Nr. 236. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt" 10 Big. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 ẞfg., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 11hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittelalter. In vergangenen Jahrhunderten füllte dynastischer Streit ein gut Stück der politischen Geschichte. Fürsten waren Besitzer der Länder und Staaten. Durch Heirat in andere Dynastien wurde der Besitz gemehrt, durch Bestreitung der Erbfolge wurden vieljährige Kriege geführt, welche die Landkarte umftalteten. Freitag, den 7. Oftober 1904. derselbe die ihm abgesprochene Regentschaft aufgeben mußte, in den höchsten Tönen gefeiert als einen Regenten, wie ihn das Land Lippe würdiger nie besessen habe und nie besitzen werde. Wie sollte er da nicht eintreten für ihn! Man hat ihm die größte Macht im Reiche gegeben und nun soll er vor den Geringfügigkeiten der Lippefchen Landesgesetzgebung sich beugen? so " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Und drittens, daß den im Pool vereinigten Gesellschaften, die die Kosten der Kontrollstationen tragen, nicht zugemutet werden könne, Auswanderer mit Karten der Cunardlinie, welche zu den Sosten der Kontrollstationen nichts beitrage, in diesen zu beherbergen und zu untersuchen. Das alles wird erreicht, wenn die Warnungen der amerikanischen Presse Erfolg haben. Man sollte also doch der amerikanischen Bresse dankbar sein, wenn sie dafür sorgt, daß der Auswandererstrom über Deutschland abgeschwächt wird. " Verrat deutscher Marinegeheimnisse. Recht muß Recht bleiben" fo hallt es in den liberalen Zeitungen, in den Zentrumsblättern, ja in den konservativen Das neue Deutschland, das mit so vielerlei Vermodertem Blättern auch die" Post" schreibt in der schönen Pose des Rechtserblich belastet, hat mit dem Feudalismus auch die Erbschutzes! monarchie übernommen und zwar in reichster Mustersammlung. Gewiß, Recht foll Recht bleiben auch für das geringe Ländchen Deutschland ist aus den bisherigen Kämpfen um Volksrechte und um Lippe. Doch in den Massen der arbeitenden Nation ersteht Die Schleswig- Holsteinische Voltszeitung" macht Anteilnahme des Voltes an der Regierung kaum erheblich über die ftaunende Verwunderung, um welcherlei Recht plöglich die in ihrer letzten Nummer über den Fall Barkemeyer Ent. Staatsform des Absolutismus hinausgewachsen, die sonst in bürgerliche Welt sich erhebt. Es ist Gesetz und Recht von den Ge- hüllungen, die einiges Aufsehen erregen dürften. Schon Europa mur in den rückständigsten Staaten, in Rußland und der setzen und Rechten, die sich wie eine ewige Krankheit" aus ver- vor einiger Zeit wurde ja gemeldet, daß ein Geheimsekretär der im Türkei, besteht. westen Jahrhunderten fortgeerbt. Um Mumienrecht geht der Besitze der Firma Krupp befindlichen Germaniawerft in groteske Streit und nichts ist im Spiel von dem lebendigen Recht Niel verhaftet worden sei, weil er Marinegeheimnisse verraten der lebendigen kämpfenden Menschheit. habe. Später wurde diese Nachricht dann dementiert und behauptet, daß es sich nur um gewöhnliche Veruntreuungen des Barkemeyer gehandelt habe. Deutschland ist das monarchische ste Land der Welt. Sein Monarchismus ist zahllos und mächtig. Deutschland rühmt sich der stattlichen Zahl von 22 Thronen, von denen aus Könige, Großherzöge, Herzöge und Fürsten ihre Lande regieren. Einer darunter, der König des größten Staates, ist zugleich Präsident des deutschen Bundes, König und Kaiser zugleich. Alle diese Herrscher gelten als von Gottes Gnaden und üben in ihren Staaten Rechte, wie sie kein anderer Sterblicher kennt, wie sie die erwählten Vertretungen des Volkes nicht kennen; und ihre Rechte übertragen sich von Bater auf Sohn als unwandelbarer Familienanspruch. Die deutschen Monarchen haben zwar mit der neueren Zeit das Kompromiß der Verfassungen schließen müssen, doch die Volksvertretungen, welche die deutsche bürgerliche Entwicklung schuf, ließen ihnen eine Stellung von weit größerer Machtfülle, als sie in anderen europäischen tonstitutionellen Monarchien bestehen. Die deutschen Monarchen ernennen ihre Minister unabhängig von der Volfsvertretung, ohne ihre Zustimmung darf kein Gesetz entstehen, mag es der Wunsch des Voltes noch so dringend erfordern, sie sind die Herren der aus führenden Gewalt. So sehr natürlich auch in Deutschland die Monarchie ein Glied in der Gesamtheit der herrschenden Machtfattoren ist, so sehr sie nur ein Organ der herrschenden Klassen sein tann, mit denen sie sich in der Macht teilt, so ist ihr gleichwohl eine starte Eigenmacht verblieben, ein weiter Spielraum für persönliche Betätigung. Bei solcher Entwidlung des Monarchismus fann es unmöglich ausbleiben, daß diese mittelalterliche Staatseinrichtung nur allzu leicht in Konflikt gerät mit den Entwickelungen und Anschaumgen des heutigen Zeitalters. Wenn jetzt durch die Presse fast aller bürgerlichen Parteien laute Erregung tobt über die Geschehnisse in Lippe, über die Protesterklärung des deutschen Raisers, so vergißt diese bürgerliche Presse, so berechtigt ihre Klage an sich ist, nur allzufehr, wie schwer es, dank der mittelalterlichen Verfassungszustände, die das deutsche Bürgertum geduldet, erhalten und geschaffen hat, wie schtver es ist, in diesen Buntscheckigs keiten und Eigenartigkeiten des deutschen Monarchenwesens alles in guter Ordnung zu erhalten. Wie können beispielsweise Schwierig keiten ausbleiben, wenn durch das Prinzip der Erblichkeit Geist es trante Throne besteigen! Wir haben deren in Deutschland eine erkleckliche Zahl und man erträgt diesen Zustand gelassen; man begeht in München alljährlich das Geburtsfest des Königs Otto, der eine Gestalt des Erbarmens ist, aber zugleich der König des zweitgrößten Staates in Deutschland. In Lippe war es nicht anders. Der jezige Streit hat darin seinen Ursprung, daß der Erbfolger Alexander gleichfalls unheilbarer Geisteskrankheit verfallen ist. Da aber ein ordentliches deutsches Land ohne Fürsten nicht egiſtieren. fann, so entstand der Streit unter den Familienmitgliedern, die sich erbberechtigt glaubten und die Befähigung für den erhabenen Herrscherberuf in sich fühlten. Wenn nun Wilhelm II. in plöglichem Telegramm in den Erbfolgestreit eingreift, das Recht des durch die Landesgesetzgebung b rechtigten Graf- Regenten bestreitet, die Bereidigung der Truppen verbietet und für die Erbberechtigung des Mannes seiner Schwester Stellung nimmt, so löst der Mannesmut derer gebührendes Lächeln, die nun plötzlich im Chor gegen den Eingriff, gegen das persönliche Regiment sich gewaltig empören. Auch ein Berliner Universitätslehrer, Professor Kahl, spricht aus tiefster Getvissensnot für das Recht des Grafregenten von Lippe gegen den Einspruch des Kaisers. Doch alle diese erregten Fürsorger für das Recht eines deutschen Bundesfürsten bedenken nicht die mildernden Umstände, die gerechterweise dem Kaiser zuzusprechen sind. Ein mittelalterlich Stück geht über die Bühne der Gegenwart. T Berliner llniversität, Justizrats und Professors abi gipfeln in Die oben erwähnten Erklärungen des Staatsrechtslehrers der dieser allergetreuesten Opposition" gegen den Kaiser: " Man hält uns entgegen, daß auch der Kaiser die Thronfolgefähigkeit der Söhne des Grafen Ernst nicht anerkennt. Ich bin genötigt, ebenso ehrerbietig als freimütig darüber zu reden. Wie schwer mir dieser Konflikt ist, fann ich nicht sagen. Denn ich bin kaisertren bis in die Knochen und den legten Blutstropfen. Aber eben deshalb darf ich nicht schweigen. auf Grund Die„ Schleswig- Holsteinische Volkszeitung" erklärt num, offenbar zuverlässigster Informationen, daß Barkemeher tatsächlich wegen Berrats von Marinegeheimnissen des Staats, also wegen einer hochverräterischen Handlung, verhaftet worden sei. Diese Tatsache ergebe sich schon daraus, daß der Staatsanwalt, der die Sache Bearbeitet habe, die Akten ver. fiegelt an das Reichsgericht in Leipzig abgegeben habe. Es gibt eine zweifache Art der Opposition, eine Opposition Das Reichsgericht habe aber mit Straftaten nur dann zu tun, der Untreue und der Trene. Die meinige ist und wenn es sich dabei um Hochverrat oder eine Handlung im Sinne der will nur sein die der Treue. Wo ich innerlichst§§ 90-93 des Reichs- Strafgesetzbuches handle. Und in der Tat habe überzeugt sein muß, daß die Rechtsauffassung meines aller- es sich um solche Bergehen gehandelt. Es seien nämlich ,, Ablieferungsgnädigsten, höchsten höchsten irdischen Herrn Herrn nicht die richtige zeichnungen" des vorlegten auf der Germania Werft hergestellten ist, muß ich reden, wenn ich Beruf dazu habe. Beruf Schiffes, des Panzers erster Klasse Braunschweig", verschwunden. dazu habe ich als Lehrer des öffentlichen Rechts. Als Unter Ablieferungszeichnungen verstehe man die Zeichnungen eines solcher tann ich nicht vertreten oder geschehen laffen, was Schiffes, auf denen auch die allerkleinsten Einzelheiten der Schiffs mir als öffentliches Unrecht erscheinen will. Diesen Wenn solche AbStandpunkt haben die beiden Reichskanzler Bismard und Hohen- fonstruktion flar und deutlich ersichtlich seien. Tohe, welche auch fachlich überzeugte Anhänger des Biesterfelder lieferungszeichnungen in die Hände einer fremden Macht geRechts gewesen find, vollauf gebilligt. Was ich selbst in der Sache rieten, so seien damit die Geheimnisse eines solchen Schiffs. fördern tann, schätze ich ungemein gering ein. Aber ich rechne auf typs verraten. Bei der Ablieferungszeichnung der Braunschweig" die vornehmsten Hülfskräfte. Ich vertraue umerschütterlich auf den aber habe es sich um den jüngsten und wichtigsten Gerechtigkeitsfinn meines Staisers, auf die Einsicht des Bundes- Schiffstyp der deutschen Kriegsflotte gehandelt, rates und des Reichstages. Ich rechne auf die patriotische defien Vorzüge so sehr gerühmt worden seien. Der Verdacht, daß öffentliche Meinung und die objektive Mit die verschwundenen Ablieferungszeichnungen in die Hand einer wirtung meiner wissenschaftlichen Kollegen. Einen gerechten Richter fönnen Gegner und Freunde nicht verfagen. Um diese Bitte handelt es sich jetzt ganz allein. Alles andere ist spätere Sorge." # " fremden Wacht geraten feien, habe seine Bestätigung gefunden, und zwar werde der Geheimsekretär Barfemeyer bezichtigt, diesen Verrat geübt zu haben. Unser Kieler Bruderorgan fügt hinzu, daß nicht Professor Kahl ruft also die Universitätskollegen auf zum Frankreich oder Rußland der Käufer dieser Marinegeheimnisse geFeldzug für das Biesterfelder Recht. Die gesamte öffentliche wesen sei, sondern England. Meinung soll sich gegen das„ öffentliche Unrecht" wenden. Barkemeyer, der ein Monatsgehalt von 600 m. bezogen habe, Welch Rechtsgeist erfüllt die deutsche Rechtsgelehrsamkeit. As fei tagelang durch einen Berliner Kriminalbeamten beobachtet geschäbe das allererstemal öffentliches Unrecht in deutschen Staaten. worden. Auch seine Verhaftung sei durch einen Berliner Beamten etwa ein Erbe, das mühe- und verdienstlos dem Abkömmling zu erfolgt. Hieraus sei wohl zu folgern, daß der polizeiliche Eingriff Die„ Rechtsordnung" der Gegenwart raubt dem Volke nicht fällt, fie raubt den täglichen Ertrag der eigenen Mühe, des eigenen auf Veranlassung des Reichs Marineamts erfolgt sei. Verdienstes, der eigenen Arbeit, den Genuß des Lebens, der Kultur. Dieser Enthüllung läßt die Schleswig- Holsteinische Volkszeitung" Doch dieses unendliche Unrecht, das ein ganzes Volk bedrückt, ist noch eine zweite folgen. Sie erklärt, daß zurzeit zwei ber nicht die Sorge der patriotischen öffentlichen Meinung". Sie fchiedene Arten von Unterseebooten auf der Marineforget um Schutt und Moder. werft gebaut würden. Während der eine Typus dieser Boote auf eigene Rechnung der Germaniawerft zu Verfuchszwecken gebaut werde, werde der andere Typ in drei Exemplaren für Rußland fertiggestellt. Die Firma Germaniawerft in Stiel mache sich dadurch also eines groben Neutralitätsbruches schuldig, daß sie für die Zwecke der russischen Kriegsmarine auf neutralem Boden den Bau von drei sehr wichtigen Kriegsfahrzeugen bornehme! Unser Kieler Bruderorgan schließt seine Enthüllungen mit den Worten: So viel für heute. Sollte man den Mut haben, die von uns gebrachten Tatsachen zu bestreiten, so find wir zu weiteren Enthüllungen bereit. Politifche Ueberficht. Berlin, den 6. Oktober. Erwünschte Wirkungen. Telegramın aus New York: Zur Auswandererfrage erhält das„ Berl. Tageblatt" folgendes " Die gesamte angefehene Presse warnt eindringlich die ofteuropäischen Auswanderer, mit Billets für die Cunard- Linie, die Route über Deutschland nehmen zu wollen. Da infolge des Einflusses deutscher Schiffahrtsgesellschaften auf die deutsche Regierung jenen Auswanderern die Grenze ge= sperrt, wird ihnen der Weg über Libau oder Fiume empfohlen." Dazu bemerkt das„ Berliner Tageblatt": Bei einiger Einsicht hätten sich die deutschen Schiffahrts gesellschaften fagen können, daß diese Warnung unausbleiblich sein würde, und es würde uns nicht wundern, wenn entsprechende Warnungen auch in den osteuropäischen Ländern verbreitet werden follten. Und was ist alsdann die Folge, wenn ein erheblicher Teil des Auswandererstromes über Libau oder Fiume abgelenkt wird? Sind erst einmal solche neuen Linien in Aufnahme gekommen, dann bleiben sie auch unter veränderten Verhältnissen in Flor. Das werden die deutschen Schiffahrtsgesellschaften am eigenen Leibe alsdann zu spüren haben. Leibtragend ist in jedem Fall aber auch die preußische Staatsbahnverivaltung. Denn ihr entgehen die Einnahmen, die aus der Bewegung von Auswanderermassen fließen, die sich auf Zehntausende und Behntaufende belaufen. So rächt sich eine Politit, die weder unter dem wirtschaftlichen noch unter dem humanen Gesichtspunkt zu rechtfertigen ist. " Deutfches Reich. Literatur- Polizei. Herr Dstar Blumenthal hat in Berlin hundert Triumphe des Spießbürgerwiges gefeiert. Jetzt aber ist seine Muse vom weißen Rößl" zum toten 2öwen" berstiegen und schuf ein historisches Stück, das nicht im mindesten wißig sein soll. Daß Herr Blumenthal also den wahren Beruf, den Philister zu ergößen, vergaß, bermag die Aufsichtsinstanz für Berliner Literatur jedoch nicht zu ertragen. Herr b. Borries, der Polizeipräsident und Literaturkenner, verbietet die Aufführung der neuesten Blumenthalschen Leistung. Er sandte der Direktion des Berliner Theater" diesen Erlaß: ,, Auf Ihren Antrag vom 9. September d. J. eröffne ich Ihnen, daß ich mich genötigt sehe, meine Genehmigung zur öffentlichen Aufführung des Blumenthalschen Dramas„ Der tote Löwe" in Ihrem Theater nach§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts aus ordnungspolizeilichen Gründen zu versagen. Wilhelm II. fühlt sich als Enkel des großen Wilhelm", wie er ihn genannt hat. Er ist von seiner welthistorischen Aufgabe unendlich durchdrungen. Er hat übergroße verfassungsrechtliche Macht in Preußen und im Reich. Er vermag in die Gesetzgebung einzugreifen. Er hat seit seinem Regierungsantritt überall hin eingegriffen. Er fühlt sich als verantwortlicher Verivalter aller Dinge. Er hat in Wissenschaft und Kunst, in Musik und Theologie Weisungen gegeben. Er hat gegen gange Bevölkerungsklassen und große Barteien seine Aeußerungen des Mißfallens gerichtet. Das alles hat die deutsche Nation ohne Widerstand gehen und geschehen lassen, so daß der Glaube an den übermenschlich er Wozu die Aufregung? Nach allen Rechtfertigungen, die bisher habenen Beruf im Kaiser naturgemäß tief gefestigt werden mußte! für die Schiffahrtsgesellschaften auch im Berliner Tageblatt" Die Behandlung des gewählten Stoffes macht trotz der Nun ist dieser Monarch in der seltsamen Lage, 21 Fürsten neben veröffentlicht wurden, muß doch diese Wirkung der Auswandererwürdigen Form, die ihm von dem Verfasser gegeben ist, wegen fich zu haben, die nach der Verfaffung gleich berechtigt find, behandlung in Deutschland den Gesellschaften wie der Regierung nur der unverkennbaren Darstellung bestimmter Vorgänge aus der zeitderen Macht aber winzig, zum Teil völlig nichtig ist. Es hieße erwünscht sein. genössischen Geschichte das Verbot gerade in der Reichshauptstadt allzu große Anforderungen stellen, daß der Mächtigste, I notwendig, wo die Erinnerung an die selbst erlebten Ereignisse Was wurde denn als Zweck und Grund der Maßregeln an wenn er glaubt im Rechte zu sein, sich nicht diese gegeben? eine noch unmittelbarere ist. gez. v. Borries." seltsamen Verfassungsverhältnisse des Deutschen Reiches stoßen Deutschland vor der Ueberschivemmung mit franken und mittel- atvijchen einen jungen, tatenburstigen spanischen Herrscher Der tote Lötve" behandelt, wie man erfährt, den Gegensat soll! So hat der Kaiser gemeint, sein Schwager, der Schaum- losen russischen Auswanderern zu schützen. aus dem 14. Jahrhundert und seinem übermächtigen Minister; beide burger, sei berechtigt in der Erbfolge von Lippe. Er hält ihn für Die Schiffahrtsgesellschaften vor den Kosten des Rücktransportes tönnen nicht nebeneinander herrschen, der Alte muß dem Jungen einen trefflichen Mann, hat er ihn doch schon im Jahre 1897, da zurückgewiesener Auswanderer zu schützen. alt weichen, er wird der tote Löwe". Blumenthal erzählt in der Vor tann mummen. = " " Husland. am am rebe zu feinem Stüd, daß er Vorgänge der jüngsten Vergangenheit, Bevölkerung bis zur Siedehize aufgeregt hätten. Diese vom jehrlich gemeinte natürlich, anzuknüpfen verfuchte? Sind doch in also den Gegensatz zwischen Kaiser und Bismard dabei vor Vorwärts" zuerst im Zusammenhange mit dem Laurahütter zwischen genug Hereros getötet worden, so daß man jetzt dem Feinde fich gesehen: er wollte die Tragödie des ruhmvollen Alters Krawall beleuchteten Tatsachen wurden dann haarscharf in dem Generalpardon zuteil werden lassen könnte. Namentlich, da sich das schreiben, das an der tatenfrohen Jugend zerbricht; das Geschick Beuthener Prozeß bewiesen. Ueber dieselben Tatsachen bekundeten Material über die Gewalttätigkeiten, durch welches die Hereros erst ines Starken zeichnen, der an der Loslösung aus seinem Lebens- zeugeneidlich in dem gegen den„ Vorwärts" angestrengten Be- zum Verzweiflungskampf getrieren worden, nachgerade bergehoch anjerk zugrunde geht". leidigungsprozeß die Redakteure der polnischen oberschlesischen Blätter, Dies Stück aus dem spanischen 14. Jahrhundert mit Er- Stowalczyk, Dr. Staras und Siemianowski. Daraufhin veröffentlichte häuft! Man sollte auch im eigensten Interesse schon nachgiebiger innerungen an neuere Vorgänge will der Polizeipräsident auf der das polnische Organ der oberschlesischen Geistlichkeit, die„ Gazeta sein, weil sich auch die Zahl unserer Toten erschreckend vermehrt. Berliner Bühne nicht dulden. Zwar gesteht er selbst die„ würdige Katolicka", am 23. Januar 1904 einen Artikel, in dem es unter So berichtet die neueste Verlust liste, daß weitere zehn Mann Form" der Darstellung zu, so daß sicherlich nicht vermutet werden anderem hieß: Kowalczyk habe in der Verhandlung beschworen, daß verstorben seien, davon neun am Typhus. wobor ohnedem die Persönlichkeit des Verfassers sichert die Geistlichen die Kanzel zur Agitation für das Zentrum miß- Die Verlustliste Tautet: in und bei der es könnten unliebsame Anzüglichkeiten wider den Kaiser darin ent- braucht hätten, daß Zentrumsagitation Berlin, 6. Oftober.( Amtliche Meld: mg.) Sergeant Heinrich halten sein. Aber Berlin soll vor der bühnenwirksamen Erinnerung Kirche getrieben worden sei, daß der Beichtstuhl zu Wahlzwecken August Friedrich Reese, früher Regiment 164, aus Ottenſtein, „ an die selbsterlebten Ereignisse" bewahrt werden. Und gerade mißbraucht worden sei, daß die Geistlichen den Leuten, die einem Braunschweig, ist am 2. Oftober im Lazarett Waterberg infolge Ver Berlin. In andern deutschen Städten darf das Stück nach der Polen bei der Reichstagswahl die Stimme gegeben, die Abfolution wundung an Herzschwäche gestorben. Bahlmeister aspirant deutlich bekundeten Ansicht des Polizeipräsidenten über die Bühne verweigert hätten, daß die Geistlichen laut zu Gewalttätigkeiten Locke, Feldtelegraphenabteilung, aus Breslau, erhielt durch Ungehen, nur die Berliner, denen der Kaiser so nahe wohnt, fönnten gegen die polnischen Stimmzettelverteiler angereizt hätten. Das glücksfall bei Karidona einen Schuß in die linke Brust; es von Blumenthals dramatischer Gewalt mächtig entzückt, die Störung verstehen wir nicht hieß es in dem Blatt der oberschlesischen besteht keine direkte Gefahr. der Ordnung" unternehmen. Denn aus„ ordnungspolizeilichen Geistlichkeit weiter-, weshalb diese Aussagen notwendig waren Jm Lazarett Dtjoebule am An Typhus sind gestorben: Gründen" verbietet der Zensor das Stück. Zwar ist der„ tote Löwe" in einem Prozeß, in dem es sich um die Beleidigung eines 23. September Reiter Hermann Frank, geboren zu Hemtot und auch sein Sprößling und Erbe ist tot, so daß die Bismarck Geistlichen handelte; wir verstehen nicht, wie man Zeugen mingen, Württemberg, früher Artillerie- Regiment 65, begeisterten Berliner nicht leicht die durch den neuen Herrn ge- nehmen konnie, die Gegner der Geistlichkeit sind, und wir verstehen 24. September Reiter Heinrich Pape, geboren zu Hamburg, früher ant 26. September Reiter Georg schaffene Ordnung umstürzen dürften, aber gleichwohl aus nicht, wie Kowalczyk die Aussage über die Absolution abgeben Artillerie- Regiment 24; ordnungspolizeilichen Gründen." founte. Weiß denn Kowalczyk nicht, was der Eid bedeutet. Wie Geißlinger, geboren zu Niederstetten, Württemberg, früher Da es dem Autor des„ Weißen Rößl" gelüftet, die ernste Bühne kann er seine Behauptung vor seinem Gewissen verantworten. Man Artillerie- Regiment 27. Jm Lazarett Otjosondu am 1. Oktober der Weltbegebenheiten zu besteigen, rührt ihm Herr v. Borries un- muß schon der Geistlichkeit so feindlich gesonnen sein, wie die Gefreiter Wilhelm Preer, geboren 3. September 1882 zu AnsbachIm Lazarett Okahandja berdient die lauteste Trommel Ser Reklame. Wie eifrig wird das Redakteure der„ Gornoslazak", um die Geistlichkeit so zu verleumden. Celle, früher Dragoner- Regiment 16. Stüd nun auf den Bühnen außerhalb Berlins gespielt werden! Man muß sich fragen, wie die Geistlichkeit sich vor solcher Nieder- am 4. Oftober Seesoldat Schmidt, 3. Kompagnie MarineUnd wenn erst die oberen Instanzen die Berliner Aufführung ge- trächtigkeit schützen kann. Das war der ungefähre Inhalt des Expeditionskorps, geboren 26. Januar 1883 zu Tharandt, Kreis nehmigt haben werden, wie wird Berlin strömen, das Wunder des Artikels, in dem Kowalczyk der versteckte Vorwurf des bewußten Dresden. Im Lazarett Otjimbinde am 24. September Schießer berbotenen Blumenthal zu schauen! Meineides gemacht wurde. Nach dem niederschmetternden Er- Reinhard Urban, früher Militärbäckerei Frankfurt a. D.; Die Berliner Literatur Polizei, die sich an echten Kunstwerken gebnis des Beuthener Prozesses war es für jedermann flar, 28. September Reiter Hermann Rose, geboren 12. März 1882 in versündigt und oft den Unwillen aller Ernsthaften erregte, begeht daß es ausgeschlossen sei, dem Redakteur Kowalczyt einen Meineid Treuse. Im Lazarett Epuliro am 24. September Reiter Richard einen belustigenden Bossenstreich, da sie Herrn Blumenthal hindert, zu beweisen, daß es vielmehr nur der Vorlegung der Beuthener 3 wins cher aus Niederrossau. die Posse zu verlassen und sich in historischen Ernst zu ver- Aften bedürfe, um die Aussage von Kowalczyk, die er in Berlin noch dazu stets mit dem Vorbehalt„ das ist mir erzählt, mitgeteilt worden" gemacht hatte, aktenmäßig zu beweisen. Das D.gan des streitbaren Pfarrers Dr. Stephan gab sich aber noch nicht zufrieden Chamberlain und Balfour. Auf die Rede, dies Balfour am Der Reichstagsabgeordnete Dr. Müller- Meiningen veröffentlicht und verkündeie erst vor wenigen Tagen, der heutige Prozeß würde montag in Edinburg gehalten hat, hat am Donnerstag Chamberlain in der Franff. 3tg." folgenden Vorfall: eine Revision der Benthener Verhandlung bedeuten, man würde die in der Fabritstadt Luton geantwortet. Er erklärte: Der Knecht Joseph( S.) stand bei dem Gutsbesitzer Milbradt unwahren Aussagen nun gerichtlich richtig stellen. Wir waren gespannt. Balfour wünsche freie Hand zu haben, um gegen den feindin Ruhheim, Kreis Mogilno, Provinz Posen, in Dienst. Am 6. Juli Die Verhandlung hat aber ergeben, daß der wegen Beleidigung angeklagte lichen Tarif und den unlauteren Wettbewerb aufzutreten, der durch dieses Jahres kam es zwischen beiden zu einem Wortwechsel. Der Redakteur der„ Gazeta Katolicka"- der übrigens zugab, daß Dr. Verschleuderung der Waren unter den Kostenpreis vom Auslande Brotherr Milbradt ließ den K. seine Sachen nehmen und schickte Stephan den beleidigenden Artikel geschrieben hatte nicht einmal her betrieben werde. Balfour denke offenbar ihn fort. Da K. nicht imstande war, den schweren Koffer mit seinen den Versuch eines Wahrheitsbeweises machte und nicht eine Tat- berlain) halte es für sicher daß durch eine Politik, wie sie Balfour Habseligkeiten allein zu tragen, ließ Milbradt seinen anderen Knecht fache angab, um Kowalczyks Zeugnis in Berlin und die zahllosen, vorschlage, das Ausland gezwungen werde, etwas zu den englischen den K.schen Koffer auf die Dorfstraße hinaustragen, worauf S. sich für den Klerus belastenden Aussagen der Beuthener Verhandlung zu Ausgaben beizutragen. In Kanada und den Vereinigten Staaten davonmachte. Einige Tage darauf belam K. vom Distrittsamt in erschüttern. Der Vertreter des beklagten Redakteurs stellte sich einfach sei bewiesen worden, daß die Fabrikanten nicht unter den Zöllen Pakosch eine Aufforderung, bei Vermeidung einer Haftstraje den auf den Standpunkt, daß der Privatkläger Kowalczyk die Richtig litten, sondern sogar durch diese ihre Stellung gesichert hätten. Dienst bei Milbradt wieder anzutreten, da er ihn unbefugt ver- feit seiner Berliner Aussage zu beweisen habe, das heißt zu England habe lange genug gezahlt und wolle jetzt Gegenseitigkeit Lassen habe. beweisen, daß er in Berlin feinen Meineid geleistet habe! haben. geleistet habe! haben. In Edinburg sei Balfour weitergegangen als in Sheffield K. beschritt den Rechtsweg. Das Distriktsamt ließ jedoch, ohne Diese Zumutung wurde selbstverständlich vom Gericht und vom durch sein Versprechen, eine imperiale Konferenz einzuberufen. Er das gerichtliche Verfahren abzuwarten, den K. am 2. September cr. Privatkläger zurückgewiesen. Der Verteidiger des letzteren, Rechts-( Chamberlain) hoffe aber, daß der Premierminister nicht nur die verhaften und behielt ihn bis 21. September in Polizeihaft in Palosch. anwalt Dr. Seyda, erklärte:„ Der Privatkläger hat keinen Anlaß, selbständigen Kolonien und Indien, sondern auch die anderen Kron Da am 22. September Verhandlungstermin in der Gesindestreitsache den ganzen Schmutz, der tagelang während der Verhandlung vor der folonien heranziehen werde. Wie verhalte sich die Opposition, so A. vor dem Landgerichte Gnesen stattfand, so wurde ihm für den Beuthener Straffammer aufgerollt worden ist, noch einmal vor- frage er, wenn diese Konferenz sich für die kommerzielle Union aus22. Urlaub von der Haft erteilt; es wurde ihm jedoch vom Kom- zuführen. Seine Behauptungen kann er aber zu jeder Zeit sprechen werde? An Balfours sonst so trefflichem Plane gefalle ihm missarius eingeschärft, daß er am folgenden Tage um 8 Uhr morgens beweisen." Im Plaidoyer erklärte der Verteidiger des Be- nur ein Punkt nicht, nämlich die Auffassung, daß, wenn die fich wieder im Polizeigefängnis zur Fortsetzung seiner Polizeihaft flagten Justizrat Sachs: Die oberschlesische Geistlichkeit be- Konferenz sich geeinigt haben werde, Neuwahlen einzufinden habe. streitet( nach dem Beuthener Prozeß!), daß irgend ein nötig seien. Vielmehr werde jedes Mitglied der Konferenz mit Im Verhandlungstermine am 22. September wurde K. unter Geistlicher die Absolution verweigert hätte wegen der Stimmabgabe Recht erwarten, daß ein etwaiges Mitwirkung seines Verteidigers von der Straffammer des Land- für einen Polen. gesebgebenden Körperschaften sofort unters gerichts Gnesen wegen unbefugten Verlassens des Dienstes frei- Dr. Seyda: Die oberschlesische Geistlichkeit hat schon manches breitet werde. Würde dies nicht geschehen, so würde die gesprochen, weil das Gericht auf Grund von Zeugenaussagen fest- bestritten und nachher hat es sich doch gezeigt, daß es wahr war. weitere Entwickelung auf Jahre hinaus aufgehalten stellte, daß der Dienstherr Milbradt selbst den K. entlassen hatte. In-( Anspielung auf den Beuthener Prozeß.) werden. Er hoffe, daß Balfour diesen Punkt nochmals erwägen folge des Freispruchs instruierte der Verteidiger den K., daß er sich zur Polizeihaft in Pafosch nicht mehr zu stellen brauche, weil er freigesprochen sei und der Rechtsvertreter setzte an demselben Tage das Distriktsamt in Palosch über den Freispruch mittels eingeschriebenen Briefes in Kenntnis. Trotzdem wurde K. am 24. September bei seinen Eltern verhaftet, nach dem eine Meile entfernten Balosch als Gefangener transportiert und wurde erst auf die Beschwerde des Verteidigers beim Landratsamt Mogilno am 29. September aus der Haft entlassen. Behördliche Freiheitsberaubung. und er( ChamAbkommen den Das Urteil lautete: Ter Angeklagte Fr. Labus, früherer werden. Man könne es den Kolonien sonst nicht verdenken, daß Redakteur der„ Gazeta Katolicka", wird wegen öffentlicher Beleidi- sie sich nicht zu einer solchen Konferenz bereit zeigen würden, wenn gung zu einer Geldstrafe von 150 Mark bezw. 30 Tage haft durch deren Beschlüsse Neuwahlen erforderlich werden sollten. Im verurteilt. Der Artifel enthalte schwere Beleidigungen, zumeist übrigen bilde Balfours Plan einen großen Fortschritt im Pros in dem Zweifel, ob Kowalczyk unter seinem Eide in Berlin die gramm der unionistischen Partei und auf dem Wege der Verwirk Wahrheit gesagt habe. Ein Beweis hierfür sei von dem Beklagten lichung des großen Gedankens der Union. Gelange der Plan zur nicht einmal versucht worden. Durchführung, so werde England von der großen Gefahr betroffen, Der Prozeß hat wiederum bewiesen, mit welchem sagen wir daß seine Kolonien durch Nichterfüllung ihrer Wünsche Fremden in Leichtsinn Zentrumsführer schwere Beleidigungen mißliebiger die Arme getrieben werden. Dem Rechtsanwalte wurde dies mit folgendem Briefe fund- politischer Gegner in die Welt setzen. Schweiz. getan: In der Gesindestreitsache des Knechts K. ist heute früh das Lehrer und Militärdienst. Die Delegiertenversammlung des Distriktsamt P. telephonisch angewiesen worden, den K. sogleich aus Neue Zusammenstöße in Südwestafrika. schweizerischen Lehrervereins hat folgende Forderungen aufgestellt. der Haft zu entlassen. Von dem rechtskräftigen Urteile der Straffammer hatte das Distriktsamt keine amtliche( 1) Mitteilung erGeneral v. Trotha meldet ab nordwestlich Epata, denn der fünftigen Militärorganisation der Schweiz ist der Lehrer halten." Es war natürlich unnötig, telephonisch bei Gericht über 1. Ottober 8 Uhr 30 Min. nachm., ab Okahandja, den 5. Oktober hinsichtlich der Rechte und Pflichten des Wehrmannes den übrigen das Resultat der Verhandlung Erkundigungen einzuziehen, nachdem 5 Uhr 30 Min. nachm., an Berlin, den 6. Oftober 5 Uhr 26 Min. Schweizerbürgern gleichzustellen, d. H. er ist grundsäßlich zum Dienst der Verteidiger Mitteilung von dem Freispruche machte." K. hat ſomit im ganzen 24 Tage unschuldig in Haft zugebracht. Die Polizei hat ihn durch Zwangsstrafen anhalten wollen, den Dienst anzutreten, bevor oder obwohl das Gericht feststellte, daß K. den Dienst nicht anzutreten brauchte. Soweit der Tatbestand, dessen Unrichtigkeit schwer nachzuweisen sein wird! = V = bei allen Truppengattungen und zur Beförderung als Unteroffizier und Offizier zuzulassen. Machen sich durch Militärdienst oder ebungskurse Stellvertretungen nötig, so ist die Entschädigung der Stellvertretung Sache des Staates. Frankreich. varm.: Jch ging 28. September mit Estorff, Volkmann und Mühlenfels auf Evata vor, das in eiliger Flucht Eisebabwärts von den Hereros geräumt wurde. Nach Patrouillen- und Gefangenen- Aussagen sollten die Kapitäne Salatiel, Timotheus und andere noch bei Osombo- Windimbe, eine bisher noch unbekannte Wasserstelle 12 Kilometer nordöstlich Epata, sigen. Setzte sofort mit Ein neues Scharmützel in Cluses. Cluses ist jener fleine Drt, mit einer umfangreichen Uhren Freiheit oder fünf Jahre Zuchthaus. Am Tage der Gewalt- Nachtmärschen Verfolgung fort und stieß bei DsomboKontrollversammlung hatte fich zwischen Kontroll- Windimbe auf schwache feindliche Nach but, die nach kurzem Industrie, wo am 18. Juli d. J. die Söhne des Fabrikanten Grettiez pflichtigen in Kochsdorf bei Sprottau in Schlesien ein Streit Widerstande flüchtete. Beschoß darauf mit Artillerie Eiseb- aus dem Fenster ihres Wohnhauses heraus auf die Masse friedentsponnen, weil der Glasmacher K. den Maurer G. beim Bier- abwärts nach Nordosten abziehende Staubwolfen, flärte lich demonstrierender Arbeiter schossen und dabei mehrere töteten und verwundeten. Die Herren Fabrikantensöhne sind verhaftet trinken mit Du" angeredet hatte. An diesem Tage war aber der 29. nordöstlich weiter auf und ließ durch Streifabteilungen in Um- worden und ihr Prozeß wird in aller nächster Zeit vers Maurer Unteroffizier der Reserve, während der Glasmacher gebung von Osombo- Windimbe zahlreiches Vieh und Ge- handelt werden. Herr Crettiez senior hatte gleich nach der nur den Rang eines Gefreiten bekleidete. Er verbat sich also fangene beitreiben. Samuel Mahereros Massen Mordtat seiner Söhne die Stadt verlassen und war ihr bisher ferns das vertrauliche„ Du" und machte auf seinen Vorgesezten aber ohne die mit voraus geflüchteten Kapitäne geblieben. Jetzt am Vorabende des Prozesses hatte er den traurigen rang aufmerksam. Diesen respektierte der Glasmacher aber nicht, da St. keinerlei Abzeichen trug und ihm unbekannt war. sollten nach Gefangenen Aussagen noch einen Tagesmarsch Wut, nach dem Schauplaße seiner und seiner Söhne Thätigkeit zurückbei Grindi- Ombafo fizen. zukehren. Die Masse der Bevölkerung ist noch heute über das beis Es tam zum Handgemenge und zu einer solennen Seilerei. Wegen weifer östlich von Eiseb tätlichen Angriffs auf einen Vorgesezten und Dorthin wurde 30. früh 1 1 Uhr Verfolgung fortgesetzt. ipiellose Verbrechen der Herren Fabrikantensöhne ungemein aufmilitärischen Aufruhrs standen jetzt der Glasmacher und weiteres zahlreiches, eingefangenes Vieh, er gebracht; der nahende Prozeß und das sichtbare Bestreben der Advo ein weiterer Reservist, der Kutscher St., vor dem Kriegsgericht in griffene Gefangene, zurüdgelassene Weiber fommen zu lassen, reißt selbstverständlich die Wunden von neuem auf. katen und der Behörden, die Mörder möglichst glimpflich davon Glogau. Der Anklagevertreter beantragte gegen St. fünf Jahre, und Kinder bestärken frühere Gefangenen Aus- Es war denn ganz begreiflich, daß der Vater der Heldensöhne seitens gegen St. fechs Jahre Zuchthaus! Der Unteroffizier sollte freigesprochen werden. Das Gericht konnte den militärischen Charakter lagen, daß Widerstand des Feindes gebrochen. der Bevölkerung nicht gerade mit Enthusiasmus empfangen wurde. Ein Teil Als man erfuhr, daß er zurückkäme, sammelte sich eine große Uneinigkeit soll unter den Kapitänen herrschen. des ganzen Borganges doch nicht anerkennen und sprach alle Andes Boltes möchte sich ergeben, fürchtet aber Er- Menge vor dem Bahnhofe an und empfing ihn mit Pfeifen und geklagten frei. schießen und Bestrafung. Der Feind soll schwer unter Schreien. Alles wäre aber schließlich noch ruhig abgegangen, da Nuffischer Schiffsbau. Der Stettiner Bultan", so wird uns berichtet, ist für die russische Kriegsmarine fortwährend Wassermangel leiden. Leute selbst besseren Standes sollen zahlreich zieht ein Dragoner- Leutnant seinen Säbel und verwundet einen der tätig. Ende August schon war der„ Vulkan" bemüht, die deutsche verdurftet sein. Entgegen allen bisherigen Schilderungen im Sand- umstehenden. Nun begann eine allgemeine Mezelei, die Dragoner Neutralität gegen Rußland und Japan dadurch zu wahren, daß er feld keinerlei Mangel an Weide, auch frisch aufgemacht Wasserlöcher. stürzten sich auf die Wenge und verwundeten zahlreiche Personen, u. a. ein Opfer des 18. Juli, das damals ein Auge verloren hat. für russische Rechnung die Maschinen für 4 Marinefahrzeuge an- Mit stärkeren Abteilungen operieren daselbst aber Ueber diese neueste Bluttat der Soldateska, die noch immer seit dem fertigte. So wurden 8 Stück Hauptmaschinen, 16 Stück Ventilations- un möglich. Abteilung Estorff wird Verfolgung des ins Sandfeld 18. Juli dort stationiert ist, herrscht große Aufregung. maschinen, 8 Stück Zirkulationspumpenmaschinen und 8 Stück Um- ausgewichenen Feindes übernehmen. Vermute, daß der größte Teil des steuerungsmaschinen zunächst fertiggestellt. Ferner sind seitdem Feindes wieder nach Westen zurückzugehen versuchen Italien. nachbestellt worden die Maschinen für 2 Marinefahrzeuge, die auch zum größten Teil bereits fertiggestellt find, resp. zur Ablieferung daher die Wasserstellen Epukirofluß von Ohjimanangoube bis balbige Auflösung der Kammer nicht zu ertvarten ist. Giolitti, so wird, andere Teile nach Ganas durchzubrechen. Beseze tamen. Sämtliche fertiggestellten Arbeiten werden in Gegen- daher die Wasserstellen Epukirofluß von Ohjimanangoube bis Roms kommt man mehr und mehr zu der Ueberzeugung, daß eine wart von Steuerbeamten in einzelnen Teilen in Kisten Epukiro, in nordwestlicher Richtung von Sturmfeld bis Okosondusu, heißt es in einer Notiz des" Avanti", für deren Inhalt sich die verpackt oder mit Holzbekleidung versehen. Diese ganzen Arbeiten hieran nördlich anschließend Omuramba- Fluß durch die Ab- Redaktion durchaus verbürgt, sei abfoluter Gegner der Kammerwerden durchweg als eilige betrachtet und die dabei beschäftigten Arteilungen Fiedler und Vollmann bis Otjituo. Kommando geht zu auflösung und der Neuwahlen. Der Ministerpräsident ist eine ruhig beiter müssen fast täglich leberstunden machen. nächst Epukiro. überlegende, faltblütige Natur, die Augenblickseingebungen nicht Wer sonst noch Luft hatte, sich von der Wahrung der Neu- Man wird gut tun, auch diese Erfolge nicht zu überschätzen, folgt. Er setzt seine Hoffnung auf die alle Wunden heilende Zeit; tralität des Vulkan" zu überzeugen, der konnte in der Kesseldie zerstreuung geje länger er die Entscheidung hinausschiebt, desto günstiger hofft er bude" auf dem Oberhof die Schornsteine für russische Torpedoboote handelt es sich doch nicht um schlossener Hereromassen, sondern nur um die Er- dabei abzuschneiden. in einer Reihe aufgerichtet stehen sehen. beutung zurüdgelassenen Viehes und die Gefangen. nahme von Maroden oder Frauen und Kindern. Sehr Ein Nachspiel zum oberschlesischen Vorwärts"-Prozeß. Kattowi D.- Schl., 5. Oftober 1904. möglich ist es, daß der Widerstand des Feindes in dem Sinne ge- Der von uns nach der„ Wiener Arbeiter- Zeitung" gebrachte Vor dem hiesigen Schöffengericht spielte sich heute nachmittags brochen ist, daß die Hereros es zu feinem entscheidenden Bericht über die Verhandlungen des Kriegsgerichts gegen den eine Verhandlung ab, welche auf die leitenden Zentrumetreise in Gefecht mehr kommen lassen. Damit wächst aber gleich- Genossen Kasprzak erweist sich, wie aus einem uns zugegangenen Oberschlesien ein eigenartiges Licht wirft. In den Artikeln, die der zeitig die Gefahr, daß die Hereros sich in kleinere Trupps Bericht aus Warschau hervorgeht, als in den wesentlichsten Bankten " Vorwärts" nach dem Laurahütter Strawall veröffentlichte, wurde Weder haben die Sachverständigen Kasprzak für behauptet, daß die Hauptschuld an den bedauerlichen Vorgängen die erstreuen werden, wodurch ihre Verfolgung erst unrichtig. ,, unheilbar wahnsinnig" erklärt fie ließen vielmehr eine gewalttätigen Bentrumsgeistlichen zu tragen hätten, welche sich nicht recht ungeheuere Schwierigkeit machen wird! Sehr beachtenswert ist der Satz des Telegramms, daß ein Teil gegenteilige Meinung durchbliden, lehnten es aber vor. gescheut hätten, Kanzel und Beichtstuhl zu politischen Zentrumszweden zu mißbrauchen, verschiedentlich verschiedentlich in provozierender des Volkes sich zu ergeben wünsche, aber Erschießen und Bestrafung fürchte. Läufig überhaupt ab, ein Gutachten abzugeben, Weise in den Wahlkampf einzugreifen- und damit die Wie wäre es denn, wenn man jetzt endlich Friedensunterhandlungen, da ihnen bis jetzt fast teine Gelegenheit geboten. Wird die Kammer aufgelöst werden? In den politischen Zirkeln Rußland. Der Prozeß gegen Kasprzak. Amerika. Vom Wahlkampf. wurde, Kasprzat zu beobachten noch ist die Straffache nach ihren Standorten zurüd. Auf unserer Seite ist ein Rosal| zeit haben wir in Berlin kein Bedürfnis für ein Rasprzats vor ein 8iviltribunal verwiesen worden". Ebenso gefallen sowie 1 Offizier und 2 Kosaken verwundet worden. Der Gymnasium; die Schülerzahl dieser Anstalten hat abgenommen. Für unrichtig sind die weiteren tatsächlichen Angaben des Wiener Berichts. Feind hat einige Verluste erlitten. Zwei Japaner wurden gefangen die Zukunft ist keine prinzipielle Absage an das Reformschulwesen, bestimmt nicht an das Reformrealgymnasium, in den Vorschlägen Wir bringen morgen einen Eigenbericht über die zweitägigen( nicht genommen. Die Proviantzufuhr nach Port Arthur. enthalten. Auch bezüglich der positiven Anträge ist nur dem notzweistündigen) Verhandlungen, der seine Mitteilungen aus erster wendigsten Ausdruck verliehen. Die historische Entwicklung des Reforme Tokio, 5. Oftober.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die schulwesens bietet kein übermäßig glänzendes Bild. Seit 12 Jahren und durchaus zuverlässiger Quelle schöpft. Port Arthur blockierende japanische Flotte brachte eine Dschunke find in Preußen 13, im Reiche noch 5 Reformgymnasien entstanden. mit Lebensmitteln auf, welche in den Hasen einzufahren suchte. Die Kombinierung mit Reform- Realgymnasien, wie sie vielfach beAus Aussagen der Mannschaft geht hervor, daß eine aus achtzig liebt ist, wäre für uns ganz unbrauchbar. Staatliche Reform Die demokratische Presse erhebt laute Anklagen gegen Cortelhon, ich unten bestehende Flotte eriſtiert, welche gymnasien gibt es nur drei. Reform- Realgymnasien giebt es ſeit den Vorsitzenden des republikanischen Nationalkomitees, daß gebildet ist, um von der Umgegend von Tsing- 1878 in Preußen 31, im übrigen Deutschland 13; diese Entwicklung er bei der Einsammlung von Geldern für den Wahlfonds die Trusts tau aus die Blockade zu brechen. Trotz der Wach- ist schon erfreulicher, aber auch sie hält sich in bescheidenen Grenzen. und großen Korporationen ungeniert in Anspruch nehme. ſamkeit der Blockadeschiffe erreichen viele Dschunken die Das Wort zurzeit" ist in unserer Redaktion nur vergessen; Die Regierung verkaufe sich somit den Trusts schon im russischen Linien. Auf der unteren Halbinsel befindet sich natürlich können nicht für die Dauer negative Beschlüsse gefaßt eine Anzahl Landungsstellen. Die Dschunken fahren des Nachts boraus, wenn sie wiedergewählt werde. Cortelyon soll es werden. Den Wünschen des Stadtv. Glazel wird bei den Be schlimmer treiben wie der selige Mare Hanna, der 1896 und 1900 ein. Die russischen Geschütze und die Minenfelder gewähren ihnen ratungen über das Mädchenschulwesen Gerechtigkeit widerfahren. einen Vorteil vor den Blockadefchiffen. Die Japaner hegen den Mc. Kinleys Wahlkampagne leitete und es meisterlich verstand, un- Verdacht, daß auch Munition eingeschmuggelt wird. Bisher ist aber geheure Summen aufzubringen. Die Republikaner arbeiten übrigens in den durchsuchten Dschunken, deren Zahl sich auf mehrere Hundert in großem Style. Wahlliteratur wird in ungeheuren Mengen verbreitet; eine große Zahl von guten Rednern ist angestellt, von denen viele beläuft, keine Munition gesunden worden. ein Honorar von hundert Dollar pro Woche und ihre Unterhaltungstoften erhalten; die Wahlversammlungen werden mit Musik eröffnet, die durch patriotische Weisen eine helle Begeisterung entfacht; vor Beginn einer solchen Versammlung ziehen Paraden durch die Straßen, Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. auf großen Plakatwagen werden die Redner angekündigt; an Feuer- 29. Sigung vom Donnerstag, den 6. Oftober 1904, werk und Musik wird nicht gespart, und so kommen denn imposante Massenversammlungen zustande. Aehnlich treiben es die Demokraten, die womöglich die Republikaner noch Die übertreffen wollen, sodaß das Volk wie berauscht wird. Seite glaubt das Volt am leichtesten anziehen zu können, die den größten Spektakel macht. Dieser Wahlkrawall steigert sich natürlich, je näher der Tag der Entscheidung rückt. denen nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sigung gegen 51 Uhr. Stadtv. Singer, der von seiner Erkrankung wiederhergestellt ist, nimmt heute an der Sizung wieder teil. beratung über die Lage bezw. die Neuregelung des höheren und Die seit 4 Jahren bestehende gemischte Deputation zur Vormittleren Berliner ändert und städtischen Schulwesens Die Republikaner rechnen zuversichtlich auf den Sieg und glauben fogar, in Colorado den Gouverneur Peabody wiederwählen zu tönnen. Die beiden Kandidaten für die Vizepräsidentschaft haben hat ihre Beratungen beendet. Viel Positives ist dabei bekanntlich ebenfalls ihre Annahmeschreiben der Presse übergeben, in nicht herausgekommen. Die Vorschläge der Deputation gehen Was Davis, dahin, daß aber nichts Neues vorgebracht wird. der demokratische Kandidat, gegen die Republikaner sagt, wird von diesen als„ findisch" bezeichnet. Man macht sich unberhohlen lustig über Davis und nennt ihn nicht anders als ,, Grandpa"( Großpapa), weil er schon 81 Jahre alt ist. Große Wahlwetten werden gemacht im Verhältnis von Zwei zu Eins zugunsten von Roosevelt. Daß Roosevelt den Staat New York erobern wird, darauf ist an der Börse in New York nur in gleichem Verhältnis gewettet worden. Die Demokraten machen riesige Anstrengungen, New York zu gewinnen. Australien. 1. keine der bestehenden höheren Lehranstalten ge2. fein Reformgymnasium gegründet wird, 3. mit der Begründung einer 14. Realschule am Wedding, welche die Fläche zwischen dem Brunnenstraßenzuge und Moabit ausfüllen foll, und 4. mit der Begründung einer Ober- Realschule im Zuge der Neuen Königstraße eventuell der Greifswalder straße, deren Unter- und Mittelbau die Form einer Berliner Realschule erhalten soll, vorgegangen, und ( Beifall.) Streichung der Worte im Zuge der Neuen Königstraße bezw. in der Damit schließt die Beratung. Ein Antrag Modler auf Greifswalderstraße" wird angenommen, ebenso der Antrag Dinse und mit diesen Aenderungen der Magistratsantrag. Es folgt die Beratung des Antrages Cassel u. Gen.: den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, ob es richtig ist, daß die königl. Staatsregierung durch eine Verfügung des Provinzials Schulkollegiums die Benukung der Gemeindeschul- Grundstücke zu andern als Elementarschulzwecken von der vorgängigen Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde abhängig gemacht hat, und welche Schritte im Falle der Aufrechterhaltung einer solchen Verfügung der Magistrat zur Wahrung der Rechte der Stadtgemeinde und der Selbstverwaltung zu ergreifen gedenkt? Hierzu liegt der vom Magistrat mit der genannten Staatsbehörde gepflogene, bis November 1898 zurückreichende Schrift. wechsel vor, den der Magistrat zur Kenntnis der Versammlung gebracht hat und den wir in der Dienstag- Nummer wiedergegeben haben. Stadtv. Caffel: Der vorgelegte Schriftwechsel beweist die Gristenz der vermuteten Verfügung und zugleich der mannhaften Haltung des Magistrats dieser Zumutung gegenüber. Diese Haltung hat in der Bürgerschaft lebhafte Anerkennung gefunden.( Allseitiger Beifall.) Den jahrelangen Bestrebungen, die auf Einengung und Verkümmerung der Selbstverwaltung gerichtet sind, muß mit Entschiedenheit und Festigkeit begegnet werden. Hier ist es das staatliche welches von Berlin Maßnahmen Provinzialschulkollegium, verlangt, ohne deren rechtliche Zulässigkeit irgendwie zu begründen; man bezieht sich auf eine Verordnung von und im 5. eine Mädchen Realgymnasial Abteilung 1817 übrigen: sic volo sic jubeo, stat Zum Sturz des australischen Arbeiter Ministeriums. im Anschlusse an eine höhere Mädchenschule errichtet wird. pro ratione voluntas. Die Angelegenheit ist von mir im Landtage Ministerialdirektor Ueber die Art, wie das Ministerium Watson von den feindlichen Der Magistrat hat sich diesen Anträgen angeschlossen, nur will im Frühjahr zur Sprache gebracht worden. Brüdern der liberalen und konservativen Opposition zum Fall ge- er zu Punft 5 späterer Entscheidung vorbehalten, ob eine Mädchen Schwarzkopff gestand schon damals die Eristenz der Verfügung zu bracht wurde, enthält der soeben eingetroffene Worker"( Der Ar- Gymnasial- oder Realgymnasial- Abteilung an- und nahm für die Schulaufsichtsbehörde auch das Recht der Aufsicht beiter) recht interessante Einzelheiten. Nicht in offenem Kampfe ist gegliedert wird. Zu diesen seinen Vorschlägen sucht er um das Ein- über die Verwendung der Schulgebäude in Anspruch. Er bezog sich außer auf die Verordnung von 1817 noch auf höchste Gerichtsdanach das Arbeiter Ministerium gefallen, sondern durch einen verständnis der Versammlung nach. lang vorbereiteten Ueberfall aus dem Hinterhalte. Um die Stadtv. Kreitling( N. L.): Wir können uus der Stritit, welche entscheidungen. Diese hat er aber nicht angeführt. Tatsächlich Tricks, welche die Opposition anwandte, um das Kabinett zu die Ablehnung der Errichtung eines Reformgymnasiums in der sind der Staatsaufsicht in dieser Richtung Schranken gezogen. stürzen, recht zu verstehen, muß man zunächst die Geschäftsordnung Deffentlichkeit erfahren hat, nicht anschließen. Es scheint uns be- Durch die 1829 erfolgte Errichtung der Schuldeputation ist des australischen Bundesparlaments etwas fennen lernen: Nach denklich, mit dem Unterricht in Latein erst in Unter- Tertia zu be- die Verordnung von 1817 überholt;§ 56 der Städteordnung von dieser wird über einen vorgelegten Gefeßentwurf zunächst die General- ginnen, und noch bedenklicher, daß der naturwissenschaftliche Unter- 1853 spricht außerdem völlig klar aus, daß der Magistrat alle AnDiskussion eröffnet. Sodann wird derselbe zusammen mit den hierzu richt aus diesem Grunde über Gebühr beschränkt werden müßte. stalten der Gemeinde und deren Eigentum zu verwalten hat. Ganz eingebrachten Amendements und sonstigen Abänderungsanträgen der Gegen einen Versuch hätten wir indes nichts einzuwenden. Wir abgesehen von diesen juristischen Fragen handelt es sich hier für uns nicht um eine Schulangelegenheit, sondern darum, ob wir über unser Kommission überwiesen. Ist dies geschehen, so verläßt der Präsident werden für die Magistratsvorschläge stimmen. feinen Siz und dieser wird nunmehr vom Vorsitzenden der Kom- Stadtv. Caffel( A. 2.) schließt sich dem Vorredner an. Die Eigentum frei verfügen können oder nicht zu Zwecken, die mission eingenommen und die Beratung beginnt über die einzelnen Mannigfaltigkeit der Berliner höheren Schulsysteme sei groß genug; mit den Zwecken der Schule in keinerlei Beziehung stehen. Es handelt sich ja um die Benutzung der Schulgebäude Artikel. In der Regel werden nun alle diejenigen Artikel, welche außerdem hätten sich die lateinfosen Realschulen, welche der breiten Auf dem nicht nach den Wünschen des Ministeriums erledigt sind, vorläufig Masse den Weg zur höheren Schulbildung öffnen, durchaus bewährt. außerhalb der Schulzeit und des Schulunterrichts. ausgeschaltet und später von neuem eingebracht. Damit wird der Stadtv. Direktor Hellwig( A. L.) würde der Reformschule das Wege des Verwaltungsstreitverfahrens fönnen wir gegen die VerRegierung Gelegenheit gegeben, ihrerseits dem Parlamente entgegen- ort reden, wenn nicht unsere Realschulen, die mit dem fremd- fügung nicht angehen; es ist also vielleicht kein Zufall, daß man zukommen und die betreffenden Artikel in veränderter Form wieder sprachlichen Unterricht erst in der vierten Klasse beginnen, für Berlin mit dieser Verfügung gegen uns vorgeht. Der Magistrat hat recht einzubringen. dieses Experiment überflüssig machten. Das System der Realschulen gehandelt, wenn er auch einem polnischen Turnverein Schulräume Bei der Beratung des Schiedsgerichts- Gesetzes, über das be- müsse aber ausgebaut werden; die 14. Schule, deren Errichtung in überließ. Die Staatsregierung hat übrigens in Beziehung auf die kanntlich das Ministerium Watson gestürzt ist, wandte sich die Aussicht stehe, genüge nicht. Die bestehenden Realschulen litten in polnische Frage früher ganz andere Anschauungen vertreten, und noch Opposition namentlich gegen den Artikel 48, durch welchen den bedenklichster Weise an Plazmangel; in der 13. Realschule am 1893 hat sie Herrn v. Koscielski erklärt, daß sie gegen die gewerkschaftlich organisierten Arbeitern der Vorzug vor den anderen Schleswiger Ufer hätten jezt zur Quarta 24 Anmeldungen vor- Hergabe städtischer Schulräume in Berlin zur Erteilung polnischen ,, keine Bedenken habe".( Große Heiterfeit, gegeben wurde. Im Plenum war dieser Artikel durch ein Amendement gelegen, von denen nicht eine einzige berücksichtigt werden Sprachunterrichts Rufe: Admiralski!) Die Sache ist damals nicht zum Austrage geSes Konservativen Mac Cay dermaßen verschlechtert worden, daß die konnte( hört! hört!), zur Serta 92! Bevorzugung der Unionisten nur eine Farce bedeutete. Watson ver- Stadtv. Dr. Friedemann( foz.- fortschr.) kann nicht gelten lassen, fommen, weil Herr v. Koscielsti plötzlich keine weiteren Anträge mehr suchte den gewöhnlichen Weg zu beschreiten, indem er zu seinem Ent- daß die lateinlose Nealschule allein die Reformschule überflüssig stellte. In keinem Falle ist nachgewiesen oder nachzuweisen, daß in den fraglichen Fällen der Magistrat gegen Recht und Gesez verwurf neue Abänderungsanträge einbrachte und deren Zulassung zur mache. Diskussion verlangte. Die Opposition, die unter allen Umständen das Stadtv. Stadthagen( Soz.): Die beiden ersten negativen Punkte stoßen hätte. In mehr als 50 Fällen find evangelischen, katholischen Ministerium zu Fall bringen wollte, ließ diesen gewöhnlichen Weg des Magistratsvorschlages können unseren Beifall nicht finden. Wir und jüdischen Synoden und Vereinen städtische Schulräume für und Andachtsübungen zur Verfügung nicht zu, obwohl die neue Fassung den Wünschen der Mehrheit weit fönnen uns doch nicht auf solche negativen Beschlüsse festlegen, religiöse Handlungen Mit welchem Recht könnte nun der Magistrat anderen entgegen fam. Gerade weil die Annahme des neuen Antrages sehr jedenfalls brauchte man sich später um solche nicht zu fümmern. Und gestellt. wahrscheinlich war, wurde die nochmalige Einbringung der Vorlage programmatisch aussprechen, daß keine Fortschritte gemacht Vereinigungen diese selben Räume verweigern? Der Magistrat hat verworfen und so mußte das Ministerium Watson abtreten, da ihr werden dürfen, das kann unmöglich die Absicht des Magistrats sich treu nach dem Fredericianischen Grundsatz gehalten, daß in erster Entwurf eine Mehrheit ja nicht gefunden hatte. sein. Die wichtigeren folgenden drei Vorschläge gehen uns nicht weit Preußen jeder nach seiner Fasson selig werden könne. Aber wir Wäre die nochmalige Einbringung des Entwurfs zugelassen worden, genug. Leider ist die Deputation nicht zu einem organischen Vor- haben hier lediglich ein neues Glied in der Kette der behördlichen so wäre zwar eine heftige Auseinandersetzung über die Bevorzugsklausel schlag eines einheitlichen Aufbaues unseres städtischen Schulunterrichts Maßnahmen vor uns, die darauf ausgehen, die Geschäfte unserer entstanden, aber die endliche Verständigung war dann nicht ansgeschlossen; gekommen. Der Gedanke einer Einheitsschule, der allen Schulverwaltung an sich zu reißen. Unsere Schulinspektoren sind so wie die Dinge lagen, konnte Watson nicht seinen neuen Entwurf Klassen der Bevölkerung die gleiche Möglichkeit gibt, an der Bildung heute weit mehr von Amtswegen uns gestellte Aufseher und Späher begründen und verteidigen, sondern lediglich für die gewohnheits- teilzunehmen, scheint in dem Ausschusse gar keine Würdigung gefunden zu( Bewegung); wir sind fast nur noch handlanger zur Ausführung mäßige Behandlung seiner Vorlage eintreten. Neid wollte aber an's haben. Natürlich werden wir der einen vorgeschlagenen neuen Realschule der Befehle der Vorgesetzten! Der ständige Dezernent für einen Ruder, ihm waren alle Mittel, auch die schlechtesten, gut genug, zustimmen, aber wir fordern gleichzeitig den Wagistrat auf, sich die großen Teil der äußeren Schulangelegenheiten im Magistrat hat es sie gegen Watson auszuspielen. Deswegen wälzte er wie es im Abstellung der gerügten Mängel eifrigst angelegen sein zu lassen und schon fast salt, weiter unter diesen Umständen zu amtieren. Die australischen Parlaments- Jargon heißt dem Ministerium Watson auch zu erwägen, ob nicht die Zahl der Gemeindeschulen ganz Inspektoren werden von uns besoldet; wir sollten überlegen, ob " Sandsäcke in den Weg", über die dieses fallen mußte. Im übrigen erheblich zu vermehren wäre. Ich hoffe, daß uns bald eine Vorlage nicht die Mittel zu verweigern wären und dem Staat überlassen habe, wie der„ Worker" mitteilt, Neid auch noch ein Mißtrauens- fommt, welche uns eine ganze Reihe neuer Gemeindeschulen, nicht bliebe, sie zu bezahlen.( Zustimmung.) Wie weit die Miẞachtung votum in Bereitschaft gehabt. So ist das erste Arbeiterministerium bloß tropfeniveise eine oder einige, zu errichten vorschlägt. Eine der Selbstverwaltung geht, beweisen die Fälle wieder, daß die Schulnicht in offenem ehrlichen Kampfe gefallen, sondern es wurde in Verpflichtung, höhere Schulen zu errichten, besteht für die Stadt- diener nicht mehr als Gemeindebeamte anerkannt werden und daß binterlistiger Weise gemeuchelt. gemeinde überhaupt nicht, während für die Gemeindeschulen in ein Erlaß besteht, wonach nur der Minister, aber nicht der Stadtausreichender Weise zu sorgen unsere rechtliche Verpflichtung ist. schulrat, nicht der Magistrat, nicht der Oberbürgermeister einem AusDas erfreulichste ist an der Vorlage die Errichtung einer höheren länder erlauben darf, unsere Schulen zu besichtigen!( Hört! hört! Auch Mädchen Reformschulabteilung. hier hätten und große Bewegung.) Die seltsame form, deren sich die Bewir ja die Einheitlichkeit mehr in der Richtung gewahrt gesehen, hörde bedient, der Ton, dessen sich kein Landrat gegen einen AmtsWill Kuropatkin bei Mukden standhalten? daß den Mädchen aller Bevölkerungsklassen der Weg zur höheren vorsteher bedienen würde, läßt die Vermutung aufkommen, daß es Petersburg, 6. Oftober. Der Korrespondent der„ Birschewija Bildung eröffnet wird. An sich wäre ja auch hier die Verpflichtung sich hier um eine Absicht handelt, daß es darauf ankam, die Berliner Selbstverwaltung vor dem Lande zu diskreditieren. Wjedomosti" in Mukden telegraphiert seinem Blatte unter dem des Staates gegeben; aber da von dieser Seite nichts geschieht, gestrigen Datum: Nach den vorbereitenden Verteidigungs- find wir damit einverstanden, daß die Stadt diese Lücke ausfüllt. Schreibt doch schon die" Post", Berlin entwickele Souveränitätsarbeiten zu urteilen, fann man wohl annehmen, daß Kuropatkin Es kommt nicht auf die verschiedenen Systeme und nicht auf die gelüfte undd die müßten der Stadt ausgetrieben werden. Die Uebernicht die Absicht hat, Mutden aufzugeben. Für verschiedenen Namen an, es kommt darauf an, daß wir Menschen tragung des Verfügungsrechtes an die Schuldeputation, die dem die ganze Armee sind Erdhütten gebaut worden, die erziehen, die den Anforderungen des Lebens gewachsen sind. Wir Magistrat untersteht, ist die Krönung dieses wunderbaren behördbequem und warm sind. Täglich treffen in Mukden japanische Reiter lichen Gebäudes. Die Deputation hat denn auch das abgelehnt, ein, die General Mischtschenko gefangen genommen hat. Ihr Ausund trotz der Kreuz- Zeitung" wird sie sich nicht fügen müssen. sehen ist erbarmenswert. Sie sind ausgehungert und starr vor Kälte. Wird Zwang ausgeübt, wir sehen dem ruhig entgegen. Ich bitte Wichtige Geschehnisse haben sich nicht ereignet. Sie, folgenden von mehr als 100 Stadtverordneten unterzeichneten Antrag anzunehmen: Vom ostasiatischen Kriegsschauplay. Mukden, 6. Oktober.( Telegramm der Agence Havas.) Admiral Alexejew ist hier eingetroffen, um mit uropattin eine Besprechung zu haben. Die Japaner organisieren in der Mongolei und in den Gegenden westlich von Mukden, die an der Grenze liegen, za hI= reiche Chunchusenbanden, die von Japanern befehligt werden, um zu versuchen, die Eisenbahn zu zerstören und zu verhindern, daß die Russen sich in der Mon golei berproviantieren. können nichts Besseres tun, als die Kinder der Stadt körperlich und geistig fräftig zu machen. In diesem Sinne hoffen wir auf eine große Vorlage zur Organisation des städtischen Schulwesens. ( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadt. Glazel( Fr. Fr.): Wir nehmen den Magistratsantrag in allen seinen Teilen an. Nicht jede Schulreform, sondern speziell das Reformgymnasium mit seinem ganz bestimmten Lehrplan, den wir für ersprießlich nicht halten können, lehnen wir ab. Auch für die jungen Mädchen, welche die höheren Töchterschulen verlassen, ohne sich wissenschaftlich weiter bis zur Reife für die Universität ausbilden zu wollen, sollte die Schulverwaltung die Möglichkeit schaffen, sich für gewerbliche Berufe u. dergl. weiter vorzubilden, um auch auf diesen Gebieten sich selbständig machen zu können. Stadtv. Dinse( N. L.) beantragt, in die Nummern 1 und 2 ein zurzeit" einzuschieben. Er will sich für jetzt mit dem wenigen begnügen, was die Vorlage bietet, hofft aber, daß eine nahe Zukunft mehr bringen wird, und glaubt mit dem zurzeit" den Bedenken des Stadtv. Stadthagen gerecht zu werden. Die Stadtverordneten- Versammlung spricht dem Magistrat ihre volle Zustimmung zu der Haltung aus, die derselbe in der Angelegenheit betreffend die Gewährung von Schulräumen zu anderen als zu Schulzwecken dem königlichen Provinzial- Schulkollegium gegenüber bekundet hat. Die Versammlung erwartet, indem sie Sem Magistrat ihre Anerkennung für seine bisherigen Schritte hiermit auszudrücken Veranlassung nimmt, daß derselbe auch in Zukunft die Rechte der Stadtgemeinde und deren Selbstverwaltung unberechtigten Angriffen gegenüber mit Festigkeit und Entschieden heit wahren wird. Die Selbstverwaltung ist uns allen teuer. Wenn es aber nicht mehr möglich sein soll, mit der Wahrung der eigenen Würde diese Selbstverwaltung zu betätigen, wenn der Staat die Verwaltung an Petersburg, 6. Oktober. General Ssacharow meldet dem Ge= neralstabe unter dem gestrigen Datum: Am 4. Oktober verdrängte eine feindliche Abteilung in Stärke von etwa 4 Kompagnien und einer Eskadron unsere Feldwache bei Hunlinpu nach Westen. In der Mähe der Eisenbahn erhielt die Feldwache Verstärkungen, und eine von unseren Kavallerie- Abteilungen rückte von Westen vor und fiel Stadtschulrat Michaelis: Die Vorlage ist scheinbar sehr be- sich reißt und uns zu blinden Ausführern seiner Diktate machen will, dem Feinde in den Rücken. Der Feind zog sich unter Verlusten scheiden; es könnte scheinen, als ob nur etwas winziges aus großen dann wird die Selbstverwaltung nicht mehr bestehen können. Wahren zurück. Eine von unseren Refognoszierungs- Abteilungen näherte Anfängen herausgekommen wäre. Es ist hier aber nur ein Anfang wir aber unseren Rechtsstandpunkt, dann werden wir die schädlichen sich an demselben Tage den Steinkohlengruben von Jantai von mit dem notwendigsten gemacht; ich selbst habe demgemäß meine Folgen dieses Zustandes auf die zurückfallen sehen, die die Verant Norden her bis auf 4 oder 5 Werst. Bier japanische Eskadrons eigenen Wünsche, Pläne und Anträge eingeschränkt. Wir scheiden wortung dafür tragen!( Lebhafter Beifall.) und 3 Kompagnien gingen vor der Vorhut unserer Abteilung eilig scharf zwischen Reformgymnasium und Reformreal- Oberbürgermeister Kirschner: Es ist heute ein vom 4. Oftober zurück. Unsere Kavallerie- Abteilungen zogen sich gegen 6 Uhr abends, gymnasium. Gegen ersteres haben Magistrat und datierter Erlaß des Provinzial- Schulfollegiums in unsere Hände genachdem sie die Stellung des Gegners eingehend besichtigt hatten, Deputation momentan, für die Gegenwart entschieden. Zur langt:„ Da der Magistrat gegen die Ausführung unserer Verfügung Es wäre eine Beantwortung der Frage erwünscht, ob der Angeflagte ohne Gefährdung seiner Stellung oder sonstige Nachteile den Dienst hätte verweigern dürfen. bom 1. September Bedenken erhoben hat, so haben wir uns zur| Angriffen auf die Selbstverwaltung die gebührende Antwort zu ers bon 232 Metern festgestellt habe. Der von der Verteidigung ge Durchführung der ministeriellen Anordnung genötigt gesehen, die teilen. Als ich seinerzeit bei Gelegenheit des Märchenbrunnens das ladene Sachverständige Oberbaurat Klose nahm an, daß das Rektoren der 115./287., 87., 206./212. Schule( Schülerabteilungen des Wort vom Märchen der Selbstverivaltung" prägte, da haben sich in Bremssignal in einer Entfernung bon 80-100 Metern vor dem Turnvereins Fichte"), der 21./24., 172./185.( Falte"), ber 150./165. der Versammlung und wohl auch im Magistrat eine Reihe Zweifler Signal gegeben sei. Im übrigen sei der Angeklagte in einer ( Sokol") und der 69. Schule( Freireligiöse Gemeinde) im Aufsichtswege gefunden. Nach den heute gehörten Ausführungen wird kein Mensch schlimmen Lage gewesen mit Rücksicht auf die schwere unmittelbar anzuweisen, die Turnhallen und die Aula für die beteiligten noch anders als von einem Märchen der Selbstverwaltung sprechen sichtbarkeit der Signale, es könne auch einem zuverlässigen Vereine geschlossen zu halten und den Mitgliedern den Eintritt zu ver- können. Der Wunsch, dieses Märchen vor der Oeffentlichkeit zu führer passieren, daß er unter solchen Umständen das Signal wehren.( Große, andauernde Erregung. Rufe: Pfui!) Sie werden aus der retten, hat den Magistrat zu solcher Nachgiebigkeit im Laufe der übersehen könne, zumal der Angeklagte jene Strecke nach Darstellung, die Sie vom Magistrat erhalten haben, entnehmen, daß Zeit geführt, daß nach dem Wort:" Der Appetit kommt beim Effen" Einführung der fraglichen Signale zum erstenmal befahren die Schulauffichtsbehörde in der Tat dieses Recht beansprucht. Sie jetzt auch das Aeußerste der Stadt geboten wird. Wir stehen nicht habe. Regierungsrat Meyer wollte dies als Entschuldigung werden ferner entnehmen, daß die Verhältnisse bereits weiter fort unter der Schulaufsicht, sondern unter dem Schulkommando der nicht gelten lassen. Kannte der Angeklagte die Strecke er den geschritten sind, daß die Schulaufsichtsbehörde in drei Fällen die Regierung; wir dürfen nur dasjenige ausführen lassen, was die hohe nicht, so konnte oder Dienst verweigern Benutzung untersagt hat, und daß wir jetzt an dem Obrigkeit genehmigt hat. Eine so rückständige Politit, wie sie jetzt einen Lootjen fordern. Das Hauptsignal hätte er rechtPunkte angekommen sind, daß die Schulaufsichtsbehörde die bei der preußischen Regierung auf allen Gebieten getrieben wird, zeitig finden können, wenn er durch das Vorsignal auf dessen von der Stadt angestellten und besoldeten Rektoren, die daß sie den Magistrat zu Handlangern machen will, ist eine treffliche Nähe aufmerksam gemacht worden wäre. Während der Staatsvon der Stadtgemeinde den Auftrag erhalten haben, die Schul- Illustration zu diesem Märchen. So sehr ich den Zorn und die Ent- anwalt auf Grund dieses Gutachtens die Bestrafung des Angeklagten grundstücke nach deren Anweisungen zu verivalten, anweist, gegen die rüstung des Oberbürgermeisters begreife, so wäre es doch beantragte, trat der Verteidiger Rechtsanwalt Sonnenfeld für FreiAnweisung des Eigentümers ihr Grundstück zu verwalten( Rufe: ein verhängnisvoller Fehler, wenn Magistrat und Versammlung an der sprechung ein. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einer Unerhört! Gemeinheit!). Es ist interessant, sich zu vergegenwärtigen, Erledigung dieser Einzelheit ihre Befriedigung finden würden. Hier Geldstrafe von 100 Mart, weil er in dem Uebersehen des welchen Umfang der erhobene Anspruch hat. Es gibt 271 Gemeinde ist das System zu bekämpfen, das System der Kleinlichen Nadel- Borsignals eine Fahrlässigkeit erblickte. Hätte der Angeklagte schulen im Werte von 821 Millionen. 1908 war in 400 Fällen eine stiche. Jit es nicht eine Parodie, wenn man den Goethe ber das Borsignal gesehen, so würde er rechtzeitig gebremst haben und fortdauernde, in 108 Fällen eine einmalige Benutzung gewährt worden. ehrenden Kanzler Hand in Hand mit Herrn v. Studt( Buruf: Er der Zusammenstoß wäre vermieden worden. Durch 83 Jahre hindurch unter den verschiedensten Kultusministerien hat ist nicht adelig!) nach seinen letzten Schritten wird er adelig diese Benutzung stattgefunden, ohne daß jemals die Schulaufsichts- werden( Großeßeiterkeit) diese Dinge so behandeln sieht? Etwas behörde auf den Gedanken gekommen ist, daß ihr ein solches Recht tragikomisch ist es, wenn wir sehen, wie die Regierung die Heiligkeit vorgängiger Genehmigung zustehe( hört! hört!). Der bekannte Fall des Eigentums, wozu doch auch die Verfügung darüber gehört, der Daß ein Schreibfachverständigen- Gutachten allein zur Verurteilung des Gesundbetens hat sich ereignet in einem Gymnasium, und die städtischen Verwaltung von Berlin in ihrem reaktionären Interesse Nemedur ist von uns aus erfolgt. Es ist auch noch nie ein Fall vor- bestreitet. Ich will aber die Gegensätze nicht verschärfen; mir liegt eines Angeklagten nicht ausreichen kann, hat die fünfte Straffammer Das Schöffengericht gekommen, daß der Schulbetrieb durch diese Benutzung irgendwie gestört daran, eine einmütige Demonstration gegenüber der Regierung zu wieder einmal anerkannt und ausgesprochen. oder beeinträchtigt worden ist; nur ganz neuerlich, gerade vor acht Tagen, erzielen; aber ich kann mir nicht versagen, darauf hinzuweisen, daß hatte den Kellner Ernst Bruno Kübel wegen Beleidigung zu 100 m. hat ein staatlicher Nevisor ein Monitum gezogen, er stellte fest, daß in auch das Verhalten der Mehrheit dieser Versammlung dem Auftreten Geldstrafe eventuell zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Die Ehefrau der 163. Gemeindeschule ein Anschlag war: Morgen Ausflug nach der Regierung Vorschub geleistet hat. Wenn Herr Caffel sagt, die des Angeklagten war in dem Restaurant Neue Fischerhütte in Lichtenrade zu Kartoffeln und Hering!"( Stürmische Heiterkeit. Liberalen würden sich nicht zu Schergen und Handlangern re- Schlachtensee als Kassiererin angestellt, war von dem Küchenchef Rufe: Entfeßlich!) Ich habe dafür gesorgt, daß dieser gefährliche attionärer Politik machen lassen, so wünsche ich nur, daß das die mehrmals getadelt und schließlich entlassen worden. Sofort nachdem Anschlag entfernt wurde; aber sonst hat die Erfahrung von 82 Jahren Meinung der ganzen Partei wäre, denn die Regierung hätte sich die Frau Kenntnis von der Entlassung erhalten haben mußte, erhielt gezeigt, daß zu einem derartigen Vorgehen nicht der mindeste Anlaßte soweit vorgetragt, ivenn sie nicht in der Halbheit und Lauheit der Küchenchef eine Postkarte, die von Beleidigungen strogte, aber getvesen ist und auch in den jetzt angegriffenen Fällen ist der Verteidiger der Selbstverwaltung in dieser Versammlung eine mit einem Namen nicht unterzeichnet war. Etwas später erhielt der in feiner Weise festgestellt, daß der Schulbetrieb in Aufmunterung erblickt hätte. Das Verfahren gegen die tschechischen Besitzer des Restaurants einen Brief des Angeklagten, in welchem irgendwelcher Weise Weise gelitten gelitten hat. Das war auch und polnischen Turnvereine reiht sich würdig der Ostmarkenpolitik ihm dieser Vorstellungen über die Kündigung machte. unmöglich; denn es handelt sich um den Sonntag und den Abend, wo an. Glaubt man, daß in den Schülerabteilungen des Arbeiter- glaubte nun herauszufinden, daß die Schriftzüge in Wenn man den Briefe viele Aehnlichkeiten und Uebereinstimmungen mit den Schrifte kein Schulbetrieb stattfindet. Wir haben in jeder Beziehung ein Turnvereins" Fichte" Politik getrieben wird? gutes Gewissen. Es wird nicht untersagt die Benutzung durch den Standpunkt der Regierung fonsequent weiter denkt, dann wird man zügen auf der Postkarte aufweisen. Da der Schreibsachverständige Turnverein" Fichte", sondern durch die Jugendabteilung des Turn- auch dazu kommen, die Kataloge der Volksbibliotheken und der Lese- Schulrat a. D. Grabow mit Bestimmtheit begutachtet hatte, daß Vielleicht beide Schriftstücke von einer Hand, also vom Angeklagten hervereins Fichte"; hier scheint eine Unklarheit unterlaufen zu sein bei hallen der Regierung zur Genehmigung vorzulegen. der Verfügung, die wohl mit großer Schnelligkeit gemacht ist. Es dürfen auch öffentliche Wahlen dann nicht mehr in den rührten, so kam das Schöffengericht zu dessen Verurteilung. Der scheinen die Schülerabteilungen gemeint zu sein. Den Schüler Schulgebäuden stattfinden, zumal nicht für die dritte Ab- Angeklagte, der von Anfang an seine Unschuld beteuert hatte, legte in Der gewöhnlich Sozialdemokraten gewählt Berufung ein. Vor der 5. Straffammer ivies Rechtsanwalt Leopold abteilungen haben wir drei Turnhallen eingeräumt. Man weiß nicht teilung, recht, ob diese Schüler sich politisch so verhalten haben, daß man ihnen werden.( Sehr gut!) Was die Bemühungen betrifft, uns die Schul- Meyer I darauf hin, daß die Gerichtspraris schon zur Genüge die Hallen nicht überlassen kann( Heiterkeit) oder ob man den Verein verwaltung abzunehmen, so gehen sie ja gerade ins Abfurde. In ergeben habe, wie trügerisch solche Aehnlichkeit der Handschrift sei. meint. Einem Verein nun das zu untersagen, was wir zahl- einer Nachbargemeinde lehnte es ja ein Lehrer ab, vom Stadtschul- Zahllose Fälle, die sich hier und außerhalb abgespielt haben, hätten die reichen anderen gewährt haben, wegen angeblich nicht angemessen rat weisungen entgegenzunehmen, da sein Vorgesetzter der Streis- Gerichte dahin geführt, die begutachtete Schriftgleichheit mangels anderer politischen Verhaltens, scheint mir der gefunden Logik zu entbehren. Schulinspektor sei, und der Leiter der Berliner städtischen Webe- Beweise in keinem Falle mehr für ausreichend zu erachten. In der Mit der czechischen und polnischen Bewegung hat der Magistrat schule mußte einem Mitgliede eines internationalen Kongresses, der Familie des Angeklagten seien beispielsweise schon die Schriftzeichen keinerlei Sympathie; aber die Gemeindegebäude haben wir nicht hier tagte, erklären, er habe ihm die Besichtigung nicht zu erlauben, zweier verschiedener Personen überraschend ähnlich und solche UeberWenn jetzt die Re- einstimmungen seien überhaupt nicht selten. Der Verteidiger da müffe er sich an die Regierung wenden. zu vergeben nach Sympathien, sondern nach Recht und Billig gierung die Nettoren antveist, gegen die Anordnungen des Magistrats beantragte die Freisprechung, indem er darauf hinwies, daß nach der Teit. Was hätte es denn für einen Zweck, wenn drei Abende in der Woche den polnischen Vereinen die städtischen zu handeln, so weiß ich nicht, ob der Minister direkt dazu befugt Behauptung der Ehefrau diese ihrem Manne von ihrer Entlassung Turnhallen schließen? Sie würden in andere Turnhallen gehen, ist; ist es der Fall, so ist das nichts als die Proflamierung der erst Mitteilung gemacht habe, als die beleidigende Postkarte schon wo sie unserer Aufsicht nicht unterworfen sind; und das würde jener nackten Anarchie, wenn ein Dritter über den Kopf der nachgeordneten in der Hand des Empfängers gewesen sein muß. Der Gerichtshof Richtung gerade neue Anhänger zuführen. Das find doch nur flein Behörde hinweg fich anmaßt, direkte Befehle zu erteilen. Ich weiß fam zur Freisprechung des Angeklagten, indem auch er ein bloßes liche Nadelstiche. Was die Freireligiöse Gemeinde betrifft, so hat nicht, ob der Magistrat nun zu aktivem Widerstande übergehen wird; Schreibsachverständigen- Gutachten zur Ueberführung eines Angeklagten der Magistrat früher bekanntlich eine andere Stellung eingenommen; er wird sich ja dabei nicht zu Schritten herbeilassen, die er nicht ver- nicht für ausreichend erachtete. treten tann. Aber mit den papierenen, mit mündlichen Protesten, wenn er feit einer Reihe von Jahren die Anschauung vertritt, daß dieser mit den vortrefflichsten Reden ist die Sache wirklich nicht gemacht. Walther, der mit der Verurteilung des Angeklagten zum Tode endete, Ein Nachspiel zu dem Giftmordprozeß des Barbiers Hugo bom Staate anerkannten Religionsgemeinschaft dieselbe Behandlung wie( Sehr richtig!) Hier muß ein anderer Widerstand organisiert anderen zuteil werden muß, so ist dieser Standpunkt durchaus geman doch davon absehen, Kritik auszuüben darüber, welche religiöse rung an die Regierung, die Sache allein zu machen. Der Magistrat Emmerich am Rhein als Zengin eine Rolle. Bei ihren Eltern wohnte rechtfertigt. In Berlin, in der Stadt Friedrichs des Großen, sollte werden, entweder die Nichterfüllung des Befehls oder die Aufforde- begann gestern, Donnerstag, vor dem Schwurgericht in Duisburg. In Auffassung die richtige ist und nicht ein bestimmtes religiöses Handlanger der reaktionären Regierung zu figurieren. Borläufig behauptet, daß er seine Frau ermordet habe, um die Klein heiraten Auffaffung die richtige ist und nicht ein bestimmtes religiöses und die Stadtverordneten Berlins follten es müde fein, nur als ber des Mordes beschuldigte Walther längere Zeit. Es wurde num Bekenntnis zur Voraussetzung gleichen Rechts machen.( Lebhafte haben wir keine Selbstverwaltung. Ich glaube, es ist wünschenswert, Buſtimmung.) Wir verneinen die Frage, ob die Regierung ( Lebhafter Beifall.) Man denr jenem Prozeß spielte ein Mädchen Namens Dina Klein aus auch ein Verwaltungsrecht hat über die Schule und das Schul- fondern Magistrat und Stadtverordnete sollten sich zusammentun, Ziel auch durch die Scheidung von seiner Frau hätte gelangen auch ein Berwaltungsrecht hat über die Schule und das Schul die Sache nicht durch die heutige Aussprache erledigt sein zu laſſen, zu können. Wenn hiergegen eingewandt wurde, daß er zu diesem eigentum. Wir haben ferner als Gemeinde uns das Benutzungsrecht der Schulgebäude, welche den Schulen eingeräumt sind, stets daß ein Widerstand organisiert wird, der auch nach außen hin deut- tönnen, so wies man darauf hin, daß Walther als geschiedener Gheliche Früchte geitigt. Das erste wäre, den Betroffenen andere mann bei dem katholischen Mädchen doch wahrscheinlich auf Schwierigvorbehalten. Könnten wir die Frage vor einen unabhängigen städtische Räume zur Verfügung zu stellen, wo das Provinzial feiten gestoßen wäre. Das Verhältnis zwischen dem Angeklagten Michter bringen, er würde sie zugunsten der Stadt entscheiden. Die schulfollegium„ nig to ſeggen" hat; damit wird man die Würde und und der Dina Klein war also für den Prozeß von sehr wesentlicher Stadt will sich auch feineswegs jeber Aufsicht entziehen; Ghre der Selbstverwaltung auch etwas wahren. Wäre das der Bedeutung, weil aus ihm ein Beweggrund für den Mord hergeleitet es handelt sich mur um bie Abgrenzung zwischen der Erfolg dieser Zumutung eines unwürdigen Kulturrückschritts, daß wurde. Daher strebte man danach, es nach allen Seiten möglichst Aufsicht der Schulbehörde und der Kommunal- Aufsichtsbehörde. fich noch einmal das Gewissen des Liberalismus aufbäumte, dann aufzuklären. Hierbei fragte es sich nun auch, ob Walther mit dem Die Verfügungen des Ministers des Innern fönnen wir angreifen, tämen wir schließlich noch in die Lage, der Regierung für ihr Vor- Mädchen intimen Umgang gehabt habe. Er bestritt es zunächst, die Verfügungen des Kultusministers nicht; darum haben wir ein als ihm jedoch im Laufe der Vernehmungen Kriminalfommissar erhebliches Intereffe, daß diese beiden Gebiete nicht verquickt gehen zu danken, Stadtv. Mommsen( Fr. Fr.): Die Rede des Kollegen Singer Naffe einmal sagte, er habe die Dina ja gefchwängert, da gab er werden. Ueber die Fälle, welche Herr Caffel vorgetragen, ist hat die Sache nicht gefördert und nicht fördern können. Ich habe den intimen Verkehr zu und sagte auch, daß er daran gedacht habe, er im ganzen richtig informiert gewesen.( Hört! hört!) 23ir verhandlung verneinte Dina Klein unter dem Zeugeneide jeden genichts hinzuzufügen und verzichte deshalb aufs Wort. find aufgefordert worden, die Schulgrundstücke auf den Namen der ben trefflichen Ausführungen Cassels und des Oberbürgermeisters fie nach dem Tode feiner Frau zu heiraten. In der HauptSchulen grundbuchlich eintragen zu lassen.( Bewegung.) Wir sind Auch die Stadtvv. Rosenow( N. 2.), dieser, weil er im schlechtlichen Verkehr mit Walther und dieser wiederrief auch sein auch gelegentlich belehrt worden, daß die Schuldiener an den höheren Landtage noch Gelegenheit haben werde, den Gegenstand zu be- Geständnis mit der Behauptung, daß er es unter der Einwirkung Schulen nicht Gemeinde-, sondern Anstaltsbeamte jeten unter der sprechen, und Dr. Preuß( foz.- fortschr.) verzichten. des Kriminalkommissars abgelegt habe. Gegen Dina Klein wurde Disziplin der Schulaufsichtsbehörde, obwohl das Drtsstatut die Schul- Stadtv. Gaffel: Jch beschränke mich darauf, den Vorwurf der nun wegen ihrer Aussage ein Verfahren wegen Meineids ein diener ausdrücklich als Gemeindebeamte aufführt.( Hört! hört!) Lauheit und Halbheit zurückzuweisen, den Herr Singer dieser Ver- geleitet, und die Ermittelungen führten auch zur Erhebung der AnEndlich ist uns untersagt worden, die städtischen Schulen Ausländern fammlung gemacht hat. Ich erkläre nur, wir haben zu allen Beiten lage. Gestern begann vor dem Schwurgericht bei dem Landgericht zu zeigen( beiterteit). Jm Juli 1893 erging bereits eine solche An- die Rechte der Stadtgemeinde gewahrt innerhalb der Gefeße und zu Duisburg die Hauptverhandlung. ordnung bezüglich der höheren Lehranstalten mit der Motivierung, soweit wir dazu imitande waren. Wir bestreiten, den Rechten der daß der Minister die Sache allein in der Hand behalten müffe, Stadt etwas vergeben zu haben; wir haben einen solchen Vorwurf weil sonst leicht einmal bei städtischen Schulen die Er nicht verdient. laubnis erteilt, bei staatlichen verweigert iverden könnte. Damit schließt die Beratung. ( Erneute Heiterfeit.) In diesem Frühjahr ist der Erlaß ausgedehnt Stadtv. Cassel zicht den ursprünglichen Antrag als erledigt worden auf die Gemeindeschulen. Der Ausländer vermag meine zurüd. Um 9 Uhr vertagt die Versammlung die Beratung aller übrigen Gegenstände. Gerichts- Zeitung. Letzte Nachrichten und Depefchen. Detmold, 6. Oktober.( W. T. B.) Die für morgen vor mittag anberaumte Sigung des Landtags ist auf 3% Uhr nach mittags verschoben worden. Eisenbahn- Unglüd. Naumburg a. S., 6. Oktober.( W. T. B.) Zwischen Naumburg und Almerich ist dem„ Naumburger Kreisblatt" zufolge heute nach mittag ein Güterzug an einer in der Ausbesserung begriffenen Geleisstelle entgleift. Eine der beiden Lokomotiven des Zuges ist beschädigt, brei Güterwagen wurden vollständig zertrümmert, ein vierter beschädigt. Ein Bremser wurde leicht an den Beinen verlegt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Eine Kulturtat. Lemberg, 6. Oftober.( W. T. B.) Der Landtag nahm einen von Stapinsti eingebrachten Dringlichkeitsantrag an, welcher fich gegen die Auslieferung in Galizien festgenommener russischer Deserteure an Rußland ausspricht. Australien und die Vorschläge Balfours. Bemühungen, ihm die Lage auseinanderzusetzen, nicht zu verstehen, Stadtv. Singer( zur Geschäftsordnung): Ohne uns mit dem und er bekommt von der gerühmten Selbstverwaltung, die sogar Wortlaut des neuen Antrages Caffel zu identifizieren, werden wir der Staat aufbauen geholfen haben soll, eine ganz andere Vorstellung. für denselben stimmen. Was ich selbst darüber denke, darüber möchte ich hier lieber nicht Die Versammlung nimmt darauf den Antrag Cassel ein. reden. Ich verstehe nicht den Anlaß noch den Zweck der Maß- stimmig an. regel. Die Bürgerschaft muß dauernd ihr Interesse der Schule zuwenden. Wir haben etwa 8000 Bürger im Lehramt, die doch freudig mitarbeiten sollen. Wird in dieser Weise fortgeschritten, so habe ich größte Bedenken gegen neue höhere Lehranstalten, denn wenn ich sie nun bezahlen soll, ohne irgend einen Einfluß darauf zu haben, dann muß ich sagen: Höhere Lehranstalten zu errichten ist Sache des Staates; möge er Er hätte den Dienst verweigern sollen! Unter großem Andrange feine Pflicht tun! Ich sehe also nur eine Schädigung des Schul- feiner Berufsgenossen fand gestern vor der ersten Straffammer des wesens, des höheren wie des niederen, und ich habe flir Landgerichts I Berhandlung gegen den Lokomotivführer Wilhelm meine Pflicht gehalten, darauf hier aufmerksam zu machen. Guhn statt, welcher der Gefährdung eines Eisenbahn Die zweite Frage des Antrages ist bereits beantwortet, mit den transportes beschuldigt war. Am Nachmittage des 16. April bisherigen Schritten sind Sie anscheinend einverstanden.( Lebhafte dieses Jahres stieß der von dem Angeklagten geführte Güterzug mit Zustimmung.) leber unsere weiteren Schritte tann ich heute einem anderen Güterzuge zwischen den Stationen Wedding und noch keine Magistratserklärung abgeben. Ich bitte Sie, zu dem Gesundbrunnen der Ringbahn zusammen. Die Lokomotiven Magistrat das Vertrauen zu haben, daß er in dieser ernsten beider Büge und fünf Wagen wurden erheblich beschädigt. Der Melbourne, 6. Oftober.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Situation, so ernst, wie ich fie noch nicht erlebt habe, ruhig und Botomotivführer Schulz, welcher den zweiten Bug führte, sprang, Die öffentliche Meinung in Australien stimmt im allgemeinen dem gemessen, aber fest und bestimmt die Nechte der Selbstverwaltung um sich zu retten, von seiner Lokomotive ab, fiel dabei auf eine Vorschlage zu einer Konferenz mit den Kolonien zu, den Premier wahren wird. Es wird ihm das möglich sein, wenn er vom Ver- Weichenlaterne nnd brach den Arm. Der Angeklagte hatte das minister Balfour gestern in seiner in Edinburg gehaltenen Rede trauen der Bürgerschaft unterstützt wird.( Lebhafter anhaltender Saltefignalum etwa 50 Meter überfahren, es wird auf gemacht hat, insofern es sich um eine pananglitanische Konferenz Beifall und Händeklatschen.) Mangel an Aufmerksamkeit zurückgeführt, daß er nicht recht handeln würde, die sich im allgemeinen mit Angelegenheiten be zeitig gebremst hat. Der Beschuldigte, der vom Rechtsanwalt Sonnen- faffen soll, die das Reich betreffen. Man hält es hier jedoch für feld verteidigt wurde, gab zu, das Vorsignal überhaupt nicht ge- zwecklos, die 3ollfragen zu besprechen, welche naturgemäß von dem sehen zu haben, weil er sich auf der Lokomotive gerade anderweitig Einflusse der wechselnden britischen Parteipolitit abhängig sein beschäftigt habe. Das Hauptfignal habe er erst in einer Entfernung müssen. In jedem Falle bezweifelt man, daß die Konferenz irgend von 70 Metern sehen können, weil es vorher wegen der vorstehenden ein praktisches Ergebnis haben fönne, solange nicht die Stellung lleberführungsbrücke der Hochstraße und wegen der starken Kurve des nahme des britischen Voltes durch die allgemeinen Wahlen festgestellt Bahntörpers den Blicken entzogen sei. Er beklagte sich darüber, worden sei. daß keine Knallkapseln auf die Nähe des Hauptsignals aufmerksam machten. In der Beweisaufnahme bekundeten mehrere Zeugen, ins Stadtv. Kreitling: Ich habe nur einen Wunsch ausgesprochen. besondere der Führer des Gegenzuges Schulz und der Schaffner des Auswärtigen, Delcassé, schriftlich mitgeteilt, daß er beim Stadtv. Singer( Soz.): Ich bin in der für mich sehr angenehmen Sams, daß das Borsignal fehr schlecht zu sehen sei und daß man wiederzusammentritt der Deputiertenkammer eine Interpellation Lage, für meine Freunde erklären zu können, daß wir dem Ver- das Hauptsignal selbst erst in einer Entfernung von 50 Metern sehen einbringen werde über die Politik Frankreichs bezüglich Marokkos halten des Magistrats voll zustimmen, daß wir uns freuen, daß er tönne. Demgegenüber erklärte der Sachverständige, Regierungsrat und über die Bestrebungen, die dahin zielten, die Politik des frieddiejenige Entschiedenheit gefunden hat, die das einzige Mittel ist, den Meyer, daß er die Sichtbarkeit des Hauptfignals auf die Entfernung.lichen Vordringens in eine militärische Offupation umzuwandeln. Berauti. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Gieran 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Stat tv. Kreitling: Ich kann mir wohl denken, daß die gemeldeten Redner noch gar manches zur Sache vorzubringen haben; aber nach der kraftvollen Begründung des Antrages und nach den Erklärungen des Oberbürgermeisters bitte ich Sie, mit mir auf das Wort zu verzichten. Stadtv. Singer( Soz.): Ich nehme es als ein Recht jeder Gruppe der Versammlung in Anspruch, sich zu einer solchen Angelegen heit zu äußern und bitte Herrn Kreitling, feinen Antrag zurückzuziehen. Paris, 6. Oktober.( W. T. B.) Jaurès hat dem Minister Ar. 236. 21. Jahrgang. 1. Kkilmt des Jotraitlä" Sttlintr WUlsM Freitag, 7. GKtoder IM. Der Streit um die Einigkeit. Paris, 3. Oktober., Wallstr. 9. I. Altona, Große Bcrgstr. 204 I. Berlin 80., Engel-Ufer 1ö. Bochum, Wiemelhauscrstr. 38—42. Bremen, Osterthorstr. 26 I. Breslau, Niessergasse 18/19 I. Bromberg, Jakobstr. 17. Cassel, Mühlen gaffe 80 I. Darmstadt, Elisabethstr. 31. Dortmund, 1. Kampstr. 73 I. Duisburg, Sonnenwall 41. Diiffeldorf, Bergenstr. 3. Esse», Kirchstr. 18. Frankfurt a. M., Am Schwimmbad 8/10. Gera, Hospitalstr. 21 I. Gelsenkirchen, Vereinsstr. 29. Gotha, Erfurterstraße(altes GerichtSgebände). Halle a. S., Geisfftr. 21. Hamburg, Gänsemarkt 35 II. tauau, Mühlenstr. 2. annovcr, Artillericstr. 13. Harburg a. Elbe, Erste Bergstr. 72. Iserlohn, Lerchenstr. 15. Jena, Saalbnhnsw. 3. Knttowitz, Rathausstr. 6. 5iicl, Gasstr. 24 parterre. Kol» a. Rh., Perlengraben 20 l. Krouach, Kirchenplatz 74. Landeshut i. Schl.,„Gasthof zur Sonne", L Leipzig, Härtelstr. 12, part. Lübeck, Johannisstr. 46, Part. Mannheim, 8. 3, 10. Meißen, Poststr. 4. Mühlhein, lHcssen), Offenbacherstr. 7. München, Baaderstr. 1 I. Ne»'Ruppin, Poststr. 1. Nürnberg, Egydienplatz 22. Pforzheim, Waiscnhausplatz 3. Posen, Breitenstr. 21. Renischeid, Kölncrstr. 18. St. Johann bei Saarbrücken, St. Johannerstr. 81. Stettin, Birken-Allee 34. Striegau, Ziganstraße. Stuttgart, Etzlmgerstr. 17/19. Waldenburg-Altwasser. Wolgast, Maarbrückerstr. 17, I. Würzburg, Brückncrstr. 6, I. Berlin, den 5. Oktober 1904. Der Parteivo r st and. _ Krcnzbergstr. 80. Zum Amsterdamer Kongreß. Wir werden um Veröffentlichung des Folgenden ersticht: Die Organisation der Sozialisten deutscher Zunge in Paris, die sich„Club ds looturs dss so�ialistas allsmands betitelt, hatte zum internationalen Sozialisten-Kongreß nach Amsterdam einen Dele- gierten entsendet und nahm im Gefolge, wie unsere Parteigenossen in der Heiinat, zu den Verhandlungen des Kongresses in mehreren öffentlichen Versammlungen Stellung. In der am 24. September getagten, in welcher der interessanteste Punkt der Tagesordnung des Kongresses, nämlich die Frage der Taktik verhandelt wurde, gelangte folgende Resolution, die ich Ihnen, verehrliche Redaktion, im Austrage der Versammlung ein« sende und Sie bitte, dieselbe zu veröffentlichen, zu fast einstimmiger Annahme. Resolution. In Erwägung, daß die notwendige Voraussetzung zur sozia- listischen Gesellschaftsordnung die zu einer einheitlich geschlossenen Partei organisierte Arbeiterklasse ist;— in Erwägung, daß der Kampf der sozialistischen Parteien'gegen den Kapitalismus bestimmt wird durch die Enttvickelungsstadlcn der kapitalistischen Staaten, die Art des Vorgehens einer sozialistischen Partei also nicht imnier die gleiche und gleichzeitig dieselbe sein muß wie die politische Angenblicksstellungnahme der sozialistischen Parteien aller Länder;— in Erwägung, daß gemäß der gleichen Tendenz aller kapitalistischen Staaten die Taktik der sozialistischen Parteien aller Länder be- gründet sein mutz ans die Stärkung und Hebung der Arbeiterklasse in wirtschaftlicher und ideeller Beziehung, fußen mutz auf dem Klassenkampf der Arbeiter gegen die kapitalistische Gesellschafts- ordnung, daß also alle Mittel zu verwerfen sind, welche der sozialistischen Bewegung den Charakter des Klaffeukampfes nehmen oder verwischen, aber geeignet sind, den Kapitalismus in seiner Herrschaft zu befestigen, erklärt sich die Versammlung einverstanden mit der vom internationalen Sozialistenkoiigreß zu Amsterdam an- genommenen Resolution zur Taktik der sozialistischen Parteien. Auch hier in diesem kleinen Kreise sah man zwei Strömungen in dieser Frage vorherrschen: Ein Teil— es waren dieses die- jenigen Genossen, die schon jahrelang in Paris verweilen und somit die französischen Verhältnisse aus der Praxis kennen— vertrat die Ansicht, daß Genosse Jaurös den eigentümlichen französischen Ver- hältnissen entsprechend durchaus richtig gehandelt habe, während ein anderer Teil— er rekrutiert sich aus'den in den letzten zwei Jahren aus Ländern deutscher Zunge gekommenen Genossen— das Ver« halten des Genossen Jaurös und seiner Anhänger verurteilte. AusteSuug eines Parteisekretärs. Die Parteigenossen in Augs- bürg sind die ersten, die von dem Beschlüsse des Parteitages be- treffend Anstellung eines Parteisekretärs Gebrauch machen. Sie be« schloffen in ihrer Parteiversainmlung, beim Parteivorstande die Anstellung eines Parteisekretärs zu beantragen. Uebcr die Taktik der finnischen Sozialdemokratie wurde am Sonntag in einer zahlreich besuchten Versammlung von Finnen be- raten, die im Volkshause zu Stockholm tagte. Die Versammlung war veranstaltet von einem Komitee, das vor einigen Wochen in einer Konferenz in Stockholm weilender finnischer Sozialdemokraten gewählt worden war. Man hatte zur Versammlung auch die An- gehörigen der bürgerlichen Parteien eingeladen, sie waren jedoch größtenteils nicht erschienen. Die Verhandlungen wurden ein- geleitet von Täavetti Väinölä, einem als Redner bei den Arbeiterdemonstrationen in Helsingfors wohlbekannten Partei- genossen. Das Referat hielt der Student Kaarle Nyman über das Thema:„Was wir Proletarier über die gegenwärtige Gesellschaftsordnung, über die Gesetze und die Wahlrechtsfrage sagen." Er propagierte die Forderung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts. Hinsichtlich der Landtagswahlen hielt er es für das beste, wenn sich die Arbeiterschaft nicht daran beteiligte. In der Diskussion wurden scharfe Airgriffe gegen die sogenannten„Alten" und Altfennomancn gerichtet. Es wurde die Meinung laut, daß unter den Männern des„passiven Widerstandes" gegen die russische Unterdrückung solche wären, die ebenso wie Bobrikoff geneigt seien, die Rede-, VersammlungS« und Koalitionsfteiheit zu erdrosseln. Von der Gegenpartei sprach nur der Student und Volkshochschul- lehrer B i a n d e t. Es wurde einstimmig folgende Resolution an« genommen: „Die Versammlung ist einstimmig ber Meinung, daß der gegen« wärffge sogenannte„passive Widerstand" der Parte, keinerlei Vorteile bringt, da gerade die Jungen, die enthusiastisch für die Sache arbeiten, gezwungen werden, culs dem Lande zu reisen, sondern daß eine geistig erweckende Arbeit auf Grundlage der Prinzipien der sozialdemokratischen Partei ausgeführt und die tiefe Schicht des Volkes zun, Klassenkampf aufgerufen werden muß, um für sich selbst als Menschen Menschenrechte zu fordern." Soziales. Der Fluch der Gestnde-Orbnimg. Ein Opfer der Gesinde-Ordnung, dieses reaktionären Gesetzes- iustrumentes, dessen Fortcxistenz die Regierung und alle bürgerlichen Parteien in gleicher Weise beschämt, stand am Mittwoch in Gestalt einer armen'Tagelöhncrfrau vor der Strafkammer zu Breslau. Die- selbe war auf dem Dominium Nimkau beim Dreschen beschäftigt und erhielt als Tagelohn 60 Pfennige. Um diesen Hungerlohn etwas zu erhöhen, lief sie zu ihren acht bis neun Kolleginnen und beredete alle, am Montag der neuen Woche nicht mehr dreschen zu gehen, falls nicht ein Tagelohn von 70 Pfennigen bewilligt würde. Das geschah auch und die Inspektion forschte nun nach der rnchlosenAufhetzerin zu dieser Arbeitsverweigerung. Sie ermittelte diese Frau Namens K ü h n e r t und trieb sie zunächst vom Hofe. Dann aber wurde ihre staatsgefährliche Tat zur Anzeige gebracht und die „Hetzerin" vor den Richter geschleppt. Die arme Laudfrau mit begrenztem Gesichtskreis hatte natürlich keine Ahnung davon, daß sie sich gegen die Gesetze verging, das Breslauer Gericht aber ver- urteilte sie wegen Vergehens gegen die Gesinde-Ordnung zu zehn Tagen Gefängnis. Zehn Tage Gefängnis muß die arme unbescholtene Proletarieriii, die in den gedrücktesten Verhältniffen lebt, absitzen, inzwischen bleiben drei Kinder, darunter ein krankes, sich selbst über- lassen. Hätte» die aufgehetzten Frauen am nächsten Tage nicht bereits die Arbeit wieder aiifgenomnien, dann wäre die Strafe härter ausgefallen, meinte der Richter. Und das von Rechts wegen, deutsche Arbeiterl Eine Episode ans dem Polizeiknmpf gegen die Sozial- demokratie. Einige Tage vor der Reichstags-Stichwahl im Kreise Frankfurt- Lebus hatte Genosse Hoch als Vertrauensmann des dritten Wahl- kreises durch eine i>n„Vorwärts" veröffentlichte Einladung die Genossen, welche bei der Hauptwahl in Frankfurt-Lebus tätig waren, und auch bei der Stichioahl helfen wollten, ersucht, sich zu einer Be- sprechung in den Arminhallen einzufinden. Diese Zusammenkunft fand am 18. Mai statt. Es war nichts weiter beabsichtigt, als den erschienenen Genossen mitzuteilen, in welche Orte deS Kreises sie sich zu begeben und welche Eisenbahnzüge sie dazu zu benutzen Härten. Kaum hatte Hoch mit dem Aufruf eiiiiger Nanien begonnen, da betrat der Polizei« l e u t n a n t v. S ch n o r r e n f e i l d in Begleitung zweier Schutz- leute den Saal und verlangte von Hoch die Vorlegung der Anmelde« bescheinigung. Hoch hatte eine solche Bcscheiniguiig nicht, denn die Zusammenkmift war nicht angemeldet und brauchte auch nicht an- gemeldet werden, denn es war nicht beabsichtigt, öffentliche An- gelegenhciten zu erörtern. Die Polizei scheint es aber für selbst- verständlich gehalten zu haben, daß hier öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten, und obwohl nicht der geringste Beweis für diese Annahme vorlag, löste der Polizei'leutt,ant die Versainmlung auf. Hoch, Pohl und D i m m i ck wurden als Leiter der Versammlung angesehen, weil sie beim Eintritt fcer Polizeikeamten an einem auf einem Podium stehenden Tische saßen. Das Schöffengericht hat die genannten Genossen als Leiter einer nicht angemeldeten Versammlung und die Schankwirte Richard und Paul Mielitz, weil sie das Lokal dazu hergaben, zu Geldstrafen von je 15 M. verurteilt. Zu einer Verurteilung konnte das Gericht natürlich nur kommen, wenn festgestellt war, daß in der Versammlung öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Die Verurteilten legten Berufung ein und infolgedessen hatte fich die Berufungskammer am Donnerstag mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Als Zeugen waren neben dem Polizeileutnant nicht weniger als zehn Schutzleute aufgeboten, die während und nach der Versammlungsauflösung das Lokal besetzt hielten. Rechtsanwalt.Heine als Verteidiger der Angeklagten hielt eine Wiederholung der Beweisaufnahme nicht für erforderlich, da der Tatbestand nicht bestritten, fondern nur der rechtliche Standpunkt des Schöffengerichts angefochten werde. Das Gericht trat aber doch in eine erneute Beweiserhebung ein, denn, sagte der Vorsitzende, es könne sich ja ergeben, daß den Angeklagten mehr zur Last falle als in der ersten Instanz festgestellt wurde. Die Zeugenaussagen ergaben zwar, daß eine Zusammenkunft, die im Sinne des Geietzes eine Versammlung ist, stattgefunden hat. Auch daß jemand einige Worte sprach, ist gehört ivorden. Was aber gesprochen wurde, und insbesondere ob über öffentliche Angelegen- heften geredet wurde, das konnte nicht festgestellt werden. In seiner Verteidigungsrede führte Rechtsanwalt Heine zu- nächst aus, daß Pohl und D i m m i ck keine Tätigkeit entfaltet hätten, die sie als Leiter einer Versammlung kennzeichne. Es werde zugegeben, daß es sich hier um eine Versammlung im Sinne des Gesetzes handele, aber nicht um eine solche, in der öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Wenn auch die Wahlarbeft, zu der die Versammlungsteilnehmer beordert_ werden sollten, den Zweck hatte, die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten durchzusetzen, so sei doch der den Versammlungsbesuchern erteilte Auftrag, an diesen Arbeiten mitzuwirken, ebensowenig eine Erörterung öffentlicher An- gelegenheiten, als wenn man zu einem Schuhmacher sage: Machen Sie mir heute noch die Stiefeln, denn ich brauche sie, um morgen zur Wahl zu gehen. Selbst wenn den Teilnehmern an der Versammlung gesagt worden wäre, w a s sie bei der Wahl zu thun hätten, so würde auch das noch nicht eine Erörterung öffentlicher An- gelegenheiten sein. Der Verteidiger bezog sich auf mehrere Urteile des Kammergerichts, welche scharf zwischen privaten und öffentlichen Angelegenheiten unterscheiden und als Erörterung öffentlicher An- gelegenheiten nur solche anerkennen, die von öffentlichen Gesichts- punkten ausgehen. Das Gericht hob das Urteil auf, soweit es sich auf die Angeklagten Pohl und D i m m i ck bezieht, da diese beiden nicht als Leiter der Versammlung angesehen werden könneir. Hinsichtlich der Angeklagten Hoch und Mielitz wurde die Berufung verworfen. Das Gericht schließt aus der Einladung im„Vorwärts", daß eine öffent- liche Besprechung der Wahlangelegcnheiten stattfinden sollte. Wenn es dazu nicht kam, so sei das dem Eingreifen der Polizei zu- zuschreiben._ Hus InduFtnc und Handel. Gegen den Spiritusring, der bekanntlich kürzlich seine Preise für Konsumsprit wiederum um 5 M. pro Hettoliter erhöht hat, planen die Branntwein-Jndustriellen in Nordhausen die Gründung eines allgemeinen deutschen Verbandes der Branntwein-Jnteressenten, der gegen die Profitpolitik des Spiritusringes energisch vorgehen soll. Den Anstoß zu diesem Zusammenschluß hat nach der„Nordd. Ztg." das Verhalten des Spiritusringcs im laufenden Jahre gegeben. Im Februar d. I. hat die Zentrale nach einer bereits im Dezember erfolgten, 6 M. betragenden Erhöhung die Spritpreise um weitere 3 M. pro Hektoliter gesteigert, ohne daß irgend welche Preis- Veränderung für Roh-spiritus dazu Anlaß gab! Als nun kürzlich im Monat September die landwirtschaftlichen Spiritusbrennereien im Spiritusring einen um 5 M. pro Hektoliter höheren Abschlags- preis für Roh-Spiritus durchsetzten, erhöhte die Zentrale die Forde- rung für Konsumsprit nicht etwa um die Differenz von 3 und 5 M., sondern wieder um 5 Mk. pro Hektoliter, so daß augenblicklich der Preisstand für versteuerte Ware mit 140 M. pro Hettoliter eine bis jetzt im Spiritusgeschäft noch nie da- gewesene Höhe erreicht hat. Der Minderertrag der dies- jährigen Kartoffelernte, welcher, nach neueren Berichten aus den verschiedensten Gegenden, nicht so groß sein soll, wie anfangs be- fürchtet wurde, rechtfertigt derartige Spritpreise nicht; wesentlich schlechtere Jahreserträge brachten bedeutend niedrigere Spiritus- Notierungen. Auch gab die Zentrale bis heute noch keinerlei Termin- preise heraus, so daß der Branntweinhandel, der sich stets im Herbst nach der Ernte, für Monate hinaus zu versorgen pflegt, schwer be. cinträchftgt wird. Die deutschen LebensvcrsichernngSgcsellschasten haben sich in den letzten Jahren gewaltig entwickelt. Besonders hat das Jahr 1003 einen bedeutenden Aufschwung gebracht. Ende 1903 hatten die 43 größeren deutschen Gesellschaften insgesamt über 9070 Millionen Maök Kapital und 18 Millionen Mark jährliche Rente versichert. Der Zugang an neuen Versicherungen im Jahre 1903 betrug 865 Mill. Mark Kapital und fast 2 Mill. M. jährliche Rente. Zur Erfüllung ihrer zukünftigen Verpflichtungen stehen diesen Gesellschaften 3027 Millionen Mark zur Verfügung, d. i. mehr als ein Drirrel des ver- sicherten Kapitals. Die gesamten Aktiven betrugen 3347 Mill. M., wovon 2600 Mill. M. in mündelsicheren Hypotheken, 70 Mill. M. in Grundbesitz und wegen des geringeren Erträgnisses der Staats- Papiere nur 200 Mill. M. in Wertpapieren angelegt sind. Die Gesamteinnahme der 48 Gesellschaften betrug im Jahre 1903 mit Einschluß der Ueberträge 3340 Mill. M.. wovon 400 Mill. Mark auf Prämien und' 120 Mill. M. auf Zinsen entfallen. Die Versicherungskapitalien, die an die Versicherten im Jahre 1903 aus- zuzahlen waren, beliefen sich auf 185 Mill. M. Außerdem erhielten die Versicherten noch 45 Mill. M. als Dividende. Hamburger Schiffahrtsvcrkehr. Nach der Dreivierteljahrs- Statistik über die Hamburgische Seeschiffahrt, die mit dem Ablauf des September alljährlich vom Handelsstatistischen Bureau in Ham- bürg ausgegeben wird, hat der Schiffahrtsverkehr des Hamburger Hafens im lausenden Jahr beträchtlich zugenommen. Ter Tonnen- geholt der einkommenden Schiffe betrug 7 233 353 Tonnen netto und weist damit eine Steigerung von 482 497 Tonnen gegen das Vor- jähr auf; die ausgehende Schiffstonnagc stellte sich auf 7 272 859 Tonnen und um 411892 Tonnen höher als im enffprechenden Zeit- räum 1903. Die Anzahl der Schiffe hat gegen 1903 ebenfalls zu- genommen; es kamen 11 360(1903: 10 665) Schiffe ein, und 11 326(1903: 10 656) Schiffe gingen aus. Diese Steigerung des Seeschiffahrtsverkehrs ist beträchtlicher, als sie in jedem der fünf vorhergehenden Jahre gewesen ist. Kartellbestrebungen in der Zementindustrie. In den ver- schiedenen deutschen Landesteilen bestehen lokale Kartellvereinigungen der Zementwerke, die aber, da sie sich nicht streng an ein bestimmtes Absatzgebiet halten, vielfach einander ins Gehege kommen. Um diese Konkurrenz abzuwehren und eine allgemeine Preiskonvcntion her- zustellen, hatten sich in den letzten Tagen Vertreter der verschiedenen sammengefunden. Die Verhandlungen sind jedoch gescheitert, da eine sammengfunden. Die Verhandlungen sind jedoch gescheitert, da eine Einigung über die Abgrenzung der Absatzgebiete nicht zu erzielen war. Man hat deshalb vorläufig eine Kommission gewählt, welche die vorhandenen Gegensätze ausgleichen soll. Anfang nächster Woche sollen dann die Vertreter der sämtlichen Gruppen wieder in Berlin zusammenkommen, um über die definitive Bildung der Konvention zu beschließen. An den Beitritt der schlcsischen Gruppe wird nicht gezweifelt. Großschiffahrtsweg Mannheim— Hcilbronn. Gestern fand in Heilbronn eine Konfereuz von Vertretern der Neckarufer-Staaten Baden, Hessen und Württemberg statt, um über die von Württemberg vorgeschlagenen Vorarbeiten fiir den Großschiffahrtsweg Mannheim— f eilbronn zu beraten. Es wurde beschlossen, eine ständige technische ommission aus höheren technischen Beamten der drei Ufer-Staaten zu bilden. Der technische Entwurf für die württembergische Neckar- strecke soll von dem hydrographischen Bureau in Stuttgart, derjenige für die badische Strecke von der badischen Nhein-Bauinspektion in Mannheim ausgearbeitet werden. GewefKscKaftlieKes. Die deutschen Gewerkschaftskartelle im Jahre 1903. Die Zahl der angeschlossenen Organisationen der an der Statistik beteiligten 387 Kartelle beträgt nach dem„Correspondenzblatt" der Generalkommission 5207, welchen 758 723 Mitglieder angehören. Für 346 Kartelle, welche 1902 und 1903 in der Statistik geführt sind, ist ein Vergleich gegenüber dem Vorjahre möglich und es er- gibt sich für diese ein Zuwachs von 295 Organisationen mit 133 351 Mitgliedern. Der Zuwachs an Organisationen entfällt hauptsächlich auf die mittleren Städte. Lokale Vereine, welche den Kartellen angeschlossen sind, weist die Statistik für die einzelnen Jahre aus: 1901 in 23 Kartellen 58 Vereine mit 10 572 Mitgl. 1902„ 36„ 84. 12 539. 1903.. 30„ 60.... 9 241., Von den im Jahre 1903 den Kartellen angeschlossenen 60 Lokal- vereinen sind 56 solche, für deren Beruf ein Zentralverband be- steht, und 4 Vereine sind solche, für deren Beruf zur Zeit ein Zentralverband noch nicht existiert. Auffällig ist, daß immer noch eine Anzahl von Zweigvereinen der an die Generalkommission angeschlossenen Zentralverbände den Kartellen fernsteht. Den Kartellen nicht angeschlossen waren 1901 in 169 Orten 323 Gewerffchaften, 1902 in 178 Orten 339 Gewerkschaften und 1903 in 177 Orten 312 Gewerkschaften. Von den 312 den Kartellen im Jahre 1903 nicht angeschlossenen Ge- werkschaften sind 305 Zweigvereine von Zentralverbänden, und zwar enffallen hiervon 57 auf die Buchdrucker, 26 auf die Maurer, 21 auf die Zimmerer, 17 auf die Metallarbeiter, je 11 auf Bauarbeiter und Maler, je 10 auf Transportarbeiter und Maschinisten. Bei den übrigen Verbänden ist die Zahl der fernstehenden Zweigvcreine nur gering. Die Mitgliederzahl der in den Gewerffchaftskartellen vereinigten Organisationen betrug 1901 481 718, im Jahre 1902 614 722 und im Jahre 1903 758 723. Es ist also eine Mitglieder- zunähme von 144 001 gegenüber 1902 und eine solche von 277 005 Mitgliedern gegenüber dem Jahre 1901 zu verzeichnen. Nach der Gewerkschaftsstatistik beträgt die Zunahme an Mitgliedern im letzten Jahre in den Zentralverbänden154 492. Die Zunahme in den Kartellen bleibt also um rund 10 000 Mitglieder hinter der in den Zentralverbänden zurück und es ist damit die erfreuliche Tatsache konstatiert, daß ein nicht geringer Teil des Mitgliederzuwachses auf die kleineren Orte, in welchen Kartelle nicht bestehen, entfällt. Die Mitgliederzahl der Zentralverbände verteilen sich auf rund 2500 Orte, während Kartelle nur in 413 Orten bestehen. Der größte Mitgliederzuwachs ist aber in den Großstädten vorhanden. Es be- trägt die Zunahme in 19 Großstädten gegenüber 1902 insgesamt 79 582 Mitglieder. Daß sich die Gewerffchastsbewegung in der Hauptsache nur auf bestimmte Orte und Bezirke erstreckt, beweist folgende Zusammen- stellung: Z-#. Davon Gesamtzahl Jahr der Orte der Davon in Großstädten überhaupt Großstädte Mitglieder 1901 319 21--- 6.6 Proz. 481 718 246 268= 51,0 Proz. 1902 365 23= 6,3, 614 722 388 865= 55,0. 1903 387 23= 5,9„ 758 723 413 470= 54,5„ DieAgitation.die vornehmste Aufgabe der Gewerffchafts- kartelle, ist im verflossenen Jahre nicht in dem Maßstabe betrieben worden, wie dies notwendig gewesen wäre. Es haben nach den vorliegenden diesbezüglichen Angaben 74 Kartelle im Laufe des Jahres nicht eine einzige Agitationsversammlung einberufen. Ins- gesamt wurden von den Kartellen 2206 berufliche und 735 allgemeine Versammlungen abgehalten. Zu wenig Beachtung wurde auch der Frauenagitation geschenkt. Die Kartelle könnten nach dieser Richtung wesentliche Dienste leisten, wenn sie sich die Einsetzung von weiblichen Agitcftionskommisstonen mehr als bisher angelegen sein ließen. Solche Kommissionen haben 26 Kartelle eingerichtet. Weibliche Vertrau e�nsperson�n, welche Beschwerden der Arbeiterinnen an die Fabrikinspektion vermitteln, sind nur in 15 Orten vorhanden. Die Berichte über die von den Kartellorten geführten Streiks erweisen sich auch für 1903 unzulänglich. Eine Ergänzung der von den Zentralverbänden geführten Streikstatistik scheint die Streik- statistik der Gewerffchaftskartelle nicht zu werden. Arbeitslosen Zählungen wurden von 43 Kartellen insgesamt 49 vorgenommen. Für 1902 berichteten 74 Kartelle über insgesamt 91 Arbeitslosenzählungcn. Ein Auskunftsburcau unterhalten 103 Kartelle. Nicht einbegriffen sind hier die Arbeitersekretariate, die zum größten Teil auch von den Kartellen unterhalten werden. Ein Gewerkschaftshaus ist angeblich in 24 Orten vorhanden. Einen Versammlungssaal unterhalten 80 (1902 77), eine Zentralherberge 21(1902 29) Kartelle und eine Herberge beim Gastwirt haben 177(1902 160) Kartelle unter ihrer Kontrolle. Gemeinsame Bibliotheken verzeichnet die Statistik im Jahre 1901 117, im Jahre 1902 165 und 1903 nur 155. Ein Lesezimmer haben 27 Kartelle eingerichtet gegen 24 im Jahre 1902 und 11 im Jahre 1901. An öffentlichen Lesehallen waren be- teiligt im Jahre 1903 8. 1902 19. 1901 9. Auf dem Gebiete des Arbeiter schutzes könnte von den Kartellen weit mehr getan werden als tatsächlich geschieht. Es waren 1901 von 319 Kartellen in 104— 32,6 Proz., 1902 von 365 Kartellen in 131— 35,9 Proz. und 1903 von 387 Kartellen in 121— 31,2 Proz. der Kartelle Beschwerdekommissionen für Gewerbeinspektionssachen eingerichtet. Die Statistik enthält eine Zusammenstellung derjenigen Kartelle, welche ein eigenes Bureau, sowie derjenigen, welche ein Arbeiter- sekretariat unterhalten, mit Angaben über die Zahl der Angestellten und der Höhe der von diesen bezogenen Gehälter. Es haben danach 5 Kartelle(Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, München und Stuttgart) ein eigenes Bureau. 32 Kattelle unterhalten ein Ar» beitersekretariat. Tie Zahl der in den Bureaus der Kartelle und in den Sekretariaten angestellten Beamten beträgt 50. An die voll- besoldeten Angestellten werden JahreSgehälter von 900 M. bis 2500 M. gezahlt. Ueber Einnahm en und Ausgaben haben 386 Kar- telle Angaben gemacht. Die Gesamtjahreseinnahme dieser 386 Kar- telle beträgt 435 466 M. Davon entfallen auf feste Beiträge 161 426 M. und auf sonsttge Einnahmen(Ucberschüsse von Festlich- leiten, Schriftenvertrieb usw.) 268 275 M. Die für Streiks ge- sammelten und verausgabten Beträge sind besonders aufgeführt. Die Gesamteinnahme aus diesen Sammlungen beträgt 821 868 M., wovon für Streikunterstützung 717 525 M. verausgabt worden sind. Während die Gesamteinnahmen ausschließlich der Strciksamm- lungen gegenüber 1902 ganz bedeutend gestiegen sind, sind die Ge- samtausgaben absolut nur wenig und relativ fast gar nicht gesttegen. Die Gesamtausgaben der 1902 berichtenden 363 Kartelle betrugen 285 468 M. und die Ausgaben der 1903 berichtenden 386 Kartelle betrugen insgesamt 355 213 M. Die Streikunter st ützung nahm im letzten Jahre die Kartelle finanziell in außerordentlichem Maße in Anspruch. Es verausgabten aus der Kartcllkasse 91 Kartelle 15 053 M. für Streiks am Orte und 171 Kartelle 45 812 M. für auswärtige Streiks. Ueber die Strciksammlungen sind von 272 Kartellen Angaben gemacht und beträgt das Ergebnis dieser Sammlungen 821 863 M., wovon 717 563 M. für Streiks und Aussperrungen verausgabe worden sind. Die Gesamtausgabe der Kartelle für Streikunterstützung betragt rlso 778 433 M.. während die Gesamtausgabe für alle anderen Zwecke nur die Summe von 244 348 M. erreicht. Die Sammlung« m folgten besonders für die Schuhmacher in Pirmasens und die Textil» arbeiter in Crimmitschau. Der Hauptanteil entfällt auf die letzter« Aussperrung._ Berlin und tlmgegend. Die Aussperrung in der Gelbmetall-Judustrie. Die Situation. In der gestrigen, wieder sehr stark besuchten Streikversammlung erstattete Cohen den Situationsbericht. Demnach bettägt die Zahl der Ausgesperrten mitsamt den Streikenden und den anläßlich der Aussperrung noch von organisationswegen ans den Betrieben herausgezogenen Arbeitern insgesamt 3967. Diese Zahl beweist, daß die Fabrikanten auch nicht entfernt ihre eigenen Beschlüsse rcspcttiert haben. Es sind in der Berliner Gelb- metall-Jndusttie etwa 12 000 Arbeiter beschäftigt. Wäre nun von den Fabrikanten die Aussperrung in dem Maße erfolgt, wie es ihren Beschlüssen entsprach, dann müßte sich die Zahl der Ausgesperrten auf mindestens 8000 beziffern. Nim versuchen die Fabrikanten zwar nach außen hin durch Preßnotizen den Anschein zu erwecken, als seien ihre Beschlüsse mit voller Einmütigkeit innegehalten, in Wirklichkeit aber sucht sich das Gros von ihnen, so gut es nur irgend gehen will, um die Beschlüsse herumzudrücken. Dementsprechend ist der Stand der Bewegung für die Arbeiter denn auch ein durchaus günstiger. Fortgesetzt erbieten sich Fabrikanten zu Einzelverhandlungen mit dem Metallarbeiter- Verband. Da es den Arbeitern jedoch in erster Linie auf eine tarifmäßige Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse fiir den Gesamtberuf an- kommt, so ist diesen Fabrikanten der Rat erteilt ivorden, die Arbeit- geberorganisation als solche zu einer Verständigung geneigt zu machen. Es ist auch bei der Verbandslcitung angefragt worden, ob die Arbeiter im Falle einer Verhandlung von ihren Forderungen etwas ablassen würden. Darauf habe Cohen erklärt: Wenn die Fabrikanten den Beweis erbringen könnten, daß durch die Bewilligung der Arbeiter- forderungen die Konkurrenzfähigkeit der Industrie erschüttert würde, dann würden die Arbeiter in einem oder dem anderen Punkte mit sich reden lassen. Sonst aber müßten die gestellten Forderungen die Grundlage zur Verständigung bilden. Hierzu bemerkte der Redner noch, daß es nach Aussage der Scharsinacher den Fabrikanten aus die Höhe und die Art der Forderungen eigentlich gar nicht an- komme, sondern daß die Aussperrung vorgenommen wurde, weil die Arbeiter überhaupt Forderungen gestellt haben. Es ist also nicht die Sorge um die Konkurrenzfähigkeit der Industrie, sondern lediglich der Herren st andpunkt und Scharf machergei st der Kühnemänner, von dem aus die Arbeiterforderungen als unberechtigt bezeichnet werden. Die stetigen Differenzen bei der Akkordkalknlation neuer Arbeiten haben die Gürtler und Drücker usw. eben bewogen, die Forderung auf Sicherung eines Mindest- Verdienstes zu stellen, und es ist nicht Schuld der Arbeiter, wenn die Fabrikanten die Berechtigung einer derarttgen Forderung nicht einsehen wollen. Der Redner betonte, die Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluß dieser Lohnbewegung steigen von Tag zu Tag. Den Fabrikanten brennt das Feuer ans den Nägeln. Sie müssen jetzt erkennen lernen, daß der vorjährige Streik nur ab- gebrochen wurde, um in diesem Jahre fortgesetzt zu werden. Arbeits- ivillige stehen ihnen so gut wie gar nicht zur Verfügung, und es liegt nur an ihnen, wenn ihre Industrie jetzt wieder enorm ge- schädigt wird. Früher haben die Herren immer gesagt, die Arbeiter möchten nur getrost streiken, sie, die Arbeitgeber, hielten es immer einen Tag länger aus als die Arbeiter. Diesmal aber würden eS unter allen Umständen die Arbeiter einen Tag länger aushalten als die Arbeitgeber.(Lebhafter Beifall.) Die Kühnemänner ohne Kleingeld. Große Heiterkeit erregte es, als Cohen die am Mittwoch erfolgte Auszahlung derAnsgesperrten-Unterstützung seitens der Unternehmer erwähnte. Durch große Reklameplakate an den Liffaßsäulen hatten die Fabrikanten die„treuen" Metallarbeiter zur Auszahlung der Unterstützungsgeldcr aufgefordert. Als diese daraufhin im Bureau der Dresdcnerstraße erschienen, wurden ihnen aber unendliche Scherereien bereitet und dann stellte es sich obendrein heraus, daß dem Herrn Generalsekretär Nasse das„Kleingeld" ausgegangen war. Man nimmt an, daß an die Arbeiter kaum soviel gezahlt werden konnte, wie die Reklameplakate gekostet haben. Mit den Plakaten sollte eben nach außen hin renommiert werden. Die ganze Aktton ist jedoch zu einer Blamage für die Kühnemänner geworden. Die„getreuen" Metallarbeiter werden von dieser Art„Unterstützung" wohl für immer„die Nase voll" haben. Die Polizei im Dien st e der Kühnemänner. Eine scharfe Kritik wurde sodann von Wiesenthal und anderen an dem Verhalten der Polizei gegen die Streikposten geübt. Den Streikposten wird wieder der Aufenthalt in ganzen Sttaßenzügen verboten. Sistierungen über Sistierungen erfolgen; dazu müssen sich die Streikposten von den Beamten obendrein noch Unteroffiziers- mäßige Grobheiten gefallen lassen. Die Gerichte dürften später wieder eine Unzahl von Strcikposten-Prozessen zu erledigen haben. Achtung, Holzarbeiter! Zu dem durch nichts gerechtferttgten Beschluß der Holzindustriellcn, die Berliner Tischler auszusperren, hat die Ortsverwalwng Stellung genommen und beschlossen, den Kollegen zurzeit zu empfehlen, überall dort, wo Aussperrungen stattfinden, ruhig weiter zu arbeiten, selbst wenn die Entlassungen der Kollegen in provokatorischer Weise seitens des Bettiebsinhabers vorgenommen werden. Auf keinen Fall darf ohne vorherige Zustimmung derOrtsverwaltung die Arbeit eingestellt werden. Sobald aus dem weiteren Verlaufe der Aussperrung sich die Notwendigkeit herausstellt, daß andere Maßnahmen getroffen werden müssen, wird die Ortsverwaltung den Verttauensmännern der Lage entsprechende Vorschläge unterbreiten. Wir erwarten von den Mitgliedern, daß sie mit Aufmerksamkeit alle Kundgebungen der Ortsverwaltung verfolgen und mit uns mit aller Entschlossenheit den uns aufgezwungenen Kampf durchzuführen bereit sind. Die Ortsverwaltung des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Aussperrung der Berliner Tischler. Die Zahl der Ausgesperrten betrug bis gestern abend 112 Mann aus 38 Betrieben. Unter diesen befinden sich die Firmen Franz Berndt, Hilsenbeck u. Kroll, Hanke u. Kröber und der Vorsitzende der freien Vereinigung der Holzindustriellen Herr Plothen mit einem Ausgesperrten bei 120 beschäftigten Arbeitern. Im Klavierarbeitcrstreik sind Veränderungen erheblicher Natur nicht eingetteten. Ein weiterer Betrieb mit fünf Arbeitern hat sich dem Stteik angeschlossen, während drei Zwischenmeister mit 18 Be- schäftigten die Forderungen bewilligt haben. Einige größere Be- triebe sind in Verhandlungen getteten. Die Zahl der Streikenden beträgt ca. 1650._ Die Lohnbewegung der Schlächtcrgcsellcn stand zur Erörterung in einer Versammlung, die am Mittwoch im Musikersaal in der Kaiser Wilhelmstraße tagte. Die Versammlung, die von einem Meister einberufen war, der die Forderungen der Gesellen bewilligt hat, war wieder sehr zahlreich besucht. Eingeladen waren außer den Ges.ll n auch alle Meister, die der Innung nicht angehören. Ein Teil derselben hatte der Einladung Folge geleistet. H e n s e l begründete wieder die Forderungen und betonte, daß die Gesellen sich nach Kräften be- mühen, eine Verständigung mit den Arbeitgebern herbeizuführen. Wenn aber alle friedlichen Bemühungen ohne Erfolg bleiben, dann würden die Schlächtergesellen den Kampf sür ihre Forderungen nicht scheuen, sie könnten dabei auch auf die Unterstützung seitens des kaufenden Publikums rechnen. In der regen Diskussion wurde durch zahlreiche Beispiele aus der Werkstatt dargctan, daß die Arbeitsverhältnisse der Schlächtcrgesellcn dringend der Verbesserung bedürfen. Unter anderein ivurde auch darauf Hingelviesen, daß die Engros- Schlächtergesellen seit dem der- gangenen Sonntag die Sonntagsarbeit verweigern. Infolgedessen werden die Ladenschlächter ersucht, keine Arbeit nach dem Schlacht- Hofe anzunehmen.— Schlächtermeister Schulz wandte sich mit einigen Worten an die anwesenden Meister. Er ersuchte sie, die Forderungen der Gesellen zu bewilligen und nicht erst zu warten, bis etwa ein Boykott ausgeübt wird, der sich in den Arbeiter- gegenden schwer fühlbar machen werde für die Meister, welche nicht bewilligen. Die Lohnbewegung der Goldschnittmachcr hat bereits teilweise zu guten Erfolgen geführt. Von den 36 Firmen, die in Betracht kommen, hatten bis gestern 13 die Forderungen anerkannt. Mit mehreren anderen Firmen werden Ver- Handlungen gepflogen, die in den meisten Fällen wohl zu einer Einigung führen werden. Es handelt sich bei dieser Lohn- bewegung vorläufig nur um die Karten-Goldschnitt- und Schrägschnitt- macher. Da die Arbeitsmethode in den Werlstuben nicht überall dieselbe ist, außerdem eine sehr große Anzahl verschiedener Muster vorhanden ist, ist die Einführung des einheitlichen Akkordtarifs mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft. Es wird fast überall im Akkord gearbeitet. Bei Lohnarbeit wird für Schnittmacher 36 M. Minimallohn verlangt, für Schaber, Glätter, Einsetzer usw. im ersten Halbjahre 24 M., im zweiten 27 M. und von da ab 36 M. Die Arbeitszeit soll höchstens neun Stunden täglich betragen und für Uebcrzeitarbeit in den ersten zwei Stunden 2ö Proz., dann 33'/� Sonntags 50 Proz. Aufschlag, bei Akkordarbeit in den ersten zwei Stunden 15 Pf. pro Stunde, dann 26 Pf. gezahlt werden. Der Streik der Isolierer ist beendet. Nach mehreren ergebnis- losen Verhandlungen mit den Unternehmern ist am Mittwoch eine Einigung erzielt und am Donnerstag die Arbeit wieder auf- genommen. Nur bei der Firma Haak u. Co., die in Berlin nur eine Filiale und in Zelle das Hauptgeschäft hat, befinden sich noch 26 Arbeiter im Ausstande, weil diese Firma die Forderungen nicht anerkannt hat. Mit den anderen Firmen der Branche ist ein Tarif auf zwei Jahre, bis 1. Oktober 1966, abgeschlossen. Dieser Tarif bringt nicht unerhebliche Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse der Isolierer. Tie bisher lOstündige Arbeitszeit ist auf 9 Stunden her- abgesetzt, der Stundenlohn ist für Isolierer von 56 auf 66 Pf., für Hülfsarbeiter von 35 auf 45 Pf. erhöht. Bei auswärtigen Arbeiten, die bisher mit einer Zulage von 1,56 M. pro Tag bezahlt wurden, gibt es jetzt 2,56 M. Zulage, und in den näheren Vororten wird eine Zulage von 75 Pf., in den entfernteren Vororten eine solche von 1,25 M. pro Tag gewährt. Diese Zulagen wurden bisher überhaupt nicht gezahlt. Akkordarbeit soll möglichst vermieden werden, wenn aber in Akkord gearbeitet wird, wird der Lohn garantiert. Durch die Festlegung der 9stündigcn Arbeitszeit und die Gewährung höherer Zulagen für auswärtige Arbeiten wird ein Uebelstand beseitigt, der darin bestand, daß sich die auswärts beschäftigten Isolierer durch regelmäßige Ueberstunden den Mehraufwand zu verschaffen suchten, der durch den Aufenthalt in fremden Orten nötig ist. Die Bauanschlägcr(Sektion des Metallarbeiter-Verbandes) nahmen gestern abend in einer stark besuchten Versammlung erneut Stellung zu ihrer bevorstehenden Lohnbewegung. Wie L u b a t s ch in seinem Referat ausführte, hatten die Bauanschläger ursprünglich beabsichtigt, bereits am gestrigen Donnerstag den Arbeitgebern den neuen Tarif zu unterbreiten und falls derselbe bis Sonnabend nicht anerkannt sei, am kommenden Montag die Arbeit niederzulegen. Da sich die Schlosserinnung neuerdings aber wieder zu Verhandlungen bereit erklärte,— nach Aussage des Ober- meisters haben sich die bisherigen Verhandlungen nur infolge eines Mißverständnisses verzögert— so empfahl Redner, erst das Resultat dieser Verhandlungen, die am 13. Oktober beendet sein müssen, ab- zuwarten und die endgültige Beschlußfassung bis dahin zu ver- schieben. Mit diesem Vorschlage erklärten sich sämtliche Diskussions- redner sowie die ganze Versammlung einverstanden. Der Streik der Müllkiitscher und Mitfahrer von der Firma T. S ch e I l e r dauert unverändert fort. Streikbrecher hatten sich auch am Donnerstag noch nicht gestmden und ist bis zurzeit auch noch nicht ein Wagen vom Hos gefahren. Da sich das Nküll mm auf den Höfen der Kunden dieser Firma immer mehr anhäuft, be- stürmen die in Frage kommenden Hauswirte Herrn C. S ch e l l e r mit Anfragen so, daß letzterer allem Anscheine nach da? Telephon abgestellt hat, um dadurch den ihm scheinbar recht peinlichen Aus- einandersetzungen zu entgehen. Die Portiers und sonstigen Be- auftragten der Wirte müffen infolgedessen den Weg per Elekrrische ic. nach Nixdorf machen, um dort die notwendige Auskunft zu erhalten. Am Donnerstag früh ließ Herr Schcller die Streikenden, welche bis zum Ausstand 24 und 27 Mark Lohn pro Woche erhielten, fragen, ob sie flir 27 und 36 Mark die Arbeit wieder aufnehmen wollten. Diefes Angebot, welches die Firma bereits am Montag gemacht hatte, lehnten die Kutscher ganz entschieden ab und blieben auf ihreu Forderungen von 33 und 36 Mark bestehen. Herr C. Scheller, welcher im Laufe der Jahre durch das Müllabfahren ein „gemachter Mann" geworden ist, hegt nun die Abficht, allen seinen Sorgen durch Verkauf seines Geschäfts aus dem Wege zu gehen. Aver auch dabei dürfte er nicht auf seine Rechnung kommen, weil dasselbe unter den gegebenen Verhältnissen nicht rentabel ist.— Eine gut besuchte Müllkutscher-Versammlung. welche am Mittwochabend tagte, beschäftigte sich mit dem Streik und ei klärten die Versammelten, für strengste Solidarität mit den Streikenden zu sorgen. Kein Kutscher von den anderen Firmen wird sich dazu hergeben, auch nur einen der Firma C. Scheller ge- hörenden Kasten abzufahren. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß die Polizei hinsichtlich des Verbots betreffend des.Schalens" mit zweierlei Maß messe. So sollen die Kutscher von der Wirtschafts- genossenschaft das Müll ruhig weiter durchsuchen, ohne daß die be- treffenden von der Polizei im geringsten behelligt werden. Des weiteren ist eine Kommission gewählt worden, weicher die Aufgabe zuteil wurde, mit den Müllabfuhr-Unternehmern in Verbindung zu treten, um dieselben zu ersuchen, gemeinsam einen Tarifvertrag aus- zuarbeiten, welcher auf mehrere Jahre festgelegt werden soll. Deutlcdeo Reick». Konferenz der Parkettleger Deutschlands. Am 3. und 4. Oktober fand in München eine Konferenz der im Deutschen Holzarbeiter-Verband organisierten Parkettleger über Tariffragen statt. Vertreten waren dabei 17 Städte durch 26 Delegierte; außerdem waren anwesend der Hauptvorsitzende K. K l o ß- Stuttgart sowie die Mitglieder der bisherigen Tarif- kommissiou: Estermann-, Holzapfel- und Reith- München. Aus dem Bericht der Lohnkommission ist zu entnehmen, daß es den organisierten Parkettlegern in verschiedenen Städten bereits gelungen ist, Tarifverträge init den Unternehniern abzu- schließen. Das Bestreben der Organisation geht nun dahin, einen allgemeinen, abgestuften Lohntaris im ganzen Reich zur Ein- führuug zu bringen, und um die Normen eines solchen Vertrages festzulegen, wurde die Konferenz einberufen. Die Beratungen zeitigten in der Hauptsache folgende Be. schlüsse: In allen in Betracht kommenden Orten, wo noch keine Arbeitsnachweise des Holzarbcitcr-Verbandcs bestehen, sind solche einzuführen. Diese Arbeitsnachweise haben sich mit den schon bestehenden gemeinsam dem Zentral-Arbeitsnachweis anzugliedern. Bei zukünftigen Lohnbewegungen in allen Städten ist die Fest- sctzung eines Grundpreises zu erstreben. Die Arbeitszeit ist soweit herabzusetzen, bis sie täglich acht Stunden beträgt. Wird ein Parkettleger von seinem Arbeitgeber nach einer Stadt in Arbeit geschickt, in der ein höherer Tarif oder eine kürzere Arbeitszeit als in seinem bezw. des Arbeitgebers Wohnort besteht, so ist der Parkett- leger verpflichtet, diesen höheren Tarif zu fordern rcsp. die kürzere Arbeitszeit einzuhalten. Ueberstunden- und Sonntags- arbeit ist zu verweigern. Hülfskräfte dürfen nur dann eingestellt werden, wenn keine Bodenleger mehr vorhanden sind. Als Hülfsarbeiter dürfen nur gelernte Holzarbeiter eingestellt werden, die Mitglieder des Holzarbeiter-Verbandes sind. Die Tarifkommission, deren Sitz ebenso wie der des Zentral- Arbeitsnachweises in München verbleibt, wird beauftragt, in möglichster Bälde mit der Vertretung der deutschen Parkettfabrikanten in Verbindung zu treten zwecks Herbeiführung einheitlicher, ganz Teutschland umfassender Tarife. Sollte dieser Weg keine Aussicht bieten, zum Ziele zu führen, so hat die Kommission die nötigen An- Ordnungen im Benehmen mit dem Hauptvorstand und den in Betracht kommenden Zahlstellen zu treffen, um die Durchführung einheitlicher Tarife durch Kampf im einzelnen zu erringen. � Endlich wurde noch eine Resolution angenommen, die gegen das Zwischenmeistersystem als eine für die Arbeiter schädliche Ein- richtung protestiert. Es wird jedem Kollegen zur- Ehrenpflicht gemacht, unbedingt für Abschaffung der Zwischcnmeister einzu- treten und nur Meister oder Werkführer als maßgebend anzuer- kennen, die von der Firma angestellt und entlohnt werden. Des weiteren wird gegen die Unsitte protestiert, daß die Parkettleger in einzelnen Städten auf Verlangen der Arbeitgeber das Material (außer dem Holz) selbst kaufen müssen. Im Interesse der samt- lichen Parkettleger sind die Kollegen verpflichtet, dies strikte abzu- lehnen und die Lieferung des sämtlichen Materials vom Meister zu fordern. Großer Glasbläserstreik in Niedcrlanb. Am Montag haben die Glasbläser in den holländischen Städten Leerdam, Kapelle a. d. Jjsel, Zwijndrecht, Vlaardingen, Schicdam und Delft einmütig die Arbeit niedergelegt, nachdem am Sonntag in Rotterdam eine von beinahe 1666 Personen besuchte Zusammenkunft in geheimer Ab- stimmung den allgemeinen Streik in diesen Orten beschlossen hatte. Die Leitung hat der Niederländische Glasbläser-Verband. Der Streik richtet sich gegen eine vom Niederländischen Glasfabrikanten-Verband beschlossene Lohnherabsetzung, die ungefähr 26 bis 25 Proz. aus- machen würde. Die Vertreter des Glasbläser-Verbandes versuchten am Mittwoch voriger Woche mit den Fabrikanten zu verhandeln', wurden aber abgewiesen. Die Zahl der Streikenden ist ungefähr 756. Dazu kommen einige Hundert, die infolge des Streiks nicht weiterarbeiten können. Die Klempiicraussperruilg in Stockholm, die vor ungefähr vier Wochen erfolgte, wird noch inimer aufrechterhalten. Zurzeit finden Verhandlungen zwischen den streitenden Parteien statt, an der auch Vertreter des Zentralen Arbeitgeber-VerbandeS und der Landes- organisation der Gewerkschaften teilnehmen. Die Ausgesperrten haben während des Kampfes eine Genossenschaftswerkstatt unter der Firma„Aktiv" gegründet, die jetzt 52 Arbeiter beschäftigt. In Marseille können die Unternehmer noch immer sich nicht in die Sachlage finden. Während sie nun die Forderungen nach dem Vertrage von 1963 anerkennen, suchen sie die Organisationen, welche sie zu dieser Anerkennung zwangen, durch Zurückweisung der organi- sierten Arbeiter zu schädigen. In einer allgemeinen Versammlung der eingeschriebenen Seeleute wurde deshalb beschlossen, die Arbeiten an Bord der Dampfer der Caillol-Gesellschaft. welche sich weigerte, die einem Syndikat angehörenden Dockarbeiter einzustellen, nieder- zulegen._ Gerichte-Zeitung. „Oeffentliche Angelegenheiten". Wegen Verletzung des preußi- schen Vcreinsgesetzes ist in P r e n z l a u dieser Tage vor der Be- rufungsstrafkammer des Landgerichts gegen den Restauraleür Richard Laß und die Zimmerer Wilhelm Wollenzien und Ferdinand Hackbart, sämtlich aus Strasburg i. lt., verhandelt worden. In dem Lokale des genannten Restaurateurs hatte am 4. April d. I. eine Zusammen- kunft organisierter Zimmerer stattgefunden. Es wurde darüber ge- sprochen, daß drei Zimmerer, die gemäß einem früheren Versamm- lungsbeschluß von dem Geschäftsführer eines Unternehmers die Eni- lassung eines Nichtorganisierten gefordert, selber ihre Entlassung erhalten hatten. Ein gerade anlvesender, sonst aber in der Reichs- Hauptstadt arbeitender Zimmerer erbot sich, den Unternehmer in der Angelegenheit zu interpellieren. Die Ortspolizeibehörde erhielt Kenntnis von der Veranstaltung der nicht angemeldeten..Versamm- hing" rmd wartete mit drei Strasverfügungen von je 15 M. auf. Wider Erwarten bestätigte das örtliche Schöffengericht die polizeilichen Maßnahmen durch eine dreifache Verurteilung. Das Be- rufungsgericht erblickte aber weder in der Zusammenkunft,.die keinen Vorsteher oder Leiter hatte, eine„Versammlung", noch in den Vor- kommnissen eines Arbeitsbetriebes„öffentliche Angelegenheiten". Laß und Wollenzien wurden daher freigesprochen, die Be- rufung des nicht erschienenen Hackbart, dessen Verteidiger ohne schrift- liche Vollmacht war, wurde aber verworfen. Ein verurteilter Arzt. Großes Interesse in ärztlichen Kreisen erregte eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung, die gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts.il gegen den praktischen Arzt Dr. Joseph B l ü m e l in Strausberg verhandelt wurde. Der An- geklagte ist seit dem Jahre 1378 praktischer Arzt und übt in Straus- berg eine umfangreiche Praxis aus. Am Geburtstage des Kaisers wurde er aus dem Festakte, dem er beiwohnte, weggerufen, um bei der Arbeiterfrau Wieczorek zu Eggersdorf, die er schon vormittags einmal besucht hatte, die Entbindung vorzunehmen. Er mußte dabei die Zange anwenden und soll nach der Behauptung der Anklage infolge eines von ihm begangenen Kunftfthlers den Tod der Wöchnerin verursacht haben. Die Frau ist am nächsten Morgen nach der Entbindung gestorben. Die Leiche wurde beschlagnahmt, und durch die vom Medizinalrat Dr. Pfleger und Kreisarzt Dr. Schulz- Berlin vorgenommene Ob- duktion wurde festgestellt, daß von dem behandelnden Arzte ein medizinischer Mißgriff begangen sein mußte. Der Angeklagte stellte dies entschieden in Abrede und versicherte, daß er bei dem Ent- bindungsakte mit der größten Vorsicht und durchaus nach den Vor- schrifteü der ärztlichen Kunst, die er in seiner langen Praxis in un- zähligen Fällen befolgt habe, vorgegangen sei.— Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz behauptete auf Grund der Angaben des Angeklagten, daß die todbringenden Blutungen der Frau auf andere Ursachen als auf die dem Arzte zur Last gelegte Verletzung zurückzuführen seien. Als Sachverständige wurden Medizinalrat Dr. Rüge und Professor Dr. D ü h r s s e n vernommen, die die Möglichkeit zugaben, daß die Blutungen ohne Verschulden des ArztcS entstanden sein können.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten wegen fahr- lässiger Tötung zwei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof nahm jedoch nur fahrlässige Körperverletzung für ertviesen an und ver- urteilte den Angeklagten zu 566 Mark Geldstrafe eventuell 56 Tagen Gefängnis._ Versammlungen. Die ordentliche Generalversammlung des Vereins„Freie Volks- bühne" fand am 29. September im Gewerkschaftshaus statt. Herr Simon K a tz e n st e i n sprach in einem interessanten Vortrag über:„Das Verbrechen im Drama." In dem Geschäftsbericht er- klärte der Vorsitzende Dr. Conrad Schmidt, daß die Umorganisation der Abteilungen ohne Schwierigkeiten hätte bewerkstelligt werden können. Der Verein hat nach wie vor 16 666 Mitglieder, hunderte von Ncumeldungen konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden. Dem„Götz von Berlichingen" und der„Komödie der Liebe" sollen als dritte Vorstellung gewissermaßen als Vorspiel der Schillerfcier Laubes„Karlschüler" folgen. Des weiteren hat man an eine Auf- führung von„Kabale und Liebe",„Die Räuber" und„Wallensteins Lager" gedacht. Zum hundertjährigen Tadestagc will die. Volks- bühne eine Matinee in den großen Räumen des National-Thcaters veranstalten. Die Kun stabende, mit denen im vorigen Jahre begonnen wurde, werden fortgesetzt. Ter Magistrat hat dem Vereine für sechs Abende den Bürgersaal des Rathauses überlassen. Die Leitung der Veranstaltungen hat der bewährte Vereinsregisseur Herr Witte-Wild übernommen. Am ersten Abend sollen Gedichte Mörickes und Eichendorffs deklamiert und in Kompositionen von Wolf und Schumann gesungen werden. Ferner ist ein Schiller-Beethoven-, ein Goethe-Msozart-, ein Märchen-, ein Karikaturen-Abend u. a. m. in Aussicht genommen. Im National-Theater sollen für die Vereins- Mitglieder im Laufe des April 5 Opernaufführungen veranstaltet werden. Der Kassierer gab einen allgemeinen Ueberblick über die Kassen- Verhältnisse. Genaue Ziffern konnten vor Abschluß des Quartals nicht vorgelegt werden. In der Diskussion wurde nach dem Stande des Prozesses mit der Theateragentur Bloch gefragt; es hat sich seit der letzten General- Versammlung in der Stellung der Parteien nichts geändert. Bon anderer Seite wurde der Gedanke einer Hebbel-Aufführung angeregt, den der Vorstand in Erwägung ziehen wird. Herr M e n z beschwerte sich über die Heraufsetzung des Eintrittsgeldes zum Herbftfcst auf 66 Pf., eine eigentlich nur nominelle Erhöhung, für das Mehr von 16 Pf. zugleich auch der Programmzettel geliefert wird. Die Generalversammlung hätte dieserhalb befragt werden müssen. Der Verein für Volksunterhaltung erhebe bei seinen Konzerten in der Philharmonie ein niedrigeres Eintrittsgeld.- Herr L i g o ck i trat dem Redner sehr energisch entgegen und wies vor allem darauf hin, daß die Konzerte jenes Vereins durch die Eintrittsgelder keineswegs gedeckt würden; es seien eben Wohltätigkeitsveranstaltungen, wie sie die Freie Volksbühne nicht bieten kann noch will. Ein Vorstands- Mitglied hob hervor, daß, von anderem abgesehen, eine Festlegung des Preises nicht so lange im voraus, wie Herr Menz meine, möglich sei. Man müsse sich da nach den Kosten richten. RummelSburg. Am Dienstag fand in Weigels Lokal eine öffentliche Versammlung statt, in lvelcher Oehlking Bericht über den Bremer Parteitag erstattete. Genossin Jung gab einen kurzen Bericht über t>en Bremer Frauenkongreß und forderte zum Schluß die Frauen und Mädchen auf, den Männern als Erzieher der Kinder zur Seite zu stehen, und damit auch zugleich der Partei zu nützen. Uebcr den ersten Bericht entspann sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich P r ü s ch k e, I o h n und Ritter beteiligten. In der Angelegenheit S ch i p p e l wandte sich die Mehrheit der Redner trotz der Einmütigkeit des Parteitages gegen den Parteitagsbeschlufl P r ü s ch k e kritisierte die Schreibweise der„Leipziger Volkszeitung gegen Südckum und bedauert, daß der Parteitag nicht Schritte getan zur Zentralisierung der Wahlkreise. Betreffs der Resolution Lindcmann sprach sich John im Interesse der Kommune für eine recht gründliche Eurchführung derselben für Rummelsburg aus. Stülzki wünscht eine regere Agitation in der Alkoholfrage durch unsere Presse und weist auf die letzten traurigen Vorgänge, die zur Verurteilung einiger Parteigenossen führten, hin. Nollstädt be- mängelt, daß die Schiedsgerichtsfrage auf dem Parteitag nicht die nötige Würdigung gefunden hat. Im allgemeinen war die Ver- sammlung darin einig, daß der Parteitag die Partei einen guten Schritt vorwärts gebracht hat. Zu dem Bericht über die P a rt e i v e r s am ml u n g im ersten Wahlkreise erhalten wir vom Genossen Dr. Karl Liebknecht nachstehende Berichtigung: In dem heutigen Berichte des„Vorwärts" über die Dienstags- Versammlung des ersten Kreises heißt es: ich hätte mich„auf die Verhandlungen des österreichischen Parteitages verirrt". Tatsächlich hatte Genosse Arons diese Verhandlungen berührt; ich habe nur mit drei oder vier Sätzen gegen Arons Stellungnahme zu ihnen polemisiert. Der Bericht läßt mich Iveiter sagen: Die Bezeichnung„politischer Massenstreik" komme„für die politischen Organisationen in Frage"; der Massenstreik sei in besonderem Falle„noch eine schärfere Waffe als Organisation und Agitation". Tatsächlich habe ich das erstcre gar nicht geäußert und den Massenstreik ausdrücklich als den wuchtigsten Schlag gekennzeichnet, der mit der Waffe Organisation geführt werden kann._ Vermischtes. Der Tefraudlint Jcnner verhaftet. Wie aus Hamburg be- richtet wird, ist der Kassendicner Jenner, rckte Jäntsch, aus Wien, der vor mehreren Monaten nach. Unterschlagung von 256 666 Kronen aus Wien flüchtig wurde, gestern abend in St. Pauli auf der Straße verhaftet worden. Jenner leistete bei der Verhaftung verzweifelte Gegenwehr und erlitt dabei Verletzungen, so daß er in das Hafenkrankenhaus gebracht werden mutzte. Bon der Cholera. Nach amtlicher Meldung aus Petersburg erkrankten an der Cholera in Baku vom 27. September bis 4. Oktober III Personen, und es starben 61. In Saratow erkrankten in dem- selben Zeitraum 13 Personen, von denen 5 starben. Die Zahl der täglichen Erkrankungen in Saratow übersteigt nicht 13. Der Leutnant Freiherr Rinck v. Baldenstein in Karlsruhe, der infolge des Eheskandals mit der Frau Rechtsanlvalt Dr. Schlesinger- Mannheim in letzter Zeit viel genannt wurde, ist, wie aus Karlsruhe gemeldet wird, auf unbestimmte Zeit beurlaubt worden. Exleutnant Bilse und sein Verleger. Aus Braunschweig wird der„Verl. Ztg." unter dem 5. d. Mts. berichtet: In dem Zivil- Prozesse des Leutnants a. D. Bilse gegen seinen Verleger Richard Sattler Hierselbst stand heute Termin an. Nach längeren Erörtc- rungen zwischen den Parteien wurde die Sache vertagt. Jnter- essant ist die seitens des beklagten Verlegers aufgestellte Behauptung, die Vertreter Bilscs hätten bei den Vertragsverhandlungen aus- drücklich betont, es würde nicht schaden, wenn das Buch„Aus einer kleinen Garnison" in Deutschland der Beschlagnahme anheimfalle. Tann sollte der Roman in der Schweiz vertrieben werden und die Bücher in roter Farbe den Aufdruck erhalten:„In Deutschland verboten." Die Behauptung wird klägerischerseits bestritten. Der kleine Graf Kwileeki aus Wroblewo ist, wie man weiß, immer noch Gegenstand eines Gerichtsfalles, da die aus dem Berliner Prozeß bekannte Weichenstcllerfrau Meyer den kleinen Grafen als ihren Sohn reklamiert. Sie ist vom Posener Gericht in erster Instanz abgewiesen worden, will aber die weiteren Instanzen in Anspruch nehmen und hat zu diesem Zweck das Armenrccht nach- gesucht. Das ist ihr jetzt bewilligt worden. 466 Tonnen Dynamit explodiert. Ein Holzschuppen, der 466 Tonnen Dynamit enthielt, ist in Hopatkock(New Jersey) ex- plädiert. Zum Glück wurde niemand durch die Explosion verletzt. Arzeneischwindel im große». Die„Rh. Ztg.", unser Kölner Parteiblatt, berichtet: Ein gefährliches Treiben ist in einer hiesigen Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate aufgedeckt worden. Tinkturen, wie sie die Aerzte täglich in großen Mengen verordnen, werden von der Firma ballon- und tankwxise hergestellt und zentnerweise an größere Firmen geliefert. Anstatt nun, wie es das Deutsche Arzcneibuch vorschreibt, die Präparate mit Drogen herzustellen, wurden daselbst nahezu sämtliche Tinkturen mit ätheri- schen Oelen und Couleur angefertigt, so daß sie auch nicht im aller- entferntesten irgend eine Heilwirkung besitzen. Die großen Kosten des Kamphors zu sparen, wurde Spiritus caniphoratus durch Zusatz von Rizinusöl hergestellt, damit er die Probe auf den teuren Kamphor bestand. Wir hatten Gelegenheit, Einblick zu gewinnen in einige Privatvorschristen der Firma, bei denen die Abweichungen gegen diejenigen des Deutschen Arzeneibuches deutlich ins Auge sprangen. Die Staatsanwaltschaft stattete der Firma einen sechs- ftündigcn Besuch ab, beschlagnahmte einen Teil der Korrespondenz und nahm Proben vom gesamten Lagcrbcstande. Ein Vulkan verkaust. Der Vulkan Popocatepetl ist nach langen Verhandlungen an ein Syndikat amerikanischer Kapitalisten verkäüst worden. Der Krater des erloschenen Vulkans enthält Minen, deren Ertrag auf 66 666 6lH Tonnen Schwefel geschätzt wird. Das Syndikat. hat mehrere Millionen Dollar für den Vulkan gezahlt und wird noch große Summen für die Ausbeutung und Bearbeitung ausgeben. Touristen-Unfall. Ein furchtbares Unglück ereignete sich in Zermatt(Schtvciz). Die Pferde einer Postkutsche, in welcher sich 8 Touristen befanden, gingen durch und stürzten mit dem Wagen einen 45 Fuß tiefen Abhang hinab. Ter Wagen ging in Trümmer; vier Personen wurden sofort getötet, die übrigen schwer verletzt. Handlungsgehülfen! Die Wahlen zu den Kaufmannsgerichten stehen vor der Tür! Wählen kann, wer 25 Jahre alt und in Berlin beschäftigt ist. Auskunft erteilt 293/1 Zentral- Verband der Handlungsgehülfen und -Gehülfinnen Deutschlands. Bezirk Berlin. Wir empfehlen Neue Friedrichstr. 20, I. 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Hierzu wird der Kollege Harder aus Schöneberg, Hohenfriedbergstraße wohnhaft, aufgefordert, bestimmt zu erscheinen. 90/6 Der Obmann. Hafenarbeiter. Sonntag, den 9. Oktober, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72. Tages- Ordnung: 1. Berbandsangelegenheiten( unter anderem unsere Krantenzuschußkaffe). 2. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es in dieser Versammlung zu erscheinen. 19/13 Der Vorstand. Selbständige Möbelpolierer Berlins und Umgegend. Sontag, den 9. Oktober, vormittags 10 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Schuhmacher, Staliterftr. 1264 Tages- Ordnung: Stellungnahme zu der heutigen rapiden Preissteigerung unsrer Der Einberufer. Materialien. [ 293/12] Zentralverband der Stukkateure Deutschlands Filiale Berlin. Sonntag, den 9. Oktober, vormittags 10 Uhr: Große Zahlstellen- Besprechung. Zur Verhandlung steht neben wichtigen Verbandsangelegenheiten als Hauptpunkt: Die Beteiligung an den Gewerbegerichtswahlen am Sonntag, den 16. Oftober, nachmittags von 12-5 Uhr." Die Zahlstellen des Verbandes sind: 1. N., Dunderstr. 83, bei Grobler. 2. NW., Stephanstr. 30, bei Peper, 3. W., Bülowstr. 59, bei Kumke. 4. Charlottenburg, Nofinenstr. 3, im Volkshause. 5. Rixdorf, Prinz Handjergstr. 66/67, bet Kühl. 6. SO., Manteuffelstraße 101, bet Gläser. Bahlreiche Beteiligung erwartet Achtung! Achtung! zur Einladung Delegierten- Ergänzungswahl zum Montag, den 17. Oktober cr., im Restaurant Noack, Wilhelmsgarten, Tempelhof, Berlinerstr. 9. 8u wählen sind: 7. Wilmersdorf, Brandenburgische straße 100, bei Selke. 8. Wedding, Gerichtstr. 39, bei Schulze. 9. Steglitz, Schloßstr. 118, bei Wagendorf. 10. C., Mauerstr. 17, bei Peters. 11. 0., Petersburgerstraße 81, bei Peschel Nachf. 12. Weissensee, Sedanstr. 33c, Auch. 175/7 Die Ortsverwaltung. Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein". Mitglied des Bundes ,.Solidarität". Touren am Sonntag, den 9. Oktober 1904. 1. Abteilung: mitt. 1, Uhr nach Teltow( Seehof). Start: Sumte, Bülowstr. 59. 2. Abt.: früh 6, Uhr nach Trebbitt ( Gesellschaftshaus); mitt. 14, Uhr: Teltow, Seehof( Berling). 7 Rassenmitglieder und 3 Arbeitgeber. Die Wahl der Kaffenmitglieder findet von 5 bis 62 Uhr nach mittags, die der Arbeitgeber von 7 bis 7 Uhr nachmittags statt. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Stassenmitglieder und 4. Abt.: mitt. 1 Uhr nach Herms Arbeitgeber, welche großjährig und dorf( Forsthaus). Start: Andreasim Besize der bürgerlichen Ehren- plak. rechte find. Die Kaffenmitglieder haben als Legitimation das Quittungsbuch mit zubringen. 275/10 Tempelhof, den 6. Dftober 1904. Der Vorstand der gemeinsamen Orts- Krankentaffe für Tempelhof und Hasenheide. W. Kunze, Borsigender. General- Versammlung der 3. Abt.: mitt. 2 Uhr nach Baum schulenweg( Ackermann). Start: Schlesische Brücke. 5. 2bt.: mitt. 2 Uhr nach Hirsch garten( Radijchat). Start: Schlesische Brücke. 6. Abt.: mitt. 1 Uhr nach Nowawes ( Bolksgarten, Briefterstr. 31). Start: Brandenburger Tor. 7. Abt.: mittags 1 Uhr nach Hennigss dorf. Start: Diete, Alderstr. 123. 8./9. Abt.: mittags 1%, Uhr nach Saatwinkel( Jägerhäuschen). Start: Beusselbrücke. 28/20 Am Sonnabend findet das Herbstfest der 8. Abteilung statt. Ebenso werden die Mitglieder aufKranken- Unterstütungs- u. abends eine Kleine Tour stattfindet. merkjam gemacht, daß um 9 Uhr Begräbnis- kaffe der Lederzurichter Berlins am Sonntag, den 16. Oktober, vorm. 10%, thr, Weinstr. 11 bei Feind. Tagesordnung: 1. Abrechnung bom 3. Duartal 1904. 2. Wahl der Möbel, 2952* ganze Wohnungs. Einrichtungen sowie einzelne Stücke äußerst billig. Eigne Tischler- Werkstatt. Berlin O. Revisoren. 3. Antrag des Vorstandes Wiehr, Petersburgerstr. 62. auf Abänderung des§ 7, Absak 3 des Statuts. 4. Geschäftliches. 1917 Der Vorstand. J. A.: Gustav Busse. Partei und Gewerkschaftslokal. Gutes, reelles Sommer und Wintergeschäft, ohne Konkurrenz in größerer Provinzialstadt, Hausgrundstück mit Restaurant, Saal, Bühne, Garten und Segelbahn, ist frankheitshalber unter günstigen Bedingungen sofort zu verlaufen. Bur Anzahlung find mindestens 6000 erforderlich. 19365 Offerten unter V. 2 an die Exped. des" Vorwärts". E. Möbis, Uhren, Koppenstr. 82.* Die weltbekannte Bettfedern- fabrik GuftavLuftig, Berlins., Bringen ftraße 46, versendet gegen Nachnahme garant.neue Bettfedern d. Bfb. 55 Pf., hinesische Halbbannen d. Bfb. M.1,25, beffere balbbaunen d. Bfb. 02. 1,75, borzügliche Daunen d. Bfd. M. 2,85. Von diesen Daunen genügen 3 bis 4 Pfund zum großen Oberbett. Berpadung frei. Breisl. u. Proben gratis. Biele Anerkennungsschr. teppdecken ST 3641 Gelegenheitskauf! Kattun, buntfarbig 285 Wollatlas, Similiseide, Normalalle Farben alle Farben 485 600 200 300 Schlafdeeken 200 Spezial- Emil Lefèvre Haus Berlin Oranienstrasse 158. S. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 236. 21. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Johannisthal. Organisation. Sonnabendabend 8 Uhr ist bei Balm in Die Engelmacherin Wiese vor Gericht. Rudow Verfaminlung. Gen. Böste spricht über die Notwendigkeit der Lokales. Die Stadtverordneten- Versammlung über den Konflikt zwischen Provinzial- Schulfollegium und Magistrat. = Freitag, 7. Oktober 1904. 16. Rangierer Tobold, Bahnhof General Bapestraße, 17. Stationsaffiftent, Bahnhof Raulsdorf, schwer verletzt. 18. Bremser Heinke, Güterbahnhof Moabit, tot. tot. 19. Weichensteller Hübscher, Potsdamer Bahnhof, Beine und ein Arm abgefahren. 20. Arbeiter Rostock, Großkreuz bei Potsdam, ein Bein abgefahren. 21. Rangierer Benquitt, Bahnhof Grunewald, ein Bein abgefahren. tot. 22. Ein Rangierer in Oranienburg 23. Rangierer Dilda, Güterbahnhof Weißensee, schwer verletzt. 24. Rangierer Liez, Güterbahnhof Weißensee, schwer verletzt. 25. Rangierer Raat, Güterbahnhof Hoppegarten, 26. Ein Rangierer, Wildparkstation, 27. Rangierer Dornbusch, Bahnhof Lichtenberg, 28. Rangierer Gersdorf, Bahnhof Lichtenberg, 29. Rangierer Nehke, Bahnhof Adlershof, 30. Rangiermeister Liß, Anhalter Bahnhof, 31. Hilfsbremser Lehman, Eberswalde, 82. Rangierer Adelhöfer, Bahnhof Grunewald, 33. Ein Rangierer, Bahnhof Jüterbog tot. Fuß abgefahren. tot. tot. tot. tot. fchwer verletzt. tot. tot. sind die und die Rangierer jederzeit allen Unbilden der Witterung ausgesetzt find. Viele Aufenthaltsräume entsprechen selbst nicht den einfachsten Bedürfnissen, zum Teil find ausrangierte Güterwagen dazu vorhanden, durch welche das geflügelte Wort„ Arbeiterfürsorge" geradezu verhöhnt wird. Sollen alle diese Zustände, denen alljährlich Hunderte von Menschen zum Opfer fallen, so bleiben? Täglich treffen jekt Maffentransporte von Hafen in Berlin ein und die Händler wissen sich vor dieser Fülle faum zu retten. Das milde Wetter der letzten Tage ist der Hasenjagd sehr günstig gewesen; besonders in Schlesien sind diesmal bedeutend mehr Hasen geschoffen worden als in früheren Jahren. In den Berliner Kühlhallen sind riesige Mengen von Hasen aufgestapelt. Für die Händler ist die große Fülle nicht angenehm. Vorläufig werden noch recht wenig basen gelauft; die Folge ist eine bedeutende Verbilligung. Während in früheren Jahren um die jeßige Jahreszeit Hafen immer einen Preis von mehr als 3 M. erzielten, werden sie in diesem Jahre in einzelnen Fällen schon mit 2 m. verkauft. Am Mittwoch begann die Verhandlung in dem schon erwähnten Mordprozeß vor dem Schwurgericht in Hamburg. Die Angeklagte wird als ein Ausbund von Häßlichkeit geschildert. Zunächſt handelt es sich in der Verhandlung um die Ermordung des Kindes Berta Blant. Das Kind ist spurlos verschwunden und die Angeflagte sagt aus, daß ein Herr Franc es mit nach London geDie Stadtverordneten von Berlin haben gestern zu Gericht genommen habe. Die Angeklagte bestreitet, daß dieser Mann mit ihrer Tochter in unzüchtigen Verkehr getreten sei. Die Mutter des fessen über den neuesten Eingriff in das SelbstKindes, das Dienstmädchen Martha Blank, sagt folgendes aus: verwaltungsrecht der Gemeinde, der von der preußischen Acht Tage, ehe die Wiese verhaftet wurde, kam sie zu mir und fagte, Regierung durch Vermittelung des Provinzial Schullollegiums vereine Frau Wölfling habe sie denunziert, daß sie das Kind ermordet sucht, aber vom Berliner Magistrat vorläufig zurückgewiesen worden habe. Ich solle mit nach dem Stadthaus kommen und sagen: Ich ist. Sie haben ein vernichtendes Urteil gefällt, und das Urteil war habe gesehen, wie eine feine englische Dame das Kind abgeholt einstimmig. Einstimmig wurde auch eine Vertrauenstund. habe. Ich erwiderte: Das tue ich nicht, ich habe nicht gesehen, daß eine englische Dame das Kind mitgenommen hat. Borf.: Nun, gebung für den Magistrat angenommen, die von freisinniger Angeklagte, was fagen Sie dazu? Angell.: Das ist Lüge, das Seite beantragt worden war und auch von den Sozialdemokraten habe ich nicht gesagt. akzeptiert wurde. Unseren Parteigenossen bot sich diesmal die anEine weitere Zeugin ist Frau Wölfing: Die Wiese habe ihr genehme, leider nur zu feltene Gelegenheit, der vom Magistrat und Dieses ist, wie schon bemerkt, die Statistik für Berlin und seine das Kind in Kostpflege gegeben. Es sei ausgemacht worden, daß fie der freisinnigen Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung in Vororte. Eine grauenhafte Statistit! Ist aber bis jetzt ,, so fragt 20 M, monatlich im voraus erhalte. Die ersten 20 M. hatte sie er- diesem Streit bewiesenen Haltung voll zustimmen zu können. der„ Weckruf", irgend etwas geschehen, um diese erschreckend hohe halten. Als die Angeklagte aber die zweite Zahlung leisten sollte, Die Anfrage, die von den freisinnigen Fraktionen an den Biffer herabzumindern? Noch immer hat man sich nicht zum fagte sie: sie könne das nicht, da sie von Fräulein Blank noch nichts Magistrat gerichtet worden war, um eine öffentliche Besprechung der achtstündigen Dienst entschließen können, noch erhalten habe. Sie habe der Angeklagten schließlich das Kind wiedergebracht. Die Angeklagte sagte: Es ist gut, daß das Kind Angelegenheit herbeizuführen, wurde vom Stadtv. Cassel( Alte Nangiertolonnen nicht in derselben Stärke wieder wie vor hier ist, es kommt morgen zu einer feinen Herrschaft nach Linke) begründet. Herr Cassel dankte dem Magistrat für die Ent- dem Sparerlaß des Erministers Thielen, trop des gesteigerten England. schiedenheit, mit der er bisher seinen Standpunkt gewahrt habe, Verkehrs und der enormen Ueberschüsse, die jährlich erzielt werden. Vor dem Untersuchungsrichter hatte die Wiese erzählt, eine Frau und zeigte dann, daß das Vorgehen der Regierung völlig Noch immer ist die Beleuchtung der Rangierbahnhöfe vielfach Miosga habe das Kind der Blank nebst einem anderen mit nach unberechtigt und auch durchaus unnötig sei. Aufsehen erregte die eine jammervolle, noch geht die Fürsorge dieser Staatsbehörde nicht so weit, alle Rangierer mit Wintertleidung zu versehen, froßAmerika zu ihrem Liebhaber, einem Bootsmann Dreft, genommen den Aften der Schuldeputation entnommene Mitteilung, daß früher die bem diese Arbeiten zumeist im Freien ausgeführt werden müssen Sie habe dringenden Verdacht, daß die Miosga gar nicht die Kinder Regierung selber sich z. B. den Polen gegenüber bezüglich der Herins Ausland geschafft habe. Einige Zeit nach der der Fort- gabe von Schulräumen ganz anders gestellt hat, und zwar damals schaffung der Kinder habe fte die Miosga aufgesucht, um zu sehen, wo die Kinder wären. Sie sei auf den Boden ge- im Gegensatz zur städtischen Schuldeputation. Auch darüber machte tommen, und habe dort ein großes übelriechendes Paket liegen sehen. Herr Caffel recht interessante Angaben, in welche Handlanger Die Miosga habe später erklärt, es sei Fleisch darin. Einige Tage stellung die städtische Verwaltung im Punkte der Schule später habe sie die Miosga mit dem Paket vor ihrer Haustür ge- allmählich von der Regierung gedrängt worden ist, wieviel sie sich troffen. Sie, die Wiese sei ihr heimlich gefolgt und habe gesehen, in neuerer Zeit von den staatlichen Drganen hat bieten und gewie sie nach einem schwimmenden Bonton in der Hafenstraße ge- fallen lassen müssen. gangen sei und von dort, das Paket mit einem Stein beschwert, in Oberbürgermeister Kirschner beantwortete die Anfrage. Er die Elbe geworfen habe. Dies sei zwischen dem 19. und 26. April geschehen. Sie habe den Verdacht gehabt, daß in dem begann damit, daß er der lautlos zuhörenden Versammlung die Paket Kinderleichen enthalten seien, habe aber nicht daran ge- neueste Verfügung des Provinzial- Schulfollegiums dacht, Anzeige zu erstatten. Die von der Angeklagten bezeichnete borlas, die allem, was bisher dagewesen, die Krone aufsetzt. Strede im Elbſtrom ist durch Taucher untersucht worden, aber ohne Da der Magistrat nicht gehorchen und der Freireligiösen Gemeinde, Erfolg. Diese Aussage änderte sie noch wiederholt ab. dem Turnverein Fichte, dem polnischen Turnverein usw. die ihnen Unter allgemeiner Spannung wird Paula Berkefeld, die bewilligten Räume nicht wieder entziehen mag, weil er auf den uneheliche Tochter der Angeklagten, ein schlankes, sehr bleiches, Gemeindeschul- Grundstücken selber Herr zu sein glaubt und es hübsches Mädchen als Zeugin in den Saal gerufen. Sie würdigt bleiben will, so hat das Provinzial- Schulfollegium die Rektoren der die Mutter nicht eines Blickes. Auf Befragen des Vorsitzenden be- betreffenden Schulen angewiesen, die Räume verfchloffen zu halten und merkt sie, daß sie 8eugnis ablegen wolle. Sie bekundet als den Bereinen den Zutritt zu wehren. Die königliche Behörde schreckt dann auf Befragen: Sie sei am 16. Mai 1882 geboren. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahre sei sie bei ihrem Vater Dettinghausen ge- also nicht davor zurück, städtische Beamte dazu zu zwingen, daß sie wesen. Alsdann sei sie bei der Mutter und danach bei der Groß- den Anweisungen der ihnen unmittelbar vorgesetzten städtischen mutter gewefen. Nach vollendetem vierzehnten Lebensjahre sei fie Behörde zuwiderhandeln! Unfer Genosse Singer bezeichnete das als in Dienst getreten. Sie habe bei verschiedenen Herrschaften in offene Proklamierung der Anarchie. Die Versammlung nahm die Hamburg und Harburg gedient. Sie sei alsdann nach England ge- Bekanntgabe dieser neuesten Tat mit einem Sturm der Ent. gangen, um mehr Geld zu verdienen. Vorsitzender: Wer rüstung auf.„ Unerhört, unerhört!" rief man auf allen Seiten, beranlaßte Sie, nach London zu gehen?- Zeugin: Meine Mutter. Borfißender: Mußten Sie Ihrer Mutter auch Geld und noch andere, schärfere Worte Klangen aus dem allgemeinen schicken? Beugin: Die Mutter wollte alles haben. Vorfigender: Tumult heraus. Herr Kirschner trug dann eine Reihe von EinzelWann gingen Sie nach England? Zeugin: Im Februar 1902. verkommnissen vor, um näher zu erläutern, wie die Regierung ihr Vorf.: Sind Sie im Frühjahr 1903 in Hamburg gewesen? Aufsichtsrecht handhabt. Beim Anhören all' dieser schier unglaubBeugin: Nein. Vors.: Wann sind Sie wieder in Hamburg ge- lichen Dinge wechselte die Versammlung zwischen grenzenlosem Erwesen? Beugin: Vor einem Jahre, als ich zum Untersuchungs- staunen und schallenden Heiterkeitsausbrüchen. Der Herr Obercichter vorgeladen wurde. Vors.: Es wird Ihnen bekannt sein, bürgermeister sprach so, daß man in jedem Augenblick erwarten baß Ihre Mutter behauptet, Sie seien im April 1903 in Hamburg mußte, er selber werde die Selbstverwaltung der Gemeinden für ein gewesen, seien in Gemeinschaft mit einem gewissen Franc nach London gereift und hätten ein leines Kind mitgenommen? Beugin: Das ist nicht wahr.- Vors.: Ihre Mutter hat behauptet, Dieses Wort ist einst in der Stadtverordneten- Versammlung Sie feien von Ihrem Dienstherrn, Herrn Dr. Goldschmidt in London von unserem Genossen Singer geprägt worden. in gesegnete Umstände versetzt worden. Haben Sie mit Dr. Gold- wahrten fich die Freisinnigen noch dagegen; aber als gestern Singer, schmidt unzüchtigen Berkehr gehabt? Zeugin: Nein, niemals. der die Besprechung der Anfrage eröffnete, sie daran erinnerte, Bors. Haben Sie einen Mann Namens Frand gekannt? mußten sie verftummen. Es war eine bittere Bille, die sie da hinDas abgesperrte Wasser. In welch unangenehme Situationen Beugin: Jawohl. Bors.: Wodurch haben Sie Frand unterschluckten. Unser Redner hob anerkennend hervor, daß jetzt Mieter durch ihren Hauswirt kommen können, das haben jezt die fennen gelernt? Beugin: Durch eine Anzeige. Vors.: Wie der Magiftrat sich mannhaft gezeigt hat. Aber er mußte hinzu- Bewohner eines großen Hauses der Anhaltstraße erfahren, in dem lautete die Anzeige? Beugin:" Eine junge Dame bittet einen fügen, daß der Magistrat und die Mehrheit der Stadtverordneten- sich auch ein bekanntes Restaurant befindet. Wie ein Blizz aus edeldenkenden Herrn um 30 Mart Unterſfügung, gegen dankbare Bersammlung Jahrzehnte hindurch der Regierung gegenüber eine heiterem Himmel traf fie die Nachricht, daß die Deputation der Rückzahlung."- Vors.: Wer hat die Anzeige geschrieben? Beugin: Die Wiese. Lauheit und Nachgiebigkeit bewiesen haben, die den städtischen Wasserwerke die Wasserlieferung für das Grundstück ein Borf.: Sie meinen Ihre Mutter? Zeugin: Ja wohl. Auf weiteres Befragen bemerkt die Zengin, Gegnern der Selbstverwaltung zu ihrem Vorgehen den Anreiz gab stellen werde, falls der Besitzer des Hauses bis zu einer bestimmten Tats fie habe mit Frand intimen Verkehr gehabt; dieser sei etwa 37 Jahre und Mut machte. Genosse Singer richtete an die Vertreter des Frist nicht den rückständigen Wasserpreis erlegen werde. alt gewesen. Vorf.: Was mag Frand von Beruf gewesen sein? Freisinns die Mahnung, nun vom passiven Widerstand zum attiven fächlich haben seit gestern nachmittag die Mieter, die doch dem Vers mieter für die Benutzung der Wasserleitung gezahlt haben, kein -Beugin: Er fah kaufmännisch aus. Auf Befragen des Staats- überzugehen. Mit Reben sei jest nichts mehr getan, die Nicht- Wasser. Die Folgen, welche diese Wasserentziehung für sie haben anwalts gibt die Beugin nach längerem Bögerit zu, daß sie den erfüllung des Kommandos der Schulaufsicht sei jetzt das allein fann, gehen aus folgendem Satz einer uns vorliegenden Zuſchrift Frand schon vor der Anzeige gekannt habe. Die folgende Zengin Richtige. des königlichen Polizeipräsidiums, Abteilung IIa, an einen der ist Frau Mio 8 ga. Die Zeugin gibt auf Befragen des Vorsitzenden Die Redner der übrigen Fraktionen verzichteten aufs Wort. Mieter hervor: Da die Klosetts des Grundstückes, welche sämtlich zu, jie habe mit einem Mann Namens Durſt ein intimes Verhältnis unterhalten und sei auch mit diesem in Amerila gewesen. Hafen- Nur Herr Cassel machte gegen den Vorwurf der Lauheit einen für Wasserspülung eingerichtet sind, durch die Absperrung der arbeiter Mios ga, Gatte der Vorzeugin: Seine Frau habe von Abwehrversuch. Die von ihm beantragte Vertrauenstund- Wafferzuleitung unbrauchbar werden, so fordere ich Sie hierdurch Miosga, der Frau Wiese einmal ein Kind in Pflege genommen. Sie gebung für den Magistrat wurde, wie schon gesagt, ein- im allgemeinen gesundheitspolizeilichen Intereffe auf, die von habe es aber mir eine Nacht in Pflege gehabt. Es sei ein Knabe stimmig angenommen. Sie spricht die Erwartung aus, daß der Ihnen und Ihren Haushaltungsangehörigen in dem genannten Hause bewohnten Räume nach Ablauf von drei Tagen nach dem gewefen. Von einem Fleischpaket sei ihm nichts bekannt, dagegen Magistrat auch in Zukunft die Rechte der Stadtgemeinde fest und Beginn der Wasserabsperrung bis zu deren Ende nicht mehr zum habe auf seinem Boden einmal ein Paket Asche gelegen. Es wird entschieden wahren werde. Was er tun wird, das wird man schon dauernden Aufenthalt von Menschen zu benutzen oder benußen zu danach durch den englischen Dolmetscher Cafetto die kommissarische in den allernächsten Tagen sehen, wenn die Rektoren den Vereinen lassen, widrigenfalls eine hiermit angedrohte Strafe von 50 W., Aussage des Dr. Goldschmidt in London verlesen. Dieser hat die Türen verschließen werden. Wird er den aktiven Wider- an deren Stelle im Falle der Uneinziehbarkeit eine fünftägige Haftbefundet: Paula Berkefeld sei vom Februar 1902 bis dahin 1903 strafe tritt, gegen Sie festgesetzt werden wird." nicht aus London fort gewesen. Er habe mit der Bertefeld niemals stand leisten, den Singer empfahl? Märchen erklären. Vom Schlachtfelde des Herrn Budde. Damals ber= Die Champignon- Ernte lockt jetzt täglich Hunderte von Personen finden sich zahlreiche Sucher ein, welche mit Edelpilzen den Heimweg nach dem Tempelhofer Feld. Schon in der frühesten Morgenstunde Wenn dann einige Stunden darauf die Spätwieder antreten. aufsteher kommen, so finden sie nur noch fleine unscheinbare Bilze vor; die größten und schönsten haben längst ihre Nehmer gefunden. Auf dem Pilzmarkt im allgemeinen herrscht in diesem Jahre großer Mangel, Pfefferlinge, Steinpilze usw. sind nur wenig vorhanden. Die Die nene Fahrbrücke über die Oberspree, die für die Orte OberSchönetveide und Nieder- Schönewveide eine noch bessere Verbindung schaffen soll, ist in der Hauptsache bereits fertig. Die eiserne Brückenkonstruktion, die den hier ziemlich breiten Fluß in drei Spannungen von zusammen 170 Meter überschreitet, ist aufgestellt, und an der Befestigung der Fahrbahn wird gearbeitet. Die beiden Orte sind nun durch drei Brüden miteinander verbunden. neue Brücke liegt zwischen der alten, hölzernen Fahrbrücke und der neueren Fußgängerbrüde, die etwa 1000 Meter von einander entfernt find. In Ober- Schöneweide hat sie ihren Zugang von der Halske- und Edinsonstraße aus. In Nieder- Schöneweide wird im Anschluß an die Brüde eine neue Straße angelegt, die geradenwegs nach dem Bahnhof der Görliher Bahn führt. Der Weg von dem mittleren Teil Ober- Schönewveides nach dem Bahnhof Nieder- Schöne weide wird durch die neue Brücke und die neue Straße erheblich abgekürzt. " intimen Verkehr gehabt, die Berkefeld habe auch niemals versucht, Das Verschwinden des Licbespaares aus Adlershof hat eine ihm ein Kind unterzuschieben. Die Angaben der Wiese müsse er als traurige Aufklärung gefunden. Die Leichen des 19 Jahre alten Lügengewebe bezeichnen, oder es müsse eine Namensverwechselung Der Weckruf" der Eisenbahner befaßt sich mit den Zuständen Tischlers Queritsch und der 17jährigen Martha Malten sind jetzt im vorliegen. Er habe auch niemals ein Kind bei der Paula Berkefeld auf den Berliner Rangierbahnhöfen und empfiehlt dem sozialisten- Sanal zwischen Adlershof und Grünau zusammengebunden aufgesehen. Im Jahre 1902 hatte er für häusliche Zwecke keine andere tötenden Eisenbahnminister, sich dort einmal umzusehen. Viele gefunden worden. Queritsch war Mitglied des Holzarbeiter Berson in seinem Hause als Baula Bertefeld. Rangierer", so schreibt das Blatt, kennen Ruhepausen von Verbandes. Die Leichen wurden nach der Halle des Friedhofes in Kriminalfommiffar Haskerl: Er sei in London gewefen, wohin 36 Stunden überhaupt nicht, da höheren Ortes immer noch Adlershof gebracht; die Beerdigung soll Sonnabend nachmittags 3 Uhr sich Franck gewandt haben solle, er habe keine Spur von diesem 24 Stunden für genügend erachtet werden. Viele sind nicht im erfolgen. Manne entdecken können. Wenn ein Mann Namens Frand existiert stande, sich warmes Mittagsessen zu beschaffen, da die kurze Zeit Auf einen sehr gefährlichen Hochstapler wird die hiesige Kriminalhätte, dann würde er entdeckt worden sein. Die Verhandlung und die späte Gewährung dieser einstündigen Bause oft erst nach polizei aus Brüssel aufmerksam gemacht. Dort erschien ein Mann wird gegen 5 1hr nachmittags auf Donnerstagvormittag 10 Uhr 3 Uhr nachmittags- jebe Möglichkeit, nach Hause zu gehen, aus- in mittleren Jahren in einem Juwelenladen, stellte sich der Verbertagt.. schließt." täuferin, die allein antvesend war, als Baron de Santignac vor und Die Folgen dieser Zustände zeigen sich in den häufigen Unglücks- wünschte zur Hochzeit feines Bruders einige Geschenke zu kaufen, die fällen auf den Rangierbahnhöfen. Eine Zusammenstellung, die der 5000 bis 6000 Frant kosten dürften. Nach längerem Aussuchen ring mit Perlen und Brillanten und einen Herrenring mit einem großen Brillanten. Diese Schmucksachen kosteten zwar 7250 M., Herr de Santignac tot. wollte aber auch so viel anlegen, nur verlangte er einen Nachlaß von 5 Broz. tot. Da die Verkäuferin diesen nicht bewilligen konnte, so rief sie den tot. Geschäftsinhaber, der dem Verlangen des Kunden entsprach. Der tot. Käufer ließ sich mun die Schmucksachen in ein Kästchen packen und Beine schwer verletzt. dieses rot umschnüren und mit der Aufschrift„ Baron de Santignac, Berliner Partei- Angelegenheiten. Bedruif" bringt, redet eine erschütternde Sprache. Es sind in den fiel feine Wahl auf zwei Ohrgehänge mit Brillanten, einen Damen" Zur Lokalliste. Morgen Sonnabend veranstaltet der Artisten verein Jugendkraft" bei Sepefand in Mariendorf ein Vergnügen; am Sonnabend, 15. Oftober, hält der Mandolinenflub Tegel im Strandschloß Tegel ein Konzert ab. Zu beiden Berguügungen in diesen der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehenden Lokalen versucht man, in Arbeiterkreisen Billets abzusetzen. Man wolle diese Karten zurückweisen und die Lokale meiden. Die Lokalfommission. Erster Wahlkreis. Zu der am Sonntagvormittag 11 Uhr stattfindenden Urania Borstellung sind noch Billets in beschränkter Anzahl bei Weihnacht, Grüustr. 21, und am Tage der Vorstellung vor der Urania zu haben. Zur Aufführung gelangt:„ Jm Bannkreis der Jungfrau". Das Mitglied der Preßkommission im zweiten Wahlkreise, Genosse H. Sönigs, wohnt jetzt Hafenheide 56, Portal III, 2 r. ersten acht Monaten dieses Jahres auf den Bahnhöfen in und um Berlin verunglückt: 1. Hülfsrangiermftr. Bust, Spandauer Güterbahnhof, 2. Rangierer Gröning, Anhalter Bahnhof, 3. Rangierer Brauer, Tempelhofer Rangierbahnhof, 4. Rangiermeister Buhro, Ostbahnhof, 5. Nangierer Thimian, Lehrter Bahnhof, 6. Bahnarbeiter Schufat, Bahnh. Jannowißbrücke, tödlich verlegt. Rentier, Arlan, versehen. Dann versiegelte er es mit seinem Bets 7. Rangierer Altenkirch, Spandauer Güterbahnhof, 8. Rangierer Weißenborn, Anhalter Güterbahnhof, 9. Rangierer Nicolai, Potsdamer Bahnhof, 10. Rangierer Billinsti, Ostbahnhof, 11. Rangierer Wolter, Friedenauer Güterbahnhof, 12. Rangiermeister Spittler, Bahnh. Nieder- Schöneweide, 13. Rangierer Neimann, Ostbahnhof, 14. Schaffner Fischer, Ostbahnhof, beim Rangieren getötet. 15. Stationsassistent Nickel, Bahnhof Nixdorf, tot. schaft mit dem Zeichen O. S. und bat den Geschäftsmann um die Rechtot. nung. Während der Juwelier diese ausschrieb, ließ sich der Baron tot. von dem Ladenfräulein noch eine Uhrkette aus dem Schaufenster tot. nehmen und kaufte sie auch noch. Jetzt las er die Rechnung durch, tot. öffnete seine Brieftasche und zählte eins, zwei, drei, vier, bis er stockte tot. und feststellte, daß seine Barschaft zur Begleichung der Rechnung tot. doch nicht ausreichte. Sofort legte er die Uhrkette und das versiegelte Kästchen auf den Ladentisch und ging weg, um sich von einem tot. Freunde den Betrag, der ihm noch fehlte, zu holen. Bergebens etwa 40 Jahre alt und beleibt. wartete ber Juwelier auf seine Rückkehr. Endlich stieg, ihm der Programme, die alles weitere enthalten, sind unentgeltlich| Deutschen Reich durchschnittlich ist, dabei aber die Sterblichkeits. Berdacht auf, daß er einem Gauner in die Hände gefallen sei, zu haben u. a. bei Wertheim, Leipzigerstraße( an der Theaterkaffe) bedingungen für jedes Altersjahr so, wie sie in Charlottenburg sind, öffnete das Schmuckkästchen und fand darin einen Ausschnitt aus und in sämtlichen Filialen des Zigarrengeschäftes von Loeser u. so ergab sich für das männliche Geschlecht die Sterbeziffer 19,58, dem Petit Journal" und einige Kieselsteine. Der Kunde hatte um- Wolff. für das weibliche 14,93. Es wird also durch den Umstand, daß in bemerkt das Kästchen mit einem anderen, ebenso verschnürten und versiegelten vertauscht. Varon de Santignac, der den nicht ganz 40 Bf.) ist soeben erschienen. Das Berliner Verkehrs- Lexikon"( Verlag von May Schildberger, Charlottenburg infolge der geringen Geburtenzahl die Bevölkerung der ersten Lebensjahre verhältnismäßig zu wenig und wegen der Der Lokalverkehr der Eisenbahnen, neuen Sniff wahrscheinlich auch noch andersivo versuchen wird, ist der Elektrischen, der Dampfer 2c. ist sehr übersichtlich und genau be- starken Zuwanderung die Bevölkerung der mittleren Altersklassen handelt und der Fernverkehr weist auf einen Blick die kompliziertesten lichen Geschlechts um 3,8, die des weiblichen um 3,2, im Durchschnitt verhältnismäßig zu stark vertreten ist, die Sterbeziffer des männ Eisenbahn- Verbindungen durch ganz Deutschland nach. also um 3,5 Promille erniedrigt. Immerhin bleibt, auch wenn man diese 3,5 Promille hinzurechnet, die Sterbeziffer in Charlottenburg noch weit hinter der im Deutschen Reich zurück. Es müssen also die Sterblichkeitsverhältnisse der Charlottenburger Einwohnerschaft als weit günstiger bezeichnet werden als die durchschnittlichen Sterb lichkeitsverhältnisse des deutschen Volkes. " Die Große Berliner sucht die Erhöhung des StraßenbahnAbonnements humoristisch zu verwerten. Sie gibt für ihre Angestellten ein Blatt heraus, worin einem Fahrer H. gestattet wird, ein Wort zur Abonnementserhöhung" zu sagen. Dieser Angestellte läßt seine vorschriftsmäßige Begeisterung für die neue Maßnahme der Direktion in folgenden Worten erschallen:„ Wir find 7000 Angestellte, die lohnendes, langjähriges Brot, ja sogar Lebens stellung von unserer Direktion haben, und da haben wir alle ein großes Interesse daran, daß unsere Berwaltung finanziell gut dasteht. Von einer folchen können wir immer noch mehr fordern als von einer Gesellschaft, der das Messer schon an der Kehle sitt. Mögen die Straßenbahn- Abonnenten und der Verkehrsverein, dessen Mitglieder ein so menschenfreundliches Herz haben, daß sie gegen die Anderthalb Mark- Erhöhung" zum Nutzen der unbemittelten Abonnenten kämpfen, doch auch an die 7000 Straßenbahner denken. Eine Gesellschaft, die künstliche Maßnahmen treffen muß, um die fetten Gewinne, die sie einheimst, nach außen hin nicht zu hoch erscheinen zu lassen, malt die Perspektive an die Wand, daß ihr das Messer an der Kehle figt. Das zeugt von einem nicht alltäglichen Sinn für Humor. Keine schwarzen Pocken. Am 23. September berichteten wir, daß der aus Warschau nach hier zurückgekehrte Schlosser Theodor Schadow an den schwarzen Bocken erkrankt sei. Alle Vorsichtsmaßregeln waren getroffen, um die Ansteckungsgefahr zu beseitigen. Gestern ist Herr Schadow aus der Charité, wo er in Behandlung war, entlassen worden. Es hat sich herausgestellt, daß die Krank heit, an der er litt, gar nicht die schwarzen Boden waren; die Diagnose auf seinem Entlassungsschein lautet auf Windpocken. Nach Unterschlagung von 5000 Mark ist der 20 Jahre alte Buchhalter Wilhelm Ulrich aus der Adalbertstr. 80 flüchtig geworden. Der junge Mann war seit zwei Jahren in der Seifenfabrik von Nichterlein in der Linienstr. 39 angestellt und besorgte it. a. auch die Lohnzahlungen an die Arbeiter. Nach seinem Verschwinden entdeckte man einen Fehlbetrag von 5000 Mart. Der Ungetreue hat sich das Geld nach und nach angeeignet und besigt davon wahrscheinlich nicht viel mehr. bir Aus den Nachbarorten. teilen sehr ungleich. Noch günstiger als der Durchschnitt von ganz Allerdings sind die Sterblichkeitsziffern in den einzelnen Stadt Charlottenburg sind die reichen und wohlhabenden Bezirke, während die eigentlichen Arbeiterviertel eine höhere Sterblich teitsgiffer aufweisen. Für den Neubau einer evangelischen Kirche in Schöneberg soll jetzt mit der Ausarbeitung der Pläne begonnen worden sein. Es ist faum ein halbes Jahr verflossen, seit die Nathenaelfirche im Friedenauer Ortsteil fertiggestellt wurde, und abermals scheint das Bedürfnis nach einer Stätte zur Befriedigung christlicher Erbauung vorhanden zu sein. Daß hierzu am Orte selbst, von angrenzenden Gotteshäusern ganz zu schweigen, zu wenig Gelegenheit geboten ist, dürfte füglich nicht behauptet werden Ueber die Todesursachen im einzelnen mur wenige Bemerkungen. Bau gehörige Mammon wird wohl hierbei nicht in Betracht kommen. Darunter 175 an Tuberkulose, 137 an Lungenentzündung, 80 an jedoch, der zu einem solchen Es starben im Jahre 1903 von je 100 000 männlichen Personen 1566, Wenn auch immer behauptet wird, die hiesige Kirchengemeinde selbst anderen Krankheiten der Atmungsorgane. besitze kein Vermögen, so scheint dem doch nicht so zu sein, es gehören machte ungefähr 1, aller Todesursachen aus. In besonders hohem Die Tuberkulose ihr im Gegenteil am Orte noch ganz ansehnliche Ländereien, in Maße wurden die mittleren Lebensalter von dieser Krankheit heims deren Angelegenheit die Kommune zu ihrem Leidwesen schon oft un- gesucht. Im Alter von 15-20 Jahren entfielen 43 Proz. aller angenehme Erfahrungen gemacht hat. Man denke nur an die Todesfälle auf Tuberkulose, im Alter von 20-25 Jahren 46 Proz., Eisenacherstraße, die wegen der Haltung der beteiligten kirchlichen im Alter von 25-30 Jahren 48 Proz. Von da an nimmt Körperschaften bisher nicht hat weitergeführt werden können. Die ge- der Prozentsatz schnell ab. Aehnlichen Verhältnissen begegnen plante Kirche soll neben der alten in der Schöneberger Dorfaue auf dem wir beim weiblichen Geschlecht; hier findet Pfarrgrundstück zu stehen kommen. Gewisse Kreise scheinen sich mit der von 25-30 Jahren sogar bei mehr als 50 Proz. aller Todesfälle Hoffnung zu tragen, daß auch die Kommune zu den Baukosten bei- Tuberkulose als Ursache angegeben. tragen wird. Wir möchten indes wünschen, daß sie die Hand auf den Stadtsäckel hält, es sind am Orte eine Anzahl wichtigerer Aufgaben zu erfüllen, wofür das Geld im Interesse der Allgemeinheit gewiß besser angewandt wird. man im Alter Die Sterbefälle der Kinder im ersten Lebens. jahre zeigen ein starkes Anwachsen in den Sommermonaten Juli, August und September. Es starben im Jahre 1903 durchschnittlich von 100 000 Einwohnern 412 Kinder im ersten Lebensjahre, in den Monaten Juli, August, September betrugen diese auf die Dauer des ganzen Jahres erhöhten Zahlen 644, 738 und 528, im Monat Januar nur 247. Hiernach starben in den heißen Augusttagen täglich un gefähr dreimal soviel Kinder als in den Tagen des Januar. Die itarke Kindersterblichkeit in den Sommermonaten ist wesentlich Störungen der Ernährung durch schädliche Veränderung der Milch und dadurch verursachte Krankheiten des Verdauungsapparates zuzuschreiben. Es hat sich gezeigt, daß bei Kindern, die mit Mutteroder Annemilch ernährt wurden, in weit geringerem Grade der Unterschied von Sommer und Winter in der Sterblichkeit sich geltend macht als bei solchen, die mit Tiermilch oder anderen Surrogaten der Brustmilch ernährt wurden. Die Krankenfürsorge des Kreises Nieder- Barnim. Uns wird geschrieben: Bekanntlich hat die Gemeinde Pankow beschlossen, aus eigenen Mitteln ein Krankenhaus zu errichten; sie will nach einem Beschluß, der in der letzten Sizung gefaßt wurde, zu diesem Zwecke bei der Kreis- Sparkasse ein Darlehn in der Höhe von 360 000 m. verzinsbar mit 31 Proz. aufnehmen. Die Amortisation foll im Jahre 1906 beginnen und eine einprozentige fein. Bu gleicher Zeit Tag ein Antrag des Landrates und des Kreisausschusses vom ieder Barnimer Kreise vor, in welchem die Körverschaften sich erEine gefährliche Freifahrt machte vor einigen Tagen ein 23 Jahre bieten, die Amortisation der Krankenhaus Bauschuld auf den alter Pole Namens Johann Richofski. Der junge Mann, der nur Kreisfonds zu übernehmen und auch auf einen Sitz im Kuratorium polnisch spricht, suchte in Deutschland Arbeit. Als er bis Frank des Krankenhauses zu verzichten, wenn Pankow dem Kreise furt a. D. gekommen war, ging ihm das Geld aus. Um nun doch zwanzig Betten zur Verfügung stelle, und zwar solange wie Berlin, das Ziel seiner Sehnsucht, möglichst bald zu erreichen, setzte Pankow zum Kreisverband gehört. Nachdem bereits die Bau- und er sich in Frankfurt heimlich hinten auf den Buffer eines Surierzuges, die Rechnungskommission diesen Antrag abgelehnt hatte, beschloß der ohne Aufenthalt bis zum Schlesischen Bahnhof. durchfährt. Hier auch das Plenum einstimmig die Ablehnung dieses Antrages. Aus aber wurde der„ blinde Passagier" bei dem Versuche, umbemerkt vom Sen Verhandlungen in den Kommissionen ist hervorzuheben, daß Bahnhof zu entkommen, ertappt und zur Feststellung seiner Persönder ein Drittel der vorläufig in Aussicht ge lichkeit nach der Polizeiwache gebracht. Er war so bestaubt, daß nommenen sechzig Betten für sich in Anspruch nimmt und fäßlicher Brandstiftung, welche gestern von dem Schwurgericht des man in ihm kaum noch einen Menschen erkannte. Jetzt wird er die dafür außer den Verpflegungskosten ganze dreitausendsechshundert Fahrt nachträglich wohl noch ziemlich teuer bezahlen müssen, aber er Mark der Gemeinde Pankow bietet, während diefe außer den 12 600 ist wenigstens in Berlin. Mart der Verzinsung der Bauschuld noch sämtliche Unkosten, welche Um ein hübsches Kunstwerk ist der Zoologische Garten bereichert ein Krankenhaus mit sich bringt, aus eigenen Mitteln zu decken hat. worden. Der Bildhauer Professor Ernst Moriz Geyger hat dem Bei dieser Gelegenheit sei festgestellt, daß der Nieder- Barnimer Kreis, Garten eine Wiederholung des Bärenbrunnens" geschenkt, dessen welcher der bevölkertste der preußischen Monarchie ist, laut Etat für Original die Stadt Breslau vor kurzem erwarb. Der Vorwurf zeigt das Rechnungsjahr 1904 folgendes für die Gesundheitspflege des einen drolligen Malaienbären, der auf einem Baumstamm hockt. Kreises ausgibt: Zur Ünterstützung der die unentgeltliche Bär und Baumstamm sind in Bronze hergestellt, Zieht man an der Krankenpflege durch ausgebildete Diakonissinnen ausübenden Halskette des Bären, so speit er Wasser, das in ein granitenes Becken Krankenpflege- Stationen 10 000 M., zur Durchführung von Maßfällt. Das Wert ist am Zugang zur Waldschenke aufgestellt. 60 Jahre auf dem Droschkenbock. Der Droschkenkutscher August Schröder, der jetzt im 87. Lebensjahre steht, feiert am nächsten Sonntag den Tag, 3, an dem er vor 60 Jahren zum erstenmal den Droschkenbock bestiegen hat. Noch heute geht er bei einem Fuhrherrn in der Blumenthalstraße seinem schweren Berufe nach, und er ist während seiner langen Dienstzeit stets seiner Droschte zweiter Güte treu geblieben. nahmen für die Gesundheitspflege und für die Untersuchung der Nahrungsmittel 6000 M., außerdem kommen hinzu drei Freistellen in der Taubstummenstiftung in Wriezen mit 1080 W., drei Freistellen für Epileptische in Potsdam mit 1080 m., drei Freistellen in einer Angenilinit 360 M., sechs Freistellen in der Kinderheilstätte des See- Hospizes in Kolberg 270 M., vier Freistellen in der KinderPflegeſtätte Lenzheim 180 M. Diese winzigen Beträge werden bei einer Einnahme von 1 152 100 m. für Krankenpflege ausgegeben. Wahrlich, es wird die höchste Zeit, daß die Vororte vom Kreise Toskommen! Gerichts- Zeitung. Am Abend des Von psychologischem Interesse war die Verhandlung wegen vor Landgerichts II gegen den Arbeiter Wilhelm Hammerschmidt verhandelt wurde. Am Abend des 9. Januar d. J. brannte eine zum Rittergute Markee bei Nauen gehörige Getreidescheune nieder. Dem Besizer wurde dadurch ein bedutender Schaden zugefügt. Es war zweifellos, daß böswillige Brandstiftung vorlag, doch wäre der Täter schwerlich entdeckt worden, wenn dieser sich nicht aus freien Stücken bei der Behörde gemeldet hätte. Dies tat der bisher völlig unbescholtene Angeklagte, er gab an, daß er wegen seiner Tat Neue fühle. Dies Geständnis wiederholte der Angeklagte im gestrigen Termine. Er sei stets ein Freund vom Schnapsgenuß gewesen. Im Jahre 1891 sei seine Frau gestorben, von der er unbeschreiblich viel gehalten habe. Von dieser Zeit an habe er jede Willenskraft und jeden Halt verloren, er habe keine Lust mehr zum Arbeiten gehabt, seinen kleinen Haushalt aufgelöst, das Mobiliar verkauft und sich bei anderen Leuten eingemietet. Er habe große Mengen Schnaps zu sich genommen, wohl 1% Liter täglich. Einmal fei er auch in der Charité am Säuferwahnsinn behandelt worden. 9. Januar sei er von Berlin zurückgekommen, wo er sich einige Tage bei Verwandten aufgehalten habe. Er sei wie gewöhnlich be trunken, aber noch vollständig Herr seiner Sinne gewesen. Als er Theater. An dem Schiller Abend, den die Direktion des von Nauen nach seinem Heimatsdorfe gegangen sei, habe er an der Schiller- Theaters am Sonntag, den 9. Oktober, im Bürgerfaale des Der Rigdorfer Männerchor( M. d. A.-S.-B.) veranstaltet am Scheune vorübergehen müssen, und dabei sei ihm plöglich der GeRathauses veranstaltet, wirken die Damen Feldhammer und Silten, Sonntag, 16. Oktober, nachmittags 5 Uhr, im Deutschen Wirtshaus danke gekommen:" Die mußt Du anstecken!" E sei sofort zur Ausdie Herren Holthaus und Reimer mit. Den einleitenden Vortrag zu Rigdorf, Bergstr. 136, sein fünftes populäres Konzert. Mit- führung geschritten. Irgend einen Beweggrund für sein Tun könne hält Herr Dr. Raphael Löwenfeld." Frißchen" ist der Titel wirkende sind die Konzertfängerin Fräulein Dora Kabiz und das er nicht angeben, er sei dem Eigentümer keineswegs unfreundlich eines neuen Driginal- Schwankes von Karl Emil, dessen Uraufführung Trio modérne de Paris". Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. gesinnt, wie er überhaupt mit allen Leuten in Frieden lebe. Dies in nächster Zeit im Luisen Theater stattfinden wird. Rigdorf. Der Schuhmachermeister Theodor Schmidt, Hermann Geständnis fand durch die Beweisaufnahme Bestätigung. Die Zentral Theater. Am Sonnabend gelangt, wie bereits an- straße 37/38, übergab dieser Tage seinem verheirateten Gesellen Zeugen schilderten den Angeklagten als einen guten Mann, der gegeben, Schmuggler Susi", Operette in 3 Atten von Benno Wilhelm Knape einen Hundertmarkschein zur Bezahlung eines Wechsels. früher auch ein tüchtiger Arbeiter gewesen sei, wenn er auch damals Jacobsen und Louis Windhopp: Musik von Victor Albert, zur Auf-. unterschlug jedoch das Geld und verpraßte es in Berliner Damen- schon dem Schnaps häufig in übertriebener Weise zugesprochen habe. führung. Im Belle Alliance Theater ist das Gastspiel Kneipen. Als er auch den letzten Groschen ausgegeben hatte, kehrte Es fragte sich nun, ob der Angeklagte bei der Begehung der Tat von Auguſt Junkermann nach wie vor von größtem Erfolge be- er nach Rigdorf zurück, wo ihn die inzwischen benachrichtigte Kriminal- zurechnungsfähig war, wie er selbst allerdings behauptete. Die gleitet; Ontel Bräfig" bleibt daher noch auf dem Repertoire. polizei in Haft nahm. medizinischen Sachverständigen Gerichtsarzt Dr. Stoermer und Medi Nächsten Sonntagnachmittag geht das Schauspiel" Deborah" in ginalrat Dr. Mittenzweig, begutachteten, daß man es zweifellos mit Szene. National Theater. Herr Melnis hat sich von In Wilmersdorf will man der Großen Berliner Straßenbahn einem durch Alkohol zugrunde gerichteten, franken Mann zu tun habe, seinem Unwohlsein erholt, so daß heute( Freitag)" Rigoletto" mit durch Einrichtung eines ausgedehnten Omnibusbetriebes Kon- daß seine freie Willensbestimmung bei Begehung der Tat aber ausHerrn Melms in der Titelrolle in Szene gehen kann. Als Spara- turrenz machen. Um zwischen den einzelnen Stadtgegenden von geschlossen war, können sie nicht behaupten. Der Staatsanwalt be. fricile debütiert der Bassist Herr Wisiak von der Wiener Hofoper. Wilmersdorf eine bessere Verbindung zu schaffen, hat sich die antragte das Schuldig unter Zubilligung von milderndern UmAnfang der Vorstellung 7 Uhr. Wilmersdorfer Gemeinde- Verkehrsdeputation mit den Plane der ständen, während der Verteidiger, Rechtsanwalt Hercher, Bedenken Einführung von Omnibuslinien beschäftigt und beschlossen, der Ein Novitäten- Konzert veranstaltet der Dirigenten er Genteindevertretung die Einrichtung von drei Linien zu empfehlen. geltend machte, ob der Angeklagte nicht doch die Tat in einem Zus band Berlins und der Umgegend Sonntag mittags 12 Uhr im Saale und zwar: 1. Zoologischer Garten- Wilhelmsaue, 2. Zoologischer gaben ihren Wahrspruch im Sinne des Staatsanwalts ab, worauf begangen habe. Die Geschworenen der Aktienbrauerei Friedrichshain. Es wirken an dem Konzert, das Garten- Kurfürstendamm- Halensee und eine 3. Linie als Ver- der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten, wovon ein beachtenswertes Programmn aufweist, eine Anzahl dem Arbeiter- bindung des Nordens von Wilmersdorf mit Schöneberg über den 3 Monate durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet Sängerbund angehörende Gesangvereine mit. Karten im Vorverkauf Wiktoria Luise- Play. Ferner sollen der Fünfpfennig- Tarif und der wurden, verurteilt wurde. tosten 25 Pf. Nachtverkehr zur Einführung gelangen. " = V 23 Der Alkoholgegnerbund, Ortsverein Groß- Berlin, wird seine Sterbefälle und Sterblichkeit in Charlottenburg. Die Sterblich- Zentralverein der Bureau- Angestellten Deutschlands( Mitglied. volkstümlichen Vorträge diefen Winter wieder aufnehmen. Er ladet feit der Charlottenburger Bevölkerung hat in den letzten 30 Jahren schaft Berlin). Freitag, den 7. Oktober, abends 81%, Uhr, in Pachuras Klubzu seiner öffentlichen Vereinssitzung am Sonnabend, den 15. d. M., sehr bedeutend abgenommen. Während im Jahre 1871 noch haus, Landsbergerstr. 39: Mitgliederversammlung. abends 8 Uhr, in dem Bürgersaal des Rathauses jedermann ein. 44 Sterbefälle auf 1000 Einwohner kamen, hat sich die Zahl jetzt Thema: Täuschungen. Briefkaften der Redaktion. S. M. Frohme, Republik oder Monarchie. 445. Mein. Juriftifcher Teil. Hannover. auf 14 reduziert, und Charlottenburg steht heute unter den 44 Die Freie Hochschule Berlin( Generalsekretär Dr. phil. Walter deutschen Großstädten am günstigsten, trotzdem es 1881 noch eine der Bielhaber, Berlin W. 30, Frobenstraße 16 II) kündigt für das ungünstigsten Sterblichkeitsgiffern aufwies. Seine Sterblichkeitsziffer Herbstquartal( Oktober bis Dezember) folgende Vortragsreihen an:( 31,0) wurde damals nur von Breslau, München und Königsberg i. Pr. 2. 2. 1. Sa. 2. Nein. – 1870. 1870. In Paris anfragen. Tokio. Die Rundgänge durch den Zoologischen Garten( Direktor Dr. Heck und übertroffen, aber keine deutsche Großstadt hat in den 20 Jahren von Adresse ist gut. Polonia. Verboten! Noch ist Polen nicht verloren. Dr. Heinroth); Goethes Weltanschauung im Faust( Dr. Brunc 1881 bis 1901 eine ähnlich starke Abnahme der Sterblichkeit gezeigt M. M. Ja. Mittelalter. 1525. Florian Geyer. Wille); die Weltanschauung in Ibsens Dramen( Th. Kappstein); wie gerade Charlottenburg. Die Sterbeziffer für Berlin ist während 1. 1899. 2. Das Protokoll enthält die gegen den Abg. M. Sch. gerichteten Nietsches Zarathustra( Dr. R. Penzig); Was wissen wir über dieser Zeit von 28,8 auf 19,0, also um 9,8 Promille gefallen, die für Resolutionen; darunter die Nummer 82, Seite 68; außerdem die Resolution Jesus Christus?( Th. Kappstein); Menschenerziehung( Dr. R. Charlottenburg von 31,0 auf 14,5, d. h. um 16,5 Promille. Aller- auf Seite 267. 2. M. Kunst. Geschäftsstelle: W., Derfflingerstr. 16. R. A. Nein. A. O. Am 19. Januar 1893 wurden in Berlin Benzig); Die deutsche Mystik und ihre Voraussetzungen( Dr. R. dings läßt sich aus der Kleinheit der Sterbeziffer allein tein Steiner); Kaiser Wilhelm I.( Dr. M. Maurenbrecher); Einfluß der sicherer Schluß auf die günstigeren Lebensbedingungen und die äußere Stadt als niedrigste Temperatur seit 1870-31 Grad Celsius beobachtet. Stultur auf unser Nervenleben( Dr. med. G. Beriß); Wanderungen geringere Sterblichkeit ziehen. Eine verhältnismäßig niedrige Zahl durch den menschlichen Körper( Dr. med. M. Hirschfeld); Das Ge- der Geburten verringert naturgemäß die Sterbeziffer, da Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends schlechtsleben und seine Geseze. Lepterer Kursus nur für Herren die große Sterblichkeit in den ersten Lebensmonaten einen wesent von 7 bis 9½ 1hr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. ( Dr. M. Hirschfeld); Weibliche Hygiene( Frau Elise Berwig, lichen Einfluß auf die Gesamtsterblichkeit ausübt. Ebenso verringert 100 2. Eine Aufwartefrau unterliegt nicht der KrankenversicherungsDr. med.); Einführung in die Frauenfrage( Frl. Else Lüders, sich die Sterbeziffer, wenn der Anteil der in den mittleren, Alterspflicht. 2 Wettende C. 11. Nach Ansicht der katholischen Kirche: Nein. Schriftstellerin); Einführung in die Lichtbildkunst oder Photographie klassen befindlichen Personen sehr groß ist, da die geringe Sterblich2. 29. I, 2. M. 50. Ja. Pflegefind 4647. Wegen Pflege ( Dr. W. M. Meyer); Einführung in die Geometrie( Dr. M. Apel); feit dieser Altersstufen wesentlich die Gesamtsterblichkeit herabdrückt. eines Stindes fönnen Sie sich an die Waisendirektion wenden.„ Eigen" wird Einführung in die Algebra( Dr. M. Apel); Raffael, Lionardo und In Charlottenburg ist sowohl die Geburtenzahl eine recht niedrige ein Kind jedoch nur durch Adoptionsvertrag, der gerichtlich oder notariell Michelangelo, mit farbigen Projektionsbildern( Dr. A. Koeppen); als auch die in den mittleren Altersklassen stehende Bevölkerung zu schließen ist und gerichtlicher Genehmigung bedarf. Die Ueberlassung Die Kunst des Vortrags( Direktor Fr. Moeft); Die für das praktische verhältnismäßig groß. Es muß daher durch beide Umstände die eines Kindes in der von Ihnen erwähnten Weise wäre unzulässig. Vereinigte Profetarier. Nein. Jnder 14. Der Polizei steht Leben wichtigsten Gebiete des bürgerlichen Rechts( Rechtsanwalt Hugo Sterblichkeitsziffer in Charlottenburg herabgedrückt werden. Um eine Zensur über Annoncen oder den sonstigen Inhalt der Zeitung nicht zu. Caro); Einführung in die Nationalökonomie( A. Damaschte); annähernd eine Schätzung dieser Einflüsse zu erhalten, wurden für at fie in einem bestimmten Falle darauf aufmerksam gemacht, daß eine Französische Vorträge und Kurse( Prof. Duverdier); Italienische das Jahr 1903 die Sterbeziffern für das männliche und weibliche Annonce zu beanstanden sei, wie Sie schreiben, so steht die Entscheidung Vorträge und Kurse( Prof. Speranza). Geschlecht in der üblichen Weise ermittelt, dann aber berechnet, wie über Ausnahme oder Nichtaufnahme des Juserats dennoch der Zeitung Die Vorträge finden statt: Im Rathaus( Bürger- groß diese Sterbeziffern sein würden, wenn die Verteilung der völlig frei. Dem von Ihnen angeführten Inserat wurde mit Recht die Auf saal und Zimmer 109); im Köllnischen Gymnasium( C, Insel- Bevölkerung nach Altersklassen in Charlottenburg prozentual nahme versagt, weil seine Aufnahme eine Bestrafung wegen Geheimmittel. straße 2/5); in der Charlottenschule( W., Stegliberstraße 29); in dieselbe wäre, wie sie im gesamten Deutschen Reich zur fchwindels nach sich ziehen kann. Db die gleichlautende Annonce anderswo unbeanstandet erscheint, ist rechtlich völlig gleichgültig. Teilen Sie in der der Friedrich- Werderschen Ober- Realschule( C. 19, Niederivall- Beit der letzten Volkszählung war. Es ergab sich( aus- Annonce mit, aus welchen Ingredienzien Ihr Mittel besteht, so vermindern straße 12); in der X. Realschule( N. 24, Auguststraße 21); im schließlich der Totgeburten) für das männliche Geschlecht eine Sie die Beanstandung nach der rechtlichen Seite hin. M. N. Ja. Boologischen Garten und in der Reicherschen Hochschule am Savigny- Sterbeziffer von 15,78, für das weibliche eine solche von 11,78. E. 9. 42. In Berlin hat die Hundesteuer- Ordnung vom 19. Januar 1895 plat 7. Wenn die Altersverteilung jo angenommen wurde, wie sie im die Hundesteuer auf 20 Mart jeitgefekt. Die ältere Hundesteuer Drdnung dem Wirt Witterungsübersicht vom 6. Oktober 1904, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärke Wetter Temp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. C. 15° G. 4° 91. I bom 2. Juni 1892 ift durch diese neuere ersetzt. G. B. 100. Soweit| Ihnen, so erben Sie 4, Shre Stieftinder des Nachlaffes. Haben Sie| Straußfurt+0,70 Meter.-Dber bei Statibor+0,92 Meter, bei Breslau 1,48 Meter, bei die Sachlage ohne Rücksprache ersichtlich, steht es Ihnen frei, das Miets- bor 1900 in der Mark geheiratet, so steht Ihnen die Wahl zwischen Ober Begel+4,70 Meter, bei Breslau Unter= Begel 0,44 Meter. Weichsel bei Brahemünde+2,28 Meter. berhältnis nach voraufgegangener, bis am 15. erfolgter Kündigung Ihrer dem eben dargelegten Recht aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch und Frankfurt Nach letterem ist aus dem Ver- arthe bci Posen--Meter. Neze bei Usch-- Meter. feits zum 1. zu lösen, da von Ihnen nur ein mündlicher Monatsvertrag dem märkischen Erbrecht zu. beider Eheleute eine gemeinsame Masse zu bilden. abgeschlossen zu sein scheint. Sie sind jedoch, auch falls diese Annahme mögen zutreffen sollte, feineswegs berechtigt, die von Ihnen gekaufte Einrichtung Dem überlebenden Ehegatten steht das Recht auf die Hälfte dieser Masse ohne Zustimmung des Wirtes aus dem Hause zu entfernen, da das zu. Zu dem Nachlaß und dem Bermögen gehören stets auch die Schulden. Retentionsrecht an diesen Gegenständen für die bolle Mietsdauer Ihres Verkäufers Nein. zuſteht. G. M. 99. Marktpreise von Berlin am 5. Oftober. Nach Ermittelungen des Erbschaft 1000. Am widerlichsten tritt der antisoziale, habgierige, tgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte tierische Charakter vieler Menschen bei Erbstreitigkeiten zutage. 17,55-17,53 M., mittel 17,51-17,49 M., geringe 17,47-17,45 M. fich damit trösten, daß Ihre Miterben diesen Zug mit den verlottertiten Roggen**), gute Sorte 13,75-13,74 m., mittel 13,73-13,72 M., geringe Fürstlichkeiten beiderlei Geschlechts teilen. Haben Sie jahrelang Ihre 13,71-13,70 M. Futtergerste*), gute Sorte 15,50-14,50 M., mittel 14,40 Swinemde. 744 SSD 6Regen 10 Haparanda 743 23 Schwiegermutter beföſtigt und in deren Räumen ohne Mietzins gewohnt, bis 13,40 m., geringe 13,30-12,30 M. Hafer*), gute Sorte 16,40-15,60 m., Hamburg 739 523 so ist daraus ja die stillschweigende, durch Handlungen betätigte Willensmittel 15,50-14,70 m., geringe 14,60-13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen Berlin übereinstimmung zu entnehmen, daß Soft und Wohnungsgelegenheit un- 40,00-28,00 m. Speisebohnen, weiße 50,00-25,00 M. Zinsen 60,00-28,00 m. entgeltlich oder gegen einander abgegolten sein sollte. Macht Ihre Schwager- Kartoffeln 10,00-7,00 m. Richtstroh 4,80-4,16 M. Heu 9,40-7,10 M. schaft jetzt Mietzinsansprüche geltend, so beantragen Sie, die Klage abzu- Für 1 Kilogramm Butter 2,80-2,00 M. Gier per Schod 4,50-3,20 m. weisen, eventuell die Kläger zur Zahlung angemessenen Kostgeldes *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. berurteilen. Daß ein Gericht Sie berurteilen wird, ist zu Sie können trotz des Glücksspielcharakters der Rechtsprechung nicht anzunehmen. A. B. 100. Wird ein Testament errichtet, wozu zu raten ist, so sind dessen Bestimmungen maßgebend. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 7. Oktober. Anfang 7, Uhr: Opernhans. 1. Sinfonie- Abend der Königlichen Kapelle. Mittags 12 Uhr: Sinfonie- Matinee. Nenes königl. Opern Theater. Gibe bei qui Wasserstand am 5. Oktober. Ibe bei Aufsig Stirbt Ihr Mann testamentslos vor Dresden- 1,97 Meter, bei Magdeburg+ 0,25 Meter. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Johannisfeuer. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Sonnabend, abends 8 Uhr: In Behandlung. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Johannisfeuer. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Talisman. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Freitag, abends 8 Uhr: König Lear. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Grossstadtluft. Sonntag, nach m. 3 Uhr: König Lear. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Grossstadtluft. Die Braut von Messina ober: Kleines Theater Neues Theater. Die feindlichen Brüder. Deutsches. Rettenglieder. Berliner. Alt- Heidelberg. Lessing. Traumulus. Westen. La Traviata. Thalia. Der Weiberkönig. Zentral. Der Bettelstudent. Deutsche Volksbühne. Klar zum Gefecht. Anfang 8 Uhr: Schiller 0. ( Wallner Theater.) Johannisfeuer. Vereinigte Bühnen unter der Leitung von Max Reinhardt. Anfang 8 Uhr. Fräulein Julie. Sonnabend: Fräulein Julie. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Des Pastors Rieke. Thalia- Theater. Anfang 7 Uhr: Die Kronprätendenten. Sonnabend und Sonntag: Die Kronprätendenten. Montag: Erdgeist. Belle- Alliance- Theater. Dresdenerstr. 72/73. Direktion: Kren& Schönfeld. Belle- Alliancestr. 7/8. Täglich abends 72 Uhr: Schiller N. Friedrich Wilhelm- Der Weiberkönig. städtisches Theater). König National. Rigoletto. Belle- Alliance. Onkel Bräfig. Neues. Die Kronprätendenten. Kleines. Nachtasyl. Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Lustspielhaus. Ein wahrhaft guter Mensch. Trianon. Gastons Frauen. Luisen. Hamlet. Casino. Mutter Gräbert. Metropol. Ein tolles Jahr. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Apollo. Berliner Luft. Spezialitäten. Palaft. Vom Himmel zur Hölle. Spezialitäten. Herrnfeld Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Wintergarten. Spezialitäten. Neichshallen. Stettiner Sänger. 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Für die innige Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Gattin und Mutter sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Genossen Waldeck Manasse unseren herzlichsten Dant. 19255 August Kühne nebst Kindern. Böhm. Brauhaus Landsberger Allee. Heute, Freitag, den 7. Oktober, sowie jeden Freitag: I. Soiree der beliebten Fritz Steidl- Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf.( Borverkauf 40 ẞf.) Jeden Sonnabend, Sonntag, Diens. tag und Donnerstag: Buggenhagen, Moriz- Plaz. Jeden Mittwoch: Kliems Festsäle, Hasenheide. Jede Woche völlig neues Programm Sanssouci. Rottbuser Thor- Stat. der Hochbahn. Donnerst., Sonnt., Mont.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soirce: Tanzkränzchen. Jed. Dienstag u. Mittwoch: Theater- Abend. Dienstag, den 11. Oktober: Kaiser Josef II. und die Schusterstochter. Alle ausgegebenen Vor zugskarten gelten. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Plättner, Böhme, Böckmann, Walden, Schrader). 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