlich verbündeten deutschen Fürsten. Dennoch scheint auch jetzt die formale Gleichberechtigung gottbegnadeter Fürsten von dem freien Walten irdisch realer Kräfte gefährdet zu sein. Der große das ist Eine zweite Vorlage enthält eine Abänderung des§ 3 des Gesetzes betreffend die Einſegung einer Regentschaft aus Anlaß des Todes des Fürsten Waldemar vom 26. April 1895. Absatz 4 dieses Gesetzes erhält folgende Fassung: Im Falle des Ablebens seiner Durchlaucht des Fürsten Alexander wird die Regentschaft von dem Grafen Leopold von Lippe- Biesterfeld bis zur endgültigen Entscheidung der neuen Thronstreitigkeit fortgesetzt. In seiner Begründung hob Staatsminister Gevekow et G Im Interesse der Aufrechterhaltung der Disziplin im Heere" hervor, daß die Staatsregierung mit Bedauern von dem Telegramm erhielt der Mann für diese Dummheiten, die er im angetrunkenen, des Kaisers Kenntnis genommen habe. Bei aller Untertänigkeit zustande ausgeführt hatte, ein Jahr drei Monate Gefängnis. Wie habe er dennoch namens der Regierung zu erklären, daß die Re- viele Mißhandlungen müssen erst begangen werden, um ein gierung fest und unverbrüchlich an dem Landesgesetz, das die Regent solches Strafmaß herbeizuführen? schaft des jetzigen Regenten Grafen Leopold festlege, festhalte. Dieses Halle a. S. Graf Nikolaus Püdler, Major z. D., wurde Gesetz sei auf durchaus verfassungsmäßige Weise zustande gekommen hente von dem Ober- Kriegsgericht von der Anklage der sequenzen zu bestreiten. Der Kaiser habe kein Recht, sich in die des Kriegsgerichts hatte auf sechs Monate Gefängnis und Dienstund niemand habe das Recht, diesem Gesetz seine materiellen Kon- widernatürlichen Unzucht(§ 175) freigesprochen. Das Urteil Lippesche Landesgesetzgebung einzumischen. Seine Kundgebungen entlassung gelautet. hätten für den Staat Lippe keine verbindliche Kraft. Die Staatsregierung erwartet vom Bundesrat, daß er gegen eine Ver- Majestätenschutz. Vom Landgericht München II wurde der gewaltigung Lippes sein werde und daß er sehr bald einen un- Maurer Sebastian Schuhnagel wegen Beleidigung des Regenten parteiischen Schiedsgerichtshof schaffen werde, der die Thronfolge- von Bayern und wegen Körperverlegung zu einer Gesamtstrafe von 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Beschuldigte stieß frage in gerechtem Sinne zur Entscheidung bringen werde. Auf Antrag eines Abgeordneten wird die Vorlage an eine Kom- am 25. Juli im Gasthofe" Zur Post" in Seeshaupt hier nicht miffion gewiesen. Die Kommiſſion tagt morgen und Freitag findet wiederzugebende Beleidigung gegen das Haus Wittelsbach aus und eine neue Sitzung des Landtages statt und zwar nicht in Detmold, brachte die Person des Regenten in Verbindung mit dem Tode des sondern in Lage. Dort werden die Vorlagen zur Verabschiedung Königs Ludwig. Wegen seines Benehmens an die Luft befördert, tommen. warf er den Hausknecht zu Boden und mißhandelte ihn derart, daß er längere Zeit in ärztlicher Behandlung stand. Schuhnagel vermochte auf die Anklage keinerlei Antwort zu geben, da er damals sinnlos betrunken gewesen sei. Die Zeugen bestätigten auch starke, Am Sonntag, Montag und Dienstag tagte hier die XVI. All- aber nicht sinnlose Trunkenheit. Trotzdem erkannte das Gericht auf die Regentschaftsübernahme nicht anerkennen wollen. Man kann sie gemeine Konferenz der deutschen Sittlichkeitsvereine". Die eingangs erwähnte Strafe, setzte aber die Verhandlung wegen bestreiten und ein besonderes Gericht fordern, wie es unter Vorsitz Die drei Dutzend evangelischer Bastoren, die unter diesem volltönenden weiterer ihm zur Last gelegter Beleidigungen des Deutschen Kaisers des Königs von Sachsen über den Anspruch des Vaters des jezigen Namen zusammengekommen waren, um deutsche Zucht, Ordnung aus. Regenten getagt und zu dessen Gunsten entschieden hat, aber man kann nicht von vornherein die Anerkennung verweigern, als wäre bereits zuungunsten des Regenten und zugunsten des Schaumburger Prätendenten entschieden. Nichts anderes besagt aber das Telegramm des Raisers, indem es zugleich die Vereidigung des Militär Monarch verweigert dem kleinen die Anerkennung der Sinn des Telegrammis. Diese Verweigerung kann jedoch nach deutschem Staatsrecht als rechtlich zulässig nicht gelten. Graf Ernst ist Regent in Lippe fraft erwiesenen und von der Regierung des Landes in Uebereinstimmung mit der Volksvertretung anerkannten Rechtes. Niemand kann daher auf den neuen Landesherrn ablehnt. 3 Heinze- Männer. Köln, 4. Oftober.( Eig. Ber.) Der nordschleswigsche Kurs vor Gericht. Ueber den die schleswigschen Zustände kennzeichnenden Prozeß gegen Pastor Jacobsen wird uns in Ergänzung der gestrigen telegraphischen Meldung geschrieben: und Sitte zu retten, nahmen sich in ihrer Rolle als Weltverbesserer recht wunderlich aus. Im selben Atem, wo sie sich aufspielen, als ob von ihnen das Heil der Zukunft abhinge, müssen sie eingestehen, daß sie trotz allen Lärmens so gut wie nichts erreicht haben.„ Die sittlichen Zustände der Gegenwart erinnern an die Zeiten des untergehenden Griechenlands, ja an Sodom und Gomorrha" Die Flensburger Straffammer hatte sich am 3. und flagte Pfarrer Weber( M.- Gladbach), der Führer der Sittlichkeits- 4. Oftober in vielstündigen Verhandlungen wieder einmal mit der Als die Nachricht zuerst eintraf, daß die in Detmold garnis vereinter. Prinzipiell stehen wir beständig vor dem Nichts. Wo bankerotten Hauptstüye des Köllerkurses, dem ehemaligen Pfarrer fonierenden Truppen nicht auf den neuen Landesherrn vereidigt findet sich der reiche Mann, der uns mit einer großen Gabe aus der Jacobsen aus Scherrebek, zu befassen. Pastor Jacobsens Spe werden sollen, mußte zunächst vermutet werden, der preußische kläglichen Lage heraushilft? Wenn etwas unter aller zialität war es, die„ nationale" Sache in Nordschleswig durch ge Kriegsminister habe die Soldaten in die peinvolle Lage ge- en Zeute zu, haben, sonst aber nicht. Es ist 1896 die Kunstwebeſchule, e. G. m. H., in Scherrebek ins Leben. höchster Protettion stattfindet, dann sind die schäftliche Gründungen zu fördern. So rief er 1890 die Kreditbank, bracht, des Landesherren entbehren zu müssen. Wenn morgen in Lippe- Detmold die Revolution ausbricht, so ist das Militär nicht anderen Gelegenheit. zum verzweifeln!" so jammerte der fromme Herr bei einer In beiden Instituten war der eifrig für Köllers Germanisierungseinmal verpflichtet, seinem Landesherren Schuß zu leisten. Jezt aber politit, u. a. auch als„ nationaler" Reichstagskandidat wirkende Geistliche, Wenn allerdings die Rettung des Vaterlandes von der Opfer- obwohl er, wie die späteren gerichtlichen Verhandlungen ergaben, von zeigt sich, daß der Kriegsminister ebenso wenig an diesem willigkeit der besseren" Kreise abhängig ist, dann sieht es traurig geschäftlichen und technischen Dingen nichts verstand als betrügerische Telegramm beteiligt war wie der Reichskanzler Graf Bülow. Das aus. Der Kassenbericht der Konferenz weist auf eine Einnahme von Manipulationen zur eigenen Bereicherung, Hauptmacher und bis zu Telegramm entbehrt der ministeriellen Gegenzeichnung. Es 37 000 M.; davon rühren 23 000 m. aus Kollekten her, im übrigen ihrem Zusammenbruch Vorsitzender des Aufsichtsrats. Die Kunstist ergangen als eine persönliche Handlung des Koijers, es enthält haben beigesteuert 18 Sittlichkeitsvereine 1848 m., 266 Kirchenvor- webeschule, die als nationales Unternehmen von der Regierung aber eine über alles Persönliche hinausgehende staatsrechtliche Stände 3015 M., 48 Missionsvereine 2600 M. und acht Re- finanziell unterstützt wurde, hatte bereits im Jahre 1901 eine UnterWeisung. Es ist daher nicht nur gierungen inhaltlich, sondern auch 725 M. Jede Regierung hat sich also durch bilanz von 13 000 m. Jacobsen und seine Gehülfen verstanden es in der Art seiner Ausfertigung nicht in liebereinstimmung schnittlich die Rettung deutscher Zucht und Sitte 90 W. Kosten lassen. aber, sie durch Fälschung und Verschleierungen der Bilanzen bis Die sächsische tegierung hat jede Unterstüßung abmit den Vorschriften der Verfassung. Der Kaiser über- gelehnt; wahrscheinlich verzweifelt sie unter dem Gindrude zum April 1903, wo der Konkurs über sie verhängt wurde, aufrecht zu erhalten. Die Regierung ließ dann Jacobsen fallen, und er fah, daß er nicht eine Person wie andere, sondern gewisser Hofereignisse an der Besserung dieser Welt! daß er staatsrechtlich gebunden ist ant die Gegen- Es ist gewiß mit der Sittlichkeit unter der vielgerühmten christ- wurde in Sachen dieser seiner zweiten Gründung am 27. Juni d. J. zeichnung verantwortlicher Minister, gegen die sich die Kritit freier lichen Weltordnung nicht weit her, aber in den Augen der gesalbten wegen Vergehens gegen das Genossenschaftsgesez und Betruges zu richten kann, als gegen das Staatsoberhaupt, das sich des Schutzes Männer Gottes ist die Welt noch zehnmal schlechter, als sie wirklich zwei Monaten Gefängnis verurteilt. iſt. Das Harmloseste und Ungefährlichste ist ihnen Laster und durch besonderen Majestätsparagraphen erfreut. So ist das erneute Sünde.„ Denn es heißt in der Bibel" usw.; und den Fluch Gottes Eingreifen des Kaisers in die Lippesche Thronstreitigkeit ein neuer sehen sie in der kleinsten Abweichung von der hergebrachten Ordnung. Att seines schnellen Geistes, der sich in früheren Aeußerungen schon oft verriet, die wiederholt zu lebhaften Diskussionen führten. Gewichtige Probleme beginnen das deutsche Bolt zu belasten. An den Höfen raunt es geschäftig, der Tiefsinn der Staatsrechtslehrer wird aufgeboten, die Zeitungen streiten erregt, gewaltig türmen sich monarchistische Sorgen! So leitet Modeste v. Unruh, die Ahnfrau von Lippe, die deutsche Zukunft. Bereits hat die Regierung in Lippe Stellung gegen das Telegramm des Kaisers genommen, und der Landtag, der auf Mittwoch einberufen wurde, wird sich gleichfalls heldenhaft vor den jezigen Regenten stellen. In der dem Landtage übergebenen Vorlage wird erklärt: Am Montag und Dienstag dieser Woche wurde nun über die erste, umfangreichere„ nationale" Gründung Jacobſens, die Scherre andere Stüge der Germanisierungspolitik, der frühere Gendarm beker Kreditbank, zu Gericht geſeſſen. Neben Jacobsen faß eine unverstand und Entrüstung sind ihre Argumente, Kirchenzucht und andere Stüge der Germanisierungspolitik, der frühere Gendarm, Polizei ihre Erziehungsmittel. Aber so feinhörig sie sind den nachmalige Hotelier und„ Bankdirektor" Lassen in Scherrebet, auf fleinen Sünden der Masse gegenüber, so unempfindlich sind sie gegen der Anklagebant. Beide werden beschuldigt, als Vorstandsmitglieder der Kreditbank in den Bilanzen vom Jahre 1900 und 1901 den die großen wirtschaftlichen Schäden der Zeit, die Grundursache aller Stand der Verhältnisse der Genossenschaft wissentlich un Unittlichkeit. Nur ganz obenhin wurden einmal die Wohnungsverhältnisse gestreift, und eine Frau mußte die eifernden Pastoren richtig dargestellt, ferner fortgesetzt in den Jahren 1898 bis daran erinnern, daß bei der Prostitution doch auch die miserablen 1903 das Vermögen der Bank durch Vorspiegelungen falscher Löhne der Arbeiterinnen als einer der Gründe erwähnt zu werden und Unterdrückung wahrer Tatsachen geschädigt zu haben, um dem Angeflagten Jacobsen einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verdienten. Recht bezeichnend für die Männer der Wahrheit war der Um- verschaffen. Jacobsen war von der Gründung der Bank( 2. Mai 1890) also noch stand, daß der Referent über die Sittlichkeit im Heere sich ausbedang, an bis zu feiner Amtsniederlegung im September 1903 daß seine Ausführungen als vertraulich zu betrachten seien und nichts nach dem Konkurs der Webeschule!- Borstandsmitglied der Bank. davon in die Preffe fäme. Und doch bemühte sich der Redner, Er hatte die Bank gegen eine jährliche Remuneration nach außen Der Tod Seiner Erlaucht des Grafen Ernst zur Lippe- eine große Erziehungsanstalt zur Sittlichkeit hinzustellen. Militäroberpfarrer Bock( Münster) nach Kräften, das Heer als zu vertreten, Lassen hatte die Geschäfts- und Rechnungsführung bei einem Gehalt von 3500 M., freier Wohnung usw. Pfarrer Biesterfeld, Regenten des Fürstentums Lippe, hat für das Land Weber nannte die deutsche Armee die fittlichste bon Aus den weitläufigen Verhandlungen, zu denen 35 Zeugen und eine so ernste lage geschaffen, daß die Staatsregierung es für allen; nur in der Marine stehe es mit der Sitt- drei Sachverständige geladen waren, ging hervor, daß in der ge ihre unabweisliche Pflicht hält, unverzüglich den Landtag zusammen- lichkeit sehr schlecht, aber das gehöre nicht hierher! schäftlichen Leitung der Bank ganz unglaublich liederlich gewirtschaftet zuberufen, um mit ihm die zur Sicherstellung der Landesinteressen Bei dieser Gelegenheit erfuhr man von einem der Redner, daß von Sicherheit, sondern lediglich auf die nationale Zuverlässigkeit" des wurde. Bei den Darlehen wurde nicht auf die geschäftliche erforderlichen Maßnahmen zu beraten. Der Ernſt dieſer Lage wird noch dadurch gesteigert, daß nach Berhütung der Infektion beim Geschlechtsver. Bewerbers gesehen. So befinden sich unter den einzelnen Poſitionen der Bider Marine- Verwaltung in Kiel amtlich ein Mittel zur amtlicher, gestern hier eingegangener Mitteilung die Regierung fehr empfohlen wird. Der Redner meinte, das heiße nichts lanzen, die der Reihe nach vorgenommen wurden, eine große Anzahl sodes Fürstentums Schaumburg- Lippe gegen die Uebernahme der weiter, als die jungen Leute der Unzucht in die Arme treiben. genannter fauler Forderungen", für die keine Zinsen gezahlt und Regentschaft durch den gegenwärtigen Regenten, Grafen Leopold zur Lippe- Biesterfeld, bei dem Bundesrate Protest er- Pfarrer Philipps aus Berlin hervor. Unter Berufung auf den ohne jede Sicherheit erhalten hatte, bekam noch 500 W. dazu bezahlt Als besonderer Eiferer tat sich auf der Sittlichkeitskonferenz feine Abträge geleistet wurden. Ein Domänenpächter, der 2900 M. hoben hat, und daß Seine Majestät der Kaiser auf die Allerhöchst- Nömerbrief nennt er die Somosegualität das größte mit der Weijung, er möge„ wegen seines unsympathischen Wesens demselben gemachte Anzeige von dem Tode des Graf- Regenten aller Laster; die Aufhebung des§ 175 bedeute Straffreiheit aus der Gegend verschwinden; trotzdem wurde der Poften in die und auf die Meldung von der Uebernahme der Regentschaft durch für die widernatürliche Unzucht. Die von Natur abnorm ver- Bilanz als Guthaben eingetragen. Der„ Bankdirektor" Lassen hatte, den Grafen Leopold zur Lippe- Biesterfeld zu erklären geruht hat, anlagten Homosexuellen gehörten in die Heilanstalten, die anderen als früherer Gendarm, von der Buchführung keine Ahnung; Jacobsen, diese Regentschaftsübernahme nicht anerkennen zu können.( Es folgt ins Buchthaus. Sehr richtig!" ertönte es von den Lippen der der gleichfalls vom Geschäft nichts verstand, unterschrieb die Bilanzen, der Wortlaut des Telegramms.) Diesen Vorgängen gegenüber steht die Fürstliche Staats- Römerbrief meistern wollen. christlichen Herren, die die Wissenschaft und Menschlichkeit mit dem ohne sie geprüft zu haben. Dadurch, daß die faulen Boften, die zum Teil beicächtliche Summen repräsentierten, als vollwertig regierung auf dem unerschütterlich flaren und festen Rechtsstandpunkte, daß alle Kundgebungen gegen die tution. Er verwirft die Bordelle und bie polizeiliche Kontrolle. ein Reingewinn herausgerechnet werden. Wenn Lassen von seinen Nicht minder radikal verfuhr Pastor Philipps gegen die Brost i= gebucht wurden, konnte in den Bilanzen für 1900 und 1901 noch Tatsache der Regentschaft Seiner Erlaucht des Grafen Leopold Nicht jedes Mädchen, das sich geschlechtlich vergaß, will er wie Schreiberit auf das Unzulässige solcher Prattifen aufmerksam ge zur Lippe- Biesterfeld nach Maßgabe der Lippeschen Landesgesetz- gnädig! bestraft wissen, aber wer gewerbsmäßig Unzucht treibt, macht wurde, pflegte er zu erwidern: Die müſſen mit gebucht gebung an und für sich eine rechtliche Wirkung nicht zu äußern gehört ins Arbeitshaus, dessen strenge Bucht allein heilen und werden, sonst würde die Bilanz zu schlecht" oder:„ Ein Reingewinn vermögen. Durch den Erlaß des Gesetzes vom 24. März 1898, bessern kann. Auf den leisen Einwurf der Frau Professor Kruten muß unter allen Umständen herausgewirtſchaftet werden". betreffend eine Abänderung des Regentschaftsgefezes vom burg, einer Frauenrechtlerin, ob man auch bedacht habe, wieviel 24. April 1895 haben Regierung und Landtag Fürsorge auf den Mädchen aus Not zur Prostitution getrieben würden, stammelte der jezt eingetretenen tiefschmerzlichen Todesfall getroffen, haben das Herr Pfarrer einige dunkle Worte, die bewiesen, daß er keine Ahnung Land vor neuen Erschütterungen bewahrt und hierbei in einer nach von dem Wesen der Dinge hat. Reichs- und Landesgesetzgebung schlechthin unanfechtbaren Zuständig= Das sind nun dieselben Leute, die morgen auf dem Kongreß teit gehandelt. Danach können Rechtsgültigkeit und Vollzug des zur Bekämpfung der unsittlichen Literatur" das Landesgesetzes vom 24. März 1898 durch keinen wie immer ge- große Wort führen und nach einer neuen Auflage der lex Heinze arteten Widerspruch gehemmt werden. schreien werden. Es ist gut, daß ihre Ohnmacht sich auf die Dauer Die Staatsregierung hält es dem Lande gegenüber für ihre ihrem Unverstand gewachsen zeigt. heilige Pflicht, gegen die in den Protesten sich aussprechende Rechtsauffassung, durch welche die Grundlagen der Jerichow. In einer Versammlung der Vertrauensmänner des Reichsverfassung in Frage gestellt werden, als- Bundes der Landwirte und der konservativen Partei wurde bald bei dem hohen Bundesrate die energischeste Ver- der Rittergutsbesizer v. Brauchitsch als Kandidat für die bevor wahrung einzulegen und stellt es dem Landtage an- stehende Reichstagswahl aufgestellt. Die nationalliberale heim, sich dieser Verwahrung anzuschließen und damit Kund- Partei hat dieser Kandidatur noch nicht zugestimmt, sondern wird gebungen der Nichtachtung Lippescher Landesgesetze zurück- am Sonnabend eine Versammlung in Burg abhalten, um wahrschein zuweisen lich eine eigene Kandidatur zu proflamieren. Weiterhin wird erklärt, daß der Graf- Regent in unbeug- Mandatsniederlegung wider Willen. famem Vertrauen auf sein gutes Recht doch sich bereit erklärt, meldet wird, hat der konservative Reichstags- Abgeordnete für den Wie aus Schwerin genochmals dem Urteile eines unparteiischen Gerichtshofes sich zu unterstellen"; als solches möge 2. Mecklenburger Wahlkreis Schwerin- Wismar, Regierungsdas Reichsgericht oder das preußische Kammergericht oder das rat Droescher sein Mandat niedergelegt. Die Kassierung gestellt wurde, geht aus folgenden Befundungen Jacobsens hervor, das Reichsgericht oder das preußische Kammergericht oder das dieses durch schlimmste Wahlunregelmäßigkeiten zustande gekommenen benen von dem Zeugen Landrat Becherer nicht widersprochen wurde. bayrische Oberlandesgericht bestellt werden. konservativen Mandats durch die Wahlprüfungskommission des Eines Tages habe ihm der Landrat von Apenrade mitgeteilt, die Detmold, den 5. Oktober. Der Landtag trat heute mittag zu für die Nachwahl die besten Aussichten. Reichstages war unzweifelhaft. Die Sozialdemokratie hat dänische Zeitung„ Dannewirke" solle von der Regierung angekauft sammen, um drei Vorlagen zu beraten, die aus Anlaß des werden. Die Regierung fönne aber mit Rücksicht auf die DeffentRegentschaftswechsels notwendig geworden sind. In einer Vorlage Ein überaus hartes Urteil fällte am Dienstag das Kriegsgericht lichkeit nicht selbst vorgehen. Deshalb solle die Kreditbank einprotestiert die Lippesche Regierung gegen die kaiserliche Kundgebung der zweiten Marine- Inspektion in Wilhelmshaven. Der springen. Jacobsen und der Landrat fuhren nach Berlin, kon Die Regierung gab sich die größte Mühe, das zusammenbrechende Schwindelgeschäft zu retten. Die Bank wurde im Jahre 1901, zu einer Zeit also, wo nach der Anklage und den Sachverständigen Gutachten Verschleierungen der Bilanz schon vorlagen, von einem staatlichen Revisor revidiert und unter staatliche Aufsicht gestellt. Landrat Becherer- Hadersleben, der im April 1901 der Regierung noch von der Gewährung einer staatlichen Beihülfe, um die Jacobsen und Lassen nachgesucht hatten, abgeraten hatte, weil die Lage der Bank sehr prefär sei, gibt als Zeuge an, daß er der Bank kurz darauf, nach der Revision, von der Seehandlung 90 000 Mart verschafft habe. Außerdem vermittelte er der Bank von der Firma Leo u. Ko. in Berlin eine Anleihe von 100 000 M., ferner 65 000 m. von der holsteinischen Kreisgenossenschaft, 70 000 m. von der Haderslebener Kreissparkasse. Der Erfolg dieser Bemühungen war der, daß die Bank in den Jahren 1902 und 1903 415 000 M. Verlust hatte! Von der Scherrebeter Kreditbant ressortierten außer der Kunstwebeschule auch noch andere„ nationale" Gründungen, so eine Ziegelei die Bank und die Webeschule. und eine Bäckerei, die nach ähnlicher Methode betrieben wurden, wie Wie die Bank direkt in den Dienst der nationalen" Politit ferierten mit dem Minister von RtjeinBaden und erhielten von ihm auf die Seehandlung eine Anweisung von 70 000 M. Mit diesem Gelde sollte Jacobsen für die Frau von Wildenradt- Krabbe, die die„Dannewirke" zwar in dänischer Sprache, aber im Sinne der Regierung redigieren sollte, die Zeitung an- kaufen. Da das Geld jedoch auf Konto der Kreditbank stehen sollte, nahm Jacobsen auf Rat eines Rechtsanwaltes doch Abstand von diesem Geschäft. Was die persönlichen Vorteile, die sich Jacobsen zum Schaden der Bank aus seiner Vorstandsstcllnng verschafft haben soll, anbelangt, so war sein persönliches Schnldkonto im Jahre 1902 auf 102 000 M. angewachsen. Unter anderem wurde ein Wechsel über 92 000 M. mit Jacobsens Unterschrift vor- gefunden, für den dieser keine Sicherheit geben konnte. Er bot zwar Pfandbriefe, die seiner Frau gehörten, als Garantie an, es stellte sich jedoch heraus, daß er gar keine Erlaubnis zum Versetzen derselben besaß. Der letzte Abschnitt der Beweisaufnahme suchte den Anteil, den die anderen, teils privaten, teils„nationalen" Unternehmungen des betriebsamen Pastors anr Zusammenbruch der Kreditbank hatten, festzustellen. Alle diese Gründungen sind jedoch derart in einander verfilzt, daß sich vielfach die Sachverständigen selbst nicht auskeimen und mit einander in Widerspruch geraten. So figuriert allein die Webeschule im Gurhabcnkonto der Bank mit 13 000 M. Eine dem Pastor Jacobsen gehörende Karpfenzuchtanstalt ist gleichfalls in der Buchführung mit der Bank verquickt. Trotz aller dieser, Jacobsens Geschäfte schwer belastenden Momente gelangte die Strafkammer bezüglich seiner Person zu einem freisprechenden Erkenntnis, während sein Mitangeklagter Lassen wegen unrichtiger Bilanzziehung in zwei Fällen zu 600' M. Geldstrafe verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hatte gegen beide je zehn Monate Gefängnis beantragt. Die Freisprechung Jacobscns ist wohl in erster Linie eine Wirkung jener Feststellungen der Beweisaufnahme, die dartaten, daß für den Scherrebeker Zusammcubrnch ganz andere Stellen als der völlig geschäftsunkundige Leiter der Bank verantwortlich zu machen sind. Diese wahren Schuldigen werden denn auch, wenn sie auch der gerichtlichen Vcrautloortung entzogen sind, als die moralisch Verurteilten auch in diesem neuesten uord- schleSwigschen Bankrottprozeß von der gesamten am Köllerkurs nicht beteiligten öffentlichen Meinung in Nordschleswig betrachtet.— Mueland. Keine Neu-Einverufung der Hanger Friedenskonferenz. Ncwyork, 5. Oktober. Nach einem Telegramm der„New- York World" aus Washington haben die von den Ver- tretern der Vereinigten Staaten in Europa angestellten nicht offiziellen Nachftagen den Präside uten Roosevelt die Ueberzeugung gewinnen lassen, daß die gegenwärtige Zeit nicht geeignet sei, Aufforderungen zu einer neuen Friedenskonferenz ergehen zu lassen. Die Angelegenheit werde deshalb bis zur Bc- cndigung des russisch-japanischcn Krieges verschoben werden. Sollte Roosevelt dann Präsident sein, so werde er Einladungen zu einer solchen Konferenz in den Vereinigten Staaten ergehen lassen; denn wegen der Kosten, die eine solche Konserenz ver- Ursachen werde, wolle man nicht verlangen, dieselbe in, Haag abzuhalten. Die Vorbereitungen würden ei» Jahr in Anspruch nehmen. So ist's recht. Wenn man die„Friedenskonferenz" nach dem Kriege einberuft, vermeidet man wenigstens alle Reibungen. Daß eine„Friedenskonferenz" nur in einer Zeit ungetrübtesten Friedens tagen darf, besagt ja schon ihr Name!— Oesterreich-Ungarn. Der WahlrechtSkampf in Mähren. Brünn, 3. Oktober. Heute Abend fand im Rcdoutcnsaal auf dem Krautmarkt eine ungeheure Massenversammlung statt, in der der Ruf nach dem Wahlrecht für den Landtag und die Gemeindevertretung laut erscholl. Im Saale sprachen N e m e c aus Prag und Dr. C z e ch, auf dem Platze vor dem Saale die Abgc- ordneten E l d e r s ch und H y b c s ch. Die Redner kritisierten scharf das bestehende Wahlunrecht und das Verhalten der bürgerlichen Parteien gegenüber den Forderungen der Arbeiterschaft nach Ein- führung des Wahlrechtes. Ihre Ausführungen klangen in die Aufforderung aus, den Kampf bis zum äußer st en fortzusetzen und von allen Mitteln Gebrauch zu machen, die geeignet sind, die Erfüllung der gerechten Forderung der Arbeiter herbeizuführen. Die Redner wurden wiederholt von Beifallsstürmen unterbrochen. Nach Schluß der Versammlung zogen die Arbeitermassen durch die innere Stadt, Kampfesliedrr singend und rote Fahnen schwingend. Es war eine der gewaltigsten Dem ou st ratio nen, die seit der Badeni-.Zeit stattgefunden hatten. An d e m Z u g e nahmen 10 000 bis 12 000 Personen teil. Dann zogen die Massen in das Arbeiterheim, wo mehrere Redner in feurigen Worten die Arbeiter zum Ausharren auf- forderten. Es herrschte eine begeisterte Stimmung unter den Arbeitern.— Italien. Ein Gesetz über den Gebrauch der Waffen der Menge gegenüber. Rom, den 2. Oktober. sEig. Ber.) Während und nach dem Streik hat man mit großer Energie ein Gesetz gefordert, das den Mißbrauch von Waffen von scitcn der Polizei oder des Militärs mit schwerer Strafe bedroht. Wir hoben schon damals hervor, daß das Gesetz allein nur wenig wert sei, daß der feste Wille und die Möglichkeit der Arbeiterklasse, nachhaltig gegen Uebergriffe zu protestieren, die beste Garantie für eine menschliche Ver- Wendung der Waffen sei. Wie wenig das Gesetz allein wert sei, wußten wir damals freilich noch nicht, weil wir nicht wußten, daß das ersehnte Gesetz se.it fünf Jahren bereits b e st e h t. Die„Ausführungsbestimmungen über den Landesdienst der Truppen sTruPPen im Dienst der öffentlichen Sicherheit) boin 6. Januar 1899" setzen fest, daß die Truppen nur dann der Menge gegenüber von der Waffe Gebrauch machen dürfen, wenn die Menge selbst bereits von Feuerwaffen Gebrauch gemacht hat. sBei keinen, der zahlreichen Konflikte war das der Fall). Sie bestimmen ferner, daß dem Gebrauch der Schußwaffen ein Bajonettangriff vorangehen muß, der nicht ohne vorherige dreimalige laute Aufforderung zum Zurückziehen erfolgen darf. Wer diesen Bestimmungen entgegen- handelt, wird nach dem Militärstrafgesctzbnch bestraft. Dies be- droht den mißbräuchlichen Gebrauch der Waffe mit einem Minimum von fünf Jahren Zuchthaus, falls eine Person verwundet würde, mit der T o d e s st r a f e, wenn der Mißbrauch den Tod eines Menschen zur Folge hatte I Das Gesetz war also da und- trotzdem ließ G i o l i t t i den Carabiniert C e n t a n n i, der in Candela auf eine un- bewaffnete Menge schoß, dekorieren, obwohl ein Prozeß dargetan hatte, daß der Bluthund niedergekniet war, um besser auf die Fliehenden schießen zu können. Heute, wo man oft sagen hört, daß Giolitti persönlich keine Verantwortung fiir die Arbeitern, orde trifft, ist es gut, an den Fall Centanni zu erinnern. Ein Gesetz brauchen wir also nicht, weil wir es schon haben. Wir brauchen eine gut organisierte Arbeiterschaft, die die Regierung zu zwingen vermag, auch die zum Schutze der Arbeiter erlasseneu Gesetze zu befolgen.—_ Die autonome» Zirkel. Rom, 2. Oktober. sEig. Ber.) Wie wir telegraphisch berichteten, haben die Mailänder auto- nomen Zirkel ihre Verschmelzung mit der offiziellen Parteiorgan!- sation Mailands abgelehnt. Sie begründeten diese Ablehnung in folgender Tagesordnung: „Die Versammlung betont von neuem ihre vollständige Ueber- einstimmung mit den Bestrebungen und den Methoden der sozia- listischen Partei Italiens, wie sie von den Parteitagen sanktioniert wurden und ihre Aktionen zehn Jahre hindurch bestimmte,,! sie bekennt ihre geistige Einheit mit der sozialistischen Partei Italiens! sie hebt hervor, daß in ihren Handlungen und in ihrer Agitanon die Federazione Soziali st a Milan esc von eine», amorphen und revolutionären Nurgewerkschaftlertniu geleite, ist, das dem sozialistischen Geist widerspricht. Deshalb ernennt die Versammlung drei Delegierte, die sich in Gemäßheit dieser Tagesordnung nach Rom begeben sollen, um der Partei- lcitung die oben angeführten Bedingungen vorzustellen und von ihr ein direktes Urteil über die nioralische und politische Un- Vereinbarkeit der Aktion der Federazione und der der autonomen Gruppen zu fordern, damit die Parteileitung gegenüber diesem unverkennbaren Gegensätze die Mittel anrate, um abzuhelfen." Der Vorwurf des NurgewerkschaftlertumS stützt sich auf eine Tagesordnung der Federazione und auf Erklärungen Labriolas in der„Avanguardia", die betonen, daß die sozialistische Funktion immer mehr von den politischen Sonderorganisationen auf die Gewerkschaften übergehe. Demselben Gedanken gab übrigens auch Turati vor zivci Jahren Ausdruck. Allgemein wird dieser am letzten Termin erhobene Einwand als Vorwand bezeichnet. Es ist fraglich, ob der Parteivorstand trotzdem mit den, 30. September die nicht wieder eingetretenen autonomen Zirkel als ansgeichlosien erklärt oder durch das neu eröffnete Ver- fahren den Termin für verlängert ansieht.— Täucinark. Der dänische Reichstag wurde am Montag wieder eröffnet. Bei der Konstituierung des F o l k e t h i n g s trat die Spaltung inner- halb der Linkcnpartei sehr deutlich zutage. Schon in der vorher- gegangenen Fraktionssitzung der Linken hatte der KultuS- minister C h r i st e n s e n den Versuch gemacht, die Wiederwahl des bisherigen ersten Vizepräsidenten Krabbe zu hintertreiben, lvcil dieser Folkethingsmann sich im letzten Winter entschieden gegen den Prügelentwurf ausgesprochen, und nach Sessionsschluß seinen Wählern versprochen hatte, ebenso energisch gegen die FestungSbestrebungcn auf- zutreten. Ter Antrag des Kultusministers, Krabbe nicht wieder zu wählen, wurdc�jedoch in der Fraktionssitzung mit 33 gegen 23 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen abgelehnt und in der Folkethingssitzung wurde Krabbe dann mit 30 Stimmen, darunter 15 von den anwesenden Sozialdemokraten, bei 10 Stimmenthaltungen als erster Vizepräsident wiedergewählt. Dieser Mann, der in den erwähnten Punkten nur dem Pro- g r a m m seiner Partei getreu gehandelt hat, konnte also lediglich mit Hilfe der Sozialdemokraten sein bis- hcrigcs Ehrenamt im Folkcthing behalten. 17 Abgeordnete, darunter cii?' Sozialdemokrat, waren nicht anwesend. Unter ihnen waren mehrere Gegner des Prügelgesetzentwurfs. Daraus und aus dem verhältnismäßig günstigen Ergebnis der Vizepräsidanteuwahl zu schließen, wird das Prügelgesetz wahrscheinlich anch in dieser Folkethingssession scheitern. Der Justizminister will nämlich, wie behauptet wird, den Entwurf in etwas veränderter Form wieder einbringen, und zwar zunächst im Landsthing. Er hat noch einige „humane" Bestimmungen damit verquickt und hofft offenbar noch immer, auf diese Weise dem Kulturstaat Dänemark die kulturwidrige Prügelstrafe aufzwingen zu können.— Nnftlatid. Der Prozeß gegen Kasprzak. Der„Wiener Arbeiter-Zeitung" wird aus Warschan vom 3. Oktober geincldet: Vor dem hiesigen Kriegsgericht fand Donnerstag nnd Freitag die vor zlvei Monaten vertagte VerHand- lung gegen die Genossen Kasprzak und G u r t m a n n statt. Die beiden hatten, wie noch erinnerlich ist, anläßlich der Entdeckung einer Geheimdruckerei bei der Vornahme der Hausdurchsuchung auf die Gendarmerie geschossen, wobei drei Polizeioffiziere getötet und mehrere Polizisten mehr oder minder schwer verletzt wurden. Den Vorsitz führte Generalmajor Strelnikow. Zwei Petersburger und ein Warschauer Advokat teilten sich in die Verteidigung. Der Haupt- belastungszcuge, der Polizist B o h l e w, sagte im Sinne der Anklage in sehr gravierender Weise gegen die beiden Angeklagten aus. D i e beiden Psychiater erklärten, daß Kasprzak an unheilbarem Wahnsinn leide und blieben, obgleich der Borsitzende sich alle Mühe gab, sie zu einem anderen Gutachten zu bewegen, bei ihren Angaben. Nach zweistündiger Verhandlung erklärte das Kriegsgericht, die Angelegenheit Kasprzak mit Rücksicht auf dessen Geisteszustand an ein Ziviltribunal mit den, Auftrage zu verwelsen. zunächst aber», als den Geisteszustand Kasprzaks prüft» zu lassen und entweder selbst das Urteil zu fällen oder ihn wegen unheilbaren Wahnsinns an Preußen, dessen Untertan Kasprzak ist, auszuliefern. Die Angelegenheit Gurtmann vertagte das Kriegsgericht gleichzeitig bis zur Eutscheiduug betreffs der Anklage gegen Kasprzak.— Zlmerika. Die kleine Republik Panama ist höchst unzufrieden mit ihrem Schutzpatron Onkel Tain, der ihre„Unabhängigkeit" anerkannte, als sie Revolution machte und sich von Colombia losriß. Eine Bürger- Deputation ist in Washington angekommen, um feierlichst zu protestieren gegen die von Onkel San, jetzt beliebte Auslegung des Vertrages zwischen der großen und der kleinen Republik. In den Zoll- ämtern der Hafenstädte Panama und Colon sitzen amerikanische Beamte und nebmcn die Gelder ein. Wahrscheinlich halten die praktischen Amerikaner dies fiir die beste Art und Weise, um sich bezahlt zu inachen für die mit der garantierten Unabhängigkeit ver- knüpften Auslagen, für die sie aufkommen mußten. Daß die Amerikaner ihnen gleich so auf der Tasche liegen, gefällt den Panamqern natürlich nicht, und sie drohen, wenn die Beschwerde in Washington nichts nütze, daß sie einen Appell an die andern Nationen richten und das Haager Tribunal anrufen wollen.— Vom oftasiatischen Kriegsschauplatz. Angebliche Qffcusivnbsichten der Russen. Dem„Tag" wird von seinem Spczialberichterstatter gemeldet: Mulden, 5. Oktober. General K u r o p a t I i n hat den f e st e n Entschluß gefaßt, die jetzige günstige Jahreszeit militärisch auszunützen. Alles deutet auf die k o m- m e n d e„Revanche für L i a u j a n g" hin. Offiziere und Soldaten hoffen, daß die Periode der Rückmärsche jetzt vorbei und die Zeit gekommen sei, wo sie dem Feinde zu Leibe gehen können.— Die Japaner hatten am 27. September zweifellos einen Angriff in drei Kolonnen beabsichtigt, über Pönsihu-Baniapusa, von den Kohlengruben bei Jentai aus und längs der Kaiserstraße! daneben waren Demonstrationen am Dalinpaß und am Liauflnß geplant. Sie gaben jedoch angesichts der Ueberlegenhcit der Russen, die sich auf mindestens 60 000 Mann bclief, den Gedanken an Offensive auf. Die gegenwärtige Verteilung der gesamten japanischen Streitkräfte ist folgende: General Nogi hat vor Port Arthur die 1., 8., 9. und 11. Division sowie die 1. und 11. Neservebrigade, zusammen 52 Bataillone, 9 Schwadronen, 132 Feld- und 150 Festungsgeschütze. Kurok, verfügt über die Garde-, die 2. und die 12. Division, die Garde- und die 9. Reservebrigade sowie noch drei Reservebrigaden, ferner über die zweite selbständige Artillerie- und die zweite Kavalleriebrigade; das ergibt 76 Bataillone, 18 Schwadronen oder, nach Abzug einer Brigade zur Rückendeckung, 69 800 Gewehre und 2160 Säbel, dazu 278 Geschütze. Okus Armee umfaßt die 3., 1. und 6. Division, eine Artillerie- und eine Kavalleriebrigade, ein be- sonderes Detachcment von einem Infanterie- und drei Kavallerie- Regimentern am Liauflutz und drei Reservebrigaden, total 60 Bataillone, 26 Schwadronen oder 48 000 Gewehre, 3120 Säbel niit 252 Geschützen. Nodzu befehligt die 5. und 10. Division sowie eine Reservebrigade, zusammen 32 Bataillone, 5 Schwadronen oder 25 600 Gewehre, 1200 Säbel mit 84 Geschützen. Doch ist vielleicht auch die 8. Division, die oben vor Port Arthur angeführt war, bei Nodzus Armee. Wem die 7. Division zugeteilt ist, ist hier nicht bekannt. Die gesamte Streitmacht des Marschalls Oyama wird mit Berück- sichtigung dieser Truppenteile auf rund 144 000 Gewehre, 6500 Säbel und 643 Geschütze berechnet. Im ganzen haben die Japaner 13 Divisionen und 11 Reservebrigaden im Felde, dazu eine Reserve- brigade in Korea.— Ueber die Gruppierung der unmittelbar an der Front stehenden japanischen Truppenkörper wird folgendes gemeldet: Der linke Flügel am Liauflnß, Hunfluß und an der Bahn umfaßt 33 060 Mann Infanterie mit 84 Geschützen, das Zentrum bei Liaujang und Jentai 36 000 Mann Infanterie, dabei aber viele Nichtkombattanten und 92 Geschütze, der rechte Flügel nördlich von Pönsihu höchstens 10 000 Mann und 18 Geschütze; doch steht hier außerdem bei Baniapusa schwere Artillerie in starken Verschanzungen. — Alle diese Angaben werden für die unmittelbar bevor- stehenden Operationen die größte Bedeutung haben. Ich begebe mich nach Schahopu, 25 Werst südlich von Mulden an der Kaiserstraße. Diese Meldung beansprucht kaum allzu großer Bedeutung. Ab- gesehen davon, daß noch jedesnial der Ankündigung einer russischen Offensive die Retirade gefolgt ist: Kein ernsthaft zu nehmender Stratege kündigt in solcher Lage vorher pomphaft das an, was er zu unternehmen gedenkt I Die Kämpfe bei Port Arthur. Petersburg, 5. Oktober. Ein Telegramm General StösselS vom 23. September an den Kaiser meldet: Der vier Tage währende Sturm der Japaner ist von den heldenhaften Truppen zurück- geschlagen worden, wobei der Gegner ungeheure Verluste erlitt. Vom 19. September bis um 5 Uhr früh des 23. beschoß der Feind uns heftig und unternahm Sturmangriffe gegen die nördliche und westliche Front der Festung und der vorgeschobenen Feld- befestigungcn. Alle Angriffe des Feindes wurden nach einander abgeschlagen. In seine Hände fielen zwei Fcldredouten beim Tempel nnd der Wasserleitung, die von Brisanzbombcn vollständig unbrauch- bar gemacht worden waren. Die Wasserleitung selbst haben die Japaner zerstört. Der letzte Sturm auf den Hohen Berg wurde heute früh 5 Uhr zurückgeschlagen. Dort hatte ber Feind schrnt die Blindagen besetzt, Maschinengewehre hinausgeschafft und beschoß uns. General Kondratenko schickte einen'Leutnant mit Sappenren nnd Freiwilligen unter dem Befehl eines Obersten ab, die mit Phroxhlin gefüllte Bomben in die Blindagen warfen und sie in die Luft sprengten. � Die Japaner flohen' in panischem Schrecken, verfolgt von Freiwilligen des 5. Regiments unter einem Hauptmann. Die Verluste der Japaner betragen über 10 000 Man«. Die Truppen kämpfen heldenhaft. Besonders ausgezeichnet hat sich das 5. Regiment. Wie General Stoffel unter dem 30. September weiter meldet, ist nach den blutigen Sturmangriffen vom 19. bis 23. September eine verhältnismäßige Stille eingetreten. Jetzt rückt der Feind langsam vor. Das Bombardement der Forts und der inneren Festung dauert fort. Ausfälle werden oft unternommen. Die Stimmung der Truppen ist heldenmütig. Täglich kehren aus den Hospitälern Verwundete in die Front zurück. Die Angaben über die Verluste der Japaner sind wieder einmal märchenhaft übertrieben. Wären auch nur alle Meldungen Stössels richtig gewesen, so hätten die Japaner allein vor Port Arthur schon ein paarmal hunderttausend Mann ver- loren.— Tschifucr Meldungen beziffern übrigens auch die russischen Verluste bei den letzten Kämpfen auf 2090 Mann. Z«tv Kohlenversorgung des baltischen Geschwaders� berichtet man der„Vossischen Zeitung" aus Kiel,.daß Konsul Diederichsen sich ani Sonnabend nach Petersburg be« geben hat, was mit der Kohlenversorgung der russischen Flotte in Zusammenhang stehen dürfte. Gleichzeitig ver- öffcntlicht Marcel Hutin im„Echo de Paris" einen Brief, der ein Auszug aus dem Schreiben des Herrn Diederichsen an den Kontre- Admiral R o s ch j e st w e n s k i i st. Darin wird zunächst hervorgehoben, daß die Versorgung der Kriegsschiffe mit Kohle in Kiel nach den Grundsätzen des Völkerrechtes zu erfolgen habe, es wird aber nicht gesagt und ist auch uicht bekannt, ob die Reichsrc gierung für diesen Fall besondere Bestimmungen erlassen hat oder zu erlassen gedenkt. Herr Diederichsen lveist darauf hin, daß er außerhalb des Hafens nnd der Seegrenze alle beliebigen Mengen Kohlen liefern kann. Die englischen Häuser, die Kohlen für Kriegführende liefern, verfahren genau ebenso, und die eng« tische Regierung kann und wird sie nicht daran hindern. Die englische Admiralität gestattet nur nicht, daß eine Flotte,' die direkt nach dem Kriegsschauplatz bestimmt ist, Kohle in einem englischen Hafen einnimmt. Die f r a n« zösische Regierung scheint die Grundsätze der Neutralität ähnlich zu verstehen wie die deutsche, vielleicht bereitet sich Frank« reich sogar vor, noch e twas mehr Entgegenkommen zu zeigen. Die russische Flotte soll angeblich in allen Häfen Frankreichs nnd der französischen Kolonien so viel Feuerung übernehmen können, wie sie will. Zwei große französische Kohlengeschäfte, zu denen das Hans Worms gehört, haben sich kontraktlich verpflichtet, in den im voraus bestimmten Plätzen der französischen Kolonien die Kohlen zur Verfügung zu halten, welche das zweite russische Geschwader deS Stillen Ozeans gebrauchen könnte. Marcel Hutin behauptet das wenigstens. v Es erscheint mehr als fraglich, ob diese laxe Auslegung der Tendenz der betreffenden Vereinbarungen des Völkerrechts ent- spricht. Aber wenn die kapitalistische Profitsucht in Frage kommt, gelangt man überall zu den wundersamsten Auslegungen vollerrecht- ticher Bestimmungen!_ parte!- JN�cbncbten. Drei Jahre acht Wochen nnd drei Tage. Freiheitsstrafen sowie 887 M. Geldstrafen wurden im September von deutschen Gerichten über Genossen verhängt, die im Dienste der Partei oder der Gcwerk- schaften tätig waren. Mit dem Bremer Parteitage beschäftigte sich eine Partei- Versammlung in Hanau. Sie endete mit der Annahme dieser Resolution: „Die Versammlung erklärt ihre Zustimmung zu den Be- schlüssen deS Parteitages, namentlich auch zu den in der Angelegen- heit des Genossen Schippel. Sie erklärt sich mit der Stellungnahme des Genossen Hoch in dem Falle Schippel einverstanden und hofft, daß die Verfehlungen gegen die Partcidisziplin, deren sich nicht nur Schippel, sondern anch einige anderen Genossen in führender Stellung in letzter Zeu zum Schaden der Partei haben zuschulden kommen lassen, endlich cimnal ihr Ende genommen haben." Hoch hatte ausgeführt, daß es bei dem Beschlüsse gegen Schippel weniger auf den Wortlaut, als auf den Sinn des Ganzen ankomme, der dahin gehe, daß die Genossen in führender Stellung sich ebenso wie jeder andere Genosse in den Grenzen der Disziplin halten und das Interesse der Gesamtpartei wahren müßten, Auch im sozialdemokratischen Verein in Ottensen wurde bei der Berichterstattung von. Parteitage hauptsächlich über den Fall Schippel diskutiert. Elm vertrat seinen aus den Berichten über den Parteitag bekannten Standpunkt, während die übrigen Redner Schippels Zweideutigkeit verurteilten. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Ohne Beschlußfassung nnd mit nur geringfügiger Diskussion nahmen die Königsberger Genossen den Bericht ihres Delegierten Braun entgegen. Die Provinzialkonferenz für das östliche Westfalen er- klärte sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden. Auf der Provinzialkonferenz für das östliche Westfalen wurden über die Zahl der im Bezirk organisierten Parteigenossen solgende Angaben gemacht: Bielefeld 821, Schildefche 301, Giefer 272, Bradwvede 85, Gabberbaum 88, Quelle 62, Ummeln 32, Brate bei Bielefeld 19, Herford 152, Ennigloh 15, Salzuflen 32, Lemgo 32, Minden 47, Rehme 55, Kutenhausen 43, im ganzen 2056 politisch organisierte Mitglieder. Sozialdemokratische Gemeindevertreter wurden gezählt in: Bielefeld 9, Brackwede 3, Schildesche 2, Bauernschaft Schildesche 2, Gellershagen 2, Siefer 1, Quelle 2, Herford 2, Vlotho 1, Ennigloh 2, Lemgo 5, Oerlinghausen 3 und Häverstädt 1. Im ganzen 35 Vertreter. Da der Organisationsbezirk auch die Lippefchen Fürstentümer umfaßt, beschäftigte sich der Parteitag im Laufe seiner Verhandlungen mit dem Lippeschen Erbfolgeftreit und nahm dazu folgende Resolution an: " Zu dem jetzt wieder aktuell werdenden Lippeschen Erbfolge streit erklärt der Parteitag der Sozialdemokratie des östlichen Westfalens und der Lippeschen Fürstentümer angesichts der Einberufung des Lippeschen Landtages zum 5. Ottober: gefezbuches: Die Handelsgeschäfte) und Justizrat Dr. Felig, Landau( Rechte und Pflichten der Handlungsgehilfen und Handlungslehrlinge); Gewerkschaftliches. Bedrohung durch einen Unternehmer. Herrn... Wir ersuchen Sie hierdurch, Ihre angefangene Arbeit fertig zu machen, da wir sonst veranlassen werden, daß Sie als Ausländer ausgewiesen werden. Hochachtungsvoll Deutfches Reich. Die Buchbinder in Dresden sind in die Lohnbewegung ein 2. am Dienstag, den 18. Oftober, die Vorträge der getreten. Die Arbeiter der Druckereien, Kartonnagen- und LurusHerren Dr. Ernst Loeb( Entwickelung und Bedeutung der papierbranche sollen folgen. Zuzug ist bringend fern zu halten. Großbanken) und Direktor Dr. Otto Snört( Das britische Der Streit in der Zigarettenfabrik Josetti zu Dresden i Weltreich). bereits zu Gunsten der Arbeiterinnen beendet. Die Ursache zum Die Vorlesungen finden abends von 8-9 beztv. 9-10 Uhr im Streit war folgendes: Am Sonnabend vor acht Tagen wurden sämtBörsengebäude( Gingang von der St. Wolfgangstraße) statt. An- liche Arbeiterinnen auf die ungehörigste Weise ausgesucht, weil die meldungen zu denselben werden im Zentralbureau der Korporation Firma mutmaßte, daß sie bestohlen würde. Die Arbeiterinnen der Kaufmannschaft, Neue Friedrichstr. 51 I, entgegengenommen. wurden durch den Geschäftsführer, Herrn Junge, in den Keller geführt, wo sie einer Besitation unterzogen werden sollten. Bei dieser Arbeit, die die Direktrice und die erste Backerin ausführten, wurde nicht gerade in der höflichsten Weise verfahren. Eine Ar beiterin, die gegen das Verhalten ganz energisch protestierte, wurde am Montag entlassen. Durch das Eintreten der Kolleginnen aber wurde die Entlassung rückgängig gemacht. Diesen Sonnabend wurden nun fünf Verbandsmitglieder gemaßregelt, Die Sozialdemokratie protestiert gegen die Rückständigkeit der die sich besonders in der Vertretung der Arbeiterinteressen hervor. Standpunkte, von denen aus der Streit bis jetzt behandelt worden getan hatten. Daraufhin beschlossen sämtliche Arbeiterinnen, die ist und weiter behandelt werden soll. Es ist von einer nicht zu überArbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis sämtliche Entlassene wieder bietenden grotesten Komit, daß die Entscheidung darüber, wer im eingestellt werden, die Behandlung eine bessere wird und die LohnAnfang des 20. Jahrhunderts Herrscher von Gottes Gnaden in G. Klingmann. abzüge wieder rückgängig gemacht werden. Ihre Einmütigkeit hatte einem Lande sein soll, abhängt von der Beantwortung der welterschütternden Frage, ob eine Ahnfrau, welche vor 150 Jahren lebte, einmal über die Schnur gehauen werden kann, und nehmen es wählten Kommission mit dem Chef der Firma, Herrn Meier, wurden Wir geben zu, daß bei einem Streit wohl auf beiden Seiten die erhoffte Wirkung. Nach zweistündiger Unterhandlung des Vertrauensmanns; des Vorsibenden der Vorortskommission und der ges ebenbürtig war oder nicht. Eine vernichtendere Kritik des Prinzips deshalb auch nicht tragisch, wenn ein Unternehmer durch Drohungen die Forderungen: Einstellung der fünf Gemaßregelten, Aufbesserung Da aber der Einfluß der Sozialdemokratie zurzeit zu gering die ihre Wirkung verfehlen, seinen Zweck zu erreichen sucht. Aber des Lohnes auf zwei Sorten Zigaretten, Aufbesserung des Lohnes ist, um ihren Standpunkt, daß der Wille des Volkes allein zu ent- die Handlungsweise des Herrn Klingmann fann für ihn doch ge- für die Packerinnen, Zusicherung humaner Behandlung durch die fcheiden hat, zur Geltung zu bringen, einen Standpunkt, welchen fährlich werden, wenn nämlich Richter und Staatsanwalt Drohungen, Direttrice und die erste Baderin bewilligt. Die jung organisierten au berteidigen die liberale Bourgeoisie längst vergessen hat, so er- die ein Unternehmer gegen einen streifenden Arbeiter ausstößt, Bigarettenarbeiterinnen haben damit einen vollen Sieg errungen. klärt der Parteitag weiter: ebenso bewerten wie Aeußerungen von Arbeitern, Uebrigens war die Berliner Zentrale der Firma Josetti von Die Sozialdemokratie steht der Frage, ob Biesterfeld oder die für ihre Interessen im Kampf stehen. Wenn Herr Klingmann einem die Ursachen desselben nicht unterrichtet. Hätten die Arbeiterinnen dem Ausbruch des Streils völlig überrascht und auch über Schaumburg in Lippe regieren soll, mit gänzlicher Interesselosigkeit Ausländer die Ausweisung, d. H. die Vernichtung seiner Cristenz sich nach Berlin gewandt, so wäre die Angelegenheit wahrscheinlich gegenüber, die sozialdemokratische Partei des Fürstentums Lippe, in Aussicht stellt, so kennzeichnet sich das nach der gegen Arbeiter noch schneller geregelt, da der Firma natürlich nichts daran gelegen insbesondere die sozialdemokratischen Landtags- Abgeordneten, haben fich daher jeder Stellungnahme für oder gegen Biesterfeld oder beliebten Rechtsprechung als eine Erpressung, mindestens aber als ist, durch solche Borlommnisse ihre große Arbeitertundschaft mißSchaumburg zu enthalten." ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung. Oder ist der trauisch zumachen. Briefschreiber so sicher, daß auch ihm der Grundsatz:„ Wenn zwei Die bremischen Baugewerksmeister beschlossen die schon gemeldete basselbe tun, so ist es nicht dasselbe" zugute kommt. Aussperrung der Maurer und Bauarbeiter so lange durchzuführen, bis auch die Zimmerer die Aufnahme der Arbeit beschlossen hätten. der Monarchie von Gottes Gnaden ist undenkbar. " Eine neue Parteiverfammlung für Leipzig ist bereits für nächsten Freitag einberufen mit der Tagesordnung: Die Vorgänge in der Parteiversammlung am 29. September". Zutritt haben nur legitimierte Parteigenossen. Ein neuer Wahlverein wurde in Saarmund, Wahlkreis Luckenwalde, einem weit abseits des Bahnverkehrs gelegenen Dorfe, gebildet. Es traten sofort 28 Mitglieder bei. Vorher hatte Genoffe Jahn- Luckenwalde über den Bremer Parteitag mit besonderer Berücksichtigung des Falles Schippel referiert. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Bu 100 M. Geldstrafe wurde der Redakteur der„ Märkischen Boltsstimme", Genosse Perner in Forst L., verurteilt. In dem Blatte war vor längerer Zeit ein Ergebenheitstelegramm glossiert worden, das die Jägerkompagnie der Forster Schüßengilde an den Staiser gerichtet hatte. Berner war für diese Notiz verantwortlich und wurde deshalb wegen Beleidigung der Jägerkompagnie bestraft. Mag es auch eine Flunterei sein, wenn Herr Klingmann den Eindruck zu erwecken sucht, als ob er die Ausweisung eines Streitenden Husland. beranlassen könne. Wenn man sich aber daran erinnert, wie Ein Straßenbahnerstreit ist, wie uns ein Privattelegramm bereitwillig fich die Polizei bei wirtschaftlichen Konflikten der Intereffen der Unternehmer und Arbeitswilligen annimmt, bann versteht meldet, in Norrköping( Schweden) ausgebrochen. Die Landesman wohl, daß Herr Klingmann fich der Hoffnung hingibt, die organisation der schwedischen Straßenbahner warnt namentlich Polizei werde auf einen Wink des internehmers zu der Einsicht Straßenbahn führer davor, Anstellung in Norrköping zu nehmen, tommen, daß ein ausländischer Arbeiter, nachdem er sich an einem da man vielleicht von dort versucht, geübte Führer als Streitbrecher Streit beteiligt hat, plöglich lästig fällt" und ausgewiesen werden heranzuziehen. muß. Wir wünschen dem Herrn Klingmann nicht, daß ihm der Staatsanwalt den Prozeß macht, aber wir geben seine Handlungsweise hiermit dem Urteil der öffentlichen Meinung anheim. " Berlin und amgegend. Die streifenden Musikinstrumentenarbeiter waren am Mittwoch Aus Induftrie und Handel. vollzählich im Gewerkschaftshause versammelt, um den Bericht über die Situation des Streifs entgegenzunehmen. Wie mitgeteilt wurde, Der Außenhandelsverkehr Südafrikas. Bei der Beendigung des befinden sich 1697 Arbeiter im Streit, während 28 Fabriken mit füdafrikanischen Krieges wurde fast von der gesamten tapitalistischen 511 Arbeitern die Forderungen bewilligt haben. Voraussichtlich Bresse ein schneller und gewaltiger Aufschwung des südafrikanischen werde sich die Situation einstweilen nicht erheblich ändern. In ein Geschäftslebens prophezeit. Es würde, hieß es bantals, in den zelnen Fabriken, wo bor dem Streit feine rechte Stimmung für die nächsten Jahren eine ganz enorme Einfuhr sowohl in das ver- Arbeitsniederlegung herrschte, jei nach dem Streifbeschluß doch in wüstete Transvaal- und Oranjegebiet, als in die Stapkolonie und erheblichem Umfange die Arbeit niedergelegt worden, so bei Görs in Natal stattfinden, und an diesem Riesenimport würde nächst Eng- und Stallmann, bei Neumeher und anderen. Nur im Bechsteinschen land Deutschland den größten Anteil haben. Selten hat sich eine Betriebe wollen die Arbeiter noch die für den 10. Oftober in AusProphezeiung so schlecht bewahrheitet wie diese. Der Handels ficht gestellte Verhandlung mit dem zurzeit abwesenden Chef des verkehr Sildafrikas hat sich allerdings seit dem Friedens- Betriebes abwarten. Mit welchen Mitteln die Suche nach Arbeits. schluß gehoben, aber doch im ganzen in recht mäßigem willigen betrieben wird, beweist ein Inserat, welches der Fabrikant Herr Neumeher sucht Grade; und soweit eine Steigerung erfolgt ist, hat daran die Neumeyer in der Volkszeitung" erläßt. Einfuhr aus Deutschland nur einen bescheidenen Anteil. Der größte arbeitswillige Polierer und Poliererinnen, sowie ungelernte ar Teil der Zunahme entfällt auf England und die Vereinigten Staaten beiter, und versichert ihnen in dem Inserat:" Durch polizeiliche Maß von Amerita, die fast sämtliche neuen Maschinen und Werkzeuge für nahmen ist den Arbeitswilligen der weitgehendste Schuß zugesichert." den Minenbetrieb geliefert haben. Deutlich ergiebt sich dies aus Herr Neumeher fühlt sich also des polizeilichen Schußes seiner der jüngst erschienenen Handelsstatistik der südafrikanischen Kolonien. geschäftlichen Interessen sicher, obgleich niemand daran denkt, den Ein bis ins einzelne zuverlässiges Bild über den Anteil der ver- Arbeitswilligen, die er etwa finden sollte, etwas zu Leide zu tun. fchiebenen Länder an dem Einfuhrhandel nach Südafrika läßt sich Die Fabrikanten stüßen sich auf die Solidarität ihrer auswärtigen allerdings aus den zur Verfügung stehenden Zahlen nicht geben. Kollegen. Diefe Stübe ist nicht allzu sicher, denn nur 5 bis 6 aus Eine große Anzahl von Waren, außerbritischen Ursprungs gehen wärtige Fabrikanten gehören der in Frage kommenden Organisation über England und erscheinen in den statistischen Nachweisungen als an. Von der Aussperrung, die die Fabrikanten beschlossen, hat man britische Einfuhr. Ferner ist darin die Einfuhr der Länder obne bis jetzt nichts gemerkt. Nun einen könnte man allenfalls als AusSeegrenze oder folcher Länder, deren Seegrenzen nicht für die füb gesperrten betrachten. Der war als einziger nach dem Streit in afrikanische Einfuhr in Betracht kommen, nicht als solche gekenn einer Werkstatt zurückgeblieben, und diesen treuen Arbeiter wies zeichnet. So erscheint z. B. ein großer Teil des schweizerischen und der Fabrikant mit dem Bemerken hinaus: Wegen Sie allein werde österreichischen Imports unter Deutschland", ein Teil ber beutschen ich die Bude nicht heizen. Die Situation des Streits wird in jeder Einfuhr unter der Bezeichnung britischer Waren. Den nachstehenden Hinsicht als günstig bezeichnet. Bahlen tommt also eine unbedingte Bedeutung nicht au; sie tönnen Die Müllfutscher und Mitfahrer von den Firmen H. und lebiglich den Anspruch darauf erheben, ein allgemeines, annäherndes E. Scheller sind am Montag in den Ausstand getreten, nachdem Bild über die Verteilung der Waren nach Herkunftsländern zu geben. verschiebene Verhandlungen seitens einer Kommission der Kutscher Nach diesen Ziffern nun waren an den Einfuhren über sämtliche mit den Firmeninhabern erfolglos geblieben waren. Die Löhne der Kap- und Natalhäfen in den letzten drei Jahren vornehmlich folgende im Müllabfuhrgewerbe beschäftigten Kutscher und Mitfahrer find Länder beteiligt: Vereinigtes Königreich Vereinigte Staaten Deutschland Belgien.. Niederlande Frankreich • 1901 Pfd. Stert. 20 825 822 2 640 198 1 117 992 874 786 237 892 215 198 1902 Pfd. Stert. 29 247 743 4 429 839 1 789 352 633 875 801 219 259 695 1908 Bfb. Sterl. 80 263 840 6 211 303 2 247 989 686 386 354476 236 544 Rußlands Getreideernte. Wir berichteten jüngst über die Getreideernte- Schätzungen der Torg- Brom. Gaz." Jetzt liegen genauere Schäzungen des russischen Statistischen Zentralfomitees vor, die sich auf das gesamte europäische Rußland beziehen, also auch die in der erstgenannten Schäzung nicht berücksichtigte Ernte Russisch- Polens mit einschließen. Danach sind im Durchschnitt ber Jahre 1898/1902 folie in den Jahren 1908 und 1904 folgende Erntemengen erzielt worden: Durchschnitt Ernte des Jahres Schäßung für 1908 1904 Menge in Millionen Pub 1848 1211 188 1898-1902 Roggen Winterweizen. 1267 210 244 Sommerteizen 403 543 499 Gerste 452 471 357 60 50 43 111 98 69 58 02 665 628 44 680 " Letzte Nachrichten und Depefchen. London, 5. Oftober. Wie das Reutersche Bureau" erfährt, hofft man noch in diesem Jahre die Grenzarbeiten der englischdeutschen Kommission am Kilimandscharo fertigzustellen. Die Grenzs fommission hatte viel mit Waffernot zu fämpfen. Unlängst wurde ein Boot der Kommission durch ein Flußpferd zertrümmert. Die Insassen vermochten sich nur mit Mühe vor den dort zahlreich vorfommenden Krokodilen zu retten. London, 5. Oktober. Das„ Reutersche Bureau" erfährt: Der Bertrag bezüglich Maroffos fei von Frankreich und Spanien unterzeichnet worden. Alle Einzelheiten der Verhandlungen seien der englischen Regierung mitgeteilt worden und die drei beteiligten Regierungen seien von den Bestimmungen des Vertrages befriedigt. Der Vertrag enthalte eine Reihe geheimer Festsehungen, auf Grund deren Frankreich und Spanien cine Politit friedlicher Entioidelung Die Bestimmungen seien flar gefaßt und die verfolgen würden. kommerziellen und politischen Rechte Englands seien streng geachtet. Gegenwärtig sei keine Rede von irgend einer Aufteilung Marottos, das unter der Souveränität des Sultans verbleibe. Der Paris, 5. Ottober.( Meldung der Agence Habas".) fpanische Botschafter Leon y Castillo hatte heute eine Unterredung mit dem Minister des Aeußern Delcaffé. Zivischen den beiden Re gierungen scheint es bezüglich der Abmachungen betreffend Marokko zu einer hinsichtlich aller Punkte fast vollständigen Verständigung gekommen zu sein und die unterzeichneten Vertragsexemplare werden wahrscheinlich Mitte der Woche in Paris ausgetauscht werden. Vom oftasiatischen Kriegsschauplatze. Petersburg, 5. Oktober.( W. T. B.) Der Russischen Teles graphen- Agentur wird von ihrem Korrespondenten in Chatbin gemelbet, daß die japanische Vorhut am 2. d. Mts. auf der ganzen Linie des Hunho bis zur Straße Wurden- Pönsthu die Offensive ergriffen hat, aber zurückgedrängt worden ist. Bom 3. b. Mts. liegen Meldungen über kriegerische Operationen nicht vor. Petersburg, 5. Oktober.( W. T. B.) Ein Telegramin General Kuropatkins an den Kaiser meldet: Auf die Klage der chinesischen Regierung hin, daß unsere Truppen in den heiligen Hainen der Kaisergräben in Fulin Bäume gefällt hätten, besuchte ich am 22. September den Hain und die Gräber. Die Klage ist gegenstandslos; nicht ein Baum innerhalb der Parkumfriedigung, wo alle Ge bäude und Gräber sich befinden, ist von unseren Truppen gefällt bis dato stets mit Rüdficht auf den Nebenverdienst, welchen die in worden. An der Pforte stehen Wachtposten, die keine Untermilitärs Frage kommenden burch das Schalen" des Mülls verdienten, fest. hineinlassen. Die chinesischen Beamten, die jetzt die Gräber begelegt worden. Dieser Nebenverdienst ist den Kutschern usw. nun wachen, erklärten auf mein Befragen, sie hätten feinen Grund, über feit einigen Monaten und zwar auf Grund einer im Januar d. J. die Truppen zu flagen. Die Truppen haben bei Anlegung von erlaffenen Polizeiberordnung, wonach das Schalen unter Androhung Positionen Bäume gefällt, um das Gelände frei au legen, hauptbon Strafen bis au 40 M. berboten wurbe, entzogen worben. Die fächlich aber auf dem linken Ufer des Hunho. Auf dem rechten Ufer Kutscher wurden infolgebeffen mit Strafmandaten geradezu über- find die Wege ausgebessert, wobei im Geftrüpp, das die Mauer der schüttet. So hat ein Teil Kutscher innerhalb ganz furzer Zeit für Staisergräber umgibt, einige Dußend Bäume gefällt wurden. Der die verschiedenen Anzeigen insgesamt 80-90. zu zahlen. Die Storpskommandeur General Baron Stackelberg fragte dabei vorher felben beschloffen beshalb, das Schalen einzustellen und sich durch Erhöhung des Lohnes schablos zu halten. Sie forderten eine Er höhung von 27 auf 33 M. für Mitfahrer und von 30 auf 36 M. für Rutscher. Am Montag haben dann im Laufe des Vormittags Ver handlungen mit den Unternehmern stattgefunden, an welchen auch ein Vertreter des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter( Ortsverwaltung I) teilgenommen hat. Mit einer Lohnerhöhung von 3 M., welche die Firmeninhaber boten, erklärten sich die Ausständigen nicht einverstanden, sondern blieben auf ihrer Forderung bestehen. Die Firma H. Scheller, von welcher 63 Mann am Ausstand beteiligt waren, hat noch am Montag abend die Forderungen der Kutscher bewilligt und ist die Arbeit am Dienstag dort wieder aufgenommen worden. Bei der Firma C. Scheller ist es trob wiederholter Verhandlungen zu einer Einigung Brisbane, 5. Oktober.( Melbung des Reuterschen Bureaus".) noch nicht gekommen und dauert der Streit bei dieser Firma underändert fort. Die Firma befindet sich in größter Verlegenheit, da sie Streifbrecher erfreulicherweise noch nicht gefunden hat. Die Kutscher und Mitfahrer von der Berliner Abfuhrgesellschaft ( in Frage kommen gegen 100 Mann) sind ebenfalls um eine Lohnerhöhung von 8 3auf 36 M. vorstellig geworden und hat die Direk tion diese Forderung bewilligt, ohne daß es zu einer Arbeitsniederlegung fam. den Aufseher der Gräber um feine Meinung, der nur bat, die Bäume innerhalb der Mauer stehen zu lassen. Zur richtigen Beleuchtung der Klage der chinesischen Regierung will ich melden, daß ich beim Besuch der Kaisergräber in Fulin bemerkt habe, daß sie unordentlich ge= halten werden. Die Umfassungsmauer ist auf vielen Stellen eingestürzt und innerhalb derselben sah ich chinesische Pferde und Maulesel weiden, die durch die Löcher in der Mauer in den heiligen Hain eingebrungen waren. Um dem ganzen die Krone aufzusehen, ist der Aufseher des heiligen Haines, der Mandschu Founam, der schon sehr lange diesen Posten bekleidet, verhaftet worden, da er Holz aus dem heiligen Hain an die Einwohner Mukdens verkauft hat. Nyborg, 5. Oftober.( W. T. B.) Ein russischer Hülfstreuzer ist heute mittag fübwärts gehend hier gesichtet worden. Hier eingegangenen Meldungen zufolge frenzen zwei russische Kriegsschiffe auf der Höhe der Thursday( Jufel an der Nordküste von Auftralien). Bortugifische Kolonialopfer. Buchweizen Hirse. Mais Hafer Liffabon, 5. Ottober.( 28. T. B.) In der Deputiertenkammer Die Schäßungen, die eher zu günstig als zu niedrig gehalten teilte heute der Marineminister Gorsao mit, daß eine von dem unter fein dürften, zeigen, daß die diesjährige russische Getreideernte nicht bem Befehl des fritheren Gouverneurs von Moffamedas und Huila nur beträchtlich hinter der des Vorjahres, sondern auch hinter den Kapitaens Coao Aguiar stehenden Expedition gegen die Ruanhamas Durchschnittserträgen des Jahrfünfts 1898/1902 auritebleibt. Unter Achtung, Schuhmacher Die Lohndifferenzen in der mechanischen abgezweigte Abteilung beim llebergang über den Kunenefluß bont den jezt in Rußland bestehenden wirtschaftlichen Verhältnissen eine Schuhwarenfabrik von uftein n. Co. find auf dem Wege der Feinde überrascht und heftig angegriffen worden sei. Die aus sehr ernste Sache. Der russische Bauer, der ohnehin vielfach nur Verständigung zwischen den Fabrikanten und Arbeitern erledigt 499 Mann bestehende Abteilung habe 254 ant Toten und 50 an eben fortpegetiert, wird den Schmachtriemen noch enger anziehen worden. Unter den Toten feien 15 Offiziere. müssen. 8entralberband der Schuhmacher Deutschland 3. Hauptkolonne fet auch in das Feuer gekommen, habe keine nennensBorlesungen für junge Kaufleute. In den von den Weltesten der Achtung! Alle Möbelpolierer, welche in Pianofabriken werten Verluste erlitten. Kaufmannschaft von Berlin für das Vierteljahr Oktober- Dezember beschäftigt find, werden hiermit aufgefordert, überall da, wo sich die 1904 veranstalteten rechtswissenschaftlichen und volkswirtschaftlichen Pianoarbeiter im Streit befinden resp. in Streit treten, sofort Rio de Janeiro, 5. Oftober.( Meldung der„ Agence Havas".) Vorlesungen beginnen: Die Arbeit nie berzulegen und sich beim Vorsigenden With. Sier ist ein neues Auftreten der Best festgestellt worden. In der 1. am Montag, ben 17. Ottober, die Vorträge der Nitschke, Kopernikusstr. 5, zu melden. legten Woche starben 12 Bersonen an der Seuche, 00 Kvante befinden Herren Landgerichtsrat Dr. Marcus( das III. Buch des HandelsDer Vorstand des Verbandes der Möbelpoliever. fich in ärztlicher Behandlung. Beranti. Nebakteur: Paul Büttner, Berlin. Inferatenteil berantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen n. Unterhaltungsblatt Verwundeten verloren. Die Best in Brasilien. Die »t. 2B5. 21. mm* i. Stilllgt k$.lonörts" Kerlilltl Mlksdllllt.«-««- Nenes Material zum Herero-Aufstande. (Schluß.) Der südwestafrikanische Farmer fährt dann in der„Allgemeinen Deutschen Universitäts-Zeitung" fort: .... Damals, vor der Zeit Leutweins, verabfolgten die Ein- geborenen an Ort und Stelle betrügerischen Händlern ihre ge- bührende Tracht Prügel, indem sie solche Leute über die Wagendeichsel zogen.?robatum est! Später, wo geordnete Verhältmfse geschaffen werden mußten, mußte dieses probate Mittel leider aufhören. Und wie segensreich hätte es sich erwiesen, wenn dieses Mittel für solche Leute Gesetz geworden wäre! In den meisten Fällen hat wohl die Polizei von den Uebergriffen nichts erfahren; denn der Eingeborene, Haupt- sächlich der im Felde, erträgt dummerweise viel eher ein ihm zu- gefügtes Unrecht, als daß er die Sache der Polizei zur Anzeige bringt. Und so kommen wir zum zweiten Punkte: „Der Eingeborene vor Gericht." Wie viel mal hörte ich die Klagen:„Du sagst, wir sollen zur Station gehen und uns beschweren, wenn jemand uns Unrecht tut. Was hilft's? Wir sind ja nur Eingeborene, uns glaubt man nicht!" Welcher Vorwurf liegt nicht für uns Weine darin?! Wenn auch die Eingeborenen die Engel nicht sind, als welche sie sich ihren Missionaren gegenüber gewöhnlich vorstellen, das Empfinden hatten sie, daß ihrer Aussage, wenn überhaupt, doch nur ein verschwindend geringer Wert beigelegt zu werden pflegt. Nehmen wir zu Gunsten der höheren, mit Strafgewalt versehenen Beamten an, daß trotz dieser Klage von ihnen Recht als Recht gesprochen wurde ohne Ansehen der Farbe. Der Angriff richtet sich wohl mehr gegen die niederen Polizeiorgane, die in Unkenntnis der Sprache bei möglicherweise noch schlechtem Dolmetscher manches auf sich luden; zudem waren oft nicht die Edelsten bei der mangelhasten Bezahlung Polizisten. Mißverständnisse und mangelndes Interesse waren die notwendigen Folgen.... Wie gesagt, die Eingeborenen empfanden, daß von vornherein Polizisten, sofern sie in einer Aussauger- zone atmeten, darunter litten und ihren Aussagen weniger Glauben beizumessen beliebten wie denen von Weißen.... Nur kommt zu all dem, was meines Erachtens ein Kernpunkt der Gährung bildete, hinzu, daß in den letzten Jahren unter dem Zeichen des'Alkohols stehende Individuen Eingeborene aus nichtigen Gründen wie tolle Hunde niederschössen. Statt solche Leute dauernd unschädlich zu machen durch Einsperren in eine I r r e n a n st a l t oder in Zuchthäusern, gehen sie nach 1—2 Jahren bequemer und kostenfreier Unterkunst im Gefängnis als Gentleman wieder einher. Wo bleibt das Blut, das Blut verlangt? Diese Sühne verlangt das Hererogesctz für einen Mord und mehr oder minder kann ein Riederschießen doch nicht sein, wenigstens nicht in den Augen der Eingeborenen. Der letzte derartige Fall war der des verkrachten Kaufmanns Dittrich auf Omaruru. Statt solchen Mann nach Vollbringung seiner Tat in Haft zu b e h a l t e n, ihn den Augen der Herero zu entziehen, läßt ihn der Richter auf freiem Fuße, der Gentleman arbeitet als Buchhalter der Firma Nösemau» unter den Augen derer, deren Zlnverwandte er erschossen, auf Karibib weiter und findet nachher ein Gericht, das ihn— freisprach. Draußen vor der offenen Türe standen, die beteiligten Eingeborenen— die Kapitäne Zacharias und Michael mit ihren Großlcuten— denn um die leibliche Tochter des KapitänS Banju, die Frau des Stief- sohnes Zacharias handelte es sich, sie hörten, daß das Niederknallen ungesühnt bleiben sollte. Wenn ob dieses Spruches eine allgemeine Empörung nicht nur unter den Eingeborenen, fondern auch den rechtlich denkenden Weihen Platz griff, so dürfte es erklärlich sein, — die blutige Quittung, von welcher der als Staatsanwaltschafts- Vertreter amtierende Distriktschef von Karibib damals gesprochen, die angesichts solcher Fälle nur eine Frage der Zeit wäre, w i r haben sie drei Monate nachher erhalten. Was gilt noch die Aburteilung in höchster Instanz zu drei Jahren Gefängnis in den Augen der Eingeborenen, wenn ein solcher Zeitraum vom Tage des Mordes bis zur endgültigen Aburteilung ihrem Empfinden Raum geben konnte, daß ihre Angelegenheiten doch in anderem Lichte von den weißen Beisitzern besehen werden als die der Weißen. Wenn derartige Fälle nur Monate dauern, bis csie abgeurteilt werden, dann konnte noch von Glück gesagt werden; «ich kenne deren andere, wo Jahr und Tag verstrichen sind und sie harren noch immer ihrer Aburteilung. Wenn ferner, was dahin gestellt sein mag, ein Beisitzer unvorsichtigerlveise sich dahin geäußert haben soll, man könne um eines Eingeborenen willen den Dittrich nicht unglücklich machen, dann ist jegliche Erläuterung «überflüssig. Daher die Scheu der Eingeborenen, ihre Sachen vor das Gericht zu bringen. Ohnmächtig stehen solchen Urteilen der Gouverneur und die Polizeiorgane gegenüber, die geballte Faust bleibt ihnen wie den Anklägern. Diese Tatsache läßt sich nicht ab- streiten, sie ist zu offensichtlich, und da sollten ehrliche unparteiische Männer sich nicht�rühren, uni der Wahrheit der Verhältnisse die Ehre zu geben!„So und nicht anders steht es in Südwest, anders wird's nur, wenn den Elementen das Handwerk entschieden gelegt wird, die nur auf Raubbau bedacht sind."... Ueber die Behandlung der Eingeborenen im täglichen Leben kann nur gesagt werden, daß sie viel zu wünsche» übrig läßt. Aus sprachlichen Mißverständnissen erwächst zu leicht, vor allem bei Un- gebildeten, die Gewalttat, und die Folge davon, das Weglaufen der Eingeborenen. Dazu kommt noch das System vieler Weißen, den eingeborenen Arbeiter ebenfalls nur auszunützen, an dessen Wohl zu denken liegt ihnen fern. Der Eingeborene erhält seine Verpflegung, die noch mangelhaft, den Lohn bei Vielen nicht in bar, sondern in Waren, doch lediglich nur, um auch hieran wieder zu verdienen. Das sollte der Eingeborene nicht fühlen? Sollte er Interesse an dem Gut seines Herrn nehmen, wenn ihm selbst nicht das leiseste entgegengebracht wird? Ich habe jahrelang dieselben Arbeiter und sie sind treu, das haben sie in der schweren Zeit bewiesen, sie beweisen es heute noch. Und warum? Nur weil Strenge sich mit Milde paarte, weil ich in ihnen nicht das sah, was andere sahen, den Gegenstand der Ausbeutung.... Ich gehe nun zum letzten Punkt der Klagen über: „Die Farmvcrkäufe." Daß ein Kulturvolk, wie das deutsche, das zur Gründung von Kolonien schritt, nicht nur die Absicht dabei hatte, seine aufgewendeten Millionen lediglich im Sinne der Eingeborenen zu verwenden, sondern daß es von vornherein den Gedanken verfolgte, aus dem Lande nach Möglichkeit Nutzen zu ziehen, ist selbstverständlich. Aller- dings hätte ich es für besser gefunden, statt der.Schutzverträge" von vornherein den Standpunkt des Stärkeren zu vertreten: Wir wollen die Kolonien als unbestrittene» Besitz, ihr Eingeborenen müht zu unserer freien Verfügung all das überlassen, was ihr besitzt.(I) Unter diesem Gesichtspunkte hätte damals unter Aufgebot von 2—3000 Mann die Kolonie erobert werden müssen. Wenn dies zu jener Zeit verabsäumt wurde(d. h. zurzeit der Besitzergreifung), konnte später der Gouverneur im Reichstage, wo er nur mit Versprechungen die Volksvertreter zu vcr- trösten hatte, konnte er zur Entwaffnung der Eingeborenen 3000 Mann Verstärkung verlangen? Ich glaube, man hätte im Reichstage sich nicht wenig darüber entrüstet, vor allem auch schon wegen der Frage der Notwendigkeit der Entwaffnung.... Daß Land von den Herero verkauft werden mutzte, lag in dem Fortgange der Ent- Wickelung und in dem Umstände, daß die Gesellschaften mit Land- konzessionen und im Streben nach Landwucher Farmen zu einem schrecklich hohen Preise anboten und die Regierung Land nur in beschränktem Maße besaß. Die Art und Weise jedoch, wie sich die Farmverkäufe häufig vollzogen, sie war es mit. die böses Blut erregen mußte. Gewöhnlich suchten Händler und auch sog. Kaufleute sich die Gunst der Schnapstapitüne zu erwerben, gaben ihnen bei 3— SOO Proz. Verdienst Kredit, daß, wenn sie eine Ahnung gehabt hätten von dem, was sie damit für ihr Volk taten, ihnen die Haare zu Berge gestanden hätten. Waren die Kapitäne genügend in der Tinte, hatte man mit etwas Schnaps dann noch nachgeholsen und es verstanden, sich einige willige Großleute gleichen Schlages sür die Farmsache zu gewinnen, dann wurde ein Kontrakt aufgesetzt, die Schnapskavitäne und ihr Anhang unterschrieben— und die Folge davon war eine billige Farm. Ich kenne eine Firma, die ein Fürstentum sich, wenn nicht auf gleiche Weise, so doch auf ähnliche Weise„erworben" hatte. Ich kenne dafür andere, allerdings un- parlamentarische Bezeichnungen, die hier am Platze wären. Wenn dann diese Sorte Ansiedler noch„Glück" im Felde hatte, sei es, daß sie selbst handelten oder Händler schickten, dann konnten sie unter 20— 30 000 M. Reinverdienst jährlich ihre Bücher nicht ab- schließen. Bedenkt man das Kapital, das anfangs diesen Leuten zu Gebote gestanden, hört man jetzt, was der einzelne all dieser Leute vor dem Aufstande besessen haben will, dann muß man sagen:„Die wertvollste, die am meisten verkannte Kolonie ist und bleibt doch Süd- wcst", das Land, wo Milch und Honig flieht, das Land, wo man als Schmarotzer der Herero sich mästen konnte. Mit diesen Leuten konnte der ordentliche Farmer, der in bar sein Stück Land laufte, nicht in Wettbewerb treten, weil auf seinem Grund und Boden ihm die Last des baren Geldes ruhte, und er erst diesem das abringen mußte, was ihm zum Fortkommen dienen sollte. Wenn entschädigt werden soll, dann in erster Linie die Farmer, von denen die Wirt- schaftliche EntWickelung der Kolonie Nutzen zieht; denen aber, die als Händler der sonstwie als bessere Betrüger und Gauner unter den Eingeborenen bekannt waren, keinen Heller! Diese durch eine Kommission aus der Heimat an der Hand der Polizeiakten und der Aussagen der Herero selbst festzustellen, ist leichter, als man denkt...." Versammlungen. In der Versammlung des ersten Wahlkreises erfolgte die Bericht- erstattung von der Brandenburger Provinzialtonferenz durch die Genossen B o l z m a n n und Lucht. Ersterer sprach über die Ein- nahmen und Ausgaben sowie den Umfang der seitens der Agitations- Komnlission entfalteten Propaganda; Lucht über Presse und sonstige Verhandlungen sowie das ausgezeichnete Referat Stadthagens. Eine Diskussion fand hierüber nicht statt. Genosse Dr. Ar o u S erhielt darauf das Wort zur Berichterstattung vom Bremer Partei- tag. Er erklärt, daß er auf alle Verhandlungen des Partei- tageS nicht so ausführlich eingehen könne und hat sich zu eingehender Besprechung die beiden wichtigsten Punkte, Partei- Organisation und Kommunalprogramm vorbehalten, ans bereit Besprechung und Behandlung sich viel Neues und Jnter- essantes ergeben könnte. Speziell das Referat des Genossen Linbemanu und das von ihm im Auftrage der Partei aufgestellte lkommunalprogramm Iverden einen vorzüglichen Rahmen abgeben, in dem sich unsere Arbeit in den Gemeinden in Zukunft zu regeln hat. Der zweite Punkt, OrgauisatiouSstatut, zeigte schon durch die große Anzahl der eingegangenen Anträge, daß es nicht möglich sein würde, auf diesem Parteitage diese Sache zu verabschieden. Es wurde deshalb eine Kom- Mission von 23 Mitgliedern gewählt, die spätestens drei Monate vor dem Zusanmientrcten des nächstjährigen Parteitages einen neuen Organisationsentwurf auszuarbeiten und den Partei- genossen zu unterbreiten hat. In dieser Kommission sind alle Laiidesteile geeignet vertreten; besonders glücklich findet Redner die Wahl der beiden Genossen Freythaler für Berlin und Silberschmidt für die Provinz Brandenburg, da in dieser Wahl Gewerkschaft und Partei durch die besten Kräfte vertreten sind. Ilebcr die Mai- feier-Resolution ist nicht viel zu sagen, da sie sich fast Wort- lich mit der Münchener vom vorigen Jahre deckt. Interessant bei den Verhandlungen war, daß verschiedene Gewerkschaftler scharf gegen die Arbeitsrnhe zu Felde zogen. Bei den Berichten über den Amsterdamer internationalen Kongreß zeigten Bebel und Bernstein in ihren Ausführungen keinerlei Abweichung über den Wert der Verhandlungen. B ö m e l b u r g blieb es vorbehalten, interessante Beobachtungen mitzuteilen über das Verhalten der Gewerkschaften der verschiedenen außerdeutschcn Länder zu einander, und die Gegensätze, die dabei zu Tage traten. Das Gehalt der Parteisekretäre wurde auf Antrag Meisters um 60 Mark erhöht, doch sei der Modus der Abstimmung zu tadeln gewesen, der zu einem Zwischenfall Anlaß gab, an dem auch zwei Berliner Delegierte beteiligt waren. Der Fall Schippe! gab unseren Gegnern die Hoffnung, eine Neu-Auflage Dresdens zu erhalten. Wenn nun auch zirka acht Stunden darüber verhandelt wurde, so ist der Fall doch so geklärt, daß sich kein Gegner mehr darauf wird berufen können. Aus den weiteren Aus- führungen des Redners geht übrigens hervor, daß im Fall Schippel die beiden Delegierten des ersten Kreises nicht einer Auffassung waren, was sich auch in der beiderseitigen Abstimmung dokumentierte.— Die Kolonialkredite- Bewilligimg für den Hererokrieg und den abgelehnten Antrag Essen, sowie den Protest deS pommerschen Wahl- kreises gegen die Abstimmung der Fraktion bei der Gesetzesvorlage, betreffend Kaufmannsgerichte zog der Redner nunmehr in den KreiS seiner Erörterung und verteidigt den Standpunkt, den der Parteitag hierbei eingenommen hat, als er beide Antrüge ablehnte.— Zu der Frage des G e n e r a l st r e i k s übergehend, berichtet Arons, daß derselbe allgemein einer ablehnenden Haltung begegnete, trotzdem die Ereignisse in Italien eine Versuchung für die Freunde des Generalstreiks, diese Frage zu neuer ausführ- licher Besprechung zu bringen, nahe legten. Es ist nicht Auf- gäbe des praktischen Politikers, vorher darüber zu debattieren, was bei besonderen Veranlassungen, Aufhebung des gleichen Wahl- rechts und sonstigen Gewaltstreichen der Herrschenden zn geschehen hat. Nur ganz außergewöhnliche Fälle könnten Anlaß zu einer derartigen Abivehr bieten. Die Grundlage für den Erfolg liegt aber einzig und allein in der umfassendsten Aufklärung und Organisation der Massen der Bevölkerung. Der Antrag„Schulfrage', zu dessen Vertretung Redner beauftragt war, ist gefallen und einer Preußeukonferenz überwiesen worden. Es wäre zu wünschen, daß diese Konferenz zu einer dauernden Institution gemacht würde, Material ist reichlich vorhanden.— Antrag 92 des ersten Wahlkreises: Regelung der Gehälter der Buchhaudlungs-Angestellten, fand nicht einmal die Unterstützung der Berliner Delegierten; nur die zwei Abgesandten des ersten Kreises stimmten dafür. Der Antrag 105 der Elbiuger Genossen, den auch der erste Wahlkreis zu dem seinigeu gemacht hatte, nachdem weiter- gehende Anträge gefallen ivaren, gab auf dem Parteitage zu sehr heftigen Ablehnungen seitens verschiedener Redner Anlaß: ES sei unmöglich zu verhindern, daß durch eine derartige Agitation namen- loseS Unglück über eine große Zahl von jungen Leuten gebracht wird. Der Vorschlag AronS, den Antrag dem Partei- vorstände zur Erwägung zu überweisen, wurde ebenfalls von Fischer, Schöpflin und Molkenbuhr sehr entschieden bekämpft und abgelehnt. Das einzige, ivas von dem Antrag 106 übrig blieb, war' eine Resolution, an der dem Redner besonders der Zwischensatz sehr wichtig erscheint, daß die Kameraden sich auch selbst nicht an den Mißhandlungen beteiligen mögen, wie es leider so oft schon seitens der älteren Mannschaften geschehen ist und gericht- lich festgestellt wurde.— Zum Schluß forderte der Redner die Partei- genossen auf. sich das ganze Jahr mit der Arbeit für den nächsten Parteitag zu beschäftigen und zu beraten, welche Forderungen zu stellen sind, und dies nicht solchen Genossen zü überlassen, die sich sonst an der Mitarbeit nicht beteiligen, aber am Tage der Partcitags-Versainmlung erscheinen und nun oft Anträge produzieren, die dem Parteitag, wenn sie Unterstützung finden, nur unnötige Arbeit machen. In der Diskussion tadelte zunächst Hahn, daß Arons gegen die Vebel-Resolution, Schippel betreffend, gestimmt hat, so daß zwischen den beiden Delegierten des Kreises eine Spaltung bestand. Gnttmann wundert sich, daß über den Antrag 106 seitens Bebels und anderer Delegierten in einem solchen Schulmeisterton hergezogen wurde, und machte seinen Unwillen darüber lebhaft und in'längeren Ausführungen kund. Er ist auch einpört, daß Arons jetzt ebenfalls den Antrag 106 fallen läßt, während er v o r dem Parteitag wesentliches nicht dagegen vorgebracht hätte. Auch in der Frage des Generalstreiks steht 65. auf dem Standpunkt, daß es wohl notwendig sei, denselben zu debattieren, und daß wir besonders aus den Vorgängen in Italien unsere Lehren zu ziehen hätten. Genosse Dr. Karl Liebknecht steht ebenfalls im scharfen Gegen- satze zu den Ausführungen des Referenten, besonders inbezug auf den Antrag 106. Wenn auch die Behandlung dieses Antrages auf dem Parteitage eine ganz zweckmäßige war, was er im Gegensatze zu Giuttmann gern anerkenne, so sei doch unverständlich, daß sein Eventualantrag so schnöde behandelt wurde. Er müsse seitens der Delegierten total mißverstanden worden sein, oder die scharfen Worte Fischers und der anderen Redner haben ihnen in den Gliedern gesteckt. Eingehend beschäftigte sich Redner nochmals mir dem Inhalt und Wert der bezüglichen Anträge und Debatten. Wichtiger noch als dieser Antrag ivar die Generalstreikfrage. Auch hier wendet sich L. gegen Arons' Stellungnahme und verirrt sich dabei auf die Vcr- Handlungen des österreichischen Parteitages. Auch er besteht auf die Notwendigkeit der Propagierung dieses Kampf- mittels und weist darauf hin, daß die Gewerkschaftler sich verschiedentlich energisch dagegen ausgesprochen haben und uns gegebenen Falls im Stiche lassen könnten, wenn die Frage der Anwendung an uns herantreten würde und uns unvorbereitet fände. Uebrigens unterscheidet Redner scharf zwischen Generalstreik und politischem Massenstreik, welch letztere Bezeichnung die richtigere und für die politischen Organisationen in Frage komme. Agitation und Organisation seien wohl Waffen, denen aber in besonderem Falle noch eine schärfere Waffe zur Seite stehen müsse, und das sei der Massenstreik. Eine Perspektive für die Zukunft sei diese Idee, von der alle Organisationen durchdrungen werden müsse», dann hat der Bremer Parteitag segensreich gewirkt, Bahn beantragt, sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden zu erklären, während ein Antrag Steuermann sich die Miß- billigung der Behandlung deS Antrages Liebknecht, betreffend die änti'militaristische Propaganda unter der Jugend, vorbehält.— Im Schlußwort geht Genosse Dr. Arons in recht ruhiger und sachlicher Weise auf die Angriffe der Vorredner ein lind widerlegt vor allen Dingen die Ausführungen, die auf die guten Erfahrungen mit der sozialistischen Jugenderziehung in Oesterreich hinwiesen. Er wendet sich nochmals gegen die Absicht, den Masseilstreik in langem vorzubereiten und zu diskutieren. Nur Agitation und Organisation sind unsere Waffen. Stach persönlichen Bemerkungen Gutt mannS und Dr. Karl Liebknechts wird der Antrag B o h n angenommen, durch lvelchen sich die Versammlung mit den Beschlüssen des Parteitages ein- verstanden erklärt. Zweiter Wahlkreis. Die Generalversammlung des Wahlveveins tagte in der Bockbrauerei. Den Bericht von der Provinzialkoufcrenz erstattete Genosse R e i m a n n, der einen kurzen Ueberblick über die Verhandlungen der Konferenz gab. H e n s e l, der in der Dis- kusfion das Wort nahm, wünschte, daß sich die Berliner Delegierten mehr au den Debatten, besonders bei der Organisationsfrage, be- teiligt hätten, um die Ansichten der Berliner Parteigenossen zu ver- treten, die ja doch hauptsächlich das Geld fiir die Agitation in der Provinz aufbringen müßten. Eine Zentralorganisation für die ganze Provinz hält der Redner nicht für angebracht, wohl aber eine Zentralisation der einzelnen Kreise.— Nachdem noch Hinze zu diesem Punkte gesprochm hatte, nahm die Versammlung die Berichte der Delegierten vom Parteitage entgegen. Schneider, der über die drei ersten Punkte der Tages- ordniing berichtete, gab eine Uebersicht über die Verhandlungen und bemerkte, daß die Delegierten des Kreises für Antrag 106, eine be- sondere Agitation unter der militärpflichtigen Jugend zu entfalten, nicht stimmen konnten, weil der Antrag, wenn er angenommen worden wäre, voraussichtlich bald wieder hätte aufgehoben werden müssen. A n t r i ck referierte über den parlamentarischen Bericht, die Maifeier und die Kommunalpolitik. In der Debatte über den parla- mentarischen Bericht seien drei Punkte hervorgetreten: Die Haltung der Frakriot» zum Hererokrieg, die Stellung des Pommerschen Provinzialtages zu den Sozialgesetzeu und die Angelegenheit Schippel.— In der Hevero-Angclegenheit habe sich der Parteitag mit der Haltung der Fraktion einverstanden erklärt. Redner be- merkte, daß er persönlich hierin anderer Ansicht sei. Er glaube aber, daß die Kritik, welche die Stimmenthaltung der Fraktion gefunden hat. dazu beitragen werde, daß die Fraktion künftig in allen der- artigen Fragen von vornherein eine Haltung einnehmen werde, die unserer Stellung zur Kolonialpolitik entspricht.— Die Gründe, tvelche Körsten namens des Pommerschen Provinzialtages dafür an- führte, daß wir für a l I e sozialpolitischen Gesetze zu stimmen hätten, seien nicht neu, sie seien von unseren Gegnern oft geltend gemacht worden. Dieser Standpunkt sei ein rückstandiger, den wir uns nicht zu eigen machen dürften.— Ausführlicher ging der Redner auf den Fall Schippel ein. Er erläuterte die Entstehung desselben und sagte dann mit Bezug auf den Beschluß des Parteitages: Es gebe Leute, welche hoffen, daß Schippel aus dem Mißtrauensvotum, welches ihm der Parteitag erteilte, die Konsequenzen ziehen werde. Er, Redner, habe in dieser Hinsicht eine andere Meinung von Schippel. Was er zu dieser Angelegenheit in Bremen sagte, halte er aufrecht.— Ueber die Maifeier brauche er nichts weiter sagen; der Beschluß sei so ausgefallen, wie er der Ansicht der Mehrheit der Parteigenossen entspreche.— Tie Kommunalpolitik sei wegen der vorgerückten Zeit in der Debatte sehr kurz behandelt worden. Gegen die Resolution Lindemann ließe sich manches sagen. Wenn sie zum aktuellen Partei- Programm erhoben werden sollte, dann würde wohl mancher Partei- Ort Bedenken gegen die Durchführung erhoben haben. So kurz die Verhandlung über diesen Punkt auch war, so habe sie doch gezeigt, daß wir auf dem Gebiete der Kommunalpolitik noch viel zu lernen haben.— Auch im allgemeinen sei die theoretische Schulung und systematische Bildung unserer Parteigenossen notwendig. Zu unseren jetzigen Führern könnten wir ja mit Vertrauen aufblicken. Es könne aber die Zeit kommen, wo andere Leute die Führung übernehmen, denen wir nicht mehr unbedingt vertrauen können. Für diesen Fall müßten die Parteigenossen durch gründliche Bildung befähigt werden, sich über alle wichtigen Fragen ein eigenes Urteil zu bilden, so daß sie nicht mehr nötig haben, den Führern mit blindem Vertrauen zu folgen. Der dritte Delegierte, Fritz Karl, besprach die übrigen Punkte der Tagesordnung des Parteitages. Dann folgte die DiS- kussion. Schneider ergänzte seinen Bericht noch, indem er die Haltung der Delegierten des Kreises zu der Erhöhung des Gehaltes der Parteisekretäre begründete. Die Delegierten hätten ihre Er- klärung: Sie würden bei einem anderen Abstimmungsmodus gegen die Gehaltserhöhung gestimmt haben, deshalb abgegeben, weil sie wissen, daß die Berliner Genossen die Gehaltserhöhung, weil sie un- vermutet kam, nicht bewilligt haben würden. Persönlich sei er dafür, daß die Sekretäre wirtschaftlich gut gestellt werden, er meine aber, die Kontrolleure hätten den Antrag früher stellen sollen, damit die Genossen dazu Stellung nehmen konnten. L ü d k e hält die zum Fall Schippel angenommene Resolution für nicht weitgeheied genug. Wer so wie Schippel gegen die Grund- sähe und Gepflogenheiten der Partei verstoßen habe, der dürfe keine führende Stellung in der Partei einnehmen. Zu solchem Führer könne die Masse der Parteigenossen kein Vertrauen haben. Redner hätte die Annahme M Resolution Katzenstein ßclminfcCst. Wenn einer von den Genoffen, welche die Kleinarbeit machen, sich so gegen die Partei vergangen hätte wie Schippel, dann wäre man nicht so nachsichtig verfahren. Auch hier bewahrheite sich das Wort: Die Kleinen hängt man und die Großen läßt man laufen.(Zu- stimmung.)— Der Standpunkt, den Körsren auf dem Parteitage vertrat, sei nicht eine Entgleisung eines einzelnen, sondern eine Ansicht, die von verschiedenen Parteigenossen vertreten werde. Redner ist als Handlungsgehilfe der Ansicht, daß die Fraktion richtig handelte, indem sie gegen das Kaufmannsgerichts-Gesetz stimmte.— Die revisionistische Strömung sei in, Gange, in den Gewerkschaften sei vom Klassenkampf kaum noch die Rede.(Wider- spruch.) B i e ch e l sprach ebenfalls gegen Schippel. Er, Redner, ver- stehe wohl, daß jemand wissenschaftlich zur Billigung von Agrar- zollen kommen kann, daß man aber mit solchen Ansichten noch Sozialdemokrat sein wolle, das verstehe er nicht. Schippel stehe nicht mehr auf unserem Standpunkte. Mit solchen Ansichten, wie sie Schippel vertrete, gehöre man nicht mehr in die Partei, aber es sei nicht anzunehmen, daß Schippel die Konsegncnzen aus der Re- solution Bebel-Freythaler ziehen werde. Weiter erklärte sich der Redner gegen die Stimmenthaltung der Fraktion in der Herero- frage, er verurteilte den Ton der„Leipziger Volkszeitung" gegen Stidekum und billigte nicht die Gehaltserhöhung der Parteisekretäre. I u d r i a n hätte ebenfalls ein schärferes Vorgehen gegen Schippel gewünscht. Was solle nun daraus werden, daß der Partei- tag ein Mißtrauensvotum gegen Schippel angenommen habe, seine Wähler sich aber mit ihm einverstanden erklärt hätten. Die Er- höhung des Gehaltes der Sekretäre billigt der Redner nicht. G r e m p e nahm unter anderem Bezug auf die Absetzung der Schulfrage von der Tagesordnung und befürwortete eine elementare Agitation gegen die preußische Schulvorlage. Schon damals, als diese Vorlage eingebracht wurde und die �Parteien ein Kompromiß für dieselbe schloffen, hätte von unserer Seite die Agitation gegen die Vorlage einsetzen müssen. Es sei doch nicht so sicher, daß die Vorlage in dieser Session nicht mehr erledigt werden würde, deshalb müßten wir unverzüglich eine lebhafte Agitation gegen dieselbe ent- falten. Weiter befürwortete der Redner die Herausgabe einer Jugendzeitschrift. Genosse Fischer würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er eine solche Schrift im Verlage des Vorwärts erscheinen ließe. Wenn das Werk begonnen sei, dann würden sich auch nach und nach die geeigneten Kräfte zur Mitarbeit finden, wie das auch bei anderen Zeitschriften, beispielsweise der„Kommunalen Praxis", der Fall war, um die sich während ihres Bestehens ein Stab tüchtiger Mitarbeiter gebildet habe.— Mit der Gehaltserhöhung der Sekretäre ist der Redner einverstanden. So tüchtigen und erprobten Genossen, wie wir sie im Parteivorstande haben, könne man die Gehaltserhöhung ohne weiteres gewähren.( Bravo I) A n t r i ck äußerte sich noch zu einigen Ausführungen der Vorredner. Silberschmidt trat der Ansicht Lüdkes, die Gewerkschaften betätigen den Klassenkampf nicht, entgegen mrd betonte, daß die ge- werkschaftliche Tätigkeit nichts anderes als Klassenkampf sei. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig ange- nommen: „Die Generalversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Bremer Parteitages sowie mit der Haltung der Delegierten des Kreises einvcrstairden und verpflichtet sich, für die Durchführung der Parteitagsbeschlüsse einzutreten." Die Parteiverstminilimg für den dritten Wahlkreis tagte im Dresdener Kasino, Dresdcnerstr. 96. Ucber die Provinzial- konferenz berichtete Genosse Lange, indem er ein zusaimnen- fassendes Bild von den Verhandlungen gab. Diskutiert wurde hier- über nicht. Den Bericht vom Parteitag erstattete zum teil Genosse Karl König. In großen Zügen schilderte er den Gang der Verhand- lungen bis zum Abschluß der Schippeldebatte. Seine Ausführungen blieben rein referierend.— Genosse R o s i n setzte dann die Berichterstattung fort. Er behandelte die Fragen der Organisation, Maifeier und Kommunalpolitik, gleichfalls sich auf eine einfache Wiedergabe der tatsächlichen Vorgänge auf dem Parteitag beschränkend.— Genosse Hahn als dritter Delegierter schloß die Berichterstattung mit einer Uebersicht über die ferneren Verhandlungen. Zu dem bekannten Südekum-Artikel der „Leipziger Volkszeitung" bemerkte Redner, er könne nicht begreifen. wie führende Parteigenossen sich dazu hergeben könnten, in einem Arbeiterblatt solche rüpelhasten Angriffe gegen andere Genossen zu bringen. Wenn das einfache Arbeiter täten, würde man sie mit Gassenjungen vergleichen. Genosse G ehrm an n als erster Diskussionsredner mißbilligt, daß man den Antrag Elbing betreffs Aufklärung der zur Fahne ein- berufenen jungen Leute in einer Weise abgetan habe, wie keinen zweiten. Im allgemeinen denke man darüber anders, als der Partei- tag, ohne daß man gerade auf Liebknechts Standpunkt stehen brauche. Dre Elbinger Genossen hatten mit ihrem Antrage gar nicht gewollt, daß sich die jungen Leute während der Militärzeit widersetzten. Der Parteitag hätte diesen Antrag annehmen sollen und lieber den ablehnen, der die Frage des Generalstreiks dem Partei- vorstand zur Erwägung darüber, ob sie auf dem nächsten Parteitage zur Verhandlung zu stellen sei, überwies. Vor dem Parteitag habe Genosse Friedeberg noch eine gewisse Abfuhr mit seinem Plane er- fahren, auf dem Parteitag hätten sich aber Schüler von ihm ge- fanden, die unter einer anderen Form dieselbe Meinung verträten und die es verstanden hätten, den erwähnten Antrag durchzudrücken. Es werde ja nun gesagt, der politische Massenstreik und der General- streik seien zweierlei. Er könne indessen keinen Unterschied finden. Berkehrt sei die auch von Liebknecht vertretene Auffassung, daß man sich wegen der Befürchtung der Wahlentrechtnng schon vorher nach anderen Waffen umsehen mühte. Auf die scheinbaren Erfolge der Italiener könne man sich nicht berufen. Ein deutsches Ministerium lvürde nicht dazu kommen. Order zu geben, abzusehen vom Aufmarsch der bewaffneten Macht. In Deutschland würde im gegebenen Falle sofort das Militär requiriert werden. Er erinnere an die Er- fahrungen bei der Maifeier, Ivo man das Militär in den Kasernen bereit gehalten habe. Wenn aber Genossen, wie Liebknecht mit seiner Bildung, für die Sache eintreten, so sei das geeignet, die breiten Massen zu verwirren. Mit der Stellungnahme der Kontrolleure in der Biele- selber Angelegenheit ist Redner einverstanden. Ueber die Abstimmung der Delegierten des Kreises in der Schippel-Affäre müsse er sein Bedauern aussprechen. Die drei Delegierten hätten geschlossen stimmen müssen, während König gegen das Amendement Freythaler gestimmt habe und die beiden anderen Delegierten dafür stimmten. Sie hätten sich vorher einigen können. Dem Redner ging die Resolution Bebel nicht weit genug. Mit Recht sei durch den Zusatz- antrag Freythalers ausgesprochen worden, daß Schippel, wenn er es so weiter treibe, die Konsequenzen zu ziehen habe. Damit sei ja nicht ausgesprochen, daß Schippel alsbald sein Mandat niederzulegen hätte. Daß der Parteitag über den Antrag des dritten Berliner Kreises, bei Stichwahlen zwischen Gegnern nicht zu stimmen, zur Tagesordnung übergegangen sei, müsse entschieden gerügt werden. Es treffe nicht zu, daß man vier Jahre Zeit habe, dazu Stellung zu nehmen. Es kämen doch öfter Ergänzungs- wählen vor, und dann wisse man garnicht, ob uns nicht über kurz oder lang eine Reichstags-Auflösung blühe. Es sei ihm beinahe unbegreiflich, wie man über diesen Antrag zur Tagesordnung habe übergehen können. Nach dem Verhalten der Freisinnigen bei den Landtagswahlen müßten wir die Stellung einnehmen, daß wir für den Freisinn keine Stimmen mehr übrig hätten.— Im Falle Südekum hätte der Parteitag noch schärfer gegen die„Leipziger Volkszeitimg" vorgehen müssen, denn schon die Stellungnahme des Blattes zu den SchiedZgerichtsurteilen in Sachen Heine, Göhre usw. habe die schärfste Verurteilung verdient. Er meine, daß die Redakteure, die jetzt aus dem Leipziger Organ herausgingen, ihm nicht von Nutzen gewesen seien und daß es in Leipzig auch ohne sie ganz.gut gehen werde. Genosse Hoch als Vorsitzender stellt fest, daß die letzte Parte,- Versammlung den Delegierten im Falle Schippel freie Hand gelassen habe. Genosse Harndt ist mit dem diesjährigen Parteitage cbeusoweuig zufrieden, wie mit dem vorjährigen. Er habe das Gefühl, daß sich bedenkliche Zeichen von Dekadenz bemerkbar machten. Die Partei- tage setzten gut ein, aber was nachkommt, sei Bärme. Die Sache Südekum-„Leipziger Volkszeitung" sehe er von einer anderen Seite wie die beiden letzten Vorredner an. Wenn man diese andere Seite betrachte, dann sei die Stellungnahme der„Leipziger Volkszeitung" nicht übel gewesen. Allerdings habe Südekum die Pflicht gehabt, der Prinzessin zu helfen. In Betracht komme aber: Südekum wohne in Berlin, kenne aber den„Vorwärts" nicht, sondern schildere seine Tat in Jaurss Blatt in Paris, und nun werde die Sache in ganz Deutschland breitgetreten. Weitere Darstellungen gebe Südekum im„Neuen Montagsblatt", er kenne noch nicht den „Vorwärts". Erst als er angegriffen werde, da finde er den„Vor- wärts". Er meine, die„Leipziger Volkszeitung" habe der Katze die Schelle umgehängt.— Auch ein Zeichen von Dekadenz sei es, wenn man immer jammere, der gute Ton sei zu Grunde gegangen. Wir hätten garnicht das Bedürfnis, so auf den guten Ton zu halten.— Was die Angelegenheit Schippel angehe, so siehe er auf dem Standpunst Ledebours. Wenn man solche An- schauungen vertrete und in solcher Weise, dann könne man keinen Platz in der Partei haben. Redner läßt sich scharf über den Genossen Schippel aus und sagt, Arbeiter würden es lumpig nennen, wenn jemand, wie Schippel beim Handbuch, seiner eigenen schriftlichen Arbeit auf Wunsch durch Umarbeitung zu einem anderen Sinn ver- helfe. Welchen Ausdruck die Gebildeten dafür hätten, müsse er ihnen überlassen. Ueber die Frage des Generalstreiks denke er auch anders als Gehrmann. Von 99 Personen werde die Frage 99 Mal verschieden aufgefaßt und behandelt. Ucber eine so vieldeutige Frage müsse aber auf einem Parteitage verhandelt werden. Damit lieferten wir den Gegnern keine Waffen aus. Man müsse Aufklärung darüber schaffen, und dies könne nur durch eine gründliche Disftission geschehen. Für den Rekrutcnantrag wäre er auch gewesen, denn die jungen Leute sollten ja nur über ihre Rechte belehrt werden.— Ueber das Verhalten der Delegierten bei der Beschlußfassung über die Gehaltszulage der Parteivorstands- Mitglieder habe er sich gewundert. Sie hätten sich melden können und sagen, 3699 M. seien genug, deswegen lehnten sie ihre Zu- stimmung ab. Aber nicht hinterher mit Erklärungen kommen und sich dahinter zurückziehen, daß man„keine große Staatsaktion machen" wollte, wie Anttick sich ausdrückte. Genosse K r ä ck e r hätte gewünscht, daß die Delegierten des Kreises ihren verschiedenen Standpunkt in Sachen Schippel motiviert hätten. Die Drei hätten sich auch verständigen können. König habe nach Redners Meinung falsch gestimmt, indem er abweichend von den beiden anderen Delegierten gegen das Amendement Freythaler stimmte. Nach der im dritten Wahlkreis herrschenden Stimmung hätte König dafür stimmen müssen. Ebenso seien die Delegierten des Kreises in der Gehaltsfrage der Vorstandsmitglieder der Partei nicht einig gewesen, da Rosin sich der Erklärung von Antrick und Genossen nicht angeschlossen habe, im Gegensatz zu König und Hahn. (Nach einer Rüge des Abstimmungsmodus besagt die Erklärung: „Wir erklären deshalb, daß wir bei einem anderen Abstimmungs- modus gegen diese Erhöhung gestimmt hätten". Den ablehnenden Standpunkt gegenüber der Erhöhung billigt Kräcker. Mit 3699 M. könne man als Mensch leben. Als die Ge- Haltserhöhung für die Unterbeamten des„Vorwärts" von der Preß- kommission abgelehnt worden sei, habe der Parteivorstand nicht Stellung genommen zu Gunsten der Beamten. Hier, wo es sich um die eigenen Leute handele, springe man gleich von 3699 ans 4299 M. Die Delegierten hätten ihren ablehnenden Standpunkt begründen müssen. Genosse H e i l m a n n: Von den Seiten aus dem Richterschen Handbuch, welche Schippel in des sozialdemokratische Handbuch über- nommen hatte und die ersetzt wurden, sei festgestellt, daß sie nicht eine abweichende Meinung enthielten. Ob das Wort„lumpig", das Harndt gebrauchte, darauf passe, müsse er Harndt überlassen. Harndt's Vorwürfe gegen Südekum seien ebenfalls unbegründet. Südekum sei festbesoldeter Mitarbeiter von Jaurss Zeitschrift und sei auch Mitarbeiter vom„Neuen Montagsblatt". Was sei natür- licher, daß er an diese Zeitschrift und diese Zeittmg sich mit seinen Beiträgen wende. Und schließlich habe sich Südekum damals in Paris befunden und dort geschrieben. Im übrigen habe er keinen Einfluß auf das, was die Blätter sonst schrieben.— Eine dring- liche Aufgabe für den Parteitag wäre es gewesen, die Schulmisere in Preußen zu kennzeichnen.— Daß man über den Antrag des dritten Wahlkreises, Stichwahlen betreffend, zur Tagesordnung über- gegangen sei, wäre nicht schlimm. ES sei ganz richtig, daß sich solche Beschlüsse in der Praxis nicht immer durchftihren ließen. In der Not fresse der Teufel"nianchmal Fliegen, was hier besagen wolle, in der Not sei der Freisinn doch schließlich das kleinere Uebel.— In der Schippel-Affäre wäre es das beste gewesen, wenn sich die Dele- gierten des dritten Kreises der Stimme enthalten hätten, da ja Schippel von der Vereinsleitung in einer Notlage zu dem Aufsehen erregenden Vortrag veranlaßt worden sei. Die Erhöhung der VorstandSgehälter von 3699 auf 4299 M. erklärt Redner für durchaus gerechtfertigt, umsomchr,' als in sechs Jahren keine Erhöhung eingetreten sei, indem allerlei Zufälle dazwischen kamen. Aufrichtig bedauert habe er, daß sich zwei der Delegierten des Kreises dagegen erklärt hätten, und mit Freuden habe er die nachträgliche Erklärung Königs vernommen, daß dieser durch Unter- zeichnung der Erklärung Antritts und Genossen nur gegen die Form der Abstimmung habe protestieren wollen. Redner wendet sich eben- falls gegen die„Leipziger Vollszeitung". Es dürfe nicht sein, daß ein Parteiblatt einen Abgeordneten unserer Partei in solcher ganz unbegründeten Weise in den Schmutz ziehe. Wie solle denn Südekum das nächste Mal seine Wahlagitation betreiben, wenn bürgerliche Blätter und Gegner sagten, ein angesehenes sozialdemokratisches Blatt schreibe, Südekum habe nur Interesse für Prinzessinnen, Krawatten usw. Er sei der Meinung, daß der Verlust dreier Wahl- kreise zum teil mit verschuldet sei durch die. Beschimpfungen, die Parteigenossen in und anläßlich Dresden gegen einander ausgestoßen hätten. Eine scharfe Rekttfikation der„Leipziger Volkszeitung" bezw. der in Betracht kommenden Personen wäre angebracht gewesen. Genosse E. Dittmer schloß sich dem Urteil des Vorredners über die„Leipziger Volkszeitung" an und vertritt eben- falls den Standpunkt, daß'man nicht bei Polemiken den guten Ton vermissen lassen solle. Dresden habe schädigend nach allen Richtungen gewirkt. Scharfe Ausdrücke könnten mal vorkommen, aber immer sei man dem Genossen Achtung schuldig, und stets müsse das auch in der Polemik zum Ausdruck kommen. Die Entscheidung des Parteitages im Falle Schippel sei die richtige gewesen. Redner hätte gewünscht, daß die Fragen der Kommunal- Politik auf dem Parteitage etwas eingehender erörtert worden wären. Wenn auch in der Resolution die Verhältnisse der nach Zehntausenden zählenden städtischen Arbeiter berücksichtigt wären, so habe er doch in den Verhandlungen selber eine Erörterung ihrer Lage und der Maßnahmen zu ihren Gunsten vermißt. Delegierter Hahn: Er habe für das Amendement Freythaler gestimmt, weil er der Meinung gewesen sei, daß es der Rüge in der Resolution Bebel eine Verwarnung für die Zukunft hinzufüge, ohne schon jetzt eine Mandatsniederlegung zu verlangen. Indessen glaube er, daß Resolution und Amendement dehnbar seien, weshalb sie von anderen Genossen anders ausgelegt worden wären, was wieder deren ablehnende Haltung gegen das Amendement Freythaler erkläre. Zurückweisen müsse er, daß der dritte Kreis schuld sei an dem„Fall Schippel". Die Versammlung im dritten Kreise sei gewissermaßen nur das letzte Blatt in einem Kranze gewesen. Er glaube, Schippel habe nur darauf gewartet, herausgeworfen zu werden. Wie im Falle Schippel werde auch hinsichtlich der Gehaltserhöhung den Delegierten des Kreises vorgeworfen, daß sie sich entzweit hätten. Ja, wo kein gebundenes Mandat vorliege, könne doch jeder nach seiner eigenen Ueberzeugnng stimmen. Er meine, die Gehalts- erhöhung sei mit eincmmale zu hoch gewesen. Genosse Piaskowsky findet die nachträgliche Erklärung der Delegierten in der Gehaltsfrage des Vorstandes lächerlich. Sie hätten eben rechtzeitig Einspruch erheben müssen gegen den Antrag, um ihren gegenteiligen Standpunkt zur Geltung bringen zu können. Redner hofft, daß der nächste Parteitag sowohl in der Alkohol« frage als auch in der Schulfrage verhandeln möge. Jene gehöre unbedingt zu dieser. Bevor nicht die Alkoholftage erörtert sei, nutze auch die Erörterung der Schulfrage nichts. Harndt bemerkt nach Schluß der Debatte persönlich, er habe bei seinen Ausführungen gegen Schippel nicht die drei Seiten aus dem Richterschen Buche gemeint, sondern die andere Umarbeitung, von der auf dem Parteitage noch gesprochen worden sei. Karl König(persönlich): Er habe die ganze Schippel-Affäre von Anfang an verfolgt und habe schließlich Schippcls wiederholte Erklärung gehört, daß er Gegner der Agrarzölle sei. Sein Gefühl habe ihn darauf geleitet, gegen das Amendement Freythaler zu stimmen, in welchem er einen politischen Todesstoß gegen Schippel gesehen habe. Er meine, man könne diesen Todesstoß unter den obwaltenden Umständen nicht einem Manne versetzen, der Großes für die Partei geleistet habe. Und er glaube, ein großer Teil von Genossen werde sich auf seinen Standpunkt stellen. Be- züglich der Gehaltserhöhung betont König in Ucbereinstimmung mit einer von ihm schon im„Vorwärts" abgegebenen Erklärung, daß er nicht prinzipiell gegen dieselbe sei und dem Genossen Antrick seine Unterschrift nur gegeben habe, um gegen die Art der Abstimmung Protest einzulegen. Eine andere Handhabung der Geschäftsführung wäre notwendig gewesen. Im übrigen hätten sich auf Dietz' Be-> mcrkung, es melde sich niemand, gleich etwa 19 Stimmen erhoben. Es möge ja sein, daß dies nicht bemerkt wurde. Es wäre gut ge- Wesen, wenn der Antrag vorher im Kreise zur Besprechung ge- langt wäre. Genosse St. Fritz legt nochmals dar, wie er seinerzeit dazu gekommen sei, Schippel zu dem Referat zu bewegen. Schippel habe die Wahrheit gesagt, daß er in einer durch die Abreise Schöpflins entstandenen Notlage auf sein(Fritz) Verlangen ein- gesprungen sei. Delegierter N o s in: Wenn Antritts Zettel(bei der Gehalts- frage) nur ein Protest gegen den Abstimmungsmodus gewesen wäre, dann hätte er ihn auch unterschrieben. Bei einer regelrechten Abstimmung hätte er aber für das Gehalt gestimmt. Es wurde nun die bereits gestern mitgeteilte Resolution mit großer Majorität angenommen. Damit fiel eine von Harndt ein- gebrachte Resolution, welche die Spaltung der Delegierten im Falle Schippel und in der Gehaltsfrage bedauerte und in Sachen Schippel die Resolution Bebel mit dem Amendement Freythaler für das mindeste erklärte. Tic Parteigenossen bcS 4. Kreises waren in Scheruchs Fest- sälen, Rüdersdorferstraße, zahlreich versammelt. Den Bericht der Provinzialkonferenz erstattete Genosse Ulm. Er gab die Verhand- lungen referierend wieder und forderte zu energischer Agitation unter der Landbevölkerung auf. Daun nahm Genosse I ä n s ch das Wort, um als Delegierter über den Bremer Parteitag zu berichten. Der Punkt„Schulfrage" sei, obwohl von allen Rednern als wichtig anerkannt, leider für das nächste Jahr zurückgestellt worden. Die preußischen Parteigenossen müßten zu dieser Frage unbedingt Stellung nehmen. Sobald die Gesetzcsvorlage nach ihrem Wortlaute bekannt sei, müsse eine Konferenz in dieser Sache stattfinden.— Den Bericht des Parteivorstandes, den Kassenbericht, Preßstatistik, so- wie Meisters Bericht der Kontrolleure streifte Redner kurz und gab der Erwartung Ausdruck, daß solche Zerwürfnisse, wie im Westen Deutschlands(Fall Emmel-Mühll>ausen und Windhoff-Düsieldors) sich unter den Parteigenossen nicht wiederholen möchten. Die An- träge zu Punkt„Presse", die auch der viette Kreis gestellt habe. seien dem Parteivorstcmd überwiesen worden und würoen von diesem hoffentlich berücksichtigt werden. Die„Neue Welt" sei in ihrer jetzigen Gestalt zu einseitig, bringe nur Stimmungsbilder, nichts allgemein wissenswertes, wie die bürgerlichen Blätter. Die Neu- gründung einer Jugendzeitschrift hielt Redner für minder wichtig. Mit Recht sei der Antrag 19ö(Agitation unter den jungen Leuren vor Eintritt in die Armee) abgelehnt worden. In der Alkoholfrage trat der Referent für eine vernünftige Einschränkung ein: getrunken werde und müsse ja immer werden. Wie diese Frage, so wünschte er auch die Frage des Generalstreiks auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages gesetzt. Beim parlamentarischen Bericht der Fraktion kam Redner auf den Fall Schippel zu sprechen. Wenn jemand, wie Schippel. innerhalb der sozialdemokratischen Parter der heutigen Regierung in ihrer Zollvolitik reckst gibt, so müsse das Proletariat instinttiv von diesem Manne abrücken. Er habe die bindenden Beschlüsse der Fraktion nicht beachtet, sich zu wenig mit den Fragen der Taktik im Interesse der Arbeiterklasse beschäftigt, dagegen zu viel mit der Theorie, und den Gegnern nur Material geliefert. Länder mit Freihandelspolitik hätten auch eine Land- Wirtschaft, allerdings beziehen die englischen Großgrundbesitzer nicht die Revenuen aus den Taschen der Allgemeinheit, wie in Deutsch- land: kommen daher erst an zweiter und dritter Stelle im Staat. Jetzt geht ein Staat gegen den andern vor. Die ganze Zoll- und Handelspolitik wird nur inszeniert zur Bereicherung der herrschenden Klassen. Bebel und Kautsky hätten ja auch Schippels irrige Auf- fassung gehörig beleuchtet. Zuni Schluß kam Jänsch noch auf das Mandat Fendrich zu sprechen, der auf eigne Kosten anwesend war. Derartige Delegationen müßten in Zukunft ein für allemal abge- wiesen werden. Genosse Jansen, als ziveiter Delegierter, referierte über die Frage der Organisation der Partei, die der Parteitag bis qum nächsten Jahre vertagt habe. Hoffentlich werde die Kommission, die 3 Monate vor dem Patteitag einen Statuteneniwurf zur Kritik den Genossen vorzulegen habe, nützliches leisten. Eine der wichligstcu Fragen sei der Antrag 63, der die Aenderung der Delegationen ver- langt, nach der Zahl der abgegebenen Stimmen der einzelnen Wahl- kreise. Es würde daraus ein mehr zahlreiches Arbeiterparlament entstehen, jedoch sei der Kostenpunkt zu bedenken. Jeder der in Frage kommenden 281 Kreise müßte zu den Unkosten herangezogen werden, die heute von den großen Städten allein aufgebracht werden. Daß die Einsetzung eines Schiedsgerichtes nur auf Antrag einer Organi- sation geschehen kann, werde ebenfalls alte Uebelstände beseitigen. Bei der Abstimmung in der Gehaltsfrage der Sekretäre und des Kassierers sei es sehr eigenartig zugegangen; denn erfahrungsgemäß fehle es am letzten Tage an der nötigen Aufme'ksamkcit. Wir vermißten den üblichen Abstimmungsmodus. Böser Wille seitens des Bureaus mag nicht vorhanden sein; aber unsere Zurufe sind über- hört worden. Zur„M a i f e i e r" haben wir die Resolution des Referenten angenommen, die sich deckt mit dSm Beschluß des intcr- nationalen Kongresses in Amsterdam.— In der sehr lebhaften Tis- kussion erinnerte Genosse S t u m p e nochmals an den Zollkampf, den das Proletariat geführt habe, und wandte sich scharf gegen Schippel. Dieser habe seine Pflicht als Vertreter der Arbeiterschaft nickst getan. Es sc' wünschenswert, er ginge freiwillig, damit endlich diese Dinge erledigt würden. P o e tz s ch spricht zur Organisations- frage, gegen den„Rekrutenantrag". Eins passe nicht für alle. Was in Belgien die junge sozialistische Garde tue, sei für Deutschland un- möglich und würde den Beteiligten Jahrzehnte Zuchthaus kosten. Wichtiger sei die Jugenderziehung seitens der Eltern, nicht die Auf- klärung im letzten Augenblick. In der Alkoholfvage ist Redner für Mäßigkeit. Schippcls jetzige Sünden sind nicht so schwer, als seine vielfachen früheren Seitensprünge, aus diesem Gefühl heraus sei auch wohl die Resolution gegen ihn angenommen worden, die zu scharf sei. Er könnte seine großen Kenntnisse besser verwenden. Poetzsch wundert sich, daß Delegierte, die materiell besser stehen, sich zum Mundstück des Protestes gegen die Gehaltserhöhung der Sekretäre hergegeben haben.— S ch l e n l e r spricht gegen die Neutralität der Gewerkschaften, die jungen Proletarier müßten mehr zum Sozialismus erzogen werden. Zum 1. Mai müsse völlige Arbeitsruhe�eintreten. Die Waffe des Generalstreiks müsse Anerkennung finden. In Sachen der Frau G u b e l a ist Redner der Meinung, daß ihre Aechtung nach dem Organisationsstatut nicht zulässig sei; seitens der Berliner Ver- trauensleure sei man nicht konsequent verfahren. In der Gehalts- ftage ist Redner gegen die bewilligte Erhöhung; es hätte von der Kontrollkommission ein Antrag gestellt werden müssen. Im Schlußwort berichtigt Genosse Jänsch den Fall Gubela. Er ersucht die Genossen, die Sache Schippel nochmals zu prüfen und ver- tveist auf die„Neue Zeit" und die„Sozialistischen Monatshefte". Korrekt sei man bei der Gehaltsfrage nicht verfahren, da die Unter- stützungsfrage nicht gestellt war. Für eine Erhöhung um 300, also auf 3000 M. sei er auch zu haben gewesen. Die Versammlung erklärt sich, wie schon berichtet, mit den Er- gebnissen des Parteitages und mit der Haltung ihrer Delegierten daselbst im ganzen einverstanden. , Fünfter Wahlkreis. Der sozialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag in Leydeckers Saal seine Gencralversainniliing ab, um die Berichte von der Brandenburger Provinzialkonferenz und von, Bremer Parteitage entgegenzunehmen. Vor Eintritt in die Tages- ordnung ehrten die Anwesenden das Andenken des verstorbenen Genossen Koch in der üblichen Weise, worauf 42 Mitglieder als neu aufgenommen bestätigt wurden. Sodann gab Stange den Bericht von der Provinzialkonferenz. Allgemeine Entriistuiigsrufe erschallten aus der Versannnlung, als der Redner bei Erwähnung des preußischen Kontraktbruchgesetzes die unmenschliche Behandlung und Ausbeutung der den Agrariern überantworteten Waisenkinder schilderte. Eine Diskussion über den Bericht wurde nicht beliebt. Den Bericht vom Bremer Parteitag erstatteten Zucht und H a n i s ch. Der erste Redner hob den ruhigen, sachlichen Charakter der Parteitagsverhandlungen hervor, die in einem wohltuenden Gegensatz� zu Dresden gestanden hätten. Leider sei es nicht gelungen, die Schulfrage auf die Tagesordnung zu setzen. Was die Referenten- frage anbelange, so hätten die Delegierten der Provinzen gar nicht fo unrecht, sich bei dem Verlangen nach Redner»„mit Titel" auf Berlin zu berufen, denn auch hier seien die Versammlungen mit namhaften Rednern stets besser besucht, als wenn„Schulze aus Rix- dorf" als Referent angekündigt würde. Hervorheben wolle er sodann, daß der von Liebknecht begründete Antrag 105, betreffend die Rckrutenagitation, zu großer Befriedigung fast sämtlicher Dele- ierten abgelehnt worden sei. In der Schippelschcn Angelegenheit at Redner wohl für die Resolution Bebel, aber gegen das Amendement Frehthaler gestimmt, weil dieses zu unklar gewesen sei und im Grunde genommen nur ein wertloses Anhängsel zur Re- solution Bebel darstellt. Natürlich verurteile er die Haltung Schippels genau so wie sein Mitdelegierter Hamich, der auch für das Amendement Frehthaler gestimmt hat. Wenn aber Bebel meinte, Schippe! sei eS gewissermaßen darum zu tun gewesen, aus der Partei hinausgeworfen zu werden, so sei er. Redner, denn doch gegenteiliger Meinung. Vielmehr hahe Schippe! in seiner Schluß- rede, die übrigens ein rhetorisches Meisterstück gewesen sei, aus- drücklich betont, wieviel ihm an der Parteizugehörigkeit liege. H a n i s ch. der hierauf den Bericht von Zucht ergänzt, hebt hervor, er habe mit voller Ueberzeugung für das Amendement Frehthaler gestimmt, ja dieses sei ihm eigentlich gar nicht einmal scharf genug geivesen. Betreffs des Kommunalprogrannns hätte Redner es für richtiger gehalten, wenn dasselbe einer Konferenz von Partei- genössischen Gemeindevertretern zur definitiven Ausarbeitung über- iviesen worden wäre. Alles in allem genonimen, könne sich wohl jeder mit den Verhandlungen und Beschlüssen des Parteitages ein- verstanden erklären. Schulz und W a S n e r bemängeln, daß Zucht nicht ebenso wie Hanisch für das Amendement Frehthaler gestimmt hat. Liepmann hält das Amendement Frehthaler auch gerade für kein Muster von Klarheit, dennoch würde er an Juchts Stelle dafür gestimmt haben. Ihm scheine überhaupt, als sei man in Bremen um den Fall Schippe! herumgegangen wie die Katze um den heißen Brei. Schippe! habe sich längst als unzuverlässiger Cha>akter he- wiesen. Wer nur daran denke, wie Schippe! die Unabhängigenbewcgung eingerührt und sich dann rechtzeitig saldiert habe, als seine damaligen Memungsgenossen in der Tinte saßen, der könne ihn nach seinen neuesten Leistungen nicht mehr als Vertreter der Partei im Reichs- tage anerkennen. Man hätte ihn einfach zur Niedcrlegung seines Mandats zwingen müssen. Redner bemängelt ferner, daß über die Organisationsfrage keine Generaldiskussion zugelassen wurde; der gewählten Kommission hätte es sicher keinen Schaden getan, wenn ihr vom Parteitag in ergibiger Diskussion Anregungen und Direktiven gegeben worden wären. Am unangenehmsten aber habe er es empfunden, daß auf den: Parteitage leider wieder ein gewisser Gegensatz zwffchen Partei und Gewerkschaften hervorgetreten sei, ein Gegensatz, wie er bei den beiden in innigster Personal- union stehenden Körperschaften eigentlich nicht bestehen sollte. Man müsse sich Wundern über eine Rede, wie sie der Genosse L'iörsten gehalten habe. Körsten habe nicht wie ein Sozial- demokrat, sondern wie ein Sozialreformer oder wie ein National- fozialerhjesprochen. Und dabei sei Körsten Sekretär der Berliner GeWerk- schaftskommission. Die Genossen in den Gewerkschaften würden wohl kaum umhin können, ihrem ersten Sekretär zu Gemüte zu führen, daß er in Bremen nicht in ihrem Sinne gesprochen habe. Was nun die Gcsamtverhandlungen des Parteitages anbelange, so könne er dieselben nur als äußerst nüchtern und trist bezeichnen. Obwohl er die Vorgänge in Dresden vor einem Jahr mitverurteilt habe, so überkomme ihn jetzt doch förmlich ein Gefühl der Beftiedignng über den vorjährigen Parteitag, wenn er Dresden mit Bremen in Vergleich zieht. Er müsse es aussprechen: An Anregungen für die sozialdemokratische Sache habe Bremen einfach nichts geboten. Die Leistungen dieses Parteitages seien durchaus unbefriedigend. Ritter ist der Meinung, daß die Gewerkschaften mehr auf ihre Führer achten möchten, daniit nicht künstliche Gegensätze zwischen Partei und Gewerkschaften geschaffen würden. P o u t o w pflichtete ihm bei und kritisierte die Haltung Robert Schmidts in der Mai- feier-Frage. Hertz er kann sich mit dem Vorgehen gegen Schippe! nicht einverstanden erklären. Er findet dagegen die Gehalts- erhöhung der Parteisekretäre für unverantwortlich und ist der Meinung, die Delegierten des Parteitages hätten entschieden gescheiter gehandelt, in Bremen die wichtige Schnlftage zu erörtern, als zum Vergnügen nach Helgoland zu gondeln. Wels polemisierte in der Schippelsache und der Gehälter- angelegenheit gegen Hertzer. Bezüglich Schippels stehe er auf dem Standpunkte Ledebours. Jin Gegensatz zu Liepmann ivolle er jedoch betonen, daß der Bremer Parteitag zweifellos sehr vieles für die Partei geleistet habe.— In seinem Schlußwort geht Zucht noch auf verschiedene Einwendungen der Disknssionsredner ein und kommt zu dem Resümee, daß jeder Genosse mit dem Verlauf des Partei- tages wohl zufrieden sein könne. Er teilte sodann mit, daß am 23. Oktoher eine Flugblattverbreitnng zur Kommunalwahl im 30. Bezirk stattfinden werde.— Damit war die Tagesordnung der Versannnlung erledigt. Anträge oder Resolutionen lagen nicht vor. Sechsler Wahlkreis. In der Generalversammlnug des Wahl- Vereins, die in-den Germaniasälen tagte, gab Genosse Mars eine allgemeine Ucbersicht über die Verhandlungen und Beschlüsse der Parteikonferenz für die Provinz Brandenburg. Er bemerkte im Verlauf seiner sachlich gehaltenen Ausführungen, daß mit dem An- trag zum Organisatiousstatut durchaus keine Ueberrumpelung beabsichtigt worden sei und daß die Berliner Genossen nach wie vor mit den Parteigenossen in der Provinz Seite an Seite kämpfen werden. Der Redner schloß mit der Aufforderung zu thatkräftiger Teilnahme an der Organisation und Agitation für die Partei.— Da zur Diskussion niemand das Wort verlangte, folgte sofort der Bericht vom Bremer Parteitag. Genosse Frehthaler erwähnte in seinem Referat zunächst die Ablehnung des Antrages, die Schulftagc auf die Tagesordnung des Parteitages zusetzen, und bemerkte, daß die preußischen Delegierten den Vorschlag, diesen Punkt auf einer besonderen Preutzenkonferenz zu be- handeln, mit Siecht abgelehnt hätten, weil es sich, da es mit den Schulen in den anderen Bundesstaaten ebenfalls sehr schlecht bestellt sei, um eine Frage handele, die das ganze Reich angehe, außerdem aber nach den sechstägigen Verhandlungen des Parteitages in einer besonderen Konferenz wohl kaum die für diese wichtige Frage nötige Anfmerk- samkeit vorhanden gewesen wäre, und auch ein Teil der Delegierten genötigt war, abzureisen. Der Redner wies später auf die zur Schulfrage angenommene Resolution und die kurze Diskussion über den Punkt hin und erklärte, daß dadurch das nicht ersetzt werden könnte, was die Parteigenossen in dieser Hinsicht gewünscht hätten. Die Verhandlungen über den Bericht des Parteivorstandes betreffend bemerkte der Redner, daß der Beschluß über Anstellung von Sekretären allgemeine Befriedigung gewährt habe, namentlich bei den Delegierten ans der Provinz. Die Klagen über wenig bcfticdigende Betätigung der Abgeordneten in der Agitation, die Mahnung, die in dieser Hinsicht in der Diskussion ausgesprochen worden sei, würde wohl ihre Wirkung nicht verfehlen. Der Redner erwähnte ferner die Anträge und Beschlüsse über die Militärfrage, die Militärmißhandlnngcn, über die Alkohol- und die Generalstreiks- Frage und ging dann näher auf die Angelegenheit Schippels ein, dessen sonderbare und deutnngsfähige Stellung er kritisierte. Er erklärte, es könne nicht davon die Rede sein, daß die Resolution samt dem Amendement gegen die Person Schippels gerichtet seien; der Parteitag habe vielmehr durch seine Beschlüsse Stellung ge- nommcn gegen bestimmte Handlungen, gleichviel welcher Partei- genösse sie begehe. Auch sei damit festgestellt ivorden, daß ei» Abgeordneter nicht nur seinem Kreise, sondern auch der Gesamt- Partei Rechenschaft über seine Handlungen schulde.— Hinsichtlich der Kommission zu den Vorarbeiten des neuen Organisationsstatuts bemerkte der Redner, daß ein den Wünschen der Berliner Delegierten entsprechender Antrag, die Wahlen der Kommissionsmitglieder den einzelnen Landesteilen zu überlassen, ab- gelehnt worden sei und demgemäß die betreffenden sogleich vom Parteitage gewählt wurden. Außerdem erwähnte der Redner die Diskussion über die Maifeier, die im allgemeinen nichts Neues er- geben� habe, verlas dann die Resolution gegen die Rnssenverfolgungen und schloß mit der Bemerkung, daß durch die einmütige Tätigkeit auf dem Parteitage und durch die Beschlüsse die Partei innerlich gestärkt und mit neuer Aktionskraft erfüllt worden Jet.— Zur Diskussion wurde zunächst vom Genossen Halfter eine Resolution eingebracht, wonach die Generalversammlung den neun Delegierten, die auf dem Parteitage gegen die Gehaltserhöhungen der Partei- beaniten Protest erhoben, ihre Anerkennung ausspreche, und zum Zeichen dafür, daß es ihr Ernst mit dem Anschluß an diesen Protest sei, beschließen sollte, den Monatsbeitrag zum Wahlverein bis auf weiteres von 25 Pf. auf 15 Pf. herabzusetzen.— Genosse Frehthaler bemerkte hierzu, daß er in seinem Referat vergessen habe, auf diese Angelegenheit einzugehen. Der Protest auf dem Parteitag, der sich gegen die Geschäftsführung richtete, sei unberechtigt gewesen. Die Kontrollkoinmission hätte nach reiflicher Erwägung den Antrag auf Gehaltserhöhung gestellt und nach der Aufforderung des Vor- sitzenden habe niemand das Wort verlangt. Erst nachdem schon einige andere Angelegenheiten erledigt worden waren, sei der Protest eingereicht worden. Ihm(Redner) sei der Protest auch unterbreitet worden; er hätte es aber abgelehnt, zu unterschreiben. Von den Delegierten der Berliner Parteigenossen hätte übrigens nur ein kleiner Bruchteil den Protest unterschrieben, der im allgemeinen eine Blamage für die Betreffende» gclvcsen sei.— Genosse W i e s n e r billigte, die Gehaltserhöhungen nicht und erklärte, daß man mit 300 M. im Monat wohl auskommen könne. Mit der Behandlung des Antrages Liebknechts zur Militärfrage lvar der Redner nicht zufrieden und verwies auf die Agitation, die von den Gegnern in den Jugend- wehren betrieben wird. Hinsichtlich der Maifeier erklärte der Redner, daß er sich über die Rede Richard Fischers gefreut habe. WaS den Generalstreik anbetreffe, so hätte Italien gezeigt, daß damit doch Ivohl nnter Umständen was zu erreichen sei; auch hier müsse das Wort gelten, daß nian alles prüfen und das beste behalten solle.— Genosse Kiesel bemerkte, daß den Genossen, die sich außerordentlich um die Partei verdient gemacht hätten, die Gehaltserhöhungen wohl zu gönnen seien. Der Redner wandte sich dann ganz entschieden gegen die Haltung Schippels und erklärte, daß er die Ueberzeugung habe, daß Schippe! eigentlich nicht mehr zur Partei gehöre und nun ivohl seine Konsequenzen aus dem Amendement Freithaler ziehen werde. Ein zweiter bedauerlicher Fall betreffe die Aeuße- rnngen K ö r st e n s in der Debatte über die Kaufmannsgerichte; es sei notwendig, daß man in der Agitation konsequent bleibe. Hin- sichtlich der Generalstreikfrage erklärte der Redner, daß man über ein derartiges Kanipfmittel heute noch nicht vorherbestimmen könne; zu rechter Zeit werde man wohl erkennen, was zu tun notwendig sei.— Genosse G u t t m a n n sprach sich ebenfalls entschieden gegen Schippe! aus, war jedoch mit dem Amendement nicht ganz einver- standen. Es hätte klarer gefaßt sein können, man hätte es nicht einem anderen überlassen müssen, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Nachdem der Redner noch auf einen den Reichstags- Abgeordneten Pens betreffenden Vorgang hingewiesen hatte, bemerkte er, es sei notwendig und Pflicht her Parteigenossen, daß sie auf die Aeußerungen ihrer Reichstags-Abgeordneten genaue Obacht gehen, sonst könnte es dahin kommen, daß die Partei zur Hälfte aus „psychologischen Rätseln" und zur Hälfte aus Parteigenossen bestehe.— Genosse Ledebour sprach zunächst über seine Stellung zur General- streikfrage. Er habe sich nicht, wie behauptet worden lei, als Gegner der Generalstreikidee ausgesprochen, sondern sich nur entschieden gegen die Art der Propaganda E)r. Friedebergs gewandt, weil sie darauf hinauslaufe, den Genossen die politische Tätigkeit zu ver- ekeln. Man dürfe kein brauchhares Kampfmittel zurückweisen, aber die Agitationswcise Friedebergs werde dahin wirken, daß man dieses Mittel nicht anwenden könne. Die von Friedeberg propagierte Idee, den Generalstreik als Mittel zur Ueberwindung der bürgerlichen Gesellschaft anzuwenden, sei die anarchistische Auf- fassung. Wenn sie von Leuten geäußert werde, die sich zum An- archismus bekennen, halte er, Redner, es nicht für nötig, sich darüber herumzustrciten, wenn man aber innerhalb der Partei versuche, dieser Auffassung Geltung zu verschaffen, sei allerdings nötig, dazu Stellung zu nehmen. Der Redner erklärte, daß er persönlich ganz der in der Amsterdamer-Resolution dargelegten Auffassung über den Generalstreik sei. Ferner bemerkte der Redner, er habe mit großer Verwunderung gelesen, daß er mit seiner auf dem Partei- tage getaneuen Aeußerung vom„hinterponunerschen Stand- Punkt" eine allgemeine Pommern- Beleidigung begangen haben sollte. Derartiges habe ihm selbstverständlich vollständig fern- gelegen; mit jenen Worten hälfe er nur die Aeußerung Körstens, man dürfe in Pommern bei der Agitation nicht mit dem Acht- stundentag kommen, zurückgewiesen. Der Redner wandte sich des weiteren gegen den Vorwurf einer illoyalen Auslegung des Amende- ments zun, Fall Schippel. Er sei, als die Erklärung im„Vorwärts" erschien, auf der Agitationsreise gewesen, sonst hätte er sofort dazu Stellung genommen. Aus dem Bericht über den Parteitag gehe hervor, daß mehrere Redner dieselbe Auffassung wie er von der Resolution und den» Amendement hatten.— Zum Beweise dafür verlas der Redner die Aeußeningen verschiedener Parteitags- delegierter.— Gestützt auf diese Reden habe er seineSchlußbcmcrkungen gemacht. Nun habe K autsky in der neuesten Nummer der„Neuen Zeit" die psychologischen Gründe dafür klargelegt, warum die Mehrheit der Genossen das Amendement Frehthaler vorzogen, und eS wäre zweckmäßig für die Debatten in den Parteiversammlungcn gewesen, wenn dieser Artikel vorher im„Vorwärts" abgedruckt worden wäre. llebrigens komme die Meinung des Parteitages klar genug in dem Amendement zum Ausdruck. Wenn Schippel. der früher sehr viel geleistet habe, weiter wirken wolle in der Partei, müsse er sich den Boden dafür schaffen, und das sei zur Zeit nicht der Reichstag.— Hierauf nahm Genosse Halfter das Wort und äußerte sich über Parteischiedsgerichte, Maifestzeichen, über die Zollfragen, die General- streikidee sowie über die Gehaltserhöhungen.— Nachdem sich dann noch Genosse L i e b s ch zum Fall Schippel geäußert hatte, war die Diskussion erschöpft. Die Resolution Halfters wurde, wie bereits im Vorbericht erwähnt, gegen eine Stimme abgelehnt. Die Ver- sanunlung wurde mit Hochrufen auf die Partei geichlossen. Charlottenburg. Am Dienstag wurde in einer öffentlichen Volksversammlung, die von etwa 400 Personen besucht war, der B e r i cht v o m Br e m e r P a r t ei t a g gegeben. Ge- nosse Wollermann- Schöneberg hatte kurz vor Beginn der Ver- sammlung eine Nachricht gesandt, daß er am Erscheinen verhindert sei. Genosse Z u b e i l- Berlin erschien ebenfalls nicht. Ein Antrag des Genossen K ü h l e e, aus diesem Grunde gegen Zubeil einen Tadel auszusprechen, wurde abgelehnt, weil gerade Zubeil, wie mehrere Genossen ausführten, als besonders eifriger und tätiger Agitator bekannt sei und man unter allen Umständen eine Aeußerung seinerseits abwarten müsse. Genosse Müller, der den Bericht erstattete, war im all- gemeinen mit den Beschlüssen und Arbeiten des Parteitages zu- frieden; nur bedauerte er, daß die Schulfrage nicht behandelt sei, die nunmehr auf einer besonderen Preußenkonferenz zu behandeln angeregt sei.— In der Diskussion gab Genosse Dr. Borchardt dem Gefühl vollständiger Unbefriedigung über den Verlauf des Parteitages Ausdruck. Mit der Nichtbchandlung der Schulfrage gerade in gegenwärtiger Zeit sei geradezu eine Pflicht, tvelche die Partei als Volks- und Kultürpartei hatte, verletzt worden. Dafür habe man Zeit vertrödelt mit Erörterung des Falles Schippel und ihn in ganz unwürdiger Weise erledigt. Schippels klares Be- kenntnis zu den Grundsätzen der Partei lag bereits vor dem Partei- tage vor; hiervon hatte man einfach Kenntnis zu nehmen und zur Tagesordnung überzugehen. Glaubte aber die Mehrheit der Partei- genossen, Schippels Ansichten besser zu kennen als er selbst, und sich danach zu dem Urteil berechtigt, daß Schippels Anschauungen mit den Grundsätzen des Parteiprogramms nicht mehr übereinstimmen, so war die einzig mögliche Konsequenz der Antrag Katzenstein, nicht aber die nichtssagende Resolution Bebel mit dem Amendement Frehthaler, in dessen erstem Satz gesagt wird, Schippel habe das Vertrauen, das zur Bekleidung von Vertrauensstellungen notlvendig sei, verloren, und das danin fortfahre: und wenn er es noch weiter verliere, könne er Vertrauensstellungen nicht mehr � bekleiden. Solchem Verhalten gegenüber sei der Vorwurf der Zweideutigkeit, den Schippel dem Parteitage machte, vollauf berechtigt.—. Auf die Behandlung des Amsterdamer Kongresses in Bremen übergehend, bedauerte der Redner, daß der in Amsterdam begangene Fehler der Einmischung in die Streitigkeiten der sozialistischen Parteien Frank- rcichs, wodurch die Beilegung dieser Streitigkeiten erschwert und das Ansehen des Internationalen Kongresses herabgesetzt ist, in Bremen gutgeheißen wurde; freilich war dies zu erwarten, da der bedauerliche Amsterdamer Beschluß gerade durch die Deutschen, die sich von dem einen Teil der Franzosen haben mißbrauchen lassen, herbeigeführt wurde.— Tie übrigen Redner, die Genossen E i ck e, F l c m m i n g, Schmidt, S ch a r n b e r g, waren dagegen mit den Beschlüssen so wie sie gcsaßt ivaren, bis auf die Behandlung der Schulfrage, durchaus zufrieden; nur hoben Eicke und besonders F l e in m i n g hervor, daß der Gedanke der Maifeier stärker propagiert werden müsse, tatsächlich dehne sich die Arbeitsruhe am 1. Mai immer weiter aus, und es sei dem Bestreben einiger Ge» wcrkschaftsführcr, hier bremsend einzugreifen, mit aller Entschieden- entgegenzutreten. Ripdorf. Am 4. d. M. fand bei Thiel, Bergstraße, eine außer- ordentliche Mitgliederversammlung statt, in welcher Conrad den Bericht vom Bremer Parteitag erstattete. Das Wort zur Diskussion wurde von nieinand gewünscht, und so konnte der Vorsitzende Jäger konstatieren, daß die Versammlung mit der Tätigkeit des Parteitages einverstanden sei. Ferner teilte der Vorsitzende mit, daß die Zahlstellen des Wahlvereius mit dem 1. Oktober aufgehoben worden seien und die Genossen ihre Beiträge von nun an in den Zahlabenden, welche jeden zweiten Mittwoch im Monat einheitlich mit Groß-Berlin stattfinden, entrichten mögen. Vermiscdtes. Ei» Konsumverein der Blinden. Die uralte, schon von Ludwig IX. gegründete Blindenversorgungsanstalt Quinze-VingtS zu Paris hat unlängst einen neuen Verwalter in der Person des blutröten Sozialdemokraten Vaughan bekommen. Genosse Vaughan war eiüst ein rühriges Mitglied der Internationale, für die er in Ronen und Umgegend eine eifrige Tätigkeit entfaltete; seit Jahr- zehnten für die Verwirklichung unserer Ideale kämpfend, hat er in seiner jetzigen Stellung den Beweis erbracht, wie segensreich auch die „Gegcnwartsarbeit" des aufgeklärten Sozialisten zu sein vermag. Das Blindenvcrsorgungshaus Ouinze-Vingts erfreute sich eines sehr schlechten Rufes, als Vaughan seine Verwaltung übernahm: die sanitären Verhältnisse in dem finsteren Steinkasten waren höchst be- denklich, die Höfe verschmutzt, der„Garten" eine wüste Ablagerungs- statte für allerhand Unrat, die Latrinen unsauber und verpestet, kurzum das ganze Institut in einem unhaltbaren Zustande. Die Anstalt ist von ungcfäht 300 Blinden bewohnt, von denen die Hälfte verheiratet ist. Die Unverheirateten haben jeder ein Zimmer zur Verfügung, die Verheirateten je eine kleine Wohnung. Beschäfti- gung finden die Arbeitsfähigen teils in der Anstalt, teils in der Stadt; besonders beliebt, weil leicht für Blinde erlernbar, ist die Bürstenbindcrei, die aber sehr schlecht entlohnt wird; etwas besser stehen sich die Klavierstimmer, denen jedoch ihre sehenden Kollegen eine immer schärfer werdende Konkurrenz bereiten. Außer dem Er- trage der eigenen Arbeit hat jeder Anstaltsbewohner Anspruch auf 1,60 Fr.(— 1,25 M.) für den Tag aus den Mitteln der Anstalt; für jedes Familienmitglied eines Verheirateten erhöht sich der Zu- schuß'um 40 Centimes(— 30 Pf.). Daß die Leute dabei nur ein recht trauriges Leben führen konnten, versteht sich. Genosse Vaughan kam deshalb, nachdem er erst einmal Ordnung und Sauberkeit in das Getriebe des Hauses gebracht hatte, auf den Gedanken, die Vorteile, des Konsumgenossenschaftswesens auch seinen Blinden zugänglich zu niachen. Die Idee wurde von den Anstaltsinsassen und dem Pflegepersonal freudig anfgenominen und sofort-in die Tat umgesetzt. Der Konsunwerein, mit dem auch ein gut eingerichtetes Restaurant verbunden ist, gedeiht prächtig, obschon natürlich nicht der geringste Kauf- oder Beitrittszwang ausgeübt wird. Die Blinden haben den Aufsichtsrat und die Verwaltung selbst gewählt und halten auf eine genaue Kontrolle der Geschäfte. Es braucht nicht erst noch erwähnt zu werden, daß sich ihr Lebens- stand seit der Gründung des Vereins merklich gehoben hat, ganz abgesehen von der geistigen Bereicherung, die die Anstaltsbewohner dadurch erfahren haben, daß sie an der Leitung eines blühenden Geschäftes teilhaben. Epidemische Erkrankungen in Braunschweig. Nach amtlicher Feststellung sind in der Woche vom 25. September bis 1. Oktober im Herzogtum Braunschweig 55 Erkrankungen an Scharlach(davon 2b in der Stadt Braunschweig) und 12 Erkrankungen an Typhus (davon 7 im Kreise Gandersheim) angemeldet worden. Eisenbahnunfälle. Aus Herzogenrath wird telegraphiert: Auf der Eisenbahnstrecke Herzogenrath— Sittard wurde das Fuhr- werk des Landwirts Diedercn von der Lokomotive erfaßt und demoliert. Der Landwirt verstarb an den erlittenen Verletzungen kurz darauf.— Ein großes Eisenbahnunglück hat sich in England ereignet, worüber schon kurz berichtet worden ist. Bei Lhanelly im südlichen Wales entgleiste Montag nachmittag ein von Ncw-Milford nach London abgegangener Schnellzug und wurde zum Teil zcr- trümmert. Der Zug hatte zwei Lokomotiven und fuhr mit 80 Kilo- meter Geschwindigkeit, als aus unbelauntem Grunde die erste Maschine entgleiste und sich überschlug. Die zweite entgleiste eben- falls. Die drei ersten-Personenwagen rollten den Damm hinab und wurden zerschmettert, die übrigen entgleisten, blieben aber stehen. Das furchtbare Geschrei der Verletzten und der unter den Trümmern Eingeschlossenen erfüllte die Luft. Die Unverletzten leisteten unter Führung eines mitreisenden Arztes tapfer Rettungsdienste. An 50 Personen waren verletzt, darunter viele schwer. Der Führer und der Heizer der ersten Lokomotive und drei Fahrgäste wurden getötet. Die Gemcinde-Klistierspritze. Aus Breitungen a. Harz wird thüringischen Blättern geschrieben: Unser idyllisch am Harz gelegener Ort, der vom großen Verkehr und Getriebe der Welt noch nicht an- gekränkelt ist, hat sich noch manches aus der„guten, alten Zeit" herübergerettet, das für ihn recht praktisch ist. Vor einigen Tagen durchwanderte gravitätischen Schrittes der Gemcindediener die Orts- stratze, von„Jung-Breitungen" gefolgt, in gemessenen Abständen die Gemeindeklingel rührend und dann in mächtigem Baß die Worte ausrufend:„Derjenige, welcher gegenwärtig die Gemcinde-Klistier- spritze im Besitz hat, wird dringend ersucht, sie sofort dem Orts- schulzen zu überbringen." Meine näheren Erkundigungen förderten zutage, daß von Gemeinde wegen„für vorkommende Fälle" ein solches, anscheinend für viele Krankheiten nützliches Instrument an. geschafft worden ist. Der gegenwärtige Inhaber hatte es sich beim Ortsschulzen geborgt nicht wieder abgeliefert, und der Schulze benutzte nun den für ihn nicht ungewöhnlichen Weg des Ausklingeins, um wieder zum Gemeindeeigentum zu kommen. A.JANDORF& Co SPITTELMARKT 16/17 BELLE ALLIANCE- STR. 1/2 GROSSE FRANKFURTER STR. 113 Am Blücherplatz Ecke Leipziger Strasse Ecke Andreas- Strasse BRUNNEN- STR. 19/21 Ecke Veteranen- Strasse Von Donnerstag den 6. Oktober bis Dienstag den 11. Oktober soweit der Vorrat reicht. Damen- Bluse Neueste Phantasie- Schotten mit Sammetkragen und Manschette Elegante Bluse Japon- Seide, in 4 verschiedenen Façons u. modernsten Farben, in sehr geschmackvoller Verarbeit. Costümrock fr neueste Façon mit Falten und Sattel, gute marengo- Stoffe...... 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Th. nur echt, wenn die Röllchen den beigedruckten Bettel enthalten, worauf gefäll. genau zu achten bitten. Vertreter für Berlin und Umgegend: August Kleinert, Berlin SW., Großbeerenstraße 39. 58142* Scheruchs Festsäle Rüdersdorferstr. 45 Sonnabends u. Sonntags noch frei. 614L* Ergebenst Albert Scheruch. in Fabrik von Hugo Carl Hagenbruchi. Mühlhausen Thüringen. Velour Reine Wolle Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Soeben erschienen: Protokoll 233/ 18* des Internationalen Sozialistenkongresses zu Amsterdam 1904. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Internationale Regelung der sozialistischen Politik, Solonialpolitik, Auswanderung und Einwanderung, Generalstreit, Sozialpolitik und Arbeiter. versicherung, Achtstundentag, Trusts und Arbeitslosigkeit. Dem Protokoll sind die Berhandlungen der Taftiffommission als Anhang beigegeben. Preis 1 M. Agitationsansgabe 40 Pf. Ferner empfehlen wir die Protofolle der Internationalen Ar beiterkongresse Paris 1889. Mit einem Vorwort von Liebknecht. Berichte der Delegierten der einzelnen Länder. Abschaffung der stehenden Heere. Maifeier. 25 Pf. Zürich 1893. Stellung der Partei im Kriegsfalle. Agrarfrage. Generalstreit. 50 f. London 1896. Politische Aktion. Wirtschaftliche Aktion. Erziehung und förperliche Entwickelung. 20 Pf. Paris 1900. Der Kampf um das allgemeine Stimmrecht. Die Eroberung der polischen Macht Solonialpolitik. Der Sozialismus in den Gemeinden. 20 Pf. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Specialarzt für[ 35/ 13* Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12 2-4. Berantiv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 235. 21. Jahrgang. 2. IrilMf in.Fmiirls" Kttliun NolksM»-»>- , 6. Oktober IW�. Die Atissperrmrg der Berliner Tischler soll jetzt auf der ganzen Linie durchgeführt werden. So hat es eine Versammlung der Tischlermeister am Dienstag beschlossen. Zwar soll die Aussperrung— selbst wenn sie zur Wahrheit wird— bei weitem nicht den llmfang annehmen, den ihr bürgerliche Blätter in diesen Tagen andichteten, aber es handelt sich immer» hin um etwa 8000 Arbeiter, die auf die Straße gesetzt werden — falls die Tischlermeister den B-schlutz, den sie mit erheblicher Mehrheit gefaßt haben, auch wirklich ausführen. Wie berichtet wird, haben bW Arbeitgeber mit 5650 Arbeitern für die Aussperrung gestimmt, während 232 Arbeitgeber mit 2500 Arbeitern ihre Stimme gegen die Aussperrung abgegeben haben. Die Minderheit soll sich verpflichtet haben, sich dem Beschluß der Mehrheit zu fügen, also die Aussperrung, die sie nicht wollten, mitzumachen. Nicht mit einem Schlage sollen die 3000 Tischlergesellen auf die Straße g-'worfcn werden, sondern nach und nach. Ter Beschluß der Tischlermeister geht nämlich dahin, daß vom 5. Oktober ab jeder Arbeiter— gleichgültig ob er in Lohn oder in Akkord beschäftigt wird — nach Fertigstellung seiner zugeschnittenen Arbeit zu entlassen ist, und daß neue Arbeiten von diesem Tage ab nicht mehr ausgegeben und Arbeiter nicht mehr eingestellt werden. Wenn der Beschlutz ehrlich ausgeführt wird, so müßten die Werkstätten der Miibcl- tischlerei in wenigen Tagen zum völligen Stillstand gebracht sein mit Ausnahme derjenigen, die nicht mehr wie drei Gesellen be- schäftigen. Diese sind nämlich von der Pflicht zur Aussperrung ausgeschlossen. Ob aber die anderen ihren Beschluß halten werden, darf bezweifelt werden. Bis gestern, Mittwoch, waren erst 35 Tischler als ausgesperrt gemeldet. Trotz der erheblichen Mehrheit, mit der die Aussperrung be» schlössen wurde, trotz der angeblichen Versicherung, daß sich die Minderheit der Mehrheit fügen wolle, scheinen die scharfmachenden Führer der Tischlermeister ihrer Gefolgschaft doch nicht sicher zu sein. Woher sollte die Sicherheit der Gefolgschaft auch kommen; ist doch auf der Seite der Arbeitgeber nicht der Schein eines Grundes für die Aussperrung vorhanden. Wo aber Gründe fehlen, da stellen Phrasen und kräftige Schlagworte zur rechten Zeit sich ein. Mit Phrasen und bombastischen Redensarten im Stile antisemitischer Volksbeglücker arbeitet denn auch ein Flugblatt, welches die Freie Vereinigung der Holzindustriellen verbreitet, um die Tischlermeister in den Kampf gegen die Gesellen zu hetzen. Hier eine Probe des Phrascngedröhns, das zwar von Holzindustriellen erzeugt, aber doch nur dünnes, klapperndes Blech ist: .Wach auf, Meister, erwache! Ein grimmer Feind rüttelt an der Tür Deiner Werkstatt, in frevler Hand trägt er die Fackel der Zwietracht und dcS Haderö, um sie in Deine stille Betriebs- stätte zu schleudern; er fletscht Dir seine gierigen Zähne entgegen, um Dich und alleS, was Dir lieb auf Erden, �u zerreißen.— Kennst Du den Feind, der Dich mit Weib und Kind zu erwürgen trachtet, um Dich dann hohnlachend zu dem großen Leichenhaufcn der durch ihn vernichteten Existenzen zu werfen?— Wir alle kennen diesen unersättlichen Feind, in unser aller Fleisch hat der Holzarbeiter-Verband seine scharfen Krallen geschlagen und ein flammender Zorn über gemeinsam erlittene Unbill eint unS zum heiligen Kampfe für das höchste LebcnSgut: die wirtschaftliche Selbständigkeit." In diesem Tone, der lebhast an die„blumenreiche Sprache" des Hreschgrafen erinnert, geht es weiter. Es ist davon die Rede, daß »er Holzarbeiter-Verband einen Tischlermeister nach dem andern an Sie Schlachtbank geschleppt hat, und schließlich werden die Tischler» ne ister aufgefordert, einen Kampf auf Leben und Tod zu führen legen den Holzarbeiter-Verband, der„in zügellosem Uebermut so vahnwitzige Forderungen stellt, daß die Erfüllung derselben den ilntergang der gesamten Berliner Möbelindustrie bedeuten würde." Worin die„wahnwitzigen Forderungen" bestehen, davon ist in /em schwülstigen Flugblatt mit keiner Silbe die Rede. Wir zlauben auch, daß unter denen, an die sich das Flugblatt wendet, oiele sind, die nicht einmal wissen, welche„wahnwitzigen For» oerungen" der Holzarbeiter-Verband denn eigentlich gestellt hat. Damit nicht nur die unmittelbar Beteiligten, sondern auch die breite Oesfentlichieit erfährt, was eigentlich die Führer der Holzindustriellen zu dem dröhnenden Kriegsruf gegen den Holzarbeiter-Verband ver- anlaßt hat, führen wir folgende Tatsachen an: Zunächst sei bemerkt, daß für die Forderung, die man als Ursache des Konflikts ansehen kann, nicht etwa die ganze Berliner Möbelindustrie, sondern nur ein Teil derselben, meist Betriebe von größerem Umfange, in Frage kommen. Es handelt sich um jene Betriebe, welche gute Mittelarbeit, fast ausschließlich Schlafzimmer- und Saloneinrichtungen für den Markt anfertigen. Während bei der Herstellung geringer Möbel fast immer ein und dieselben Muster angefertigt werden, bringt die hier in Frage komniende Branche von Zeit zu Zeit wechselnde Muster auf den Markt. Die Arbeit wird in dieser Branche in Akkord hergestellt. Kommt nun ein neues Muster in Arbeit, so fehlt dem Arbeiter natürlich jede Grundlage für die Berechnung des Akkordlohnes. Ist der Akkordpreis bei dem ersten Muster zu niedrig angesetzt, so hat der Arbeiter, der nun mehrere Monate dasselbe Muster anzufertigen hat, einen erheblichen Nachteil. Um sich dagegen zu sichern, forderten die Arbeiter, daß jedes neue Muster das erstemal in Lohn angefertigt, und danach dann der Akkordpreis bestimmt werde. Ueber diese Forderung wurde ver- handelt, die Meister lehnten sie ab. Die Arbeiter verlangten dann, daß bei Herstellung von neuen Mustern in Akkord dem Arbeiter der von ihm bisher erzielte Durchschnittslohn garantiert werde, und als die Meister auch daraufhin nicht eingingen, wollten sich die Arbeiter mit einer Garantie von 05 Proz. des durchschnitt. lichen Verdien st es begnügen. Die Meister boten aber nur 90 Prozent. Diese Differenz von 5 Prozent des garantierten Lohnes bei dem ersten Stück eines neuen Musters ist also das Objett, um das die Führer der Berliner Holzindustriellen die Aussperrung von 8000 Arbeitern beschlossen haben. Die Arbeiter fordern also keine Lohnerhöhung, sie verlangen nicht die Abschaffung der Akkord. arbeit, sondern sie wollen nichts weiter, als eine einiger- maßen fichere Grundlage für die Berechnung de» Akkordlohnes. Was hier gefordert wird, das ist ini vorigen Jahre unter Zuziehung und Zustimmung von zwei Führern der Holzindustriellen, der Herren R a h a r d t und Plothen, für den Betrieb von K ü m m e l bereits eingeführt worden. Später schloß sich auch die Firma Groschkus diesem Modus an. Was also in zwei namhaften Betrieben der hier in Frage kommenden Branche bereits herrschender Brauch war, da? soll jetzt zum Ruin der gesamten Berliner Möbelindustrie führen. Was einige Führer der Berliner Holzindustrie im vorigen Jahre anerkannten, das stellen dieselben Herren heut als„wahnwitzige Forderungen des Holzarbeiter-Verbandcs" hin, und zun« Kampfe gegen die von ihnen selbst anerkannten Forderungen rufen sie heute die ganze Möbelindustrie auf.— Ob die Mehrzahl der Tischlermeister, welche an der vorliegenden Streitfrage gar nicht beteiligt sind, den interessierten Geschäfts- inhabern den Gefallen tun werden, die Aussperrung mitzumachen? Wenn sie nicht blindlings gegen ihre eigenen Interessen wüten, können sie es nicht. Es ist nicht anzunehmen, daß die Tischler- meister, die von der strittigen Forderung gar nicht berührt werden, sich durch die Aussperrung die gegenwärtige günstige Konjunktur ver- scherzen, nur weil einige ihrer Wortführer, die an dieser Angelegen- heit persönlich interessiert sind, eS so wollen. Sollte die Mehrheit der Tischlermeister wirklich für eine Handvoll Interessenten die Kastanien aus dem Feuer holen wollen, so könnte das allerdings zum Ruin der gesamten Berliner Möbelindustrie führen. Die Differenz von 5 Prozent des Lohnes, die nur in einem Teil der T'schlereien besteht, wird der gesamten Berliner Möbelindustrie, ja nicht einmal dem an der Forderung interessierten Teil derselben schaden, geschweige denn zum Untergange führen. Sollten die an der unbedeutenden Forderung nicht interessierten Tischlermeister so einsichtslos sein, sich an der allgemeinen AuS- sperrung zu beteiligen, so wird der Holzarbeiter-Verband auch diesen Kampf zu führen wissen und in einer Weise zu Ende bringen, daß die Gefolgschaft der Scharfmacher keine Freude daran hat. lokales. Die schlechte Zensur. Der Tag, an dem der Schuljugend die HalbjahreSzensuren über ihr Wollen und Können überreicht wurden, liegt wieder einmal hinter uns. Die Schulen haben ihr Sommerhalbjahr mit Ende voriger Woche geschlossen. Inzwischen haben wir am Dienstag darüber berichten müssen, daß diesmal nach dem Zensurtag wieder drei Familien das Verschwinden ihrer Söhne gemeldet haben. Drei Knaben von 13. 14 und 14 Jahren hatten bis dahin sich nicht jn die elterliche Wohnung zurückgewagt, weil sie schlechte Zensuren hatten. Solche Vorkommnisse sind leider nicht neu. Sie wiederholen sich mit großer Regelmäßigkeit nach jeder Zensurverteilung, die der Kreislauf des Schuljahres unseren Kindern bringt. Gewöhnlich kommt schon nach einigen Tagen die erfteuliche Nachricht, daß der Sünder. abgerissen und halbverhungert, sich reumütig bei den Seinen wieder angesammelt hat. Aber manchmal endet die Sache doch trauriger. Nach Wochen wird der Verschwundene irgendwo als Leiche auf- gesimden: er hat seinem jungen Leben durch Selbstmord ein frühes Ziel gesetzt. Mußte das sein? Jn dem armen Jungen, der auS Scham, Furcht und Verzweiflung ins Wasser rannte, rief eS:„Ja, es muß I" Die Eltern, die durch falsche Erziehung, durch ihre übertriebene Strenge oder durch Anstachelung eines ungesunden Ehr- g e i z e s diesen betrübenden Ausgang verschuldet und auf ihr Ge- wissen geladen haben, widersprechen mit einem erschütterten„Nein, das war nicht nötig 1' Nein, gewiß nicht! Aber wenn der nächste Zensurtag kommt, dann erleben wir immer wieder dasselbe Trauer- spiel. Wieder rennt da oder dort ein verzweifelter Junge ins Wasser, wieder steht schmerzerfüllt vor der Bahre ein Elternpaar, daS nicht beizeiten aus fremdem Leid zu lernen gewußt hat. Die ganze Verkehrtheit der erziehlichen Behandlung, die der Jugend von heute zuteil wird, tritt in solchen durch schlechte Zensur veranlaßten Schülerselbstmorden zutage. Für die meisten Eltern giebt den Ausschlag der Erfolg, mit dem ein Kind am Schul- Unterricht teilzunehmen vermag. Wenn die Schule einem Jungen bescheinigt, daß er ein Faulpelz oder ein Esel sei, dann gilt er dem Hause als ein halb Verlorener. Er kann im übrigen der beste Junge von der Welt sein, das rettet ihn nicht. Er muß es büßen, daß er im Unterricht nicht vorwärts kommt. Wieviele» Kindern wird aus diesem Grunde ihr bißchen Jugendzeit lieblos verkümmert, wieviele werden für ihr ganzes Leben unheilbar verpfuscht— durch die eigenen Eltern! Dabei wird auch selten danach gefragt, wieweit etwa die Schule selber daran schuld ist, daß die Zensur nichts Rühmliches über ein Kind zu berichten hat. Wenn doch die hart- köpfigen Väter und ehrgeizigen Mütter sich einnial umsehen wollten unter denen, die mit ihnen dieselbe Schulbank gedrückt haben! Hat nicht mancher und manche, die damals unter den Letzten saßen, später sich zu einem tüchttgen Mann, einer brauchbaren Frau ent- wickelt? Es liegt in der Art unseres Schul- und Unterrichtsbettiebes, daß viele Kinder es der Schule niemals werden recht machen können. Schule und öffentlicher Unterricht sind auf Durchschnittskinder zugeschnitten; was von der Norm abweicht, muß zurecht gestutzt werden. Bei manchem Kinde gelingt es, bei manchem nicht. ES sind aber nicht immer die schlechtesten Köpfe, bei denen das nicht gelingt. Wollten die Lehrer reden, so wäre vielleicht mancher von ihnen der erste, die Eltern zu trösten:„WasliegtaneinerZensur!" Aber freilich wäre den meisten Eltern mit der Erkenntnis de» wahren Wertes oder Unwertes der Zensuren wenig geholfen. Zen- suren und ähnliche Zeugnisse haben praktisch eine große Bedeuwng. Das schöne Wort„Wissen ist Macht' hat eine häßliche Variante:„Auch ein Zeugnis ist eine Macht." Wer durch behördlichen Stempel für brauchbar erklärt ist, dem wird es leichter gemacht, vorwärts zu kommen, als dem anderen, der durch eigene Kraft Anerkennung erringen muß. Es gibt sogar Berufe, in denen der größte Esel eine brillante Karriere machen kann, wenn er sich nur zu einem leidlichen Zeugnis durch- gepautt hat._ Die stiidtischen Parkarbeiter. Die Lage der in den städtischen Parks beschäftigten Arbeiter stand, wie wir gestern bereits mitteilten, in der letzten Sitzung der Park- d e p u t a t i o n auf der Tagesordnung. Nach der in dieser Sitzung zur Sprache gebrachten Statistik find 147 Gärtner von der Stadt befchäftigt, darunter 118 dauernd und 20 vorübergehend. Es be- ziehen davon einer Altersrente, einer Invalidenrente, zwei Unfall- rente; beschränkt arbeitsfähig sind sechs. Was das Alter der Gärtner bettifft, so zählen 30 bis 30 Jahre, 36 von 31 bis 40 Jahre, 34 von 41 biS 50 Jahre, 19 von Öl bis 60 Jahre, 17 von 61 bis 70 Jahre und 2 von 71 bis 80 Jahre. Der Tagelohn stellt sich bei 2 Gärtnern auf 6,75 M.. bei 4 ans 6 M.. bei 4 auf 5,75 M., bei 1 auf 5,50 M.. bei 4 auf 5,25 M., bei 5 auf 5 M., bei 4 auf 4,75 M., bei 6 auf 4,50 M.. bei 13 auf 4,25 M., bei 10 auf 4«., bei 22 auf 3,75 M.. bei 18 auf 3,50 M., bei 19 auf 3,25 M., bei 35 auf 3 M. Wie wir gestern mitteilten, ist als Mindestlohn der Satz von 3,50 M. festgesetzt worden, die Vorschläge, diesen Lohn auf 3,75 M. resp. 4 M. festzusetzen, drang nicht durch. Von den 564 im städtischen Dienst stehenden Parkarbeitern werden dauernd 254, vorübergehend 310 beschäftigt. Altersrente empfangen 23, Invalidenrente 57, Unfallrente 45, anderweit be- schränkt arbeitsunfähig sind 53; nur 9 erhalten Almosen. Die Löhne dieser Arbeiter stellen sich wie folgt: Einer wird mit 5,25 M. täglich entlohnt. 2 mtt 5 M.. 1 mit 4,50 M.. 15 mit 4,25 M., 10 mit 4 M.. 11 mit 3.75 M.. 39 mit 3.50 M.. 68 mit 3,25 M.. 87 mit 3 M.. 179 mit 2,75 M., 151 mit 2,50 M. Dem Alter nach zählen 19 Arbeiter bis 30 Jahre, 50 von 31 bis 40 Jahre, 79 von 41 bis 50 Jahre. 191 von 51 bis 60 Jahre, 193 von 61 bis 70 Jahre, 32 von 71 bis 80 Jahre. Man sieht, daß sich für den niedrigen Lohn verhältnismäßig wenig junge Leute zu dieser Beschäfttgung bereit finden. In der Diskussion wurde daraus hingewiesen, daß eS der Stadt Berlin nicht würdig fei, so niedrige Löhne zu zahlen. Die Folge solcher Entlohnung fei, daß die Frauen der Parkarbeiter sich ebenfalls außerhalb des ?auses Arbeit suchen müßten. Als erschwerend komme noch die äuge der Arbeitszeit in Bettacht; die meisten der Arbeiter feien täglich 14 Stunden vom Hause abwesend. Der Satz von 3 Nk. 60 Pf. wurde hier als Mindestlohn bezeichnet. Von andrer Seite fiel die Entgegnung, daß die durchschnittliche Arbeitszeit sich nicht auf 12, sondern auf O'/a Stunden stelle, da sich in der kalten Jahreszeit die Arbeit von selbst verringere. Auch sei die Mehrzahl der städttschen Arbeiter schon infolge ihres durchweg hohen Alters nur beschränft arbeitsfähig. Dieser Ansicht wurde entgegengehalten, daß die Mehrzahl der Arbeiter, nämlich 310, nur vorübergehend, also in der besseren Jahreszeit beschäftigt sei und daher gar nicht dazu komme, kürzere Zeit zu arbeiten. Die Mehrheit der Deputation bestimmte schließlich, daß 3 M. Tagelohn als Mindestsatz zu ge« währen sei._ Modernste Ethik für— Quarta. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Es ist nichts Neues, daß der Lehrstoff in unseren Schulbüchern der Anschauungsweise der besitzenden Klassen angepaßt wird, und es hieße: Denkmäler in den Berliner Tiergarten ttagen, wollte man auseinandersetzen, mit welchem religiösen und historischen Ballast unseren Kindern in den heutigen Lehranstalten das arme Gehirn ver- kleistert wird. Sobald indessen ein„genialler" Schulmann der uralten Methode neue Nuancen abzugewinnen weiß, verlohnt es sich schon der Mühe, dem Klageliede von der Kulturwidrigkeit unseres modernen Unter- richts eine Strophe anzufügen: Eines der verbreitetsten Lehrbücher für die Anfangsgründe der französischen Sprache ist der„P l o e tz- Kares, an dessen Schönheiten sich unsere Quartaner, d. h. Knaben zwischen 11 und 13 Jahren(auch Mädchen), zu erfreuen haben. Nun sind wir es seit jeher gewöhnt, in derlei Büchern den König, die Königin und ähnliche hohe Herrschaften als Hauptobjekte der grammattkalischen Uebungen verwendet zu sehen; auch wissen wir, daß Kämpfe. Kriege, Schlachten usw. von Pädagogen gewissen Schlages-ÄS besonders geeignet betrachtet werden, unseren Kleinen und Kleinsten wlS Lehr- und UebungSstoff zu dienen. Aber mit so raffinierter Methodik ist bisher meines Wissens noch kein Schulmann zu Werke gegangen wie Herr Dr. Gustav Ploetz in seinem oben zitierten Elementarbuch(Ausgabe B für Gymnasien und Real- gymnasien). Das Buch hat in kaum 10 Jahren 7 Auflagen gehabt, so daß also Tausende und Abertausende von Elf- bis Dreizehnjährigen aus ihm Bildung und Gesittung schöpfen konnten.— Die 7. Auflage (Berllin 1903) liegt vor mir, und ich blättere in ihr. Auf den mangelnden Ehrgeiz eines Monarchen, der als„unser König" be- zeichnet wird, Iveist Ploetz mit Borliebe hin, bis er(Seite 125) endlich mit der Sprache herausrückt, indem er die Quartaner folgenden Satz übersetzen läßt:„Unser König ist nicht ehrgeizig; er wünscht nur den Friede n."(Da der Mensch eigentlich— wie man den Kindern gelegentlich sagt— Ehrgeiz besitzen soll, so müßte„unser König" im Grunde genommen den Krieg wünschen!--) Nachdem en passant auf Seite 130 zur Abwechselung auch einmal erklärt ist:„Der Krieg wird immer ein Unglück fein", kommen wir auf Seite 132 mit Stück 19 A zu einer Glanzleistung, die erst dann voll gewürdigt werden kann, wenn wir uns den wundervollen Aufbau dieses UebungsstückeS mit seinen effektvollen Steigerungen unverkürzt zu Gemüte führen. Das ganze Stück 19 A lautet: 1. Wir werden die Schanze angreisen. 2. Der Oberst wird zuerst hinaufsteigen.(?) 3. Die Feinde werden schießen. 4. Wir werden auf die Feinde schießen. 5. Der Soldat wird seinen Gegner töten. 6. Wenn ich in Gefahr bin, wirst Du mir zu Hilfe kommen. 7. Wenn Du in Gefahr wärest, würde ich Dtt zu Hilfe kommen. 3. Wirst Du auf die Gegner schießen?— Ich werde schießen, wenn der Oberst den Befehl gibt, zu schießen. 9. Wir st Du auf einen Kameraden schießen?— Ich würde schießen, wenn der Oberst den Befehl gäbe, zu schießen.— Und Du würdest keine Gewissensbisse empfinden?— Nein, denn ich würde denken, daß mein Kamerad schuldig ist.(1!) Viel reizvoller, Herr Dr. Ploetz, wäre es noch, wenn Sie in Satz 9 schrieben:„Wirst Du auf Vater und Mutter schießen?" und dann die schöne Airtwort folgte wie oben nebst:„Ich würde denken, daß Vater und Mutter schuldig sind!!"-- Vielleicht kann diese Anregung in der 8. Auflage berücksichtigt werden! Nun noch zu Stück 19 L. Auch hier finden wir drei reizende Sätze mit moralischem Hinttrgrund. Satz 16: Würdest Du einen Flüchtling verbergen, wenn er Deinen Schutz anflehte? 17. Ich würde einen Schuldigen nicht verbergen. 13. Der Mann, welcher eine» Schuldigen verbergen würde, würde selbst schuldig sein. Und das im selben Buche, in dem wir vorher die Erzählung von einem Araber finden, der sogar dem Mörder seines Sohnes die einmal versprochene Gastfreundschaft nicht verweigert! Wahrscheinlich wird Herr Dir. Ploetz unseren Gymnasiasten den Gegensatz zwischen orientalischen Ehrbegriffen und prenßisch-russischer Schncidigkeit demnächst schon im e r st e n Schuljahr begreiflich zu machen beginnen. Ja, ja— wir Habens herrlich weit gebracht! Eine Lösung der Straßcnbahnftage. Die Sache hat entschieden einen Sttch ins Komische. Berlin wettert zornentbrannt gegen die Zeitkarten- Verteuerung auf der Sttahenbahn, mid mitten im Kampfe bietet sich den streitenden Parteien ein Netter an. Die Bevölkerung ist»»zufrieden ob der Habgier der Großen? Ihr soll geholfen werden! Und nicht allein ihr. sondern auch der Großen, die die Abonnenten nicht besehen kann und ihnen am liebsten Rattengift legen möchte. Und ganz nebenher kann noch etlichen hundert Geschäftsleuten zu vermehrter Kundschaft verholfen werden. Kurzum ein Radikalmittel in der Sttaßenbahnnot ist erfunden worden, nicht minder genial Ivie daS. wovon Mephisto dem Kaiser erzählt: Man lvird sich nicht mit SÖörs' und Beutel plagen, Ein Blättchcn ist im Busen leicht zu tragen. Mit Liebesbrieflein paartts bequem sich hier, Der Priester ttägt's andächtig�im Brevier, Und der Soldat, um rascher sich zu wenden, Erleichtert schnell den Gürtel seiner Lenden. Um auf den Kern der Sache zn kommen, so sei verwerft, daß eine Gesellschaft für Straße nbahn-Reklame sich jetzt an- heischig macht, dem lieben Publikuni eine Fahrt auf der Straßen- bahn, die jetzt 10 Pf. kostet, für 5 Pf. zu ermöglichen. Der Ge- danke, der diesen, menfchenfteundlichen Plan zugrunde liegt, ist außerordentlich einfach. Jn einer Reihe größerer Geschäfte sind kleine Büchlein für 5 Pf. zu kaufen, in denen die erwähnte ReNamcgesell« schaft allerhand Nützliches mitteilt. Man erfährt in so einem gelben Heft, was man zu tun hat, lim fremde Körper aus dem Auge zu entfernen, um das übermäßige Schlvitzen der Hände zu verhüten. um Erkältungshusten zu heilen, Bürsten vor dem Verderben zu be- wahren und was dergleichen nützliche Ratschläge mehr find. Auch ehrwürdige Anekdoten und Witze sind in dem Buche, ferner allerhand Adressen, ein Kalender und selbstverständlich auch Anzeigen. Diese Anzeigen sind die Hauptsache, denn sie ermöglichen eö der Gesellschaft, daß sie für jedes Heft, daö sie drucken läßt, der Großen Berliner bare fünf Pfennig in die Kasse legen und dann einem solchen Heft zu fünf Pfennig den Coupon anfügen kann, der auf feder Sttaßenbahn vom Schaffner gegen einen Fahrschein zu 10 Pf. eingetauscht wird. So viel bringen die Annoncen in dem Fahrscheinheft ein! Die Sttaßenbahn geht bei dem Unternehmen augenscheinlich kein Risiko ein; sie kann im Gegenteil darauf rechnen, daß sie bei solcher für sie kostenlosen Ver- billigung der Fahrt von den verhaßten Abonnenten eine erkleckliche Anzahl los wird, sobald die Hefte genügend Verbreitung finden. Die Reklamegesellschaft gedenkt ebenfalls ein Bombengeschäft zu machen und desgleichen die Geschäftsleute, die darauf rechnen, daß der Fahrgast in der Langenweile der Sttaßenbahnfahrt den Annoncen in dem Fahrscheinheft geziemende Beachtung widmet. Den Inserenten und ebenso der Reklamegesellschaft kommt noch der Umstand zu statten, daß die Polizei die Verunzierung der Sttaßenbahnfenster durch Geschäftsrellainen verboten hat. Kurzum, ein Allheilmittel gegen die Straßenbahn-Gebresten ist erfunden worden, und in der Erkenntnis, daß solche Reklame etwas für sich hat, sollen hiesige große Warenhäuser bei der ReNamegesellswaft schon Millionen Fahrscheinhefte bestellt haben. Eine Frage taucht noch auf, nämlich die, ob auch ein Mißbrauch mit dem neuen Wunder mittel getrieben werden darf. Wer will es einem Straßenbahn� schaffner verdenken, wenn er jeden Tag etliche hundert Reklamehefte aufkaust und sie am Abend bei seiner Gesellschaft mit 5 Pf. Profit für jedes Stück einlöst? Diese Möglichkeit wird die Geschäfts- inhaber wahrscheinlich veranlassen, die Hefte nicht unbeschränkt, sondern nur im Verhältnis des Wertes der eingekauften Waren ans Publi- kum abzugeben. Wie dem aber auch sei, das Publikum hat immerhin einen Gewinn aus der neuen Reklame und kann lachen. In der Rolle der gekränkien Unschuld gefällt sich weiter die «Freisinnige Zeitung". Sie jammert, der„Vorwärts" habe ihr bitter Unrecht gethan. indem er an ihren„Menschenquälerei"- Artikel, der die hohen Klassenfrequenzen preußischer Volksschulen tadelte, die Bemerkung knüpfte, über die ähnlich hoheir Klassenfrequenzen der Volksschulen Berlins rege die „Freisinnige Zeitung" sich nicht auf. Das sei die Kampfesweise des „Vorwärts": Da er an ihren Ausführungen nichts auszusetzen wisse, so bemängele er das, was nicht gesagt sei. Mit Verlaub I Nicht von dem, was nicht gesagt war, haben wir gesprochen, sondern von dem, was in der„Freisinnigen Zeitung" noch nie gesagt worden ist. Und eben das bemängelten wir, daß es noch nie gesagt wurde. Komisch wirkt der Nachdruck, mit dem das Blatt hervorhebt, wir hätten„zugegeben", daß in den Schulen Berlins schon manches besser geworden sei. Ei gewiß doch, mit dem größten Vergnügen wird das von uns„zugegeben"; denn wir haben es ja oft genug selber gesagt. Wir wissen aber, daß es der„Freis. Ztg." sehr viel weniger Vergnügen bereiten würde, einmal ihren Lesern zu erzählen, was alles in den Schulen Berlins noch schlecht ist. Selbstverständlich zieht sie es auch in ihrer neuesten Entgegnung vor, darüber zu schweigen und desto lauter über„nichtsnutzige und perfide Verdächtigung" zu zetern. Gleich zeitig registriert sie mit Stolz, daß wir ihren den preußischen Volks- schulen gewidmeten Artikel„prächtig" und ihre Ausführungen„ver- ständig" und„beherzigenswert" genannt haben. Sie hat in der Tat euren blamablen Mut I Zum Schluß meint das Blatt, unsre Polemik solle mehr der Agitation als der Sache dienen. Selbst die ernstesten Fragen würden vom„Vorwärts" zu Agitatiouszwecken„herab- gewürdigt". Wie vornehm das klingt! Weiß denn die„Freis, Ztg." nicht, daß gerade die Schule einst dem Berliner Freisinn das beliebteste Agitationsinittel war? Ach, wie gern würde er noch heute diese ernsteste Frage zu gleichem Zweck„herabwürdigen", wenn er nicht inzwischen selber eingesehen hätte, daß er mit den Berliner Schulen keinen Staat macheu kann. An sachlichem Inhalt bietet die„Freis. Ztg." in ihrer Erwiderung nur den Hinweis, daß bei zu hohe» Frequenzen der Unterricht in Deutsch und Rechnen auf Antrag des Rektors in getrennten Abteilungen gegeben werde. Nun, das wußten auch wir. Aber will uns die„Freis. Ztg." nicht sagen, in wieviel Klassen das ge- schieht? Oder wwd sie auch das lieber nicht tun? Verlorene Kraft. Mit dem Problem der Rückgewinnung der für das Bremsen der Züge aufgewendeten Energie be- schäftigen sich gegenwärtig hervorragende Eisenbahntechniker. Wenn die schweren, mit großer Geschwindigkeit fahrenden Züge beim Ein- laufen in die Aufenthaltsstationen gebremst werden sollen, müssen natürlich außergewöhnliche Kräfte aufgewendet werden, um der lebendigen Kraft des Zuges entgegenzuwirken und diesen zum Stehen zu bringen. Diese Kräfte gingen bisher nutzlos verloren; man will jetzt versuchen, sie in elektrische Energie umzuwandeln und aufzuspeichern, um den so gewonnenen elektrischen Strom zu Be- leuchtungs- oder anderen Zwecken zu verwenden. Freilich wird sich nur ein Bruchteil der verlorenen Kraft— etwa 6 Proz.— zurück- gewinnen lassen, welche in Akkumulatoren aufgespeichert werden muß; auf Stasionen, auf denen viele Züge halten, würde man aber trotz- dem ein ganz ansehnliches Quantum von Energie gewinnen, so daß sich die dazu erforderliche Sammelftelle bezahlt machen würde. Es gehören zu derselben: die Isolierung der Schienen, welche den Strom fortleiten, Zuleitungen, Atkumulator-Zellen und Dynamomaschinen nebst Antriebsvorrichwngen. Derartige Anlagen werden für Eisenbahn« strecken empfohlen, auf denen recht viele Stationen dicht bei einander liegen und Züge in kurzen Zeitabständen verkehren, wie es z. B. auf der Berliner Stadt- u« d Ringbahn der Fall ist. Die städtischen Fortbildungsanstalten beginnen das bevorstehende Winterhalbjahr am Mittwoch, den 12. Oktober dieses Jahres. Die Unterrichtskurse dauern bis Mitttvoch, den 24. März 1905. In allen vier Anstalten werden für Personen, die in einem praktischen Berufe stehen, Fortbildungskurse im Deutschen, Französischen, Englischen, im kaufmännischen Rechnen und in der Buchführung gehalten. Die Anstalten befinden sich: 1. im Friedrichs-Gymnasium, Friedrichstr. 120. Unterrichtszeit Sonntag vormittags von 8—9� Uhr und an den Wochentagen außer Sonnabend von T'/a bis 9>/z Uhr abends;— 2. in der ersten Realschule, Alexandrinenstr. 5—6, Unter richtszeit Montag und Donnerstag, solvie Dienstag und Freitag von 8 bis 9°/� Uhr abends;— 8. im Dorotheenstädtischen Realgymnasium, Georgenstr. 30—31, Unterrichtszeit au den Wochentagen außer Sonn- abend von 8 bis 9% Uhr abends;— 4. in der zweiten Realschule, Weißenburgerstraße 4a, Unterrichtszeit an den Wochentagen außer Sonnabend von 8 bis 9� Uhr abends.— Bei genügender Beteiligung wird in allen vier Anstalten auch Unterricht in der Stenographie und im Maschinenschreiben erteilt; in der ersten Anstalt auch im Freihand- und Maschinenzeichnen, in der Mathematik und im Aquarellieren; in der zweiten in der Chemie; in der dritten im Schreiben, in Handelskunde sowie in der kauf- männischen Korrespondenz; in der vierten Anstalt im Zeichnen und in der Physik.— Das halbjährliche Schulgeld beträgt für jeden zweistündigen Kursus 2 M., für jeden vierstündigen Kursus 4 M. Meldungen von Teilnehmern an den Unterrichtskursen sind an die Direktoren der Anstalten zu richten. Im städtischen Volksbad, Dennewitzstr. 24a, wird vom 10. Oktober er. ab versuchsweise ein zweites Schwimmbad für weibliche Personen, und zwar an jedem Montag von O'/z bis S'/a Uhr ein« geführt. Die abwechselnde Benutzung der Schwimmhalle von beiden Geschlechtern soll von dem genannten Tage ab in dieser Anstalt wie folgt stattfinden: 1. für weibliche Personen an allen Werk- tagen von 9l/g— 12 Uhr vormittags; jeden Dienstag. Mittwoch, Freitag und Sonnabeill» von 2— 4 Uhr nachmittags und jeden Montag und Donnerstag von 6 s/z— S'/a Uhr abends; 2. für männliche Personen während der ganzen übrigen Betriebszeit von morgens 7 sim Somnier 0) bis abends 8>/z Uhr; Freilags bis 9 Uhr, Sonn- abends bis 9 s/z Uhr und Sonntags bis 1 Uhr nachmittags. Der Kassenschluß erfolgt eine halbe Stunde vorher. In den anderen städtischen Volks-Badeanstalten bleiben sowohl die Schwimmabende sür Frauen und Mädchen, und zwar in den Anstalten Turmstraße und Schillingsbrücke am Montag, Oderberger- straße am Dienstag, Bärwaldstraße am Mittwoch, als auch die übrigen Schwimm- und Badezeiten unverändert.— Die Schwinim- hallen sind auch zur Benutzung für Nichtschwimmer eingerichtet.— Die Wannen- und Brausebäder stehen während des ganzen TageS lan Sonntagen vormittags) Männern und Frauen ununterbrochen zur Benutzung offen. Unser Parteigenosse Emil Günther ist gestern unter zahlreicher Beteiligung auf dem städtischen Friedhof in Friedrichsfelde zu Grabe getragen worden. Günther war früher zweiter Vorfitzender im Wahl- verein des ersten Reichstagswahlkreiscs; seit 12 Jahren in der Partei tätig, hat er trotz schwerer Krankheit bis in die letzte Zeit seines LebenS treu und opferwillig seine Parteipflichten erfüllt. Genosse Waldeck Manasse hielt am Grabe einen tiesempfundenen Rückblick auf das Wirken des wackeren Streiters im Befteiungskampf. Günther hinterläßt eine Witwe mit vier Kindern. Von den 135 Arbeiterinnen in den städtischen ParkS werden dauernd nur 10, vorübergehend 125 beschäftigt. Eine Frau erhält 2 M. Tagelohn, 13 Frauen 1,75 M., die übrigen 1,60 M. Altersrente beziehen 3 Frauen, Invalidenrente 52. Das Alter stellt sich bei 2 Frauen zwischen 31 und 40 Jahre, bei 19 zwischen 41 und 50 Jahre, bei 54 zwischen 51 und 00 Jahre, bei 57 zwischen 01 und 70 Jahre, bei 3 zwischen 71 und 80 Jahre. Der niedrige Lohn hatte zur Folge, daß in diesem Jahre mehr Frauen abgingen als zukamen. Die Deputation setzte den Mindestlohn für Frauen auf 2 M. fest. In der Gesamtabstimmung wurden die erwähnten Lohnerhöhungen beibehalten; ferner beschloß die Deputation, den städtischen Behörden zu empfehlen, diese Lohnerhöhung am 1. April 1905 ein- treten zu lassen. Jaques Lelaudy, der„Kaiser der Sahara" ist in Berlin ein- getroffen, um die Stadt zu besichtigen. Der Magistrat soll von Empfangsfeierlichkeiten abgesehen haben. Herr Lebaudy ist 23 Millionen schwer und will sich mit 1000 geworbenen Leuten die Sahara erobern. Der vielgenannte„Graf Salviac" ist nunmehr hier in Berlin verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte durch den Kriminal- kommissar Schöne, also durch die politische Polizei, und zwar, dem Vernehmen nach, auf eine Requisition aus Dresden, wegen Hochverrats. Namens des Verhafteten haben die Rechtsanwälte Morris und Bahn gegen die Verhaftung Beschlverde eingelegt. Auf der Spree und den Spreekanälen hat sich seit kurzem ein riesiger Schiffsverkehr entwickelt, nachdem auf der Oder und Elbe ein großer Teil der seit Monaten dort festliegenden Fracht- kühne freigemacht werden konnte. Der Andrang der Kähne an den hiesigen Schleusen ist ganz gewaltig, so daß die Schleusen- Verwaltung kaum den gestellten Anforderungen zu genügen vermag. Bei der Miihlendamms chleuse sammelte sich gestern eine große Flotte stromaufwärts und stromabloärts fahrender Schiffe, so daß es zu förmlichen Verkehrsstockungen kam. Allerdings haben diese Fahr- zeuge, da sie nur halbe Ladung besitzen, geringen Tiefgang. Leider wird aber schon wieder ein kleiner Rückgang des Wasserspiegels gemeldet. Ein verschwundenes Liebespaar. Der 19 jährige Handlungs gehülfe Walter unterhielt ein Liebesverhältnis mit der um drei Jahre jüngeren Martha B., der Tochter eines Handwerkers in Adlershof, das bei der Jugend der beiden von den Eltern natürlich nicht gebilligt wurde. Der Vater des Mädchens stellte Walter in energischer Weise zur Rede, und dies nahm sich das Pärchen an- scheinend so zu Herzen, daß es zu sterben beschloß. Seit Sonnabend sind beide ans Adlershof verschwunden, und es wird angenommen, daß sie sich das Leben genommen haben. Ans Ansichtskarten, die das Pärchen in Nieder-Schöneweide zur Post gegeben hat, teilt es mit, daß es sich gemeinsam in Grünau das Leben nehmen werde. Zu der Verhaftung des Bankiers Knichase in Moabit wird noch mitgeteilt: Das Geschäft zählte zu seinen Kunden besonders viele Handwerksmeister, kleine Rentner und Hausbesitzer, die bei Kniehase bares Geld liegen hatten, um ihre laufenden Verbindlichkeiten zu regeln. Sie sind jetzt überzeugt, daß ihr Geld verloren ist. Kniehase wird asiex auch der Veruntreuung von Mündelgeld be- schuldigt. Ein verstorbener Hofuhrmacher B. ließ sich seine Bücher durch einen Eisenbahn- Betriebssekretär Lange kon- trollieren. Aus diesen Beziehungen entwickelte sich eine Freundschaft zwischen beiden Männern. Als V. starb, wurde L., der zuletzt feine und Kniehase, der mit beiden gut bekannt war, Gegenvormund. Das Vermögen des Mündels betrug 300 000 Di., davon waren bei einer hiesigen großen Bank 250 000 M. hinterlegt. Den Depotschein besaß L. Als dieser vor etioa zwei Jahren mit einer Familie im Bade war, schrieb im Kniehase, er brauche den Schein, weil er die Papiere nachsehen müsse, um dem etwaigen Verfallen von Koupons usw. vorzubeugen, erhob dann einen be- deutenden Teil des Depots und ersetzte die guten Papiere durch minderwertige. L., der den Depotschein wieder an sich nahm, verlangte Rechenschaft, kam aber nicht zum Ziele. Jetzt tellt sich heraus, daß die Summe unterschlagen worden ist. Ein Bruder des Verhafteten bot 30 000 Mark zur Deckung des Defizits an. Es wird aber immer zweffelhafter, ob die Ver- wandten es decken können, wenn sie auch vermögend sind. Einen chweren Verlust erleidet jedenfalls das Mündel, der Fabrikbesitzer Vahl aus Ludwigslust, der von der Verlobungsfeier telegraphisch nach Berlin gerufen wurde. Er verliert wahrscheinlich volle 250 000 M. und wird also von seinem Vennögen noch etwa 100000 M. retten. Kniehase hat jetzt bereits eingeräumt, daß er außer den Papieren des Mündels auch andere Depots angegriffen hat. Die Verhaftung kam ihm wohl nicht unerwartet. Der mit seiner Fest- nähme beauftragte Kriminalkommissar suchte ihn lange vergebens, and ihn endlich im Bureau des Jussizrats, in dem die RechnungS- egung erfolgen sollte, und ging dann erst noch mit ihm nach einem Comptoir, bevor er ihn nach dem Polizeipräsidium brachte. Kniehase erklärt jetzt selbst, daß er sich schon seit zwei Jahren durch die Schwierigkeiten nur noch so hindurch manövriert habe. Das meiste Geld habe er in die Grube„Alvine" gesteckt, die schon seinem Vater gehörte. Der Hauptvormund Vahls, der Eisenbahnbetriebssekretär W. Lange, erklärt, daß er bezüglich der Mündelpapjere in gutem Glauben gehandelt habe, da er Kniehase den Schein und den Schlüssel übersandte. Die Papiere, die auf der Bank lagen, seien tatsächlich nicht mündelsicher gewesen, der Vor- wand Kniehases habe ihm deshalb glaubhaft erscheinen müssen. Bei einer Rückkehr habe er wahrgenommen, daß die Dinge nicht in Ordnung lvaren, und den Gegenvormund zur Rede gestellt. Dieser habe sich herausgeredet mit angeblichen Verzögerungen, für die er nicht verantwortlich sei. Er habe zu der verlangten Regelung alles Bleichröder übergeben, dort verzögere sich aber der Umtausch ins Unendliche. Diese Angaben habe er. Lange, für wahr gehalten und daher immer wieder auf die Regelung gewartet. Gestern ließ die Staatsanwaltschaft auch in der Villa zu Hohen-Neuendorf eine Haussuchung abhalten und Siegel anlegen. Kniehase, der auf einem Fuße hinkt, hat vier minderjährige Kinder. Er lebte gut bürgerlich und trieb keinen übermäßigen Aufwand. „Furcht vor der Hochzeit." Zu dieser ZeitungSmeldung vom 29. September erhalten wir folgende Zuschrift: Die Angaben des Schneidermeisters B. sind unrichtig, denn er hat mit der Emma H. ein Liebesverhältnis angeknüpft, ohne ihr zu sagen, daß er ver- heiratet ist und von seiner Frau getrennt lebt. Das Liebesverhältnis war nicht ohne Folgen geblieben, doch erfuhr Emma H. erst später, daß B. von seiner Frau noch nicht geschieden ist, ebenso wurde ihr bekannt, daß er noch mit einer anderen Person ein Liebesverhältnis unterhalten hatte. Diese Umstände in Verein mit Mißhandlungen, die Emma H. und ihr Kind von B. zu erdulden hatten, mögen die Arme veranlaßt haben, zwar nicht ins Wasser zu gehen, wie an- genommen wurde, sondern sich dem Bannkreis des B. zu entziehen und bei ihr freundlich gesinnten Leuten Unterkunst zu suchen. Bei seinem vierten Selbstmordversuch den Tod gefunden hat der 54 Jahre alte Maurer Friedrich Bothe, Oranienstraße 4, dessen Leiche, wie bereits kurz gemeldet, gestern im Langen See gelandet wurde. In einem offenen Briefe, der bei dem Toten gefunden wurde, teilt er mit, daß er aus Lebensüberdruß die Tat begangen habe. Bereits dreimal habe er versucht, sich zu erhängen, sei jedoch jedesmal dabei überrascht worden. Wie festgestellt, hat R. bereits am Sonnabend den Selbstmord verübt, nachdem er sein Geld, 70 M., owie seine Uhr einem Freunde übergeben hatte. Feuerbericht. Mittwoch gegen Mittag wurde die Wehr nach Niederwallstr. 18 gerufen, weil hier in einem Weinkeller Feuer aus- gekommen war, das auch schon die Deckenverschalung ergriffen hatte. Der 20. Löschzug beseitigte die Gefahr in kurzer Zeit.— Eine Stunde vorher mußte der 17. Löschzug nach der Stallschreiberstr. 32a ans- rücken, um dort einen Schornsteinbrand zu beobachten.— Durch die Explosion einer Petroleumlampe war in der Mehnerstr. 21 in einer Wohnung ein Brand entstanden, der im wesentlichen Möbel, Decken und Kleidungsstücke beschädigte.— Ein zweiter Wohnungsbrand be- chäftigte die vierte Kompagnie in der Waldstr. 59 kurze Zeit.— In der Gitschinerstr. 79 mußte gegen Abend in einer Kiich■ ein Feuer abgelöscht werden, das neben Regalen auch den Fußboden be- schädigte.— Zur selben Zeit hatte der neunte Löschzug in der Flott- wellstraße 4 zu tun. Dort brannte in einer Badestube das Balken- lager.— Die übrigen Alarmierungen, die noch im Laufe des gestrigen Tages einliefen, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen. Arbcitcr-Samariter-Kolonne. Wir machen die Arbeiterschaft Berlins und der Vororte darauf aufmerksam, daß am 10. Oktober in der Zentrale, Dresdenerstr. 42, und am 17. Oktober in der Filiale Brunnenstr. 154 ein neuer Kursus zur Ausbildung in der ersten Hlllseleistung bei Unglücksfällen beginnt. Der erste Vortrag in jeder Abteuung lautet über Anatomie sBau des menschlichen Körpers) mit Demonstrationen an Bildern und Präparaten; es steht jedem der Besuch als Gast ftei. Der Zweck der Arbeiter-Sainariter-Kolonne ist nicht, das Heer der Kurfuscher zu vermehren, sondern wirklich brauchbare Samariter heranzubilden, welche befähigt sind, bei Unglücksfällen oder Verletzungen einzuspringen und dein Arzte vor- zuarbeiten. Zu dem Zweck unterhält die Kolonne halbjährliche Kurse, in welchen unter Leitung bekannter praktischer Aerzte die Teilnehmer durch theoretische und praktische Belehrungen und Uebungen unter- richtet werden. Außerdem steht zum häuslichen Studium eine reich- haltige Bibliothek zur Verfügung. Mitglied kann jeder Arbeiter und jede Arbeiterin werden, wenn das achtzehnte Lebensjahr erreicht ist. Auf Wunsch werden Lehrpläne vom Vorsitzenden E. Stein, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 40, zugesandt. Hierher sind auch alle Anfragen sowie Aufträge für die diensttuende Abteilung zu richten. Die Vereinsvorstände, welche Samariter zu ihren Festlich- ketten wünschen, werden ersucht, dies recht ftühzeitig dem Vorsitzenden mitzuteilen. Das Passagc-Theatcr hat auch in diesem Monat ein hübsches Programm zusammengestellt. Die Erschaffung des Weibes aus dem Nichts wird weiter mit Eleganz betrieben, zum Erstaunen der Zu« schauer, die sich dies appetitliche Rätsel nicht erklären können. Die Jongleuse Miß Robinson übt auf rollender Kugel ihre Fersigkeit. Ueberhanpt scheint es unter dem Akrobatenvolk Brauch zu werden, das an sich schon halsbrechende„Gewerbe" unter erschwerenden Um- ständen zu betreiben. So quälen sich die Gebrüder Steffen als Parterre-Akrobaten, indem sie sich mit Säcken und Körben be- schweren. In der Tanzkunst leisten die Schwestern Fiorati vor- treffliches, auch die temperamenwollen russischen Nationaltänze der Engelsky-Truppe können sich sehen lassen. Ein vortrefflicher Gesangs- und Klavierhumorist ist Herr Hans Fredy. Mit ganz neuen, ver- blüffenden Tricks kommen die Exzentriks Auto und Mobil. Recht tüchtige Gesangsleistungen gaben Pia Maggioli und Titi Buscany zum besten. Im kommenden Winterhalbjahr wird eine Kommission der Berliner freien Studentenschaft Unterrichtskurse— zunächst in Deutsch und R e ch n e n— fiir Arbeiter abhalten. Die Kurse haben den Zweck, dem älteren Arbeiter, der die Fortbildungs- schule nicht mehr besuchen kann, die auf der Schule erworbenen Kenntnisse wieder ins Gedächtnis zurückzurufen und zu erweitern und ihm so die Grundlage für höhere Stufen der Bildung zu ver- schaffen.— In Aussicht genommen sind vier Kurse: Deutsch: Unter- und Oberstufe; Rechnen: Unter- und Oberstufe. Jeder Kursus findet das ganze Winterhalbjahr hindurch einmal wöchentlich statt in den Abendstunden von 81�—10. Er besteht aus Vortrag mit anschließenden Uebungen. Vorkenntnisse werden für die Unterstufen nicht voraus- gesetzt.— Die Kurse werden abgehalten in den Räumen der„Aus- kunftstelle der deutschen Gesellschaft für ethische Kulwr", Unter den Linden 10, Gartenhaus. Die Kurse beginnen am Dienstag, den I.November, 8� Uhr abends. Eine Vorbesprechung, zu der die Interessenten gebeten werden, findet in den Räumen der Auskunftstelle am Sonntag, den 30. Ok- tober, vorurittags 9 Uhr, statt. Zur Deckung der Kosten für Unter- richtsmittel wird ein Beitrag von 25 Pf. pro Kursus erhoben. Vor- herige Anmeldungen zu den Kursen werden an oben bezeichneter Stelle entgegengenommen. Theater. Im Lessing-Theater wird infolge Unwohlseins von Oskar Sauer am Freitag statt„Die Frau vom Meere", Anw Holz und Jerechkes Schauspiel„Traumulus" gegeben.— Blumenthals und Kadelburgs„Großstadtluft", das vor langen Jahren im Schiller-Theater v. gespielt worden ist, wird Donnerstagabend zum erstenmal im Schiller-Theater dl. ge- geben.—„Gastons Frauen", die Novität des Trianon- Theaters, bringt nicht nur das gesamte bisherige Personal des- selbe» auf die Bühne, sondenr hat auch eine Reihe von Neu- Engagements nötig gemacht, u. a. wurden neu verpflichret die Damen Anny Calice, von Loree und Elly Salter, sowie die Herren Georg Baselt, Hugo Flink, Karl Krall, Hermann Litt, Julius Sachs und Hans SeniuS._ Hue den Nachbarorten. Die Sitzung der Charlottenburger Stadwerordneten-Bcrsammlung vom Mittwoch begann mit einer interessanten Geschäftsordnung»- Debatte. Die Stadtvv. vr. Z e p l e r sSoz.) und Genossen hatten rechtzeittg folgenden Antrag eingebracht:„Die Stadtverordneten- Versammlung protesttert gegen das Verhalten und die Uebergriffe der Polizei gegenüber Arbeiterinnen, welche in der Nähe der Fabrik von Siemens u. Halske Streikposten standen. Die Versammlung beschließt, den Magistrat zu ersuchen, bei der Polizeidirektion wegen dieser Vorkommnisie vorstellig zu werden und ihr den Protest der Stadtverordneten-Versammlung zu übermitteln." Diesen Anttag hatte der Vorsteher nicht auf die Tagesordnung gesetzt, da er die Versammlung für unzuständig hielt. Seitens der sozialdemokratt- scheu Stadtverordneten, in deren Namen vr. Z e p l e r und Dr. B o r ch a r d t das Wort ergriffen, wurde energisch di? Zuständig- keit der Versammlung betont. Dr. Zepler zog sich dabei, als er von einer„Seuche polizeilicher Uebergriffe" sprach, einen Ordnungsruf zu. Die bürgerlichen Stadtverordneten beteiligten sich an der Debatte nicht, sie begnügten sich, in namentlicher Abstinunung sich gegen die Zuständigkeit der Versammlung zu erklären, so daß der Antrag nicht zur Beratung kam. Von den auf der Tagesordnung stehenden Gegenständen be« anspruchen nur wenige ein öffentliches Interesse. U. a. faßte die Versammlung wieder einmal Beschluß über den Neubau der Charlottenburger Brücke; sie entschied sich dahin, daß der Ausführung der künstlerischen Ausgestaltung der Brücke der von Prosesior Schaade angeferttgte neue Entwurf zugrunde gelegt werden soll und empfahl gleichzeitig, bei der künstlerischen Durchbildung der Einzelheiten unter Wahrung des monumentalen Eindrucks möglichste Einfachheit walten zu lassen. Nach Erledigung einiger Vorlagen ohne Bedeutung beschloß die Versammlung endlich, zum Wohnungs» kongreß in Frankfurt a. M. die beiden Vorsteher zu delegieren. Ein Antrag Vogel(Soz.), auch je ein Mitglied der Fraktion Alt- Charlottenburg und der sozialdemokratischen Fraktion zu entsenden, wurde ohne Debatte abgelehnt. Trcptow-Baumschulenwcg. Die Bautätigkeit ist in diesem Jahre recht rege. Es kamen zum Oktoberumzug 29 Bauten zur Abnahme, wovon 8 auf Treptow und 21 auf Baumschulenweg entfallen. Hierunter befinden sich 13 Genossenschaftshäuser, welche größer und hübscher ausgeführt sind als die vor 7 Jahren gebauten. Mit dem Bau von 0 weiteren Häusern— wozu schon Käufer da sind— will die Gesellschaft im Frühjahre beginnen. Die Ausdehnung unseres Ortes, die durch den ftüheren Amtsvorsteher und jetzigen Schöffen Hoffmann so lange verhindert wurde, geht schnell vor sich; Treptow nimmt unter den Vororten jetzt schon den vierten Platz ein.— Das neue Bahnhofsgebäude in Baumschulenweg wächst ver- hältnismäßig rasch empor und verspricht, recht stattlich zu werden. Die Dannnaufschüttungcn sind bis auf die bei der Kreuzung der Görlitzer- und der Ringbahn beendet. In der Nähe dieser Kreuzung ist die Höherlegung des Bahnkörpers mit Schwierigkeiten verknüpft. Die Züge der Görlitzcr Bahn fahren, von Berlin kommend, unter der Ringbahn hindurch, sollen aber schon die kurz dahinterliegende Puderstraße auf einer Brücke überschreiten weshalb diese bedeutend tiefer gelegt werden mutz. Deutscher Senefelder- Bund, Mitgliedschaft Berlin. Heute abend 8 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15: Mitglieder- Versammlung und Borstandssitung. Berliner Tanzlehrer Verband. Heute abend 9 Uhr, Alte Jakobftraße 75: Monatsversammlung. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands( Zweigberein Berlin). Heute abend im Vereinslokale Generalversammlung. Wahl des NachweisBorstehers usw. Zweigverein Nixdorf. Heute abend 10 Uhr bei Hoppe, Berlinerstr. 14: Mitgliederversammlung. Der Berliner Stenotachygraphen- Verein eröffnet am Donnerstag, 6. d. M., abends 9 Uhr, Alte Sakobstr. 89( Restaurant Fraedrich) neue Unterrichtsturse für Damen und Herren. Besuch der ersten Stunde für jedermann frei. Briefkaften der Redaktion. ir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( zwei Buchstaben oder eine Zahl anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die legte Abonnementsquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant. wortet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Juriftifcher Ceil. Nein. Neu- Seeland. " Die Marktpreise von Berlin am 4. Oktober. Nach Ermittelungen des fgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte 17,55-17,53 m., mittel 17,51-17,49 M., geringe 17,47-17,45 M. Roggen**), gute Sorte 13,75-00,00 m., mittel 00,00-00,00 M., geringe 00,00-00,00 M. Futtergerste*), gute Sorte 15,50-14,50 M., mittel 14,40 bis 13,40 M., geringe 13,30-12,30 M. Hafer*), gute Sorte 16,40-15,60 m., mittel 15,50-14,70 9., geringe 14,60-13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Sochen 40,00-28,00 m. Speisebohnen, weiße 50,00-25,00 M. Linjen 60,00-28,00. Kartoffeln 10,00-7,00 m. Richtstroh 4,50-9,32 m. Heu 9,40-6,90 M. Für 1 Kilogramm Butter 2,80-2,00 M. Eier per Schock 4,50-3,20 m. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Achtung! Bereine! Aenderungen, den Vereinskalender Sie fich in dem Fall Ihres Sohnes auf der Gerichtsschreiberei oder der Aufnahme in einem Sanatorium steht letnestvegs bem Bezug von Invaliden Staatsanwaltschaft oder durch schriftliche Anfrage über die Lage rente oder Altersrente gleich; sie wird in der Regel gewährt, um einer betreffend, find innerhalb acht Tagen einzusenden. der Sache. 2. Unfallrente ist von der dreizehnten Woche ab zu zahlen. Invalidität vorzubeugen. Lotteriegesek. Ihrer Anfrage fehlt Ihr B. 54. Weder ein Restaurateur, noch ein Barbier, noch ein Arzt ist zu Name und der Nachweis, daß Sie Abonment find. Der Inhalt Ihrer An Dienstleistungen verpflichtet. In der Art der Ablehnung der Dienste tann frage legt die Vermutung nahe, daß Sie nicht oder sehr oberflächlich den aber eine Beleidigung liegen. War die Pachtzeit nicht Borwärts" lesen und Loshändler find. bestimmt, fo hätte bis spätestens am 1. April zum 1. Oftober in Ihrem Falle A. T. 1. Sie könnten, fang find.- 2.2. 1. Mein. 2. und 3. Ja. Miete gezahlt haben, auf Herausgefündigt werden müssen und kann nun wieder erst zum 1. Oftober 1905 gabe Ihres Eigentums Hagen. 2. Untiefe ist das Gegenteil von Tiefe: gekündigt werden. War jedoch die Bachtzeit bestimmt( ausdrücklich für 1903/04 feichte Stellen. Zwei Wettende. Im Laufe des Ersten.- F. R. 200. gepachtet), so haben Sie mit dem 1. Oktober zu räumen. Dame Mart. 1. Nach zutreffender, freilich bestrittener Ansicht ist in der Regel Lichtenberg 50. Es erben die Eltern und Kinder des Verstorbenen. im preußischen Gebiete weder der Almosenempfänger, noch seine UnterhaltsSind solche nicht vorhanden, treten insbesondere an Stelle der Mutter pflichtigen Verwandten erfatpflichtig für die gezahlten Beiträge. Keinesfalls deren Kinder, so erbt die Stiefschwester so gut wie eins der anderen Geschwister. ist ein Sohn oder eine Tochter rechtlich verpflichtet, für ihre hilfsbedürftigen Max Stein. Der Bußtag ist nicht reichsgesetzlich, sondern partikular. Eltern zu sorgen, wenn durch diese Sorge ihr und ihrer Familie standesrechtlich geregelt. In den verschiedenen deutschen Baterländern fällt der mäßiger Unterhalt und sonstige Verpflichtungen notleiden würden. N. 04. Auf dem Bußtag auf von einander abweichenden Tagen. In Preußen fällt er nach jüngere Familie geht nach dem Gesetz vor. 2. Ja.dem Gesetz vom 12. März 1893 auf den Mittwoch vor dem legten Batentamt erhalten Sie bereitwillige Auskunft. 2. 11. und M. 60. Ja. Trinitatis- Sonntag, das ist in diesem Jahre auf den 16. November. Ge sezlich ist Tanzen, Konzertieren, Versammlungsabhaltung usw. für den Bußtag nicht verboten. Wohl aber bestehen für wohl alle Provinzen Breußens Oberpräsidial- Verordnungen, welche öffentliche Lustbarkeiten, heitere Theater, gesellige Konzerte, Lanzvergnügungen, auch öffentliche Versammlungen für diesen Tag berbieten. Die Rechtsgültigkeit dieser Verfrommungs- Verordnungen, soweit sie öffentliche Versammlungen verbieten, ist mit der Verfassung nicht zu vereinen. Das anerkannte das Rammer Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends gericht zunächst nicht, sprach es dann, als Havenstein im Straffenat saß, bon 7 bis 92 Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. aus. Havenstein ist aus dem Senat entfernt. Der jegt unter dem Vorsitz J. B., Goethestraße. Der alte Mietsvertrag läuft Falle des Ber- Lindenbergs tagende Senat wird wohl die Verordnungen für gültig halten. Taufs weiter. Eine Ausnahme findet nur im Falle der Suchastation statt. Ch. R. 10. 1. Nein. 2.- 4. Um Hebamme zu werden wendet sich die 2. E. Den Eltern, dem Ehegatten und den Abkömmlingen( Kindern, Betreffende an das Polizeipräsidium. Dann erfolgt eine Vorprüfung. Nach Enteln usw.), nicht aber Geschwistern steht ein Pflichtteilsrecht zu. B. K. bestandener Vorprüfung Eintragung in die Kandidatenliste und nach etwa 35. Liegt der Fall so, wie Sie ihn geschildert haben, so haften beide Bäcker zwei Jahren Zulassung zur Vorbereitung( Sosten etwa 300 Mart), nach befür den Schaden, der durch Hineinbacken von Arsenit entstanden ist, weil sie standener Prüfung Zulassung als Hebamme. Da großer Andrang ist und sich zum Tragen des Schadens verpflichtet haben. Ist die Uebernahme das Maximalzulassungsalter 30 Jahre nicht erreicht, so ist in der Regel dieser von Ihnen behaupteten Verpflichtung nicht nachweislich, so haftet die Meldung einer mehr als 27 Jahre alten Kandidatin zwecklos. der Arsenbäcker wegen Fahrlässigkeit(§ 823 B. G.-B.), der Verkäufer wegen Moabit 200. Was in der Ehe erworben ist, gehört in der des Mangels(§ 459 B. G.-B.). Db fahrlässigkeit anzunehmen ist, ist unter Regel dem Mann. Was auf Ihren Namen geschrieben ist, gehört Berücksichtigung aller Umstände zu entscheiden. Zu raten ist, beide zu ver- Ihnen. Sterben Sie testamentslos vor Ihrem Mann, so erbt dieser flagen. Dadurch, daß Sie die Klage gegen den einen zurüdgenommen Ihre Kinder 4 Ihres Nachlasses. Das Verständigste wäre, haben, haben Sie die an sich zweifelhaften Aussichten der Klage verschlechtert. Sie errichten mit Ihrem Mann ein wechselseitiges Testament, Vor Anstellung der neuen Klage haben Sie die Anwaltskosten Ihres Gegners in dem Sie sich gegenseitig und Ihre Kinder als Erben einsehen. G. N. 500. aus der früheren Klage zu ersehen. Verjährung tritt mit dem 1. März 1906 Sie können auf Lieferung der, uns übrigens unein. Daß der Staatsanwalt sich mit der Sache auf Ihren Antrag hin be- bekannten, Zeitung flagen. Bevor Sie Klage anstellen, überlegen Sie sich, faßt, ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. In dem Verkaufe des arsen- ob Sie nicht Opfer eines Schwindels geworden sind und durch Klage noch haltigen Brotes fann fahrlässige Nahrungsmittelverfälschung, in der ein- unnüz Kosten nachwerfen. Wegen Betrugs hat auf Ihre Strajanzeige hin getretenen Vergiftung fahrlässige Körperverlegung erblickt werden. Wenden die Staatsanwaltschaft die Sachlage zu untersuchen und eventuell ein- Swinemde. 759 SSW 2bedeckt 11 Haparanda 743 Sie sich an einen Anwalt, zu dem Sie Butrauen haben.*. 3. Nein. zuschreiten. A. B. 1. Der Ehebruch muß bewiesen werden. Eid ist als Hamburg 759 S O. H. Ihre Anfrage läßt nicht erkennen, ob die Großmutter vor ihrer Mittel des Beweises nicht zulässig. Das Gericht hat unter Berücksichtigung Berlin 761 SS Lochter verstorben ist, ob sie ein Testament hinterlassen hat, ob ihr Ghe- aller Umstände zu prüfen, ob es den Ehebruch für erwiesen erachtet. Es Frantf.a.m. 763 mann vor ihr gestorben ist und in welcher Weise( mündlich? schriftlich? fann auf ein Geständnis Wert legen, kann es aber auch für unbeachtlich München 766 23 notariell? gerichtlich?) und mit welchem Wortlaut der Verzicht der sechs halten. 2. Nein. 3. Etwa sechs Monate bis zwei Jahre. 1000. ein. Wien Geschwister ausgesprochen sein soll. Wiederholen Sie Ihre Anfrage nach Sch. 6. Wird jemand einem Sanatorium seitens der Invaliditätsden angedeuteten Richtungen hin. J. M. 4. 1. Eine gerichtlich an- anstalt überwiesen, so berliert weder er seinen späteren Anspruch auf Rente, geordnete Untersuchung, die den Zwed hat, den Geisteszustand eines An- noch seine Angehörigen den Anspruch auf Rückzahlung der Hälfte der Markengeschuldigten zu erforschen, dauert in der Regel sechs Wochen. Erkundigen beiträge für den Fall, daß der Verstorbene Nente nicht erhalten hatte. Die Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 6. Ottober. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Lohengrin. Neues fönigl. Opern Theater. Ein kritischer Tag. Deutsches. Maria Friedhammer. Berliner. Zapfenstreich. Leffing. Traumulus. Weften. Gasparone. Thalia. Der Weiberkönig. Zentral. Die Puppe. Deutsche Volksbühne. Klar zum Gefecht. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Jn Behandlung. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Im Bannkreis der Jungfrau. Um Uhr( kleine Preise): Die Weltausstellung in St. Louis. Hierauf: Der Gardasee. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: In Behandlung. Komödie in 3 Aufzügen von Mar Dreyer. Freitagabend 8 Uhr: Johannisfeuer. Sonnabendabend 8 Uhr: In Behandlung. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstagabend 8Uhr: Zum erstenmal: Die Grossstadtluft. Schwant in 4 Aften v. Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Freitagabend 8 Uhr: König Lear. Sonnabendabend 8 Uhr: Die Grossstadtluft. Wasserstand am 4. Oftober. Elbe bei Aussig 0,54 Meter, bei Dresden 1,94 Meter, bei Magdeburg+0,20 Meter. Unstrut bei Straußfurt+0,75 Meter. Dder bei Ratibor+0,97 Meter, bei Breslau Ober- Begel+4,76 Meter, bei Breslau Unter Begel 1,42 Meter, bei Frankfurt 0,45 Meter. Weichsel bei Brahemünde+2,34 Meter. Warthe bei Bosen 0,16 Meter. Neze bei Úsch+ 0,40 Meter. Witterungsübersicht vom 5. Oktober 1904, morgens 8 1hr. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärke Better Temp. n. T. 5° C.= 4° R. Stationen Barometer. Wind. richtung Windstärke Better 2Regen Temp. n. T. 200 67 3 Regen 9 Befersburg 755 SSB 1 bedeckt 1 bedeckt 13 Cort 2 bedeckt 13 Aberdeen 756 S23 2'wolfent 6 5 bedeckt 11 Baris 766 S 1 Mebel 11 764 Still- bedeckt 11 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 6. Oktober 1904. Etwas fühler, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regenschauern und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Zirkus Busch. Zirkus Schumann. Gala- Abend. abends präzise 72 Uhr: 15 Polarbären bon Mr. Henriksen. Heute, Donnerstag, den 6. Dktober, Alda Favory", Rippizaner Hengst. Milton", irländ. Jagdpferd. Herrn Elite- Abend. Gala- Programm. Ernst Schumanns 8 Fuchshengste. Elf 11. a. Die größte Spezialität der dressierte Elefanten. Die berühmte Gegenwart. französische Reiterfamilie Lécusson. Süd- West- Afrika und die vorzügl. Programmnummern. CASTAN'S Kleines Theater| Neues Theater. Passage- Theater. PANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Rosa Specter: das gelehrte Pferd! Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die Großstadtluft. National. Der Troubadour. Belle- Alliance. Onkel Bräfig. Neues. Die Kronprätendenten. Kleines. Fräulein Julie. Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Lustspielhaus. Biederleute. Trianon. Ihr zweiter Mann. Luisen. Hasemanns Töchter. Casino. Mutter Gräbert. Metropol. Ein tolles Jahr. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Apollo. Berliner Luft. Spezialitäten. Palast. Vom Himmel zur Hölle. Deutsche Volksbühne. Carl Beiß- Theat., Gr. Frantf. Str. 132. Klar zum Gefecht. Lustspiel in 3 Atten von Kurth und Laverenz. Anfang 8 Uhr. Freitag und Sonnabend: Klar zum Gefecht. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Herrnfeld- Theater. Nur eine Nacht Biederlente. Am andern Morgen. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage Theater. Dida. Speziali täten. Anfang 5 Uhr. Urania. Taubenstraße 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Bannkreis der Jungfrau. Um 4 Uhr: Die Weltausstellung in St. Louis. Der Gardasee. Invalidenstraße 57/62. Stern Im warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Von Robert Misch. Freitag: Ein wahrhaft guter Mensch. Sonnabend: Biederleute. Kasino- Theater Lothringerstr.37. Anf. Wch.8, Sonnt.72 Das bollit. neue Oftober- Programm. Neu: Bargold und Smiles. Neu! Duo Brisard- Seppel- Werner. Mutter Gräbert. Volksstück m. Gef. in 3 Att. v. Reiflingen. Zentral- Theater Sonntagnachm. 4 llhr: Der Denunziant. 7 Die Puppe. Apollo- Theater. Operette in 4 Bildern von Audran. Freitag: Der Bettelstudent. Die Attraktionen Dugendbillets mit 40 Prozent des neuen Oktober- Programms. Ermäßigung, an allen Wochentagen i gültig, gelangen jetzt zur Ausgabe. Hierauf: Luisen- Theater. Berliner Luft Gastspiel des Theaters des Westens: mittags 3 Uhr, bei ermäßigten Der Troubadour. Freitag: Hamlet. Sonnabend: Von Stufe zu Stufe. Sonntag, den 9. Oktober, nachPreisen: Frühlingsluft. Operette von Josef Strauß. Sonntag, nachmittags: Hasemanns Metropol- Theater Töchter. Abends: Hamlet. National- Theater Weinbergsweg 12a- 13b. Donnerstag, den 6. Oftober 1904: Der Troubadour. Anfang 7, Uhr. Freitag: Rigoletto. Sonnabend: Der Freischütz. Deutsch- Amerikanische Theater. Köpnickerstr. 67. Heute zum Gastspiel Adolf Philipp. 356. MALE: Josef Giampietro a. D. Bender. Josephi. Grünfeld. Frid- Frid. Der größte Erfolg dieses Jahres Ein tolles Jahr. Gr. dram.- satir. Revue in 5 Bildern. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Residenz- Theater. Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Vereinigte Bühnen unter der Leitung von Max Reinhardt. Anfang 8 1hr. Nachtasyl. Freitag und Sonnabend: Fräulein Julie. Sonntag: Nachtasyl. Thalia- Theater. Minna von Barnhelm. ( Heims, Höflich, Engels, Pagay, v. Winterstein, KayBler.) Freitag: Anfang 7 Uhr: Die Kronprätendenten. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Nchm. Wochent. 5, Sonnt. 3Uhr. Das grossartige Oktober- Programm: Hans Fredy, Humorist. Geschw. Fiocati, Tanzduo. Belle- Alliance- Theater. Engelski- Truppe, Tanz- Ensemble Dresdenerstr. 72/73. Direktion: Kren& Schönfeld. Belle- Alliancestr. 7/8. Täglich abends 7, Uhr: Der Weiberkönig. ( Guido Thielscher, Lina Abarbanell, Fritz Helmerding, Josephine Dora in den Hauptrollen.) Täglich abends 72 Uhr: als August Junkermann Onkel Bräfig. Sonntagnachmittag 3%, Uhr b. halben Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben Preisen: Charleys Tante. Breisen: Deborah. Freie Volksbühne Sonnabend, 8. Oktober, in der Brauerei Friedrichshain: Mendelssohn- Beethoven- Abend. Berliner Tonkünstler- Orchester, Dirigent Carl Vach. Solist: Konzertmeister Alfred Wittenberg. U. a.: Beethoven: Zwei Sätze aus dem Septett. Mendelssohn: Sinfonie No. 3( Schottische) op. 56. Konzert E- moll für Violine mit Begleitung des Orchesters. Nach dem Konzert: Fest- Ball. wa Festmarken( a 60 Pf. mit Programm) in allen Zahlstellen zu haben. Die Vorstellungen müssen pünktlich um gebeten, 2 Uhr spätestens zu erscheinen. Sonntag, den 9. Oktober, nachm. 2, Uhr: 6. Abteilung. 3. Abteilung. 22 Uhr beginnen. Die Mitglieder werden dringend Götz von Berlichingen. Die Komödie der Liebe. 229/15 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Deutsche Konzert- Hallen. An der Spandauer Brücke 3. Vollständig neu ausgestattet! Täglich: Gr. internat. Künstlerkonzerte. x Theater- Abteilung. Spezial- Ausschank der Berliner Bock- Brauerei. Trianon- Theater. W. Noacks Theater. Georgenstraße zwischen Friedrich- und Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Universitätsstraße. Gewonnene Herzen. Boltsstäd mit Gefang von S. Müller. „ Ueber'n grossen Eine Hochzeitsnacht. Ihr zweiter Mann. Anfang 8 Uhr. ( Une Nuit de Noces.) Ende 10 Uhr 30 Min. Schwant in 3 Atten von H. Kéroul Sonntag nachmittags 3 Uhr: und A. Barre. ,, Ueber'n grossen Teich." I Sonntagnachm. 3 Uhr: Die 300 Tage. Luftspiel in 3 Atten von André Sylvane und Maurice Froyez. Anfang 8 Uhr. Freitag: Gastons Frauen. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Ball. Freitag: Die Rose von Avignon. Einige Sonnabende sind zu Vereinsfestlichkeiten frei. Dida die Erschaffung eines Weibes aus dem Nichts. 14 neue erstklass. Nummern. Gebrüder Herrnfeld- Theater Ueber 200 Mal: der größt. Herrnfeld- Schlager Nur eine Nacht zwei Akte aus einer Ehe, und Am andern Morgen Nachspiel zu„ Nur eine Nacht" mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anf.( auch Sonntags) 8 Uhr. Palast- Theater. Bürgerliche Schauspiele. Burgstraße 22. Anfang 8 Uhr. Das phänomenale Oktober Spezialitäten- Programm. Hierauf: Vom Himmel zur Hölle mit Direktor Richard Winkler als Jupiter. Freitag, den 7. Oftober: EliteAbend: Kean" oder: Leidenschaft und Genie. Sonntag nachm. 3 Uhr zu kleinen Neu! Zum erstenmal Chinko. auf dem Kontinent Die beliebte jugendliche Schulreiterin Frl. Dora Schumann. Herr Albert Carré, Sohn d. königl. niederländischen Birkusdirektors Oskar Carré. Potpourri mit Fretheitspferden. Der französische Forscher Monsieur Pernelett mit seinen 40 Krokodilen. Der Samson des XX. Jahrhunderts Georg Lurich. Große Springkonkurrenz. Die besten Springpferde des Marstalls. Die neuesten Monstre- Dressuren des Dir. Alb. Schumann. Um 92 Uhr: Kolossaler Erfolg, Das große mimische Drama in 8 Bildern mit neuen prachtvollen Licht, Wasser und technischen Effekten Michael Strogoff oder: Der Kurier des Zaren. Birka 200 Mitwirkende und Troupe Onofri( 20 Pers.). Alt- Moabit 47/49. Stadt- Theater Moabit. Gastspiel des Bernh. Rose- Theaters. Die Regimentstochter. Baudeville in vier Akten nach dem Französischen von D. Ennery und Mart Fournier. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Anfang der Borstellung 8 Uhr. Entree 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Sonntag, den 9. Ditober: Die Regimentstochter. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Plättner, Böhme, Böckmann, Walden, Schrader). Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Etablissement Buggenhagen Breiſen: Gastspiel der Opern- Gejſel Etablissement schaft des Herrn Stapellmeister von Althausen: Der Troubadour. Skala- Theater. Linienftr. 132( a. d. Friedrichstr.) Sensationelles Programm! Familie Schmekeles Bosse mit Gesang in einem Aft, sowie 30 internation. Spezialitäten. Anfang 7 Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Weimanns Volksgarten- Theater. Badstraße 56, Gesundbrunnen. Nächste Vorstellung: Sonntag, den 9. Oktober. Die Anna- Liese. Historisches Lustspiel in 5 Aufzügen von H. Hersch. Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. In den unteren Sälen jeden Abend 8 Uhr: Militär- Konzert. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Fritz Steidl- Sänger. Nach jeder Vorstellung im Kaiserfaal: Tanz. I Otto Pritzkows Abnormitäten- Ausstellung Münzstr. 16, am Alexanderpl. Feodora, das Weib mit den Löwentatzen. Lebend! Lebend! 32 Jahre alt, 70 ctm. groß. Charlestro, das rätselhafte medizinische Wunder. Nada und Mnemos, Gedankenleser. Eintritt 10 Pf. WH DRE 765 Nenes Programm. LIANE DE VRIES Pariser Sängerin. Edi Stadler, Jodler. Die Asahis, japanische Akrobaten. Morton und Elliot, Papier- Manipulatoren. Pas de Deux oriental. Die 4 Harveys, Drahtseilkünstler. Die Harmony Four, amerik. Quartett. Marcell Salzer, Vortragskünstler. Howard de Grey, Barfußtänzerin. Permane Bros, Agoust- Familie, Clowns. Jongleure. Larive, französische Soubrette. Das Motogirl. Romsakoffs, weibliche Kosaken. Der Biograph. Sanssouci. Rottbuser Thor- Stat. der Hochbahn. Donnerst., Sonnt., Mont.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Jed. Dienstag u. Mittwoch: Theater- Abend. Dienstag, den 11. Oftober: Kaiser Josef II. und die Schusterstochter. Alle ausgegebenen Vorzugskarten gelten. Gustay Behrens Buggenhagen Moritzplatz. Heute sowie jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag: Steidl- Sänger Jeden Montag: Festsäle des Westens, Spichernstraße. Jeden Mittwoch: Kliems Festsäle, Hasenheide. Konsum- Verein, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu Charlottenburg. Bilanz per 30. Juni 1904. Kaffe Waren. Inventar . Aktiva. M. 7 537,89 M. 1 602,04 13 615,65 Abschreibung 10% 753,79 6 784,10 Einrichtung Abschreibung 10% Emballage Stautionen Debitoren. Groß Einkaufs Gesellschaft Berliner Bau- und Sparverein Sa. Passiva. Jeden Freitag: Böhmisches Brauhaus, Dispositions- Fonds. Landsberger Allee. Anfang 8 Uhr. Geschäfts- Anteile. Reservefonds Entree 50 Bf.( Borverkauf 40 Pf.) Produktionsfonds Rüdvergütung. 278,36 27,84 250,52 Victoria- Brauerei Berfonal- UnterstügungsLützowstr. 111-112. Fonds. Kreditoren . 563,98 130, 276,25 564,60 50, Ausnahmepreis! Reichgestickte alge- Qortieren 23 837,14 paste M. 137,80 14 081,70 1 827,94 204,30 418,54 204,30 1 780,21 5 182,35 Sa. 23 837,14 Mitglieder- Bewegung. Bestand am 15. DtHente sowie jeden Donnerstag: Reingewinn. Gr. Tanzkränzchen. Jed. Montag u.Freitag: Horst's Nordd. Sänger. Tägl.: Gr. Bürg.Mittagstisch. Säle zu Vereinsfestlichkeiten, Bersammlungen usw. zu fulant. Bedingungen. Spezialitäten Kronleuchter- Fabrik Theater, FrankfurterAllee 85. Das vorzügl. Oktober- Programm. 20 Nummern. Neu! Der mysteriöse Elefant Neu! ( Wunder der Dressur). Der Schneider in tansend Aengsten. Große Posse. Anfang 7 11hr. Sonntags 5 Uhr. 粥 tober 1903 Im Laufe d. Jahres eingetreten. Ausgeschieden durch Tod, Verzug usw. Bestand am 30. Juni 1904 859 152 1 111 Mitgl. 43 " 1 068 Mitgl. Die Geschäftsguthaben der Mitfür Gas u. Petroleum. glieder betrugen: Größte Auswahl. 400 Kronen von 10-700 M. Verk. zu billigst. Fabrikpreisen an Private. Auf Wunsch Teilzahlung ohne Preiserhöhung. am 15. Oftober 1903. 12 236,49 Zuwachs i. J. 1903/04 " 1 845,21 Gesamt Betrag am 30. Juni 1904 9. 14 081,70 Die Haftsummed. Mitglieder betrug: am 15. Oftober 1903 02. 28 770, Zuwachs i. J. 1903/04 Gesamt Betrag am 3 270, " 30. 1904. 9. 32 040, Siegel& Co.harlottenburg, 1. Oftober 1904. Prinzenstrasse 33. Nur noch einige Tage! 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Todes- Anzeige. Am 4. d. M. verstarb unser Mitglied, der Stellmacher Joachim Hogsohn Streligerstr. 34. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des ElisabethKirchhofes, Prinzen- Allee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/4 Der Vorstand. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter E. H. 29, Filiale Tempelhof. Am 3. Oktober starb unser langjähriges Mitglied Karl Fischer am Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 7. d. m, nachmittags 3 Uhr, auf dem Tempelhofer Kirchhof am Brizer Weg statt. Rege Beteiligung erwartet 18926 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden, Kollegen und Be fannten sage ich für die rege Be teiligung und die zahlreichen Stranzspenden bei der Beerdigung meines innigst geliebten Mannes hiermit 1898b meinen herzlichsten Dank. Witwe Anna Bahl. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Berlin Oranienstraße 158. Teilnahme bei der Beerdigung meines S. Nach auswärts per Nachnahme. Pracht- Katalog etwa 600 Abbildungen gratis u. franco. Extra billig! div. Teppiche mit kleinen Webfehlern! Roh- Tabak Max Jacoby, Streliterftr. 52. Alt bekannte billige Preise. Warenhaus lieben Mannes sage ich allen Freunden, Bekannten, Verwandten, den Genossen des ersten Berliner Wahlvereins, dem Zentralverband der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeiter, dem Berein Verband der Bau-, Erd- und gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschl. Zahlstelle Berlin und Umgegend. ( Bezirk Often.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Albert Mißling am 1. Oktober verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. d. M., nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle des St. MarkusKirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. 34/15 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Sozialdemokrat. Wahlverein f.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis. ( Süd- Ost.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, ber Maurer Friedrich Rothe wohnhaft Dranienstraße 4 ( Stadtbezirk 85) gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des Ge meinde- Friedhofes in Köpenid, Rudowerstraße( Nähe Bahnhof Spindlersfeld) aus statt. 244/10 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, Mannes, Bruders und Schwagers Alexander Splittstößer fozialdemokratischer Gast- und Schant wirte sowie den Stammgästen, den fagen wir allen Genossen des vierten Heizungsmonteuren und Helfern vom Reichstags- Wahlkreises, dem deutschen Neubau S. Bolle, auch dem Gesang ber Firma Frost u. Söhne sowie feinen und Gefange Metallarbeiter Verband, den Kollegen verein der Gastwirtsgehilfen und dem Genossen Walded Manasse für die Freunden, Bekannten und Verwandten 18975 frostreichen Worte am Sarge meinen unseren herzlichsten Dank. Die Hinterbliebenen: August John. 19085 herzlichen Dank. Frau Ww. Anna Günther, geb. Röpert und Kinder. Danksagung. Danksagung. Für die innige Teilnahme am Degräbnis meines lieben Neffen Paul Bork Allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Fliesenleger- Branche spreche ich im Namen spreche ich allen Berwandten und aber aller Hinterbliebenen meinen innigsten Bekannten, besonders ben Dank für die rege Beteiligung, sowie Meistern und Kollegen der Firma zahlreichen Kranzspenden bei der Bell& Co. sowie dem Fachberein der Beerdigung meines geliebten Gatten Musikinstrumentenmacher meinen herz aus. 18886 lichsten Dank aus. 19046 Martha Rakewitz geb. Schüler. Fr. A. Bournack und Tochter. Donnerstag Freitag Sonnabend Preisc A. Wertheim Sabad Gardinen, Portieren Fenster | Köper Tuch Leinenplüsch Garnituren 4.75, 7.25 7.25,10.50 8MK., 10.75, 13.50 Châle 2.50, 8.15, 4.75 2 Portieren, 1 Lambrequin, mit Kurbelstickerei mit eingewebter Portieren Bordüre Engl. Tüll- Gardinen 2 Chales 2.45, 3.50, 4.75, 6.25 Engl. Tüll- Gardinen Meter 35, 50, 68, 80 Pf. Engl. Tüll- Stores Stück 2.25, 3.35, 4.75, 6.25 Tüll- Band- Stores Stück ck 5 Mk., 7.25, 9 Mk., 11.50 Gewebte Panneaux 65/90 cm Etamine- Stores Stück 4.25, 5.75 Mk. ockerfarb. farbig Engl. Tüll- Vitragen zweiteilig Meter 32, 45, 55, 68 Pf. Köper- Vitragen zweiteilig 2.40, 3.50, 4.50 Mk. Köper- Rouleaux einteilig 2.60, 3.15, 4.50 Mk. Tüll- Bettdecken für 2 Betten 4.50, 7.25, 9 M., 11.50 Tüll- Band- Bettdecken 2 Betten 14.50, 17, 19, 23 Mk. Kongress- Stoffe weiss u. creme Mtr. 45, 55, 65, 80 PL. Kissenplatten gewebt für glatt u. gestreift ca. 50x50 cm 90 Pf. In der Tapisserie- Abtellung: Point lace- Bettdecken m. Kurbel m. KurbelGrösse ca. soweit der Vorrat reicht: Teppiche Imit. Perser- Teppiche 4.75, 7.75, 11.50, 17.25 Grösse ca. 180/200 160/230 200/300 245/835 Axminster- Teppiche 13 Mk., 19.50, 29MK., 47.50 Tapestry- Teppiche 10.75, 18 Mk., 29 Mk., 47,50 14 Mk., 23 Mk., 35.50, 61 Mk. 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Länge ca. 60 100 150 cm Paneele Nussbaum 2.75 5 Mk. 7.50 fourniert Salontische Gold gravierter 5.25 Palmenständer 110 cm hoch 4.25 Paneele moderner Stil, ca 1 Mtr. lang 6.75 Kinder- Schreibpulte. 12.75 MK.| Kinderstühle verstellbar 3 MK Verantwo. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. rlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 235. 21. Jahrgang. Soziales. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. omerstag, 6. Oktober 1904. Preußische Kuddelmuddel- Statistik. Wir beabsichtigten, den ziemlich umfangreichen statistischen Angaben des Reichs- Anzeigers" über den preußischen Bergbau im Jahre 1903 noch einige Betrachtungen zu widmen. Dabei waren wir, verführt durch eine Anzahl längerer Tabellen, von der Ansicht ausgegangen, daß es möglich fei, auf Grund dieser Tabellen ein flares Bild von den Veränderungen in der Lage der Arbeiter im Laufe einer Reihe von Jahren zu gewinnen. Bei näherem Zusehen finden wir indes, daß die langen Zahlenreihen kein Wort erfreuen. mehr sagen, als wir ihnen gestern schon abgewonnen haben. Die Statistik trägt das Hauptkennzeichen des größten Teils unsrer offiziellen Statistik; es fehlt ihr das, was zu den ersten Erforders nissen einer brauchbaren Statistit gehört: die Vergleichbarkeit. Die vorliegende Statistik giebt in einer Tabelle die Gesamt Die vorliegende Statistik giebt in einer Tabelle die Gesamtsumme der an die preußischen Bergarbeiter gezahlten Löhne in den einzelnen Jahren von 1895 bis 1908; fie giebt aber die Zahl der Arbeiter nur für 1908, 1902 und 1901( das heißt, man fann sie sich für 1901 nach einer Bemerkung im Terte errechnen, die absolute Zahl wird auch nicht mitgeteilt). Für die Jahre 1901, 1902 und 1903 werden auch die Schichtlöhne und die Jahreslöhne im Durchschnitt der Gesamtbelegschaft jedes einzelnen Reviers gegeben. Will man nun aber Gesamtbelegschaft jedes einzelnen Reviers gegeben. Will man nun aber diese Löhne vergleichen mit den Leistungen, dann sigt man wieder fest. Die Jahresleistung eines Arbeiters in Tonnen wird zwar gegeben für jedes einzelne der Jahre 1888 bis 1903, jedoch nur in der Gesamtheit des preußischen Bergbaues. Um eine Vergleichung wenigstens für die drei letzten Jahre vorzunehmen, müßte man die mitgeteilte Gesamtsumme der Löhne nehmen, alsdann die Gesamtzahl der Arbeiter errechnen, den Durchschnitt ziehen und dann könnte man mühsam feststellen, wie sich Arbeitsleistung wie sich Arbeitsleistung und Arbeitslohn in den drei Jahren zueinander verhalten( mit den Angaben über Löhne von 1895 bis 1900 und über Leistungen bon 1888 bis 1900 ist auch dann noch nichts anzufangen), wenn ja wenn die Zahlenreihen überhaupt etwas miteinander zu tun hätten. Nämlich: Die Summe der Löhne ist für alle preußischen Berg arbeiter angegeben, die Jahresleistung eines Arbeiters in Tonnen jedoch nur für den Steinkohlenbau. Allerdings könnte man die Zahl der Steinkohlenarbeiter wenigstens für 1903 und 1902 feststellen( für 1901 nicht, da ist nur eine Gesamtsumme zu ermitteln) und da auch für die einzelnen Reviere für die Jahre 1903 und 1902 der Jahreslohn- Durchschnitt gegeben ist, wäre durch einige Rechenerempel wenigstens für zwei Jahre eine Vergleichung zu erlangen, indes-- auch das geht nicht. Die Lohnangaben berücksichtigen nur die Arbeiterlöhne, die Angaben über die durchschnittliche Jahresleistung des Einzelnen beziehen sich jedoch auch auf Arbeiter und Beamte. Für die Beamten wird wiederum nur angegeben, welche Durchschnitts- Jahresgehälter in den einzelnen Revieren 1902 und 1903 gezahlt wurden. Eine Vergleichung ist also vollständig ausgeschlossen, weil weder vergleichbare Größen zu fammengestellt werden, noch solche aus den gemachten Angaben errechnet werden können. Es werden noch eine ganze Anzahl Einzelangaben gemacht, die aber auch nichts weiter wie eine unglückliche Anhäufung zusammenhangloser Bahlen darstellen ohne Sinn und gwed. -Arons übernommen. Gerichts- Zeitung. Ein Arzt über die freie Arztwahl. da Frau Panzeram ihr Amt niedergelegt hat. Gewählt wurde In der Krantentaffen- Zeitung" schreibt Dr. med. Bergmann: ublede gewählt. Die nächste Versammlung, der letzte Vortrag Frl. Hanna, frühere Beisigerin, und in deren Stelle wurde Frau In den fälschlich als„ Streits" benannten ärztlichen Ringbildungen im Zyklus über die Schulfrage, ist am 17. Oktober in den Armin= - dem die Aerzte sind im ökonomischen Ginne ebenso wie juridisch hallen, Rommandantenstraße 20. Das Referat hat Herr Dr. Leo nicht Arbeiter, sondern gewerbetreibende Unternehmer- tritt eine hallen, Kommandantenstraße 20. Das Referat hat Herr Dr. Leo Erscheinung hervor, die durch ihre ausnahmslose Regelmäßigkeit zu denten gibt, nämlich die Tatsache, daß nur an solchen Krankenkassen, Lohnbewegung der Herrenkonfektions- Arbeiterinnen Kopenund Kassenvorstand entstehen, während alle übrigen, an Zahl nicht rinnen Kopenhagens einstimmig beschlossen, ihren seit fünf Jahren wo freie Arztwahl besteht, Honorarstreitigkeiten zwischen Aerzten hagens. Am 22. September haben die Herrenkonfektions- Arbeitegeringen Kassen, welche statt des Systems der freien Arztwahl geltenden Tarifvertrag zu tündigen. Seitdem wird in einer Reihe eine feste Besoldung ihrer Aerzte eingeführt haben, fich des uns von Versammlungen eine außerordentlich lebhafte Agitation entgestörten Friedens und des besten Einvernehmens mit der letzteren faltet, um, wie vor fünf Jahren, durch einmütiges Vorgehen eine dauernde Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu er Das System der freien Arztwahl muß uns also als ein für die zielen. Die Bewegung hat auch auf die Arbeiterinnen der DamenEntstehung von Differenzen besonders günstiger Nährboden erscheinen. branche übergegriffen, die im allgemeinen noch elender gestellt sind Dieser Nährboden ist um so ergiebiger, je unergiebiger die Einfünfte als die der Herrenbranche. der Aerzte aus ihrer Kassentätigkeit sind. Es liegt im Wesen des Systems begründet, daß die Honorare der freigewählten Aerzte außerordentlich ungleichmäßig verteilt sind. Einige wenige, die sogenannten Kaffenlöwen, verstehen es, nicht selten durch demagogische Hatte der Staatsanwalt sonst nichts zu tun? Ein tödlicher Unoder geradezu unlautere Mittel, sich unter den Kassenmitgliedern so fall auf der Untergrundbahn hat zu einer merkwürdigen Anklage populär zu machen, daß sie sich eines gewaltigen Zulaufes erfreuen, wegen fahrlässiger Tötung Veranlaffung gegeben, die gestern die während die große Masse ihrer Kollegen in ihren leerbleibenden vierte Straftammer des Landgerichts II beschäftigte. Der Angeklagte, Sprechzimmern darauf sinnen, ihr Kasseneinkommen durch hoch Kaufmann Friedrich Paul Holz war eines Tages mit seinem dreigeschraubte Forderungen zu verbessern. Sie übersehen dabei jährigen Söhnchen auf die Haltestelle Wittenbergplatz der Untervollständig den überaus wichtigen Umstand, daß die unbefriedigende grundbahn gekommen. Er trug mehrere Patete und war nicht imHöhe ihres Einkommens nicht durch die niedrige Entwertung der stande, beim Einsteigen seinem Sohne die Hand zu reichen. Der ärztlichen Leistungen, sondern durch ihre unzureichende Beschäftigung Snabe trat fehl und geriet mit den Füßen auf die Kontaktschiene, bedingt wird. Selbst die höchste Honorierung der Einzelleistung die sich etwa 30 Centimeter unter dem Bahnsteigniveau befindet. fann mangelhaft beschäftigten Aerzten und unter der freien Arzt Der Unfall wurde dadurch ermöglicht, daß zwischen der Bordschwelle wahl bilden diese die überwiegende Mehrzahl zu keinem aus- des in einer scharfen Kurve angelegten Bahnsteiges und dem einlaufenden reichenden Einkommen verhelfen. Wagen ein Spalt sich befand, in welchen der Knabe hineinstürzte. Das höhung der Honorarsäge erwarten, sondern nur dadurch herbei hatte Eine wirkliche Befferung läßt sich daher nicht von einer Er Kind wurde zwar sofort herausgezogen, der starke elektrische Strom führen, daß jeder an der Kaffe tätige Arzt in genügendem Umfange des entsegten Baters verstarb. Letzterer mußte nun nicht bloß den höhung der Honorarsäge erwarten, sondern nur dadurch herbei- hatte es aber derartig verlegt, daß es in den Armen beschäftigt wird. Das aber ist eine Bedingung, welche sich bei der Schmerz ertragen, feines Kindes in so graufiger Weise beraubt das System der festen Besoldung erfüllt werden kann. freien Arztwahl ausnahmslos als unmöglich erweist und allein durch worden zu sein, er mußte vielmehr nun auch noch auf die Anflagebant, um sich wegen fahrlässiger Tötung zu Nur die schon erwähnten Kassenlöwen, welche aus der freien verantworten. Man wollte ihm die Schuld an dem Unfall Arztwahl ein weit höheres Einkommen beziehen, als sie durch eine aufbürden, weil er es unterlassen habe, das Kind an der Hand zu gleichmäßige und feste Besoldung zu erwarten hätten, haben ein führen oder es durch andere führen zu lassen, da ihn die Batete in wirkliches Interesse an der Erhaltung dieses für sie profitablen seinem Arm daran hinderten. Der Angeklagte bestritt ein VerSystems und an den in den fog. Aerztestreits gestellten Forderungen. schulden seinerseits und wies nach, daß er das Kind vor dem EinSie sind es denn auch, welche im offenen oder geheimen Bunde mit steigen forgjam bewacht und zur besonderen Vorsicht ermahnt hatte. reaktionären Politikern gewöhnlich als Urheber und Führer der Der Verteidiger machte die Bahnverwaltung für den Unfall ver taffenfeindlichen Ningbildungen auftreten. antwortlich und führte aus, daß dieser der Vortourf nicht erspar werden könne, daß sie den Bahnhof an einer Kurve angelegt, so Freifinnige Sozialpolitik. Die Art Sozialpolitik, wie sie von daß ein breiter Spalt entstanden sei, und ferner, daß sie der freisinnigen Stadtverwaltung Nürnbergs betrieben wird, fängt keinerlei Vorkehrungen zur Verhütung eines derartigen Unfalles nachgerade an, gemeingefährlich zu werden. Seit Jahren arbeitet getroffen habe. Der Gerichtshof tam nach der Beweisdie Gemeinde- Krankenkasse mit einem tolossalen Defizit, das auch aufnahme zu demfelben Ergebnis wie der Staatsanivalt, durch die schifanöseste Behandlung der Versicherten nicht aus der der selbst die Freisprechung des Angeklagten beantragte. Welt zu schaffen war. Statt zu dem einzig wirksamen Mittel zu Der Gerichtshof überzeugte fich, daß den Angeflagten weder objektiv greifen, nämlich zur Errichtung einer allgemeinen Orts- Krankenkasse, noch subjektiv ein Verschulden treffe, um so weniger, als die Bahndie von den Arbeitern Nürnbergs seit einem Jahrzehnt vergeblich verwaltung Einrichtungen, die das große Publikum zur besonderen gefordert wird, suchte man das Defizit dadurch zu beseitigen, daß Vorsicht beim Einsteigen ermahnen, nicht getroffen habe. Der Anman die Leistungen an die Versicherten beschränkte und diejenigen geklagte wurde daher freigesprochen und es bleibt die Frage offen: Unternehmer, deren Arbeiter der Gemeinde- Krankenkasse über die warum es überhaupt nötig war, die Anflage zu erheben. Daß in Beitragsleistung hinausgehende Kosten verursachten, anhielt, eigene| politischen und Streitangelegenheiten bedenkliche Anklagen erhoben Betriebs- Krankenkassen zu errichten oder den Teil des Defizits, werden, liegt ja daran, daß die objektivste Behörde von der Welt der durch ihre Arbeiter verursacht war, zu ersetzen. Die freisinnige auch den Kampf für Ordnung, Religion und Sitte gegen die ParRathausgesellschaft will die Orts- Krankenkasse nicht, weil in dieser teien des Umsturzes zu führen hat. Eine solche Mission spielte aber den Arbeitern Rechte eingeräumt werden müßten. Die Folgen des doch in diesem Falle teine Rolle. sehr empfindlichen Weise fühlbar. Den Unternehmern, die sich ver- schaft" in den Handel gebrachten Postkarten mit Abbildungen von geschilderten Systems machen sich nun in einer für die Arbeiter Sittenboldigkeit. Die von der Neuen Photographischen Gesellpflichteten, den auf sie entfallenden Teil des Defizits zu decken, ererschaft" halten vom Magistrat Verzeichnisse zugestellt, worin die erkrankten Sunstwerken der letzten Bariser Stunftausstellung erregen noch immer Arbeiter des betreffenden Betriebes nach Namen, Stand, Nummer die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaften, die nicht anerkennen des Krankenbuches, Zahl der Krankheitstage, Kosten für ärztliche tollen, daß solche Karten, soweit sie nadte Frauengestalten darBehandlung und Heilmittel usiv. genau aufgeführt sind, so daß der stellen, künstlerischen Wert haben. Nachdem kürzlich die siebente Unternehmer genau sieht, welche von seinen Arbeitern am meisten Straffammer mehrere hiesige Händler, die diefe Karten feilgeboten, zu dem Defizit, das der Unternehmer zu decken hat, beitragen. Die bon der Anklage der Verbreitung unzüchtiger Schriften freigesprochen Folge ist, daß der Unternehmer die wiederholt erkrankten Arbeiter hatte, hatte sich der Disponent eines Stettiner Warenhauses dieser entweder sofort oder dann entläßt, wenn sich die Erkrankung nochmals Tage auf diefelbe Anklage zu verantworten. Die Ansichtskarten wiederholt. Verschiedene Fabrikanten, die von der Gemeinde wurden als Pariser Salon- Postkarten" ausgestellt und feilgehalten. Krankenkasse zu start herangezogen werden, haben umumwunden Auch in diesem Falle war die Staatsanwaltschaft der Meinung, erklärt, daß sie sämtliche älteren oder kränklichen Arbeiter entlassen wenn auch Nachbildungen von Kunstiverken vorliegen, werden, da sie sich mit einer Betriebskasse teine Umständlichkeiten fie doch in dieser Ausführung nicht geeignet feien, tünstlerischen machen wollen und andererseits das ihnen aufgebürdete Defizit nicht oder bildenden Zwecken im Interesse der Kunst und Wissenschaft zu zu gewähren, den Schönheitssinn zu befriedigen, tragen fönnen. Dieses unheilvolle System veranlaßt die Arbeiter, die mit Entlassung bedroht find, wenn sie erkranken, dazu, Krank dienen. Ats Gemälde möge die einzelne Darstellung schön wirken, heiten zu verheimlichen, und zu welch schlimmen Folgen dies zu in dieser Nachbildung auf Postkarten feien sie aber offenbar nur führen geeignet ist, kann sich jeder vernünftige Mensch ausmalen, nur die freisinnige Stadtverwaltung Nürnbergs verschließt dem gegenüber die Augen, einzig darauf bedacht, das Defizit der Gemeinde- Krankenkasse loszuwerden und den Arbeitern nicht das Bugeständnis der Errichtung einer allgemeinen Orts- Krankenkasse zu machen. Gine„ Statistik über Arbeitslöhne und Arbeitsleistungen", wie der Zahlenhaufen im Reichs- Anzeiger" benannt wird, muß die Möglichkeit gewähren, zu vergleichen erstens Löhne, Leistungen und Arbeitszeit in einem Jahre sowohl für die Gesamtheit wie für charakteristische Gruppen der erfaßten Arbeiter, und ebenso muß sie ermöglichen eine Vergleichung dieser Verhältnisse innerhalb einer Reihe von Jahren. Weiter gehörte noch dazu eine Vergleichung mit den Preisen der Weiter gehörte noch dazu eine Vergleichung mit den Preisen der Arbeitsprodukte und den Gesamtergebnissen der Produktion, denn erft eine Vergleichung zwischen Arbeitslohn und Produktionsertrag gestattet ein Urteil über den Anteil des Arbeiters an dem Ertrage der Arbeit und das ist volkswirtschaftlich sehr wichtig. Der amerikanische Benfus hat die Wichtigkeit dieser Vergleichung längst erkannt. Die im„ Reichs- Anzeiger" offiziös veröffentlichte offizielle Statistit provoziert noch dazu die Forderung nach solchen Vergleichungszahlen durch ihre Lohnsummenangabe. Welchen Zweck hat denn die mit nichts anderem in der mitgeteilten Statistit vergleichbare Busammenstellung der Gesamtlohnsummen seit 1895? Soll damit etwa gezeigt werden, welche Opfer die Unternehmer für die Arbeiter bringen, indem sie ihnen in neun Jahren 3809 Millionen Mark Lohn zahlten? Wenn das nicht beabsichtigt war, dann wissen wir nicht, weshalb die Bahlen mitgeteilt werden. Es ist übrigens in Preußen so der Brauch, die Statistik, deren Aufgabe die objektive Untersuchung bestehender Zustände ist, zu sozialen" Wohlfahrtsschwindelmanövern zu mißbrauchen. Und was den Mangel an Syftematik angeht, so wäre auch gelegentlich ebenso über die preußische wie über die Reichsstatistit ein ernstes Wort zu reden. * * * * * Hus der frauenbewegung. darauf berechnet, die Sinnlichkeit zu erregen; fie erscheinen auch objektib geeignet, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl zu verlegen, und feien daher als„ unzüchtig" zu bezeichnen. Der Gerichtshof hielt auch in diesem Falle dafür, daß es sich nicht um unzüchtige" Abbildungen handele, und es wurde daher auch diesmal auf Freisprechung erkannt. Eingegangene Druckfchriften. Ernst Fr. Wyneken, Dr. phil. Wie ist die fortgehende DemokratiIm Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt fierung der Gesellschaft bom christlichen Standpunkte zu beurteilen? am Montag Herr Dr. 8 adet einen Vortrag über„ Schulhygiene". 55 Seiten. Preis 60 Pf. Berlag, Karl Winters Universitätsbuchhandlung, Heidelberg. Den sehr lehrreichen und interessanten Ausführungen folgte Oesterreichischer Arbeiter Notizkalender für das Jahr 1905. die Versammlung mit regem Interesse. Unter Vereinsangelegen- X. Jahrgang. Preis 72 Heller. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, heiten mußte die Neuwahl einer Vorfißenden vorgenommen werden, Ignaz Brand, VI, Gumpendorferstr. 18. Sunlight Seife Unbegrenzt ist die Verwendung der Sunlight Seife, 3 E. Möbis, Uhren, Koppenstr. 82.* Möbelverkauf! In meiner Möbelfabrik, Gneisenauftraße 15, am Halleschen Thor, stehen viele Wohnungs- Einrichtungen, verliehen gewesene und neue Ausstattungen zum sehr billigen Verkauf. Teilzahlung bei ganz geringer Anzahlung gestattet. 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Oktober, abends 8 Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engel- ülfer 15: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom Sommerfest( Guter Montag). 2. Diskussion Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. In der Sonntagsliste ist die Bäckerei von Hoppe, so., Adalbertstr. 66, als bewilligt nachzutragen. 18966 Der Vorstand des Bäcker- Verbandes. Freitag, den 7. Oktober 1904, abends 8½ Uhr, im Lokale von L. Keller, Koppenstr. 29: Zur gefälligen Kenntnis! General-Versammlung.com Tages Drdnung: Meine Werkstatt und mein Kontor 4nm befinden sich nach erfolgtem Umzuge von Belleallianceftr. 84 jezt 19096 über die Beschlüffe des Verbandstages in Dresden. Endgültige Beschlußfaſſung zur Durchführung unserer Lohnforderung. Schöneberg, Belzigerstr. 27. NB. In Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Mitglieder der Sektion, in der M. H. Wegner. 3. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Wir richten an alle Mitglieder das dringende Ersuchen, in dieser überaus wichtigen Versammlung vollzählig zu erscheinen. 25/4 Die Ortsverwaltung. Baugenossenschaft„, Freie Scholle" zu Berlin. Eingetragene Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht. Sonnabend, den 29. Oktober 1904, abends 8 Uhr: Außerordentliche General- Versammlung im Saale 7 des Gewerkschaftshauses, Engel: Ufer 15: Tages- Ordnung: 1. Wahlen zum Aufsichtsrat. 2. Statutenänderung(§§ 21, 23, 28). 3. Erledigung eingelaufener Anträge. 127/4 Baugenossenschaft Freie Scholle" zu Berlin. Eingetragene Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht. Der Aufsichtsrat: Alfred Richter. Deutscher Metallarheiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Versammlung vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. J. A.: Wilh. Fritsch.[ 153/ 15* Arbeiter- Bildungsschule Berlin Freitag, den 7. Oktober, abends pünktlich 8½ Uhr: General- Versammlung im Saal VIII des Gewerkschaftshauses, Engel Ufer 15. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2. Vortrag des Schriftstellers Dr. Rudolf Steiner über:" Geschichtsauffassung". 3. Dis fussion. 4. Ergänzungswahl der Revisoren. 5. Schulangelegenheiten und Verschiedenes Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Tischlerverein zu Berlin. E. H. 89. 5/4 Sonnabend, den 8. Oktober, in ,, Sanssouci", Rottbuserstr. 4a: 33. Stiftungsfest. Soiree der Norddeutschen Sänger, Konzert u. Ball. Anfang 9 Uhr. Billetts a 30 Pf. sind bei Hinz, Waldemarstr. 65 a, Fruchtstr. 71, Rose, Stöpniderstr. 190 und den übrigen Vorstandsmitgliedern zu haben. Abendkaffe findet nicht statt. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Lipke, oftiaftr. 59, Kühn, Gräfeſtr. 69/70, Holzhüter, Franzſtr. 5, Schwarz, Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. 199/8 Steinarbeiter. Sonntag, den 9. Oktober cr., vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 1: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom III. Quartal. 2. Entstehung des Weltalls und der Erde.( Referent: M. H. Baege). 3. Bericht des Statistiters. Zahlreiches Erscheinen erwartet 172/18 Der Vorstand. Verband der Bau-, Erd- u. gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschl. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Telephon: Amt IV, 4439. Verbandsbureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 8. Adhtung! Fliesenleger- Hilfsarbeiter. Freitag, den 7. Oktober 1904, abends 8 Uhr, im Rosentaler Vereinshaus, Rosentalerstr. 57: Mitglieder Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. Referent: Kollege K. Heidemann. 2. Dis 34/14 fuffion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wünscht Die Ortsverwaltung. Achtung! Bauanschläger! Achtung! Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Achtung! Heute, Donnerstag, den 6. Oktober 1904, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Allgemeine Versammlung sämtlicher Bau anschläger Berlins und Umgegend. Tages- Ordnung: Stellungnahme zu unserer Lohnbewegung und an welchem Tage legen wir den Arbeitgebern unsere Forde: 122/16 rungen vor? Kollegen! Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse gefaßt werden sollen, ist es notwendig, daß jeder erscheint. Die Ortsverwaltung. Jedes Wort: 5. Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. + 53* Spottbillig. Gardinenrefte, Bettwäsche, Bettinlette. Pfandleibhaus Weidenweg neunzehn. + 53* Filiale Berlin. Wegen Umzugs bleibt das Bureau am Donnerstag, den 6., und Freitag, den 7. d. M., geschlossen. Von Sonnabend, den 8. Oktober, ab befindet sich das Bureau Engel- Ufer 21 parterre. Der Vorstand. 196/1 Graumanns Festsäle Naunynstrasse 27. Achtung, Vereine! Sonntage im Oktober und November frei geworden. Achtung! Dachdecker! Nach den Bestimmungen unseres Tarifvertrages ist mit dem 1. Oktober die achtstündige Arbeitszeit in Kraft getreten. Anfang früh 28 Uhr, Feierabend 5 Uhr. 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